Ur. 250. Abamrrmtnts-Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3£0 Mb, monatl. 1,10 Mt., wöcheutlich 28 Pfg. frei in» HauS. Ciraetne Numm-r 5 Plg. SonmagZ- Nummer mit llluNrierier SsnntagZ- Betlage.Die Neue Well" 10 Psg. Pofl- Pbonnement: 1.10 Mark pro Mona», Singelragen in der Poft- ZeilungS» Preisliste für 1901 unter Et. 7071. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 18. Jahrg. Die DnftrtilMs-GKllyi � beträgt für die fechSgefpaltens Kolsnet» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in derExped ition ab gegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abends, an Sonn- und yesttaKen bt» 8 Uhr vormittag» geöffnet. «rscheint lZglich»ufjer«oukag». Vevliner Volksvlerkt. Telegramm««dreffe- «Oocialdemoliral Verlin» Cientmlorgcm der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuch-Stratze 2. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Unter HwweiS auf den Aufruf deS Parteivorstandes vom 10. Ottober erinnern wir die Vertrauensleute, AgitationS- komitecs, Provinzial- und Sandesvorstände, das? sämtliche in Umlauf befindlichen Petitionsliften gegen den Brotwucher «och im Laufe diese? Monats an die Adrcffc: Buchdruckcrei Max Bading, Berlin SW. 19, Bcuthstr. S. einzusenden find. Expedition: SW. 19. Beuch-Skrage 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Schutz de« Ausgebeutetften. Zur Frage der Hausindustriellen Gesetzgebung. Die Entwicklung der Großindustrie im Deutschen Reiche ist nicht in voller Stärke erkennbar, weil man bei oberflächlicher Ve trachtung die wirklichen und scheinbaren Kleinbetriebe einfach den großindustriellen Etablissements gegenüberstellt. Man sieht in jeder Stadt, man erkennt aus jedem Adreßbuch, daß zahllose kleine an- scheinend unabhängige gewerbliche Betriebe existieren, und diese stellt man den vergleichsweise wenigen Fabrikschlotcn gegenüber. Die Kon- zentration unsrer Industrie ist aber bedeutend Iveiter vorgeschritten, als man dem Augenscheine nach, ja auch den Zahlen unsrer Berufsstatistik nach annehmen könnte. Wie viele„Handiverker" sind nichts andres als Händler mit Fabrikwaren, die bloß im Nebenberufe hier und da eine kleine Reparatur- oder Jnstallationsarbeit vornehinen, wie- viele von diesen sind dabei völlig abhängig von dem Großunternehmer, der ihnen durch Einrichtung deS Geschäftes oder durch Warenkredite erst die scheinbare Selbständigkeit geschaffen hat. Man denke dabei nur an die Gastwirte, die doch zu 90 Proz. nichts andres sind, als Angestellte der großen Brauereibetriebe; wieviele nach Maß angemessene und unter diesem Namen verkaufte Kleider und Schuhe heute in Fabriken oder in der Konfektion hergestellt werden, ahnen die meisten gar nicht. Ebensowenig ist es vielen bekannt, daß die meisten Tischler-, Schneider-, Schuhmachermeister usw. usw. nichts andres sind, als Hausgewerbetreibende für große Magazine, Verleger- gefchäste, Exporteure und Fabriken. Hierzu kommt noch die in vielen Industrien in den letzten Jahren unheimlich überhand- nehmende Nachfeierabcnd-Arbeit. Diese wurde zu einem ingenieusen Mittel, die Arbeiterschutz- Bestimmungen für Frauen und jugendliche Personen zu umgehen, Zwiespalt in die Kreise der Arbeiter zu bringen, ihre Widerstandskraft zu brechen, und damit auch die Leistungsfähigkeit der gewerkschaftlichen Organisationen zu schwächen. Erwägt man dies alles, dann erkennt man auch, daß der Großbetrieb neben seinen centralistischen Tendenzen auch starke decentralistische hat, da erinnert man sich an das so scharf geprägte und so treffende Wort von Karl Marx, daß die Hausindustrie die decentralisierte Fabrik sei. Bis zu einem gewissen Grade gilt dies auch für viele Betriebe, deren Inhaber sich„Handwerker" nennen. Es ist ein offenes Geheimnis für jeden, der unsre Berufs- und Gc- werbestasistik nicht bloß aus den Ergebnissen der Gewerbestatistik, sondern auch aus der Art kennt, wie man zn diesen Ergebnissen gekommen ist, daß die Zahl der Hausindustriellen im Deutschen Reiche weitaus größer sein muß, als man dies aus der Gewerbestatistik zu ersehen vermag. Heute ist man sogar in der Lage, dies auf Grund amt- kicher Zahlen nachweisen zu können. Bei der Berufsznhlung vom 14. Juni 1895 wurden 38 267 in der Industrie thätige Kinder ge- zählt; eine drei Jahre nachher vorgenommene Erhebung ergab 532 233 erwerbsthätigc Kinder unter 14 Jahren, davon waren in der Industrie thütig 306 823. Die weitaus überwiegende Zahl dieser Kinder war natürlich in der Hausindustrie beschäfsigt. Die Thatsache, daß die Zahl der industriell beschäftigten Kinder im Jahre 1895 so außerordentlich abweicht von der 1893 festgestellten Zahl, die übrigens aus einer Reihe hier nicht besonders anzuführender Gründe auch noch hinter der Wirklichkeit zurückbleibt, beweist, daß Bedeutung und Umfang der Hausindustrie durch unsre letzte große Gewerbezählung nicht erfaßt wurde. Es ist ja auch bekannt, daß 1895 die Angaben der Unternehmer und der Arbeiter über die Zahl der thäsigen Hausindustriellen nicht übereinstimmten. Wenn wir aber auch die höchste damals gewonnene Zahl— 490 711 hausindustriell beschäftigte Personen betrachten, so bleibt sie gegenüber den mehr wie 300 000 industriell beschäftigten Kindern weit hinter der Wirk- lichkeit zurück. Denn darüber kann kein Zweifel herrschen, daß von den 1898 als industriell thätigen, unter 14 Jahre alten ermittelten Kindern bloß ein verschwindend geringer Bruchteil in der Fabrik industrie, die weitaus überwiegende Mehrzahl in der Hausindustrie thätig ist. Ist die Zahl der im Hauptberufe hausindustriell thätigen Personen von der letzten Gewerbestatistik nicht erfaßt worden, so gilt dies in noch viel höherem Maße von der Hausindustrie als Nebenberuf. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die weitaus überwiegende Mehrzahl der Fabrikarbeiter und Fabrik- arbciterinnen, die nach Feierabend Arbeit mit nach Hause genommen haben, nicht im entferntesten daran gedacht haben, daß sie verpflichtet gewesen wären, neben ihrem Hauptberuf als Fabrikarbeiter haus- industrielle Beschäftigung als Nebenberuf anzugeben. Man ersieht hieraus schon, daß diese Thatsachen von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Beurteilung der Lage unsrer Arbeiterklasse und für die Entwicklungstendenzen derselben sind. Es liegt uns völlig' fern, von neuem in die Erörterimg über Ver- elendungstheorie einzutreten, Ivir begnügen uns damit, festzustellen, daß sich in vielen Industrien die Lage der Arbeiter thatsächlich ver- schlechrert durch das Ueberhandnehmen der Hausindustrie. Dies hat für den Unternehmer sehr viele Vorteile, weil er die Kosten für Fabrik- gebäude, Heizung, Beleuchtung. Reinigung und Aufficht erspart; für die Arbeiter ist die Decentralisierung schon um deswillen mit besonderen Nachteilen verknüpft, weil ihre durch das Zusammenarbeiten einem großen Betriebe von selbst gegebene Organisation und die dadurch hervorgerufene Stärkung ihrer Widerstandskraft aufhört, weil sie als Einzelne dem Unternehmer gegenüberstehen, und weil dadurch für sie endlich die wenigen Vorteile der Arbeiterschutz Gesetzgebung illusorisch werden. Die Hausindustrie macht aus geschützten Fabrikarbeitern ungeschützte Heimarbeiter, aus gewerkschaftlich Organi sierten indifferente und isolierte Proletarier, an Stelle der höchstens llstündigen Arbeitszeit tritt der äußerste Raubbau mit der Arbeits- kraft; in das industrielle Getriebe werden hineingezertt schulpflichtige Kinder, ja noch jüngere. An Stelle der Fabrik, die gewissen An forderungen der Hygiene entsprechen muß, tritt die Vev einigung von Arbeitsraum und Wohnraum, Schlafraum und Küche. An Stelle eines geregelten Betriebes, der sich schon aus der Notwendigkeit der Verzinsung und Amortisation des in Fabrikgebäude, Werkzeug und Maschinen angelegten Kapitals mit Notwendigkeit ergiebt, tritt die vollständige Ungeregeltheit: Zeiten unmenschlicher Ueberarbeit wechseln mit ebenso langen und oft noch längeren Perioden vollständigen Verdienstentganges. Es ist erst un- längst sowohl in diesem Blatte, als in einer Reihe von Ver sammlungen in ganz Deutschland für die Konfektionsindustrie hin gewiesen worden auf die ungeheuren Gefahren dieser Zersetzung des Großbettiebes, die Hand in Hand geht mit immer mehr sich steigernder Macht des Kapitalismus. Es Iväre aber verfehlt, wollte man annehmen, daß diese so überaus traurigen Verhältnisse beschränkt sind auf die Kleider- und Wäschekonfettion und auf die vertvandten Berufe. In einer ganzen Reihe andrer Industrien finden wir hausindustrielle Betriebe, zum Teil mit außerordentlich starken Aussichten, daß dieses Betriebssystem immer mehr an Umfang gewinnt. Wir nennen da die Kleineiscn-Jndustrie, die Feilenhauerei, die Musikinstrumenten-Jndustric, Häkelei, Strickerei, Wirkerei, die verschiedenen Arten der Weberei, Gummi- und Haarflechterei, Spitzenverfertigung, Posamenten- Fabrikation, Sattlerei, die Ver fertigung von Spielwaren aus Leder, Papier, Pappe, Papiermachö, Metall, Holz, die Tischlerei, die Verfertigung von Holzwarcn andrer Art. Korbmachcrci, Holzschnitzerei und Dreherei, Strohflechterei und Sttohhut-Fabrikatiou, Tabakfabrikation, Handschuhmacherei, Schuhe macherei usw. Wer die Schilderungen über die Lage der deutschen HanSl industrie kennt, der wird selten auf einen Lichtblick stoßen, traurige Bilder reihen sich da in unendlicher Zahl aneinander. Aber bloß eine Gruppe aus diesen Schichten der am schwerste» Leidenden hat sich in den letzten Jahren kräftig gerührt, hat öffent- liche Meinung und Gesetzgebung gezwungen, sich ihrer anzunehmen: die Arbeiter der Konfektionsindustrie. Es wäre aber grundfalsch, anzunehmen, daß die Lage dieser Arbeiter, so traurig sie auch ist, so sehr ihnen Hilfe notthut, eine besonders ungünstige unter den verschiedenen Arbeitern im lvciten Reiche der Hausindustrie wäre fast das Gegenteil möchten wir behaupten, daß gerade das noch als ein verhältnismäßig günstiges Moment erscheint, daß die Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen sich rühren können, daß sie noch einen Sinn für den Widerstand, daß sie zum Teil noch die Kraft haben, ihr Elend zu fühlen, dagegen anzukämpfen. Unzweifelhaft giebt es aber Hunderttausende von hausindustriellen Arbeitern und Arbeiterinnen im Deutschen Reiche, deren Lage die gleiche Berücksichtigung verdient. Wir erinnern nur an die Textil- industrie, an die thüringischen und sächsischen Spielwaren-Jndustricen, a» die Kleineiseu-Jndustrie von Schmalkalden! Jeder Kenner wird uns da zustimmen, daß die Verhältnisse in diesen Jndustrice» so traurig sind, daß ein Vergleich mit ihnen noch einen Schimmer von Licht auf die Lage der Konfektionsarbeiter wirft. Nur ein Bei spiel aus einer amtlichen Erhebung sei hervorgehoben. Die Zählung der gewerblich beschäftigten Kinder im Jahre 1898 ergab, daß in Sachsen-Meiningen einzelne Kinder schon vom 4. Jahre ab ge� werblich mitthätig sind. Die Kinder müssen dort arbeiten in 4 Schulgemeinden bis 9 Uhr abends 9»„ 10„„ 13., U,, 8,„ 12„„ 3,, 2„ morgens 2»» 3„„ 3„ die ganze Nacht hindurch in der Zeit gegen Weihnachten. Unter den vielen Versprechungen in socialpolittscher Hinsicht, die seit den kaiserlichen Erlassen vom 4. Februar 1890 noch nicht erfüllt sind, gehört auch die mehrfach gemachte Ankündigung eines Gesetzes zum Schutze der gewerblich thätigen Kinder, deren Verhält- nisse durch die Gewerbe- Ordnung noch nicht geregelt sind. Wir bezweifeln, daß man bei dieser Aufgabe mit der gleichen Energie vorzugehen belieben wird, wie bei der Vorbereitung der Zuchthausvorlage. Wir find aber der Meinung, daß, will man große Gefahren der Degenericruug unsrer Arbeiterbevölkcrung nicht so stark steigern, daß eine Besserung über die Kräfte der Gesetzgebung geht, dann müßte mit aller Energie und Rücksichtslosigkeit vorgegangen werden. Wir erinnern daran, daß die Socialdcmokratie der Wichtigkeit dieser Auf« gäbe sich stets bewußt war, sie hat mit Energie bei der Beratung des Arbeiterschutz-Gesetzes von 1890/91 den Standpunkt vertreten, daß alle Kinder mindestens auf den gleichen Schutz Anspruch haben, den die Gewerbe-Ordnung in Bezug auf Beschäftigung in den Fabriken ausspricht. Die Frage des Schutzes der Konfektionsarbeiter und Näherinnen, sowie der angekündigte Gesetzentwurf über den Schutz der Kinder sollte Gelegenheit bieten, die große Frage der hausindustriellen Gesetzgebung aufzurollen. So viele und so dringliche Auf' so notwendig ein stärkerer Schutz der Frauen und Mädchen, die Einführung des Normalarbeitstages id. ist, so wenig wir eine dieser Fragen in den Hintergrund gedrängt sehen wollen, so wichttg ist es, immer wieder die bürgerliche Gesellschaft aufmerksam zu machen auf das himmelschreiende Elend in der Hausindustrie, auf die Lässigkeit der Regierungen diesen socialen Uebelständen gegenüber. Nicht einmal Versuche zu bessern sind gemacht worden, während andere Staaten nicht bloß für die Konfektionsindustrie, sondern fürZdie Haus- industrie überhaupt eine Reihe einschneidender Gesetze gegeben haben, deren erfteuliche Wirkungen nicht nur den Hausindustriellen, sondern der ganzen Gesellschaft zu gute gekommen sind. Zustände wie sie in den deutschen Hausindustrien herrschen, sind ein Schandfleck unsrer Wirtschaftsordnung. Alles zu thun, um Besserung! herbeizuführen, ist unsre Pflicht I Zeigt man sich ver- ständnislos unsren Anregungen gegenüber, dann haben wir immer und immer wieder diesen leider unerschöpflichen Stoff für unsre Agitation auszunützen; wir werden da unsre Gegner immer sprach- und wehrlos finden._ j Nolikrfche Berlin, den 24. Oktober. Neue Verfaffungöwidrigkeitcn? Mit der Jndemnitätserteilung für den Grafen Bülow im vorigen Winter ist die Periode der Verfassungswidrigkeiten, die mit der China- Expedition anhub, nicht beendigt worden. Vielmehr ist die Aufstellung der ostasiatischen Besatzungsbrigade nach Beendigung des Chinafeldzuges ohne die gesetzlich erforderliche Zustimmung deS Parlaments vorgenommen worden, also ebenfalls gesetz- und verfassungswidrig. Eine Fortsetzung dieser Verfassungswidrigkeiten würde vorliegen, wenn folgende Mitteilungen einer Berliner Korrespondenz sich bestätigen. Die Korrespondenz meldet: „Bei der diesjährigen Rekrutenbeorderung wurde auch auf die Ehina-Expedition Bedacht genomnien. Es sind nämlich bedeutend mehr Rekruten eingezogen worden, als der gesetz- liche Etat es vorschreibt. Das Mehr findet lediglich dazu Ver- Wendung, die durch die Expedition an Mannschaft geschwächten Truppenteile wieder vollzählig zu machen. Das geschieht durch Austausch innerhalb der Brigaden. Die am Schluß dieses Aus- tausches noch übrig bleibenden Rekruten werden als„überzählig" wieder in die Heimat entlassen, müssen sich aber bereit halten, um im Laufe der nächsten Wochen für die nachträglich als„dienst- unbrauchbar" zur Entlassung kommenden Rekruten als Ersatz eingezogen zu werden. Bedingt wurde die Mehreinziehung von Rekruten auch ferner dadurch. daß ein größerer Teil der ausgedienten Mannschaft zur Besetzung der freien Stellen im Unteroffizierscorps, welchev an und für sich schon sehr ge- schwächt ist und durch die Expedition nach China noch mehr Ein- büße erlitt, kapituliert hat. Dem Handgeld für die Kapitulanten, 100 M., fügten die Kommandos aus eignen Mitteln noch einen fast ebenso hohen Zuschuß bei. Dadurch gelang es, eine ganze Anzahl Untcroffizier-Anwärtcr mehr zu erhalten, als es sonst der Fall gewesen wäre. Außer der oben gekennzeichneten Verfassimgswidrigkeit deckt diese Mitteilung die interessante Thatsache auf, daß der Patriotismus und die Liebe zum Soldatenstande im wachsenden Matze klingender Nachhilfe bedarf, damit die betteffenden Untcroffizierstcllen bc- setzt werden können!—_ Regierung, Parlament«nd Bergarbeiter. Paris, 23. Oktober. Die Deputiertenkammer hat die hochmüttg ausiveichende Antwort des Ministerpräsidenten gegenüber den Forderungen der Bergarbeiter zu der ihrigen gemacht. Regierung und Kammer benahmen sich in diesem Fall wie Unternehmer, die eine protzige Ablehnung von Arbeiterforderungen in wohllvollende Redensarten zu hüllen suchen. Die Bergarbeiter hatten allen Grund, ihre Forderungen an die Regierung und das Parlament in der Form eines Ultimatums zu stellen— gerade so, wie wenn die Arbeiter sonst ihre Forderungen an die Unternehmer stellen unter Androhung eines Streiks, nachdem die Versuche einer friedlichen Durchsetzung der Forderungen ge- scheitett sind. Die Reformforderungen der Bergarbeiter sind nämlich nicht nur alten Datums, sie wurden auch bereits an das Kabinett Waldeck-Rousseau gestellt und von diesem im wesentlichen als durchführbar angesehen. Vor 15 Monaten hatte M i l l e r a n d auf einem Bankett den Bergarbeitern von Pas-de-CalaiS die nahe Erfüllung ihrer Forderungen versprochen; im März 1901 hatte aldeck-Rousseau selbst in der Kammer namentlich das A ch t st u n d e n g e s e tz für die Bergarbeiter in klaren Worten in Aussicht gestellt. Und dann, als die Arbeiter es genug hatten, auf die Erfüllung der RcgieningSversprechungen zu warten, traten sie nicht etwa sofort in den Streik, sondern sie beschlossen nur(im Frühjahr) auf dem Kongreß von Lens die eventuelle Erklärung des General- streiks am 1. November. Die Regierung hatte aber Zeit genug, r e eignen Versprechungen zu erfüllen. Anstalt dessen hat sie die letzten sechs Monate nicht einmal dazu benutzt, um den Arbeitern mindestens ihren guten Willen zu zeigen, d. h. um mindestens einen Gesetzentwurf einzubringen. Sie begnügte sich damit, eine außerparlamentarische Kommission einzusetzen, die nebst einer Minderheit von Bergarbeiter-Vertretern eine Mehrheit von Bergwerksdirektoren und Beamten enthielt. Selbstverständlich faulenzte diese Kommission aus Princip: nach ein paar Sitzungen vertagte sie sich am 30. August bis zum 16. Oktober! Nur in einem Punkt hat der drohende Generalstreik die Energie der Regierung an- gespornt— den ganzen letzten Mo na t hindurch b e- reitete sie eine umfassende militärische Ein- chüchternng dcr Ausständigen vor... Dieser Sachlage gegenüber mußten endlich auch die minister- reundlichsten Elemente unter den französischen Socialisten der Regierung ins Gewissen reden. In der Presse that dies I a u r o s, in der Eröffnungssitzung der Kammer trat»och schärfer gegen die Regierung der socialistische Abgeordnete Vi Viani auf. Letzterer, ein persönlicher Freund von Millcrand(wenigstens in früheren gaben es auf dem Gebiete deS Arbeiterschutzes giebt, Jahren), erinnerte den Handelsminister an seine besondere Verant wortlichleit in der Generalstreik-Frage. Es fjnlf natürlich nichts Millerand schwieg und stimmte mit der Mehrheit gegen die sofortige Beratung des Antrages Basly betr. das gesetzliche Lohnminimnm, eines Antrages, der' eigentlich nur die Tarifabmachungen zwischen Unternehmern und Bergarbeitern gesetzlich regeln und ihnen gesetz lichc Kraft berleihcn will. Die Zusammensetzung der Mehrheit, die mit Waldeck-Roussean und Millerand den Bergarbeitern eine protzige Antwort gab, ist für die Regierung äußerst beschämend. Die Kern. trnppen der kapitalistischen Reaktion, Meline und Konsorten haben diesmal das Kabinett gerettet— natürlich deshalb, weil sie demselben die Gefahren eines eventuellen General streiks von Herzen gönnten. Nur die äußerste Rechte hat auch dies nial gegen die Regierung gestimmt. Sonst setzt sich die oppositionelle Minderheit zusammen aus sämtlichen Socialistcn und den Links radikalen. In der gleichen Eröffnungssitzung leistete sich noch die Regierung eine weitere Ordmmgsthat. Sie ließ die Dringlichkcitserklärung des socialistischen Antrages auf Abschaffung der Ausnahme g e s e tz e von 1833 und 1334 ablehnen. Ja, die Herbstsesston fängt so an, wie die« der rabiateste Partei gänger der Melineschen Reaktion nicht anders wünschen könnte. Viel- leicht stellt sie aber dafür die Einigkeit der Socialisten wenigstens im parlanieutarischen Handeln wieder her. Aus Paris meldet vom Donnerstag das Telegraphen-Bnreau „Herold", es gehe das Gerücht, Mille rand beabsichtige aus den: Ministerium auszuscheiden. Nach der Beharrlichkeit, mit der Millerand bisher an seinem Posten festhielt, darf man dem Gerücht nicht eher trauen, che seine Richtigkeit bestätigt ist.—_ Berlin wartet. Die sensationelle Nachricht einer Korrespondenz über den bevor stehenden Kotau der Stadtverordneten-Majorität bei der Abstimmung über die vom Ausschuß vorgeschlagene Resolution in der Kauffmanw Affaire hat sich nicht erfüllt; der Kommunalfreisinn ist standhaft geblieben, indem er sich auf den„Rechtsstandpunkt' stellte, statt wie in der Märchenbrunnen-Angelegenheit gerade aus dem guten Recht der Kommune die Verpflichtung zur Nachgiebigkeit herzuleiten. Wer in der heutigen Sitzung hörte, wie von dem Vertreter der Alten Linken nicht ntinder wie von den Sprechern der Neuen Linken die Pflicht, die gebieterische, unweigerliche Pflicht betont wurde, sich unter allen Umständen auf den Boden deS Rechts zu stellen und dem Rechte zum Siege zu verhelfen, dem mußte es doppelt unbegreiflich sein, wie man in der Märchenbrunneufrage das gute, sonnenklare Recht so leichtherzig Hatto höfischen Opportunitäts. rückstchten opfern können. Freilich, in der Märchenbrunnenfrage gab nian eiir Recht zu Gunsten der Krone preis, während man in der Bürgermeisterfrage nicht nur das Recht der Stadtverordneten zu wahren hatte, einen nicht bestätigten Kandidaten zum zweitenmal zu wählen, sondern auch das Recht der Krone, dem also Präsentierten gegenüber von dem Bestätigungsrecht Gebrauch zu machen. Denn wenn man sich der von dem bekannten Herrn Nomen im„Tag' entwickelten Interpretation des§ 33 der Städte-Ordnung anschließen wollte, wonach die Wiederwahl eines Nichtbestätigten ungesetzlich sei, so wäre damit auch der Krone daS f r ü b e r geübte Recht ge» genommen, in einem solchen Fall das Bestätigungsrecht im positiven oder negativen Sinne auszuüben. Wie Herr E o s s e l aber im Laufe der Diskussion erwähnte, hat die Krone in solchen Fällen wiederholt von diesem Recht Gebrauch gemacht, so in Tilsit, wo dem verstorbenen Brinkmann zutn zweiten Male die Bestätigung versagt wurde, so in Posen, wo daS gleiche Geschick dein zum Oberbürgermeister ge- wählten Herse widerfuhr. Ebenso gnt hätte die Krone die Wahl zum zweitenmal bestätigen können, womit sie, nach Herrn Romen, sich zum Mitschuldigen eines gesetzwidrigen Aktes gemacht hätte! So anerkennenSivert es also vom Koinmunalfreisinn war, dicS- mal den Rechtsstandpunkt zu wahren, so gehörte dazu gerade kein besonderer Heroismus. Im Gegenteil, es hätte schon Heroismus dazu gehört, sich auch diesmal einem schier uiimöglichen Kotau zu unterwerfen. Der Berichterstatter des Ausschusses, Stadtverordneter P r e u ß, konnte erklären, daß sich im Ausschutz nicht ein einziges Mitglied der Rechtsnuffassung des Stadtverordneten Mommsen zugesellt habe. Man sei sich völlig einig darin gewesen, daß für die abermals er- folgte Wahl Kauffmanns die Entscheidung der Krone erforderlich sei; so lange sie nicht gefallen sei. halte man sich an die Wahl gebunden. Das alleinige Recht der Krone, eine Wahl zu verwerfen, könne nn- möglich auf andre Instanzen übergehen. Nur dagegen, daß man den Magistrat erstiche, beim Minister Beschwerde zu führen, sei eine Minorität gewesen. Gegen die Anficht dieser Minorität, daß man keine Veranlaffung habe, dem Magistrat eine» Rat in dieser Be- ziehung zu erteilen, wendete sich später besonders lebhaft Herr Cassel. Man dürfe sich nicht mit einer Demonstratio» begnügen� sondern habe die Pflicht, dem Rechte zur Geltung zu verhelfen. Und ferner, wenn die Angelegenheit im Landtag zur Sprache gebracht werde, habe der Minister nicht die AuSrede, daß ihm keine Gelegenheit zur Prüfung der Sache gegeben worden sei. Unser Genosse S t a d t h a g e n, der die Auffassung der social« demokratischen Fraktion vertrat, erklärte sich gegen da« Ersuchen an den Magistrat. Was der Minister und das Staatsministerium in seiner Gesamtheit sage, sei absolut gleichgültig, ihm stehe keine Eni- scheiduug darüber zu, wie ein Gesetz auszulegen sei. Man solle es ruhig dem Magistrat überlassen, wie er den Weg vom Rathaus zum Schloß finde. Man möge doch dem Oberpräsidenten kein Loch öffnen für die Sackgasse, in die er sich verrannt habe. Berlin könne warten und werde warten. Die Mehrheit des Kollegiums war indessen der Ansicht, daß es inhuman sei, den Oberpräsidenten in seiner Sackgasse herumtappen zu lassen. Sie nahm auch den zweiten Teil der Resolution an, in dem an den Magistrat das betreffende Ansuchen gerichtet wird. Gegen diesen Paffus stimmten nur die Socialdemokraten und ein Teil von der Reuen Linken. Der erste Teil der Resolution war Nahezu einstiinmig gegen etliche Stimmen der Fraktion Moinmseii angenommen worden. So triumphierte denn diesmal allen boshaften Prophezeiungen zum Trotz der Rechtsstandpunkt über den Kotau. Möchte der Berliner Kommunalfreisinn stets ein so fanatischer Verfechter des Rechts sein!— des Herrscher«, nicht ihr Gemüt' im königlichen Schauspie I-l hause(bei Kroll) nicht gesprochen werden. Die„Vossischc� Zeitung' hat sich dieserhalb erkundigt und ermittelt, daß „der fragliche Paffu« in den Souffleurbüchern deS Schauspielhauses gestrichen ist und nicht gesprochen wird, außer, wenn die Worte Herrn Matkowskh gerade in den Mund kommen, wa« aber sehr selten der Fall ist.' Vermutlich wird in diesen seltenen Fällen dann Herr MatkowSky wegen Beleidigung Sr. Majestät de» König« Philipp ll. don Spanien mit einer erklecklichenOrdnungsstrafe belegt. Und das von Rechts wegen! Da« freistunige Organ ist sehr erbost über die Verunstaltung eines Goetheschen MeisteriverkeS. Aber es verkennt durchaus den Geist unsrer Zeit. ES ist in der That eine ganz schmähliche Verleumdung deS GotteSguadeNtuntS, daß man eiitem feiner Vertreter insinuiert, er sei fähig, hohle Worte zu sprechen. Kein Monarch spricht jemals hohle Worte. DaS verbietet nicht nur die göttliche Begnadung und das monarchische Gefühl de« Volkes, sondern auch das Strafgesetzbuch. Lebten wir in Oestreich, so würde Herr Matkowskw wenn ihm der fluchwürdige Satz zwischen die Zähne geriet, einfach ins Gefängnis gesperrt; denn da Philipp II. ein Vorfahr des jetzt regierenden Habsburgers ist und durch das östreichische Strafgesetz alle Mitglieder des Herrscherhauses durch die Majestätsbeleidigungs Paragraphen geschützt werden, so giebt eS auch eint strafbare Be� leidigung Philipp II. ES ist aber nicht nur eine Lästerting des GottesgnadenwmS, also deS monarchischen Princips in dem gestrichenen Satz EgmontS enthalten, sondern er bedeutet die verwegenste Aufteiznng gegen den Geist des MilitarisnuiS, die denkbar ist. Er vernichtet daS Lebens princip der militärischen DiSciplin, indem die Soldaten als Personen geschmäht werden, die durch hohle Monarchenworte zu ihrem Thun gezwungen werden, zu dem sie ihr eignes Herz nimmermehr treiben würde. Wie, diese Patrioten, die des Königs Rock tragen, haben die hohe Misston, mit ihren Bahonettcn den Thron gegen die uubotmäßigen Niederländer zu schützen und den Hochverräter Egmont zu strafen— und da wagt es Goethe von ihnen als von verächtlichen Leuten zu sprechen, die sich willenlos den hohlen Mouarchcnworten unterwerfen! Das ist nicht mir eine Verächtlichmachung des GnindgedankenS der Armeedisciplin, die eben ans dem Widerstand gegen das eigne Gemüt beruht, das ist eine Aufreizung zum Hochverrat in feiner ruchlosesten Form I' Daß Philipp II. zufällig schon tot ist, thut gar nichts zur Sache. Mon- archismus bleibt Monarchismus, und Militarismus bleibt Militarismus, und wer die Fundamente dieser Einrichtungen, die schuldige Ehrfurcht nud die Discipliu durch ein freches Wort an- tastet, den trifft nicht imr Philipp II. von Spanien, sondern die noch heute in Kraft befindlichen Institutionen. Wir verstehen schlechterdings nicht die dreiste Opposition der „Vossin'. Das freisinnige Blatt verherrlicht geradezu die Pro- paganda der That, und es ist eine unerhörte Zumutung, wenn sie verlangt, daß derlei ruchlose Tiradeu iu einem königlichen Theater gesprochen werden. Vielleicht informiert sich das plötzliche Barrikaden- blatt einmal bei seinen Berliner Stadtfrcisinnigen über die Grund- lagen unsrer Staats- und Gesellschaftsordnung, die anzutasten man auch einem Goethe nicht verstatten darf. Daun wird e« zur Be- sinnung kommen und die Konfiskation des Goetheschen Gchunddramas verlangen, damit cS nicht weiter die Jugend vergifte; denn für Worte von Ewigkeitsgehalt giebt eS keine historische Verjährung.— Deutsches Weich. „DaS hohl« Wort d«S Herrschers." Am Schluß von Goethes Egmont tritt der gefangene Freiheit«- kämpfer den spanischen Soldaten entgegen, die ihn aus dem Ge- fängniS holen. Er ruft den Söldnern des Tyrannen zu: „Schließt Eure Reihen. Ihr schreckt mich nicht. Ich bin ge- wohnt, vor Speeren gegen Speere zu stehen, und rings umgeben von dem drohenden Tod das mutige Leben nur doppelt rasch zu fühlen. sTrommeln.) Dich schließt der Feind von allen Seiten ein! Im Rücken habt Ihr Eltern, Weiber, Kinder Ieu Schaden der Zollpolitik deutlich erkennen.— Vier landwirtschaftliche Vereine Oberschwabens fordern die Erhöhung deS H o p f e n z o l Is von 40 auf 60 M. Ausland. Der Skandal in Neapel. Auö Rom wird uns vom 21. Okt. geschrieben: In der ersten Hälfte des November werden in Neapel die allgemeinen administra- tivon Wahlen stattfinden und zwar, nachdem dort lange Zeit ein königlicher Kommissar gewaltet hatte, der den ganzen Schmutz, der in jener Verwaltung gärte, ans Tageslicht gezogen hatte, einen Unrat, auf den zum erstenmale vor vielen Monaten von den Socialistcn das Augenmerk gelenkt Ivorden war. Trotz alledem ist die Korruption so tiefgehend und so weitgreifend, daß relht wenig Hoffnung vorhanden ist, daß diese Wahlen ihr ein Ziel setzen möchten. Inzwischen hat die Enquete ergeben, daß die Totalhölft de» Desicits deS MunieipitimS von Neapel sich auf circa 15 Millionen beläuft. Wie bisher die dritte Stadt Italiens verwaltet worden ist, kann man leicht aus einer seiner Jahresbilanzen entnehmen, z. B. der des Jahres 1833. In ihr belaufen sich die Eingänge auf 20 732 000 Lire, wovon 65 Proz. aus den iudircktcu Steuern stammten, d. h. dem Octroi, ivelcher aus den Schultern hauptsächlich der Armen lastet, und 24,6 Proz. aus den direkten Auflagen. Die Ausgaben betrugen 2 372 000 Lire. 53 Proz. davon entfielen auf die Patrimoniallaftcn(Munieipalschuld, RegiernngSstenern jc. je.), 9 Proz. auf die Bertvaltuiigskosten, 0,5 Proz. auf den KulluS, 5 Proz. auf die verschiedeneu Dieustzweige und nur 32,5 Proz. d. h. weniger als ein Drittel kommen eigentlich der Stadt zu gute. In der That sind die Ausgaben Neapels geringer als die von Mailand, Turr-, Rom in allen den Zweigen des Budgets, welche sür die Interessen der Bürgerschaft in Frage kommen, ob- gleich Neapel eine größere Bevolkermigsziffer hat als jene Städte. Unter den Ausgaben befinden sich einige Posten, die nur im Wahlintereffe gemacht find, z. B. 80 000 Lire für das Theater St. Carlo, 45 000 Lire an jährlichen Zuiveisungen tmd Grati- fikationen an das Heer der KomnUtnalbeamten, 8000 Lire für den Kultus. � Dieses als Kriterium für die Verwaltung der liberalen Ad- miniftratiou; was nun die Moral anbetrifft, so hat die Enquete er- geben, daß niemals kommunale Arbeiten vergeben oder öffentliche Betriebe louzcssioniert worden sind, ohne daß beträchtliche Snmuten tu die Taschen der Stadtväler geflossen wären. Die Register der Gas- gesellschaft und der Gesellschaft für Illumination und chiffrierte Tele- gramme wurden von einem Experten geprüft und das Resultat war. daß jedesmal, wenn die Konvention für Beleuchtung entweder in der Stadt« oerordiieten-Versammlung oder im Magistrat verhandelt wurde, oder jedesmal, iveim in den beiden Körperschaften eine Opposition gegen jene Konvention sich erhob, der Direktor der Gasconipagnie, Krasft, aus der Gesellschaftskasse Summen erhob, über die er keine Rechen- schaft ablegte und welche er dem Ex- Deputierten Casale nud dem Ex« Bürgermeister Summoute übergab, welche letztere dieselben wiederum den Stadträten aushändigten. I» folge dieser Enthüllungen ergiiigen nicht weniger als 25 Vor» ladungen, die sich leichr in Verhaftsbefehle verwandelit können und zwar wurden dieselben gegen die zwei Obeitbenannten und gegen andre Stadträte erlassen. Gegen diese Personen wird die socialistische Partei die Volksaktion aufrufen. Man kann kühnlich behaupten, daß es in Neapel keine Orgautiation gäbe, die nicht auch korrumpiert wäre. Im Corps der städtischen Poltzistcu wurde eine wahrhafte Agentur von©feHerilaiif und-Verkauf entdeckt. Ein höherer Offizier dieser Elite- Mannschaften soll 800 Lire gezahlt haben, um in daS Corps aufgenommen zu werden. Bei Gelegenheit der Pcstinfektion konnte man feststellen, dast keine der Seebehörden, welche mit der Untersuchung der Schiffe in sanitärer Beziehung beauftragt waren, ihre Pflicht thcit, und dost häufig auf mächtigen uird geheimen Einflust hin Schiffen die Ein- fahrt sreiaegeben wurde, welche infizierte Plätze berührt hatten I Selbtt die Presse»ahm kräftig an diesen illoyalen Renten teil, der Chefredacteur eines neapolitanischen Blattes erhielt von der Gasgesellschaft 40 000 Lire, was den erbitterten Widerstand der neapolitanischen Presse gegen die Regierung, gegen die Enguete und gegen den königlichen Kommissar Senator Saredo erklärt, gegen den sie falsche Anklagen richtete, un, die Resultate seines Wirkens' zu erschüttern. «• « So endet das Ansehen der neapolitanischen liberalen Parter. es endet vor dem Richterstuhl gerade wie ihr Häuptling Aniello Casale. Wer wird die Nachfolge antreten? Es wäre ein leerer Wahn, zu glauben, dast Parteien oder Männer siegen könnten, die absolut frei wären von den Methoden der verflossenen Verwaltungen und des camorristischen Systems. Wie wäre es möglich, dast der Parasitismus der Spitzbuben sich nicht einniste in einer Stadt, wo jeden Morgen 100 000 Personen nicht wissen, wo sie das nötigste zur Fristung sdcs Lebens her- nehmen sollen, und die zu allem fähig und bereit find, um es sich zu verschaffen? Sie müssen notivendigcrweise Opfer oder Werkzeug der grvhtcn Taugenichtse, der gröhten Camorristen werden. So wird denn eine andre Partei hochkommen, die zwar seinen andern Namen trägt, sich aber in der That wenig von der gc« fallenen unterscheiden wird. Ein Beispiel hierfür gaben kürzlich zwei Kommunen in der Gegend von Neapel. Auch in S. Giovanni Teduccio und in P o r t i c i hatte eine Regierungsenguete die Stadträte vor den Richterstuhl gezogen, aber die Wähler haben sie durch eine plebiscitäre Abstimmung wieder ans Ruder gebracht. Die Socialisten von Neapel, die � sich mit Stolz das Verdienst der eben vorgenommenen moralischen Ausnnstung zuschreiben können, werden sich mit eignem Programm und eigner Kandidatenliste präsentieren. Sie schlagen vor, dast die für die Ausgleichung des jährlichen Deficits und für die Entwicklung der öffentlichen Betriebe notwendigen vier Millionen durch Ersparnisse im Budget, durch die Konversion der fünfprozentigen Schuld in vierprozentige, und durch eine Rentensteuer aufgebracht werden, und dast für das Totaldeficit von fünfzehn Millionen nicht der Staat, wie die andren Parteien wollen, Sorge trage, sondern dast man mit der Depositen- und Borschuhkaffe ein Ab- kommen mit langer Frist und zu niedrigstem Zins treffe. Es ist jedoch leicht vorauszuiehen, dast die Socialisten geschlagen werden. Die von ihnen ins Leben gerufene moralische Reaktion ist noch nicht so stark, um die Ehrenhasten und die Apathie der Allzuvielen auf- zurütteln. Es werden also die Gemähigten in brüderlicher Gemeinschaft mit den Klerikalen ans Ruder kommen. JeneKIerikal-Gcmähigten, die an der Spitze der Unterstützungs-Jnstitutionen, dem Schauplatze der unglaublichsten Plünderungen, stehen, dieselben Leute, die bei der Wahl eines Nachfolgers für Casale bewiesen haben, dast sie nicht im stände sind, die Bande, die sie mit der alten camorristischen Klientel verschweistt, zu zerreisten, und deren Oberbonze der Advokat Arlotta ist, der alles oersucht hat. um der Regierungsenquete einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen., Und so wird im grasten und �ganzen alle» beim alten bleiben I Zu denz Skandal wird weiterhin gemeldet: Der Bericht des KommiffarS Sareho belastet besonders die Redacteure groster Blätter Neapels, welche un Verein mit dem früheren Sindaco Summ ante «inen unglaublichen Stellenhandel trieben. Besonders blostgestellt ist der bekannte Schriftsteller Scarfoglio und seine Frau, die berühmte Mathilde Serao. Der Bericht sagt kurz: Scarfoglio, der Direktor des„Matsiiw", verlangt vom Ingenieur DaufreSne 80 000 Lire für sich und eine Summe für die Administratoren des BurcauS für Vergebung der Strasten- reinigung, Scarfoglio erhält 12 000 Lire von einem Baumeister, der vom Municipium mit dem Bau eines Volksbades beauftragt ist, ver- langt 30 000 Lire für die Zusicherung des Monopols an die Be- lcuchtungsgesellschaft und erhält. 18 000 Lire von der Strastenbahn- Gesellschaft. Mathilde Serao verspricht die Beförderung cincs Stadl- Polizisten gegen ein Darlehen von 200 Lire. Der Stadtpolizist droht mit Klage beim Staatsanwalt, falls nicht die Rück- erstattung des Geldes erfolgt. Sie zahlt sie in wöchent- lichen Raten ab. Mathilde Serao verlangt ferner 1000 Lire als Darlehen von einem gewissen Desimone, dem sie ein Rcgierungsamj verspricht. Desimone zahlt noch einmal 1000 Lire, um das ver- sprochene Amt zu erhalten, und wird endlich Hausmeister in einem Ministerium. Als nachträgliche Gratifikation erhält sie noch einmal 350 Lire. Direktor Tnrco von dem Blatt„DonMarzio" bietet dem in Geldnot befindlichen früheren Sindaco 100 000 Lire an. Die Leitungen bestechen Stadtbeamte, und die Stadtbeamten bestechen die Zeitungen, wenn erster« nicht selbst als Redacteure gut bezahlte Posten in der Verwaltung bekleiden. Der Skandal übersteigt alle Grenzen.— Schweden. Mit einer Steuerreform wird sich der nächst» Reichstag zu befassen haben. Die zur Vorberatung dieser Frage eingesetzte Kam- Mission hat ihr Gutachten dem Finanzministcr überreicht. Es ist darin eine Einkommensteuer vorgesehen mit obligalorischcr Selbst- einschätzung für alle Einkommen, die über 2000 Kronen betragen. Die Kommission hat berechnet, dast diese Einkommensteuer dem Staat eine Einnahme von über 8 Millionen einbringen wird. Dazu kommt noch die Vermehrung der Einnahme», die dadurch erwartet wird, dast die Selbsteinschätzung auch für die bereits bestehende Staatsstcuer eingeführt werden soll.— Frankreich. Die Interpellationen spielen bekanntlich in der stanzösischeii Kammer eine graste Rolle. Die vergangene Session hat der gegen- wärtige» 46 unerledigte Interpellationen hinterlassen; während der Ferien sind bis jetzt noch 20 hinzugekommen, so dast die Kammer mit 66 zu rechnen hat. Unter den neuen Interpellationen befinden sich einige von groster Bedeutung� von socialistischer Seite sRonanet und Sembat) betreffend die Maffacre in Armenien, von Contant be- treffend die Tramway-Gescllschasten von Paris, von Poulain über die Rrbeitslösigkeit. Bezüglich der Politik der Regierung liegt eine Interpellation vom Abbe Gayrand über das Vereinsgesctz vor. Von den alten Interpellationen ist hervorzuheben die des Genossen Pastre über die Mastregelungen socialistischer Lehrer und Professoren.— Lisien. Da» Mandschurrt-Abkommen hat, wie den„TimeS' ans Shanghai mitgeteilt wird, nach einem in chinesischen Blättern ver- öffentlichten ÄnSzug aus dem Vertrag im wesentlichen folgenden Inhalt:.China ist gehalten, Rußland für die Rückgabe der Eisen- bahn Schanhaikwan-Nintschwang gewiffe Vorteile zu gewähren. Alle Eisenbahn- und Bergwerks-Privilegien in der Mandschurei bleiben den Russen vorbehalten. Alle Ein- geborenengarnisonen sollen auS Truppen bestehen, die von Russen ausgebildet sind. Die Mandschurei soll wieder an China zurückgehen, aber die Besetzung durch russische Truppen bleibt bestehen, bis die U n r u h e n aufgehört habe». Man rechnet, daß ein Zeitraum von drei Jahren erforderlich sein wird, um die endgültige Zurückziehung der Truppen zu ge- statten.— China würde also im günstigsten Faste nur der F o r m nach die Mandschurei zurückerhalten, da ja auch nach- Zurückziehung der russischen Tttwpen die chinesischen Truppen unter dem Befehl russischer Offiziere stehen würde». Rußland würde sich lediglich die Last der Verwaltungsgeschäfte ersparen, im übrigen aber alle Vor- teile des Herrschers genießen. Die japanische Presse eifert begreif- licherweise wiederum gegen die Festsetzung Rußlands in der Mandschurei. Im Ernste aber wird Japan ebensoivcnig wie England etwas unternehmen.— Vom Philippinen- Krieg. Der Aufstand der Eingeborenen auf Samar nimmt immer mehr zu. aber das Kricgsamt ist der Ansicht, derselbe werde bald niedergeschlagen sein j?). General Chaffce hat gestern aus Manila ein beruhigendes Telegramm über die Lage auf Luzon eingesandt. Amerika. Unruhe» in Paraguay. Dem»Diario* zufolge hat die Rebellion in Matto Grosso in Paraguay einen großen Umfang an« genommen. Der Gouverneur ist gezwungen worden, sich in Cuabo zu verschanzen. Die Revolutionäre sind im Besitze der ganzen Provinz. Grenzkonflitt Chiles mit Argentinien. Nach einer Meldung der»Daily Mail" aus Buenos Aires von gestern soll Chile das strittige Gebiet in den Cordilleren besetzt und die Regierung Argentiniens von Chile Aufklärungen darüber verlangt haben. Der Boeren- Krieg. Botha. Dem»Reuterschen Bnreau" wird au» Bryheid vom 22. Oktober gemeldet: Botha ist offenbar in seinem Marsch aufgehalten worden, da er sich jetzt in Pietersdorp befinden soll. Eine große Anzahl Boeren verbergen sich in dem Walde von Winnberg; es sind Aus- sichten vorhanden, daß sie von der Kolonne Walter KitchenerS um- ringt werden. Zurückeroberung der englische« Geschütze. London, 24. Oktober. General Kitchener meldet auS Pretoria vom 23. Oktober: Zwei Kanonen von der 6g. Batterie der könig- lichen Feldartillerie, die bei Scheepcrsnek von den Boeren genommen worden waren, wurden zurückerobert. Die Verlustliste der Engländer vom südafrikanischen Kriegsschauplätze umfaßt für den 23. Oktober 3 Tote, 11 Verwundete, 5 Gefangene, die aber wieder freigelassen wurden, und 10 an Krankheiten Verstorbene. ParlS, 24. Oktober. Wie das Blatt„Rappel" an» Louren?o Marques berichtet, haben die Boeren bedeutende Bestellungen von Kanonen bei verschiedenen europäischen Fabriken gemacht.(?) Unter diesen Finnen befindet sich auch eine englische. Wie eS heißt, wollen die Boeren nochmals energisch vorgehen und gebrauchen hierzu Artillerie. Vonrmunsles. Stadtverordneten- Versammlung. 32. Sitzung vom Donnerstag, den 24. Oktober, nachmittags b uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Dr. Langerhans gegen SV» Uhr eröffnet. Die Zuhörertribüne ist wiederum überfüllt. Der Stadtv. W i n ck l e r hat sein Mandat niedergelegt. Dem Andenken des gestern in hohem Alter verstorbenen ersten Dieners der Versammlung Beetz el widmet der Vorsteher ehrende Worte, die Anwesenden erheben sich von den Plätzen. In die Baudeputation wählt die Versammlung den Stadtv. F r i ck, in da? Kuratorium der Otto-Stiftung den Stadtv. L a d e w i g, beide der Neuen Linken angehörig. Der für die Erörterung des GWaffeS des Oberpräsidenten v. Bcth- mann-Hollweg in der Angelegenheit der Wiederwahl deö nicht bestätigten Stadtrats Kauffmann zum Bürgermeister Niedergesetzte Ausschuß hat eine doppelte Beschlustfassung vorgeschlagen. Der erste e i n st i m m i g gefaßte Beschlust hat folgende Formulierung erhalten: „Von der Bestimmung in Z 33 St.-O.. welche das Recht der Bestätigung der Bürgermeister und Beigeordneten in Städten von inehr als 10-000 Eihmvohncrn ausschließlich dem König vorbehält. ist weder in der St.-O. noch in einem andern Gesetze eine Aus- nähme für den Fall der Wiederwahl eines Nichtbestätigten vorgesehen. Ans dem Schreiben des Herrn Oberpräsidenten vom 6. Oktober erhellt, dast eine königliche Entscheidung über die wieder- Holle Wahl des Herrn Stadtrot Kauffmann zum Bürgermeister noch nicht erfolgt ist; daher ist die Stadtverordneten-Versanmilung an diese Wahl gebunden und lehnt die Vornahme einer Neuwahl bis zum Eingange einer Entscheidung des Königs über die Be- stätigrmg ab." Der zivcite Beschlnst wurde mit 11 gegen 4 Stimmen gefaßt und lautet: „Ferner ersucht die Versammlung den Magistrat, über den Bescheid des Oberpräsidenten vom 6. Oktober Beschwerde beim Minister des Innern zu führen." Referent des Ausschusses ist Stadtv. Dr. Preust. Derselbe hebt ausdrücklich hervor, dast die Versammlung niemals das Recht der Regierung, die Bürgemteisterstelle vom Augenblick der Wieder- wähl eines nicht Bestätigten einstweilen kommissarisch verwalten zu laffen. bestritten hat. ES handle sich lediglich um die Frage, ob das Bestätigungsrccht der Krone im Fall einer solchen Wieder- wähl kassiert werde oder nickii Von einem solchen Aufhören dieses Rechts stehe im 8 83 der Städte-Ordnung nichts; die bei der ersten Verhandlung vom Stadtv. Mommsen vertretene Auffassung habe iin Ansschuffe keinen einzigen Verteidiger gefunden. Auch aus der Entstehnngsgeschichte des§ 33 ergebe sich mit vollster Klarheit, dast hier mir von der eventuellen kommissarischen Besetzung die Rede ist. die Bestätigungsfraae dagegen ganz unberührt bleibt. Die Regierung selbst halic diesen Standpunkt früher, so in dem oft erwähnten Erlast von 1360. geteilt, der um so einwandsfreier sei, als die Ungesetzlichkeit der Wiederwahl von nie- mand behauptet werde. An dem Rechtsstandpunkte müsse sestgehaltc» werden, man dürfe nicht aus taktischen, aus KlugheitSrücksichten dazu beitragen, die formalen Kompetenzen zu verivirreu. Die Versamm- lnng brauche nicht nur nicht zu einer Neuwahl zu schreiten, sie dürfe es auch nicht, wenn ihre Rechtsauffaffuiig die zutreffende sei. In das Grundgesetz der kommunalen Selbstverwaltung dürfe nicht auf solchem WegcBresche gelcgtwerden. Die Versammlung könne auch nichtihrcrseitS durch Beschreiten des Beschwerdeweges materiell eingreifen, denn derBr- schwerdeweg ende schon beim Ministerium. Dagegen könne der Magistrat, an den daS Schreiben des Oberpräsidenten gerichtet ici, sehr wohl die Beschwerde an das Ministerium über den Bescheid einlegen. Merkwürdig sei, dast man gleichzeitig in der Presse der verschiedenen Richtungen der Versammlung den Vorwurf der Konfliktslust und des Verkriecheus hinter formalen Rechts- gründen mache. Beweis genug, dast man sich auf dem richtigen Wege befinde.(Beifall.) Stadtv. Stadthagcn(Soc.): Aus der Entstehungsgeschichte deS § 33 ergicbt sich auch, dast der Antrag, das Recht der Wiederwahl ausznschalten, ausdrücklich vom Herrenhause s. Z. abgelehnt worden ist. Die Handhabe dafür, dast der Oberpräsident sich durch die Gerichte über das Verfehlte seines Standpunktes belehren laffen kann, ist schon durch den ersten Beschluß des Ans- schusseS gegeben: den zweiten Beschluß, die Beschwerde be- treffend, kann ich nicht billigen. Es ist für un» gleichgültig, ivas das Ministerium über die Frage denkt, und außerdem geht eS nnS nichts an, was der Magistrat in diesem Punkte zu thun beabsichtigt. Es liegt aber darin eine Art Oeffnung der Sackgasse in ivelche sich der Obcrpräsident verrannt hat, und dazu möchte ich meine Hand nickt geben. Jedenfalls widerspricht der zweite Antrag bis zu einem gewiffen Grade dem erste». Wir haben unsre Meinung in dem ersten Beschlüsse ausgedrückt, ivir haben zu warten und wir können warten. Beschwert sich der Magistrat, so würde es inter- essant sein, wenn er sich dabei auf das tüchtige Buch des Großvaters de» jetzigen Obcr-Präsidcnten„Vom Nr- sprung der longobardischen Städtefreiheit" beriefe, welches der 1840 geadelte Minister v. Bethiuann-Hollweg geschrieben hat. Bei einer Denkmalsenthüllmig in der Siegesallee soll einmal Tile Wardenberg als Muster eines Oberbürgermeisters hingestellt worden sein. Dieser Mann war ein besonders starrköpfiger' Vertreter der Städtefreiheit, ihn mag der Magistrat sich zum' Muster nehmen; aber ganz unangebracht erscheint es mir, daß Ivlr dem Magistrat einen solchen Weg weisen, wie er in dem zweiten Vorschlage an- gedeutet ist. Stadtv. Cassel(A. L.): Es hat sich in unsrer Rechtsauffassnng nicht das geringste geändert; auch die erschienenen Zeitungsartikel und die Stellungnahme des Dr. Nomen sind in dieser Beziehung ohne jede Wirkimg geblieben. Der Antrag betr. die Einlcgung der Beschwerde ist dagegen keineswegs ohne Bedeutung, denn es muß der obersten Vcrwaltungsinstanz die Gelegenheit genommen werden, nachher etwa im Landtage sich darauf zu berufen, daß die Stadt gar keinen Versuch gemacht habe, ihren RechtSstandpunkt in der Frage deS'Bescheides überhaupt vor jenes Forum zu bringen. Der Redner führt dann noch die beiden Präcedenzfälle an, wonach der verstorbene Bürgermeister Brinkmann in Tilsit und der Bürgermeister Herse in Posen nach nicht bestätigter Wahl iviedcr gewählt wurden und daß in beiden Fällen eine königliche Entscheidung erging. Stadtv. Kreitling(N. S.) bittet ebenfalls um Annahme beider Anträge, damit man der Stadt nachher nicht den Vorwurf machen könnte, sie habe nicht alles gcthan, um den Jnstanzenzug zu er- schöpfen. ES müsse doch im Auge behalten werden, daß wir in einem Rechtsstaate leben, in dem die Bureaukratie sehr mächtig ist. Damit schließt die Debatte. In der Abstimmung wird der erste AuSschustantraa f a st e i n st i m m i g, der z>v e t t e gegen die Stimmen der Socialvemokraten angenommen. Hierauf nimmt die Versammlung die noch rückständigen Stadtratswahle» vor für die mit Ende 1901 ausscheidenden unbesoldeten Stadt- räte Marggraff, Dr. Münsterberg, Dr. Straßmann und Struve. Wiedergewählt wird Herr Marggraff. Dr. Münsterberg und Stadtrat Straßmann. Die letzte Wahl beantragt Stadtv. Ullstein(es ist inzwischen Uhr geworden) heute nicht mehr vorzunehmen, da die Versamm- lnng ein überwiegendes Interesse habe, die Angelegenheit wegen Aushebung der Viermark- Steuerstufe noch zu erledige».(Lebhafter Widerspruch von verschiedenen Seiten.) Stadtv. Singer unterstützt die Vertagung der Wahl. Auch bei dem genannten Gegenstand handele es sich um Wahlen, wenn auch nicht um Stadtrats- sondern um Stadtverordneten-Wahlen. ES liege im Jutereffe der Mehrheit selbst, wenn der Wählerschaft vor der Wahl volle Klarheit in dieser wichtigen Frage werde. Vorsteber Dr. LaugcrhanS: In dieser wichtigen Frage braucht die Wählerschaft vor dieser Wahl gar keine Aufklärung, denn sie wählen alle mit, die bisher wahlberechtigt sind, gleichviel ob Sie den Magistratsautrag annehmen oder ablehnen.((&roße Heiterkeit.) Der vierte Mahlgang wird vorgenommen und ergiebt die Wieder- wähl des Stadtrats Struve. Hiernach beantragt Stadtv. Wallach die Absetzung der übrige» bedeutsameren TagrSordnungS- gegenstände, da die Versammlung zu eruuidet sei. Auch die Viermark-Steuerfrage habe nicht die große Wichtigkeit, die ihr Herr Singer beilege. Die Versammlung würde sonst beschlußunfähig werden. Stadtv. Singer beantragt über diesen Antrag namentliche Ab- stimmuug. Rur mr Vertrauen darauf, daß die Viermark-Steuerfrage noch erledigt würde, habe seine Partei gegen die Beendigung der StadtratS'.vahlcn keinen Protest erhoben. Es scheine aber der Mehrheit nicht bequem zu sein, der Wählerschaft in dieser Frage noch vor den Wahlen.Klarheit zu verschaffen. Auch könne menianb verbürgen, daß die Sache ani nächsten Donnerstag zur Erledigung komme,' da die Mehrheit dann leicht abermals' andre Gegenstände als noch wichtiger ansehen konnte. Vorsteher Lnngerhanö hat allerdings geglaubt, eS würde sich die Erledigung heute noch ermöglichen lassen, bittet aber unter Bezugnahine ans seine vorhin geäußerte Ansicht dm Stadtv. Singer, von seinem Verlangen Abstand zu nehmen. Stadtv. Cassel legt sehr erregten Protest gegen die Unter- stclluiiq ein, als ob die Mehrheit auS parteipolitischen Gründen die Sache überhaupt nicht vor den Wahlen erledigen wolle. Herr Singer und seine Freunde würden auch vollauf Gelegenheit haben, noch vor den Wahlen ans der Sache bei der Agitation Kapital zu schlage». Was seine(Redners) Freunde nicht wollten, sei, in einer so wichtigen Angelegenheit und zu so später Stnude die Socialdeinokrateii allem reden zu lassen. Vorsteher Laugcrhans nimmt den Stadtv. Singer gegen die ersten Aussührungen des Vorredner" in Schutz. Stadtv. Kreitling seitigt»nd damit ein weiterer Rechtszustand der Arbeiter hergestellt. Ein weiterer und wichttger Vorzug ist die Ausdehnung der sachlichen Zuständigkeit der Gerichte. Denn während bisher nur über den Antritt, die Fortsetzung oder Auflösung des Arbeitsverhältnisses, sowie überAus- händigung oder Inhalt des Zeugnisses oder Arbeitsbuches geklagt werden konnte, kann man jetzt auf Herausgabe von Arbeitsgerät, Kleidern, Kautionen, Legitimattonspapicren usw., und der dadurch begründeten Schadensersatz- Ansprüche klagbar werden. Die Ausdehnung der Zuständigkeit auf den Per- s o n e n k r e i s ist leider nicht gelungen. Nach wie vor sind die Handlungsgehilfen, das Gesinde, die land- und forstwirtschastlichcn Arbeiter von den Segnungen der Gewerbegerichte ausgeschlossen. Auch den Frauen hat man, trotz aller Gunst bezeugungen seitens der bürgerlichen Parteien im Reichstage, weder das aktive noch das passive Wahlrecht eingeräumt. Nachdem noch Redner der wichtigsten Aufgaben des Gewerbegerichts als Einigungs aml gedacht, schloß er seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Wunsche, die Lässigkeit bei den Wahlen zu dem Berliner Gewerbegcricht abzustreifen und durch eine allgemeine Teilnahme die Wichtigkeit derselbe» für uns der bürgerlichen' Gesell schaft zu demonstrieren. In der darauffolgenden Diskussion beschränkte man sich ans eine kurze Reihe von Fragestellungen, welche durch den Referenten beantwortet wurden. Unter Vereinsangelegenheiten machte Karl Scholz die gewerbetreibenden Genossen auf die. im November stattfindenden Gewerbesteuerausschutzwahlen aufmerksam und ersuchte um rege Beteiligung. Nachdem noch Genosse S t u m p e das eigentümliche Verhalten des Betriebsdirektors der städtischen Stratzenreinigung, der circa 40 Straßenfeger zuni„freiwilligen" Verteilen von Flugblättern für den liberalen Stadt- verordneten-Kandidaten K. aufgefordert hatte, treffend kritisierte, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Mahnung, bis zum 6. November alles daranzusetzen, um einen vollen Sieg bei den Stadtverordnetcnwahlen zu erringen. Der socialdemokratische Verein für den 6. Berliner RcichötagS-WahlkreiS hielt am 22. Oktober in Schmids Gesell- 'chaftshauie, Gartenstratze 13/14, eine sehr gut besuchte Versamm- lung ab. Rcichstags-Abgeordneter Georg Ledebour sprach über das Thema:„Der südafrikanische Krieg und seine Lehren." In 1�/4-stündigem Vorttage, der oft von Beifall unter- brochen wurde, schilderte er die Greuel der englischen Kricgsführung in Transvaal und wies nach, datz der Krieg im Grunde nur verschuldet sei durch den Eigennutz einer goldgierigen 5lapitalisteuklique, bei deren Unternehmungen auch deutsche und französische Börscaner beteiligt seien. Indem er unter andcrm auf die Verherrlichung der Hunnenthaten in China verwies, die sogar der von christlicher Liebe triefende Hauptsührcr der Nationalsociolen besonders zu rechtfertigen versucht habe, erklärte Redner die Annahme für durchaus gerechtfertigt, datz das deutsche Bürgertum mit patriotischem Hurra und größtem Eifer dabei wäre, wenn Deutschland zu einem Raubzug, wie dem in Südafrika, die Gelegenheit hätte. Auch das deutsche Bürgertum würde alle Entartungen einer wütenden Soldateska herunterschlucken, wenn nur der Ruhm Deutschlands herausgepinselt werden könnte.— Die deutsche Arbeiterschaft, meinte Genosse Ledebour zum Schluß, habe vor allem zwei Lehren aus dem südafrikanischen Kriege zu ziehen. Jedwedem Versuch, unter welchem Vorwande er auch immer gemacht werde, uns irgendwie in Kolonialabenteuer zu verstticken, ei von vornherein mit aller Kraft entgegenzuwirken. Denn wir wüßten, daß er zu einem Verbrechen wider die Menschheit ausarten würde. Und andrerseits hätten die Boeren. die immer noch nicht vernichtet sind, durch ihre Standhaftigkeit gegenüber einem übermächtigen Gegner bewiesen, was ein Volk vermöge, das seine Waffen in der Hand habe. Durch eine belehrende Agitation könne und müsse das ganze Volk davon überzeugt werden, daß mit der Institution des stehenden HeereS ein Ende gemacht werden müsse zu Gunsten des Volks- Heeres, der Volksbewaffnung.(Brausender Beifall.) Nachdem der Borsitzende auf die Arbeiterpresse aufmerksam gemacht und den An- 'chlutz an die gewerkschaftliche und politische Organisation empfohlen hatte, schloß die Versammlung mit einem donnernden Hoch auf die internattonale Socialdemokratie. Kupferschmiede. Die Filiale Berlin des UnterstützungsvereinS der Kupferschmiede Deutschlands hielt am 10. Oktober im Gewerkschafts- hause ihre Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Kassierers hatte die Centralkasse eine Einnahme von 2268,55 M., eine Ausgabe von 1363.66 M., von dem Ueberschuß wurden 704,80 M. an die Centralkasse nach Hamburg geschickt und 200 M. verblieben der Filiale. Die Lokalkasse hatte inkl. eines Bestandes von 653,50 M. eine Einnahme von 1286,82 M., der eine Ausgabe von 640,25 M. gegenüberstand, so datz 637,51 M. der Lokalkasse verblieben. Der Mit- glicderbestand betrug 302. Es wurde beschlossen, den Beitrag zur Lokal- kasse, der 40 Pf. vierteljährlich betrug, auf 15 Pf. wöchentlich zu erhöhen, 3U dieser Einnahmen zur Bildung eines Streikfonds alle Vierteljahre zurückzustellen und den Rest für die Lokalbedürfnisse zu verwenden. Der gesamte Beitrag, den die organisierten Kupferschmiede zu leisten haben bettägt vom 1. Januar 1002 0,55 M. wöchentlich. Betreffs der Maifeier wurde die Resolution des Metallarbeiter-Verbandes, welche derselbe auf seiner letzten Generalversammlung beschloffen hat, mit einigen Abänderungen angenommen. Der Verband deS technischen Bühnenpersonals nahm in seiner am 10. d. Mts. stattgefundenen Quartalsversammlung den Kassenbericht für Juli— September entgegen; derselbe ergab: Ein- nähme inkl. Bestand 333,25 M.. Ausgabe 180,51 M.. bleibt jetziger Bestand 143,74 M. Der Kassierer wurde einstimmig entlastet. Auf- genommen wurden 0 Mitglieder. Pctitionslisten sind bis jetzt 17 mit 450 Unterschriften eingelaufen. Als Delegierte für die Krankenkassen wurden 4 Kollegen vorgeschlagen. Für das Amt des ersten und zweiten Schriftführers, eines Revisors und eines Bei- sitzers fanden Ersatzwahlen statt. Die Kommission zur Bearbeitung der Petition gab bekannt, daß Rcichstags-Abgeordneter Molkenbuhr sich bereit erklärt hat, die Forderungen der Bühnenarbeiter im Reichstage zu vertreten. Das christliche Gewerkschaftskartell Bayerns, welchem die Ver- einigung technischer Bühnenangestellten Münchens angeschlossen ist, teilt dem Vorstand mit, daß es mit seinem Vorgehen vollständig einverstanden ist und die Petitton des Verbandes mit allen Kräften miterstützen werde. Der Verein der Zimmerer Berlin« und der Umgegend hielt am 20. Oktober seine vierte Generalversammlung ab. Das Ableben der Mitglieder H. Possin und G. Ohnesorge wurde in der üblichen Weise geehrt. Die Abrechnung vom dritten Quattal ergab eine Einnahme(inkl. Bestand vom zweiten Quartal) von 24 252,46 M., verausgabt wurden 3 754,00 M.. verbleibt somit ein Bestand von 20 408,37 M. Dem Kassierer Metzner wurde einstimmig Decharge erteilt. Den Bericht des 5. KongreffeS der durch Vertrauensmanner centralifierten Gewerkschaften erstattete der Delegierte Hinrichsen. Daran schloß sich eine anregende Diskussion. Ein Antrag, der sich mit den gefaßten Beschlüssen einverstanden erklärt, wurde angenommen. Unter Vereinsangelegenheiten empfahl der Vorstand folgenden An- trag:„Mitgliedern, welche 3 Jahr der Organisation angehören. und infolge von Alter oder Unfall gezwungen sind, unter dem je- weiligen Einheitslohn zu arbeiten, kann auf ihren Antrag beim Vor- stand der Beitrag auf 30 Pf. pro Woche erniedrigt werden. Eigen- mächtig darf kein Bezirkskassierer 30 Pf.-Markcn verabfolgen." Der Antrag wurde gegen 4 Stimmen angenommen. Das Mitglied Kaschke wurde, weil derselbe sich als Arbeitswilliger in Mecklenburg- Schwerin hat verwenden lassen, aus dem Berein ausgestoßen. Der Verein der Wäsche- und Krawatten-Arbeiter und Arbeiterinnen sprach sich in seiner Versammlung am 22. d. Mts. nach einem Vortrage der Genossin Ihrer für die Beseitigung der Heimarbeit in der Wäsche- und Krawattenbranche aus. Der Kassierer Stanowski gab den Vierteljahresbericht, welcher inkl. eines Bestandes von 1840,76 M. eine Einnahme von 2691,21 M. aufwies. Die Streikfonds-Einnahme betrug 143,55 M. Dem stand gegenüber eine Ausgabe von 1206,62 M., somit bleibt ein Bestand von 1484,50 M. Für Krankenzuschntz wurden 266,25 M. ausgezahlt.— Die Lohndifferenzen der Plätterinnen bei der Firma Cohn u. Ellenburg wurden hierauf eingehend besprochen. Aufgelöst wurde gestern abend eine nach StechertS Festsälen einberufeue öffentliche Versammlung, in welcher der Naturheilkundige Heinemann über die„Verhütung des Empfängnis" reden wollte. Der Vortragende kam über die Einleitungsworte nicht hinaus. Der socialdemokratische Wahlverein für Stralau und Umgegend hielt am 20. Oktober im Lokale des Herrn Gursch seine Generalversammlung ab. Genosse Zander gab den Bericht vom Provinzialparteitag. Ueber den Parteitag in Lübeck erstattete Ge- nosse Graner-Lichtenberg Bericht. Folgende Resolution fand ein- stimmige Annahme:„Die heuttge Versammlung erklärt sich mit der Haltung ihrer Delegierten auf dem Parteitag einverstanden. wünscht jedoch.' daß in Zukunft der Parteitag zur prakfischen Arbeit mehr Zeit verwenden und nicht den Akademikern den größten Teil der Zeit nberlaffcn möge. In der Accordmaurer-Angelegenheit ist die Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden." Hierauf erstattete der Vertrauensmann Genoffe Schoos Bericht über seine Thätigkeit. Derselbe hatte eine Einnahme vmtt 236,78 M. und eine Ausgabe von 222,07 M., mithin blieb ein Bestand von 13,81 M.. außerdem wurden an den Kreis an BonS und Listen- gcldern 160,05 M. abgeführt. Versammlungen wurden sieben ab- gehalten. Auf den Petitionslisten gegen den Brotwucher hatte Stralau inkl. Ortschaften 1500 Unterschriften zu verzeichnen. Dem VerttauenS« mann wurde Decharge erteilt. Hierauf gab der Kassierer Mütze den Kassenbericht. Derselbe hatte eine Einnahme von 220,11 M. und eine Ausgabe von 128,06 M., mithin Bestand 100,15 M. Demselben wurde ebenfalls Decharge erteilt. Alsdann wurden die Wahlen vorgenonnnen. Da der bis- herige Vertrauensmann ablehnte, weil er das Amt schon zwei Jahre verivaltet hatte, so wurde Genosse E. Bcrnsdorf an dessen Stelle gewählt. Zur Lokalkommission wurden die Genossen Ernst Kaushold, Franz Aschendorf und Richard Fiege gewählt. Es folgten dann die Wahlen des Vorstandes: Wilhelm Schoos, 1. Vorsitzender, Emil Bernsdorf, 2. Vorsitzender, Adolf Breves, Schriftführer, Gustav Mütze. Kassierer; als Revisoren Heinrich Krumm, Rudolf Hamann und Jochim Schütt. Den Revisoren wurde zu gleicher Zeit die Revision des Vertrauensmannes übertragen. Als Delegierte zur Kreis- konferenz wurden die Genossen Heinrich Krumm, Ferdinand Hallwaß und Gustav Mütze gewählt. Ter Arbeiter- BildnngSvcrein für FriedrichShageu hielt am 10. Oktober eine Mitgliederversammlung ab. Der Vertrauens- mann Sonnenburg gab den Bericht über seine Thätigkeit. Er hatte eine Einnahme von 347,80 M., eine Ausgabe von 276,05 M.(darunter 50 M. an den Kreisvertrauensmann). Genosse Sonnenburg wurde als Vertrauensmann wiedergewählt. Ferner wurden gewählt als Revisoren Köhler, Schmidt, Tobias, in die Lokalkommission Leischner, Hübner, Jäckel, als Delegierte zur Kreiskonferenz Holzhütter, Kramm, Köhler.— Hierauf erstattete Genosse Stadthagen den Bericht vom Parteitag, dem die Versammlung zustimmte.— Die Petitionslisten gegen den Zolltarif liegen noch zum Einzeichnen in folgenden Lokalen aus: Kramm. Scharruweberstr. 24, Linde, Friedrichstr. 110, Rumpf. Friedrichstr. 73._ rrtzke Ncr(szvi(szken und Deprfiizen« Wien, 24. Oktober. Theater(Kroll) Geschlossen. Schiller. Figaros Hochzeit ober: Ein toller Tag. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 7>/, Uhr. Berliner. Ueber unsere Kraft. (1. Teil.) Anfang 71/, Uhr. Lessing. Die Fee Caprice. Anfang 7'/, Uhr. {Residenz. Sein Doppelgänger.— Vorher: Im Coupä. Anfang 71/z Ubr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- sang 71/, Uhr. Westen. Der Wildschütz. Anfang 7i/- Uhr. Secesstonsbühne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. Central. Die Puppe. Anfang 71/, Ubr. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- fang 71/2 Uhr. Luisen. Don Carlos. Anfang 8 Uhr. Carl Weiss. Berliner Rangen. Ansang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstädtisches. Die Landstreicher. Ans. 71/2 Uhr. Belle-Zllliance. Die Liebesblume. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Berlin W— Berlin N. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Mctropol. Specialitätenvorstellnug. Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. «Npollo. Specialitäten> Vorstellung. Frau Luna. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialttäten-Borstellung. Weibliche Barbiere. Anfang 8 Uhr. Pasinge- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Special!- täien-VorsteNung. iRcichsyalle». SteUiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbenstr. 48/40.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Ueber den Wolken. Inhal idcns, raste»7/»«- Täglich abends von 0 10 u"t' Sternwarte. Thalia-Theater. Presdenerstr. 72. Heute it. folg. Tage: Ein tolles Geschäft. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Paula Worin in 8 Verwandlungen. Guido Thielachar in llSetiminbluugen. Fritz Helmerding als Wolzogen. Junkermann, Boje. Anfang 71/2 Uhr. Sonnabend, den 26., zum 50. Male: Ei» tolles Geschäft. SchiMiellKr (Wallner-Thcater). Freitagabend 8 Uhr: üflS-zro« Hochzeit oder: Ein toller Tag. Lustspiel in bAufzüg. V.Beaumarchais. Für die deutsche Bühne neu übersetzt und bearbeitet von Franz Dingelstcdt. Sonnabendabend 8 Uhr: Han« Ilnckcbein. Sonn tag nach mittag 3 Uhr: Heimat. Donnerstagabend 8 Uh r: _ Jngend. MW-WM. Heute Ansang 71/, Uhr: Die Puppe. Operette in 3 Akten von Audran. Einlage im 1. Akt:„Die freche Ratte" (gedichtet und komvoniert von Erik Meyer-Hellmund, gesungen von Mia Werber).— Morgen, Sonnabend: vis GeieKa.— Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Ole Geisha. Abends 71/2 Uhr: Die Puppe. Einlage:„Die steche Ratte". T'kesten Schall und Rauch, Unter den Linden 44. Freitag, den 25. Oktober 1901: Neues Programm! Täglich: Die Gefangene.— Brettlleiters Höllenfahrt.— Ein Geheimnit«.— In Tormnnd- »chaftssachcn etc. MM" Anfang S'/q Uhr. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; lieber den Wolken Invalldenstr. 57/62. Sternwarte. Passage-Wer. Abschieds-Vorstellungen von Sozo O Kühne iiflkl und frainl und des glänzenden Okiober-Programms. 18 erstkl. Knmniern. farl Weiss-Theater. Hlatropol-Theatar. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a. G. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Eise de Yerd a. D. Frid-Frid. F. Georgelte. Gastspiel: Naharet! Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. I Graste Frankfurterstr. 132. Berliner Rangen! Große Ausstattnngsposse mit Gesang in 5 Akten und 7 Bildern v. G. Albert. Musik von R. Leonard. Anfang 8 Uhr! Anfang 8 Uhr! Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung. Zum letztenmal: .4.sehenhrUen für Berlin vollständig neuen Entrecs. Zum Schluß: Zum 14. Male: A Travers Paris (Quer durch Paris) mit dem Schlußakt: Xordseebad 8che Vellingen. Große Ausstattungs- Pantomime in 8 Akten mit feenhaften Licht- und Wasscr-Effekten von Rens Louis, Paris. Besonders hervorzuheben: Ein Abend in Moulin Rouge. Deutsche KonzerMlen, An der Spandauer Brücke 3. Vornehmst. Vergnügungslohal I Täg lieh; Internationale Konzerte. Speclalität.-Doppel-Torstellung| von nur erstklassigen Kräften Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. Gut gepflegte Bier e. Orts-Krankenkasse für das Coldschmied-Cmerbe zu Berlin. Am 2. November 1901, abends 8V2 Uhr, findet im Lokale Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45, die Ordentliche Genera!-Bersammlung sämtlicher Delegierten statt. Tages- Ordnung: 1. Wahl von 2 Arbeitgebern und 4 Arbeitnehmern zum Vorstand für 1902-1903. 2. Wahl von 3 Revl- soren zur Prüfung der Jahres- rechnnng für 1901. 3. Stellungnahme zur freien Arztwahl. 4. Statuten- änderung. 5. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber werden die Herren Vertreter ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Der Verstand. I. A.: E. Davidshäuser, Vorsitzender, Elisabethstr. 45. 274/15 Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. 22. Direktion: Winkler u. FrBbel. ■Allabendlich grosser Jubel.B 15 Sensations-Nnraniern. Um 9 Uhr stürmischer Beifall: Direktor Wilhelm Fröbel in der erfolgreichen Operette Weibliche Barbiere. ■ Neueste Tages- Ereignisse. Bi Die drei 811bcrsterne. Ter Musik-Sport Akt. Lebende Riesen-Photographien. Ans. 8 Uhr. Kassenerüffil. 7 Uhr. Billetvorverkaus von 11— 1 Uhr. In Vorbereitung: Grossstadtzauber. Cirkus Buscli. Freitag, 25. Okt., abends 7»/, Uhr: Komischer Gala- Abend. Zum erstenmale in Berlin: Herr Haxlmilian' Klp»g,,f.,i Brose mit i einen» vtLjltlittll. Zum Schluß: wo gast Brandenburg allewege. Gr. Ritter- u. Reiter-Schaustück aus der urbrandcnb. Zeit zu Wasser u.z. Lande. Tour nach Neu-Mühle .7'/- Uhr früh Schlesische h Brücke. Mittags IV- Uhr: fHirschgarten[, bei Keller(Schlachtefest). Schlesische Brücke. Bei schlechtem Wetter per Bahn. (Schlesischer Bahnhof.) 13/7 Deutscher Duharlielter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Drechsler 127/12 Carl Uhlmann am 22. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 26., nachmittags 4 Uhr, von der Charite aus nach dem Charits-Kirchhof, Müllerstrahe, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Heute früh V-10 Uhr endete ein sanfter Tod die qualvollen, mit großer Geduld retragenen Leiden meines geliebten Mannes, des Tischlers Ferdinand Haack* Berlin, den 23. Ottober. Die trauernde Witwe 1337b Vlctorle Haack. Beerdigung Sonntag, nachmittags 4 Uhr, Heiliger Kreuz-Kirchhof m Mariendorf. „Kreuzberger Haruiouie". Sammelpunkt der Sänger 3% Uhr auf dem Friedhof. 13446 Ceiltral-Kriluken- u. Sterbe- Berlln III. Todes-Anzeige. Am Dienstag, den 22. Oktober 1301 starb unser Mitglied, der Schmied Karl Aclorneit im Alter von 44 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Ottober, nachmittags 4 Uhr, auf dem Dankeskirchhos, Reinickendorf, von der Halle aus statt.(253/10 Die Ortsverwaltung Berlin>11, Moabit. Am Molltag, heil L8. Lktober, abends 8� Uhr, in„Ahrens Branerei", Tnmßrnhe: für den 44. und 4S. Bezirk. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Referenten Genossen Fritz Znbcll Und Bergmann. 2. Diskussion. 220/5 SftF' Bi« Parteigenossen werden ersneht, in den ans noch fernstehenden Kreisen für diese Versaniinlnng zu agitieren. Die Wahlkomitees. + Herren-Vortrag+ Carl Brneliholf. Fricdrichstr. 10, über:„Sogenannte unheilbare Man- nerleiden". Freitag, den 25. Oktober, abends SVj Uhr, in Graumanns Fest- sälen, Naunynstrahc 27. Nur Herren! s1Z24bs Eintritt frei Zu kaufen gesucht: 2625L* Protokolle der Socialiste»- Kongreffe: Mainz 1872, Koburg 1871, Gotha 1375, 187S, 1877, Wyden 1880, Kopenhagen 188Z und andre ältere socialistische Bücher und Zeitschriften. 8. Calvarz- A Co., Berlin NW 7, Neue Wilhelnistr. 1. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag. abendS 8'/« Uhr: Sitznng- der Orts-Verwaltung im G ew crks ch afts h aus, Engel-Ufer 13. Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 1« Nhr,>m Gewerkschafts- Haus. Engel-Ufer 15, Saal Nr. T.; Versammlung der Einsetzer. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission und Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Dis- tussion. 3. Verschiedenes. 127/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Zu zahlreichem Erscheinen ladet ein _ Die Kommission. Sonntag, den 27. Oktober, abends S'/s Uhr, bei MerkowSki, Andreaöstraste Nr. 2K: Branclieii- Versammlung der Drechsler mit Frauen. Tji g e s� O r d n u n g: 3. Vcrbandsangelegenheiten. 1. Vortrag der Fran Br. HVez-1 über:„Die Frau der Vergangen- .....----.—... 2. Diskussion."----•---- hcit und Gegenwart 4. Verschiedenes. Die Bersanimlung wird pünktlich eröffnet.— Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Ilm zahlreichen Besuch wird gebeten. Sonnabend, den 2S. Oktober, abends Wz Uhr, bei Herrn Mörschel, Jüdcnstrastc 33/36: Kommissions-Silzüng der Drechsler. Achwg! Bauarbeiter. Acht««! Sonntag, de» 27. Oktober, vormittags lOVe Uhr, im großen Saal des Gewerkfchaftöhauses, Engel-Ufer 13: (Bvoge Versonttnlung aller zum Streikgebiet Berlins und Umgegend gehörigen Verbandszahlstellen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Alwin Hörsten über:„Die Bedeutung des Unfallverstchenmgs-Gesetzcs für die Bauarbeiter-. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Lohnkommission. 4. Verbaiidsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Encheineu erwartet 4S/1 Die Lohnkommissto». I. A.: Karl ttotsemann. Celltral-Aerbnild der Zimmerer DrntschlandS(Zahlstellen Berlins und der Vororte). Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 10 Uhr: Oeneral- Versammlung in den„Arminhallen"» Kommandantenstraße Nr. SO: Tagesord nun«: 1. Abrechnung vom 3. Quartal und des örtlichen Fonds. 2. Vortrag über:„Krach und Krisen". Referent Schriftsteller Georg Bernhardt. 3. Verbaiidsangelegeuheiten. 255/9 Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert es, daß die Mitglieder recht zahlreich und pünktlich erscheinen. _ Die Terbandsleltnng. ,_ der heutigen Zeit, wo fast Alle mit Recht das Ziel erstreben, sich gesund durchzuleben, kann deren Devise nur nächst. Bild sein. -t—r- In dem nasskalten KlimaDeutsch/ana's billiger u. bekömmlicher als Bier I Von 10 Pf. pro Vio u, sowie in m. plomb. Orlg.-Flaschen von '/- u. Vi Liter. Kein künatl. Gemisch, kein Malz, keine sog. schweren Weine etc., aondnrn(laut Fflrac von Blsmerok's Worten:„National- getrank") angenehme, (eiche trinkb. n. dabei ■ o sehr stärkende , Oswald Nier's f.Festlichkeiten.Vereine.Krankenhäus.bew, höh. Rabatt! Seit 1876: 70 eig. 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OSWALD NIEP, Hauptgeschäft: Berlin N., LInIenstr. 130 ßentrßlvfrknii der imiitr le. (Zahlstelle Berlin 11.) Am Freitag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr: ]fJ[UgKivum»reßen Odeedett. Perpackung frei. PeeiDi. n. Prebe» � gratiä. Siele Anertennangi'chr. Zinkgiestcrei-Verkauf. Eine seit langen Jahren bestehende Fabrik, welche Bauornamente, Garten-, Beleuchtungs-, Springbrunnen- und Grabstguren fertigt, ist zu verkaufen. Erforderliches Kapital 5000 Mark. Offerten unter 0. 4 an die Expedition dieser Zeitung erbeten. 1338b» Dr. SctiQnemann, Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden. Seydelstr. O. Sprechstunden: 1/;12— V>3, t/jö— V>8. renhaus AWertheim UC Wir verkaufen, solange der Vorrat reicht, folgende antiquarische Werke in gut erhaltenen Exemplaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Frida Schanz, 101 neue Fabeln, früh. Ladenpr. 5.— kü Qumpert, Töchter-Album sd.4l.42. La'denpr. 7.50 Qumpert, Töchter-Album Bd.28-32, Ladenpr. 7.50 Qumpert, Herzbl. 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Graf Leo Tolstoi, Schritten. 18 Bände, Band früher I.— für 28 PL Lackowitz, Buch derTierwelt. 940 seit. Lhüh?r' 10.— für 2.85 Mk. Das neue Universum. Band 9. Ladenpr. 6.75 für 2.50 Neuer deutscher Novellenschatz. plu?Heyse"!La!lfner! Bd. 50 pf. Mk. Kinderkalender 1903 mit vielen Abbildungen 75 PL 50000 Romane Daudet, Maupassant, Ortmann, Remin, Samarow, Peschkau, Schumacher, Stöckl u. andere Autoren Band 28 pf. Verlag der H. Lanpp'sclien Bnclihandlnng in Tübingen. Soeben orsohienen; Beiträge zur Gescbichte der Bevölkerung in DeutscMand seit dem Aniauge des XIX. Jabriniuderts. Herausgegeben von Friedrich Jnllns Xenniann. Sand VI t Dr. 0. Tiilssen, Beilräye zur Ges&liiclite des Handwerks in Preussen. Unter Mitwirkung des Herausgebers bearbeitet. 8°. M. 8,—. Cirkns Benz-Konzert-Tunnel Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion! Sonntags 5 Uhr. L pv,duaz vom et vtioe-r>«ai, vormittag». Nur ZU»noiimt öl>»r 232-tt. sind Inn btuefftiidn rirmniftit fn Kiommkrii delgesüzt (Oönc Eewäbr.) 17 31 78 181 226 97 330[1000] 96 615 33 380 901 24 �o lSS VS[500] 2208 32 370 430 729 44 843 68 3 009 iL'7 A7 HO 811 4215[300] 397 605 862 79 921 31 36 l', 51S1 99 283 337 740 911 67«III 303 527 622 78 u-aJo ,-,(.2 d41 67 612 83 789 971 8>29 146 268 419 «1/ 06 803 88 9099 Iii 77 233 440(3000] 58 609 817 08 10482 84 521 697 98 753 37 881 91 901 5 8 23 36 1 llWJ 84 262 L50Ü1 425 98 638 94 12199 228 573 761 ZZW 37 330 54 72 85 424[10001 661 705 94 804 65 73 M7 62 14312 457 533 60 98 756 847 1 5154 67 96 213 77 355 88 491 781 87 872 955 1 6014 27 107 67 404 528 Z2 825 68 64 79[3000] 928 1 7043 631 62 707 87 824 901 18198 201 22 47 322 99 527 40 86 014 81 836 903 19010[30001 75[500] 120 480[500! 698 883[1000] „, Am«i-i 22 710 14 939 41[3000] 78 212% 353 9/ 552 55 665 811[1000] 63 88[500] 22008 40->03 ät, 747 7g 800|;1000j 9e8 z3131 50 265 m igi l 65«-25 24205 335 454 560 694 808 11000) 912 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Herrn Baffes Entfernung aus dem Vorsitz knüpfte an eine Anfrage an, die Rentner Schuller aus Hannover an den Herrn richtete: ob es wahr sei,>daß dieser bei einer Aktien-Emission der Straßenbahn im Jahre 1893 vom Bankhause Alexander Simon 5000 M. genommen habe. Dasselbe war in einem Flugblatt in Hannover von einem andren Anssichtsrat, Assessor a. D. Senator Jaques, behauptet worden. Beide Herren erklären jetzt, nach beinahe einer Woche, die Geschichte für falsch, genauer für„eine Entstellung der Wahr- beit*. Es scheint viel Mühe gemacht zu haben, diese Erklärung zu redigieren, die doch schon in der Generalversammlung häte abgegeben werden sollen. In dieser aber hatte jene Anfrage die Wirkung, daß Herr Basse den Vorsitz an Herrn Kcmpner abtrat und jede Auskunft verweigerte. Herr Basse stellt gerichtliche Schritte in Aussicht. Man darf gespannt sein. Im übrigen werden natürlich Anstrengungen gemacht, den Plan der Dresdener Bank dennoch durchzusetzen. Es ist anzunehmen, daß Interessenten der Dresdener Bank auch mit Lamm, Lebenberg u. Comp. IHannov. Bankverein) verhandeln werden. Die nächste Versammlung— in drei Wochen— Ivird den Einblick in den kapitalistischen Betrieb, den die erste gewährte, wahr- scheinlich vervollständigen._ Zum Leipziger Bankkrach veröffentlicht die„Deutsche Hochschulzeitung" einen Artikel, aus dem wir folgende Stelle hervor- heben: Hier in Leipzig lebt im Konzertvicrtel ein Herr, der angeblich vierzehn Tage vor dem Zusammenbruch der Leipziger Bank im RedaktionSzimmer einer hiesigen Tageszeitung mit einem sensatio- nellen Artikel antrat. Es wurde in demselben die ganze miserable Verkettung des Kasseler Tredertrocken-Jnstiwts mit der Leipziger Bank bis ins Detail hinein zur Darstellung gebracht!... Veivußter Herr bat nun den betreffenden Reffortredactenr um Aufnahme dieses schwcrinkrinnnierenden Aufsatzes in die Spallendes volksivirtschaftlichen Teiles. Der Herr Redacteur aber zuckte die Achseln:„Geht nicht I Aus lokalpatriotislbeu Gründen nicht I" so ähnlich soll er entgegnet haben.— Zwei Wochen später saß Herr Exncr hinter schwedischen Gardinen, nachdem er kurz vorher sein Vermögen ins Ausland „rettete". Wäre der bewußte Aufsatz erschienen, hätte mancher sich vor Schaden bewahren können. Die Mitteilung gicbt nur weiter eine Bestätigung des höchst zweideutigen Verhaltens der bürgerlichen Prcffe in Leipzig, die selbst während des Znsammenbruchs der Leipziger Bank mit den Jnfor- mationen zurückhielt, die wichtigsten Vorkommnisse sogar verschwieg. Die Jndustriekrisiö im Ober- Elsaß. Nach der Firma Schlumberger fils u. Cie. schränkte nunmehr auch die bekannte große Baumwollenweberei- und Spinnerei-Aktiengcsellschnft vormals Eduard Bauchen u. Cie. ihren Betrieb auf vier'Tage in der Woche ein. Ihrem Beispiel werden demnächst die Firmen Kullmann u. Cie. und die Banwollspinnerei Frey u. Cie folgen. Die Aussichten für den bevorstehenden Winter gestalten sich für die in der Baumwoll- industrie beschäftigte zahlreiche Arbeiterbevölkerung Mülhausens von Woche zu Woche düsterer. Trotz der Lohnabzüge bankrott. Die Englische Wolllvaren- Manufattur in Grünbcrg i. Schl. schloß in ihrem letzten Geschäfts- bericht mit einem sehr erheblichen Deficit ab. dem dann eine Sanierung des Unternehmens diwch Znsammenlegnng der Aktien und Neuausgabe gefolgt ist. In der Generalversammlung, wo der ungünstige Geschäfts- bericht gegeben wurde, führte sich nun der Direktor Ostersetzer damit als auserlesener tüchtiger Direktor vor, daß er den Aktionären vorrechnete, er habe in den drei Jahren seinrrAmtsthätigkeit vom Gesamt- nmsatz berechnet 8 Proz. Herstellungskosten durch Reducierung der Beamtengehälter und Löhne gespart. Als Lohndrücker ist der Mann gewiß eine auserlesene Kraft für ein Aktienunternehmen t man kann sich ungefähr vorstellen, welche elenden Arbeitcrzustände unter solcher BetriebSfiihrung geschaffen Ivnrdcn. Anders steht es, ob nicht der Mann an geschäftlicher Geschicklichkeit das zusetzte, was er als Lohndrücker den armen schlesischen Webern abzwackte. DaS Ende dieser genialen Betriebsleitung war der Bankrott, trotz der Lohnreduktion. Die Grundsätze dieses ManneS, aus den Knochen der Arbeiter die Dividende herauszuwirtschaften, sind heute fast ohne Ausnahme in den Aktiengesellschaften vorherrschend, und nur selten bleiben sie erfolglos, wie in diesem Fall, vielmehr sind sie der Weg, auf dem man zu hohen Gewinnen und Revenuen für Direktoren und Aufsichtsräte kommt. Verband schlcfischer und sächsischer Lciuenspinncr. Die kürzlich abgehaltene, sehr zahlreich besuchte Versammlung des Verbandes beschloß, die gegenwärtigen ProduktionSeinschrünkungen aufrecht zu erhalten und nach Bedarf zu verschärfen, da bei der der- zeitigen Preislage der Garne die Spinnereien mit großen Verlusten arbeiten. Aus den weiteren Verhandlungen ist noch hervorzuheben, daß die strikte Festhaltung der vom Verbände festgestellten Normal- Zahlungsbedingungen allseitig zugesagt wurde und Stellungnahme gegen die geplante sehr bedeutende Erhöhung der Spinnmaschinen- Einfuhrzölle beschloffen wurde. Der deutsche Außenhandel im September 1901. Nach dem vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebenen Septemberheft der Monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel be- trägt die E i n f u h r in den freien Verkehr in Tonnen: 3 953 539, gegen 4 329 725 im Vorjahre, daher weniger 876 186. Edel- metall- Einfuhr 94. 17 Zolltarif- Nummern zeigen eine Zu- nähme, 26 eine Abnahme. An der Zunahme sind be- sonders beteiligt Getreide(-1- 79,114) und Materialwaren H- 14 348), an der Abnahme Kohlen(— 282 989), Eisen (— 67 023), Erze(— 64 618),©teilte(— 21 398), Holz(— 19 566). Die Gesamteinfuhr in den neun Monaten Januar bis September beträgt 83 303 418 Tonnen, gegen 33 545 399 im Vor- jähre, daher weniger 236 931. Die Ausfuhr betrug im Sep- tember in Tonnen:' 2 785 756, gegen 2 713 629 im Vorjahre, daher mehr 72 126. Edelmetallausfuhr: 22. Die Gesamtausfuhr in den neun Monaten dieses Jahres beträgt 28 571072. gegen 24 100 486 im Vorjahre, daher weniger 529 414. Die größte Steigerung findet sich bei Eisen s-t- 475 061), die größte Abnahme bei Erzen und Kohlen. Gesamt-Einfuhrwerte in 1000 M.: 4 395 273, gegen 4 476 219 im Vorjahre, daher weniger 80946. Immerhin beträgt die Zu- nähme gegen 1899 noch 162 Millionen Mark. Gesamt-AuSfuhrwerte in 1000 M.: 3 466 200, gegen 3 510 829 im Vorjahre, daher weniger 44 629. Die Zunahme gegen 1899 be- trägt 248 Millionen Mark. Die Krise in der östreichischen Metallindustrie. Der Ver- band der Maschinen-, Metallwarenfabriken und Eisengießereien Mährens und Schlesiens hatte eine außerordentliche Ver- sammlnng anberaumt, in der die kritische Lage der Eisen- und Maschinenindustrie Mährens und Schlesiens den Gegen- stand der Diskussion bildete. Allseits wurde festgestellt, daß empfindlicher Arbeitsmangel herrsche, wenngleich einzelne Fabriken für die allemächste Zeit infolge älterer Aufträge noch teilweise Beschäftigung haben, daß jedocb jetzt schon in allen Fabriken Mährens und Schlesiens mit Arbcitcrentlaffungen vorgegangen werden mußte, und daß im Hinblick auf das gänzliche Ausbleiben von Nach- Ks„Wmillls" bestellungen und auf die allgemeine Stagnation auf allen Industrie- gebieten, insbesondere wegen der Unterbindung jeglichen Exports infolge der deutschen Krffe schon in der allernächsten Zukunft forcierte Betriebs- rcduktionen in allen Betriebsstätten und infolgedessen Arbeiter- entlaffungen in großem Umfang in Aussicht stehen. Es wurde ein- hellig beschloffen, die mährischen Reichsrats-Abgeordneten um ihre Intervention zu ersuchen und überdies unverzüglich an die Ministerien sowie an solche Unternehmungen, die Staatssubventionen genießen, mit dringlichen Eingaben wegen Vergebung von Notstandsarbeiten heranzutreten._ Lokales. Noch ein„Linden-"Strcit. Nun soll, wie es scheint, auch die seit langem schwebende Frage der Umgestaltung der Straße„Unter den Linden" den städtischen Behörden den Anlaß bieten, sich der Krone gegenüber gefällig zu zeigen. Wie wir bereits mitgeteilt haben, geht man in dem Stadtverordneten-Ausschutz, der zur Vorberatung der betreffenden Magistratsvorlage eingesetzt ist, mit der Absicht um, den in dieser Angelegenheit ge- faßten Beschluß wieder umzustoßen. Der Grund der plötzlichen Sinnesänderung ist darin zu suchen, daß das Projekt I, das der Ausschuß dem Plenum der Stadtverordneten-Versammlung zur Annahme empfehlen wollte, nicht den Beifall des Kaisers findet. Nach diesem Projekt sollen die vier Baum- reihen als Einfassung der Mittelpromenade erhalten bleiben. Der Kaiser dagegen wünscht die Ausführung des Projekts II, nach welchem die beiden äußeren Baumreihen beseitigt und dafür die Ränder der beiden Bürgersteige mit Bäumen bepflanzt werden sollen. Anscheinend will jetzt der Ausschuß seinen Beschluß dahin abändern, daß nunmehr der Stadtverordneten-Versammlung dieses Projekt II zur Annahme zu empfehlen sei. Die Stadtverordneten-Versammlung kann natür- lich thun und lassen was sie will. Sie kann gegebenenfalls dem abgeänderten Vorschlag des Ausschuffes folgen und sich für Projekt II entscheiden, sie kann aber auch an dem früheren Vorschlag festhalten und das Projekt I annehmen. Nach den Erfahrungen der letzten Zeit liegt freilich die Vermutung nahe, daß die Mehrheit der Ver- sammlung sich nicht von rein sachlickien Erwägungen, sondern in erster Linie von Rücksichten auf die Krone leiten laffen wird. Sie wird sich in diesem Fall wahrscheinlich darauf berufen, daß ihr gar nichts andres übrig bleibe, da ja das Recht der Krone, in diese Angelegenheit hineinzureden, unzweifelhaft sei. Wir meinen indes, daß es hier noch einen Ausweg giebt, für den sich die Stadt- vcrordneten-Versammlung schon deshalb entscheiden sollte, weil dabei das Interesse der Stadtgemeinde nach jeder Richtung, auch nach der finanziellen Seite, am besten gewahrt wird. Die Projekte sind beide so schlecht, daß man sie beide ver- tvcrfcn muß. In beiden ist die Erhaltung des Reitweges ftvenn auch in geringerer Breite als bisher) vorgesehen, dessen Be- seitigung seit langem in der städtischen Verwaltung wie in der Bürgerschaft als notivendig erkannt ist. Die Erhaltung dieses Reit- weges ist allerdings die Vorbedingung, ohne die kein Projekt der„Linden"- Umgestaltung, von welcher Art es auch sei, auf die kaiserliche Genehmigung rechnen darf. DaS ist dem Magistrat be- rcits in den Verhandlungen, die er Anfang der 90er Jahre mit dem Polizeipräsidium und der Ministcrial- Baukommission über die Umgestaltung der„Linden" geführt hat, in allerbestimmtester Form erklärt worden. Wenn aber der Gedanke der Beseitigung des Reit- weges von vornherein ausscheiden mutz, dann fällt auch der wichtigste Grund und ursprüngliche Anlaß der Forderung einer„Linden"- Umgestaltlmg weg. Kann es nicht ohne den Reitweg sein, dann kann eS überhaupt nicht sein. Auf diesen Standpunkt hat sich die Stadtverordneten-Versammlung früher gestellt. Als sie sich 1895 wieder einmal mit der Frage der „Linden"- Umgestaltung zu befassen hatte, lehnte sie in Anbettacht der Forderung, daß der Reitweg erhalten bleiben solle, die damalige Vorlage des Magistrats schlankweg ab, ohne sie auch nur einem Ausschuß zu übertveisen. Es hindert sie nichts, den Plan auch diesmal wieder ins Wasser fallenzulassen und sich mit einer bloßen Neupflasterung zn begnügen. Gegenüber einem Projekt, das ziemlich eine Million kosten soll, ohne daß es den bisherigen Zustand in diesem wichtigen Punkte ändert, sollte man es sich ohnedies doppelt gründlich überlegen, ob es ausgeführt zu werden verdient. Da gicbt es doch wirklich noch dringendere Aufgaben zu erledigen. Wenn aber auf diese Weise dem höfisch gesinnten Teil der Stadtverordneten-Versammlung die Gelegen« heit entgeht, wieder einmal eine kleine Verbeugung nach oben zu machen— um so besser I AuS der Stadtverordneten-Versammlung. Nach den Stürmen der letzten Sitzungen wirkte der geschäfts-/ mäßig-nüchterne Ton, der die gestrige Sitzung in ihrem ersten Teile beherrschte, fast langweilig. In' der ganzen Debatte über die Bürgermei st erfrage(deren Verlauf und Ergebnis an andrer Stelle unsreS Blattes beleuchtet wird) fiel auch nicht e i n leiden« schaftliches Wort. Nach Erledigung dieses Punktes der Tages- ordnung folgte die Qual einer vierfachen Stadtrats- wähl— eine Qual deshalb, weil sie volle anderthalb� Stunden in Anspruch nahm. Um V4 9 erst konnte die Versammlung daran denken, daß sie auch noch andre Arbeiten zu erledigen hatte. Auf der Tagesordnung stand als nächster Punkt die Berichterstattung und Beschlußfassung über die MagisttatSvorlage betreffend die Nichterhebung der vier Mark-Steuer� Aber der Arbeitseifer der Mehrzahl der Stadtväter hatte sich in- zwischen so stark abgekühlt, daß eS für sie ein« Erlösung bedeutete, als ihnen Herr Wallach mit einem Antrag auf Absetzung von der Tagesordnung zu Hilfe kam. Merkwürdig war freilich, daß sich die Arbeitsunlust gerade bei demjenigen Teile der Versammlung zeigte, der bisher stets gegen die Nichterhebung dieser Steuer aufgetreten ist. In der Geschäftsordnungs- Debatte, die durch den Wallackschen Anttag hervorgerufen wurde, spielte Genosse Singer auf diesen Umstand an, und er deutete auf den Zu- sammenhang hin, der zwischen der Beschlußfaffung über die vorliegende Sache und den Stadlverordneten- Wahlen bestehe. Dem Vorsteher L a n g e r h a n s, der wirklich recht alt zu werden anfängt, war das nicht gleich klar. Er bat Singer fast flehentlich, doch der Absetzung zuzustimme». Singer sah sich daher genötigt, nock deutlickier zu werden und ttocken zu erklären, daß die dem Gedanken der Nicht- erhebung der 4-Mark-Steuer feindlich gesinnte Mehrheit der Ver- sammlung ihre offene Stell ungnahnie möglich st hin« ausschieben wolle. Er beantragte namentliche Abstintmung, die dann die Annahme des Vertagungsantrags mit 58 gegen 43 Stimmen gab. Die Mehrheit hat somit eine Galgenfrist von 8 Tagen gewonnen._ Die Parteigenossen der Rosenthaler- und Schönhauser- Vorstadt(6. Kreis) werden ersucht, zu der am Sonntag früh 8 Uhr stattfindenden Flugblattverbreitung recht zahlreich zu er- scheinen und zivar außer in den ihnen bekannten Lokalen bei Bach- gänger. Swinemünderstt. 35 und bei R.«ugustin, Schönhauser Allee 73. Da» Komitee. Freitsg. 25. Oktober 1901. Der HandarbeitS-Unterricht an den Mädchen- Gemeinde- schulen dürste von der Umgestaltung des Gemeindeschul- Lehrplans ganz besonders profitieren. Nach den von der Lehr- plan- Kommission formulierten Vorschlägen soll künftig mehr Wert auf die sogenannten praktischen Handarbeiten, Nähen, Stricken, Ausbessern usw. gelegt werden. Dagegen sollen die„Luxus- Handarbeiten" möglichst ganz in Fortfall kommen. Diese Nachricht wird von allen Arbeiterfrauen mit Freude begrüßt werden. Der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten ist in der Form, in der er bisher erteilt worden ist, ein Gegenstand allgemeinen und leider be- rechtigten Spottes gewesen. Trotz der Unmenge von Zeit, die auf dieses Lehrfach verwendet wird, haben die meisten Mädchen, wenn sie als Vierzehnjährige die Schule verlassen, gerade in denjenigen Hand- arbeiten, die ihnen zu allererst und am meisten nötig sind, nur eine sehr geringe Fertigkeit erworben. Eine Magistratskommission unter dem Vorsitz des Ober- bürgermeisters Kirschner beschäftigte sich gestern mit Anträgen und Vorschlägen zur Abhilfe der Arbeitslosigkeit. Leider wird über die Stellung des Magistrats zu dieser doch nicht ganz unlvichtigen Frage nichts berichtet. Zur Förderung der Schulgesundheitöpflege hat sich vor einiger Zeit in Berlin ein Verein gebildet, der sich Ende dieses Monats mit einer öffentlichen Versammlung an die Bevölkerung zu ivenden gedentt. Es versteht sich von selbst, daß die Bestrebungen dieses Vereins vollste Unterstützung verdienen. Gerade in Berlin ist man mit der Schulgesundheitspflege noch sehr zurück. Das gilt für die höheren Schulen wie für die niederen; doch wird in den niederen Schulen, den G e- m e i n d e s ch» l e n. die gesundheitliche Schädigung, die die Schule der heranwachsenden Jugend als eine sehr unerwünschte Zugabe des Schulbesuchs mit auf den Lebensweg giebt, durch mancherlei Umstände(z. B. durch die viel zu starke Be- setzung der Klassen) noch besonders gesteigert. Wir sind vor- läusig noch nicht einmal so weit, daß die Sckmle den Kindern durch entspreckiende Einrichtungen einen leidlicken Schutz gegen die von ihr ausgehenden gesundheitlichen Schädigungen gewährt, geschweige daß es als eine Aufgabe der Schule angesehen ivürde, die Gesund- heit der heranwachsenden Jugend durch posittve Maßnabmen zu fördern. Es ist bekannt, wieviel besonders die städttschen Behörden Berlins in dieser Hinsicht versäumt haben, und wie sehr Berlin hierin hinter manchem andern Ort zurücksteht. Ein um Unterstützung dieser Bestrebungen bittender Aufruf des er- wähnten Vereins trägt auch die Unterschrift von etlichen Stadt- Schulinspektoren uud zwei Stadträten(darunter Stadtbaurat Hoff- mann). Er ist dagegen nicht mit unterzeichnet von dem jetzigen Leiter des Berliner Gcmeindeschulwesens, Stadtschulrat G e r st e n- b e r g. Wir tvollen nicht hoffen, daß in dem Fehlen gerade dieses NamenS ein ungünstiges Zeichen zu erblicken ist. Arbeiter-Krankenversicherung in Berlin im Jahre 1000. DaS städtische Statistische Amt veröffentlicht für 1900 die alljährlichen Tabellen über Umfang und Ergebnis der Berliner Arbeiter- Krankenversicherung. Gegenüber dem vorhergehenden Jahre hat die M i t g l i e d e r z a h I der darin aufgeführten Krankenkassen im ganzen wieder sehr beträchtlich zugenommen, im einzelnen aber ist hinsichtlich der Stärke der verschiedenen Arten von Kassen eine bemerkenswerte Verschiebung eingetreten. Bei den Orts- Krankenkassen ist die Zahl der weiblichen Mitglieder nur wenig gestiegen und die der männlichen sogar um eine Kleinigkeit heruntergegangen, während die Bctriebs-Krankenkassen und noch mehr die JnniingS-Krankenkasscn eine bedeutende Zunahme erfahren haben. Auch bei den eingeschriebenen Hilfskassen, die dem§ 75 des Krankenkaffen-Gesetzes von 1383 nicht entsprechen, hat sich die Zahl der Mitglieder merklich verringert. Die durchschnittliche Mitgliederzahl war im Jahre 1900(bezw. im Vorjahre 1399): bei 56(56) OrtS-Krankenkaffen 244 480(244 881) männliche Mitglieder, 131 593(126 184) weibliche, bei 44(38) BettiebS-Krankenkaffen 63 307(54 936) männliche. 11201(7877) weibliche. bei 20(19) Jnnungs- Krankenkaffen 33211(22 253) männliche, 7836(6265) weibliche, bei der Gemeinde- Krankenversicherung 421(852) männliche. 251(534) weibliche, also bei allen der Aufsicht der Gewerbedcputation unterstellten Kassen zusammen 341419 (322 922) männliche, 150 880(140 860) weibliche Mitglieder: ferner bei den beiden staatlichen Betriebs-(Eisenbahn- und Post-) Kranken- lassen 20 573(20 814) männliche Mitglieder, 2466(1901) weibliche, bei 34(35) eingeschriebenen Hilfskassen 23 249(22 031) männliche. 9904(9526) weibliche, bei 1(2) freien landesrechtlich genehmigten Hilfskasse 301(402) männliche, bei 24(24) eingeschriebenen Hilfs- lassen, die dem ß 75 deS Krankenkaffen-GesetzeS von 1883 nicht ent- sprechen, 45 157(50 933) männliche, 4701(6512) weibliche Mitglieder. Vom Ladenschlust. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Zur Be- Hebung einiger Zweifel über die Frage, welche Anforderungen an die offenen Verkaufsstellen hinsichtlich des Ladenschlusses im Sinne des 8 139 s der Gewcrbe-Ordnung zu stellen sind, trifft das Polizeipräsidium folgende Anordnung: Die Exekutivorgane haben darauf zu achten, daß, nachdem die letzten Kunden bedient sind und eine kurze Zeit— etwa 10 Minuten— für das Lüften des Gcschäftslokals verstrichen ist, die Ladenthür verschlossen oder in einer andern, das Passieren von Käufern verhindernden Weise(z. B. durch entsprechend tiefes Herunterlassen der Eingang»- Jalousie) versperrt wird. Bei Geschäftslokalen, welche zugleich den einzigen Zugang zu der Privatwohnung des Gewerbetreibenden bilden, kann dem Gewerbe- treibenden das Offenbalten der Ladenthllr nicht verwehrt werden. Hier hat sich die Kontrolle darauf zu beschränken, daß nach Eintritt des für den Ladenschluß maßgebenden Zeitpunktes thatsächlich kein Verkauf mehr stattfindet. Die Lichtenberger BestechungSaffaire wird immer ver- wickcltcr. Wenigstens im Hirn der„Staatsbürger-Zettung", die sich im Anschluß an das im„Vorwärts" gekennzeichnete Ver- . halten den gestern von uns gebrachten Bericht folgendermaßen zurechtstutzt:„Der socialdemokrattsche Gemeindevertreter Grauer trat, nachdem bisher bloß von zwei an dem BestechungSversuche gegen ihn beteiligten Personen die Rede war, in einer Lichten- berger Volksversammlung mit der Behauptung auf. es hätten ihn drei Herren in dieser Sache besucht. Der„dritte", ein Herr Berger, derselbe, gegen den bereit« zur Auf- klärung ein Verfahren eingeleitet ist, habe ihm 30 000 Mark Provision für seine Vermittelungzwischen derGemcinde und der Fürstlich Henckel v. Donnersmarckschcn Verwaltung ver- sprachen." Es ist ja sehr schmeichelhaft für unfern Lichtenberg« Parteigenossen, daß die„Staatsbürger- Zeitung" ihn jetzt plötzlich mit 30 000 M. bewerten läßt, nachdem sie ihn vor acht Tagen noch als einen Aufschneider und Schwindler hingestellt hat. Aber trotz dieser ihm so widerfahrenen Genugthuung sollte unser Parteigenosse Grauer in sich gehen und sich fragen, ob er die Veröffentlichung der An- gelegenheit verantworten kann, wenn er sehen muß, welch' traurige Verwüstungen damit im Kopfe eines antisemitischen Redacteurs aii- gerichtet worden sind. Neue Steuer-Beraulagnng. Behufs Veranlagung der Ein- kommen« und Ergänzungssteucr für das Steuerjahr 1902 soll die alljährliche Aufnahme des Personenstandes in der Stadt Berlin am 26. Oktober d. IS. stattfinden. Zu diesem Zwecke werden durch die Steuer-Erheber sämtlichen Hausbesitzern die erforderlichen Formulare zugestellt werden. Die Abholung der auszufüllenden Listen erfolgt durch die Steuer-Erheber vom 28. Oktober ab. Bezüglich der Ausfüllung der Listen sei auf die denselben vorgedruckten Besttmmungen verwiesen. Mit Ausnahme der auf der Durchreise befindlichen oder nur zum vorübergehenden Besuch in Berlin anwesenden Personen sind sämt. liche Einwohner in die Listen einzutragen. Für die vollständige Angabe der ans dem Grundstücke vorhaudeneu stcuerpflichtiaeu Haus- Haltungen und Einzelnsteuernden, soweit solche Mieter sind, haften die Hausbesitzer bezw. deren Stellvertreter, während fllr die richtige Angabe der zum Hausstande gehörigen Personen, ferner der Aster- Mieter, Chambregarnisten und Schlafstellen-Jnhaber der HauS« haltungSvorstand verantwortlich ist. Ueber eine« Borfall im Obdachlosen- Asyl in der Wiesen- straße brachte ei» hiesiges Lokalblatt Mittwochabend folgende Meldung: »Zu einer erregten Sceue kam«s gestern abend im Asyl für Obdach- lose in der Wiesenstraße, das nicht unter städtischer Verwaltung steht. Ein Obdachsticheuder hatte sich schon bei der Aufnahme sehr wider- fpcnstig gezeigt und wurde dann später dabei getroffen, wie er. ent- gegen den Vorschriften der Anstalt, in der Speisehalle rauchend auf- und abschritt. Darüber zur Rede gestellt, wurde er ausfällig; und er soll dann, wie berichtet wird, von den Aufsehern mit Faustschlägen traktiert und gewaltsam nach seiner Schlaf- stelle befördert worden sein, unter gewaltiger Aufregung der übrigen Insassen. Die Inspektion des Hauses bestätigt, daß der betreffende Obdachlose nicht gerade glimpflich nach seinem Bette gebracht worden sei; sie bestreitet dagegen aufs entschiedenste, daß in der Anstalt geprügelt werde.* In dieser Sache veröffentlichte das erwähnte Blatt gestern abend eine ihm vom Kurator des Hauses, Paul Singer, und dem Vor- sitzenden des Asylvereins, Gustav Thölde, zugesandte Mitteilung, die folgenden Wortlaut hat:.Nach dem Bericht der beteiligten Beamten handelte es sich um einen Mann, der, nachdem er gebadet und ge« gessen hatte, das Haus verlassen wollte. Um diesen Zweck, für den er die Billigung des Inspektors nicht fand, zu erreichen. hat er sich trotz des strengen Rauchverbots in der Anstalt in der Eß- und Lese- Halle mit einer brennenden Cigarette im Munde rauchend auf- gehalten. Der Hausinspcktor hätte nun, seiner Instruktion ent- sprechend, den Mann aus dem Hause weisen und, wenn derselbe dem Gebote nicht folgte, ihn— wie die bezügliche Vorschrift lautet — durch zwei Auffeher hinausführen lassen sollen. Statt dessen hat der Inspektor— wie er mitteilt und die übrigen Beamten be- stätigen— die Cigarette aus der Hand des Mannes entfernt und ihn durch zwei Aufseher an sein Bett führen lassen. Geschlagen ist der Mann nicht worden. Die Beteiligung andrer Asylisten an dem Vorfall hat sich nur in Vorwürfen an den die Hausordnung nicht respektierenden Mann geltend gemacht. Der Hausinspektor ist von uns auf die Unrichtigkeit seines Verhaltens aufmerksam gemacht worden, und der Leiter des Männerasyls Wiesenstraße hat aus dem Borgang Anlaß genommen, den Beamten die Instruktion, nach ivelcher jede thätliche oder wörtliche Beleidigung der Asylisten mit sofortiger Entlassung geahndet wird, eindringlich ins Gedächtnis zu rufen." Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch gegen Abend vor der Fuchsschen Schmiede, Ziethenstraße 2t in Rix- dorf. Beim Hochwinben eines reparaturbedürftigen Müllwagens schlug der Wagen um, wobei der Schmiedegeselle' Franz Koch mit dem Köpfe zwischen einen Straßenbaum und' den Wagen geriet und außerordentlich schwere Verletzungen erlitt. Nach Anlegung eineS Notverbandes mußte der Unglückliche nach einem Krankenhause ge- bracht werden. Ein Schwindler, der nach einem alten Kniff Arbeiter- frauen prellt, treibt seit einigen Tagen in Charlottenburq fein Unwesen. Ein junger Mann sucht namentlich Frauen, deren Äänncr bei Siemens u. Halske arbeiten und häufiger auf Montage nach auswärts gehen, auf und schwindelt ihnen vor, der Mann habe plötzlich den Auftrag bekommen, nach Pankow, Nauen oder sonst einem Ort in der Nähe von Berlin zu gehen und lasse daher um etwas Frühstück und Zehrgeld bitten. Die Frauen geben arglos, wag verlangt wird, um erst bei der Heimkehr des Mannes zu erfahren, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen sind. Der Knjff ist lchon sehr alt, aber anscheinend noch wenig bekannt. Daher hat der Schwindler guten Erfolg. Bis jetzt haben sich bei der Charlotten- burger Kriminalpolizei, die weitere Meldungen ilber den Schwindler entgegennimmt, schon sehr viele Frauen gemeldet, die um Frühstück und Geld in Beträgen von l bis 5 M. betrogen worden sind. Der Mann ist etwa 20 bis 21 Jahre alt und mittelgroß, hat einen dunklen Schnurrbart und macht den Eindruck eines Schlossers, Er trägt ein braunes Jackett, darunter efnk blaue Schlosserbchise und einen schwarzen weichen Hut. Eine Diebesbande ist von der S ch ö n e b e r g e r Kriminal- Polizei verhaftet worden. Bei dem Comptoir der Bereinigten Spediteure auf dem Anhalter Bahnhof liefen feit Jahren Reklamationen wegen gestohlener Gegenstände ein, ohne daß es gelingen wollte, die Diebe zu ermitteln. Durch Zufall erfuhr der Schöueberger Kriminal- beamte Zülsdorf, daß bei einem in der Grunewaldstraße wohnenden Rollkutscher häufig Kunst? und andre Gegenstände abgeladen oder umgetauscht wurden. Der Beamte' beobachtete nun das Treiben deS Kutschers und veranlaßt« dessen Verhaftung. Da die Berhaftung ganz unerwartet erfolgte..Pfiff" der Uederraschte, das heißt, er teilte dem mit der Sache betrauten Kriminalkommissar Steinmetz die gai�e umfangreiche Organisation einer großen Baude pyn Kyllidiebe» mit, welche aus Rollkutschern und deren Mitfahrern bestand. Die Diehe verfuhren in der Weise, daß sie die ihnen an<- vertrauten Frachtstücke öffneten, die darin befindlichen wertvollsten Gegenstände Herausnahmen und dann die wieder geschlossenen Kolli usw. ablieferten. Unter den Spitzbuben fand dann em regel? rechter Austausch der gestohlenen Gegenstände statt. Die Schöne- berger Kriminalpolizei hat bereits ein ganzes Mnsterlager von Kunst- und Gebrauchsgegenständen beschlagnahmt, darunter große Metallfigmeu mit Marmorsockel, 80 Pgar neue Stiefel usw. Schatzgräber im Treptower Park. Boraestern nachmittag hatten sich mehrere Rixdorfer Kriminalbeamte nach dem Treptower Park begeben, um daselbst Nachforschungen nach einem aiigeblich von Einbrechern vergrabenen Schatz anAiistellen, Die betreffende Stelle lvar der Polizei genau bekannt und die daselbst vorgenommenen Nachgrabungen waren von Erfolg gekrönt, denn man'förderte eine Flasche zu Tage, welche 400 M. iü Kassenscheinen enthielt. Dieses Geld sollte angeblich dem in der Friedelstroße zu Nixdorf wohn- haften Schneider Sch. gestohlen worden sein, wemgstens hatte Sch. eine dahingehende Anzeige der Polizei erstattet. Die angestellten Recherchen ließen jedoch erkennen. daß der Einbruch fingiert war, zedenfalls in der Absicht, das Geld, welches einem von Sch. geleiteten Verein gehörte, zu unterschlagen. Als Sch. sah. daß die Polizei ihm leinen Glauben schenkte, übergab er ihr einen Brief, de» die Einbrecher angeblich an ihn gesandt habe» sollten und i» welchem genau angegeben war, wo das gestohlene Geld versteckt sei.. Schließlich mußte Sch. freilich zugeben, daß er selbst daS Geld dort versteckt und den Brief geschrieben habe, der Einbruch von ihm also fingiert worden sei. Die Sache wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben, da Sch, Mehrere Mitglieder seines Vereins des Einbruchs bezichtigt haste. Ein Wahnsinniger hat gestern vormittag gegen 11 vhr merk- würdige Sxzeffe in der Pücklerstratze begangen. Als um diese Zeit der Amtsrichter F. die genannte Straße passierte, trat ein unbekannter. anftändia gekleideter Mann an ihn Heran»nd persetzte dem Ahnnngs- losen niehrere schallende Ohrfeigen. Dann warf sich der Thäker zu Boden, überschlug sich mchrercmale, stand wieder ans und stürzte sich kopfüber in die Ladenscheibe der in der Pücklerstr. S1 belegenen Schlächterei von Gustav Heilmann. In blutendem Zustande kletterte der Irrsinnige dann durch die zertrümmerte Auslage auf den Laden- lisch, um von da aus herabspriugcnd daS Freie wieder zu gewinnen. Drei hinzugeholten Schntzleuteii gelang es nur mit großer Mühe, den Manu zu bändigen; schließlich wurde der Unbekannte, der etwa 40 Jahre alt ist. mittels Droschke nach der CharitS geschafft. Der Ginbrecher Dammin, über dessen Briefwechsel und Per- kehr mit den Bestohlenen wir ausführlich berichteten, ist jetzt von der Kriminalpolizei in fünfzehn Fällen des Einbruchsdiebstahls überführt worden. Diese Fälle räumt er nun auch ein, in allen Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in 3 andren aber leugnet er und wartet ab, wa» man ihm wird nach- weisen können. Daß fein Sündenregister mit den fünfzehn Fällen nicht erschöpft ist, unterliegt keinem Zweifel. Nach den neueren Er- Mittelungen hat er auch in Charlottenburg und verschiedenen Vor- orten mit Erfolg gearbeitet. Um ihn überführen zu können, muß die Kriminalpolizei zunächst wissen, woher alle die Sachen, die man bei dem Verbrecher beschlagnahmte, stammen. Interessenten können die Sachen im Zimmer 37 deS Polizeipräsidiums besichtigen. Feuerberiöht. Während der letzten beiden Tage fanden nur vereinzelt Alarmierungen statt. Köpnrckerstr. 33a und Neue König- straße 47 brannte die Balkenlage. Nostizstr. 30 in einer Seifenfabrik ein Posten Fett. Ausgeströmter Dampf verursachte einen Alarm nach Potsdamerstr. 27 a,. In der Christburgerstr. 4 wurden Gardinen und Möbel durch Feuer beschädigt, während Greifswalderstr. 162 ein Preßkohlenbrand abzulöschen war. Unfug am öffentlichen Melder verursachte in der Nacht zum Donnerstag' ein Ausrücken nach Prenz- lauerstraße 5. Leider ist der Thäter entkommen. SluS den Nachbarorte«. Die Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung beriet am Mittwoch in zweiter Lesung die Magistratsvorlage betr. Uebernahme der Straße nbaü-Polizeiin städtische Verwaltung. Für die Vorlage trat neben dem Stadtsyndilns Schulze auch Stadtv. B a a k e(Soc.) ein. der darin einen Fort- schritt auf dem Wege zur Stärkung der Selbstverwaltung zu erblicken erklärte und den Widerstand der Hausagrarier gegen diese Maßnahme mit feiner Ironie kritisierte. Das Resultat war die Annahme der Vorlage.— Einem Aus- schütz überwiesen wurde der Magistratsantrag betreffend Auf- nähme einer neuen Anleihe von 32 Millionen.— Die Vorlage betreffend Nachbewilligung von Mitteln für eine bessere Ausgestaltung der Sitzungssäle deS Magistrats und der Stadtverordneten im neuen Rathause gelangte zur Annahme, ebenso der Antrag des Magistrats betreffend Bewilligung von 2000 M. ans Anleihemitteln für Versuchszwecke in der Müll- beseitig ungsfrage, jedoch unter der Voraussetzung, daß die Versuche möglichst beschleunigt werden und spätestens bis Ende Dezember d. I. darüber berichtet wird. Dagegen wurde die Vorlage betr. künstlerische Ausgestaltung der Charlottenburger Brücke einem Ausschuß von 9 Mitgliedern zur Vorbereitung überwiesen. Am 6. November fällt die Sitzung mit Rücksicht auf die auf diesen Tag anberaumten Stadtverordnetenwahlen ans. Eine Havelinsel kommt am 12. Dezember vor dem Amts- gericht in Spandau zur Zwangsversteigerung. Es ist der L i n d w e r d e r in der Näh« des Kaiser WilhelmturmS, auf welcher der kürzlich verstorbene ehemalige Hoffchauspieler B I e n ck e sein letztes, mißlungenes Unternehmen, eine Gastwirtschaft, im vorigen Jahre eröffnete. DaS kleine Eiland ist Eigentum eines in Berlin wohnhaften Tiefbau-Unternehmers; eS ist ca. fünf Morgen groß und iveist auch einige Baulichkeiten auf. Die Gastlvirtschaft' ist inzwischen wieder eingegangen. Groß- Lichterfelde, üirchenbau und kein Ende. Wie er- innerlich, hat die Genieiudevertretung 14000 M- bewilligt zur Ver- breiterung des Friedrichplatzes unter dem Vorbehalt, daß dort eine Kirche vor dem Jahre 1910 nicht erbaut Iverden und nach diesem Zeitpunkt auch erst dann, wenn von der Gemeinde ein unabweisbares Bedürfnis anerkannt würde. Dieser Beschlutz hat dem hohen Konsistorium nicht behagt und in einem.Anschreiben an die Gemeinde" wird verlangt, daß der Kirchengemcinde jetzt schon ein bestimmter Teil deS Platzes übereignet werde.'Die Gemeindevertretung beschloß, diesem Ver- lanaeu nachzukommen und«denjenigen Teil zu übereignen, der nach Ansicht der kirchlichen Körperschaft später als Bauplatz für die dritte Kirche erforderlich ist." Die Frommen sind nun Herren der Situation. Der Platz wird mit einer Kirche verziert werben, ganz gleich- gültig, ob die Gemeinde daö Bedürfnis als vorliegend anerkennt öder nicht. Und ist die Entwicklung in einem andern OrtSteile eine raschere, dann wird auch dort eine gehont werden müssen, falls bis dahin die Gcmeinde-Vertretung noch auS denselben.Elementen" besteht wie hegte wgs wir lischt hoffen wollen. Auch wurden 400 M. für Anlegung eines Gartens für das Pfarrhans in der Dahlcmer- straße einstimmig bewilligt, obwohl die Gemeinde hierzu keine Verpflichtung hat. Für kulturelle Aufgaben hat Lichterfelde bekanntlich sehr wenig Geld. Ein Antrag der dortigen Arbeiter, während der Wintermouate morgens wenigstens eine Anzahl Richtungölaternen brennen zu lassen, wurde abgelehnt, weil hierzu keine Mittel vorhanden sind. Schadhafte Stellen der von der Gemeinde zu unterhaltenden Bürgersteige werden durch zusammengekratzten Straßenschnmtz aus- gebessert, Es wäre Aufgabe der GesundhcitSkommission, diesen Zustand, der aller Hygiene Hohn spricht, ein für alle mal ein Ende zu mache». Von' den 300 000 M.. die für Kirchenbauten ausgegeben werden sollen, lassen sich vielleicht einige Mark erübrigen für die Anschaffung etlicher Fuhren Sand, der dem der Straße ent- nommenen Surrogat äus sanitären und ästhetischen Gründen wohl vorzuziehen ist. NuS Rixdorf schreibt man uns: Das Khakitnm übt auf nnsre Schuljugend eine recht bedenklich« Wirkung aus. In der Straße 6, zwischen' den Köllnischen Wiesen, ist es bei Hebung des Kriegssports zu rohen Ausschreitungen gekommen. Die Gaffen, bestehend ans Bohnenstangen, Lgtten eo., werden in de» Laubenkolonien gestohlen sowie auch von den Schntzbekleidungen der Slraßenbänme abgerissen. An den Zusamniemöttungen betetligen sich außer schulpstichtjgen Knaben auch hoffnungsvolle Jünglinge im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Am letzten Sonnrgg hatten sich in der Gegend nicht weniger als gegen 200 der vielversprechenden Krieger znsamnien- gefunden. Diesmal wurden sogar Straßenpassanten und Lauben- kolonisten thätlich angegriffen und blutig geschlagen. Erst nachdem di« Polizei herbeigeholt worden war, räumt« die kampses- lustige Rotte den Schauplatz ihrer Hsldenthaten. Hoffentlich richtet die Polizei hierauf ihr Augenmerk und sorgt zuttinftig mehr für „Ordnung und Sicherheit auf den Straßen und an andren öffent- lichen Orten", anstatt harmlosen Streikposten nachzuspüren und für die Ausweisung anständiger Bürger zu sorgen, deren Weltanschauung ihr nicht gefällt. Lichtenberg. DaS für 1700000 M- von der Gemeinde über- nommene Wasserwerk bedarf»euer Maschinen. Im Sub- missionsversahren ist der Firma Freund in Charlyttenburg. die rund 100 000 M. fordert, der Zuschlag erteilt worden. Das Wasserwerk ivird dcx Gemeinde aus«iwa 2»/, Millionen Mark zu stehen kommen. Hoffentlich trägt die brttere Lehre, die Lichtenberg aus der Ueber- »ahme de» Werkes hat ziehen müssen, gpte Früchie. Ein Meinbahnidyll. Auf der B l i n d s ch l« i ch e, der vom Volksmund sogenannten Kleinbahn Rathenow-�Senzko-� Ronen, ist bei Land in eine Personenbaltestelle eröffnet worden. Die Züge halten nur nach Bedarf. Wer hier in die Bahn einsteige» will, hat dies beim Herannahen des Zuges durch Erheben eines ArmeS zu erkennen zu geben. Ein großer Dachstuhlbrand entstand Donnerstagabend in einem Hause der Kaiser Friedrichstraße zu Pankow. DaS Feuer griff auch aus die Wohnungen dos Hauses über, und mehrere kleine Leute, die zum Teil nicht versichert smd, verlaren ihr« Habseligleiten. Bemerkenswert ist, daß schon einmal w dieser Woche ein Dachstuhl- brand in genanntem Hanse entstand, der aber bald abgelöscht werden konnte. Es liegt der Verdacht der Brandstiftung vor. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Gevirlrt-s Gegen den Grafen Pückler- Kl. Tschirne stand gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin II wiederum ein Termin in einer Strafsache wegen Anreizimg zum Klassenhatz an. Auch zu diesem Termin war der Angeklagte trotz ordnungsmäßiger Vorladung nicht erschienen. Auch hier beantragte der Staatsanwalt. da es scheine, als ob Graf Pückler ganz systematisch den Vor- ladungen der Gerichte nicht Folge leiste, die Vorführung des An- geklagten zu dem neuen Termin. Der Gerichtshof beschloß diesem Antrage gemäß. Als ein durchaus paffendes Objekt für die Fürsorge- erziehung bezeichnete der Staatsanwalt gestern das junge Mädchen, welches sich heulend und schluchzend auf der Anklagebank der 9. Strafkammer des Landgerichts l befand. Es war die noch nicht 17jährige„Sängerin" Minna Otto, deren Vorstrafen zeigten, daß sie trotz ihrer Jugend schon völlig verdorben ist. Sie lvar wegen eines äußerst dreist und raffiniert ansgeführten Diebstahls angeklagt. Die Angeklagte tritt unter dem„Kiinstler"-Namen Lncie Werner in Chantants auf und benutzt offenbar ihre Sangeskunst als Mittel zum Zweck, Herrenbekanntschafteii zu machen und ein lustiges Leben zu führen. In einem Falle, der gestern mit zur Anklage stand, aber nicht verhandelt werden konnte, weil der in Oestreich Iveilende Be- stohlene'nicht auffindbar war, hatte sie einem jnngenLcbemann, dermit ihr soupierte,„zum Spaß" das Portemonnaie mit einem Inhalt von über 20 M. weggenommen und war damit verschwunden. Eines Tages machte sie bei Schultheiß die Bekanntschaft der französischen Sprachlehrerin Frl. B., welche dort zu Mittag aß. Sie war durch Zufall an denselben Tisch gekommen und beide befanden" sich bald in lebhafter Unterhaltung. Die ganz in Schwarz gekleidete Angeklagte gefiel der Französin recht gut und wußte sogar deren Mitgefühl rege zu machen, denn sie erzählte ihr. daß ibre Eltern kürzlich gestorben seien und sie nun ganz allein in der weiten Welt dastehe. Auch Frl. B. wurde redselig und erzählte in gebrochenem Deutsch von ihrem Lebensgang und ihrer Familie und wie sie gezwungen sei, sich als Sprachlehrerin ihr Brot zu verdienen. Mit Freuden erfüllte sie den Wunsch der neuen Freundin, ihr Unterricht im Französischen zu erteilen und schon am nächsten Tage trat die Angeklagte in der Wohnung des Frl. B. zur ersten Lektion an. Die Lehrerin war so unvorsichtig, während der Unterrichtsstunde ein wohlgefülltes Portemonnaie vor den Augen der Freundin und Schülerin in einen Toilcttenkasten zu legen und diesen etwas offen stehen zu laffen. Auf dieses Portemonnaie hatte eS die Angeklagte abgesehen. Ihr erster Versuch, Gelegenbeit zum Diebstahl zu' erlangen, mißglückte. Sie gab plötzlich vor, vom Durst gepeinigt zu sein und bat Frl. B. um ein GlaS Wasser; dieser Wunsch konnte aber erfüllt werden, ohne daß Frl. B. das Zimmer zu verlaffen brauchte. Nun fing e« die Angeklagte anders an. Am Schluffe der Lektion fiel ihr Plötz- lich ein, daß es ein recht netter Scherz sein würde, wenn sie einem ihr bekannten Herrn einen Brief mit französischer Adresse zustellen würde, und Frl. B. erfüllte gern ihre Bitte, die Adresse in französi- scher Sprache auf einen Briefumschlag zu schreiben. Während sie damit beschäftigt war, machte die Angeklagte einen kühnen Griff in den Toilettekasten und erbeutete das Portemonnaie. In aller Freund- schafr verließen dann beide junge Mädchen das Haus,»lachten einen Spaziergang mit einander und verabschiedeten sich bis zur nächsten Lektion. Zu einer solchen kam es jedoch nicht mehr. Als Frl. A. nach Hause kam. entdeckte sie zu ihrem Entsetzen, daß das Portemonnaie mit 70 M. Inhalt verschwunden war. Sie setzte sofort die Polizei in Kenntnis und die Ermittlung der Diebin wurde mit allen Kräften aufgenommen. Der Zufall wollte es, daß die Bcitohlene die Diebin am nächsten Tage in einem Aschingerschen Lokale aiitxaf. Bei ihrer Festnahme wurden noch 42 M des ge- stohlenen Geldes bei ihr vorgefunden. Sie nannte sich Lncie Werner und hat es bewirkt, daß sie unter diesem Namen in das Gefängnis- register eingetragen wurde.— Der Gerichtshof verurteilte sie zu 2 Monaten Gefängnis und wegen der falschen Namensnennnng zu 14 Tagen Haft. Ein falsches Gerücht, daß«in Angestellter der Oberamts- Sparkasse in H e i I b r o n n nach Verübnng bedeutender Unter« schiagungen das Weite gesucht Hab», gicbt, wie aus Frankfurt(Main) gemeldet wird, seit Mittwochabend Anlaß zu einem Ansturm ans die Kasse, die sich bis jetzt den Anforderungen vpllans gewachsen gezeigt hat. Namentlich sind viele Landbewohner herbeigeeilt, um ihre Ein- lagen zn erhebe». Die Ortsporsteher habe» gestern in ihren Ge- mcindc» beruhigende Bekanntmachungen erlassen, so daß bald wieder Beruhigung eintreten dürfte. Der Verbreiter deS falschen Gerüchts wird eifrig gesucht. Die Kasse ist in Hefter Ordnung. Ei» Revollierattcntat Ivird ans Könitz gemeldet. Ein Guts- inspektor Namens Wunderlich schoß gestern abend auf die Familie des Gutsbesitzers und Stadtrats Heise in Könitz. Heise, seine Tochter und Frau wurden verletzt. Di« Frau schwer, Der Beweggrund war Rache, da Wunderlich von Heise entlassen und des Diebstahl bezichtigt wurde. Wunderlich wurde verhaftet. Zwei Bergarbeiter getötet. Aus Bochum meldet man vom Donnerstag: Heute nachmittag wurden ans der Zech«.Präsident" zwei Arbeiter durch hereinbrechende Gesteinmassen getötet. Benictkcnswertc Untersuchungen hat ein BreSIauer Zahn- arzt, Professor Bruck, an einer größeren Anzahl von Soldaten kürzlich angestellt. Po» 3000 Mann hatten nur 123 ein tadelloses Gebiß, während 23 zwar gesunde Zähne, aber doch verschiedentlich Lücken zwischen den Zähnen auswiesen. Die übrigen 2813 Soldaten hatten länitssch schlechte Zähne und zwar fand Bruck im einzelnen durchschnittlich nenn schlechte Zähne. Bei der außerordent- lichcu Verbreitung der Zahnverdertmis überhaupt wird diese That- sache kaum Wunder nehmen können; immerhin ist sie»ach Brucks DasÜrhaUe» Grund genug, der Zahnpflege im Heere mehr Aufincrksamwit als bisher zu schenken. Professor Bruck stellt ans Grnnd seiner Untersuchmigs-Ergebnisse die Forderung ans. die Militärärzte dich zu einem gewissen Grade in der gahnheilkimde auszubilden, im übrigen aber die eiiijährig-freiwilliaen Zahnärzte und Civilärzte zur erhaltenden Zahnbehandlung heranzuziehen. Auch bei der Ausbildung der Rekrute,, müßte der theoretische Unser- richt auf die Wichtigkeit einer vernunftsgemäßen Zahn- und Mund- pflege hinweise». Unsres Erqchtens sollte bereits die Schule eS als ihr« Pflicht erachten, den Zähne» der Kinder die erforderliche Aufmerksamkeit zu widmen- Tchtfföuntergang. DaS bei den Faröer-Jnseln stationierte englische Kanonenboot„Pellona" meldet, daß das Fischereifahrzeug „St. Bernard" anS Hull am 20. d. M. an einer der Inseln ge- scheitert ist. Man befürchte, daß die ganze Besatzung ums Leven gekommen sei; sieben Leichen seien geborgen. Briefkasten der Redakkion. F. H. II. Wenden Sie sich an daS answärtige Amt-— Julius B. 1. Die Höhe her GerichtSvollsieherfosten hängt von der Höhe des bei- zutretbmven Objekts ab. 2. Ja.— N. 79. 1. Jedem steht die Hälfte zu. 2. Falls Sit trotz Hinweises, daß fortan pünktliche Mietszahlung verkannt wird, nicht pünktlich zahlen, lebt das vertragliche Exmissionsrecht Ihrer Wirtin wieder ans. F.G. 13. Ja.— Gertrnde. Ihre Nichte ist berechtigt auf Entbindungs- und Sechswochenkosten, das Kind durch seinen Vornnmo auf Alimentatian zu klagen. Nur der eine Einwand, daß Ihre Nichte innerhalb der Empfänguis- zeit auch mit andern Männern verkehrt habe, ist zukässtg. Ob der Schwangerer verheiratet oder ledig war, ist gleichgültig, ebenso ob er Geschenke gegeben hat usw. Beispiele sür Mimentenklagen finden Sie Seite 2l3, 2lg, 222 Nr. 9, 10, 14 des dem.Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— K. K. Sie haben recht. ! und Verlag von Max Babing in Berlin.