Nr. 252. Abom»MtNts-Kedingiingen: vbonnemenls-Preis pränumerando: vierteljährl. 330 Sit., monatt. 1,10 Hlit., möcheiiilich 28 Pfg. frei ins HauZ. Simelne Numw-r S PI«. Sonntags- Nummer mir ilhinnmec SonntagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für>001 unter Dr. 7671. Unter«reuiband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland s Marl pro Monat, Erscheinl täglich nutzer Montag». Vevliner VolksblAtk. 18. Jahrg. Die Jnftrtwns-Gevayr deträgt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerls chaftliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Erpcdiiion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- UN» FefttaKsn bt» S Uhr vormitlagS geöffnet. Telegramm- Adresse i „Aorialdrmokrak Verlin" C�ntralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Nedaktion: SW. 19, Veuth-Skrahe 2. Fernsprecher: Amt I Nr. IS08. Sonntag den 27. Oktober 1901. Expedikion: sw. 19, Vonttz-Slraho 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5131. Unter Hinweis auf den Aufruf des PartcivorstandeS vom 10. Oktober«rinnern wir die Vertrauensleute, AgitationS komitccS.Provinzial- und Landesvorstände daran, daß sämtliche in Umlauf befindlichen Petitionslisten gegen den Brotwucher noch im Laufe dieses MonatS an die Adreffe: Buchdruckerei»ilsx Bading, Berlin SW. 19, Beuthstr. 2 einzusenden find. Befreiung vom Freisinn! Lebhafter als je richtet diesmal die Berliner Bevölkerung ihre Aufmerksamkeit auf die Stadtverordneten-Wahlen. Hat doch, die Regierung wieder einmal unsre Geschäfte vortrefflich besorgt und die sonst in Kommunal-Angelegenheiten leider viel zu gleich- gültigen Volksmassen gar gründlich aufgerüttelt, gleichzeitig aber de» Beherrschern des Rathauses, den Freisinnigen, die schönste G« legenheit gegeben, ihre ganze politische Unzuverlässig- keit zu offenbaren. Das bißchen demokratischer Firnis, mit dem sich der Freisinn so gern herausputzt, hielt nicht fest, als er der Reaktion Widerstand leisten sollte. Nur unsre Partei war es, die mit voller Entschiedenheit und ohne jede Rücksicht auf„oben" für die Wahrung der Volksrechte eintrat, deren Schutz einst auch der Liberalismus auf seine Fahne geschrieben hatte. Doch— das war einmal I Heute ist der Freisinn so weit her- unter, wie es ihm 1863 Schulze-Delitzsch vorausgesagt hatte, als er schrieb:„daß die Bourgeoisie bereit ist, aus Furcht vor der socialen Bewegung auf die politische Frei- heit zu verzichten." Der Freisinn vertritt wie jede andre kapitalistische Partei nichts als die Interessen der besitzenden Klasse. Da die ihm zugehörige Schicht im wirtschaftlichen Gegen- satze zu andern Schichten steht, erstrebt sie gewisse politische Frei heiten, um durch sie wirtschaftliche Vorteile zu erobern. Sobald aber diese Freiheiten auch der Arbeiterklasse Vorteile vev schaffen, giebt der liberale Bürger gern alle politischen Rechte preis, wenn er sich dafür die wirtschaftliche Macht über die be- jitzloseKlasse unbeschränkt erhalten kann. Das hatte sich so recht deutlich wieder gezeigt, als vor zwei Jahren im preußischen Abgeordneteuhause die Umgestaltung des Kommunal-Wahlrechts verhandelt wurde. Damals beantragten unsre Genossen im Rathause, an den preußischen Land tag eine Petition zu richten, zivccks Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts auch für die Gemeindelvahle». Dieser doch für einen Liberalen scheinbar selbstverständliche Antrag wurde aber am 13. Dezember 1300 von sämtlichen Nicht-Social- demokraten bis auf zwei abgelehnt und zivar deshalb, weil die liberale Mehrheit erklärte, daß erst die S e ß h a f t i g k e i t in der Gemeinde und eine S t e n e r l e i st u n g das Wahlrecht begründen. Mit besonderem Nachdruck wurde noch hervorgehoben, daß die Forde- ruug eines allgemeinen Wahlrechts für die K o in m u n e „niemals in einem freisinnigen Programm g e- st a n d e n habe". Der Wortführer der großen Fraktion begründete die Notwendigkeit der Steuerlcistung und Seßhaftigkeit damit, daß „sonst die Gefahr drohe, es könnten von Nixdorf oder von Weißensce her tausende Schlafburschen nach Berlin hereingebracht werden, die dann über das Vermögen der Berliner Bürgerschaft zu entscheiden hätten. Nach einiger Zeit gehen sie dann wieder weg; sie hätten selbstredend gar kein Interesse daran, ob durch ihre indirekte Mitwirkung hier so und so viele Millionen neuer Schulden auf- genommen werden." Da haben wir glücklich wieder die B a s s e r m a n n s ch e n G e st a I t e n, die schon 1848 der Liberalismus als Schrcckbild auf- marschieren ließ, als er nach einem Vorwand suchte, um seine Principien im Stich zu lassen! Ja. wo der F r e i s i u n d i e M a ch t hat, sorgt er nicht für eine Ausdehnung, sondern für eine Einschränkung der Volks- rechte I Die Schmach von Kiel bleibt dem Freisinn unvergessen! Als es dort 1895 unsren Genossen gelungen war, endlich zwei Wer- treter in die Gemeindeverwaltung zu entsenden, erhöhte dessen liberale Mehrheit schleunigst den Wahlcensus von 660 M. auf 1200 M., so daß die Arbeiter rechtlos wurden. Als schon vorher in Eckernförde eine solche Erhöhung des Wahlcensus stattgefunden, hatte das Ober-Verwaltungsgcricht dies nicht für zulässig erklärt. Trotz- dem aber blieb der Kieler Freisinn bei seinem Entschluß. Gleich- zeitig kam die gesamte reaktionäre Presse dem Freisinn zu Hilfe— hatte er doch bewiesen, daß er Fleisch war von ihrem Fleisch. Ebenso lasen die vom preußischen M i n i st e c i u m des Innern erleuchteten«Berliner Politischen Nachrichten" dem Ober- Verwaltungsgericht den Text und erklärten dessen Eni- scheid für„höchst bedauerlich und vom staatserhaliendeu Standpunkt nicht zu rechtfertigen. Nötigenfalls sei unter Inanspruchnahme der Gesetzgebung für den erforderlichen Schutz der Geinciiidevertretungen gegen socialdcmokratische lieber- flutung zu sorgen." So schrieb 1899 das offiziöse Regierungsblatt! Am 18. Oktober 1893 aber hatte bereits die„Freisinnige Zci- t u n g" die Kieler Wahlrechts-Attcntate damit gerechtfertigt, «daß derjenige, welcher gar nichts, auch nicht den geringsten Steuer- satz beitrügt zu den Kosten des Gemeinwohls, auch kein Recht beanspruche» kann, in kommunalen Angelegenheiten mit- zubestimmen und über den Geldbeutel der Steuerzahler zu vsr- fügen". Kein Wunder, daß dieser vereinten Erkenntnis aller kapitalistischen Richtungen schließlich auch das Ober-Verwaltungs- gericht seine Anerkennung nicht versagte und am 22. Oktober 1900 die Entrechtung der Kieler Arbeiter als ganz gesetzmäßig erklärte I Konservative und Freisinnige unterscheiden sich, wie man sieht, nur darin, daß die ersteren ehrlich und offen ihre reaktionären An- sichten aussprechen. Die„Krcuz-Zeitung" hat ganz recht, als sie neulich über die in einem liberalen Blatt erhobene Forderung, die städtischen Klassenwahlen zu beseitigen, spottete und schrieb:„Wäre es dem Freisinn mit dieser Forderung e r n st, so würde er in Berlin und andern Großstädten gar bald das Heft aus den Händen und an die Socialdemokratie geben müssen. Man wird also mit dem rein platonischen Charakter dieser Forderung zu rechnen haben." So ist eS! Die Macht, die der Geldsack im Wirtschaftsleben verleiht, will die besitzende Klasse, selbst wenn sie sich freisinnig nennt, auch in der Stadtverwaltung ausüben. Weiß sie doch ganz genau, daß ihr sociales Sündenregister riesengroß ist und ihr daher nichts übrig bleibt, als jede sociale Ver- p f l i ch t u n g gegen die ärmere Bevölkerung abzuleugnen! Wenn neulich eine Leuchte des Freisinns sich beklagte, daß die Arbeiter nicht einmal„danke schön!" sagten, wo doch die Stadt so wohl- thätig gegen sie sei, so ist daS nicht, wie einige liberale Blätter glauben machen wollen, eine Entgleisung jenes Mannes, sondern nur das offene Bekenntnis der liberalen Anschauungen. Oder ist nicht selbst der linke Flügel des Freisinns davon über- zeugt, daß das Kapital nicht ein Mittel zur Ausbeutung der Besitzlosen, sondern eine heilig zu haltende Grundlage dieser und aller kommenden Gesellschaftsordnungen sei? Ist nicht das Ideal des Herrn Eugen Richter jene freie Konkurrenz, jenes freie Spiel der Kräfte, das erbarmungslos den wirtschaftlich Schwächeren vernichtet zu Gunsten des Stärkeren? Nur wo die A n g st vor dem allgeineinen, gleichen und geheimen Wahlrecht ihre erzieherische Wirkung ausübt, nur im Reichstage, läßt sich der Freisinn von uns wenigstens zu einigen Zugestäudnisscn auf socialem Gebiet pressen— aber derselben eisernen Notwendigkeit beugen sich ja auch die Junker! Und im städtischen Dreiklaffen-Hause schwelgte der Freisinn jahrzehntelang in Nichterfüllung seiner socialen Pflichten, bis ihn die stets steigende Zahl socialdemokratischcr Stadtverordneten auch hier zu Zugeständnissen zwang. Wie kärglich aber sind sie I Dieselben Liberalen, die Goethe und Schiller als die Ihrigen reklamieren, sorgen noch heute nicht dafür, daß die Volksschulen selbst nur dem Maß- stab entsprechen, den die doch gewiß nicht„freigeistige" Regierung an die Volksbildung legt. Viele Taufende von Schülern haben nicht einmal ein Klassenzimmer— und daß der Unterricht in den so- genannten„fliegenden Klassen", denen kein eigner Raum zur Verfügung steht, leidet, ist notorisch. Dabei kommen' in allen Klaffen doppelt so viel Schüler auf einen Lehrer, als normalerweise zulässig ist! Zur Einführung des obligatori- che» F o r t b i l d u n g s- U n t e r r i ch t S hat sich der Berliner Kommunalfreisinn noch immer nicht aufschwingen können, und wäre zuni letzten preußischen Städtetage nicht auch ein Social- demokrat gewählt worden, der für die obligatorische Fort- bildungsschulc eintrat, so wäre Berlins Freisinn nur durch seinen Liebling, den jetzt glücklich pensionierten Stadtschulrat Bertram, zum Wort gekommen, der in echt manchesterlich-liberaler Weise als Gegner jedes„Zwanges" gegen die Mehrheit des Städtetages eiferte, die, obwohl ihre politische Stellung noch mehr rechts als die frei- sinnige ist, doch diesen Zwang als durchaus notwendig im Interesse der Volksbildung erklärte. Zu einer völligen Bankrotterklärung deS Freisinns auf socialem Gebiete hat sich aber die Behandlung der Wohnungsfrage ge- staltet. Ganz abgesehen von jener Karikatur der Wohnungsfürsorge, wie sie sich in der Jubiläumsmillion-Stiftung repräsentiert, und den halben Maßnahmen neuesten Datums, die nach langen Wehen der Ausschuß jetzt endlich zur Welt brachte,— die Haupturs ache der Berliner Wohnungsnot ist gerade von der engherzigen Krämerpolitik des Stadtfreisinns verschuldet: daß nämlich die Vor- orte nicht eingemeindet wurden! Der frühere Oberbürger- meister Zelle und der jetzige Stadtverordnetcn-Vorsteher Langer- Hans, die Vertreter der weiblichen und der männlichen Linie des Freisinns, haben sich in rührender Uebercinstimmung der von uns vertretenen Eingemeindung widersetzt. Und der Erfolg? Berlin ist jetzt, wie eine Festung durch ihre Mauern, so durch seine Vororte an der Ausdehnung gehindert und vermag sich nicht oder nur schwer die erforderlichen billigen Terrains zu beschaffen, die es für eine Wohnungspolitik in großen Zügen benötigte. Und selbst wo inner- halb des jetzigen politischen Gebietes sich Raum für eine solche bietet, ist der Freisinn nur ängstlich besorgt, daß ja nicht den Haus- b e s i tz c r n ein Schaden geschieht— das Wohnnngselcnd der Volksmassen Berlins, die in so teuren und daher ü berfüllten Zimmern ihre Gesundheit untergraben müssen, rührt ihn nicht! Es darf ihn auch nicht rühren I Sonst würde er ja seiner historischen Mission untreu, die darin besteht, deni Kapitalismus möglichste Bewegungsfreiheit und dadurch Gelegenheit zur Ver- mshrnng zu schaffen! Gegenüber dem Klasseninteresse deS besitzenden Bürgertums steht das der besitzlosen Arbeiter in unversöhnlichem Gegensatz! Und deshalb ist es selbstverständliche Pflicht der Arbeiter, am 6. November für den Vertreter seiner Jntereff»" zu stimmen, das heißt also: der Socialdemokratie zu neuen Siegen zu verhelfen. Der Klassenkampf macht vor dem Portal des Rat- Hauses nicht Halt! Auch dort heißt es: Ein Hüben, ein Drüben nur gilt l Rolikisitze MvbevfiM. Berlin, den 26. Oktober. «Ich schlage alles kurz und klein". Es ist gewiß auffällig, daß der Kaiser, zu dessen Eigenarten die Zurückhaltung seiner Anschauungen nicht zählt, gerade in der- jenigen Frage, die jetzt die gesamte Oeffentlichkcit am meisten erregt, sich ausgesuchter Schweigsamkeit befleißigt. Der Kaiser hat öffentlich über die Neugestaltung des Zolltarifs und der Handels- Verträge kein Wort gesprochen. Den Agrariern ist dieses kaiserliche Schweigen nicht geheuer. Sie haben den Bülow mit Leichtigkeit klein bekommen, aber der Kaiser könnte ihnen vielleicht noch unangenehme Ueberraschungen bereiten l Die Liberalen wiederum schöpfen aus dieser seltsamen Redeunlust die Hoffnung, der Kaiser lasse nur vorläufig die agrarische Regierung gewähren, werde aber schließlich sein einstiges Wort vom Brotwucher doch wieder erneuern und in die Wage der zollpolitischen Entscheidungen werfen. Aus dieser Unsicherheit über die Meinungen des Kaisers ent- springen nun allerlei Gerüchte von privaten Acnßerungcn desselben, die zwar keinerlei politische Bedeutung haben, da sie unbcglanbigt und für die Politik unverbindlich sind, die aber doch jenen agrarischen Befürchtungen und liberalen Hoffnungsscligkeiten stets neue Nahrung geben. Die„Köln. Volksztg." führt geradezu die Ungewißheit der gegenwärtigen politischen Situation auf diese angeblichen Acuße- rungen des Kaisers zurück. Sie sagt in einem heutigen Leitartikel: „In politischen Kreisen wird angesichts des Umstandes, daß der Kaiser so oft spricht, das Ausbleiben jeder öffentlichen Aeußerung von seiner Seite über den Zolltarif und die Handels- vertrüge viel bemerkt und kommentiert. Dazu kommt, daß private Aenßcrungen des Kaisers kolportiert werden, welche auf Abneigung gegen die'„agrarischen" Forderungen hindeuten. Wenn der Kaiser z. B. n i ch t gesagt hat, der Minimaltarif fei Unsinn, so wäre eS doch um das Papier und den Raum des„Reichs- Anzeigers" nicht zu schade, wenn dies als Erfindung gekennzeichnet würde. Durch den Umstand, daß dies nicht geschieht, gewinnt die geflüsterte Zuversicht der Liberalen, der Kaiser sympathisiere für seine Person mit dem Handelsvcrtrags-Vcrein, an Boden, und da man hiermit die amtlichen Erklärungen des Reichskanzlers nicht zu vereinbaren vermag, ist der Gcschichtcnträgerei Raum gelassen. Neben Dingen, die den Stempel der Wahrscheinlichkeit tragen, werden ganz abenteuerliche Sache» erzählt; aber wer vermag bei dieser Lage der Dinge die Spreu von dem Weizen zu sondern?" Zu den„ganz abenteuerlichen Sachen" scheint nun wohl einsehr drastischer Ausspruch, den der Kaiser vor einiger Zeit gethan haben soll, noch nicht zu gehören, ein Ausspruch', der nach der„Königsb. Hart. Ztg." also lautet: „Komme» keine Handelsverträge z« stände» so schlage ich alles kurz und klein." Die„Voss. Ztg." bemerkt, auch ihr sei von diesem Ausspruch des Kaisers schon vor Wochen berichtet worden. Wenn der sehr energische Ausspruch wirklich gefallen ist, so be- deutet er eine durchaus richtige Beurteilung der Notwendigkeit von Handelsverträgen seitens des Kaisers, eine Beurteilung, die nicht nach dem Geschmack der Agrarier wäre, die hohe Kornzölle wollen, mögen auch die Handelsverträge dabei kurz und klein geschlagen werden. Dennoch wird die Echtheit des Ausspruchs bezweifelt werden tvüssen, weil nicht wohl angenommen werden kann, daß der Kaiser seinen Unwillen erst dann entfesseln will, wenn es zu spät sein wird. Er würde dann schon jetzt dreinfahren, da seine Regierung ani Werke ist, alles zu thun, was das Nichtzustandekommen von Handelsverträgen heraufbeschwört. Wie dem nun sein mag, ob nun die Nichtstellungnahme des Kaisers in der Oeffentlichkeit darauf zurückzuführen ist, daß er seine frühere Anschauung über die Zollpolitik des Reiches geändert hat, oder ob er bei persönlichem Festhalten an der früheren Gegner- schaft gegen den extremem Brotwucher seiner Regierung das agra- rische Experiment nachzulassen gewillt ist, die Entscheidung in diesen großen Fragen, die unsre Gegenwart bewegen, ist, trotz agrarischer Befürchtungen und liberaler Hoffnungen, niemals von Worte und Meinungen eines Einzelnen abhängig.— Maßregeln gegen die Arbeitslosigkeit. Die Erhebungen, welche jetzt die preußische Staats- regierung, auf Veranlassung des Ministerpräsidenten, über die Ausdehnung der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Provinzen vornimmt, lassen die Größe des schrecklichen Elends ahnen, von dem die Arbeiterklasse schon jetzt, erst an der Schwelle des Winters, betroffen worden ist. Ohne zwingende Not unternimmt die Regierung des Klassenstaates solche Schritte nicht. Die Folgen der wirtschaftlichen Krise haben die Arbeiter- klaffe in der schlimmsten Weise getroffen. So große Mühe sich die Arbeiterpresse und die Arbeiterorganisationen auch gegeben haben, den Gang der Krise zu verfolgen, konnten sie natur- gemäß davon doch nur ein Teilbild geben. Hätten wir in Deutsch- land amtliche Stellen, die gewissenhaft das Auf und Ab des Wirtschaftslebens verfolgten, so würde sich vor unsren Augen ein grauenhaftes Gemälde dieses schwarzen Elends aufthun» das wie eine verheerende Seuche binnen wenigen Monaten das Wirtschaftsleben verwüstet hat und zu einer blutigen Anklage wider die kapitalistische Produktionsanarchie wird. Diese dauernde systematische Beobachtung des Arbeitsmarktes iehlt uns und die jetzigen Erhebungen werden sie nicht er- setzen. Die Krise wird auch in den Verhandlungen des Reichstags wiederhallen. Gegen die socialdemokratische Forderung, für füc Opfer des Kapitalismus, die brot- und cxistenzlosen Arbeitermasseu. zu sorgen, will die Regierung sich nun decken können mit der bekannten Ausrede:„es sind Erhebungen im Gange". Daher die jetzige Untersuchung! Die Regierung dürfte sich allerdings sehr täuschen, wenn sie glauben sollte, damit der Kritik die Spitze abbrechen zu können; denn bei diesen ganzen Erhebungen wird nicht viel herauskommen. Es sind niit ihnen die Oberpräsidenten beauf- tragt, die sich der Vermittlung der Polizeibehörden bedienen werden und was bei den polizeilichen Produktionen auf social- politischem Gebiete herauskommt, ist ja hinlänglich bekannt. Da erscheint uns das Vorgehen Bayerns, das mit seinen Erhebungen über die Arbeitslosigkeit die Gewerbe-Jnspektoren beauftragt hat, weit zweckentsprechender zu sein. Die Nachrichten, die aus allen Teilen des Reiches komnien, Landtags-Jnterpellationen in Bayern und Hessen, Beratungen in städtischen Vertretungskörpern über Notstands- arbeiten, lassen erkennen, mit welcher großen Sorge die kapitalistische Gesellschaft der Wirkung des weiteren Ver- laufes der Krise auf die Arbeiterklasse entgegen» sieht. Wenn mit Beginn des Winters Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend unheimlich wachsen, wie will sie dann der Not steuern, da in den sieben Prosperitäts- jähren so gut wie alles versäumt worden ist, um den Folgen des Rückschlags vorzubeugen? Während der wahnsinnigen Jagd nach Profit, der man auf Kosten des Lebens und der Gesundheit der Proletarier sröhnte, dachte die kapitalistische Welt nicht an den Rückschlag und deshalb hat auch die Krise, so zeitig und so drohend ihre Anzeichen kamen, die Kapitalisten vollständig überrascht. Jetzt stehen sie ratlos einer verzweifelten Situation gegenüber. In allen größeren Industrien, und nicht bloß an einzelnen Orten sondern über ganz Deutschland, haben umfassende Ent- lassungen von Arbeitern, Lohnreduktionen. Einschränkungen der wöchentlichen oder der täglichen Arbeitszeit stattgefunden. Man braucht, um Berliner Verhältnisse zunächst ins Auge zu fassen, sich jetzt nur einmal zur Zeit der Ausgabe des Arbeits- Marktes in der Zimmerstraße aufzustellen, und man wird erschrecken überj dig' vielen Hunderte, die dort auf Arbeits- gelegenheit warten. Dabei steigert sich die Arbeitslosigkeit von Woche zu Woche. Aus den Kreisen der Fleischer, der Bäcker und der Lebens- nnttel-Kleinhändler konrmen bereits lebhafte Klagen über den Rückgang des Konsums. Diese Verschlechterung der Lebens- Haltung des Arbeiters wird auch der Staat empfinden. Das Finanz- Wesen des Reiches baut sich auf der Besteuerung der Lebens- mittel auf. Jeder Rückgang des Konsums bringt also auch einen Rückgang der Reichseinnahmen. Das Hundcrt-Millionen- Deficit, welches die Offiziösen des Reichs-Schatzamts an- gekündigt haben, weist erst hin auf den Rückgang der Reichs- finanzen in der Zukunft. Das wird eine starke Belastung der Einzelstaaten bringen, deren Einnahmen aus den Einkommen- steuern ohnedies infolge der Krise ebenfalls zurückgehen. Die Gemeinden werden die Armenlasten rasch anschwellen sehen, die Steuerrestanten werden sich mehren, die Einnahmen sich vermindern. Tritt in dieser schwierigen Lage noch das Reich, ebenfalls aus Gründen rückgehender Einnahmen mit der- mehrten Ansprüchen auf, so geraten die Einzelstaatcn in eine schlimme Situation. Diese schreien deshalb auch schon nach neuen Steuerquellen. Neben den Zollerhöhungen, die sie bei der Neuregelung des Zolltarifs auf Kosten der VolkSmasscn durchdrücken wollen, ist u. a. auch bereits eine Biersteuer, eine Zündholzstcuer genannt worden. Gerade in dieser Zeit wird das Elend der arbeitslosen Massen zu einer schreienden Anklage gegen die kapitalistische Gesellschaft. Der Anklage steht sie gegenüber in völliger Rat- losigkeit. Die paar Notstandsarbeiten, die Staat und Gemeinden vielleicht anordnen werden um der socialdemokratischen Kritik zu begegnen, und die das Elend wesentlich mildern könnten, wenn sie in umfassendem Maße vorgenommen würden, werden eben als Einzclmaßregeln die ungeheure Not nicht bannen. Sieben Jahre ist alles unterlassen worden, man tollte in sorglosem Uebermut dahin, erklärte die socialistischc Kritik der Gesellschaftsordnung für„wissenschaftlich" durch die Thatsachen widerlegt und jetzt werden die Unterlassungssünden der Bourgeoisie heimgesucht an dem Proletariat. Die deutsche Socialdemokratie hat schon beizeiten Maß- regeln vorgeschlagen, für die das Arbeiterclend der Nieder- gangsperiode jetzt eine furchtbare Begründung bildet. Sie hat im Reichstag einen vollständigen Gesetzentwurf ein- gebracht, betreffend Errichtung eines Reichs- Arbeitsamts, Arbeitsämtern, Arbeitskammern und Einigungsämtern. Der Gesetzentwurf beabsichtigte eine reichS- gesetzliche Organisation des Arbeitsmarktes, eine über das ganze Reich sich erstreckende Arbeitsnachweisung. Die Durch- führung eines solchen Gesetzes Ivürde dem jetzigen anarchischen Zustand, den der Kapitalismus geschaffen hat, weil er seinem Interesse dient, durch die Anhäufung vieler Arbeitskräfte in einem Ort, auf den Lohn zu drücken, ein Ende machen, auch der Produktion selbst eine gewisse Stabilität geben und die Wirkungen der Geschäftskrisen auf die Arbeiterklasse erheblich mildern. Jetzt rächt sich an der Masse des Proletariats auch die Gleichgültigkeit, mit der die Regierung des Klassenstaates während der Prosperitätsjahre den socialdemokratischen Forderungen auf gesetzliche Einführung eines Norma'larbeitstages begegnet ist. In zahl- losen Streikbewegungen haben unsre gewerkschaftlichen Organisationen einen wahrhaft heroischen Kampf um die planmäßige Verkürzung der Arbeitszeit geführt und in vielen Branchen ist es ihnen gelungen, dem Kapital wescnt- liche Verbesserungen abzutrotzen. Doch die Dauer guter Ge- schäftsperioden würde weit länger sein, die Krisen würden nicht so plötzlich und unvermittelt hereinbrechen können, wenn ein gesetzlicher Normalarbeitstag die Ausnützung der Arbeits- kraft in endloser Arbeitszeit verhinderte. Zu den Unterlassungssünden gehört auch, daß von Reichs wegen nichts geschehen ist, um, als es Zeit war, der Frage der reichsgcsetzlichen Arbeitslosen-Versicherung näherzutreten. Auch hier haben die gewerkschaftlichen Organisationen in den letzten Jahren die Pionierarbeit für die staatliche Socialreform thun müssen. Der Frage ist, infolge der gewerkschaftlichen Thätigkeit und den auf ihr sich auf- bauenden Vorschlägen des Prof. Schanz erhöhte Aufmerksam- keit in der Presse zugewandt worden. Alles, was gegen sie eingewandt wird, schrumpft schließlich zusammen auf Meinungs- Verschiedenheiten über den Weg, der zu gehen ist. Unsre Manchesterleute aber werden nicht lange mehr die Achseln zucken können; die Notwendigkeit, daß der Staat in den guten Jahren vorsorgt, damit die Arbeitermasse in den Jahren des Niederganges nicht schutzlos allem Elende preisgegeben wird, drängt sich zu wuchtig auf. Wenn jetzt die kapitalistische und offiziöse Presse die Ar- beitslosen bedauert und die Regierung„Erhebungen"— wie lange werden sie dauern?— veranstaltet, so täuschen sie damit eben nicht über die Thatsache hinweg, daß sie in den hinter uns liegenden Jahren alles versäumt haben. Auf dem Staat und den herrschenden Klassen lastet daher auch die ganze Verantwortung für das namenlose Elend, welches jetzt als Begleiterscheinung der Krise und als Folge der Arbeits- losigkeit die Arbeiterklasse trifft.— Die Gewaltpolitik Chamberlains. Während daS Gerücht ging, daß Eduard VII. an der Fort» führung des Krieges verzweifele und geneigt sei, durch Konzessionen an die Boeren dem entsetzlichen Bkutvergietzen. der Kitchenerschen Henkersthätigkeit und dem Kinder-Massenmord in den Konzentrations- lagern ei» Ende zu machen, hat jetzt Chamherlain am Freitagabend in Edinburgh eine Rede gehalten, die nichts weniger als eine Frlcdensstinnnung atmet, vielmehr die trotzige Entschlossenheit des politischeil Commis der Minenaktionäre verrät, das abenteuerliche va banque- Spiel bis zum Aeußersten fortzusetzen. Und nicht nur, daß Chamberlain jäh alle Friedenshoffnungen zerstört, die Rede des KolonialministerS ist auch eine trotzig« Kriegserklärung an die Gegner seiner imperialistischen Raubpolitik. Ueber die Rede Chamberlains ivird gemeldet: Der Kolonialsekretär Chamberlain hielt in einer Versammlung von 8000 Uuionistcu in Edinburgh eine Rede, in welcher er die irischen Mitglieder des Unterhauses heftig angriff, welche sich offen als Feinde des R e i ch s erklärt hätten. Die lliegierung ivolle vorschlagen, die Geschäfts- ordnung des Unterhauses abzuändern, um den Fortgang'der Geschäfte zu erleichtem und die Leute besser überwachen zu können, welche das Hans bis auf ihr eignes Niveau herabbringen Ivollen. Die Anzahl der irischen P a r l a i» e n t L m i t g I i e d e r sei im Verhält- nis zur Bevölkerung Irlands ein Skandal und ein Mißbrauch. Redner k iindigt an, daß die Regierung vor den nächsten allgemeinen Wahlen dem Lande den P l a n f ü r eine H e r a b s e tz u n g d e r Z a h l der irischen Parlamentsmitglieder vorlegen»volle. Im »veitercn Verlauf seiner Rede besprach Chamberlain die Kriegs- frage und ivics mit Nachdruck zurück, daß die Regierung zu der Zeit, als das Ultimatum der Boeren übergeben Ivurde, die Kriegs- erklärung vorbereitete; sie habe im Gegenteil alles gcthan, den Krieg zu vermeiden, der,»vie sie lvußte, ein schivierigeS und ernstes Unter- nehmen sein»vürde. Die den Boeren angebotenen Bedingungen seien günstiger gewesen als irgendivclche, die je einem besiegten Feinde angeboten seien; da diese Bedingungen abgelehnt seien, müsse d e rKr i c g zu Ende geführt werden. Die Regierung gestehe zu, daß sie bezüglich der Daner des Krieges geirrt habe; sie bewundere die Zähigkeit der Boeren. aber es sei notwendig, daß England dieser Zähigkeit eine gleiche Entschlossenheit entgegensetze. Die Boeren verlangten nunmehr eine größere Unabhängigkeit als zu Beginn des Krieges; das sei eine Bedingung, die die Regierung nicht gut annehmen konnte. Die Zeit komme jetzt, wo es notivendig sein inag, strengere Maßregeln z» ergreisen, um die Aufständischen und die Gnerillabandcn zn jbekanipfe». Wenn diese Zeit da sei, werde die Regierung Präcedeiizfölle für alleS, waS sie thun werde, in dem Vorgehen jener Nationen finden, welche Englands Vorgehen als Barbarei und Grausamkeit verurteilten; aber sie werde sich doch nie dem nähern, was diese Nationen in Polen, im Kaukasus, in Bosnien, Tonkin und im Kriege von 1870 thaten. Redner schloß, die Regierung wolle nicht davor zurückschrecken, von dem Lande weitere Opfer zu verlangen, wenn es nötig sei; die militärische Lage biete keinen Grund zu ängstlichen Befürchtungen. Also eine Abänderung der Geschäftsordnung deS Unterhauses, so ein kleines parlamentarisches Manlkorbgesetz, und eine Ver- Minderung der Zahl der irischen Abgeordnetensitze wird von der Regierung geplant. Da man befürchtet, daß der Verlauf deS Boereukricgcs die Opposition gegen die Ranbpolitik der Regierung verstärken könnte, sucht man sein Heil sozusagen in einem kleinen Berfassnngöbrnch. Allerdings ist die Zahl der irischen Abgeordneten — 103 von«70— im Verhältnis der Bevölkerung Irlands zu der des Vereinigten Königreicks eine imverhältniLmäßig große, da Irland mit seinen 4 700 000 Einwohnern nur etwa ein Afchtel der 670 Sitze beanspruchen könnte; allein dieser Umstand vermag die erbitternde Thatsache nicht zu ver- schleicr». daß eS sich hier nur um eine gehässige Gelegenheitsgcsetzesinacherci handeln würde. Auch Schottland schickt mehr Abgeordnete ins Unterhaus, als ihm der Bevölkerungszahl nach zukämen— man müßte also eine vollständige Neuregelung der Wahlkreiseinteilung vornehmen, um einen gerechten Ausgleich herbei- zuführen. Aber nicht um einen solchen, sondern um eine Schwächung der antiimperialistischen Opposition ist es dem Kabinett zu thun. So zieht die Vcrgeivaltigung nach außen die Vergewaltigung im Innern niit Naturnotwendigkeit nach sich. Wenn Chamberlains Erklärungen über den Boerenkrieg mehr sind als eine persönliche Meinungsäußerung, und daS scheinen sie zu sein, und mehr als ein abgebrauchter Händlertrick, so ist an eine Be- eudignng des Krieges noch lange nicht zu denken. Die Lage zn be- schönigen besaß Chamberlain diesmal nicht mehr den Mut.»vcnn er auch vor allzu ängstlichen Befürchtungen»varnte. er stellte iin Gegenteil die Notwendigkeit weiterer Opfer in Aussicht. Ersuchte also das Land mit. dem Gedanken vertraut zu machen, daß der Krieg in seiner bisherigen Form noch geraume Zeit fortdauere. Charakteristisch ist ferner, daß er schamlos die Bestialitäten des Henkerknechts Kitchener in Schutz nahm und gar noch strengere Maßregeln in Aussicht stellte. Seinen Dank für die Liebens- Würdigkeit der deutschen Regierung und die Verleihung des Schivarzen AdlerördenS an Lord Roberts stattete er mit der schmeichelhaften Bemerknng ab, daß England trotz alles Erschießens und Hängens sich doch nie dein nähern werde, was»andre Nationen... 1870 thaten". Wohl bekonim's!— » G G Deutsches Meich. Zur Behandlung des Zolltarifs im Reichstage plaudert die„Deutsche Tageszeitung" von ihren Hoffnungen und Mut- maßungcn: „Vom Bundcsratstische wird wahrscheinlich der Staatssekretär des Innern, Graf von Posado wsky im wesentlichen die nicht leichte Last der Vertretung der Vorlagen tragen. Graf von Posadoivsky ist zweifellos derjenige unter den Staats- sekretären und höheren Reichsbeamten, welcher die i» Betracht kommenden Fragen am meisten beherrscht und am gründlichsten studiert hat.(Dies überschivänaliche Lob erinnert daran, wie hitzig die Agrarier den IL 000 Mark- Skandal des Reichsamts deS Innern verteidigten I Red. d.„V.") Vermutlich wird sich auch Gehcimrat Dr. von Körner aus dem Auswärtigen Amte bei der pnrlameutarischcu Vertretung der Eutivürfe wesentlich beteiligen. Dr. von Kölner gilt in wirtschaftspolitischen Kreisen für den besonderen Informator des Herrn Reichskanzlers. Er ist jedenfalls ein kenntnisreicher, kluger iind tüchtiger Beamter, aber, wie wir früher mehrfach erörtert und bewiesen haben, etwas freihändlerisch angehaucht. Daß der Herr Reichskanzler selbst bei den wichtigsten und ivesciitlichsten Fragen eingreifen werde, ist mit Sicherheit zu er- lvarten. An sich lväre eine tiefgreifende und weitschichtige Be- ratung kanin nötig. Die Fragen sind sämtlich so eingehend, so gründlich, so oft erörtert»vorden, daß ctivas Neues beizubringen ivcder hüben noch drüben möglich sei» dürfte. Wenn in der liiiksliberalen Presse immer und immer wieder hervorgehoben wird, man müsse die wichtige Angelegenheit auss gründlichste behandeln, so ist das entweder Selbsttäujchung oder Spiegel- fcchterei. Unsres Erachtcus kommt es, wie die Dinge jetzt liegen, weniger ans daS Ncdc», nid nuf daö Ab- stiinmen an. Selbst die Beredsamkeit des Demosthencs würde im gegenlvärtigcn Stadium der Sache keinen bekehren. Deshalb werden die Vertreter der Rechten, des Ecntrums und der national- liberalen Partei voraussichtlich ans lange Reden zum Fe n st er hinaus verzichten und sich mit k urz e n Darlegungen ihres Standpunkts begnügen. Immerhin»verde» die Verhandlungen äußerst laugivierig und iiiigemein schivierig»verde», und' nicht nur au die eiiizelueu Abgeordneten, sondern ganz besonders an das Präsidium des Reichstags hohe Anfordernligen stellen..." Von der agrarischen Obstruktion ist also augenblicklich nicht die Rede. Früher war in der„Deutschen Tageszeitung" zu leicn, daß die Bündler alle parlaineiitarischen Mittel aufbieten würden, uni einen„so schlechten Zolltarif",»vie der jetzt vorliegende, zu verhindern. Sehen sie jetzt ein. daß der Tarif doch nicht gar so übel ist und wollen sie sich deshalb jedes verzögernden Redens und Lärmens enthalten? Es ist natürlich lächerlich zu behaupten, daß sämtliche Fragen des Zolltarifs gründlich und genügend erörtert seien. Die„Deutsche Tageszeitung" tvürde sofort der entgegengesetzten Meinung»verdci», wen» der Zolltarif ihre» Wünschen weniger entsprechen würde. Nicht einmal die Begründung der Regierung zu ihrem Entwurf, von der doch seine Beurteilung wesentlich abhängt, ist bis- her bekannt gegeben. Ferner bedürfen die zahlreiche» Eingaben der verschiedensten Interessenten an den Reichstag pflichtgemäßer Berücksichtigung und eingehender Diskussion. Dazu aber kommt, daß innerhalb der großen Parteien, die der Zollerhöhung geiieigt sind, über das Maß der Erhöhungen»md über inannigfache Einzelfragen sehr erhebliche Meinuligsuerscbiedenhcitcn vorivnltcii. Dies alles ivird die agrarische Hoffnung auf eilige Durch- peitschnng des Entivurfs vereiteln. Und zum Ueberflnß ivird die Opposition sorgen, daß das schamlose Spiel der Wucherparteien nicht allzu glatt von statten gehen ivird!— Hnndwcrksmcistcr gegen den LebcnSmittcltvucher. Die Kölner B ä ck e rm« i st e r- I n n u» g hat sich in einer e i n st i m»» i g beschlossenen Resolution gegen den Zolltarif-Eutivurf ausgesprochen. Ter Rcscreiit, Herr Kampmanii, führte ans, daß der neue Zolltarif nicht mir eine Verteuerung der Brotfrncht, sondern auch fast aller einschlägigen Rohmaterialien(Milch, Eier, Fett usw.) mit sich bringe. In der Resolution spricht die Innung„die Hoffnung aus, daß die hohe Staatsrcgicrung von einer Zollerhöhung der not- ivendigsten Nahrungsmittel zu Gunsten einer Jnteressentengruppe Ab- stand nehmen möge." Die Kölner F l e i s ch er m e i st e r- In n u n g hat sich ebenfalls kürzlich mit dem Zolltarif befaßt. Die Innung»vählte z»völf Abgeordnete zu dem Bezirkstag rhcinisch-ivestsälischer Mctzgcrmeister, die sich alle verpflichteten, gegen jede Zollerhöhung zu stimnie». Solvohl die Kölner Bäcker- als die Mctzgermeister sind in ihrer weit überivicgenden Mehrzahl Angehörige der Centrums- Partei. Sie erklären sich in seltener Eiimiütigkeit gegen die Zoll- erhvhnngen. Ebenso haben sich die katholischen Arbeiter zahlreich und entschieden gegen den Brotwuchcr ausgesprochen. Unterdes schreien die ultramoiitanen Agrarier beharrlich nach dem 7,60-Mark- Brotzoll, nach Gemüse-, Milch-, Eier- usiv. Zöllen. Wo bleibt das arme Centrnni mit seiner„ausgleichenden Gerechtigkeit"?! Die Erfurter„Tribüne" berichtet: In der am Mittwoch, den 23. Oktober, stattgehabten Quartalsversammlung derErsirrter Bäcker» I n»i u n g»vnrde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Mitglieder der Erfurter Bäcker- Innung erklären sich gegen jede Erhöhung der Zölle, da sie durch dieselbe keinen Nutzen für den Handiverkcr und kleinen Land- mann erblicken können, sondern im Gegenteil eine Vertcuenmg der notwendigsten Nahrungsmittel für den größten Teil der Be- völkerung."—_ Jetzt weist»iiaii's. Die»Frankfurter Ztg.* erzählt folgendes ainnsanle Geschickitchen: „Im vergaiigciicn Jahre lvar's. Der»ui» verstorbene Dr. Georg v. Siemens»var zur kaiserlichen Frühstückstafel geladen, an der außerdem»och der König von Württemberg init seinem Schwiegersohn. dem Erbprinzen von Wied, teilnahm. Das Gespräch kam ans de» TranSvaal-Krieg. Der Kaiser meinte, er könne sich die in ganz Deutschland hervorbrechende Begeisterung für die Boeren nicht er- klären.„Wo kommt sie nur her?" „Die Sache ist sehr einfach zn erklären," meinte Dr. v. Sieiueus, „die Begeisterung für die Boeren ist so groß,»vcil die F r a u e n und Kinder für die Boeren sind. In meiner Familie ist's so und so»vird's»vohl überall sein I" Der Kaiser schlug sich lachend auf daS K»ie:„Sie haben ganz recht, lieber Siemens, in meiner Familie ist's gerade so. Von den Frauen kommt die Boerenbegeistcrung. Auch die meine kann morgens kann, die Zeitungen erwarten, die ihr die Siege der Boeren melden I" Danach»nüßte es ja wohl auch von dem 18lZ6er Krüger- Telegramm heißen: otiercbs? la komme.— „Das hohle Wort deS Herrschers". Die Leitimg des königlichen Schauspielhauses in Berlin»vill nicht den Tensor Goethes spiele». Der„Voss. Ztg." ivird von„zuständiger Seite" mitgeteilt, daß die Streichung des Satzes im„Egniont":„Und diese treibt ein hohles Wort des Herrschers, nicht ihr Gemüt" in Berlin selbst nie veranlaßt»vorden ist. und daß insbesondere die Berliner Hostheater- Intendanz dieser Redaktion des Textes völlig fernsteht. Die Aus- lassimg der Stelle soll darauf zurückzuführen sein, daß Herr M a t k o»v s k y, der die Rolle früher in Dresden spielte, vom dortigen Hoftheater her geivohnt war, die citierten Worte zu unter- drücken. Nack dieser Lesart trägt also Sachsen die Schuld. Nach einer andren Version befindet sich die Streichung des gefährlichen Satzes allerdings im Soufflicrbuch für Herrn Matkowsky, aber schon 'cit— zwanzig Jahren. Man sucht sich also ans verschiedene Weise herauszureden. Jedenfalls Ivird man min, nachdem die ganze Ruchlosigkeit des Satzes erkannt»vorden ist. für alle Zukunft verhindern, daß derlei hochverräternche Worte auf königliche» Bühnen gesprochen werden. Oder»vill sich die Hostheater-Jnlendanz der Aufreizung zur Revolution schuldig machen?— Ein Hauptmann als Soldatcninisthandlcr. Vor dem Kriegsgericht der 3. Division in Stettin hatte sich der Hauptmann und Compngnicchef im Grenadier- Regiinent Nr. 2 von Keyserlingk wegen Mißhandlung Untergebener und Beleidigung zu vcrantivonen. Die Verhandlung fand, da eine Gefährdung der militärische» Dis- ciplin befürchtet»vnrde, vollständig nnter RnSschlnst der Ocffentlichkcit statt, selbst lue Zeugen durfte» nach ihrer Vernehmung nicht im Gerichtssaal bleiben. sondern mußten »vieder hinaustreten. Nach Schluß der einstündigen Beratung »vnrde zur Verkündigung de? Urteils die Oeffeiitlichkeit hergestellt, jedoch schon für die Begründung d c s U r t e i l S wieder ausgeschlossen. Das Urteil lautete gegen de» An- geklagten wegen Mißhandlung Untergebener und Beleidigung in je drei Fällen auf sechs Wochen Sr übe narre st.— Die TyPhnSepidemie i» Gclseukirchen ist»ock, inimer in der Ausbreitung begriffen. In der Zeit vom 19. bis 26. Oktober hat sich die Zahl der T»iphnsfälle im Stadt- und Landkreise Gelsen- kirchen von 1257 aiif 1329 erhöht. 27 Kranke sind gestorben, 192 Personen als genesen entlassen»vorden. Fiinfzigtansend Chiuamedaillen i Ein Blatt behanpt«t. es solle auch eine Verleihung der Chinamedaille an Nicht- kombattanten erfolgen, die sich um die Expedition in einer oder der andren Weise verdient gemacht haben. Gegenwärtig würden bei den einzelnen Armeccorps die Vorschlagslisten für die zu dekorieren- den Offiziere, Beamten, Unteroffiziere und Mannschaften fertiggestellt, die dann von den Generalkommandos an die zuständige Stelle weitergegeben würden. Es seien im ganzen SO 000 Verleihungen der Medaille an Nichtkonibattanten vorgesehen, so daß nach De- korierung der angegebenen Militärpcrsonen noch eine erkleckliche An- zahl für N i ch t m i l i t ä r s übrig bleiben wird. Bei einem so überreichen Segen wird es schon heißen müssen: Freilvillige vor!— Vom bürgerlichen Parlamentsgewerbe. Dem früheren badischen nationalliberalen Abgeordneten Müller widmet der„Bad. Landsmann" die folgende schmeichelhafte Schilderung: „Müller ivar ihaisächlich eine parlamentarische Null, er hat im Landtag nichts geleistet, und zu besonderein Dank hat sein Bezirk allerdings keinen Anlaß. Er hat nichts gethan, als der libe- ralcn Partei das Opfer seiner religiösen Ueberzeugung gebracht und dafür die Ehre gehabt,„Volksvertreter" zu sein, und das Vergnügen, jeden ziveiten Winter, statt in dem langweiligen Wclschingen, in der Residenz zubringen zu dürfen, Ivo er sich amüsierte und doch bescheiden lebte, hier und da einen Fraktionssuff mitmachte und die andre Zeit abends mit Wiener Würstchen pder einem Schweinsrippchcn fürlieb nahm, und so am Schluß jeder Session ca. 800—1000 M. nach Hause brachte, als Lohn für seine Nnll-Rolle, mit dem er sich alle 2 Jahre ein Landtagsäckerlein gekauft hat. Solcher Patrone sind übrigens schon mehr im Landtag gesessen." Und nicht nur in Baden!— AuS Sachsen-Meiningen.(Eig. Ber.) Am Freitagmittag wurde der Landtag nach zweiwöchiger Tagung geschlossen. Ein An- trag unsrer Genossen gegen eine weitere Erhöhung der Getreide- zöllc wurde zurückgezogen, nachdem dessen Nichtannahme feststand, die Regierung dagegen aber die bestimmte Erklärung abgegeben hatte, im Bundesrat mit allen Mitteln für das Wiederzustaudekonuncu der Handelsverträge wirken zu wollen.— Detmold, 23. Oktober. sEig. Ber.) Bei der gestern hier statt- gefundenen Stichwahl zum Lippeschen Landtage erhielten D omsch eit (Socialdemokrat 402, Wißmann sfrs.) 480 Stimmen. Letzterer ist damit gewählt. Die bürgerlichen Parteien haben diesmal geschlossen für den Freisinn gestimmt. In Anbetracht, daß noch ein großer Teil unsrer Wähler, die Zicgler, außer Landes sind, ist das Resultat ein sehr günstiges. Ausland. Die erste Woche. -st- Wien, 25. Oktober. Es will nicht recht vorwärts gehen km ö st r ei ch i sch e n N b g c o r d n e t c n h a u s e. Die Abgeordneten waren zwar sehr entzückt, als ihnen Herr v. ftoerber ihre Aufgaben in so glänzenden Farben malte, aber die alte Gewohnheit deS geschäftigen Müßigganges können sie nicht lassen. Die erste Woche der neuen Session ist um. aber man hat noch nichts andres gethan, als „Dringlichkeitsanträge" von zumeist sehr fragwürdiger Wichtigkeit ver- handelt. Diese DringlichkeitSantrage sind eine Erfindung derObstruktio», und wenn niau sie auch nicht mehr braucht, um die Tagesordnung zu verrammeln, so sind sie doch ein nie versagendes Mittel der Demagogie. Im östreichischen Parlament wird nämlich das Recht der Abgeordneten auf Initiative so stark gebraucht, daß die Quantität der gestellten Anträge das Antragsrecht selbst ganz tot- geschlagen hat. Die in dieser Session, die bekanntlich im Februar begann, eingebrachten Initiativanträge werden die Zahl von Tausend erreicht haben; es ist also einleuchtend, daß sie, selbst wenn ihnen das Haus nicht einen Schwerinstag, sondern ganze Schwerinswochen einräumen wollte, von der Verhandlung so ziemlich ausgeschlossen sind— zumal da im östreichischen Ab- geordnctcnhause jeder Antrag einer Vorberatung im Ausschüsse bedarf. Nun enthält die Geschäftsordnung die Bestimmung, daß mit derselben Zahl von llnlerschristen, mit welcher ein Antrag gestellt wird, auch die„Abkürzung" der Verhandlung beantragt werden kann: daß also die zwanzig Antragsteller eine dringliche Behandlung durchsetzen können:„daß der Antrag, der nicht ans der Tagesordnung steht, sofort zur Verhandlung gelangt. So lange diese geschäftsordnnngsmäßige Möglichkeit nur bcnützt wurde, um eine wirklich dringende Sache zur Sprache zu bringen, eine plötzlich entstandene Notwendigkeit parlamentarisch aus- zudrücken, wirkte die Bestimmung ganz nützlich. Jetzt freilich dienen die Dringlichkeitsanträge entweder als Obstruktion oder zu demagogischen Zwecken: die Parteien haben es mit ihnen in der Hand, ihre Parteibcdiirfnissc dem Parlamente als Notwendigkeit aufzudrängen. Da cS nun im östreichischen Parlamente der Parteien nicht wenige giebt— derzeit sechsundzwanzig!— Und die Parteien schon geradezu unlauteren Wettbewerb treiben, so ist auch ohne Obstruktion die Zahl der Dringlichkeitsanträge zn Beginn jeder Session sehr groß. Bis jetzt wurden ihrer sieben absolviert. eS liegen aber noch weitere sechs vor. Dabei steht die erste Lesung des Budgets noch immer„auf der Tagesordnung"; die nach der Geschäftsordnung„sofort" zu verhandelnden Dringlichkcits- antröge sperren den Zugang zu ihr. Heute vormittag ist nun im Parlament die Situation ganz kritisch geworden. Man sprach von Dcmissionsabsichten der Rc- gierung, sogar die Drohung mit der Auflösung des Hauses wurde laut. Das sind natürlich kindische Ucbcrtreibnngen; TKatsachc ist, daß Herr v. Koerber den„Beweis" der Arbeitsfähigkeit des Hauses nach oben und gegenüber Ungarn braucht.' Es ist auch gelungen, ein Einvernehmen herzustellen: von den anfgestapelteu Dringlichkeitsantrügen werden lediglich zwei, die sich auf die Altersversicherung beziehen, verhandelt, die übrigen werden auf gelegenere Zeit„zurückgestellt". Politisch besagt der Zwischenfall nur, daß das Parlament nicht gesund ist. Die itrank- heit besteht jetzt nicht gerade darin, das die Parteien das Parlament umbringen wollen; was sich in der Mißhandlung der parlamentarischen Jnstilntion offenbart, ist die Z e r s e tz u» g d e s H a n s e s. Es ist gewiß ein höchst bedenkliches Zeichen, daß' zur Durchsetzung einer so selbstverständlichen Sache, wie die Beratung des Staatsvoranschlages cS ist, so große Kraftanstrengungcn notwendig sind; das Parlanient lebt eben nicht, sondern vegetiert. Unter solchen Umständen ist von der Thätigkeit des hohen Hauses nicht viel zu melden. Ein gewisses Aufsehen hat eine Unterlassung des Präsidenten des Hauses erregt: ganz gegen die servile Art dieses Parlamentes wurde der Ermordung des Präsidenten der Union n'.it keinem Worte gedacht. Graf Vetter hat es zwar be- stritten, daß ihm diese' Taktlosigkeit vom Grasen Goluchowski souffliert worden sei, er habe eS nur unterlassen, weil der Tod Mac Kinlcys schon zu Iveit in der Zeit liege, aber es steht dennoch fest, daß in der Unterlassung ein Avis der östreichischen Diplomatie gewaltet hat. Man kann es am Wiener Hof den Amerikanern noch immer nicht vergeben, daß sie sich erlaubt haben, den spanischen Habsburgern Cnbn abzunehmen. Dann hat sich das Haus einen Vicepräsidenten gewählt, den deutschvolklichen Professor Kaiser, einen ebenso unbedeutenden und unbeliebten Maim; er erhielt weniger Stimmen, als leere Stimmzettel ab- gegeben worden sind. Von den Dringlichkeitsantrügen hat einen ungewöhnlichen Skandal der der Jungczcchcn über die Vorfälle in Lit'tan erregt. Diese„Vorfälle" in der kleinen mährische» Stadt war die Eröffnung eines deutschen— Kindergartens, zu der die Deutschen aus ganz Mähren, um der einst deutschen jetzt in czechische Hände gefallenen Stadt ihre Solidarität zu be- weisen, zusammengekommen sind. Dabei sind natürlich sehr pathe- tische Reden gehalten, viel Bier getrunken und zum Schluß Fenster- scheiden eingeschlagen worden. Da kein Mensch kraut oder totgeschlagen wurde, so war an den Vorfällen nichts, was nicht schon oft' vorgckomnicn wäre und bei den nationalen Reibereien nicht weiter vorkommen würde. Trotzdem brachte» die Jnngczechcn einen gräßlich übertreibenden Antrag ein, der die Ein- leitung einer strengen Untersuchung und rücksichtslose Be- strafung der Schuldigen verlangte. Der Antrag wurde von einem der unsympathischten Menschen begründet, über den das an solchen Leuten nicht gerade arme östreichische Ab- geordnetenhaus verfügt: von dem Abgeordneten S t r a» s k y. der noch daS Unglück hat. ein getaufter Jude zu sei». Infolgedessen nahm die Debatte einen echt östreichischen Charakter an; das in der letzten Zeit etwas manierlicher gewordene Parlament zeigte sich wieder einmal in seiner vollsten Ursprünglichkeit. Mit dem Quantum von Schimpfworten, den hier eine einzige Sitzung produzierte, könnten alle europäischen Parlamente das ganze Jahr auskommen. Sobald die nationale Seite berührt wird, gerät das Parlament außer Rand und Band. Nicht so anfregend, aber weitaus wichtiger war die Ber- Handlung über die socialpolitischen Anträge unsrer Genossen. In erster Linie war es der Antrag über die Arbeitslosigkeit und die Mittel ihrer Bekämpfung, der durch die wirtschaftliche Krise leider so dringlich geworden war. Der Antrag, der die Regierung zu einer planmäßigen Thätigkeit anruft, wurde dem social- politischen Ausschusse zugewiesen. Die größte Bedeutung komnit' aber dem Dringlichkeitsantrage zu. der die Re- gierung auffordert, dem Hause selbst eine Vorlage auf Ein- führnng der Alters- und Jnvaliditätsversicherung, der Witwen- nnd Waiscnversorgnng vorzulegen. Danüt erreicht eine große Aktion der Partei ihren vorläufige» Abschluß. Sie wurde am ietztcn deutschen Parteitag, in Graz,' begonnen und erhielt einen kräftigen Impuls durch die von der Regierung im Frühjahr ein- gebrachte Vorlage auf Versicherung der Privatbeamten. Den ganzen Sommer hindurch wurde die Bewegung in der ganzen Monarchie verbreitet. Ueberall wurden Versammlungen abgehalten und eine Petition an das Abgeordnetenhaus wurde aufgesetzt, für die massenhaft Unterschriften geworben wurden. Ei» Teil der Petitionen wurde im Parlament dieser Tage eingebracht, vorläufig 1397 Petitionen mit 575 595 Unterschriften, weitere Petitionen von 1242 Gemeinden und von 1137 Vereinen. Die gewaltige Bewegung bat ihren Zweck nicht.verfehlt: Der Ministerpräsident erklärte, daß für die Reform bereits die Grundzüge ausgearbeitet sind, die nun in Kürze der öffentlichen Kritik vorgelegt werden werden. Trotz der Zerfahrenheit unsrcs öffentlichen Lebens arbeitet die Socialdemokratie planvoll an der Verwirklichung ihrer Forde- rungen. » Wie», 26. Oktober. Wie in parlamentarischen Kreisen ver- lautet, dringt Ministerpräsident v. Koerber bei den arbeitswilligen Parlaincntspartcicn auf die Schaffung einer neuen Geschäftsordnung, welche eine Verschärfung des DisciplinarrechtS bedeiiten und sich gegen die Einreichung der Dringlichkeitsanträge richten soll. ftfrnukreich. Die RnSsichten der Forderungen der französischen Bergarbeiter. Nachdem der Generalstreik auf unbestimmte Zeit vertagt ist, kann die Frage, ob und inwieweit der Generalstreik von Erfolg gc- Wesen sein würde, unerörtert bleiben. Sicher ist, daß die tief- gehende Bewegung unter den Bergleuten, ihre Unzufriedenheit und ihr stüknrisches Verlangen nach den lang erwarteten Reformen nicht ganz ohne Einfluß ans Parlament und Regierung geblieben ist. Es ist schon mitgeteilt, daß der Kannneransschüß für Arbeiter- gcsctze sofort an die Beratung des Antrags Baslh betreffend die Einführung des Achtstundentags herangetreten ist. Auch die Forderung cineS Minimallohnes, die bisher ganz schroff abgelehnt worden ist, soll in dein Ausschuß beraten werden; Unternehmer- nnd Arbeiter- Organisationen sind aufgefordert, schriftlich oder durch Zu- sendung von Delegationen dein Ausschuß ihre Vorschläge und Be- gründung zu unterbreiten. Ferner ist von dem Berichterstatter dieses Ausschusses, OdiloirVarrot, bereits ein Projekt betr. dic Altcrs-Pcnsions- Kassen für Bergarbeiter ausgearbeitet uiid der Kanüucr unterbreitet worden. Danach hat jeder Bergarbeiter im Alter von 50 Jahren nnd nach 25jähriger Arbeitszeit das Recht auf eine Pension. Arbeitet der Betreffende weiter, so erhält er nur die Hälfte der Pension; nach scinoni Tode erhalten die Witwe nnd die Kinder eine Pension im Betrage der Hälfte der dem Bergmann zustehenden. Der Antragsteller glaubt, daß die Summen, die nach dem Gesetz von 1894 für diese Zwecke aufgehäuft worden, im Jahre 1902 so hohe sind, daß 10 000 Bergarbeiter eine jährliche Rente von je 576 Fr. erhalten können. Späteren Nachrichten zufolge hat auch die Regierung nunmehr ein Projekt betreffend die Alterspensions-Kassen für Berg- lente fertig gestellt. Die Deputierten Baslh und Devsze waren nämlich im Auftrage der socialistischen Fraktion nochmals bei dem Minister für öffentliche Arbeiten vor- stellig, um die Absichten der Regierung bezüglich der Bergarbciter-Fordcrungen zu hören. Der' Minister Baudin machte die Mitteilung, daß das Projekt fertiggestellt sei und die übrigen Minister auch bereits ihre Zustimmung gegeben hätten. Bezüglich des AchtstundeiilageS erklärte der Minister, er habe die Ingenieure angewiesen, sich mit ihre» Gutachten über diese Frage zn beeilen. Nach allein dem scheint also, daß die Negierung jetzt ernstlich be- strebt ist, den Wünschen der Bergleute entgegenzukommen.— Gegner von linkS und von rechtö. Weil Meline nicht die Beratung des Antrages Baslh in der Kammer als günstige Gelegenheit benutzt hat, das Ministerium zu stürzen, sind einige Abgeordnete aus seiner Gruppe ausgetreten und es ist nicht ausgeschlossen, daß es zu einer Spaltung der Melinisten kommt. Jetzt hat auch ein Progressist seinen Anstritt aus demselben Grunde aus seiner Fraktion erklart. Es ist der Senator Gotteron. ivclchcr von seiner Partei in der Kammer erwartet, daß sie den Sturz deS jetzigen Ministeriums herbeiführe. Er schreibt:«Die wahre Gefahr für das Land ist nicht der Generalstreik, sondern das Ministerium Waldeck-Nousscan und seine anarchistischen Präfckten."— Belgien. Anfang der Obstruktion. Man schreibt uns unterm 25. aus Brüssel: Gestern nahm die Centralscktion der Kammer einen Antrag an, der den Vorsitzer ermächtigt, eine» Abgeordneten aus dem Saale entfernen zu lassen und zu einer Geldstrafe von 200 bis 1000 Frank zu verurteilen. Als Antwort auf diese Maulkorbpolitik beschlossen die Social- demorraten. alle Artikel des Reglements streng ausführen zu lassen. Darum erhob sich im Anfang der Sitzung am Freitag Genosse Vandervelde und verlangte die Namensaufrufung, um die Beschluß- fähigkeit des Hauses festzustellen. Die Herren der Rechten befanden ich auf der Jagd— also mußte die Sitzung vertagt werden. Jeden Tag wird diese Anfrage gestellt— nnd andre geschäftsordnungs- mäßigc Uebcrraschungen werden folgen. Die soeialistische Kammersraktion hat beschlossen, die Agi- tation für das gleiche Wahlrecht in folgender intensiver Weise zu betreiben: Die' Deputierten begeben sich an einem bestimmten Sonntage alle in denselben Kreis und halten Versammlungen ab. Nach und nach sollen so alle Kreise des Landes bereist werden. Am Sonntag, den 10. November, wird mit dem Lütticher Gebiet be- gönnen, bis die Agitationstouren mit dem 20. April im Kreise Luxemburg ihren Abschluß finden. Die Zahl der socialistischen Ab- geordneten in der belgischen Kammer beträgt 33, so daß jedesnial gegen 30 Versammlungen in Betracht kommen werden. Italien. Lina EriSPi. Auch der Name Crispi kommt in dem Bericht der neapolitanischen Untersuchungskommission mit vor. Die Munizipalität von Neapel hatte große TerrainS zu verkaufen, teils zu 25, teils zu 15 Lire den Quadratmeter, je nach dem Wert des Bodens. Der Donna Lina gelang es, den wertvolleren Boden mit 15 Lire pro Quadratmeter zu erhalten; bevor jedoch der Kontrakt unterzeichnet wurde, verlangte die geschäftsgewandte Frau des ehe- maligen Premier-Ministers. daß man ihr den Quadratmeter für 3 Lire berechne, u»d der höfliche Magistrat willigte ein. England. Der Fall Buller scheint noch sein Nachspiel haben zu sollen. Wie in London verlautet, beabsichtigt Buller für die Wahlen zum Unterhause zu kandidieren, wo er alsdann die Negierung bekämpfen wird. Buller dürfte sich den Liberalen anschließen.— Wie ans Simla genreldet wird, protestiert die englisch-indische Presse in heftigen Worten gegen die Haltung des Kriegsamts gegenüber dem General Buller. Die Bevölkerung von Devonshire, dem Geburtsort des Generals Buller, bereitet eine M o n st r e k u n d g e b u n g zu Ehren des gemaßregelten Generals vor. Die Kundgebung richtet sich speciell gegen das Kriegsamt.— Rustland. Der Kampf gegen die Freiheit. In Petersburg sind in den letzten Tagen 140 Personen ans politischen Gründen verhaftet worden. In einem Gymnasium in Nischny-Nowgorod waren Schülerunrnhen; 11 Gymnasiasten wurden ausgeschlossen. Der be- rühmte russische Schriftsteller Maxim G o r k y(Pjeschochouow), der in letzter Zeit, nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis, unter strenger Polizeiaufsicht— zeitweise unter Stubenarrest— in Nischny- Nowgorod lebte, ist nach dem Städtchen A r s a m a ß verschickt worden, wo er unter Aufsicht der dortigen Polizei sich aufhalten müssen wird. In Riga wurde die Lehrerin F r e y m a n n ver- haftet und nach dem Gefängnis in L i b a u überführt.— Asien. für Palastrevolution in Persicn wird der„Franks. Ztg/ eterSburg gemeldet: Nach Berichten ans Teheran sind die beiden heftigsten Gegner des Großveziers, die zwei Brüder des Schahs. welche die regierungsfeindliche Bewegung leiteten, verhaftet und' nach Ardebil verbannt worden. Ein Schwager des Schahs, der wegen Teilnahme an der Bewegung enthauptet werden sollte, wurde, als er schon ans dem Schafott stand, be- gnadigt, auch ein Günstling des Schahs Hawame- ed- Danlch, ivnrde vom Schafott weg ins Gefängnis zurückgebracht, wo er, wie verlautet, später gefoltert wurde und starb. In persischen Kreisen Teherans herrscht die AnfickN, daß diese Agitation von England unterstützt wird. Unter den Verhafteten befinden sich viele Würden- träger, Geistliche, zahlreiche Ulemas nnd gebildete junge Leute. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Die Verhaftungen dauern fort. Andre Beriihte behaupten übrigens, daß die beiden Brüder des Schahs an der Verschwörung nicht beteiligt gewesen seien.— Die Filippinos mache»'? wie die Boere«. Der Aufstand nimmt, so wird aus Manila gemeldet, nenerdiiigs einen großen Umfang an.— Die Aufständischen legen eine große Energie an den Tag, sie verbrannten die Ortschaft Sant Jose Batangas trotz der Anwesenheit der amerikanischen Garnison.— Der Boereu- Krieg. lieber die Kriegslage hielt am Donnerstagabend in Essen ein Kriegsberichterstaiter der „Rhein.-Westf. Ztg."', der sich durch nennjährigen Aufenthalt in Süd- afrika genaue Kenntnis der Bcrhältnisse erworben zu haben erklärte, einen interessanten Vortrag, über den wir dem genannten Blatte das Folgende entnehmen: Der Redner warnte zunächst vor dem PessimiSmnS, mit dem man oft in Deutschland den Krieg aiisehe. Er sprach die Zuversicht- liche Erwartung ans:„Die Boere n werden siegen! Wir brauchen keine Intervention der europäischen Mächte mehr. Wir werden allein mit den Engländern fertig. Demi jetzt sind nicht mehr wir die Angegriffenen, sondern sie. die Engländer sind in der Defensive — seit nahezu einem Jahre schon— seit Roberts Abreise, der auf der ersten Station der Rückfahrt mit der Nachricht überrascht wird, daß die„few ra aroding bands" unter Delarcy einen glänzenden Sieg davongetragen haben über Clements. Die marodierenden Banden sind jetzt nicht die Boeren, es sind die Engländer.— Man ist in Kapstadt selber nicht sicher vor de» Ueber- griffen englischer Soldaten, die Kanadier übten geradezu ein SchrcckcnSre�iment ans, Meutereien sind an der Ziagesordunng, auch.das Officiercorvs steht nicht mehr ans der Höhe, wie zuerst. Der Redner verwahrt sich dagegen, etwa ein Englandfresser zn sein; er erkennt durchaus ans, daß das Soldatenmatcrial am Ansang deS Krieges nicht so schlecht war. War es doch die Elite des englische» Militärs; die schottischen schwarzen Highlnnders, die Gloncestcr-Fiisiliere. Aber wo sind sie jetzt? Sie ruhen bei Magersfontein. bei Colcsberg. WaS jetzt noch da ist an englischem Militär, ist demoralisiert— kricgsmüde— sogar die Offiziere. Von 30 britischen Generalen sind über zwei Dutzend zurückgekehrt, nur Freuch ist noch da— er verläßt jetzt auch den Kriegsschauplatz— und der tüchtige„Hammelfänger" Methuen. Und die englische Feldarmee? 80 000 Mann sind nötig, um die Etappcnstraße zn decken,«ine Strecke wie von Berlin»ach Barcelona, weitere 70—80 000 Mann sind als Garnisonen unbedingt festgelegt, da bleiben nur 40 000, höchstens 50 000. Mit diesen aber nehmen die Beeren es leicht auf. An Waffen und Munition fehlt's auf lange Zeit nicht. Sie schießen schon lange mit englischen Lee- Metford-Gewehrcn. Und sie habe» gelernt in den 2 Kriegsjahren. Der Kampf Hot sie gestählt, die 15 000, die jetzt noch im Felde stehen. Sie verzivcifeln nicht; ivas haben sie noch zu verlieren? Ber- bammng droht ihnen oder Tod, wenn sie in die Hände der Eng- ländcr fallen; ihre Wohnstätten sind Trümmerhaufen. Darum halten sie aus. Und sie haben jetzt Bundesgenossen genug. Schon 15 000 Kapholländer kämpfen jetzt auf ihrer Seite. Warum aber erst jetzt? Es hat ein ungeheurer Druck dazu gehört, die Langmut des A f r i k a u d e r t n m s zu erschöpfen. In den besseren Zeiten fühlte» sich die Kapholländer ganz'wohl unter englischer Herrschaft, sie waren durchaus loyal. Konstitutionell erzogen, hielten sie auf Wahrung ihrer Rechte, erfüllten aber streng ihre Verpflichtungen gegen die Krone. Durch die ausgeprägte Religiosität ivnrde dieses Festhalten bestärkt. Da kam die Hetze der englischen Geistlichen gegen das Afrikandertum. Reformierte Geistliche wurden verhaftet, die Beamten drangen in die Häuser, horchten Frauen und Kinder ans. Das Dciiuiiziantentnm breitete sich überallhin aus. Und trotzdem— immer noch hielten die Kapholländer sich vom Kampfe fern. Da kamen die englischen Morde, die Hin- richtungcn der Führer, gegen alles Recht und Gesetz. Redner bekundet als persönlicher Bekannter der Familie L o t t e r, daß Lotter nicht englischer Unterthan, sondern Bürger des Oranje- Freistaats war Jede englische Blutthat der Art führt den Gegnern der Engländer neue Kämpfer zu aus den Reihen der Afrikänder. Ein kritischer Tag war der 11. Oktober. Die englische Regierung hätte das Parlament berufen müssen. Durch Mißachtung dieser Verpflichtung beging sie einen Staats st reich. Die Afrikänder halten sich ihrerseits nun von jeder Verpflichtung England gegenüber entbunden. Sogar frühere Anhänger der englischen Politik— ans den Reihen der Engländer selbst— schlagen sich jetzt zur Separatisten Partei.„Los von England" ist die Losung, die „Vereinigten Staaten von Südafrika" das Ziel. Der Besuch des Herzogs von Uork, höfisches Schaugepräuge, wo so nahe das Elend des Krieges ist, die Not vieler Tausender hat die Abneigung gegen England erhöht. So steht die Sache der Boeren nicht mehr schlecht, sie steht gut; sie müsseu siegen. Der Kiuderniord. In London eingetroffenen Meldungen zufolge hat die Sterblich- keit in den südafnkaiiischen Konzentrationslagern eine enorme Höhe erreicht. Tie Kindersterblichkeit ist bereits über 20 Pro z. gestiegen. Die Krankheiten sollen infolge Genusses brandigen Hammelfleisches hervorgerufen worden sein. Zur Boykottbewegung gegen England wird von einem Depeschenbureau ans H a v r e gemeldet: Die Vertreter der Amsterdamer Dockarbeiter wurden von den hiesigen Dockarbeitern begeistert empfangen. Es steht außer Zweifel, daß die hiesigen Hafenarbeiter der Boykottbewegung gegen die englischen Frachtschiffe beitreten werde». Auch die Kopenhagener Dockarbeiter haben sich der Bewegung angeschlossen und bereits einen diesbezüglichen Ausschutz ernannt. Die Neutralität Deutschlands. Die„Volls-Ztg." meldet: In der Nacht vom Freitag. 13. Oktober, zun, Sonnabend, 19. Oktober, und die folgenden Tage wurden im Hamburger Hafen 25 9 09 K i st e n Kartoffeln —(die Kartoffeln nach England gehen in Säcke n> au dem Dampfer der deutschaustralischen Dampfschiffahrts-Gesell- schaft„Duisburg" verladen, der am Dienstag, den 22. Oktober, ab- gegangen ist. Am 29. Oktober geht der Dampfer„Apolda" derselben Linie'ab. Die Gesellschaft bat, um Ladung zu bekoinnien, Extra-Frachtsätze für Kartoffeln nach Kapstadt, Alava-Bay und Mossel-Bay bekannt ge- macht. Es unterliegt gar keinem Zweifel, datz die für englische Rechnung gekauften Kartoffeln für die englischen Truppen in Süd-Afrika bestinimt sind. Wenn man bedenkt, wie die Engländer rücksichtslos deutsche Postdampfer auf Pen leeren Ver- dacht, datz sie Kriegskonterbande führten, beschlagnahmen lietzen, so mutz es befremden, datz eine deutsche Danipfergesellschaft sich dazu versteht, den Engländern in diesem grauenhaften Vernichtungskriege gegen die Boerennation behilflich zu sein. Aus Hamburg wird ferner berichtet: Mit dem gestern abend von hier nach London abgegangeneu Dampfer„Virgo"(Kapitän Wells) sind an den St. Pauli-Landungs- drücken 89 grosse kräftige Pferde zur Verschiffung gekomnien, die für Transvaal bestinimt sind und von England mit einem englischen Subventionsdampfer nach Kapstadt transportiert werden sollen. BUts Induptvie unv HAnVel. Die Reichsbank lveist in ihrer Wochenübersicht abermals eine erhebliche Stärkung auf. Die Wechsel- und Lombardconten sind um 61 252 999 M. zurückgegangen und beziffern sich auf 943 955 999 M. Der Metallbestand stieg um 51 967 999 M., während der Notenumlauf um 59 379 999 M. zurückging. Die steuerfreie Notcnrescrve hat sich auf rund 174 999 999 M.' erhöht. Deutsche Roheisen- Erzeugung. Nach den statistischen Er- Mittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustriellcr belicf sich die Roheiseuproduktion des Deutschen Reickies(einschlietzlich Luxemburgs) i», Monat September 1991 auf 625 229 To. Die Produktion im August 1991 betrug 643 321 To., im September 1999 717 109 To. Es hat also gegenüber dem Vormonat eine weitere Verringerung um 18 191 To. stattgefnnden, während im Vergleich zun, Vorjahrsmonat ein Rückgang um 91 889 To. oder um 12,8 Proz. stattgefunden hat. Vom 1. Januar bis 39. September 1991 ivurden produziert 5 871 859 To. gegen 6 249 314 To. im gleichen Zeitraum des Vorjahres, also 377 455 To. oder rund 6 Proz. weniger. Die oberschlefische Kohlenkouvention schlietzt sich in ihrer Preisbestimmung vollkommen dem rheinisch- westfälischen Kohlen- syndikat an. Wie berichtet wird, denke man gar nicht daran, in der nächsten Sitzung, die Anfangs November stattfinder. eine Preis- crmätzigung zu befürworten, ivohl aber ist eine Fördereinschränkung in Aussicht genommen. Einer Ermätziguug der Preise soll erst für den Sommer näher getreten werden, so datz Abschlüsse vom 1. April nächsten Jahres ab davon profitieren. In der Ausbeutung der Konsnmenten herrscht danach innerhalb beider Interessengruppen eine rührende Einigkeit. Der Kampf des Kalisyndikats gegen die Konkurrenz. Wie verlautet, hat das Kalisyudikat beschlossen, nunmehr auch den Kampf gegen die Gewerkschaft Hohen zollern aufzunehmen, und falls bis Ende November eine Kündigung nicht erzielt ist, den Preis für Chlorkalinm von 15 auf 19 M. zu ermätzigen. Die Preisunterbietung geschieht, um das autzerhalb des Syndikats stehende Werk zum An- schlutz z» zwingen. Ganz dieselbe Taktik ist, wie Ivir vor kurzem berichteten, gegen die Geiverkschaft Kaiseroda im Weimarischeu eingeschlagen. Arbcitereutlafsunge». Auf verschiedenen mitteldeutschen Kohlen- werken haben infolge der schlechten Geschäftslage Arbeiterentlassungen stattgefunden; auf mehreren Gruben ist der Betrieb eingeschränkt und mit der Einlegung von Feierschichten begonnen worden. Geschäftsberichte der Aktiengesellschaften. Die Deutsche Gasglühlichtgesellschaft(Allergesellschaft) erzielte im ver- flossenen Geschäftsjahr einen Reingelvinn von 552 134 M.(im Vorjahre 639 397 M.), Dividende 28 Proz.(33 Proz.).— Die Berliner Elektricitäts werke schliehen mit einem Gewinn ab, der 339 548 M. niedriger ist als im Vorjahre. Dividende 7 Proz. (19 Proz.).— Kirchner u. C o., Maschinenfabrik in Leipzig, berichten über einen Verlust von 555 999 M.(Gctvinn 451 534 M.). Vorjährige Dividende 14 Proz. Der Verlust wurde beglichen durch Vernichtung von 599 999 M. Aktien, die der Werkbesitzer Kirchner zur Verfügung stellt. 55 999 M. iverden dem Reservefonds entnommen. — Die Lothringer Eisenwerke hatten einen Reingewinn von 69 341 M.(239 349 M.). Dividende für Prioritätsaktien 1t/s Proz.(6 Proz.).— Die Gasmotoren-Fabrik Deutz giebt den Reingewinn auf 1 126 242 M. an(1 588 861 M). Dividende 5 Proz.— Der Märkisch-Westfälische Bergwerksverein verzeichnet einen Gesamtverlnst von 1 426 789 M. Der Bergwerksbetrieb soll eingeschränkt werden.—Die Rombacher Hütte verfügt über einen Reingewinn von 1 743 264 M. Dividende 19 Proz.(29 Proz.)— Die Brauerei Königstadt in Berlin verteilt ivie im vorigen Jahre 5 Proz. Dividende. Der General- Versammlung soll der Rückkauf von 1 299 099 M. Aktien unterbreitet werden.— Das Eisenhüttenwerk Rote Erde in Dortmund schlietzt mit einem Verlust von 49 414 M. ab. Die Deckimg erfolgt aus dem Dispositions- und Reservefonds.— Die Berliner W e i tz b i e r- Brauerei vormals L a n d r s zahlt 19 Proz. Dividende(11 Proz.). — Die Eisengietzerei und Maschinenfabrik voran Freund in Charlottenburg hatte einen Reingeivinn von 648 596 M. Dividende 12 Proz.(21 Proz.)— Die Z e i tz e r Eisengietzerei und Maschinenbau- Aktiengesellschaft giebt ihren Reingewinn auf 359 987 M. an(485 248 M.). Dividende 14 Proz. (29 Proz.)— Eisenindustrie z u Menden und Schiverte erlangte einen Reingewinn von 391 290 M.(1 994 362 M.) Dividende 4 Proz.(15 Proz.) Verbot des Tcrminhandcls in Getreide. Mehl und Wolle fordert der Kamincrausschutz des französischen Parlaments. In allen andren Waren sollen Zeitgeschäfte nur mit der Absicht wirk- licher Lieferung und Abnahme gestattet Iverden; ein Leerkäufer, der am Fristtäge nicht liefern kann, soll als Betrüger verfolgt werden._ GenrevkMAfklirheS. Berlin und Umgegend. Achtung, Gewerkschaften! Wir ersuchen hiermit alle, die noch im Besitze von Sammellisten für die Glasarbeiter sind, möglichst umgehend Listen und Gelder an unser Bureau abzuliefern. Die Listen tragen den Stempel der Berliner Gewerkschafts- Kommission und sind, laut Regulativ der Berliner Gewerkschafts- Kommission, Listen und Gelder nur auf unsrem Bureau ab- zurechnen. Der Ausschutz der Berliner G e w e r k s ch a f t s- K o m m i s s i o n, Engel-Ufer 15, part. Achtung Vergoldcr! Die Differenzen bei der Firma Leo Berg u. Co. sind beigelegt. Die Ortsverwaltung. I. A.: E. Oehlert. Veraniworilicher Redacrcur: Carl Leid in Berlin. Für den Ins« Achtung Kürschner! Der Streik der Pariser Kollegen dauert noch unverändert fort, darum ist der Zuzug nach Paris streng fernzuhalten. Der Vertrauensmann der Kürschner Berlins Achtung Klempner! Die Klempner der Firma Sturtevant- Ventilatorenfabrik(16 Mann) haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Deutscher Mctallarbeiter-Verband, Orisverwaltung Berlin. Vom Streik der Bauanschlägcr sind zur Zeit noch 39 der Ausständigen ohne Arbeit und deshalb zu unterstützen. Da die Streikkasse erschöpft ist und Beiträge von andren Gewerkschaften nicht mehr zu erwarten sind, so beschlotz der Verein der Bauanschläger in seiner Generalversammlung am Donnerstag, datz am Sonnabend, den 26 d. M. die letzte Streikunterstützung ausgezahlt wird. Gleichzeitig wird mit demselben Tage das Streikbureau auf- gehoben. Die Arbeitsausgabe findet wieder in den alten Arbeits- nachweisen bei O p a tz, S e b a st i a n st r. 5 9, und Döring, Neue Schönhauser st r. 9, statt. Ferner wurde der bisher ge- zahlte wöchentliche Beitrag von 3,35 M. vom 23. Oktober ab auf wöchentlich 35 Pf. und einen Ertrabcitrag von 19 Pf. täglich� festgesetzt. Denjenigen, welche mit diesen Beiträgen noch im Rückstände sind, wird eine Frist bis zum 8. Dezember dieses Jahres gewährt. Wer bis dahin seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, geht der Mit- gliedschaft verlustig. Ebenso sollen sämtliche noch autzenstehende Sammellisten bis zum 26. d. M. abgeliefert werden. In der Lohnbewegung der Berliner Schlächtergescllcn ist jetzt eine Aenderung insofern eingetreten, als zur Zeit Verhandlungen mit einigen Meister-Korporationen gepflogen werden. Die bisherigen Rücksprachen haben ergeben, datz die Meister eventuell geneigt sind, die Sonntagskündigung und-Entlassung abzuschaffen und eine bessere Regelung de: Arbeitsvermittelung durchzuführen. Der vollständige Abschlug der Unterhandlungen ist jedoch vor Mitte November nicht zu erwarten. In der Drahtzaunfabrik von Paul Heinze in Lichtenberg wurde— wie uns die Ortsverwaltung des Metallarbeiter-Verbandes initteilt— vor einiger Zeit versucht. den Arbeitern Lohnabzüge zu machen, was jedoch nicht gelang, weil die Arbeiter solidarisch zusammen hielten. In der Fabrik arbeiten 15 Schlosser, 12 Geflechts- spinner und 5 Nadler. Neuerdings wurden nun alle Arbeiter mit Ausnahme von 5 Spinnern nach Fertigstellung ihrer Arbeit entlassen, angeblich wegen Arbeitsmangel. Bald darauf wurden aber neue Arbeitskräfte eingestellt und zwar zu niedrigeren Löhnen als die Entlassenen erhalten hatten. Für die Ortö-Krankcnkaffc der Tischler«nd Pianoforte- Arbeiter finden heute vormittag 19 Uhr die Dclegicrtenwahlen im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15, und bei Brochnow. Wcbcrstr. 17, statt. Die Mitglieder seien hiermit darauf aufmerksam gemacht. Deutsches Reich. Die Situation nach dein Glasarbeiter-Strrik stellt der Verbandsvorstaud wie folgt dar: Nach den bis zum 26. Oktober bei uns eingegangenen Nach- richten der Vertrauensmänner sind in den nachstehenden' Orten noch ausgesperrt: verh. 397 mit 781 Kindern, lcdig 91 Es mag ja möglich sein, datz noch ein Teil der Ausständigen im Laufe der nächsten' Woche Arbeit erhält, doch dürfte der größte Teil noch wochenlang als ausgesperrt zu betrachte» sein. An den meisten Orten sind die Vertrauensleute nicht wieder e i n g e st e l l t worden. Es scheint, als ob der Ring der Fabrikanten beschlossen hat, die Leiter der örtlichen Vcrwaltungs- stelle» aushungern zu lassen. Die Herren dürften aber damit kein Glück haben, da am Sonnabend, den 26. Oktober, an die Aus- ständigen die Summe von 5799 M. ausgezahlt werden konnte. Wir können behaupten, datz nicht ein einziger Betrieb voll besetz! ist, datz alle Betriebe mit Arbeit überhäuft sind und trotzdem noch 398 aus- gesperrte Kollegen.— Die Absicht der Unternehmer, die Organisation zu vernichten, scheint diesen Herren wenig genützt zu haben, denn unausgesetzt kommen Mitteilungen, datz die Kollegen der Organisation treu bleiben.— Wir ersuchen die Partei- genossen, so weit es in ihren Kräften steht, die Ausgesperrten auch ferner noch zu unterstützen. Der Vorstand. I. A.: Emil Girbig. Zur Beilegung dcS RuSstandeS in Nordhanse» wird der Erfurter„Tribüne" geschrieben: Auf Beschluß einer Versammlung wurden die Kommissionen der Tabakarbeiter nochmals bei den acht bekannten Fabrikanten vor- stellig, um bezüglich der Einstellung der Arbeiter zu unterhandeln. Die Fabrikanten erklärten zunächst, einen kleineu Teil einstellen zu wollen. Hierauf wurden die Abstimmungen in den einzelnen Fabriken vor- genomnien und einigte man sich überall dahin, den Widerstand des ungünstigen Standes des Kampfes wegen aufzugeben. Das wirkliche Ende des nunmehr in der 27. Woche tobenden Kampfes dürfte nach den gegebenen Verhältnissen»och eine Zeit ausstehen. Der Not gehorchend, nicbt dem eignen Triebe, nehmen die ein halbes Jahr' im Kampfe gestandenen Tabakarbeiter die Arbeit wieder auf. D n s K o a I i t i o n s r e ch t ist errungen. Die 3 Fabrikanten haben erklärt, nichts gegen de» Verband fernerhin unternehmen zu wollen. Gut denn, wir wollen sehen! Bei den letzten Verhandlungen über die Einstellung scheute man sich nicht, wiederum durchblicken zu lassen, datz für die in Arbeit tretenden gewisse Paragraphen bereit liegen, um sie event. aufs neue zu knebeln. So lange die Lebensfragen der Tabakarbeiter: 1. Volle, nn- beschränkte Gewährung de» Koalitionsrechts, 2. Regelung des Lehrlingsweseus, 3. Die langjährig zugestandene Aufbesserung der Röllchenmacher- Löhne, nicht gewährleistet sind, so lange ist cS nach wie vor eine Notwendigkeit für alle in Betracht kommenden Konsumenten, eine derartige Stellungnahme zu beobachten, welche den Arbeitern endgültig zu ihrem Rechte verhilft. Der größte Teil der Kämpfenden liegt zur Zeit noch auf der Straße und ist die Not in den Reiben der Männer und Frauen eingerissen; die U n t e r st ü tz u n g ist deshalb nach wie vor eine Notwendigkeit. Im Gothacr Fleischcrgewcrbc sind zwischen Meistern und Gesellen Differenzen ausgebrochen. Die Jnnnngslneister haben es nämlich auf die Sprengung der Verwaltungsstelle des Fleischer- Verbandes abgesehen, weil deren Mitglieder seiner Zeit eine Petition an den Stadtrat unterzeichnet hatten, die eine frühere Schlietzung des Schlachthofes bezweckte. Da sich der Stadtrat dieser Sache auch annahm. die Meister hiervon jedock nichts wissen wollten, so suchten diese an den Urhebern der Eingabe, an den Leitern der Gesellen-Organisation, ihr Mütchen zu kühlen. Sic kündigten einfach diesen Personen und glaubten durch Beseitigung der Führer auch die Organisation beseitigt. Die Herren Jnnüugs« meisler haben sich dabei aber gewaltig verrechnet, denn das Gothaer Gewerkschaftskartell hat beschlossen, den 5kampf der jungen Organi- sation der Fleischer mit allem Nachdruck zu unterstützen. üenteil verantwortlich: Xh. Glocke iu Berlin. Druck und Verlag von Mn. Zur Kennzeichnung christlicher Gcivcrkschaften. Das Essener Gewerkschaftskartell hatte bei den christlichen Gewerkschaften und den Hirsch-Dunckerschen Vereinen angeregt, der Stadtverwaltung gemeinsam eine Eingabe zu unterbreiten. Dieselbe sollte folgende Anträge mit Begründung enthalten: Erhöhung des ortsüblichen Tagelohnes(der bisherige Satz beträgt 2,89 M.); Zuziehung der Arbeiter bei Verwaltung des Arbeitsnachweises und Erlaß von Vorschriften betr. achttägiger Lohnzahlungsfristen, unter Ausschluß der Sonnabende. Sonntage und Montage als Löhnungstage. Die angegangenen Vereine erklärten sich mit der gemeinsamen Eingabe einverstanden/ das geschah auch bei den Beratungen. Die Be- rechtigung der Forderungen erkannte man unumwunden an. Trotz- dem'erklarte, als die Eingabe ausgearbeitet vorlag, das christliche Kartell, erst einige Stadtverordnete— Ehrenvorsitzende von christ- lichen Arbeitervereinen— betreffs der gemeinsamen Eingabe bc- fragen zu wollen. Obwohl mittlerweile wieder vier Wochen ins Land gegangen sind, scheint bei den Christlichen die Antwort der Stadtväter- Ehrenvorsitzenden noch nicht eingegangen zu sein. Das Gewerkschaftskartell und die Hirsch-Dnnckerschen Gewerkvereinc haben nunmehr ohne die Christlichen die betreffende Eingabe an die Stadt- Verwaltung abgehen lassen. Es ist auch das beste, wenn man diese Leute, die sich von ihren christlich-stadtväterlichen Ehrenvorsitzenden derart beeinflussen lassen, datz sie darüber auch die bescheidensten Vertretungen von Arbeiter- intereffen vergessen, ihren Weg allein gehen lätzt. Ausland. Der Bergarbeiterstreik im Liitticher Kohlenrevier ist voll- kommen erloschen bis auf die Gruben von Marihaye; dort wird noch gestreikt. Die Streikenden dieser Schächte haben bei der Direktion nochmals den Versuch gemacht, eine Verständigung zu er- zielen; dieselbe bleibt unerbittlich. Die Streikenden haben hierauf eine Delegation an den Gouverneur von Lüttich gesandt, der als Vermittler dienen soll; derselbe hat zugesagt. Die Vergoldcr in Göteborg(Schweden) befinden sich in der Lohnbewegung. Sie verlangen, datz die 57>/ssti!ndige Arbeitswoche und ein Minimallohn von 38 Oere pro Stunde, wie sie in einer Fabrik bereits bestehen, allgemein durchgeführt iverden. Die Arbeitgeber verhalten sich ablehnend. In E. Olsens Vergolderei und Goldle'istcn-Fabrik ist es bereits zum Streik gekommen. Der Generalstreik und die Arbeiterkommunc Stockholms. Ueber den Generalstreik, den die Arbeiter Schwedens, wenn alle friedlichen Mittel zur Erringung des allgemeinen Wahlrechts fehl- schlagen sollten, eröffnen wollen, wird mit immer größerem Eifer inr ganzen Lande diskutiert und selbst aus den kleinsten Land- städten laufen Berichte über zahlreich besuchte Versammlungen ein, die sich einstimmig für die eventuelle Anwendung dieses letzten Kampfmittels erklaren. Am Mittwoch hat nun auch Stock- Holms Arbeiterkommune(das Kartell der dortigen Arbeiter- organisationen) in einer überaus zahlreich besuchten Ver- sammlnng im großen Saal des neuen Volkshauses zu dieser Frage Stellung genommen und nach einem Vortrage Hj. Brantings einstimmig beschlossen, datz im äußersten Notfall zur Anwendung des Generalstreiks zwecks Erringung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts geschritten werden soll, zuvor aber soll sich noch ein(besonderer Parteitag mit der Sache beschäftigen.— Die Versammlung gestaltete sich zu einer von Begeisterung getragenen Demonstration und lieferte wiederum einen Beweis dafür, daß die schwedischen Arbeiter fest entschlossen sind, ihr AeutzerstcS an die Er- kämpfung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zu setzen.— Die WpMlitp Mscheu AMtkers iinl) Kellilkenkchn, die gestern abend stattfanden, haben bisher ein Ergebnis nicht gezeitigt. Die Apotheker lehnten zunächst den„Rezeptur- Rabatt" wiederum ab und versuchten ihrerseits durch vage Versprechungen von„Handverkaufs- Vergünstigungen" usw. die Verhandlungen hinzuziehen. Da nicht zu erreichen war, daß die Höhe der zu gewährenden Vergünstigungen auch nur annähernd bezeichnet werden, wurden schlietzlich die Verhandlungen vertagt, um den Apotheken! die Gelegenheit zur Befragung ihrer Auftrag- gebe: und zur Beantwortung der Frage in einer späteren Per- Handlung zu geben. Ein eingehender Bericht folgt. T'etzke MNrfxvirhtett und Vepefihen. Zahnarzt wegen Sittlichkcttsverbrcchen verhaftet. Thorn, 26. Okiober.(P r i v a t- D e p e s ch c.) Großes Auf- sehen erregt hier die Verhaftung des Zahnarztes Dr. dent. surg. Grün, welche auf Anordnung der Staatsanwalt- schaft durch den Polizci-Jnspektor erfolgte. Grün wird beschuldigt. sich gegen ein Dienstinädchcn des Kreis-Tierarztes Matzkcr, welches sich zu ihm in Behandlung begeben hatte, während der Rar- kose sexuell vergangen zu haben. Dein Angebot des An- geschuldigten, ihn gegen eine Kantion von 79 999 M. freizulassen, wurde nicht entsprochen._ Zum Bergarbcitcr-Auöstand in Frankreich. Pariö, 26. Oktober.(W. T. B.) Der A r b e i t s m i n i st e r erklärte heute in der Arbcitskonimission der Kammer, datz das Ministerium in betreff der Frage des M i n i m a l lo h n e s nicht i n t e r v e n i r c n werde. da dieselbe nur direkt zwischen Arbeitern und Arbeilgcbcrn geregelt werden könne. Bezüglich des Achtstundentages bemerkte der Minister, es sei schwer, eine einheitliche Arbeitsdauer für alle Bergwerke festzustellen, da dieselbe von den jeweiligen Verhältnissen bei den Bergwerken abhänge, aber man könne sich immerhin bemühen, die Frage auf gesetzgeberischem Wege zu regeln.— Das s o c i a I i st i s ch e Komitee für den G e s a m t st r e i k veröffentlicht einen von allen großen Arbeiterverbändcn an die Arbeitergenossenschaften gerichteten Aufruf, in welchem erklärt wird, es sei im Falle eines Gcsamtausstandes der Bergleute Pflicht aller Arbeiter, gleichfalls in den Ausstand zu treten. Berlin, 26. Oktober.(W. T. B.) Die Generalversammlung der Korporation de» A e I t e st e n d e r B e r li n e r K a u f in a n n- schaft beschlotz mit 369 gegen 113 Stimiucn die Umwandlung der Korporation in eine Handelskammer unter Bei- bchaltung des bisherigen Namens. Nach dem beschlossenen Statut gehören von den 36 Mitgliedern der Haudelskainmer 12 der Börse an. nämlich 9 der Fondsbörse und 3 der Produktenbörse. Die 12 Börsenvertrctcr werden auf der Grundlage des gleichen Wahlrechts gewählt. Kol», 26. Oktober.(B. H.) Die„Köln. Ztg." meldet aus Solingen: Einem Beschlüsse der Stadtvcrordneten-Versaiiiiiilung geinätz hat Oberbürgermeister Dicke gestern eine Eingabe gegen die Erhöhung der Getreidczölle an den Reichskanzler und an den Reichstag abgesandt, in welcher es pnter andenn heißt, datz die Fabriken und Exporteure Solingens die Befürchtung hegen, datz durch Erhöhung der Getreidczölle mit den Ländern, welche für sie das größte Absatzgebiet bilden, Zollkriege entstehen, welche jeden Handelsverkehr völlig unmöglich machen oder (ehr erschweren würden. Bern, 26. Oktober.(W. T. B.) Das Budget der Eid- g e Ii o s s e n s ch a f t für das Jahr 1992 schlietzt bei 192 249 999 Fr. Einnahmen und 198 129 999 Fr. Ausgaben mit einem Fehl- betrage von 5 889 999 Fr. ab, was gegenüber dem Budget von 1991 eine Steigerung des Fehlbetrags um 3 979 999 Fr. bedeutet. Pariö, 26. Oktober.(B. H.) Der nationalistische Abg. Berry wird demnächst in der Kammer folgenden Antrag einbringen: Die Kanuncr ersucht die Regierung, im Ei nv e rne hm cn mit den andern Mächten die notwendigen Maßregeln zu erwägen, um England zu veranlassen, Frauen, Kinder und Greise nicht länger in den K o n z e n t r a t i o n s l a g e r n in Südafrika zu lassen, sondern dieselben auf neutralisiertem und gesundem Gebiete unterzubringen.____ ; Bading in Berlin. Hierzu 4 Beilage» u. lliiteryiitiiiiigsblat», at. 252. i8. mmn. i. KeiliM des„WmSlts" Dttlim Klksblillt. SMI«S. 27. WNtt 1SVI. Mit dem 1. November 1901 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Unterhaltungsblatt und der Sonntags-Beilage„Die Neue Welt". Im Unterhaltungsblatt beginnen wir am Mittwoch mit dem Abdruck des Romans CselTtl Von Bret Harte. Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsre Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für das übrige Deutschland nehmen sämtliche Post- a n st a l t e n Bestellungen zum Preise von 1 Mark 10 Pfennig pro Monat �ausschließlich Bestellgeld, 14 Pfennig pro Monat) entgegen.(Eiin getragen ist der„Vorwärts" in der Post-ZeitUNgsliste unter Nr. 7671.) Im Auslande kann der„Vorwärts" gleichfalls bei der P o st bestellt werden; der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich 5 Fr. 1 Cts. in Belgien, 3 Fl. in H o ll a tt d, 3 Kr. 69 Oere m Dänemark, 6 Fr. 71 C!s. in Italien, 6 Fr. 15 Cts. in Luxemburg. 4 Kr. 66 Heller in O e st r e i ch- U n g a r n. 6 Fr. 10 Cts. in Rumänien, 4Kr. 17 Oere in Schweden, 5 Fr. in der Schweiz; SM. in Frankreich, England. Spanien und Portugal, den Vereinigten Staaten von Nord- a ni e r i k a und andren zum Weltpo st verein gehörenden außer- europäischen Ländern. Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts' pro Monat» Mar» innerhalb Deutschlands und sdiier Kolonien und in Oeskrctch- llngam. tm Ausland 3 Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". SWenStrsllhMt � Wernehmer hei Arbeiter- Nusspermgell. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Beim Hamburger Landgericht ist dieser Tage ein Civilprozeß anhänaig gemacht, dessen Ausgang für die ferneren wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiterklasse in Deutschland hochbedeutsam werden dürfte. Derselbe resultiert ans den großen Aussperrungen, die im Sommer 1900 auf den Hamburger Werften und Docks auf Beschluß des Verbandes der Eisenindustriellen �Mitglieder deS auch vom großen Hafenarbeiter- Streik sattsam bekannten Arbeitgeber- Verbandes) vorgenommen wurden, um den Streik der Nieter auf der Neihersticg- Schiffswerft, einer ver- hältmsmäßig geringen Anzahl Arbeiter, niederzuzwingen. Die da- malz so brutal ausgesperrten Tausende von Arbeitern wollen jetzt im Wege der Civilklage Ersatz für den ihnen durch die Aussperrung zugefügten Schaden beanspruchen. Die Höhe der geltend gemachten Forderungen bewegt sich w den einzelnen Fällen zwischen 200 und 400 M. Jns- llesamt dürfte daSKlage-Objelt bei den mehreren Tausend Ausgesperrten LMillionen Mark noch etwas überschreiten. Es werden nun jedoch nicht sofort alle Mann auf einmal klagen, sondern vorläufig haben elf Metallarbeiter, die ihren Schaden, den sie durch die Aiisspcrrnäg erlitten haben, auf zusammen 3202,40 M. berechnen, eine Art Probe- klage angestrengt, um die Rechtsfrage im Princip bis zum Reichs- gericht durchzufechten. Das Reichsgericht hat in einem ähnlichen Falle schon einmal entschieden. Freilich war damals die Sachlage umgekehrt. Ein Unter- nehmer hatte Arbeitnehmer verklagt, weil er durch ihre rechtswidrige Arbeitsverweigerung in seinem Vermögen geschädigt sein wollte. Es handelt sich um den Fall des KommerzienratslKu h n in S tu tt- gart-Berg. Derselbe hatte von einer Heilbronner Gießerei, in der ein Streik ausgebrochen war, die Fertigstellung von Arbeiten übernommen. Seine Former weigerten sich jedoch, diese„Streik- arbeiten" zu machen. Er drohte ihnen mittels Anschlages in der Fabrik mit sofortiger Entlassung und schritt mich zur Entlassung von 20 Formern, die bei ihrer Weigerung beharrten. Außerdem strengte er gegen diese 20 Mann eine Schadensersatz- Klage an, und er berechnete seinen Schaden, der ihm aus Mindereinnahmen und Mehraufwand für Löhne durch die Arbeitsverweigerung entstanden war, auf über 2000 M. I» allen Instanzen drang er mit diesem Schadensersatz- Anspruch durch. Das Obcrlandesgericht Stuttgart und das Reichs- gericht gaben überdies noch dem Teile des Klage- antrags statt, der Solidarhaft der sämtlichen Kläger für die eingeklagte Gesamtforderung verlangte. Dieses Urteil, das im Januar d. I. rechtskräftig wurde, erregte damals großes Aufsehen in der Presse. Für die wirtschaftlichen Kämpfe war es auch zweifellos höchst bedeutsam. Wie anßerordenllich häufig kommt eS z. B. schon vor, daß die Arbeiter eines Betriebes vor die Frage gestellt werden, sogenannte Strcikarbciten machen zu sollen oder nicht. Die Unternehnier-Organisationen haben fast ans- nahmslos ihre Mitglieder verpflichtet, bei Streiks, Sperren usw. ein- ander in der Weise zu helfen, daß sie einer für de» andern die Arbeiten, die dieser lvcgen der Differenzen mit den Ar- bcitern nicht ausführen kann, zum Seldstkostcnpreis fertig stellen. Nach dem oben genannten Urteil riskieren die Arbeiter bei Arbeitsverweigerung, die in solchen Fällen bei organisierten Arbeitern ausnahmslos beschlossen werden wird, eine Schadensersatzklage des Unternehmers gegen sie. Aber die Tragweite des Urteils geht auch noch erheblich werter. Die Schadensersatzpflicht wurde aus der Nicht- erfüllung des bestehenden Arbeitsvertrages hergeleitet, der„durch die Arbeitsverweigerung eine vorzeitige rechtswidrige Auflösung erfahren habe". Mit andren Worten: es können die Arbeiter bei jedem Streik— bei dem die durch Arbeitsvertrag festgesetzte oder die gesetzliche Kündigungsfrist nicht inne gehalten wird— für den dadurch dem Unternehmer erwachsenen Schaden civilrechtlich in Anspruch genommen werden. Und schließlich war, was außerordentlich wichtig ist, auf Solidar- Haft erkannt worden, d. h. jeder Einzelne soll hastbar sein für die gesamte Schuld, falls die andren zahlungsunfähig und unpfändbar sind. Der Teil der Entscheidung, der die beklagten 20 Former solidarisch haftbar für die gesamte Klageforderung machte, Swar vom Reichsgericht folgendermaßen begründet: Die Beklagten hätten„auf Grund einer gsmeinschaftlilb getroffenen Berabredung im bewußten rnid gewollten Zusammenwirken gehandelt, sie hätlcn— was die Einzelnen durch ihr Auftreten nicht konnten— mit vereinten Kräften durch rechtswidrige Weigerung der Arbeit ihren Arbcitsherrn zwingen wollen, sich ihrem Willen zu fügen." DaS Urteil wurde scharf kritisiert, sah man doch in erster Linie seine gegen die Arbeiter gerichtete Tendenz. Findige Juristen kamen auf Grund der umfangreichen RechtSausführnngen des reichsgerichtlichen Urteils aber auf die' Idee, daß sich vielleicht auch einmal der Spieß umkehren lasse. Und da lvar die damals erst vor wenigen Monaten beendete große Werftarbeiter-Aussperrung ein klassisches Beispiel, an dem sich die Probe machen ließ. Eingehende Beratungen haben sodann das Resultat gezeitigt,. daß, wie schon oben gesagt, 11 der damals ausgesperrten Werftarbeiter durch den Ham burger Rechtsanwalt Freiherrn Dr. von Oldershausen eine Schadensersatz- Klage angestrengt haben. Diese Klage richtet sich gegen die Hamburg-Ametika-Linie, auf deren Dock 4* der Kläger, und gegen die Werft von B l o h m u. V o ß, auf der 7 der Kläger bis zur Aussperrung thätig waren. Sämtliche 11 Kläger sind ausgesperrt worden, ohne daß die Kündigungsfrist innegehalten wurde, und sie sind auch wockienlang an einer Aufnahme der Arbeit gehindert worden.— Bei Gelegen- h«it dieser Klage wird übrigens endlich auch einmal gericht- lich festgestellt'werden, lvie der große Kampf entstanden ist und sich entwickelt hat. Sprach doch seinerzeit der Kaiser bei seiner bekannten Rede in Bremerhaven auf Grund einer falschen Jnfor- mation, die ihm geworden, die Ansicht aus, die Hamburger Werft- arbeiter hätten die Arbeit eingestellt, um das Vaterland wehrunfähig zu machen.— In der Klageschrift wird aus der rechtswidrigen vorzeitigen Auf- lösung des Arbeitsverhältnisses durch die Werftbcsttzer die Schadens- ersatzpflicht der letzteren hergeleitet, und weiter daraus, daß die Arbeiter durch die Aussperrung wochenlang an der Ausnutzung ihrer Arbeitskraft in ihrem Beruf und an ihrem Wohnsitz gehindert worden sind. Gestützt wird die Klage ans allgemein rechtliche Er- wägungen und im besonderen auf die ZK 823 und 826 des Bürger- lichcn Gesetzbuches. Es wird in dem Klage-Antrage aber auch, und diese Frage ist besonders bedeutsam, verlangt, die Beklagten zu solidarischer Haftung für den gesamten, den 11 Klägern erwachsenen Schaden zu verurteilen. Zur Begründung dieses Antrages wird ausgeführt: Die Beklagten hätten im bewußten und gewollten Zusammenwirken als Mitglieder des Verbandes der Eisrnindustriellen(Gruppe Werftbesitzer) die Aus- sperrung vorgenommen, um den Willen der Nieter der Nciherstieg-Werft zu brechen, und dadurch in ihrem Vermögen ge- schSdiat. Deshalb seien sie auch für den Schaden solidarisch haftbar. Es sei zwar die Vermögensschädignng nicht Selbstzweck der Maßregel gewesen, aber di« Beklagten hätten diese Schädigung als gewolltes rechtswidriges Mittel zum Zweck der Nicderiverfung des Nieter-Aus- standes angewandt. Dringt diese Klage, und zwar besonders der Antrag auf soli- dorische Haftung der Beklagten für den Gesamtschaden durch, und daran zweisein sehr namhafte Juristen nicht, so würde das für die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiter von allergrößter Bedeutung sein. Die brutalen Aussperrungen, lvie man sie 1890 in Hamburg, dann auf den Werften im Sommer 1900 beliebte, wie sie noch in diesem Jahre im Baugewerbe in Halle a. S. statlfanden, und lvie sie jetzt wieder in Leipzig in der HolzbearbeituiigS-Jndustrie drohen, dürften dann wohl kaum noch vorgenommen werden, den» mancher Unternehmer dürfte sich doch besinnen, wenn ihm die Gefahr droht, möglicherweise für Unternehmer-Kollegen, die nicht solvent sind, die Zeche zahlen zu müssen. Der erste Verhandlungstermin in dem interessanten Prozeß ist auf den 3. Januar 1902 angesetzt, und zwar vor der Civilkammer VII des Hamburger Landgerichts, in der der Landgerichtsdirektor Dr. Riecke jetzt den Vorsitz führt, derselbe, der vor einigen Jahren das horrende Urteil gegen den Genossen Stenzel wegen Beleidigung des belgischen Königs erkannte._ ZDttvkei-Vsthvirtzken. Der gefesselte Prcstsündcr. Wir berichteten kürzlich schon von der barbarischen Behandlung, die dem Genossen Bredenbeck in Dortmund zu teil geworden. Gegen Bredenbeck wurde, während er lvigen Preßvergeheus(Beleidigimg) im Gefängnis saß, ein neuer Prozeß verhandelt, zu dem er aus dem Gefängnis in Herford nach Dortmund transportiert wurde. Breden- deck hatte sich zur Vcrbüßung seiner Strafe selbst gestellt; er war überdies von Herford nach Dortmund schon ungefesselt transportiert worden. Es lag also nicht der geringste Grund vor zu der An- nähme, daß er etwa einen Fluchtversuch machen würde. Trotzdem wurde er auf dem Rücktransport von Dortmund nach Herford wie ein fluchtverdächtiger schwerer Verbrecher gefesselt. Ein uns zur Verfügung gestellter Brief Bredenbecks, den dieser aus dem Gefängnis geschrieben hat, schildert die Seelcuqnalen, die ihm diese Behandlung verursacht hat. Der Brief lautet: „Bei der Urteilsverki'mdizung am 1. Oktober war ich an- wesend, da ich auf Anordnung des Staatsanwalts so lange in Dortmund verblieb. Diese Anordnung war übrigens für mich verhängnisvoll, da ich infolgedeffen an Stelle deS sehr rücksichtsvollen HerforderS Transporteurs einen Dortmunder Polizeibeamten zum Rücktransport erhielt. ES war der Polizeibeamte Nr. 78. Durch diesen Herrn erlitt ich die schmachvollste Be- Handlung, indem er mich wie einen gemeinen Verbrecher ge- fesselt transportierte. Zurede» und Proteste waren erfolglos. Als er mir das Schloß anlegte, zog er mir mchreremgl die Arme auseinander, ob es auch fest genug sitze, bis eS schmerzte. So geschloffen führte er mich durch die schon sehr belebten Straßen, am Wochcnmartt vorbei» zum Bahnhof hin. Am Burgthor traf mich das härteste, da dort Frau, Mutter und Bruder standen, die herbei geeilt waren, um mir noch einen Ab- schiedsgruß zuzurufen. Der seelische Schmerz überniannt mich noch fortwährend, wenn ich an diesen Augenblick denke. Mit meinen Verwandten ein Wort zu reden, verbot mir'der Beamte zunächst, gestattete es jedoch später, als meine Mutter i» begreiflicher Auf- regung hell aufschrie. Aber die Fesseln behielt ich, selbst während der dreistündigen Fahrt im Eisenbahnwagen wurden mir dieselben nicht gelöst. Hier in Herford führte er mich wieder geschlossen durch die Straßen der Stadt, allen neugierigen Blicken preisgegeben, bis ich endlich im schrecklichsten Zustande hier im Gefängnisse anlangte. Die seelischen Schmerzen, die ich erduldet, sind unbeschreiblich." Der Brief redet eine Sprache, so eindringlich, so wirkungsvoll und zugleich in seiner einfachen Sprache so erbitternd gegen dieses brutale, kulturwidrige System, daß wir unS jeder weiteren Bemerkung dazu enthalten können. Mit den Ausführungen Bebels über die badtschen Partei- genossen, die er in Lübeck anläßlich der Budgetdebatte machte, be- schüftigt sich jetzt in längerer Auseinandersetzung im„Volkssceund" Genosse Kolb in Karlsruhe. Kolb bezeichnet eine Anzahl der von Bebel über das Verhalten des„Volksfrcund" und der badischen Parteigenossen aufgestellten Behauptungen als unrichtig und auf falscher Information beruhend. Nach Darlegung des Sachverhalts spricht er die Erwartung aus, daß Bebel seine Angriffe, insbesondere soweit sie verletzender Art sind, zurücknehmen werde. Dazu schreibt uns Genosse Bebel, daß er auf die AnSfühnmgen KolbS in den nächsten Tagen im„Volksfremid" antworten werde. Bebel hält seine sämtlichen Angaben und Angriffe, mit Ausnahme eines einzigen Punktes, in dem er unrichtig informiert gewesen zu sein erklärt, aufrecht. Die Hamburger Aecordmaurer, soweit sie Parteigeuossen sind, werden Montag zu einer Versammlung zusammentreten, um mit der von der gemeinschaftlichen Versammlung der drei Wahlkreise bestellten Kommission zu verhandeln. Von dem Ausgange dieser Verhandlungen hängt nunmehr die letzte Entscheidung in dieser leidigen Frage für die Hamburger Genossen ab. Protest gegen den Hungerzoll. In der Stadt Altona unter- zeichneten 32 594 Personen, das ist beinahe ein Viertel der Ein- Wohnerschaft, unsre Petition. In Wilhelmsburg mit seinen 10 618 Einwohnern unterzeichneten €347 Personen, also beinahe 40 Proz. der Einwohner. In Barmstedt und einigen Dörfern der Umgegend, die 1898 zusammen 492 socialbemokratische Stimmen abgaben,.wurden 1552 Unterschriften gegeben. Aus sächsischen Orten werden noch gemeldet Gclenau 1550 Unter- schriften, Lunzenau 800, Wilkau 1950. Auch hier bedeutet das, daß beinahe ein Viertel der Einwohner unterzeichneten. In Tuttlingen(Württemberg) wurden bei 13 531 Einwohnern 4359 Unterschriften abgegeben. Das Kolonialprogramm der niederländischen Social- dcmokratie. Die im Auftrage des Utrcchtschen Kongresses eingesetzte Kommission, die sich mit dem Kolonialprogramm der Partei befassen soll, wird ihre Thätigkeit mit einer eingehenden Untersuchung der theoretischen Grundlagen dieses Programms beginnen und hat die dazu erforderlichen Vorarbeiten wie folgt verteilt: Genosse I. Sacks soll den theoretisch- ökonomischen Standpunkt, den die Social- dcmokratie in der Kolonialfrage«inznnehmen hat, untersuchen. Van der Goes soll sich mit dem politischen Verhältnis der ostindischen Kolonien zum Mutterlande befassen und an van Gogh wurde derselbe Auftrag in Bezug auf die westindischen Kolonien erteilt, während Tak und Ankersmit die ökonomische Stellung der Kolonien zum Mutterland untersuchen. Van Kol soll eine Uebersicht über die Kolonialsysteme der verschiedenen Mächte geben und Trölstra soll nachforschen, was in der socialisiischeu Litteratur über die kolonialen Fragen gesagt wird. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sollen als Grundlage' für die weitere Thätigkeit der Kommisston dienen.— Politetliches, Gerichtliches usw. — Ein WohlverhaltenSzcngniS für sich selbst stellte die Polizei in K o st e n(Posen) tn folgendem an einen Partetgenosien in Breslau gerichteten Bescheide auS: Auf Ihr heute eingegangenes Schreiben, worin Sie eine Maurervcrsammlung für Sonntag, den 15. September, nachmittags 4 Uhr, im Hoffmanuschen Gasthause zu Ncu-Lubosch anzeigen, und über die erfolgte Anmeldung die gesetzliche Bescheinigung erbitten, erhalten Sie folgenden Bescheid. Der Gastwirt Hoffmann hat mir gegenüber und zwar frei- willig ohne jede Beeinflussung bereits gestern erklärt, daß er sein Lokal für eine Maurerversammlung nicht mehr hergiebt, und gebeten, Ihnen dieses mitzuteilen, falls Sie sich an mich in dieser Angelegenheit wenden sollten. Unter diesen Umständen bin ich nicht in der Lage, die verlangte Anmeldc-Beschcinignng zu erteilen und verbiete die Abhaltung der Versammlung, da' die Gefahr vorliegt, daß bei der thatsächlichen Weigerung des p. Hoffmann eine Störung der öffentlichen Ordnung eintritt. Die Polizei in Kosten muß doch sehr viel Grund zu der Be- fürchtung haben, daß man ihr eine Beeinflussung deS Wirte» zutrauen könnte.__ Soriales. Eine Arbeitslosen- Versammlung in Breslau, die am Freitagvormittag tagte, war von etwa 1599 Personen be- sucht. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie an die Vertreter der Arbeiter in der BrcSIauer Stadtverordneten-Versammlung das Ersuchen richtet, eine schleunige Jnter- pellation an den Magistrat zu richten, welche Mittel dieser zur Linderung der Arbeitslosigkeit zu ergreifen gedenkt, und worin sie fordert, daß nach dem Vorbild andrer Städte auch der dortige Magistrat an die Vornahme von Notstandsarbeiten noch in diesem Winter herantritt. Die WohnnngSverhältniffe der Saisonarbeiter. Die Amts- hauptmannschaft Döbeln(Sachsen) erließ folgendes Regulativ: § 1. Tie von den Saisonarbeitern(in der Landwirtschaft, auf Bauten, in Ziegeleien usw.) benutzten Schlafräume müssen so groß sein, daß auf jede Person mindestens 8 Kubikmeter Luftraum irnd B'/s Quadratmeter Bodenfläche kommen. Küchen, Keller, offene Hausböden, Hausfluren und solche Räume, deren Benutzung zum dauernden Aufenthalt von Menschen auL sicherhcitspolizeilichen Gründen untersagt ist, dürfen nicht zu Schlafräumen dienen. Auch dürfen die Schlafränme nicht mit Aborten in offener Verbindung stehen. Z 2. Der Fußboden der Schlafräume mutz entweder gedielt oder cementiert sein. Er ist rein zu halten und mindesten» einmal monatlich zu scheuern. § 3. Jeder Schlafraum muß außer einer Thür auch ein genügend großes, leicht zu öffnendes Fenster in der Außenwand des Hauses er- halten, damit Licht und Luft freien Zutritt haben. K 4. Als Lagerstätten haben Betten oder Strohsäcke zu dienen. Eine Lagerstatt darf höchstens von zwei Personen zu gemeinschaft- lichcr Ruhe benutzt werden. Wird ausnahmsweise eine allgemeine Streu aufgeschlagen, so ist das Stroh mindesten» allwöchentlich zu erneuern. Auch hat jede Person ein besonderes Kopfkissen und eine besondere Decke zu erhalten. § 5. In jedem Schlafraume dürfen— soweit es sich nicht um Ehepaare oder um Eltern und Kinder handelt— nur Personen des gleichen Geschlechts untergebracht werden; auch muß darin die Höchst- zahl der Aufzunehmenden durch leicht erkennbaren Anschlag an- gegeben sei». K 6. Die Schlafräume sind von den zum Einnehmen der Mahl- zciten bestimmten Räumen zu trennen. § 7. Zuwiderhandinngen werden mit Geldstrafe bis zu 60 M. oder Haft bis zu vierzehn' Tagen bestraft. K 8. Dieses Regulativ tritt am 1. Januar 1902 in Kraft. Daß solche mimmale Anforderungen an die Unterbringung von Menschen erst noch polizeilich erzwungen werden müssen, kennzeichnet am besten die kulturwidrigen Zustände, die bei uns, die wir andren Völkern Kultur bringen wollen, noch herrschen. Gerichts-Äeikuttg. Margavine statt Butter. Wegen unlauteren Wettbewerbes war der Bäckermeister Hackbeil aus Steglitz angeklagt worden. Er hatte im Verkanfslokal seiner Konditorei und Bäckerei ei» Plakat mit Aufschrift aufgehängt: Alle Waren unter Garantie in reiner Natur- butter gebacken. Thatsächlich wurde aber, wie das Landgericht feststellte, in dem Betriebe zum Backen der geringeren Backwaren, z. B. der Schecken, neben Butter auch Talg sowie Margarine ver- wandt. Das Landgericht verurteilte H. zu einer Geldstrafe von 300 M. und das K a m m e r g e r i ch t verwarf seine Revision mit folgender Begründung: Nach den Feststellinigen des Borderrichters habe der Angeklagte' das der Wahrheit nicht entsprechende Plakat in der Absicht ausgestellt, den Anschein eines besseren Angebots zu erwecken und das Publikum zu täuschen. K 4 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb sei mit Recht angewendet worden. Das Plakat sei als eine für einen größeren Personenkreis bestimmte öffentliche Bekanntmachung anzusehen. Daß der Preis der Ware» nicht angegeben sei, wäre gleichgültig, da der Preis der Backwaren überall der gleiche sei. fviiv den Inhalt der Jiiserate »ilicrniiiimt die Redaktion dem Pnblikui» gegenüber keinerlei Verantwortung.> Tlirnkcv. Sonntag, 27. Oktober. Freie Volksbühne. Lessing- Theater. 10. Abteilung tgelb- grüne Karten) und 11. Abteilung «grüne Karten): Gespenster. An- sang Uhr. Carl Weih-Theater. 2. Ab- tcilung(rot-blaue Karten) und 3. Abteilung(blaue Karlen): Das Friedensscst. Anfang 2V, Uhr. Opcrnhans. Fra Diavolo.— Phantasien iui Bremer Rats- keller. Anfang?>/, Uhr. Mittags 12 Uhr: Borstellung zum Besten des Berliner Krippen- Bereins. Montag: Die Meistersinger von Ziürnberg. Schnnspielhans. Florio und Flavia Anfang V/, Uhr. Montag: Julius Cäsar. Neues Opern- Theater(Kroll). Faust. Anfang 7 Uhr. Mittags 12 Uhr: Populäres Konzert der herzoglich Meiningenschen Hofkapelle. Montag: Geschlossen. Schiller. Jugend. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Heiniat. Montag: Hans Huckebein. Deutsches. Die Wildente. Anfang 7>/- Uhr. Nachm. 2t/, Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Macht der Finstemis. Berliner. Nacht und Morgen. An- fang?>/, Uhr. Nachm. 21/, Uhr: Die Goldgrube. Montag: lieber unsre Kraft.(2.Teil.) Lefsing. Die Fee Caprice. Ansang 7-/, Uhr. Montag: Die Zwillingsschwester. Residenz. Sein Doppelgänger.— Borher: Im Coups. Anfang 7'/, Uhr. Nachm. Z Uhr: Das blaue Kabinett. Montag: Nora. Skandinavisches Gastspiel. NenrS. Das Ewig-Weibliche. An- sang 7'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Probepfeil. Montag: Das Ewig-Weibliche. Bieste». Carmen. Ansang 7t/, Uhr. Nachmittags: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: FigaroS Hochzeit. Secessionsbühne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellnng. Central. Die Puppe. Anfang 7'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Die Geisha. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- fang 7t/, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Luisen. Bei kleinen Leuten. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Don Carlos. Montag: Der Goldbauer. Carl Weist. Der Märchenirunnen. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich-WilheliustädtischeS. Die Landstreicher. Ans. 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmer- mann. Montag: Die Landstreicher. Belle. Alliance. Die Liebesblume. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casino- Theater. Berlin W— Berlin N. Speclalitäten. Ansang 7i/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mctropol. Specialitätenvorstellung. Schön war'S doch. Anfang 7'/- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slpollo. Specialitäten- Vorstellung Frau Luna. Anfang 7»/, Uhr. Palast. Specialitätcn-VorsteNung. Weibliche Barbiere. Anfang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Theater. Specialitäten- Borstellung. Anfang nachmittags 2 Uhr. Passage- Panoptikum. Special!- tätcn-Borstellung. Rcichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Urania. Tanbenstr. 4«/-t«.(Im Theatcrsaal.l Abends 8 Uhr: lieber den Wolken. Montag: Dieselbe Borstellung. Jnvalidenstraste S7/tiL. Täglich abends von b-IO Uhr: S lernwarte. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Iva Theater um 8 Uhr: lieber den Wolken Montag: Dieselbe V orstellung. Invalldenatr. 57/02. Sternwarte. Castans Panopticum. Frledrlchstr. 165. Horwarths wunderbare 6 Liliputaner mit ihren kleinsten Pferden der'Welt und Pracht-Equipage! Berliner flpriii Unter den I.indcn 68a. Eineane Schudowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: aar 25 pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren; _ Reptilien etc._ Thalia- Theater. Dresdenerstr. 72. Heute u. folg. Tage: Ein tolles Geschäft. Große Ausstattungsposse mit Gelang und Tanz in 4 Bildern. Paula iVorm in 8 Berwandlungen. Guido Thielscher in UBerwandlungen. Fritz Helmerding als Wolzogen. Junkermann, Boje. Anfang 7'/, Uhr. Theater Schall und Rauch, Unter den Linden 44. Sonntag, den 27. Oktober 1901: Nachm. 4 Uhr: III. pop. Konzert. Abends 8V2 Uhr: Neues Programm! In Vormundschaftssachen. Ein Geheimnis. Don Carlos. Die Weber. Das Zahnweh. Qarl Weiss-Theater. Groste Franksurterstr. 132. AbendS 7'/- Uhr! Abends 7»/, Uhr! Zum erstenmal: Der Wärcheiibrimneii. Große Berliner Ausstattungsposie mit Gesang und Tanz üi 4 Akten von Kurt Junge. Musik von Alb. Wicher. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung._ LWtt'TlMtt (Wallner-Theater). So nntagnach mittag 3 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Akten von Sudermann. Sonntagabend 8 Uhr: dugend. Ein Liebesdrama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Montagabend 8 Uhr: Harns Huckebein. Dienstagabend 8 Uhr: Hau« Huckebein. Heute 2 Vorstellungen: Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen Die Geisha. Operette in 3 Alien von S. Jones. Abends Uhr: Die Puppe. Operette in 3 Alten von Audran. Im zweiten Bilde Einlage:„Die freche Ratte", gesungen von Fräulein Mia Werber. Montag und Dienstag?>/, Uhr: Die Geisha Mittwoch: Die Puppe. Einlage:„Die freche Ratie", gesungen von Mia Werber. Mktrl>iioKlH!iil6r. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a. G. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Yerd a. D. Frid-Frid. F. Georgelle. Gastspiel: Naharet! Anfang Va8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Ipollo- Theater. zum Heute letzten Male: Frau l.ii na mit dem Luftballett Origolatiis. Ferner: 10 Sensation. Specialitäten. Kassen-Eröffnung O Uhr. DM- Anfang 7l/t Uhr."W Mittwoch, den 30. Oktober: König Aqua. Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. 22. Direktion: Winkler u. Fröbsl. Heute, Sonntag, den 27. Oktbr.: Gr. ßxtra- Wellinig. 15 Sensations-Nummern. Letzter Sonntag. Direktor Wilhelm Fröbel in der hochkomischen Operette Weiblißie Barbiere. Großer Erfolg. Die drei Silbersterne. Der Musik-Sport Akt. Lebende Riesen-Photographien. Anfang 7 Uhr. Billetvorverkauf von 11—1 Uhr. In Vorbereitung: Grossstadtzanber. Reichshallen. Stettiner Sänger. ,,B08CO". Meysel. Britton, Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Wieder-Auflreleo von Traudchen Huudgeburth! Kühne etc. Das slilnzendo Oktober-Programm. 18 erstkl. Binnimern. £»aiiissoiici Kottbuserstr. 4 a. Wiederauftreten von Adolf HofTniaun. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hoff in u» n s Nsrddelltslhe SiiM Nach jeder Soiree: Tanz. Ansang Sonntags 7 Uhr, von b— 7 Uhr Konzert. Entree 30 und 75 Pf, Wochenrags Anfang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochentags Vereinsbillets gültig und Tanz frei. Alle ander» Tage bleiben die Säle zu Festlichkeiten und Ver- sammlungen frei._ Cirkus Busch. Sonntag, den 27. Oktober: 2 grosse brillante Vorstellungen, nachmittags 4Uhr und abends 7»/, Uhr. Nachm. hat jeder Erwachsene aus allen Sitzplätzen 1 Kind unter 10 Jahren frei. In beiden Borstellungen: Krasuckls Affen u. Brose mit feinen S Elefanten. Abends 7V, Uhr: Eie gnet Brandenburg allewege. Cirkus Schumann Renz-Gebäude. Karlstrasse. Sonntag, den 27. Oktober: O grosse ausserordentliche a r* Gala-Vorstell» ngen.& Nachmittags 3V, Uhr: Ganz besonders gewähltes hervorragendes Programm, u. abends 7»/, Uhr: In beiden Vor- stellungen, nachmittags und abends AU»'. Bphrnim Thompson der Unkopierbare, mit seiner unerreicht dastehenden neuen Ele- funton- Au innicr. In beiden Vorstellungen Auftreten fämtl. neu engagierten Specialitäten, sowie Dir. Alb. Schumanns neueste Original- dresiuren. U. a.: Hin Stiiudclieu in der Arche Aoahs. Nachmittags auf allen 1 ßj«h»«*5 Plätzen ohne Ausnahme 1 dllllü(Iii jedes weitere Kind halbe Preise(außer Galerie), abends jedoch volle Preise. Abends zum 10. Male: A Travers Paris (Quer durch Paris) mit dem Schlußakt: Aordseebad Schevcningen. Große Ausstattungs- Pantomime in 8 Akten mit feenhaften Licht- und Wasser-Effektcn von Rens Louis, Paris. Ossino- Theater I.olhrlngerstrassc 39. 5 neue Debüts-TPW u. a. lilr. Rcsieps, zum erstenmal in Berlin.— Die drei reizenden Silvias— iSteldl. gerllu M.— lerliu w. Ans. wochent. 8, Sonntags 7V, Uhr. Gesellschaftshans Twineniündcrstr. 42. Tägl. Theater- u. Speeia liläten- Borstellung. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Bereine, koulant zu vergeben._|2438S» Achknngt-WR» W Achlunq! Seclister Wahlkreis(Schönhauser Vorstadt). Am Sonnabend, den S. November, im„Berliner Prater", Kastanien-Allee 8/9: (Mitglied des Arbeiter-Turner-ßnndes). W ohUhätigkeits- KOnstler- Konzert E für den UnterstHtzungs-Fonds des Vereins. W Sonnabend, 9. November,» in den neu renovierten Sälen der A Brauerei Friedrichshain(fr. Lips).> Am Künlgstlior. Am Kttnlgstbor. P - ♦-[292/5* Mitwirkende: Berliner Tonkünstler-Orchester. Kapellmeister Herr Franz v. Blon. Konzertmeister Herr Alfred Wittenberg(Solovioline). Konzertsängerin Frl. Annna-Llse Gronwald. Komponist Herr Max Wagner(Klavier). Frau Clara Wessel(Harfe). Scbüfcrscher Hünnerchor der Elfer. Chormeister Herr Otto Schäfer. Nach dem Konzert: Anfang präo. 81/, Uhr. Bwwi iiowr Sonnabend, den 9. November 1901: im„Böhmischen Brauhause", Landsberger Allee: bestehend in grossem Sinfonie-Konzert ond Solisten-Vorträgen. Kapellmeister: Herr Fischer. Anfang Punkt 8 Uhr. Entree inkl. Tanz 0,00 M. Billets sind im Bureau Engel-Ufer 15, Zimmer 27, und beim Kollegen A r e i e r, Köpenickerstraße 1, 2. Aufgang 4 Tr. zu haben. 21/11 Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch der Kollegen erwartet Das Verxiiügungskomltee. Grches WWergmM veranstaltet von SocklhmokrlltWm Parteigenosseil der Cchönh. Vorstadt unter Mitwirkung des Herllner Ulk-Trio. Reichhaltiges Programm! Mo-nzerk unt» Tsn*. Anfang 8V, Uhr.-»ffi[220/6] SV Billet 25 Pf Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Schlussmarsch: Auf zur Flugblattverbrettung! 5/7 -m Beate, den 27. Oktober 1901, Im grossen Saale des Gewerkschaftaliaases, Engel-Ufer 15: Liliencron----» Falke-Abend. -8> Reeltationen. G- Kammermusik.— Festrede.— Gesaner. MITWIRKENDE: Max Helnicke(Violine). l Frau Hoest-Schoch F. RUckwardt(Viola). A. LSffler(Violon-Cello). Waldemar Meger-Quartett. Leitung: Kapellmeister Erben. (Am Flügel.) (Gesang). Friedrich Hoest (Recitationen). Dr. Rudolf Stelner (Festrede). Rauchen nicht gestattet. Die Saalthüren bleiben während der Vorträge geschlossen. Eröffnung 6 Uhr. Beginn 7 Uhr. Billet 60 Pf. inkl. Garderobe und Liedertext. B/6 PPPG BALL. WWWW Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Billets sind an der Kasse und an folgenden Stellen zu haben; Gottfr. Schulz, Kottbuser Platz; Horsch, Engel- Ufer 15; Reul, Barnimstr. 42, Vogel, Demminerstr. 32. Wollen Sie mal herzlich lachen, so gehen Sie nach Cirkus Renz-Tunnel! Beiiiug mit der Orgel ist wieder da! SV Ausserdem das grosse Oktober-Programm.-WS Hellte Sonntag: KatlsWoR'StSUimg mi f\ IM Cirkus Renz-Kouzert-Tunnel Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Sonntags 5 Uhr. S PS<5 1 ü I It ä t SU. J Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Direktion; H. Hütt. Restaurant Moritz Uhle, Kreuzbergsfr. 50, Kachbachstraßen-Ecke. Jeden Sonntag frischen Gänse- und Hasen-Braten, Eisbein, Sauerkohl. Großer Mittagstisch von 12 bis 3 Uhr, a Eouvcrt 50 Pf.; reichhalttge Abend-Speisenkarte, kleine Preise! vorzügliche Biere. 1448b Bon 4 Uhr an: rrel-Kouzert._ Restanration, Lortzingstr. 24. Ecke Grannstrasse. Vereinszimmer mit Pianino zu vergebe».[21792* Um freundlichen Zuspruch bittet Cäfl Koblenzer. Franke's Speisehalle Nene Griin-Straste 39«""K'Jf.SÄT""' Jeden Tag 12 verschiedene Gerichte 1 Speisezeit ununterbrochen von vor- zum Preise von 10—30 Pf. I mittags 8—10 Uhr abends. ' Bier*/t0 10 Pf., 5 Pf. Kaffee 5 Pf. Milch 5 Pf.-M> W. Noachs Theater. Brmmenslraße U>. Pension Schöller. Posie in 3 Akten von Karl Laufs. Heute Tilnjkriinzlhen. Montag: JMslllppine Welser. Wo amüsiert man sich grossartig? in Schnegelsbergs Festsälen Hasenheide 21 und Jahnstrasse 8. Jnh.: Zlax 8chindler. Hente; Grosser Ball und Thaler-Regen verbunden mit Cigarren-, Bonbon-Regen und diversen Ueberraschungen. 24442* Täglich: Speclalitfiten- Vorstellung. Enttee frei. An der Spandauer Brücke 3. Vornehmst. Vergnügungslokal! Täg lieh: Internationale Konzerte. Speclalltät.-Doppel- Vorstellung von nur erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. J oliaimlstUal. Raus Park-Restaurant. Jede» Sonntag: 4»r«sser Hall. Kaffeeküche.Kegelhahn. Ausspannung. Saal für Vereine u. Berfammlungen. Alliambra VTallnertheater-Strasse 15 Jeden Sonntag und Dienstag: Grosser Extra-Ball bei doppelt de- setztem großen Orchester. Anfaiig 5 Uhr. A. /-ameitut. Märkischer Hol, Admiralstrasse 18c. Jeden Sonntag in dem neu renovierten Spiegclsaale: Grosser Fest-Ball. Anfang 4 Uhr. Große Ballmusik. Tanz frei. Die beiden Säle sind zu Hochzeiten, Festlichkeiten, Versammlungen zu ver- geben. Der große Saal ist noch einige Sonnabende im November und Dezember an Vereine zu ver- geben. Angenehmer Aufenthalt für Familien. 2648« Urania Wrangelstrasse 10/11. Jede» Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäuleu Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. 24390* C. F. Walter. Echt chineeUch« Mandarinendaunenl Restaurant zur PfaizlMg. Dt. Wilmersdorf. Pfalzburgerstr. 66. Jeden Sonntag: Tanz-Kränzchen. * Hermann Otto. das Pfund Mk. 2.85 nalbrlichc-Launen wie alle iu- 1 ländiicheu, garantirt neu und I staubfrei,>»»arbc ähnlich den Eiderdaunen, anerkannt füll. kräftig und haltbar: 3 Pfund I genügen zum großen Ober- bett. Tauiende Anerkennung«- f Ichreiben. Verpackung umsonst. 1 «erlaub gegen Nachn. von der l erste« Bettfedernfabrik j mit eleclrlschcm Betriebe Dusts-v Lustig,) Berlin B., Prinzenstraße 46. 11. WahlkreiiS. ID. Soinul'BiPfjiil K;STu',r äfÄ.'Ä; Hasentieide 53(Sittel): Wähler-Versammlung. Referent der Kandidat Genosse Fritz Zabell über:„Die bevorstehenden Koinmunalwahlen." Distusston. 3. KmMllal-Wahlbezirk. ��bo'�se�ftrafe'N'M Wähler-Versammlttng. Referent der Kandidat Genosse Dr. ineel..�IkreÄ Lemsteli» über:„Die bevorstehenden Kommnnalwahlen." Diskussion. 4. ÄöllllllllNl-RllhIötMl. bei'x ii h 1k e ,0i;?mi ew feste aste � t.! Wähler-Versammlung. Referent der Kandidat Genosse Fritz-Lndvll über:„Die bevor- stehenden Kommunalwahlcn." Diskussion. 1210/9* Um recht regen Besuch ersucht D»» Wahlkomitee. Achtung: Achtung: SoctaldmokraMer Verein für den 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Mittwolh, km 30. Mober, abends � Uhr: Generell � Verlnmmlung im Alte« SWHenhallse, Lmenstraje 3. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und Diskussion. 2. Neuwahl des gesamte» Vorstandes. 3. Partei- und Vereinsmitteilmigen. 4. Ver- schiedenes. 245/16* Da cS die«r«tv Generalversammlung nach der Reorganisation ist. so erwarten wir vollzähliges Erscheine« aller Mitglieder. Das Protokoll des Lübecker Parteitages gelangt zur unentgeltliche» Verteilung.__ »» Nur Mitgliedsbuch legitimiert. WtBM Der Vorstand. Montag, den 28. Oktober, abends 8'/s Uhr, im„Elysium", Landsberger Allee 40/41: Uolks- Uerfammlnug TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten E. Roscnow über: Die Tertenernng des liebeusunterhalts und die Konsumgenossenschaften. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Distusston. Zahlreiches Erscheinen(Männer wie Frauen) erwartet_ 265/8 tionsko» Die Agitationskommission Nordoste». ! Rixdorf. Achtung! Dienstag, den SS. Oktober, abendö 8Vs Uhr, im Lokal deS Herrn ThomaS, Hermannstr. 48—30: Tages-Ordnung: 1. Derieht vom Parteitag. Referent Genosse Schubert aus Schöneberg. 2. Diskussion. LW" Um vollzähliges Erscheinen ersucht 203/16 Der Elnbemfer. CliarlotteiiliorHeltow-Beeskow-SMow. Dienstag, den 29. Oktober, abend» 8 Uhr, bei Herrn Daner, Berlinerstrafte 8K(Charlottenburg): Uolks-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Welche Jntereflen haben die Frauen an den Stadtverordneten- Wahlen? 2. Distusston. 3. Bericht und Neuwahl der Kreis- und Orts- Vertrauensperson. 4. Verschiedenes. jAM- Um recht zahlreichen Besuch besonders der Frauen bittet Mo Krels-Vertrauensporson: Frau Thiel, Tempelhof. Kleiber(Tapezierer}. Mittwoch, den 30. d. M., abendö 8'/s Uhr, im Liokale des Herrn Jannaschk, Inselstr. 10, Gr. öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung der Lohntommission. 2. Diskussion. 3. Die Ziele und Zweckmähigteit unfrer Organisationssorm. 4. Verschiedenes. Die Lohnkommission der Kleber Berlins und llmgegend. 101/8 I. Sl.: Jack 11 esse ins Skalitzerstr. 116. ■■ ii i np—munnm i in*»■»«»»»«»■ Große öffentliche Versammlung aller Kasseninitgliedcr der Oils-KrankeDkasse für Wäsciiefakrikation am Dienstag, den 29. Ottober er., abends S'/s Uhr, tu der Brauerei Friedrichshain(früher Lipps), am Königsthor. Tages-Ordnung: 1. Die Zustände in unsrer Kasse und die bevorstehenden Delegiertenwahlen zur Generalversammlung. 2. Ter vom Vorstand vollzogene Ausschluss der in Alt-Plättereien und Wäschereien beschäftigten Mitglieder. 3. Freie Aussprache. 274/17 Tie Einberuferin: Frau Eue, Königsbergerstr. 24. racise v uyr bei Schulze, ivr Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. P. Bernstein über:„Der vltoholismus eine Kulturgefahr. 261/10 Nach der Versammlung: Tanz. Gäste willkommen. Morgen, Montag, abends 9 Uhr: II. Lehrstunde in der Filiale Vrunnenstr. 150. Vortrag über Physiologie. Neue Teilnehmer tönnen noch eintreten. Herren-Vortrag"VQ + Mittwoch, den 30. Oktober, abends»/,« Uhr, in Tchuhmachers Festsälen. Skaliherstrasse 126, und Freitag, den I. November, abends i/zO Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15. Oarl Bruckhoff, Fneortchitr. 10, über: Sogen, unheilb. Männerleiden. Nur f. Herren! Einlnsreil Berlin III. Osten» Dienstag, den 29- Oktober, abends 8� Uhr, bei Walter, Große Frankfurterstraffe Nr. 117: Kommimalwäliler- Versammlung für den ÄA. Wahlbezirk die Skadkdezivke IZÄ— 166 und 168—169 umfallend. Tages-Ordnung: 215/1 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Ref.: Genosse Dr. B. Friedeberg, 2. Diskussion.— Die Parteigenossen werden ersucht, für diese Versammlung zu agitieren. Das Wahlkomitee. Moabit. Ii Moutag, Den 28. Lktober, llhends Ujr, in„Ahrens Branerei", Tnmßrllße: fiir den 44. und 46. Bezirk. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. und Dorgmann. 2. Diskussion. PBjT- Die l'artelgenosseu werden ersucht, in Kreisen für diese Versammlung zn agitieren. Referenten Genossen Fritz Znbcll 220/5 den uns noch fernstehenden Die Wahlkoinitees. Mml III. Wahlkreis. Mtuim! Dienstag, den 89. Oktober, abends � Uhr: Oeffentliche Kommunalwähler-Versammlung 248/10 im Berliner Prater, Kastanien-Allce 7. T a g e ö- O r d n u ii g:' Die Bedeutung der Kominttnalwahlen. Reserent: Genosse Cnrt Frendenberg. Der Ciiibcrufer: Johannes Kaiser. JentslherHelzarlieitMerlillnii. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, de» 30. Oktober, abends S'/i Uhr, im Lokal dcö Heren Keller, Koppenstrasze 20: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom III. Quartal. 2. Bericht deS Vorstandes, der Werlstatttontrolltommission und des Arbeitsvermiitlers. 3. Anträge und Berbandsangelegenheiten._ 127/4 M?" Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Um zahkreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Qrtsverwaltnng. AA>>«s! Mk- Illlll l!k>Ill!M'Me!l«s! Am Montag, den 28. Oktober, abends 8 llhr. im„Englischen Garten(unterer Saal), Alexanderstr. 27 c: IfiT t>erfammlun0."WU Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns über die gegenwärtige Lage in der Stock- brauche. 2. Diskussion. 3. Berjchiedenes. Branche der Korbmacher. Montag» S8. Oktober, abends 8 Uhr, im GcwcrkschaftöhauS, Engel-Ufer 15: VeRisammloing. TageS-Ordnuug: 1. Neuwahl eines Kommissionsmitglieds. 2. Branchenangelegettheiteil. 3. Verschiedenes. Da wichtige Sachen zn erledigen sind, bittet um zahlreichen Besuch Dl« Kommission. Verband der Tapezierer. Montag, de» 28. Oktober 1001, abends 8�2 Uhr pünktlich, im Gcwcrkschaftöhans, Eugclnser IS: Kombinierte Versammlung. TageS-Ordnuug: 1. Quartals- und Jahresbericht der Ortsverwaltnng und des Kassierers. 2. Neuwahl der gesamten Ortsverwaltnng. 178/20 3. Negeliiilg des VersaulmlungswesenS. Mitgliedsbuch legitimiert. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Die VerbaudSlcitnng. Musikinstrumonten-Arbeiter. (gödjuerein. Zahlstelle Lsten.) Montag, den 28. Oktober er., abends 8'/s Uhr, im Lokale von Wolkk, Fruchtstrafte 36; Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: Die Lage in unserin Beruf. 2. Diskussion. 3. Ver- einsangelegenheiten. 142/8 Zur Beachtung t Das Erscheinen sämtlicher im Osten wohnenden sowie arbeitenden Kollegen ist notwendig. Der Vorstand, Centralverband der Maurer, Cementlerer und Berufsgenossen. Zahlstelle Berlin IV. Sonntag, de» 3. November 1001, mittags 1 Uhr, bei Nümann, Brnmienstrafte 188: Oeffentliche Tersamaulnng. Tages-Ordnung: 1. Die Berstcherungsgesetze. Referent: Kollege Angnst DUhne. 2. Diskitssion. 3. Die heutige Lage im Bangewerbe, specleu sür Eemen- tierer. 4. Verschiedenes. 57/4 Achtung! Die Kollegen werden ersucht, die Versammlung zn besuchen und die Handzettel zur Agitation zu benusen._ Der Einberufer. vorzügl. sitzend, Garantie, Teilzahl.. Plomb., schmerz!. Zahnz., Ilmarb. schlechts. Geb. Goldetein, Oranienstr. 123 Voran BS Produktiv- u. Einkaufsgenossenschaft für Fahrräder und andre Bedarfsartikel. Mittwoch, den 30. Oktober, abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshaus. Engel- User 15, 265/9 General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Ver- schiedenes. Bestellungen aus Fahrräder IV. K. C. mit Glockenlager und Voran II mit patentierteiii Glockenlager 110 M. (Teilzahlung gestattet), sowie Dür- iopp-Nähmaschinen und Möbel jeder Art werden in der Versauiutlung und bei W. Hein, Bödikerstr. 31, III, eni- gegengenommen. Garantie gesichert. Mitglieder werden ausgenommen. Sonntag, den 10. Nov., nachm. 51/2 Uhr. Familien-Kränzchen bei Schuhmacher, Skalitzerstr. 126. Gäste willkommen. Vereine! Verein, welcher gewillt ist. ein Ver- gmigeu in den Andreas- Festsälen mit dem Gesang- und Tdcatcr-Berein „Acacie" Svlintag, den 3. Dezember. mitzumachen, kann sich Dienstag- und Doimerstagabend 9 Uhr im Vereins- lokal Skalitzerstr. 94d bei D a l g melden. 1402b Aolföiiii'ten vormals Badstrassc 56. Den geehrten Vereinen zur ge- fälligen Bcachtttttg, dass meine grossen Festsäle jetzt einen separaten Eingang haben und vüt dem Bergnügungspark in keine Be- rüdrung kommen. 2622L» Frei sind folgende Sonnabende: 2. imd 30. November, 7., 14. und 21. Dezember. Die Direktion. Deulseste? Metallarbeiter- Verbanö. Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. »Am Donnerstag verstarb unser Mitglied, der Metallarbeiter ?sul k'Iemming. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag. den 27. Oktober 1901, nachmittags 4 Uhr. vom Krankenhause zu Britz aus statt. 121/5 Die Ortsvcrwaltung. Nolzarbetter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass der Kollege. Tischler 127/3 kerämallü Hasck am 23. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonu- tag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, ans dem Heiligen Kreuzkirchhos in Mariendors statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortöverivaltung. Ntacknul, Central- Verband derElektro- monteure n. Bernfsgenossen Deutschlands. Sektion Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dass unser treuer Kollege ]H»m1 Thiede insolge eines Unfalls verstorben ist. Die Beerdigung findet heute nach- mittag 3-,, Uhr in Höhen- Schön- hausen(Samariter-Kirchhof) statt. Treffpunkt sür die Mitglieder: 2 Uhr Wassmannstrasse(Strassenbahn). Um rege Teilnahme bittet 58/20 Der Borstand. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme bei der Beerdigung meines inniggeliebte» Mannes und Bruders sagen wir allen unsren Freunden und Bekannten insbesondere den Herren Kollegen, unsren tief- gejühltesten Dank. 1372b Sluguste verw. Elhschy. Anna Burbach geb. Elhschy. Danksagung. Allen Denen, die au der Beerdigung unsres lieben Vaters, des Arbeiters Ferdinand Sorge teilgenommen haben, besonders dem Wahlverein des 4. Berliner Wahl- kreijes, Ost, den Kollegen der Filiale 7 der Städtischen Arbeiter und den Kollegen des Central-Viehhoss unfern innigsten Dank. 1446b Tic trauernden Hinterbliebene». Gr.Frankfurter- f 3 Strasse 85. Empfehle meinen Saal mit schönen Nebenräumen noch einige Sonu- abende, Bufttag zu Festlichkeiten, einige Wochentage zu Versammlungen. 2436L* Otto Theel. Kösliner Hof, KUsllner- Strasse So. 8. Erster 11. zweiter Weihnachtstag _ zur Matinee frei._ Enal. Garten. zswxanderstrafte 27 0. Sonnabend, den 16. November, Totensonntag. Sonnabend, den 30. November, Saal frei unter ganz coulanteii Bedingungen. Hoffmaims Volksgarten Westend sind Säle sür Sonnabende zu Fest- lichkeiten unter coulautenBedingungen zu vergeben. 2621L* Zur gefälligen Beachtung 1 Halte mein 1084b* loköi Tanbenstr. 47, iiciicu der Urania, den verehrten Parteigenossen und Vereinen bestens empfohlen. Frühstückstisch. Mittagstisch von 12— 2 Uhr. Schultheiss Bier. Hochachtend Karl Schmidt, Achtung! Achtung: limine.-WW Umständehalber ist sür Sonnabend, den 23. und Sonnabend, den 30. November, der grosse Saal frei geworden. 1307b €. Fohllt, GewerkschnftShaus. Graumann5 Festsäle(früher Renz] Naunynstrasse 27.[2193s* Empfehle meine Säle, 900 Personen fassend(auch mit Bühne), zu allen Festlichkeiten und Versammlungen.— Sonnabende und Sonntage im De- zember, Januar, Februar und März noch an Vereine zu vergeben, Bufttag» Sylvester und Reujnhrstag noch srei. Gnstav Granmann. SMatienl», her 9. Noliember srei Worden. Andreas-Fest-Säle, AnlT.Ä.e 21, Sonnabend. 7. Dezember, wie auch Wochentage zum Masfen- ball 190L noch frei. Die Säle sind neu dekoriert, die Parkettböden auf Sprungfedern erbaut. Schalnwarfardslsuchtung bei Polonaisen in Uber 100 verschiedenen Farben, desgleichen ca. 600 Projektians-Bllder nach Wahl sür die Pausen stehen den Vereinen und Gewerkschaften unentgeltlidi zur Verfügung. Hochachtungsvoll 2500L* Carl Steohert. Telephon: Amt VII Nr. 5323. Robert Dieselev*y Restauration und Stehbier- Halle. 14S BmimeilStl*. 145, Bbeln�ep|er.tr IT. Speisen n. Getriinke. 23998* Lerantwortlicher Redactenr: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin Einige unverlangte Zeugnisse, welche wir erhalten haben, von laufern von PTeustafft, ObgrecM., T. Ootob. IDW. Idh luilss gestehen, dasS der erhaltene King für den angelegten Preis eiüö der besten Imitationen ist die ich je sah. Bs ist dies am sö aulfäUiger für mich, da sieh hier einige junge Hamen imitirten Diamantschmuok zulegten, der mit den Ihrigen keinen Vergleich aushält. Hoch achtungsvoll Willy» Bitlliua, Ktuistmaler. Osnabrück, den 19._ Sie dürfen versichert sein, dass ich fai den Kreiseu meiner Freunde für Ihre Diamanten Propaganda machen werde. Hochachtend l ritz, Itvuuuel« Fislcben, den 16.8. 1901. Der von ihnen bezogene Bing ist zu meiner vollen Zufriedenheit ausgefallen. Ich werde mich bei späterem Bedarf Ihrer geschätzten Firma erinnern nnd an meine Freunde empfehlen. Achtungsvoll August Scüirmer- Wtsmnr, den 14. August 1901. Unlerzaioluiater empfing heute Ihre wt_. Sendung. Jedermann ist erstaunt über das prächtige Funkeln und Farbenspiel, Werde Ihren geschfttzen Katalog einer Durchsicht schenken und ihn in Freundes- und Verwandtenkreisen •tets zirkulieren lassen.. Hochachtungsvoll Ludwig Müller postlag. Schwerin i M. Königsberg i Pr-, B. August 1901, Zunächst nehmen Sie die Versicherung meiner grössten Zufriedenheit entgegen. Die Ohrringe und der Bing sind grossartig geliefert. Nun mochte ich sie bitten, mir In beifolgenden Bing einen seiner Grösse entsprechenden Stein setzen zu wollen und wenn es möglich ist ähn- liob Bing No. 506. Hochachtungsvoll Louis Taeschner. gondershausen, 26. Juli 190D Bezugnehmend auf Ihre w. Offerte, dass Sie mir den von Ihnen bezogenen machen, sende ich Hinen denselben behufs dessen beiBing gratis grösser mächen, sende ich Ihnen denselben behufs dessen bei- Uegeed ein. Ich will den Bing, der übrigens in Hannover und Bremen die grössto Bewunderung hatte, von nun an am dritten Finger tragen und soll grosfte I derselb« auf 19'/» b» 19'/« erweitert werden, Hochachtend F. Bpless, Oberleutnant. Güntherstr. Elsennch, den IS. April 1001, leb bin Ton der Ausführung das Binges und dem lebhaften Diohtapiel des Steines wirklich angenehm überrasch». Der Farbepreflex ist dem echten ziemlich täuschend ähnlich, so dass die Tait'e Steine ein«» reelleren Wert zweifellos vor allen übrigen Imitationen haben, Hochachtend Beudant Haas, Wörths tr, 12b. nttlersdorr, S. Mai 1901. Ich gelangte in den Besitz des bestellten Eingea und ist derselbe zu meiner Befriedigung auagefallen. Senden Sie mir bitte noch Damenring 500. Hochachtungsvoll Cd. Ötollberg, Dittersdorfer Filz-Fabr. Frankfurt a. O., den 6. Mai INN. Der mir gesandte Hing fällt zu meiner Zufriedenheit aus, und werde ich nicht verieblen, Ihr Fabrikat weiter zu empfehlen. floeü achtend Herbert Held, Breitcstr. 12-13. Pegau- den 18. Juli 1901. Teile Ihnen mit, dass ich die bestellte Nadel erhalten habe. Sie ist zu meiner vollsten Zufnedenneit ausgefallen. Hocbaohtungsvoilst H. Voigt. Duisburg, den 28. April 1901. Möchte höfl. ersuchen, mir doch Musterbuch nebst den Bingmaassen senden zu wollen, habe hier schon für Sie durch Empfehlung einige Hinge verkauft, Alle gut zufrieaen damit Achtungsvoll Georg Drnve, Kammeretr. 54, L Elberfeld, den 1. Juli 1901. Unterzeichneter bittet um baldmöglichste Zusendung per Nachnahme des Kingee No. 500 echt Golf Ihrer Preisliste. In der Hoffnung, dass mich dieser Bing ebenso zufrieden stellen wird, wie 4er s.Z. persönlich bei Ihnen gekaufte, zeichnet hochachtungsvoll Fr. Finger, OberKrühewalderstr. 13, Bad Kissingen, 24. Juli 1901. Ich teile Ihnen mit, daas ich mit dem ersten Bing für 6 M. sehr zufrieden bin. Ich werde bemuht sein, Ihr wertes Geschäft bestens zu empfehlen. Hochachtungsvollst Max Friedrich. Hotel Holzmaun. Bremen, den 15. März 1901. Die Onrriage 1900 finden Beifall und auch der Bing, welchen ich aus Versehen zu weit bestellte, hat einen Abnehmer gefunden. Hochachtungsvoll Frau Dr. Byselein, Doventhorstr. 62. Erfurt, den 6. October 1901. Indem ich den recht pünktlichen Empfang Ihrer letzten Sendung bestätige, ist es mir sehr angenehm, Ihnen die Mitteilung ungesäumt zugehen zu lasson, dass ich mit den übersandten Gegenständen glänzend gegen meine Erwartung zufriedengestellt bin. Es werden Ihnen in den nächsten Tagen weitere Bestellungen angehen. Hochachtungs voll Kndolf Setmetzcl, Marbacherstr. 8. Kolberg, 14. August 1901. Den Eingang des limges bestätigend, gefällt mir der Stein sehr gut und werde mich bei Bedarf wieder Ihrer w. Adresse bedienen, Hochachtend Faul Mampe, Bahnspediteur MIsewberg, lÄttr.. . 12., 4. 190L •Auf nie mir gemachten - Sendungen zarüokom- meud, womit ich sehr zufrieden bin, frage ich hier- durah höfliohst an, ob Sie auch Broschen in Preislage wie offeriert führen. Hochachtend Herrman u Weber 1 Fa. I-onia Weber»k Co. BlaBewftz-Dresdein A. 14. 8. 1901. Dear Sirs. Many thanks for prompt attention in forwarding the ring I ordered, it is vory neat and 1 am very pleasod with lt. Bealiy one oannot detect your dia- monda from real unes. With many thanks Yours sinoerely Frau Ingenieur Strndhoflf 84 Berggartens tr. Uehersetznne s Mit bestem Dank be bestellten meinen -- lestätige ich den Erhalt des welcher sehr hübsch ist und unmöglich, •cheiden. m Ringoa, welcher sehr hübsch ist und vollen Beifall gefunden hat. Es ist wirklich Ihre Diamauten von echten an unter- etc. Strnlmnff, den 26. April 1901, Herrn Braumeister Fischer verdanke ich Ihre w. Adresse und ersuche Sie freundl., mix umgehend 1 Hing, wie zuletzt an Herrn Braumeister Fischer gesandt, Weite Li, unter Nachnahme zu senden. Hochachtend Koben Luther, Brauerei„bellevue1. Pascwnlk L F., 4. Mai 1901. Iota kann nicht leugnen, daas die mir übersandten Gegenstände sehr schön sind. Mit der Bitte, mir die gewünschten Ohrsctaranben und Manschettenknöpfe recht bald übersenden zn wollen. Hochachtungsvoll ergebenst Laekner. Erster exped. Sekretär. Dokex 12. Kempten, Lay., den 11. Juli 1901. Bestätige hiermit bestens dankend den Empfang des bestellten Binges, dessen Stein mir sehr gut gefällt. Hochachtend Bans Behnetzer, Ingenieur. Goslar, den 28. April 1901. Sonnabend erhielt ich den bestellten Bing No. 500, Derselbe gefällt mir ganz gut. Hoohachtungavoli Ferd. Olvermann, Hotel zum Achtermann. »angershansen, den 20. Juli 1901. Die Ausführung des Binges ist sehr gut und werde ich Sie noch öfter empfehlen. Hoehächtemd G. Franck. Wir geben Demienigen der uns naefiweist dass wir auch nur eines der oben angeführten Zeugnisse direct oder indirect verlangt haben. Die Oiiginal-Zusehriftea sind In unserem Geschäftslokal tob Jedermann einzusehen. rican Diamon Berlin W., Frledrichstr. 168. Hr. 252. 18. lajtianj. 2. DtllM Die Vertrauensämter der Berliner Socialdemokratie. a. Vertrauenspcrsonen: I. Wahlkreis: Georg Oppel. Fischerstr. 85. Georg Weinacht, Grünstr. 21. II. Wahlkreis: Paul Scholz, Fidicinstr. 35, IV. G u st a v Schmidt, Solmsstr. 43, Hof. III. Wahlkreis: Franz Hoch, Admiralstr. 7, v. lV. IV. Wahlkreis: Emil Voigt, Pücklerstr. 31, pari. sSüdost) Rich. Hackelbusch, Cuvrhstr. 16, Hof II. IV. Wahlkreis: Paul Schneider, Blumenstr. 43, III. (Ost) Otto Franke. Pallisadenstr. 9, H. part. VI. Wahlkreis:(Moabit): Johann Pfarr, Putliystr. 10. (Wedding und Oranienburger Vorstadt): Aug. Hinze, Pankstr. 13. (Rosenthalcr Vorstadt und Gesundbrunnen): H e r m. Raschle, Grünthalerstr. 65. (Schönhauser Vorstadt): K. Wünsch, Schön- hauser Allee 193. Nieder-Barnim: Adolf Gartz, Weitzensee, Lehderstr. 5. B. Presikommissio»: I. Wahlkreis: Fritz Felgentreff, Ocanienstr. 133. Julius Kaliski, Jüdenstr. 22. II. Wahlkreis: Albrecht Fülle, Mariendorferstr. 1. Richard Köckeritz, Plan-Ilfer 92s. III. Wahlkreis: Karl A l b o l d t, Jmmanucllirchstr. 27. Oskar Mahle, Lausitzerstr. 8, IV. IV. Wahlkreis 0.: Otto Büchner, Andreasstr. 75. 80.: Rich. Weise, Forstcrstr. 39. VI. Wahlkreis: Wilhelm Frehthaler, Gartenplatz 1, vorn HI. Karl MarS, Kastanien-Allee 96. Nieder-Barnim: Oswald Grauer, Friedrichsberg, Frank- furtcr Allee 197. Emil G c rst en b erger, Neu- Weißensee, König-Chaussee 41. V. Lokalkommission: I. Wahlkreis: F. Lucht, Hasenheide 51, Quergeb. IV. Heinrich Schmoll, Kronenstr. 72, H. III. II. Wahlkreis: Wilh. MewS, Gräfestr. 6, Hof Qnergeb. VI. Karl Polenske, Gitschincrstr. 73, II. III. Wahlkreis: Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66, v. IV. Max Schulz. Luisen-Ufer 46, Hof part. IV. Wahlkreis: O. Blume, Gubenerftr. 6, part. (Ost.) O. Galle, Koppenstr. 8, vorn II. IV. Wahlkreis: Wilh. Sedler, Reichenbergerstr. 122, Quer- (Südost.) gebäude I. Gustav Beer, Skalitzerstr. 65, vorn IV. (Treptow.) Wilh. Hanschildt, Falckensteinstr. 6, I. VI. Wahlkreis: Garbotz, Emdenerstr.43 v. III(für Moabit). Otto Wegen er, Bohcnstraße 4, parterre(für Oranienburger Vorstadt und W e d d i n g). G. W i tz e l, Brunncnstr. 164(für Rosen- thaler Vorstadt und Gesund- b r r, n n e n). O. Rißmann, Dunckerstraße 13, vorn II. (für Schönhauser Vor st ad t). Nieder-Barnim: Paul Kette, Friedrichsfelde, Prinzen- Allee 20 a. Alle Zuschriften in Lokalangelegenheitcn sind an Wilhelm Hinz, 8. 14, Prinzenstr. 66, v. IV/ zu richten. B. Agitations-Kommission für die Provinz Brandenburg: I. Wahlkreis: Wolbeck Mauas sc, Friedenstr. 13. II. Wahlkreis: Fsritz Zinke, Reichenbergerstr. 123. III. Wahlkreis: Karl Dimmick, Luisen-Ufer 11. IV. Wahlkreis� v.: Albert Wasewitz, Friedrichsbcrger- straße 20. , 80.; Wilhelm Jöchel, Köpnickerstr. 190. VI. Wahlkreis: Max Kiesel, Schulstr. 22. « Wilh. Schmidt. Chorinerstr. 30. Nieder-Barnim: Georg Freywaldt, Pankow, Florastr. 36. E. Vorsitzende der Wahlvereine. II. Wahlkreis: Hugo Wolderski, Steglitzerstr. 34. III� Wahlkreis: S t. Fritz, Oranienstr. 157, IV. IV. Wahlkreis 80: Paul H o s f m a n u, Oppelnerstr. 21. „ 0.: Ernst Bader, Große Franlfurterstr. 34. VI. Wahlkreis: C. Fahrow, Hochstr. 35, Hof I. Berliner Partei-Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Die Parteigenossen und-Genossinnen werden darauf aufmerksam gemacht, daß für den 10. Kommunal-Wahlbezirk am Dienstagabend 3 Uhr bei R a u t e n b e r g(früher Bickel), H a s e» h e i d e 53. eine öffent- liche Versamm lung mit dem Referat des Kandidaten, Stadt- verordneten Genossen Fritz Z u b e i l, stattfindet: S. Kommunal-Wahlbezirk. Der Kandidat für den 9. Bezirk, Genosse Or. rnsä. Alfred Bern st ein, referiert in der am Mittwochabend 8 Uhr, bei H a b e l, B e r g m a n n st r. 5—8, stattfindenden Volksversammlung über: Die bevor st ehe»den Konr munal tvahlen; 4. Kommunal-Wahlbezirk. Bei Z ü h l k e, D e n n e w i tz- 'straße 14, findet am Mittwoch, den 30. d. M.. eine Volks- Versammlung statt mit dem Referat des Kandidaten Genossen Fritz Z u b e isl über: Die bevor st ehe n den Kam niunal- wählen. Die Parteigenossen und-Genossinnen werden ersucht, für recht guten Besuch der Versammlungen zu agitieren. DaS Wahlkomitee. Den Parteigenossen deö Ostens zur Nachricht, daß am 29. Oktober eine Kommunalwähler-Versammlung für den 22. Wahl- bezirk(Stadtbezirke 152—156 und 153— 159) Große Frankfnrter- straße 117(»Königsbank") stattfindet.— Desgleichen wird eine Ver- sammlung am 31. Oktober, abends 8il2 Uhr, Andreasstr. 21, bei Stechert für den 23. Wahlbezirk(Stadtbezirke 168—174) abgehalten. Wir ersuchen die Genossen der betreffenden Bezirke, in den uns noch f e r n st e h e n d e n Kreisen für diese Versammlungen recht rege zu agitieren. Die Wahlkomitees. An die Partcigeuoffcn der Provinz Brandenburg(aus- schließlich der sechs Berliner Wahlkreise) richten wir noch einmal das dringende Ersuchen, so rasch ivie möglich, spätestens aber bis znm 30. d. Mts�, die Petitiouslistcn gegen die Erhöhung der Getreide- zölle an den Genossen Karl Dimmick, Berlin 3, Luisen- ufer 11, einzusenden, damit dieselben rechtzeitig an die Central- stelle abgeführt werden können. Die Agitations-Kom Mission für die Provinz Brandenburg. Mariendorf und Umgcgcud. Heute, Sonntag, nachmittags 4 Uhr, findet in Marienfelde' bei Diekmann(früher Deutschbein) eine Versammlung des Wahlvereins statt. Genosse Julius K a l i s k i hält einen Vottrag über:»Ist Religion Privatsache te Jeniiiitte" Schmargendorf. Dienstag, abends 8Vs Uhr, hält der Wahl- verein im Wirtshaus Schmargendorf seine ordentliche General- Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Berichte und Neu- wählen. Pankow. Montag findet bei Klingenberg, Kaiser Friedrichstr. 13, abends 3Vz Uhr, eine Volksversammlung statt, in welcher Genosse Robert Schmidt- Berlin einen Vortrag über„Gewerbcgerichte" hält. DokÄles. „Unpolitische",„Parteilose" und verwandte Geister. In dem Kampfe um das Rote Haus, der im November bei den Stadtverordneten-Wahlen zum Austrag kommen soll, treten neben dem Freisinn und der Socialdemokratie noch etliche andre Gruppen auf, die zwar nicht um ihrer Stärke willen (die Zahl ihrer Anhänger ist ja nur gering), wohl aber wegen der Besonderheit ihres Standpunktes eine Betrachtung verdienen. Man kann sie unter dem Namen der„Parteilosen" oder der„Un- politischen" oder unter einer ähnlichen Bezeichnung zusammen- fassen. Denn wenn sie sich auch in manchen Punkten von ein- ander unterscheiden, so ist ihnen doch das Eine gemeinsam, daß sie alle mit der Forderung, von ihrem politischen Stand- Punkt abzusehen, in den Wahlkampf ziehen. Da ist zunächst die famose„Bürgerpartei" oder, wie man sie sonst auch noch nennt,„parteilose Bürgervereinigung". Früher bekannte sie sich offen zur konservativ-anti- semitischen Richtung. Seitdem sie aber eingesehen hat, daß sie unter dieser anrüchigen Firma kein Geschäft mehr machen kann, ist sie„ p a r t e i l o s" geworden und will, sofern man ihren Versprechungen glauben darf, nur noch„den Mittelstand retten". In der Stadtverordneten-Versammlung ist sie gegen- wärtig durch ivohlgezähkte zwei Mann vertreten. Die Braven haben in den in letzter Zeit immer zahlreicher gewordenen Fällen, Ivo bei der Behandlung komnmnaler Angelegenheiten das staats- politische Gebiet gestteift werden mußte, unentwegt auf feiten der Regierung bezw. der Krone ge st an den. Das war ihr gutes Recht; aber ihr Verhalten in diesen Fragen bestätigt(was übrigens auch von keinem Verständigen jemals in Zweifel gezogen worden war). daß die parteilose Bürgervereinigung nach wie vor d.ie Reaktion so eifrig fördert, wie nur je in ihrer offen konservativ- antisemitischen Zeit. Wie sie sich die„Rettung des Mittelstandes" denkt, das zeigt ihre Stellungnahme zu gewissen wirtschaftlichen Fragen. Als die städtischen Behörden gegen die Erhöhung der Getreidezölle petitionierten, da erklärte sich in der Stadtverordneten-Versammlung die„Bürger- Partei", vertreten durch den Stadtv.Rechtsanw. Ulrich gegen die Petition. Die Verteuerung der Lebensmittel durch Wncherzölle bedrückt zwar nicht allein den Arbeiter, sondern auch den kleinen Beamten und schädigt zugleich auch den kleinen Handel- und Ge- w e r b e t r e i b e n d e n, da sie die Kaufkraft der unbemittelten Be- völkerung verringert. Aber was verschlägt das einem„Retter des Mittelstandes"! Durch ihr Verhalten in der Zollfrage konnte die „Bürgcrpartei" im Roten Hause allerdings nur einen Heitcrkeits- erfolg erzielen.«nderS dagegen wirkte die Art, in der die Wohnungsfrage von ihr behandelt wurde. Bei der Bc- ratung über den grotesken Vorschlag einer König Friedrich-Stiftung, die nnt einer ganzen Million Mark zur Linderung der Wohnungs- not beitragen sollte, erntete der bürgerpartciliche Stadtverordnete Prctzel bei einem großen Teil seiner sich freisinnig nennenden Kollegen lebhaften Beifall, als er die W o h n u n g s w u ch e r e r weiß zu waschen suchte. Der mittclstandrettende Vertreter der „parteilosen Bürgervercinigung" Schulter an Schulter mit den frei- sinnigen Hausagrariern— es war ein amüsantes Schauspiel! Der Vorwurf, daß die„Unpolitischen" in der Regel nur der Reaktion bewußt oder unbewußt Vorschub leisten, wird von einer andren sich als„unpolitisch" einführenden Gruppe, der sogenannten «M ieterp artei", mit Entrüstung zurückgewiesen. Die„Mieter- Partei" trat zum erstenmale wor 2 Jahren auf, bei der Nachwahl im Moabitcr 44. Bezirk der 3. Abteilung. Auch diesmal ist sie im 44. Bezirk auf dem Plan erschienen, und zwar— soviel bis jetzt bekannt geworden ist— wiederum nur hier. Die Führer sind Nationalsociale, die Gefolgschaft besteht in erster Linie aus Beamten, die aus der„Bürgcrpartei" übergclanfcn sind. Wie sich ihr Kandidat zu den sich häufenden Eingriffen der Staatsre.gierung und des Trägers der Krone in städtische Selbstverwaltung stellt, ist nicht klar. Fragen der Reichs- und Staatspolitik haben, seiner Ansicht nach, nichts mit der Gemeindeverwaltung zu thun; also braucht er von solchen Fragen überhaupt nicht zu sprechen. Ein bequemer Ausweg! In wirtschaftlicher Beziehung sind an der„unpolitischen Mieter- Partei" besonders bemerkenswert die bodenreformcrischen Vorschlüge zur Bekämpfung des W o h n u n g s w u ch e r S. Es paßt freilich schlecht zu diesem Programm, daß vor zwei Jahren, als es im 44. Bc- zirk zur Stichwahl zwischen dem Socialdemokraten und dem „Bürgerparteiler" kam, die„Mieterpartei", soweit sie sich an der Stichwahl mit wenigen Ausnahmen zur„Bürgerpartei" zurück- schwenkte, obwohl deren Vertreter in öffentlicher Versammlung darüber gejammert hatte, daß man den Bodenspekulanten nun auch noch den Gewinn schmälern wolle. Wie diese Schwenkung möglich war? Sehr einfach! Die„Unpolitischen" hatten es aus Rücksicht auf die Richtung, zu der sie sich in Fragen der Staatspolitik bekennen, nicht über sich.vermocht, de»„Bürgerparteiler" im Stich zu lassen. Sie pfiffen auf den Kampf gegen den Boden wucher und unterstützten einen Mann, der in politische wie in Wirtschaft- licher Hinsicht die ärgste Reaktion vertrat und obenein nach seinem eignen Geständnis selber ein bißchen in Bau- st e l l e n spekulierte. Eine dritte Gruppe von„Unpolitischen" bilden die Haus- b e s i tz e r. Früher ließen sie lediglich den Freisinn bei den Stadtverordneten-Wahlen für die Interessen des Hansagrariertums arbeiten. Beide Teile standen sich dabei nicht schlecht. Der Frei- sinn unterstützte die Hausagrarier, und die Hansagrarier wirkten in ihren Vereinen für gut freisinnige Wahlen— so wusch eine Hand die andre. Nun hat es aber einem großen Teil der Berliner Haus- besitzer schon lange nicht mehr behagt, daß ihre freisinnigen Ver- treter daneben noch die Aufgabe zu übernehmen hatten, in der städtischen Verwaltung auch die Partci-Jnteresse» des Freisinns nach Kräften zu fördern. Um einer solchen Kräftezersplitterung vor- zubcugen, wollen dih„Unpolitischen" unter den Hausbesitzern sich künftig im Roten Hause ihre eignen Geschäfts- führer halten. Da aber die Hausbesitzer all-'» keinen ihrer Sonderkandidaten durchdringen könnten, wenigstens nicht in der plebejischen 3. Abteilung, so mußten sie sich nach Hilfe umschauen. Sie waren entschlossen, jeden zu nehmen, der dumm genug wäre, ihnen seine Hilfe anzubieten. In dieser Erwartung haben sie sich denn auch nicht getäuscht. Die Hilfe ist ihnen zu teil geworden, und zwar von der. B ü r g e r p a r t e i". Die„Bürger- Solllltag, 27. Oktober l901. Partei" hat diesmal in einigen Bezirken vollständig darauf verzichtet, eigne Kandidaten aufzustellen. Sie hat sich zur Unterstützung der„unpolitischen" Sonderkandidaten der Haus- besitzer bereit erklärt und wird sich also mit dem Freisinn in dem Kampf für den Wohnungswucher begegnen. Das Beispiel, das ihr Parteiführer Pretzel in der Stadtverordneten-Versammlung gegeben hat, scheint ihren Ehrgeiz geweckt zu haben. Ob man aber in den Kreisen des„Mittelstandes", den die Pretzel und Konsorten„retten" wollen, so ohne weiteres und überall bereit fein wird, diese Art von„Mittelstands- retterei" mitzumachen? Zwar die Hausbesitzer rechnen sich — merkwürdigerweise— selber zum„Mittelstand". Sie haben also ein gewisies Anrecht darauf, daß die bürger- parteilichen Rettungsversuche auch ihnen zu gute kommen. Im übrigen treten ja. die Hausbesitzer selber mit für den„Mittelstand" ein. Sie schimpfen ans die Warenhäuser, sie fordern Be- seitigung des Straßenhandels— was will man noch mehr! Sie bekämpfen zwar die Warenhäuser und den Straßenhandel nur des- halb, weil ihnen in ihren Häusern so viele Läden leerstehen; aber, wie gesagt, sie gehören mit zum„Mittelstand". Wer will es ihnen verübeln, daß sie da zuerst sich selber„retten" wollen? In diese für den Wohnungswucher kämpfende Gemeinschaft paßt übrigens auch die„Mieterpartei" vollständig hinein, so sehr ihr Kandidat den Wohnungswucher bekämpft. Sollte im 44. Bezirk, wo der Herr als Mitbewerber auftritt, wieder eine Stichwahl nötig werden, so würden die aus der „Bürgerpartei" abgeschwenkten Verehrer des den Wohnungswucher bekämpfenden Mieterkandidaten in die erheiternde Lage kommen, dem von der„Bürgcrpartei" unterstützten, den Wohnungswucher ver- teidigenden Kandidaten der Hausagrarier ihre Stimme zu geben. So kann's einem gehen, wenn man durchaus„ u n- politisch" bleiben will l Alles in allem: eine sehr gemischte Gesellschaft, diese„Unpolitischen"! Aber jeder des andern würdig! Möge die arbeitende Bevölkerung Berlins am 6. November diesem teils wunderlichen, teils widerwärtigen Mischmasch dasselbe Schicksal bereiten wie dem Freisinn und das Ganze mit eisernem Besen ausfegen!_ Die Freisinnigen Eugen Richterscher Schattierung sind nun auch mit ihrem Kandidaten nn 44. und 45. Kommunal-Wahlbezirk (Moabit) herausgerückt. In einer„liberalen" Wählerversammlnng, die am Freitag in den Armininshallen stattfand, begründete der Referent, Herr Dr. Wiemer, ihr Vorgehen damit, daß der Moabiter Bezirksverein ohne sie, die richtigen Freisinnigen, gefragt zu haben, Kandidaten aus dem Grund- b-sitzerverein aufgestellt hatte. Auch entrüstete er sich darüber, daß die Herren vom Grundbesitzerverein ihren Kandidaten als den von allen Ordnnngsparteien ausgestellten bezeichnete», auch sie gehörten zu den Ordnungsparteien. Herr W. trat dann tapfer für die Erhaltung der Selbstverwaitnng ein. Diese Ausführungen mutzen jedoch auf jeden, der die Vorgänge der letzten Zeit im Roten Hause verfolgt hat, einen komischen Eindruck machen. Die üblichen Ausfälle gegen die S o c i a l d e m o k r a t e n, die die Klassenverhetzung treiben, fehlten natürlich in den breiten inhaltlosen Ausführungen nicht. Von den vorgeschlagenen Kandidaten konnte der eine nichts reden, weil er nichts wußte, und der andre, ein Rentier S ch l o m a n n, entpuppte sich in seinen Ausführungen als waschechter Hausagrarier. Wohnungen aus den Taschen der Steuerzahler für Habenichse bauen, das gehe nicht an. das locke die ganze arme Bevölkerung nach Berlin und es gäbe so schon genug Mictspreller. Ein braver Freisinnsmann! Der Kandidat unsrer Partei im 44. Bezirk, Genosse Glocke, kennzeichnete in der Diskussion die Halbheiten der Ausführungen des Referenten sowohl als auch den echt reaktionären Standpunkt des freisinnigen Kandidaten. Nach den Ausführungen des letzteren sei doch wirklich kein Unterschied zu machen zwischen den antiscmitisch-freistnnigen Kandidaten des Grundbesitzcrvereins und den ihren; sie könnten sich Zeit und Mühe sparen und Arm in Arm die Socialdemokratie bekämpfen. In politischer Beziehung seien sie zienilich gleichwertig und in socialer Beziehung seien beide Richtungen gleich rückständig. In den Schlußausführungen des Referenten mußte zur Wider- leguug der Ausführungen des Genossen Glocke auch Genosse E d. Bern st e i n herhalten, der den Beweis geführt habe, daß die Grundprineipien der Socialdemokratie irrig seien. Wenn dieser Trost bei den Freisinnigen nur lange vorhält! Die Geuicindc-Waiscnräte hielten gestern die erste Sitzung nach den Ferien ab. Wie der Referent, Magistratsassessor T e ch o w, ausführte, hat das neue Fürsorge-Erziehungsgesetz der städtischen Waisenverwaltung eine Fülle von Arbeit gebracht; während im ersten Jahr nach Einführung der Zwangserziehung nur etwa fünf Fälle in der städtischen Waisenverwaltung vorkamen, hat diese seit den, Inkrafttreten des neuen Gesetzes, also seit dem 1. April, schon 812 Anträge zu bearbeiten gehabt. Trotzdem sind bisher Schwierigkeiten iii der Unterbringung der Kinder nicht entstanden. Mit Ausnahme der prostituierten Mädchen, für die im Rummels- burger Arbeitshans ein besonderer Pavillon eingerichtet ist, werden zunächst alle der Fürsorge-Krziehung verfallenen Kinder im Waisen- Hause in der Alten Jakobstraße untergebracht, von da aus werden sie verteilt, die Knaben komnien nach Lichtenberg, die Mädchen nach Kleinbeeren, ein großer Teil in Privatanstalten. Nachdem die Kinder eine Zeitlang die' strenge Anstaltszucht durchgemacht haben, werden die. welche dazu geeignet erscheinen, in Familien aufs Land, möglichst weit von Berlin', in Pflege gegeben. Bis zur Beendigung der Schulzeit wird streng darauf gesehen, daß jeder Pflegling in einer Anstalt oder Familie seines„Glaubens" untergebracht wird. Der Referent ging dann auf die Frage der Mitwirkung der Waisenrats- Mitglieder ein. Er empfahl, von dem Rechte, unmittelbar beim Vor- mundschaftsgericht Anträge auf Anordnung der Fürjorge-Erziehung zu stellen, möglichst wenig Gebrauch zu machen, sondern das Material lieber zunächst an die Waisenverwaltung weiter zu geben. Im übrigen empfahl er dringend, sich immer vor Augen zu halten, daß die Fürsorgc-Erziehung,' die den Betroffenen doch immer mit einem gewissen Makel behaftet, das letzte Mittel sein soll, das erst anzn« wenden sei, wenn alle andren vergeblich erscheinen. Auö der städtische» Waisciiverwaltung ist ein bemerkens- werter Beschluß zu melden. Schon bisher wurden die der Waisen- pflege unterstellten Kinder in den ersten beiden Lebensjahren durch angestellte Aerzte und besondere Pflegerinnen beanffichtigt. Diese Fürsorge durch besoldete Kräfte, die sich bewährt hat, soll nunmehr bis zuin schulpflichtigen Alter der Kinder ausgedehnt werden, ebenso will die Polizei für eine Beaufsichtigung der Haltekinder bis zum sechsten Jcchre sorgen. Zum Milchkrieg. Gegen die Mi Ich centrale veröffcnt- lichen die Milchhäudler ein an die kleinen bäuerlichen Milch- Produzenten gerichtetes Flugblatt, dessen Angaben, wenn sie der Wahrheit entsprechen, ein eigenartiges Licht auf dieses Unter- nehmen werfen. Die kleinen Produzenten, heißt es darin, würden durch die Berichte in der„Deutschen Tageszeitung" fortgesetzt über die wahre Lage der Milchcentrale im Unklaren gehalten. Den Groß- grundbesitzern dagegen und den speciellcn Freunde» des Herrn Ring, des Leiters der Centrale, sei die Sachlage sehr gut bekannt. Die Großgrund- besitzer dürften auch längst mit Erlaubnis des Herrn Ring ihre ganze Milch nach Berlin schicken, den kleinen Besitzern aber werde weiter zugemutet, zwei Drittel ihrer Milch von Berlin fernzuhalten und so mit Verlust zu arbeiten. Sie würden von Woche zu Woche hin« gehalten.„Aber der augeliindigte große Sieg kommt noch immer nicht, und der Absatz der Ningmilch lvird in Berlin von Tag zu Tag geringer, weil immer neue Vorräte ringfreier Milch nach Berlin geschafft werden,»iid wie die Milchhändler, so die Bäcker, die Konditoren, die gesamte Arbeiterschaft, ja die ge- samte Stadtbevölkerung mit ganz geringen Ausnahmen die Ring- milch in Verruf getha» haben." Das Ende werde sein, daß die kleinen Besitzer mit ihrem ganzen Milchvorrat für das nächste Jahr draußen bleiben müssen und überhaupt keinen Absatz nach Berlin mehr finden, während die Großgrundbesitzer und Herrn Rings be- sondere Freunde sich gesichert hätten. Das Flugblatt empfiehlt zur Vermeidung weiterer Schädigung sofortige Auflösung der dörflichen Milchverwertungs-Genoffenschaften, die sich an die Centrale ange- schlössen haben. Die clektrischen Bcrsuchsfahvtc» der Studiengesellschaft sind jetzt, nachdem hierzu die Genehmigung des Ministers erteilt worden ist, auf die Strecke der Militärbahn von Marienfelde bis Zossen ausgedehnt worden und zwar ist die Maximal-Fahr- geschwindigkeit von 100 auf 120 Kilometer per Stunde er- höht worden. Während der an den Vormittagsstunden statt- findenden Versuchsfahrten werden naturgemäß die sämtlichen Niveau- Ucbcrgänge der Bahn gesperrt; gestern' beteiligten sich Geh. Baurat Bork und Baurat G a n tz e r von der königlichen Eisenbahndirektion Berlin an den Fahrten, die voüständig befriedigend verliefen. Nach einiger Zeit soll die Höchstfahrgeschivindigkeit noch mehr gesteigert werden; mit der gegenwärtige» Geschwindigkeit kann die 23 Kilo- meter lange Strecke Marienfelde— Zossen in rund zwölf Minuten zurückgelegt werden. Preußens Gastfrenndschaft. Aus Preußen ausgewiesen sind als„lästige Ausländer" acht östreichische Staatsaugehörige und der italienische Drehorgelspieler Guiscppe Bertonazzi, der schon 64 Lenze zählt. Unter den Oestreichern befindet sich der 19 jährige Kaufmann Oskar Kaufmann aus Wien und der 43jährige Schau- spieler Josef Wein stock aus Lemberg. Die Sittlichkeitsbcwcguug und der Kampf gegen die Prostitution beschästigte gestern eine unter dem Vorsitz des Fräulein Anna Papprätz im Bürgersaale des Rathauses abgehaltene Vcr- sammlung. Referentiu war die Vorsitzende des Dresdener Zweig- Vereins der Internationalen Föderalion, Frau Dr. S e h e v e n, welche eingehend über die Arbeiten des Kongresses der Föderation in Frankreich berichtete und an der Hand von Zahlen nachivies, Ivie günstig die Aufhebung der staatlichen Kontrolle auf die Abnahme der Prostitution wirke. Als Beispiele führte die Redneriu England an. in der es gar keine polizeiliche Aufsicht gebe, sowie Holland, die Schweiz und Frankreich, woselbst nach erfolg- reichen Versuchen die Aufhebung der staatlichen Kontrolle bevorstehe. Nach längerer Diskussion, in welcher auch Frau Minna C a u e r das Verhältnis der Abnahme der Prostitution bei Aufbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage besprach, wurde folgende Resolution angenommen:„Die auf Anregung des Berliner Ziveig- Vereins der Internationalen abolitionistischcn Föderation am 25. Oktober im Bürgersaal des Rathauses veranstaltete öffentliche Versammlung verurteilt das herrschende System der polizeilichen Reglementierung der Prostitution als hygienisch wertlos und moralisch verwerflich und tritt dafür ein, daß statt dessen die Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten angestrebt werde durch Erleichterung der Kassen- und Krankenhaus-Bchandlung ohne jeden polizeilichen' Zivang und ohne jeden Unterschied der Person und des Geschlechtes. Der unwiderstehliche Zwang. Bei einem Diebstahl in einem Waren Hause in der Leipzigerstraße wurde gestern die 21jährige Tochter eines Gutsbesitzers abgefaßt. Das junge Mädchen kaufte ein paar Handschuhe und ließ bei dieser Gelegenheit ein ziveites Paar in ihrer Tasche verschwinde». Zur Rede gestellt, erklärte das weinende Mädchen, nicht zu wissen, was sie zu dem Diebstahl verleitet habe. Sie will einem unwiderstchlichc» Zwange nachgegeben haben. Von einer Strafanzeige hat die Firma Abstand genommen. Wenn Frauen und Töchter von Gutsbesitzern'. Fabrikanten oder sonst gut situiertcn Bürgern stehlen, so liegt, was Wissenschaft- lich längst feststeht, alleinal Kleptomanie oder sonst eine Mitleid- erweckend krankhafte Erscheinung vor. Um gemeinen Dieb- st a h l, der moralisch gar nicht streng genug verurteilt werden kann, handelt es sich dagegen allemal, wenn eine Arbeiterfrau für ihr Kind ein paar Socken oder ein Höschen wegnimmt. Altes Stcingeriimpel. Die acht Sandsteinfiguren, die in den Anlagen des Leipzigerplatzes stehen und deren Ausbesserung schon vor Jahresfrist in Angriff genommen werden sollte, gehen immer mehr ihrem Verfall entgegen. Kürzlich sind sie wieder von einer Komnlission besichtigt worden, doch ist man sich über die Ausbesserung noch nicht schlüssig geworden. Diese dürfte auch.>uie der Augen- schein lehrt, kaum noch möglich sein oder sich wemgstciiS sehr schwierig gestalten, denn die Doppclfiguren sind arg verstümmelt. Fast allen' fehlen die Nasen, den meisten auch noch' andre Glied- maßen, wie Arme oder Füße. Irgendwelchen höheren Wert haben die Bildiverkc nicht. Ihre künstlerische Bedeutung steht noch unter der mancher Figuren in der Siegesallee. In Sachen der Beschränkung des Ttrastenhandclö bereiten die Straßeuhändler, einer Anregung des Oberbürgermeisters folgend, eine Denkschrift über die jetzigen Zustände im Straßenhandel, über ihre Wünsche und Beschwerden vor, die als Material einer neuen, an den Magistrat gerichteten Protesteingabe gegen die geplante Polizei- Verordnung dienen soll. Auch eine weitere öffentliche Straßenhändler- Versammlung wird in den nächsten Tagen stattfinden. Die Straßcnhändler klagen, wie berichtet wird, übrigens selbst über zwiefache Konkurrenz; erstens treibe die zunehmende Arbeitslosigkeit rmmer mehr Leute zum Straßenhandcl und zweitens bemächtige sich das G r o ß u n t e r n e h m e r t» m in stets steigendem Maße dieses Handelszweiges. Die Großhändler senden entiveder ihre Wagen in großer Zahl unter Aufsicht unmittelbarer Angestellter auf die Straße! oder sie überlassen den Händlern mietsweise Wagen und Waren. Das Lette-Haus in der Königgrätzcrftraße laßt sich am Victoria- Luiseplatz in Schöncberg einen Neubau errichten. Gestern ist der Grundstein dazu gelegt worden. Am Morgen des It. November tritt eine ringfömiige Sonnenfinsternis ein, die bei uns als teilweise Sonnen- finsternis wahrzunehmen sein wird. In Deutschland kann man nur dos Ende der Erscheinung beobachten, die Sonne geht noch etwa zur Hälfte verfinstert auf. Das Ende der Sonnenfinsternis tritt in Berlin um 8 Uhr 11.2 Minuten ein, in Magdeburg 8 Uhr 10,2 Minuten. in Hannover 3 Uhr ö.S Minuten. Die Verhaftung dreier Berliner Geschäftsreisender wird ans Zittau in Sachsen gemeldet. Es wird ihnen folgendes Schwindel- manöver zur Last gelegt: Sie bereisten die Städte Sachsens, um den Einivohnern an der Hand vielversprechender bedruckter An- preisungskarteu Vergrößerungen von Photographien in Kreide voll- kommen kostenfrei zii offerieren, vorausgesetzt, daß man ihrer Firma dafür durch Bestellung des dazu gehörigen Rahmens zu dem Preise von 8 M. entgegenkomme. Auf das oerlockende Angebot hin fanden sich auch zahlreiche Besteller, und einige Tage später meldete sich bei diesen, der Verabredung gemäß, ein weiterer Vertreter der Gesell- schaft, um ihnen unter Vorzeigung eines ziemlich fertigen Krcideporträts irgend eines andren Bestellers aus der berreffenden Straße Nahmenmnster zur Wahl vorzulegen. Der Kauf solcher Rahmen wurde denn auch daraufhin abgeschlossen, wobei der Fremde die ent- sprechenden Beträge gegen Quirtung gleich in Empfang nahm. Die Besteller mußten jedöch schließlich die Wahrnehmung machen, daß sie einem Schwindler-Konsortium in die Hände geraten waren: denn die Leute erhielten weder Porträt noch Rahmen, und die Spitzbuben hatten inzwischen auf Nimmerwiedersehen die Stadt verlassen. Nach- dem die polizeilichen Ermittelungen ergeben hatten, daß die von den Freniden genannte Firma in Berlin überhaupt nicht existiert, wurden sie jetzt in einem Gasthof zu Zittau ermittelt und fest- genommen. In ihrem Besitz wurden sieben Pfennige als ihr Gesanit- Barvermögen vorgefunden. Prof. v. Liszt über die deutsche Justiz. Interessante Aus- führungen über den Wert gerichtlicher Zeugenaussagen machte der berühmte Strafrechtslehrer Prof. v. Liszt kürzlich in einer Ver- sammlung des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in der„Philharmonie". Der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Horwitz erstattete Bericht über den Stand der Konitzer Affaire. Die Einstellung des Verfahrens gegen Lewy, besonders aber durch die Gutachten des Ober- Medizinal- Kollegiums, welche die Grundlagen der Blutmord- Behauptungen, den Schächtschnitt und die Blutleere der Leiche, als ausgeschlossen bezeichnen, sei die Sachlage für jeden nicht Böswilligen geklärt. Im Anschluß an das Referat erklärte Professor v. L i s z t, die Un- sicherheit und Gefährlichkeit eines der wichngsten Teile des B e- w e i s m a t e r i a l s im Strafverfahren, der Zeugenaussagen, sei eine anerkannte Thatsache. Versuche hätten gezeigt, daß sich selbst bei ganz unbefangenen, intelligenten Menschen zwischen der Wahr- nehmung und der Aussage darüber, je nach der dazwischenliegenden Zeit. Vorstellungen geltend machten, die das Bild trübten und den Aussagen zumindest in einzelnen Punkten ihre Zuverlässigkeit raubten. Bei befangenen, ungebildeten Zeugen sei dies in um so höherem Maße der Fall, ebenso bei späteren wiederholten Vernehmungen, wo die Zeugen in der Regel nicht an ihre urspriing- liche Wahrnehmung, sondern an ihre letzte Aussage anknüpften. In Könitz sei der Einfluß einer Massen sugge st ion zweifellos und die große Zahl falscher Aussagen darauf zurückzu- führen. Falsch und gefährlich sei es gewesen, auf diese Widersprüche eine Reihe von Meineidsprozessen aufzubauen. In Könitz habe sich wieder gezeigt, daß unser gesamter kriminalistischer Apparat nur bei alltäglichen, gewerbsmäßigen Verbrechen prompt arbeite, in andern Fällen a b e r m e i st versage, nicht zum geringsten Teil wegen der mangelnden psychologischen Vorbildung der Richter und Staatsanwälte. Die Hauptforderung aller, die an einer geordneten Rechtspflege ein Interesse hätten, muffe deshalb zunächst eine Um- gestaltung des ganzen Voruntersnchungsverfahrens, begründet au einer besseren psychologischen Wertung' der Zeugenaussagen, bilden. Die elektrische Bahn vom Görlitzer Bahnhof in Berlin über Treptow, Baumschulenweg, Alt-Glienicke nach Grünau kann jetzt als gesichert gelten. Der Firma Niedcmann u. Co. in Berlin ist nämlich von der Eisenbahnbchörde die Genehmigung zum Kreuzen der Schienen der Görlitzer Bahn erteilt und damit das Haupthindernis beseitigt. Der Bau dürfte nun im Frühjahr be- ginnen. Der neue Vorortbahnhof„Dorkstraste" ist jetzt soweit fertig, daß er, neueren Bestimmungen zufolge, bereits am 1. Dezember d. I. zugleich mit der Verlegung des Anhalter Vorortverkehrs nach dem Potsdaiurr Riugbahnhof in Betrieb genommen wird. Die Görlitzerstraße von der Sknlitzcrstraße bis zur Lübbener- straße wird lvegen Umpslasterung vom 29. d. Mts. ab für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein Wcchsclschwindler wurde gestern abend in der Person des galizischen Gauners Leopold Feuerstein von eineni Kriminal- beamtcn in der Friedrichstraße festgenommen. Feuerstein war der hiesigen Kriminalpolizei von der östreichischen schon vor längerer Zeit signalisiert worden. Ei» Hciratöschwindlcr wurde vorgestern, Freitagabend, fest- genommen, als er gerade seinem Opfer 500 M. abgenommen hatte. Eine Witwe aus der Nannynstraße hatte in der Zeitung angezeigt, daß sie sich wieder zu verheiraten wünsche. Unter den Angeboten befand sich auch das eineS Mannes, der sich Magiswatsbeamtcr Karl Boldt nannte und die Witwe um ein Zusammentreffen an einem von ihm vorgeschlagenen Ort bat. Die Frau ging nicht dorthin, erhielt aber bald den Besuch des Herrn Boldt in ihrer Wohnung. Hier wußte er sie durch sein hübsches Aeußere, sein feines Auftreten und die Versicherung, daß er am 27. Oktober beim Charlottenburger Magistrat eine Stellung als Vicerendant antreten werde, zu' bestricken. Da der angebliche Boldt in der Kantstraße bereits eine Wohnung gemietet hatte, so trug die Witwe kein Bedenken, ihn auch mit Geldmitteln zu unterstützen, damit er die verlangte Kaution von 1500 M. zu- sammenbringe. Daran fehlten noch 600 M. Die Frau, die aus Prenzlau gebürtig ist und dort noch ein Guthaben von ihren Eltern liegen hatte, fuhr hin, um sich dieses auszahlen zu lassen und bekam auch sofort 500 M. Damit kehrte sie vorgestern abend zurück. Auf dem Slcltiuer Bahnhof erwartete sie um 8 Uhr Herr Boldt, der das Geld sofort in Empfang nahm. Ohne sein Wissen hatte sich aber auch ein hier an- gestellter Bnider der heiratslustigen Frau, dem die Geschichte etwas verdächtig vorgekommen war, eingefunden. Der Mann war auch so vorsichtig gewesen, seinen Verdacht dem auf dem Stettiner Bahnhof stationierten Kriminalbeamten mitzuteilen, und rettete so seiner Schwester das Geld. Der Beamte nahm Herrn Boldt fest, sobald er sah, daß er das Geld erhalten hatte. Die Witwe war zwar anfangs damit keineswegs einverstanden, freute sich aber nachher um so mehr, daß es so ge- kommen war, denn Herr Boldt entpuppte sich nun bald als ein Schwindler. Seine Behauptung, daß er in Treptow wohne, wurde ihm in kurzer Zeit als unwahr nachgewiesen. Und als er schließlich keinen Ausweg mehr sah, räumte er auch ein, daß er kein Magistrats- beamter Karl Boldt, fondern ein beschäftigungs- und wohnuugsloser Franz Pantjchke sei. der früher einmal eine Weinstube gehabt habe. Schmerzhafte Brandwunde» zog sich der Privatier Wolf in der Zimmerstr. 45 bei einem Zimmcrbrande zu, der Sonnabend früh 3 Uhr erfolgte. Wolf,' der schon wiederholt Krankenkuren durch- gemacht hat,' leidet besonders an Schlaflosigkeit. In letzter Nacht iuar nun durch die umgeworfene Tischlampe das Bett in Brand geraten, wobei der Wohnungsinhaber Brandwunden an der Brust erlitt, die von Samaritern der Feuerwehr verbunden wurde» und nicht gefährlich sind. Wolf war noch selbst nach der benach- harten Feuerwehr in der Lindensträße gegangen, um den Brand zu melden. Letzterer blieb auf das Bett be- schränkt. Kurz vorher brannte Kurfürstenstr. 18 der Fuß- boden. Emannelkirchstr. 37 wurden Zimmcrmöbel durch Feuer beschädigt. Hölzer und Hobelbänke wurden Reichenbergerstr. 113-r in einer Stuhlfabrik eingeäschert. Ein Alann nach der Kaserne in der Prinz Friedrich Carlstraße war auf einen Schornsteinbraud zurück- zuführen. Vom Anhalter Güterbahnhofe wurde ein Preßkohlen- braud und von Fricdrichstr. 52 ein Kellcrbrand gemeldet. Sonn« abendnachmittag war Prinzen-Allee 89 Stroh und Reisig im Garten in Brand geraten und gleichzeitig mußte Kleine Hamburgerstr. 7 ein kleiner Brand abgelöscht werden, der durch übergekochten Teer verursacht war. Im Zoologische» Garten ist jetzt zum erstenmal«in asiatisches Riefen-Wild-Schas ausgestellt, eines jener gewaltigen Tiere, welche die Gebirge deS nördlichen und mittleren Asiens bewohnen und deren Hörner' so groß sind, daß ein kleiner Wüstenfuchs sich bequem darin verbergen könnte. Es giebt derartige Riefen, daß ihr Schädel mit dem Gehörn fast einen halben Centner wiegt und daß die Gehörnspitzen von einander über einen Meter entfernt sind. Besonders merkwürdig ist, daß der hier ausgestellte, von Hagenbeck eingeführte, prächtige Bock zn einer in den meisten Museen»och nicht vorhandenen, vor kurzer Zeit erst neu beschriebenen Art gehört, dem westsibirischen Bergschaf. Ovio sairensis Lydekker. Wildschafe waren früher über ganz' Europa, Nordafrika, Nord- und Mittel-Asien und Nordwest-Amerika verbreitet; heute sind sie in Europa fast ausgestorben und nur noch auf Sardinien, Korsika und Kreta vorhanden. Auch in den meisten Gegenden von Sibirien sind Wildschafe selten geworden. Jedes Flußsystem hat eine eigentümliche Form des Wildschafes aufzuweisen. Berliner Aquarium. Der Eintrittspreis beträgt heute, am letzten Sonntag im Monat, nur 25 Pf. pro Person. Arbeiter- Bildungöschnle. Wir machen nochmals auf den heute abend im großen L-aal des Gewerkschaftshauses stattfindenden Lyriker- Abend(Liliencron und Falke) aufmerksam und bitten das Publikum, sich frühzeitig mit Billcts zu versehen und pünktlich zu erscheinen, damit Störungen vermieden werden. Konzert und Musikvortrag. Der Giordano Bruno-Bund veranstaltet am Montag, den 28. Oktober, abends um 8 Uhr, einen seiner uneu igelt- l i ch e n öffentlichen Bundesabende im Bürgersaal des Rathauses. Den Hauptvortrag des Abends wird Herr Prof. Wilhelm Freudenberg, königl. Musikdireltor, halten, und zwar über„Musik und Weltanschauung". Ter Vortrag wird durch musikalische Erläuterungen und Proben illustriert werden, ausgeführt durch das Freudenbergsche Doppelguartett unter Mit- Wirkung von Frau Pros. Freudenberg. Proben aus Palestrine, Orlando dt Lasso, aus neueren Mustem wie Schubert, Freudenberg, Raff werden die wisienschaftlichen Darlegungen unterbrechen.— Herr Direktor Mvest hat den recitätorischen Teil des Abends übernommen.— Zum Vortrag gelangt Beethovens Kreuzersonate durch die Damen Fräulcin Lize Küpper und Fräulein Helene Ferchland.— Gäste sind willkommen. Auö de» Siachburvite». Die Stadtverordllttcn-Sitzuug inSpa»dnu/die am Donners- tag tagte, ergab drastischer noch als bisher, wie wenig der dortige Magistrat im Volke wurzelt, und wie herzlich gering diejenigen an Zahl sind, die mit seinen Maßnahmen heute noch regelmäßig zu frieden sind. Die Verschleppung der Angelegenheit betr. Abseuduug einer gegen den Brotlvucher gerichteten Petition um nahezu 8 Monate, und die schließliche Nichtbestätigung des Stadtverordneien-Beschluffes haben sogar die liberalen Stadtväter gewaltig vor den Kopf gestoßen. In deik Oonuerstag-Sitzung unterlag diese Angelegenheit zugleich mit folgendem Antrage unsrer Genossen einer erneuten Be- ratung. „In Erwägung, daß eine weitere Verteuerung der Lebensmittel und Bedarfsartikel durch die von der Regierung geplante Erhöhung der Zölle für Spandau, dessen Einwohnerschaft fast zu neun Zehntel» zu den arbeitenden und minder bemittelten Be- völkeruugsschichten gehört, von verhängnisvoller Bedeutung sein würde, indem sie die Lage des Arbeiters, des Handwerkers, des Beamten und kleinen Kaufmanns ganz erheblich verschlimmern, die Not in diesen Kreisen bedeutend steigern»nd die Armenlasten der Gemeinde ganz wesentlich vermehren würde, richtet die Stadt- verordnetcn-Versammlung zu Spandau an den hohen Bundes- rat und an den hohen Reichstag das dringende Ersuchen, unter keinen Umständen irgend einer Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel und auf die unentbehrlicheil Bedarfsartikel seine Zustimmung geben, sondern mit aller Macht für langfristige Handelsverträge eintreten zu wollen, welche allein eine Garantie für ein stetes und gesundes Gedeihen von Handel und Industrie bieten." Stadtv. I e n n e(lib.) gab in seinem Referat eine ausführliche chronologische Uebersicht über die in dieser Sache von den Stadt- verordneten, der Kommission und dem Magistrat gefaßten Beschlüsse und ging dann mehr auf die vom Magistrat hervorgekehrte„recht- liche" Seite über, wobei er zu dem Resultat kam,' daß sich die Stadtverordneten mit ihrem Beschluß sehr wohl im Recht befänden. Die auf Beschluß der gemischten Kommission vom früheren Kämmerer Förstemann verfaßte Petition stützt sich in ihrer Begründung auf die Thatsache, daß in Spandau 54 Proz. der Steuerzahler ei» Einkommen von unter 900 M., 42 Proz. ein solches zwischen 900 und 3000 M. und nur 4 Proz. ein Einkommen von über 3000 M. versteuern. Wahrend das Durchschnitts- Einkommen der Steuerzahler in Berlin 2703 M. und in Char- lottenburg gar 4382 M. beträgt, beläuft sich das Durchschnitts- Einkommen in Spandau nur auf 1730 M. Der Redner beantragte die Eiuietzung eines Ausschusses, der die Abseuduug einer selbständigen Petition durch die Stadtverordneten allein beraten solle. Namens unsrer Fraktion sprach sich Stadtv. Rieger in zilstimmendem Sinne aus; er knüpfte daran eine scharfe Kritik an das Verhalte» des Magistrats, dein die wirtschaftliche Lage des weitaus größten Teils der Spaiidaner Bevölkerinig gänzlich imbekaiiiit seiii müßte, denn sonst wäre es nnverstäiidlich, weshalb er die von Herrn Jcinie verlesenen Zahlen, die in ihrer Bedeutung ganze Bände sprächen, nicht besser zn würdigen verstehe. Diese Darlegniigen vcranlaßteu den Oberbürgermeister K ö l tz e, gegen unseru Genossen vom Leder zu ziehen, er warf ihm vor, daß Rieger über die Spandaucr Verhältnisse überhaupt nicht orientiert sein könne, da er nur Nachts in Spandau sich auf- halte»ud allenfalls abends in die Bcrsammlungen ginge um dort die Unzufriedenheit zu schüren. Er freue sich schon auf die nächste Notiz im„Vorwärts", in welcher Rieger schreiben würde, er habe den Magistrat gründlich abgeführt. Herr Költze irrt, diesmal hat er sich ganz allein„abgefertigt", denn in seinen weiteren Ausführungen verriet er solch erstaunliches Maß von socialer Erkenntnis, daß ihn schwerlich jemand darum be- neiden wird. Der Antrag Jenne wurde hierauf einstimmig an- g e n o m in e n und in den Ausschuß von unsrer Seite der Stadt- verordnete Scholz gewählt. Die Angst vor der socialdemokratische» Sturmflut hat in Spandau im bürgerlichen Lager Freunde und Feinde einander in die Arme getrieben. Dreizehn Vereine haben sich zu gemeinsamem Handeln bei den am 12. N o v e m b e r beginnenden Stadtverordneten- Wahlen zusammengethan, um mit vereinten Kräften den bösen Socis an den Kragen zn gehen. In lieblicher Harmonie präsentieren sich neben den„Hirsch-Dunckerschen'. Gcwerkvereinen" die organisierten Hans- und Grundbesitzer, die vom letzten Anziehen der Mictsschraube noch nicht recht verschnauft haben. Vor der„roten Gefahr" hört bei den edlen Brüdern, die einer des andern wert sind, eben alle Feind- chast auf, und da lvird dann auch tüchtig mit dem Säbel ge- raffelt. Ihre Kandidaten haben die Herren auch bereits nominiert, hoffentlich erweisen ihnen die Wähler der dritten Abteilung, die docb wahrhaftig i» den letzten Jahren mit dem Kommunalfreisinn genügend trübe Erfahrungen gemacht haben, nicht den Gefallen, die Kandidaten der„vereinigten Ordmmgsparteien" schmackhaft zu finden. Wer irgei� denken gelernt hat, wählt am 12. November nur die Kandidaten des klassenbewußten Proletariats. Diese sind: Tischler Sllbert Neue, Schuhmachermeister G. Stellen borg, Schneidenneistcr Aug. S t a a r und Restaurateur G. Wehe. DaS Statistische Amt der Stadt Charlottcnburg hatte mit ilfe der Polizeidirektion zu Anfang September die zum Oktober- Termin frei werdenden Wohnungen und Geschäftslokale ermitteln lassen, und zwar sowohl die damals leerstehenden wie die damals noch benutzten und hat dann Mitte Oktober festgestellt, welche Lokalitäten zu diesem Zeitpunkt noch leer standen. Dabei ergab sich folgendes: Zum Oktobcr-Termin waren frei 10 Wohnugen von ze 1 Zimmer ohne Küche, 36 Wohnungen von je 1 Zimmer mit Küche. 76 Wohnungen von je 2 Zimmern mit Küche, 148 Wohnungen von je 3 Zimmern und Zubehör, 149 Wohnungen von je 4 Zimmern und Zubehör, 104 Wohnungen von je 5 Zimmern und Znvehör, 355 Wohnungen von je 6, 7 und 8 Zimmern und ylbeyör, 72 Wohnungen von je 9 und 10 Zimmern und jubehör und 28 Wobnungen von je 11 und mehr Zimmern und Zubehör, insgesamt 978 Wohnungen. Bon diesen waren Mitte Oktober noch unvermietet 1 von 1 Zimmer ohne und 8 von je 1 Zimnier mit Küche, 23 von 2, 70 von 3, 90 von 4, 64 von 5, 285 von 6, 7 und 8, 64 von 9 und 10 und 23 von 11 und mehr Zimmern.— Geschäftslokale mit Wohnungen waren zum Oktober-Termin 170 und ohne Wohnungen 125 frei, insgesamt 295. Hiervon waren Mitte Oktober Vermieter 114 mit und 84 ohne Wohmmgen. Im ganzen entspricht der jetzt vorhandene Vorrat an Wohnungen(626) dem vor etwa zwei Jahren(Anfang November 1399) ermittelten Bestände(636), nur daß damals mehr kleine Wohnungen vorhanden waren(13 mit einem, 30 mit zwei. 119 mit drei Zimmern usw.) jetzt mehr große. Das Charlottenburger Statistische Amt(Rosiuenstraße 12) lägt übrigens Wohnungslichende Einsicht in die Adressen der freien Wohnungen nehmen. Ju Zehlendorf wird bald ein neues OrtSviertel entstehen. ES ist nämlich von der Gemeindevertretung das Projekt der Bau« Gesellschaft Potsdamerstratze, betreffend die Unterführung des neuen Bahnhofes an der Beerenstratze und die Stratzenanlage in dieser Gegend gutgeheitzen worden. Der Bahnhofsbau soll ebenfalls bald in Angriff genommen werden. Zun, Bau eines neuen Armen- Hauses wurden 10 000 M. bewilligt. Die Beiträge zu den Hand- >v e r k s k a m m e r n in Höhe von 163,75 M. sollen von den hiesigen Handwerksmeistern eingezogen werden. Auf den einzelnen Meister entfallen 10 M., auf jeden Gesellen 5 tvi. und auf den Lehrling 2.50 M. Aus NowaweS schreibt man uns: Eine von dem hiesigen Gewerkv erein(Hasch-Dlincker) einberufene Versammlung, zu der auch die Gemeindevertretung und die Arbeitgeber eingeladen waren, beschäftigte sich mit der Frage der Errichtung eines G e w e r b e g e r i ch t s. Nach dem Referat des Dr. M. Hirsch erhielt unser Genosse Gruhl das Wort, der ausführte, datz das Zustande kommen eines Gewerbegerichts bisher an dem Widerstand der Ge- »neinde Neuendorf gescheitert wäre. Bereits vor Jahren ist in der Nowawester Vertretung ein solcher Antrag angenommen, jedoch von der Neuendorfer Vertretung verworfen worden, weil diese auf dem Standpunkt stand, datz Neuendorf ein mehr landwirtschaftlicher Ort sei, trotzdem sieben Fabriken auf deni dortigen Terrain stehen. Die Neuendorfer Vertretung hat auch bei Gelegenheit der Festsetzung des durchschnittlichen Tagclohns ihren reaktionären Charakter gezeigt indem sie einen bedeutend niedrigeren Satz festsetzte, wodurch die Arbeiter in vieler Beziehung Schaden haben. Die Versammlung gab nun durch eine Resolution ihrer Meinung dahingehend Ausdruck, datz die Neuendorfer Vertreter beauftragt werden, ganz energisch für das Zustandekommen eines Gewerbegerichts cinzutreien. Durch eine verirrte Kugel vom Tegeler Schießplatz wurden gestern vormittag die Insassen eines Segelbootes in grotze Gefahr gebracht. Das' Fahrzeug strich an der Liebcsinscl vorüber, als plötzlich eine Kugel über die Köpfe der Bootsinsaffen hinweg durch die Takelage pfiff und das Segel durchschlug. Der Schutz ist zweifellos auf dem etwa tausend Meter von der Liebcsinscl ent- fernten Schietzplatz der Garde im Tegeler Forst, auf welchem Mann- schaften der Spandauer Garnison übten, abgegeben worden. Die Angelegenheit ist auf dem Amtsbureau in Tegel gemeldet und die Untersuchung eingeleitet. Gevichks-Äeikunq. Der östreichische Gras Wilhelm von Wickenberg stand gestern unter der Anklage der Untreue bezw. Unterschlagung, Betrugs und Zechprellerei vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hat in seinem Leben schon recht viel durchgemacht, er gehörte früher als Offizier der östreichischen Armee an, wurde aus derselben wegen eines Fehltritts entlassen, ging nach Amerika und hat sich in letzter Zeit hier in Berlin als Weinreisender und Agent durchs Leben geschlagen. Er ist schon in Wien einmal wegen Zech- Prellerei vorbestraft und hat noch zwei andre Vorstrafen wegen Betrugs erlitten. Er gehörte zu den„Pumpgrafen", die, wenn Not an Mann ist, die Ebbe ihres Portemonnaies durch die Ausbeutung ihres klangvollen Namens zu überwinden verstehen. Einer seiner Bekannten übergab ihm eines Tages zwei Anteilscheine an einer eingetragenen Genossenschaft mit dem Auftrage, ihm darauf Geld zu verschaffen. Nun befand sich der Graf gerade zu jener Zeit selbst in finanziellen Nöten, denn sein Schneider war ihm schon wiederholt ernstlich mit dem Verlangen nahe gerückt, endlich einmal seine Rechnung für den gelieferten Anzug beglichen zu sehen und und seine Zimnier- Vermieterin, bei der er gleichfalls recht tief in der Kreide stand, verlangte ebenfalls sehr kategorisch Bezahlung. Der Angeklagte sah die beiden Anteilscheine als ein Geschenk deS Himmels an und rettete sich damit aus der Verlegenheit, indem er das eine Papier dem ungeduldigen Schneider, das andre seiner Wirtin verpfändete.— Bei den beiden Bctrngsfällen handelte es sich nur um kleine Beträge. Der Angeklagte satz eines Abends in dem bekannten Pilsener Bier-Restaurant„Hütte" in der Taubenstratze und entdeckte„zufällig", datz er kein Geld bei sich habe. Er wandte sich deshalb an den Wirt, Herrn Wendt, über- reichte ihm seine Visitenkarte und bewog ihn, ihm„bis zum nächsten Tage" 20 M. zu leihen. Die Bitte wurde erfüllt, der Herr Graf lietz sich aber dann nicht mehr sehen. Dieselbe Erfahrung machte ein Kellner im Restaurant„Taubenhaus" in der Taubenstratze, wo der Angeklagte ein ständiger Gast war. Er bediente den Grafen eines Abends und gewährte ihm Kredit bis zum nächsten Tage, da der Graf, als er seine Zeche begleichen wollte,„entdeckte", datz er kein Geld bei sich habe. Von diesem Tage an lietz sich der An- geklagte auch im„Tanbenhause" nicht mehr sehen.— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten nur wegen der Unterschlagung der Anteilscheine zu 3 Monaten Gefängnis. Weitere Straflhaten wird der Graf hier nicht verüben können, denn er hat bereits einen Ausweisungsbefehl in der Tasche und mutz nach Verbützung seiner Strafe das Land verlassen. Vom Polizcikampf gegen daS Stveikpostenstchcn. Während des M a u r e r st r e i k s in Halle war der Maurer Braune als vermeintlicher Streikposten durch den Gendarm Stein von der zum Stadtgebiet gehörenden � Telitzscherstratze fortgewiesen worden, nach einiger Zeit aber wieder zurückgekehrt. Braune wurde des- halb der Uebcrtretung der Hallenser Strotzen- Polizciverordnnng angeklagt, wonach den zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung auf öffentlichen Stratzen ergehenden Aufforderungen von Polizcibeamten unbedingt Folge zu leisten ist. Das Landgericht sprach den Angeklagten jedoch mit folgender Begründung frei: Obwohl der Gendarm nicht städtischer Sicherheitsbeamter sei, hätte er an sich doch die Bc- fngnis gehabt, einzuschreiten, denn nach der Instruktion für die Gendarmerie seien die Gendarmen berufen, die Polizeibehörde allgemein bei der Aufrechterhaltimg der Ruhe und Ordnung zu unterstützen. Hier hätten aber die Voraussetzungen eiuxs Einschreitens gefehlt. Der Gen- darin habe nur vermutet, datz B. Streikposten gewesen sei und Arbeitswillige belästigt habe. Festgestellt sei dies nicht. Der An- geklagte habe, ohne datz ihm dies widerlegt werden konnte, behauptet, datz er nur unverfänglich mit Kollegen gc- sprachen, und die Absicht gehabt habe, Arbeitsgelegenheit zu suchen.— Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein nnd machte geltend, datz Braune der Aufforderung des Gendarmen unbedingt hätte folgen müssen, selbst wenn die Meinung, er sei Streikposten, falsch gewesen wäre.— Das Kammergericht ver- warf indessen die Revision der Staatsanwaltschaft und führte aus: Die Stratzen-Polizeiverordmmg sei mit Recht nicht angewendet worden. Die Ueberfiillung der Eisenbahnwagen vor Gericht. Ein Prozeh. der sich freilich nur um ein geringfügiges Wertobjekt drehte, der aber allgemein von groher Bedeutung ist, hat jüngst mit der Verurteilung des Eiscnbahnfiskus geendigt. Es handelt sich hierbei um die oft beklagte, leidige Ueberfüllung der Wagenabteilc. Der Sachverhalt ist folgender: Am Himmelfahrtstage löste auf dem Bahnhof Friedrichstratze der Justizrat Wagner zwei Fahr- karten nach Potsdam und bestieg mit seiner Gattin einen Wagenabtcil zweiter Klaffe in dem Zuge, der morgens 7 Uhr 45 Minuten vom Bahnhof abgeht. In dem Abteil be- fanden sich noch zwei andre Personen. In Charlottenburg kamen zwei Herren dazu, so datz der für sechs Personen bestimmte Abteil vollständig besetzt war. Kurz vor Abgang des Zuges bestiegen noch fünfzehn(!) Personen denselben Abteil, obwohl sie nicht Fahrkarten der zweite» Klasse hatten. In dem Abteil befanden sich nunmehr dicht gedrängt 21 Personen. Justizrat Wagner machte seinen Wider- spruch gegen eine derartige Ueverfüllung sowohl bei dem Bahnhofs- Vorsteher in Charlottenburg, als auch später in Grunewald geltend. Aber ohne Erfolg. Die Bemnten machten nicht den ge- riugstcn Versuch zur Abhilfe, sie schienen vielmehr die Ein- pfcrchung der Reisenden als etwas Selbstverständliches nnzu- sehen.'Erst in Wannsce verlietzcn die meisten Personen den err\... rv.. f i*___ i ota__________ t.—t.«i« S r» v Ottt icqen. 1,1 Ausannice Wagen. Justizrat Wagner erhob in der Meinung, datz ein i Reisender, der den vollen Fahrpreis zahlt, auch eine entsprechende 1 Leistung der Eisenbahn verlangen kann, Klage gegen den Eisenbahn- I fiskus und verlangte Rückzahlung für die Strecke von Char- lottenburg bis Wannsee mit 80 Pf., oder doch, da er ja thatsächlich bis Potsdam gefahren war. den Unterschied des Preises für die Fahr- karten der zweiten Wagenklasse und der billigsten Personentransport- preise, der Militärfahrkarte, mit 60 Pf. Diesem zweiten Antrage hat das kgl. Amtsgericht I hier stattgegeben in seinem Urteil vom 5. Oktober d. I. und den Fiskus zur Zahlung von 60 Pf. verurteilt. Ein abstoßendes Vild aus dem nächtlichen Stratzenleben Berlins entrollte die Verhandlung, die gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I stattfand. Der Kutscher Wilhelm Grajeck und der Arbeiter Robert Tretz waren des gemeinschaftlichen Stratzenraubes beschuldigt. Der Arbeiter Karl Gröger hatte am Abend des 16. April seine Arbeit aufgegeben und 20 Mark rück- ständigen Lohn ausbezahlt erhalten. Er kneipte am Abend und lernte bei dieser Gelegenheit die beiden Angeklagten, welche gleich ihm obdachlos waren, kennen. Gegen Mitternacht befanden sie sich an der Kottbuser Brücke, wo sie von einer Händlerin warme Würste kauften. Schon vor mehreren Stunden hatten die Angeklagten beschlossen, eine Gelegenheit herbeizuführen, bei der sie ihn seiner Barschaft berauben könnten. Als sie nach dem Wnrstgenntz an der Kottbuser Brücke eine Dirne bemerkten. forderten sie Gröger auf, sich derselben zu nähern. Dieser entsprach der Aufforderung, lietz sich mit der Dirne in eine Unterhaltung ein und entfernte sich mit ihr, während die Angeklagten dem Paar in einiger Entfernung folgten. Es währte nicht lange, bis Gröger seine Begleiterin wieder verlieh und zu den Angeklagten zurückkehrte. Diese brachen nun eine Gelegenheit zum Streit vom Zaune. Tretz verfemte ihm mehrere Faustschläge ins Gesicht, während gleichzeitig Grajeck ihm von hinten fortgesetzt Faust- schlüge gegen den Kopf versetzte. Um sich der Schläge zu erwehren, hielt der Mihhandelte beide Hände vors Gesicht. Nun durchsuchte Grajeck dessen Tasche» und entnahm ihnen gegen 18 Mark. Tretz raubte dem Halbbetäubten noch Uhr und Kette und dann liefen beide Räuber davon. Da die Angeklagten geständig waren, erübrigte sich die Beweisaufnahme. Die Geschworenen versagten den Angeklagten. von denen Grajeck bereits wegen Stratzenraubes vorbestraft ist,' die Zubilligung von mildernden Umständen, worauf Grajeck zu sechs, Tretz zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. VevmiMtes. Abermals ist eine Ordnungssäule geborsten. Aus Neu stadt O.-S. wird vom 23. Oktober berichtet: Heute wurde der hiesige Amtsanwalt Wocke wegen Sittlichkeits-Ver« brechen, begangen an zwei Schulkindern im Alter von 8 und 9 Jahren, verhaftet. DerjWiistling war Kirchenrat der evangelischen Kirche. Herr Wocke verübte seine stillen Verbrechen in den hiesigen Parkanlagen. Ueber ein Eiscnbahn-Unglllck wird aus Magdeburg berichtet: Sonnabend früh ist infolge starken Nebels ein von Eislcben kommender Güterzug über Einfahrtsignal in Gr. Wanzleben gefahren und mit einem Rangierzuge zusammengestohen. Ein Lokomotiv- f ü h r e r ist tot, 3 Fahrbeamte leicht verletzt. Moderne Weiber. Aus Stratzburg i. E. schreibt man uns: Wer gern wissen möchte, wie„moderne Weiber" aussehen, der erkundige sich bei unserem katholischen„Jntelligenzblatt", dem guten„Elsässer", der über dieses Thema einen äutzerst belustigend geschriebenen Aufsatz brachte. Derselbe entstammt der Feder eines reichsländischcn Geistlichen, des Herrn Kanonikus G u erb er, der längere Zeit hindurch den Wahlkreis Gebweiler im Reichstage ver- treten hat. Nach der Schilderung des Herrn Pfarrer, der es ja wissen mutz, sehen„moderne Weiber" also aus: „Moderne Weiber!-t Was ist denn das für cine Species? Es ist ein Unkraut, welches an Stelle christlicher Frauen auf dem öden Boden moderner Gottlosigkeit gewachsen ist. Das sind Kreaturen ohne weibliches Gefühl, ohne weibliche Tugend, verbildet in höheren Töchterschulen, verzogen in unchristlichen Familien, mit Romanen gefüttert, klapperdürr, ungenießbar, geifernd wie Nattern, gründlich elend und bedauernswert— moderne Weiber. In der Familie sind sie, was ein Vater ist. der unter die S o c i a l i st e n gegangen ist. Dazu wird man gebildet in der Staatsschnle. Gott bewahre ein Land vor solchen Raupen- nestern!" Der Herr Pfarrer hat recht! Was nutzen uns die Weiber, wenn sie klapperdürr und deshalb nn genießbar sind? Da loben wir uns eine nette, runde Pfarrhossköchin! Die hat wenigstens „weibliches Gefühl" und ist nnt viel nahrhafteren Dingen gefüttert. als mit Romanen, wie jene„Raupeiinestcr", vor denen uns Gott bewahren möge. Nur was das„Geifern" anbelangt, sollen die Tugendhelden der Pfarrhöfe— man sagt es ivenigstenS— mit den verbildeten modernen Kreaturen es in den meisten Fällen aufnehmen können.— I» der Obmündiing wnrde vor einiger Zeit ein fossiles Skelett gefunden, das für das eines Mammuts gehalten wurde. Die Untcrsuchnng hat indes ergeben, datz der Fund ein Walfisch- s k e l e t t und darum besonders wertvoll ist. Einer der stch'S leisten kann. Der bekannte Millionär Morgan in New Jork hat dieser Tage Gemälde bekannter Maler für ca. 1 Million Dollar erworben. Mit den jüngst von ihm erstandenen Gemälden hat Morgan innerhalb der letzten 6 Monate beinahe 2bs Millionen Dollar für Gemälde anSgegebcn. BriesKasten der Redaktion. Die juristisch« Sprechstunde findet am Dienstag. DoimerS- tag und Freitag von 7-9»ihr abendS statt. D. O. Das AiifangSgrhalt eines Schutzmanns betrug vor 6 Jahren 1100 M,, jetzt stellt es sich auf 1200 M. A. L. Die Feuermelbepriimie von Z M. wird auch jetzt noch bezahlt; Personen, die personlich an der Löschung des in einem Hause entstandenen Brandes interessiert sind, wie Hauswirte, Hausbewohner, erhalten die Prämie natürlich nicht. , A. E. Die Frage, wieviel eine Bibel aus dem 16. Jahrhundert wert ist, läßt sich ohne weiteres nicht beantworten. Gehen Sie zu einem größeren Antiauar. F. 38. Von den hiesigen Siechenhäusern nennen wir Ihnen: Für Männer: Johanniter-Siechenhaus, Groß- Lichterselde, Ehausteestraße M, monatlich 27—40 M. Männer-Siechenhaüs, Berlin, Schönhauser Allee SS. täglich IM.— Für Frauen: Frauen-Siechcnhaus„Bethesda", Plötzen- see,.Süd-Ufer, monatlich 27 M. Elisabeth- Siechenhaus, Berlin, Ebers- waldcrstr. 17/18, monatlich 36 M. M. K. n. A. F. Als angemessene Gebühren für Hebammen— ciiie rechtsgültige Taxe giebt es nicht— werden erachtet: für eine einfache Eni- bindung 4—10 M., für eine verzögerte(Tag und Nacht) 6—15, für eine Zwillingscntbindung 6—15, für eine Tngwache 1,50—3, für eine Nachtwache 3—4 M., für eine Tag- und Nachtwache 4—6, für einen Besuch am Tage 0,50 M., für einen solchen in der Nacht 1—2, für Ratserteilung in der Wohnung der Hcbammö 0,50—2 M. — Ein Dummer. 1. Beides sind italienische Flüche. 2. Ja. 3. DaS ist falsch.— H. I. IVO. Nein.— F. K. Falls der Vertrag nicht ent- gegenstehende Vereinbarungen enthält, hat der Wirt den durch gewöhnlichen Mietsgcbrauch oder durch Zufall herbeigeführten Schaden(z. B. zerbrochene Scheiben) zu beseitigen.- M. F. 17. Sie sind im Irrtum. Zahlen Sie zur Vermeidung von Mehrkosten vor dem Termin.- Dzack. Es kann Unterschlagung in dem Vorgehe» gesunden werden: bedroht mit Geld- oder Gefängnisstrafe.— E. M. 32. Es genügt schriftliche Benachrichtigung. — G. N. 38. Ja, aber 6 Wochen lang hat die Herrschaft für die Kur- und Verpflegungskosten aufzuloniincn.- Erfurt A. 1. Ist die Ehe wegen Ehebruchs geschieden, so ist die Heirat zwischen den Personen, deren Ebe> bruch durch das Ehescheidungsurteil als vorhanden erachtet ist, Verbote». Dtspenz von diesem Verbot(zu beantragen bei dem Ehescheidinigsgericht) ist zulässig. 2. Die neunmonatliche Wartestist gilt vom Tage der Rechts- kraft ab, das Amtsgericht dispensiert auf Antrag von der Wartestist, wenn ein Hebeammen-Attest beigebracht wird.— Sstli. 1. vis 3. Wenden Sie sich an den Küster. 4. Auf Anordnung der Schuldcputntion: ja.—@.108. Sie müßten den Erben gegenüber die Forderung Ihrer Tochter geltend machen. — K. D. 100. 1. und 2. Ja.— ip. H. F. 1. Das Gehalt ist abzüglich des Krankengeldes zu zahlen. 2. Falls keine andre Vereinbarung vorliegt, kann unter Einhaltung einer 14tägigen Kündigungsfrist nach der Wieder- gencsung gekündigt werden.— O. N. 14. Leider wäre eine Klage aus- sichtslos. Ihre Frau hätte für die Zeit vom 2. Mai ab als Selbst- verstcherin das volle Beitragsgcld zahlen sollen.— R. B. 74. 1. Die Gemeinde hätte nur dann keinen Anspruch, wenn allein die Kinder als Erben eingesetzt würden. 2. Ein Testament braucht nicht beglaubigt, muß aber eigenhändig und formgcrccht geschrieben und uliterschrieben sein Weizen, „ miltel gering Roggen, gut „ miltel „ gering �Gerste, gut „»Uttel gering «Haser, gm miltel gering Nlchistroh Hen Erbsen Speisebohne» Linien Marktpreise von Berlin nach Ermiltilnigeu des gut D.-Ctr 14,40 13,60 12, W 16,20 15,30 14,50 7,50 8,50 40- 60,- 60- 13,70 13,00 12,30 15,40 14,60 13,80 7,16 6,20 25,— 25,— 30,— ai» 25. Oktober 1001 kgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, ncil«, D-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 do. Bauch« Schiveineflelsch„ Kalbfleisch„ Hammelfleisch. Butter Eier Kavpseu Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 EHM 1kg per Scholl 8- 1,76 1,40 1,60 1,80 1,60 2,80 5.00 2,20 2,50 2,60 2,00 1,80 2,80 1,40 16- 5- 1 20 1- 1,30 ),- ],- 2,- 2,40 1,20 1,20 1,20 1,00 0,80 1,20 0,80 3- • frei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 26. Oktober. Getreide. Heute nahm die Tendenz im Frühverkehr und die Preisgestaltung am heutigen Früh- markte, inöbeioudere sür Weizen, einen energischen Anlaus zur Festigkeit nnd zwar im Anschiufle an höheres Oestreich- Ungam und Amerika, sowie schlechtere Saatenstands-Nachrichten aus Argentinien. Das Effektivgeschäft wurde leicht durch einige Fragen für Sachsen gehoben, die Lieferuiigsprcisc stellten sich anfangs sür Weizen 1 M., sür Roggen Vj M. höher als gestern.— Der Mittagsmarlr zeigte jedoch ei» ganz eittgegeugesetzles Bild.'Man kam wieder auf die inländische Kartosfelemte zu sprechen, die nach vorliegenden Privatmeldungcn qnailtitatw und qualitativ alle Erwartungen übertreffen lind den Mehlabzug wesentlich erschweren soll. Da überdies die vorher vor- handene Konsumsrage ailchörte, so wurde daS Geschäft sehr still und die Preise gingen ungefähr auf gestriges Niveau zurück. Aiigebotcii war tiabcn Donauware auch südrussischer Roggen zu betnahe rentablen Preisen. Der Mehlmarkt lag vollkommen lustlos bei nominell unveränderten Preisen. Hafer war still. Mais auf Amerika reichlich 1 M. gebessert. Rüdöl etwsts schwächer. Spiritus. Am Spirttusmarlte wurde 70er loco mit 33,20 M.(unverändert), 50« mit 62,60 M. gehandelt. Schluß! Weizen weiter nachgebend, Roggen gegen gestern gut be- hauptct. Städtischer Schlachtviehuiarkt. Berlin, 26. Ottover 1901. Ami- sicher Bericht der Direktion. Zum Verkälts standen: 3865 Rilider, 1047 Kälber, 11182 Schafe, 7504 Schweine. Bezahlt lomden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlnchtgctvicht in Mark(bezichinigsweise sür 1 Pfund in Pfennigen): Ochsen:») vollfleischigc, ausgemästete, höchstcu Schlacht- wertes, höchstens 7 Jahre alt 63—68, b) junge fleischige, nicht aus- gemästete und altere ausgemästete 56— 61; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 53—55; ck) geriiig genährte jeden Alters 50— 52.— Bulle»: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertö 60- 63; Ii) mäßig genährte jüngeic und gut genährte ältere 54— 58; o) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe: a) vvllfleischige, ausgemästete Färsen höchste» Schlachlwerts 00—00; K) vollfieischiae, ansgemästcie Kühe höchsten Schiachtwcrts bis zu 7 Jahrcu 53— 54; v) allere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe nnd Färsen 51-52; ä) mäßig genährte Kühe und Färse» 45-50; e) gering genährt« Kühe und Färsen 40—43.— Kälber: a) feinste Mast- lälber(Pollmilchmast) und beste Saugkälber 75—77, 6) mittlere Mast- und gute Saugkälber 70— 74, e) geringe Saugkälber 53— 60, d) ältere, gering genährte(Frcfler) 40-45.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast bamuicl 65— 68, b) ältere Maslyammet 56—63, c) mäßig genährte Hammel und Schaft(Mcrzschase) 38— 46, d) Holsteiner Äiederuuge schasc(Lebeudgeividit) 24-32.— Schweine: a) vollfleischtge, der ftinercu Rassen nnd deren Kreiizunge» im Alter bis zu ls/« Jahren 220— 280 Pfund schwer, 63; b) schwere, 280 Pfund und darüber(Käser) 60— 62; o) Neilchige 57-59; d) gering entwickelte 58—59; e) Sauen 56—57. Für 100 Pfund mit 20 Proz. Tara. Ständiges Repertoire: Neues Königl. Opctu-Theater(Kroll). Diesen Sonntag: Faust. Nächsten Sonntag: Othello, der Mohr von Venedig.— Nefidenz-Theater. Montag: Skandtnavisches Gastspiel Nora. Dienstag bis Sonntag täglich: Sein Doppelgänger. Vorher: Im Coups. — Neues Theater. Alle Abende: Das ewig Weibliche.— Eeutral-Theater. Montag bis Freitag: Die Geisha. Sonnabend und folgende Tage: Der Seekadett.- ThaUa-Theatrr. Alle Abende: Ei» tolles Geschäft.— Friedrich-Wilhelinstädtischcs Theater. Alle Abende: Die Landstreicher. — Schall und Rauch. Alle Abende: Künstlervorträge.- Secesfious- Theater. Alle Abends: Detlev v. Lilieilcrous Bllntes Brettl.- Belle- Alliance- Theater. Sonntag bis Donnerstag: Talolo.- Carl Weiß-Theater. Alle Abende: Der Märchenbrunuen.- Urania. Tauben- straße 48/49. Alle Abende: Ueber den Wolken.- Apollo-Theater. Specialitäteu. Frau Lima. Von Mittwoch ab: König Aqua.— Casino- Theater. Specialitäten. Berlin N. Berlin W, Jahne 2 M. 10 Jayre Garantie. Dollkommen schmerzlos. Zahn- ziehen 1 M. Plomben 1.S0 M. Tcilzahl. wSchentl. 1 M. üabnarrt Volt, Leipzigcrsir. 130. Spr. 9—7. Das haste Ganussmittal für den Klagen und unentbahrliGh für jede Haushaltung ist Nur echt mit vollem Namcnszug vr.meli.VVoerleins, pratt. Arzt. I�med.Woer Magen tr a Mk. 1,- 1,50, — per Flasche.— Fentet nach dessen Vorschrift: Diätische Thees. Fabrikant: Jean Becker, Ludwigshafen a. Rh. Erhältlich in Berlin: C. Cr. Albert Bernards Einhorn-Apotheke, Kurstr. 34/35. Max Sohwarziose, Künigl. Hoflieferant, Königflr. 59. W. Max Schwarzlose, Königl. Hoflieferant, Potsdamcrstr. 7a. C. A. winkler Nachf., Droguerie, Kur- fursienstr. 139. Max llekert, Adlcr-Drognerie, Knlm- slrasse I, Ecke Alvenslcbeiistrabe. Bruno Stllrkow, Nollcndorfplatz 8. W. Koppen, Alvcnslcbenstr. 26a. Dr. H. Rosemann& Co. Nachf., Pallasstrahe 24. H. 0. Korth, Liitzotv- und Gcnthincr- strasten-Ecke. «ans Schoene, Magdeburgerstr. 25. Eugen Cowln, Linkstr. 15. Paul Oelgart, Dcnnewitzstr. 14. M. F. Berger, Neue Stcinmetzstr. 3. SW. Franz Schwarzlose, Leipzigerstr. 56. Slpoth. E. R. Heiniger, Drog., Kochstr. 3. Gustav Rettig, Bellealliancestr. 91. Ernst Wllh. Welrich, Blücherftr. 1. C. F. Ancker, Friedrichstr. 249, Johannes Scopa, Friedrichstr. 240/241. Kurt Bahr, Blücherftr. 15. KW. C. A. Hesterberg, Droguerie u. Par- fümerie, Luiscnstr. 39. Herrn. Bardorff, GotzkowSkystr. 30. H. Bischoff, Bensselstr. 31. Herrlich Mehlltz, Bredowstr. 42. F. u. R Rades, Wilhelmshavencrstr. 52. Felix Gunther, Stromstr. 40. Hans Nossack, Stephanstr. 56. C. A. Hesterberg, Droguerie u. Par- fünierie, Elsasserstr. 97. Hugo Barth, Brunnenstr. 18. Franz Bernecker, Brunnenstr. 102. K«. Rieh. Loose, Nachf. C. Ulrich, Neue Künigftr. 19. Kränz Buhl, Neue Königflr. 85. k. Max Lichterfeld, Löwen-Drvguerie, Prinzenstr. 66. Apotheker H. Chronlcks Droguerie, Gneisenaustr. 54, Paul Oelgart, Hasenheide 61. Ernst Schröter, Blücherftr. 27. Hugo Wolter, Kotibuser Damm 42, am Hermannplav. SO. Otto Reichel, Eisenbahnstr. 4. Eugen Kreich, Käpnickerstr. 134/135. O. Julius Beetz, Petersburgerstr. 72. Jos. GUIpen, Petersburgerstr. 37. Gustav Rehm, Franlfurler Allee 120. Max Angermann, Königsbergerstr. 13. Gustav Bersug, Weidenweg 75. Franz Zimmer, Thaerstr. 02a. Albert Bürde, Koppenstr. 9. E. Tschaler, Klrstruierplalz 1. Hermann Müller, Langestr. 16. F. Jacob, Andreas-Droguerie, Kleine Andreaöstr. 11(Audreasplatz). SeliSnvIrorx. Borussia- Apotheke und Droguerie H. Doehl, Haupistr. 141. Fi'iedeuaii. Georg Oelgart, Rhein- u. Hedwigst.-Ecke. Sto-rlitzi. Heinrich Hasselmann, Droguerie zur Post, Albrechtstr. 16. 205 339 576 130 OOOI 610 36 39 742 98 894 987 10016 243 462 965 11020 207 09[50001 72 87 ■1503 605 745 75 888 917 1 2225 431 59 78 512 31 <61[10001 668 762 804 78 88 1 3021 102 245 94[500 316 446 712 920 1 4040 47 236 329 402 8 747 830 CWQOl 79 915 15028 215[500 1 389 469 739 851 16140 83 226 313 78 91 588 866 909 1 7115 213 305 514 676 926 115001 1S105 99 250 73 357 63 465 544[10001 793 99 S44( 30001 949 79 1 9020 41 70 77 415 609 18 815 20029 103 68 552 72 601 16 53 713 30 883 2 1032 335 41« 45 549 77 690 751 79 899• 22273 97 315 454 632 92 907 21 38 87 98 2 3007 346 682 702 55 841 57 34537 673 708 28 78 885 2 5031 49 68 154 210 41 (500) 303 34 511 42 83 677 900 47 97 2 8030 181 48.3 86 585 765 811 87 952 56 2 706o 67 90 344 468 557 69 974 13000] 28164 265 98 348[5001 85 424 77 S64 7!» 932 55 66[500] 29128 53 56 93 290 448 el1 30046" 113�97 388 410 69 616 861 67 915 3 1 019 (50001 47 101[5001 322 494 593 626 831 32114 57 87 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Ziehuil, 4. Klasse 205. Kgl- Prenß. Lotterie. Ziehung vom 20. ONober isui nnchmiltagö. Rur die S/wliuie Uder 232 ML find de» detrcijeildei Nummer»!» lilnmuier» beigefügt. (Ohne(dewähr.) 150 221[500] 75 544 633 52 892 984[1000] 1092 -37 697 713 74 83 863 993 2373 415 99 521 662 1500] 89 837 907 3136 219 86 96 450 92 531 52 716 960 4110 19 250 479 508 724 82 840 41 5030 15001 216 54 62 84 475 585 130001 977 6009 73 175 94 270 84 473 543 608 753 fW 948 91 7020 499 597 712(1000) 8168 92 249 56 307 ■90 506 637 726 9125 71 84 637 860 911 10015 20 22 78 170 242 332 573 655 75 11130 233 624 758 832 1 2007(5001 90 112 339 77 78 622 890 90- 43 1 3010 142 340 409 92 551 1410- 36-18 89 610 723 35 862 1 5055 175 266 504 648 711 43 88 110001 895 957 16173 427 150 001 81 500 80 739 77 87 98 843 1 7148 359 593 706 835[5001 18302 537 633 67 887 956 19001 1 162 95 274 508 687 94 738 817[10001 35 904 41 30002 77 98[10001 100 227 519 678 708 59 902 91 92 2 1 012 36 80 91 293 370 451 61 96 756 868 2 2172 230 377 83 444 82 94(500) 502 86 751 819 954(10001 23043 ;188 301 99 433 93 738 896 906 2 4002 9 124 35 305 91 469 <(5001 503 634 96 729 83 869 83 25196 290 305 12 25 jtsooi 40 51 78 481 558 612 14 847 945 2 6036 66 107 1(500] 56 80 214 544 727 35 975 27183 386 419 517 53 »41 28070 200 18 25[5001 46 79 383 422 828 953 2 9008 1171 262 353 457 571 662 87 I 30078 126 257{30001 602 68 906 3 1016 29 55 6t BO 138 40 92-43(10001 63 80 307 31 619 833 32160 269 B23[5001 425 38 82 87 617 730 849 60 87 3 3024 121 1294 338 45 447 508 787 911 46 34419 645 869 90 939 65 135116 15001 327 485 833 951 73 36110(30001 91 311 -405 47 691 768 953(500) 37095 96 231 369 93 869 947 «3 3 8098 280 310 22 63 692 915 49[5001 39228 345 413 624(10001 33 652 58 811 51 86 902 1500] 63 40030 98 173 77 342 54 78 405 601 846 4 1 224 45 «2 332 655 844 42087 108 286 475 696 7-9 81 43008 1229 426 32 584 612 65 754 56 1500] 85 816 38 79 90[10001 »4 44160 304 53 69 427 588 656 741 907 53 130001 76 -45098-49 377 451 526 67 815 991[3000] 46011 490 505 «31 45 59 84 4 7052 313 608 765 802 25 45 94 919 4 8050 137 65 258 547 963 4 9025 75 UOOOJ 99 131 68 589 90 850 68 919 50062 76 137 283 86 428 38 520 37 57 98 762 922 £>1534 818[30001 51 92 96 918 5 2039 130 211 20 406 19 125 72[500] 77 585 800 5 3060 92 97 19- 250 69 433 33 ISO 555 727 828 38 7- 922 30 94 5 4306 477 640 47 790 «78(30001 972 5 5028 136 286 372 99 15001 502 52 844 «2 56534 36 914 57100[500] 3 10 415 37 572 674 95 752 955 5 8024 232 361 476 79 81 587 666 72 755 5 9069 ■140 707-9 831 1500) 39 85 916 60081 120 72 209 709 34 49 86 61130[10001 292 408 578 674 702 70 828 917" 53 6 2451 78 641 49 841 97 938 82 6 3034 209 63 74 417 504 81 657 704 21 945 73 64-00 44 317 540 788 879 999 6 5051 29- 322 475 764 «93 6 6060 84 214 61 329 54 452 571 79 630 742 96 828 73 67131 64 205 350 493 570 628 97 762 820 47 919 «58008 28 31 76 91 109 253 96 361 475 76 532 86 699 «35 6 9043 72 98(3000) 181-13 615 958 66 70145 51 232 74[1000] 87 711 59 852 7 1016 80 430001 152 234 390(5001 662 850 72103 22 318 461 522 744 839 912 7 3006 25 108 45 71 240 364 504 67 606 17 709 812 58 77 74142 215 84 397 717 6- 64 7 5303 730 W 76296 361 85 89 432 74 643 7 7247 92 513 38 614 718 869 92 78198-93[10001 367 569 616 712 954 57 79153 363 414 513 45[10001 650 89 799 847 80151 202 16 75 331 533 636 715 33 817 5« 58 966 81192 246 399 419 554 669 870 74 8 2009 66 108 49 82 231 347 510 Ol 814 910 83026 180 207 35 629.55(3000) 809 95 935 53 8 4044 67 111 59-44 96 390 476 644 726 «5137 294 396 641 94 789[5001 892 996 98 86130 «90 87239 312 39 492 553 626 945 88246 47[5001 ■375 483 87 88 516 606 23 42 714 877 UOOOJ 89144 (30001 298 305 423 99 684 722 910 89 90307 427 576 831 56 901 10 99 9 1286 338 552 718 7- 96 836 58 938 92196 223 33 42 300 933 93107 307 462 543 94 694 922 94U3 25 258 473[5001 644 804 87 «9 993 9 5380 514 715 821 33 68 9 6048 331 478 584 92 739 97150 432 52[500] 572 6-2 39(5001 736[500] 957 9 8007 39 391 99 651 92 713 79 929 9 9025 34 54 216 69 367 450 609 73 741 854 75 958 89[5001 100087 264 87 428 75 76 764 898 906 78 1 01148 286 351 957 69(5001 102018 35 301 93 565 87 006 39 |S03 23 34 103026 27 205 823 99 104009 81 106 20 (292[30001 803 946 68 105154 225[10001 470 514 40 -71«55 898 922 46 106005 15001 123 54 98 233 (50601 321 36[3000] 419 624 856 80 107120 270 H37 545 607 73 713[5001 843 66 1 08391 491 792 843 «4[5001 938 77 109032 80[5001 204 69 310 49 453 583 «12 78 927 .,110101 49 316 97 478 569 660 80 755 810 13 75 961 111210 12 27 342 456 110001 62 539 661 112044 99(500J 218 78 97 505 66 83 654 963 113079 162 % 367 7« SO 60ä(10001 10 64 725 05 860 97 924 85 114053 118(10001 207 115005 36 134 219 384 405 UOOO] 700 UOOO) 35 116087 102 374 567 607 710 66 U0001 117145 266 336 501 33 621 54 891 976 118450 82 515 19 675 811 964 74 119008 170 645 75 80 927 90 120346 86 463 590[500] 708 88 121182 513 682, 768 880 933 56 122104 258 374 753 86 89 123117/ 745 49 1 24324 4-4 599 613 804 74[5001 85 908 79 12 5359 75 590 725 1 26002 401 580[5001 645 49(500» 714 822 84 127100 373 89 425 710 52 91 979 128259f 318 46 653 814 1 29086 91 147 729 30 807 933! 130104 6 38 44 209 91[500) 302 30 72 455 517 879 1 31125 314 630 95 777 832 U0001 132037[II 362 440 61(30001 612 1 33050 132 302 508 9 602 34 901 134000 96 108 216 330 423 607 786 87 910(3000 135144 238 745 90 91 136120 36 394 480 509 24 8: 665[5001 704 5 6 847 1 37013 128 82 310 41 406 46 799 838 937 1 38045 84 257 330 543 673 U0001 706 (500) 852 1 39296 309 583 615 752 85 810 58 963 140156 210 408 30, 34 85 522(5001 636 60 90« 14 1027 15001 130 592 843 56 77 1 42173[3000] 425 32 596 621 95 762 983 143042 510 68 638 769 957 144265 [10001 623 77 92 755 809 55 U!>oC5 145074 360 S10 61 62 663 82 87 731 876 1 46031 201 1500] 64 389 428 547 53 61 766 807 969 1 47095[5001 201 43 63 376 462 532 83 642 996 1 48187 329 509 881 916 140398 419 546 [5001 55 62 679(5001 952 150134 47 65 246 409 88 202 8 66 512 796 849 1 52017--------- [5001 153013 42 65 173 580 652 847 71 919 22 154 III 231 363 600 810 155080 118 42[5001 347 622 40 /OHf 44 985 156218 22 306 11[10001 468 635 61 708 95» 89(5001 157214 59 61 308 412 744 886 98 158203 ö 430 539[30001 831[5001 70 939 1 59032 63 69 28» 346 76 445 548 681 98 768 814 23 160210 302 583 916 87 161109 283 349 51 5� [10001 91[30001 407[5001 782 934 73 162031 71 M 195 317 18 429[5001 65 633 773 852[10001 953 163188 248 71 359 595[10001 603 8 928 164039 199 296 328 59[10001 89 538 664 74 78 744 805 24 1 65037 144 80 233[5001 77 92 308 13 78 614[500] 29 787 850 63 913 29[5001 68 1 66031 138 77 246 51 337 431 65® 701 801 26 15001 94 905 167003 28[30001 108 246 [1000] 538 697 11611» 7 159 85 541 674 833«B 94 73» 77 539 713 1 68077 205 391 473[1000] SC.... 800 40 76 928 57 1 69144 620 765 70 855 89 940„ 170022 309 47 689 715 56 171164[10001 213 59 76 87 397 412 55 58 512 634 63 71 828 907 1 7200» 16 100 7 283 476 737 944 96 1 73146 328[1000 1 554 [10001 56 662 767 859 904 174143 305 28 71 82 90 [30001 440 775 91 87- 91 977 175132[5001 326 73 544 60 639 772[5001 95 835 52 933 75 91 176087 95 103 83 389 95 422 41 42 696 734 820 1 77248 69 306 90 602 824 72 1500] 178294 358 635 883 955 179239 383 577 679 88 743 91 878 910 180153 85 462 619 181065 87 592 730 809 182109 27 74 279(5001 397 46» 94 95 607 717 1 83073 338 618 781 96[5001 184174 225 568 632 35 52 91 700 813 21 69 917 77 1 8 5003 86 95 165 266 416 95 565 860 186022 229 316 590 706 47 802 187054 321 5» 403 4 45 57 637 51 962 1 88067 92 123 372 427 42 6-6 83[5001"30 871 72 911 57 1 89148 290 489 603 33 99 804 35 190103 367 482 642 743 806 937 85 1 9 1051 59 70 384 464 540 44 737 908 9 94 1 9 2062 63 91[500» 128 201 379 546 618 751 920 85 1 93016 117 64 213 4« 303 63 779 85 837[10001 931 52 81 194033 269 91 389 96 720 863 1 9 5041 231 599 663 89 853 971 196008 40 249 391 400[5001 31 536 68 619 43 719 831 42 197067 102 580 681 752 1 9 8009[1000] 11 89 96 137 332 857 1 99033 71 15001 78(500) 154 275 86 410 78 [5001 590 608 831 33 34 926 85 200197[5001 654 945 20 1061 92 429 626 712 912 81 202037 303 400 12 574 611 794 897 920 2 0 3025 58 132 225 43 346 64 445 753 95 831 45 988 2 0 424» 406 542 632 48 737 827[10001 205062 76 464 78 733, 2063S1 411 770 813 56 955 207090 118 19 275[100016 363| 30001 432 698 777 807 22 37 904 73 2 0 8092 971 229 465[5001 525 650 938 77 209075 131 223 358' 403 508 95 210000 21 222 320 73 538 708[5001(837 211018 449 648 88o 918[30001 40(3COOOI 212051 401 4" 524 75 629 64 780 2 1 3015 238 386 407 53 73 81[500 518 646 55 741 2 1 4122 221 29 96 301 416 28 571, 621 777 955 75 2 1 5117[5001 98 265 463 701 41 877 1 84 92 9/4 216046 83 15001 107 15 40 362 86 422 38 4o 89[30001 91 681 987 2 1 7030 260 392 579 84 600 731 8/8 962 2 1 8033 176 368[500] 520 53 638 41 728 800 2 1 9085 132 95 261 86 327 408 855 94[500] 947 68 __ 22 0031 201 35 458 64 96 595 649 65 704 859 68 22 1091 155 354 558 609 22 44 78 727 874 901 90' 222088 156 237 76 304 flOOOl 99 438 zgg gyz gg 70» 896 223002 14 133 216 2o 72 81 328 759 908 224235' 407 26 55 652 924 Im Geiuinnrade verblieten: l«'wlnn zu M0 000 Mach S zu 200 000 ML. 2 ,u 150000 ML, 1 z» ,00 0 0Sa»lagc»:c. haben, aber ei» Eigentum ohne Ausschließungsrecht, ein Eigentum, das etwa genau so viel praktischen Wert repräsentiert, Wie das berühmte Messer' ohue Klinge, dem das Heft fehlt. Die Absicht dabei ist leicht verständlich. Würden nämlich jene Associationen wirklich Eigentümer ihrer Produktionsmittel sein, so müßte sich— die Utopie einmal als Wirklichkeit angenommen ein analoges Schauspiel wie in der kapitalistischen Welt wiederholen. Einige dieser Gesellschaften würden glänzend florieren, viele sich ge- rade noch durchschlagen, andre Bankrott macheu. Die Angehörigen der gut florierenden Kommunen würden daher ohne besondere Arbcitsmehrlcistung, einfach als Grund dieser ihrer Zugehörigkeit und ihres genoffenschaftlichen Eigentumsrechts ein Extra- E i n k o m m e n beziehen, daS eine recht fatale Aehnlichkcit mit der früheren privatkapitalistischen B e s i tz r e n t e aufwiese. Noch mehr, diese bevorzugten Geschäfte wären, wenn sie ihren Betrieb ausdehnen! Wollten, in der Lage, fremde Arbeitskräfte, die durch den Bankrott andrer Unternehmungen arbeitslos geworden, gegen geringe Lohnzahlung eiiiznstellen und sie— ganz nach den alten Methoden der Privatkapitalistcn— auszubeuten, ein Modus, der aus der Praxis der bisherigen Prodnltivassociationen ja genngsam bekannt ist. Man stößt mit diesen Erwägungen eben auf jenen inneren Widerspruch, der allen Versuchen, socialistische Glcichheitspostu- late mit den Voraussetzungen einer bloßen Konkurrenzwirtschaft auch nur theoretisch zn vereinigen, anhaftet. Aber Eugen Diihriiig, der Erfinder der„geistreichsten Utopie" wird auch mit diesem Problem kühn entschlossen und im Handumdrehen fertig. Nicht etwa dadurch, daß er in seinem Zukunftsschema über die dürftige Konzeption einer bloßen Konkurrenzwirtschaft hinausgeht und eine von oben her ein- greifende„gesellschaftliche Kontrolle der Produktion mld Verteilung" postuliert— damit hätte er ja vor dem so herzhaft verlästerten „Staatsknechtstum" des Marxismus abgedankt— sondern, indem er, ein echter Doktor ein Eisenbart der Oekouomic, die schon bestehende Planlosigkeit der Konkurrenz i n S unbegrenzte steigert. Wie gesagt, die mit einander konkurrierenden Produktivassociationen sollen nur mit dem famosen Eigentum ohne Ausschließungsrecht ausgestattet werden; d. h. jede Wirtschaftslammer soll„ j e d e s i ch z n r A u f- nähme meldende Arbeitskraft als gleichberech» t i g t e n Genossen annehme n". Eine Beschränkung er- leidet diese Pflicht nur, wen» die sich Meldenden— Juden oder nicht genügend vorbereitete Arbeitskräfte sind. Hu der That, die Gefahr, daß' neue Arten von Besitzreute die Schönheiten des socialitären Systems verunzieren könnten, wäre so beseitigt. Demi sobald nun einige der miteinander konkurrierenden associativen Unternehmnngen gute Geschäfte machen und ihren Mitgliedern ein überdurchschnittliches Einkommen abwerfen, werden sofort neue Arbeitskräfte herbeiströmen und Aufnahme in die gut gehenden Bc- triebe verlangen. Es wäre vergebens, wenn die alten Mitglieder in solchen Betrieben sich darauf berufen, daß das Geschäft auf einen bestimmten Umfang zugeschnitten ist, daß ArbcitLräume und Werkzeuge nur für eine bestimmte Menschcnzahl ausreichen, daß der Absatz der zu produzierenden Waren über ein bestimmtes Maß hinaus sich nicht von heut auf morgen würde erhöhen lassen I Alles umsonst l Sie müssen jedem, der sich meldet, um als neuer Arbeiter an den höheren Einkommen dieser Korporationen teilzuuehinen, sperrangelweit die Thore öffnen. Also in allein Ernst, die Ausdehnung der einzelnen Betriebe ist in dem socialitären System nicht mehr von der die geschäftlichen Chancen zweckmäßig abwägenden Vermmft der Bctriebsinhaber, sondern einfach von dem automatisch wirkenden, blinden Zudrang fremder Arbeitskräfte abhängig, die jene Chancen der AnSdehnungs- Möglichkeit weder kennen noch direkt persönlich daran interessiert sind. Wirklich, ein ausgezeichnetes Mittel zur Beseitigung der„Besitz- reute"! Nur schade, daß dieses Mittel, durch welches jede stälige und planmäßige Anpaffnng des BctriebsnmfangeS an den wechselnden Umfang des Kimdcnbedarfs unmöglich gemacht wird, das eventuelle Extra-Einlomineii oder die Vesitzrente in der Weise beseitigt, daß es alle anfstrebeiiden Associationen unfehlbar dem Bankrott überliefert. Der Bankrott ist in dem Diihringschen System der große Gleichmachcr. Auf eine solche kindliche Gedankenlosigkeit läuft das von Friedländer mit vollen Backen als„geistreichste aller Utopien" ausgepriesene socialiläre System hinaus. Wer glaubt, ich hätte in der Darstellung der Diihringschen Eigentumsreform übertrieben, der wird gebeten, das dritte Kapitel im zweiten Band des Friedländerschen Buches selbst nachzulesen. Besonders ergötzlich wirkt es, daß Herr Friedländer diese Art genojfcnschaftUcher Utopie, in welcher einer Anpassung der Produktion au die Nachfrage noch unendlich mehr als in dem heutige» Kapita- liSmnS erschwert, ja direkt immöglich gemacht wäre, ganz naiv als diejenige Wirtschaftsform feiert, bei der Uebcrprvduktion und Krisen von vornherein ausgeschlossen seien l Wenn also Kautskh in seiner Erläuteninasschrist zum Erfurter Programm darauf hinweist, daß die bloße Einführung des Gcnosscnschaftscigcutums Ucbcr« Produktion und Krisen noch keineswegs ans der Welt schaffe, so dokumentiert sich darin, nach Herrn Friedläuder, wieder die alte socialistische Erbsünde, die boshafte Absicht, Dührings grandiose Problemlösungen totziffchweige». Denn:„Voll der Möglichkeit des Bestehens von Genossenschaften, nach Art der Dühringschen W i r t s ch a f t s i o m m u ii e n, bei denen alle diese Einwände(nämlich der Hinweis ans Ueberproduktion und Krisen) hinfällig sind(!I>, giebt er(Kautsky) sich den Anschein, nichts zu wissen.— Das nur zur Charak- teristik der Marx-Epigonen."(S. 63.) Spottet seiner selbst, und weiß nicht wie! Zweifelhaft bleibt übrigens, ob Friedländer, der von der Diihringschen Originalität nicht Rühmens genug machen kann und überall geheime. Dühring entiiommene Plagiate herauswittert, eS nicht weiß, oder sich nur„den Anschein giebt, nicht zu wisse»", daß die Idee der Errichtung von„Prodnlriu-Affocialivncn, in denen Gruppen von Arbeitern ihre eignen Anwender werden sollen"— also die allgemeine auch de» Dühringschen Wirtschafts» Kommunen zu Grunde liegende Idee— längst vor Dühriug in dem englischen Socialismus der dreißiger und vierziger Jahre begeisterte Vertreter gefunden hat. Dnhring ist nur der Wieder- aiisivärmcr dieser Idee, der sie zudem durch die Konstruktion seines Eigciiinms ohne Ausschließungsrecht ins ganz Absurde nmgehogcn hat. Unter andern! findet sich hierüber auch in der„Geschichte des britischen Tradcs-lliiioiiismnS" der beiden WebbS, die einen etwas begründeteren Anspruch als Dühring ans den Titel deS„Koalitious- Theoretikers par siccollsiics" besitzen dürften, mancherlei Jnter» essantes. Es ist eine merkwürdige Ucbcrraschnng, wenn man bei Diihriiig in seiner„Kritischen Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus" die höhnische Abkanzelung Owens gelesen hat, in dein Webbschen Buche(S. 126) den Nachweis zn finden, daß eben dieser Owen ein gut Teil, ja das beste Teil von DühringS socialitären Ideen einfach vorweggenommen hat. So steht eZ um das„socialitäre System". Herr Friedländer bleibt uns den versprochenen„geistreichsten Utopisten" genau so schuldig, wie er uns den„Äoalitionstheoretikcr par sxcsllsircs" schuldig blieb. Aber was bleibt dann als große, wegweisende positive Leistung Dührings ans dem socialen Gebiete noch übrig? Etwa sein Antisemitismus?— «* * WaS Fncdlnnder an seinem Heros Tütjnng, bor allem mich an bcm großartigen socialitären System desselben, auszusetzen hat, ist, daß er keinen principiellcn Unterschied zwischen Kapital— damit meint der Verfasser: durch Arbeit erzengte Produktmittel— und Grund und Boden mache. Eine solche Nichtunterscheidung verstößt nämlich gegen das—„Naturrecht" der Herren Henry George und Friedländer. Danach hat nämlich der P r o d u c e n t ein unbeschränktes Eigentum über sein Produkt, und darf dasselbe auch vermieten, woraus mit einigen anmutigen Sprüngen dann weiterhin das Recht des industrieljen Kapitalisten auf Zins und Profit gefolgert wird. Hingegen ist der Boden kein— Produkt; also, da es keinen Prodncenteu des Bodens giebt, giebt es von Rechts- Iv e g e n auch keinen Eigentümer desselben, und daher keinen an Private zu zahlenden Vodenprcis und Bodenpachtzins. Alles Elend kommt daher, daß man diesen inneren Unter- schied nicht hat beachten wollen. Stünde, wie es sein sollte, die Natur allen g I e i ch in ä ß i g offen, so könnten— immer nach Herrn Friedländer— die Arbeiter das Kapital, dessen sie bedürfen, selbst erzeugen(I), und mit der Aufhebung des Bodenmonopols würden dann auch die Grundlagen einer auf Kapitalbesitz gestützten Aus- bentung mit innerer Notwendigkeit zusammenbrechen. Die Henry-Georgesche Utopie, auf welche diese Ausführungen lossteuern, wird in dem letzten Teil des Buches mit ermüdender Breite und Ruhmredigkeit auseinandergesetzt. George, dieser in einen unglaublichen Dogmatismus verrannte Amerikaner, steht auf der Friedländerschen Rangliste socialer Berühmtheiten noch über Dühring, er ist geradezu der„Oekonom der Zukunft", ein neuer „Adam Snnth" und häuserhoch über die„Marxschc Scholastik" erhaben. Dieser grandiose Denker kuriert nun alle Schäden der Gesellschaft thatsächlich nach einem noch einfacheren Recept als Eugen Dühring: Man beherzige das oben skizzierte„Natnrrecht" und be seitige das private Eigentum an Grund und Boden; wird das System der kapitalistischen Konkurrenz sich selbst mit eitel Harmonie und Gerechtigkeit erfüllen, der Emancipation der Arbeiterklasse steht dann nichts Wege. Wie soll man aber nun das private Grundeigentum specicll das Grundrenten-Einkommen aus der Welt schaffen? Der Staat, wird man sagen, soll den Boden den Grundbesitzern abkaufen, und dann ihn au kapitalkräftige Bewerber verpachten. Die Pachtsnmme, die der Staat so Jabr für Jahr erhielte, käme aber dann nicht ihm und den arbeitenden Klassen zu Gute, sondern würde völlig oder zum Iveitans größten Teile dazu verwandt Iverden müssen, um die Zinsforderungen ans der zum Zweck der Bodcnexpropriation kontra- hielten Staatsschuld zu decken. Und die Schranken, durch welche die Arbeiter vom der Aus- Nutzung der Bodenschätze früher getrennt waren, bleiben— das ist alsdann ganz von ja auch mehr im klar— dann gleichfalls unverändert bestehen. Der Staat verlangt genau so Zahlung, n?ie der frühere Privatgrundeigentümer. Der Boden bliebe daher ebenso wie die übrigen Produktionsmittel ein Monopol der Zahlungskräftigen. Das ist schließlich auch Henry George klar. Darum verlangt er— das„Naturrecht" muß wieder einmal zur Begründung herhalten— die unentgeltliche Konfiskation des Bodens oder, was auf einen ähnlichen Effekt hinausläuft, wenigstens eine Gnindsteuer. durch welche alles aus dem Bodencigentum gezogeue(oder ziehbare) Grundrenten-Einkommen der Eigentümer an die Staatskasse ab- geführt wird. Es ist das seine bekannte Forderung der siNAlo tax.-- Alle andren Steuern sollen in Fortfall kommen. Eine wahrhaft glänzende„Naturrechts"-Leistung! Die Steuern sollen sich nicht mehr nach der Größe der Einkommen, direkt oder progressiv, richten, sondern ganz unabhängig von der pekuniären Leistungsfähigkeit der Bürger, nur einen bestiminten Teil derselben und auch den nicht nach Maßgabe seines Einkommens, sondern seines Grundrenten- Einkommens treffen! Und das im Namen der Gc- rechtigkcit! Aber welch ein Unterschied besteht denn zwischen den heutigen Besitzern der Produktionsmittel und den heutigen Besitzern von Grund und Boden? Haben diese nicht ihre Grundstücke durch ebenso legitime» Kauf, wie die Industriellen ihre Produktions- mittel erworben? Oder war der Kauf jener etwa darum nicht legitim, und muß darum gercchierweisc durch Wcgsteuerung des Ertrages bestraft werden, weil vor hundert oder tausend Jahren der betreffende Boden aller Georgcschen Naturrechts- Philosophie ent- gegen in Privateigentum übergegangen und bis auf den heutigen Tag mit dieser Erbsünde belastet ist?— Darum soll heute der Kaufmann und Bankier frei ausgehen, während alles, was irgend- wie Grund und Boden in Besitz hat, also auch die Unzahl kleiner Landwirte für den F'skus bluten muß?— Die Un- gercchtigkcit der Maßregel wird durch die Sinnlosigkeit derselben noch übertroffen. Denn all' die Phantasien, daß so dem Arbeiter das Land erschlossen werde, daß sich die Löhne heben müßten, lösen sich, sobald man nur ein wenig näher hinsieht, in eitel Dunst und Nebel auf. Wird etiva das Land dadurch, daß sein Grundrenten- ertrag»un nicht mehr im Kaufpreis kapitalisiert an den früheren Bodeneigentümer, sondern als jährliche Steuer an den Staat zu entrichten ist, billiger oder sonstwie den Arbeiter leichter zugänglich?! Der einzige Vorteil, der bei einer solchen Besteuerung für die Arbeiter etwa herausschaut, iväre, daß der Staat ohne indirekte Be- steuerung des Proletariats enorme Geldsummen einfach in Steuer- form annektieren würde, Geldsummen, die vielleicht in de» Dienst einer lveitausschaucnden Socialreform gestellt werden könnten. Aber würde dieser sehr wünschenswerte Zweck— soiveit er überhaupt realisierbar— sich nicht auf eine ungleich einfachere und gerechtere Weise, ganz obne Henry Georges System erreiche» lassen? Nämlich durch eine gleichmäßige, energisch progressive Be- steuerung aller Kapitaleinkommen, gleichgültig welcher Herkunft, wie unsre socialistischen Programme es verlangen?— Und unter diesem Gesichtspunkt der Erschließung neuer Revenuequellen für ein denio- kralisches Gemeinwesen werden doch auf absehbare Zeit hin auch alle möglichen Verstaatlichungspläne in erster Reihe zu beurteilen sein. Annektieren kann der Staat nur in Steuerform; was er von Produktionsmitteln sich zueignet, wird er nicht einfach wegnehmen können, sondern wohl ordnungsgemäß bezahlen müssen. Wo diese entgeltlichen Expropriationen aber zu beginnen haben, ob bei dein Grund und Boden, beim städtischen oder ländlichen, ob bei Bergwerken und Fabriken, bei welcher Art derselben usw., das wird doch einzig und allein von Umständen und allerhand Zweckmäßigkeits-Erwägungcn abhängen. Nichts lächerlicher, als in solchen Dingen etwa mit naturrcchts- philosophischen Erwägungen a la Henry George vor- zunicken.— Mit welcher Blindheit übrigens Herr Friedländer, in Haß und Liebe gleich kritiklos, sich auch m die absurdesten Ausläufer des Gcorge'schen Systems«ingesponnen hat, dafür hier am Scblusse nur noch ein Beispiel. Mit George behauptet er, daß die Grund- ll rsa ch e der immer lvicderkehrenden Kris e n ganz allgemein in der Spekulation in Land werten zu suchen sei I Wenn die Geschäfte gut gehen, steige nämlich infolge solcher Spekulationen alsbald der Preis des städtischen Landes, also auch der der Fabrik- grundstücke. Die industriellen Unternehmer müssen nunmehr also höhere Bodenpreise oder höhere Bodenmieten bezahlen, also ihre Produktionskosten erhöhen sich entsprechend, was eine Senkung der Profite herbeiführt. Infolgedessen wird die Produktion ein- geschränkt, was sich nach außen hin als Krise und Arbeitslosigkeit darstellt. Ein Stillstand, der erst wenn die bösen Wirkungen dieser BougeoiZregierung überwunden ist, aufhören kann!— Aber wie kommt es, um nur daS Nächstliegende zu erwähnen, daß nicht etwa nur die neuen Unternehmer, die zu den gestiegenen Preisen Boden gekauft haben, oder die, deren Bodenmieten in dieser Zeit erhöht sind, sondern ganz ebenso auch die alten Fabrikanten, die zugleich Besitzer ihrer Fabrikgrundstücke sind, durch die Krise getroffen werden?! Friedländer,' der die Georgesche Krisentheörie als eine der „erheblichsten Entdeckungen auf dem Gebiete der(neueren) Oekonomie" proklamiert, hat.sich offenbar nicht einmal diese ebenso simple wie für Georges Entdeckerruhm fatale Frage vorgelegt; geschweige, daß er die abenteuerliche Hypothese irgendwie statistisch nachgeprüft hätte. Er dekretiert eben. Das sind die großen gewaltigen Geister, zu denen Herrr Fried- länder die deutsche Socieldemokratie in die Schule schicken ivill. Und da er den Zeiger der Zeiten doch nicht zurückdrehen kann, fällt ihm nichts andres ein, als als über die Verruchtheit der Partei ein zankendes Lamento anzustimmen. lü. S. Bettstellen, Matratzen u.Betten Special-Gcschäift für Kicder und Erwacfczene. _ Fertigre Betten; No. 1. Oberbett, Unterbett, 2 Kissen, 100/200, roth-rosa gestreift, J 2,00 M. No. 2. 100 200,„..„ 18,00„ h No. 3. 100/200, gran-roth„ 82,00„ No. 4 100/200, glatt roth 43,50„ 9.00, 14,-60,00. No. 5. 100/200, roth-rosa„ 66,00„ N®" Schütten der Betten im Beisein der Käufer. Schla/möbel-ljazar„Baby". 6,60, 9,00 bis 21,00 Invalittenstr. 160, an der Brunnenstr. Filialen Tauenzlenstr. 7a, Ecke Nörnbergerstr Bellf-Alliancestr. 107, am Blücherplat/. Gr. Fraukfurterstr. 116, Ecke Andreasstr. Oranieostrasse 31, au der Adalbertstr. 30,00— 50,00. Beusselstrasse 18, an der Thurm Strasse. Keiiiickendorferstr. 2 c.- am Wedding« Brunnenstnisse 92, Ecke KUgenerstr. Spandau, Navelstrasse 20. 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Sie führte etwa folgendes aus: Das Wort„Bürgerliche Frauenbewegung", wie wir eS für die Gesamtheit der öffentlich thätigen Frauen anzuwenden Pflegen, bezeichne heute durchaus nicht mehr eine durch eine gleichartige Anschauungswelt verbundene Gruppe von Frauen oder gär eine be- stimmte Partei mit festen politischen und wirtschaftlichen Zielen. Im Gegenteil finde man unter den Bertreterinnen der bürgerlichen Frauen- bewegung eine wahre Musterkarte der verschiedensten Ueberzeugungen und Persönlichleiten. In politischer und Ivirlschaftlichcr Hinsicht kennzeichne die bürgerlichen Frauen völlige Zerfahrenheit und Ziel- losigleit. Wir müssen uns fragen: Ist dies stets so gewesen oder liegt etwa eine besondere, innere Ursache vor, die dieses Verhalten der Frauenrechtlerinnen im heutigen öffentlichen Leben ans der ge- schichtlichen Entwicklung der Frauenbewegung heraus erklärt und dcs� halb notwendig erscheinen läßt? Im Beginn der EmancipationSbewegung hatte diese allerdings eine gewisse historische Aufgabe zu erfüllen/ Diese lag darin, daß die Frauen sich gerade in bürgerlichen Kreisen, wo der Mann im Gegensatz zum Proletariat seit dem vorigen Jahrhundert vollste sociale und geistige Freiheit genoß, am klarsten der tiefen Abhängig- keit und Unfreiheit bewußt werden konnten, die das Weib in gcschlccht licher wie in wirtschaftlicher Beziehung niederhielt. Die Reaktion gegen diese Abhängigkeit äußerte sich deshalb in der Bourgeoisie zuerst und zwar naturgemäß in der Form der Auflehnung gegen die geschlechtliche Sklaverei, in der Form des Kampfes der Frau gegen den Mann. Diese Anffaflung beherrschte damals die Emaueipations� bewegung und war die Grundlage der geistigen Verbindung unter den kämpfenden Frauen. Aber durch die socialistische Gesellschaftskritik, die anfing die Welt zu bewegen, trat die Betrachtung der Frauenfrage bald in ein andres Stadium. Durch diese Kritik wurde das wert tiefere Elend der Poletarierinnen der Welt enthüllt, die Not der weiblichen Arbeiterschaft, der Heimarbeiterin, die tiefe Erniedrigimg des Weibes in der Prostituierten usw. Man mußte erkennen, daß die geistige und wirtschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Manne, von der die bürgerliche Frauenbewegung alles Heil erhoffte, die sociale Knecht- schaft des Weibes durchaus noch nicht aufheben könne, daß viel- mehr die Wurzel des Uebels weit tiefer zu suchen sei Der Glaube an die Notwendigkeit des Kampfes der Frau gegen die Vorrechte des Mannes begann damit auch unter den Bürgerlich«, langsam zu wanken, um so mehr, als inzwischen die dringendsttn Forderungen der Frauenrcchtlerci, Er- ösfnung aller Bildungsanstalten und manches andre, bereits erobert worden war. Damit war aber zugleich das verbindende Grund princip unter den Frauenrechtlerinnen, die Grundlage ihrer ganzen socialen Anschauungen gefallen. Für die Iveitere Er oberung wirtschaftlicher Gleichberechtigung für das weibliche Geschlecht trat nun die Socialdemokratie mit ihrer starken socialen Macht ein; dagegen begannen in den Reihen der bürgerlichen Frauen viele sich von ihrem früheren Arbeilsfclde ab zuwenden und sich in mehr oder weniger modernem Sinuc mit weiteren socialen Problemen der Arbeiterinnen— der Prostilutious- frage usw. zu beschäftigen. Diese Frauen bilden den radikaleren Flügel der Frauenbewegung, der im Verband fortschrittlicher Frauen vcrcnie organisiert ist, zum Teil auf einem wirtschaftlich modernere» Standpunkte steht, aber dafür ivie die ganze heutige Frauenbewegung irgend einer einheitlichen, politischen oder geistigen Anschauungswelt völlig erniangelt. Diese geistige Berbindungslosigkeit unter den einzelnen Führerinnen trat auf dem letzten Verbandstag deS Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine schroff zu Tage, wie die Referentin nun an der Hand einiger der dort gehaltenen Vorträge nachzuweisen suchte. Fräulein Lüders behandelte dort die Arbeiterinncnfrage und zivar in durchaus umfassender und vorurteilsfreier Weise. Mit diesem Vortrag ständesFräulein Lüders ganz auf dem Boden der modernsten Gewerkschaftsbcivegung; der Zusammenhang ihrer Anschauungen mit rein frauenrechtlerischcn Bestrebungen sei ein ganz äußerlicher, ivie denn ihr Thätigkcitsfeld ja eben auf einem ganz andren Gebiete liege. In starkem Gegensatz z» der Anschauungsweise dieser Vortragenden und dem socialen Geist, der aus ihren Worten sprach, habe ein Referat von Frl. Dr. Stöcker über„die gemeinsame Er- ziehung der Geschlechter" gestanden, daS zwar seinem positiven In- halt nach nicht iveiter anfechtbar war, aber die erste und für jedeit social Denkenden notwendigste Forderung auf dem Gebiete des modernen Schulwesens, die EinheitS- schule, die auch den Kindern der Besitzlosen eine unentgeltliche und gründliche Borbildung sichere, ganz unerwähnt ge- lassen habe. Endlich geißelte Frau Zepler jioch in scharfer Weise die politische Unreife und den Mangel an klarer Auffassung, der in dem Vortrag des Frl. Dr. Angspurg über„Die politische Erziehung der Frau" zum Ausdruck gekommen sei. Fräulein Aiigspnrg wie in der Diskussion auch Fräulein Pappritz habe zwar von den Frauen gefordert, daß sie sich in den Fragen des politischen und öffentlichen Lebens eigne Ueberzeugungen bilden und daß sie bald in einen energischen Kampf um die Eroberung des politischen Wahlrechts für das iveibliche Geschlecht eintreten sollten,— aber beide Damen verwarfen für die Frauen ausdrücklich den Inte r- e s s e n st a n d p u n k t der Parteien im politischen Leben. Die Referentin wies dagegen in eingehender Weise nach, daß eine Stellungnahme oder ein Urteil in politischen oder wirtschaftliche» Fragen ohne Parteibildung, und— so lange es überhaupt Klassen in der Gesellschaft gäbe— auch ohne einen Klassen- und Interessen- standpunkt völlig unmöglich wäre. Die bürgerliche Frauenbewegung erweise sich also in jeder Hin- sicht in ihren Ziele» und Anschauungen als unklar und zerfahren. Eine stärkere und einheitlichere Entwicklung derselben sei auckt that- sachlich heute schon deshalb ausgeschlossen,' weil aus der Bourgeoisie heraus gar keine nennenswerte Gefolgschaft mehr hinter de» Führe- rinnen stehen könne. Die ivohl versorgtcnFrauenhätlen in ihrer Gesamt- heit nicht das mindeste Interesse an der Eroberung weiterer wirtschaftlicher Freiheiten für das weibliche Geschlecht; die ziemlich zahlreichen Schichten der um ihre Existenz kämpfenden bürgerlichen Mädchen dagegen— die HandlungSgehilfinnen, Lehrerinnen, kleinen Beamtinnen usw.— seien ihrer ganzen Klasscnlage und social ab- hangigen Stellung nach nichts weiter als P r o l e t a r i e r i n n e n. die'allerdings heule noch ein gewisses bürgerliches Standesbewußt- sein an der Erkenntnis ihrer Lage hindere, in deren Reihen aber diese Erkenntnis schließlich immer mehr eindringen und sie damit endlich als eine Untergruppe in die großen wirtschaftlichen Klassen« kämpfe unsrer Zeit einreihen müsse. Dem Vortrag folgte eine äußerst lebhafte und angeregte DiS- kussion. Frl. Luders erwidert: Sie habe von der Zerfahrenheit und Ziellosigkeit der bürgerlichen Frauenbewegung, von der die Referentin sprach, nie etwas bemerkt; der„Verband fortschrittlicher Frauen- vereine" wäre sich in seinen Anschaumigen völlig einig; doch erklärte Frl. Lüderß im einzelnen durchaus nicht, worin diese Einigkeit nun eigentlich bestände. Sic erläuterte nur in Bezug auf Fräulein Dr. Stöckers Vortrag, daß die Forderung der Einheitsschule, wenn sie auch nickt im Vortrag selbst zun, Ausdruck kam, doch in das Pro- gramm des Verbandes mit aufgenommen sei. Frl. Dr. Aiigspurgs Auffassung verteidigte sie ebenfalls. Sie erkärte, daß sie selbst so- wohl wie die ihr nahestehenden Frauen sich heute schon deshalb noch für keine der bestehenden Parteien erklären könnten, weil sie an allen sehr viel auszusetzen hätten. Vorläufig habe der Anschluß an eine bestimmte Partei für die Frauen ja auch noch gar keine praktische Bedeutung. In Bezug auf ihren eignen Vortrag, an dem za die Referentin nichts auszusetzen gehabt habe, betonte Fräulein Lüders: sie verdanke die Möglichkeit ihrer Mitarbeit im socialen Leben gerade der Erziehung ans den Reihen der bürgerlichen Frauen. Frau Lilh Braun trat der Referentin insofern entgegen, als sie im Gegensatz zu ihr die Ansicht aussprach, es sei durchaus nicht zu vermuten, daß die bürgerliche Frauenbewegung sobald völlig ihren Einfluß in der Oeffentlichkeit verliere. Man unterschätze unter den Socialistinnen überhaupt sehr stark die Gefahr,, die darin liegen könne, daß die Bürgerlichen Einfluß sowohl auf bisher noch neutrale Kreise, wie die Handlungsgehilfinnen, als auch möglicherweise auf die weibliche Arbeiterschaft selbst gewinnen könnten, sobald sie sich an der gewerkschaftlichen Organisationsarbeit beteiligten. Wir sehen am Beispiele Englands, zu welcher Stärke sich der Einfluß der bürger- lichen Frauen selbst auf die politischen Wahlen entwickeln könne. Frau Ihrer meinte im Gegensatz zu Frau Braun ebenfalls,! cS sei bei uns in Deutschland kein Boden für eine weitere starke Entwicklung der bürgerlichen Frauenbewegung vorhanden. Auch die Mitwirkung einzelner bürgerlicher Frauen in rein ge- werkschaftlicher Thätigkeit halte sie so lange für durchaus unschädlich, ja sogar ftir erzieherisch für' die betreffenden Persönlichkeiten, so lange dieselben voll und ganz auf dem Boden der neutralen Gewerkschaftsbewegung stehen bleiben. Die Handlungs gchilfinncn würden im Laufe der Zeit durch die Zuspitzung der wirt schaftlichen Verhältnisse schon von selbst mehr und mehr dazu ge- drängt werden, reine Kampforganisationen gegen das Unternehmer- tum zu bilden und sich damit von dem Einfluß der Bürgerlichen los zulösen, die in dem„Hilfsvcrein für weibliche Handelsangestellte" heute allerdings unter diesen nur ein falsches Standesbewuhtsein pflegen. Darauf erwiderte ein Mitglied dieses Vereins, Frau Cauer pflege dort das Standesbewußtsein nur, insofern sie die Mädchen zur Forderung ausreichender Löhne erziehe. Frau Wehl, die de» Hilfsverein und seine Thätigkeit persönlich sehr genau kennt. charakterisierte dagegen in sehr scharfen Worten die'Leitung des Vereins, die viel mehr die Interessen der Unternehmer, als die der Angestellten zu wahren wisse. Im Schlußwort wandte sich Frau Zepler hauptsächlich gegen die Entgegnung von Frl. Lüdcrs. Es sei allerdings bisher stets Gebrauch gewesen, wichtige Forderungen, die im Programm eines Vereins vertreten werden, bei einem an so öffentlicher Stelle gehaltenen Vortrag über das betreffende Thema auch deutlich zum Ausdruck zu bringen. Es sei überhaupt sehr zu bedauern, daß uns Fräulein Lüders von der Einigkeit und dem Zielbcwnßtsein, das ihrer An- schaumig nach im Verband fortschrittlicher Frauenvereine herrsche. nicht dadurch überzeugt habe, daß sie uns diese Ziele und Anschauungen ii, klaren Worten darlegte. Auch die durch Fräulein Augspurg vertretene Stellung der bürger lichen Frauen im politischen Leben habe Fräulein Lüders durchaus nicht verständlicher erscheinen lassen. Wenn die Damen, wie sie sagte, an sämtlichen bestehenden Parteien sehr viel auszusetzen hätten, dann müßten sie eben ihre politischen Anschauungen, die nach Fräulein Lüders ja vorhanden wären, in dem Programm einer eigenen Partei zum Ausdruck bringen; sonst bleibe es nach wie vor ganz unklar, auf welche Art sie sich denn politisch bethäiigen wollten. Der Kongreß der Hebammen Dänemarks hat den Hebammen- verein von Kopenhagen beauftragt, im nächsten Jahr einen Kongreß einzuberufen, der sich mit der Gründung eines Ccntralverbandes befassen soll. Gegenwärtig sind die dänischen Hebammen in vielen Städten und Aemtern lokalorganisiert. Für Organisationszwccke sollen die lokalen Organisationen vorläufig Lö Oere pro Mitglied zur Gründung eines gemeinsamen Fonds zahlen. Vovsmnmlungen. Die selbständige» Barbiere und Friseure der Schönhauser Vorstadc hielten am Mittlvoch eine öffentliche Versammlung ab, in der Herr Klarbaum über„Die allgemeine wirtschaftliche Lage und unsre Preiserhöhung" sprach. A» der Hand einer von der„Freien Bercinigimg" im Jahre 1897 aufgenommenen Statistik zeigte er, daß 80 Proz. der Selbständigen nur durch sehr lhatkräftiges Mitverdienen ihrer Frauen ihre Existenz aufrecht er- halten louneii. Schon aus diesem Grunde tvar eine Preiserhöhung nötig, zumal seit dem Jahre 1873 keine Aufbesserung der Preise stättfau'd während die Mieten, die Lebensmittel und alle für den Geschäfts- betrieb nötigen Artikel erheblich teurer bezahlt werden müssen. Nun kam der Streik der Gehilfen, ivclche ihre gerechtfertigten Löhne mit Hilfe der Arbeiterschaft durchsetzten. Alles dieses, so schivertviegend es auch ist, ist im Verhältnis zu den sanitären Vorschriften, welche wir sicher bekommen, ganz minimal. Wie tief einschneidend diese Bestimmungen sein werden, das mag der eine Umstand zeigen, daß die vier Vorsitzenden der Berliner Korporationen des öfteren zu dem Herrn Sanitätsrat Dr. Gramer entboten wurden. In einer dieser Konferenzen sagte der Herr Sanitätsrat: Die Wäsche, nieine Herren, die räumen wir gründlich, aber sehr gründlich aus. Erfordert werden für jedesmal Rasieren eine ungebrauchte Serviette und Handtuch. Ans die Vorstellungen der Vorsitzenden, wie viel denn nun eigentlich für die Arbeitsleistungen der Barbiere genommen werden soll, meinte Herr Dr. Grnnier: Ja, dasistderBehördegleich. wir verlangen von Ihnen, verlangen Sie doch vom Publikum.— Wenn man nun sicht, mit welchen erbärmlich»» Mitteln die Schinntzkonkurrenz arbeitet, und das mit allen möglichen Vorspiegelungen, wie„Lohn bewilligt", obgleich gar kein Gehilfe beschäftigt wird, da möchte man schier verzweifeln, wenn man nicht wüßte, daß der größte Teil der Bevölkerung auf der Seite der anständige» Geschäftsinhaber steht. Nach einer regen Diskussion wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt:' Die selbständigen Barbiere und Friseure der Schönhauser Vor- stadt erkläre», dax sie dauernd nicht mehr im stände sind, die durch die Lohnbewegung der Gehilfen mit Hilfe der Arb� iterschaft erreichten Löhne zu zahlen, wenn ein erheblicher Teil dieser gerade zn denen sich wendet, die von Anfang an die ganze Lohnerhöhung durch Preisnnterbietnng zn verhindern suchen.— Die Versammelten erklären, daß Sie ohne allgemeine Durchführung der Preiserhöhung nicht mehr existenzfähig sind. Ein Zurückgehen zn den alten Preisen würde ein Herabdrücken der Löhne noch unter die vor dem Streik gezahlten Löhne un- zweifelhaft zur Folge haben. Die Versammelien erwarten deshalb von de» Einwohnern Berlins, daß sie kein Geschäft aufsuchen, welches die erhöhten Preise: Rasieren IS Pf., Haarschneidcn 35 Pf., nicht aufrecht erhält. Eine Protestresolution gegen den Zolltarif nahm die hiesige Ortsverwalniiig deS Portefeuiller- Verbands am 22. d. M. nach einem beifällig aufgenonmieiieii Vortrage des Reichstags- Abgeord- neten R o s e ii o w an. Die Resolution lautet:„Die Portefeuiller und Ledcrgalanterie-Arbciter Berlins erheben energisch Protest gegen die geplanten Zölle, namentlich die auf Leder, Seide und insbesondere gegen die Lebxnsmittelzölle." Die Freie Vereinigung der CidilbernfSmnsiker Berlins nahm in gut besuchter Versammlung am 22. d. M. Siellung zum Kongreß der Freien Musikervereinig wn gen Deutschlands, der am 12. und 13. n. M. im Berliner Gewerk- schaftshans stattfindet. Einstimmig einverstanden war die Versamm- lung mit der Gründung des Centralverbands. Als Delegierte wurden die Kollegen G. Schon ert, Tietz, kKnmmer und Jrrgang gewählt mW den Kollegen Alan ch e fs ky, Mehl- Hase und Bräutigam die Funktionen eincS Empfangskomitees übertragen. Die Wahl Schonerts zum 1. Vorsitzenden wurde gültig erklärt und Kollege Jrrgang als Delegierter zur Gewerkschafts- kommission gewählt. Der Kassenbericht für das 3. Quartal ergab: Einnahme 308,20 M., Ausgabe 295,92 M., bleibt Bestand inkl. Rest 482,53 M, Der Geschäftsbericht des Arbcitsvermittlcrs pro Halb- jähr April— September ergab, daß 80 Musikaufträge mit 349 Kollegen bei einem Gesamtlohn von 2718,50 M. erledigt' worden sind. Der bisherige Arbeitsvermittler Kollege P a cch o l l wurde für das laufende Halbjahr wiedergewählt. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Der Schriftführer der Zahlstelle Ripdorf erwidert auf das Eingesandt des Genossen Kurkowsky, daß in der Versammlung der strittige Beschluß mit 50 gegen 10 Stimmen bei einigen Stimmenthaltnngen gefaßt ist Mithin war der Schriftführer berechtigt, von einer großen Majorität zu sprechen, die den Antrag auf Ausschluß des Mitgliedes Kur- kowsky stellte. Friedrichsfelde. In der Generalversammlung de«„Social- demokratischen Wahlverein für Friedrichsfelde und Umgegend" wurde der Geschäfts- und Kassenbericht erstattet. Daraus ist'zu entnehmen. daß im letzten Halbjahr vier Versammlungen und sechs Vorstands- fitzungen stattfanden. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 89,71 M. und eine Ausgabe von 25,15 M., sodaß ein Bestand von 64,58 M. verbleibt. Dem Vorstande wurde einstimmig Decharge erteilt. Gewählt wurden die Genossen Gronwald zum 1..' Kacza zu'm 2. Vorsitzenden; Riebe zum 1., Schubert zum 2. Schriftführer- Dänicke zum Kassierer; als Beisitzer die Genossen Pinseler und Tdrakovsn. In die Lokalkommission wurden die Genossen Riebe, Brunk und Wenzel, in die Zeitungskommission Brunk delegiert. Zu Revisoren wurden die Genossen Tyrakovski und Belitz bestinimt, als Delegierte zur Kreiskonferenz wurden Riebe und Wenzel gewählt. Der Bericht des Vertrauensmannes ergab eine Einnahme von 127,22 M. und eine Ausgabe von 105 60 M bleibt ein Bestand von 21,60 M. ES fanden sechs öffentliche Ver- sammlungen statt, fünf in Friedrichsfelde und eine in Karlshorst Genosse Pinseler wurde einstimmig zum Vertrauensmann wieder- gewählt. Zum letzten Punkt der Tagesordnung:„Wie stelle» wir uns zur nächsten Gemeindevertreter-Wahl?" wurde nach kurzem Bericht des Vorsitzenden Genossen Pinseler und Diskussion eine Kommission von drei Mitgliedern mit den Vorarbeiten betraut. Slllgemeine Familien-Sterbe-Kasse. Heute Zahltag: Ackerstr. 12S bel Dicke und Mariannenstr. 43 bei Liebehenschel von 3—6 Uhr. (rentral-Kranken- und Begräbniskasse für Frauen und Mädchen Teutschlands(E. H. SS), Vcrwalwngsstelle Berlin I. Montag, den 28. Oktober, abends 8V- Uhr, Hauptversammlung im Gewerkschaftohaus« Engelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: I. Kassenbericht pro IH. Quartal' 2. Bericht über die Angelegenheit A. Keck. 3. Wahl eines Kassierers' 4. Verschiedene Kastenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Die Orrsverwalwng. Für die in Alt-Plättereien und Waschanstalten beschäftigten Personen von großer Wichtigkeit ist etne Versammlung, die am Dienstag- abend in der Brauerei Friedrichshain am Kiintgsthor stattfindet. Es soll daselbst Stellung genommen werden zu den bevorstehenden Delegierten- wählen für dle OrtS-Krankenkaffe der Wafchefabrtkatton, insbesondere auch gegen den Beschluß des Borstandes, nach welchem vom Sonnabend, den 26. Oktober er., alle in Alt-Plättereien und Wäschereien beschäftigten Kassen- Mitglieder von der Kasse ausgeschlossen und trotz langjähriger Beitrags- znlilung im Falle eintretender Krankheit htlfs- und mittellos gemacht sind. Deshalb niiissen auch diese Kolleginnen alle erscheinen und werden die Herren Plättereibesitzer die bei ihnen beschäftigten Plättertmie» auf die Bedeutung dieser Versammlung ganz besonders aufmerksam machen. Schriften-Eingang. Der Kampf um Arbeit! von Dr. Klaus Buschmann-Heidel- berg. Stuttgart 1901. Verlag Heimdall(Rudolf Blaedel).(Preis 1 M) Kritische Urteile über Chnmberlains Griindlagei, des IS. Jahr- hmidertS. München 1901.(F. Bruckmann.) Preis 0,50 M. Die Mecklciibnrgische Verfassung. Ein Beitrag zur Geschichte de» Junkertums. Von Joseph Herzfcld. L Teil. Bis zum laudesgmnd- gesetzlichen Erbvergleich. Preis 20 Pf. Rostock. Buchhandlung der„Mecklcn- burgischen Bolkszeitung"._ WitteriiiiaSübcrstcht bau, 26. Oktober 1901, morgens 8 Uhr. Stationen S3 2 5 äs Swinembc Hamburg Berlin grnukf.M. Müll che» Wien 7K8S 764! Ztill 764 SSO 763 ONO 763 O 766, Still Wetter Icheiter — Ziegen 1 wolkig 2 bedeckt 3, Nebel — ihciter öS ck"» dll Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeeu Paris Wetter. Prognose für Tonntag, den Z7. Oktober 1U01, Mild, jedoch vorherrschend wolkig bei schwachen südwestlichen Wtnden, keine erheblichen Nlederschläge.' %3!S Berliner Wetterbureau. Roit-Tabak 2441S*] Max Jacoby, Strelitzerstr. 52. MoMabak. Größte Auswahl.— Billigste Preise Guter Brand! 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