Nr. 291, Abointtments-Kcdwgungt»: Abonnemintt-Prett pränumerando! vierleljährl. 3,30 Sit., monatl. l.loSlt., wöcheulltch 28 Psz. Ire! tn« Hau». Stiuelne Numm-r 6 PIg. Eonnlag», Nummer Mi» Uluiirlirier von.mazä» Beilage„Die Neue Well" lo Pfg. Post- Hbonneineiil: MO Marl pro Monat. «tngelragen tn der Post- Zeilungl» Breilllsie fiir>vl>1 unter Qr. 7«7l. Unter Kreuzband für Deutschland und Leslerrelch- Ungarn 2 Marl, für da» iibrige«utland S Marl pro Monat. Er>chri»i täglich«»ger Zvonlag». _____ � �'' Vevlinev Volksblalt. 18. Jahrg. Ate Insertlons-Gelillyt teträgi für dle lechZgefpaliene Kolon et« »eile oder deren Raum«0 Pfg.. für politische und gewerlschaltlichs BereinS- und Bersammlungs. Anzeigen 20 Psg. «Kleine Ans-igen» jedes Wort li Psg. (nur das erste Wort litt). Inserate sür die nächste Nummer müssen bls 4 Ubr nachmtltagsin derikrpedition abgegeben werden. Dle Erpcdtlion Ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und gestlagen bis öUhr rormiltllgs geössnet. Telegramm-Adreste- «vorialdrlnostr.it vrrlin" Centvalovgnn der socialdemokrcrtischen Partei Deutschland s. Rrdalttivn: sw. 19, Beutlz- Strafe 2. Zrerusprechcr! Amt I Nr. IliOg. Expedition: L�v. 19. Vench-Stealie 9. Kernsstrecher: Amt I. Nr. Klüt. Zolljonglenre. Mit welcher Unverfrorenheit die Wortführer des Bundes der Landwirte polemisieren, zeigt die Replik, niit der ihre „Korrespondenz" auf unsren Leitartikel in Nr. 284 des„Vorwärts" antwortet. Die dort nachgewiesene Thatsache, daß trotz der beträchtlichen Zollerhöhungen auf der schiedene landwirtschaftliche Produkte in den achtziger Fahren, besonders auf Getreide. sich die Acker und Gartcnfläche seit 1878 noch nicht um Pro z. vergrößert hat. daß, soweit eine Zunahme des Gctreide-AnbaueS sich vollzogen hat, diese auf Kosten der Ackeriveide, der Brache und der Futterinittelproduktiou erfolgt ist, so daß zur Versorgung des Viehes mit Futter eine enorme Steigerung der Einfuhr von Mais, Kleie. Reis abfüllen, Lclkucheu zc. und damit zugleich eine immer weiter um sich greifende Verseuchung deS Vichstandes stattgefunden hat: alle diese durch die Reichsstatistik erwiesenen schönen„Erfolge" junkerlicher Agrarpolitik werden von der„Korrespondenz" einfach ignoriert und den Lesern gegenüber so gethan, als hätten wir in unsrer„socialdemo kratischen Deniagogieprofcssoren"-Weisheit lediglich bezweifelt daß die deutsche Landwirtschaft überhaupt in die Lage kommen könnte, den deutschen„Bedarf an Getreide" zu decken, wobei das ehrsame Organ deS Bundes sich das Kunst stückchen gestattet, aus dem„Getreidebedarf", der selbst verständlich auch den Bedarf für industrielle Zwecke und sür die Viehmästnng mit Umfaßt, unversehens einen Bedarf für den Brotkonsum zu machen. Nachdem derart das Bcweisfeld ausgewählt und verengt ist, fällt es dann natürlich der„Korrespondenz" nicht schwer, unter Zuhilfenahme von allerlei Voraussetzungen den Nach weis zu führen, daß wenn die Verfüttcrnng von Brotgetreide an das Vieh aufhörte, wenn die Brache weiter beschränkt und die Getrcidcanbauslächc durch Nutzbarmachung der Moore vergrößert würde, daß dann die Landwirtschaft weit mehr Korn erzeugen könnte, als die deutsche Bevölkerung für die Vrotcrzcugung gebraucht. Wörtlich heißt es: „Die Zahlen der Erntestatistik ergeben ganz klar, daß wir in den Jahren 1803/07 durchichnilllich Igt Kilogramm, in den solgcnden 1898,1800 sogar 198 Kilogramm Brolkorn eigner Pro� dnllion per Kopf der Bevölkerung zur Verfügung gehabt haben Nieniand wird ernsthaft beslreiten können, dntz ällein mit dieser Menge inländischen Brolkorns der Brothunger des Volkes hätte gestillt Iverdcn können, eine Einfuhr tväre nicht notwendig gewesen: sie hat nur dazu gedient, eine gleichgroße Menge deutschen Brot' locus in die Viehställe zu drängen.... Außerdem könnten den heute dem Hackfruchtbau dienenden Ackerflächen a u s g e s ch i e d e ii e n Ober-NegieriuigSvat-Z Xr. Wörrishofer ein cindrcr badiicher RegicrinigSrat i» die Kommission eingetreten. ES sollte mn Doiiuer-Ztag der Fragebogen fiir die Erhebungen iibcr die Arbeitszeit und Sonntagsruhe im Fleischer- g c w e r b e festgestellt werden. Ein uon einem Ausschuß entworfenes Formular wurde von mehreren Seiten bemängelt. Die Kommission nahm diu Fragebogen durch und faßte entsprechende Beschlüsse, die nun dein Ausschuß mit überiviesen ivurden; es soll dann die endgültige Feststellung des Wortlauts in der nächsten Sitzung erfolgen. Der Ausschuß wurde durch zwei Mitglieder ver- stärkt und soll derselbe dann auch Fragebogen für die Erhebungen Über das Transportgewerbe entwerfen und die Einleitung der Erhebungen über die tägliche Arbeitszeit der in der Binnen- s ch i s f a h r l Beschäftigten oorbercileii.— Der Vater hat vielleicht alles vertrunken. Die katholische „Kölnische V o l t s z e i t u n g" stellt zu dein Aruimschcn Zlvischen- ruf das Folgende fest: l. Der Borfall beruht a u f W a h r h- i t. Der Schüler H. der siebenten Klasse war gestorben. Am nächsten Tage behandelte der Lehrer der Klasse die biblische Erzählung:„Jesus seguer die Kinder". Bei der Erklärung der Worte:„Lasset die Kindlein zu »nr komme» und wehret ihnen nicht, denn für solche ist das Himmelreich", teilte er seinen Schülern den Todessall mit und bc- merkte, der kleine H. sei nun im Himmel. Im Anschlüsse daran er- folgte die Frage:„Wer mochte auch wohl in den Himmel Z" Aus die Frage gab ein Knabe die bekannte Antwort. 2. Die Zt o t der Familie w a r t h a t s ä ch l! ch v o r- ha n d en, und dainit ergab sich für mich die Berechtigung zur Ver- äsfentlichiiiig des Vorfalles. Der betrefseude Lehrer ging au demselbeii Tage in die Wohnung des Knaben, und was erhier'faud beziehungsweise nicht fand, beivog uns, die Wohlrbätigkeit anderer anzurufen. In einer Dachstube fanden wir sechs. Personen» die Frau und fü» Kinder; der kleine Raum diente also als Wohniuig für sieben Persone». Die Frau war krank; von den Kindern war das älleste sieben Jahre alt. Zivei kleine Kinder konnten noch nicht laufen. Der Ge- slilidheits- beziv. Kräftezustand schien uns nach dem Aussehen der Kinder gering zu sein. Das Bettzeug>uar auch für die geringste Wintertemperatiir nicht ausreichend, die Kleidung der Kinder mangel- Haft. Der Verdienst des Mannes war gering und reichte jedenfalls nicht, um alles zu bestreiten, wofür hier gesorgt werden mnßle: luftigere Wohnung, kräftige Nahrung, bessere Kleidung, Bettzeug ec. Ich freue mich, an' dieser Stelle jenen danken zu können, die beigesteuert haben, dieser und noch andre» Familien Wohlthaten enveisen zu können. Gott vergell's ihncii reichlich! 3. Wer trug die Schuld? Nach uiisren Er- kinidigiillgen vor der Veröffentlichnilg deS Vorfalles und nach unsrer Ueberznigung. die wir auch heule noch haben, trifft der vom Grasen v. Arnim berührte Punkt nicht zu. Mit der Arniinschen Versoff'enheit ist e$ also nichts. Ver- mntlich wird— nach dieser Feststellung des Sachverhalts— der «die Graf demnächst seinen Zwischenruf dahin ändern:„Warinn haben die Leute so viele Kinder I" Das entspräche ganz seiner christ- stcheil Schutzzöllncrei.— Rhcinbabe» als Statistiker. In der gestrigen Notiz über die Eiitwicklniig der Gelreidepreise unter dem 5 Mark-Zoll findet sich ein störender Drnckfehlsr. Der Roggenpreis betrug unter dem 3 Mark-Zoll 1887 ISO.S Mark(nicht 150,0) und stieg dann 1888 unter dem 5 Mark-Zoll ans 134,5 M.— oi Tie liederliche„Norddeutsche". Sehr leichtfertig redigiert wird die„Norddeutsche Allgemeine Z e i t n n g". das'Re- gierm'zSbtati. Obwohl Genosse Bebel bercils vor einigen Tagen die ih.n zugeschobene Aenßenmg vo» den Schulkindern im Eicbs- fclde richtig gestellt hat, bringr heute noch die«N. A. Z." das Gc- wasch der„Halleschen Zeitimg". Wozu wird der Lauser bezahlt!— Die Stichwahl in Wiesbaden hat dem freisinnigen Kandidaten Dr. C r ü g e r den Sieg gebracht; für Crüger ivnrdcn bisher 14 103 Stimmen gezählt, für unscrn Gc- Nossen Quarck 11 023 Stimmen. TaS gestrige Wölfische Telegramm. das Onarck bereits 13 700 Stimme» zuschrieb, beruht auf einem Schreibfehler. Da nur noch das Resultat aus wenigen kleinen Cdm aussieht, ivird Crüger mit ca. 3000 Stimmen Mehrheit gewählt sei». Crüger hat also annähernd 8000 Stimmen mehr ans sich vereinigt, als bei dem ersten Wahlgang, wo er es nur ans 6400 Stimmen brachte. Diese 8000 Stimmen stellten National- liberale und Centrum, die beim ersten Wahlgmige 5432 resp. 5826 Stimmen erhalten hatten. Vom Vorstand' des Wiesbadener nationalliberalen Wahlvcreins ivar zwar die Parole der Stimm- enthaltnng ausgegeben worden, allein diese Parole ist von den nationalliberalen Wählern nur zum kleinsten Teile beachtet worden. Die Abstimmung in Wiesbaden beweist das. Wuchs doch in Wiesbaden die freisinnige Stimmeuzahl bei der Stichwahl von 3306 auf 6703 Stinimen. Da bei der Hmiplivahl 3002 national- liberale und nur 1106 Ccntrumsstimmen abgegeben worden waren, ist der große Stimmenzuwachs der Freisinnigen zum weitaus größten Teil dem Eintreten der Nationalliberalen für Crüger zuzu- schreiben. Da die bürgerlichen Parteien sich trotz alledem auch hier wieder einmal solidarisch fühlt«», war ein Sieg unsres Kandidaten ans- geschlossen. Die ca. 1500 Stimmen, die Genosse Ouaick bei der Stichivahl mehr erhielt als bei der Hauptivahl. dürften fast ausjchlicß- lich socialistische Reserven darstellen. Der Tag ist nicht mehr allzu- fern, wo auch die hingebendsle Waficiibrüderschast der bürgerlichen Parteien der Socialdeniolralie den Sieg nicht mehr streitig machen wird.— Ter antiagrarischc Muristco Hcntig von Koburg- Gotha hat den ihm verticheiieil Adel nicht a n g e u o m in e n. Ofienbar hält er den Adel durch die Zollivucher-Agiialion für so schwer kompromittiert, daß er mit der Gesellschaft uicht ver- wechselt werden möchte.—_ Tie sächsische» Finanzen. Alis Sachsen wird unS geschrieben: Die sächsische Regierung befindet sich in arger Klemme; die Staatsfinanzen haben sich in den letzten Finanzperioden so ver- schlcchtert, daß endlich die von konservativer Seile vor vier Jahre» abgelehnte Steuerreform durchgeführt werden iiinß. damit wenigstens ein Teil des innncr mehr wachsenden Teficiis im Staatshaushalt gedeckt werden kann. In voriger Finanzpcriode bezifferte sich das Deficit, das man durch Ilebertraguiig von AnSgabeposlulaien für Staatsbauten in den außerordentlichen Etat hinioeg- cskamolicren wollte, auf ca. 33 Millionen Mari; in der lmifenden Periode ist es noch größer Die Staatsschulden sind seit 1808 mn 222 Millionen Mark gewachsen, belasten also mit Zinsen und Tilgnngsqnote den ordentlichen Etat um beinahe 9 Millionen mehr. Mehr als hundert Millionen Marl neuer Anleihen kündigt dazu der Finaiizminister in dem Sleucrdekrct an. das dem Landtage vorliegt. Dazu konimeii 6 Millionen Mark, die für Wohiilings- gcldziischüfie an die Bcainten ausgeworfen werden. Ferner ist der Staatsbedarf gelvacdscn mit der zimehmende» Erweiterung der Staatsgeschäfte, die das Wachstum der Bcvölkeriing erheischt. Auch die Staalsbauten zur lliiterbriiigiing der Gcscbäfie müisen vermehrt werde», obgleich die Regierung in dem vorliegende» Etat die Ans- gaben für derartige Staatsbauten gegen den vorjährigen Etat mn circa 14 Millioiicü cingöschränkl hat,»nr mn das Deficit zu ver- riiigcni. Tie steigenden MatrikUlarbeiträge fiir das Reich erfordern ebenfalls höhere Einnahnien, die aber infolge der ivirtschaftlichcn Krisis in den nächsten Jahren kaum zu erwarten find. So bricht alles herein, um die Situation Zu einer iebr mißlichen zu gestalte». Nim mühen sich Regierung und Treiklassen- Landtag ab, dieser Situation Herr zu werden. Aber wie die Maßnahmen in der Etat-aufstellung und zur Steuerreform jetzt getroffen sind, ist dies unmöglich. Der ordentliche Etat konitte� nur so ins Gleich- gewicht gebracht»Verden, daß die Regierung einen Zuschlag zur Staats-Einkommensteucr von 50 Pro z. erhebt, den 16Ve Millionen Mark einbringt. Zu diesen 16Vz Millionen Deficit treten aber»och die Ausgaben von ca. 20 Millionen Mark für„unproduktive Staats- banten", deren Last wieder ans den außerordentlichen Etat über- »0,1, nie» worden ist und die ans Anleihen gedeckt iverden sollen, das beträgt also zusammen 36V2 Mill. M. Schlechterdings mutz aber doch die Ziiriickstellnng notwendiger Staatsbauten. die man auf„bessere Zeiten" verschiebt imd die mindestens nach dem vorigen Etat circa 14 Millionen Mark mehr betrage» würden, als angesetzt ist, eben- falls das Deficit vermehren, so daß es in Wahrheit wenigstens 50 Millionen Mark beträgt. Die Steuerreform— Erhöhung der Eiilkommensteucr und Ein- fühmng einer Vermögciissteucr— ergicbt jedoch nach den Anschlägen des FüianzministerS nur eine Mehreiimahme von 12> z Millionen Mark. Unter solchen Tlmstäudeil ist an eine Beseitigung doS Deficits nicht zu denken, und so ivird Sachsen eine Reihe von Jahren mit den mißlichsten Verhältnissen seiner Siaatssinanzen zu rechnen haben, die trotz der konservativen Schönfärberei thatsächlich eingetreten sind. Das mag der konservativen Mehrheit des Drei- llajjeii-Laiidragcs sehr uriangenehm' sein, weil durch ihre Gönner- Wirtschaft, die Liebesgaben an die Agrarier millionciilveise gewährte, die Gehälter der Minister, höheren Beamte» und Geistlichen hiliaus- schrauble, die Situation so zugespitzt wurde, aber Wahrheit ist es deshalb nicht minder, daß sie an der Zcrrültluig der StaatSfinaiizeii die Haupischukd tragen. Die Hosratskliquc schädigt das Land aufS schwerste.— Auslimd. Norwegen. Tic Komuumalivahlc»» haben, so weit uns b!S jetzt Nachrichie» vorliegen, außer in Bergen in den folgenden Städten zu äußerst günstige» Resultaten für die Socialdcmolratie geführt: In Trondhjem, wo bei der vorigen Wahl nur 81 socialdemokratische Stimmen abgegeben und 2 Geiiossen gewählt ivurden, ist uiffre Stininienzahl ans 628 gestiegen und dementsprechend geiviilneii ivir 8 Sitze in der Geincindevcrtretnng. In Larvik wurden 12, in Drammen 8, in Moß 9 und"in Fredriisstadt 4 socialdemokratische Stadtverordnete gewählt. In diesen vier letzigenaimteu Städten ivar die Socialdcmolratie bisher nicht im Gemeiudernt ver- treten, es sind das also durchivcg Neneroberuiigen. Dieses selbst für den Kenner der Berhältnisie überraschende Wachstum unsrer Partei haben die Liberalen mit einem ungefähr entsprechenden Rückgang ihrer Stimmenzahl bezahlen müssen, während die Konservativen, die in ihrem Programm lediglich den„Kampf gegen die Socialistcu" prollamierlcn, wenig Einbußen erlitten haben.— I» Kristiania beteiligten sich von 55 754 Stimmberechtigten 27 910 an der Wahl. Für die Konservativen wurden 15 017 Stimmen abgegeben und sie erhalte» 47 Sitze in der Gemeindevertretung; die Liberalen erhielten 5150 Stimmen(16 Sitze); die Socialdemo- kraten 4485 S t i in in e» �(14 Sitze); die Abstinenzler 030 Stimmen(3 Sitze); die Demokrat»» 874 Stimmen(2 Sitze) und die„Unpolitische»" 700 Stimmen(2 Sitze). Die Frans» beteiligten sich ziemlich rege an der Wahl; in einzelnen Kreisen bildeten sie' die Mehrheit der Wählenden.— Zur Verteilung des FriedcnöpreiscS. Nachdem am Dienstag- vormiltag die Sitzung des Storthinas eröffnet ivar, traten die Mit- glieder des NobcltomiteeS: Staatsmiliister Stecn, Staatsrat Lövland, Björnstjerne Björnso», John Liind und Zicktor Forst in de» Saal imd»ahmen vor den Ministerbänken Platz. Bauer, der Präsident des Storthings, hielt eine kurze Ansprache, worin u. a. der solgeudc bcachtenslverte Passus vorkam:„Heute. da dieser Friedenspreis zum erstenmal verteilt iverden soll, gedenken wir in ehrerbietiger Dankbarkeit des Mannes, der s r e i g e s i n n t geimg war und iv e i t s ch a n e n d geniig, um die' g r o ß e n' k u 1 t u r e l l e u Aufgaben— und darunter in erster Reihe die Arbeit für Frieden und Brüderlichkeit zlvischen den Völkern— über alles zu setze». Es ist unsre Hoffilung, daß das, was er zur Förderiuig dieses großen Zieles gcthan hat, zu einem Resultat führt, das den cdlcu Absichten des Gebers entspricht,"— Darauf teilte der Staatsrat Lövland mit, daß der Friedenspreis Henri Duiiant uud Frederic Passh, jedem mit 75 000 Kr. zu erkannt sei. Der Prnsidcni dankte dein Nobclkoinitce für seine Arbeit und sprach de» Wunsch aus. daß das. ivaS heute geschehen sei. die Völker und in erster Reihe die Parlani e n t e dazu ermahne, durch redliche gemein- aine Arbeit die Friedens- und Schiedsgerichts- b e st r e b u n g e n unter de» Nationen zu f ö r d e r n.— Frankreich. Millcrands Kandidatnr bei den nächsten Wahlen. Gclcgcnt- lich eines Banketts, welches das republikauische Komitee de? zwölften Pariser ArolidisseinentS gab, erklärte der aiiwescnde Minister Millerand, er werde sich im ersten Bezirk des 12. Arondisseineiits, den er seit 1889 vertrete, bei den nälbsten Wahlen wiederum als Kandidat aufstellen lasse». Er ivcrde sich den Wählern mit dem- selben Programm vorstelle»; er habe nicht ei» Wort zu ändern, nicht einen Artikel davon abzuschneiden, es sei denn, daß es sich»im Forderungen handele, die initilerweile durch Gesetz realisiert sind. Im weitcren Verlauf seiner Rede kam Millcraud auch aus das Alierspensious-Gesetz zu spreche«; diejenige», die da glaubten, dies Gesetz käme nicbt, würden sich täuschen. Man werde sehr bald wieder von diesem Projekt sprechen, bis zu dem Tage, da es Gesetz iverde. Die Umfrage bei den Syndikaten habe ergeben, daß. wenn auch das gegeiiwärtige Projekt der Regierung verworsci», die Nolivendigkeit einer AlterSpenston jür Arbeiter doch allgemein anerkannt ivcrde,— Cirkularnotr gegen die Kongregationen. Waldcck-Roussea» hat eine C i r k u l a r n o t e an sämtliche Pläfekten erlassen, in ivelcher er ihnen in Eriiinernng bringt, daß diejcilige» Kongregationen. ivelchc nicht bis znm 15, Jamiar den Bcstimmuilgeii des Vereins- gesctzcs»achgekonimeil sind, geschlossen werden müssend— Belgien. Ter südafrikanische Krieg in der Kammer. Vandcrveldks Interpellation, von welcher der Telegraph kurz berichtet, hat auf die Kammer einen großen Eindruck gemacht. Am Schlüsse ieincr Rede legte er der Regierung die Frage vor, ob sie gcivillt sei, der englischen Regierung den Vorschlag zn machen, diejenigen Frauen und Kinder ans den südafrikanischen Koiizentrationslagerii, die eS ivünsche», nach Europa zu befördern, und ziveiteus die moralistlie Unterstützung und Mitarbeit der übrige» Mächte zu verlangen. Er ragt ferner, ob, falls andre Mächte offizielle und freundschaftliche Vorstellungen u»ter>iehmen. sich die belgische Regierung diesen an- schließen werde. Für die Regierung sprach der Minister de Favercau; derselbe antwortete ausweichend. Die Rede Vanderveldes habe ge- wiß alle tief bewegt, ober, nachdem England jede fremde Einmischung zurückgewiesen habe, sei es auch der belgischen Siegierung nicht möglich, in dieser Angelegenheit oorziigeheii. Auch ans die zweite Frage lönne er eine bestimmte Antwort nicht geben, denn sie enthalte eine Hypothese; er könne nicht sagen, was die Regierung thnn werde, wenn dieS oder jenes einlräte.— Die Rechte versicherte den Boere» ihre Sympathie, stiiniNie aber im ganzen der Regierung zu, Zur iiiteonationalcn Zuckerkonfercnz. Eine Bersamuilnng von Zuckerfabrikanteii hat gegen die von der Regierung geplante Abänderung der Znckerstener-Gesetzgebimg protestiert. Bezüglich der bevorstehenden Znckerkonscrenz wurde beschlossen, gegen jedes intcr- uationale Ablommcn Widerspruch zu erheben, durch welches nicht die direkten oder indirekten Prämien in Europa und den Vcreiiiigtcu Staaten von Amerika gänzlich aufgehobeu Iverden. tSnglaiid. Austin Chambeolai», der Sohn des Kolonialministers, dementierte in seiner letzten Rede alle Gerüchte, ivonnch die brinsche Regierung zu einem Kompromisse geneigt sei, Nur die unbedingte ll» l e r>v e r f» n g der Boere n lö» neacceptiertiv erden. Dr. Krause wurde am Donnerstag wiederum im Bow-Strcct- Polizeigericht vorgeführt, aber gegen Bürgschaft bis Mitlmoch freigelassen. Am Mittwoch soll dann gegen ihn unter der Anklage ver- handelt werden, daß er den vor kurzem erschossenen früh ereil Staatsanwalt von Transvaal BroekSma aufgefordert habe, den RechiSbei- stand Lord Roberts, Douglas Förster, zu ermorden. Nuszlaud. Ttlidcnteu- Vcrurtciluiigc». Ans MoSka» wird gemeldet: Anläßlich der letzte» Stiidenlen-lliinihcw lunrde» 20 Süldcntc'.i zu drei bis vierzehn Jahren Polizeiarrest verurteilt.— Asien. Ostasiatische Konflikte. DaZ j o p a»! s ch e Repräsentant c n h a u s erklärt in seiner Antwort ans die Thronrede, daß Anzeichen von künftig V e v o r st c h c n d e n V e r- iv i ckl u n g e n in O st a s i c n v o r h a» d c n seien, und gielst die Versicherung, daß eS scincn Pflichicn mit Sorgsamkcit' und Umsicht nachkommen ivcrde. Die„New Dorker Times", die gewöhnlich über die Ansichten der amcrikaiiischen Großiiidiistrio gut»nterrichtet sind. besprechen in cinem sehr beinertcnswertcr Artikel an leitender Stelle das Verhältnis zlvischen Rußland und Japan und präcisieren die den Vereinigten Staaten hierbei zufallende Stellung in scharfer Weise dahin, daß Amerika jede Veranlassung habe, Rußland ab- lehnend g e g e li ii b c r z u trete n. Die Vereinigten Staaten hätten unter den chinesischen Wirren, so heißt es in dein Artikel, peluiiiär mehr gelitten, als irgend ein europäischer Staat und seien dauemd noch ganz besonders durch die russische Occupation der Mandschurei benachteiligt, da Niiitchwang der Hanpthafen für den verhältnismäßig erheblichen Handel" Amerikas nach Nord- China sei. Natürlich würde Amerika niemals daran denken, wegen feines Handels mit der Mand- schurci einen Krieg zu beginnen. Sollte aber ein andrer Staat durch die ungeklärte Sittiation in der Mand- schurei und besonders in Korea in einen Konflikt mit Nußlsnd gc- drängt iverden. würden die V e r e! n i g t e n Staaten jede U r ja ch e haben, sich diesem Staate gegenüber der w e i t t r a g e ii d st e n n n d iv o h l w o l.l e n d st e n N c n t r a l i t ä t zu befleißigen. Zu deutlicherer Kennzeichnung, fügt das Blatt dann noch hinzu, daß der Hafen Niutchwmig in japanischen Händen viel besser aufgehoben sein würde, als in russischen.— PÄvlctmenkÄrisches. Die socialdemokratische Fraktion des Reichstags hat bc- schloffen, zur 2. Lesung des EiatS beim Kapitel Neichsaint des Inner» folgende Resolution ciiizubringen: Der Reichstag wolle beschließen: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den Bundesrat zu veranlassen, in der unter dem 5. Juli 1901 crlassciicn Abänderung der Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Zinkhütten vom 6. Februar 1900 die Worte: „bis höchstens zum 1. Oktober 1903" durch die Worte: „bis höchstens znm 1. April 1902" zu ersetzen.— Tie Zolltnriskommissio» des Reichstags hat sich am Donnerstag nach Schluß der Plenarsitzung konstituiert und zu ihrem Vorsitzcudeu den Abg. v. K a r d o r f f(Rp.) gewählt. Es gehören der Kommission folgende Mitglieder an: Vom Ccntrmn die Abgeordneten Dr. Spahn, Gröber, Trimborn, Herold, Dr. Heim, Pingeu, Klose und Speck; von den Konservativen die Abgeordneten Freiherr v. Wangenheini, Graf Kanitz, Graf v. Schwerin- Läwitz und Rettich; von den Nationalliberalen die Abgg. Frhr. v. Hcyl, Blanken« Horn, Dr. Beumer und Dr. Paaschs; von den Socialdcmokraten die Abgg. Bebel, Singer, Molkenbuhr und Stqdlhagen; von der frei- sinnigen Volkspartci die Abgg. Fischbeck, Braesicke und Dr. Müller« Meiiiiiigcn; von der ReichSpartei die Abgg. v. Kardorff und Gamp; von der freifimiigen Vereinigung: Abg. Gothein; von den Polen: Abg. v. Komierowski und von den Antisemiten: Abg. Gaebcl. Als zweiter Vorsitzender der Z o kl t a'r i fko mmi ssion'wurde Abg. Dr. Paaschs(uatl.) gewählt; zu Schriflführern wurden die Abgg. Speck(Ctr.), T r i m b o r»(Ctr.). Stadthagen(Soc.), Dr. Müller- Meiiliiigen(irs. Vollsp.) und Freiherr v. Wangen- heim(kons.) bestimmt. Tie RcichstagS-Komniissio» zur Boibevatimg des Schanm- tvcinstener-Gesetzeiitivnrfs trat Donnerstag iii eine dritte Lesimz ein. Zu einem Abschluß dcr Beratung ist mau nicht gekommen, vielmehr wird nach den Weihuachts-Ferien noch weiter verhandelt werden. Gegen die in der Vorlage vorgesehene Kontrolle der Fabrikationsränme durch Organe der Regierung wurden von den verschiedensten Seiten Eiiiivendnngen erhoben. Der Abgeordnete Deiuhard(uatl.) hielt, wenn überhaupt eine Kontrolle stattfinden solle, eine Markierung der Flaschen für geboten. Schließlich wurde auf Antrag des Abg. Wurm(Soc.) beschlossen, daß eine Markierung dcr cinzeliieii Flaschen, die aber dcr Fabrikant selbst zu besorgen hat, vorgciwmmcn werden solle. Der Borsitzeude der'Kommiifion, Abg. Dr. Paasche(uatl.), bc- hielt sich die AliberaumiMg der nächsten Sitzung nach den WeihnachiZ« ferieu vor.__ Nus Fndttfirrv uittr Handel. Dortiiiunder Union. Wie ein uiihcilbarcs Geschwür schleppt die DiSkonIogescllschaft an ihrem scheinbar sonst recht gesunden Leibe von einer Krise zur andern die Dortmunder lliiion. Die DiSkoiitogcsellschast hat Ivährend des letzten AirfschwimgZ solider gehandelt als andre Großbaulcii. Sie verfügt über die meisten flüssigen Mittel, hat die lignideste Bilanz. Sie hatte aber auch in den siebziger Jahren Erfahrungen sammeln lönnen ans den bösen Folgen ihrer damaligen lapitalistischeu Epoche. Denn in dein Auf- schwiing nm 1870 herum war die Diskoiitogesellschaft die führende Großbänk. der Gründerci und da sind böse Zusaiiimenbrüche ihrer Fehlgeburten zu verzeichnen. Es war in der Hochflut der Gründerci, im Februar 1872. als aus der Erbschaft SsrousbergS auch einige Trümmer iit die Hände dcr Diskoiitogesellschaft kamen; um„saniert" zn werden; daS Haupt» stück dieses Erbanteils war die Dortmunder Hütte. Verkrachte Namen läßt man gern fallen, wie jetzt auch die verpönten Firmen von Hypothekeiibaiiken durch ucuerfimdeiie ersetzt werden, wobei man aus eiucn gewichtigen Klang dcr neuen Firma hält. Dergleichen Kleinigkeiten sind wichtig. Denn dcr Schein spielt im kapitalistischen Leben überall eine größere Rolle als die Wahrheit. Man vereinigte also mit dcr Dortinniidcr Hüiie einige andre Splitter der Erbschaft StrouSbergs und verfaßte daraus die Dortmunder Union. Aber von vornherein mischte sich in den unsterblichen Bankrott des uencn Geschöpfes das Privatinteresse d e S Herr n v. H a n s e in a n n: er lieferte in die neue Gründung für 5 Millionen Thaler ein paar ihn» gehörige Hüttenwerke. Alles in allem brachte man das dcimals' sehr hohe Aktienkapital von über 13 Millionen Thalern zilsammen, daS aber sofort auch mit ungefähr 12 Millionen Thalern Hypothelen belastet wurde, so daß die iicne Gründung mit über 25 Millionen Thaler Kapital„ausgestattet", d. h. in Wahrheit beschwert war. Denn dies Kapital ivar eben nicht Mitgift, sondern die Beute der Gründer. Im ersten Jahr Ivurden die zur Abstoßung der Aktien ans Publikum erforderlichen 12 Proz. Dividende leicht herauSgcrechiiet. denn ivcim alles floriert, läßt sich ohne Mühe fast jede ge- wünschte Divideudeiihöhe in den Bilanzen zn stände bringen. Der AufsichtSrnt aber war nobel. Er verzichtete großmütig auf die Hälfte seiner Tantieme von 141 500 Thalern und überwies die andre Hälfte den Nrbeiterfond? der neuen Gesellschaft. Vielleicht schielten die Herren dadei nach Generalpacdon für den Zusammen bruch ihres faulen Gebäudes: schon im folgenden Jahre hatte das Unternehmen nahezu 2 Millionen Thalec Verlust. Nun stürzten die Aktie», die mit ll(1 aufgelegt und mit den 12 Proz. Dividende auf mehr als das Doppelte dieses Kurses getrieben ivnren, rasch ab- ivärts, und in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre ivac da Papier aus 3 Proz. Das Werk konnte nicht einmal die Schulden verzinsen. Es iväre also an der Zeit gewesen, die Aktien als nahezu ganz Ivertlos auf einen ganz kleinen Bruchteil ihres Nennwertes zu- sammcnznlegen. Statt dessen wurde nur ein Drittel deS Nominal kapitals kassiert und ein Norzugsaktien-Kapital von IS Millionen Mark neu ausgegeben. Dabei behauptete die Verwaltung der Diskontogesellschaft, die schwere Vorwürfe zu hören bekam, dafj sie alles aufgeboten habe, um die finanzielle Ueberbnrdung der Dort munder Union zu heben— auch ein Beispiel der dreisten Reden, mit denen die kapitalistischen Machenschaften immer verteidigt werden, und von denen wir seit Jahr und Tag auch wieder so slandalösc Exenipel erleben und zu verzeichnen haben. Seit jenen Jahren ist das mit Kapitalverpflichtnngen vom ersten Raub der Gründer her überlastete Unternehme» aus den Krankheiten nicht herausgekonrmen. Trotzdem konnte» sich die Macher nicht ent- halten, beim Eintritt des neuen Aufschwungs neue Gründcrgeschäfte nnt dem verfahrenen Unternehmen zu machen. Es wurde wieder Dividende bezahlt. Neue Aktien waren ausgegeben und mit 10t ausgelegt. Sie stiegen bis 1493/4, sind aber ungefähr auf 40 gesunken. DaS ganze frühere Aktienkapital ist unter den Tisch gefallen. So wie die Dinge einmal lagen, war dies ja nicht zu vermeiden. AIS die Union auf die neuen Aktien eine angemessene Dividende zahlte, niachte die Diskontogesellschaft daraus eine Rechnung über einen Gelvinn für jene Großbank und ihre Teilhaber. Der Dort- munder Union ist nämlich die Zeche Adolf von Hanseman» auf geladen lvorden, ein Bergwerk von übler Vergangenheit, dnS schon in den siebziger Jahren„ersoffen"— durch Wassereinbrüche zum Stillstand verurteilt— ivar. Diese Zeche war Besitz der„Mengeder Gruben", einer Gesellschaft, deren Anteile zu mehr als der Hälfte wieder im Besitz der Dortmunder Union waren; die übrigen Anteile der Mengeder Gruben waren im Eigentum von Leuten, die Herrn von Hansemann so nahe wie niöglich standen. Obwohl nun also die Dortmunder Union als Besitzerin von mehr als der Hälfte aller Anteile über die Mengeder Gruben und also auch über die Zeche Adolf von Hansemann verfügte, wurde die letztere Zeche dennoch vollständig der Union aufgeladen und zwar für 9 Millionen Mark, wobei den Käufern der neuen Aktien der Dortmunder Union vorgespiegelt wurde, daß für diese» Betrag, den Kaufpreis, niit Sicherheit eine Rente aus dem Bergwerk zu erwarten sei. Die Wnssereinbrüche habeil inzwischen natürlich nicht aufgehört. mit der Rente steht es sehr schlecht. Und jetzt erklärt die Ver- waltung in einem Tone, als hätte das jeder Käufer von Union Aktien zwischen den Zeilen jener früheren Versicherung lesen müssen, daß man auf die Rente noch drei Jahre zu ivarten habe. Die am 6. Dezember abgehaltene Gcncralversammlnng der Dortmunder Union hat sich nun niit dem Verkauf der Zeche zu befassen gehabt, die eben erst der Union aufgehalst worden ist. Die Union selbst ist durch alle diese Geschichten Iviedcr bös in der Patsche. Sie schuldet bei Banken, natürlich vor allem oder allein bei der Diskontogescllschaft über 29 Millionen, wozu noch kl Millionen Mark Obligationen kommen. Der Finanzmitarbeiter der„Zukunft", dem ivir in einem Teile der hier wiedergegebenen Berichte folgen, berechnet, daß die Diskontogcsellschaft sich' 10 Proz. Zinsen für die Vorschüsse zahlen läßt— allerdings auf dem Papier. �ES bedarf keiner iveiteren Kritik dieser Vorgänge, um zu er- weisen, eine ivie verhängnisvolle Rolle im Profilleben der kapita- listischen Weltordnung die Privatinteressen der mit Großbanken und ihrem industriellen Anhang kreuz und guer versippte» Kreise spielen, wie vor allen, zu ihren Gunsten mit den dringendsten Interessen der Volkswirtschaft umgesprungen wird. Denn es hängen an diesen Geschichten nicht nur die Kapitalinteressen getäuschter Aktionäre, sondern auch die Lebensinteressen von Tausenden von Arbeitern. Die Dortmunder Union, die vor Jahr und Tag noch beinahe 121/» Tausend Man» beschäftigte. hat jetzt nicht mehr für 10 000 Arbeit und wird noch Tauseude auf die Straße werfen müssen._ Monaten nicht in der erivarteten Weise erfolgt ist.— Die Berg- ichloß-Brauerei in Berlin halte einen Reingeivinn von 325 117 M., Dividende 20 Proz. Die Umwandlung der Pomnicrschcu H»pothckenba»r ist nunmehr, nachdem die Pfaiidbriefbcsitzer, wie schon berichtet, dem ReorgaiiisationSplan der Darmstädter Bank zustimmten, auch von den Aktionären gut geheißen. Das alte Aktienkapital wird von 13 Millionen auf eine Million herabgesetzt. 9 Millionen, die sich im Besitz der Immobilien- VerlehrSbank befanden, einer Tochtergesellschaft der Verkrachten, werden vernichtet, der Rest, ti Millionen, im Verhältnis von 0 zu 1 zusainnlengelegt. Durch diesen Vorschlag wurden die Aktionäre geneigt gemacht, auf die Reorganisation einzugehen, da im andren Fall von dieser Seite die Bank zum Konkurs getrieben werden konnte. In Wirklich- kcit war das Aktienkapital verloren, wie ja auch die Pfandbriefbcsitzer einen Teil ihres Besitzes zur Bildung des neu erforderlichen Aktien- kapitals hergeben müisen. In den Aufsichtsrat wurden neu gewählt Direktor Dernburg(Bank für Handel und Industrie), Stadtältcster Kämpf, v. Tivardolvski, Baumeister Görard und Bankier Cohrs (Hannover). Die Bank wird künftig den Namen Berliner Hypothekenbank führen. Ei» Schntzvcrcin der Schuckert-Aktionäre. AIS Ende dieses JahrcS der Schnckert-Skandal offenkundig wurde, bildete sich unter dem Vorsitz des Herrn Wilhelm Weiß. Privatier in Weiden. ein provisorischer Ausschuß der Schuckert-Aktionäre, der die Auf- forderung erließ, zur Wahrung der Interessen der Kleinaltionäre die Aktien zur Vertretung bei ihm anzumelden, um die Einberufung einer außerordentlichen General-Versnmmlung zu erzwingen. Zur Erreichung dieses Zwecks wäre» 2100 Stimmen notwendig gewesen. Wie jetzt bekanilt wird, ist diese Zahl nickit erreicht, es sind nur 1500 Aktien angemeldet. Der provisorische Ausschuß bat sich nunmehr entschlossen, zur Gründung einer Schutzvereinigung der Schuckert-Aktionäre überzugehen, und ladet die Aktionäre unter Mitteilung der Statuten dringend ein, sich dieser Vereinigung an- zuschließeu. Sollten durch die erwarteten Beitrittserklärungen die erforderlickeit 2100 Aktien nachträglich aufgebracht werden, so soll sofort auf die Anberaumung einer außerordentlichen General- versainmlung gedrungen werden. Die Vereinigten obcrschlesischen Walzwerke haben, wie bei „Brcsl. Gen.-Auz." erfährt, die Preiskonvention nach den Donau- staatcn, die zwischen den führenden Werken besteht, auf ei» Jahr Sociales. Die Arbeiterbcrtreter beim Rcichs-Verfichernngsamte. Wir teilten schon früher mit. daß bei der Wahl der Vertreter der Versicherten beim Reichs-Versichernngsanite die Kandidaten der Gewerkschaften fast ausnahmslos gewählt wurden. Ans dem Bereiche der gewerblichen und Baubetriebe wurde nur ein Hirsch» Dnnckcrscher als letzter Stellvertreter gewählt mit der geringen Stimmcnzahl von 812 311, näm- iich der Schlosser Wilhelm Bongers in Witten. Die übrigen sind sämtlich Vertreter der Gewerkschaften und sie wurden mit 6 038 333 bis 5 249 549 Stimmen gewählt. Nur einer darunter erhielt, offenbar infolge der aus Magdeburger Gciverkvereinskrcisen verursachten Stimmenzersplittcrung, die geringe Stimnienznhl von 1 442 752. Gewählt wurden der Schlosser G n t h e i t in Berlin und der Töpfer Fräßdorf in Dresden. Als Stellvertreter des ersten: Schriftsetzer Konrad W e n d l e r- Stuttgart, Maurer A u g u st D a e h il e- Berlin, Buchdrucker Otto Müller- Frankfurt a. O., Tischler Hermann B r o s i g- Breslau, Eisendreher Wilhelm Gotthusen- Düsseldorf, Maurer Johann Thoinas Merkel- Nürnberg, Zimmerer Heinrich Erdmann» Schwerin, Lithograph Hermann R u d o l p h- Nürnberg, Bergmann Johann G ö t s ch e l- Hausham in Bayern, Former Georg H a p p i ch- tcttin, Buckibinder Bernhard Jost- Berlin, Maler Louis I a k o b eit- Berlin, Goldarbcitcr August A n k a m m- Hanau, Steinsetzer Karl Haufschild- Ncu-Weißensee, Klavicrmacher Johann P l a a ß- Karlsruhe, Goldarbeiter Paul Leschhorn- Pforzheim, Brauer Ludwig H o d a p p- Wcißensee, Ziinmcrer Eduard L elvi»-Kiel, Maurer Engen S i m a n o w s k i- Berlin, Tischler Karl Deininger- München, Steindrucker Wilhelm T r o in p e t e r- Frankfurt a. M.. Former Robert Max Richter» Chemnitz. Notgerber Jakob Kurz- Reutlingen, Tischler A u g u st S i ck f c l d- Berlin. Als Stellvertreter des ziveiten: Schlosser E. H. Robert Straube- Chemnitz, Dreher Georg Seitz- München, Berg- mann E r nst Brinke, Oberhausen, Installateur Karl Bam« b e r g e r- Köln, Böttcher Ferdinand Kiel- Hannover, Buch- Halter Heinrich Bürge r-Hamburg, Zimmerpolier Engen S e l l i n- Danzig. Mechaniker Jnlin» W e i ß e- Breslau. Weber Ernst Wilhelm L u ck e-Nengersdorf in Sachsen, Weber Herm. Anton Fischer Gera, Lagerist K. Richard Jacob- Gersdorf bei Chemnitz, Maurer Anglist Roland- Brannschwcig, Schreiner Karl R e u b e r- Ohligs, Tischler Friedrich S t ü g e l in a i e r- Berlin, Schlosser August e r r e y- Königsberg, Fabrikarbeiter Johann I e l i ch- Mainz. Cigarrensortiercr Alwin W i n t e r- Magdeburg, Zimmerer Christian Louis Hill- Eisenach, Transportarbeiter Franz Mohr- Rixdorf, Mechaniker Rudolf S t r e ck e- Leipzig, Zimmerer Gottfried ö t t ch e r- Hamburg, Buchdrucker Johann Peter Hörings- Trier, Schriftlctzer Paul Otto R i e d e I- Leipzig, Schlosser Wilhelm B o n g e r s- Witten. Ans dem Bereiche der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wnrdeii die Kandidaten der Gewerkschaften, Riesel Wärter Joseph R o t h c r in Wartenbcrg bei Neu-Weißensee mit 1 533 963 Stimmen und Holzzurichter Joseph Lutz in Niefern mit 1 508 454 Stimmen als Mitglieder des Reichs-Versicherungsamts gewühlt. Als Stellvertreter des ersten wurden 17 Kandidaten der Geiverk- schaften mit 2 256 198 bis 1523 985 Stimmen und ebenso als Stell- Vertreter des ziveiten 17 Kandidaten der Gewerkschaften mit 2182 297 bis 1520 932 Stimmen gewählt. Die übrigen je 7 Stell- Vertreter sind nicht die Kandidaten der Gewerkschaften. Sie erhielten 726 208 bis 686 737 Stimmen. In, Gebiete der Seeschiffahrt wurde kein Gewerkschaftsvertreter gewählt. Die Wahlen dieser Arbeitervertreter kommen auf einem sehr umstündlichen Wege zu stände und es ist nicht leicht, eine solche Wahl zu organisiereii. Die Generalkommission der Gewerkschaften und der Arbeilervertreter-Verein in Berlin haben sich kein geringes Verdienst erivorben, daß sie es fertig brachten, eine verhältiusmüßig so einheitliche Wahl zu stände zu bringen. Die Mitglieder des Rcichs-VersichcrungSamtes Iverden von den Beisitzern der Schiedsgerichte gewählt, diese ivieder vom Ausschnsse der Versichernngsaiistaltcn, dieser Ausschuß ivird gewählt von den Bei- sitzern der Rentenstellen beziv. bei den untern Verwaltiingsbehörden, und diese endlich von den Vorständen der Krankenkassen, wobei fast alle freien Hilfskassen ansgeschlossen sind. Da die Vorstände der Krankenkassen von den Gencralversammlungen geivählt werden und diese bei den größeren Kassen auch wieder aus gewählten Delegierten bestehen, so hat man hier einen Filter, der ivohl einzig in der Welt dasteht. Sein Zweck, die organisierten Arbeiter von der Vertretung auszuschließen, ivird aber trotzdcni nicht erreicht; im Gegenteil, diese beherrschen die Lage trotz aller Schwierigkeiten vollständig. Anstralische Fabrikgesetzgebung. Wie aus einer Reuter- Depesche aus Sydney sNcu- SüdwaleS) hervorgeht, schreitet das junge Australien ans dem Gebiete der Fabrikgesetzgebung unentwegt fort. Letzten Sonnabend nahm das Parlament von?ieu- Südwales ein Gesetz betreffend die Errichtung eines obligalorischen Schiedsgerichts an. das bc- stimmt ist, eine ganze Reihe socialpolitischer Frage», mit denen sich die alte Welt mühevoll und fruchtlos ab- plagt, einer gedeihliche» Lösung znzuführen, Sämtliche industrielle Konflikte sollen vor dem SchiedSgerubte geschlichtet werden. Sein Urteil ist definitiv; eine Berusung gievt es dagegen nicht. Werden Streiks oder Aussperrungen erklärt, ohne vorhin die Streit« punlte dem Gerichte vorgelegt zu haben, so machen sich die Beteiligten eines Vergehens schuldig, das mit Geld oder Gefängnis zu bestrafe» ist. Dem Gerichte sind große Befugnisse eingeräumt lvorden: es darf einen Sandardlohu festsetzen und die Fabrik- gesetzgebung auf das ganze Gebiet einer Industrie ausdehnen. Diese Bestimmung i st offenbar gegen die Heimarbeit oder das Schwitzsysten, gerichtet. Schließlich hat das Gericht das Recht zu verfügen, daß die Unternehmer unter den Arbeitsuchenden dem Gewerkschaftler den Vorzug geben solle», wenn sonst die Verhältnisse gleich sind.' Leider giebt die Depesche keine Auskunft über die Zusammensetzling des Gerichts. Sie meldet nur, daß ein Richter des obersten Gericbtshofes zun, Vorsitzenden bestimmt worden ist. Wenn nian aber erwägt, daß dieses Gesetz den großen politischen Einfluß der Arbeiter in Neu-Südwales offenbart, so darf man wohl annehmen, daß die Hälfte der Beisitzer auS Arbeitern bestehen ivird. )________(.......__________________.....___..... Dieses Gesetz ist den Arbeitern noch günstiger, als das'von erneuert. Für den oberschlesischen Export ist diese Erneuerung von I Neu-Secland. Es zeigt ferner, daß die socialpolitischen und Wirtschaft- dem Notschrei„Samiel hilf!" an die Reglernng gewandt, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Es wird nun am 15. Ja» nuar 1902 die erste Krankenkassen-Apotheke in Neuhausen am Rhein- fall und am 13. Februar 1902 die zweite, zugleich das Hauptgeschäft, in Schaffhausen eröffnet werden. Beide Apotheken sind berechtigt, ebenso ivie jede Privatapotheke an jederinann zu verkaufen. Es soll nur frische und gute Ware geführt und zu mäßigen Preisen verkauft werden. Das sind verheißungsvolle Anfänge, das Privatmonopol der Apothekenbarone zu brechen. Der dritte niederländische Unterrichtskongrrst fand dieser Tage im Volkshause zu Amsterdam statt. Es waren dort 57 Ver- bände und Vereine vertreten, die dem Landes-Unterrichtskomitee angehören, dessen Zweck es ist, das Unterrichtsivese» in den Niederlanden zu fördern. Den Hauptverhandlimgspnnkt bildete eine Enquete, die das Komitee unter den Organisationen veranstaltet hatte, über die bezüglich des Fortbildungsunterrichtes und der Wirknng des Schnlpflicht-Gesetzes herrschenden Meinungen. Hin- sichtlich' des Fortbildungsunterrichts, der als Ergänzung des gesetzlich nur bis zum 12. Lebensjahre dauernden Schul- Unterrichts verlangt wird, ist besonders die Frage, ob gemeinsamer oder getrennter Unterricht für beide Geschlechter vorzuziehen sei, bemerkenswert. Für den gemeinsamen Unterricht erklärten sich 51 Organisationen; dagegen' 39. Die meisten der letzteren Ivaren aber ans rein praktischen Gründen, besonders weil die Art des Unterrichts, der zum Teil ein gewerblicher sein solle, das mit sich bringe, für die Geschlechtertrennung: nur einige wenige waren aus' sittlichen Rücksichten gegen den geineinsamen Unterricht, darunter die Gemeinde Haag.— Die Frage, ob das im vorigen Jahre eingeführte Schulpflicht- Gesetz einen merkbaren Einfluß ausgeübt hat, wurde von 81 Organisationen bejahend, von 13 verneinend beantwortet. Des Iveiteren geht aus der Enquete hervor, daß die Bewegung für Nahrung und Kleidung für bedürftige Schulkinder sich sehr ausgebreitet hat und daß sich auch mehr und »ichr die Ansicht Bahn bricht, daß alle Lohnarbeit schulpflichtiger Kinder verboten werden sollte. Die Verhandlungen des Kongresses sind im allgemeinen ziemlich resultatlos verlaufen'; Beschlüsse von besonderer Wichtigkeit wurden nicht gefaßt._ Versammlungen» Eine Vertraucnsmänner-Versammlnng deS Holzarbeiter» Verbandes beschäftigte sich gestern(Donnerstagabend) mit der Auf- lösnng des Vcrtragsverhältnisses mit den Unternehmern. Glocke gab eine Uebersicht über den Verlauf der Ereignisse und macht schließlich de» Vorschlag, die in der vorigen Versammlung beschlossene Resolution bezüglich der Abwehr der Abzüge aufrecht zu erhalten. Die Abzüge, die angedroht werden, sollen sofort dem Obmann, solche, die gleich vorgenommen werden, umgehend im Bureau gemeldet werden. Die Verhängnng von Sperren und die Verhandlung mit de» Unternehmern werden der Ortsverwaltung überlassen.— Die Versammlung beschließt nach längerer Debatte im Sinne dieser Vorschläge. Darauf berichtete Maaß über ver- schiedene Differenzen in den Werkstätten. Zum lllpothekeuboykott nahm die Generalversammlung der Orts-Krankenkassc der Mechaniker am 9. Dezember Stellung. Die Versaniinllilig beschloß, den Vorstand zu ersuchen, daß derselbe von der Forderung auf Gewährung eines Rezepturrabatts nicht abgehen möge, auch dann nicht, wenn'von andrer Seite in einseitiger Weise in diesen Streit eingegriffen ivird. Wilmersdorf. In einer gut besuchten öffentliche» Volks« Versammlung, welche am 11. d. MIs. in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40. tagte, hielt Genosse Ad. H o f f m a n n eine» niit Beifall aufgenommenen Vortrag über die bevorstchendc Stichwahl. Er ermunterte die Wähler, mit aller Energie für die Wahl des Ge- »offen Na tusch einzutreten. In der Diskussion sprachen einige Liberale und empfahlen der Versammlung, für die Wahl ihrer zwei Kandidaten mit einzutreten. Es sprachen mehrere Genossen für und gegen diesen Vorschlag; ein definitiver Beschluß ivurde nicht gefaßt. Lichtenberg. ReichStagS-Abgeordneter 91. Fischer sprach am Dienstag in einer anch von Frauen zahlreich besuchten Volksver- sammlung in Lichtenberg über„Politische Tagesfragen'. Die .China-Politik", die„Germanisierung" der Polen und das«de- jcheidcne Auftreten" uusrer Land- und Jndustrie-Jnnker". dabei der Zick-Zack-Änls der Regierung gaben dem Redner Gelegenheit, sich den jtiilniischen Beifall der Versammlung zu verdienen. Ein weiterer Punkt der Tagesordunng war die Besprechung der durch de» unter freisinniger Leitung stehenden Lichtenberger„Viirgervcrein" betriebenen und in erster Instanz erreichten Kassierung von vier Mandaten der Gemeindevertretung. Die dritte Wählcrklasse hat bekanntlich bei der im Februar dieses Jahres von der lltegierung an- geordneten Neuwahl der gesamten Gemeindevertretung mit der Wahrnehmung der 8 Mandate 8 Socialdemokratcn beauftragt und den bisbcrigcn Vertretern, die es im ganzen auf 370 Stimmen brachten, während sich auf die Socialdcinokraten 3780 Stimmen vereinte», de» Laufpaß gegeben. Grauer schilderte unter großem Beifall der Versammlung das henchlerische Gebahre» dieser„Anch-Liberalen". die Versamnleltcn aufiorbenid. bei der bevorsiehenden Ersatzwahl mit allem Nachdruck für Erhaltung unsrcs Besitzstandes einznlreten. um so größerer Wichtigkeit, als es gelunge» ist, nach Rmnänie», einem der Hanptabsatzgebiele OberichlcsienS, die alle Lieferungsziffcr aufrecht zu erhalten.— Wie dasselbe Blatt erführt, wurde die Er- Mäßigung der Fettlohlenpreise, welche vom Fislns ,nil 60—80 Pf. � pro Tonne in Aussicht genommen war, durch Ministerialverfligung ans 1,50 M. voin 1. Januar ab erhöht. Ter Preis für Fettkohlen stellt sich also von diesem Termin ab nur noch auf 6 M. pro Tonne gegen 7,50 M. jetzt. Geschäftsberichte der Zlktiengcscllfchaften. Die Elektrische Licht- und K r a f l a» l a g c n- A k l i e n g e s e l l s ch a f t in Berlin erzielte 1 194 982 M. Reingewinn(in, Vorjahre 1 160 388 M.), Dividende 5 Proz.(ö'/z).— Siemens u. H a I s k c verteilten eine Dividende von 8 Proz.<10 Proz.).— Lutherj Maschinenfabrik und M ü h 1 e» b a u- B n sta lt schließt niit einem Defizit von 154 659 M. ab.— Die Düsseldorfers E i s e n h ü t t e n- G e s e l l s ch a ft erzielte einen Gewinn von 52 267 M., Dividende wurde nicht verteilt.— Die Accumula- toren» und Elektricitäts-Werke vorm. Boese u. Co. stellen eine Verringerimg der Dividende gegenüber dem Vorjahre in Aussicht, da der Abruf der vorliegenden Ansträge in den letzten I lichcn Folgen der Neuseeländer Gesetzgebung so gute sind, daß sie von andren Kolonien zum Master genommen wird. Der socialpolilische Umschivung in Australien datiert bekanntlich vom Jahre 1890, Ivo der Mißerfolg des großen Wollschecrerstreiks die Arbeiter gelehrt hat, daß der gewerkschaftliche Kampf ein lost- spicliger ist n»d nur äußerst langsam zu erhebliche» Resultate» führen kann.' Seitdem sind die Trade-Unions politisch geworden und bc- nutzen ihre politische Macht— niit welchem glänzenden Erfolge, das zeigt die australische Fabrikgcsetzgebnng. Nur darf mau auf dem europäischen Kontinenle nicht vergessen, daß Australien eine demo- kraiische Veriassnng hat, wo das Parlament wirklicher Gesetzgeber ist und seine Mehrheit wirklich regiert.— Kraurcnrasscu-Npothckc» i» der Schweiz. Ter„Verband der Krankenkassen Schaffhausen, Neuhausen und Umgebung" hat seit längerer Zeit die planmäßigen Vorbereitungen zur Errichtimg eigner Apotheken getroffen. um dem Arziieiwucher der 100-prozeiitigen Apothekeubesitzer zu entgehen. Dieselben haben denn anch im vollen Bewußtsein des empfiildlichen Ver- lusteS, der ihnen droht, alle Mittel gegen das Zustande- kommen des Projektes in Bewegung gesetzt und sich auch mit Uvtzko Ltochvichke« und Vepefchen. Bau-Unfall. Frankfurt a. O., 12. Dezember.(W. T. B.) Bis heute Abend Ivaren von den bei dem Einsturz eines Teiles des Gnifeldschen Warenhauses verunglückten Arbeitern(s. u. Vermischtem) acht gc- borgen, d r e i V o n ihnen sind tot. drei schwer und zwei leicht verlegt._ BreSlan, 12. Dezember.(B. H.) Bei der heutigen EnlhüllimgS- feicr deS Denkmals des Großen Kiirfürstc» hielt der Kaiser vor dem Regiment der Leibkürassicre, dem das Denkmal übergeben wurde, eine Rede, die mit den Worten schloß:„Und wenn ein st die Zeit kommen wird, wo es Eure Pflicht ist. Eure»» Kaiser zu schützen, da werdet Ihr zeigen nn'issen. daß auch in Euch Gottvertrauen wohnt, und daß Ihr würdig seid, einem Regiment anzugehören, das den Namen des Großen Kurfürsten führt." Leipzig, 12. Dezember.(W. T. B.) In dem Wollkämmerei- Prozeß beantragte der Staatsanwalt gegen alle Angeklagte das Schuldig unter Znbilljgnng mildernder Umstände. Die Verteidiger verlangten Freisprechung. Das Urteil wird am Sonnabendmittag 12 Uhr verkündet werden. Cadix, 12. Dezember.(W. T. B.) In der vergangenen Nacht zogen st r eilende Bäcker und andre Anssländige, mit Messern(?) und Stöcken bewaffnet, unter den Rufen:„Nieder mit der bnrger- lichen Gesellschaft I Es lebe die sociale Revolution I" durch die Straßen, drangen in Läden ein und raubten Waren. Die Polizei und die Behörde erwies sich als ohnmächtig, es herrscht eine fön,,- liche Panik. Einige Angestellie, welche die Plündernng zu verhindern suchten, wurden verwundet. Cadix, 12. Dezember.(W. T. B.) Der Gendarmerie ist es gelungen, die Ruhe iviederhcrzustellcu. Einige Gendarmen und einige Ausständige w. rden verwundet; zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenonuncii. HclsingsorS, 12. Dezember.(23. T. B.) Die„Finlandskaja Gaseta" meldet: Der Generalgouvernciir hat den Prokuralor des sinländischen Scuats� aufgefordert, gegen diejenigen lutherischen Geistlichen ein Strafverfahren zu veranlassen, ivclche sich geweigert haben, in den Kirchen das Gesetz über die Militärpflicht zu ver- kündigen.__ Veranuvorililber Rediicieur: Carl Leid in Berlin. Für den Jnleratenteil veramwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Map Babing in Berlin. »imn S Beilage»». Ilnterhaltnugsblatt» Ar. 291. 18. IahMZ. Urs..Wmiirls" ßeiiintt loHuUntt FMg, 18. ßrjEiiiltt 1901. Veichskstg. III. Sitzung vom Donnerstag. 12. Dezember lOvl, vormittags 11 Uhr. Nm VimdeSratStische: Graf v. Pojadoivsky, Möller, Freiherr v. N h e i n b a b e n. Die erste Beratung des Zolltarif-GefetzeS wird fortgesetzt. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): ES ist heute der nennte Tag, den wir der Beratung widmen. aber diese Länge der Verhandlung entspricht nur der Wichtigkeit des Gegenstandes. Interessant>var es. datz sich gestern ein Minister gegen die Begründung ivandte. Herr v. Podbielski vchanptete, dast die Zallcrhöhiing nicht in erhöhte» Gctrcidepreisen zum Ausdruck komme. während die Begründung den sehr richtigen Satz enthält, daß nach der Aufhebung des Jdentitätsnacknvcises die Inlandspreise für Weizen und Roggen annähernd ,»m den Betrag des Eingangszolls sich erhöht hätten. Die Ansführnngen der Centruinsredncr der letzten Tage standen im Gegensatz zu einem früheren Wort des Herrn Dr. Lieber, der 1891 die Handelsverträge eine Grostthat der neuen Aera nannte, .(Hört! hört! links), sie stehen aber auch im Gegensatz z» der Haltung der christlichen Arbeiter. Auf dem Verbandstag der christlichen Metall- arbcitcr ivurde gesagt, daß den Arbeiten» angesichts der Forderungen der Agrarier die Galle übergehen müsse! lHörtl hört! links.) Graf Kanitz hat gestern' wieder in geivohnter Weise von der Not der Landwirtschaft gesprochen. Er berücksichtigt nicht die ein- schneidenden Verschiedenheiten in den Interessen der Nornbauer und der Viehzüchter. Die L a n d lv i r t e im Oldenburgischen sind keineswegs für höhere Getreide zölle— wir koinmen ja auf alle diese Dinge im Mai des nächsten. Jahres vielleicht noch einmal zurück, (Heiterkeit) vielleicht auch noch später. Auch im M e ck l e n- burgischen liegt der Schwerpunkt der Landivirtschaft Haupt- sächlich in der Viehzucht. Wir teilen die hohe Meinung von dem Wert des Bauernstandes, aber in der Praxis wird nicht immer diesem Wert entsprechend verfahren. Fördern Sie(nach rechts) mit uns die innere Kolonisation! Allerdings liegt die Hörigkeit, die Sie damit verbinden wollen, nicht im Interesse des Bauernstandes. In Mecklenburg, dem gelobten Lande der Großgrundbesitzer,»rächt aber die innere Kolonisation keinerlei Forlschritte, iveil eS nicht im Interesse jener Herren liegt. Man wird uns nie beweisen können, daß die Getreidebauer einen wesentlichen Vorteil von den hohen Getreidezöllen haben! Graf Kanitz hat uns gestern ja selbst vorgerechnet, daß etwaige Vorteile für die Landwirtschaft durch erhöhte Jndustriezölle wieder aufgehoben werden. Man berück- sichtigt bei den agrarischen Fordeningen niemals die ivirtschafts- politischen Konsequenzen in der Zukunft; wenn es Ihnen(nach rechts) auch diesmal noch gelingen sollte, die höheren Gctreidezöllc durchzusetzen, in zwanzig Jahren Ivird es Ihnen nicht mehr gelingen I(Oho! rechts., Nun zum Schicksal der Vorlage selbst. Wenn bie Erklärungen seitens der Rechten ernst zu nehmen sind, so ist der Entivurs schon heute als gefallen zu betrachten. Ich spreche nicht von der Forderung des Abg. Herold, die socialpolitischen Verwendungszwecke der Mehr- cinnahmen im Gesetz festzulegen, sondern von den Aeußerungen des Grasen Schwerin-Löwitz nnd des Freiherrn v. Wangcnheim. Ter letzicre äußerte hier ini Reichstage. wenn der Landwirtschaft ein Zollschutz in bestimmten Ziveigen versagt würde, so würde sie alle Zölle ablehnen und das Weitere abwarten müssen. Was unter den beslinimten Grenzen zu verstehen ist, hat Herr v. Wangcnheim öffentlich kundgegeben, es ist ein Gctreidezoll von 7,50 M. und Minimalzölle für alle landwirischastlichen Produkte. Auch das preußische LandcS-Oekonomiekollegium hat erklärt, falls der Weizen- und Roggenzoll unter t> M. herabgehe, habe die Land- Wirtschaft überhaupt kein Interesse mehr an dem Entivurs. Sind die Herren Agrarier also rttckgrntfest, dann ist ans eine Majorität für die Vorlage nicht zn rechnen. Sollte aber etwa die Regierung den Forderungen der Agrarier nachkommen dann ivird die Erbitterung draußen im Lande und hier iin Hanse einen derartigen Grad erreichen, daß sie das ganze Tarifwerl über den Haufen werfen ivird. Wenn also auch vielleicht nichts dabei herauskommt, nützlich war die Debatte doch. Wir haben Einblick bekommen in die Handels- politischen Scelenzustände nnsrcr Herren Minister und in das Arsenal der Argumente inisrcr verehrten Herren Gegner, die man neuerdings mit den, Namen Engel getauft hat.(Heiterkeit.) Die Regierung hat gegen die übertriebenen Forderungen der Agrarier kein Wort des Tadels gefunden. Herr v. Rheinbaben berief sich auf die Autorität des Herrn Ritzler(Hört, hört! links.) nnd der Chorführer der himmlischen Heerscharen, Graf Bülow, hat den Beifall jener Herren geenilet. � Es besteht der Eindruck, daß die jetzige Regierung von Agrariern regiert wird. Daran wird nichts geändert durch den Eintritt des Herrn Möller iir daS preußische Ministerium. Herr Möller, der die agrarische Bewegung eine„Volksbewegung" nannte, überschätzt diese Beivegnng. Die Agrarier bilden eine nur kleine, freilich mächtige Partei; im Bunde der Landwirte giebt cS freilich auch kleine und mittlere Bauern..Ich spreche aber hier von den 31 n f Ü h r e r n, nicht von den Angeführten; die Anführer sind sowohl im Bunde der Landwirte, ivie in den Landivirtschaftskammern. im lach- fischen Landeskulturrat zc. fast ausschließlich Großgrundbesitzer. Diese agrarische Agitation vollzieht' sich tu Preußen unter der Mithilfe der mittleren und nnteren Verwaltnirgsbehörden! Graf Schwerin-Löwitz verlangte in der Diskussion des Zolltarifs mehr Anstand. Worauf har er bei diesem Ausflug inS Sittliche angespielt? Hat er an die B o y k o t> i e r n n g e n gedacht, die gegen die Unterzeichner einiger Aufrufe des Handelsvertragsvereins verfügt worden sind? Meint er gewisse Ausdrücke in agrarischen Flugblättern, wie etwa folgende:„Hüte man sich, die Landivirtschaft dahin komme» zu lassen, daß sie sich ernstlich die bitterböse Frage vorlegen müßte, ob das Ende mit Schrecken nicht dem Schrecken ohne Ende vor- zuziehen sei?"(Hört, bort! links.) Dr. Oertel hat in seiner Zeitung diese Ausdrücke� � gebilligt! Da ich gerade bei Dr. Oertel bin und sein freundliches Gesicht mir gegenüber sehe(Heiterkeit), möchte ich noch eine Agitationsreise des Herrn Dr. Oertel nach Westfalen erivähnen. Er erklärte dort nach dem Bericht seiner„Deutschen TagcSztg.". es scheine fast, als ob das Rcichsschatzamt und Herr v. Thiclmann eine absichtliche Berzögciling in der Vorlegung des Zolltarifs herbeiführen wollten. Cr schloß:„Sollte jetzt wieder die wohlbegründete Hoffnung der Laiidivirtschaft zn Schande» werden, da nn-w erden auch diese Säulen der Treue wanke n."(Lachen nnd Hört, bört! links.) Im CirknS Busch sagte Herr v. WaNgenhcim in Bezug auf Graf Caprivi und Fürst Hohenlohe.„Verschollen und vergessen ist ihrer Thaten Fluch."(Hört, hört! links.) Das ist die Sprache des Herr» v. Wangenheim a>i ß e r h a I b d c s Hauses. So behandeln die Herren die Minister, ivenn sie nicht mehr im Amte sind. Auch Herrn v. Miquel haben sie ja nachgerufen: getraut haben wir ihm ja niemals. So viel über de» Anftnnd.(Lache» rechts.) Graf Schiverin fragte, Ivos ein Junker ist und bat darauf noch keine Antwort erhalte». Junker ist man, wenn man bei der herzergreifenden Erzählnng von einen» hungernde» Kinde auf die Vermutung versäht, der Vater hat vielleicht altes vertrunken(Unruhe rechts.), ivenn»»an bei Anhörung der T h a t s a ch e. daß viele Menschen sich allein von Kartoffeln nähren müssen, bemalt: nun, Kartoffeln find doch auch ein Nahrungsmittel.(Sehr richtig! links. Unruhe rechts.) Z»n» Jmitersai» ist das Adelsprädikat gar nicht »iölig, es gicb» auch Junker ohne dasselbe und die stnd die schlimmsten. Da nun diese Junker ollein nicht zahlreich gc- mig sind, suchen sie sich unter den kleinen Landwirten eine Gcfolg- ichaft. Welches Rezept dabei verfolgt wird, hat Herr Rösickel Kaiserslautern in Hildeshcim verraten. Er tadelte es, daß die Land- Wirtschaft immer von ihren guten Erträgen spreche. Heute sei das nicht zweckmäßig, da würde ja jeder sagen: Bei Euch ist ja gar kein Notstand,(Hört, hört! linls.) Aus der Tiefe der Seele kam der Seufzer des Herrn v. Wangenheim am 27. September, als er sagte. wir wissen alle,»im wen sich heute unsre ganze Wirts chaft's- Politik dreht, um die beiden großen Dampf s ch i f f a h r t s- Gesellschaften. Für den Reichstag war das nicht gesagt.(Uiiruhe rechts.) Das zielt auf eine andre Stelle, aber die Herren vom Bundesrat scheinen es nicht gemerkt zu haben. Ich stelle fest, daß auf diesen Diskreditieningsversuch vom Bundesratstisch»iemand eingegangen ist. Das Exposs des russischen Finanzministers stellt Deutschland kühl vor die Alternative: entweder Beibehaltimg des jetzigen Tarifs, oder beliebige Erhöhung der Zölle lediglich bei Meistbegünstigung. Wir drohen' also mit Rußland in dasselbe Verhältnis zu kommen, wie es zu Amerika schon jetzt besteht. Rußland hat ein Interesse an guten Handelsbeziehungen zu Deutschland, genau wie umgekchrt. Wir wünschen lcbbaft die Aufrechterhaltnng der bisherigen guten Be- zichimgei» zn Rußland, die freilich jetzt schon bedroht sind. Das ist eine der ersten Früchte des Zolltarifs, andre werden später reifen. Die Veröffentlichnng des Zolltarifs hat bereits die KrisiS in Handel»nd Gewerbe verschärft, und die Unsicherheit wird erst verschwinden, ivenn dieser Zolltarif beseitigt ist. Wir werden, den» Beispiel der Agrarier, in der K a n a l f r a g e folgend, in Konmiission und Plenum die Re- gierung von der Schädlichkeit ihrer Zollpläiie in jeden» Einzelfall zu überzeugen suchen, und ivir werden bei jeder einzelnen Frage den Nachweis der Schlitzbedürftigkeit des betreffendei» Produktionszweiges verlangen. Erziehungszölle sind uns dislutabel, BereichernngS- zölle stnd es nicht. Graf Posadowsky hätte also nicht mit der ganzen Wucht seiner Beredsamkeit gegen eine nicht aufgestellte Be- banptung loszuziehen brauchen. Wem, zuletzt die' Kraft der Mehrheit versagt nnd ein Zusammenbruch der Verhandlungen erfolgt, wir werden es nicht bedauern. Die Regierung mag dann die gegen- ivärtigen Vertragsverhältnisse zum Ausgangspunkt neuer Unterhand- lungen niit den» Auslaiide nehmen. Es kann nicht schwer halten. eine provisorische Verlängerung der bestehenden Handelsverträge durchzusetzen. Inzwischen ist der neue Reichstag gavählt, der letzte Termin dafür ist der 17. Juni 1903, und dessen Mehrheitsverhältnisse werden dann durch die Wahlparole: Für oder wider den Zolltarif' bestinimt sein. Die Wählerschaft hat einen Anspruch darauf, gehört zu werden; das ist loyal, konstitutionell. Selbst ivenn der Zolltarif aber vorher zu stände kommt, so bleibt die Zollpolitik die nächste Wahl- Parole, weil noch die VertragSverhandlnngeil zu erledigen sein werden. Wie die Wahl ansfallen wird, kann man ja nicht voraussagen, aber alle Zeichen deuten darauf hin, daß sie entschieden gegen den Tarif ausfallen werden. Die Wissenschaft ist mit uns, die Stiinimulg im Volke ist erbitterter als je, ielbst die Frauen beteilige» sich an der allgemeinen Bewegimg. Wir iverdcn dem Entwnrf entschlosseiieii Widerstand entgegensetzen, der sich steigern wird, falls die Komniission etiva die Sätze' der Vorlage erhöht. Wir sind überzeugt, damit dem Vaterlandc einen Dienst zu erweisen.(Beifall links!)' Staatssekretär Graf Posadowsky: Ein Redner der socialdemokratische» Partei hat diese Vorlage »nd ebenso ihre Väter und Vertreter in den Orkus gewünscht. Nim jeder hat seine Pflicht zu erfüllen, und so lange sich dieser hmnane Wunich deS Redners»»cht erfüllt hat, werde» ivir an dieser Stelle fcchlen und die Vorlage vertreten, die eine Vorlage der verbündete» Regierungei» ist.(Bravo! rechts.) Gegenüber den tendcnziösen Eiilstellnilgen, daß die Vorlage das Werk eines eiiizclncn Ressorts sei, stelle' ich hiermit fest, wie sie entstanden ist. Es war der all- gemeine Wunsch der große» wirtschaftlichen Verbände, daß»»an nicht so vorgehen sollte, ivie beim russischen Handelsvertrag. nämlich wenige Wochen vorher eine Sachvcrstäiidigcli- Komniission zu berufen. Man wünschte ein st ä n d i g e s Organ. und dies ivurde im Wirtschaftlichen Ausschuß geschaffen. Nach Beendigung seiner Arbeiten Ivurdcn diese den» Rcichsschatzamt übergeben. Darauf sind unter dem Vorsitz des Herrn Reichskanzler und Zuziehung der beteiligten Ressorts, des Auswärtigen Amts, des Rcichsamt des Innern, des preußischen Land- ivirtschafts-, Handels- und FinanzministerS, die Grundsätze für das Znlllarifgcsctz und den Zolltarif festgelegt. Hierauf hat das Reichs- fchatzamt dieselben 6 Monate hindurch bearbeitet. Nach hierauf folgenden Vcrhaiidlnngcn von Koinmissarieii aller beteiligten preußischen und deutschen Ressorts ergaben Konfcreiizcn mit den Vertretern der Bundesstaaten eine Einigung über die grundlegenden Frage» des neuen Zalltarifs. Demnächst ist er vom Bundesrat in lvochcnlangcn Sitzungen berate» worden. Dieser hat ihn an geliommc», und jetzt liegt ein Werk der verbündeten Regierungen vor. Den Herren der Linken möchte ich im Hinblick auf eine Be- »icrlung erwidern, daß ich Achtung habe vor jeder politischen Auf- fasiniig, ivciiii sie auf ernster Verliesung der Materie beruht. Aber ivenn nian die Regierung diskreditieren will durch Vergleiche, auf die ich nicht eingehe, so köiiiien sich die Herren nicht wundenl, wenn man in diesen» Mittel ciiien Weg zu finden glaubt, der nichts mehr mit sachlichen Motiven zn thun hat.(Sehr richtig! rechts.) (Der Reichskanzler betritt den Saal.) Herr Richter hat an die von mir citicrte Äußerung deS Herrn v. Marschall nickt glauben zu köimen erklärt. Frhr. v. Marschall hat diese Aenßeruug am 26. Februar 1892 in Gcgcmvart der Herren Brömel, Barth nnd Richert gethan, aber keiner dieser Herren hat sich dagegen getvandt. Noch prägnanter hat sich Herr v. Marschall an» 8. Februar 1897 über die Notwendigkeit eines specialisiertcrii Tarifs ausgesprochen. Er sagte, die Ersahrimgcn bei den letzten Verhandlungen haben gezeigt, daß die heulige An- ordmmg des Zolltarifs die Verhandlungen erschwert.(Hört hört! rechtS). Welch klassischeres Zeugnis können Sie ver- lange» zur Begründung der Aktion, in der wir uns befinden. (Sehr richtig I im Centn»»). Herr v. Marschall hat weiter gesagt, daß sich bei dem alten Zolltarif zweifellos Lüchen ergeben würde» nnd daß eine Revision unbedingt notwendig sei(Hört! hört I rechts). Die Herren Lenzmann und Barth waren bei dieser Aeußerung zu- gegen, haben aber kein Wort erwidert. Wir haben also mir aus- geführt, was damals allgemeine Bllligmig fand. Man hat wieder die Thätigkeit des Wirtschafilichen AuSschusieS als parteiisch getadelt. Bei den Beratungen desselben war der deutsche Handelstag durch 5 Mitglieder, vertreten und die große Sach- kenntnis dieser Mitglieder, sowohl»»ircS Außen- ivie uiisres Binnenhandels kann nnmöglich dadurch geichmälcrt werden, daß zivei von den Herren Großindustrielle sind. Der eine der Herren ist der Vorsitzende deS deutschen Handelstages, der andre der gegen- ivärtige Vorsitzende deS Handelsvcrtrags-VcreinS.(Hört! hört! rechts.) Auch die HandelSlammcrn sind n» ausgiebiger Weise bcrüchsichligt worden. Die Sachverständigen, die»ach Branchen und Bezirken ausgewählt waren, waren nicist gleichzeitig von den großinduitriellen Verbänden vorgeschlagen. Es ivarc» die besten Kenner auf ihrem Gebiete. ES besteht auch kein Gegensatz zwischen den ivirtschaftlichen Verbänden und den Handelslannncril insofern, als crstere Freunde, letztere Gegner des Zolltarifs sein sollen. Man hat zur Vorbereitung deS Tarifes eine Enquete aller Stände und Parteien gefordert. Wie soll man das in einem Lande mit b6 Millionen Einwobncr» ausführe»? Ei» schweizerisches Referendum über einei, Zolltarif ist doch unmöglich. Man muß sachverständige Herren für die Halbfabrikate nnd Rohstoffe n»d die Her- stcllcr fertiger Fabrikate und Halbfabrilate und die Produzenten der Rohstoffe einander gegmüberftellen und so die Gesamtwirkung der Zölle auf die Industrie ermitteln. I» dieser Art haben wir Sack- verständige für alle Zweige der Fabrikation vernommen. Ich muß Wert auf die Feststellung dieser gefchichtlichen Thatjachen legen. Man hat weiter die geheime Verhandltmgswcise des wirtschaftlichen AnSschusses getadelt»»nd behauptet, früher sei das Verfahren anders gewesen. Das ist unrichtig. Die vom Bundesrat berufene Kommission für Baumwollen- und Leinenindustrie hat nicht öffentlich verhandelt; auch die vom Fürsten Bismarck 1879 berufene Zolltarif-Koinmission trug einen vertraulichen Charalter. Im Wirtschaftlichen Auss ch u ß wurde teilweise in Gegenwart voli40Sachverständigenver- handelt. Man hat weitet mit einem Ausdruck, den ich nicht iviedergeben tvill. behauptet. die Sachverständigen seien im Wirr- schaftlichen Ausschuß zur Forderung höherer Zölle geradezu angeregt ivorden. Wir haben die Sachverständigen gefragt: 1. Welchen Minimalzoll hast Du notwendig, um mit Deiner Industrie noch konkurrenz- und ausfuhrfähig zn bleiben? 2. Welchen zollpolitischen Zuschlag hältst D»! für notwendig für die Verhandlungen? Der betreffende Herr, der in diesen Fragen einen Anreiz zu höheren Zöllen gesehen hat, hat den Sinn der Befragmig nicht verstanden. Man hat weiter gesagt, man hätte nur einzelne Positionen des alten Tarifs ändern sollen. Das ist aber nickt möglich, denn ein solcher Tarif ist ein zllsammen- hängendes Netz. Es ist auch ein Irrtum, daß die Jndustriezölle die Preise für den einheimischen Markt erhöhen. Man hat mich in der Oeffentlichkcit zunöchst als Gegner von Handel und Industrie hin- gestellt, und jetzt plötzlich stellt man es so dar. als ob ich der Industrie erhöhte Zölle geradezu in den Schoß werfe. Nein, ivir verfolgen mit de» Jndustriezöllen das handelspolitische Ziel, dem deutschen Arbeiter vermehrte Arbeitsgelegenheit zu geben. Die ältesten und bedeutendsten Schutzzölle, wie der auf Baumivvlle, haben liicht verhindert, daß wir gerade in diesen Produktionszweigen eine ganz bedeutende Ausfuhr haben. Aehnlich liegt es bei den» Zoll auf Schafwolle. Die Produltionskosten und die Inlandspreise sind also nicht so erhöht, daß die betreffenden Industrien auf den» Weltmarkt nicht mehr hätten konlurrieren können. Seit 1879. wo die Bismarckschcn Schutzzölle eingeführt wurden. ist der Verbraiich von Baumwollgarn um mehr als das Doppelte gestiegen.(Hört! hört! rechts.) In noch viel höherem Grade hat die Eisenindustrie den Segen des Schlltzzolles erfahren. 1879 betrug die Roheisen-Prodnltion Englangs das Drei- sacke der deutschen,'und jetzt, 1901, hat die deutsche Roheisen- Produktion fast die Höhe der englischen erreicht. Daraus folgt, daß nie. eine segensreichere Maßregel für die Arbeiterbevölkermig unter- nomnren wurde, als gerade die Einführung der Schutzzoll-Politik. (Sehr richtig I rechts.) Auf die Textilindustrie trifft auch der Lorwurf nicht zu. daß sie zn billigeren Preisen im Aiislande als im Julande verkaufe. Die Wünsche der E i s e n» n d u st r i e l l e n gehen noch viel weiter, als sie der Tarif vorsieht. Sie werden sich bei der Beratung der einzelnen Positionen in der Kommission davon überzeugen.' Auch die Konsumenten von Roheisen, z. B. die Eisen- gießcrcien, haben begründete Eimvendungen gegen die Eisenzölle nicht erhoben Der Roheisenzoll ist in Zeiten industrieller Krisen eine Not- weiidigleit, um eine Uebcrschwemnmng des deutschen Marktes mit Roheisen zu verhindern. Der Verband deutscher Baumwollen- spiiinereieii verlangt als das Minimum des Schutzes, dessen die beutscken Spinnereien unbedingt bedürfen, die Wiederherstelllmg des bisherigen autonomen Tarifs. Ich komme zu unserm Verhältnis zu Amerika. Bei der Handelsbilanz mit diesem Staate kommt es darauf an, daß seit 1892 die Einfuhr von Amerika»ach Deutschland um 146 Proz., unsre Ausfuhr nach Amerika aber nur um 5 Proz. gestiegen ist.(Hört! hört! rechts.) Wir stehen den deutschen SchiffahrtS- Gesellschaften mit allen» erdenklichen Wohlwollen gegenüber,»vir wünschen auch Zollkriege nicht. Kriege soll man, wie Fürst Bismarck einmal sagte. »ur in der äußersten Not anfangen, wem» man aber einmal Krieg führt, ailch mit der ganzen Wucht des nationalen Lebens dahinter stehen l(Bravo rechts.) Man hat der La n d lv i rtsch a f t ihre großen Besitz- t ü m e r»i n d d i e M i l l i o n e n, die ihr zngeflosse» seien, vor- geworfen. D a n>» müßte man s i ch aber e b e n s o g e g e n die große» K a p i t a l a n s a m m l u n g e n in der I u d» st r i e wende n.(Sehr gut! rechts.) Ich würde es übrigens durchaus begrüßen, wem» ein Teil der großen Güter, deren Besitzer cS wünschen, Iveil sie nicht bestehen köimen, angekauft und in mittlere Güter verwandelt würden; gerade im landivirtschaft- lichen Interesse würde ich das wünschen.(Hört! hört! links.) Das bestreitet kein Agrarier, in» Gegenteil, jeder echte Agrarier muß doch wünsche», daß m ö g l i ch st viele Mensckc» in Deutschland eignen Grundbesitz haben.(Lachen links. Rufe: geschieht aber nicht!) Man spricht iiinncr von Liebesgaben. Diese fogenalinte» Liebesgaben stelle» aber nichts dar als eine Ermäßigung gewisser Steuern für in ihrer Produktion beschrankte Industrien. Wenn man das Liebesgaben neiiiit. inuß nian auch die Befreiung der untersten Volksklaffen von der Einkommeiisteuer eine Liebesgabe nennen.(Sehr gut! rechts.) — Wenn man gegen die Landwirtschaft vorgeht, hißt man iinmcr den Türkenkopf der Junker ans mid kämpft gegen ihn. Was ist ein Junker? Unter Junker verstehe ich einen Mann, der auf Standesvorurteile pocht, denen in nnsrcr verfassungsmäßigen Zeit kein Inhalt»nehr beiwohnen kann. Sie aber verstehen unter Junker jeden Mann, tveim er auck ans Ihren Kreisen hervorgegangen ist, sobald er ein Rittergnt besitzt(Wideripruch links), sobald er ein Großgrundbesitzer ist, der für sein Gciverbe eintritt.(Widerspruch links.) Die Zeit der Junker, wie ich sie verstehe, ist abgelaufen und ich wünschte, daß sie sich zu geistigen Leitern der Nation entwickelten.(Zustimmung links.) Ich wnßte ja, meine Herren, daß wir einig waren.(Heiterkeit.) Herr Singer hat gestern Jmpreifionsmalerci der Politik getrieben, er hat mit möglichst schreienden Farben gemalt, um in die Ferne auf die Massen einzinvirken.(Sehr gut! rechts.) Seine Bcreck- »uiigei» über den Großgrundbesitz der Fürsten usw. sind für uns liu- kontrollierbar, es kommt auch auf die Größe der mit Getreide be- bauten Fläche an und außerdem steht durchaus nicht fest, daß dein erhöhten Zoll obfolut erhöhte Getreidepreise folgen. Wenn aber auck der Großgrundbesitz solche Vorteile ans de in Zolltarif hat, da»» fetzen sie ihn doch damit in die Lage. intensiver zu Ivirtschasten, die Landeskultur zu fördern und das kommt Ivieder den Arbeitern zu gute.(Sehr richtig I rechts.) Auch die ganze Bcrechimng der Steigerung der Reichs- einnahmen durch die Zölle seitens des Herrn Singer tvar nickt zutreffend. Die ganzen Jndustriezölle sind doch Maximal- zölle, die als Konipensationsobjekt eingesetzt sind." Die ganze Erhöhung unserer Zölle, wem» der Zolltarif so durch« geht, wie er von der Regierung vorgelegt ist, würde rund 2>/« Proz. des ganzen Einfuhrwertes»»serer Waren betragen. Ich komme auf daS T a r i f s h st e n». Die Hamburger Handelskammer bat darüber ein Gutachten erstatttet, in dem vorgeschlagen wird, die Konventionalsätze»iifcrin Zolltarif zu Grunde zu legen, aber gegen Staaten, die uns ungleich behandeln oder unbillig hohe Zölle verlange», Zollzuschläge zn erheben. Die Erhebung solcher Zuschläge würde»ms aber bald in einen Zollkrieg mit aller Welt bringen. Gegenüber der Aeußerung in der Begründung. daß die Regierung die Aussichten künftiger Handelsverträge»och nicht über» sehen könne, berusci» sich die Redner der Linke» ganz mit Unrecht auf Aussprüche des Fürsten Bismarck. Ich wünschte, die Herren von der Linken hätten den Fürsten Bismarck bei seiiien Lebzeitc» so unterstützt, ivie sie sich jetzt auf ihn berufen; wieviel mehr hätte dieser große Staatsinaini dann noch leisten können I Die handelspolitischen Aussichten sind folgende. Kommt kein Zolltarif zustande, so ergeben sich die zivei Möglichkeiten: 1. Wir kündigen die Verträge zum 31. Oktober 1903, dann tritt der autonome Taris in Kraft; 2. Wir lasse» die bestehenden Verträge weiter laufen und verlängern sie von Jahr zu Jahr. Kündigen wir die Verträge und loffen den autonome» Tarif in Kraft treten, so würden wir den äußersten Widerstand von Handel und Industrie erregen, die mit Recht neue Handelsverträge verlangen würden. Wenn Ivir die Verträge von Jakir zu Jahr verlängern, würde die ganze Rechte, alle Freunde der Landwirtschaft in diesem Hause, fortgesetzt die Kündigung der Verträge fordern, um neue Sätze zum Schutze der Landwirtschaft zu er- reichen. Dieser Zustand würde die ganze deutsche Landwirtschaft und Industrie auf das schwerste gefährden. Kommt adcr im Reichstage ein Tarif zu stände mit erhöhten Sätzen und Minimalzöllen, so existieren folgende Möglichkeiten: 1. Wir nehnien diesen Tarif nicht an, und ich vitte das Haus, in vollster Erkenntnis der ernsten S a ch l a g e sich in dieser Beziehung auf keiuer Seite optimistischen H o f f n u n g e n hinzugeben; das ist der- selbe Fall, als ob überhaupt kein Zolltarif zu stände kommt, nird alle verhängnisvollen Konsequenzen eines solchen Zustandes würden eintreten. 2. Wir nehmen den Tarif an und Handelsverträge ur i t anderen St aaten er>v eisen sich dabei als uii- möglich. Dann ständen wir vor der schweren Verantwortlichkeit, zu befreundeten Staaten in ein unfreundliches Verhältnis zu kommen, wenn wir nicht entgegen den Sätzen des Zolltarifs Verträge ab- schließen wollen auf Grund der niedrigeren Sätze andrer Länder. Schon bei dieser Frage steht der Reichstag vor einer schlveren Verantwortlichkeit. Man hat auf die schädliche Wirkung des Doppeltarifs in Frankreich hingewiesen. Daran war aber nicht das System schuld, sondern nur die zu hohen Minimalsätze des französischen Tarifs' Zu hohe Wtininialsätze wirkeir nicht nur vertragshindernd, sondern direkt v e r t r a g s f e i n d Ii ch.— Wir zahlen heute für einen Scheffel 21/a M. mehr, wie im alten Rom gezahlt wurde. Mommsen spricht in seiner Römischen Geschichte von dem„Köhler- glauben der Rcgiming, die die schädlichen Wirkungen der niedrigen Kornpreise nicht voraussah'. Ich hoffe. daß cm zukünftiger Geschichtsschreiber, der die Geschichte unsrer Zeit schreibt, der gegenwärtigen Regierung nicht den Vorwurf ivird machen können, daß sie nicht rechtzeitig ein- geschritten sei. Ich möchte an die Majorität dieses Hauses und ihre Führer, die den Wunsch haben, den Zolltarif in ihrem Interesse weiter auszugestalten, die dringende Bitte richten, den engen schmalen Pfad, auf dem wir uns bewegen, nicht noch dadurch schwieriger und gefährlicher zu ge st alten. das; Sie auf der Rechten un ii b e r st e i g l i ch e S ch 10 i e r i g- ketten auftürmen, während auf der linken Seite vielleicht der Orkus liegt. Ich möchte mit einem Verse schließen, den ich als Inschrift auf dem Portal eines deutschen Schlosses gelesen habe: Wünsche nie ein Glück zu groß, ivünsche nie ein Los zu schön, oaS Ge'chick in seinem Zorn, könnte es Dir zugestchn. (Beivegung und andauernde Unruhe rechts.) Abg. Dr. Areudt(Rp.): Herr Heim hat gestern eine sehr wirkungsvolle Rede gehalten. Henf Pachnicke hat nicht einmal den Versuch gemacht, diese Rede zu zerstückeln. Er hat nur den Nachweis erbracht, daß das Ceutrum in Zollfrage» seine Haltung geändert hat. Das ist aber nichts Neues, das haben eben die veränderten Zeitberhältnisse bewirkt. Redner polemisiert noch weiter gegen den Abg. Dr. Pachnicke, seine Aus- sührungen sind aber bei der im Saale herrschende» Unruhe nicht zn verstehen. Die Gegner der Vorlage haben schwächer und lläg- licher abgeschnitten, als ivir selbst erwartet hatten. Bei der von allen Rednern der Mehrheitsparteien geübten Mäßigung habe ich die Hoffnung auf eine Verständigung in der Kommission. Ich halte diese Hoffnung für berechtigt, da wir nun endlich wieder eine einheitliche Regierung unter der Führung eines wirklich leitenden Staatsniannes haben. Wir sind für Erhöhung der Getreidczölle, ohne den Agrarstaat gegen den Industriestaat auszuspielen. Deshalb lehne' ich auch eine über- triebene Erhöhung der Zölle ab. Drohungen, daß man zn den Socialdemokratcn übergehen würde, wenn die Zölle nicht genügend erhöht würden, sollten nicht vorkommen. Das gleiche gilt von der übertreibenden Drohung, zu den Freihändlern überzugehen. Be- sondere Freude habe ich deshalb über die Rede des Grafen Kunitz gehabt, die der Industrie gab, was der Industrie gebührt. Bei den Jndustriezöllen sollte das Blei wie das Kupfer behandelt werden, auch das SuperPhosphat bedarf eines Zollschutzes. Der Doppeltarif wird den Abschluß von Handelsverträgen nicht hindern. Im Gegenteil. Ich bin grundsätzlich für Minimalzölle und werde ihre möglichste Ausdehnung herbeizuführen suche». Der Widerstand des Cemralverbandes deutscher Industriellen ist mir unverständlich. Wenn ich die Stimmung der Mehrheit des Reichstages richtig taxiere, so sind ihr die Minimälzölle für Getreide zu niedrig. Man sagt, die Mehrheit des Reichstages stellt nicht die Mehrheit der Wähler dar. Wahlen, bei denen die Schutzzollfrage im Vordergründe stand, haben immer eine Verstärkung'der Schutzzollfreniidc gebracht. In meinem Wahlkreise steht der mittlere und kleine Landbesitz geschlossen hinter den Forderungen auf Erhöhung der Ge- treidczölle. Die meisten und hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft stehen auf dem Staudpunkt des Schutzes der nationalen Arbeit. Den Brentano und den Lötz überlasse ich Ihnen. Die Schutzzollpolitik ist keine hinterwäldnerische, sondern eine fortschrittliche Politik. Daß das Brot teurer werden wird nach Erhöhung der Zölle, ist gar nicht ausgemacht. Jedenfalls sind für den Arbeiter höherer Lohn und höhere Lebensmittelpreise von Vorteil. Warum hat denn die Ge- nosscn-Exccllenz des Herrn Bebel. Herr Millerand, die Schutzzölle nicht abgeschafft? Genossen des Herrn Bebel haben in der Deputierten- kaminer für einen 8 Frank-Getreidezoll gestimmt. Jaurss hat sogar einen dem Antrag Knnitz ähnlichen Antrag gestellt. Jaurös hat einen Ge- treidepreis von über 200 Fr. für die Tonne verlangt und Bebel hat neulich die Forderung des Getreidepreises von 17b M. als das Un- verschämteste und Schamloseste bezeichnet, was je ein Agrarier ge- fordert hat. Jaures hat auch den Schutz der nationalen Arbeit proklamiert, ohne Chauvinismus zu zeige». Er knüpft daran nur die Bedingung, daß das Ergebnis der Zölle den Arbeitern zu gute konnut. Genau so, wie das hier im Reichstage beabsichtigt wird, daß die Witwen- und Waisenversorgung durchgeführt wird. Die Socialdeniokraten haben Zffs Millionen Unterschriften aufgebracht für Petitionen. Wenn eine Deputation der Petenten hier den Verband- lungen beigewohnt, ich bin überzeugt, die Mchrzabl der Petenten würden ihre Unterschriften wieder zurückgezogen haben. sGelächier bei den Soc.) Das Verhalten der französischen Socialdcinotraten beweist nnr nur, daß die deutschen Socialdemokraten nicht die Jnterefferi der Arbeiter vertreten. Ich hoffe, mit den Vülowschen Handelsverträgen wird eine neue gedeihliche Aera für Deutschland eintreten. sLebhaftcr Beifall rechts.) Abg. Mllnch-Ferber snatl.): Es ist ein eigentümliches Zusammentreffen, daß diese Ver- handlnngcn in die schwere wirtschaftliche Krise fallen. Einen Teil der Schuld an dieser Krise haben die Caprivischen Handels- Verträge. Sie haben uns in das unglückselige Verhältnis zu Amerika gebracht. Von Amerika droht uns die Hanptgefnhr. Den amerikanischen Zollschikanen gegenüber hatte Deutschland geradezu Lammesgeduld gezeigt/, Uhr. Neues Lwern. Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Die schöne Melusine. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang Uhr. Berliner. Die rote Robe. Anfang ?'/- Uhr. Lessing. Die lieben Feiode. An- ia»g?>/, Uhr. Residenz. Sei» Doppelgänger. Borher: lSnglisü spoken. Anfang 7V, Uln. Neues. Coralie u. Co. 7,/, Udr. Weste». Der Troubadour. 71/, U b r. SccesiionSbiihiie. Detlev crons Buntes Brettl. 8 Ubr. E. b. Wolzogeus Buntes Theater (Ucberbrettl). Ansang 8 Uhr. Schall nnd Ranch. Borstellung. Anfang 8-/2 Uhr. Ceutral. Die Puppe. Anfang 71/, Uhr. Thalia. Die Badcpuppe. Ansang 7»/, Uhr. Luise». Kabale und Liebe. An- fang 8 llhr. Carl Weist. Liane, die zweite Frau. Altfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelinstiidtliches. Offenbach-Cytlus. Pariser Leben. Ansang 7-/2 Ubr. JBcNe.ZlNIauec. Kein Hüsllng. Anfang 8 Ubr. Casino- Theater. Weihnachten. Mödchcnjäger. Specialitäte». An- sang 8 Uhr. OrpheuS. Specialitäten-Vorstellung. Aniang 8 Ubr. ivlriropol. Schön war's doch. An- sang 8 Ubr. Apollo. Specialitiifen- Vorstelliing. König Aqua. Luftballett„Grigo- latts". Anfang 8 Uhr. Pasiage- Theater. Speclalitöten- BorsleNnug. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage< Panoptikum. Speciali. tälcu-Borstellung. Rcichshallr». Stcttiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitälen-VorsleNniig. Großstadtzaubcr. Ansaug 8 Uhr. Urania. Tanbenstr. 48/4U.(Im Thealersaal.) Abends 8 Uhr: „Ueber de» Wolken." Jlibalidenstraste{»«VvL. Täglich: Slermvarre. Urmna. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: lieber den Wolken IiiTalldcnstr. 57/02. Sternwarte. Passage- PanopUcum. Neu! Oer indisohe Neu! Boppelmenssi)! 4 Arme, 4 Beine,, Kopf, lebend. Castans Panopticoni. Neu!— Neu! Das n e u e s t o WantJer j der Klektricität: Borsührnug S. Tclcgraphic ohne Draht " Vorstellungen von 11 bis j 1 Uhr und 10 Uhr. c arl Weiss-Theater. Grofte Fraiikfiirtcrstr. 132. Volks-Vorstellung. Parkett 00 Pf.(Kleine Preise): Lilliie, liie Weite Fmü. Anfang 8 Uhr. Ab 25. Dezember: Overetten-Saison. Schal! mul Rauch, Unter den Linden 44. Freitag, den 13. Dezember 1901, abends 8V»'Uhr: Vorstellung vor Serenissiams. Morgen u. die folgenden Tage: Dieselbe Vorstellung._ IS�iKs&oiiei Kottbuscrstr. 4 n. Jeden Sonntag, Montag nnd Donnerstag Hott II) 11 II II M NMciiW siiilger Nach jeder Soiree: Tanz. Neu! Ne»> Neu I LchiüllililsHemkehr. Entree 50 und 75 Pf. Wochentags Anfang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochentags BereinsbilletS gliltig und Tanz frei. Alle aildcm Tage bleiben die Säle zu Festlichkeiten und Ber- faiumlungl» frei. Vorletzte Woclie: Scliön war's Pocii. Gr. Berliner AnsstaHimgsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Thonias, Josephi, Bentlep, Frid-Frld, de Ver6. !! Bentlep als Saharetü Anfang 8 Uhr. Kaueben überall gestattet. Apollo-Theater. Kolossaler Erfolg der Burleske l&lmig Hquss mit Georg Kaiser.«Willy Waiden. Emil Richard.« Arnold Rieck. Emmy Kröchert. Ferner die vorzüglichen Specialitäten. Anf. 8 Uhr. Sonntags 7> z Uhr. 6(ljillei'll)f(iter (Waliucr-Theatcr). Freitagabend 8 Uhr: vlo scküuo Melusine. Märchen-Drama in 4 Aufzügen von Georg Reicke. Sonnabendabend 8 Uhr: I�-sanders Mädchen. Hierauf: Die Komödie der Irnmgen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jngend. Gonntagabend 8 Uhr: Melmat. Central- TlMtkk. Heute Anfang 7»/, Uhr zum 200. Mal: Jubtläums- Vorstellung: Die puxtpe. Operette in 3 Akten von E. Audra». Sonnabend: 2 Borstellungen, nach- mittags 4 Uhr, halbe Preis«: jeder Erwachsene! Kind frei: Schneewittchen und die 7 Zwerge._ Thalia-Theater. Dresdenerstr. 78/73. Heute und folgende Tage: Die Badepuppe. Große Ausstattuugsposse mit Gesang nnd Tanz in 3 Akten. Paula Vorm a. G. Guido Thlelacher, Helmerding, Junkermann, Paulmüller, Wannovlus, Junker-Schatz. Ansang 7V- Uhr. Sonntag, den 13. Dezember,»ach- mittags 3 Uhr, kleine Preise: Tie drei Haiilcmänncrche». Cirkus A Schumann. Freitag, den 13. Dezember, abends priic 7>/z Uhr: ZW- 3 u m« 8. Mal:-7S»S Allabendlich stürmischer Beifall! Gner dnrch Uans (V. Vonvees I�-Il'ls). Schlußakt: llordeeebed Schevenlngen Größte und glänzendste AuSstaitungs- und Waffcr-Pantominie in 8 Akten. Vorher ganz exquisites Programm, sowie Auftreten sämtl. Clowns und Auguste mit ihren neuesten Eutrees und Intermezzos. Direktor Ulbert Schumanns neueste Originaldressureu. Neu! Zum 13. Mal: Neu! Zum erstenmal auf dem Kontincnt. The Louisiana Amazon-Guart! 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Ein Krieczervcreinler darf nicht um billiges Brot petitionieren; das lönnte die agrarischen„Herren Kameraden" unwirsch machen� So wurde in Fern-Neuendori(Amtsgericht Zossen) ein Mann aus dcnr dortigen Kriegerverein durch Borstandsbeichlnh ausgeschlossen. ivcil er die Petition gcgeir den Broiwncher unterschrieben hat. Ob die Vorstandsmitglieder des Vereins selbst Grohgrundbesiycr stnd oder ob sie zu denen gehören, die ans— Harmlosigkeit mit Ver- ehrung zu ihren agrarischen Ausbeutern aufblicken, selbst wenn sie kaum ini stände sind, ihre Kinder zu sättigen, das konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Es wäre von großem Interesse, wenn der Ausgeschlossene von seinem Rechte der Berufung an die Generalversammlung Gebrauch machte, wie ihm dies in dem Ausschlnßschreiben freigestellt wird. Er hätte dann die beste Gelegenheil, die versammelten Krieger mit den Gründen bekannt zu machen, die ihn veranlaßten, eine Petition gegen den Brolivucher zu unterschreiben und wenn er das geschickt anfängt, dann— nehmen sich vielleicht einige der Kriegskameraden vor, bei nächster Gelegenheit ihre Stimme ebeufalls gegen die Brot- Wucherer zu erheben. Ein socialdemokratischcr Stadtberorducter in Finnland. Bei den Stndtvervrdneten-Wahlen in Hclsingsors wurde der Kandidat der Socialdemokratie, Maurer A. Johansson' gewählt. Er ist der erste Socialdrmokrat. der in Finnland in einer öffentlichen Korporation Sitz und Stimme erhält. „Karbascn", das satirische Wochenblatt der schwedischen Social- bemokraten wurde in Finnland und Nußland konfisziert. Polizeilichco, Gerichtliches usw. In der„Leipziger Volkö-Zeitnng" waren seiner Zeit eine Anzahl Stnccaleure nnt Namen genannt worden, die wegen Beitritt zur Freien Vereinigung der Sluccateure aus dem Central-Vcrband aliSgeichlossen worden waren. 2'ie Liste Ivar dem Blatte vom Schristführcr des Verbandes, dein Sluccateur Worms, zur Ver- östenllichnng übergeben worden. Die Stnecatcure Schier, Kreit» und Gebhardt fühlten sich durch die Namensnennung beleidigt und stellten Straiantrag gegen Worms und de» verantwortlichen Rednetcur der»Leipziger Volks- Zeitung", Genossen P o l I e n d e r. Die Slaatsanwaltichaft übcrnahni die Strafverfolgung im öffentlichen Jutcrcsse und das Gericht ver- urteilte Pollcndcr zu 100 M. und Worms zu 50 M. Geldstrafe. — Polizei und Agrarier sind es, die an der socialdcmokrati- scheu Presse am wenigsten Freude haben. Dafür wird unsrcm Königsbcrger Parlciblatie jetzt wieder ein Beweis geliefert. Nicht weniger als fünf Belcidigungsprozessc schweben zur Zeit gegen das Blatt. Beleidigt sollen sein ein RiltergiitSbesilzer, drei Polizisten, ein Amtsvorsteher und ein Polizeipräsident. Go meelt M aftli lszes. Berlin und Ningegcnd. Achtung, Schraubendreher! Die Kollegen der Firnra Stelz n er. Große Fraiilfurterstraße, haben ivegcn großer Abzüge die Arbeit niedergelegt. Zuzug fernhalte». Deutscher Melallarbeiter-Verband, OrlSverwaltuiig Berlin. Deutsches Reich. Steinsetzer. Die Differenzen in Stettin haben inzwischen größeren Umfang angenonnnen und eS ist nicht unwahrscheinlich. daß— wen» nicht bald eintretendes Frostwetlcr den Arbeiten ein Ende macht— die Diffcrenzc» sich zu einer vollständigen Aus sperrring der organisierten, d. h. sämtlicher. Steinsetzer und Rammer auswachsen. Schon haben die Firmen Klesck und A. St. Ladwig diejenigen ihrer Leute ausgesperrt, die sich geweigert haben. Arbeiten dcS Unternehmers Schulze auszuführen, der sich bekanntlich die Veriiichlimg der Organisation zur Aufgabe gestellt hat. Derselbe hat auch schon, allerdings erfolglos, versucht, seine sämtlichen Jnnnugs kollegen zu einer allgemeinen Lohuherabsctzung zu beivegen. Sogar die Kühnheit hat der Herr schon besessen,' von den städtischen Behörde» einen Aufschub für seine Arbeiten zu erlangen. Bis jetzt freilich auch noch ohne Erfolg. Zuzug ist fernzuhalten. Taö Harburgrr Grwcrkschaftökartell wählte in seiner letzten Sitzung den Genossen Karl Müller aus Harburg mit 29 gegen 16 Stimmen, von denen 10 auf Genossen Dittmann- Bremerhaven und 6 auf Genossen Niendorf- Altona entfielen, zum Arbeiter» s e k r e t ä r. Das Sekretariat wird am 1. April 1902 eröffnet werden. Die Düsseldorfer Metallarbeiter beschloffen definitiv, vom 1. Januar 1902 an ein eigenes Bureau einzurichten. Als Beamter in dasselbe wurde Heinrich Schweitzer gewählt. Gewiegte Geschäftsleute sind offenbar nach ihrer eignen Uebcrzcngnng die Inhaber der Firma Thyssen n. Komp. in Mülhenn a. d. Ruhr. Während ancrkenncnsiverterwcise eine große Anzahl von Betriebsinhabern in der gegenwärtigen Krise so viel sociales Einpfinden zeigt, durch Verkürzung der' Arbeitszeit unter Beibehaltung des alten Stimdenlohnes ihre Arbeiter vor der direkte» Arbeitslosigkeit zu schützen, zählen die Inhaber obiger Firma nicht mir zu den Kapitalisten, welche den Augenblick für Lohn» kiirzungen gekomme» zu sehen glauben, sondern sie»benutzen die Konjunktur" ganz«»geniert, auch die Arbeitszeit zu verlängern, und so auf ihre Weise zur Vermehrung der Arbeits- losigkeit beitragen. Diese»rechnenden GeschäftSlelite" erließen folgenden UkaS: Bekanntmachung. Vom 9. Dezember d. IS. wird die Arbeitszeit wie folgt festgesetzt: Von morgens 6,30 bis 12 Uhr mittags nnd von IV4 bis 63/4 nachmittags. Die bisherige Toleranz von S Minuten für Znspät- kommende morgens und nachmittags fällt weg, pünktliches Er- scheinen lvird unbedingt gefordert. Die Kaffeepausen vormittags nnd nachmittags fallen weg, genügendes Frühstück soll zu Hanse eingenouinien werden. Wer bei schtverer Arbeit ein Bedürfnis fühlt, ein Stück Brot zu essen, kann dies bei passender Gelegenheit thun, jedoch ohne zu sitzen, ohne seinen Arbeitsplatz zu verlassen und ohne sich mit andren Arbeiter» zn unterhalten. Die Löhnung bestimmt sich»ach der Zahl der effektiven ArbeitSstlindc». Der bisherige Schichtlohn wird in Sttmdenlohn mngerechnet und auf eine gerade Zahl abgerundet, wobei in Anbetracht der jetzigen Geschäftslage eine ca. fünfprozentige Ncdnktio» der Löhne eintritt. Die neuen Stundenlöhne können beim zuständigen Meister erfragt werden, s! Uj Vorbehalten bleibt eine Verkürzung oder(—) Verlängerung der Arbeitszeit je nach Bedürfnis. Mülheim a. d. Ruhr, 23. November. (gez.) Hoffmann. Also: Verlängerung der Arbeitzeit und fbei einer elfstündigen Arbeitszeit!> Ansfäll aller Pausen mit Ausnahme einer eineinviertel- stündige» Mittagspause! Mutet die Firma Thyssen u. Co. auch ihren Pferden zu, das Futter bei»passender Gelegenheit" während der Arbeit zu sich zu nehmen?— Die Arbeiter wandten sich gegen diese Verfügung in einer Pclition an die Direktion, in der sie um Beibehaltung der zehnstündigen Schicht baten. Herr Direktor H offin an n hielt es nicht für nötig, auf diese Petition auch nur eine Antwort zu geben. Seit Montag ist der Ukas der Fabrikleitung .rechtskräftig". GcwcrbegerichtS-Wahlen. In R a t i n g e n fRegierungsbezirk Düffcldorfj siegte die Kandidatur der freien Gewerkschaften Uber die der„Christlichen".— Im Gegensatz dazu gelang es den„Christlichen in Gerresheim, wo der Glaskönig Heye herrscht, ihrem arbeirs willigen Glasarbeiter mit überwältigender Majorität zum Siege zu verhelfen.— In L u d w i g s b u r g(Württembergs ging die Liste der vereinigte» Gewerkschaften ohne' Widerstand durch. SlnSland. Arbeits- und Lohnverhältniffe der Strastenbahn-Ange stellten in der Schweiz. Die Angestellten der schweizerischen Trambahnen, die zu einem großen Teil städtische Betriebe sind, bilden keine besondere Organisation, sondern gehören der Arbeiter unio» schweizerischer Transportanstalten an. Deren Generalsekretär Genosse Brandt, hat nun jüngst eine Enquete über die Ber Hältnisse der Straßenbahner vorgenommen und deren Ergebnisse im Luzerner»Demokrat" veröffentlicht. Dabei handelt es sich um folgende zehn Orte: Zürich, Basel, Bern. Luzern St. Gallen, Winterthur, Biel, Limmatthal(von Zürich auS), Höngg bei Zürich und Ocrlikon bei Zürich. Nach dem Bericht ist das Personal an scckis Orten vertraglich angestellt, in Bern sind die Verhältnisse noch unbestimmt, in Basel. Biel und Limmab thal existiert kein Vertrag. Die Lohnzahlung findet in sieben Orten monatlich, in Limmatthal- Zürich. Höngg- Zürich und Oerlikon vicrzchntägig statt. In Zürich, Basel, Bern. St. Galle» und Winterthur besteht monatliche, in Luzern dreimonatliche und in den übrigen Orten vierzehntägige gegenseitige Kündigung. Tie L 0 h n v e r h ä l t n i i f e sind sehr verschieden. Die Wagenführer erhalten Anfangs gehältcr von 120 Fr. in Luzern und St. Gallen, bis 130 Fr. in Winterthur, 140 Fr. in Zürich nnd 130 bis 150 Fr. in Basel pro Monat, nachdem sie definitiv angestellt. Als„Reservisten" erhalten sie Tagelöhne, nnd zwar von 3,25 bis 3,70 und 4 Fr. Die Kondukteure beziehe» monatliche Anfangsgchälter von 110 Fr. in St. Gallen, 120 Fr. in Winterthur, Ocrlikon und Höngg, 125 Fr. in Zürich, 130 bis 150 Fr. in Basel „Reservisten" erhalten Tagelöhne von 3.25 bis 4 Fr. Die Maximallöhnc der Wagenführer betragen 130 bis 154 Fr., 170 Fr. iZüiich), 160 bis 180 Fr.(Basel) nnd 180 Fr. in Oerlikon und St. Gallen In Bern betragt der höchste Tagclohn 5,85 Fr. Der Maxnnailohn der Kondnklenrc beträgt 140 bis 180 Fr. Ein Provisoririm bis zur definitiven Anslellnng besteht an allen Orten und ztvar bc- trägt es im Minimum 3 bis 4 Tage in Biel, an mehreren Orten 3. an andren 12 und in Ocrlikon 2 bis 18 Monate. Fe st geregelte Gehaltsaufbesserungen kennen fast alle Orte, jedoch besteht da die größte Verschiedenheit der Zeitdauer ivie dein Betrage nach. Freisvnntage erhält das Personal an allen Orten und zwar von 12 bis 15 und 17 per Jahr; Basel gewährt noch 3, Luzern 5 besondere llrlaubstage.— Am letzten Sonntag fand die Dclcgierlcnvcrsaimn- iinig der Tramscktionen in Luzern statt nnd umrden von derselben Foidcrnngcn betreffend periodische Aufbesserung der Gehälter und Bestimmung der Dauer des Provisoriums aufgestellt, ferner bc schlösse», eine Eingabe an den Bundesrat zn richten zur Aufrecht crhaltung von 17 jährlichen Freisonntagen im Minimum und die Vorbereitungen zur Gründung einer Pcnsious- und Hilssknffe für die Trambahnen zn treffen. Tie Puchdrnckcr Stockholms nnd die Socialdemokratie. Innerhalb der Biichdnickelorganisalion in Stockholm finde» alljährlich im Tcjeniber Abftinmmngeu statt, die sich seit mehreren Jahren regeliiiäßig zn einer Kraftprobe der konservativen und liberalen Richtung einerseits nnd der socialdcmokratischen Richtimg gestalte». Am vorigen Sonnabend wurde die Wahl des NcdactenrS für die Fachzeitimg vorgenoimnen. Der socinldemokratische Kandidat Genosse Wessel siegte mit 446 gegen 242 Stnnmcn. Die Wahl gilt auf zwei Jahre. 1899 erhielt der Socialdemokrat 347, der Liberale 343 und 1897 unterlag der socialdemokratische Kandidat, er hatte ca. 100 Stimme» weniger als der Gegner.— Berliner Partei-Angelegenheiten. DaS Wahlkomitce für den 10. Komiminal-Wahlbezirk bittet uns um Anfnahme folgender Erllärnng: Infolge eines Versehens des Listenführers ist das Gerücht verbreitet, der Gastwirt 5k r a u s c, Dieffenbachstr. 59, habe bei der diesjährigen Stadtverordnetenwahl liberal gewählt. Wie jetzt festgestellt ist. hat Krause dem social dem o l r a t i s ch c n 5iandidaten seine Stimme gegeben. Das Wahlkomitee. Parteigenossen, welche bereit sind, zur Wahl im Kreise Wittenberg-Schweinitz Sonntag Flugblätter zu verbreiten, wollen sich heule avend bei Gresse, Siboldflr. 3, melden. Nicderschöncweide-Johaiintsthal. Der Wahlvcrcin hält seine Mitflliedcrverjnminlnng am Sonnabendabend 81/» Uhr. in» Lokale von Rau ab. Genosse' Zubeil spricht über: Politische Tageöfragei». Außerdem Besprechung über die Lokalfrage am Orte und Nieder chönewcide._ Uokales. Noch einmal: Tic Sclbstverwaltnng in Berlin. Herr D r. B ö i n g. der Verfasser der kürzlich an dieser Stelle (in Nr. 235) von uns besprochenen Abhandlung über vorstehendes Thema, sendet uns eine lange Erwiderung. Er begreift nicht, warun»»vir seine Berechnungen über den Anteil der verschiedene» Erwerbsklasse!» der Berliner Bevöllermig an den komninnalei» Ehren« äintern bcziv. an den Stadtverordncten-Mandatcn eine statistische Spielerei nennen. Zu diese» Berechnungen hat sich Böing in Ermangelung andrer Grundlagen augenscheinlich der durchaus schwankendel» und willkürlichen Beriifsbezeichnungen bedient, die die»Pcrsonalnachweisung der Berliner Geineinde- Verwaltung" angicbt. Unterjden Böingschen»Erwerbsklasien" findet man deincntsprcchend nicht bloß die Rubriken»Kaufleute",»Hand- werler",»Rechtsanwälte" nsiv. usw.. sondern auch Rubriken wie Direktoren",„Geh. Ober-RegiernngSräte",.Privatdocenteu" usw. Auf einer solchen»Klassificierung"(die ebenso koniisch ivirkt, wie wenn jemand die Kollegen des Herr»» Dr. Böing etwa in»Frauen- ärzte",»Sanitätsräte" usw. einteilen wollte) glaubt B. eine tatislische Untersuchung aufbaue» zn können, die man ernst nehmen soll I Daß die verschiedenen Erlverbsklasien nicht»nit dem ihnen zukominnndei» Anteil in den konnnunalei» Ehrenämtern ver- treten sind, daß sie auch an den Stadtvcrordnetcn-Mandaten sehr ungleich und oft in geradezu»ingekehrtem Verhältnis beteiligt sind, diese Thatsache sieht natürlich auch ohne Herrn B.'S wunderliche Rechnerei fest— ebenso ivie die andre Thatsache, daß das Häuflei» der Hausbesitzer bedeutend mehr Vertreter in der Stadtverordneten- Versammlung hat als das Heer der Mieter. Von andren Fehlern der Arbeit B.'s wollen wir schweigen; der Grundfehler, von dein er ausgeht, macht eine weitere Kritik überflüssig. Wir wollen aber Herrn B. gern bestätigen, daß, wie er versichert, seine Arbeit völlig t e n d e n z l o s ist, und daß es ihm durchaus fern gelegen hat. mit seiner Rechnerei zeigen zu wollen. wie inan die Socialdemokratie auS der Stadtverordneten-Versammlung hinausbringcn könnte. Daß die Arbeiter so spärlich an den kom- munalen Ehrenäintcrn teilnehmen, bedaure er selber; er wünsche, daß ihre Beteiligung sich möglichst bald auf die ihnen zukommende Höhe steigern»nöge. Wenn der Freisinn die Arbeiter absichtlich von den Ehrenämtern fernhielte, so würde auch er das bekämpfen. Ausgeschwiegen hat sich B. über den von uns berührten, keines- wegs unwichtigen Umstand, daß den Arbeitern auch durch ihre mirt- jchaftliche Lage die Beteiligung an den Ehrenämtern erschwert, wenn nicht umnöglich gemacht wird. Gerade deshalb ist das B.'sche Princiv so ungerecht und sinnlos. Dieser Umstand hat Herrn B. nicht davon abgehalten, in seiner Abhandlung den Arbeitern vor- zuwerfen, daß sie i» den städtischen Ehrenämtern nicht thätig sein wollen. Die allergrößte Mehrzahl der städlischen Armen und Waisen entstamme der Arbeiterklasie. und es liege deshalb nahe, daß diese Bedrängtesten unter den Bedrängten ganz besonders bei denen Teilnahme und Hilfe finden müßten, die ihnen social am nächsten stehen und ihre Notlage am besten zu beurteilen vermöge».»Aber hier(so fährt B. fort) versagen die„Genossen" vollständig: sie be- thätigen ihr Miigefühl für die„Enterbten" iveder in der Armen- noch in der Waiienkommissiol», sondern überlassen die werkthätige Liebesarbeit kalten Blutes derselbe» Bourgeoisie, die sie sonst als ihren verhaßtesten Feind auf Tod und Leben bekämpfen." Wir»vollen dem Herrn, der in dieser Weise die Arbeiter- s ch a s t verunglimpfen zu dürfen glaubt, schließlich ailch das noch bestätigen, daß er lein Freisinniger ist. Wir selber hatte»» ihn auch keiiicsivegs, ivie er vermutet, für»freisinnig oder so etlvns" gehalten. Herr Dr. Boing ist uns ans seinem öffentlichen Wirken seit längerer Zeit und ziemlich genau bekannt. Was im besondren seine Slcllimg zu den Fragen der Kommunalverivaltung angeht, so gehört er zu den Leuten, die bei de» diesjährigen Stadt- verordneten- Wahlen für den Moabiter»Mieter- Kandidaten" Damaschke agitiert habe»». Die Kainpfestveise, die B. den Arbeitern gegenüber anivcndet, ist seines Herrn und Meisters durchaus»vürdig._ NuS dem Lager deö MilchringcS. Eine mißerordcntsiche Generalvcrsannnlimg der Genossenschafter der Milch-Centrale, an der über tausend Personen teilnahmen, fand gestern unter strengstem Ausschluß der Oeffcntlubkeit und der Presse im großen Saale der Brauerei Friedrichshain statt. Ueber den Verlans der Verhandlungen »vill ein Berichterstatter trotzdem folgendes erfahren haben: Vom Vorstand der Milch-Centrale»vurde die Erklärung abgegeben, daß die Siliiaiion für die Milchproduzenten in Berlin durchaus günstig sei. Es käme inir darauf an, auszuharren und den Milchhändlern dauernd die Spitze zu bieten. lieber die Rentabililät der von der Milch-Centrale errichteten Läden äußerte sich der Vorstand dahin, daß einzelne Läden, besonders im Weste», guten Erfolg hätte»; der größte Teil der Läden arbeite jedoch mit erheblichem Defizit und erfordere große Zuichiisse. Um den Milchhändlern energischer cnt- gcgcntrcte» zn kömien,»vurde vom Vorstände beantragt, daß die Bauer» in Zukunft die Kllhlcrgclder sotvie die Frnchtspesen der Milch »ach Berlin selbst bezahlen, so daß die Milch- Centrale von jedem Liter Milch, statt eines halben Pfennigs, ivie bisher, von nu» an anderthalb Pfennige erhalten solle, wodurch sich die täglichen Ein- nahmen der Centrale von 2000 ans 6000 M. erhöhen würden. Schcive- Trebbin schlug vor, daß die Unkosten für den Verkauf durch besondere Anteilscheine von den Genossenschaftern gedeckt würden. Dieser Vor- schlag wurds jedoch abgelehnt nnd der Antrag deS Vorstandes angenommen. Ter hauötvirtschaftllche Unterricht a» de» Berliner Mädchen- Gcmeiiideschuleu hat in diesem Jahre bedeutend an Ansdehmmg gewonnen. Die Zahl der Schullüchen ist seit den» vorigen Jahre von 2 auf 4 gestiegen, die in den Gcmeindeschul- bänsern Müllerstraße 158, Prinzcn-Allee 62, Gubenerstraße 51 und Dimckerstraße 66»ntergebracht sind. Die Zahl der an dem Hans- wirtschaftlichen Unterricht beteiligten Mädchen-Gemeindeschule» hat dcnirntsprecbend von 14 auf 21 vermehrt werden können, die der beteiligten Schülerinnen ist von 300 auf 525 gestiegen. Der mit der Schnlküche in der Prinzen-Allee verbundene Küchen«»md Schul« garten, der zur Unterweiiimg der Mädchen in Gartenarbeiten»md zur Belclnmg des botanische» Unterrichtes dient, ist für die Berliner Äemeindeschulen bisher innner noch der einzige seiner Art geblieben. Ei» Legat von«vvt» M. zur Pflege kleiner Kinder ist der Stodtgcmeinde ans dem Nachlaß der verstorbene» Fron Licntcnant a. D. Emilie Henriette Wilhelniine Shmanski, geb. Moldeubaner, zugefallen. Der Magistrat jhat beschlosten, das Kapital zur Pflege der Kinder im Waisenhause zu verwenden. Dir SpcdttionS-, Speicheret- und Kcllcrei-Berufögenoffen- schaft Berlin, der jetzt sämtliche Lagerungsbelriebe angehören, wenn sie mit einen» Handelsgewerbe verbunden sind, dessen Besitzer im Handelsregister eingetragen ist. hat jetzt den Namen L a g e r e i» B c r n f s g e ii o s s e» s ch a s t angcnomincii. Gegen de» Landtagöabgcordurtcn Max Schlitz war, wie wir seiner Zeit meldeten, auf Grund einer Rede, die er am 27. August d. I. im Verein Waldeck gehalten, ein Verfahren ivegen Beleidigung des G u m b i n n e r 5t r i e g s g e r i ch t s eingeleitet worden. Das Verfahren ist nunmehr eingestellt worden, da ei» lvortgetreucr Bericht der Rede nicht zn beschaffen gewesen ist. Seltsam. Von Herrn Wendclin Weißheimer erhalten wir folgende Zuschrift: Im Referat über das Konzert des Berliner Arbciter-SängerbmideS an» 7. d. M. wird behauptet, ich babe in meiner Koniposition des Heinesche» Tendenzliedes die Schlußverse des Gedicbtes„einfach kassiert". Das ist nicht wahr; sie stehen Wort für Wort darin! Nur blieb es dem Dirigenten überlassen, statt dieser die Schlußworte einer der vor- hergehenden Strophen auch an dieser Stelle n g e n z n lassen. Dies scheint bei der Berliner Aufführung geschehen zn sein. Wie man mm heraus einen»bedauerlichen Ge- waltalt" meinerseits inachei» nnd sagen kann, icki habe mich dadurch»an Heinrich Heine versündigt" überlaste ich den, Urteil eines jeden Nechtlichdenleiideii. Wendclin Weißheimer. Diese Berichtigung macht die musikalische Behandlung des Heineschen Tendenzliedes nur um so seltsamer. Es ist»vohl kann, dagewesen, daß der Tondichter eines dnrckitoinpoiiirtcii Liedes es den» Dingente» anheimstellt, die wichtigsten Strophen, die ih», erst den Sin» geben, nach seinen» Gutdünken singen zulassen oder zu streichen. Rechtsanwalt Sonnenfeld hat gegen das Urteil der 7. Straf- kamnier bes Landgerichts I, durch weiches er Ivegen Beleidigung zn 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden ist, das Otechlsinittel der Revision eingelegt. DaS Polizeipräsidinin teilt mit: Im Jntcrcffe einer glatten Abwicklung des zur Weihnachtszeit erheblich gesteigerten Fußgänger-Verkehrs wird erneut die Mahnung an das Publikn», gerichtet, in den Hauptverkehrsstraßen möglichst die rechte Straßen- cite der Gaiigrichtuiig zu benutzen. Ganz besonders gilt diese Auf« orderung für die beiden Sonntage vor Weihnachten, den 15. und 22. Dezember er., und für die Straßen, in denen sich die großen Warciihäuser befinden. Bei den Wahlen zur Akademischen Lesehalle, die Mitlivoch abgeschlossen wurden, sind gewählt worden: von der sich national ncnncndeii Partei 7 Kandidaten, von den katholischen Korporationen Kandidaten, von der Finkenschaft 2 Kandidaten, von dem Verein üdischer Studenten 1 Kandidat, von der Freien wissenschaftlichen Vereinigung 1 Kandidat, von dem Socialwistenschastlichen Studenten- verein 1 Kandidat, Um eilt„geordnetes Leben" zn heben, ließ sich, wie eine Korrespondenz meldet, der frühere Bäckergeselle August K r e l l e bei einem Einbruch abfosieu. Er ivnr durch Lcichtsiu» heruntergekommen und halte auch schon wegen EigeutninSvergehens Freiheitsstrafen er» litten. Am Geist und Körper heruntergelomme», kehrte der Biel- bestrafte abermals nach Berlin, zurück, jetzt 48 Jahre alt. An Beschäftigung war nun gar nicht mehr-u denken. Daher verschasste sich Krelle alSbald ein Stemmeisen, ließ sich ans einem Grnudstiick ennchließen und begann nun so einzubrechen, daß er mit Sicherheit abgefaßt werden mußte. Bein» Verhör erklärte er, da er ehrliche Arbeit doch nicht mehr finde, so möchte er wenigstens ein geordnete Leben im Zuchthause bis ans Ende seiner Tage haben. _____ Der angeblich flüchtig gewordene Nrdactcur Dito Düsseldorf, der bekannte Barrisvn-Bckämpfer. befindet sich, wie mit geteilt ivird, noch in seinem Wohnort. Nichtig ist, daß O. seines Amtes als verantwortlicher Nedacteur des Düsseldorfer„Artisten" plötzlich enthoben und eine Anzeige ivcgcu lliiterschlagnng gegen ihn erstattet ist. Ebenso ist von Berlin ans gegen O. ein Antrag cur Untersuchung an die Staatsanwaltschaft ergangen, doch ist von eitieni Einschreiten der Behörde nichts bekannt geworden. � Durch einen Stnez ans dem Fenster hat sich gestern nach nutlag der 33 Jahre eilte Schlossergeselle Josef Schimay, der ans Ungarn stammte und am FriedrichShain Nr. 32 bei einer Witwe ini zweiten Stock des Seitenflügels ivohnte, das Leben genomnicn Schiniay war feit einem halben Jahre berzleidcnd und nrbeitS- unfähig. Am Freitag war er auf seinen Wunsch aus dem Kranken Hause am Friedrichshai» entlassen worden. Als sich gestern nach mittag sein Leiden wieder verschlimmerte, bat er seine Wirtin, ihm einet» Wagen zu holen, damit er nach dem Hcdwigs-Kraukeuhause fahren könne. Kaum ivar die Frau mit dein Wagen vor der f angckomme». da stürzte sich der Kranke auS dem Fenster auf daS Asphallpflaster dcS HofeS hinab. Hausgenossen trugen ihn in seine Wohnung hinauf und sorgten für ärztliche Hilfe. Eine Nettnng war jedoch nicht mehr möglich. Schimay starb noch wenige» Biiimten an einem Bruch der Wirbelsäule tnid schweren inneren Bcr lctznnge». Der Versuch, einr» Streit zu schlichten, hat dem 29 Jahr alten Mechaniker Karl Leopold anS der Diessenbachstr. 71 daS Leben gekostet. Leopold saß vor einiger Zeit in einer Slbauklvirtschaft am Klavier, als zwei andre Gäste tn Streit gerieten. Er erhob sich, um Frieden zu stiften, und erhielt dafür von einem der Sireilendc» einen Schlag ans den Kopf. Seiner Frau den Dorfall verheimlichend arbeitete er ruhig weiter. Endlich aber nuißte er doch ein Kranken- hattS anfsiicheii. Nun Ivar es jedoch zu spät, eine Gehirnvcrletznng war schon so weit vorgeschritten, daß sie zum Tode sührte. Durch einen beladenett Möbelwagen überfahren und schwe. berletzt wurde gestern abend vor de»t Hause Liiiicnstr. 24 ein älterer Herr, als er die Straße iiberichrciten wollte. Dem Bedauernswerten (lingcit die Räder über die Brust. Er tvnrde nach dem städtischen Krankcnhanse am Friedrichshain gebracht. Ein großer Fabrikbrand fand gestern in Spandau statt. Ein Betriebsgebäude der Nhcniisch- westfälischen Ziindwaren- Fabrik von Kurz, die vor drei Jahre» als Zweiganstalt eines ivcsldentichen Unter- nchmens an der Havel errichtet tvnrde. ist nebst den darin befind- kichen Maschinen und einer bedeutenden Menge Material von, Feuer zerstört worden. Der Betrieb der Fabrik wird anfrecht erhalten. so daß Arbeitercntlassnngen vermieden werden. Fcuerbcricht. Die Dachstnhlbrände hänfen sich in letzier Zeit in imgewöhnlicker Weise, den» es vergeht jetzt kein Tag. ohne daß ein solcher die Feuerwehr beschäftigt.' Mittwochabend gegen 8 Uhr standen in der Turmstr. 31 in Moabit mehrere mit allerhand Hans gerät gefüllte Bodenkammern, sowie ein Teil des Tnchstnhts in Flammen. Die Fetterwehr hatte über eine Stunde mit zwei Ltohren Wasser zu geben, um den Brand einztidämmeii. Zur selben Zeit tvnrde die Wehr nach PeterSbnrgerstr. 43 gernfen, Ivo ein Kleider- spiiid mit Inhalt ans dem Korridor brannte. Bergmamistr. 3 ivar ttachniittags ein kleiner Wohmnigsbrand zu beseitigen. Die drahtlose Tclegraphio und andre Wunder der Elektricitä wurden gestern von dein Jugenieiir Herrn Eugeit Faß in Eastaiis Panoptikum vorgeführt. Der Bortragende ttiachte zunächst einige ivohigelniigene Experinieiite. Ivclche das Princip der Hertzschen Wellen veraiischanlichteit, ans dem sich die von Morconi geinnchte Erfindung der drahtlosen Tclegraphie aufbaut. Außerordentlich fcsielnd ivar es für de» Laien, zu beobachten, wie durch die elektrischen Wellen eine Signalglocke an beliebigen Stelle« des Rannies in Bewegung gesetzt wurde und wie dieser Versuch ferner in beträchtlicher Entferiiutig vom Apparat, in eitler durch dicke Mauern vom Experimeutieriaale gc trennten Räumlichkeit erfolgreich wiederholt wurde. Herr Faß gab da im eine Erklärimg der drahtlosen Telegraphie und führte diese bedeutsame Erfindnng dem Publikum vor.' Im weiteren Verlauf deS interessanten Abends wurde ein Röntgen-Apparat gezeigt, soivie die ssiigende Bogenlampe und die durch Kathodenstrahlen erlemiitetcn elektrischen Blumen". lkWer sich über die»encstcn Erscheinmigen ans dem Gebiete der Eleltricität unicrrichteti will, dem kann der Besuch dieser Vorfiihrtmgcu mir empfohlen iverbcn. Zu wünschen iväre, daß sie auch dem Teil des Publikums zugänglich gemacht würden, der nicht die Absicht hat, das Panoptikum zu befichligett. Alls den Skachbarorten. Schöneberger Kotisninvcrein. Man schreibt unS: Nach ciitcr Uebcrsicht ans dein Geschäftsbericht für das Jahr 1 900/1 hat der auf genossenschaftlicher Grundlage gegründete Verein in seinem ersten RechninigS-Abschlnß verhältnismäßig gut abgeschnitten. Wie schweres am hiesigen Orte ist, den Arbeitern durch Zusammenschluß die Vorteile einer solchen Konsumgenossenschaft klar zu mache», Hai sich gezeigt, wen» auch nicht verhehlt werden soll, daß die allgemetneit schlechten wirtschafllicven Verhältnisse zum großen Teil störend cingegrissen Häven. Trotzdem ist der Verein im Wachsen bcgrisscn. was daratis hervorgeht, daß nach kaum halbjährlichem Bestehe» schon die erste Filiale errichtet werden mußte. Die Mitglicdcrzahl betrug am 1. Oktober 1990 147, am 1. Oktober 1901 384 und belauft sich augenblicklich auf 420. Der Kasscnverkehr beivegt sich in Ein- »ahnte und Ansgabc ans 64 327 M.. die Bilanz schließt in Aktiva und Passiva mit 9559 M. ab, wonn ein Ncingewinn von 3082 M. enthalte» ist. Tie Zkixdorfer Gcwerbedeputaticn nahm in ihrer letzten Sitzung zu der von der Generalvenommlung der Allgemeinen Orts- Krankenkasse beschlossenen Statutenänderung Stellung. Es handelt sich hierbei um einen Systcmwechscl. Bis jetzt werden Krankengeld tnid Kastenbeitrag tiach dem unter Berücksichligimg von Alter und Geschlecht gemäß K 8 des Gesetzes behördlich festgestellten ortsüblichen Tagelohne getvöhnlicher Tagearbeiter berechnet. A» Stelle der Einteilung»ach Geschlecht tnid Alter soll nun jetzt, so beschloß die Generalversaimitlnng der Kasse, die Lohn- klassen-Einteilnng treten. Es sind fünf Klassen vorgesehen. Der Beitrag soll betragen für die Mitglieder mit einem durchschnittlichen Tagesverdienst von 2.75 M. und mehr 33 Pf.. von 2.25 M. bis 2.75 M. 54 Pf., von 1,75 M. vis 2,25 M. 42 Pf., von 1,25 M. bis 1.75 M. 33 Pf. und bei weniger als 1.25 M. 21 Pf. AIS Krankengeld sind 50 Prozent der Durchschnitts- Lohnsätze vorgesehen.— Die Kasse ivollte die Nenerung gern noch bis zmn 1. Januar anerkannt sehen. Wie eine Rückiprache ergeben hatte, war auch ans rcchtzeittgeGcnchmigmlg des Bezirksausschusses für den Fall zu rechnen, daß die Getverbedeputation sich in einem Gutachten günstig ausspreche. Die meisten Mitglieder der Deputation verhielten sich zilnächst recht ablehnend dem geplanten Systemivechsel gegenüber. Es gelang indesien den sachge»iäße!iAusführiti!gkndesStadtv.Wn.tzki