Nr. 247. Kbomuments-Zedingungkn: Abonnement«-Preti pränumerando! vterteljährl. ZM Ml., monatl. l.loMt., wöchentlich 28 Psg. frei i»S Hau«. Einzelne Numw'p ö Psg. Tonnlag«- Nummer mir lUuNricrlec Sonntag«» Beilage„Die Neue Welt" lO Psg. Post- «bonnementt 1,10 Marl pro Mona«. Eingetragen in der Post- Zettung«» Preisliste für llilU unter He. 7671. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Ausland s Mark pro Monat. ArschritU täglich oufttc Montag«. '■ Verlinev VolKsvlskk. 18. Jahrg. Dle Insertion-. ClMyt beträgt für die fechSgespaltene Kolonet» «eile oder deren Raum«a Psg., sür politische und gewerlschastliche Vereinsund Persammlung«- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Ansrigen" jede« Wort S Psg. (nur da« erste Wort sett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in derExpedilion abgegeben werden. Die Erpcdttton ist an Wochentage« bt» 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festlagen bt« 8 Uhr vormittag« geo sin«. Telegramm-Adresse» „«»rialdrmoltral Srrlw» C�ntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Kedaktion: L�. 19. Veuth-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. HiOS. Expedition: SW. 19, Ventil- SteaKe 3. Fernsprecher: Mmt I- Nr. 5121. Die französische Herbstsession. Paris, 19. Oktober. DaS am 22. Oktober wieder zusammeiitretende französische Par- lament wird— zum erstenmal in der Geschichte der dritten Republik— einer Regierung gegenüberstehen, die ihr zweites Lebens jähr bereits um vier Monate überschritten hat. So ist die anormalste Ministerkombination bereits die dauerndste geworden und es ist wohl möglich, dajj sie bis zu den Neuwahlen(Frühjahr 1902) fort- dauert. In einer angenehmen Situation befindet sich freilich die Dauer- regiernng nicht. Je weiter, desto rätselhafter erscheint ihre Fort- dauer, insofern man von der Trägheitskraft als einer Erklärung ab- sieht. Denn sie hat all' die Bevölkcrungsklassen bezw. Schichten enttäuscht, die von ihr ernste Reformen erhofft hatten, ohne auf der andern Seite diejenigen Klassen und Schichten für sich zu gewinuen, die in ihr mehr oder minder aufrichtig das Ministerium des .Landesverrats" und die Wegcbereiterin der socialen Revolution gewittert hatten. Das Proletariat steht in seinen besten Elementen der Regierung Waldeck- Rousseau- Millerand ebenso feindselig oder mißtrauisch und gleichgültig gegenüber, ivie die Bourgeoisie, der Klerus, die Hocharmee und die nationalistisch verseuchten Elemente des Kleinbürgertums und der Arbeiterschaft ihre Herrschaft mit un- geschwächtem Haß und Abscheu ertragen. Aus diesem Haß der reaktionären Schichten und Klassen mag die Regierung zivar ihre beste Kraft gezogen haben, auf die Dauer aber konnte diese negative Stütze umsoweniger genügen, als die positive Kraft des Vertrauens seitens der Demokratie immer mehr dahin schwand. Und das von Rechts wegen. Ein Blick auf die zweijährige Regierungszeit Waldeck-Rousseau— Millcrand läßt neben einigen socialrefornrerischen Dekreten, die aber vom nächsten Ministerium im Handumdrehen aufgehoben werden können, niir zwei bedeutendere gesetzgeberische Thaten aus der Unmasse von Versprechungen und Entwürfen hervortauchen: die Novelle zum Schutzgesetz von 1892, die in den gemischten Betrieben für 1901 den Zehnstundcntag für Männer. Frauen und Kinder vorsieht, und das Vereinsgesetz, das aber, trotz der Auswanderung von Mönchen und Nonne», doch nur anti- klerikale Flickarbeit ist und bleibt. Was aber vollends die Regierung sonst gethan und insbesondere unterlassen hat, das hätte ebenso gut oder vielmehr ebenso schlecht von jedem landlänfigen radikalen oder radikal- opportunistisch.koncentriertcn" Ministerium gethan und unterlassen werden können. Gerade der Beginn der Herbstsession weckt die Erinnerung a» das neueste Reformfiasko, an die durch die Sommerfcrien unter- brochene Diskussion über die A l t e r s p e n s i o n e n. Die trotz der Regierung bezw. Millerands von der Kammer beschlossene Umfrage bei den Gewerkschaften und den Uiitcrnehmer-Organisationen hat ein die Regierungsborlage vernichtendes Ergebnis geliefert. Das Schicksal dieser Vorlage ist für die Situation des Ministeriums überhaupt sinnbildlich: die organisierten Proletarier wollenvie wir schon früher einmal mitgeteilt haben, gleich anderen Ein- wohnern im Besitz eines Gewehres, um— auch wie alle anderen Einwohner— auf die Vögel, die alljährlich hier auf ihrem Zuge nach Süden zu Tausenden erlegt iverden, zu schießen. Diesen Umstand haben die Nationalisten benutzt, um die Regierung auf die Bergleute zu hetzen. Sie gaben sich den Anschein, als ob sie glaubten, die Bergleute von Montceau les Mincs beabsichtigten die gewaltsame Revolution. Demgegenüber ist festzustellen, daß während der ganzen Dauer des Streiks im vorigen Winter von seilen der streikenden Bergleui» keinerlei Gewalt- thaten unternommen worden sind, w o hingegen in zwei Fällen Streikende der Mordwaffe eines Streikbrechers erlegen sind.— Der Präfckt des Loire-Dcpartements hat vorläufig das Tragen und den Verkauf von Gewehren untersagt. Paris» 21. Oktober. Die Blätter besprechen heute den Gesamt- ausstand der Bergarbeiter. Der„Figaro" meint,, angesichts der drohenden Gefahr bleibe den konservativen Parteien nur übrig, den Ministerpräsidenten Waldeck- Rousseau, der das Ultimatum der Kollektivistcn abgelehnt habe, zu unterstützen, um Gesetz. Freiheit und Güter zu schützen. Der„Gaulois" spricht die Ansicht aus, wenn die Regierung zu Anfang energischer gewesen wäre, hätte die Krisis leicht zurückgehalten werden können. Man müsse hoffen, daß es noch nicht zu spät sei und daß die Furcht vor dem Lebelgewehr für die Bergarbeiter der Anfang der Weisheit sei»»verde. Die„Aurore" erklärt, wenn es zum Blutvergießen komme, so treffe die Verant- »vortung die Socialisten. welche Waldeck-Rousseau trotz der Zusammen- stöße in Chalous und Martinique stützten. Nolmpchv Mebevfichk. Berlin, de» 21. Oktober. Die Weizeneinfuhr in Deutschland und Frankreich. Wie die Agrarier absolut unfähig sind, die wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahrzehnts unter einem andren, als dem Gesichtswinkel ihrer materiellen Interessen aufzufassen, zeigt ein Artikel der„Deutschen Volkswirtschaftl. Korr.", der jetzt die Runde durch die Agrarpresse macht. In Anknüpfung daran, daß zugleich mit der Beratung des deutsch-russischen Handels- Vertrages, durch welchen Rußland ebenfalls ein Vertragszoll von 3,50 M. pro Doppelcentner Weizen und Roggen zu- gestanden wurde, Frankreich seinen Zoll für Weizen und Spelz von 5 auf 7 Frank heraufsetzte, wird in diesem Artikel die Frage aufgelvorfen, was die Wirkung der französischen Zoll- erhöhung gewesen sei, und darauf folgende Antwort erteilt: «Frankreichs Weizcueinfuhr ist von 8 180 256 Tonne» in den sechs Jahren 1888—93 auf 3 346 272 Tonnen, in den sechs Jahren 1895—1900, also um beinahe 60 Proz., zurückgegangen und die Einfuhr von Weizenmehl hat sich gleichzeitig von 222 753 auf 153 321 Tonnen vermindert. Und dabei ist noch zu berücksichtigen, daß in die letztgenannte Periode das Ausnahmcjahr 1893 mit' der anßergelvöhnlich starken Einfuhr von 1 505 000 Tonnen Weizen fällt... „Während Frankreich sich durch erhöhten Zollschutz der fremden Einsuhr zu verschließen wußte, hat mau bei uns die Schutzzölle herabgemindert und so fand das Getreide, das sonst nach Frank- reich gegangen wäre, ans dem deutschen Markt Aufnahme. Von besonderem Interesse dürfte ein Vergleich zwischen der deutschen und der französischen Einfuhr sein. Es betrug die Jahreseinfuhr von Weizen zum inländischen Konsum im Durchschnitt der beiden obengenannten sechsjährigen Perioden: ' 1888_ 93 1895_ 1900 in Deutschland 739 040 Tonnen 1 385 429 Tonnen in Frankreich 1 363 376„ 557 712 Die Einfuhr nach Deutschland ist also um 646 389 Tonnen gleich 87 Prozent gewachsen, die nach Frankreich hingegen upi 805 664 To.— 59 Proz. zurückgegangen. Während Frank- reich früher fast doppelt soviel Weizen aus dem Auslände bezog als Deutschland, macht seit 1895, und selbst mit Einrechnimg des AllSnahmejahres 1898, die französische Einfuhr nur noch 40 Proz. der deutschen ans. Aehnlich verhält es sich mit der Mehleinfnhr. Die deutsche Mehleinfuhr ist von jährlich 17 776 To. im Durch- schnitt der Jahre 1883—1893 ans jährlich 38 264 To. im Durch- schnitt der Jahre 1895—1900 gestiegen, die Einfuhr von Weizen- mehl nach Frankreich aber gleichzeitig von 37 125 To. auf 25 553 To. herabgegangen." Die Auslassung liefert einen treffenden Beleg dafür, mit welcher Ungeniertheit die agrarische Presse auf die Unkenntnis ihrer Leser spekuliert. Nach den vorstehenden Ziffern scheint es, als wenn Deutschlands Weizenanbau unter der Konkurrenz der fremden Weizenproduktion zu ersticken drohte,»vährend Frankreich es durch seine Zollpolitik verstanden hätte, sich diese Konkurrenz vom Halse zu halten. Thatsächlich hat dagegen auch unter dem Vertragszoll sich der deutsche Weizenanbau beträchtlich ausgedehnt; er lieferte in 1900— 3841165 Tonnen gegen 3336 369 Tonnen in 1894, und zwar wesentlich infolge der verbesserten Anbaumethode, die in 1900 durchschnittlich eine Ernte von 18,7 Doppel- centner pro Hektar erzielte, 1894 dagegen nur von 16,9. Und ähnlich steht es mit der deutschen Roggenproduktion, die sich in 1894 auf 8 343 033 Tonnen stellte, 1899 aber auf 8675792 und 1900 auf 8550659 Tonnen. Wenn trotz dieser Zunnahme der deutschen Produktion sich die Einfuhr fremden Weizens beträchtlich gehoben hat, so deshalb. weil die deutsche Bevölkerung sich von 1894 bis 1900 um rund fünf Millionen Köpfe vermehrt hat, während die französische fast stabil ge- blieben ist; und ferner weil in Deutschland, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, sich seit einigen Jahrzehnten eine Zu- nähme des Weizenverbrauchs auf Kosten des Roggenkonsums vollzieht. Kamen z. B. in 1893/94 auf den Kopf noch 158 Kilo- grainm Roggen und 83,2 Kilogramm Weizen, so in 1899/1900 nur 144,6 Kilogramm Roggen, aber 89,8 Kilogramin Weizen. Doch selbst, wenn diese Unterschiede, welche den von der Volkswirtschaftlichen Korresp." angestellten Vergleich als völlig»vertlos erweisen, nicht vorhanden wären, bleibt un- verständlich, was denn durch die Zunahme der deutschen Weizeneinfuhr gegenüber dem Rückgang der französischen dar- gethan werden soll. Daß die Herabsetzung des deutschen Weizenzolls von 5 auf 3,50 M. den Weizenproduktionsländern Gelegenheit zu einer verstärkten Weizeneinfuhr in das deutsche Zollgebiet bieten würde, darüber ist sich jeder beim Abschluß der Handelsverträge klar gewesen. Gerade um ihren Absatz auf dem deutschen Markt zu erweitern, wurde ja diese Ermäßigung von Oestreich-Ungarn und Rußland gefordert. Aber dafür boten die von den Vertragsländern zugestandenen Gegen- konzessionen Aussichten für eine ansehnliche Vermehrung des deutschen Jndustriewaren-Exports. Und diese Rechnung hat sich als richtig crtviesen. Während Frankreichs Außenhandel nach Einführung der hohen Zölle rapide zurückging und erst in den beiden letzten Prosperitätsjahren 1899 und 19t» wieder unl cüvas über den Betrag hinausgelaugt ist, den er schon 1891 erreicht hatte— der Gesamtbetrag belief sich 1891 au 8337, 1990 auf 8487 Millionen Frank— hat in demselben Zeitraum Deutschlands Außenhandel sich um über drei Milliarden(genau 3082 Millionen) Mark gehoben, und zwar die Ausfuhr, die von 3340 auf 4753 Millionen Mark stieg, prozentual in noch höherem Maße als die Einfuhr. Gerade Frankreich mit seinem Zurückbleiben des Exports, seiner Ab- nahnie der Nahrungsmitteleinfuhr, aber Zunahme des Fabrikatenimports zeigt, wohin jener Schutz der so- genannten notleidenden Landwirtschaft führt, den in noch verstärktem Maße das preußische Junkertum dem deutschen Volk zugedacht hat: zu einer Stagnation des gesamten Wirtschaftslebens. Möglich, daß der Gcfolg- schaft der Wangenheim und Hahn diese Folge für gering gilt, wenn nur die Getreide- und Viehpreise, und damit zugleich auch die Bodenwerte und die Grundrente, steigen; die große Masse aber, auf deren Kosten dieser Nutzeffekt erreicht werden soll, dürfte darüber andres denken.— DaS Rcichödcficlt. In wie schwerer Klemme die Reichssmanzwirtschaft steckt, zeigt eine beincrleuswcrte Nachricht, die wir aus Baden erhalten. In Baden hatte man bisher allgemein angenommen, der Landtag würde i» diesem Herbst einige Wochen früher einberufen, als dies bisher der Fall war. Nmi lätzt die badische Regierung mitteilen, daß, entgegen ihren früheren Dispositionen, der Zusammentritt der Zweiten Kammer nicht vor Mitte näck>sten Monats erfolgen werde. Die dieser Mitteilung beigegeben« Begründung der offiziösen Presse erklärt die Verschiebung n. a. damit, dafi durch unvorhergesehene Veränderungen in den Reichsfinanzen, insbesondre durch die Notwendigkeit, einen namhaft höheren Betrag an Jmmatrikularbeiträgen, als bisher angenommen, an das Reich abzuführen, eine Revision des badischcn BudgetentlvurfcS not- wendig geworden sei, durch die auf dem Wege größerer Abstriche die erforderlichen Mittel gewonnen werden sollen. Die damit ver« bundcne Arbeit habe die rechtzeitige Fertigstellung des Budgets und damit die frühere Einberufting der Stände verhindert. Diese Mitteilung läßt daraus schließen, daß daS zu erwartende D eficit im Reichsbudget ein noch weit größeres sein werde, als man bisher angenommen hatte. Denn mit der Thatsache eines Fehlbetrages hatte man schon vor Wochen bei der Ausstellung des badischen Budgets gerechnet. Wenn jetzt trotzdem eine Revision des letzteren vorgenommen werden niuß, so ist an- zunehmen, daß das Deficit im Reichshanshalt die pessimistischen Berechnungen des Berliner Finanzamts noch erheblich über- steigen wird. Nette Aussichten I— •* Jentsches Meich. Menscheuhatz. Der Cigarrenhändler OSkar Witzke war mehrmals wegen politischer Vergehen mit Gefängnisstrafe bestrast worden. Die letzte dieser Strafen war ISSS gegen ihn verhängt worden. Seitdem lebte er in AdlerShof und Berlin, ohne sich das geringste zu Schulden kommen zu lassen. Im Februar 1900 verzog er nach R i x d o r f und einige Monate später erhielt er einen Auslveisungsbefehl, der ihn nicht nur aus dem Orte seines neuen Wohnsitzes, sondern zugleich aus 34 andren Vororten Berlins vertreibt und die Existenz, die er sich gegründet, mit jähem Schlage vernichtet. Die Ausweisung erfolgte unter Anwendung der unsäglichen Gesetzesbestimmung, die dem Belieben der Polizeibehörde überläßt, auszuweisen, die«zu Zuchthaus oder wegen eines Verbrechens, wodurch der Thäter sich a l S e i» e» f ü r d i e ö f f e n t- liche Sicherheit oder Moralität gefährlichen Meu- schon darstellt, zu irgend einer andren Strafe verurteilt worden sind." Nach fruchtloser Beschwerde beim Oberpräsidenten klagte der Aus- gewiesene gegen diesen beim Ober-VerwaltungSgericht. Dieses wicS am Montag die Klage zurück, da die rechtlichen Voraussetzungen für die Ausweisung gegeben seien, ihre Notivendig- keit und Zweckmäßigkeit aber durch den VerwaltuugSrichter nicht nach- geprüft werden könne. Diese Entscheidung beweist von neuem die wiederholt bei ähn- lichen Anlässen von nnS betont« äußerste Dringlichkeit der Beseitigung dcS Z 2 des Gesetzes vom 31. Dezember 1842. Dieses Gesetz giebt der P o l i z e i die Macht, einen Staats- angehörige». der sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, nach Verbüßung der ihm durch die Justiz auferlegte« Strafe nochmals und mit besonderer Schivere zu be st rasen. Sobald die Polizei einen Bestraften als«gefährlich für die öffentliche Sicherheit oder Moralität" erachtet— irgend lvelcher Begründung für die Berechtigung dieses polizeilichen Verdachtes bedarf es nicht!—. so kann sie ihn an der Wahl seines Wohnsitzes hindern, seine bürger- liche Existenz vernichten. Jedes beliebige Vergehen, selbst ehrenvollste Strafe im Dienst politischer Ideen, darf die Polizei zum Anlaß ihres Ausweisnngsbefehls nehmen nnd diese erneute Straf- Verfolgung schließt die Verjährung aus, denn sie kann ausgeübt lverden nach beliebig langer Frist seit der gerichtlichen Be- strafung. Wenn das Ober-VerwalümgSgericht nach der Lage des Gesetzes daS Polizei-Erineffen ungezügelt schalten lassen muß, so ist damit das Gesetz selbst verurteilt. ES ist geboten, eine reaktionäre Gesetzesbestimnmng zu beseitigen, die unter den heutigen Verhältnissen vollends veraltet und unhaltbar ist. Die polizeilichen AnsweisungSbefugniffe gegen vorbestrafte Personen sind verschieden in den verschiedenen Bundesstaaten. Allenthalben aber sind sie gemeinschädlich und verstoßen gegen die reichsgesetzlich ge Währlei st ete Freizügigkeit. ES ist darum Aufgabe deS Reiches, die landesgesetzliche Un- gerechtigkeit der Polizei-Ausweisungen endlich und gründlich zu be- festigen.—_ Die Eackgafse. Daß in der Berliner Bürgern, ei st erfrage jemand in eine Sackgaffe geraten ist. kann nicht bezweifelt werde«. Nur ist es nicht, wie die„National-Zeitung" philosophiert, die Stadt, sondern der Herr Oberpräsident, der sich verrannt hat. Der Beschluß des städtischen Ausschusses, sich so lauge an die Wahl Kauffmanns für gebunden zu halten, bis eine königliche Ent- schcidung eingeht, entspricht vollkoinmen der juristische», moralischen und politischen Sachlage. Die Stadt kann warten, bis der Oberpräsident den Weg aus der Sackgasie Aurückfiudet, Und wenn die Stadt, wie die„National-Zeituiig" meint, auf die Ent- scheidung des Königs über die Bestätigung bis zum Sankt Nimmer- mehrstäge warten müßte, so hat die Stadt keinerlei Interesse, diesen Termin zu beschleunigen. Und wenn der Herr Oberpräsident ivirtlich dann einen Staatskommissar in die städtische Verlvaktung schickt, so bleibt ihm auch dies Recht unbenommen. Der Mann muß ja jene Kreise kennen, wenn er voraussetzt, daß sich jemand zu diesem nicht eben chreuvollen Amt finden wird. Jedenfalls kann die Stadt der Erfüllung der Drohung mit Ruhe entgegen sehen, und wenn der Staatskommissar erscheint, so wird es ihm an eine», Will- kommengruß nicht fehlen. Allerdings ist ja nicht ausgemacht, ob die«friedfertigen" Stadt- verordneten nicht schließlich doch wieder der Regierung aus der Sack- gösse heraushelfe» werde». Nicht übel lennzeichnet die katholische „Kölnische BolkSzeitung" die Seelenverfassung der Berliner Frei- sinnigen", die zu dein Märchenbrunnen-Kniefall geführt hat. DaS Blatt schreibt: „Die Taktik dcS Kommunalliberalismus gleicht der der chinesischen Truppen, welche den Gegner durch schrecklich bemalte Drachen und dergleichen zu erschrecken suchen, aber daS Hasen- panier ergreifen, sobald die erste Gewehrsalve gegeben wird. Wir befürworten keineswegs, die schroffe Opposition zu machen; aber dann soll man sie auch nicht markieren. Erst wird daS Philistcrium in Aufregung gesetzt und durch großmächtige Reden zur„Währung der Gemeindefreihcit" usw. aufgerufen, aber»ach- her laufen die Insurgenten so eilig davon, daß das Schlachtfeld mit ihren Zipfelmützen besät ist. Hätte man den Mut gehabt, offen zu erklären:«Wir können gegen die Richtbestätigung Kauff- manus nichts machen und enthalten uns daher jeder nutzlosen Demonstration", so wäre man jetzt nicht i» der Klemme, aber der See der Bezirksvereine raste und wollte sein Opfer haben, und deshalb setzte man sich in drohende Fcchterstelluug, um nachher zu- sammenzuklappen.— Vielerlei Rücksichten mögen dabei»nt- spielen, z. B. auch auf den neuen Zolltarif. In den Kreisen der Wadefftrünipfler flüstert Nirm mit leichenblasiem Gesicht: «Wir dürfen jetzt um keinen Preis den Kaiser ärgern, sonst hält er es mit den Junkern und Agrariern." Natürlich weiß man daS in Potsdam sehr genau nnd so tvird den Berliner Stadlvätern nicht erspart werden, den Kelch der Trübsal bis auf die Neige zutrinken. Es geschieht ihnen nicht Unrecht, haben sie sich doch diese Suppe selbst eingebrockt. Sie wollten zugleich den oppositioiislustiac»«Zielbewußten" und der Krone gc- falle»; jetzt nehmen sie in sitzender Stellung zivischeu zwei Stühleu die Heiterkeit des Publikums entgegen. Nachgeben müssen sie nach Lage der Dinge doch, nnd im innersten Herzen ivollen sie das ja auch, aber durch ihre martialische Haltung baden sie sich ihren Rückzug ganz unnütz erschlvcrt. Wer kapiwliere» Ivill, soll nicht vorher geloben. bis auf den letzten Blutstropfen zu kämpfen, und deshalb mögen beider Rede Singers wohl manche liberale Parteihäuptcr au den Vers aus Maria Stuart gedacht haben:«Ich höre staunend die Gewalt des Mundes, der mir von je so miheilbriiigend war". So sind die Helden in der That, und Ivenu der Freisinn wenigstens in der feigen Dummheit Konsequenz beweisen sollte, so wird er schließlich auch in der Zollfrage, um es nicht mit der Rc- gierung und der Krone zu verderben, ans der Grundlage des 6S M.- ZolleS für Brotgetreide kapituliere». Der deutsche Liberalismus wollte stets ein überpfifsiger Rechner sein und hat sich allemal lächerlich verrechnet! Er hat immer auf dem Wege der Hintertreppe»- Prostitution Macht erhandeln wolle», und hat niemals etwas andres erreicht wie die Schande des Ge- prellten.—_ Die Anfänge des Herrn v. WilmowSki. AuS Nord-SchleSwig wird nns vom 20. Oktober geschrieben: Herr v. WilmowSki hat nicht lange gezaudert, daS Erbe deS Herrn Matthias o. Koller in der traditionelle» Art und Weise an- zutrete». Gestern hat nämlich an der äußersten Nordgrenze des Deutschen Reiches eine Mnsscnauöwcisung dänischer Staatö- augchörtger stattgefunden, die geeignet ist, von neuem die Auf- mcrksamkeit auf preußische Civilisatiou im Norden zu lenken. Mit einem Schlage sind nämlich elf Personen des Landes verwiesen worden, darunter nicht weniger als nenn völlig schuldlose Dienst- boten. Die nächste Beraulassnug dieser Maßregel ist folgende: Am 20. September dieses Jahres ward in dem Dorfe Kjöbenhoved eine Hochzeit gefeiert, zu welcher der Bräutigam, ein eingefeffcncr Kaufmaiin, ctiva hundert Personen. Freunde und Berannt«, eingeladen hatte. Auf der Hochzeit hielt der Hofbesitzer Skrmusager eine Rede. in der die Mvglicdkcit eine Wiedcrvereimgniig des dänischen Nordschlcswigs mit dem Königreich Dänemark angedeutet wurde. Man wird es ver- stehen, daß die Herrschaft des Herrn v. Koller in den Dänen die Anhänglichkeit an den preußischen Staate nicht gestärkt hat. Hernach wurden ein paar dänische Lieder gesungen, nnd gewisse Hochzeitsgäste hatte» daraus nichts Eiligeres zu thuu, als ihre Fcstgcnossen zu denunzieren. Herr v. Wilinowski reagierte sofort, »nid es erfolgte die geuamite Ausweisung von 11 Personen der Dorf- schaft. Um die Maßregel in das rechte Licht zu stellen, muß noch er- Ivähnt lverden, daß nur zivci derselbe», ein Bauer nnd dessen Tochter, am Fest teilgenommen hatten. Die übrigen, die n e u n D i e n st b o t e n, sind sämtlich der bedauern siverten Rolle der Prügelknaben verfallen, indem ihre Arbeitgeber der Ein- ladiino des Hochzeitgebers gefolgt waren. Die Bauen» sind aber preußische Staatsangehörige nnd dadurch davor geschützt, direkt der Auslueisung anheimzufallen. Dann», ward das unschuldige Gesinde als Sühnopfer a»lSe»scheii. Gewiß»vird Herr v. Wilinoivski durch diese That sich die Liebe der Dänen verdienen und den Wunsch auf eine Wiedervereinigung mit Dänemark ihnen gehörig aus- getrieben haben. Die gezüchtigte» Arbeitgeber»verde» sich nun ganz sicher zum Deutschtum bekehren. Den armen Dienst- boten steht aber alS AnSIändern das Recht zur Beschiverdesührung nicht zu. Sie mögen es noch als eine unverdiente Gnade auffasse», daß Herr v. WilmoivSki ihnen 24 Stunden Frist gegeben hat, ihren Bündel zu schnüren, um dam» als Lobrcdncr preußischer Gastfremid- schaft und Kultur nach Dänemark zurückzuziehen.— VemcrlcnSivcrt ist noch der Umstand, daß der ausgeivicscue Bauer und seine Tochter Optanten sind, also geborene Nordschlcsivigrr, die in Schlestvig, nicht aber in Däucinark. das Jndigcnat besitzen. Ob ihre An«- Weisung aufrechterhalten»verde» kann, lvird dcinnächst jedenfalls ein preußisches Gericht zu entscheiden haben.— Die Zweiheit der Regierung. Der Justizminister Schönstedt hat kürzlich in der Bauhandwerkerfrage folgendes Schreiben an den Bund für Bodenbesitzrefonn gerichtet:«Nachdem der im Dezember 18S7 veröffentlichte Entwurf eines ReichSgesetzeS, betreffend die Sicherung der Bauforderungen, unter Berücksichtigung der zu diese»» Eisttvurf eingegangenen Aenßernngen einer anderweitcu Be- ratung durch eine aus Vertretern der Reichsämter der Justiz und deS Innen», wie der beteiligten preußische» Ministerien zusainmen- gesetzte» Konnnisfion unterzogen worden ist, hat daS iönigl. Staats- ministerinm beschlossen, die a»,s den Beratungen dieser Kom- Mission hervorgekommenen Entwürfe nebst Begründung zu ver« öffentlichen." DaS Ergebnis der dreiemhalbjährigen Beratungen sind zwei neue Gesetzentwürfe, die mit A. und B. bezeichnet sind, sich in wesentliche» Vestimunmgen widersprechen und als die An- ächten zweier verschiedener Gruppen in der betr. Koinmissio» der Oeffentlichkeit unterbreitet»verde». Eine ministerielle Vorlage ist demnach noch im iveiteu Felde. Ans das Gerede von der Einheit der Regierung wird also hier verzichtet. Jede Partei in der Regierung veröffentlicht in der Zrage ihren eignen Gesetzentwurf. Warum schlägt man das gleiche Verfahre» nicht auch 'oust, so namentlich in der Zollpolitik, ein?— Graf Waldersee Zeuge fiir einen Hunnen-Prozest. Die Verteidigung der Angeklagte» in dein Hmmen-Prozeß gegen den Stuttgarter«Beobachter' hat die Ladung deS Grafen Waldersee als Zeugen beantragt. Die Verteidigung bat außerdem die Ver- tagnng des aus den 2S. d. Mts. angesetzten Termins beantragt, ivcil die Anklage inzwischen eine Ausdehmmg erfahren hat. Eine Ent- scheidung über dm letzterm Antrag ist bi» jetzt noch nicht gefällt.— Nacht muff cS fein! Die Lichtmäimer von den«Berliner Neuesten Nachrichten" stimmen eine schmerzliche Klage an: „Besucher Berlins aus dem Reich sind in neuerer Zeit mehr- fach unangenehm dadurch enttäuscht ivordeir, daß das Bisinarck- Denkmal nach Sonnenuntergang nicht mehr sichtbar ist. Bor dem Denkmal des Schöpfers des Deutschen Reiches stehen zwei ver- oltete GaSlaternen bescheidensten Formats, wie aus der Oelzeit aimmtend, die anscheinend nur den Raum zu begrenzen haben. auf welchem man sich bei Tage zur Besichtigung deS DcnkmalS aufstellen kann. Wir wollen auf die schlechten Witze, die dieser univürdige Ztlstand hervorgerufen, nicht iveiter eingehen, weder den«Schatten der Ungnade" erörtern, noch den Ansspruch. „es sei für das Denkmal das beste, Iveim es so wenig als möglich gesehen»verde". Graf Bülow hat am 16. Juni das Denkmal namens des Reiches feierlich übernommen; wir hoffen, er»vird, nachdem»mmnehr vier Monate verflossen sind, für eine richtige und würdige„Beleuchtnng" seines großen Vorgängers, nachdem dieser endlich seinen Platz an der Sonne zwischen allerlei Ungetüm erhalten, auch bei' der Nachtzeit Sorge trage»». Der Herr Reichskanzler darf sich zu diese»» Zweck mir an den Magistrat von Berlin wenden, der für jedes der Stand- bild'cr in der Sieges-Allee. selbst für Otto den Faulen. eme glänzende elektrische Beleuchtung hergerichtet hat. und wohl mn so ivenigcr Bedenken tragen lvird, diese auch„Otto den» Fleißigen" zu teil lverden zu lassen, als dieser neben andren Vorzügen bei Lebzeiten auch den hatte, Ehrenbürger Berlins zu sein, ivas man freilich der Fmsternis in der Umgebung des Denk- »»»als nicht aumerkt. Vielleicht»väre das ein geeiglletes Thema für eine der nächsten Stadtverordneten-Sitznngeir. Der„Msolutis- mns" wird ja wohl dabei nicht in» Spiele sein." Wir vermute», daß der Magistrat von Berlin die Beleuchtung aus dem Grunde unterlassen hat, loeil er Anlaß hatte, voraus- zusetzen, daß der Polizeipräsident aus ästhetischen Gründen auch ciucr solchen Anlage den Bnukonsens veriveigert hätte.— AlS Vorläufer der Meuterei auf der„Gazelle" wurdet» Vorgänge bezeichnet, die, lvie uns aus Kiel von» 20. d. M. geschrieben»vird, gestern vor dem dortigen Geschwader-Kriegsgericht zur Verhandlung standen. Zlvei Obermatrosen hatten sich wegen Achtui»gverletzuiig n»id lhätlichen Angriffs auf cineu Vorgesetzten zu verantworten. Die Verhandlung Ivurde auf Antrag dcS Verteidigers vor Eintritt in die Beweiserhebung vertagt, da nach Ansicht des Kriegsgerichts die Strafthateu eventuell als militärischer A»fr»>hr angesehen werden könnten. Und doch lvar der offiziösen Deinentienl>»g zufolge Meuterei ans der„Gazelle" nicht vor- gekommen.— Anö Sachsen-Weimar, 20. Oktober. lEig. Bcr.) Die mm be- endeten Wahlen zn den 5 Bezirksausschüssen haben ergebe», daß die von»ins gehegten Erwartungen eingetroffen sind. Außer den Genosse» Lentcrt und Petcrmanu in Apolda sind in die be- treffenden Ausschüsse noch gewählt ivorden die Genosse» Hanvede und Kollmar in Ilmenau, der Genosse Braun an» Kittelsthal bei Eisenach und Genosse Ader aus Kaltennordheim. Die Freisimiigel» haben somit ihre bei der Laudtagsivahl eiilgegangencl» Verpflichtungen gehalten. Im Dermbacher Bezirke, in»velche»»» Ge- »osse Ader gewählt wurde, ivare» die freisinnigen Wahlmänner bei der Wahl ihres eignen Kandidaten zum Teil umgefalle», so daß der freisinnige Kandidat dem reaktionären Bürgermeister Streng a,»S Ostheim unterlag.— ES ist»mmnehr mir noch der Neustädtcr Be« zirl socialistenfrci. Die Bezirksausschüsse sind die höheren Per- waltuiigsbehvrden für die Geineiiiden der betreffenden Bezirke und ist unser Eindringen in dieselben von großem Wert.— Patriotrnpech. Leipzig, 20. Oktober.»» n» l u n g e>» unter den Schul- tiiiden» in Sachsen, Anhalt und Bramffchweig zusamincngekonmlen. Die von Bildung und Besitz haben die Taschen zugehalten; ein Ansrnf an hervorragende Millionäre, der in 2000 Exemplaren verbreitet ivurde, brachte nicht einmal die Unlostcn anf! Von den deutschen Städte»»varen Stiftungen von einigen hundert Mark zu- sammcngcfochten Ivorden; die großmütigen Sthcnkruigci» bewegten sich bis zu dem Betrag von 5M. herunter. Ain splendidesten aber erwiesen sich die d e.n t s ch e» Regierungen, in erster Linie Preußen. Die sächsische StaatSrcgierung hatte bereit» Mitte vorige» JahreS eine Lotterie zum Besten des Denkmal» genehmigt. Die deutschen Regiernngen, Preußen voran, fürchteten«forS Geschäft" und lehnten die Zulassung dieser Lotterie auf der ganzen Linie ab, so daß der Verkauf der Lose auf Sachsen veschränkt gewesen wäre und mau darum von der Lotterie überhaupt absah. Unter solche» Umständen werde» die Patrioten auf die Ver« »virklichung ihrer Deukmalswünsche vielleicht ebenso lange warten muffen, als zur Zeit die guten deutschen Unterthanen auf die Er- fülluiig der Versprechungen, die ihnen ihre Fürsten— vor der Schlacht bei Leipzig— gemacht hatten. Die Patrioten beschloffen nun, die Protcttion einer fürstlichen Person zn gewinnen.— Ausland. Politische Bestrebungen der englischen Gewerkschaften. London, 19. Oktober. lEig. Ber.) Auf den kürzlich statt- gefundeueu Jahrcskonsercnzen der Föderation der Berg« l e u t e und der Vereinigten Gewerkschaft der Eisen« bah Ii-Angestellten wurden Debatten geführt und Beschlüsse gefaßt, die darauf hinweisen, daß die Lords-Entschcide eine geivissc Gärung innerhalb dr. Arbeiterorganisationen hervorgerufen haben. Die Föderation der Bergleute, die 350 000 Mitglieder zählt, hat mit 260 000 gegen 50 000 Stimmen beschlossen, einen Wahlfonds zu sammeln und bei den nächsten parlamentarischen Wahlen eigne Kandidaten aufzustellen. Zu diesem Zwecke soll ein Jahresbeitrag von 1 Schilling pro Mitglied erhoben lverden. Das würde eine Summe von 17 500 Pfund Sterling ergeben, womit die Wahlkosten von etwa 25 bis 30 Kandidaten bestritten werden könnten. Eine gleiche Summe würde auch genügen, etwa 100 Abgeordneten Diäten zu zahlen. Die Durchführung dieses Beschlusses würde aber auch noch einen andren Vorteil habe». Zahlten die Arbeiter für ihre parlamentarische Ver« tretimg. so würden sie auch ein Jntcresie daran nehmen, sich über die Thätigkcit ihrer Abgeordneten zu miterrichten und dem politische» Leben»»ehr Ausmerksanikeit zu schenken, als dieS bislang gc- schehen ist. Dieses lobenswerte Vorgehen dürste nicht ohne Nachahmung bleiben. Mr. Thaxtoi», der Präsident der Eiscnbahii-Sngcstellte»», hat seiner Organisation empfohlen, ebenfalls einen WahlfondS zu sammeln. Diese Gcwerlschaft zählt 60 000 Mitglieder und könnte 5 bjs 6 Kandidaten aufstellen. Ihr Sekretär, Mr. Richard Bell, ist bekanntlich der parlamentarische Vertreter für den Wahlkreis Derby. — Es ist bemerkenswert, daß der Beschluß der Bergleute einen viel stärkeren Eindruck auf die bürgerliche Presse gemacht hat, als sämt- liche Debatten des Trabes-Uuion-KongreffeS.— Schweiz. Eine neue Partei. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Die in den Kantonen St. Gallen, GlaruS, Thurga»», Zürich K, noch vorhandenen Demo« raten b eabsicht'gen. sich enger znsannncnzuschließen und eine »Demokratische Volkspartei der Schweiz* zu schaffen wobei man hofft, daß die auch in andren Schweizerkantonen zer- streut lebende» Demokraten sich anschließen werden. Nach links, d. h. gegenüber der organisierten Arbeiterschaft, wolle man sich nicht abschließen, das Tafeltuch mit derselben nicht zerschneiden und an den Forderungen der demokratischen und socialen Reform salso eigentlich »socialdemokratische Reform*?) entschieden festhalten. Dieses Vorgehen der Demokraten, eine Konsequenz der Reorganisation der socialdemokratische» Partei, ist durchaus zu begrüßen und ihm der beste Erfolg zu wünsche». Mögen die Demokraten in den bürger- lickien Kreisen recht zahlreiche neue Anhänger für ihre Partei werben und dadurch den Liberalen wie Ultramontanen Abbruch thun; die Agitation in den Arbeiterkreisen wird mit neuer, frischer Kraft die Socialdemokratie betreiben. Gewinnen so beide Parteien an Stärke. dann kann ihr gelegentliches Zusammengehen gegenüber den andren Parteien um so erfolgreicher sein. So würden die denkwürdigen Tage von Solothnrn nicht bloß reinliche Scheidung, sondern auch neue Stärkung zur Folge haben.— Frankreich. Der französischen Kammer, welche Dienstag, den 22. d. Mts.. zusauuneutritt, werden drei Interpellationen, betreffend die armenische Frage, vorliegen; die eine kommt von der Rechten, die zwei andern vou der äußersten Linken, von den socialistischen Abgeordneten Rouanet und Sembat.— StaatSuionopol für Petroleum. Das Rohpetrolemn ist in Frmrkrcich mit einem Zoll von S Fr. pro Hektoliter belegt, das raffinierte mit 12.50 Fr. Ein Hektoliter Rohpetroleum giebt nicht ganz einen Hektoliter raffiniertes; jedoch verbleiben den inländischen Rasfineurcn immer noch 2,50 Fr. pro Hektoliter, insgesamt erzielen die Raffinenrc aus dieser Differenz einen lleberschnß von 8 Millionen Frank. Die Budgctkommission hat nun einem Projekt zugestimmt, welches dem Staate das Monopol der Petroleum-Raffinage zu- spricht.— Belgien. Kundgebung gegen die Militärvorlage. Am Sonntag- nachmittag fand in Brüssel der von den Socialisten angekündigte Straßen umzug, verbunden mit einer antimilitärischen Knud- gebung, statt. Mehrere tausend Personen nahmen an demselben teil. An der Spitze des Zuges, der sich durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte, defanden sich die bekanntesten Socialistenführer. Mehrere Musikkapellen spielten revolutionäre Lieder. Inschriften gegen das Ersatzsystem und zu Gunsten der allgemeinen Wehrpflicht wurden dem Zuge vorauf getragen. Zivischenfälle fanden nicht statt. Italien. Die Laudarbeiter-Bewegung verdient mit dauerndem Jnter- esse verfolgt zu werden. Von der Intensität dieser Bewegimg legt wieder der kürzlich in Pavia stattgehabte Kongreß der Bauern und Landarbeiter dieser Provinz Zeugnis ab. Wir haben schon kurz darüber berichtet; aus den jetzt vorliegenden ausführlichen Berichten sei noch folgendes nachzutragen. Die Zahl der Doglie di resistenza lWidcrstands-Vereinigung). welche dort vertreten waren, be» trug nicht weniger denn Ü5, die insgesamt 100 Delegierte entsandt hatten und über sOOO Mitglieder zählen. Diese Bauernvereine sind ausgesprochen socialistische Organisationen; ihre Stärke und ihre ständige Zunahme ist um so bedeutsamer, als sie auf dem Lande einen sehr schweren Stand haben. Nicht bloß die Großgrundbesitzer und Behörden haben sie gegen sich, sondern vor allem auch die Kirche. Die letztere hat ihren Einfluß in letzter Zeit noch dadurch zu erhöhen gesucht, daß sie eine.christlich- deniokratische" Bewegung m Sccne setzte. Organisationen nach socialistischem Muster gründete, kurz, indem sie sich mehr um das Wohlbesinden der arbeitenden Klassen bemühte oder doch vorgab, es zu thun.— Der Kongreß hat neue Kontraktbedingnngen aufgestellt, die den Grundherren unterbreitet werden sollen. U.a. Ivird von denselben auch gefordert. daß der 1. Mai als Festtag zu betrachten ist; ferner wird verlangt, daß die Wahltage zur Kommune oder Kammer freigegeben wird, damit die Bauern und Laudarbeiter ungehindert ihr Wahlrecht aus- üben können.— Eine Programmrede Zauardcllis. Der italienische Minister- Präsident Zanardelli hat bei einem Wählerbankctt in Rom am Sonn- tag eine Rede gehalten, in der er folgendes Programm der gegen- tvärtigen Regierung formulierte: Wir sind entschlossen, sagte der Ministerpräsident, die Pflege der Freiheit znm Regiernngssystcm zu machen, damit jeder einzelne wie jeder Verein im Genuß der ver- fassnngsmäßigen Rechte sich befinde und gegen Rcgierungswillkür gesichert sei und damit die Lokalverwaltungen gegen staatliche Ein- Mischung, der Staat gegen kirchliche Uebergriffe geschützt werden. Das Ministerium beharrt bei seinem Plane der Steuer- e r l e i ch t e r u n g e n zu Gunsten der wirtschaftlich Schivachen unter stärkerer Heranziehung der Besitzenden zunächst durch steigende Erbschaftssteuer als Einleitung zu dem demo- kralischen System der Progressiv- Steuern. Auf socialem Gebiet verlangt die Gleichheit und Gerechtigkeit die Emanci- pierung des Proletariats, das politisch und wirtschaftlich unabhängig werden muß. Daher ist auf Beseitigung des Elends nach Erhöhung der Arbeitslöhne, Hebung des Kredits und Er- leichterung des Eigeutumserlverbs hinzuarbeiten. Den Versuch friedlicher Selb st regulier» ng des Verhältniffes zwischen Arbeit und Kapital durch Neutralität des Staats gegen- über den Lohnkämpfen und Anerkennung voller Aus- st a n d s f r ei h e i t hält Zanardelli für vollkommen gelungen. Die Botschaft ist ja ganz gut, der Glaube daran wird sich erst nach den entsprechenden Thaten einstellen.— Verurteilter Anarchist. Der Anarchist Quintavallc wurde vom Tribunal zu Portoferrajo ivegen Aufreizung zu einem Jahr Gefängnis und zu 1000 Fr. Geldstrafe verurteilt. Quintavalle war schon seiner Zeit als angeblicher Komplice von Bresci in Haft genommen, aber wegen Mangel an Beweise» freigelassen ivorden.— Blutige Wahluuruhe» auf Korsika. Bei den am Sonntag siattgehabten Wahlen zum Munizipalrat in Linguizzetta kam es zu Ausschreitungen. Ein Wähler erhielt einen Pistolenschuß und vier Dolchstiche. Zivei Mitglieder des Bureaus wurden getötet; noch sechs Personen wurden verwundet und zwar die Mehrzahl tödlich.— England. Gegen die imperialistische Reaktion. Hobson, der bekannte liberale Schriftsteller, veröffentlicht im„Echo* einen Artikel, in welchem er einem Zusammengehen der antiimperialistischen Liberalen. Trades-Unionisten und Socialisten das Wort redet.. Er schlägt eine Konferenz vor, auf der eine gemeinsame Aktionsbasis gefunden werden soll, um die dringendsten demokratisöben Reformen durch- zusetzen.— Ruhland. Tie Ccnsur in Finnland. Das Motto:„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", das sich am Kopfe von„Arbetct*. dem Organ der schwedisch sprechenden Arbeiter Finnlands befand, ist von der Ceusur beseitigt ivorde». Auch soll daS Blatt sich nicht mehr„Organ für Finnlands schwedischen Arbeiterverband* nennen, sondern das Wort »Verband* aus seinem Untertitel eutfcmen.-- Eoldatencxcessc in Warschau. Einem Blatte wird über die Meuterei rineS Warschauer Regiments gemeldet: Zu einer offenen Revolte kam es kürzlich auf dem Mokotaner Felde, dem Ucbungs- platze der hiesigen Garnison. Die gemeinen Soldaten eines ganzen Regiments verfaqten den Gehorsam, weil sie zu schlecht beköstigt würden. Der Laberst, bei dem Beschwerde erhoben ivorden war, schob alle Schuld den Unteroffizieren zu. die sich an der Menage- liefernng bereicherten; doch scheint cS', daß der Kommandeur seiner- seits sich auch unrechtmäßige Borteile verschaffte und nur einen Teil des Bedarfs liefern ließ. Die Offiziere gingen gegen die meuternden Soldaten vor, mußten aber zurückweichen, da sie beschossen wurden. E i n schwer verletzter Offizier i st bereits gestorben. Die Rädelsführer wurden nach der Citadelle geschafft; etwa 300 Soldaten dürften vor ei» besonderes Kriegsgericht gestellt werden.— Ter Massenprotest der Finnländer gegen die neue Heer- ordnnng soll, ans Beschluß des finnländischen Senats, dem Zaren vorgelegt werden.— Bulgarien. Sofia, 21. Oktober. Bei den gestern abgehaltenen 29 Ersatz- Wahlen zur Sobranje wurden 18 Mitglieder der Regierungs- Parteien gewählt; 11 vou ihnen sind Zankoivisten, 7 gehören der Partei KarawelowS an.—_ Der Boereu- Krieg. De Wet wieder einmal tot gesagt. In der letzten Zeit waren in Durban Gerüchte im Umlauf, daß De Wet tot sei. Diese Gerüchte entbehren der Begrüiidung und sind vielfach einander ivideispicchend, scheinen aber durch die Un- thätigleit De Weis in der jüngsten Zeit an Glaubwürdigkeit zn ge- Winnen. Die Boeren-Delegation hat jedenfalls keine Nachricht er- halten, welche die Meldung über den Tod De Weis als begründet erscheinen lassen könnte. Die Delegierten schenken der betreffenden Meldung keinen Glauben und schreiben die Unlhäligkeit De Weis einer ganz andren Ursache zn. Botha im Swazi-Land. Nach Mcldimgen ans Kapstadt hat Botha den Pongolabusch ver- lassen und bcgiebt sich in nördlicher Richtung durch d-is S w a z i- Land. Botha scheint auch bereits einige Schläge geführt zu haben. Au? Lonrcuyo Marques wird gemeldet: Die Bocrcn haben ver- schiede ne englische Posten in Swazi-Land über» rumpelt und einige hundert Kriegsgefangene dabei gemacht. Nachdem die Engländer dann ihrer Waffen, Munition und eines großen Teiles ihrer Lebensmittel entledigt waren, wurde ihnen die Freiheit zurückgegeben. Eine»cuc Erschiessirng. Aus Johannesburg Ivird gemeldet: Ein Mann Namens Lewis wurde am Montag in Potschcfstrom wegen Beteiligung an der Ermordung zweier Soldaten zum Tode ver- urteilt und erschossen. Wie es in der Aullage hieß, waren die beiden Soldaten im Juli 1900 in Frederikstad, nachdem sie sich ergeben hatten, ermordet worden. Ei» Scharmützel bei Balmoral. Kanadische Truppen überraschten Freitagnacht 16 Meilen nord- westlich Balmoral ein Boerenlager. Nach kurzem Gefecht floh der Feind; er ließ drei Tote zurück,' vier Mann wurden gefangen ge- nominell und eine Menge Vieh, Lebensmittel und MlMition erbeutet. Die Kanadier verloren fünf Mann. Vom Kleinkrieg in Südwcst-TranSbaal. Ans Klerksdorp wird der»Dt. Wochciischr. in den Niedert." ge- schrieben: „In unsrer Gegend spuken die Bocrcn ganz gewaltig herum. Neulich gingen 10 Mann von der Shorncliffe berittenen Infanterie lvie gewöhnlich als Biehivächter auf einen Hügel, von dem aus man eine Weide. l die ungefähr 2Vz Meilen von Klerksdorp eiitfernt ist, übersehen kann. Dort hatten sich jedoch schon Bocre» eingenistet, die ihnen»HandS»p* zuriefen. Das thaten sie aber nicht, sondern schoflen ans die Gegner, von denen zwei gefallen sein sollen; sie selbst hatten einen Schwerverwundeten. Schließlich ergaben sie sich den Boeren, ivelche sie total auskleideten und dann heim schickten. Zlvei Tage später passierte 11 Mann von de» 13. Husaren das- selbe. Man hatte ihnen eiiien schlau anSgedachten Hinterhalt gelegt; einer von den Husaren wurde tödlich vcrwmldet. Der Rest ergab sich und kam im Adamskostüm im Lager an. Tags darauf zogeir 43 Leute vom 13. Husaren-Regiment mit einigen„Imperial Bushmeli", unter Führung eines Offiziers der letzteren, in die Nichtung der Wctt-Reniibahn. Kurz vor der Stadt sahen sie einen flüchtenden Trupp Boeren, den» sie iinchsetzten. Auf einmal sahen sie hinten, vorn irnd neben sich Boeren winuncl». Die Mannschaften saßen ab und eröffneten daS Feuergefecht; ihre Pferde galloppierteil nach der Stadt zurück. Die Husaren deckten sich bintrr ihren Sätteln, aber die Kugeln durchschlligen diese; dadurch fielen zwei Mann und wurden acht verivundet. Der Rest ergab sich. Die Leute kamen, nur mit einer Bauchbinde bekleidet, im Lager an. Die 13. Husaren nciint man uunmehr das„Adamiten-Regiment*.* Aus Indujfviv und Hundel. Hannoversche Straßenbahn. Hannover, 19. Oktober.(Eig. Ber.) Einen überraschenden Verkauf hat die Generalversammlung am Sonnabend genommen. Kurz vor Mitternacht fand die Zettelabstimmung über die Höhe der von den Aktionären geforderten Zuzahlung statt. Weil diese Zuzahlung eine Statutenänderung bedingt, ist eine Dreiviertel- Mehrheit nötig. Sie ivnrde nicht erreicht. Bei 8394 Stimme» für und 4146 gegen war die Zuzahlung abgelehnt. Der Aiifsichtsrat trat sofort zusammen und beschloß, eine neue Versainmlnng auf de» 14. November einznbernfen. Natürlich soll dann der Versuch wieder- holt werden, die Zuzahlung von den Aktionären zu erreichen. Mit der Revision der Geschäftspapiere und Bücher der Gesellschaft wird man sich kaum sehr beeile». Es sind ja zwar Revisoren gewählt, aber sie ivohnen zum Teil außerhalb Hannovers und werden bis zum 15. November ivohl nicht weit vordringen. Die Dresdener Bank will aber durchaus ihr Guthaben von 1 900 000 Mark retten, und es liegt ihr offenbar sehr daran, ihr Geld zu bekommen, was ohne Iveitcre Eiiizahliingen der Aktionäre nicht möglich ist. Die Versammlung von Hannover wird in der Geschichte dieser Krise eine fatale Rolle spielen, Sie ist, lvie nach und»ach aus den für Uneingeweihte immer sehr undurchsichtigen Verbandliingen aus Licht trat, eine Attacke, zu welcher sich die Dresdner Bank gegenüber einer Erwerbsgesellschaft eutschließen mußte, der sie große Summeil vorgeschossen hat. Man mußte erwarcen, daß der Zeitpunkt nahe sei, in ivelchem die Großbanken die Conten ihrer Jndiistrieklindschaft einer Milstcrnng»ntcrziehcn müsse». Die Hannobersche Straßenbahn ist die erste Gesellschaft, welche dieser Musterung zum Opfer gefallen ist, Das ist kein Wunder, denn die Wirtschaft bei dieser Straßenbahn ist i» Deutschland beispiellos. Kurz die Revision ivird viel zn thun haben, Die Versammelten wissen gar nicht, was mit ihnen vorgeht— am allerwenigsten wußten sie dies in Hannover, wo Herr Kenipner sich als Cnto Censorius einführte nnd alle Beziehungen ableugnete. die ihn etwa bestimmen könnten, die Leitung der Verhandlungen zu wünschen. Dennoch ivarf ein Redner das Wort von.bestellte» Ar- beitern von anSivärts* in die Debatte. De» tansend kleinen Aktionäre» aber ivar die Rolle KempnerS gänzlich verborgen. Dieser große Stratege der Bankeii bat in Hannover seinen ersten Mißerfolg erlebt. Er bot zwar noch mehr Kraft nnd Eifer ans als sonst. Die zwölfstündige Beratung nnd ihre Leitung schienen mebr die Versaminlnng zn ermatten ais ihn. Freundliches Zureden, Komprolnißvorschläge, alle die Tricks der Leitiliig halfen aber nicht«: kurz vor Mitternacht nahm der viel- geivandte Herr den Bescheid der kleinen Aktionäre entgegen, daß sie sich nicht bestimm«» lassen wollten, ein paar Millionen für eine verlorene Sache zu spendieren. Bis zur nächsten Generalversammlung werden natürlich Aktienkäufe und andre Mittel angewandt werden, um die fehlenden Stimme» zur Dreiviertelmehrheit in die Gewalt der Dresdener Bank zu bringen. «» 4» Es verdient bemerkt zu werden, daß nach einen» in Hannover verbreiteten Flugblatt das Fahrpcrsonal der Hannoverschen Straßen- bahn pro Tag 2.50 bis 2.80 M. verdient, bei 27 Arbeitstagen also OV'/i bis 76 M. monatlich. Davon werden für Kleidung, Kassen- beitrage, Putzlappen zc. etwa 15 M. abgezogen. Bor dem Dienst müssen die Fahrer jeden Morgen die Wagen putzen und dann, in Schweiß geräten, die Fahrt antreten. Das ist auch eine III u st ratio n zu den vergeudeten Millionen und zu den„Verdiensten* der nun abzusägenden Verwaltung. Eisen- und Stahlerzeugung der Welt im Jahre 1900. Die große im Jahre 1899 erreichte Weltansbente an Eisen und Stahl würde im Jahre 1900 zwar übertroffen, aber um eine ver- hältnismäßig sehr kleine Menge. Immerhin ist die Thatsache, daß noch eine Mehrerzenglliig gegenüber der vorjährigen großen Leistung stattfand, von Bedeutung. In metrischen Tonnen verteilte sich die Roheisen-Gewinnung im Jabre 1900, verglichen mit 1899, auf die eiiizelneii Länder folgender- maßen: Roheisen- Erzeugung. 1899 1900 1900 Proz. der Proz. der,. Tonnen Welt- Tonnen Welt- z-n�en erzengung erzeugung Ver. Staaten von Amerika..... 13 838 634 34,2 14 099 870 34.4+ 261236 Großbritannien.. 9 454 204 23,4 9 052107 22,1—402 097 Dentschland.... 8 029 305 19.8 8 351742 20,4-»- 322 437 Die üvligcil Länder 9159 205 22,6 9 464 046 23,1-4-304 841 Im ganzen... 40 481 343 100,0 40 967 765 100,0+ 486 417 Die Mehrerzengniig gegenüber dem Vorjahre betrug in de» Vereinigte» Staaten 1,9 Proz., Großbritannien hatte einen Rückgang um 4,3' Proz. zu verzeichnen; Deutschland zeigt mit einer Zunahme um 4 Proz. gegen 1899 und einer nur um 700 365 Tonnen hinter der britischen zurückbleibenden Gesamterzeugung die günstigste Eut- Wicklung. Infolge der Minderprodnktioil Großbritanniens wuchs die Gesamterzeugung der drei Hanptlnndcr nur um 0,6 Proz., und ihr Anteil an der WeltanSbeute ging»m 0,5 Proz. zurück. Die Vereinigten Staate» allein lieferten ein reichliches Drittel des auf der ganzen Welt hergestellten Roheisens. Die'Stahlerzeilgung der Welt hat sich im Jahre 1900 auch nur wenig vermehrt, iva'r aber grüßer als je zuvor. Ueber 70 Proz. des erzeugten Roheisens wurden in diesem Jahre zu Stahl verivandelt. Die Thätigleit der Industrie» der einzelnen Länder in dieser Be- ziehnng läßt sich ans folgender Zllsammenstellling ersehen, ivelche die Fabrikation von Stahl- Jngols und nicht fertig bearbeitetem Stahl umsaßt: Stahl-Erzeugung. 1899 1900 1900 Proz. der Proz. der.„der— Tonnen Welt- Tonnen Welt- z-g,,».» erzeugung erzeugung Ber. Staaten von Amerika..... 10 736 806 39,7 10 382069 37,9—354 737 Großbritannien.. 4 933 010 18,2 4 979 471 18,2-t- 46 461 Deutschland.... 6 290 434 23,3 6 645 869 24,3+ 355 485 Die übrigen Länder 5 092139 18,8 5 354 409 19,6+262 270 Im ganzen...27 052 289 100,0 27 361318 100,0+309 429 Die Erzeiignna der drei Hanptstaaten zeigt einei» ZnwachS von nur 0,2 Proz. infolge des Sinkens der amerikaiiischen Stahl- erzeugling, namentlich in der zweite» Jahreshälfte, um 3,3 Proz. der vorjährigen Höhe. Deutschlands Stahlfabrilation stieg um 5,7 Proz,, diejenige Großbritanniens dagegen nur um 0,9 Proz. Deutschland stellte trotz seiner geringeren Eisenproduktion 1 666 398 Tonnen Stahl mehr her als Großbritannien. Die Zahlen beweisen den gewaltigen Aufschwung, den die Eisen- und Stahlerzeugung in Deutschland ge- nommen hat. Die Schuckcrt-Gesellfchaft Plaut für die Zusammensetzung der Direktion eine Aendcrung. Die autokratische Machtstellung des Herrn Wacker begegnet nicht nur in den Kreisen der Aktionäre, sondern auch im Aiifsichtsrat Bedenken. Wie die„Münchener Nellesten Nachrichten" mitteilen, befindet sich gegenwärtig der frühere Direktor der All- genieiiien Gesellschaft für Dienstmotore», A.-G. in Augsburg, Johanning, in Nürnberg,»in die Lage der Schuckert-Gesellschaft zu studieren nnd dem Aufsichtsrat sodann darüber Bericht zn erstatten. Jedenfalls will man Herrn Wacker einen Direktor Nebenstellen, der sein Herrschaftsgebiet einengt. Die Kulmbachcr Nizzibräu-Akticngescllschast ist durch den Krach der Dresdener Kreditanstalt gleichfalls zum Bankrott getrieben. Den Aktionären ivird eineZusammenlegling der Aktien vorgcscklagcn und 35 Proz. Nachzahlung, für die Geliußscheine ausgegeben werden sollen. Jahresberichte deutscher Konsninverciur. Der Konsum- verein für Zwenkau steigerte seinen Umsatz von 243 289 M. im Vorjahre auf 273 372 M. i» diesem Jahre. Von dem Reingewinn 30 330 M. wurden 10 Proz. Dividende gezahlt.— Der Konsumverein für S t r i e g a u hatte in dem erstell Geschäftsjahr, das 8 Monate nmfaßt, einen Umsatz von 15 752 M. Bon dem Reingewinn 1332 M. lulirden 7 Proz. Dividende verteilt. Der Konsumverein»Bor- ivärts" in Lößnitz hatte einen Umsatz von 258682 M.. 25 393 M. mehr als im Vorjahre. Der Reingeivinn betrug 40 678 M.— Der Konsum- verein in Dölitz beziffert seinen Umsatz auf 365 552 M., gegen daS Vorjahr 21 699 M. mehr. Von dem Reingeivinn 36 463 M. wurde» 10 Proz. Rückvergütung geivährt.— Der Konsumverein Crossen hatte einen Warenumsatz von 43 222 M. Vom Reingewinn von 5870 M. gelangten 15�/2 Proz. Dividende zur Verteilung.— Der Saarbrücker-Eiseiibahii-Konsmnvercin berichtet über einen Umsatz von 651 932 M. Der Reingewinn von 101 714 M. gestattete eine Dividende von 15 Proz. Italienischer Atlßcnhandcl. Die Wareneinfuhr Italiens in den ersten nenn Monate» 1901 stellte sich auf 1372 Millionen Lire. die Warenausfuhr dagegen auf 1017 Millionen Lire; crstere über- steigt daher iiin 1228/« Pjinioncii Lire, letztere um 598/« Millionen Lire die gleiche Zeit des Vorjahres. Der Zusammenbruch der Bau- und Bodenkreditbank in Oedvuburg(Ungar»), über den wir bereits berichteten, kam den eingeiveihten Kreisen nicht überrascht, man hatte das Institut längst als unsicher achalten. Die Benmituna, daß der Direktor Schlade rer Selbstinord begangen hat, bestätigt sich, er wurde im nahegelegenen Wald tot aufgefunden. Die Sachchverständigen haben nach Durch- ficht der Bücher sich dahin geäußert, daß die Fälschungeii bei der Oedenburger Bau« lind Kreditbank seit 1832 fortgesetzt wnrden. In der Bilanz sind um 1800000 Kr, lveniger Depositen und Kaffenscheine eingetragen, als thatsächlich eingezahlt wurden. Die Depositen wurden zum Teil verkauft, zum Teil verpfändet. Das bisher er- mittelte Deficit soll 4 Millionen Kronen betragen. Sorinles. Gruudziige zu eiucr ärztlichen Staudcsordnuug. die von den Aerztekaminer» und dem Ober-MedizmalauSschnsse mifgestellt sind, werden jetzt in einem Ausschüsse des bayerischen Land- tages beraten. Diese„Grnndzüge* atmen einen bedenklichen reaktionären Zniiftgeist. So lautet der§ 2:„Der Arzt muß auf dem Boden der ivesenUichen Grundlagen der Heilkunde stehen, wie sie auf linsren Hochschnlen gelehrt ivird, und darf abweichende An- sichten»ickit zu Rcllamezivccken bcnlltzen." Die Bezeichnnlig„Klinik* und„Poliklinik* soll nur staatlichen Lehranstalten zusteheil. Nlckltärzten gegenüber soll jede abfällige Kritik ärztlicher Thätig« keit verboteil sein. Es soll den Ncrztc» verboten sein, therapeutische Maßnahmen von Nichtärzlen mit ihren Namen zn decken. Die Grniidzüge dürften nach den im Ausschüsse laut gewordenen Aeußerungen nicht ans die Zllstiinniuiig deS Plenums des Abgeordiictenhailses zu rechnen haben. Eine Arbeitslose«- Versammlung in Danztg» die Freitag- vormittag stattfand und stark besucht ivar, beschloß, durch eine Kom- Mission die städtische» Behörden»im Ausnahme von NotstandSarbeilcn zu ersuchen. GemVvksrhKftlnszes. Berlin und Umgegend. Sperre der Barbiergeschäfte. Herr Schenk. Fürsten w a l d e r st r. 2 teilt uns berichtigend mit, daß sein Geschäft oh» Grund durch die Lohnkonimission der Barbiergehilfcn gesperrt sei. Herr Schenk giebt an, daß er die von den Gehilfen gestellten Forde rangen seit Beginn der Lohnbelvegung bewilligt hat, dag er auch die erhöhten Preise vom Publikum fordert, und seit 5 Jahren ein und denselben Gehilfen beschäftigt. Die Sperre könne nur verhängt sein infolge unwahrer Angaben, die aber von der Lohnkommission gar nicht untersucht worden seien. Herr Robert Porath, Lychenerstr. 12, ersucht uns an Grund des Preßgesetzes folgendes zu veröffentlichen: In der Sonnabendnummer des„Vorwärts" ist unter den ge sperrten Barbiergeschäfteu Petri, Lychenerstr. 12, aufgeführt. Herrn Petris Geschäft ist aber Lychenerstr. 17, während sich mein Geschäft Lychenerstr. 12 befindet. Ich habe von Anfang an die Lohn erhöhung bewilligt und leide nun durch die falsche Angabe grofien Schaden. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Lohnkommission der Barbiere bei der Verhängung und Bekanntgabe ihrer Sperren mit größerer Sorgfalt verfahren würde, als es»ach den bisherigen Er- fahrungen der Fall zu sein scheint.— Red. d.„Vorw." Deutsches Reich. Ueber die Lohnbewegung der Textilarbeiter im Vogtland ist zu berichten, daß die Fabrikanten, die sich bis zum 15. Oktober zu dem ihnen zugestellten Lohntarif äußern sollten, nur vereinzelt und zwar ablehnend geantwortet haben. In Gera ist die Abweisung der Forderungen durch den Fabrikantenverei» mittels Anschlags in den Fabrikräumen bekannt gegeben worden. In einem Orte wurden die Forderungen, weil sie„unverschämt" seien, abgelehnt. Dabei würden die Weber selbst nach Durchführung des geforderten Tarifs es auf höchstens 15 M. durchschnittlich wöchentlich bringen! Die Textilarbeiter werden sich nun über weitere Schritte schlüssig zu machen haben, von einem Streik wird indes abzuraten sein. In Greiz und Mecrane ist es inzwischen in einigeil kleinen Betrieben bereits zum Ausstand gekonnnen. Die Lohnbewegung hat bis jetzt fast allerorts dem Textilarbeiter-Verband eine Anzahl Mitglieder zugeführt. Das Vcreinögcsct? gegen das Koalitionsrecht anzuwenden, hat wieder eine Polizeibehörde versucht. Die Filiale M.-Gladbach des Deutschen Textilarbeiter-VerbandcS sollte nach Annahme der Polizei ein politischer Verein sein, und der Filialvorstand sollte sich strafbar gemacht haben, weil er dem Verlangen der Behörde, die weiblichen Mitglieder auszuschließen, nicht nachgekommeil ist. Die Richter folgten jedoch der polizeilichen Auslegungskunst nicht. Sowohl das Schöffengericht in M.-Gladbach, wie die Strafkammer in Düffel- darf sprachen den des Vergehens gegen das Vereinsgesetz angeklagten Vorstand frei. Solche Gerichtsurteile sind schon öfter gefällt ivorden. Das schützt aber die Gewerkschaften nicht vor erneuter mißverständlicher Anwendung des Vereinsgesetzes seitens der Behörden. Ein ungetreuer Gcwerkschaftsbcamtcr. Der Kassierer der Breslauer Filiale der Vereinigung der Maler, Theodor Jörgler. ist seit dem letzten Freitag verschwunden und mit ihm die im letzten Vierteljahr eingegangenen Beiträge in Höhe von 1014 Mark. Jörgler bat auf seine Kollegen stets den Eindruck eines ordentlichen Menschen gemacht, und nie über seine Verhältnisse hinaus Aufwendungen ge- macht. Es ivird daher vennutel, daß er am Quartalsschluß ein geringes Deficit in der Kasse entdeckte und sich deshalb zu der schänd lichen Flncht verleite» ließ. Anzeige gegen den Flüchtigen ist bereits erstattet. Derartige verwerfliche Handlungen einzelner, mögen sie auch noch so selten vorkommen, sind geeignet, dem Ansehen der Arbeiter- beioegung in hohem Grade zu schaden. Möge man deshalb durch sorgfältige Auswahl der Vertraucnsämter bekleidenden Personen und strengste Kontrolle ihrer Geschäftsführung solchen verurteilensiverten Handlungen vorzubeugen suchen. Ausland. Der Streik im Liitticher Kohlenrevier ist zwar zu Ende, jedoch beträgt die Zahl der Nichteingeftcllten im ganzen Gebiet etwa 2000; außerdem sind die Arbeiter der Grube Marihaye noch im Ausstand. Es hat sich nun in Seraing ein Komitee von sieben Personen, Angehörige des Bürgertums, gebildet, um eine Ver- ständigung zivischen de» Streikenden und der Direktion herbcizu- führen.— In Jemeppe ist vom neuem ein Streik ausgebrochen, an dem bis jetzt 150 Mann beteiligt sind.— Vor dem Liitticher Gerichts- hos haben täglich zahlreiche Bergarbeiter zu erscheinen, um sich lvcgen Bedrohung von Streikbrechern zu verantworten. Die dänische» Buchbindcrmeistcr haben den im Jahre 1899 mit der Gchilsenorganisatio» geschlossenen Tarifvertrag zum 1. Februar 1902 gekündigt und einen neuen Tarif vorgeschlagen, der wesentliche Verschlechterungen der geltenden Arbeitsbedingungen enthält. Die Heizer der transatlantische» Dampfschiff-Gcsellschaft in Cadix haben die Arbeit eingestellt; man befürchtet, daß die Arbeitseinstellung der Heizer eine' allgemeine werden wird. Lohnbetvegunge» in Italien. Die Konditoren von Rom haben in geheimer Abstimmung mit 115 gegen 4 Stimmen den Streik beschlossen.— Die Kravatten-Ärbeiter und -Arbeiterinnen v o» M a i l a ii d sind ausständig, weil die Unter- nehiner den Tarif nicht anerkennen wollen. Berliner Partei-Alttgelegenheitett. Der Wahlvcrein des zweiten Berliner Reichstags-Wahl- kreises hält am Mittlvoch, abends SVe Uhr, seine Generalversammlung in Habels Brauerei, Bergmannstraße 5/7, ab. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2." Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vereinsangelcgenheitcn. Achtung, sechster Wahlkreis? Den Parteigenossen des 32. Kommnnalwähler-Bezirks zur Nachricht, daß am Mittlvoch, den 23. Oktober, abends 7 Uhr, eine Flugblattverbreitnng stattfindet. Die Genossen haben sich einzufinden bei Rostn, Ruppincr- ftraße 42 und in allen bekannten Lokalen. Sechster Wahlkreis sSchönhanser Vorstadt). Dienstag findet im Berliner Prater, Kastainen-Allee 7—9, eine V o l k s v e r s a m m« l u n g statt, in welcher Stadtverordneter H. B o r g m a n n über die Kommnnalivahlen ini 34. und 35. Bezirk sprechen wird. Es ist Pflicht der Parteigenossen, für diese Versammlung rege zu agitieren. Der Vertrauensmann. Der Wahlverein für den sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreis hält am heutigen Dienstag, abends'/gQ Uhr, in S ch m i d s Gesellschafts Haus, Gartenstr, 13/14, eine Ver- sammlung ab, in welcher Reichstags-Abg. Georg Ledebour über den südafrikanischen Krieg und seine Lehren sprechen wird. Gäste haben Zutritt._ Der Vorstand. Reichstags-Wahlkreis Niederbarnim. Die Kreiskonserenz findet am Sonnabend, den 2. November, abends 8 Uhr, in Ruminelsburg, Restaurant Bellevue statt mit folgender Tagesordnung: 1. Jahresbericht dcS KreisvertrnucnSnianns und der Revisoren; 2. Bericht der Preß- und Agitationskommission; 3. Wahl des Krcisvertrauensmanns. der Revisoren, der Mit- glieder der Preß- und Agitationskommission, sowie des Obmanns der Lokaliomimssion; 4. Agitation. Referent: Reichstags-Abg. S t a d t h a g e n. Die Genossen der einzelnen Bezirke loerden aufgefordert, ungesäumt die Wahlen der Delegierten 7 des Kreisstatuts) vorzu- nehmen. Außerdem sind die Vertrauensleute verpflichtet. � o s o r t dem Unterzeichneten die Zahl der im Bezirke politisch organisierten Genossen mitzuteilen, sowie über den Stand der Be wegung überhaupt zu berichten. Ebenso sind die PetitionSlisten gegen den Zolltarif einzureichen, sowie die Zahl der in den einzelnen Bezirken gesammelten Unterschriften genau und zwar sofort an- zugebe». Der Kreisvertraucnsmann. Adolph Gartz, Weißensee, Lehdcrftr. 5._ Wahlvcrein Ober- Schöncweide. Montagabend 8�/2 Uhr Versammlung bei John. Vortrag. Wahl des Vertrauensmanns, sowie der Bezirksführer, der Lokalkommission und der Delegierten zur Kreiskonferenz. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Mitglieds bücher abzugeben resp. umzutauschen. Gvvutzks-Beil mtfl. Eine rätselhafte Geschichte lag der Anklage wegen wiffentlich falscher Anschuldigung zu Grunde, die gestern vor der dritten Straf kaminer des Landgerichts I gegen den Schlächtermeister Adolf M e z n e r verhandelt ivurde. Am Abend des 19. März v. I. be fand Mezner sich in dem neben seinem Schlächterladen belegenen Schanklokale von Zeuge in der Lindowcrstratze. Darauf beträt der Grotzschlächtermeister Heinrich Schütz in Begleitung seines Ge sellen Günther und des Fuhrherrn Werner das Lokal. Schütz hatte von Mezner für Fleischlieferungen gegen 2000 Mark zu fordem und verlangte Abrechnung. Mezner erklärte, daß er damit bis zum kommenden Donnerstag warten wolle. Als Schütz hierauf allerlei anzügliche Redensarten fallen ließ, holte Mezner sein Portemonnaie aus der Tasche und zeigte den Anwesenden, daß dasselbe zwei Goldrollen zu je 1000 M. enthielt. Dann steckte er das Portemonnaie wieder ein und entfernte sich durch die Hinterthür des Lokals, um sich über den Hof nach seinem Laden zu begeben. Schütz und seine beiden Begleiter folgten ihm auf dem Fuße. Gleich darauf hörten die im Lokal Verbliebenen Hilferufe. Als sie hinauseilten, sahen sie, daß Mezner im Begriff war, seinen Laden zu betreten, während Schütz, Günther und Werner durch den Flur nach dem Ausgang zur Straße gingen. Schütz und Günther betraten sofort durch den Vordereingang wieder das Zcugesche Lokal. Gleich darauf kam auch Mezner wieder. Er weinte und jammerte, daß ihm soeben sein Geld gestohlen worden sei. Schütz erklärte gleichmütig:„Mich können Sie durchsuchen, ich habe kein Geld." Mezner beschuldigte dagegen den Schütz, daß dieser und seine Helfers- heiser ihin soeben das Portemonnaie auf dem Hofe in einer an Raub grenzenden Weise gestohlen hätten. Schütz habe ihn plötzlich von hinten um den Oberkörper gepackt und niedergedrückt. Daraus sei ihm von einem der beiden andren Personen das Portemonnaie aus der Tasche gezogen worden. Diese Bezichtigung wider- holte Mezner vor der Polizei. Schütz wurde bis zum olgenden Mittag in Haft gehalten, dann aber entlassen, veil seine Behauptung, Mezner habe sich die ganze Ge- chichte nur ersonnen, um von der Zahlung an seine Gläubiger befreit zu iverden, den Umständen nach viel Wahrschein- lichkeit für sich hatte. Mezner hat dann wegen der 2000 M. einen Civilprozeß angestrengt, der zu seinen Ungunsten cnffchieden ist. Dann ivurde gegen ihn obige Anklage erhoben. Im Termine blieb der Angeklagte,' der vom Rechtsanwalt Weber verteidigt wurde, dabei, daß er nur die Wahrheit gesagt. Schulz beschwor dagegen, daß er ihn gar nicht angerührt habe. Die Zeugenaussagen lauteten 'o widersprechend, daß eine Aufklärung des Sachverhalts nicht zu erzielen war und der Gerichtshof aus diesem Grunde ein frer« 'prechendcs Erkenntnis fällen mußte. Der beleidigte Staatsanwalt. Vor der 7. Strafkammer des Landgerichts 1 war zu gestern Termin zur Hanptverhandlung in der Strafsache gegen den Rechtsanwalt Sonnen seid angesetzt. Dieser hat sich, wie bekannt, wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwalts S ch w e i g g e r zu Könitz zu verantworten. Der Termin ist noch am Sonnabend abbestellt und dem Verteidiger, Justizrat Mnnckel, anheimgegeben worden, auch die von ihm vorgeladenen Entlastungs- zeugen schleunigst noch abzubestellen. Ueber die Gründe zur Auf- Hebung des Termins ist Zuverlässiges nicht bekannt geworden. Acußerem Vernehmem nach soll es sich darum handeln, daß Ver- Handlungen betreffend die Zurücknahme des Strafantrags im Gange und noch nicht erledigt sind. DaS Foltern eines Verhaftete» zur Erzwingung eines Geständnisses ist dem Polizeisergeanten Barkowski in Stallupönen böse bekommen. An einem Winternachmittage des verflossene» Jahres wurde, wie die«Königsb. Volkstrib." berichtet, dem B. von einem Gelddiebstahl Anzeige erstattet, der bei dem Postschaffner BrezicnSki ausgeführt worden sein sollte. Der Verdacht lenkte sich auf de nOrtsarme» Jul. S ch l o s s e r, der an jenem Tage die Straße»„abklopfte" und bei dieser Gelegenheit auch bei B. um eine„milde Gabe" vorsprach. Frau B.. die sich allein in der Wohnung befand, ging, da sie kein Kleingeld besaß, zum Nachbar wechseln, während welcher Zeit Sch. in der Küche znrückblieb. Als der Mann fort war. vermißte die Frau das im Schrank aufbewahrte Geld, ca. 80 Mark. Sch. wurde nun verhaftet, in das Polizcigcsängnis eingeliefert und dort von dem Polizcibeamten Barkowski ciueni Verhör unterzogen. Der Beschuldigte lcllte die That in Abrede, woraus B., um ein Geständnis zu erzwingen, Gewalt anwandte und mit einem R o h r st o ck auf den Häftling einschlug. Mittlerweile kam die Nachricht, daß sich das gestohlen geglaubte Geld wiedergefunden. Sch., welcher daraufhin sofort ans der Haft entlassen wurde, machte die Sache anhängig und die Staatsanwaltschaft leitete das Verfahren gegen den Polizeibeamten ein. In der Hanptverhandlung vor der Straf- kannner war der Angeschuldigte geständig. Das Urteil lautete auf in Jahr Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Taö Reichsgericht erkannte gestern in der Rebisionsberhand- lung des großen Elberfelder Militär-Befreiungs- Prozesses auf Verwerfung der vom Staatsanwalt und von zwei Angeklagten eingelegten Revisionen gegen das Urteil der Elberfelder Strafkammer vom 10. Mai d. I. In sämtliche» übrigen Revisionen wurde das Urteil den ihm zu Grunde liegenden Feststellungen auf- gehoben, drei Angeklagte wurden freigesprochen und die Sache der übrigen, darunter des Hauptangeklagten B a u m a n n, an die erste Instanz zur nochmaligen Verhandlung zurückgewiesen. Vevsammlungvn. Eine Protestversammlnng gegen den Zollwucher hielten am Sonnlag die Branerei-Arbciter in Kellers Festsälen in der Koppenstraße ab. Der ReichstagS-Abgeordnete Rosenow legte in treffender Weise dar, in welchem Maße jetzt schon die arbeitende Bevölkerung durch die indirekten Steuern belastet wird, wie aber diese Belastung ins Ungeheuerliche gesteigert wird, wenn es den Junkern gelingen sollte, ihren unverschämten Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes auszuführen. Der Redner hebt u. a. besonders hervor, wie der Arbeiter nicht allein als Konsument, andern auch als Produzent schwer geschädigt werden würde und Ivie in hervorragendem Maße auch das Brauereigewerbe darunter zu leiden hätte. Der Redner empfahl eine Protestresolution, welche einstimmig angenommen ivurde. In derselbe» heißt es unter anderm: „Die Versammlung protestiert im besonderen gegen jede höhere Vestencrung des Bieres in jeder Form— ob durch höhere Be- teuerung der Braucrei-Rohprodukte oder durch eine direkte Bier- 'teuer—. da das Bier ein Nahrungsmittel und schon jetzt über Gebühr durch die Zölle, Landes- und Gemeindesteuer» belastet ist und ferner durch eine weitere höhere Besteuerung Tausende von in Brauereien. Malzfabriken und Bier- Niederlagen beschäftigten Personen arbeitslos würden, sei es durch eine Erhöhung des Bier- Preises und verminderten Verbrauchs, besonders bei der durch die ge- plante Nahrungsmittel-Verteuerung geschaffenen Notlage, sei es durch zu Grundegeheu einer großen Zahl' Klein- und Mittel- Brauereien, welche eine' höhere Besteuerung erdrücken würde. Die Versammlung erwartet vielmehr zur weiteren Ausbreitung des Konsums des Bieres als nahrhaftes Volksgetränk und zur Be- kämpftmg deS anerkannt schädlichen Schnapskonsums eine Ver« Minderung der Biersteuern. Die Versammlung erwartet deshalb von allen arbeiterfreund- lichen Vertretern im Reichstage zum mindesten eine glatte Zurück- Weisung aller Versuche der höheren Besteuerung des Bieres und aller Nahrungsmittel." Der Verein zur Wahrung der Jntereffcn der Maurer Berlins hielt am 16. Oktober drei Wanderversammlnngen ab mit der gleichlautenden Tagesordnung:»Ursachen und Bedeutung der Arbeiislosigkeit im Baugewerbe". In den Armin hallen referierte Kater. Derselbe kenn- zeichnete die Arbeitslosigkeit im allgemeinen und verwies dabei auf die der Metall- und' Textilindustrie im besonderen. Alsdann führte der Redner aus, daß zur Zeit im Maurerberuf von einer allgemeinen Arbeitslosigkeit noch nicht die Rede sein könne, denn die letzte Bautenkontrolle habe ergeben, daß in diesem Jahre mehr Arbeitsstellen vorhanden waren, als in vorhergegangenen Jahren. Als Grund der anscheinend wachsenden Krise erläuterte Redner die betrügerische Spekulation der in neuerer Zeit verkrachten Banken und meinte, daß dieses Treiben einen ganz besonderen Druck auf das Baugewerbe ausüben müsse. Einer ganz besonderen Kritik unterzog Redner den Krieg in Südafrika und China und kennzeichnete dabei die Beeinflussung des allgemeinen Welt- Handels und das Bestreben aller Länder nach Fest- setzung immer höherer Schutzzölle. Uni nun der heute bestehenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung energisch ent- gegen arbeiten zu können, genüge es durchaus nicht, die große Masse der Arbeiter systematisch nach einer Schablone ge- werltchaftlich so zu organisieren, indem man ihnen Arbeitslosen-, Sterbe-, Wander- usw.-Unterstützungskaffen schafft, sondern Pflicht der Gewerkschaftsführer muß es sein, politisch revoliltionicrend gegen den herrschenden Kapitalismus zu agitieren. In diesen, Sinne zu arbeiten, hat sich die Leitung der Vcrtrauensmänncr-Centralisation auf die Fahne geschrieben, daher mutz es unsre Pflicht sein, auch in den Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs mutig vorwärts zu arbeiten. Diskussion fand nicht statt. In den C e n t r a l- F e st s ä l e n, Oranienstraße, referierte P u t t l i tz. Bezeichnend sei ein Artikel der„Baugewerks- Zeitung", in dem Onkel Fetisch empfiehlt, Arbeitslose nach Streikortcn an- zuwerben. Redner fordert noch auf, auf Verkürzung der Arbeitszeit hinzuwirken. Mehrere Kollegen beteiligten sich an der Diskussion. Im Swinemünder Gesel'lschastshause referierte Gehl. Er meint, nach den Berichten der Presse und den angestellten Erhebungen sind in 18 kleineren Orten keine Arbeitslose, in 27 größeren Städten macbt sich ein Rückgang bemerkbar, während in einigen größeren Städten sogar viel Arbeit im Baufache vorbanden ist. Auch nach der stattgehabten Baukontrolle am 20. August sei die damalige festgestellte Arbeitslosigkeit von 3,44 Proz. auf 5,59 Prozent gestiegen. Eine allgemeine Arbeitslosigkeit bestehe also nicht. Sollte jedoch diese eintreten, dann wäre es Pflicht der Kommunal- Verwaltung, für Arbeitsgelegenheit zu sorgen und in erster Linie An- sässige zu berücksichtigen' die ihre Abgaben der Kommune gegenüber hier'leisten. An der Diskussion beteiligten sich mehrere Kollegen. auch wurde in allen Versammlungen auf die Verkürzung der Arbeits- zeit hingewiesen. Der socialdcmokratische Wahlverein für Adlcröhof hielt am 17. Oktober eine außerordentliche Generalversammlung bei Scheer in Köpenick ab. Zu Punkt 1 sprach Genosse Küter-Schöneberg über Poliiik, Gewerkschaften und Genossenschaftswesen. In der Diskussion sprachen noch Genosse Reichert und Hildebrand über einzelne Schulsragen. Hierauf gab der Vorstand seinen Bericht vom letzten Quartal. Es fanden vier große und drei kleine Vorstandssitzungen statt und drei Versammlungen im Ort und zwei außerhalb, in Neu-Mühle und HankelS Ablage; durch- schnittlich waren die Versammlungen des Vereins von 51 Mitgliedern besucht. Zwei Flugblätter sind verteilt worden. Die Einnahmt betrug 165,95 M.. die Ausgabe 184.35 M., bleibt Bestand 1,60 M. Als Delegierte zur Generalversammlung des Central-WahlvercinS wurden die Genossen Fischer und Lüderitz gewählt. Urtzko MAchvirtzke« und Depeschen. Zum franzöfischcn Bergarbeiter- Ausstand. Paris, 21. Ottober.(W. T. B) Die Regierung ordnete, i wie die Blätter von zuständiger Stelle melden. bereits seit langer Zeit alle entsprechenden Maßnahmen für den Fall an. daß sämtliche Bergarbeiter sich an dem Ausstände beteiligen. Die Departement Spräfekt en hätten schon Mitte Septembet die Weisung erhalten, sich mit den Militärbehörden ins Einvernehmen zu setzen; sämtlichen Polizei-, Gendarmerie- und Trnppenaufgeboten seien bereits die Punkte, wo sie im gegebenen Falle verwendet werden sollen, bekannt, außerdem seien sehr uni fangreiche Maßnahmen in H a f e n o r t e n getroffen, damit Kohlen und Rohstoffe un« gehindert verladen werden könnten. PariS, 21. Oktober.(W. T. V.) Aus St. Etienne wird den Blättern berichtet, daß von den sieben Deputierten des Bergarbeiter- Syndikats drei für den Gesamtausstand und drei für eine Ver- schiebnng desselben eingetreten seien. Einer habe sich noch nicht erklärt._ Eduard VII. kriegSmüde? London, 21. Oktober. sB. H.) Der König ist heute aus Schott« land nach hier zurückgekehrt. Lord SaliSbury trifft morgen ebenfalls aus Nizza ein. In der Umgebung des Königs ist man über die Verlängerung des Krieges äußerst verstimmt. Der König soll ver- schiedenen intimen Freunden gegenüber seiner Unzufriedenheit LuS- druck gegeben haben. Er befürchtet, daß der Krieg sich noch bis nach dem Krönungsfeste hinziehen wird. Es verlauret neuerdings, Lyrd SaliSbury werde thatsächlich demissionieren, da sein Gesundheils- zustand ihm nicht mehr erlaubt, die Rcgiernngsgeschäfte weiterzuführen. Sollte in diesem Entschlüsse keine Aenderung eintreten, so werde SaliSbury durch ein andres Mitglied deS Kabinetts ersetzt werden, damit keinerlei Aenderung in der Politik deS Kabinetts eintrete. Ein außerordentlicher M i n i st e r r at ist für Donners- tag anberaumt. Wie es heißt, sollen in demselben wichtige Er- klär un gen hinsichtlich des Krieges in Südafrika gegeben werden._ Wiesbaden, 21. Oktober.(SB. T. B.) Die Vertrauensmänner- Versammlung der Centrnmspartei, welche heute nachmittag in Eltville tagte, stellte, wie der„Rheinische Courier" meldet, als Kandidaten für die Reichstags- Ersatzwahl im hiesigen zweiten nassauischen Wahlkreis Professor Dr. Wedcivcr-Wicsbaden auf. Lemberg, 21. Oktober.(B. H.) Bei der Station Krasne stießen zwei Lastzüge zusammen, wobei der eine Zug vollständig zertrümmert wurde. Mehrere Bahnbedicustete wurden verwundet. London, 21. Oktober.(W. T. B.) An Bord deS Kanal- dampfers„Le Nord" fand heute auf der Höhe von Dover eine Explosion statt. Zehn Mann der Besatzung sollen ernstlich ver- letzt sein. Yokohama, 21. Oktober.(Meldung des„Renterschen BureanS'.) Did unter Führung dcS Marquis Jto stehende Partei leitete eine ernste Bewegung in der Absicht ein, daS gegenwärtige Kabinett z u st ü r z e n; infolgedessen werden wichtige politisch« Enthüllungen erwartet. Pretoria, 21. Oktober.(Telegramm deS„Reuterschen BureauS".) Hier ist eine neue Liste von nach dem 15. September gefangen genommenen V o e r c» s ü h r e r n veröffentlicht worden, welche zur Verbannung aus Südafrika verurteilt worden. Die Liste umfaßt zwölf Namen, unter denen sich auch derjenige von Schccpcrs befindet. Chicago, 21. Oktober.(W. T. B.) Eine Bande v o n Ein- b r e ch e r n drang letzte Nacht in das Postgcbäude ein und stahl Briefmarke» im Werte von 76 069 Dollar._ Leranlwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin. Hierzn» Beilage»«. Unterhalt,»igSblatt. %t.w. i8. MtWg. 1. Keilqe des„DmMs" Kerlilltt AMsblM. Navkei-NNchvichtew Die Hamburger Parteigenossen und die Rceordmaurer. Wie schon kurz telegraphisch gemeldet ist, beschäftigten sich am Freitag die socialdemokratischen Bereine der drei Hamburger Wahl« kreise in einer kon, dinierten Bersammlung mit der Acco'rdmaurer« Frage. Die Versammlung war außerordentlich stark besucht, so daß der große Tütgesche Saal, in dem 1897 der Parteitag stattfand. überfüllt war. Es wurde strenge Kontrolle geübt, so daß nur Mit- glieder der drei Vereine Zutritt fanden. Jedoch wurde den Vertretern aller Zeitungen der Eintritt gestattet. Legten hatte das Referat. Er schilderte die Entwicklung der ganzen Streitfrage sehr ausführlich, kritisierte noch einmal den Spruch des Schiedsgerichts und der Controleure sehr scharf und besprach sodann die Verhandlungen de? Lübecker Parteitages über die strittige Frage. Man habe den Schwerpunkt der Frage zu verschieben gesucht. Besonders habe Auer die Sache zu einem Differcnzfall zwischeu Partei und Gewerkschaften machen wollen. Das sei aber mißlungen. Gerade in Hamburg könne man nicht von einem Gegensatz zwischen der Partei und der Gewerkschaft sprechen. Die Führer der GewerkschaftSbeivegung feien gerade so gut wie die Führer der politischen Partei energisch bc» strebt, die Arbeiter zum Klassenbewußtsein zu erziehen. Diese Interessengemeinschaft verlange aber auch, daß die eine Organisation die andere unterstütze und fördere. Der Parteitag habe den Schiedssprilch, der die Gewerkschaftsbewegung zweifellos schädigen müsse, nun zwar nicht formell aufgehoben, aber der ganze Gang der Verhandlungen habe gezeigt, daß man die Richtigkeit des Schiedsspruches auch nicht habe anerkennen wollen. Man habe so allbekannten Parteigenossen, wie die Controleure und Vertreter des Parteivorstandes es seien, keine Vorwürfe machen wollen, aber andrerseits habe man auch den Hamburger Genosten ihr Recht geben Ivollen. Um das zu ermöglichen, hätten die Parteien auf dem Parteitage wiederholt mit einander verhandelt! Und diese Unterhandlungen hätten das erfreuliche Resultat gezeitigt, daß einerseits die Contro« leure und Vertreter des Parteivorstandes nicht als die Unterlegenen dagestanden hätten, andrerseits aber die Hamburger Vereine das Recht bekommen hätten, aus eigne Faust mit dem Ausschluß vorzu- gehen. Das erstere sei durch die Resolution 114, das letztere durch die(Bernsteinsche) Resolution 102 erreicht. Gegen diese letztere Re- solution seien von verschiedene» Seiten Bedenken erhoben, daß durch ihren Gebrauch gewerkschaftliche Organisations- Streitig- leiten in die Partei hineingetragen werden könnten. Diese Bedenken seien absolut ungerechtfertigt, wenn man sich die Entstehungsursache der Resolution stets vor Augen halte. Auf Grund dieser Resolution hätten die Hamburger Vereine das Recht, die Accordmaurer, soweit sie Mitglieder seiend sofort auszuschließen. Er sei aber der Ansicht, daß man noch einen letzten Versuch machen müsse, die dissentierenden Elemente zur Einkehr zu belvegeu. Man müsse bedenken, daß zwei Partei-Jnstanzen zu ihren Gunsten cnt- schieden hätten. Darauf könnten sie sich berufen. Deshalb solle man sich nochmals an die Leute wenden. Blieben sie auch dann »och hartnäckig auf ihrem Standpunkt stehen, so müßten alle die. die sich in der an den Parteitag gerichteten Broschüre selbst des SperrebruchcS für schuldig bekannt hätten, ohne weiteres aus- geschlossen werden. Ein Ausschluß aus den Bereinen sei iu Hamburg gleichbedeutend mit dem Ausschluß auS der Gesamtpartei. In der Debatte sprachen Roche sBauarbeiter) gegen die Resolution 114 und gegen den jetzigen Vorschlag Legi'eus. Die Accordmaurer könnten, schließe man sie hier aus, ihre Beiträge an den Parteivorstand senden oder gar selbst nach Berlin gehen.' Da seien sie in Hamburg ehrlos, in Berlin nicht. Wolle man sich noch- mals an die Accordmaurer wenden, so mische man sich thatsächlich in eigentliche Gewerkschastsangelegenheiten. Man solle deshalb einfach den Ausschluß vollziehen. Später könne man, hätten sie sich bekehrt, die Leute ja wieder aufnehme». Frau S t e i n b a ch sprach für Legiens Vorschlag und meinte, wenn das Schiedsgericht anders zusammengesetzt gewesen wäre. würde man wahrscheinlich einen ganz andern Einfluß auf die Accord- maurer haben ausüben können. Bernstein habe mit seiner Resolution(102) in Lübeck die Ehre der Partei gerettet. Diese Resolution würde zweifellos erheblich mehr Unterschriften erhalte» haben, wenn sie mcht von dem vorher so arg gehetzten Bernstein eingebracht worden wäre. Schreiber und K o e n e n führen aus, daß man energisch versuchen müsse, eine Einigung zwischen den Maurern herbei- zuführen. Die Geschichte der Arbeiterbewegung zeige, daß man sich trotz aller dissentierenden Meinungen immer wieder auf einem gemeinsamen Boden zusammenfinden könne. Nur müsse guter Wille auf beiden Seiten vorhanden sein. Nachdem einige andre Redner für sofortigen Ausschluß ein- getreten sind, bringt Bömelburg zur Sprache, daß die Zimmerer Haniburgs am Donnerstagabend ihrem Vorsitzenden C. Schnack ei» Mißtrauensvotum darüber ausgesprochen haben, daß er den bekannten von Auer auf dem Parteitage verlesenen Brief an den Schiedsrichter R o s b i tz k i gerichtet hat.(Schnack hat nach diesem Votum sein Amt sofort niedergelegt, nachdem er lange Jahre an der Spitze der Organisation stand. D. Ref.) Bömelburg glaubt nicht, daß der Parteivorstand, wenn die Accord- maurer hier ausgeschlossen würden, Beiträge von ihnen entgegen- nehmen würde. Jedenfalls wünsche er der Partei nicht, erklärt Redner, daß man sich mit dem Gegenteil einmal beschäftigen müsse. Die Accordmaurer verließen sich jetzt auf Auer. Er glaube aber, Auer werde ihnen, provozierten sie eine Meinungsäußerung von ihm, eine Antwort geben, die sie sicher nicht an den Spiegel steckten. Man solle jetzt den letzten Versuch machen' die Leute zur Umkehr zu bringen. Mißlinge er, so heiße es rücksichtslos gegen sie vorgehen. Es ivird sodann gegen wenige Stimmen die folgende Resolution an- genommen: .Nachdem alle Instanzen der Partei(Schiedsgericht, Controleure und Parteitag), welche in der Angelegenheit der Accordmaurer zu entscheiden hatten, sich dahin ausgesprochen haben, daß die Hand- lungsweise dieser Maurer auf's schärfste zu verurteilen und im höchsten Grade undemokratisch ist, nachdem ferner der Parteitag in Lübeck beschlossen hat. den letzten Entscheid iu der Sache der Partei- Organisation Hamburgs zu überlassen, hätte die heutige gemein- schaftliche Mitgliederversammlung der socialdemokratischen Vereine zu beschließen, daß die Maurer, welche sich des Sperre- und Organi- sationsbruches schuldig gemacht haben, aus der socialdemokratischen Partei-Organisation auszuschließen sind. Ehe jedoch zu dem letzten Mittel, dem Ausschluß, gegriffen wird, richtet die Versammlung nochmals die Mahnung an die in Frage kommenden Maurer, nunmehr im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung von ihrem schädlichen Thun abzulassen. Die Versammlung beschließt, eine Kommission von 7 Mitgliedern einzusetzen, welche den Auftrag erhält, die gesamten Accordniaurer zu einer Meinungsäußerung darüber zu veranlassen, ob sie geneigt sind, dieser letzten Mahnung Folge zu leisten. ' Sollte auch dieser letzte Versuch, eine Einigung herbeizuführen. scheitern, so haben die örtlichen Partei-Organisationen ohne weitere Nachrüfung diejenigen Mitglieder auszuschließen. welche in der dem Parteitage unterbreiteten Broschüre sich selbst als des Sperre- und Organisationsbruchs schuldig bezeichnet haben und sich auch jetzt nicht den Beschlüssen der Majorität unteriversen wollen. Als Vorschläge zur Wahl gemacht werden, erklärt Legien. dessen Name ebenfalls genannt wird: er könne nicht annehmen, da er die nächsten zehn Tage von Hamburg abwesend sei. Er wolle sich nicht von der Aufgabe drücken, aber die Kommission müsse sofort in Thätiakeit treten. Es werden sodann gewählt: die Abgeordneten Mol'kenbuhr und von Elm, Bömelburg. Frau Stein- b a ch, H. Stubbe(Vorsitzender des 3. Hamburger Wahlkreises), Zimmerer Peters und R. B ö r a r d. Protest gegen den Hnngerzoll. Aus 14 kleineren Ortschaften in der Chemnitzer Gegend berichtet unser dortiges Parteiblatt wieder über daS Ergebnis der Unterschriftensammlung für die Petition gegen den Zolltarif. Es sind in diesen Ortschaften, deren Einwohnerzahl noch weit unter SO 000 bleibt, 14 347 Unterschriften gegeben worden. Im schwäbischen Oberamte Gmünd wurden 7431 Unterschriften gesammelt. In dem ganzen Reichstags» Wahlkreise, der aus den Oberämtern Gmünd, Göppingen, Schorndorf und Welzheim gebildet wird, hatten wir 1898 nur S321 Stimmen. Partellitteratur. Vom socialdemokratischen ReichStagS-Hand- buch ist soeben das 2. Heft' erschienen. Es enthält die Fortsetzung der Agrarbewegung in Deutschland und die Artikel Akten- Diebstahl— Amerika— Apotheken— Arbeiterausschüste'. In den folgenden Heften werden behandelt werden: Geschichte der Arbeiterschutz-Gesetzgebung in Deutschland.— Arbeitsamt und Arbeite rkammern.— Arbeitsbuch. — Arbeitsnachweis(öffentlicher, paritätischer, Gesetzgebung über private Stellenvermittelung).— Arbeitsordnungen: Gesetzgebung und Wirkung.— Arbeits w illigengese tz.— Auswanderungs-Gesetzgebung. Das Werk erscheint im Berlage der Buchhandlung Vorwärts in 35 Wochenlieferungen a 20 Pf. und ist zur Anschaffung bestens zu empfehlen. AuS den Oraanifatioue«. In einer Parteiversammlung in Köln erstattete der Vertrauensmann einen Thätigkeitsbericht, der bemerkenswert genug ist. um daraus einiges mitzuteilen. Der Ver- trauensmann stellte' fest, daß in der Parteithätigkeit ein Fort- schritt zu verzeichnen sei, der bei den Partei- Einnahmen be- sonders groß ist. Die Summe, die durch Parteibeiträge aufgebracht wurde, sei erheblich gestiegen. Sie betrug: 1895: 853,60 M.. 1893: 814,30 M.. 1897: 797,70 M.. 1898: 718,10 M., 1899; 382,50 M.. 1900; 370,10 M.. 1901: 1584,60 M.. Trotz dieses Aufschwunges sei dieses Ergebnis bei weitem nicht ge- nügend. Die Zahl der steuernden Parteigenossen müsse viel höher sein. Nach dem Fall des Ausnahmegesetzes habe der Socialdemo- krattsche Verein mehr als 900 Mitglieder gehabt; also müsse eS mög- lich sein, die Zahl der regelmäßig steuernden Parteigenossen auf tausend zu bringen. Daß das Parteileben erheblich ge- fördert werden könne, das zeige der Fortschritt im Berichts- jähre. Die Partei-Einnahmen betrugen insgesamt 2691,56 M. einschließlich eineS Kassenbestandes von 511,87 M. aus dem Jahr vorher. Die Ausgaben beliefen sich auf 2197,40 M. Es wurden von dem Ver- trauensmann 8 Versammlungen veranstaltet: 4 Partei-, 3 Volks- Versammlungen und die Märzfeier. 20 000 Flugblätter gegen die Ge- trcidezölle(«Was kosten uns die Junker?") und 900 Broschüren wurden in Köln verbreitet. Der Besuch der Versammlungen war durchweg be- friedigend; worüber man aber klagen nmß, so führte der Vertrauens- mann aus, das ist die schwache Beteiligung der Parteigenossen, wenn besondere Aktionen mit ganzer Kraft unternommen werden müssen. Bei Flugblattverbreitungen muß jeder Parteigenosse zur Stelle sein. Bei der Sammlung von Unterschristen gegen die Erhöhung der Lebens- nnttclzölle fehlten eine ganze Anzahl von bekannten Gesichtern. Erst in der Hälfte der Stadt sind die Unterschriften gesammelt. Trotzdem muß am nächsten Sonntag mit der Sammlung Schluß gemacht werden. Hätten die Parteigenossen ihre Schuldigkeit gethan, so wäre die ganze Stadt erledigt worden; so aber kommen die vielen Tausende von Namen, die der Petitionsbewegung verloren gehen, ans das Schuldconto derer, die sich an den Sammlungen nicht beteiligt haben. Der Vertrauensmann legte den Parteigenossen dringend ans Herz, am nächsten Sonntag Mann für Mann zur Stelle zu sein, damit bei dieser letzten Sammlimg noch gerettet werde, ivas zu retten sei._ _ Die socialdemokratische Probinzprefse in Dänemark. Seit dem 1. Oktober erscheint für die Inseln Lolland und Falster, Ivo bisher das Kopenhagener Hauptorgan der Partei verbreitet würde, ein eignes Blatt:„Lolland- Fal st ers Socialdemo« k r a t e n", das jetzt schon über 3000 Abonnenten hat. Damit ist die Zahl der Provinz- Tageblätter der socialdemokratischen Partei Dänemarks auf 16 gestiegen. Das älteste dieser Blätter ist der 1884 als Wochenblatt ge- gründete„Demokraten" in AarhuS. Dieses Blatt wurde zuerst in einem baufälligen Schuppen, der zur Aufbewahrung von Torf und Brennholz diente, gedruckt. Das ganze Personal der Zeitung bestand aus zwei erwachsenen Männern' und einem Jungen, der als Setzerlehrling angenommen war. Für 1500 Kronen hatte man eine alte Handpresse und eine Anzahl älterer Schriften erstanden. Sollte die Zeitung gedruckt werden, dann kam ein Arbeitsmann, der die Maschine drehen mußte.— Heute wird„Demokraten" auf einer Notationsmaschine gedruckt. der ersten, die in Dänemark außerhalb Kopenhagens auf- gestellt wurde. Heute beschäftigt„Demokraten" ettva 100 Personen: Redacteure, Journalisten, Buchhalter, Expedienten, Buchdrucker, Boten usw.— Das Blatt hat sein eignes Haus, dessen Arbeitslokale die besten in der Provinz sind. Als es vor 17 Jahren sein Dasein im Torfschnppen begann, erschien cS in einer Auflage von knapp 700 Exemplaren; heute ist die Auflage die größte in Dänemark außerhalb Kopenhagens und betrügt 8000. Polijetliches, Gerichtliches usw. Zu SV M. Geldstrafe wurde der verantwortliche Redacteur der„Schwäbischen Tagwacht". Genosse Hertlein, verurteilt, weil er iu einer Notiz seines Blattes einen Schultheißen beleidigt haben soll. Vevpmmnlmrgim. Eine zahlreich besuchte Versammlung für den dritten Berliner Wahlkreis tagte am Freitag in der Berliner Ressource. Genosse Robert Seidel-Zürich referierte über die Arbeiter- bewegung und die Socialdemokratie in der Schweiz. Nach einer interessanten Schilderung der kulturellen und politischen Verhältnisse seiner Heimat zeigte er unter Verwertung von Zahlen, daß die Schweiz ein Industriestaat sei. der auf dem Weltmarkt etwas bedeute. Die schweizerische Industrie unterscheide sich vondcrDeutschlands, Frank- reichs und Englands in verschiedenen Punkten ganz wesentlich. Sie sei nicht auf einige wenige Centralpunkte beschränkt, sondern über das ganze Land zerstreut, denn sie sei eine Wassermaschinen-Jndustrie. In alten Thälern, wo man gar keine suche, finde man die Industrie. bis an die Gletscher und himmelhohen Berge.� Vielfach sei sie noch Hausindustrie, namentlich die Seidenweberei und Stickerei. Ein weiterer Unterschied sei die innige Verbindung von Industrie und Landwirtschaft. Die Arbeiter könnten noch viel- fach nach der Arbeit ein Stück Land bebauen, gebe es doch noch viel Gemeindeland, das nach urgermanischem Recht ihnen als Gemeindemitgliedern zur Verfügung stehe. Dann gebe es in verschiedenen Industrien der Schweiz eine Unmasse aus- ländischer Arbeiter. Alles dies sei natürlich für die Entwicklung der Arbeiterorganisation und Arbeiterbewegung nachteilig, Ueber das ganze Land zerstreute Arbeitermassen wären selbstverständlich schwierig zu organisieren, ebenso die Heimarbeiter. In Appenzell habe es ein Pfarrer unternommen, die Heimarbeiter der Seidenindustrie zu organisieren. Die Verbindung von Industrie und Landwirtschaft sei auch gerade nicht vorteilhaft für die Arbeiterbewegung. So lange es dem Arbeiter einigermaßen erträglich gehe, sei er ja das zufriedenste Wesen, das auf der Welt herumlaufe. Was die große Zahl der ausländischen Arbeiter angehe, so wären die von ihnen ausgehenden geistigen Anregungen nicht zu unterschätzen, praktisch werde aber im großen und ganzen durch sie die schweizerische Arbeiterbewegung nicht gefördert; bei Lohnbewegungen usw. falle zum Beispiel das nationale Moment in die Wagschale. Redner schildert dann die Entwicklung der Arbeiterbewegung in der Schweiz und der schweizerischen Socialdemokratie, indem er zurückgriff bis in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, bis in die Zeit, wo deutsche Flüchtlinge die ersten Arbeiter-Lesevereine in der Schweiz gründeten und die schweizerische Grütlivereins-Bewegung entstand. Er erkannte an, daß die deutsche Arbeiterbewegung m der Schweiz einen bedeutenden g e i st i g e n Einfluß auf die schweizerische Be- wegung ausgeübt habe und daß auch jetzt noch dieser Einfluß nicht gering sei; indessen meint er, daß sie praktisch sehr wenig die 'schweizerische Arbeiterbewegung beeinflußt hätte. Auf die neuere Zeit kommend, verwies er darauf, daß man jetzt für die socialdemokratische Partei. die zuletzt aus Einzel- Mitgliedern bestand, einen neuen Rahmen gefunden habe. In Znkuiift werde der Grütli- Verein ihr Kernstück sein, dem die kantonalen Gruppen und Vereine wie die großen lokalen Arbeiterbünde sich an- schlössen. Die gesamte Arbeiterbewegung habe in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht. Der Gewerkschaftsbund sei stark geworden und auch die deutschen Arbeiter hätten eine große und gute Organisation. Die Schweiz werde zu- künftig haben' eine socialdemokratische Partei, welche sich der schweizerischen eidgenössischen Politik widme, einen schweizerischen Gewerkschaftsbund, der sich mit den socialen Dingen beschäftige, und eine Organisation der deutschen Arbeitervereine und der deutschen Socialisten. In eidgenössischen Angelegenheiten hätten die Organi- sationen immer zusammengewirkt. Fortschritte machten auch die in allen größeren Orten vorhandenen lokalen Gewerkschaftsvereine, die Arbeiter aller Nationen umfaßten. Ferner seien Fortschritte zu ver» zeichnen in Bezug auf die Vertretung in den kantonalen(einzel« staatlichen) Landtagen und große Fortschritte in den Gemeinde« Vertretungen. Sogar drei socialdemokratische RegierungSräte habe man, darunter einen ehemaligen Briefträger und einen ehemaligen Uhrenarbeiter. Und ein socialdenwkratischer Regierungspräsident und Finanzminister sei ebenfalls vorhanden. In der Schweiz werde die deutsche Arbeiterbewegung oft als Muster hingestellt; er meine, wir sollten gegenseitig von einander lernen, Sorgen wir daftir, daß die Freiheit immer'mehr gemeinsames Gut werde zum Heile aller Völker I(Großer Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt. Bevor er die Versammlung schloß, machte der Vorsitzende auf die bevor» stehenden Kommunalwahlen aufmerksam. Die Zahlstelle Rixdorf des deutschen Holzarbefter-VerbandeS nahm in der Generalversammlung am 16. Oktober zunächst den Kassenbericht vom dritten Quartal' entgegen. Einer Einnahme der Hauptkasse von 1425,38 M, stand eine Ausgabe von 1227,14 M. gegenüber, so daß ein Bestand fürs nächste Quartal von 198,24 M. verbleibt. Die Einnahme der Lokalkasse betnig 339,94 M., die AuS- gäbe 336,23 M.. daher Bestand 4,71 M. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt. AIS Ktirtelldclegiertcr wurde Zimmermann wieder- gewählt. Nachdem auch hier die Neuwahl deS GesellenausschusseS erledigt war, gelangte folgender Antrag mit großer Majorität zu« Annahme: Die Versammlung wolle beschließen: beim Hauptvorstand zu beantragen, den Kollegen Kurkowsky auf Grund des§ 21 Absatz b des Statuts aus dem Verbände auszuschließen. Ccutralvcrein der Bildhauer Deutschlands(Verwaltungsstelle Berlin). Dienstag, den 22. d. M., abends Sl/2 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15: Bersammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. S.Vortrag über„Plates Staat". 3. Holzbildhauer-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Freie Vereinigung der Civil- Bernfsmusiker Berlins. Heute, Dienstag, vormittag 11 Uhr, Grenadierstr. 33 Versammlung. Tages- ordnmig: Revision der 1. Borsitzenben-Wahl. Festsetzung der Annehmer» fpesen. Stellungnahme und Delegiertenwahl zum Kongreß. Kasienbertcht, Arbeitsnachweisbericht, PrivatmustkcrbSrsenftuge. Der Centralverbnnd der Glaser Deutschlands hält am Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8>/, Uhr, im Gewerkschaftshause eine Mitglieder- Versammlung ab, in welcher Genossin Frl. Fanny Jmle einen Vortrag über Konsunigenossenschaften hält. Es erwartet zahlreichen Besuch Der Vorstand. Egidh-Vcmnigung. Dienstag, den 22. Oktober, abends SV, Uhr, in Cohns Festsälcn, Beuthstr. 13/20. Herr v. Gerlach spricht über„Zoll- t a r i f u n d V o l l s w o h l Jedermann willkommen. Gingegangeue Druckschriften. Bon der„Neuen Zeit-(Swttaart, Dietz' Verlag) ist soeden daS 3. Hcst des 20. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Eine Bündnisftage.— Die Revision des Programms der Socialdemokratie in Oestreich. Von K. Kautsky.— Epilog zum amerikanischen Stahlarbetter- Ausstand Bon I. L. Franz.— Strömungen im deutschen GenoffenschaftS» Wesen. Von H. Flcißner-Dresden.— Feuilleton: Dem neuen Jahrtausend entgegen. Eine naturwissenschaftliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer. (Fortsetzung.) Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Tietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 22 des 11. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer hebe» wir hervor: Gegen daS Elend in der Konfektionsindustrie.— Frauen als Spetcherardeiter in Harn- bürg. Bon Luise Zietz-Hamburg.— Wer denunziert? Fräulein Anita Augspurg zur Antwort. Von Klara Zetkin.— AuS der Bewegung.— Feuilleton: Hartingers alte Sixtin. Bon L. Anzcngruber.— Rotizentell: Frauenstinimrecht.— Frauenbewegung.— Socialistifche Frauenbewegung im Auslande. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost-ZeitungSlist« für 1301 unter Nr. 2978) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 35 Pf. Der„Wahre Jacob" hat soeben die 22. Nummer seines 18. Jahrganges erscheinen lassen. Das farbige Titelbild„Transfusion" stellt die Wirkung der Zollerhöhunaen auf den Gesundheitszustand des Volkes einerfetts und der Agrarier andrerseits dar. Das farbige Rückbild„Die Allerweltsmoglcr beim Teilen" zeigt einen Kosaken und„Uncle Sam" in das Studium der Weltkugel vertleft, während Chamberlain, der Repräsentant des in Trans- vaal-NSten befindlichen England, sie voller Neid umkreist. Das Bild „Staatsvistten" ist eine Satire aus die jetzt Mode werdenden Fürsten- zusanimenlünste aus dem Wasser; das Bild„Ein Militärgertchtshos" bedarf keines Kommentars, ebensowenig die aus zwei Vollbildern bestehende Serie „Sandmobelle" und das Bild„Anarchistenplantage". Ein weiteres Bild fiebt den„Entwurf eines Märchenbrunnens", welcher dem Stadtbaurat offmann w Berlin gewidmet ist. Das gleiche Thema wie ans den, letzt- genannten Bilde wird auch im politischen Leitaedicht„Ein modernes Märchen" behandelt. Ferner nennen wir von den Teytbeiträgen noch„Die guten Nachbarn",„Kapitän Leo Neitzke",„Eine Ordensgeschtchte" und die Novelle„Herbstveilchen" von Klara Müller. Die Nummer ist 12 Seite» stark. Der Preis der Nummer ist 10 Pfennig. Die Geschichte«nd Litteratnr der deutschen Socialdemokratie i» ihre» Hrniptziiaen. Bon Paul Kampffmeyer. Preis 40 Pf. Fränkische Verlagsaupalt und Buchdruckerei. Hern,. Shdow u. Co. Rümberg. Wttteruugsttberslcht vom 21. Oktober 1V0I, morgens 8 tthr. Stationen Swluemd« Hamburg Berlin Frankf./M. München Wien S E |E 8» 3 O s 2 S« 753OSO 768030 7560 756S3SB 7b3SW 760l®@0 Weiter 4woMg 2 bedeckt 3woNIg 2,bedeckt 4>bedeckt 2 bedeckt «1 Stationen staparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris 773.SSW 754 757 SO Still Wetter «bedeckt «heiter 3«ig« — bedeckt d»« B* ~ u IS Wetter- Prognose für Dienstag, de» 22. Oktober 1001. Warm bei mäßigen südlichen Winden und zunehmender Bewölkung; nachher Regen._ Berli ner Wetterburcau. Briefkasten der Redaktion. Geselliger Verein Lortzing. Der Tauseintrag im Register der Petrilirche zu Berlin lautet:„1801, geboren den 23. Oktober, nachmittags 5 Uhr, getaust den 29. November 1801 im Hause. W. G. Und wenn es vier Mann behaupten, so ist es dennoch völlig unrichtig. Storkow. 1. Ja, 2. Gegen Bargeld. Abstinenzler. Genosse B. wohnt Groß- Lichterfelde, Verlängerte Wilhelmstr. 25. H. Behrenstr, 33. Achtung, 6. Wahlkreis. Dienstag, 22. Oktober, abends 8 Uhr, bei Herrn Rabe, Kolbergerstr. 23. Tages-Ordnung: t. Die Bedeutung der Kommunalwahl im 48. Bezirk. Referent RcichStagS-Abgeord- neter Wilh. Pfannkuch. 2. Diskussion. 220/2* Das Wahlkomitee. Aldtung; Wchuser �orftniit Mtung! Aul Ditllstilg, he« 22, Mober er., obenhs 81- Uhr, im„Berliner Prater" Kastanien-Allee 7-S: Uolk$ Uersammlung Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Kommunalwahl im 34. und 3Z. Bezirk und welches Interesse hat die Arbeiterschaft an derselben? Referent Stadtv. Borgmann. 2. Diskussion. 220/13_ Das Wahlkomitee.| Achtung: fW Achtung! Genossen und Genossinnen. Äm Mittwolh, he« Z3. Lktober, abenhs 8�2 Uhr, im Cemerkslhastshaus, Engel-llser 13: Uolks Uersammlung TageS-Orbnung: 1. Vortrag des Genossen vr. liiint PreaSenherx über:»Die Gemeindewahlen und die Frauen*. 2. Diskussion. s* _ Um zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen ersucht_ Ple Tertranenapergon._ 4. Wahlkreis(Süd-Ost). Do««erstag, De« 2L Sktober, abe«hs 8 Uhr, im Lokal„Uronio", Wrangelßraße 111: ksktsi-Vs�wMig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Gen. Aug, Bebel über: „Die Aufgaben des nächsten Reichstags". 2. Diskussion. 3. Bericht der Zeitungs-Kommission und Neuwahl derselben. 211/20 Zahlreichen Besuch erwarten Die TertpaaonBleiite. Socialdemokratischer Wahloemn für den 2. Berliner Reichstags-Mahlkreis. Mittwoch, de» SS. Oktober, abends 8'/- Uhr. in Habels Brauerei, Bcrgmannstr. S/7: General-Bersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht d«S Vorstandes. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes. 1. Vereinsangelegenheite». 233/15* DM" Mitgliedsbuch legitimiert.-MU Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Per Vorstand. III. Wahlkreis. Dienstag, den LS. d. M.. abends 8>/z Uhr. in Voigts Restaurant. Siitterstr. 7Z: Generalversammlung des Mahlvereius. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Vortrag des Schriftstellers iviax Schütte:..Die Urgeschichte der Erde". 3. Diskussion. Ple l*arteltazr«-I*rotokolle gelangen cur Ausgabe. Mitgliedsbuch legitimiert."98_ 241/1' Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht »er Torstand. Sotialdemokrattscher Mahlverein für den L Derl. Reichstags-Mahtkreis(Söhost). Dienstag, den 22. Oktober, abends 8 Uhr, in„SanSsonci", Kottbuserstraste 4a, General-Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers. 3. Wahl des gesamten Vorstandes und der Revisoren. 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten fr-anr Tutzauer über:»Das neue Gcwerbegerichts-Gcsetz". 5. Diskussion. 6. Vereinsangelegenheiten. 266/10 Mitgliedsbuch legitimiert. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen er- Wartet Per Torstand, »ig. Mitglieder, die inklusive Oktober ihre Beiträge entrichtet haben, erhalten das Parteitags-Protokoll gratis; ausserdem gelangt die Broschüre zur Aufklärung über die Landtagswahl unentgeltlich zur Ausgabe, ll. 0. Sotialdemokrattscher Verein für den 6. Berliner Reichstags-Mahlkreis. Dienstag, den 22. Oktober 1901, abends SVa Uhr, {« SchmidS GesellschastshanS, Garten-Straße Nr. 1Z/14, Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Georg Ledebour:„Der südafrikanische Krieg und seine Lehren--. Gäste haben Zntritt. Per Torstand. Am Donnerstag, de« LI. Oktober, abends SVz Uhr, in Oestrcichs Victorta-Salon, Perlebergerstr. 14: IM" Versammlung. Tages-Ordnung: Bortrag des Genossen Pr. Karl lilebknecht;»Die Helden des Roten Hanfes«.— DM" Gäste haben Zutritt."V8 281/11_ Per Torstand. Konsnin-CenosseDscIiaft von Adlershof und Um?. (E. G. m. b. H.) Montag, den 4. November, abends 8 Uhr. in Schcers Wilhelms- Garten in Köpenick: 265/7 Genersl-Verl'stnmlttng. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes für das Geschäftsjahr 1901. 2. Bericht deS Aussichtsrats und Bericht über die amtliche Revision. 3. Genehmigung der Bilanz und Entlastung deö Vorstandes. 1. Verteilung des Reingewinns. 5. Ergänzungswahlen des Aufstchtsrats und des Vorstandes, d. Anträge. Per Torstand: Per Anfslchtsrat: Paul Baumann, Wilhelm Kohl. August Segeler. Emil Vollmann. Hermann Hildebrandt. Richard Kaul. Achtung! S. Wahlkreis. Achtung! Mittwoch, den 23. 6. M.. bei I.eydecker. Sophienstraße 34 Oeffentliclie Koiwiialwäliler-Yeniiiliing für den 29. und 41. Wahlbezirk. Tagesordnung: Die bevorstehenden Kommunalwahlen. Referent Gen. Dr. Frledebcrg. 215/15* Pas Komitee. Achtung! ir u. vsfwaii ii Morgen, Mittwoch, den LZ. Oktober, abends 8 Uhr: Gr. öffentliche Versammlung aller in Buchbindereien, Kontobuch-, Ledergalanterie- Waaren-, Etnis-, Album-, Luxuspapicr- u. Kartonfabriken beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Tages-Ordnung: 1.»Die Zollpolitik und der wirtschaftliche Niedergang". Referent: Reidistags-Abgcordneter Richard Fischer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Wir richten au alle Kollegen und Kolleginnen das dringende Ersuchen, in dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen. 26/9 Ple Praneken-Tertranenspersonen. Deutsch. IVIetaliarbeiter-Verband Tcrwaltnnjrsstclle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1-6. Fernsprecher: Amt TU, 353. Unser« Mitglieder« zur Nachricht, daß die Müliothek Wieder geCssNet iß.__ Ple Ortsverwaltnns! Deutscher Holzarbeiter-Verband. Stock- und Celluloid-Arbeiter. Mittwoch, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, bei Karsekel, Jüdenftr. 35: KranchenKommisstons-Sitzung der Stock- und Celluloid-Arbeiter. _ Per Obmann. Achtung! Parkettboden leger. Achtung! Dienstag, 22. Oktober, abends 8 Uhr. im„Gewerkschaftshanse*, Engel-Ufer 15: AM" VorlSininlung. Tages-Ordnung: Branchenangelegenheiten, Bericht der Kollegen von der Lnngenheilanstalt Beelitz und Verschiedenes. Per Obmann. Modell- und Fabriktiscliler sowie Modelldreclisler! Mittwoch, dc» 23. Oktober 1901, im Wcdding-Park, Müllerstr. 178: MM" Vranrhrn�VerseimmlunZ�'�WU Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Schütte über„Die Todesstrafe*. 2. DiS- kussion. 3. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht _ Pie Kommisaion. AAmig! Kammmacher Achtung! Ballschmieders Kastanienwäldchen, Badstraße 16. Sonnktbend, 26. Okkobvv 1901 9. Stiftungsfest iltä ßtsmiptteiiiä|lovbnind|t sM.ö.A.-T.-B.f Anfang 8«Hr. Billet 30 Pf. Hierzu ladet alle Freunde und Gönner des Vereins ein 66/7 Pas Komitee. und aller in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Dienstag, den 22. Oktober, abends 8V2 Uhr. im Lokale de» Herr« Gold, Gr. Frankfurterstr. 133: Branchen- Versammlang. Tages-Ordnung: 1.„Unsre augenblickliche Lage". Referent Kollege Loge. 2. Diskusston. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 109/Ä Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ermattet Ple Kommission. Achwg! Perlmutter-ÄrliBiter. Acht«»»! Mittwoch. 23. Oktober, abends 6V2«hr, im Gcwerkschaftshause, Engel-ttfcr 15: Branchen- V ersamuilung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Bericht der Konferenz von Wien. 3. Dissercnzen bei Abramowsti. Uin pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Per Obmann. lum Leydecker Sophien- Strasse 84. Jeden Sonntag, Dienstag, Donnerstag Ball.--SS Entree frei nur Garderobe. Auf. Sonntags 4 Uhr, Wochentags 9 Uhr. Carl Helblg, KtlWlse«Kit Mlisseilr für sämtliche Krankenkassen Berlins 11142*! und Umgegend. Usedomstr. 9. Eing. Wattstr. 19, I. Achtung! Fast alle Molkereibesitzer, auch mehrere Milchhändler und Bäcker helfen die Milch- verteuerungs- Pläne des agrarischen Milchrings dadurch fördern, daß sie Ringmilch verkaufen beziehungsweise mit dem Milchring in Geschäftsverbindimg stehen! Achtung! Wer den Agrariern zu einem willkürlichen Preismonogol für alle Lebensmittel, erst Milchy dann Butter, Käse, Fleisch, Kartoffeln, Obst, Gemüse usw. verhelfen will, kauft von der Ring'schen Bflilchcentrale; [2603L*] jeder andre beachte die rSngffreien Geschäftes Sämtliche Geschäfte, die ringfteie Milch führen, haben das rote Vereins-Plakat mit dem Namen Vlosonor und dem Stempel des Vereins Berliner Milchpächter. Uereinigte Milchständler Derlins und Uororte. Hermann Heyer& Co. Amt 7. 3781. BERLIN O. Amt 7. 3781. Frnchtstrasise 74. Billigste Bezugsquelle reeller Spirituosen. Tafel-Liqueore A. Alpenkräuter..... Thomer Lebenstropfen.. Stonsdorfer...... Berliner G-etreidekömmel. Berliner Doppelkümmel. Halb und Halb..... 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Vi Fl. 0,75 0,80 0,70 0,90 0,60 0,80 1- 0,90 1,40 1,65 1,75 1,75 1,90 2,25 2,40 2,40 2,40 2,40 2,40 2,40 2,90 2,90 1,80 2,90 2,90 0,40 0,45 0,55 0,50 0,95 1,00 1,25 1,25 1,25 1,25 1,25 1,50 1,65 1,00 1,60 1,50 1,50 1,65 1,90 2,25 0,50 0,60 0,90 0,65 0.90 0,80 1,40 1,75 2,25 0,80 1,00 1,20 0,75 0,95 1,20 0,90 1,40 2,40 3,40 2.— 2,75 3,90 5,40 0,90 1,25 1,75 4,40 1- 1,25 1,25 1,25 1,25 1,25 1,75 2,25 2,25 0,50 0,75 1,25 1,75 1,05 1,60 2,15 2,00 0,50 0,70 0,95 11,30 [2,20 0,55 0,70 0,70 0,70 0,70 0,70 0,95 1,15 1,15 Die Tafel-Liqueure A. sind die gewöhnlichen in Berlin gangbaren Sorten. Die billigen Preise sind durchaus nicht auf Kosten der Qualität gestellt, vielmehr gehören diese Liqueure zu den besten gleichnamigen j�| Fabrikaten. Unser Grossbetrieb und der grosse Absatz ermöglichen uns diese günstige Preisstellung. Tafel-Liqueure B. gehören zu den feinsten in Deutschland hergestellten Qualitäten. Diese Liqueure sind nur in unsren Originalflaschen käuflich. Wir stehen in der Fabrikation feinster Liqueure nicht im mindesten hinter Frankreich und Holland zurück; leider herrscht aber das Vorurteil noch vielfach, dass alles dasjenige besser sei, was aus dem Auslande kommt. Bei keiner Ware ist dieses Vorurteil so wenig berechtigt, wie bei Liqueuren. ünsre aus dem feinsten Weinsprit, bester Raffinade und den ausgesuchtesten Zusätzen hergestellten Liqueure sind in Qualität den renommiertesten ausländischen gleich und übertreffen viele derselben. Unser Preis ist kaum halb so hoch. da Zoll, Fabrikations- und Handelsgewinn bei andren deutschen Fabrikaten wesentlich geringer sind. Bitter- Liqueure. Unser Nervus rerum ist ein aus magenstärkenden, medizinischen Kräutern hergestellter, sehr kräftiger Süss-Bitter mit ausgezeichneter Wirkung bei Verdauungsstörung. Wird von uns nur in frischer bester Qualität hergestellt. Besonders für schwache genesende Personen zu empfehlen, und auch in Krankenhäusern als Stärkungsmittel gebraucht. An Stelle der teueren Cognacs ist ein alter Nordhäuser und Weizenkorn zu empfehlen, nicht minder Slibowitz und Kirschwasser. Das oben von den Liqueuren C. Gesagte gilt in noch höherem Masse von Cognac. Wenn die Flaschen nur ein französisches Etikett und noch irgend eine mehr oder weniger bekannte französische Firma tragen, wird ein ganz ausser- gewöhnlicher Preis bezahlt. Unsre Cognac- Fabrikation ist aber in Deutschland auf solcher Höhe, dass die an Frankreich gezahlten Millionen für diesen Artikel einen Nationalverlust darstellen. Unsre deutschen Original- Cognacs halten �ede Konkurrenz mit dem viel teureren französischen aus. Auch die von uns geführten franz. Cognacs sind bei gleicher Qualität wesentlich billiger als die andrer französischer Firmen, welche sich lediglich ihren durch Reklame bekannt gewordenen Namen bezahlen lassen. Wir beziehen nur feine, ausgesuchte Sorten in Rum und Arac und stellen die Qualität nach dem Preise, welcher jedoch sehr billig kalkuliert ist. Sind rein und zweckentsprechend fabriziert. Die teureren Sorten Fabrikate. sind erste, unerreichte Zu gleichen Preisen auch in unsren 250 Niederlagen erhältlich. Alles excl. Flasche, welche mit 10 Pf. berechnet und zurückgenommen wird. Nach auswärts gegen Nachnahme. Nicht Zufriedenstellendes wird zurückgenommen. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Carl Bogen's Trauermagazin Brunnenstr. 16 BERLIN N. Brunnensfr. 16. Tranerkleid,'»>«» won« 13,00 Mk. a Bluse......... 3,50 Mk., Kostümrock..... 3, 00 Mk., Schwarze Kleldersto Hüte......... Damenjacketts... Capes........ fe..... 50 Pf an. 1,50 Mk. 5,00 Mk. 3,00 Mk. Sämtliche hierzu gehörigen Artikel sind bis zu den felniten Qualitäten vorrätig.[2619L* Femer offeriere mein reichhaltiges Lager in fertigen Kleidern, Binsen und Konfektion für Bannen u Kinder zu noeb nie dagewesenen billigen Preisen. Bitte die Auelagren in meinen Schaufenstern zu beachten. 24538* ardinen Neuheltc». 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zn u> ovo Ml, 2 zn too ovo Ml., 2 zu tsooe Ml, 2 z»»0 000 Ml. 10 zu 30 000 Ml., 18 zu 16 000 Mach 3« zn 10 000 Ml, 72 z» 8 WO Ml. H02 zu 3000 Ml. U89 zu 1000 Ml. 2731 zu 600 Sit. 2, Ziehimg 4. Klasse 205. Kgl. Preich. Lotterie. ruag vom 2L Ott aber 1201 nachmittag». Gewinne über 232 All find»en belrehenbeu Nummern w«lammern beigefügt. [Ohne Gewähr.) «4 185 248 307 25 44 49 51 54 72 510 29 82(5001 865 1040 41 166(6001 86 351 890 2197 227 44 572 629 791 840 86 3401 8 11 83 623 712 857 4082 187 372 458 534 943 55 5207 310 29 485 531 771 923(5001 94 6051 117[5001 78 335 83[10001 649 738 839 939 99 7102 4 25 93 255 81 357 405 7 570 853 82 995 8150[1000] 89 257 86 416 604 35[600] 9005 35 179 95 305 23 64 476 593 973 10131 398 596 726 57 11290 317 454 81 504(10001 72 629 43(5001 76 807 980 1 2361[5001 602 62 822 13054 260 368 420 98 549 65 784 1 4053[30001 123 61 241 85 96[5000] 378 551 85 682 706 859 938 89 1 5461 690 728 75 816 87 938 16005 87 132[1000] 225 83 338 460 662 704 834 77 1 7248 358 482 528 38 936 1 8017 141 203 11 80(500) 84[30001 89 438 93[5001 521 32 54 60 711 37 946 52 1 9247 01 430 76 604 85 86 725 990 20243 349 533 49 651 794 801 96 924 2 1008[500] 246 78 562 708 32 952 55 2 2021 220 99 317 847 901 (6001 23006 249 56 76 307[5001 28 421 658 69 708 33 980 24306 42 460 94 97 575 715 27 71 25333 86 541 671 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Der den Grundbesitzer-Ve reinen vom Stadtverordneten Wallach gemachte Borschlag, sich bei den Stadtverordnetcn-Wahlen auch diesmal wieder an die freisinnigen Bczirksvereiue und Wahl- koinitees anzuschließen und überall für d i e K a n d i d a t e n des Freisinns einzutreten, ist bei den Grundbesitzern viel- fachem Widerspruch begegnet. Der Berliner Freisinn hat zwar die Interessen des Grundbesitzes allezeit so eifrig in der Stadtverordneten- Versammlung gefördert, daß er zum Hans- agraricrtnm sagen darf:„Ich habe schon so viel für Dich gethan, daß mir zu thun fast nichts mehr übrig bleibt." Aber den Hans- agrariern in ihrer Unersättlichkeit ist auch das noch nicht genug. Sie wollen nicht eher ruhen, als bis sie die völlig uri- be st ritten« Alleinherrschaft in der städtischen Verwaltung haben. Um das möglichst sicher und möglichst rasch zu erreichen, halten es viele Grundbesitzer für wünschenswert und notwendig, ihre Sache in der Stadtverordnetcn-Versammlung lieber durch solche Männer betreiben zu lassen, die sich ausschließlich der Förderung der Grundbesitzer- Interessen zu widmen bereit sind. Und von dieser Erwägung ausgehend, fordern die Undankbaren, den bisherigen auf den Freisinn eingeschworenen und auch in der Förderung der Interessen des Grundbesitzes durchaus bewährten Vertretern lieblos den Laufpaß zu geben und ihre eignen Leute an deren Stelle zu setzen! Allerdings wird Herr Wallach, als er die Erneuerung des alten Bündnisses zwischen Grundbesitz und Freisinn empfahl, selber nicht mehr auf allgemeine Zustimmung in den Kreise» seiner haus- agrarischen Freunde und Gesinnungsgenossen gerechnet haben. Schon seit einer Reihe von Jahren ist in den Hausbesitzer-Vereinen das Bestreben hervorgetreten, bei den Stadtverordneten-Wahlen möglichst eigne Kandidaten durchzubringen. Diese Strömung hat sich von Wahl zu Wahl mehr geltend gemacht, diesmal jedoch ist sie besonders stark. Das hat aber auch seine wohlüberlegten Gründe. Es ist klar, daß sich die städtischen Behörden auf die Dauer der Pflicht nicht werden entziehen können, wenigstens etwas zur Lösung der Ans gaben beizutragen, die ihnen auf dem Gebiete des W o h n u n g s Wesens gestellt sind. Generelle Beschlüsse in dieser Richtung, die allerdings nur von geringer Tragweite sind, hat man ja bereits gefaßt; an ihre Ausführung wird in der nächsten Zeit endlich heran- gegangen werden müssen. Für den Grundbesitz gilt es an- gesichts dieser Sachlage auf dem Posten zu sein und jedem V e r- s n ch e i« e r Beschränkung seiner Macht u n d s e i n e s Profites zu wehren. Darum wird die Forderung hauS- agrarischer Sonderkandidaturen jetzt lauter als je erhoben. Wessen mau sich von diesen Hausbcsitzer-Kandidatcn zu versehen hat. das zeigt ein Artikel, den der Vorsitzende des Hausbesitzer- Vereins„Süden", Herr Hermann Schulz, der eifrigste Wortführer der, Unpolitischen" unter den Hausagrariern. im„Grundeigentum" veröffeiitlicht. WaS da von den Stadtverordneten gefordert, das ist die allerkras feste Förderung der Grundbesitzer- Interessen. Dein Herrn genügt es nicht, daß ein Stadt- verordneter lediglich Hausbesitzer ist: er soll sich auch wie ein echter Hausbesitzer benehmen, d. h. rücksichtslos für alles das eintreten, was dem Hausagrariertum dient. Bon jenen Muß-Hausbesitzern die„der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb" die Hausbesitzer- Qualität nur deshalb erwerben, weil in dem betreffenden Bezirk gerade ein Hausbesitzer gewählt werden muß. spricht Herr Schulz mit grimmiger Verachtung. Er findet, daß selbst diejenigen Hansbesitzer, deren Besitz nicht ausschließlich in Grundeigentum besteht, mit Vorsicht und Mißtrauen zu behandeln sind. Allein die N n r- H a u s b e s i tz e r sind nach Herrn Schulz würdig, in der Stadtverordncten-Versamm- lung zu sitzen. Sie sind ihm das„Rückgrat" d e r st ä d t i s ch e n V e r>v a l t u n g I Auch der„Bund der Berliner Grundbesitzer» Vereine" richtet an die Hansbesitzer die„dringende Aufsorderrmg", sich mit aller Kraft an den Vorarbeiten zu den Wahlen zu beteiligen.„Es gilt zu zeigen", heißt es da.„daß der Hausbesitzcrstand noch immer das Priucip der Seßhaftigkeit, der Stetigkeit und Ruhe in der Flucht der Erscheinungen im gemeindlichen Leben repräsentiert und daß er seine Kraft auch zu benutzen weiß, solche Männer zur Vertretung seiner Interessen zu wählen, die sich nicht durch politische Strömungen und Specialneigungen bei der Ausübung ihrer Stadtverordneten- pflichten leiten lassen, sondern die als ihre oberste Aufgabe die wirt- schaftliche Förderung der Interessen der Stadt und ihrer Bewohner (soll heißen: des Häufleins der Hausbesitzer!) betrachten. Das aber ist unzweifelhaft, vom städtische» Haus- und Grundbesitz ergießt sich Leben und gedeihliche Kraft in alle Kanäle des gemeind- lichen Organismus." Und so weiter! Darum soll jeder Haus- besitzer bei den Wahlen zeigen, daß„es für ihn keine höhere Aufgabe giebt, als dem S o c i a I i s m u s und seinen alles zersetzenden Elementen entgegenzuarbeiten." Gegen alles das hätte ja auch Herr Wallach und sein zum Frei- sinn schwörender Anhang nichts einzuwenden. Auch mit der Be- kämpfung des Socialismus sind sie durchaus einverstanden; denn natürlich wissen auch sie, daß das Hausagrariertum von niemand so energischs bekämpft wird wie von der Socialdemokratie. Aber das eine schmerzt Herrn Wallach und seine Gefolgschaft aus dem Lager des Freisinns, daß diese hausagrarischen Heißsporne selbst davor nicht zurückschrecke», direkte Gegner des Freisinns zu unterstützen, sofern von ihnen eine wirksame Vertretung der Hausbesitzerinteressen zu erwarten ist. Unter den eignen Kandidaten, die die Hausbesitzervereine in etlichen Bezirken aus den Schild erhoben haben und den Wählern präsentieren, befinden sich Männer, die das helle Entzücken jener Kreise erregen, die sich als Mittelstand bezeichnen und zu der angeblich unpolitischen Bürgerpartei halten. Das wirft ein grelle« Licht sowohl auf die HauSbesitzer-Vereine wie auf die mittelstandrettende Bürger- Partei. Der Freisinn wird sich also diesmal mit der Bürger- Partei in die Unter st ützung des Hausagrarier- tumS zu teilen haben. In der 3. Abteilung wird die social- demokratische Arbeiterbevölkerung dafür sorgen, daß dieses Vergnügen beiden recht schlecht bekommt._ Der Ausschuß zur Wahl cineS besoldeten Stadtrats hat am Montag verhandelt. Es sind 20 Meldungen eingegangen. Nach einer Diskussion wurde beschlossen, die Wahl auf 14 Tage zu ver- tagen, um den Mitgliedern Gelegenheit zu geben, die Kandidaten- frage zu prüfen. AuS der Stadtverordueten-Vcrsammluug. Am Dienstag treten die Ausschüsse zur Beratung der Magistratsvorlagen über die Umgestaltung der Straße Unter'den Linden, Über die Erhöhung der tarifmäßigen Gebühren bei der st ä d t i s ch en Feuer-Societät und der Ausschuß für die Wahlen von un- besoldeten Gemeindebeamten zusammen. Am Mittwoch wird sich der Ausschuß zur Vorberatnng der Vorlage über den Einfluß der Kraukenhauspflege auf das Wahlrecht auch mit dem Antrage des Stadtv. A u g u st i n und Genossen über die Einräumung des Rechts für diejenigen den Unterstützungswohnsitz in Berlin b« sitzenden Personen, im Falle einer Anslaltspflegebedürstigkeit die unentgeltliche Aufnahme in einem städtischen Krankenhause zu verlangen, beschäftigen. Ländliche Arbcitcrwohnungcn. In der gestrigen Sitzung der städtischen Kanal-Deputation wurde unter anderm beschlossen. auf den Skieselgütern Falkenberg, Hellersdorf und Dietersdorf je ein Achtfamilien-Wohnhaus zu erbauen. Bei Hellersdorf und Falkenberg ist die Erbauung durch Zulauf von weiteren Ländereicn notwendig geworden, DictcrSdorf aber, wclckics verpachtet ist, hat sich bis vor kurzem unter der Aufsicht d e s M i n i st e r s befunden, der es für eine Stiftung zu ver- walten hatte. Die Stadt hat dies Gut erst vor Jahresfrist er- worben und dort Arbeiterwohnungen vorgefunden, die jeder Beschreibung spotten. Allseitig wurde anerkaniit, daß dieser skandalöse Zustand sofort beseitigt werden müsse. Es ist nur zu be- wundern, daß solche Zustände vor den Thoren Berlins noch möglich sind. War denn da kein Landrat da. der den Minister auf die Arbeiterwohnungen in Dietcrsdorf aufmerksam machte? Auö den Thielcnsche» Musterbetrieben. Die Arbeiter entlassimgcn und Arbeitsbeschränkungcn bei unsrer Eisenbahn- Verwaltung nehmen jetzt einen größeren Umfang an. Am ver« gangene» Mittwoch waren die Bctriebswerkstätten in Potsdam ge- schlössen, uni Etatsüberschreitungeu zu vermeiden, wie es in dem betreffenden Anschlag in den Werkstätten hieß. Sämtliche Arbeiter, etwa 600, feierten, weil man auf diesem Wege Lohnherabsetzungen und Arbeitereiitlassiiiigcu zu vermeiden' hofft. Es soll fortan bis zum 1. April 1902 alle 14 Tage einmal ein Arbeitstag ausfallen, damit auf diesem Wege eine L o h u e r s p a rn i s erzielt wird. Diese Maßnahme soll in sämtlichen Bctriebswerkstätten der Eisenbahn- Direktion Berlin, also in Grunewald, Tempelhof usw., gleichfalls zur Anwendung konmien, wodurch man hofft, den Etat zum Balancieren zu bringen. In andren Dircktionsbezirken hat man dagegen Arbeitcreiitlnssungcn in den Bctriebsivcrkstntten vor- genommen. Auch im Außeiidieust macht sich das Sparsamkcits- priucip der Eisenbahn- Verwaltung geltend. So wurden jetzt acht Arbeiter der Bahnuicistcrci Potsdam, die längere Zeit dort beschäftigt waren, gekündigt, auch auf dem Hanptbahnhof in Potsdam und anderwärts stehen Entlassungen von Wageuschiebern Hilfsarbeitern ec. bevor. Sänitliche Bahnmeistereien sind angewiesen, lhunlichst ihre Arbeitskräfte zu vcnnindcrn. In Potsdam haben am Sonnabendabend bereits die in den Ortsvcrci» der Maschinenbau- und Metallarbeiter meistens eingetretenen Eisenbahnarbeitcr in einer Versammlung die Sachlage erörtert. Sic empfinde» es peinlich, daß vor der Anordnung des Aussalles eines Arbeitstages der für die Eisenbahuwerkstätten eingesetzte Arbeiter-Ansichuß nicht gehört wurde während er sonst bei jeder Kleinigkeit hinzugezogen würde, nninent- lich wenn es galt, Kollekten unter den Arbeitern für irgend einen wohlthätigen Zweck, zum Beispiel für die Witwen und Waisen von Arbeitern oder für invalide Arbeiter, zu vernnstalten. Ucber den Nmsang, in welchem städtischen Beamten und sonstigen Angestellten D i c n st w o h n u n g e n gewährt werden, sind im Ausschüsse, der die Maßnahmen gegen die Wohnungsnot zu beraten hat. folgende Angaben gemacht worden: Nach dem im Gcncralburcau geführten Verzeichnis gewährte der Magistrat 1040 Dienstwohnungen, von welchen 256 außerhalb der Stadt belegen sind. 340 Dienstwohnungcu entfallen auf Direktoren, Ober- lchrer, Rektoren, Aerzte, Jngeniciire, Administratoren und andre höhere Stellungen, 280 auf kleinere Beamte, Lehrer und Lehrerinnen Werkmeister, Obcraufschcr und ähnliche, 420 auf Aufseher, Schul- diencr, Diener, Heizer, Wärter, Gehilfen, Kutscher, Portiers, Nacht Wächter und Stadtsergeanten. Obstknltur ans de» städtische» Niesclgütcrn. Bei der Obst bau-Aiisstellung in Potsdam haben die beiden Obergärtner der Rieselgüter mehrere hervorragende Preise erhalten. Die Obstuutznng hat in diesem Jahre wejcnllich höhere Erträge als früher gebracht; die Verwaltung will nun im nächsten Jahre erfreulicherweise den Versuch machen, das Obst nicht mehr zu verpachten, sondern d e s s e n Vertrieb in eigene Regie zu übernehmen. Mau hofft so die Erträge noch erheblich zu steigern, weil durch die eigene Regie eine mehr sachkundige Behandlung des Obstes gewährleistet wird. In der gestrigen Sitzung der städtischen Gasdcputation wurde mitgeteilt, daß die Einführung der MüiizgaSiiiesfer Meter tiefer als das Straheiiterrain. da die durch den aus- gehobenen Kies eutstaudcnc Vertiefung wieder durch Erde und Schutt ausgefüllt ist. Diesem Umstände gegenüber ist es nach Ansicht von Fachleuten ein geradezu sträflicher Leichtsinn, dah der zum Zwecke der Fundan, enticrung auSgehobene Graben auf eine Länge von ca. 6 Meter mit etnemmale ausgeschachtet war. Ueblich ist, dah solche gefährliche Arbeit stückweise fertig gestellt wird und zwar in Längen von höchstens 2 Meter. Die' Gefährlichkeit dieser Arbeit Wurde»och erhöht dadurch, dah ca. 4—5 Meter von der Ausschachtung entfernt L a st w a g e„ von der Stratz« ans das Grundstück befuhrcn. Die schwere» Kalkstrine wurden von, Wagen auf die Erde geworfen, was bei dieser geringen Entfernung den lockeren, aufgefüllten Boden arg erschüttern muhte. Hinzu kömmt noch, dah die Bauarbeiter oji, Sonnabendmittag eine halbe Stunde vor den Maurern die Arbeit begannen, und zwar brachten sie das Material zu», Fundament herbei. Die Kalksteine sind dann in den Graben hinein geworfen worden, anstatt dah man sie biuabgeschleift oder einander zugereicht Situation war dazu angethan, dah Männer hätte. Kurz, die ganze-----------—-----... mit einigermahei, Fachkenntnis und Uebrrsicht die Gefahr hätte» bemerken müssen. Ncber die Art ber Absteifung können wir wenig sagen, da sie biö gestern noch nicht freigelegt worden war, jedoch steht so viel fest, dah diese auch nicht mmähernv den Verhältnissen genügt hat. Von Augenzeugen wurde uns ver. sichert, dah die unterste Steife ca. SS Centimeter von der Sohle des ausgeschachteten Grabens gesetzt war, was Wunder, daß bei einem Erdrutsch sich die unteren Bretter„ach innen bogen und die Steifen locken,»lilhrrii, womit der unmittelbare Znsammenbruch besiegelt war, da nur zwei Qucrfteifen über einander bis zur Höhe von ca. 2 Meter angebracht waren. Der Tote heißt nicht Bnmmi, wie wir mitteilten, sondcn, Wilhelm Brunn. Der Mernrer Emil S ch o t l n, e y e r hat mir dem Umstände sein Leben zu verdanken, dah er auf die Seite dicht an die schon herauSgenuuierte Ecke flüchtete und hier auch Schutz fand, da die zusammenbrechend« Absteifung sich an den fertigen Pfeiler anlehnte» worunter Sch. geschleudert wurde. Hoch über ihn, schlössen sich die Erdmassen. Hätte er nun nicht instinktiv beim Einsturz die Hand vor den Mund gehalleu, so hätte auch er sein Leben einbühen müssen, da er sich in seiner Lage nicht rühren lomtte. Der traiirige Vorfall zeigt wohl zur Genüge, wie wenig Wert aus das Leben der Arbeiter gelegt wird. Er zeigt aber auch, dah Polizei-Verordiiuiigen, Unfallverhütungs- Vorschriften usw. nur sehr wenig nützen, wenn nicht eine scharfe Kontrolle über ihre Durch- führuiig ausgeübt wird. Aber auch eine verschärfte Kontrolle wird nichts nutzen, wenn sie nicht von Instanzen ausgeübt wird, an die sich die Arbeiter vertrauensvoll wenden können. Eine segcnbringende Kontrolle ist nur zu üben durch die berufliche,, Arbeiterorganisationen resp. durch fachkundige Vertreter der Arbeiter. Vernüpchkes. Dev Luftschiffer Santos Dumont hatte Sonnabend mit seinem Luftschiss wieder eine Fahrt um den Eiffelturm unter- nommcn, hat dabei jedoch die zur Erlangung des Deutsch- Preises vorgeschriebene Zeit um 44 Sekunden übcrschrittc». Der AnSschnh des LustschisierklubS hat unter de», Borsitz von Deutsch demgeniäh beschlossen, Santos Dumont den Preis nicht zuznerkennen. Dieser Beschluh hat zahlreiche Widersprüche hervorgerufen. Viele erbeben Einwendungen und erklären, der Beschluh beruhe klemlichei, und ,», gereihten Auslegung der BesttmmuUgen. Dumont sei tbatsächlich dreißig Sekunden vor Ablatij halbstündigen Frist oberhalb des Ausgangspunltcs wieder getroffen.' Dah dah Leitseil von den Arbeitern Santo» Dum erst vierzig Sekunden nach Ablauf der Frist ersaht sei, sei ne sächlich. Der Ausschuß wird an, Dienstag nochmals zusammentre. »», endgültig zu entscheiden, ob EantoS Dumont den Dentsch-Prc. gewonnen hat oder nicht. Der Mörder der Frau deS Handelsmanns Pfeiffer in HanSdorf bei Neurode ist in der Person des ISjährigen Schuhmacher- IchrlingS H o l f t e r ermittelt und verhaftet worden. Holfter hat die That bereits eingestanden; er hat der Frau gegen 40 Messerstiche beigebracht. Es liegt Raubmord bor. „OffizierStragödien". Eine blutige Katastrophe hat sich gestern früh, wie aus Da„zig telegraphiert wird, auf dem dortigen St. Barbara-Kirchhof abgespielt. En, in Danzig stationierter Dccköffizicr erschoh eine iniigs Dame sowie deren Mutter und dam, sich selbst. Die Veranlasinng zu der That ist nicht bekannt.— Den, .Berk. Tagcbl.' meldet ma» aus B r i e g: Der kürzlich von Brom- berg zun, 157. Regiment versetzte lcdige Major v. Hertel erschoh sich aus uiibelamiten Gründen. Ei« Knabe vom Militärposten erschösse«. AuS Metz bc- richtet man: Sonntagnachmittag erschoß der den Postendienst am Fort Zaströw versehende Gefreite Jhl vom 4. Bayrische» Infanterie- Regiment den 14jährigen Sohn des Schreibers Vritsch aus Balliöres au» Unvorsichtigkeit beim Gewehrladen. Fabrikbrand. Ans Oggersheim in der Pfalz verichtet nnin uns von, 30. Oktober: Gestern abend 6 Uhr entstand in dem großen fünfstöckige» Bau der hiesige» Mechautsche« Banmwoll- spüiiierei Feuer. Die Feuerwehren von hier, Ludwigthafen. Frauke»- thnl, Friescnheim und«tudernhei», waren rasch zur Stell«, und«S gelang deren Gcsamtthatigkeit, den riesigen Brand zu isolieren und die nahe, große Gefahr einer Explosion deS GaSkesselS abzuwenden. In einigen Stunden war durch das rasende Element der imposante Bau»lit den wertvollen Maschinen in einc» Trümmerhaufen verwandelt. Der Ba„ wurde 1350 dem Betrieb übergeben. Der Brand- schaden soll„ach Angaben der Direktion eine Million Mark de- tragen. Die Färberei,' Weberei und die vielen Nevengebäude blieben vom Feuer verschont. Eisrnbahnunfall. Aus Breslau wird amtlich gemeldet: Heute früh 5 Uhr 20 Minuten fuhr auf dem Bahnhof von Arn» o orf bei Liegiiitz der Güterzug Nr. 2023 auf den Güterzug Nr. 3030. Tie Zugführer, Lokomotivführer, Heizer und ein Bremser erlitken Verlctzmigen. Der Materialschaden ist nicht unbedeutend. DaS eine Geleise sollte in» 11 Uhr vormittags, das andre um 4 Uhr nach- mittags wieder befahrbar sein. Wie anS Kingston berichtet wirb, hat auf B a r b a d o s ein bedeutender Erdrutsch stattgefunden. 200 Hektar bebautes Land mit 85 Häusern glitten in dem Distrikt bei Boschwer in« Meer 400 Personen sind obdachlos. Jvnr den Jnbalt der Inserate Lberiiimuit die Nednklio» dem Publikum gegeuüber keinerlei Berliiitwortuug. � henke v. Dienstag, 22. Oktober. Opernhaus. Der Freischütz. An- fang?,/. Uhr. Schauspielhaus. Minna vo» Barn- hei», ober: Da» Soldatenglück. Slnfaiiq 7Vi Uhr. Neues Over»> Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. HanS Huckebein. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Einsame Menschen. Anfang Uhr. Berliner. Der Bann. Hierauf: ES tagt. Anfang 7V, Uhr. Lesfing. Die Fee Caprtce. Anfang 7'/- Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger.— Vorher: Im Coupö. Anfang 7'/, Ubr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- fang 71/2 Uhr. Weste». Zar»»d Zimmermann.«11- fang 71/, Uhr. SecesssonSbiihue. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Ansang ?,/, Uhr. Thalia. Ein tolleS Geschäft. 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Frank »ach schwerem Leiden am Sonnabend, den 10. Oktober, früh l'/s Uhr, verstorben ist. 12S2b Dies zeigt tiefbetrübt an llluaust Koschke» Die Beerdigung findet am 23 /10., nachmittag» 4 Uhr, von der Leichen- halle deSHeiligkreuzkirchhoses, Marien- darf, statt. Allen Genossen, Freunden und Be- kannten zur Nachricht, dah mein lteder Mann und guter Vater, der Arbetter Ferdiuand Sorge nach kurzeui, schweren Kraukeulaaer am 20. d., vormittags, verstorben Ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, deu 24., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhall« des Eentral- Friedhofs aus statt. lÄOb Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebene». Socialdernokratischer Walilverein für den 4. Berl. Rciclistags-Walilkrels. (Osten.) Tod es- Anzeige. Am Sonntag, dm 20. d. M., starb unser langjähriges Mitglied, der Arbetter Ferdinanil Sorge. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 24, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Teutral-Fried- Hofes w Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 268/12 Der Vorstand. Musiker- Verse Arbeitsnachweis unterzeichneter Bereinigimg mit 360 Mitgliedern, empfiehlt zu allen gestlichketten. Hochzeiten, Konzerten, Bällen, Begräbnissen usw. MtufiU vom kl. bi» gr. Orchester(Streich-, BlaS> oder Klavierbesetzung). Ständchen von 4 Mann an billigst. Einzelne Pianisten. Bötseulokal: nur V. Roseiiihalerstraste 57, Hof pari., Rcstanrant Bancr[51/1 [Filialen»erben demnächst errichtet) täglich vormittag» von lOVt—l, abends von 7—9 Uhr. Avis! Zu besseren[Syinphoni«-Solisten-)»onzerten empfehlen unser neues 50 Mann starkes EUte-Orebestermitakadeni. gebildeten Solisten. Bestellungen nur im VereinSlokal zu erledigen. , Vrele Vereinigung \qß der ClvlI-BcrnOininBiker Berlins.|AI Banknagnng. Für die mir in so üdergroher Weise bewiesene Teilnahme bei der Beerbt- aung meines lieben ManneS, des ReftaurateurS Albert Lange, sag« meinen tiefgefühlten Dank. 1291b A. Lange geb. Zöllner nebst Tochter. Heute. Dienstag, in Berlin 14. Bclforterstr. 15(Schneider), abends 8'A Uhr! Sr. Iwsen-Notttli». 292/3 Thema: 1. Die hänfigste» Uuttlltlbß» krallkhtitell ki Knm"n» beten naturgemäße Heilung. 2 Was iß KraaellschtlN Wann ist derselbe erlaubt und gebotm? Hernach freie Ausspräche und Fragcbrantivortnng. Rcfermtin: Frau M.«rciselmaher, Natur- ärztin in Neubabelsberg. Eintritt»» geld für Gäste(Damen) 20 Ps. Naturheilverein Charlotteubg.-Berlin (Nr. 1180). I. A.: F. Lange, Eharl, Sophte-Eharlottenstrahe 101 virkus Kell2-!ir0ll2ert-?llnllsl fl WWW Karlstrasse. 1 WochmtaaS 7 Uhr. Nur erstftasfige I Sonntags 5 Uhr. S PS 01 0 II V k tz SQ. I Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Direktion: j. yi. Hütt. Stempel. Fabrik VON l2334L' Hebert Hecht. Berlin S., Cratiicnstr. 148. liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. 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