Nr. 274. Abomrinent»- Ktdwgungen: tlbonnemenl«-Prei» pränumerando: vterteljährl. 3£0 91t., monatL 1,109»., wocheullich 28 Pfg. frei in» Hau». Sinrelne Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mir in»nr>eri«r Sonntag»- Beilage.Di« Neu« Welt" 10 Psg. Post- Vdonnement: 1,10 Mari pro Monat. «ingetragen in der Post- Leitung»» Preisliste für 1001 unter Br. 7671. Unter tkreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig««u»Iand S Marl pro Monat. 18. Jitlfrs. Die znserttons-GMyr- beträgt für die sechsgespaltene Kolonet» »eile oder deren Raum»0 Psg., für polittl che und gowerlschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jede» Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort fett>. Inserate sür die nächste Nummer müssen dt» t Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Srpcdtlto» ist an Wochen- tage« dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen dt» 8 Uhr vormittag» geöffnet. «rscheinl»glich«ulfer Zvonlig». Derlinev Volksblskk. Telegramm- Adresse: »<»riald«mvkr«t Scrlin» Csntrawrgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. VedsKlitm: SW. 19, Venth-Strshe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Sonnabend, den Ä6 November HKU. Expedition: SW. 19, Veutlz-Strasie 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 51S1. Die Lage der Dampfschiffahrt und die amerikanischen Anfkanfsprojekte. Der Rückgang der Seefrachten und die in geschickter Ausnutzung der gegenwärtigen Lage der Dampfschiffahrt vom Morgan-Syndikat betriebenen Versuche eines Aufkaufs eng lischer und deutscher Schiffslinien werden in der kapita listischen Preffe noch immer lebhaft diskutiert, zum Teil allerdings in einer Weise, als sei durch die vor einigen Tagen in Berlin abgehaltene Konferenz der Direktoren der beiden größten deutschen Schiffahrts-Gesell schaften über die Ausschließung fremder Staatsangehöriger von den Auffichtsräten, schon alle Gefahr der befürchteten „Amerikanisierung" der beiden Betriebe überwunden. Es ist recht sonderbar, wie schnell in dieser Beziehung die Ansichten wechseln. Als im Mai die ersten näheren Nachrichten über Morgansche Aufkaufspläne herüber drangen, weckten sie sofort übertriebene Befürchtungen; sobald aber der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Herr Ballin. nach einer Audienz beim Kaiser zu Anfang Juni einem Vertreter des„Berliner Lokal-Anzeigers" versichert hatte, daß die Gerüchte von einem beabsichtigten Morganschen Ankauf der Hamburg-Amerika-Linie„völlig aus der Luft gegriffen" seien. legten sich sogleich die aufgestiegeneu Bedenken; und dieses Vertrauen auf die Ballinsche Erklärung hielt auch dann an, als that- sächlich im September größere Käufe von Aktien der Ham- burger Linie für amerikanische Rechnung stattfanden, und verschiedene sonst über Geschäftsverhältnisse der Union gut informierte Blätter, wie die„New Aorker Staatszeituna", von bestimmten Aufkaufsprojekten der Vanderbilt- und der Morgan- Gruppen berichteten. Erst die jüngst vom Direktor Ballin einem Redacteur der „Hamburger Börsenhalle" gegenüber ausgesprochenen Ansichten — die. nebenbei bemerkt, den Erklärungen vom Juni vielfach widersprechen— haben erneut die Aufmerksamkeit auf die in letzter Zeit von amerikanischen Großkapitalisten gemachten Versuche gelenkt, den von ihnen beherrschten transamerikanischen K'iseubahncompagnien große Schiffslinien anzugliedern und aus diese Weise wichtige Lebensadern des Weltverkehrs zu monopolisieren. Doch auch diesmal wieder scheinen die auf- getauchten Befürchtungen sich schnell verflüchtigen zu wollen. Die Direktoren des„Lloyd" und der„Hamburg- Amerika- Linie" haben ja bereits Maßregeln zur Abwehr des amerikanischen Einflusses in Erwägung gezogen— damit gelten den meisten anscheinend alle üblen Folgen der amerika- »ischen Bestrebungen für Deutschlands Handel und Schiffahrt als beseitigt; und doch ist sicherlich die Abwehr des amerika- Nischen Einflusses auf die beiden deutschen Reedereien, selbst wenn sie möglich wäre, von recht untergeordneter Bedeutung gegenüber der folgenreichen Veränderung der Handelsverkehrs- Wege, welche die von amerikanischer Seite verfolgten Projekte anbahnen. Sachlich steht die heutige schlechte Lage der Dampfschiff- fahrt zu den von dem Morgan-Syndikat betriebenen Ankäufen fremder Schiffslinien in keinem Verhältnis, da sie aber den amerikanischen Plänen Vorschub leistet und deren Durch- führung erleichtert, ist es nötig, einen Blick auf ihre Ursachen zu werfen. In der Hauptsache ist die Depression des Schiffsfrachten- Marktes und die aus ihr resultierende gegenwärtige mißliche Lage der Schiffahrt nichts als eine natürliche Folge der allgemeinen Krise. Wie die Steigerung des Handels- Verkehrs in den vergangenen Jahren naturgemäß auch die Nachfrage nach Schiffsraum steigerte und die Frachtsätze hoch- trieb, so mußte andrerseits die Verminderung des inter- nationalen Verbrauchs zu einer Reduktion der Frachten führen. Wenn diese Folgen erst seit etwa drei Monaten eingetreten sind, so hängtsdas mit besondren Umständen zusanimen. Einmal hat die Krise, wenn sie auch auf der einen Seite Produktion und Konsum einschränkte, doch auf der andren zu forcierter Abstoßung der angesammelten Vorräte nach fremden Märkten geführt, die. wenigstens vorerst, den durch Einschränkung des Verbrauchs entstehenden Transportausfall einigermaßen ausglich; sondern aber hängt die Rentabilität der Schiffahrt nur zum Teil vom Frachwerkehr ab. zum andren Teil, und zwar gerade bei den größeren Dampfschiffs- Compagnien, vom Personenverkehr. Und dieser Teil hat in den letzten Jahren, vor allem 1900, eine ganz besondere Steigerung erfahren, wie die nachfolgende Zusammenstellung der Passagierbefördcrung der neun wichtigsten europäischen Dampfercompagnien von Europa nach den Vereinigten Staaten beweist: Passagiere: Kajüte Zwischendeck 1S00 1809 1900 1699 Hamburg-Amerika-Linie. 23 667 14 534 72 245 40 578 Rorddeulschcr Lloyd... 26 677 20 094 92143 75 291 White Slar-Liuie... 14 948 12 741 29 370 25 208 Cunard-Linie, circa... 20 000 19 046 22 751 20 853 Red Star-Linie.... d659 4316 31003 20120 Holl.-Amcrik. Linie... 5590 4 010 25 940 17219 Französ. Linie sHavre)..«735 6 124 30 643 22 883 Americ. Linie(Southampt.) 16 435 14 398 16 844 11341 »nchor Linie..... 7633 6196 22681 19296 Dazu kam. daß die zahlreichen Truppen- und Proviant- transporte nach Südafrika dem gewöhnlichen Frachtverkehr im vorigen Jahr eine große Anzahl englischer Dampfer entzogen, und daß später, als auf dem Frachtenmarkt eine Abschwächung eintrat, die Truppensendungen nach China erneut große An- forderungen stellten. So hat sich denn das Jahr 19 zu einem der flottesten des Reedereigeschäfts gestaltet, und die größeren deutschen Reedereien konnten durchweg trotz hoher Abschreibungen auf dem Schiffsconto und reicher Dotationen der Reserve-, Assekuranz- und Reparaturenconten 8—14 Proz. Dividende ausschütten. Auch in diesem Jahr hat der Passagiervcrkehr kaum eine Abnahme erfahren, wie wahrscheinlich die Jahres-Zusammen- stellungen ergeben werden; dagegen aber hat seit einigen Monaten der Handelsverkehr bedeutend abgenommen. Englands Ein- und Ausfuhr ist gegenüber dem Vor- jähre beträchtlich zurückgegangen, ebenso seit Juni die Einfuhr Deutschlands, und Amerikas Versand an Eisen- waren, Maschinen, Baumwolle zc. stellt sich ebenfalls wesent- lich geringer, ein Fehlbetrag, der durch die Zunahme des amerikanischen Äohlenexports nicht ausgleichen wird. Dazu kommt weiter, daß infolge der geringen Maisernte der Mais- Versand aus den nordamcrikanischen Häfen sehr unbedeutend ist, und daß vomehmlich die Inanspruchnahme der Handelsmarine ftir militärische Zwecke, die im vorigen Herbst so gute Profite ab- warf, aufgehört hat, während andrerseits seitdem der Tonnen- gehakt der Tampfcrflotte sich enorm vermehrt hat; sind doch z. B. im vorigen Jahre nach Lloyds Register allein in Eng- land 692 Dampfer'(ohne Kriegsschiffe) mit einem Gehalt von 1 442 471 Tonnen gebaut worden, wovon 25 Schiffe mit 103 625 Tonnen nach Deutschland gingen, dessen eigne Pro- duktion auch noch etwas über 200000 Tonnen repräsentiert. Und in den ersten zehn Monaten dieses Jahres haben die englischen Werften bereits wiederum 1 364 000 Tonnen Schiffs- räume fertiggestellt. Mehr noch als in andern Industriezweigen hat auf dem Gebiete des Schiffsbaues eine enorme Ueberproduktion Platz gegriffen. Eine kolossale Vermehrung des Tonnengehalts bei verminderter Nachfrage nach Frachtraum: dieser Gegensatz mußte die Frachffätze drücken, die denn auch vielfach wieder bis auf die Sätze von 1894 zurückgegangen sind, dem ungünstigsten Jahre vor dem Einsetzen der Prospertiätsperiode. Dennoch dürften wenigstens die Jahresabschlüsse der größeren deutschen Reedereien immerhin noch verhältnismäßig gute Resultate ausweisen, da erst vom August ab sich die rückläufige Lewe- gung bemerkbar macht und der Kajüts- Passagierverkehr von Amerika nach Europa und vies versa wenig zu wünschen übrig ließ. Wie aber im nächsten Jahre; wenn, wie mehr als wahrscheinlich ist, die Krise sich noch verschärft; wenn sie auch nach Amerika übergreift und derZustroni reicher amerikanischer Kajüts- Passagiere stockt, die alljährlich im Frühsommer nach Europa kommen und im Herbst wieder zurückfahren? Dann sind auch die in den letzten Jahren wie Pilze emporgeschoffenen Pom- pösen Riesenschnelldanipfer, deren Einnahmen noch in diesem Jahr den Frachtenausfall milderten, zum Stillliegeu oder zur Unternehmung völlig unrentabler Fahrten gezwungen. Solche Aussichten mußten den Kurs der Aktien des Nord- deutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie herabdrücken, obgleich beide und spcciell letztere, außerordentlich gut fundiert sind, besser, wie die meisten der größereu englischen Linien, und seit Jahren nicht nur beträchtliche Zuweisungen an die verschiedenen Reservefonds, sondern auch hohe Abschreibungen auf dem Schiffsconto vorgenommen haben, so daß der effektive Wert der vorhandenen Schiffe bei weitem ihren Buchwert übertrifft. Diesen Kursfall hat das Morgan- Syndikat benutzt, um durch Vermittelung eines amerikanischen Bankhauses durch die Firma M. M. Warburg u. Co. in Hamburg Aktien der Ham- burg-Amerika-Linie auszukaufen, wobei, um nicht zu teuer zu kaufen, das Manöver angewandt worden zu sein scheint, zu- erst durch forcierte Abgabe von Aktten und durch un- günstige Gerüchte die Kurse noch mehr zu senken und dann möglichst schnell und ohne Aufsehen wieder zu kaufen, wenigstens lassen die eigenartigen Kurs- schwankungen und die Thatsache, daß durch unmotivierte Plötz- liche Berliner Abgaben auf den Hamburger Markt zu drücken versucht wurde, die Anwendung solcher allbekannter Praktiken als höchst wahrscheinlich erscheinen— sie entsprächen ja auch nur den allgemeinen Usancen. Nachdem die Morgan-Gruppe den Stahltrust begründet und eine Reihe der wichügsten Eisenbahnen unter ihre Herrschaft gebracht hat, gilt es zunächst diesen Linien, so weit als irgend möglich, die von Europa ankommenden Passagiere und Güter zuzuführen, für diese Bahnen gewissermaßen schon in Europa Güter zu über- nehmen, und weiterhin durch billige Ocean-Frachtraten dem Stahltrust den Absatz nach den Auslandsmärkten zu er- leichtern. Zu diesem Zweck sind von Morgan zunächst die Atlantic- Transport- Linie, sowie die Leyland- Linie, die früher einen Frachtverkehr zwischen Liverpool und Boston. New Orleans sowie Westindien unterhielt, angekauft und die 34 Schiffe der letzteren Linie durch fort- währende Zukäufe neuer Schiffe vermehrt worden. Gelänge es jetzt, auch die Hamburg-Amerika-Linie, die größte Reederei der Welt, mit ihren weitreichenden Verbindungen unter amerikanische Kontrolle zu bringen und vielleicht noch eine oder die andre der großen englischen Schiffsgesellschaften dazu, so wäre das oben genannte Ziel erreicht, so könnte das Syndikat den wichtigsten Teil des zwischen Europa und der Union bestehenden Fracht- und Passagierverkehrs an sich ziehen und jede Konkurrenz aus dem Felde schlagen. Und dieses Ziel wird erreicht werden, entweder so oder so. Es ist für den beabsichtigten Zweck nebensächlich, ob die Hamburg-Amerika-Linie„amerikanisiert", ob sie nominell in amerikanische Hände übergeht, oder unter deuffcher Leitung und deutscher Flagge bleibt; die Erwerbung der Aktien durch das Morgan-Syndikat läßt sich in Anbetracht der enormen Mittel des Stahltrusts und der amerikanischen Bahn- gesellschaften nicht verhindern und mit dem Aktienbesitz findet sich in der einen oder andern Weise auch das Mittel, Einfluß auf die geschäftliche Leitung zu gewinnen, eventuell durch vorgeschobene Strohmänner. Zudem steht dem Morgan-Syndikat das Mittel offen, durch eine ruinöse Konkurrenz, Herabsetzung der Frachtraten, Begünstigung andrer Dampferlinien, Anschließung von Expreßzügen an deren Verkehr, Einrichtungen zu bequemer Uebcr- nähme der mit den Schiffen dieser Linien ein- laufenden Güter— die Dampfer der angekauften Leyland- Linie löschen und laden zum Beispiel direkt an den Piers der Philadelphia- und Reading-Bahn—, Ausgabe von be- sonderen kombinierten Schiffs- und Eisenbahnbillets zu er- mäßigten Preisen usw. auf die Haniburg- Amerika-Linie eine starke Pression auszuüben. Und ob dann, wenn die übrigen Aktionäre vor die Wahl gestellt werden, in einem solchen Konkurrenzkampf ernstliche Verluste zu erleiden, oder durch Eingehen auf die Morganschen Absichten gute Profite zu erzielen, sie sich für das erstere entscheiden werden, das dürfte doch noch recht fraglich sein. Einer amerikanischen Leitung bedarf es zur Erreichung des Morganscheu Zwecks nicht; es genügt eine Bindung durch entsprechende Vertrags- abschlüsse. Auch die von Morgan angekaufte Leyland- Linie fährt bekanntlich noch heute aus gewissen Gründen unter englischer Flagge. Das Ziel ist, wie schon gesagt, zunächst die Monopoli- sierung bestimmter Verkehrswege, des weiteren aber die Wirt- schaftliche Eroberung Ostasiens und Oceaniens: ein Ziel, dem auch die Annektion Hawaiis und der Philippinen und der zu- erbauende Nicaraguakanal dient. Richtig haben die amerika- nischen Finanzgrößen erkannt, daß die Länder Ostasiens noch in der Weltwirtschaft eine bedeutende Rolle spielen werden, daß die Industrialisierung Ostasiens in wenigen Jahren mit ver- stärkier Macht einsetzen wird, und sie suchen sowohl den Güter- und Fremdenstrom über ihr Land zu leiten, wie sich jene Gegenden als Absatzgebiete für ihre mächtig aufschießende Eisen- und Stahlproduktjon und als Anlageniärkte für ihren zunehmenden Kapitalreichtum zu sichern. Sie fühlen sich in jenen Gegenden, den Gestaden des„Mittelmeers der Zukunft", wie Napoleon den Stillen Ocean einst nannte, als Erben der Weltniacht Englands._ Z�olikifitzv Aebevfichk. Berlin, den 22. November. Der Zollwncher. Die«Post" fährt fort, die angeblich neuen WortedcS Ka i se r Z über den Zolltarif eifrig auszunutzen, doöb dieser Eifer wird nicht lauge andauern, denn außer der„Post" glaubt die gesamte Wucherptesse nicht daran, daß diese kaiserlichen Worte echt sind. Die«Berliner Neuesten Nachrichten" weisen die Ausführungen der.Post" verächtlich als„Geschwätz" zurück und die„Krcuz-Zeitung" läßt das Gerede gänzlich unbeachtet. Es soll nun sicher sein, daß der Reichstag beim Wieder- beginn seiner Beratungen die Entwürfe des Zolltarif-Gesetzes und des Zolltarifes einschließlich der Begründung als fertige Drucksache vorfinden wird. Eine Korrespondenz meldet sogar, daß die Ver- sendung der Entwürfe an die Abgeordneten schon am Sonnabend beginnen soll. Der ReichStagS-Präsident hat eine Sitzung deS Senioren konventS für den nächsten Mittwoch anberaumt, in der die geschäftlichen Dispositionen des Hauses besprochen werden solle». Es besteht die Absicht, den Zolltarif sobald als möglich zur ersten Lesung zu stellen. Da» Direktorium de» CentrakverbandeS deutscher Industrieller ivill am 13. Dezember zu einer neuen Beratung über die Zollfrage in Berlin zusammentreten. Die Empörung der Professoren. Der Profefforenschaft der Universitäten im neudeutschen Reiche galt stets als wesentliche Eigenheit der Gelehrsamkeitsiibung. sich fern zu halten von dem Lärm des öffentlichen Lebens in Staat und Gesellschaft. Die Streber freilich, die in stets wachsender Zahl die Katheder besetzten, liehe» den scheinwissenschaftlichen Aufputz für alle Modethorheiten und alle Brutalitäten des herrschende» RegiernngssystemS; aber die andern waren der Wahrheit und der ivahren Wissenschaft gefährlicher, als selbst daS ekle Geschlecht der Ehrsüchtigen und Stellenjäger, indem sie duldend schwiegen und alle Gräuel der preußisch-ncndeutschc» Universitäls- Versklavung stnmin erduldeten. Es scheint, als solle der Fall Spahn den Stnnnndnldcnde» nun doch die lange verhaltene Empörung ans die Zunge drängen. Wie schiver müssen die Vorgänge in der Anfzwingung deS neuen Straßburger ProfesiorS für Klerikalisierung der Geschichtswissenschaft in die Universitätswelt eingeschlagen haben. daß selbst die Professorendemnt sich grollend gegen die Zumutungen der Unterrichtsverwaltung erhebt! Der Nufruf des greisen Mommsen ist von verschiedenen Univerfi- tiiten durch Ziistimmnngsknndgcbungen unterstützt lvorden und jetzt veröffentlicht Professor Adolf Michaelis, Lehrer der klassischen Ar- ckäologie und Senior derS traßburger philosophischen Fakultät, Im „Lotsen" einen sArtikel nicht nur gegen die Oltroyierung des jungen Spahn, sondern gegen das System der Unterrichtsverivaltung selbst, das die deutsche Wissenschaft und seine Vertreter entwürdigt. Zunächst führt Professor Michaelis zur Angelegenheit Spahn folgendes anS: „Die Fakultät hatte für den Ersatz deS nach Marburg berufenen Vertreters der neueren Geschichte. Professors Varcentrapp, vier Vorschläge gemacht: Marcks, Schäfer, Meinecke, Rachfahl. Ueber Nacht, mitten in der Stille der Ferien, Ivo der Dekan und fast alle Fakultätsmitglicder in der Sommer- frische weilten, überraschte der Kurator Hamm die Fakultät mit der Anzeige, daß die Regierung, nachdem die Berufungen von Marcks und Schäfer sich als unmöglich erwiesen hätte», neben der bestehenden ordentlichen Professur eine zweite gleiche Professur zu errichten beabsichtige und darüber mit den Herren Meinecke und Spahn in Verhandlung treten werde. Ein wissen- schaftlicher oder auf den Lehrbedürfnissen der Fakultät beruhender Grund in dieser Ver- doppeln ng der Geschichtsprofessur liegt uicht vor; die Fakultät durfte um so eher überzeugt sein, durch ihre Vorschläge ihrer statutenmäßigen Verpflichtung nachgekommen zu sein, als neben dem von ihr vor- geschlagenen Dr. Meinccke noch zwei ältere, ausgezeichnete und gern gehörte Privatdocenten, Dr. Bloch und Dr. Ludwig, neuere Ge- schichte vortragen, denen nun der bedeutend jüngere Professor Spahn vorgesetzt werden sollte. Die Fakultät konnte also in diesem zweiten, den NniversitätSetat unnötig belastenden Ordinariat für neuere Geschichte nichtS erblicke», was die Regierung a»S wissenschaftlichen Gründen hätte veranlassen können, ohne die bisher stets begehrte und bewährte Mitwirkung der Fakultät vorzugehen." Weiter ivendet sich der Straßburger Gelehrte gegen die preu- ßische Unterrichtsverwaltung: „Der plötzliche Bruch mit der guten Straßburger Tradition ist nach prenßischeni Muster, ja allem An- scheine nach unter Mitwirkung der das preußische Unterrichts- Wesen leitenden Persönlichkeit erfolgt, obschon das preußische Kultus- Ministerium mit der reichsländischen Universität offiziell nichts zu schaffen hat. Hierin aber liegt ein weiterer Grund für die Straß- burger Universität, die Neuerung mit besonderem Mißtrauen auf- zunehmen. Es ist außerhalb der akademischen Kreise nur wenig bekannt, welche grnndstlirzcndeu Veränderungen seit IS Jahren in der Verwaltung der preußischen Uinversitäten vorgegangen sind. Das alte Vorschlagsrecht der Fakultäten ist völlig illusorisch geworden, ihre hergebrachte Selbstbestimmung gänzlich vernichtet; an die Stelle der Fakultäten als der sachkundigen Berater und Antragsteller sind die zum Teile der Wissenschaft ganz fernstehenden Jurisien am grünen Tisch getreten, die fast unumschränkt das Geschick der prenßischen Universitäten und damit eines großen Teiles der beut- scheu Wissenschaft lenken. Mögen auch manche Körperschaften es für ztveckmäßig erachten, den Träger dieses neue»Kurses mit Ehren zu überschütten: an w e l ch e d e u t s ch e U n i v c r s i t ä t man auch kommt, da hallt eS widcr von Empörung über dies früher unerhörteRegiment, dessen Schilde- rung einst das schwärzeste Blatt in der Geschichte der preußischen Universitäten füllen wird. Ucberall treten einem Beispiele in Fülle entgegen von den dabei beliebten Mittel»: Grobheiten, Einschüchterungen, Drohungen, Revers«, die die Freiheit dcö Berufenen eiuschränkeu oder seine Interessen schädigen, Strafprofcssnrc» usw. Von einem gegen- seitigen Vertrauen zwischen den Universitäten und der Unterrichts- Verwaltung ist kaum mehr die Rede, bureankratischc Gewalt ist an die Stelle der einst freien und blühenden akademischen Selbstbestimmung getreten." Es wäre ungerechtfertigt, die Anklage ausschließlich oder vor- wiegend gegen den durch Professor Michaelis bezeichneten Ministerial- direktor A I t h o f f zu erheben. Dieser ist nur einer neben den andern, die in der preußischen Unterrichtsverwaltung zwecks Reinigung der Universitäten aufgezüchtet worden sind, denen die prächtigsten Exeniplare sich in Disciplinargerichten gegen mißliebige Dozenten der allgemeinen Aufmerksamkeit empfohlen haben und die allesamt doch wiederum nur die ausführenden Komturen ihrer Vorgesetzten und eines wissenschaftsfeindlichen Systems der Bevormundung und des Slbsolutismus sind. Man mag weit von jeglicher Ucberschätzung der Professorenregierung entfernt sein; man mag feststellen, daß das heutige Mannesivort um so düsterer an die so oft bewiesene feige Duldsamkeit der deutschen Gelehrtcnschaft mahnt— immerhin soll den, streitbar tüchtigen Wort des Seniors der Straßburger philosophischen Fakultät gebührende Anerkennung nicht vorenthalten bleiben. Allerdings Anerkennung nur unter allein Vorbehalt. Denn zu oft geschah eS, daß die deutsche» Wiffenschaftsvertreter nach dem ersten mannhaften Schritt alsbald um so ängstlicher zurückwichen. Es wird sich zeigen, ob die Empörung der Professoren dieses Mal von etwas größerer Nachhaltigkeit und Tragweite sein wird. Schon zeigen sich bedenklichste Anzeichen. Die Berliner P r o f e s s o r s ch a f t hat es a b g e l e h n t, sich an der Znstimmnngs- adresse für Mommsens Kundgebung zu beteiligen. Die„Hamburger Nachrichten" melden: „Bei dem Diner beim Grafen Bülow soll die Unterhaltung des Kaisers mit dem Rektor der Universität und den Professoren Harnack und S ch m o l l e r besonders der Bewcgmig auf den Universitäten in Sachen des Falles Spahn und der Protesterklärung Mommsens gegolten haben."— Die Mächte als Brecher deö chinesischen Friedens- bertrags. Aus China kommt folgende überraschende Meldung: Die europäischen Komniandanten in Tientfin haben kürzlich die Forderung der Chinesen, ihnen die Er- Hebung von Steuern wieder zu übertragen, abgelehnt: die Kommandanten glauben, daß das Recht der Steuererhebung für den Weiterbestand der provisorischen Regierung nötig ist, und meinen, die K o n t r o l I e d e r S t a d t sei unumgänglich für die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen T a k u und Peking.' Man glaubt, daß die Mehrheit der Gesandten der Ansicht ist, daß es in An- betracht der erfolgten Vollziehung de« Friedens- Protokolls unmöglich sei, daß die Ausländer fort- fahren, Tientsi» zu regieren. Danach glaubt also wenigstens eine Anzahl von Gesandten, daß die Mächt« das Recht besitzen, die Verwaltung der Stadt Tientsin auch für die Zukunft in ihrer Hand zu behalten I Der Artikel IX des Friedensprotokolls, der den Mächten das Recht ein- räumt, zwölf Ortschaften, darunter auch Tientsin, mit Besatzungen zu belegen, militärisch„besetzt zu halten", würde dann so ausgelegt werden müssen, als ob diese zwölf Orte förmlich an die Mächte abgetreten seien. Dieser Sinn kann aber un- möglich von China hinter dem Wortlaut dos Artikels vermutet worden sein. Es ist also klar, daß die Verwaltung Tientsi» unvcttüglich wieder an China zurückgegeben werden muß. Eigentlich so lte das schon längst geschehen sein, denn in dem Friedensprotokoll, das am 7. September unterzeichnet wurde, war die vollständige Zurückziehung der internationalen Truppen anS Peking auf den 17. September festgesetzt worden, spätestens an demselben Tage hätte also auch die Zurückgabe aller öffentlichen Gewalten an China er- folgen sollen. Und nun erfährt man. daß die Mächte noch jetzt, zwei Monate später, in Tientsin die Herren von des Säbels Gnaden spielen, Steuern einziehen, die städtische Verwaltung ausüben, kurz sich gebärden, wie in einem eroberten Lande! Es wäre wirklich endlich an der Zeit, daß diesem Unfug von den Regierungen ein Ende gemacht würde! Deutsches Aeich. China-Raritäten. In der Dremerhavener„Provinzial-Zeitung" ist zu lesen: „Dem hiesigen n a t u r h i st o r i s ch e n Museum ist von Herrn Obermaschinist Bock vom Lloyddampfer„Crefeld" e i n wertvolles und interessantes Geschenk überwiesen worden. Es sind zwei äußerst kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne chinesische Kanonen, welche a uf der Stadtmauer von Peking nahe dem Südthore gestanden haben. Die Gc- schlitze haben äugenscheinlich ein hohe?, wohl mehrere Jahrhunderte zählendes Alter und besitzen einen g r o ß e n k ll n st l e r i s ch e n Wert. Es ist äußerst dankenswert, daß»nsre Seefahrer Raritäten, welche sie aus fernen Zone» heimbringen, öfter dem genannten städtischen Institut zuwenden und dadurch einem größeren Publikum zu- gänglich machen; hoffentlich wird dieser löbliche Brauch mit der Zeit ein noch immer allgemeinerer." Auch die„Nordwestd. Ztg." berichtet über die eigenartige Schenkung. Sie giebt von den'Geschenken folgende Beschreibung: „Es sind dieses zwei uralte schmiedeeiserne Kanonenrohre von knapp einem Meter Länge, die jedes aus einem Stück roh ge- schmiedet und mit mehreren ringartigen Verstärkungen verschen sind. DaS Kaliber ist etwa 4'/z Centimeter, auch liegen zwei alte eiserne Vollkugeln etwas größeren Kalibers dabei. Vielleicht ge- lingt es, das Alter der Stücke, flir welche dem Geber Dank gc- bührt, näher festzustellen." Wir wissen nicht, ob das naturhistorische Museum in Bremer- haben, dcm diese wertvollen Chinagaben überwiesen worden sind, sich vor der Annahme des Geschenkes genügend erkundigt hat, in welcher Art dasselbe aus chinesischem Eigentum in den Besitz des Schenkers gelangt ist. Sind diese Kanonen rechtmäßig erworben worden? Oder bedeutet ihre Fortnahme eine VölkerrechtSwidrigkeit gleich der„Fortführung" der astronomischen Instrumente und jener andren 80 Bronzekanonen, die anscheinend auf amtliche Anordnung nach Deutschland gebracht worden sind und im Berliner Zeughaus als Denkmal des„glorreichen" China-Feldzngcs Aufstellnng finden sollen.—_ Hnniienprozeß und Jmmnnität. Die„Mainzer Volkszeitnng" berichtet: Der Landtagsabgeordnete und Redactenr Philipp H a a S von hier sollte sich am' Mittwoch wegen Beleidigung des oft- asiatischen Armeecorps, verübt in einem Artikel der „Mainzer Volksztg.", vor der hiesigen Strafkammer verantworten. Der Angeklagte war nicht erschienen. Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt bemerkte, daß ihm der Angeklagte persönlich die Mitteilung gemacht habe, daß er uicht erscheinen werde. Der Angeklagte gehöre dcm hessischen Landtage an und genieße dadurch die Immunität. Die persönliche Vor- sührung sei nach der Verfassung nur durch die Zustimmung des Landtags möglich. Die Frage, ob das Gericht in der Lage sei, die Vorführung zu erlassen, müsse er bejahen. Die Vorführung des An- geklagten sei nach dem Gesetze nicht ausgeschlossen. Ob dies ein persönlicher Eingriff in die Rechte des Abgeordneten sei, das sei Sache des Landtags zu entscheiden. Nach Entscheidung des Ober- Landesgerichis i» Sachen des früheren Landtags- Abgeordneten Müller und nach einer Entscheidung des Reichsgerichts sei die Vor- führung ausdrücklich bestätigt, wenn vorher die Genehmigung des Landtag« eingeholt werde. Auch das Ministerium der Justiz stehe auf diesem Standpunkt. Er beantrage deshalb die Vorsührnng des An- geklagte». Das Gericht lehnte die Vorsührnng ab. Nach Z 229 Abs. 2 der Strafprozeß-Ordnung könne die Vorführung nur beschlossen werden, wenn der Angeklagte nicht genügend ent- schuldigt wäre, es sei aber gerichtsnotorisch, daß seit gestern der Zusammentritt des Landtags erfolgt sei, mithin sei der Abgeordnete genügend entschuldigt und verstoße eine Vorführung gegen den genannten Gesetzesparagraphen.— Huunc eine Beleidigung! Wie eine Korrespondenz meldet, haben die im Dienst verbliebenen ehemaligen Chinakrieger eine sehr merkwürdige Instruktion erhalten. Sie sind nämlich dahin belehrt lvorden, daß der ihnen gegenüber gebrauchte Ausdruck„Hnnne" und dessen Ableitungen strafbar seien. Die Leute sind angewiesen worden, sich die Beleidigung nicht gefallen zu lassen, sondern den Beleidiger zur Anzeige zu bringen. Sollte die Be- lcidigung in Gastwirlschafte» falle», so sei der Uebelthätcr möglichst ohne scdeS Aufsehe» festzustellen und dcm vorgesetzten Kommando sei davon Meldung zu machen. Auch die Belegung der vom Kaiser gestifteten China-Erinnerungsmedaille mit der Bezeichnnug„Hnnuen- Medaille" sei ein strafbares Vergehen, daS zur Meldung gebracht werden müsse. Giebt es eine solche Anweisung zu Denunziationen wirklich, so wäre sie völlig unverständlich. Wie kann ei» vom Kaiser zuerst gebrauchter Vergleich als Beleidigung aufgefaßt werden? Schlaue Agrarier sitzen in der Landwirtschnftskammer der r o v i n z W e st f a l e n. die ihre Stellung zum Zolltarif dahin präcisierten, daß sie für Weizen und Roggen einen Zoll von 7,50—9 M. und für Hafer und Gersie von 6—7,50 M. als unbedingt notwendig erachteten, ferner Döllschütz für forstwirtschaftliche Podukte forderten, d a- gegen der vom deutschen L a n d>v i r t s ch a f t s r a t beantragten Erhöhung dcö Zolles auf Tabak nicht zustimmen. Das ist sehr schlau. Bekanntlich hat sich unter der westfälischen Kleinbaucrnschaft die Eigarreiiindustrie ein» genistet: die Hausarbeit wuchert dort in schlimmster Weise, sie wird als Nebeneriverb betrieben. Da höhere Tabakzvlle die Cigarren- indiistrie schädigen, sind die westfälischen C i g a r r e»- B a u c r n Gegner derselben. deshalb umßto anrv 1894 Freiherr v. Hammerstein, als Abgeordneter des Wablkrciscs Halle- Herford sWestfalen), gegen die Tabakfabrikalsieucr stimmen. Um nun diese Cigarren- Bauern unter der konservativ- agrarischen Fahne zu halten, versprechen ihnen die Agrardcmagogc» Vorteile von hohen Gctreidczöllen. und spiele» sich zugleich als Schützer der Cigarrenindnstrie auf. indem sie sich als Gegner böhcrcr Tabakzölle bezeichnen. Ob wohl die westfälischen Cigarren-Banerii diese Schliche durchschauen? Schiver ist«S nicht, diesen Humbug zn erkennen.— „Gazelle"- Prozeß. Gegen den Kommandanten des Kreuzers „Gazelle", Korvettenkapitän N c i tz k e, wurde am Freitag vor dem OberkriegSgericht in Kiel infolge Bernfmig des Gerichtsherrn er- »e»t verhandelt. Kapitän Neitzke ist augeklagt, über die Vorlommnisse auf dem von ihm befehligte» Kreuzer eine dienstliche Meldung nicht abgestattet zu haben. Das Gericht verwarf die Gerufliiig und bc- stätigte das freisprechende Urteil erster Instanz.— Soldatenmißhandlung. Vor dem KriegSgerichl der 9. Division in Glogrni hatte sich der Obcrjäger Adalbert G. von der 3. Com- pagnie deS Jäger-Bataillons Nr. 5 in Hirschberg wegen Mißbandliiiig eines Untergebenen zu veraiitworten. Der Jäger Stecket sollte seine Hose von Flecken reinigen und sie am Abend dem Obcrjäger in sauberem Zustande vorlegen. Da er aber den ganzen Tag Dienst hatte und erst spät abends in die Kaserne kam, war cS ihm nn- möglich, den Befehl auszuführen. Der Oberjäger geriet hierüber in maßlose Wut, stieß den Stecket gegen ein Spind, schlug ihn mit der Fan st ins Genick und. als der Mißhandelre zn Boden fiel, wiederholt auf das Gefäß. Stecke! blieb am Boden liegen und fiel, als er von denr Oberjäger aufgerichtet wurde, wieder zur Erde. Er trug eine blutende Verletznna an der Nafe und Hautabschürfungen davon. Der Oberjäger wurde zwar ö-r Miß- Handlung eines Untergebenen für schlckdig befunden, kam aber mit der überaus milden Strafe von zehn Tagen Arrest davon.— Auarchrstenhatz. Der„Post" zufolge finden zur Zeit zwischen dem deutschen und dem russischen Kabinett Besprechungen statt betreffs Ergreifung geeigneter Maßnahmen zu einer besseren Ueberluachnng und Bekämpfung der„Anarchisten" als bisher. Da eS sich um interuationale Maßnahmen handelt, werde» auch andre Mächte den betreffenden Abmachungen beitreten. Ob andre Mächte außer Deutschland wirklich Rußland in der Verfolgung politischer Richtungen— für Rußland ist alles Anarchist— Hilfe leisten werden, scheint uns fraglich. Sollten sich die Mächte nicht zweckmäßiger niit der Bekämpfung des immer mächtiger werdenden inteniationalen Hunneirgeistes be- schäftigen? Bant, 20. November.(Eig. Ber.) Einen schönen Sieg haben gestern die hiesigen Arbeiter bei der Gcmetnderatöwahl er- rungen. Die Kandidaten der vereinigten Bürgervereine Baut, Neu- bremen»nd Sedan(Gemeindebezirke) siegten glänzend. In diesen Bürgerbercinen sind die Arbeiter und darunter viele unsrerParteigenossc» organisiert, um die Gemeindewahlen und moderne Gcmcindcpolitik zu betreiben. Die socialdeinokratische Partei kann sich selbständig an den Gcmeindewahlen nicht beteilige», ohne einen Keil i» die Arbeiter- schnft zu treiben. Die 7000 Werftarbeiter wären dann von der Gemeindevertretung geradezu ausgeschlossen. Denn jeder von der Partei mifgestellte und gewählte Arbeiter der kaiserlichen Werst würde als socialdemokratischcr Agitator betrachtet und gemaßregelt. Die Gemeinde besteht jetzt 22 Jahre und die in den genannten Vereinen organisierten Arbeiter und einige Kleinbürger habe» allein einen fast zehnjährigen Kampf geführt gegen den Grundbesitz, um sich wenigstens den gesetzlichen Anteil an der Geineindevertretimg zn sichern. Zn den Gegnern, welche den Arbeiter» diesen Anteil streitig machen wollen, gehörte nicht zuletzt die kaiserliche Werftverwaltnng zu Wilhelmshaven. Die Geineindevertretimg muß zn Zweidrittekn ans HanS- jider Grundbesitzern bestehen, die entweder 6 M. Grund- oder 15 M. Grund- und Gebäudesteuer bezahlen. Für die Gemeinde Bant ist dieses Uebergcwicht durch ein Ansiiahmegesetz noch verstärkt lvorden. Man hat den Hausbesitzern zum persönlichen Stimmrecht für jedes Haus eine Stimme und den Grundbesitzern, auch den Forcnscu, für je zwei Hektar Land auch eine Stimme gegeben. Daher kommt es, daß die kaiserliche Werft zu Wilhelmshaven 246 Stimmen für ihre 246 Häuser in Bant bei der Gemeinderatswahl in die Wagschale wirft. Diesmal hatten die Arbeiter- Bürgervereine gegen zwei andre Listen, die des Hrnisbesitzervereins und des Bürgervereins „Gemeinwohl", der ans loyalen Spießbürgern, Kriegervereinlern und sonstigen Elementen auch ans der Arbeiterklasse besteht, denen die demokratischen und kommunalsocialistischcn Tend�nzeu, die in den andren Bürgervereinen zu Tage treten, ein Greuel sind, zu kämpfen. Der Wahlka'uipf war überaus heftig, doch haben die Kandidaten der Arbciter-Vürgervoreine mit durchschnittlich 1330 Stimmen gesiegt. Unter den Gewählten befindet sich mich der Genosse Hug, der 1527 Stimmen erhalten hat. Zu wählen waren 9 ordentliche Mit- glieder des Gemeinderats und 1 Ersatzmann; davon mutzten sieben Grund- oder Hausbesitzer sein.— Im sächsischen Landtage fand am Donnerstag eine fünf- stündige Beratung über die Stenerreform-Vorlage der Regierung statt. Auf den Tadel des Geh. JnstizrateS Schill, daß die Regierung nicht gleichzeitig eine G e m e i n d e st e n e r r e f o r in vorgelegt habe, erklärte Staatsminister v. M e tz f ch, wenn die Beratung über die Reform der Staatssteuer rechtzeitig zu einem be- friedigenden Resultat führe, werde die Regierung eine Gemeinde- stencrvorlage in dieser Session einbringe». Der Entivurf gehe von der Ansicht anS, daß Staat und Gcnieinde keine analogen Steuern besitzen sollen. In der Debatte sprachen selbst einige Konservative gegen den RegiernngSvorschlag, schon die untersten Einkommenstnfcn von 400 M. ab zur erhöhten Steuer heranznziehcn. Die Vorlage wurde einem lögliedrige» Ausschuß überwiesen. Niedrige Löhne des AnölandcS werden von den Handschuhiiidiiftricllen zur Begründung einer Ver- zivölsfachung der bisherige„Zölle ins Feld geführt, Sehr unzufrieden sind die Handschuhfabrikanten und in ihren engen Kreisen schlagen sie fast so Lärm, ivie der Bund der Landwirte, weil ihnen nur die Verdoppelung der Zölle im Zolltarif- Entwürfe zn- gestanden war. Entrüstet sind sie. daß man ihnen im Reichsamt des Innern versicherte, sie hätten alle Ursache dankbar zu sein für die zugestandene Verdoppelung der Zölle. Die Notwendigkeit ihrer exorbitanten Forderung begründen sie mit der„Invasion dieser (böhmischer) durchHmigerlöhneuiidPreisquetschereien zu Schundartikeln herabgesnnkenen Fabrikate".(„Berliner Berichte" vom 1. November 1901.) Sie behaupte», daß die Verzwölffachuug der Zollsätze. 1200 M. pro 100 Kilogramm Handschuhe,„genau den Verhältiiiksen eutspticht zwischen den deutscheu und de» in Betracht kommenden ausländischen Arbeitsbedingungen". Es scheint fast, als� ob die Herren Handschuhfabrikanten einmal etlvas von dein„socialen Schutzzoll" Lorenz v. Steins gehört hätten. Aber Graf PofadoivSky kann trotzdem vollständig veruhigt sein über die social- politischen Gesiminngen der Handschuhfabrikanten. Die niedrigen Löhne des Auslandes sind für die Handschuhindustrielleii nur ein Botwand, ihre selbst den Geheimräten lächerlich erscheinenden Forderniige» zu begründen. Sie haben jede Gelegenheit bcnützt,»im die Löhne im Auslände niedrig zu halten und jede Er- höhnng der Löhne im Jiilande abzuweisen. In der Periode.>n der die Vorbereitungen zum Zolltarif- EntN'iirfc km wirtsckiaftlichcn Ausschüsse in vollem Gange war, haben sie die böhmischen Handschnh-Jndustriellen in jeder Weise in ihrem Kampfe gegen die Lohnerhöhmig fordernden Gehilfen unterstützt. Vom 14. April bis zum 3. November 1900 streilteu in einem der wichtigsten Cent ten der böhmischen Handschuhiudustrie, in Kaade». die Haudschlihuwcher. Bei etwas wohlwollender Neutralität der deittsche» Uuternehmer hätten die dortigen Handschuhmacher die jetzt ins Feld geführte» Himgerlöhne verbessern können. Der deutsche Hand- schiihmachcr- V e r b a n d hat die Bedeutung deS Streiks auch für Deutschland eingeselMi und durch ständige, zum Teil sehr hohe Geld« sendimgeu, die Widerstandskraft der östreichischen Handschuhmacher gesteigert. Was thate» aber damals die deutschen Unternehmer? Sie verbreileten in schwarzen Listen die Namen der in Kaade» Streikenden, sie verweigerten jedem, der von dort abreiste, Arbeit in denlswcir Fabriken. Ja, sie gingen noch weiter, sie drohten eine Großfirma, welche die Forderliiigen der Arbeiter bewilligt hatte, in Hinsicht auf ihren Handel mit Haiidschuhwerkzeug und andren Hand- Ichnhnrtikeln in Deutschland zu boykottieren. Diese Erinnerungen mögen den Handschnh-Jndtistriellen recht unbequem sein, sie beweisen aber aufs deutlichste die Verlogenheit und Frivolität misrer Schlitzzöllner bei Begründung ihrer Forde- rungen. Wie wahnwitzig die Wünsche der Handschuhindustriellen sind, geht daraus hervor, daß in das Deutsche Reich im Jahre 1899 bloß für etwas über 7 Millionen Mark Handschuhe eingeführt, dagegen für fast 22'/2 MiNioucn Mark Handschuhe ausgeführt wurden. Weit mehr wie dreimal so viel Handschuhe dcm Werte nach wurden anS- geführt, als eingeführt. Man ersieht hieraus, daß dem Auslände die Möglichkeit zu Repressalien gegeben ist, gailz abgesehen von der Wahrscheinlichkeit, daß die gesamte Lederindustrie bei Verdoppelung der Handschuhzölle ihren Absatz nach dem Auslande gefährdet sehen würde. Die gleichen Unternehmer, die über die Lohndifferenzen zwischen Oestreirb und Deutschland jammern, haben niemals etwas Arge« darin gesehen, daß sie den größten Teil ihrer Handschuhe in Böhmen lind in belgischen Klöstern imd nur zum Teil in Deutschland und auch da nur von den am elendesten entlohnten Hcimarbeitcrilmeu oder Schmntzkonknrrentinnen nähen lasse». Die Verdienste der Handschiihnäherinnen sind selbst in Deutschland, ganz zu schweigen von Böhmen und Belgien, noch schlechter wie die bekannten, tief traurigen Einkommcnsverhältnisse in der Konfektionsindustrie. Aber man denke auch nicht, daß die Handschubindustriellcn. fcie«inen 1200 Marl-Zoll zu fordern wagten, in Deutsch- land irgendwie beinerkensiverte Löhne zu zahlen gewohnt find. ES liegt unS eine vor kurzem veröffentlichte Statistik fiber die Lohnverhältnisse der Handschuhmacher Stuttgarts vor, aus der sich er- gievt, daß der durchschnittliche Stundenlohn der Stiickarbeiter 46 Pf. und ihr Wochenlohu 23 M. 22 Pf. beträgt. Es kamen sogar Stundenlöhne von 29, 31. 32 Pf. vor und Wochenverdienste von 14, 16. 16. 17 M. Es ist somit der reine Hohn, wenn die Unternehmer es wagen, ihre so anspruchsvollen Forderungen mit Rücksicht auf die Löhne der Arbeiter zu erheben. Um so kläglicher ist ihr Ge- bahren, wenn man daran denkt, daß sie gleichzeitig alles thun, um die Widerstandskraft ihrer Arbeiter zu brechen, die Organisation zu zerstören, nur Nichtorganisierte einstellen, einen Arbeitsnachweis für Nichtorganisierte einrichten und die Organisierten entlassen. Die Handschuhfabrikation ist zivar bloß ein kleines Gewerbe, aber die Art, in der die Unternehmer dieses Berufes die Zoll- forderungen begründen nnd ihr Vorgehen gegen die Arbeiterschaft find charakteristisch für einen großen Teil nnsrer Hochschutzzöllner, sie verdienen an den Pranger gestellt zu Iverden.— Chronik der MasestiitSbeleidigungS- Prozesse. Wege»» Majestätsbeleidigung wurde in N ü r n b e r g der Schniiedemeister Wunder zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte in d e r T r u n k e n h e i t auf.Kaiser und König" ge- schimpft nnd war dann denunziert worden. Wegen einer gleichen Aeußerung, die er ebenfalls im Rausch gemacht, hat er schon früher sechs Monate verbüßt.-- Ausland. Aus Spanien. Madrid, den 16. Novbr. Die focialistische Partei und die gewerkschaftlichen Verbände haben gegen zwei Gesetzentwürfe, die das Ministerium des Innen, jüngst dem Parlament vorgelegt hat, einen lebhaften Agitationsfeldzug unternommen. Der erste dieser beiden Entwürfe reformiert das gegenwärtige Mnnizipalwahlrecht, das derartige Bedingungen für das passive Wahlrecht fordert, daß es den Arbeitern fast nninöglich gemacht ist, als Munizipalräte gewählt iverden zu können. Der neue Entivurf erweitert nun zwar etwas dieses Recht, will eS aber doch nur jenen Arbeitern eingeräumt wissen, die Vor- standsmitglieder desjenigen Arbeitervereins im Orte sind, der die höchste Mitgliederzahl hat, d. h. einigen wenigen bessergestellten Ar- beilern. Dagegen fordern die Socialisten und die übrigen organisierten Arbeiter, daß das Recht, als Munizipalrat gewählt iverden zu können, jedem Staatsbürger gewährt werden soll, der über2S Jahre alt ist. Bemerkt fei hierzu, daß auch die„I�ey de Sufragio" jdas Parlaments-Wahlgesetz) als Bedingung für die Wählbarkeit nur dieses Alter fordert. Der andere Gesetzentwurf betrifft die Streiks. Er läuft, ob- gleich er nach Meinung des MnisterS eine fortschrittliche Leistung sein soll, auf nichts anderes als eine einfache Verhinderung der Streiks hinaus. Gegenwärtig giebt es in Spanien nur einen Gesetzartikel, der sich auf Streiks bezieht, nämlich eine alte Bestimmung des Strafgesetzbuchs— die aber als über- lebt sjilt und nicht beachtet wird— wonach diejenigen mit Ge- fängniS bestraft werden, die sich zu dem Zwecke vereinigen,.um die Preise der Handarbeit zu verteuern oder hcrabzudrücken." Nach dem neuen Entwurf sind nun alle Streiks von Eisenbahn- und Straßenbahn-Angestellten sowie in der Schiffahrt beschäftigten Personen verboten, wenn sie nicht mindestens den Be- Hörden 14 Tage vorder ordnungsmäßig an- gezeigt werden; ebenso alle Arbeitseinstellungen von Arbeitern, die in Fabriken, Werkstätten, auf Bauten und auf Zimmerplätzen thätig sind, falls nicht 4 Tage vor Ausbruch der Streik angemeldet wird. Generalstreiks, das heißt solche, die sich nicht auf ein bestimmtes Gewerbe beschränken, sondern mehrere Industrie- oder Produktionszweige umfassen, sind in allen Fällen untersagt, desgleichen Ausstände, die einen Mangel an den notwendig st en Lebens in itteln hervor« zurufen geeignet sind, serner jene, die einen Mangel an Licht oder Wasser nach sich ziehen können(zum Beispiel Arbeitseinstellungen von an Gasanstalten oder Wasserwerke» be- schästigten Arbeitern). Zuwiderhandlungen sollen schiver bestraft iverden und fiird vornehrnlich den„Streiklcitern und-Befürlvortem" schwere Strafen zugedacht. Der Protest der Arbeiterklasse gegen diesen Entwurf ist ein allgemeiner. Am letzten Sonntag haben fast in allen Ortschaften Spaniens, wo es Arbeiterorganisationen giebt, Versammlungen stattgefunden, in denen an das Parlament die Forderung gestellt wurde, den unsinnigen Entivurf zurückzuweisen. Am Sonntag haben in Spanien die Ergänzungswahlen zu den' AyuntamientoS, den Gcineinderäten, stattgefunden. Obgleich der Druck und das skandalöse Borgehen der bürgerlichen Parteien uns die Beteiligung sehr erschwerte, haben wir doch einige Siege errungen. In Bilbao jBaSkische Provinzen) wurden die von nnsrer Partei anfge- stellten sechs Kandidaten sämtlich geivählt. Wir haben dort jetzt acht Sitze,»vährend»vir bisher nur vier besetzt hielten. Ferner»vurden geivählt in Ortuella seiner Bergortschast Biscayas) zwei socinlistische Gemeinderatsmitglieder, in Oviedo sHauptstadt Asturiens) zwei, in Palma de Mallorca(Hauptstadt der Balearc») einer, in MiereL jAstnrie») zwei, in Sitjes iKatalonien) ebenfalls zwei. Außerdem haben die geiverkschaftlichen Vereine, ivelche die ihnen von un« empfohlene Taktik befolgt haben, noch in einer Anzahl kleinerer Ortschaften eine Reihe Sitze geivonuen und zwar: in Bejar vier, in HervaS vier, in Barrnelo drei, in Villaviesa drei, in Villa- nublas drei, in Palencia einen. Iii allen diesen Ortschaften, mit Ausnahme Bilbaos, ziehen znm «rstenniale Socialisten und Arbeiter in die Gemeinderäte ein. Pablo Jglesias. Der Generalstreik der französischen Perglente. Während es noch bis vor einigen Tagen schien, als ob der Generalstreik unterbleiben»verde, ist die Lage jetzt eine vollkommei» veränderte. Das Bundeskomitee hat alles gethan, um einen Streik, wenn möglich, zu vermeidcn; es schien auch, als ob es ihm gelingen sollte, die Massen so lange zu beschwichtigen, bis die Kammer Stellung genommen hat. Noch am Soimtog wurde im Kohlenbecken des Nordens mit 31 gegen 11 Stimmen be- schlössen, nicht sofort in den Streik einzutreten, sondern denselben zu vertagen. Jedoch in Denain im Bassin von Anziir ließen sich die Bergleute nicht mehr halten; eine Grube nach der andern stellte die Arbeit ein, so daß in ivcnigen Tagen allein in diesem Bezirk mehrere tausend Mann streikten. Angesichts de? Umstände?, daß immer mehr Bergleute sich dem Streik anschlössen, sah sich Berant, der Delegierte deS Nordens beim Bimdeskomitee, gezwmigen, die Sektionsführcr nochmals zusammenznberufen. Das Resultat der Beratung war die Erklärung des Ausstandes für das Kohlenbecken von Aiizi». Cotte, der Generalsekretär des Bundes- komitees. ivurde von dieser Sachlage verständigt, es wurde ihm telegraphisch mitgeteilt, daß die Bergleute von Anzin von ihm die Er- llärimg des Generalstreiks erwarteten. Auch im Pas de Calais ist der Streik an verschiedenen Punkten ausgebrochen. Damit ist die Bewegung zerrissen, hat ihre Einheit- lichleit verloren, ein Umstand, der für die Sache der Bergleute keines- falls von Nutzen sein kann. Evrard, der Führer diese? Distrikts. sprach dieser Tage vor den Bergleuten von Bonrgcs. Er beschwor seine Äaincradeii. die Bewegung nicht durch vorzeitigen Streik zu zerreißen; es half nichts, er wurde unterbrochen mit den Rufen: .Hoch Merzet!"(Der einzige Delegierte, der für sofortigen Streik gestimmt hatte.)„Hoch der Generalstreik!" Eine Resolution, ivelche besagte, daß die Bergleute der Schächte von Bourges nach Anhören EvrardS den Streik aufschieben wollten, bis das Nationalkomitee dazu aufruft, wurde verioorfeu und der sofortige Streik beschlossen. In Harnes Ivurde eine Versammlung von der Arbeiterpartei organisiert, in der eine Resolution angenommen wurde, in welcher«S heißt: das BnndeSkomitee habe nach der Feigheit, die es an den. Tag gelegt, indem eS mit Ausnahm« eines einzigen Delegierten Beschlüsse gesaßt habe, die dem Referendum der Bergleute entgegen stehen, seine Existenzberechtigung verloren. Ferner wird die Haltung der Gewerkschaftsleitung und die des Deputierten Basly getadelt, der letztere, weil er es vorziehe, die Regierung Waldeck- Rousseau zu unterstützen, anstatt die Interessen der Bergleute wahrzunehmen. In Lens dagegen und mehreren andren Orten wurde beschlossen, den Streik zu vertagen, bis das Parlament gesprochen habe. Es ist nun aber sehr fraglich, ob dieser Beschluß durchgeführt werden kann, ob nicht vielmehr auch hier die Arbeiter in den Streik hineingerissen werden. Wie immer man auch den Wert und die Durchführbarkeit des Generalstreiks beurteilt— und bekanntlich weicht darin die deutsche Arbeiterschaft von der Auffassung ihrer französischen Brüder ab— auf jeden Fall mutzten die französischen Bergleute Dis- ciplin halten, die Bewegung mutzte eine einheitliche bleiben. Paris, 22. November. Die bis gestern abend eingelaufenen Nachrichte» liefern den Beweis, daß zwischen den gemäßigten und ftreiklustigen Bergleuten aller Reviere ein heftiger Kampf entbrannt ist. Heute wird die Zahl der Streikenden wohl auf 30 000 an- wachsen.—_ Opfer de» russischen KlaffenkampfeS. In letzter Zeit fanden in Rußland eine Reihe von Massen- Verhaftungen statt. In Warschau wurde eine Versammlung von 18 Mann verhaftet, denen mehrere einzelne Verhaftungen folgten. In Lodz fanden mehrere Verhaftungen statt. In Odessa wurden am 1. d. M. 20 Mann verhaftet; im ganzen befinden sich dort ca. 100 Politische in Haft. Vor«tiva 14 Tagen fand dort eine Vcr- sammlung von Zionisten statt, an welcher 200 Per- sonen teilnahmen. Der Chef der Gendarmerie, dem von dieser Versammlung Kenntnis gegeben wurde, dachte, daß eS eine social- demokratische Versammlung iväre, und entsandte sofort eine Ab- teilung Gendarmen und Polizisten, die in die Wohnung, in welcher die Versammlung stattfand, eindrangen und sich wie wilde Tiere auf die Versammelten stürzten. Namentlich mehrere Mädchen wurden brutal mißhandelt. Später, als sie bemerkten, daß sie keine Social- demokraten vor sich hatten, zogen sie sich zurück!— In Moskau wurden am 12. Oktober neun Personen verhaftet: Dawydolv, Kunjnjew, Nikiforoiv, Dr. Popow, Rechtsanwalt Petrow, Rudnjew, Reingold, Rechtsanwalt Schantzer, Skwortzow. In S s a r a t o w ivurde Pokrowsky, Schriftsteller, verhaftet. Jni Gefängnis in M o h i l e>v faild ein Hungerstreik statt, der fünf Tage dauerte. Die Veranlassung dazu war folgende: Wegen einer Schlägerei unter den Kriminalverbrechern hörte die Gefängnis- Verwaltung auf, allen, darunter auch den politischen Gefangenen, gekochtes Wasser zu verabfolgen. Die Lage der politischen Ge- fangenen war auch ohnedies so schrecklich, daß dieser Vorfall genügte, einen Hungerstreik hervorzurufen. Glücklicherweise gab die Ge- fängnisvcrwaltung am sechsten Tage nach. In K i e>v fanden in der Universität und im Polytechnikum Studentenversannnlungen von 700 bis 800 Mann statt. Auf der ersten Versammlung in der UniverfitätS-Aula am 24./10. ivurde eine Resolution angenommen, in welcher dem Kultusminister Wannoivskh das Mißtrauen ausgedrückt, die Wiederaufnahme aller aus- geschlossenen Kollegen verlangt und energisch gegen die neuen Einschränkungen in Bezug auf die Aufnahme von Juden (für die die russischen Universitäten jetzt fast gänzlich ge- schlössen sind) protestiert wird. Es sprachen 16 Redner; auch der UniversttätSinspektor nahm das Wort, hatte aber keine Wirkung. Auch in Moskau tagten einige kleinere Studentenversamm- lungen, die letzte aus Anlaß des bekannten Artikels im Petersburger „Grashdanin". In Petersburg kam eS am 17. Oktober auf dem Großen Prospekt der PeterSburgskaja Storona zu einer Ansammlung von ca. 1000 arbeitslosen Maurern und Steinhauern. Die Polizei war sofort in großer Anzahl am Platze, schlug jedoch diesmal nicht, sondern trat energisch und geschickt auf, so daß sich die ganze Masse von allen Seiten umzingelt sah und umkehren mußte. Die ganze Menge wurde verhaftet. 300 Mann wurden bald darauf aus Peters- bürg ausgeiviesen. Im M i t a u s ch e n Gefängnis fand ein Hungerstreik statt. In Sinorgonj. Gouv. Wilna, wurden am 12. Oktober 41 Gerber verhaftet. Drei Wochen vorher waren Kosaken aus Wilna und am Tage der Verhaftung Geudarmerie-Oberste und 17 Gendarme aus Minsk und eine Menge Landpolizisten aus der Umgegend ein- getroffen. Die Verhaftungen wurden in der Nacht vor- genommen. Bei zivei jüdischen Arbeitern wurde illegale AgitationSlitteratur gefunden. Der Ueberfall der Polizei regte die Bevölkerung der Stadt furchtbar auf. Als die Arretierten zur Bahn geführt wurden, warf sich eine Menge auf die Kosaken, um ihnen die Verhafteten zu entreiße». ES entstand ein großer Krawall. Die Kosaken schlugen rücksichtslos drein. Es sah aus, als ob die Stadt von einem feindlichen Heer überfallen worden wäre... Die Arretierten wurden nachts mit Fackeln zur Bahn und nach Wilna ins Gefängnis geführt. Am 28. Oktober brach in Smorgonj unter den Gerbern ein großer Streik ans. ES streiken 1000 Mann Polen, Juden und Russen. Forderungen: 12 stündiger Arbeitstag nnd die Befreiung der am 12. Oktober verhafteten Kollegen. Der Streik er- fordert 800 Rubel wöchentlich. In Rußland sind zivei neue Arbeiterverbände ent- st a n d e n:.Arbeiterverband Nord-RußlandS"(.Sjeverno- russkij Babotschi Ssojus') und.Arbeiterverband des Wolga- gebieteS"(„Priwolschskij Babotschi Ssojus").— Oeftreich-Ungarn. Zur Parlamentskrise. Die gesamte Wiener Presse bespricht die parlamentarische Situation und stellt fest, daß die Lage noch immer nicht frei von Besorgnissen sei. Dem offiziösen.Frcmdenblatt" zufolge wird Ministerpräsident v. Koerber in der heute stattfindenden allgemeinen Obmänner- Konferenz erscheinen und die Gelegenheit ergreifen, alle Partelen mit dem Staudpunkte der Regierung vertraut zu machen. Wie in parla- inentarischen Kreisen verlautet, ist die Regierung entschlossen, falls kein« Verständigung in der Konferenz erzielt wird, unbedingt zur Auflösung des Abgeordnetenhauses zu schreiten. Frankreich. Labor! al» Politiker. Die.Frantf. Ztg." meldet vom 22. No- vcmber aus Paris: Bor einem geladenen Publikum hielt gestern der Anwalt Labor! einen Vortrag über.die moralische Idee und die Politik." � Der Verteidiger Dreifus' eröffnete damit»n gewissem Sinne seine politische Laufbahn. Seine Ausführungen waren zu freimütig, um politisch zu sein, selbst das ihm geneigte Publikum billigte ihn nicht überall. Er will eine.Partei der Wahrheit" ohne Programm. Nichtsdestoweniger formulierte er einige sociale, wirlschnstliche. finanzielle und militärische Reformen. Ueber- raschend wirkte, daß Labori die Revanche als»otiveudig zur Wieder- erhebung Frankreichs auf seinen Rang hinstellte. Das Publikum er- hob mannigfachen Widerspruch. Zola und Picquart, die auivesend waren, wurden stürmisch begrüßt. Der gewandte Verteidiger DreyfuS' dürfte mit diesem konfusen Programm, einer französischen Mischung von EgidyaniSmus und Nau- männerei, wenig Erfolg haben.— «elsto». Die Militärvorloge. Brüssel, 20. November.(Eig. Ber.) Die MilitärdoAage des Regierung hat endlich eine Majorität gefunden. Ihn die antimilitaristischen Klerikale» zu beruhigen,»ahm die Regierung ein Amendement an, wonach daS jährliche Kontingent nicht vermehrt wird.— Die Befreiung des natürlichen Kindes, sofern es Stütze seiner Mutter ist, gab Anlaß zu einer heftigen AnSeinandcr- fetzung. Die«lt-Klerikalcn waren der Meinung, daß uneheliche Kinder die Vorrechte der ehelichen Kinder nicht besitzen dürften, utn die Ehe z» schützen. Die Befreiung erhielt jedoch eine Majorität durch die Stimmen ber Jung-Klerikalen.— Die Erkrankung der Königin Wilhelmina soll nach der „Rh.-Wests. Ztg." darauf zurückzufuhren sein, daß die Königin be- reitS die zweite Fehlgeburt in diefem Jahre gehabt habe.— Die Amnestie, durch welche Moineau in Freiheit gefetzt wurde. ist auf Verwendung Vanderveldes hin auch aus Beanj'ean, der Mit Moineau zusammen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, aus- gedehnt iverden. Ferner soll sie auch dem dritten Verurteilten Wokff zu gute kommen.—. England. Ein Bvereufreischärler englischer Parlament»- Abgeordneter. In Galway(Irland) wurde an Stelle des zum Peer ernannten Konservativen Morris der N a t i o n a l i st Lynch mit 1247 Stimmen in das Unterhaus gewählt; der konservative Gegenkandidat erhielt 473 Stimmen. Lynch, der sich gegenwärtig in Paris aufhält, be- fehligte bekanntlich eine Zeitlang die auf feiten der Boeren kämpfende irländische Brigade. Die Wahl eines Mannes, der auf der Boerenseite gegen Eng- land gekämpft hat, zum Abgeordneten deS brittschen Parlaments ist zweifellos ein seltsames Ereignis. Man darf freilich nicht vergessen, daß Lynch in Irland gewählt wurde, dem Lande, das seit jeher unter konfessioneller, politischer und ökonomischer Unter- drückung durch England zu leiden hatte nnd daS im verflossenen Jahrhundert einen ununterbrochenen Kampf gegen England geführt hat. Daß Irland seinem Englandhasse jetzt durch die Wahl des BoerenfreischärlerS Ausdruck gegeben hat, entspricht nur seiner traditionellen Oppositionspolitik. Griechenland. Klerikale Gindentendemonstratione», die sich gegen die Uebersetzung des Neuen Testaments ins Neugriechische, resp. die Person des Uebersetzers richteten, haben bereits feit nlehrcren Tagen Athen beunruhigt und mehrfach zu Zusammenstößen geführt. Auch am Donnerstag fand wieder eine von Studenten organisierte Versammlung von 20 000 Personen statt, wobei eS zu Zusammenstößen zwischen Studenten und der bewaffneten Macht kam und Schüsse gewechselt ivurden. Es ivurde jedoch niemand verletzt. Die Versammlung beschloß, energisch die Exkommunikation der Uebersetzer des Evangeliums zu verlangen. Nach Schluß der Versammlung zogen die an der Kundgebung Beteiligten durch die Stadt. Während in Spanien die Studenten antiklerikale Kundgebungen veranstalten, scheinen sich die griechischen Studenten noch arg von dem Klerus mißbrauchen zu lassen. DaS Kultumiveau im neuen Hellas müßte danach ein betrübend niedriges sein.— Eine spätere Meldung besagt: „Der Metropolit Prokopiu«, der Chef der Gen- d a r m e r i e und der Polizeipräfekt haben ihre Ent- lassung gegeben. Zum Chef de« aufgebotenen Militärs ist General Vafsos ernannt worden. Die Deputierten der Oppositionsparteien hielten gestern inmitten großer Menschen- mengen aufreizende Reden. Es heißt, zahlreiche Bewaffnete seien in der Universität eingetroffen, welche die Studenten, die sich militärisch organisiert haben, auch im Laufe der Nacht nicht räumten. Die Blätter mahnen zur Ruhe." Hinter der Bewegung scheint danach doch mehr zu stecken, als ein Ausbruch klenkalcr Intoleranz. Was, läßt sich fteilich ans den Telegrammen nicht erraten.— Amerika. Caracas, 22. November. Der Kriegs mini st er Ramon G u e r r a ivurde in Puerto Cabello unter der Beschnldigung der Verschwörung gegen den Präsidenten Castro verhaftet. Zu seinem Nachfolger ist General Gorrida ernannt. In Earacas haben gleich- falls viele Verhaftungen stattgefunden.—- Atavtamenfcvisches.' Im Reichstag sind bereits für mehrere Fraktionen Sitzungen anberanmt worden. Die Deutsch-Konservativen gedenken am 26. abends zusammenzutreten und sicki u. u. mit der Wahl deserstenVicepräsidentenzu beschäftigen. Die Deutsche ReichSpartei wird am 26. nachmittags ihre erste Sitzung ab- halten. Die S o c i a l d e m o k r a t e n werden am 27. d. M. nach der Plenarsitzung bezw. 6 Uhr nachmittags zusammenkommen. Der Boereu- Krieg. Englische �.Erfolge". Kapitän Elliot, der eine Abteilung im Macclear-Territorium in Griqualand-East befehligte, hatte am 20. November ein Ge- fecht mit einem Boereukommando. Die Boeren wurden zurück- getrieben; sie mußten ihre Pferde im Stich lassen. Sechs Boeren fielen, einer ivurde verwundet. Auf englischer Seite fiel Kapitän Elliot, und drei Offiziere wurden verwundet. Und wieviel englische Mannschaften wurden getötet»nd ver- wundet? Aus Pretoria vom 21. d. M. wird dem Reuterschen Bureau über verschiedene Gefechte berichtet, in denen insgesamt 82 gefangen genommen nnd drei Boeren getötet sind. Diefe Gefechte fanden statt bei der Bastardsdrift ain Caledonfluß am 19. November, am N q n i d e h i I l im südöstlichen Transvaal am 19., im P o n g o l a- dusch am 18., bei Villiersdorp am 20. November und endlich bei P i e t r e t i e f. Die«nglischen Verluste werden hier klüglicherweis« gänzlich verschwiegen I lieber die Dauer de» Kriege» giebt man sich jetzt auch in England keinen Täuschungen mehr hin. Der„Times"-Korrespondent in Pretoria äußert sich über die voraussichtliche Dauer des Krieges: „ES wäre sicherlich der Würde und der innere» Ruhe der britischen Nation ersprießlicher, wenn man bei unS zu Hanse sich daran ge- wöhnte, daß die voraussichtliche Da«er des Krieges ein für allen» al nach Wochen und Monaten(!) nicht abzumessen ist. Der Charakter der Boeren hat unleugbar er- wiesen, daß der Krieg mit einem auch noch so glänzenden Handstreich nicht zu Ende geführt werden kann. Daß dem so ist, dafür kann man weder den Höchstkommandierenden voch die Truppen unter seinem Befehl verantwortlich machen." Kanada stellt keine Truppen mehr. Einer Kabelmeldnng des„Staudard"- Korrespondenten auS Ottawa zufolge erscheint Kanadas Anerbieten, dem Mutterlande abermals durch Stellinig eines Kontingents berittener Infanterie zu Hilfe zu komnien, denn doch in einem ganz andren Lichte, als Herr Chamberlai» es der Welt zu zeigen sich bemühte. Die Koloiiie denkt gar nicht daran, abermals„Truppen zu stellen" und die große» Kosten der Ausrüstung und der Unter- Haltung zu tragen. Kauada beabsichtigt keinesfalls neue Opfer zu bringen, sondern hat der britischen Regierung nur ge- tattet, unter seinen Söhne» Rekrutierungen vorzu- n e h>n e n— selbstverständlich aber auf e i g n e K o st e n. Herr Chamberlai» soll durch diesen»Mangel an Entgegenkommen' sehr enttäuscht sein. GenwvkfchKMittze-s« Berlin ititb llmgegend. Die Metallarbeiter Berlins können jetzt ein Lied singen von den Maßregelungen, Abzügen und Entlassungen in den Betrieben der Kühnemänner. Die eventuell neu einzustellenden Arbeiter werden erst in den schwarzen Kabinetts in der Dresdenerstraße und der Gartenstraße auf ihre Vergangenheit geprüft. Wegen der eigenen Vergangenheit sind die Herren weniger ftrupuios. Bei der Firma Lüben u. Vuse find seit August dieses Jahres, als wegen der Steuerhinterziehung des Herrn Lüben der würdige Herr mit einer Strafe von 180 000 M. belegt wurde. Accordabzüge an der Tagesordnung. Dafür zwei treffende Beispiele: Für die Faconteile 4308 gab eS 2,25 M., jetzt giebt es 1,00 M., für 100 Schrauben Nr. 107 gab es 221/2 Pfennig, jetzt soll es 16 Pfennig geben. Dabei müssen die ca. 200 Arbeiter täglich noch 2 Swnden weniger arbeiten. Als vor wenigen Tagen der Vorsitzende des Verbandes Berliner Eisen- und Metallindustrieller, der Kommerzienrat Kühncmann einem Berichterstatter durch die Presse erkläre» ließ, die Fabrikanten haben die Löhne nicht verringert, glaubte die Oeffentlichkeit, daß .die Krise auf die Metallindustrie keinen Einfluß habe. Da kamen die Arbeitslosen-Versammlungen und erschütterten diesen Glauben. Wir als Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes können den Kollegen nur zurufen: Schart Euch fester denn je um den Deutschen Metallarbeiter-Verband. Die Ortsverwaltung Berlin. Achtimg, Fnbrikschnhmacher! Wir machen die Kollegen und Kolleginnen noch besonders auf die am Sonntag, den 24. ds. Mts., stattfindende Versammlung der Mitglieder der Schuhmacher- Orts- Krankenkasse aufinerksam. sSiehe Inserat in Nr. 273.) Es ist not- wendig, daß ein jedes Mitglied in dieser Versammlung erscheint. Die Ortsverwaltung. Die Firma C. Rengebauer Nachflg., Bell& Co. ersucht uns in Bezug auf die Notiz:„Achtung Klavicrarbeiter und Tischler' in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" folgendes zu veröffcnt- lichen: Vier unsrer Arbeiter forderten erhöhte Preise für bestimmte Arbeiten. Wir bewilligten alles bis auf 50 Pfennig, worauf 8 Arbeiter von der Arbeit ohne weitere Erklärung wegblieben. Nach 2 Tagen schlössen sich diesen ohne Forderung die Zusammensetzer und der Bezieher an. Von einem auf das Pflasterwcrfen unsrer- seits kann also keine Rede sein. Hochachtungsvoll C. Neugebauer Nachflg. Bell& Co. Deutsche» Reich. Nachspiel zum Streik der Guinmi-Arbeiteriuneu Harburgs. Eine Anzahl Harburger Gewerkschafter, die seiner Zeit bei der vom Harburger Geiverkschaftskartell beschlossenen Sammlung znGnnstcn der streikenden Gummi-Arbeiterinnen beteiligt waren, hatten Strafmandate wegen Uebertretung einer Verordnung der Landrostei Lüneburg»nd des§ IIS des hannoverschen Polizei-Strafgesetzbnches erhalten, worin es heißt:«Wer ohne Erlaubnis eine Sammlung sKollektc) von Geld- oder sonstigen Beiträgen oder von Unterschriften dazu unternimmt, oder die'erwirkte Erlaubnis überschreitet, verwirkt Geld- strafe bis zu 10 Thalern oder Gefängnis bis zu 8 Tagen, in be- sonders leichten Fällen Verweis." Die Beschuldigten beantragten richterliche Entscheidung und verlangten ihre Freisprechung. Das Schöffengericht verurteilte sie jedoch zu 6 M. und das Landgericht in Stade verwarf ihre Berufung, ilide:n es feststellte, daß die behördliche Erlaubnis nicht nachgesucht worden sei. Nun- mehr legten die Angeklagten Revision ein und beriefen sich auf 8 121 des hannoverschen Polizei-Strafgesetzbuches, wonach Aufrufe an die Mildthätigkeit in öffentlichen Blättern, soivie Samm- lungen bei Mitgliedern einer Gesellschaft oder eines Freundeskreises durch ein Mitglied derselben nicht unter die vorherigen Straf- beslimmungen fallen. Es hätte sich hier um einen Zweit der Mild- thätigkeit gehandelt. Der Streik der Gummi- Arbeiterinnen habe auf die Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen ab- gezielt. Wenn nun durch die Geldunterstütznngen ein günstiger Vcr- lauf des Streiks herbeigeführt werden sollte, damit die Mädchen besser daständen als bisher, dann läge eine Mildthätigkeit vor. Die vom Gcwerkschaftskartell veranstaltete Sammlung sei aber auch keine öffentliche gewesen. Man habe nur in einem bestimmten abgeschlossenen Personenkreise gesammelt, der aller- dings ziemlich groß gewesen sei, nämlich im Kreise der dem Gewerkschaftskartell angeschlossenen Gewerkschaften. Neben diesen hätten zwar auch eine Anzahl Personen, die nicht zu den Gewerk- schaften bezw. zum Kartell gehörten, Beiträge geleistet, indessen hätten sie das aus eigner Initiative gcthan.— Der Strafsenat des Kammergerichts vertvars uun, ivie das„Harburger Volksblatt" meldet, die Revision der Angeklagten mit der Maßgabe, daß sie nur auf Grund des hannoverschen Polizei-StrafgesetzbucheS und nicht auch noch auf Grund der Verordnung der Landrostei Lüneburg vom 13. April 1885 zu verurteilen wären. Begründend wurde aus- geführt:§ IIS des Polizei-Strafgesetzbuches für Hannover bestrafe die Veranstaltung einer Sammlung ohne Erlaubnis. Daß die Sammlung eine öffentliche sei, wäre hiernach gar nicht erforderlich. Im übrigen sei aber auch ausreichend festgestellt, daß sie eine öffciit- liche Sammlung gewesen sei. Was die Frage der Mildthätigkeit angehe, so gehöre sie hier überhaupt nicht zum Thatbestand. den» nach dem Wortlaut des§ 121 des Polizei-Strafgesetzbuches spiele sie nur eine Rolle bei Aufrufen in öffentlichen Blättern. Auch die übrigen Ausnahmen des§ 121 lägen hier nach den Feststellungen des Vorderrichters nicht vor.— Die zuerst mit herangezogene Ver- ordnung der Landrostei Lüneburg sei rechtsungültig, denn§ IIS des Polizei-Strafgesetzbnches regele erschöpfend das Kollektcnwcsen, so daß daneben andre dieselbe Materie betreffende Verordnungen in Hannover unzulässig seien. Die organisierte» Metallarbeiter von Bielefeld beabsichtigen die Errichtung eines besonderen Bureaus mit einem bezahlten Gc- schäftsfiihrer, da die Geschäfte der Filiale Bielefeld des Metall- arbeiter-VerbandeS einen solchen Umfang angenommen haben, daß dieselben im Nebenamt nicht mehr zu erledigen sind. Drohender Weberstreik in Aachen. Bei der Firma Ehlen, Lohniveberei, droht wegen Lohnabzug ein Streik auszubrechen. Die Firma scheint sich in betreff der Lohnabzüge berühnit machen zu wollen. Noch vor nicht langer Zeit hat ebenfalls Ivegen Lohnabzug in diesem Betriebe ein Streik stattgefunden. Ausland. Der Streik der Gummi-Arbeitcrinnen in Breitensee(Oest- reich) ist beendet, nachdem sich eine Reihe von Arbeiterinnen zur Aufnahme der Arbeit nieldete. In einer am Dienstagabend ab- gehaltenen Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, den Streik auf- zuHeben, nachdem sich zahlreiche Streikbrecherinnen fanden. Die Direktion der amerikanischen Gummifabrik übt au den Streikenden Rache, indem sie eine Anzahl Arbeiterinnen nicht aufnimmt. Im Falkenaner Revier sind der Belegschaft der Helenen- schächte in den partiellen Streik getreten. Veranlassung sind Differenzen mit den Grubeubehörden. Gendarmerie ist im Streik- gebiete eingetroffen. Streik von Eiseubahn-Arbcitern in Ala. Die bei der Legung eines neuen Geleises ans der Eisenbahnstrekke und ans dem Bahnhof in Ala sTirol) beschäftigten Arbeiter der Untemehmung Oanibene find am 11. d. Mts. in den Ausstand getreten. Sie erklären, daß sie nicht gesonnen sind, die Arbeit wieder aufzunehmen, bis nicht ihre Forderung auf Erhöhung des Tagclohnes von 80 kr. aus 1 fl.,>vie er ihnen versprochen wurde, befriedigt sein Iverde. Im Streik stehen 108 Arbeiter. Die Antwort der Baunutcrnehmung Oanibene ist noch nicht eingetroffen. Der Betricbsdirektions- Referent Kaizl ans Innsbruck war in Ala und soll sich geäußert haben, die Arbeiter mögen weiterstreiken, in Bozen gebe eS Arbeits- willige genug I_____ Verantwortlicher Redacteur: Carl Leib in Eine unabhängige ArbettSbörse ist in Paris eröffnet worden. Die Gründer sind Leute, die sicb dem„Terrorismus" der Socialisten entziehen wollen; sie verfügen über ziemlich viel Mittel, und es ist zweifellos, daß die Unternehmer, vor allem die Gas- und Omnibus- gesellschaften dahinter stecken. Aussperrung der Hutmacher in Briiffel.(Eig. Ber.) Die Brüsseler Hutfabrikanten haben ihren Arbeitern kundgethan, daß sie nach dem 2. Dezember keinen organisierten Arbeiter in ihren Fabriken annehmen würden. Die Hutmacher hoffen, daß die deutschen Kollegen die Stadt Brüffel während der Aussperrung meiden werden.— Die Organisation der Hutmacker ist noch sehr jung, aber sie umfaßt beinahe alle Arbeiter dieser Industrie und ist der socialdeMokratischen Partei angeschlossen. Kongreß der italienische« Landarbeiter in Bologna. Am 24. November wird in Bologna ein Kongreß eröffnet werden, der in seiner Art viel wichsiger ist, als manche andre derartiger Ver- anstaltungen. Es sind die Landarbeiter Italiens, die Tagelöhner, die Hintersassen, die Knechte, die Halbbauern, die kleinen Pächter zc., die hier zusammenkonimen, um über ihre wirtschaftliche Lage zu beraten. In wenigen Jahren haben sich in Italien ans dem Lande große proletarische Organisationen gebildet, die eine Macht geworden sind. mit der die öffentliche Meinung, die Regierung und die gesetz- gebenden Körperschaften zu rechnen haben. Die Bewegung ist zugleich eine politische und eine wirtschaftliche, ausgegangen' von der Po-Ebene; hat sie sich nach und nach ausgebreitet über ganz Italien, nur der äußerste Süden ist der Bewegung noch nicht vollkommen erschlossen. Nachdem die Landarbeiter der verschiedenen Regionen sich zu Föderationen zusammengeschlossen haben, streben diese nun danach, einen Bund über ganz Italien zu schaffen. Diesen zu stände zu bringen, wird eine der Hauptausgaben de? Kongresses von Bologna sein. Die Tagesordnung des Kongresses lautet: Gründung eines Bundes der Landarbeiter-Organisationen: Ab- und Zuwanderungen im Innern des Landes; statistisches Bureau; agrarische Gesetz- gebung; die agrarischen Organisationen und die Ärbeitskammern; Sitz des Bundes. Einen besonders breiten Raum der Verhandlungen wird die Frage der agrarischen Schiedsgerichte einnehmen. Bei der Beratung des Statuts der zu gründenden Organisation wird es sich fragen, welche Vereinigungen in den Verband aufgenommen werden, und welche nicht; es wird dabei darauf ankommen, welche Grundprincipien der Bund aufstellen wird. An der jetzigen Bewegung sind nämlich auch die kleinen Besitzer beteiligt, ferner auch die piemontesischen Bauerngenossenschafter. Werden diese das weitgehende Programm der eigentlichen Landarbeiter anerkennen? Für diese Frage charakte- rissisch ist ein Beschluß, den die Besitzer von Monte Magno auf ihrem Kongreß im vorigen Jahre gefaßt haben. Dort wurde festgelegt, daß das Endziel der Organisation die Socialisierung des Grund und Bodens zu sein habe. Ihre Teilnahme am Kongreß haben bis jetzt 300 I-ogsiv di resistenza(Widerstandsvereine) mit 63000 Mitgliedern zugesagt. Aus Judufkvie und Hundel. Die Börse und die Ermäßigung der Coakspreise. Die Antwort der Börse auf die Preisermäßigimg für Coaks ist eine Steigerung der Kurse, sogar der Kohlenaktien gewesen. Die Börse bekundet somit über diese Maßnahme eine andre Auffassung als die Äohleninteressenten, die vielfach Glauben machen wollten, daß in diesem Falle erst recht der Niedergang der Industrie zu Tage treten würde. Die Kohlenaktien sind zwar, wenn auch nicht in so erheb- lichem Matze als andre Jndustriewerte, mit dem allgemeinen Rückgang der Konjunktur gefallen, aber schon als mit der sicheren Aussicht einer Preisermäßigung für Kohle gerechnet wurde, trat der Umschwung ein. Wie berichtet wird, soll die Eisenindustrie auf eine erheblichere Reduzierung der Preise gerechnet haben. Das Luxemburgische Roheisensyndikat' hat sogar den Beschluß gefaßt, mit Rücksicht auf die ungenügende Preisermäßigung sür Coaks, die Produktionsbeschränkun'g für Roheisenerzeugung von 35 auf 50 Proz. zu erhöhen, dennoch dürfte der angegebene Grund nicht der aus- schlaggebende sein. Die Einschränkung läßt sich mit dem Anwachse» der Bestände erklären und dem Zurückhalten der Walzwerke bei Ver- gebung neuer Aufträge. Die Bestände wachsen den Produzenten und Verbrauchern über den Kops. Vor allem trägt das Roheisen- syudikat zur Verschärfung der Zustände bei, da eS auf die Erfüllung alter Lieferverträge, die hohe Preise vereinbarten, besteht. Beachtenswert ist, zu welch' niederen Preisen Abschlüsse nach dem Auslande gemacht werden. Die Böhmischen Montangesellschaften, die 1808 ihren Coaksbedarf bei dem West- Mischen Coakssyndikate zu dem niedrigen Preise von 8 Mark 10 Pfennige gedeckt hatte, vereinbarten soeben einen neuen Abschluß mit dem westfälischen Syndikat behufs Deckung ihres Be- darf? bis Frühjahr 1003 zum Durchschnittspreis unter 11 M. Der Preis steht weit unter dem jetzt festgesetzten für die deutschen Werke. Das Syndikat hilft somit die ausländische Konkurrenz auf die Beine. Tic Banthätigkcit scheint nach einer Umfrage, die das Fach- organ„Der Zimmerer" veröffentlicht, wieder etwas im Aufleben begriffen zu sein. AuS mehreren Städten wird die jetzt zu Ende gehende Baukoujnnktnr als befriedigend bezeichnet, daneben für das kommende Vierteljahr über verhältnismäßig gute Neuaufträge und neue Bauausführungen berichtet. In Alzenau ivar die Bau- thätigkeit eine sehr gute. Alten bürg kann Ende Oktober be- richten, daß, während aus andern Orten Klagen über geringe Bauthätigkeit einlaufen, hier das gerade Gegenteil behauptet werden kann. In Barmen sind bis Anfang September mehr Wohnhaus- Neubauten ausgeführt worden, als im Jahr vorher. Berlin zeigt einen Rückgang, der aus folgenden Zahlen enncffen werden kann: 1800—01 betrug die Zunahme an Grundstücken und Ber- sicherungswert bei der städtischen Feuersocietät 442 Grundstücke im Werte von 143 Millionen Mark, im folgenden Jahre nur noch 388 Grundstücke mit 138 Millionen Mark Wert und im Jahre 1800 bis 1000 nur noch 155 Grundstücke mit 00 Millionen Mark Wert, d. h. 287 Grundstücke im Werte von 55 Millionen weniger als vor zehn Jahren. Der Unterschied würde noch weit bedeutender sein, wenn nicht in den letzten Jahren die großen Warenhäuser im Centrum und einige große Geschäfts- und Fabrikgebäude in der Ritter- und den angrenzenden Straßen gebaut worden wäre». In diesem Jahre ist bis jetzt die Bauthätigkeit noch geringer als im vorigen, was auf den Zufammcnbnlch der Hypothekenbanken zurück- geführt wird. AuS Bingen wird berichtet, daß die Zahl der von der Stadt aufgeführten Bauten sehr gering ist, dagegen ist die private Bau- thätigkeit sehr rege. Bochum hat eine schlechte Baukonjunkirir zu verzeichnen, die Bauaufsührungen erreichte» kaum ein Viertel des Vorjahres. In Goslar Ivar die Bauthätigkeit nicht so rege, als es in Anbetracht der Wohnungsnot Müschens- wert' gewesen wäre. In Hamburg und den Vororten wurden im Jahre 1000 Neubauten im Werte von 27.5 Millionen baupolizeilich angemeldet, während ini Jahre vorher 30,0 Millionen zur Anmeldung gelangten. In H a n n o v e r hat die Bauthätigkeit in den letzten zwei Jahren merklich nachgelassen, mit Rücksicht ans die Nachfrage nach Bauplätzen läßt sich aber im nächsten Jahre eine lebhaftere Bauthätigkeit erwarten. In H i l d e S h c i m sind eine Anzahl Bauten noch in Arbeit. In Kiel herrscht eine lebhafte Bauthätigkeit. Trotz der vorgerückten Jahreszeit werden noch niehrere" Neubauten begonnen. Die Hauptthätigkcit verteilt sich auf die Pickertstraße, in welcher augenblicklich 7 Häuser in verschiedenen Stadien im Bau sind, die Kaiser-, Johannes- und tZlisabethstraße. Dennoch fehlt es an kleineren Wohnungen, so daß die Baracken noch voll besetzt sind. An der Preetzer Chaussee be- ginnt die Firma Krupp mit dem Bau eines DirektionsgebSudes. Serlin. Für den Inseratenteil verantwortlich:»h.«locke tu Berlin. Dru Allem Anscheine nach werden die Kruppschen Arbeiterhäuser nicht s» weit fertiggestellt, daß sie noch in diesem Jahre alle bezogen werden können. Die Arbeiten an deni Gebäude, in welchem ein Konsum- geschäst eingerichtet werden soll, gehen nur langsam fort. Die Lrbknchen-Fabrikanten in Nürnberg haben eine ganz- lich unmosivirte Preiserhöhung unter sich vereinbart. Diese Maß- nähme ist in keiner Weise gerechtfertigt, da die Preise für Roh- Materialien nicht im geringsten gestiegen sind. Petrolenunuonopol in Frankreich. Der„Petroleum Jndustrial aud Technical Review" zufolge wurden in das französische Budgetgesetz sür 1002 folgende Sätze, das Petroleummonopol in Frankreich betreffend, aufgenommen:„Vom Tage der Durchführung des vorliegenden Gesetzes ab kommt dasRecht, Petroleum anzukaufen, zii raffinieren und zu verkaufen, ausschließlich dem Staate zu. Der Finanzminister ist ermächtigt, Rohöl sowohl als raffiniertes Petroleum anzukaufen. Innerhalb eines Zeitraumes von zwei Monaten nach Durchführung des vorliegenden Gesetzes wird eine ans neun Mit- gliedern, von denen je drei von dem Finanzminister, den Raffineuren und vom ersten Präsidenten zu bestimmen sind, bestehende Special- kommission beauftragt werden, die Entschädigungen, die den Petroleum-Jndustriellen geleistet werden sollen, festzusetzen und zwar entweder auf der Basis der Marktpreise vom 15. Oktober 1001 oder auf derjenizen der Abtretung des unbeweglichen Besitzes des Rohöls und des raffinierten Oels an den Staat. Die Beschlüsse dieses Komitees werden erst durch ein besonderes Gesetz, das den zu ihrer Ausführung nötigen Kredit eröffnet, rechtskräftig werden. Vom 1. Juli 1002 ab wird die Oktroitaxe auf Mineralöle zu bestehen aufhören." Sociales. Ein Berg- Gewerbegericht wird auf Anordnung des Ober» bcrgamtcs M ü n ch e n für diesen Bergbezirk errichtet. Es werden sechs Beisitzer für die Arbeiter und sechs für die Unternehmer gc- wählt. Die Wahle» sind sür den 8. und 15. Dezember cr. aus- geschrieben. Zur Wohnungsfrage. Der RegierniigsprSstdent in Oppeln hat durch einen Runderlaß die Magistrate seines Bezirks zum Bericht aufgefordert, ob nicht das Bedürfnis besteht, sür die städtischen Arbeiter und unteren Beamten gesunde und zweckmäßige Wohnungci» zu billigen Preisen zu errichten. Mit der Arbeitslosen- Frage hatte sich der Züricher Große Stadtrat in seiner Sitzung vom letzten Sonnabend zu beschäftigen. Gegenwärtig sollen ca. 2000 Arbeitslose in Zürich sein. Die Mehr- heit der vorberatenden Kommission stellte folgende Anträge: 1. Die Frage der Arbeitsbeschaffung bei städtischen Unternehmungen für nächste» Winter ist im Zusammenhange mit der Aufstellung des Vor- anschlages für den außerordentlichen Verkehr zu behandeln. 2. Der Stadtrat wird eingeladen: a> paffende Lokalitäten zur Verfügung z» stellen, wo unter geeigneter Aufsicht, indes ohne weitere Ver- antwortlichkeit der Stadt, einfache Arbeiten für Private durch Ar- beitslose ausgeführt werden können; d) einen öffentlichen Aufruf zu erlassen, in welchem zur Vornahme von Arbeiten zur Beschäftigung von Arbeitslosen aufgefordert wird. 3. Die vom Großen Stadtrat am 25. November 1803 aufgestellten Grundsätze betreffend die Ar- beitslosen- Unterstützung werden dahin abgeändert, daß die Unterstützung auf solche beschränkt wird, welche seit dem 1. Mai 1001 Niederlassung in der Stadt besitzen. 4. Der Stadtrat setzt nach Anhörung der Arbeitslosen- Konmiission die Höhe der täglich zu verabreichenden Unterstützung nach Maßgabe der Verhältnisse fest.— Die bürgerlich- chan- vinistische Kommissions- Minderheit beantragt«, die Grundsätze be� treffend die Arbeitslosen-Unterstützung dahin abzuändern, daß die Unterstützung an Schweizerbürger entrichtet wird, welche seit dem 1. April 1001 Niederlassung in der Stadt besitzen und an Ausländer, welche seit dem 1. Oktober 1000 dauernd in der Stadt Zürich nieder« gelassen sind.— Die Antrüge der Kommissionsmchrheit, zu der auch die socialdemokratischen Kommissionsmitglieder gehörten, wurden bis auf Ziffer 3 ohne lange Debatte angenommen. Mit 63 gegen 44 Stimmen wurde dann beschloffen: Unterstützung der Schweizer- bürger, welche seit dem 1. April und der Ausländer, welche seit dem 1. Januar 1001 in Zürich sind. Vctzke Nachrichkcn und Vepefchen. PariS, 22. November./e Uhr bei L o s s e, Luisenstr. 20. Zahlreiche Beteiligung ist geboten._ Uoksles. Da» Berliner Arbeitshaus zu Numinclsbnrg, über daS jetzt von der Verwaltung der Bericht für daS Jahr 1900/01 erstattet wird, beherbergte am 31. März 1900 1119 männliche und 143 weibliche Personen, nahm vom 1. April 1900 bis 31. März 1901 937 männliche und 217 weibliche auf, entließ in derselben Zeit 1045 männliche(einschließlich 16 in der Anstalt verstorbene) und 214 weib- liche und beherbergte am 31. März 1901 1061 männliche und 146 weibliche Personen. Der tägliche Durchschnittsbestand war im Jahre 1900/01 1107 männliche und 151 weibliche Personen. Der Durch- schnitt war bis in die erste Hälfte der 90cr Jahre im Sieigen gewesen und hatte im Jahre 1394/95 mit 1834 männlichen und 165 weib- lichen Personen seinen höchsten Stand erreicht. Dann waren ein paar Jahre raschen und starken Fallens gefolgt. Der tiefste Stand wurde im Jahre 1898/99 mit 1054 männlichen und 115 weib- lichen Personen erreicht. Seitdem aber ist eine erneute Zu- nähme eingetreten, die allerdings nur gering ist. Der Bericht bemerkt zu diesem Wechsel der Frequenz, der Rückgang in den Jahren 1396 bis 1899 rechtfertige die Annahnie, daß«infolge der Gewerbc-Ausstellnng im Jahre 1896 nnsre heimische Industrie eine» Aufschwung erfahren hat und somit ein stärkeres Bedürfnis nach Arbeitskräften vorhanden war, so daß ein größerer Teil der sonst das Arbeitshaus füllenden Elemente Arbeit fand und somit dem Arbeitshanse entging." Diese Ausführnngen deS Berichtes zeugen von richtiger Einsicht in die Wirkungen einer Besserung bezw. Ver« schlechter un g der Erwerbsverhältnisse. Sie stehe» aber in merkwürdigem Gegensatz zu einer Mitteilung, die im Früh- jähr 1901 aus dcn Bureaus dieser selben Verwaltung, der bei der Armendirektion bestehenden Abteilung für das Arbeitshaus und das Obdach, an die Presse gelangt ist. Damals wurden die Verhältnisse so dargestellt, daß Unkundige anf den Ge- danken kommen mußten, die Insassen nicht nur des Arbeits- Hauses, sondern auch des Obdachs seien größtenteils arbeits- scheues Gesindel. ES wurde behauptet, die Besetzung des Obdachs habe im letzten Winter hauptsächlich deshalb so sehr zu» genommen, weil seit einiger Zeit bezüglich der Ueberwcisungc» von Obdachlosen und Bettlern an das Arbeitshaus eine im- verdient milde Praxis geübt werde. Wir sind dieser völlig nnzntreffcudcn Darstellung damals sofort entgegen getreten. Wir haben gezeigt, daß der Rückgang der Arbeitshausfreqnenz thatsächlich nur bis Anfang 1899 gedauert hat und um diese Zeit durch eine erneute Zunahme abgelöst worden ist, daß also der behauptete Zusammenhang zwischen jener Leerung des Arbeits- Hauses und der im Jahre 1900 eingetretenen Füllung des Obdachs eine Fabel ist. Jene Behauptung ist in eine Reihe zu stelle» mit dcn die Oeffentlichkeit irre sührende», von uns als falsch nach- gewiesenen Nachrichten über die gegenwärtige Höhe der Obdach- frcquenz, die noch bis in die letzten Wochen hinein au§ der Fröbel- straße an die Presse gelangt und von den bürgerlichen Blättern kritiklos wiedergegeben worden find. In wenig beneidenswerter Lage befinden sich die. nameut- lich im Westen der Stadt lhätigen, vom Hausbesitzer- Verein äugest eilten Wächter. Die 16 Wahlrcvierc dieses Stadtteils sind dem Rentier Sch. unterstellt, der„seine" Unter- gebcuen einer strengen Kontrolle unterwirft. Die kleinsten Versehen werden mit sosortiger Entlassung geahndet. Daß aber der Haus- besitzervercin, der von„seinen" Angestellten durch sein Faktotum Sch. peinlichst genaue Pflichterfüllung fordert, Nim auch seiner Pflicht de» Angestellten gegenüber nachkommt, davon ist wenig zu vermelden. Für den anstrengenden Dienst, der im Westen täglich noch eine Stunde länger währt als in andren Stadtteilen, wird eine Entlohnung von 75 bis 80 M. monatlich als ans- reichend erachtet. Dies äußerst geringe Einkommen dieser Wächter wird durch das sogenannte Schließergeld»ur ganz unwesentlich erhöht. Die gelieferte Kleidung ist zum Teil schlecht; an einen namentlich bei Regenwetter notwendige» Wechsel der Rleidnng kann nicht gedacht werden, da es eben pro Person nur einen Anzug giebt. Daß unter diesen Umständen der erzielte Profit kein schlechtes Geschäftchen dar- stellt, ist unschwer einzusehen. So bringt z. B. eine� bestimmte Straße den Unternehmern monallich 156 M. ein, während der Wäckter für die Bewachung ganze 30 Mark erhält. Der Profit ist hier, wie man sieht, ganz respektabel und könnte einen human denkenden Unternehmer immerhin be- wegen, an eine Besserstellung der Lebensbedingungen seiner Angestellten zn denken. Mit Humanitätsballast ist jedoch das Gewissen unsrer Hausbesitzer nicht sonderlich beschwert. Herr Sch. kennt jedoch sehr die Mittel und Wege, seinen Geschäftskreis zn erweitern; namentlich dann, wem, es gilt eine» Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen, läßt er alle Saiten springen.>so haben eine ganze Reihe Hauswirte eines benachbarten Reviers Ende September einen von Sch. geschriebenen Brief zu- gestellt erhalten, in dem der dort thätige Wächter W. als un» zuverlässig, sowie als Verführer der Untergebenen des Sch. hin« gestellt wird. I», gewöhnlichen Leben nennt nian dies eine Denunziation; hier, wo ein bevorrechtigter Hausbesitzer in Betracht kommt, ist eS— um mit dem Briefschreiber Sch. zu reden— Wahrung berechtigter Interessen. Die Spitzen der Nation. In hiesigen Blättern befindet sich folgende Meldung: Das Anwachsen des Spiritismus in der Potsdanier vornehmen Gesellschaft bildet den Gegenstand der Unter« Haltungen in der Hofgesellschaft. Nachdem von maßgebender Stelle gegen dcn Unfug des„GesundbeteuS" energisch ein- geschritten ist, haben sich die dafür interessierten Kreise anf den Spiritismus geworfen, Llgitatio» für diese Idee aus Berlin ver- schrieben und statt der„Bet-Cirkel" spintistische Cirkel gebildet, in denen es manchmal toll zugehen soll. Die erste öffentliche Ver- snmmlung hat unter großem Zulauf in dieser Woche stattgefunden. Wie sehr der Spiritismus Boden gewonnen hat, konnte man auS der Anwesenheit höherer Offiziere und Beamten unschwer feststelle». Es wurden ausführliche Belehrungen gegeben, wie man spiritistische Cirkel einrichtet. Daran schloß sich eine Sitzung mit einem Medium. Der Untergang deS Kleingewerbes offenbart sich in kraß an die Oeffentlichkeit tretenden wie in unscheinbaren Dingen. Ein Bei- spiel unter vielen Erscheinungen, die in der Menge verschwinden, bietet der Kampf der Eis h ä n d l e r um ihre Existenz. Diese Leute hatten bisher ihre wesentliche Kundschaft unter den kleinen Gast- Wirten. Hier werden sie jedoch immer mehr dadurch überflüssig. daß die Brauereien neben dem Bier gleich das Eis liefern, eine Annehmlichkeit für die Gastwirte, deren Spende den Brauereien, welche im Besitz von großen Eislogern oder gar von Eisfabriken sind, nicht allzuviel kostet. Die Vereinigung der Eishändler hatte sich, nm die Gefährdung der Existenz seiner Mit- glicdcr zu beseitigen, mehrfach an den Verein der Brauereien Berlins gelvandl und hier auch bereits vor Jahresfrist das Versprechen er« halten, daß man über die Wünsche der Eishändler bei Gelegenheit verhandeln«volle. Bis jetzt haben die Händler aher noch nicht den geringsten Erfolg ihrer Bemühungen gesehen und aller Wahrschein- iichkcit nach werden sie, falls sie überhaupt eine Hoffnung auf Erfolg hatten, diese endgültig begraben müssen. Barmherzigkeit mit den Mittelschichten kennt die sociale Eutlvicklung nicht und kann sie nicht kennen. Ein Hüben wie Drüben nur gilt. Hier daS Proletariat, wo auch die Eishändler anlangen werde», dort der Großbetrieb. I» der gestrigen Sitzung der städtischen GaSdrPntation linier dein Vorsitz des Stadtrats Namslau wurde beschlossen, den Alexanderplatz mit„MillcniumSIicht" und den kleinen Thiergarten mit„Selaslicht" zu beleuchten. Wegen der Nähe der neuen Volks- badeanstalt in der Thurmstraße soll auch diese mit dem„Selaslicht" versehen werden. Das„Milleniunilicht" ist ein neues Gaslicht und ztvar sog.„Prcßgaslicht". Die Flammen haben eine Stärke von 700 Kerzen, so daß nach Einführung dieses Lichtes der Alexander- platz zn den am besten beleuchteten Plätzen Berlins zählen" ivird. Sclaslicht entsteht aus Gas mit gelvöhniichcm Druck unter gleichzeitiger Zuführung von komprimierter Luft. Außerdem wurde noch beschlossen, die L o h n b e z ü g e der städtischen Laternen- Wärter und Anzünder aufzubessern. Aus der gestrige» Magistratsfitzmig. Folgende Einzeletats wurden festgesetzt: Der Etat über die Grundstücke in der Stadt schließt ab mit 686 466 M. in Einnahme und 88 769 M. in Ausgabe, so daß eine Mehreinnahme von 497 687 M. vorhanden ist. Die Ein- nahmen aus den mit Gebäuden versehenen Grundstücken betragen 896 469 M., aus Holz- und Lagerplätzen 179 893 M. Die ländlichen Grundstücke, sowie Mletsgruudstiicke außerhalb des städtischen Weich- bildes stellen in Einnahme 136 301 M., Jagdpacht usw. 110 767 M., zusammen 143 663 M. Der Kalksteinbruch in Rüdersdorf stellt 26 000 M. Die Gesamteinnahme beträgt somit 173 663 M., der eine Ausgabe von 160 869 M. gegenübersteht, sodaß eine Mehreinnahme von 22 071 M. erzielt wird. Die von der Stadtverordncten-Ver- sammlnng gefaßten Beschlüsse über die„Linderung" der Wohnungs- not hat der Magistrat der schon bestehenden Unterkoimnission des Magistrats zur weiteren Beratung überwiesen. Stadtveoerdneten-Nachwahle». Im 32. Wahlbezirk sAnklamerstraße usw.) findet die Neuwahl am 11. Dezeniber in der Zeit von 9 Nhr früh bis 8 Uhr abends statt. Für die zn Stadt- raten gewählten Stadtvv. Emil Gericke 1 und Kaiisch, deren Wahl- zeit noch bis 1903 bez. 1906 läuft, müssen Ersntzivahlen in der 1. Abteilung des 13. Wahlbezirks und in der 2. Abteilung des 6. Wahlbezirks stattfinden. Der Titel„Magistratörat", den, wie unsre Leser wissen, der Magistrat vor einigen Monaten den lebenslänglich angestellten Magistratsassessoren beilegte, darf von diesen, wie nun endgültig feststeht, nicht geführt werden. Der Oberpräsidcnt hatte seiner Zeit den Magistrat darauf hingewiesen, daß er kein Recht habe, den Magistratsassessoren den Titel Magistratsrat beizulegen, iveil die Erteilung von«Titeln, welche den Ratscharakter in sich schließen", eine Prärogative der Krone sei. Der Magistrat hat sich nun an den Minister des Innern gewendet, aber dieser hat die Entscheidung des Oberpräsidenten lediglich bestätigt. Dies Unglück wird sich ertragen lassen. DaS Radfahren ans verbotenen Straßen und Plätzen ist jetzt auch den uniformierten Beamten der hiesigen Schntzmaunschaft ge- stattet worden, sofern diese sich in Uniform und in der Ausübung ihres Dienstes befinden. Für 422 000 M. Leuchtgas ist im letzten EtalSjahre ungebraucht in die Luft gegangen. Es entspricht das eiueni Quantum von nahezu 3Vs Millionen Kubikmetern; der Etatsansatz lautete auf Grund langjähriger Erfahrungen sogar auf einen Gasverlust von 6 Millionen Kubikmetern. Bei einer Produktion von jährlich ca. 160 Millionen Kubikmetern will dies nichts besagen, namentlich, Ivenn man berücksichtigt, daß bei dem umfangreichen, weitverzweigten Rohrnetze der Berliner Gasverwaltung infolge Undichtigkeiten ze. viel mehr GaS entweichen kann, als in dem Rohrnetze größerer Provinzialstädte, deren viele froh wären, wenn sie den Gasverlust auf f ü n f Prozent herabmindern könnten, in Berlin deträgt er nur 2V3 Proz. Der Landerwerb- und Baubereiu, der vor kurzem von L a n b e n k o I o n i st e n Berlins und der Vororte gegründet worden ist, hat bereits an der Berliu-Zosscner Chaussee, bei Dabendorf, in unmittelbarer Nähe von Nadel- und Laubwald Ländereien im Um- fange von 42 Morgen erworben, um sie zu parzellieren und die einzelnen Parzellen ungefähr zum Sclbstkostcuprcise an die Mit- glieder zu überlassen. Der an die Chanssee angrenzende, zur Be- bauung mit kleinen Landhäusern geeignete Teil des Geländes soll von Straßen durchzogen werden. Bau- und Gartenland wird zu 30 Pfennig für 1 Quadratmeter, Wiesenland zu 13 Pfennig für 1 Quadratmeter an die Mitglieder abgegeben werden. Die Billigleit dieser Preise wird allerdings durch den Mangel einer bequemen Ver- bindnng mit Berlin ziemlich aufgewogen. Uebcr Wilhelm». bringt die„Staatsbürger Zeitung" die folgende für das Pücklerblatt bezeichnende Mitteilung:„Eine' eigen- artige Auszeichnung durch den Kaiser ist den Glaser Solomon Arndtschcn Eheleuten zn Jastrow zu teil gelvorden. Aus Anlaß ihrer goldenen Hochzeitsfeier verlieh ihnen der Kaiser auf ihren Wunsch statt der goldenen EhejubiläumS-Medaille eine in hebräischer Schrift verfaßte illustrierte Bibel, auf deren Titelblatt der Kaiser eine Widmung niedergeschrieben hat. Man muß danach aunehmen, daß der Kaiser auch des Hebräischen mächtig ist, da es keinen Sinn hätte, eine Widmung in ein Buch einzutragen, dessen Inhalt dem die Widmung Schreibenden unzugänglich ist." Für de» Totensonntag werden schon jetzt Anordnungen er- lassen, nm den Verkehr nach den Friedhöfen zu regeln. Das Stehen- bleiben vor den Eingängen der Kirchhöfe wird nicht gestattet; auch wird das Publikum ersucht, in den Hauptgängen der Bcgräbuisplätze sowie auf den Bürgerstcigen stets rechts zu gehen. Die Hennann- slraße in Rixdorf, die erfahnmgsgemäß stets am stärksten be- lastet ist, wird für den gewöhnlichen Fährverkehr völlig ge- sperrt. Nur Personen-Fuhrwcrke dürfen die Straße passieren, und zwar in der Richtung von Hermannplntz nach Britz. Zurückfahrende Personenwagen müssen an der ersten Straßenkreuzung abbiegen und fahren durch die Mainzer und Berlinerstraße nach Berlin. Auch will die Straßenbahn- Verwaltung zur Bewältigung des Verkehrs Maßnahmen treffen. Wo elektrischer Betrieb vorhanden ist, werden die Motorwagen mit ein bis zwei Anhängern versehen. Inzwischen herrscht in den Kranzbindereien eine recht rege Thätigkeit. und Tausende von Kränzen, die am Toten- Sonntag zur Schmücknug der Gräber dienen sollen, werden fertiggestellt. Auch die Friedhofsverivaltnngen sind sehr in Anspruch genommen, um die durch den anhaltenden Regen aufgeweichten Wege trocken zu legen und passierbar zu machen. Zahlreiche Fuhren Sand und KieS wurden heute vormittag nach den Friedhöfen geschafft, um dort zur Befestigung der Gänge verwendet zu werden. Der Einbruch in die Gemeindeschnle in der Gipsstraße ist bereits aufgeklärt. Kriminalbeamte, die nach dem Einbruch die Gipsstraße beobachteten, sahen einen der Polizei bekannten Hehler Namens Krakowski und eine gewisse Tietz mit Paketen bei einer Hehlerin Namens Ernestine Schneider in der Gipsstraße aus- und eingehen. Zu ihnen gesellte sich noch«in gewisser Simske, der wegen Einbruchs schon bestraft ist. Als die ganze Gesellschaft gestern abend in der Wohnung der Schneider versammelt war, drangen die Kriminalbeamten ein. Die Durchsuchung der Wohn- räume förderte die in der Gemeindeschnle entwendeten Sachen zu Tage. Simske gestand, den Einbruch verübt zu haben. Er war abends über die Maner gestiegen, hatte sich mit EinbnichSwerk- zeugen den Weg weitergebahnt und bann das Grundstück vor Thoresschluß wieder verlassen. Seine Beute hatte er sofort zu der Schneider geschafft. Ein Opfer des Zapfenstreichs ist der 62 Jahre alte Droschkenkutscher Friedrich Mank aus der Brehmestr. 61 zu Pankow geworden. Manl hielt am Sonntag, den 3. d. M., abends, mit seinem Fuhrwerk in der Friedrichstraße an der Kaserne des zweiten Garde-Regiments zu Fuß. Als um 9Uhr derTambour der Kasernenwache zum Zapfenstreich die Trommel schlug, scheute das Pferd vor dem un- gewohnten Geräusch und ging durch. Der betagte Kutscher, der vom Bock gestiegen war und bei seinem Pferde stand, fiel ihm in die Zügel und versuchte mit aller Kraft. eS zum Stehen zu bringen. DaS wäre ihm wohl auch gelungen, wenn er an der Ecke der Johannisstratze nicht das Unglück gehabt hätte, hinzufallen. Nun mußte er die Zügel loslassen, das Pferd lief weiter, und die Droschke ging über ihn hinweg. Der Verunglückte zog sich einen Bruch des linken Unterschenkels zu. Im Krankenhaüse trat vor einigen Tagen ein Lnngeiischlag hinzu, der seinem Leben ein Ende machte. Diebstähle beim Kaiserbesuch. Ein Berichterstatter meldet: Den Besuch des Kaisers in der Sitzung der Schiffsbau- technischen Gesellschaft am Montag haben Paletotmarder benutzt, um zu derselben Zeit einen Streiszug in die in einem Rebenraum etablierte Garderobe zn unternehmen. Während die daselbst thätigen Beamten durch die Anwesenheit des Monarchen ihre Ausmerksamkeit weniger dem allgemeinen Besuch zu- wandten, da naturgemäß zahlreiche Fremde der' Sitzung beiwohnten. fanden Diebe Gelegenheit, sich drei wertvolle Ucberzieher nebst den dazu gehörigen Hüten auszusuchen und damit zu verduften. Von den Spitzbuben fehlt jede Spur. Der heillose Respekt vor dem Adel, den man in bürger- lichen Kreise» inbrünstig zur Schau trägt, hat einer Spandäuer Familie eine böse Suppe eingebrockt. Im vorigen Sommer lernte der Kaufmann V.. ein junger selbständiger Geschäftsmann und Sohn eines wvhlbabenden ReniierS aus Spandau, in Halensee eine Dame kennen. Sie gab sich ihm gegenüber für ein armes, adliges Fräulein Namens Annaliese von Richthofen aus; sie wohne infolge von Familienzerwürfnissen nicht bei ihren Angehörigen, sondern i» Charlottenburg in einer Pension. Sie verstand eS, den jungen Mann sür sich zu gewinnen und lud ihn ein, sie in dem Pensionat zu besuchen. Er kam auch, wollte aber, als ihn in dem hochherrschastlichen Hause ein Diener in feiner Livree empfing, wieder umkehren, weil er meinte, er habe sich wohl geirrt, denn hier könnte das arme Fräulein doch nicht wohnen. Er wurde indes zum Bleiben veranlaßt nnd alsbald erschien die Auserkorene, die ihm„errötend" gestand, daß sie gar nicht so arm sei; sie habe ihn nur auf die Probe stellen wollen. Sie sei Erbin eines Rittergutes und halte sich nur wegen einer nicht standesgemäßen zweiten Heirat ihres BoterS von ihren Angehörigen fern. Bald enuvickelte sich nun zwischen dem reichen adligen Fräulein und der Spandaner Rentiersfamilie ein inniger Verkehr; häufig war Fränl. Aunaliese von Richthofen Gast der Familie, wo sie auch oft Briefe von hochgestellten Persönlickkeiten mit altadligen Namen empfing. In ihrer Wohnung zu Charlotten- bürg traf der junge Kaufmann, mit dem sie sich dann verlobte, stets Personen von hohem Rang, die bekannte» hochadligen Familien an- gehörten. Der Bräutigam und demnächstige Rittergutsbesitzer ver« taufte sein Geschäft; sein Vater bestellte zwei Prunkwaae» mit Gummirädern für das Rittergnt, und sehnlichst wurde der seierliche Tag erwartet, an den: das Paar für ewig verbunden werden sollte. Inzwischen war der hoffnungsvolle Schwiegervater auch gern bereit, der Braut seines SohneS zwecks Regulierung einer Hypotheken- aiigelcgenbeit 12 000 M. zu gewähren. Der Tag der Hochzeit, den das adelige Fräulein bestimmen wollte, ließ indes leider allzulange auf sich warten, weil die Papiere der Braut immer noch nickit eintrafen. Als man endlich von Spandau aus in ihrer Heimat nachforschte, erfuhr ina», daß die Dame einfach bürgerlich Anna Richter hieß und gar kein Rittergut besaß; weitere Erkundigungen ergaben, daß sie eine der Berliner Kriminalpolizei sehr bekannte Hochsiopleriu war, die sich in letzter Slnnde mit dem erschwindelten Gclde aus dem Staube gemacht hatte. Der Diener in Livree, die angeblichen hoch- adligen Bekannten und Vriesschreiber waren Helfershelfer der Schwindlerin gewesen.— Eine gewisse Klasse von Menschen stirbt eben nicht ans l Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern abend gegen 9 Uhr ans dein Straßenbahn-Depot X in der Bclzigerstraße. Während der Fahrer Koglin den Motorwagen 1864 aus dem Wagenschuppcn hinausfahren wollte, versuchte der Wagenführer Schenier das Tritt- brett der Vorderplattform zu besteigen, um seinem Kollegen etwas mitzuteilen. Sch. wollte sich dabei am Handgriff des Perrons fest- halten, griff jedoch fehl und wurde dabei zwischen Thoreinfahrt und Wagen eingequetscht. Er erlitt außer einigen andren Verletzungen einen Schlüff'elbeinbrnch»nd wurde der Unfallstation in der Bahn- straße zugeführt. Mit Karbolsäure schwer verbrannt hat sich der 66 Jahre alte Tischlermeister Heinrich Voigt aus der Prinzenstraße 13. Der alte Mann lebt von seiner Frau getrennt nnd hat sich seine Merlstait zugleich zur Wohuuug eingerichtet. Seit einem halben Jahre litt er an den Beinen. Als nun Leute eines benachbarten Gastwirts, der ihm daS Essen zusandte. gestern nachmittag in seine Behausung kamen, lag der Greis vor furchtbaren Schmerzen laut schreiend da. Er hatte gegen sein Beinübcl Karbol angewandt und sich mit der viel zu scharfen Lösung beide Beine verbrannt. Der Unglückliche mußte sofort einem Krankenhause zugeführt werden. Ei» Hchler-Ehepaar» das schon länger verdächtig erschien, ist von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Eine HauSsuchimg bestätigte den Verdacht in vollem Umfange. Man fand eine Menge Sachen, die meist aus Ladendiebftähle» herrühren. Ein großer Teil dieser Sachen hat bereits seinen Eigentümer wiedergefunden, andre dagegen sind noch herrenlos und liegen in den Vormittagsstunden im Zimmer 36 des Polizeipräsidiums anS, u. a. ein schwarz-weißer Spitzenumhang, eine himmelblau- seidene Bluse, Taschentücher mit dem Zeichen R. 17, 1. 18, Handtücher mit den Zeichen A. E., A. N. und S. 90 und zwei Damast-Kaffeeservictten mit dem Zeichen W. Zu dem Unglücksfall ans dem Spindlerschen Bau in der Wall- straße wird uns noch mitgeteilt, daß der tätlich verunglückte Arbeiter Pohle nicht von der Leiter, sondern durch einen Schacht gestürzt ist. Nachdem daS Unglück geschehen war, wurde am nächsten Tage eine Leiter in den Schacht geschoben. UebriaenS haben die Arbeitskollegen des Verunglückten den schlimmen Vorfall sofort bemerkt. Die bei der„Genthiner Baugesellschaft", welche den Bau aufführt, be- schäftigten Arbeiter klagen öfter, daß entsprechende Sicherheits- Vorrichtungen an den von ihr aufgeführten Bauten fehlen. Ein ZehnmarkMck hat ein unbekannter Gast im Lokal von Tolksdorf, Görlitzerstr. 68, zurückgelassen. Der Eigentümer kann sich das Geld dort abholen. Durch einen Sturz vom Dache tödlich vernnglückt ist Donnerstagnachmittag der 61 Jahre alte Schuhmachermeister Hennann Arnold, der von seinen Ersparnissen lebte und im vierte» Stock des Hause? Gitschinerstr. 88 wohnte. Arnold hatte dicht neben seiner Dachwohnung einen Taubenschlag. Als ihm aus diesem Donnerstag- nachmittag nm S1/« Uhr eine Taube wegflog, stieg er ihr auf das Dach nach. verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe him.b. Obgleich ihm zwei Aerzte sofort Hilfe leisteten, starb er bereits nach anderthalb Stunden an den Folgen eines Schädelbruchs. Abermals ein Bau-Unfall. An dem von der Firma Bredereck ausgeführten Bau der G e w e r b e s ch u l e in der Andreasstr. 1—2 verunglückte gestern vormittag der Maurer Andreas Krause aus Charlottcnburg. Es sollt« ein großer Sandstein abgeladen werden. Hierbei brach eine Bohle, welche mit dem einen Ende auf dem Wagen, mit dem andren Ende jedoch auf der Erde lag. Beim Sturz traf der Stein den genannten Arbeiter, der nicht rechtzeitig ausweichen konnte, da er mit seinem Pantoffel an einer Schwelle beS vor dem Bau angebrachten Gerüstes hängen geblieben war Im Krankenhause wurden an dem schwerverletzten Maurer ei» Ober- schenkelbruch und mehrere Rippenbrüche festgestellt, auch scheint Krause innere Verletzungen erlitten zn haben. Der Verunglückte ist ver- heiratet und hat fünf unerwachsene Kinder. An der elektrischen Leitung tödlich verunglückt ist gestern nachmittag der 42 Jahre alte Former Gustav W o y w o d e anö der Franseckystr. 46 in der Eisengießerei von Graueri in Stralau. Alt- Stralau 33. Der Verunglückte wurde mit einem Wagen der Unfall- station 16 sofort nach Berlin in ein Krankenhaus gebracht, wo er bereits im Laufe der Nacht starb. DaS Komitee der städtischen Blindenanstalt bittet uns, be- kannt zu geben, daß am 3., 4. und 6. Dezember in den Räumen des Abgeordnetenhauses, Prinz Albrechtstr. 6. ein Berkanf von in der städtischen Anstalt hergestellten Blindenarbeiten stattfindet. Der Lese- nnd Diskntierklnb Südost veranstaltet morgen Sonntag, in der Urania, Taubenstraße, eine Borstelluiig. Billcts hierzu sind am Borstellungstage in der Urania erhältlich. An Freunde dcS Schachspiels in der Arbeiterschaft richtet sich eine Mitteilung, die namentlich jetzt zum Winter manchem willkommen sein wird. Die Pflege des schönsten und anregendsten aller Spiele scheiterte, wenigstens soweit die unbemittelten Volksschichten in Be- tracht kommen, wesentlich daran, daß ein Spiel mit Brett nicht gerade zu den wohlfeilen Gegenständen gehörte. 3—4 M. waren immer- hin dafür anzulegen. Nun hat die Firma E. L a n g e in Altona den nach unsrer Ansicht wohlgelungeuen Versuch unternommen, für den Preis von nur zwanzig Pfennigen ein koinpletes Schachspiel mit Brett ans haltbarer Pappe herzustellen. Das Spiel ist in Karton verpackt und so eingerichtet, daß eS bequem in der Tasche getragen werden kann. Wir machen darauf aufmerksam, daß in der Buch- Handlung Vorwärts. Beuthstr. 2, Langesche Schachspiele für den ge- nannten' billigen Preis zu haben find. Im Theatersaale der Urania(Taudenstraße) wird am nächsten Dienstag Herr Dr. Sürmg über die Erlebnisse und Ergebnisse von Ballon- fahrten vortragen. Bekanntlich gelang es in diesem Sommer den Meteo- rologen Bcrso» nnd Dr. Süriug bis zu einer Höhe von 10 609 Meter— über 1000 Meter mehr als bisher möglich gewesen— aufzusteigen. Der Bortrag wird durch Lichlbilder erläutert werden. Auf der Treptower Sternwarte wird Sonntag der M o nd von 4—10 llhr abends beobachtet. Um 5 Uhr spricht Direktor Archenhold „lieber den Mond im Treptower Rtesen-Fernrohr", um 7 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten". AnS de» Siitchbarorte». Zur Wohnungsnot in de» Vororte«. AIS Perle der Vororte ist jüngst von kommuiialpatriotischer Seite unser Vorort Wilmersdorf' bezeichnet worden. Der poetische Ausdruck ist nicht ganz unzutreffend; es kommt nur auf die Betrachtungsweise au. Für die Juteresscuten de« B a u s ch w i n d e l S. der vor allem in Wilmersdorf zu üppiger Blüte gediehen ist. für die Bauern, denen in ihrer Dummheit das Aufblühen des Ortes Millionen in den Schoß geschüttet hat, für die an der rücksichtslosen Auswucherung des Grund und Bodens interessierten Gesellschaften— für diese alle ist Wilmersdorf in der Thai eine Perle. Ganz anders sieht die Sache aber von der Kehrseite betrachtet anS. An dem Orte, wo Grimdstückswucher und Bauschwindel an der Tagesordnung sind, herrscht, soweit Arbeiter Wohnungen in Betracht kommen, ein Elend, das sich de» schlimmsten Berliner Zu- ständen zur Seite stellen kann. Bon der Wohnungsnot und deren Folgen möge folgende Mitteilung reden: Es sind am Orte zur Zeit neun obdachlose Familien vorhanden, welche in Er- inaiigclnng andrer geeigneter Räume im Fenerwehr-Gebäude nntergedracht worden find. In diesem„Asyl" haben einige Leute iiingst die Räumlichkeiten ans gemessen nnd sonstige Unter- snch'ungen angestellt. Dabei ergab sich, daß in einem Gelaß, welches 6,26 Meter lang. 3.16 Meter breit nnd 2.35 Meter hoch war, eine aus Vater, Mutter und sechs Kindern bestehende Familie hauste. Das älteste der Kinder zählte 13 Jahre, das jüngste 6 Jahre. Au Heizung in diesem Räume konnte nicht gedacht werden, da ein Ofen fehlte und nur ein kleiner Petroleumkocher vorhanden war, der zur Verschlechterung der Luft sein mögliches beitrug. Der Boden besteht ans Asphaltbelag, er dient natürlich auch als Nacht- lager. Die Räume sind zum Teil durch Gipswände, zum Teil durch Laktenverschlag getrennt, der notdürftig durch Lappen gegen die Blicke Nnberiifener verhangen ist. Der Vater der ermähnten acht- köpfigen Familie erzählte, daß er wegen Mangel an Obdach erst kürzlich eme siebentägige Haft st rase habe verbüßen müssen; es sei ihm seiner zahlreichen Kinder halber aber mit dem besten' Willen nicht möglich gewesen, sich am Orte eine Wohnung zn verschaffen. So steht es in der Perle der Vororte miS. Es ist hohe Zeit, daß einige S o ei a l d e m o k r a t e n in die Gemeindevertretung ein- ziehen und dort für Abhilfe solcher Zustände sorgen. Lichtcnbergcr Nationalökonomie. Uns wird aus Lichten- berg geschrieben: ,'.Es ist nicht, wiedie Herren Socialdemokraten sagen, derBieneufleiß der Arbeiter, sondern die wcitansschauende fürsorgliche Intelligenz der herrschenden Klassen, die dem Arbeiter sein heutiges, nach unsrer Meiming menschenwürdiges Dasein geschaffen hat." So sprach sehr feierlich Herr Gemeindevorsteher O. Z i e t h e n in der letzten Sitzung des Gemeinderatö— und sofort folgte die Strafe für diese Entgleisung auf nationalökonomischem Gebiete. Der konservative Gemeindeverordnete G l a s ch k e drückte dem Gemeinde- Vorsteher seine» und seiner Freunde Dank ans für diese„mutigen Worte"; er hätte, so erklärte er, mir gewünscht, daß schon damals, als von den Socialdemokraten die Wohnungsnot an die Wand ge- malt worden sei, eine solche Sprache gesprochen worden wäre. Die Gemeinde hätte dann Geld gespart nnd die Baracken ständen nicht unbenutzt da. Wie damals mit der WohmmgSnot, so verhalte es sich heute mit der„sogenannten" Arbeitslosigkeit. Nun wird der Loser auch bald merken, daß es sich um einen von den Socialdemokraten gestellten Antrag handelte, der dahin ging, den beschlossenen Bau-des Amtsgerichtsgebäude S, den Bau der projektierten Turnhalle, des Gebäudes für den Fuhrpark der Stratzenreinigung, des SkeigeturmeS sowie die Regulirung von Straßen angesichts der Arbeitslosigkeit zu beschleunigen. Der frei- sinnige Herr Plonz derief sich bei der Gelegenheit auf Herrn Dr. F r e u n d, der müsse es wissen und sei ihm verläßlicher als die Statistik des„ V o r w ä r t S". Im übrigen, wer garantiere ihm denn dafür, daß die Versammlungsbesucher in Berlin wirklich Arbeitslose gewesen seien? „M o n t a g s b u m m l e r waren eS", lautete hier ein Zwischen- ruf des Gemeindevertreters, Kistenfabrikanten Göhlsdorf. Achn- liche Weisheit war weiter zn vernehmen. Die Leute, die halbe Tage arbeiteten, so hieß eS. seien noch ganz gut daran, auch müsse einmal eine solche Zeit kommen, wie die jetzige, das wirke regulierend, nnd was dergleichen Sentenzen der satten Moral mehr waren. Und was min die Hilfe der Gemeinde betreffe, ja. wer habe sich damals ür die wirklich notleidend gewesenen Hauswirte verwandt, als die Wohimngen sür ein Lnmpengeld vermietet werden mutzten nnd dennoch viele leer standen? Daß im Angesicht solcher dem krassesten Elend gegenüber gewappneten Kühnheit auch unsre Parteigenossen nicht mit ihren Er- ividerungen hinter dein Berg hielten, versteht sich. Die Vertreter des Besitzes blieben, was wohl kaum hervorgehoben werden braucht, den socialdemokratischen Anträgen gegenüber fest, aber eben dadurch lieferten sie uns ein überaus wertvolles Agitationsmaterial. Daö endgültige Ergebnis der Volkszählung vom 1. De- zcuiber 1000 für den KreiS Teltow wird jetzt vom Landrat veröffentlicht. Die größte Stadt des Kreises ist Köpenick mit 20 926 Einwohnern(gegen 17 387 im Jahre 1896), die kleinste Stadt Teugitz mit 616(gegen 633) Einwohnern. Bon den Landgemeinden des Kreises steht Wilmersdorf mit 30 671(gegen 14 361) Einwohnern an der Spitze, das kleinste Dorf, Klein-Kicnitz. zählt nur 65 Einwohner, die sich auf 10 Häuser verteilen. Klein- Kienitz liegt 3 Kilometer «döstlich ton Dahlewitz, der bekannten Vorortstation an der Bahn veriln- Zossen. A«iS Schöueberg wird uns berichtet: Die Debatte über das E c w e r b e q e r i ch t in der letzten Stadtverordneten-Versammluna förderte sell'ame Blüten socialpolitischer Einsicht zu Ta-ze. Der Magistrat ließ durch seinen Vertreter, Stadtrat H e y l erklären, das; er die in dein Entwurf festgesetzte Entschädigung für die Beisitzer in Höhe von 6 M., wie in Berlin,„für an- gemessen erachte", aber nur für den Fall. daß die Zahl der Beisitzer nur zwei betrage. So würde der erhöhte Eni- schädignngssatz, der im andern Falle der Stadt größere Kosten auf- erlegen würde, sich wieder decken. Vergebens wiesen der Referent des Ausschusses, Stadtv. G o r d o n und unsre Genossen O b st und M a such, auf die Inkonsequenz hin. einmal die Ent- schädigung von 6 M.„für angemessen" zu erachten und dann ,brer eignen Forderung mir bedingungsweise zuzustimmen. Der Antrag auf Gewährnng einer Entschädigung von 6 M. wurde denn auch, nachdem die Besetzung mit vier' Richtern angenommen war. mit 17 gegen 16 Stimme» abgelehnt. Mit ivelcher Begründung dies von einigen Stadtverordneten geschah, dafür nur einige Bei- spiele: Stadtv. Knall meinte, man könnte doch umnögllch den Gelverbegerichtsbeisitzern 6 M. geben, bekämen doch sogar Geschworene und Schöffen, die eine viel größere Arbeit zn leisten hätten, nicht entfernt eine so große Entschädigung. Dem Stadtv. V. Fröhlich, der speciell für das Sparen im Kleinen rlntrat und sogar meinte, bei einer Entschädigung von 6 M. könnte der Beisitzer, der vielleicht sonst bloß 4 M. verdiente, noch ein Ge- schäft machen, warf Genosse M a s u ch Mangel an Begriffsvermögen vor, was ihm einen Ordnungsruf einbrachte. Genosse O b st geißelte ebenfalls die überaus filzige Art und Weise der Begründung der Ablehnung und stellte eine Wiederholung der Petitionen in dieser Angelegenheit in Aussicht. Graf v. Bredow die eine unterqeord in ihrer Abwesenheit Gevittzks-Äettttttg. v. Kriegshrim und fein Eude! Das Strafverfahren gegen den ehemaligen Bankdirektor Erich v. Kriegsheim, welches schon auf eine mehrjährige Geschichte zurückblicken kann, beschäftigt »och immer die Gerichte. Gestern begann vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I wiederum eine umfang reiche Verhandlung gegen den noch immer in Untersuchung«- Haft sitzenden srüheren Direktor der„Internationalen Dis konto- Bank" Erich v. Kriegsheim und dessen Ehe frau Malwine v. Kriegsheim geb. v. Häntjens. Der Angeklagte wird von dem Rechtsanwalt~" verteidigt. Gegen die Mitangeklagte, gegen netcre Anklage wegen Beihilfe vorliegt,' wird verhandelt. Ihre Verteidigung führt Rechtsanwalt B e r o l z- h e i me r II» München. Sie bat s.Z. als Operettensängerin im damaligen Linden- Theater gastiert und der Angeklagte hat sie vor Iahreir geheiratet. Sie ist auch jetzt noch als Operettensäiuzeriii in München thätig.— Den Vorsitz im Gerichtssale führt wiederum Landgerichtsdirektor RöSler, die Anklage vertritt Staatsanwalt Ellendt. Der Angeklagte befindet sich seit dem 1. Juli 18L8 in Untersuchungshaft, er ist also bereits S'ü Jahre seiner Freiheit beraubt, ohne daß bisher das Strafverfahren zu einem endgültigen Abschluß gediehen ist. Die lange Haft hat an' den Gesundheitsznstand des Angeklagten unverkennbar einen uu- ?ünstigen Einfluß ausgeübt. Das asthmatische Leiden. dessen Vor� andcnsein dem Angeklagten schon niehrmals Veranlassung zn Haft entlassnngs-Anträaen gegeben, hat bedeutende Fortschritte gemacht und den Angeklagten stark mitgenommen. Das Hüsteln, von' den, er ge- plagt wird, ist mitunter durch LindeningSmittcl, die er sich zuführt, nicht zu dämpfen und nahm während der gestrigen Verhandlung so zn, daß in einem gegebenen Augenblicke ein Lazarettgehilfe ans der Krankrnstation deS Untersuchungsgefängnisses herbeigeholt und deni Angeklagten eine Morpbium-Einspritznng appliziert werde» mußte. Wenn er von dem Hustenreiz verschont ist, ist seine geistige Reg samkeit noch auf derselben Höhe wie in der Hauptverhaiidlimg vor fast zwei Jahren»md seine Einwürfe gegen die Anklage und seine Fragen an die Zeugen wollen schier kein Ende nehmen. Die Akten dieser Strafsache umfassen jetzt bereits 17 Hnuptbände und etiva 62 Specialbände; es scheint so, als ob sie noch»m einige weitere Nummern vermehrt tverden sollten.— Die Hauptverhandlnng fand Anfangs des vorigen Jahres statt. Am 16. Februar wurde v. Kriegsheim zu sechs Jahren Gefängnis unter Anrechnung von einem Jabre Untersuchungshaft verurteilt. Seine Verhaftung war f. Z. nur in vier Fälle» erfolgt, später war jedoch die Unter suchnng von feitei« des Untersuchungsrichters von amtSwege» auf weitere 68 Beschuldigungen ausgedehnt worden. Durch Beschluß der Strafkammer wurde dann das Verfahren in übrigen aber das Hauptverfahren der 3. Strafkammer vom 16. Fe geklagte in 26 Fällen freigesprochen, Fälle abgesondert. Die Revision des An geklogten hatte zum Teil Erfolg und so mußte sich die Strafkammer in, November und Dezember v.J. nochmals 14Tage hindurch mit diesem Ricsenprozeß abquälen. Zu einem vollständigen Abschluß kam es aber auch damals noch nicht. Der Gerichtshof mußte abermals 3 Fälle vertagen, im übrigen aber wurde die Gesamtstrafe auf drei Jahre sechs Monate Gefängnis reduciert und darauf fast ein Jahr neun Monate Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Die damals vertagten drei Fälle stehen nunmehr zur Verhandlung. In dem«ine» Falle steht eine Urkundenfälschung zur Anklage. Es handelt sich dabei um einen Abfindungsschein, den der Angeklagte seiner damaligen Geliebten Frau Korb gegeben hat. Diese hatte dem Angeklagten ihre gesamte» Ersparnisse in Höhe von etiva 14000 M. geopfert, ivobei freilich zn beachten ist, daß die beiden zu der in Frage stehenden Zeit gewissermaßen aus einem gemeinschaftlichen Portemonnaie lebten. Für ihre Aufwendungen hatte er ihr vorübergehend einen Schuldschein gegeben, auf welchem nach ihrer Behauptung außer seiner eignen Unterschrift auch der Name eines Herrn v. Jena als Bürge gestanden haben soll. Diese Urkunde ist nicht mehr vorhanden, sondern seiner Zeit gegen eine andre umgetauscht ivorden. Wie früher, so bekämpft auch jetzt der Angeklagte die belastenden Aussagen der Zeugin K. anfs Entschiedenste und behauptet, daß eine Verwechslung auf feiten der Zeugin vor- liegen müsse. Er hat sich auf ciiieii Entlastungszengcn berufen. welcher ihm bestätigt, daß auf dein Schuldschein, den er gesehen habe, ei» weiterer Name alS der des Angeklagten überhaupt nicht gestanden habe.— In den beiden anderen Fälle» handelt es sich um die angeblich ungetreue Erledigung von Darlehnsgeschäften, durch welche der Angeklagte vor Jahren die Offiziere Frhr. v. Richthofcn und Graf Kanitz geschädigt haben soll. Von letzterem lag ein Ent- schuldigungsschreiben vor. ivonach er infolge eines Sturzes mit dem Pferde feiner Zeit erkrankt und nun auf ärztliche Weisung sich zur Erholung und Wiedererlangung seiner Gesnndbeit außerhalb auf- halte und deshalb nicht vor Gericht erscheinen könne. Der Staats- ainvalt wird sofort telegraphisch feststellen, ob der Graf Kanitz ver- nehmungSfähig ist. Der Angeklagte behält sich bis morgen vormittag den Entschluß darüber vor, ob er weitere Entlastungsanträge stellen soll. Gestern wurden infolgedessen uur uoch die thatsächlichen Ver- Hältnissen deS Falles von Richthofen besprochen. Es sind dies „olle Kamellen", die ein weitergehendes Interesse nicht hervorrufen können. 26 Fällen eingestellt. nn eröffnet; durch das Urteil bruar 1900 wurde der Aug in 11 Fällen verurteilt und 4| Die Telbstverwaltnng der OrtS-Krankenkaflen betrifft eine wichtige Entscheidung des Ober-Verwnltungsgerichts. Die Generalversammlung der Ortskaffe der Schneider zn Breslau hatte beschlossen, in ihrem Statut zu bestimmen, daß für den Er- luerb und die Veräußerung von Grundstücken in Zukunft der Kassen- Vorstand die Genehmigung der General- Ver- saminlung einzuholen habe. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses versagte die Genehmigung zn dieser Statutenänderung. Auf die Klage der Kasse entschied sich der Bezirksansschuß als Richter- lollegium für die Erteilung der Genehmigung und führte aus: Der Kommissar für das öffentliche Interesse verlange, daß für den Verkauf und Erwerb von Grundstücken durch den Kasten- vorstand auch noch die Genehmigung der Aufsichts» b e h ö r d e vorgesehen werden solle. und berufe sich hier- für auf einen Ministerialerlaß. Nun möge ja erwünscht sein, daß in Fällen der vorliegenden Art die Genehmigung der Aufsichtsbehörde wäre. Indessen ein Statut, das diese Ge- nehmignng nicht vorsehe, widerspreche nicht dem Gesetz. Dieses sehe die Selbstverwaltung der Krankenkassen vor und die würde in unzulässiger Weise beschränkt werden, wenn man den Vorstand in den fraglichen Fällen an die Genehmigung der Aufsichts- behörde bände. Das Ober-Verwaltungsgericht hat jetzt diese Ent- scheidung bestätigt. Sorinle Meditspflege. Keine geheimen Zeichen? Der Arbeiter C. war von der Gesellschaft Schering, die die bekannten chemischen Fabriken hat, ivegen angeblicher Agitation entlassen worden, nachdem ihn seine Kollegen zur Wahl in den Vor st and der Pensions- lasse vorgeschlagen hatten. Er erhielt ein vom Fabrikleiter Dr. Pape unterzeichnetes Zeugnis, worin gesagt war, er habe sich mit Bezug auf seine Arbeit gut geführt. Sein Name war unterstrichen. Verschiedene Fabrikanten, die C. um Arbeit anging, nahmen an diesem Zeugnis A n st o tz. C. kam auf den Gedanken, daß der Strich unter dem Namen in Verbindung mit dem ein- s ch r ä n k e n d c n Lobe ein geheimes Zeichen fei und ver- klagte die Finna Schering beim Gewerbegericht auf Ausstellung einer einfachen Arbeitsbescheinigung und Gewährung einer Entschädigung. Im ersten Termln widerriet der Vorsitzende der Kammer VUI, Dr. Meier, einer vergleichsweisen Her« gäbe von Geld, weil er die Behanptinig des Klägers, er sei durch ein geheimes Zeichen in Verruf erklärt worden, für unbegründet hielt. Er billigte nur einen Vergleich auf Erteilung einer Arbeits- b e s ch e i» i g u n g. Daraufhin lehnte der Beistand des Klägers. Gewerbegerichtsbeifitzer Rogat, den Gewerberichter Dr. Meier als befangen ab und machte geltend, Dr. Meier habe sich gegen die gesetzliche und statutarische Vorschrift, in jeder Lage' des Verfahrens auf einen Vergleich hinzuwirken, vergangen. Wie wir seiner Zeit bereits berichteten, hat der Gewerbeqerichts- Direktor v. Schulz den Ablehmingsantrag als u n b e g r ii n d e t verworfen. Inzwischen hat»un auch das Landgericht als Beichwerde-Jnstanz die Ablehnung des Gewerberichters Dr. Meier für nilbegründet erklärt. Bemerkenswert ist folgende Ausführung des Landgerichts: Im Bcrgleichsterinin(um den sich handelte) habe der Rickiter den Versuch zn unternehmen, zwischen den Parleien einen sachgemäßen Vergleich herbeizuführen. Zn einem sackigen, äßen Vergleichs- vorschlage könne er aber nur auf Grund einer Würdigung des That- bestands und der Streitpunkte kommen. Wenn der Richter im Vergleichs- termin sein Urteil zum Zwecke eines angemessenen Vergleichs kundgebe und einer Partei rate, einen vom Gegner gemachten Ver- gleichsvarschlag abzulehnen, dann handele er dnrchanS pflichtgemäß und es könne ihm nicht der schwere Vorwurf der Parteilichkeit gemacht werden. Den Gewerberichter Dr. Meier treffe hier- nach nicht der Vorlvurf der Befangenheit und von einer Ver- letzung des Gesetzes beziehungsweise des Ortsstatuts könne nicht die Rede sein.— Nunmehr hatte sich die Kammer Vlll unter dem Vorsitz des Dr. Meier abermals mit der Angelegenheit zu be- ichäftigen. Der Vertreter der Beklagten, Dr. Pape, also der Unter- zeichncr des Zeugnisses, bestritt entschieden, daß ein geheimes Zeichen vorliege. Der Strich unter dem Namen sei nur der Ausfluß der Angewokniheit deS Schreiber«, welcher den Schein ausgefüllt habe. Der Beistand des Klägers und Kläger selber blieben aber bei ihrer Auffassung. Da noch ein weiterer Termin zur Vernehmung jenes Schreibers in Aussicht stand, nahm jedoch der Kläger nach längerer Verhaiidliing die Klage zurück, nur um sich, wie er sagte, Scherereien zu sparen. Manrrrorgiuiisation und Grwerbertcht. Vor einigen Tagen iviirde vom Gewerbegericht, wie uns ein Beisitzer mitteilt. ein sehr beachtenswertes Urteil gefällt. Der Maurer Kohl, klagte gegen den Bannnternchmer Thiele ans eine Entschädigung für die anderthalb Tage vom Sonnabend bis Montag, während welcher er die Arbeit hatte aussetzen müssen. Da nämlich die Zimmerer am Sonnabend niit dem Balkenlegen nicht fertig geworden waren, er- hielt K. am Montag Feierabend. Der beklagte Unternehmer wollte deshalb nicht zur Zahlung der geforderten Entschädigniig verpflichtet gewesen sein. weil der Kliiger in Accord gearbeitet hatte. Ihm, dem Unternehmer, stehe in diesem Falle ausdrücklich eine Besiimmiliig des Vertrages zur Seile, welchen der Arbeitgeber- bmid niit den centralorganisierten Maurern ab- geschlossen habe: Ei» Zeuge bekundete noch, daß die ganze in Betracht kommende Accordkoloiine SoimabendiiachmittagS undMontagS selten gearbeitet habe. Der Gerichtshof untcr dem Vorsitz des Gewerbegerickts-AssessorS Dr. Schall Horn wies den Kläger ab. In den,' verlündeteii Urteil heißt eS: Der von den Baugeschäften Berlins mit den Maurern abgeschlossene Vertrag scheide im vor- liegenden Falle anS, da der Kläger Accordmanrer und nicht organisiert sei, der Vertrag aber mir für die centralorganisierten Maurer Geltung habe. Der Teil der Maurer. welcher der Vertrauensmänuer- oder Lolalorganisation angehöre, habe den Vertrag ausdrücklich abgelehnt und daher habe er in Bezug auf diese sowie auf die Nichtorganisierten Maurer keine Geltung. VvrIÄmmlunlgett. Eharlottenburg. Der socialdcmolratische Wahlverem hielt am Mittwoch feine ordentliche Generalversammlung ab. Bevor in die Verhandlungen eingetreten wurde, ehrte dieselbe das Hinscheiden unsres Genossen Dr. Schoenlanl durch Erheben von den Sitzen. In dem VorstandSbericht, ivelcher die Zeit vom 10. April bis 20. November umfaßt, hob Genosse Baak« hervor, daß eS eine Zeit angestrengter Thätigkeit war, für welch« aber auch der erhoffte Lohn nicht ausgeblieben ist. In der Agitation gegen de» Brot- Wucher samnielte der Cenlralwahlverein für Teltow, Beeskoiv, Storkow. Charlottenburg über 100 000 PetitionS- Unterschriften. Bei den Kommunallvahlen erzielten wir einen anßcrordent- lichen Erfolg, indem wir gleich in der Hauptwahl sechs neue Mandate eroberten, und in drei auSsichtsvollcn Bezirken in Stichwahl stehen, in denen, wenn alle Kräfte angewandt werden, der Sieg»mS zufallen muß. Genosse Ba a ke hob besonders hervor, daß in der Organisation fortgefahren werden müsse, um gegen alle Vorkommnisse gerüstet zn sein. Während der Berichts Periode ließen sich 130 neue Mitglieder in den Wahlverein auf nehmen. Der vom Genossen H e n s ch k e erstattete Kassenbericht lautet: Einnahme inkl. des alten Bestandes von 130,21 M. 939,31 M., die Ausgabe 907 M., bleibt ein Bestand von 32,31 M. Das Sommerfest ergab einen Ueberschuß von 90,70 M., welcher dem Saalbaufonds überwiesen wurde. Die Parteispedition hatte während deS Geschäftsjahres vom 1. Oktober 1900 bis 30. September 1901 eine Einnahme von 28 783,03 M. und eine Ausgabe von 23 700,95 inkl. eines in sBnr abgeführten Betrages von 1004,— M.. während ein Bestand von 82,08 M. am Orte verblieb. Genosse Sckarnberg giebt sodann bekannt, daß die Abonnentenzahl deS„Vorwärts" erfreulicherweise zugenommen, bittet, besonders die Parteibuchhaiidlung, ivelche auch mit Jugendlitterattir reichlich versehc» ist, für die komniende Weihnachtszeit mehr zu berücksichtigen, ebenso auch die Bibliothek, welche den Mitgliedern mientgeltlich zur Ver fügung steht, fleißig zu benutzen. Hier anschließend giebt der Vorsitzende sodann zur Kenntnis, daß der Vorstand beschlossen habe. dem Spediteur vom 1. Jannar 1902 ab eine Gehaltserhöhimg von monatlich vier Mark zu gewähren, desgleichen die Mietsenttchädigung um monatlich fünf Mark zu erhöhen. Den Zeitungsfrauen soll von da ab 21 Pf. pro Exemplar gezahlt werden. Die Versammlmig stimmt diesem Beschluß zu. Die Neliwahl des Vorstandes ergab: 1. Vorfitzender Cnrt Baake, 2. Bors. Bunge, da Genosse Henschke dm Kasfiererposten niederlegte, Kassierer Pasche. Beisitzer Emil Müller, Schriftführer Tainsch. Zu Revisoren wurden gewählt Flemming. Sellin und Jost. Als Dcle- gierte für die Generalversammlung deS Centralwahlvercius Bunge, Stieffcnhofer und Flemming. Bei der Stellnngnahme zn den bevorstehenden Stichwahlen entspann sich eine rege Dislussion, es wurde beschlossen, am Sonntag, den 24. November, ein Flugblatt zu verbreiten und kräftig zu agitieren. Für den VIII. Bezirk, in welchem wir den Ausschlag geben, empfahl die Versammlung gegen 8 Stimmen, für den Kandidaten der freisinnigen Partei, Herrn Monteur N i s ch e r, einzutreten. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 24. Novbr., vormittags N/«llhr, in der Aula der 69. Gemeindeschule, Kleine Frankfurter st ratze 6: Bersammlung: Freireligiöse Vorlesung.— Um IM/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Professor Dr. Albert Gehrke:„Zum Toten- fest". Vor- und Nachspiel auf dem Pariser Mustcl- Harmonium. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Tterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin 5: Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 23. November, abends 9 Uhr, bei Sidow, Lothringer- sttatze 68. Vegetarier- Ve reinigung. Centrale Berlin. Sonntag, den 24. November, abends 7 Uhr, im Vereinslokal, Gontardstr. 5 I. Vortrag des Frl. Schmidt über:„Pythagoras". Vevmipthkess Ueber Hochwasser liegen folgende Meldungen vor: Köln, 22. November. Seit gestern früh ist der Rhein um 40 Centimeter gestiegen. DaS meiste Wasser führt die Mosel zu.— Versmold, 22. November. Wegen mehrerer infolge Hochwasser eingetretener Dammbrüche ist der Betrieb auf der Strecke Iburg- Gütersloh bis auf weiteres vollständig eingestellt.— Braunschweig, 22. Novbr. Aus allen Teilen der Provinz Hannover und Braunschweig laufen Schreckensnachrichten über schlvere Unwetter ei». Sämtliche Gebirgs- fliisse find angeschwollen und zum Teil über ihre Ufer getreten. Die Oker ist'bedeutend gestiegen. Der Bahnbetrieb hat zahlreiche Störungen erlitten. Ueber den Theatcrbrand in Hurley, Wisconsin, bringt die „New Aorker Staats-Zeitung" vom 7. November folgenden aus- führlichen Bericht: Es war gegen 3 Uhr morgens, als daS Feuer ent- deckt wurde, das in einem Hinteren Zimmer des ersten Stockwerkes seinen Ursprung hatte und, wie nian glaubt, durch einen schadhaften Petroleumofen verursacht wurde. In den obere» Stockwerken des Theatergebändes schliefen eine Anzahl Personen, die durch die dichten Rauchmassen und Lärm- rufe ans dem Schlafe geweckt wurden, aber die Flammen, die an den leicht entzündlichen Stoffen nur zu reichliche Nahrung fanden, griffen mit solcher Geschivindigkeit um sich, daß viele Leute ihre Flucht nicht mehr bewerksielligen konnten, während andre, die ins Freie gelangte», schmerzhafte imd gefährliche Brandwunden erlitten. Die beliebte Soubrette Klara Bonns war beim Ausbruch des Feuers ans dem Schlafe geweckt worden und aufgesprungen, um zu flüchten. Sie scheint aber die Größe der Gefahr verkannt zu haben, denn sie kehrte in ihr Zimmer zurück, um in der Eile ihre Goldsachen und einen Teil ihrer Kleider zn retten, und diese Verzögerung sollte der Künstlerin verhängnisvoll werden. Der Rückiveg scheint ihr von Flammen und Ranch abgeschnitten Ivorden zu sein, de»» niemand hat sie lebend wiedergesehen. Erst nachdem sich die Flammen ausgetobt hatten und man die Brandstätte durch- suchen konnte, fand man ihre völlig verkohlte Leiche. Auch die Leichen der mitverbrannten«cn» Männer, darunter auch der amerikanische Schauspieler Reymond, sind aus den Trümmern hervor- gesucht worden. ES ist nicht das erste Mal, daß daS Klondike- Theater abgebrannt ist. Schon im Juli 1887 entstand ein Brand in dem Gebäude, wobei elf Frauen umkamen. Die Selbstverwaltung der Gemeinden. In Nr, 46 der im Austrage de« prenßischeil KriegsministeliumS herausgegebenen Vgkanzcnliste für M i l i t ä r- A n w ä r t e r findet sich folgende Anzeige: „Bezirk deS 2. ArmcccorpS. Nr. 4. Verlangt per 1. April 1902. Göhren fRngen). Gemeindevorstalid: komniiffarifcher Gemeinde« vor ft eher, Amtsvorst eher nnd ebentuell Bade- k o m m i s s a r. Bcdingunge»: möglichste Bekanntschaft in den kommunalen und AmtSvorfteher-Angelcgenheitcn, soivie namentlich im Gemeinde- RechmingSivesen. Probcdieiistzcit: 6 Monate. Anstellung: auf Kündigung, Gehalt: 1800 M., steigend von zlvti zu zwei Jahren um je 200 M. bis zu einem Endgehalt von 2400 M. Nicht pensionSberechtigt." Welcher wackere Krieger Ivird nunmehr Bad und Gemeinde Göhren unter seine Obhut' nehmen? Maektprets« von Berlin am Kl. November lvssl. nach Elmillliinqcn des lql. Polizeiprästdinm«. Karloss«lii,ne»e,D-Ttr. Minbssrisch, Keule l kg do. Bauch, Schiveinesseifch. Saldsseisch Hammelsstlsch„ Bullcr so em.« Ug fit Schvit 6- 1,70 1,40 1,76 1,80 1,60 2,80 540 2,20 2,50 250 2,00 1,80 2,80 1,40 10,- 4—• 120 l,- 1,30 1,— 1,- 2,- 3.80 1,20 1,40 1,20 >- 0,80 120 0,60 Welzen, gut D</z Mark nach. Das inländische Angebot beginnt sich langsam zu regen. Ein neuerer matzgebiicher Bericht ans Argentinien bezeichnet die dortige Ernte alS durchaus zufriedenstellend, Mehl lag ruhig, im Preise wenig verändert. Haser und MaiS gaben im LieserungShandcl V, M. nach; Locoware beider Artikel blieb fest, Riiböl war vorn sehr fest aus Novemberdcckungen, im übrigen still und unverändert. Spiritus verkehrte in fester Haltung. 70er loco stellte fich ans 31,30 M.(-ff 30 Pf.). Umsatz 30 000 Liter. «Zetter-ivrognose für Sonnabend, den SS. November 1001. Etwas kälter, vorwiegend»ebelig oder wolkig bei schwachen nördlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaklion. Die juristisch« Sprechstunde findet am Dienstag. Donners» tag und Freitag von 7—0 Uhr abends statt. 31, 8, Die Matze sind im Arbeiter-Notizkalendcr ganz richtig an- gegeben, natürlich dürfen Sie nicht 14 Taufend 185 Quadratmeter lesen, sondern 14,185, d. h. 14 Quadratmeter und 185 Ouadratcentimcter, genau ausgedrückt mützte es 14,181756 heißen. K. M. Der Vorsitzende des Bezirksvereins Berlin vom Deutschen Verein gegen den Mitzbranch geistiger Getränke, Herr Ober-Verwaltungs- gerichts-Rat Dr. v. Strauß und Torney, Berlin IV,, Bayreutherstratze 29, wird Ihnen aus Ihre Frage nach der Trink-Hetlpätte Auskunft geben können. Rodewald. Auf 100 000 Einwohner soll ein ReichStagS-AVgeordneter kommen. G. W. Wenden Sie sich an den Berliner Spar- und Bauverein, NW., Sickingenstr. 7. N. SB. 39. Das'von Ihnen mitgeteilte Testament ist ungültig. Es mühte etwa lauten:„Berlin, den 1. Dezember IMI. Ich und meine Ehefrau setzen uns gegenseitig als alleinige Erben ein." Darunter mühte Ihr Namen folge», sodann kommen: Dieses Testament soll auch als mein Testament gelten. Berlin, den 1./12. 1901," Hierunter folgt der Name Ihrer Ehefrau. Das vor Ihrer Unterschrift mühte von Ihne», das folgende von Ihrer Frau eigenhändig ge- und unterschrieben sein. Beispiele für Testanientc unter eingehender Erläuterung der Formfragen finden Sie S. 238, 239, 92—90 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. � H. P. 1. Trotz der Liquidation können Sie weiterklageu. 2. Zinsen oerjähren in 4 Fahren.|— A. P. Ohne Kenntnis des Wortlauts des Testaments und ohne Kenntnis, wann und wo, verheiratet oder und er- heiratet, ohne oder mit Testament einzelne derZErben verstorben sind, lasten sich Ihre 8 Fragen nicht beantworten.— M. Z. Die Witwe hat Anspruch auf Witwenrente. Die der ipäteren Gesetzgebung entsprechende» Formulare finden Sie im ersten Nachtrag zum Arbeiterrecht, S. 94 Nr. 2. — G. F. 1— 3. Nein.— Richard, Hermanuftrahe. 1. Der Mutter fällt die Hälfte zu. 2. Nein.— E. P., Gitschincrftraftc. New.— Jürgen Wulleunieber. 1. Nein. 2. Ja.— Ivv P. 2. Derartige Berschreibungen sind nutzlos, weil sie gegenüber den Gläubigern ungültig siud.— Zwei Streitende. 1. Nein. 2. Eine Hinrichtung darf erst stattfinden, wenn die Entschließung des Staatsoberhaupts, von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen zu wollen, ergangen ist.— W. H. Das hängt von dem Inhalt der Statuten ab.— E. B. 23. Spätestens bis am 15. Februar muh die Reklamation bei der Ersatz-Kommission emgehcn. — R. B. 1k. Fordern Sie den Wirt aus, innerhalb 24 Stunden die Scheiben einsetzen zu lasten, widrigenfalls Sie es auf seine Kosten thun würden. Dan» handsl» Sie Ihrer Ansfvrderung entsprechend. ES ist ratsam, falls der Wirt nicht emverstanden ist, die Kosten nicht von der Miete abzuziehen, sondern einzuklagen.— 999. Wenn die erforderliche Anzahl Märken geklebt ist, ja. Die Adresse der Magistratsabteilung für Jnva- ltditätssachen ist Breitestr. 24.— St. K. 8. Die Ansicht, daß nach vollendeter Dienstzeit eine Schonzeit gegenüber der Steuerbehörde bestehe, ist irrig.— H. K. 199. 1. Ja. 2. Wenden Sie sich an eine Möbel- Speditionsfirma.— N. M. 87. Nein: es besteht nur einer Zwangs- käste gegenüber ein Anspruch. Ihre Schwester soll sich daS irrtümlich Gezahlte zurückzahlen lassen.— M., Priiizenstrnsic. Ja. — Kokott. Melden Sie sich direkt bei der Direktion der Straßenbahn.— M. W. 199. langjähriger Abonnent. Ja.— Chiffrelos. 1. Ein geschiedenes Ehepaar kann ohne Wartezeit wieder eine Ehe miteinander eingehen. Auch diesem Ehcschluß muß ein Aufgebot vorausgehen. 2. Schlagen Sie im Adreßkalender, zweiter Teil, nach.— K. V. i. Ja. 2. In 2 Jahren. 3.„Arbeiterrechl" S. 87, 109, 157.- W. Z. 07. Nein. Todes-Anzeige« Allen Freunden, Bekannten und Kollegen die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau 21S0b ksulwe Honnuth geb. Hab erlandt nach langen, schweren Leiden am 22. d. M. früh 8% Uhr sanft verschieden ist. Dies zeigt mit der Bitte nur stille Teilnahme an Der trauernde Gatte: Guowv Hormuth. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. d. M., nachmittags 3-/. Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes(Rixdorf-Britz) aus statt. ISveialckomoKraUsoIier Wahlverein für den 4. Berl. Reichstags-Wahlkreis. Süd-Ost. Todes" Anzeige. Am Dienstag, den 19. November, starb iinser Mitglied, der Tischler fori Schöning Grünauerstraßc 4. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heut. Sonn- abend, nachm. 2 Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 200/15_ Ter Norstand. Deutscher Dolzarbetter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Karl Schöning . am 19. November verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 23. sttovembcr, nachniittags s Uhr, von der Leichenhalle des Eunnaus- Kirchhofes aus statt. 128/7 Uni rege Beteiligung ersucht _ Die Oi-tHverwaltung. Ceiitrlll-Krgilktil- u. Stcrbs- Kasse der Tischler jc. Ortsverwaltung Berlin H. Todex-AuKclge. Am 19. d. M. verschied das Mit- glied unsrer Kasse, der Tischler Karl Schöning im Alter voll 34 Jahren Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nach , mittag 2 Uhr, von der Halle des , Emmaus-Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 185/1 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Belannren die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre unvergeßliche Mutter, Schwester und Schwägerin Marie Hansel ged. Milhalke am Donnerstag, früh 4 Uhr, nach zweitägigem Krankenlager an Herz- lähmuug im Alter von 27- Jahren gestorben ist. �Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 31/, Uhr von der Leichen- Halle des neuen Nazareth-Kirchhoses i» Reinickendorf, Berlinerstraße, aus statt. Um stilles Beileid bitten Der trauernde Gatte llodort lkaniol. paulw» llotder geb. dllvkallto, 2843L als Schwester. Danksagung. Allen Berwandten, Freunden und . Bekannten sowie den Mitgliedern des Verbandes der Maurer, Zahlstelle Rixdorf, den Parteigenossen, serner . deur Gesangverein, welche meinem . lieben Mann kau! Kleinschmidt die letzte Ehre erwiesen, sage ich hier- mit uieinen herzlichsten Dank. Witwe zuguete lllsineodmlckt. Idanksagung; für die vielen Beiveise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unsreS lieben Sohnes Hermann. 216SP Die trauernden Eltern u. Geschwister. Hermann Xipter, Schankwirt, Frankfurter Allee 181. HmAmliolil Alexandrinen- HtraHse 119, Messpalast, 1. Etage im 2. Hof Berkauf direkt aus dem Fabrikmusterlager l*rlvate auch Tellieahlnng Modernste* . von 21,00 Mk. an Speisesaal-Kronen., 30,00„„ Lyren...... 2,00„„ Petroleumgehänge„ 4,00„„ bis zu den elegantesten Genres. Gaskocher, Gasöfen, Gasplätten, Pe- troleum- u. alteBronzekronen werden in Zahl, gen. u. a. 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Di- kenossensWs-Bralltrei deö Berbniises der Gast- nns Schankwirte Berlin und Umgegend erkennt den ringfreien Arbeitsnachweis nicht an. 21k7b» Tie AgitätionSkommission der Branerei-Arbeiter Berlins und Umgegend. I. 3t.: Krlt-i Prcsiww.__ Eine Qual ist es, oder unpassendes Augenglas tragen abzuhelfen, empfiehlt es sich, aas H. Richter, wenn man ein schlecht sitzendes muss. Um diesem Uebelstand optische SpecialgeschÄft von Ernst Riek Weinbergsweg 15b, zwaites Sesohaft vom Rosenthaler Thor, aufzusuchen. Bitte genau aut Finna an achten, da sich in der Kühe noch andere derartige Gesehilftc bellndcn. Daseibat werden für jedes Auge die richtig passenden Gläser aus- probirt und grösste Sorgfalt aut den genauen Sitz der Brille oder des Pincenez, gleichviel in welcher Preislage, entsprechend der Kopf- und Nasenform verwendet Rathenower Stahlbrilten von H. 1,00 an. Nickelbrlllen u. Pincenez M. 1,60, dto. feinste Qualität � v. M. 2 bis M. 4 Neugold-Pincenez u..« Brillen v. M. 2,60 bis M. 3,50. 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Admiralftraffe kl8e: Tages-Ordnung: l. Vortrag des Genossen über:„Wie die Götter starben." 2. Diskussion. 4. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, pünktlich zu erscheinen und ihre Frauen mitzubringen. Lichtenberg, Friedrich Karlstraße 11: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen E. Mermuth. 2. Dis- kussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. Die Kollegen, welche mit Beiträgen restieren, werden hiermit ersucht, dieselben heute abend in den Zahlstellen zu begleichen.— Die Sonder- Vorstellung in der Urania findet am 26. Dezember statt. 143/6_ Ter Vorstand. Rixdorf. Ächtung! Rixdorf. Dentsllier Wimdkiter-Neriitinii. Wstelle Rirdsri. Sonntag, den 24. d. M., vormittags 12 Uhr, bei Thomas. Hermannstraße 48/59: Oessentliche Tischler-Versammlnng. Tages-Ordnung: Vortrag des Rendanten der hiesigen Orts-Kranken- kaffe über Jniiiings-Krankenkasseiiwesen. 128/5 Sämtliche bei Jiinungsmeistern arbeitende Kollegen werden ersucht, an dieser Versammlung teilzunehmen._ Tie Ortsverwaltung. J Berlin SO-, Oranienstrasse 166,|| G Potsdam, Nauenerstr. 23- O IM Nachdem ich mem Lager fertiger Herren- und Knaben-Garderobe ans das reichhaltigste habe A ausstatten lassen, empfehle in großartigster Auswahl: flh Paletots. Paletot von Cheviot mit warmem Futter, dunkelgrau meliert Xä M. Paletot von Double, schwarz oder blau, kräftiger Stoff, 18 M. Paletot von Eskimo, schwarz oder blau, solider derber Stoff, 20 M. Paletot von marengo Cheviot SS,ä9 M. Paletot von Eskimo, dunkle Farben, SS M.„ m Paletot von Diagonal, Cheviot, dunkel meliert, mit hochmodernem Futter, So M. Palerot von Melton-Cheviot, grau oder marengo, haltbarer eleganter Stoff, 39 M. Paletot von Eskimo, schwarz, blau oder marengo, elegant und dauerhaft, 39 M. Paletot von Melton-Cheviot, marengo, mit seidenem Steppfutter, 39 M. Paletot von Diagonal-Cheviot, sehr schwer und solide, 3S M. Paletot von Eskimo, mit seidenem Steppfutter, sehr elegant, 3ä M. Paletot von Eskimo, schwarz, blau oder marengo, 3ä M. Paletot von Eskimo, mit bestem Futter, Sä, 69, 45 und 49 M. Paletot von Melton-Cheviot, sehr elegant, S9 und 4S M. Paletot von Eskimo oder Cheviot, mit seidenem Steppfutter, hochfem 55, 50, 45 und 40 M. Raglan von Diagonal-Cheviot 39 M. Raglan von Melton-Cheviot 35 M. Mäntel. Pelerine» Mäntel, schwerer Winterloden, SO, 25, 35 und 40 M. Hobenzollern-Mäntel in hell- oder dnnkelgrau, blau oder schwarz, 2a, 35, 45, 55 und 95 M. Kaiser-Mäntel ohne Pelerinen 29 und 39 M. � Havelocks in leichten Loden 8.59. 19, 18. 15. 18. 89, 85. 39 und 35 M. Joppen efüttert, 9,59 M. M. latte Form,"von Tritot-Loden, sehr schwer, grau, marengo, braun oder grün meltert. 12 M. -•----' 15. 18 und 84 M. Joppe Faltenform, grünlich oder oliv meliert, 9 M. Joppe glatte Form, von Trikot-Loden, sehr schwe" Joppe Faltenform, in verschiedenen Farben, IS, Joppe glatte Form, in schönen Farben, 15 M.____ Joppe glatte Form, mit schwerem Lamafutter, 19,59 M. Ha?" Meine Maß-Abteilung ist auf das reichhaltigste mit Neuheiten der Saison ausgestattet und liegt die Ausführung in Händen erster Kräfte. gar" Tie festen Preise sind auf dem Etikett jedes Gegenstandes dentltch vermettt. Sin willkürliches Fordern findet also nicht statt. Hunderte von unverlangte««n- erkennungen sind ein Beweis für die gute Aussührung, tadellosen Sitz sowie prompte Bedienung. Orts-Kraukenkafse für die in den Geschäftsbetrieben der Anwälte, Notare und Gerichtsvollzieher. d. Krankenkasse», BerufSgenoffen- schaften und Berfichrruugs An- stalten beschäftigte» Personen z» Berlin. Am 2. Dezember er., im Restaurant Bnteke, Grenadier- straße 33, abends 8V, Uhr: Wah l von 2 Borsiandsmitgliedern aus der Abteilung der Arbeitgeber für die Zeit 1992-1993. Darauf um 83/« Uhr: Ordentliche General-ArsllilmlW. Tagesordnung: 1. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. 2. Antrag von 14 Delegierten ans Herabsetzung der Beiträge. Bencht des Vorsitzeaden über die finanzielle Lage der Kasse. 3. Beschlußfassung über Erhöhung des Arzthonorars. 4. Wahl von 4 Dorstands-Mit- gliedern aus der Abteilung der Ar- beitnehmer für die Zeit 1992—1993. Berlin, den 22. November 1991. iDei- Vorstand. I U l. E 0 h n. 292/18 ist das Beste für den Wagen! Unverfälsch. deutschen Bienenhonig. beste Qualit. vers. 9 Pfd. netto zu s.biPK., 5 Pfd. 4 M. fr. Nachn. Garant. Rückn. 27288* E, Reil, Mdrdloh, Bahnhof Augustfehn Oldb. Damen-Konfektiott dipekt aus der Fabrik. Kein Lade»!*911 Saison- Ausverkauf 4« bedeutend herabgesetzten Preisen Capes Paletots Jacketts Abend- Mäntel Kinder- 28338*] Paletots Damen- n.Kindermänt el-Fabrik Robert Banmgarten Hausvolgtelplatz tl, 2. Etage(Ecke Jerusalemerstr.) Auch Sonnt, geöff. Wer Darlehen oder Hypothek sucht, ver- lange Prospekt von H. Kittner«. Co., Hannover D._ Geld! Musikwerke,!->««. sowie z. Drehen bei nur gering. Teilz. 26568* J. Karzbergr. Laiidsbergerstr. 13, Part. 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Unmittelbar nach der Näjane im Lessing-Theater die Laie Fnllcr im Ccntral-Theater, und jetzt, nur ivenige Tage später, da« Gastspiel der I u d i c in Schall und Ranch I Es mag an dieser Häufung gelegen haben, daß der kleine Theater-Saal Unter den Linden trotz der lockende» Anknndignng so viele leere Plätze aufwies. ES war schade darum. Die Kunst der I u d i c ist trotz der 60 Jahre, die ihr das unbarmherzige Konversations- Lexikon zudiktiert, noch immer sprudelnd frisch' und munter. Nur ihre Körperlichkeit hat dem Schicksal zunehmender Erdenschivere nicht ent- gehen können. Serenissimus ans der letzten Premiere, der leider Gottes nun wirklich den« Rotstift des Censors zum Opfer gefallen zu sein scheint, iväre bei seiner Schwärmerei für die„Dame mit der Taille" voraussichtlich höchst ungnädig über die Erscheinung gewesen. Aber sie brauchte nur den Mund zum Gesänge zh öffnen. und der neckisch- graziöse Ucbcrinut ihrer Töne, ihres Mienenspiels, ihrer Bewegungen liest alles vergesse». Der siegessicheren Anmut ihres Spiels hat die Mistgunst der Jahre nichts. anzuhaben vermocht. Es ivnr zum Er- staunen, wie viel reizende— und bei aller Feinheit immer diskrete — Niiancen sie den leichtgeschürzten galanten Nichtigkeiten, die sie im Liede vorcknig, abzugewinnen wustte. Doch ihre Kunst ist an die engen Grenzen diese« Genres nicht gebunden. Auch das Lied von dem armen Arbeiter, der, weil er ein Stück Brot für feine verhungernden Kinder gestohlen, vom Tribunal verurteilt, vom lieben Gott im Himmel aber mit offene» Arme» aufgenommen ivird, gelang ihr wunderbar. Mit ivcnigen, aber prächtig malerischen Bewegungen— hierin an die Uvette Gnilbert crinnenid— brachte sie den raschen Wechsel der Begebenheiten zur lebendigsten Anschauung. Im übrigen ist nicht viel Erfreuliches von dem Abend zu bc- richten. Die Vorstellung begann unter dem Zeichen von Prosbers frostigem„Herbstzanber" und wurde.. diese kühle Temperatur auch später nicht los.„Ein Geheimnis", ein „Maeterlinck vorempfnndener" parodistischcr Scherz desselben AntorS, reicht an die urdrollige Maeterlinckparodie, welche die „Lustigen Blätter" jüngst in ihrer„lleberbrett'l-Nummer" brachten. bei weitem nicht heran. Die Pointe lästt zu lange auf sich ivnrten und ist zudem, gleich am Anfang, aus dem Theaterzettel leichtlich zu erraten. Auch Reinhardts ältere CarloS-Travestie blieb ebenso wie die neue Hotclscene und Antomatcngeschichte wirkungslos.— —dt. UikkerKviMe-s. Die mecklenburgische Versassnng. Ein Beitrag zur Geschichte deS Junkertums von Joseph Herzfeld, Mitglied des Reichs- tages. I. Teil: Bis zum landesgrnndgcsetzlichcn Erbverglcich. 70 Seiten Oktav. Preis 20 Pf. Berlag der„Mecklenburgischen Polkszeitung" in Rostock. Der Verfasser hat eine höchst verdienstvolle Arbeit geliefert. Mit grostcm Fleiste sind alle Qncllcnivcrke benutzt. Keine Weit- schivcifiglcit. ei» klarer Stil, knappe lebendige Darstellung sind schon äußerliche Vorzüge der Schrift. Die historischen Schilderungen beginnen mit 1100, da Heinrich von Sachsen das heutige Mecklenburg eroberte. Die deutschen Eroberer verpflanzten ihre heimischen ivirlschaftlichen und politischen Einrichtungen nach Mecklenburg und betrieben mittels derselben die Kolonisation des öden Landes, welches bisher von hörige» slavischcn Volksmassen, unter der Herrschaft des Fürstenhauses Niklot und Pribislav und deren Groden, beivohnt worden war. Grund und Boden, HohhcitSrechte, Privilegien kamen a» Geistlichkeit, Ritter und Städte, die mit aller Kraft die Kolonisation betrieben. Dentfche und skandinavische Kolonisten ergossen sich in das Land. Die Hufen tvnrdc» mit freien Bauern und Kossäthcn besetzt. Die Bauern besaßen ihre Höfe als erbliche Leihe, wofür sie mäßigen Zins und Zehnten an die Grnndherren entrichteten. Politisch wären sie recht- und machtlos, dem Eigennutz und der Willkür der Grnndherren preis- gegeben, deren Druck»nd Sincksichtslosigkcit sich vergröberte, je inchr die neue Ordnung sich befestigte und Gelegenheit zur Erweiterung der Privilegien bot. Ans dieser ökonomischen Grundlage stellt sich die heutige mccklen- bnrgischc Verfassung, wie der Autor im iveitere» schildert,' als daS Ergebnis von Klassenkämpfen dar. Die Darstellung derselben im einzelnen ist höchst interessant und lehrreich. Es muß jedoch dafür auf die Lektüre deS Werkes selbst verwiesen werden. Wie an andren Stellen Deutschlands, so war auch in Mecklenburg „die Durchführung des Evangelinnis," nämlich die Reformation für die verschuldeten Herren Gelegenheit, drückende Schulden loszuwerden und das Einkommen dauernd zu vergrößern durch Verjagung der katholischen Geistlichkeit und Eiiiziehung der Güter derselben. Auf dem Landtag von 1662 erschien die Geistlichkeit nicht»lehr. Das Domanium mar durch die Einziehung von Kirchenländereien um die Hälfte vergrößert und die Adligen hatte» etwa 3—4000 kirchliche Bauernhnfcn an sich gerissen. Die Bauern ließ man einstweilen unter denselben Bedingungen tvie früher auf ihren Höfen. Für sie bedeutete die Reformation nur einen Wechsel der Grundherren. Als dann den Grnndherren das bäuerliche Eigentum als ein Hindernis ihrer Macht erschien, legten sie die Bauen» mit derselben Rücksichtslosigkeit, als sie vorher die Geistlichkeit gelegt hatten. Dieser Vorgang begann»nit der Ausbreitung des Handwerks in den Städten und de» zunehmenden Bedürfnissen des Adels, der sich die fehlenden Mittel zum Kauf der Handelsartikel durch»vachseude Belastung der Bauern mit Diensten, Abgaben und Wnchcrzinscn ucr- schaffte. Er endete damit, daß nach dem 30jährigen Kriege, der ganze Dörfer eingeäschert, ganze Bauernfamilieu vernichtet hatte, hunderte von verlassenen und verödeten Baucrnhufen und Bauernstellcn zu den Hofivirtschaften gelegt, die Bauern selbst aber zu Leibeignen gemacht wurde«. Die schändlichen Zustände unter der Leibeigenschaft finden in dem Werke eine eingehende, sich dem historisch Bekannten anschließende Schilderung. Der Verfasser schlicstt seine Arbeit vorläufig»nit dem landcS- grnndgesetzlichci» Erbverglcich von 1768, der eine gründliche Dar- legung erfährt. Die Fortsetzung des interessanten Werkes tvird hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen. Knr de» Inhalt der Inserate «bernimmt die Ncdattio» den» Piibtiknui gegenüber keinerlei _ Veraiitwortnng._ Thvttkvv. Sonnabend, LZ. November. Opernhans. Orchcster-Abend Mo- zartscher Syinphonien. Anfang 7'/, Uhr. Mittags 12 Uhr: Ocffentliche Hauptprobe. Schanspiclhans. Die Jungfrau von Orleans. Anfang 7'/, Uhr. Renrö Opern- Theater«krall». Die Geisha, oder: Eine japanische Theehaus- Geschichte. Anfang 71/2 Uhr. Vchiller. LpsanderS Mädchen. Hierauf: Die Komiidie der Irrungen. Aiitang 8 Uhr. Drntsches. Die Wildente. Anfang Uhr. Berliner. Die rote Robe. Anfang 7'/, Uhr. Lessing. Die Fee Caprice. Anfang 7'/, Uhr. vieftdenz. Sein Doppergänger. Im Coups. Anfang 7V, Uhr. Neues. Coralie u. Co. Ansang 7l/j Uhr. Wefte». Der Bcttelstudent. Ansang 70, Uhr. Seeessionsbiihne. Detlev Lilien- crons Bunlcö Brettl. Anfang 8 Uhr. Central. Gastspiel von Lote Füller und Sada Aaeco nlit ihrer Ge- sellschast aus Tokio. Die Geisha und der Ritter. Kssa. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Ein tolle» Geschäft. An- fang 70, Uhr. Luise». Schiedsmann Heinpel. Anfang 8»Hr. Carl Weih. Am Altar. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Der Rattenfäuger von Hameln. «riedrich-WilhelnistädtifcheS. Offenbach-Cyklus. Perichole, die Straßensängerin. Ans. 70z Uhr. Brlle-Zlllinnee. Onkel Brästg. Au- fang 8»Hr. Cafino- Theater. Berlin W— Berlin N. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Vletropol. Specialitätenvorstellmig. Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. «lpullo. Specialitäten-VorsteNnng. König Aqua. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialiläte»- VorsteNung. Anfang nachmittags b Uhr. Passage> Paiioptiknin. Speciali- lälen-Vorslellnng. Sleichshalle». Steltiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Speclalitäteii-Borstelliing. Großstadtzanber. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbenstr. in/ltt.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Ueber de» Wollen. Jnval idenstrasie 37/03.„Die Welt der Fixsterne." Ansang 8 Uhr._ Heute Gastspiel l.» T.ol« Vnller und Sada Vacco mit ihrur japan. Gcsellschast, bestehend ans 30 Sl üuftlern vom kaiserlichen Hostheater ii.r Tulio. Morgen n»d svlgende Tage: 0»»t- eplel Lote Füller und Sada Yacco. Sonntagnachmittag 3 Uhr: halbe Pleise. Konzert._ Thalia-Theater. Zum letzte',»mal:"Mg Em tolles. Geschäft. Sonnlag: Galgspiel des Lessing- Thcat er-Eniemble: J o h a n e«t f e 11 c r. Montag: D-.r Generalprobe wegen geschlossen. g: Zum erstenmal: DieuSt ag Die„ Badepttppe. Große A nsstattluigsposse mit Gesang »nd Tanz in S Aktew Echllltt-Thenttl lWaNuer-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: I-z-aandei?* ülttdchcn. Historisches Lustspiel in einem Akt von I. V. Widmann. Hierauf: Die Komödie der Irrungen. Lustspiel in 3 Aufzügen v. Shakespeare. Sonntagabend 8 Uhr: IM« Braut von Bebsina. Montagabend 8 Uhr: Ki�Gandoro Bude Ii en. Hierauf; Die Komödie der Irrnngen. Apollo-Theater. Mit durchschlagendem Erfolg: Abends 9 Uhr-: König Aqua. Im 3. Bilde: Grosses Ballett unter Mitwirkung des Luftballett: „Grigolatis". Femer: 8 auserlesene Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Sonntags 70, Uhr. f|arl Wei eiss-Theater. Grosse Frauksitrtrrslr. 132. Nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung. Kleine Preise. DerRattellsliilgttv.Hamtlii. Kindermärchen mit Gesang in ö Akten von R. Heising. Musil v. A. Wichcr. Abends 8 Uhr: Ali» Altar. Zeitgemälde in 4 Allen und 8 Bildern nachE.Werners gleichnamigem Roma». Regie: Leo Gadiel. Sonntag: Ain Altar._ Wropoi-Hißater. Schön war's doch. Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a. G. J. Josephi.— H. Bender, Urkomische Parodie. ÜBeDder als Saharetü Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Am Totensonntag, 24. d. M.: Einmaliges Gastspiel des Königl. Ingers" H. ROllHIlÜllI mit dem Ensemble des Opera- Theaters des Westens: Die Jüdin. Schall und Rauch, Unter den Llndsn 44. Sonnabend, den 23. November: AnD8 JUtÜC Gastspiel. Vorstellung vor Seren Isulmns. Bruderherz.— Famlllenldyll.— Kasperletheater. Anfang 80z Uhr. Orpheus-Thealer. j Fricdrichstr. 83«. Anfang 0,8 Uhr. Sounabendahend: Keine«ors,ellung."7DS Sonnabend- und Sonittagnach- mittag 3 Uhr: Familicn-Borftelluiig_ DM" zu halben Preisen."WS Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Ueber den Wolken Im Hörsaal: Pliotogrnplilc In natürlichen Farben. Invnllrlenstr. 57/fl8. Die Welt der Fixsterne. Passage- Panoptikum. Heute den ganzen Tag gcOlfnet. Die Togo-Neger- und Shlngalesen- Karawane, 43 Person., darunter 24 junge hübsche Togo- Anfang B Uhr, Sonntags 2 Uhr. Ende 11 Uhr. Lotte Sebns der neue Stem der VarlhtebUhne. Auftreten 10 Uhr. „Mascayni" Italienisches Opern- Trio. Auftreten 9 Uhr 30 Min. Die 24 Togomädchen mit ihren Kriegstänzen und Gesängen um 10 Uhr 30 Min. IO ei-Hikl. Mnniniern! Die Schlacht bei Wörth etc. 6 Liliputaner Die einzig in der� Welt dastehen., Nur noch kurze Zelt! 'XLordKItchener Wet, Botha. jSSr/Die wunderbare /Illusion:„Aller- 'seelen" mitMusik-u. / Gesang- Begleitung, Sansisiouci Kottbnacrstr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donncrslag II«» tTm u 11 n« Nach jeder Soiree: Tanz. Neu! Neu! Neu! LehiiiaiiilsHtiiiikthr. Sonntag, S4. Novbr.: � Einmalige Auffithnmg des vorzüg- tichcn Schauspiels: Der Pflirm mm Kirchseli von Ludwig Anzeugruber. Nuter Mitwitkmig des„Berliner SchaiisPlel-BereinS". W. Noacks Theater. Brunnensteah« l». DttMimmMre-Am. Romantisches Drama in S Akten von Charlotte Btich-Pseiffer. Sonntag: Der Glöckner von Notre-Dame. MAZt-TIlKAtel' '(früher Fecu-Palast) Burgstr. SÄ. Direktion: winkler 11. prühel. ©miimhcnb, 22 Nooemhcr 1901; GrosterGrfolg d. sensationelle» kunsl-Speeialllaten. Um 9 Uhr. Novität. Um 9 Uhr. Die allabendlich mit stürmischem Beifall alifgeiiommeiie grobe AnöstattmigSburleSke Grossstadteauber! o.W.Gcrickc.Mnsilv Sommerfeld Hugo Lustig— Dir. Rich. Winkler. I Ansang 8 Uhr. Enlree 30 Pf. Numeriert 1 M. Sonntag, den 24. November: Einmalige Aufführung: Arn VeesUhnniigsiiage. Volksstüd i» Gesang in' i> Bildern Casino-Theater. Lothringersir. 37. U. a.; Gastspiel der „Foimeres". 9"- Uhr. Berlin M. Berlin W. Auf. Woch. 8 Uhr. Somit. 70, Uhr. Somiiagal'cnd:?0, Uhr: „Die Waise".„Weihnächte,,". An der Spalldauer Brllcke 3. Vornehmst. Verpntigiingslokal I Täg lieh: Internntionalc Konzerte. |Speclalllät.-l>oppel- Vorstellung von mir erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. 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