Ar. 34S. Adonnemknts-Kedingungea: BbonnemenIZ- Preis pränumerando: vterteljährl. ZLo Ml., monatl. 1,10 Mr.. möchentlich 28 Psg. sret Ins Hau». Ciractne SJummn 5 Psg. Sonntag»» Nummer mit«llunnerier Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt« w Psg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Singetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für IV VI unter Dr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. 18. Jahrg. Die Jnftrtwns-Belillyl beträgt für die sechsgespaltene Kolonst» zeile oder deren Raum«0 Psg.. für politische und gewerkschastliche Vereins» und Versammlung«-Anzeigen 20 Psg. „Klrinr Anzeigen" jedes Wort S Psg. (nur das erste Wort fett). Inserats für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und iZestiaAen bi» ö Uhr vormittag« geöffnet. Erschein! täglich«tifftr Zvontag». Vevliner Volksvlakt. Zelegramm- Adresser nSniftldrmoftra! S-rlin» Csntrawrgan der sorialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 3�.19, Bruth-Stratze 2. Fernsprecher: Zimt I. Nr. lS08. Mittwoch, den 16. Oktober 1901, Expedition: sw. 19, Benth- Striche 3. Fernsprecher: Unit l, Nr. LISI. Feinde des Reichstags-Wahlrechts. Auch wenn die konservative Reaktion sich gegenwärtig mit einiger Vorsicht fernhält, ihre Wünsche auf Beseitigung des verhaßten Reichstags-Wahlrechts zu äußern, so ist das Bestehen dieser Wünsche dennoch genugsam bekannt und man ist sich klar, daß die Konservativen gierig auf die erste Gelegenheit, die sich ihnen zur Durchführung ihres sehnsüchtigsten Verlangens bieten könnte, stürzen würden. Dann und wann aber vergißt doch ein konservatives Blatt die erforderliche Vorsicht und bestätigt jene heimlichen Hoffnungen konservativer Politik. So giebt jetzt in einer Polemik gegen die„Sächsische Arbeiter- zeitung" das„Vaterland", das offiziöse Organ der sächsischen Konservativen, folgende Bekundung ihres Hasses gegen das Reichstags- Wahlrecht: „Wir können der„Sächsischen Arbeiterzeitung" weiter die bündige Versicherung geben, daß uns der Protest des werkthätigen Volkes(gegen das sächsische Dreiklasscn-Wahlsystem) völlig kalt läßt, da wir wissen, daß er nur von einigen Schrcierit ausgeht und von Armen im Geiste, denen ein eignes Urteil fehlt, aufgenommen wird. Von Angst haben wir bisher auch nirgends in konservativen Kreisen etwas verspürt, im Gegenteil sieht man hier mit dem „Mute der Kaltblütigkeit" und der Erwartung in die Zukunft, dast daS Beispiel Sachsens auch anderwärts Nachahinnng finden und durch Abänderung deö Reichstags-Wahlrechtes der volksverhetzenden Agitation der Umsturzmannen der Boden entzogen werde." Dies Bekenntnis einer schönen konservativen Seele verdient sorg- fältige Aufbewahrung und wird in künftigen Wahlkänipfcn gute Dienste leisten. Recht drollig paßt es sich übrigens, daß, gerade da daS„Vater- land" von„einigen Schreiern und Armen im Geiste" spricht, die sich gegen die sächsische Wahlentrechtung protestierend erheben, ein sächsisches Amtsblatt den Anspruch erhebt, zu diesen Schreiern und Geistesarmen gezählt zu werden. Das Amtsblatt für Z w i ck a u wendet sich gegen das sächsische Klasscnivahlshstcm und führt aus: „Die Schädlichkeit des Gesetzes liegt vor allem darin, daß es mehr wie seinen Zweck, das'Ueberwuchcrn der Socialdemokratie im Landtage zu hindern, erfüllt hat, daß cö mit den Roten auch Tausende loyaler sächsischer Staatsangehöriger wahlrcchtsloö gemacht hat tnid sie jeglichen Einflusses auf die Person des zu Wählenden und somit auf den Gang der Staatsgeschäfte beraubte. Mit dieser Wahlentrechtung Tausender nicht socialistischec Bürger geht Hand in Hand die übergroße Bevorrcchtnng der großen Steuerzahler, die dem plutokratischen Charakter des Gesetzes gemäß nahezu allein den Ausschlag geben. Hierzu kommt noch die außerordentliche Verschiedenheit der Klassensätze in den einzelnen Wahlkreisen, die in dem einen Kreise jemand in die dritte Klasse stellt, der anderwärts, wo weniger große Einkommen vorhanden sind, unter Umständen mit dem gleichen Steuersätze in der ersten Klasse wählt. Diese Verschiedenheit auch des pekuniären Ansehens der Person, diese Hcrabminderung des Stadtbewohners gegenüber dem Landbetvohncr hinsichtlich der Geltung im»vahlrechtlichen Sinne, bedeutet eine Bevorzugung, die sich durch nichts als den notwendigen iibcrein stimmenden Modus rechtfertigen läßt. Das schlimmste aber, was das Wahlgesetz gezeitigt hat, ist die T e i I n a h m l o s i g k e i t weitester Kreise gegenüber dem Wnhlgeschäft..." Das„Zwickauer Amtsblatt" kommt dann zu dem Schlüsse, daß Regierung wie Landtag gut thun würden, sobald als möglich an eine Revision des Wahlgesetzes heranzugehen. So breitet sich in Sachsen die Abneigung gegen das Geldsacks Wahlnnrecht immer weiter aus und frißt sich ein bis in die «patriotischen Kreise". Wie lange die sächsischen Konservativen gegenüber dieser Volksstimmung den„Mut der Kaltblütigkeit" be wahren werden und bewahren können, wird sich in nicht ferner Zukunft erweisen. Wenn aber die Wahlentrechtung in Sachsen als leuchtendes Beispiel für das Reich aufgestellt wird, so täuscht sich die sächsische Reaktion gewallig über die Wirkung ihres brutalen und zugleich bodenlos dummen Streiches. Die sächsische Wahl- entrechtung ist für alle Zeit ein aufrüttelndes Alarmsignal für das deutsche Volk geworden, auf der Hut zu sein vor den dunklen Plänen gegen das ReichStags-Wahlrecht. Durch jenen Streich hat sich die konservative Reaktion demaskiert und das Volk erkennt sie in ihrer abschreckenden Gemeingefähclichkeit. Und eine weitere Folge der sächsischen Wahlentcechtunz ist gewesen, daß auch in andren Bundesstaaten, auf denen das Dreiklassen-Wahlshstem lastet, der Kampf gegen dieses ungeheure Unrecht eröffnet wurde und mit nach- haltiger Zähigkeit geführt werden wird. So wird sich die sächsische Reaktion, dies- gehässigste, kleinlichste und thörichteste aller deutschen Reaktionen, als die Kraft erweisen, die das Böse wollte, aber Gutes schaffte._ Verstadtlichuug des Gruudkredits. Es wird uns geschrieben: Der Zusammenbruch von Hypothekenbanken ist eine Begleit- crscheinung der gegenwärtigen, wie früherer Krisen. Im Anfang der achtziger �ahre brach— ein verspätetes Opfer der Dauerkrise, die 1873 begann— die Gothaer Grundkreditbank zusammen, ivcil sie sich in Hannover und Berlin init großen Grundstückipekulatioiien eingelassen hatte. Die Bank ist damals unter erheblichen Verlusten der Aktionäre und Gläubiger saniert tuocden. und es scheint, daß sie wirklich ,,aitz ausgeheilt ist. Dazu gehört aber eine gründliche Kur. und vielleicht loäre auch sie mißlungen, ivenn nicht die lange Dauer der Geschäsisstille die neuen Leiter vor der Versuchung be- wahrt hätte, auch wieder zu neuen Terrainspekulationen überzugehen und mit dent Gewinn daraus die alten Löcher schneller zu stopfen. Die„Sanierungen" sind selten gründlich; meistens bleibt die betreffende Bank, auch wenn sie eine ganze Reihe von Millionen auf I Kosten ihrer Aktionäre und Gläubiger hat abschreiben können und neues Kapital— meistens auch auf Kosten der Verlustträger— auf genommen hat, mit großen Terrains oder ertraglosen Grundstücken belastet und mit dem städtischen Terrainmarkt und seinen ungeheuer- lichen Preisschwankungen verquickt. Kommt ein neuer Aufschwung, eine jener verrückten'Spekulationsperioden, die allen Maßstab für die Werte und Preise über den Haufen tverfcn, dann erlebt das Institut einen Rückfall. Das Fieber erfaßt auch die neuen Direktoren, bis auch der Krach in verschlimmerter Auflage wieder hereinbricht. Dies ist der Fall bei der P o m m e r s ch e n Hypotheken- b a n k, deren Zusammenbruch gegenwärtig in der Behandlung der Specialistcn für diese Art Kuren sich befindet. Die Bank ist ur- sprünglich als ländliche Kreditbank in Köslin gegründet— die pomnierschen Agrarier verstehen sich bekanntlich auch auf die Gründerei Fürst Malte Putbus, der jetzt ivieder mit um die Partie ist als Aufsichtsrnt der Pommernbank, ist bekanntlich neben dem Ge- Heimen Rat Wagener seiner Zeit von Laskcr„kompromittiert" ivorden. Die Gründung geschah 1866; schon Ende der 70er Jahre war die Bank nahezu bankrott und sie litt bis 1889 Not. Aber kaum regte sich die Unternehmerlust, die bekanntlich Ende der achtziger Jahre mit Gründung des Kohlensyndikats ein- setzte, als sich ein Mann einstellte, der den pomnierschen Behörden ihr Schmerzenskind abnahm. Herr Schappach, der sich neulich in der Generalversammlung mit so viel erstaunlicher Courage dagegen sträubte, als Sündenbock in die Wüste gejagt zu werden, verpflanzte die Bank nach Berlin,— aber mit einer ganzen Reihe von not- leidenden Grundstücken; man nannte diesen Vorgang auch eine Sanierung, indessen mit Unrecht. Bekanntlich hat die Bank hier eine„glänzende" Carriere gemacht, aber es ist ebenso bekannt, wie der Endersolg ivar. Die Pommcrsche Hypothekenbank ist. wie die Sandenbank- Gruppe, mit ihren Ablegern tief in die Berliner Terrainspekulation vcrflochiett. Anfang der achtziger Jahre waren auch andre Hypothekenbanken notleidend; der Preußischen Hypothekcn-Aktienbank mußte, ganz wie der Pommerschen, von der Aufsichtsbehörde die Auszahlung einer Dividende untcrsagt werden. Das hat aber auch diese Bank nicht gehindert, einen ganzen Rattenkönig von Gesellschaften zu gründen und zur Preissteigerung der Grundstücke in der letzten Aera des Aufschwungs beträchtlich beizutragctt. Die Hypothekenbanken sind die Seele des Grundstücks- und Bnugeschäfts in den Städten gctvordcn, an dem sich freilich auch andre(Effekten-) Banken scharf beteiligen. Die Haupt- thätigkeit, vor allem durch Hergabe von Baugeldern, fällt jedoch den Hypothekenbanken zu. Auf derHand liegt die Wichtigkeit d i e s c r F u n k t i o n für das g a n z e P u b l i k u m, für den Arbeiter besonders. Denn der letztere ist doppelt am Grundstücks- markt und Baugeschäft interessiert: als Produzent und Konsument, als Bauarbeiter und als Mieter einer Wohnung. Gerade in den Jahren des Schwindels kommen die Arbeiterwohiiungen in Rückstand, dann»vird für den Luxus gebaut und der Bedarf des Arbeiter? vernachlässigt; dann wachst der Ueber- mut der„Hansagraricr", dann steigen die Mieten ins Unsinnige und mit ihnen die Gnmdstückspreise und die Hypotheken, mit denen die Banken die Häuser und Grundstücke beleihen, wofür ja die Taxen von„Köitiglichen Baurätcn" auf Bestellung nach Belieben gemacht werden. Muß der Arbeiter wie das ganze Publikum, aber empfindlicher als das übrige, in den Jahren der„Blüte" sich als kaum geduldeter Mieter herumdrücken, muß er sich Wanzen und vielfach« Ungebühr gefallen lassen, so»vird er noch einmal geschröpft, wenn die Krise eintritt. An Wohnungen für Ar- bciter ist auch dann kein Ucberfluß, wohl aber an Arbeitern. Wie in allen andern Geschäftsziveigen macht sich auch im Baugewerbe die Arbeitslosigkeit geltend; das Kapital zieht sich von den Hypothekenbanken mißtrauisch zurück, das Gelverbe stockt. Wer immer sich mit diesen Verhältnissen beschäftigt, der muß zu der Einsicht gelangen, daß der Kern der viel erörterten „ W o h n u n g sf'rage" die Frage des Gruudkredits d. h. der Hypothekenbanken ist. So lange von ihren fpckulationswiitigen Händen das Grundstück- und Baugeschäft ge- leitet und regiert wird, ist an keine Gesundung der städtischen Wohnungsverhaltnisse zu denken. Gewiß, auch eine andre,„öffcnt- liche", staatliche oder städtische Organisation des Grund- und Bau- kredits ist nur ein„kleines" Mittel im Vergleich zu der socialistischen Programmfordernug der Vergesellschaftung aller Produktions- mittel; aber was man außer jener neuen Organisation dieses Kredits in Sachen der Wohnungsfrage vorschlägt, ist im Ver- gleich dazu wieder ebenso klein und geringfügig, ivie die Berstadt- lichuug des Grundkredits zur socialistischen Organisation der Gesell- schaft. Wer innerhalb der gegenwärtigen Gesellschaft in der Wohnungsfrage etwas Erhebliches durchsetzen will, muß die Kredit- organisation in eine neue Verfassung bringen. ES ist aussichtslos, die Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden von der Enteignung der Produktionsmittel überhaupt zu trennen, wie die Boden- reformer wollen. Es ist von geringer Bedeutung, ob etwa der Fiskus ein Stück der Domäne Dahlem auf Erbpacht giebt,— ein Versahren. das wir übrigens ganz und gar nicht mißbilligen wollen. Aber es ist Ivenigsteiis möglich, die Auswüchse der Spekulation dadurch zu treffen, daß man die Ausgabe von Hypothekcn-Pfandbriefen und über- Haupt von Teilverschreibungen an hypothekarischen Forderungen auf städtischen Grundbesitz zu einem Vorrecht öffentlicher kommunaler Organisationen macht und den Kommunen und kommunalen Ver- bänden die Verpflickitung auflegt, solche Organ i- 'ationen zu schaffen. Es ist uns wohl bekannt, daß in den plutokratischen Gemeinde- Vertretungen von heute bei dem korrupten Wahlrecht auch kom- munale Grundkrcdit-Anstalten dem Mißbrauch ausgesetzt sind. Aber trotzdem ist 1895 in Breslau Liebknecht für die Verstaatlichung des Hypothckenkredits eingetreten, ebenso Wollmar. Als das Hypothekenbank-Gesetz im Jahre 1899 im Reichstage beraten tvurde, beantragte die socialdemokratische Fraktion eine schärfere Staats- aufsicht— ohne Erfolg. Die Agrarier aber, die imin.r darauf ans iud, den städtischen Grundkredit zu Gunsten des ländlichen zu chädigcn, haben es durchgesetzt, daß die Hypotheken- Pfandbriefe nicht als pupillarische'Werte anerkannt wurden, wie die Pfandbriefe der„Landschaften". Und als der Hypotheken- krach ausbrach, tvurde von agrarischer Seite im Ab- geordnetenhiuse ein Antrag eingebracht, privaten Banken die Ausgabe von Pfandbriefen'überhaupt zu untersagen. Die Herren haben nachher dafür gesorgt, daß ihr eigner Antrag unter den Tisch fiel. Wahrscheinlich war ihnen inzwischen klar gemacht worden, daß man doch bei einem Verbot nicht stehen bleiben kann, sondern dann auch für die neuen kommunalen Organisationen sorgen muß, tvelche die ausfallende Funktion übernehmen, daß aber diese Organisationen den Landschaften„über" sein tverden. In Düsseldorf und andren Städten ist in den letzten Jahren der Anfang mit einem städtischen Hypothekenamt gemacht. Es wäre gewiß durchzusetzen, solchen Aemtern auch den Bau von Arbeiter- Wohnungen zu übertragen und also noch einen Schritt weiter z» gehen, als zu einer Organisation des Kredits. Die Zeit ist g ü n st i g. Die Staatsbehörden, deren„Aufsicht" sich als so ungenügend herausgestellt hat. obwohl der Minister durch Eingaben von Grund- besitzervcreinen und durch die bekannte Voigtsche Broschüre über die Hypothekenbanken auf das nahende Unheil aufmerksam gemacht war,— die Staatsregierung nimmt einen lebhaften Anteil an dem Schicksal der Pommerschen Hypothekenbank. Die„sanierenden" Hilfs- danken wollen natürlich ein Geschüft machen. Herauskommen wird bei allem nichts als die Grundlage zu einem neuen Krach. Warum fällt es dem Minister nicht ein, die Verstaatlichung der Pommernbank in die Wege zu leiten oder, wenn staatliche Werkzeuge zu plump für diese Aufgabe sein sollten, bei den kommunalen Be- Hörden eine Verstadtlichu'ng anzuregen? Für Anleihen mit kommunaler Sicherheit sind jetzt Kapitalien sehr flüssig. In Berlin ist kein Ueberfluß an Wohnungen produziert worden. Allein durch das Mißtrauen des Kapitals gegen die Hypothekenbanken stockt die Bau- lust. Ein großes städtisches Pfandbriefamt auf der Grundlage des Geschästsstocks der Pommernbank würde der Bauthätizzkeit das nötige Blut zuführen und den Anfang einer zweckmäßigen öffentlichen Organisation des städtischen Grundkredits bedeuten. Poimm* Mebevstchk. Vcrltn, den 13. Oktober. Minister-Treibhah. Die hochagrarische Klique, die im Bunde der Landwirte die Führerschaft hat und in der Oertelschen„Deutschen Tagesztg." den Interpreten ihrer Interessen und Anschauungen findet, übt sich seit einiger Zeit lvieder im Ministerpurzel- Spiel. Am wenigsten sympathisch ist natürlich jeuer oft- preußischen Junkcr-Species der lange Möller aus Brack- wede, seitdem dieser aus den ostpreußischen Gefilden nach Rheinland-Westfalen zurückgekehrt ist und dort inmitten seiner früheren Geschäftsfreunde die im ostpreußischen Milieu etwas schadhaft gewordene Ueberzeugung wieder gewonnen hat, daß zwar an und für sich hohe landwirtschaftliche Zölle ein ganz probates Mittel zur Förderung deutscher Handels- intercssen seien, daß aber doch unter den gegenwärtigen Wirt- schaftlichen Machtverhältnissen es vorläufig rationeller sei, der Großindustrie durch Absch ließung neuer Handelsverträge an Stelle der ablaufenden ihre alten Absatzgebiete zu sichern. Aber nicht nur die lange Excellenz, sondern auch der Staats- sekretär des Reichsschatzamtes, Freiherr von Thielmann, und der Minister der öffentlichen Arbeiten, Herr v. Thielen, haben sich das Mißfallen der Hochagrarier erworben. Auch sie sind reif für die srisch-fröhliche Hätz. Gegen den erstcren eröffnete am Donnerstag die„DeutscheTagesztg." mit demArtikel„EinReichs-Miqucl" das Treiben. In Anknüpfung an die Nachricht, daß der Etats-Voranschlag mit einem Fehlbetrage von 100 Mill. Mark abschließen werde. kommt sie auf die Frage der Matrikular- beitrüge sowie die finanzielle Lage der Einzelstaaten zu sprechen und fordert eine„gründliche Rcichsfinauz- Reform". Sparen ließe sich, meint das Blatt, verzweifelt wenig. Was für Heer und Flotte gebraucht werde, müsse bewilligt werden; also bliebe nur die Steigerung der Einnahmen. In erster Linie müsse die Frage der Reichsfinanz- Reform in Angriff genommen werden: „Länger damit zuwarten, sich mit vagen Zukiiiiftsvertröstuiigen abziifinden, ruhig und teilnahmslos fortzuwursteln, wird von Jahr zu Jahr immer gefährlicher. Preußen hat seinen Miquel ge- snnden, möge auch dem Reiche ein Miquel bcschiedeu sein! Ob der jetzige Staatssekretär des Reichsschatzamts diese Hoffnung erfüllen werde, ob wir in ihm den kommenden Reichs-Miquel seheit dürfen, das muß leider als außerordentlich zweifelhaft bezeichnet werden. Freiherr v. Thielmann mag ein guter Diplomat sein. er hat ja am rttssischen Handelsvertrage mitgearbeitet und soll in den Vereinigten Staaten eine beliebte Persönlichkeit gewesen sein; aber die schöpferische Kraft, die starke Initiative, die zur Reichsfinanz-Reform gehört, werden wohl auch seine besten Freunde bei ihm ver- iniffen... Der Reichstag ivürde pflichtvergessen handeln, wenn er sich mit der Rolle des ruhigen Abwartens begnügen wollte. Es muß dent Herrn Staatssekretär d'es Reichs- schatzamts und dem Herrn Reichskanzler Iber jeder Gelegenheit nrit der größten Deutlichkeit gesagt werden, daß das bisherige Fortwursteln niöglichst bald sein Ende haben mutz, und daß cS ohne gründliche klare Reichsfinanz-Resornt nicht weiter geht!" Wohin der Artikel zielt, der jegliche positiven Vorschläge zur Lösung der finanziellen Schwierigkeiten vermeidet, ist völlig deutlich: Herr v. Thielmann soll als Auslandfreund und übertölpelter Unterhändler charakterisiert und ihm wie dem Reichskanzler angekündigt werden, daß. wenn er nicht vorziehen sollte, zu gehen, er„bei jeder Gelegenheit" rück- ichtslose Bcfehdung zu erwarten hat. Zugleich aber läuft der Artikel auf eine indirekte Empfehlung von Zollerhöhungen auf die Bedürfnisse der großen Masse hinaus. Daß die Junker es auf die Einführung einer Reichs-Eiukommen- oder einer Rentcnsteuer abgesehen haben, wird man eben so wenig annehmen dürfen, als daß sie die Zucker- und Spiritus- irämie herabzusetzen beabsichtigen. So bleiben als ein- trägliche Steuerobjekte nur die Massenkonsumartikel. So möchte z. B. eine Verteuerung des Petroleums den Agrariern Wohl passen. Herr V. Thielmann kam immerhin noch ziemlich gut weg; das schwerste Geschoß richtete sich dann am Sonnabend gegen den Eisenbahnminister. Wir haben bereits in der Montags- Nummer auf diese perfide Denunziation hingewiesen. Uns Socialdemokraten ist es völlig gleich, ob die heutigen Minister oder andre gleichgestimmte Seelen das„Fortwursteln" be- sorgen. Aber lehrreich bleibt die von den Hochagrariern der- anstaltete Minister-Treibjagd immerhin; sie liefert nicht nur einen interessanten Beitrag zur Charakteristik jener feinsten Blüte aus den Kreisen der Edelsten der Nation; sondern be« leuchtet auch scharf unsre preußisch-deutschen Regierungsver- Hältnisse. Bei ihren Beziehungen zu höfischen Kreisen haben die Herren richtig herausgefunden, daß wieder mal, wie schon so oft zuvor, einige Säulen des Regierungsaufbaues etwas wacklig geworden sind, und so suchen sie dem Purzeln freund- lichst nachzuhelfen.— «• • Nachdem die„Deutschs Tagesztg.' mit so viel Eifer de» Herrn v. Thielen begraben hat, klopft er heute an den Sargdeckel und meldet sich lebendig. Die„Norddeutsche Allgemeine Z e i t u n g" schreibt: „Während der letzten Tage sind in verschiedenen Blättern Aus- lassungen erschienen, die auf den Rücktritt des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten v. Thielen vorbereiten wollten. Wir können erklären, daß es an jeder thatsächltchen Unter- läge für solche Erörterungen fehlt. Insbesondere ist es nicht richtig, daß sich der Herr Minister selbst, der erst vor wenigen Tagen eine eingehende Rücksprache mit dem Präsidenten des Staatsministeriums gepflogen hat, mit Rücktrittsgedanken trage." Schade, daß das„Regierungsblatt" nicht gleich auch jenen „Widerspruch" aufklärt, der zwischen dem Minister und dem Kaiser in der Lindenfrage entstanden ist. Das wäre interessanter gewesen, als das offiziöse Lebenszeichen. Jedenfalls scheint es. als ob der eben so schmutzige wie plumpe Hinterhalt-Angriff der Agrarier mißglückt ist. Die„Deutsche Tages- zeitung" sieht sich nämlich heute genötigt, sich wegen ihres Atteumls zu entschuldigen. Sie habe ja doch gar nichts vorgebracht als längst bekannte Beschwerden. Von dem zur Ministerstürzerei bcrivandten Mittel, dem perfiden Hinweis auf den Widerspruch zwischen ministeriellen und kaiserlichen Aenßerungen, schweigt das Blatt heute schamhaft. So dürfen wir denn die Hoffnung haben, daß uns Herr v. Thielen noch länger erhalten bleibt. Es wäre auch zu schade, wenn neben den Ministern des Centralverbandes der Minister der Berliner Straßenbahn- Aktiengesellschaft vcrschivinden würde. Herr v. Thieleis ist so provozierend minderwertig, daß er sich unübertrefflich in die regierende Gesellschaft einordnet.— Um de» Zolltarif. ES bedurfte nicht der Fühlung, die der„Hamburg. Correspondent" mit Regierungslreisen hat, um festzustellen, daß vom Bundesrat, dessen Ausschüsse jetzt den Zolltarif beraten, keine Milderung des hochschutzzöllnerischen Charakters desselben. sondern eher eine Berschärsimg seiner agrarischen Tendenz zu er- warten sei. EtwaS andres war nach allem, was aus den einfluß- reichsten Bundesstaaten bekannt geworden ist, nicht Hl erhoffen. Dagegen ist nicht ohne Interesse, die Ratschläge kennen zu lernen, die das Hamburger Senatsblatt den Zollivnchergegncrn im Reichstag erteilt; es sagt: „Wenn es nicht anders geht, so kann— streng im Nahmen der Geschäftsordnung natürlich und mit legitimen Mitteln— dafür gesorgt werden, daß die Beratung im Sieichstag nicht vor dem 31. Dezember 1902 zu Ende geht. Das ist der Küudigungstermiu für die Handelsverträge; verstreicht er ohne die Aufsage, so lauten die Handelsverträge ein Jahr weiter, das heißt, da sie ohnehin bis 31. Dezember 1903 reichen, dann bis zum Jahres- schilt jj 1904. In der Möglichkeit, dies zu erzwingen, liegt eine Stärke der Position der Handelsvertrags- Freunde im Reichstage. Mag man das Obstruktion nennen— das Zustandekommen v o il Gesetzen, die nian nach seiner ehrlichen, tvohl erwogenen und begründeten Ueberzeugung für dem Vatcrlande verderblich hält, zu verhindern, kann auch eine patriotische Pflicht sein." * Wie der„Voss. Ztg." anS Argentinien gemeldet wird, hat der argentinische Ackerbauminister am 20. September den Minister der auslvärtigen Angelegenheiten ersucht, bei der deutschen Regierung die geeigneten Schritte zu thun, damit der dem Reichstage vorzu- legende Zolltarif, soweit er die Emfuhr von Quebracho,' Getreide und Vieh erschtveren Ivürde, nicht genehmigt werde. Auch andre Regierungen haben offiziell oder inoffiziell die deutsche Regierung wissen laffen, daß die Möglichkeit emeS Handelsvertrags-Abschluffes auf der Grundlage des neuen Zolltarifs ausgeschlossen sei. Es lebe der Zollkrieg! Der Zollkrieg mit aller Welt!— Deutsches Weich. Sie kleben wie Gummi. Reizvolle Einblicke in die Beziehungen zwischen der Krone, den Staatsbehörden und den VerwaltungSkörperschaften der Stadt Berlin gewährt die Darstellung, die der eingeweihte Stadtverordneten- Vorsteher Herr Dr. L a n g e r h a n s am Montagabend in einer Berliner Kommnnalivähler- Versammlung gab. Der bisherige Stadtverordnete Jakobi hatte den Beweis seiner persöu- lichen Makellosigkeit auch dadurch zu erbringen versucht, daß er den unbedingten Gehorsam der Stadtverwaltung gegenüber höheren Befehlen und Wünschen forderte. Herr Dr. Langerhans mochte seinem Schützling so weit nicht folgen und erklärt«: Konflikte lassen sich nicht innner vermeiden, und da kommen wir weiter wen» wir Nein sagen. Die Staatsbehörden thun, was ihnen befohlen wird. Wenn die Herren dann auch hinter dem Rücken kommen und sagen: Ja, unsre Meinung ist es ja nichts— so können wir damit doch nichts anfangen. Die Herren kleben ivie Gummi an ihre Stellen und den Abschied nimmt keiner von ihnen. ES ist bekannt, daß das Ministerium die Bestätigung deS Stadt- rats Kauffmann als Bürgermeister befürwortet und erwartet hatte. Nach den Mitteilungen des Herrn Dr. Langerhans ist anzunehmen, daß die staatlichen Behörden auch gegen die Ueberführung der Linden nichts einzuwenden und gleichfalls im Aufbau der Märchenbrunnen nicht die gemütvolle Darstellung vermißt hatten. Aber Herr Langer- Hans hat recht: Mit den privaten Versicherungen, daß eS„unsre Meinung ja auch nicht sei", kann die Stadtverlvaltnng nichts anfangen. Der preußische Beamte steckt Meinung und Ueberzeugung hurtig in die Tasche, sobald ihm eine andre Meinung und Ueber- zeugung angeordnet wird. Herr Langerhans hat nur zu betonen unterlaffen, daß der Berliner Kommunalliberalismus eifrig bemüht ist, jener Eigenart des preußischen Beamtentums gelehrig nachzueifern. Es ist eine schwer zu entscheidende Preisfrage, ob die Klebefähigkeit der Herren von der Staatsbehörde oder die Kotaufähigkeit des Berliner Liberalismus die höhere Vollkommenheit erreicht hat.— Reichs-AuskunftSstclle für Auswanderer. Im nächsten Etat des Reiches wird sich, wie die„Vossische Zeitung" mitteilt, eine Summe zum Schaffung einer Reichs-Auskunflsstelle für Aus- Wanderer finden. Die Äuslunftsstelle soll vom Reich unterhalten, ein Reichsbeamter an ihre Spitze berufen und eine beratende Mit- Wirkung sämtlicher, den Kolonial- und Auswanderungsfragen sich ividmeuden Korporationen herbeigeführt werden. Die Auskunftsstelle soll, wenn der Reichstag die Mittel bewilligt, am 1. April kommenden JahreS ins Leben treten. AIS Leiter ist dem Vernehmen nach ein guter Kenner namentlich deS südamerikanischen Aus- wanderungSgebieteS in Aussicht genommen, der frühere Konsul in Porto Alegro, Herr K o s e r._ NeueS«nS Könitz. Ueber den Mord, der in Könitz an Ernst Winter verübt worden ist, verbreitet die Wissenschaft jetzt Aufklärung. Nachdem der blöde Ritualmordwahn die in Deutschland noch nistende Unkultur be- schämend bloßgestellt und schwere Opfer gefordert, giebt jetzt ein Gutachten der Ober-Medizinalbehörde eine Dar- stclluug, die Vermutungen bestätigt, wie sie in weiten Kreisen von Anfang an geäußert worden sind. Kürzlich wurde das wegen Verdacht deS Mordes eingeleitete Perfahren gegen den Schlächtermeister Leby und seinen Sohn ein- gestellt, wie man jetzt erfährt, im wesentlichen auf Grund des Gut- achtens der Medizinalbehörde. Danach ist Winter nicht an Ver- blutnng, sondern an Erstickung gestorben. Die„Ostdeutsche Tageszeitung" giebt darüber das Folgende be- kannt: „Der Rechtsanwalt Hahn- Charlottenburg hatte bei der Kouitzer Staatsanwaltschaft gegen den Fleischcrmeister Adolf Levh in Könitz und dessen Sohn Moritz Strafantrag gestellt wegen Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter und wegen Beihilfe zu diesem Verbrechen. Der Erste Staatsanwalt Schweigger in Könitz hat das Verfahren gegen beide Beschuldigte eingestellt und Herrn Hahn hiervon in einer an den Antragsteller gerichteten abweisenden Verfügung in Kenntnis gesetzt. Eine Abschrift der abweisenden Verfügung liegt uns vor. Wir werden sie an einem der nächsten Tage unser» Lesern wörtlich zur. Kenntnis bringen. Das Ergebnis der stattgehabten Ermittelungen, das am Schluß der abweisenden Verfügung in vier Punkten auf Grund deS Gutachtens des Medizinalkollegiums in Danzig kurz zusammengefaßt wird, sei bereits heute besonders hervorgehoben: 1. Ernst Winter ist den E r st i cku u g s t o d g est o rb en. Diese Feststellung des Danzigcr Medizinalkollegiums steht in Ueber- cinstimmnng mit dem Gutachten, das der Berliner Gerichtsphysikus Dr. Puppe im Jsraelskiprozeß abgab und im Widerspruch mit dem Gutachten der hiesigen Aerzte Mediziualrat Müller, Dr. Arthur Müller, Dr. Blcske, zum Teil auch mit denen des Dr. Stürmer und Dr. Mittenziveig-Berlin. 2. Der H a l S s ch n i.t t i st k e i n S ch ä ch t s ch n i t t sondern nach dem Tode beigebracht in derselben Weise wie die übrigen am Körper befindlichen Schnitte zum Zwecke der Beiseiteschaffung der Leiche. 8. Winter hat sich in A uS ü b un g des Geschlechtsaktes befunden, festgestellt vom Medizinalkollegium und als richtig anerkannt auf Grund des Gutachtens des Gerichtschemikers Dr. Bischoff-Berlin, der die sichtbaren Nachweise dafür an den Kleidern gefunden hat. 4. Die auf Nock und Weste deS Emst Winter vorgefundenen Blutflecke sind nach dessen Tode mittels geronnenen Blutes heraugeivischt. Die Begründung dieser wichtigen Fest- stelluugen wird in einer demnächst erscheinenden Broschüre weiteren Kreise» zugänglich gemacht werden." Ob man jetzt den Thätcr, der vennntlich gar keinen Mord be- absichtigt hatte, sondern im Affekt den ertappten Winter tötete, er- Mitteln wird, bleibt nach Lage der Sache immer noch zweifelhaft. Dagegen sollte das Verfahren gegen Moritz Lcvy. der auf Grund eines höchst bedenklichen JudizienprozesscS wegen Meineids zu laug- jähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde, nachgeprüft werden.— Für die ReichStagö-Ersalnvahl im Wahlkreise Siegburg- Waldbröl, die durch die Mandatsiiiederlcgung von Dr. Lingens nötig geivorden ist, hat daö Centrunr den Landtags-Abgeordnetcn Amtsrichter Dr. Becker aus Hennef a. Rh. aufgestellt. Dr. Becker gehört zu der ex t r e m- a g r a r if ch e u Richtung im Centrum.— Gera, 15. Oktober.(Pribat- Telegramm.) Bei der heutigen Stichwahl zum Landtag wurden die beiden socialdemo- kratischen Kandidaten Fiedler und Böttger gegen nationalliberale Gegner gewählt. In einem dritten Kreise erzielte unser Kandidat Patzer eine starke Minorität. Damit wird unsre Partei durch vier Abgeordnete, gegen bisher drei, in der Kammer vertreten sein, in welcher im ganzen 16 Abgeordnete Sitz haben, davon 12 aus allgemeinem Wahlrecht.— Die TyphuSepidrmie tu Gelfenlirche« dehnt sich noch immer weiter aus. Am Montag waren 40 neue Krankheitsfälle zu ver- zeichnen. Am Mittwoch treffen der Oberpräsident von Westfalen, sowie Professor Dr. Koch aus Berlin ein. Letzterer ist vom Kultus- minister mit Nachforschungen über die Ursachen der Verbreitung der Seuche beauftragt. Für die Rekruten aus diesemBezirk wurde» besondere sanitäre Verordnungen erlassen. Dieselben dürfen keinerlei Eßivaren nach den Garnisonen bringen. Ausland. Der Zolltarif Australiens. London, 11. Oktober. Nicht England, sondern die Vereinigte» Staaten von Amerika bilden das Muster des föderierten Australiens. DaS hat sich beim Aufbau seiner BundeSverfaffung gezeigt und da« zeigt sich jetzt wieder in dem Zolltarif-Entivurf, den der Buudes-Finanzselretär Sir Georg Turner und der Handelssekretär Mr. Kingston dem Parlament in Melbourne gestern vorgelegt haben. Die Stiinmung scheint dort, diesem Entwurf nach zu urteilen, einer Schutzzollpolitik günstig zu sein. Die Verhandlungen über diesen Zolltarif dürften auch für uns von Interesse sein. Das Repräsentantenhaus in Melbourne besteht aus 75 Mitgliedern. Davon sind 24 Freihändler, 34 Schutzzöllner. 7 Gemäßigte und 10 Arbeitervertreter. Letztere sind also aus- chlaggebend und könnten augenscheinlich der Wirtschafts- Politik diejenige Richtung geben, die sie für gut halten. Leider sind die australischen«rbeitervertreter. gleich ihren englischen Brüdern, unter sich nicht einig. Sie haben keine unabhängige, bestimmte Arbeiterpolitik; sie lassen sich vielmehr von den bürgerlichen Politikern leiten. Unter den 10 Arbeiter- Vertretern giebt es Freihändler. Schntzzöllner und auch Jnifferente. Die Freihändler scheinen unter ihnen in der Minderheit zu sein. Denn es war auf Grund der Wünsche der Albeitervertreter, daß daS Parka- ment kürzlich ein Gesetz zur Einschränkung der Einwanderung annahm, welches allerdings in erster Reihe gegen asiatische und afrikanische Rassen gerichtet ist. Ob es unter diesen Umständen Mr. Reid, dem Führer der Oppo- ition, gelingen wird, eine Reduktion der Zollsätze herbeizuführen, ist sehr fraglich. Im Interesse der Arbeiter würde es gewiß liegen, wenn ihre Vertreter wenigstens die Zölle auf Thee. Zucker, Kakao, sowie die Prämien sür die Großindustriellen bekämpften. Eine aufgeklärte zielbewußte Arbeitervertretung wird jetzt in Australien um so nötiger, als die ganze Wirtschaftspolitik dort darauf gerichtet ist, Millionäre und Trustmagnaten zu züchten. Das Beispiel der Vereinigten Staaten scheint für die Angelsachsen in Australien ganz verlockend zu sein. Auch was der Zolltarif nicht enthält, ist bemerkenswert. Man findet darin nichts, was auf eine besondere Begünstigimg des Mutterlandes zu schließen gestattete. Australien ist also dem Bei- spiel Kanadas nicht gefolgt, dessen Tarif bekanntlich Differentialzölle zu Gunsten Englands enthält. Woher dieser Unterschied? Kanadas Tarif wurde in der Zeit der imperialistischen Hochflut, im Jahre 1697, entlvorfen, während die Aufstellung deS australischen Tarifs in eine Zeit intperialistischer Depression fällt. Mau ist nach den Erfahrungen im Boerenkrieg nicht mehr so stolz auf das Mutterland wie früher. Das beliebte und keimzeichueiide Sprichwort der Angelsachen:„Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg," be- wahrheitrt sich auch hier.— Oestreich-Ungar». Die LandtagSwahlen in Böhmen. Am Montag fanden in 13 Wahlen der Landgemeinden Böhmens die zweiten Wahlen statt. Gewählt wurden zwei Jungczccheu, ein Czcchisch-Radikalcr, drei Deutschfortschrittler, ein Volksparteiler, ein Alldeutscher und zwei czechische Agrarier; acht Stichwahlen sind erforderlich. Dänemark. Einer neuen Staatsanleihe in der Höhe von 30 715 000 Kronen gab das Folkething am Freitag in dritter Lesung seine Zustimmung. Von verschiedenen Banken de? In- und Auslandes liegen bereits Angebote vor. Nach dem Plan des Fiiianzministers sollen 8 300 000 Kronen davon sür Eisenbahnanlagen und 9 200 000 für Verleihung von Grund und Boden an Landarbeiter verivandt werden; dazu kommen 13'/e Millionen für jiitländische Bahnen, die bereits vom letzten Reichstag bewilligt worden sind.— Frankreich. Ein französischer Kolouialheld. Die in Antwerpen er- scheinende Zeitung„Metropole" erzählt folgende Heldenthat des französischen Hauptmanns Löfler, die derselbe im französischen Kougogebicte vollführte. Er war beauftragt, eine Expedition in das Thal von Tchad auszuführen. In der Nähe des Sees Tchad stieß er auf einen Häuptling, der über 2000 beivaffnete Männer ver- fügte; 1400 waren mit Stcingcivchren, 400 mit modernen Schnell- feiiergrwchren bewaffnet. Lösler ließ 200 Mann der Gegner hin- schlachten; auf seiner Seite gab es nur zwei Tote. In Chart kam er durch mehrere bewohnte Dörfer; die Einwohner hatten sich in ihre Höhlen versteckt. Der Hauptmann ließ sie dort sämtlich ans- räuchern und verbrennen. Nachdem er diese Kulturthaten vollbracht, zog er wieder zurück nach Sangha.— Spanien. Unruhen in Sevilla. Depeschen aus Sevilla melden vom Montag: Hier ist ein allgemeiner Ausstand ausgebrochen. Mehrere Fabriken sind geschlossen' worden, um Unruhen vorzubeugen. Die Ausständigen schleuderten Steine gegen solche Arbeiter, welche sich nicht am Ausstände beteiligen wollten. Am Vormittag durchzogen Schaaren die Straßen und veranlatzten, daß die Läden und die Cafes geschloffen wurden. Die Behörden treffen EicherheitS- maßregeln; unter der Bevölkerung herrscht eine wahre Panik. Em Telegramm vom Dienstag lautet: Die Unruhen dauern fort. Die Ausständigen durchziehen die Straßen und verüben Ge- lvaltthätigkeiten. An die Oltroigebäude wurde Feuer gelegt. Der Belagerungsziistaud ist verhängt worden. England. Gladstone und die Arbeiter. London, 10. Oktober. Der Honorable Alexander O. Murrah(Herr von Elibank, Neffe Gladstoncs und Abgeordneter für Midlothiän) hat in seinem Ein- gesandt an die„Times" vom 7. Oktober einen ungemein lehrreichen Beitrag zur Geschichte der englischen Arbeiterbewegung geliefert. Murray weist auf die Bedeutung der parlamentarischen Nachwahl von Lamarkshire hin und sagt: „Setzt die liberale Partei ihre gegenwärtige Politik(in Bezug auf Arbeiteikaudidaturen) fort, so wird sie die radikalen Elemente ins extremste Lager treiben.... Als die Deniokratie ihr Haupt erhoben und ihre Macht zu fühlen be- gönnen hatte, da nahm Gladstone mit seiner ivnndervollen Intuition die politisch befreiten Massen beiderHand und führte sie aufsanftere Pfade. Er hielt es nicht für gut, sie zu treiben.... Die Kandidatur Harmsworth bringt dieScheiduugsliuiezwischeuKapitalund Arbeit klar und bestimmt in die Erscheinung. Wird diese Politik allgemein durchgeführt..., so werden die alten, zurückhaltenden Kräfte des geniäßigten Liberalismus verschwinden. Wir werden uns sodann in zwei große Lager— Kapital und Arbeit— gruppieren. Einer derartigen Zukunft kann kein Liberaler mit Gleichmut entgegensehen." Was der Herr v. Elibank hier schreibt, war den Socialdemo- kraten schon lange kein Geheimnis mehr. Aber es ist gut, eine Bestätigung von bürgerlicher Seite dafür zu haben. Murrays Eingesandt hat meines Erachtens die Bedeutung eines historischen Dokuments.— Amerika. Boin südamerikanischen Kriegsschauplatz. Wie der„New Jork Herald" ans San Juan in Puerto Rico meldet, wird der frühere Präsident von Venezuela, Audrade, eine Expedition fuhren, welche Anfang November in Venezuela zu landen beabsichtigt, um zu versilcheii, Castro zu stürzen. Die Aufständischen in Cura�ao treffen Vorkehrungen kür den beabsichtigten Einfall.— Stach einer iveimtii Meldung desselben BlatteS anS Panama sind tolumbische Nevolutionäre auf der Taboga- Insel am Sonntag gelandet und haben die aus zwölf Mann bestehende kolumbische Be- satzung überrascht und gefangen genommen. Der Altalde und zwei andre Beamte wurden weggeführt. Die Revolutionäre belegten zwei kleine Sckiooner mit Beschlag, von denen der eine mit Vorräten be- laden war, und plünderten einige chinesische Läden.— Der Boeren- Krieg. Abermals ei» Boercnkommaudant erschossen! Aus Turkastcd wird gemeldet, daß der Kommandant S ch o e m a n am 14. Oktober standrechtlich erschossen worden seil Ferner kommt aus Middelburg die Nachricht, daß das gegen einen der Offiziere L o t t e r s, Woolfaardts, gefällte Todesurteil bestätigt sei, daß also dessen Hinrichtung unmittelbar bevorstehe. Es wird also den Boeren wirklich nichts andres übrig bleiben, als schleunigst an einer Anzahl gefangener englischer Offiziere die Todesstrafe vollziehen zu lassen. Wie bereits gestern gemeldet, handelte eS sich bei der Erschießung Lotters um einen um so niederträchtigeren Mord, als dieser Boeren- komniaudant Bürger des Oranje-Freistaats, also kein„Rebell" war. Ob Schoemau Kapholläuder war, ist ebenfalls sehr zlveifelhaft. lind während man auf der einen Seite kriegsgefangene Gegner kriegLrechtlich meuchelt, ist man auf der andren Seite so„gnädig", jugendliche Gefangene, statt sie lebenslänglich ins Gefängnis zu sperren, nur zu einer— Prügelstrafe zu verurteilen. So wurden nach einer Meldung aus Cradock zwei„Jugendliche"�» Ge- fängnis wahrend der Dauer des Krieges und zu 20 Stockhieben verurteilt. Kriegsgefangene zur Prügelstrafe zu verurteilen, ist ent- schieden eine neue militärische Erfindung des Lord Kitchener. Der brutale Gamaschenknopf verdiente dafür jene Auszeichnung, die die Socrcn angeblich dem General Buller mit in die Heimat gegeben haben sollen. Ueber BothaS Truppe wird aus Dundee gemeldet: BothaS Abteilungen sind sehr aus- einandergezogen, die Hauptmasse jedoch steht im Pongolo-Bosch. Wie berichtet wird, ist dasKommando vonBethelnachNordosten, anPietretief vorbeimarschierend, entkommen. Schwere Regengüsse haben die Straßen größtenteils unpassierbar gemacht. Die Flüsse führen Hoch- Wasser. Botha steht südlich von der Linie Wakkerstroom— Pietretief. General Bruce-Hamilton verfolgt Wagen der Boeren, welche bei Tage verborgen und des Nachts weitergebracht werden. Das neblige Wetter, das im dichten Busche herrscht, macht eine Fernsicht unmöglich. Gefangene Boeren sagen, der Feind habe am 6. Oktober bei Gontihoek starke Verluste gehabt. Die Boeren sind durch englische Truppen im Norden, Osten und Süden ziemlich umstellt, was ein kombiniertes Vorgehen erschwert. Es ist indessen möglich, daß die Boeren dadurch entkommen, daß sie sich in kleine Abteilungen auseinanderziehen. Ueber die englische» Operationen der letzten Woche berichtet Kitchener wie folgt: In der vergangeneu Woche sind ins- gesamt 26 Boeren gefallen, 8 verwundet und 134 gefangen ge- nommen worden; 42 haben sich ergeben. Heftige Regengüsse haben die Operationen und die Verbindung zwischen den englischen Truppen an der Grenze von Natal sehr erschwert. Die Truppen General Kitcheners operieren von Pietersburg und Utrecht aus gegen beträchtliche feindliche Truppenteile, die zwischen dem Slangapiesberg und dem Pongola-Busch stehen. General Hamilton steht in der Nähe des Ngome- Waldes. Lord Methuen säubert den Marico- Distrikt vom Feinde, Delarey und Kemp haben sich nach Lindleh Poort zurückgezogen. Elliot hat mit Boeren in den Drakensbergen zu kämpfen. General French berichtet über die Lage in der Kapkolonie, daß das Kommando Scheepers in der Auflösung begriffen sei. Das Kommando von SmutS habe sich in zwei Teile geteilt, deren einer sich nördlich von Aberdeen nach Westen zu bewege, während der andre südwestlich von Somerset East stehe. Beide würden von englischen Truppen ver- folgt. French selbst habe mit einer kleinen Bocrenabteilung zu thun, die sich in südlicher Richtung auf Piequetberg zu bewege. Ein äußerst mageres Ergebnis I Die englische Unsicherheit im Kapgebiet erhellt auch aus folgender Londoner Meldung: Kein Passagier darf in Kapstadt die Schiffe, ohne einen Paß vorgezeigt zu haben, der von der Militär- behörde ausgestellt wird, verlassen. Andrerseits haben Beamte. welche mit der Ueberwachung der Flüchtlinge beauftragt sind, die Behörden in England ersucht, die Einschiffung von solchen Passa- gieren, die nach Südafrika zu gehen beabsichtigen, aber mittellos sind, zu verhindern._ NÄvkei"Molrszrirszken. Berichterstattung vom Parteitage. In der Mitglieder- 'Versammlung des 1. hamburgischen Wahlkreises berichtete Stollen über den Verlauf des Parteitags. Er sprach im allgemeinen seine Zufriedenheit mit den Beschlüssen aus, nur die Resolution 102 hält er für bedenklich. Bömelburg ist von den Debatten Ivenig be- friedigt, im Gegensatz zu Stalten ist er erfreut über die Annahme der Resolution 102. Noch mehrere Redner gaben ihrer Unzufrieden- heit über die Debatten Ausdruck. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. In Solingen wurden nach dem Referate des Delegierten May von feite des Genosien Möller Einwendungen gegen die Haltung Mays auf dem Patteitage erhoben. Er hätte sollen zur Wohnungsfrage das Wort nehmen und auch die Meinungen der Genossen über die Akademiker zum Ausdruck bringen. Beschlüffe wurden auch hier nicht gefaßt. In Erfurt referierte Grunwald. Vom zweiten Delegierten Schulz- Magdeburg war ein Schreiben eingegangen, daß man auch ihm Gelegenheit geben solle, seine Haltung auf dem Parteitage zu rechtfertige». Die Versammlung lehnte das ab. An den Bericht Grunivalds knüpfte sich keine Debatte. In einer Resolution erklärte sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitags einverstanden.• In Chemnitz entspann sich eine lebhafte Debatte über den Ton der Parteitags-Verhandlungen. Einige Redner waren nicht bc- friedigt von den Ergebnissen des Parteitags; es sei zu wenig Positives geschaffen worden. Schließlich wurde eine Resolution an- genommen, die den Delegierten die Zustimmung der Versammlung für ihre Haltung auf dem Parteitage ausspricht. Parteitag für die Provinz Schleswig- Holstein, das Herzogtum Lauenburg, das Fürstentum Lübeck und die Freie und Hansastadt Hamburg. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:.Bericht über die Presse" schildert Redacteur Ed. Adler die Verfolgungen, denen die Redaktionen der.Schleswig- Holsteinscheu Volkszeitung" im letzten Jahre ausgesetzt gewesen ist. Genossen Korn sind 6'Monate und 3 Tage Gefängnis, Genossen Lüthaens 6 Wochen Gefängnis und 420 Mark Geldstrafe und Genossen Adler 20 Mark Geldstrafe zudiktiert. Im übrigen fühtt Redner lebhafte Klage über die unzulängliche Thätigkeit einiger Korrespondenten in der Provinz. Während die Quelle bei einigen zu lebhaft sprudele, stocke sie bei andern ganz. Er wendet sich gegen einen Antrag, der eine Honorierung der' Berichte durch die Zeitung verlangt, weil das Blatt dadurch zu sehr belastet werde. Zum Schlug entivickelt Adler den Gedanken, für die nördlichen Bezirke dänische Litterawr zu schaffen, um die dänischen Arbeiter der Partei zu gewinnen. Der Geschäftsführer I. Kraus e berichtet über den geschäftlichen Stand des Blattes und der Druckerei. Der Abonnenten- stand der Zeitung steige stetig aber langsam. Die finanzielle Lage des Geschäfts sei an und für sich nicht besonders günstig. Die Genoffen in den einzelnen Orten sollten dafür sorgen, daß der Partei- druckerei mehr Druckarbeiten zugewiesen würden. In der Debatte be- dauern F r o h m e und von Elm, daß die Redaktion die bekannte den Genossen Bernstein verleumdende Notiz aus der„Justice" über- nommen, und v. Elm besonders, daß die Redaktion Artikel von Parvus über die Gewerkschaften gebracht habe. Adler erwidert dar- auf: er habe die Notiz aus der„Justice" übernommen, um dem Genossen Bernstein Gelegenheit zu geben, gegen dieselbe zu protestieren. Das sei ja nun auch geschehen. Alle zu diesem Punkt gestellten An- träge werden abgelehnt, nur wird ein Antrag auf Regelung des KolportageweseuS angenommen. Ueber den Entwurf eines Kommunalwahl-ProgrammS referierte F r o h m e. Eine vom vorjährigen Parteitage gewählte Kommission hat den Entwurf ausgearbeitet. Derselbe wird nach längerer Debatte angenommen. Jedoch soll die Kommission fortbestehen, um eventuell iveitere Aenderungen vorzunehmen und neues Material zu sammeln. Als Sitz der Agitationskoinmission wird wieder Neu- müuster, als Sitz der Preßkommissio» Kiel gewählt. Damit waren die Arbeiten des Parteitages erledigt. Zu einem Herwegh-Tenkmal wird aufs neue ein Aufruf er- laffen. Das Denkmal soll auf einem öffentlichen Platze in Liestal, dem Hauptorte des Kantons Baselland, dessen Ehrenbürger Hcrwegh war, aufgestellt werden. Es soll aus einer 3 Meter hohen Gruppe von Natursteinen bestehen, auf denen das Bild des Dichters im Hochrelief angebracht werden soll. Dem Ehrenausschuß, deffeu Präsident Robert Seidel ist, gehören außer einer Anzahl schweizerischer Parteigenossen auch Robert Schweichel und Max Kegel an. Beiträge nimmt der Kaufmann Levy- Jsliker in Basel entgegen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. — Wege» Beleidigung, begangen durch eine Notiz gegen einen Dr. V. in Barmen, wurde der verantwortliche Redakteur der Elber- selber„Freien Prefse", Genoffe Gräser, zn 250 M. Geldstrafe verurteilt. GrnreMMafNtchvs« Berlin und Umgegend. Da? Proportional-Wahlrecht zum««Werbegericht. Dem Berliner Magistrat ist in Sachen der Gewerberichts-Wahlen nachstehende Petition zugegangen:„Der Ccntralrat der deutschen Bewerkvereine sHirsch-Duncker) erlaubt sich an den Magistrat die Bitte zu richten, das OrtSstatirt der Stadt Berlin für das Gewerbegericht dahin zu ändern, daß gemäß Z 13a des Gewerbegerichts- Gesetzes das Proporttonal-Wahlsystem eingeführt werde. Nach dem heutigen Wahlsystem sendet diejenige Richtung, welche die meisten Stimmen auf sich vereinigt, ihre aufgestellten Kandidaten als Beisitzer in das Gewevbegericht, während alle in der Minorität verbleibenden Organisationen von der Bethättgung und Mitarbeit ausgeschlossen sind. Um allen Organisationen die Möglichkeit zu schaffen, eut- sprechend ihrer Stärke durch Beisitzer im Gewerbegericht vertreten zu sein, ersuchen wir um Einführung des Proportional-Wahlsystems, damit auf diese Weise eine Vertretung aller hierorts bestehende» Organisationen zum Gewerbegericht geschaffen werde.". Der Evangelische Arbeiterverein hat sich diesem Ersuchen an den Magistrat angeschlossen. Achtung. Töpfer! Laut Tarif darf in der Zeit vom 15. Oktober bis 1. April auf keinem Bau gearbeitet werden, wo die Fenster nicht verglast sind.— Eine am 14. Oktober bei Keller, Koppen- straße 29, abgehaltene Versammlung nahm eine Resolution an, durch die es jedem organisierten Kollegen zur strengsten Pflicht gemacht wurde, die tarifliche Position strikte inne zu halten. Kollegen, welche infolge Durchführung dieses Beschluffes arbeitslos werden, erhalten, sofern dieArbeitslosigkeitlängerwie drei Tage dauert, eine Unterstützung vom 1. Tage an in Höhe von 2,50 M. und für jedes schulpflichtige Kind 1 M. pro Woche. Alle in Mitleidenschaft gezogenen Kollegen sind verpflichtet, sich täglich in der Zeit von 10—12 vormittags m unsrem Bureau, Neue Friedrichstr. 20, zur Kontrolle zu melden. Zugleilh machen wir darauf aufmerksam, daß über die Firma K. Weber, Groß-Lichterfelde, die Sperre verhangen ist, weil uusern Kollegen bei der Erlangung ihres Lohnes stets Schwierigkeiten bereitet werden. Der Vorstand der Filiale Berlin. Die Plätterinnen der Wäschcfabrik Cohn u. Ellenburg in Boxhagen, Kastanien-Allee 79, befinden sich in Lohndifferenzen. Wegen Einfühning der Plättmaschine sollen die Löhne von 25 und 27� Pf. per Dutzend Kragen um V/t Pf. per Dutzend und Manschetten von 45 Pf. auf 26 Pf. reduziett werden. Man müht sich besonders, Heimarbeiterinnen und Lehrmädchen heranzuholen. trotzdem letztere nur Vorplätten gelehrt bekommen, und dafür 10 M. Lehrgeld zahlen müssen. Bis auf weiteres ist die Firma Cohn u. Ellenburg zu meiden. Deutsches Reich. Neue Differenzen drohen im Tischlcrge werbe in Leipzig auszubrechen. Der Verband der Holzindustriellen ver- sendet an seine Mitglieder folgendes Cirkular: „Infolge von Lohnforderungen stellten bei der hiesigen Firma F. A. Schütz, Möbelfabrik, fast sänttliche Leute die Arbeit ein. Auf Grund dieser Vorgänge wurde in der am 7. Oktober im Eldorado abgehaltenen außerordentlichen Versammlung durch namentliche Ab- stimmung der einstimmige Beschluß gefaßt, die im Jahre 1899 von den Arbeitern aufgedrungene und in den hiesigen Möbelfabriken und der Leipziger Tischlennnung eingeführte Bestimmung— Garantie des Stundenlohnes bei Accordarbeitcn— von den betroffenen Arbeitgebern am nächsten Lohntage ihren Arbeitern für aufgehoben zu erklären. Da sich die Versammlung ausdrücklich mit der Firma F. A. Schütz solidarisch erklärte und der jetzige schlechte Geschäfts- gang uns geradezu zwingt, derartige, uns in früherer Zeit aufge- drungene Forderungen wieder abzuschaffen, so werden Sie hiermit dringend ersucht, diesen Beschluß streng durchzuführen und etwaige dadurch entstehende Differenzen dem' Vorstande anzuzeigen. Verpflichtet ist jedes Mitglied, auch wenn es in dieser Ver- sammlung nicht anwesend war, diesen Beschluß durchzn- führen. Der Vorstand ist ermächtigt, gegen eine etivaige Nicht- einhaltung dieses Beschlusses mit aller Strenge vorzugehen. Bei Neueiusteilung von Leute» ist streng nach unsrer Geschäftsordnung zu verfahren, wonach nur mit Ärbeitsnachweis-Scheinen versehene Arbeiter einzustellen sind." Bis jetzt sind, wie die Sektionslcitung der Bau-»md Möbel- tischler des Verbandes der Holzarbeiter in der„Leipz. VolkSzeitung" mitteilt, 5 Firmen dieser Aufforderung nachgekommen. Die Fensterputzer in Köln a. Rh. stehen im Streik. Die Ausständigen sind im Centralverbande der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter organisiert. Die Bewegung steht günstig. Arbeitswillige haben sich bisher nicht gefunden. Der Verband christlicher Strastenbahncr in Düsseldorf liegt seit langer Zeit in Fehde mit der Düsseldorfer Stadtverlvaltung, denn ohne Grund werden die Vorstandsmitglieder des Verbandes so der Reihe nach von der Verwaltung entlassen. So bald dann ein andrer Straßenbahner zum Vorstandsmitglied gewählt wird, kann er bestimmt darauf rechnen, daß in den nächsten Tagen seine Entlassung erfolgt. Bis jetzt hat diese herzerfrischende Parität in der Behandlung der Gewerkschastsorganisationen durch das Unternehmertum den Christ« lichen ihre Christlichkeit noch nicht ausgetrieben, denn daS christliche Gewerkschaftskartcll, das sich der Sache annahm, faßte nur eine zahme Bittresolution an die städtischen Behörden. Die Unternehiner werden also noch stärkere Mittel anwenden müssen, um den christlichen Ar- beitern Klassenbewußtsein einzupauken. Ausland. Die Bäckergesellen von Mailand sind in der Zahl von etwa 2500 in den Streik getreten. Die Bäckemieister begründeten die Ab- lehnung der Lohnforderung der Gehilfen mit dem Hinweis darauf, daß sie den Preis des Brotes unmöglich hiuaufsetzen könnten. VevlÄmmlnngen. Die Forderungen der Schneider und Schneiderinnen an die Gesetzgebung. Die erste Versammlung der Schneider und Näherinnen aller Branchen, mit der die planmäßige Agitation für die gesetzlichen Schutzbestimmungen der in der Konfektion beschäftigten Personen nun auch in Berlin eingeleitet wurde, tagte am Montag in den Johannis-Sälen. Das Referat hatte der Reichstags- Abgeordnete Molkenbuhr übernommen, der zunächst be- tonte, daß die Gesetzgebung die Verpflichttmg hat, das Leben und die Gesundheit der Staatsbürger möglichst zu schützen, wenn auch das llnteruehmertum stets behauptet, daß der Staat in den rein ökonomischen Kampf zwischen Arbeiter und Unternehmer sich nicht einmischen dürfe. Daß die schrankenlose Ausbeutung, wie sie in der Hausindustrie vorherrscht, eine schwere Schädigung des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter im Gefolge hat, ist schon längst erkannt und ein Eingreifen seitens der Gesetzgebung für notwendig erachtet worden. Für die Heimarbeiter giebt es keinen begrenzten Arbeitstag und sie arbeiten täglich bis zur Erschöpfung. In den Berufen, in denen die Heimarbeit eingeführt ist. wo die Arbciler nicht wie in den Fabriken zusammenarbeiten und völlig zersplittett sind, ist der Lohn durchwegs niedriger und so bemessen, daß nur durch gemeinsame anstrengende Arbchr des Mannes und der Frau die allernotwendigsten Mittel zum Lebensunterhalt verdient werden können. Durch die Heimarbeit kann der Unter- nehmer außerordentlich billig produzieren lassen, den» nicht nur, daß er niedrige Löhne zahlt, er spart auch die Kosten für die Arbcitsräume, Licht, Heizung und Werkzeuge. Würde der Unternehmer Fabrikräume einrichten müssen, so würde die Saison keine so kurze sein, sondern er würde sie auszudehnen versuchen, um die Fabrikräume daS Jahr über auszunützen. Der Unternehmer hat auch noch den Vorteil, daß seine technischen Leiter oder Werkführer, die Zwischenmeister,' von den Arbeitern bezahlt werden und ihm ihre Entwürfe ec. unentgeltlich liefern, andrerseits aber die Arbeiter ausbeuten, um auf ihre Kosten zu kommen. Nach dem Z 120a der Reichs- Gewerbe- Ordnung und auch im Bürgerlichen Gesetzbuch sind die Unternehmer verpflichtet, die Arbeits- räume, Bettiebsvorrichtungcn usw. so zu gestalten, daß die Arbeiter gegen Gefabren für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestattet. DaS Gesetz hat aber dennoch eine bedeutende Lücke offen gelassen, denn es trifft nnr den- jenigen Unternehmer, der überhaupt Arbeitsräume eingerichtet hat. Ebenso verhält es sich mit den Bestimmungen über die Arbeit der Kinder, jugendlichen Arbeiterinnen und Ärbelterinnen, die durch Bundcsrats-Verordnnng auch auf die Konfektiöuswerkstättcn aus- gedehnt werden. Es hat den Anschein, als ob durch diese Bestimmungen nnr die Maschinen vor zu großer Abnutzung und Beschädigung geschützt werden sollen. Denn nicht nur. daß diese Bestimmungen nur auf Fabriken Anwendnug finden, ist keine Bestimmung vorhanden, die dem Unternehmer ver- bietet, den Arbeiterinnen Arbeit mit nach Hause zu geben, und diese veranlaßt werden, auch noch die ganze Nacht in ihrer Wohnung die Arbeit fortzusetzen. Wenn aber nun auch, wie das Reichsgericht in einem Fall entschieden hat, solche Bettiebe, wo nach Maß und Bc- stellnng gearbeitet ivird, keine Fabriken sein sollen, so sind die ganzen Bestimmungen illusorisch, dann giebt es überhaupt fast' keine Fabriken im Sinne der Gewerbe- Ordnung, dann würden zum Beispiel für Brückenbau- Anstalten und ähnliche Betriebe, wo zweifellos nur auf Bestellung und nach Maß gearbeitet wird, die Arbeiterschutz-Borschriften keine Anwendung finden können. Für die Heimarbeiter und-Arbeiterinnen sind keinerlei gesetzliche Schutzbestimmungen vorhanden, es ist ihnen dadurch ein Freigebiet für die Unternehmer geschaffen, auf dem sie die Ausbeutung schrankenlos betreiben können und daS zur immer weiteren Aus- dehnung der ungeheuer schädlichen Heimarbeit geführt hat. Auch von der Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung, mit' der die deutsche Regierung auf der Pariser Weltausstellung so sehr prahlte, und die für alle gewerblichen Arbeiter gelten sollte, sind die Heimarbeiter ausgeschlossen. Wo die Gesesetzgebung so vorbeigegangen, wie es bei der Hausindustrie der Fall ist, da ist es nicht zu verwundern, daß grauenvolle Zustände Platz gegriffen haben. Als bei dem Streik der Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen das krasse Elend nackt und unverhüllt an das Tageslicht gezerrt ivurde und die weitesten Kreise auf diese Zustände aufmerksam gemacht wurden, da that man erstaunt und verlangte gesetzliche Maßnahmen, um diese raffiniette Ausbeutung der Hausindustrie zu beseitigen. Fast alle Parteien und sogar Minister erklärten, daß der Streik berechtigt und daß durch die Gesetzgebung eine Besserung der Verhällnisse für die in der Konfektion beschäftigten Personen ge- schaffen werden müsse. Trotzdem ist seit diefer Zeit nichts geschehen, was eine Aenderung zur Folge gehabt hätte. Die Reichskommission für Arbeiterstatistik wurde beauftragt, Erhebungen anzustellen; durch dieselbe ist alles das, was ja eigentlich schon bekannt, im vollen Umfange bewiesen worden, aber die Regierung und die bürgerlichen Parteien hatten den Streik schon längst wieder vergessen und so blieb es beim alten. Der Redner verwies auf die verschiedenen Anttäge, die von der socialdemokratischen Fraktion eingebracht wurden und wendete sich gegen die Auslassungen der Unternehmer, die sich mit allen Mitteln gegen die Beschränkung ihrer Ausbeutungsfreiheit wenden und u. a. behaupten, daß sie ein wohlerworbenes Recht haben, die Wohnungen der Arbeiter als ihre Werkstätten zu benutzen. In ans- führlicher Weise schilderte sodann der Referent die vielen schädlichen Folgen der Heimarbeit, die nicht nur für die beteiligten Arbeiter und deren Familien tieftraurige Lebensverhältnisse verursachen, sondern auch für die gesamte Bevölkerung in hygienischer und gesundheit- lichcr Beziehung eine große Gefahr init sich bringen. Nachdem er noch die Forderung für die Heimarbeiter erörtert und� von ihm und von einem andern Redner auf die Notwendigkeit einer festen Organisation hingciviesen worden war, wurde einstimmig folgende Resolution beschlossen: Die heute in Berlin tagende, von 500 Arbeitern und Arbeite- rinnen des Schneidergewcrbes besuchte allgemeine Schneider- und Schneiderinneu-Bcrsammlung richtet noch einmal an den hohen Bundes- rat und Reichstag das Ersuchen, endlich die gesetzgeberische Lösung der Heimarbeiterfrage für das Schneidergelverbe und die verwandten Berufe energisch und bald in die Hand zu nehmen. Seit 1887 sind bei den Konfekttonsarbeitern Hoffnungen erweckt ivordcn, ihre Lage zu verbessern. Aber es geschah nichts! Es brach der große Koiifektionsarbeiterstreik aus. Fast alle Parteien des Reichstags machten Zusagen, daß nun endlich daS so lange Ver- säumte rasch nachgeholt werden sollte. Aehnlich waren die Er- Wartungen, die durch die Reden vom Bundesratstische angeregt wurden. Die Erhebungen der ReichSkommission für Arbeiterstatistik bestätigten die Dringlichkeit dieser gesetzgeberischen Aufgaben all- gemein nicht nur im Interesse der Arbeiter, sondern auch in dem der Konsumenten. Allgemein bis in die Kreise deS Bundesrats hinein herrscht die Uebcrzeugung, daß die Bundesrats-Verordnung vom 30. Juni 1897 und die letzte Gewerbe- Ordnungs- Novelle an den traurigsten Ver- hältniffen, an denen der Heimarbeit, gar nichts geändert haben. Daß die Verhältnisse in der Konfektionsindustrie sich seit den Erhebungen der Reichskommission für Arbeiterstatistik vom Jahre 1896 nicht gebessert haben, daß vor allem der Umfang der Hausindustrie zugenommen und dafür die Zahl der in Betriebswerkstätten Thätigen abgenommen hat, ist durch viele Beispiele zu erhärte». Will>»an nicht unabsehbaren Schaden dauernd werden lassen, dann ist ei» Einschreiten der Gesetzgebung nicht mehr aufzuschieben. Hinter einer ganzen Reihe von Staaten ist das Deutsche Reich in Hinsicht auf den Schutz der Konfektionsarbeiter und-Arbeiterinnen zurückgeblieben. Deshalb erwarten wir die baldige Durchführung der heute ge- stellten Forderungen als Erfüllung einer Ehrenpflicht deS Deutschen Reiches. Wir halten als das Mindestmaß deffen, was im Interesse der Heimarbeiter in der Konfektionsindustrie zu geschehen hat, die Ver- wirklichung der folgenden, von den Schneiden: und Näherinnen des Deutschen' Reiches aufgestellten Forderungen: 1. Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause nach der Werk- stattbcschäftigung. 2. Direkte Ausgabe von Arbeit an die Heimarbeiter und Ar- beiterinnen seitens der Unternehmer unter Vermeidung der Zwischen- meister. 3. Trennung der Arbeitsräume von den Wohnräumen; in den Werkstätten sowohl wie in den Arbeitsräunien der Heimarbeiter müssen auf den Kopf der beschäftigten Personen mindestens je 15 Kubikmeter Luftraum kommen. 4. Ausdehnung der Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung über die Sonntagsruhe(§ 105b), des Verbots der Kinderarbeit l§ 135), der Beschränkung der Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter(§ 136), der Frauen(§§ 137 und 189a Abs. 1). der Gewerbe- Aufsicht (§ 139b), insbesondere durch weibliche Aufsichtspersonen, des Er- laffes von Arbeitsordnungen(KZ 134a— 134x) und die Anzeige des Gewerbebetriebes(Z 14) auf die Hausindustrie und die Heim- arbeit. 5. Ausdehnung der ArbeiterversichernngS- Gesetzgebung auf die uarbeitcr und-Arbeiterinnen. 6. Reich. Staat und Gemeindebehörden sollen Schneiderarbeiten nnr unter der Bedingung vergeben, daß die Kleidungsstücke in der Gewerbe- Ordnung und Gewerbe- Inspektion unterstehenden Werk- statten hergestellt' und daß die von Unternehmern und Arbeiter- organisationen festgesetzten Lohntarife als Mindestmaß der Entlohnung anerkannt werden._ Die Berliner Kommunaltvahle». Die Arbeiterschaft Berlins rüstet sich, um in die Agitation für die am 6. November dieses Jahres stattfindende Wahl zum städtischen Parlament einzutreten. Am Sonntag war bereits in allen Bezirken, die in der dritten Abteilung diesmal zur Wahl stehen, ein Flugblatt verbreitet, dem sich nun die mündliche Propaganda in neun Versammlungen gestern abend anschlössen. Mit der Aufstellung der Kandidaten in IS Bezirken, die gleichfalls in diesen Versammlungen erfolgte, sind somit die Vorbereitungen erledigt und wird es sich nun darum handeln, die Wähler über die Bedeutung der Wahlen und die Grundsätze, welche die Socialdemo kratie im städtischen Parlament verficht, aufzuklären. Wer die Vorgänge in der städtischen Verwaltung in letzter Zeit verfolgt hat, kann nicht im Zweifel sein, daß heute mehr als je eine Vertretung not thut, die mannhaft alle RechnungSträgerei nach oben zurückweist und offen mit aller Entschiedenheit die Rechte der Selbstverwaltung wahrt. Diese Aufgabe zu erfüllen, fehlt dem liberalen Bürgertum die Festigkeit, langsam weichen seine Vertreter bei jeder Willenskundgebung der Krone zurück, um unter Lamentieren über ihre loyale, unterthänige Gesinnung gehorsamst einzuschwenken, wie ihnen befohlen wird. Dieser Verwaltungskörperschaft haften alle Schwächen eines Klaffcnparlaments an, ihm geht die Stütze verloren, die ein Parlament erhält, wenn die Bevölkerung selbst der Träger des Parlaments ist. Hier dominiert der Besitz mit seinen Vertretern, das Proletariat ist entrechtet und vermag nur in der dritten Wähler klaffe seinem Willen Ausdruck zu geben. Deshalb das rege Br mühen, innerhalb dieser Körperschaft von diesem Vorrecht des Br sitzes nichts preiszugeben, in ihm überwuchern die Hausbesitzer- intercssen die Gesamtinteressen, große Privatuuternehmungen er- langen Rechte, die nicht zum Nutzen der Gemeinde ausschlagen und die socialpolitischen Aufgaben werden unbeachtet beiseite gestellt. Ein Gemeinwesen mit so großen Mitteln könnte den ersten Platz einnehmen, ein Muster städtischer Fürsorge für Schule, Er ziehung und Wohlfahrt sein, wenn nicht allen Aufgaben auf diese», Gebiet von der liberalen Mehrheit hemmend in den Weg getrete» würde. Die Partei, die dem Fortschritt huldigt, die die wichtigen socialen und politischen Probleme lösen will, die Socialdcmokratie, begegnet hier den entschiedensten Widersachern. Um so mehr Wieder- hall hat die Partei mit ihrer Kritik in den Schichten der Be- völkerung gefunden, die längst das Unwürdige des heutigen Zustaudes empfunden haben; die kräftige Abwehr aller Eingriffe, die geeignet erscheinen, die Kommune in ihren Rechten zu beeinträchtigen, fand in unsren Vertretern Wortführer einer unabhängigen Politik der Selbstverwaltung, wie sie nur von der Socialdcmokratie vcr- treten und gefordert wird. Die Arbeiterschaft wird bei den am 6. November stattfindenden Wahlen keine schwere Eutscheidung haben, wem sie fernerhin ihr Vertrauen entgegenbringt, sie wird um so eifriger für die social- demokratischen Kandidaten eintreten, als sie wichtige Rechte zu schützen und zu wahren hat. Die Versammlungen, die gestern tagten, gaben uns ein Bild des regen Interesses für die Wahlen in Arbeiterkreisen und berechtigen uns zu Hoffnungen eines guten Wahlausgangs, für den die Partei- genossen nunmehr mit aller Kraft zu wirken haben. Ueber die Versammlungen gingen uns folgende Berichte zu: Für den 4., 9. und 10. K o mm u na I- W ah I b e z i r k fand die Versammlung in Habels Festsälen statt, die sich eines sehr starken Besuches zu erfreuen hatte. Hier referierten die Genossen Z u b e i l und Dr. B e r n st e i n. Stadtv. Z u b e i l führte eingangs seines Vortrages die Entwicklung der Socraldemokratie und ihren jetzigen un- bestreitbaren Einfluß im Rathaus den Anwesenden vor Augen. Redner wies auf den Druck, der von außen auf die Stadtvertretung ver- sucht werde, hin, auf die Bestrebungen, das Selbstverwaltuugsrecht der Stadt zu beschränken, wenn nicht gänzlich aufzu- h e�b e n. Er streifte die bekannten Angelegenheiten bezüglich des Märzgefallenen-Dcnkmals, des Schloßplatzes, das Ententeichprojekt, die Umgestaltung der Linden. Die neuesten Ereignisse und Konflikte mit der Krone wegen der beabsichtigten Durchqncrung der Linden durch die Straßenbahn, die Bürgermeisterwahl, die Errich- tung der Märchenbrunnen sowie die Stellung des Kommunalfrcisinns zu allen diesen Fragen unterzog Referent einer scharfen Kritik unter lebhaftem Beifall der Versammlnng.— Genosse Dr. Bernstein eröffnete sein Referat mit der Zurückweisung der»ationalsocialen Angriffe auf die Socialdemokratie bezüglich der Wohnungsfrage, entwickelte die Forderungen unsrer Partei auf diesem sowie auf socialpolitischcm Gebiet überhaupt.— und weist in überzeugender Weise die Notwendigkeit einer Reorganisation der Städteverwaltung nach. Diskussion fand nicht statt. Als Kandidat für den 4. und 10. Wahlbezirk wurde Genosse Z u b e i l, für de»I 9. Genosse Dr. Alfred Bernstein nominiert. Ins Wahlkoniitee wurden gewählt die Genossen Hensel, Hahn, Buchholz, Lehmann, Witte, Zwanzig, Möß, Wolter, Rautmann. Nach einem anfeuernden Schlußworte des Vorsitzenden Genossen Scholz erfolgte Schluß der Versammlung. Für den 1 1. und 12. Kommunalwähler-Bezirk fand Oranienstr. 180 eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in der Genosse Theodor Metzner und Stadtverordneter Gottfried Schulz über die bevorstehenden Wahlen referierten. Beide Redner kritisierten unter lebhaftem Beifall, inwieiveit die Berliner Stadt- Verwaltung unter dem„Regiment des Freisinns" den Anträgen der socialdemokratischcn Fraktion im Roteil Hause Beachtung geschenkt habe, sei dies in Beziehung auf sociale Ein- richtungen oder auch solche, die sich mit den finanziell-wirtschaft- lichen Verhältnissen der Stadt befassen. In jeder Beziehung, so wurde betont, haben die»liberalen Väter" der Stadt Berlin den Betveis erbracht, daß sie eifrig bemüht sind, ihren„freiheitlichen Principien" sich immer mehr zu entfremden zum Schaden der Arbeiter, und darum gehören Männer ins Stadtparlament, die ein Herz für das arbeitende Volk haben.— An der Diskussion, die sich im Sinne der Referate belvegte, beteiligten sich etliche Redner.— Als Kandidat für den 11. Bezirk wurde Genosse Theodor Metzner. für den 12. Gottfried Schulz nominiert. Die Kommission für die Vorarbeiten zur Wahl besteht aus den Genossen Weise, Mensel. Ratscheck, Nasche und S a l z m a n n. Eine starkbesuchte Konimunalwähler- Versammlung für den 22. und 23. Wahlbezirk tagte am Dienstag in dem Lokale „Kölligsbank". Stadtv. Genosse Dr. H e y m a n n referierte über die Bedeutung der Kommunalwahlen. Er führte etwa folgendes aus: Leider wird die Bedeutung der Kommuiialwahlen selbst von den Parteigenossen ganz bedeutend unterschätzt, trotzdem die Kom- .munalivahlen doch für das Proletariat ebensolche Bedeutung haben wie die Reichstagsivahlen. Die diesjährigen Ersatzwahlen zur Stadtverordneten- Versammlung finden zum erstenmal unter dem vom Landtag im vorigen Jahr gcjchaffenen Wahlgesetze statt. In diesem Gesetz ist wieder das Recht der Wähler der III. Abteilung geschmälert zu Gunsten der I. Wählerabteilung. Redner kritisiert sodann das Volksschulwesen in Berlin. In den 70cr Jahren stand Berlin an der Spitze als Muster des Volksschulwcsens. Heute sind»vir mehr oder Ivenigcr von allen größeren Kommunen auf diesem Gebiete überflügelt. Redner beleuchtet die Misere der städti- scheu Kraiikcnhäuscr. dieK'rankenhausnot, solvie dieMisere denVcrkehrs- Wesens. Durch den bekannten Ausspruch„Unten drunter und nicht oben drüber" ist dieser Ankauf der Linien trotz der ungewöhnlich hohen Summen zu Wasser geworden und wird sich niemals rentieren. Redner geht sodann auf die Arbeitslosigkeit ein und beleuchtet die Misere des Wohnungswesens. Die Wohnungsnot, wie sie hier be- steht, glaubte die Stadtverordneten-Versammlung mit der so genaimten Kaiser Friedrich- Stiftung zu lösen; die Zinsen aus dem Kapital, circa 30000 M., sollten zur Milderung der Wohnungsnot verwendet werden. Auch hier wie auf allen Ge bieten hat der kommunale Freisinn bewiesen, daß er durchgreifende Reformen nicht ausführen kann, noch will. Genossen, so schließt der Referent seinen Vortrag, sorgen Sie dafür, daß am 6. November die richtigen Männer ins Stadtparlament, ins Note Haus einziehen. Sorgen Sie dafür, daß mehr Socialdemokraten dort ihren Einzug halten, um so für das Wohl des Volkes in inimer intensiverer Weise zu wirken.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Genosse D u p o n t als zweiter Referent beleuchtet zunächst das Submissionswesen. Redner weist hin auf die ungeheuerliche Rückständigkeit der Kommune, vornehmlich der Freisinnigen im Stadtparlament gegenüber den socialdemokratischen Anträgen in Bezug auf die Löhne und sonstige hygienische Forderungen. Da es sich für die Zukunft um hochpolitische Fragen handelt, so sei es notwendig, daß taktfeste Männer, Männer der Socialdemokratie am 6. November ihren Einzug halten. In der Diskussion stellt Basner in eingehender Weise einen Vergleich zwischen der Gemeinde London und Berlin vornehmlich in der Frage des Submissionswesens an und fordert ebenfalls zu regerBeteiligung an denKommunalwahlen auf. Dr. Friedeberg erklärt, zu den gemachten Ausführungen wenig mehr hinzufügen zu können. Es wäre eine Schmach, wenn am 6. November nicht die Kandidaten der HI. Wählcrabtcilung überall den Sieg davon tragen würden. Thue ein jeder seine Pflicht. ehrlich und offen in den Kampf gezogen und der Sieg ist unser.(Stürmischer Beifnll.) Hierauf werden einstimmig für den 22. Wahlbezirk Dr. Friedeberg, für den 23. Bezirk Genosse Emil Basner vorgeschlagen. Zum Wahlkomitee werden für den 22. Bezirk gewählt die Genossen Baader. Weimann, C a n d a I und Werner; für den 23. Bezirk Blume, Galle und W y l e. Im Verschiedenen sprachen die Genossen Stadtvv. A. Hoffmann und Stadthagen, in markanter und drastischer Weise die heutigen Verhältnisse streifend. Mit einem energischen Appell, daß jeder seine Pflicht thue, schließt der Vorsitzende die Versammlung. Die im 29. und 41. K o m m u n a l- W a h l b e z i r k im Rosenthaler Hof seitens unsrer Parteigenossen einbcrnfene Versammlung war sehr gut besucht. In markanten Zügen zeichnete Genosse Paul Singer ein wenig schmeichelhaftes Bild von dem Thun und Treiben des bornierten Liberalismus. Hier die wirtschaftlich Ausgebeuteten, denen man die größten Schwierigkeiten bereitet, ihr Recht auszuüben, und dort die kapita- listische Gesellschaft, bestrebt, den letzten Besitz ihres.Freisinns' egoistischen Zwecken zu opfern. Gebieterisch verlange die wirtschaftliche Lage der Schwachen und Armen eine Vertretung im„Roten Hause", die bestrebt ist, die Interessen derselben richtig zu würdigen. Wie traurig es beispiclstveise auf dem Gebiete der Schule bestellt ist, ergiebt die Thatsache, daß die Frequenz in der Gemeindeschulklasse 52 Schüler beträgt, während in einer Realschule deren nur 27 durchschnittlich vorhanden sind. Wie schädlich eine solche Zusanimenpferchung von Schnlkinderu in pädagogischer und hygienischer Beziehung wirkt, zeigte Redner an einzelnen treffenden Beispielen: Die Unent- gfeltlichkeit der Lehr- und Lernmittel sei eine Forderung, die die Socialdemokratie erstrebt, um die Gegensätze, welche die Kindesseele schon in der Schule vergiften, zu befeitigen.(Beifall.) Aehnlich liegt es auch mit der Fürsorge für die Waisen. Hier sei es Menschenpflicht, dafür einzutreten, daß diese zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Eines der wichtigsten Gebiete, das die Arbeiterschaft beschäftigt, ist die Arbeitsgelegenheit der städtischen Arbeiter. Wir verlangen für diese die achtstündige Arbeitszeit, Arbeiter- ausschüsse und Zustände, die eines Gemeinwesens von der Größe Berlins würdig sind. Die Arbeiterklasse ist das grundlegende Element der bestehenden Gesellschaft und dieses Element zu schütze» ist unsre heiligste Pflicht.(Beifall.) Unter dem Beifall der Anwesenden entwickelte der Redner weiter die programmatischen Forderungen der Socialdcmokratie. Auch der sich immer mehr breit machende Byzantinismus der jetzigen Stadt- Vertretung in Bezug ans höfische Angelegenheiten muffe unter allen Umständen beseitigt werden. Hier gelte der Grundsatz, wer einen Besuch erhält. möge auch die Kosten tragen. (Lebhaftes Bravo!) Die Richtbestätigung KauffmannS sei eine Maßnahme, die sich mit den heutigen rechtlichen Anschauungen nicht deckt.(Bravo!) Auch in Bezug der U e b e r f ü h r u n g der elektrischen Bahn über Unter den Linden brauchen wir dem Diktum:„Wird unterirdisch gemacht!" keineswegs zu folgen, es finden sich da Mittel und Wege, dies auch ohne ein Millioncnprojekt zu bewerkstelligen, indem man die Linie nur bis zu den Linden führt. Der„Märchenbrunncn" in seiner gemütvollen Darstellung" erfuhr eine recht sarkastische Beurteilung. Unter dem Beifall der Zuhörer legte Singer die rechtlichen Gründe der Stadt dar und gab ein anschauliches Bild der Beklommenheit unsrer freisinnigen Mannesseelen. Er schließt mit den Worten: Es sei angebracht, Männer in die Stadtvertrctmig zu entsenden, die sich nicht jeder Regung des Militarismus fügen; es ist die höchste Zeit, daß wir uns darauf besinnen, unsre Rechte zu schützen. einzutreten für das Wohl der Arbeiter und damit für das der Gc- 'amthcit. In diesem Sinne müssen wir wirken, um am 6. November den socialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen.(Leb- Haftes Bravo!) Eine Diskussion wurde nicht beliebt und nunmehr als Kandidat des 29. Bezirks Genosse Dr. Friedeberg und für den 41. Bezirk Genosse B a b i e l proklamiert. Die Parteigenossen des 32. K o m m u n a l- W a hl b e z i rk s hatten sich äußerst zahlreich bei Dase, Brunnenstr. 1S4, versammelt. Genosse Dr. Karl Liebknecht erläuterte in knapper, aber treffender Darstellung daS Kommunalprogramm der Socialdemo- kratie und zeigte, daß die Socialdemokratie die einzige Partei ei, die in zielbewußter Weise von höheren Gesichtspunkten ms Kommunalpolitik treibe. Ii« scharfen Worten geißelte er die reisinnige Mehrheit im Berliner Stadtparlamcnt, die nicht nur jeder ociale» Fürsorge abhold, sondern sogar so feige sei, daß ihre Mit- glieder sich nicht einmal getrauten. Bravo zu sagen, wenn von socialdemokratischer Seite die absolutistischen Bestrebungen aus neuester Zeit zu ihrer großen Freude kritisiert würden. Die Ausführungen des Referenten wurden nnt großem Beifall auf- genommen. Genosse KarlLiebknecht wurde dann einstimmig als Kandidat für den 32. Bezirk aufgestellt. Nach Bestellung eines Wahlkomitees nahm Stadtverordneter Fritz Wille als zweiter Referent das Wort und schilderte die rege Thätigkeit der Socialdemokraten im Roten Hause, um mit einem zündenden Aufruf zum Wahlkampf zu schließen. In der folgenden Debatte wurden die Arbeitsverhältnisse in der städtischen Gasanstalt als recht sehr der Abhilfe bedürftig gekennzeichnet. Mit einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie trennte man sich. Die Kommnnalwähler- Versammlung für den 34. und 3 6. Wahlbezirk tagte bei Puhlmann. Schönhuuser Allee 148. Sie war von ungefähr 900 Personen besucht. Der Referent Stadt- verordneter Wurm geißelte in satirischer Weise die Vorgänge im Roten Hause, wie der Berliner Freisinn aller Schattierungen eine Herrschaft ausübe, von der der arbeitende Teil der Bevölkerung nie etwas zu erwarten habe. Der eingefleischte ByzantinisniuS, die sehr späte Bestätigung des ersten Bürgermeisters, die Nichtbestätigung des zweiten Bürger- mcistcrs Kauffmann sowie die Märchenbrunnen-Angelegenhcit gaben Anlaß zu einer herben Kritik. Auch habe es den Anschein, als ob die städtische Verwaltung ein paar Straßen weiter verlegt Iväre. Der zweite Referent R a m l o w schloß sich den Ausführungen des Genossen Wurm vollständig an und hofft, daß am 6. November die Arbeiter zeigen werden, wem sie ihr Vcr- trauen entgegenbringen. Nachdem noch einige Redner im Sinne des Rcfercutc» gesprochen hatten, wurden die Genossen N a m l o w i m 34. und Genosse Wurm i m 36. B c z i r k einstimmig gewählt. Mit einem begeisterten Hoch auf die Socialdemokratie schloß die Versammlung. Im 30. Bezirk sprach vor einer gut besuchten Versammlung im Gesellschaftshaus, Swinemünderstraße, Genosse Dr. H. W c y I. Der Redner unterzog die Herrschast der liberalen Mehrheit des Stadtparlaments einer scharfen aber gerechten Kritik, wies nach, wie wenig es die Freisinnigen verstanden haben, mit ihrer aufdringlichen Beflissenheit gegen die Wünsche von oben das Recht der Selbst- Verwaltung der Stadtgenieinde zu wahren, wie sie sich nur von eigennützigen Motiven leiten lassen und durchaus kein Juteresse und Verständnis haben für die socialen Forderungen, die die arbeitende Bevölkerung an die Gemeinde stellen muß. Der Redner schließt seine» kurzen aber inhaltreichen Vortrag mit dem Hinweis darauf, daß, wenn auch die Socialdemokraten im Roten Hause nur eine Minderheit bilden, sie doch durch ihre Mahnungen, Warnungen, und Ratschläge schon manches Gute durchgesetzt haben, daß es darauf ankommt, die Minderheit, deren Ziel es ist, an die Stelle des Gemeinde-Kapitalisnms den Gemeiudc-Socialisinus zu setzen, zu einer möglichst imposanten zu gestalten, und daß jeder die Pflicht hat, hierauf hinzuwirken.— Da sich kein Gegner zum Wort meldete, wurde von einer Diskussion Abstand genommen und dann dem Genossen Dr. Hermann Wehl einstimmig die Kandi- datur für den 36. Bezirk übertragen. Zum Wahlkomitee wurden die Genossen Lehniger.Schuldt, Trip n er, Brzezina und G. Hoffmann gewählt. Im 44. und 46. Kommunal-Wahlbezirk referierte Ge- nosse Glocke und Dr. L i e b k n e ch i vor einer von ca. 1000 Per« sonen zählenden Versammlung über die Thätigkeit und ferneren Aufgaben der socialdemokratischen Stadtverordneten. Sie er- läuterten in wirkungsvoller Weise die einzelnen Punkte des socialistischen Kommunalprogramms und gaben eine Charakteristik der freisinnigen Majorität im Roten Hanfe. Mit dem Hinweis, daß mit der Zunahme der socialistischen Vertreter im Roten Hause ein andrer Zug durch die städtische Ver- ivalwng gehe und die eigentlichen Aufgaben der Kommune, zurDurch- führung gebracht würden, schloffen die Referenten ihre öfter von Beifall unterbrochenen Referate. Zur Diskussion meldete sich keiner der an- wescnden Gegner. Es fand hierauf die Aufstellung der Kandidaten statt. Für den 44. Wahlbezirk wurde Genosse T h. Glocke und für den 45. Genosse Dr. Karl Liebknecht aufgestellt. Nach Wahl der Wahl- komitees schloß die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Socialdemokratie. Die Versammlung für den 48. Wahlbezirk tagte im Lokal Badstraße 19. Dieselbe war sehr stark besucht, auch die Frauen waren gut vertreten. Genosse P f a n n k u ch zeigte in seinem sehr ausführlichen und beifällig aufgenommenen Referat und an der Hand desjenigen, was die socialdemokratische Frak- tion im Roten Hause durch ihr energisches Wirken bisher erreicht hat, wie notwendig es ist, daß das arbeitende Volk auch fernerhin seine Vertreter, und zwar in noch größerer An- zahl als bisher, in das Stadtparlament entsendet. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Jahn und H i n tz e. Als Kandidat wurde einstimmig wieder Gen. P f a n n k u ch aufgestellt. In das Wahlkonntee wurden die Genossen Anders, Beyer, Linde, Seeger und erfurth gewählt. Nachdem der Vorsitzende Hers» rth noch zu lebhafter Agitation und zum Abonnement des„Vorwärts", sowie zum Beitritt zur Partei-Organisation aufgefordert hatte, wurde die Versammlung mit dem üblichen Kainpfesrufe der Socialdemokratie geschlossen._ Sociales. Gewerbliche Vergiftmigen. Das französische Arbeitsamt hat soeben ein umfangreiches Buch veröffentlicht, in welchem die Ver- giftungen behandelt iverden, die sich die Industriearbeiter durch ihre Beschäftigung zuziehen. Den ersten Rang nehmen die Blei- Vergiftungen ein. Es Ivurde festgestellt, daß von 141 Schwanger- schaften, bei denen der Vater an Bleivergiftung litt, 82 Fehl- geburten, 4 vorzeitige und 6 Totgeburten zu verzeichnen waren. Von den 60 übrigen lebenden Kindern starben 16 im Laufe der ersten drei Monate. 20 ivcitere bis zum Schluß des erste» Jahres, so daß nur 15 das erste Lebensjahr überschritten. Ist auch die Mutter von der Blcikrankheit erfaßt, so sind die Folgen natürlich noch bei weitem schlimmer. Nach den Feststellungen des Arbeitsamtes sind insgesamt III Berufszweige der Vergiftung durch Blei ausgesetzt. Außer den Personen, welche daS Blei bearbeiten, kommen vor allem die Maler in Betracht, ivelche Bleifarben anwenden müssen. Sodann aber kommen noch in Be» tracht die Verfcrsiger künstlicher Blumen, die Spitzcnarbeiterinnen (die durch die Fabrikation vergilbten Spitzen erhalten mit Hilfe von Bleiwciß wieder ihre frühere Weiße), die Schriftsetzer, die Accumu- latoren-Arbciter und eine Menge andrer Berufe. Der Bericht weist ferner auf die langsamen, unmerklichen, nichtsdestoweniger gefähr- lichen Einflüffe der Vergiftungen durch Kohleuoxyd hin, welchen die Köche, Köchinnen ec. ausgesetzt sind, aber auch die Familien, die in schlecht ventilierten Räumen mit ungenügend durchziehenden Oefen wohnen. Schließlich wird die Aufinerksamkeit gelenkt auf die Spiel- fachen der Kinder, die meist mit giftigen Farbstoffen bedeckt sind.— Die meisten dieser Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter lassen sich leicht durch einfache hygienische Maßnahmen beseitigen. So ist in den französischen staatlichen Zündholzsabriken die Gefahr der Ver- giftung durch Phosphor beseitigt durch das Verbot der Verwendung von weißem Phosphor; auch in den Farben ist das Bleiweiß wohl entbehrlich und durch andre Stoffe ersetzbar, nur sind die Kosten etivas höhere, und daher sträuben sich die Unternehmer natürlich, diese in Anwendung zu bringen. In Frankreich besteht schon lange eine Beivegnng wider das Bleiweiß; es dürfte demnächst ein gänz» liches Verbot desselben zu erivarten sein. Eiue bemerkenswerte Bedingung für die städtischen Ver- dingungsvcrträge fordert ein Antrag eines Stadtverordneten in Trier, der schließlich der ncugebildeten„socialen" Kommission überwiesen wurde. Danach soll der Stadtverivaltung zur Pflicht gemacht werden,„bei Vergebung von Arbeiten jeder Art die Be- dingung zu stellen, daß die betreffenden Unternehmer nicht allein für die Versicherung ihrer Leute gewissenhaft zu sorgen haben, sondern daß sie auch verpflichtet sind, vor Abmachung nnt der Behörde den Nachlveis zu erbringen, daß die Beiträge regelmäßig an die Ver- sicherungs-Einrichtungeit. wie Krankenkaffen, Jnvalidenversichernng und Berussgenosfeuschasten. abgeführt sind, und soll die Behörde ge« halten sein, im Fall vorhandener Rückstände diese kurzerhand an dem Guthaben des Arbeitgebers in Abzug zu bringen, um so die Arbeiter vor Schaden zu bewahren. Ferner, daß Arbeitgeber, welche in Erfüllung ihrer Verpflichtung der Arbeitervcrsicherung gegenüber nachlässig oder fortgesetzt im Rückstände sich befinden, von der Be» Werbung um öffentliche Arbeiten zeitlveise auszuschließen seien." Uvhke rtachvichke» und Depeschen. Nceklinghansen, 16. Oktober.(W. T. B.) Bei Station Sinsen der Strecke Wanne-Münster ivurde ein mit Kühen bespanntes Ge» fährt von einem Zuge überfahren und zertrümmert. Der Leuker des Gefährts wurde getötet. Gclscnkirchcn, 16. Oktober.(W.T.B.) Auf Zeche„Hiberuia" gerieten zwei Bergleute unter herabfallendes Gestein, einer >v u r d e getötet, der andre erlitt schwere Verletzungen. Prag, 16. Oktober./- Marl höher, per Mai V, Marl niedriger als gestern. Südrussisches Produkt mittlerer Qualität wurde per März-April-klbladung mit 99� gehandelt. Weizen zog am Frühmarkt»/, Mark an und gab mittags wieder nach, blieb jedoch gegen /-esten, gut behauptet. Amerika kam etwas Häher, Oefircich-Nnzarn war lebanptet, hinten leicht abgeschwächt. Am Futter- markte blieb Hafer ruhig bei gut behaupteten Preisen, Mais ohne Geschäft, »cm well unverändert. Rüböl war ohne Umsag. Spiritus gab 50 Pf. nach; 70er loco stellte sich auf 37 M. Wie wir hären, hat der Ring den Spritpreis um 1'/, M. herabgeseflt. Schluß für Getreide Dezemberlieserungen sest. Witterungsübersicht vom 18. Oktober 1901. morgen» 8»Hr. Stationen Sf H ZZ Slvlneinde Hamburg Berti» ranlf.M. >1 wichen Wie» 5 5 i« 761 W 761 Still 762 SW 761 0 762! SO 762 SSO Welter 1 bedeckt —Nebel 1� bedeckt 2 wolkig 3 Nebel l. Nebel v» c-- la Stationen LS t*£ I« 1« Snnanda ersburg ort Aberdee» Parts 775 759 754! S S SS Wetter *§> c» i 11 L» Still- bedeckt NW 8 wolkig N bedeckt 9 Wetter. Prognose für Mittwoch, den RS. Oktober 1001. Vielfach heiter, nachts etwas kühler, am Tage mild bei schwachen nord- östlichen Winden: leine wesentlichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Tie sursstische Sprechstunde findet am Dienstag. DannerS- tag nnd Freitag von 7—0 llhr abends statt. I. W.. Heilbronn. Das Protokoll deS Parteitags ist jetzt erschienen. Darin finden Sie alles Nötige. Nach dem Parteitage ist in der Angelegen- heil noch nichts weiter geschehen. Was geschen wird, wird im„Vorwärts" berichtet werden. G. W. 103. Ostern siel 1872 auf den 31. März, also war der „4. Feiertag" am 3. April. Kandidat. 1. Ja. 2. Nein. 3. Alte Linke. H.-D. 1865. Nur falls sir durch letztwilliae Verfügung als Erden »ingesetzt werden.- 16. 11. 79. Ja.- G. T. Ist Kündigung aus- geschlossen, so hat der Arbeitgeber dennoch für den Tag, an dein er die Aufhebung des Arbeitsverhältniffes ausspricht, voll zu zfthlen. — B. B. 1. Ja. 2. Mit Zuchthaus und bei Annahme mildernder Um- stände mit mindestens sechs Monaten Gefängnis ist Abtreibung bedroht. 3. Ja. i. Hilfloser Kinder muß sich die Armenverwaltung(Waisen- direltion) annebmen.- M... inski. 1. Ueber Reisegelegenheiten, Fahrpläne, Kosten einer Reise erhalten Sie durch das Reichs-Kursbuch und in den amtlichen Auskunftstellen(Bahnhof Alexanderplatz und Anhalter Bahnhof) zuverlässige Auskunst. 2. Ueber die Kosten des Lebensunterhalts in St. können wir Ihne» eine zuverlässige Auskunft nicht geben.— Seometer. Wenden Sie sich an daS Tentral-Direktorium de« Lande«- vermesiuugSwesens, Berlin, Herwarthstrasie 2.— W. Sch. 999. Nein. — Heinrich Potter. Zuständig für eine klage ist das Amtsgericht, bei dem Sie ohne Anwalt klagen können. Ob die Klage Aussicht auf Erfolg hat, lädt sich ohne Einsicht in daS Statut nicht sagen. Für die Mihstönde, von denen Sie sprechen, notieren Sie sich wohl Zeugen und berichten uns dann unter genauerer Angabe auch der Zeiten, damit dann recherchiert werden kann.— I. H.}. Die Heiratsurkunde für die Juvaliditätsanstalt haben Sie nur zu diesem Zwecke' gebührenftei erhalten; sie bleibt bei den Akten. 2. Den Staatsangchörigkeits- Ausweis können Sie zurückverlangen. 3. An das Polizeipräsidium ist der Antrag auf Naturalisation zu richten. Ein Formular zur Naturalisation können Sie durch den Vorstand Ihres Wahl- verein« erhalte«.— M. siv. 1661. Die Wahlen sind am«. November. — Rostockerstr. LI». Der Wirt ist zum Ersatz der durch den Sturm zer- störten Scheibe verpflichtet, falls nicht, was wahrscheinlich der Fall ist, das Entgegensetzte durch Ihren Vertrag vereinbart ist.— Hulda B. t. Eine weitere Klage wäre zwecklos. Krankenverstchcruiigspflichtig sind Sie nicht, da in gültiger Weise eine Acnderung der sechswöchentlichen Kllndigiingssdst nicht vereinbart ist. Wohl aber steht Ihnen ein Anspruch auf Zahlung des GchgltS und Jnnehaltung der Sechswochensrist(zum Ouartalswechsel) zu. Sollte Ihr Prinzipal das Gehalt nicht gezahlt haben— Ihre Darstellung ergiebt hierüber nichts— so lönnen Sie mit Erfolg auf Zahlung des Gehalts klagen. Rechtsanwalt Heineinanu wohnt Kronenstr. 8, Liebknecht An der Spandauerbrücke 8.— O. 199. Das wissen wir nicht. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion de», Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortung. TtirAtev. Mittwoch, 16. Oktober. Opernhaus. Ftdelio. Anfang Uhr. Schauspielhaus. Der kommende Mann. Anfang 7»/, Uhr. Neues Opern, Theater(Kroll). Geschloffen. Schiller. Figaros Hochzeit oder: Ein toller Tag. Anfang S Uhr. Deutsches. Einsame Menschen. An- fang 7r/, Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft. (I. Teil.) Anfang 7i/, Uhr. Lessing. Die Fee Caprice. Anfang 7'/- Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger.— Borher: Im Coupg. Ansang 7»/, Ubr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- fang 7>/, Uhr. Westen. Die lustigen Weiber von Wtndsor. Ansang 7i/, Uhr. Secessiousbühne. Detlev Liliew crons Buntes Brettl. Anfang « Uhr. Eeutral. Girofls-Giroflä. Anfang ?-/, Uhr. Thalia. Ein tolleS«eschist. An fang 71/, Uhr. Luisen. Bei kleinen Leuten. Anfang 8 Uhr. <5 arl Weift. Berliner Rangen. An fang 8 Uhr. Friedrich-WilhelmstSdtischeS Die Landstreicher. Ans. 7i/,Uhr BeUe-Alliance. Talolo. Ansang 8 Uhr. Casino- Theater. Berlin W— Berlin N. Sl sang 8 Uhr. Virtropol. Specialitätenvorstellung Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialttäten- Vorstellung Frau Luna. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitäten-Dorstellung Weibliche Barbiere. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialttäten- Vorstellung. Anfang nachmittags b Uhr. Paffage> Panoptikum. Specialis läten-Borstellung. Reichshalle». Stettiner Sänger Ansang 8 Uhr. Urania. Taubenstr. 18/19.(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Ueber den Wollen. Im Hörsaal: Dr.«. Naß .Die Elemente des WafferS" Anfana 8 Ubr. Jnvalidenftrafte 67/68. Täglich abends von b— 10 Uhr Sternwarte. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 ühr: lieber den Wolken Im Hörsaal: Dr. O. Nasa:„Die Elemente des Wassers". Inralldenstr. 57/G8. Sternwarte. EWtt'TheM' (Wallner-Theaterj. Mittwochabend 8 Uhr! Figaros Hochselt oder: Ein toller Tag. Schauspiel in 6 Auszügen von Beau marchais. Für die deutsche Bühne übersetzt und bearbeitet von Franz Diugelstedt. Donnerstagabend 8Uhr: Engend. Freitagabend 8 Uhr: Figaros Hochreit oder: Ein toller Tag. Heute Ansang 7-/, Uhr: Olrons-OlroOl». Operette in 3 Atten von Eh. Lecocqu. ller: Damen Mja Werber, enny Wildner, Therese Delma, Luise Albes. Herren Karl Schulz, Sigmund Kunstad, Emil Sondermann. Donnerstag: Die Delsha.— Freitag: Der Fogelliündler. — Sonnabend: Die Geisha.— Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Vogelhttndler. Abends 7i/, Uhr: Die Geisha. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72. Heute u. folg. Tage; Ein tolles Geschäft. Grobe AuSstattungspoffe mit Gesang und Tanz in 4 Bildem. Paula Vorm in 8 Verwandlungen. llulcko Thlelschsr in 11 Verwandlungen Fritz Helmerding als Wolzogen. Junhermann, BoJ«. Anfang?>/, Uhr. CM« Panoptn. Frledrlchstr. 165. Horwarths wunderbare 6 Liliputaner mit ihren kleinsten Pferden der"Welt und Praoht-Equipage! Passage-Panopticum QoCollQ der Haar- »JaOUl&Cl, Athlet. Panorama: �i'wßrth!1 Die singende Bogenlampe. Kranen! AAm! Männer! »« Ritwch, de« 16. Mder, ilnH 8 Nhr. im..Eislitlitt". Wcheslr» 88; ¥oiks-Versammlyaig. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Dohert Seidel(Zürich) über:.Die Geschlechtertrennung in der Schule- ine pädagogische Sünde". 2. Diskusston. 1/8* Zahlreiches Erscheinen ist erwünscht._ Die Tertranenspersen. farl Weiss-Theater. Grofte Fraukfiirterslr. 132. Abends 8 Uhr! Abends 3 Uhr! Berliner Rangen! Große Ausstattungspoffe mit Gesang in b Akte» und 7 Bildern v. G. Albert. Musik von R. Leonard. Morgen: Berliner Rangen. Sonnabenduachmittag 4 Uhr: itseheahriiael. III. Wahlkreis. Freitag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, im grosten Saal der„Berliner Ressource", Kommandantenstrasse 57: Uolks Uersammwng TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genoffen Hohert Seidel Arbeiterbewegung und die Socialdemokratie 2. Diskusston. Rege Beteiligung der Genossen und Genossinnen erwartet Der Fertraaensmaaii. (Zürich) über:»Tie e in der Schweiz". 212/4 ipollo- Theater. Auf vielfaches Verlangen noch einige Tage: FranLnna mit dem Luftballett Grigolatls. Femer: die vorzüglich. Specialitaten SW Anfang 8 Uhr. In Vorbereitung Hlfitropol-TliGatcr. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsp mit Gesang u. Tanz in 5 Bild osse dem. Emil Thomas a. G. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Yere a. D. Frid-Frid. F. Georgelle. Gastspiel: Saharct! Anfang 8 Uhr. Donnerstag, den 1?. Lktober, abends 8� Uhr, bei Ranbe, Fichtestrafte S9: UolKs-Uersammwng Tagesordnung: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Itoseaorr über: Die Verteuerung der Lebensmittel und die Konsttm-Geuossettschaften. gy Die Frauen sind ganz besonders hierzu eingeladen._ 265/5 Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Heute, Mittwoch, abeudS 8'/« Uhr, im GewerkschaftShanS, E n g e l- Uf e r Nr. 15: Uertrauensmiinner-Nersammlnng für sämtliche Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Der Umschwung in der Rechtsprechung des Arbeitsvertrages. Referent Rechtsanwalt Dr. Ilelneiuann. 2. Werkstattstreiks und Differenzen. 3. Verbandsangelegenbeiten. NV Jede Werlstatt mub vertrete» sein. Die Drtsverrvaltnng. Bezirk Biimmclsbnrg. Donnerstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal deS Herr» Beuthling, Ecke Kant- und Goethestrafte! VeziLks-Vevsettttmlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen K. Ahrens. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. ES ist Pflicht sämtlicher Kollegen, pünktlich zu erscheinen._ Charlottcnhnrg;. Donnerötag, 17. Oktober, abends S1/* Uhr, in der GambrinuS- Brauerei, Wallstr. 94: Orosse Kommunaiffähler-Versaminlung TageS-Ordnung 1. Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. verordnete Cnrt Waake und Paul Hirsch. 2: Ansprache der vom Socialdemolratischen Wahlverein Kandidaten. ö. Dislussion._ Frauen haben Zutritt. Der Elnbcrnfcr. Referenten Stadt- ausgestellten 203/13 Casino-Theater liothrlngevstrasse 39. Von heute den 16. Oktober an: 5 n e n e Debüts"W it. a. Mr. Rosleps, zum erstenmal in Berlin.— Die drei reizenden Silvias- Stcidl. Vttlm H.— Berlin w. Ans. ivochent. 8, Sonntags 7»/, Uhr. Clekus Bus eh. Mittwoch, 16. Oktober, abends 7'/. Uhr: Elittc-Gala-Abend. Die gröbte Attraktion der Jetztzeit! Auberdeui das gewählte Gala-Progr. Li» guot Brandsnburg allewege. Gr. Ritter- ti. Reiter-Schau stsick'anS der kurbrandenb. Zeit zu Wasser U.F.Lande. ksIsst-Thvater (früher Fern-Palast) Purgstr. 2Z. Direktion: Winkler u. FrBbel. Ganz Berlin amüsiert sich über das neue kotosiale lOktober-Krogramm IZSechtioiis-Nvinmern. Ganz Berlin lach« um 81/, Uhr Direktor Wilhelm Fröbcl in der erfolgreichen Operette Weibliche Miere. Neueste Tagesereignisse! |Lebenile Rleten-Photographlen je Ans. 8 Uhr. Kaffeneröffu. 7 Uhr. Billctvoroerkaus von 11—1 Uhr. Anfang wochent. 5, Sonntags 3, Ende» Uhr. Beginn des Abendprogramms 8 ühr. Adelina Sozo Prima ballerina assoluta. TraodclienHunflpbyrtli die Kuhmagd a. d. Eheinlande. Dias! und franil, die bayrischen Juxbrüder und Schuhplattler. 17 erstkl. Aumnicrn. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Tcrwalinngsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Mittwoch, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, bei John, Wilhelminenhofstraße Nr. 18: Bezirks-Yrammliiii; für Ober-Schüneweide. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion 3. Wahl der Agitationskommission und Berbandsangclegenheiten.— Zahlreichen Besuch erwartet 110/19 Die G r tsver waltnn kt. AMmig! Weitzensee. Achtung! DkilMer Donnerstag, den 17. Oktober, abends 8�/- Uhr, bei Kühne, Rölkestrasie 20: Mitglieder-Bersammlllug. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Vortrag des Genoflcn Do. HVoIl- heiin über:„Lust und Leben". 3. DiSkusslan. 4. Bericht und Neuwahl des Gewerkschaftsdclegicrteu. 6. Gewerlschastttches. 10S/Iö Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. W. Noacks Theater. Bniiimnsiraste 16. Maria Stuart. Trauerspiel in fünf Aufzstgen von Friedrich v. Schiller. Donnerötag: Die klse m krlensjes. Reichshailen. Stettiner Sänger. Herrliches Programm, u a.„Doseo". Anfang 8 Uhr. SonntagS 7 Uhr. Verein sotialdemohraNscher Gast-«nd Schankwirte Derlins und Umgegend. Freitag, 18. Oktober, nachm. 5Vs Uhr, bei Koll. Münzer, «IxdorK, Knesebeckftr. 113: TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quartal und Bericht der Revisoren. 2. Bericht der Rechtschutz-Kommission. 3. ErgänzungSwahl des Vorstandes und der Rcchtschutz-Kainmisstou. 4. Aufnahme neue Mitglieder. S. Vortrag untres Syndikus Dr. schöp» über die neuesten Polizeiverordnungen. 6. Diskussion. 7. Vereinsangelcgenheiten. 60/20 Die Mitglieder werden ersucht laut§§ 2 und 4 unsreS Statuts bei Bezahlung ihrer Mitgliedsbeiträge ihr WahloereinSbuch vorzulegen. Zu zahlreickem Besuch ladet ein __ Der Vorstand. I. 8t.: Ferdinand Efvald. Cirkus Albert Schümann.* Renz-Gabäude. Karlatrassa. Mittwoch, den 16. Oktober, abends?i/, Uhr: Asovltttten->lheiid. U. a. erstes Debüt deS„»»copier- bare.."«r. Eph�im �lche7°,i't �«en erfimdenen Elefaißten-Itummer auftreten wird. Ferner das übrige vorzügliche Programm. Zum Schlug zum 5. Male: Die Sensation er- regende gros-e AuSstattungspanto- mime i» 8 Akten A Yravcrs Paris (Quer durch Paris) mit dem Schlußakt: tfordseebad Scheveningen. mit Hervorragenden Licht- u. Wasser- effekte» von Ren« l-oul», pari,. Musik von Rmilo Doloire, Paris. Einstudiert vom Ballettmeister pratasi. In Scene gefetzt vom Direktvr glbert Lcbumaim. Socialdemokratischer Walilverein für den 4. Berl, Reielistags-Walilkreis. itcii.) Insclge. Duo Todes-� Am Montag, den 14. Oltober, starb unser langjähriges Mitglied, der Cigarrenarbcitcr Llerrnsvii Voltne»'. Ehre seinem Andenken I Die Bcerdtguug findet am Donners- tag, den 17. Oktober, nachm. Sl/2 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 266/9 Der Vorhtand. Todes" Üitfcifie. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, dafl Montagfrüh unser ältestes Mitglied und Genosse Reraiann Wslfner sauft entschlafen ist. Die Beerdigung findet von Leichenhalle„Krankenhaus Friedrtchshain" nach Wilhelmsberg am Donnerstag- nachmittag 3'/, Ubr statt. l2S2/1 Rauchklnb„ Berns Pitz e- Allen Freunden imd Bekanmen di» traurige Nachricht, dass mem lieber Mann, unser guter Vater, der Gürtler Paul Nerlich am Sonnabend, den 12. d. M., um 61/2 Uhr plötzlich verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Frau ömaüe Nsrllch nebst Kindern. Die Beerdigung findet au: Mittwoch, den 16. d. M., um 4 Uhr von der Leichenhalle d. Freireligiöse» Friedhofs, Pappel-Allee, aus statt_ 1135b Saiissoiiei Kottbnserstr. 4 a. Wiederaustrcten von Adolf Hofiniann. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hoff 1» a n n s NsMeiltsche Siiilger Nach jeder Soiree: Tanz. Ansang Sonntags 7 Uhr, von 5—7 Uhr Konzert. Entree 59 und 75 Pf. Wochentags Ansang 8 Uhr, Enttee 39«. 59 Pf. Wochentags Vereinsdillets gültig und Tanz frei. Alle andem Tage bleiben die Säle zu Festlichleiten und Ber- sammlungen frei._ Greller Wner GesMtMer für Äiilchhaiidel oder Bierverlog passend, sofort zu vermieten Fehr- bellinerstrafle 4»._ 10876* Dr. med. Schaper homäop. Arzt u. Spez.-Ärzt f. Baut' u. Harnleiden, Fvauenkra nlcheiten. Königgrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Filteresscil-Verei» der Kistenmaclier. Sonnabend, den 12. d. M., verstarb unser Kollege Mlbelm �loss Werkstatt von Zoch, Anklamerstrassc. Die Beerdigung findet heute, Milt- ivoch, den 16. d. M, vom Kranken- bans am Urban nach dem Neuen Jalobi-Ktrchhof, Hermanustrahe, um 1>/, Uhr nachmittags statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 04/i 7s_ Der Borftond. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die reidilichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines liebe» Mannes sagen wir unsren aus- richtigen Dank. 11426 Ida Michelchen nebst Kindern. der Spandauor Brücke 3. Vornehmst. 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Johannisthal bei Senftlrhrn. Mitgliederzahl 3000. Mitgliederanteil 30 M. Die Hinterlegung von 60 Pf. Einschreibegebühr berechtigt zum Einkauf. Der Verein arbeitet mit nur eignem Kapital. 265/6 DW Demnächst werden Verkaufsstellen in Grob-Lichterfelde, Moabit, Stralaner Allee 20a und am Küstriner Platz sowie in Friedrichsfclde eröffnet. Der Aufsichtsrat._ Der Vorstand. 'teppdecken Gr. Meissner Geld-Lotterie. Ziehung bestimmt 20. Oktober bis 2. Novbr. d. J.| 13 160 Geldgewinne und 1 Prlimie. zusammen 375 OOO Mark Rtaar. Die Hauptgewinne sind im glücklichsten Fall « 100000, 00000, 40000, 20000, 10000»..w ÜW* Origlnal-Iiosc a 3 M.(Porto und' Liste 3« Pf. extra) empfehlen und versenden auch gegen STachnahmc, 1 Coupon« nnd Uriefiuavken[2462L*| Bank- Berlin w., p.-nhKft Friedrichstrasse 198/199, 1 besenan Ecke Krausenstr. voupon» und Neubauer&C0.1 Telegr.-Adr.: Millionenecke. Q w« kanft man am besten und billigsten nur direkt in der Fabrik ZI. 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Femer berichtigt Herr Krok, Brunnenstr. 36, daß sein Vorgänger Dolge, welcher in dem Inserat der Milchhändler noch als Inhaber des Geschäfts aufgeführt ist, schon seit dem 1. April verzogen ist, er selbst aber keine Ringmilch führe. Auch die folgenden Mtlchhändler erklären, keine Ringmilch zu führen: M. Sedlitz, Molkereibesitzer, Frankfurter Allee 116. Carl Gellrich. Dresdenerstr. 105. Schröder. Königsbergerstr. 19. Auf die Bekanntmachung der Milch- Händler vom 13. Ottober er. betreffend Ringmilch bemerke, daß ich solche noch nie in meinem Geschäft verkaust habe. Jul. Blase. Kottbuier Damm 15. 2559L* Eose a 3 Mk., Carl Heintze, Engl. Garten. Alexanderstrasse 27«. Sonnabend, den 16. November, Totensonntag, Sonnabend, den 30. November, Saal frei unter ganz coulanten Bedingungen. IT«-»"" 5?izn:i~A ECJeisiß MnzßBOGn» Wort fett. 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Farbigmacherin und einen Lehr- ling verlangt Max Biber, Goldleisten- fabrik, Neanderstraße�_[11446 Belegerin für Goldleisten verlangt Probst, Köpnickersttaße 37.[1145b* Jm Arbeitsmarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzeige» kosten 49 Pf. pro Zeile Aidbcltsimchwels Deutscher Goldschmiede, Engel-ttfcr 15: Für Berlin sofort ei» tüchtiger Hainmerarbciter. der alles machen kann._[119/18 Ein kleiner Kreis von Freunden bereitet in der Nähe einer Grossstadt eines der schönsten Länder die Gründung eines kooperativen Gemeinwesens vor, zu dessen finanzieller Sicherung die Erträgnisse eines in Deutschland bestehenden Unternehmens beitragen sollen. Für letzteres und zur späteren(ev. auch kapitalistischen) Beteiligung an ersterem wird tUchtlj�er Kaufmann, selbständiger Arbeiter von gediegener Bildung vornehmem Charakter u. erprobter socia- listischer Gesinnung (gegen Fixum v. anfänglich 18-2500 M.) gesneht, Genaue Offerten sub E. 4 an die Expedition erbeten. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.' Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.