Nr. 270. Avmmtmtia«-Kedwgnngen: vbonnemenl«-Preis pränumerando: vl-rlellährl. SL0 Mr., monail. l.loMt.. wüchenllich W P,g. frei in» Haus. etmirnt Nummer 8 Pfg. Sonntag«- Nummer Mi» iNuNriirier«annlag«- Beilag-„Die Neu« Welt" lv Pfg. Post- ilboniiimini: l.lv Marl pro Mona». «ingelragen in der Post> Zeilun,»- Preisliste für istlU unter»r. 7071. Unter»reujband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, fstr da» Udrig««utland S Mark pr« Monat. Srschrlnl täglich«ist»»onkilg». Nevlinev VolKsblskk. t8. Jahrg. Ate Instrtloirs-OZtbllyr »«trägt für die fechsgespallene«oloner- zeile oder deren Liauiii 40 Pfg., für politische und gewerrschaftliche Vereins- und Persammlung«-Anzeigen A Psg. „Kleine Anleigei»" jede» Wort 8 Psg. (nur da» erst« Wort fett). Inserate für die nächst» Nummer muffen bi» 1 Uhr nachmit tag» in derSrpedilion abgegeben werden. Die Erpeditlon ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und SesttaAen biSSUhr vormluag» geöffnet. Dslegramm-Adreffer „«»rlaideinokrat Berlin» C�ntralorgan der socialdemokrattschen Partei Deutschlands. Rrdalttivu: LW. 19, Ventll-Skrahe 2, Fernsprecher» Amt I Ar. Ii»0«. Sonntag, den 17, November 1901« Gxpedttion: sw. 19, Vcuch-SlrMe 3. sterusprech«»: Amt I. Nr. SlZI. Die ArbeUsloNstteik in Verlin. Schon vor Jahr und Tag konnten aufmerksame und unbefaugene Beobachter des wirtschaftlichen Getriebes au« gewisse» Anzeichen schliehen, daß die Periode de» wirtschaftliche» Aufschwunges zu Ende fei und daß ihr nunmehr»ut unzweifelhafter Geiuißheit der Nieder- gang, die Krise folge» werde. Die Jnteresscnte» nnd Agitatoren des kapitalistischen Systems aber sträubte» sich, die Richtigkeit dieser An- »ahme anzuerkennen. Geblendet von dem Glanz des Goldes, das ihnen in der Zeit des Aufschwunges gewaltig, schier unerschöpflich zugeflossen war, sahen sie nicht, oder wollten nicht sehen, daß es mit den„fetten Jahren' vorbei war und der Beginn der verheerenden Krise sich bereits bemerkbar machte. Inzwischen ist es im Wirtschaftsleben weiter bergab gegangen. Bankkrachs, Gcschäftsstockungen, Lohn- herabsehungen, Arbeitseinschränkungen und Arbcitercntlassnngen in den verschiedensten Ziveigen der Industrie nnd dcS GciverbeS folgten einander. Was einsichtige Leute längst vorausgesehen hatten ist ein- getroffen: Wir befinde» uns jetzt mitten in schwerer wirtschaftlicher Krise, in der Zeit eines unaufhaltbaren Niederganges. Daß In- dustrie, Handel und Gewerbe gegenwärtig daniederliege», das vcr- mag niemand mehr zu leugnen, wenn auch die Klopffechter des kapitalistischen Systems sich bemühen, die Welt glauben zu machen, «S handle sich nicht uin eine schwere, im Wesen dcS Kapitalismus begründete Krankheit dcS GesellschaftSkorperS, sondern nur um eine leichte, bald vorübergehende Stockung im Geschäftsgänge. Begreiflicherweise scheut man sich deshalb im Lager der Unter- nehmer vor einer Bekanntgabe solchen Materials, das den Umfang der gegenwärtigen Krise in voller Deutlichkeit zeigen würde. Schon ans naheliegendem Geschäftsinteresse hüte» sich die Unternehmer, die Wahrheit über den Rückgang ihrer Betriebe zu sagen, nnd sie werden damit auch zurückhalten, so lange cS geht. Sie können das umsomehr, als ja behördlich beglaubigtes Material über den Umfang der Krise noch nicht vorliegt, und auch nach allem iimS man seither über die von den Behörden nach dieser Richtung zu veranstaltenden Erhebungen gehört hat. vorläufig noch nicht zu crivarten ist. Für die Arbeiter, die ja unter den Folgen der Krise am schwersten zu leiden haben, bedarf eS nicht erst des zahlenmäßigen Nachiveises, daß wir nnS schon tief in der Periode deS Ivirtschaft- lichen Niederganges befinden.— Schon längst f ü h l e n die Arbeiter die verheerende Wucht der Krise am eigne» Körper. Herabsetzung derLöhne, Verkürzung derArbeitS- zeit und damit Schmälernng des EinkonnncnS, E n t l a s f u n g'.wegen Mangel an Arbeit: DaS sind die Schläge, die seit Monaten, ja seit länger als einem Jahre die Angehörigen der Arbeiterklasse treffen. In erschreckender Weise hat sich die Z a h l der Arbeits- losen vermehrt. Wenn auch die Stützen der heutigen Wirt- schaftsweise das Vorhandensein eines besonders hohen Grades der Arbeitslosigkeit leugnen, so kann jeder, der sich nicht absichtlich den Thatsachen verschließt, schon eine ungefähre Vorstellung von dem gegenwärtigen Umfang der Arbeitslosigkeit gewinnen, ivenn er'die Stätte» besucht, an denen Arbeit vermittelt wird. Man sieht dort überall, daß der Andrang der Arbeitsuchenden ein unheimlich großer, die Nachfrage nach Arbeitskräften dagegen unverhältnismäßig gering ist. Wie groß die Zahl derer ist, die gegenlvärtig in Berlin ohne Arbeit und Verdienst sind, das läßt sich allerdings nicht niit nn- anfechtbarer Genauigkeit feststellen. Immerhin liegt uns Material genug vor, um � und das ist die Aufgabe, die wir uns in diesem Artikel stellen— ein möglichst getreues Bild von dein Umfange der Arbeitslosigkeit in Berlin zu geben. Auf Ivo offene Stellen DaS Material, das uns als hauptsächlichste Gnnidlage der vor- liegenden Arbeit dient, ist zusammengetragen von den Berliner Gewerkschaften, zusammengestellt und bearbeitet im Bureau der Berliner G eiv« r ks ch a f tS k o mmtss i o n, und es hat unsrer Ueberzeugnng nach mindest denselben, Ivenn nicht einen höheren Wert als dasjenige, lvelcheS gesanimelt nach bureankratischcn Gesichtspunkten, und mit Rücksicht auf die Jntcreffen des Klaffen- staatcS am grünen Tisch sorgsam gesiebt und gesichtet, eine tveise Obrigkeit dereinst vielleicht zu veröffentlichen für gut befinden mag. » Die Statistik der Arbeitsnachweise. Bevor wir zur Betrachtung deS von der Geiverlschaftskommisston gelieferten Materials übergehen, werfen wir einen Blick in die „Berliner Arbeits» ach weis-Stati st ik'. Sie wird herausgegeben vom Centralverein für ArbcitSnachlveiS, dessen Bor- sitzender der Direktor der LandeSversicherungSanstalt, Dr. Freund, ist. An der Berliner ArbeitsnachiveiS-Statiftik beteiligte» sich im Januar d. I. 60 ArbeitSnachwcisc. Im September war deren Zahl auf 81 gestiegen, und zivar sind cS 3 gewerbsmäßig betriebene, 51 von Arbeitnehmern, 12 von Arbeitgebern geleitete, soivie 8 paritätische Nachweise nnd 7 von Vereinen, Herbergen n. dergl. eingerichtete Vermittclungsstellcn. Also sowohl alle Arten de« Arbeits- nachiveises, ivie die»neistcn bedeutenden BecnfSziveige sind in dieser Statistik vertreten. Man kann deshalb ivohl annehmen, daß die VcrhältniSzahlen, welche sich aus der genainiten Statistik ergeben, die Lage des ArbcitSmnrklcs im allgemeinen richtig wiederspiegeln. Die Durchsicht der Statistik zeigt miS, daß voni Oktober vorigen Jahres bis September dieses Jahres(iveitcr reicht sie noch nicht) der Arbeits markt fast dnrchtveg für die Arbeit- suchenden ungünstiger, in vielen Fällen erheblich schlechter lag, als in den gleichen Monaten des vorhergegangenen Jahres. Mit ander» Worten: Die Zahl der Arbeitsuchenden ist im Verhältnis zur Zabl der offenen Stelleu erheblich gestiegen. Zur Illustration führen ivir hier den an« den Zahlen aller an der„Berliner Arbeits- nachiveiS-Slalistik' beteiligten Arbeitsnachweise gewonnenen Durch- schnitt an: Ans 100 offene Stellen kamen Monat 18g!) Oktober.... 118 November.... 147 Dezember.... 137 Januar....— Februar....— März.....— April.....— Mai.....— Rrbeltsuchende: Jahr 1V00 1901 154— 189 133 162 136 117 so 112 133 111 106 97 229 178 141 158 149 169 148 147 130 daß die Lage deS ArbeitS- da es sich hier uin den Juli.....— August.....— September...— Die vorstehende Tabelle zeigt schon, Marktes eine sehr ungünstige ist. Aber Durchschnitt ans 18 bis 20 Berufszwcigen handelt, ivornnter solche sein mögen, die noch nicht so stark unter der schlechten Konjunktur zu leiden haben, und andre, deren ArbeitSnachtveise von den Arbeitern ivcuig in Anspruch genommen werden, weil in. den betreffenden Be- rufen die Umschau und die ZeitungSaimoncen maßgebend sind, so er- scheint daS Gesamtbild»och nicht so traurig, als.es. in einer großen Zahl der Bcrnfsztveige thatsnchlich ist. Mit.größerer Deutlichkeit. als es durch die vorstehende Tabelle inöglich ist. tvird daS beträchtliche Ilcberangebot von Arbeitskräften veranschaulicht durch die nachfolgende von der G e>v e r k s ch a f t S- K o m m i s s i o n gemachten Zusammen- stellung der Zahlen der gciverkschaftliche» Arbeitsnachweise: kamen Arbeitsuchende: Die„Berliner ArbeitsnachiveiS-Statiftik' führt seit Februar d. I. Arbeitsnachweise, die für die Stellenvermittelung und den Irbeitsmarlt in den betreffenden Branchen ausschlaggebend sind, gesondert auf. Es sind dies die gewerkschaftlichen Arbeits- nachweise der Buchbinder, der Bildhauer und des graphischen Gewerbes(Buch- und Steindrucker zc.) sowie die paritätischen Arbeitsnachweise für Brauer und für Maler. Um das Bild von der Lage des Arbeitsmarktcs zu ver- vollständigen. wollen auch wir diese ausschlaggebenden Arbeits n ach iv eise besonders berücksichtigen. Soweit die das graphische Gewerbe und die Maler betreffenden Angaben in der .Berliner Arbeitsnachweis« Statistik' enthalten sind, decken sie sich mit den Zahlen der vorstehenden Statistik der Gewerkichaftskommission. Es genügt deshalb, wenn wir die Zahlen der Buchbinder, Bildhauer und Brauer hierhersetzen, welche bei der Gewerk- schaflskommission anscheinend in die Gruppen: Papier und Leder, Nahrung»- und Gemißmittel, künstlerische Betriebe mit ein- geschlossen sind. Auf 100 offene Stellen kamen Arbeitsnchende: Buchbinder Bildhauer Brauer männlich weiblich 1900 1901 1900 1901 Wenn auch daS durch die Angaben der Arbeitsnachweise ge- woimcne Material für sich allein nicht ausreicht, um den Grad der Arbeitslosigkeit, und noch viel tvcnigcr um die Zahl der Arbeits- losen festzustellen, so beweist es doch, daß das Angebot von Arbeitskräften ganz bedeutend gestiegen ist, und daß sich in den meisten Berufen die l'/z bis S fache, oft die 3 bis 4 fache und in manchen Erwerbszweige» zeittvcise sogar die 0 btS 8sache Zahl der verlangte»» Arbeitskräfte anbietet. Die angeführten Zahlen beiveisen mit erschreckender Deutlichkeit, daß die Arbeitslosigkeit fett länger alS Jahresfrist ungeheuer zugenommen hat, was übrigens noch durch eine Reihe andrer Beweismittel, die tvir im Nachfolgenden betrachten wollen, dargcthan wird. 0 0 Arbeitslose»- Unterstiihnng zahlen bekanntlich verschiedene Gelverkschaften an ihre beschäftigmigs« losen Mitglieder. AnS den Siiminen. die für diesen Zweck ans- gegeben ivorde» sind, lassen sich also Schlüsse auf die Zunahme und den gegenwärtigen Stand der Arbeitslosigkeit ziehen. Sehr lehrreich ist in dieser Hinsicht folgende Ziisaimncnst'elli'ing', � welche die G c w e r k s ch a f t S- K o m m i s s i o n über die Arbeitslosen« Unterstütz u n g der ihr angcschlossciien Gelverkschaften gemacht hat. Unterstiitzung an Arbeitslose zahlten: Monat 1900 1901 1900 1901 Febnmr März April Mai Juni Juli August September 179 260 173 351 173 410 243 600 205 779 204 709 204 622 273 406 109 126 102 70 38 191 77 262 113 319 131 270 60 168 VI 77 313 903 372 670 273 640 196 1311 282 416 327 232 277 346 287 362 166 277 103 163 118 206 131 173 162 263 103 213 140 207 112 146 Wie aus dem sehr beträchtlichen Anschtv eilen der anSgczahllcii ll n t e r st ü tz u n g s s n m m e n erhellt, hat die Arbeits- losigkeit in den vorstehend aufgeführten Bernfszwcigcn im III.' Quartal dieses Jahres gegen den gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres bedeutend ziigcnoinincn. Eine Ausnahme inachen nur die Bildhauer, bei denen die UiiterstÜtzmigSsninnie etwas geringer geworden ist. Da« ist darauf zurückzuführen, daß sich im Laufe des III. Quartals 1901 der ArbcitSmarlt für die Bildhauer vorübergehend günstiger gestaltete, weil eine hiesige Großfirma eine größere Zahl Bildhauer für die AuSstattnng eines SchiffeS einstellte. Im ganzen haben die Getvcrkschaften im III. Quartal 1901 an Arbeitslosen- ll n t e r st ü tz n n g Z8 250,53 M. mehr ausgezahlt alS im III. Quartal 1900. Hierbei ist zu beachten, daß die IliitersliitzungSsummen noch nicht den ganzen Um« fang der Arbeitslosigkeit unter den organisierten An« gehörigen der betreffenden Berufe zum Ausdruck bringen, da sowohl die Mitglieder, welche die Karenzzeit für den Bezug von Unter« stütznng noch nicht zurückgelegt, alS auch diejenige», welche die statutenmäßige Untcrstiitziingsdmicr bereits überschritten haben, nicht unterstützt werden lömien, obwohl sie arbeitslos sind. Die Lage in der Metallindustrie. Nachdem wir im Vorstehenden die allgemeine Lage deS Arbeits- Marktes betrackjtct haben, wollen wir einige Eiiizeldarstellnngen über den Rückgang in der Metallindustrie folgen lassen. Dieser Industrie- zweig ist bekanntlich einer derjenigen, wo sich die Krise zuerst und am fühlbarsten bemerkbar machte. Die Metallarbeiter wissen schon seit längerer Zeit ein trauriges Lied zu singen von den schwere» Folgen, unter denen sie durch die wachsende Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Nicht nur, daß in der Metallindiistrie zahlreiche Arbeiter- e n t l a f s u n g e n erfolgt sind, auch bei den verhältnismäßig Glücklichen, die noch nicht als Arbeitslose daS Straßenpflaster treten. ist der V e r d i e n st merklich z n r ü ck g e g a u l, e n. In vielen Betrieben ist verkürzte Arbeitszeit eingeführt, auch Herabsetzungen sowohl der A c c o r d« als auch der Stundenlöhne sind nichts Seltenes. Die hiesige Verwaltung de» Metallarbeiter- Verbandes hat kürzlich eine Erhebung über den Rückgang der Arbeiter zahl in der Berliner Metallindustrie veranstaltet. Von den etwa 3000 Betrieben, welche in der Metall- brauche bestehen, sind Antworten aus 417 Betrieben, darunter die bedeutendsten, eingegangen und von der G e w e r k s ch a f t s» Kommission zusammengestellt worden. Wir lassen hier die Ueberstcht über 57 der b e k a n n t e st e n und für die Branche maßgebenden Firmen solgen. Dieselben betreiben zmneist Eisengießerei und Maschinenbau, auch befinden sich darunter die bedentendsten Firmen der elektrischen Industrie. Bon einige» der nnfgefiihrten Betriebe sind jedoch nicht ans allen Abteilimgen Berichte eingegaiigeii, so daß also das Bild nicht betreffs aller Firmen vollständig ist. Firma 9f. Borsig, Tcgcl. Becker.... Rudolf Kühne.. Speirer u. Co.. Rudolf Gebhardt Cyklop.... Arndt..... Niles Werke.. Martin.... Huinmel, Siid-Ufer Nishn n. Toh»., Lauge u. Gut�eit. Ruhl ii. Kussel.. F. Audree u. Co.. Steffens«. Nolle. Ttgiograph.... Beermann.... G. Kärger.... Max Hasse 11. Co.. R össeuiaim, Kiihnemaiiii Sentker...... Bolznuie..... Creitsteiii ii. Koppel I. Abteilung... II. Abteilung... Mlniami, Maricufelde. Brag ii. Hecht.... Gebr. Tellschow... Bcrgmauii..... !lt. Weber n. Co.... Hauschild. Stralau.. O. Weiß u. Co.... Karl Hasse n. Wrede. Hauimacher n. Petzold. Schlickcisen..... Sieuicus n. Halöke.. Brest ii. Co..... Schwarpkopsf(Linothpe) Schuchnrd. Rungcstraße Gros; ii. Graf.... Riidolf Krüger... C. Lomitz..... Mix n. Genest... Schlickert..... C. P. Görtz.... H. Härtung.... Salinger..... Pätzold...... Stahlwerke, Reiuickend. Aichele n. Bachmann „ Maschinenbetrieb Hvppe...... Kciling ii. Thomas,, Stock....... Sintz ii. Eckardt... Joses....... Schässer it. Walker. Wild u. Wessel.. Allg. Elektricitäls-Ges. Lowe...... Kahl der beschäftigten Arbeiter im Oktober lSvo 1 1901 KS 2 500 210 165 150 60 350 150 1510 148 104 215 220 • 60 90 984 350 800 300 240 300 850 180 384 550 560 250 III 530 100 110 107 81 66 95 2030 320 190 352 226 105 207 1616 490 500 140 53 400 90 72 85 455 400 100 105 106 80 240 4 412 2 019 2 000 95 114 25 22 150 90 290 17 33 150 160 39 45 347 200 276 45 126 95 100 93 154 200 390 190 35 415 49 80 69 37 36 61 1 917 280 120 74 55 24 142 1096 260 350 60 25 0 0 50 0 160 210 50 45 74 36 200 2 683 1249 500 115 51 125 38 200 60 320 131 71 65 60 21 45 537 150 524 255 114 205 250 187 230 350 170 60 76 115 51 30 38 44 30 34 113 40 70 278 171 81 65 620 230 150 80 28 400 90 22 85 295 190 50 60 32 42 40 1729 770 Bemerkungen Oester aussetzen Tngl. Ve Std. iveniger gearbeitet Tagl. 2l/2 St. Iveniger Tägl. 2 St. iveniger Tägl. 1 St. weniger Bankrott Tägl. Z'/s St. weniger. gegenwärtig Geschäft 14 Tage geschlossen Tägl. 4 St. iveniger Tägl. 2 St. weniger Tägl. 2 St. weniger Tägl. 2'/e St. iveniger 3 St. iveniger Tngl. 2Vs St. weniger Tägl. 2 St. weniger Tägl. 1 St. weniger l. Abteilung arbeitet Tägl. 2 St. weniger Tägl.'/e St. weniger Tägl. 2 St. weniger Teilweiscs Aussetzen Tngl. 3 St. weniger Tägl. 3>/s St. weniger Tägl. 5 St. weniger Tägl. 3 St. iveniger In 22 Abteilg. bcschäst. Tägl. 4 St. weniger einem Drittel bis zur Hälfte ihres seitherigen Arbeits- 1 derOrtSkasten bleiben, und berücksichtigen wir ferner, daß die fr e i e n Tägl. 2 St. weniger Eingegangen Eingegangen St. iveniger Eingegangen ilw. noch aussetzen Tägl. 1 St. weniger Tägl. 1 St. weniger Tägl. 2'/« St. weniger Tägl. 1 St. weniger Tägl. 4 St. weniger In 40 Abt. wird gcarb. In 6 Abt. wird gcarb. 26 273 15 390 10 883 Zusammen *) Im gesamten Betriebe der Allgemeinen Elcktricitäts-Gesell- schaft ist die Zahl der Arbeiter nach dem Geschäftsbericht der Firma am 1. Oktober 1901 um IS7I.7 gesunken. Die Resultate aus den übrigen Betrieben der M e t a l l i ii d ii st r i e, welche an der Erhebung beteiligt sind, er- gaben folgendes Bild: In SÄS Betrieben wurden beschäftigt am 1. Oktober 1900: 15 190 Personen " 1- 1901: 11 977 Weniger: 3313 Personen In 138 Betrieben wurden beschäftigt am 1. Oktober 1900: 6453 Personen . 1.„ 1901: 7470_„_ mehr: 1023 Personen Die zuletzt aufgeführten 133 Betriebe, welche eine Z n n a h in e an Arbeitern verzeichnen, gehören der Bronzewnren- Industrie an. Sie haben bis zum Juli dieses JahreS in der Regel n u r 6 b i S 7 S t u n d e n täglich gearbeitet. Zur Zeit wird das Geschäft vorzugsweise durch die Herstellung von W e i h n a ch t s a r t i k e l n etwas belebt, und daraus erklärt sich die augenblickliche Zunahme der Arbcitcrzahl. Diese günstigere Konjunktur in der Bioiize-Jndustrie ist aber mir eine vorüber- gehende. Sie hält erfahniugsgemäsi bis höchstens Mitte Dezember an. um dann wieder plötzlich zu fallen. Das Gesaiutresultat der vom Metnllarbeitcr-Berbaiid ver- aiisialteten Erhebnugeu ist das: In 417 Betrieben waren am 1. Oktober 1900 47 916 Personen beschäftigt, am 1. Oktober 1901 dagegen 34 843, also 13 073 weniger als ein Jahr zuvor. lind die Arbeiter, welche noch beschäftigt tverden, arbeiten zum Teil kürzere Zeit und haben geringeren Verdienst als sonst. «» I» andren Industriezweigen sieht eZ e b e Ii s o traurig ans, wie in der Metallindustrie. Die Ortsverwaltnng des H o( z a r b e i t e r- L e r b a n d e S gicbt an, daß in den größeren Betrieben die Zahl der Arbeiter um c i n Drittel, ja selbst bis zur Hälfte zurückgegangen ist, und die zur Zeit noch Beschäftigten in vielen Fällen verkürzte Arbeitszeit haben. Aus den Geschäftsberichten der Zimmerer, sowohl der lokal-, als der centralorgaiiisierten, läßt sich ersehen, daß die allgenicine Konjiinktnr feit November vorigen Jahres eine bedeutend schlechtere geworden ist. Der C e n t r a l- V e r b a n d der Zimmerer stellt jede Woche die Zahl der Arbeitslosen fest. Diese Zahl ist bom klovcmber 1900 bis Ende September 1901(weiter reicht die uns vorliegende Aufstellung noch nicht) in de» Sommer- wie in den Wintermoiiaten meistens z w e i b i s d r e i in a l so groß als in denselben Wochen des vorhergegaugeiien JahreS, ja in manchen Woche» ist das Verhältnis n o ck erheblich ungünstiger. Vom Tapezierer-Berband erfahren wir, daß von den etwa 2200 Berussangehörigen gegenwärtig ungesähr 800 arbeitslos sind. Der Vertraiieiismaun der organisierten Schnhinachcr läßt uns eine Aufstellung zugehen, welche 32 mechanische Schuh- f a b r i l e n unifaßt. Es sind dies alle größeren Betriebe der Branche. Diese 32 Fabriken bcschästigten im Oktober des vorigen Jahres 1353 Personen, im Oktober dieses Jahres aber nur 1144 Personen, also 200 Personen weniger. Das ist ein Rückgang des gesamten Arbeiterbcstandes um 15,5 Proz. Aber damit ist das trübe Bild der Schuhiudiistrie noch nicht vollendet. 6 Fabriken haben die Arbeitszeit u m 1 bis 3 Stunden täglich verkürzt. Dadurch erleiden 243 Arbeiter einen täg- lichen Ausfall von 565 Arbeitsstunden. 257 Arbeiter, die zwar noch die volle Arbeitszeit innehalten, haben einen Ausfall von lohneS, weil sie im Accor» nicht voll beschäftigt werden. « Die Zahl der Arbeitslose». Weiteres Zahlenmaterial über den Rückgang de- Arbeiterstandcs louiitcn wir augenblicklicki nicht beschaffen. DaS angeführte genügt auch zum Beweise, daß die Lage der Industrie i» hohem Maße zurüch gegangen und das Elend der Arbeiter einen bedeutenden Umfang angeumnmen hat. Wie hoch die Gctverkschaftcn die Zahlen der in ihren Berufen Arbeitslose» angeben, zeigt die folgende Anfstellillig der Gcwerkschafts- Kommission. ArbcitSloS waren Ende Oktober 1001: Baugewerbe....... 2 570 Personen Bäcker......... 1 800„ Buchdrucker....... 800 Brauer......... 2000„ Fleischer........ 1 500„ Handels- iiud Transportarbeiter 1 300. Holzarbeiter....... 3 200. Lederindustrie....... 600 Zusammen 13 770 Personen Rechne» wir zu der Summe der vorstehenden Uebersicht die weiter oben angeführten Zahlen der beschästigmigslosen Arbeiter in der Metzill-, der Schuhindustrie, und im Tapezicrgewerbe, so kommen wir zu dem Ergebnis, daß bis jetzt 27 832'Arbeitslose in Berlin gezählt sind! Obgleich diese Zahl schon erschreckend groß ist, so stellt sie doch nur einen Teil der Arbeitslose nziffcr dar, denn imS fehlen ja noch die Angaben ans den meisten Betrieben der Metall indiistrie sowie aus einer großen Zahl ganzer Berufsztvcige. Nach den bis jetzt feststehendeii Resultate kann man selbst bei der vor- sichtigsten Schätzung annehmen, daß die Z a h l d e r A r b e i t S- losen w e n i g st e u S doppelt sogroß ist, als die oben an g e g e b c n e. «* » Statistik der Kraiikcukaiscn. Einen beachienSwertc» Anhalt zur Beurteilung der Lage de ArbeitSmnrktes und zur Ermittelung der Zahl der ArbeiiSlosen bietet die Betveguiig des Mitglieder st audeS in den Z Iv a n g S- K r a n k e n ka s se n. Es gicbt deren in Berlin 120, nämlich 56 Orts-, 44 Betriebs- und 20 JiimiUgS-Kraiikenkasien. Der vom Statistischen Amt der Stadt Berlin bearbeitete Bericht über diese Kassen für daS Jahr 1900 liegt n»s vor. Daraus ist ersichtlich, daß die genamiten Krankenkassen zusammen im Jahre 1898 eine durchschnittliche Mitglieberzahl von 436 643 auswiesen. Diese Zahl vecmehite sich im Jahre 1809 um 21 422 oder aimäheind 4,75 Prozent, im Jahre 1900 stieg die dnrchschuiitlickic Mitgliederzahl mir um 6455 oder annähernd 1,33 Proz. Wir sehen also, daß sich die Zahl der in kranken- vcrsichernngspflichligeu Betrieben beschäftigten Personen im Jahre 1900 gegen das Vorjahr noch etwas vermehrt, wenn auch in viel geringerem Maße als von 1898 auf 1899. Ein Rückgang, oder doch zum mjudestcn ein Stillstand der geschäftlichen Konjunktur ist also auch aus dieser Thalsache ersichtlich. Nim darf man aber nicht folgern, daß, weil von 1899 aus 1900 die Zahl der Krankenkasse»- Mitglieder sich»och um 1.33 Proz. vermehrt hat. auch die Zahl der t h a t s ä ch l i ch beschäftigten Arbeiter in dcinselbc» Maße gctvachse» ist. Nicht alle Kasseuniitglicdcr scheiden mit dem Eintritt der Arbeitslosigkeit sogleich ans der Kasse. Ein großer Teil derselben behält mit Oiücksicht auf die ertvorbeuen Rechte die Mitgliedschaft, iven» eS irgend geht, auch während der arbeitslosen Zeit bei. Die Vermehrung dürfte ivohl nur auf Rcchuung derjenigen Arbeiter zu setzen sein, die in Berlin eingewandert sind und in dcrJuduslrie Bcschäitiguug gesunde» haben, während ei» vielleicht bedeutend größerer Teil von Arbeitern, oblvohl sie nicht mehr in Arbeit st a u d e u, Kassenmitglicder geblieben sind. Erst wenn infolge anhaltender Arbeitslosigkeit alle Hilfsguellen des Arbeiters erschöpft sind nud ihm die Weiterzahlung des Beitrages zur Unmöglichkeit wird, sieht er sich gezwuugeii, die Mitgliedschaft in der Krankenkasse aufzugeben. Die Krankeiikasien-Statistil für das laufende Jahr wird deshalb aller VörauSsicht nach einen b e d e u t e u d e u Ztückgang auf- weisen. Da amtliches Material für das Jahr 1901 noch nicht vorliegt, so hat die G e w e r k s ch a f t S k o m ni i s s i o n bei allen hiesigen Kraiikeiikasieii eine Umfrage vcranstaktct über das Verhältnis de- gegenwärtigen zum vorjährigen Mitgliederbestand. ES habe» allerdings »iir 3v i r d auch gearbeitet. Wenn aber erst der Winter mit Schnee und Frost hereinbricht, wem» Bau- und. Erdarbeiten nicht mehr ausgeführt werden kömien, wenn diejenigen Gewerbe, welche jetzt noch mit Arbeiten für den Weihnachtsbedarf zu thiln haben, ins Stocken geraten, dann gesellt sich zu dem durch die schlechte Allgemeinkonjiniktnr vermsachten Elend noch die Not, welche die stille Saison mit sich bringt, und das Heer der Arbeitslosen schwillt lveitcr an. Aber wir sind noch nicht auf der tiefsten Stufe des wirtschaftlichen Niederganges angelangt. Die Krise schreitet weiter fort und fordert neue Opfer.— Neue Opfer ans den Reihen der Arbeiter, die durch ihren Fleiß während der gnien Konjunktur die Taschen der Unternehmer füllen halfen, ohne daß sie selbst einen nennenswerten Teil von den Früchten ihrer Arbeit für sich gewinnen konnte». Wie die Arbeiter sich über ihre elende Lage himveghelfen? DaS brauchen ivir den Lesern misrcS Blattes nicht zu schildern. Wenn auch einige Jahre wirtschaftlicher Hochkonjiniklnr hinter nns liegen— die incisten Arbeiter, wenigstens alle die, welche schon vor der Hochkonjunktur in Industrie und Handwerk, in Handel und Verlehr thätig waren, sie wissen aus jener Zeit der in der Vergangenheit liegenden ivirischaftlichen Depression, waS eS heißt, andauernd arbeitslos sein. Sie alle keimen die grausige Gestalt des Elends, ivelcheö die Arbeitslosigkeit mit sich bringt. WaS geschieht, um der Not zu steuern? O Wenn die bernfene» Vertreter der heutigen Gesellschaft, wenn die leitenden Organe in Staat und Gcincinde mich nur von einem Funken socialen Geistes beseelt wären, dann würden sie eS angesichts des hcrcinbrechcndcn und ständig wachsenden Elends für ihre höchste Aufgabe imd für ihre heiligste Pflicht halten, die Not der Arbeitslosen, soiveit eS in ihrer Macht liegt, zu lindern. Nicht durch Almosen, sondern durch Zuweisung von A r b e i tk Es giebt Kulturarbeiten genug, die zum Nutzen der Allgemeinheit ausgeführt tverden könnten, die aber nicht in Angriff genommen werden. Wie könnte eS auch anders fein! � Die berufenen Vertreter der heiitigeu Ordiumg wollen ja nicht einmal ziigeben, daß ein Notstand zur Zeit überhaupt vorhanden ist. Es bedarf ja erst eingehender Erhebungen, um amtlich festzustellen, tvaS jeder mit .beschränktem Nnterlhaiienverstmid" begabte Bürger tagtäglich sehen und mit Händen greifen kann I lind wie werde» die angeordneten Erhebnngen ausgeführt? Der Magistrat von Berlin veranstaltet eine Umfrage über die Arbeitslosigkeit nicht bei denen, die am besten Auskunft geben könnten: bei den Arbeitern, sondern er läßt bei de» ll n t c r n e h in er» anfragen und versichert ihnen, daß die Ergebnisse der Umfrage als uiicuthüllbareS Geheimnis im Schöße des Magistrats verborgen bleiben! Was wird für die Arbeiter bei solchen Erhebungen heraus- kommen? Aber auch die Regierung ist ja am Werke, durch Um- fragen— bei den ll n t e r n e h in e r n selbstverständlich!— den Umfang der Arbeitslosigkeit zu ergründen. Was wird bei diese n Erhebungen für die Arbeiter heraus- kommen? Nim, der O b e r p r ä f i d e n t v. B v t t i ch e r hat es ja neulich in Halle ausgeplaudert. Vertraulich besprach er sich vor einem solennen Notstaudömahle mit seinen Beamten und Vertretern der Großunternehmer über die vorzimchmenden Erhebungen. Ver- traulich— damit.die Arbeiter sich nicht zu großen Hoffnungen über die ihnen zu teil iv e r d e u d e Hilfe hingeben!" WaS habe» die Arbeiter zu ihn», um ihre elende Lage zu verbessern? Von den Behörden ist Iv a h r s ch e i n l i ch nichts, sicher aber nicht viel zu erwarteir. Das darf indessen die Arbeitslosen nicht abhalten, ihre Stimme zu erheben, die Machthaber in der heutigen Gesellschaft an ihre socialen Pflichte» zu erinnern nud ihnen ins Gewissen zn nifen: durch d i e Gesellschaft, deren Stützen Ihr seid, durch das System, das Ihr schützt und vertretet— durch den Kapitalismus sind lv i r inS Elend gestürzt Iv o r d e n. Wenn Ihr auch, so lauge die heutige Wirtschaftsoidmiug herrscht, unsere Not nicht beseitigen könnt, so könnt Ihr sie doch lindern, indem Ihr uns Arbeit schafft. DaS liegt in Eurer Macht, und das zn verlangen haben»vir ein Recht! I Ob min dieser Mahnruf an die Machthaber von heute ungehvrt oder unbeachtet verhallt, ob man auf jener Seite daS Elend der Arbeitslosen ungehindert seinen Gang gehen läßt, oder ob man den Versuch macht, etwas zur Linderung der Not zu thun— in jedem Falle müssen sich die Arbeiter dessen bewußt sein, daß der jederzeit am besten fährt, der sich ans sich selbst verläßt, daß der am sichersten geborgen ist, der der eignen Kraft vertraut. Die Kraft aber und die Macht der Arbeiterklasse besteht darin, daß alle Glieder dieser Klasse, von dem gleichen Wunsch beseelt, dem gleichen Ziele zustreben, daß alle Proletarier fich solidarisch fühlen im Kampfe für die Jnteresicn und die Rechte ihrer Klasse. Gewiß, die Arbeiter gehen einer schweren Zeit entgegen, ja ein großer Teil von ihnen seufzt schon heute unter dem Druck der Krise. So trübe die nächste Znkimft auch sein mag, so ist sie doch nicht hoffnungslos. Was die Arbeiter in der Zeit des ivirtschafllichen Aufschwunges an Verbesserungen ihrer Loge erreicht haben, das ist ihnen nicht wie eine Frucht vom Baume de? Kapitalismus in den Schoß gefalle». Nein, sie haben es sich erringen, oft sogar s ch>v e r er- kämpfen müssen, imd die Macht, weiche den Arbeitern ihre Wirt- schaftlichen Erfolge sicherte, daS ist die gewerkschaftliche O r- g a n i f a t i o n. Sollen die errungenen Erfolge nicht verloren gehen, soll der Arbeiter nicht macht- und willenlos dem Unter- nchmer gegenüberstehen, wenn dieser versucht, die Lebenshaltung de? Arbeiters wieder herabzudrückcn, dann müssen die Arbeiter vor allem ihrer gewerkschaftlichen Organisation treu bleiben. DaS ist gerade in der schweren Zeit der Krise nicht nur die heiligste Pflicht eineS jeden Arbeiters, sondem das gebietet ihm auch sein Interesse, denn er braucht seine GeWerk- schaft als Stütze und Halt in der Zeit des Rückganges. Aber darüber hinaus giebt es für jeden Arbeiter, für jeden Prolelarier eine höhere Aufgabe, und die ist: Erkenne Deine K l a s s e n l a g e! Begreife. daß es die heutige Wirtschaftsweise, daß es der Kapitalisinns ist, der das Elend verschuldet, unter dem Du jetzt leidest, und daß Du vor der Wiederkehr wirtschaftlicher Not nicht eher sicher geschützt bist, als bis die Herrschaft des Kapi- talismus gestürzt und der Socialisinns Wirklichkeit geworden ist. lim dies Ziel zu erreichen, gilt es auch auf politischem Gebiet Solidarität mit den Klasse»genossen üben, um das hohe Ziel zu erkämpfen: Befreiung der Arbeit aus der Knechtschaft des Kapitalismus! z>olitis»sze Berlin, den 16. November. Der verfassungstreue Großgrundbesitz. ein Name, den man sonst nur aus Oestreich kennt, kam jetzt auch in Deutschland zur Parteibezeichnung. Der Bund der Landwirte, der, wenn er konservativ auftritt, für Staats- streiche schwärmt, beansprucht in seiner agrardemagogischen Vermummung eifersüchtiger Hüter der Verfassung zu sein. In einem merkwürdigen Artikel schlvingt Herr Oertel von der„Deutschen Tageszeitung" das Blatt Papier der deutschen und preußischen Verfassung als schützenden Schild wider den— Absolutismus. Die Verfassungen gelten ihm als der „feste Punkt", sie bedeuten ihm„die Urkunde, die Ver- körperung des Lehns- und Treuenverhältuisses des Fürsten zu seinem Volke". Oertel kanzelt die Liberalen ab, die den Kaiser zu Hilfe gegen die Parlamentarische Mehrheit rufen, dem gegenüber will der furchtbar demokratisch gewordene Bund der Landwirte durchaus das Recht der— agrarischen— Mehrheit gewahrt wissen. Die Minister müßten durchaus konstitutionell regieren und es nimniermehr dulden, daß etwa ein persönlicher Eingriff das Recht der Mehrheit verletze. „Dos Königtum bleibt nur donii fest und iinerschütterlich, wenn es die verfossiingsmößigen Schronken imter allen Umständen wahrt. Deshalb haben die verantwortlichen Träger der Ncgicning die unabweisbare Pflicht, mit der größten Gewissenhaftigkeit auf die Jnnchallung dieser Schranken bedacht zu sein. Können sie das nicht mehr, so inüffeu sie die Konsequenzen ziehen. Ans sie fällt die schwere Veraiitivortnng, wenn durch das Schwanken der verfassungsmäßigen Grundlagen das Königtum i?lbst geschwächt werden sollte." Der Radikalismus der Agrarier ist schon so weit vor- geschritten, daß sie den Monarchen von Gottes Gnaden in einen Monarchen von Verfassungs und Parlaments Gnaden verwandeln.„Die Verfassung ist der feste Grund." Und welches ist die Ursache solcher staatsrechtlichen Be- lehrungen? Die Bündler scheinen sich vor Ueberraschungcn zu fürchten, sie scheinen mit der Gefahr zu rechnen, daß von oben herab die Politik des Zollwuchers mit einem jähen Ruck nach links gesteuert werden könnte. Diesen Eingriff der höchsten Gewalt erklärt Oertel trotzig für unzulässig: „Glaubt der preußische König oder glauben die deutschen Biindesfürsten, ihren Willen gegen den zur Zeit bestehenden ver- fassungsinäßigen gesetzgebenden Faktoren durchsetzen zu sollen, so bnben sie verfassungsmäßige Mittel; sie können andre Räte und Vertreter berufen und den Reichstag oder die Landtage auflöse». Ob man von diesen: Mittel bezüglich des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses binnen kurzem Gebrauch machen werde, erschien uns bisher ziveifelhaft. Wir sahen keine aus- reichende Veranlassung dazu. Neuerdings gewinnt die Sache ein andres Gesicht. Es ist nicht«nuiöglich, daß im nächsten Jahre dieses vcrfassuiigsuiäßige Mittel sotvohl im Reiche als auch tu Preußen zur Auwcuduug gelangt. Man wird inindestcns liut daran thun, wenn man sieb beizeiten darauf einrichtet." Ueberraschungen sind natürlich nicht ausgeschlossen, und mit der Möglichkeit von Neuwahlen kann man stets rechnen. Dennoch glauben wir nicht, daß die Bündler im Ernst meinen, die Regierung des Zollwuchers werde eine Auflösung gegen die Zollwnchermehrheit vornehmen. Vermutlich sind auch diese Warnrufe nur darauf berechnet, die mächtige Volksbelvegung gegen den Wnchertarif einzulullen. Auf jeden Fall ist die„verfassungsmäßige" Sehnsucht nach Auflösungen, die die Bündler jäh befallen hat, nur Schminke. In Wirklichkeit fürchten sie nichts so sehr wie Neuwahlen unter der Parole des Zollwuchers. Und diese Angst soll nun durch die Verfassungstiraden verdeckt werden. Der verfassungstreue Grundbesitz giebt Verfassung, Wahlrecht und noch einiges andre mit Freuden dran, wenn ihnen nur das Wucherspiel gelingt. Daß dieses Spiel vereitelt werde, ist die Aufgabe des Proletariats.- Zum Generalstreik der Bergarbeiter. PariS, 14. Noveniber.(Eig. Ber.) Mit der Aiiknjift der Dcle- gierten des Föderalkomitces ist der Mittelpunkt der Berg- a r b e i t e r- B e w e g u n g zeitiveilig nach der Hauptstadt verlegt. Durch seinen letzten Versuch, die Forderungen der Bergarbeiter direkt von den betreffenden KainmerauSschüssen zu vertreten, hat das Komitee von neiieni bewiesen, daß es enlschlossen ist, nicht eher das Signal zum Generalstreik zu geben, bis alle friedlichen Mittel er- schöpft sind. Die Ungeduld eines gewissen Teiles der Bergarbeiter, die sich in disripliiiwidrigei! partiellen Streikversucheii und dieser Tage in einer stürmischen Bersautmlung zu St.-Eticnne äußerte, hat das Komitee(bezw. dessen Mehrheit) nicht in seinem Pflichtbewußtsein irre gemacht. Wie die gestrige B e s p re ch un g d e S Ko in i te eS m i t d e r A r b e i t s k o m m i s s i o n der K a in m e r zeigt, scheinen die Berg- arbeiter-Vertreter die Forderung deS gesetzlichen LohumiitimiiniS in den Hintergrund zu drängen und ihre weiteren Entschlüsse von der Durchs chnng der andren zwei Forderungen. de§ Achtstiiiideiitages, Ein- und Ausfahrt einbegriffen, nnd der Alterspensionen von 2 Fr. pro Tag nach 25 Arbeitsjahren, abhängig zu machen. In Bezug auf den Achtstiindeiitag haben die Bergarbeiter- Delegierten so gründlich die Einwände der Grnbenverwaltuiigen widerlegt, daß die Kainmerkommission in der Mehrheit, wie cS heißt, für den Achtstniidentag gewonnen ist. Das Hmiptargiiinent der Gesellschaften ist der Rückgang der Produktion infolge der Arbeits- zeit-Vcrlürzung. Dem gegenüber lieferten die Komiteemitglieder den Nachweis, daß mit der Beseitigung des technischen Schlendrians, mit der Einführung von vervollkviiimiieten Betiiebsiniltcln tinsbesondere zur Beschleunigung der Ein- und Ausfahrt und zur bejieren Ventilation der Gruben) die Produktion nicht zurückgehen würde. Die wahre Ursache des nnternehmerlichcn Widerstandes liegt vielmehr in den mit dem Achtstniideiitag wenigstens für die erste Zeit steigenden ProdiiktionSkosten. Die Komitcemitgliedcr beriefen sich übrigens auf das Beispiel der genossenschaftlich b c- triebe neu Grubel s,»ach welcher keine einzige Hypothekenbank «S aushalten würde, wenn man den augcnblirklichc» Wert der bellehrur» Grundstücke ihren Beleihnngen zu Grunde legen würde. Ein andrer Redner urteilte, alle vorliegende» Taxe» seien falsch; die Wahrheit liege in der Mitte, und bei richtiger Bewertung der Grundstücke bleibe für die Aktionäre.»och'n ganz Teil übrig". Diese Bemerlungen find insofern von Bedeutung, als sie daS Grundiibel der privaten Hypothekenbanken, die von ihnen selbst begünstigte Wertschwankung lind Preistreiberei de« städtischen BodenS beleuchte». Interessant war auch die Verteidigung des AusfichtSratS Christians, der für seine Person allein entlastet werden ivollte, iveil er seine Pflicht gethan und schließlich auch die Unregelmäßigkeiten aufgedeckt habe. Der frühere Borsitzende dcS AnfsichtSratS»,einte jedoch. für sich dasselbe Verdienst in Ansprnch nehmen zu können. Er kündigte eine Broschüre zu seiner Verteidigung an. Beschlossen wurde, de», zukliliftige» AufsichtSrat zu überlassen,' ob und welche Regreßansprüche gegen AnfsichtSräte erhoben iverden sollen I Herr Christians berief sich auch auf die Gutachten und Maß- nahmen der Behörden, besonders auf das Handelsministerium, das nach einer Prüfung der Lage der Bank diese von dem Prospekt« zwang an derBörse entbunden hat. Die Berteidigung der verhafteten Direktoren wird sich wohl in ähnlichen Geleisen be« wegen. Di« Transaktion deS Norddeutschen Lloyd mit der Mutual Life Insurance Eo. in New Dork wird nunmehr aufgeklärt. Der ersten Meldung der Mutual bat insofern ein Mißverständnis zu Grunde gelegen, als diese nicht mit dem Norddeutschen Lloyd, sondem mit der North German Lloyd Dock Eompany von ge Gcmerlrfchttftliches. Berlin und llingegend. Achtung, Btldhaner! Die durch die gegenwärtige Krise auch in allen Brniichen nnsreS Berufes immer mehr hervortretende ArbeltSlofigkeit gab der am vorigen DienSIag ftattgefuiidenen, sehr zahlreich besuchte» außerordentlichen Generalversammlung Ber anlaffung, den Beschluß z» fassen, daß jeder arbeitend» Kollege verpflichtet sei. von seinem Verdienst 3 Prozent, bei durch verkürzte Arbeitszeit verringertem Lohn aber mindestens 50 Ps wöchentlich zur Unterstützung der arbeitslosen Mitglieder zu zahlen. Dieser Antrag soll nach einem Borstnndsbeschlnß mni- mehr mit Anfang dieser Woche(47.) in Kraft treten»nd die«in- gezahlten Extrabeiiräge ans einen, in daS Mitgliedsbuch einzukleben- de», mil Rubriken versehenen Zettel, Ivelcher jedem Kollegen im Lanle der Woche zugestellt wird oder bit dahin auch im Bureau abgehoben iverden kann, quittiert werden. Empsehle» durfte eS sich. wen» in jeder Werkstatt ein Kollege allwöchentlich mit Ein- ziehen und Abliefern der Beiträge betraut würde. Der Borstand der VerivaltiingSslelle Berlin. I. A.: Otto Krippahle. Achtung, Kammmacher k Der Zuzug zur Kommfabrik von Gustav Gerson, Ritter- straße 24, ist tvegen Lohndifferenzen streng sernzuhalten. _ Die Orlsverwaltung. Achtung, Schleifer! Der Streik der Schleifer bei der Firma Jürsl u. Co., Inhaber Paul S, n, o n. dauert„»verändert fort. Deutscher Mctallarbelter-Berband. Ortsberlvaltung Berlin. Deutsches Reich. Bei der Gewerbegertchtö-Wahl in Rostock wurden die de» Gewerkschaften aufgestellten Kandidaten ohne Gegenliste wählt. Die Errichtulig eincs ArbeitersekretariatS beschäftigt zur Zeit jehr lebhaft die Gcwerlschasten in Bremerhaven. Das dortige GewerkschaftStartell hat denselben einen Antrag zur Be ratniiq unterbreitet, der die Ansammlung eines Fonds von 5000 M. dezweckt. Nach Aufbringung dieser Summe soll die Errichlung er- folgen. Eine Mitgliederversammlimg des Holzarbeiter-Berbande«, der da« Projekt bereits vorlag, glaubte mil einen, Fonds von 3000 M. auSlomme» zu löniien. Mit einein solchen lönute daS Projekt am 1. Januar 1903 verwirklicht werden. Der Scherenfabrikanten-Berel» in Solingen beschloß für den 1. Mai eine Lohnrednttion für mehrere Artilel. Der Scheren- schleiser-Berein soll alifgesordert iverden. den Über mehrere Firmen verhängten Streil bis zum 27. November aufzuheben; etivaige Maßregeln gegen den Verein sollen in einer spateren Sitzung be- raten iverden.— Bezüglich ihrer Veröffentlichung der.schwarzen Liste" beruft sich die„Bergische Arbeiterstimme" auf die b e« sonderen V e r h ä l t n i s j e in Solingen. Die Veröffentlichung sei mit Znstimmung der Scherenschleifer erfolgt. Bon allen Scheren fabritmite» im oberen Kreise Solingen gehören nach Darstellinig der „Arbeiterstimme" kaum ein Drittel dem Scherenfabritanten-Verein an, und da sich nun die organisierten und»ichtorgmiisierte» Fabrikanten keineswegs freundlich gegenüberständen, sei die Ver- vffentlichung der Liste ungefährlich gewesen. UebrigenS bestätigt die „Arbeiterstinime", daß das, was nach ihrer Meinung für Solingen iiotweiidiq»nd nützlich ivar, anderSivo für die Arbeiter von größtem Nachteil sich erweisen kann.— Für die Zukunft ist eS vielleicht aber auch in Solingen gut. sich etlvnS welliger auf die Uneinigkeit der Unternehmer zu verlassen. DaS Schöffengericht in Krefeld hatte sich wiederum mit dem verflossene» Samnielscherer- Streit zu beschäftigen. Elf Personen ivare» angeklagt, durch Drohung und Ehrverletzinig ArbeitsiviNige zur Niederlegung der Arbeit zu bestimmen versucht zu haben. Außer« dem behauptete noch ein ArbeitSimNiger, er sei mit Todschlag be- droht ivorden. Auch sollte einer der Augeklagten Widerstand gegen die StaatSgeivalt geleistet haben. Nach einer mehrstündigen Ber- bandlung. in welcher die widersprechendsten Aussagen gemacht ivurden, sprach das Gericht sechs Angeklagte frei, vier wurden zu je 5 M. Geldstrafe tvegen Beleidigung»nd ein Angeklagter wegen Wider« standsleiftung zu 20 M. verurteilt. Die Tischler und Maschinenarbciter der Firma Schlobach in L e i p z i g- G o h I i s haben daS Gewerbegericht als E i n i g» n g S- a m t angerufen. Herr Schlobach hat es jedoch abgelehnt, vor dem Einigungsamt zu erscheinen, angeblich iveil alle in seiner Fabrik durch den Streik entstandenen offenen Stellen mit Arbeits- ivilligen besetzt seien. Da» KoalitionSrecht der Arbeiter in Bayern. Das Urteil des Landgerichts Nürnberg, wodurch das GewerkjchaftSkartell wegen Veranstaltung einer Maiversanimlniig als politischer Verein erklärt wurde, scheint auch aiiderivnrtö den Staatsretter» Mut gemacht zu haben, gegen die Arbeiterorganisationen eine schärfere Tonart aiizn- schlagen. So hat z. B. das Bezirksamt Bayreuth die Zahlstelle W a r m e n st e i n a ch des deutschen GlaSarbeiter-Ber- b a n d e S für politisch erklärt, Iveil die Zahlstelle daS FaSblatt.Der Fachgenosse" zu ihrem Organ bestimnit habe und in diesem Blatte Artikel enthalten seien, die das Volk zum Kampfe auf« fordern! Beschwerde gegen diese merkivürdige Maßregel ist cin- gelegt. Ausland. Ueber SV« Kellner zogen am Freitagabend in Paris vor ein ArbeitSiiochiveisblireau und zertrümmerten die Fenster. Sie forderten die Abschaffung der ArbeitsnachtveiSbureauS, da die Mehr« zahl derselben die Arbeitsuchenden nur prellten. Die Lithographen von Mailand find in der Zahl von tausend Mann nnSstäiidig. Sie fordern de» Neunstundentag. Tin Teil der bewilligt; im übrigen sind Verhandlungen ein« Meinungsverschiedenheiten traten darüber hervor, ob Versicherte. welche nur'mit ihrer Zustimmung in ein Krankenhaus eingewiesen iverden dürfen(insbesondere Verheiratetes, diese Zustimmung im Laufe der Heilbebandlnng ohne Schaden für ihre Aniprüche zurück- ziehen dürfen. Die endgültige Entscheidung dieser bereits wieder- holt praltisch gewordenen Frage soll dem Sprnchverfahrcn vorbehalten bleibe». In Verfolg der Reichstags-Verbandlungen über das Invaliden« versicherinigs-Gcjetz und die neuen Unfallversicheruiigs-Gesepe ivurde von dem Reichs-VerstcheruiigSamt. insbesondere von dcssc» Präsidenten, a» die Vertreter der Versicherungsträger das dringende Ersuchen ge- richtet, bei der Prüfung des Maßes der Erwerbs- f S h i g k» i t von Rentenbewcrbern gigenüder den ärztlichen Aeuße- rnngen und Schätzungen sich die notige Selbjtäudigleit des NrleilS zu wahren. Vom ReichS-VcrsicherungSamte wurde die weitere Bewilligung von Mittel» zum Bau von Arbeilerwohuunge» empfohlen. In der sich anknüpfenden Besprechung wurde u. a. die regelmäßige Herausgabe einer die gesamten LeisUingen der Arbeitcrversichcrnng auf dem Gebiet deS Ärbeiterivohiimigsweseiis zuschnmenfaffenden Darstellung durch daS ReichS-BerficherungSamt als ivuiischenslvert bezeichuel. Die Bestrebungen der Versicherungsanstalten, für ihre nach Heil- stättcn, Bädern u.>. iv. geschickten Versicherten eine E r m ä ß i g u» g der Eisenbahnfahrpretsezl! erreichen, habe» nach einer Mit« teilung des Reich«-BersicherungSamle« leinen Erfolg gehabt. Die Dauer der Teilnahme an der Expedition»ach China fall nach der üvereinsliinmeiiden Meinungsäußerung der Bersammelten ungeachtet geiviffer formaler Bedenle» wie eine nüliiärische Dienstleistung tn Kriegs- oder Mobilmachungszcite» an- gerechnet werden._ Der Prozeh Kneihl in Augsburg. Ueber die Gerichtsverhandlungen vom Sonnabend liegt folgendes Telegramm vor' In der heutige» BormiltagSsttzung Iverden die Zengen-Ver« nehmungen forigejeyl und ergebe» zunächst belastende Momente siir den Flecklbauern R i e g e r Benierkciisivert ist das Zeugnis VeS l3jährigcn BouernsohncS SchmauS aus Kiihbach, dem Kueißl auf dem Wege nach Irchenbrunn begegnete Der Angellagte habe ihn gefragt, ivie viele Gendarmen in Kühbach lägen und ob dort eine Nachtivache sei; er habe hinzugefügt, daß der Kommandant von K ü h b a ch bald eine Kugel b e k o m m e n werde. Kneißl stellt diese Bcgcguiing in Abrede. StalionSivachlmeister Laub mann auS Aichbach jagt über die Verhällnisse ans. die in dem Gebiete herrschten, in dem sich Kneißl aufhielt, und schildert den Lenmnnd der beiden Angetlaglen als einen sehr schlechlen. Der verstorbene Gendarm Scheidler habe ihm erzählt, daß Kneißl de» tote» Brandmeier noch mit dem Fuße gestoßen und dabei geflucht habe. Rriminalivachlmeister R e ii» e r aus München giebt an, Kneißl habe nach seiner Verhaftung wicderholl gesagt, der Fleckl» baucr sei an allem schuld. Er habe diese Aiischuldigling gegen den Flecklbauern in einem Tone gemacht, der aus Reue' über die be« gangenen Verbrechen habe schließen laffen. Zeuge Renner schildert auch, ebenso ivie der nächste Zeuge, Kriminalkommissar R o s s e r t, die Erbitterung der Gendarmen und der Vcvölle« rung gegen Kneißl. Ans dein Zeugenverhör der Nachmittagssitzung Ist hervorzuheben: Die Wäscherin Lorenz, eine Venvandte Kneißl', die bei der AuS« findigmachung desselben und seiner Festnahme der Polizei Dienste leistete, sagte aus, daß Kneißl, ivie die ihn auf Veranlassung der Müiichener Polizei in Geisenhofen anfsnchte, ihr erzählt habe, tvie er auf die Gendarmen in Irchenbrunn geschossen und den bereits ver« wundete» Gendarm Scheidler auf Bitten der Bäuerin Rieger nicht ganz getötet habe. Zeuge Statioiiskoinmandaut Abt von Maisach giebt an. daß Kneißl nach seiner Gefangennahme auf dem Trans- port zu ihm gesagt habe, er hätte ihn(Abt) schon oft erschießen können, da er schon oft ihm sehr nahe geivcsen sei, er ivlirde ihn sicher getroffen habe». Richter F e r t s ch. der seiner Zeit die Unter- siichuiig geführt hat. sagt auS, daß Kneißl>» der Klinik, nachdem seine BernehninngSfähigteit durch die Aerzte l- stä igt worden, ani 6. März gestände» habe, daß Rieger ihm(Kneißl) gesagt habe:.HieSl, sei gescheit, ich habe um die Gendarmen geschickt, eS kommen alle drei; wenn sie hin sind, weiß niemand etwas; Du brancbst es nicht um- oiist zu thun und tveiin mein halbes Ha»S hin ist." Kneißl habe bei einer späteren Bernehmung a»> 4. April dieses Geständnis widerrufen. Der als Sachverständiger geladene Assistenz» arzt von der chirurgischen Klinik in München, Dr. B r n n s e r, weicher Kneißl vom 5. März bis zu seiner Eiillnssung anö der chirurgischen Klinik behandelt hat, giebt an, daß Kneißl niemals beivußtloS gewesen sei. außer in der Narkose bei der Operation. Ein Antrag deS Verteidigers Dr. v. P a n n w i tz geht dahin, den Sachverständigen darüber zu vernehmen, 1. tvclche Operationen Kneißl durchzumachen hatte. und 2. ob das Belvußlscin infolge der Operationen oder infolge der Schwäche- Anfälle zeilweise getrübt geiveseii sei. Punkt 1 des Antrages Ivird darauf durch Gerichtsbeschlnß abgelehnt, Punkt 2 al« zu« lässig erklärt. Sachbersläiidiger Dr. B r a u s e r äußert sich nun dahin, daß eS wohl möglich gewesen sei. daß Kneißl bei vollem Beivußtsciil Frage», die an ihn gestellt wurde», infolge des ausgestaiideiien Schreckens und der Schmerzen unabsichtlich mi- wahr beantivortet habe, bei Beivnßtsein sei der Angellagte jedoch immer gewesen. Die weitere Verhandlnng wird auf Montag vertagt. Uiitcriichmer geleitet. hat Sociales. Jnvalidenverstchernng. Znr Beratung von Verwaltungsfragen der Invalidenversicherung tagte Freitag und Sonnabend im Rcichs-VersicherungSamte eine Konferenz von Vertretern der Versicherungsanstalten unter Borsitz deS Präsidenten de« ReichS-Verficherungsamtes. Neben mehr inneren formalen Angelegenheiten wurden auch einige Gegenstände besprochen, die für die Oeffentlichkeit Interesse haben. So einige Einzelfragen ans dem Gebiete des Heilverfah renS. ES herrschte Emstunmigkeit darüber, daß bei der Gewährung von Angehörigen» U n t e r st Ü tz u n g nach§ 18 Absatz 4 ohne kleinliche Berechnungen mit möglichstem Wohlwollen verfahre» werden müffe. Weiter wurde besprochen, wie die Angehörigeii-Uiiterftützung zu bemessen sei. ivenn das Heilverfahren zur Beseitigung der Invalidität eineS Rentenempfängers eingeleitet Iverde, und inlvieweit im Hinblick auf die Regelung der Ansprüche auS ver Kranken« Ver- stcherung Angehörigen-Untersintzuiig auch für Sonn« oder Feier- tage zu gewähren oder zu versagen sei._ Bewnlivorilicher Redocteuri Carl Leid in Berlin. Für den gnleratenteil verantwortlich: Th.«lecke m verlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlt». Hierzu 4 Uetzkc Utttifzvidskon und Deposchen. München, 16. November.(W. T. B.) Die»Münch. Neuesten Nachrichten" veröffentlichen ein Z u st i»i m u» g S« und Dank- ch r e i b e n, welches 84 ordentliche Professoren der siestgen Universität und der hiesigen technischen Hochschule gemein- am an Theodor M o m m s e» auS Anlaß seiner jüngsten Kiind- gebniig für die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung gerichtet habe». Wien, 16. November.(W. T. B.) Einer Korrespondenz zufolge faßte das Prosessoreustilleginm der Wiener Hochschule sür Boden- kullur einstimniig de.r Beschluß auf Zulassung der Frauen alS ordentliche und aufjcrordentlichc Hörerinnen. In Ausführung dieses Beschlusses wird an da« UiiterrichISi»i»istcrium eine Petition gerichtet um de» baldigen Erlaß einer Berordnung betreffend Regelung deS FrauenstudiniiiS an dieser Hochschule. Antwerpen, 16. November.(W. T. B.) In vergangener Nacht stieß auf der Scheide bei Terneuzen der von Antwerpen nach Bristol gehende englische Dampfer»Ali»«" mit den, von Huelva kommeiiden englische» Dampfer„Ben Lomond" zusammen.„Aline" sank schnell. die Mannschaft flüchtete sich in die Masten und wurde von dem „Ben Loniond" gerettet, mit Aiisnahine von drei Leuten, welche er« trunken sind. Paris, 16. Noveniber.(W. T. B.) Wie den Abendblättern aus LenS gemeldet ivird, beträgt die Anzahl der a» s st ä n d i g e n Arbeiter in D e n a i n 2300, in B e l l e v u e 400; die Gesamtzahl der im Kohlenrevier von Anzin beschäftigten Bergarbeiter beträgt 15 000. TisliS, 15. November.(W. T. B.) AuS Erzerum wird starke» Erdbeden gemeldet. Von 50 Erderschiitternngeu waren zehn be» sonderS heftig. Viele Gebäude sind eingestürzt. Nach amtlicher Meldung haben 22 Personen daS Leben eingebüßt. Eine Panik be» mächtigte sich der Bevölkernng, welche in Feldern niid Gärten unter Zelten ivohnt. DaS Militär bivouakiert ans dem Markte. Die Be- Hörde» haben ihre Bureaus geschloffen.— Auch auS den Städten Ehinsyk-Bioleh und Hnssan-Kaleh iverde» starte Erdbeben gemeldet. New Bork, 16. November.(W. T. B.) Man hat den Versuch gemacht, einen Expreßzug der Northern- Central« Eisenbahn zivischen Harrisburh n»d Baltimore m i t D y n a m j t in die Luft zu sprengen. Drei Wagen wurde» zur Entgleisung gebracht. Personen wurden nicht verletzt. Man glaubt, daß die Verbrecher e» darauf abgesehen habe», im Zuge befindliches Geld zu rauben. Beilagen u. U»t»rhaltu»»Stl«tt'. Hr. 270. 18. Iahrgaag. l. Stiliit Ks Jotmürts" ßttlintt ßilbhlatt s«...,,« 1901. Der Oberpräsident und die Apotheker. Der„Allgemeinen Orts-Kwnkenkasse" und der„Orts-Krankenkasie für den Gewerbebetrieb der Kaufleute" sind gleichlautende Ver- fügmige» des Oberpräsidenten v. B e t h m a» n- H o I l>v e g zu- gegangen, daß binnen 14 Tagen der„Apotheken- b o y k o t t" aufzuheben ist und wieder sämtliche Apotheken zur Lieferung zuzulassen sind. Ter Qberpräsidcut stützt sich auf den§ S6a des Kranken- Versichcrmigs-Gcsetzes, welcher lautet: „Aus Autrag von mindestens 30 beteiligten Versicherten kann die böhcre Vcrivaltungsbchörde nach Anhörung der Kasse und der Aufsichtsbehörde die Gewährung der im§ 6 Absatz 1, Ziffer 1 bezeichneten Leistungen särztliche Behandlung, Arzenei usw.) durch weitere als die von der Kasse bestimmten Äerzte, Apotheken und Krankenhäuser verfügen, wen» durch die von der Kasse getroffenen Anordnungen eine den berechtigten Anforderungen der Versicherten entsprechende Gewährung jener Leistungen nicht gesichert ist..... Die Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde ist end- güllig." Die„formellen Voraussetzungen" kzrnn Einschreiten haben dem Oberpräsidenten die von uns bereits früher erwähnten, von den Apothekern in Umlauf gesetzten Petitionen gegeben, ivelche von einer kleinen Anzahl Versicherten— bei beiden Kassen je ca. 60— unterschrieben worden waren, zum überwiegenden Teil nachgewiesener- masten ohne das; die Unterzeichner überhaupt eine Ahnung davon hattcir, ivas sie unterschrieben. Trotzdem besonders die Orts- Krankenkasse der Kanfleute die gänzliche Haltlosigkeit der ihr zur Acuszerung eingereichten Petitionen in gradezu glänzender Weise nachgewiesen hatte,— trotzdem ferner die Unterzeichner der Petition nur etwa den tanseudstenTeil des Mitgliederbestandes umfasse», während alle übrigen Mitglieder durch ihr Verhalten das völlige Einverständnis mit'dem Vorgehen der Kasse bckuudeu, bestimmt der Herr Ober- Präsident, dasi nicht gemäß dem Willen der großen Mehrheit das gegemvärtige Verhältnis bestehen bleibt, sondern daß entsprechend den Wünschen der verschwindend kleine» Minderheit mid allerdings— zum Vorteile der Apotheker ivieder alle Apotheken zur Lieferung zugelassen iverden. Dabei! hat von den angeseheneren Kommentatoren des Krankenversichernngs-Gesetzes bisher nicht ein einziger den§ 56a dahin ausgelegt, daß ans Grund desselben die„höhere Verwaltungsbehörde" einfach alle Aerzte, alle Apotheker usw. zulassen könne.— und das ohne ausreichende B c g r ü n d n n g. Demi als folche vermögen wir das nicht anzusehen. daß es in der Verfügung heißt: „Bei der hierdurch gebotenen Verniehrnng der Apotheken er- giebt cS sich als das Nächstliegende, durch Wiederziilassuiig aller Apotheken den früheren Zustand Ivieder herziisteNcii. Die Zahl der bestehenden Apotheken richtet sich nach den in den eiiizeliicu Stadtteilen hervorgetreteneu Bedürfnissen. Indem der Vorstand früher mit allen Apotheken in Gcichäftsvcrbiudmig stand, hat er zu erkennen gegeben, daß hiermit das Bedürfnis für die über das ganze Stadtgebiet verteilten Knssenmitgliedcr nicht überschritte» wurde." Und Ivanlm»nn dieser Eingriff: Daß ein Notstand zur Zeit besteht, daß wirklich„berechligten Anforderungen" der Versicherten, wie es der§ 56 a fordert, nicht enisprochen ist, wird nickt behauptet. und kann auch nicht behauptet werden, nachdem die beteiligten Kassen die eiiigclanfeuen Beschiverden so zerpflückt haben. Einige allgc- meine Nedeiveiiduiigen werden über den„Zeitverlust" durch„den weiteren Weg" und„das längere Warten ausjdie Fertigstellung der Arzneien" gemacht; dann wird weiter behauptet, daß„die zu- gelassenen Apotheken ausweislich amtlicher Ermittelungen mehrfach nickt im stände sind, die Arzneiniittel bei der unverhältnismäßig großen Zahl der verlangten Rezepte in der vorschriftsmäßigen Güte herznsteNen". Welcher Art diese„amtlichen Ernüttelungen" waren, wird natürlich nicht gesagt; wahrscheinlich beschränkten sie sich ans Antrage» bei den Apothekern. Und da alles dies dem Herrn Ober- Präsidenten selbst ivohl nicht ausreichend erschien, muß die Sorge für die Zukunft herhalten. .Im Fall des epidemischen Auftretens von Krankheiten würde sich ei» Notstand entwickeln, der— alsdann nicht mehr rechtzeitig bekämpft werden kann, und mit dem frühzeitig zu rechnen die Aufgabe einer vorsorglichen Kassenverwaltuiig ist." In dieser Weise kann man schließlich alles rechtfertigen. Eine solche Begründung so einschneidender Maßregeln haben die Gesetz- geder wohl kaum für möglich gehalten, als sie der höheren Ver- tvaltungsbehörde so weitgehende Rechte einräumten. Da auf die Frage: warum«dieser Eingriff? eine zureichende Antlvort nicht vorhanden ist. so thnt man gut. die iveitere Frage auszuwerfen: oai bono? Wem zum Vorteil? Hierauf ist die Aut« Wort gegeben: Die Apotheker allein sind es, die von der Verfügung des Oberpräsidenten einen Vor- teil p r h o s's e n können. Für die Kassen erwartet der Erlaß selbst eine finanzielle Schädigung. Die Mitglieder waren zufrieden mit dem bestehenden Zustande, der ihnen so manche Vorteile in Gestalt von Verbesserungen der Krankenfürsorge versprach. Für Gemeinde und Staat ist es ebenfalls nur wünschenswert, daß die Krankenkasseii— insbesondere in der heutigen wirlschaftlichen Krise— durch Ersparnisse im Arznei- Etat nach andrer Richtung leistungsfähig werden. Aber freilich die Kapitalisten, die ihr Geld in Apolhekenkonzessione» angelegt haben und vom Staate beanspruchen, daß er ihnen den Zinsgenuß dieser Kapitalien garantiert— die Apotheker waren nickt damit ein- verstanden, daß durch die Krankenkassen ihre Rente beschnitten wird. Darum jene krampfhaften Bemühringen bei den Behörden usw., deren Erfolg in Gestalt der Verfügung des Oberpräsidenten vor uns liegt. Ist es doch charakteristisch, daß einzelne Wendungen der Ver- füguiig fast wörtlich üvereinslimmen mit Anslassmigeu in früheren Veröffentlichungen der Apotheker. „Die Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde ist endgültig", so schließt der Z ö6a. Eine höhere Verwaltungsiiistanz kann vielleicht nicht angerufen werden, ein Äerwalluugs-Streitverfahren giebt es nicht I Aber wohl bleibt ein Weg den beiden beteiligten Kassen offen: die Berufung an die in den Krankenkassen versicherte Arbeiterschaft, an die w e r k tsb ä t i g e Berliner Bevölkerung. Wenn durch das Vorgehen der Behörden die gefördert werden, welche die Ausbeutung der Arbeiterschaft als ihr unantastbares Privileg betrachte», so iv i r d die Arbeiterschaft sich dadurch n i ch t e n t m u t i g e n lassen: sie tv i r d vielmehr, wie sie es s o n st in solchen Fällen thnt. die Reihen f e st e r schließen, den begonnenen Kampf mit NM so größerer Energie fortsetze» bis zum end- lich'en Siegel Und der Kampf, welchen die in den Krailkenkassen organisierte Arbeiterschaft wider den staatlich konzessionierten und proregierten Arzneiwucker der Apotheker führt, liegt insofern noch besonders günstig, als er nicht einmal die Anforderungen stellt, welche politische und getverkschaftlicke Kämpfe an die Hingabe der Beteiligten zu stelle» pflegen. Nicht Opfer, nickt Embehruiigen werden den Kämpfern zu- gemutet, nein, nur kleine Unbequemlichkeiten, die jeder gern ertragen wird, der weiß, um was eS sich handelt: um die Beseitigung der Ausbeutung durch die Apotheker und damit um die Möglichkeit einer besseren Fürsorge für die kranken Proletarier. Der Obcrprästdent kann wohl die Vorstände der beiden genannten Kassen zwingen, formell den Boykott aufzuheben; er kann, wenn die Vorstände sich weigern, selbstherrlich die Aufhebung verfügen. Aber jedes Kasse»Mitglied, jeder An- gehörige eines Kassenniitgliedes, jeder, der auf der Seite des arbeitenden Volkes steht, kann und wird darunr erst recht weiter fortfahren, seinen Arzneibedarf in er st er Linie nur aus Droguen- geschäften zu decken, und, soweit dies nicht angängig ist, die bisher zugelassenen Apotheken in Anspruch zu nehmen. Mit dieser Losung muß auch in diesem Kampf die Berliner Arbeiterschaft siegen. Dann bleibt die Verfügung des O b e r p r ä si d e n t e n weiter nichts, als ein beschriebenes Blatt Papier! VÄvkei-MArilvirfitem Protest gegen den Hnngerzoll. Bei der Sammelstelle sind jetzt die Petitionsbogen aus der ganzen Provinz Brandenburg eingegangen. Aus den ländlichen Kreisen, wo wir bisher nur wenige Stimmen bei den Reichstags-Wahlen aufzubringen vermochten, klagen die Vertraueiislente sehr darüber, daß sie nicht im stände tvaren, die nötigen Kräfte aufzutreiben, um das Sammeln der Unterschriften vorzunehmen. Ebenso wird geklagt, daß es besonders schwer halte, die noch ausstehende große Anzahl von Listen auf- zutreiben. Das Resultat ist deshalb in diesen Kreisen auch weniger günstig wie in den dichter bevölkerten, die gut organisiert sind und über zahlreiche Arbeitskräste verfügen. Dennoch ist das Gesamtresultat ein recht erfreuliches und der Protest ist wirksam genug um zu zeigen, daß die Masse des Volkes die Pläne der Brot- vcrtenerer entschieden verurteilt. Aus der ganzen Provinz(mit Ausschluß der Stadt Berlin) wurden bis jetzt 278 834 Unterschriften eingesandt. Wahlstimmen hatten wir 1898 zusammen 161 507. In den einzelnen Reichstags-Wahlkrcisen wnrden gezählt: Ruppin- Templin 539. Prenzlau-Angennündr 5803. Oberbarnim 6330. Nieder barnim 50 732. Potsdam-Osthavelland 13108. Braiideirbnrg-Wesb Havelland 19 769. Jüterbog- Luckenwalde 13 151. Teltow- Beeskow 102 193. Arnsivnldc- Friedeberg 1553. Landsbcrg- Soldin 411. Königsberg i. N. 2747. Frankfurt- Lelms 13 475. Ost- und West Stcrnberg 778. Züllichau- Krossen 1210. Guben- Lübbe» 6419. Sorau-Forst 17 601. Kottbus-Sprcmbcrg 11272. Kalan-Lnckau 511. Die Provinz Hannover, die 1893 für»ns 93 286 Stimmen abgab, wird nach einer Ucbcrsicht des„Volkswille über 2OO 000 Unterschriften abgeben. Das crstaniilichste Resultat dürste dabei dasjenige ans Linden bei Hannover sein, Ivo bei reichlich 50 000Ein- ivohncrn 20 902 Unterschriften abgegeben wurden. Es dürfte in diesem Orte wenige Erwachsene geben, die nicht unterfchrieben haben. Weniger günstig ist das Resultat ans Baden. Wie in der „Mannheimer Volksstiinme" mittgeteilt wird, wurden in ganz Baden bei seinen 50 325 socialdemokratischeu Wahlstimiiicn 34 0.33 Unter- schriften abgegeben. Im 43. sächsischen Wahlkreise(Rochlitz-Flöhn) wurden aus 11898 Wahlstimmen 22 487 Unterschriften abgegeben. Gcmcindcwahlen. Das Resultat der Stadtverordneten- Wahl in Königsberg ist noch viel glänzender für uns, als es gestern das Wolffsche Bureau meldete. Wir halten seit 8 Jahren iminer nur einen Vertreter in diesem liberalen Stadtparlament; diesmal wurden sofort 3 Partei- genosien gewählt und 2 stehe» sich infolge Stimmenzersplittcriing in der Stichwahl gegenüber, so daß 4 Mandate als sofort gewonnen bezeichnet werden können. Außerdem sind noch 5 Parteigenossen in Stichwahl, von denen 2 als sehr aussichtsvoll bezeichnet werde». Leicht ist uns die Arbeit, wie uns unser Korrespondent schreibt, nicht gemacht worden. Die Aussicht auf Erfolge bei den Stadt- verordneten-Wahtcn ist in Königsberg deshalb besonders gering gewesen, weil die große Blasse der Arbeiter nicht in der zweiten Slcnerstufe zahlt. Gegen 75 Proz. der Steuer- zahler sind zur ersten Stufe veranlagt. Durch eine sorgsam ausgeklügelte Wahlkreis- Geometrie werden der Socialdeinokratic weitere Schwierigkeiten bereitet. Die ganze Stadt ist in nur sechs Bezirke geteilt, die so zusammengelegt sind, daß die volkreichsten Arbeiterstrahen den Bomgcoisvicrte'lu zugeteilt sind. Die sehr liberale Stadtverwaltung hat wiederholt socialdemokrntische Anträge, die Wahlbezirke so weit zu vermehren, daß in jedem Bezirk nur ein Stadtverordneter zu wählen sei, mit der heuchlerischen Begründung abgelehnt, eine solche Aenderung bedeute die Beschränkung des Wahlrechtes. Um das bisherige Stillleben weiter bestehen zu lasse», wurde dann noch in diesem Jahre eine„Säubc- rung" der Wählerlisten vorgenommen, bei der eine ganze Anzahl socialdemokratischer Wähler au« der Liste entfernt wurden. Durch nachhaltige Agitation haben»nsre Genossen alle Machenschaften der Gegner zu Schanden gemacht. Während sonst die Liberalen mühelos ihre Kandidaten durchsetzten, bat diesmal allein die Socialdemokratie im erste» Wahlgange selbständige Erfolge errungen. Außer den Socialdemokraten standen diesmal den Liberalen auch noch konservariv-zünstlerische Kandidaten gegenüber. In einem Bezirk sind die Liberalen ganz ausgefallen, in einem andern haben wir sie aus dem Felde geschlagen, in einem dritten werden sie sich mir bchauplcn können, wenn unsre Genossen sie unterstützen. Die Wahl bedeutet für die Liberalen einen voll- ständigen Zusammenbruch.� Bei den Stadtverordneten-Wahlen in Bielefeld sind unsre Genossen leider unterlegen. Unsre fünf Kandidaten erhielten 2274 bis 2289 Stimmen, während die vereinigten Gegner 2510 bis 2517 St. erhielten. Auch in Kassel unterlagen die Parteigenosse»; sie blieben um 600 Stimmen hinter dem mit der geringsten Stimmenzahl Gewählten zurück. In Gießen wurde nur der bisherige socialdemokratische Ver- tretcr ivieder ms Stadtparlament gewählt; im übrigen unterlag unsre Liste. Es waren 11 Mandate zu besetzen. AnSeinandersetzunge». Die b a d i s ch e n Genossen befinden sich gegenwärtig im Stadium der Auseinandersetzungen. Durch vier Bersamnilnngen des svcialdemokratischei! Vereins in Mannheim zog sich eine Diskussion über die G e m e i n d c p o l i t i k. in der die Genniter heftig auf- sinanderplatzten. Am Ende wnrden mit großer Majorität die nach- stehenden zwei Resolutionen angenommen: I. Die Versammlung erklärt sich mit der Haltung eines Brnchteils der Stadtvcrordneten-Fraktion anläßlich der Abstimmung über das Theaterbndget nicht einverstanden. Sie sieht jedoch in diesem Vorgang nur eine Einzel- erscheinung. in der ein schädliches System sich kennzeichnet. Sie hält es für erforderlich, daß der notwendige Znsannnenhang zwischen den Stadtverordneten und dem gesamten Leben der Partei in weit höherem Maße als es heute gefchieht, hergestellt wird. Sie erwartet davon eine schärfere Betonung der Grundsätze der Partei und des proletarischen Jnteressenstandpunktes. Sie verlangt auch von de» Vertretern der Partei im Stadt- rat, daß sie sich in e r st e r L i n i e a I s V e r t r e t e r d e r kämpfenden Arbeiterklasse fühlen, sich vorwiegend der socialpolitischen Arbeit widmen und die Solidarität mit dem Stadtrat zurückstellen hinter die Soli- d a r i t ä t mit der Partei. Sie betrachtet unter dieser Voraussetzung die Mitarbeit im Stadtrat für verträglich mit den Grundsätzen der Partei und förderlich für die Interessen der Arbeiterklaffe. Sie erwartet vor allem von allen ihren Vertretern auf dem Rathaus die schärfste Vertretung der Interessen der Arbeitslosen, hinter denen all? andren Bewilligungen zurückzustehen haben. II. In Erwägung, daß durch das Dreiklassenwahlsystem, die arbeitende Bevölkerung ohnehin in ihrer städtischen Vertretung beschränkt ist, hält die Verfammlung des socialdemokratischeu Vereins es für selbstverständlich. daß die Vertreter der dritten Wählerklasse in erster Linie Arbeiterpolitik betreiben, und daß sie solche Fragen, in denen die Interessen der Arbeitenden mit denen der übrigen Be- völkcrung zusammentreffen, in vorhergehenden Fraktionssitznngen zur Entscheidung briiigen und dann aber bei der Abstimmung die Geschlossenheit der Fraktion aufrecht erhalten. In fernerer Erwägung, daß in den letzten Jahren für die Arbeiter, namentlich in Bezug auf die Wohnungsfrage; bei weitem nicht das geschehen ist, was hätte gcsckiehen können, ersucht die Versammlung die Vertreter der Niederstbesteuerten, nach dieser Richtung hin entschiedener aufzutreten. Die Versammlung verlangt ferner mit aller Entschiedenheit, daß die Vertreter der Niederstbesteuerten die Fraktioiissitzungen. fotvie die Sitzungen des BürgeranSschnsses regelmäßig besuchen, und daß diejenigen, die dauerntz a» diesem Besuch verhindert sind, oder die da glauben, aus bestimmten Gründen den Sitzungen fern bleiben zu müssen, ihr Mandat in die Hände der Wähler zurück- geben. .Hoffentlich folgt diesem Stadium der Auseinandersetzungen ein Stadium neuer erfolgreicher gemeinsamer Arbeit zum Segen der Arbeiterklasse._ Der Austritt der Halleschc» Genosscnschaftsdrnckerei ans der Tarisgemcinschast wurde jetzt im socialdemokratischeu Verein in Halle behandelt. Nach sehr bewegter Debatte wurde folgende vom Genossen Thiele eingebrachte Resolution mit 92 gegen 37 Stimmen angenommen:. „Die heutige Versammlung des Socialdemokratischeu Vereins erkennt an, daß der Vorstand der Hallcschen Genossenschafts- drnckerei beim Anstritt ans der Tarifgemeinschaft der Buchdrucker geleitet worden ist von dem berechtigten Unwillen darüber, daß das bekannte Telegramm an den Staatssekretär v. Posadowsky abgesendet worden ist. ohne auf Widerstand seitens des Verbaudsleiters oder einer Mehrheit der VerbaudSmitglieder zu stoßen.; Da aber die Versammlung der Üeberzengnng ist, daß die Zugehörigkeit zu einer wirtschaftlichen Vereitlbarnng, wie es die Tarisgcmeinschaft der Buchdrucker ist, nicht von bloßen Gefühls- erregnngeu abhängig gemacht werden darf und da pie Versammliing keinen Anlaß findet, die von den Buchdruckern eingegangene Tarif- gemcinschaft grundsätzlich als arbeiterfeindlich zu bekämpfen, so kaum die Versammliing den Anstritt der Halleschen Gcnostönschaftsdruckcreb aus der Tarifgcineinschaft nicht billigen." Das Unternehmen wird danach den Tarifvertrag wieder unter- zeichnen. ZlnS dem Parteilebe». Im socialdemokratischen Verein in Halle beschäfligte mau sich mit den verflossenen Stadtverordneten- wählen. Der Vereinsvorstand hatte beschlossen, daß diejenige» Vereins- Mitglieder, die in der Wählerliste gestanden und nicht gewählt haben, ans dem Verein ansznsckließc» seien, wenn sie nicht triftige AbhalümgS- gründe haben. Es handelt sich um vier Mitglieder. Der Ailsschlüfr wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt, um die Säumigen erst noch zu hören. In Dort m n n d berichtete der Vertrauensmann, daß sich im letzten Jahre das Partcileben wesentlich gehoben habe, ivas die Folge einer Verbesseruiig der Organisation durch. Bezirksciiitciliing sei. Die Einnahmen des Vertrauensmannes betrugen 701 M. Die Parteigenossen in E l m s h o r n sowie in P l n u e n i. Vogt- lande beschlossen, sich an den Genieindewahlen zn beteiligen. Für die Nachwahl in BreSfau- West hat sich das vom socialdemokratischeu Verein eingesetzte Wahlkoniitce konstitniert. Vorsitzender ist Genosse Julius B r u h n s, Nene Graupenstr. 5/6; Kassierer Paul H e p p n e r, ebenda. Jiigcndkitteratilr. Ans Anlaß der Debatten ans dem Lübecker Parteitage wegen Beschaffung einer guten Jngeiidlitteratiir, die der socialdemokratische Arbeiter seinen Kindern ohne Sorge in die Hand gebe» könne, teilten damals schon unsre Dresdener Genossen mit, daß der V e r l a g der„ S ä ch s i s ch e n A r b e i t e r z e i t n n g" diesen Plan zu verwirklichen gedenke. Der Anfang soll gemacht werden mit einer Weihnnchtsgabe, die jetzt angekündigt Ivird unter dem Titel:„Der Storch und andre Märchen für er- wach seile Kinder". Von Karl Ewald. Der Preis dieses 112 Seiten gr. 8° ninfassenden Buches, das am 23. November anS- gegeben werden soll, ist auf 1 M. festgesetzt. Totcnliste der Partei. In Bergedorf(Hamburg) starb der Parteigenosse A u g u st Z i n g e l in a n n. Der Pcrstorbene war ein opferwilliger Kämpfer für die Arbeitersache und wurde von seinen Parteigenossen mit verschiedenen Ehrenämtern betraut, die er gewissenhaft und mit Eifer ausfüllte. Berliner Partei-Attgelegettheiten. Die nächste Lokal- Liste erscheint am Sonntag, den 1. Dezember 1901. Einseiidiingen und Neiiaiifiiahinen sind bis spätestens Freitag, den 22. November 1901 für„Nieder- Barnim" an den Geuoffen Paul Kette,' Friedrichsfelde, Lichten- berger Priiizenallce 20a;„ T e I t o>v- B e eskow" an den Genossen- R. Prcßler, Nixdorf. Zietenstr. 69;„ Potsdam-Ost-Havelland" an den Genossen Albert Nene, Spandan, Jagowstr. 9; „Diverse Orte" an den Genossen Gustav Stein, Wriezen,- Frankfurterftr. 32. sowie für Berlin an den Genossen Wilhelm Hinz, Priiizenstr. 66, 8. 14. zn senden. Alle Anfragen n»d Ziisendungen sind nicht an die Redaktion des„Vorwärts", sondern» u r an den Genosscii Wilhelm Hinz, Priiizenstr. 66, S. 14 Berlin, zn sende». Die Partciblättex der obigen Kreise iverden»m Abdruck des obigen ersucht. Die Lokalkommission. Für das Liebkuccht-Denkmal sind noch zu quittiere«: 190. Stadtbezirk durch Wengels 8,55 M., 178. Stadtbezirk durch Wengeis 6.65 M. Zur Lokalliste. Am Montag, 18. Noveniber. halten die Gesang- vereine„Cäcilia" und„Melodia" ein Konzert in der Philharmönic ab, ebenso am Sonntag, 24. November(Toten-Soiintog). der Gesangverein „Berliner Liederkranz", desgleichen haben am Sonntag, den 24. Nö- veniber(Toten-Sonntag). die Gesangvereine„Eintracht",„Echo", „Glockeuschlag" und„Liedertafel ehemaliger Schüler der 30. Gemeinde-: schule" in der Ton-Halle. Fricdrichstr. 112, ein Vergnügen. Zu diesen Vergiiügniigeu wird versucht, Billets in Arbcitcrkreisen abzusetzen. Da aber die genaiinten Säle der Arbeiterschaft zu Versanmilmigen nicht zur Verfügung stehen, so erwarten tvir, daß diese Ver- gilügungen streng gemieden lvcrden. Die Lokal-Kommission. Erster Wahlkreis. Heute, Sonntagabend 6 Uhr, findet eine öffentliche Versaminlung mit nachfolgendem Beisammeiisein und Tanz in Cohns Festsälen, Venthstr. 19/21, statt. Genossin Lity Braun referiert über„Die Bedentimg der Frauenarbeit in der socialen Entwicklung". Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Vertranenslente. Zweiter Wahlkreis. Dienstagabend 8Vs Uhr findet bei E. Zühlcke. Deimewitzstr. 13, eine öffentliche Versämmlimg des' WahlvereinS statt. Genosse R. Fischer spricht über„Krise nud' Arbeitslosigkeit". Zahlreichen Besuch erwartet der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 28, findet heute abend 6 Uhr eine VolkSversamuilung statt, in der Schrift� steller M. Schütte über den Ursprung der Erdes pricht. Nachher ge� mütliches Veisammensei». Hohen-Schönhausen- WilhelmSbcrq. Am Dienstag findet im Saale von TrinkauS eine Volksversaminlung statt, in der Neichstags-Abgeordneter Ro s en o w über:»Die Ziele der Social demokratie" sprechen wird. Britz. Heute nachmittag 2 Uhr findet bei Kaps, Chaufiecstr. 18. eine V o l k s v e r s a»n m l n n g statt, in welcher Fräulein Ida A l t mann über das Thema:„Die Frau in der bürgerlichen und in der socialistischen Gesellschaft" sprechen wird. Da das Lokal jahrelang für die Arbeiterschaft gesperrt war, so ist reger Besuch erwünscht. Treptow-Baumschulenweg. Am Dienstag hält der Wahl verein eine Generalversammlung im Lokale des Herrn Michler ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. Bericht und Neuwahl des ge samten Vorstandes. Schöuebcrg. Dienstag, den IS. November, im Restaurant Wilhelm s-Hof, Ebersstr. 80, Wahlvereins-Versamm- il u ii g. Auf der Tagesordnung steht eine Diskussion über unsre Stadtverordncten-Wahleii.— In dieser Versammlung werden die Partcitags-Protokolle zum Preise von 10 Pf. an die Mitglieder ab« gegeben. Die Mitglieder werden ersucht, sich möglichst schnell in den Besitz eines solchen zu setzen. Köpenick. Im Hotel Kaiserhof wird Dienstagabend 8 Uhr die Versammlung des Wahlvereiiis abgehalten. Genosse Schubert spricht über„Die preußische Volksschule". FricdrichSfclde. Die Monatsversammlung am 19. d. M. fällt ans, dafür spricht Reichstags-Abgeordneter Rosenow am 26 d. M. in öffentlicher Versammlung über Zoll- und Wirtschaftspolitik. Lolterttfs. Eine Bertramsche Reliquie. Die fliegen de n Klasse ii derGemein beschulen sind in der letzten Zeit besonders in den n ö r d Ii ch e n S t a d t t e i l en wieder sehr zahlreich geworden. Auf die Angriffe, die deshalb gegen die städtische Schulverwaltung gerichtet worden sind svergl. unsere AuSfühningen dazu in Nr. 242 des„Vorwärts" vom 16. Oktober 1901), wird jetzt aus dem Rathause wieder einmal mit einem B e schönigungsversnch geantwortet. Der MagistratS-Berichb erstatter versendet eine Notiz, in der versichert wird, daß die städtische Verwaltung bemüht sei, die fliegenden Klassen zu beseitigen. Aber dasUebel der fliegenden Klassen wanderevon einem Stadtteil zum andern. Bald erscheine es im Norden, dann im Nordwesten, hinterher ini Weste» und so fort; aber stets an andrer Stelle. Das hänge eng zusammen mit der Wände r u n g der Bevölkerung innerhalb des Stadt- g eb ietes. Neue Schulen könnten aber nicht so schnell wie Privat Häuser gebaut werden; sie würden„stets erst nach dem vorhandenen Bedürfnis eingerichtet". An dieser Darstellung ist das eine zutreffend, daß das Ucbel der fliegenden Klaffen von Stadtteil zu Stadtteil wandert. Aber der Versuch, das lediglich ans dem Austausch der Bevölkerung zwischen den einzelnen Stadtteilen zu erklären, ist weiter nichts als eine armselige Verlege nheitsauSrede. Wie die fliegenden Klaffen in dem einen Stadtteil Plötz lich austreten und nach einiger Zeit ebenso plötzlich wieder verschwinden, um dafür in einem andren Stadl teil aufzutreten, das haben w i r an der Hand amtlichen Zahlern Materials oft genug gezeigt. Dabei haben wir stets hervorgehoben, daß diese Erscheinung sich aus der L ä s s i g k e i t erklärt, mit d.r die städtische Verwaltung die Vermehrung der Schul- Häuser betreibt. Das ist eben der Fehler, daß(wie es in der vom Magistratsberichterstatter verbreiteten Darstellung heißt) d i e neuen Schultz äuser»stets erst nach deni vor- h a n d e n e n Bedürfnis eingerichtet werden", statt daß man sich bemüht, dem Bedürfnis zuvorzukommen. Die fliegenden Klaffen treten auf. wenn es in dem betreffenden Stadtteil versäumt worden ist, rechtzeitig an die Vermehrung der Schulhäuser heranzugehen, und sie verschwinden wieder, sobald hier endlich ein paar neue Schulhäuser fertig geworden sind. Das ist das ganze Geheimnis! Der Hinweis auf die Wanderung der Bevölke- rung ist übrigens durchaus nicht neu. Der frühere Stadt- fchulrat Bertram Pflegte damit zu operieren, wenn ihm die un- dankbare Aufgabe gestellt war, die der städtischen Schulverwaltung von den socialdemolratischen Stadtverordneten wegen der fliegenden Klaffen und der Mietsschulen gemachten Vorwürfe znrückzu- weisen. Unter seinem Nachfolger Stadlschulrat Gerstenberg ist die alte, abgebrauchte Idee von neuem aus der Rümpel- kamnier der städtischen Schulverwaltung hervorgeholt worden. Zum erstenmal begegneten wir ihr Anfang September wieder in der bürgerlichen Presse. Auch Blätter, die, sonst einigen Werth darauf legen, nicht zu den Beschöniger n des Berliner Schulelends gezählt zu werden, waren darauf hineingefallen und hatten der betreffenden Notiz kritiklos Aufnahme geivährt. Der Unsinn dieser Notiz wurde allein im„Vorwärts" gebührend beleuchtet. Wir wiesen schon damals sofort darauf hin, daß es sich hier um eine ehrwürdige Reliquie aus dem klapperigen Rüstzeug des alten Bertram handelte. Es ist zwar nicht erfreulich, aber inimerhin interessant, zu sehen, wie der stille Wunsch der städtischen Schulverwaltung, möglichst in dem alten ausgefahrenen Bertramsche» Geleise zu bleiben, in solchen magistratsoffiziösen Aeußernngen zum Aus- druck kommt. Nicht» gelernt. In einer Versammlung der„den Berliner Detailhandel in Nahrnngs- und Genußmitteln vertretenden Fachverbände" wurde dieser Tage folgender Beschluß gefaßt:„Die heute zahlreich besuchte Versammlung des Vereins aller Tabak interesseuten für Berlin und Umgegend, des Vereins Berliner Kau leute der Kolonialwarenbranche, des Vereins Berliner Kolonialwaren' Händler und des Vereins Berliner Konfitnrenhändler spricht sich nach gehörtem Vortrag und stattgehabter Diskussion mit Entschiedenheil gegen die zwangsweise Ausdehnung des Achtuhr-Laden s ch l u s s e s für alle Besitzer offener Ladengeschäfte aus. die der Nahrungs- und Genutzmittel-Branche angehören." In diesem Beschluß zeigt fich von neuem die alte Erscheinung daß der Kleinhandel infolge der geistigen Schenklappen, die ihn zieren, seinen eignen Vorteil nicht sieht. Die guten Leute haben seiner Zeit gegen die Sonntagsruhe protestiert wie sie voriges Jahr gegen den Neunuhr-Ladenschluß protestierten. Und doch werden heute wohl nur wenige unter ihnen sein, die die Wohlthaten des eingeführten „Zwanges" preisgeben möchten. So kann man über die gegen den Achtuhr-Schlutz gerichteten Proteste ruhig zur Tagesordnung übel' gehen und die Zeit abwarten, wo die Ladcnbesitzer der agitierenden Gehilfenschast auch für die erfolgte Einführung dieser Maßnahme Dank wissen wird. Herr Dr. Freund und die Arbeitölofiakeit. In einer Zw schrift an die„Voss. Ztg." sucht auch der Vorsitzende der Landes Versicherungsanstalt Berlin, Herr Dr. Freund, die Lage auf dem Arbeitsniarkt als nicht besonders schlimm hiiiznstelle», obgleich er selbst die Zahl der Arbeitslosen in Berlin auf 3S000 schätzt. Recht seltsam ist es dann, daß Herr Dr. Freund schreibt! Die Angaben über die Zahl der Arbeiterentlassiingen tu großen Betrieben sind vielfach stark übertrieben. Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mit deni Besitzer einer der größten Maschinen fabriken Berlins und dem Direktor einer der größten Fabriken Charlotte nburgs über diesen Punkt zu sprechen, und beide Herren versicherten, daß bis jetzt noch nicht ein einziger Arbeiter wegen Mangel an Arbeit ent- lassen wurde. Herr Dr. Freund wird zugeben, daß Finnen wie die Allgemeine Elektricitätsgesellschaft, Schwnrtzkopff und andre, die bereits im Somnier groß« Arbeilereiulassnngen vornehmen mußten, die Besitzer jener glücklichen Fabrik beneiden werden. Den Charlottenburger Fall sozusagen als typisch hinzustellen, das geht denn doch wohl nicht gut an. Im übrigen macht Herr Dr. Freund darauf aufmerksam, daß z. V. bei dem Bau des T c l t o w k a n a I s, also vor den Thoren Berlins, von zwei beteiligten Firmen in der Mehrzahl aus ländische Arbeiter beschäftigt werden; die eine Firma soll von 3(X) Arbeitern nur 80 deutsche und im übrigen Kroaten und Russen, die andre zu zwei Dritteln Italiener beschäftigen. Die Ucbcrbrcttelci vor Gericht. In der Streitsache v. Wolzogen gegen Herrn Strauß und Frl. Bradsky hat der Bcr- treter des Wolzogcnschcn Bunten Theaters. Jnstizrat Jonas, gegen den die einstweilige Verfügung aufbebende» Beschluß der Civil kammcr sofort die Entscheidung des Kammergerichts angerufen.— In der angestreugten Hauptklage steht am 21. Dezember Termin vor der Civilkammer an. Die„Opfer" deS SpirituSriugeö. Die Geschäftsvertreter des SpiritusringeS erzählen wiederholt in verschiedenen Tagesblättem wie in ihrem Fachorgan, daß der Ring große Opfer für die AuS- breitung des Konsums von Brennspiritus gebracht habe. Wie es in Wahrheit mit diesen Opfern aussieht, zeigt folgender, recht sonder- barer Vorgang. Am 26. Mai vorigen Jahres hat der Spiritus- ring ein Preisausschreiben für eine als Tischlanipe verwert- bare Spiritus-Glllhlampe und für einen Spiritus- koch er erlassen. Für die Lampe sollen, wie es in dem von Prof. Dr. Wittelshöscr gezeichneten Preisausschreiben heißt, 12 500 Mark zur Verfügung stehen, für den Kocher 2500 Mark. Am 1. Dezember vorigen Jahres war Schluß der An- Meldungen. Laut Preisausschreiben verpflichtete fich die Ge- scllschaft, einen Bericht zu veröffentlichen, in welchem die mit Preisen ausgezeichneten Lampen bezw. Apparate unter Angabe der Prüfuiigscrgebnisse beschrieben werden sollen. Dieser Bericht ist bis jetzt nicht erschienen, die Preise sind nicht zur Verteilung gelangt, die eingelieferten Modelle aber auch noch nicht den Einsendern zurückgeliefert, obwohl jetzt fast ein Jahr vergangen ist, seitdem der Schlußtermin der Einlieferungen verstrich. Unter den PreiSbewerbem hat sich bereits der Argwohn herausgebildet, daß die finanzielle Klemme des SpiritusringeS schuld an der Verzögerung der Preisverteilung sei! Zur Hebung des Kredits deS SpiritusringeS trägt das sicher nicht bei— und auf pronipte Geschäftsführung läßt dieses lange Hinzerren des SchicSspruchs auch nicht schließen! Dr. Bödiker, der frühere Präsident deS Rcichs-VersicherungS- amtcs, wird nach der„Rh. W. Ztg." nach Ablauf seines 4ysjährigeit Kontraktes am 1. Januar 1902 aus der Aktien-Gesellschaft Siemens u. Halske ausscheiden. Der Auktioiiöschwlndcl. Ini Polizeipräsidium finden, wie der.Kons." erfährt, Verhandlinigen mit den beteiligten Stellen statt, um eine anderweitige Regelung des Auktionswcsens herbei- zuführen, wodurch die vielfach aufgedeckten Mißbräuche und Schäden beseitigt werden sollen. Borortsvcrkchr. Die VerkehrSzeiten der 67 Vorortzüge auf der Strecke Berlin— Groß-Lichterfelde(Ost), die vom 1. Dezember d. I. ab vom Potsdamer Ringbahnhof abgelassen werden, sind wie folgt festgesetzt worden: Von 4.zo früh bis S.so halbstündlicher, von 5,30 bis 9 Ubr vornüttags viertelstündlicher, von da au bis 5 Uhr nachmittags 20 Minuten-, von 5—8 Uhr abends viertelstündlicher und yon 8—1 Uhr nachts 20 Minutenverkehr. Die beiden letzten Züge werden von Berlin um 12,so und um 1 Uhr abgelassen werden. Von Lichtcrfelde nach Berlin fährt der letzte Zug um 1,23 ab nnd trifft hier um 1,« ein. Die landespolizeiliche Abnahme der Hochbahnstrecke Potsdamerplatz— Nolleudorfplatz sowie der Tnmielbahii bis ein- schließlich des Unterpflaster- Bahnhofs„Wittenbergplatz" erfolgte gestern vormittag. Die Probefahrt ging tadellos vor fich. Gerichtet wird jetzt der Neubau der LandcSvcrflcherungö- austalt Berlin auf dem ehemaligen Soldatenkirchbof in der Litiien- straße, zwischen der Bormann- und Rückerstraße. Dieser Neubau ist bestimmt, die Bureauräume, die sich jetzt in der Klosterstraße be- tnden, und den Centralarveitsnachweis, der in den Sladtbahnbogen am Alexanderplatz untergebracht ist, aufzunehmc». Eine» schweren Znsammenstosz gab es gestern, Sonnabend- nachmittag, a» der Ecke der Wilsnacker- und Perlebergerstraße zwischen einem Scratzciibahntvagcii der Linie Gesuiidbrumieii- Charlottenburg und einem mit Trebern beladencn Geschäftswagen von O. GuhrS auF der Anlonstraße. Der Kutscher des Geschäfts- vagens wollte, obwohl der Wagenführer wiederholt das Waruungs- zeiche» gab, noch schnell von der Wilsnackerstraße über den Damm der Perlebergerstraße hinlvegfahren. Der Straßenbahmvagen warf die Pferde um und zertrümmerte die Deichsel. Zwei Schaffner, die auf der vorderen Plattform standen, wurden am Kopfe nicht un- erheblich verletzt, der eine durch die Trümmer der Deichsel, der andre, indem er auf den Wagen flog. Der Kutscher kam unversehrt davon. Die beiden Pferde, die zum Teil unter die Plattform ge- rieten, wurden schwer beschädigt. Einer der Schaffner, die nach dem Depot fahren wollten, mußte nach Anlegung eines Notverbandes in ein Krankenhaus gebracht werden, der andre konnte in seine Wohnung gehen. Am nächsten Donnerstag hält die Stadtverordneten- Versammlung keine Sitzung ab. Trotz aller Warnungen durch die Presse nutzt ein Schwindler, welcher seit etwa 4 Wochen sein Unwesen treibt, die Vertrauensselig« keit von Vermieterinnen ungestört weiter aus. Er vergewissert sich zunächst, ob der„möblierte Herr" zu Hause ist und überbringt, wenn dieser nicht zu Hause ist, einen Brief, versehen mit der Unter- schrift deS betreffenden Chambregarnisten, in ivelchem der letztere seine Wirtin bittet, eine gewisse Summe, den Restbetrag einer Rech- nimg an den angeblichen Kassierer zu zahlen, demselben eine Quittung über einen größeren Betrag abzunehmen und noch ein Trinkgeld zu geben! Der Schwindler wird wie folgt beschrieben: 18 bis 22 Jahre, schwarzes Haar, Anflug von dunklem Schnurrbart, 1,63 bis 65 groß, schmächtige Figur, blasses Gesicht. Seine Be- kleidmig besteht für gewöhnlich aus einem hellgelben karierten Jackettanzug und schwarzem, steifem Filzhut. Der Schwindler ist aber auch schoii in grünem Dieneranzug aufgetreten tnid hat eine Mütze getragen, Ivie sie die Portiers in den größeren Geschäftshäusern zu tragen pflegen. Mitunter hat er auch eine Aktenmappe aus Leder mit vielen Rech« nungen bei sich geführt. Wie raffiniert der Gauner zu Werke geht, erhellt aus dem Schlußsatz eines der gefälschten Schreiben, in welchem es heißt:„Um jeden Irrtum oder Betrug zu vermeiden, muß der Kassierer eine gelbe Jacke tragen!" Neulich hatte der Schwindler das Malheur, den betreffenden Chambregariiistcu. dessen Wirtin er sich als Opfer ausersehen hatte, zu Hause anwesend zu treffen. Dadurch ließ er sich jedoch nicht verblüffen. Er betrat viel- mehr das Zimmer, unterhielt sich längere Zeit mit dem„möblierten Herrn", verließ gemeinschaftlich mit demselben die Wohnung und— lehrte nach einer Stunde zurück, überbrachte der Wirtin das übliche Schreiben und erhielt von der Frau, die natürlich in dem ihr bereits bekannten Ueberbringer auf irgend welche Beziehungen desselben zu ihrem„möblierten Herrn" schloß, anstandslos den geforderten Betrag. Urber die Beraubung einer Kellnerin lvlrd amtlich berichtet: Die Kellnerin Anna Neumann wurde gestern nacht in der Alexanderstraße von dem Schlosser Wilhelm Roy, der Alexander- straße 14b bei den Eltern wohnt, aufgefordert, ihn zu begleiten. Er zog das sich sträubende Mädchen in das Haus und nahm sie in eine 2 Treppen hoch gelegene leerstehende Wohnung mit und bedrohte sie hier, ein offenes Taschenmesser in der Hand haltend, mit Messer- stichen, wenn sie ihm nicht ihr Geld abliefere. � Das Mädchen gab dem Roy ihr Portemonnaie, worauf er sie wieder auf die Straße hinausbrachte. Roy ist inzwischen festgenommen worden. Der Selbstmord des praktischen Arztes Dr. WorinS, der gestern vormittag in seiner Wohnung in der Neuen Königstraße erhängt auf- gefunden wurde, erregt in der Königstadt Aufsehen. Dr. W., der im Alter von 31 Jahren'stand, hatte sich vor etwa Jahresfrist in der genannten Straße niedergelassen, fand jedoch nur wenig lohnende Praxis. Dieser Umstand scheint auf das Gemüt des Arztes nieder- drückend gewirkt zu haben, obwohl er unter pekuniären Sorgen nicht zu leiden hatte. Seit einiger Zeit zeigte Dr. W. Spuren von Schwermut. In einem solchen Anfall scheint er Hand an sich gelegt zu haben, da eine sonstige Veranlassung zu der traurigen That nicht vorhanden war. Arbeiter-Bildniigsschule. Mittwoch, den 20. November(Büß- tag), Besichtigung der W e b e s ch u l e in Nowawes bei Potsdam. Abfahrt: Wannscebahnhof 9,80; Stadtbahn Schlesischer Bahnhof: 8,45; Alexanderplatz: 8,52; Friedrichstraße: 8,53. Treffpunkt in Nowawes bei Gruhl, Restaurant„Zur Markthalle".— Freitag, den 22. November, fällt der Unterricht in Rede-Uebung aus. Die- selbe wird nachgeholt am Mittwoch, den 27. November im„GeWerk« schaftshaus", Saal V,_ Der Borstaud. Ans de» Rachbarorte». Nen-Weiszensee. Die Gemeindevertretung hat ihren Stand- Punkt, mit aller Energie gegen die Einführung eines Ge Werbegerichts einzutreten, aufgegeben. Ob„überirdische Kräfte" diese überraschende Siiinesäiidcrung bewirkten, oder ob gar die Mehrheit der Vertretung in der letzten Zeit einen Kursus in Socialpolitik durchmachte, war nicht zu erfahren. In der letzten Sitzung wurde eine Kommission gewählt, welche ein Statut für das Gewerbegericht aufzustellen und der Vertretung vorzulegen hat. Der Kommission gehört von unsrer Seite Genosse Ger st en berger an. Diese soll ihre Arbeiten beschleunigen, so daß in allernächster Zeit die weiteren Vorarbeiten für die Gewerbegerichts-Wahlen getroffen werden können. Eine an die umliegenden größeren Orte gerichtete Anfrage wegen Slellungnahme zur Gründung eines Kommunalverbandes anläßlich der Einführung des Gcwerbegerichts wurde von diesen Orten gar nicht beantwortet.— Die Vertretung mußte sich erneut mit der Aufbringung der Kosten Lr den Kirche n er weiter n ngSba n und den Pfarrhaus- Neubau in Weißensee beschäftigen. Während in früheren Sitzungen die Mehrheit der Vertretung in Anwandlung von Oppositionslust die von der Regierung der Gemeinde auferlegten Kassenbeilräge zu be- willigen verweigerte, wurde gestern beschlossen, daS Geforderte zu zahlen. Begründet wurde diese veränderte Stellungnahme vom Gcineindevertreter C a t e n h u s- n mit dem Hinweis„auf das von Sr. Majestät dem Kaiser der Gemeinde beim Kirchenbau gezeigte Entgegenkommen", sowie auf die vom Minister erfolgte Zuwendung von' 50 000 M. zum S ch u l h a n s b a u. Dies müsse die Vertretung den Forderungen der Regierung geneigter und gefügiger machen, um so mehr, als ja die Regierung bei der seiner Zeit gegebenen Beihilfe zum Schulhausbau die Erwartung ausgesprochen habe, daß nunmehr die Vertretung ihren Widerstand in der Kirchenfrage aufgeben werde." Von unsrer Seile wurde dem Herrn klar gemacht, daß das, was der Kaiser als Privatperson thne, nicht als von der Regierung kommend angesehen werden dürfe, ganz abgesehen davon, ivie man über die Zuwendung zu diesem Zwecke sonst denke. Die Beihilfe zum Schul- bau sei gewissermaßen P f l i ch t d e r R e g i e r u n g, die man nur dann als besondere Gunstbezengung ansehen könne, wenn man den Standpunkt der Regierung, in Zukunft den ärmeren Gemeinden keine Mittel zu diesem Zwecke zu betvilligen, als richtig ansehen würde.— Ein Gesuch der freiwilligen Feuerwehr um Ueber- laffnng der Turnhalle deS neuen Schulgebäudes zu Uebungszwecken wurde abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, die Be- Nutzung dieser Turnhalle den Turnvereinen überhaupt zu untersagen wegen der Bedenken in gesundheitlicher Beziehung. Statt dessen will die Gemeinde auf ihre Kosten eine größere Turnhalle erbauen, die dann diesen Vereinen mietsweite überlassen werden soll. Wilmersdorf. Die Gemeindevertretung wählte in ihrer letzten Sitzung den RegicruiigS-Baumeister GampS, der augenblicklich nicht Mitglied der Gemeindekörperschaft ist, zum Schöffen. Dann wurde das Statut, welches die, Erhöhung der Gcmeindevertreter auf 15 und 4 Schöffen vorsieht, angenonime»; eS tritt in Kraft am I.April 1902. Das Statut«der daS G e w e r b e g e r i ch t. welches 85 Paragraphen enthält, wurde angenommen.— Die mit 660 M. veranlagten Steuerzahler sind im nächsten Jahre von der (.. ii k o m in e n st e u e r befreit.— Zur besseren Beleuchtung einzelner Straßenzüge wurden die Mittel zur Aufstellung von 16 Gaslaternen bewilligt. Elektrisch beleuchtet werden demnächst ein Teil der Joachims- thalerstraße bis zur eckaperstraße. die LudwigSlirchstraße und die Uhlandstraße von der Lietzeuburger- bis zur Preußistbestraße; es werde» 24 Bogenlampen mit einem Kostenaufwand von 15 000 Mark errichtet. Auch werden die Räume des Rathauses elektrisch beleuchtet. Zur Unterbringung der Schüler des R e f o r m g Y m n a f i u:n S wurde auf SVe Jahre mit dem Besitzer des Hauses Gastcinerstr. 11 ein Vertrag abgeschlossen; der Mielspreis beträgt 11 300 Mark.— Die Gemeindevertretung beschloß ferner, daß der Teil deS Wilmersdorfcr Sand und das Gelände, das an die Schrammstraße, Hildegardstraße und Augustastraße grenzt, der päteren Bebauung entzogen werden soll. Hier sollen Anlagen er- richtet werden. Neue Verkehrswege. Der Vertrag der Gemeinde WilmerS- dorf mit der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn ist bi« 1939 ver- längert worden. Am 1. Oktober 1902 wird der Bahnhof Charlotten- bürg mit dem Bahnhof Wilmersdorf- Friedenau durch eine Straßenbahn verbundeii. Bis zur Fertigstellung der Linie soll die vom Alexanderplatz bis Ludwigsttrchplay führende Linie bis zur Wilhelms-Aue geführt werden. Spandau. Ganz ung-wöhnlich stark war die Beteiligung an der Hierselbst am Freitag stattgefuiidenen Stadtverordnetenwahl der zweiten Abteilung. sä übten 802 Wähler, das sind etwa 35 Proz. ihr Stimm- recht aus. Gewählt wurden die Stadtv. Mathias mit 443 und Zscbalig nnt 425 Stimmen. Wegen der noch zu besetzenden zwei Mandate finden Stichivahlen zwischen den Herren Tornow(356 St.), Dr. Zapel(333 St.). Bender und Große(je 314 St.) statt. Bemerlens- wert ist, daß zwei der Stadtverordneten dieser Abteilung, um deren Neuwahl eS sich handelte, die Herren Heise mit 135� und Kahrenkrug gar nur mit 37 Stimmen, nicht einmal in die Stich« wähl komnien. Herr Fahrentrug ist enragierter Vertreter des Princips, daß Stadtverordnete uiid Magistratsinitglieder städtische Arbeiten und Lieferungen übernehmen dürfen. Eine DiebeSjagd führte gestern, Sonnabend, nachmittags um Uhr in Charlotteuvurg zur Festnahme cineS Verbrechers, der fich Wilhelm Gottfried nennt, aber wahrscheinlich nicht so heißt. Als ich zwei Gelellen des Bäckermeisters Heinz« in der Berlinerstc.iße 50, der Werkmeister Niedergeber und der Geselle. Ludwig Hirschlick zur Mittagspause in ihre Schlafstube begaben, fanden sie dort den an- geblichen Gottfried, einen Menschen anfangs der zwanziger Jahre. der vier Pakete unter dem Armee hatte. Als sie ihn festnehmen ivolltcn, entfloh er, warf die Pakete auf der Treppe weg und lief die Berliner-, Rosinen- und Galvanistraße ent- lang, jeden mit dem Meffer bedrohend, der sich ihm in den Weg stellen wollte. Am Charlottenburger Ufer aber faßte ihn doch der Schiffer Er» st Krüqer aus Zehdcnick, der dort mit seinem Kahn liegt, an der Kehle»md hielt ihn mit Hilfe der Nacheilenden fest, bis Schutzmänner kamen und ihn nach der Wache brachten. Man fand bei dem Verhafteten eine goldene Damenuhr, die der Schivester Hirschlicks gehört, ein Portemonnaie mit 2.20 M., das er dem dritten Gesellen Max Geistler entwendet hatte, ein neues Taschenmesfer, eine Menge Pfandscheine und verschiedene Legitimationspapiere; autzerdem Diebeswerkzenge wie Brecheisen und Dietriche, mit denen er auch die Thür der Schlafftube erbrochen hatte. Der Dieb ist untersetzt und trägt eine grüne Jagdjoppe und eine Automobilfahrer- Mütze._ GeviMs-�erkung. DaS Neberbrettl vor Gericht. In dem Saal 32 des großen neuen Justizpalastes in der Grunerftraße drängte sich gestern vor- mittag ein zahlreiches„lleber-Auditomm". Da sah man Schau- spielcr und Schauspielerinnen des UeberbrettlS: Fräulein Bozena B r a d z k y, Frau Direktor B a u s e n w e i n, Herren Koppel, der »lustigen Ehemann", Herren Marcell S a I z e r, die Vertreter von Blochs Erben, Habitues des bunten Brettls und in immer größer werdender Zahl die Herren in der schwarzen Robe, die aus den Ge- richtszimmern ringsum herbeigeeilt waren und die letzteren vorüber- gehend gänzlich verwaist ließen. Mitten aus diesem Auditorium ragten zwei hohe Gestalten hervor, deren riesige Sccessionskravatten kampfesmutig unter den Charakterköpfen hervorleuchteten: hier Freiherr v. W o I z o g e n, dort Oskar S t r a n ß I Der »Conferencier" trat diesmal nicht in dem braunen Frack und der tadellosen grauen Hose auf, er trug die Uniform des Gerichts- dieners und dieser eröffnete den sonderbaren Actus, indem er laut aufrief: Wolzogen contra Strauß und Genossen. Daß es sich um eine ernste Handlung drehte, merkte man erst, als der Gerichtshof unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Fritz den Saal betrat. Durch Beschluß der 2S. Civilkammer des Landgerichts I war. ivie erinnerlich, eine einstweilige Verfügung erlassen, durch welche Herrn Kapellmeister Oskar Strauß und Fräulein B r a d S k y bei einer fiskalischen Strafe von 200 Mark pro Abend untersagt wurde, während der Dauer der zwischen ihnen und Herrn v. Wolzogen geschlossenen Verträge auf einer andren Bühne als dem Wolzogenschen Theater aufznirctcn. Der Vertrag mit Herrn Strauß dauert noch bis 1906, der mit Fräulein BradSkh bis 30. April 1902.— Gegen den Beschluß der Civilkammer hatten Herr Strauß und Frl. BradSkh Widerspruch erhoben und be antragten heute durch ihre Vertreter Justizrat Dr. Staub und Rechtsanwalt Dr. H u g o M a r c u s e die Aushebung dieser einst weiligc» Verfügung, gegen die sie übrigens bereits gefehlt haben, indem sie am Freitag im Bausenweinlchen Theater auftraten. NamenS der Provokantin»WolzogenS Buntes Theater, E. G. m. b. H." beantragte dagegen Jnstizrat JonaS die einstweilige Verfügung vom 9. d. M. nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern dahin zu er- weitern, daß die angedrohte fiskalische Strafe von 200 M. auf L00 M. für jeden der beiden Provokaten erhöht werde. Er führte aus. daß die letzteren zu Unrecht die Verträge als aufgehoben bc trachten. Die Gehaltszahlungen seien immer am i. und am 16. eines jeden Monats erfolgt, nach dem Vertrage seien die Provokalen verpflichtet, für das Wolzogensche Ueberbrettl in und außerhalb Berlins zu spielen. Als Herr v. Wolzogen niit seiner Künstlerschar auf Sieisen ging. habe er ihnen für jeden Tag, den sie außerhalb Berlins thätig seien, noch einen Diätcnsatz von 10 M. pro Tag bewilligt. Als nach Absolvierung des Hau,- bnrgcr Gastspiels das Bunte Theater in Magdeburg sein Gastspiel eröffnete, haben die beiden Provokaten am 27. Oktober spät abends an die Provokanten geschrieben und plötzlich die Auszahlung der für die Tage vom 19. bis 25. Oktober in Hamburg verdienten Gage oewünscht. Darauf habe Herr Muszcat ihnen am 28. Oktober ge- schrieben, er bedauere, dem Wunsche nicht stattgeben zu können, da die Gagen bekanntlich am 1. und 16. eines jeden Monats gezahlt würden. AuS dieser verweigerten Zahlung leiten die Provokaten das Recht her, die Verträge als aufgehoben zu betrachten. Justizrat Jonas suchte an der Hand einer langen Reihe thatsächlicher und juristischer Ausführungen de» Nachweis zu erbringe», daß das Vorgehen der Provokaten unberechtigt sei. Das Motiv sei bekannt: an sie seien die Verführer i» Gestalt provisions- lüsterner Theatera�cnte» herangetreten undHerrBausenwcin habe ihnen für 6l/2 Monate ei» Einkommen von zusammen 36 000 M. garantiert. Herr Strauß habe in der Zeit vom 1. Februar— 10. Oktober bei Herrn v. Wolzogen im ganzen(einschließlich Tantiemen) 12 8S3 M. verdient, d. h. mehr als ein Ober-Landgerichtspräsident, Fräulein Bradsky aber in derselben Zeit 9356 M.— Dem gegenüber suchten Rechtsanwalt Dr. M a r cu s e und Justizrat Staub in längeren juristischen Ausführungen darzulegen, daß die einstiveilige Verfügung aufgehoben werden müsse. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende ohne Angabe von Gründen den Beschluß dahin: daß die ein st>v eilige Verfügung aufzuheben sei. Gl» Beitrag zur Gernianisierung der Pole». Eine Gerichts- tragödie, welche auf die.GermanisieningSvcrniche" in Preußisch« Polen ein grelles Licht wirft, spielt sich zur Zeit vor der Straf- kainmer in Gnesen ab. ES handelt sich um einen gegen 26 männ- liche und weibliche Personen gerichteten L a n d f ri e d e n S brnchS- Prozeß, dessen Entstehung am deutlichsten aus den Aussagen des hauptsächlichste» BelastnngSzeugen, des Kreisschulinspektors jWinter zu erkennen ist. Dieser Herr bekundete vor Gericht: Ich kam am 20. Mai ds. Js. gegen 10 Uhr vormittags in die tatho lische Schule und hörte da, daß die Kinder in des LehrerS Schölzchen fich fortgesetzt weigerten. der königlichen Regierung angeordneten deutsche» Unterricht entgegenzunehme». Da schon vorher fortgesetzt solche Weigerungen vorgekommen waren, so war eS diesmal notwendig, energisch gegen diese Borgänge Stellung zu nehmen. Wie ich mich persönlich überzeugen tonnte, waren die Kinder nicht zu bewege», ihnen vorgesprochene deutsche Worte nachzusprechen, noch die ihnen der Klasse den von ReligionS gestellten Aufgaben anzufertigen. Ich erteilte deshalb dem Lehrer Schölzchen den Auftrag, die störrischen Kinder nachsitzen zu laffcn und sie das Lied:»Wer sich dem Schutze des Höchsten anvertraut", lernen zu lasse». Um 12 Uhr kam ich dann ivieder und es zeigte sich, daß einige Kinder den VerS gelernt hatten. Diese konnten dann nach Hause gehen. Die andren Kinder aber weigerten sich nicht nur, das Lied herzusagen, sondern verweigerten überhaupt jede Antwort, oder aber sie sagten:„Wir sind Polen und wollen nichts von der deutschen Religion wissen" und:„Niemals wird man uns zwingen, deutsch zu sprechen." Noch andre zeigten trotzige Mienen. Nunmehr sagte ich Herrn Schölzchen, daß er die Kinder züchtigen solle und zwar diejenige», die trotzige Antlvorten gegeben hatten, etwaS stärker als die andern. Die letzteren bekamen acht Schläge auf die Hand, je vier auf jede, die übrigen ivurden geprügelt. Wieviel Schläge diese bekommen haben, kann ich im Moment nicht sagen. Auf alle Fälle ist bei keinem der Kinder das Züchtigungsrecht überschritten worden. Zur Sicher- heit hatte ich mehrere Zeugen zu der Exekution hinzugezogen, wohl wiffeud, daß die Sache aufgebauscht werden könute. Nach wenigen Minute» ließ ich dann' die ersten Kinder nach Hause gehen. Inzwischen hörte ich schon, daß es draußen laut wurde. Ich ging deshalb ans Fenster und sah, daß viele Leute vor der Thür standen und D r o h r u f e ausstießen, auch mit Stöcken drohten. Wenige Minuten später drangen die Leute in daS HanS ein. Die Menge nahm eine immer drohendere Haltung an, so daß ich die Polizei holen mußte. Nach meiner Rückkehr ließ ich dann mit den Züchtigungen fortfahren. Es ivaren insgesamt vierzehn Kinder zu bestrafen gewesen und nur noch einige Knaben übrig. Währenddem hielt die Polizei draußen die Menge zurück. Von den Züchtigungen abzulassen, hielt ich in diesem Augenblick für inopportun, da eS einer Konzession an die Menge gleichgekommen wäre. Wir ließen dann auch diese Kinder gehen und zwar, da durch die Vorderthür niemand konnte, durch die Hiuterthür. Die Lehrer baten mich nunmehr, da schon dieHausthür krachte und die Leute immer stürnnscher andrängten, mich mit ihnen gemeinsam in einem der oberen Zimmer e i n z u s ch l i e ß e». Ich l e h u t e das jedoch ab, etwa mit dem Bemerken, daß ein preußischer Beamter seinen Posten auch im Falle der Gefahr nicht verlassen dürfe und bin im Korridor stehen geblieben. Kurz da nach brach die Thür ein und die Leute stürmten in den Korri dor, schreiend und die Stöcke schwingend. An ihrer Spitze befand sich die Angeklagte Piasecka, die so laut schimpfte, daß ihre Stimme überschlug. Alle schimpften auf polnisch, und ich hatte den Eindruck, daß sie mich im Augenblick anfallen würde». In diesem Moment gewann die Polizei wieder die Oberhand, und die Leute ivurden hin ausgetrieben. Nach einiger Zeit sind dann zuerst die Lehrer, zuletzt ich davongegangen. Der Kreisschulinspektor beschuldigte iveiter den Vikar LaSkowski. daß er in der Beichtstunde sowohl die Eltern wie die Kinder gegen den deutschen ReligjonSunterricht aufgehetzt habe. Der Sachverständige Dr. KrzyzagorSki behauptet, eS sei bei der körperlichen Züchtigung bei weitem über das zulässige Maß hinausgegangen worden. Er habe z. B. vier Kinder ganz jämmerlich' zerschlagen gesehen und mußte ihnen ein Attest darüber ausstellen. Bezüglich dc§ Stockes mit dem gehauen wurde. behauptet Dr. K.. eS müsse e i n ganz andrer Stock gewesen sein, als der. welcher dem Gerichtshof al» corpus ävlioti übergeben sei. KreiS-Schulinspektor Winter giebt dann auch zu, der Stock sei wohl noch einmal so l a n g gewesen. Herr Winter verabfolgt sich selbst zwei Schläge mit dem Stock auf die Hand. Dr. K. steht darauf die Hand an und sagt:„Die Hände der Kinder sahen ganz anders ans, blau, blutrünstig u n d v e r s ch w o l l e n. Die Kinder waren nicht im stände, eine Faust zu ballen. Einige waren psychisch alteriert, ein Knabe stottere infolgedessen." Der Kreisschulinspektor Winter erhob weiter in der Ber Handlung gegen die Stadtpolizci den Vorwurf, daß diese sich der Situation nicht gewachsen gezeigt habe. Die Beamten hätten die Bedeutung des Krawalls zunächst unterschätzt und dann später nicht den nötigen M u t bewiesen. Namentlich der Stadtwachtmeister Koscolowicz habe anscheinend nur widerwillig die Menge abgewehrt, und iin Moment der höchsten Gefahr sei er überhaupt nicht zu sehen gewesen. Er müffe hierbei hervorheben, daß die Tochter des Stadt Wachtmeisters Koscolowicz sich ebenfalls an den Demo» st ratio nen gegen den deutschen Religionsunterricht beteiligt habe und nicht zum Antworten in deutscher Sprache zu bewegen gewesen sei. Der Auf forderung, blank zu ziehen, sei der Stadt wacht- m e i st e r nicht li a ch g e k o m m* n. Vom Sonnabend meldet der Telegraph ans Gnesen: An dem heutigen dritten VerhandlungStage in Sachen des Schnlaufrnhrs in Wrescheu kam es zur Sprache, daß die unteren Volksschichten glaubten. Jesus Christus und der Papst spräche» polnisch. Der Erz bischof hat in einem Schreiben an den Vorsitzenden zum Ausdruck gebracht, daß er gegen die Erteilung von Religionsunterricht in der deutschen Sprache selbst dann sei, ivenn die polnischen Kinder die deutsche Sprache beherrschten. Landrat v. Masscnbach erklärt als ?euge, daß er die Lag« am 2V. Mai für sehr bedenklich gehalten abe. Eine Räumung der Straße vor dem Schulhause sei mit Hilfe der wenigen Mannschaften unmöglich gewesen. Die Verhandlung wurde schließlich auf Dienstag vertagt. BSetter-Prognose für Sonntag, de» 17. November 1901. Kalt und vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterdureau. Briefkasten der Redaktion. Jnrisillche Sprechsiiiude findet am SIenStag, TaniierS- re Tie.WM.. I. M tag und ftreitag von 7-9 Uhr abends statt. 1000 PP. 1. Eine Frist für Aufbewahrung der Sachen besteht nicht. 2. Als allgemetneS Mittel gegen Zahnschmerz läßt stch iminer wieder nur raten: sobald als möglich einen verstäiidlgen Zahnarzt zu befragen.— 1». 0. l. Ja. 2. 200 3. An die Jnvaltditätsanslalt, Breitestrahe 24.- P. Ol. 97. Wendtii Sie sich an das Auswärtige Amt.— G. D. 1. Monatlich einmal. 2 Bei der BesängniSverwaltung. 3. Einmal monatlich Ständiges Repertoire: Restdcnz.Zcheater. Alle Abende: Sem Doppelgänger. Vorher: Im Coups.(Mittwoch: Geschlosten.) Nächsten Sonntag: Leonarda.- Central-Dheater. Sonntagabend: Per Seekadett. Alle übrigen Abende:«astspiel von La Lote Füller und Gada Jacco. Mittwoch: Geistliche« Konrert-»riedrich�Wtlhrlmstndtisches Pheater. Alle Abend«: Offenbach-Cyklu«. Perichole, die Strastensängerln. Nächsten Sonntag: Einmalige Aussühruna' Der Hofnarr.— Seceiiioi.s-Pheater. Alle Abende: Petleo o Lilencrons Buntes Brettl.- ttraui«. Tauben- straB- 48/49. Alle Abende. Ueber den Wollen.- ÄpoUo-Theater. Alle Abende: KSmg«qua.- Eafino-Theat«. Alle Abende: Spectalitäten. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter itans Fischer, geb. Walter, nach langem, schwerem Krankenlager an der Lungenschwindsucht am DoimerStagnachmittag 11'/, Uhr sanft entschlafen ist. 281öL Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. November, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Pankstr. 4»., aus auf dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, statt. Die trauernden Hinterbliebenen. vtto Recbor nebst Kindern. Berliner Krallkell-Ulittrstiitzllltgs- un!> Begrilbnis-Vermfiirzrlltltll und»cheii. Todes � Anzeige. Am 14. November er. starb nach längeren Leiden das langjährige, treue Mitglied Frau Fi«eher im Alter von 44 Jahren. 60/2 Ehre ihrem- Andenken! Iber Vorst»»«!. I.A.: K. Müller, Vors., Waldcmarstr.43. Verein der Baulinschliiger Berlins». Umgegend. Den Mitglieder» zur Nachricht, daß am 13. d. Mts. unser Kollege 40/4 Merl Fetsch verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes, Prenzlauer Allee, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht »er Vor«taii«1. Deulscher Metallarbeiter- Verband VcrwaltnngSstelle Berlin. Todes-Anaeisre. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Schmied gestorben ist. Wir werden sein An denken in Ebren halten! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. d. Mts.; nachmittags 2 Uhr, vom HedwtgS-KrankenhauS nach dem Dankes-Kirchhof, Tegeler Chanfice, statt. Rege Beteiligung erwartet 122/6 Die Ortsverwaltnng, Orts-Krankenkasse der Gastwirte verwandten Gewerbe zu Berlin. und Udlr" Ordentliche Wstzj General-Versammlung der Kaflenvertreter am Dienstag, den 26. November 1901, nachmittags 3 Uhr, beiHrn.Waiinemacher,Dresdenerstr.4S. Tagesordnung: 1. Protokoll-Verlesung. 2. Wahl des RechnungsausschusieS. - 8.48 Abf. 2 Nr. 1. 3. Vorstaudswahlen.—§§ 36, 37, 48. 4. Beamten-Ansteltnngs- und Besoldungsverhältnisse. 5. Arzthonorar. 6. Apotheken-Boykott. 7. Beratung und Beschlußfasiung über die Anstellung von homöo- pathischen und Naturheilärzten. 8. Mitteilungen des Vorstandes und Berfvgungen der Aussichtsbehöcde über allgemeine wichtige Kassen- ongelegcuhciteii. L?ö/12 S. Freie Besprechung. Berlin, den 12. November 1901. Ter Borstand. popp», Borsitzender. Krausdaai-, Schriftführer. Orts-Kraukenkass e für das rauer- sj/llen Freunden und Kollegen die "4» traurige Mitteilung, das; am Ib. November mein lieber Manu, der Maurer Gustav Zingelmann verstorben ist. Die Beerdigung findet heute. Sonn- tagnachniittag l'/a Uhr, vom Trauer- Hause Ratiborstr. 18 aus nach dem Emmauslirchhof statt. 19.' lb Die trancrndeu Hinterbliebenen. ventzeber Metallarbeiter-Yerbaml. VcrwaUnngH«tclle Uerlin Todes-Anzei�e. Au« Mittwoch, den 13. d. M. starb unser Mitglied, der Schraubendreher tfulms Ladenthin im Alter von 50 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 17. November, nachmittags S'/a Uhr, von der Leichenhalle des Lazarus- Kirchhofes, Scharrnweber- strahe aus statt. 122/7 I>Ie OrtsvcrwaUnng. Allen Freunden und Kollegen zur Nachricht, daß imsri Kollege, dcrTischlcr Anton Baumgart nach kurzer Krankheit am Donnerstag, rüh>2«/, Uhr, sanft entschlafen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 2'/, Uhr vom Trauer- Hause, Kaiser Friedrichstraste 245 'lixdors) nach dem Michaels-Kirchhof, ariendorfer Weg, statt. 193öb vi» Kollego» der Firma Kuttner u. Hanff. zu Berlin, Alte Schönhauserstr. 32, Hof I Dienstag, den 26. November, abends 8 Uhr: th'lintl. Generalversammlung im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15. Tagesordnung: 1. Ersatzwahlen zum Vorstande (3 Aibcttgeber, 6 Arbeitnehmer sowie zwei Arbeitgeber- und 4 Arbeit- nehmer-Stellvertreter). 2. Wahl der Nevifions- Kommission zur Prüfung der Jahresrechming pro 1961. 3. Be- richt des Borstandes über die Ber- Handlungen mit den Aerzten. ISVöb Um pünktliches und zahlreiches Er- scheine» der Delegierte» ersucht Der Borstand. _ Otto Wolf, Vorsitzender. Orts- Krankenkass e der Naiidschehmachel und verw. Gewerbe zu Berlin. Sonntag, den 24. November 1901, vormittags 10V2 Uhr: ordentliclie MslimlW im Lokale von Gustav Bauer, Rosen« thalerstraste 57. Tagesordnung: 1. Abänderung des Statuts(§ 49). 2. Wahl von zwei Arbeitgebern und zwei Arbeitnehmern. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung für 1901. 4. Ber- schiedenes. 19vgb Zu dieser Versamnilung werden die wahlberechtigten Mitglieder und deren Arbeitgeber eingeladen und ersucht, zahlreich zu erscheinen. Berlin.- 17. November 1961. Der Borstand. I. A.: H. Hin», Vorsitzender, Luttmannstr. 4, kenmL Orts-Krnnkenkasse der Tabakfabrikarbeiter. Montag, den Sil. November, abends 8 Uhr: 138/12 Gtnkral-Uersdmmlnng im Kaffenlokal Weiustr. II. wozu ergebenst einladet Der Borstand. Tagesordnung: 1. Kafienbericht. 2. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. 3. Sonstige Mitteilungen. Deutscher Loliurbetter- Derbaud Zuhlstelle RMorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß liser Mitglied sl28/l Anton Baumgart ii 14. d. M. plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag- zchmittag 2«/, Uhr vom Trailerhause aiser Friedrichstr. 245 aus, auf dem iichaelis-Friedhof am Martendorfer- Um rege Beteiltgunc »er X ersucht er»tan«l. Für dt« vielen Beweise herzlicher eilnahme beim Hinscheiden meines eben Mannes/- Ahr. Montag: Mignon. SchanspielftaiiS. Die Journalisten. Anfang 7>/2 Uhr. Montag: Wie die Alten sungcn. Sieiics Opern- Theater(«roll). Torquato Tasjv. Anfang 7i/, Uhr. Montag: Zweites grohcS sinfoinsches Abomienieuts- Konzert des Ber- Auer Tonlüiistler-Orchesters. Schiller. Jugend. Ansang 8 Uhr. � Nachm. 3 Uhr: Die Braut von Messina oder: Die feindlichen Brüder. Montag: Lysanders Mädchen. Hierauf: Die Komödie der Irrungen. Deutsches. Einsame Menschen. An- fang 7>/z Uhr. Nachm. 21A Uhr: Johannes. Montag: Fanft. Bertiner. Die rote Robe. An- fang 71/z Uhr. Nachm. 2Vj Uhr: Die beiden Leonoreu. Montag: Uever unsre Kraft. Urania Tauben-Strasse 48/48. Im Theater um 8 Uhr; lieber den WoBken Montag: Dieselbe Vorstellung. fjarl Weiss-Theater. Invalielcnstr. 57/0%. Castans Panopticun). Frledrichstr. 165. Horwarths wunderbare 6 Liliputaner mit ihren kleinsten Pferden der Welt und Pracht-Equipage! Grosse Frankfnrterstr. IZS. Anfang 7Vj Ahr: Wie denke» Sie über Dreyfns? Schwank in 1 Akt. Hierauf: Ikm'IIner Hangen. Große Gesangsposse in 7 Bildern von G. Albert. Musik von Rob. Leonard. Montag: Der Märchenbrunnen. CMlli-ThkM. Heute Sonntagnachmittag 3 Uhr | zu halben Preisen: Die Geisha. Abends: 71/» Uhr zum letztenmal: Der Seekadell. Am Montag, den 18. November. A/z Uhr, beginnt das nur für 12 Abende l bemessene Gastspiel von La Lolc Fnller und Suda Yacco. Untcv den linden 08 n. Hingang Scliadninstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis; WM" 50 Pf.-MI Heiclihaltigste Ausstellung der Welt au lebenden Seetieion, Eemilien�tc. Schall und ßanch, Unter den Linden 44. Sonntag, den 17. November 1901, Uhr nachmittags bei bedeutend ermässigten Preisen: In Vormundschaftssachen. Don Carlos etc. Abends 8 Uhr; Bruderherz vonEllie de Hassan.— Familien-Idyll von Metenier.— Unbelauschte Momente von E. Vallontin.— Kasperle-Theater von E. Vallentin.— Herbstzauber von E. Presber.— Abschluss von Nordhausen. I Emanuel Reichers Künstler-Abende Hotel de Eome, U. d. Linden 39. Heute: 8. Abend. Donnerstag, den 31. Nov.: 3. Abend. Anfang 8 Uhr. Mitwirkende; Hedwig Reicher.— Else Moest. Eduard Kepler. Hans Pfitzner. Zum Vortrag gelangen: Dichtungen von Detlev v. Lilien- cron, Gustav Falke, Karl Vanse- low, Mark Twain, Anna Eittcr, Marie Madelaine, Maria Zanitschek, Jean Eichepin, Börries v. Münchhausen, Theodor Storni, Shakespeare. Preise der Plätze: 5, 4, 3, 1 M. Vorverkauf: Hotel de Home und bei Bote& Bock, Leipzigerstrasse 37. Ipolio- Theater. Abends 9 Uhr:"VE Kit durchschlagendem Erfolg: König Aqua. Nur noch einige Tage Auftreten Fh Cäeilie Carola vor Antritt ihres Urlaubes. Im S.Bilde: Luftballett„Grlgolalis". Ferner: 8 ausevlesaae Specialltäten. _ Anfang 7l/j Uhr. AAimg! Kiirischner. Mtung! und Sonntag» de» 17. November, abends 6 Uhr, lmEnglischenGarten(oberer Saal), Alexanderstr. 27c. Große öffentliche Jtersammhmg der tu der Kiirschnerbranche beschäftigten Arbeiter Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Reichstags-Abgeordneten Hmil Kosenow über:„Die wirtschaftliche Krise und die Aufgabe der Gewerkschaften". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensei» mit Da»,. Um pünltliches und zahlreiches Erscheinen ersucht_ 152/1 Der VertranenSmann der Kürschner. Cellirlilverblilli! der Buaiiteiire Deutschlands. Filiale Berlin. Moiltilg, den 18. d. M.» llbtllds 8 Uhr, bei Bllske, «reiladierstrassv SS: Tages-Ordnung: 180/4 1. Beschlubsassuiig über de» Antrag: Beibehaltung des 50 Pf.-BeitrazS in den Wintermonaten. 2. Bericht von der Baulotitrolle. 3. Verschiedenes. Uin zahlreichen Besuch bittet_ Per Vorstand. Ansang (2. Teil.) Lessing. Di« lieben Feinde. 7'/, Ahr. Mittags 1 Uhr: La Eobe rouge (Gastspiel Madame Rejane.) Montag: La course du flam- beau.(Letztes Gastspiel Madame Rsjane.) Residenz. Sein Doppelgänger. Im Coupe. Anfang 7'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Nora. Montag: Sein Doppelgänger. Vor- her: Int Coupe. Rcnrs. Das Ewig-Weibliche. An sang?:/, Uhr. Nachm. 3 Uhr; Der Hiiitenbcsitzer. Montag: Das Ewig-Weibliche. Weste». Don Juan. Ansang 7>/zUhr Nachmittags: Der Waffenschmied. Montag: Der Troubadour. SrcessivnSbiihne. Detlev Lilien- cronS BinileS Breiil. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central. Der Seckadeit. Ansang 7-/- Ahr. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Der Seekadett. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- fang 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Liane, die zweite Frau. Montag: Ein tolles Geschäft. Lnisen. Schiedsmann Hempel. Au- sang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Zell. Carl Weiss. Berliner Rangen. Vorher: Wie denken Sie über Dreysus? Anfang 7»/, Uhr. Montag: Der Märchcnbrnnen. Friedrich Wilhelmstädttsches. Offenbach-Cyllus. Perichole, die Straßensängerin. Ans. 71/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Perichole, die Straffen- fängerin. Bclle-Zllliniice. Die beiden Neichen- müller. Anfang 8 Uhr. Montag: Onkel Bräsig. Casino- Theater. Berlin W— Berlin N. Specialitäten. Anfang 7i/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Raub der Sabineriimen. Montag: Berlin W— Berlin N. Mettopol. Specialttätenvorstellnng. Schön war's doch. Ansang 7-/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellimg. KlpoUo. Spectalttälen-Borstelliing. König Aqua. Anfang 71/, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang»achmittnas 3 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Panopttkum. Spccialn läteii-Vorstelliliig. Meichshalle». Steltiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Palast. Specialiläleii-Vorslellnng. Groffstadtzauber. Ansang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Tanbenstr. 48/41).(Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: Ueber den Wolken. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnvalideiistrasse 57/1,8. Bedeckungen und Finsternisse. Anfang Wochentags 5 Uhr, Sonntags 2 Uhr. Ende 11 Uhr. Lotte Sebus der neue Stern der VaribUbUIine. Auftreten 10 Uhr. ,,Mascagni graste ausserordentliche« ™ Gala-Borstellniigen. Ä Nachmittags 3l/a Ahr ganz exquisites Galn-Parforce-Programm und abends ?!/, Uhr. I» beiden Vorstellungen, nachnnttags und abends: Mr. Tiiompsons einzig dastehende dressierten Wttnder-Elefaute«. Der phänomenale Amerikaner Mr. LdeLter �odostoue mit seinem sciisationellen vollständig 1 neuen Akt, sowie sämtl. neu engagierten Specialitäten. I» deidenVorstellungen: Dir. Aid. Schumanns iieuefle Original- dreffnrrn. U. n: Tie Zlrche Roahs. Nachm. 31/, Uhr auf allen Plätzen, ohne Ausnahme, 1 Kind frei. Jedes weitere Kind halbe Preise(außer Galerie), abends jedoch volle Preise. Zinn Schluß zum 37. Mal: Quer durch Paris (A Travers Parin). chlußatt; Nordseebad Schevenlngen. Wo amüsiert man sieb grossartfg? in Schnegelsbergs FestsäBen Huscnhelde 81 und.Talinstvasse 8. Jnh.: 8vl»iudlvr. Lente: vrosskr LaU vnä Tdslsr-Retjen verbünde» mit Elgarren-, Bonbon-Negcn und diversen Ueberrafchnnge». 27I7L« �S�Ii���eo>aIItNt«ii�«»�>tQN>i>>��ntree�� iGtropol-TliGatsr. Schön war's doch. Gr. Berliner AuSstattungsposso mit Gesang u, Tanz in 5 Bilde Emil Thomas«.«. J. Josephi.— H, Bender. Urkomische Parodie. !! Bender als Saliaret!! An läng i/,8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Am Totensonntag, 24. d. M.; Einmaliges Gastspiel des König! K.™J B. RollimQhl mit dem Ensemble des Opern- Theater des Westend: IMe Jüdin. Mlttwocli. den 80. Movcniber, im grossen Saale des„Gewerkschaflstianses" Vortrag des Herrn Maler QltO Fddg Leiter der volkstttnillclien Kniistnnsstellang: „Die Kanst und das Volk!' 292/12* Saaleröllnung 7 Uhr, Beginn des Vortrages 8 Uhr. Fintpitt frei. Der Einberufer. I. A.: Joh. Sassenbach. Cirkns Benz-Konzert-Tnunel Kapistrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direkiion: SvuntagS S Uhr. 3 p S C 1 a 1 1 1 ä tz SU. J. M. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung; Taus ohne Nachzahlung. mt mache» wir am Itnsnstug Pichelswerder beim alten Freund. unsre Herrenparlie hin? Nach zum Wurstesseu tl ZZ.» 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzlos. Zahn- LlUlllt-& Zli* ziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Teilzahl, wochentl. 1 M Zahnarzt Welk, Leipzigerstr. 130. Svr. 9—7. Lusillo-Idester. Lothringersir. 37. U. a.: Gastkpiel der v'/- Ahr. Perl in X. Berlin W. Auf. Wach. 8 Ahr. Semit. B/, Uhr. Heute nachmittag 3 Uhr: kleine Preise. Der Raub der Jabiiierinneii. Sanssouci Knttbnscrstr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag II O fflll U II II s Norddelitslsie Siingcc Nach jeder«oiree: Tanz. Neu! Neu! Neu! LehmailnsHklinkthr. Sonntag, 84. Novbr. i Einmalige Aufsührung des vorzüg- lichen Schauspiels: Der Pfarrer mm ftirdjfeli) von Ludwig Anzengruber." Uitter Mitwirkung des..Berliner Schauspiel-Bereins". VI Noaclts Theater. Brnnnenstraße Iii. Der Waldteufet. Posse mit Gesang in 4 Akten von W. Mnmstädt. Musik von G. Steffens Heute Tanzkrtinzriie». Montag: Die Gifttnischerin vo» St.Trostez. Kslksßartep kenoksksllvn. Stetüncr Sänger. „Bosen". Heysei. Britton. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. An der Spanitauer Brücke 3. Vornehmst. Vergnilgungslokal! Täg lieh: Internationale Koniecrtc. SpecialltKt.-Poppel- Vorstellung von nur erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. Gut ge pflegte Biere. bormalS Weimanns Volksfarten Badstrasse 50. Den geehrten Vereinen zur ge- fälligen Beachtuug, daß meine großen Festsäle jetzt einen separate» Eingang haben und mit dem Vergnügungspark in keine Be- rühruug kommen. 2622L* Frei sind folgende lSounabende: 30. November, 7., 14. it. 21. Dezember. Die Direktion. Allisimbfa Wallncrthcater-Strussc 15 Jeden Sonntag und Dienstag: Grosser Extra-Ball bei doppelt be- setztem großen Orchester. Anfang 5 Uhr. A. Kameitat. Urania Wrangelstrussc 10/11. Jede» Sonntag: Lnossen DsII. Auf. 4 Uhr. Siehe AnschlagsSiil-ii. j Euipfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. 24392* C. F. Walter. Gesellschaftshaus Swinemiinderstr. 48. Tägl. Theater- 11. Speeialiiäten- Bortteltniig. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gekellichasten, Vereine, koulant zu vergeben. s2438L* Kösliuer Hos, Ktfsliner• Strasse Mo. 8. Erster n. zweiter Weihnachtstag zur Matinee frei._[* W. Äiiigerö Zießa»mt, Vereinslokal, N a u n n n st r a tz e 6. Sonntags: Familien-Zlbend. Achtung, Maurer! Zur alTgemeinett Kenntnis, daß die tägliche Arbeitszeit in der Zeit vom 18. November bis zum 18. Januar lant Vertrag 7 Stünden beträgt und zwar von früh 8 bis abends 4 llhr mit einer halbe» Stunde Frühstück und einer halben Stunde Mittagspause. ti44/l8» Wir ersuchen die Kollegen im Interesse der Allgemeuiheit, für die strikte Jiinehalttmg dieser Arbeitszeit Sorge zu tragen. Sollte» sich hieraus Differenzen entwickeln, so erinrfien wir die Kollegen, uns umgehend den Bau und Straße, den Arbeitgeber und dessen Wohnung per Karte mit- zuteilen, damit letzterer vom Arbeitgeberbnnd zur Jnnehaltuiig des Vertrags auigesordert werden kann. Das Bureau der Verbaudsleitung, Engel- Ufer 15. Zimmer 29, ist wochentäglich von vormittags 8—1 Uhr und nachmittags von 3—7 Uhr geöffnet. Hier sind alle auf den Bauten vor- kouiiiienden Differenzen mit den Arbeilgebern sowie Mißstände und olle Unfälle sofort zu melde». Gleichzeitig geben wir bekannt, daß jeder Derbandskollege des Streikgebietes, welcher den Monat November bezablt, eine lleine Bro'cknlre über die neue, den Arbeiterschntz aus Bauten be- treffende Polizeiverordiiung sowie die maßgebenden Unfallverhittuiigs- Vorschriften der Nordöstliaien Baiigewerks-Beriiisgenoffeuschaft erhält. Bei Empfang derselben ist ein Stempel ins Berbandsbuch zu drücken. Kollegen, welche den November schon bezahlt haben, erhalten diese Broschüre nach. Pie Verbandsieitnng. I. A.: Kurl Panser. er!insrSIIK-TYH). Felix Scheuer u Slrslnndtntr. I. Joliannisthai. Wwe. Raus Park-Restanrant Busstag i Empfehle für Ausflügler: Frische Blut- und Leberwurst, Eisbeine. 2808Ö*] W»ve. Klise Hau. Heute Soniitaz: Großer Ball! IHtotftnauus Volksgarten Westend sind Säle für Sonnabende zu Festlichkeiten unter coulaiiten Bedingungen zu vergeben._ 2621L* 2762»]-öllsjtttjl» Empfehle für Ausflügler: Frische Blut- u. Leberwurst, Eisbeine rc Beinrieb Sass. Alt-Glienicke, Grüunuetstr. 29. KosIinerHoUiööliiiciitiJ. Besonderer Umstände halber ist Sonnabend, 1. März, zum Maslen- ball frei. L813L» Busm' Salon und Stehbierhalle, Gr. Frnukfurterstr. 85. Jeden S onntag, Dienstag, Donners- tag, Freitag: Tanz bei freiem Entiec. Empfehle meinen Saal zu Festlich- ketten und Bersammlungeii an Vereine, 24362* Otto Theel. Jol» aiiiiistlial. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonntag: tür,>iiser Hall. KaffeekUche.Kegelbahn. Ausspannung. Saal für Vereine u. Nersaiiimlungen' lOoncur- Kampf! Mit fabelhasten Preisen will der belainiie Concurrettt O. Gleen erZürich auch mich vom Platze ver- drängen. sl42/12» Ich nehme aber den Kamps mit ihm ans; und offeriere daher alle von ihm aunoucierten Uhren samt Bedingniigen mit 10 Procent billiger und garantiere, daß die Qualität znniindcft ebenso S»t ist- t Außerdem verkaufe ich meine zwei Specialitäten Remoittoir-Uhren ans echtem Silber, 800 amtlich gestempelt, 18 ka rätig vergoldete Kronen, Bügel, Ränder, statt zu den ohnehin rcducieilen Preisen von 10,—, 12,— u. lä,— Ml., jetzt bloß mit 6,83 u. 7,90 Mk. snr Herren, 7,45 u. 8,10 Mk. für Damen, mit 3 jähriger Garantie snr den rich- tigen Gang.— Man benutze daher die Gelegenheit vom Conciirrenz- Kampf und beziehe die Uhren nur von A.ki8elivr, Zürich I. (Gerechtigkeitsg. 31.) Klektra, SP., Meanderslr. 4. Für Herren aller Branchen be- 1 ginnen wieder am 5. Dezember| Neue Abendkurse in Theorie und Praxis. Sonntagsknrse für Zeichnen und Zllgebra. Anmeldungen schleunigst. Prospekt gratis. Bilder» � i&r Waiid- n. Fensterdekoratiou kauft man am billigsten bei Pskar Painn, Brückenstr. 9._ 19766 �MWts-Aitövtrkdlis. Pupbeiiwaae») aufterordent- «inderwagcu> Sportwagen I'lly vllllg. yiax BrJnnrr, Jeriisalemerstr.4>. 28S18*] Filiale: Brunnenstr. 6. CäFFHellilÄ, ßeilltthilfe uiiD Majstiir; für sämtliche Krankenkassen Berlin« 11 142*] und Umgegend Nsedomstr. i», Eing. Waltstr. 19. I M Dame spart Geld beim Einkauf von-MM Tamen-Ntäuteln! Nach beendeter Engros-Saifon s verlause ei»».eln zu üilpö-Pmsett -»ii Winter-Jacketts mit und ohne«eidenfittler von4M.bisÄ0M. Golf-Capes mit und ohne Bolant« von»M. bis SSM. Kinder-Jackett» and Paletots von 3 M. biS lO 71. Sarra-Paletots mit und ohne Jetdenfuitrr vott7,s« bis 3<> M. kill gttjtr Pgste» Modtüt��anS?'" Cllpeg Ililh Vllletots mit eriite» Pclzbesäüe» Nerz. Ti! Persianer, Nerz nntcr bei. Derffellungspreis. 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Sotialdeinokratischer Wahlnerein für den L Perl. Wchstags-Wahlkreis(SiiDot). Dienstag» 19. November, abends 8 Uhr, bei Herr» Brüder, Waldeniarstr. 72: Terssiiiiiiiluiiif. Tagesordnung: 1 Vortrag des Genossen Cohen über: Krisen und ihre Wirkung aus die Arbeiterorganisation. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheite». Zahlreichen Besuch erwartet 26(5/14» Der Vorstand. VI. Wahlkreis. Am Sonntag, de» 17. Kolberger Salon, Siovember, abends G Uhr, im Kolbergerstrasze Nr. ÄS: UoikS'Nerflttnmilttttg. TageS-Ordnung: l. Bortrag des Schristsiellcrs D. Schütte über: Erde." 2. Diskussion. MM"' Stach dem Vortrag: ««ntincnsei». Um zahlreichen Besuch bittet 220/12 Der Vertrnnensninnn. Der Ursprung der tZeselllses Del- MußlitilstrWrilte«-Weiter. (Fachverein.) Montag, dett 18. November 1901, abends 8V2 Uhr. Graumahn, Nauiiynstrasse 27: Delegierten-Versammlung. bei 1. Bericht der Delegierten..._ Jede Werkstatt ist verpflichtet Tages- Ordnung: 2. Bereinsangelegenheiten. einen Delegierten zu senden. Mittwoch» den'SO: Sivvember(Bußtag): ttsi'i' illlth Tegel, Htiligeltsee it. Treffpunkt biö S Uhr bei Grundniann, Nailupiistrah« 78. ' Ohr: Moubijon-Platz(Haltestelle- der Elettrischeu: Monbijoii-Platz— Tegel. Sonntag, den 1. Dezember, bei Graumann, Naunynftr. 27: vnlerltAllungLÄdeull. verbtlildt» mit Tlliljklllitjlsieit, zum Besten zweier kranke'r, von der Krankenkasse anSgesteiierter Kollege». Mitwirkung des„Sünxerlrrcises der Zkusihlnstrnmenten- Arbeiter*'. Dirigent: R. I nnzre. „fjumoi'illil'rfjc Voikriigv"« AnfuiiK 5 Chr. Blllet 25" Pf. SW Biilets sind in den BerkehrSlokalen zu haben."WS �2/11___ Der Vorstund. Deutsch Jetailarbeiter-Verband VcrwultunKsstelle Rellin. Bureau: Engel-Ilfer 1». Zimmer t-S. Fernsprecher: Ami VII, 353. Oiii*ui'A5i8«iiv JBi*aiicVie. DienStag, den Ii). November er., abends 8Hz Uhr, bei I�ümann, Brumienstraste Nr. IZtt: Do�zQzi,tttluttg."WU , T 11 g e S- O r. d 11 11 11 g: 1. Vortrag des Rechtsanwalts Victor Crilnki über: Der ArbeitS- verlrag u» Bürgerlichen Geletzbuch. 2. Diskussion und Berbands-Angelegen- heiien. y�ß Sic Kollegen werden ersucht, zahlreich lind pünktlich zu erscheinen. Arbeitslose! Montag, den 18. November, vormittags 10 Uhr, Ndjk flvogc ArklMljsek-Bttsllmmltt«se» in folgenden Lokalen: Norden� BaUschmieder, Bahßrltße Nr. 1k. Kösllner Nof, Köslinerstritge 8. Kroileu-Brauere!, Alt-Moabit 8K. CetttrUM:Eusttscher Garten. Osten: t Keller. KWtttjtrltße Nr. LS. Südosten: GeVerkschastshans.Eitgelttser 13. Konjerthans Sanssauci. Westen: BM-Branerei. Temptlhoser Berg. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die gegenwärtige Krise, die Arbeits- losigkeit und wie ist Abhilfe möglich? Referenten: Reichstags-Abgeordnete I. Auer, R. Fischer, W. Pfannknch, M. Schippel, A. Stadthagen, E. Wurm, F. Zubeil und Stadtverordneter Th. Glocke. Arbeiter und Arbeiterinnen! In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Versammlungen ersuchen wir um zahlreiches Erscheinen. Der Ausschus; 300/�_ der Berliner Getverkschafts-Kommission. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 18. November, abends S'/s Uhr: Bezirks- Versammlung der Bezirke M-W»en«iid Weften: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hm» Reichstags> Abgeordneten Rosenov über: „Arbeiterbewegung früher und jetzt". 2. Verschiedenes. iSSlP Die Kollegen werden gebeten, pünktlich und zahlreich tnit ihren Damen zu erscheinc»._ Mittwoch, de» 20. November(Buhtag), vormittags 9 Uhr Ursuiclien-VeFsaiii minngl der Telephon-Tischler somit btrjttnp Tisthler, mlthe tutf photogt'ltvhisthe, teltgtatihtsche unii lhirurgisdie Npuratc tieldäftigt ftit im„Märkischen Hof", Admiralstrasie 18«-. Tages-Ordnung: I. Bericht der Kontroll-Kommission. 2. Wie gestaltet sich die Lage in unsrer Branche. I Verschiedenes. ES ist Pflicht aller in der Branche beschäftigten Kollegen piiiiktlich zu erscheinen."91$ Ter tl'inbcrnfer: C. Hotmann Kolks- Uersammwng Dienstag, den 19. November, abends 8'/s Uhr, im Saale deö Herrn IVRindner, N. Bergstrahe Nr. 12. Tages-Ordnung: I. Tic wirtschaftliche Krisis und welche Vorteile bieten de» Arbeitern wirtschaftliche Organisationen? 2. Diskussion. Reseretttitt: Will. Fanny linle. Franc» und Männer werden ersucht, zahlreich zu erscheinen.-Hgsjt Der Einbcrufer: V. Walther. NB. Zu dieser Versammlmig findet am Montagabend von Obrletlan Hllgentelii, Bergstr. 80, aus eine Handzettel-Verbreitnng stall und bitten wir die Genossen, dortselbst sich eiiizustndein__ 265/8 WM-SMlMstU-MthtlMbttg. Dienötag, den 19. November, abends 8'/s Uhr, im Saale deö Herrn VrinKaus, Volksvevfntntnluttg T ages-Odnung: 1. Dortrag des Reichstags- Abgeorduenten L. Rosenou*. 2. Dis- tuffton. 3. Oertliche Angelegenheiten. 223/13 _ Der Ginberufer. / vwviyrMyv** Mittwoch, den 20. November, nachmittags 4 Uhr, in den Armin» hallen. Koinniandaiitenstrasje 20: MtKneÄvK'-VS»'«anKBnInn|* desZmttgmmtSBtrliv III des Ct«tMerbllMi>trM«rtr. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gcnoffen Rein. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.___ 253/11_ Die Ortsverwaltung. Orts- Krankenkasse des Maurer- 0)e»vorves. DienStag, de» 19. November, abends 8 Uhr, im Gcwerk' schaftShanse, Engel-Nscr IS: General-Bersammluug der Vertreter der Kassettmitglieder tiild der Arbeitgeber. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes. 2. ErgänzungSwayl deS Borstandes für die Jahre 1902/1903 für die ausscheidenden Vorstands- miMeder aus der Gruppe der Arbeitgeber, die Herren Linke und Böhinert und aus der Gruppe der Kasseniilitglieder, die Herren Kelpi», Bnchholz, Linde und Schlöffer. 3. Wahl des Rechnimgsausschilsses. 4. Die definitiue Genehmigung des mit dem Verein der freigewäylten Kassenärzte ab- zuschließenden Vertrags, betreffend die Erhöhung des Honorars, ö. Mit- teilungen des Borstcmdes.*• 17436* Das Mitgliedsbuch legitimiert. Berlin, den 8. November 1901. "Der Vorstand. A. Daelmo, Vorsitzender._ A. Kelpln, Schriftführer._ Tienstag, den 19. November er., abends 8-'z Uhr, im Kolberger Salon, Kolbcrqerftrasie 23: Itasü i'fcs-F«>'8a in n> Uui z»' für Dfii Kleddltig mW Ormilenlmrger UorffDdt, T a g e s o r d II u u g: I.Vortrag des Herrn Dr. Re!»e»»u„n über: Das Bürgerliche Gesetzbuch und die besitzlose Klasse. 2. Diskussion. 3. VerbaudSangelegeu- heiteu und Verschiedenes. Tie Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheine». Die Ortsverivaltiing. Die Bibliothek ist wieder eröffnet. Bücher können während der Bureau- stinideu vorniittags von 9—1, von nachmittags 4—7, außerdem Dienslag und Doiinersiag abends von 7—9 Uhr entliehen werden. Montag und Soiinabenduachmittaz bleibt die Bibliolhek geichloffeu._ Gewerbegereehts»Wahlen in Lichtenberg. Drei große öffentliche Versammlungen. Am Montag, den 18. November, abendö 81/» Ishr: l für alle in der.�ot�indnffrie beschästigte» Arbeiter (Tischler, Drechsler, Stellmacher. Polierer:c.) 223/12 im Gartensaale de» Herrn Ponten, Frankfurter Allee 174; 2. für alle in der beschäftigte» Arbeiter (Schlosser. Schmiede. Dreher, Schleifer, Mechaniker zc.) im Saale de» Hrn. HäRich, Frankfurter Chanssee 120; Am Dienstag, de» 19. November, abends S'/a Uhr: 3. für alle in der JÖlllHUtMlstuic beschäftigten Arbeiter (Manier, Zimmerer,'Anschläger, Bauarbeiter, Maler-t.) im Saale des Hr». Höflich, Frankfurter Chaussee 120. Tages-Ordnung: 1 Tie bevorstehenden(scwerbegerichis Wahlen. 2. Aiisstellniig von Kandidaten nud deren Stellvertreter. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Das Wahlkomltee. BrMenrerfllmntlmlg der Parltettbodettleger Tieiistag. den 19. November, ubendS H Uhr, Im Gewerkschaft s haus, Kngcl-lJfcr Jfo. 15. Tages-Ordnung: I Die augenblickliche Geschäftsl-'ge in unsrer Branche. 2. Verbands- Angelegenheiten. Besonders eingeladen sind die Kollegen der Firmen Laibe u. Co., Bendix Söhne, Norddeutsche Fußbodcnsabrik, Zwischenmcister Rumpf. DienStag, den 19. November, abends 8'/« Uhr: Branchenverfauttulttttg der Kauimmacher nnd aller in dieser Industrie beschäft. Arbeiter u. Arbriterinne» im Lokale des Herrn Gold. Gr. Frankfurterstr. 133. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen 8tusche. 2. Diskussion. 3. Der Streik der Kollegen von der Firma Gsraon. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht der Kollegen, zahlreich zu erscheinen. 128/2 Die Kommission. Achtung! Achtung! Hutarbeiter u. Hutarbeiterinnen. Montag, den 18. November 1901, abends 8l/2 Uhr, im GewerkichaftShanS(Saal I), Eugel-Nfer 15: Große öffeiltlillik iiertamiiiliiiig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Waldeck Manasse über:„Der KampT ums Dasein". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen I Erscheint vollzählig in dieser Der- sammlmtg. Einiritt ist srei, Tellersammlung findet iiicht statt. 88/3 Der«Kinbernfer. Alhtun«: Nriitttng! Goidschnittmacher. Dienötag, 19. Nov., abends 8V2 Uhr, im GewerkschaftShanS, Cugeliifer 13:_ MM" Versammlung. 26/18 Tagesordnung: 1. Bianchenangeleg-nheiteii. 2. Verschiedenenes. Zahlreiches Erscheinen envartet Der Vertranensmann. Achtung: Nchtung! Bbtikarbttter ti.-WetteriWeil Montag, den 18. November er., abends 8 Uhr: Grofte öffeutl. Bersaimnlnng bei Dlesener, Laudsbcrgcrstr,isie 37. Tages-Ordnung: 1. Bortrag der Genossin pannj- Imlc: Durch was schützen wir uns am besten gegen' die Krise. 2. Diskussion. 64/18_ 3. Verschiedenes. Der Elnbernfer. Verein Berliner Jalousie-Arbeiter u.-Arbeiterinnen ...... und Bernfsgenossen. Montag, den 18. November er., abends 8 Uhr, im Bereinslokal .. /bei Lndewlg, Kommandantenstr. 65: General«Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vorlesung deS Protokolls. 2. Ausnahme neuer Mitglieder. Z.Kassen- bericht, 4. Wcrkstatt-Angelegenheiteu. 5. Verschiedenes._ 1932b Achtung! Zimmerer. Achtung'! Central-Kranken- mib Sterbekasse der Zliumerer. (Eing. HilfSkasse Nr. S, Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, 22. November, abends 8V2 Uhr, im GewerkschaftShanS. Saal VII, Engelnfer 15; Mitglieder- Versaminluiigs. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Die Apothekcrfrage. 3. Ver- sch iedene Ka ssenaiigelegeuheiten._ Der Vorstand. Verein dentscher Schuhmacher. Mittwoch, den 20. November(Busttag), abends 7 Uhr, im GewerkschaftShanS, Engelnfer 15: Kouebinierte Mitglieder-Bersammlttng. T a g e s 0 r d» u n g r Vortrag deS Genossen Waldeck Manasse über; Wie die Götter starben. Um recht zahlreiches Erscheinen, auch der Frauen, ersucht 170/15 Die Or tsver w alt n n.. Central-Verband der Elektro-Montenre und Berufsgenossen Deutschlands. Sektion Berlin. Donnerstag, dcu 21. d. Mts., abends S'/z Uhr, bei Nttmann, Bmnnenstr. 188; Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 59/1 Der Vorstand. Kranken-Unterstiitzungsbnnd der Schneider. Dienstag, den 19. November 1901, abends 8'/s Uhr: Versammlung in den Armlnhallen, Kommandantenstr. 20(groster Saal). Tages-Ordnung: I. Abrechnung vom 3. Quartal 1901. 2. Wahl der gesamten Lokal- Verwaltung für 1902. 3. Kasseii-Aiigelegenheiten Mitgliedsbuch legitimiert.? Tie Ortsverwaltung. 166/1 AAnng! WkixßiMrL! Achtung! Deutscher Holzarbeiter-Berband, WW Dienstag, den 19. d. M., abends S'/a Uhr: Hl i{ g( i r fr e c« f a in tu 1 u n Bei Grafuuder, Kiiesebecksir. 15«. 127/ Tagesordnung; 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten und Anträge zum Gantag. 4. VerbandSaiigelegeiiheiteil und Verschiedenes. .4- Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die.Ortsverwaltung. . Jandorf& Co O Spittelmarkt 16-17* Belle-Alllancestrasse 1-2» Ecke Leipzigerstrasse Am Blüoherplatr. yelzroaaren fduffen Kanin rase.....-.»» 2,2„5 Kanin rase�gnteouaimt stuck 3, � Nerz Murmel.. stock 3,5.? Nerz Murmel stS'L stock 3,7,? Nutria n....... stock 3,« Nutria I........ stock 4,l5 Seal-Bisam..... stock 5,!? 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Es wird daher die proletarischen Mütter, die sich seit einer Reihe von Jahren mit Erziehungsfragen beschäftigen und in ihren Vereine» Vorträge Über Vernunft- und naturgemäße Erziehung gehört haben, intcr- essieren, einiges zu erfahren über ernsthafte praktische Versncke, diese Erziehnngsidealc zu verwirklichen. Das' Waisenhaus von Cempuis in Frankreich wurde aus dem privaten Vermögen eines Herrn Prövos� geschafsen, welches dieser seiner Heinintgcmeinde vermachte, und Leiter der Anstalt ivar der sehr nukatholische, ja unchristliche Freidenker Paul Robin, ein Pädagoge von hoher Gelehrsamkeit und großer Tüchtigkeit. „Die allseitige Erziehung", wie Robin daS System, das er ein- fährte, nennt, bedarf der gemeinschaftlichen Erziehung beider Gc- schlechter zur Grundlage. Sie hat keineswegs die Anmaßung, alle Zltindcr zu allivissenden Gelehrten zu erziehen; aber sie umfaßt und vereinigt nach Robins Worten die körperliche, die geistige und die sittliche Erziehung und macht es sich zur Aufgabe, alle Fähigkeiten der Kinder zur Entfaltniig zu bringen, ihnen einen Begriff von aller menschlichen Thätigkeit zu geben, sie zur Bildung richtiger Begriffe zu befähigen.— Diese notwendige Grundlage tvirklicher Sachcirkenntnis wird allen Kindern gegeben, die iveitere Ausbildung besonderer Anlagen den persönlichen Neigungen, d?n Umständen und Bedürfnissen gemäß bewirkt. „Daß die beiden Geschlechter später im Leben verschiedene Arbeiten ausführen ivcrdcn", meint Robin,„bedingt doch loahrlich nicht, daß man ihnen eine verschiedene sittliche Erziehung geben, noch daß man sie getrennt erziehe» muffe. Bestimmt,' in der Gesellschaft zusammen zu leben, müssen Mälnier und Frauen sich von zartester Kindheit auf an Gemeinsamkeit im Leben, Lernen und Arbeiten gewöhnen.� Und ein ehemaliger Zögling des Waisenhauses von Cempuis sagt darüber:„Cempuis war eine große Fannlie, in welcher Lehrerinnen und Lehrer, Knaben und Mädchen Geschwister waren; Große und Kleine lebten gemeinschaftlich,»ahmen an denselben Studien und Arbeiten teil, genossen die gleiche Nahrung an demselben Tische, die gleichen Erholnngspanscn und Spaziergänge, die gleichen Vergnügungen, mit einem Worte, sie führten die nämliche Existenz." Vierzehn Jahre lang ermutigte und unterstützte der Generalrat des Seinc-Departements materiell und moralisch das Erzichungswerk Robins und nannte dasselbe„die Krone aller Einrichtungen socialer Fürsorge für die unglücklichen verwaisten oder verlaffcnen Kleinen. welche Paris und das Seine-Departement aufzuweisen haben". Als aber der Nationalismus und der damit in Zusammenhang stehende Katholizismus in den neunziger Jahren sich wieder breit zn machen begannen, denunzierte die Pfaffenfchaft diese offiziell anerkannte„Krone aller Fürsorge-Anstalte»", die ihr ihres natürlich- gesunden Charakters wegen" als höchst unsitllich erscheinen mußte, und bei der gerade herrschenden reaktionären Strömniig gab es allerlei Verdrießlichkeiten nud Reibereien, die schließlich die Waisen von Cempuis ihres Vaters Robin beraubten. Dieses Lnicn-Waisenhaus sso genannt, Ivcil die meisten andren unter geistlicher Leitung stehen! hatte aber glücklicherweise schon so viel Beachtung und Bewunderung erweckt, daß es zum Borbilde diente für eine neue verwandte Anstalt. Im September 1890 machten etwa sechzig. Zöglinge des Laien- Waisenhauses mit den pädagogischen Leitern der Anstalt. Herrn und Frau Robin, dem Oekouomen und mehreren Mitgliedern des Lehr- körperS einen Ausflug nach Brüssel, wo ihnen die Frcidenker-Vereine einen festlichen Empfang bereiteten und voll von Begeisterung ivaren über die glückliche„große Familie", ivelche die Zöglinge von Cempuis hatten, im Gegensatz zu dem höchst elenden und traurigen Zu- stände, in welchem laut einer Enquete der Freidenker die annen Waisenkinder der verschiedenen Gemeinden Belgiens in materieller wie in moralischer Hinsicht sich befanden. Die schon vorher gegebenen Anregungen und vorbereitenden Schritte zur Begründung eines„ralionalistischen Waisenhauses" wurden nun mit verstärktem Eifer wieder aufgenommen und weitergeführt. Die reicheren unter den belgischen Freidenkern stifteten größere Summen, die weniger bemittelten trugen ihr bescheidenes Scherflein zu den Sammlungen bei. Alles, was sich nur zum freien Gedanken bekannte, unterstützte auf die eine oder andre Art das zu begründende Werk: Paul Janson, Hector Denis, JuleS des Effarts. Loon Furnemont, Jean Volders, Emile Vandervelde, wie auch die freidenkeiiden und socialistischen Frauen nihtcn nicht eher, bis der Grundstein zum rationalistischen sverminftgemäßen) oder Laien- Waisenhause gelegt war. Um das Werk zu vollenden, die schönen Gedanken zu Thaten werden zn lassen, bildete sich eine Genossen- schaft, deren Mitglieder eine Erklärung unterschreiben müssen, welche im Archiv aufbewahrt wird; dieselbe lautet: „Ich Unterzeichneter erkläre, daß ich Freidenker»nd entschloffen bin, alle Handlungen meines Lebens in den verschiedensten Um- ständen stetS den Grundsätzen des Freidcnkertums gemäß ein- zurichten. Ich verpflichte mich, die Begründung und Verwaltung deS Waisen- Hauses nach jenen Grundsätzen zu leiten und keinerlei Kompromisse einzugehen." Der greise Revolutionär und gelehrte Mathematiker Deluc über- nahm die Leitung der Anstalt. In der Eröffnungsrede sagte er: „Die bestehenden' belgischen Waisenhäuser«vollen Dicnstbotcn und Soldaten erziehen, Soldaten ohne Familie, ohne Bildung» ohne Charakter; unser Waisenhaus wird ivesentlich ein vernunftgemäßes sein � die hier erstrebte Moral wird einzig auf da? unabänderliche Naturgesetz und die iveitcstgchende Nächstenliebe gegründet«verde». Wir«vollen gleiche Brüder, freie Denker, freie Bürger bilden." Das Vermögen der Gesellschaft ist nicht groß genug, nm die Kinder ganz unentgeltlich aufnehmen zu können; auch ist eS einst- «veilen noch eine kleine Anstalt, die mehr als die 32 darin unter- gebrachten Kinder nicht aufnehmen kann,«veil es die Ralnnverhältnisse nicht gestatten. Für monatlich 20 M.(25 Fr.) erhalten die Kleinen dort voll- ständige Pension,«vobei gleich bemerkt sei» soll, daß die Ernährung eine vorzügliche ist: m i n d e st e n S einmal am Tage«vird Fleisch gegessen; gleichfalls die Kleidung, ivelche ebenso den Anforderungen der Hygiene als denjenigen des SchönheitssimieS und guten Geschmacks entspreche»— sehen doch die Kiirder ordentlich elegant ans in den in der kühleren Jahreszeit getragenen blaue» Tuch- kleidern, die Mädchen mit blütenweißen Mnffelinschlcifcn, die Jungen mit ihre» punktierte«« Kraivatten, die stets frisch und ziemlich ausschauen. In Krankheitsfällen stehen dem Waisenhause drei Aerzte, darunter eine Dame, die übrigens jede Woche die Anstalt besichtigt, zur Verfügung, ebenso«verde» auch alle Arzneimittel unentgeltlich verabfolgt. Auch der Unterricht und sämtliche Unterrichts- mittel siird schon mit de» 20 M. nionatlich«nitbczahlt.(Die Ge- nieinden zahlen für die von ihnen untergebrachten Waisen monatlich 12 M., und ab und zu findet sich immer ein begüterter Freidenker, der die fehlenden 8 M. zulegt, um einem Kmde den glücklichen Aufenthalt ig« rationalistischen Waiseuhanse zu ermögliche».) Seit dem im Sommer 1900 erfolgten Tode des fast neunzigjährigen VaterS der Waisen Adolphe Deluc leitet die Anstalt Fräulein Gatti-dc-Gamond, eine Pädagogin ersten Ranges, ivelche in langjährig ein Wirken als Leiterin einer städtischen Erziehungsanstalt i» Brüssel diese vom Kindergarten bis zu Universitätslurscii zu einer Mnster- schule gemacht und sich den Tank und die Anerkennuiig deS ganzen Landes erworben hat,«vas bei ihrem Ausscheiden ans dem Schul- dienst 1899 der Bürgermeister ihr, der Sociallstin. in den Worten bestätigte:«Ihr verdankt Belgien Frauen, die Gcfährtiimen deS Mannes, Mütter, die Erzieherinnen sind, rechte Bürgerinnen." DaS Lehrpersonal, das ihr im Waiseuhanse zur Seite steht, ist nach Furnemonts Beurteilung„über alle? Lob erhaben". Die moralische E r z i e h u n g der Kinder, die,>v!c schon gesagt, sich auf die Naturgesetze und aus die Gefühle der Gleichheit, Solidarität und Brüderlichkeit stützt,«vird«veniger durch theoretischen Unterricht als durch das Beispiel der Erzieher belvirkt und durch die sorgfältige Ueberivachung und taktvolle Beeinflussung der An- lagen, Neigungen und Triebe der Kinder, dadurch, daß>nan den größeren, stärkere», geschickteren de» Wunsch einflößt, den kleinen, schwachen, unbeholfenen beizustehen und sie zu beschützen. Die Dis- ciplin«vird aufrechterhalten durch die Liebe, ivelche Erzieher und Zög- linge verbindet. Hin die Menschenwürde und den Charakter des KindeS nicht zn verletzen,«verde» Anordnungen getroffen, Befehle erteilt nur unter Hinzufügung der NützlichkeitS- oder Schicklichkeits- gründe, die sie veranlassen. Knaben und Mädchen sind im Unterricht, in den Pausen, ber den Mahlzeiten stets beisaminen, die Schlafzimmer allein sind für die Geschlechter getrennt. Die Moralität«vird durch dieses Zu- sammcnsein der Knaben und Mädchen aufs(glücklichste beeinflußt. An allen Haushaltungsarbeiten nehmen die Kinder abwechselnd teil, und lernen so. einerseits ohne fremde Hilfe auskommen, sich selbst bedienen, andrerseits keine Arbeit zu verachten und sich in die An- forderungen des einfachen Lebens zu schicken. Die körperliche Erziehung wird vortrefflich be- einflußt durch die Lage des Waisenhauses auf einer Anhöhe in Forest, einer der gesündesten Gegenden der zu Brüssel gehörenden Ge- nieinden, und den riesigen Garten, der das Haus nmgiebt. Sie «vird erhalten durch eine' gesunde, kräftige Ernährung, durch Turnen, das, fern von allen Athleten- und Akrobaten-Knnststückeu. gc- eignet ist, Kraft und Geschicklichkeit zu vermehren,»veil es sich streng nach den physiologischen Gesetzen richtet. Alle Kinder lernen schivimmen,«veil dies den Mut erhöht, die Gesundheit sördert, Sicherheit gegen Gefahr giebt. Die intellektuelle Erziehung zn leiten, dient ein in vier Altersstufen zerfallendes Unterrichtssystem: B0nl 8.— U Jahre besucht das Kind de» Kindergarten, vom 6.-8. Jahre die eigentliche Elementarschule, vom 8.— 14.'Jahre die höhere Elementarschule, von« 14.— 10. Jahre die Fachschule. Jnr Kindergarten«vird die tlebuug der Hand mrd deS AngeS nach Fröbelschcr Methode betriebe». Auch lernen die Kleineu hier schon cikie ihnen frenide Sprache, indem das Französische und das Vläinische in gleicher Weise berücksichtigt«verde». So«vird dadurch, daß fie'gegruscitig' ihre Sprache verstehen lernen, zugleich die An- iiäherung der beiden das belgische Volk bildenden Nationakitäteir, der vlämischen und der«vallonischeu, augebahnt. Auf der nächsten Stufe lernen die Kinder schreiben mid lesen, die Rechtschreibung beider Sprachen, Kopf- und schriftliches Rechiicu, das Ausschneiden und Zusammenstellen von anfgezcichneteir Gegen- ständen ans Karton«nid daS Formen einfacher Gegenstände in Thon. Die höhere Elementarschule hat ein viel reicheres Progranun als uusre Volksschulen, allein nach der«vissenschaftliche» Seite, «verde» doch die Kinder dort mit den Eleincntcn der Raumlehre und Algebra, der KoSmographie, der physische» Geographie, der Physik, Chemie und praktischen Mechanik bekannt geinacht. Auch lernen sie neben der Botanik die Grundzüge der Physiologie und die«vesecit- lichen Anfordernngen der Hygiene kennen, Satzlehre und Stilistik in beiden Landessprachen. Die Geschichte zeigt i» großen Ivcfentlichcn Zügen den Ent- IvicklungSgang der Menschheit von Wildheit und Barbarei bis zur gegenlvärtkgcn CiOilisdtio». Dem Zeichne»«vird als einer„Universal- spräche" eine große Bedeutung beigemessen. Gärtuerei«vird von beiden Gcschlcchkern betrieben, HnndfcrtigkeitS- und HandarbcitS- Unterricht nach Maßgabe der gclvöhnlich später geübten Arbeiten Knaben und Mädchen verschieden erteilt, jedoch nichts Handlvcrksmäßigcs, sondern beides nur solveit, als es zur allseitigen Bildung deS Menschen erforderlich ist. Der gesamte«visseuschaftlichc Unterricht«vird eutivickclnd erteilt, nichts ist Gedächtniskram, jede Erkenntnis vielmehr Resultat der eignen Denkarbeit der Kinder, eingeleitet durch die Erzieher. Die Fachschrilen sind noch nicht in Funktion, Ivcil die Zöglinge das ent- sprechende Alter noch nicht erreicht habe«,, da bisher Kinder über Jahre nicht ausgenommen«vordcn sind. Diese herrliche Anstalt«vird überwiegend von Frauen geleitet, aber cS«nächst darin ein Geschlecht heran, das nichts Weibisches haben«vird, sondern daS allgemein Menschliche zur kraftvollen Ent« «vicklnng bringen und in jedem Geschlecht daS ihn, Eigentümliche, solveit es gut und schön ist, zur Blüte kommen lassen«vird. Da «verde«« Mensche», Charaktere erzogen. vwj> w.' aangaaESiwr* n tos.•;.«rrrre! uz• �iiuäasasasasa&am Gentrai- Lelilliail 5, Jägerstrasse 72| X-MMÜ-Mr. 40 Verkaufsräume.<*rösstes lustiint seiner Art iu Berlin. 40 Verkaufsräume. Täglicher Verkauf von eleganten, modernen Kerbst- und Winter-Paletots und-inzügen von Mk. 10, 12, 15, 20, 25-80 Prima. Knaben-, Jünglingsund Einsegnungs-Anzüge, Kammgarn-Anzüge, Hoclizeits-Anzüjfi. Herren-Schlafröcke, Joppen, Pelerinen-Mäntel. Mes fabelhaft bniig. 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Als das Pliblikinn a»i Freitagabend die große Freitreppe hinausdrängte, die zu dem stimniungsvollen Ucberbrcttl» saal Unter den Linden führt, fand es die Theaterkasse geschlossc». Eiii großer Zettel verkündete, daß wegen. C ensurschwierig- f ei teil" eine öffentliche Anffiihrnng nicht staltfinden könne. Es werde statt dessen, in Forin einer geschlossenen Generalprobe das angesetzte Programm bor einem Kreis geladener Gäste ge- spielt werben. Die Unbegnemlichkeit war nicht zu groß, man hatte nur in dein Bureau die zugesandten Billcts gegen eine aus den Namen des Bcsiichcrs ausgestellte Eintrittskarte einzutnusche». Aber die optimistische Erwartung, man werde im geschlossenen Kreis einige recht iibermutige, noch nngertipfte Polizcilvidrigkeiten zu kosten beköiiiinen, ivard leider bitter enttniischt. Worin die.Schivierigkciten" der Censur bestanden haben mochte»— wenn es sich nicht wirklich Nur uin einen bloße» Anfschub der Genehmigung handelte—, blieb »gleich geheimnisvoll für Weise wie für Thoren". Was man hörte und sah. war Schall ohne Sinn und Rauch ohne Feuer. Immer wieder muß man darüber staunen, daß diese„bunten Theater" in ihren neuen Nummern sogar hinter dem Niveau, das unsre iluteu Karikatur- und Witzblätter repräsentieren, so arg zurückbleiben. Diese Höhe wenigstens müßte trotz aller„Schwierig- keiteu" der Censur doch zu erreichen sein I Von den vier dramatischen Skizzen des Programms waren— fa-hk bezeichnend für den hier herrschenden Stoffmangcl— zwei fraiizöfifcheii Ursprungs; dabei Import schlechtester Sorte. Das eine Stückchen spann den uralten Witz von dem armen Studenten oder Künstler, dessen leergebranntem Heim die unerwartete Ehre eines Einbruchs widerfährt, niit einem Paar neuer Situationen weiter aus; das andre, wahrscheinlich in der deutschen Umarbeitung noch ver- gröbert, war ein mit schreienden Effektfarben plump ausgemaltes Bild einer Verbrecherfamilie, die mit sentimentalen Reden und Gesängen den Geburlstag der sorgenden Hausfrau feiert. Die deutschen Autoren machten es womöglich noch schlimmer. Vallentins„Kasperle- Theater" das nach bekannten Mustern die Engländer ob ihrerangeblichen Feigheit im Boerenkriege zu verhöhnen sucht, war in seiner Art ebenso kraftlos langiveilig, wie Rudolf PreSbers allegorisierende „Herbstza»ber"-Scene. Das letzte Stückchen:„Abschluß" von Nord- Hansen-Caliboni, dem mißlungenen Hardcn, durfte als mildernden Umstand immerhin eine geivifse Aktualität für sich geltend machen. Im übrigen ivar es übel genug. Die Sitzung des betrügerischen Aufsichtsrnts kam über einen bloßen Knsperletheaterstil nicht hinaus. Zum Glück blieb aber die KönigSloge im Zuschauerraum nicht leer. Serenissimus, von„Simplicissimus" Gnaden, hatten geruht, mit ihrem Adjutanten Kindermann zu erscheinen. Ein ninchtiger Tusch empfing den würdigetl alten Herrn(von Victor Arnold aus- gezeichnet dargestellt), uiid regelmäßig in den Pausen entspann sich zwischen' Durchlaucht ii, der Loge und Kindermann, der als erläuternder Berater vor dem Vorhang erschien, ein höchst ergötzlicher Dialog. Jeder Satz ivar echter Serenissimus. Als. nach dem Rordhausenschen Stück der Vorhang herunterfiel, war Durchlaucht sehr ungnädig: Wie kann man den feinen Bankdirektor mir nichts dir nichts veihnsten. der Mann hat doch nicht soeinlistisch aufgewiegelt! Ten tiefsten Eindruck auf ihn machte in dem französischen Familienbild die ztveifelhafte„Dame mit der Taille", die er in allem Folgenden schmerzlich vermißte. Eine kleine Entschädigung Ivard ihm dafür am Schlüsse zu teil, als er höchstselbst auf die Bühne herabstieg, um Wolzogens pikante „Madonna Adele" aus nächster Nähe anzuhören. Da wurde der alte Herr ordentlich lebhaft. Warum konnten die Stücke nicht so lustig wie dieser Zuschauer sein?— — n, SeccssionS-Thcater.(„B u ntes Brett l." Direktion Bausewein.) Die beiden ungetreuen Mitglieder des Wolzogeu- scheu Ensembles. B o z e n a BradSky und OSkar Straus, bildeten den Mittelpunkt des Novitätenabends am Freitag. Mit ihnen war ein frischer, kräftiger Hauch in die Brettlbiihne am Alexanöer- platz eingezogen, der sich auch den Vorträgen der andern Darsteller »ütteilte'und das ausverkaufte Haus zu reichem, sich bei jeder Piece wiederholenden Beifall zwang. Was die beiden Gäste— der Theaterzettel hatte hinter ihren Namen ein a. G. gesetzt— gaben, war nichts Neues; nur trugen sie es anders vor als die andren Dar- steller, mit mehr Brettlmimik, mit mehr Grazie, mit mehr haubZofit. Namentlich waren es Lieder, denen Liliencronsche Gedichte als Text untergelegt waren, niit denen Frl. Bradsky brillierte:„Hans der Schwärmer" und„Die Musik kommt". Von de» übrigen Vortragenden seien O l I y I e r a genannt, die fränzösische Chansons niit einem feinen Verständnis für das, was zwischen den Worten lag, sang, und Robert Leon Hardt, dessen Gesangsvorträge n»r etwas zu ernst und gemessen für eine Brcttlbnhne erschienen. Gisela Schneider-Nissen. Marcek S a l z e r und Dr. Arthur P s e r h o f e r retteten mit ihrem be- kannten Humor die Banalitäten und Plattheiten mancher Scene, die bei weniger guter Darstellung sicherlich unter den Tisch ge- falle» wäre.— 1 Chansseestrasse 24 a r>. 25 Zwischen Invalidenstr. u. Friedrich-Wilhelrnstädt. Theater. Gr. Frankfurterstr. 20 Ecke Koppenstrasse, am Bürger-Hospital. 11 Brückenstrasse 11 Zwischen Jannowitzhrücke u. 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