Jlv. 272, Abonnements-Zcdingungen: «bonnemenlS-PreiZ pränuinirando: vicrlellShrl- 3,30 3J1!., inonalt. l.loUlt., «vöcheolllch 28$tg. frei In; H»ue. Qlmclne N»»»»»r 5 Psg.@onntag<> Slummet mit illiiAtKcttC ßonniazZ- Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Posl- ilbounemenl: 1,10 Mark pro Mona». Eingelragen In der Pvsi- Zeiiung», Preisliste siir l»»l uiiler Or. 7871. Nitler kkreuzband siir Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sllr da» übrige Ausland z Mark pro Monat. 18. Jahrg. Ate Jnstrtions-Gebliy» betrögt für die fechigespaliene»olonel« zetle oder deren Raum so Psg.. für pollttsche und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung»-An, eigen 20 Psg. „Kleine Zinfeigen" jede» Wort S Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in berExpedtlion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- lagen dl» 7 Uhr abend», an Sonn- und gestlagen bi» 3Uhr vormittag» geöffnet. Srsisleink füglich giiflet Zvonl«g». Devlinev VolksblÄkk. Telegramm-Adresse» „Sprialdrniostrtri verlin» Centvalovgan der socialdemokratifchen Partei Deutschlands. Krdalttwn: 19. Vvntll-Skrasje 2. Ferusprechcr! Zliut I. Nr. 1508. Mittwoch, den*40. November 1001. Expedition: SW. 19, Beuch-Stralle 3. Mernsprecher! Zimt I, Nr. KlZl. Des Bichtags wegen erscheint die nächste Nnmmer des„Vorwärts Freitagmorgen. Der Boykott der englischen Schisfahrt. Eilte Umfrage in Englaitd. lliiser Loiiboner Komtspcmdeilt schreibt ims vom 16. November Am 11. d. M. ersuchte ich eiuige englische Schriftsteller mid Atbcilersikhrer nm ihr Gutlichtcn über folgende zwei Fragen: ,A. Würde eine Boykotlierimg der ciiglischen Schiffahrt und Waren die herrschenden Klassen Englands veranlassen, sich ans Transvaal mid der Oranjelolonie zulückznziehcu resp. den Boeren anncbnibare FriedcnSbedingnngen anzubieten? L. Welche Wirkung würde ein solcher Volikott ans die englischen Gcivcrkschaftcn, Genossenschaften und die fortschrittlichen Elemente ausüben? Auf diese Anfrage erhielt ich folgende Antlvorien: „Lieber Herr...! Sie stellen mir zwei Fragen, die längere AnScinandcrsehnngcn verlangen, als Sie vielleicht von mir erivarteteit. Frage A. geht von der Voranssehung ans, cS feien die „herrschenden Klassen�, die eigensinnig auf etwas beständen, was das englische Volk gar nicht wünschte. WaS mir beide, Sie nnd ich, über das Recht oder Unrecht diese« Krieges auch denken mögen einS steht doch fest, daß die große Mehrheit dcS englischen Volkes sich durchaus im Recht zu befinden glaubt. Das gilt sogar noch mehr von der Arbeiterklasse deS ganzen Landes, als von der oberen und mittleren Klasse. Es ist eitel Täuschung, wen» man sich ein bildet, daß in diesem Kriege die Kapitalisten und die herrschende Klasse auf der einen Seite, die Arbeiter, Geivcrkschaftcu und die Mitglieder der kleine» soeialistische» Organisationen auf der andern Seite ständen. „Was den spccicllen Punkt deZ. Zurückziehens" aus TranS- vaal nnd der Oranje- Kolonie anbetrifit, darf ich ivohl mit aller Sicherheit behauple», daß 69 Proz. der ganzen Nation auf selten der Regierung stehe». Nicht ein einziges verantivort- liches Parlamentsmitglied— sogar nicht Mr. John Morlcy oder Mr. Leonard Courtncy, nicht einmal der extremste Pro-Boer von irgend welcher Bedeutung— ist gegen die Annexion der beiden kleinen Staaten. Sie alle sagen, die Annexion sei unvermeidlich. Die Mcinnngcn gehen nur auseinander über den besonderen Grad der zu geivährenden Antonoinie, sowie über den Zeitpunkt, an welchem die neue koloniale Verfassung in Kraft treten soll. DaS Gerede von dem„Zurückziehen" ist— entschuldigen Sie mich— nonsense. Damit ist auch die Frage B. beantwortet. Durch ihre wiederholte, trotzige Erklärung, nicht iveniger als die II» abhängigkeit anzunehmen, vernichten die Bocren jede Aussicht ihrer Freunde, für eine größere und schneller eintretende Autonomie der nenen Kolonie zu wirken. Unabhängigkeit können sie nicht haben; wir können ihnen deshalb nicht helfen. Also, alle Vorschläge auf Boykottienuig— abgesehen von ihrer Unmöglichkeit, da sich doch Ausfuhr und Einfuhr gegenseitig bedingen, demnach auch Handel und Gewerbe der andren Nationen beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen würden— werden gar keine Wirkung auf die„herrschenden Klassen" ausübe» und den Boeren nichts helfen. Aber eine Wirkung— eine sehr reale Wirkung— würde der Boykott auf das Denken der Arbeiter und der Trades-Unionisten haben: er würde ihnen den deutschen Socialisinus ganz und gar verleiden. Er würde sie wütend feindlich machen gegen jeden Versuch, sie in engere sympathische Beziehungen zu den deutsche» und holländi- scheu Socialistei» zu bringen. Ich kann mir keine» unvernünftigeren, schädlicheren Plan denken, der so im stände wäre, die Völker gegen einander zu verhetzen, als diesen. Er ist vorzüglich geeignet, die Reaktionäre aller Länder zu entzücken. London, 11. November 1601. Ihr Sidney Webb.� »« » „Geehrter Herr! Sie werde» sich erinnern, daß der vorletzte Vorschlag für einen internationalen Boykott in England gegen die Pariser Welt- ansslellung gemacht wurde. Es ivar ein thörichtcr Vorschlag, da er erstens nicht ausführbar Ivar; zweitens, wenn er ausführbar gewesen wäre, die Weltausstellung nichtsdestoweniger stattgefunden hätte. „Die holländischen Soeialisten werden nicht im stände sein, einen Boykott gegen die englische Schiffahrt durchzuführen. Was die englische» Waren anbetrifft, so steht eS gewiß den Deutschen frei, sie zu kaufen oder nicht zu kaufen, vorausgesetzt, daß die Engländer noch Gelegenheit haben, deutsche Waren zu kaufen, die biNiger und besser fabriziert sind..Indes, auch wenn die Organisation eines solche» Boykotts möglich wäre, so würde England ebenso wenig Transvaal verlassen, wie Deuischland— Elsaß-Lothringe». „Die Wirkung auf die englischen Gewerkschaften nnd Genossenschaften wäre gleich einer Herausforderung ihres Unwillens und einer Stärkung der Schranken, die ohnehin ein iniernationales Lnsanunengehen erschweren. Kurz, der Versuch eines Boykott» wird niemandem schaden. außer den Soeialisten. Er wird den Eindruck hervorrufen, daß wir ungeachtet der Anerkennimg der Jnternationalität gegen Aus- bräche von Kriegsfieber, nationalen Antipathien und Jingo- Patriotismus cbcnsoweuig gefeit seien, wie andre Leute; ferner, daß ims der Sinn für richtige Proportionen fehle, um unterscheiden zu können zwischen einer durch Krieg geschaffenen Situation und kleinlichen, täuschenden Maßregeln wie Boykotts. � „Die Aufgabe des SocialismuS ist die Reorganisation der hoch entwickelten industriellen Länder, die unS politisch als Groß- mächte gegcnübertretcn; überlassen wir andern das Einstimmen in das KriegSgeheuI von Polen, Irland und Transvaal mit ihren verbrauchte» Ideen, ihren reaktionären Religionssystemen, ihren Gemeinschaften von rückständigen Bauern und unterdrückten Land- arbeitern und mit ihrem veralteten, abergläubischen Individualismus. Soeialisten haben sonst nicht die Gewohnheit, Westeuropa zu be- klagen, iveil eS von Napoleon besiegt worden, oder England, weil Julius Cäsar eS erobert hatte. „Ich hoffe die deutschen Soeialisten, die gebildciste»(tbe most highly educated) Soeialisten der Welt,— werden wohl wissen, wie sie sich z» stellen haben: auf feiten Paul Krügers mit seiner Bibel, oder auf feiten der unvergleichlich höher entwickelten socialen Organisation, ivie England sie darstellt. Ich bitte Sie, zu gedenken, daß ich nicht Engländer, sondern Jrländer bin; ferner, daß alle meine nationalen Vorurteile auti- englisch sind. Aber eine der ersten Lektionen, die mich der Socio- lisiim» gelehrt, war:„.Mit nationalen Vorurteilen macht man keine Politist. Ihr ergebener London, 12. Nov, George Bernard Shaw. Kcir Hardt e, der an der Friedensbewegung hervorragend beteiligt ist, schreibt: „Ich bin der Ansicht, däß der vorgeschlagene Boykott einen schweren Irrtum in sich schließt. Er ist mir geeignet, die in Eng- land wachsende FriedenSsliinmnng z» schwächen. Der wirkliche Beweggrund des Boykotts würde hier mißverstanden und mißdeutet werden. Man würde ihn hier als einen wohlgcplanten egoistischen Versuch darstellen, der darauf abziele, den britischen Handel überhaupt zu vernichten. Alle Klasse» der Bevölkerung würden ihn mit gleichem Unwillen betrachten. DaS Resultat ivärc eine Stärkung der Kriegspartei. ES ist ferner fraglich, ob eine solche Maßregel mit Erfolg durchgeführt werde» könnte. Wo es sich wie im Geschästsleben um Profit handelt, dort spielt das Gc- fühl nur eine kleine Rolle. So tief ich diesen Krieg hasse, bin ich doch dagegen, daß man das britische Volk znm Rechtlhun zwinge, ebenso-wie ich mich dem Zwange widersetze, den England den Boeren gegenüber anwendet. Das beste ist hier, zn warten, bis Vernunft und Erfahrung auf ihre Weise die Arbeit gethan haben werden. London, 13. November 1601. � I. K e i r H a r d I e." Mr. S t e a d m a n, der mit den Gewerkschaften, dem Londoner GrafschaftSrnte nnd einer ganzen Anzahl lokaler Körperschaften in enger Verbindung steht, spricht folgende Ansicht auS: „Der Boykott großen Stils— die Kontinentalsperre— hatte keinen Erfolg. Umsoweniger kann ich mir von dem Vorschlage der holländische» Arbeiter etwas versprechen. Aber wenn dieser auch erfolgreich wäre, so hätte er doch nicht die geringste Wirkung auf die Regierung. Das ganze Elend eines solches Boykotts würde auf die Arbeiter fallen." «« m Mr. W. T. Stead, der Rcdacteur der„Review of Reviews und der am weitesten bekannte englische Boerciifrcund, erklärte mir in einem Jnterwiew: „In seiner letzten Rede hat mich der KriegSsekretär Mr. Brodrick anfs schärfste angegriffen. Meiner Monatsschrift ist der Eingang nach Südafrika untersagt worden. Dennoch könnte ich von den Werftarbeitern Europas, schlecht organisiert und finanziert wie sie sind, ein solches Opfer nicht verlangen.� Wenn wir auch im übrigen keine Ursache haben, die Antworten, die unser Londoner Korrespondent auf seine zeitgemäße Umfrage er- halten hat. mit einem Kommentar zu versehen, so möchte» wir doch die Auffassung, die George Bernard Shaw über die Stellung- nähme des Proletariates zu kolonialen ErobermigSkriege» als die vom soeialistische» Standpunkt aus vermeintlich gebotene vertreten hat, nicht unwidersprochen lassen. Was Shaw über die ökonomische und intellektuelle Rückständig- keit der Boeren äußert, hat mit dem Kern der Frage: hat das internationale Proletariat in dem südafrikanischen Krieg für oder gegen England Stellung zn nehme», gar nicht» zn tbun. Was Shaw ii dieser Beziehung sagt, ist für die deutsche Socialdemokratie durch- aus nichts Neues. Der socialdeinokratischcn Presse ist es niemals ein- gefallen, die Boeren gleich der alldeutschen Presse zu einer Art menschliche» JdealtypnS zu machen, sie hat im Gegenteil den konser- vative» kulturell rückständigen Charakter des vichzuchtcrvölkchenS mit aller gebotenen Schärfe analysiert. Die socialdemokratische Presse hat oft genug betont, daß sie nicht aus romantisch-unklarer Voerenschwärmerei Englands Vorgehen vernrtcile, sondern ans prineipieller Gegnerschaft gegen die imperialistische Eroberungs- sucht, gegen die kapitalistische Kolonialpolitik überhaupt. Die Frage ist also nicht die: Stellen wir uns auf die Seite Ohm Krügers,„mit seiner Bibel" oder auf die Seite des höher ent- wickelten England, sondern die: Könne» wir es billigen, daß die kapitalistischen Regierungen der Staaten koloniale Eroberungspolitik treiben, fremde Nationen unterjochen, angeblich im Interesse der Civilisation, in Wirklichkeit aber im Interesse der Kapitalistenklasse oder auch nur einen Teils derselben. Selbstverständlich hat die Arbeiterklasse ein Interesse daran, daß die moderne Kullur-Erobernngen macht, daß die Völker mit einander in HandelSbeziehmigen treten, aber darum braucht man nicht, wie Shaw das im Sinne unsrcr Natioualsociale» thnt, die Kanone für den Hebel der Weltwirtschaft, die kolonial« Eroberungs- und Unter- drückungspolitik für das geeignete Mittel dieser Kulturverbreitung zu halte». Wir glauben nicht, daß der Hunneukrieg in China der Ans- breitung des europäischen Handels und der europäische» Kultur ve- sonders' förderlich war, und wir glauben auch nicht, daß der süd- afrikanische Krieg die ökonomische Umwälzung in den Boerenstaaten beschleunigen wird, von den politischen und socialen Schädigungen des Imperialismus innerhalb der imperialistischen Staaten selbst ganz abgesehen. Seine Stellungnahme gegenüber der Kolonialpolitik hat übrigens der Internationale Soeialisten- und Arbeiter- k o n g r e ß in P a r i s in einer Resolution festgelegt, die sich nicht nur mit größter Klarheit nnd Schärfe gegen die koloniale Raub- Politik erklärt, sondern auch eine ausreichende Motivierung dieser Stellungnahme enthält. In der Resolution, für die auch die eng- lischen Delegierten Hyndman, Queich und Curran mit besonderer Entschiedenheit eintraten und die e i n st i mm i g e Annahme fand, heißt eS unter anderm: „in Erwägung, daß die Kokonialpolitik der Bourgeoisie keinen andren Zweck hat, als den Profit der Kapitalistentlnsse zn steigern und das kapitalistische System aufrecht zu erhalten, indem sie dabei Gut und Blut deS alle Werte schaffenden Proletariats vergeudet und Verbrechen und Grausamkeiten ohne Zahl an den Eingeborenen verübt. erklärt der Kongreß, daß das organisierte Proletariat alle ihm zur Verfügung stehenden Mitlel anwendet, nm die kapitalistische Kolonialansdehnuiig zu bc« kämpfen, die Kolonialpolitik der Bourgeoisklasse zu verdammen und mit aller Kraft die llngercchtigkeitcn und Grausamkeiten zn geißeln, die auf allen Teilen der Erde sich abspielen, welche der Raubgier eines ehr- nnd rücksichtslosen Kapitalismus ausgeliefert sind." Daß sich das internationale Proletariat in dein südafrikanischen Kriege nicht ans die Seite Englands stellen kann, ist danach selbst- verständlich. Etwas andres ist e-Z natürlich, ob das internationale Proletariat die Verpflichtung hat, zu Gunsten der Boeren einen Boykott der englischen Schiffahrt zu unternehmen, dcffen Durch- sührbarkeit nnd Wirkung zweifelhast und dessen Eindruck auf das englische Proletariat wahrscheinlich alles andre, nur keine Propaganda für die socialistischen Ideen bedeutete. Ganz ungerechtfertigt wäre eS jedoch, deshalb zu behaupten, daß das Proletariat durch eine Ablehnung der Boykottidee sich der lärmenden Bourgeoisie gleich auf den Protest durch Worte beschränkte. Die tlnlhatcn dcS JniperialisiniiS durch den Boykott zn verhindern, liegt außerhalb der Macht und der Aufgaben des Proletariats. Aber verzichtet es deshalb anf die thatkrästigc Bekämpfung der imperia- lislischen Raub- und Eroberungsgicr?' Im Gegenteil, der Kampf spielt sich nur anf einer andren Wnhlstatt ab, innerhalb der Staaten selbst, in denen das organisierte Proletariat die EroberungSgclüste der herrschenden Klasse mit allen Machtmitteln bekämpft. Dieser Kampf, der einzig wirksame, ist auch der einzig berechtigte, den» wenig geziemt es den andren Staaten, England in den Arm zu fallen, während ihre eignen Regierungen mit gepanzerter Faust gleiches Un« recht verüben._ zj)olikischv Mebevstcht. Berlin. den 19. November. Die Politik dcS KahenersäufenS. Der Wrcschcncr Schulprozeß hat haarsträubende Enthüllungen über die preußische GermanisierungSpolitil in polnischen Landestcilcn gebracht. Nach den Aussagen des KreiSschnlinspektors wurden die polnischen Schüler blutig geschlagen, damit sie anf diese Weise em- pfänglich würden für die Vorzüge der deutschen Kultur. Die Religion der christlichen Nächstenliebe, die in deutscher Sprache zu em- pfangcn die Kinder sich sträubten, wurde ihnen gewaltsam ein- geprügelt. Ist eö schon eine jeder Pädagogik Hohn sprechende Quälerei, daß die armen deutschen Kinder in nnsren Schulen Bibelsprüche und Gesangbuchverse mcchanisch auswendig lernen müssen, deren Sinn sie gar nicht verstehen können, so ist es geradezu eine bar- barische Folter und eine Berkrüppelnng der Intelligenz, daß man den polnischen Kindern zumutet, diese mystischen Unverständlich- kcitcn in einer Sprache zu lernen, die sie nicht kennen. Es ist nur ein ganz gesunder Instinkt, wenn die polnischen Schüler sich weigern, diese Schädigung ihrer geistigen Kräfte ruhig zu ertragen. Und nun wagt man es gar, um das Ungeheuerliche noch zn überbieten, die kleinen Märtyrer durch grausame körperliche Züchligittigcn für Christentum und Deutschtum gewaltsam zu pressen. DaS erinnert schon an die Schciterhanfenzeit, und man kann eS durchaus begreiflich finden, wenn sich die Angehörigen gegen die gehäufte geistige mid körperliche Quälerei der Kinder auflehnten. Wenn irgendwo, so darf man in diesem Fall den Krawall unter dem mildernden Gesichtspunkt der Notwehr entschuldigen. Selbst die„Nrenz-Zeitung" erklärt, sie könne sich nicht für die Methode begeistern, den Gebrauch der deutschen Sprache im Religions- unterrichte den Kindern einzubläilen. ES widerspricht ihrem Gefühl, „daß Kinder durch Massenzüchtignngen gezwungen werden sollen, im Unterrichte zn ihrem hinnnlischn Vater in einer andern Sprache al» ihrer Muttersprache zn beten." Dagegen erklärt sich die Hakatistische„Post" durchaus mit der Eiubläuiiiig des Christentums einverstanden. Nur keine falsche Mensch« lichkeit! Und mit unsäglicher Stoheit vergleicht und rechtfertigt sie die Wreschencr Erziehungsmethode mit jener Geschichte von dem milden Menschen, der siebe» junge Kätzchen vom Tode im Wasser errettete, nach einem Jahre 46 Kätzchen im Hanse hatte und nun sich gezwinige» sah, um die Katzenplage los zu werden. statt sieben SS zu er- säufen. Also man ersäufe rechtzeitig das Polcntum, damit eS nicht zn einer Gefahr emporwachse, das dann doch gewaltsam niedergeschlagen werden muß. Unsre Nationalen befürworten nicht nur für China das Hnnne»- tum. Auch im Vaterlande gegen die eignen Volksgenossen wird die Politik der Ausrottung, des KatzenersäufenS gepredigt.— Die Regierung des Schweigens. Die Regierung des Grafen Biilow liebt in der Praxis die Umkehrung seines stolzen Fichte-Wortes: Sie schweigt da, wo andre reden. Die Offiziere und Staatsanwälte suchen mit vielem Eifer nachzuweisen, daß die deutsche Krieasführung in China ffulunubfrei gewesen. In Stntigait hat Herr v. Lessel unter seinem Eide bekundet, daß nur vereinzelt Ausschreitungen vor- gekonnnen und diese streng geahndet worden wären. Ein sehr unwesentliches Zeugnis. Denn die Hauptfrage ist ja, was ein durch die Vorkommnisse in China abgehärteter Militär unter dem Begriff„Ausschreitung" versteht. Nichh-Pardon-gcben, das eine shhr altniodische Humanität vielleicht als Ausschreitung em- p finden möchte, kann doch für Herrn v. Lessel nicht als solche gelten, da es sich ja in diesem Falle um einen für die Kriegs- führung maßgebenden Bef e h l handelt. Aull) die Plünderung kann nicht als Ausschreitung aufgefaßt werden, da ja— wie die Regierung zugeständen hqt— von der Heeresleitung selbst oder doch wenigstens mit ihrem Wissen und Dulden die ästro- uomischeu Instrumente als Beute nach der Heimat fort- geführt worden sind. So schrumpfen also die Verteidignngs- versuche des Herrn p. Lessel und der Staatsanwälte' in Hunuenprozcsscu �tark zusammen. Aenßcrst auffällig aber ist es. daß die Regierung selbst, »nährend ihre Kriegsleitung vor Gericht beredsam gerettet wird, mit keinem Worte jene schweren Anklagen zurückgewiesen hat, die der französische Oberstkommandierende General Voyron öffentlich gegen die deutsche Kriegslei ffmg erhoben hat. Erklärt sich dies Schweigen nur auS. der Absicht dcS Grafen Biilow und des.Kriegsministers, sich für den Reichstag Trümpfe aufzu- bewahren? Oder muß man eben schweigen, weil man nichts zu sagen weiß? Wir sind nicht der Meinung, daß die Franzosen in China Weiße Lämmlein gewesen seien, zu den Hnnnenthaten haben auch sie ihren Beitrag in vollem Maße geliefert. Das ent- bebt Deutschland aber nicht der Pflicht, die Anklage Voyrons, daß die unnötigen. Grausamkeiten der deutschen Kriegs- führung die Herstellung der Ruhe und Ordnung gehemmt hätten, ernstlich. zu beachten und entweder eine Rechtfertigung oder ein Schuldbekenntnis herbeizuführen. Nichts von dem geschieht. Nur das Mosse-Blatt giebt sich dazu her, durch ein müßiges inhaltloses Gerede die Voyron- Briefe zu be- antworten. Dieses freisinnige Offiziösentum giebt sich zu Diensten her, die zu gewähren, die konservative Presse,»venu nicht zn anständig,' so doch zu klug ist. Einen vollen Monat, nachdem die Vohron-Briefe erschienen sind, nachdem also die Ofstziösen annehmen dürfen, daß ihr Inhalt vom Publikum schon halb vergessen ist, zieht beute das„Berliner Tageblatt" gegen die Veröffentlichung loS. ohne auf L'/e Spalten etwas andres zn sagen, als das Bekenntnis abzulegen. daß das erlesene Feingefühl des „B. T."-LffiziösentlMls die Publikation als— Taktlosigkeit empfindet. Einen besonders schlauen Trick glaubt das„B. T." darin gesunde» zu haben, daß es die Nicht-Bekanntgabe der Walderscescheu Epistel seitens des Generals Voyron aus der Furcht ableitet, es würde sich aus ihr ergeben,„daß es meistens bei den durchaus sachgemäßen Anordnungen des Marschalls verblieben ist, und daß im übrigen die Angelegen- Heiken durch den Briefwechsel allein überhaupt nicht ihre Er- ledigung gefunden haben". Nun, wenn die Briefe Waldersees, deren Antworten ver- öfseutlicht sind, geeignet sind, die Anklagen und Behauptungen Voyrons zu entkräften, warum in aller Welt hat man von deutscher Seite nicht diese Schreiben bekannt gegeben. Woher dieser unerfindliche uild unendliche Edelmut auf eine Herausforderung. die man wirksam parieren konnte, zu schweigen, als ob man ohnmächtig sei? Wir glauben an solchen Edelmut nicht, wir nehmen viel- mehr an, daß die deutsche Regierung allen Anlaß hat, jede Iveitere dokumentarische Klarstellung der Geschehnisse in China zu vermeiden. Sie schweigt, weil sie es nicht wagen darf, die Wahrheit reden zu lassen.— *«* Deutsches Meich. Der CeiitrnmS- Maulkorb. Aus Köln wird uns geichriebe»: Infolge eineS Antrages des christlichen Gewerkschaftskartells Berlin hat sich der Ausschuß des G e s a in t v e r b a» d e s der christlichen Gewerkschaften Deutschlands in einer in Köln abgehallencn Sitzung mit der Frage befaßt: ob die christ- lichfii Gewerkschaften besagt seien, zur Frage der Lebensmiltelzoll- Erhöhungen Sicllung zu nehmen. Der Ausschuß hat folgende Re-- sölnliön beschlossen: .Der Gcsainlansschuß der christlichen Gewerkschaften Dentsch- lands erklärt: Die Frage der lniidwirlschastlichen Schutzzölle. ist keine Frage, die unter die besonderen Erlverbs- und Standes- intcresse» der Jndnstrirarbeitcr fällt. Diese Frage trifft vielmehr alle Staatsbürger und ist eine eigentlich staatSpolitische. Diese Thnt- • iacho wird auch dadurch beiviesen, daß mehrere politische Parteien die . Frage der landwirlschasUicheii Schutzzölle zu ihrem parteipolitischen KampfeSziel gemacht haben. Eine Stellungnahme zu der geplante».Erhöhuug der l a u d iv i r I s ch a f t- liche» Schutzzone imitz daher getreu den Beschlüsse» des Mainzer Kongresses seitens der christlichen Geivcrkschnften als solche in deren Versammlnngcn und Organen»nterblcibc». Dabei bleibt ' es aber den Mitgliedern der christlichen Gciverkvereiiie im- benommen, außerhalb der Geiverlschnst noch freiem Ermessen für oder gegen die. landtvinschastlichen Schutzzölle sich aus- . zusprechen. So weit der Zolltarif auch die Erwcrbsiutcresscn der eiiizcliicu Industriezweige berührt, bleibt es den hierbei i» Frage kouimeudey Verbänden überlassen, zu diesen speciellen Sätzen des Zolltarifs ihre.Fordernnge» anfzustellen." Diese seltsame Siesolntion gelangte am Sonntag in einer ist Köln abgehältenon großen christliche» Gewerkschafts- Ver- fmnnilnng durch den Häiiptvorsitzendc» der christlichen Textik- arbeitcr-BerbaiideS. Herrn Schiffers aus Krefeld, zur Ver- leiimg. An der Versammlung nahmen ferner als Redner teil der Borsttzende des christlichen Bergarbeiter-Berbandes. Brust, sowie der Vorsitzende des christlichen Holzarbeiter- Verbandes, Sieger ivald. tMiinche»), Die SIcsolntion soll offenbar der Maulkorb für die christlich organisierte» Arbeiter sei», die sich gerade im 3!hei»Iand so zahlreich»nd kraftvoll gegen den Brot« Wucher erklärt und dein Brotivnchcr-Centrnm soviel Verlegenheit be- reitet haben. Daß sie aber i h r e» Z>v e ck völlig verfehlen »>ird. das zeigte schon der Verlans dieser Versammlung, der äußerst stürmisch ivar»nd einmal fast die polizeiliche Auflösung herbei- geführt hätte. Aach Schiffers nahm zunächst der Kölner Bezirksleiter des christlichen Metallarbeiter-BerbandeS, Döring, das Wort. Er bestritt enlschieden, daß die Lebensniiticlzollfrage„parteipolitisch" sei. Er versiehe überhaupt nicht, was das in diesem Fall heißen solle. Schiffers habe auch selber zugegeben, daß sie„früher", als sich die Parteien ihrer noch nicht bemächtigt hätte», wirtschaftlicher Natur war. Er werde sich um die Resolution nicht kehren und bleibe dabei, daß es sich um eine G e iv e r k- i ch a f t S- nnd wirtschaftliche Frage, nicht aber»in eine poliliiche im Sinne des christlichen Gewerkschaftsprogranims handele. ES sei kennzeichnend, daß Brust»nd Stegerwald, die sich doch in ihren Geioerlschastsorganeii für den Zoll ausgesprochen haben, mm an dem Beschluß teilgenommen haben, der die Er- orlerung untersagt. Der Redner ist C e nt r u>» s m a n n. Umso- mehr fällt es ins Gewicht, daß er offen erklärte: daß man der CcntrnmSpartci zu Liebe die Erörterung der Zollfrage ver- hindern wolle. In fast cinstiindiger Rede suchte sich nun Herr Brust zu recht- fertigen. Er habe erst im Verbandsorgan, dem„Bergknappen", für den Zoll Stellung genommen, als man ihm ivegen seines Schweigens einen Brotivucherer nnd Verräter an de» Arbeitern genannt habe. Er sei also gezwungen gewesen, Stellung zu nehnien. Ebenso sagte S t e g e r- Wald: Wenn er, wie Brust und Giesberts, vom Standpunkt der ausgleichenden Gerechtigkeit für eine mäßige Getrcidezollerhöhmig sich ausgesprochen habe, so sei er dazu durch Freunde und Gegner gedrängt worden und habe aus Neberzengiuig gehandelt. De» beiden Rednern trat der Vorsitzende des christlichen Metallarbeiter- Verbandes in Mülheim a. Rh., Herr S ch l a ck, entgegen. Die in der That überfaulen Ausrede» dieser Gewerkschaftsagrarier kenn- zeichnete Schlack als haltlos. Es bleibe die Thatsache bestehen, daß Brust, Stegerwald und Braun München) z u e r st als christliche Ge- iverkschaftsmitgliedcr für den Zoll eintraten, und fie hätten da- durch bewiesen, daß die Zollfrage in die Geiverkschaften gehöre. N a ch d e m s i ch n n» d e r e n e r g i s ch e P i: o t e st g e g e n d e n Zollwucher entwickelt habe, wollten die Herren die® e w e g u n g aufhalten DaS werde ihnen aber nicht gelingen. Es könne gar kein Zweifel herrschen, daß die Lebensmittelzoll- frage in dieGeiverlschaftgehöre.demisie schiieideaiifstiefstein die Lebens- Verhältnisse der Arbeiter ein. Er könne es nicht verstehen, daß Gemerk- schaftsftthrcr, die aus der Mitte der Arbeiter hervorgegangen seien und das Elend in den Arbeiterfamilien ans eigner Anlchamistg keimen, für den erhöhten Lebensmittelzoll eintreten. Er sei selbst (Te» t r ii m s m a ii ii; aber das niiiffe er bekennen, daß von seitc» der CcntriimSpartci ein großer Druck auf die christlichen tste- werkschaften geübt werde, damit sie dem C e n t r n m nutze n. Das könne nicht bestritten werden. Der folgende Redner. S ch a l I e r, bestritt dem Ausschuß das Recht zur Beschluß- faffmig der Resolution. Die Bersanmilimg ging, ohne Beschlüsse zu fassen, auseinander. Sic beweist, daß der Versuch des Centninis, den Ceiilrumsarbeitern den Maulkorb anzulegen, auf daß sie nicht seine brotwucherischen Kreise stören, nicht geliingeu ist, ja jedenfalls das Gegenteil dessen erzielten wird, ivaS beabsichtigt wurde.— Abg. v. Frcge, der konservative nnd niemals erblassende Bicepräsident des Reichstags, hat nunmehr thatsächlich kranlheits- halber einen scchSmonatigeii Ilrlanb nachgesucht und deshalb sein Amt als B i c e p r ä s i d e n t des Reichstags nieder- gelegt. Schtvereres Leid Ividerfiihr dem Reichstag kaum je.— Die bürgerliche Presse und die Arbeitslosigkeit. Die Ans« lasstiiigen der bürgerlichen Bläiter über die Berliner Arbeitslose»- Versammlimgen sind so wenig belangreich, daß sie nicht zu einer kritischen Erörterung verlocken. Versuche, den Notstand— den zu leugne n man nicht mehr wagt— als möglichst gering erscheinen zn lassen: wunderbare Statschläge, wie der, daß man die heutige Arbeitslosigkeit nicht mit der Zeit des Ansschivungs vergleichen dürfe, sondern lediglich mit srühcren K r i s e n zeiten, und platten Polemiken gegen den Socialismns, das ist alles. Das oberflächlichste nnd dümmste Zeug schreibt natürlich, Ivie immer in solchen Fragen, die„F r e i-s i n n i g e Z e i t u n g" Engen Richters. Sie führt den prachtvollen Nachweis, daß die ans der Anarchie der kapitalistischen Produktion nolweiidig folgenden Krisen auch nicht durch socialislische Regelung beseitigt werden könnten, und sie entschleiert ihres Gemütes tiefstes Schnell, indem sie zwar nicht ausdrücklich sagt aber ausreichend klar andeutet, welches das beste Mittel sei. die Arbeitslosigkeit zu vennniderii: Herabsetzung der Lohne! Indem daS Blatt nämlich unsre Angabe wiedergiebt, daß auch besonders die Buchdrucker unter der Arbeitslosigkeit leiden, bemerki es hämisch: „Ob nun die am t. Januar bcvorstchende Erhöhung der Löhne der Buchdrucker geeignet ist, durch Vermehrung der Truckansträge die Arbeitslosigkeit zu vermindern, kauu bezweifelt werden." Also man setze die Löhne herab, dann werde» die Waren billiger und dann giebt es mehr Aufträge. Das Ideal iväre also erreicht, wenn die Arbeiter gar keinen Lohn mehr erhalten. TieWeltanschanuiig des billigen„Mädchen-EinstellenS" beherrscht, wie man sieht, das Reich Eugen Richters noch immer in migeschlvächter Bcrwegenheit.— Die Arbeitöloscnfrage in der hessische» Kammer. Aus Darmstadt berichtet daS Wölfische Bnrcaii: Die Zweite Kammer der Laiidstände trat heute zu längerer Tagung zusammen. Bei der Vorbcratinig eines Antrages Ulrich(Soc.) und Genoffen, daß die Regierung zur Linderung der fühlbar Ivcrdcnden Arbeitsnot alle in' Betracht kommenden Arbeiten vornehmen lasse und eventuell eine Notstandsvorlage mache, erklärte der Vertreter der Regierung, die Regierung habe mit Rücksicht auf die bekannten Verhältnisse in der Industrie alsbald Vorsorge ge- troffen, um ein Bild der Lage im ganzen Lande zn gcwimicn. Nach den Erhebungen an? einzelnen Kreisen habe die Zahl der Arbcitsnachfi agcn die Angebote beträchtlich überstiege»; ebenso sei die Zahl der Bettler und Landstreicher erheblich gestiegen. Nichtsdestoweniger sei zu besonders erheblichen Bedenke» kein Anlaß. Den gesammelten Erfahrimgen sei auch zn entnehmen, daß die rückläufige Bewegung auch das Großherzogtimi nicht unberührt gelassen habe, daß diese aber weniger scharf enipfundeii werde und von einem allgemeinen Notstand im Großherzogtimi nicht gesprochen werden könne. Es sei nicht miwnhrscbeinlich, daß sich die Zustände bei anhaltcudcr Kälte, welche zur Einstellung der Bau- thätiglcit nötige, vcrschlimmcrn würde». Die Noinniniialverbände hätten bis jetzt auf der ganzen Linie ihrer socialpölitischen Pflicht vollauf genügt. Die staoUichcn Arbeiten würden in einer Weise zur Aiisführung gebracht, daß eine Notstandsvorlage nicht geboten er- scheine. Der Antrag Ulrich wurde sodann an einen Ausschuß ver- wiesen. Die Darlegungen dcS NegieriingSvcrtrcters zeigen, so sehr sie sich bemühen, beschivichtigend und abschwächend zu wirke», doch den ganzen schweren Ernst der Lage.— Zur Anti-Chanilicrlanr Bewegung. Aus Dresden wird imS telegraphiert: Das antisemitisch-konservative DresdenerStadt- v e r o r d n e t e n- K o l l e g i n m hatte ans Dtenstagmittag 12 Uhr eine nnßeroi deutliche Sitzung aiibernnmt, um gegen die bekannten Aussprüche Chamberlains zu protestieren. Wegen schlechten Besuchs konnte die Versammlung erst kurz vor 3'4l Uhr eröffnet werden. Von 72 Stadtverordneten waren 50 anwesend. Die Natioiiallideralcn verließen ostentativ den Saal. Die Freisinnigen und Nationnlsocialen waren überhaupt nicht erschienen. Vom Rat waren mir zwei Herren anwesend und gingen gleich wieder weg. Man merkte den beiden Vorsitzenden, die allein redeten, ihre schlotternde Angst an. Nach einige» nichtssagenden Ausführungen wurde eine Resolution an- genoiiiiiieii. Es will nicht recht vorwärts gehen mit der urtcutouischeii Eni- rüstimg. Kein Wunder deshalb, daß man sie durch allerlei blöden Schwindel niifziimuiitern sticht, wie z. B. durch die famose Entdeckung der.Rheiiiisch-Westfälischeii Zeitimg", daß der„Vorwärts" als„Ge- nosie eines Chnmberlain" entdeckt sei.— Norman»- Schumann. Die Lnzerner Polizeidirektion hat dem bekannten Allcrweltsspitzel Nonnann-Schumann nunmehr die Nieder- lasstmg in Luzeni einzogen nnd ihm nur noch den Aufenthalt gestattet bis zum Verkauf seiner Villa. Wird er nun wieder � trotz der schwebenden Majestäis- beleidigungS-Klage— nach Berlin ziehen?— Edmund Jörg, einer der bekanntesten CentrimiSführer in den 60er imd 70et Jahren, ist am Montag in Landshnt verstorben. Er gehörte lange Jahre der bayrischen Kammer an und dem Reichstag bis 1878. Seine Hauptthäligkeit übte er in der Herausgabe der „gelben Hefte", der führenden Centniniszeitschrift„Historisch-politische Blätter", von deren Redaktion er erst kürzlich zurücktrat. Das Centrnm beklagt den Tod Jörgs als eines seiner tüchtigsten Männer.— München, 19. November. Die Kammer der Abgeord« n e t e n beendete beute die Debatte über die allgemeine Finanz- läge. Nachdem Prieger(freie Vereinigung) und Dich!(liberal) ge- spröchen, führte Finanzminister Frhr. v. Riedel aus, er sei Gcgucr einer allgemeinen direkten Reichö-Einkommcnstener, weil er wünsche, daß die finanziellen Verhältnisse der Einzelstaaten von diesen unbeschränkt selbst bestimnit werden. Eine Neichs- Fiiinnzreform müsse den Grundsatz festlegen, daß die Matriknlarbeiträge niemals die Ueberweisungeu übersteigen dürfen. Nachdem Kohl(C.) nochmals die Haltung seiner Partei verteidigt hatte, wurde die Debatte geschlossen. Beim Etat des Ministeriums des A e u ß e r n verteidigte Staatsminister Graf v. Crailsheim gegenüber dem Abg. Geich(freie Vg.) die Not- ivendigkeit der Beibehaltung der' bayrischen Gesandtschaften. Abg. v. Boitin au beantragte Ablehnung der 100 OVO M.. Iv e I ch e der Staat für d i e H o'f h a l t u n g d e s P r i n z r e g e n t e n zahlt. Dieser Antrag wird vom Finanzmiiiister Frhrn. v. Riedel und von allen Parteien bekämpft und vom Hause abgelehnt.— Stuttgart, 18. November. Der Gemeinderat hat auf Grund des neuen Gesetzes, betreffend die Enffchäbigimg der GemeiuderatS- Mitglieder, beschloffen, daß vom 1, Januar 1902 an die imbesoldeteii Gemeinderäle für die durch Vcrsehmig ihres Amtes verursachte Zeit- Versäumnis eine Entschädigung in Form eines Tagegeldes in Höhe von 10 M. erhalten sollen.—_ Keiner will Stellvertreter GqtteS werde«! Eine Korrespondenz berichtet: „Der Mangel au Unteroffiziere» nimmt für die Heeres- pcrivaltmig einen geradezu beängstigenden Charakter an und in allen militärischen Zeitschriften und Blättern kann man Inserate, betreffend freie Uiiteroffiziersstellen und Werbung von Kapi- tnianleii mehr denn zu viel finden. Bei der Garde und den Elitetruppcii ist der Mangel an Unteroffiziereii nicht so sehr bedeutend, aber bei den ProvinzialtMppen wissen die Chefs kaum. ivie sie mit dem Dienst zurccht kommen sollen. Tic Ursachen dieser Erscheinung sind nur zu bekannt. Die Ge- Währung des Kapitulations- Handgeldes von 100 M. und ein privater Zuschuß von seiten der Triippe vermögen nicht, genügend ansgediente Leute zum Weiterdienen zu veranlassen; die 1000 Mark- Prämie für vollendete 12jährige Dienstzeit übt schon seit langem keine Wirkung mehr aus. Fortgesetzt sinnt die oberste Militärbehörde auf Mittel, das Unteroffiziercorps wieder zu stärken und infolgedessen find jetzt an die Truppen- kommandeure Anfragen ergangen, welche eine geistige Hebung des Unteroffizierstaiides betreffen. Um nämlich den Unteroffiziere» mehr wie bisher Gelegenheit zu bieten, sich für den späteren Dienst bei den Behörden aiiszudilden, soll innerhalb der Brigaden ganz unabhängig von den Negiments-Kapitulantenschiileii eine drei- k.'nssige Brigadeschule eingerichtet iverden, in denen auch Unterricht im Französischen nnd Englischen erteilt iverden soll. Wer die erste Klasse mit„Gut" absolviert hat, soll eo ipso als Militär-Anwärter gelten mit der Vergünstigung, bei seinem Eintritt bei einer Behörde von der Ailfuähmcprüsting befreit zu sein. Wie wir weiter hören, soll in Aussicht genommen sein, daß sich der Unteroffizier schon mit Beendigung des zehnten Dienftjahres bei der Behörde vornotieren lassen darf, so daß seine Einberufung am Tage derAnshändigmig des Civil-Bcrsorgimgsscheiiies— nach zwölfjähriger Dienstzeit— erfolge» kann. Tie Wartezeit dürfte dadurch ganz erheblich ver- kürzt werden, was vielleicht ein Ansporn zur Kapitulation sein könnte." Sicherlich wird der Unterosfiziersmangel auch durch die neuen Rrizmittel nicht behoben werden. Die Unlust der Soldaten, länger als das Gesetz fordert, bei der Truppe zu bleibe», ist in der ge- samten heutigen Militärorganisation begründet. Der Pnradedrill, der noch immer den Hauptteil der militärischen Ausbildung aus- macht, stellt Anfordermige» an den Unteroffizier, denen er nicht ge- ivachse» ist und die ihn zu einer besonders brutalen Behaiidlnng der Mannschaften drängen. Tarnm Hülm sich alle diejenigen Elemente der Bevölkerimg vor dem Kapitulieren, die im stände sind, durch Intelligenz und Tüchtigkeit sonst ihr Brot ini Anstand zu erwerben. Der steigende Mangel an Unteroffiziereii ist nur einer der viel« fachen Gründe, die den heutigen Militarismus den Militaristen selbst stets nnhallbarer werden lassen und mit Notivendiglcit zu Rc- formen auf der Bahn zum Milizsystem drängen.— Ausland. Präsidiale Diöcipli». ?luS Wien ivird uns vom 15. November geschrieben: Ein hübsches Beispiel der anarchischen Zustände des ö st r e i ch i s ch e n Abgeordnetenhauses bot die letzte Sitzung. Nach der Geschäftsordnung des Hauses dürfe» die Abgeordneten ihre„Vor- träge" nicht lesen, sie sind verpflichtet, frei zu sprechen. Ans- drücklich erklärt der Z 55 der Geschäftsordnung:„Die Bericht- erstntter der Ansschüfie find befugt, schriftlich abgefaßte Vorträge zu lesen. Dieses Recht haben außer ihnen nur jene Mitglieder der Ausschnffe, die zum Vortrage eines Sonder- Gutachtens bestimnit wurden, dann die Minister nnd Chefs deren Ccntralstelleii und deren Vertreter. Wir citiemi diese geschästsordiiniigSmäßige Bestimmung deshalb wörtlich, damit es ganz deutlich erscheine, daß der Vicepräsidcut Z a c e k gestern im Rechte war, als er au den(alldeutschen) Abg. Eisenkolb. der als Anlragsteller den Dringlichkeitsantrag gegen die Einwaiidcrmig der Jnsnileii begründete und dabei in seine Rede unendlich lange Borlesungen einflocht, die Mahming richtete. V o r- I e j ii ii g e ii zu unterlassen. Daraufhin entspann sich folgende Sccne: Bicepräsident Dr. Z a c c k: Ich erlaube nur. den Herrn Redner aufmerksam zu machen, daß Vorlesimgcii in diesem Hause nicht ge- stattet sind.(Widerspruch und Zwischenrnfe bei den Alldeutschen.» Abg. Kittel: Herr Präsident! Wollen Sie 22 Dringlichkcits- anträge haben?(Lärm.) Bicepräsident: Ich bitte den Herrn Redner, seine Rede zu sprechen und nicht vorzulesen!(Lärm und Widerspruch bei den All- deutschen.) Abg. Stein: Sie werden sich wohr überlegen, mit uns an- ziifangen! DaS könnte Sie viel k d st e n I_ Äbg. Glöckner(zum Viccpräsidentcii): Gehören Sie zum I e s u i't e ii- O r d c>i?(Lärm und zahlreiche Zwischenrufe bei d?» Alldeutschen.) Vicepräsident: Ich ersuche um Ruhe!(Erneuter Widerspruch bei den Alldeutschen.) Abg. Stein: Gehen Sie hin ansl Abg. Schreiter: Provocieren Sie nicht! Vieepräsident: Ich ersuche den Herrn Redner, in seiner Rede fortzufahren, und ersuche die Herren»m Ruhe.(Widerspruch, Lärm und zahlreiche Zwischenrnfe bei den Alldeutsche».) Abg. Dr. Eisenkolb: Ich muß die Sachen vorbringen, weil sie sehr dringend sind. Vicepräsident: Ich erkläre dem Herrn Redner, daß ich. wenn er in der Verlesung fortfahren will und keine Rede hält, ihm das Wort ciitzichen werde,(Lärni und Zwffchenrnf bei den Alldeutschen.) Abg.«lein(auf die Präsidenleiiesirqde laufend): Hier haben Sie einen Dringlichkeitsantrag! Das ist der erste. Wenn Sie so fortfahren, kommen noch 21. Vicepräsident: Meiiietweaen 30! Abg. Stein: Wir werden Obstruktion machen. weil wir uns von I h n e n n i ch t t e r r o r i s i e r e n l n s s c n! Vicepräsident: Ich bitte. Herr Abgeordneter. fich aus Ihren Platz zu begeben:(Großer Lärm und Widerspruch bei den All- deutschen.) Abg. Dr. Schalk: Wie können Sie uns koinniandieren, ans die Plätze zugehe»! Lernen Sie die Geschäftsordnung I Es ist miglanb- lich, wie Sie sich benehmen. Vicepräsident! Ich ersuche den Herrn Redner, seine Rede fort- zusetzen. Mq. Stein: Lernen Sie erst KuiggeS„Umgang mit Menschen." bevar Sie hinaufgehen, Sie ungebildeter Vice- Präsident. Biccpräiidcnt: Ich rufe Sie zur Ordnung wegen dieser Unart! Slbg.©lein: Das ist eine Frechheit, mich in diesem Tone anzufahren, wen» ich einen Dringlichleitsantrag überreiche. Abg. Schreiter: Das trifft nur ein Czcche! fEntriistnngs- rufe bei den Czcchcn. Lärm.) Licepräsident: Ich rufe den Herrn Abgeordneten zur Ordnung und bitte den Redner, seine Rede fortzusetzen.(Lärm.) Abg. Stein: Sie haben keinen Anspruch a u f R e sp elt in ehr' weil Sie dm Takt verletzt haben. Sie sind ein L ü m m e l. (Lebhafte Entnistnngsrnfe.) Vicepräsidcnt:' Ich rufe Sie wiederholt zur Ordnung wegen des unanständigen Benehmens hier! Ich bitte. sich zu benehmen, wie es sich in einem Verhändlungssaale gehört.(Länn und Wider- sprnch bei den alldeutschen.) Abg. Sckreiter: R n fem Sie sich s e I b st zur Ordnung, das wäre das allerbeste! Abg. Johann Laurenz Hofer: Störe» Sie die Verhandlung nicht! tLärm.) Abg. Dr. Eisenkolb bespricht, in seiner Rede fortfahrend, unter groger Unruhe die Theorie vom Eide. Abg. Stein: Läuten Sie ei» bißchen, Herr Präsident, damit Ruhe wird! Viccpräsident: Ich ersuche den Herrn Abgeordneten, ruhig zu sein und nicht den Präsidenten ouznrnfen!(Widerspruch und Lärm bei den Alldeutsche».� Abg. Kittel: Wir stich kein Kindergarten! Die„zwifchenrufenden" Herren waren natürlich lauter Alldeutsche. So wird im östreichischen Abgeordnetenbanse der Präsident behandelt, wenn er sich nntersteht, die— Geschäftsordnung z u Hand- haben! Vielleicht noch bezeichnender ivar der Abschluß der wider- lichcn Seme. Herr Stein„bedauerte" nämlich,„einen" unparla- mcntarischen Zuruf gemacht zu haben: das Kosewort Lümmel— und ersuchte den Vicepräsidenten und das Hans,„diesen" Zuruf zu entschuldigen. Seine übrigen Zwischenrufe und die Roheiten der übrigen Kumpane galten also als Paria- mcntarisch! Und wörtlich fügte Herr Stein hinzu:„I ch s e tz e aber voraus, daß der Vicepräsident in ebenso lo Haler Weise s e i n V o r g e h e n gegen mich bedauern wird. lind Herr Zacck entschuldigte sich ivirklich! Wenn er seine geschäfts- ordnungsmäßige Rüge„vielleicht in einem etwas aufgeregten Tone gesagt habe, so stehe' er persönlich nicht an, das zu konstatieren„und zu bedauern"... Hinterwäldlcr-Sitten!— Zum Boykott der englischen Schiffahrt. Der„Propagandist", das Organ des Niederländischen Schiffs- tind Hafenarbeiter- Verbandes, schreibt, daß der Internationale Kongreß, der sich mit dem Boykottpla» befassen soll, ivahrschcinlich am 1. Dezember stattfinden wird. Vertreter der meisten Länder des Kontinents, und auch Vertreter Englands iverden daran teilnehmen. Als Ort, wo der Kongreß stattfindet, werden Haag, Brüssel oder London genannt. Das Landes-Propagandakomitee hat an Redner aller Richtungen ein Cirkular versandt, worin sie aufgefordert werden, sofern sie init dem Bohkottplan einverstanden sind, in Versanmilnngen dafür ein- zutreten: ferner hat das Landeskomitee ein Manifest an alle politischen, ivirtschaftlichen und allgemeinen Arbcitcrorganisationcu geschickt, ivorin zur Bildung örtlicher Komitees, zur Abhaltung von öffentlichen Versammlungen und zur finanziellen Unterstützung der Propaganda aufgefordert wird. Der Parteivorst an d der niederländischen „Socialdemokratischen Arbeiterpartei" hat ein- stimmig folgende Resolution angenommen:„Der Vorstand der „S. D. A. P." begrüßt das Vorhaben de» Komitees der Wasser- transportarbeiter, durch einen Boykott der englischen Schifffahrt die englische Regierung dahingehend zu beeinflussen, daß sie Frieden mit den südafrikanischen Republiken schließt, als ein hoffnungsvolles Zeichen des Machlgefühls und des Selbstbewußtseins der Arbeiterklasse;— erklärt, so viel Vertrauen in das Komitee zu setzen, daß dieses nur dann zur Ausführung des Planes übergeht, Ivenn es der Mitwirkung der betreffenden Arbeiter sicher ist und ein genügender Bohkottfonds vorhanden ist;— bezeugt, obgleich erkennend, die Parteigenosse» in dieser Sache nicht binden zu können, seine volle Sympathie mit dem Plan;— und heißt die Haltung der Abteilungen und der Parteigenosien gut, die, im Fall der Boykott verwirklicht ivird, ihre Unterstützung zugesagt haben."— Oestreich-Ungar». Die parlamentarische Krise. Ein über das Ergebnis der am Montag stattgefundenen Be- ratungen der deutschen O b m ä n n e r- K o n f e r e n z ans- gegebenes Communique besagt: Die in der Obmänner-Konfcrcnz vertretenen deutschen Parteien gelangten zu der Ueberzeugnng. daß nur eine Verständigung aller' Parteien des Hanfes be- züglich der Art der Fortführung der parlamentarischen Ge- schäfte das Haus aus seiner heutigen Lage befreien könne. weshalb sie sich entschlossen hätten, zu einer solchen Verständigung den Anstoß zu geben. Es handle sich um zivei Stadien der parla- mentarischen Arbeit, zunächst nm Erledigung des Budgets und dann um Herstellung einer politischen Situation, welche einen parla- mentarischen Abschluß des Ausgleichs nnt Ungarn und der Handels- Verträge ermögliche. Die Erledigung des OtaatSvoranschlages im Ausschuß sei nur durch das Zusammenwirken aller Parteien er- reichbar. Die Konferenz beantrage deshalb im allseitigen Interesse die sofortige Fühlungnahme zwischen den Parteien unter Intervention der Regierung, um konkrete Beschlüsse z» erzielen über die Ausnutzung aller sitzungsfreien Tage für die Erledigung des Budgets im Ausschuß, über die Zuweisung des Budget- Provisoriums ohne erste Lesung an den Ausschuß und Votierung des Provisoriums noch vor Weihnachten. Tiefergehende Anstrengungen erheische das zweite Stadium. Wenn nicht erreicht werde, daß die Regieciing sich auf den guten Willen der Volksvertreter in Oestreich stützen könne, wenn die nationalen Forderungen mit der Ausgleichs- fache verquickt würden, so sei keine Aussicht für die parlamentarische Regelung des wirtschaftlichen Verhältnisses z» der andren Reichs- Hälfte vorhanden. Ein Telegramm vom Dienstag meldet: Die parlamentarische Situation bleibt noch immer ungeklärt. In Parlamenlskreisen cirkuliert das Gerücht, Ministerpräsident v. K ö r b e r sei a in t§- in ü de und werde dies dem Kaiser in der heutigen Audienz mit- teilen. Da der Kaiser aber mit dem Parlament höchst unzufrieden ist, und Körber das Vertraue» des Kaifers im vollsten Maße besitzt. so werde man, falls nicht noch in letzter Sknide eine Verständigung zwischen Deutschen und Czechen zu stände kommt, das Parlament auflösen. Der Kaiser soll zu einem Abgeordneten geäußert haben, daß eS so nicht weiter gehe. Es ,el zum verzweifeln. Es müsse anders werden,„so geht's unmöglich weiter." Im»ngrischen Abgeordnet«, Hause trat der Ministerpräsident v. Szell in einer Polemik gegen ein Mitglied der klerikalen Bolkspartei Rakowsky lebhaft für den Dreibund' ein Das innige Bündnis mit Deutschland und Italien sei in, Interesse der Monarchie und Ungarn gelegen. Der Dreibund schließe überdies-in autes Ver- hältniS zu den übrige» Mächte» nicht a»§.— Die Pest. Auf die Nachricht, daß m Odessa z>v e i Todes- fälle an Pest vorkamen, ivurden sofort an der galizischcn Grenze die erforderlichen Sicherhcitsmaßrcgcln getroffen. Der Protontedicus der Statthalterei begab sich nach Podwoloczyska, nm sich von deren Durchführung persönlich zu überzeugen.— Norwegen. Wehrpflichtsteuer und AuSwandcrungssteuer. Der Odcls- ting hat die Einführung einer Wehrpflichtstcuer beschlossen. Alle zum Militärdienst nntanglicheu Wehrpflichtigen, soweit sie nicht völlig er- werbsulitüchtig sind, sollen während der 12 Jahre der Dienstpflicht zu einer Steuer herangezogen iverden. Wehrpflichtige vom 21. Lebens- fahre ab, die ihrer' Wehrpflicht uichr genügt haben und das Vaterland verlassen wollen, haben die' Gesamtsumme der zivölfjähngeu Steuer vorauözuzqhleii, es sei denn, daß sie liachwciseii, daß sie völlig erwerbsuiitüchtig sind.— Es ist klar, daß dieses Gesetz wiederum ganz besonders den Arbeiter, de» Besitzlosen trifft. Es ist der ausgesprochene Zweck dieser Steuer, der immer mehr zunehmeudcn AuSwailderiing entgegen zu wirke». Jedenfalls wird aber dadurch auch die Unzufriedenheit im Laude vermehrt iverden iiitd diese neue Belastung des Volks und Be- schränknng der persönlichen Freiheit dahin führen, daß die Arbeiter »ichr als' bisher auf die selbständige parlanieutarlsche Vertretung ihrer Jntcreffeii bedacht sind.— Frankreich. Eine Hniiueiidebattc i» der Kauliuer? In parlanientarischcii Kreisen lvird nach einer Pariser Meldung erzählte der sociallstischeAbgcordneteSembat werde in der Dienstags-Sitzmig der Kammer bei Erörterung des Auleihcgesetzes verlangen, daß die Regierung der Budgctkommissioii den geheimen Bericht übermitteln möge, den General V o y r o n infolge der von der Regierung augeordneteir Untersuchung bezüglich der Plünderung in China dem Marinemi nister er- stattet habe. Mehrere Blätter behaupten, Sem bat habe diese Ii geheimen Bericht bereits iu den Händen und sei gegebenen Falls entschlossen, das Schriftstück von der Tribüne der Kammer zu verlesen; er habe den Bericht von einem Mitglied des Kabinetts erhalten._ Einen Skandal provozierte in der Moutagssitzung der Kammer der Abg. R i b o t, indem er sich mit großer Schärfe gegen de» An- trag des Finanzansschnsscs ivendcte, der den Chinakrcdit von 265 Millionen Frank auf 200 Millionen herabgesetzt hatte. Berteaux erklärte, die Sprache Ribots sei ungehörig und ver- diente eine Zurückweisung. Der Präsident Deschauel fordert Berteaux ans. seine Worte zurückziinehmc», dieser weigert sich. Die Kammer verhängte die Censnr über ihn. Ribot versucht z» spreche», ivnrde jedoch durch den Lärm auf der äußersten Linken daran verhindert. Der Präsident unterbrach hierauf die Sitzung. Bei Wiederanfiiahine derselben betrat Ribot die Tribüne, sprach sich für die traditionelle Politik Frankreichs im fernen Osten ans und verlangte die Wieder- Herstellung der Negiernngsvorlage. „Man vergißt, rief er, daß Frcycinct ans das nachdrücklichste beim Vatikan darauf dringcu mußte, daß wir die Beschützer der Katholiken im f c r n e n Osten blieben. Deutschland u n d Italien gaben sich die größte Mühe, das Schutz recht über i h r e K a t h o l i k e u für sich zu fordern; das Vor- gehen des protestantische» Deutschland schreibt uns gebieterisch unser eignes Verhalten vor. Müsse» wir erst in den Zcitiingen den Briefwechsel zwischen General B o y r o n und Feld Marschall Waldcrsee lesen, um zu erfahren, daß nnire Offiziere sich nichts vorziiwerfcu haben? Dieser Briefwechsel macht unsrcm Heere große Ehre. Die herkömuiliche katholische Politik im Ö st e n ist die ivcscntliche Bediiigmig des Wohlergehens und der Größe der Republik." Nach dieser Sekbsteinpsebluiig Ribois den Klerikalen gegenüber erfolgte die Vertagung der Sitzung.— Jtalieu. Die Koiiiiniinalwalilcii in Neapel. Erst jetzt ist das de- finitiuc Resultat der Listcn-Auszähliiiiacn bekaniit. Danach sind cnd- gültig gewählt 61 Klerikal-Moderierte� 12 Socialiste» und 4 Demo- lrntcn.' Die socialistischc» Kandidaten erhielten im Minininnl 356g Stimmen, im Maximum 5010 Stimmen. Der Camorra ist es nicht gelinigen, eine» einzigen ihrer Kandidaten durchzubriiigen; sie blieben alle in einer riesigen Miiioiitat. Der Eiiidruck, den die Untersuchnnge» des Senators Saredo auf die Bevölkerung gemacht hat, ivar ei» zu großer, war vor allem zn frisch. Außerdem hatte die socialistische Partei eine riesige Propaganda cnlsaltet. I» den letzten Wochen vor der Wahl fanden jeden Abend eine Anzahl Bersanimliingen statt, in denen socialistische Redner, zuni großen Teil Deputierte, zinn Volke sprachen. Am letzten Abend vor der Wahl waren die Abgeordneten Pescetti und Biffolati in Neapel ainvesend; der letztere verblieb auch zum Wahltag dort. Die Camorra kann sich noch nicht mit dem Gedanken vertraut machen, die Macht verloren zu haben, und so kan, es am Wahltag zu allerhand kleinen Zusammenstößen zlvischen Polizei nnd Wählern. Die Wähler waren auch nicht mehr die frühere stumpfsinnige Masse, sonder» ihr Gelvissen>uar aufgeweckt und ihr Rückgrat gestärkt durch die socialistische Agitation. Im Bezirk Stella verbot die Polizei den Socialisteii die Vcrieilnng von Stimmzetteln; diese kümmerten sich nicht mn das Verbot und verteilten ruhig ivciter. Darauf ließ der Polizei-Jnspektor drei Mann verhaften. Der Abg. Biffolati über- nahm nun selbst die Verteilung der Zettel und der Polizei-Jnspektor wagte nicht, den Deputierten daran zu verhindern. Auch die alte» Wahltricks wurden wieder verflicht; verschiedene Individuen wiirdcn dabei erwischt, als sie daS zweite Mal wählen ivollten. Nun sind die moderierten Klerikalen ans Ruder gekommen. Wiewohl dies Resultat als ei» Protest wider die liberale Camorra auf- zufassen ist. so ist auch von dieser Partei nicht eine vollständige Aus- lehr aller Korruption zu erwarten. Aber die socialistischen Abgeord- neten werden sicher dafür sorge», daß die Zeiten der ehe»ialigeii Camorra endgültig vorüber sind.— Amerika. Deutschland nud Amerika. Ein Telegramm aus Washington meldet: Der deutsche Botschafter Dr. v. Hollebe u wurde heute von einem Be- richterstatter anfgesiicht, demgegenüber er nnter andern, erklärte, alles Gerede, daß der Kaiser die enropäischen Völker zum Kampfe gegen Amerikas HandekSwclt zusaiilincil zu bringen wüiischc, sei natürlich unbegründet, und die Nachricht, Deutschland bemühe sich, in Südamerika nnd Westin dien K o h l e» st a t i o n e n oder sonst einen Stützpinilt zn erwerben, sei von feindlich Gesinnten i» die Welt gesetzt, die Deutschland nicht gern i» zn freinidschnstlichcn Be- ziehniigcn zn den Vereinigten Staaten sehen möchten. Der Botschafter schloß, er sei amtlich zu der Erklärung ermächtigt, daß Deutschland keine> derartige Absicht habe; er ivlinsche ein für allemal diese immer iviederkehrcndcn Meldungen nachdrücklich und ohne Ein- schränknng für falsch zu erkläre».' Er habe dies auch dem Präsidenten mitgeteilt, der mir ganz besonderer Genngthiiinig davon Kenntnis genommen habe.—' Der Boereu- Krieg« Die Verluste der letzte» Woche». Ans Pretoria ivird gemeldet: Seit dem 7. November haben die B o e r e ii,»ach einem Berichte K i t ch e n e r s, 43 Tote, 16 Verwundete und ügt Gefangene gehabt. Die englischen Verluste belaufen sich fl, der gleichen Zeit an f 205 Tote, 228 V e r w u n d e t e und 10 Vermißte. Die� gefangenen Eng l ä n der sind sämtlich wieder freigelassen worden. Diese Zahlen beweisen schon, wie schlecht die Engländer in den letzten Wochen abgeschnitten haben. Einem Gesaintverlnst der Boeren von 350 Mann steht ein Gesamtverlust der Engländer von 443 Mann gegenüber. Zu diesen 443 komme» noch etliche hundert Gefangene, die von den Boeren wieder freigelasie» worden sind. DaS migiilistige Verhältnis der Engländer lvird aber noch schlimmer, wenn wir nur die beiderseitigen Toteir niid Verwundete» niiteinander vergleichen. Ans 50 Tote und Bermnndete der Boeren entfallen 438 englische Tote nnd Verwundete, auf je 4 Boeren also' 4 Engländerl Daß die 201 gefangenen Boeren keineswegs lauter Kombattanten waren, geht schon daraus hervor, daß'die Eng- ländcr zwar 201 Mäiin gefangen genommen haben wolle», aber nur 164 Gewehre erbeutet haben' Von den Gefangenen ivar also nur jeder zweite Mann bewaffnet! Schftmützrl. Der Verlustliste zufolge wurden ans englischer Seite in einem Gefecht bei T>v e e f o n t e i n am 14. d. MtS. ein Mann getötet und drei Offiziere, darnntcr ein Prinz Oladziwill, sowie fünf Mann ver- wnndet.— General Barkcr ist von einer AnfkläumgSexpedition nach Bethlehem zurückgekehrt. Es wurden während der Expedition 6 Boeren getötet, 4 verwundet und 30 gefangen genommen. Barker hatte 2 Verivmidete. Answeisnng der kranken Gattin StcijnS. Der„Petit Bleu" meldet, nach einer Privatdepcsche ans London sei die Frau des Präsidenten deS Oranje- Freistaates Steijn mit ihren fünf Kindern ohne jede Begründung ans Afrika deportiert niid nach Europa eingeschifft worden, obwohl ihr G e s u>, d h e i l s z u st a Ii d sehr erschüttert i st. RÄVkei-MAchvichten. Die Protestbewegung gegen de» Hnngerzo« im Königreich Bayer» hat ein großartiges, eindrucksvolles Resultat; nachdem uns heut auch die Unterschriften ans den Wahlkreisen des Regicriings- bezirks Pfalz, 07 057, zugegangen sind, stellt sich die Gesamtzahl ans Bayern auf rund 327 000. Wahlstiinnlcn wurden 1893 für uns nur 133 213 abgegeben. Auf die Herren vom Centrum wird das hoffentlich seine Wirkung nicht verfehlen. Am bedeutendsten ist dabei der Wahlkreis Speyer. Er gab 40 801 Unterschriften auf 35 365 eingeschriebene Wähler nnd 12 000 socialdcmokratische Stimmen im Jahre 1898. Im Regierungsbezirk Düsseldorf ist daS Ergebnis nicht so be- dentend. Dort wurden bis jetzt 93 000 Unterschriften gezählt. Ans dem 13. sächsischen Wahlkreise(Zwickau) iverden 38 802 Unterschriften ans 18 362 Stinimen gemeldet. Ans dem 23. sächsischen Kreise 11 300 Unterschriften. Die Bescholteuhcit des Preffsünders, die vom Dresdener Stadtrat unter Billigung der Kreishanptmannschaft konstruiert worden ivar, nm die Zahl der Bürger nicht allzu gefährlich an- ivachsen zu lassen, hat beim Ober-Vcrivaltungsgericht keine Billigung gefundc». Wie früher mitgeteilt, ivar dem Genossen Beyer, der sich in seiner Eigenschaft als vcraiitworllicher Redactevr der„Sächs. Arbeiter-Zeitnng" einige Strafe» zugezogen hatte, die Erteilung des Bürgerrechts ivegen angeblicher Bescholtenheit verweigert, obwohl dies dem klaren Wortlaute der Slädteordnung ividerspricht. Die Kreishanpiinannschaft, die Beyer angernfen hatte, fällte die merkwürdige, echt sächsische Entscheidnng, daß das Gesetz allein nicht maßgebend sei, sondern auch das„Ermessen" der Behörden. Darauf entschied nun jetzt das Ober- VerwaltnngSgericht kurz und bündig: „Die Entscheidung der KrciShanptnianiischaft wird ans- gehoben nnd daS Verfahren des Stadtrats zn Dresden für unzulässig erklärt.".. In der kurzen niiindlicheu Begriindmig, der noch eine schriftliche ausführliche folgen soll, ivnrde das von der Kreishanpiinannschaft auf den Kopf gestellte Gesetz wieder ans die Beine gestellt nnd kurz gesagt, daß das Gesetz und nicht d a s E r in e s s e n d e r B e- Hörden maßgebend sei. Das sächsische Obcr-VcrwaltinigSgericht ist allerdings noch eine sehr neue Einrichtung. Gcmeindcwnhlc». Auf Grund eines Kartells mit den Frei- sinnigen wurde» in Eise n a ch zum erstenmal zwei Parteigenossen in den Genieinderat gewählt. In W a ii d S b e ck wurde ein Parteigenosse neben einem Gegner gewählt. In Sora« erhielten die beiden socialdemokraiischen Kandidaten bei erstmaliger Beteiligung, die erst kurz vor dem Wahltage be- schloffen wurde, 130 Stimmen, während für die gewählten Gegner bis 320 Stimmen abgegeben wurden. In Untermhans, einer Vorortsgemeinde von Gera, ivurden 5 Parteigenossen neben 3 Gegnern gewählt. Die Wahlbeteiligmig war sehr stark; die Gegner hatten alles aufgeboten nnd ihr Schmerz wegen dieser Niederlage ist km»» zu messen. Die Parteigenossen in Bernd» r g(Anhalt) errangen einen glänzenden Erfolg. Ihre fünf Kandidntci» wurden' sämtlich gewählt. De» Segen des Wahlzwanges, der als ordnungsrelterischeS Heilmittel nach jeder Reichstagswahl von Konservativen und Bündlern gepriesen zn werde» pflegt, lsruten die Genosse» in I l m e n a n beitern für die ersten Wochen ein Lohn von 3 resp. 4 M. pro Tag garantiert, nnd als Abschlagszahlung für spätere Abrechnung wöchent lich ausgezahlt. Von den Ausständigen sollten am Montagmorgen 40 Mann die Arbeit wieder aufnehmen. Betreffs der übrigen 10 Mann verpflichtete sich Herr Guttmann, dieselben bis spätestens 15. Dezember sämtlich wieder einzustellen.— Von den„Arbeits willigen" sind schon etwa 25 Mann wieder entlassen worden. Vom Harburger Gnmmistreik her sind noch immer 12 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt. Zum Polizeikampf gegen die Gewerkschaften. In dem Städtchen R a g» i t(Ostpreußen) haben findige Beamte schon eine ganze Zeit lang der Arbeiterbewegung allerlei Hinderniffe in den Weg gelegt. Einzigartig ist ein Verfahren gegen die Leiter der dortigen Zahlstelle des Verbandes der Fabrik-, Land nnd Hilfsarbeiter. Im Sommer lud der stellvertretende Bürgermeister von S e t t e n der Reihe nach eine größere Anzähl Arbeiter zur Vernehmung vor und befragte sie, ob sie Mitglieder der genannten Organisation wären. Von den Leuten haben einige in der Verwirnnig, andre vielleicht an« Furcht vor Nachteilen ihre Mitgliedschaft bestritten. Die Vernehmungen hatten zur Folge, daß dem Verbände eine Anzahl Mitglieder ver- loren gingen. Auf den unter so eigentümlichen Umständen er- halteneii Aussagen baute Herr v. Setten weiter. Er verlangte daß ihm ein' Mitgliederverzeichnis eingereicht werde. In diesem Verzeichnis suchte und fand er nun Leute verzeichnet, die ihm erklärt hatten, nicht Mitglieder zu sei». Darauf wurde gegen den Kassierer Schulz wegen Führung einer falschen Mitgliederliste Anklage erhoben. Das Schöffengericht verurteilte den Genannten auch thatsächlich zu 15 M. Geldstrafe und die Kosten. Ein Zeuge hatte vor Gericht ausgesagt, daß er Schulz mitgeteilt habe, er werde nicht zahlen. Da der Name dieses Mannes aber in der dem Bürgermeister i.'V. eingereichten Liste stand, sei das Verzeichnis falsch gewesen. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt. Der sünfte BerbaudStag der Steinsetzer findet am 17., 18. nnd 19. Februar in Mainz statt. Ausland. Die rcgcluiästigcn Monatsberichte der englischen Oewerk- schafteil zeigen mir geringe Abweichimgen von denen des Monats September; wohl aber sind sie ungünstiger als die des gleichen Monats im Vorjahre. In den 152 Gewerkschaften mit einer Mitglicderzahl von 544 827 wurden im Monat Oktober 19 995 oder 3.7 Prozent der Mitglieder als arbeitslos gemeldet. Es ist das genau derselbe Prozentsatz wie im Monat Scpteniber, währenddem der Monat Oktober dcö Vorjahres nur 3.3 Proz. aufwies. Auch die Veränderungen in der Lohnhöhe waren lmbedentend; 17 684 Personen wurden von solchen betroffen. Davon erhielten 7834 eine durchschnittliche Erhöhung pro Kopf und Woche von 1 lK V« ck, und 9836 mußten eine Lohnreducieruiig von 8�/» ck pro Kopf und Woche über sich er- gehen lassen. Die Zahl der Streiks war eine geringe; es wurden 26 neue Streiks gemeldet, an denen 10 501 Personen be- tciligt waren. GeviMs �Weikung. Preusiciitum und Religion in Wreschen. Im Wreschener „Krawallprozeß" beantragte, wie gemeldet wird, der erste Staats- auwalt Dienstag gegen die Piasecka 2 Jahre 6 Monate Gesänanis, gegen Franz Korzeniewski, der gegenwärtig eine Znchttiausstrafe verbüßt, eine Znsatzftrnse von 6 Monaten Zuchthaus. Gegen 21 An- geklagte wurden Strafen von 1 Jahre 6 Monaten Gefängnis bis zu Wochen Haft beantragt. Einen Angeklagten beantragte der Staats- auwalt freizusprechen. Wie die preußische Schneidigkeit von der tiefreligiöscn Be- völkcrnng polnischer Sprache aufgenommen wurde, das zeigten dent- lich einige Momente aus den Verhandlniigen der letzten Tage. Eine Zeugin sagte: Wenn mein Kind nur Sonntags den Katechismus oder die biblische Geschichte in meiner Sprache vorliest, so bin ich glücklich. Das ist»nein ganzes Verniögen, alles. waS ich in der Welt an Freude habe. Lieft es aber dasselbe in einer mir schwer- verständlichen Sprache, die es selber nicht versteht(weinend), s o thut mir ni ei n Herz weh, so möchte i ch lieber tot ein, als das erleben, daß dies unser Herr Erzbischof gestatten soll.— Vors.: Ja, aber meiileu Sie, dah eS dem lieben Gott weniger angenehm sei. ivenn Sie in deutscher Sprache beten, anstatt in polnischer?— Zeugin: Der liebe Gott will, daß jeder in der Sprache betet, die er ihm gegeben. Tie Forsche des am Sonntag bereits gekennzeichneten K r e i L- s ch u l i n s p e k t o r s Witte wurde weiter beleuchtet. Es kam zur Sprache, daß der Krcisschulinspektor mit b l a n k e r W a f f e die Straße zu säubern ausforderte und zwar mit den Worten:„Wozu haben Sie denn die Plempel"— Der Zeuge Vikar L a s k o w s k i wird gefragt, ob er die Kinder be- einflußt habe, daß sie nicht deutsch in der ReligioiiSstiinde antworten ollen.— Vikar LaskowSki: Ich wußte sehr wohl, daß die Kinder eine bezügliche Frage an mich stellen würden und habe mir lange überlegt, was ich ihnen antworten solle. Ihnen zu befehle», den Religionsunterricht in deutscher(also fremder, nnverstnndlichcr) Sprache gern entgegenzunehmen, konnte ich auf keinen Fall. Das verträgt sich mit meiner Stellung als Priester nicht. Andernfalls konnte ich ihnen nicht das Gegenteil raten, denn das wäre Anflchnnng gegen die Schul- obrigkeit. l�ch sagte also:„Bittet doch Euren Herrn Lehrer, daß er Eucki in polnischer Sprache unterrichte." Ich wußte, daß die Kinder den Lehrern gesagt haben, ich hätte ihnen befohlen, nicht zu ant- Worten, doch nehme ich ihnen das nicht übel, sie thaten'S ja ans Angst vor strenger Strafe. Der Vikar erzählt auch, daß ie Kinder noch heute die Zeichen jener Züchtigung u f w e i s e n können. Es ist wohl mit tödlicher Sicherheit anzunehnien, daß die durch den Krawallprozeß bekannt gewordenen Thatsachen das National- gesilhl der Polen mächtiger entflammt haben als es je eine noch so leidenschaftliche Agitation vermocht hätte. Frau Piasecka wurde zu 2'/» Jahren Gefängnis, Franz Korzeniewski zu einem Jahre Juchthaus verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten zum Teil Haststrafen, größtenteils aber Gefängnisstrafen von 4 Wochen bis zu zwei Jahren. Soll die Gcwcrbr-Orduuug für Koufektiouöwerkstätteu nicht gelte»? Die Frage, ob und inwieweit die Bestimmungen der Gewcrbe-Ordmmg über den Fabrikbetrieb auf große K o n f e k t i o n s w e r k st ä t t e n Anwendung finden, wurde gestern wieder einmal in eingehendster Weise vor dem Schöffengericht er- örtert. Der Inhaber eines hiesigen großen und zu den ersten zählenden MaßgeschäfteS für Dnmenkostüme in der Mohren« straße war wegen GewerbevergehenS angeklagt, weil er die für Fabriken geltenden«veftinminngen hinsichtlich der Anmeldung der Arbeiter und jugendlichen Arbeiteriimeu, ferner der Arbeitszeit nnd der Aushängung der Erlasse in den Fabrikräilineu nicht befolgt habe. AIS Verteidiger trat Rechtsanwalt Hugo Sachs auf.— Der Angeklagte bestritt auf das entschiedenste, daß seine Anstalt eine Fabrik sei. Wenn auch die Arbeiterzahl in der Saison 60— 80, fast nur Arbeiterinnen, betrage. so betreibe er doch nur ein Maßgeschäft, welches kein einziges Stück auf Vorrat arbeite, sondern mir anfertige. was bestellt werde. Es bestehe eine Arbeitsteilung, er selbst als Chef führe die ganze technische Leitung nnd außerdem die kaufmännischen Besorgungen. Jugendliche Arbeiterinnen und Lehrmädchen beschäftige er nicht, sondern nur Arbeiterinnen über 16 Jahre, so daß jedes entscheidende Moment für das Vorhandensein einer Fabrik fehle. Diese Darstellung, durch die der Angeklagte im Grunde zugab, daß die S ch u tz b e st i m m n n g e n der G e w e r b e- O r d n u n g wenn irgendwo, s o a u f s e i n G e s ch ä f t anwendbar sind, bestätigte eine Angestellte der Firma. Die Gewcrbe-JnspeklionS- Aspirantin v. Bennigson, die die Revision in sehr kurzer Zeit vor- genonimen, vertrat dagegen den Standpunkt, daß eine Fabrik vor- liege. Rock, Taille und Garnituren würden von vestiminten Arbeiterinnen gefertigt, es liege also Arbeitsteilung und außerdem ein sehr großer Umsatz vor. Dieser Ansicht schloß sich der Gewerbe- Inspektor Schmidt an. Der Verteidiger vertrat natürlich den ent- gegengesetzten Standpunkt. Das Gericht stützte sich auf das Gutachten der Sachverständigen und nahm das Vorhandensein einer Fabrik an. Der Angeklagte wurde zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Verteidiger legte Berufung ei». Der Unternehmer handelte jedenfalls bester, wenn er die für die Konfektion besonders notwendigen Schranken respektiere, die durch die Gewerbe-Ordmmg einer allzu argen Ansnntznng der Arbeite- rinnen gesetzt sind._ Der Prozeß Kneißl in Augsburg. Vom Dienstag meldet der Telegraph: Heute begänne» die Plaidoyers. Der Staatsanwalt hielt eine zweistündige Anklagerede, in welcher er in scharfen Worten die Thatcn KneißlS verurteilte. Kneißl sei kein mutiger, romantischer Räuber, sondern ein feiger Meuchelmörder. Der Vertreter der Anklage- behörde ging alle einzelnen Verbrechen durch, verweilte besonders bei der Ermordung der Gendarmen in Irchenbrunn und wies auf das eingehendste nach, daß eS sich hierbei um vorbereiteten Mord handle.' Kneißl sei als Mörder, Rieger als Mithelfer beim Morde zn verurteilen. DaS Land, für welches Kneißl eine wahre Land- plage gewesen, müsse dauernd von ihm befreit werden. Nach dem Plaidoyer des Staatsanwalts ergriff der Verteidiger Rechtsanwalt v. P a» n>v i tz das Wort zu einer dreistündigen Ver» teidigungSrede, in welcher er das Hauptgewicht auf die Vorgänge bei der Gefangennahme Kneißls legte. Der Verteidiger plaidiert auf Totschlag bezw. Körperverletzung mit tödlichem Aus- gange beim Tode der Gendarmen in Jrchenbninii. Redner bestreitet, daß die Absicht zur Tötung der Gendarmen erwiesen sei. Ans dem Verhalten KneißlS nach seiner Gefangennahme gehe das Gegenteil hervor. Die Nachmittagssstznng tvurde ausgefüllt durch das Plaidoyer deS Verteidigers für Rieger, Rechtsanwalts Prechtl. Dieser bestritt jedes Einverständnis zwischen Rieger und Kneißl vor der Tötung der Gendarmen und verlangte die Freisprechung Niegers von der Anklage auf Beihilfe zum Mord bezw. Totschlag. Nach kurzer Replik deS Staatsanwalts und nach den Erwiderungen der beiden Ver- leidiger zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. DaS Urteil. Die Geschworenen erkannten Kneißl für schuldig dcö Mordes an Brand meier und der Körperverletzung ni i t tödlichem Ausgange an Rieger. Bei Li i e g e r wurden die Schuldsragcn verneint. Der Gerichtshof erkannte gemäß dem Antrage des Staats- anwalts bei Kneifsl nnf Todesstrafe, fünfzehn Jahre Zuchthaus und Aberkennung der Ehrenrechte auf Lebenszeit. Rieger wurde reigesprochen. Nachdem daS Urteil verkündet worden war, schrie die Mutter KneißlS laut: I u st i z n, ö r d e r I Als sie dann weiter großen Lärm machte, wurde sie verhaftet. Tetzke Mttchvichken und Depeschen« Zur Accordmanrcr-Frage in Haiubnrg. Hamburg, 19. November.(Privaldcpcsche des„Vorwärts'.) Die Accordmaurcr lehnten die Anffordcruiig, in den Verband ein- zutreten unter der Bedingung, den Tarif deS Verbandes anzu- erkennen unter Erlaubnis, einmal übernoinmenc Accordarbeiten zu beenden, ab._ Jena, 19. November.(Privatdepesche deS.Vorwärts'.) Bei den Gemcinderatsivahlen wurden von zwölf zu Wählenden erstmalig drei Oppositionelle gewählt. Drei socialdemokratische Kandidaten vereinigten eine bedeutende Stimmenzahl auf sich. Tainpfer-Zusammcnstost. Stvinemündc, 19. November.(W. T. B.) Heute stieß im Papenwasser vor dem Haff der Kieler Dampfer.Emma' mit dem englischen Dampfer.Zero" znsamme». Die„Emma", mit einer Ladung im Werte von einer Million Mark an Bord, ist bis zum Schornstein gesunken:.Zero" ist nach Stettin zurückgekehrt. Tcpiitiertciikaniliier. PariS, 19. November.(W. T. B.) Der social! st lsche Deputierte Sem bat bringt den Antrag ein, in dem die Regierung aufgefordert wird, der B u d g e t k o m m i s s i o n den Bericht des Generals Boyron vom Februar dieses Jahres vorzulegen, in ivelchem von den Plündernngen die Rede ist, die die Missionare begangen hätten. Der Ministerpräsident Waldcck-Rousseau nimmt sodann das Wort. Er erinnert zunächst daran, daß China sich verpflichtet hat, den Mächten eine Summe zu zahlen, welche diese unler sich und ihre LaudeSangehörigen verteile» sollen. Er könne die Ansicht derjenigen, die da bchanptetcn. daß die Missionen kein Recht auf Entschädigung hätten, nicht teilen; er könue auch nicht znlastc», daß die französischen Hospitäler in Trümmern liegen bleiben sollten, während diejenigen Englands und Amerikas iviedcranfgebnnt würden. Frankreich habe die Pflicht. seine La»deSangehöri�>i zu schützen. WaS den Antrag Sembat be- treffe, so erkläre er.'daß die Regierung bereit sei, dem BudgetanSschuß den Teil des Berichts VoyronS vorzulegen, in welchem die Rede sei von den B e u t e st ü ck e», die zurückzuerstatten die Regierung sofort beschlossen hatte; den Teil des Berichtes hingegen, der sich auf die übrigen Mächte beziehe, die mit Frankreich in Thi'na vertrete» gewesen seien, werde sie nicht mitteilen. Kein Polisiker, dem die Sorge >un die Jnteresseii und die Zukunft Frankreichs am Herzen liege, werde daran denken, die Missionen zu beseitigen. Redner schildert sodann die Bedeutung der französischen Niederlassungen in China»md schließt mit den Worten:„Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen, die Aufgabe nnsrcr Wiederanfrichtung. Dieser Gedanke genügt, um die Bande immer enger zu gestalten, welche alle Franzosen verknüpfen I' (Andauernder Beifall.) Die Sitznng wird darauf geschloffen. Wien, 19. November.(V. H.) J» parlanwntarischcn Kreisen cirkuliert das Gerücht, daß Ministerpräsident v. Korber den Stati- haltercien und Landespräsidieu der Kronländer die Weisung erteilt habe, alles für die Neuwahlen zum Abgeordnetenhanje vorziiberciten. Die Neuwahlen sollen zwischen dem 9. und 23. Januar nächsten Jahres durchgeführt und das neue Parlament für den 30. Januar einberufen werden. Peking, 19. November.(Meldung des Reiiterschen Bureaus.) 50 chinesische Soldaten überraschten letzte Nacht eine Bande von 150 Räubern 10 Meilen von Pektng, tötete» 12 und nahmen 16 von ihnen gefangen. Letztere wurden zur Hinrichtung nach Peking geschafft. In dem Gefechte fielen drei Soldaten. Berannvorilicher Redocteur: Carl Leid in Berlin. Für de» Snierateuteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck uiid Birlag von Max Babing in Berlin. Hierzu« Beilagen u. ltnterhaltiinaSblatt» ilr. 272, 18. IchlMg. 1. KtilM»es Jotmiitls" Iftlin« KMMM»««"».-« Maßvegelittig ftndtischer Arbeiter. Dcn Arbeiter»(Schreibern, Nohrlc�er», Controlcnren, Helfern zc) ter Rebicr-Jnspektionen der Berliner städtischen GctSwerke Ivnrde vor ivenige» Wochen' eine neue Arbeits�Ordnmilt unterbreitet. Da in diesen, städtischen Betrieb seit kurzein ein ÄrbeiterauZschnh besteht, so müßte die neue Arbeits-Ordnuin� diesem zur Beqiitnchtnlig vor- pclejU. �»verde». Die Arbeits-Ordnung entsprach nun in einigen Pünltei, nicht den Wünschen der Arbeiter. So wurde unter anderm gerade das Gegenteil von dem angeordnet, tvas der bekannte § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs besagt und daher b� anlragte der Arbeitcr-Ausschnb einige Abänderungen. In der Sitzung des Arbeitcrausschnsses erklärte sich anch der Ober� iuspektor der Nevier-Jnspektionen mit den geäußerten Wünschen der Arbeitervertretcr durchgängig ein v e r st a n d e n und versprach in diesem Sinne bei der Direktion z» wirken. Nicht geringes Erstannen rief es daher bei den interessierten Personen hervor, als vor ungefähr 1t Tagen diesen von feiten der Direktion der Gasiverke die u n v c r ä Ii d e r t e Arbeitsordnung mit der Bekanntgabe unterbreitet Ivnrde, daß sie am 2 5. N o v e ni b e in Kraft trete und unterschrieben werden müsse. Man hatte also nicht nur die Wünsche des Arbciter-NnsschnsseS unberücksichtigt gelassen, sondern gab auch dieser osfizicll anerkannten Arbeiervertretung nicht einmal eine A n t>v o r t. Dieses Verhalten der Direktion der Gasiverke rief natürlich unter den Arbeitern der Nevier-Jnspektionen eine große Erregung hervor. Mau war zwar immer in den Kreisen der organisierten städtischen Arbeiter der Ansicht, daß es den städtischen Behörden mit den Arbcitcr-Ausschüssen in Wirklichkeit gar nicht ernst sei, sondern daß sie nur ein Dckpratiousmittel für „Arbeitcrfrenndlichkeit" sein solle», aber daß diese Körperschaft in der Weise niißachtet würde, ihr nicht einmal eine Antwort erteilt würde, glaubte wohl nicht einer unter de» städtischen Arbeitern. Mau arrangierte nun zum 11. d. M. eine Versammlung, die auch sehr gut besucht war. Diese Bersammlnng beanftragte den Arbeiter- Ausschuß, mit der vorgesetzten Behörde von neuem wegen der Arbeitsordnung zu verhandeln. Am 15. d. M. ließ dann der Inspektor Jacobs vom achten Revier einige Arbeiter zu sich kommen nnd fragte sie, ob sie die neue Arbeitsordnung unterzeichnen ivollen. Angesichts der neuen beantragten Verhandliingen des Arbeiter- Ausschusses und des Umstandes, daß die Arbeitsordnung erst am 25. d.M. in Kraft treten soll, baten die Arbeiter noch um einige Tage Bedenk- zeit, ivomit die Unterredung beendet>var. Als die Arbeiter des genannten Reviers dann am 16. ihren Lohn in Empfang nahmen wurde ihnen sämtlich— 20 Mann— ihre sofortige Entlassung bekannt gegeben, da sie sich geweigert hätten, die neue Arbeits- Ordnung zu unterzeichnen. Unter den Entlassenen befinden sich Leute, die bis zu 40 Hieilstjahrc» bereits bei der fragliche» Be- Hörde beschäftigt ivaren. Bon einer Verweigerung der geforderten Unterschrift kann gar nicht die Rede sein. Hätte man den Arbeiter» erklärt, daß sie entlassen würden, falls sie nicht sofort die Unterschrift leisten, so hätte man angesichts der geringfügigen Differenzen ohne weiteres die Unkerschrift hergegeben. Es ist geradezu skandalös, daß wegen solch' untergeordneter Differenzen die städtische Behörde Leute entläßt, die f a st ihr g a n z e s L e b e» i in st ä d t i s ch e n Betriebe arbeiteten und zum Teil bereits Anspruch auf die höchste zulässige Pension haben. Ohne Kündigung wurden die Lfe ii t e a u f s P f l a. st e r g e>v o r f e n. Es mnß angenommen iverdcn, daß die staltgefnndenen Entlassnngcn eine Provozicrnng der organisierten städtischen Arbeiter bedeuten sollen. Die Entlassungen soll man ans ausdrückliche Anordnung von „Oben" vorgcnonnnen haben. Die Organisation der städtischen Arbeiter scheint den slädiischen Behörden höchst»nangenchm geworden zu sein nnd so.versucht man durch diese Maßnahmen die Arbeiter zur Arbeitscinstcllinig zu provoziere». Man möchte ivahrschcinlich so gern die„nnziifriedcncn Elemente" los»verde», damit ans Jahre Kirclihofsrnhe in die städtischen Betriebe einzieht; docl» die Organisation»vird dafür Sorge tragen, daß dieser Wunsch nicht in Erfiiflimg geht. Oder sollte auch vielleicht die Thatsache, daß die organisierten städtischen Arbeiter kürzlich beschlossen, bei den Sladtvcrordnetcn-Wahlen nur für die socialdemokratischen Kandidaten zu stnnincn, die städtische Berivaltnng so nervös gemacht haben, daß man sich jetzt an den Arbeitern rächen»vill? Fliest Hntzfcldt und Lassnllcs Nnchlnß. Gelegenllich der Pensionieiung des deutschen Botschafters in London, Fürsten Hatzfeldt, erivähnten»vir kurz seine Jugeudbeziehungen zu Ferdinand Lassalle und seine Berantivortlichkeit für die Geheim haltnng des Nachlasses unsres Vorkämpfers. In der„Renen Zeit" veröffentlicht Franz Mehring intcressaiite Einzelheiten über die Jugendzeit Hatzseldls. Geboren am 8. Oktober 1831, ist Graf Melchior Paul Hilbert Gustav Hatzfeldt das dritte nnd jüngste Kind ans der Ehe, die Graf Edmund von Hatzfcldt'Kinslvciler ani ö. Angnsd 1822 ans dem Schlosse Alliier mit der Gräfin Sophie Hatzfeldt, eine Tochter des Fürsten Hatzfeldt, geschlossen hatte. Diese Heirat»var einer jener Kauf- iontrakte, die der bürgerlichen Ehe nach der Meinung ihrer Bewunderer eine so besondere„Heiligkeit" verleihen. Die Braut volleiidele am Trannngstage gerade ihr sechzehntes Lebensjahr: in so zarter Jugend, noch kindisch, geistig nnd. wie spätere ärztliche Zcugniffc fcststcssten, anch körperlich unreif, Ivnrde sie dem Grafen Hatzfeldt überantivortet, der landaus landab am Rhein als sardauapalischer Wüstling berüchligt war. Majorats- streitigkciten zlvischcn der fürstlichen nnd der gräflichen Linie des Hauses Hatzfeldt, die sich auf den Revcnncngenuß und die Adini- nistration der Herrschaften Trachcnbcrg nnd Schöilstciu-Wildenburg bezogen, hatten es als ein eriviinschtes Anskunflsmittel erscheinen lassen, daß der damalige«latus quo fortbestehen solle, der Graf Edmund Hatzfeldt aber eine Tochter des Fürsten Hatzfeldt zu ehelichen und mit ihr in Gütergemeinschaft zu treten habe. Der Graf wählte die sechzehnjährige Sophie, obgleich ihre beiden älteren Schtvestem noch unverheiratet ivaren. WaS ihn zu dieser Wahl beivog, ivär ein öffentliches GcheiinniS. Seine Hauptmaitreffe, eine Gräfin Nessclrode-EhrcShovcn, hatte vcr- langt, daß er sich für die kindische, unentivickelto und allgemein für beschränkt geltende Sophie entscheiden sollte, um neben einer Gattin, die ein Kind»var. desto imgeslöcter ihr Verhältnis mit dein Grafen fortsetze» zu können. Sogar die Eltern der Braut wußten, woran sie waren, doch bei den Moralbegriffe», die in den Kreisen„der Edelsten und Besten" herrschen, begnügten sie sich, in de» Ehepakten festznsctzen, daß der Graf seiner Gattin mit der reinsten, zärtlichsten Liebe nnd Treue lebenslänglich beiwohnen solle, und ihm das feier- liwe Ehrenwort abzunehmen, daß er seine Hauptmaitreffe mit der Ehe verabschieden werde. Natürlich dachte der Sünder nicht daran, seine Versprechungen zu halten. Vielmehr machte er seiner jungen Geinahlin vom ersten Tage der Ehe an das Leben zu einer Hölle, deren ausgesuchte Foltern jeder Beschreibung ipottetcn. Sie ertrug es lange, bis die rasfiiifeltcsten Kränkungen ihrer Mutterliebe endlich cttvas von der Löwin in ihr erweckten, die um ihre Jungen kämpft. Es gelang dem Grafen, den ältesten Sohn als den Majoratserben ganz von ibr abznspcrren, nnd die Tochter, das ziveitgeborene Kind, in ein Wieiier Kloster zu vergraben. Um so furchtbarer entbrannte der Kampf um das letzte Kind, den Sohn Panl, der mit zärtlicher Liebe an der Mutter hing. Vergebens suchte ihn der Vater erst in einem Freiburger Jesuitenklostcr, dann in der Potsdamer Kadettenanstalt zu einer willenlosen Puppe z»t dressieren; vergebens wandte er jedes Bemerkt sei noch, daß die Polizei bereits an» Vormittage des vergangenen Sonnabends von den städtischen Behörden ersucht wurde, Polizeibeanite nach dem fraglichen Revier zu beordern. Die Organisation der Arbeiter will versuchen, auf gütlichem Wege zur Wiedereinstellung der Entlassenen zu kommen und hat dazu die geeigneten Schritte unternommen. Sociales. Zählung der Arbeitslosen beschlossen die Gewerkschaftskartelle in Düsseldorf, Duisburg und Essen. Die Gctverbe-Jnspektio» in Schwede«. Der Bericht über die Thätigkcit der Geiverbe-Jnspektion im Jahre 1000 ist im Druck erschienen. Es wird darin it. a. niitgeteilt, daß seit dem Jahre 1890, wo das Gesetz zum Schutze gegen die gelverblichcn Gefahren in Kraft trat, 7735 Betriebe mit insgesamt 236 082 Arbeitern, ein Teil davon zwei oder mehrere Male, inspiciert worden sind. Im Jahre 1900 allein wurden 1472 Betriebe niit zusammen 52 835 Arbeitern inspiciert. Unglückssälle kamen im Jahre 1900 2088, wovon 84 den Tod zur Folge hatten, zur Kenntnis des Geiverbe-Jnspektorats.— Akts der Fvnnrnbeweguttg. Eine öffentliche Versammlung findet Donnerstag, 21. No- vcmber S'/i Uhr in Schöuebcrg, Klubhans, Hauptstr. 5—6, statt, in welcher Frau Ihrer über„Wesen nnd Gefahren der Heim- i n d u st r i e sprechen wird. Bei dein außerordentlichen Interesse, »velchcs diese(Frage für alle Proletarierinnen besitzt, erwarten »vir eine zahlreiche Beteiligung der arbeitenden Frauen, seien es Heimarbeiterinnen oder Fabrikarbeiterinnen. Sie alle haben das gleiche Interesse, ihre traurige Lage zu bcffern, ivclche infolge der herrschenden Krise noch gefährdeter erscheint als je zuvor. Deshalb richten wir an alle Genossinnen als alle Arbeiterinnen den Ruf: Besucht die Versammlung, tvelche Euch Anfklärnng geben und Euch zur Selbsthilfe den Weg zeigen will. _ Die Vcrtrauenspcrson. Tic gefährdete Sittlichkeit der Telegraphie. Die Ober- Postdirektion Dresden hat folgende Verfügung erlassen: „ES ist zur Sprache gekommen, daß einzelne Telegraphen gchilfinncn sich nach dem Dienste von männlichen Personen uu- mittelbar vor dem Amtsgcbände abholen lassen. Es kann dies im Interesse des guten RnfeS der Beamtinnen und des Ansehens der Verkehrsanstalten nicht gebilligt werden. Das kaiserliche Post amt wolle die dort beschäftigten Telcgraphcngehilfinncn in geeijp neter Weise hierüber verständigen." Der Postdirektor des Postamts I in Riesa setzte noch einen Trumpf drauf und verfügte: „Anch die Bcgkeilung der Telegraphengehilfinnen durch männliche Beamte von und nach dem Amte, ivie solche hier wiederholt wahrzunehnien gewesen ist, niuß als«nangemesscii bc zeichnet werden." Die postamtliche Sittlichkeit Sachsens geht nicht soweit, den Telegraphengehilfinnen überhaupt jeden Verkehr mit„männlichen Personen" zu verbieten; oder sollte sie aunchmen. daß die jungen Damen, lediglich»m den guten Ruf der Telegraphie in Mißkredit zu bringen, nur auf dem Dicusllvege und sonst nirgends mit Männern zusammenkommen? Es ist deshalb der Sinn der Verfügung nicht recht zu fassen. Ans dem Dienstivcge liegt doch am allcrivenigsten Gefahr vor. daß die Damen an ihrer Sittlichkeit Schaden leiden. Wenn daher die Poslsittenirächter konsequent sein wollten, dann müßten sie den Be amtinnen überhaupt jeden Verkehr mit Männern amtlichen oder uu- amtlichen Charakters verbieten und jede der Damen ständig durch einen Schutzman», oder sicherer durch ein Schutzivcib, übcnvacheu lassen. Wie stellt sich übrigens die Ober-Postdircktion Dresden dazu. wenn männliche Beamte von ivciblicheu Personen abgeholt werden? Die Sache ist hier sogar noch schlimmer, wie bei den weiblichen Beamten. Die männlichen Postbcanitcn tragen bekanntlich auch außer Dienst hänsig Uniform. Sie kompromittieren das Ansehen der kaiser Mittel der List und der Gewalt an, den Sohn von der Mutter zu trennen. Aus diesem vieljährigen Kampfe mögen hier nur zwei Episoden erwähnt werden, die zugleich für voriuarzliche Znslände höchst be- zeichnend sind. Indem der Graf Hatzfeldt die viehische Verleumdung verbreitete, seine Frau sei eine Mcssaline, die den siebenjährigen Knaben zu unnatürlichen Ansschivcifnngon verleite, ließ er das Kind in Badcn-Bnden, wo sich Panl mit seiner Mutter aufhielt, durch einige Banditen von der Promenade rauben. Sobald die Gräfin durch das Ausbleiben des Kindes und seiner bestochenen Wärterin Verdacht schöpfte, suchte und fand sie schnell entschlossen die Spur der Enlführcr, sandte Estafeticu voraus, um die Poststationen zu be- nachrichtigen, jagte selbst mit den schnellsten Gäulen hinterher, die 'ie auftreiben konnte, holte die Verbrecher in Hattersheim ein und rief die schnell zusammenströmende Bevölkerung an, vor deren drohender Haltnng die Banditen das Kind lvicdcr herausgaben. Gefährlicher»var ein ztvciter Ucberfall. Die Gräfin tvar mit dem Kinde zu ihrem Bruder, de»» Fürstcu Hatzfeldt in Breslau gc- lüchtct. Der Graf aber hatte eine Kabincttsorder des Königs Friedrich Wilhelm IV. erlvirkt, tvonach ihm das Kind ausgeliefert tverden sollte; eine so gottesfürchtige Majestät, ivie dieser Monarch, nahm natürlich die Partei deS fardanapalischen Wüstlings und nicht die Partei der schändlich verschacherten Frau. Aber der König hatte nicht hinlänglich ertvogen, daß er dein einen Feudalherrn nicht Sbirreudienste leisten konnte, ohne von einem andren Feudalherrn einen gehörigen Denkzettel zu bekommen. Kanin war die Kabinetts- order ausgeführt, als der König folgenden erfrischenden Schrcibebrief vom Fürsten Hatzfeldt erhielt:„Ohne mein Wissen und gegen meinen Willen sind in früher Morgenstiuide Militär- nnd Polizei- beamte in mein friedliches Hans gedrungen und haben unter An- drohnng von Gelvalt sich des Sohnes meiner Schtvester bemächtigt, die an dem Herde ihres Bruders ein Asyl gefiindcn batte. Dieses Ereignis erhielt gleich im Augenblick der Ausführung die allergrößte Publizität und groß ist das Aufsehen, das dasselbe in der Provinz macht! Ich habe die Ehre, an der Spitze der schlesischcn Ritterschaft zu stehen, die mich zwar n>it großem Vertrauen beglückt, aber auch verlangt, daß der Ruf ihres Vorstandes fleckenlos sei. Der Meinige, ich muß es tief verletzt aussprechen, ist durch dieses Ereignis ans das äußerste gefährdet... die Existenz meiner Schlvester ist jetzt vcr- nichtet, der älteste Sohn ivird entfernt von ihr erzogen, die Tochter t seit einer Reibe von Jahren in, Kloster völlig verlassen nnd vcr- loren, und jetzt ist auf Em. Majestät Befehl auch das letzte Kirch von ihr genommen, an dem sie mit ivahrcr Liebe hing. Dieser Unglück- lichen Frau bleibt nun keine Wahl; der Trennung ihrer Ehe bisher aus allen Kräften widerstrebend, ist sie jetzt genötigt, den einzigen, ihr offenen Rechtsweg zu gehen, auf Trennnug der Ehe zu klagen nnd in der O e f f e n t l i ch k e i t, tvelche die Verhandlungen des ranzösiichen Gesetzes gewähren, zugleich ihre Rechtfertigung zu suchen." Vor einem so energischen Rüffel, de» ihm die„Spitze der schlesischen Ritterschaft" erteilte, mußte der König von GottcS Gnaden klein beigeben, und die Gräfin erhielt ihren Sohn zurück. Gleichtvohl wäre sie auf die Dauer unterlegen, tväre sie den Tod der Infamie gestorben unter der unerschöpflichen Flut von Vcr- leumdungen. die von den litterarischen Lakaien ihres Mannes gegen ie verbreitet wurden und in der lakaienhaften Presse des Vormärz- lichen Dentschlands ein bereitivilliges Echo fanden. Was sie allein lichen Postnniform offenbar bei den verschiedensten Gelegenheiten� durch den Verkehr mit ivciblichcn Personen. Wir erwarten bestimmt eine entsprechende Verfügung. Vevsmmnlungen. i Schutz gegen Milzbrandgefahr., Am Sonntag tagte im Gelverkschaftshanse eine öffentliche Ver- saminlung der Bürsten- und Pinselmacher, um die Forderungen geltend zu machen, tvelche die Arbeiter dieses Berufes bezüglich der Ausdehnung der Vvrschrifien über die Desinfektion des Haar- nnd Borstenmaterials stellen. Reichstags-Abgeordneter Wurm, der das Referat übernommen hatte, besprach zunächst die Arbeiterschutz-Vor- schriften und deren mangelhafte Durchführung im allgemeinen und ging dann auf die zum' Schutz gegen Milzbrand bestehenden Vor- schriften über. In eingehender Weise legte der Redner dar, daß diese Vorschriften durchaus ungenügend seien und keinen genügenden Schutz gegen Milzbrandvergiftnng der Arbeiter bieten. Einesteils verfehle die Verordnung schon deshalb ihren Zivcck, weil sie die Desinfektion nur süx das ausländische Material vorschreibt, während doch amtlich fests stehe, daß auch unter den inländischen Tieren Milzbrand-Erkrankungen vorkominen, und zivar zweifellos zahlreicher. als ans der amtlichen Statistik ersichtlich ist. Ebenso sei nachgelvicsen, daß auch Ziegen an Milzbrand erkranken, und deshalb müßten auch die Ziegenhaare. ivas nach der gegenivärtigcn Verordnung nicht vorgeschriebe'» ist, der Desinfektion untertvorfen tverden. Ein weiterer Maugel der bc- stehenden Vorschriften sei der, daß drei Arte» der Desinfektion zugelassen sind, von denen nur die durch strömenden Wasserdampf— vorausgesetzt, daß sie sachgeniäß und gelvissenhaft ausgeführt ivird— geeignet sei. die Keime der gefährlichen Krankheit sicher z» töten'. Es müßte deshalb nur diese Methode zugelassen werden. In seinen weiteren Anssührniigen verwies der Redner darauf, daß die vorgeschriebene Desinfektion oft sehr mangelhaft ausgeführt»verde. Im Anschluß hieran führte Genosse Wurm aus, daß die Arbeiter, wenn sie von Berufskrankheiten befallen werben, nicht nur ans die Kranlenkasse augeivicscn sind, sondern daß sie vom Unternehmer vollen Schadensersatz auf Grund des Bürger- lichen Gesetzbuches beanspruchen können, lveuil»achgelviesen wird, daß in dem Betriebe, Ivo der Arbeiter beschäftigt war, die betreffenden Schntzvorschrifien nicht durchgeführt»vorden sind. Die Gelverkschaften sollten cS sich angelegen fein lassen, in derartigen Fällen die Erhebung deS Anspruchs auf Schadensersatz zu ver- anlassen.— Dem Vortrage folgte eine rege Diskussion, iit der ver- schiedene Redner persönliche Erfahrungen, die sich auf die vorliegende � Angelegenheit beziehen, mitteilten. Einige Gerber meinten, daß' auch in ihrem Beruf die Gefahr der Milzbrandvergiftuirg vorliege. In Berlin müsse der Erkrankte erst zum Kassenarzt gehen, und wenn dieser Milzbrand festgestellt habe, dann werde der Patient dem Krankenhanse übertviesen, Ivo er auch nicht immer sogleich in ärzt- liche Behandlung genommen»verde. Jnztvischen sei so viel Zeit ver- striche«, daß die Krankheit, tveil zu»vcit fortgeschritten, nicht mehr geheilt werden könne. Hierzu bemerkte Genosse Wurm, er rate den Gewerkschaften, deren Mitglieder der Milzbrandaiisteckmig ans- gesetzt sind, bei den betreffenden Krankenkassen, vielleicht durch die C e n t r a l k o m m i s s i o n der letzeren dahin zu wirken, daß j e d e r A r b e i t e r eines d n r ch M i l z b r a n d- U e b e r- t r a g u» g gefährdeten Berufs, wenn er mit einer H a u t- k r a n k h e i t zum Arzt komme, ohne weiteres als milz- b r a n d v e r d a ch t i g anzusehen, und einer schleunige» B c h a n d l u n g z» unterziehen sei.— Die in der Versammlung anwesciidcn Gerber erklärten, daß anch sie sich dem Vorgehen der Bürsten- und Pinselmachcr anschließen»vürden. Die Versammlung stimmte einer Resolution z». die bereits von de» Nürnberger Bürsten- nnd Pinselmachern angenommen ist. Die Resolution ist im Sinne des Referats gehalten und soll zur Kenntnis der zustäiidigen Be- Hörden gebracht werden. Verband deutscher Barbiere, Friseure ie.(Zweigvercin Berlin). Donnerstag, den 21. d. Mts., abends 10 Uhr, bei Bauer, Rosenthaler- straf! e 57: Versammlung. Vortrag über:„Genossenschaftswesen im Barbier- gewerb«". Ecntralverliand der Konditoren und verw. Bcrufsgenossen. Heute, Mittwoch, den 20. November, abends B/z Uhr, bei Bauer, Rosenthaler- strafe 57: Mitgliederversammlung. Ecntral-Tischlrr-Kassc. Die Mitglieder der Ortsverivaltmigen von Berlin uns Umgegend versammeln sich am Freitagabend 8'/, Uhr im Ge- wcrkschaftshause(Saal 5). retten konnte, hatte ihr Bruder richtig erkannt, aber wenn der„offene Rechtsweg" diesem Feudalherrn gut genug war, um damit seinen an- gcstainmt'cn König einzuschüchtern, so war er ihm längst nicht gut genug, um darauf seine unglückliche Schwester zu retten. Lieber mochte sie langsam hingcmordet werden, ehe die Brandmarknng des MörderSideil feudalen Glanz deS Hauses Hatzfeldt befleckte! Wie die. Gräfin nnd ihr Sohn dennoch gerettet wurden, das ist bekannt genug. Der junge Lassallc wurde der Mutter zum trenesten Freunde und dem Sohne zum sorgsamsten Erzieher; er beschritt den„offeucn Rechtsweg", nnd in einem achtjährige», aufreibenden Kampfe rettete er der Mutter nnd dem Sohne das große Allodialverniögen des Hauses, da? ihr natürlicher Beschützer eben seinen Dirnen zu ver- schreiben beflissen war. Es sind Zeugnisse genug dafür vorhanden, daß Graf Paul Hotz- fcldt von schöner Dankbarkcii gegen seinen nnd seiner Mutter Retter erfüllt war. Man braucht nur die„Nene Nheiniscke Zeitung" ans- zuschlagen, um zu erkennen, wie frisch und munter der achtzehn- jährige Jüngling in den Jahren 1348 und 1849 an Lassalles Seite den revolutionären Emaneipationskampf der rheinischen Arbeiter mitgemacht hat. Wenn er später andre Wege gegangen ist, so vcr- dieiit er deshalb so wenig einen Vorivnrf, wie er dadurch der Sache geschadet hat. Junker bleibe» doch � immer Junker, und selbst die frischeren Zweige solcher vermorschten Stämme pflegen keinen Same» zu zeitigen, der in revolutionärem Erdreich gedeiht. Die Gräfin Hatzfeldt war sicherlich eine ungewöhnlich gescheidte Frau und jede Faser ihres Herzens war von dankbarer Gesinnung gegen Laffalle getränkt, aber doch hat sie nur llnhcil gestiftet, als sie nach Lassnlles Tod sich in die Arbeiterbewegung mischte. Sie ist dadurch selbst, wider ihren Willen, undankbar gegen ihren Netter geworden, indem sie die ihr testamentarisch vermachten Briefschaften nnd Papiere Lassalles nur denen zur Einsicht anvertrauen wollte, die sich der nimiöglichcn Bedingung unterwarfen, von voricherein auf jede konfuse VorsteNuiig der Gräfin zu schwören. Die Gräfin Hatzfeldt ist nun seit 20 Jahren tot, und was aüS Lassallcs Briefschaften und Papieren geworden ist, weiß»ieinnnd als ihr Erbe, der Graf Paul Hatzfeldt. Ans.die Anfragen, die deshalb an ihn gerichtet worden sind, hat er bisher geschwiegen. Vielleicht war dies Schweigen durch seine amtliche Siellnng veranlaßt, ob- gleich nicht abzusehen ist. welches agitatorische Interesse die social- dcmokraiische Partei an den Briefschaften Lnssalles haben kann. Sie hat nur das Interesse daran, daß ihrem großen Vorkämpfer sein historisches Recht wird. Persönliches Interesse an der Sache kann allein der Graf Panl Hatzfeldt selbst haben: in dem Kampfe für ihn nnd seine Mutter hat Lassalle manches gethan, was ihm heute noch, nnd nicht bloß von Philistern verdacht wird; es wäre ein Akt 'chnödesten Undankes, wenn Graf Paul Hatzfeldt dem historischen Urteil der Mit- und Nachwelt irgend ein Lieht vorenthalten wollte, das Lassallcs Bild heller zu beleuchten geeignet wäre. Mit seinem Anstritt ans dem Staatsdienst fällt jeder, gleichviel ob scheinbare oder wirkliche Grund fort, der sein bisheriges Schweigen über Lassalles Briefschaften und Papiere ctiva noch erklären köuiite. Er ist jetzt ein freier Mann, und so steht zu hoffen, daß er sied der einfachen menschlichen Pflicht entsinnen wird, die er gegen Lassalles Andenken hat. das will sagen, gegen das Andenken eines Mannes, der seine hilflose Jugend beschirmt und seine leibliche Mutter bor dem Tode der Infamie gerettet hat. ftiii; bcu Jiibalt der Inserate überiiiiiiuit die Nedatii»» dem Publikum gegeuuber keinerlei _ PerauiwortuuH. Tlivtttrv. Mittwoch, 20, November. Westen. Messe(C-dur) von Ludwig van Beethoven. Kantate von Joh SeS. Bach. Central. Geistliches Konzert. An sang 7 Uhr. Thalia. Oratorium Elia». Anfang 8 Uhr. Passage-Panoptiknm. Die 24 Togo Mädchen. llrauia. Taubenfir.(Iv Theatersaal.) AbendS 8 Uhr Ueber den Wolken, Juvalideuslrasse a7/NL.„Werden und Bergehen im Welienrmim. Anfang 8 Uhr, Alle übrigen Theater: Geschlossen, Donnerstag, 2l. November, Opernhaus. Die Zauberflöte Ansang 7»/, Uhr, EchausvielhauS. Die Welt, in der man sich langweilt. Ansang 7'/, Ubr, RrueS Opern> Theater(Kroll) Luther. Anfang 7»/, Uhr Schiller. Die Braut von Messina oder: Die seindlichen Brüder Ansang 8 Uhr. Deutsches. Maria Magdalena. An- fang 7'/, Uhr. Verl iiier. Die rote Robe. An fang 7'/, Uhr, Lesslng. Tie Fee Saprice. Anfang ?'/, Uhr, Nesidenz. Sein Doppelgänger. Im Coupö. Ansang 7y, Uhr. NeueS. Coralie u. Co. Anfang TV, Uhr, Westen. Figaros Hochzeit, Anfang ?>/, Ubr, Seeefiioueluifjne. Detlev Lilien crons BnnleS Breill. Anfang « Uhr, Ceulral. Gastspiel von Laie Füller »nd Sada Uacev mit ihrer Ge� sellschast aus Tokio, Die Geisha und der Ritter. Kvsa. Ansang 7 Vi Uhr. Thalia. Gin tolle» weschflst. An sang 7«;, Uhr. Luisen. Schiedsmann Hempel. An fang 8 uhr, Carl Weist. Der Märchenbninnen Ansang 8 Uhr, Friedrich Wilhelmstädttsche». Offenbach-Chklus, Perlchvle, die Slrahensängerin. Aus. 71/, Uh Velle-Zllliauee. Die beiden Reichen initiier, Anfang 8 Uhr. Casiuo- Theater. Berlin W— Berlin K. Speeialiläteu. An fang 8 Uhr. Metropol. Speeialllalenvorstelliing Schön war's doch. Ansang 8 Uhr Klpollo. Speelalltäien° Vorstellung König Aoua. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Speeiailtäten- Borsteliung. Ansang nnchniiltagS 8 Uhr, Passage< Panoplikuin. Speciali läten-Borstelluiig, ReichShallen. Siettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialilälen-BorsteNiing, Grobstadtzauber, Anfang 8 Uhr, LchiMjeliter (Walluer-Theater). Mittwoch(vublag) bietbt da» Theater und die Kasse geschlossen. Donnerstagabend 8 Uhr: Vkv Itrant vor» Nlometni» oder: VI« keknchtl«!l»«i> Brllder, Freitagabend 8 Uhr: JLynandera HlUdchen. Hierauf: Die Komödie der Irnmge». BV Heute Anfang 7 Uhr.'MG Gewöhnliche Preise. 0etstHc!iv!3 Konzert. «»»geführt von de» ersten Gesang»« lräften und den: verstärtten Orchester des c«nie»i-7i>«st«e» unter Leitung des Kapellmeisters Kurt Goldmann. Donnerstag und folgende Tage Gaalaplsi Lote Fuliermid Sada Yacco Ifrania. Tauben-Strasee 48'49. Im Theater um 8 ühr: lieber den Wolken Invalldcnatr. 57/0%. Um 8 Uhr: „Verden und Vergehen Weltenranrae", im Passage-Panoptikum. Heute den ganxen Tag gcüfl'nct. DI« Togo-Neger- und Shlngaleeen- Karawane, 43 Person., darunter 24 junge ihubsche Togo- Die Schlacht bei Wörth etc. Morgen: Anfang 5 Uhr, Sonntags 2 Uhr. Ende 11 Uhr. Lotte Sebus der neue Stern der VarlStsdllline. Auftreten 10 Uhr. „Mascagni" Italienisches Opern- Trio. Auftreten 9 Uhr 80 Min. Die 24 Togomädcben mit ihren Kriegstilnzen und Gesängen tun 10 Uhr 30 Min. lO cmlkl. Xninmorn! 8 Liliputaner��. Die einzig in< Welt dastehen.� Nur noch kurze Zeitig Neu!! LordKItchener! De Wet, Botha.| Die wunderbare 1 Illusion;„AUer-l seelen''mitMusik-u.[ Gesang-Begleitung. # MM Wlotropfll-IliBotfir. ßV Heute; Geschlossen.-TKbsg Donnerstag, den 21. Kotrembex; SchSn war's docl). Gr. Berliner Ausstattnngsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Am Totensonntag, 24. d. M.: Einmaliges Gastspiel des Königl. N. Rolhmülil mit dem Ensemble des Opern- Theaters des Westens: l>le JüdiBi. Palast-Theater (früher Fcni-Palgst) Bnrgstr. 22, Direktion: Winkler n, Fröbel. Donnerstag. 21. Noobr. 1901: (tf rostertf-ctolg d. fciiiaaonelleii Kunst-Specialiläten. Um 9 Uhr. Novität. Um 9 Uhr, Die aliabendlich mit stürmischem, Beifall aufgenommene große AuSstattnngSburleSke Grossstadtzauberl v.WGerilke. Mustl V.Sommerfeld Hugo Luftig— Dir, Rich, Winfler, l Ansang 8 Uhr. Enlree 50 Ps, Numeriert 1 M, Sonntag, den 24, November: Einmalige Anssührung: A«, Vt�rMVhiinnjpittiige. I BolkSsttlck m, Gesängen b Biideni, I Tdatta-Tdeater. Heute(Bubtag): Abends 8 Uhr: Oratoriiimdklnfführung: „Elias". Morgen Donnerstag: WohlthätigkeitS« Borstellung: Ein tolles Geschäft. Totensonntag: Johaunesfruer. _ Anfang 7'/; Uhr,_ pari Weiss-Theater. Srofte Nrantfnrterftr. 152. DM- Heute: Geschlossen.-MM Morgen Donnerstag: Per Wärchriibruiläe«. Berliner AiiSstattungsposse mit Gesang in 4 Akten von Kurt Junge, Musik von A, Wicher. Ansang 8 Uhr. Freitag: Bolks-Borstellung: Liane, die zweite Frau. Kleine Preise. Sonnabendnachmtitag 4 Uhr: Der Rattenfänger von Hameln Abend»: Am Altar. Sonntag: Am Altar_ W. Hoacks Theater. _ Bruimenftrahe Id. DM' Heute: Geschlossen.-MG Morgen DonnerStag: Der Waldteufel. Posse mit Gesang in 4 Akten von W Mannsiädt, Musik von A.Stessens. Heute Tnnzkrünzchen. Freilag: Die Giftmischer in von St. Trope». üifli«! A. Schumann. Heute, Mittivoch(vnbtag): Hvlu« Vorstellung:. Morgen, DonnerStag, 21. d.M., add». präc. 7>/, Uhr: Gllte-Abend. Gala-Programm. IS der besten Nummern. IS Mr. Thompson— der Uncopierbare mit seinen wunderbar dresstertcn Elefanten. Sämtliche neuen Specialitäten. Der phänomenale Mr. ehester Johnstone mit seinem vollständig neuen Akt. Die neuesten Originaldreffuren de» Dir.»Id. Schumann. — Zum Schluß zum 40, Mal: � O»tt durch Paris (A Travers PiiHm). Schlußakt: Nordssebad Scheveningsn. Größte u. glänzendste Ausstattungs- pantomiine der Gegenwart in 8 Akten, Feenhafte Licht- und Wasser-Esseite, Besonders hervorzuheben: Das ret- zende Gartenfest im Jardin de Paris mit den neuen Einlagen, Orpheus- Theater. Friedrichstr. 236. Heute geschlossen, Donnerstag: ZijillterllMilliltKjillstltr Gastspiel: Gcnel. Mendelys, George u. 2üague von der Pariser„Roulotte". KM- Anfang 8 Uhr,-WM Entree: 1, 2, und 3 M, Borverlaus im Warenhaus Wertheim, Leipzigerslraße, und bei Zander, Friedrichstr. 223. Apollo-IMer. jMT* Heute: Geschlossen.-MM Donnerstag und folgende Tage: Abends 9 Uhr: König Aqua. Im 8. Bilde: Grosses Ballett unter Mitwirkung des Luftballett: „Grigolatis". Ferner: 8 auserlesene Specialitäten. Anfang 8 Uhr. | p■-' i-a.' j-.; /b Ja.-■ er-,'-: ,. Casino-Theater. ' Lothringerstr. 37. IMjT' Heute: Geschlossen. Morgen: U. a.: Gastspiel der 9", Uhr. Berlin X. Berlin W. Auf. Wach. 8 Uhr. Sonnt.?>/- Uhr. Hntthnseratr. 4». Jeden Sonntag, Montag und DonnerStag Ii o rrm u n ii a Norddctitslhe Säuger Nach jeder Soiree: Tau». Neu! Neu! Neu! LehmaililSHtitnkehr. Sonntag, 24. Stovbr.: Einmalige Anssührung deS vorzüg- lichen Schauspiels: Der Wrrer voil Kirlsiselii van Ludwig Äiizengruber. Unier Miiwirluua des„Berliner Schauspiei-Vercins". ;'''' V-V; _____.—— Groldivaren-Indastrie Beimoiite&ClSr Königstrasse 46. Silberne Herren-Uhren vo» 9 Markau. Goldene Herren-Uhren von 25 Mark an. Goldene Damen-Ohren von 14 Mark an. "kar. goldene Herren-Ringe 2 �Gramm. Hermann Hirsehfeldt Kottlmser Damm 36/37 Ecke Urbanstraise. i, uuppun II. empfehle in grösster Auswahl zu billigsten Preisen. AnfeHtiyiang nach Dflaass unter Garantie für tadellosen Sitz in kürzester Zeit. Wo amüsiert man sich grossartig? 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November, im Dresdener Garten, Dresdener- Lri straße 45: Oarl iii-iicltliiikr. Friedrichstr. 16, über:.Sogenannte»nheil- _ bare Mäimerleidcn.- Nur Herren! Eintritt gänzl, frei! sS07kb �ttllitS 0 3J.I 10 Jahre Garantie. BoNkoinmen schmerzlos, Zahir- 4|ll. ziehen 1 M, Plomben 1,50 M, Teilzahl, wöchcnil. — W' M. Zahnarzt Volk, Leipzigezstr, 130, Spz, 9-7. Wilmersdorf-Halensee. Komlerötag, de» Sl. November, abends 8'/2 nhr. in WitteS VolkSgartcn, Berlinerstraße 4V: Uolksversammlung. Tagesordnung: Die bevorstehenden Gemeindcwahlen. Referent: Stadtverordneter urnn»- Berlin. _ Zahlreichen Besuch erwartet ver«indvrne«,-. Tonnerstag, den ZI. November, abends 8l/2 Uhr: Kolks■ Nerjammlnng in GröplcrS Talon, Bergstraße 147. Tages-Odnuug: V Welches Interesse haben die Frauen an der Ablehnung des neuen Zolltarifs? Referent ReichstagS-Abgeordneter Emil Rosenow. 2, Dis- luffion. 3. Bericht und Neuwahl der Vertrauensperson und der Revisoren. Da die Tagesorduung eine überaus wichtige ist, so sind die Genossinnen und Genossen verpflichtet, zahlreich zu crlcheincii. 202/20 Zur DeSung der Unkosten 10 Pf. Entree.-HM Die VcvtranensperHon. Charlottenburg Sofi(il&fiiiolirfltif(ljn' MlWerem. Hente(Bußtag), abdS. 8�/2 llhr, in der GambrinnS-Brauerel, Wallstrab« S4: General*M evsammlung* Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Sassierers und der Revisoren. 3. Bericht der Partci-Spcdition. 4. Wahl des gesaniten Vorstandes. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Protokoll dcS Lübecker Parteitags wird gratis verteilt. 230/1» Der Torstand. NmlN sotlilldemoKraMer Gast- uiid 5llissi,l!l!iirte Derlins und Umgegend. Am Freitag, den 2L. November 1SDI, nachmittags SV« Uhr: V er soin i» 1 u« Z»"WD im Lokale des Kollegen Motyes, Hussttenstrab« 40. Tages-Ordnung: 1. Bortrag über Steuer und Handelsverträge. 2. Diskussion. 3. Auf- Nähme neuer Mitglieder. 4. Bereinsangelegeuhetten. Die Mitglieder, welche ihre WahlverciuSbücher noch nicht vorgelegt haben, werden ersucht, dieselben mitzubringe». HZ 2 und 4 deS Statuts. 70/b_ Der Torstand. I. A.: Ferdinand Ewald. Mm unli Plölrnklili- bkiiöjstiislhstft Berliil-Rlxöors (E. CS. m. b. H). Morgen, Donnerstag, den 2t. November: Eröffnung der XIII. Verkaufsstelle m Moabit, Emdenerstraße 19. BerraufSsteNen: Kerl in SO.: Pücklerstraße 31. „ SO.: Falckensteillstraße 6. „ 0.: Stralauer Allee 20a. § erlin(Moabit): Emdenerstraße 19. irdorf: Zietheustraße 31. „ Hobrechtstraße 82. „ Rosenstraße 4. tritz: Werderstraße 33. reptom: Baumschulellstraße 3S. Ober-SchöneWeide: Edisonstrnße 4. Johannisthal bei Senftleben. Steglitz: Schloßstraße 115. Groß-Kichterfelde: Dürerstraße 37. DemnltelMit werden Terkanfsstellou erUfTnet In Kerlin 0.: Münchebergerstr. 32, am Küstriuer Platz. Kerlin 80.: Reichenbergerstraße, und in Friedrichsfelde. Aufnahmen werden in allen BerkanfSstellen entgegengenommen. Dt« Erlegung der Einschrcibcgcbühr von b0 Pf. berechtigt zum Einkauf. Mit- glieder-Antcil 30 M. Mitgliederzahl ZSvv. Die Genossenschaft arbeitet mit nur eignen, Kapital. 205/20 Der Torstand. Den Mitgliedern zur Kennwi», daß Herr R. H o e d e am 15. d. M. seines GefchäftSführervostens enthoben worden ist. Der AufsichtSrat hat als Ersatz den Herrn Qswald Schumann bis zur nächsten General- versainmlung in den Vorstand delegiert. Dieser zeichnet mit Herrn Otto Schulzky gemeinsam für die Genossenschaft. _ Der Aufulchtarat. I. A.: I. Dreher. Md Metallarbeiter-Verband Tcrwaltnncsstelle Berlin. ivurea»! ffittflfMIfer 15, Zimnier 1-5. Fernsprecher: RrntTIf, 353. Donnerötag, de» 21. November er.» abends 8 Uhr: Konfera der Vertrauensleute der lUaniker in» Gcwcrefchaftshaus, Saal Tl. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den bevorstebenden Neuwahlen zur General- Versammlung der Orts-Krankenkasse der Mechaniker. 2. VerbandS-Angelegen- Helten. 122/S Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortöverwnltiiiig._ Mittwoch, den 20. November, abends 7 llhr. im Gewerkschafts' ha»S, Engel-Ufcr 15, Saal Till: Oeffeutlicher Bortrag des Herr» Dr. Rnlps.Hasse über: 28292 Erkältuiigs-Kl'astkheite«. Eintritt 20 Pf. BillctS liebst Broschüre am Saaleingang von ö Uhr an sowie vormittags im Reformbad. Dessauerstr. 31, erhältlich. Orts- Krankenkasse stör Klempner. Am Freitag, den 29. November er., abends 8V, Uhr, findet im„Gewerk- schaftshause", Eugel-Ufer 15, Saal l, eine Tersnininlnng: der grofs- jährtgc» Mitglieder nnsrer Kasse behufs Wahl von 150 Vertreter» pro 1002 statt. Uni eine einheitliche Kandidatenliste dazu ausziistellen, findet zuvor am Freitag, den 22. November, abends 8Vz Uhr, ebendaselbst, eine Vor- Versammlung der großjährigen Mit- glicder statt. In beiden Bersamm- iungen legitimiert das Quittungsbuch. Am Mittwoch, den 27. November, abends»Vz Uhr, findet bei Gründer, Köpuickerstr. 100, eine Tersainm- lnnx der Arbeitgeber, welche Bei- träge für angemeldete Mitglieder zu uusrer Kasse leisten, bchusS Wahl von 75 Vertreter» vro 100S statt. Um eine Kandidatenliste dazu auf- zustellen, ersuchen wir diejenigen Arbeit- geber, die gewillt sind, die Wahl an- zunehmen, ihre Adresse bis zum 22.Nov. im Kassenlokal eiuseuden zu wollen. Die Arbeitgeber können ssch auch durch ihre Geschäftsführer oder Be- triebsbeamte vertreten lassen. 20095 Der Vorstand. Sterbe-Kasse für Frauen von Mitgliedern der Central- Kranken- und Stcrbc-Kasse der Tischler:c. Nr. SV. Am. Montag, den 25. November er., abends 8 Uhr, bei Möhring, Admiral- straße 18«: Mitglielier-Vl'riltlilmlWg. Tageso rdniiug: l. Beratung üher die SlntrSge zur Abänderung des Statuts. 2. Wahl von 30 Delegierten zu der am 29. Dezember er. in Hamburg stättsindendeu Generalversammlung. Das Mitgliedsbuch der Frauen- Sterbeiasse legitwitert. 181/17 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle von Prinzenslraße 4» nach Anaenstr. 1, Ecke Franzftr., bei Jakob Weiler verlegt ist. Die Ortsvcrwaltung Berlin B. JnnungS- Krankenkasse »er Tischler-Jnunng. DenernI- Ver»:>»>i»I»Hjr der Vertreter der Kaffcnmitglieder und der Vertreter der JmnnigSniitglieder am Donnerstag, den sä«. Navbr.. abends 8 llhr. im Gewcrkschafts- hause, Engel-Ufer 15, Saal l. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Vorstaudsmitgliedem. In getrennler Wahl sind zu wähle»: 2 Vorstandsmitglieder von den Vcr- tretern der Kasseuiuitglieder, 1 Vor- standsniilalicd von den Vertretern der Jnnungsmitglieder. 2. Wahl eine» aus 3 Mitgliedern bestehenden Ausschusses zur Vor- Prüfung der Jahresrcchnmig. 3. Antrag Borchardt auf Aendemng des§ 17 Abs. 3 des Statuts. 4. Antrag deS Vorstandes auf Aen- d-rmig der AK 7. 1», 21, 30. 4», 51 u. 65 des StatutS. 2011» Um pünktliche» Erscheinen wird er- sucht. Der«srftaiid. Li. Kellers Festsäle, Koppensir. 29: Deute! Kniitag, den 20. November: Iamirien-Aöend. Grosses Vokal- und Instrumental-Konzert. Auftreten der Liedersängerin Anua Hartman«. der Spiel-Diiettiste» Eva und Karl Kühn, der Kostüm- Soubrette Ella Doree, deS beliebten Berliner Ulk-Trto. Zur Aufführung gelaugt: vsr saugsllnZs. Posse mit Gesang tu 1 Akt. V»» B A LL. mm Herren, welche daran teiluehuien, zahlen 50 Pf. nach. Offene Nasse findet nicht statt. fowle Die Konzert- sowie Ballmustl wird vom„Neuen Berliner Konzert- Orchester« unter Leitung dcS Herrn 0!. Tieti ausgeführt. Eröffnung 5 Uhr. Anfang des Konzerts S Uhr. bei sämtlichen Borstandsmitgliedern und Bezirlssührern 67/14 Gpeelalltät «?mmg!-An»Sse n. best« Verarbeitung. Jackett'«nziige von Mllt! Rock-Anzüge.. H Älllk! Gehrock.Sln,«ge M Ältlft empfichlt B. Eewkowlta. 2005»]«lrxanderstraße 22. Alaxandarhof, Aufg.4, 1 Tr. Ifiitjder�olitirlielMcrbaiii). Nene freie Volksbühne. Mittwoch, den SO.fToTcinhcr(Bnsstag), bei Fenerstclil� Alte Jakob-Strasse�75: Ordentliche Gfeneral-Versammlnng. Nachdem: GemtitUchos Beisammcnacln. BilletS a 80 Pf. sind in de» Zahlstellen, zu haben.— Programm am Eingang gratis. Um zahlreichen Besuch bittet Die Orfsverwallung des Central-Verbandes der Handels-, Transport- u. Yerkehrsarbeiler Denlscb). GO5SGOOOVOOG«GGG«GGGGGGOOGGGMGW Orts-Kraukenkaffe der Steindrulker«ttd Mogravden. Donnerstag, den 28. November. abendS»Vs Uhr, im großen Saale deS Gewcrkichastshanses, Engel-Ufcr 15 2. ordentliche Geiieral-Versammliilig pi'o 100t. Stzmtllche Herren Vartrater der Arbeltgeber und der Kaaaenmltgliedar werden hierzu ergebene, eingeladen. Tages-Ordnung: 1. Wahl des Ausschusses für die Prüfung dcrJahresrcckmung. 2. a)Ne«- wohl für den Vorstand. 6 Personen CS 38 deS Statuts) auS der Zahl der Bcrircter der Versicherten, h) Neuwahl für den Vorstand, 4 Perione» (» 38 des Statuts) aus der Zahl der Vertreter der Arbeitgeber, o) Neu- wähl von 3 Voistaudsmitgliedenl (aus Grund des Statuts§ 40.) 3. Antrag auf Abänderung de» ss 40 Abs. 2, ß 49 Abs. ö u. 6 des Statuts, des K 12 Ziffer 3 de» 6. Nachtrages zum Statut. 4. Berichiedcncö. 21S1b Bei' Vortttand. M Stnhlman», Vorsitzender, Stargardcrstr. 3a. Sonnalbvnd, den SO. Tovcmher, abends 8 Uhr, in Keller« Ee»t»ttlcn, Koppan-Strasse 20; Wintepf'est Konzert des Berliner Sinfonie-Orcliesters» Gesang Recitation« Ball. Karten a 40 Pf. sind in allen Zahlstellen za haben.— Abend« kasse findet nicht statt. Uhr, Sonntag:, den 1. Dezember, nnehinlttags Ol/, im Belle- Alliance-Theater: die I. Abteilung:, Vereins-Vorstellung: Osterglocken. Schauspiel in einem Akt von Paul Kemer. II. Abteilung:: Sonntag, lür Der eingebildete Kranke. Lustspiel in 3 Aufzögen von Möllere. den 8. Dezember. Sonntac, den SclilUcr-Theater: 16. Dezember, nachmittags 27, Uhr, im : Jugend. Sonntag, den 22. Dezember, nachmittags 2V* Uhr, im Friedrich ITllheluiBtadtizchcn Theater: Oporetton- Yorstellunp;: Die, Elcdcrninus. 150/1! Der Toratand. I.A.: H. Meft, Georgenkirchstr. 47 L Achtuug 1 Paitkow. Achtung! «m Totensonntag im Saal„Znm Nordstern": Großes Zither-Konzert. Ansang 7 Uhr. 2825L»! Hierzu ladet freniidlichst ei» Oarl Blanroek, Pankow, Wollinckstr. 113. Freitag, 2S. Nov.. abend» 8'/« Uhr, im«ewrrkschaftShanS, Engel, ifer 15- TertraaensmänserTersammlnng r Bezirke und Branclien. 2. Wcrk- 128/4 Tagesordnung: 1. Dt« lInternevmcr-Vereintgungl und unsre Stell,»ig zu den Vorschliig«» der Unternehmer. statt-Streiks und Dtsserenzen. mr- Jede Werkstatt muß vertreten sein."VB Mitgliedsbuch nebst Karte legitimiert. Um piwitliches Erscheinen ersucht Dl« D r t»v e r w a 1 tu n g. So n»tag, den 1. Dezember 1001, abends 5Vt Uhr, im gr. Saale des GewerkschaftshauseS, Engelufcr 13: LlamuisrinusiB-�bsii6. Zur Aufführung gelangt unter anderem: Quartett F-dur......... Besthoven. Forellen-Quintett........ Schubert. Trio, Op. 186.......... Reisiger. Sowie Gesang«- und Violin-Soiiö. Mitwirkende: Frl.«ekve Eimer, Opernsängerln. Herren Kapellmeister o. Kockert. Professor Carl Wanlech. Konzertmeister A.Wittenberg. H. Walter. K. Klöppel. F. Hollfelder und H. Loose. BilletS a 50 Pf.(2a uz frei) aus uujrem Bureau, Zimmer 11-12, GewerkschastShau s. I/lalST, �.DStTSiotlST Am Donnerstag, den 21. November 1901, abend» 8 Uhr, bei Schermrr. Arkonaplatz 1: Oeffentlichc Versammlung. TageS-Orduung: 1. Welche Vorteil« bietet uns die gewerkschaftliche Orannisalton in der gegenwärtigen Krise? 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Zahlreiches Erscheinen der Kollege» erwünscht. Die BezlrknleUnngM. 156/10 Schulz. Uawrtzeilmethode. Donnerstag, den 21. November, abends 8>/, Uhr, tn Moabit(AhrrndS Brauerei- Patzenhofer), Turmftraße, Ecke Stromstraß«: Große Sffentl. Versammlung TageS- Ordnung: 1. Wer ist Kurpfuscher? 2. Wahre und falsche Heil- knnde. S. Wer giebt dem Volke die Gesnndheit? Refcrentiii: Fräulein Ulaaa Knbe. In der heuiigen Zeit, wo jeder Hcilbeflissene, der nicht staatlich appro- biert ist, als Kurpfusch« gilt, ist e« Pflicht, sich davon zu überzeugen, wo die wohre und wo die falsche Heilweise zu suchen ist. ISSSb «an Berlin. Vors.: Emil Bartsch. Leriins imd Umgegend. Sonnabend, den 23. KoTeutber, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: Unterhattungs abend Recitation des Genossen Walcotte: „Die Weber."= Hierzu ladet sämtliche Mitg-lioder ein Der Torstand. Billets sind beim Kassierer Ehrke, Sohönleinetr. 11, zu haben. Msm-Temil Mlin-M (Eingetragene Genossenschaft uiit beschränkter Haftpflicht). Laut D 42 Slbs. 0 deS Statuts machen wir bekannt, daß die Hähe der Dividende 0 Prozent beträgt und an nachstehende» Tagen vormittags 8—1 Nhr und abcubS 7—» Nhr Willdenowstr. 30, Hof 1 Treppe, gegen Vorlegung des OnittniigsdncheS zur Auszahlung gelangt: 2. Dezember Mitgl.-Buch 1-300 I 4. Dezember Milgl.-Buch 001—900 3.„.. 301-000| 5.„„„ 901-1242 Fern« machen wir die geehrte» Mitglieder auf imsrc neu aufaenommenen Artikel Bcttfcdcrn, Wolle und Ellsiüchnhe in alle» Preislagen aufmerksam. Wie in den Vorjahre» empfehlen wir ganz besonders zu Weihnachten � � Chrytbamusrhmttck a»S Lanscha, fowie B n u m- K o u fek t, Kerzen nnsr. Unsere 6 Verkanfsstelleu befinden sich Vineta-Plaü 1. Choriuerslr. 40/47, Viittmaunftr. 10, Willdenow- strahe 30, Gartcustr. 3. und in Moabit, Wielefstr. 31. Die 7. Ber- kaufsstelle wird im Dezember im Nordosten, Ebeling- und Wrißbach- strasien-Eike, eröffnet. Zum eingehenden Stiidium enipsehlen wir unser GenossenfchaftSblatt, den»Wochenbericht«, welcher jeden Sonnabend in unsren Berlauss- stelle» für 5 Pf. zu haben ist. Der Torstand. 288/1«rashold. Tntzaucr, H. Rietz. Covnlc ♦ gc�nocc j M. Spittelmarkt 16-17 Ecke leipzigerstrasse. Co § * Belle-Alliancestrasse 1-2 Am BlQcherplatz. Kr. Frankfnrterstrasse 113 Ecke Andreasstrasso. Hyacinthen- Zwiebeln Zwiebel, angetrieben, Glas und Hütchen........ cvmpiett 38 Pfg Zwiebel, angetrieben, GIaL u. Hütchen.'. complett 46 Ptg- Hyacinthen-Gläser.................... stück 8 pfg Hütchen in diversen Farben............ Dutzend 18 Pfg. (Auf jedem Glas ist die GebrauchsanuJeisung und Farbe der Blüthe vermerk!.) AB* Hyacinthen-Zwiebeln ohne Glas......... stück feO pfe Die Spiel waaren- und Puppen-Ausstellung -- ist in unseren 3 Geschäften eröffnet. Berufs-Befcleiilunii und Wäsche-Fabrik ]>. Wurzel& Co. SÄSSTSS*© II fi e II m i H c I Spitzw-gerichfnst- Bonbons. Nur nttcin zu haben bct Gustav Behm. 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Allerbilligst: RcchtS- fachen, Uiifallsacheu! Bcrufniigen! Raterteilungen! Linicnstraffe 36. Äuff- tag geöffnet.__ 21806 BereinSzimmer für 40 Personen noch etnige Tage frei. Ladewig, Kominandanten straffe 65. Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle für 2 an- ständige Herren, Gräsestraße 35 bei Fr. Hinz.__ 13316* Schlafstelle, separat, 1 oder 2 Herren, Prinzcnstraße 47 Hof III. Hoffmann._ 20066 Gut müblierte Schlasstclle per- uiietet Meyer, Admiralstraffe 19 III. Schlafstelle. Herrn, straffe 3, Hof I. Hube. Waldemar- 1-15 Schlafstelle(zwei Herren) Duncker- straffe 2, Hailscr._ 2013b Freundliche Schlafstelle für Herrn, separat, vorn IV. Meyer, Fehr- bellincrstraffe 35.__' 21818 Gut müblierte Schlafstelle, 2 Herren oder Fräuleins, Frau Ladcgast, Ad- miralsträffc 38, Quergcbäude IV. Papierznschnctder verlangt. Her- mann Mictke u. Comp., Zehdeuickcr- straffe 2 t._ 21836 Farbigmachcr verlangt Weidig, Wienerstraffe 9._ 21906 Gute Unisormschncider nach auS- wärts gesucht. Paletot 12,00 Marl, Waffenrock 12,00 Mark, Neberrock 15,00 Mark imd mehr. Daselbst auch gute Civilrock Schneider verlangt. Bewerbungen untcr II Li. postlagernd Thorn t 920S« Ii» ZlrbeilSiinirkt durch besonderen Trntk hcrtwrgehobene »lnzeigen koste» 40 Pf. pro Zeile Arbeiter-Sekretär '-resneht. Verantwortlicher Redactenr: Carl Leid tu Berlin Für den Jnferatenteil verantwortlich: Tb. Gloeke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading m Berlin ilr. 272. 18. mm*. 2. Keilllge ises„iormW Kttlim MlkslilM. mm, 20. v°°mdn IS0I. Berliner Partei-Angelegenheilen. Die nächste Lokal- Liste erscheint ain Sonntag, den 1. Dezember 1901, Einsendungen und Nenanstiahmen sind bis spätestens Freitag, den 22. November 1901 für„Nieder- Bar n i m" an den Genossen Paul Kette, Friedrichsfelde, Lichten berger Prinzenallee 20a;„Teltow-Beeskoiv" an den Genossen R. Preszler, Nixdorf. Zietenstr. 69;„Potsdam-O st- Havel- I a n d" an den Genossen Albert Nene, Spandan, Jagowstr. 9; „Diverse Orte" an den Genossen Gustav Stein, Wriezcn, Frankfnrterstr, 32. sowie für Berlin an de» Genossen Wilhelm Hinz, Priiizenstr. 66, S. 14, zu sende». Alle Anfragen und Zusendungen sind nicht an die Redaktion des„Vorwärts", sondern u u r an den Genossen Wilhelm Hinz, Priiizenstr. 66, 8. 14 Berlin, zu senden. Die Parteiblätter der er wähnten Kreise werden um Abdruck dieser Mitteilung ersucht. Die Lokaikominission. Achtung, Geuoflr»! Im Kreise Wittenberg-Schweinitz findet am 20. Dezeniber die Nachwahl zum Reichstag statt. Der Kampf ist bereits im Gange. Die Aussichten für unsren Kandidaten H. R o h r l a ck sind günstig; es ist nicht ausgeschlossen, dah wir in die Stichwahl kommen, wenn sich die Genossen bei der Wahlarbcit genügend beteiligen. Den Genossen im Kreise ist es noch nicht möglich, den Kreis allein zu bearbeiten. Die Organisation ist noch nicht genügend stark, weil eine grosze Anzahl von Genossen wohl im Kreise wohnen, aber in Berlin und Ilmgegend arbeiten. Für diese Genossen haben bereits Versanimlungen stattgelnndcn. In der lehten dieser Bersanunlungcn wurden G r o h>n n n n und G r e s s e zur Unter- slütznng bei der Wahl bestiinint. Wir wenden uns nun an Euch. Berliner und die hier arbeitende» Genosse» aus. dem Kreise, kräftig mit einzugrtifen bei der F l u g b l a t t- V e r t e i l u n g. Die erste Flugblatt-Verteilung findet nächsten Sonntag statt. Alle Genossen, die helfen Ivollen, werden ersucht, sich bei Gen. Otto Gresse, Siboldstr. 3, 2. H. p., zu melden. Auch' die Schtveiniher, Grabocr usw. können die Flugblätter Donnerstag und Freitag bei Gresse in Empfang nehmen. Wilnierödovf-Halcusce. Morgen, Donnerstagabend 8Vs Uhr. findet in Wittes Votksgartcn, Berlinerstr. 40, eine Volks- Versammlung statt, in der Stadtv. Bruns-Verlin über dü bevorstehenden G e m e i n d e w a h l c n spricht. Charlottcnbnrg. Die Generalversammlung des Wahlvcreins findet diesmal nicht am Donnerstag, sondern heute abend 8J/i Uhr in der G a m b r l n u s- B r a u e r e i, Wallslr. 94, statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen ersuchen ivir die Mitglieder, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Zugleich geben Ivir bekannt, daß nur in dieser Versammlung und mir gegen Vorzeignng des Mitgliedsbuches, welches auch am Eingang legitimiert, den Mitgliedern das Lübecker Protokoll gratis ausgehändigt wird. Uoknles. Der Oberpräsideut und die Apotheker. „Die formellen Voranssetzungen" zu der Verfügung, durch welche der Oberpräsident zivci hiesige Kassen nnweist, den Boykott aufzuheben, lieferten, wie ivir bereits mitteilten, die von den Apothekern fabrizierten Petitionen, die von etiva einem Tausendstel der betreffenden Kasieiimitglicder unterschrieben waren. Diese Petitionen wurden in dem Aiitwortschreibc» der OrtS-Krankenkasse der Kaufleute treffend wie folgt charakterisiert: „Die Beschiverdeschrift ist mechanisch vervielfältigt und es wird je nach Bedarf nur die Adresse der Krankenkasse ans- gefüllt, über welche gerade Klage geführt werden soll; sie ist im Geschäft der Firma Albert Rosen ha in. Leipziger str. 72. ans dem Privatcomptoir heraus den einzelne» Angestellten durch eine» Eommis Herrn Jacoby zur Unterschrift vorgelegt worden, die zuerst viel- fach Verivcigcrt, dann aber gegeben ioiirde. weil andre Kollegen und Kolleginnen das Gleiche thaten. Der übergrosze Teil der Ilnterschrists» rührt von den Angestellten der Firma Albert Roscnhain her, aber auch der restliche Teil der Unterschriften ist in gleicher Weise entstanden. ES niag zwar den Beschwerdeführern unangenehm sein, dah gerade diejenige Apotheke, welche sich mit der Mehrzahl derselben im gleichen Hause befindet, nämlich die E I e f a n t e n- A p o t h e k e, Leipzig erstraste 72. gesperrt ist. nachdem aber feststeht, dnstsich in der Nahe derjenigen Firmen, bei welchen die Beschwerdeführer thätig sind, nicht nur eine, sondern zivci freigegebene Apotknken sich befinden, nämlich die Kommandanlen-Apolheke. Seyeelslr. 16, und die Lvivcn-Apolheke, Jerusalemerslraste 30, so mangelt süglich jedes Recht von einem.weite» Weg zu den zugelassenen Apotheken" zu sprechen. Gewartet rnnstte auf die Fertigstellung einer ganzen Reihe Arzneien stets werden; tritt dies jetzt in gröberem Mäste eiii, so liegt die Schuld nicht an nns, sondern an den betreffenden Apotheken- bcsitzcrn, die nicht die genügende Anzahl Gehilfe» anstellen, welch bei anständiger Bezahlung stets zu habe» sind. In ivelwer, gelinde gesagt, leichtfertigen Weise dem Herrn Ober- Präsidenten im vorliegenden Fall Beschwerden vorgetragen werden, mögen einige Beispiele beweiieil. Ans dem zweiten Boge» der Beschwerde lautet die erste Unter- schrist O. H., der Herr ist H a u S d i c» e r in der Apotheke d e s H e r r n D r. F r ä n k e l in d e r L e i p z i g e r st r a st e und war in diesem Jahre noch nicht erwerbsunfähig krank. Das Hans in dem er ivohnt, Fehrbcllincritr. 43, ist ein Eckhaus, dessen eine Front nach der Anklnincrstiaste steht, und gerade gegenüber befindet sich, Anklamerstr. 39, die ZionSapotheke, welche freigegeben ist. Es folgen 6 weitere Beispiele dafür, dast die Beschiverdeführer es zu einer„zugelassenen" Apotheke näher haben,' als zu jeder „boykottierten". Diese Beispiele liestcn sich mit Leichtigkeit vermehren, sie sollen aber nur dazu diene», den BeivciS zu liefern, wie unüberlegt manche Personen ihren Namen unter ein Schriftstück setzen, dessen Inhalt sie nicht verantivorten können. Eine» weiteren Boweis werden Euer Hochwohlgeboren in einer protokollarischen festgelegten Aussage einer der Bcsckstverdcsührerinncn erblicken, deren Abschrist*) wir bei- legen, und die typisch ist für die Art und Weise, wie die Unter- schriflen gewonuen ivurden. Bei einiger Uebcrlegnng hätten die Veranlasser der ganzen Sache, die nicht unter den Versicherten zu suchen sind, doch eine ganze Reihe Personen überhaupt nicht unterschreiben lassen dürfen, ohne dem Fluch der Lächerlichkeit zu verfallen. Es ivird doch nirgends Glaube» finden. dastHcrr P. M., S w i n e ni ü«der st r. 00, Schwierigkeiten hatte, eine verordnete Arzenei zu erhalten, wenn man nachweist, dast er in diesem Jahre noch nicht erwerbsnnsähig krank war. sondern täglich seinem Beruf als H n n s d i e n e r in der zugelassenen Apotheke I e r» s a l e m c r st r. 30»achging. Die in der Beschwerde aufgestellten Behanptnngen sind unwahr und nicht erwiese», keine der Personen, welche unterschrieben haben, hat lhatsächlich einen weiten Weg zur nächste» Apotheke, nup ganz wenige davon haben in den letzten Monaten über- Haupt Arznei gebraucht und cS würde uns ein leichtes sein, tausend kranke Personen beizubringen, welche gerne und wahrheitS- gcmäst bezeugen, dast sie mit gegenwärtigem Znstand zufrieden sind, *) Es hcistt darin u. a.:„Ich habe die Beschwerde unter- schrieben, ohne sie genau durchzulesen. Ich selbst habe keinen Grund zur Beschwerde in der Apothelerangelegenhcit". und dast sie sehr gerne die Bestrebungen der unterfertigten Ver waltmig unterstützen, welche darauf ausgehen, den Arzneibezug zu verbilligen." Trotz dieser glänzenden Widerlegung der Beschwerde die Ver- fügnng des Oberpräsidenten! In der That, es scheinen nur„formelle Voranssetziingen" nottvendig gewesen zu sein, um ein Einschreiten desselben herbeizuführen. Eine solche Anwendniig der Befugnisse deS § ü6s. des Krankenversicherungs-GesetzeS haben die Gesetzgeber wohl nicht vorausgesehen. Gerade solche Vorgänge machen es der Berliner Arbeiterschaft erst recht zur Pflicht, den Boykott auch fernerhin hochzuhalten, de» eigene» Arzneibcdarf wie den der Familienangehörigen grundsätzlich in erster Linie anS Drognengeschäften zu decken, und sonst zugelassene Apotheken in Anspruch zu nehmen. So hoffen wir, wird die Aufhebung des Boykotts durch den Obcrpräsidenteu eine fatale Aehnlichkeit erhalte» mit der „Beendigung" deS Bocrcnkricgö durch Lord Kitchener! Wegen Betruges und Untreue wird der 33 Jahre alte Bankier Karl Rothschild aus der Spniidanerstraste 40— 44 vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I steckbrieflich verfolgt. Rothschild, der aiis Krautheim gebürtig ist, war längere Zeit Prokurist in einem Zweiggeschäft einer hiesigen Bank. Anfang Oktober v. I. machte er auf eigne Nechiiimg in cincin Laden der Hänser Span danerstraste 40— 44 ein kleines Bankgeschäft auf, in dein er zwei Gehilfen anstellte. Vor sechs Wochen verschwand er nnter Hinter lassung von mehr als 30 000 Mark Schulden. Auch die Miete für ein halbes Jahr blieb er schuldig. Auster dem Betrug und der Uw treue wurden nachträglich auch noch Wechselfälschimgen entdeckt. AnS dem Reiche deS Herrn Thiele» erhalten wir folgende Berichtigung: „In dem Artikel Ihrer Zeitung vom 8. November d. I., 2. Bei läge, in welchem von„neuen Opfern des Thiclcnschen Sparsystems" die Rede ist, wird behauptet, dast am 2. November wiederum eine Anzahl von Arbeitern entlassen worden ist.„Diese Mastregcl betrifft gegen zwanzig schon längere Zeit auf dem Görlitzer Bahnhof be schästigt gewesene Rangierer und Schnppenarbcitcr" usw. Unter Bezugnahme auf Z 11 deS PrctzgcsctzcS ersuchen wir um Aufnahme folgender Berichtigung: 1. ES ist nicht richtig, dast ans dem Görlitzer Bahnhof 20 schon längere Zeit beschäftigt gewesene Rangierer und Schnppcnarbeiter entlassen worden sind. Weder von der Stnlion»och seitens der Gütcrabfertignngsstelle haben Entlassiiiigeu von Arbeitern stait gefnndeu. 2. Die bei der GüterabfcrtignngSstelle seiner Zeit verfügbar aelvordenen 7 Arbeiter sind nicht cnlassen, sondern werden wie folgt weiter beschäftigt und zwar 2 Mann bei der Station Schlcsischcr Bahnhof 2„„, Fricdrichstraste 8„„„ Bahnmeisterei Görlitzer Bahnhof. 3. Eine Verringerung der Kopfzahl der Rangierkoloiiiien auf Görlitzer Bahnhof'zum Zwecke der Entlassung von Arbeiten! hat n i ch l stattgefunden. Die Raiigierkolonnen sind in einzelnen Fällen auf kurze Zeit»in 1 Mann vermindert worden, wen» die Heran- ziehnng dieses Mannes zur Vertretung plötzlich erkrankter Fahr- bcanitcn iiotlvcndig wurde. 4. Es sind von der Bahnincisterci 19 Arbeiter, die bei Erweiieriiiigsbontci! beschäftigt waren, entknffen worden, weil diese Banten beendet sind. Diesen Leuten war be! ihrer Annahme ausdrücklich eröffnet worden, dast ihre Beschnftigimg n n r e i n e vorübergehende sei." An dieser Berichiignng ist nur das eine richtig, dast die Eni- lasscncn nicht Rangierer und Schuppenarbeiter, sondern nur„bei Er- weitmingsbanteil vorübergehend Beschäftigte" waren. Die Thatsache der Entlassungen wird ausdrücklich zugestanden. Diesen Leuten sei aber bei ihrer Annahme ausdrücklich gesagt worden, dast ihre Be- schäflignng mir eine vorübergehende sei. Die entlassenen Arbeiter wollen aber das Gegenteil beschwören, nämlich, dast nichts derartiges gesagt worden ist. Schon die That- fache, dast pro Tag der horrende Lohn von 2,60 M. gezahlt wurde, schliestt nach Ansicht der Arbeiter aus. dast im Hintergründe nicht Aussicht auf Winterarbeit gewinkt hätte. Die Thatsache weiter, dast diese Entlassenen sich am 1. Oktober ohne weiteres diesen Lohn noch auf 2.50 M. kürzen ließen, lästt vermuten, dast a»f feste Stellmia'ge- rechiict wurde. Und Ivann war der. Erweiterungsbau"— Geleise- verlegimg bedeutet dies im bahiitechilischen Sinne— beendigt? Dach schon im August dieses Jahres. Nack dieser Zeit wurden diese Leute zu allem möglichen verwendet, zum Thürcn schliesten am Sonntag, zum Maschinen abkoppeln und putzen, zimi Bahnsteig sprengen sowie des Sonntags zur Aushilfe Barrieren schliesten. ogar als Hilfsbremser bei Schnellzügen wurden diese»nr„vor- übergebend" angenommenen Leute verwandt. Und weshalb hat die Eisenbahn-Verwaltiing denn, wenn schon bei der Amiahme dieser Arbeiter feststand, dast die Thäiigkeit derselben nur eine vorüber- gehende sein würde, Beiträge zur Pensionskasse angenommen, die in Klasse A tdcr niedere» Klasse) nicht wieder zurückgezahlt werden? Weshalb bat man sogar zur Abteilung B der PciisionSkasse, zu der mir Arbeiter gehören, die ein Jahr nniinterbrochen beschäftigt worden sind. Beiträge zahlen lassen? Jedenfalls passen diese Entkaffmigen schlecht zu der in Nr. 246 abgedruckten Berichtigung der kgk. Eiscnbahn-Dircktion, in welcher eS hcistt:„dast die Entlassung von zur Zeit in Beschäftigmig stehenden Hilfsbedienstelen und Arbeitern ausdrücklich ausgeschlossen" fei. Ein«« schrecklichen Tod fand gestern nachmittag der 9 Jahre alte Sohn der GniiikranihänMerin Witive Fleug nns der Wickmiaiin strastc IIa. Ter Knabe litt im Alter von vier Jahren an schweren Gelenkentzündungen und blieb daher sehr zurück. Erst mit acht Jahren konnte er mit dem Schiilhesuch beginnen. Da ihm der rechte Fast verkrüppelt war, so brachte ihn seine zehnjährige Schwester Helene mit einem Sportkarren jeden Tag morgens nach der Gcmeiiideschule in der Derfflingerstraste'und holte ihn abends oder mittags wieder ab. Als sie gestern kurz nach 1 Uhr auf dem Heimwege über den Lützowplntz fuhr, begegnete den Kindern vor dein Hause Nr. 8 ein zweispäiniiger Mvrielwagcn, der jn scharfein Trab dicht an der Bordschwelle fnhr. Helene versuchte mit ihrem Wägelchen auszuweichen, aber die Pferde warfen es um. Während Mädchen nun beiseite sprang, wollte der unglückliche, hilflose S ,»o« ans dem Sportkarreu springen, fiel aber vor ein Wagenrad, daS Ihm den Kopf zermalmte. Der Aermste blieb leblos auf dem Pflaster liegen. Zivei Aerztc, die sich bald«m ihn bemühten, konnten nur feststellen, dast der Tod auf der Stelle eingetreten war. Die Leiche wurde auf deni Hausflur geborgen, bis der Polizeiwagen kam und sie nach deni Schauhanse abholte. Der Führer deS MörlelwagenS suchte zu ciitkoinmen, wurde aber an- gehalten und als der SOjährige Kutscher Karl Adler anS der Bariiiin- straste festgestellt. Bon etilem tragischen Geschick ist der L9jährlge Buchhalter Emil Roscnlhal, Ackcrstr. 132 wohnhaft, heimgesilckil worden. Rosen- Ihal erhielt vorgestern aus Frankfurt a. M. eine Depesche, daß seine dort wohnhafte Mutter, deren einziger Sohn er ist. sterbenskrank sei und ihn noch zu sehen wünsche. Jn gröstter Aufregung rannte Rosenthal. der wegen hochgradiger Knrzsichtigkcit eine Brille trägt, zuni Bahnhofe und bemerkte dabei nicht, daß ihm ein Arbeiter, der eine Eiseuftange mif der Schulter trug, entgegenkam. Er überhörte auch den Warmmgsrnf dieses Arbeiters und stiest niit solch miglück- licher Wucht in die Stange, dast ihm die Brillengläser zertrümmert und die Splitt« derselben in die Augen gestoben wurden, infolge- dessen ihm das rechte Auge sogleich auSrann und das linke schwer verletzt wurde,. Der Bedauernswerte wurde sogleich ins Kranke»« Haus übergeführt. Es ist leider wenig Hoffuniig vorhanden, dast ihm das linke Auge gerettet werden wird. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Bei dem am Freitag in das IliitersuchimgsgefängniS ciiigcliefertcu Reisenden Paul G ie steu ist eine graste Anzahl von Photographien vorgcftmdcn worden, welche der Beschuldigte seinen Opfern, meist weiblichen Per- sonen in dienender Stellung, unter dem Vorwande abgeschwindelt hat, er wolle von diesen Bildern in dein Atelier seines Chefs Abzüge anfertigen lassen. Die Photographien können in den Vor- mi'ttagSstuiiden der Wochentage bei der Kriminalpolizei Zimmer 43 in Empfang genommen werden. Ebendaselbst werden auch weitere Anzeigen gegen Giestcn entgegen genommen. Wir machen die Parteigenossen und-Geuossinuen auf die heute abend stattfindende Versammlnng im Gewerkschafts- Hanfe besonders anfmerksain. Herr Maler Otto Feld spricht über das Thema: Kunst und Volk. Der Eintritt ist frei, Teller- fammlung findet nicht statt. OrpheuS-Theater. Die Ileberproduktion an llebcrbrctteln hat bereits zu einer Krisis geführt. Man sucht einzelne Unternehmen zu „sanieren", indem man das litterarischen Ehrgeiz heuchelnde Brettl durch Fusion mit dem alten Specialitätcnwescn, das nichts als unterhalten will, lebendig zu erhalten bemüht ist. So hat sich neuerdings die Stätte, an der das verkrachte himmelstürmcnde Rhapsoden- Theater vergebens zahlende Liebhaber warb, in ein Orphens-Theater' verwandelt, das Specialiiäten- Rnminern mit Brettl-Vorträgen mischt. Die Eröffiinngsvorstellung am Montag brachte ein so üppiges Programm, dast die zahllosen Mitwirkenden mit ihren Angehörigen nicht nur die Bühne, sondern auch den nicht allzu geräumigen Saal an der obersten Fricdrichstraste(Nr. 236) gut hätten füllen können. Das Pnbliknin, das wie zu cincni Familienfest ziisaminengekoimneii schien, war sehr beifallsfreudig. Ein Teil blieb sogar bis zum Ende d. h. bis zur Milternacht sesthaft. Die künstlerischen Ehren des AbendS konzentrierten die französischen Gäste der Pariser„Roulotte" auf sich. Ihre„Cantoimmsii" — mimische Darstellimgcii, die der„Röcitaut" am Klavier und mit gesungene in Text begleitet— sind thatsächlich eine ästhetische Be- reich ernng. Die zarte weiche Melancholie dieser Pierrot-Seenen wirkt eigenartig ergreifend— es ist Dachkammcr-Poesie in ihnen, Mondschein, zigeunerische Lebenslust und ein Hauch kränkelnder Uebersinnlichkeit. Die beiden Darsteller und der reciliereude Sänger mit seiner wehinütig klagenden, beseelten Stimme brachten die Scenen zu feiner Geltung. Wie grob und tot wirkt doch gegenüber diesen französischen Dar- bietnngeu, die bei all ihrem Raffinemeut doch wieder Natur geworden sind. die zwangsweise ansgelalscne Spasthaftigkeit der deutsch singenden Soubretten, oder gar der Recitator, der ein Boeren- Trntzgedicht— an sich schon eine Taktlosigkeit, im Rauchtheater für die Boeren allzu-dentlich spekulativ zu dcmoiisirieren— in den Saal niit gepanzert«» Kehlkopf hinansschmctterte. Eine Reihe vorzüglicher Spccinlitäteii; so ein erstannlickier arabischer Egnilibrist. Himdedressenre, Excentrics usw. folgten sich in schier endloser Fülle. Eine Tänzerin versuchte die Saharet nach- zuahmen. Eine Galerie lebender(Trikot-) Bilder schloß die Vor- stcllung. Der Arbeiter-Naucherbund veranstaltet am Sonnabend, den 23. November er. bei Keller, Koppensir. 29, einen Necitativnsabciid. Zinn Vortrag gelangen„Die Weber". Freunde und Gönner sind dazu herzlichst eingeladen. Orgelkonzert. Die Orgelvorträge des Musikdirektors Otto Dienel m der Marienkirche finden in den Wüiteniionatcn nicht Mitt- wochmittag, sondern regelmäßig Montagabend 7� Uhr b e i freiem Eintritt statt. Der erste dieser Abeudvorträge, ausnahmsweise am Freitag, den 22, November, abends 7V« Uhr, ist ein Back-Konzert, an dem sieb aubcr Herrn Dienet Frau Aimi John-Rocsel, Frau Gertrud LaVauve, Herr Harzen-MiUier, der Violinist Herr Herm. Spöndey und Herr Rob. Schwicssclmaim beteiligen. SluS den vknckib» roete». In Ober-Tchöueweide hatte sich die Geniesilbevertretling mit dem Antrag zu befassen, für eine„ B i S m a r ck>v a r t e", die auf den Müggelbergen errichtet werden soll, einen Beitrag zu stencrn. Unser Gemeindevertreter John widersprach diesem Verlangen. Es sollen nach dem Beschluß der Gemeiiidevertretmig Erhebungen darüber angestellt werden, ob und welche Geincinden zu dein Zweck beistenern.— Ein Antrag der Grniidreiitengcsellschaft, den Wasser- v c r t r a g auf die Gemeinde zu übernehme», wurde abgelehnt,— Ein Enleiginingsverfahren soll gegen einen Hanseigcniümer am Schwarzen Weg eingeleitet werden, der für Abtretung eines Land- streifens die übertrieben hohe Sninnie von 39 000 M. fordert. Aus Zehlendorf schreibt man nns: Wegen Beleidigung des O b e r a ni t in a n n s Ring auf Düppel ist der Verleger des „Zehlendorfer Anzeiger"(Buchdrucker Fischer) dieser Tage zu 50 M. und der Schriflstellcr P. K u n z e n d o r f zu 100 M. Geld- strafe verurteilt ivorden. Herrn Ring war im genannten Blatte der Vorwurf gemacht worden, dast er eine Restauration am Orte z» Unrecht habe schließen lassen. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Ring erklärt, dast das Wirtshanslcbcii am Orte viel zu ausgedehnt sei und die Beivohner sich über den Lärm beklagten. Vielleicht lassen sich an Stelle geschlossener Wirtshäuser Rlnginilchhallen einrichten. I» solchen Instituten wird es allerdings ruhiger hergehen. Der in Nr. 262 des„Vorwärts" gebrachte Artikel über die A r b e i t e r w o h n n n g e n auf Düppel scheint gewirkt zu haben. Wenigstens sieht man jetzt Handwerker beim Ausbessern der schlininistell Schäden. In seine» Eigenschaften als Gutsherr nnd als ftellpertretender Amtsvorstehcr wird Herr Ring wohl auch nicht versäumen, noch einen Brunnen bauen zu lassen. Dies gebietet die Fürsorge in Anbetracht von FenerZgefahr. Als im Nachsommer dieses Jahres auf dem Gute zwei Scheune» abbrannten, mußte Wasser von Zehlendorf herbeigeholt werden. I» Schöneberg nahm die Stadtvcrordnetcii-Versnminlnng in ihrer letzien Sitzung das neue Ortsstatnt betr. daS G e w e r b e« g e r i ch t mit einigen Acndcrniigcii an, auf die Ivir nächstens näher eingehen werden.— Die Versnininlnng beschlost weiter, fünf U r a n i a f ä n l e n aufzustellen. Meteorologische Jiistrumeiite sollen der Kosten wegen nickit daran angebracht werden.— Sodann wurde» 5200 M. zur ASphallicrnna der Martin Lulheistrastc und 1200 M. zur Verbesserung der Ventilation im Sitzungssaal bewilligt. Nvvmiftszkvs. Ein großes Brandnngliick wird ans D a r m st a d t vom 19. November gemeldet: Das grvste Gebäude der Turn- gemeinde, welches erst am 6. Oktober d. I. eingeweiht worden war. ist heute früh mit den ausgedehnten NestaiirationSränmIichkeitcn bis auf die NinfassiingSinauern niedergebrannt. Zwei Dienst« in n d ch e n kamen in den Fla m in e n n in, ein drittes, welches fiib an einem Seile hernnterlnssen wollte, stürzte ab und trug lebens« gefährliche Verletzungen davon. Ein Kellner sprang von der Giebel- mauer herab und brach das Genick. Sluö Nordauierika. Der„Frankfurter Zeitung" wird ans New N v r k gemeldet, daß an der Brvoklyncr Brücke neuerdings weitere Beschädigungen festgestellt seien.— Bor der Station Helena (Montana) auf der Linie der Great Northern Bahn wurden 25 Per- sonen bei einem Bahnunglnck getötet. SchiffSnngliick. Ans H a v r e wird berichtet: Ein französischer Dampfer begegnete am 6. d. M. ans dem Wege von New Dork nach Havre dem schwedischen Dreimaster„Ada", der im Begriff war zu sinken. Der Dampfer brachte de» Kapitän nnd die 13 Mann starke Besatzung hierher. Die„Ada", welche eine Harzladung für Hamburg an Bord hatte, war in Brand gesteckt worden. VSeiier.Progttose für Mittwoch, den 20. November fflOi. Ziemlich warm, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Reaeusäklen und fttschen südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Briefkasten der Redaktion. Tie ii!>lsilsche Tl�cchstuiide siudet a», Dienstag. Donners- tag»„d Freitag»vi, 7-i» Uhr al>c»dö statt. O. L.«. Ja, faW nicht AiiKebung des Vertrages mit dem Konkurs- «erwalter»cremSart wird.- Sl. B. L. W. 15. Nein. Uebrigens liegt der Abschlui; eines solchen Dienstvertrages, wie Sie ihn darlegten, weder im Interesse der Kasse' noch der Beamten, wohl aber im Interesse einer Bnreaukiaiie, deren Macht man nicht»och kunstlich gros; ziehen sollte.-»8. Ja. — Zliiglist. Aiitoiistr. Durch Hpirat verliert eine Arbeiterin, die wegen selbst erlittenen Unsalls eine Unfnllrente erhalt, ihre Unfallrente keineswegs; die Folgen des Unfalls werden durch die Heirat doch nicht beseitigt. Anders steht es mit einer Witwe, die wegen des ihrem Manne zugestoßenen Unfalls Rente erhielt; diese erhält für den Fall einer Wiederverheiratung an Stelle der Rente eine Abfindung in Höhe von 60 Proz. des Jahresarbeits- vcrdisustes.— 31. 30. Zu der Peschäftigung wären Sie verpflichtet. — Proletarier Südost. 1. Mit vollendetem 24. Lebensjahr. 2. Inner- halb des der Listeimffenlegimg vorausgegangenen Jahres müssen die ans den Wahlberechtigten entfallenden Stenern gezahlt sei». Das ist jedes Jahr verschieden.— M. T. 04. Sie brauchen nicht zu kleben, erhalten aber von den Klcbemarkeu nichts zurück.— K. R. R. l. Textausgaben des Bürgerlichen Gesetzbuches crbalten Sie in jeder Buchhandlmig zum Preise von 50 Pf. MS 3 M. Der im Dietzichcn Verlage erschienene Führer dnrcb das Bürgerliche Gesetzbuch ist ebenfalls durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag zu beziehen; er tostet 2 M. 50 Pf. 2. Ja.— C 3. P. Sie müßten sich an die Karten-Ausgabestclle oder an einen Abgeordneten wenden. Die Karten können Sie vorher bestellen, aber erst am Sitzungs- läge erhalten.— R. Hpm. 7. Charlottenburg. l. Ja. 2. Nein. — Plan. Geben Sie an, welchen Einzelsall Sie beantwortet haben wollen. Einen Kommentar zu einem Gesetzesparagraphen können wir schon des Raumes halber unmöglich an dieser Stelle geben.— F. D. 100. A. R. 30. Sie erhalten das zuviel erhobene Geld zurück und können dann Ersatz des von Ihnen Verauslagten durch den Beklagten beim Gericht beantragen.(„Arbeiterrccht" Antrag 78 S. 437.)— A. S. 10. 1. Ja. 2. Welche Instanzen zuständig sind, muß sich aus dem nnS nicht bekannten Statut ergeben.— W. 9t, 100. Die unentbehrlichen Gegenstände sind unpfändbar. Was unentbehrlich ist, ist von Fall zu Fall zunächst vom Gerichtsvollzieher, auf Beschwerde vom Amtsgericht zu entscheiden. — 31.2.54. Solcher Verein existiert unsres Wissens nicht.— 30. Aller- dings kann Bestrafung wegen fahrlässigen Falscheides eintreten. Straf- loflgkeit tritt in solchem Falle ein, wenn der Thäter, bevor eine Anzeige gegen ihn erfolgt oder eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet und bevor ein Rechtsnachteil für einen andern aus der falschen Aussage entstanden ist, diese bei der Behörde, bei welcher er fie abgegeben hol, widerruft. Reichen Sie also eine schriftliche Darlegung des Falles bei dem Gericht ein. vor dem Sie vernommen sind.— Thiele 304. Beide Fragen sind zu bejahen. Montagnachmittag 3 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden- meine gc- lieble Frau Alwine Hornbeae zeb. P ü s a e r. 2l82b Dies zeigen ticfbetrnbt an Tic trauernde» Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Doniierstag- nachmittag 3Vz Uhr von der Leichen-- halle der Kreuz-Kirchc ans statt. Socilllhemokrat. Ällhlvertia Rixdiut QTobcö- Ilnzvifle. In der Nacht zum Donnerstag, den 14. cr., schied plötzlich.ans dem kleben unser Mitglied, der Maurer Paul Kleinscluniilt. Die Beerdigung findet Mittwoch kBußtag), nachm. P/j Uhr, von der Halle des Rixdorfer Kirchhoscs, Nu- dowcrstraße, aus statt. 232/20 Ter Vorstand. Ceniral-Mand d. Maurer Deutschlands Zahlstrlle Rixdorf-Britz. TntlcB-AniKcige. Donners tagnacht verschied unser treuer Kollege Paul Rleinschmidt Im Alter von 33 Jahren. Die Beerdigung findet Mittwoch(Bubtag) nachmittags 3Vz Uhr von der Leichen- Halle des Rixdorfer Kirchhofes, Ru- dowerstraße aus statt. Um rege Bcteitiguug bittet 144/10 Dpr Vorstand. Verein deutscher Schnhiuacher. Todes-Anzeifte. Uusren Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag,'den 17. d. Mts.. unser Kollege 170/16 im 38. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Mitt- wvch, den 20. d. M.. von der Leichen- balle des Kirchhoses der Markus- Gemeinde in Wilhelmsberg aus statt und ersuchen wir die Kollegen um recht zahlreiche Beteiligung. _ IMe Ortavcfwnltnng. Central-Yerband d. Maurer Deutschlands Filiale Berlin II. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am 19. d. M. unser Berbandstvllege Wlhelm Lütke Frankfurter Allee 00 au der Proletarierkrankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Frei- rag, den 22. d.M., nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Centraisried- hols in Fried richSfelde statt. Wir er- suche» die Kollegen um zahlreiche Be- teilignng. 144 20 Tic'Verbandsleilniig. 'Ms-Kriiiimikiisseöer TÄf und verwandte» Gewerbe. Montag, den 18. November, ver- starb das Mitglied Wsllisliuis Wieczorek (Werkstelle von SC. Böhm) Die Bcerdignng findet Mittwoch, den 20. d. M., nachm. 2\'.. Uhr, von der Leichenhalle des Renen Michaels- Kirchhofs in Martendorf ans statt. 276,2 I. A: G. Astnian». Id0>»It«»A»»js. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigsmg meines lirden Mannes sowie für die vielen Kranzlpcilden sagen wir allen Be- teiligtcn unsren besten Dank. s2177b Karoline Zlngelmann liebst Kindern. ISmpfehlc aslen Freunden n. Bekannten vmein 4V«!«»!-,«»li'i-cebblvr- nnd gr. Spelsegeschiltt. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Slbcndtisch a la carte von 30 Pf. an. 2 VereinSzimmer mit Klavier-für 20—50 Personen. ♦ II. Stramm, Rest., Rittcrjtr. 133. Chlttlottenburg. Kunsum-Verein. General- Versammlung am Mitlwocli. 30. Sioveuibcr, nachmittags 3 Uhr, in der Oiambriiins-Brnncrei, Wallstraße 04. Tageso rd» Ulig: 1. Berichte des Vorstandes und AnfsichtSrates. 2. Anträge und Be- schlußfassuug über die Verteilung des Reingewinns. 3. Antrag ans Gehalts- erhönnng für den Geschästsfilhttr. 4. Wabl cineS Vorstandsmitgliedes. 5. ZSahl von vier Sluffichtsrots-Mit- gliedern. 6. Allgemeine Alitteilungen. Nur Mitglieder haben Zutritt. Mitgliedskarte legitimiert. 265/45 Ter-Zlnfsichtsrat des Koiisiim- Vereins. E. G. m. b. H. Dr. B. Borchardt, Vorsitzender. Dainen-Konfelitioii direkt aus der Fabrik. Kein Laden Jetzt nach beendeter Engroe-Saison Einzelverkauf zn[27078« Engrospreisen: Capes, Paletols, Jacketts, Abendinäntel. Kinder-Jacketts, Ksmlcr- Pa'etots in großer Auswahl. n.lülldorznäntol-k'.'ldrik Rokert Baurag arten Hausvolgteiplatz n, 2. Etage(Ecke Jernsalemerstr.) Auch Sonnt, geöff. Lalon-Iepjiielie große Prachtexemplare, ziirückgescüte Muster, p. 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