Mr. 15. AdoMkMtM»-Zedingungen: Rbonnements-Prei» pcdnumeianto: vierleljährl. ZLV®t., monatt. 1,10 Sit., wöchtxilich 28 Psg. fiel WS HauS. Bimtlne Numm'I 5 Pfg. SonniagS- Jlummet mt» illunticrter®onn!a?J« Beilage„®le Neue Welt" 10 Stg. Poll- aibonnement: 1,10 Marl pro Manul, Singelragen In»et PoN- geilung«. tBreiSIifte für 1008 unter Hr. 7B78. Unter Nreuzban» für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für«a» übrige Ausland S Marl pro Manul. 19. Jahrg. Die Iiiistrtions-Geliliiit betragt lür die techSgcipaltene Kalanel» jctlc oder deren Raum 10 Pfg., für paliltiche und gewerllchaftliche AereinS- und VeriammiungL- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfetgen" lebe» Won 5 Pfg. (nur das erste Wart fett). Inserate für die nächste Nummer müsse» VIS i Uhr nachmittag« tn bcrScpedtttan abgegeben roetben. Tie ffitpedttlon ist an Wachentagen dts 7 Uhr abend«, an Sann- und Festtagen dl« 8 Uhr aarmUtag« geöffnet. Grlchewl täglich«ulfer»anUg«. Berliner VolksMntt. Telegramm- Adrestei „Sarialbeniaftr«! verlin» Csntvalorgan der sdcialdemokratischen Uariei Deutschlands. Rrdalltwn: 8�. 19, Beukh-Skrasze 2. flerusprecher: Zlnit I, Sir. 1508. Sonnabend, de» 18. Jannar 190/2. Gxprdikivn: SW. 19, Bench-Skrasze 9. Fernsprecher: Zlint 1, Nr. 5,121. Die Arbeitslosennot vor dem Reichstage. Im Reichstage wurde am Freitag die Debatte über die social demokratische Notstaiidsinterpellatioit begonnen. Auf den Tribünen überwogen die Arbeiter, die gespannt den Verlauf der Debatte vcr- folgten. Im Saale gähnten die Nethen der leeren Lcdcrsitze, denn die Mehrheit der Brotivncherer bewies durch ihr Fehlen, wie wenig sie sich durch das Massenelend der arbeitslosen Proletarier berührt fühlt. Die Rechte, das Centruin und die National liberalen waren mir durch je eine Handvoll Abgeordneter vcr- treten, denen man es überdies ansah, Ivie unbehaglich cS ihnen ist, die Schildemiig der Not der Arbeitslosen anhören zu müssen. Auch die BiindcSratstribiine war verivaist und einsam thronte Graf Posadowslh in Gesellschaft des preußischen Ministerial- dircltors Wehrmaim aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten. umgeben von ein paar Gcheimräten ans dem Reichsamt des Innern. Ab und zu tauchte noch ein Bundesrats-Bevollmächligtcr auf, um bald wieder zu verschwinden. Unsrc Interpellation wurde vom Genossen Z n b e i I in längerer, wirlsamer Rede begründet. Er erinnerte den Staat an versäumte Pflichten und zeigte, wie der Staat selbst die Arbcitslosigleit fördert, indem er bei Kanal- und andren öffentlichen Bauten ausländische Arbeiter verwendet anstatt deutscher, Ivcil sie billiger und ivehrloser sind. Genosse Zubcil legte dann einzelne Fordeningen dar, durch welche von Reichswegen der Arbeitslosigkeit entgegengcivirkt Ivcrden kann. Daninter nannte er als VorbcreitungS- mittel die ArbeitSlosenstatistik und die Schöpfung eines Reichs Arbeitsamtes, sodann die sofortige Einführung eines z e h Ii st ü it d i g e n MaximalarbeitstageS, die Ausdehnung der A r b e i t c r s ch n tz g e s e h g e b n n g, die Einführung einer anSreichenden r c i ch S g c>' c tz l i ch e n Arbeits- l o s e n v e r s i ch e r n n g. Ferner verlangte er, daß Post-, Eisen- bahn- und Mililärverwaltimg k e i n e A r b e i t e r c n t l a s s u n g c n vornehmen, um die Arbcitslosenmassen nicht noch zu vermchrcii, sondern daß sie eher Verkürzinigcn der täglichen Arbeitszeit voo nehmen, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Pflicht des Reiches sei cS. Mittel und Wege zu finden, wie dem Elend unter den Besitzlose» abgeholfen werden könne. Die Interpellation wurde von dem Grafen PosadowSIy in ebenso langer Ivie dürftiger Rede beantwortet. Er eröffnete seine Rede mit der Verlesung amtlicher Auskünfte über den Stand des Arbeitsmarktcs, die ihm auf Anfragen von einzelnen Staats- regicrimgcn oder Polizeibehörden gegeben worden waren. Sie hatten alle die Tendenz, die Arbeitslosigkeit, da sie sich nicht einfach ableugnen läsit, wciiigstcns so bedeutungslos als möglich hin- zustellen. Der bayrische Bericht ging dabei so weit, die Geringfügig- keit der Arbeitslosigkeit aus dem Nachlassen des LcihhausverkehrS und dem angeblich guten Befiich öffentlicher Lokale herzuleiten, eine BcweiSfiihrinig. die selbst im Centrum und bei den Nationalliberaleu Heiterkeit erregte. Die ReichSbehörden— Post, Eisenbahn, Werft- verwaltinig—, an die sich das Reichsamt deS Innern gewandt, bc- schränkten sich auf die Angaben, daß sie keine Entlaffniigen vor« uehmeii wollen, dagegen projektierte Arbeiten beschleunigen werden. Daß diese Maßnahmen nicht entfernt genügen, dafür fand der Staatssekretär natürlich kein Wort der Kritik. Ja, er selbst wies dann noch anSdriilklich jeden Gedanke» an ein energisches Eingreife» des Reiches von sich; das Reich könne nur vorgehen. um einer aktuellen Not abzuhelfen, alles übrige sei Sache der Gemeinden. Noch nicht einmal zu einer bloßen regelmäßigen Zählung der Arbeitslosen kann sich Graf Posadowsky entschließen. Er erklärt die Aufgabe für so schwierig, daß sie kaum zu lösen sei. Selten zeigte sich so die völlige Unfruchtbarkeit und Unthätigkeit der ReichS-Socialreform in großen socialen Fragen, wie in dieser Rede des Ministers für socialen Rückschritt, unter dessen Regiment seit Jahren auf jede größere That verzichtet worden ist. Es stand ihm denn auch recht gut zu Gesicht, als er sich bitterlich beklagte, daß die Socialdemokratie die.große That" der burcau- kratischen Umwandlung der arbeitsstatistischeu Kommission nicht sofort mit tönendem Hurra begrüßte. Bis dahin hatten die Junker den ministeriellen»nSführimgen mit gelangweilten Gesichtern zugehört. Als der Agraricrfrcnnd aber nun gegen die.großen Städte" sprach, die Arbeitslosigkeit aus der Landflucht erklärte, den Arbeitslosen die Rückkehr aufs Land au- empfahl und bedauerte, daß die Landarbeiter sich unter der Junker- knnte nicht mehr wohl fühlen, da wurden endlich die Beifalls- bekiindungen der Rechten ausgelöst. Nach dieser Ministerrede ist endgültig klar, was da§ Reich in der schwierigen Frage thun Ivird: Nichts! Den Junkern allcS, den Arbeitslosen nichtS. Auf Posadowsky folgte Hitze, der CeutriimSredner. Herrn Hitzcs Socialpolitik gleicht den Bettelsuppen, die reiche Geistliche, mit frommen Sprüchen gesalzen, an die Armen ihres Sprcngels ver- teilen. Dünn wie die Arniensuppen fließt die CentrumS- Social- Politik, und wie jene nichts nützen, so beseitigt auch diese Social- Politik deS lügnerischen Scheins nicht Hunger und Not der Armen. In der Centriims-Socialpolitik ist selbst die Not der Arbeitslosen ein Borlvand zur Besnrwortung des BrotwnchcrS. Herr Hitze vcr- stieg sich zu der unsägliche» Junkeridee, daß die industrielle Krise durch die.Stärkung der Landwirtschaft", durch den Brotwnchcr ge- heilt werden solle! Die Herren von den Wuchcrparteien dankten dem »Socialpolitikcr" deS CentrumS mit verständnisvollem Beifall." Abg. G o t h e i n von der freisinnigen Vereinigung crivarb sich zwar durch eine seiner Ausführungen den beängstigenden Beifall des I Herrn Oertel, hielt aber eine sonst verständige und gute Rede, in der er hauptsächlich das Entstehen der Ucberproduktion und der Krise darlegte. Den Kohlenbaroncii, die die Industrie durch ihre Preis- Politik in der schamlosesten Weise ausgeplündert haben, sagte er einige unangenehme Wahrheiten und enthüllte dabei die Thatsachc, daß die Kohlen- Syndikats Wucherer sogar versucht haben, den FiSkus zum Beitritt in das Kohle nsy n dikat zu bewegen. Als er zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die K a u a l v o r l a g e empfahl, entsandten die Junker höhnische Zurufe. Sie wissen schon:.Gebaut wird er doch— nicht." Zutreffend ivieS Abg. Gothcin als Ursache des DarniederlicgcnS aller Geschäfte auf die Ilnsichcrheit hin, die über die Gestaltinig der Zoll- und Handelsbeziehungen in der Geschäfts- weit besteht. Nach GotheinS Rede wurde ein Vertagungsantrag an- genommen. Die Debatte soll am Sonnabend fortgesetzt werden und ivird wohl— ivie der Präsident am Schlüsse der Sitzung bemerkt— noch den Montag in Anspruch nehmen. Die Nalionalliberalen schicken als nächsten Redner den westsälischen Stumm, den früheren BergwcrgSdircktor Hilbck vor, die Agrarier Kunitz und Gamp. Auch nnfre Partei ist noch mit niehreren Rednern in der Liste verzeichnet, und je mehr das Reich der Arbeitslosennot Linderung verweigert, um so schärfer wird die Socialdemokratie ihre Anklage erheben. Zolltarif- KoiHi»issio». Zur Beratung kommt K 5, der in 14 Einzelnummern die Gegenstände nennt, die vom Zoll befreit sind. Die Einzelmuninern werden getrennt verhandelt. Nummer 1: Erzeugnisse des Ackerbaues und der Viehzucht von Grundstücken, die über die Zollgrenze hinnuSliegeii, wird dcbattclos genehmigt. Nnimncr 2 läßt zollfrei„die von dcut- scheu Fischern und Mannschaften deutscher Schiffe gefannencii Fische, Robben, Wal- und andre Secticrc sowie die davon gcwomicncn Erzeug- nisse. Von der Zollfrciheit ausgeschlossen sind die in fremdländischen Küsteugcwnsscrn gefangenen Schal- und Ärnstcnticre. Hierzu liegt ein socialdcmokratischer Autrag Geyer n. Gen. vor. wonach hinter den Worten.deutscher Schiffe eingeschaltet ivcrden soll:.oder von Helgokänder Einwohnem". Molkciibnhr und Stadthagen begründen den Antrag damit, daß die Insel vor dem 1. Januar 1910 nicht in das deutsche Zollgebiet einbezogen werden kann und Schädigungen der Hclgoländer Einwohner vermieden werden müssen. llnterstaatssckrctär l». Fischer: Die Begründung des Gesetzes besagt bereits, was die Antragsteller wünschen. Stadthagen macht geltend, daß dies dann auch im Gesetz zum Ausdruck konimen müsse. Der ivorsitzcnde meint, nach dem vorliegenden Antrage könnten diejenigen Hclgoländer Einwohner, die für England optiert hätten, auf englischen Schiffen den Fischfang betreiben, und da die Engländer den deutschen Fischern Konkurrenz machen, würde der An- trag ein Privilegium für diese Optanten sein. Gothcin: Vielleicht ließe sich die Sache durch eine bessere Er- läntennig in den Motiven nach den Wünschen der Antragsteller gc- stalten. Redner beantragt, im ersten Satz des Abs. 2 das Wort „von" vor Mannschaften einzufügen und den zweiten Satz zu streichen. Der Antrag Geyer wird zu Gunsten des Antrags Gothcin zuriilkgezogrn. t». Wangetcheim(k.)— der erste Konservative, der in der Koinmissiou das Wort nimmt— empfiehlt die Einfügung des Worte?„von". So wird e i n st i m in i g beschlossen. Der zweite Antrag Gothcin ans Streichung des zweiten Satzes wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten und Frei- sinnigen abgelehnt. Nr. 3 läßt zollfrei gebrauchte Kleidnngsstiicke und Wäsche, die nicht zum Verkauf oder zur gewerblichen Verwendung eingehen. Vrönicl(frs. Vg.) beantragt, den Absatz 3 dahin zu ändern, daß au Stelle der Worte:„zur gewerblichen Verwendinig" gesetzt wird„zur Verleihung". Die jetzige Bestimmung schädigt einzelne Gewerbe. Unterstaatssckretär t». Fischer und Schatzsckretär v. Thiclinann polemisieren gegen den Antrag und verweisen auf die Motive, die ausdrücklich hervorheben, daß in der Einfuhr zur Rcinigiing und Ansbesscrung eine gelverbliche Verwendung nicht zu erblicken ist. Dagegen müßten Kleidungsstücke und Wäsche, die als Modell oder für Vcrlcihgeschäfte eingeführt werden, von der Zollfrciheit auS- geschlossen sein. Dr. Paasche(nt.) befürchtet bei Annahme des Brömelschen Antrages Mißbräuche. Die Motive könnten allerdings ei» Übersicht- lichercS Bild geben, als sie es thun. V. Kardorff macht die Regiernng darauf aufmerksam, daß gc- brauchte Kleidungsstücke bisher ans Rußland zur Papierbcrcitnng zollfrei eingingen. Singer: Wir haben uns bereit» gefragt, ob wir nicht einen Antrag cinbriiigen sollen, um die Negiernng zu veranlassen, das ganze Material durch Gegenüberstellung übersichtlicher zu machen und uns dadurch die Arbeit zu erleichtern. Nun möchten nur wissen, wodurch die Regie- rung zu den neuen Bestimiuungcn gekommen ist, welche Erfahrungen man an den Zollstellen gemacht hat, ob Defranden vorgekommen sind und Ivir Schaden hatten. Darüber hat die Regierung nicht ein Wort geäußert. Schatzsckretär d. Thielmanu sagt eine dreispaltig gedruckte Gegen- überstellnng des Materials zu. Dr. Paasche meint, die Regierinig tverde schon ihre Gründe für die vorgeschlagene Acndcrtmg gehabt haben.(Zuruf: Ja, die ivollen wir eben wissen.) Unterstaatssckretär v. Fischer: Mißstände sind allerdings nicht bekannt geworden. Stadthagen: Die Bestimmnng ist dem alten Tarif von 1870 entnommen. 1379 ist sie dann in den neuen Tarif mit hinüber« genoinmen ivordcn, freilich ohne die Worte„zur gewerblichen Verwendung". WaS giebt es für Gründe hierfür? Dr. Spahn(C.) hält es doch für richtig, die Regiernngsvorlage aiiznnehmen, allerdings sei es zweifelhaft, ob der Ausdruck„Verkauf" nicht zu eng sei und nian nicht sagen sollte„Beräiißernng". In der Abstimmung ivird der Antrag Broemcl, statt„zur gewerb- lichen Verweydung"„zur Verleihung" zu sagen, gegen 9 Stimmen— v. Kardorff stimmt mit der Minderheit— abgelehnt. Nummer 4 lautet:„Zollfrei bleiben: Gebrauchte Gegenstände von Anziehenden zur eignen Benutzung; gebrauchte Maschinen zum Gewerbe- und Landivirtschaftsbetrieb, jedoch mir anSiiahnisweisc auf besondere Erlaubnis." Singer beantragt, die letzten Worte von„jedoch" anzustreichen. Gerade die Landwirtschaft wird geschädigt, wenn man gebrauchte Maschinen mir ausnahmsweise auf besondre Erlaubnis zollfrei lassen wolle. llnterstaatssekretär u. Fischer: Auch nach dem bisherigen Recht waren die gebrauchten Maschiuen nicht zollfrei. Es sind Mißbräuche vorgckoinmcn und Kanteleu müssen geschaffen werden. v. Wangcnhcim: Die Einführung gebrauchter Maschinen ans Oestrich und Rußland hat nicht viel zu bedeuten, der Schaden, den Herr Singer befürchtet, ivird nicht eintreten. Der Antrag Geyer und Genossen wird mit 20 gegen 3 Stimmcii abgelehnt. Der zweite Absatz der Nummer 4 läßt zollfrei:„Auf besondere Erlaubnis auch als A u s st a t t u n g s g e g e n st ä n d e. Braut- odcr Hochzeitsgescheuke ciiigeheude iicnc Sachen, sofern sie für Ausländer oder länger als 2 Jahre im Ausland wohnhaft gc- wesene Inländer. bestimmt find, die ans Anlaß der Verheiratung mit einer im Jnlande wohnhaften Person ihren Wohnsitz nach dem Jnlandc verlegen. Von der Zollfrciheit ausgeschlossen sind: RahruugS- und Genußmittel, unverarbeitete Gcspinnste und Gcspinnst- ivaren. sowie sonstige zur weiteren Vcrarbeilnng bestimmte Erzeug» nisse, Rohstoffe aller Art und Tiere. Geyer und Genossen beantragen, die Eingangsworte„aus besondere Erlaubnis" und den zweiten Satz des Absatzes zu streichen. Singer: Glaubt man denn mit solch kleinen Maßnahnien diu Größe des Deutschen Reichs zu stützen? Im Ausland wird man über solche Bestimmungen lächelnd die Achseln zucken. Welche Tiere sollten denn verzollt werden? Tiger und Elefanten, oder auch der Schoßhund und die Hauskatze, die als Brautgnt mitgcuoinincn werden. Graf Kanit? will Hochzeitsgescheuke ganz freigelassen wissen, Brautgeschenke aber nicht. Verlobungen könnten zurückgehen. Briimcl(frs. Vg.) wendet sich gegen den Satz deS Entwurfs> „oder länger als zwei Jahre im Auslände Ivohnhaft gewesene In- länder". WeShalb soll ein Unterschied in der Zeit gemacht und jemand, der drei Jahre draußen gewesen ist, von der Vergünstigung ausgeschlossen bleiben. llnterstaatssckrctär p. Fischer: Es ist hauptsächlich an Dienst- boten und Gouvernante» gedacht, die zwei Jahre im Auslände waren. Die monierten Bestimmimgen sind dem alten VcreiuS-Zoll- gcsctz entnommen. Direktor im Auswärtigen Amt v. Körner: Die Worte„ohne besondere Erlaubnis" gelten schon seit 50 Jahren. Die Maßregel richtet sich nicht gegen das Ausland; die Fassung ist vielmehr gerade so gewählt, um die Gegenseitigkeit mit dem Auslände her- zustellen. Dr. Spahn(C.): Man soll nicht Dinge nur deshalb aufrecht- erhalten, weil sie 60 oder 100 Jahre alt sind.(Zustinimung.) Es fragt sich, ob man die Konstruktion der Vorschrift nicht änderli soll. Staaten, die uns die Vergünstigung nicht gewähren, sollen sie ohne besondere Erlaubnis auch von uns nicht haben. Gothcin beantragt, statt 2 Jahre 0 Jahre zu setzen. Nach weiterer Debatte werden alle AbäiiderungSaiiträge abgelehnt; auch der Antrag Kauitz, der die Brautgeschenke nicht frei lassen wollte, fällt mit sieben nntionalliberalen und konservativen Stimmen.' Der zivcite Absatz der Nummer 4 wird angenomnien. Der dritte Absatz der Nummer 4 lautet:„Durch Aiiordnnng des Reichskanzlers kann bestimmt werden, daß für die Angehörigen eines Staates, der Gegenseitigkeit nicht gewährt, die in Nummer 1 und 2 vorgesehenen Begünstigungen ganz oder teilweise außer Anwendung bleiben sollen." Singer: Eine derartige Maßnahme kann nur unter Mit- Wirkung deS Reichstags erfolgen. Redner beantragt, hinter dem Worte„kann"„mit Geiichniignng des Reichstages" einzuschalte». Gamp bekämpft den Antrag. Prömel; Es handelt sich hier um ein Novnin, wenn dem Reichskanzler allein Vollmacht erteilt werden solle. Der Antrag der Socialdemokraten trifft aber die Sache nicht ganz. Hier müsse am besten der ganze PassuS gestrichen werden. Dr. Spahn(C.) will den Absatz wie folgt fassen:„lluter Zu, stiinmuug de» Bundesrats kann ans Antrag des Reichskanzlers de« stimmt ivcrden." Die Mitlvirknng des Bundesrats reiche hier aus. Direktor p. Körner erklärt sich gegen die Anträge Singer und Spahn, da beide die Anordnungen sehr verzögern würden. In der Abstimmung wird der socialdem akratische A n- trag gegen die Stinimen der Socialdcmokraien und Freisiimigoii abgelehnt und der Antrag Spahn gegen die Stimmen der Social- dcmolraten und Freisinnige» aiigciioinincn. Nnnimcr 5 läßt zollfrei:„Gebrauchte Sachen, die erweislich als Erbschaftsgut eingehen, ans besondre Erlaubnis." Sin socialdemokratischdr Antrag, den S t a d t h a g e n begründet, will Nunimer 5 streichen, event. wie folgt gestalten:.Gebrauchte Hausgeräte und Effekten, welche erweislich als Erbschaftsgut ein- gehend Nach kurzer Debatte wird Nummer 5 unter Ablehnung des socialdemokratischen Antrages angenommen. Der erste Absatz der Nummer S lästt Gebrauchsgegenstände aller Art für N e i s e n d e zum p e r s ö n l i ch e n G e b r a u ch zollfrei; ebenso lebende Tiere reisender Künstler. Er wird unverändert an- genommen. Der zweite Absatz der Nummer S läßt zollfrei: 1. Aus dem Auslande zurückkommende gebrauchte Koffer. Reisetaschen und sonstiges Reisegerät, wenn kein Zlveifel darüber besteht, daß darin Gebrnuchsgcgenstäude von Reisenden in das Ausland gebracht worden sind." Ei» Antrag Geyer(Soc.) will statt der letzten Worte„wenn kein Zweifel besteht" bis„worden sind" sagen„wenn darin Gebrauchsgegciistäude von Reisenden in das Ausland gebracht Ivorden sind". Reichs-Schatzsekretär v. Thiel mann will diesem Autrag Geyer nicht widersprechen. Abgeordneter L u r z sC.) spricht sich für die Fassung der Vorlage und gegen den Antrag Geyer aus, Bei der Abstimmung wird der Mehrheit angenommen, ebenso der Absatz 6. Nachdem noch der Direktor Innern Mermuth unier die Sie gar nichts an, das ist Sache der Krone." Ich habe nie gehört, daß es eine Prärogative der Krön sei, Gesetze einzubringen, sondern das ist ein v e r a n tw ortungsvoller Akt. der der Gegenzeichnung der Minister bedarf. Die S taa t S re g ie run g ist derjenige Faktor, der die Gesetze einbringt, und an dieser sind beteiligt die verfassungsmäßig verantwortlichen Minister, nnd wenn man «inen Minister fragt, warum thun Sie dies oder jenes nicht, kann der Minister ausiveichend antworten, aber er kann sich nicht auf das Prärogativ der Krone beziehen und sich nicht hinter eine unverantwortliche Stelle stecken." Graf Bülow>var im Hause nicht anwesend, an seiner Stelle suchte Frhr. v. R h e i n b a b e n die Angriffe auf den Minister Präsidenten abzuwehren, allerdings ohne sonderlichen Erfolg, Am Sonnabend stehen die Julerpellationen des CcntrumS über das Altenbekener Eisenbahnunglück und der National, liberalen über den Fall K n h l e n k a m p f ans der Tagesordnung Bei Besprechung der letzteren soll auch der Fall Brede nbe erörtert werden.— noch» Graf Ballestrem hatte schon recht, als er am ersten Tage der ' e Beratung der Zolltarif-Kommissio» zu einem Schriftführer, der ihm die merkwürdige Thatsache der einstimmigen Annahme des social- demokratischen Antrages mitteilte, lächelnd sagte:„Na, da ivird ihn ivohl die Negierung empfohlen haben."— Antrag Geyer mit großer dadurch geänderte ganze im Neichsamt Kommissionsmitglieder Dezemberheft ISOI deS„Statistischen Jahrbuchs' verteilt schließt die Sitzung. Nächste Sitzung Dienstag. des das hat. Januar. polikifche MebevMzk. Berlin, de» 17. Ein Staat ohne Berantwortlichkcit. Zum erstenmal hat der preußische Ministerpräsident Graf Bülow einen wirklichen Witz gemacht. Das ivar bei der Etats- d e b a t t e im preußischen Avgeordnetenhanse. Er hat unsre staat lichen Verhältnisse dahin charakterisiert, daß niemand für sie die Verantwortung übernehmen könne. Thatsächlich werde die Politik durch die Krone gemacht, die aber unverantwortlich ist; der leitende Minister sei nicht in der Lage, diese Politik zu verantworten und die pflichtmäßige Rechenschaft für sie abzulegen; d a s sei ein Ein- griff in die Kronrechte! In der That ein vorzüglicher Witz, ein Witz, der um so bos hafter ist. als sich der gute Graf schelmisch auf die-- preußische Verfassung berief. Der leitende Minister mag vielleicht den Zoll tarif nur oberflächlich kennen, daß er aber die Grundlage der preußischen Verfassung nicht kenne» oder nicht verstehen sollte, ist schwerlich anzunehmen. So kann er lediglich einen bösen Sav kaSmus beabsichtigt haben, als er unter Berufung auf die preußische Verfassung die»vichtigsten Vorgänge der preußischen Politik für— indiskutabel erklärte, weil jede Diskussion einen Eingriff in die Kroir rechte bedeute. Graf Bülow citierte am Donnerstag den Art. SS der preußischen Verfassung:„Der König ernennt und entläßt die Minister". Er hat diesmal ausnahmsweise richtig citiert und hat nicht den.große» König Friedrich II."»nit dein„korsischen Parvcnn" ver>vechselt, der das Wort vom Grnnitbeißcn gesprochen. Aber er hat den Sinn dieser Verfassungsbestimmung witzig mißverstanden, wohl um auf diese Weise die heutigen Zustände diplomatisch, aber in aller Schärfe zu charakterisieren. Er leitete nämlich aus dieser Verfassuugs bestinimung sein Recht ab, sich über die Ernennung und Entlassung von Ministern nicht verantlvorten zu brauche». Er sagte' wörtlich: „Die Entlassung und die Ernennung der Minister ist nach der Verfassung lediglich Sache der Krone, und deshalb bin ich ver- fassnngsmäßig gar nicht in der Lage, auf diesen Teil der AuS- führungen des Herr» Abg. Richter näher einzugehen/ Wir brauchen den satirischen Grafen Bülow nicht zu belehren, baß das grundfalsch ist. Die Entlassung und die Eruennmig von Ministern kann nicht ohne ministerielle Gegenzeichnnug ge� schehen. Vermutlich hat Graf Bülow die Umgestaltung des Kabinetts im letzten Sommer verantwortlich gegengezeichnet, damit bat er verfassungsmäßig die Verantlvortung übernommen und verfafsungS niäßig die Pfllicht, dein Parlament Rede und Antivort z» stehen. Trotzdem entzieht sich der Minister dieser Pflicht und macht die An- gelegenheit zu einer Privatangelegenheit der Krone. Einst erklärte sich Graf Bülow bereit, selbst für private Aeußerungen des Kaisers die Verantlvortung zu übernehmen. Jetzt will er nicht einmal mehr die von ihm gegengezeichneten Handlungen verantworten. Das Bedürfnis, die Verantwortung in dieser Weise abzulehnen. begreifen wir sehr gut. Und seine Citierung der Verfassung ist zlvar formell völlig absurd, aber sie kennzeichnet vorzüglich die thatsächlichen Zustände, zu denen unsre halbabsolutistische Ver fassung jetzt geführt hat. Die aktive Politik ist zum Kronrecht geworden, und da der Monarch unverantivortlich ist. der Minister aber die Verantivorb lichkeit mit der witzigen Begründung ablehnt, das sei ein Eingriff in die Kronrechte, so giebt es in Preußen jetzt niemand, dem die Verantlvortung zufällt. Niemand übernimmt die Verantlvortung für die Vorgänge in der preußischen Politik. Formell ungeheuerlich, entspricht dieses Verhältnis materiell durchaus den Dingen, wie sie sich im» einmal entwickelt haben. Graf Bülow braucht sich nicht mehr nach Mecklenburg zurückzusehnen. Preußen ist mecklenburgischer als Mecklenburg: es ist ein Staat ohne Verantwortlichkeit, ein unverantwortlicher Staat. Der König macht alles, nnd das Ministerium sieht sich nicht in der Lage, über die Ausübung der Kronrechte Rede zu stehen! So witzelt bissig Graf Bülow. AbgeorduetenkianS. DaS Abgeordnetenhaus hat bereits am Freitag die Etatsberatung beendet nnd den Etat der Budgetkonnnission überwiesen. In diesem Hause läßt sich ciue Debatte höchstens einen Tag auf einer gewisse» Höhe erhallen; gerade als wenn Graf Büloivs Fluckt hinter den Schild der Krone sich nicht ereignet hätte, ergingen sich die meiste» Etatsredner, anstatt die großen Gesichtspunkte zu behandeln, in mehr oder minder wichtigen Einzelfragen. Der Pole Dr. v. I a z d z e w s k i klagte nochmals über die Ostmarkenpolitik, Abg. Ehlers sfrs. Bg.) hielt es für angebracht, sich über die Verzollung frischen Obstes zu verbreiten; Herr Kirsch vom Centrum jammerte über die zu hohe» Gerichtskosten und pries die Toleranz des Centrums. Nur die beiden nationalliberalen Redner v. Eynern und Dr. Friedberg beleuchteten die eigenartige politische Situation, die durch das Fallenlassen der Kanalvorlage herbeigeführt ist, wobei insbesondere der letztere nicht genug die Unterstützung rühmen konnte, die seine Partei der Regierung gewähre. Interessanter als dieser Teil seiner Rede»vor die staatsrechtliche Belehrung, die er dem Ministerpräsidenten über die MiitisterveraiUwortlichkeit zuteil werden ließ. Abg. Friedberg führte hierüber mit Recht auS: „Herr Richter fragte, ivarum ist die Kanalvorlage nicht wieder eingebracht und Ivan» wird sie wieder eingebracht? Darauf ant- wortcle der Ministerpräsident:„Warten Sie nur ruhig, Herr Richter, ob eine Vorlage hier eingebracht werden soll. daS geht Die Eröffnung deS englischen Parlaments. Die gestern bereits telegraphisch mitgeteilte Thronrede, mit der das Par lament eröffnet wurde, bot wenig BemerkenSiverteS. Daß England nicht geneigt ist, auf Friedensvermittlungsvorschläg einzugehen, unterlag ohnehin keinem Zweifel. So viel bekannt ge ivorden ist. sind derartige VennittlungSvorschläge von einer un- beteiligten Macht bisher auch gar nicht gemacht worden. Die Thron rede betonte nur von neuem, Ivas von den englischen Regierungs vertreten» schon so oft erklärt ivorden ist, daß der Krieg nur in der bedingungslosen Untenverfung, in der vollständigen Nieder Iverfnng und Eingliederung der beiden Boeren-Repnblikcn sein Ende finden könne. Bemerkensivert Ivar nur die besonders schar accentuierte Erklärung der Thronrede, daß die englischen Truppe» in Südafrika durch ihre Humanität das höchste Lob verdient hätten, ein Passus, von dem unschwer zu erraten ist, an welch Adresse er gerichtet ist. Sonst ist an der Thronrede höchstens das beachtenswert, was nicht berührt worden ist: beispielsweise die M y t i l e n e- A f f a i r e das f ra n z ö si s ch- i t a l i e n i s ch e M i t t e l m e e r-Abkommen die K o w e i t- F ra g e, die englisch- russischen Konflikte in Ostasien und dergleichen mehr. Auch die Adreßdebatte in den beiden Hänsern brachte nichts Sensationelles. Begreiflicherweise drehte die Debatte sich im»vescnt lichen um den südafrikanischen Krieg. S a l i s b u r y gab im Ober- hauS die bekannte offizielle Darstellung über den Ausbruch des Krieges. Er wiederholte die oft gehörte kindliche Behauptung, daß die Boeren„absolut ohne Provokation" in die Kapkolonie ein- gedrungen seien und daß eS deshalb den Boeren überlassen werden könne, zuerst um Friedensschluß nachzusuchen. Erst wenn dieser Zeitpunkt eingetreten sei, werde es auch für England an der Zeit sein, seine Friedensbedingungen zu stellen. So lange die Boeren nicht ihre Unterlverfung anböten, thue England gut, so wenig als möglich über die Friedensbedingungen selbst zu sagen. R o s e b e r y schloß sich darin den Ausführungen de? Premiers an, daß die„Großnmt" von 18S1 nicht wiederholt werden könne— beiläufig eine nette Großnmt, zu der sich England nach semer vernichtenden Niederlage am Majubaberge bereit finden ließ. Trotz dieser Erklärung des principicllen Einverständnisses mit der Südasrika-Politik des Kabinetts fand es der Ministerl anwärter für angemessen, sich ein wenig an Herrn Chamberlnin zu reiben. Zivar— Lord Rosebery versteht sich auf den Eiertanz trotz einem deutschen Reichskanzler— erklärte er, für den Geist und die Worte von Chambcrlaius jüngster Rede gegen Bülow nichts als Lob zu haben, trotzdem aber äußerte er„Besorgnisse über diese fortwährenden Kontroversen mit Deutschland und andren Mächten. zu denen Chamberlains Dialektik so eigenartig beitrage". Der Staatssekretär des Auswärtigen Lands- d o w n e entgegnete hierauf. daß er bedauere, daß Rosebery erklärt habe, England werde allgemein in Europa verabscheut. elbst wenn dies ivahr wäre, so sei dies keine Erklärung, wie sie von einem Mann von dem Gewichte Roseberys im Rate der Nation proklamiert werden sollte. Es sei aber nicht wahr, England genieße zwar sehrgroße, nn bequem ePopularität auf dem F e st l a n d e iiifolge des südafrikanischen Krieges; denn daS Schauspiel, daß eine große Macht eine schwache Nation bedränge, erwecke stets Teilnahme für die letztere. Er könne aber nicht zugeben, daß Englands Stellung gegenüber den roßmächten eine unbefriedigende und un- würdige sei. Im Unterhaus wurde zunächst Ehamberlain bei feinem Ein« tritt von den Ministeriellen eine stürmische Ovation bereitet, die erste Antivort auf die Reden deS Herrn Bülow. Im Laufe der Debatte beklagte sich Campbell Bannern» an über die Unzulänglich- keit der von der Regierung bezüglich deS Krieges gegebenen Auf- klärungen und verlangte eingehende Mitteilungen über die Amvc»- bimg des Kriegsrechts. ES sei nicht im Interesse der gedeihlichen Entwicklung Südafrika?, wenn nian unerbittlich eine Politik der Gewalt und Eroberung fortsetze; die Hauptsache sei. die Boeren wissen zu lassen, daß man zu einer Lösung gelangen müsse, die auf gegenseitiger Zustimmung und nicht auf Geivalt beruhe. Dies sei die Politik seiner Partei. Redner protestierte sodann gegen die Einführung von Zivangsmaßregeln in Irland. B a l f o u r er- widerte, die Regierung habe keinerlei Nachrichten über den Krieg unterdrückt und die Haltung Campbell BannermanS hinsichtlich des Krieges sei schwer zu oerstehen. Die Regierung sei entschlossen, die Boeren zu unterjochen und ihr Land zu annektieren. Auf eine Anfrage bezüglich der Zivischenfälle am persischen Meerbusen erklärte der Unter st aatssekretär des Aeußern Lord Cranborne dann noch, die Politik Englands habe in dieser Frage keine Aenderung erfahren. DaS Ziel dieser Politik sei der Einfluß Englands im Golf. Da England dort that- sächlich das Handelsinonopol besitze, so sei es infolge eines Zwistes zwischen zwei Scheiks genötigt geivescn, zur Anfrechterhnltnng des statu» quo eine Flottemnacht dorthin zu entsenden. Wie man sieht, beivegten sich die Ausführungen sämtlicher Redner in belanglosen Allgemeinheiten und der Aciißerung bekannter Dinge; intereffantere Debatten werden vielleicht die nächsten Tage bringen.— Deutsches Weich. Die Zolltarif-Kommisfion deS Reichstags ruht nun einige Tage von ihren schweren Arbeiten aus. Ein eigentümliches BerbänguiS hat gewollt, daß ihre erste That in der einstimmigen Annahme eines socialdemokratischen An- tragS bestand nnd ihre letzte ebenfalls. Freitag wurde bekanntlich ein Antrag Geyer zum Schluß einstimmig angenommen, der die Zollplackereien für die Reisenden, die mit dem Koffer über die Grenze kommen, etwas erleichtert. Der Vorsitzende. Herr v. Kardorff, machte es allerdmgs seinen Freunden leicht, sür diesen Antrag zu stimme»; er ivählte nämlich folgende Formel:„Diejenigen Herren, welche bereit sind, dem socialdemokratischen Abändcriuigs- Antrag zuzustimmen, den auch der Herr Scha.tzsekrctär empfohlen hat, ersuche ich. eine Hand zu erheben." Und siehe da, man that es. Der GewährSman» der„Duellrede". In Sachen der Potsdamer Aeußerungen des Kaisers über das Duell haben, wie die„Potsdamer Korresp." berichtet, in den letzten Tagen gerichtliche Vernchinungeil vor dem Amtsgericht in Potsdam'stattgefunden. Es ist ermittelt worden, daß der stell- vertretende Vorsteher der Potsdamer Stadtverordneten- Versammlung, G e h. R e ch n n n g s r a t S t e i n b a ch, die angcb- lichen Duelläußerungen des Kaisers am Biertisch in dem Menzelschen Restaurant. Schloßstraße 14, in aller Oeffentlichkeit erzählt hatte. Von den Herren der damaligen Kneiptafel wurden uunmehr bereits der Vertreter des Wolffichen Telegraphen-Bureaus, Kaufmann Sobictzly, ferner der Mechaniker Töpfer, derselbe, welchcr die Atifstellung der Instrumente der Pekinger Sternivartc über- nonnneu hat, und der Kassierer der Potsdamer Lebens- versichening, Ohlhardt, gerickitlich über die Steinbachschen Aeußerungen vernommen. Stcinbach. der selber einst als Einjähriger im 1. Garde-Regimeut z. F. gedient hat, hat einen Sohn, welcher Reserveoffizier im 1. Garde-Negiment z. F. ist nnd als GcrichtSasscssor bei der Landesverwaltung in Berlin beschäftigt wird. Arboiterschiitz-Vorlagen. Der Bundesrat hat am Donnerstag den bereits vom Grafen Posadowsky angekündigten Eiltwurf über gew erblicke Kinderarbeit dem Ausschuß überivicscn. Den Ausschußanträgen. betreffend den Entivurf von Bestimnumgen über die Bcschäsligiiiig von Gehilfen u n d Lehrlingen in G a st- nnd S ch a ii k w i r t s ch a f t e n und betreffend de» Entivurf von Bestimmungen über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugcud- lichen Arbeitern in Cichorieufabriken und den zur HersteNuug von Cichorie dienenden Werkstätten mit Motorenbctrieb wurde die Zu- stiinniung erteilt.— Die NelchStagS- Ersatzwahl im Wahlkreise Breslau-West ist Ulniniehr auf den 20. März anberaumt worden. Es ist erstauiilich, daß die Behörde, nachdem sie sich bisher in der Vordereitmig der Wählerliste überaus lange Zeit genonnnen hat, nun noch den Wahltermiu um 2 Monate hinauszögert. Ein solches Verfahren widerspricht gleicherweise dem politischen Anstände ivic den» Sinne des Wahlgesetzes.— Ter verfolgte Trcschgraf. Gegen den Grafen Piicklcr- K l e i»- T s ch i r ii e ist ein neues Strafverfahren»vegcii der bc- kannten Rede eingeleitet ivorden, die er am 17. November vor. Js. in den„Concordia-Sälen" in Berlin gehalten hat. Graf P ü ck l c r sprach damals über seine Verurteilungen in Berlin und Dresden und griff dabei neben den Juden, die er wiederum mit Dreschflegeln aus- zutreiben empfahl, auch die Behörden auf das heftigste an, da sie nach seiner Meinung„wie toll und verrückt hinter den Juden her- liefen". Die Anklage gegen Graf Pückler richtet sich nickt nur auf ein Vergehen gegen die öffentliche Ordunng, sondern auch auf Beleidigung der Gericklsbehörden und zwar speciell auf Beleidigung der Richter der 9. Strafkammer des Landgerichts 1 in Berlin, die einer Zeit den Grafen zu einer Geldstrafe von 500 M.»vegen Aufreizung zu Gcwaltlhätigkeiten verurteilt haben. Man sollte den neuesten Luther der Antisemiten doch endlich dem Arzt ttbcrlassen, anstatt ihn staatSanlvaltlich zu behandeln.— Wann find die Konservativen militärisch sachverständig? In der Sitzung der Budgctkommission am Freitag hat der kon- servative Redner, wie aus dem an andrer Stelle mitgeteilten Bc- richt hervorgeht, in Bezug auf eine militärische Forderung der Regierung erklärt: wenn die Militärverwaltung ctivas für notwendig halte, so sei die Volksvertretung nicht sackverstäudig geling, nni die Vcrantivortnng für die Ablehnung der Forderung übenichmen zu können. Einen ähnlichen Grundsatz habe früher schon Herr v. Levetzoiv einmal aufgestellt. Die Herren Konservativen vergeffen nur, daß inzwischen die Ä analvorlage erörtert worden ist. Auch dieser Entivurf wurde von den militärischen Sachverständigeu aus Gründen der Vaterlandsvcrtcidiguug für absolut u o t w e n d i g er- ä r t. dennoch haben die Konservativen keinen Augenblick sich bc- sonnen, in dieser militärischen Frage sich für sachverständig zu er- klären nnd die Gründe der Militärs kaltlächelnd als nicht gerecht- ertigt zu bezeickuen. Oder haben die Herren den Kanal etiva abgelehnt, obivohl sie sich bewußt waren, die militärische Bedeutuiig des Kanals nicht beurteilen zu könne»? Dann hätten sie doch den Gipsel frivolster Vaterlandslosigkeit erreicht. Oder sind die Kouscr- vatiucu im Abgeordnetenhaus so erleuchtet, militärische Fragen richtig beurteilen zu können, während sie im Reichstag zu dumin und nnwiffend sind?— Der Laudrat und GcndarinerirbcfehlShabcr als Ducllaut. Zu der ueiiesteu Duellaffaire wird noch von der„Tägl. Rmidschau" gemeldet: „Der Zweikampf v. Beniiigsen-Falkenhngen fand am Donnerstag- vormittag 10 llhr im Gehölz nniveit deS kaiserlichen JagdschloffeS Sanpärk bei Springe statt, v. Bennigsen ist seit ungefähr 8 Jahre» Landrat des Kreises Springe. Da er als solcher Befehls» Haber der Gendarmerie des Kreises ist, fo Ware» die Gendarmen nicht zur Stelle, zumal die An« gelegenheit sehr geheim gehalten wurde. v. Bennigsen. ein Sohn des Operprnsidenten a. D. und früheren n a t i o ii a l l i b e r a l e u F ü h r e r s Rudolf v. B e n» i g s c n, "t verheiratet. Dem Zweikampf ivohnte der ältere Bruder des Herrn v. Bennigsen, der Laudeshaiiptmanii von Nen-Guinea, bei. Beimigsen erhielt bei dem ersten Kugelivechsel einen Schuß in den Unterleib, der ihn knnipfmifähig machte. Unser Berichterstatter in Hannover schreibt uns, daß die Vcrivuudmig schwerer und der Zustand v. Beunigscns bedenklich sei. Bennigsens Gegner stellte ich nach dem Ziveikampf sofort der Behörde in Hameln." Ucber die Ursache des Duells weiß ein Blatlt mit- zuteilen: „In Springe war eS seit langer Zeit offenes Ge- eiinnis, daß zwischen dem D o m ä n e n p ä ch t e r. dessen Wohnhaus nur durch einen Hof von dem Hanse deS LandratS getrennt ist, und der Frau v. Bennigsen intime B e z i e b n u g e n b e st a n d e n. Da die Gerückte über das Verhältnis der Fiau v. B. zu Falkenhagen imnier bestimmter auftraten, beschloß man in dem Klub, welchem dieHoiioratioren von Springe angehören, die Sacke dem Laudrat z u u n t e r b r e i t e n. Dies soll am Montag geschehen sein. Am Sonntag hatte Herr v. B. mit seiner Gemahlin noch verschiedene Besuche gemacht. Am Montag soll sie nach Hannover gefahren sein und, wie man in Springe erzählt, von dort in Begleitung F a l k e n b a g e n s am Abend nach Springe zurückgekehrt sein. Dienstagvorniittag verließ Frau v. Beniiigsen auf Befehl ihres Mannes daS Hans, um. wie man sagt, zu einer Schwester nach Leipzig zu fahre». Einer Aus- einanderjetzung zwischen Herrn v. Beimigsen und Falkenhagen folgte noch am gleichen Tage die Forderung." Slbnchmer für die(shiiia-Dcnkiiiiiiize gesucht. Wie an« Elberfeld gemeldet wird, ist die Zahl der nicht an den Mann ge- brachten China-Deukmünzeu eine so große, daß das dortige Bezirks- kommando sich veranlaßt gefühlt hat. einen G e st e l l u n g S b e f e h l zu erlassen, sich zur Entgegennahme der iveuig begehrte» Denkmünze auf dem Bezirkskonuuando einzufinden. Eine so geringe Nachfrage nach der RricgS-Denkniünze dürfie noch nicht dagewesen sein! Auch ein Beweis für die Begeisterung für den heiligen Kreuzzug! Ein geraiilintcs Torpedoboot. Am Donnerstag fand zwischen Swincniüilde nnd Dnnzig bei den TorpedobootS-Nebungen eine Kollision zwischen dem Boot.1! 8 9" und dem Torpedoboot.8 8" statt. Infolge staikcn RordweststurmcS wurde das Boot ,E. 89" von dem Torpedoboot dnrchschlliqe»„nd»Uchte c>uf der Höhe von Jernhökt sich selbst über- lassen werde». Das Boot.8 8" traf ai» Freitag vonnittag in Swincniünde ein und ging»ach Einnahme von Kohlen sofort wieder in See, NM das andre Boot z» suchen und einznholc». Inzwischen ist aber bereits in Stettin die Nachricht eingegangen, dasi es dem angerannten Boote gclnngen ist, den Hafen' von Kolberg zu er« reichen.— Tie GrirShcimer Explosion, die am 25. April v. I. in der Pikrinsäure-Abteilung der chemischen Fabrik zu Griesheim erfolgte »nd 25 Personen das Lebe» kostete, sowie eine große Anzahl Arbeiter und sonstige Angestellte der Fabrik schwer verletzte, war am 7. Mai v. I. von unsrer Fraktion znnr Gegenstände einer I n t e r- p e l l a t i o n gemacht worden, bei deren Besprechung iinsrc Genossen Hoch und Wnrm es scharf tadelten, daß bei der Fabrikation cineS so gefährlichen Stoffes wie Pikrinsäure nicht genügend Sicherheits- iiinßregcln getroffen worden wären. Dciiigegcnüver erklärte Graf PoindowSky, daß die Fabrikation von Pikrinsäure keineswegs zn den gefährlichen Arbeiten gehöre, auf welche die Vorschriften des Sprengstoff-Gesetzes in Anwendung zu kommen hätten. SBnrnr machte hiergegen darauf aufmerksam, daß Pikrinsäure zwar bei langsamer Erhitzung ohne Explosion verdampfe, bei rascher Erhitzung Über 300 Grad Celsius aber explodiere. In der 8. Hauptversammlung d e S Vereins deutscher R e v i s i o n s i n g e n i e u r e. die Anfang September v. I. stattgcfnndcn hat, ist nun, laut einem Bericht in' der Januar- mmnncr des„G e w e r b I i ch- t e ch n i s ch e n Ratgebers" vom Geheimen Negiermigsrat Prof. Konrad Hartmann, Senats- Präsident des Neichs-Bersicherungsamts, über das Geiesheiiner Unglück ein Gutachten abgegeben worden, das de» von unsren Genossen Hoch und Wurm im Reichstage geäußerten Anschauimgen vollkomnien entspricht. Prof. Harlmanii war zufällig Augenzeuge der Explos i on gewesen. Vor Prof. Hartmann sprach in jener Haiiptversammlung ein Herr G. Braune Über die Explosion, äußerte sich ganz im Sinne des Grafen Posadowsky abfällig über die Interpellation und meinte: Z» B e a n st a n d u n g e n der Anlage und des Betriebes der Pikrin- säure-Abteilnng hätte keine Veranlassung vorgelegen, es ha>'e sich um die Explosion eines Stoffes gehandelt, ivelcher nach allen Erfahrungen weder leicht entzündlich, noch gar unter normalen Verhältnissen explosiv sei. Auch die Fabrikleitung sei davon überzeugt gewesen, daß die Pikrinsäure ruhig verbrenne und nicht explodiere, welchem Irrtum der Chemiker der Werke, Doktor H. Jakobi auch zum Opfer siel. Prof. H a r t in a n n erklärte hierauf:„Er könne an die U n g e fäh r li chkeit derP i kri n säure, wie sie in dem Vortrage dcS Herrn Braune nach dem Vorgänge des Herrn Jakobi aiigeuoinmen werde, nicht glauben. Auch die Fachmänner seien wohl andrer Ansicht geworden, denn zur Zeit iverdcn durch eine Kommission der Bernfsgeiiosseiischast der chciuischcn Industrie Vorschriften über die Fabrikation und Verwendung der Pikrinsäure aufgestellt.-- Daß man in Griesheim auf die allerdings weit unterschätzte Gefährlichkeit der Pikrinsäure«Fabrikation nicht Rücksicht ge- n o m ni e n habe, gehe daraus hervor, daß die hierfür bestimmten A r b e i t S r ä n m e inmitten andrer W e r k st ä t t c n und Lagerräume gelegen waren. Auch für F c u c r l ö s ch- Einrichtungen sei wohl nicht genügend gesorgt gewesen. In derartigen Betrieben müßten auch den Arbeitern bestimmte Verhaltungsmaßregeln für den Fall eines Brandes gegeben werden. Er müsse aus den Grieshcimer Borgängen der zuständigen Berufs- genoffcnschaft empfehlen, ihr Augenmerk auch darauf zu richten, daß neben oder i n n ä ch st e r N ä h e v o n R ä u m e n, in welchen derartig gefährliche Fabrikationen vorgeiiomnicn werden, nicht auch noch große Mengen feuergefährlicher Stoffe gelagert werden. So z. B. lagerten in Griesheim in nii- mittelbarer Nähe der Rännie für Pikrinsänre-Perarbeitnug 1 Million Kilogramm Benzol, slls Wenn diese Flüssigkeit in Brand geraten wäre, so würde nach der eigenen Angabe des Direktors der Gricsheimcr Fabrik nicht nur die ganze Fabrik, sondern auch d e r O r t G r i e S h c i in z e r st v r t worden sein. Alles dicS müßte zu der Erwägung führen, ob nicht bessere Borsichtsmaskrcgeln hätten getroffen»verde» können, ob die Feuerlöscheinrichtimgeu, sowie die Verhaltttttgsmaßiegeln für die Arbeiter nicht der Verbesserung bedürftig seien. Er habe eS sür seine Pflicht gehalten, auf alle diese Umsländ« hinzuiveiscn, um zur weiteren Prüfung der Verhältnisse anzuregen, da durch die Mit- Iciluiigcn dcS Herrn Braune leicht eine z u optimistische A n f f a s s n u g der Angelegenheit veranlaßt werden könne.— Damit sind die Anschuldigungcii. die unsere Geuosscn ini Reichs« tag«, gegen die Griesheimer Fabrikleitnng. den Gewerbcaufsichts- bcamten des Bezirks und die zuständige Benifsgeuossenschoft erhoben. in allen Punkten durch die größte Autorität auf diesem Gebiete bestätigt.— Ausfand. Schweiz. Wtffrnschaft, sociales Mitgefühl und Gcldfack. Aus Zürich wird uns geschrieben: Der Große Stadtrat von Zürich ver> handelte am Sonnabend über den bereits erwähnten, vom Stadtrat verlangten Kredit von 84 000 Fr. zur Unterstützung bedürftiger Kinder. Der ÄommissionSrcfercut tvar der liberale Kapitalist und Unternehmer Oberstlicutcnaut Schnccbeli. Er führte ans, daß man gegen den verlangten Kredit selbst nicht sei, wohl aber gegen das Bestreben, einmal in der Woche jedem Kinde für 10 Eis. Wurst oder Fleisch zu verabfolgen, da aus der Wurst natürlich später ein Braten(schrecklichl) hervorgehen»vnrdc. Die Socialdnnokrate» Dr. mscl. Brngbacher, Pfarrer Pflügcr, Obcrrichtcr Lang und Stadtrat Dr. Erisiuanii nagelten mit Entrüstung diese kapitalistische Gefühls- rohci.t, die auf Steine au Stelle de» Herzens schließen läßt, gebührend fest,»vobei namentlich Lang das Beschämende mid Traurig« einer solchen Debatte betonte. Dr. Erismann wies auf Grund vor« geuoiiimeuer»vissciischaftlicher Uutersuchungcn das Unzulängliche der bloßen Suppe als Mittagessen für die Sebulkindcr nach, so daß»och etwas. namentlich Fleisch. ergänzend hinzutreten müsse. Pfarrer Pflüger erinnerte daran, daß man auch an die B e s ch u h u n g de r Kinder denken müsse. Ferner teilte er mit, daß ein höherer städtischer Beamter lArmcnsckietär Otliler) erklärt habe, daß ein erwachiener Arbeitsloser mit 40 Cts., ein Kind mit 20 Cts. für Er- iiährimg den ganzen Tag ailSkoniiiicii kömic I Pflüg er machte sofort. nachdem er die Ottikerschen Spciserezepte sich verschafft, einen Versuch mit seinen Kindern, die sich aber bald über das Ungenügende dieser Ernähriiiig beklagten. Dieser für sein Amt offenbar gänzlich iintaug« liche VUinenickretär Oltikcr scheint das berii— Hinte Hitzefchc„Häusliche Glück" mit Nutzen gelesen zu haben. Die 34 000 Fr. wurden schließlich bewilligt.— Frankreich. Doppelkandidotitren bei den ParlameiitSwahlcn sind in Frankreich bisher nicht gestattet; jeder Kandidat darf nur in einem Wahl- kreis kandidieren. Die Wahlrcchtskoiiiiiiiision der Kammer hat aber jetzt mehrere Anträge ausgearbeitet, die eine Modifikation des Wahl- gesctzcs vom 17. Juli 1880 herbeiführen sollen. Danach soll es ge- staltet sein, daß ein Kandidat in zwei verschiedenen Wehlkreisen auf« gestellt wird.— Niederlande. Ter Zlllgemelne Bund der nlederländifchen Marine- Matrosen hielt am 12. Januar zu Geldern seine» JahrcSkoiigreß ab. Der Bund hat im verflossenen Jahre erhebliche Fortschritte gemacht. Die Milgliedeizahl ist von 1100 auf 1536 gestiegen, von denen sich zur Zeit 847 im Auslände, und 689 im Jnlande befinden. Für die Wiiwen und Waisen der dem mörderischen indischen Klima zum Opfer gefallenen Mitglieder wurden 1400 Gulden an freiwilligen Beiträgen aufgebracht. Im Jahresbericht wurde auch der Augriffe gedacht, die kürzlich in der zweiten Kamuier gegen den Bund ge« richtet ivorden sind und dabei scharf hervorgehoben, daß. wenn der Staat wolle, daß seine Diener in der Stunde der Gefahr sür ihn kämpfen sollten, er diesen Dienern zum mindesten auch das Recht zugestehen müsse, desicn sich andre er- freuen, das heißt: das KoalitioiiSrecht. Aus de» Verhandlungen ging übrigens hervor, daß die bewnßt-socialistische Gesinnnng, aus der mait in der Kammersttzung dem Bund einen Strick drehe» wollte, nicht die herrschende ist,' wenn auch der Bund auf modern- gewerkschaftlichem Boden steht und,»vie ein Beschluß, sich dem Landeskomitee für allgemeines Wahlrecht und ähnlichen Komitees anzuschließen: zeigte, auch die politische Aktion zn würdigen weiß. — Das bisher monatlich erscheinende Verbandsorgan„tzct Anker" soll in Zukunft wöchentlich herausgegeben werden, doch wird hierüber erst endgültig eine Urabstimmnng entscheiden.— England. Zur Wahl in TetvSbnry. Mit der Kandidatur Queich von der socialdemokratischen Federalion scheinen sich»innnchr auch die übrigen socialistischen Fraktionen abzufinden. Die„I. L. P. News" enthält eine Reihe Resolutionen von Zweigvereinen der„Unab- hängigen Arbeiterpartei", in ivclchen dieselben sich mit der Kandidatur aussöhnen, die Zerwürfnisse der beiden Brnderparteien bedauern mid energische Nnterstützung der Kandidatur versichern.— Der Prozeß gegen Dr. Krause, welcher beschuldigt ist, zur Ernwrdnilg des englischen Advokaten Fosicr anfgcreizt zu haben, hat am Freitag vor dem Ceiltral-KriminalgSrichtshof in Old Bailey de- gonncii, an den Krause vom Polizcigericht verwiesen worden war. Dr. Krause erklärte, er sei unschiildig. Der Geiieral-Staatsanwalt Carson begann mit der Darlegung der Einzelheiten des ThatbcstandcS, insoweit derselbe bereits vor dem Polizeigericht durch Zeugenaussagen belegt lvurde.—_ NÄrlsmenkttvisches. Die Budget- Konunission des Reichstags fetzte Freitag die Beratung des Militäretats fort. General v. Einem wies zur Begründung der Forderung einer Vcrmchrnng der Fuß- artillerie um 10 Comgagiiicn auf die Erfahrmigeu des russisch- türkischen Feldzngcs. specicll vor Plewna hin, wo der Mangel an schwerer Fnßartillerie sich bitter gerächt habe. Die Fnßartillcrie sei zn einem wesentlichen Bestandteil jedes Feldheeres geworden. Die Vermehrung erfolge lediglich mit Rücksicht auf n» s er Feldheer»uid nnsrer bereits fertig gestellten Festungen, ohne Rück- ficht auf den Fnßartillerie- Bestand der Nachbar» im Osten und Westen. Abg. Müller- Sagau(frcii. Vp.) beantragt Rblehiinng der Forderung, weil sie sich auf Momente stütze, die schon 1877 bei Plewna maßgebend geivcsen seien. Die Forderung hätte denmach bereits in die Disposition des letzte» QnmqneniiatS aufgeiiomme» werden können. Da dies nicht geschehen sei, dürfe die Forderung nicht als dringlich gelten und brauche daher nicht in dem jetzigen uiignustigcn Finanzjahre bewilligt zu werden. Kriegsmiuistcr Goßler sucht diese Auffaffnng durch ver- t ran liche Mitteilung«« zn entkräften. Ilm im Rahmen des Gesetzes zu bleiben, fei kein neues Bataillon gefordert worden, sondern nur neue Compagnien. Abg. MiUler-Fnlda($.) erkennt zwar die Forderung als grundsätzlich berechtigt an. wünscht aber die Frage der Civil- Handwerker endgültig klargestellt zu ichcii, ehe er einer Ver- mehruug der Fnßartillerie zustimmen könne. KriegSininiftcr v. Goßler erklärt im Gegensatz zum Vorredner, daß sich die Civilhaudtvcrker bewährt hätten. Durch Vermehrung der Zahl der Civilhandwerker würden die Mauiischaftcii ans der Zahl der Oekouoniiebaiidwcrkcr frei,»vclche zur Berinchrimg der Fnßartillerie uölig seien. Abg. Bebel ironisiert den KricgSiniiiister. der immer so thne, als ob das Vaterland in Gefahr sei. ivcuii eine seiner Forderuiigen ab- gelehnt würde. Der Kaiser habe ja doch in Hamburg und Danzig erklärt, daß der Friede auf Jahre hinaus gesichert sei. Weder Rußland noch Frankreich köiincn einen Krieg»vollen. KriegSminifter v. Goßler erachtet es für geboten, ohne Rücksicht auf die gegenwärtige potilischc Konstellation nach allen Richtungen Fürsorge sür den Kriegsfall zu treffen. Abg. Liebermau» v. Sonuenberg spielt sich als iniiitärischcr Sachvci ständiger ans und verlangt als solcher VericidiglingS- maßregeln für den denkbar»mgiinstigste» Fall. Abg. Bushig inatl.) und Fürst zu In»»- und Kuyphause» lk.) meinen, wenn die Militärverwaltung erkläre, eine VeriucHruiig der Knßartillcrio sei nollveiidig, so könne die Aollsvertrctuiig»>»- mörsiich die Veraiilworlnug ans sich laden, die Forderung ab» zulehiieu. Resereut Abg. Speck sC.) Ivill die Mittel für den Ersatz der Ockoiiomiehaiidwerlcr durch Civilhandwerker iinr für daS VI. Corps und dementsprechend auch höchstens 5 Fnßartilleric- Compagnien bewilligen, in jedem Falle die zwei ueneu Stabsoffizier« stellen für Fußartillerie streichen. Kriegsini inster v. Goßler will wenigstens 6 Compagnien und 2 Stabsvssizierc haben. Abg. Speck ist bereit auch 6 Compagnien zu bewilligen. Abg. Bachem erklärt die Fordermig für so gut»nid so schlecht begründet, wie jede andre militärische Forderung. Redner fragt weiter, in welchem Tempo neue Coiiipaguien sür vorhandene und noch geplante F e st u» g e n gefordert werden würde». KriegSminister v. Goßler erwidert, diese Frage könne nur im iioncii Militärgesctz nach Ablauf des Oninquenimts erledigt»verde». Eine Sicherheit gegen raschere Bermehrnng der Fußartillerie könne kein Kriegsminister bieten. Er»unsse unbedingt au der Forderung von zehn Compagnien festhalten. Abg. Dr. Müllcr-Sngaii weist darauf hin, daß sich erst zehn Minuten vorher der KriegSminister mit sechs Compagnien begnngei» wollte, jetzt erkläre er zehn Compaguicii für unbedingt not- Ivaidig. Redner will gegen die ganze Fordermig stimuieu. Abg. Stockmann Rp.). Gras Oviol a(uatl.j und Frese(frs. Vg.) plädieren ans poliiischen und Militär ischen Gründen für die Be- willigung vo» zehn Coiupagnieu. Die letzten Redner berühre» wieder die Frage der Oelonomiehand- werker und stellen fest, daß Ersatz durch Civithandwerkcr nicht sowohl ans Sparsamkeitsgründen verlangt werde, als vielmehr im Hinblick auf die Kaiikiirrenz, die den Civilhandwerkern von Oekoiioniichand- Iverkern gemacht werde. Der KriegSministcr verteidigt die Forderung der zwei neuen Stabsoffiziere mit allgemein dienstlichen Erwägungen. Er verdiene Beifall, nicht Tadel, daß er im Rahnien der Präsenz deS Gesetzes die Nenformatio» ermöglicht habe. Abg. Speck iE.) will jetzt einen Stabsoffizier bewilligen. In der Ahstiuimiliig wird die Forderung 10 Compagnien mit 12 Stimmen des CeiilrumS. der Freisiniiigeii Volkspartei und der Socialdeipokrateii gegen 11 Stluunen abgelehnt, dagegen t» Com- pagnicu mit 12 gegen 10 Stimmen bctvilligt. Mit einer Stimme Mehrheit werden drei neue Stabsoffiziere sür die Fiißarlilleiie bctvilligt gegen die Stimmen des Ceiitnuns, der Freisinnigen und der Socialdcmokraten. Abg. S z m n I a sC.) stimmt mit der Mehrheit. Annahme finden die 7 Maschiiien-Gewehrabteilungen,»vorüber die Abpimmmig Donnerstag ausgesetzt war. Die Forderung, betr. die Nmtvaiidlung der BekleiduiigShandiverker(Einführmig des Civil- Haudwerker-Belriebs)»vird für das VI. AnneecorpS genehmigt, für das VII. AnneecorpS und das Gardecorps abgelehnt.— Nächste Sitzung: Dienstag._ Die GeschäftSoednilligS- Kommissio» deS Reichstages hat den dem Reichstage vo» gerichtlicher Seite nntcrbreitcten tlnlrag. die Genchmigniig zur Vorladung des Abg. C o n r a d H a u ß m a n n (südd. Lp.) als Zeugen zu erleilen, abgelehnt. AbgeoedneteuhanS. Die Gesetzentivürfe, betreffend die Dotationen der Provinzen, sowie vetreffend die Heranziehung zn Kreisabgaben sind Freitag in später Abendstunde miSgegeben worden. Propinzialdotatioucn. Der Gesetzentwurf, betreffend die Ueber« Weisung weiterer D o t a t i o n s r e n t e n a n die P r o v i n z i a I- verbände, der dem Landtage soeben zugegangen ist, verfolgt, wie die„Berliner Korr." ausführt, uiit der Verstärlung der den Provinzialverbänden ziifließcuden Staatsrenten um den JahreS- betrag von zehn Millionen Mark ein doppeltes Ziel. Einerseits tvill er die Provinzen in die Lage bringen, leistimgS- schwache Kreise rmd Geineinden ans den Gebieten des Armen- und Wegewesens in ausgiebigerer Weise als bisher zn uiiterstiitzcn, und dadurch einen übermäßigen kommunalen Steuerdruck verhüten. Andrerseits will der Gesetzentwurf die Provinzen auf dem Gebiet des Nciibaus und der Ilnlcrhaltimg von Chnussecn entlasten und hierbei die Nachteile ansgleicheii, Ivelche für die Provinzen Ost- und Wcsiprciißen, Brandenburg, Pommern, Posen mid Schlesien sich daraus ergeben haben, daß im Jahre 1875 bei Bemessung der für die Ueberiiahme der Chaiissce-Unterhaltniig den Provinzen ge- währten Dotationsrente die Streckenlänge der Chausseen zu Grunde gelegt worden ist. ohne daß zn Gunsten der genannten Provinzen, ivelche damals in der Ausstattung mit Kmiftstraßeii hinter den andern Landesleilcn zurückgedlieben waren, ein entsprechender Aus- gleich erfolgte._ Der Boereu- Krieg. Ei» Bocrcn-Erfolg Aus Mafeking wird gemeldet: Boeren nnter Keinp und Colliers machten in letzter Woche einen kombinierten V o r st o ß, indem sie die Bahnlinie von O st e n nach Westen überschritten. Ein Koniiiigcnt traf in Willowdam, wenige Meilen»vestlich von Mafeking ein und überraschte die dort stehende englische Besatzung. Es folgte ein Gefecht. Ein andres Kontingent zog bis fünf Meilen vor Jan- maribasstadt, nahm daselbst Vieh weg und verbrannte die Wagen, die ihm in die Hände fielen. Andre Boeren- nbtcilimgen griffen die B e s a tz u n g e n von M a r i t s a in und K r a a i p a»i an. Die Engländer brachte» einen Panzerzug ins Gefecht. ES wurden drei gefallene Boeren anfgcsuiidc»; einer wurde gefangen genommen. Einige Stück Vieh wurden den Boeren wieder abgenommen, aber man nimmt an. daß der Feind mit 1000 Stück Vieh entkommen i st. Die Hauptmasse der Boeren ist am 10. Januar über die Bahnlinie zurückgegangen. Die bei JaninaribaSftadt i» Aktion getretene Abteilung steht noch»vestlich der Linie. Tic Konzentrationslager. Ein ani Freitag veröffentlichtes B l a u b ,i ch enthält noch eine Depesche KitchetierS vom 20. Dezember v. I., in welchem dieser meldet, er habe Botha mitgeteilt, er werde die Farmen mid die Familien der im Felde stehenden Boeren unbehelligt lassen, wenn Botha sicb bereit erkläre, die Familien der Boeren, welche sich ergeben hätlen, zu schonen. Botha habe dies energisch ab- gelehnt. Kitchener»veift die Aiischiildigimg, daß Grausam- leiten vorgekoinineii seien, in i t E n t r ü st u n g z u r ü ck. Ferner' giebt das Blaubnch«ine Statistik für den Dezember, der zn folge in den Konzentrationslager» sich 117 017 weiße Insassen befanden; 2380 Personen, darunter 1767 Kinder, sind in den Lagern im Monat Dezember gestorben. Gciiicindewahlc». Bei der Nachwahl in Zeitz erhielt imser Kandidat 442 Stiinmen, während zwei Gegner je 253 und 224 Stimmen erhielten. ES ist also Stichwahl erforderlich. Bei der Ersatztvahl der Wahlmännrr im Landtags-Wnhl- kreise S o r a ii« F o r st- G» b e ii wurden von den in Forst auf- gestellten 12 Parteikandidaten dritter Klasse 3 und von den ans- gestellten 6 zweiter Klaffe einer gewählt. Die Wahlbeteiligung war lächerlich gering. Die größte Anzahl der in cinci» Bezirk ab- gegebenen Sliiinnen dritter Klaffe betrug 19; in 3 Bezirken wurden »nr je 5 Stiuiincn abgegeben. Im ganzen wurden in der dritten Klasse in 10 Bezirken 63 socinldcmokralische und 46 Karicllstuiunen, in der zweite» Klaffe in 5 Bezirken IL socialdeinolratischc und 14 Kartcllstinuneu abgegeben. poliiviliches, Gcvichtlichrs usw. Durch ein Flugblatt soll der Genosse Jäckel in C r i in m i t s ch a n einen Fabrikanten beleidigt haben. Er lvurde dafür zn zwei Wochen Gefängnis verurteilt, Aus Fuduptvio und AZundel. Der Außenhandel Teutschlands im Jahre 1001 spiegelt in den mliinichr verössentlichtei» Ergebnisscii de» starke» Rückgang der Industrie wieder, der besonders in der erheblichen Miudei einfuhr von Stohinaterialicn zum Ausdruck kommt. Die G e s a in t e i n s»i h r im Jahre 1901 betrug in Tonnen: 44 304 857 gegen 45 911799 und 44 652 288 in den beiden Vorjahren, daher weniger 1 606 942»nid 347 431. Eine besonders starke Eiiisiihrsteigeriiiig zeigt sich nur bei Getreide mid andren Laiidbail-Erzengniffen mit 713 320 Tonnen mehr. Mehr noch als diese Zunahme ausmacht, ist die Einfuhr von Weizen gegen das Vorjahr gestiegen; sie hat mit 2134 200 Tonnen die VorjahrSciiifiihr iini 840 336 Tonnen überholt. Nie zuvor war die Einfuhr von Weizen aiich nur oimäbernd so bedeutend wie im Jahre 1V0l. Auch die Gerste- und Napsemfiihr zeigt eine Zunohme, während weniger Roggen, Hafer, Maitz, Malz zc. cingina. Wesentlich ist die Steigerung»nr»och bei Drogueii. Oel und Fetten. Abfällen, Materialwaren»»d Papier. Die Kohleneiufnhr hat den bedeutenden Ausfall von 1064 244 Tonnen, Eisen einen solchen von 582445. Holz eine Abnahme von 545 974 Ton»«» zu verzeichnen. Steine. Erden, Erze. Thonivaren. Instrumente. Maschinen, Kupfer, Blei er- fuhren eine geringere Eiiifuhrabuahuic. G es a m t a u S f u h r im Jahre 1901 betrug in Tonnen: 32 363 495 gegen 32 681 747 und 30 403 226 in'den Vorjahren. daher gegen 1900 weniger 318 252. dagegen gegen 1899 mehr 1 960 268. Unter den 16 Zolltarifliuinmern, die eine Ausfuhr» stejgerimg gegen das Vorjahr aufweisen, sieht Eisen mit einem Mehr von 793 683 Tonnen obenan. Die Steigerung ist eine Folge der ShndikalSpolitik, die durch niedere Preise den Auslandsmarkt eroberten, allerdings a»f Kosten deS JnlandSiilarkieS, der seinen Bedarf zu höheren Preisen decken mußte. Ein Mehr von 59 050 Tonnen erzielten Materialwaren, während Rohzucker, Roggemnehl, Weizenmehl, Reis teilweise recht bedeutende Ans- fälle brachten, erster« deshalb, weil die Vereinigten Staaten vo» Amrrtta mir 113 541 gegen 313 198 Tonnen im Vorjahr, also rund 200 000 weniger bezogen, Drogncn zc. H-53 320). Erden. Erze ließen um 727 154,' Kohlen um 190 499, Getreide um 93 021, Steine »m 78 735, Thonivaren NM 64 642, Papier um 29 375, Abfälle um 20 440 Tonnen nach. Baiimwolle, Flachs. Hanf, Kleider, Leine»- garn, Leinwand, Seide zeigen �eine geringere Ansfnhr, Wolle dagegen brachte eine Besserung durch Zunahme der Ausfuhr gegen das Vorjahr. Kasseler Trcbcrtrockiinng. Die Verhaiidlniig der Strafkammer des Landgerichts Kassel gegen die Anfsichtsräte der Aktiengesellschaft für Trebertrockiinng ist ans den 3. Februar anberaumt und wird voraussichtlich fünf Tage währen. In den Prozessen der Hochofenwerke gegen die Walzwerke wegen Abnahme der gekauften Roheiseimiengen haben erster«, wie die„Kölnische Ztg." meldet, auch am Landgericht in Düsseldorf ein obsiegendes Urteil erstritten. Die Walzwerke wurden zur Almahme der gekauften Menge» iiiid zur Ueberiiahme der Kosten ver- urteilt. Die abgeschlosienen Verträge wurden für rechtskräftig erklärt. Außenhandel Frankreichs. Räch der amtlichen Statistik be- trug im Jahre 1901 der Wert der Einfuhr 4 714 548 000 Frank, gegen 4 697 802 000 Frank im Vorjahre, der Wert der Ausfuhr 4 166 165 000 Frank, gegen 4 108 699 000 Frank. Gemerltschaftliches. Berlin»»d Nmqcqcnd. Die freie Verclniftitng der Zlöphaltenre eröffnete für den Westen eine Zahlstelle bei B r a d t k e. Königin Augustastraße 24. In derselben kassiert jeden Sonnabendabend von L— 3 Uhr Kollege Otto H ü b u e r. Deutsches Reich. Ueber Krise und Arbeiterorganisationen berichtet Dr. I a st r o Iv in seiner„Arbeilsmarkt-Korrespondenz": Bisher hat jeder plötzliche und starke Rückgang der geschäftlichen Konjunktur den Mitgliederbestand der Arbeiterorganisationen stark gelichtet. Es dar sogar als ein bemerkenslvertes Zeichen der inneren Festigkeit der Organisationen angesehen werden, daß bei dein diesmaligen Rück- schlag der bisher' übliche Mitgliederabfall im großen und ganzen ausgeblieben ist. Bei dem an die geiverkschaftliche Centrnlorganisation angeschlossenen Verband der Bergarbeiter hat die Mitglicdcrzahl 1901 noch zugenommen. Während gegen Ende 19v e n d e t wurde. Unter den gelverblichen BernfSgenossenschaften zeichnet sich die T i e f b a n- B e r'u fs g e» o s s ens ch a f t in dieser Beziehung anZ. Ihre 14 Vorstandsmitglicdcr bezogen 17 530 M. Tagegelder und Reise- spesen. Sie hat überhaupt 302 463 M. laufende Unkosten bei 1628 neuentschädigten Unfällen und 54023 M. Kosten der BetriebSüber- wachung. Die Zuckerberufsgenossenschaft zahlte ihren zwölf Vorstandsmitgliedern 16 985 M. Diäten, so daß au? jedes derselben schon über 1400 M. entfallen; für Ueberivachnng der Betriebe gab sie nur 5322 M. aus. Die M ü l l e r e i- B e r u f s g e n o s s e n s ch a f t zahlte an ihre 5 Vorstandsmitglieder 10 330 M., jedem also 2076 M. Diäten. Das ist nicht etlva, wie wir zur Vermeidung von Mißverständnissen aus- drücklich hervorheben wollen, Bezahlung für besoldete Berufsarbeit, Verantwortlicher Nedactenr: Carl Leid in' daS sind nur„Spesen" für Wahrnehmung einer ehrenamtlichen Thätigkcit, deren Bezahlung gesetzlich verboten ist. Die berufs- mäßige Vureauarbeit in den Berufsgenossenschaften ivird von einer großen Anzahl besoldeter Bureanarbeitcr ausgeführt, deren Besoldung 3,6 Millionen Mark erforderten. Zur Verbesserung der Fabrikaufsicht hat das Gcwerkschafts- kartell in B r a u n s ch iv e i g an den dortigen Landtag eine Eingabe gerichtet, in der, lvie wir früher schon mitteilten, unter anderm au' die Anstellung einer Assistentin gcivünscht lvird. Ans der uns jetzt vorliegende», mit ausführlicher Begründung versehenen Eingabe erfährt man auch die interessante Thatsache, daß die braun- schiveigische Fabrikinspektion dienstlich angewiesen ist, bei Aus- Übung ihrer Thätigkeit den Unternehmern keine„unnötigen Opfer oder zw e ck l o sen Beschränkungen" aufzuerlegen. Wenn das einen Sinn haben soll, dann nur den einer Milde- rung der gesetzlichen Vorschriften. Welche Verpflichtungen de» Unternehmenr int Punkt Arbciterschutz aufzuerlegen find, das bestimmt ja die Gewerbeordnung; dem selbständigen Er- messen des Fabrikinspektors ist fast gar kein Spielraum gelassen. Unnötige Opfer und zivecklose Beschränkungen, das heißt doch nur solche, die über den Rahmen der Geivcrbc-Ordnnng Hinausgehen, kann der Fabrikinspektor dem Unternehmer gar nicht auferlegen; ihm diejenigen aufzuerlegen, die daS ReichSgesctz vor- schreibt', darin kann ihn eine Lande'sbehörde durch keine Dienst- anweisung beschränken. Der Reichstag sollte sich solcher Dienstanweisungen sehr ernst- Haft annehmen.'Das Gewerkschaftskartell in Bratinschweig fordert mit vollem Recht die Aufhebung dieser Bestimmung der Dienst- anweisung. Ein Anerkenntnis der Krisis enthält der Rechnungsabschluß der Versicherungsanstalt für d a s Königreich Sachsen, der mit dem Boranschlage für 1902 soeben dem Ministerium des Innern zugegangen ist. Der Bericht ergicbt, daß im letzten Drittel des Jahres 1901 die Beitragseinnahmen eine erhebliche Ver- ringcrung erfahren haben und der Voranschlag für 1902 setzt die Monatseinnahmen ans Beiträgen um 27 000 Mark geringer an, lvie für 1901. Im Bericht heißt eS alsdann, daß dieser geringere Betrag das höchste sei, worauf bei dem wirtschaftlichen Niedergänge gerechnet werden könne. Herr v. Metzsch, für den dieser Bericht ja bestimmt ist, Ivird da- nach Gelegenheit haben, seine im Reichstage geäußerten optimistischen Anschantingen über die Wirtschaftslage ztt berichtigen. Arbcitcrpcnfioncn. In der bremischen Bürgerschaft stellte Genosse E b e r t den Antrag auf Einführung von Pensionen für die bremischen Staatsarbciter. Dieser Antrag wiirde abgelehnt, dagegen eine Deputation mit der Vorbcratung der Frage' beauftragt, ob solche Einrichtung durchführbar ist. Altersversicherung in England. Die Vertreter von GeWerk- fchaftcn und Kooperativgcnosicnschaften traten dieser Tage in London zu einer Konferenz züsammen. um über die Eiusi'ihrnng eines Alterspcnsions-Gesctzes für Arbeiter zu beraten. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, in der die Regierung aufgefordert Ivird, ein Alterspcnstons-Gefctz einzubringen, welches die Altersversorgung aller Arbeiter, der männlichen wie der weiblichen, nach dem zurück- legten 60. LeheiiSjahre vorsieht. Die Höhe der Pension soll wocheut- lich nicht unter 5 Sh. betragen. Die Gewerkschaften und Genossen« schaften werden aufgefordert, in einer Agitation zu Gunsten eines solchen Gesetzes einzutreten. VevlÄnnnlungen. Wahlvercin des 6. Berliner ReichötagSwahlkreifeS (Schönhauser Vorstadt). Die regelmäßigen Vcrcinsveriammlnngen finden nicht, lvie in Nr. 13 irrtümlich berichtet, jeden Dienstag nach dem ersten, sondern jeden ersten Dienstag nach dem 15. im Monat statt. Die Berliner GeivcrkschaftSkominissio» hielt am Donnerstag eine Dclcgicrleiiversammlung ab, in der die bevorstehende Arbeits- l o s e» z ä h l u n g besprochen wurde. K ö r st e n berichtete, daß dem Wunsch der vorigen Versammlung gemäß einige Acndernngen an der Zählkarte vorgc'nomnten worden seien. Es ist die Frage auf- genommen worden, ob Krankheit die Ursache der Arbeitslosigkeit ist, und seit wann der Befragte am Orte wohnt. Die letztere Frage hat den Zweck, festzustellen, ob die von gegnerischer Seite anfgcstelltc Behatiptung zutrifft: die Zahl der Arbeitslosen in Berlin habe durch Zuzug von außerhalb einen so großen Umfang angenommen.— Die Arbeit dcs Zählenö soll in der Weise vorgenommen weiche», daß die Parteiorganisation, lvie sie bei Flugblatt- Verbreitungen und derartigen Parteiarbeiten in Anivcn- dring kommt, auch bei der Arbcitsloscnzählmig die Grimdlage bildet, von der anS die Zählarbeit besorgt wird. Da aber für diese außergewöhnliche Arbeit die Kräfte, welche der Partei sonst zur Verfügung stehen, nicht ausreichen, so haben die Gewerk« schaften s ü r H i l f s k r ä f t e in genügender Zahl zu sorgen. Diese Hilfsmannschaften haben sich am Tage der Verbreitung der Zählkarten— Sonntag, den 26. Januar, morgens 8 Ilh r— in folgenden Lokalen einzufinden: Gewerkschafts- ha nS— Brüder, Waldemarstraße— R e tz o w, Wasserthorstraße— Ewald, Schönlcinstraße— Habels Brauerei. Bcrgmannstraße— Königshof, Bülowstrahe— Armin- hallen, Kommandantenstraße— Peters Gesell schaftS- Haus, Alt-Moabit— Fischer, Beusselstraße— Swine- münder GesellschaftshanS. Swinemünderstrnße— K ö S- l i n e r Hof, Köslinerstraße— Norddeutsche Brauerei, Chansseestraße— Brinkmann, Prinzen-Allce— Bauer, Rosenthalcrstraße— Nümann, vrnnnenstratze— Feind, Weinstraße— KönigSbank, Frankfiirterstraße— S t c ch e r t, Andreasstraße— Keller. Koppenstraße— Dicke, Ackerstraße. Die Gewerkschaftsmitglieder, welche sich sonst nicht an den politischen Partei-Arbeiten beteiligen» sammeln sich in den vorstehend angegebenen Lokalen und werden von da anS nach Bedarf in die einzelnen Bezirkslokalc geschickt, um an der Verteilung der Zählkarten tcilznnehmcii. Am Sonntag, den 2. Februar, werden die Zählkarten wieder eingesammelt. Zu diesem Zweck hat sich jeder, der bei der Verteilung thätig war, wieder in dasselbe Bezirks lokal zu begeben, wo er am 26. Januar die Karten er- halten hat. In dieser Weise ist die Zählarbeit organisiert. lim auch möglichst weite Kreise des Publikums auf die Zählung aufmerksam zu machen, sollen entsprechende Hinweise in verschiedenen Berliner Zeitungen gegeben werden. Am nächsten Donnerstag findet eine Konferenz statt, zu der jede Gewerkschaft eine» Delegierten zu entsenden hat. Daselbst soll über die Besetzung der einzelnen Lokale das Nähere verabredet werden. Dem Bericht Kvrstens folgte eine Diskussion, die sich anS- schließlich um Einzelheiten bei der Zählarbeit drehte. Unter„Berichiedenes" äußerte M a s s i n i de» Wunsch, in nächster Zeit eine Delegierten-Versammlimg der Gewcrkschafts- Kommission einznberiifen, in der den Buchdruckern Gelegenheit gegeben werde, sich über ihre Tarifbewegung auszusprechen, um Anrempelnugen der Tagespresse zurückzuweisen und Klarheit zu ver- breiten über die vielfach falsch beurteilte Tarifbewegung.— ES wurde beschlossen, in nächster Zeit eine Versammlung der Delegierten und Vorstände einzubcrnfcn niit der Tagesordnung: Bcrichtcisiattung der Buchdrucker über ihre Tarifbewegung. Als Revisor an Stelle des ausgeschiedenen Genossen Rüther wurde Buchdrucker T e s k e gewählt. Es fehlten die Delegierten der Graveure, Hafenarbeiter, Maschinisten und Heizer. Musiker, Steinhauer. Eine Versammlung der arbeitslosen Vergolder Berlins fand am Montag, den 13. Januar 1902, vormittags 10 Uhr, in der AndreaSstraße bei Merkowski statt Das ziemlich starke Polizei- anfgebot war vollständig überflüssig, indem die Anwesenden(60 an der Zahl) durchaus nicht deS Schutzes benötigten. Demi man konnte Zerliu. Für de» Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Diu- auf den ersten Blick konstatieren, daß eS sich nicht um arbeitsscheue Elemente handelte, sondern im Gegenteil waren es zumeist die besten Kräfte unsrer Branche, welche durch Arbeitslosigkeit zum Müßiggang verurteilt sind.. Das einleitende Referat hielt Kollege O e h l e r t. In seinen Ausführungen geißelte er besonders die Unthätigkeit der staatlichen und kommunalen Behörden gegenüber der Arbeitslosigkeit. Er schließt mit einem Appell an die Anivescnden, sich mehr denn je an die Organisation anzuschließen. Schuosal ging hauptsächlich mit den anwesenden Unorganisierten ins Gericht, die durch ihre Pflicht- Verletzung die Lage ihrer Familien und Kollegen haben ver- schlechter» helfen.' Es sei Pflicht aller unsrer Berufsgenossen. in Znknnft durch Verkürzung der Arbeitszeit und Abschaffung der Accordarbeit die Ueberprodnktion einzudämmen. Spät he schilderte unter anderm die Arbciterfrciindlichkeit deS Fabrikanten D i e d e r i ch in Werden, der seiner Zeit so liebenswürdig war und den Genossen G r ä f— bekannt durch den McineidSprözcß auspeitschen zu lassen und jetzt blutige Thränen weint, daß ihm die Z»chthän;er. nicht mehr zur Verfügung stehen und infolgedessen durch Lohn- rcdnktionen ans seinen wenigen Arbeitern dasielbe herausholen möchte. Redner schließt sich der Anregung des„Vorwärts" an, für die Gewerk- schaften von den kommunalen Behörden Subventionen zu fordern. — Hierauf wurde festgestellt, daß von den anwesenden Arbeitslosen 33 der Leisten- und 17 der Rahnienbranche angehören. Jedoch ist als sicher anznnchnieu, daß mindestens die doppelte Zahl Vergolder in Berlin zur Zeit arbeitslos ist.— Von einer Resolution wurde Abstand genommen, da die Anwesenden mit den Ausführungen und Forderungen der Redner einverstanden waren. Wenn die Arbeits- losigkeit anhält, soll mit de» ArbeitSlosciiversammlungen fortgefahren werden. Zum Schluß weiden die ArbeilSloscn aufgefordert, sich rege an der allgemeinen Arbeitslosenzählung über Groß-Berlin zu beteiligen. Charlottcuburg. Am 9. Januar tagte zu Charlotteubnrg in der Gambrinns-Braucrei eine öffentliche Versammlung, einberufen von der Charlottenburger Gewerkschaftskomniission. Der bisherige Gewerbe- gerichtsbcisitzerGe». Klein gnbcincnBcricht über die bishcrigcThälig- kcit des Gewerbegerichts. Zu demselbenPnnktesprach auch Gen. Menge. Eine lebhafte Debatte entspann sich über das Verhältnis der Maurer- organisation zur Gewcrkschaftskommissio». Trotz mehrmaliger Sitzungen und Versammlungen zwischen der Manrerorganiiation und der Gewerkschaftskomniission konnte keine Einigung erzielt werden. Genosse Busse von der Manrerorganisation erklärte, daß die Maurer von min au wieder der GcwerkschaftSkommission beitreten würden und zwar mit einem Beitrag von 10 Pfennigen pro Mitglied und Jahr. Ferner erklärte Genosse Schulz, zu de» jetzt stattfindenden GcwcrbegcrichtS-WahIcn eine Pauschalsumme von 150 M. in einer Rate an die Gewerkschaftskomniission zu zahlen. Es wurden folgende Kandidaten anfgcstcllt: 1. Bezirk: Strauf, Vauarbcitcr, und Klein. Buchdrucker; 2. Bezirk: Fa tusch, Transportarbeiter, und Görke, Maurer; 3. Bezirk:'L a d e n t h i e n, Metallarbeiter, und Scheel, Fabrikarbeiter; 4. Bezirk: W c i ß in a n t e l und H a u ft c i u, beide Zimmerer; 5. Bezirk: Lndtke, Maurer; 6. Bezirk: Matzke. Maler; 7. Bezirk: Benscheck, Holzarbeiter, und 8. Bezirk: Förster, Transportarbeiter. Zu wählen sind 12 Arbeitgeber und 12 Arbeit- nehmer. KarlShorst. Am Montag fand hier eine öffentliche Volks- versaiiimlnug statt, behufs Stellungnahme zu den Gcmeiudclvahlen. Die Versammlung tvar zur Hälfte von gegnerischer Seite besucht. Genosse W. M a n a s s c hielt einen Vortrag über die Aufgaben dcy Socialdcmolratie in der Gcmeindcvcrtrclimg. In der Diskussion wandle sich ein bürgerlicher Redner gcgcn die Aussuhrnnge» des Referenten. Er fürchtete naincntlich die Unterdrückung seitens der socialdcmokratischcn Gcmeindevertretcr. Leider wurde die Versammlung, ohne zu cincm Schluß zu kommen, nach Eintritt der Polizei- stunde durch den übcrlvachcnden Gendarm aufgelöst. Netzte MKrtzeirtzten und Depeschen. Gazcllc-Prozest. Kiel, 17. Januar. Das heute zusammengetretene Obcr-Kriegs- gcricht des ersten Geschwaders verwarf die Berufung des Gerichts- Herrn bezüglich der Freisprechung des Qberniatroseu Groger von der Anklage der Bedrohung des Kommandanten, jetzigen Fregattenkapitän' Neitzke, der Freisprechung dcS Obermatrosen Weiß von der Anklage der vorsätzlichen Beseitigung von Geschütz- teilen, sowie die Bcnifnng Gropers wegen Versetzung in die zweite Klasse dcS Soldatenstandes. Bezüglich deS Wachtmeistcr-Maatcu Kunze und der Obermatrosen Gcnz, Weiß und Peik hob daS Oberkriegs- gcricht das Urteil vom 7. November auf. Kunze wird wegen AchtnngS- Verletzung zu 6 Wochen Mittelarrest verurteilt, zwei Wachen werden durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt.(Kunze war zu 3 Monaten Gefängnis und Degradicrung verurteilt) Obermatrose Weiß wird mit 2'/i Monaten Gefängnis bestraft(in erster Instanz 3 Monate). Bei Genz findet nur eine andere rechtliche Beurteilung statt. Die Strafe von 3 Monaten Gefängnis bleibt bestehen. Peik(in erster Instanz zu drei Wochen Mittclarrest verurteilt) wird wegen AchtungSvcrletzung zu zwei Wochen Mittelarrest verurteilt. Das OberkricgSgcricht erblickt in dem Dichten und Singen des Spottliedcs auf den Kommandanten nur eine AchtungSvcrletzung in Bezug auf eine Dicnsthaudlung. nicht aber eine vorsätzliche Er- regmig von Mißvergnügen unter Kameraden in Bezug auf den Dienst. TaS englische Pailament über Bülow. London, 17. Januar.(W. T. B.) Mac N e i l l richtet an den Ersten Lord deS Schatzes Balfonr die Anfrage, ob er dem Hause Abschriften der Versicherungen vorlegen wolle, die dem deutschen Reichskanzler von der englischen Regierung gegeben und vom Grafen Bülow im deutschen Reichstage erwähnt worden seien. daß nämlich mit den in der E d i n b u r g h e r Rede Chamberlains erhobenen Bcschuldigimgeu gegen die deutsche Armee wegen Unmenschlichkeit nicht die Absicht verbunden gewesen sei. die Gefühle des deutschen Volkes zu verletzen. Ueber denselben Gegenstand sind noch sieben An- ragen im Hause eingebracht. Balfonr erwidert, eS seien in der beregten Angelegenheit amtlich keine V c r s i ch e- rung en verlangt worden. Von Chamberlain seien keine Beschuldigungen der Unmenschlichkeit gegen die deutsche oder irgend eine andre Armee erhoben worden, wie dies in der Frage Mac Neills an» gedeutet werde. Diese Thatsache sei dem deutschen Botschafter gegenüber in einer nichtamtlichen Unterredung von Margiiis of Lansdowne fest- gestellt worden. Nach Ansicht der Regierung bestehe keinerlei Notwendigkeit, irgend eine Erklärung abzugeben, die bezwecke, Chamberlains Rede abzuschwächen oder z u r ü ck z n n e h m e n.(Lauter Beifall.) Auf die weitere Frage Mac NeillS, ob Marquis of Lansdowne oder der deutsche Botschafter die Unterredung eröffnet habe, wird von der Regierung keine Antwort gegeben. In Bcautwortnng einer andren Frage erklärt Marquis of Lansdowne, Lynch werde, sobald er landen sollte, verhaftet werden. Unwetter. Budapest, 17. Januar.(B. H.) Seit gestern wütet hier und in einem großen Teil Ungarns heftiges Unwetter. Der Stur m richtete an den Gebäuden großen Schaden an. Zahlreiche Unglücksfälle werden gemeldet.. Lemberg, 17. Januar.(B. H.) In ganz Galizie» herrscht kolossaler Schneefall. Die Bahnverbindungen sind teil- weise gestört, die mit Rußland vollständig unterbrochen. und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu Z Vellage». Ilt. 15. t9. Illhrglintz. l. KcilM Ks„Nmürls" Attlim DcksdlÄ. Sonnabend. l8. Ionnor 1902. LlvichskAg. 120. Sitzung vom Freitag. 17. I a u u a r 1902, u a ch>n i t t a g s 1 Uhr. Am BmidcSratstisch: Graf v. P o s a d o m S k y. Vor der Tagesordnung stellt der liatzrischc Generalmajor 1«. Endrcö gegenüber einer gestrigen Acutzerung des Herrn Abg. �Zr. Heiin fest, der bayrische Kriegsmimster habe nicht erklärt, ih!n 'ei von ciiicin Rundschreiben an die Bundesregierungen betreffend die Erhebungen über die Konsequenzen des Antrages' Nifflcr nichts bekannt, sondern habe nur erklärt, die Angelegenheit gehöre zum Ressort des Ministeriums des Innern. Der Gesetzentwurf, betreffend die Verlegung der deutsch-dänischen Grenze wird in erster und zweiter Beratnug dcbatlcloS erledigt. Nach Erledigung einiger IiechnungSsacheil folgt die Interpellation der Abgg. Albrecht»nid Genosse»: „Welche M a ff r e g e l n gedenkt der Herr Reichskanzler zn er- greife», um den folgen der tvirtfchaftlichcn KrisiS, die sich in Betricböcinschräuknngcn, Lohnkürzungen und vornehmlich i» Arbcitcrcntlaffnngcn bemerkbar machen, zn begegnen und dem dadurch hcrvorgenifcucn Notstand»vcitcr Volksschichten e»t- gegcnzmvirkcn V Staatssekretär Graf Posadowokh erklärt sich bereit, die Jnter- pellation sofort zu bcantlvortcn. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. Znbcil(Soc.): Die diesmalige Krisis ist von so bitteren Nachweheu für die Arbeiter begleitet wie keine zuvor. Der große Bankkrach hat die Krisis noch beschleunigt, gekommen wäre sie aber auf jeden Fall. Von den Einzelrcgicrnngen wird ja auch heute wieder b e- st r i t t e n, daff ein a n ff c r o r d e n t I i ch e r N o t st a n d vorhanden sei. Dasselbe geschah auch 1393, als wir ebenfalls eine Notstands- Interpellation einbrachten. Wir forderten damals eine Arbeitslosen- zählnng. Dieselbe erfolgte aber erst 1893. Trotzdem damals bereits die Konjunktur im Aufsteigen ivar, wurden doch über eine halbe Million Arbeitslose gezählt. Man hätte meinen sollen, daff diese Erfahrung die Regierung veranlaßt hätte, eine dauernde Arbcitsloscn-Statistik anfzunehmen. Davon ivar aber natürlich keine Rede. Erst nach Hereinbrechen der neiicii. viel schwereren Krisis hörte man davon, daß der Rcichskanzlcr Erhebungen über die Arbeitslosigkeit angeordnet habe. Aber w i e w i r d dabei verfahren. Der Oberpräsident von Sachsen, Herr v. Bottiche r, berief eine Konferenz von Großindustriellen, Rrgicrnngspräsidcntcu, Landräten nsw., um den Umfang der Arbeitslosigkeit festzustellen. Von den durch die Rot am meiste»» Betroffenen, den Arbeitern, wurde niemand fcfragt. Kein Vertreter der Arbeiter-Organi- a t i o n e n der großen Jndustricbezirkc Magdeburg und Halle wurde zu der Konferenz in Halle zugezogen. Natürlich tvar den Herren, die an der Konferenz teilnahmen, denn auch nichts von einem Notstand bekannt. Der Qbcr- bürgernicistcr von Halle hat sich sogar erlaubt, die Arbeiter bei dieser Gelegenheit auf daö gröblichste zu beschimpfen. Er sagte. von 2<1id in Berlin gezeigt. Auch die anständige bürgerliche Presse ist sich darüber einig, daß Kralv alle erst durch die Polizei hervorgerufen Iv n r d e n. Wenn man in Berlin die Arbeitsnachweisestellen besucht, dann findet man, daß das Verlange» nach Arbeit von Tag zu Tag zunimmt. Alle diese haben das heiße Verlangen,»venigsteus etivas Brot nach Hause bringen zu können. Leider hat sich erst die Minderheit der Arbeiter- schaff organisiert, es fehlen daher auch die Mittel zu einer gc nügenden Arbeitslosen-Statistik. Aber schon das Material der Berliner G c w c r k s cki a f t c n zeigt die ungchenrc A»S- dehnnng der Arbeitslosigkeit in Berlin. Redner geht' ausführlich ans die im„Vorwärts" veröffentlichte Aibeitslosensiatistik der Berliner Geiverkschaftskommission ein. Soweit es ihnen möglich ivar. haben ja die Gewerlschaften für ihre Arbeitslosen durch die Arbeitslosen Unterstützung gesorgt; das sind aber noch lange nicht alle, und zum' Bezug dieser Unterstützung muß der Arbeits lose vorher längere Zeit hindurch dem Verband angehört haben. Sogar von einzelnen Arbeitgebern»vird das Bestehen eines außergewöhnlichen Notstandes anerkannt. Der Koni merzienrat B u x e n st e> n, der Vorsitzende des TarifanSschusscs der Buchdrucker, hat vor einigen Tagen ein Zirkular an seine Berliner Kollegen erlassen, mit der Aufforderung, vorläufig keine Uebcr- stunde» machen zn lassen und die Arbeitszeit zu verkürzen, um die 800 augenblicklich in Berlin arbeitslosen Buch- drucker wenigstens vorübergehend bcfchäftigen zu können. Auch Herr K ü h n e m a n n, der Ihnen ja viel näher steht als uns, hat zugegeben, daß die Krisis in der M e t a I l b r a n ch e sich auch in Zukunft noch stärker als dies schon jetzt der Fall ist, bemerkbar machen»verde. Da muff man sich wirklich wundern, daß die Regierung e r st durch eine s o c i a l d e m o k r a t i s che Jnter- p e l l a t i o n aufgefordert werden muß, etwas für die Arbeitslosen zu thun.(Sehr richtig I bei den Soc.) Wenn eS sich um die Rot der Landtvirtfchaft handelt, da ist ja die Regierung sofort bereit, einen a u ff e r g e w ö h n I i ch e n Notstand anzuerkennen und dem Reichstag Vor- lagen zu machen, um dieser Not abzuhelfen. Auch bei Mißernten wurde sofort von der Negierung eingeschritten. Hier, wo es sich um Hunderttausende und«in Fainilic» handelt, da rührt sich nichts bei der Regierung und auch ans Ihrer Mitte iverden keine Antrage gestellt. Wir sind sehr begierig, welche Antwort Graf Posndowsky geben»vird. Wir verlangen in allererster Linie, daß augenblicklich Mittel bo»»» Reiche, und durch Anregung des Reiches von den Bundes- st a a t e n und durch deren Druck von den K o in u»« n e n, daß außerordentliche Mittel zur Verfügung gestellt»verde«, um der niomcntanen Not zu steuern. Sic sind immer bereit, hundert Millionen Anleihen zu»inproduk- tiven Ziv ecken zu bewilligen, auch»vir sind jetzt bereit, hundert Millionen zn betvittigen, um diese»« Notstände zu begegne«. Daun verlangen»vir auch, daß in Zukunft das,»vaS ich als zur Linderung notlvendig ausführte, geschehen muß. Ucberall müssen vom Reichstag die»veitercn Raten für Bauten belvilligt»Verden, um den' Arbeitslosen die nötige Arbeits- gelcgeiiheit zu verschaffen. Weiter verlangen»vir, um einen Barometer für den Auf- und Niedergang nuseres gesamten»virt- schaftlichen Lebens zu haben im ArbeilSministeriun», so gut»vie Sie ein Handels-, ein Landlvirtschaftliches Ministerium usw. haben. Für die weitaus größte Majorität der Bevölkerung verlangen »vir ein ArbeitSministcrinm, verlangen»vir Einrichtungen, die Sic heule schon habe», dir Errichtung eines ReichS-Arbcits- amtcS, das»viedcr in Arbeiterkammern zerfällt. Dafür ist bisher noch gar nichts gelhau»vorden, das wenige, was man t h a t. ist abgetrotzt»vorden. Das Arbeitsamt hat in erster Linie die Verpflichtung, eine fortlaufende A r b e i t s I o s e n st a t i st i k vorzimchmcn. Die Krise, die jetzt die Arbeiter betroffen hat, i st nicht die letzte. Wann die nächste Krise kommen»vird, kann niemand vorauSschcn, aber das steht fest, daß sie infolge der a n a r ch i s ch e n P r o d u k t i o n s>v c i s e»vicdcr ausbrechen m n ff. Das Reichs-Arbeitsamt muß auch fortlaufend über die Höhe der Löhne in den v c r s ch i e d e n c n G c g e n d c n des Reiches unterrichtet sein. Es muß die Organi- sntionen der Arbeiter schützen vor llcbergriffru der Polizei und der Niltcrurhmcr und den ruhigen A n s b a u dieser Organisationen ermöglichen. Man»vird ja»vvhl»viedcr den Arbeitern den Vorlvurf machen, sie hältcn in der besseren Zeit zu»vcuig gespart. Aber haben Sie denn die Arbcitcrorganisativne» tu den letzten Jahren als gleichberechtigt mit den llutnchin'crvcrbänden anerkannt? Wie sollen die Arbeiter an einen Ausbau ihrer Organi- fationcn denken, wenn durch Polizei, Staatsanwalt und ordentliche Gerichte Jahrzehnte von Gefängnis und Zuchthaus über di�e Arbeiter, die sich koalieren, verhängt»verde».(Sehr gut! bei den Socialdemokrateii.) Ja man hat sogar das PrivatvcisichcrimgSgcsctz dazu bc nutzen»vollen, um den O r g a n» s a t i o n c n' der Arbeiter S ch»v i e r i g k e i t e n in den Weg zu legen.(Hört! hört I bei den Socialdemokratc».) Weiter muff das NcichS-AibeitSamt Er Hebungen darüber anstellen, in»velchcm Maße ausländisch Arbeiter als Lohndrücker seitens der Unternchmer benutzt »verde». Wir sind international, aber das darf uuS nicht hindern, auf das schärfste dagegen zu protestieren, daß die Unter- nchmcr unter falschen Versprechungen sich billige Arbeitskräfte aus dcu» Auslände verschreibe«.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten.) Man hätte denken sollen, daff z. B. beim Bau des Teltow et Kanals angesichts der Krisis Arbeitslose vcrlv'cndct»verde»» würden.' In der That aber sind bei einem der an diesem Ann beteiligten lliiternchmer von 300 Arbeitern«iie 80 Deutsche(Hört! hört! bei den Socialdciuokrateu), bei einem andern sind ztvci Drittel der beschäftigten Arbeiter Italiener.(Hört! höit! bei den Social« demokraten.) Besonders auch die Aachener Textilindustrie leidet unter der Lohiidrückcrei der Textilarbeiter aus Holland und Belgien, die an viel schlechtere A r b c i t s b c d i ngii»gen gclvöhnt sind und jede Verbesserung der Lage der Aachener Arbeiter bisher u» möglich g c m acht habe n.— Das Reichs-ArbeitSamt muß»vcitcr die Manipulationen der Arbeitgeber scharf beobachten und die Wirkungen der Kartelle u>» d Trusts fest st c l I e u.— Wir verlangen eiiieii Maxim al-Arbeitstag für Deutschland, und ztvar, da auf die Annahme des acht- st ü n d i g e n Arbeitstages jetzt ja nicht zu rechnen ist, die Turchsührnng dcö zehiistündigei» Arbeitstages. Ein Teil der Arbeitgeber hat ja in der Zeit des wirt- schaftlichen AufschlvlnigS schon von selbst die Arbeitszeit auf neun und acht Stimdcu verkürzt.— Wir verlangen weiter das Verbot der g c>v e r b l i ch c n Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren. Graf Posadolvsky kündigte ja vor einigen Tagen einen Gcsetzeiitivnrf zur Einschränkung der Kinder arbeit an. Wir hoffen, daff es hiermit nicht so geht wie mit der Verordnung zum Schutze der Z iukh ü t t e n-A r b e i te r, deren Inkrafttreten von Jahr zu Jahr hinansgeschoben wird. Ich fürchte aber, das Gesetz»vird so lange auf sich ivarle» lassen »vie die gesetzliche Regelung des Arbcitönachivcisrö, die sich seit jetzt 17 Jahre», im Stadin»» der Erhebungei, und Ertvägnngeu befindet.— Wir verlangen des lveitcrcn eine Be- schränk»»»« der Frauenarbeit und das Verbot der Frauenarbeit in gesundheilsgefährlichen Betrieben.— Ueberhaupt fordern»vir eineii»v e i t e r e n Ausbau der A r b e i t e r s ch n tz- G e s c tz- g e b u i» g. Den» Hern» Kommerzicnrat Schlninberger war ja aller- dingS das jetzige Tempo schon viel zu schnell. Ich glaube aber, daß selbst seinen näheren Freunden seine AnSsührungcn»venig gefallen haben»verde»». Die„National Zeitung"»venigstens hat seine Rede mit»venigen Sätzen abgetha». Wenn Herr Schlninberger de» Kinderschutz für verrückt' findet, belvcist das die Höhe seiner socialpolitischcn Anschaunng, Würden Sie eine solche Behandlung ihrer Kinder dulde»? Herr Schlnm berger hat hier nur ausgesprochen,»vas alle Unternehmer denken, Ivas aber laut zu sagen sie viel zu vorsichtig sind. Darin ivcrden Sie doch mit mir eilivrrstandeii sein, daff au der heutigen Krise der Arbeiter am unschuldigsten ist. Hat die bürgerliche Gesellschaft nun nicht die Verpflichtung, Mittel zur Verfügung zu stellen, um denen, die durch die Krise ins Elend gekommen sind, zu helfen durch eine Arbcitsloscn-Untcrstützmig? ES ist eine Verpflichtung der Gesell schast, die Opfer, die sie von' der Arbeiterschaft fordert, nicht unter gehen zn lassen und dadurch, daff sie auf llntcrstütznng durch die Gemeinden aiigeivicscn sind, auch politisch rechtlos zu machen. Es ist Pflicht der Regierung, für die Opfer der kapitalistischen Prodnk tionsivcise zu sorgen. DaS hat auch die„Krcuz-Ztg." anerkannt, die vor kurzem schrieb, daß in erster Linie Mittel zur Iluterstützniig der Arbeits losen flüssig gemacht»Verden»nüssen. Auch die Herrn Heim nahe stcheudc Presse brachte einen Artikel, in dem sie ausführte, daß Iveun jeder Millionär nur 4 Proz. feines Vermögens geben würde, für eine Arbcitslosen-Ilntcrstützung 400 Millionen vorhanden wären Das Organ der Firma Krupp, die bei den Panzerplatte» 30 Millionen verdient hat, machte dcu schlechtesten Dorschlag: daß den Arbeitern, so lange sie in Arbeit stehen, ein Teil der Kranken- und Juvaliditätsgclder zurückbehalten iverden bis zum Betrage von 100 M., den Berufs genoffciischaften zur Berwallimg gegeben und erst dann ausbezahlt iverden,»venn die Arbeiter arbeitslos gclvorden sind. Andre wolle» eine Divideudcustcner als Arbeitsloscii-Iliiterstütziing einsühreii, so daff von jeder Dividende ei» bestimmter Prozentsatz als Ärbeitsloscn-Unter stiitzung verwendet»verde. Ich könnte Ihne» noch einen großen Teil der Nolstaiidsdebatteii in Deutschland anführen, in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart usiv. In erster Linie diirfcn die staatlichen Jnstitnte keine Arbeiter entlassen, soudeiii müsse» durch Der- kürznng der Arbeitszeit neue Arbeitsgelegenheit schaffen. Der sächsische Minister erklärte, daß man alle Mittel zur Versngung stellen müsse, um Hoch- und Tiefbauteu bei Eiscnbahucn anszuführcii. In erster Linie müsse für die eiitlassciicu Eisenbahuarbeiter gesorgt iverden. Leider beuten eine große Anzahl gewiffculoser lliiteriiehiner den Notstand der Arbeiterschaft aus. Früher eingeführte Verbesserungen iverden rückgängig gemacht. Ein Teil der Arbeitgeber hat Verein- baruugcn getroffen, um den Ausbruch von Streiks auf bestiminte Zeit hinaus zu verhüten. Die Arbeiterschaft tritt aber nur in Streiks ein. iveun sie sich in schlechten Lohnvcrhältnisien befindet oder Der- chlcchternngcn der Arbeitsbedingungen entgegentreten muß. Zahl- reiche Holziudnstriclle haben ihren Arbeiter» einfach gekündigt; überall ist der Willkür Thür und Thor gcösfiict. Ich habe Ihnen in kurzen Zügen auseinandergesetzt, in ivclchcm aiißerordcntlichen Notstand sich viele Kreise der Arbeiterschaft bc- rüden. An Ihnen, a» der Regierung»vird cö jetzt liegen, ob Sic zustände,»vie sie jetzt in Frankfurt a. M. bestehen, überall in Deutschland herbeiführen»vollen, oder ob Sie es als Ihre Pflicht empfinden, dem angeiiblicklichen Notstand entgegenzutreten und für die Zukunft Vorsorge zu treffen. ES liegt nicht in unsrer Geivalt, es liegt in Ihrer Geivalt, eS liegt in den Händen der Regier»»»»« und des Reichstages, Mittel und Wege ausfindig zu machen, die für die Zukunft dem außerordentlichen' Notstande eut- gegenivirken. Den huiigcrnden Arbeitern ist es, iveun sie zur Verzweiflung getrieben werden,»venu sie»vochen- und monatelang nichls zii beißen und zu brechen haben, schließlich ganz gleichgültig. »vas mit ihnen geschieht. Sie habe»» es i», der Macht, das Arnßerste zu vcrnieide«, schnell einzugreifen, schnelle Hilfe zu bringen. Die Verantwortung,»venn es nicht geschieht, tragen nicht wir, sondern diese Vcrantlvortuug tragen Sie!(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokrateii.) Staatssekretär Graf PosadolvSky: Die Interpellation geht von der Voraiissetznug ans. daß ein Notstand infolge der herrschenden Krisis besteht. Es ist deshalb nteine Pflicht, Ihnen zunächst die thatsächlichc Lage auf Grund amtlichen Materials eingehend zu schildern. Ich habe mich seiner Zeit an sämtliche Rcichsressorts und Eiiizelregicrimgeu mit der Bitte um Material über die Wirkungen derKrise gcivandt. Ans Prcilßen liegt der Bericht von Anfailg Jamiar vor. Hierhcißt eS: am stärksten ist durch die rückläufige Konjunktur die Metall-, namentlich die Eisen- brauche, solvie die M a s ch i n e>» i» d u st r i e betroffen. In gedrückter Lage befinden sich aiich die Cement-, Kohlen- und zum Teil auch die Tcxlilindnstrie. einzelne Zweige der Bekleidungs-, Papier- und Cigarrenindnstrie. Die Unternehmer zeigen sich bemüht, Arbeiter- cntlaffnngcn möglichst zn vermeiden. Die in Betracht koiumeudeil Industrie» beschäftigen überwiegend gelernte Ar- beiter und sind deshalb darauf angetviesen, ihre Arbeiterschaft auch in Zeiten schlechten Geschäftsganges festzuhalten. Sie nehmen deshalb nur im äußerste« Notfälle Arbeilcreiitlassnngen vor und vermindern die Zahl der Beschäftigte»»nr dadurch, daß sie für den regelmäßigen Abgang keinen Ersatz einstellen. Zur Aufrecht- erhalt«»«'des Betriebes iverden alle Austräge angenommen mich wenn sie ganz geringen oder gar keinen Gewinn abwerfeii: es»verde» Reparaturen vorgenommen, zn denen in der Periode des flotten Geschäftsganges keine Zeit übrig ivar. Wo Eutlasstmgcn nicht zu vermeiden sind, iverden zunächst die ausländischen nnd imverheiratelen Arbeiter entlassen. Fühlbarer als die Arbeitslosigkeit ist in eiiizelncn Bezirken das Sinke» der Löhne, die teilweise nn» 10 bis 20 Proz. l,cruntcrgega«gc>, sind. (Hört! hört! bei den Socinldcmokraten.) Trotzdem sind die jetzigen Löhne im Vergleich zu früheren Jahren nicht ungünstig. Für Berlin giebt der Polizeipräsident die Gesamtzahl der Arbeitslosen ans ca. 7300 an.(Lachen bei den Socinldcniolraten.) Dabei find allerdings alle die Personen nicht berücksichtigt, die über- Haupt niemals die feste Absicht haben, eine dauernde Arbeit vorzit- nehmen, und dann auch nicht die Saisonarbeiter. Auf wie hoch sich die Zahl der Arbeitslosen in Berlin beziffert, wenn man diese Arbeiter mit berücksichtigt, läßt sich nicht schätzen. Im Jahre 1393 »vurdcn durch die letzte RcichSstatislik für Berlin 37 000 erwerbsfähige Arbeitslose gezählt. Einen besorgniserregenden Umfang hatte also die Arbeitslosigkeit damals noch nicht angenommen. Die Angaben der andrc» Biindcsstaatcu ergeben eben« falls kein anorinalcs Bild. Ein großer Teil der Regierungen, außer Preußen, sprechen sich dahin auS, daß Arbcitcrcntlassimgen in erheblichem Umfang Überhaupt nicht stattgefnndeii� haben und auch nicht zn envartcn seien. B r a u n s ch w e i g, S a ch s e n, K o b n r g- Gotha glauben a n f E n t l a s s» n g e n für d i e n ä ch st e Z n I n n f t rechnen z n m ü s s c n. AuS dem Königreich Sachse» wird dagegen berichtet, es seien Anzeichen vorhanden, daß die Ge- schäftSlrisiS den Tiefstand erreicht habe. Auch die besonders iiiditstriereichcn Bundesstaaten bestreite» das Vorhaiidensci» eines Notstands. Jntcrcsjant ist dagegen, daß in der Landtvirt- schaft mehrfach Zlrbciterentlassnnge», stattfinde«. Dahingehende Berichte liegen z. B. aus dem Großherzogtnm Baden vor. Nur einzelne Industriezweige, die elektrotechnische, die Holzindustrie sind vom Niedergänge erfaßt, während andre zum Teil einen recht guten Geschäftsgar« aufweisen, ja einzelne sogar an Arbeiter m a n g cl leiden und Ueberstundeii cinsühren müssen. Derartige Meldungen liegen anS Sachsen-Weimar, Baden. Thüringen» vor. AuS Württemberg»vird gemeldet, daß zlvischcn den Industrien, die an Arbcitcrinangcl leiden, und denen, die Arbeilsr entlassen müssen, ein Ausgleich der Arbeiter stattgefmiden habe, so daß von einer Besorgnis erregenden Arbeitslosigkeit nicht ge» sproche» iverden kann. Dasselbe'»vird aus Lübeck berichtet,»vo insbesondere bei dem Schiffsbau und in den Emballagcfnbriken sowi«. in der Nahrungsinittcl-Jndustrie sehr g ü u st i g e V e r h ä l t n i s s e herrschen. In Hamburg sollen 2000 Abeiter mehr beschäftigt sein. als im Vorjahre. Mit de» Meldungen aus Württemberg stimmen überein Meldungen ans Sachse», Baden, Hesse», Bremen. In allen diesen Staaten kann von einen» Notstand zur Zeit nicht ge- sprochcn werde«. Der Geschäftsverkehr in den öffciitliche», Leihhäusern hat abgeiiommeu.(Lachen links.) Die Tanzlustbar- kcitc» nnd Vergnügungen sind nicht seltener getvordcn, die öffentlichen Lokale sind stark besucht.(Lachen bei den Socialdcmo» kratcu.) Nur niiS Bayer» und zwar ans den Bezirken Pfalz, Mittel- nnd Obersranken ivcrden erhebliche Arbeiterentlassnngen gemeldet. In den übrigen Bezirken Bayerns konnten nenneiislvcrte Arbeiter» eutlassnngeu veiinieden werden. AnS Badc»t tvird gemeldet, daß, so» iveit Entlassungen notwendig ivarcn, zum größten Teil die ausländischen Arbeiter entlassen wurden, ebenso in Elsaß- Lothringen. Der größte � Teil der Arbeitslose« gehört den» Baugewerbe an, in dem die Arbeiter» cntlassungen in jedem Winter in erheblichem Maße statt- finde». In anßergetvöhnlichcm Maße ist dies in diesem Winter nicht der Fall getvescn und ist auch im Frühjahr nicht zn erlvarte». Das hat j c l b'st der„B o r»v ä r t s" zugegeben. Ans Baden ivird berichtet, daß die Zahl der Arbeitslosen auf 3000 geschätzt wurde,»vährend sich in die vo» socialdemokratischcr Seite ansgelcgteir Listen, die von den letzten Tagen des Oktober bis in die ersten Tage des November nnslage»', erheblich»vcnigcr Personen als arbeitslos einzeichneten. In Frankfurt a. M. ist bisher in allen Fällen für Arbeits« gelcgeiiheit gesorgt worden, wo die Centrale für ArbeitSvermittelimg m Anspruch genommen wurde. In der städtischen Herberge für Obdachlose, die für eine große Zahl von Gästen Rainii bietet, wurden am Sonnabend mir drei Arbeiter, ein Schiihmachcr und ein Schneider angetroffen. Unter diesen Umständen hat die Stadt Fianksnrt davon abgesehen, eigentlichc NotstandSarbcitcn vorzimchinen. ES werden aber sämtliche Bauten, die im Winter zur EiiisteNung gelangen sollten, fortgesetzt, nnd es hat keinerlei Entlassung von Personal stattgefmiden. Zahlreiche Erdarbeiter werden bei Gas- anlagen und Arbeiten der elektrischen Straßenbahn beschäftigt. Ich möchte auch Beziig iichmen auf eine sehr eingehende Er« widerimg, die der Herr Abg. Fischbcck auf die Jutcrpcllation den Socialdeiuokintc» in der Berliner Stadtverordneten-Ber- sammlling als Stadtrat abgegeben hat. Danach hat die veschäfti« gimg weiblicher Personen in Berlin fortdaueiud ziigeiipinineii, es waren noch nie verhältnismäßig soviel weibliche Arbeiter in Berlin beschäftigt,»vie gerade jetzt. Die Löhne stehen nach dieser Er« klärmig des Herrn Abg. Fischbcck noch nicht so niedrig,»vie der Höchststand des Jahres 1898 ivar, das doch mitten in die Hochkoiijuiiktlir hineinfiel. In manchen Branchen liegen freilich normale Verhältnisse nicht vor. Herr Fischbcck erklärte, daß auf diesem Gebiete vielfach mit Uedertreibniigen gearbeitet»verde und führte an, daff die 1230 Hilfsarbeiter, die die Stadt für eine» Tagclohn von 2,00 M. annehmen wollte, mir gerade zusamineiigcbracht »verde» konnten. Es ivar keine Rede voi» einem Andrang, kein Ar» beiter. der sich meldete, ivnrdc zurückgewiesen.(Zurns des Abg. Singer.) ES ist freilich selbstverständlich, daff sich in solchen Der- Hältnissen die Dinge jeden Tag ändern können. Herr Fischbeck hat mir eine statistische Tabelle mitgeteilt, anö der sich, wenn ich sie recht verstehe, allerdings ergiebt, daff die Beitragszahlungen für die Berliner Krankenkassen in der letzten Zeit abgenonmien haben, was ans eine gewisse Verschlechterung der Situation schkieffen lafft. Es ist»veiter sehr wahrscheinlich, daff sich die Arbeitslosigkeit im Januar nnd Februar,>vie das alljährlich der Fall»st, noch steigern»vird. In»velchem Umfange, das hängt natürlich von der Wilterimg ab. Ich habe mich an sämtliche ReichSressort« gewandt mit der s?rage, in welchem Mahe sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mittel» in der Lage wären. Arbeit zu schaffen, denn es kommt doch jetzt nickt darauf an, neue Gesetze zu machen, sondern so schnell wie möglich Arbeit zu schaffen. sSehr richtig! b. d. Soc.> Das Reichs* Postamt hat mir geantivortet. daff die Ober-Post- direktioncn angewiesen seien, die' bewilligten Mittel so viel wie invglicb dazu zu vertvenden. alle Bauten mit Aufhören der eigeut- lichen Winterpansen in vollem Umfang fortzusetzen und ferner alles vorzubereiten, um die im Etat für 1S02 vor- geichenen Neuanlagen. sobald sie vom Reichstag belvilligt sind. alsbald in Angriff zn nehmen. Arbeiterentlassuugei� und Lohn- kürzungen haben im Betriebe der Post- und Telegraphellverwaltung und bei der Reichsdruckerei nicht stattgefunden. Herr v. Thielen hat mir in seiner Eigenschaft als Chef der Reichseisenbahnen geantivortet: Ich habe aus Anlaß der bestehen- de» Krise angeordnet, daß in der Reichseisenbahnverwaltung Arbeiter, die durch den VerkehrSnickgang entbehrlich geworden sind, gleichwohl nicht aus dem Eisenbahndienst entlassen werden sollen. Solche Personen sollen in geeigneter Weise anders beschäftigt werden und überall zum Ersatz des natürlichen Ausscheidens von Arbeitern verwendet werden. Die ständig bei der Verwalwng beschäftigten Arbeiter sollen in ihren Lohnbczügen keinerlei Wer- kiirzung erleiden. Nur bei Neueinstellunge» sind geringere als die bisher gezahlten Anfaugslöhne zu beivilligen und Lohnerhöhungen jedenfallszurückzuhalten. Alle Arbeiten sindsowcitwiemöglich zu fördern. AlleNeubauten sollenFoweit es das Wetter erlaubt, begonnen werden. Der Staatssekretär des Reichö-MarineamtS teilt mir mit. daß auf der kaiserlichen Werft in Danzig der Umbau von Seiner Majestät Schiff„Undine", der planmäßig erst im Rechnungsjahr 1S02 be- gonncn werden sollte, schon jetzt in Angriff genommen werden soll. Ans allen drei kaiserlichen Werften werden, so weit wie möglich. die Bctriebseinrichtungen für das Rechnungsjahr 1902 schon jetzt in Arbeit gegeben. Wir müssen dabei stehen bleiben, daß die Fürsorge in solchen Verbältnissen Sache der Kommunc» und Einzrlstaatcn ist. und daß das Reich nur vorgehen kann, um einem akluellen Notstand ab- znhelfcn, soweit im Etat Mittel dafür vorhanden sind. Dafür ist Sorge getroffen und ich kann nur wünschen, daß der neue Etat möglichst bald wieder zur Verabschiedung gelangt, damit wir möglichst bald wissen, über welche Mittel Ivir verfügen können und weiter, ohne das Etatsrccht zu verletzen, in dieser Weise vorgehen können. Nun noch eine allgemeine Bemerkung. Es wird mir in ver- schiedenen dieser Berichte mitgeteilt, daß sich Zeichen dafür geltend gemacht hätten, daß die Krise ihren Tiefstand im allgemeinen erreicht habe und daß, wenn jetzt nicht Bestellungen in größerem Um- fange eingingen, diese Erscheinung vielleicht auf Spekulantcnmanöveru beruhe, um die Preise zu drücken. Denn man habe die Beobachtung gemacht, daß Agenten, die Bestellungen bei den Fabriken machten, diese Bestellungen häufig als außerordentlich dringend bezeichneten, was ein Beweis für die angegebene Vermutung zu sein scheine. Man ist auf die Arbeitsloseuzählung gekommen. Diese ist eine der schwierigste» Aufgaben, die überhaupt existieren. Der ver- storbene Direktor des reichsstatistischen Amtes, Herr von Scheel, ein ausgezeichneter Nationalökonom»nid Statistiker und ein sehr vorurteilsfreier Mann, hat mir noch vor kurzer Zeit eine Denkschrift vorgelegt, in der er die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten dar- legt, die einer richtigen Arbeitslosenzähluug eingegentreten. Ein Arbeitsloser ist ein Mann, der körperlich fähig und geivillt ist, eine seinen körperlichen oder geistigen Kräften entsprechende Arbeit zu übernehmen. Alle diese Voraussetzungen statistisch zu er- fassen und festzulegen, ist eine fast unlösbare Aufgabe. Ich bin auch persönlich der Ueberzengung, daß die letzte Arbeitslosen- zählung von 1895 ein sehr anfechtbares Material darstellt: llin ein Bild von dem Stand des Arbeitsmarktes zu gewinnen, muß nian die Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Kommune» beobachten und sich ein Urteil bilden nicht unter Zuziehung der Polizei, der bei uns in Deutschland meines Erachtens viel zu viel zugemutet wird sSehr richtig I bei den Social- deniokratei», sondern unter Zuziehung von Arbeitgebern und Arbeit« nehniern. Ich habe eS bedauert, daß Abg. Bebel abfällige Worte gefunden hat für die Errichtung der arbcitsstatistischen'Abteilung im reichsstatistischen Amte. Ich halte erwartet, daß diese Maßreget auch den Beifall der socialdemokratischen Abgeordneten finden ivürde. Sie bedeutet jedenfalls eine Verbesserung des bestehenden Zu- standeS; es wird damit eine dauernde Stelle beim statistischen Amt eingerichtet, die vorzugslveise berufe» sein ivird, die Verhältnisse der Arbeiter, des Arbeilsmarktes, die Beschäftiguugs- und Lohnverhältnisse in den einzelnen Arbeitszweigen fortgesetzt zu ver- folgen und das Material der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Vielleicht wird man nach englischem Muster in kurzen Zivischenrännlen graphische Darstellungen über die Verhältnisse arif dem Arbeitsmarkt, ettoa in der Form von Kurven, veröffentlichen. Die bestehende Abfatzkrisis hat ihre ernsten Bedenken auch vom socialpolitischen Standpunkt. Aber ivoher ist diese Krisis entstanden? Bei einer steigenden Konjunktur werden kolossale Kapitalien in Neu- anlagen investiert, die aus eine vorübergehende Situation berechnet sind und selbstverständlich nicht ausgenutzt werden können, sobald die Hoch- lonjnnktur zurücktritt. Eine weitere Folge dieses Verfahrens ist, daß man durch hohe Löhlre die Arbeiter von ihrer bisherigen Arbeits- stelle, wo sie ein sicheres, dauerndes Einkommen hatten, loslöst und sie nach den großen Centrcn derJi, dustrie zieht; tvenn dann solche Krisen eintreten, dann sind die Leute arbeitslos, und es treten Zustände ein, tvie ivir sie jetzt haben. Dan» treiben die Arveiter als menschliches Plankton auf dem übervölkerten und überivirbclten Arbeits- markt umher. Man hat versucht, d i e s e A r b e i t e r a»l f das Land tvieder zurückzuführen; soweit meine Mit- teilrnigen reichen, mit eine»» recht bescheidenen Erfolg. (Sehr richtig! rechts.) Es ist nicht nur ein Zeichen der Arbeiter- bevölkeruag, sondern das geht in sehr viel höhere Kreise der Gesellschaft hinauf, daß, wer einmal die Bilder der Großstadt in sich aufgenonrmen hat. es als eine Deklassieritng betrachtet, wenn er nun auf das platte Lannd oder in eine kleine, stille Provinzstadt zurückgehen soll. Das ist die psycho- logische Seite der Frage. Es koinmt aber auch eine physische Seite hinzu. Die Arbeiter, die längere Zeit in geschlossenen Räumen gearbeitet haben, besitzen nicht mehr die körperliche Widerstandskraft. um Wind und Wetter draußen auf dem platten Lande zu ertragen. Deshalb wollen sie zun» großen Teil nicht zur alten Ar- beitsstätte zurück. Man hat eiinnak von meiner agrarischen Wrltanschanung gesprochen, aus der meine Rede zur Vcrlcidignng des Zolltarifs hervorgegangen sei. Nein, nicht aus einer agrarische», sondern aus einer socialpolitischen Weltanschauung ist dieselbe hervorgegairge». Auf der Pariser Weltausstellung ivar in plastischen Darstellungen in der deutschen Abteilung das Wachstmn der Großstädte in den letzten 20—30 Jahren demonstriert. Die»»»geheure Zunahme der Großstädte, die sich daraus ergab, ivar geradezu überraschend. Ist es aber ein erfreulicher Zustand, ivenn die Jndustriecentren ii» dieser Weise ivachsen, wenn die Bevölkerung iunner mehr sich konzentriert? Ich lvürde es für socialpolitisch richtiger»ud wertvoller halte»», wenn sich die Bevölkerung möglichst gleich»», ätzig über das ganze Land verteilt Hütte. Das kann»nan aber nicht erreiche» durch polizeiliche Maßregeln. Ich halte jrdrn Versuch, die Freizügigkeit mittelbar oder unmittelbar zu bc- schränke», für vollkommen utopisch. Das ist in unsrer Zeit der Eisenbahnen und billigen Verkehrsverhältnisse nicht»nehr»nöglich. Man»nutz dafür sorgen, daß die Arbeiter sich auf den» Lande»vieder»vohl fühlen»vie bisher, indem»nan in großartige»» Umfange mit der Anstedelung auch in andren Landesleilen Deutschlands vorgeht. Je»nehr Leuten wir eine Scholle verschaffen, desto mehr wird' es uns gelingen, durch alle diese kleinen Dänrme die Bevölkeruirg auf dem Lande zu erhalten und das Zuströmen nach den großen Jndustrie-Centren zu ver- meiden. Abg. Dr. Hahn machte der Regierung den Borwurf, sie habe Itichts gethan»im die industrielle Ueberproduktion abzumindern. Wie hätte die Regierung das w o HI anfangen sollen. Man kam, in unserer Zeit keine Maßregeln mehr ergreifen, uin die Bewegung oder die Erzeugung der Güter ein- zuschräuken, oder um die persönliche Freiheit des Eiiizelneu irgendtvie zu behindern. Auch in unserer Zeit der socialpolitischen Fürsorge muß jeder die Folgen der eignen Handlungsweise tragen. Wir können nur das dringende Ersuchen an die Industrie richte», angesichts der heutigen Erfahrungen,»vohin die Ileberprodultioti führt, recht vorsichtig in der' Errichtung neuer Anlagen zu sein. Aber, meine Herren,»vir müssen Sie auch bitten, wenn Sie zu den Arbeitern kommen, verbreiten Sie unter ihnen die Erkenntnis, daß es sehr gefährlich für sie ist, einen sichcru, wenn anch bescheidenen Arbeitsplatz zu verlassen und gelockt von hohen Löhnen in den Zeiten der Hochkonjunktur nach den Großstädten z»» ströme». Auch der Arbeiter trägt dann teiliveise die Verantivortung, wenn er arbeitslos»vird, ebenso»vie der kleine Kapitalist. der gelockt von hohen Zinsen seine sicheren Papiere verkauft und unsichere Werte erwirbt. Der Herr Vorredner hat von der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit gesprochen. Soweit Erfahrungen darüber vorliegen— allerdings sind sie»nir in einen» sehr kleinen»nd be- schränkten Gebiet gemacht—, sind sie nicht besonders ermiltigend. Es giebt Männer der Wissenschaft, die' be- Haupte», daß die Arbeitslosigkeit überhaupt nicht Gegen st and der Versicherung sein kann, iveil das Eintreten des Versicherungsfalles in so hohen» Maße von dein Willen des Versicherten selbst abhängig ist, daß»nan das Risiko nicht übernehmen kann. Immerhin will ich aiierkenuen, daß es anßer- ordentlich wolthätig»väre, wenn Mittel gefunden würden, um solchen Arbeitskrisen abzuhelfen, weil neben den Leichtsinnigen auch zahllose llnichvldige leiden. Sehr ans- einandergehende Ansichten über die Arbeitslosen- Versicherung sind in der Wissenschaft und bei den Socialisten vorbanden. Jede Arbeitslosen-Versicherring hat eine Voraussetzung, daß es nämlich gelingt, statistisch absolut korrekt die wirkliche Arbeitslosigkeit zu erfassen. Ehe wir aber— das ist meine Anschauung, ich keune die der verbündeten Regierunge» nicht— zu solchen ExpcrimeMe» schreiten,»nüssen»vir eine ganz andre statistische Grundlage dafür finden, als»vir sie jetzt bäben. Sehr zlveifclhaft würde es»nir auch erscheinen, ob»vir»ich» vielleicht viel wichtigere socialpolitische Aufgaben zu lösen haben als die Arbeitslosenversicherung,»veil sie permanente Zustände treffen,»väh- rend die Arbeitslosigkeit doch ein vorübergehender Zustand ist. Bevor aber diese Fragen näher geklärt sind, müssen energische Maßnahmen ergriffen werde», um den Notstand zu mildern, indem die Koiirmnnen ihre Kräfte hier einsetzen»md die Arbeitervereinigungen. Wenn die gewerkschaftliche» Vereine so ihre Thätigkeit auffassen, daß sie große Fonds ansainmeln, um die Arbeilslosen zu»niterstützen, dann er- kläre ich diese Thätigkeit sür segensreich»nid nützlich. Die Herren werden sich davon überzeugen, das wir in eine in Tempo in der Socialpolitik vorgehen, »vie kein andrer Staat. Anch i» dieser Session»vird Sie ei» socialpolitisches Gesetz noch beschäftigen. Fortgesetzt versuchen wir, die Lage der Arbeiterklasse z»» bessern. Die innerhalb der Etats bereitgestellte» Mittel sollen so schnell»vie möglich verbraucht»verde»,»nn Arbeit zu schaffen. Einen solchen Weg»verde» Preußen, die Einzelstaalen und die Kommunen ein- schlagen. Bei sachverständiger, genieinsainer Arbeit, bei der auch die Arbeitslosen mitwirken können, hoffen»vir über die Krisis hiuiveg- zukommen.(Bravo l rechts, NN Centrinn und bei den National- liberalen.) Auf Antrag SingerS wird die Besprechung der Jnter- pellation beschlossen. Abg. Dr. Hitze(C.): Die Arbeitslosigkeit verdient eine Erörterung auch hier. Es be- steht Not im Lande, es dringen Notrufe an uns. Deshalb können »vir der socialdemokratischen Fraktion dankbar sein, daß sie die Interpellation gestellt hat. Hätte sie es nicht gelhan, so»inirden»vir eS gethan haben. Nur aus Höflichkeit haben»vir eS unterlasse», Iveil schon in» Herbst bekannt ivar, daß die Socialdemokraten interpellicrcn würden. In» bayrischen Landtag bat ja auch meine Fraktion eine solche Jnter- pellation gestellt. Dankbar können»vir auch den» Staats- s e k r e t ä r für die Art seiner B e a n t»v o r t u n g der Interpellation sein. Nur tvill es mir erscheinen, als ob seine Berichterstatter die Krisis zu optimistisch beurteile». Ans>v elcher Zeit stamme» diese Berichte? Ich teile nicht die Auffassung, die auch Herr v. Rheinbaben ausgesprochen hat, daß wir den Höhepunkt der Krisis bereits erreicht habe». Notivendig erscheint »nir vor allein, daß»vir eine offizielle Klarstellung über den Umfang der Arbeitslosigkeit erhalten. Der Staatssekretär scheint diesen» Gedanken nicht sehr geneigt zu sei». Er hat die Ergebnisse der Arbeitslosen-Siatistik von 1895 kritisiert. Geiviß sind dabei Fehler vorgekommen. Die damalige Statistik gab unr ein A»igen- blicksbild, aber sie hat doch selbst auf socialdcmokratische Kreise gewirkt: der Glaube an das Märchen von der i» d» st r i e I l e n R e s e r v e- A r m e e ist seitdem zurückgegangen. Jetzt würde eine solche Statistik viel sorgfälliger von der Konmiiision für Arbeiterstatistik unter Zuziebling von Arbeitern und Unternehmen» vorbereitet werden. Sie müßte sich anch auf die bisher ergriffenen Mittel gegen die Arbeitslosigkeit erstrecken und so ein getreues Bild der gegemvärligcn Situation bieten. D i e Arbeitslosigkeit»virkt verheerend aus die Arbeiterklasse und alle Parteien sollten Hand in Hand gehen, um sie einzuschränken. Auf dein Wege der Armenpflege im gcivöhnlichen Sinne ist ihr nich» beizu- k o in in c n. Die Arbeiter empören sich mit Recht darüber, daß sie unverschuldete Arbeitslosigkeit mit Verlust der politischen Rechte bezahlen sollen. Wenn auch anzu erkennen ist, daß die Uuteruehincr dank der Mahiuiuge» der Ceutralbehörde jetzt rücksichtsvoller als früher bei Arbeiteientlassimge» vorgehen, empfiehlt es sich doch, daß die Komnmue» helfend eingreifen»nid Notstandsfonds gründen, ans denen die Arbeitslosen unterstützt »verden, ohne daß sie ihre politischen Rechte verliere». Es sollten Notstaiidskonnnissioucn gebildet werden, die die ganze Angelegenheit in die Hand nehmen. Anch könnten Vorschüsse aus den NotstnndSsouds gewährt werden. Manche Arbeiter würden, tvenn es ihnen wieder besser geht, den Vorschuß gern zurückzahlen. Außergewöhn« l i ch e Z u st ä n d e crfordeni außerordentliche Mittel. Die Kommunen köuucn viel thnn, Schulbantcn gerade jetzt errichten, kanalisieren usiv. Gerade jetzt sollten sie Grund und Boden er« werben»md an gemeinnützige B a u g e n o s s e n s ch a f t e» >v e i t e r geben. Straßenzüge könnten neu angelegt»verde». Aber auch' die Einzclstaaten und das Reich, näßten helfend mit Arbeit einspringen. Wir»verde»» uns den Etat dieSinal sehr genau darauf ansehen, welche Bauten sich beschlennigen lassen. Wir »nüssen erivagen.»vas augenblicklich und»vas für die Ziiknuft zu thun ist. um solche Krisen zu mildern. Der Ausbau der Arbeits- nachiveise ist eine wichtige socialpolitische Aufgabe. Das ganze Land muß mit einem N e tz v o n A r b e i t s n a ch»v e i s e n überzogen »verden, auch das platte Land. Es ist ganz falsch zu glauben, daß man die Landarbeiter verhindern kann, ihre Stelle zu wechseln. Der Abfluß von» Lande ist organisiert, aber die Zurück- flutnng nicht. Das muß nachgeholt»verde»». Es fehlt den Arbeits- nachiveise» die Organisation nach Provinzen und die Ccntralisation, das mutz nachgeholt»verde»». Die Post muß in den Dien st der Arbeitsvermittlung gestellt»verde»» mit ihren» Telephonuetz. Wie schön wäre eS, wenn in den Postgebäuden eine Nachiveisnug des Arbeitsmarktes zu finden»väre. Weiter müsse» Natnralverpfle- g», n g S st a t i o n e n für den wandernden Arbeiter ii» Ergänzung zu den Arbeitsnachweisen organisiert»verden. Eine weitere Ergänzung der Naturalverpflegungsstationen müßten die Arbeiterkolonien sein. Es ist nicht die erste' Krise und»vird nicht die letzte sein.� Marx glaubte an eine Gesetzmäßigkeit in der Wiederkehr der Krisen und führte sie zurück auf die Anarchie in der Produktion. Eine g e« »viss« Anarchie besteht, aber sie ist zu mäßige». Vor allem steigt der Äonsmn der breiten Mass« beständig. Daß Marx sich in dieser Beziehung irrte, ist nicht bloß die Anschauung bürgerlicher Gelehrter, auch Bernstein hat diese Krisentheorie auf ihren wahren Wert zurückgeführt. Herr Bebel glaubt an eine geregelte Produktion»nd Konsiimtlon in, Zukunflsstaal; er sollte doch etwas vorsichtiger sein mit seinen Prophezeiungen, das müßte ihn schon der Widerspruch in den eignen Reihen lehren. Wie soll der Bedarf der Bevölkerung vorher bestimmt»verden? Das ist doch heute nur in Gefängnissen möglich. Alle Theorien, die dahin gehen, die Konsiilntiyii zn regulieren, führen init Notivendigkeit z» einen» Zwangsstaatc.— Wir dürfen uns nicht über die Krisen mit Klagen oder Redensarieii »vie die von de» sieben fetten und sieben magere» Jahren hinweg- tänschen, sondern ninsjcn die Ursachen der Krisen untersuchen. Eineli Teil der Schuld tragen jedenfalls die Bankkrachs. Gegen ihre Wiederholung»»iß auf dem Gebiete der Gesetzgebung vorgegaugeu »verden. Weiter ist ziveifellos ei» Teil der Schuld au de» Kiiscn dem Gebahren der Syndikate und Kartelle bei- zumesse»». Anch ihre» AnSschreitiingen muß durch die Gesetz- gebung begegnet»verde»». Auf eine»veitere Ursache der Krisen hat schon Graf Posadowsky hiugeiviese». es ist die Uebcr- produklion. Uin diese für die Zukunft zu vermeiden, müßte die Produktioiisstatistil regelmäßig»veitcr fortgeführt werde», über die Zahl der Betriebe u»d der beschäftigte» Arbeiter müßte dauernd Buch geführt»verden, in, Auslände wären, Beodachtungsstationeii zu errichten. Zwei Lehre» bietet unS die jetzige KnsiS. Ersten? beweist sie die Solidarität der Interessen zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisationen. Nur in Zeiten des industriellen Aufschlvungs können die Arbeiterorganisationen sich günstig entivickeln. Zweitens lehrt uns die Krisis,' die Notivendigkeit des Schutzes der Landivirlschaft. Wir sehen hier, daß»vir nicht alles auf eine Karte setzen könnest. sondern daß die Londivirtschaft den Rückhalt der Industrie bildet. (Sehr richlig! rechts.) Ich komme»im noch kurz auf die Arbeitslosen- Versicherung. Nachdem das Deutsche Reich für die Arbeitslosig- keit infolge Krankheit, in Juvaliditä» zuerst vor audreu Staaten gesorgt hat, möge es auch an eine Versicherung der infolge mangelnder Arbeitsgelegenheit Arbeitslose» denken.— Eine solche Arbeitslosen- Unterstützung haben ja die Geiocrkvereine schon seit langer Zeit eingeführt. Wie sich diese zu einer Zivaiigsversicheruug durch de» Staat stellen, tvisseu»vir nicht. Das ist auw wieder ei» Beiveis für die Nolweiidigkeit eines Arbeitsamts. Jedenfalls müßte sich die Arbeitsloseiiuuterstützuug der Ver- schiedcuarligkeit der Berufe anpassen. Bei entsprechender Verände- riuig ihrer Organisation lömite» sich sehr gut die Beriifsgenossen- schatten dieses Versichernngszweiges annehmen. Eine Reihe von Berufs- genosienschafle», z. B. die Kiiappschafls-Berufsgenossenschaflen. bieten ohne weiteres eine geeignete Basis für die Einführinig der Arbeits- loseii-Uuterstntzimg.— Es ivar mir interessant, daß der Redner der Socialdemokratie von der Arbeitslosen-Uuterstützung nicht sprach, für die Herren Socialdemokraten scheint also die Frage noch zu v r e n z l i ch zn sein. Sie ist ja auch»och»veiiig geklärt. Natürlich könnte sich eine Kommission mit den Plänen auf diesen» Gebie» beschäfligcn. Mit deutscher Kraft, deutschem Fleiß und Goitvertrauen»verde»»vir hoffentlich die Schwierigkeiten der jetzigen Situation»iberivinden. � Abg. Gothcin(frs. Bg.): Wir glauben, daß die Arbeitslosigkeit weit größer i st, als das amtliche Material dies erscheine» läßt. Mm» vergißt bei solchen Berechnungen gewöhnlich die Ziinahine der Bevölkerung in Rechnung zu ziehen. Besonders schiuer hat ja die Krisis ans die Eisenindustrie eingctvirkt. In einen» Werke find von 3000 Arbeitern des Porjahres jetzt nur»och 1000 beschäftigt. Auch sonst haben Entlaffuiige» bis zn 5 Proz. stattgefunden. Als Ursache der Krisis gab Graf Posadowsky an, daß zn viel Kapiialie» einzelnen Jiidnstric» zugeflossen wären. Das ist doch eine etivas mechanische Auffassung. Nalingemäß wendet sich das Kapital den Industrien zu, die besonders prosperieren. Würde der Rat des Grafen Posadoivsky. das Geld viel mehr den daueriidcn Renten zu- zuführen, allgemein befolgt, so ivürde» diese natürlich sehr bald in, Zinsfuß beträchtlich sinken,»md dadurch ivürde sich»vieder die Neigung des Publikums steigern, sich höher verzinsten Industrie- papieren zuznivenden.— Daß die Krisis sich gerade in der Eiseu- industrie am meiste» bemerkbar»nacht, liegt vor allem daran, daß in Zeilen des ivirtschafilichen Aufschlvungs sich die Bahnbaute» besonders infolge des bisherigen Spariystems ganz plötzlich kolossal vermehrten. Hoffentlich sorgt die Eiieubahiivcrwaltimg dafür, daß in der jetzige», schlechlen Konjunktur die Banthätigkeit nicht wieder ganz einschläft, sondern stetig vorivärts geht. Anch die kolossale Slcigernng der Elektricitäts-Jndnstrie haite eine» enorm gesteigerten Eisen'bcdarf zur Folge. Damit ging Hand in Hand eine Steigerung des Bedarfs nn Kohlen und Erzen. Die Eisenpreise wurden stärk erhöht, nicht ohne Mitwirkung der Börse. Tie Akliengescllschafie» mußte» die günstige Konjunktur benntzen, »im die notwendigen Neuanlagen ihrer Betriebe herbeizuführen. Und damit erfolgte wiederum eine Steigerung des Verbrauchs von Eisen. Kohlen und Erze». So ging die Bewegung»vechselseitig weiter, bis schließlich der Moment der Ueberproduktion eintritt. Damit aber ist das Vertrau«» verloren. Die Finanzkrifis tritt natürlich imnier noch eher ein als die Krisis in der Industrie selbst. Die Industrie»»cht zunächst die hohen Preise des Julaudes aufrecht zu erhalte» inid die überschießenden Produkte zu»vesentlich billigeren Preisen an das Anstand abzuführen. Damit erfolgt eine Stärkung des o, isländischen Marktes, die schließiich wieder ungünstig auf den inländischen Markt einwirken mnß. Gegen den Wunsch des Abg. Bebel, daß der Staat das Monopol der K o h l e n g r>» b e n- A n s b e n t»» n g übernehme. hege ich aber die allergrößten Bedenken. Wir habe» bisher mit den Staatsmonopole» schlechte Erfahrungen gemacht. Es hat mich auch geivundert. daß grade die Konservativen sich für ei»,en Anschluß des Fiskus a» das Kohleiisyndiknt erklärt haben. Anch auf diesen Gebieten zeigen sich die ungünstigen Folge» der Schutzzoll- und der Rartcllpolilik. Es»vird auch im socialistischeu Zukiuiflsstaat nicht»nöglich sein, die ganze Produktion so festzulegen, daß sie geiiau der Äousnmtiou entspricht. Auch den Kartellen ist das>» keiner Weise ge- luugen Zur Krisis hat auch die unzeitige Sparsamkeit der Miqiielscheii Finanzpolitik beigetragen. Herr Bernstein, den»vir demnächst wohl in diesem Hause begrüße»»verde», ist geiviß auch der Meinung, daß auch der soeialistische«taat das Iliiteruehuiertum nicht durch eine gesellschaftliche Organisation wird ersetzen könne».(Zuruf bei den Socialdemokraten: Aktiengesellschaft«»!) Die verstehen es auch nicht immer I Auch iin socialistischen Zukmiftsstaat werde»»»vir nur irrende Menschen sein, und Talente»verde» nicht mehr gezüchtet werden als bisher. Ei» bedeutsames Mittel zur Beseitig»»»»g der Arbeitslosigkeit würde die alsbaldige Ausführung des M i t t e l l a» d- K a n a l s sein. Herr v. Puttkamer hat den AnSdruck»seiner Zeit" einmal mit neun Monaten ausgelegt, bei dem Grafen Biilotv tverden es vielleicht nenn Jabre oder noch länger. Jedenfalls kommt die Kanalvorlage für dies Jahr leider nicht mehr in Betracht. Herr Bebel nannte uns eine Fülle von kulturellen Aus- gaben, für die er sofort eine Milliarde bewilligen lvürde. Aber seine »eichhastige Musterkarte ist eigentlich»»omentan ohne praktische Be- drntuiig. Wir stehen auf dem Standpimkt, daß nicht nur die Kommunen nud die Einzelstaalen, sondern auch das Reich in Zeiten der Krisis die Pflicht hat, so viel tvie möglich Arbeitsgelegenheit zn schaffe». Es darf aber alles Mitleid für die Arbeitslose» uns ilicht verführen, eine ungesunde Finanzpolitik zu treiben. Für unrentable Anlage» dürfen keine Arbeiten aufgcnoniiuci» werden, aber die»uigünstige Konjunktur mnß möglichst zur Schaffung von BermögenSaulagei» veilvmidt werden, für die wir gern bereit sein werde», Mittel zn bewillige». Damit Ivird es hoffentlich gelingen, die vorübergehende Krise zu überwinden. Was sonstige socialpolitische Maßnahmen betrifft, so ist die Frage eines Maxi malarb eitStageS für unS burdjnitS biStutobcL Selbstverständlich treten wir auch fär den Schutz der gewerblichen Kinderarbeit ein. Die Frage der Arbeitslosenversicherung haben wir znm Gegenstand eines besonderen Antrags gemacht. Erfreulicherweise tritt mich bereits ein Ziirnckstrvmen der Arbeiterschaft nach dein Lande ein. Unsre Ausfuhr hat sich trotz der schlechten Zeiten günstig entwickelt. Nun ivill man durch die Zolltarif-Vorlage diese Ausfuhr gefährden; wie viel Elend und Jammer müßte dadurch entstehen! Unsre Maschinenindustrie arbeitet j heute fast nur noch für das Ausland. Im Baugewerbe wird die .j>mze Fülle der Krisis sich erst im nächsten Jahr bemerkbar machen. (Sehr richtig I bei den Svcialdemokratcn.) Das, luas den Unternehmuiigsgeist unsrer Industrie lähmt und eine Wirtschaft- liche Besserung geradezu unmöglich macht, da? ist die Unsicherheit »nsrcr handelsvolitischen Zukunft. fSehr richtig I bei den Soeial- dcmokratcn.) Das Kapital ist ja da, das Geld ist fabelhaft billig, alle Anleihen werden kolossal übergczeichnet. Aber überall fehlt das Vertrauen. Die Konservativen Ivolle» den Zolltarif so bald Ivic möglich unter Dach und Fach bringen.(Sehr richtig I rechts.) Wir sagen: sehr falsch I Viele Jndustriekreise haben eine Todes- angst vor diesem Zolltarif. Mit dem gcgcmvärtigen autonomen Tarif würde man leichter zu günstigen Handelsverträgen komme». So lauge diese Unsicherheit nicht aus der Welt geschaft wird, wird man zu keiner dauernden Besserung kommen. Es wird auch den maszgcdenden Männern der Negierung und der Einzclstaalcn eines schönen Tages im eigensten finanziellen Interesse klar werden, daß wir zu einer noch viel gefährlicheren Arbeitslosigkeit als der jetzigen koimncn, wenn tvir nicht zurückkehren zu einer gesunden Handels- Politik!(Beifall links.) Darauf vertagt sich das HauS. Präsident Graf Ballestrem: Nach der mir vorliegenden reich- haltigen Rednerliste tvird die heute abgebrochene Debatte kaum schon morgen beendet werden, sondern sich noch auf Montag ausdehnen. Ani Dienstag werde ich an erster Stelle die noch ausstehenden Wahlprüfnngen auf die Tagesordnung setze». Nächste Sitzung Sonnabend 1 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß S Uhr._ Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 17. Dezember. Dieselbe Tendenz, nur einige Grade schwächer: in diesen Satz läßt sich die Haltung der Börse während der letzten Berichtswoche im Vergleich zur ersten Woche des Januars zusammenfassen. An die Stelle der Speknlationslnst ist eine gewisse Reserve getreten. Kann zwar im ganzen die Haltung als fest gelten, so ist doch das Gc- schäft merklich stiller geworden,»nd deutlich tritt die Neigung her- vor, zunächst abzuwarten, wie sich die Wirtschaftslage ge- stallet. Durchweg läßt sich ein leichtes weiteres Än- ziehen der Kurse konstatieren, wenn es auch andrerseits nicht an kleinen Rvbröckelungen fehlte. Besonders erfuhren Eisen-, Bahn- und teilweise auch Bankaktien verschiedentlich Kurssteigerungen, während Rohlenaktien auf einlaufende Meldungen hin, daß' die Lager überfüllt seien und weitere Förderungseinschränknngen bevorständen, im ganzen zur Schwäche neigten. Ungünstig wirkte, wie sich vornehmlich am Mittwoch zeigte, auf die Haltung auch die schwache Tendenz der New Dorker Börse ein, an der die Depression andauert. Zu den verschiedeneu, im vorigen Wochenbericht erwähnten Ursachen, die auf ihre» Verkehr drücken, gesellte sich am Dienstag weiter die Zahlnngscinstellnng des amcri- tanischen Maisköuigs George Phillips, der seine Haussc-Eugage- menls auf 5 Millionen Vushels Weizen, 1,2 Millionen Bnshcls Roggen und(JOOllCO Bnshcls Mais liquidiert; ein Fallissement, da«"die Chicagocr Getreidebörse erschütterte und auch auf die Nelv Dorkcr Effektenbörse nicht ohne lähmenden Einfluß blieb. Mr. Phillips, in Firma George H. Phillips n. Eo., ivar einer der bedeutendsten Haussespekulanten Chicagos in Getreide, der aller- dnigs. wenn es ihm die Unistände ratsam erscheinen ließen, auch k la baisse spekulierte. Interessant ist, daß er nebenbei Mitarbeiter der hier von Professor R n h l a n d zur Regulierung der Gctreidcpreise herausgegebenen und von der„Deutschen Tageszeitung" angepriesenen Zeitschrift„Getreide markt" ist. Das„Berliner Tageblatt" nimmt diese Mitarbeiterschaft Phillips an dem hochagrarischen Organ zum Anlaß, um sich mit folgender Bemerkung an die agrarische Presse zu wenden:„Wir zweifeln hierbei keinen Augenblick, daß Professor Rnhland Herrn Phillips in bestem Glaube» zu Wort kommen ließ. Indes crgiebt sich daraus doch, daß Herr Rnhland in der Auswahl seiner Gcwabrs- niänncr nicht die erforderliche Vorsicht iibt, und wir möchten wohl wissen, welches Geschrei die agrarische Presse erheben würde, wen» sie einen Man» wie Phillips an die Rockschöße der liberale» Presse hängen könnte." Die in der Auslassung zum Ausdruck kommende Gcnngthnnng ist etwas übel angebracht, denn es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, welcher politischen Richtung die Mehrheit des Sp-knlantentnms beizuzählen ist, der hyperagrarische» oder derjenigen, welche das „Berliner Tageblatt" repräsentiert. Zudem aber irrt sich das Tage- blatt, wenn es annimmt, jene Agrarier, deren Interessen die Nnhlanbsche Zeitschrist vertritt, wäre» thatsnchlich gegen Gctrcidespeknlationen an sich eingenommen. Absolut nicht. Wie..Wat«rPlötz",haIte»dic meistenseincr Gesinnungsverwandten heute noch so ein bißchen Spekulieren keines- wegS für eine Sünde gegen den agrarischen Geist, und regelmäßig, tvenn im Sonimer ans Deutschland oder fremden Ländern ungünstige Sanrenstaiids-Berichte sich einstellen, zeigt sich, daß die agrarische Presse diese Meldungen mit Vergnügen kolportiert und durch über- triebene Nachrichten eigener Korrespondenten zu ergänzen sucht, und so der Hanssespekulation eine Grundlage bietet, auf der diese sich bei ihren Manipulationen zu stützen vermag. Die Vorgänge des letzten Sommers und Herbstes liefer» dafür die besten Belege. Mas der Agrarier richtiger Couleur verabscheut, sind nur die Baissespekulationen, die auf die Gctrcidcpreisc drücken. Ich glaube, es wird schwer halten, ans der„Deutschen Tages- zeitnng" ein Beispiel beizubringe», in der sie sich mit ähnlichem Grimm gegen Hansse-Operationen in Getreide ausspricht. wie gegen die Baisse-Operationen. Auch Rnhlands heftige Anklage» gegen den amerikanischen Elcvatoren-Riug laufen lediglich darauf hinaus, daß dieser im Herbst, wenn die Ablieferung der Farmer beginnt, durch die verschiedenartigsten Manöver auf den Preis zu drücken sucht; dagegen findet man bei Ruhland eine merkwürdige Sympathie sür Mr. Leiter, dem Entrepreneur des 1K98er Weizen- Corners. Also, weshalb sollte er nicht gerade Mr. Phillips als be- sonders befähigt zur Mitarbeiterschast an seiner Zeitschrist halten, da dieser doch meist a la Hausse spekuliert. Wenn er im vorigen Sommer nial das Gegenteil versuchte, war dies ja nur eine vorüber- gehende Schwäche. Ans dem Gebiete der oberrheinischen Montanindustrie wurde in den letzte» Tagen gemeldet, es wären von der dortigen Eisenindustrie Lieferungsabschliisse in dem Umfange gemacht, daß wenigstens für das laufende Quartal ziemlich Beslbästignug gesichert sei; und aus Oberschlesien kam die Nachricht, daß die in Beuthen abgehaltene Generalversammlung des oberschlesischen Roheisensyndikats cincii ansehnlichen Posten Pnddel- bczw. Marti n-Roheisen an die Bismarck- Hütte verkauft hat. Ebenso sollen die schlesischen Walzwerke für die nächsten 2—3 Monate ziemlich mit Aufträgen versehen sein. Auch an Meldungen über kleine Preiserhöhungen seitens einzelner Wer- eiiiignngen und Verbände der Eisenvranche fehlt es nicht; z.B. haben die rheinisch-tvestfälischeu Stabeisenwerke gemeinsam mit denen des Saar- und Moselgebiets eine Erhöhung des Preises um 5 Proz. beschlossen. Alle derartige Meldmigen, die von manchen kapitalistischen Blättern sogleich als Beweise sür die Wiederbelebung des Geschäfts registriert werden, haben, so erfreulich sie au und für sich sind, doch nur höchstens die Bedeutung, daß vorläufig ein Faltarbeiten inner- halb der Grenzen der letzten Wochen gesichert ist. Darin die Ansätze eines neuen Aufschwunges sehen zu wollen, heißt mehr als optimistisch urteilen; denn so schwer auch Näheres über die Art der Liefernngs- abschlüsse zu erfahren ist, so geht doch ans dem Charakter der Mit- tcilnngen deutlich hervor, daß die Aufträge eben hinreichen mögen, in der nächsten Zeit einigermaßen den Betrieb in dem reduzierten Umfang des vergangenen Quartals aufrecht zu erhalten; und vielleicht kaum dieS. Dazu aber kommt, daß es sich znm Teil um Exportaufträge zu außergewöhnlich niedrigen Preisen handelt. Immerhin könnte, käme nur die Wirtschaftslage Deutschlands allein in Betracht, in dieser vorläufigen Sicherung einer mäßigen Weiterbeschäftigung ein günstiges Zeichen dafür erblickt werden, daß der Tiefstand bereits überschritten ist. Aber die deutsche Eisen- und Stahlindustrie ist— und zwar gerade unter den jetzigen Verhältnisicn— auf den Export angewiesen! und die Wirtschaftslage der Länder, die hierfür in Betracht kommen, gestallet sich immer trüber. Rußland, das in deirletztcn Jahren ein bedeutendes Quantum der deutschen Eisenwaren- und Maschincnpcoduktion aufgenommen hat, eriveist sich stetig weniger aufnahmefähig und so lvcit dorthin exportiert wird, geschieht es durchweg zn unter den ProdnktionSkoste» stehenden Preisen, da die siidrnssische Eisenindustrie zu jedem nur HalvwegS annehmbare» Preis verkauft. Nicht viel besser steht es um den Ab- satz nach Oesterreich und selbst der englische Eisenmarkt, der im letzten halben Jahr so bedeutende Mengen deutscher Eisen- und Stahlwaren aufgenommen hat, erweist sich' als gesättigt. Die Preise für eng- lisches Roh-, Band- und Slabeiscn wie für Fertigware sind beträcht- lich zurückgegangen; neue OrdreS laufen nur spärlich ein aus vcr- schiedencn Hauptstätten der englischen Eisen- und Stahlindustrie, vornehmlich aus dem Shesfield-Distrikt, Birmingham. Manchester, Wolverhampton werden Bclricbseinschränkimgcu und die Ein- legung von Feierschichten berichtet, nur die Barrowcr Stahlwerke sollen noch für lange Zeit mit Aufträgen versehen sein. Hinzu kommt, daß trotz aller glänzenden Berichte ans Amerika auch dort die Lage der Eisen- und Stahlindustrie unsicher zu werden beginnt. Die guten Aufträge, die beispielslveise die eng- liiche Stahlindustrie bei ihren gesunkenen Preisen von dort erhoffte, sind ausgeblieben oder ganz unbeträchtlich ausgefallen. Gegenüber einer derartigen Gesamtlage des EiscmnarkteS besagt es. so erfreulich sie im einzelnen auch sein mögen, recht wenig, wenn da und dort kleinere und größere Aufträge bei deutschen Werken ein- laufen und diese» vorläufig die Fortführung der Produktion crmög- liche». Ein weit bessere?, wenn auch ebenfalls keineswegs im- trüglichcs Barometer des industriellen Wctierstandcs liefert die Ab- oder Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Konsum von Kohlen und CoakS. Von einer Abnahme der Arbeitslosigkeit in den industrielle» Bezirken ist aber bisher nichts zu verspüre», vielmehr trifft das Gegenteil zu; und waS de» Verbranch von Brcimmatcrialien betrifft, so spricht die Ueberfüllnng der Lager und die Hcraiifsetzinig der ProduktionScinschräiikuiig um circa 10 Proz. seitens deS Coals- syndikats eine deutliche Sprache, mag immerhin die milde Wilternng nicht ohne Emslnh auf den Konsum sein. In drei Tagen wird in Brüssel die Z n ck e r k o n f e r e n z wieder znsammciitretcn, um über einen Ausweg anS der Sackgaffe zn beraten, in die das zn Gunsten der Agrarier eiiigcsührtc Ansfuhrprämicn- System die interiiatioiinle Zucker- industrie gebracht hat. Nach den jüngst von einer französi- scheu landivirtschafllichen Zeitschrift veröffentlichten Mitteilungen ist unter der Hand zwischen den mcistbeteiligt-n Mächte» eine dahingehende Versinndiguiig erzielt worden, daß vorläufig die Ziickerkartelle in Deinschland und Oestreich-Nngarn bestehen bleibe». Als Kompensation hierfür soll allen übrigen an der Konvention beteiligte», Rübenziicker produzierenden Staaten gestattet werden, eine Prämie von 2 Frk. per 100 Kilogramm erzeugten Zucker zn zahlen, und ferner soll Frankreich zur Ausgleichung der imgiinstigcren Bedingung, unter denen seine Zuckerindnstrie arbeitet, das Recht erhalten, eine Extra-Prämie von 4 Frk. per 100 Kilogramm zu gewähren. Ob thatjächlich ans dieser Basis eine Berständigung zn stände kommt, ist zum mindesten zweifelhaft, und noch zweifelhafter ist. ob England zustimmen wird. ES dringt im Interesse seiner Zucker er- zeugenden Kolonien ans Abschaffung der Ausfuhrprämien, und in der gestrige» Thronrede, mit welcher der König das Parlament eröffnete, beißt es mit nicht mißznvcrstehendcr Bezugnahme ans die Brüsseler Konferenz: „Ans Einladung des Königs der Belgier ist eine internationale Konferenz zur Beratung über die Zuckerprämie» vor kurzem in Brüssel zusammciNetretcn. Ich hege die Zuversicht, ihre Entscheidung werde zum Verlassen eines Systems führen können, durch das die zuckcrerzengende» Kolonien und die Fabrikanten im Mnlterlande beim Betriebe dieses höchst wichtigen Industriezweiges in unbilliger Weise belastet worden sind." Es ist keineswegs nnwahrscheinlich, daß England, falls nicht das Prämicnsyslem fällt, dazu übergeht, nach amerikanischem Muster Ausgleichzölle ans eiiigchrndeu Prämicnzuckcr zu legen, mnsomehr, als er dadurch eine' gute Einnahmequelle zu teilwciscr Deckung seiner Kriegskosten gewinnt. Dat. Pavteigenossen iu de» Vororten! Versäumt nicht, die bis znm SO. d. M. ansliegeuden Wähler- listen zu den Gemeindcmahle» einzusehen oder durch die am Mittwoch bekanntgegebenen Partei- genossen einsehen zu lassen! Berliner Pnrtei-AttgelegeMheiten. Lese- und Disknticrklnb Eiidost. Wie alljährlich� feiert auch in diesem Jahre der Lese- und Dislutierklub Südost sein Stiftungs- s e st. Der Genosse Paul Singer hält die Festrede. Das ans- gezeichnet künstlerische Programm bürgt sür einen gcunßreichen Abend. Das Fest findet am Sonntag,' de» 19. Januar im G c- w e r k s ch a f t s h a n s e statt. EintritlSpreis pro Billct 30 Pf. Lichtenberg. Ter Wahlvercin ladet seine Mitglieder, a»f deren Erscheinen bestimmt gerechnet wird, zinn Montagabend SVe Uhr in die Bezirkslokale, deren Adressen anbei erfolge», zu einer Besprechung Über die A r b e i t S l o s e n« Z ä h l n» g niid zum Zwecke der Verteilung der„Zähler" ein. Alle Gewerk- ichastsmitglicder. mich die. welche nicht Mitglieder des Wahlvereins find,»verde» zur Mitarbeit am Orte ersucht. Die M e l d» n g e n erfolgen am Montag, de» 20. Januar, abends 8 Uhr die Ausgabe der Zählkarten am Sonntag, 20. Januar. früh 8 Uhr, bei de» Bczirkssührcrn iu folgenden Lokalen: Schilling, Mainz erstr. 5; Liittcrbüse, Friedrich Karlstr. 11; Zipter, Frankfurter Allee 181; Radke, Friedrich Karlstr. 26; Mielenz, Krön- prinzenstr. 34; Lange. Wartenbergstr. 67; Zimmermann, Rmmncls- burgerstr. 48; Häusler, Pfarrstr. 45; Franke, Wilhelnislr. 84. Eing. Jreiiestraße; Bastian, Hagenstr. 1; Finger, Dorfstr. III; Krause, Hohen-Schönhaujenerstraße. Alle Arbeiter müsse» an diesem Werke mitarbeiten. Der Vorstand. Köpenick. Sonntagmittag N/e Uhr findet im Hotel Kaiserhof eine VolkSversammliiiig für Frauen und Männer statt, in ivclchcr Stadtv. Genosse Dr. Alfred Beriistein-Berlin einen Vortrag halten wird. Da am Montag, den 20. und Dienstag, den 21. d.'M.. die Stadtverordnete»-Ersatz wähl sür den verstorbenen Genossen Fiedler stattfindet, so erscheint zahlreich in dieser Ver- sanimliiiig. AdlerShof. Die Parteigenossen iverden hierdurch aufgefordert, Einsicht in die vom 15.— 30. Januar ansliegeuden Gemeiiibc-Wahler- listen zu nehmen. Es ist zulässig, daß auch die mit der Slenerkarte versehenen Frauen der Wähler sich im Gemeinde-Bnrea» von 9 bis 3 Uhr Auskunft hierüber haben. Andernfalls ist auch Genosse Tempel. Kronprinzcnstraße, gern bereit. Einsicht zu nehmen sür Genossen, denen es an Zeit hinzu mangelt. Britz. Den Genossen zur Nachricht, daß am Montagabend 8 Uhr in PüschelS Lokal. Ehanffeestr. 97, eine B o l k S v e r f a m in- l u n g stattfindet, in welcher RcichstagS-Abgeordneter Fritz Zubeil über:„Die allgemeine politische Lage" referiert.— Diejenigen Genosse»,, welche sich an der H a n d z e t t e l» B e r t e i l u n g bc- tciligen wollen, werden ersucht, sich Sonntag früh 7 Uhr bei Weniger, Werdersir. 27, einzufinden. Stralau. Der Wahlvercin hält Soimtagnachmittag 2 Uhr bei Gnrsch seine G e»» e ra l v e r s a m in I u» g ab, in der n. a. unsre Parteigenossen ans der G e in e i n d e v e rt r e t n n g Bericht erstatten »Verden. Jedes Mitglied möge erscheinen! Pankoiv. Laut amtlicher Bekamilmachung liegen die W ä h l e r- listen ans dem Gemeinde-Amt in der Breitcnstr. 5 in der Zeit von 8—3 Uhr an den Wochentagen und am Sonntag, den 19. und 26, d. M., i n der Zeit von 9—1 Uhr im Zimmer 5 zur Ein- ficht aus. Wir ersuchen die Genossen,»vclche an den Wochenlagen keine Zeit haben, die beiden Sonntage zu benutzen, um die Liste»» einzuschei,._ Vokcrles. Die Volksbersaniniliing, Ivelche, tvie wir mehrfach angekündigt haben, Soimtagvormitiag 11 Uhr im F e e n p a l a st abgehalten »verde» sollte, darf laut einer polizeilichen Anördnung zu dieser Stunde nicht stattfinden und kann erst mittags z»v ö l f Uhr eröffnet »verde». Maßgebend für diese Verfügung ist die be- kannte Verfrommungs- Ordnung vom 19. März 1898, laut»velcher öffentliche Versammlnngen Sonntags erst nach Beendigung des HmiptgotteSdiensteS, also erst von 12 Uhr an stattfinden dürfen. Diese Bestimmung der VerfromiiinngS- Verordnung ist aber iiciicrdiiigs durch zivei KmmnergerichtS- Entscheidimgen vom 22. April und 5. November vorigen Jahres für ungültig erklärt»vordcn. Trotz alledem beharrt das Polizei- Präsidium ans seinem alten Standpnukt und müht sich durch Verbote um die Anfrechterhaltung dieser durch das höchste Gericht in Preußen für haltlos und gesetzwidrig erklärten Verordnung. In einem Streitverfahren, das von unsiein Parteigenossen W» n s ch eingeleitet wurde, soll dem- nächst das Ober-VerwaltungSgericht über Gültigkeit und Ungültigkeit jener Verordnung entscheiden. Harmoniert dieser Entscheid nicht mit dem des Kanunergerichts, so»vird daS Reichsgericht zu sprechen haben. Daß ein solches Verfahren,»vie es hier von der Berliner Polizei- behorde beliebt»oird, geeignet ist, die Achtung vor der Autorität deS Gesetzes zu heben,»vird keiner behaupten»vollen. Vorab bleibt uns aber nichts übrig, als unS der Gewalt der Polizeibehörde zu siigen, doch»verde» die Parteigenossen und Genossinnen durch einen imposanten Besuch der Ver- sammln ng im Feenpalast zeigen,»vie sie über jene Maßnahme der Behörde denken. Bekanntlich spricht unser Parteigenosse August Bebel über stehendes Heer und Vollsheer mit besonderer Berück- sichtignng des Bocrcnkrieges. In den bridcn Kirchcnba»- Prozesse» der Sladtgemeinde Berlin wider die St. Simeons- und die Smiiariter-Kircheiigemeinds hat daS Kammergericht nach eine lveiterc Belveisanfnahiiie. Haupt- sächlich durch Vorlegung städtischer Nechiiiinge» beschlossen, welche ergeben, daß immer mir die dem Magistrat als Patron obliegenden Zahlungen geleistet worden sind. Ein neuer Termin soll am 22. April ds. IS. statlfinden. Es ist hieraus ersichtlich, daß das Kammergericht die Beweisanfnahine über die städlischerseits behauptete Lokalobservanz für erheblich hält. AnS der gestrige» MagistratSsitznng. Die Etaisbcratnnge» nahmen wieder, tvie in den letzten Sitzungen, gerannie Zeit in An- sprncki. Angeiisiiiiiieii, wenn mich mit einigen Aenderungen,»viirdeii die Etats der Waiseiiverwaltmig, für die Berliner Feuerwehr und die örtliche Etaßeni'anpolizei. Letzterer zeigt keine Einnahmen, sondern weist mir Ausgaben nach. Diese belaufen sich im ganzen ans 69 335 M. Der Etat deS Feuerlöschwesens schließt in Einiiahnie ab mit 989 350 M. und in Ausgabe mit 6 667 762 M. Der Zuschuß belauft sich danach auf 5 678 412 M. oder auf 64 929 M. mehr als im laufenden Etat. In der Eimiahme finden sich 040 000 M.. die von der städtischen Fenersocietät alS Beitrag zu den Kosten der Feuerwehr zu zahlen sind, eS sind dies 70 000 M. mehr als im Vor- jähre. Ferner Ivnrde beschlossen, die Stelle des Subdirektors der städtischen Gaswerke mit dem MagistratSnsseffor Krause zu besetzen und diesen der Stadiverordiicten-Verfaminlung zn präsentieren. Z» der Verhaftung des Rechtsanwaltes»nd Notars Gustav Flato»,' Iverden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt. Die Ermittelungen haben ergeben, daß der Ziisammcnbriich ans über- mäßigen Amwaiid in der Famile zurückzuführen ist, während der Vcrhaftcie für seine Person sehr bcichciden lebte, Ilm billiger zn wohiien, verlegte Flatow vor zivei Jahren sein Bnrea» nach der Kronenstraße und mietete eine Privatlvohuung in der Königgrätzcr- .ftraße 67. Schon damals stand eS schlecht mit ihm. Sein Bnremi- Vorsteher, der zehn Jahre bei ihm lhätig ist, hatte schon ein volles Jahr sein Gehalt nicht bckomnicn und' sogar einen Vorschuß zur Miete gegeben. Trotzdem verlangte Frau Flatoiv für die iiciic Wohimng allerhand Anschaffungen, gab große Gesellschaften und machte kostspielige Reisen. Es konnte ihr nicht hoch genug hergehen. Unterdessen legte der schivache Mann sich alle' möglichen Be- sÄräiikniigeii ans. Oft mußte er sich vom Vnrcaiivorstcher einige Groschen leihen, wenn er zum Termin ging. Häufig genug sah man ihn bei Aschinger ein Brötchen essen. Von Mandanten, die keine Vorschüsse leistete», wurden schon längere Zeit keine Aufträge mehr angenonimeii. und verlor jemand, so wurde eS ihm schwer, einen etwaigen Rest seines Vorschusses wieder zu bckoiiinicii. Die Mündelgelder wurde» vom Buremivorsteher sämllich ordnmigSmäßig gebucht, die Anlage aber behielt der Notar sich selbst vor. so daß der Biireanvorstcher über ihren Verbleib nichts ivnßte. Seit Montag erschien Flatow nicht mehr im Bureau, erledigte aber noch mehrere Aiigelegenheitcn durch Fern- gesprnche mit seinem Bnreauvorsteher. Am Mittwoch hörte auch das ans. nachdem am Dienstagabend ztvei Briefe von der Hand deS Anwalts im Burean abgegeben Ivordc» waren. Der eine Brief war an Frau Flatoiv gerichtet, in dem andren gestand Flatow dem Burcanvoi sicher scinc ganze Schuld und beauftragte ihn, dem Land- gerichrspräsibcntenl Anzeige zn machen. Dieser benachrichtigte sofort die Staatsainvaltichaft und die Kriminalpolizei. Kriminalbeamte diirchsnchteii die Burcanräinne, beschlagnahmten die GeschnftZbücher und verschlossen das Vrivatziniuier des Anwalts im Bnrea». Nack» den bisherigen Erniittelnngeil belaufe» sich die Unterichlaginigeii auf 80 000 Mark. Der Bilreauvorsteher hat seit sieben Monaten kein Gehalt bekommen und ans V« Jahr die Bnreauinicie ans seiner Tasche bezahlt. Die übrigen Angestellten kommen»n» ein Monatsgehalt. Deckung ist für den Fehlbetrag nicht voichande». Die lanfeiideii Austrage übernimmt ein vom Gericht bestellter Substitut, um sie zu Ende zu führe». Frau Flatow erkundigte sich auf Grund des Abschiedsbrieses,»ach dem ihr Mann sich erschießen wollte, als- bald nach der Lebensversichernngs-Police, konnte sie aber nicht bc- kommen, da sie verpfändet ist. Herr Stadtverordneter Friebmann ersucht uns um Auf- nähme folgender Znschrist: In dem Bericht über die letzte Sitzung der Stadtverordncien-Versammliiiig ist anS der von mir gehaltenen Rede berichtet, eS würden sich Personc» ans Furcht, das Wahlrecht zu verlieren, von der Anfsuchnng des Krankenhauses zurückhalten lassen. Es ist jedoch in den Bericht niibt meine Bcinerkiiiig anj- genoinmeii. daß diejenigen, die unter VoranSsetznng der Bcsliinniiuiqei» des A. L.-R., des SanitälSrcgleinentS von 1835:c. und des Reichs- Senchengesetzes ins Krankenhaus mifgeiiommen werden, nicht das Wahlrecht verlieren, da die dadurch entstehenden Kosten polizeiliche Koste» und nicht Armenkostc» find. Ich lege hierauf besonderes Gewicht, weil hierdurch ein Weg gezeigt tvird, solchen Personen das Wahlrecht zu erhalten, deren Anfmihine in ein Krankeuhaiis ans Grund der gesetzlichen Bestimmmigcn:c, notwendig ist. Die Acrzte müßten hierauf besonders hinwirken. Ranfhänbcl. An ein in der Jimgfernheide anSgelrageneS Pistvleuducll crninerte eine Verhaiidlinig, die gestern vor der Straf- kammer iu Kiel stattfand. Wegen Zweikampses mit tödtlichen Waffe» tont der Dr. med. Joachim Jäbi von der dortigen psychiatrischen Klinik aiigcklagt. Dr. I. hatte gelegentlich seines Berliner Aufenthalts das in einem hiesigen Ncstanrant von dein Dr. meä. R. gebrauchte Wort„llnvcrschämtheit" ans sich bezogen und dem angeblichen Be- leidiger die Karte abgefordert. Bei dessen Weigerung versetzte er ihm eine Ohrfeige. Die Folge davon lvar eine Hcransforderung zum Ziveikampf, der am andren Morgen in der Jungfernheide bei Berlin ansgcfochicn ivnrde. Die Bedingungen lauteten auf zehn Schritt Distanz und dreimaligen Kugelwechsel. Schon beim ersten Gange wurde Dr. Jäbi durch einen Schutz in den rechten Oberschenkel kampfunfähig gemacht; er lvar infolge der Verwundung zlvci Monate an das Krankenlager gefesselt. Der Angeklagte wurde jetzt nach dem Antrage des Staatsanwalts zur Mindcststrafe von drei Monaten Festungshaft verurteilt, und zwar mit Rücksicht darauf, datz er durch die ihm zugefügte Verletzung schon erheblich gestraft sei. Sein Gegner, Dr. R., der bei dem Ehrenhandel ohne Verletzung davonkam, ist inzwischen vom Kriegsgericht zu drei Monaten und einem Tag Festung verurteilt worden. Die entlassenen Beamte» der Preußischen Hypothekenbank haben, wie ein hiesiges Blatt mitteilt, an den Kaiser eine Petition i» Sachen des ehemaligen Pensionsfonds dieser Beamten gerichtet. Der Fonds, der eine halbe Million Mark beträgt, ist im Laufe von 26 Jahren u. a. auch von der Mehrzahl der entlassenen Beamten gesaimnelt worden. Diese verlangen nun, datz ihnen lvcnigstens ein Teil des Fzlnhs zu gute komme. Die Bank verweigert dies; die Beamten srnd nunmehr in erster Instanz mit ihrer Klage zurück- gewiesen worden. Aus diesem Anlah haben sie die Vermittelnng des Kaisers nachgesucht. Auch wird die Angelegenheit im Abgeordiieteu- Hanse zur Sprache gebracht werden. Ein gut Teil Aberglanbe steckt noch in der Berliner Bcvölke- riing. Das ist u. a. bei dem Geschäftsbetriebe der Anstalten des T i e r s ch u tz V e r e i ii s zu erkennen. Dieser Tage erschien in dem Depot An der Stadtbahn eine Frau, die drei Tropfen Blut von einem kohlrabenschwarze» Hunde kaufen wollte, weil solche angeblich einem kranken Mann verordnet seien. Ebenda wollte ein Maiin den Kadaver eines Hundes erwerben, der jedoch nicht durch Gift getötet, sondern aufgehängt worden sei. Ein sehr begehrter Artikel bei der abergläubischen Bevölkerung der Rcichshauptstadt scheint„Hundefctt" zu sein, das fast täglich in den Anstalten gefordert wird. Es soll angeblich ein Universalmittel gegen die Lungenschwindsucht bilden. Mit einer weitzen Katze, die in der Mittcrnachtsstnnde getötet werden sollte, wollte eine Frau Schätze entdecke». Datz auch Esel glück- bringende Tiere sind, konnten die Angestellten des Depots An der Stadtbahn durch Käufer von Langohren erfahren, die lediglich aus diesem Grunde ihre Ziehhunde durch Esel ersetzen wollten. Bei einer Treibjagd ivnrde gestern der zwölfjährige Sohn Paul des Eigentümers Friedrich aus Beetz durch Schntzwunden verletzt. Der Aermste erhielt von einem Berliner Sonntagsjäger. der den Schlich der Hasenjagd mitmachen wollte, eine volle Schrot- ladnng in den Rücken und wurde so schwer verwundet, daß man ihn nach Berlin in ein Krankenhaus bringe» nintzte. Ob der arme Knabe Treiberdienste hat verrichten müssen, statt die Schule zu suchen? Zwei diebische Brüder, die gemeinsam„arbeiteten", wurden von der Kriminalpolizei festgenommen. Ernst und Wilhelm Neutsch besuchten zusammen Geschäfte mit flottem Verkehr. Wahrend der eine den Verkäufer auf irgend eine Weise beschäftigte, stahl der andre, der bereits eine Kleinigkeit gekauft hatte, was er bekommen konnte und entfernte sich mit der Beute. In einem Cigarrcngcschäft merkte der Verkäufer den Diebstahl alsbald nach dem Weggang der Kunden und verfolgte diese, bis sie sich trennten. Einer der Brüder hatte nu» das Pech, datz er sich verirrte und an dem Geschäft wieder vorbeikam. Hierbei erwischte man ihn, und die Kriminalpolizei er- mittclte und verhaftete auch den andern. Beide wurden gestern, Freitag, nach Moabit in Untersuchungshaft gebracht. Das Spielen mit Feuer hat dem 10jährigen Sohn Willy des Arbeiters Gerlach ans der Jagowstratze das Leben gekostet. Der Knabe füllte, während die Eltern nicht zu Hause' waren, eine Cigarcttenschachtel mit Spiritus und zündete diesen an. Nun hatte er das Unglück, die Schachtel vom Tische zu stotzen, so datz sich ihm der breimendc Spiritus über den Körper ergötz und seine Kleider in Brand setzte. Bevor ihm auf sein Hilfcgeschrei Hausgenossen bei- springen konnten, war er bereits mit Brandwunden bedeckt. Nach niehrwöchigem Schmerzenslager starb er jetzt im Moabiter Kranken- Hause. Bei der Arbeit tödlich bernngliickt ist am Donnerstag der 41 Jahre alte Maschinenmeister Karl Heuschober aus der Orauicn- stratze 83, der in der Papicrwarcnfabrik von Wahrburg in der Alten Jakobstrahe 24 beschäftigt war. Der Man» geriet durch eigne Unvorsichtigkeit in das Getriebe einer Stcindruckinaschine, deren Schlitten ihm den Schädel eindrückte, so datz er auf der Stelle verschied. Zn der Angelegenheit des wegen SittlichkeitSverbrcchens ver- hafteten Walter Zahn in Schöneberg, worüber wir zuletzt am Sonn- tag berichteten, teilt uns der Vater des unglücklichen Geisteskranken mit, datz er keine sittliche Verfehlung begangen habe und auch nicht krank sei. Feuerbericht. Freitagnachmiltag kurz nach 4 Uhr wurden infolge mehrfacher Meldiniq vier Löschzüge nach der Scbastianstr. 62 gerufen, wo in einem Keller sich Prctzkohlen entzündet hatten. Es lvurde kurze Zeit Wasser gegeben, worauf die Kohlen nmgcschichlet wurden. Freitag früh gegen 3 Uhr hatten in der Wilsnackerstr. 17 Betten und Kleidnngsstücke in einer Wohnung Feuer gefangen. Es gelang indes, den Brand im Keime zu ersticken. Kurz vorher mutzte in der Lützowstr. 3 ein Brand gelöscht werden, der den Fntzbodcn und die Balkenlage ergriffen halte. Donncrstagnachinittag 2 Uhr hatte sich in der Rittcrstr. 23 in einem Miistcrlagcr Celluloid entzündet, doch konnte das dadurch entstandene Feuer noch auf seinen Herd beschränkt werden. In der PotSdamerstr. Sg ging nachmittags 4 Uhr ein Korb mit Kleidungsstücken in Flammen auf. Auch in der WinSstr. 13 brannten abends 8 Uhr Betten, Möbel und Klcidiings- stücke. Antzerdem erfolgten noch Alarmierungen nach der Nencn Hoch- stratze 62 und Brnckenstr. 7, wo eS sich jedoch um unbedeutende An- lässe handelte. Arbeiter- BildungSschnle. Wir machen nochmals auf daS heute abend im„Böhmischen Brauhaus", Landsberger Allee 11—13, stattfindende S t i f t u n g s f e st aufmerksam. Das uns vorliegende Programm bietet dem Besucher einen künstlerischen Genntz, ivie man ihn schon deS öfter» bei andern Veranstaltungen der Schule gehabt hat. Ein volles Hans darf wohl erwartet werden. Die Teil- uehuicr wollen sich zeitig mit Billcts versehen, da offene Kasse nicht stattfindet, und pünktlich zur Stelle sein, da bei Beginn die Saalthüren geschlossen werden. Die homöopathische Poliklinik von Dr. moä. Schaper wird täglich abends 7-8 Uhr Oranienburgerstr. 65 abgehalten. Orgelkonzert. Frl. Hedwig Schiefer, Fr. Sanitätsrat Dr. Mnschold, Hr. Fr. Noack, Miß Mary Norris, Violinistin, Hr. Rob. Schwießelmann und der a capella-Ghor unter Leitung von Hrn. Paul Schärf unterstützen den Orgelvortrag des Musikdirektors Otto Dienel in der Marienkirche am Montag, den 20. Januar, abends 7V« Uhr. Der Eintritt ist frei. Frühlingstage an der Niviera, der neue, mit farbigen Bildern und Wandclpanorameii ausgestattete Vortrag der Urania führt den Zuschauer vom Anhalter Bahnhos auS durch � die schneebedeckte märkische Landschaft hinweg zu den sonnigen Gestaden des Mittelmeeres. Man sieht die zauber- haften Orte der Riviera, bewundert die üppige Pflanzenwelt und daS schöne blaue Meer, ergötzt sich an dem heiteren Leben und Tretben in Nizza und schaut in die Spielsäle von Monte Carlo. AliS de» Siachbarorte». Die Charlottenburger Armenvcrwaltnng hat infolge des autzerordeiilllche» Anwachsens der Zahl der obdachlos werden- den Familien im Herbst 1001 mit Iluterstützuiig der Polizei- direkliou bezüglich der Ende September 1901 in den städtische» ' Verantwortlicher Rcdaclcur: Carl Leid in Bert Unterkunftsräuttien befindlichen 86 Familien Erhebungen darüber veranstaltet, ans welcher Wohnung die Obdachlosen i» die Fürsorge der Stadt übergegangen sind, wer jetzt in diesen Wohnungen wohnt, welcher Mictsbctrag von den früheren nnd den neuen Mietern gezahlt wird, von wo die'Nenzngezogciien zur Anmeldung gelangt sind, seit wann die zur Zeit im Obdach befindlichen Personen in Charlotten- bürg wohnen und woher sie gekommen sind. Leider fehlt die sehr wichtige Frage nach dem Grunde der Obdachlosigkeit, aber auch so ist das Ergebnis nicht ohne Interesse. Von den obdach- losen HaushaltmigSvorsiäiidcn wohnten nur zwei weniger als zwei Jahre in Charlottenbiirg. 10 zivei bis ftinf Jahre, 27 sechs bis zehn Jahre. 10 elf bis fünfzehn Jahre und 28 über fünfzehn Jahre. Aus Charlottenbiirg gebürtig waren 11; zugezogen waren aus Berlin und den übrigen Vororten 21, ans Spandau 7, ans andren Orten 33, während es von 9 Personen uiibckaunt ist, woher sie zugezogen sind. Die durch die Aufnahme der Haushaltuiigsvorftäiide in die städtischen Uiiterkunftsränine frei gewordenen Miets- Wohnungen wurden vermietet an HaushaltniigSvorstäiide, die zugezogen waren aus einer andren in Charlottenbiirg iiiuegchabtcii Wohnung in 70, aus Berlin und näheren Vororten in'3, aus andren Orten in 5, unbekannt in 3 Fällen. Von den leergewordencn Wohnungen wurden 2 wegen Umbau, je eine tvegcn Errichtung einer Werkstatt, wegen Abbruchs des Hauses nicht mehr bezogen, eine blieb leer stehen. Von den obdachlosen Haushaltungsvorständc» waren 42 Arbeiter, 11 Witwen, 19 cheverlaffeue Frauen, je 1 Klempner, Kutscher, Schlosser und Steinsetzer, 2 Schuhmacher und 7 Maurer. Die Steigerung der Wohnungsmietcn gegenüber den bisher bezahlten Mieten betrug für die neuen Mieten in 8 Fällen 1 bis 6 Proz., in 7 Fällen 6 bis 10 Proz., in 20 Fällen II bis 20 Proz. und in 12 Fällen über 20 Proz., während in 27 Fällen keine Steigerung. in 2 Fällen eine Herabsetzung um 9 bczichungs- weise 26 Proz. eintrat. Die Rixdorfcr Stadtverordnetenpersaiiimlung hatte in ihrer Sitzmig vom letzten Donnerstag zn entscheiden über eine Vor- läge des Magistrats, betreffend das Ausscheiden eines b e- söldeten' Magistrats Mitgliedes und die Neu- besetz« ng der Stelle. Es handelte sich um den Stadtrat Granier. Der Magistrat beantragt:„Die Versammlung möge sich damit ciiiverstaildeii erklären, datz der Stadtrat Granier sein Amt als besoldeter Stadtrat am 31. März d. I. niederlegt. Zweitens möge das Gehalt der Stelle wie bisher auf 5800 M. jährlich, steigend voll drei zn drei Jahre» um je 400 M. bis zum Höchstbctrage von 7000 M., festgesetzt iverdeu. Und drittens möge die Versammlung beschlietzen, eine Neuivahl mit möglichster Beschleunigung vorzu- nehmen und im Falle der Nusschreibniig die Festsetzung der Be- dingunge» derselben dem Wahlansschntz geincinsani mit einem vom Magistrat eingesetzten AuSschutz zn übertrogen." Begriindeud führte der Magistrat noch aus: Die Vertretung deS Stadtrats Granier sder bekanntlich von der AinISführmig suspendiert ist) Ivcrde vorläufig Kosten nicht verursachen, da aber die Vertretung bei der jetzigen Geschäftsbelastiing der Deccriiente» des Magislrais erhebliche Schivicrigkeilen bereite, so bitte der Magistrat, die Neuwahl möglichst zu bcschlelluigen. Das dem Stadtrat Granier gewährte Gehalt halte der Magistrat auch bei der Neiibesctzuug der Stelle für an- geniesien. Im übrigen ivcrde cS sich enipfeylen, die AuftelluiigS- vcdingungcn»ach Beratung in einem Ausschusse, zu welchem der Magistrat die beiden Bürgermeister und den Stadtrat Bürkncr deputiert bat, fcstznstelleu. Die Stadtverordiieten-Versaminlung stimmte in nichtöffentlicher Sitzung dem Antrage des Magistrats zu und beschlotz, den Wahl- ausschütz für den fraglichen Zweck zu verstärken. Von de» Social- dcmokraten wurden Dr. Silbcrsteiu und Wutzki i» den Ausschuß hincindelegiert. Im Äiischlutz an die Plcnarsitznng fand gleich eine Sitzung des verstärkten Wahlausschusses statt. Man beschlotz, die Stellung des besoldeten Stadtrats auszuschreiben. R»ö Rixdorf berichtet man lins: Dem Genossen BoeSke ist von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt worden, datz das gegen ihn eingeleitete Strasverfahrcn wegen Gotteslästerung, welche er i» einer Versammlung in Britz gethan haben soll, e i n g e st e l l t worden ist. Von der Freie» Bühne in Friedenau. Das alte Unglück der Auffühnmg von Dramen verkaiintcr Genies zieht sich wieder über Berliii zusammen. Früher brachte Herr Direktor Sniiist in seinem Friedrich- Wilhelinslädlischen Theater die Geistesprodukte solcher Alitoren auf die Bretter, denen es ans dem normalen Wege zur Unsterblichkeit nicht schnell genug ging. Herr Samst vollzog dabei recht feinsinnig eine AnSlesc, indem er seine Premierenbühne nur mit dem Geiste solcher Schriftsteller zierte, die talentvoll genug waren, den nötigen Vorschntz und noch einiges dazu für die Kosten der Aufführung zu blechen. Nach welchen Priiicipien der„Deutsche Urhebervcrcin" in diesem Pniikt verfährt, der gestern das Fnedeiianer Schauspielhaus gepachtet hatte, wissen wir nicht. Das eine aber ergab die vorgestrige Aufführung des modernen Dramas„lieber ihre Kraft", das von Herrn Louis Wolff- Kassel gedichtet war, datz die genannte Organisation in der Auf- findung von Talenten sich mit Herrn Samst vollauf messen kau». Es war gar viel, was der durch frühere Dramen schon beinahe be- rühmt gewordene Autor seinen Helden, eine» entlassenen Straf- gefangenen an Qualen zumutete, nnd nicht minder schlimm war das Leiden, das die Ziischancr sowohl vom Drama selbst, als von der unverzeihlichen Anfführinig ausziisteheii hatten. nnd Ivos nnö zum dritten leid that,>var noch ein Fräulein Oberhäuser, das einzige Wesen ans der Bühne, das sich dem Autor und der Kollcgcnschaft zum Trotz einer natürlichen Sprechiveise beflcitzigtc »lid ünerinüdlich in dem Streben ivar, eine verzeichnete Rolle ver- ständig darziistcllcii. Möge die Theatcrgesellschaft„Deutscher Ur- hcbervcrein" Hinsort Dramen anfsnhren so viel sie wolle. Aber sie soll sich bescheiden, ivie dies die andren Liebhabcrthcater auch thun, »nd die Oeffentlichkeit in Ruhe lassen. Gevutzks-'Äetktmg. Einer bekannten Polizctplalkerei, die namentlich Arbeiter- vereinen gegenüber sehr beliebt war, ist durch Urteil des Kammer- gerichiS ein Ende gemacht worden. Der scialdcmolratische Wahlverein zu S ch m a r g e n d o r f bei Berlin, hielt am 1. Mai 1901 seine Maifeier im Lokal deS Herr» E b e r t in Schinargendorf ab. Der Vorsitzende hatte für den Abend eine öffentliche Versa»>mlung angemeldet, diese fand aber mangels eines Referenten nicht statt. Dafür amüsierten sich etiva 60 Mit- glieder des Wahlvereiiis mit ihren Angehörigen beim Tanze. Der Vorsitzende des Vereins sowohl wie der Gastwirt Ebert ivurden darauf beschuldigt, den§ 4 Absatz 2 der Regierungsverordnung vom 14. Juni 1892 übertreten zn haben, wonach Tanzvergnügungen ge- s ch l o s s e n e r Gesellschaften der OrtSpolizeibchörde angezeigt werden muffen. Die Angeklagten wurden da»» auch zn Geldstrafen verurteilt. Gegen das Urteil deS Landgerichts II als der Beriifinigs- instanz legte nnn Gastwirt Ebert Revision ein. Der Strafsenat des K a in m c r g e r i ch ts gab dem Rechtsmittel statt, hob die Voreiitscheidnng auf nnd sprach Ebert mit folgender Begründmig frei: Der Angeklagte sei einer strafbaren Uebertretung der Ober-Präsidialvcrordinmg vom 17. Jiiiii 1892 nicht schuldig. ES könne dahingestellt bleiben, ob der Angeklagte a l s d e r G a st lv i r t, der sein Lokal einer ge- schlossenen Gesellschaft nberlietz, nach Z 4 Abs. 2 verantwortlich sei, denn die fragliche Bestimmung sei überhaupt rechtsungültig. Nach dem Sinne und der Entstehungsgeschichte deS§ 6 des Polizei- Verwaltungsgesetzes sei die Polizei nur beftlgt, in Polizei- Verordnungen ausschlietzlich öffentliche Interessen wahr- zunehmen. Jeder Eingriff in die Privat-Jnter- esse» habe ihr versagt werden solle». Bier- und Kaffeewirtschaften»nterlägen dem Polizei- Verordnungsrecht nur insoivcit, als sie dem Publikum offen ständen. Dies Recht höre ii Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck uni auf, wenn der Raum einer Privatgesellschaft vermietet sei. Es wäre darum§ 4 Absatz 2 der angezogenen Verordnung soweit rechtsungültig, als er für Tanzlustbarkeiten geschlossener Gesellschaften in öffentlichen oder Privatlokalcn eine Anzeige bei der Ortspolizcibehörde verlange. Unter der Anklage der Nötigung und des gemeiiischaftlilhen HansfriedeiisbrnchS standen gestern der Hausbesitzer F o«i ni, der HauSberivalter G o l d b a ch und der Schlosser Dieckmann vor der ersten Strafkammer deS Landgerichts I. Eine Frau Rchfeld hatte zum 1. ONober v. I. in dem' Fonnnschen Hanse in der Kur« fürstensiratze eine Wohnung von sieben Ziimneni zum Preise von 2200 Mark gemietet. Wie sie angab, wollte sie ei» Pciisionat einrichten. Als sie am 1. Oktober einzog, hatte sie mir»oldürftig Möbel für zwei Ziminer. Die versprochene VoranSbezahliing der Vierteljahrsmicte erfolgte auch nicht, nnd als der Venvaltcr dicserhalb drängte, erklärte die Mieterin, datz sie nicht eher zahlen würde, bevor ver« schiedcne Ausbcsscrnngen in ihrer Wohming vorgenomnicn seien, deren Ansführnng sie vom Wirt beaiispnichte. Dem letzteren kam die Sache bedenklich vor, er zog über die neue Mieterin Erkiuidiginigen ein. Er erfnbr, datz sie häufig die Wohnnng wechsele nnd bereits zweimal exmittiert sei. Sie sei von ihrem Ehemann geschieden. Trotzdem hatte sie den letzten Mietskontrakt mit ihrem Mädchennamen unterschrieben. Besonders dieses UinftaNdes tvegen hielt Foiiim sich für berechtigt, de» sofortigen Auszug der Mieterin zn verlangen. AIS er auf entschiedene» Widerstand stieß, griff er zu einem Gewallmillcl. Er lietz die Wohming durch einen Schlosser öffne», und nachdem er mit den beiden Angeklagten eiiigcdriingcn, lietz er die Thürcn ausheben. Nun mutzte die Mieterin iiotgedrunge» ausziehen. Sic rächte sich durch obige Anzeige. Der Gerichtshof sprach alle drei Aiigcklagteii, die vom NechtSanivalt Dr. Holpert verteidigt wurden, frei, da sie sich in betreff der Nötigung in einem Ncchtsirrtnm befiinden hätten und die Angaben der Zeugin in betreff des HansfriedeiisbrnchS nicht klar und bestimmt genug seien. Socialdeniokratischer Agitationsvercin für den NeichStag?» Wahlkreis Kala» Luckau. Sonlitaz den 19. d Mts, nachniiltazS 4 Uhr: Bersauiniliing im Lokale von Karl Schulze, Dieffeubachstr. 54. Freireligiöse e a u B-rlaa von Max Babing in Berlst» Nr. 15. 19. Illhrßltktz. 2. MM Ks Jfmirts" Knlim ilollisfclitt. Sonnllbrud, 18. IditMöt 1902. Gevictzks �BeitunH. Eiu böseS Sündenregister wnrde dem aus Kopenhagen stam- Menden Kammerdiener Conrad Frederichsen vorgehalten, welcher gestern der ersten Strafkammer des Landgericht I ans der Unter- snchnngshaft vorgeführt ivurde. Der bereits dreimal ivegen Heirats- schwindels verurteilte Angeklagte war wiederum des Betrugs in fünf Fällen beschuldigt. Er verfügt über ein gewimiendes Aeuszere und dies ist, wie er selbst behauptet, der Grund seines Untergangs ge- Wesen. Die Frauen seien ihm gegenüber gar zu entgegenkommend gewesen. Vor zwei Jahren hatte der Angeklagte eine Dienerstelle bei einer Herrschaft in Wannsee irnie. Er lernte dort eine 62jährige Waschfrau kennen, fing mit ihr ein Liebesverhältnis an und ver- sprach ihr die Ehe. Dabei schwindelte er ihr vor, dah er in Berlin eine Anstalt für schwedische Heilgymnastik gründen wolle inid dazu Geld gebrauche. Die Waschfrau, deren Alter sie nicht vor Thorheit schützte, opferte ihm ihre ganzen Ersparnisse, über 1000 M. Der Angeklagte verschwand mit denr Gelbe. Er ging nach Magdeburg und von da nach Köln, in beiden Orten ähnliche Heiratsschwindeleien ausführend. Ein vierter Betrugsfall lag auf einem andren Gebiete. Der Angeklagte hatte in Bromberg einen Soldaten kennen gelernt, den Sohn eines Ivohlhabenden Schuhmachers in Wriezen. Eines Tages erschien der Angeklagte bei den Eltern des Soldaten in Wriezen, stellte sich als Gutsbesitzer bei Bromberg vor und richtete Grütze vom Sohn ans, der soeben' vom Militär entlassen sei und sich»nn eine Existenz schaffen müsse, wozu er 800 M. benötige. Der Angeklagte, der sich Zimmer- mann nannte und hochstehende Beamte als seine Verwandten be- zeichnete, wustte die vertrauensseligen Provinzialen zu überreden, ihn, 300 M. für den Sohn mitzugeben. Bald darauf wiederholte der Angeklagte seinen Besuch und erhielt auf seine Bitten nochmals 300 M. für den Sohn. Schwieriger war es, beim drittenmal ein Darlehn von 300 M. für sich selbst zu erhalten; durch die fabel- hnfteste» Erzählungen und falsche Vorspiegelungen gelang dem An- geklagten dies aber schließlich auch. Bon jetzt ab ließ er nichts mehr' von sich hören. Merkwürdigerweise ist der junge Soldat gleich nach seiner Entlassung verschollen, so daß nicht einmal hat ermittelt werden können. ob derselbe etwas von dem Gelde erhalten hat, welches der Vater für ihn bestimmt hat. Auch die Ermittelnng des Angeklagten, der häufig seinen Auf- enthaltsort wechselte, hat längere Zeit in Anspruch genommen. Im November vorigen Jahres wnrde er vom Geschick ereilt; bei einem Diebstahl, der später gegen ihn verhandelt werden wird, ivurde er ertappt und obgleich er sich einen fremden Namen beilegte, wnrde festgestellt, daß man einen lange gesuchten Verbrecher vor sich hatte. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts zu einer Zuchthaus st rafe von 4 Jahren 6 Monaten, Sjährigen Ehrverlust und 750 M. Geldstrafe oder noch 50 Tage Zuchthaus. Ztzür den Jnlialt der Inserate überninunt die Ncdaktion dein Pnblikiii» gegenüber keinerlei Bcraiittvortung. Thertkrv. Sonnabend, 18. Januar. Operiihnus. Die Sibylle von Tivoli.— Coppelia. Anfang ?'/- Uhr. Schanspielhans. Gastspiel des Mr. Coguelin ame. Le Gendre de M. Poirier. Monologues. Le bonheur qui passe. Anfang Vi/» Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll». Geschlossen. Schiller. Einsame Menschen. An- fang 8 Uhr. Deutsches. iLebendige Stunden. Anfang 7V, Uhr. Berliner. Wilhelm Tell. Anfang 71/2 Uhr. Lessing. Das schwarze Schäflein. Anfang 7Vz Uhr. Nesidrnz. Die japanische Vase. Vor- her: Englisb spoken. Anfang 7'/- Uhr. Neues. Coralie n. Co. Anfang 7V- Ubr. Westen. Undine. Ansang 71/2 Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Dornröschen. SecessionSbühne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall nnd Rauch. Vorstellung vor Serenissimus. Ans. 8V2 Uhr. Triaiio». Lebende Lieder. Kleine Spiele. Anfang 8 Uhr. Central. Das füge Mädel. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Schneewittchen bei den sieben Zwergen. Einlagen: Lebendes Schachspiel. Die Puppe. Die steche Ratte. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7V, Uhr. Lnlsen. Der Walzerkönig. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. DaS Jungfemstift. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Klein- Däumling und der Menschenfresser. Kriedrich-WilHeln, städtisches. Der rote Kosak. Anfang 71/2 Uhr. Belle-Alliauce. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7V8 Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivart-Brettl. Täglich Borstellung. Anfang 8 Uhr. Wietropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr lilpollo. Specialitäten- Vorstellung. König Aqua. Anfang 3 Uhr. Casiuo- Theater. Weihnachten. Mädchenjäger. Specialitäteu-Vor- stelinng. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vvrstellnng. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage< Panoptikum. Speciali- lälen-Vorsteliniig. Reichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Patast. Specialitäten-Vorstellung. Großstadtzauber. Ans. 7 Uhr. Urania. Taubeustr. 4«/4st.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage au der Riviera. Jubalideustraste S7/ti£. Täglich: Sternwarte._ SchlllttThtilter (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: »Eln«inue IMenschen. Drama in 5 Akten von G. Hauptmann. S 0 n n t a g» a ch in i t t a g 3 U h r: Heimat. Sonntagabend 8 Uhr: Der Hcvisoi'. M ontagabend 8 Uhr: Einsame menschen. um Palast-Theater (früher Feen-Palast) . Vurgstr. LL. Direktion: Winkler u. 5r8del. Heute Sonnabend, 18. Januar: Wegen Privat- Festlichkeit geschloffen."Tma Morgen Sonntag: des neuen wunderbaren Januar Programms Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Freitag, den 31. Januar: Sommerfeld Benefiz. UratiBa. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Frühlings(age an der Riviera Invalidcnstr. 57/03. Tagl. Sternwarte. Castans Panopticm FrledHch-Strasse 165. Bfen!! Der bedeutendste |�- Krafllurner der Welt, der Berliner Alex Meyer"WI Phänomenale Muskulatur! CMal- TIMer. Heute Sonnabend, den 18. Januar, nachmittags 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schueewittche» beiden 7Zwerge», Abends 7V2 Uhr: Das siitze Mädel. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Sonntag, 19. Januar, nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Der Zigennerbarou. Abends 71/2 Uhr: Dassüste Mädel. Thalia-Theater. Dresdencrstraste 7S/73. Sonnabend, den 18. Januar 1902: Mit vollständig neuer Ausstattung zum erstenmal: Seine Kleine. Große Berliner Ausslattniigsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worm a. G., Guido Thielscher, Helmerding, Junkerinann, Paulmüller. Boje, Wannovius, Junler-Schatz. Anfang 71/2 Uhr. Morgen u. folg. Tage: Seine Kleine. c arl Weiss-Theater. «lroste Franksiirterstr. 132. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung Klein-Däumling und der Menschenfresser. Kinder- Märchen mit Gelang in 5 Bildern. Abends 8 Uhr: Gastspiel von Minna Michctti. Zum LS. Male: Das Jttttgfernstift. Operette in 4 Akten nach einer Idee des Paul de Kock von Ernest Guinot. Musik von Jea» Gilbert. Sy Jeder Besucher der heutigen Vorstellung erhält ein Souvenir. Morgen: Das Juugfernstift. gM- Heute-»G Sonnabend, den 18. Januar Zweiter grosser Metropol-Ikatar-Ball Ballmusik: Die vollständige Kapelle des Musikdirektors Julius Htnödshoter unter dessen persönlicher Leitung. Vollständige Kapelle des 2. Garde- Ulanen-Regiments unter Leitung des Kgl. Musikdirektors Neese. Glänzende Illumination I Grosse üeberrascbnngen I Brillante Ball-Arrangements! Exquisite Weine und Buftett Rauchen gestattet. Preise der Plätze wie gewöhnlich. morsen Sonntag: 'ne feine Nummer! �> Apollo-Theater. Sensationeller Erfolg: Granto u. Maud Villi Valden Stack u. Miiton D' Loisachthaler Georg Kaiser* Ilka Panlet König Aqua. Anfang 8 Uhr. Pflssaie-Hieatfir. Die neueste Rensation! Damen-Luftrimjkampf ausgeführt von 12* jungen Damen. Neu! DS„°r0"T" Imon in seinen Zwerchfell erschütternden Bauemtypen. Neu! Schindler, der phänomenale Mundharmonika-Virtuose. Michel Mayer, der stärkste Mann der Welt, zahlt lOOO Jlk. dem, der seine Hanteln nachhebt. lO erstkl. Xummern. Beile-Allianee-Theater. Die Dmnc M Droimülc. Schwank m. Gesang u. Tanz i. 3 Akten. fsimmf- fipv Pariser Lebensbild Hicrmtf. U/V. in einem Aufzug. Soimtagnachmittag 3 Uhr bei kleinen Preisen: I»a« Oehclmnis der alten mainscll. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Debüt der reizenden Schwedinnen Geschm. Kiree. Nur noch kurze Zeit„Weihnachten'', Günther ic. AufangWochent 8Uhr,Soniit.7l/,Uhr. Sonntagnachm. 4Uhr: Mutterscge». Savissonei Kottbuserstv. 4 a Jeden Sonntag, Montag' und Donnerstag: IN» i'l'ni a n ii s NMtiiW Sailgtt Aeu! Die Sil ten! Die PMMen. Nach jeder Vorstellung: Entree 50 und 75 Pf. Wochentags Anfang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochentags Vereinsbillets gültig und Tanz frei. Alle andern Tage bleiben die Säle zu Festlichkeiten und Ver sammlungen frei. t Charivari- ♦ Brettl t Alte Jalcobstr. 37. � Pepi Weiss Helena Dyas Stella Ruth Albert Kühne Preise 1,00, 2,00, 3,00 Mk. W. Nfiacks Theater. Brnunenftrahe 16. Wege» Privatfestlichkeit keine Vorstellung. Sonntag: Unser Liebling. Apollo- Theater. Rlxdorf, Hermannstr. 49. Jedeil Sonntag und Montag kroße Thtatcr-Msttilllilz. Grosser Saal und Garte» zu Vereinsfestlichkeiten zu vergeben. 3Z7lL» i01i. Thomas. Grosse Mmk isoop'D im Exerzierliaus (nm Prenzlauer Thor) Lothringerstrasse 1—7. Täglick, 3 grobe Vorstellungen. 4, K und S'/s Uhr. Dressur mit Löwen, Tigern, Wölfe» u. Hyänen, sowie Löwen-Ningtantpf und Fütterung um 4 u. S1/, Uhr. Entree: I.Platz 1 M., II. Pl. bO Pf., III. Pl. 2b Pf., Sliiibet unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen auf 1. u. 2. Pl. die Hülste, dem 3. Pl. 1ö Pf. Die Direktion: Froese. Pateßtanwalt DammaDn, moritzylatx 57. Auskunft bis abends neun. s3234L* Cirkns Renz-Konzert-Tnnnel Kai-lstrnsse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags b Uhr. LpSClSllLatzsa. J. JI. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung Jährliche Produclion: 163 Millionen.; T( JlJatoäpas |�feinc5Pec,al'tät za 3-10 Pfg.p�tüek WWtW« W. l!l> Ps. 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Für die zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich dem Wahlverein im sechsten Wahlkreise meinen besten Dank. 2110b __ Frau Helene Stodt. Für den so zahlreichen Blumen- schmuck sowie die bewiesene Teil- nähme beim Hinscheiden unsres treuen Gatten, Vaters und Schwagers, des Maurers Friedrich Rohm, sagen allen Freunden ihren herz- lichstcn Dank. 2114b Die Hinterbliebenen. E. von Wolzogens BnntcH Theater(Ueberbrettl) KOimlcherstr. 68. Heute, Sonnabend, 18. Januar, Morgen Sonntag Lina Abarbanell, 1. Wiederauftreten Bozena Bradsky und Oskar Strauss. Schall und Rauch, Unter den Linden 44. Sonnabend, den 18. Januar 1902: Zum 65. Male; Vorstellung vor Serenissimus. _ Anfang S1/; Uhr._ Trianon«Theater am Bahnhof Friedvichstrasse zw. Charlotten- u. Universitätsstr. 1. eh ende E, 1 e d e r. Anfang abends 8 Hhr.�lMZ 9t e i c Ii s h a 1 1 e n. TU ff lieh: Stettiner Sänger. Anfang Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. �n der Spandauer Brücke 3. 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Berliner Reichstags-Wahikreis »ur Nnchricht, daß in folgenden Lokalen KW- Zahlstellen"H»S eröffnet find «. Angustin, Schönhauser Allee 74. a. Otto, Treslkowstraße 22. f. Behren», Ehorinerstraße 7. In diesen drei Zahlstellen köniien die neuen Mitgliedsbücher aSgeholt werden? desgleichen findet dort Aufnahme neuer Mitglieder als auch Entgegennahme oon Aettriigen statt. 2tS/9« _ Der Vorstand. I. A.! V. Frcythaler, Gartenplatz 1. Deutsch Jetallarbeiter-Verband Vern-altanfsstelle Uerlln. Bureau: Vngel-ttfer 15, Zimmer 1—5. Kernsprecher: ZlmtVII, 353. Sonntag, den 19. Januar 1902, dormlttags 10 Uhr, bei Meiftiier, Chauiseestr. 72: Versanlmlttttg der Feilenarbeiter. Sonntag, den 19. Januar 1992, vormittags 10 Uhr, bei Fischer, Krummestr. 41: BeM-Versllmmlitilg für llharlotteilbilril. T a g e S- O r d n u n g: Bortrag des KoNegen C o h e n. Diskussion. Verbandsangelegmheiten Sonntag, den 19. Januar 1902. vormittags 10 Uhr, im Gewertschaftshans, Engel-Ufer 15: Lttsammlung kt Former mib Berufsgelloffea von Berlin n»b Umgegend. Tagesordnung: I. Die stattfindende Arbeitsloscn-Zahlung. 2. Die Lohn- und Arbeits� Verhältnisse in nnserni Beruf. 3. Verschiedenes und Berbnndsangelegenhciten. Die bei den Mitgliedern der Gelbgießer-Jnnung beschäftigten Fertig- macher sind zu dieser Rer,>«mlung besonders eingeladen. Montag, den 20. Januar, abends KV- Uhr, in den Armlnhallrn, Kommandnntenstr. 20: Berfa,« ,n l« n g Mtr in der Militörbroillsje beschäftigten Gürtler, Drülker, Klempner, Hilfsarbeiter nnb-Arbeiterinnen. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Stadtv. Adolf Hofs mann über„Der Kampf «ms Dasein". 2. Diskussion. 3. Wahl eines Gesellenausschusses für die Innung. 4. Verbandsangelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Deutscbei' Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Branche»-Bersammlnngen am Montag, den 20., Dienstag, den 21. und Mittwoch, den 22. Januar: Kontobucharbeiter und-Arbeiterinnen am Montag, den 20. Januar, abend« 8V» Uhr, im Gewerk- schafiShnnS, Engel-Ufer 15, Saal 3. Etuisarbeiter und-Arbeiterinnen am Montag, 20. Januar, abend« 8'/» Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstrafte 20. Bvchbinder und Buchbinderei-Arbetterinnen am Dienstag, den LI. Januar, abends 8 Uhr, in Feuersteins Fcstsäle». Alte Jakobstraße 7S. ZuLUSpapier-Arbeiter und-Ardelterinnen am DienStag, den 21. Januar, abends 7 Uhr, im Getoerk- fchaftshans, Saal 5. Leber- unb Popiergglllüterie-Arbeiter u.-Arbeiterinnett am Dienstag, den 21. Jannar, abends 8�l Uhr, im Grwerk- schaftShanS, Saal 7. Ooldschiiittniaclier am Dienstag, den 21. Januar, abends 8'/s Uhr, im Gewirk- schaftShaus, Saal 10. Kartonarbeiter nnd-Arbeiterinnen am Mittwoch, den 22. Jannar, abends H'U Uhr, im Lokal Englischer Garten, Alexanderstrahe 27«. TogeS-Ordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht der Vertrnnenspersonen über ihre Dhiitiglrit. 2. Neuwahl der Vertrauenspersonen. 3. Werkstnbenangelegeiiheiteii und Verschiedenes. 23/2 Wir richten an alle Branchen-Angehörigc» das dringende Ersuchen, in den obigen Versammlungen vollzählig zu erscheinen. l»le Brant-hen-V ertranenapersonen. NW- Am Donnerstag, den 23. Jannar, abendS 8Vi Uhr findet in Feuersteins Saal. Alte Jakobstraße?ö, die IVahl zum Oesellen-Ansschnss der Innung statt. Wir ersuchen dringend alle Kollegen, die bei Innnngsmelstern arbeiten, an dieser Wahl teilzunehmen. _ Die Ortsverwaltnng. r | UUIIU I nnd Arbelterinnen Dentschlands.(Zahlstelle Berlin.) Sonntag, den 19. Januar er., nachmittags 4 Uhr: Generell � Verlenntttlung bei Baabe, Kolbergerstraffe 23. Tagesordnung: 1. BorstanbSbericht. 2. Kassenbericht. 3. Bericht des Bibliothekars und Wahl eines Stellvertreters. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltnng. Um 0 Uhr daselbst: Grotze öffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: I. Vortrag des Genossen Jobannes tüassenbaeh über:„Freimaurerei." 2, Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Veriammlung: Gemütliches Beisammensein. Zahlreichen Besuch erwartet 64/2 Tie Ortsverwaltung. M\\m Kranlefi-llfitefslziis- und Gsgr, 1892. Cegr, 1892. HegraliB-Vfircii) für Frauen und Mädchen. Sonntag, den 19. Januar er., abends 6 Uhr, im Fiirflrnhof, Uspuickerstraste Nr. 138: kiinemaeiiUicae Cnei'sl-Vei'ZWliiliiiiz. TageS-Ordnnng: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bernstein:„Die Hygiene deS Schul- lindes." 2. Statutenänderung. 3, Verschiedenes. eO/1 Hieran anschließend: Geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. Der Vorstand. I. A.: Karl Müll er, Waldemarstr. 43. Dienstag. den 31. Januar 1902. abendS 8 llhr, bei Niimanu, Brnnnenstr. 188: Berfam mlnng iiller iit kt chirurMeit Braillhe beslhäftiste» Persoilen. Tages-Orduuug: 1. Bortrag des Genossen A. H offin ann über„Das Volk der Denker in der Zwangsjacke". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegen Helten. Di« Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Zahl- stelle von Engling in Banhon- nach Blaurock, Wollaniftraße 113, verlegt ist._ Urania-Vorstellungen finden statt am Sonntag, den 20. Jannar, vormittags 19 Uhr: „lieber den Wolken". Billets inkl. Garderobe 70 Pf. Sonntag, den 16. Febrnnr nnd Sonntag, den O. 9liirz, vormittags 10 Uhr:„Frühlingstage an der Rtviera". Billets inkl. Garderobe 00 Pf. BilletS sind zu haben bei allen Bezirkßtassterern und im Bureau. 110/12__ Die Ortsverwaltnng. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 20. Jannar, abends 8 Uhr: General-Bersammluugen: Für Welssensee Röltestraste 20. Für Berlin Fraukf»rtcrstras,e 117. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Verwaltungen und der Delegierten. 2. Wie stellen wir nns zu der geplanten Aussperrung? 3. Anträge. 4. Wahl. S. Ver- fchiedenes nnd Ausgabe der Billets zum Maskenball, sowie Entgegennahme der Kontrollkarten. 145/3 AW- Die Kollegen, welche Set der Arbeitslosen-Zählung am 20. Januar und 2. Februar helfen wollen, werden ersucht, sich bei der Gr- werkschasts-Konimtsfion, Engel-Ufer 15 zu melden. Der Vorstand. Allg. Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter ((£. H. Nr. 29 Hamburg), Filiale Berlin 3. Am Sonntag, drn 19. Januar, vormittags 10 Uhr, im Gcwcrkschaftöhans, Engel-Ufer 15, Saal 8: NKtasU«den- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kaffendericht. 2. Aufstellung von Kandidaten zur nächsten General- Versammlung. 3. Verschiedenes. Beiträge werden in der Versammlung entgegen genommen. 210Sb Die Ortsverwaltnng. Verband der Maschinisten und Heizer sowie Berais genossen DentscbUnds. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Sonntag, de» 19. Jannar 1902, nachmittags 5 Uhr, in Cohns Festsarc», Benthstrast« 20: Geueral- Versammlungc Tage»- O r d n u n g:- l. Jahresbericht. 2. Jährlicher Kassenbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Antröge. 5. Vorstandswahl. 138/3 Quittungsbuch legitimiert._ Die Ortsberwaltnng. 55 Krösste llei�kriklt Geringster Aschengehalt Kein Schlacken- Rttekstand! sind die von»Itersher bewlhrten Vorzüge »M liAIr 10 Jahre Garantie. ÄtisIIH" ä äTAlV« Xeilzahlune wöchentlich 1 Mark. Vollkommen schmerzloses Mulinzlchen 1 IMark. iPlomban 1.50 M. Reparatur, sofort. Umarbeit. schleohtsit«. Gebisse Zahn-Arzt Wolt; leipzigerstr. 130. (Haus Schaarwüehter). Sprechst, 9—7 Uhr.• BESTE NAHRUNG FPR gssunde& darmkranke Kinder Kindermehl �MARIE� HENCKE�S werke Daher stellen sich diese BCilt SfillftCnbCFgCr Henckels Brikets thatsächlich � 8el>r"ob viel büligw als andere durch Reklame angepriesene Harken. Alleiniger engfro« Vertrieb der Henckels- Brikets durch Öalilinaiin& Co., Berlin NW.) Holsteiner Ufer No. 8. Zu beliehen durch alle renommierten Kohlengesohüfte. �Ist das iig? 100 Stück 6 Zl. lang..... 0,60. 100„ 7„ Riesentohle. 0,70. 100„Ilse 7„„. 0,85. I Ctr. 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