Ar. 379. Adointtments-Kedlngnnge«: kbonnementZ-Preis pränumerando! VUrteljShrl. 330 TO!., monotl. I.io®!!., wöcheniltch 28 Pfg. frei ins Hau«. «ineelne Numw-r K Pfg. TonnlagZ» Nummer mir in»n»cri«c Sonntaxi- Beilage„Di- Neue Weil" lv Pfg. Post- Abonnement: l,iv Marl pr� Mona«, Singetragen in der Post-Zeitung«, Preizltste für 19 Ol unter Et. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Mari pro Mona». 18. Jahrg. Die Insertlons-GMyd beträgt für die fechzgespallene Kolons!» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein«- und Versammlung«- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Amelsen" jede« Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« 3 Uhr vormittag« geöffnet. erscheint täglich«utzer Montag«. Devlinev Volksblatt. Telegramm-Adresse! „Pvrialdemostrnt Verlin'' Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redslilion: 19, Beutlz-SlraKe 2. Fcrnsstrecher: Amt I, Nr. 11,08. Freitag, den£9, November 1901. Expvdilion: sw. 19, Beuch-Steahe 3. Fernsprecher: Nmt l. Nr. St3l. Die Arbeitslosigkeit. Während weniger Wochen hat sich die durch die Wirtschaftslrise erzeugte Geschäftsstockung zu dem Zustande einer groben und all- gemeinen Arbeitslosigkeit ausgewachsen. Aus allen Teilen des Reichs kommen schlimme Nachrichten und selbst die Lobpreiser des kapitalistischen Systems, die alles durch die rosenfarbene Brille zu sehen gewöhnt sind, schauen mit Besorgnis in die Zukunft. Es giebt kaum eine Industrie, in der nicht A r b e i t e r c n t l a s s u n g e u oder gröbere Betriebseinschränkungen stattgefunden haben. Die Berichte der Arbeitsnachiveise zeigen eine fast von Woche zu Woche sich vergröbernde industrielle Reservearmee. Dabei fehlen alle Zeichen einer baldigen Besserung; der Binnen mark ist mit Waren aller Art überfüllt und vermag höchstens dem gegenwärtigen Produktionsumfang Absatz zu bieten, die Lage des Weltmarktes aber erscheint so unsicher wie kaum je zuvor. Die Hochschutzzollära. an deren Widerbeginn wir zu stehen scheinen und die die andren Staaten in gleiche Bahnen zwingt, hat durch ihre bloße Ankündigung offenbar die ganze GeschäftSivelt, die an Export und Import interessiert ist, in ihrem Vertrauen auf Wiederkehr bessrer Zeiten erschüttert. Die Unsicherheit über das. was die nächste Zukunft bringen wird, drückt schwer auf das Geschäftsleben und niacht diese Depression zu einer so langwierigen. Das unheimliche Anschwellen der Masse der Arbeitslosen der- ursacht auch der kapitalistischen Presse Besorgnisse. Nur wenige Blätter lvagen das Vorhandensein einer erschreckend groben Arbeits- losigkeit abzuleugnen; viele dagegen schlagen allerlei Mabregeln gegen das schivere Uebel vor, Mabregeln, die frcilicks nichts andres bedeuten, als daß man diesem Elend mit einer billigen Bettelsuppe den Mund zu stopfen gedenkt. Es wiederholt sich derselbe Vorgang wie in früheren Niedergangsperiodeu. Als nach(890 eine durch vier Jahre dauernde Depression begann und von Jahr zu Jahr die Arbeitslosigkeit gröber wurde, eriveckte auch damals diese düstere Erscheinung ein wenig das Gewissen der Bourgeoisie. Die Debatte in den kapitalistischen Blättern war die nämliche wie jetzt. Als aber 1835 die Prosperitätsperiode anbrach, die kapitalistische Bourgeoisie wie toll den winkende» Profiten»achjagte und das arbeitende Proletariat zeitweilig wieder in den Fabriken Beschäftigung fand, rührte sich auch keine Hand zur Vorbeugung gegen die baldige Wiederkehr des kanm überwundenen Unheils. Was die Socialdemokratie sagte, war in den Wind gesprochen und den Bestrebungen der Gewerkschaften, die um d i e Verkürzung der täglichen Arbeitszeit— das beste Mittel, die Arbeits- losigkeit einzudämmen l— harte Kämpfe führten, begegnete das kapitalistische Ansbentcrtnm mit Aussperrungen und der kapitalistische Staat mit der Znchthausgesetz-Vorlage. Jetzt zeigt sich, wie viel in den Prosperitätsjahren versäumt ist und aufs neue beginnt die kapitalistische Presse zu berat- schlagen, wie man das Gespenst der Arbeitslosigkeit bannen kann, welches größer und schrecklicher wie zuvor aufgetaucht ist. Die Socialdemokratie sieht die Ursache der Arbeitslosigkeit in dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Die Entwicklung der Maschinerie im Verein mit der Konzentration aller Prodnktions- und Arbeits- mittel in den Händen der Kapitalistcnklasse schafft eine immer gröbere Klasse Besitzloser, deren Existenz eine überaus unsichere ist. Die ungeheure Steigerung der kapitalistischen Produktion und ihre Regel- losigkeit ist die hauptsächlichste Ursache der Krisen, deren Furchtbarkeit sich nach jeder AnfschwnngSpcriode steigert und die industrielle Reserve- armee aiischwellen läßt. So ist die Arbeitslosigkeit in der gegen- wältigen Gesellschaft überhaupt nicht gänzlich zu beseitigen. Den Machtfaktoreu dieser Gesellschaft niuß zu solchen Schritten umsomchr der gute Wille mangeln, als das AuSbentertum der industriellen Reservearmee bedarf, um sie als Lohndrückerin auf den« ArbeitSniarkt zu verivenden. Erst wenn der SocialiSmns daran gehen kann, sein Produktionssystem aufzurichten, wird auch die Arbeitslosigkeit verschwinde». Läbt sich in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Arbeits- losigkeit nicht gänzlich beseitigen, so haben doch Staat und Gesellschaft geniigend Mittel an der Hand, die Arbeitslosigkeit einzudämmen oder ihre schrecklichen Wirkungen zu lindern. Es braucht bei den herrschenden Klassen nur der gute Wille und das sociale Pflichtbewnbtsein vorhanden zu sein. Dieses aufzupeitschen mit der Geißel ihrer Kritik ist die Aufgabe der Arbeiterklasse. Staat und Gemeinden könnten das Elend der Massen schon wesentlich mindern, wenn sie N o t st a n d s a r b e i t e n in größerem Umfange vornehmen würden. Sie stellen die ivirksamste schleunige Maßregel dar. Die Städte brauchten nur damit vorzugchen. geplante Arbeiten schlennigst zur Ausführnng zu bringen und einem großen Teile hungernder Arbeiterfamilien wäre Arbeit und Brot verschafft. In Baden und zwar vornehmlich in Karlsruhe und Mannheim geht man bereits in dieser Richtung vor. Die Stadträte haben alle Pläne für Ausführung non städtischen Gebäuden und An- lagen sehr beschleunigt.»,» Arbeitsgelegenheit für ihre Bevölkerung zu schaffen. Warum richtet nicht die Staats- oder Reichsregierung einen Appell au die Gemeindeverwaltungen, in gleicher Weise vor- zugehen? Leider aber schreitet der kapitalistische Staat dem kapitalistischen Klüngel in den Kommunen sogar nnt löblichem Beispiel voran. In dieser Zeit des Niederganges iverden dem Militarismus und MarinismuS gelassen die drückenden Millioncnopfer bewilligt, während für Knlturaufgaben kein Geld da ist. Auf die Arbeiter- cntlossnngen in der Industrie ist prompt das Gleiche in den Staats- betrieben erfolgt und eine» wesentlichen Teil der Aufträge, die Militär, Marine, Eisenbahn ustv. zu vergeben haben, läßt der Staat von de» die Arbeitskraft ihrer Arbeiter answucheruden Privatunter- „ehuierii anssühren, anstatt den Arbeitslosen in eignen Werkstätten Beschäftigung zn bieten. Das große Kultur werk des Mittelland- Kanals läßt man nihig unter dem Hohn der Junker ruhen, anstatt, wie von der Socialdemokratie schon mehrfach gefordert, es auf das Zieich zu übernehmen, wo es einer Mehrheit sicher wäre und dem Arbeitsmarkt einen großartigen Aufschwung geben würde. Aber es geschieht nichts. Der Reichskanzler veranstaltet durch die Vermittlung der Landesregierungen„Erhebungen über den Ilmfaug der Arbeitslosigkeit", ohne daß deren wirkliche Bekämpfung auch nur um einen Schritt vom Flecke rückte. Und wie Reich, Staat und Genieinde als Unternehmer, so geht auch die Ncichsgesetzgebnng an dem durch die Arbeitslosigkeit er- zeugten Massenelend vorüber, als ob die Verhinderung der Wieder kehr solcher Zustände die Herrn vom grünen Tische gar nichts an« ginge. Diese Krise redet mit furchtbarer Wucht für die Notwendigkeit der Herbeiführung des reichsgesetzliche u Normalarbeitstages. Wenn wir jetzt, beim Beginn des Winters, bereits dieses schreckliche Elend haben, wie wird es da erst Anfangs März anSsehen, wo erfahrungsgemäß die Arbeitslosigkeit ihren Höhepunkt erreicht I Und was soll werden, wenn das nächst« Jahr die sehnlichst erivartete Wiederkehr besserer Beschäftigung der Industrie nicht bringt? Angesichts deS riesigen Aiischwellen der industriellen Reserve-Armee ist die Regelung der täglichen Arbeits� zeit, die Verkürzung des Arbeitstages bis auf acht Stunden, die nächste Aufgabe der Arbeiterschutz-Gesetzgebnng. Mit allem Nachdruck muß die Arbeiterklasse diese Fordcrmig gerade jetzt erheben und zu- gleich die reichsgesetzliche Regelung des Arbeits- Nachweises verlangen. Wenn das Reich wirklich einen energischen Schritt thnn will, den Wirtschaftskrisen der Ziiknnft einen Teil ihrer Schärfe zu nehmen, kann es der Erfüllung dieser längst von uns erhobenen Forderung nicht länger ausweichen. In dieser Zeit ist auch die Frage der reichsgesetzlichen Versicherung gegen Arbeitslosigkeit aktuell geworden. Wenn auch das kämpfende Proletariat alle Ursache hat, bei einer reichsgesctzlichen Regelung dieser Frage durch den K l a s s e n st a a t in dem daS Unteriiehmertnin regiert, der Socialreform scharf auf die Finger zu sehen, ist doch das Interesse für die Sache an sich unter den deutschen Arbeitern groß. Es ist eine durchaus gerechte Forderung, dab der kapitalistische Staat gezwungen werde, für die Opfer der anarchischen Produktionsweise des Käpitalismns zu sorgen. soweit dies in der gegenwärtigen Gesellschaft überhaupt möglich ist. Die deutschen Gcwerkschaftsorganisationen haben der Arbeits losciiinitcrstützimg schon seit langem ihre Aufmerksamkeit zugewendet »ud sie zum Teil praktisch verwirklicht. Wenn jetzt die Presse der bürgerlichen Socialreformer die Frage aufgreift und ihre reichst gesetzliche Regelimg verlangt, folgt sie dabei den Schanzschen Vorl schlügen. Professor Schanz hat zu der Frage der Arbeitslosen- Versicherung drei Beiträge geliefert, deren letzter in diesem Jahre erschienen ist und den bürgerlichen Socialreformern als Grundlage ihrer Forderung dient. Was von der kapitalistischen Gesellschaft bisher praktisch zur Unterstützung der Arbeitslosen geschehen ist, kommt über klägliche Versuche nicht hinaus. So wurden z. B. in Köln, dem Borbilde Berns folgend, 1896 fakultative Wiuterversicherungcu eingeführt, freiwillige Versicherungen für Saisonarbeiter. Resultat: Es waren versichert 571 und es wurden davon unterstützt 441 Personen. Also noch nicht einmal eine auch nur fühlbare lokale Hilfe gegen das Arbeits- losen-Elend. In der Schweiz haben praktische Versuche keine Er- folge gehabt. I» St. Gallen inißglückte sie nach zweijähriger Daner; in Basel wurde ein seit fünf Jahren schwebendes Projekt im vorigen Jahre in der Volksabstimmung verworfen. Wenn jetzt bei uns die bürgerlichen Socialreformer für staatliche oder kommunale Arbeitslosen-Versichernng eintreten, so thun sie dies sicher nicht aus der Ueberzeuguug, die Arbeitslosigkeit beseitigen zu können; es verbirgt sich hinter der Forderung nur die völlige Ratlosigkeit, waS gegenüber dem Anwachsen der arbeitslosen Massen zn thun sei. So bildet die Arbeitslosigkeit für die kapitalistische Gesellschaft eines der schwierigsten Probleme. Zu durchgreifenden Maßregeln ist sie nicht entschlossen, weil sie dann sich gegen ihr eignes Wirt- schaftssystem wenden niübte. Aber sie kommt um die Behandlung der Frage dennoch nicht herum, denn mit jedem Monat, um den die Krise sich verlängert, schwillt das Arbeitslosenheer an. Und die Arbeiterklasse wird durch unerniüdliches Mahnen dafür zu sorgen haben, daß der Staat nicht noch länger seine nächsten Pflichten gegen die Opfer der kapitalistischen Produktion versäumt. Die socialdemokratische Fraktion deS Reichstages wird demnächst der Reichs-Regierung und den bürgerlichen Parteien Gelegenheit geben zu bekunden, ob und ivie sie das surchtbare Elend, das die Massen heimsucht, zu lindem gedenken. Volikisisze Berlin, de» 28. November. Der Reichstag arbeitete am Donnerstag sehr flott. Die Strandungsordnung wurde in dritter Lesung debattelos angenommen und von der See- manns-Ordnung 28 Paragraphen erledigt. Die Wort- führer unsrer Fraktion bei diesem Gegenstande, die Genossen Dr. Herzfcld. Schwartz und Metzger, waren aufs eifrigste bemüht, die Rechte der Seeleute zu verteidigen und zu erweitern. In einigen Fällen hatten ihre Bemühungen wenigstens teilweisen Erfolg. Die Beratung setzte beim§ 4 wieder ein. Hier entspann sich über die Zusammensetzung der Seemannsämter eine sehr lebhafte Debatte. Wir hatten beantragt, daß in allen Fällen einer der Schössen aus dem Kreise der seebefahrcnen Schiffs- leute zu entnehmen sei und hatten gleichzeitig Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Verhandlung und Diätenzahlung an den Schöffen gefordert. Em Centrumsantrag, der Antrag Cahensly. kam wenigstens im ersten Teile unsrer Forderung insofern entgegen, als er bestimmte, daß einer der Beisitzer, falls das Verfahren sich gegen Seeleute richtet, ein Seemann sein soll. Ursprünglich war das Centrum für den vollen Umfang unsrer Forderung eingetreten. Der künstlich inscenierte Entrüstungssturm der Reeder hatte es umgeblasen. Mit bitterem Sarkasmus riet deshalb Genosse Herzfeld den Ultramontanen, künftig lieber erst vorher 'Erkundigungen darüber einzuziehen, was die Regierung und die Kapitalisten wollen, um nachträgliche Umfalle zu ver- meiden. Der Centrumsabgeordnete Kirsch war zwar sehr empört über diesen Vorwurf, aber an den Thatsachen konnte er nicht rütteln. Die Vertreter der Reeder- Interessen auf der Rechten wie auf der Linken, Herr Rettich sowohl wie Herr Frese traten im Verein mit dem Bremer Senator Pauli für die Komnnfsionsfassung ein, die ein ganz unverhülltes Klassen- gericht für die Seeleute schaffen wollte. Selbst eine Reihe von Centrnms-Abgeordneten ließ bei der Abstimmung ihren nach ihrem Geschmack allzu seemannsfreundlichen Kollegen Cahensly im Stich, dessen Antrag schließlich mit knapper Mehrheit angenommen wurde. Unser Versuch, an auswärtigen Hafcnplätzen wenigstens den Konsul der Reederei, über deren Schiff Beschwerde er- hoben wird, als Richter auszuschließen, mißlang. Dagegen trugen wir beim§ 10 einen kleinen Erfolg davon und setzten durch, daß die Anwesenheit der gewerbsmäßigen Stellcnver- mittler, der Landhaie, als Vertreter der Reeder bei der Musterung ausdrücklich verboten wurde. Beim§ 25, der Vorschriften über die Gültigkeit des Heuervertrages enthält, suchten wir in die notwendigen An- gaben des Heuervertrages auch die Zeit des Dienstantritts, die Zahl der auf den Schiffen beschäftigten sccbefahrenen Mannschaften und die Höhe des Ueberstundenlohnes ein- zuführen. Dieser Antrag wurde gleichfalls abgelehnt. Ebenso blieben beim§ 31 die ungeheuerlichen Be- stimmungen bestehen, daß der Schiffsmann, der nach der An- Musterung ohne genügende Entschuldigung dem Eintritt oder der Fortsetzung des Dienstes sich entzieht, auf Antrag des Kapitäns vom Scemannsaint, oder falls dieses nicht besteht, von der Polizeibehörde zlvangsweise zur Erfüllung seiner Pflichten, und das noch auf seine Kosten, angehalten werden soll. Beim tz 32 wurden nicht nur unsre Verbesserungsanträge abgelehnt, sondern sogar noch eine von konservativer Seite beantragte Verschlechterung der Kommissionsfassung an- genonrmen und dadurch die Abhängigkeit des Seemanns in, Bezug auf Urlaubsbewilligung von seinem Kapitän noch erhöht. Freitag wird die Beratung fortgesetzt.— Socialistische Handlungsgehilfen. — st— Wien, 27. November. Ein ganz ungelvöhnlicheS Auf- sehen hat in Oestreich die am Sonntag bekanntlich„sistierte" Wahl der Handlungsgehilfen hervorgerufen. Thatsächlich handelt es sich bei dieser Wahl um einen Verwalinngsskandal ersten Ranges. Oestreich besitzt seit dem Jahre 1836 die Einrichtung der Zwangs- genosscnschaften; die Gewerbetreibenden jeder Kategorie bilden eine Genossciischaft, deren Mitglied man schon durch den Antritt des Gc» werbes wird. Zu den Organisationen der Meister— die Genossen- schaftcn sgeltcn nur für die handwerksmäbigen, nicht aber für die fabriksmäßigen Betriebe— gehört als ergänzendes Organ die„Ge- Hilseii-Versaiiiiiiliiiig", die Organisation der bei den Gcnossenschafts- nntgliedern im Dienstverhältnisse stehenden Gehilfen. Die social- politische Bedeutung der Genossenschaften liegt in zwei In- stituten: dem Schiedsgericht, da« allerdings keinen obligatorischen Charakter hat und durch Errichtung der Gewcrbegerichte ziemlich wertlos geworden ist, und der Krankenkasse, zn deren Einführung jede Genossenschast gesetzlich verpflichtet ist. Sowohl die Krankenkasse als der Gehilfen- äusschuß waren in der Genossenschaft der Kanflcnte seit ihrem Be- stände i» christlich-socialen Händen; die Handlungsgehilfen waren die einzigen Lohnarbeiter, die in Wien nicht socialdcinokratisch gewählt haben. Das änderte sich im Jahre 1893; bei dieser Wahl wurde» die Christlichsocialen aufs Haupt geschlagen und die Social- demokraten erfochten einen glänzenden Sieg. Jede Liste wurde mit etwa 4400 Stimmen gewählt, wogegen der christlich-sociale Häuptling, der bekannte Axmann, der sich mittlerweile zum Gcmeindcrat und Reichsrats- Abgeordneten emporgestrebert halte, mit etwa 3600 Stimmen in der Minorität blieb. Nun begann aber eine Reihe von Gewaltthätigkeiten, die nur z», begreifen sind, ivenn man sich erinnert, daß die G-iverbebehörde erster Instanz in Wien der Lnegersche Magistrat ist, dessen Parteilichkeit und Willkür so nngemessen sind, daß die Behörde nur mehr ein Exekntiuorgan der christlich-socialen Partei-Agitation wird. Die Wahlen, die Herrn Axmainis Regime das wohlverdiente Ende bereitet hatte», wurden unter nichtigen Vorwänden kassiert und Herr Axmann provisorisch mit der Führung der Geschäfte, insbesondre mit der Durchführung der Nentvahlen betraut. Während aber die gesetzliche Dauer des Mandates drei Jahre beträgt. Ivährt das Axmaniische Provisorium bereits dreieinhalb Jahre; trotzdem er durchgefallen ist, ist er länger Obinann. als er'S gewesen wäre, wenn er gelvählt worden wäre! Mit den plumpsten Ausreden. unter direkter Verhöhnnng der ihm von allen Instanzen gewordenen eisungen, hat er die Neuwahl dreieinhalb Jahre zu verschleppen AcUuißt. Endlich blieb ihm kein SluSlveg ub�ig nnd die Neuwahl wurde für den 24. Novenrbcr auZgeschrieben. An dicsein Sonntag leistete sich nun die christlich-sociale Klette eine» Streicb, der in der Geschichte des Wahlschwindels ohne Beispiel dasteht. Als er n ä ml ich erkanute, das; seine Niederlage u n v e r- ineidlich sei— denn die Socialdcmotraten verfügen heute in der dein Bürgcrtinn so nahegcrückte» Schichte der Handlungsgehilscn über die sichere Zlveidrittel-Majorität!— löste er die' Wahl- Versammlung ans: der große Andrang der Wähler mache nämlich, das tvar der„Grund", die Wahl unmöglich' Die freche Herausforderung von Gcsch und Vernunft hat nicht bloß bei de» Wählern große Aufrcginig erzeugt— die Entriistung über die frivole Sprengung der Versammlung führte am Sonntag bekanntlich zu blutigen Schlägereien—, sondern auch im Parlamente die stärkste Erbitterung hervorgerufen. Allgemein ist das Ver- längen, daß Herr Axura»», der vor dreieinhalb Jahren damit betraut wurde, die Neuwahl durchzuführen, des Auftrags ent« kleidet werde, dem er so hartnäckig Widerstand entgegengesetzt hat. Trotz der allgemeinen Empörung ist es aber fraglich, ob die Staats- gc.ivalt mit dem obstruierenden Obmann fertig werden wird. Vom Magistrat, der das thnt, ivaS ihm der Bürgermeister Lueger zu thnn ist ein Widerspruch gegen die christlich-sociale» Praktiken nicht 511 erhoffen; obivohl es sein Auftrag ist, den der betraute Mann ersichtlich verhöhnt, ivird sich die„Erste Instanz" zu der iiotwendige» Ciueigie nicht aufraffe». Nnd was die Regierung betrifft, der durch die Statthaltern und das Handelsministerium das entscheidende Wort zusteht, so ist man in Ocstrcich gewöhnt, jede Matz- regcl der Verwaltung auf ihre eventnclleu politischen Folgen zu prüfen. Herr v. Koerber ist zwar kein solcher Hasenfuß wie seine Vorgänger, die vor jedem Stirnrunzcln des Wiener Herrgotts gezittert haben; ob er aber die Courage aufbringen wird, mit den Schützlingen der Christlich-Socialen ernstlich anzubinden, muß vorläufig noch sehr bezweifelt werden. Trotzdem die Wahl vereitelt wurde, bedeutet der Wahltag einen ungeheueren Erfolg der Socialdemokratie. Im Jahre 18S2 hat die focialdemokratische Bewegung unter den Handlungsgehilfen eingesetzt, und sie erzielte damals von den abgegebenen 1000 Stimmen etwa 700, die Sorialdemokraten waren also nicht viel mehr als ein versprengtes Häuflein. Am letzten Sonntag hätten«vir aber sicherlich 7000 Stimmen bekomme». Ivogege» Herr Armaiui wohl nicht mehr als 3000 er- reicht hätte! Das ist' ein Fortschritt, dessen Bedeutung auch die Gegner nicht zu längnen wagen, nnd er ist umso größer, als«ran es bei den Handlungsgehilfen mir einer Arbeiterschichte z» thun hat, die durch ihre Herkunft, ihre Beschäftigung, ihren starken Zusammenhang mit der Bourgeoisie dein socialdemokratischen Gedanken recht ferne stehe». Wohl ist ihre Gewinttung zum nicht geringen Teile der ökonomischen Entwicklung zu danken, die die Lage der Handlungsgehilfen immer mehr verschlechtert, ans den Mit- nrbeitern früherer Zeiten Mietsarbeiter macht, aber sie ist auch die Frucht einer unablässige» Werbe-Arbeit, in der die socialdemokratischen Gehilsen Wiens wahre Meister gewesen waren. So ist die Zeit nicht ni?hr ferne, Ivo die Handlungsgehilfen in Oestreich im Lager der Socialdemokrate» so sicher und fest stehen werden, wie alle übrige» Schichten der gesamten Arbeiterschaft. Die dritte Lesung der Chtua-Auleihe wird anschcinend wieder das erquickliche Schauspiel des gnnidsatz- tosen Kampfes»M Sein oder Nichtsein des Kabinetts Waldeck- Rousseau bieten. Und zwar meldet ein Telegramm, daß zahl- reiche Mitglieder der s o c i a l i st i s ch e n und radikale» Gruppen der Kammer in der dritten Lesung der China- Anleihe für die Negiernngsvorlage stimmen würden, um das Kabinett gegen ein Manöver der Reaktion zu schützen. Dje Führer der Melinisti- scheu, Melinc, Ribot, KraNtz hätten nämlich am Mittwoch- abend alles aufgeboten,»in ihre Parteimitglieder zu veranlassen. diesmal gegen die Anleihe zu stimme», damit das Kabinett endlich z» Fall käme. Da-s Bekanntwerden dieser Jntrigne habe einen großen Teil der äußersten Linken schteunigst veranlaßt, einen Beschluß zu fassen, das Ministerium durch den in der französischen Kammer ja nachgerade üblsch gewordenen Verzicht auf die grundsätzliche Stellung- nähme zu Vorlagen z» stützen. Ein Schauspiel, das außerhalb Frankreichs einen höchst widerlichen Eindruck macht und dessen Zweck mindestens sehr zweifelhaft sein dürste. Ob diese jeder geradlinigen, grundjätzlichen Politik ins Gesicht schlagende Taktik des parlamentarischen UeberlistenS nnd JntrignierrnS ans.die Dauer auch»nr möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Abzuwarten bleibt zunächst ja auch, wie viele Socialisten sich bereit finden lassen werde», trotz des Chinaskandals für die China-Auleihc, also für die B e l o h»iin g der geistlichen Räuber, zu stimmen, nur zun das Kabinett Waldcck-Roufiean ain Ruder zu erhalten.— Die Mitglieder des Kabinetts selbst haben auf einem am Mittwochabend stattgesnndenen I a h r e s b a n k e t t des r e p u b l i- k a n i s ch e n Komitees s ü r Handel und I n d n st r i e demonstrative Reden gehalten. Nachdem Brisson die Thätigleit der Regierung für Handel, Industrie und Socialpolilik gerühmt, sprach M i l l c r a u d dem Miuisterpräsideutc» seine Bewunderung ans »nd sagte, i» iveiiigcn Monaten werde die Regierung die Früchte seiner Thätigleit einernten. W a l d c ck- R o» s s e a u gab seiner Dankbarkeit und dem Ge- fühle der Benihignng Ausdruck, welches ihm dieses Beisammensein eingeflößt habe. Der Redner schätzt sich glücklich, scststcllcn zu können, daß das Komitee für Handel und Industrie sich gebildet habe zu dem Zwecke, die Regierung zu unterstütze», die de» Jitter- esse» des arbeitsauieu Frankreichs diene. Der Minister er- iunerte sodann daran, daß er die K o l o n i a lp o I i t i k mit Gambelta und Kerry verteidigt habe. Er habe sogar erst kürz- lich diese Sache mit allzu großer Wärme verleidigt, die die Bc- fürchtnng aufkomme» ließ, daß er einem gewissen Imperial itz- muS huldigen kömite.(Gelächter.)«Aber", schloß der Minister, „seien Sie versichert, wir denken nicht an Imperialismus, tvedcr im June r n noch nach A n ß e n hin. ES handelt sich nicht mehr darum, die Kolouialdomänc weiter auSzudehiicu, sondcni darum, sie zu erhalten und zu organisiere n. Wir wollen nicht ein Frankreich, das größer ist durch sein Geviet. sondern ein solches, das größer ist durch seinen Handel und durch seine socialen Fortschritte." Waldcck-Ronsseau hat also das Bedürfnis gehabt, seine Chinapolitik gewissermaßen zu entschuldige». Seine Beteuerungen, daß er an keine expansive, iiuperialistische Kolonialpolilik denke, werden mit dein nötigen Zweifel anszunehme» sein. Derartiges iverden sämtliche Regierungen zu beteuern nicht müde! Und auch das französische Kabinett ist mir die Exekutive der besitzenden Klafic, trotz Millerand.— *• Aeutsches Zteich. Ei»„Eingeschobener". Ans S t r a ß b u r g i. E. ivird uns vom 27. November geschrieben: Offenbar, um der abfällige» Besprechung der Aiigelegenheit durch die oppositionelle Presse zuvorzukommen, zieht die regimiiigS- fromme„ S t r a ß b nr g er Po st" heute eine Affaire an die Oeffentlichleit, die, wie sie selbst sagt, in hiesigen Beamtenkreisen schon feit einiger Zeit mit sehr unliebsamen Kommentaren begleitet wird. Es handelt sich dabei um einen Aufsehen erregenden Ein- s ch u b eines ehemaligen Offiziers in die innere Ve.rivaltnng Elsaß-Lothringens, indem derselbe, ohne die Rechte studiert oder die vorgeschriebenen Staats- Prüfungen abgelegt zu habe», zum Regier u n g s r a t in der B e r iv a l t u n g d e s R e i ch s l a n d c s ernannt ivurde. Zur Begründung dieser ungclvähnlichen Bkaßregel. durch die nach Anficht der„St. Post." iv o h l c r iv o r b c» e Rechte verletzt, die Ä v a n c e in e n t s v e r h ä l t n i s s e in der V e r iv a l t n n g st ö r e n d beeinflußt und ein Element d e r!I n s i ch c r h e i t i» Verhältnisse gebracht würde, die im Interesse de-Z Staates fest5 begründet sein sollten, macht das Blatt über die dienstliche Vergangenheit des in Betracht kommenden ehemaligen Offiziers die folgenden intcresfanten Angaben: „Ter in Betracht kommende Regicrnngsrat hat als Offizier im Leibgardehusarcuregimeut gestanden mid war schon als Secondc- lieutenant Adjutant, für jeden mit militärischen Verhältnissen Ver- trantcn einZeichen, daß er in seinem militärischen Berufe van besondrer Tüchtigkeit gewesen sein muß. Wie die Ranglisten erweisen, bekleidete er diese Vertrauensstellung unterdenRcgimcntskomniandcurenOberft- lieutenant v. B-low und Prinz Wilhelm von Preußen, d e>n jetzigen Kaiser. Als damals im Haufe des Prinzen Wilhelm die Maser» anSbracheii, ließ sich der Adjutant nicht abhalten, tpotzdem die Wohnung seines Rcgiinentskommandeurs z» betreten, Ivurde angesteckt, siel in langtvierige Krankheit, wurde dienstunfähig, blieb ein paar Jahre ä I» snits gestellt nnd trat, wie die Rang- listen ergeben, im Jahre 1889 als Premierlientcnant zu den Reserve- ofsizicren des Regiments über; im Jahre I89?ä schied er als Ritt- meister aus. Der Kaiser hat seinem Adjntaittcn stets eine freund- lichc Erinnerung bewahrt nnd besondere Hnld bctviesen: er hat ihn zum königlichen Kämnierherrn ernannt, ihm bei Gelegenheit eines Besuches in Straßbnrg den Roten Rdlerordrn persönlich über- reicht usw. Der dienstunfähig gewordene Offizier trat dann— es mögen jetzt 9 oder 10 Jahre her sein— zuriiiformatorischcn Beschäftigung bei der Laudesverwaltmig von Elsaß- Lothringen ein. hat vei verschiedenen Dienststellen, so bei der hiesigen KrciSdircktion. der Polizcidirektion nnd dem Bezirks- Präsidium gearbeitet und ist, nachdem er ein eoUoguium vor einer dazu eingesetzten Kommission bestanden, kürzlich zum kaiserlichen Regierungsrat ernannt worden." Die„Slrnßb. Post" weist ferner darauf hin, daß der betreffende Herr bereits uittcr dem früheren Statthalter, dem nachmaligen Reichskanzler Hohenlohe-Schillingsfiirst in den elsaß-lothringischen Laiidcsdicnst eingestellt wurde, dem es„nicht wohl möglich getvcscn wäre, nnter so ausnahmsweise liegenden Verhältnissen anders als nachgiebig zu sein". Die Auffassung des gouveruemcntalen Blatte?, es sei einer ver- antworilichen Regierung nicht wohl möglich, gewisse» von oben an sie gerichteten persönlichen Wünschen gegenüber„anders als nach- g i c b i g" zu sein, selbst wenn dadurch„wohlerworbene Rechte verletzt" würden und ein„Element d e r U u s i ch e r h e i t in Verhältnisse läme, die im Interesse des Staates fe st begründet sein sollte n", wirst hellstes Licht auf die gegenwärtigen Zustände im Reich.—_ Roriuau»- Ichumaui« hat, wie wir nachträglich schweizer Blättern enlnehnien, von Zürich ans, dem„Ikenen Wiener Tagblatt" zufolge erklärt, weder der Verfasser noch der Absender der H u n n e n- b r i e f e zu sein und auch nicht den Aufgeber z» keimen. Er habe bereit» an Eidesstatt eine diesbezügliche Erklärung au den Präsidenten des Landgerichtes in Berlin gesandt und gegen den„Vorwärts" Strafantrag gestellt. Herr Normaim-Schiimann ist nicht beschuldigt worden, daß er der Verfasser von veröffentlichten Hunncnbriefen sei, deren Echtheit bisher in keinem einzigen Falle begründet angefochten iverden konnte, sondern vielmehr, daß er identisch sei mit jenem von der ministeriellen„Berliner Korrespondenz" entdeckten«Luzcnicr KominiS B.". der den mißglückten Versuch initcriiominen haben soll. Hnnttcnbricfc eignen Fabrikats nach China nnd von dort wieder nach Europa zu fchnuiggeln. Bisher ist seitens des preußi- scheu KriegsministeriumS, trotz wiederholter dringender Anfforderiuig, nichts Näheres über den sagenhaften Lnzerner KommiS B. mitgeteilt und auch die Behauptung nicht bestritten worden, daß hinter dem B. Herr Normann-Schnmann stecke. Wenn der AllerivellSspitzel jetzt wirklich sich den Spaß gemacht haben sollte— wii wissen nichts davon— einen Strafantrag gegen den„Vorwärts" zu stellen, so würde uns das eine große Freude bereiten, namentlich iveim der Kläger die Liebenswürdigkeit haben würde, persönlich vor Gericht zu erscheinen. Dann kann doch auch gleich endlich das gegen ihn schwebende MajestätSbeleidigiuigZ- verfahren mit erledigt werden.— Gegen den Spiritusring wenden sich zwei Petitionen, die soeben dem Reichstage zugingen. Die eine geht von der„Fabrik von V c r v r e n n u n g s t r a'f t- Maschinen". Gebr. Körting tu KörlingSdorf bei Hannover. au?. Zwar meint diese Fabrik, daß es im Interesse der Vcrbilligung des denaturierten Spiritus für Motorenbetriebe liege, wenn die Braiiittiveiiifteiicr-Novelle angenommen und dadurch sowohl die Er- höhnng der Brennftener als der DenatunerungSzwang eingeführt werde, doch will sie die Preisvergntnng nicht der Spiritus- centrale überlassen,«da es bei dem Charakter dieser Gesellschaft als eines private», lediglich auf Erwerb und vorteilhafteste Verwertung der ihm zugeführten Ware angewiesenen Unternehmens nicht' a» S g e s ch l o s s e n ist, daß auch einmal Anschaunngc» zur Geltung kommen lönnen. welche einer Jnnchaltung dcS derzeitigen niedrigen Preises für Motorcnspintns nicht g ü n st i g sind". Mit letzterer Besürchtmig hat die Fabrik vollkommen recht, aber gerade deshalb müßte sie sich, wie es durch miste Vertreter gc- ichah. gegen den Denatnrierungs zwang werden, da durch den- lelben aus wirtschaftlichen Gründen die Brenner in solche Abhängig- kcit von der Centrale geraten, daß diese eine Monopolstellung erhält nnd dann die Preise auch für BreniispirilnS in die Höhe treiben kann und wird. Die Generalversammlung de» Verein» bayrischer Spiritus- nnd Brauntivein- Produzenten ist zivar ebenfalls mit dem Tenatn- rierungSzwaiig einverstanden, protestiert aber gegen jede weitere Erhöhung der B r e n n st e n e r und Abändernng des bestehenden K o n t i n g e n t i e r n n g S- Verhältnisse«. Nach dem Wunsche des S p i ritu s r i n'g e s soll dagegen durch Einschräickrmg derKoittingentSmenge die Errichtung neuer Brennereien behindert werde»! � Noch deutlicher und sehr energisch zieht der Verein deutscher Melasse- Spiritus- Fabrikanten gegen den Gesetz- cntwurf und dadurch gegen den Spiritusring zu Felde. Die Melassebrenner sind von jeher die Stiefkinder der Brauntivein- steuer-Gesetzgebnng gewesen. Da diese stets u u r im I n t e r e s s e der K a r t o f f e l v r e n n e r e i e n, namentlich O st e l b i e n s, zugeschnitten ist, bat sie auch nur diesen von der großen Liebes- gäbe, ivclche 20 M. pro Hektoliter Trinkspiritus ans den Tasche» der Brarmtweiutrinker den Brennern überweist— in der letzten Campagne an 43 M i l l i o n c n M a r k'—. den Hanptvorteil zn- gcwicscn. die Mclaficbrcniicr aber, namentlich durch die Novelle von '1893, von der Futterkrippe ansgeschloffeli. In, durch ciu raffiniert ausgeklügeltes Steuersystem werden die Melassebremiereien ver- hindert, nicht mir sich auszudehnen, sondern noch weiter zu bestehen, und die jetzt vorliegende Novelle würde die Melassebrennereien voll- ländig vernichten. Die Melasse, der�syrupartige Rückstand der Zucker- bereittmg, gicbt allerdings bei der SpiritnSerzengnng keine Schlempe, die als Viehfutter dienen kann, verwertet aber ebenfalls ein landwirtschaftliches Produkt. Den Spirituöagrarieui kommt cS aber in erster Linie darauf an. die SpintnSprodnttion so zu gestalten. daß die Bedürfnisse deS Marktes ausschließlich von bsn Kartoffel. b r e n n c r e i e n gedeckt werden. Jede Mehrproduktion von Spiritus suchen sie zu verhindern, um den Preis des Branntweins recht in die Höhe treiben zu können, nnd so sollen nach den Beschlüssen der agrarischen Mehrheit die Melassebrennereien totgemacht werden. Das har bei dem Verein der Mclassebrenncr die Galle überlaufen lassen nnd so sagen sie denn in ihrer Petition den Ostelbiern einige rcchr schöne Wahrheiten, n. a. weisen sie ans die von uns schon vielfach angeführie Thatsache hin, daß die Rückvergütung der Maischranm- Steuer für denaturierten Spiritus nm i''« M. höher ist als die bezahlte Steuer. und daß durch zu niedrige Bemessung der Maischranm- Steuer, deren technische Grundlagen jetzt weit überholt sind, die Staat»- kasse nm IS— 18 Millionen Mark jährlich geschädigt wird. Natürlich wünschen wir weder, daß die Maifchraumsteucr entsprechend den jetzigen Erträgen der Kqrtoffclbremrcrei erhöht werde, noch aiub daß die Malassebreinier ein höheres Kontingent bekommen, d. h. also die Licvesgabenzahlnng vergrößert wich, denn alt diese Maßnahmen würden auf Kosten der Vrainitlveiittrinkcnden, also der unteren Be- völkcrung geschehen, und daß durch höhere Bestenerung etwa die Braimtweinvest bekämpft werden kann, die wir gewiß gern beseitigt sehen möchten, ist durch die Thatsache» als unrichtig bewiesen. Der Petition der Melasscbrenncr können wir demnach mir insoweit zu- stiinmcn, als sie Verminderung der Steuerlast fordert, so die Av- schassmig der Maifchraumsteucr, und die Gleichstellung bezüglich der Brennsteuer, deren Ertrag ja zu Verglitnngen für denaturierten Spiritus verwendet wi'rd, also der Bevölkerung zu gute kommt. Sehr interessant an der Eingabe der Melasse- brcmicr ist,' daß sie so ossen darlegt, wie rücksichtslos die bestehende wie die geplante Spiritusbcsteiieruiig nur zu Gunsten der Kartosselbrcnper. d. h. hauptsächlich der Ostelbier zugeschnitten ist, so daß die Rcichskajsc, die sonst nm jede Million jannnert, die sie für Wohlfahrls- und Knlturzwecke ausgeben soll, sogar aus 15—18 Millionen Mark jährlich verzichtet, nur nm den geliebten Junkern Vorteile zuznivenden. Daß all diese Machenschaften, wie die ganze jetzt vorliegende Stenertiovclle. von dem Spiritusring ausgehen, rühmt dieser sich ja selber. Fernhaltuirg jeder unbequemen Konlnrrenz, Monopol! siermig der Produktion nnd des Handels ist iein Ziel und damit die'Steigerung des ungeheuerlich großen TribntS, den die branntwei»trinkende Bevölkerung durch Steuer nnd Liebesgabe entrichten muß: es sind jetzt einschließlich der Erhebungskostcir und der verschiedenen Liebesgaben an Sltt Millionen Mark jährlich— eine Geldschneiderei sondergleichen!— Ganz wie bei— andren. Der Pariser Korrespondent der„Täglichen Rundschau' teilt weitere Einzelheiten über die Plünderungen d e r M i s s i o n a r e und L e g a t i o n s d a in c n mit. Mehrere Augen- zeugen bestätigen in Pariser Blättern die Darstellnngen dcS Geheimberichts Boyrons. So Major Scott, der erzählt, daß drei Damen verschiedener c n r v p äi s ch e r G e sa n d t s ch a st e n fünf Minuten nach der Ankunft der europäischen Truppen in Peking im Wettlanf nach den Magazinen gestunnt seien, Ivo sie reiche Kost- barkeiten aufgestapelt wußten. Der bekannte Weltrissende G a st o n S t i c g l e r erklärt in, ,. F r a»?« i s", daß die Missionare durch ihre Ortskenntnis ganz genau dir Häuser der Bankiers gekannt hätten, Ivo zahlreiche Silberbarren anfznfindcn gewesen seien. Bei einem während der Heimfahrt nacb Europa verstorbenen Matrosen habe man einen Check über 60 000 Frank aufgefunden! DaS Interessanteste aber an der Korrespondenz der„Tägl. Rundschau" ist das Urteil des Korrespondenten über die p l n nr p c n Ausflüchte der Missionare und das Vertusch u n gS- s y st e n, der Militärbehörden. Der Korrespondent schreibt: „Hier haben wir also dasselbe System. U'ie bei den Soldaten: Soldaten haben geplündert? Belanglose iudibidnclle Vergehen. Das Heer ist unberührt, die Fahne ist unbefleckt. M i s s i o u a r e haben R n u b z ü g c angeführt? AnSschreitnngen übereifriger Diener, die Misston hat damit nichts zu thnn. die Kirche trägt ihr Haupt ho ch." Der Korrespondent erkennt sehr richtig die Kläglichkeit dieses VertnjchungSsysteinS, zu dem nichts gehört als eine eiserne Stirn. Aber verfährt man nicht nach dieser Methode auch austcrhalb Frankreichs?!_ Sächsische Gemcindcsteucr-Rcforiu. AnZ Dresden wird uns geschrieben: Die neue Denkschrift über die Regelung des sächsischen Gcmeindestencr-Wesens erklärt, daß zur Zeit der Erlaß eines so umfassende» Gcmeindc-Abgnbcn-GesctzeS ivie das preußische vom 14. Juli 1893 noch nicht dringend erforderlich sei. Auch wären wesentliche Beschwerden über das von den Gemeinden ausgeübte BesieuernngSrecht nicht zu Tage getreten. Im Gegensatz zu dieser Schönfärberei teilt die Dciiljchrift mit. daß in 2308 sächsischen Land- gemeinden— 76 Proz. aller sächsischen Landgemeinden, noch Kopf- steuern erhoben Iverden. Die Gemeindesteuer- Reform ist aktuell geworden durch den in Aussicht stehenden SOProzentige» Staatsstenerzuschlag. Diese un- gchcnre Steucrbclastnng lvird nm so drückender empfunden, als auch in sämtlichen 143 Städten Sachsens eine Gcmeindc-Einkommenstcner eingeführt ist. 75 sächsische Städte haben lediglich Einkommensteuer. In den Städten der ÄreiShauptmannschaften Zwickau und Bautzen werde» 90 Proz. des ÄcsamtbedarfS durch sie ausgebracht. Die Denkschrift regt nun an, eine thunlichste Abgrenzung des Steuergebietes von Staat und Gemeinde vorzunehmen, um einer übermäßigen Au§l>eitt»ug einer und derselbe» Steuerquelle durch die beiden Stenernehmer Staat nnd Gemeinde vorzubeugen. Herr v. Metzsch schlägt vor. den Gemeinden die Mitbenutzung der staat- licheu Einloninienstcuer durch Zuschläge zu untersagen. Dagegen ivill er die Gemeinde» zur Änsühning einer eignen Eiukoiiimeii- stener mit besonderer, den örtlichen Verhältnissen angepaßter ans- steigenden Skala, doch unter Beschränkung auf 3 Proz., anhalte». Diese örtliche Einkömmensteuer würde jedenfalls nur zur Vcrschleicrimg der Stcnervcrhältuisie der einzelnen Städte. führen, weil dann jeder Vergleich erschivert ist nnd auch viel Mehrarbeit verursachen. Sehr beachtlich ist der Hinweis, daß die Städte zur Deckung ihres Stener- bedarf? möglichst ihre werbenden gewerblichen Anlagen(Betrieb von Schlachthäusern. Gas- und EleltricitätSiverken. Wasserleitungen. S t r a ß e n b a h u e n) heranziehen sollen. Empföhle» wird ferner eine Erhöhung bezw. Einführung der Steuer auf Grund- nnd Hansbesitz und den Gewerbebetrieb. Bezüglich der ersttte» Steuer steht zu befürchten. daß die hänsagrarischeu Gcnieindekollcgien beim Ausbau dieser Stenerart einfach versagen werden. Soll die Grund- und Gcbäudesteucr ertrag» reich gestaltet werden, so wird die Gesetzgebung eine gewisse Sicher« heil gegen die grundstcucr-feindliche Stimmung der Ansässigen schassen müssen. Ans der Gewerbesteuer dürfte sich unter den Händen der Konservativen und Reformer eine Er- drosielungSsteucr für Konsumvereine und Warenhäuser enl- tvickeln. Schließlich heißt cS in der Denkschrift daß einzelnen Gemeinden auch die Bestenerung de» RciileneinkommenS gestattet werden solle.— ** Eine socialpolitrsche D o n q u i ch o t t e r l e. Albciterkammcrn ohne Socialdemokraten wollen die sächi!- scheu Konservative n zur Vertretung der Arbettenuteressen und als Ersatz dafür, daß unter dem Dreiklassenlvahl-Gcsctz keine socialdcmokrnlischen Abgeordneten mehr in den Landing gc« lvählt sind, schassen. Die Wahlrechts- Bernichler scheinen e? sehr unliebsam zu verspüren, welchen Unmut die Berdräuguug der Arbeiiervertreter im ganzen Lande her» vorgerufen hat und suche» ihn durch illusionäre Projekte zu dämpfen. Mehr als Spott und Hohn werden ihnen aber der- gleichen Projekte nicht einbringen, zumal wenn sie, wie die jetzt von konservativer Seite empfohlene Einrichtung von Arbeiterkammern, als Vernichtungsmittel gegen die Socialdemokratie gedacht sind. Nur kiingi Worte U'oKeit wir darüber verlieren, wie sich dieZ die Projekie»- ruacher denken. Ta man selbst bei aiiitlicher Ememiun>r der Mitglieder von Arbeiterkanunern nicht sicher Iväre. dag social- demokratisch gesinnte Arbeiter dabei nNtcrlaufcn iliid diese Art der Znsammensetzniiff die Arbciterkanrmern den allgemeinen Spott tierverrufcn würden, müßte man Arbeiter dazu wählen lassen. Ans Wahlen aber würde unzweifelhaft in dem Horb- industriellen, socialdcmolratisch„durchseuchten" Sachsen»irr social- demokratische Arbeiter hervorgehen. Diese sollen dann in den Arbeiterkaiumern der Socialdcmokratie abwendig gemacht und der Regierung in die Arme geführt werden. Nichts' leichter als dies! Man legt ihnen— so exemplificiertcn die Projcktcwnachcr— Fragen vor, ob eine Acnderung dcZ Post- oder Eiscnbahntariss an- gezeigt sei, oder„ob cs im Interesse der deutschen Industrie liege. einen Handelsvertrag niit Venezuela abziischliehen". Ans solche „praktische" Fragen könnten und ivürdcn die Arbeiter in den Kaumicru Hin„praktische Antworten" geben und dadurch würden sie nach und nach dein„Gebiete leerer Schlagworte" entzogen, sowie auch„ein nmnittelbarer Verkehr mit dem orgaui- sicrtcn Arbciterstand hergestellt."„Vertrauen rmd Zuversicht an Stelle des Misztrmici'iS inid der Verbitterung gesetzt"— iviirdcii. Tics der Äern des großartigen Projektes, das, wie seine Erzeuger ganz richtig vermuten, von der Socialdeniokratie ausgenützt werden wird, ob cS nun zur Durchführuiig kommt oder nicht. Wie ..praktisch" aber die Projcktcumachcr sind, geht schon anS der That- fache hervor, daß Sachsen seit 1866 in Postsachen gar nichts mehr zu sagen bat, sächsische ArLcitcrknmmcrii auch über Posttarise mit der sächsische» Ncgiermig gar nichts zu reden haben würden. An wirklich praktischen Antworten nnd Vorschlägen dürften cs da- gegen frcigewählte Aryeiterlämmern jedenfalls nicht fehlen hissen, so praktisch, daß die Socialdemolratie sich das gegen sie gerichtete VeriiichtiingSinittel ganz gern präsentieren lallen kann. Darüber wird sie allerdings das Land nicht im Zweifel lassen, daß die Äonservativen mit ihm i» plumper, demagogischer Weise den von ihnen verübten Wahlrechts»«»!? verdecken wollen. In föcialpolitischcr Hinsicht ist dnS Projekt ohne die direkte Vertretung der Arbeiter- iuteresscn im Landtag wertlos.— Tic socialdcmokratischcn lluiversitätcu. Ter Grobblech- verband der Ilerikaltn Presse leistet jetzt in dem UntvcrsitätSstrcit das Menschenmögliche an tollstem llnfimi. Die„Germania", he- hauptet unsrer Feststelliiiig gegenüber, daß unser freies Professoren- tum niemals gegen die Äilsiperrnng der socialdemokratischeu Lehre von jbeii Univerfitätc» protestiert habe: Die Weltanschaimiig der Socialdcmokratie sei' ja schon überreichlich ans den llniversitäten vertreten. Beweis: Häckcl nnv Nietzsche bilden die Grinidlagen der iocialdeiualratischen. Weltanschaimiig. und beide beherrschen die Universitäten. Die„Germania" ist augenscheinlich vom heiligen Geiste zu dieser Osfeiibaimig befeuert worden. Wir in mifrem weltlichen Verstände ichätzen in den beiden genannten Persönlichkeiten die cutschiedeusteii Feinde des SocialikmuS, und mit ihren philosophischen, sehr im- wisscnschaftlicheii Meinungen werden sich Socialdcmokratcn auch sch»oci,Iich befreunden. Wir wisse» aber nun tpsnigstens, tvic katholische Professoren die „Weltgiischaming der Socialdemolratie" vortragen»viirdcn, tvenn die Wünsche der„Germania" in Erfüllung gingen. Etwa so: Die socialdcinokratische Pest stammt letzten EudcS ans der mechanisch- nlhcistischc», von der christlichen Kirche längst mit Feuer und Schivcrt widerlegten Wcltanschaumig. daß die Erde sich entgegen den Lehren der offenbarten Religion um die Sonne drehe.— Ter dörfervcrwilstendc Militnrismns. AnS Ober- Hessen tvird dem„D. T. Anz." geschrieben: Die schon seit Früh- jähr kursierende Nachricht, daß für das 18. Armeccorps ein T r u p p e n- II c b u n g s p I a tz im nördlichen Oberhessen hergerichtet würde, scheint sich zu bestätigen. Dem Bürgemieister von Wornicrtshauscn ist vom L a n d r a t s n in t in M a r bürg mitgeteilt worden, daß W o r in e r t s h a u s e n im Kreise Marburg mid R ü d d i n g S h a n s e n im Kreise Gießen wahrscheinlich vom Erdboden verschwinden müßte n. Beide Orte liegen in der Mitte dcS von den Orte» Deckenbach, Roßberg, Beltershain und der Bahnlinie Gniiibcrg-Lpndorf-Lollnr umgrenzten Gebiets, da? zum tt e b n» g S p l a tz nuSerscheii ist. Chronik dcr Majcstätsbeleidigungö- Prozesse. Zwei Jahre Gefängnis. Wegen Beleidigung dcS König? und eines Mitgliedes deS Herrscherhauses hatte sich in Dresden der 39 Fahre alte �chmiedcgcselle und Bauarbeiter Wilhelm Ernst Großer vor dcr 3. Strafkmmncr zu verantworte». Großer ist bereits wegen MajestätSbeleidigrmg mit sieben Monaten und außerdem wegen andrer Beleidigung und Widerstands fünfmal erheblich vorbestraft. Ter Angeklagte, der in Wachtvitz wohnt, wird als Dissident und Landarmer bezeichnet. Der Angeklagte wünscht, daß die Oeffeut- lichleit nicht ausgeschlossen werde. Die Oeff'eiitlichkeit wurde doch ausgeschlossen. Räch der 21/j stnndigeii BeiveiSanfnahme wurde der Angeklagte schuldig befniide» und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. AnS dcr UrteklSbegriindiing geht nur soviel hervor, daß cS sich um folgenden Vorgang handelt. Am H. Juli d. I. wurde Prinz Friedrich Angrist beim Verlassen seiner Villa in Wachwitz ans der Slraßc von Großer angesprochen und bei dieser Gelegenheit müssen die Beleidigungen ans die Person dcS Königs gefallen sein. Großer bestritt die crlvähnte Aeußernng und pehauptete, er sei damals angetrunken und übermüdet gewesen. ES ist unverständlich, wie ein Monarch durch derlei Un- znrechniingSfähigkeiten beleidigt Iverdcn kann, noch unverständlicher, wie man in solchen Fällen so schwere Strafen verhängt.— Wegen M a j e st n t S b e l c i d i g ii n g hatte sich Donnerstag der Tilchlcrgcsclle August S p i e l m a n n anS Friedenau vor der ersten Straslammcr am Landgericht Berlin II. zu verantworten. In demselben Hanse, in ivelchem Spielmann Ivohnt. hat auch der Schuh- niachcr Brake Werlslatt und Wohnung. Brake ist zwar taub, lau» aber sprechen. Dagegen sind seine 4 Sitzgesellen sämtlich tnnb- fininm. Am 18. Januar d. I., dem 2 ch e» g r o Z m a r k t. Zinn Ziveck dieser Erweiterung beabsichtigt der Magistrat außer dem bereits früher bei der Versammlutig beantragten Änkanf der an der Landsberger Allee gelegenen Terrains dcS Fürsten zn Stolbcrg« Wernigerode und dcr Mitteldeutschen Creditbank noch die zwischen dem Stolbcrg-Tcrrain und dem Berloreiicn Weg liegenden Grund- stücke von zusammen 23 934 Quadratmeter zn erwerben. Als Kauf- preis sollen gezahlt werden. I. der Frau Excellenz Eck für 546 Quadrat- Nulcu (a 400 SD?.).............. 216 000 M. 2. dem Direktor K n o b I a n ck für 466 Quadrat- Ruten (a 466 M.).............. 160000 M. 3. dem Grasen P o n r t a l ä s für 15 666 Quadrat- Meter (a 36 M.).............. 468000 M. zusammen 844 666 SD?. die aus Anleihemitteln zn bestreiten wären. Der niedergesetzte Ausschuß hat sämtlichen Magistratsvorschlngcn ziigestiinmt. Referent ist Stadtv. Haberlan d.' Nach ganz im- erheblicher Debatte tvird gemäß den Anöschußaiiträgeu beschlossen. mit der Maßgabe, daß bei Verivendung dieser Terrains zn Viehhof- zivccken eine Trennung des Viehmarltcs nicht Platz greifen soll. Es folgt die Eiiisiihrmig der iieiigewähkte» unbesoldeten Stadträte Handelsrichter Emil G ehr icke und Kali sch, die somit heute aus der Stadtvcrordiietcii-Vcrsammlmig ausscheiden. Die seit 14 Jahren schtvcbcndc Frage der Umgestaltung der Straffe Unter den Linden ist im Plentim der Versammlung zuletzt am 7. Februar d. F. per° handelt ivorden und ztvar ans Grund einer Magistratsvorlagc, t)iC das sogenannte Projekt kl zur Amiahme empfahl. Sämtliche Eni" würfe haben mit Rücksicht darauf aufgestellt werden müssen. daß die Beseitigung des Reittvcges nicht zn erreichen ist, sondern mir eine Verschmälerung von 7 aus 4 Meter zugestanden wird. Der Lastfuhrweg lind die ciubercn Baiimreihen sollen in Wegsoll komme», die Mittelpromennde soll von 17, IS auf 11,50 Meter verschmälert werden. Dafür sah das Projekt I die Verbreiterung beider Fahr- dämme auf 10 Meter, sowie die Anlage von Gartenstreifcn von auf der Südseite 8, auf der Nordseite 2,75 Meter Breite vor, sowie eine geringe Verbreiterung der Bürgersteifte, Nach Projekt U, das hauptsächlich auf Einwände des Polizeipräsidenten zurückführt, soll der südliche Fahrdamm 13 Meter Breite erhalten, auch eine weitere Verbreiterung der Bürgcrsteige eintreten und diese mit Baumreihen bepflanzt, die Breite der Garienstrelfen gleichmäßig auf 3,50 Meter normiert werden. Der eingesetzte Ausschuß hatte am 27. September mit 10 gegen 1 Stimme das Projekt 11 abgelehnt, dagegen mit 8 gegen 3 Stimmen beschlossen, die Zustimmung zun, Projekt I mit der Maßgabe zu empfehlen, daß, falls die Verkehrspolizei die Einrichtung von Droschken- Halteplätzen verlangen sollte, in dem südlichen 8 Meter breiten Gartenstreifcn Einschnitte für derartige Halteplätze vorzusehen seien. Zum Berichterstatter ernannte der Ausschuß den Vorsitzenden Stadtv. Kyllmann.— Am 22. Oktober trat der Ausschuß infolge eines Antrages von fünf Mitgliedern in eine erneute Beratung ein; es hatte inzwischen die Audienz in Hubertusstock stattgefunden. Die Stadtverordneten Lange, N o s e n o w sN. L, und Borgmann(Soc.) hatten, da der Ausschuß mit seiner Arbeit zu Ende sei, gegen die erneute Beratung protestiert und. nachdem gleichwohl beschlossen ivar, in dieselbe einzutreten, die Sitzung ver- lassen. Mit 9 gegen 2 Stimmen ist dann die unveränderte Annahme des Projekts II beschlossen worden. Von den« Stadtv. H u g o S a ch S ist beantragt, die Vorlage mit der Maßgabe anzunehmen, daß keine Garienslreifen, sondern KieSschüttimge» an deren Stelle hergestellt und die Miltelpromenade auf 12,50 bis 13 Meter verbreitert werde. Stadtv. Singer sSoz.): Es ist das wohl das erste Mal, daß ein Ausschuß sich so desavouiert hat. wie dieser. Erst vor kurzem hat er ein Projekt mit 9 gegen 2 Stimmen abgelehnt und jetzt kommt er und empfiehlt mit derselben Mehrheit dasselbe Projekt, welches nach seiner anfänglichen Meinung die Interessen der Stadt nicht wahrte. Es sollen Nova eingetreten sein. Daß der Kaiser sich zu irgend einer Sache äußert, kann man doch nicht alsNovum ansehe»: es kann das keine Veranlassung sein, Beschlüsse, Ivelche auf Grund eingehender Beratungen gefaßt sind, vollständig umzuwandeln. Wir leben ja unter wirklich recht eigentüinlichen Verhältnissen. Der Oberbürger meister wird aus andrer Veranlassung zu einer Audienz»ach Hubertusstock befohlen, dort wird gelegentlich ein andres Projekt der Stadt besprochen, der Kaiser äußert sich abfällig und fügt hinzu, daß er ein andres Projekt für besser fände, und nun hält sich der Oberbürger- nieister verpflichtet, im Ausschuß diese Auffassung des Kaisers mit- teilen zu lassen. Das ist eigentümlich, weil ich nicht annehmen kann noch wünsche, daß der erste Beamte unsrer Stadt städtische Angelegenheiten in der Weise behandelt, daß er Acußerungen des Kaisers, die ihm bekannt werden, mit der Maßgabe mitteile» läßt, daß es gegenstandslos sei, einen Beschluß eines Ausschusses an die Versammlung zu bringen. Herr Kyllmann, unser Referent, konnte auch nicht vorher wissen, Ivos die Versamm lung beschließen würde, wenn er ohne den nochmaligen Zusammen- tritt den Ausschutzbeschluß vor die Versammlung gebracht hätte. Diese BeHandlungsweise muß den ernsthaftesten Widerspruch der Ver- sammlung herausfordern.(Sehr richtig I) Wenn die Mehrheit des Ausschusses auf die Selbständigkeit ver- zichtct, Ivir thun das nicht, wir»vollen unsre Beschlüsse ans eignen sachlichen Erwägungen fassen und sie uns nicht diktieren lassen. Wenn der Ober-Bürgermeister durch den Stadtbaurat dem Ausschuß »nitteilen läßt, Ivas er erfahren hat, so hätte ich es besser gefunden, er hätte die Versammlung nicht in die Zwangslage gebracht, in ivelcber sich jetzt die Majorität befindet, denn diese Herren sind»vieder einmal in der Lage, ihren, königs- treuen, Gefühl Ausdruck geben zu müssen, sich vor dem Vorwurf schützen zu niüssen, als ob Aeußerungen des Kaisers keine Bedeutung für sie haben, und durch Verfügung über städtische Mittel zeigen zu niüssen, daß sie zlvnr andre Ansichte» habe» kvnncir, aber sofort bereit sind, sich der höheren Einsicht des Kaisers zu fügen und ihre wohlerivogenen Beschlüsse aufzuheben. (Sehr gut I) Das ist die Position, in welche der Oberbürgermeister iveder den Ausschuß noch die Versammlung hätte bringen sollen. Nim kommt aber doch dazu, daß wir jetzt eine sehr bedeutende Ausgabe machen sollen für eine Unigestaltimg der Lindenpromenade in einer Zeit, Ivo diese Uingcstaltung eine recht flüssige Frage ist. Wir stehen den, Liudenprojekt so gegenüber»vie der Kaiser nach den Zeitungsnachrichten: Wir können auch Ivarten,»vir können nnt der Umgestaltung so lange ivarten, bis vor allem die Frage der Ueberführung der Stratzenbabn in unsre», Sinne erledigt ist. Was Ivir in diesem Punkte erlebt haben, sollte uns doch zu dem Entschluß bringen, daß wir die Umgestaltung. abgesehen von den, im Verkehrsinteresse Erforderlichen, verbinden mit der Frage der Straßenbahn, um die ungeheure» Verkehrsstörungen bei der Ausführung der Projekte nicht doppelt durchmachen zu müssen. Im Interesse unsrer Bürgerschaft sind»vir verpflichtet, wenn wir nahezu eine Million für das Projekt ausgeben, auch bezüglich der Straßenbahnfrage diejenigen Mittel zu ergreifen, welche durch Erhöhung der städtischen Einnahmen diese Ausgaben in irgend einer Weise wieder ausgleichen. lZustimnnmg.j Dazu treten andre Moniente, Stets ist die Beseitigung des Reitweges eine Voraussetzung der Umgestaltung gewesen. Jetzt soll der Reitweg schmäler werden. Daß dadurch die Unbequeinlichkeiten und Widrigkeiten, die mit dem Reitweg verbunden sind, beseitigt werden, ist mir zweifelhaft. Die Pferde'können aus dem Marstall nach dem Tiergarte» auch auf andren Wegen als durch die Via trinmxbalis geführt werden, und wenn man ein solcher Freund von unte, irdischen Ver- kehrswegcn ist, giebt eS vielleicht auch ein Mittel, die Pferde auf einen, solchen zu befördern. lGroße Heiterkeit). Der Ausschuß giebt übrigens ausdrücklich zu, daß ihm das ästhetische Bild des Projekts 1l nicht gefällt; er acccptiert es eben, weil es be- fohlen ist, und das ist eines jener werlvollen Dokumente, welche daS vorliegende Protokoll liefert. Soweit ich als Laie mitreden darf, gefällt mir gegenüber den beiden Projekte» der jetzige Zustand viel besser. sSehr gut!) Und liegt denn eine zwingende Notwendigkeit vor, dieses Projekt jetzt auszuführen? Nein, es drängt uns nichts dazu. Gegen die Erhaltung der Linden in, Verkehrs- fähigen Zustande sind auch wir nicht. Pflastern Sie doch die Linden aus dem Pflasterkosten-Fonds. dann wird man ohne außerordentliche Aufwendung von nahezu einer Million ganz gut damit zurechl kommen. Wir werden also gegen den Ausichußantrag stimmen, weil uns das ttzrojekt nicht gefällt, weil uns die Kosten viel zu hoch sind, weil uns die Dringlichkeit nicht nachgewiesen ist, aber auch weil wir in dem Ausschußantrag eine Nachgiebigkeit gegen außerhalb stehende Stellen erblicken, zu der wir nnsre Hand nicht bieten. Im Interesse der Würde der Stadt würde ich es für besser halten, wenn man aufhören würde, uns hier zu Handlangern von Nebenrcgicrungen zu machen.(Beifall bei den Socialdcmo- kraten.) Stadt. Giese(A. L.): Der weitaus größte Te,l meiner Freunde stellt sich auf den Standpunkt der Nützlichkeit. Es ist je eher je lieber nottvendig, die Linden umzugestalten, den Vcrkehrsvcrhältnissen Rechnung tragend, vor allen, die unglaublichen Niveanverhältnisse zu ändern. Das historische Bild der Linden setzt sich zusammen aus alten Bänken, Sperrketten auf Eisböckcn und einem 8 Meter breite» Snnipf, dem wir den Kosenamen eines Reitweges beigelegt haben. Die bloße Neupflasterung der Nordscite ist undurchführbar. Das Projekt 1 ist nur ein Notbehelf, es leidet namentlich an de» 8 Meter breiten Nascnstreifen, den der Gartcndirektor Mächtig ein Ungeheuer nannte. Wenn es so gemacht werden soll, soll eS lieber bleiben wie es ist.(Bravo!) Ich danke Ihnen, meine Herren l(Große Heiterkeit.) Projekt H hat in die Augen springende Vorzüge(Zuruf: Mit einem Male i), besonders die Verbreiterung des Bürgersteiges und des Fahr- damnics auf der Südseite. Die Rasenstreifen hart an der Mittel- Promenade haben sich zu meinen besonderen Freunden ausgewachsen. Wir brauchen auch einen kleinen Raun, für Bedürfnisanstalte» und Trinkhallen.(Zuruf: DaS ist das einzig Richtige! Heiterkeit.) Ich kann ,»ir die Hauptstraße, die Prachtstraße der Residenz des Deutschen Reiches ohne einen Reitweg nicht denken.(Stürmische anhaltende Heiterkeit.) Wenn Herr Singer das so lächerlich findet, kam, ich nur annehmen, er ist kein Reiter,(Abermalige anhaltende Heiterkeit) sonst lvürde er ihn in seiner ganzen Breite behalten wollen. Für die Regulierung der Linden giebt es daher nur den einen Weg. das Projekt II anzunehmen. Lassen Sie lediglich Nützlichkeits- rücksichten walten, geben Sie der Hauptstadt des Deutschen Reiches eine schöne Prachtstraße.(Beifall und Lachen.) Abg. Hugo SachS(A. L.): Herr Singer hat der Mehrheit wieder einmal Mosive untergeschoben, die er nicht beweisen kann; wir sollen hier wieder einnral unsre Königstreue beweisen, und wird uns hier etwas diktiert.(Sehr richtig! bei den Soc.) Den Kampf für die Aufrechterhaltung der Selbstverwaltung(oh! oh! bei den Soc.) iverden wir stets festhalten und von, Magistrat die Ausführung verlangen. Zu den Phantasicgebilden aber, die sich Herr Singer erst konstruiert, um uns anzugreifen, zählen wir nicht. Wenn Sie(zu den Socialdeniokraten) warten wollen, bis Sie von den Verhältnissen befriedigt sind, dann können Sie aä ßalouckas Zraoeas warten. Der Reitweg paßt freilich nicht in die Vorlage, ich sähe ihn am liebsten auch beseitigt; aber an diesen, Punkte allein kann man doch die ganze Frage nicht scheitern lassen. Mein Antrag ist ein Amendement zu Projekt II, er will die imponierende Breite des Mittelweges möglichst erhalten wissen. Auch wenn aber mein Amendement nicht angenommen wird, werde ich doch im Interesse des Verkehrs von Berlin für Projekt II stimmen.(Aha! bei den Soc.) Stadtv. Wallach(A. L.) ist Gegner des Projekts II. mit einem kleine» Teil seiner Fraktion, verwahrt sich aber gegen jeden Verdacht der Obstruktion. Vor sechs Jahren habe die Versammlung eine ähnliche Vorlage, die noch dazu bloß 400 000 M. kosten sollte, bloß des Reitweges wegen abgelehnt und selbst Herr Heutig, der Bürger parteiler, habe sich für die Beseitigung ausgesprochen. DaS war 1895; gehen weitere 6 Jahre ins Land, so werde der jetzt auf die Hälfte zusammengeschwundene Reitweg wohl ganz verschivunde» sein und dann sei der Zeitpunkt gekommen, dem Projekt näher zu treten. Mit Singer müsse er auch den opulenten Anschlag von 800 000 M. für die bloße llmpflasternng sehr stark beanstanden. Das Aine»den,cnt Sachs könne er nur bedingungsweise acceptieren. Stadtv. Mommsen(Fr. Fraktion): Mir der Straßenbahnfrage darf die Umgestaltung der Linden nicht verquickt werden. Wir ent scheiden die letztere Frage lediglich nach unsrer sachlichen Ueber zeuguug und nicht um dem Kaiser gefällig zu sein. AuS ganz allgemeinen Gründen halte ich eine endliche Beseitigung der desolaten Zustände des Pflasters und die Verbesserung der Verkehrs Verhältnisse für unbedingt erforderlich, und da ist das Projekt II das einzig Richtige. Stimmen Sie dem Ausschußantrag zu, aber nicht dem Amendement Sachs, denn die Nasenstreifen tragen zur Verschönerung der Straße wesentlich bei. Mit Byzantinismus hat die Entscheidung nichts zu thun. Stadtv. Roscnow(N. L.): Der Hauptgrund für meine Nichtteilnahme an der erneuten Beratung ist die scharfe Be- ton, mg des UmstandeS in, Ausschuß gewesen, daß der König es anders gewollt hat.(Sehr gut!) Es bleibt bestehen, daß die neue Beschlußfassung in, Ausschüsse unter dickem Druck stattgesimden hat. Man hätte doch vor allem den Ausschuß nickit in die peinliche Lage bringen sollen, seinen früheren Beschlutz umzustoßen. Den Reitweg hat die ganze Versammlung perhorrcsciert, er ist auch all- mählich schmaler geworden: nach'10 Jahren kann er ja ganz ver- ichwunden sein. Warle» Sie also doch auch ab! Die Beseitigung des Lastweges ist doch kein Vorzug, wenn damit der Lastverkehr auf den Fahrdamm gedrängt wird. Die Verbreiterung des Bürgersteiges ist in der Leipzigerstraße viel nötiger; die Promenierenden können sich doch der Mittelpromenade der Linden bedienen. Der Reitweg muß be- eitigt iverden, mit der Verschmälerung wird er verewigt. Die Stadtverwaltung hat eine solche Behandlung von oben erfahren, daß ein Unifall der Versammlung selbst und in dieser Frage uns in der ösientliche» Meinung fast unheilbar diskreditieren müßte. tadtbaurat Krause: Es handelt sich nicht um einen Wunsch des Kaisers, den Sic erfüllen sollen, sondern um eine Vorlage des Magistrats. Den Reitweg könne,, wir nicht besciligen, wir können aber seine Unzuträglichkciten ganz wesentlich vermindern. Die Verbreiierung des Bürgersteigs um 3 Meter ist die Erfüllung der zweiten langjährigen Forderung der Bürgerschaft. Eine einheitliche Fahrstraße fördert auch den Lastverkehr, statt ihn zu er- schweren. Die Kassierung der mittleren Baumreihen ist nicht zu um- gehen. Der nördliche Fahrdamm ist seit 1873 nicht»»»gepflastert es ist die höckiste Zeit dazu. Der Kostenansäilag für die Pflasterung selbst erreicht bloß 600 000 M., er ist auch nicht gefärbt und ich über- ehme dafür die volle Verantwortung. Es muß doch, alle politischen Erwägungen bei Seite, etwas für die Linden geschehe», und zwar auch bezüglich des Reitweges und des südlichen Fahrdamms. Oberbürgermeister Kirschner: Wir bedürfen der Zustimmung der Regierung zu jeder Veränderung Unter den Linden. Wenn ich nnt Siwcrheit erfahre, daß wir diese nicht zu erwarte» haben, ist es meine Pflicht, den beschließenden Instanzen davon Kenntnis zu geben. Wäre etwa Projekt I angenommen und die Genehmigung wäre ver- weigert mit den, Znsatz:„Wie bereits dann und dann de». Ober bürgermeister eröffnet worden ist", wie wäre man da über mich her> gefallen.(Stadtv. S i n g e r: Ich bitte ums Wort!) Dann scheint man zu glauben, der Kaiser mische sich hier„»befugt ein. Das ist nicht richtig. Nach dem Vertrage nnt dem Fiskus von 1875 darf die Stadt ohne die Zustimmung des Staates an der Straße Unter de» Linden nichts ändern: m>d daß hier unter de», Staate Se. Majestät der Kaiser ver- standen ist. weiß jeder(Hört, hört!>— ich sage Ihnen damit nichts Neues.(Rufe: Nein, nein! und große Heiterkeit.) Von einen, angemaßten Recht kann also gar keine Rede sein. Kompensationen' zu fordern, ist ganz verfehlt. Es handelt sich gar nicht nm einen dringenden Wunsch des Kaisers, aber auch grundsätzlich ist dieser Standpunkt ganz falsch, denn wir haben das Projekt vorgelegt, weil wir die Ueberzeugung gewonnen habe», daß hier ein wunder Fleck der Besserung bedarf. Nicht den, Kaiser, sondern der Bürgerschaft zu Liebe wolle» wir vor- gehen. Der Zustand der Linden' entspricht nicht der Würde der Stadt. Das� jetzt empfohlene Projekt hat bisher an, meisten sich der allgemeinen Zustimmung erfreut. Aufgeschoben kann die Unigestaltimg nickt gut werden; es ist das Erreichbare, stimmen Sie ihm zu!(Beifall.) Stadtv. Tinse spricht sich für die bloße Dammpflasterung aus und polemisiert gegen den Reitweg. Darauf wird ein Schlußantrag angenommen. Stadtv. Hugo Sachs zieht feinen Antrag zurück. Stadtv. Singer persönlich: Ich habe bei der Kritik des Projektes III den ganzen Anschlag, nicht bloß die Pflasterkosten im Auge gehabt. Von den, Oberbürgermeister habe ich nicht verlangt, daß er die Aeußerungen des Kaiser? in seiner Brust verwahre» sollte; ich habe nur bedauert, daß er diese Aeußerungen des Kaisers offiziell und amtlich zur Einwirkung auf e» Ausschuß dort bat mitteilen lassen.(Unruhe und Widerspruch.) Der Oberbürgermeister hat>»ir vorgehalten, ich begriffe nicht, daß in den jetzigen Verhältnissen Staat und Kaiser...(Vorsteher Langer- haus: Das ist keine persönliche Bemerkung. Sie dürfen nur Unwahr« heiteurichtig stelle» I) Ich werde natürlich nicht die Behauptung aufstellen. daß der Oberbürgermeister Unwahrheiten gesagt hat. aber ich habe doch das Recht. Aeußerungen, die mir persönlich gegenüber gefallen sind, zu berichtigen. Ich weise darauf hin, � daß ich allerdings gewußt habe, daß Ludwig XIV. das Wort o'esd moi gesprochen hat.(Großer Lärm, andauernde Schlußrufe und Rufe: DaS ist nicht persönlich I Vorsteher LangerhanS: DaS ist keine persönliche Bemerkimg.) Schön. Es ist ja überhaupt eigen- tümlich, daß Sie einen» Kollegen,, auf den von allen Seite» losgehaueu worden ist, das Wort zur Sache ab- geschnitten haben.(Fortdauernder Lärm und Unterbrechungen und Glocke des Vorstehers.) Ich füge mich de», Wunsche des Bor- stehers und breche ab. Ich sage bloß noch persönlich dem Kollegen Sachs, daß ich mich weiter nicht wundere, daß er und seine Freunde über den Hubertusstock springen. Wir springen nicht darüber!(Stürmische Heiterkeit und lärmende Zurufe.) Vorsteher LangerhanS: Herr Singer, die letzte Bemerkung wa eine Kränkung eines großen Teils der Versammlung; jch muß Sie zur Ordnung rufen. Darauf erfolgt die„ a m e n II i ch e Abstin, mung über die Vor» läge. Dieselbe wird mit 64 gegen 51 Stimmen a u g e n o in m c n. Mit N e i n stimmen Vorstehrr Dr. L a n g e r h a u s, Vorsteher- Stellv. Michelet, Aug» st in. Barth', Bracke, Bruns, Deter, Dinse, Drenske, Duponl, Eckard, Ewald, f a s q u e l. Dr, F r e u d e n b e r g, F r i e d b e r g. F r i t s ch. arl G o l d s ch m i d t(I). H e i m a n n. H e r b, g, H i n tz e, Hoff mann, Hamann, Iben, Koblenzer. Körte. Kämpf. Kreitling, Littmann. Marggraff, Mertens, M a h b r i n g. Dr. N e u m a n n. Dr. Paul, Dr. Preutz, Raaz. Reimann. Riemer, Rosenow, Max Schulz(I). Gottfried Schulz(II), Singer, Stadhagen, Tolksdorf, Ullstein. Paul Ulrich(I). Wallach, Wille, Wilkowski. Wurm. Zubeit. 3 Y l i c z. D,e übrigen Gegenstände der Tagesordnung werden vertagt. Schluß 9 Uhr.__ Sociale Vechkspftege. Infolge Bruches des linken Oberschenkels bezog der Arbeiter G. von der norddeutschen Holz-Berufsge Nossen« s ch a f t eine Rente von 30 Proz. der Vollrente für Unfallverletzte. Das Bein ist um 3>/s bis 4 Centimeter verkürzt, was zun, Teil durch eine Beckensenkung ausgeglichen wird. Mit Hilfe einer er- höhten Sohle kann der Verletzte einigermaßen gehen. Nach weniger Zeit setzte die Berufsgeuossenschaft die Rente auf 20 Proz. herab, weil die Muskulatur sich gekräftigt habe. G. legte Berufung ein, worauf daS Schiedsgericht noch-in Gutachten einholte. Der Snch- verständige stellte als eine wesentliche Besserung fest, daß die Muskulatur des linken Beines jetzt genau so stark sei, wie die des rechten. Wenn sich G. noch über Unbequemlichkeiten beschwere, dann wären diese doch mit 20 Proz. genügend entschädigt. Das SchiedS- gericht billigte darauf die Herabsetzung der Rente auf 20 Proz. Nun- inehr wandte sich G. noch an das Reichs-Versicherungsamt und betonte unter anderm, daß er für das Schuhwerk große Ausgaben »jachen müsse. Der Senat verwarf den Rekurs mit der Begrün- düng, daß die Rente von 20 Proz. genüge, und daß Kläger, wenn er erhöhte Ausgaben für das Schuhwerk infolge des Unfalles habe. wegen Ersatzes der Kosten bei der Berufsgeuossenschaft einen darauf bezüglichen Antrag stellen solle. Uetzke ZtaifzviitzkVN und Dopeschen. Gemeinde, atswahl in Gera. Gera, 23. November.(B. H.) Bei den heutigen GeineinderatS« wählen wurden ein Socialdrmokrat und 13 Bürgerliche gewählt. Die französische Deputiertenkammer dankt den Plünderer«! Paris, 23. November.(W. T. B.) Die Interpellation Berry betreffend die Weigerung des Verwaltnngsrats des Haager Schiedsgerichtshofes, dem bekannten Antrage der Boeren statt- zugebe», wird bis zur Beratung des Budgets des Aeußer» verschoben. Die Kannner nimmt sodann die Beratung der Anleihe« vorläge wieder auf. Schließlich gelaugt der Gesetzentwurf z»r Annahme mit 335 gegen 213 Stinnuen. La fies beantragt, daS Hanö solle dem Chtna-SxprditionSrorps seine Dankbarkeit ausspreche»; dies würde der Armee eine Gcuugthnuiig für die ihr zugefügte» Beleidigungen biete» und den KriegSmiuister aus seiner Gleichgültigkeit aufrütteln.(Lärn, und Widerspruch.) Ministerpräsident W a l d e ck- R o u s s e a u erklärt, die Regierung habe die Verdienste deS Expeditiouscorps bereits nach Gebühr anerkaiint.(Bei- fall und Zwischeuruse.) Es stehe dem Parlament nicht zu, ein Urteil z» fällen. B e r t e a»i x(Socialift) unterzieht das Verhalten(der Missionare einer absprechenden Kritik; er hofft, daß die Kammer sich tadelnd über die Handlungen derselben aussprechen werde. Ainiond bringt folgende Tagesordnung ein:„Die Kannner schließt sich der von der Regierung dem chinesischen Expeditions- corps gezollten ehrenden Anerkennung an." Waldeck-Rousseau erklärt sich mit dieser Tagesordnung einverstanden, welche darauf mit 509 gegen 26 Stimmen angenommen wird. B c r t e a u x beantragt, an die Tagesordnung anzufügen:„Die Kammer verurteilt die Haltung der Bischöfe und Missionare, welche sich des Diebstahls und Plünderungen schuldig gemacht haben." (Zurufe rechts.) Der Antrag Berteaux wird mit 314 gegen 163 Stimmen abgelehnt und die Sitzung hierauf geschlossen. Skandal in der belgischen Kammer. Briiffcl, 23. November.(W. T. B,) In der heutigen Kammer» sitznng kau, es gelegentlich der Festsetzung der Tagesordnung zu lärmende» Auftritten. Der Ministerpräsident verlangte, daß nach dem Budget der„Mittel und Wege" die zweite Lesung der Militär- vorläge stattfinden solle. Der Socialist van der Velde erklärte, seine Partei werde in keine Beratung des Budgets der„Mittel und Wege" eintreten, bevor die Regierung nicht ihre Geneigtheit ausgesprochen habe, daS allgemeine Wahlrecht einznsübren. Nach einer heftigen Anseinandersetzung zwischen dem Ministerpiäsideuten und van der Velde erklärte unter großen, Lärmen Woeste, seine Partei werde sich Mann für Mann um d i e N e g i e r u n g scharen, um der Revolution Widerstand zu leisten. V a n d e r V c l d e erwiderte, Liberale und Socialisten würde» zusammen mit alle» gesetzliche» Mittel» die?>»- »ahme des Budgets zu verhindern suche». Der Socialist Ealuwaert, der den Abgeordneten C a r t o n eine» Lügner genannt und sich geweigert hatte, diesen Ausdruck zurückzunehmen, wurde zur Ordnung gerufen. Der Progreffist Fsron erklärte, das Plnral-Wahlsystem habe so viele Betrügereien i», Gefolge, daß sich alle, die sich demselbeii angeschlossen hätten, jetzt dagegen auflehnt,-. Der Minister des Innern, de Trooz. ver- suchte hierauf zu sprechen, wurde aber von den Socialisten, welche auf ihre Pnltdeckel schlugen und„Regle», ent. Röglement I" sangen, daran verhindert. Der Präsident schloß hierauf die Sitzung init der Erklärung, daß der Minister morgen sprechen werde. Die Antwort der Boeren. London, 28. November.(W. T. B.) Der Oberkommandicrendt in Kapstadt hat de», KriegSamt telegraphisch gemeldet, er habe ein Schreiben Touches erhalte», in welchem dieser niitteilt, daß er zwei englische Soldaten, die gefangen genommen ivarcn, nm 16. November in Tordrrcht habe erschießen lassen. Wie», 28. November.(B. H.) Der hiesige angesehene Hof- und GerichtSadvokat Dr. Richard Mandl ist plötzlich verschwunden. Derselbe ist verdächtig, sich Gelder auS einer Konkursmasse angeeignet zu haben. Lemberg, 23. November.(B. H.) DaS von einem hiesigen Damenkomitee beschlossene Protestmeeting der polnischen Mütter gegen die Behandlung der Polen in Preußen soll an, nächsten Sonu- tag hier abgehalten werden. Marseille, 28. November.(B. H) Die Mannschaft des Dampfer« Pareire" der transatlantischen SchiffahrtSgesellschaft ist in den Streik eingetreten. Konstantinopel, 28. November.(Meldimg des Wiener k. k. Telegr.-Korresp.-BureauZ.) Gestern abend ist hier ein Pestfall fest- gestellt worden. St. LouiS, 28. November.(W. T. B.) Der Präsident der Wabash. St. LoiiiS and Pacific-Bahn teilt mit, daß nach den an ihn gelangten Berichten bei den, in der letzten Nacht erfolgten Eisenbahn« Zusammenstoß nicht mehr als 86 Personen getötet»nd Z6 ver- letzt seien. Veraniworilicher Redacleur: Carl Leid in Berlin. Für den Snseratenteil verantwortlich:»h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen». llii, erhall, ingsblatt. Nr. 279. 18. Iahrga«g. l. KilM Des Jtmüits" Serlim lolksNott Freitag, 29 JajrmDrt 190!. Veichstsg. 99. S i tz n n g vom Donnerstag, den 28. November 1991, nachmittags 1 U h r. Am Bnndesratstische: Graf Posado wsky. Zunächst wird die S t r a n d u n g s o r d n u n g in dritter Lesimg debattelos aiigeiionnnen. Ebenso in der Gesamtabstiinmnng. Die zweite Lesung der S e e m a n n s o r d n u n g mit den dazugehörigen Gesetzen wird hierauf fortgesetzt mit der am Dienstag abgebrochenen Debatte über§ 4 betresfcnd die Seemanns- ä n, t e r. Abg. Cahensly sC.) hat seinen Antrag dahin abgeändert, dah der eine der Beisitzer,„falls d a s V e r f a h r e n s i ch gegen einen S ch i f f s ,n a n» richtet, den Kreisen der scebefahrenen Schiffsleute zu entnehmen ist". Der Antrag A l b r e ch t(Soc.) verlangte„zwei Schöffen, von welche» der eine den Kreise» der scebefahrenen Schiffslente ent- nommeu werden mnst", ferner Entschädigung der Schöffen tReisekosten nnd je 5 Dd pro Sitzung) sorvic O e f f e n t l i ch l e i t und Mündlichkeit der Verhandlungen vor den Seemanns- ämtern. Abg. Nettich sk.): Ich stehe durchaus auf dem Boden der socialen Fürsorge für die Seeleute, aber diese Fürsorge muff eine Grenze haben und das ist die DiSciplin. Der Herr Abgeordnete Metzner hat die Disciplin neulich viel zu sehr en bagatelle behandelt. Es ist mit der Disciplin durchaus unvereinbar, daß ei» Schiffsmann zu Gericht sitzt über«inen Kapitän oder auch audrc Seeleute. Im erstcren Fall wird er versucht sein, zu strenge, im letzteren Fall zu milde zu urteilen. Ich werde daher gegen die Anträge der Socialdcmokratie und auch gegen den Antrag EahenSlh stimme». Abg. Cahenöly(E.) sieht keinen Grund ein. weshalb sein ab- geänderter Antrag nicht angenomnien«verde» könnte. Für die Oeffent- lichkeit der Verhandlung trete ei» Centrumsantrag bei einem späteren Paragraphen ein. Äbg. Raab(An!.): Es genügt, wenn wir jetzt den Antrag Cahensly annehme» und dann später den Antrag Kirsch über die Ocffcntlichkeit der Verhandlung, die ich für durchaus nollvendig halte. Mit der Zuziehung eines Seemanns wird keiueswegs der Be- griff der Standcsgcsetzgebung als neuer Begriff eingeführt. Was ist denn die ganze Militär-Strafgesetzgebnng andres als eine Standes- gcsetzgebuug. Für die Seelente mit ihren besondren Verhältnissen ist eine besondere Gerichtsbarkeit auch durchaus wünschenswert. Bundesrats-Bevollmächtigter für Bremen. Senator Dr. Pauli: ES könnte scheinen, dast der Antrag EahenSlh den neulich auch von meiner Seite geäußerten Bedenken entgegenkommt. Für mich ist aber die Hauptsache, daß hier gesetzlich festgelegt«Verden soll, es soll in allen Fällen ein Seemann hüizugezogen«verde». Das halte ich auch in diesem beschränkten Maße nicht für richtig. Geh. Ober-Regiernngsrat Dr. DnngS bittet, sänitliche gestellten Anträge, auch den Antrag Cohensly, abzulehnen. Die Verhältnisse der Seeschiffahrt sind keinestvegs so eigenartig, daß eine besondre Standesgesetzgebung, die«vir principie'll Verivcrfen, auch mir not wendig wäre. Abg. Dr. Herzfeld(Soc.): Auch die KommissionSfassnng, für die ja die Regierung selbst eintritt, will ja nichts andres als ein S t a n d e s g c r i ch t, das außerdem noch ein Klaffengcrtcht«Verden«vürde Änch allen Aus- fühniugen. die«vir bisher von der Regierung gehört haben, ist es ganz ziveisellos, daß in dem Seemannsamt kein Seemann, sondern nur Kapitäne nnd Offiziere vertrete» sein werden. Gegen ein solches Klassengericht müssen«vir uns auf das entichie denffe«venden. Wenn die Disciplin nur durch ein solches Klasse»» geruht aufrecht erhalte»«Verden könnte, dann sage ich: Zum Tcnfel mit einem solchen Gericht. Für die Fähigkeit der Arbeiter, objektiv Recht zu sprechen, sind die Geiverbe-Gerirlite ein leiichtendeS Beispiel. Es ist interessant, die Geschichte dieses Paragraphen zu verfolge««. Die erste Kommission nahm mit Hilfe des E e n t r» m S einen Antrag an,«velcher sich«vörtlich mit unserem Antrage deckt. Als dann vor einem Jahre der neue Entivurf eingebracht «vnrdc, erklärte der Abg. Kirsch«vörtlich. seine Fraktion«vürde im großen nnd ganze» für die Sceschöffengerichte eintreten. Das sind eben die Gerichte, die«vir jetzt in nnsrem Antrage schaffen «vollen. AIS dann aber ein großer E n t r ü st u n g s st u r m a n S Reederkrcifen gegen diesen Paragraphen laut wurde nnd auch die Vertreter für Hamburg nnd Bremen, für letzteres Herr Senator Pauli, den Standpunkt der Reeder ans das nachdrücklichste vertraten, fiel daö Crntrnm in der zweiten Lesung um, «vährenh. es noch in der ersten Lesung an dem frühere» Standpunkt festgehalten hatte. lHört! hört! bei den Socinldcmo- kraten.) Was sind das aber dann für Verfehliiugen. über die in de» Secmannsäinteril abgeurteilt«verde» soll, das sind doch gerade Ver- gehnngcn der Reeder und Kapitäne gegen die in der Seemanns- Ordnung ausgeführten Schntzbestimmnngen. Ist es da ctivas Unerhörtes, daß hier auch ein Seemann niitiirteile» soll? Nein, es ist einfach eine Forderung der Gerechtigkeit! Das Centrum thäte«virtlich besser, sich über die Meinnngen der Regierung vorher z» verständigen, wenn es doch schließlich immer in ihrcin Sinne stimmt.(Sehr richtig I bei den Socialdemokratcn.) Vertreter fgr Bremen Senator Dr. Pauli: Ich habe zwar gesagt, daß in manchen Fällen die Zuziehung eines Seeninnues als Beisitzer«vünschenSivert sein kann, habe mich aber sehr entschieden dagegen geivnndt, daß diese Zuziebnng für alle Fälle gesetzlich fixiert«vird. Ans diesem Standpunkt stehe ich auch beute. Davon, daß ich mit besonderer Lebendigkeit mich in der Kommission gegen diese Bestimmung geivaudt hätte, ist mir nichts bekannt. Jedenfalls aber halte ich«s im all- grineinen für durchaus unangebracht, daß man Gegnern immerfort unlautere Motive nutcrschiebt, statt anzunehmen. sie bandelten ans sachlicher Uebcrzeugnng. Ich kann nur nochmals betonen, das meine Stellung in dieser Frage mit dem Standpunkt der Reeder nichts zu thun hat, sie entstammt lediglich ineincr sachlichen lleberzcugung. Abg.' Kirsch(C.): Die Darstellung des Herrn Herzfeld über die Stellung meiner Freunde zu diesem Paragraphen«var ganz unrichtig. Als wir für die Seeschöffengerichlc eintraten,«varen wir der Meinung, daß diese Institution möglichst durch neues Gesetz im Interesse der Seeleute ausgestaltet«verde» möge. WaS sie jetzt baden. ist gar nichts. Wenn Sie auch einen Seemann hinzuziehen, so bleibt eS doch ein Secmaiinsamt. DnS gerichtliche Verfahren tritt erst nach erfolgtem Einspruch gegen den Entscheid des SecmannsamteS ein. Es ist ein eigcntüiiilichcr Borgang, daß hier ei» Abgeordneter Aeußernngen aus einer Kommission, die nicht weiter gekommen ist als bis zur vorläufige» Aussprache über einzelne Paragraphen, als positive Ruschnnung der betreffenden Partei«vieder- giebt.(Sehe richtig! im Ceinrnin.)— UebrigenS schließt der social- demokratische Antrng einen so sachverständigen Mann«vie z.B. Herrn Metzger von dem Ämte eines Seeschöffen aus. da nur„seebefahrene Schiffslente" dazu genommen«verde» sollen. Abg. Metzger sSoc.) fuhrt noch einige Belege für die Rechtsprechung der Seemannsämter an. Ei» Seemann«var wegen aiigeblichcr GeholFamsvcrivcigermig zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ter Thatbestand war folgender: Nack' beendete,» Wachtdienst tvurde er beauftragt, noch Kohle» vom Staub zu reinigen.„Kaum hatte ich begonnen'.' sagte er aus.„als der erste Maschinist mir sagte, ich solle schneller arbeiten. Ich erklärte, ich wäre müde und hungrig. Darauf fragte er, ob ich nicht arbeiten»volle, trat ganz nahe an«nich heran und erhob die Hand, als wolle er mich schlagen. Als ich Anstalten niachte, mich dagegen zu«vahren. fuhr er mich an und schlug mich mehrercinal tnS Gesicht. Ans de», entstandeden Lärm hin rief der Kapitän den Maschinisten zu sich, darauf auch mich, und warf mir vor, ich hätte den Gehorsam ver- «v e i g e r t. Als ick« micki über die Mißhandlung beschivercn«vollte, verbot er mir den Mund. Das Seemannsamt hat mir dann 25 M.«vegen Gehorsanisvcriveigcrmig von der Heuer abgezogen. Als ich mich verantivorten«vollte, fuhr m i ch d e r Vorsitzende an: Wenn Sic nicht gleich das Manl halte» und machen, daß Sic herauskommc», werde ich Ihnen etwas andres zeigen.(Hört! hört I bei den Socialdcmokraten.) In einen, andren Falle«vmde ein Seen, am, auch mit 29 M. bestraft,«vcil er bei hohen, Seegang sich geweigert hatte, von außen die Fenster zu reinigen. Das Schöffengericht in Hambürg sprach ihn aber frei' und erkannte. daß keine Verweigerung vorliegt, daß die Arbeit sehr gut hätte aufgeschobe» werde» können. Herr Graf v. Posadolvsky hat wie sei» Vorgänger. Herr v. Boetticher, die von uns aiigegcbcnel, Urteile Uebertreibungen genannt, da es sich mn Strafe» von 39 M. handelt. Es ist nicht richtig, daß in der Kommission der Bclvcis erbracht ist, daß die Strasc» sich in der Höhe von 3—5 M. bewegt habe». Im Jnbrc 1898 war dieTnrch- schnittöstrafe 27 M. pro Mann, 1899 18 M. und 1999 17 M. Strafen von 5 M. können hiernach überhaupt nicht vor- gekonimen sein. Durch das öffentliche Gerichtsverfahren bei den ScemannSämtcrn würde keineswegs die Disciplin ver- letzt, denn da»» müßte dieselbe unter dem öffentlichen Militär- gerichtsverfahrcn erst recht gelitten haben.(Sehr richtig! bei den Socialdemolraten.) Staatssekretär Graf PosadoivSky: Meine Herren, ich zweifle keinen Augenblick daran, daß es Kapitäne giebt, die unvennmftige Forderungen a» ihre Mannschaften stellen, und ebenso wohl weiß ich, daß nicht jeder Richter ein Salomo ist. Wem, aber Drohungen von Kapitänen vorgekoinmc» sein sollte» in Fällen, wo Seeleute den Rechts«,>cg gegen die Entscheidung eines See»,a»»sa»itcs an die höhere Instanz beschreiten«vollten, so liegt darin,«vie ich bereits vor- geften, gesagt habe, das Vergehen derNötigung, bei dembereits der Versuch strafbar ist. In solchen Fällen kaiin ich de» Seclcnten nur anheimgeben, ihre Rechte auf gesetzliche», Wege geltend zu machen. Abg. ölaab hat de» Gedanken einer vollständige» Standcsgesetzgebung für die Seeleute entwickelt. Dieser Gedanke ist durchaus mittelalterlich nnd für die Regierung unannehmbar. Es wird sich zivar i» vielen Fällen als prallisch eriveisen, Seeleute, die besonders als geeignet dazu erscheinen, z» den Seemannsämtern hmznznziehci». Jedoch «vird diese Hinzuziehitiig niehr den Charalter einer Hinzu- ziehung von Sachverständigen haben, wie sie auch bei den Gerichten vorkommen. Abg. Dr. Herzfeld(Soc.): Auch«, ach den neuerlichen Ausfühnnige» des Herrn Dr. Pauli muß ich dabei bleiben, daß der K o m nr i s s i o» s b e s ch I u ß lediglich den Interessen der Reeder gerecht«vird. Herrn Abg. Kirsch muß ich durchaus das Recht bestreite», sich dar- über zu entrüsten,«venn ich ihn» seine eigenen Aenßcrimgen in der Kommission vorgehallcn und danach von eine», Unifall des Ceulriims gesprochen habe.. Ist es ctiva kein U m f a l l, wenn eine Partei im P l e n u m das verwirft, was sie in der K o», m i s s i o n beschlossen hat? (Beifall bei den Socialdeniokrate».) Abg. Raab(Antis.) tritt nachmals für den Antrag EahenSlh ei». Nach dem Schlußwort des Referenten Al g. Dr. S e n, l e r(natl.) «vird der Antrag Albrecht und Genossen gegen die Stimmen der Freisiimigen und' Socialdemolraten abgelehnt. Ter Autrag Eaheusly wird danach gegen die Stimmen der .Rechten, der Nalioiialliberale» und einiger CentrumS-Abgeordnctcn angenommen, ebenso der dadurch abgeänderte Kommissionsbcschluß. Absatz 3 des§ 4 bestimmt ii, der Koinmissionssassnng:„Ist ein Konsul Mitinhaber oder Agent der Reederei des Schiffes, so. ist er von der Wahrnehmimg der Geschäfte eines SeemainiSamteS in Bezug auf dieses Schiff äusgeschloffe»,«venu von dem bcschwerde führenden Schiffsoffizier oder der Mehrzahl der bcschiverdesiihrcndcn Schiffslente gegen seine Milivirknng Widerspruch erhoben wird. Ei» Antrag Albrecht will statt der Worte:.wenn von bis Schluß" setzen:„in diesen, Falle entscheidet der Schiffsrat, welche» der Kapitän nnvcrznglich aus de» SchiffSosfizicrcn und einer gleiche» Zahl von seebefahrenen Schiffslente,, zu bilden hat." Abg. Metzger(Soc.): Es handelt sich hier»m die Fälle,>vo von seiten der Mannschaft oder der Offfzicre Beschivcrde geführt «vird gegen die Beschaffenheit des Schiffes nnd der Konsul ent- scheiden solle,«ver die Ilntersuchung vornimmt und in«velcher Art sie vorgenonnnen«verde» soll. Die Fassung der Konnnissioi, trifft nicht den Kernpunkt. Es handelt sich bei de», von»ns vorge- schlage»«» Schiffsrat nur u», eine Notbehörde, und ich glaube, Sie könnien nnsrem Antrag ohne jedes Bedenke» ziistimmcu. UnlerstaatSsckretär Rothe: Ich bitte Sie, de» Antrag abzu lehnen. Dieser Schiffsrat wäre eine ganz„enc Organisation, eine Art von souveränen, Schiffsparlament, von der ans es keine Bc- rnfinlg giebt. Es ist auch nicht auögcschlosse», daß in diesen Schiffs- rat einige Beschivcrdcfnhrer selbst hineinkouimen. Aug. Frcrse(frs. Vg.):' Auch ich halte diese neue Einrichtung des Schiffsrats für sehr bedenklich. Es sollen hier«venigstens znin Teil die Alckläger selbst Züchter«verde«,. Wie soll es ferner gehalten «verde,,, wein, der SchiffSrat i» sich selbst»»einig ist? Es köniite ganz gut dahin koiNMen, daß ein ganz gntes Schiff für secnntüchtig erklärt wird. Es ist doch ganz auLgcschlossc», daß ein Kapitän heute mit einen,«cemitüchtigen Schiff«veiter zu fahren ge neigt ist. besonders da«vir heute zum größte«, Teil die Selbstversicherung haben. Uebrigcns dürfte es kain» einen Fall geben, in dem ei«, Konsul Mitinhaber oder Agent einer Reederei wäre. Abg. Lchwartz- Lübeck(Soc.): ES kann sehr gut vorkommen. baß cin ganz gutes Schiff so verkehrt geladen«vird, daß die Mann- schaft sich sagt, mit diesen, Schiff iverden wir den nächsten Hafcn kau», mehr erreichen. Heute sind die Seeleute nicht in der Lage, ei» solches Schiff zu verlassen. In solchen Fällen«miß eine B e schiverdez» lässig sein, ebenso dann,«vei», der Proviant verdorben ist. Ist es doch vorgekommen, daß Kapitän und viele See- leute an verdorbenem Proviant gestorben sind. Daher ist unser Antrag durchaus notwendig. Er enthält das Wenigste, waS die Seeleute verlange» können.(Sehr richtig! bei den Socialdeniokrate».) �, In der Abstinunnng wird der Antrag Albrecht gegen die Stimme» der Socialdemokraten abgelehnt, Absatz 3 des§ 4 in der Konnnissionsfassniig angenommen, ebenso der gesamte 8 4; ZZ 5 bis 9 werden»»verändert angenomnien. 8 19 bestimmt in der KommiisiönSfassung: Der Kapitän oder ei» Vertreter der Reederei und der Schiffsinann müssen bei der Musterung zugegen sein." Abg. Hcrzfeld(Soc.) beantragt, statt„ein Vertreter"! zu setzen:„ein zun, Abschluß von Heue, Verträgen bevollmächtigter Vertreter" und am Schlüsse»ach„zugegen sein" hinznzusiigei,„ge- werbsmäßige Stcllenvermittler dürfe» als Vertreter nicht bestellt «verde»". , Abg. Schwartz- Lübeck(Soc.): Früher haben die Kapilän'e stets selbst die Seeleute angemustert. Heute sind sie zun, Teil z» RepräsentatioiiSpersonen geivorden. Da- her müsse«,«vir verlange», daß zum«venigsten„bevollniächtigte Vertreter" von ihnen zur Henerung geschickt werden. Ebenso bitte ich Sie, der zlveiten Forderung unsreS Antrages zuzustimmen. Staatssekretär Graf Posadowöky: Ich keime die Stimmung des HaliseS gegenüber dem Antrag Herzfeld nicht, nehme aber aii, daß wenn der Antrag angenommen«verde» sollte- unter den geiverbS-' mäßigen Stellenvermittlern, die als Vertreter ausgeschlossen sein solle«!, nicht gen, eint sein sollen die Vertreter der vo» den Reedern organisierten'Hencrbnreans, ebensoivenig«vie die Vertreter der Arbeitcrsekrctanate als gewerbsmäßige Slelleuvermittler«verde» angesehen werden können...•■ Abg. Schwark- Lübeck(Soc.) bestätigt, daß nach dem Autrage Herzfeld unter den geiverbSniäßigei, Stelleiiveriniitlern nicht verstanden«verde» sollen die Vertreter von HciierburcaüS,«vie sie z.B. der Norddeutsche Lloyd und die Hainburg-Amerika-Ltnie eiiigerichtet haben. Der Antrag Dr. Herzfeld«vird angcnomincn und ebenso die Konimissionsfassung des 8 19 in der durch den Autrag Dr. Herzfcld modisizierte» Form. Die 88 11—24«verde» ohne Debatte a>, g e«, o in», e n. 8 25 handelt von dem V e r t r a g s v e r h ä l t n i s. Er lautet in der Kmnmisfionsfaffung:„Die Gültigkeit des Hcucrvcrtrages ist durch schriftliche Abfassung und durch den„achfolgenden Vollzug der An», Ilster,»ig nicht bedingt. Jedoch ist de», Schrffsinam, bei der Anheuernlig ein vo» dem Kapitän oder den, Vertreter der Reederei ausgestellter und unterschriebener Auslvcis zu geben, welcher enthält: Namen des Schiffes, Angabe der Diciiststellung. Angabe der Reise oder Tauer des Vertrags, Höhe der Heuer, Zeit und Ort der An- mustcrniig." Abg. Hcrzfeld(Soc.) beantragt, statt„dem Vertreter. zu setzen, den, zur Aushenerliiig bevollmächtigte» Vertreter und zum Schluß hinzuzusügen:„Zeit des Dienstantritts." Ein Antrag A l b r e ch t(Soc.) will den Paragraphen nach.enthält" «vie folgt fassen:„Name und Nationalität des Schiffes, Name des Kapitäns, Angäbe der Dienststellung. Angabe der Zahl der see- befahrenen Schiffsmannschaft, Angabe der Reise oder Dauer des Ver- träges, Höhe der Heuer und des UeberstundenlohneS. Zeit und Ort der Ausmusterung." Abg. Schtvartz-Lübeck(Soc.): Die Aufnahme der von den, An- trag Albrecht vorgesehenen Angaben in den Zuheiierungs-Ausiveis ist vo» Jiiteresie der Seeleute niibediiigt erforderlich, damit diese der Reederei gegenüber in jeder Beziehung sichergestellt sind. Die Seeleute sind durch die Anhenerung auch ihrerseits völlig gebunden, da niit der Anheucrnng in Deutschland die Abgabe eines Musterbuches verbünde» ist und ein Seen, am, ohne ein Musterbuch keine neue Stelle amiehmen kann. Unlerstaatssekretär Rothe: Die Aufnahme sämtlicher von dem Antrag Albrecht verlangten Angaben in den Anheuer«»igsaus«veiS würde vielfach Schwierigkeiten inachen, zumal z» der Anhenerung und der Ausmusterung in der Regel ein mehr oder«vcniger großer Zeitranu, verstreicht, die Zahl der seebefahrenen SchiffSmannschaste« also sich vielfach gar nicht im Boraus wird angeben lasse». Auch eine feste Bestimimmg Über Ueberstundenlöhne wird tu manchen Fällen Scknvicrigkeiten machen. Abg. Frese(srs. Vg.): Die neue Seemannsordmmg vermehrt das Schreivwcrk i» vielen Beziehungen außerordentlich, und wir dürfen es hier nicht ohne Not noch weiter ausdehnen. Jedenfalls werde ich gegen die Aufnahme einiger der von den Socialdemokraten verlangten Beftinimimgen in den AusiveiS eiiitreten. die Zahl der seefahrenden SldiffSmannschast wird vielfach nicht vorher festzustellen sein, ebenso wird der Name dcS Kapitäns nicht immer in den AnS- «veis aufgenommen werden können, da der Kapitän noch im letzte» Augenblick durch einen andern ersetzt«verde,, kann. I» England hat man zu», Schutze der Reedereien gegen schlecht beleumundete Seeleute ein SeefahrtSbnch eingerichtet, in dem die Personalien aller Seeleute angegeben sind. Ans diese Einrichtung beruft sich die Socialdcmokratie, die sich sonst so gern auf das Ausland bezieht, freilich nicht. Abg. Herzfeld(Soc.): Es handelt sich in diesen, Paragraphen danim, eine berechtigte Forde, ring der Seeleute zu erfüllen. Die Fassung der Komimsstvn bedeutet eiucii Kompromiß. De», Seemann muß eine Sicherheit gegeben«verde!, über die B e d i» g»» g e n. z u denen e r g e- heuert ist. Wir.«volle» nur, daß den, Schiffsmann ein schrift- l i ch e r AnSiveis über das gegeben«vird. was auf Grund des§ 12 der SeemannSordnung später in die Musterrolle eingetragen werden muß. Diese Forderung ist doch nichts Unbilliges..Neu ist nur nnsre Forderung, daß milb die Zahl der auf dem Schiffe befindlichen seebefahrenen Schiffslente dem Seemann angegeben«verde,, mutz. Aber auch dieS dürfte kein unberechtigtes Verlangen sein. Ganz wesentlich ist, daß dem Seemann der Uebcrstundeiilohn vorher angegeben«verde,, muß. Wenn hierüber nicht vo» vorneherein bestimmte Abmachungen getroffen werden, so schiveben die betreffenden Forderungen der Seemanns- ordnung rein in der Luft. Sie können unmöglich verlangen, daß ei» Mann sich heuern läßt, ohne genau seine» Lohn und Arbeits- bedingunge» zu kennen. Ich bitte Sie also dringend, unjren Antrag anzimchmen.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Vertreter für Bremen Senator Dr. Pauli bittet de» Antrag abzulehnen. Abg. CahcnSly(£.): Wir Iverden nur für den ersten Teil dcS Antrages Herzfcld stinnnen, der will, daß der Vertreter ein zu», Abschluß des Vertrages bevollmächtigter ist. Die übrigen Anträge bitte ich Sie abzulehnen. Abg. Schwartz-Lübeck(Soc.) bittet noch», als um Annahme der socialdeinokrätischen Anträge. Besonders»ottvendiA.ist, daß die Zahl der sccbefahrcncn Bemanmmg in das Buch geschrieben«vird. Jeder Kapitän i st in der Lage anzugeben, mit wie viel Leuten er fährt. Die Seeleute verlangen diese Angabe, den» es ist mehrfach vorgcko»»,,«». daß Kapitäne mit z»«vcnig Mannschaft abgefahren sind. Die heutigen englische» Verhältnisse kenne ich nicht genast, früher bestanden eine Reihe Bestimmniige» zu Gimste» ver Seeleute, wie«vir sie nicht haben. Wenn heute dort schivarze Listen geführt«Verden, so ist das eben ein Ausfluß des kapitalistischen Systems. Abg. Raab(Ailt.) bittet die Anträge der Socialdeinokraten anzn« nehmen und nur den PaffnS abzulehnen, daß mich der Name des Kapitäns in da« Heuerbuch eingetragen werden muß. Es kann vor« kommen, daß Mannschaft geheuert«vird für ein Schiff, für das noch kein Kapitän bestimmt ist. Abg. Dr. Stockmaun(Rp.): Die Koinmissionssassnng ist die Folge sehr langer und eingehender Verhandlniige» und ich bitte Sie, nicht davon abzugehen....... In der Abstimmung wird der erste Teil des Antrage» H e r z f e I d(Soc.) a» g e» o>„ m c n, der ziveite Teil dieses An- träges und der Antrag A l b r e ch t(Soc.) abgelehnt. Mit dieser Aenderung«vird§ 25 in der K o m>«,, ss i o n S- fa s s u n g a n g e n o min e n. Die§8 26 bis 29 werden ohne Debatte angenommen. § 3V bestimmt in der K o m n, i s s i o n s f a s s u n g, daß, wenn der angeheuerte EchiffSmann den Dienstantritt länger als 24 Sluiiden verzögert, der Kapitän oder der Reeder zum Rücktritt von dem Heuerverlrag befugt ist. Die Ansprüche«vegen etlvaiger Mehrausgaben für einen Ersatzmann und«vegen sonstiger ans der Verzögerung erivachsener Schäden werden hierdurch nicht berührt. Ein Antrag Dr. Herz seid(Soc.) will»ach dein Worte „berührt".a», Schluß hinznfiige»:„soiveit nach allgemeinen Grund» sätzen Ansprüche«vegen Schadenersatz bestehen." Abg. Dr. H e r z f e I d(Soc.) befürlvortet kurz seinen Antrag, der nur etioaS� Selbstverständliches im Interesse der Seeleute noch ausdrücklich festsetze. Abg. Dr. Semler(natl.): Der Zusatzantrag Herzfcld ver- langt allerdings an und für sich etlvas Selbstverständliches, aber gerade desivegcn sehe ich nicht ein, iniviefer» er de» Interessen der Seeleute etiva noch besonders entgegenkommt. Der Antrag ist über- flüssig.. Der Antrag Dr. Herzfeld»vird abgelehnt,§ 39 in der KomnstssionS- fassnng angenommen.� 4 § 31 lautet in der Fassunq der Kommisston: „Der Schiffsmann, welcher nach der Anmusterung, ohne einen genügende» Entschuldiguugsgrund dem Antritt oder der Fortsetzung des Dienstes sich entzieht, kann auf Antrag den Kapitäns vom See- niannsamte oder wo ein solches nicht vorhanden ist. von der Orts- Polizeibehörde zwangsweise zur Erfüllung seiner Pflicht angehalten Iverden. Die Kosten hat der Schiffsmann zu ersetzen" Abg. Dr. Herzfeld sSoc.) bittet diesen Paragraphen zu streichen. Er beweist uns, daß der Sch i f f sstn ann heute noch nicht als gleichberechtigt mit der großen Mehrzahl der Arbeiter angeschen wird. In den Kreisen der Seeleute hat diese Bestimmung große Erregung hervorgerufen. Nur den ländlichen Arbeitern lind dem Gesinde gegen- über ist eine solche Maßnahme heute noch möglich, und die große Mehrheit des Reichstags hat sich mehrmals gegen' diesen Zustand ausgesprochen. Nun soll der Reichs- tag selbst neues Recht in diesem Sinne schaffen. Ein Rückführnngsrecht in das Dienstverhältnis widerspricht der Civil- prozeß-Ordnung und der Reichs- Geiverbe- Ordnung. Die Bestim- mungen, welche den Sceniaun zum Antritt des Dienstes zwingen, sind so zahlreich, daß dieser Paragraph ganz überflüssig ist. Der Seemann, der mit der Heuer durchgeht, kann mit bis zu einem Jahre Gefängnis verurteilt werden. Der Kapitän kann seine Sachen ei»behalten, ihn verhaften lassen ec. Ich bitte Sie daher dringend, diesen Paragraphen a b- z u l e h n e n.(Beifall bei den Socialdcmokraten.) Abg. Bargmmm(frs. Vp.) schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Der Antrag Hcrzfeld(Soc.), den Paragraphen zu streichen, wird abgelehnt und§31 in der Kommissionsfassnng ange- nommen. § 32 bestimmt in der Fassung der Kommission:„Der Schiffs- mann ist verpflichtet, in Ansehung des Schiffsdienstcs den Anordnungen des Kapitäns, der Schiffsoffiziere und seiner sonstigen Dienstvorgesetzten unweigerlich Gehorsam zu leisten und zu jeder Zeit alle für Schiff und Ladung ihm übertragene Arbeiten zu verrichten. Ohne Erlaubnis des Kapitäns oder eines SchiffsoffizierS darf er das Schiff bis zur Abmusterung nicht verlassen, doch darf ihm in einem Hafen des Reichsgebietes in seiner dienstfreien Zeit, wenn nicht triftige Gründe vorliegen, die Erlaubnis nicht verweigert werden. Ein Antrag Albrecht und Genossen(Soc.) verlangt, im ersten Satz nach„Schiffsdienstes" einzuschalten:„innerhalb des Dienst- zwcigcs, für den er angemustert ist", und als zweite» Satz aufzu- nehmen:„Zu Arbeiten in anderen Dienstzweigen ist er nur bei Gefahr für Schiff, Ladung oder Menschenleben verpflichtet."— Ferner will der Antrag im letzten Absatz bestimmen, daß die Erlaubnis zum Verlassen des Schiffes auch außerhalb der Reichshäfen in der dienst- freien Zeit nur dann verweigertwerden kann. wenn„dringende Gründe" vorliegen. Endlich soll noch hinzugefügt werden:„Wird die Erlaubnis verweigert, so hat der Kapitän die Gründe für die Verweigerung, sobald es geschehen kann, in das Schiffstagebuch einzutragen." Abg. Metzger(Soc.): Unser Antrag enthält eine der dringendsten Forderungen der Seeleute. Heute kommt es häufig vor, daß z. B. Heizer von Deckoffizieren Befehle erhalten, die andren Befehlen ihrer direkten Vorgesetzten widersprechen. Dieser Zustand führt sehr oft zu Zwistigkeiten an Bord und Mißhandlungen der Seeleute. Daher ist es dringend notwendig, daß das ThätigkeitS- gebiet der Seeleute bestimmt abgegrenzt wird. Der Antrag A l b r e ch t wird' hierauf, soweit er sich auf den Absatz 1 bezieht, abgelehnt und Absatz 1 des§ 32 in der Kon, missionsfassung angenommen. Im folgenden Absatz begründet Abg. Dr. S t o ck m a n n(Rp.) einen Antrag, wonach die Erlaubnis zum Verlassen des Schiffes nur nach der Beendigung der Rückreise in einem Hafen dos Reichsgebietes in der dienstfreien Zeit gestattet werden muß, falls nicht tristige Grunde dagegen sprechen. Der socialdemokratische, tvie der Kommissionsantrag, der die Erlaubnis im allgemeinen fordert, würde zur Untergrabung der Disciplin und zur Einschränkung der Fürsorge des Kapitäns für sein Schiff führen. Abg. Schwartz-Lübeck(Soc.) bestreitet, daß die DiSciplin der Schiffsmannschaft durch die Gewährung des Urlaubs auch vor der Rückkehr irgendwie gefährdet werden könne. Der letzte Absatz des§ 32 wird unter Ablehnung des socialdemokratischen Antrages und Annahme des Antrages S t o ck m a n n in der Kommissionsfassung angenommen. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß SVi Uhr.._ Aus Fudupkriv und Handel. Die Reorganisation der Pommerschcn Hypothekenbank ist vom Landwirtschaftsminister genehmigt und gelangen jetzt für die Pfandbriefbesitzer zwei Vorschläge zur Unterbreitung. Es find das folgende: A. Für diejenigen, welche keinerlei Kapitalverzicht aussprechen und den Schaden dadurch beizubringen beabsichtigen, daß sie stir längere Zeit auf die Zinsen verzichten. Dieselben habe» für vier Jahre auf ihre Zinsen und für das Jahr 1906 auf die Hälfte eines Coupons zu verzichten, wogegen ihnen nach Ablauf der Frist Aktien in Höhe von 6�/z Proz. ihres gegenwärtigen Pfandbriefkapitals zur Verfügung gestellt werden. Sie haben ferner nach Ablauf jener 4'/4 Jahre dauernd auf 26 Proz. ihrer jetzigen Zinseuansprüche zu verzichten. B. Für diejenigen Pfandbriefbesitzer, die auf einen Teil ihres Pfandbriefkapitals verzichten tvollen, lautet der Plan folgender- maßen: Es wird auf 6 Proz. des Pfandbriefkapitals behufs Be- seitigung der Ucberschuldung und Unterbilanz verzichtet; 10 Proz. des Pfandbriestapitals werden in Aktien I-ib. B umgewandelt, während weitere 6 Proz. in einen Sicherheitsfonds gelegt iverden, der, sobald die Bank drei Jahre hinter einander auf ihr Aktienkapital 4 Proz. Dividende ve,-teilt hat, gleichfalls in der Form von Aktien au die Pfandbriefinhaber zur Ausschüttung gelangen soll. Die rest- lichen 80 Proz. bleiben in ungestörtem Genuß ihres bisherigen Zinsfußes, und werden die betreffenden Coupons, sowohl der Januar- wie April-Serien, alsbald nach Annahme des Plans ausgezahlt. Die Bank soll künftig den Namen führen Berliner Hypo- thekenbank Aktiengesellschaft und damit wohl die unangenehme Erinnerungen des Krachs verwischt werden. Gegen den unter A. aufgeführten Vorschlag ist einzuwenden, daß eine ZiiiS- Nachzahlung für die Pfandbriefe iii vielen Fällen nicht den Pfand- briefbesitzern zu gute kommt, die heute und die folgenden Jahre als Leidtragenden des Unternehmens gelten müssen. In den 4 Jahren ist mancher gezwungen, seine Papiere zu verkaufen. Ist die Nach- Zahlung an den Besitz des Pfandbriefes gebunden, dann fällt den künftigen Besitzern der Vorteil in den Schoß, der den früheren recht- mäßig gehört. Es müßte also die Nachzahlung mit dem Besitz des Coupons verkauft sein. Der zweite Vorschlag benachteiligt auch die heutigen Besitzer, hier kann ganz ähnlich, wie vorhergehend dargelegt ist, der Sicherheitsfonds an spätere Pfandbrief-Juhaber gezahlt werden, die nicht die geringsten Opfer gebracht haben. Zudem ist es möglich, daß bei dem zweiten Projekt dieser Unistand erst in zehn Jahren oder noch später eintritt und somit die Ungerechtigkeit sich steigert. Mitgeteilt wird ferner, daß die Darmstädter Bank ungefähr 340 000 M. für ihre Bemühungen beansprucht. Kapitalistische Machenschaften. Die schlechte Lage der Aktien- geselljchaften der dänischen Eisenindustrie ist, wie das„Social- demokraten" bereits vor längerer Zeit in einer Artikelserie schlagend nachgewiesen hat, hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß bei der Gründung der Gesellschaften den Eigentümern der aiigekauften Bc- triebe zu hohe Kaufsuinmen bezahlt'wurden, ihnen, die man regel- mäßig zu Direktoren der neuen Unternehmungen macht, dann un- verhältnismäßig hohe Gehälter angewiesen wurden und überhaupt für die Verwaltung so ungeheure Summen verbraucht stvurden, daß an eine reelle Rentabilität der Betriebe nicht gedacht werden konnte. Das Fiuanzgebaren, das durch die offenbar aus sehr sachkuudiger Fcder stammenden Artikel aufgedeckt wurde, mußte jedem nicht mit einem kapitalistisch verhärteten Gewissen ansgestatteren Menschen als höchst unreell erscheinen. Die leitenden Personen des Arbeitgeberbundes der Eisenindustrie suchten nun die Aufnierksamkeit des Publikums von den wahren Ursachen der Uurentnbilität abzu- lenken und stinimten bittere Klagen au über die hohen Arbeitslöhne, die sie zahlen müßten, und die andren die Ausbeutung einschränkenden Bestimmungen der mit den Arbeiterorganisationen geschlossenen Ver- träge, durch die das Konkurrieren mit dem Auslände unmöglich ge- macht werde. Man suchte immer neue Differenzpnnkte hervorzu- ziehen, um wenn möglich die Arbeiter zu einem Streik zu verlocken. Der eifrigste Unruhstifter ist der Direktor der Aktien- Gesell- schaft„Titan", Hauberg. Gleich nach Erscheinen von„Social- demokratens" Artikeln sanken die Kurse der„Titan"-Aktien. Die Geschichte des„Titan" ist typisch für die der andren hier in Betracht kommenden Gesellschaften. Im Jahre 1888 ver- kaufte Hauberg seine Fabrik zu sdem viel zu hohen Preise von 370 000 Kronen an die Aktiengesellschaft Koefeld u. Co. Daß der Preis zu hoch Ivar, geht daraus hervor, daß H. in den zwei vorher- gehenden Jahren nur ein Einkomnien von 4000 Kronen gehabt hat. Er erhielt für seine Fabrik 200 000 Kronen in Obligationen mit fester Rente zu 0 Prozent und 100 000 Kronen in Aktien, dazu 70 000 Kronen in barem Gelde oder auch in Obligationen. Jus- gesanit gab die Gesellschaft damals 400 000 Kronen in 0 prozeutigen Obligationen und 100 000 Kronen in Aktien aus. Die alten Aktionäre von Koefeld u. Co. hatten schon im Vorjahre keine Dividende erhalten und auch nach Ankauf der Hnubergschen Fabrik fiel kein Gewinn für sie ab. Da suchten sie aus Furcht vor weiteren Verlusten ihre Aktien los zu werden und H. kaufte sie zu einem Kurse von H0 auf, während sie an der Börse nur 40 notierten. Als'H. nach ein paar Jahren seine öprozentigen Obligationen zu guten Kursen verkauft hatte, setzte die Gesellschaft die Rente von 6 aus 6 Proz. herab. Die nächsten Jahre brauchte die Gesellschaft, die jetzt den Namen„Titan" führte, dazu, die Kurse der Aktien in die Höhe zu treiben und von 1891— 1896 zahlte man jährlich 10 Proz. Dividende, was dahin führte, daß der Kurs 1896 auf 149 stieg. 1894, als die Kurse auf 120 standen, wurde das Aktienkapital um 200 000 Kronen erweitert und da die damaligen Aktionäre, die wesentlich die Gründer waren, die Aktien zu 100 zeichnen konnten, verdienten sie hierbei 30—40 000 Kroneij. Außer diesen Gcwinnsten hatte sich H. aber auch eine Direktorgage gesichert, die den vierten Teil des Netto-Ueberschusses des„Titan" ausmacht und von 1891—1896 pro Jahr mindestens 21 000—36 000 Kr. be- tragen hat.— Nachdem Direktor H. neuerdings wiederum versucht hat, die Ar- beiter als diejenigen hinzustellen, die durch ihre Begehrlichkeit die Industrie verwüsten, und nachdem er von neuem den 1 Oere-Streit beim„Vulkan" angefacht hat, fühlte ich„Socialdemokraten" ver- anlaßt, von neuem in einer detaillierten Darstellung ganz besonders aus die Verhältnisse des„Titan" und auf das Finanzgebaren des Direktors hinzuweisen. Hierdurch fühlte sich H. nun in dem Maße beleidigt, daß er gegen„SocialdcmokrateuS" verantwortlichen Re- dacteur Anklage erhoben hat.— Siemens». HalSke Aktiengesellschaft. Der Aufsichtsrat wird der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 8 Proz. vorschlagen. Das Aktienkapital beträgt 54I/e Millionen Mark. Im Vorjahre wurden 10 Proz. verteilt. Die Gesellschaft beschäftigte am 31. Juli 13 886 Beamte und Arbeiter gegen 13 628 am gleichen Tage des Vorjahres; nach der Statistik vom 30. September 1901 betrug die Zahl der Bcanitcn und Arbeiter 14374. Der Außenhandel der Vereinigten Staaten von Amerika in de» Monate» Jannar bis September 1901. In den ersten neun Monaten dieses Jahres betrug die Einfuhr der Vereinigten Staaten 646 478 309 Dollar gegen 624 467 433 im gleichen Zei� räume des Vorjahres. An erster Stelle steht die Einfuhr von Rohstoffen für die Industrie mit 221 469 984 Dollar. Es -olgen dann Nahrungsmittel und lebendes Vieh 166 656 787 Dollar, Halb- und Ganzfabrikate 163 716 220 Dollar. Luxusartikel 96 437 318 Dollar. Die Ausfuhr betrug 1 024 783 672 Dollar gegen 1 012 747 024 im Vorjahre. Darunter Erzeugnisse der Landwirtschaft 660 364 694 Dollar, Fabrikate 297 669 631 Dollar, Erzeugnisse deS Bergbaues, der Waldwirtschaft und Fischerei 73 371 650 Dollar, Verschiedenes 3 449 877 Dollar. Die Ausfuhr von Fabrikaten ist in diesem Jahre um 41 018 692 Dollar gegen das Vorjahr zurückgegangen. Berücksichtigt man den glänzenden Geschäftsgang der amerikanischen Industrie, die ungeheure Ansdehmmg nnd Nengründung von industriellen Unternehmungen, so läßt die venuinderte Ausfuhr auf eine gewaltige Zunahme der Aufunhmcsähigkeit des.Junenmarktes schließen. Die Einfuhr hat daran nicht profiliert, denn hier sind sich die Summen ür Jndustrie-Erzengnisse so ziemlich gleich geblieben. Wesentlich Hut wohl der hohe Schutzzoll eine erfolgreiche Konkurrenz des Auslandes verhindert._ Ans Vrv Fvnnettbvmrgttttg. Ein focialreformerifchcr Quark. Die Gesellschaft für sociale Reform hat au den Reichstag eine Eingabe um Erlaß eines Reichsgesetzes gerichtet, durch das„die einer Anteilnahme der Frauen an socialpolitischcn Bestrebungen entgegensteh enden landesgesctz- lichen Beschränkungen" aufgehoben werden. Wir haben die Begründung zu diesem Verlangen abwarten wollen, um zu sehen, was die Gesellschaft für sociale Reform veran- laßt, seine Eingabe auf die s o c i a l p o l i t i s ch e n Bestrebungen zu beschränken. Die Begründung wird jetzt in der«Socialen Praxis" veröffentlicht, aber unsre Wißbegier wird dadurch nicht bc- friedigt. Zunächst möchten wir darauf hinweisen, daß eine„Aufhebung von Beschränkungen" der Anteilnahme an„ s o c i a I p o l i t i s ch e n" Bestrebungen formell ein Unsinn ist. Die bestehenden Landesgesetze kennen keine Unterscheidung zwischen politischen und socialpolitischcn Bestrebungen. Es müßte also positiv bestimmt werden, daß Frauen an Vereinen teilnehmen dürfen, die sich mit Socialpolitik beschäftigen. Würde solche Bestimniung erlassen, so böte sie findigen Polizisten und Richtern natürlich' die gleiche Gelegenheit z» den er- staunlichsten Auslcgungskunststücken, wie die in Preußen übliche Unterscheidung zwischen politischen und öffentlichen Angelegenheiten. Es würde eine Unterslbeidung geschaffen zwischen Dingen, zwischen denen die Grenze außerordentlich schwer zu bestimmen ist; die angenehmste Situation für eine staatsretterische Polizei. Wenn nun Frauen aber eine Einwirkung auf die socialpolitische Gesetzgebung gestattet werden soll, wanim dann nicht auf die Gesetzgebung überhaupt? Warum will man den Frauen nicht die Beschäftigung mit allen politischen Augekegeuheiten gestatten? Es kostet ja doch nichts; ob man sagt, Politik oder Socialpolitik, ist eins so billig tvie das andre. Wer einmal zugiebt, daß di« Frauen ein Interesse daranhaben, sich in Vereinen mit Socialpolitik zu beschäftigen und daß sie ein Recht haben, dies zu forden,, welchen triftigen Grund kann der noch anführen, ihnen die Beschäftigung mit andern politischen, z. B. den jetzt im Vordergrunde des Interesses stehenden handelspolitischen Fragen zu verwehren?_ Frauenprotest gegen den Hungerzoll. Folgende Resolution wurde nach einem Referate deS Genoffen Rosenow in Gröplers Lokal in Rixdorf beschlossen: Die am 21. November in Rixdorf versammelten Frauen und Mädchen protestieren mit allen, Nachdruck gegen den vorgelegten Zolltarif, der in gemeingefährlichster Weise ihre Interessen als Konsumcntinnen und Produzentinnen bedroht. Dieser Zolltarif bedeutet ein Attentat gegen die Lebenshaltung. Gesundheit, Bildung, Sittlichkeit und Freiheit der breiten Volksmasse zu Gunsten des Junkertums und einzelner Kategorien der Großindustriellen; die Versammlung fordert deshalb die Ablehnung des Zolltarifs, lang- fristige Handelsverträge und Aufhebung aller Zölle und Abgaben auf Lebensbedürfnisse. Die Versammelten schließen sich der Protestaktion der Socialdemokratie an, in der sie die einzige politische Partei erblicken, Ivelche ihre Interessen auch in diesem Kampfe wahren wird. Die Vertrauensperson gab darauf ihren Bericht. Im letzten Geschäftsjahre fanden drei Versammlungen statt. Die Ein- nähme betrug 65 M, der Bestand vom vorigen Jahre 6,60 M., zusammen 70,50 M,, die Ausgabe betrug 66,55 M., mithin bleibt Be- stand 3,96 M, Auf Antrag der Revisoren wurde der Vertrauenspcrson Decharge erteilt. Die Neuwahl ergab folgendes Resultat: Als Vertrauensperson wurde gewählt Frau Martha Zeetze, als Stellvertreteriii Frau Marie Quitt, als Revisoren die Frauen Harnisch. Kram er. Lang- Habel._ Die Gewerkschaftsbewegung zeitigt nach allen Richtungen hin gute Früchte für ihre Angehörigen. Neben den, Hauptziel und Zweck der Organisation: Besserung der Arbeitsverhältnisse im weitesten Sinne, haben die Mitglieder den unmittelbaren Vorteil durch die Unter- stütznngskassen und durch die Aufklärung, welche ihnen durch Bibliothek und Vorträge zu teil wird. Wie sehr diese Veranstaltungen geschätzt werden, zeigte sich bei dem Vortrag, den Frl. Dr. Springer am 26, November über„Frauenkrankheiten" für die Arbeiterinnen der Wäschebranche hielt. Mit der größten Aufmerksamkeit folgten die Zu- Hörerinnen den klaren, sachlichen Ausführungen der erfahrenen Aerztin. Die Dankbarkeit des nnsschliehlich wiiblichen Publikums für die empfangene Belehrung äußerte sich nicht nur in dem sehr lebhaften Beifalls sondern mehr noch in dem von allen Seiten lebhaft ge- äußerten Wunsch: wir müssen in unsrer Kasse auch eine Aerztin haben. Bei de» außerordentlich zahlreichen weiblichen Mitgliedern eine sehr berechtigte Forderung. Zum Schluß wurden von den jetzt zugelassenen männlichen Vorstandsmitgliedern noch einige geschäftliche Mitteilungen gemacht. Große Freude erregte die Nachricht, daß bei der Delegierten- wähl für die Krankenkasse die ganze Liste des Vereins (116 Delegierte) mit großer Majorität gewählt sei. Freilich betrifft diese Wahl nur die Geschäfte mit weniger als 60 arbeitenden Mit- gliedern; die Resultate für die Einzelversicherten und die großen Fabriken stehen noch aus. Bei den letzteren scheinen die Wahlen teilweise in etivas eigentümlicher Weise vor sich zu gehen. Eine Arbeiterin ans einem Geschäft in Berlin O. erzählte, bei ihnen seien die Plakate nicht ausgehängt worden; sie lägen heute noch in dem- selben Kastei, wie vorher. Ob überhaupt eine Wahl stattgefunden. wisse ste nicht; weder sie noch ihre Kolleginnen im Arbeitssaale haben gewählt. Herr Trinks teilte noch mit, daß die nächste Versammlung sich mit der Krankeukassenfrage beschäftigen werde, wobei denn auch die Wahlen eine gründliche' Beleuchtung erfahren sollen. Dringend forderte er die Anwesenden auf, selbst ihre Rechte in Gewerkschaft und Kasse energisch zu wahren und ihre bis jetzt noch gleichgültigen Kolleginnci, heranzuziehen. Unter lebhafter Zustimmung der an- wcseiiden Frauen schloß die interessante und bewegte Versammlung. Ju dem Verein für Fraueli nud Mädchen der Arbeiter- kläffe sprach am 26, November Dr. H i r s ch f e l d über:„Die Hygiene des kleinen Kindes". Von der Geburt bis zur Schulzeit Iverde der kleine Erdenbürger au allen Fährlichkeiien vorbeigeführt, welche das zarte hilflose Wesen vom ersten Tage an bestürmen. Eine Reihe nützlicher Winke zur Kinderpflege und Ver- hütung von Krankheiten nahmen die anwesenden Mitglieder, die wohl zumeist schon als Mutter oder Schwester kleine Kinder ge- wartet, mit lebhaftem Juteresse entgegen. Die Mahnung zur Vorsicht, sobald Fieber vorhanden, die Erklärung mancher Erscheinungen, welche meist unbeachtet bleiben, als bedenkliche Anzeichen von ernstlichen Erkrankungen, fielen wohl auf enipfängliche» Boden, In der Diskussion bekämpfte Herr Zubeil die Zwangsimpfung vom Standpunkt der Jmpfgcguer; Frau Baucrmeister dankte dem Refereutei, für die praktische» Winke, insbesondere bei Zubereitung keinifreier Milch für die Kleinen. Zum Schluß teilte die Vorsitzende mit. daß an, 1. Dezember um 3 Uhr nachmittags im Gewerkschaftshause ein Vortrag über gute Kinderbücher stattfindet. Der Redner, ein Hamburger Lehrer, ist Mitglied des Vereins, welcher die Verbreitung wahrhaft schöner und guter Jugeudschriften erstrebt, und deshalb vor allen, geeignet, den Müttern' in dieser Sache guten Rat zu erteilen. Im Anschluß an das Referat erfolgt von Montag, 2, Dezember, bis Freitag, 6. Dezember, eine Ausstellung guter Kinderbücher im GewerkschaftShaus, doppelt erfreulich in der Zeit kurz vor dem Weihnachts- fest, zur willkommenen Unterstützung in der Auswahl einer Weihnachts- gäbe für die liebe Jugend. Am 9. Dezember findet die letzte Vereiusversammlung in diesem Jahre statt. Der Vortrag von Dr. Wehl über das Kraureiikaffen- Gesetz, dessen neue Bestimmungen(Lokalvoitz'christen für Berlin) am 1. Januar in Wirksamkeit trete», ist besonders wertvoll zur Orien- tieruug auf diesen, schwierigen Gebiet, welches künftig auch die Heimarbeiterinnen in sein Bereich zieht, so daß wohl die meisten unserer Mitglieder diese Gelegenheit zur Aufklärung mit Freuden wahrnehmen werden._ Vevpsttnmlnngen. Eine öffentliche Versammlung der Herren-Maßschneider tagte am Dienstag in den Arminhallen. Ritter referierte über: Die gegenwärtige Situation in der Herren-Maßbranche, Der Redner iihrte u, a. aus, daß sich die Krise in dieser Brauche noch nicht so geltend mache als in anderen Gewerben, aber dennoch ein großes Ueberangebot an Arbeitskräften vorhanden sei, das die Preisdrückerei begünstige. Dieleitenden Gedanken desReferats koinmeninderfolgenden Reiolution zun, Abdruck, die nach kurzer Diskussion einstimmig angenommen wurde.„In Erwägung der Thatsache, daß die Arbkitslosigkeit in allen Berufen vorhanden und noch weiter in der Zunahme begriffen ist, in fernerer Erwägung, daß die Rückwirkung dieser Krise ein starkes Angebot von Arbeitskrästen— begünstigt durch die Heim- arbeit— hervorrufen wird, was wiederum einen Druck auf die Ar- beitslöhne zur Folge hat, erklärt die Versammlung, daß es die ino- ralische Pflicht jedes Kollegen ist, das übermäßige Umschauen in den Geschäften zu unterlassen.— Die Versammlung protestiert auf's neue gegen das Geschäftsgebaren derjenigen Finnen, die Konfektion und Maßarbeit zusammenfassen und dabei Maßsachei, zn Konfektionspreisen herstelle» lassen. Insbesondere verurteilt sie die Handlungsweise des Warenhauses Werthcim, welches durch Einführung einer Extrafirma in ihrem Hause, der„Berliner Be- triebsgenosseuschaft mit beschränkter Haftung" sich der Kon- trolle und Verpflichtung, Tariflöhne zu bezählen, auf eigenartige Weise entzogen hat."— Schließlich wird noch auf die am 1. Januar in Kraft tretenden Bestimnlungen über die Krankenversicherung der Heimarbeiter hingewiesen und vor den Machinationen derjenigen Arbeitgeber gewarnt, die die Heimarbeite, zu bestimmten Er- klärunge» zu veranlassen suchen, un, dadurch die gesetzlichen Bor« chriften zu umgehen.— Händler und Händlerinnen! Freitag, den 29. November 1901, abends 9 Uhr, im groben Saale deS„Englischen Garten", Alexander- straße 27c; Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die Zwecke und Ziele einer Organisation. Referent: Stadtverordneter Ferd. Ewald. Briefkasten der Redaktion. Die iuiisiische Sprrchfinnde findet am TienStag. DounerS« tag und Freitag von 7-i»»hr abends statt. Kokott. Die Strabcnbahndirektion befindet sich am Leipziger Platz. M. C. Darüber können wir keine Auskunst geben. H. K. 34. 14$«ae.- Paul und Richard. Der Genossenschafter (G. m. b.&.) haftet in Höhe seines Anteils(nicht nur Einlage)� Steht einem Genassenschafter ein Anteil vo» 100 M. z», auf den er ZV ein- gezahlt hat, so hat er also 70 M, zur Ergänzung seines Anteils einznzahlm und haftet darüber hinaus noch mit 100 M, für Genossenschaftsichulden. Genossenschafter, die Mitglied einer Gesellschaft ohne beschränkte Haftung find, haften mit ihrem ganzen Bermögen.— Prenzlauer Allee. Nein. — Mainz. Tie gesetzliche Kündigungsfrist eines Werkmeisters beträgt sechs Wochen zum Quartaleersten. Es muh also spätestens am 17. Februar, IS. Mai, 19. August, 19. Noveuiber zum 1. Januar, 1. April, 1 Juli oder 1. Oktober gekündigt werden. Keineswegs berechtigt eine Kündigung des Meisters den Arbeitgeber, das Arbeitsverhältnis bereits srüher zu lösen. — Genosse aus dem Fnnften. Liegt kein Testament vor, so erbt die Witwe 1/t, die Kinder 3/t des Nachlasses des Mannes. Die eingebrachten Sachen der Ehefrau gehören nicht zum Nachlaß, sondern sind Eigentum der Witwe. Produktenmarkt vom 28. November. Auf dem Getreidemark t vollzog sich eine Befestigung. Die rauhere Witterung wirkte in hohem Grade anregend auf die Konsumsrage; bei der herrschenden Knappheit an verfügbarer Ware sowie unter dem Einfluß höherer Preismeldungen aus Oestreich-Ungani und Amerika waren hauptsächlich nahe Lieferuiigen ge- steigert. Die Dezemberprcise zogen für Weizen 1'/«, sür Roggen uni V, M, an, wahrend FrühjahrSIieserungen bei ruhigerem Handel für Weizen'/, M. höher notierten und für Roggen unverändert blieben. Die Rcportsätze haben sich entsprechend ermäßigt. Die vorhandenen Warcnofferten stellten sich ziemlich teuer, Mehl war zu höheren Preisen stramm gefragt. gebessert, MaiS wenig verändern Rüdöl sehr fest auf bezahlt, 70er loco 32 und Geld.— Safer war 1 M Meinungskäufe. SpirttuS wurde<0 Pf. besser Schluß für Getreide wieder schwächer. Marktpreise von Perlt» am 27. November 1904 »ach Ermittln»««! d«S tgl. PolizetpräsidiuiuS. Wetzen, gut D.-Elr. , mittel» gerin» "Roggen, gut . mittel. . gering. ■s-Aerfle, gut. . mittel, fl'vin» -ß Hafer, gut, „ imitel. gering Nichistroh. tf". rbsen, Dpetsebvhne» Linsen. ») ab Bahn. f frei Wagen und ab Bahn. Eingegangene Druckschriften. Vom Süddeutsche Posiillon" ist soeben die Nr. 24 erschienen. DaS Titelbild belehrt uns über die Leistungen deS neu geadelten bayrisch«, Landtags-Präsidenten; ein zweites Bild:«Im Zeichen des verkehrten Verkehrs" dankt seine Entstehung einem bekannten Vorkommnis in der bayrischen Hauptstadt.„An den Pfahl": die beiden Mittelbilder von A. Ftebiger, sind neue Ruhmesblätter misrer Kriegführung chinesischen Angedenkens. Ans dem Schlußbild erwartet des Teufels Großmutter mit dem Kochbuch in der Hand Stemberg VII. v. G. G. König von England. Stationen Swineinde Hamburg Berit» Frankf./M. München Wie» a e r h --- ac 7ö0WNW 756 NW 754 W 765 SW 765 SW 762 W T' Wetter 1 Swolkig 4'heiter 5 Regen 3 bedellt 4 hlb.bed. bheiter Wctter-Prognose für Freitag, de» SS Ein wenig kälter, veränderlich, vorherrschend und frischen nordwestlichen Winden. &S c• ä S<* W" 4 4 3 1 -5 0 Stationen Haparanda Petersburg Eork «berdeen PariS November>!»»>. wolkig mit Niederschlägen Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Permi tuiortnng._ Mheetkrv. Freitag, 29. November. Opernhans. I>a Traviata. lUnfang 71/j Uhr. Schanspielhaus. Die Journalisten. Anfang 7'/, Uhr. Neues Obern, Theater tKrolll. Geschlossen. Schiller. Die Mütter. Anfang 8 llhr. Deutsches. Nora. Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Die rote Robe. Ansang 7V- Uhr. Lessing. Die lieben Feinde. Anfang 7>/- Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger. Vorher: Im Coups. Ansang 7>/. Ubr. Neues. Corali« u. Co. Anfana 7>/, Uhr. Weste». Der Maskenball. Anfang 7'/, Uhr. Secessionsbühn«. Detlev Lilien- crons Buntes Brettt. Ansang 3 Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettlf. Anfang 8 Nhr. Schall und Rauch. Vorstellung. Anfang 8,/, Ubr. »keutral. Gastspiel von Loie Füller und Sada Uaeco mit ihrer Ge- sellschaft aus Tokio. Die Geisha und der Ritter. Kssa. Ansang 7-/, Uhr. Thalia. Die Badepuppe. Anfang 7'/, Uhr. Luisen. Der Kaiser kommt. An- sang 8 Nhr. Carl Weist. Berliner Rangen Anfang 8 Uhr. Nriedrich-WilhelmstSdtischcs. Offenbach-Cyklus. Pariser Leben. Anfang 7Vj Uhr. Brllc.Sllltauce. Kein Hülung. An- sang 8 Nhr. Casino- Theater. Berlin W— Berlin N. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Mrtropol. Schön war'S doch. An- fang 8 Uhr. Slpollo. Specialitäten-Vorstellung. König Aqua. Luftballctt„Grigo- latts". Ansang 8 Nhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage> Panoptikum. Special!- tättii-VorsteNuilg. Reichshallen. Steltiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitäten-Vorstellulig. Großstadtzauber. Ansang 8 Uhr. Urania. Taubenstr. 48 49.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: «Lieber den Wolken." Jnvalidenstraste 57/6%. Täglich: Sternwarte. Lchillel'Tlitlltel (Wallner- Theater). Freitagabend 8 Uhr: IHe HiUter. Schauspiel in 4 Akt. v. Georg Hirschfeld. Sonnabendabend 8 Uhr: Die IHtttter. Sountagnachmittag 3 Uhr: H llhelm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: I-ynandcrs Jlädchcn. Hierauf: Die Komödie der Irrungen. Criltral-TMer. Anfang 71/, Uhr: Gastspiel l-» Lole Faller und Sada Yacco, genannt„die japa- miche Duse" mit ihrem aus 30 Japanern bcktehende» Schauspiel-Ensemble des latscrl. Hostheaters in Tokio. Morgen und folgende Tage: 0»,«. tplel La Lole Füller und Sada Yacco, Palast-Theater (früher Feen-Palast) Bnrgstr. S2. Direktion: Wlulder u. FrBbel. Berlin amiisiert sich über das sensationelle Mvitlittil-ProgralllM. Um 9 Uhr! Um 9 Uhr! Die allabendlich mit jubelndem Beifall aufgenommene große Ausstattungsburleske Gms&MAiiIiel' Hugo Lustig: Direktor 8. Wlnlder. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf vorm. v. II— 1 Uhr. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: liebenden Wolken Tag! Invalldenntr. 57/62. . Sternwarte. Passage-Panoptikum. äV Den sraiinen Tag geUÄ'nct. Die Togo-Neger- und Slnghaleeen- Karawane, 43 Person., darunter 24 junge hübsche Togo- Mäüchen. Die Schlacht bei Wörth etc. 6 Liliputaner./� Die einzig in der Welt dastehen Nur noch kurze Zeit!, Neu!! /LordKltchener Wet' Bothil- / Die wvurderbare < Illusion:„Aller- . seelen" mitMnsik-u. / Gesang- Bogleitung. farl Weiss-Theater. Graste Frantfnrterftr. 132. Volkstümliche Vorstellung. SM- Parkett 60 Pf.-Mg Berliner Rangen. Große Gesangs-Ausfiattungsposse in 7 Bildern von G. Albert. Musik von R. Leonard. Anfang 8 Nhr. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kinder Vorstellung: kleine Preise. Der Rattensänger von Hameln. Abends: Der Lumpensammler von Paris. Sonntag: Extra- Vorstellung: Der Lumpensammler vo» Paris, dann: Der Märchcnbrunuen. Anfang 7 Uhr. TMia-Tdeater. Tresdenerstr. 72/73. Die Badepuppe. Große AilsstattungSposse mit Gesang mid Tanz in 3 Akten. Guido Thlelacher, Paula Worm, Helmerding, Junkermann, PaulmUller, Wanno- vlua, Junker-Schatz. Aus. B/z Uhr. Sonntagnachintttag 3 Uhr: Kleine Preise. Das Geheimnis der alten Mamsell. tpollolhester. .Abends N/, Uhr: Mit kolossalem Erfolg: König Aqua. Im 3. Bilde: Grosses Ballett unter Mitwirkung des Luftballotts: „Grigolatis". Ferner: Lia Kol and, Königin des Serpentintanzes, und 8 auserlesene Specialitäten. Anfang 8 Uhr. IHIfitropnl-IlißatGr. Uly Zum 96. Mal:"TWS Schön war's doch. Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas»« Josephi. H. Bender.— G. Kaiser. E. de Vere.— Frid-Frid. !! Bender als Saharet!! Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Schall und Rauch, Unter den Linden 44. Freitag, den 29. November 1901: Torgtelinng vor Serenuglmus. MT Anfang 8>/, Uhr. Sonnabfend, 30. Nov.: Dieselbe Vorstellung. Auftreten d. Harfen- virtuosin Mlle. Jeane de la Praz. Sonntag, 1. Dez., nachm. 4 Uhr. bei halben Preisen: Don Carlos.— Die Weber- Casino-Theater. Lothrlngerstr. 37. Das phänomenale Specialitäten- Programm. Nur»«ol, diese Woche! Berlin«.— Berlin w. Ans. Woch. 8 Uhr. Sonnt.?>/- Uhr. Sountagnachmittag 3 Uhr: ,,ll»«l» der hz»l»lneri»»e»". ?SM'IllM. Gastspiel von Mme. Joarda vom Theater„Vaudeville" in Paris in ihrer berühmten Imitation von Sada Yacco. liotte Selms. !" ,,uiwMvngui, Italienisches Opemtrio. 16 erstkl. Ynmmcrn! E. von Wolzogens Bunles Theater Köpnlckcrstr. 68. U. a.: Tie Medaille von Lndw. Thoma.— Brunneuzauber, Musik von Zepler.— Julihexeu im Grunewald, Musik von ZiemlinSki. Anfang 8 Uhr. W. Noachs Theater. Brniineilstraße 16. Der Waldteufel. Posse mit Gesang i» 4 Akten von W. Mannstädt. Musik von G. Stessens. Sonnabend: IPreolosa. k e i c k s Ii s 1 1« n. Stettiner Sänger. ..Bohco". „Stndcntc»- Ulf". Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 llhr. Sanssovici Kottl>UMci-Mtr. 4a. Jeden Sonntag, Montag nnd Donnerstag ai o r r iti a■■ n m Noriidclltsilie Siiilger Nach jeder Soiree: Tanz. Neu! Neu! Neu! Lehmililnshnmkthr. Entree 50 und 75 Pf. Wocheniags Ansang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochentags Vereinsbillets gültig und Tanz frei. Alle andern Tage bleiben die Säle zu Fcstlichleite» und Ver- samiillungen frei. Cirkus A. Schumann. Freitag, den 29. November, abends präc 7'/, Uhr: Groste austerordentliche Kala- Borstellung. Austreten der neu engagierten Specialitäten sowie sämtlicher ClownS und Augufte mit ihren neuesten urkomischen EntteeS und Intermezzos. Direttor»dort Schumanns neueste Origwaldressuren. Mr. Thompsons wunderbar dressierte Riesen- Elefanten. Der wirklich sensationelle neue Akt des phänomenalen Amerikaners Mr. Chostor Johnstone. — Zum Schluß zum 48. Mal:— Der Schlager der Saison: Glitt durch Karis (A TravepB Paria). Schlußakt: Nordseebad Scheveningen. Größte und glänzendste AusstattungS- Pantomime der Gegenwart in 8 Akten. Sonntag 2großeVorsrellungeu, nach- mittags 3»/, Uhr und abends 7'/» Uhr. Dkutschtt Dolzarbtttkr-Verbaiid. Heute, Freitag, abends 8'/3 Uhr, im Gewerkschastshause, Engel-Ufer Nr. 15: SUzmig der Orts- Verwaltung. Sonnabend, den 30. November 1901, abends 8»/, Uhr, bei Mörschel, Jüdenstraße 35 36: 128/12 Kommiffionsfitznng der Drechsler. Tischler-Uerein zu Kerlin. Sonnabend, den 30. November, abends 8'/, Uhr, im Lokal des Herrn Llpke, Melchiorstraste 15; Versammlung."NW Vortrag deS Naturarztes Herrn Rudolf Geist über:»Psychische Krankenbehandlung.» MW- Ausgabe der Billets zum Weihnachtsvergnügen am 1. Feiertag in Herrn Max Schindlers Festsülen, Hasenheide 21, zum Besten des Extra-Unterstütziingssonds. 201/3 Um zahlreichen Besuch auch seitens der Damen bittet Der Vorstand. VGrbaiid der Sattler und verw. Gewerbe. Mglitder- Nnsammliingen. �tttrifd 1 ♦ Montag, 2. Drzbr.(nicht Sonnabend, da an diese»» �rUUUi 1. Tage kein Saal frei ist), abends Nhr, im Englischen Hof, Neue Roßstrasfe 3. Tages-Ordnung: 1. Statute, rberamng zur Lokalkasse. 2. Vereinsangelegenheiten. �Üttiass 9« Sonnabend, de»»0. November, abends 8'/2 Uhr, oUllUi iw, bei BnSke, Grenadierstraste 33. Tiltas» DienStag, den». Dezember, abends 8'/- Uhr, fzlUlUl«♦ im GetvcrkschaftShanse, Engel-Ufer 15, saal 7. '. Sonnabend, de» SO. November, abends 8 Uhr, int » Gewerkschaftshause, Eitgel-Ufer 15, Saal 7. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Sassendach. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. UM- Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Die Kollegen von Pretzel u. Co. sind Hierdurch besonders eingeladen. 139/4 Zahlreichen Besuch erwarten Die Vorstände. Dounerstag. den 26. Dezember(2. Feiertag): Wethnachts- krllnzchcn im großen Saal des«Gewerkschaslshanses", Engel-Ufer 15. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf. Um zahlreichen Besuch bittet Idas VcrxiiUixnnixslromitco. Cirkus Renz-Konzert-Tunnel Karlstrasae. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. S y S 0 t S 1 1 v st t, SU. Sl.«Utt. Jeden'sonnahend nach der Vorstellung: Tan® ohne Nachzahlung. Feinstes Wiener Mehl. 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VergnUgungslokal I Täglich; Internationale Konzerte. .Speclantiit-Doppel- Vorstellung von nur erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. r II Freitag, 29, Novbr., abends 7»/, Uhr Groste brillante Vorstellung. Vorzllgl. Programm und Srandenhurg Brauerei Germania Aktien-Cesellschaft Berlin O. 84 Frankfurter Allee 53 Teleph. Amt VII 2645 empfiehlt für frei Hau? 18 Fl. 4/io Lagerbier[27420« 15 FI. v» Lagerbier 15 Fl. 4Ao Pilsener Art 15 Fi. 4/io Münchener Art 15 Fl. 00 Weissbier 20 Fl. Doppel-Weissbier. Dr. med. Schaper homöop. Arzt ti. Spez.-Arzt f. Haut- w. Harnleiden� FrauenJirankheiten, Königgrätzentr. 87. Spr. 9-1. 4-7. CeiitralTereiu der IHidliauer. Am 27. November verstarb plötzlich unser Mitglied, der Steinbildhauer desef Sniet. Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm die Vertvaltiinasstelle Berlin. Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 3l/j Uhr, von der Leichen- halle des Sebastiankirchhofes, Dall- dorfer Chaussee- Humboldstraße»uS statt. 21/10 Um zahlreiche Beteiligung bittet ver Yorwtawd. StttbMlMFmcs von Mitgliedern der Ctiltral-Kl'iülkeil- u. Sterbt« Mt her Tischler it. Verwaltung Berlin G. Montag, den 2. Dezember, abends 8 Vi Uhr, im Lokale von Wolf, Fruchtstr. 35»: Mglitt>er-Verslliiliillil«g. Tages-Ordnung: 1. Statutenberatung. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Das Mitgliedsbuch der Frauen- Sterbekasse legitimiert. 185/2 Die Ortisvci-svaltanf. Die Zahlstelle Krautstr. 48 be- findet sich vom 1. Dezember 1901 ab bei Butschke, Krautstvaste 30. _ D. O. Danksagung. Für die große Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters sagen wir allen seinen Kollegen und Genossen sowie dem Chef der Firma Granert u. Co. »Usern herzlichsten Dank. 23198 Tie trauernde Witwe Nu na Woywode nebst Tochter. -HOT-WsU+ Carl Brncklioir/griebcidsstc. 10, über:„Sogenannte unheilbare Män- nerlciden". Freitag, den Lg.Novemb. abends 8»/, Uhr, im Ostcnd-Rcstaurant, Große Frankfurterstraße 18. 2293b Nur für Herren! Eintritt frei! Sonntag: nach Teltow. (Dertz Lokal) IV, Uhr. Kreuzberg(Steuerhaus). Zahlreiches Erscheinen _ notwendig. 13/12 NB. Abends: Waldesruh, Zchlendorf. g. Abäitoiiu des Statuts der Orts-Krankenkafse der VergolSer.lüoläzelilSger n. Bemfsgenossenzu Berlin. Artikel I. Der§ 12 Absatz I wird wie folgt abgeändert: Als Maßstab für die Bemessung der Kassenleistiingen und Beiträge gilt der durchschnittliche Tagelohn. Derselbe ist festgestellt: a) für männliche Mitglieder über 16 Jahre aus. 3,00 M. b) für weibliche Mitglieder über 16 Jahre aus. 2,50„ c) sür männliche und weib- lichc Mitglieder unter 16 Jahren sowie sür Lehrlinge auf... 1,50« Artikel II. Der§ 13 Absatz 3 zu a, b und o wird wie folgt abgeändert: a) für die Mitglieder I Kl. v. 1,50 M d).„. II.«. 1,25. fe)»« III.«« 0,75 ,, Artikel HL Der§ 20 wird wie folgt geändert: a) sür die Mitglieder I.Kl.v. 120M. Il) ff ff II«« 100« o) ff ff« in. ,»« 60« Artikel IV. Der§ 30 Absatz 1 wird wie folgt geändert: a) sür Mitglieder der I. Kl. 1,50 M. d)... II.. 1,25. °)„«-m., 0,76. Artikel V. Der§ 31 Absatz 1 wird wie folgt geändert: Die wöchentlichen Kassenbeiträg« be- tragen: 1. für Mitglieder der I. Kl. 0,69 M. 2. ff ff„ n.„ 0,57 ff 3..»„ in.„ 0,33 ff Artikel VI. Die Abänderung tritt mit dem Tage der statuteninäbigen Bekanntmachung in Kraft.(Am 2. Dezember 1901) Emil Boges, Johannes Aßmann, Vorsitzender. Schriftführer. Genehmigt. Berlin, den 6. November 1901. Der Bezirksausschuß. Abteilung II. Kaiser. 27g/g 1 Max irnsdorff Specialgeschäft dir DamenkleidenstofTe, Sammet u. Seidenwaren, Blusen, Kostürnröcke u.Jupons. Berlin SO. 174» Oraniensta*. 176 Ecke Adalbertstrasse. 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Gläser.» Ii» Arbeitsniartt durch desanberen Trnct heruargehaden« »Inzeige» koste» 40 Pf. pro Zeil« Für sofort 1 töchtlccp Harn- mcrarbeiter, Berlin. 122/14 ü Cioldarbeiter, die gravieren können, nach Elbing und Aull am. veulselier Koiä- niiü Alder- sideiter-�iieiivveis, Fnxd'Fkcr Ztr. 1.6» Achtung! Klavier- Arbeiter! Der Zuzug von Klavierarbeiter« aller Brauchen ist wegen Lahndiffe- renzen bei der Firma<£. Neu« gebauer Nachs., Bell n. Eomp.» Audreasstr. UZ, Grüner Weg 7U (Andreashof), streng fernzuhatten. *j Tie Lrtsverivattung. Berantwortlicher Redacteur: Earl Leid in Berlw Für den Inseratenteil verantwottlich- Th.«locke in Berlin. Druck und Berlag von Max«ading m Berlin fit. M. 18 lalrp.8. 2 Keilllge des LMM' Kttlim WldSlllÄ Fre»«g. 2SI.vmI.tt 1SS1. Getvsvkscszstfklitlzes. Berlin und Umgegend. Achinng, Massenrc, Badcwärter nnd Krankenpfleger! Während man in fast allen übrigen Berufen schon begriffen hat das; de» bestehenden Mißständen im Gewerbe nur durch feste Organisation z» begegnen ist, halten sich die große Mehrzahl der Masseure, Bade.värtcr und Krankenpfleger einer solchen noch fern Und doch herrschen in vielen Badeanstalten, Krankenhäusern und sonstigen Heilanstalten hinsichtlich der Lohn- und Arbeitsverhältnisse noch Zustände, wie sie anderwärts eben infolge der Organisation der Angestellten einfach umnöglich sind. ' Der Verband des Massage-, Bade- un K r a n k e n p f l e g e P e r s o» a I s Deutschlands hat sich nun die Aufgabe gestellt, die Interessen der Bcriifsangehörigen dieser Branche ohne Niilksicht auf die dem entgegenstehende Tendenz mancher Aerzte und Verwaltungen kräftigst zu vertreten. Der Verband ist auch der einzige, der den durch die Tchwe sternfrage entstandene» Mist ständen wirksam entgegentreten will. Zu seinen Haiiptaufgaben zählt der Verband: die kostenlose SteNcnvermittelniig. uuentgeltlichen Rechtsschutz, Unterstiitzung in Not geratener Mitglieder, Einführung der Reise-Uiiterstützuiig, Unter stütznng der Mitglieder, welche durch Eintreten für den Verband gcniaßregelt sind, F e st s e tz n n g einer Arbeits- r e s p Dienstzeit, tvclche bei ausreichender Lohnzahl nng den modernen kulturellen und gesundheitlichen Anforderungen entspricht, Unterstellung unter die staat- Irchc Unfallversicherniig, Pensionsberechtigung für staatliche und Koniniunal-Angcstcllte, Ncorgaiiisation der KrankcnhailS-Verwallungeii sowie Streichung der Bcrufsangchörigcn aus der Gesinde-Ordnung und Unterstellung unter die Gewerbe-Ordnuiig. Zur Erreichung seiner Ziele dient dem' Verbände neben der Veranstaltung von Versammliingen namentlich die Fachpresse, die den Mitgliedern unentgeltlich geliefert wird. Berufskollegen! Wie Ihr seht, hat der Verband des Massage-, Bade- und Kranlenpflegc-Personals sich hohe Aufgaben gestellt, die der Unterstützung aller Kollegen würdig sind. Er kann aber seine Ziele nur erreichen, wenn auch die Mehrzahl der Berufskollegen ihm angehört. Es ist deshalb die Pflicht aller dem Beruf Angehörigen, den Verband nicht nur durch eigne Mitgliedschaft zu unterstützen, sondern auch überall kräftig für denselben zu agitieren! Eintrittsmeldungen nimmt entgegen Der Vorsitzende der Filiale Berlin': P. Strunk, Wrangelstr. 80 Achtung, Vcrgoldcr! Die Differenzen bei der Firma L. No- s e n o w u. C o., Schmidstr. 6, sind durch Verhandlung mit Ver- tretern der Organisation, zu Gunsten der beteiligten Arbeiter bei- gelegt. D i e O r t s v e r w a l t u n g. I. A.: E. O e h I e r t. Zur Lohnbcwegnng der Steinsetzer. Die kürzlich statt- gehabten Unterhandlungen des Gesellenausschusses mit der Innung sind wieder einmal vorläufig resnltatlos verlaufen. Das ist in der Hauptsache das Verdienst deS Schriftführers der Innung, eines Herrn SteinsetzmeistcrS Jakob. Derselbe glanble als ganz be- sonderen Trumpf gegen die Arbeiterschaft ausspielen zu können, daß die Steinsetzer in ihrer Versammlung, als sie beschlossen, für die nächsten zwei Jahre keine Reuforderungen zu stellen, selber erklärt hätten, daß die Konjunktur eine schlechte sei. Es ist beinahe im- glanblich, daß eS dieseni Mann gelungen ist, den Abschluß der Ver- Handlungen zu vereiteln, obwohl die Mehrzahl der in der Junnngs- Versammlung vertretenen Firmen die Verlängerung des Tarifs forderten. Daß unter diesen Umständen aus dem von einer ganzen Anzahl Jiniungsmeister geplanten gcmcinsanien Vorgehen gegen Vertrags- brüchige Firmen erst recht nichts wurde,' ist eigentlich selbstverständlich. Jeden Versuch seiner Kollegen, die Frage an- zuschneiden, schnitt der Herr mit der'Bemerkung ab. daß dieselbe nicht auf der Tagesordnung stehe, obwohl von 26 JnnungSmitgliedern beantragt worden war, diese Frage auf die Tagesordnung zu setzen.— Wir haben es hier also wieder einmal mit einem Fall zu thun, in dem trotz ausgesprochenen Entgegen- kommen« der Arbeiterschaft die Scharfmacher im Untemehmertum der Hoffnung gedeihlicher Verhältnisse entgcgenstrebcn. Die Berliner Barbiergehllfeu eröffnen am kommenden Somv abend eine zweite Genosscnschafts-Barbieistube. Deutsches Reich. Nachklänge zum Glaöarbeiter-Streik in Nienburg. Vor der Strafkannner in Verden standen dieser Tage drei Glasarbeiter, die aus der Haft vorgeführt wurden. Sic' sind der gemein schaftlichen Körperverletzimg gegen russische Streikbrecher an- geklagt. Ein vierter Angeklagter war nicht erschienen, weil er in- zivischen in England Arbeit bekommen hat. Die Angeklagten waren zur Zeit des Streiks auf der Straße von drei ans einer Wirtschaft kommenden Russen beschimpft worden, indem diese riefen:„Deutsche Bluthunde! Haben keine Lust zum Arbeiten!" Sie ließen sich in der Erregung verleiten, nach den davonlaufenden Russen mit Steinen zu werfen und den Russen Harju, der beim Davonlaufen zu Boden stürzte, auch noch mit Schlägen zu traktiere». Alle drei Angeklagten wurden zu drei Mona.ten Gefängnis verurteilt. Das Verfahren gegen den Abivesenden wurde ausgesetzt. Polizei und Gewerkschaften. Eine Geldstrafe von 15 M. verlangt die Polizeibehörde in Gera von dem Vorsitzende» der dortigen Filiale des Textilarbeiter- Verbandes, iveil in der am V. November abends im Gasthaus zum Adler stattgefimdencn Mit- gliedervcrsammlung, die polizeilich nicht angemeldet war, öffentliche Angelegenheiten erörtert worden seien. Gegen diese Strafverfügung wird richterliche Entscheidung beantragt werden, damit einmal an höherer Stelle entschieden wird, ob die Mitgliederversanimlungen der Gewerkschaften überhaupt polizeilich angemeldet werden müssen und ob die Thätigkeit der Geiverkschaften als„öffentliche Angelegenheit" zu betrachten ist. Der Schercufabrikauteu-Bercin in Solingen hat seine .Schwarze Liste" neu herausgegeben und ergänzt. Dieselbe enthält jetzt 99 Namen von Scherenschleifern. Die Lifte� enthält auch die Bestimmung, daß diejenigen Mitglieder des Scherenfabrikanten- Vereins, ivelche an die aufgeführten Schleifer Scheren ausgeben, ihrer Einlage verlustig sein sollen. „Humane" Unternehmer. In dem Emaillicrwerk von Robert Jansen in M.-Gladbach wurde vor einiger Zeit eine Lohnrcduzierung vorgenommen, und zwar wurde als Motiv schlechter Geschäftsgang angegeben. Nun kommt aber plötzlich die Firma und verlangt.' daß Ueberstunden geiiiack>l werden, ivozu die Arbeiter nach der Arbeits- ordnung in guter GescbäflSkonjiuiktur verpflichtet sind. Die Arbeiter in der Klempnerei erklärten, keine Ueberstunden machen zu wollen, wenn die Lohnreduziennig, zu der jetzt keine Veranlassung mehr vorliege, uichi rückgängig gemacht würde. Auf diese Weigerung hin wurden die Arbeiter sofort entlassen. Sämtliche übrigen Arbeiter erklärten sich mit den Eutlasseneu solidarisch und reichten die Äündi- g»ng ein. Zuzug muß ferngehalten werden. Streit der Silberschläger. Infolge niedrigen Preises des fertigen B l a t t s i l b c r s sahen sich die Meister der Silberschlägcr- brauche in Schwabach nnd Fürth veranlaßt, die Löhne der Arbeiter um 2 Pf. pro Buch, diejenigen der Beschueidcrinnen um 1 Pf. pro ab. Durch den Streik werden an öS Werkstätten für die Arbeiter geschlossen. Ausland. Die Hafcuarbeiter i» Gefle(Schweden) haben die Arbeit lvieder aufgenommen. Die Streitpunkte wurden einem Schieds gericht überwiesen._ Berliner Partei-Angelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Heute Abend 8'/? Uhr, im Klubhaus Allianz, Alcxandrinenstr. 37: Versammlung des Wahlvereins, Genosse Dr. H. Lux spricht über: Technik und sociale EntWickelung Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Schöneberg. Parteigenosse» 1 Heute findet die Stichwahl im 1. Bezirk statt. Wenn wir alle Kräfte daran setzen, so wird es uns auch gelingen, die Mandate dieses Bezirks für uns zu gewinnen. Wem es möglich ist, am Wahltage mitzuhelfen, der möge sich von nachmittags ö U h r ab bei Ständer, Hohenstanfcnstr. 80. zur Verftlgimg stellen. Sorge also ein jeder dafür, daß es uns mcht an Kräften mangelt. Ferner weisen wir darauf hin, daß durch die Doppelwahl des Genossen Obst am 13. Dezember eine Nachwahl im 4. und 3. Bezirk stattfindet.— Am Sonntag wird nun ein Flugblatt verbreitet und es werden die Parteigenossen ersucht, sich um 8 Uhr morgens eulweder bei H o p p e, Merseburgerstr. 7, oder bei H a u s e r Sedoustr. 31, einzufinden. Montag, den 2. Dezember, im Restaurant Klubhaus: Oeffent« liche Volksversammlimg. Tagesordnung: Aufstellung der 51! a n d i d a t e n i m 4. u n d 3. Bezirk. Der Vorstand des Wahlvereins. Tokkrles. Die Stadtverordnrteu-Versammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung über die Umgestaltung der „L i n d e n" ganz nach den Wünschen beschlossen, die der Kaiser in der bekannten Audienz zu HubertilSstock geäußert hat. Sie ist„über den Hubertus st ock gesprunge n", wie Q «osse Singer in bissigem Scherz bemerkte. Der Aus- schuß, dem die„Liiideii"-Vorlage zur Vorberatuug überwiesen worden wor, hatte den Sprung gelenkig vorgemacht, indem er— durch die Aeußerungeu des Kaisers veranlaßt— seine» ersten, wohl erwogenen Beschluß umstieß und doS genaue Gegenteil davon be schloß. Die Mehrheit der Stadtveroidneten-Versammlung schloß sich ihm on und machte den Sprung, ohne mit der Wimper zu zucken, nach. Die Erörterung des Für und Wider im Plenum zog sich durch nahezu drei Sluudcn hin. Genosse Singer, der gleich nach dem Referat des Ausschuß-Berichterstatters Khllmaim zum Worte kam, beleuchtete in treffenden Ausführungen die eigen- tiirnliche Art, in der der Kaiser in die Geschäfte der städtischen Verwaltung einzugreifen liebt, und geißelte die Diensteifrigkeit, mit der der Magistrat und die loyal gesinnte Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlimg die kaiserlichen Wünsche zu erfüllen sich beeilen. Singer empfahl, die„LindeiiMlmgeftaltniig überhaupt zu vertagen und zu warten, bis die andern„L!nden"-Frag«n geregelt seien, die Ueberführung der städtischen Straßenbahn-Linien nnd die Beseitigung des Reitiveges. Mit Bezug auf den Reitweg schlug er vor, die Sache nach bekanntem Muster„unterirdisch zu machen". Die Redner der Mehrheit boten den Freunden iinfreiwiNigcr Komik reichen Stoff zur Erheiterung. Herr i c s e kann sich eine Prachtstraße nicht ohne Reitweg denken Herr Hugo Sachs, der mit dem größeren Teil seiner Fraktion (der„Alten Linken") für das Kaiser- Projekt eintrat, verivahrte sich gegen Singers Vorwurf, daß er und seine Freunde sich damit dein Wunsche des Kaisers fügen; Herr Wallach andrerseits der mit dem Rest der Fraktion dagegen stimmte, glaubtest ch gegen den Verdacht sichern zu müssen, daß damit„gegen eine höhere Stelle demonstriert werden" solle. Die A b st i m m u n g ergab für das Kaiserprojekt 64 Stiiiimen (zu denen die dreibürgerlichenFraktionen— auch die„Nene Linke"— jede ihr Schcrflcin beigetragen hatten) und 51 Stimmen dagegen. Obev dürgermeister Ki rschncr hatte in einer gegen Singer gerichteten Er- widening die ungewollt richtige Bemerkung gcniacht, bei der gegen- wältigen Lage in inisrcm Staate sei.dieStaatSregiernngder a i s e r Die Behandlung der ,L!iidcn"-llmgestaltimg hat gc- zeigt, daß es nicht niinder richtig ist, z» sagen, bei der gegeuwärligcn Lage in der Berliner Kommnne sei die Stadtverwaltung benfallS der Kaiser. Zum Kapitel„Arznciwncher" schreibt man nnS ans Kassen- kreisen: Von den Apothekeiibesitzern wird häufig bestritten, daß den Kassen höhere Preise als Privaten berechnet werden. Unter manchen andern diene ein Beispiel dafür, mit welchem Raffinement die Krankenkassen aiisgeiiutzt werden. Ein Arzt der Orts-Krankc»- lasse für das Biichdruckgewerbe verschrieb einem Mitgliede 200 Gramm Hamburger Thce. Da den Droguisten' ver- boten ist, den Thce zu verabfolgen, so mutzte eine Apotheke in der Potsdamerstraße benutzt werden. Für diesen Thee, der im Handverkauf höchstens 1 M. 20 Pf. tostet, berechnete die Apotheke 3 M. 65 Pf. Ist das nicht Wucher? Angesichts dieser kolossalen Ausnutzung ist es wohl an der Zeit, daß die Central- kontinisston endlich Ernst macht und dafür sorgt, daß die durch Hand- verkauf zu beziehenden Hcilinittel nicht mehr miltels Rezepts, sondern durch Gutscheine verschrieben weiden. Der Erfolg für die Kassen t in die Augen springend. Denn damit wäre den Apothekern ihr bestes Kanipfmittel, Handvcrkaufsmittel nach Rezeptur zu berechnen, genomnien. Tic Polizei und die Polen. Zur Zeit gehen, wie uns mit- geteilt wird, auf verschiedenen Arbeitsstätten polizeiliche Nach- orschnngen nach polnischen resp. polnisch sprechenden Arbeitern vor ich. Besonders wird nachgefragt, ob die Arbeiter polnischen Bereinen angehören. Diese Erknndignngen sollen auf eine den Polizeirevieren zugegangene Verfügung des Polizeipräsidenten zurück- zuführen sein. Man darf vom Anstandsgefühl der Arbeitgeber wohl erwarten, daß sie höflich aber entschieden dem Abgesandten der Polizei erklären, daß es ihnen genüge, wenn der Arbeiter als solcher seine Aufgaben erfülle und sie keinen Anlaß hätten, sich um seine Privatangelegenheiten zn kümmern. Zur Warnung dcö Publikums möge folgende Mitteilung eines Lesers dienen: Meine Frau hatte bei einer Hausierorin auf die S o n n t a g s- Z e i t ii n g" abonniert, sich aber da? Recht vor- behalten, jederzeit die Zeitschrift abbestellen zu können, was ihr von der betreffenden Person auch zugestanden wurde. In solchen Dinge» noch etwas unerfahren, hatte ineine Frau aber einen B e st e i l- ' ch c i» unterschreiben. Als meine Frau das Blatt abbestellen wollte, erhielt fie die Mitteilung von der Buch Handlung Alfred Bochow in Berlin, C h a r l o t t e n st r. 5, daß sie auf dem Bestellschein die Verpflichtung eingegangen sei, einen ganzen Jahr- gang abzunehmen. Nun droht die Firma, bei Nichterfülluiig klagbar zu Iverden. Formell ist die Firma im Recht. da die Angaben der Reisenden für sie nicht maßgebend sind. Bezeichnend ist, daß die Anschreiben der Firma gleich im Druck her- gestellt sind und nur der Name der Zeitschrift eingesetzt wird. Das Vorstehende möge als Mahnung dienen, bei solchen einfachen Be- stellimgen überhaupt nichts zn unterschreiben, jedenfalls aber das vorgelegte Schriftstück genau ans den Inhalt zu prüfen. Die große» Nummern auf dem Dache der Motorwagen von zwei Linien der Großen Berliner Straßenbohn, die Zahl 26 für die Linie Schöneberg— Alexanderplatz und 27 für die Linie Grüne- K waldstraße— Lichtenberg haben bei der Aufsichtsbehörde sowohl als beim Publikum allgemeinen Beifall gefunden. Die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn hat sich deshalb entschlossen, diese zn- nächst versuchsweise eingeführte Neuerung allgemein zur Durchführung zu bringen. Zur Frage der Arbeitrrcntlaffnnge» seitens der Staatsbahn- Verwaltung liegt wieder eine beachtenswerte Verfügung der königl. Eisenbahndirekti'on Berlin vor. Danach wird an die' am Bahnhof Alcxanderplatz eingerichtete„ A r b e i t s n a ch>v e i s st e l I e" er- innert, bei welcher die sämtlichen Dienststellen an und innerhalb der Ringbahn ihren Bedarf an Arbeitskräften anzumelden und andrer« seits aller überzählig werdenden Arbeiter zur Verfügung zu stellen haben. In erster Linie sollen die überzähligen Arbeiter Berück- sichtiginig und anderweite Beschäftigimg finden. Arbeiter, lv e I ch e-noch nicht bei der E i s e n b a h n- V e r w a l t u n g beschäftigt worden sind, sollen nicht eingestellt werden, sofern bei der ArbeitsuachiveiSstelle noch Arbeiter verfügbar find, ivelche für die freien Stellen geeignet sind und ans Ar'beitsinangel von ihrer früheren Dienststelle» entlassen werden mußten. Bei Neberweisung der Arbeit soll zugleich auch nach Mög- lichkert auf die Wohnungen der beireffenden Arbeiter Rücksicht genommen iverden.— Eigentümlich ist nur, ivie bei alledem die be- denklichen Matznahinen, die wir iu den letzten Monaten schilderten, vor sich gehen konnten. Auf dem neu erbaute» Brlef-Postamt jin der Heiligengeist- straße ist seit einigen Tagen probeweise ein neuer Telephon- a u t o m a t ausgestellt, der dazu bestimmt ist, die Reichs-Postverwal- tiuig vor finanziellem Schaden zu bewahren. Wie bei den Waren- autoinaten ist auch bei den öffentlichen Tclephoiiaiitomnten vielfach die Beobachtung gemacht worden, daß anstatt eines Zchiipfcunig- ftückcs Blechplättchen von der Größe eines Nickels in betrügerischer Absicht verwandt worden sind, um den beabsichtigten Fernsprech- Anschluß zu erlangen. Dieser Möglichkeit soll in Zukunft der neue Apparat vorbeugen, der so eingerichtet ist, daß alle Falschstücke von ihm zurückgegeben Iverden, ohne daß ein Fernsprech-Anschluß ver- mittelt wird. Bisher hat sich der neue Apparat gut bewährt. Ein in Gedanke» stehen gebliebenes— Dampfboot. Ein wertvolles herrenloses Dampfboot beschäftigt seit kurzem die hiesige Kriminalpolizei. Im vergangenen Sommer legte an der Landungs- brücke eines Vergnügungslokals in Grünau ein kleiner, von nur einer Person geführter Privatdampfcr an. Der auf dem Fahrzeug befindliche Herr, der sich als Eigentümer des eleganten Bootes, welches einen Wert von etwa 5000 Mark hat, bezeichnete, begab sich in das Lokal und verschwand dann nach etwa zweistündigem Aufenthalt. Der fragliche Dampfer blieb an dem Landungsplätze liegen und trotz der fortgesetzten Recherchen durch die Strompolizei- Behörde konnte der Eigentümer des Schiffes nicht ermittelt werden, um so weniger, als eine Diebstahls- Anzeige bisher noch nicht er- stattet worden ist.— Vor etwa vierzehn Tagen erschien bei dein; Gaßwirt in Grünau ein junger Mann, der' sich als Angestellter der Seifenfabrik F. L. Runge aus Berlin bezeichnete, den angeblich seinem Chef gehörigen Dampfer reklamierte und auf Grund einer schriftlichen Vollmacht ihn sofort nach Berlin schaffen wollte. Dies wurde natürlich nicht erlaubt nnd der Fremde entfernte sich wieder. Die nunmehr benachrichtigte Berliner Kriminalpolizei stellte alSbald fest, daß das Boot der erwähnten Firma nicht gehört und diese von der ganzen Angelegen- heit überhaupt nichts weiß. Die weiteren Bemühi'iiigen der Behörde, den geheimnisvollen Vorgang aufzuklären, hatten' keinen Erfolg, umsoweiiiger, als der Dampfer den die Dahme nnd Spree be- fahrenden Schiffern und Sportslenten gänzlich unbekannt ist. Vor einem Schwindelverkauf warnt eine Meidimg ans niisreni Leserkreise. Danach hält sich in den Arbeitervierteln ein Büchcrhändlcr mit seinem Wagen auf der Straße auf. Stück für Stück werden die litterarischen Schätze gebunden für 20 Pf. verkauft. Besicht man sich die Sachen aber näher, so sind es nichts weiter als lorsoartige„Musterbücher", wie sie die ProvisionSreisenden mit "ich führen. Wer ein Bücherkeiincr ist, sieht das schon von außen. Zwei„Bände" Bürgerliches Gesetzbuch sind z. B. ans dem Zu- jaminenhang herausgerissene Teile eines Kommentars, ohne Anfang und Ende. In„Spielhagen" und„Rosegger" findet man sämtliche Romane, aber von jedem nur ein paar Seiten, usw.„Die Bücher finden reißenden Absatz", sagte uns eine Kanferin, und das ist sehr erklärlich; denn die Leute sehen die glänzenden„Original-Pracht- einbände", hören daß der Preis nur 20 Pf. beträgt und sind voll- tändig behext. Besehen sie zu Hause ihren Schaden, so ist der Schwindler natürlich schon über alle Berge. Die Strasjeubahttunsällc mehren sich nenerdings wieder in so unheiinlichcr Weise, daß allmählich eine Fahrt über den Ocean für weniger gefährlich gelte» wird, als ein Spaziergang im schutzmauns- behüteten Berlin. In gräßlicher Weise fand gestern Abend die 13jährige Tochter Henriette des in Charlottenburg, Blcibtreustr. 4. wohnhaften Kauf- inaiinS Louis Samuel ihren Tod. In einer bisher noch nicht auf- geklärten Weise geriet das Kind in der Augsbnrgeistraße unter einen elektrischen Wagen der Strecke Wilmersdorf— Küstriner Platz. Da das Mädchen nicht hervorgezogen werden konnte, mußte die Feuer- wehr zur Hebung des Wagens geholt iverden. Ihr gelang es erst nach einer bangen Viertelstunde, das bedauernswerte Kind in e»t- 'etzlich verstümmeltem Zustande als Leiche hervorzuholen. Der ganze Oberkörper war völlig zermalmt. Einen tödlichen Ausgang nahm ein weiterer Straßenbahnnnfall, über den man aus Spandau berichtet: Durch inivorsichtiges Ab- pringen von der Straßenbahn hat die hier zu Besuch weilende Ehe- tau deS SchuhmachermcisteiS Müller aus Rathenow ihren Tod ge- linden. Während der Fahrt verließ sie vor dem Hause ihrer Schwägerin einen Wagen der elektrische» Straßenbahn, wurde heftig auf den Straßendamm geschlendert und trug einen Schädelbruch davon; ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, ist sie im Krankenhause gestorben. Ein Opfer deS Zapfenstreiches ist der 21 Jahre alte Dragoner Weud vom 2. Gardc-Dragoncr-Regimeut in der Belle- Alliaiieestraße geworden. Wend befand sich an, Mittwochabend außerhalb der Kaserne und war in der Belle-Allianeestraße auf deni Heimwege, als der Zapfenstreich geblasen wurde. Der Rekrut lief nun aus Furcht, zu spät in die Kaserne zu koiiiuie», im chuellsten Lauf über den Fahrdamm der Belle-AKiaucestiaße und hatte das Unglück, blindlings gegen den Vorderperron des Straßen- bahnwagens 1415 der Linie' Kreiizberg— Aehrenstraße zu rennen. Er wurde inedergcriffe» und geriet unter den Wagen. Wend trug einen Schädelbruch davon und wurde nach dem Garnison-Lazarett Tempelhof gebracht. Der Selbstinordversuch einer junge» Dame erregte gestern mittag in einein vielbesuchten Restaurant am Potsdamer Platz große Aufregimg. Eine elegant gekleidete Dame von etwa 20 Jahren be- trat, wie das„Berliner Tageblatt" meldet, das Lokal, bestellte ein Glas Bier nnd beschäftigte sich damt. zwei Briefe zu schreiben. Als re damit fertig war, zog sie plötzlich ein Fläschchcn niit Salzsäure aus der Tasche, das sie schnell �entleerte. Nach wenigen Sekunde» gel sie bewußtlos von ihrem Stuhl he.b. Sofort eilten Gäste sowie Bedienstete des Lokals hinzu, und man trug die Unglückliche l)t einen Nebenraum. Bald waren auch Asrzte sowie Schutzleute zur Stelle.� welche die llebersühruniz der anscheinend Sterbenden in die (iharitv veranlabten. Die beiden Briefe, lvelche die Lebensmüde ge- schrieben hatte, ivnrden in amtliche Verwahrung genommen; der eine ist an einen hiesigen 5ta»fmann v. T. gerichtet, der andre an einen RechtSanlvalt Dr. M. in Hannover. 100 Mark Belohnung sind für das Auffinden einer jungen Dame ausgesetzt. Die IVjährige Tochter eines höheren Offiziers in Ostprensze», Margarete S.. die schwermütig ist, hat sich am Mittwoch, inil nur geringen Mitteln verschen, ans ihrer elterlichen Wohiinug entfernt. Sic hat eine Fahrkarte von Thor» über Born und Torgan nach Leipzig. Eilenv'nrgcr Bahnhof. Die Eltern sind am ihr Kind in groszer Sorge rmd bitten nur Nachricht über seinen V Verbleib au das hiesige Palizeipräsidinni oder das Polizeiaint in Leipzig. Die Bermitzte ist ziemlich gros; und schlank, hat eine gute Figur und blondes Haar und tragt einen schwarzen Nock, eine karierte Bluse, ein dunkelbraunes llinschlagetuch mit ivcifze» Rändern, �ine graue Herrcn-Jagdjoppe und einen bräunlichen alten Filzhut. Das Polizeipräsidium teilt urit: Aus einem Diebstahl rühren offenbar die nachstehenden, im Gewahrsam der Kriminalpolizei bc- findlichen Gegenstände her, nämlich eine gestrickte Franenwcste ohne Aerinel mit Auszeichnung 2,2ö und eine Pelzboa mit kleinem Kopf und Schwänze». Diese Gegenstände sind wahrscheinlich von der Außenseite eines Geschäftslokals, an dem sie zur Schau ausgehängt waren, gestohlen worden und sind z» besichtige» im lönigl. Polizei- Präsidium, Erdgeschoß,'Zinnner 97, ivcrkläglich zwischen 9 und 12 Uhr. Eine Anzeige über einen derartigen Diebstahl liegt bisher nicht vor. Ein Brand in der Charitö beschäftigte kgestcrn Nacht ein starkes Aufgebor der Feuerwehr. I» dem' alte» Mittelbau der Neuen Eharitö, in der die Geisteskranken untergebracht sind, liegen in alle» Geschosse» über einander sogenannte„Warmtllchcn", die dazu dienen, die aus der Haupttüche kommenden Speise» und Getränke für die Kranken bis zum Genuß warm zu halten. Die Küche i>» ersten Stock wurde gestern abend nur 8 Uhr abgeschlossen. Gegen 2 llhr nachts hörte ein Wärter ein Knistern nnd eutdcckle, daß der Fußboden uni die Maschine herum in Brand geraten war. Die Charits-Kenierlvehr wurde alarmiert und die Geistes- kranken wurde» iip ungefährdet e. Räume, in denen sie sich den Tag über aufhalten, gebracht. Die Bergung der Kranken voll- jiög-sich ohne Zivischenfälle. In kurzer Zeit ivar die Feuerwehr in großer Stärke znr Slelle. Den vereinten Aiistrcngnngen gelang es, das Feuer aus die Küchcuröiime zu beschränken'. In diesen aber batte es schon so weit um sich gegrisscu.' daß die Decke nach dem Erdgeschoß durchbrannte und zum Teil hinabstürzte. Die Decke des zweiten Stockes brannte ebenso ivic die Thiiren stark au, auch das Mauerwerk wurde beschädigt. In den, GeHöste des alten Ge- bändeS, das nach vierzehn Tagen abgebrochen iverdcn soll, hatte daS Feuer Nahrung gefunden. Die Ursache des Brandes konnte noch nicht festgestellt iverdcn. Mit dem Ablöschen hatte die Fcnerivchr vis mn 6 Uhr zu thnn. Am Ä7. d. M. hrtt die Eeiitralstclle für Arbeiter- WohlfahrtScinrichtimgeu ihre BorstaiidSsitziiug abgehalten. Es wurde beschlossen, daß die nächste Konferenz am S. und 6. Mai 1902 in Hamburg stattfinden solle. Als Gegenstände für die Bcrhand- luugeu sind in Aussicht genommen: t' Erleichterung der Unter- vringung bedürftiger Kranker in Bolkshcilstättcn und Genesungs- Heime, 2. Erbbaurccht nnd Arbcitcrwohnungen. Ein Fleisch-«nd Wagcudicb. der schon länger gesucht wurde, geriet gestern, Toimerstagmvrgcn in die Hände der Kriminalpolizei. In der letzten Zeit kam es drcizehnmal vor. daß ein ganzes Gespann mit Fleisch von der Straße gestohlen»nd verkauft wurde. Gestern morgen kam wieder eins einem Schlächtenncistex aus der Rochstraße in der Nähe der Ccntralmarkthallc abhanden. Die Kriminalpolizei, die diesmal sofort benachrichtigt wurde, faßte den Dieb»ach kurzer Zeit, bevor er noch Gelegenheit gehabt hatte, die Ladung und den Wagen zu verkaufen. Der Bcrhaftetc, ein 25 Jähre alter ehemalige Schlächtergeselle JnliuS Fracht, räumt alle dreizehn Fälle ein. Die Diebstähle wnrdcn ihm dadurch leicht gemacht, daß man die Wagen ohne Aufsicht auf der Straße stehen ließ. Weint er sich dann in seiner Schlächierkleidniig, über die er de» Ueberzicher warf, auf den Bock schwang nnd davonfuhr, so fiel dos niemand ans. Daher si.iid auch solche Diebstähle so hänfig, ebenso wie die an Gcichäfls- dreirädcrn. Diese lassen die Fahrer meist auf offener Straße stehen, wenn sie sich zu einer Besorgung i» ein Hans begeben. Ein Dieb sucht mit dem Rad das Weite, verkauft es oder laßt cS in einem ganz andren Stadtviertel einfach stehen nnd behält nur die oft wert- volle Ladung für sich. Eine Bcrzwcislnngsthat. Bor den Augen seiner Kinder hat sich der 32 Jahre alle Bildhauer Joseph Sinei, der ans Roerniond in Holland stammt lind mit seiner Familie im dritten Stock des Hauses Lindolverstr. 12 iuohnte, zum Fenster hinaus- gestürzt. Der Mann litt unheilbar an der Schivindsncht»nd war infolgedesseil sehr nervös geworden. Vorgestern abend gegen Ii1 i Uhr ging Frau Smct weg, um einen Arzt zu holen. Ein Be- lännter sollte»»terdesscn ans den Mniiii Acht geben. Sobald seine Frau das Hans verlasscii hatte, schickte Sniet den Mann noch der Küche, um Wasser zu holen, riß ein Fenster der Vordcrstubc, m der er sich mit seinen drei Kindern im Akter von 4 bis 11 Jahren bc- fand, auf nnd stürzte sich ans die Straße hinab, Ivo er mit ge- brochencni Schädel liegen bliev. In den Arme» seiner Frau, die ihn»och stürzen sah. starb er nach ivciiigc» Mimiten. Bei dem II. volkstümliche» Kunstabend in Charlottenburg ..Deutsche Märchenwelt" ai» Sonntag, den 1. Dezeiiiber. abends 7 Uhr, dessen künstlerische Leitung der Magistrat dein Verein zur Förde- rung der Kunst übertragen bat, wird den Besucher» jür den gering- sligigcu Preis von 20 Ps. ein reichhaltiges Programm geboten. «Line VogelaussieNniig eröffnet der Berliner Kanarien Züchter- und Vozelschutzvercin Sviinabend morgen 9 Uhr im Hause Miinzslr. 17, I. A»S de» Viachbarortcn. Die Charlottenburger Ttadtvcrordnetc» Bersaniiulnng er- ledigte in ihrer letzten Sitzung eine Reihe von Vorlagen, darunter die betreffend die Aufnahme einer n e n e n A n l e i h c. Ter Magistrat hätte 82 Millionen beantragt, während die Versammlung 34 Millionen mffzmichine» beschloß. Neu eingestellt hat die Ver- sammlung L'/e Millionen zur Ergänzung des GrundstückserwerbS- söiids. An einigen anderen Positionen sind geringfügige Abstriche vorgenommen.— Von den Petitionen, mit denen sich die Ver- sam'mlmig beschäftigte, ist erwähnenswert die dcS Vereins der deutschen' Käuflcnte um Erlaß eines Orts- Statuts betreffend Perbot der Bcschstftigiiiig von Aiigeslclllc» i» Fabrik-, Cngrcs-, Spcdilions-»nd Bnnkg'eschäftcn solvie in sLinnitlichen Bureau- räumen an Sonii- und Festlagen. Interessant ist der vom Magistrat hierzu einge»opunc»e Standpunkt. Da die Berliner Stadtverordneten« BersnmMlniig am 23. November 1899 einen gleichartigen Antrag Singer»nd Genossen abgelehnt bat, glaubt der Magistrat mit Rücksicht.ins die zivischcn Berlin und Charlotlenbnrg bestehende Jiitereffengcmeinschasls nicht einseitig vorgehen zu können. Die Versammlung schloß sich diesen Bedenken an nnd ging über die Petition zur Tagcsordiinng über. Charlottcnburg. In der nächste» Sitzung, am 4. Dezember, wird sich die Stadtvcrordneteil-Bersaunnlniig mit zwei J n t e r- p e l l a t i o n e n beschäftigen. Tie eine, von dem liberalen Stadt- verordneten K aufm an u nnd Genossen eingebrachte, bezieht sich ans die Arbeitslosigkeit nnd lautet:...Hat sich der Magistrat schon mit der Frage der Arbeitslosigkeit be- schäftigt und welche Schritte gedenkt er zu deren Ab- Hilfe zu iTstin?".' Die zweite Interpellation Haise und Genossen betrifft die Untergrundbahn. Die Interpellanten fragen au, ob nach deni jetzigen Stande der Arbeiten zu erwarten sei. daß die Strecke der Untergrundbahn vom Bahnhos Zoologischer Garten bis zum Wilhtzlnisplatz bis zum 1. April 1904 er- öffnet wird._- Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in T Die Charlottenburger GaSdePutation hat beschlossen, bei dem geringen Entgegenkommen, welches das westfälische Kohlen» syndikat gezeigt hat, und zugleich im Hinblick auf die nicht be- sriedigende Qualität des Materials von einein Ankanf der Kohlen bei dem Syndikat Abstand zu nehmen. Es ist daher ein großer Posten engsischer Kohle gelaust worden. In Wilmersdorf zogen sich am Mittwochabend die Ge- m e i» d e w a h l e n. die bis acht Uhr erledigt sein sollten, bis nach elf Uhr hin..Die nnzulänglichc Einrichtung des Wahlgeschnfts war es wesentlich, die eine derartige Ausdehnung der Wahl zur Folge halte. Ms es daim eiidlich ans Auszählen der Stimmen ging, stellten sich Ungenauigkeiten und Zweifel ein. so daß der Leiler der Wahl- Handlung von der Verkündigung des Resultats absah und die Listen mit in'seine Wohnung nahm. Erst gestern wurde das Resnliat fest- gestellt. Es lautet: A n g n st N a t n s ch, Gastwirt(Soc.), 470 Stimmen, die Gegner Sil Stimmen. Stichwahl zwischen Na tusch jSoc.) nnd Baumeister Her in a n n sreichslren). Redacteur W. Schröder(Soc.) 467 Stimmen, die Gegner 496 Stimmen. Stichwahl zwischen Schröder(Soc.) und Gastwirt H e n z e(liberal). P. Hilpert, Gastwirt(Soc.) 463 Stimmen, die Gegner 497 Stiminen. Stichwahl zwischen Hilpert(Soc.) nnd Banmeister P ii in p I n ii(reichStren). In der zweiten Abteilung wurde gewählt Direktor Max D i e t s ch(liberal), in der ersten Kaufmann ReinhardSteffens (reichStren). Die Stichwahl in der 3. Abteilung zu Spauda» zwischen den beiden bürgerlichen Kandidaten Oberlehrer G r n b e und Tanz- lchrcr Spaeth findet heute statt. Die katholischen Arbeitervereine inachen mächtig für ihren„GlanbeiiSgeiiosien" Spaeth Propragauda. Es scheint aber, als wenn das hiesige Stadtparlament nicht zu dein Vorzug kommen wird, diesen Herrn zu sciiien Mitgliedern zu zählen, denn die Katholiken geben sich selbst keiner besondren Hoffnung für ihren Schützling hin. Ilnsre Geuosien genießen das Schauspiel eines Krieges zwischen den feindlichen Brüdern aus der Ferne! Tic BvlkSbüchcrci der Stadt Schöncberg wurde im letzien Berichtsmonat von 7S24 Lesern in Anspruch genommen, welche 12 257 Bücher cnlliehcn. Durchschniillich fanden sich jeden Tag 289 Leser ein, die Höchstznhl der Leser eines Tages betrug 693, die niedrigste 129. Tie Höchsizahl der au einem Tage anSgcgebcnen Bücher betrug 1062, die niedrigste 275. Tnrchschnrttlich wurden täglich 471 Bücher ausgegeben. Mehr als die Hälfte der ciitlicheneii Bücher nnifäßte daS Gebiet der nciicii Litlcratur beztv. Jugend- fchrifte». Vom Vorstand der OrtSkaffe zu Weißensce erhalten wir zu den Mitteilungen in Nr. 256 nnsres Blattes folgende Zuschrift: „Tie Arbcilgcbcrvertrcter-Wahl hat in vorichriftSiuätziger Weise ohne irgendwelche Verschleppung nmiiittelbar nach cinciii vorhergegaiigeucii Wahlakte stattgefunden. Dein aus der Mitte der Versamnilnng ge- stellten Antrage, mit der Wahl noch zu warten, habe ich— da dicS Ungesetzlich ist— nicht stattgegeben. Bezüglich der Verweigerung dcS EntbiiiduugsgeldeS an eine Wöchnerin, die außerehelich geboren, bis sie den Namen des Vaters des Kindes angegeben, wird bemerkt, daß auch dicS auf einer irrigen Information beruht. Die betreffenden Wöchnerinnen werden ftetsdaranf aufmerksam gemacht, daß die Kaffc ihnen daS Eiitbindnngsgeld zahle, aber dasselbe von Hein Vater des Kindes wieder einziehe, wozu der Vorstand gesetzlich verpflichtet ist. Es ist doch nichts näherlicgend, als daß die Mutter des KindeS nach dem Name» dcS anßcrchelichen VaterS befragt wird. Das letztere ist nun Ansichlssachc. Zehlcndorf. Die Amtspenode des Gcn�indcborsichers Schlvcitzer läuft Anfang Januar iiächsicn Jahres ab. Trotzdem ivar bisher von einer Vorbereitung zur Wahl nichts zu spüren, cS sei denn, iiian betrachtet ein Gerücht, wonach Herr Schweitzer ans Lebenszeit gewählt werden sollte, als solche. Um so eigentümlicher erscheint jetzt die plötzliche Ankündigung, daß die Wahl schon diesen Sonn a b e ii d vor sich gehen soll. Von bürgerlicher Seite wünschte man schon lange eine Aendenmg im Gemeiiidewesen. Nun, da es an der Zeit ist, versagt alles: sogar der Ausschuß für Eiiiberusniig von Gcmeindeivählcr-Vsrsaiimilnngcn bringt keine Versammlniig zii stände, trotzdem der HauS- und Grmidbcsttzervercin eine solche beantragte hat. Leider ist es uns als S o c i a l d e in o k r a t e n nicht möglich, eine Versanunliing einzuberufen, weil wir keinen Saal be« kommen. Uns würde es freuen, wenn, wie von Schlachtensec ans beantragt werden soll(Schlachtensec stellt zwei Vertreter), die Stelle ausgeschrieben wird, damit neues Leben in die Gemeiiidevertretiiug kommt. Leider scheint die Zeit etwas zu kurz zu.diesem Vorhaben. Die Sitzung findet Soiniabendnachmittag Sße Uhr in der Anlq des neuen Schnlhanses statt und ist öffentlich. Die Parteigenosieii werde» gebeten, in der Sitzung zu erscheinen. GuviMs-Dvtkung. Ei» bedenkliches Abenteuer hatte der Oberlieutenani v. Sp. ans Spandau zu bestehen, �als er äm Abend dcS 9. Oktober d. I. einen Ausflug nach Berlin unteriiommen hatte. Er besuchte mit einem andren Herrn auch das A p o-l l o- T h e a t c r. Dort lernten sie zwei junge Mädchen keimen, welche sich bereit finden ließen, mit den Herren eine kleine Bierreise zu iniieniehuie». Ta§ eine der Mädchen, die inwerehelichte Marie K u h l k e, inackite ihre Kollegin darauf aufmerksam, daß deren Begleiter, der Oberlicuteiiänt v. Sp., ein wohlgesülltcs Poilemonnaie bei sich sichre. Nachdem die beiden Paare in einem Lokale verschiedene GlaS Pilsener zu sich ge- iioiilinen, bestiege» der Oberlicuteiiänt und seine Begleiterin, die miverehclichte Elise Hentze, eine Droschke. Der stark au- gctiiinkeiie Offizier schlief gleich ein. Diese Gelegenheit venntzte das Mädchen, ihm das Porieiuomiaie aus der Tasche zu ziehen. Sodann verlangte eS, daß der Kutscher halle. Hierdurch erwachte der Offizier, der da? Mädchen nicht freigeben wollte, sondern dem Kutscher befahl, bis ans Ziel zu fahren. Die Hentze schlug darauf die Thürschcibe mit der Faust ein nnd rief um Hilfe. Ilm Aiifsehcn zu vermeiden, und da er nicht wußte, daß er bcslohlen war. zog der Offizier es vor. daö Mädchen aussteigen zu lassen. Es mußte vorher aber dem Kutscher die zertriiinincrte Scheibe mit 5 Mark bezahle».— Am solgenden Tage trafen die Hentze und die Knhlke sich in der Zimmer- 'lraße. Die ersiere erzählte von ihrem Erlebnisse, gab aber die er- beutete Siiiiinie mir ans 200 anstatt auf 500 M. an mid erbot sich, der Kühlte hiervon 100 M. abzugeben. Die Knhlke nahm die 100 M.. erstattete aber dennoch Anzeige, da sie annahm, baß die Hentze nicht ehrlich geteilt habe. Im gestrigen Teimine vor der vierten Strafkammer des Landgesichts I zeigte sich, daß die Angeklagte Hentze bereits dreimal wegen Diebstähle vor- bestraft war. die unter ähnlichen Verhältnissen begangen waren. Der Staatsanwalt beantragte deshalb eine Zuchthausstrafe von e i n e in I a h r e s e ch s M o n a t c n. Der Gerichtshof billigte der Angeklagten. aber mildernde Umstände zu und beließ es bei einer Gefängnisstrafe von ein cm Jahre. Zwei gerupfte Sachsen, die aber schließlich doch noch die be- kannte„Helligkeit" bewiesen haben, nämlich ein Bäckermeister und ein Lehrer aus der Nähe von Dresden, traten gestern als Belnstnngs- zeugen vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I ans. Sie waren in ein Abenteuer verwickelt, welches sie vor längerer Zeit in einer der bekannten Kneipen mit Bedienung von zarter Hand er- lebten. Beide hatten am 30. Dezember v. I. eine ge- incinschastliche Reise nach Berlin unternommen und waren auf ihrer Fahrt durch die Berliner Lergiiügiuigen spät abends auch nach dem Restaurant von Engen Becker in der Charlotten- stratze gekommen, dessen rote Laternen ihnen vielversprechend enl- gegen winkte. Sie saßen bald in lieblichem Geplauder mit zwei Kellnerinnen und konnten deren verlockenden Offerten, eine Flasche iiiin. Für d-u Juseratenteil verantwortlich:»d.«locke tu Berlin. Dm- Wein mit ihnen zu trinken, nicht widerstehen. Ans der einen Flasche wurden aber im Handumdrehen deren mehrere. Nicht nur eine Miisikaiitenkehle, sondern auch die Kehle einer Kellnerin ist bekannt- lich wie ein Loch nnd so waren trotz aller Proteste der nicht ans den Mimd gefallenen beiden Sachsen, die fort nnd fort erklärten, Wein nicht mehr zu trinken und nicht zu bezahlen, bald sechs Flaschen ge- leert, für welche 42 M. zu bezahlen waren. Tie sächsischen Lands- ljnite iiiachtcn eist Schwierigkeiten, zahlten dann aber mit stillem �euszcr und begleitete» nach eingetretenem Feierabend die beiden Kcllnerinncii noch in ein Ense.' Am nächsien Morgen er- schienen sie mit einem Schutzmann in dem Lokal des Angeklagten B. und verlangten ihr Geld zurück. Becker, der wohl wußte, daß die beiden Heben verbotswidrig am Tische der beiden Gäste gezecht hatten, gab jedem derselben' 10 Rk. zurück und glaubte sich dadurch gleichzeitig von einer Anzeige wegen Nedertretung der Schankpolizei- Ördnmig' losgekauft zu haben. Er hatte sich aber geirrt. Sowohl er selbst, als auch die beiden Mädchen erhielten nach einiger Zeil ein Strafmandat und ans demselben waren die beiden Sachsen als Zeugen angegeben Worden. Darob gerieten die drei in große Wut und eines' Tages setzte sich Herr Becker hin und schrieb an den Lehrer einen fulininonteii Brief, der als versuchte Erpressung aufgefaßt wurde. Er machte darin den beiden Sachsen den Vorwurf, daß sie den Kelliieiiimeii unsittliche Anträge gemacht hätten. Es wurde ans die erfolgte Polizeistrafe hingewiesen' und umgehender Bescheid ver- langt, widrigenfalls der vorgesetzien Behörde des Lehrers Mitteilung gcn'iacht weiden würde. Den Brief nnierschrieb Herr Becker, die eine der beteiligten Kellneriinien Frl. K n n tz e und mit dem Rainen der andren Kellnerin Frl. Riegel. Da diese keine Eclaiivnis zu dieser Unterschrift eingeholt hatte, war sie noch wegen Urkiindenfälschung, Becker nnd die Kuiitze mir wegen versuchter Erprcffung angeklagt. Der Staatsanwalt beantragt wegen der Urkundenfälschiiiig die Frei- sprechnng, wegen der versuchten Nötigung dagegen die Bestrafung sämtlicher Angeklagten. Der Stantsanlvalt beantragte gegen Becker zwei Monate, gegen die Ä u n tz e z w e i 23 o ch e n, gegen die Riedel drei Tage Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Leop. Meyer, plaidierte für Freisprechung. Der Gerichtshof hielt es für zweifellos, daß durch den Brief die beiden Lldrcffaten durch Drohungen»m Geld gebracht werden sollten. Becker wurde zu 3 M o n a t e n, die Kuntze zu zwei Wochen nnd die Riegel zu einer Woche Gefängnis verurteilt. I» wirklich drastischer Weise ist die Spandauer Polizei- Verwaltung bemüht. die Wohnungsnot zu inildeiu. Vor dem Schöffengericht hatte sich dieser Tage der Arbeiter Julius Gericke zu verantworten. weil er sich trotz polizeilicher Aufforderung binnen der von der Polizei festgesetzten Frist von 3 Monaten kein Unter- kommen verschafft hatte. Gcricle war mit seiner Familie als Obdachlos im hiesigen Asyl iiiltergebracht. Er erhielt, die er- wähnte Anffordernng von der Polizei, und da er dem Verlangen nicht nachkomiiicn konnle, wurde er cinfach augcllagt. Er vcisichcrte zwar, daß er sich um eine Wohiunig bemüht habe, aber keine Woh- nniig finden konnte, die er zu bezahlen im stände war.' Es ivar ihm iiicht möglich, dies iiachznwcii'en. da er vergessen hatte, sich eine Beschcinignng von den Hauswirten darüber geben zu lassen, daß er nach einer Wohmnig gefragt hatte. Der Amtsanwalt G ö h r i n g war der Ansicht, daß der Angeklagte nur � ein hartnäckiger Mensch sei. der sich keine Wohmnig suchen wolle. E>>> e Wohnungsnot bestehe gar nicht mehr. Er beantragte eine Woche Haft. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten auch zu dieser Strafe!'_ Vevssttn mku ngen. Ter Beginn des Kampfes gegen den Brotwncher lautete das Thema eines Vortrages, den Genosse Ledebour am Dienstag in einer ungewöhnlich stark besuchten Versammlung hielt, welche der Wahlvercin für den sechsten Kreis in Wernaus Saal veranstaltet hatte. Vor Eintritt in die TageSordming machte der Vorsitzende F a h r o w kurz Mitteilimg von dem Entscheid. den der Parteivorsland nild die Controleiiie hinsichtlich des OrgamsatioiisstreiteS im sechsten Wahlkreise gelroffen haben und betonte, daß die Genossen des Kreises mni wieder ein- hcitlich ziisannncnarbeitcii würden.— Aus der Versammlung wurde die soforiige Besprechung dieser Angelegenheit gewünscht, demgegcnüvcr wies jedoch der Vorsitzende darauf bin, daß'' doch diese Veisaniiiilnug keine Beschlüsse faffen könne, die Angelegenheit vielmehr der Beratung und Bcschlußfaffung der'iiächsteil Gcncralversanmilung unierliege. Man sah deshalb von einer DiSkiissioii ab,- nnd Genosse Ledebour erhielt das Wort zu scinem Vortrage. Er begann mit dem Hinweis auf den Erfolg unsrcr Protestbewegimg gegen den Zolltarif und übte dann«iitcr allgemeincr Zilsiimmnng luid lebhasteni Beifall der Zuhörer scharfe Kritik an der Bcgründnng desselben. Zum Schluß wies er daraus hin, daß dank niffrer Agitation auch die dem Cenlrum anhängenden Arbeiter zum Teil zu der Erkeuiitiiis gekommen sind, daß die Ccntruiiispartei in der Zollsrage nicht die Interessen der Arbeiter vertritt. Diese Erkenntnis noch weiter zu verbreite», niiisje nnsre Aufgabe sein, und um hierzu Zeit zu gewiinien, würde die Vorlage im Reichstage recht gründlich erörtert werden. So werde eS uns hoffentlich gelingen, die Brotwiicherplane zu Falle zu bringen. Tie allgemeine Qrts-Kraukcnkasse für die vereinigten Ge- werbebetriebc in Charlottcuburg nahm in der Gencralversaiinn- luiig am 24. November eine Nesolnlion an. in der der Vorstand aus- gefördert wird, in dem Kampf gegen den Arznciivnchcr alle zu- lässigen und vom Vorstand für zweckmäßig erachteten Mittel anziuvende». Des Ferneren fordert die Gciieraluersoimnluiig den Kasjenvorstand auf, etwaigen Versuchen höherer Behörden, der Kasse zum Vorteil der Gcldiiitcrcffeii der reichen Apöthckenbesitzer die Einsührimg der freien A p o t h e! e n w a h l mifziizwiugen, zu welcher Maßnahme die Kasse weder gesetzlich noch statutarisch ver- pflichtet werden kann, gesetzmäßigen Widerstand entgegcnziiietzcn. VeimiUitzkes» Zum Stastsurter Grubenunglück wird der„Magd. Zeitimg' ans Ä-taßfnrt geschrieben: Dienstagiiachiiiittag wurden die drei zuerst unter den herabgestürzten Salzniassen im Schacht Ludwig 2 aitfgefiiiidriieu Bergleute unter großer Teilnahme der Bevölkerüng beerdigt. Zwei weitere Leichen sind jetzt aufgcfmideu, deren Er- kenming kaum möglich schien: erst später konnte man die Persönlich- keiten ftststcllen. Zur Zeit liegen unter den Salzmoffcn noch zehn Leiche», an deren Bergimg unausgesetzt gearbeitet wird. Die bisher heraiiSgeholten Leichen waren ziim Teil infolge der Vcrketziingen völlig nukeimtlich geworden; äußere Merkmale der Kleider usw. mußten znr Erkeiimmg dienen. Nach einem veriinitlich durch Zigeuner entführten Kinde sollen aus Veranlassung des Landrats von Stubenraiich auch im Kreise Teltow Nachforschungen angestellt werden. Es handelt sich ii»i die sechsjährige Tochter eines Kutschers in Hannover, die seit dem 18. Augiist d. I. vcrschwuiidcii ist. Mau iiiinint an, daß das Kind, welches Elfe Kastel heißt, verschleppt oder von Zigeuuern entführt worden ist. Die OrtSpolizci-Bchördeii und Gendarmen sind angewiesen worden, namentlich die Wagen von durchziehenden Zigeiliicni, Kesselflickern, Beseiibiiidcrn usw. einer genauen Durchsicht zu initerziehcn. Ein Eisenbahnunglück von kaum dagewesene» Umfange meldet der Telegraph ans Amerika: Detroit, 28. November. Ans der Dabaih, St. Louis and Pacifie-Bahu stieß in der letzten Nacht in der Nähe von Seneca ein mit Einwanderern besetzter Zug mit einem anderen Zuge ziisamintu. Die Wagen des Einwanderer- znges wurden zertrümmert und gerieten in Brand. 80 Personen ollen iiiiiS Leben gekommen und 150 verletzt sein, davon 25 schwer. Der andere Zug wurde ebenfalls schwer beschädigt. Die Schuld an dem Eiseiibahiiiniglück trifft den Einwandererzng. der von der Station Seneca weitersuhr, während er ans das Eintreffen dcS anderen ZngeS hätte warten müsse»._*__ und Verlag von Max Badiug in Berlin.