Nr. 271 Kl>om»n»nts-ZMnznngtu: (Sbonnemtntä» Preis pränumerando! vierteljährl. ZL0 Mr., monail. l.IVMr., wöchentlich SS Psg. frei in« Hau». Simeine Numm-r S Pfg. Sonniags» Nummer mit ill»Nricr»r Sonniagj» Beilage«Die Neue Well" 10 Pfg. Poft- Pbonnemsnt! 1, 10 Mark pro Monat, Eingetragen in der Post-Zeitung«» Vretiliste für lvui unter Dr. 7671. Unter ftreuzband für Deutschland und Oesterreich»Ungarn S Marl, für da» übrige Autland s Mark pro Monat. Ertchewk laglich«»ger Monlag«. 18. Jahrg. Dt« Inftrtlons-«rlilll,i betrögt für die fechtgespaltene Koloned/ »eile oder deren Liaum 40 Pfg., für politische und gewerkschastliche Bereint» und Versammlung»-Anzeigen so Psg. „Kiew« Anfeigen" jedet Wort 5 Psg. (nur dat erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bit 4 Uhr nachmtttagt in derExpedttton abgegeben werden. Die Erpcditton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bltöUhr vormittag» geössnet. Derlinev Volksblakt. Telegramm-Adresse: «Sorialdrniolirat verlin« Cvntrcrlorgcrn der socraldemokratisthen Parter Deutschlands. Redaktion: sw. 19, Veutll-SkrMe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Dienstag, den 19. November 1901. Expedition: SW. 19, Vettch- Strafe 3. Fernsprecher: Amt l, Nr. 51S1. Die Arbeitslosen-Versammlungen. Grau lag der Himmel über Berlin; Strabcnbahnen, Omnibusse und die sonstigen der Beförderung von Mcuschcn dienende» Vehikel hatteit ihre Morgenarbcit hinter sich, die Bclvegung der Menschen- »nassen auf den Strafe» hatte ihre Einheitlichkeit verloren, der Stroni nach dem Centrnm hin war ins Stocken geraten, da begann in der Nähe der acht großen Lokale,»ach denen die Geiverkschafts- kommission die Arbeitslosen- Bersamutlnugen einberufen hatte, ein eigenartiges Leben. Zuerst war unsre Polizei auf dem Posten. Die Eingänge der Lokale wurden besetzt, Schutzmanns-Doppelposten schritten die Straße auf und ab und in stillen Winkeln wilrden Aufgebote von 20—30 Schutzleuten„für alle Fälle" bereit gehalten. Auch die gesamte reitende Schntzniannschaft, die sonst lediglich als„Zierde" für unsre Prachtstraßen dient oder ihre Pferde bei Paraden auf den Hühneraugen der patriotischen Zuschauer conrbetticren läßt, war erschienen. Die schönen, satten und glatten Pferde tänzelten vor den Lokalen auf dem Pflaster auf und ab oder standen— wie bei Keller— zu scchsen in einer Reihe auf dem Hofe. Allniählich fanden sich auch die Arbeitslosen ein, die sofort die Eutdecknitg machen dursten, daß die Polizei ihnen eine Aufmerksam keit schenkte, die sie bei allen anderen Behörden vergeblich suchten Erst kamen sie einzeln, dann truppweise und schließlich zogen sie in ununterbrochenem Strome in die Lokale ein. die sofort polizeilich geschlossen wurden, wenn die vorschriftS mäßige Personenzahl in den Saal eingelassen war. So kam eS, daß außer den Tausenden, welche die Lokale füllten, mehrere tausend Menschen an den Eingängen sich einfanden, um— von dort zurückgewiesen— schweigend ihres Weges zu ziehen. Die Gesaint zahl der Eingelassenen und Einlaßbcgehrendcn kann inan wohl au 1ä 000 schätzen. Aufsallend ivar der Unterschied zwischen den Besuchern der Versammlungen am Montag und den Besuchern der Arbeits losen« Versammlungen im Jahre 18S3. Von den erschöpften abgerissenen Gestalten der damaligen Zeit bemerkte mau nur wenige, in manchen Bersammluiigen gar keine. Freilich dauerte damals die Krise schon drei Jahre, und eS war nur ein ganz kurzer ziveijähriger Anfschivnng diesen drei Jahren der Krise vorangegangen Sodann haben in der Zivischenzeit eine ganze Reihe von Gelverkschaften noch die Arbeitslosen-Unterstntzung eingeführt. Das und die in- zwischen erfolgte Vertiefung der politischen Bildung erklärt ivohl die selbstbcivnßtere, trotz allen Elends stolze Haltung, ivelche die große Mehrzahl der Versamntlnngsbesucher zeigte. Nur ganz vereinzelt wurde ein Glas Bier verlangt; die an ein paar Stellen aufsteigenden dünnen Rauchwolken verrieten, daß noch der eine oder andre sich den Genuß einer Eigarre gönnte. Die gute Klcidnng fast aller Versammlungsteilnehmer zeigte, daß man es mit fleißige». verständigen Leuten zu thnn hatte, die die Zeit dcS Aufschwungs zweckmäßig benutzt hatte», und in dieser sicher auch anSreichcnd für ihre Familien gesorgt haben. Charakteristisch war das starke Zurücktreten des jugendlichen Ele menteS und der sogenannten Gelegenheitsarbeiter; fast alle machten den Eindruck von qualifizierten Arbeitern und standen in den besten Jahre»— eS ist geradezu die Elite der Arbeiterschaft. Ivelche die jetzige Krise anfS Pflaster geworfen hat. Frauen sah man wenig oder gar nicht. Warum wohl nicht? Ach, die Erklärung liegt leider zu nahe I Während ihre Männer in ernster Vcrsamm- lung die Schritte berieten, welche geeignet sind, die entsetzliche Not der Arbeitslosigkeit zu bannen oder wenigstens zu mildern, saßen die Frauen daheim hinter der Nähmaschine, um im Dienste der HanSindnstrie mit ihren schwachen Kräften zur Erhaltung der Familie beizutragen. Wie lange aber wird dieser Notbehelf noch dauern? Wie bald werden auch die Frauen„Zeit haben", mit ihren Männern gemeinsam die Arbeitsloscu-Versaininluiigen auf- zusuchcn? In allen Versammlungen herrschte ein tiefer, andächtiger Ernst. Man könnte von der Feierlichkeit der Kirche reden, wenn man an diesen Stätten eine so gewaltig ergreifende, ganz in den Worten des Redners aufgehende Aufmerksamkeit jemals fände. Totenstille lag über den Versammlungen. Die düsteren und zugleich sehnsüchtigen Augen und die im lastenden Leiden geschlosseneu Lippen hängen an den Rednern, »iemals ein Zeichen der Ermüdung oder der Ungeduld; sie lauschen mit verhaltener Leidenschaft und anS dem furchtbaren Elend, in dessen Schilderung sie ihre eigne Lag: getreu erkennen, aus der Enge. Vcr- ftocktheit und Ratlosigkeit der heutigen Herrschaftsordnung schweift ihr Geist hoffend in das Zukunftsreich der socialistischen Erlösung. An einzelnen Stellen der Reden bricht tief ans dem Innersten des Gefühls stürmischer Beifall hervor. Die Agenten des Brot- wucherS hätten in diesen Versammlungen sehen können, wie scharf die Arbeiter eine Politik begriffen haben, die in ihren» Wahnwitz den Hunger der Arbeitslosigkeit durch erhöhte Lebensmittelpreise zu kuriere» unternimmt. Kein Wort geht den Hörern verloren, die gespannten Züge verraten, daß ihnen die dargelegten Gedanken neue Erkcuntniffe erschließen und alte befestigen. Man sieht förmlich, wie jeder Satz in das Verständnis erhellend eindringt. E i n st i m m i g und debatteloZ nehmen sämliche Versammlungen die folgende von den Gewerkschaften vorgeschlagene Resolution an: Resolution. In Anbetracht, daß die gcgenwärttge wirtschaftliche Krise immer weitere Kreise zieht, dcreir Folgen ein Danieder- liegen der Produktion in fast allen Gewerbe» ist, daß diese Er- scheiuung sich in Betriebseiuschränkuugcn. Lohnkürzungen und vor- nehmlich durch Arbeitercntlassnngcn bemerkbar macht,— in der Er- wägnng, daß durch die Krise in erster Linie die Arbeiter betroffen werden und dadurch die Rot und daS Elend in Arbeiter kreisen immer größere Dimensionen annimmt, die schließlich zur Gefahr für unser gesamtes volkswirtschaftliches Leben werden muß,— in fernerer Erwägung, daß die Stadt Berlin und die Reichsregierung noch keine Maßnahmen getroffen haben, um der große» Arbeitslosigkeit vorzubeugen, beauftragen die Versammelten die Berliner Gewerkschafts- kommission, dem Magistrat und Stadtvcrordneten-Kollegium und der Rcichsregicrung folgende Maßnahmen zur Linderung der Not zu unterbreiten: „SofortigeJn angriff nahmesämtlicher st ädti- scher Bauten— eventuell in eigne Regie— sowie Förderung sämtlicher städtischer Arbeiten überhaupt.— Hierzu zählen wir auch die Anfertigung von Kä e i d u n g S st ü ck e n für die Beamten und für die Waisen. Diese Arbeiten sind nur an solche Firmen zu vergeben, die n i ch t in der H a u s i n d u st r i e arbeiten lassen. Ferner bat die Stadt Berlin die Arbeiten für die bereits genehmigte» S ch u l e n, von denen die Zeichnungen dasind, eben« falls in Angriff zu nehmen. Hier können Thüren und Fenster, so- wie Schlösser und Beschläge— welche nach Zeichnung gearbeitet— im Vorrat angefertigt werden. Dadurch finden Taufende Beschäftigung. Ebenso ist die Jnangriffuahnie der Untergrundbahn städtischerseits sofort geboten. Für die in Aussicht genommenen Strecken sind Anschläge und Projekte schleunigst zu fördern. Des weiteren ersuchen die Versammelten die Stadt Berlin, den Bau von A r b e i t e r w o h n u n g e n in eigne Regie zu über- nehmen, um dem wucherischen AuLbeutnngssystem der Grund- und Bodenspeknlanten endlich ein Ziel zu setzen, um damit daS Wohnnugswesen in gesunde Bahnen einzulenken." In fernerer Erwägung, daß die gegenwärtige Arbeitslosigkeit, hervorgerufen durch den' wirtschaftlichen Niedergang, nicht nur durch die Stadt beseitigt werden kann, sondern vielmehr es Auf- gäbe des Reiches und der Regierungen der Einzelstaatcn sein mutz, hier Abhilfe zu schaffen, fordern die Versammelten die Regierungen auf: „Sämtliche projektierten StaatSbau ten sofort in Angriff zu nehmen. Ferner die Anfertigung von rollendem Material unverzüglich vorzunehmen, da hierdurch die am schwersten von dem wirtschaftlichen Niedergang betroffenen Metallindustrie- Arbeiter reichlich Arbeitsgelegenheit erhalten würden." Die Versammelte» protestieren ganz energisch gegen das Rundschreiben des Eisenbahn-Ministers, durch welches die Ver- wallnngsorgane aufgefordert werden zur Arbeiter- entlassung und hie Dauer der Arbeitszeit der noch im Dienst Verbleibenden zu verlängern. Diese Maßnahmen sind im Interesse des öffentlichen, socialen und wirtschaftlichen Lebens aufs schärfste zu verurteilen. In der ferneren Erwägung, daß die Arbeit im Interesse der gesamten kulturellen Entwicklung in geregelte Bahnen eingelenkt werden muß, ersuchen die Versammelten die RcichSrcgierung, dem Antrag Auer«. Gen.— Schaffung von A r b e i t S k a m in e r n n n d eines ReichS-ArbeitLamteS— mehr Beachtung und Entgegenkommen zu zeigen. In weiterer Erwägung, daß bei der gegenwärttgcn großen Arbeitslosigkeit eine weitere Belastung der arbeitende» Klaffe durch indirekte Steuern unvcnncidlich zur wirtschaftlichen Katastrophe führen muß, fordern die Versammelten die Regierung auf, dem Drängen einer kleinen Interessengruppe auf Erhöhung des Zolls der n o t w e n d i g st e n Lebensmittel nicht stattzugeben, sondern durch Abschluß guter Handelsverträge mit andern Nationen die Wohlfahrt des arbeitenden Volkes, des gesamten Staats- lebcnS zu sichern und zu forden,. Der Nebel vom Morgen hatte sich in einen feinen Sprühregen verwandelt, als in der Mittagszeit die Versammelten die Lokale ver- ließen. Dies geschah überall in stillster Ruhe und Ordnung. Weder die uniformierte Schutzmannschaft fand zu thun, noch bekamen die bekannten„Beamten in Civilkleidung dritter Garnitur" Gelegenheit, von ihren Gummischläuchen Gebrauch zu machen. AuS den Fenstern der»ächstcu Nachbarschaft sah wohl der eine oder andre gesicherte Spieß biirger niit Grauen auf die ungeheuerliche, sich aus dein Lokale wälzende Menscheuuiasse; da aber Mittagszeit war, verschlang bald der Stroni der Arbeitenden die Menge der Arbeitslosen und bald bot die Straße wieder das gewöhnliche Bild; nur dieHuffchlägc der davontänzclnden Schutzmaimspferde erinnerten nach einer kleinen Pause noch einmal an die Fürsorge, die einzige Fürsorge, welche der Herr Polizei- Präsident den Berliner Arbeitslosen angedeihen läßt. »» « Wir lassen nunmehr die Einzelberichte folgen: Der Saal des„Englischen Garten" in der Alexanderstraße war lange vor Beginn der Versammlung, obgleich man durch Ent- ernnng der Tische möglichst viel Raum zu gewinnen gesucht hatte, o stark gefüllt, daß die Polizei daS Lokal absperrte. Ein lebhaftes' Murnieln durchlief die Menge, als der Referent, Genosse Auer, den Saal betrat, aber zu lebhafte» Be- grüßmigSkimdgeblMgen, wie sie sonst wohl einem bekannten und allgemein beliebten'Volksführer beim Betreten des Versammlungslokals zu teil werden, ließ es die gedrückte Stimmung dieser Versainmlnngsbesuchcr nicht kommen.— Nachdem der Vor- ätzende K ö r st e n dem Genossen Auer das Wort erteilt hatte, ührte dieser unter anderm ans: Es ist nicht das erste Mal, daß in Berlin Versammlungen von Arbeitslose» stattfinden, um durch ihr Erscheinen in kompakter Masse jju einer Zeit, wo sonst gearbeitet wird, Eindruck hervorzurufen an jenen Stellen, wo man, w weit es möglich ist, Arbeitsgelegenheit für die Beschäftigungslosen chaffen könnte. Solche Versammlungen fanden schon in früheren Zeiten Ivirtscbaftlichen Niederganges statt. Während man aber damals im bürgerlichen Lager' derartige Veranstaltungen hin- zustellen suchte als solche, die lediglich socialdemokratischen Zwecken, und nicht den Jnteresien der Arbeitslosen dienen sollten, und an denen vorwiegend Bunimler, die der Arbeit aus dem Wege gehen, teil- genoinineii hätten, wagt man heute selbst auf jener Seite nicht mehr zu leugnen, daß die Arbeitslosigkeit in der That einen hohen Grad angenommen hat. Das ist immerhin bis zu einen» gewissen Grade erfreulich.— Nichts ist verletzender, nichts ist roher, als wenn man dem, der sich mit aller Kraft anstrengt, Arbeit zu suche», sagt: Du gehörst zu denen, die nicht arbeiten mögen. Nichts ist unvernünftiger, als wenn man dem Arbeitslosen entgegenhält:„Ja, hättest Du gespart in der Zeit, dann hättest Du etwas in der Notl" Wie' unvernünftig solche Vorhaltungen sind, daS vermag nur der zu ermessen, der ans eigner Er- fahrnng ivciß, wie schwer es schon dem in Arbeit stehenden Familienvater ist, das notwendigste für die Seinen zu beschaffen und daß mit der Arbeitslosigkeit zugleich auch die Not in der Arbeiterfamilie einkehrt. Ein elender Hohn ist es, wenn man unter solchen Umständen den Arbeitern Sparsamkeit predigt.— Es ist festgestellt worden, daß die Herren v. Stumm und v. Krupp allein bei der Herstellung der Panzerplatten für die Kriegsschiffe in 16 Jahren je 80 Millionen Mark verdienen. Da ist eS allerdings leicht, zu sparen. iHeitcrkcit und Beifall.) Die die Ncichtümcr schaffen, das sind die Arbeiter. Die, welche die Ergebnisse des ArbeiterflcißeS einheimsen, das sind einzelne gottbegnadete Personen, die für sich das Recht in Anspruch nehmen, die von den Arbeitern erzeugten Reichtümer als ihr Eigentum zn erklären und sich noch gar ein Bestimmungsrecht über die Arbeiter anmaßen.(Beifall.) Ebenso unverständig' wie der Rat, zu sparen, ist es, wenn man den Arbeitern, die die Industrie anS dem Osten nach dem Westen, ans dem Lande nach dcrStndt gezogen hat, sagt: Geht wieder dahin, wo Ihr hergekommen seid, dort werdet Ihr Arbeit finden. Ihr habt nnS hier Mi lliardcn geschaffen, nun macht, daß Ihr wieder fortkommt. Das bedeutet für den Arbeiter— abgesehen von andrem— Rückkehr anS verhältnismäßiger Freiheit in halbe Hörig- keit.(Zustiminnng.)— Zn dieser Zeit, wo es Zchntauscnden von Arbeitern nicht möglich ist, Brot zn kaufen, da kommen die Schutz- zöllner, unterstützt' von den Regierungen aller deutschen Vaterländer und verteuern durch Zölle die notwendigsten Lebensmittel, während auf der andern Seite durch Aufrichtung von Zollschranken unser Handelsverkehr mit dem Auslände lahm gelegt und so unser Erwerbsleben �schwer geschädigt wird. DaS heißt die Arbeiter von zwei Seiten mit Ruten züchtigen.— Wie ist Hilfe gegen die Arbeitslosigkeit möglich? Man kann ja auf die Vor- »ahme von Notstandsarbeitcn verweisen, aber Vorschläge im einzelnen zn machen ist nicht unsre Sache. Wir wollen nur die Thatsache konstatieren, daß zur Zeit in Berlin Zehntnusende, die gern bereit sind zu arbeiten, arbeitslos sind, und von den Behörden verlangen, daß sie, soweit es in ihrer Macht liegt, die Möglichkeit schaffen, daß die Arbeitslosen ihre Arbeitskraft und ihre Arbeitslust bethätigen können.(Lebhafter Beifall.) Am Schluß seiner fast zweistündigen Rede zeigte Gcnoffe Auer. daß es die heutige GescllschafiSordnmi'g ist, welche die wirtschaftlichen Krisen und das Elend der Arbeitslosigkeit verschuldet, er verwies darauf, daß es die Socialdcmokratie ist, die sich die Aufgabe gestellt hat, diese Zustände zn beseitigen, und daß jeder Arbeiter die Psticht hat. sich seiner Gewerkschaft anzuschließen, nnd auf politischem Ge- biete im Sinne der Socialdemokraiie zu wirken.(Großer Beifall.) Diesem Appell schloß sich auch der Vorsitzende Körstcn mit leb« haften Worten an. Dann wurde eine Resolution einstimmig an- genommen nnd die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die Socialdcinokralie geschlossen. In der Kronen-Braneret, wo ReichStagS-Abgcordneter Max Schippe! sprach, war der große Saal gut besetzt. Der Referent beleuchtet in eingehender Weise die Entwicklung der Produktionsverhältnisse. Auf die Krisen übergehend, giebt er der Meinung Ausdruck, daß diese nicht gleichmäßig austreten, gegenwärtig tritt die Krise äußerst heftig auf. Mitte des JahrcS 18Sä setzte die gute Konjunktur ein. Gewinn auf Gewinn hciniste das Kapital ein, so haben wir Akttengescllschafte» die in einein Jahre 10 und 11 Mil- lionen verdient haben. Hat der Arbeiter nun in dieser guten Geschäftskonjunklnr auch etwnS verdient? Hat er auch Gewinn gehabt? Da muß von vornherein mit Nein gcanilvortct werden. Der Arbeiter hatte nur den einen Vorteil, daß er leichter Arbeitsgelegenheit fand. Sein Verdienst stieg aber nicht so, daß er etwas ersparen konnte.— Selbst dort, wo die Löhne um ein paar Pfennige erhöht wurden, konnte von einem„Sparen" nicht die Rede sein, weil der Arbeiter für seine Lebenshaltung niehr Aufivcndiingcn machen nmßte, die WohniiitgSmieten ivarcn um 15 bis 40 Prozent gestiegen. Die Lebensmittel, Fleisch zc., waren oft bis um das Doppelte gesteigert. Mithin koiinte der Arbeiter nicht« znrlicklegcn, weil die g»te Konjunktur für ihn keinen Gewinn, sondern nur im günsligsteu Fall Arbeitsgelegenheit gebracht hatte. Nim tritt die Krise ein, Stockungen im geschäftlichen Leben sind an der Tagesordnung nnd die Not mid das Elend halten unter der Arbeiterbevölkermig ihren Einzug. Redner beleuchtet min an der äaiid von Zahlen die gegenwärtige Arbeitslosigkeit nnd deren olgcn für nnser gesamtes Wirtschaftsleben und wirft die Frage auf: Was haben nun demgegenüber die StaatSregicrungen nnd Ge» meindcn gethan? Nichts I Obgleich es für jede» Politiker schon Mitte des vorigen JahreS klar war. daß wir nnS in einer absteigenden Konjunktur befanden, hat man sich doch erst vor kurzem entschlossen, „Erhebungen" anzustellen, wie groß denn cigenllich die Arbeits- losigkeit sei. Wie man aber in behördliche» Kreisen über Maßnahme», die zur Linderung der Not zn treffen sind, denkt, dafür giebt das Ver- halten des Dresdener Polizeipräsidenten ei» klassisches Beispiel. Hier handelte es sich um Errichtung von Wännestuben für die Arbeitslosen. Der Herr Polizeipräsident spricht sich dagegen aus, unter anderm mit der Motivierung, daß a» dieser Stätte die Ar- bester randalieren könuten. Damit beweist die herrschende Klasse, daß sie nicht fähig ist, die Ursachen der Arbeitslosigkeit nnd die Mittel zur Abhilfe' derselben zu begreifen. Redner kommt dann auf die einzelnen Forderungen der Re« solution zu sprechen nnd schließt mit den Worten: Wir wissen, daß wir die Not nnd das Elend nicht von heute auf niorgen beseitigen können, unser Ziel: Aubnhnnng einer Gcscllschaftsordmnig. wo alle arbeiten, wo alle Brot haben und alle iin Wohlstand leben können und werden, verlieren wir nicht aus dem Auge— dafür kämpfen wir weiter, wissend, daß Jahrelanger Kampf nnd Organisation dazu gehört, um diesen Jdealzustand herbeizuführen. Aber wir haben in der Resolntion Mittel und Wege angegeben, wie die Not, unter der das arbeitende Volk z» leiden hat, gelindert werden kann. Inzwischen aber werden wir weiter organisiere» zuin Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klasse. sLangnnhaltender Beifall.) Vink empfahl namens der Berliner Gewerkschafiskomnussion. von einer Diskussion Abstand zu nehmen, und verlas hierauf die Reso- lntion, die einstimmig angenommen tvnrde. Die Lersammlmig im„KiiSliner Hof" füllte den geräumigen Saal und die Galerien bis auf den letzteil Platz. Der Referent. Reichstags-Abgevrdiietec Stadthagen, führte den Aiitvescndc» vor Augen, wie die bürgerliche Gesellschaft bisher noch imnier so gut ivie liuthätig dem Nahen nnd Wüten der wirtschaftlichen Krise zugesehen. Der Redner kritisiert dann die llnthätigkeit des Magistrats gegenüber der herrschenden Arbeitslosigkeit nnd ging in der schärfsten Weise mit der bekannten Berfngnng des Eiscnbnhn-Ministers nnd der„Not- standsrcde" des Oberpräsidenten der Provinz Sachseil ins Gericht. Diese Ansfnhnnigcn des� Redners ivurdcn von stnrniischen ZustiinninngSkundgelnmgen der Bersaminelte» ivicderholt unterbrochen. Der Referent erläuterte dann des Iveiteren die Fordernnge», die die Arbeiter zur Linderung der größten Not an Geulcinde. Staat nnd Reich zu stellen Habel». Weiter erinahnte derselbe in ernsten Worten die Anwesende», i» dieser hochernsten Zeit»nver- briichlich an der Organisation festznhaltcn. da der schiverste Kampf, ans politischem soiophl als anch auf getvcrlschafllichem Gebiet, den die Arbeiterschaft Dentschlands jemals zu führen gehabt hat, im iiächsten Jahr zu führen sein Wird, Ivo es sich darum handeln wird, de» geplanteii Raubzug auf die Taschen des deutschen Voltes abzuwehren. � Die Re�oliltion der Gewerkschnftskommission fand ein- stimmige Annahme, ebenso auch die nachstehende Resolution: „Die Arbcitsloscn-Vcrsammlnng protestiert entschieden gegen die Beschäftigung von Misilärpersoiien bei der Post zur Bcivälligung des Weihnachtsverkehrs. Die Versaniniliiiig beauftragt die Berliner Gewerkschnftskoiininssion, an zuständiger Stelle die nötigen Schritte zu thnn, daß zur Belvaltigung der Arbeite» Arbeitslose eingestellt werden." «« * Bei Ballschmledcr auf dem Gesniidbrinme» hatten sich wohl oa SCO Personen, meist Leute ans der Metallindustrie eingefunden. Aber auch andre Berufe Holzarbeiter, einzelue Franc»»iidMäd- che» aus der Konfektion— waren da. Um 11 Uhr begann unser Genosse Glocke sein gründlich durchgearbeitetes Referat. In an- schaiilichcr Weise setzte er Ursache und Wirkinig der heutige» Krise nnd ihrer Beglcitcrschciinmg. der Arbeitslosigkeit. auSeiiiaiider. Die Krise von heute ist ärger als ihre Vorgängcrinileii. Und die Maßnahmen der Regienrngen gegen dieselbe? Tie Eisenbahn- Vcrwaltiliig kennt nur das Mittel der Arbeiterentlassmigen, da ctivas weniger eingeiiomnien ivorden ist. Weder Staatsbehörden»och luiser Magistrat halten es für nötig, sich mit den Vertretern der Arbeiter in Verbindung zu setzen, mn gemeinsam zu berate», was zu thnn sei. Sie glanbcn nur den Uiitenichuieru. Berlins Metallindustrie liefert das Gros der Arbeitslosen, andre Branche» sind entsprechend in Mitleidenschaft gezogen. öCCCC Arbeitslose als Gesamtzahl ist ivohl eher zu niedrig, als zu hoch gegriffen allein für Berlin. In den deiitscheii Miltclstädten und Jndnstriccenlrcn das gleiche Elend. Die Stadls Berlin ivarnt vor Hliziig von außerhalb, ivciter ein- zugreifen hat sie bisher nicht für»ölig erachtet. Eine Beschleimigimg der städtischen Arbeiten sei vorzunehme», Nenbauten für Arbeiterwohn migen, Schnleii in eigner Reiste zc. seiensofort iiiAngriss ziiilchlne». Der Staat könile die industrielle GcfängniSarbeit einschränken oder liescitige». Kanalbaiiteil ivürde» vielen das nötige Brot geben. Natürlich würden solche Maßnahmen das Elend nur mehr oder weniger mildern. � Beseitigen kann cS einzig und allein die soeinlisiische Gesellschaft. Mit aller Entschlossenheit und Nnsdancr uniß jeder Einzelne für die Erreichung dieses nnsres Zieles eintrete». 0 Das Referat wurde von den Aiiwesendeii mit stürmischem Beifall anfgenomme». Eine rege Diskussion knüpfte sich daran, die dlirchanS der Würde der Versanmilimg entsprach. Die Genossen Artelt, D a n n e>l b e r g e r, Mohricke, Büttner, Stange nnd Schulze sagten in derselbe» den Urhebern des heutigen Elends angesichts des nahenden Festes der Liebe und des Friedens manche bittere Worte. Nach einem feurige» Schlußwort des Vorsitzenden Ritter, das in ein Hoch auf die klassenbewußte Arbeiterbclvcgniig ausllang, gingen die Bersammelteil in Ruhe auseinander. � Draußen auf der Straße waren nicht weniger als 6 beriltene Schutzleute iilid zahlreiche Polizeimaimschafte» zu Fnß postiert, die in der Badstraße förmlich Spalier bildeten. Auch manchen dmiklc» Ehrcinnann glauben ivir bemerkt zn habe». Im KonzerthauS Tanssonci hatten sich ebenfalls, trotzdem daß auch in der nächsten Nähe, im Geiverkschaftshaiisc, eine Vcr- sannnlnng stattfand, schon frühzeitig eine große Anzahl Arbeitsloser cingefimden. Das Referat halte hier der Reichstags-Abgeordncte E. Wurm nbernommen, der in aiiSgezeichnetcr Rede, durch lebhafte ZiistinnnuiigSkimdgebniigen oftmals nntcrbrochen, die Ursachen der gegemvärtigeii Krise mit ihren Begleiterscheininigen solvie die zur Abhilfe des Rotstandes erforderlichen Maßnahmen eingehend erörtert«. Der Redner führte unter miderin an, daß die iingchenre Arbeitslosigkeit, in deren Anfangsstadinin ivir uns erst befinden, nicht etiva durch einen Zufall entstaiiden. oder durch einige Betrüger in den Banken verschuldet ist, sondern daß die jetzige Krise lediglich die notivendige Folge der privatkapitalistischenWirtschafts- orduimg ist. für die mm wieder mal die Arbeiterschaft büßen»mß. Boni Handelsiniiiister Möller ist ja gesagt worden, daß die ver- flossene» fette» Jxihre Dcutschland iVs Milliarden eingebracht hätten. Aber die Arbeiter, die alle diese Werte geschaffen, sie habe» von den Milliarden nichts erübrigt. Sie haben die Werte für die Kapitalisten n»d nickt für sich geschaffen. Und wenn die Arbeiter wirklich teiliveise iii der gute» Konjiiilktnr durch schivere Kämpfe etwas erriinge» haben. so ist ihnen sofort wieder durch die Hansngrarier und infolge der Verteiierinig der Lebenöiinttel das Errnilgeiie genommen worden. Wenn heute Not und Elend an die Thürcn der iverklhätigen Bevölkermig poche», so sind daran auch »vesentlich die Scharfmacher im Centralverband der Industriellen, die Freunde des Grafen Posadowskh schuld, indem sie es mit den drutalsten ivkittcl», durch Maßregeluiigeli, Vcrrnfserklärimgeli und durch ihren Einfluß in der Gesetzgebung verhindert haben, daß sich die Arbeiter ans orgainsatorischein. gesetzlichem Wege bessere Lohn- nnd Arbeilsbediiigunge» erringen, um für die magere» Jahre etivas zur Lebensnotdurfl zurücklegen zn köiiiien. Jetzt behauptet man, daß die Arbeitslosigkeit daraus resultiert, daß zn viel Produkte vorhanden sind, die nickt gebraucht werden, dabei giebt es Millionen und abermals Millionen Mensche», die sich nicht geniigend nähre» und kleiden kömien. die alle vor- hniidcnen Waren notweiidig gebrauche», aber nicht beschaffen kviliien, weil ihnen die Mittel dazu fehle». Ans der einen Sehe Uebevflnß an Waren nnd deshalb Einschränkmig der Produktion, auf der andren Seile der große Mangcl an den notivendigslen Ware», das ist die vielgeriihmle, uiiantastbare Ordiniiig der' heutigen kapitalistischen Gesellschaft! In der günstige» Konjunltur haben die Arbeiter nichls erübrigen können, aber um so mehr ihre Gesliiidheit zu Markte getragen. Die Arbeiter-Schutzgesctze sind völlig unzureichend nnd zur Uebcrivachniig, daß sie anch ausgeführt iverden, viel zn ivenig Anssichtsveamte vor- banden. Trotzdem die Schntzbestimmnngen so minimale sind, werden sie von den Unternehniem doch nicht beachtet und dadurch kommt es, daß gerade in Zeiten der Prosperität die Arbeiterschaft inehr Opfer an Leben und Gesundheit bringen muß. Nicht nnr tveil zn diesen Zeiten die Zahl der Beschäftigten größer ist. sondern auch Verhältnis- mäßig ist die Unfallgefahr größer nnd infolge der Ueberarbeit, der schrankenlosen Ansbentmig. wird die Gesundheit der Arbeiter rücksichts- los ruiniert. Der Redner verweist sodann auf die Belastung der Bevölternng durch die famose Wclipolitik. durch den Ehiiia-Kreuzzug: er beleuchtet die Ungerechtigkeit des iildirekten Steuersystems und keimzeichnel in vortrefflicher Weise die jetzt beliebte Zollpolitik, durch die nicht nnr das Volk ans das schlimmste bewuchert wird, sondern die anch zum großen Teil die große Arbeitslosigkeit verursacht hat Das Rnsland schließt nutcr diesen Bedingungen keine Verträge mehr mit Deutsch- laiid ab, die unbedingt notivendig sind, um Industrie und Handel zu' beleben. Allerdings die Agrarier brauchen keine Vcr- träge. sie würden bei dein jetzt anch vom Bnudesrat niigenonimencn Zolltarif ein gutes Geschäft machen nnd köiiiieii sich ihren verrostete» Raubrilterhelm wieder neu vergolde» lassen. Eine weitere Folge der Aimahme des Zolltarifs wird die fein, daß die Techniker, Chemiker nnd Ingenieure »»d selbst anch das deutsche Kapital nach dein Ausland gehen und von dort ans der deiitscheii Industrie die schlinnnste Koiikiirrcuz machen ivas natürlich nicht hindert. daß die Regierung angeblich zllin Schutze der deutschen Nation, richtiger zum Schutze einiger Hurra- patriotischen Kapitalisten Kriegsschiffe auf Kosten des dentsche» Volkes ausrüstet nnd in allen möglichen Weltteilen herum- fahren läßt. Der Redner verwies Iveiter darauf, daß die Arbeitslosigkeit, die anch von bedeutende» industriellen Unteviehinern ans 25 Proz. geschätzt wird, einen kolvssalen Umfang annehmen muß, wenn erst alle alten Aufträge, soiveit dieselbe» nicht mehr zurückgezogen werden kouilten, in nächster Zeit erledigt sind. Er kritisierte im Anschluß daran das Verhalten der Behörden, die bisher wenig oder eigentlich gar nichts gcthan liaben, irnt der Not zn steilem, nnd erörterte die Anfgabe», Ivelche Staat und Geincilldcn iiiibedingt erfüllen müßten: Nicht Almosen ivollten die Arbeiter, sondern Arbeit, wodurch sie sich ehrlich ihr Brot verdienen können. Langanhalteiider Beifall folgte den Ausführungen. Eine Dis- knssion wurde nicht beliebt nnd die Resolution einstimmig ange- »onnnen. So ruhig, lvic die Männer der Arbeit gelomme», so ruhig verließe» sie wieder den Saal. Draußen war eine zahlreiche Schntzmannschaft postiert. • Die Versanimliing in KellerS Fcstfälcn war überaus zahlreich besucht, der große Saal war bis ans den letzten Stehplatz gefüllt, die Zugänge zum Etablissement polizeilich abgesperrt. Außer de» bor dem Lokal patrouillierenden Schntzlcnten waren»och im Hinter- gründe 0 Berittene postiert. Die ivohl an 2000 Personen umfassende Menge der Arbeitslose» lanschte mit gespannter Aufmerksamkeit den treffen den Ansfnhrniigcn des Reichstags-Abgeordneten Zubcil. der dic Ur- sacheiiniid dnSAnivachsen der Arbeitslosigkeit darlegt»nd in cigreifendeii Worten ans das nncrineßliche Elend hinweist, das für Tanseiidc nnd aber Taiisoilde von Arbeitern die Arbeitslosigkeit mit sick bringt. Der Vortragende verurteilte die Pslichtvergesicnheit der städtische» nnd staatlichen Behörden gegenüber diese» nnheilvollcn Zn- ständen ans da§ schärfste inid zeigte an vielen Beispielen, i» welche!» Maße der Not durch schleunige Jnangriffiiahme öffentlicher Arbeiten entgegen gewirkt werde» könnte. Der Redner, der oft von lebhaften Zustimmungsäußeniiigen nntcrbrochc» wurde, schloß mit der Mahnung an die Versammelten, sich nicht zn unbedachten Aciißeninge» oder Handlliiigeii verleiten zn lassen, sondern in ruhiger nnd verständiger Weise an der gründlichen Bessenmg der gegen- loärtigeii elenden Verhältnisse zn arbeiten.— Der Vortrag wurde mit branseiidciii Beifall anfgeiioinme». Die Amiahme der Resolution erfolgte gegen eine Stimmc. Von einer Diskussion Ivnrde ans An- trag des Bureans Abstand genounnen. Zu einer imposanten Demonstration gestaltete sich die Ver- ammlnng der Arbeitslosen im GcwerkschaftShanS. Kopf an Kopf landen die Besucher ii» großen Saal und ans den Galerien,»in den AuSsühriingen des Genossen Richard Fischer zu folgen. I» beredten Worte» führte er den Anwesenden die Folgen des ivirtschastlichcn Niedergangs vor Augen niid zeigte an der Hand reichen Zahlenmaterials die rapide Zunahme der Arbeitslosigkeit. Mir beißender Ironie schilderte er die II»- ähigkcit von Staat und Konimnne, diese traurigen socialen Zustände zu beseitigen. Die bekannte Erklärung des Berliner Polizeipräsidenten der Deputation der Straßenhändler gegenüber:„Wer in Berlin A r b e i t f i n d e»>v o l I e. der finde welche", iind„er sei doch nicht dazu da, die sociale Frage zu lösen; er habe nur den Verkehr frei zu halten", die Ausführungen des HandelsmiiiisterS Moellcr auf einem Liebesmahle, daß anch cinmal eine Periode der Not kommen müsse, die„erzieherisch" tvirkt, zeigen so recht, wessen inan sich in socialer Beziehung von diesen Herren z» versehen habe. Minister v. Thiele» erzielt seit Jahren tolossale lleberschüffe, trotzdem H stricke» skandalöse Mißstände i» seine»! Ressort. Der Ansban von Bahnhöfen, der Geleise, der Mehrbedarf an rollendem Material würde Hunderten von Arbeitern Ver- dienst geben. Ei» Licbliugsivmisck des Kaisers. der Bau dcS Kanals, sindet keine Berücksicktigiuig in diesem Juiikcr- miiiisterimn. Das Wohl des Volkes sollte diese Lcntc veranlassen, vor dem Parlameiit hinzutreten, um Geld zur Ansführnng von NolsimidSatbcitc» zu verlange». Die Erbitternng des Volkes muß ja angcsickls dieser Ivahnivitzigcn SparsamkeitStheorie anfs böchstc steigen. Eine weitere Beeinfliiffnng deS RrbeitSmarktcs nnd der Lvbne erfolge durch die G e f ä n g n i s a r b e i t. Löhne von 30. 10 Pf. bis herauf zu einer ganzen Mark sind ei» Drittel des Lohnes eines freien Arbeiters, dem die Arbeit entzogen lvird, um dem Unter- nehmer die Tasche zn fülle». Auch die Stadt Berti» thnt nicht das geringste, um dem Elend zu steuern. Die Schnlen sind überfüllt, fliegende Klassen an der Tagesordnung. Hier tvniite man den vielen Arbeitslosen im Baugewerbe Arbeitsgelegenheit biete». Straßen- regnlieruiigcn, der Bau von Kraiikeiihänsern usw., kurz, eine llnuiasse von socialen Pflichten, die der Hauptstadt harren, könnten ausgeführt werden. Andre Städte haben i» dieser Beziebung schon vorbildlich gehandelt. Die Bürgerschaft überläßt es iii ihrer Zufriedenheit den Arbeitern, Protest gegen diese Politik in Staat iiiid Kominnne zu erheben. Wir Iverden. ivir müssen dies anch tl»m. Seit Jahren bemüht sich die Socialdemokratie um die Er- richtniig von Arbeitsämtern, ivelche die Arbeits- vermitteluug herbeizuführen, Arbcitsstatistiken für das Reich anfiichmeu und iveitere im Interesse der Arbeiter liegende Verhältnisse auszuführen haben. Nirgends das geringste Ver- stäiidnis für diese mininialen Forderungen des Proletariats. Da helfe nur ein Mittel: der Ziisammenschlnß aller Arbeiter zn einer ininier giößeren Organisation, welche misre Gegner schwächt und uns eine stärkere Macht verleiht.(Lebhaftes Bravo I> Die von der Gewcrkschaftskomiiiission gestellte Resolntion fand einstimmige Annahine. Mit einem begeisternden Hoch ans die geiverlichaftliche Arbeiterbewegung nnd die Socialdemoltatie schloß Genosse Sassenbach die musterhaft verlaufene Versaminlung. In der Versamniliiiig in der Bockbraiierei referierte der Genosse Cohen vor ivcit über 1000 Arbeitslose», die den großen Saal der Brauerei vollständig füllten. Das größte Koiitiiigciit der Besucher stellten hier die arbeitslose» Buchdrucker und Metallarbeiter. Bis gegen l/zio Uhr bot das Straßenbild nichts besonderes, bald aber trat eine Aenderimg ei». In Trupps von zehn und inehr Per- souen strömten sie heran, neve» den jüngeren Arbeitern auch viele ältere, granbärtige Proletarier, die wohl viele lange Jahre schon im Dienste des Unternehmertunis sich ab- gerackert und nun in der Zeit der Krise dem Elend der Straße über- antwortet sind. Das Bureau der Versammlung bildeten der Buchdrucker Massini, Tischler ivk a a ß, Metallarbeiter D u v i n a g c. Der Referent betonte, daß, als vor Jahresfrist die Arbeiterpresse nnd die Arbeiterverlreter in den staatlichen und städtischen Körper- schaften ans die nahende Krise aufmerksam machten, imsre Gegner »Iis einwandien.>uir säen nur Uiiznfricdeuheit und damit blühe der Weizen der Hetzer. Als dann das Vorhandensein der Krise nicht mehr abzustreiten war, befanden sich die herrschenden Kreise gerade bei der Arbeit, ihren Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes zu beraten. Die Regierung glaubt genug gcthan zu haben, lveim sie Erhebimgen über die Arbeitslosigkeit»„stellen läßt. Der „Vorwärts" schrieb mit Recht:„Die angeordnete» Erhebimgen sind gänzlich unzuverlässig... es ist eine genaue Arbeiislosenstatistik notwendig." Wir Arbeiter müssen mit Recht mißtrauisch sein, wenn wir uns die Art nnd Weise betrachten, wie die Regierung Erhebungen an- gestellt hat. Redner erinnert hierbei an das vertrauliche Schreiben des Oberpräsidenten von Sachsen, des Herrn v. Bötticher an die Rcgieriingspräsidenlen. Berghanptleute nnd Industriellen dieser Provinz.' Der Rcgiernngspräsident von Erfurt hat den jetzige» Zn- stand als Normalziistand bezeichnet(Stürmische Pfuirufe), ein normaler Znstand soll es sein, iveim hier in Berlin 50 000(Zn- rufe: 80 000) Arbeitslose zu verzcichiieli sind. Die Teiliichmcr an dieser Znsanniicnkliiift haben ihr Notstandsmahl eiilgeliommen, die Arbeitslosen können weiter hungern.(Lebhafte Ziirnfe.! Wirmitnnsernschwachen Mittel», die uns zu Gebote stehen, sind in dieser Bezichnng zu Material gelangt, das auch der schärfsten Kritik standhält. Redner verweilt hier länger bei den in der Soitzltag-Nummer des „Vorwärts" veröffentlichte», von de» Gewerkschaften nnd Kranken- kassen aufgenommenen statistischen Erhebungen und fährt dann fort: Auch der' reaktionärste Minister müßte angesichts dessen zu- geben, daß die Not nnd das Elend im kommende» Winter ungeheuer iverden wird. Von privater Seite vorgenommene Erhcbmigcn haben ergeben, daß die größte Not nnler d e n Arbeitslosen anzutreffen war, die keiner gewerkschaftlichen Organisation angehörten. Das z. B. vom Professor Schanz in Wiirzbnrg empfohlene Rezept gegen die Folgen der Arbeitsloffgkeit— sparen so lange Arbeit vor- hniiden ist— unterzog Redner der herbsten Kritik, bezeichnete dann die bis jetzt von den eiiizelneu städtischen und staatlichen Behörden ailgcwandtc» Mittel zur Abhilfe als gänzlich»nziireichend und empfahl znin Schlüsse unter ftliriiuschem Beifall der Ver- saiiniiclten die einstimmige Ännahnie der mitgeteilten Resolution. Die zweite Rednerin. Frl. I m l e, warf zunächst die Frage auf: Weshalb koininen die Arbeitslosen zusaminen? Jedenfalls nicht nnr»in zn protestiere». Es ist notivendig, die socialrcforinerischc Tändelei der Ncgicriing mit dem Ernste der Arbeitcraiisichten zn durchdringen. Wir dürseii uns nicht auf den Standpunkt absoluten Vcnverfens stellen, vielmehr kau» ernste, politische That im Laufe der Zeit wirkliche Besserung bringen. Aber schwerer noch ist die Arbeit der gewerkschaftlichen Selbsthilfe. So einfach ist diese Thätigkcit nicht. Drei Fragen sind e?. die de» Gewcrkschaftc». wollen diese die Krisen, ohne Schade» zn leiden, überstehe», in Zukunft der Lösung Ivert erscheine»»inffcn: 1. Durchführniig der Arbeitslosen- Unter- slützniig: 2. Sicherung tariflich festgelegter Arbeitsbediiigungeii; 3. Einführung paritätischer Arbeitsnachweise. Wir werden dadurch natürlich nicht mit eineni Male diese ganze Gesellschaft iniistürzen, wir iverden aber dabei auch nicht einschlafe», sondern ertvachen z» wirklicher Thntciilnst. Wir ivollcn uns treiben lassen von der Eni- Wicklung, langsam und stetig, aber unablässig vorlvärts.(Stürmischer Beifall.) Nachdem»och der Vorsitzende M a s s i n i in kernigen Worten die Annahme der Resolution empfohlen hatte, die das Mindeste dar- stelle, ivas ivir Arbeiter vom Staate zu fordern haben, erfolgte die eiiijtiinnnge Annahme derselben. Mit einem begeistert aufgcnomincnen Hoch auf die geiverkschasrliche und politische Organisation ging die Versammlung ruhig und würdevoll auseinander. NoUkifche Aebevfichk. Verlin. de» 18. November. Der Brotwncher. Die„Krcnz-Zeitniig" verhehlt sich nicht, daß die Zustimninng des Bundesrats zum Wnchertarif noch nicht den endgültige» Triumph der Agrarier bedeutet: das sei nur eine„erste Etappe" des Handels- politischen Krieges, sagt sie.„ein sehr schwerer, wenn nicht der schwerste Teil des Kampfes steht noch bevor". Dieser schwerere Teil des Kampfes lvird im Reichstage anSgefochten iverden und die „Krcuz-Zeitmig" bemerkt mit nicht geringem Erschrecke», daß„die offene ivie die versteckte Obstruktion sogar in einem Teil der links- nationalliberaleii Pteffe ersichtliche Zustimmung findet". Dar»», richtet denn das führende Blatt der Volksaushuiigerung einen ein- dringlichen Appell an die Reichstagsmitglieder der Wucherparteien: „Je länger es(im Reichstage) dauert, desto schwieriger wird es werden. Zunächst wird man sich über die geschäftliche Behandlung des Entivurss einigen muffen. Hierbei werde» vermutlich die Gegner die ersten Schwierigkeiten nnfwerfen. Schon spotten sie iider die„papierene Mehrheit der Agrarier" und setzen ans criisthnfte Zeriviirfniffe der Tariffreniide ihre Hoffnung. Auch diese Hoffnung aber wird enttäuscht werden. Wie der Verlans verschiedener, in den letzten Tagen stattgehabtcr konservativer Bcrsaminlnngcn bewiesen hat, ist besonders die konservative Partei in dem Bestreben, im Reichstage einen Ausgleich herbeizuführen, einig. Das gleiche gitt offenbar von der C e n t r u in s p a r t e i. ES kommt jetzt vor altem darauf an, daß die R e i ch s t a g s- A b g e o r d n e t e», die das Zustaiidekoinmcn der Vorlage wolle», gleichen Eifer ii n d gleiche Ausdauer bekniide», ivie die Linke von ihren Mitgliedern voraussetzt. Die noch obivaltenden Mennings- Verschiedenheiten werden, dieser Ueberzeiigung ist anch die „Kölnische Voltszcitung", anszngleichcn sein; allein im lctzlcn Grniide hängt das Schicksal der Vorlage davon ab, daß deren Freunde pünktlich und rcgelinäfiig bis auf den letzten Man» im Reichstage sind.... Wir hoffe», daß die konservativen Abgeordneten sich der großen Ver- a u t w o r t n n g, da sie nicht nnr ihren Wählern, sondern dein ganzen Vaterlande gegenüber frei und lvillig sich auferlegt haben. völlig bewußt sind nnd bei dem bevorstehenden lvichtigen Sessionsabschnitt denjenigen Eifer»nd diejenige AnSdaner zeigen werde», ivelche die unerläßliche Voraussetzung für das Ziistnndekommc» der Zolltarifreform bilden." ES muß gelinde Verwunderung erregen, daß die„Kreuz-Zeitmig" solch angstvolles Ermahnen nnd Antreiben als nötig erachtet. Bei der entsetzlichen Not, unter der die Jiuiker znsnnimenbrcchen, müßten, so sollte man glauben, die konservativen Herren sich ungestüm zur Stätte der Gesetzgebnng drängen, um dort ihre»nd ihrer Mit- leidenden Interesses zu wahren, mindesteiis wohl ebenso ungestüm wie die Socialdcuiolraten. die ohne Erinüiitermig zur Stelle sind,»in die Jutereffen von Arbeitern zn vertreten, denen es so vortresilich ergeht, daß es»»begreiflich ist, warum sie überhaupt noch Ab- geordnete in das Parlament sende». Denn wie entsetzeusvoll schwer die Junkernot ist. das erzählt n»S soeben dieselbe„Krcuz-Zeitung", indem sie zu einer Jiede des Herrn v. Löbcll ans der Znsamincn- kirnst der Brandenburger Konservativen ausführt.: „... Abg. v. Löbell sagte aber»och mehr— und gerade da§ verdient hier besonders hervorgehoben zu lverdeii—, indem er die Hoffnung aussprach, daß die Zeit kommen ivcrde, Ivo der wirtschoftliche Kamps von der TageSordninig vcrschivinde. die Land- Wirtschaft sich eines ansreichciiden Schutzes erfreue nnd die Kouscr- valiveii so in Stand gesetzt ivürdc». wieder ihre höheren unverrückbaren Ziele zu verfolgen, die im Kainvfe für die di vi st Ii che Religion, für Monarchie u n d Vaterland wurzeln. Das und die iveiteren Ausführungen des Redners über den Gegenstand ist»ns ans der Seele ge- sprocheii; denn b e i d e m R> n g e n d e r G e g e n iv a r t um materielle Güter enipfinden»vir die Wahrheit des Wortes nur zu tief und schmerzlich, daß der„Mensch nicht vom Brot allein zu leben" vermag. Allerdings aber»inst er Brot haben, nm zu lebe», nnd das giebt dem anscheinend rein äiißerlicheu Ringen dieser Tage seine h ö h e r e W e i h e. soiveit sich dieses Ringen nicht auf das Ueberflüssige erstreckt." So ist es klar: der Jnnker ist der Idealist, dem der Kampf nm das Materielle ein Abscheu gilt, der am liebste» sein ganzes Dasein im Wirken für die Ideale der christlichen Religion, der Monarchie, de» Vaterlandes verzehren würde. Aber ach, dem bejammernswerten Idealisten fehlt das tägliche Brot, das seinen auSgehimgerten Leib not- bmftig zu erhalten vermag, lind es giebt tvahrlich Parteien im deutschen Vaterlande so voll Niedertracht, daß sie dein Verhungernden nicht den Bissen trocknen Brotes reichen wollen. Die verabschcuens- werten Volks, nassen neiden den armen Junkern das tägliche Brot. Doch der Zolltarif wird diesen schmählichen Ungerechtigkeiten ein Ende bereiten, er wird ein Ende bereiten der Anslvnchcrung der hungernden Laudlvirte, und die goldene Zeit ivird herbeikommen, Ivo auch der ärmste aller armen Junker wenigstens annähernd ein auskömmliches Dasein führen darf und mit halb gesättigtem Leibe das Ideal christlicher Bescheidenheit und Nächstenliebe den mibot- mäßig Prassenden verkündet, die sich heuchlerisch Arbeitende nennen, während sie in lukullischen Orgien schwelge».— Die Socialpolitik der frauzöfischen Regicnnig. Paris, 16. November. Verden. Es sind von militärischer Seite in verschiedenen Orten des badischen Oberlandes Feststellungen darüber gemacht worden, ivelcher Platz sich hierzu am besten eigne. Nun sog Müllheim hierzu wohl mit Rücksicht ans seine günstige militärische Lage und Eisenbahn Verbindung mit dem Reichslande als besonders geeignet befimden worden sein. Bestätigt sich dies, so wird Mnltheiin, welches so ivie so in nächster Zeit eine Garnison erhält, ganz erheblich fortifikatorische Anlagen und ganz namhaften T r n p p e n z n Iv a chs erhalten." Die Nachricht gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß die Vcfcstignngsiverke von Rastatt im Laufe der letzten Jahre völlig geschleift worden sind und auch die wenigstens teilweise Niederlcgmig des erst vor kurzen Jahrzehnten mit so ansierordentlich hohem<Äcld aufwand errichteten Wallgnrtels der Festung Strasburg nur noch eine Frage der allernächsten Zeit ist. Das reizend gelegene Städtchen Müllheim, auf das jetzt der KricgSmolvch seine plumpen Tatzen legen will, ist der Hanptort des Ivcingcsegneten Markgräflcrlnndes Sollte sich die Nachricht der„Bad. Ldsztg." bewahrheiten, so würde dem weinfröhlichen BnccchnSidyll dort allerdings bald ein jähes Ende bereitet werden.— Die Eisenbahnfrage nnt» die Socialdemokratie. Die süddeutschen Parteigenossen und Vertreter der Landtage haben kürzlich, lvie wir mitgeteilt haben, in gemeinsamer Beratung die Eisenbahnfrage beraten und in einer Resolution die in den Landtagen zu befolgenden Grundsätze niedergelegt. Die aktuelle Frage ist die drohende Gefahr der preusiischen Eisenbahngcmeinschaft, d. h. der Verpreuhung der süddeiltschen Eisen bahnen. Und gegenüber dieser Gefahr hat man sich dem Gedanken einer süddeutschen Eisenbahngemeinschaft zugewendet, die eine Gegenwehr gegen Prentze» darstellen soll. In einigen Parteiblättern wird diese Resolution als ein Vcrstosi gegen den Mainzer Beschlusi über die Verkehrssrage anfgefnsit, der sich allerdings auch gegen die V e r p r e u si n» g der Eisenbahnen aussprach, aber die Centralisation durch das Reich forderte. Wir glauben, dasi man zu Unrecht gegen nnsre süddeutschen Genossen den Vorwurf der Verletzung des Mainzer Beschlusses erhebt, der unter alle» Umständen für das praktische Verhalten der Gesamt Partei bindend sein niuß. Auch unsre süddeutschen Parteigenossen stellen an die Spitze ihrer Resolution die Forderung der Uebernahme des Eisenbahnwesens durch das Reich; denn sie besagt wörtlich: „Die einheitliche Gestaltung des Eisenbahnwesens innerhalb des deutschen Wirtschaftsgebietes ivird durch die Entwicklung des Verkehrs bedingt und muh das zu erstrebende Ziel bilden." Die süddeutsche Eisenbahngemeinschaft bildet und soll nur bilden eine Etappe auf dein Wege zur einheitlichen Reichs Eisenbahn und zugleich das sehr notwendige Abivehrmittel gegen eine Ausdehnung der preuhischen Vorherrschaft. Insofern wider sprechen die süddeutschen Beschlüsse nicht der Mainzer Resolution. Allerdings finden sich einige Wendungen in dem Beschlnh, die als eine gewisse partiknlaristische Liebhaberei mihverstanden werden können, ans denen man schliehen könnte, dah die süddeutschen Partei fenossen die„Berreichlichung" nicht nur für gegenwärtig ans- i ch t s l o s halten— waS allgemein zugestanden werden wird denn Preußen wird die Grundlage seiner Finanzen nicht dem Reich überlasse»— sondern auch als zur Zeit für nicht einmal Wünschens wert. Indessen zeigt«ine ausführliche Darlegung der.Schwäbischen Tagwacht", dah man durchaus das Ziel nicht aufgeben will, sondern die süddeutsche Eisenbahngemeinschaft in der That nur als eine Ucbcrgangsaktion der praklisch-notwendigen Politik' gelten läht. Leider wird diese unsres Erachtens richtige und loyale Auf fassung des Beschlusses erschwert und kompromittiert durch merk« würdige süddeutsch- partiknlaristische Lobreden des Karlsruher „Volksfreund" auf die wundersamen Vorzüge des süddeutschen Bahn Wesens. Es wäre angebracht, dah man es unterläht, durch derartige .Rettungen" den an sich höchstens in Beilänfigkciten anfechtbaren Beschlnh der süddeutsche» Parteigenossen nn» in der That zu einem Verstoh gegen die bindende Mainzer Resolution umzudeuten. Im übrigen ist aiiher Zweifel, dah unsre süddeutschen Genossen im Reichstag für die Propaganda und für die Verwirklichung der in der Mainzer Resolution erhobenen Forderungen nachdrücklichst und mit gleichem Eifer wie die übrige Fraktion zu wirken gewillt sind. Ausland. Znm Generalstreik der französischen Bergleute. Die Konimisston für Arbeitergesetzgebnng hat ihre Arbeiten»ahezn beendet, und ihr Bericht wird in diesen Tagen der Kammer zugehen. Die Untenrehmer, die in banger Besorgnis sehen muhten, dah ihre fadenscheinigen Gründe gegen den Ächlslundentag ihren Eindruck auf die Kommisston verfehlte», machten einen letzten Versuch. die Entscheidung hinauszuschieben. Der Unternchmerverband der Metoll- und Bergbau- Industrie hatte sich an die Kommission gewandt, um nochmalige Vernehmungen, Unter- siichungen usw. zu erreichen. Die Kommission hat indes dies Verlangen abgelehnt mit den, Hinweis, dah die Untersuchungen gründ- liche gewesen seien und dah weitere Vernehmungen nur eine unnötige Verschleppung zur Folge haben würden. Es wird an- genommen, dah der Gesctzentwiirf der Kommission die Einsühnnig des Achtstundentags im Bergbau für de» 1. Juli 1002 vorsieht. * Der Deputierte BaSly gab am Sonntag die von den Ver- tretern der ausländischen Bergarbeiter in einer Konserenz in Dover gefahten Beschlüsse bekannt. Die belgischen Vertreter erklärten, dah sich das Kon, itee des belgischen Bergarbeiter-Ver- bandes nicht an der Bewegung der französischen Bergarbeiter beteiligen wolle. Die deutschen und östreichischen Vertreter wiese» darauf hin, dah ein allgemeiner Ausstand sowohl für die deutschen und östreichischen, wie für die französischen Bergarbeiter ei» grobes Unglück sein würde. Die englischen Vertreter sprachen sich dahin aus. dah sie nicht glaubten, die Förderung in genügender Weise einschränken zu können, um die Einfuhr von Kohlen nach Frankreich z» verhindern. Die Bergarbeiter in Carmaux hielten an, Sonntag eine Versammlung ab, in welcher ihr Verbandsdelegierter ihnen riet, nicht in den Ausstand zu treten, während die Arbeitskommission der Deputiertenkammer sich mit ihren Interessen beschäftige. Die Berg- arbeiter beschlossen darauf, de» allgemeinen Ausstand zu ver- tagen, ihn aber in nächster Zukunft zu beginnen, falls ihre Forde- rungen nicht befriedigt würden. Aus BalencienneS wird gemeldet: Im hiesigen Kohlenrevier herrscht Ruhe, doch gewinnt der Ausstand an Ausdehnung; die Zahl der Ausständigen beläuft sich jetzt auf 2000. Die provozierenden Mobilisiernngen im Kohlengebiet' dauern fort. Der.Voss. Ztg." wird geschrieben: In den Kohlengruben- bezirken des Pas de Calais und Nord-Deparlements sind die Truppen mobil gemacht. Die Gegenden bieten das Bild der grohen eldübungen.— Oestreich-Ungarn. Zur Parlamentskrise. Die offiziösen Blätter, insbesondere das„Frenidenblatt", bestätigen, dah eine schwere Parlamentskrisis besteht, sie drücke» jedoch die Erwartung ans, dah in der in den nächsten Tagen stattfindenden A n s g l c i ch s k o n f e r e n z zwischen den Vertretern der deutschen und czechischen Parteien eine Ver- st ä n d i g u n g erzielt werden wird. Die Regierung werde alles thu», damit die Gegensätze applaniert werden. Frankreich. Vaillandet endgültig deS Amtes enthoben. Genosse V a, 1 1 a n d e t, der suspendierte Bürgermeister von Bourges. ist, wie uns unser Pariser Korrespondent im Gegensatz zu der vorgestrigen irrigen Meldung, die von der angeblichen Rehavili tierung Vnillandets sprach,»lilteilt. vom Ministerium endgültig von, Amte enthoben. Es sei erinnert, dah die Ursache der Mahregelung eine Versa», mlungS- Ansprach« ist, worin die Rekruten aufgefordert wurden, nicht auf streikende Arbeiter zu schieben. Mit der Amtsenthebung unsres „offen erfüllt die Regierung einen heihen Wunsch der kapitalistischen und nationalistisch-chauvinistischen Parteien, die über die Erfolge der antimilitarislischen Propaganda im Namen des GeldsackS. der Armee und des Patriotismus zetern. Genosse V a i l l a n t wird die Negierung über ihre neueste Ordnungsthnt interpellieren.— Umsichgreifen des Slnti- MtnisterialiSmuS. Symptomatisch für die Stimmung unter den französischen Socialisten ist der Bei tritt der Föderation des Lot-DepartementS an die a n t i m i n i st e r i e l l e Partei. In früheren Jahren gehörte die Föderation zu den Blanqniste». Nach dem bekannten gneSdislisch blanguistische» Manifest sJuli 1S99s gegen MillerondS Eintritt ins Ministeriuni trat die Föderation ans der blanqnistischcn Organisation aus, u», sich auf seiten der Jaurösschen Richtung zu schlagen. Nach dem Lyoner Kongreh länder zu multiplizieren haben. Gewerkftszttftliifzesj. Berlin und ttmgegend. Tapezierer. Laut Beschlnh der Verbandsleitimg und der Veriranensniänner-Sitznng soll eine Enquete über nnsre anqenblick» liche Lage, besonders bezüglich der Arbeitslosigkeit aufgeuommen werden. Wir erwarten nnmnchr von nnsrcn Kollegen, dah sie die ihnen zugehenden Kartei, unverzüglich ausfüllen und an die VcrbandSlcitung senden, damit daS Material bis z» der an, Freitag, den 29. d. M. stattfindenden öffentlichen Versammlung im Gewcrkschaftshanse durchgearbeitet werden kann. Da uns von einer Reihe Kollegen die Adressen fehlen, fordern wir alle diejenigen, die keine Karle erhalten, auf, sich solche»nverzüglich von, Bureau, Engel-llfer 15, zu holen. Jeder Kollege hat seinen Nebenkollegen auf obiges aufmerksam zu mache». Die VerbandS-Leitnng. Achtung! Holzbearbeihingsinaschineii-Arbeiter! In der Holzbearbeitnngsfabrik von Jerabeck, Gricbenowstr. 2, haben iämtliche Masäiinenarbeiter wegen Lohnabzügen von wöchenlich 50 M. bis 6.45 M. die Arbeit niedergelegt. Ilm strenge Fern- hallung deS Zuzuges ersucht Der Vorstand deS Verbandes der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter. Deutsche» Reich. Eine Mitgliederabstiininung im Porzellanarbeiter-Verband über die Erhöhung der Verbandsbeiträge um 5 Pf. hat eine die BeitragSerhöhung'a b le h n e n d e Antwort ergeben. ES stinunten bei der Frage:„Sollen die VerbandSbeiträgc vom 1. Oktober 1901 ab pro Woche und Beitragsstns« um 5 Pf. erhöht werden?" 581 Mit- glieder dafür, 2171 dagegen. 66 enthielten sich der Stimme. für Zurückstellung dieser Frage bis zur iiSchsten Generalversammlung timmten 1760 Mitglieder, dagegen 952, der Stimme enthalten haben ich 107 Mitglieder. Weber-Anssperrung. Die Weber und Weberinnen der Firma Eduard Beyer in K r i n, m i t s ch a u wurden am vergangenen Sonnabend ausgesperrt, weil sie eine angekündigte Lohureduktion nicht ohne weiteres über sich ergehen lassen wollten. Zun, dritten Male innerhalb dreier Jahre versuchte Herr Beyer den Lohn seiner Arbeiter zu kürzen. Zwei Mal liehen dieselben die Lohureduktion widerstandslos über sich ergehen. � Endlich beim dritten Mal er- mannten sie sich und wollten gütlich unterhandeln. Aber Herr e y e r wollte keine Unterhandlung. Seine Antwort war: Ein« tellnng des Betriebes und Aussperrung der Weber und Weberinnen I Im Laufe des SonnabendnachmittagS versuchten die Arbeiter nun noch einmal, aber leider erfolglos, den Kampf gütlich beizulegen. Der Kampf dreht sich um die Beibehaltung deS seitherigen Lohnes ür die Jacquardweber, Bezahlung der Nebenarbeiten als: Vorrichten. Anschnellen usw. ftir die Schaftweber. Vor Zuzug von Weben, nach Krimmitschau wird gewarnt! Alle arbciterfrenndliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Ausland. Da» internationale Bergarbeiier-Komitee hat am Donnerstag. den 14. November, in Dover sEngland) gelagt. Verirclcn waren England(P i ck a r d. A st o r und Beat). Frankreichv e st e r. Sie giebt auf Befragen des Staatsanwalts an, sie wisse nichts von einem angeblichen Liebesverhältnis Kneihls mit einer Krankenschwester und deren Disciplinierung. Bei dieser Gelegenheit bemerkt Rechtsanwalt v. Pannwitz, dah Kneihl während seines Aufenthaltes in der Klinik von einer grohen Anzahl Damen A n s i ch t s- Postkarten, Briefe ec. erhalten habe. Ein zur Zeit in Untersuchungshaft befindlicher Komplice Kneihls, Tagelöhner Voest, wird unvereidigt vernommen und erzählt, was Kneihl ihn, über die Vorgänge in Irchenbrunn berichlet. Kneihl habe de» Fleck- bauer mit Erschichen bedroht, wenn er den Gendarmen die Thür öffne. Ein weiterer Zeuge bestätigt die Erzählung, womit erklärt werden soll, warum Ätieger so lange mit dem Oeffnen der Thüre gezögert habe. Die nunmehr vernonimene siebzehnjährige Zeugin Mathilde Danner, die Geliebte Kneihls, welche von ihrer Mutter, der Wäscherin Lorenz, mitgenommen worden war, um dadurch Kneihl leichter der Polizei in die Hände zu liefern, sagt aus, sie habe Kncihl am 3. März in, Merklschen Anwesen in Geisenhofen getroffen. Derselbe habe ihr schon öfter den Vor- schlag gemacht, mit ihm nach Amerika zu gehen. Als sie nun mit ihrer Mutter an diesem Tage zu Kneihl gegangen sei. habe sie geglaubt, eS handle sich um einen ähnlichen Plan; sonst wäre sie nicht mitgegangen. Von dem Vorhaben ihrer Mutter babe sie nichts gewuht. Sie hätte auch Kneihl auf keinen Fall verraten. Der Angeklagte habe bei der Begegnung zu ihr geänhert, die Jrchcnbrunner Mordthat bereue er tief. Der Flecklbauer habe ihn schmählich ver- raten. Ein Einverständnis zwischen ihm und den, Flcckl« banern habe nicht bestanden. Nach weiteren belanglosen Zeugenaussagen kommt der Raubanfall auf den Sattlergehilsen Dannhofcr in Maisach zur Verhandlung. an, dah Kneihl und Voest die Thäter seien. den Raub vollständig in Abrede; auch nicht anzugeben, ob Kneihl und Voest Der Stationskommandant Abt ans Maisach stellt fest, dah Kneihl zur Zeit des Raubes sich nur eine Stunde vom Thatort entfernt bei Bekannten aushielt. Aus der Verhandlung am Nachniittag ist hervorzuheben, dah der Sachverständige, Oberarzt Dr. v. Gudden, aussagte, er habe bei seinen Besuchen Knelhls am zweiten Tage nach Kneihls Fest- „ahme von diesem keine Antworte» bekommen, die aus klares Bewuhtscin schliehen liehen. Kriminallonimissar B o s s e r t giebt auf Verlange» des Vorsitzenden Aufschluh über den Lenmnnd der Frau Lorenz, welchen er als einen sehr guten bezeichnet. Einige Entlastungszeiigen bestätigen, dah Kneihl seiner Zeit nach seiner Ent- lassung ans den, Gefängnis wiederholt gearbeitet habe, stelS aber enllasien worden sei, als bekannt wurde, dah er der Schachermüller- Hias sei. Bezüglich der Frage, ob Kneihl bei seiner Festnahme Waffen bei sich halte, sagt die Mehrzahl der Schutzleute aus, dah Kneihl un- bewaffnet gewesen sei, während ein Schutzmann behauptet, Kneihl habe eine» Revolver gehabt. Hierauf wurden vom Gerichts- Hofe die Fragen formuliert, welche an die Geschwornen zu stellen sind. Vierzehn Fragen betreffen die Verbrechen Kneihls, dar- unter befinden sich auf Mord, Totschlag oder Körper- Verletzung lautende Fragen. Zehn weitere Fragen richten sich gegen Rieger wegen Beihilfe zun, Verbrechen. Heute wurde die Beweisaufnahme geschloffen. Morgen finden die PlaidoyerS statt._" Uetzte Mttchvickzten und Depeschen. Nationalliberale, Zolltarif nnd Kanalvorlage. Witten, 18. November.(B. H.) Hicrselbst fand gestern der auherordentlich stark besuchte Parteitag der Rational- liberalen Westfalens statt. In einem längeren Vortrage deS ReichstagS-Abgeordncte» H i l b ck über den Zolltarif sprach sich der Redner für einen mähigen Schutzzoll zu Gnnste» der Landwirtschaft aus und gab dabetz der Hoffnung Ausdruck, dah auch die Kanalvorlage bald wieder erscheinen nnd alsdann zum Segen der Industrie nnd Landwirlschaft Westfalens angenommen werden würde. Es gelangte eine in diesem Sinne gehaltene Resolution einstimmig zur Annahme. Zur Bergarbeiterbewegnng in Frankreich. PariS, 13. November.(W. T. B.) Der C e n t r a l a n S schuh der K o h l e n w e r k e hat an die A r b e i t S k o m n, i s s i o n der Kammer ein Schreiben gerichtet, in welchem er die F o r de r u ng c n deSBergarbeiter-Verban des, insbesonderc de» Achtstiindcn- tag. z u r ü ck Iv e t st und ausführt, das; der Achtstundentag die die heimische Produktion um inindeftenS sechs Millionen Tonnen verringern, eine Anzahl von Kohlenwerlen zu Grunde richten, den Kohlenverbrauch Frankreichs dem Belieben des Auslandes preisgeben und sämtliche Industrien auf daS schwerste schädigen lvürde. Leipzig, 18. November.(W. T. B.) Gestern nachniittag wurde im Connewitzer Holze ein Main, erschossen aufgefunden, der später als der Direktor des Z ö r b i g e r Bankvereins, Otto G r a in in a u S Zörbig bei Bitterfeld, erkannt wurde. Der Beweggrund der That ist unbekannt. Tonlon, 18. November.(B. H) In der hiesigen Feuerwerker- Schule erfolgte gestern eine ELPlosio», wobei mehrere Personen schwer verletzt wurden. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Anklage nimmt Kneihl selbst stellt Daimbofer verniag die Thäter seien. Lerani»orilicher Nedactcur: Carl Leid in Berlin. Slli den Inseratenteil verantwortlich: Th.»locke w Berlin. Druck und«erleg von Max Bading m Berlin. Hierzu* veilage« u. Unterhalt, mgSblatt» Jlr.271. 18. 1. KW»es Jtrairts" Ktlintt KMIntt . 19. Zlovembtt 1901. Krankenkassen-Mitglieder! Arbeiter Berlins und der Bororte! In dem Kampf zwischen Krankenkassen und Apotheken, welcher seit dem 1. Mai im Gange ist, handelt es sich für die Kassen darum, die Arznei zu verbilligen, um nach andrer Richtung für die kranken Proletarier besser sorgen zu können. In diesen Kampf greift nun soeben der Oberpräsident durch eine Verfügung ei», von der die Apotheker hoffen, daff sie ihnen auch fernerhin' in dem bisherigen Umsauge die Ausbeutung des arbeitenden Volkes ermöglichen wird. Aber diese Hoffnung wird an der Einsicht und dem Opfermute der Berliner Arbeiterschaft zu Schanden werden. Jeder Arbeiter, jedes Krankenkaffen-Mitglied muß sich ja darüber klar sein, dah seine ureigensten Interessen— die bessere Versorgung in Krankheitstagen— in diesem Kampfe auf dem Spiele stehen, und jeder wird darum unverbrüchlich auch fernerhin an dem Grundsatze festhalten: den Arzneibedarf für sich«nd seine Familie in erster Linie aus Drognengeschäften zu decken, und wo dies nicht angeht, nur eine der zugelassenen Apotheken in Anspruch zu nehmen. Die zur Lieferung bei den Berliner Krankenkassen zugelassene» Apotheken sind: Centrum: Apotheke zum schwarzen Adler, Königstr. 81. Forluna-Apotheke, Dragonerstr. 6». Löwen-Apotheke, Jerusalemer- straße 30. Konnnandaiiten-Apotheke, Seydelstr. 16. Westen: Humboldt-Apotheke, Potsdamerstr. 29. Barbarossa- Apotheke, Kurfiirsteudamm 1. Kurfürsten-Apotheke. Genthinerstr. 20. Pallas-Apotheke, Goltzstr. 23. Wittes Apotheke, Potsdamerstr. 81». Engcl-Apotheke, Kanonierstr. 44. Süd-Westen: Johanniter-Apotheke, Plan-Ufer 11. Kreuz- berg-Apotheke, Belle-Alliancestr. 73. Auguste Victoria- Apotheke, Königgrätzerstr. 52. Apotheke zum goldenen Einhorn, Gneiscnau- straße 92. Anhalter-Apotheke, Dorkstr. 18. Süden: Apotheke zur Sonne, Prinzenstr. 102. Apotheke zum Schwan, Oranienstr. 148. Urban-Apotheke, Urbanstr. 118. Hohen- staufen-Apotheke, Boeckhstr. 30. S ü d- O st e n: Neander-Apotheke, Ncanderstr. 29. Görlitzer- Apotheke, Görlitzerstr. 48. Adalbert- Apotheke, Adalbertstr. 16. Emmaus-Apotheke, Reichenbergerstrasie 150. Springers Apotheke. Manteuffelstr. 105. Apotheke am Schlesischen Tbor, Skalitzerstr. 72. O st e n: Gradts Apotheke, Stralauer Platz 20. Krugs Apotheke Zorndorferstr. 53. Reichsadler-Apothcke, Grosse Frankfurtcrstr. 134, Blumen-Apothcke, Blumenftr. 73. Stern-Apotheke,'Poseuerstr. 7. Nord-Osten: Apotheke zum schwarzen Adler. Neue König strasse 50. Apotheke zu de» Frankfurter Linden, Grosse Frankfurter strasse 108. Siegfried-Apothcke, Grcisswaldcrstrasse 10. Deutsche Apotheke, Bllschingstr. 15. Kaiser Wilhclm-Apothckc, Landsberger- strasse 3. Norden: Prinzen-Apothcke, Prinzcu-Allee 69. Nord-Apotheke, Schulstr. 1. Prinzessin Victoria Louise-Apotheke. Voltastrasse 44. Apotheke zum gekrönten schwarzen Adler. Auguststr. 60. Zions Apotheke, Anklamerstr. 39. Gustav Adolf-Apolheke, Kolonicstr. 1. Nordhafen-Apotheke, Fennstr. 31. Borussia-Apotheke, Schönhauser Allee 56. Marien-Bpotheke, Wörtherstr. 40. Grüne Apotheke. Chaussee- strasse 19. Hochplatz-Apotheke, Neue Hochstr. 24. Italienische Apo thcke. Antoustr. 25. N o r d w e st e n: Roland- Apotheke, Turmstr. 16. Diana Apotheke, Turmstr. 28. Moabiter Apotheke. Alt-Moabit 18. Fellns Apotheke, Lübeckerstr. 32. Schiller- Apotheke, Alt- Moabit 35. Krouprinzeu-Apocheke, Hiudersiustr. 1. Stephau-Apolhekc, Steudalcr strasse 11. Polnische Apotheke. Mittelslr. 56. Phönix- Apotheke, Birkeustr. 6. Beussel-Apotheke, Beusselslr. 55. Charlottenburg: Friedrich Wilhelm- Apotheke, Leibuiz strasse 89. Pestalozzi- Apotheke, Kaiser Friedrickstr. 61 B. Uhlaiid- Apotheke, Kanlstr. 151. Hof- Apotheke, Berlinerstr. 71. Falken Apotheke, Potsdamerstr. 31. Schöneberg: Pallas-Apotheke, Goltzstr. 23. Sedan-Apotheke. Sedanstr. 3. R i x d o r f: Reichsadler-Apotheke, Bergsir. 13. Berg-Apolheke, Hermanustr. 146. Lichtenberg: Lichtenberger Apotheke, Dorsstr. 41o. Groh-Lichterfelde: Ädler-Apotheke, Drakestr. 56. Steglitz: Apotheke von Nah, Albrechtstr. 19. Weisse nsee: Flora-Apotheke, Köpig-Chausiee 9. N e u- W e i ss e n s e e: Sonnen-Apotheke, LaiighanSstr. 82. In Ortschaften, welche nur eine einzige Apotheke besitze», kann diese nach wie vor benutzt werden. Wir bitten dies Verzeichnis aufzuheben oder besser noch: auS demselben die niichstliegende Slpothckc herauszusuchen und sich dieselbe für de» Bedarfsfall zu merken. Centralkommifsion der Krankenkaffe» Berlins und der Vororte. Ztovkei-MAktzvirtzken. Partei- Archiv. Die Bibliothek der focialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin SW. 48, Alexandrinenstr. 26(im Haufe der„Oeffentlichcn Bibliothek und Lesehalle"), ist wochentäglich von S'/a bis O1/« llhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 Uhr vormittags geöffnet. Die Bibliothek ist geschlossen am Neujahrstage, am t. Mai, an den zwei Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertagen sowie am ersten und dritten Montag eines jeden Monats und in der Zeit vom 24. Juni bis 1. Juli inklusive. Die Benutzung der Bibliothek steht nur solchen Personen frei. denen der Parteivorstand(Bureau: Berlin S>V., Krcnzbergstr. 30) die schriftliche Erlaubnis dazu erteilt hat. In den Räumen der öffentlichen Bibliothek und Lesehalle liegt ein Exemplar des systematischen Katalogs zur Einsicht bereit. Die Bestellniig der gewünschten Werke hat schriftlich am Ausgabeschalter der.Oeffentlichcn Bibliothek" zu geschehen. Die Benutzung wird in der Regel nur in den Leseräume» der Oeffentlichen Bibliothek ge- stattet. Nach Hanse werden Bücher nur auf Grund einer ausdrücklichen Erlaubnis des Parteivorstandes verliehen. An diese Bedingung ist auch die Versendung von Büchern an Interessenten ausserhalb Berlins geknüpft, denen auf einen dahingehenden Wunsch der systematische Katalog für kurze Zeit zur Einsicht übermittelt werden kann. Berlin, den 25. Oktober 1901. _ Der P a r t e i v o r st a n d. Genosse Bebel, der einige Zeit verreist war, antwortet dem Genoffen Kolb nochmals kurz auf dessen letzte Erwiderung. Auf die Sache sslbst geht er nicht ein. Dagegen teilt er mit, dass ihm noch neues Material in der Sache des Karlsruher Oberbürgermeisters zugegangen sei, das ihm die Haltung Kolbs und seiner Freunde noch unbegreiflicher mache, als es bisher erschien. Er wolle die Polemik nicht in der Zeitung fortsetzen, sondern die Anklagen vor ein andres Forum bringen, wo er auch die Zeugen für Kolbs Aeussernng über das Parteiprogramm beibringen wolle. Kolb erklärt sich in einer kurzen Anmerkung damit einverstanden. Die Revision des Genosse» OpificiuS gegen das ihn zu Gefängnis und zum Verlust seines Mandats verurteilende Gerichts erkenntnis ist am Montag vom Reichsgericht verworfen Ivorden. RlS eigenartiger Rechenkünstler hat sich der liberale Magistrat in Königsberg produziert, um die Socialdeniokratie um ein Stadt- verordneten- Mandat zu bringen. Während wir mitteilten. dass. drei Socialdcmolraten im ersten Wahlgange gewählt seien, will der Magistrat nur zwei als gewählt gelten lassen. Er folgt dabei dem Wahlvorstand in dem betreffenden Bezirk, der ebenfalls eine Stichwahl als notwendig bezeichnete. Es handelt sich um die Wahl eines Stadtverordneten aus vier Jahre. Stimmen erhielten: der Socialdemokrat 484, der Liberale 227. der Konservative 221, ausserdem zersplitterten 18 Stimmen Die absolute Majorität beträgt 475 Stimmen. Also hat unser Genosse mit neun Stimmen über die absolute Majorität gesiegt. Das ist ein so klares Exempel, dass es auch den ob ihrer blamablen Niederlage erbosten Freisinnigen einleuchten könnte. Der Magistrat hat aber bei der amtlichen Feststellung des Wahlresultats diese Wahl mit einer andern im selben Bezirk, bei der zivei Stadtverordnete auf sechs Jahre zu wählen waren. zusammengeworfen. Bei der letzteren Wahl ist nur der Genosse Neichstags-Abgcordneter Haase gewählt: um das zweite Mandat haben in der Stichwahl ein Genosse und ein Liberaler zu ringe». Bei der Herausrechmmg der absoluten Majorität hat der Magistrat nnn die Stimmen sowohl für die Kandidaten auf sechs Jahre, wie die für die Kandidaten auf vier Jahre zusammengeworfen. Er glaubt, dass ihm eine alte Eni- scheidung des Oberverwaltnngsgerichts gestatte, so zu Verfahren Uusre Genossen werden schon bei der Stichwahl einen Strich durch das famose Rcchenexcmpel machen. Gemcindewahle». Die Stadtberordneten-Wahl der dritten Abteilung in S p r e m b e r g brachte zum erstenmal für uns den Sieg. Es haben 258 Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Wir erhielten: Cvntroleur Julius Herbst und Cignrrcnfabrikant August Krüger 132 bezw. 131 Stimmen; die Gegner Gustav Greischel (bisher Stadtverordneter) 129 undZeicheiilehrerHartmann 114 Stimmen. 10 Stimme» zersplittert. Vor zwei Jahren hatten von 208 Ab stimmenden 64 siir Socialdemokraten gestimmt, nnsre Partei hat also ihre Stimmcnzahl reichlich verdoppelt. In Langenberg(Reutz j. L.) wurden 4 Kandidaten der socialdcmokratischen Lsste, 2 der gegnerischen Liste und 1 beiden Listen gemeinsamer Kandidat gewählt. Nns Ittdustriv mit* Hrnidel. Krise der Eisenindustrie in Süd- Rnffland. In der von den Eisen- und Stahlindustricllcn alimentierten Presse ist zum Beweis für die Notwendigkeit einer Erhöhung der Eisenzölle ausser auf die Entwicklung der amerikanischen Eiseuindnstrie auch in den letzten Jahren vielfach auf die Erstaikiing der süd- russischen Kohlen- und Eiscnprodnktion hingewiesen worden Mir erheuchelter Besorgnis wurde berichtet. dass die süd- russische Roheisen- Produktion von 1893 bis 1899 sich nahezu ver- dreisacht hätte, nämlich von ca. 540 000 Tonnen auf über 10s Mil- lioiicn Tonnen gestiegen sei, und dass. wenn erst die mächtigen Anthracitkohlenlager des Donczbajsins und die reichen Erzlager rationeller ausgebeutet und zwischen beiden bessere Znfnhrwcge her gestellt sein würden, sich die russische Konkurrenz auf dem süd- und mitteleuropäischen Eisenmarlt in empsindlichster Weise geltend machen müsse. Verschwiegen wurde mir,' dass die Eisenerzlager von Krivairog, die vornehmlich in Betracht kommen, 50— 70 deurschc Meilen von den Aiithracitlagern entfernt liegen, dass der Gcsamtuorrat jener Eisenerzgrubcn bei zunehmendem Bedarf kaum noch auf 15— 20 Jahre vorhalten dürfte und ferner die Doncz Amhracitkohle zn schwefelhaltig ist. um mit Vorteil direkt zur EisenverhÜttinig in den Hochöfen anstatt des Cooks verwendet werden zu können. Vor allein aber wurde verschwiegen, dass selbst in den besseren Hochöfen-Anlagen des Donez- und Dnieprgebiets die Produktionskosten einer Tonne Roheisen sich noch innncr um über 25 Proz. höher stellen, wie in Rheiuland-Westfalen, und dass die südrnssische Eisenindustrie in ver Hauptsache nichts andres als ein durch das russische Prämien- und Zollsystem, sowie durch hohe Licferuiigsauftrnge für StaatSbahn- baute» nnfgezogencs schwächliches Treibhansgewächs ist, das freiem Lustzug kaum Widerstand zu halten vermag. Schon als vor einigen Fahren die Regierung sich, um zu sparen, dazu genötigt sah, bei Vergebung von Neuanfträgen auf Schienen und Laschen ans niedrige Preise zu halten, wurde die Lage vieler Etablissements recht heikel, und noch mehr, als sich bald das von den siidrnssischcn Werken für den Bau der transsibirischen Bahn gelieferte Material als minderivertig herausstellte und sich»»» die russische Regierung trotz aller ihrer Neigung, die einheimische Industrie zu fördern, dazu gezwungen sah, bedeutende Orders ans Schienen an amerikanische Werke zu vergeben. Bereits in den letzten zwei, drei Jahren konnten verschiedene der südnissischen Unteriichmungen keine Dividende mehr aiisichiittcn. Jetzt hat sich, wie Ütnere Meldungen und der vor einigen Tagen ans demKongress der südrussischcn Montan iiidnstriellen in Charkow erstattete Bericht beweist, die Lage noch weit mehr verschlimmert. Eine ganze Reihe von Werke» steht, wenn die Regierung nicht helfend einspringt, vor dem Bankrott; vielfach mühte die Thätigkeit in den Betrieben auf ein Drittel oder Viertel des bisherigen Unifaiiges reduciert werden. Und ebenso leidet die Kohlen-, Cooks- und Eiseiierz-Produktion, da natürlicherweise imtcr solchen Umständen die Nachfrage nach Erz und Kohlen seitens der Eisenindustrie stetig abnimint. Zn den traurigen Ernte- Ergebnisse» einer Reihe' russischer Gouveriicinciits gesellt sich dem- nach eine verschärfte Krisis der südnissischen Montanindustrie Während aber der Ernteausfall fast allein den russischen Grund- besitzer, und vor allem de» kleinen Bauer trifft, zieht die Krise der Eisen- und Kohlenindnstrie viel weitere Kreise in Mitleidenschaft, da an deren Anlagen belgisches und französisches Kapital stark beteiligt ist, und zwar mit weit über eine halbe Milliarde Mark. Ein be- trächtlichcr Teil dieses Kapitals muss als verloren gelten. Eine K-alitio» gegen das Roheisensyndikat. Druck erzeugt Gegendruck— das muss auch das RoheisensyiiMkat erfahren. Ende voriger Woche, so schreibt die„Industrie", waren in Düsseldorf über zwanzig rheinisch- westfälische Werke versammelt, um über die Grüudmig einer Roheisen- Einkaufs- Bereinigung zu beraten. Es handelt sich um alle Verbraucher von Pnddel-, Stahl- und ThomaSciscn, die, durch die in dem letzten Jahre gemachten bitteren Erfahrungen bewogen, sich znsaminenlchlictzcii wollen, um gemeinsain ihre Interessen zu vertreten. Die Vereiiiigmig wird, wenn ihr die Angebole des Syndikats nicht annehmbar erscheinen, Roheisen im Aus- land kaufe», so zwar, dass der Preisunterschied von allen gemeinsain getragen wird. Auf diese Weise würde die Vereiiiigmig im Notfall das Syndikat auch einmal kaltstellen können, n»d gerade darin liegt der Druck, den die Vereinigung gegen die Roheisen-Verbände auszuführen vennag. Das überaus schroffe Vorgehen des Roheisen- Syndikats in Düsseldorf hat diese Koalition der Abnehmer gegen dasselbe ins Leben gerufen, und die Vereinigung, die vom 1. Januar ab in Wirksamkeit treten soll, gilt als gesichert. Für das erste Jahresviertel 1902 würde dieselbe also die Käufe für ihre Mitglieder besorgen, für jenen Zeitraum wird für mische Werke wieder Bedarf in Roheisen vorhanden sein. Die üble Lage der Eiscnindnstrie kommt in den Berichten selbst der grossen Niiternehmungen, die sich technisch durch eine über- legcne Betriebsform abheben, stark znnr Ausdruck. So schliesst die Dortmunder Union, Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie, mit einem so geringen Reingewinn, dass auf eine Verteilung der Dividende verzichtet werden»inss, während im Vor- jähre 7 Proz. gezahlt wurde». Das schlechte Ergebnis ist auf die niedrigen Preise und den verminderten Absatz im letzten Jahre zurückzuführen. Daneben spielt aber auch das Syndikatsweseu eine bedeutsame Rolle, worüber der Bericht folgendes enthält:, Die Rohstoff-Syndikate für Kohlen, Cooks. Erze k. hatten ihre Preise zn guten Zeiten stark erhöht und Abschlüsse für längere Daner mit ihren Abnehmern gethätigt; die ausserhalb der Syndikate stehenden Uiiternehmungen Ivaren dem Beispiele rasch gefolgt. Das Kohleiisyndikat ivar nicht in der Lage, den angemeldeten Bedarf der Werke an Coakskohlen zu beschaffen; eS verminderte daher' die Zn- weislinge» um 20 Proz. und erhöhte die Preise um 25 Proz. Dem Coakssyndikat gelang es, bei seine» Abnehmern, die für das Jahr 1900 die Tonne mit 14 M. abgeschlossen hatten, bei dem Ab- schluss für 1001 einen Durchschnittspreis von 17 M. für beide Jahre durchzusetzen— es erhöhte also die Preise für 1901 ans 20 W. für die Tonne;— auch das Siegerländer Eisenstein-Syndikat verkaufte Erze nur für die Dauer des ganzen Jahres 1001 und. zu erheblich erhöhte» Preisen. Es war also der gesamte Bedarf der Eisen- und Stahlwerke an Rohstoffen für einen hochgespannten Betrieb zu hohen Preisen für das Jahr 1901 längst eingekauft, als Mitte 1900 der Rückschlag in der Eisenindustrie eintrat.— Ilm die Werke notdürftig zu beschäftigen, muhten bald Ausfuhrgeschäfte zu Preisen übernommen werden, die bei den hohen Roh- stoffpreisen die Selbstkosten nicht deckten, wenn auch ein Teil der Syiidikate, besonders das Kohlensyndikat, durch Ge- Währung von Aussilhrvergütimge» den Abschluss solcher Geschäfte erleichtert hat. In weit größercin Umfange mußten aber von der Eisenindustrie den Abnehmern Erleichterungen in den verschiedensten Formen bewilligt werden, nin ihnen die Unterbringung wenigsteirs eines Teiles der gckanfteii grossen Mengen zu ermöglichen; besonders vom Träger- und Halbzengsyndikat sind hierfür ganz erhebliche Summen bereitgestellt ivorden. Obwohl auf dem Horster Werk der ältere reparaturbedürftige Hochofen I am 1. September 1900 uiedergeblasen ivurde und die dafür in Aussicht genommene Inbetriebsetzung des inzwischen fertig- gestellten zweiten neuen Hochofens in Dortmund unterblieb, und am i. November der ältere der beiden in Henrichshütte betriebenen Hochöfen ausgeblasen wurde, sammelten sich die Borräte an Roh- eisen so rasch an. daß auch der ziveite Hochofen in Horst am 16.' Februar 1901 ausser Betrieb gesetzt werde» inusste. Die Zahl der Arbeiter ging von 12 412 im Jrnii des Vorjahres auf 9842 im Juni d. I. zurück. Aus der Bilanz der letzten sechs Jahre ist eine riesige Steigerung der Gewinne nach- ivcisbar, die im letzten Jahre allerdings bedeutend reduziert tuiirde. Was in den fetten Jahren die Aktionäre einheimsten, ergiebt folgende Znsainnicnstellnng: Bruttogewinn Reingewinn 1900/01... 6 083 064 3 073 203 172 927 1899/00... 10 075 822 3 079 947 4 335 452 1898/99... 6 848 451 2 503 414 2 571364 1897/98... 5 564 031 1988 762 2 032 944 1896/97... 6 504 737 2 021803 2 045 747 1895/96... 3 176 433 1 161 530 272 646 Ans der diesjährigen Bilanz ergiebt sich, dass die Bankschulden jetzt die Höhe von 20 435 463 M. erreicht haben. Ferner häbeii sich die fundierten Schulden um 5 824 500 M. vermehrt. Die Auf» wcndmigc» sind zum Teil durch Ncnbantcn notwendig geworden. Die Arbeitslosigkeit im Herzogtum Bram, schweig. Von der Haiidelslainnier für das Herzogtum Brannschiveig sind Er- Hebungen über den voraussichtlichen Umfang der Arbeitslosigkeit in diesem Winter veranstaltet worden. Die Erhebungen erstrecken sich laut„Landeszeitiiiig" über das ganze Herzogtum Braimschiveig, und zwar wurdcn sämtliche wichtigeren industriellen Betriebe, znsaunnen 101, darunter 23 Betriebe der Maschiuenbranche, gefragt. Danach betrug die Zahl der beschäftigten Arbeiter am 15.. Oktober 190(> 19 867, am 15. Oktober 1901 dagegen 19123,' also 7 44 Arbeiter iv c n i g e r. I» der Eiseniiidnstrie, die ja durch die ivirlschaflliche Krise nu» meisten in Mitleidenschaft. gezogen ist, stellten sich die Zahlen folgeiidermassen. Es ivurden beschäftigt: a) im Hüttenwesen 1900 2638 Arbeiter, 1901 2348, also 1901— 290 A r b e i t e r; b) in der Maschinenindustrie 1900 5883,' 190l 5383, also 1901— 502 Arbeiter. Die Zahl der im Laufe der»ächfte» beide» Moiiate»och zur Entlassung kommenden Arbeiter dürfte sich ans ctiva 500 bis 600 belaufe».— In der Stadt Brann» schweig wurden>» den insgesamt 28 grösseren Betrieben; die gefragt Ivurden. am 15. Oktober 1901 7591 Arbeiter gegen 8200 am gleichen Tage des Jahres 1900, also 609 Arbeiter ivcniger beschäftigt. Von de» Arbeitern entfallen 58 Prozent auf die Maschineniudirstrie. Die vcrhältiiiSinätzig bohe Ziffer, die sich in der Stadt Braimschiveig gegenüber der Ziffer für das gesamte Herzogtum danach ergiebt, erklärt sich daraus, dass in der Stadt nur sehr wenige Betriebe eine erhöhte Arb'eit erzähl gegenüber dem Vorjahre aiiftveisen, während dies aitsserhalb der Stadt»ichrfach der Fall war, infolgedessen die Zahl der Arbeiterverriilgerniigen durch die der Verinehmiigen sich dort mehr ausglich. Tie Zahlen sind natürlich mir Teilresultate, wäre die Umfrage auf alle Betriebe ausgedehnt, dann würde die Zahl der Arbeits- losen um ein Bedeutendes anschwellen. Ter Norddeutsche Lloyd giebt die Abrechmmg der ersten neu» Monate des lausenden Jahres belmmt. Danach betrugen die Netto- Vctriebsiiberschüsie für diesen Zcitrau», 20140 000 M. gegenüber 20 390 000 M. in dem gleichen Zeitraum des Jahres 1900 und 13 360 000 M. in den ersten neun Monaten des Jahres 1899/ Was das laufende Geschäft anlange, so würden nach Mit- leilmig des Vorstandes die Frachteinnahme» der Monate Oktober— Dezember des Inllfcndcn Jahres einen geivissinr Miiiderertrag durch de» Ausfall der amerikanischen Maisernte ergeben; dieser habe zur Folge gehabt, dass bei gleichzeitig' gedrückten Frachten bis zum 31. Oktober des lanfenden Jahres ca. 70 000 Tonnen Mais iveuigcr vom„Norddeutschen Lloyd" be- fördert seien als im Vorjahre. Ebenso sei in der Anssnhr amerika»:' »ischcr Maschinen»nd landwirtschaftlicher Geräte ein Rückgang zn verzeichnen. Dagegen zeigen fast sämtliche andren Artikel in dem Verkehr voii den Vereinigten Staaten»ach Bremen.eine nicht nnerhcbliche Zunahme, ivelche sich bis Ende Okiober ans 30000 Tonnen belaufe. Ans die letzte» Monate des verflossenen Jahres waren zwar Ei nn a h in e n aus Tr npp e n t r a n S p o rteiU entfallen, ivelche in diesem Jahre ausfalle» ivürdep, doch hätte das verflossene Jahr auf der andre» Seite die schwere» Folgen des Hobokencr Braiidmiglückes zu tragen gehabt. Zur Ablieferung ge- langten, bezw. im Umbau fertiggestellt seien seit 1. Januar d. J.', 16 Dampfer solvie verschiedene Tender, Dampfleichter und. Schleppkähne mit einem Gesmutbauwert von 35 458 000 Mark, während im gleichen Zeitraum nn deutschen Werften und für gekaufte Schiffe gezahlt seien 34 500 000 Mark. Im Bau seien zur Zeit neun transatlantische Dampfer, darunter ein SchiieNdampfer, deren Bestellnng im Rahme» der vorliegenden Bedürfnisse erfolgt sei, und. ein �Schulschiff. Die Ablieferungen und Zahlungstermine erstrecken ich bis zum Jahre 1903. Sämtliche Dampfer seien im regelmässigen Betriebe beschäftigt. Verlauft seien in de» letzten Tagen die Dampfer„H. H. Meier" und„Willehad", deren Ladefähigkeit den heutigen Unforderunge» nicht mehr genügte, zu dem Buchivert ent- sprechenden Preisen.' Der Bericht stellt ein gilnstiges Resultat zusammen, auS dem man aber bei näherer Betrachtung doch den Eindruck einer Be» fchöiiigung getviinii Die Einnahmen aus den Truppentransporten müssen ganz erhebliche sei», und wir gehen nicht fehl, wenn ivir annehme», daß diesem Umstand der Lloyd den vorteilhaften Abschluh verdankt. Fallen diese Eimiahnien jetzt aus. dann dürfte sich schon für die Folge dieser Fehlbetrag empfindlich bemerkbar machen. Es Iväre auch sönderbar, wenn nicht der Llohd'unter denselben ungünstigen Frachtverhältnissen leide» würde, die Direktor B a l l i n von der Haniburg-Aiuerila-Linie vor kurzem schilderte. Die Situation wird sich anch dann ungünstiger gestalten, wenn die jetzt in Auftrag ge- gebenen und in Bereitschaft gestellten Schiffe in den Betrieb ein- rangieren. Die deutsche Konkurrenz. Der dänische Staat läfjt gegenwärtig zwei Dnmpffähren bauen, die für den Verkehr zivischcn Gedser und Warnemünde bcstiimnt find. Eine davon, ein Schraubenschiff, Wurde bei einer dänische» Firma, Hclsingörs-Eiseu-Schiffsbanerei zum Preise von 1020 000 Kronen bestellt; die andre,«in Räderschiff, bei der deutschen Finna Schichau in Elbing, die dafür 860000 Kronen verlangt hat. Wie„Socialdeinokraten* mitteilt, hat diese Firma für denselben Preis für Mecklenburg eine weit kleinere Dampffähre geliefert. Die von Dänemark bestellte Räder- Dampffähre soll um größer werden und über 400 Pfcrdekräfte mehr verfügen als jene.— Eine Kopenhagener Finna hatte für den Bau beider Fähren 2 090 000 Kr. verlangt, 220000 Kr. mehr als sie jetzt kosten werden. Da aber Dänemark zur Ucberwachung des Baues zwei sachkundige Controlenre nach Elbing schickt und dafür circa 60 000 Kr. verausgabt, beträgt die thatsachliche Ersparnis nur etlva 176 000 Kr. Fiir ein Cnrbidsyndikat wird gegenwärtig in Jntereffentenkreisen Stimmung gemacht. Diese schnell emporschießende Industrie leidet gegen- lvärtig unter einer gelvaltigen Uebcrproduktion. Man rechnet in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Oestreich, Italien, Schweden und Norwegen die Jahresproduktion auf ungefähr 76 000 Tonnen, während nur 11—12 000 Tonnen gebraucht iverden. Die Acethlen- industrie, die dieses Produkt zur Gaserzeugung bedarf, hat mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten können. Durch die Konkurrenz ist der Preis von 40 Pfg. pro Kilo auf 18 Psg. zurückgegangen. Das Syndikat hat die Absicht, den Preis wieder auf 30 Pf. hinaufzuschrauben. Damit entstände die Gefahr, dast in der Verwertmig des Acetylen eine Hemmung einträte, die Konkurrenz mit andre» Leuchtgasen und Belcnchtungsmitteln zurückgedrängt wird. Uebrigeus scheint uns der Plan so groß augelegt, daß an eine Ber- wirklich»»»»och gezweifelt werden niuß. Boraufgegangene ähnliche Versuche sind auch bisher inimer von einem Mißerfolg begleitet gewesen._ Sociales. Konsumvereine, Socialdeinokratic und Denunziantengesindel. Vor einiger Zeit ging eine Notiz durch die Presse, die namentlich von der.Deutschen Tageszeitung" begierig aufgegriffen und unter dem Titel„Konsumvereine und Socialdcmokratie" gehörig verarbeitet wurde. Darin wurde mitgeteilt, daß der Konsumverein in Eutritzsch bei Leipzig einigen Arbeitervereine» der Gegend ein paar Mark zu Bildimgszwccken überwiesen habe. Daran wurden dann sofort temperninentvolle Ervrtcrungen geknüpft über die Unterstützung der Socialdemokrate durch die Konsumvereiue und schließlich gerichtliches Einschreiten gegen den Eutritzschen Verein gefordert wegen Verletzung des Genossenschaftsgesetzcs. Jetzt stellt sich heraus, daß nur durch eine dreiste Unterschlagung die Möglichkeit geschaffen wurde, den Verein der Unterstützung politischer Bestrebungen zu zeihen. Die gefälschte Mitteilung war aus dem Geschäftsbericht des Vereins cntuonunen. In diesem heißt es nun: „Der Dispositionsfonds hat sich um 400 Mk. vermindert. Den Arbeitervereinen Schkeuditz und Lindenthal wurden je 30 Mk. und den Arbeitervereinen Wahren, Möckern. Hänichen, Volksbildmigsverein Gohlis, Mockau und dem Gemeinnützigen Verein Leipzig-Entritsch wurden je 40 M. zu Bkldungszweckcn überwiesen. Ferner wiirden f ü r die Zvtilchkolonie des Schreber Vereins Gohlis 60 M. und für die Milchkolonie des Schreber- Vereins Eutritzsch 40 M. gestiftet." Die Schrebervereiue sind reine Wohlthätigkeitsvereine. Der Konsumverein hat also ans einem zu Wohlfahrtszwecken geschaffenen besonderen Fonds verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen ohne Ansehen der Partei unterstützt. Diese Thatsachen haben' aber die Herren Denunzianten verschwiegen._ Grundsätze für das Verfahren bei Einführung eines Laden- schlusses vor 9 Uhr abends wird der Bundesrat aufstellen. Ein Entwurf zu einer solchen BuudeSratS-Verordmmg ist den Bundes- regierungcn zugegangen. Die nugrrcchtc Wirknug der Umsatzsteuer scheint sich ihren Vätern in Sachsen immer fühlbarer zu machen. Wie schon mehrere andre Gemeinden, so hat jetzt auch die Gemeinde N e tz s ch bei Dresden die dort bisher in Höhe von 2 Proz. erhobene Umsatz- steuer. die nur den Konsumverein traf, aus 1 Proz. herabgesetzt. Die socialdemokratischen Geineiudevertreter hatten die vollständige Aushebung der Steuer verlaugt. Dies vermochten sie jedoch noch »licht durchzusetzen. Die Hygiene in der Barbierstube. Für den Regierungs- bezirk Magdeburg ist eine Verordnung für Barbierstuben zc. erlassen worden. Nach dieser dürfen Frisier-, Barbier- und Haarschneidestuben Nicht als Schlafstellen benutzt werden. Hunde und Katze» dürfen in denselben nicht geduldet werden. Personen, ivelche an einer Haut- oder Haarkrankheit oder an einer ansteckenden Krankheit leiden, dürfen da? Gewerbe deS Frisierens, Barbierens oder Haarschneidens nicht ausüben. Das Frisieren, Barbieren und Haarschneiden darf nur mit reinen Händen vorgenommen iverden. In jeder Frisier- oder Barbierstube ist für ausreichende, für das Personal bestimmte Waschgelegenheit zu sorgen, derart, daß daS- selbe sich jederzeit die Hände mit Seife in reinem, noch unbenutztem Wasser waschen und mit einem noch gehörig sauberen und trockne» Handtuch abtrocknen kann. Alle bei dem Frisieren, Barbieren oder Haarschneiden zur Ver- Wendung kommenden Tücher, Frisierinäntel, Unterlagen, Schutzstoffe und dergleichen müssen gehörig trocken und sauber, jedenfalls ohne sichtbare Schmutzflecken sein. Aus Papier bestehende Schutzstoffe usw. sind nach einmaliger Benutzung zu vernichten. Sessel, an die der Kopf gelehnt werden soll, sind vorher mit einem Schutzstoffe, z. B. einem Blatt Seidenpapier, zu bedecken. Personen, welche erkennbar an einer Haar- und Hautkrankheit des Kopses, an Ungeziefer oder an einer ansteckenden Krankheit leiden, dürfen in den Frisier-, Barbier- oder Haarschneidestuben nicht bedient Iverden. Verhältnisse der schweizerischen StaatSeisenbahner. Der Berwaltnugsrat der Bundesbahnen hat in jüngster Zeit allgemeine Dienstvorschriften für die Beamten und ständigen An- gestellten erlassen, die in mancher Beziehung bemerkenswert sind. Vorausgeschickt sei, daß für die Arbeitszeit, freie Zeit usw. ein be- fonderes Gesetz, ldas sogenannte Ruhetagsgcsctz, vorhanden ist und ferner für die Löhne und Gehälter das besondere Be- soldungsgesetz. Die nun erlassenen Dienstvorschriften betreffen das Verhallen iin Dienste und sie bestiuunen u. a. folgendes: Die Beamten und Angestellten haben sich durch ihr Verhalten in und außer dem Dienste der Achtung und des Vertrauens würdig zu erweise», die ihre Stellung erfordert. Sie haben ferner den Vor- gesetzten wie den Untergebenen gegenüber ein freundliches und takt- volles Benehmen zu beobachten, ebenso gegenüber dem Publikum entschieden, aber höflich und gefällig zu sein. Der Betrieb einer Wirt- schaft oder der Kleinverlauf von Getränken ist dem Personal wie den mit ihnen in gemeinsamem Haushalt lebenden Familienangehörigen untersagt. ebenso dieAunahme vonGeschenkcnoder Vergütungen für dienstliche Verrichtungen sowie die Beteiligung am Börsenspiel. Jenen Beamten und Angestellten, für welche das Ruyetagsgesctz keinen zusammen- hängenden Urlaub zur Erholung vorschreibt, soll ein solcher von einer Woche gelvährt werden bei einer Dienstzeit bis zu zehn Jahren, von zwei Wochen bei einer Dienstzeit von 11 bis 20 Jahren und von drei Wochen bei einer Dienstzeit von mehr als 20 Dienstjahren. Der vorgesetzten Direktion bleibt die Entscheidung vorbehalte», ob Dienstabwesenheiten aus Gefundheitsrückfichten zu- folge ärztlicher Auordnung in den gewöhnlichen Urlaub einzurechuen sind.—_ AlterSpension fiir städtische Arbeiter. Der Gemeinderat von Brüssel hat beschlossen, diejenigen Arbeiter und Unter- beamten der Stadt, welche als Beamte nicht pensionsberechtigt sind, an die staatliche Peiisionskasse anzuschließen. Die Arbeiter haben pro Monat 1 Fr. zu zahle», während die Stadt für jeden 2 Fr. zu- schießt. Nach diesem System erhält ein Arbeiter, der mit seinem 20. Lebensjahre in den Dienst der Stadt tritt, mit dem zurück- gelegten 60. Lebensjahre eine Pension von 411 Fr., mit dem 66. Jahre eine' solche von 714 Fr.; derjenige, der mit dem 26. Lebensjahre eintritt, erhält 330 beziehentlich 677 Fr. usw. Die Uebergangs- bestimmunge» gehen dahin, daß für die Arbeiter, die schon jetzt das 65. Lebensjahr erreicht haben, eine sofortige Penston von 360 Fr. aus städtlichen Mitteln eintritt. Die weitergehenden Anträge der socialdemokratischen Gemcindevertreter fanden keine Zustimmung. Ans dev Franenbetncgnng. Die Francnkleidnng auf der Anklagebank. Die Frauen, welche sich gern raten lassen, leben jetzt in glück- lichen Tagen. Denn in großen und kleinen Nöten, fiir wichtige Lebensfragen und kleine Tagcsintereffen erhalten sie in Wort und Schrift des Rates überreiche Fülle. Die Bibel verbietet bekannt- lich dem Gläubigen zu fragen:„Was werden wir essen? was Iverden wir trinken? Worein werden wir uns kleiden?" Dieses Verbot läßt sich hente leicht einhalten, denn ganz nngefragt kommen wohlwollende Ratgeber von allen Seiten, um über diese wichtige» Dinge den besten und allerbesten Rat zu erteilen. Dabei ist' die Bekleidungsfrage offenbar im Vorteil gegenüber der Ernährungsfrage. Bei dieser letzteren läßt sich in keiner Weise verhehlen, daß der erste Rat lauten müßte:„Habe mehr Geld". Die gutgemeinten Rezepte, wie man ans schlechtem, weil zu billigem Material eine nicht nur schmackhafte. sonderu auch nahrhafte Kost zubereiten könue, trage» den Verlegcnheitsstempel zu deutlich an dcr Stirne. Aber bei der Kleidung scheint diese Schivierigkeit kaum vorhanden; die Neuerung brauchte nichts zu kosten; sie könnte im Gegenteil eher eine Ersparnis be» deuten. Seit Jahren steht sie ans der Tagesordmmg; auch Aerzte leihen ihre Mitwirkung, von dem Standpunkt ailsgehcnd, daß die heutige Tracht viele Leiden der Frauen herbeiführt, ivelche bei naturgemäßerer Kleidung sverschivindcn würde». Dr. Justus Thiersch aus Leipzig richtet in einer Broschüre„Die Schädigung des weiblichen Körpers durch fehlerhafte Kleidung" einen heftigen Angriff gegen das Korsett, dessen Gebranch er eine große Anzähl von Leiden und Krankheiten zuschreibt. Da er seine Behauptungen durch Beweise erhärtet und durch deutliche Abbildungen erläutert, verdient seine Bekämpfung jenes bösartigen Marter- instrumentS um so mehr Beachtung, als Frauen aller Stände gleich- mäßig unter diesen Uebeln leiden. Die berüchtigte„Schnür- lcbcr", die Abschnürung eines ansehnlichen Teiles dieses wichtigen Organs durch den Dnuk und die Zusammcn- ziehung in der Hüftengegend, meint der Autor am häufigsten bei älteren Arbeiterinnen gefunden zu haben. Denn nicht das zu enge Schnüren der jugendlichen Eitelkeit hält er sür die gefährlichste Schädiguna, sondern den fortgesetzten schwachen Druck, der sich dem Bewußtsein nicht bemerkbar macht, keinen Schmerz verursacht, aber in heimtückischer Weise Magen und Leber, Lunge und Herz drückt und drängt, aus der normalen Lage schiebt und nicht erkannt wird, ehe es zur Abhilfe zu spät geworden. Auch die Eitelkeit wird wohl nicht mehr lange beim Schnüren ans ihre Rechnung kommen. Wir leben in Zeiten des Fortschritts, welche anch ans den Geschmack und das Kunstverständnis fördernd bildend einwirken. So läßt sich hoffen, daß auch die Wespentaille nicht länger als Schönheitsideal gelten darf. sondern der unverbildete, schlanke aber kräftige Wuchs seine richtige Wertschätzung findet. Wir stimmen deshalb unbedenklich den guten Gründen des Dr. Thiersch zu und raten sowohl der Jugend als dem Alter: Tragt kein Korsett I_ H. Im Verein Schöneberger Frauen nnd Mädchen sprach in der regelmäßigen VercinSveriammlung am 13. November Fräulein Fanny Jrnle über den Wert der Konsumvereine. Die Zuhörerinncn. die der Rednerin am Schlüsse reichen Beifall spendeten,»ahmen davon manche Belehrung mit nach Hause. In VereinSniigelegenheiten teilte die Borfitzende mit, daß die Kinder der Mitglieder bis zum 16. Dezember angemeldet sein sollen, um dem Vergnügungskomitee daS Einlaufen zu erleichtern. Eine Ehrung unehelicher Mütter durch die Bezeichnung „Frau" wird von bürgerlichen Frauen in der Schweiz angestrebt. Eine Frau Mühlberg-Sutcrineister in Aarau stellte ein Initiativ- begehren auf betreffend die bezügliche Ergänzung de? vorliegenden Entivurss zu einem schweizerischen Civilgesetz und sie wandte sich behufs Unterstützung desselben an die Frauen- und Arbeiterinnen« vereine, sowie an die Familien- und Frauenzeitungen und erlangte trotz der vielfach kalten Ablehnung stolzer Bürgerfauen 16000 Unter- schriften von einzelnen Frauen nnd Frauenvereinen. Die Motive, Ivelche die Jnitiaiitin zu ihrem Vorgehen bewogen, sind humaner wie socialer Art; sie glaubte dadurch die sociale Stellung der un- ehelichen Mütter wie der niiehelichen Kinder heben zu können, die freilich in der Hauplsache von niateriellen und weniger von ideellen Faktoren abbängig ist. Nebrigens besteht wohl diese Uebnng heute schon vielfach ini Leben, ohne daß ein Gesetz hierüber etwas be« stimmte. Ob die Jnitiaiitin schließlich den gewollten Zweck erreichen nnd die geivlinschte Bestimmung in das Civilgesetz Ausnahme finden wird, bleibt abzuwarten._ Vccpammlungcn. Der Centralverband der Maurer hielt am 16. Novbr. im großen Saale des Gewerkschaftshnuses eine außerordentlich stark besuchte Versnimnlung ab, in der über die Verlängerung des Ver- trageS Beschluß gefaßt werden sollte. Kollege P a n s e r gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die Entstehung und die Wirkiiiigeu des Vertrages in diesem Jahre und hob hervor, daß trotz der großen Antipathie, welche damals bei der Vertragsschließiing unter einem großen Teil unsrer Kollegen herrschte. dieselben doch im Laufe der Zeit von der Notwendigkeit eines Vertrages überzeugt wurden. vledner ist der Ansicht, daß mit Rücksicht auf unsre augenblickliche Lage für uns die zwingende Notwendigkeit erwächst, den Vertrag zu erneuern. Den Ausführungen deS Redners folgte eine längere Dis- kussion, in der sich Muck, Becker. S i l b e r s ch m i d t, Winz l e r nnd andre im Sinne des Referenten aussprachen. Einige Ab- ändermigsanträge wurde» dann nach kurzer Debatte abgelehnt, und folgender, von der Verbandsleitung gestellter Antrag gegen sechs Stimme» angenommen: .Die Versammlung beauftragt ihre Vertreter in der Achtzehner- Kommission, zwecks Verlängerung des Vertrages über die Lohn- und Arbeitsbedingungen auf ein weiteres Jahr mit den Vertreten: der Arbeitgeber in Verhandlung zu treten." Unter Verschiedenes wurde betreffs der Sammlung zum Streik- fonds noch folgender Antrag angenommen:„Die Versammlung beschließt, daß in der Woche vom 24.— 30. November zum letztenmal zum Streikfonds gesammelt wird. Karten, welche bis zum 30. No- vember in Ordnung sind, erhalten den Schlußstempel". Nachdem noch Schulz die Versammelten auf die VeNürzung der Arbeitszeit in dieser Woche hingewiesen hatte, erfolgte mit einem breifachen Hoch auf die deutsche Gewerkschaftsbewegung Schluß der imposanten Versammlung. Der Arbeiter-Sängerbnud hielt am Sonntag, den 10. d. Mts. in der Brauerei Friedrichshain eine A n s s ch u ß- S i tz u n g ab. Die beiden Vereine„Freie Sänger" sOranicnburg) und„Hoffining" iBerlin), welche sich zur Ausnahme gemeldet hatten, wurden dem Bunde als zugehörig erklärt. Der Arbeiter- Sanmriterkoloime und dem Arbeiter- Schiv'imnieibund werden für ihre Bemühungen beim Sängerfeste eine Entschädigung von 100 resp. 60 M. bewilligt.— Sodänn wurde scharf getadelt, daß der Turnvereiu„Fichte" zu einem Vergnügen den„Schäferschen Gesangverein" engagiert hatte, welcher sich nie um unsre Interessen kümmere. Dem Antrag, die Flugblätter, welche von der Liedergemeinschaft herausgegeben sind, den Mitgliedern des Bundes unentgeltlich zuzustellen, wird zugestimmt. Charlottenburg. Am Mittwoch, den 13. d. Mts., tagte eine öffentliche Versammlung der Maler und verwandten Bernfsgeiwssen im Lokal von Leder, Bismarckstr. 74, in welcher Genosse Apotheker Vogel über:.Was für ein Interesse müssen die(hiesigen) Gewerk- schaffen an der Vertretung im hicfigen Stadtparlament haben", sprach. Redner führte verschiedene Mißstände der hiesigen Stadt- Verwaltung,.Submissionswesen" zc. an und forderte auf, sich recht zahlreich an den Stichwahlen zu beteiligen. L a b u d e und F l e m m i n g gaben der Hoffming Ausdruck, daß die Beteiligung an den Stichwahlen seitens der Maler besser sei als bei der Haupt- Wahl. Genosse Menge sprach sodann über:.Die Bedeutung der paritätischen Arbeitsnachweife für die Arbeiterschaft." In einem längeren, gut durchdachten, sehr beifällig aufgenommenen Vortrage führte er die Vorteile der paritätischen Arbeitsnachweise gegenüber denen der Unternehmervereine und Innungen vor Augen. In der Diskussion sprachen sich verschiedene Redner im Sinne des Referenten aus und wurde folgende Resolution angenomnien: Die heute am 13. Novbr. tagende öffentliche Versammlung der Maler und verwandten Berufsgenoffen spricht dem Borgehen des hiesigen Gcwerkschafts- kartells in Bezug auf Einreichung des Antrages:.Den hiesigen paritätischen Arbeitsnachweis für ungelernte Arbeiter zu erweitern sür die gelernten Arbeiter und das Gefinde,' ihre vollste Sympathie aus und' hofft, daß diese schon oft gestellte Forderung endlich auch durchgeführt wird. Zum Schluß forderte F l e m m i n g die An- ivesendm, welche noch nicht organisiert sind, auf, sich dem Verband anzuschließen und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die Vereinigung der deutschen Maler und verwandten Berufsgenoffen. Groß-Lichterfelde. Der socialdemokratische Wahlverein Groß- Lichterfeldc-Lnnkwitz hielt am Mittwoch seine Monatsversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen S ch o e n l a n k in der üblichen Weise. Hierauf nahm Genosse W e tz k e r das Wort zu einem ein- stündigen, sehr instruktiven Vortrag über Arbcilerversicherung. In der Diskussion über den mit lebhaftem Beifall aufgenommeiicu Vor- trag nahm G e i s en-K e rsti n g Veranlassung, die Genossen auf die' Wichtigkeit der Versammlungen der Krankenkassen hinzuweisen, die leider sich keines guten Besuches zu ersreucn hätten,«eitens deS Vorstandes wurde der Vcrsammlimg ein Antrag betreffend den Ausbau der örtlichen Organisation unterbreitet und vom Genossen Wenzel eingehend begründet. Der sehr lebhaften und langen Debatte folgte die einstimmige Annahme des Antrages. Nixdorf. Der socialdemokratische Wahlvereiii Rixdorf hielt am 13. d. M. in Apollo-Theater, Hermannstr. 48—60, seine Mitglieder- Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Ver- sammlung das Andenken des verstorbenen Genosse» Dr. Bruno S ch o e n l a n k. Genosse Robert Schmidt hielt hieraus einen vortrefflichen, beifällig aufgenommenen Vortrag über.Deutschlands Handelsverträge". Eine Diskussion über diesen Vortrag fand nicht statt. Neu aufgenommen wurden 79 Mitglieder. DaS Parteitags- Protokoll soll den Mitgliedern fiir 30 Pf. abgegeben werden. Um den Kassierer zu eiillastcn, sollen die Mitglieder ihre Beiträge so viel wie möglich in den Zahlstellen regeln. Lichtenberg. Mit den bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen in Lichtenberg beschäftigte sich eine öffentliche Versammlung der Handels-, Transport- und VerkchrSarbeiter von Lichtenberg, Rummels- bürg und Umgebung. Nachdem B r n i ch k e die Art und Zuständigkeit sowie Thätig- keit der Gewerbegerichte erläutert hatte, protestierte derselbe im Namen seiner Kollegen gegen den Beschluß der öffentlichen GewerlschaftSversamm'lmig sowie des früheren provisorischen Wahl- komitces, wonach den im Handels- und Verkehisgewerbe beschäftigten Arbeitern nur ein Kandidat von vierzehn zugestanden wurde. Es sei dieS ein um so größeres Unrecht, als man dem Baugewerbe vier Kandidaten zusprach, obgleich nur eirea 20 Baufirmen am Orte existierten, gegen- über 263 selbständigen Unternehmern, welche Handels- resp. Transport« geschäfte unterhalten. Die Bersammlung beschloß, als Kandidaten zum Gewerbegcricht Lichtenberg für die Gruppe Handel und Verlehr die Kollegen Karl B r ü s ch k e, Verl. Lessingstr. 4, und Gustav Backhaus, Vlumenthalstr. 27, vorzuschlage» nnd protestierte in einer Resolution gegen die von dem Referenten geschilderte Benach- teiligung. Herzfelde. Am 10. November tagte im H. H e» z e scheu Saale Hierselbst eine Volksversammlung, die sehr gut besucht war. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhoben sich die Anwesenden zur Ehre des verstorbenen Genossen Bruno Schoenlank von ihren Plätzen. Zum 1. Punkt referierte Genosse T h. M e tz n e r- Berlin inner reichem Beifall über die gegenwärtige politische Lage. In der Diskussion sprach dann der Herr Amtsvorsteher Klein zu Hcrzselde. Die Not, die jetzt herrschen sollte, wäre nicht so schlimm, wenigstens nicht in Herzfelde, aber die Socialdcmokraten machten die Leute unzufrieden durch ihre hetzerischen Reden, und diese hetzerischen Agitatoren.müßten einfach gehängt werden". Genosse M e tz n e r erwiderte ihm. daß wir es nicht nölig hätten zu hetzen, denn die niedrigen Löhne, die hier und in der Umgegend gezahlt werden, würden die Leute kaum zufrieden machen, und ob dann die hier Anwesenden alle keine Deutschen wären und ob er gleich einen Strick mitgebracht hätte, dann könnte da? Hängen ja losgehen. Genosse Schröder aus Herzselde t ar denn auch sofort in der Lage, ein Beispiel dafür zu erbringen, wie die Unzufriedenheit erregt wird. Sein 64 Jahre alter Vater, der längere Zeit keine Arbeit gehabt hat und jetzt die Woche 6 M. verdient, soll noch Stenern zahlen. Da er dieselben nicht entrichten konnte, wurde ihm die Wanduhr gepfändet. Nachdem noch die Genossen Feuerheerd'und W i e s l a u g mehrere Mißstände im Gemeindewesen geschildert hatten, wurde die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die iiiler- nationale Socialdemokrätie geschlossen. Produktenmarkt vom 18. November. Getreide. Heute entwickelte sich in Haser lebhaster Verkehr. Ruhland, das bereits wiederholt als Aiiiiser sür Malhafer aufgetreten ist, war mit gesteigerten und dringlichen Orders am Markte, wodurch eine Preiserhöhung um etwa 1�, M. erzielt wurde. Mais wurde von dieser Bewegung nicht berührt, da Amerika schwache Tendenz meldete, und konnte sich nur behaupten; die Umsätze waren sehr klein. Aehnlich lagen die Verhältnisse am Markte für Brotgetreide. Amerika kam matter, Oestreich-Ungani nach schwächerem Beginne erholt. Bei»ns war Weizen und Roggen sehr still, im Preise schwach behauptet,«»nähernd rentable Offerten kamen nur aus zweiter Hand. Das Geschäft in Mehl ging schleppend bei kaum veränderten Preisen. Rübäl blieb sehr still. S p i r t t li s komite sich um bv Pf. erholen, gehandelt wurden circa 4090 Liter 70er loco mit 31 M. Schluß für Getreide schwächer. Briefkasten der Redaktion. Tie ft» istische Sprcchsiniide findet ni» TicuSlag, TouuerS- tag»»d Freitag von 7— i» llhr abends statt. Ivo. Natürlich.... Schlösser. Ilnterstützung. Wenden Sie sich an einen der folgenden Vereine: „Berliner Frauenverein zur Abhilfe der Not unter den kleinen Fabrikanten und Handwerkern", Vorsitzende: Frau Ida Salamonsohn, Charloiteadurg, Hardenbergstr. IL;„Friedrich-Wilhelmstifluiig für Arbeitsame", Rathauö, Zimmer 17— l»;„Bürger-RettungS-Jnstitut", Gr. Prästdentenstr. 7. K. 24. Eine sichere Auskunst ist unmöglich zu geben. Man kau» annehmen, daß die Bank sich erholt. A. Sch. 153. Lesen Sie Nr. 2eg des„Vorwärts", Portcinachrichten, S. Seite des Hauptblattes. R. L. Wenden Sie sich wegen eines Waisenkindes an die städtische Arwcndirektlon, Abteilung für die Waisenverwaltung. Alle Jakobstr. 33. Je nach dein Alter des siindcS variiert das monatliche Kostgeld zwischen 3 und 18 Mark. M. S., Schöiicbcrg. In welcher Art der überlebende Ehegatte erbt, ist S. 83.84 des dem„Arbeiterrecht" angehängte» Führers dargelegt. Das Buch liegt in den öffentlichen Leseballen auS.— Karl L. Die Firma ist zum Ersatz verpflichtet.(„Arbeitenecht" S. 166.)— M. R. 100. 1. Gegen die Weigerung des VonnnndeS ist Beschwerde beim Vormund- schaftsgericht zulässig. 2. Dafür giebt es keine Grenze.— W. M. 01. H. T. 10. Nein.—(f. F. 1901. Bis am 13. November kann zum 1 Januar gekündigt werden.— Loser Mund. 1. Sie können den Weg der Privatklage erheben, müffcn also erst an den Schicds- manu sich wenden, dann an das Amtsgericht. 2. Ja.— 1000. Nein. — M. ft. 17. Eine Ehe ist gültig, wenn sie in den Formen geschlossen wird, die für den Eheschluh des Landes vorgeschrieben sind, in denen die Ehe geschloffen wird. In Deutschland geschlossene Ehen sind nur dann gültig, wenn sie vom Standesbeamten geschloffen sind, gleichviel ob es sich um Deutsche oder um Ausländer handelt. Ebenso ist die in Rußland unter Beobachtung der dort vorgeschriebenen Formen geschlvffene Ehe hier in Deut- schlaud gültig.— Eschwege 11V?. In beiden Fällen würden Sie für die letzten sünf Jahren Zinsen zu zahlen haben.— W. M. Das ist zu spät. — Walter 1000. Zum Ersatz einer Scheibe ist eine Reinemachefrau nur verpflichtet, wenn sie schuld hat. Aber auch in diesem Fall darf nichts vom Lohn abgezogen werden, es müßte der Schaden besonders eingeklagt werden.— C. II.. Reinickendorf. Ihre BertragSzeit läuft bis zum i. April. Aussetzen lasten kann Sie der Ches, er muh dann aber für die Aussetzzeit zahlen. Ihre Forderung wäre im Fall eines Konkurses als bevorrechtigte anzumelden.— F. 31. Stellen Sie gegen daS saubere Ehe- paar bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung, den Antrag können Sie schriftlich einreichen.— I. 100. Ja. — B. F. SO. Das von Ihne» abschristlich mitgeteilte Testament ist gültig, wenn oberhalb der Worte„ObigeS Testament usw." der Nanie de? Ehemanns F. W. M. F. zu stehen kommt und wenn ferner die Worte von „Obiges" an von der Frau eigenhändig geschrieben sind. Ein Testament ist ohne Stempelung gültig.— M.. Wrnugelstr. 83. Sie haben noch keinen Anspruch auf Altersrente, weil es mit der nötigen Zahl von Marken hapert. Wohl aber können Sie, falls Sie erwerbsunfähig sind, In- validenrente beanspruchen.— Stephan. Nein, Sie können aber jeden Tag Ihre Ausnahme in den preußischen Staalsverhand beantragen. Dann werden Sie Preuße, bleiben aber Badenfer.— 1001. 1. und 2. Leider ja. — K. IS. 1. Nein. 2. Eine einfache Aufforderung genügt. Wird ihr nicht stattgegeben, so können Sie aus Wiederherstellung deS ehelichen Lebens klagen. - 01. F. 99. Die Vorschrift der Fabrikordnung, daß gegenseitige Kündigung auSgeschloffen- ist, ist gültig.— W. B. Die Klage gegen Sie würde Erfolg haben.— Pankow 100. Leider haben Sie kein Recht auf Aufhebung des Vertrages und könnten mir auf Beseitigung deS Rauches Ilagen.— P. K. 3. Wenden Sie sich an Siemens u. Halsle.— Witter,»igSnberficht vom 18. November 1901, morgen» 8 Uhr Stationen Le a? ß h Swineiude Hambnrg Berti» Frankf.M. München Wie» C 2 a« 761 WSW 771WSW 7SöWSW 773 SW 773 SW ?72Slill Witter bedeckt Regen 4lbcdeckt 2 bedeckt 2 Ziebel &f. B-• all 5» 4 4 3 -2 ,-5 -wolkenl-S Stationen a S pmparanda Petersburg Eork Aberdeen PariS 748 N 774NW 775 SSW Witter ivolkenb hlb.bed. 1 wolkig tös: 1" iis -7 Wetter- Prognose für Dienstag, den 19. November 1001. EtwaS wärmer, ziemlich trübe mit leichten Regenfällen und mähigen südwestlichen Winden Berliner Wetterbureau. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die gtrdaktiv» dem Publir»», gegenüber kciiicrlc! Verantwortung. Thrnkev. Dienstag, 13. November. Opernhaus. Der Evangelimann. Aukang 7'/? llbr. Schanspielhaiis. König Richard der Tritte. Anfang 7»/, Uhr. Neues Opern■ Theater(Kroll). Luther. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Figaros Hochzeit oder: Ein toller Tag. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 7"2 Uhr. Berliner. Die rote Robe. An- fang 7'/, Uhr. Lessing. Die lieben Fewde. Anfang 7'/, Uhr. Nesidciiz. Sein Doppelgänger. Im Conpä. Ankang?>/, llbr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- fang?,/? Uhr. Weste». Don Juan. Anfang 7'/? Uhr. Srccssion, bühne. Detlev Lilien- crons BiinleS Brettl. Ansang 8 Uhr. Central. Gastspiel von Loie Füller »ud Sada Aacco niit ihrer Ge- sellschaft aus Tokio. Die Geisha und der Ritter. Kosa. Ausaug 7V, llbr. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- sang 7V, Uhr. Luise«. Schiedsmann Hempel. An- sang 8 Uhr. Carl Weist. Berliner Rangen. Ansang 8 Uhr. Frirbrich-WilfteliiistädtlscheS. Offenbach-Cyklus. Perichole, die Straßensängerin. Auf. 7V? Uhr. Belle>»llllance. Fritz Reuter. Hieraus: Onkel Bräfig» letztes Stündlein.«»fang 8 Uhr. Casino- Theater. Berlin IV— Berlin N, Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Vlrtrrpol. EpecialilätenvorsteNnng. Schön war'S doch. Ansang 8 Uhr. Rpollo. Speclalitäte»-Vaestellnug. König Aqua. Anfang 8 Uhr.' Passage- Theater. Specialitäten- Vorftelliing. Anfang nachmittags 5 Uhr. Paffage- P-uioptlkum. Speciali- täten-Ztorftellung. Rclchshalle«. Steitiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitäten-Borsiellung. Großstadtzanber. Anfang 8 Uhr. Urania. Tauhenslr. 18/49.(Im Theatersaal.) Abends 3 Uhr: lieber den Wolken. Im Hörsaal:«Fernschreiber und Fernsprecher.". Ansang 8 Uhr. Jnvalidenstraste 57/03. Täglich: Sternwarte._ SWtrClMtt (Wallner-Theater). Dienstagabend 8 ll h r: I'Ixnu«« I>,»cl,-olt oder: iBIn toller Tag. Lustspiel in ö Auszüg v. BeanmarchaiS. Für die deutsche Bühne übersetzt und bearbeitet von Franz Dingristedt. Mittwoch(Bußtag) bleibt das s Theater und die Kasse geschloffen. Donnerstagabend 8 Uhr: IM« Braut von JHcfttiliiu oder: Die feindlichen Brüder. Heute Anfang?>/? Uhr, echöhtc Preise: 2. Gastspiel der Madmoisclle I,i» l.ole I.e„Ilel' mit ihrer japa- nischen Geselllchast und der Madame Bad» Vueeo, genannt die japanische Düse, mit dem ganzen Schau- fptel-Enseniblc des kaiserl. Hofthentcrs in Tokio, bestehend aus 30 Orig.-Japa». Mittlvoch(Bußtag), zu gewöhulichen Preisen: Vswillcd«» Koni ort. An- fang 7 Uhr._ Thalia-Theater. Cm tolles Geschäft. Große Ansstattttngsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. poula V/orm a. G.— Guido Thielscher. Fritz Helmerding.— Hans Junkermann. Leonore Kosh.— Anfang?>/, Uhr. Mittwoch(Bußtag): Abends 8 Uhr: Oratorinin-Zlufführniig Elias". j�arl Weiss-Theater. Groste Frantfurterftr. 134. Anfang 8 Uhr: Berliner Range». AnsstattungSpoffe mit Gesang von G. Albert. Musik von Rod. Leonard. Mittwoch: Geschloffen. Donners- tag: Der Märcheubrunucn Freitag: VolkS-VorsteNuilg: Liane, die zweite Frau. SonnabendnachiniUag: Der Rattensänger von Hameln. Abends: Der Märcheubruilue». Sonntag: Am Altar. rama. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: lieber den kolken Im Hörsaal: Fernschreiber und Fernsprecher. ■uvalldeuntr. 57/02. >1. Sternwarte. Castans Panapticini). Frledrlchstr. 165. Horwartlis wnnclerbape 6 Liliputaner mit ihren kleinsten Pferden der"VVelt und Pracht-Equipage! Apollo-Theater. Heute letztes Auftreten von Frl. Carola vor Antritt ihres Urlaubes in der Burleske: König Aqua. Im 3. Bilde: Grosses Ballett unter Mitwirkang des Luftballett: },Grigolatis,ca Ferner: 8 auserlesene Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Ifitropol-Itieatfir. SdiSn war's äaeb. Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a.«. J. Josephi.— H. Bender. Urkomische Parodie. ÜBemler als Saliaret!I Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Am Totensonntag, 24. d. M.: Einmaliges Gastspiel des Königl. .«SS" 1. Rolhmühl mit dem Ensemble des Opern- Theater des Westend: GDle«Iii diu. Anfang Wochentags 5 Uhr, Sonntags 2 Uhr. Ende 11 Uhr. Lotte Selms der neue Stern der VarldUbUhne. Auftreten 10 Uhr. „Mascagni" Italienisches Opern- Trio. Auftreten 9 Uhr 30 Min. Die 24 Topmädclien mit ihren Kriegstänzen und Gesängen um 10 Uhr 30 Min. Ki eraikl. üt'iinnnevnt Schalt lind Rauch, Unter den Linden 44, Dienstag, den 17. November 1901: Neues Programm! Vorstellung vor Serenissimus. Familien-Idyll.— Herbstzauber. — Unbelauschte Momente.— Kasperle-Theater. Mittwoch, 20.: Geschlossen. Donnerstag, 21.: Erstes Gastspiel Anne Judlcvom„Thdätre des VaridtÄs" in Paris. Orpheus-Theater. Friedrichsir.;i3«. Gastspiel: Gcnel, MendelyS, George u. Wague von der Pariser„vloulotte". SV Ansang 8 Uhr.-Wg Entree: 1, 2, und 3 M. Borverkauf int Warenhaus Wertheim, Lcipzigerstraße, und bei Zander, Friedrichstr. 223. W. Noacks Theater. Btnunciisteaßi 16. Der Waldtenfel. Posse mit Gesang in 4 Akten von W. Mannstädt. Musik von G. Steffens. Heute Tanzkränzchen. Donnerstag: Bei Waldteufel. Saeissonci Kottlmscratr. 4 a, Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag B o ff in n ii ii s Palast-Thealer (früher Feen-Palast) Bnrgsir. ÄS. Direktion: tVlnhler n. pröbel. Dienötag. 19. November 1901: GrostcrGt folg b. sensationellen Kunst-Speelaliläten. Um 3 Uhr. Novität. Um 3 Uhr. Die allabendlich mit stürmischem Beifall aufgenontmen« große AusstatttuigsburleSke Kroeaztalltiaaber I v.W.Gericke. Musikv.Sommerfeld. Hugo Luftig— Dir. Siich. Winkler. Ansang 8 Uhr. Eutrec»9 Pf. Numeriert 1 M. Sonntag, den 24. Slovcmber: Einmalige Aufführung: An, V«!rNt«limiiix*t:izre. I Bolksstück m. Gesang in 3 Bilden: Casino-Theaier. Lothringcrstr. 37. lt. a.: Gastspiel der „Foiigeres", 9' 2 Uhr. Berlin X. Berlin W. Ans. Wach. 8 Uhr Sonnt.?»/, Uhr. K e i v K s ß? a 1 1 s n. Stvttinor Sünxtii'. ..lione«»"., «Stubenten- itlt". Ansang 8 Uhr. SvnntagS 7 Uhr. Nach jeder Soiree: Tanz. Neu! Neu! Neu! Lehiiiiiiiils Htiiiiktlje. Sonntag, S4. Novbr.: Einmalige Ausführung deS vorzüg- lichen Schauspiels: Der Pfiltttr von Kirlhield von Ludwig Anzengrnber. Unter Mitwirkung des«Berliner Schauspirl-Bcrclns". An der Spandauer Brücke 3, Vornehmst. VergnUgungsIokal! Ttg lieh; Internationale Koiiaserte. Isipeclalltät.-lloppel- Vorstellung j von nur erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. p He g t, e B i e r e. Cirkns A. Schraami. Dienötag, 19. b, M, abds. vräc. 7>/,Uhr: Groste austerordentliche Gala- Borstellung. Koloffaler Ersoig der November- Specialitäten. Ferner:?!eti! Ans Amerika speciell für Berlin engagiert: IVIf. lZdeLtor �oduLtove derphänomenalcAmerikanermit seinem wirtlich sensationellen neuen Akt. Mr. Tiiompsons Wttnder-Elefanten. Unlopierbar.Konkurrenzlos.Unerretcht. U. a.: Neu! Höchst originell: Lteksnlen als Ailllettensen. Dir. Aid. Schumanns neueste Origlual- dreffuren. Zum Schluß zum 33. Mal: (A Travers Barl»). Schlußakt: Nordseebad Scheveningen. Morgen Mittwoch(Bußtag): keine Vorstellung»_ KöslinerHofJjj�tiifrfh'.S. Besonderer Umsläude halber ist Sonnabend, 1. Marz, zum Maskenball frei. 28181!' SotialdemokraMtr MMvereln für den 4. Btrl.Relchgtags-Wnhlkms WW. DienStug, 19. November, abends 8 Uhr, bei Herr»» Brüder, Waldemarstr. 75: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffcn Cohen über: Krisen und ihre Wirkimg aus die Arbeiterorganisation. 2. Diskusston. 3. Vereiiisangelegcuheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 2SS/14' Der Vor sta ml. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Branche der Stellnmcher. IZennonpantis navh Ltolp» a. d. Nordbahn Mittwoch, den SV. Noveniher(Bnsttag). Treffpunkt morgens 3 Uhr bei Bauer, Rosenthalerstraße b7. Die Kollegen wollen pünktlich erscheinen. Di« Kommission. Scitöueberg;. Sorialdemoltratischer Wahlvrrein. Heute, DienStag, den 13. November 1301, abends 3 Uhr, im Restaurant hVillielnisIiol', Ebersstraste 8«: Vereins-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Arbeiter und die Berwaltnng der Kommune. Referent: Dr. Borchardt. 2. Diskussion. 3. Bereiiisangelegeuheiteti. In dieser Bersatnmlnttg gelangt das ParteitagS-Protokoll an die Mit glieder gegen IV Pf. zur Ausgabe. Ib/Iö Ber Vorstand. Achtung, Maurer! Zur allgemeineu Keuntuis, daß die tägliche Arbeitszeit in der Zeit vom 18. November bis zum 18. Januar laut Vertrag 7 Stunden beträgt «nd zwar von früh 8 bis abends 4 Ilhr mit einer halben Stunde Frühstück und einer halben Stunde Mittagspause. i44/i8» Wir ersuchen die Kollegen im Jntereffe der Allgemeinhelt, sstr die strikte Jnnchalwng dieser Arbeitszeit Sorge zu tragen. Sollten sich hieraus Differenzen entwickeln, so ersuchen wir die Kolicae», uns umgehend den Bau und Straße, den Arbeitgeber und dessen Wohnnng per Karte mit- zuteilen, damit letzterer vom Arbeitgeberbimd zur Jnitchaltung des Bertrags auigesordert werden kann. Das Bureau der Berbandsleitung, Engel- ttfer 15, Zimmer 23, ist wochentäglich von vormitwgs 8—1 Uhr und nachmittags von 3—7 Uhr geöffnet. Hier sind alle auf den Bauten vor- kommenden Dlfferenzen mit den Arbeitgebern sowie Mißstände iind alle Unfälle sofort zu melden. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß jeder BerbaudSkollege deS StreikgebicteS, welcher den Monat Noveniher bezahlt, eine kleine Broschüre über die neue, den Arbeiterschutz aus Bauten bc- treffende Polizeiverordnung sowie sie maßgebenden UnfallverhütungS- Borschriften der Nordöstlichen BaugewerkS-Bernfsgenossenschaft erhält. Bei Empfang derselben ist ein Stempel ins BerbandSbnch zu drücken. Kollegen, welche den November schon bezahlt haben, erhalten diese Broschüre nach. Ble Verhanasleitimg. I. A.: Karl Pauser. Cirkns Renz-Konzert-Tunnel Kurl Strasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. 3 p s o 1 v 1 1 h ä b e n. J. 1K. H tt 1 1. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung, Louis Kellers Festsäle Kvppeustr. 29. SV Joden Blcnstag: PW NoMruM Sänger (Fährmann, Horst, Walde). Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pfennig. 277BC*] Nach jeder Soiree: Frtmilieu-Krättzcheu. — Bonö haben Mültigkeit.— Irden Mittwoch: Iterltarr I'rater, Knstanicn-Ztllee. Frnnz Keint'eldt,«r.FraÄrÄr.ios. empfiehlt sein Lager in SV Uhren und Ooldn-arcn."MW {Reparaturen billigst nnter Garantie. 2601L' DienStag, 13. Ztovbr., abends?>/, Uhr: t-lrosse VorstellniiK. VorzUgl. Programm und Brandenburg. Herren-Partie» cmpsehle zum Busttag mein Lokal „Sporthaus" in ZiegenhalS bei Niederlehme, Station Zeuthen. Bon Schmöckwitz aus schöner Weg an der Dahme entlang bis Rauchfangwerdcr. Ucbersahrt nach meinem Lokal frei. Am Bußtag: Vrosses Schlachtefest! Wellfleisch- u. Kessclwurst-Esscn, wozu ernebenst einladet 13SLh ZI. sNtirsehel, ZiegenhalS bei Zeuthen, und Perlin, Jüdenftr. 35/38. 2782*] Bwfjtrtg. Empfehle Mr Ausflügler: Frische Blut- u. Leberwurst, Eisbeine-c. Helnrloh Sass. Alt-Glienicke, Grünauerstr. 23. Am Dienstagabend und Mlitwoch (Bußtag) 138kb Gr. Wttrstesfett. I�lehtonher», Wilhclnistr. 81, Cai-l Franke. Frische Wurst und Wellfleisch Mitt- woch früh von 7 Uhr ab im und außer dem Hause. Restanrant Gotthardt MohS, Mantenffclstraße 77. Ig97b Griinan. lsm Restaurant zur grünen Ecke B u s s t a g Großes Wurstefse« wozu ich dt« geehrten Ausflügler und Freunde ganz ergebcnst einlade. Faul Borke, Röpnickcrstr. 88. WeihiichtHlilSiwN. »Än" 1 Sportwagen 1"«) vtlltgt 9IuxBrliiiicr,Jeru8alemerstr,43. 2821L'j Filiale: Brunn cnstr. 6, Heute nachmittag um 12'/, Uhr, entschlief saust nach Klangen Leiden meine liebe Frau 1381b Auguste Krause geb. Lauterbach. Dies zeigen tiefbeirllbt an Die trauernden Hinterbliebenett. Die Beerdigung findet am Don- nerstag, den 21. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Neu-Hohen- Schönhausen, Berlinerftr. 12 aus, auf dem St. Markus Kirchhofe statt. Verein socialderaokratisclier Gast- und Scliankwirte Berlins nnd Uingccend. Am 17, d. M. starb nach schweren Leiden die Frau unsres Mitgliedes, Kollegen Ferdinand Krause, F-°u �lIKll8tk Kl'ÄllSv geb. Lauterbach. Die Beerdigung fludct am Donners- tag, den 21., nachmittags 23/, Uhr, vom Trauerhause, Neil-Hohen-Schüu- Hansen, Berlinerftr. 12, aus nach dein St. Marlus-Friedhvf daselbst statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/4 Ber Verstand. Dattksagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung melnes lieben Mannes, unsreS Bruder» und Schwagers, sowie für die vielen Kranzspenden sagen wir allen Be- tciligten, insbesondere seinen ChefS, Arbeitskollegen und Berbandskollege» und den Stammgästen DrathschmidtS unsern besten Dank. 1384b Emilie Baumgart nebst Angehörigen. Danksagung. Tillen Freunden und Bekaimton, welche meiner lieben nnvergeblichen Frau und unserer guten Mutter das letzte Geleit zur ewigen Ruhe gaben, sowie dem Genossen Waldek Manaffe für die trostreichen Worte nnd dem Gesangverein Nordwacht für den er- hebenden Gesang am Grabe den herz- lichstcn Dank. Die trauernden Hinter- bliebenen: Ott» Flseher nebst Kindern._ 19826 Orts- Krankenkasse der Maler. Gtueral- Versammlung der Delegierten Montag, dm 25. November 1301, abends 9 Uhr, in den Arminhalle», Koiunlandanienstraße 20. Tagesordnung: Neuwahl des BorslaiidcL.(I 43 des Statuts.) Ersatzwahl von Kraukeiibesuchern. Autrag des Zimdanten(GehaltS- erhölnmg). Verschiedenes.(Apvthekerboykvit, Erhöhung deS Arzthonorares zc.) 13v4b Der Vorstand. AMMenkch b. CiMtN- liichtt, KiglU'rtiisortitreruilb bereil gmtt'dl. zu Berlin. Tonnerstag, den 28. November ct., abends 8 Uhr, im Lokal Ealkenherg, Rosenthalerstraße U/12: General-Versammlting, Tagesordnung: Bericht des Renbante». Bericht deS Vorstands. Neuwahl für sechs aus- scheidende Vorstandsmitglieder. Mit- teilung und Beratung über da» Cirkular des Oberpräsideute». Sta- tiitenänderuna wegen Erweiterung der Zwaiigsvcrstcherung vom 1. Januar 1302. Anträge. Berichte. Ibwb Ber Vorstamd. Jilililligs-Kriüikeilkitfie ber LllMider-Jilliiiilg zu Berlik. Die Wahl- u. ordentliche General» Bersainmlnng findet nach ß 49 des Statuts am Mittwoch, de» S7. November er.. ahends HW, Uhr, Unter den Linden 2?(Hopfenblütc) im Saale 2 Treppe» statt. Tages-Ordming zur Wahlversammlung 1. Um 8>/« Uhr Wahl von zwei Arbeitnehmern. 2. Um 9V4 Uhr Wahl von einem Arbeitgeber. lagea-Ordnung für die General- Versammlung. 1. Um O'/s Uhr Wahl des Ans- schnsscs sür die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. 2. Sonstiges. 2001b Die Delegierienkarte legitimiert. Bei* Vorstand. I. A.: M. Holzapfel, Vorsitzender. P. Siegesmimd, Uhrmaoher,[17466 kVanuyiistrasse 80, einpstehlt sein Lager in R-giilat-urm, Wand-, Taschenuhren und Ketten zu billigsten Preisen. Reparaturen unter Garantie gut und billigst. Lager von Gold- u»d Silberwaren. Sirup PagUano 107/11* von Prof. Ernesto Pagliano NEAPEL, 4 Calata S. Marco dessen Verkauf vom Ministerium des Innern, Sanitäts-Direktion Rom, bewilligt worden ist. — � Prämiiert auf der Malionalen Pbarmacie-iusstelluDg 1834 und auf der Nationalen Hygiene-Ausstellung 1900 mit Goldener Medaille. Selbstepielende u.zum Drehen niil susWechselbaren |"Preise v. 20 M. aufwärts gegen Nlonafsrater\ v. 2 fil. an. nur crsi klassige, tadello funKHonirende Apparate mits Wachswalzer� j u. Harfgummi- plaitert zun] Preise v. 20M. aufwärts gegen /Monatsraten �v.Zfä.i illec Systeme sowie sämmfl.! �Zubehör u, Besfandfeile Mft erstklassige fabri gegen njässige fltonaisräteg. j Jllustr Spezialkabioge über jeden gratis u.franco. Bial ä Freund 1 |*»n 3re3Iau J1-0 i , Herniirolioiii � Alcxandrinen- KtraMso HO, Messpalast, 1. CStnpe im 2. Hos Verkauf direkt ans dem Zabrikmusterl.igcr ri-ivwi«»ucl» Tciiznlilnuir Mödeniste* Salonkrviu!».. Do» 21,00 Mk. an Speisesaal-Krone»„ 3«, 00„„ Lyren...... 2,00„„ Pctroleumgehänge„ 4,00„„ bis zu den elegantesten Genres. Gaslocher, Gasöfen, Gaspliitten, Pe- troleiim-n.altcBronzelronenwerden in Zahl. gen. ii. a. Wunsch auch anfbronz. IßlZtl. �itline oime Lutferuvn? cker lVoi'�el Sedmerzloses Zalmslelisii. Plomben sowie sämtliche Zalmoperalionen schmerzlos. Teilzahlung per Woche 1 Mk. Meine 15jälirige Thätigkeit im Beruf bürgt für exakte und gewissenhafte Ausführung. 2348 xi* Franz Sleffeus, Rosentfialerstr. Gl, Ecke Steinstrasse. Reinhold Werner Schneidermeistep 26nL* jetzt nnr: Gr. Fraukflirterstr. 70, parterre n. I. Etage Elegaite Anzüge und Paletots Mass von 30 31. an.— Telephon Amt VII. Ko. 23. Hlenante Fracks und Cesellschafts-AnzOge werden verliehen. Puppen- Fafbriic Otto Mreyssig: scöil* Ifkp- Brnnnonstrassc 119, Laden und I. Etage.- FacouS, in tadelloser Ver- orbeitung, 10Mk.,1SML.1»Mk. Lsvkpsletots 90—110 cm lang, Pon 12 ML Se1denpliiseh-.raeketts| Seidenplüsch- Kragen glatt, bestickt und Pelzbesatz 27 Mt.. 30 Mt. bis 50 MI. Schwarze.glatte und bestickte Oapes und Kragen in Eskimo a. wattiert 10Mt., l5Mt. j Sielmann« Rosenberg l Komninnvantenstraße, Ecke Lindenstrasje. lülnsn»» Anfertigung. Wf Jedes Wort: Hr Wort fett, I � 15 Buchstabe S. Pfennig, _ Nur das erste Wort fett» Worte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt, y| j[€leine ßn D in den Attnahnie stellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Ha uptexpeddion Beuthstr.3 bis d- Uhr angenommen. Täte jk rden un mm ii Verkäufe. Milchgeschiifts-Einrichtuttgen, als Milchkübel, Milchkannen, Milchsiebe k. billigst bei Jordan, Kleine MarluS- ftraste 28. 893A* OlardttieiihausGrobcFrnntfttrter- straste S, parterre._ t37* Vorjährige elegante Herrenhofeu anS seiitsteii Stoffett 9—12 Mark. Verkauf Svttiiabeitd und Sonntag. Versandhaus Germania. Unter den Linden 2t, II._ 906JI* F. Dörge, DreSdenerstraste 109. Herren-Garderoben nach Mast, saubere Arbeit, grobes Stosflager. Paletot 30,—, Atizug 30,—, Hose von 5 Marl an. Teilzahlung gestattet. 9UK* Stoffe, Hcrrengarderobe, wegen Aufgabe billig zu verkaufen. Neauder- straste 25.___ 1671b* »kefterhaiidlittig. Stoffe zu Damen- jocketts, Capesstoffe, Neste zu Herren. auzügeii, Knabettanzügen, Paletots, Kindertnäiitew. Zuschnttl grat. Fertige Winterjoppen, Hosen, Darnenschürzen, Puppenkleider billigst. Pttshel, Alexandrineitstraste 124, Ecke Neucn- burgerstraste. UeberbringerderAtmonce b Proz. Rabatt._ 19726 Weiche Herrenhüte, gute Qualität, Stück 95 Pfeimig. Bessere Sachen enorm billig. Hutfabrik, Eomptoir Kaiserstraste 25A, früher Bariiim- straste 4 ttitd 5._[921r den Tag, die sonst verborgen geblieben wäre. Die Obduktion der Leiche der K. hatte zwar ergeben, dafe eS sich um eine Ver- giftnng handele, aber man nahm an. dafe das Mädchen sich daS Gift selbst beigebracht hätte. Durch die Nachforschunge» des X. Krinunal- dezirks wurde dann der Thatbestand festgestellt, wie ihn der gestern verhaftete Döbler bei seinem Geständnis bestätigte. Vom Eisenbahiiziige geköpft. Ans dem Bahnkörper der Ring- bahn fand man gestern, Sonntagabend, zwischen Tcmpelhof mid Rix- darf die Leiche eines Mannes, dessen Persönlichkeit now nicht fest- gestellt werde» konnte. Die ganze Lage läfet darauf ichlicfeen, dafe der llnbekaimte den Tod gesucht hat. Der Kopf ist ihm durch die Räder eineS Zuges vom Rumpfe getrennt worden. Die Leiche ivnrde .zunächst an der Seite des Bahndamms geborgen und dann nacki der Halle des alten Nixdorscr Kirchhofs gebracht. Der Totgefahrene scheint seinem Aeußern nach Arbeiter nnd kaum über zwanzig Jahre alt gewesen zu sein. Er ist l,t>4 Meter groß, hat dunkles Haar nnd ein bartloses Gesicht. Er trug ein grangrünes Jackett mit Weste. schwarze Beinkleider, eiiwil schivarze», iveiche» Hut, ein rotgestreistes Barchenthemd, granbranne Strümpfe nnd abgetragene Zugstiefel. In seinen Kleidertaschen fand man einen kleinen Kiefeliiigschen Verkehrs» plan von Berlin, zwei Schlüssel an einem Ringe und ein Taschen- messer mit einer Schale ans Weifeblech. Durch Fälschung von SluSwrispapicrcn hatte ein in der Nacht zum Montag abgefaßter Einbrecher einen ganz neue» und un- schuldigen Menschen aus. sich gemacht. In der Bärwaldstrafec ertappte man einen Menschen, als er mit einem Einbruch beinahe fertig war. Der Manu nannte sich Albert Jocnge und hatte auch Papiere ans diesen Namen. Die Kriminalpolizei forschte in allen Alien nach. fand aber diesen Namen nicht. Es schien, dafe man es mit einem »och nnbelasteten Neuling zu thnn hatte, bis der Erkennungsdienst die überraschende Anfklärnng brachte, das; der Festgenommene ein sthon nichrsach bestrafter Einbrecher namenS Friedrich Jenze ist. Der alte Sünder hatte sich die neuen Papiere sehr geschickt gefälscht, aber nicht an die Meßkarten des ErkeinuliigSdienstes gedacht. Durch einen Sturz mit der Leiter vernnglückte gestern, Montagbormittag, ein 2ö Jahre aller Klempner Scholz, der dei dein Meister Drechsler beschäftigt ist, ans dem Grundstück an; Werdcrschen Marli ö. Hier würde gestern die Konditorei von Scheffcr eröffnet. Am Hofe hatte man einen Ranchabzng angebracht. Als man damit fertig lvar, ivollte Scholz einen Haken ans der Wand ziehen. Hierbei fiel er mit der Leiter und zog sick, eine» Schädelbruch und einen Bruch des rechten Armes zu. Der Schwerverletzte ivnrde bcsiminngs los mit einer Droschke nach der Charit« gebracht. Feueruachrichte». Ein größerer D a ch st II h l b r a» d kam Sonntagabend 8 Uhr in der Reichenbergerstrafec 48 zum Ansbruch und beschäftigte die Wehr fast zwei Stunden. Das ans dem Boden ausgekoiumene Feuer griff so rasch um sich, dafe bei Ankunft der Wehr bereits mehrere Dachkammern in Flammen standen. Eine starke Verqualnmng erschwerte den Löschangriff und trieb zugleich die Bewohner der oberen Stockwerke ans ihren Wohnungen. Einige Mieter hatten sich ans de» Bodenkammern Taubenschläge und Äaninchcnställe angelegt und beklagen im» den Verlust sämtlicher Tiere, die teils verbrannt, teils erstickt sind. Eine Reihe Boden- kannnern samt einem Teile des Dachstnhles wurde» eingeäschert. lieber die Entstchiingsnrsache des Brandes ist Bestimmtes nicht er- mittelt. Kurz vorher branifte Andrcasstrafee 63 ein Sofa nnd der Fufebvden in der Küche. Montag früh 3 Uhr gingen Willibald- AlexiSstrafee 32 Möbel und Kleider in Flammen ans. Ans der Treptow- Sternwarte wird am Buh tag, Mittwoch, nachmittags b Uhr, Direktor Arche»hold eine Gedenkrede auf den üOOjähngcn Todestag Tpcho Brahes halten. Gleichzeitig wird die Tycho Brohe-AnSstcllung an diesem Abend geschlossen. Das Thema des 1 Uhr Vortrages lautet„Die Bewohnbarkeit der Welten". Da der Mond an diesem Tage schon von nachm. 4 Uhr an sehr günstig zu beobachten ist, so bleibt daS Jllstitnt bis 11 Uhr abendS geöffnet. Die Direktion hat für diesen Tag die Preise des billigen Sonntags angesetzt Das „Astronomische Museum" ist frei und die Beobachtung kostet die Hälfte. Durch ciue« Mozartabeud hat die„ F»c i e Volksbühne" ihre Mitglieder erfreut. DaS am Sonnabend bei Lipps veranstaltete Winterfest diente ansichliefelich dem Andenken des Licht- und Liebes- qeuinS der Musik, ivie Wagner den grofeen Tondichter treffend nennt. In dem mit einem sinnvollen Titelbild ausgestatteten Programm- Heft. das den Anivcsendcn überreicht wurde, ivar der Leidensweg geschildert, den auch dies in seinen Werten so sonnig leuchtende Genie wandeln mnfete, zuerst unter den deschiinpfenden Mifehandlmigen eines rohe» Kirchenfürstcn, dann ini steten Ringen nach Brot, daS ihm bei aller äußeren Anerkennung zuweilen in des WorleS bitterster Bedeutung fehlte. DaS Fest am Sonnabend schien anfangs gar nicht zn stände kommen z» sollen. Die Künstler, ivelche ursprünglich für de» vokalen Teil des Konzerts ihre Mitwirkung, zugesagt hatten, ließen un letzten Augenblick die Festleitung in Stich. Doch gelang es, in den Damen W o l f- D r e h e r nnd R a v o t h solvie in Herr» L i n g e neue Gesangskräfte zu gewinnen, die ihrer Aufgabe denn auch bestens gerecht wurden. Allerdings hatte das Prograni»; begreiflicherweise wesentlich geändert werden nn'issen. Der instrumeutale Teil ivnrde vom Berliner Toiikünstlervercin unter Leitung des Herrn v. B l o n ans- geführt. Wir hatten mehrfach Gelegenhekt, diese Kapelle zn rühmen. Auch am Sonnabend spielte sie vorzüglich. AuS de» Nachbiivorteu. Ju Teltow haben ebenfalls nnsre Parteigenossen bei den Stadtverordneten wähle» einen glänzenden Sieg errungen. Am Montag erhielten unsre Kandidaten, Zimmerer Wilhelm Röder nnd Maurer Keßler je 101 Stimmen, die Gegner hingegen mir 67 Stimmen. Röder gehörte dem Stadtverordneten Kollegium schon früher 6 Jahre an, konnte jedoch vor zwei Jahren nicht wiedergewählt werden, da nnsre Parteigenossen infolge des Bürgerrechtsgeldes nicht genügend Wähler aufbringen konnten/ Dies Versäumnis ist inzivischen nachgeholt worden. Mit wenigen Aus- nahmen sind diesmal die Arbeiter an die Urne getreten. Erhebungen über die Arbeitslosigkeit giebt es auch im Kreise N i e d e r b a rn im. Der Landrat hat„angesichts der in einigen Ortschaften dcS Kreises für den Winter drohenden Arbeits» losigkcit" die Ortspolizcibehördcn aufgefordert, binnen acht Tagen zu berichten, ivelche öffentlichen(von Gemeinden, andren Korporationen, Vereinen, Jiinnngen:c.) betriebenen A r b e i t s» a ch iv e i s e in ihren Bezirken bestehen, nnd ob die Arbeitsnachlveise mit ans- ivärtigen Einrichtungen gleicher Art zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage in Verbindimg getreten sind. Uns soll verlangen, was dabei zur Lindennig der Not heranskoinnlcn wird. Ii« ihrem Laden aiigcfallcu und beraubt ivnrde am Sonn- abendabend gegen 8s/4 Uhr die Milchhändlerin Emilie Scholz aus der Wartburgstr. 11 zn Schönebcrg. Fran Scholz hatte bereits die Kasse in die Tasche gesteckt nnd war mit dem Anfränmsn des Ladens beschäftigt, als noch eine Kundin, Fran Möhring kam, eine Kleinig- keit kaufte nnd ein Geldstück wechseln liefe. Beim Verlassen des ziemlich einsame» Ladens, dem gegenüber der Straßen- Bahnhof liegt, sah Fran Möhring zwei Männer an dem Fenster stehen und in den Laden hineinsehen. Die Männer und die Frau drehten sich gleichzeitig nach einander um und sahen sich an, Fran Möhring ging dann aber gleich ivciler. Bald darauf betraten beide Männer den Laden und erzählten Fran Scholz, ihr Mann, der sich in einer be- nächbarten Wirtschaft befand, lasse sie um ctivas Geld bitten. Die Fran lehnte das ab nnd blieb dabei, das; ihr Mann selbst kommen möge,«venu er Geld haben wolle. Unterdessen waren die beiden Fremdcit immer näher an die Fran herangekommen. Plötzlich trat ihr mm einer ans dcide Fnfee, griff ihr mit einer Hand an die Kehle nnd faßte mit der andren ihre beiden Hände, mit denen sie sich zn befreien suchte. Der andre riß ihr die Schürze ab. unter der die Tnscbc hing, griff in diese hinein und beraubte sie fast des ganzen Inhalts im Betrage von 8 Mark. Dann liefen die Räuber davon und entkamen, obivohl die lleberfallciie um Hilfe rief. Fran Scholz beschreibt die Räuber als Männer von ctiva 30 Jahren. Beide hatten frisches rotes Gesicht und blonden Schnurrbart. Der eine ist etwa 1,70 Meter gros; nnd trug ein helles Jackett nnd einen steifen, dunklen Hut. der andre ist klein nnd untersetzt und trug eine braun gestrickte Unterjacke und anscheinend eine tltadfahrerniütze. Fran Scholz bat noch deutliche Würgemale am Halse. Ihre Be- schreibnng der Räuber bestätigte Frau Möhring, die gestern ebenfalls von der Kriminalpolizei veniommen wurde. In Zchloudorf ist das Schulgeld für auswärtige Schüler au den�höhcrcn Lehranstalten von 110 auf 130 M., an den Vorschulen von 130 ans ISO M. erhöht worden. Es ist eine Beweginig am Orte zur Errichtung einer Realschule in Gange, obgleich zur Zeit kein Platz für die Unterbringung solcher Schüler vor- haiiden ist und selbst die Gymnasiasten in der Gemeindeschule unterrichtet werden.— Die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr am Orte»'erden gegen Unfall versichert. Die Vcrsichcrnugs- summe beträgt für den Todesfall 10 000 M., für den JnvaliditntS- fall 20 000 M. und für den Krankheitsfall 4 M. de» Tag auf 300 Tage.— Nächstens soll die am Orte eingesetzte Gesnudheits- kom missio» Bericht erstatten. Leider bat diese Kommission es nicht sür nötig gehalten, auch Arbeiter zur Auskunfterleilniig heran- zuziehe». Merkwürdigerweise soll auch über die Beratungen Still- schweigen bewahrt werden Hoffentlich bringt bei den Ncnlvahlcn ini Frühjahr 1902 die Ardcitcrschaft etwas Lebendigkeit in die Gemeindevertretung. I» Rixdors ist gestern das neue A m t S g e r i ch t S- G e- b ä u d e eingciveiht tvorden. Der„Jiistizpalast* ist mit einem Kostcnanfivand von 1'/« Millionen Mark erbaut ivorden. Der Schlächter Niedbalski in der Nnnunclsbnrgerstr. 67 zn Lichtenberg teilt nnS zn der in Nr. 263 von»nS gebrachten Meldung mit. dafe das bei ihm beschlagnahmte Fleisch abgestempelt gelvcsen sei.„Als ich daS geschlachtete Rind zum Zwecke de» Kaufs dei dem Grofeschlächtcriiicister Hiller besichtigte," so schreibt nns der Herr, „fragte ich ausdrücklich danach, od dasselbe bereits»»tcrsncht sei, nnd als diese Frage verneint wurde, verlangte ich. dafe es erst unter- sucht werden sollte, bevor ich es kaufe» könnte. Als der Geselle des Herrn Hiller einige Sinndc» später wegen des Rindes nochmals zn mir kam. bestätigte er mir ans meine Frage, daß es mitersncht sei. Als mir das Fleisch dann gebracht wurde, befand sich ans dem- selben auch ein blauer II» t e r s» eh u n g s st e m p e l. Es fragt sich»»», iver den Stempel ans daS imgeiiicfebare Tnberkelfleisch gesetzt hat. Hoffentlich ivird dieser Fall von der Be- Hörde eingebend untersucht. Seltsam ist es übrigens, dafe Herr Niedbalski angenschrinlich der Qualität des Fleisches nicht traute nnd es dennocki kaufte. Der Schlächter teilt zum Schluß noch mit, dafe von der Ware nichts verkauft worden ist. Gv vtözks-jBoikmtg. Der viel erwähnte„Bankier" Max Opitz wurde gestern ans der Untersuchungshaft dein Schwurgericht des Landgerichts I vorgeführt, da er»ach Ansicht der Anklagebehördc eine bcstinuncnde Rolle in einer Antlagesache wegen Verbrechens wieder keimendes Leben gespielt haben soll. Angeklagt sind die 22 Jahre alte unvcr- ehelichte Hedwig Stock, Stieftochter des früheren Schlächtermeisters, Privatiers B e d r e n d. die Hebamme Fran Klara B e t f ch o»> a, nnd der 35 Jahre alte Bankier Max Opitz. Die Angeklagte Stock wird beschuldigt, ein Vervrechen gegen kennendes Leben begangen, die Betschowa, die Mitiel zur Aus- führnng dieses Verbrechens hergegeben und Opitz, durch ztvei selbständige Handlungen die Stock durch lieber rebnng, die Betschoiva durch Geschenke zu dem Verbrechen vorsätzlich bestimmt zu haben. Den Voisitz im Gerichtshöfe führt LandcSgerichtS- Direktor Wagner, die Anklage verlritt Staatsanwalt Bahr, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Lahn, Dr. S ch w i» d t nnd Dr. Paul R o s e n f e I d. Die beiden ersten Angeklagten sind dishcr unbestraft, die Angeklagte Stock bat vom 5.— 18. September in Untersuchungshaft gesessen. Befindet sieb aber seitdem wieder ans freien; Fuß. Auch die Betschoiva ist unbescholten, dagegen ist Opitz, der in zweiter Ehe verheiratet ist, im Jahre 1893 wegen wieder- holten Betruges mit 6 Wochen Gefängnis, im Jahre 1894 ivege» Unterschlagung, Untreue nnd Betruges mit 2 Jahren 3 Monaten Gcfängins vorbestraft. Unter den vorgeladenen 12 Zeugen befindeil sich die Fran des Angeklagten Opitz, dessen Vaier, der Glasenncister Opitz aus Angermünde, und der aus der Untersuchungshaft vor- geführte Stiefvater der Angeklagten Stock. Privatier Bebrend. Als Sachverständige sind Medizinalrat Dr. M i t t e n z w e i g. Gerichtsarzt Dr. Puppe, Dr. med. Samte r und Sanitätsrat Dr. F o r n et zur Stelle. Es handelt sich dekanntlich auch un; eii; Gntachtci; üvcr den Geisteszustand des Angeklagten O p i tz. Der Gerichtshof schloß für die ganze Dauer der Verhandlung die Ocffentlichkeit ans. Der Gerichtsarzt Dr. Puppe deknndete eine ganze Reihe von Momenten, die es als zweifelhaft erscheineil ließen, od Opitz bei Begehung der hier in Frage stehenden Strafthat geistesgesinid ge- ivesen sei. Dr. Puppe beantragte, den Angeklagteil Opitz znr Bcobachtiiiig seines Geisteszustandes der Charit« zu überweisen nnd der Gerichtshof entsprach diesem Antrage. Die Angeklagte Stock ivnrde»nter Annahme mildernder Umstände ivege» versuchter Abtrcibuug zu zwei Moiialen Gefängnis verurteilt, wobei noch die erlittene Untersnchnngs- Haft(3 Wochen) in Anrechnnng z» bringen ist. Schlechier kanl die Angeklagte B e t s ch o iv a weg, die wegen Beihilfe zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihr blieben mildernde Umstände versagt und zwar mit Rücksicht ans ihr Auftreten während der Verhandlung, hauptsächlich aber deshalb. ivcil sie in gkwinusüchtiger Weise hnndclte, als sie sür ihre Beihilfe 500 M. fordcrie nnd aiich erhielt. Dieserhalb wurde auch die drei- monatige ttntersuchnngshaft nicht angerechnet. Ei» Bild deS Jammers. Jngendliehe Diebe hatten sich gestern vor der achten Strafkammer zu verantworten. Es handelt sich um zehn, sämtlich noch schulpflichtige Knäben, die zn meist erst soeben das strafiiiündige zivölfjährige Alter erreicht halten. Die ineiste» wären schon ivege» Eigentnmsvergehen vorbestraft, mehrere wurden aus dem Gefängnisse vorgeführt. Es waren zwei Briiderpaare darunter, die Knaben Ernst und Bruno W o i n k e nnd Ernst und Otto Swoboda. Fast alle lvaren es Kinder von Arbeitern, die durch die Unglmst der Grofestadtverhältmsse anfeer stände waren, sich genügend um deren Erziehimg zn bekümmern. Die Rotte hatte sich zusannneiigethan, um gemeinsam die Kassen in den Läden zn be- rauben und ivar dabei mit aufeerordentlichcr List und Verwegenheit vorgegangen. Monatelang haben die Angeklagten den Norden der Stiidt unsicher gemacht/ Die Rollen' waren dermaßen verteilt. dafe einige von ihnen die Gelegenheit zu Dieb- stählen ansstndig zu machen hatten. Es mußten Läden sein, in denen nur eine einzige Person zu thnn hatte, die sich bei Abivesenheit von Käufer», im Rebenzinmier aufhielt. Zunächst wurde die Ladcnthür aufgeklinkt und war dies mibemerkt geschehen, so wurde nach einer Weile einer der kleinsten von der Bande hinein- geschickt, der sich in gebückter Haltung um den Ladentisch herum schleichen»nd die Kasse dann ausräumen mußte. Auf diese Weise vollführten sie viele Diebstähle. Einmal fiel ihnen eine Beute von 120 M. zn. Die Angeklagten beschlossen, sich einige„vergnügte Tage" zn»lachen. Sie fuhren insgesamt nach Birkeiiiverder und dielten sich dvrt i» der Umgegend drei Tage und drei Nächte aus. Dabei verstanden sie gut zu ieben,»ach 3 Tagen waren die 120 Mark ver- braucht; die Angeklagten kehrten nach Berlin zurück,»m das DiebcS- handlvcrk so lange wieder fortzusetzen. bis sie gefafet wurden. Der Gerichtshof verurteilte die Anführer der Bande, Ernst Woinke nnd Adolf W o g g e zu je einem Jahre Gefängnis. Die übrigen Angeklagten kamen mit gelindere» Strafen davon. Natürlich ivird das Gefängnis die Knabe» nicht bessern. Sie werden weiter den Weg des Verbrechens wandern, luaiider» müssen, kann man sagen. Wer aber ivagt cS. diesen Kindern die Schuld an ihrem Unglück beizilmessen?_ VvvmifitzkeSs Ruö Ncufahrwasscr wird berichtet: Montag früh brach in der Fabrik der Ziickerraffincrie Danzig-Nenfahrwasser Feuer anS, das vis 10 Uhr vormittags noch»ickit völlig gelöscht war und bedeutenden Schaden sowohl an den Fabrikgebäuden ivie an de» Maschinen an- gcrichlct hat. Verluste an Menfchcnlebeii sind nicht zu beklagen, doch dürften eine große Anzahl Arbeiter durch den Brand brotlos werden. Die Beamtenwohnhäiiser sowie auch das Comptoirgebäiide konnten gerettet werden. Die Bücher nnd die Kasse lvaren während des Brandes auf dem Kriegsschiff„Aegir" nntergcbracht worden. Eine Bestie. Wie das„Posener Tagebl." meldet, erschlug der Ardcilcr Severin Zajdowicz in Miloslatv am Sonnabend seine Ehe- fran, nachdem er ihr vorher die Ohren und die Nase abgeschnitten hatte. Der Mörder wurde verhaftet. Brand im Eisenbahnwagen. Ein gräßliches Branduuglück wird über Warschau vom 17. November gemeldet. Ans der Strecke zivischen SoSnoivice nnd Zoinbkoivice entstand gestern in einem Wagen eines EiienbahnzugeS dadurch ein Brand, daß der Inhalt einer zerbrochenen Benzinflasche Feuer fing. Von dreifeig in dein Wagen befindlichen Arbeitern verbrannten drei, während elf schwere Brandwunde» davontrugen. DaS Feuer ergriff auch den Nachbar- lvagcn, beide Wagen waren in kurzer Zeit völlig verbrannt. lvkarklprelse von Berlin am 10. November »ach ErnnillnnAkn deS tgl. Polizeipräsidüim». Welze», gut T.-Elt, „ inittel« «ering gut „ iiiillel. „ gering s-Aeiste. gut „ millel, gering yiwfer, gm .»Miel. v-riiig gl chlsttc'h. He» Sillen Sreiset'vhne»» Linien, * ak> Bahn. 1901 Schrlftett-Etttgang. soeben daS »vir hervor: Lo» der„Neuen Zeit"(Slultaart, Dietz' Verlag) ist 7. Heft des 20. Jahrgangs erichieiien. Alis dein Inhalt heben Gras Paul Hatzseldt.— Der Wiener Parteitag. Bon K. KanlSky.— Karl Biirtli. Bon H. Thurow.— Socialer Juiperialisiinis. Von M Beer.— Randglossen zu de» deutschen Manövern. Bon Rudols Krasst.— Akademiker mid Proletarier. Bon Michael Jmpertro.— Litterorische Ruildschau: H. W. Macrosly, Trusts ans the State. Bau I. B. Askew. Bon der„Gleichheit", Zeitschrift snr die JiUerefle» der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist»ns soeben die Nr. 24 des II. Jahrgangs zu- gegangen. Ans dein Inhalt dieser.Niiunner heben wir hervor: Die Haiisiiidnsme. Bon a. br.— Der zweite Berbaudöiag der sortschritllichen Jrauenvereine.— Ans derBeivegung.— geuiriewn; Hartuigers alte Sixtin. Bon L. Anzengrilber.(Fortsetzung.)— Notizenteil: Arbeiisbedingungen der Arbeiterinnen.— Gewerkschaftliche Arbeiterinnen- Organisation.— Soeialistische Flauenbewegmig im Auslände.— Frauenbewegung.— Ber- schiedenes. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. PreiS der Nummer lO Pf, durch die Post bezogen(eingetragen in der Rcichspost-ZeitungSlistc für WOl»nter Nr. 2H7S) beträgt der Abonnemeiltsprets vietteljährlich ohne Bestellgeld öä Pf.; i.iiler Kreuzband 85 Pf. Ter„Wahre Jacob" giebt soeben die 24. Nmuiller seines 18. Jahrganges nnd damit die 400. Niinimcr seit dem Erseheinen des„Wahren Jacob" in Stuttgart heraus; es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß bereits in Hamburg 1877/78 ein Jahrgang des Blatte? erschienen ist. An der Spitze der Beilage bringt die Niniimer die Biographien der verstnlbenen Genossen Bruno S ch o e n l a u k und Karl B ü r k l i ans der Feder von persönlichen Frelinden der Berslorbenen. Den Biographien sind lvohigelnngene Porträts veigegebeu. Das Hauptblatt beschäftigt sich in seinem farbigen Titelbtlde„Z w c t Schäfer und eine Herd e" mit den Gründen des Herrn v. F r e g e für seine Absicht, daS Bieepräsidium des Reichstags»iederzulege». Das farbige Riiclbild„D er Bauernbuud bei einem Getreidezvll von 7,50 M. und bei einem Getreidezoll von Z,50M"ist eine Satire aus agrarische Königstreue, deren Grad von der Höbe der Zölle abhängig ist. Auberdeui ist die politische Sotire i» Wort und Bild in der 12 Seiten starken Nummer reichhaltig vertreten. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Die Franeufrage. Bon Lily Braun. Leipzig. S. Hirzel. Preis 10 M. Vierter Jahresbericht der Arbeitstaimner Zürich. Für die Zeit vom I. Jamior bis 31. März 1301. Zürich. Buchdriickerci des Bollsrechts. (Sirpen u. Zeisberg.) Bibliothek für modernes Geistesleben. Flugschrift zur Kenntnis der Gegenwart. Herausgegeben von Hans Blihmaiin. Heft 3: Sociale Erziehung. Preis 1 M. Leipzig-Koburg, Thüringische Leriagsaiistalt. Tiergeschichten Für die Jiiaeiid ausgewählt von Hamburger. JiigeridschristemAiiSichiist. Leipzig. Emst Wunderlich. Preis 60 Pf. Nene, iirlinle Liefernngs Slnsgab«»o» Stielcrs Hand-BtlaS. 100 Karten in Änpserstich, herausgegeben von Justus Perthes' Geographtscher Anstalt in Gotha.(Erscheint in 50 Lieserimgen siede 2 Karten) zu je 60 Pf.) 1. Lieftmng: Nr. 15, Ostalpen in 1: 925 000, von E. Schmer und H. Habenicht; Nr. 64, China in 1:7 500 000, von C. Barich._ VeraiMvortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin Für de» Jnserateuteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin