Ur. 243. Absm»meMs-Kedwgnnge»: Abonnements-PreiZ pränumerando: Tierteljährb ZLV Mb, monatl. I,l0MI., wöchentlich W Pfg. frei ins Hau». Simelne Ni»nm«r 5 Psg. Sonntags» Nummer mit Uluntutur Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Plg. Polt- Abonnement: l.lv Mark pro Monat, Singelragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für isvl unter Dr. 7871. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige Autland s Marl pro Monat. 18. Jahrg. Dt« Inftrtions-GMlir dcträgl für die sechsgespaltene Koloner» zctle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaftltche Verein«» und Versammlung»-Anzeigen L0 Pfg. „Kleine Anfeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fitt>. Inserate für die nächste Nummer müssen biS s Uhr nachmittags in derSxpedltion abgegeben werden. Die Expedttton ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn» und FestiaAen bis s uhr vormittags geöffnet. Arschrint täglich außer Montag«. Devlinev Volksblott. Centraiorgan der sonatdemokratischen Partei Deutschlands. Telegramm- Adreste, «Soii-rldrntvstrat verlin" Redaktion: 19, Ventlt-Strafte 2. Fernsprecher: Slnit I Nr. 150«. Sotttlabeitd, den IN. Oktober 1NQ1. Expedition: sw. 19, Veukh-SkrMv 3. Fernsprecher: ittint 1, Nr. 5131. Zehn Jahre Handelsvertragspolitik. Die Ausführungen des östreichischen Ministerpräsidenten im Abgeordnetenhause beweisen, daß die Regierung des Nachbastaates sich rüstet, den unerhörten Zollforderungen der reichsdeutschen Hochschutzzöllner mit einem Zolltarif zu begegnen, der den reichs» deutscheu Forderungen in nichts nachgeben soll. Das würde der Anfang eines deutsch- östreichischen Zollkrieges und das vorläufige Ende der Handelsvertrags� Politik bedeuten. In einer solchen Zeit er scheint es denn doch angemessen, die Wirkungen der bisherigen Vertragspolitik auf das deutsche Wirtschaftsleben nochmals zu überschauen. Professor Lötz hat jüngst in den Schriften des Vereins für Socialpolitik eine dankenswerte Uebersicht über den Ertrag der von den Agrariern viel geschmähten Handels Politik gegeben, aus der sich ergiebt, wie vorteilhaft diese Politik— soweit es unter dem Walten des Kapitalismus möglich ist— für die gesamte Bevölkerung Deutschlaiids, die landwirtschaftliche eingeschlossen, gewesen ist und wie ein Abirren � von ihr zu schweren Beeinträchtigungen unsres Wirtschaftslebens, insbesondere der Industrie, führen niuß. Im Anschluß an Professor Lötz geben wir folgenden Rückblick. Bei Abschluß der Handelsverträge im November 1891 erwarteten die verbündeten Negierungen zunächst einen Rück- gang der Zollcin nahmen. Wenn die Zollermäßigungen, die den Vertragsstaaten zugestanden wurden, verallgemeinert würden, schien ein Zollaussall von 36 Millionen Mark mög- lich. Die Regierung erklärte sogar, als sie nach der Militär- Vorlage von 1893 Steuererhöhungen durchsetzen wollte, die Einnahmen des Reiches seien„in den letzten Jahren infolge der abgeschlossenen Handelsverträge um erhebliche Be- träge verringert worden." In den ersten Jahren nach Inkrafttreten der Handelsverträge benutzten Agrarier mit Vorliebe das Argument von der großen Schädigung der Reichsfinanzen, die die Handelsvertragspolitik gebracht habe. Aber schon 1895 konnte Graf PosadowSky als Reichs- schatzsekretär darauf hinweisen, daß der Rückgang der Ein- nahmen aus zollcrmäßigtcn Artikeln durch Mehreinnahmen aus Zöllen auf Kaffee, Kakao, Thee, Petroleum, Tabak auf- gewogen� sei. Es brachten dem Fiskus also Zölle auf solche Artikel Ersatz, für welche die Massen bei verbilligtem Lebens- bedarf mehr ausgeben konnten. Zu den wichtigsten Symptomen wirtschaftlichen Fort- schritteS gehört der N e r b r a u ch a n K o h l c, Roheisen und Baumwolle. Die betreffenden Ziffern weisen durchweg eine Steigerung auf, mit Ausnahme der Jahre 1894 und 1899 für Baumwolle. Verbraucht wurden pro Kopf der deutschen Bevölkerung in� Kilogramm: Kohle gstein- u. 1881/85. 1886 00. 1801/05. 1896., 1807., 1898 1899 Braunkohle) 1445 1686 1940 2153 2276 2352 2470 Nach Berechnungen des Stahlindustriellcr Industrieländer Welt in Tons: betrug der Anteil an der R o h e i s e n � Roheisen Baumwolle 74.2 3.34 - 88.6 4.19 99.9 4,95 122.9 4.85 134,1 5.36 136.4 6.30 154,9 5,71 Vereins deutscher Eisen- und der drei wichtigsten Produktion der 1830 1890 1899 Wer. Staaten.... 3896554 9349943 13838634 Enqlnud...... 7 800 266 8 030 374 9 454 000 Deutschland(mit Luxemb.) 2 729 038 4 658 451 8142 017 Die Kohlengewinnung stieg nach Schätzungen 1889 99 in Großbritannien von 176,9 auf 220 Millionen Tons, in Deutschland von 67,3 auf 101,6, in den Vereinigten Staaten von 126 auf 218 Millionen Tons, in Frankreich nur von 23,85 auf 32,3 Millionen Tons Die vollspurigen deutschen Eisenbahnen wiesen am Jände des Rechnungsjabres 1891 einen Verkehr von 11679 Millionen Personenkilomer und 23328 Millionen Tonnenkilometer, am Ende des Rechnungsjahres 1899 einen solchen von 18 595 Millionen Personenkilometer und 34 981 Millionen Tonnenkilometer auf. Die Eigentums- Bahnlänge stieg gleichzeitig nur von 42 269 auf 48 989 Kilometer. Die Uebcrschüsse der Betriebseinnahmen über die Ausgaben der vollspurigen deutschen Eisenbahnen stiegen 1891— 1899 von 472 auf 751 Millionen Mark. Die Tragfähigkeit der statistisch in dieser Hinsicht kon- trolliertcn deutschen Fluß-, Kanal-, Haff- und Küsten- schiffe stieg folgendcrnmßen: 1832: 1 658 266, 1892: 2 760 553, 1897: 3 370 447 Tonnen. Den gewaltigen Auf- schwung der deutschen S e e s ch i s f a h r t zeigen die bezüg- lichen Zahlen der TranSport-Leistungsfähigkeit. Sie wird (in 1000 Brutto- Registertons) folgendermaßen geschätzt: 1874/75: 1511,8: 1894/95: 3767,7; 1898/99: 5412.4. Die Gebühreneinnahmen von Po st und Tele- g r a p h e n stiegen im Deutschen Reiche 1891—99 pro Kopf der Bevölkerung von 4,8 auf 7,1 M. Im einzelnen zeigt der Postanweisungöverkehr, Pakctverkehr, Briefverkehr und Telegrammverkehr eine stärkere Zunahme als der Zunahme der Bevölkerung entsprechen würde. Der Abrechnungsverkehr der Banken, welcher 1891 17 663 Millionen Mark in Deutschland umfaßt hatte, zeigte 1892 zwar einen geringfügigen Rückgang, stieg aber dann, ohne daß— abgesehen von Elberfeld— neue Abrechnungs- stellen eröffnet worden wären, fortgesetzt bis 1899, in welchem Jahre die Summe von 30 233 Millionen Mark erreicht wurde. 1900 kündigte sich die verschlechterte Konjunktur in einem Rückgang aus 29473 Millionen Mark an. Die deutsche Bevölkerung ist 1890— 1895 prozentuell stärker gestiegen als jemals seit Begründung des Reiches, mit Ausnahme von 1875—1880, nämlich um jährlich 1,12 Proz. Im Jahrfünft 1895—1900 aber betrug die Zunahme im Jahresdurchschnitt 1,50 Proz. der mittleren Bevölkerung. Diese Zunahme ist seit 1820 ohnegleichen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung in Deutschland beträgt 1900 104,2 Ein- wohner auf 19 Kilometer, während Frankreich Mitte 1898 nur 72,2 Einwohner pro Quadratkilometer aufweist, andrerseits Großbritannien und Irland zusammen 132 Einwohner pro Quadratkilometer ernähren. In Städten mit mehr als 100000 Einwohnern leben in Deutschland 16,17 Prozent der gesamten Bevölkerung. Die Zunahme der Be- völkerung 1890/1900 ist erfolgt, obwohl Deutschland nicht mehr so übermäßige Geburtenziffern Wie 1871/80, sondern ungefähr dieselben Geburtenziffern wie 1841/50 aus weist. Die Häufigkeit der Eheschließungen hat zwischen 1879 und 1891 niemals die Ziffern erreicht, wie zwischen 1896 und 1899. Die überseeische Auswanderung Deutscher— soweit statistisch kontrollierbar— hat in den Jahren 1881—1892 zwischen 220 902 und 83 225 geschwankt. Sic fiel 1393 auf 87 677 und hat seidem sich fast jährlich vermindert. Im Jahre 1900 verlor Deutschland nur 22 309 Einwohner durch über seeische Auswanderung. Alle die düsteren Prophezeiungen der Brotwuchcrcr über den durch den Abschluß der Handelsverträge eintretenden „Rückgang" d e r L a n d w i r t s ch a f t haben sich nicht er- füllt. So zunächst bezüglich des Viehstandes. Bei einem Vergleiche der Viehzählungen von 1892 und 1897 erweist sich nur bei den Schafen eine Fortsetzung des auch unter der früheren Zollpolitik bemerkten Rückganges, diesmal von 13,59 auf 10,867 Millionen. Die Zahl der Schweine hat sich da- gegen von 12,17 auf 14,27 Millionen vermehrt. Der Rind- Viehbestand stieg bei beträchtlicher qualitativer Verbesserung von 17,556 auf 18,491 Millionen, der Pferdebestand von 3,836 auf 4,038 Millionen. Die Forstwirtschaft hat sich ganz allgemein in Deutsch- land gehoben und die Ziffern der landwirtschaftlichen Zwangs- Versteigerungen weisen nur angesichts der auch in andern Ländern verhängnisvollen Jahre 1892 bis 1896 ungünstige tffern auf, während sie sich seitdem fortgesetzt verringern. -oweit aus der Erntestatistik auf die Anbauflächen geschlossen werden darf, ist seit Ermäßigung der Getreidezölle nur bei Spelz ein gewisser Rückgang der Ernteflächen gegen 1890 im Jahre 1900 wahrzunehmen. Die Erntefläche für Roggen ist dagegen 1900 um 130000 Hektar, die Erntefläche für Weizen um etwa 89 000 Hektar gegen 1890 gestiegen. Auch die Ernte- fläche für Kartoffeln ist gestiegen. Die deutschen Märkte verzeichnen auch beim Sinken der Getreidepreise unter dem S1/» Mark-Zoll in manchen Jahren die höchsten Notierungen der Industriestaaten der Welt. Die Brotwucherer haben noch immer ihren Profit gemacht. Angesichts dieser Zahlen ist nicht zu bezweifeln, baß die Handelsvertrags-Politik der ersten neunziger Jahre günstig und befruchtend auf das gesamte deutsche Wirffchaftsleben ge- wirkt hat. Um so schlimmer wird sich für Deutschlands Entwicklung die Absperrungspolitik Bülows und seiner agra- rischen Helfershelfer gestalten, die jetzt, noch dazu in der Periode�des Niedergangs, alles zerstören, was die bisherige Vertragspolitik mühsam gebaut hat. Nolikische Arbevfichk« Berlin, den 13. Oktober. Luftkiffe». Die Resolution, die am Donnerstag von der Berliner Stadt- verordneten-Berfammlung angenommen ivnrde, ist eine rechte und echte Dragageburt. Hinter der verheißungsvollen Gefchlvollenheit, die den Kampf nnis Recht der Selbstverwaltung gebären zu wollen scheint, steckt nichts als ein schwindelhnftes Luftkissen. Man kann auch sagen: Die Stadtfreisinnigcn liefern nach dem Muster der preußi- scheu Junker von 1807 die Festungen aus, ehe»och ein ernsthaftes Gefecht beginnt. Die angenonrniene Resolution Kaempf lautet: „Den Magistrat zu ersuchen, den in dem Schriftwechsel mit dem Polizeipräsidium entwickelten Rechtsstandpunkt f e st z u- halten, nach welchem nur eine baupolizeiliche Genehmigung zur Errichtung der Märchcndrunnen er- forderlich ist." Das soll eine Rechtsverwahrung sein! Wie wird und muß sich nun in Wirklichkeit die Angelegenheit entwickeln? Wollten die Stadtverordneten ernsthaft die Rechtsfrage zur Entscheidung bringen, so giebt es keinen andren Weg, als den letzten, auch vom Magistrat einstimmig gebilligten Beschluß der Kunstdeputation unverzüglich zur Ausführung zu bringen, d. h. den Polizeipräsidenten zu ersuchen, sich darüber zr: äußern, ob er den Baukonsens für die Märchcnbrunnen nach den eingereichten Entwürfen erteilen will oder nicht, und im Fall der Ablehnung den Prozeß einzuleiten. Die Resolution Kaempf fordert ein andres Verfahren. Sie faßt den Kampf ums Recht so auf, daß man ihm vor dem Beginn rück- sichtsvoll ausweicht. Die Angelegenheit wird danach zunächst an die Kunstdeputation zurückgehen. Nach der Stimmung der.Stadt- verordneten-Mehrheit zu schließen wird man dort begeistert sich der höheren künstlerischen Einsicht der Audienz von Hubertusstock an- schließen, und, da ja Herr Oberbürgermeister Kirschncr eine kompetente Stelle entdeckt hat, die die Quadratur des Cirkels mit geringer Mühe zu bewerkstelligen vermag und Gruppen zugleich auflöst und verbindet, so wird man leicht eine Aendcrung im Sinne des Kaisers, doch unter Anfrechtcrhaltung der Hoffmannschen„Grundidee", er- finden. Wir denken, daß man dies etwa in der Weife bewirkt, daß man die M ä r ch e n g r u p p e n z n m H e r a u s n e h m e n nach Art der Zusammcnsctzspiele der Kinder einrichtet. Den einen Tag werden sie dann in den monumentalen Aufbau eingefügt— die Grundidee der Stadt— den andern werden sie losgelöst und i» einzelnen Gruppen gesondert aufgestellt— der Wunsch der Krone. So wechselt man Tag für Tag ab und so findet man denn in der That die höhere Einheit des Unvereinbaren, die von der kompetenten Stelle des Oberbürgermeisters in Aussicht gestellt worden ist. Die technischen Schwierigkeiten solcher zerleg- baren Märchcnbrunnen sind gewiß recht geringfügig gegenüber der Lindcnunterführung der Straßenbahn. Der so geänderte Entwurf geht nun an den Polizeipräsidenten. Der erteilt die Erlaubnis, und die Sache wird gemacht. Für die Austragung der Rechtsfrage bleibt mithin bei diesem Verfahren nicht der niindcste Raum übrig. Denn die Stadt kommt garuicht dazu, ihr Recht zu wahren, weil sie ja vor dem Prozeß nach- gegeben hat. Es kann aber auch sein, daß der Polizeipräsident auch die g e- änderte Darstellung noch nicht gemütvoll genug findet und aber- mals dem Magistrat mitteilt, der Entwurf entspreche nicht den aller- höchsten Wünschen. Was geschieht in diesem Falle? Dann sind Ivir wieder glücklich zum Anfang zurückgekehrt. Die freisinnige Mehrheit wird abermals ihr Recht wahren, abermals jedoch die schuldige Rück- ficht üben und vor der Dnrchfechtung der Rechtslage sich zu neuen Aenderungen entschließen, bis endlich der Entwurf„unter Aufrecht- erhaltnng" der Grundidee so gestaltet ist, daß der Polizeipräsident den Konsens erteilt. In keinem Falle ermöglicht die Resolution Kaempf die Klärung der Rechtsfrage. Sie ist also nichts als eine Vorspiegelung falscher Thatsachcn, als ein Luftkissen. Die Leipziger Bank und die Sanden- danken, die Trebcrtrockuer und Terlinden mögen nach derlei ResolutionSmaximen gcwirtschaftct haben. Es ist denn auch nicht zu erstaunen, daß selbst die wildesten Reaktionäre und Scharfmacher an diesem Luftkampf ums Recht ihre helle Freude haben.„Post",„Kreuz-Zeitung".„Berliner Neueste Nachrichten" schreiben dem vcmünftig gewordenen Freisinn das schönste Zeugnis, wissen sie doch, daß das Verhalten geeignet ist, den zwar nicht mehr gefährlichen, aber immerhin noch zu beachtenden liberalen Feind völlig zu rninicrcn. Ein konservativer Christen« mensch tötet zwar nicht seinen Feind, er freut sich aber doch, wenn er durch Selbstmord endet. So sind die reaktionären Lobpreisungen als fromme Aufmunterungen zur Selbstentleibung aufzufassen. In dieser Tendenz spricht die„Kreuz-Zeitung"— die es übrigens nicht für ausgeschlossen hält,„daß aus andren Gründen(?) die Einholung der königlichen Genehmigung sich als notwendig erweist"— von der„verständigen Haltung" der Stadt- vcrordneten-Versammlung. Die„ P o st" freut sich, daß die Frei- sinnigen„mit. wahrhaft ostentativer Deutlichkeit von der Social- demokratie" abgerückt sind. Eine sehr begründete Freude, denn ohne die Socialdemokraten mutz der Freisinn zu Grunde gehen I Es sei, so meint das alte Stumm-Blatt, seit der Märzgefallenen-Frage„eine im Interesse der Stadt selbst nur erwünschte Einkehr und Umkehr eingetreten". Jetzt könne man erwarten,„daß auch in betreff der Wahl des zweiten Bürgermeisters die ruhige llebcrlegung den Sieg davontragen und man sich recht bald zur Wahl eines Mannes entschließen wird, auf den sich die Mehrzahl der bürgerlichen Parteien in der Stadt- vcrordneten-Versammlung vereinigt und welcher demzufolge nicht als Bürgermeister von Singers Gnaden erscheint." Gewiß, und eines Tages wird man auch aus„schuldiger Rücksicht" Kirchen in jeder gewünschten Anzahl bauen. Daß auch die liberale„National-Zeitung" über die Farce hoch- lichst befriedigt ist, erklärt die nationalliberale Rasse hinlänglich. Den Vogel des Blödsinns schießt aber wieder das freisinnige„Verl. T a g e b l." ab, das da meint:„In eignen Partei-Angclegcnheiten hütet sich die Socialdemokratie, wie der Ausgang der Bernstein- Debatte auf dem Lübecker Parteitage bewies, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Dieses socialdcmokratische Beispiel haben die Berliner Stadtverordneten befolgt." Demzufolge scheint das„B. T." den Kaiser als Mitglied der'Freisinnigcn Vereinigung zu reklamieren, das zwar gelegentlich ketzerische Anwandlungen habe, mit dem aber doch eine Verständigung über die Parteiaufgabe» möglich sei. Nur ganz vereinzelt finden sich in der bürgerliche» Presse Worte schärferen Protestes. Die Haltung der Mehrheit wird von der„Freisinnigen Zeitung" verurteilt. Selbst einem„nationalen" Blatt wie der„Täglichen Rundschau" graut vor dem Gang der Dinge. Es fühlt die Niedrigkeit der freisinnigen Taktik, und es ist sichjklar darüber, daß die Socialdemokratie allein die Haltung einnimmt, die weit über den Kreis der Partei hinaus von allen anständigen und urteils- fähigen Elementen geteilt wird. Klagend ruft das Blatt aus: „Ein andres ist es. was uns im Angesicht der aufkeimenden Friedcnshoffnungen nachdenklich stimmt. Daö ist der Schaden, den ans so unbeträchtlichem Anlaß die Krone nimmt. Mögen doch die Berliner ibre Anlagen schmücken, wie's ihnen behagt; ist das ein würdiger Grund, das hehre Haupt der deutschen Nation in den erniedrigenden Tagesstreit herabzuzerren? Straßauf, straßab wandeln heiite die KainelotS auf der Friedrichstrabe und ddilleu sich heiser:«Hochinteressanter Artikel des„Vorwärts" iilier den Märchcnliriinnen". und jedes gifticie Wort, das EingerS massive Dreistigkeit gestern gegen den Monarchen schleuderte, findet lüstern lauschende Ohren und manches dringt gar»och tiefer. Der gemeine Menschenverstand steht hier eben vor einem Prohlem, das er nicht fassen mag: lvarnm soll denn durchaus eines Mannes Geschmack lmid sei er noch so hoch- stehend) mabgebend sein: weshalb soll zu de»„ausgelösten" Gruvpen der Siegesallee nicht dranben am Friedrichshaiu sich ein massiveres „Gegenstück" erheben? Nun ist es ja richtig, dah Baumeister Hofsinauu gestern selbst sein Kind preisgab: daß aucki ihm jetzt die Anlage zu festlich, zu grobartig»nd pompös erscheint. Aber maii wird doch fragen dürfen, ob er auch ohne die kaiscr- liche Huld, die ihn in Hubertusstock bestrahlte, zu dieser Auf- fassnilg gekoinincii wäre: ob er dem tiefereu Kunstverständnis sich beugte oder nur ehrerbietig vor seinem Kaiser zurückwich." Derweilen blickt der Hoflicfcrantcn- Freisinn hoffend auf die Fruchtbarkeit täuscheuder Luftkissen... Der Professor des Kaisers. Die Iiiitiative Wilhelms II. bethätigt sich auf allen Ge bieten des Lebens, sie geht über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus, und bedient sich der mannigfachsten Mittel. Donnerstagnacht meldete das Telegraphenbureau die folgende. bereits mitgeteilte Depeschenbotchaft des Kaisers: Neues Palais. Patent für Dr. Spahn von mir heute voll- zogen. Er wird gewiff eine vortreffliche Lehrkraft für die llniversität werden. Freue mich einen der lange gehegten Wilitschc meiner Elsab- Lothriiigcr haben erfüllen zu können, lind ihnen sowohl als meinen katholischen Unterthanen überhaupt de- wiesen zu haben, daß anerkannte ivissenschaftliche Tüchtigkeit auf der Basis von Vaterlandsliebe und Treue zum Reich immer zu Nutz und Frommen des Vaterlandes von mir verwendet ivird. Wilhelm I. K. Selbst in dem reichen Zettelkasten der„Vossischen Ztg." hat sich kein Präzedenzfall für eine solche allerhöchste Ein sührung eines Professors vorgefunden. Die Universitäten befinden sich in einer ähnlichen Lage wie die Gemeinde Berlin. Sie haben rechtlich die Selbst Verwaltung, aber sie dürfen nur einen sehr bescheidenen Gebranch davon machen. Seit längerer Zeit ist es System daß der Minister über den Kopf der Fakultät hinweg so- genannte Strafprofessoren geschickt hat. Immer aber fiel die Verantwortung auf die Regierung. Jetzt erscheint der Kaiscr selbst als die Instanz, die für die rechte Auswahl der Professoren Sorge trägt. Zwar hat die Straßburger Fakultät de» Lojährigen Herrn Spahn nicht nur nicht vorgeschlagen, sondern direkt gegen seine Wahl Protest erhoben. Aber Wilhelm II. hat den Wunsch, einen k a t h o l i- s ch e n Professor seinen elsaß-lothringischen„Unterthanen" zu gewähren, er hat sich überzeugt, daß Herr Spahn wissen- schaftliche Tüchtigkeit besitzt und eine vortreffliche Lehrkraft sein wird— also ernannte er den jungen Sohn des Centrums führers gegen den Willen der Uniiversität zum Professor. . Nach dem Vorbild der Herren Kirschner und Hoffmann werden ja nun wohl auch die Professoren Straßburgs überzeugt sein, daß Herr Spahn eine durchaus wertvolle Kraft sei. Den Katholiken wird freilich— darin irrt sich der Kaiscr— durch die Berufung Spahns keine reine Freude bereitet. Denn es hat sich inzwischen erwiesen, daß Spahn durchaus kein zweifelsfreier Centncmsmann sei. Die bittere Meinung der Straßburger klerikalen Presse haben wir gestern mitgeteilt. Es bleibt auch ihr nichts andres übrig, sich zu bekehren, wie es die„Germania" thut, und trotz alledem den katholischen Professor des Kaisers als ein Geschenk an das Centruin zu preisen. An Liebenswürdigkeiten gegen die edlen Herren der katholischen Kirche hat es der Kaiser ja ohnehin niemals fehlen lassen.— ** * Aelttsches Meich. Kotau-Koiik'» rreuz erfährt der Berliner Kommiinalfrcisiim seitens de§ auchliberalen H a n s e a t e n t u m s. Die»Bremer Biirger-Ztg." berichtet: Das Eingehen auf Wünsche d c S Kaisers ist seit der Betreibung unsrer Wcltpolitik für de» Norddeutschen Lloyd und die H a m b u r g- A m c r i k a- L i n i e ein Mittel gewesen, die Reichspolitik vor den Wagen ihrer Interesse» zu spannen. Die beiden Gesellschaften haschen um die Wette nach der kaiserlichen Gunst, bald telegraphiert B a I l i ii. bald Wieg and den Kaiser an, und jeder Wunsch desselben ist den Oberhanseaten Befehl— sobald in der Ferne ein. Prositchen dabei winkt. Dafür liefert eine neuerliche Meldung über den Norddeutschen Lloyd wieder einen Beweis. ES wird nämlich verichtet, daß der Norddeutsche Lloyd seine in der Fahrt zwischen hier und New Jork befindlichen Schnelldampfer „Kronprinz Wilhelm",„Kaiser Wilhelm der Große" und„Kaiserin Maria Theresia" vom 1. Oktober d. I. au auf der Heimreise a u st a t t in S o u t h a m p t o u den Hafen von P I y m o u t h anlaufen lassen wird. Man wird sich erinnern, daß vor einigen Monaten viel davon die Rede war, Wilhelm IX interessiere sich sehr lebhaft für die im Hafen von Plymonlh in Angriff genommenen Hafenneubauten und wünsche, daß die deutschen O c e a n d a m p f e r dort anlaufen möchten. Bekanntlich begegnete der letztere Wunsch in den Kreisen der Reeder durchaus keiner Sympathie, da seine Erfüllniig mit beträchtlichen Umständlichkeiten und Mehrkosten verknüpft sein sollte. Und nun dieser Uinschwung. Der Lloyd mutz doch wohl gefunden haben. datz auf irgend eine Weise dabei ein Vorteil für ihn heraus- springt, mindestens der, persona gratissima an höchster Stelle zu sein. Ein wcistcr Rabe. Professor v. Liszt, der bekannte Rechts- lehrcr, hat am Mittwoch im Verein Berliner Kanflcute und Industrieller in einem Vortrag über nationale Arbeit und Völker- recht Beraillassung genommen, die Aneignung der a st r o n o m i- s ch e n Instrumente in Peking als völkerrechtswidrig zu ver- urteilen. Die Erklärung des Professors v. LiSzt verdient alle An- erkcimuug. Aver wo bleiben die übrigen deutschen RcchtSlchrer und die Vertreter unsrer okadcmischen Wissenschast überhaupt? AIS es galt, für die Wasserpolitik die Reklametrommel zu rühren, war der deutsche Professor der HanS Dampf in ollen Gaffen: jetzt, wo es gilt, Teutschlands Charakter als Kulturstaat zu retten, hüllt er sich gleichmütig in Schlvekgen.— Schweigend dulden sollen nach konservativer Meinung die Staatsbeamten. Die„Kons. Korresp." macht auf den kürzlich eut- staudenen Verein der B a h u st e i g s ch a f f n e r und Bah» h o f s- p or ti es aufmerksam, der sich die Besserung der Vcrhältnisie dieier Beamten zum Ziele gesetzt hat und auch ein eignes Blatt„Der Bahnsteigschaffuer" gegründet hat. Dazu schreibt das koiiscrbative Blatt: „Diesen Bcamtenbereiiicn auf„mipolitischcr" Grundlage wird man an zuständiger Stelle iiuauSgesctzkAufmerkfamkeit widmen müssen. damit sie sich nicht zu Einfallsthoreii für die Socialdemokratie gestalten. Nach miserm Dafürhalten ist eine solche Interessen- Vereinigung unter der Beamtenschaft in einem Staate, der es an Fürsorge für seine Diener Ivahrlich nicht fehlen läßt, etwas Anormales." Es ist ja durchaus unwahr, daß es der preußische Staat an Fürsorge für seine untern Beamten nicht fehlen ließe; ganz im Gegenteil sind die Verhältnisse dieser Beamten im höchsten Maße verbesserungsbedürftig. Aber davon ganz abgesehen, müssen die Beamten ohne weiteres und unter allen Umständen das Recht haben. sich zur Vertretung ihrer Interessen zu vereinigen. Oder sollen die Staatsbeamten etwa wie unmündige Kinder behandelt werden?— Keine SiegcStrophiic? Ein Berliner Lokalblatt will in Er- fahrnng gebrachi haben, datz„an den in Frage kommenden amtlichen Stellen" nicht das geringste davon bekannt sei, datz der Kopf En Hais mit nach Deutschland gebracht ivordcn sei oder datz gar ein Auftrag dazu ergangen sei. Sei der Kops En Hais wirklich nach Berlin geschickt worden, so könne es sich nur um die Privat- angelegeiiheit eines Arztes handeln, der sich den Schädel zu wissenschaftlichen Zwecken angeeignet habe. Aus derselben Quelle die jetzt diese Beruhigungsnotiz verbreitet, stammte seiner Zeit auch die Nachricht, datz die Pekinger Instrumente käuflich e r>v o r b e n seien. Man wird also abwarten müssen, ob sich diese Darstellung bestätigt.— Professor Koch über die Typhuscpidemic in Gelsen- kirchcn. Freitagvormittag hieli Professor Koch in Gclsenkirchen einen Vortrag über Matzregeln zur Bekämpfung des Typhus. Er empfahl Einführung einer ständigen Sencheiiüberivachung. verbunden mit einer bakteriologischen Station. Hinsichtlich der Entstchungs- Ursache der Epidemie äutzerte Professor Koch, datz die Ansicht des Regierungsrates. Medizinalrats Dr. Springfeld, wonach ein Rohr- brnch vor einem verseuchten Hause Typhusbazillen in die Wasser- leitung geführt habe, ihm die wahrscheinlichste zu sein dünke.— Ein interessanter politischer Prozeß wird nach jahrelanger Dauer endlich am 22. Oktober vor dem ischöffengericht zu Kassel seinen Abschlutz finden. Es handelt sich um den Beleidigiingsprozetz des antisemitischen Reichstags- und Laiidtags-Abgeordnetcn Werner gegen den Rcdacteur Erdmannsdörffer in Wilhelmshaven (früher Marburg). Letzterer hatte Aufaug 1898 eine Broschüre er- scheinen lassen, in der er die antisemitische Partei kritisch beleuchtete mid unter auderm die Behauptung einflietzen lietz. antisemitische Abgeordnete lieferten gegen Entgelt einem jüdischen Journalisten Nachrichten parlamentarischer Art(Kommissioiisberichte). Von den Deutsch. Soc. Blättern" des Abg. Liebermann v. Sonuenberg wiederholt aufgefordert, Namen zu nennen,„widrigenfalls er sich dem Verdacht aussetze, Verleumdungen verbreitet zu haben", nannte Erdmannsdörffer endlich die Abgeordneten Werner und Hirsche!. Werner drohte Klage an. diese erfolgte aber nicht. Erst im August 1899 griff Erdmannsdörffer auf Grund eines anderweitigen Angriff» der„Deutsch. Soc. Bl." gegen ihn ans die Anklage gegen Werner zurück, und erweiterte sie mit der Beschuldigung. datz Werner, als er seine Verbindung mit einem jüdischen Journalisten ableugnete, eine bewutzte Unwahrheit ausgesprochen habe. Nunmehr kündigte Werner wiederum Klage an. Als diese aber im Oktober 1899 noch nichi erhoben war, interpellierte ihn Erdiiiannsdörffcr in seiner Zeilnug und in einer Versamiiiluiig zu Hcrsfeld daraufhin mid erhielt zur Antwort, datz Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erfolgt sei. Diese lehnte kurz darauf die Strafverfolgung Erdmaimsdörffers av. Erst im April 1900 endlich wurde von Werner gegen Erdmannsdörffer die Privatbeleidignngsklage erhoben. Erst im Frühjahr dieses Jahre» (1901) kam es jedoch zur ersten Verhandlung vor dem Amts- gericht zu Kassel. Erdmannsdörffer lehnte hierbei jede Ehrenerklärung ab. da seine Beschuldignngcn wahr seien. Werner sagte, er habe nicht für den jüdischen Herrn Dr. Hamblirger, sondern für den anti- semitischen Herrn Dahsel gearbeitet. Was dieser mit den Berichten mache, sei ihm gleich. Erdmannsdörffer behauptet demgegenüber. datz Dahsel nur Deckadresse gewesen sei. Der Gerichtshof beschloß daraufhin, Zeugen kommissarisch zu vernehmen. Und zwar wurden in den nächsten Monaten vernommen: Dr. Hamburger (inzivischcii tvcgcu der Zolltarif- Vcrhökerung aus Deutschland verschwunden),' die Parlamentsjourualisten Woth und Dahsel und die Reichstags- Abgeordneten Müller-Fulda, Liebermami- von Sonuenberg, sowie der frühere Abgeordnete Zimmer- mann. Wie mitgeteilt wird, sind die Aussagen durchweg im Sinne des Angeklagten ausgefallen, insbesondere ivird die Aussage des Herrn ii. Liebermann ein interessantes Licht fallen lassen ans die „sreimdschastlichcn" Beziehiiiigcn zwischen diesem und seinem Gesiiiniingsgeiiosien Werner. Der Prozeß, in dem auch die Akten eines Prozesses Hirschel-Erdmamisdörffer werden verlese» werden, in dem Hirsche! einen völligen Rückzug vor seinem Gegner antrat, wird die Zustände in der antisemitische» Partei in höchst charakteristischer Weise aufdecken,— Die Wiesbadener Wahl. Aus dem Rheingan ivird uns gc- schrieben: Die Reichs- und Landtags-Ersatzwahl im Wahlkreis Wies- baden macht den bürgerlichen Parteien viel Sorgen. Eugen Richter ist in seiner„Freii. Ztg." zwar sehr sicgesziiversichtlich, aber diese -rohe Hoffimiig wird in den freisinnigen Kreisen Wiesbadens durch- ans nicht gctciit. Die Freisinnigen wissen nur zu gut, datz sie nur mit Unterstützung der Konservativen, Nntivnallibcralcn und Ultrainontanc» iegen köiiiicn; versagen diese in der Stichwahl nur zum Teil die Gefolgschaft.' dann ist der liebe Freisinn futsch. Deshalb kam es' den Mniinen Richters vor allem darauf an, einen Kandidaten zn erküren, der allen bürgerlichen Parteien möglichst viel Konzessionen zu machen bereit ist und vor allen Dinge» den Bauern gefällt; denn im Rheingauer Banenitum hatte Wintcrincyer seinen stärksten Anbang. Sie glauben einen solchen vielseitigen Mann in dem Berliner Genosseiischaftsanwalt Dr. C r ii g e r ge- nnden zu haben. In konservativ-nationalliberalen Kreisen hat das Vorgehen der Freisinnige» schon verschnupft. Diese glaubten bei dieser Gelegenheit im Trüben fischen und das Laiidtagsmandat ergattern zu können. Dafür wollten sich die Konservativen und Nativnalliberaleii verpflichten. von vornherein die freisinnige Reichstagskaiididatnr zu unter- tützcn. Die Freisimiigeii haben aber diesen schönen Kuhhandel ab- gelehnt und beanspruchen auch das Laiidtagsmandat für sich. Sie rechnen offenbar mit den Thatsachen, datz sich bei der voraus- ichtlichcn Stichwahl ja doch der ganze Kuddeliniiddel�usammenfindeii wird, um dem verhaßten Socialdeniolraten den Sieg stecilig zu machen. UebrigcnS ist den Freisinnigen das Laiidtagsmandat ziemlich icher. viel sicherer als das Reichstagsmandat. Der loniervative„Rhein. Kur." weist mit folgenden durch- schlagenden Gründen nach, warum Wicsvadcn vor der roten Gefahr bewahrt bleiben müsse:„Wiesbaden ist kein Jiidnstrieplatz, es hat kein Proletariat im eigentlichen Sinne(?? D. V.) und die übrige» Parteien sind in einer Stärke vorhanden, gegen welche die Social- dcmokrntie nicht aufzukommen vermag. Wiesbaden i st auch ein Lieblingsau sc n thalt des Kaisers; sein Hiersein gelegentlich der Festspiele setzt vedeutcnde wirtschafllichc Motoren in Bewegung. die dem wirtschaftlichen Leben und Verkehr unsrer Stadt zum Vorteil gereichen; gewiß auch ein Grund mehr, die Wahl eines Social- demokraten zn vermeiden, wenn dies möglich ist... Von i dieser Erwägung ist auch die nationallibcrale Partei ansgcgaiigcn, als äe der freisiiinigcii Partei den Vorschlag machte, diese sollte ihr das Laiidtagsmandat abtreten, sie wolle dann ihrerseits dafür sorgen, datz das Reichstagsmandat der freisinnigen Partei aus alle Fälle er- halten bleibe." Die Freisinnigen haben— jedenfalls auf Kommando von Berlin— auf die„Loyalität" der Nationallibcral-Konscrvativen ge- pfiffen. Ans Aerger darüber will nun der reaktionäre Mischmasch den Polizeipräsidenten Prinzen Ratibor als Reichstagskandidaten aufstellen. So berichten wenigstens rheinische Blätter. Das Centrum will als Zählkaudidaten Herr» Fuchs-Köln anfstellcn. Datz seine Aktien schlecht stehen, giebt er selbst zu. Die „Rheinische Volkszcitung", das Organ der Ultramontmien im Rheingan, sagt in einer Wahlbetrachtung ganz offenherzig. datz die Ersatzwahl alle bürgerlichen Parteien wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen habe, da sie alle unvorbereitet dastehen. In der Stichwahl werden die Schwarzen mit dem Kuddelmuddel gehen. Datz der ganze reaktionäre Misch- masch sich trotz aller jetzigen gegenseitigen Besehdimg in letzter Stunde wieder zusammenfinden wird, dctz sind auch wir überzeugt. Recht bezeichnend ist eS zum Beispiel schon, datz die demokratische„Frankfurter Zeitung" und„Kleine Presse" sich in eifrigster Weise für den Freisinn ins Zeug legt, für denselben Freisinn, der erst kürzlich in Meinel-Heydekrng und in Karlsruhe in so eklatanter Weise die Interessen des Fortschritts verraten hat. Und der Wiesbadener Freisinn ist ans keinem besseren Holz geschnitzt. Das ficht aber die Demokratie nicht an. Zn den rein kapitalistischen Interessen kommen im vorliegenden Fall noch persönliche Motive— das erklärt alles.— JndustriekrisiS und Grenzsperre für Schlachtvieh. Aus Elsatz-Lorhringen wird uns geschrieben: Da- seiner Zeit aus veterinärpolizeilichen Gründen erlassene Verbot der Einfuhr von Schlachtvieh aus Frankreich wird bei uns immer noch ausrecht erhalten, obwohl die Senchengefahr, die den Anlaß dazu gegeben hatte, längst beseitigt ist. Unter dem hierdurch bedingten starken Steigen der Preise für Ochsen-, Rind- und Schweinefleisch hat die zahlreiche Jndnstriebevölkerung des Reichslandes um so schwerer zu leiden. als ihre Erwerbsverhältnisse infolge des Darniedcrliegens der hanptsächlichste» Geschäftszweige des Landes gegenwärtig die denkbar ungünstigsten siiid. Da vorerst keinerlei Anzeichen einer Besserung dieser Lage im kommenden Winter vorhanden sind, allem Anschein nach vielmehr eher eine weitere Schmälerung de» Arbeitsverdienstes unsrer Jndnstriebevölkerung zu erwarten ist, haben sich bereits mehrere öffentliche Körperschaften des Landes an die Regierung gewandt mit der Bitte, durch Aufhebung bezw. Milderung des rigorosen Fleisch- einfuhr-Verbots einer allzu schlimmen Gestaltung der Lebenshaltung der großen Dolksmassen einigermaßen vorbeugen zn helfen. Die Colmarer Handelskammer motiviert in ihrem soeben ver- öffentlickiten Geschäftsbericht für das Jahr 1900/1901 den Protest gegen das Einfuhrverbot für ausländisches Fleisch neben der Gefahr für die Ernährung der Arbeiter auch mit der Notwendigkeit der Ans- rechterhaltung unsrer Ausfuhr nack den fleischexportiercnden Ländern, vornehmlich nach Frankreich, dessen Schweinefleischpreise beispielsweise in den östlichen Grenzproviiizen um nahezu ein Drittel niedriger sind als bei uns. In derselben Richtung bewegt sich ein von der M ü l h a n s e r M e tz g e r i n n u n g an die Regierung gerichtetes Gesuch, da» die, wenigstens vorübergehende Aufhebung der Grenzsperre und die Zillasiung der Einfuhr von französischen und italienischen Schweinen befürwortet. Dasselbe betont die Schwierig- leiten der Alimentierung der großen oberelsässischen Arbeiter- bevölkerimg mit Fleisch, namentlich Schweinefleisch, wie sie durch die Grenzsperre hervorgerufen wurden, und weist auf die Gefahr einer besonders in der Zeit der gegenwäriigen Krise besonders verderbliche» weiteren Steigerung der Fleischpreise hin. Dann heißt es darin weiter: Datz jetzt schon ein Rückgang des Konsums der für die Volksernähriiiig so notwendigen Fleischnahrnng stattgefunden hat, läßt sich dnrcki eine Gegenüberstellung der Schlachtung der ver- flossenen zwei Monate mit jenen des vergangenen Jahres auf Grund amtlicher Schlachttabcllen erweisen. Es ergiebt sich bei Schweinen in Vtülhaiiscn ein Mindcrkonsum von 12 000 Kilvgrainm. zwölstausend Kilo, welcbe Ziffer beredter und nn- widcrleglicher die Dringlichkeit unsres Gesuches zu begründen ver- mag, als lange Argumente cS vermöchten. Datz sich diese Not- Inge während der Winternionate als Hanptbedarfszcit von Schweinen in Mitteldeutschland für Dauerwurstfabrikation noch bc- deutend steigern wird, läßt sich von jedermann voraussehen, und es dürfte bei der für diesen Winter unsrer Arbeiter- bcvölkerung drohenden Verdien st Minderung dahin komiiien, daß d e r G e» n tz von F l e i s ch w a r e n nur noch ein Privileg der bemittelten Klasse würde, welches doch laiim die Absicht einer für da» Wohl oller Stände bedachten Regierung sein dürfte. Die reichsländijchc Regicrinig hat sich schon so oft als die Ver- treterin einseitiger agrarischer Interessen er- wiesen, datz wir der Petition der Mülhanser Metzgcriniiung kaum ein günstiges Prognostikon stellen zu dürfen glauben.—. Ausland. Oestreich-Ungarn. Wien, 13. Oktober. Abgeordnetenhaus. Die Ver- Handlung über den Dringlichkeitsantrag Forscht, betreffend den deutschen autonomen Zolltarif, wird fortgesetzt. Nach- dem Lecher, Kaftan und Chinri gesprochen haben, wird die Debatte geschlossen mid der Dringlichkeitsantrag Forscht mit dem Zusatz- iintrage Közlowski. den Antrag an den AuSgleichsausichutz zu verweisen, angenommen. Sämtliche Redner hatten sich für die Dring- lichkeit ausgesprochen und den Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland, jedoch unter Berücksichtigung der östrcichischen Interessen, 'ür wünschenswert erklärt.— Ein Vocrcu-Jntcrprllation im Abgeordnetenhaus. In der FrcitagS-Sitzung des Augeordiictenhaiises richtete Abg. Kaiser eine Interpellation an die Regierung über die Stellungnahme O c st r e i ch- U ii g a r n s zum B o e r e n k r i e g e. Kaiser und die andren Interpellanten richten an den Ministerpräsidenten die dringendc Anfrage, ob die Regierung bei dem Minister des Aus- Ivärtigrn mit allem Nachdruck darauf hinzuwirken gedenke, datz Oestreich-Ungar» für den endlichen Abschluß des Raub- kricgcs durch ein Schiedsgericht" eintritt; ferner, daß England ver- anlaßt werde, den Anforderungen der Mcnichenrechte und de» Völkerrechts gerecht zu werden und daß endlich Ocstreich-Ungarn den kricgsllhrciiden Mächten in Afrika gegenüber vollste Neutralität bewahre.— Abg. Schönerer bringt ferner eine Interpellation ein betreffend Ansiedelung französischer Ordcnspersonen in Oestreich. Schönerer fragt, ob ein diesbezügliche» Ansuchen bereits eingebracht sei und von feiten der Regierung solche Ansiedelungen erlaubt worden leien.— Ter neue böhmische Landtag. Nachdem nunmehr sämtliche Landtagswnhlcn vollzogen sind, setzt sich der Landtag wie folgt znsammcn: 68 Jiingczechcii, 28 Deulschfortjchrittlichc. 24 Alldeutsche. 21 czcchische Agrarier. 12 Angehöriqe der deutschen Vollspartei, 6 Altczechen, 8 deutsche Agrarier. 2 Ezechisch-Radikale. 1 Deutsch- Christlichsocialer, 1 czechisch-radikaler Fortschrittlicher, 49 konservative Grotzgrniidbesitzcr. 21 verfassungstreue Großgrundbesitzer und 6 Virilistcn.— Norwegen. Erhöhung der Tabakzöllc. Das Storthing. dessen Sitzungen am 12. Oktober eröffnet wurden, hat beschlossen, die Tabakzölle' in wlaendcr Weise z» erhöhen: Tabakblätter und-Stengel von 1,75 Kr. aus 2.25 Kr. pr. Kilo. Rauchtabak von 2,10 Kr. auf 2.70 Kr.. Schnupf- tabak von 3 Kr. auf 3.80 Kr.. Cignrren und Cigarctten von 5 ans 6 Kr pr. Kilo. Die neuen Zollsätze sind soforl in Kraft getreten. Man hofft dadurch eine Mehreinnahme von einer Million zu er- zielen. DeS iveitere» ivird eine Erhöhung der Stempelsteuer sowie der Erbschaftssteuer geplant. Autzerdem wurde in der Thronrede die Vorlage eines Gcsctzciitwurss betreffs Staatskontrolle über die See- tüchtigkeit der Schiffe sowie eines Gesetzentwurfs über:„Parzellen Tu: Landarbeiter und Wohnungen für andre Unbemittelte" an- gekündigt.. Belgien. Gegen die Obstruktion. Die Klerikalen haben der Geschäfts- ordniiiigs-Kommiision der Kammer eine Vorlage unterbreitet, wonach dem Präsidenten de» Abgeordneten gegenüber größere Disziplinar- gcivalt eingeräumt werden soll. Danach hätte der Präsident das Recht, ohne'wcitcres die zeitweilige Ausschließung eines„ruhestörenden Deputierten" zu verhängen. Dieser hätte nur das Recht, sich erkören und ein Votum der Kammer zu verlangen; an Tagen große» LürrnS würde selbst das Votumsrccht der Kammer wegfallen. Die Ver- Warnung ivird gleichwertig erachtet einer Strafe von 200 Fr., die zeitweilige Ansichließung einer solchen von 500 Fr.; im Fall der Wiederholung soll der Präsident das Recht haben, die Strafen zu verdoppeln. Entschuldigt sich der Deputierte, so sollen diese Strafen aufgehoben sein. Die Socialisten freue» sich der Diskussion, welche um dieses Maulkorb-Gcsetz stattfiudeu wird. Die iutcriiationale Zuckerkonferenz tritt in nächster Woche wieder in Brüssel zusammen. Vertreten wird sein: Frankreich, Eng- laud, Deutschland, Ocstreich, Belgien, Italien und Rumänien.— Publikation der parlamentarischen Berichte. Der socio- listische Deputierte Eduard Anseele hat in der Kammer den Antrag gestellt, das Abonnement auf die Protokolle der Parlaments- Verhandlungen auf 1 Fr. herabzusetzen. Früher würbe« in Belgien nur die parlamentarischen Annalen herausgegeben; ihr Preis wurde snccessioe von 12 auf 6 und schließlich auf 3 Fr. herabgesetzt. Diese Veröffentlichungen genügten aber nicht und man beschloß die Herausgabe von Protokollen, die dem Publikuin für einen Preis von 1 Fr. zur Verfügung standen. Im Jahre 1884/5 waren 24 697 Abonnenten für die französische, 26 449 für die vlämische Ausgabe vorhanden; im Jahre 1894/ö war die Zahl der erster«» auf 42 380 gestiegen, die der letzteren auf 18 802 zurückgegangen. Im Jahre 1895 aber wurde der Preis auf 4 Fr. festgesetzt. Die Folge davon ist, daß heute nur noch 4778 Abonnenten auf den französischen und 1141 auf den vlämischen Text vorhanden sind. 55 000 oder 9,io der früheren Abonnenten sind also verschwunden. Es sei nierkwürdig. so heißt es in der Begründung des Antrags, daß man die Verbreitung der parlamentarischen Schriften durch Erhöhung des Abonncmentsprcises gerade in dem Moment zurückgedrängt habe, Ivo die ersten prole- larischen Repräsentanten in die Kammer eingezogen seien. Die Maß- nähme sei diktiert von der Furcht der Reaktion vor der Entwicklung der Demokralie und des Socialismus.— Bei uns in Deutschland liegen die Dinge bekanntlich noch lveit schlimmer; außer den Ab- geordneten selbst sind die parlamentarischen Berichte fast niemand zugänglich.— Die Neue Universität. Am Montagabend wurde die Neue Universität mit einer Rede de Robertys über das Wesen der Philosophie und einen Vortrag des Abgeordneten Genosfen Destree über die Dccadenz des Parlamentarismus eröffnet. Am Mittivoch begann Genosse Enrico Ferri eine Reihe Lesungen über Kriminalogie.— England. Die öffentliche Mcinnng und der Krieg. London, 16. Oktober. Seit der Verhänguug des Slaudrechts über die ganze Kapkolonic laufen die Nachrichten vom Kriegsschauplatze nur spärlich ein. Der Mangel an Nachrichten hat merkwürdigerweise viel zur Beruhigung der Gemüter beigetragen. In einem wirklich freien Lande hätte die Wirkung eine entgegengesetzte sein müssen. Die Entrüstung, die durch die Aktionen Bolhas bei Jtala und Prospekt hervorgerufen wurde, legte sich nach und»ach und der alte Eigensinn,„den Boereu keine Spur von Selbständigkeit zu lassen", macht sich wiederum geltend. Als Nachklang dieser Ent- rüstung war der Angriff gegen Buller zu betrachten, der zum Kom- mandierenden des ersten Ärmcecorps in Alderfhot ernannt wurde. Aber Bullers Verteidigung, daß die Niederlage bei Colenso seinem „enormen Pech" frank back luck) geschuldet war, hat die Angreifer zum Schweigen gebracht. Man fürchtete, er könnte eine zweite Ver- teidigungsrede loslassen. Das Klassenbewußtsein der englischen Bour- geoisie ist zu mächtig entwickelt, um über die in ihrem Innern fressende Korruption öffentliche Diskussionen führen zu lassen. Die Kritik wird zwar nicht durch die gepanzerte Faust der Geivalt unterdrückt, aber der sanfte Handdruck der Respektabilität hat hier dieselbe Wirkung. Mittlerweile machen die Boerenführer stille Versuche, ihre Fricdensbcdingnngen dem englischen Publikum mitzuteilen. Die „Daily News", die mit dem Boerenkomitee in Holland in Ver- binduug steht, schreibt unter heutigem Datum:„Es ist Grund für die Annahme vorhanden, daß der heroische Traum nach Unabhängigkeit bei den Boeren im Schwinden begriffen ist. Mr. Krüger und feine Freunde mögen ihn noch hegen, aber diese haben schon lange aufgehört, die Situation zu beherrschen. Viele Anzeichen sprechen dafür, daß die Boeren in Unterhandlungen ein- trete» und sich gewissen Bedingungen unterwerfe» wollen. Man giebt zu verstehen, daß sie auf folgende drei Punkte Gewicht legen: 1. Amnestie für alle am Kriege Beteiligten; 2. genügende Geld- unterstützuiigen zur Wiederherstellung ihrer Häuser und Farmen; 3. Ersetzung Milucrs durch eine ihnen sympathischere Persönlichkeit. Nach Gewährung dieser Bedingungen wären sie bereit, auf ihre Flagge zu verzichten." So bescheiden die Friedensbedinguugen sind, so kann doch kein Beobachter des englischen Lebens sich dem Glauben hingeben, daß sie bei der jetzigen Regierung Gehör finden würden. Für den Freund des Fortschritts und des Friedens ist die gegenwärtige Lage in England eine verweifelte. Die Millionen von Arbeitern sind stumm oder vulgär-patriotisch. Sie haben keine Presse, keine parlamentarische Vertretung und man weiß überhaupt nicht, ob sie elivas ivollcn. Die Liberalen sind zerklüftet und schwach; ihr Führer, LordRoscbery ist. Fest- redner des Empires" und erst gestern hielt er eine wunderschöne Rede in Birmingham über die Philosophie der Politik, einen feierlichen Monolog über das Sein und Nichtsein Englands. Für eine große politische That ist er nicht zu haben. Er' ist der Hamlet des' zeit- geuössischen Englands. So bleiben nur Chamberlain und Salisbnry. an denen sicherlich kein Mensch außerhalb von Bcdlam für Fortschritt und Freiheit etivas erwarten könnte. Unter diesen Umständen wäre es im Interesse Englands innigst zu wünschen, daß die Boeren den Sieg erringen. Die Engländer brauchen im Interesse ihrer Zukmift eine'tüchtige Niederlage. Nnftland. Finuland und daS ncuc Wehrpflicht- Gesch. Das neue Gesetz über die Wehrpflicht in Finnland. das Rußland den Finn- ländern in verfassungswidriger Weise aufgezwungen hatte, sollte an den beiden letzten Sonntagen im September im ganzen Lande von den Kanzeln herunter durch die Geistlichen verlesen iverdcn. Da aber viele von diesen Bedenken dagegen äußerten, sandte der Erzbischof Cirkulare herum. worin er sie väterlich ermahnte, sich nicht dem Willen der Obrigkeit zu ividersetzeu. Gleich- wohl haben 50 Geistliche das Gesetz, ohne es verlesen zu haben, zurückgeschickt und 20 andre haben um Dispensation von der Vcrlcfung nachgesucht. Soweit bis jetzt Nachrichten vorliegen. ist das Gesetz nicht in einem einzigen Kirchspiele des Landes vorschriftsmäßig verlesen worden; entweder ver- lics; die Gemeinde die Kirche stillschweigend, sobald mit der Vcr- leiung begonnen werden sollte, oder es ivurdc lebhast protestiert, oder man räumte die Kirche unter lauten Protesten. das Zustaudelommeu der Massenpetilion gegen das Wehrpflicht- Gesetz wird jetzt aus HelsingforS unter andrem berichtet: Die Petition wurde in 10 000 Exemplaren gedruckt, durch freuvillige Boten über alle Teile des Landes ver- breitet und iii� kürzester Zeit von einer halben Million des Lesens und tschreibeus kundige Bürger unterzeichnet. Das alles mußte natürlich ni größter Heimlichkeit vor sich gehen, denn das Volk Finnlands besitzt nun keine Vcrsamniluugsfreihcit mehr wie im Jahre 1899, wo der Wortlaut der Petition an den Zaren in allen Kirchen verlesen wurde.— Das Resultat muß als ein großartiges angesehen werden und zeigt aufs beste, wie tief die Unruhe und das Mißbehagen über das neue Wehrpflichtaebot ins Volk ge- druugen ist."-* n j.> Asic». Zur afghanische» Frage. Ter Berichterstatter des„Daily Telegraph" drahtet aus Askebad, daß angesichts des bestehenden»n- rubigc» Geistes und der Möglichkeit von Wirrei« an der afghanischen Seite von Turkestan das russische Llriegsministeriunr die schleunige Mobilmachung aller Kosockenregim enter des Ural, von Orenburg und Scmiretchensk befohlen yabe. Die im Kaukasus stehenden Truppe» werden zur Zeit noch nicht aufbrechen, haben aber Befehl erhalte», sich für die Mobilmachung bereit zu halten. Der Kriegs», inister wird alle russischen Posten a» der afghanischen Grenze inspicreren, um persönlich volle Jnfonnation zu erlangen hinsichtlich irgend welcher Schritte, die zur Verteidigung der Grenze notlvendig sein könnten. Der Berichterstatter fügt hinzu, aus diesen Maßnahmen gehe deutlich hervor, daß in Afghanistan nicht alles so ruhig sei, wie die Telegramme aus Indien dies anzudeuten scheinen.— Der Boeren- Krieg. Lord Henker a» der Arbeit. Wie ans Cradock gemeldet wird, sind die B o e r e n- K o m- Mandanten Breda und I. K r ü g e r am Donnerstag hin- gerichtet worden. Noch immer hört man nichts von Repressalien der Boeren. Diese Langmut und der dadurch belviesene Abscheu der Boeren vor Grausamkeiten widerlegt am besten die englischen Legenden von der angeblichen Ermordung englischer Verwundeter durch Boeren. Diese Legenden wurde»— das scheint fast außer Zweifel zu stehen— wohl auch nur deshalb verbreitet, um dem englischen Volke die ge- planten eignen Brutalitäten in milderem Lichte erscheinen zu lassen. Botha cntkonnucn! Die„Times" melden aus New Castle vom 17. Oktober: Botha hat sein K o m in a n d o a u f g e l ö st und überläßt es den einzelnen Abteilungen, so gut sie können, zu entkommen. Er selbst dagegen bat nahe bei Pietretief eine kleine Lücke in den Linien der englischen Truppen benutzt und sich den Weg nach dem Norden ge- bahnt. Es ist leicht für den Feind, wenn er sich in kleinen Gruppen bewegt, der schärfsten Wer- folgung zu entgehen. DaS Vordringen der Boeren gegen Kapstadt. Die Londoner Morgenblätter erkennen die Möglichkeit des Vor- dringens der Boeren nach Kapstadt an, erklären jedoch, die nicht- amtliche» Nachrichten seien so spärlich, daß es schwer halte, die that- sächlichen Bewegungen der Boeren zu erkennen. Aus Kapstadt selbst wird gemeldet, daß mau dort Marine- geschütze ans Land geschafft habe und eine fieberhafte Thätigkeit entwickclr, um einen eventuellen Angriff auf Kapstadt selbst zurück- zuweisen. Ein Gefecht bei Picquetberg. Ein Telegramnr des„Renterschen Bureau" aus Matjesfontein vom 17. Oktober besagt: Die Boeren griffen am 16. Oktober eine Abteilung englischer berittener Truppen nordwestlich der Straße von Picguetbcrg an. Zwei Eskadronen Lancers wurden zur Unter- stützung der Engländer abgesandt, worauf die Boeren sich zurück- zogen. Sie verloren einen Gefallenen, zwei Verwundete und zwei Mann, die gefangen genommen wurden. Bei den Engländern fielen ein Offizier' und vier Mann, ein Engländer wurde verwundet. Ucbcr Schcepers Gefangennahme lvird noch berichtet: Seit dem Juni quälte sich ein halbes Dutzend englischer Generale ab, den kaum fünfundzwanzigjährigen Schcepers zn fangen, aber ohne Erfolg. Seit Wochen wurde der schwer kranke Mann seinem Kommando nachgefahren, aber als der Zustand des Leidenden der- artig wurde, daß auch das Umherfahren lebensgefährlich für ihn wurde, wandte er sich an die Engländer um ärztliche H i l f e u n d I e g t c sich a u f e i n e r F a r nr i n s B e t t, um dort sein Schicksal zu erwarten. Frenchs Abteilungen haben einen sterbenden Bocrenkommandanten gefangen. Auf diesen„Erfolg" braucht England also nicht stolz zu sein. Die kriegsunlustigc Beomaney. Im Lager vonShorucliff sind von zwei 200 Mann starken Compagnien Deomanry, welche»ach Südafrika abgehen sollten, 50 M a n» verschwunden. Unter der Deomaury herrscht große Unzufriedenheit wegen des rückständigen Soldes. Auf dem östrcichischc» Gesamtpartcitag» der am 1. November in Wien zusammentritt, wird die deutsche Partei durch die Genössen A. Bebel und Franz E h r h a r t- Ludwigshafcn vertreten sein, die vom Partcivorstandc beauftragt wurden. Berichterstattung Pom Parteitage. In Frankfurt a. M. wurde am Mittwoch die Diskussion über den Bericht des Delegierten Quarck erledigt. Es sprachen dazu eine ganze Anzahl Redner, die an vielen Einzelheiten in den Verhanölungcu und Beschlüssen des Parteitages dies und jenes auszusetzen hatten. Im allgemeine» waren jedoch die Redner mit allem einverstanden und dieses all- gemeine Einverständnis konstatierte der Vorsitzende auch am Schlnffe. Ohne Beschluß ging die Versammlung auseinander. In Hannover berichteten die Delegierten D ö r n k e und Hören bürg, von denen der elftere de» Ton der Parteitags- Verhandlungen mißbilligte. In der Debatte erklärte sich ein Redner gegen die Resolution 114 in der Accordmaurerfrage; er hätte die Aufhebung des Schiedsspruches gewünscht. Andre sprachen sich gegen die Resolution 102. Mit der Thätigkeit der Delegierten erklärte sich dann die Versammlung einverstanden. I» WilhelmSburg wurde der Bericht des Delegierten B a e r e r- Harburg debattclos entgcgeiigenommeu. Unsre Petition gegen den Vrotwuchcr dürfte nach alle» Nachrichten, die bis jetzt vorliegen, zu einer gewaltigen Demonstration des arbeitenden Volkes gegen den beabsichtigten Ansbungcrungs- versuch werden. Es iverden jetzt wieder in der„Chemnitzer Volks- stimme" die Resultate aus einer ganzen Reihe von Ortschaften der dortigen Gegend zusammeirgestellt, aus denen sich crgicbt, daß die Beteiligung an der Petition. teilweise bis zu einem Drittel der Einwohnerschaft ansteigt. In diesen Orten. 20 an der Zahl, die zusammen etwa 55 000 Einwohner haben dürften, wurden 12 620 Unterschriften abgegeben. Bei den Bezirksausschuß- Wahle» i» Ilmenau sSachseu- Weimar) wurden zivci Parteigenossen als ordentliche Mitglieder des Bezirksausschusses und zwei Parteigenossen als deren Stellvertreter mit großer Majorität gewählt. Die Unterschlagungen LütgenanS wurden am Freitag vorder Strafkammer in Dortmund verhandelt. Bekanntlich hatte Liitgcuau gegen einige Parteigenossen Anzeige erstattet wegen Unterschlägung in Sachen des Essener Fonds. Diese unbegründeten Dcuunziatioueii. deren Grundlosigkeit sich schon in der Voruntersuchung herausstellte und zur Einstellung des Verfahrens führte, hatten zur Folge eine Anzeige gegen Lütg'enau ivegcu Unterschlagung. Das Schöffengericht hatte dann Betrug angenommen und Lütgcnau zn 14 Tagen Ge- fängnis verurteilt.' Das von ihm angcrnfcne Berufungsgericht nahm Unterschlagung an. bestätigte aber im übrigen die Strafe. Polilviliches, Gerlchklichrs ulw. — Wegen Beleidigung eines PastorS, begangen durch eine Notiz in der„Reußischen Tribüne", war seiner Zeit der Ncdacteur des Blattes, Genosse Seifarth in Gera zu 2 Monaten Ge- -äugniS verurteilt worden. Das Landgericht ermäßigte jetzt die Strafe auf 1 Woche, da der Angeklagte auf Grund ihn, geivordencr Mitteilungen die an sich unwahre Notiz in gutem Glauben ver- öffcutlichl hatte. BUts tnttf Hsndvl. Westfälisches Kokessyudikat. Der Absatz im Monat Sep- tember beläuft sich auf 520 206 Tonnen gegen 533 795 Tonnen im vergangenen Monat und 652 860 Tonnen im September 1900. Die Verringerung gegen letzteren Monat beträgt somit 132 654 Tonnen. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres stellt sich der Gesamtabsatz der im Syndikat vereinigten Zechen und Kokereien auf 5128 477 Tonnen gegen 5 71i>'i70 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Abnahme, die natür- lich mit der Erzeugungseinschränkung zusammenhängt, be- trägt für die-genannte Zeit also 446 693 Tonnen; besonders fällr der Rückgang im dritten Jahresviertel, wo die Einschränkung bekanntlich auf 33'/» Proz. bemessen wurde, gegen 6 Proz. im Januar und Februar und 20 Proz. im Mai und Juni, ins Auge. Während nämlich die Erzeugung im ersten Vierteljahr die im gleichen Zeit« räum des Vorjahrs noch um 79 675 Tonnen übertraf, im-weiten Vierteljahr schon um 213 826 Tonnen zurückblicb, stellt sich der Minderversand im diesjährigen dritten Jahresviertcl sogar auf 402 154 Tonnen. Die Ansammlung der Bestände ist so groß, daß bereits von einer Einschränkung bis zu 50 Proz. der Beteiligung ge- sprochen wird. Der Rückgang der Schiffsfrachten veranlaßt die Hamburg- Amcrika-Linie einzelne Fahrten ihrer uordatlantischcn Linie aus- fallen zu lassen. Die Lage der Schuhmacher in Offenbach ist eine recht trübe geworden. Verschiedene �Bankrotts haben dazu nicht unwesentlich beigetragen. In einer Fabrik wird demnächst freiwillig der Betrieb eingestellt, vermutlich ivcil der Profit in jetziger Zeit nicht mehr der erhoffte ist. Auch die Hoffnung manches Arbeitslosen, in, einer neu- errichteten Fabrik Unterkunft zii finden,>vurde zu Wasser, tveil der Inhaber anscheinend lieber auswärtige Arbeiter heranzieht, als hiesige Beschäftigungslose einstellt. Die Offenbacher Ortsvenvaltung des Vereins dentscher Schuhmacher ficht sich denn auch veranlaßt, die auswärtigen Schuhmacher zu bitten, den Zuzug nach Offenbach zur Zeit möglichst fernzuhalten, um die Lage der Arbeiter am Orte nicht»och trostloser zu gestalten. Die Koukurrenz der deutschen Maschiucuindustric macht sich in England stark bemerkbar. Lorg George Hamilton empfiehlt in einem Schreiben den englischen Maschinenbau-Firmen ernste Maß- nahmen zur Ausdehnung ihrer Produktion z» ergreifen, unr zu ver- hindern, daß die Lieferungen von Lokomotiven ständig in die Hände von Ausländern fallen; der Bedarf Indiens an Lokomotiven nehme bedeutend zu. Südafrika habe auch kürzlich große Aufträge ge- geben, Indien habe die Erteilung gewisser Aufträge verschoben, um denen Südafrikas den Vorzug zü geben. Das Angebot einer Hannoverschen Firma auf Lokomotiven für Indische Eisenbahnen ivar 25 Prozent niedriger als das Angebot irgend einer britischen Firma mit etwa der halben Lieferzeit.' Eine energische Zurechtweisung. Der Wiener Stadtrat be- schloß über die Bau- und Betriebsgesellschaft für Straßen- bahnen in Wien wegen Nichteinhaltens des genehmigten Fahr- Plans in einer großen Zahl von Fällen eine Konventionalstrafe von 480 000 Kronen zu verhängen. Das Beispiel konnte der Berliner Kommune in geeigneten Fällen zur Nachahmung empfohlen werden. Prciskartell für de» Drahtstiften- Export. Seitens der maßgebenden Drahtstiften-Fabriken Nordamerikas ist den östreichische» Drahtstiften-Produzenten in dieser Woche ein Antrag zugegangen, ein Preiskarlell für den Absatz nach dem Orient abzuschließen, welchem auch die deutschen, belgischen, ungrischen und italienischen Fabriken angehören sollten. Zwischen den hervorragendsten östreichische» und ungrischen Drahtstiften-Fabriken finden gegenwärtig llnterhandlungen in dieser Angelegenheit statt, und es dürfte in der nächsten Zeit zuin Abschlüsse dieses Preiskartells kommen. Dasselbe soll sofort in Thätigkeit treten und würde sich, wie bemerkt, auf den Export nach dem Orient beziehen. Seitens der östrcichischen Fabriken ist be- antragt ivordcn, daß die Donau-Fürstentümer nicht dadurch von den amerikanischen Bewerbern konkurrenziert werden dürfen, daß die letzteren»ach den Donau-Fürstentümern zu billigen oder gleichen Preisen exportieren dürfen wie nach Konstantinopel. Die ameri- kanischeu Fabriken erklärten sich hiermit einverstanden, und diese Maßregel dürfte zur Folge haben, daß der Absatz der östreichische» Drahtslifte nach Serbien,' Bulgarien ec. zunehmen wird.— Die östreichischcn Eisenindnstriellen haben auf ihre Vor- stellnng hin erreicht, daß vom Ministerium ein Rundschreiben an die Privat'bahncn erlassen ist, im Interesse der daniederliegenden Eisen- und Maschinenbau- Industrie größere Lieferungen in Auftrag zu geben. Die Stnatsbahnen werden gleichfalls in diesem Sinne vor- gehen und ihre Arbeiten beschleunigen. GvwevKMLtftliifzrs. Berlin und llmgegend. A» die organisierte Arbeiterschaft Berlins und der Bor» orte! Die große Arbeitslosigkeit auch in unsrein Berufe zwingt unS, die Hilfe der orgnuisierten Arbeiterschaft von neuem i» ein- dringlichster Weise anzurufen. Die Arbeitgeber, welch? zum größten Teil ihre Preiserhöhung zur Durchführung gebracht haben, entlassen ihre Gehilfen mit der Motivierung, daß Mangel an Arbeit ist,»maus anderen Arbeitsnachweisen sich billigere Arbeitskräfte zn engagieren.' Gewerkschaftsgenossen! Der Mangel an Arbeit ist es nicht, weshalb die organisierten Gehilfen auf die Straße gesetzt werde», nein, man. will vor allem die jetzt gestärkte Organisation schwächen, damit uns nicht nochmals einfallen kann, mit Forderungen an die Uutcrnchmcr hcrnnzutretcn. Unsre errungenen Forderimgeu suchen die Arbeit- gebcr durch diese Machination lviedcr illusorisch zu macheu.' Deshalb, Geivcrkfchafts- und Parteigenossen, unterstützt unS in dem Kampf um Anerkennung und Erhaltung unsrcr Organisation. Fragt streng nacb der grünen Kontrollkarte. dieselbe wird jetzt in Berlin mit Marken beklebt und nur denjenigen Kollegen, welche Sonnabend und Sonntag aushilfsweise arbeiten, wird' die Karle abgestempelt(jetzt 42. Woche). Meidet alle die- jcnigcu Geschäfte, wo die Karte nicht sichtbar am Spiegel angebracht ist. Folgende Arbeitgeber halten die vor dein Einigungs- amte getroffenen Vereinbarungen nicht mehr und ersuchen lvir die Arbeiterschaft. davon Notiz zu nehmen: Göttel, Pahpcl- Allee 115. Petri, Lyebcnerstr. 12. Setzefand, Ackerstr. 28. Otzdorf, Slrelitzerstr. 12. Lohne, Brunuenstr. 166. Schumann, Schönholzerstr. 12..Sparmann, Anklamerstr. 98. Köhler, Prenz- lancrstr. 3. Deutschmann, Mulakstr. 1. Schenk. Fürstenivalderstr. 5. Hoffmann. Lictzmannstraßc 25. Scholz, Barniinstraße 36. Luckwaldt. Küstrinerplatz 5. Smcdlibowski. Rüdersdorferstraße 12. Pauli, Emdenerstr. 10. Manecke, Schlesischeftr. 57. Gros, Frobenstr. 15. Borowzig, Stranßbergerstr. 35. Paivlecki, Hermaunplatz 4. In Friedrichsberg sind es folgende Geschäfte: Vorwerk, Frank- fnrter Chaussee 12. Wciuast, Frankfurter Chaussee 29. Kerstcn, Dorfstraße. Witte. Nnnnnelsbnrgcrstr. 66. MelveS, Scharnweber- straße 73. Zühlsdorf. Lichtenbergerstr. 20, Jil Charlottenburg: Rcdmaun. Schillersir. 96. Horstmann, Kaiser Friedrichstr. 54. Schmidt, Kaulstr. 99. Blazecki, Stuttgarter- Platz la. Piefke, Wilhelmsplatz. Golz. Schloßstr. 36. Baczewski, Gocthcstr. 47. Rabe, Bismarckstr. 31. Oelze. WilmerSdorferstr. 134. Schulz, Rosincustr. 6. Metzenthin, Pestalozzistr. 67. Achtung, Schleifer! Bei der Firma„Neue Berliner Metall- lverke". Jnh. Paul Simon(früher Jiirst u. Comp.) haben die Schleifer(17 Mann) wegen Abzügen in Höhe von 20 Prozent die Arbeit niedergelegt. Deutscher Metallarbeiter-Verbaud. Ortsvenvaltung Berlin. Deutsche« Reich. Der erste Kongreß dcö Berbandes der Masseure. Masseuse» und verwandten Verufsgenosscn Deutschlands, der am 13. und 14. Oktober in Magdeburg tagte, beschloß zunächst, seinen Namen in „Verband des Mailage-, Bade- und Krankenpflege-Personals Deutsch- lands" umzuändern. Der monatliche Beitrag wurde von 50 Pf. auf 80 Pf. erhöht. Ferner soll ein eignes Fncho'rga», welches vorläufig nionatlich erscheint, herausgegeben iverden. Gegründet wurde eine Reisc-Unlerstütznngs- sowie eine Sterbckasse. Anträge auf Einführung des Befähigungsnachweises und eines Verbandsabzeichens wurde» mit großer Majorität abgelehnt. Der zweite Kongreß findet 1903 in Berlin statt. Sitz des Verbandes ist Hamburg, der deS Ausschusses Berlin. Die Glasarbeiter sind noch immer in großer Zahl arbeitslos. Wie uns der Vorstand des Glasarbeiter-Verb'andes berichtet, sind an den ineisten Orten die Vorstandsmitglieder der Organisation, sowie sonstige Personen, die Aemter bekleideten, nicht wieder eingestellt. Bis zur Stunde verteilt sich die Arbeitslosigkeit auf die einzelnen Orffi wie folgt: Zusammc» S96 vcrh., mit 962 Kindern. 204 ledig Die Zahl der noch ander Beschäftigung stehenden Arbeiter ist Mithin eine große und ist die Organisation fortgcseht bemüht, die lAcinaßregelten unterzubringen, sowie für Unterstützung zu sorgem Es ist Aussicht vorhanden, daß die Gemaßregeltc» bis aus 3 oder i alle untergebracht werden. Fast auS allen Orten, wo der Streik ausbrach, kommen Erklärungen, daß trotz der Niederlage, ivcnn auch nur im stillen, für die Organisation iveiter gearbeitet ivird. Die Stuccntrurc der Firma Boswau u. Knaucr haben auf der Düsseldorfer Ausstellung die Arbeit niedergelegt. Da die Firma in mehreren Städten Filialen hat, werden die Arbeiter gebeten, keine Auftrage nach Düsseldorf anzunehmen. Ausland. Der Gcneralstrcir der französischen Bergarbeiter. Noch erscheint es unbestimmt, ob die französischen Bergarbeiter tvirllich zu der bedeutsamen Aktion übergehen und für den ganzen Bergwerkbctrieb die Arbeitseinstellung proklamieren werden! schreitet man aber dazu, dann ist nach allem, waS bisher darüber bekannt wurde, kaunr ein glücklicher Ausgang des Unternehmens zu erivarten. Zunächst ist die Geschäftslage die denkbar ungünstigste für einen solchen Streik. Unsre deutschen Grubenbesitzer und nicht minder die belgischen und englischen könnten nichts mit größerer Inbrunst herbeisehne», als diesen Streik. Die französische Industrie käme kaum in Berlegenhcit, ihren Bedarf an Kohlen zu decken, denn mit Freuden würden die angesammelten gewaltigen Vorräte unsrer und der Grubenbesitzer des Auslandes ihre Lagerbestände nach Frankreich hineinwerfen. Es ist uns ganz unverständlich, daß die leitenden Personen dieser Bcivegung soganz unter Außerachtlassung dieser bedeutsamen Momente die Situation beurteilen. Allerdings, die Bewegung ist überhaupt für deutsche Verhältnisse unvergleichbar. Bei dem gegenlvärtigen Stand der Gewcrkschafts bewegung könnten ivir uns keine Organisation in Deutschland denken, die für eine Urabstimmung die Anordnung trifft, daß diejenigen, die nicht mitstimmen, zu den Strcikbefllrwortern gezählt werden. Ein solcher Beschluß verdeckt nur die Schwäche der Organisation und der Bewegung überhaupt. Mit größerer Sicherheit kann darauf gerechnet werden, daß die Nichtbeteiligten indifferente Ar- beiter sind.>sehen wir uns mm das Resultat der Abstimmung an. Von 127 000 Bergarbeitern über 18 Jahre stimmen 40 000 für den Streik und 10 000 dagegen. Das Resultat ist geradezu ein klägliches und deutet von vornherein auf eine sehr geringe Sympathie für den Streik hin. Roch weniger crnmtigend liegen die Dinge betreffs der Organisation der Bergarbeiter. Der Streik in M o n t c e a u I e s M i n e s in diesem Frühjahr hat alle Kassen erschöpft, ohne Geld einen Generalstreik lnsceniercn mag in Frank- reich mit lebhafter Begeisterung möglich sein, aber schließlich tvird es den Franzosen auch noch klar werden, daß ohne dauernde Unterstützung die Begeisterung bald verpufft, an Beispielen dazu kehlt es ihnen eigentlich nicht. So finden»vir nicht ein Moment, das günstig für diesen Streik spricht, die Grubenbesitzer selbst haben sich bei dem letzten Streik als sehr kapitalkräftige und brutale Unternehmer gezeigt, die ohne schweren Kampf ihre Position nicht aufgeben. Wir wünschen deshalb nichts sehnlicher, als daß der Streik auf eine beffere Zeit vertagt würde und durch einen Druck auf die Regierung die geforderte Altersversorgung der Bergarbeiter einer schnellen Erledigung entgegengeht. Das Fehl- schlagen der groß angelegten Bewegung würde der französischen Gewerkschaftsbewegung schwere Opfer auferlegen und den geforderten Achtstundentag eher ferner�alö näher rücken.' PartS, 17. Oktober. Der Minister für öffentliche Arbeiten. Baudin, empfing heute die Deputierten BaSly, Lamendin und mehrere Delegierte der' Bergarbeiter, die gekommen waren, um sich mit ihm über die Kommisston zur Regelung der Arbeitszeit zu besprechen ,md ihn über die Entscheidung zu befragen, welche die Regierung treffen würde. Baudin ist der Ansicht, die Regierung könne nur das Ende der wichtigen Arbeiten der Kommission abwarten, um Auf- klärung zu erhalten über die Folgen der Verkürzung deS Arbeits- tageS auf acht Stunden und bezüglich der Altersversorgung. Die Regierung werde erst die Entscheidung treffen können, wenn das Parlament sich über die allgemeine Organisation der Arbciterversorgnngs-Anstaltcn und über den allgemeinen Aus- stand geäußert haben wird. Baudin glaubt, ein solcher Ausstand zu Beginn deS Winters sei schädlich namentlich für die kleinen Haushaltungen der Arbeiter; er bat schließlich die Delegierten, daß sie ihre Kameraden Möchten. zur Vorsicht und llcberlegung anffordeni Gevii�ks Bestechung und Beleidigung von Mitgliedern der de- waffneten Macht sowie Vergehen gegen das Postgescy wurde dem Jounialisten Karl S ch e l s k y zur Last gelegt, welcher gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts 1 stand. Der An- geklagte hat im Februar d. I. an die Feldwebel und Divisions- schrei'ber verschiedener Truppenteile Briefe gerichtet, in denen er die Adressaten ersuchte, seine Mitarbeiter zu werden. Sie möchten ihm über allerlei Vorkommnisse in ihrem Regiment, über Selbstmorde, Unglücksfälle, Jubiläen, Versetzungen u. dergl. Mitteilungen machen. Er würde ihnen gutes Honorar zahlen und in Betreff ihrer Persönlichkeiten strengste Verschwiegenheit beobachten. Am meisten fei ihm an.China-Briefen" gelegen. Den einen der Briefe versah der Angeklagte mit dem Vermerk:.Eigne Angelegenheit des Empfängers" und erzielte dadurch freie Beförderung deS Briefes. Der genannte Vermerk darf indessen nicht angewendet werden, ivenn es sich um gewerbliche Interessen des Absenders oder des Empfängers handelt. Die Adressaten übergaben die Briefe ihren Vorgesetzten, welche gegen den Angeklagten Strafantrag stellten. Eine von der Polizei eingeholte Auskunft lautete dahin, daß der Angeklagte im guten Rufe stehe und es nicht anzunehmen sei, daß derselbe die Absicht hatte, die militärischen Einrichtungen herabzusetzen. Der Angeklagte gab im Termine an, daß er als Einjähriger gedient habe und dann noch 2 Jahre Unteroffizier gewesen sei. Gerade ans letzterem Grunde wollte der Staatsanwalt nicht glauben, daß der Angeklagte, wie dieser angab, von der Strafbarkeit seiner Handlungsweise keine Kenntnis gehabt habe. Der Angeklagte, der selbst Rekniten aus- gebildet habe, mußte wisien, daß es den Soldaten unter Androhung strenger Strafen geboten sei. über militärische Vorkommnisse Ver- schwiegenheit zu bewahren. Das Vorgehen des Angeklagten erheische eine strenge Sühne. Der Staatsanwalt beantragte wegen der Be- stcchung und Beleidigung eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, wegen des Vergehens gegen das Postgesetz 3 M.Geld- strafe. Das Urteil lautete dem Antrage gemäß. Die Arbeitszeit im Großhandel. Vor kurzem brachten wir die Mitteilung, daß das K a m m e r g e r i ch t entschieden habe, daß die 8§ 139« und 146a der Geiverbe-Ordnung nicht auf den Großhandel in der Central-Markthalle, sondern nur aus den Detailhandel Bezug hätten. Der Großfischhändlcr Lichtenberg hatte am 31. Dezember 1900 kurz vor 5 Uhr morgens einem Delailhändler 1 Centner Fische verkauft. Nach 8 139« der Neichs-Gewcrbe-Ordnung sollen offene Verkaufsstellen von S Uhr abends bis 6 Uhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei, weil einerseits der Verkauf von Fischen zu den Arbeiten gehöre, welche zur Verhütung des Verderbens von Waren unverzüglich vorgenommen werden müssen, andrerseits der 8 139« ans den Großhandel keine Anwendung finde. Die Strafkammer hob dies Erkenntnis auf und verurteilte den Angeklagten. Hiergegen legte der Verteidiger, Rechtsanwalt Pinkns I, mit Erfolg Revision ein. Aus den für den Großhandel so wichtigen Erkenntnisgründen des KnmmergerichlS ist folgendes erwähnenswert: Die Ansicht der Strafkammer» daß die Verordnung erlassen sei zum Schutz der gewerblichen Arbeiter gegen übermäßig lange Arbeitszeit, welche auch im Großhandel vorkomme, sei nicht zutreffend. Man wollte die Arbeiter nur gegen diejenige übermäßige Arbeitszeit oder Arbeitsbereitschaft schützen, welche nach den statistischen Nachweisen im Einzelhandel die Regel bildet. Im Brost Handel bildet dieselbe keineswegs die Regel, vielmehr beschränkt sich hier die Arbeit vielfach, wie auch ini vorliegenden Falle, auf bestimmte kurze Tageszeiten. Selbst wenn man aber annehmen sollte, daß der 8 k39o sich auch aus den Großhandel beziehe, so würde seine Anwendung im vor- liegenden Falle doch ausgeschlossen sein, weil der Markthallen Verkehr als Straßenverkehr anzusehen sei. Auf den Marktverlehr könne der erwähnte Paragraph aber nicht angezogen werden, denn nach 8 6ö der Gewerbe- Ordnung werde die Zeit der Wochcnmärkte von der zuständigen Verwaltungsbehörde fest gesetzt. Die Verwaltungsbehörden hätten es also in ihrer Hand, eine übermäßige Verkaufszeit und die hierdurch herber führte Ausbeutung der Arbeitskräfte durch entsprechende Be- schränkung der Marktzcit zu hindern und dadurch denjenigen social- politischen Anforderungen, welchen der 8 139« für daS übrige Gewerbe gerecht wird, für den Marktverkehr im Rahmen deS ört lichen Bedürfnisses zu entsprechen. Der 8 139« der NeichS-Gelvcrbc Ordnung beziehe sich somit nicht auf den Großhandel und der Alt- geklagte müsse demgemäß freigesprochen werden. Vevskumnlungeu. Die Krankcnkasscn- Vorstände und Vcrwaltiingöbeamte» hielten am Donnerstag eine stark besuchte Versammlung im großen Saale deS GcwcrkschaftShnuscs ab. Zunächst berichtete der Vor sitzende der Centrallommission E. S im a n o w§ k i über den Stand des Apothcken-Boykotts und über die ans Veranlassung des Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg und des Oberbürgermeisters Kirschucr von der Betriebs-ftrankenkasie der Stadtgemeinde Berlin eingeleiteten EiuigungSvcrhandlungcn. Danach hat bisher nur eine vom Vorsitzenden der Betricbs-Krankcnkasse der Stadtgemeinde Verlin, Herrn Direktor v. Schulz, einberufene und unverbindliche Vorbesprechung stattgefunden. In dieser Sitzung, an der die Vertreter der Apotheker- Vereinigung und die Central kommisston teilgenommen, habe beide Parteien ihre Zustimmung zur Einleitung der Eiuigungsvcrhandlungen gegeben. Uebcr die materielle Frage wurde in dieser Sitzung nicht' diskutiert. Nach einer kurzen Diskussion über den Bericht, in der betont wurde, daß die Situation für die Kassen eine sehr günstige ist, daß dieselben fast ausnahmslos recht erhebliche sinanziellc Vorteile durch Verringerung der Arzncikosten während deS Kampfes zu verzeichnen haben und die Kassen bczw. die Mitglieder durchaus nicht auf eine Aendcrung der gegenlvärtigen Verhältnisse drängen, wurde mit allen gegen 3 Stimmen die Centralkom Mission ermächtigt, auf Grundlage der im Juli beschlossenen Bedin- g u n g e n in die Verhandlungen einzutreten. Keines- falls soll aber etwa einem Frieden unter allen Umständen, sondern nur, wenn derselbe den Kassen entsprechende Vorteile sichert, zu- gestimmt und eventuell Vereinbarungen unter Vorbehalt der Beschlußfassung einer Vcrsnmmlnug getroffen lverdcn. Hierauf hielt Herr Rechtsanwalt Steinschneider einen Vortrag über: Wie können die Krankenkassen den Bezug und die Abgabe von Arzneimitteln organisieren? Der Referent begründete in eingehender Weise unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden, teilweise sich widersprechenden oder rmklaren Gesetze und Verordnungen sowie der bereits vorhandenen gerichtlichen Entscheidungen nachstehende Leitsätze: 1. Die Organisation des gemeinsamen Bezuges der Heilmittel durch die Krankenkassen ist erwünscht und liegt im Sinne des Kranken- kassen-GesetzeS. 2. Dem gemeinsamen Bezug und der Abgabe der Heilmittel an die einzelnen Mitglieder seitens einer einzelnen Kasse steht der s 367 No. 3 deS Strafgesetzbuchs sApotheker-Privilegiumj zum mindesten dann nicht entgegen, wenn die Heilmittel entweder dem freien Ver- kehr überlassen sind, oder von einem Apotheker geliefert werden und den: Handverkauf freigegeben sind. 3. Der gemeinsame Bezug kann unter vorstehende» Voraus- etzungen auch durch eine Vereinigung mehrerer Krankenkassen er- ölgen. Hat aber die Vereinigung einen korporativen Charakter, so darf sie aus dem Vertriebe nicht ein eignes Geschäft machen, sondern diesen nur als Beauftragte der einzelnen Kassen besorgen. 4. So lange die künftige Gestaltung des Kranken-Versichenings- Wesens nach dem in Aussicht stehenden neuen Gesetze nicht feststeht. empfiehlt es sich, keine Korporation(gesetzlicher Verband, eingetragene Genossenschaft), sondern nur eine auf Verlrag beruhende Vereinigung Kartell) herzustellen, deren Gründung kein gesetzliches Hindernis entgegensteht. Eine Angliederung an bestehende Organisationen des Konsums ist ausgeschlossen. Eine Diskussion fand nicht statt, doch soll diese Frage zu ge- geben« Zeit zur Beratung gestellt werden und wurde Herr Stein- schncidcr ersucht, sein Referat in der Presse zu veröffentlichen. Ucber die Abgabe von Arzneimitteln durch die Krankenkassen(worüber chon in der vorigen Versammlung diskutiert worden ist. berichtete Herr Dr. Freudenbcrg, daß alle durch die Centralkommission ver- tretenen Krankenkassen bis auf zwei kleinere mit nur einigen hundert Mitgliedern, sich für die Abgabe der vorgeschlagenen Arznei- mittel erklärt haben. Eine große Kasse hat auch bereits in diesem Sinne gehandelt und bei dem ersten Auftrage eine Ersparnis von 300 M. erzielt. Dr. Frendenberg empfiehlt ein geschlossenes Vor- gehen sämtlicher Kassen und erachtet es für zweckmäßig, daß sich die Kassen vorläufig auf die Auschaffung und Abgabe von drei Mitteln: Santalkapscln, Aromatische Eisentinktur und Russischer Spiritus beschränken. Ohne Diskussion wurde mit allen gegen 2 Stimmen dem Vorschlage ent- prechend beschlossen. Der Beschluß gelangt sofort zur Aus- fühnliig und werden die Herren Aerzte hiervon in Kenntnis gesetzt iverdcn. In der Versammlung waren vertreten: 43 OrtS-, 27 HilfS-, Betriebs-, 7 Bororts- und 4JnnungS-Kra»kenkassen, außerdem der Medicinalverhand der deutschen Gewerkvereine. In einer von den socialdrmokratischen Fanen einberufenen Versammlung, die am Donnerstag bei Habel, Bergmanustraße, tagte, sprach Genosse Robert Seidel aus Zürich über den.schweizerischen Bolksstaat". Redner schilderte die geschichtliche Entivicklung des schweizerischen StaatSlebenS von de» Anfängen der Eidgenossenschaft bis in die neuere Zeit, um dann unter B«ück- ächtigung der Bundcsverfassung von 1874 und der Verfassungszustände in den einzelnen Kantonen ein anschauliches Bild von den politischen und socialen Getriebe in der Schweiz zu geben. Wie zivischenrufe und Beifallsäußerungen bewiesen, nahmen die Ver- äminelten die Gelegenheit wahr, Vergleiche anzustellen zwischen preußisch-dcutschem Absolutismus und Kastengeist und den freiheit- lichen, demokratischen Einrichtungen der Schweiz, ivie ihrem ganz anders gearteten Volksleben. In Anbetracht der preußischen Ver- hältnisse besonder» iuteressant waren die Ausführungen über die direkte Gesetzgebung durch das Volk, das freie Ver- eins- und Versammlungsrecht und über das Volks- Heer. Die Thatsache.' daß jeder wehrpflichtige Bürger eine Waffe im Hause habe, bezeichnete Redner unter Beifall als bestes Mittel zum Schutze einer Verfassung. Die Lust zu einem Staatsstreich könnte da gar nicht aufkommen. Mit großer Genug- thuung betonte er, daß die Gemeindefreiheit eine große und unan- Verantwottltcher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. tastbare sei. Von den Gemeinden gehe häufig der Fortschritt au?, um dann später, wie z. V. bei der Einführung der Unentgeltlich- keit der Lehrmittel, durch die staalliche Gesetzgebung festgelegt zu iverden. Auf diese natürliche Weise mache sich überhaupt der Fortschritt in einem demokratischen Staate.— Die Schiveizer Socialdcmolratcn seien keine besondren Ceutralistei, mehr. In dem Kanlönliivcscn stecke ein gut Stück Demokralie und eine gute Dcmoklatie erscheine ohne eine gcivisje Decentralisatioir nicht denkbar. Zum Schluß bemerkte Redner über die Einwirkmig des schweizerische» VollsslaaiS auf das ganze Vollsleben: Kein Volk in der ganzen Welt habe joviel politisches Velständnis ivie das Schiveizer Volk. Hier habe die Demokratie sich als große Volks- erzieherin bewiesen. Ein Volk, das selbst abstimme über seine Gesetze und diese vorher in Hnnderten von Ver- saminluiigen bespreche, niüsse ein tieferes politisches Verständiiis gewinnen. Auch auf Pfarrer, Lehrer und Beamte mache sich der Einfluß der Demokratie geltend und eine andre Frucht der Demokratie sei das in der Schweiz sehr verbreitete Bestreben, sich gemeinnützig zu machen. Die sociale Schichtiing sei leider in der Schweiz dieselbe, wie anderwärts. Die Schuld daran trage aber nicht die Demokratie, die vielmehr das beste Mitiel zur Einführung des Sociaiismus fei. Anfänge zu dieser seien vorhanden, namentlich auf dem Gebiete deS Staatssocialismus, zu welchem die Genosscii der Schweiz eine andre Stellniig einnähmen, als die in Deulschland, den» in der Schweiz sei das Volk der Staat.— Die schweizerische Socialdemokratie have von der denischeil gelerni, er hoffe, daß diese auch von ihr manches lernen möge.— Der Vortrag fand großen Beifall. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter«nd Zlrbcite- rinnen. Die Zahlstelle Charloitenbmg hielt am 8. d. Mts. ihre Gciicralversammlung ab, in der die Neuwahl der Orisverivallung vollzogen wurde. Dieselbe ergab folgendes Resultat: A. Pohl als erster. H. Scheel als zweiter Bevollmächtigter, Brandt als«chrift- führer. Zu Revisoren wurden die Kollegen P. Schurke, Alb. Schröder. A. Seifert, und zum Hilfskassierer Kollege Tnsler ernannt. Uvtzko MÄchAichkm? irnfc Drpeschem Hauiburg, 18. Okt.(Privatdcpesche des.Vorwärts"). Die Ver- sammlung der drei Wahlkreise verlvarf den Antrag auf sofortigen Ausschluß der Accordmaurcr und nahm den Antrag Legicn an. nach welchem eine Kommisston von fünf Mitgliedern geivählt wird, welche einen letzten Versuch machen soll, die Accordinaurer zu bcivegen, ihre Sonderorganisation aufzugeben und zu dem Verband zurück- zukehren; mißlingt dieser Versuch, dann schließen die eiiizelneii Partei- vereine die Accordmaurer aus._ Ter deutsche Zolltarif im östrerchischen Abgcordncteuhanse. Wien, 18. Oktober.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Aus der Debatte über den Driiiglichkeitsantrag des Abgeordneten Forscht ist folgendes hervorzuheben. Abg. Lecher hält es nicht für aus- geschlossen, daß Graf Büloiv bei der Bcröffeiitlichung des dentschcn Zolltarif- Entivurfs sich auch von den, Beweggruiid habe leiden iaffcn, daß mau sich in die Oeffeutlichkeit flüchten müsse, um allzu hohen Forderuiigen eines andren Compaciscenten vorzubeugen. Redner stimmt dem Ministerpräsidenten vollständig darin zu. daß das Parlament die Regieniilg in der Abwehr uiivcrechtigterForderlingeu unterstützen müsse.(Beifall.) Abg. Kaftan weist auf die bösen Folgen hin, ivelche der östreichischen Industrie und Land- ivirtschaft durch Annahme eines Handelsvertrages mit Deutschland auf Grund des veröffentlichten Zolltarifs erwachsen würden. Redner begrüßt das Wort des Ministerpräsidente», daß Oestreich sich auf eigne Füße stellen müsk Dies sollte aber nicht nur in der Frage der Handelsverträge, sondern auch in der ans- wärtigcii Politik überhaupt der Fall sein. Abg. Chiari kann sich bei den enge» wirrschastlichen und geistigen Bcziehmigen zwischen Deutschland und Oestreich einen Zollkrieg zw>sa>en diesen beiden Staaten nicht vorstellen. Der Generalredner Kozlowsli erörtert de» deutschen Zolltarif und betont, ivenn nicht recht- zeitig Vorkehrungen zum Zweck des Schutzes der östreichischen Interessen getroffen ivürdci», sei eine nnverm eidliche Rückivirkung auf das politische Gebiet zu befürchten. Die Einführung dieses Tarifs ivürde eine Katastrophe für daö wirtschaftliche Leben Oestreichs bedeuten. ivelche nicht ohne eine energische Nückivirlung auf die äußere Politik bleiben könne. Nach Zuweisung des DringlichkeitSantrnges Forscht an den LnsgleichSauSschuß wurde die Dringlichleit eines Antrags Kaftan, in dein die Regierung aufgefordert wird, die Notlage der Eisen» und Ptaschiiienindustrie Oestreichs durch sofortige Bestellungen zu mildern, soivie der Antrag selbst seinem sachlichen Inhalt„ach aiigenommcn. Die nächste Sitzung ist auf DicnStag festgesetzt._ Prstfälle. Rom, 18. Oktober.(W. T. B.) Durch Verordnnng des Ministeriums des Innern werden die Häfen des Bosporus f ü r verseucht erklärt und die ans diesen Häfen lo», Menden Schiffe den bezügltchen gesuiidheiSpolizeilicheii Vorschriften unter- worfen. 5lonstantinopel, 18. Oktober.(Meldung deS»Wiener k. k. Tel.-Corr.-Bureaus".) In einer hiesigen Familie ivurden gestern vier Pcstfällc festgestellt, von denen einer bereits tödlich ver- laufen ist.—_____ Berlin» 18. Oktober. Die„Frkf. Ztg." meldet: Gegenüber dem Artikel eines konservative» Blattes, der baldige Küiidigiing der Handelsverträge verlangt, wird von unterrichteter Seite festgestellt, daß die Rcichsrcgierung nicht die Absicht hat, die jetzigen Handelsverträge vor dem Abschluß neuer zu kündigen. Auch glaubt man nicht an eine KllndigungSabsicht der anderen Vertragschließendc» Staaten. Erfurt, 13. Oktober.(W. T. B.) Wie amtlich mitgeteilt wird. stieß gestern auf der Station Creidlitz der um 7 Uhr 58 Min. dort von Rossach eintreffende Personenzug auf den Prellbock eines stumpfen Gelrises. Die Maschine und ein Persouenwageit ent- gleisten, Personen wurden nicht verletzt. Königsberg i. Pr., 18. Oktober.i n d U ii t e rst ü tz u n g s- F o n d S", au» dessen Mitteln alte, arbeitsunfähig gewordene Dienstboten, sofern sie eine lange und tadellose Dienstzeit hinter sich haben, entweder im Gesindehospital verpflegt oder mit barem Gelde unterstützt werden können. Wir haben uns ja schon recht oft mit den stark an d a S Mittel. alter erinnernden Verhnltnisicn dieser merkwürdigeU„Wohl- thätigkeits-Anstalt" beschäftigt, aber unsreS Erachtens kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, wie wenig sie ihrem Namen ent- spricht.'" Man weiß, daß die Ausgaben des Fonds zum großen Teil von den Dien st boten selber gedeckt werden müssen, daß aber trotzdem kein Dien st böte ein Stecht auf Unter st ützung aus diesem Fonds hat. Im Jahre 1900/1901, über" daS jetzt die Verwaltung Bericht erstattet, belicfen sich die Einnahmen des Fonds scinschließlich Barbestand aus dem Vorjahre) auf SS 325 M. Davon kamen allein 26 430 M. auf die Beiträge, die die Dienstboten beim Autritt ihre? ersten Dienstes sowie bei jedem Dienstwechsel an den Fonds zahlen müssen, ferner 1S93 M. auf Zinsen auS den Ersparnissen der Hospita» lite» und 6563 M. ans Nachlässe der Hospitaliteu. Aus den Taschen der.Herrschaften" fließt diesen,„Belohnungs"- Fonds lein Pfennig zu. Die Ausgaben betrugen 28 331 M. für Unterhaltung des Hospitals, 2011 M. Zahlungen an die Hospitaliteu aus ihren Ersparnissen, 15 743 M. bare Unterstützungen an nicht im Hospital verpflegte Dienstboten, 1L83 M. für allgemeine Verwaltung. � Das Glück, in dem Hospital verpflegt zu werden, genossen am 3l. März er. nur 158 Personen, und bare Unterstützungen bezogen zu demselben Zeitpunkt nur 92 Personen. Die Aussicht, aus den auf so sonderbare Art zusammen- gebrachten Mitteln des FondS einmal gelohnt" zu werden, ist, ivie man sieht, nicht groß. Man kann es daher den Dienstboten nicht vetdenken, wenn sie sich der Entrichtung der Beiträge möglichst zu entziehen suchen. Jahr für Jahr bleibt eine große Anzahl Dienst- boten mit den Beiträgen im Rückstand: im letzten Jahre waren es wieder 5366. Durch den Zwang, diese Beiträge zu zahlen, wollte man, als der Fonds vor jetzt beinahe 75 Jahren gegründet wurde, vernnitlich bei den Dienstboten die Neigung zu häufigem Wechsel der Dienststellen bekämpfen. Also eine„Strafe" für Ver- änderungslust der Dienstboten! Diese„Strafe" trifft aber auch diejenigen Dienstboten, die gegen ihren Wunsch und ohne ihr Verschulden den Dienst wechseln auch diejenigen, die lediglich wegen schlechter Behandlung den Dienst verlassen. Die das Gesinde unter ein A n s n a h m e r e ch t stellenden Be- stimmungen des Gesinde« BelohnmigS- und Unterstützungs-FondS dürfen sich getrost neben denjenigen der famosen Gesinde- Ordnung sehen lassen. Wie noch erinnerlich sein wird, wurde Anfang dieses Jahres in der Stadtverordneten- Ver- s a m m l u n g von der socialdemokratischen Fraktion ein Antrag gestellt, der eine A e n d e r u n g der B e st i m m u n g e n des Fonds oder mindestens die Beseitigung der Die n st boten- Beiträge empfahl. Die freisinnige Mehrheit der Versammlung lehnte diesen Antrag ab und lieferte damit den Beweis, daß trotz aller gegenteiligen Versicherungen auch in ihren Reihen noch jene Anschauungen lebendig sind, die ihren beredtsten Ausdruck in der Gesindc-Ordnung gefunden haben. Unter dem Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans tritt heute der Ausschuß zur Beratung deS Erlasses des Oberpräsidenten Dr. Bethmann- Hollweg in der An- gelegenheit der wiederholten Wahl des Stadtrats Gustav Kauffma n ii zum zweiten B ü r g e r n, e i st e r von Berlin zu- stimmen. Zum 23. d. M. ist der Ausschuß zur Beratung der Vor- läge über den Einfluß der K r a n k e n h a u S p f l e g e auf das Wahlrecht, sowie über den Antrag der Stadtv. Augustin und Genossen, betreffend die Einräntming des Rechts für diejenigen den Unter- stützungswohnsitz in Berlin besitzenden Personen, im Falle einer Anstalrspflegcbedürftigkeit die unentgeltliche Aufnahme in einem städtischen Krankcnhaüse zu verlangen, zusammenberufen worden. Errichtung einer städtischen Bolköbadcanstalt ans dem Wedding. Die Stadtvcrordlicteii-Vcrsammluug wird in einer Vor- läge vom Magistrat ersucht, sich damit einverstanden zu erklären, daß das sogenannte Baumschulen- Grundstück hinter der Feuerwache an der Pankslraße dafür verwendet wird. Diese Badeanstalt soll ein Mämierschwimmbad von 205 Quadratmeter Wasserfläche, ein Frauen- schwimmbad von 160 Quadratmeter Wasserfläche, beide mit zwei Scifenräumen von je 30 Quadratmeter Grundfläche. 70 Wannen- zellen, 80 Brausczcllcn usw., sowie die erforderlichen Wohnungen für Angestellte enthalten. An der Kunkel- und Ravensstraße würden dann noch Baustellen zum Verkauf übrig bleiben. Der Eingang zur Badeanstalt kommt nach der Gerichtsstrahe. Dem Magistrat ist eine Petition von Motorengas- und Hcizgas-Konsumcnten zugegangen, welche über 400 Unterschriften trägt, darunter die einer ganzen Reihe großer Fabrikanten, die zwischen 8—17000 M. für Motorengas jährlich zu entrichten haben. Die Petenten heben hervor, daß sie durch die Erhöhung des Heiz- und Motorengases von 10 auf 12,35 Pfennig pro Kubikmeter erheblich geschädigt sind, und teilweise in schwere geschäftliche Bedrängnis geraten seien, weil sie infolge fester und genau kalkulierter Verträge die Mehrausgaben für Gas weder' auf ihre Kundschaft' abwälzen, noch von ihrem ohnehin geringen Gewinn decken können. Nach längerer Beratung und Prüfung der Beschwerde hat der Magistrat beschlossen, dle Petition ablehnend zu bescheiden. Ter hiesige MagistratSsckrrtär Dr. Deichen ist unter 68 Bewerbern am letzten Dienstag von der Stadtvcrordnetcn-Ver- sammlmig zu Graudenz eiiistimmig zum besoldeten Stadtrat und Stadtkämincrcr gewählt worden. Dr. Deichen ist bisher Sekretär bei der hiesigen städtischen Verkehrsdeputation gewesen. Vom Milchkrieg. Eine etwas unklare Stellung im Milchkrieg nehmen die Verwaltungen einiger in Berlin einmündender Eisen- bahnen ein. Nach den bestehenden Vorschriften müssen alle Milch- kanncn, in denen Milch von außerhalb nach Berlin im Wege de» Vahliaboiiuements versendet wird, besondere Blechschilder mit dem Namen des Absenders tragen. Von dieser Vorschrift wird allein zu Gimsten der agrarischen Milchcentrale eine Ausnahme gemacht. Für die Blechkanuen der Ring- Düppelschen Centrale gc- uügt statt des thruren Blechschildes die einfache Auf- klcbung eines Papierzettels. Den Geiiosscuschnflern der Berliner Milchhändler wurde dagegen die gleiche Vergünstigung trotz wiederholter Vorstellungen rundweg abgeschlagen. Nunmehr baben sie sich an Herrn v. Thielen persönlich gewendet. Merkwürdig ist auch, daß die Milchcentrale allem Anschein nach bereits eine Suspendierung einzelner Vorschriften der Berliner M i l ch- Polizeiverordnung erwirkt zu haben scheint. Nach§ 7 dieser Verordnung müssen nämlich alle Gefäße, in denen Milch gewerbsmäßig in Berlin eingeführt wird, plombiert sein. Die Milchcentrale dagegen führt tagtäglich ihre Milch in u n- plombierten Blechkanuen ein, ohne daß bis jetzt eine Jnhibierung stattgefunden hätte. Eine„schwarze Liste" haben sich auch die Berliner Leder- Händler zugelegt. Dieses Verzeichnis der faule» Kunden ist bereits zu einem staillichen Buch angeschwollen und enthält jetzt 4300 Namen. Aus der Simon, Hermann und Ella Bochm-Stiftung werden alljährlich ani 10. Januar, 31. Mai, 12. Juni und 5. August einmalige Unterstützungen in Höhe von 100 bis 400 M. an solche alleinstehcude, ganz oder teilweise crtverbSunfähige weibliche Personen gewährt, die nicht der öffentlichen Armenpflege anheimgefaNeii sind. Ferner sollen aus der Stiftung auch Familien unterstützt werden, die ihreS Ernährers beraubt sind und denen durch Gewährung einer Unterstützung die Möglichkeit zur Begründung oder Wiederaufrichtung einer Existenz geboten wird. UilterstiitzungSgesuche sind an das Kuratorium der Stiftung zu richten. Das Vermögen dieser Stiftung beträgt zur Zeit 204 015,99 M. RuS den Einnahmen der Stiftung sind im Jahre 1901 insgesamt 67 Unterstützungen im Gesamtbetrage von 7800 W. gezahlt worden. Ein wunderlicher Streit beschäftigt zur Zeit die Blätter. Traudchcn Hundgeburth soll nämlich ihrer Kubmagdschast verlustig gehen. Wie der„Hannov. Anz." mitteilt, ist Traudchen Hund- gcburth eine ehemalige Chansonnettc, Namen? Elise Schaller geborene van der Porten, und in Berlin geboren. DaS genannte Blatt will die anrtlichen Dokumente über den Fall veröffentlichen. Dem- gegenüber versendet die Direktion deS Paffage-Thcnters eine Notiz, in der sie für die Echtheit der Kuhmagd das bekräftigende Zeugnis des Impresarios in Anspruch nimmt. Dieser Herr aber soll der Ehemann der Chansonnettc sein! Mordversuch und Selbstmord. Der wobnnngslose Maurer Rudolf Härder drang gestern morgen in der Trunkenheit in die Wohnung seiner von ihm geschiedenen Frau»nd bedrohte sie mit dem Tode. Als ein Schutzmann der Frau zu Hilfe kani, stürmte sich Härder aus dem Fenster auf die Straße hinab und erlitt eine so schwere Verletzung am Kopfe, daß er bald darauf auf d«r Unfall- station in der Eichendorffstraße starb. Ein Opfer der Straßenbahn ist der 43 Jahre alte Rohrleger Hermann Schmelzpfennig aus der Lychencrstraße Nr. 8 geworden, der bei der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschäfl beschäftigt war. Der Mann hotte am Sonnabendabsiid aus dem Bureau in der Köpcuickerstraße seinen Lohn und bestieg an der Brückenstraße einen elektrischen Wagen, um nach Hause zu fahren. An der Ecke der Münz- mid Grenadierstraße sprang er während der Fahrt ab, überschlug sich und geriet unter den Anhängewagcn. Dieser ging über ihii hinweg, bevor der Wagen zum Stehen gebracht werden konnte. Der Verunglückte wurde von einem Schutzmann nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Hier mußte ihm das rechte Bein sofort abgenommen werden, da der Ober- schcnkel fast vollständig abgequetscht war. Der linke Oberschenkel und mehrere Rippen waren dem lliigkücklichen gebrochen. Außerdem stellte man noch innere und verschiedene Kopfverletzungen fest. Der Verunglückte erlag im Krnnkenhanse seinen Verletzungen und seine Leiche wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft beschlagnamt. lieber die Schuldfragen wurden gestern, Freitagnachmittag. Augen- zeugen deS Unglücks vernommen. Schmelzpfennig war verheiratet und Vater eines 17jährigcil SohneS, der jetzt eben seine Lehrzeit als Klempner beendet hat. Durch einen Stnrz in die Spree fand vorgestern. Donnerstag- abend um 9 Uhr die 53 Jahre alte Arbciterswitwc Johanna Scheer geb. Walter aus der Swiiicmündcrstr. 60 den gesuchten Tod. Die Frau war seit l1/» Jahren Witwe und seit dem Tode ihres Mannes stark dem Trünke ergeben. Infolge dessen kam sie vor zehn Monate» in städtische Jrrenpflege. Ei» halbes Jahr war sie in Dalldorf und dann in Privatpflege. Hier verfiel sie wieder dem Trünke. Nachdem sie zlvei Nächte hindurch im Delirium phantasiert hatte, ging sie vorgestern nachmittag um 1 Uhr weg. um Strümpfe. die sie für die Anstalt in Dalldorf gestrickt hatte, abzuliefern. � Abends sprang sie in der Nähe des Lehrter Bahnhofes am Friedrich Karl- Ufer in die Spree und fand ihren Tod, obgleich es einem Schiffer gelang, sie mit einem Bootshaken nach kurzer Zeit aus dem Wasser wieder heranszuzieheir. Ein Einbrecher, der längere Zeit ein ganzes Stadtviertel un- sicher machte, ist jetzt festgenommen worden. In Moabit wurde ein Diebstahl nach dem ander» verübt, ohne daß jemand auch nur die Spur eines Verdächtigen gesehen hätte. Zu den Opfern gehörten die Herren Lieutenant Dcttnicr, Freiherr v. Rotenhaii, Döring und viele andre. 35 Einbrüche waren bereits angezeigt, und noch inimer kannte stnnn den Thäter nicht, der in einem Falle 8000, in einem andren 10000 M. in Wertpapieren, sowie allerhand wertvolle Sachen erbeutet hatte. Er hatte zunächst einen Teil der Gegenstände verkauft und versuchte dann, die Papiere ab- zusetzen. Die Bankhäuser ivarcn aber benachrichtigt, und nur mit knapper Not entging der Kunde wiederholt seiner Fest- nähme. Da er nun so nicht weiter kam. schlug er einen andren, nicht ganz gewöhnlichen Weg ein. Er schrieb ohne Namen an die Bestohlciien und erbot sich, ihnen die Wertpapiere gegen Aus- l ö s e g e l d heraiiszngebeii. Der Krimilialkommissar, der die Er- wittelüngen leitete, empfahl den Leuten, darauf einzugehen und dem Einbrecher, wie er es verlangt hatte, unter bestimmten Zeichen Briefe postlagernd zu senden. Sobald, wie der Beamte geglaubt hatte, kam er aber nicht zum Ziel. Die Briefe wurden regelmäßig von einem Dienstmaini abgeholt. Dieser gab sie an einer bestimmten Stelle einem jungen Burschen, der ihn erwartete, der wieder einem andern usw., so daß man den eigentlichen Empfänger noch immer nicht zu sehen bekam. Um daS Geld zu erhalten, bat der Einbrecher die Bcstohlenen um eine Zusanimeiikinift in einem Casö, teilte ihnen aber gleichzeitig mit, daß er sie über den Haufen schießen werde, wenn sie etwa versuchen sollten, ihn der Polizei zu überliefern. Ein Werk- meister Munter ging auf den Vorschlag wirklich ein, zahlte das ver« langte Lösegeld und erhielt seine Wertpapiere zurück. Ein andrer Be- stohlcner nahm den Vorschlag nur zum Schein an und glaubte den Verbrecher auch odne die Kriminalpolizei festnehmen zu können. Er hatte aber keinen Erfolg und büßte zu seinen Papieren noch etwas Geld ein. Dein Einbrecher selbst schien indessen dieser Weg nun doch nicht mehr zu gehen. Er verlangte von einem andren Bestohlencn, daß er das Lösegeld, 180 M., an seine eigene, des Bestohlenen, Adresse postlagernd schicke. Er, der Einbrecher, werde sich am Post» schaltcr durch die' Militärpapiere, die er gleichzeitig gestohlen habe. ausweisen. Der Bcstohlene, Herr G., sandte das Geld ab, und mehrere Kriininalbcamte erwarteten ans dem Postamt den Empfänger. Der verständigte Schaltcrbeamte fragte den Manu, der zuerst mit den Militärpapicreu kam, ob er Herr G. sei. Der Herr verneinte und ging weg. Nach kurzer Zeit erschien ein zweiter Mann. „Herr G.' selbst", und nun hatte man den Einbrecher. Es ist ein erst 22 Jahre alter ehemaliger Handlinigsgchilfe Friedrich Danien. Die Kriminalpolizei, die bei' ihm lange nicht alles fand, was noch vermißt wurde, gab ihm Gelegenheit, an seine Eltern zu schreiben. Dabei erfuhr man auch den Namen seiner Geliebten, einer 21jährigen Marie Bengsch aus der Stcphanstr. 45, und bei dieser fand man eine Menge gcstohlciicr Sache», Bücher, Wäsche, Gürtelkettc». 150 Schlüssel». a. in. Diese Gegenstände können im Zimmer 37 des Polizeipräsidiums besichtigt werden. Eine aufregende Seen« spielte sich Donnerstagabend in der Wrangelstr. 92 ab. Hier wohnt im dritten Stock deS Vorderhauses der Polizciwachtmcister Ebhardt, dessen einziger, jetzt 7 Jahre alter Sohn bereits vor 4 Jahren einmal aus dem dritten Stock einer Wohiiniig herabstürzte, ohne indes körperlichen Schaden zu nehm«». Gestern abend, als der Kleine allein zu Hause gelassen wurde, er» griff ihn die Angst. Im Hemde erkletterte er da» spitzwinklige FciistcrsiinS, setzte sich daraus und rief den Passanten zu, daß er hcrabspringen werde. Binnen wenigen Minuten war die Straße mit Neugierigen angefüllt,' die jede» Augenblick gewärtig waren. daß da? Sl.'.ib herabstürze. Wider Erwarten kletterte der Knabe in bloßen Füßen über die etwa ein Fuß haltenden Gesimse dreier Fenster, machte Kehrt und wieder- holte diesen Spaziergang mehrcremal. DaS Publikum war starr ob dieser Leistung, traf aber auch Fürsorge, einem Absturz des Kindes durch Ausbreitung von Teppichen zu begegnen. Noch bevor die alarmierte Feuerwehr eintraf, hatten Nckchbarn die bezügliche Wohnungsthür erbrochen, sich an den Knaben herangeschlichen und denselben durch das Fenster gezogen. Fürst Manolcöco, der bor einigen Wochen verhaftete Hotel- dieb, ist jetzt zur Beobachtung der Neuen Charitö überwiesen worden. Der„Fürst", ein zu Marsala in Rumänien geborener Georg Manolcsco, nennt sich jetzt„Privatier". Wie mehrfach berichtet wurde, machte er sich durch Gaunereien und Diebstahle in Hotels bekannt. In Berlin stahl er in zwei Hotels andern Gäste» Brillanten von hohem Wert. Dann wurde er in Neapel ergriffen, äl« er sich gerade anschickte, nack» Aegypten abzureisen. Manolrsco ist verheiratet und Vater einer Tochter, lebte aber von seiner Familie getrennt. An der 9. städtischen FortbildungSschnle, Frnchtstr. 38. wird im bcvorstchcndcn Wintersemester auch Unterricht in der russischen Sprache erteilt werden. Das Schulgeld sür diese» Gegenstand beträgt für 4 Stunden wöchentlich" halbjährlich 4M, Der Unterricht wird erteilt Dienstags nud Freitags abends von 7 bis 9 Uhr. Anmeldungen werden durch den Dirigenten der Anstalt, Herrn Paget, von 7 bis 9 Uhr abends im Amtszimmer der 9. städtischen Fort« bilduiigSschuIe, Frnchtstr. 38, enlgcgcngcnonimcn. SlnS de» Lkachbnrorte». Tic Aufnahme einer neuen Anleihe im Betrage von 32 Millionen Mark beantragt soeben der Charlottenburger Magistrat bei der Stadtberordncten-Versamiiilnng. Mit de» 32 Millionen sollen hauptsächlich bedacht werden: Bau deS Verwaltungsgebäudes mit I1/» Millionen, Bau der Kiiustgcwerbe- und Handwcrkerschulc 170 000 M.. Bau des Kraukenhanses auf Westend 7 164 400 M., Bau des Eleltricitätsivcrkes einschließlich Kabelnetz 6 054 200 M., Straßen, Brücken»nd Uferbauten 1 722 300 M., Ans- bau der Kanalisation 2 263 000 M., Ausbau der Gasanstalt II 6 800 090 M., Bau einer zweiten Realschule in Süden der Stadt 794 000 M., Bau einer höheren Mädchenschule in der Nürnberger- strajze 63, 972 400 M,, Bau einer höheren Mädchenschule im Westen der Stadt 690 000 M, und Bau einer zweiten Volks-Bade-Anstalt 700 000 M. Zu den Schöncbcrgcr Gtadtvcrordncten-Wahlrn schreibt man uns: Eine rührige Thätigkeit zu den bevorstehenden Wahlen entfalten, wenn man hiesigen Zeitungsnachrichten glauben darf, die äußerlich zu einem Ganzen zusammengeschlossenen 15 bürgerlichen Vereine. Ihr Dreißiger-Llrisschnß hat sich große Mühe gegeben, den drohenden Riß. der sich in der Absicht der Aussteilung eigner Kandidaten seitens dcS MictervereinS zeigte, zu verkleistern, und es scheint, daß ihm dies auch gelungen ist. In der nächsten Woche werden sich die Kandidaten des Mischmasches ihren Wählern präscn- tiere», und man wird dann erfahren, w e n man vor sich hat, W i e die Einigung zu stände gekommen ist, das wird ivohl ewiges Ge- heimnis bleiben, trotzdem man sicher annehmen kann, daß nach d e r W a h l— jeder seinen eignen Weg gehen wird. Auch der Mieters verein dürfte das ihn jetzt mit dem Hans- und Gnmdbesitzerverein so harmonisch verbindende Verhältnis gewiß losen wollen— vorausgesetzt, daß er sich nicht zu sehr hat in die Karten sehen lassen. Wir werden ja sehen. Angesichts dieser Verhältnisse dürfen' unsre Parteigenossen nichts versäume», was zur Erreichung unsres Sieges erforderlich ist. Das Opfer eines eventuellen Verlustes an Arbeitsverdienst muß gebracht werden, damit der letzte Beschluß der Körperschaften in Sachen der Verlängerung der Wahlzeit uns nicht schade. Auf die am Montag in Obsts Lokal stattfindende allgemeine Wählerve r sainml»n g, zu der NeichStags-Abgeordnetcr Genosse P f a n n k u ch das Referat iibernommcir hat,, machen wir hierdurch sämtliche Parteigenossen ganz besonders aufmerksam. Steglitz. Die„Bierabende", die von der hiesigen Gemeinde- bertretmig zur Auswahl der B ü r g e r m e i st e r k a n d i d a t e u abgehalten lvnrden, scheinen eine versöhnende Wirkung gehabt zu haben: Der Steglitzer Koinmnnalfrcisinn, dem Mau aus dem Görlitzer Parteitage der freisinnigen Volkspartei ein„radikales Programm" nachgerühmt hat, hat sich mit der sonst grimmig befehdeten konservativ- antisemitischen Opposition der sogenannten „Unabhängigen" in letzter Stunde vereinigt und den derzeitigen ziveite» Bürgermeister B u h r o w in As ch e'rS l e b en mit 18 von 20 abgegebenen Stimmen zum besoldeten Amts- und Gemeinde- Vorsteher gelvählt. Nur zwei Geineindeverordnele haben durch Ab- gabe weißer Zettel gegen die Wahl protestiert. Da auch die Militärpapiere des Neservelientenants in tadelloser Ordnung sind. dürfte die anderwärts oft so langwierige Bestätigung nicht lange ans sich warten lassen. Ob aber das neue Gemeindeoberhaupt, ivie die vereinigten Gegner hoffe», den Ansturm der Sorialdemokratie auf das Rathaus abschlagen Ivird, ist zweifelhaft; nach dem Ascherslebcner Rezepte dürfte er das Gegenteil erreichen. Nen-Weisseiifec. Der Vorschlag der Regierung, dem Mangel an Schulräumen dadurch abzuhelfen, daß Kinder beiderlei Geschlechts gemeinsamen II n t e r r i cht erhalten, ist bei der llmschnlmig im Oktober in deii drei unteren Klassen durchgeführt worden. Diese Maßregel hat vielfach de» Unmut der Eltern wachgerufen und gar drastische Ausdrücke bekam niau ans Anlaß dieser Sache zu hören, Festgestellt werden muß jedoch, daß die an dieser Aeiidcrung geübte Kritik zum Teil iveit über das Ziel hinanSgeschosseu ist. Die Trennung der Geschlechter in der Schule ivird von vielen, auch von sonst aufgeklärten Arbeitern, als etivas angesehen, an dem nicht ge- rüttelt werden dürfe! eine Abweichung von dieser Auffassung wird als rückschrittlich und reaktionär bezeichnet. Diese Ansicht ist eine durchaus falsche. Was hierbei nicht scharf genug kritisiert werden kann, ist, daß die Regierung die Durchführung dieser Maßregel nur aus Anlaß des Mangels an Klassenräumen verlangte, statt, um der Ueberfüllung der Klassen vorzubeugen, den Bau von Schulhäusern zu verlangen und zu verfügen. Statt dem Uebel an der Wurzel zu Leibe zu gehen, behilft man sich mit Mittelchen, die allgemein durchgeführt durchaus gutgeheißen tverden müßten, die in diesem Fall aber geradezu schädlich tvirken müssen. Lichtenberg. Großen Jubel erregt unter den hiesigen Hans- besitzern ein Urteil des Ober-Verwaltungsgerichts, welches ausspricht, daß die Herren von der ihnen auferlegten Pflicht, die Bürger- steige zu unterhalten, befreil sind. Das Gericht nahm an, daß die in Berlin für die Hausbesitzer bestehende Gewohnheitspflicht für Lichtenberg nicht vorhanden ist. In der Frage der Ein- gemeindung wird diese Entscheidung offenbar für Lichtenberg von »ngünstigein Einfluß sei». Selbstverständlich bethätigen die Hans- besitzcr ihren Gemeinsinn jetzt durch die Erörterung der Frage, wie es anzustellen ist, daß sie ihre Entfchädignngsansprüche an die Ge- meinde möglichst vorteilhaft geltend machen. Die von der Gemeindevertretung geivählte Kommission zur Schaffung eines Ortsstatnts für das zu errichtende Gewerbe- geeicht Lichtenberg wird der Gemeindevertretung in deren nächster Sitzung vorschlage», das Gewerbegericht vom I.Januar 1902 inFmiktion treten zu lassen. Vorgeschlagen ivi'rd, das Gerichlzunächst mit einem Vorsitzenden. 3 Stellvertretern und 28 Beisitzern zu besetzen. Von der Errich- lung besonderer Kammern soll vorläufig abgesehen werden, bis diePraxis das Richtige ergiebt. Auch soll das Ausstellen besonderer Wähler- listen unterbleiben, die Wähler habe» sich am Wahltage als solche zu legitimieren. Sache der Gewerkschaften am Orte wird es sein, sofort mit den Vorbereitungen zu beginnen. Am Dienstag ivird in einer öffentlichen V e r s a m m I u n g über diese Frage das Kommissionsmitglied, Gemeindeverordncter Grauer, sprechen. Tic Versandung der Spree auf einer Strecke vor ihrer Mündung in die Havel, welche sich vor einigen Monaten benierkbar machte und den Schiffahrtsverkehr stark beeinträchtigte, ist jetzt durch die mehrwöchentliche Arbeit eines DampfbnggerS der Wasser- Banverwallung beseitigt. Die Fahrstraße mußte stellenweise bei- nahe um 1 Meter durch Ansbaggcrniig verlieft werden. Ve vsammlu n gen. Die Barbicrgchilfen waren an: 10, d, M, zahlreich versammelt, um Stellung zur Freigabe der zweiten Feiertage an den Festtagen Ostern, Pfingsten, Weihnachten zu Pehmen, Der Referent W e r m k e schilderte die Wünsche der Arbeiter zur Erringung einer kürzeren Arbeitszeit. Die Arbeitszeit im Barbierberuf betrug bis vor kurzem 106 Stunden wöchentlich. Durch die gesetzlichen Bestimmungen wird dieselbe auf 90—95 Stunden reduziert(Sonntagsruhe). Das Ver- langen nncb Beseitigung der Arbeitszeit an den zwei Feiertagen sei berechtigt. Einerseits sei an den Tagen schon wenig zu thun, dann aber ist eine Ruhepause von einem ganzen Tag auch kein unbilliges Verlangen, Daß auch eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit durchführbar ist, beweist das errichtete Genossenschäftsgeschäft, indem dort nur eine zehnstündige Arbeitszeit herrscht. In der sehr lebhaften Diskussion wurden die Ausführungen wesentlich ergänzt und die Agitation.?- kommission beauftragt, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Weiter wurde mitgeteilt, daß die Arbeitgeber einen stillschweigenden Be- schluß gefaßt haben müssen, alle organisierten Gehilfen zii entlassen. denn die zahlreichen Entlassungen dieser und die Einstellung un- organisierter, ans auswärtigen Nachweisen engagierter Gehilfen deute darauf hin, die Organisation der Gehilfen zn Hernichten. Eine all- gemeine Vertrauensmänner- Sitzimg soll sich mit der Angelegenheii beschäftigen.— AIS Delegierte in die Gewcrkschaftskommission wurden Kaiser und Liwe gelvählt, Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 20. Oktober, vormittags 8'/« Uär. in der Aula der 69, Gemcindeschule, Kleine Frankfurter st ratze(i: Versainmlung: Freireligiöse Vorlesung.— Um IM/. Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Frl. Ida Altniann:„Warum muh der Freidenker nicht nur das Kirchentmn, sondern das Chnstcntuui selbst ablehnen■?" Gaste, Damen und Herren, sehr willkouimen,— Montag, den 2l, er,, abends KL, Uhr, im unteren Saale des„Englischen Gartens", Alexander- stratze 2Tc: Beschlietzcnde Versaminlnng, Wichtige Tagesordnung, Weitzc Quittung legitimiert, Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter iE, H, 29 Hamburg), Filiale 3, Mitgliederversammlung Sonnabend, den 19, Oktober, abends 9 Uhr bei Berge»«, Rcichenbcrgerstr, 157.— Filiale 5. Mitgliederverscunmlung am Sonnabend bei Sidow, Lothringerstr, 63, Wclter-Proguosc kür Sonnabend, de» 10. Oktober 1901. Ziemlich warfit, vielfach heiter, jcdoch veränderlich mit etwas Regen und mätzigen südlichen Winden. Berliner W e t t c r b u r e a u. Marktpreise von Verli» am 17. Oktober l!!01 nach Ermittlnugen des igt. Polizeipräsidiums. Witte, nngcnl'er, ich« vom 18. Oktober I99I. inorgciiS«»Hr. * frei Wage» und ab Bahn, Prodnkicnmarkt vom 13, Oktober, Getreide, Nach festem Schlug war die gestrige Nachbörse clwas schwächer verlausen, am hemigen Früh- markt war die Stimmung wieder gebessert. Für vordere Sichten bleibt bessere Frage bestehen und russische Otzertcn find noch immer nicht am Markt, Odessa meldet fehlende Zufuhren ans dem Inland, Autzerdem sandten Oestrcich- Ungarn und Amerika feste PreiSmeldnngen, Weizen notierte am Mittagsmarkte etwas höher als gestern. Roggen mar anfänglich leicht gedrückt auf guten Ausfall der Kartosselernte, Beide Artikel schlössen gestern leicht gebessert. Mehl gut behauptet. Am Fntttrmarkt war Haser ziemlich fest, Mais unverändert, Röböl erzielte bei ruhigem Geschast kleine Preis beffernngen, Spiritus, Am Spiritusmarkt vollzog sich ein neuer Preissturz um 1,50 Rt, 70« loco wurde mit 35 M, gehandelt,— Schlntz für Getreide ziemlich fest._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechsinndc findet am Dienstag, Donners- tag und Freilag von 7—0 Uhr»beudS statt, F. I. 105.? Unteragentcn dürfen von den preutzischen Lotterie- lollektenren nicht gehalten werden. A. L. 100. Ja,— Paul L. Sie sind nach§ 5 der Städte-Ordnung nicht wahlberechtigt,— Rostock. Sie find zur Zahlung verpflichtet und haben kein Recht auf Erziehung des Kindes,— P. P. 119*3. Der Standesbeamte kann sich mit Anwesenheit eines Verlobten zwecks Auf- gebots begnügen, falls die erforderlichen Papiere beigebracht sind.— M. 100. Sie mühen ein Patent nehmen. Wenden Sie sich persönlich an das Pateniamt, Luiienstrahc,— W. R. 19. Nein. — Ch., Dresden. Kläger sowohl wie der Beklagte können um Bewilligung des Armcmechis einkoniine»,— 13. Oktober. Leider steht Ihnen ein Anspruch nicht zu,— Streit 12. Eine Bekannimachnng in einer Zeitung ist ohne rechtliche Folgen für das Borgerecht der Ehefrau, Dies kann nur durch eine notariell oder gerichtlich beglaubigte, zum Güter- rechts-Registcr einzureichende Erklärung des Mannes aufgehoben oder be- schränkt werden.— 100 A. 2.. Charlottenburg. Sie können ruhig wählen, — B. 30. Das Gericht hpt ja nach sreieui Ermessen unter Würdigung aller Umstände zu entscheiden, ob es das Vorbringen einer Partei für wahr hält. Ein Zeuge lädt sich für die von Ihnen angeführte Behauptung in der Regel nicht beibringen. Auch ohne einen solchen kann die Richtigkeit oder Unrichtigkeit des Beweistheinas für dargelegt erachtet werde»,— F. H. 50. 0. Richten Sie schlietziich au den Börstand der Bernfsgenassen- schaft den Antrag aus Gewährung einer Unsallrente.— Streitfrage 100. Ein Mann kann nach vollendeter Volljährigkeit heiraten: er mutz aiio Sl Jahre alt sein oder vor vollendetem 2t, Jahre vom Amtsgericht für grotzjährig erklärt sein, BiS zum vollendeten 21. Lebensjahre bedarf er der väterlichen Einwilligung, Der Umstand, ob er bereits gedient Hot, ist gleichgültig. — SR. F. I, t. Verlorene Qllltliingskarten sind durch neue zu ersetzen. Den Antrag richten Sie an die Polizeibehörde, 2, Der Antrag auf Rück- erstattung ist innerhalb cineS Jahres nach der Heirat an den Magistrat zu Charlottenburg zu richte».— SR. W. 100. Sie miitzten einen Antrag auf Festsetzung der Ihnen vom Gegner zu erstattenden Kosten an das Amtsgericht senden. Ein Beispiel finden Sie S. 437 Nr, 78 des„Arbeiter- rechts",— Hermann N. t, Gewerbetreibende, die einen offenen Loden haben oder Gast- oder Schanlwirtichast betreiben, sind verpflichtet, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vorname» an der Autzcnieite oder am Emgalig des Ladens oder der Wirtschaft in deutlich lesbarer Schrift mizubrmge». Das Schaufenster gehört zur Antzeiiseiie des Ladens. 2, Verlangen Sie Ihre Uhr von dem Uhrmacher oder klagen Sic gegen Ihren Boten auf Angabe des Namens des Uhrmachers oder auf Herausgabe der Uhr.— 1000. Belle-Alliaiieefteasse. Nei� Central-Yerband der Zimmerer Deulscbl. (ZalilHtelle Rixtlorf.) Am 16. Oltober verstarb nach kurzem Leiden unser langjähriges treues Mit- glicd Gkustav Braungart im Alter von 26 Jahren, Ehre seinem Andenken, Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 19. d, M,, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Kirchhofes, Rudowerstrabe aus' statt. Um rege Betelliaung ersucht 255/8 Ter Vorstand. Heute nacht 121/, Uhr oerstarb nach langen Leiden meine, liebe Frau iloksims Stoermer, geb. Hole. Kassiererin der Krankenkasse für Frauen und Mädchen Deutschlands, Ver- waltiing Berlin I. Um stille Terlliahiuc bittet im Namen der Hinterbiiebsneii Franse Stoermer. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 2 Uhr vom Tranerhaufe, Naiinynstr, 74, ans aus dem neuen Thomas-Kirchhof statt, lL02b Erklärung. Das Gerücht, welches unter meinen Gästen kolportiert wird, ich hätte den Schankwirt Bergemann, Gericht- siratze 74, wegen Uebertretimg der Polizeistunde denunziert, beruht aus Unwahrheit, Rodert Rie««, 11856_ Gerichtstr, 15. Cclltral-Kmken- u. Sterbekasse der Zimmerer (E. H.-K. Nr. 2 Hamburg.) Oertlfche Verwaltung Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 16, Oktober das Mitglied nach vierwöchigem, schwerem Leiden gestorben ist, 259/15 Die Beerdigung stndet Sonnabend, den 19, d, M,, nachm, 5 Uhr, vom alten Rixdorser Kirchhof aus statt, Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau und unsre gut« Mutter und Grotzmuttcr Miiuik Schweizer gev, Zinnall am Mittwoch, den 16, Oktober, sanft entschlafen ist, Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 20, Oktober, nachmittags 3l/2 Uhr, auf dem Begräbnisplatz der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel- Allee statt, 1182b Um stilles Beileid bitten Die trauernde» Hinterbliebenen, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung unsres lieben Mannes und Vaters, sage» wir hiermit allen, insbesondere den Bau- arbeitern Berlins, unfern herzlichsten Dank,(12016 Fran Hayn nebst Tochter, Müiib der MWulsteii n. Hciztr ioiü Jcrufsp, DeuW. (Vcrn'alliin{j*KteIIc Ucrlln nnd Umgegend.) Sonntag, den 20. Oktober 1901, nachmittags 5 Uhr, in Cohns Fentsljlen, Venthstr. 20: General VevslKUtmlung. Tagesordnung! 1, Vierteljährlicher Kaffeubericht, 2, Bericht der Revisoren 3, Anträge, Onmungsbuch legitimiert. 138/19 »le Ortsvcrwaltnng. Rixdorf. Rixdorf. V. Stiftungsfest des Verbandes der in lstmeiiidebetriebeii besisiliftiilteil Arbeiter vüd llilter-Ailgestellteil(ziliale Rirdarfj Sonnabend, den 19. Oktober, in Wilh. MiinzerS Ball-Salo«, Knefelecks:: 113. Anfang 8 Uhr. 292/2 Freunde und Gönner und sreundlichst eingeladen,' WE Billet 26 Pf, Da» Komitee. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vcrrvaltangsstelle Rcrltn. Bureau: Engel-Ufer 13. Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Sonnabend, den 19. Oktober 1901, abcndS M/s Uhr Konferenz der Uertrauensleute für Moabit bei Flsehee, Waldstrasie 8. Sonntag, de» 20. Oktober 1901, vormittags 10 Uhr Versammlung der Eisen- und Metall-Former, sowie sämtlicher Gießerei- Arbeiter im«everksehaftshan», Engel-Ufer 15, Saal IV. Tages- Ordnung: 1, Der Uebertritt der Former vom Ceniralverband zum Deutschen Metallarbeiter-Derband, Referent: Kollege Louis Müller, 2, Diskussion, 3. Berbandsangelegenheiten. Sonntag, de« 20. Oktober 1901, vormittags 10 Uhr Morgensprache der Schraubendreher bei Htz'et�el, Wrangelstr. 136. Montag, den 21. Oktober 1901, abcndS 8l/4 Uhr, MgtmmeKMstMlz der gesallltellVertratlellSleilteLerliils im GewerkBchartshau!!,, Engel- Ufer 15(großer Saal). Tages-Ordnung: Stellungnahme zu den notwendige» Ergänzungswahlen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Dl« Ortsverwaltnng. Sonnabend, de» 19. Oktober 1901: Vergmigeu der Feilenarbeiter bestehend in Kränzchen u, Theater-Aufführungen, im11. Tages- Ordnung: 1 Kassen-»nd Kontrollbericht vro HI, Quartal 1901, 2, Bericht über ne Apotheker-Angelegcnheiten, 3, Berschiedene Kaffen-Angelegenheiten, Zahlreichen Besuch erwartet 26/7 Di« OrtsTerrvaitnng. Soclaldemolirat. WaMverein für d. Bezirk Stralau. Sonntag, den 20. d. M.. nachmittags 2 Uhr. im Doknie des Herrn Ciurscii, Alt-Stralcn, V ereius-Verssmi kidinttA». T og e s o r d n u n g: 1188b 1, Bericht vom Provinziai-Partciiag, 2, Bericht vom Parteitag zu Lübeck; Referent Genosse Grauer, 3, Bericht des Berkaiiensmaimes. 4, Neuwahl deS Vertrauensmannes, der Revisoren, der Lokal-Kammiisson sowie des Gesamtvorstandes, 5, Wahl der Delegierten zur KreiS-Konfereyj. 6. Verschiedenes, Der Vorstand. MZxÄOk't* VttblNld der PorteftMer llild aller ill der Leder-«Ild Kalailttrielvarcu-Braillsie besO'fligtell Arbeiter und Arbeiteriuneu DenWlailds. iLrtämatot Berlin.) _ Sonnabend, de» 19. d. M., abends 8'/- Uhr, U®?- in O r 5 p 1 e r s 8 a 1 o n, Bergstrasse 147,"TZW Oeifentliclie Versanunlnng:. Tagesordnung: 1.„Was wir wollen"? Referent: Stadtverordneter A. Hoffmaun. 2, Dtökussion, 3, Verschiedenes, 103/13 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der F.inbernfer, Verband der Möbelpolierer. Rontag, d n 21. Oktober er., abends 8'/] l'br, Andrcasstrassc 2C: VersammBungo Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Waldeek Ilanasse über:„Der Friedens- Gedanke", 2, Diskussion 3, Verschiedenes, Die Mitglieder, ivelche Adressen von Kollegen in de» Provinzen wissen, werden ersucht, dieselben an H, Schulz, Memelerstr, 60a, einzrisenden, 148/Ij Der Vorstand. Verband der Jabrid-, Land-, UlsSiN'detter nnd-Arbettenunen Deutschlands. Äünbisteiie Berlin. Sonntag, den 20. Oktobei. abends 8 Ilhr, bei N�robe, Kolbergerstt, 23: Große öffentliche Hersmioinns. Tages-Ordnung: Vortrag der Kollegin Frau Kiesel:„Krisen und Kriscmvirkungen". Nach der Beosauimlung: Gemüttiches Beisammensein und Tanz. Um zahlreichen Besuch bittet Oer Einbernfer. Verband des tecbnlscben Binen-Fersonals. Sonnabend, de» 19. Oktober, abends Ii llhr, Nene Roffltrasse 3: Qua rtal s- V ersam mlniig;. To g es- Orb n u» g: 190 9 1. Kassenbericht, 2. Vorstands- nnd Agitationskommifssvns- Bericht. 3, Ersatzwahlen zum Borstand, 4. Verbands- Angelegenheiten und Ver- fchiedenes. Der Vorstand. AWiig! 4. Wahlkreis. AlhiiiW! Ilm Montag, den 21. Mober, abends S1� Uhr, in fouiö Nellers IfftHen, Koppenstraße 29: Vortrag des Genossen llohert Seidel sZnrich) über: „Die Soeialdemokratie in der Republik". 214/19* Der Vertrauensmann. Moabit.-WW Montag, den 21. Lktober, abends 8� Uhr, in„Ahrens Branerei", Turulstraße 23-28: für den 44. und 45. Bezirk. Tages-Ordnung.' 1. Tie Bedeutung der bevorstchcude» Komninnalwahlcn und uusre Aufgabe» im Note» Hause. Referent Genosse vi».ie Agitationskoinmission. Orta-Kran kenkasse für bos Ceiverbe d.Tislhler«.Pilliiosorte-Arbeiter zuBerlin. Sonntag, de» 27. Oktober» vormittags 10 Uhr, AIltKllv Derselbe enthält aubcr aufgeführt. Rancrmefier noch 28 verschiedene Niiinmcrii in Nasiermefferu sowie grobe Auswahl in Rasierutenstlien, Tll'chen. Taselnlessern und Gabeln, Scheren, Brot-, Schlachi-, Gemüse-, Hack- und Wicgemeffern, llhren- und Halsketten. 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Oktober 1901. Paul Kautsch, Ziethenstr. 72. Berichtigung. Ich habe noch keine Ringmilch per- kauft, trete im Gegenteil energisch ge>un den Bcrknnf solcher Milch ein. Albert ScliHlcr, Milchhändler, Barnimstrastt 12. BklWignilg. Der Milchhändler Krämer, Ebertystrab« 50, führt keine Ring- milch und ist nur durch ein Versehen aus die bclreffcnde Liste gekommen, waS hierdurch richtiggestellt werden soll. Auch Herr Kraehivltr, Kochstrabe 45, führt keine Ringmilch, was hiermit gleichzeitig bestätigt wird. I. A.:'WleUener. Johann Soppltsch, Skalikzerstraße 44. Ich erkläre hiermit, das ich nach- weislich bis jetzt nur riugfreie Milch verkauft habe und auch das Plakat der vereinigten Milchhändler Berlins mit dem Name» Wiesencr besitze. J. 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Danach wurden in den Monaten Januar bis August 1900 von dem Verein gegen Haus- bettelet 3431 Personen unterstützt, in dem gleichen Zeitraum des laufenden Jahres aber 4647 Personen! dabei ist es bezeichnend, dah die Differenz zwischen den gleichen Monaten der beiden Jahre von Monat zn Monat gestiegen ist, so daß im August 1901 beinahe doppelt so viel Personen unterstützt wurden, wie im August 1900. Dagegen wird ein bemerkbarer Rückgang des Fleischkonsums vom Juli mim August per Kopf der Einwohner konstatiert. Dazu kommt, daß die Nachweisungen über den Güterverkehr in den Ali-Mannheimer HSfen für August 1901 einen Rückgang in der Versendung von Eisen- fabrikatcn und Holz gegen August 1900 ergeben. Preußische Schulzustände. Wie wir unsrem Forster Partei« blatte entnehmen, hat in dem Dorf« Stentsch des Kreises Züllichau- Schwiebns der einzige gegenwärtig thätige Lehrer nicht iveniger wie L4K Schüler zu unterrichten. Lehrer wie Schüler dieses Ortes sind im höchsten Maße zü bedauem. Die Einrichtung eines Hafcninspcktorats für Bremerhaven ist von der Bremischen Bürgerschaft beschlossen worden. Die Ein- richtung ist ebenso wie die bereits in der Stadt Bremen seit bald zwei Jahren bestehende gleiche eine Frucht des Hamburger Hafen- arbeiter-Streiks. Die Verbreitung der Geisteskrankheit in London. In der letzten Sitzung des Londoner Grafschaflsrals wurde berichtet, daß die Grasschaft London für 17 477 Geisteskranke zu sorgen habe; es sind dies 22 Proz. der Irren von England und Wales. Die Zu- nähme sei eine so schnelle gewesen, daß in der letzten Zeit sich ein Mangel von über 1000 Betten eingestellt habe. In, letzten Jahre allein wurden 3531 mit geistigen Defekten Behaftete an die städtischen Asyle cingeliefertt davon wären 1671 Mäiiner und 1860 Frauen.— Nach den eingehenden Untersuchnngen der Direktion der Asyle mutzte auch hier wieder festgestellr werden, daß Alkohol und Armut die hauptsächlichsten Ursachen der Geisteskrankheiten bilden. Ans den Distrikten Londons, Ivo der Hunger der tägliche Gast ist und die Schankhäuser die besten Geschäfte machen, wo die Haus-Agrarier sich ihre elenden Löcher nüt Gold aufwiegen lassen, kommt die größte Zahl dieser Unglücklichen. Während in dem Vorort Hampstead auf das Tausend Einwohner nur 1,9 pro Tausend, in Lewisham 2.5 pro Tausend Geisteskranke gezählt wurden, kommen auf die Tity-Distrikte St. Georg 5,7, Panoras 6,7, Whitechapel 6,7, Heiborn 8,1, auf den Strand-Distrikt gar 10 pro Tausend der Einwohner. Die englische GrosfeinknufS-Gesellschaft in Australien. DaS australische Depot der<3. W. 8. wurde vor etwa 4 Jahren er- richtet. Sein Hauptquartier wurde nach Sidney gelegt, die Leitung übernahm Mr. Fairbairn aus Newcastle. Das Depot wicS seit seiner Gründung einen beständig wachsenden Umsatz auf und brachte die Genossenschafter bei den Antipoden zu engerer Ber- bindung mit denen in England. Das trug zu gegenseitigem Borteil bei. Im letzten Jahr wurden Landesprodukte, wie Weizen, Butter, Talg usw., im Werte von 163 000 Pfd. Lstrl. von dem Depot in Sidney nach England geliefert. Sidney ist seit langer Zeit einer der größten Talg-Märkte der Erde gewesen und versandte diese Ware meistens nach London. Seitdem das Depot arbeitet, werden die Einkäufe der<3. W. 8. direkt an ihre Seifenwerke in Jrlam versendet, was eine bedeutende Ersparnis an Fracht und Provision ermöglicht. Anfang dieses Jahres wurde eine weitere Vergrößerung der Filiale Sidney beschlossen, indem man sich für die Errichtung einer eignen Talgsiederei an Ort und Stelle und für die einer Kokosnußöl-Fabrik entschied. Das genannte Oel wird aus Kopra, den getrockneten Kernen der KotoSnnß hergestellt, die auf den Südsee-Jnseln so allgemein verbreitet ist. AgentenZsammcln sie auf den verschiedenen Inseln und verschiffen sie aus Dampfern nach Sidney. Der Direktor der<3.>V. 8., Moor- house, fuhr im Februar nach Sidney und kam nach eingehenden Studien im August wieder zurück. Er hat im Interesse der Groß- einkaufS- Gesellschaft Süd- Australien, Viktoria und Ncusüdwales besucht. Als er Sidney verließ, näherten sich die neuen Werke bereits der Vollendung. Die Großeinkaufs- Gesellschaft arbeitet in Australien hauptsächlich mit genossenschaftlichen Farmerorganisationen und bringt auf diese Weise Produzenten und Konsumenten, die 13 000 englische Meilen von einander entfernt sind, in Berührung. Nus vrv Fvnuenbeivegttng. Der Verein der Blumen-, Blätter- und Feder- Zlrbcitev und-Arbeiteriuucn hielt nach �jährigem Bestehen am Dienstag seine erste Generalversammlung im Vercinslokal, den„Arminhallen", ab. Frau Ihrer hielt zur Einleitung eine kurze Ansprache an die Mitglieder, sie zur regeren Agitation unter ihren Kolleginnen er- munternd. Im weiteren gab sie einen Ueberblick über das dem Verein vorliegende Arbeitsgebiet. Die Vorsitzende Frau Rönsch konnte in ihrem Geschäftsbericht mitteilen, daß man neben den vier Vereinsversammlungen für Berlin auch in Strausberg. Friedrichsberg und Friedrichs- Hagen Verbindungen anzuknüpfen versucht habe. Im letztgenannten Ort haben sich von den zahlreichen in der Federbranche thätigen Heimarbeiterinnen 35 in der ersten Versammlung angeschlossc». Um aber die Agitation»och weiter hinaustragen und rege halten zu können, sei' die Wahl einer Agitationskommijsion nötig.. Der Kassenbericht ergab, daß die Einnahmen nur um ei» geringes die Ausgaben übersteigen; die Anschaffung der nötigen Vereins-Ntcnsilien haben die Hauptausgaben verursackt. Es werden sodann Frau Ihrer, Herr Sinn und Frau Hancke in die Agitationskommission gewählt. Es wird weiter vorgeichlagen, eine Delegierte zur Gewerkschafts« kommission zu wählen; auch in den Ausschuß der Krankenkassen eine solche zu entsenden, sei zu empfehlen. Beide Punkte werden für die Tagesordnung der nächsten Ver- samnilung zurückgestellt, in der Dr. Frendenberg über die Wichtigkeit der Krankenkassen für die Arbeiterinnen referieren wird. üelrunntinncliiins betreffend: Sanern Haeniatosen-�iUir-Kakao. Präparate, welche einen Wert haben und vom Publikum gern getaust werden, sind der Konlurrenz ein Dorn im Aug«. Alle möglichen Aiislrengungen werden getroffen, um dieielben dem Publikum zu verleiden. So wurde auch von unsrem Präparat behauptet, dah das Publikum(also Blutarme, Blcichsüchtige, Kranke und schwache Kinder) nur unser Präparat kaufe, weil es glaube, nur einen unvcrmlschtcn Kakao zu erhalten! In Wirklichkeit kauft das Publikum unser Präparat, weil eS ein HacniatoAsa(also eine blutbildende Nahrung) haben will, welches angenehm nach Kakao schmeckt und nicht so unangenehm, wie flüssiges Haematogen. Reiner Kakao ist nicht das Nahrungsmittel, sür welches es ausgegeben wird; denn Vip Pfuud reiner unvervrischter Kakao hat nach Aussage der Aerzte nur denselben Nährwert wie V« Liter Milch und mehr wie Vi» Pfund reinen Kalao kann tem Mensch den Tag über vertragen. Von unsrem Haematogen-Nähr-Kakao kann aber mehr wie daS Dreifache vertragen werden, 26982« Hacraatogcn- BTahr• ' Kakao bewirkt eine ständige Zunahm« des Körpergewichts und wirkt appetitanregend in hohem Masse. Die Wirkung und die Güte ist von Aerzten und Chemikern klargelegt und bewiesen. Um jedoch dt« Konkurrenz, die in unsrem Präparat nur einen unvermischten Kakao sehen will, in Zukunft nicht zu mißliebigen Aeußerungen über unser zu veranlaffen, nennen wir dasselbe von jetzt ab- nthält im Pfund 26 Gr. konzentriertes(also eingedampftes) Haematogen; außerdem, damit daS Präparat gut schmeckt und appetitlich aussteht, Kakao, Zucker und Stärkemehl. ist mithin-in empfehlenswertes Kräfstgungsmittek für: Blutarme, Bleichsiichttge und schwach« Kinder, welches in den Apotheken, DrogueNhandlungw und emschlägigen Geschäften zum Preise von Mark 8,— für ei» Pst.ild erhaltlich ist. Meine sämtlichen Präparate stehen unter der ständigen Kontrolle des Apoihekers und Nahrungsmittel-Chemikcrs P. Lohma»», Ehem. Sachverständiger der Königl. Landgerichte I und II Berlin. _ Friedrich Gustav Sauer, medicmifch-chemisches Institut, Berlin C. L.. Neue Friedrichstr. 30. Für den Inhalt der Inserate nbernimuit die Ncdaktto» den, Publiknm gegenüber keinerlei Berantivortung. Sonnabend, 19. Oktober. Opernhaus. Der fliegende Holländer. Anfang 7»/, Uhr. Echansptelhans. Florw und Flavia. Ansang 7'/, Uhr. Ncnrs Over». Theater(Kroll). Geschlossen. Echiller. FigaroS Hochzeit oder: Ein toller Tag. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Wildente. Ansang 7-/, Uhr. Berliner. Nacht und Morgen. An- sang IV, Uhr. Lessing. Die Fee Caprtce. Anfang 7'/, Uhr. SIesidenz. Sein Doppelgänger.— Borher- Im Coups. Anfang 7»/, Ubr. Neues. Das Swig-Weibliche. sang?>/, Ubr. Weste». Der Troubadour. 7>/z Uhr Seerssiousbiih»«. Detlev crvns Buntes Brettl. 8 Uhr. Central. Die Geisha. An- Ansang Lilien- Ansang 7y, U»r. Thalia. Ein tolleS Geschäft. An- sang 7»/, Uhr. Luise». Der Berschwender. 8 Uhr. lknrl Weist. Berliner Rangen. An- fang 8 Uhr. Nackm. 4 Uhr: Sindervorstellung: Aichenbrödel. Fricdrich-Wil delm städtisches. Die Landstreicher. Ans. 7»/, Uhr. Belle, Silliance. Talolo. Anfang 8 Uhr. Kasino- Theater. Berlin W— Berlin N. Epecialitäten. Anfang 8 Uhr. Metropol. SpecialltätenvorsteNung. Schön war's doch. 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