Ar. 17. Adomemmt»• Drdtngnngen: «bonnementt-Prel« pränumerando: vierleljährl. 3,30 Ml., montul. l.iom, mocheullich 28 Pfg. frei ins Haus. «tmelne Jlurnnt»! 6 Pfg. Sonntags» Nummer ml» inwnttcmr Sonntag!» Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: I.lv Mark pro Monat, Eingetragen in der Post- Zeitungs- Pr-iziiste für 1902 unter»r. 7878. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mari, für da» übrige Autland s Marl pro Monat, VrscheitU täglich«uster»onlag», Vevlinev VolKsvlskt. IS. Jahrg. Die Insertion--Gcvstyt beträgt für die sechsgefpaltene Kolonet» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastltche Vereins» und Berfammlungs» Anzeigen 20 Pfg. „Hieine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Tie Erpcdttion ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn» und gesttagen bis 8 Uhr vormittags geöffntt. Telegramm- Adresse: „Socialdemo kirnt»erlitt« Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschtands. Ledalttion: SW. 19, Vench-SkraKe 2. Fernfprechert Amt I. Nr. 1508. Dienstag, den Ä1. Jannar IviZÄ. Expedition: s�v. 19. Ventlk-StrMe 3. Fernsprecher: Amt l, Nr. 5121. Ein Zeugnis gegen die Getreidezölle. Als man den Direktor des reichsstatistischen Amtes vor wenigen Monaten bestattete, nahm die Oeffentlichkeit an dem Tode dieses Mannes nicht mehr Anteil als an dem irgend eines andren Geheimrates.�Und doch war einmalHerr v. Scheel mehr. Er wurde erst ein stiller, sehr stiller Mann, als er von der Universität Bern an das Statistische Amt des Deutschen Reiches berufen wurde; vorher hat er manch deutlich und mutig Wort gewagt, manche Schrift herausgegeben, die ent schiedener von der alten Nationalökonomie abkehrte als die Arbeiten Schmollers. Wagners u. a. Wir erinnern nur an das schon 1866 in einer Besprechung der Arbeiterfrag F. A. Langes niedergeschriebene Wort:„Das sogen. System der Volkswirtschaft"... ist„überhaupt keine Volkswirtschafts' lehre, sondern eine Kapitalistenwirtschaftslehrc" Und bei derselben Gelegenheit:„Dem Nationalökonomen sind eben die besitzenden Klassen identisch mit der Nation". Auch seine völlig vergessenen Schriften„Die Theorie der socialen Frage", seine Ausführungen über die Erbschaftssteuer und die Frauenfrage waren keineswegs den herrschenden Klassen zu Dank geschrieben. In den Kämpfen des heutigen Tages ist an einen Satz Scheels besonders zu erinnern:„... Wenn nun aber die Statistik nachweist, einen wie mächtigen Einfluß auf die Bevölkerungsbewegung schon die kleiilsten Preisschwankungen der Lebensmittel haben, so werden wir uns der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß es sich hier nicht bloß um all- gemeine, unbestimmte Beziehungen der Bevölkerung zu den Lebensmitteln handelt, sondern daß das Leben eines sehr bedeutenden Teiles der europäischen Bevölkerung bis jetzt immer noch nichts ist als ein Ringen mit dem Verderben um die Existenz." Es handelt sich da nicht um einen einmal leicht hin- geworfenen Satz, denn kurz vorher war die erste statistische Arbeit des späteren Direktors des reichsstatistischen Amtes erschienen, seine„Untersuchungen über den Einfluß der Fruchtpreise auf die Bevölkerungsbewegung"(Hildebrands Jahr- bücher für Nationalökonomie und Statistik VI. Band(18661 S. 161—183). Diese Arbeit beginnt mit dem Satze:„Dag das Wohlergehen und Wachstum der Bevölkerung eines Landes innig zusammenhängt mit der Quantität der gebotenen Subsistenzmittel, ist eine längst bekannte Thatsache." Hieran schließt sich eine kurze Uebersicht über die Vorgänger seiner Untersuchungen. Er weist da auf M. Mcssance hin, der zuerst, gestützt auf Zahlenreihen, die durch das Steigen und Fallen der Nahrilngsmittelpreise herbeigeführte Ver- mchrung und Verminderung der Todesfälle in Frank- reich für den Zeitraum 167-1—1761 feststellte. Diese 1767 veröffentlichte Arbeit wies nach, daß in einer gegebenen Reihe von Jahren mit durchschnittlich niedrigerem Kornpreis die Sterblichkeit eine geringere sei, als in einer solchen mit durchschnittlich höherem. Scheel weist dann aus die gleichen Ergebnisse der Arbeiten von Melier, Legoyt, des größten Statistikers des XIX. Jahrhunderts Quetelet, Henschlings, Horns, Farrs. Porters, Süßmilchs. Kolbs, Wappaeus, Roschers. Schäffles, E. Engels hin. Einige Zeit später hat bekanntlich G. V. Mahr, der ehemals reichsländischc Unterstaatssekretär und Chef der amtlichen Statistik in Bayern. nunmehrige agrarische Leuchte an der Münchener Universität und, wenn es nach seinen Wünschen geht, künftiger Finanz- minister Bayerns, überzeugende Beiträge zu dieser Frage ge- liefert, die er jetzt mehr vertuschend als glücklich bestreitet. Scheel untersuchte nun die Frage der Zusammenhänge zwischen Kornpreisen und Bevölkerungsbewegung für das Gebiet von Sachsen-Altenburg und den Zeitraum von 1835 bis 1864. Neben reichlichem Tabellenmaterial finden sich in zwei sehr anschaulichen graphischen Darstellungen die Resultate der Untersuchung veranschaulicht. Leider können wir diese nicht wiedergeben, wir müssen uns auf Worte beschränken. Auch der oberflächlichste Blick zeigt eine fast völlig überein- stimmende Bewegung der Trauungen, Geburten und der Kornpreise. Bei der langen Reihe von Jahren— gerade ein Menschenalter—, auf die sich die Unter- suchungen v. Scheels beziehen, kann es sich nicht um einen handelsvertragsfreundlichen Zufall, sondern nur um eine innere Verwandtschaft dieser drei Faktoren der Jahresfruchtbarkeit uilter einander, oder vielmehr um eine Abhängigkeit der Trauungs- und Geburtsverhältnisse vom Stande der Kornpreise handeln. Von 1812 auf 1813 gehen die Trauungen zurück, weil 1812 ein schlechtes Jahr' war. Von 1844 ab gehen die Trammgen rasch zurück zugleich mit den Kornpreiscn und befördert durch eine sehr schlechte Kartoffel- ernte. 1853 hebt sich die Trauungsziffer unter der Nachwirkiing der letzten reichlichen Ernte. Für die Geburten läßt sich gleiches feststellen. Scheel kommt aus der Betrachtung der Linien seiner graphischen Darstellung zu dem Schlüsse,„daß die Thatsachen der jährlichen Abhängigkeit der Geburts- und Trauungs- zahlen vom Stande der Kornpreise nur eine festere Be- stätigung gewonnen hat; und wir können als weiteres Resultat aufstellen, daß die Kornpreise auf die Volks- Vermehrung, soweit dieselbe durch die Geburten bewirkt wird, einen wesentlich bestimmenden Einfluß äußern". Cr führt hierüber in andecm Zusammenhang noch aus:„Eine im Ver- hältuis zur Bevölkerung ziemlich gleichbleibende Zahl Heirats- fähiger Leute tritt jährlich mit dem Wunsche auf. eine Haushaltung zu gründen. Ist nun die gegebene Quantität der Subsistenzmittel in dem betreffenden Jahre so gering. d. h. ist der Preis der Nahrungsmittel, der sich mit dem Kornpreis fast identificiert, so hoch, daß nur die relativ bemittelten Heiratsbedürftigen Aussicht zur Durchführung einer ihren Verhältnissen entsprechenden Haushaltung haben, so werden nur diese eine solche gründen, die übrigen die Gründung hinausschieben rcsp. unterlassen; sind hingegen so viel Nahrungsmittel vorhanden, d. h. ist der Kornpreis so niedrig, daß auch die am wenigsten Bemittelten Mut und Mittel zur Gründung eines Hausstandes besitzen, so wird ein verhältnismäßig großes Quantum der Heirats- bedürftigen wirklich zum Heiraten kommen; hält sich endlich der Preis auf der mittleren Höhe, so sind die Mittellosesten von der Gründung des Hausstandes ausgeschlossen. Hier haben wir bestimmte Verhältnisse, klare Thatsachen und Ein- Wirkungen." In einer Periode, in der teurere Kornpreise nicht aus- geglichen werden können durch sicheren, leicht zu steigernden Ver- dienst der breiten Volksinassen, gewinnen die Ergebnisse der Untersuchung Herrn v. Scheels erhöhte Bedeutung. Die Agrarier werden durch diese Ergebnisse der statistischen Forschung in ihrer frisch- froh- fröhlichen Arbeit für das Gedeihen des Junkertums nicht gehemmt werden, wozu hätten sie denn ihren Adolf Gotthilf Wagner, der seine „Rede über die sociale Frage" wieder einmal ganz vergessen hat und auf seine alten Tage im Interesse der Agrarier unter die— Malthusianer gegangen ist. wozu hätten sie ihren Georg v. Mayr, der wie der selige Gneist nun für die Agrarier „alles beweist", ja selbstmörderisch seinen als Direktor des bayrischen statistischen Bureaus und als Verfasser der„Gesetz- Mäßigkeit im Gesellschaftsleben" fest begründeten Ruf als eines der ersten Statistiker untergräbt. H. v. Scheel fühlte sich beengt, unselbständig, abhängig als Leiter des Reichs- amtes für die Statistik,- er war nachgiebig und ergab sich in die Fesseln, in die ihn sein Amt geschlagen hatte, aber er ent- mannte sich doch nicht so weit, daß er öffentlich das ver- leugnete, was er früher bekannt hatte. Man betont im Deutschen Reich immer die militärischen Interessen, man iveist auf die rasche Volksvcrmehrung hin und auf den Bevölkerungsstillstand Frankreichs, der es einmal zu einer militärischen Macht zweiten Ranges herabdrücken wird. Die Agrarier sind die Enthusiasten für jede Forderung dcsKriegs- Ministers. Es wird ihnen vielleicht nicht ganz er- ivünscht sein, wenn nian ihnen das Zeugnis des höchsten beamteten Statistikers des Deutschen Reiches entgegen- setzt, der klar bewiesen hat, daß ihre Agrarpolitik von den bedenklichsten Folgen für die Vermehrung der Be- völkerung und dainit auch für das Heeresersatzgeschäft be- gleitet sein muß. Ueber die uns interessierenden Folgen dcS Einflusses der Kornprcis-Erhöhung auf das Zurückgehen der Bevölkerungsbewegung und auf das Steigen der unehelichen Geburten zum Schaden der ehelichen wollen wir uns mit ihneil nicht auseinandersetzen. Was versteht auch das Grau- tier vom Lautenschlagcn I Polikische Meberpicht. Berlin, den 26. Januar. Der Reichstag führte auch am Montag die Debatte über die socialdemokratische Notstands- Interpellation noch nicht zu Ende. Wie an den beiden ersten Tagen wurden auch heute recht lange Reden gehalten, so daß ans dem Hause nur drei Redner zum Wort kamen. Den Anfang machte Genosse Hoch, der in einer mehr als zweistündigen Rede gegen den Grafen PosadotvSly und die Wortführer der bürgerlichen Parteien polemisierte. Besonders tvertboll war der erste Teil seiner Ausführnngen, indem er an der Hand der Statistik die Wert» losigkeit des amtlichen Materials über die Arbeitslosig« keit prüfte und klarlegte, daß der Goldstrom der Hoch- konjunktur den besitzenden Klassen zwar unerhörte Schätze herangeschleppt, bei den Arbeiter», zumal den schlecht organisierten, aber vornb ergerauscht sei, ohne ihnen nennenswerte Vorteile zu bringen. Angesichts der üblichen Schönfärberei wies unser Redner darauf hin, daß gerade in den fetten Jahren auf dem Schlachtfeld der Industrie zahllose Opfer gefallen, daß eine furchtbare Zunahme der Betriebsunfälle für die Arbeiter daZ bleibende Ergebnis der ab- geschlossenen Periode sei. Unser Redner folgerte ans alle dem, daß die Gesellschaft die Verpflichtinig habe, die ArbeitSlosen-Versicherung auf Kosten der Unternehmer durchzuführen. Scharfe Worte fand unser Redner auch gegen die komödienhafte Arbeiterfrenndlichkeit de? C e n t r u m s und gegen die PosadowSkysche Socialrefonn. Den Schluß der Rede bildete die Besprechung des Verhaltens der Frankfurter Polizei zn den Arbeitslosen. Hier wurde der nationalliberale V i c e p r ä s i d e it t B ü s i n g merkwürdig nervös. Er mutzte dem Redner auf, als dieser ein kurzes Citat verlas, ohne vorher die Erlaubnis des Präsidenten einzuholen. Dabei giebt es in der nationalliberalen Partei Leute, die eine außerordentliche Fertigkeit im Ablesen ganzer Reden an den Tag legen. Herr Biising wollte auch nicht dulden, daß Hoch im Eifer deS Gefechts den Grafen PosadolvSky persönlich anredete, ein Vorgang, der sich ähnlich in jeder dritten ReichStagSsitzung wiederholt. Der Ausdruck Skandal ttitd Provokation auf die preußische Polizei angewandt, galt dem Vice- Präsidenten sür unzulässig, der wirklich den Rat Singers befolgen und bald einen„kleinen Büsing" für den parlamentarischen Gebrauch heraus- geben sollte. Sein vierter Eingriff in die Hochsche Rede brachte dem Redner schließlich eitlen OrdnungSiilf. Graf Posado wsky erwiderte recht matt und suchte durch Hintveis auf die Reform der Jnvaliditäts- und Unfallversichertmgs- gesetze die Behauptung zu entkräften, das in der Zeit des Wirtschaft- lichen Aufschwunges vom Reich nichts zum Schutz der Arbeiter gethan sei. Die Landarbeiterfrage behandelte er heute wieder sehr im agrarischen Sinne. Die Verantwortung für die Frankfurter Vorgänge lehnte er ab und verivies die Beschwerden ins Abgeordnetenhaus, in dem ja vorläufig noch keine Socialdemokraten sitzen. Außer dem Staatssekretär nahmen noch zwei Regierungsvertreter das Wort. Geheimrat W e h r m a n n suchte seinen Chef Thielen, Graf Hohenthal den sächsischen Eisenbahn-Fiskns zu verteidigen und die zollpolitischc Einsicht der Verwaltungen zn preisen. Für die Nationalliberalen sprach als zweiter Redner Herr H i l b ck. Der Vertrauensmann des westfälischen Kohlenshndikats suchte die Empörung über den Kohlenwucher auf die Händler abzn- wälzen und die Preis- und Produktionspolitik des Syndikats zn rechtfertigen. Ueber die zur Debatte stehende Frage hatte er nicht viel zu sagen. Sehr hoffmingSvoll für die westfälischen Bergarbeiter klang der gelegentliche Rat deS Redners nicht, sie als vorzügliche Erdarbeiter beim Bau des Mittellandkanals zu verwerten. Herr Hilbck rechnet also mit großen Arbeiterentlassttngen und das stimmt nicht zn dem von andern bürgerlichen Zionstvächiern vorausgesagten nahen Ende der Krise. Herr Dr. P a ch n i ck e von der freisinnigelt Vereinigung hat so ausschließlich den Zolltarif im Kopfe, daß er erst ganz am Schlnsse das eigentliche Thema mit dem Vorschlag berührte, zunächst eine Kommission einzusetzen, die die Frage der Arbeitslosenversicherung an den bisherigen Versuchen prüfen sollte. Damit endete für heute die Debatte. Vorher war der Antrag Arendt, der die Regierung ersucht, in einem NachtragSewt für die Kriegsteilnehmer zn sorgen, von den anivesenden 12 Ab- geordneten einstimmig angenommen worden. Am Dienstag wird das Hau? wohl voller aussehen. Die Partei- fiihrcr versuchen, die Säumigen heranzuziehen, denn eS stehen Wahl- p r ii f n n g e n auf der TageSordninig und bei der Entscheidung über das Mandat deS Nationalliberalen Sieg dürfte es zu einer nament- lichen Abstiinmung kommen. Die Fortsetzung der Debatte über die Arbeitslosigkeit ist nicht auf die Dienstags-Tagesordnung gesetzt.— Abgeordnetenhaus. Die durch eine Personenverwechselung herbeigeführte Ver- des durchaus unbescholtenen Elberfelder Kaufmanns u le'nkampff hatte den Nationalliberalen des preußischen Abgeordnetenhauses Veranlassung gegeben, die Ziegierung über die Maßnahmen zu interpellieren, die sie zu ergreifen gedenkt, um dem unschuldig Verhafteten Genugthuung für die erlittene Unbill zu verschaffen und im Interesse der all- gemeinen Rechtssicherheit ähnliche Fälle für die Zukunft mög- lichst zu verhüten. Die Besprechung dieser Interpellation bildete den Gegen- stand der Tagesordnung der M o n t a g- S i tz u n g. Gewiß ist es durchaus angebracht, derartige Mißgriffe, die keineswegs so selten sind, einmal einer parlamentarischen Kritik zu unterziehen. aber diese Kritik darf sich nicht, wie das der Fall war, auf Einzelheiten erstrecke«, sondern das ganze in der preußischen' Justiz- und Polizeiverwaltung herrschende System hätte ge- geißelt werden, es hätte darauf hingewiesen werden müssen. wie sehr durch die Allgewalt der Polizei die persönliche Frei- heit des einzelnen bedroht ist, wie unsicher unsere so geprie- scnen Rechtszuställde sind. Nichts von alledem geschah. Die Debatte verlief so schläfrig und langweilig, wie die meisten Debatten in dieseni Hause, nicht zum wenigsten durch die Schuld des Interpellanten selbst, des Abg. v. Knapp(nl.). der in seiner Begründung eine langathmige Darstellung des durch die Presse hinreichend bekannt gewordenen Vorfalls gab, aber die großen Gesichtspunkte außer acht ließ. In die Beantwortung hatten sich der Justizminister und der Minister des Innern geteilt. Herr S ch ö il st e d t verfuhr nach bekanntem Muster; er beschuldigte die Presse, daß sie den Fall zu sehr aufgebauscht habe, gab wohl zu, daß ein Richter zn übereifrig gewesen sei, entschuldigte aber im übrigen die Beamten seines Ressorts, von denen keinem ein grobes Verschulden zur Last liege, und erklärte, daß der Fall zu einer Aenderung der Bestimmungen über die Untersuchungs- gefangenen keinen Anlaß biete. Wohlthueud stach die Rede des Frhrn. v. Hammer- st e i n von der seines Kollegen ab. Im Gegensatz zu Herrn Schönstedt räumte er unumwunden ein, daß die Behanolung des Kulenkampff im Untersuchungsgefängnis nicht in der Ordnung gewesen sei; er gab auch zu, daß das Gefangenen- Wärterpersonal sich nicht immer aus geeignetem Material rekrutiere. Der eine Hilfsaufsehcr ist wegen seines vorschriftswidrigen Verhaltens bereits entlassen worden, ein Oberbeamter soll noch bestraft werden. Mit andren Worten: die kleinen Sünder hängt man und die großen läßt man laufen. Die in die Affaire verwickelten Staatsanwälte und Richter gehen frei aus. An der Debatte beteiligten sich die Abgg. Marx(C.). L ö b e l l(k.). S ch m i d t-Elberfeld(frs. Vp.). R e w o l d t(fk.) und Wolf(frs. Vg.). Alle Redner stimmten darin überein. daß die Gehälter der Gcfangenenwärter aufgebessert und daß größere Mittel ausgeworfen werden müßten, um neue und bessere Gefängnisse zu errichten. Außerdem verlangte Abg. Schmidt ein einheitliches Strafvollzugs-Gcsetz für das Reich. während Abg. Wolf niahnte, bei Verhaftungen mit äußerster Vorsicht vorzugehen, damit nicht wieder die gesetzlichen Be- stimmungen zum Schutze der persönlichen Freiheit außer acht gelassen wurden. So verlief denn die Besprechung wie das Hornberger Schießen; dem unschuldig Verhafteten ist die Genugthuung geworden, daß die Minister vor dem Lande ihr Bedauern über sein Mißgeschick aussprachen. Herr Schönstedt will ihm auch großmütig seine Auslagen erstatten. Aber an dem System wird nichts geändert werde», die persönliche Freiheit der Staatsbürger ist nach wie vor bedroht. Verschiedene Redner streiften auch den 5?all Breden- deck, aber nur ganz oberflächlich. Sie ersparten so dem Minister des Innern, sich eingehend darüber zu äußern; die wenigen Worte, die Frhr. v. Hammer st ein darüber äußerte, fordern jedoch den lebhaftesten Widerspruch heraus. Der Minister bestritt nicht die Fesselung unsres Genossen, er fand auch kein Wort des Bedauerns, im Gegenteil, die Protest- resolutionen des Vereins Berliner Presse und des Vereins deutscher Schriftsteller erscheinen ihm unbegreiflich, weil Bredenbeck früher Bergmann gewesen ist und angeblich nur ., Sitzredacteur" unsres Dortmunder Parteiblattes war. Diese letzte Behauptung steht mit den That- fachen nicht im Einklang. Bredenbeck war Redacteur im vollen Sinne des Wortes; aber selbst wenn er nur Sitzredacteur wäre, so hätte doch kein Anlaß zur Fesselung vorgelegen. Im übrigen ist Herr v. Hammerstein mit den Verhältnissen der socialdemokratischen Parteipresse recht wenig vertraut; sonst würde er wissen, daß ein socialdemokratischer „verantwortlicher Redacteur" auf die Gestaltung seines Blattes einen so entscheidenden Einfluß hat, daß ein Minister in Preußen oder im Reich ihn nur beneiden kann. Das sind in der That ein- flußlose„ Sitzred acteure", welche nur verantwortlich zeichnen, ohne die Politik beeinflussen zu können. Dienstag ist keine Sitzung, damit die Budgetkommission Zeit für ihre Arbeiten hat. Am Mittwoch beginnt die Be- ratung des Provinzialdotationsgesetzes. Der Blödsinn deS Duells. Der Wahnsinn deS Duells konnte nicht drastischer all»bsurduin geführt werden, als durch die Hannoversche Duellaffaire. Das; dort der schmählich Beleidigte von dem Verführer seiner leichtfertigen Frau über de» Haufen geknallt wurde, sodaß seine fünf unmündigen Kinder gleich- zeitig des Vaters und natürlichen Beschützers beraubt tvurden, istnoch der schwächlichste dieserBeweise. Jnzwischen hat sich aberherausgestellt, daß der Gegner Bennigsens ein solcher Patron ist, daß selbst für die Freunde der Theorie der besonderen Standesehre die Annahme geradezu absurd ist, daß ein anständiger Mensch zur Wahrung seiner Ehre mit einem solchen Individuum die Klingen kreuzen oder Kugeln wechseln müßte. Weß Geistes Kind der Gegner Bennigsens, der Domänenpächter Falkenhagen, der Sohn des nationalliberalen Landtags- a bfg e o r d n e t e n gleichen Namens, ist. illustriert vortrefflich folgende Darstellung des»Kleinen Journals": »Der Domänenpächter Falkenhagen, welcher den Land- rat v. Bennigsen am vorigen Donnerstag im Duell erschoß, ist gestern früh um t/e 4 Uhr imCentralhotel verhastet worden. Schon am Donnerstagabend, als sein Opfer bereits in den letzten Zügen lag, traf der nunmehr Verhaftete in Berlin ein. nahm in dem fashionable» Centralhotel eine elegante Wohnung und schrieb sich als»Rittergutsbesitzer Fallenhagen" in das Fremdenbuch ein. Er ist ein laug aufgeichossener. magerer und abgelebter Mensch mit einem unbedeutende» Gesicht, dem sowohl feineres Benehmen wie höhere Bildung total ab- gehen. Roh wie s e i n e M a n i e r e n ist auch seine L c b c n s- auffassnng. Slbon in der ersten Nacht seines Hierseins feierte er wiiste Orgien in anrüchigen Lokalen und auch am Freitag ließ er sich d u r ch d i e K u n d e von d e m A b- leben seines Gegners in seinen brutalen Vergnügungen nicht stören. Die Polizei in Leipzig, an ivelchem Orte sich Frau von Bennigsen zur Zeit aufhält, hatte die hiesige Kriminalpolizei verständigt, daß zivischen den beiden Schuldigen ein Briefwechsel staltfinde und daß Falkenhagen in Berlin weile. Am Sonnabendabend suchte Falkenhage» seiner Gewohnheit gemäß die Amorsäle und später die Aiaiso» d'or Unter den Linden auf. Der Champagner floß in Strömen, und vor den Dirnen, mit denen er kneipte, prahlte der gefühllose Patron mit feiner angeblichen Heldenthat. Mit volle» Händen warf er der Musik die Goldslücke hm. um die lustigsten Weise» zu hören; im Frack und weißer Binde markierte er den schneidigen Kavalier. Als er Sonntag früh in ziemlich angeheitertem Zustande zurücklehrte. empfingen ihn Kriminalbeamte, welche bereits mehrere Stunden auf ihn gewartet hatten, und brachten ihn zur Revierwache.' Und mit einem solchen Menschen mußte sich ein»kgl. Landrat' schießen, um den Ehebruch seine« WeibeS zu sühnen, wenn er ander? nicht dem gesellschaftlichen Boykott seiner EtandeSgenosien, der»Gesellschaft', verfallen wollte. Wenn ein Angehöriger dieser.Gesellschaft' auf der Straße oder in einem jener Berliner VergnügungSlokale, in denen sich not- leidende Agrarier nach der Art ihres Standesgenossen Falkenhagen zu amüsieren pflegen, von einem Zuhälter angerempelt ivird, so wird er diesem Gesellen natürlich nicht etwa seine Zeugen schicken, sondern den erstbesten Schutzmann herbeirufen. So sehr sein Blut kochen mag, er wird jederzeit darauf verzichten, persönliche Genug- thuung von dem Gentleman zu heischen. Wenn aber das Individuum, daS ihm eine Schmach zufügt, sittlich auch auf derselben Stufe steht, wie der e r st b e st e Zuhälter, aber zufällig Rittergutsbesitzer oder D o m ä n e n p ä ch t e r ist, so ge- bietet der Ehrenkodex der»Gesellschaft', sich von diesem Individuum niederschießen zu lassen! Daß ein Mensch, der, nachdem er soeben einen Mitmenschen, deffen Familie er zerstört hat, niederschoß, sofort in anrüchigste VergnügungSlokale läuft und dort mit Dirnen sein Geld verjubelt und vor diesen Dirnen noch mit seinem— angeblich nicht einmal reglementgemäß verübte» — Totschlag herum renommiert, moralisch auf keiner höheren Stufe steht, als ein Zuhälter, wird kaum jemand zu be- streiten wagen. Und mit einem solchen Menschen niußte der schimpflich beleidigte Gatte und Vater von fünf Kindern sich schießen, um nicht der Ä e ch t u n g seiner StandeSgenossen zu verfallen. Kann man sich einen ärgeren Kretinismus, eine schlimmere Ver- zerrung und Verhöhnung jedes Ehrbegriffs und Ehrgefühls denke»? Ein Blatt, das in besseren bürgerliche» Kreisen gelesen wird, die»Tägl. Rundschau' giebt freilich folgende Erklärung: „Aber wenn der Landrat v. Bennigsen von der Bahre aufstehen könnte, um noch einmal seine Entscheidung zu treffen, er würde ohne Besinnen den gleichen Weg gehen. Nicht Iveil eine»unheilvolle Sitte" ihn.nötigte". hat Herr v. Bennigsen den FriedenSräuber zum Kampf auf Leben und Tod herausgefordert, sondern weil der heiße Drang der Natur ihn trieb, da das Amt des Richters und Rächenden selbst in die Hand zu nehmen, wo die Gesetze u»S so schmählich im Stich lassen." Das Blatt des.intelligenten' Bürgerstandes proklamiert hier statt des feudalen Ehrbegriffs das nackte Faust recht. DaS ist, vom Staudpunkt des bürgerlichen Rechts aus betrachtet, ja eine allerliebste Offenherzigkeit; vom Standpunkt der Ver- nunft ans ist es freilich gerade so sinnlos, wie der feudale „Ehrenhandel". Wenn ich Rache nehmen will, nehme ich sie sogleich und derart, daß mir der verhaßte Gegner nicht erst in aller Geinütsruhe selbst eine wohlgezielte Kugel in die Brust jagen kann. Außerdem aber sollte der Bürger eines»modernen Rechtsstaates" doch schon ein wenig über den Standpunkt de« Faustrechts hinaus- gekomnten sein. Aber nicht nur daS Duell wird durch die Hannoversche Schießerei in seiner ganzen Lächerlichkeit gezeigt, sondern diese Affaire entrollt u»S auch in phoSphoreScierenden Farben ein Bild socialer Fäulnis, ein Bild aus dem Leben der feudalen Gesellschaft, ivie eS abschreckender die Feder eines Zola nicht schildern könnte. Mit dem 24jnhrigen RouS, dem greisenhaft verlebten Schürzenjäger, unterhielt die 31jährige LandratSgattin, die Mutter von fünf Kindeni, ein« Liaison mit einer derart ch nischen Offenheit, daß dies Liebesverhältnis daS öffentliche Gespräch bildete. Mag bei der Frau eine psychopathische Veranlagung im Spiele sein: der Landrat v. Bennigsen stand mit diesem Menschen, deffen notorische Liederlichkeit nicht einmal durch äußere Formen oder Bildung beschönigt wurde, früher s e l b st in einem Freundschaftsverhältnis! Und die Standesgenosse», die Falkenhagen jedenfalls nur zu genau kannten, zwangen Bennigsen, mit diesem Menschen einen»Ehrenhandel' aus- zufechten. Es ist nicht anders möglich: die Moralanschauungen in diesen„edelsten Kreisen der Nation" müffen äußerst laxe sein I Auch auf die Z o l l w u ch e r g e l ü st e der»Notleidenden' wirft schließlich derLebenswandel Falkenhagens ein nicht unintercssantes Licht I Ein glücklicher Zufall hat eS gewollt, daß gerade in dem Augen- blick, wo das Duell Falkenhagen— Bennigsen das peinlichste Aufsehen erregt, ein offizieller Hüter de» Gesetze», ein preußischer Staatsanwalt, ein begeistertes Plaidoyer für das Duell gehalten hat. Der Staatsanwaltschaftsrat Cuny hat sich bei einem am Sonnabend in Berlin stattgehabten Kom- mers der alten Burschenschafter folgendermaßen über das Duell ausgelassen: »Und die alten Feinde der Burschenschaft sind auch die Feinde deS r i t t e r l i ch e n Z w e i k a m p f e S; wir h a l t e n f e st a n der alten deutschen Sitte unsrer Altvordern, die ihre Lust hatten am Waffenspiel, wir wollen den Schläger nicht tragen nur zum Kommers oder gar zu Prozessionen, wir wollen ihn schwingen in fröhlichem Kampfe. Und wenn wir auch dafür sorgen wollen, daß kein Mißbrauch geschieht und daß in immer zahlreicheren Fällen nicht zur Pistole, sondern zum blanken Säbel gegriffen wird, so wolle» wir uns doch auch heute dazu bekenne», daß es viele Ehrenhändel giebt, die gar k.ine andre Lösung zulassen, als den Gang mit den Waffen. Und darum lassen Sie die P h i l i st e r w e l t auch Sturm laufen gegen die Mensur, wir halte» fest an ihr als einem Erzichnnsginittel sonder gleichen. Mit einem Hoch auf de» Kaiser, der über die Mensur ebenso denke, wie die Purschrnschafter, und aus das kaiserliche Haus schloß der Redner unter jubelndem Beifall.' Ob sich ein Staatsanwalt finde« wird, der gegen diese staatsanwaltliche Aufforderung zur Gesetzesverletzung die Anklage erheben wird? Wir überlassen die Beantwortung dieser Frage dem Teil der Bourgeoispresse, der sich gleich dem frommen»R e i ch S b o t e n' in Krämpfen sittlicher Entrüstung windet. Wir stehen dem barbarischen Blödsinn sehr gelaffen gegenüber: Fälle, wie die Schießerei in Hannover und die Rede des Staatsanwalts Cuny treiben ja nur lustig u n s r e Mühlen.— Deutsches Weich. Liberale Halbheit. Reichstags-Abgeorduete aus der national- liberalen Partei und der freisinnigen Vereiniguug haben folgenden Antrag eingebracht: »Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, baldmöglichst einen Gesetzentivurf vorzulege», durch welchen die la» desgesetzlichen Be st i in mu» gen auf, gehoben werden, die der Teilnahme von Frauen an social- politische» Bestrebungen in Bcrcineu und Bersniumlungrn entgegenstehen." Nacu liberaler Anschauung sollen Frauen über Arbeiterschutz, Gewerbe-Jnspcktorat und dergl. sprechen dürfen, aber alle andren, gleich ivichtigen politischen Angelegen- heiten sollen ihnen verschlossen bleiben!— Ein Freund deS KriegSmintstcrS. Von Herrn„W. F. Ernst Schumann. Rentier" erhalte» ivir aus Luzern eine init der Schreibmaschine hergestellte Postkarte, die folgende Ankündigung enthält: Wegen Ihre? verleumderischen ArttkelS vom 12. November habe ich meinen Herren Anwalten Guth und Dr. Hahn jetzt, wo der Herr Kricgsminister amtlich den Fall deS Comniis B. klar- gestellt hat, Klageauftrag erteilt, und soll jetzt ivegen aller weiteren Angriffe gerichtliche Auseinandersetzung provoziert werden. Die Karte trägt den Stempel:„Ernst Schumann, Luzern (Schweiz), 4 Musegg Nr. 4, Villa Schumann.' Wir ersehen aus der Kundgebung mit Vergnügen, daß wenigstens ei» Mensch die Meinung ausspricht, daß der Kriegsmiuister bei der Etatsdebatte den Fall der Hunnenbrieffabrik„amtlich klargestellt hat". Und von einem so treuen großmütigen Freunde hat Herr v. Goßler nichts wissen wolle»! Der Kriegsmüiister ivird sicherlich keine» zweiten Menschen treffen, der ihm zugesteht, daß er in seiner Etatsrede etivas„klargestellt" habe. Die angedroble Klage des AllerweltSspitzels ivird hoffentlich zur Wahrheit iverden. Wir freuen uns außerordentlich, dem bisher viel und vergeblich gesuchten Zeugen Rormann-Echumann in Berlin an GerichtSslelle zu begegnen. Nonnann-Schumann scheint überhaupt gegenwärtig sich zu langweilen und will deshalb gerichtliche Sensationen veranlassen. Wie uns aus der Schlveiz geschrieben wird, hat er unser Luzerner Parteiblatt ivegen»Injurie" verklagt, mit ihn, auch noch einige bürgerliche Blätter. Gleichzeitig wird berichtet, daß der Weltspitzel i» der Redaktion deS ultramontane» Luzerner„Vaterland" geweicn und einen Skandal verursacht habe. Bei dieser Gelegenheit»uöchten wir daran erinnern, daß der„Vorwärts" im letzte» S ommer zue>st die Vermutung aussprach, daß der von der offiziösen Presse an das Tages- licht gezogene„CommiS B." wohl der Norman»- Schumann in Luzern sei. Es drängt sich nun abermals die Frage auf. ob Normal»,- Schinna»» aus eigner Initiative und zu ivelchc», Zwecke falsche Hnnuenbriefe fabrizierte, oder ob er nur als das Werkzeug einer Jntrigue handelte. Konnnt es in Luzern zum Prozeß gegen die von Normann- Schinna»» verklagten Blätter, so ist eS vielleicht möglich, über manche Verhältnisse Licht zu verbreite». Heber daS Jesuitengesetz interpellieren will das Centruni. Der Reichstag hat zwar das Jesnitengesetz aufssehoben, aber der Bundesrat hat de», Wunsche des Parlaments keine Folge gegeben. Wie ivird sich Bülow nun der regierende» Partei gegenüber herauscitiere»?—__ Auch ein Fleischwucher-Argnment. Die ehrsame„Korrespondenz des Bundes der Landwirte' a»t- Ivortet in ihrer letzten Nummer mit einem Artikel auf unsere Aus- iihriingeii über den Fleischwucher in Nr. 8 des.Vorwärts", der mit einem recht ansehnlichen Geschimpf über die socialdemokratischen Fleischwucherschwindler und Socialdemagogen beginnt. Derartige schöne Gesühlsausbrüche sind nichts Seltenes bei dem ehrenwerten Organ; sie stellen sich fast regelmäßig ein, wenn es ihm an sachlichen Argumente» zum Beweise für seine Behauptungen fehlt und können deshalb unberücksichtigt bleiben. Erivälyit sei nur, daß, in die Enge getrieben, das Blait jetzt selbst zugicbt, die Grenzsperre verhindere das Angebot billigeren ausländische,, Viehes auf dem deutschen Viehmnrkt, indem eS erklärt: »Wir habe» gar keine Veranlassung zu leugnen, daß die Grenzsperren die deutschen Viehzüchter nicht nur gegen Seuchen- einschlcppung, sondern gleichzeitig auch gegen diebilligeKou- kurreuz des Auslandes auf dem deutschen Diehmarkt geschützt habe». Wie könnten wir auch etlvas derartiges wage», selbst wenn ivir gewollt hätten, angesichts der von uns selbst schon oft hervor- gehobenen Thatsache, daß die Einfuhr ausländischer Schiveine z. B. in den letzten Jahren um IVz Millionen Stück geringer getvefen ist als früher zuiveilen." Für jeden logisch-denkende» Menschen ist damit zugleich gesagt. daß die Grenzsperre preisverteuernd wirkt, denn die Feru- haltung der Zusnhr fremden billigeren Viehes, die künstliche Vc- schrnnkimg des Angebots auf den deutschen Viehmärtten gegenüber der Nachfrage steigert natürlich den Preis. Für die„Korrespondenz" gelten indes diese einfachsten Elementarlehren der National- ökonomie nicht; sie meint in ihrer durch überflüssiges Wissen nicht getrübten Einfalt: «Trotzdem können wir„ohne Begriffsverwimmg' die vom .Vorwärts' aufgestellte Behauptung, daß die Grenzsperre an den, stärkeren Steigen der Schiveinepreise schuld sei, für unwahr erklären. Hätten wir uusre Grenzen nicht gegen die freie Zufuhr von Vieh und Schweinen aus den seuchcnverdächtigen ausländischen Herden gesperrt, dann würden auf unsrei, Märkten zwar wohl wieder IVe oder gar 2 bis 3 Millionen ausländischer Schweine mehr zum Verkauf konnucn. Infolge dieses Angebots und der dann sicher stattgehabten Sencheneinschleppuug in uusre Schweincbestände würde aber gleichzeitig das Angebot inländischer Schweine mindestens um ebensoviel zurückgegangen sei». Unter diesen Um- ständen dürfte an eine länger dauernde Herabmindennig der Schiveinepreise bei uns infolge einer von Socialdemokrnten und Freisinnigen augestrebten Aufhebung der Grenzsperren gar nicht zu denken sein, das nruß jedem logisch denkenden Menschen klar sei».' Mit irgend welchen Gründen gegen diese Annahme poleniisiercn zu wollen, daß, wenn 2—3 Millionen Schiveine in Deutschland ein- geführt würden, gleichzeitig ebenso viele an der Seuche zu Grunde gingen, hieße an der Denkfähigkeit unsrer Leser ziveifeln; hervor- iiehoben sei nur, daß unter dem Schutz der Grenzsperre die Maul- und Klauenseuche einen derartigen Umfang zu er- reichen vermochte, daß sie 18S9 sich in Deutschland über 162 657 Gehöfte mit 814 862 Schweinen erstreckte. ein weit höherer Stand wie in den Jahren vor der Grenzsperre; selbst in den, Seuchcnjahr 1892 wurden nur 433 262 Schiveine von der Seuche betroffen. ES ist ja auch aus Gerichtsverhandlungen bekannt, ivie wenig Nciginig nianche Landivirte haben, die Be- stimmungen der Sciichengcsetze zu beachten. Gerade die unter dem V o r w ä n d sanitärer Rücksichten verhängten Grenzsperren habe» dazu beigetragen— in Ermangelung der ausländischen Konkurrenz gesunden' ViebeS— die Gesundheitsverhältnisse des i n- l ä n d i s ch e n VieheS zu verschlechtern, weil man aus Profitgier und weil keine Konkurrenz zu fürchten war, die nötige Vorsicht vielfach außer acht ließ. Die Viehsperren haben also zweierlei bewirkt: Erhöhung der Preise und gesundheitliche Verschlechterung deS einheimischen Vieh- bestandeS.—_ DaS Ordenöfest ergab diesmal einen Ertrag von 2460 Ver- leihnnge». Von Parlamentariern haben Herr Paasche und der schnell verühnitc Abgeordnete der„Ungeduld", Herr Schlnmberger, Orden erhalten. Auch zivei Mitglieder der Freisinnigen Bereinigung (Ehlers und Rickert) sind dekoriert worden. Dagegen ist der Schivarze Adler- Orden für Chambcrlain einst« Iveileu noch ausgeblieben.— Eine Briiscwitziade. Ans Zittau meldet der„K. P. V.': Sonnabendnachl halte ein Offizier mit eine», Kaufmann in einem Cafö hier ein R e» c o n t r e, welches damit endigte, daß der Kaufmanu den Offizier ohrfeigte. Am» ä ch st e n Tage er- schien der Offizier— Lientenaut Robert Rose, vom Infanterie- Regiment Nr. 192, in der Wohnung des Kaufmannes Richard H ä b l e r, um sich persönlich Genugthuung zu hole». Er be- merkte kurz, daß er für die ihm zugefügte thätliche Beleidigung Rc- vauchc nehme» müsse, und brachteHäbler mit dem Säbel einige leichte Verletzungen am Kopf und Ar», bei. Die 13jährige Tochter des Kaufnranns allanuierte die Hausbewohner, und diese„efeu telephonisch die Polizei herbei.— Lieutenant Rose wird sich demnächst vor dem Militärgericht in Dresden zu verantworten haben. Ein Revolverheld. I» Gerresheim zog, als die Glasarbeiter Heyes dort streikte», der H e y e s ch e M e i st e r Kilian, der nebst den andere» Meistern wohl zur Spionage in der Streik- versamnilung anwesend war, einen scharfgeladenen Revolver und bedrohte die Arbeiter damit, die ihm die Waffe glücklicherweise entrissen und den Meister zur Thür« hinaus- ipedieite». Weil daS Vereinsgesetz daS Mitbringen von Waffen in Veriamniluiigeii verbietet, kam der Mann unter An- klage und Kilian wurde zu zwei Wochen Gefän g- n i s verurteilt. Der Vorsitzende des Gerichts wies jedoch darauf hin. daß Kilian ei» Gnadengesuch machen könne, daö »löglichertveise Erfolg habe» könne? Ob es einen solchen Rat auch erteilt hätte, wenn es sich um einen Streikenden gehandelt hätte, der»nit dem Revolver Arbeitsivillige bedroht hätte?— Ein Hnsarcnlientenant in„Nottvchr" gegen einen zwölfjährigen Knabe». Vor dem Ober-Kriegsgerichl des IX. Armeecorps zu Altona hatten sich am Ficiiag der Lieutenant Theodor Moritz Eichborn und der llute, offizier Walter voin Husarcnreginient»Königin Wilhelmina der Niederlande' Hannoversches Nr. 15 in Wandsbeck wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, der Lieutenant auch ivegen Körperverletzung in Geiueinschaft mit einci» Untergebeiieii' zu verantivortcn. Sie waren von, Kriegsgericht der 18. Division von dieser Anklage freigesprochen worden, jedoch hatte der Kriegsherr Berufung eingelegt, so daß die„Hcldcnthatc!," de? Herrn HusarcnlientenantS. die bei der kriegsgerichtlichen Verhandlung zufällig nicht in» die Oeffeutlichleit gekonnue» waren, noch einnial verhandelt iverden inußteu und diesmal auch der Mitwelt mitgeteilt werden können. Lieutenant Eichbor», ein sehr reicher Offizier, fuhr am 13. November v. I. in einer Droschke vor das Portal der Kaserne in WandSveck. Ein in der Nähe spielender 12jähriger Knabe rief, dies wclterschütternde Ereignis mit dem gebührenden Jntereffe bcob- achtend, eine», Spielkanicradeii die Worte zu:„Kiek, dor kuninit cn Lieutenant". Lieutenant Eichborn faßte diese absolut hannloien Worte als eine Verhöhnung seiner werten Perm» auf, ging auf de» Jungen, der nichis Böses ahnte, zu, packte ihn beim Kragen n»d zerrte ihn nach de», Kaieriieiiportnl, Ivo er ihn den, dort stehende» Unter- offizier Walter übergab. Zusainmen zogen sie dann den Jungen in die Kaserne, schlössen die Thüre hinter sich und dann ging es an ein Prügeln. Zuerst versetzte der Herr Lieutenant dem Jungen mehrere Schläge mit der Hand an den Kopf, dann legte er ihn über das Knie und versohlte ihn» das Gesäß mit der Hand. Doch das be- friedigte ihn alles noch nicht. Er gab jetzt den, Unteroffizier den Befehl, den Jnngen zu züchtigen, Ivos dieser auch getreulich besorgte, während der Lieutenant dem vor Schmerz laut schreienden Knaben den Mund zuhielt. Schließlich gebot der Lieute- »am dem Unteroffizier Einhalt, doch versäumte er nicht, dem Jungen nun selbst»och eine Anzahl Ohrfeigen zu verabreichen, um ihn dann aus einer Hintcrthüre iviedcr auf die Straße führen zu laffc». Di- Mutter des so mißhandelten Knaben ließ diesen schleunigst bei einem Arzt untersnchen, und als dieser am Kopfe des Knaben eine ganze Anzahl Beuleu und Schrannneu feststellte, erstattete sie Anzeige. Vor dem Kriegsgericht gnben dann beide Angeklagte de» ihnen znr Last gelegten Thatbestand zu. Der llnterosfizier Walter entschuldigte sim damit, dag er dem Befehl seines Vorgesetzten habe nachkomm«« müssen. Der Herr Husarenlieutenant aber erklärte, er habe sich demK naben gegenüber in einemAkt der Notwehr befunden. Die Wandsbccker Strabenjngend erlaube sich gegen Militärpersone» aicherordenilich viel Unarten. Eine solche Unart sei auch der Ruf des Knaben ge- Wesen. Er habe denselben als eine Verhöhnung seiner Person aufgcfabc und habe sich deshalb zu einer Züchtigung berechtigt geglaubt, indem er eine solche als einen Akt berechtigter Notivchr gegen den Knaben betrachtet habe. Das Kriegsgericht schlvss sich dieser Ansicht an und sprach beide Angeklagte frei, rndem es die Mißhandlung des 12jährige» Knaben durch zlvei erlvachsenc und kräftige Männer als einen Akt straffreier Notivchr gegen den Knaben ansah. Dieser höchst bemerkenswertcu und charakteristischen Auslegung desBegriffsNo ltvehr niochte sich derGerichtsherr nber doch nicht anschließen. In der Bernfnngsbcgründnug wurde vomAnkläger ausgeführt: Notivehr fei die berechtigte Abwehr eines erwarteten Angriffs. Davon könne hier aber keineswegs die Rede sein, denn die Verhöhnung des Lieutenants durch den Knaben sei schon vollendet gewesen, als der Lieutenant erst den Entschluß gefaßt habe, de» Jungen zu fassen und zu züchtigen. Dieser Auffassung schloß sich auch das Ober- Kriegsgericht an.' Es hob das voiinstanzliche Urteil auf und verurteilte den Lieutenant Eichborn zu zwei Tagen Gefängnis, den Unteroffizier Walter, dessen schwierige Lage dein Befehl des Vorgesetzten gegenüber berücksichtigt wurde, zu 3 M. Geldstrafe oder 1 Tag Gefängnis.— Ans dein diiukelsteu Bayern. Ans München wird uns geschrieben: In der letzten Doiiiierslag-Sitzmig des Finanzausschusses der bayrischen Abgeordnetenkammer kam eine ebenso interessante Ivie empörende Thatsache an den Tag. Da die Re- gierung ivegen des Raunimangels im Miinchener Polzcigebäude drei kleinere Hänser ankaufen tvill, nahmen die Ansschußreferenten eine Loknlbesichtigung vor. Beim Bericht über diese Besichtigung konstatiert nun der liberale Abg. Dr. C n s s e l m a n n, man habe in de» Haft- lokalen der Polizei eine Lnft gefunden, daß man sich»ach dem Hineinsehen schleunigst wieder entfernen mußte: Ferner seien Zellen vorhanden,„in die kaum ein Lichtstrahl dringe". Minister V. F e i l i tz s ch, der bis dahin der Rede Cnsselmanns mit beisälligem Kopfnicken gefolgt ivar, fuhr bei diesem Wort auf und suchte zu protestieren. Ter Referent aber bestand darauf, daß seine Anführungen b u ch st ä b l i ch richtig seien und konnte sich auf den ultraiuontane» Korreferenten Abg. Frank berufen, der beiin Anblick euer Zellen gemeint habe. daß man sie gut als Dunkel- a in m c r zum Photographiercn benützen könne. Wenn man in solchen Löchern Tiere umkommen ließe, würde wohl der Tierschntzverein eingreifen. In unsrcm Polizeigebäude— in dessen höheren Stocktverken u. a. auch ein Mcdizinalbeanitcr ivohnt. der von Amts wegen a»f die Förderung der sanitären Verhältnisse binzuwirken hat— weist man aber verhafteten und sisticrten Staatsangehörigen zum Aufenthalt Räume an. die von Stickluft erfüllt sind und„in die kaum ein Sonnenstrahl dringt". Freilich meinte Herr Cassel mann, tvohl um seinen ungewohnten Widerspruch gegen die Regierung lvieder gut zu machen, schließlich, daß daS reinliche und gute Essen der Gefangenen einen Ersatz für das mangelnde Licht biete! Diesen wissenschaftlichen Grundsatz hat Herr Dr. C a s s e l m a n n vielleicht als Erbteil von seinem verstorbenen Parteifreund, dem Polizci-Arzt Dr. A u b, übernommen.— Chronik der MajestätSbeletdtgnngS- Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung wurde von der Düsseldorfer Etraftanimer ein dortiger Kutscher mit vier Monaten Gefängnis bestraft. Derselbe begab sich am Abend des 7. Dezember auf eine Polizcilvnche in Düsseldorf und meldete, er sei ohne Arbeit»nd habe kein Obdach. Weil die Polizeibeaniten nicht gleich für Obdach sorgten, sagte der Mann, er werde schon wissen, wie er die Beamten zwinge, ihm Obdach zu geben und er begann ohne Iveiteres laut auf den deutschen Kaiser zu schimpfen. Da natürlich erreichte er seinen Zivcck, wurde verhaftet und nun hat der Man» das Ver- gnügen, vier Monate staatliche Unterkunft zu haben.— Ausland. Die Kritik eines englischen Abgeordneten. London, 13. Januar.(Eig. Ber.) Die alldeutsche Entrüstung gegen Chainberlain hat im britischen Weltreiche einen Erfolg gehabt, den die deutschen Staatsmänner nicht voraussahen. Der Kolontalminister ist gegenwärtig der popu- lärste Mann in der britischen Welt. Die Thronrede legte besonderen Nachdruck auf die Humanität der englischen Armee in Südafrika; Australien und Neuseeland protestierten mit großer Schärfe gegen die Beleidigung ihrer Soldaten, und Chamberlains Rede in Birmingham, in der er dem deutschen Reichskanzler eine herausfordernde Antwort zn teil werden ließ, wird hier als ein Meisterstück betrachtet. Außer- dem hat der ganze Rummel nur der boerenfreundlichen Agitation in Englnud geschadet, die doch unter den obwaltenden Umständen die einzige ist, die der Sache des Friedens nützen könnte. Für die Haltung des Auslandes den Boercn gegenüber haben nur T h a t e n einen Wert. Bloße Worte sind, wie die Er- fahrung zeigt, schlimmer als wertlos. Sie sind absolut schädlich. Kritik soll man ruhig den freiheitlich gesinnten Engländern überlassen, die ihre Pflicht vollauf thun, wie kein deutscher Bourgeois unter ähnlichen Umstände» thun würde. Mr. C h a n n i n g, der liberale Abgeordnete für den länd- lichen Wahlkreis in East- Northamptonshire, beantragte gestern folgendes Amendement zur Adresse: „... Tie schrecklichen Opfer an Leben und die Bergendung der nationalen Hilfsquellen werden verlängert, die Aussicht auf Frieden wird gefährdet durch die Politik Sr. Majestät Minister, indem sie auf die unbedingte Unterjochung der holländischen Rasse in Südafrika bestehen und zu dieseni Zweck Maß- regeln in Anwendung bringen, die zugleich barbarisch, un- gesrtilich«nd nnklug find, wie die summarische Zerstörung der Häuser der holländischen Einwohner der beiden Republiken, die Ueberlieferung von Tausenden von unschuldigen und wehrlosen Frauen und Kindern dem Leiden und dem Tode in den Konzen« trntionslagern, die Aufhebung der Verfassung und der bürgerlichen Rechte in der Kapkolonie und die Hinrichtung und Deportation von sogenannten Rebellen und Verdächtigen auf Grund des KriegSrechts." So spricht ein englischer Liberaler im Parlament. Er nennt Transvaal und Oranjestaat„Republiken", trotz« dem sie seitJahren offiziellalsKolonieannek» tiert worden sind. Welcher b ü r g e r l i ch e d e u t s ch e Ab- geordnete hatte im Jahre 1871 im Reichstage den Mut gehabt, Elsaß-Lothringen als Republiken zu nennen? Und doch wird Balfonr, der Vertreter Salisburys im Unterhause, nicht so ver- s ch r o b e n sein, Channing des Mangels an Patriotismus anzuklagen. Das offizielle Amendement der l i b e r a l e n P a r t e i ist viel milder und kürzer. Es lautet: „... Indem wir bereit sind, geeignete Maßregeln zur wirkungsvollen Fortsetzung des Krieges zu unterstütze», sind»vir der Meinung, daß der von Sr, Majestät Ministern eingeschlagene Weg zur frühzeitigen Beendigung des Krieges und znr Herstellung eines dauernden Friedens nicht führt." � Dieses Amendement lvird von Mr. L a w l e h beantragt werden. Erhält es eine Majorität, so fällt das Ministerium. DaS ist indes nicht tvahrscheinlich. Die Iren werden eher für daS Amendement Channing stimmen, und es ist sehr zweifelhaft, ob die liberale Partei so viele Abgeordnete der unionistischen Partei gewinnen würde, um die Regierung schlagen zu können. Die Milde deS Amendements dürfte wohl auf eine solche Politik berechnet sein.— Schweden. Ter schwebische Reichstag trat am 15. Januar zusammen. „Ohne große Hoffnungen," schreibt Hj. Branting in„Socialdemo- traten",„mit der bitteren Erinnerung an frühere gebrochene Gelübde und mit scharfem Mißtranen, daß so etwas wieder versucht werden soll, sieht des schwedischen Volkes wahlrechtlose Mehrheit die Re- Präsentation der besitzenden Klasse» zusammentreten. Eine Maffe von Fragen, unter ruhigen VerhältnissensehrlvichtigeFragen, kommen auf die Tagesordnung des 1902-NcichstageS. Aber alle schrumpfen zusammen zur Unbcdcutendheit gegenüber der nun allein dominierende» Frage: soll des schwedischen Volks innere V e r t e i d i g u» g s- frage, die Wahlrcchtsfrage, nun eine Lösung finden, die der Nation neue Kraft, neuen Lebensmut, nlene Znkiinftshoffnung gicbt? Die Arbeiterklasse wartet der Antwort— aber nicht iii thatenloscr Ruhe. Sie sammelt Kräfte za der Krise, der wir un- aufhaltsam entgegentreiben, um den Staatsmännern fortlvährend in die Zügel zu greifen." Nach einer Meldung der„Ny Tid" in Göteborg soll der König sich im Staatsrat dahin geäußert haben, daß der das Ministerium verabschieden müsse, wenn es demselben nicht gelingen würde, das allgemeine Wahlrecht durchzusetzen.„Mein Volk," soll er u. a. ge- sagt haben,„ist daS reifste Volk in der Welt, darum soll es auch zu meiner Lebenszeit volles Bürgerrecht haben." Wenn der König sich wirklich so vernünftig über diese so wichtige Frage ausgesprochen hat. ist das jedenfalls anzuerkennen.— Tic Wahlrechtsreform in der Thronrede. Bei der feicr- lickien Eröffnung des Reichstags, die am 17. Januar stattfand, äußerte sich der König in der Thronrede folgendermaßen:„Ich bc- absichtige, Ihnen im Laufe der Reichstagssession einen Vorschlag znr Ausdehnung des Wahlrechts zur zweiten Kammer, hauptsächlich ge- gründet auf die kommunale Sienerpflicht, vorzulegen." Wenn die angekündigte Reform nicht über den Kreis der Kommunal-Wahl- berechtigten hinauSsühren soll, so bleibt sie>v e i t hinter der Forderung nach allgemeinem Wahlrecht zurück.— Frankreich. Der socialistische Abgeordnete Ronanet interpellierte die Regierung über die traurige Lage der Armenier. Der Minister des Aeußern Delcassö erklärte, er gebe zu, daß die Arnicnier alle Sympathien verdienten und ihre Lage eine in vielen Beziehungen bedauernswerte sei; aber diese Frage sei mm einmal keine französische, sonder» eine internationale. Da Frankreich dem Berliner Vertrage bei- getreten sei, könne es nicht mehr in voller Freiheit im Orient isoliert vor- gehen, eine gemeinsame Intervention aber könne schwereVerivickelungcn hervornifen. Trotzdem sei Frankreich durchaus geneigt, sich an einer gemeinsamen Aktion der C ißmächle, wie in China, zn be- teiligen. Im übrigen hätten die Armenier selbst anerkannt, daß die diplomatischen Vorstellungen Frankreichs häufig genügt hätten, um ihre Lage zu verbessern. Die Kammer billigt schließlich mit 65 Stimmen Majorität die Erklärungen des Ministers.— England. Die Jrliiudcr und DcwSbm-y. London, 16. Januar.(Eig. Ber.) Wie der„VorlvärtS" bereits mitteilte, hat die irische Partei- l e i t u n g den in Dewsbury wohnenden Iren empfohlen, gegen Queich und für de» liberalen Imperialisten Runciinan zn stimmen. Der irische Abgeordnete Michael Davitt, der alte Führer der Laudliga, schreibt hierüber in einem in der heutigen„Justice" veröffent- lichten Briefe:„Ich bin keineswegs verantwortlich für de» Rat, der de» irischen Wählern gegeben wurde... Ich beklage es tief, daß man irische Arbeiter veranlaßt oder zwingt, für einen Mann zn stinimcn, der dcu verabscheuenswerte» Krieg sin Südafrika) billigt.... Die englischen Arbeiter, für welche Queich und andre gearbeitet, sind die wirklichen Feinde der Freiheit in Südafrika und die sklavischen Verehrer ihrer „hörercn", der Großgrundbesitzer, der Kapitalisten und Advokaten, die ihnen Kriege bereiten, in denen sie erschlagen werden, oder Werkhänser, in denen sie als degradierte Arme sterben könnten. In den Augen der englischen Arbeiter ist eS daS stärkste Argument gegen Queich, daß er gleich 30 Proz. der Wähler von DcwSbury ein einfacher Arbeitsmann ist. Die politischen Sklaven des Wahl- kreises werden einem konservativen oder liberalen Kapitalisten einem Manne vorziehen, der ihr Klassengenosse ist. Der gewöhnliche Boer in Südafrika besitzt fünfzigmal mehr Mannhaftigkeit und Intelligenz, als der gewöhnliche, stimmberechtigte Arbeiter Englands." lind Michael Davitt kennt aus eigner Erfahrung beide: den Boer und den englischen Proletarier.— HtavtatnenkÄlVifttzes. Abgeordnetenhaus. Bon freisinniger Seite find zwei Anträge im Abgcorduetenhause eingebracht worden. Der eine ersucht die Staatsregierung, eine Abänderung des Gesetzes vom 27. Juni 1860, betreffend die Feststellung der Wahlbezirke für das HanS der Abgeordneten, und des Gesetzes vom 17. Mai 1867 cutsprechend den in den letzten 40 Jahren eingetretenen Verschie- bnngen der Bevölkerung in die Wege z» leiten. Der ziveite ersucht das Hans, die zur Einführung der fakultativen Feuerbestattung in Preußen erforderliche» gesetzgeberischen Maßregeln zu treffe». Der Boere«- Krieg. Ein Gefecht bei Griqnatow». Bei der Einnahme einer Boerenstelliing in der Nähe von G r i q n a l o w n wurden ei» Major und 4 Mann getötet, 5 Mann lvurden verlvundet. SchceperS staudrechtlich erschofle»! Das Urteil gegen Scheepers, das auf Todesstrafe lautet, ist ver- öffentlicht und von Kitchcner bestätigt worden. Scheepers ist am Soilnabendnachmittag e r s ch o s s c n' iv o r d e n. Die Untersuchung gegen K r n i tz i n g e r beginnt nächste Woche. Den Boeren wird schließlich trotz aller Bedenken nichts andres übrig bleiben, als endlich einmal an einer Anzahl von gefangenen Offizieren ein Exeinpel bluliger Vergeltung zu statuieren. Freilich müssen die betreffenden Boerenkominandanten dann mit aller Be- stimmlheit damit rechnen, daß auch ihnen im Falle eines schließlichcn Unterliegens kein Pardon gegebe» wird. Das mag auch die Ursache sein, daß die Boeren bisher noch nicht nach dem Grundsätze der Widervergeltnng gehandelt haben. Die Behandlung socialdeuiokratischer Redactenre im Ge- fängniS. Die„Rheinisch-Weslfälische Arbeiterzeitung" teilt mit, daß für Bredenbeck die Sclbslbeschäftignng nachgesucht und auch bereits Vorschuß zur Kostendeckung gezahlt worden war. Das Gesuch ist aber von der Regierung abgelehnt worden. Darauf ersuchte Bredenbeck den Gefänguisdirektor Werther, einige Bücher. eine Weltgeschichte und die deutschen Sieichs- gcsetze in seinen freien Slunden studieren zu dürfen. Das schlug dieser ihm ab mit der Bemerkung, er habe keine Ur- fache, Br. anders wie irgend einen andren Gefangeneu zu halten, ein Privalmann könne sich eine Bibliothek halten, einem Gesaugenen sei so etwas nicht gestattet. DaS öffentliche Interesse für und gegen Socialdcmokraten. Gegen den Redacteur der.Breslauer Volksivacht". Genossen Ktühs, erhob die dortige Staatsanwaltschaft Velcidignngsklage im öffcni- lichen Interesse,' weil er einen Mühlenbesitzer beleidigt haben soll. Klühs hatte nämlich Mitteilungen erhalten über Mißstände in einer dortigen großen Mühle. Darauf hin schrieb er an den Besitzer der Mühle einen Brief, worin er diesem von den Mitteilungen Kenntnis gab, um ihni Gelegenheit zu geben, die Mißstände, von denen er voraus- setzte, daß sie demBesitzer unbekannt seien, zu bes ei tigen. Durch diesen Brief, den er nicht veröffentlichte, soll er die Beleidigung bedangen haben. Das Schöffengericht sprach ihn jedoch frei, weil es in dem Briefe nicht die geringste Beleidigung finden konnte. Der Staatsanwalt legte Berufung ein und das Verfahren schwebt noch. Ein VersichernngSdirektor nannte als Zeuge vor Gericht die Redactenre der„VolkSwacht".Verbrecherbande". Darauf beantragte KliihS bei der StaatSaiiwaltschaft die Erhebung der Beleidigungs- klage gegen diesen Herrn. Der Antrag ivurde von derselben Staats- anwallschaft abgelehnt, weil kein öffentliches Interesse zur Verfolgung vorliege. Was mag wohl die Breslauer Staatsanlvaltschaft unter„öffent- lichcm Interesse' verstehen? Soclaldemokratische Wahlsiege in Diinemark. In den beiden jütläudischen Städten Esbjerg und Silkeborg fanden am 14. resp. 13. Januar Geineinderatswnhlen statt. In Esbjerg siegte die rein socialdemokratische Liste mit 918 bis 941 Stinimcn. Die bürgerlichen Kandidaten erhielten 200—628 Stimmen. Die Liberalen hatten das Wahlbündnis mit den Socialdemokraten gebrochen. Ge- wählt sind 10 Socialdemokraten und keiner der bürgerlichen Kandidaten. Esbjerd ist die erste dänische Stadt, in der die all- gemeine Wählerklasse nur Socialdemokraten in die Gemeindevertretung gewählt hat. 78 Proz. der Wähler stimmten. In Silkcborg lvurden 3 Socialdemokraten und 2 Liberale auf gemeinsamer Liste gewählt und außerdem ein Moderierter. Die für die socialdemokralischen Kandidaten abgegebenen Stimmen sind seit 1898 von 288 auf 466 gestiegen. Gestimmt haben hier 87 Proz. der Wahlberechtigten.— Rnö der Schweiz. Der Genoffe Paul Brandt verläßt nächstens den Posten am Arbeitcrsekretariat in Winterthur, um als Nachfolger des verstorbenen Genossen Mettier die Redaktion des„Grütlianer" zu übernehmen. Als Nachfolger Brandts lvählten die Winterthurer Genossen den Genosse» Kaufmann, Maschinciiineister(Bilchdruckcr) in Franenfeld._ Aus FttduNriv und Bundes. Der internationale Schiffahr tStrnst hüllt sich noch immer in ein Dunkel. Während von einer Seite behauptet wird, es sei nur eine Verständigung der englisch-ameri- kanischen Gesellschaft beabsichtigt, wird von andrer Seite das Hineingreifen der dcntschen Gesellschaften als ganz selbstverständlich betrachtet und die Konferenz in New Kork nur als eine Fort- fetzung und Ausbau der in Köln im vorigen Jahre ge- troffencn Vereinbarungen angesehen. Sicher ist, daß Herr B a l l i n von der Hamburg- Amerikanischen Paketfahrt- Aktiengesellschaft und Herr Dr. W i e g a n d vom Norddeutschen Lloyd an den Verhandlungen in New Jork teilnehmen. Wie einem hiesige» Korrespoudenz-Bureau mitgeteilt wird, beabsichtigt der amerikanische Grnnderköuig Morgan eine Verschmelzung sämt- sicher oceauischer Linien durchzuführen. Bis jetzt seien die VerHand- lungen mit folgenden Linien zum Abschluß gebracht:„Red Star Line", „White Star Line",„Cnnard",„Leyland",„Holland— Amerika-Linie", „Allan Line" und„Anchor Line". Das Kapital für diese Kombination soll zwei Milliarden Mark betragen. Die Gesellschaft soll im engen Zusammenhang mit dem großen amerikanischen Stahl- Trust arbeiten. Deutsche Gesellschaften seien indessen nicht daran beteiligt, heißt es zum Schluß. DaS New Dorker Blatt„The Sun" bestätigt gleichfalls die enge Verbindung des llnteriiehineiiS mit dem großen amerikanischen Stahl- trust. Die leitenden Persönlichkeiten glauben, so bemerkt daS Blatt iveiter. daß die französischen und deutschen SchiffahrtS-Gescllschaftcn gern die Gelegenheit ergreifen werden, Angebote für ihre Zulassung zu dem neuen Kartell aufzustellen. Aehnlich lautet eine Meldung der„Morning Lcnder" in London, so daß man zu der Vermutung kommen kann, daß die deutschen Gesellschaften noch keine Zusage erteilt haben, oder überhaupt keine große Neigung seitens der Amerikaner besteht, die deutschen Gesellschaften mit hincinznzichen. In der That Iverden die deutschen Gescllschafte» in keine an« genehme Situation gedrängt; denn den Amerikanern kommt es darauf an, billige Frachtsätze mich europäischen Häfen festzulegen, die deutschen Gesellschaften also zu zwinge», mncrikanischen Fabrikaten billigeren Eingang zu verschaffen. Dennoch iverden sich der Lloyd und die Paketfahrt- Gesellschaft der ltmklamnierung nicht entziehen können, denn der Äonkurrenzkampf würde ihnen so erheb- lichen Schaden zufügen, daß sie immer noch den besseren Teil erwählen, wenn sie mit ihren Partnern den Ausgleich suchen. Eine planmäßige Ausnutzung des SchiffnhrtS-VerkehrS kann mit niederen Frachtsätzen noch immer eine Rcutabilität der Unter- liehmungcn sichern, denn der Trust wird die Berschwendinig von Material und Arbeitskräften beseitigen, er wird seine Schiffe nur genügend befrachtet laufen lassen. Interessant ist au dieser neuen Gründung, daß sie nicht Ivie alle übrige» Trusts auf eine Erhöhung der Preise biuausgehen lvird, sondern bei der engen Verbindung mit dem Stahltrust sicher auf eiue Verbilligung der Frachten gerichtet ist. Herr Schwab, der Leiter des amerikanischen Slahltrnst, soll zivar nach einenr Jntervieio, daS die Wiener„Freie Presse" bekannt giebt, erklärt haben, daß amerikanisches Eisen auf dem deutschen Markt nicht in Konkurrenz treten könne, ivcil der Zoll zu hoch ist. Diese Stellung der amerikanischen Fabrikation wird sich sofort ändern, sobald eine Stockung im Absatz eintritt, und die amerikanische Eisenindustrie mehr auf den Export gedrängt wird. Aber Herr Morgan ist nicht nur bei dem Stahltrust interessiert sondern bei zahlreichen andren Gründungen, die einer billigen Aus- fuhrfracht Vorteile abgewinnen können. Gelingt diese Gründung, dann gehört sie zn einem der größten Geniestreiche des amerikanischen Geilnderkönigs, wir hätten es mit einem kapitalistischen Juteresscnring zu thun, der ivirtschaflspolitisch von hervorragender Bedeutung iverden kann. Staatliche Lokoinotivbestcllnnge». Die nunmehr erfolgte Bestellung von ca. 750 Lokomotive» repräsentiert einen Wert von 44 Millionen Mark. Beteiligt sind sämtliche Lokomotivfabrike» in Preußen, je nach ihrer Größe. Die Preise haben im Vergleich mit der Vergebung im Juli des vergangenen Jahres eine Ermäßigung von ca. 3Vs Proz. erfahre». Die Ablieferung sämtlicher Lokomotiven muß bis inkl. April 1903 auf anSdrücklicheu Wunsch des Ministers beendigt sein. PreiSe rhöhnnge» des Drahtstift-Berbaudeö. Der erhöhten Preislage für Walzdraht ist die Preiserhöhung für Drahtstifte gleich auf dein Fuße gefolgt: das Syndikat zeigt den Werken eine Er- höhung der Preise auch für Handverkäufe um 50 Pf. die 100 Kilo au. Diese Preiserhöhung tritt sofort i» Kraft. Wie die„Kölnische Volkszeitnng" erfährt, hat der Drahtstiftcu-Verband durch einige größere Drahtstift-Werkc die Ringelsche Fabrik(Rheinische Drahtstift- Fabrik in Ehreufcld) aufkaufen lassen. Der Verband hat damit einen Wettbeiverbcr sich vom Halse geschafft. Jetzt versteht man auch die verschiedentlichen Preiserhöhungen der letzten Zeit. Daö Kohlensyndikat verzeichnet nach dem in der Zechenbesitzer- Versammlung erstatteten Bericht im Dezember 1901 eine Minder- l�rdenmg geflen die Beteiligung von 14,48 Proz. Der Gesamt !>versmid an Kohlen, Cvaks nnd Brikets betrug im Dezember -4007187 Tonnen, der arbeitstägliche Versand 1S0S9 Doppel- Waggons, d. i. 8,16 Proz. weniger als im Dezember 1900 und 2.-81 Proz. weniger als im November 1901. Im ganzen Jahre 1901 betrug die rechuungsfähige Beteiligung 57 172 284 Tonnen gegen 54 444 970 Tonnen im Vorjahre Z sie ist mithin gegen das Vorjahr arbeitstäglich um 4,75 Proz. gestiegen; die Förderung betrug 50 411926 Tonnen gegen 52 080 393 Tonnen, ist also UM 3,45 Proz. hinter der des Vorjahres zurückgeblieben. Für die rasch fortschreitende Accumnlation deS industriellen Kapitals bieten die Vereinigten Staaten von Amerika eine Fülle von Beispielen, so auch in dcr'Lederiudustrie. Dort ist von 1890 bis 1900 das angelegte Kapital um 78 Proz. d. h. auf fast 700 Millionen Marl gestiegen, dabei hat die Zahl der Fabriken in diesem Decennium um 25 Proz. abgenommen, ihre Zahl beträgt nun blos»ach 1306. von denen jede im Durchschnitt um annähernd 5 Millionen Mark Leder verarbeitet.—_ GemevkPltzAfklMzss. Berlin nnd Umgegend. Der Konflikt in der Holzindustrie lag am Montagabend einer zahlreich besuchten Versammlung aller Arbeitgeber-Verbände im Holzbearbcitungs-Gewerbe zur Beschlußfassung vor. ES handelt sich bekanntlich um die seitens der Unternehmer angedrohte Aus- sperrnng von Mitgliedern des Holzarbeiter-Verbandes'sür den Fall, daß letzterer die bestehenden Sperren nicht aushebt. Der Holz- arbeitcr-Vcrband hat sich dessen geweigert, aber erklärt, daß er zu Verhandlungen zwecks Beilegung bestehender Differenzen stets bereit sei. Inzwischen haben Verhandlungen zwischen beiden Organisationen statt- gefunden. In einer Sitzung von Vertretern beider Teile, die jder gestrigen Arbeitgeber-Versammlung unmittelbar voranging, wurde zwischen den Vorsitzenden der Arbcitgeber-Organisationcn nnd den Vertretern des Holzarbeiter-Verbandes das Folgende vereinbart: 1. Die Arbeitgeber erklären sich bereit, bei allen Werkstatt- differenzen mit dem Holzarbeiter-Vcrband zur Beseitigung der- selben in Verhandlung zu treten. 2. Während der Verhandlungen dürfen weder Sperren verhängt, noch Posten gestellt werden: auch sollen Neueinstellungen während dieser Zeit nicht vorgenonimen werden. 3. Bei allen Differenzen dürfen die in Frage kommenden Arbeiter während der Verhandlungen die Arbeit nicht niederlegen. 4. Der Holzarbeiter- Verband zieht die bestehenden Sperren und Streikposten zurück. In der Versammlung herrschte anfangs eine sehr kampflustige Stinnnring, hervorgerufen durch die Ausführungen einiger Nediier, die von Verhandlungen mit dem Holzarbeiter-Verband nichts wissen und die Aussperrung rücksichtslos durchgeführt wissen wollten. Schließ- lich siegte aber doch die von den Vorständen vertretene bessere Einsicht, daß die Aussperrung ei» zweischneidiges Schwert ist, welches die Arbeitgeber ebenso scharf trifft wie die Arbeiter, nnd daß es keines- weg? gelingen wird, den Holzarbeiter-Verband zu vernichten. Herr Bry, der die vorstehende Vereinbarung angelegentlich empfahl, o. merkte unter andrem: In den Reihen der Arbeitgeber sei der Gedanke der Eiiifühning einer T a r i f g e m e i n f ch a f t im Holz- bearbeitungs-Gewerbe aufgetaucht. Der Verivirklichung dieses Gedankens ständen noch viele Schwierigkeiten entgegen, aber es müsse an deren Ueberwindlmg gearbeitet werden, damit es z» einer Tarifgemeinschaft kommt. Nach langer Debatte wurden die vorstehenden Verein- barungen f a st einstimmig angenommen. Damit ist der Konflikt beendet. Deutsches Reich. Warnung. Vor dem Arbeiter Heinrich Rutenberg ans Hastedt wird hiermit nachdrücklichst gewarnt. Derselbe hat sich nämlich bei verschiedenen Geiverkschnftcn und Vereinen durch alle möglichen Vorspiegelungen Geld zu verschaffen getvußt. Namentlich hat er bei den Frauen der Kassierer sein miserables Hnndwerk betrieben, indem er sich als Revisor ausgab und vorgab, den Auftrag zu einer Kassenrevision zu haben. Dabei suchte er dann das Geld an sich zn ziehen, angeblich um es beim Hauptvorstand abzuliefern. Verschiedentlich ist ihm sein Trick gelungen. Nochmals sei nachdrück- lichst vor diesem Schwindler gewarnt. Der Vorstand des Bauarbeiter-VerbandeS. Zahlstelle Hastedt. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Nachdruck ersucht. Berichtigung. In unsrer Sonntagsnummer teilten wir mit, '»aß der Central-Vorstand der Bildhauer die Erhebung eines Extra- beitrags angeregt hat. Die Höhe deS Extrabeilrags soll jedoch nicht, wie dort infolge eines Druckfehlers angegeben 10� sondern 20 Pf. wöchentlich betragen. Die Zeitschrift für Graveure nnd Ciseleure erscheint vom 1. April d. I. dreimal monatlich, anstatt bisher zweimal. DaS Verlange« der Polizeibehörde in Apeiirade, welche bekanntlich von den Gewerkschafte» ungesetzlichcrweise die Aus- schließung der Ausländer forderte, hat noch zu einem merkwürdigen Nachspiel innerhalb der Gewerkschaften selbst geführt. Die Central- vorstände der Maurer und Hilssarbeiter hatten nämlich ihren Zahl- stellen in Apcnrade den Rat enthält, die Ausländer sollten vorläufig aus de in Verbände ausscheiden. Die Maurer folgten diesem Rate nnd zwei Ausländer mußten dein Vorstandsbeschluffe entsprechen. Dieser Tage beschäftigte sich nun das Gewerkschaftskartcll in Apcnrade mit der Angelegenheit. Das Vorgehen beider VcrbandSvorstände wurde einer scharfen Kritik unterzogen und beschlossen, im„Correspondcnzblatt der Geivcrk- schaftcn" zu der Sache Stellung zn nehmen.— Wegen der schlechten Arbeitsgelegenheit in Apenrade sollen glcichcrzeit die dänischen Bau- arbeiter iii ihrer Fach- und Parteipresse vor Zuzug nach Apeurade gelvarnt werde». Die Kutscher der Firma Albers Witwe in Harburg habe» daS Gcwerbcgcricht als Einigungsamt angerufen: die Inhaberin der Firma hat sich jedoch gelveigert, vor dem Einigmigsamt zu ver- handeln. Lohnrednktion. Die Konjunktur ausnutzend, zog die Aktien- gescllschaft für Zinkindustrie in H a m b o r n, ohne vorherige Eini- gung mit den Arbeitern, 7 Prozent vom Lohn ab. Fast sämtliche Arbeiter(150) legten darauf die Arbeit nieder. Die Firma ließ erklären, iver am nächsten Tage die Arbeit nicht aufnehme, sei ent- lassen. Trotz dieser Ankündigung erschien niemand zur Arbeit. Die elenden Verhältnisse haben die Arbeiter, die sonst indifferent dahin- leben, zu einer That der Verzweiflung getrieben. Eine Lohnbewegung im Baugewerbe bereitet sich i» Wolfe nbüttel vor. Die dortige» Maurer fordern 43 Pf. Stundenlohn gegen bisher 40 Pf., bessere sanitäre Einrichtungen, in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. April eine heizbare Baubude und Festlegung des 1. Mai als Feiertag. Die Meister erklärten alle Forderungen für indiskutabel mit Ausnahme der Lohnforderung: zu einer Lohnerhöhung aber seien sie außer Stande.— Die Zimmerer beanspruchen 47 Pfennige Stundenlohn, filr Ueberstunden 10 Pfennige Aufschlag. zehnstündige Arbeitszeit und für Sonntags- und Nachtarbeit doppelten Loh». Die Meister erklärten, noch keine bindende Autivort abgebe» zu können, weil mehrere von ihnen fehlten; die Anwesenden aber verhielten sich ablehnend.— Kommt es zn keiner Einigung, so dürften im Bau- gelverbe zu Wolfeubiittel Arbeitseinstellungen bevorstehe». Die Arbeiter der Scidenstoffweberei Baumanu n. Cie. in Rheinfelden(Baden), haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit ein- gestellt. Ausland. Streiks in der Schweiz. Die ca. 600 Arbeiter und Arbeite- rinnen der Baumlvollspinneret Hässy in Creva bei Lnino(Kt. Tesfin) haben wegen versuchter Lohnreduktio» die Arbeit eingestellt, des- gleichen sind die italienischen Erdarbeiter beim Straßenbau Lichten- steig-Hochsteig(Kt. St. Gallen) in den Streik getreten. Für die Errichtung von Betriebswerkstätten in Zürich sind die organisierten Schneider daselbst in eine Bewegung ein- getreten. Auf eine bezügliche Zuschrift an die Schneidenneister- Organisation hat die Gewerkschaft eine dumme, läppische Antivort erhalte», die eine Verherrlichung der Heimarbeit sowie eine Ent- zweiung der Gehilfen versucht. Eine große, von ca. 800 Personen beiderlei Geschlechts besuchte öffentliche Schneiderversammlung proticrte gegen die Demagogie der Meister und beschloß: Eintreten für Errichtung von Betrieb'swerkstätten, Tarif mit Minimum und Besserstellung der Heimarbeiter durch Zuschlag bon 10 Proz. Die Streikbewegung in Italien hat zwar nicht mehr den Umfang und die Ausdehnung wie im vergangenen Sommer; sie ist jedoch noch nicht ganz erloschen.— In Florenz dauert schon seit Woche» ein Streik der Gießerei-Arbeiter und Metall- d r e h e r. In Genua Chatte vor kurzem ein Gasarbeiter- A u s st a n d stattgefunden; die Gasarbeitcr drohen, von neuem in den Streik einzutreten, da ihre Forderungen noch nicht zur Durch- führung gelangt sind.— Die Glasarbeiter von Turin streiken wegen Entlassung zweier ihrer Führer.— In L u i n o haben 600 Weber und Weberinnen die Arbeit niedergelegt. weil die Unternehmer einen Lohnabzug von 35—50 Prozent durchzusetzen versuchten.— In M o n z a streiken eben- falls bereits seit Wochen die Weber.— Der Streik der Hirten von G r a v i n a däuert fort, jedoch hat ein Teil der Besitzer be- willigt.— In V o l t e r r a streiken die Waldarbeiter.— Große Befürchtungen werden gehegt bezüglich des drohenden Ausstandes der E i s e n b o h n- Ä n g e st e l l t e n; die Direktionen der mittelländischen und adriatischen Eisenbahnen stehen zur Zeit mit der Organisation der Angestellten in Unterhandlung.— Arbeits- l o s e n- V e r s a mm l u n g e n haben dieser Tage in Rom statt- gefunden, und es bat sich gezeigt, daß auch in Rom beziehentlich in Italien die Arbeitslosigkeit zuiiinmn. Die Metallfabrikantc» in Bareelona haben beschlossen, den von den Arbeitern verlangten neunstündigen Arbeitstag abzulehnen. Die ausständigen Arbeiter beschlossen infolge dessen, den Ausstand fortzusetzen._ Sociales. Notstand giebt eS nicht! Im„Düsseldorfer General-Anzeiger" stand dieser Tage das folgende Inserat: Arbeiter gesucht I 10 anständig gekleidete Leute zum Vertreiben von Warenproben gegen 25 M. Wochenlohn gesucht. Zu melden zwischen 3—4 Uhr im Hotel Continental, Düsleldorf, Königsallee. Es ist. sagt Graf Posadowsky, in den Einzelstaaten die Arbeits- losigkeit nicht besonders bcnierkt worden. An den grünen Tischen der reichsdeutschen Staaten ist es ein geflügeltes Wort: Ein Notstand existiert nicht. Und nun lese man, was iii der„Düsseid. Volksztg." einer der Arbeitslosen, der sich selbst um die oben angekündigten Stellen beworben hatte, schreibt: „Da ich nun seit 14 Tagen nichts verdient habe, aber doch für Miete und für Frau und drei Kinder aufkommen muß, war ich schon um halb 3 Uhr dort, in der Erwartung, einer der ersten zn sein, um dann zuerst berücksichtigt zu werden. Als ich um halb 3 Uhr dort ankam, war ich nicht, wie ich mir vorgestellt, einer der ersten, es waren vielmehr schon circa 250 Personen vor mir dort, cS kamen auch bis 3 Uhr noch einige Hundert hinzu, bis sich der Portier des Hotels genötigt sah, die Thür zn schließen, damit keiner mehr herein kommen sollte. Der Hausflur, die Treppen und die Korridore der Etagen standen dicht gedrängt voller Menschen, ohne diejenige», die im Hotel, d. h. in, ÄZirlschaftsranm, Platz genommen hatten. Ein Polizeibcaniter hielt die Ordnimg im Gebäude aufrecht. Es war ein fürchterliches Gedränge draußen wie drinnen, zuinal.alS einHerr sich durch die Mäuge zwängte und in ein kleines Privatzimmer ging.„Er komnit, er komml!" hieß es und olles drängte nach, dem Zimmer zu. Die auf der Treppe und den Korridore» stürmte» die Treppe herunter. Diesen Anblick aufs Papier zn bringen, vermag meine Feder nicht. Noch keine Minute bernach sah ich denselben Herrn im Gedränge, laut bittend, ihn doch nicht so zu drängen, sich ivieder dem Restaurant zu hindurch arbeiten. Als nun im Innern deS Gebäudes die Polizei die Anwesende» znni Weggehen aufforderte. hatte man auf der Straße de» Anblick, als ob eine große Volksversammlung auseinander- ginge. Polizisten ninßtc» die Passage freihalten. Ich glaube kühn behaupten zu können und eine große Anzahl Zuschauer bestärkten mich darin, daß 600 bis 700 Man» sich um diese zehn Stellen sozu- sagen gebalgt haben."—_ Zählungen von Arbeitslosen haben am Sonntag in Dresden mit llmgebnng und in Nürnberg stattgefunden. In Dresden und den Vororten einschließlich des industriellen Planeuschen Grundes wurde» 10170 Arbeitslose gezählt. In Nürnberg wurden 4891 Arbeitslose gezählt, darunter 649 weibliche Personen. Nur ein kleiner Brnchicil dieser Arbeitslosen ist organisiert. Biiidciidc Wirkung der Tarifverträge. In Breslau besteht zwischen den organisierten Arbeitern nnd Uulernehmern im Maurer- gewerbe eine Tarifvercinbarung, durch ivelche auch die Kündigung bei der Auflösung des Arbeitsverhältnisses ausgeschlossen ist. Fünf Maurer, die der Organisation n i ch t angehören, waren mit einem Untcrnchmer in Differenzen geraten und klagten deswegen auf Lohnentschädigung wegen kündignugs'oser Entlassung.„Gehören Sie n i ch t I h r e m Verbände an?" fragte sie der Vorsitzende des Gerichts.„Wozu haben Sie denn Ihre Organ i- sation? erwiderte ihnen dieser auf ihre verneinende Antwort. Es wurde ihnen bedeutet, daß sie mit ihrer Klage abgewiesen werden müßten, da durch den Tarifvertrag die Kündigung allgemein ausgeschlossen sei und ihnen dies bekannt war. Arbeitslosigkeit in der Schweiz. 350 Arbeitslose giebt cS zur Zeit in Bern, 450 in Genf, je mehrere Hundert in Zürich und Basel und mehr oder weniger in zahlreichen andern Orten. Bei der Arbeitsloseukasse in Basel, die gegenwärtig fast 800 aktive Mitglieder zählt, haben sich etwa 100 Mitglieder arbeitslos gemeldet. Alteröpcnsionen in England. Die Konferenz der gewerk- schaftlichen und genosseiischafrlichen Vertreter GroßbriiannienS tagte am 14. und 15. Januar in London, lieber das Resultat, daß wir schon kurz erwähnten, wird uns von unserm Londoner Korrespondenten noch geschrieben: Die Diskussionen zeigten einen radikaleren Charakter, als man den Vorbereitungen nach angenonmien hatte. Daß es so gekomnien, ist zum großen Teil Mr. Steadman, dem Präsidenten des Parlamentarischen Koniitees des Tradcs Unionkougresscs zu ver- danken. Das Ergebnis der Debatten drückt sich in folgender Reso- lution auS:„Die Konferenz erachtet es als eine dringende Not- wendigkeit, daß die Regierung ein nationales System von Alters- Pensionen einführt; es soll universal in seiner Amvendnng sein; alle Bürger u n d Bürgerinnen, ohne Ausnahme, sollen beim Erreichen des 60. Lebensjahres zu einer Pension von mindestens 5 Schilling(— Mark) die Woche berechtigt sein; die Kosten sind vom Staate durch eine Reichssteuer aufzubringen." Besser wäre es, wenn die Konferenz anstatt„RcichSstener" eine „Reichs-Eittkommensteuer" vorgeschlagen hätte. Wie mir einige Delegierte mitteilten, hielt die Konserenz eine AlterSpcnsion nach deutschem Muster für ganz ungenügend. Besonders waren sie gegen Beiträge von feiten der Arbeiter. findet in Tempelhof, im Lokal von Adel, Germaniastr. 1, und am Mittwoch, den 22. d. M., in Wilmersdorf in Wittes Volksgarten ein» Versammlung statt. In beiden wird Frl. I m l e über das Thema 7; „Wie können die Frauen ihre wirtschaftliche Lage verbessern t sprechen._ Die Förderung der Erwerbsthätigkeit der Frau. Die„Frauenbewegung" schreibt aus Baden: Die Abteilung Pforzheim des Vereins„F r a u c n b i I d u n g- F r a u e n st n d i u in" hatte an die Zweite Kamnier seiner Zeit um Einstellung von Mitteln zur Förderung des Handcksschulwesens für weibliche Lehrlinge und Gehilfinnen petitioniert. Die Petition wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Das Ministerium war in der Lage, diesem Verein, sowie den gleichartigen Vereinen zu Heidelberg und Freiburg, von denen entsprechende Gesuche bei dem Ministerium eiiigekommen tvaren, für die von ihnen ein- gerichteten kaufmännischen Unterrichtskurse für Frauen und Mädchen staatliche Beihilfen im Betrag von 2000 Mark schon für das Jahr 1901 zu gewähren. Diese auf die Förderung der Erlverbs- fähigkeit der Frauen abzielenden unterrichtlichen Veranstaltungen sollen auch fernerhin durch Gewährung staatlicher Mittel unterstützt und dem großherzoglichen Gcwcrberat unterstellt werden, um einen einheitlichen Lehrplan herbeizuführen. Sehr schön, daß die badische Regierung sich der weiblichen Bildung so bereitwillig annimmt. Um so mehr läßt sich hoffen, daß sie die obligatorische Fortbildungsschule für Mädchen möglichst bald einführen werde, da unzweifelhaft hiermit das meiste nnd beste für „Förderung der Erwerbsfähigkeit der Frauen" erreicht werden kann. Ans dev Frki«enbeweAttttg. Der Verein Schöneberger Frane» und Mädchen hielt am 15. d. M. seine regelmäßige Vereinsversammlung ab. Da Fräulein Dr. Springer verhindert war. sprach Fanny Jmle über den Nutzen der Gewerkschaften unter reichem Beifall. Heute, Dienstagabend, Franrnrechte in Oestreich. Die Frauen in Ostreich, die das Wahlrecht zu den Gelverbe- gerichtcn schon haben, sind jetzt auch zum Wahlrecht in Steuersachen zugelassen worden. Zur Erhebung der neuen Personal-Einkonnncn- steuer ivird eine EinichätznngSkominissioii gebildet, deren Mitglieder zur Hälfte von der Regierung ernannt, zur Hälfte von den bctrcffeudcn Steuerpflichtigen aus ihrer Mitte gewählt lverden. Die Frauen, welche selbständiges Einkonmien besitzen, haben das Recht sich an der Wahl zu be- teiligen. Die Zahl dieser Wahlfähigen— freilich nicht Wählbare n— ist von vornherein sehr eingeschränkt, indem der Besitz an Rente oder Erwerbseinkonnnen der Ehefrau dem Einkonnnen des ManneS zugezählt wird; es bandelt sich also nur um Geschiedene, Witlvcn und Unverheiratete. Daher zählt man in Wien auch nur 25 000 Wählerinnen neben über 200000 Wählern. Aber auch eine ver- hüliniSmäßig kleine Zahl von Stimmen kann unter Umständen ein ausschlaggebendes Gelvicht in die Wagschale werfen. Dringend werden die Wahlberechtigten aufgefordert, von ihrem Rechte den weitgehendsten Gebrauch zn machen. Man innhnt sie, durch eifrige, ällgemcine Beteiligung, solvohl in Wien als im ganzen Lande, zn belveisen, daß die Frauen jedes öffentliche Recht, daS ihnen gegeben wird, als Ehrenpflicht in gewissenhafter Weise wahr- ncbmcn. Da auch ein kleiner Erwerb schon zur Wahl berechtigt, befinden sich unter den Wählerinnen auch Arbeiterinnen in größerer Anzahl. Bei der vorzüglich geschulten Arbeiterpartei in Wien, bei dem regen politischen Leben unter den Arbeiterinnen, deren treffliche Leiterinnen es veistaiiden, die schlunimernde Energie in den Töchtern des Volkes zu wecken, läßt sich wohl erwarten, daß von dieser Seite alles gethan werden wird, um das kleine Stückchen neuen Rechtes in vollem Maße zu verwerten._ . DaS Franenstiinnirecht in Norwegen. Das KonstitutionS- komitec des norwegischen Storthings hat sich kürzlich mit zwei dem Storthing vorgelegten Anträgen bezüglich des staatsbürgerlichen Franeustimmrechts befaßt. Das Komitco hat einstimmig befchlossen, die Anträge nicht zur Annahme zu empfehlen, da für diese Reform nicht die nötige Sympathie unter den Stimmberechtigten vorhanden sei und man auch erst abwarten müsse, welche Wirkung das neuein« geführte l o m in u n a l e Frauenstimmrecht ans die Genieindcver« ivaltnngcn ausüben werde.—• Uetzte Mstchvichten und Depeschen« Depntiertenkanimer. PariS, 20. Januar.(W. T. B.) Berry interpelliert über die Weigerung des Haager Schiedsgerichtshofes, das Ansuchen der Südafrikanischen Republik und deS Oranje-Freistaates zu prüfen. Der Redner betont, daß Europa nicht in den ungleichen Kampf eingegriffen habe und daß die Entscheidungen der Haager Konferenz allein die Signatarmächte betreffen Die Mächte könnten indessen ihre Vermittelung anbieten, obwohl das als ein unfrenndlicher Akt betrachtet würde. Er glaube, daß der gegenwärtige Augenblick günstig dazu sei. er erinnere nur an die Verletzung der Gesetze über die Kriegführung. Der Abt L e m i r e spielt auf die Hoffnungen an, die einst der Süd- afrikanischen Republik gemacht worden seien durch ein andres Land als Frankreich, und an die Worte eines Ministers, der gesagt habe, daß Transvaal das Grab der Engländer sein würde. Frankreich müsse danach streben, dem Kriege ein Ende zu machen. Leon Bourgeois erkennt an, daß die Haagcr Konferenz bisher nicht die erwarteten Ergebnisse gehabt habe; aber man dürfe an der Zukunft nicht verzweifeln. Der Mini st er des Auswärtigen Delcasfä erklärt, man sei immer sicher, ein Echo zu finden, wenn man sich an die Gefühle der Menschlichkeit wende. Die Redner, Ivelche dies gethan hätten. würden cs aber auch natürlich finden, daß der Minister des Auswärtigen andren Erwägungen gehorche; er erkläre, daß die Signatarmächte der Haager Konferenz sicher die Schrecken deS Krieges hätten vermindern ivollen; sie hätten aberfhinzugefügt, daß man gewissen Ilmständen Rechnung tragen müsse. Wer werde, fragt der Minister. Richter dieser Umstände sein? Derjenige, der sich zum Richter machen wollte, würde Gefahr laufen, Konflikte zu verursachen. Der Verwaltnngsrat des Schiedsgerichts- Hofs habe sich nur inkoinpetcnt bezüglich der Südafrikanischen Republiken erklären können. Er seinerseits würde kein Bedenken tragen, die Initiative zu einer Vermittelung zu er- greifen, wenn dieselbe von beiden Parteien angenommen würde. Aber bisher gestatte nichts die Annahme, daß es dazu kommen werde. Man müsse den Krieg führen, um das Ende desselben herbeizuführen. Hierauf wird die von der Regierung angenonunene einfache Tagesordnung niit sehr großer Mehrheit angenöinmeu und die Sitzung aufgehoben._ Hamburg, 20. Januar.(W. T.©.). Der Dampfer„German empire", seil Jahren in regelmäßiger Reihenfahrt zwischen Hamburg und Liverpool, ist auf der Rückfahrt nach Hamburg heute bei dein Neuharlingersiel in der Nähe von Spiekcroog im Nebel gestrandet. Das Schiff ist voll Wasser; die Besatzung konnte gerettet werden. Neust, 20. Jannar.(B. H.) Heute früh lim 6 Uhr brach in der hiesigen Alcxianer-Jrrenanstalt Feuer aus. Die Wäschekammer brannte vollständig aus. Die Fenerivehr verhinderte durch so- fortigeS Eingreifen eine weitere Ausdehnung deS Brandes. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Wien, 20. Jannar.(B. H.) In der Nähe der Station Traut- mannSdorf der östreichisch-ungarischen Staatsbahn geriet ein Petroleum befördernder Lastzug in Brand. Vier Bahnbcdienstcte wurden schwer verwundet. London, 20. Januar.(W. T. B.) Unterhaus. G i b s o n B o w l c s fragt den Parlanicnts-llntersckretär C r a n b o r» e, ob er jetzt Aufschluß geben könnte über den Zweck d e S geheimen Vertrages zwischen England und Deutschland im Jahre 1899 und ob er dem Hause versichern könne, daß der Vertrag sich nicht auf di» projektierte deutsche Eisenbahn in Klein-Asien beziehe. Cran- dorne erwiderte, der Vertrag sei geheim, er könne darum keinen Aufschluß geben._ Verantivortlichcr Rcdacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke t» Berlin,»ruck und Verlag von»iax vadin« in verlin. Hierzu 2 Beilage»». linterhaltiingsblatt. «r. n. i9. ,.»» i, KtilM des„Kmörls" Knlim KWIM««I»»«'°«. MeickzskÄg« 122. Sitzung voni Montag, 20. Januar 1802, nachmittags 1 ll h r. Llm BiindeSratstisch: Graf v. PosadowSkh. Auf der Tagesordnung steht zunächst folgender, von allen Partelen nnterstütztc Autrag Dr. Arendt:„Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen: durch einen Nachtrags- Etat zum Rcichshanshalts-Etat für das Rechnungsjahr 1S01 die Auszahlung aller auf Grund des Gesetzes vom 22 Mai 1895 bewilligten Beihilfen an Kriegsteilnehmer vorn 1. Januar 1902 ab herbeizuführen." Der Antrag wird debattelos und einstimmig angenommen. Der Gesetzentwurf über die Verlegung der deutsch- dänischen Grenze wird in- dritter Lesung debatteloS an- genommen. Nach Erledigung einer NechnungSsache setzt das HauS die Besprechung der Interpellation Albrecht u. Genossen, be- treffend Matzregeln gegen die Arbeitslosigkeit fort. Geheimrat Wehrmann: Herr Lenzmann hat behauptet, dah kurz vor dem Altenbekener Unglück auf der betreffenden Strecke Altenbeken— Paderborn die Zahl der Bahnwärter vermindert sei. Das ist unrichtig. Die Zahl der Bahnwärter auf jener Strecke ist seit 10 Jahren dieselbe.— Datz bei der Durchfahrt des Kronprinzen be- sondere Schutzinasiregeln getroffen werden, ist selbst- verständlich. Uebrigens konstatiere ich, datz wie natürlich infolge des gesteigerten Verkehrs die Zahl des Personals erheblich vermehrt worden ist. Für 1. Dezember v. I. waren 1334 Arbeiter über den Bedarf vorhanden. Sämtliche Eisenbahnbehörden sind angewiesen, die Bauprojekte zu beschleunigen. Das ist bereits im Septenrber verfügt worden und die Folgen haben sich bereits in vcr- rnchrter Einstellung von Arbeitern gezeigt. Selbstverständlich ist auch, daß so iveit irgend möglich zunächst inländische Arbeiter an- genommen werden. Abg. Hoch sSoc.): Herr Abg. Hitze dankte dem Grafen PosadowSky für die Mitteilung des amtlichen Materials. Ich kann mich diesem Danke nicht anschließen, weil mir das Material völlig wertlos z u s e in scheint. Die amtlichen Berichte beruhen nicht auf zu- verlässigcn statistischen Erhebungen, sondern auf mehr oder weniger willkürlichen Schätzungen von solchen Personen, deren Gewissenhaftigkeit und Unparteilichkeit, deren Fähigkeit für solche Arbeiten wir zu beurteilen gar nicht in der Lage sind. Dazu kommt, datz sich das amtliche Material auf Verhältnisse bezieht, die vor mehreren Monaten galten, und überholt worden ist durch die Verschlechterung des Arbeitsmarktes, die seitdem eingetreten ist. Das Material ist also gar nicht zuverlässig, nicht einmal das für Berlin. In Dresden und Vororten sind bei der gestrigen Arbeitslose nzählung SZ00 Arbeitslose gezählt worden, Arbeitslose und nicht Arbeitsscheue, Graf Kanitz! Ein klassisches Beispiel für die absolute Wertlosigkeit des amtlichen Materials giebt mis der Bericht des Polizeipräsi- deuten von Frankfurt a. M., de» Graf Posadowsky am Frei- tag vorlas und wonach von Arbeitslosigkeit so gut wie nichts zu zu spiiren sei. Der Polizeipräsident berief sich dabei auf den Bericht der Centrale für private Fürsorge. Seit Freitag aber sind in Frank- furter Blättern Aufrufe jener Centrale erschienen, in denen es heißt, datz in Frankfurt die„A r b e i s l o s i g k e i t in so unerwartet großem Maße hervorgetreten ist, so datz die städtische Beihilfe o llein dem Uebcl nicht steuern kann, sondern P r i v a t h i l f e nottvendig ist." Die Auskunft, die uns Graf Posadowsky vorgelesen hat, stammt jedenfalls aus viel früherer Zeit und ich wundere mich nur, ivie der Herr Minister auch nach den letzten Vorgängen in Frankfurt a. M. es fertig bringen konnte, uns diesen ganz veralteten Bericht vorzulesen. — Der Bericht des Regiernngspräsidente» weist übrigens darauf hin, daß die von»nsren Parteigenossen i» Frankfurt erhobene Fordening, die Stadt möge größere Geldmittel für Not- staudsarbeiten bewilligen, von beiden städtischen Körper- schaften einstimmig abgelehnt ist. Das ist aber ganz erklärlich, Infolge des p lut o kr a tis ch en Wahlsystems ist es de» Frankfurter Arbeitern nur möglich geworden, einen Vertreter der Arbeiter in das städtische Parlament zu entsenden, den Dr. Qnarck. Er hat städtische Hilfe gegen die Arbeitslosigkeit verlangt, der Antrag ist aber abgelehnt worden, obivohl ihn auch der nntionalliberale Stadtv. Gründer unterstützte und es für nötig bezeichnete, fürmindestcnS 350 000— 500 000 M. städtische Bauten und zwar sofort zu beginnen. Von alledem besagt der Bericht dcö Wiesbadener Regierungspräsidenten kein Wort. So unzuverlässig das amtliche Material ist, so wird ein geiv isser Not st and doch jetzt von niemand mehr be- st r i t t e n. Besonders mutz die Arbeiter erbittern, daß der jetzige Mangel an. Arbeit verschuldet ist durch die wahnsinnige Jagd der Unternehmer nach Profit in den Zeiten der Hochkonjunktur. Die Zeit der Hochkonjunktur wird sehr gepriesen und die reichen Leute haben auch volles Recht dazu. Jntereffant sind die Zahlen der amtlichen statistischen Korrespondenz, die jüngst erschienen sind über die E rg e b n i s s e der E i n k o m m e n st e u e r in Sachsen und Preußen. Danach ist die Zahl der Personen, die ein Ein- kommen von über 100 000 Mark versteuern, in Preußen gewachsen von im Jahre 1896 auf 3277 im Jahre 1969 und in Sachsen in demselben Zeitraum von 394 auf 383 Personell. Das ist eine außergewöhnlich starke Zunahme, die weit Uber die Zunahiiie der Pe- völkernug hiuauögcgange» ist. In der gleichen Zeit ist das D u r ch s ch n i t t s e i n k o in ni e n dieser Personen in Sachsen von 218 466 auf 236 666 M., in Preußen von 237 666 auf 366 666 M. gestiegen. Das Bermöge» der Reichsten ist also kolossal gewachsen. Das Gesamteinkommen derjenigen Per- fönen, die über 100 000 Mark pro Jahr versteuern, ist von 496 836 666 im Jahre 1896 auf 1146699866 M. im Jahre 1900 g e st i e g e n. Diese Handvoll reicher Leute bezicbt also ein Einkommen, das etwa dem Einkommen von 1136666 Arbeiter» entspricht. Man hat davon gesprochen, daß in dem industriellen Aufschwung die Löhne gestiegen seien. Das trifft aber nur für die Industrien und Gegenden zu, wo die Arbeiter genügend gewerkschaftlich organisiert sind. Das statistische Material ist ja in dieser Beziehung sehr dürftig. Nach den Mitteilungen einer O r t s- K r a n k e n k a s s e sind die Löhne für männliche Arbeiter der Kasse von 1895—1900 von 2,54 M. pro Tag ans 2,87 M. pro Tag. für Arbeiterinnen von 1,44 M. auf 1,79 M. gestiegen. Also nur eine ganz minimale Steigerung selbst während des wirtschaftlichen Auf- schwungs, besonders wenn man die V e r t e u e r u n g d c r Lebens- mittel in Betracht zieht.— Die Hauptfrage ist doch, ob der Arbeiter in der Lage ist, mit seinem Lohn seine Ausgaben zu decken oder gar noch einen Ueberschuß zu machen. Daist sehr interessant eine Ausnahme des Statistischen Amts in Berlin. Sie bezieht sich auf 126 Familien der minderbemittelten Bevölkerung. Was darunter verstanden wird. ersehen Sie daraus, daß die angezogeuen Löhne sich in der Höhe von 1050—4800 M. pro Jahr bewegen. Es sind also auch Leute dabei, die kaum noch Arbeiter zu nennen sind. Von diesen 126 Haushaltungen haben größere Ausgaben als Ein- nah in e n 56 gehabt, 26 haben keine Schulden gemacht, aber auch keinen Pfennig e r ü b r i g t. in 44 Fällen nur zeigt sich ein lleberschuß der Einnahmen gegenüber den Aus- gaben. Unter diesen befindet sich aber keine Familie mit mehr a l S vier Kindern. Jede Familie mit größerer Kinderzahl kann mit den Löhne» nicht auskomme». Von den 44 Familien fallen noch 23 weg, weil der Ueberschuß ganz minimal von 1 Mark bis 49 Mark ist. Irgend ein Unglücksfall in der Familie kann diesen Ueberschuß sofort in ein Minus verwandeln. Bei 10 Familien betrug der Ueber- schnß 50—99 Mark, nur 6 haben einen erheblichen Ueberschuß mit mehr als 100 Mark erzielt. In einem Falle zum Beispiel arbeitet aber die Mutter und der erwachsene Sohn mit; auch die übrigen Fälle liegen besonders günstig. Während des großartigen industriellen Ausschwungs sind also die Arbeiter im allgemeinen nicht aus ihrer Bedrängnis herausgekommen. Aber ein andres Geschenk ist in der Zeit der industriellen Blüte hinzu gekommen: die furchtbare Zunahme derBetriebs- Unfälle. 239 765 schwere Unfälle(Hört, hört I bei den Social- demokraten) sind seit 1893 vorgekommen. 26 429 Personen sind dabei getötet» 3711 Personen haben dauernde Erwerbsunfähigkeit dabei erlitten I(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Die Zunahme der Betriebsunfälle geht über die Zähl der Arbeiter hinaus, die Unfallgefahr hat also z ng e n o mm e n. Während im Jahre 1695 auf 1000 Persouen 6,25 Unfälle kamen, kamen im Jahre 1900 7,46 Unfälle auf 1000 Personen; die tödlichen Unfälle von 0,65 auf 0,74. Sehr charakteristisch ist der Vergleich der Steigerung der Aktienbesitzer des Harpener Bergwerkes und der Arbeiter. Im Jahre 1894/95 betrug der Reingewimi 898 192 M., im Jahre 1398/99 ist er ans das Fünffache(Hört I hört I bei den Socialdemokraten), 4 797 198 M., gestiegen, dabei fanden für 2Ve Millionen Abschreibungen statt. Die verteilte Dividende stieg von 3 Proz. auf 14 Proz., die Löhne der Arbeiter betrugen im Jahre 1897/98— 3.94 M.. im Jahre 1899/1900— 4,27 M.. sie sind also gerade um 33 Pfennige gestiegen.(Hört I hört I bei den Socialdemokraten.) Millionen und Äberniinione» haben die Unternehmer cingenommen, die Löhne der Arbeiter stiegen aber nur um Pfennige. Das ist die Interessen- Harmonie zwischen Unternehmer und Arbeiter, die von Herrn Hitze so außerordentlich gepriesen worden ist. Die herrschende Klasse muß unbedingt für Arbeitsgelegenheit sorgen. Graf Posadowsky bat einen allgemeinen Notstand bestritten. Es kommt ganz darauf an, was man darunter versteht. Versteht man darunter, daß Millionen verhungern, so haben wir ihn nicht. Aber Elend genug haben wir. Selbst die ganz unparteiische Zeitschrift.Der Arbeitsmarkt" hat dafür Beweise genug geliefert. Erstellte fest, daß im Dezember vorigen Jahres auf 166 offene Stellen 246 Arbcitsiicheude kamen, im Dezember des Jahres 1900 170. Trotz- dem wir also einen verhältnismäßig milden Winter haben, ist die Zahl der Arbeitslosen weit größer als im Vorjahre. Dasselbe Bild bieten nnS die Zahlen bezüglich des Rückgangs der K r a n k e n k a s s e n- M i t g l i e d e r. Also außerordentliche Maß- nahmen sind unbedingt geboten. Freilich Graf Kanitz fürchtet durch die Staatshilfe eine moralische Schädigung für die Arbeiter. Wenn aber Graf K a n i tz und seine Freunde für sich nach Staats- Hilfe schreien, dann findet er dabei nichts Bedenkliches. (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Selbst Bismarck hat ja an- erkannt, daß eS Pflicht des Staates ist, gesunden Arbeitern Arbeit zu geben. Herr Hitze und Herr Gothein haben auf die Meinung»» Verschiedenheit in unsern Kreisen über die Krisen hingewiesen. Aber der gegenwärtige Zustand giebt ja gerade der Ansicht unter uns recht, die da meint, daß die bürgerliche Gesellschaft d i e K r i s e n nicht überwinden kann, sondern in immer schlimmere Krisen hineingerät.(Sehr richtig I bei de» Social- demokraten.) Statt eine Regelung von unten herauf durch die Arbeiter zu erwarten, hofften die Verständigeren unter unser» Gegnern auf eine Regelung von oben herab durch die Unternebmer- verbände, die Syndikate. Aber gerade jetzt hat sich gezeigt, daß die Syndikate diese Aufgabe, Regelung der Produktion, nicht erreicht, sondern die K r i s i s beschleunigt und verschärft haben. Diese Erfahrung sollte Ihnen Anlaß sein, nicht über den Znkunftsstaat zu spotten. Wenn die herrschende Gesellschaft so nnfähig sich erweist, die Anarchie der Produktion zu bändige», so müssen die Arbeiter die Wirtschaftsweise in die Hand nehmen. Herr Gamp, den Graf Posadowsky wegen gewisser arbeiterfeindlicher Aenßerungen so scharf anließ, hatte doch recht, daß er die Maß- nahmen der Regierung gegen die Arbeitslosigkeit als ganz im- genügend bezeichnete und auf die Vorgänge in Frankfurt a. M. hinwies. Mit wie merkwürdigen Mitteln die Arbeitslosigkeit von den Behörden bekämpst wird, dafür hat ja Graf Posadowsky selbst den Beweis geliefert. Er teilte niit, daß die preußische E i s e n b a h n v e r w a l t u u g ztvar die Löhne nicht gekürzt hat, aber doch den neu eingestellten Arbeitern geringere Löhne zahlt.(Hört I bort! bei den Socialdemokraten.) Das ist doch nichts andres als Lohndrütkerct. (Sehr richtig I bei den Socialdemokraleu.) Von einem Institut. das von dem Geld« der Gesamtheit, auch der Arbeiter, erhalten ivird, können wir verlangen, daß es nicht in der Zeit der Arbeits- losigkeit i n s o l ch s ch in ä h l i ch e r W e i s e d i e Löhne d r Ü ck t. Geheimrat Wehrmann hat heute in bestimmtester Form erklärt, daß in der Gegend des Altenbekener Unfalls keine Entlassung von Arbeitern in den letzten Jahren vorgeloniineii ist. Aber der Verkehr ist doch dort geiv altig gestiegen und die Zahl der Beamten und Arbeiter ist nicht vermehrt worden. Der preußische Geheimrat hat es feiner als selbstverstäiidlicb bezeirtmet, daß für den Kaiser und f ü r d� n Kroupriiizrii besondere VorsichtS- maßregeltt auf dieser Strecke getroffen worden sind. Ich sehe nicht ei», auS welchem Grunde. Auch der begcisterste Monarchenverehrer wird zugeben, daß ein andrer Mensch auch ein Mensch ist, und daß der ärmste Arbeiter, der die Eisenbahn benutzt, in der Sicherheit de» Verkehrs die- selbe Riilkficht verdient wie der Kaiser. Der Betrieb muß auf alle Fälle gesichert sei». Zwischen Offeubach und Hanau ist vor nicht langer Zeit ein furchtbarer Unglücksfall passiert. Mir wird von zuverlässiger Seile gesagt, daß in diesem Bezirk ztvar keine Ent« lnssimg der fest angestelltcn Beamten und Arbeiter er« folgt ist. wohl aber sind Hilfsbeamte abgeschoben oder nicht iveiter eingestellt morde n. Ihre Arbeit ist auf die fest angestellten Beamten gefalle». So liegt eine schwere Vera ntiv ort ung ans einer geringen Zahl von Leuten und jeden Augenblick fürchten sie, datz ein Unglück sich ereignen kann. Gerade der preußische Eisenbahn- f i s k u s treibt eine solche Ausbeutung der Arbeiter, daß er gar kein Recht hat, mit seiner Fürsorge hier zu prunken. In den Blättern werden jetzt von GefängniSdircktiour» eine größere Zahl G es ange n e zu Arbeiten angeboten, die eine besondere Kcimtuis nicht erfordern. Wie kann ein social- politischer M i u i st e r verantworten, daß den Arbeitern eine solche Konkurrenz gemacht wird. Angesichts der Schönfärberei, die hier getrieben wird, muß konstatiert werden, daß von einer Fürsorge für die Arbeitslosen nicht die Rede ist. Graf Posadowsky hat bestritten, daß das Rcich nicht die Möglichkeit hätte, für Arbeitsgelegenheit zu sorgen, es sei denn, wie er scherzhaft meinte, der Reichstag bewillige u e u e K r i e g ö s ch i f f e; da« ist ein recht eigentümlicher Scherz. Im Etat des Rachsamt« des Jimerit ist eine lächerlich geringe Summe zur Förderung des Baues von Erholungshänsern für Schwind- süchtige eingesetzt. Möge der Minister doch morgen mit einer Vorlage tominen und ein paar 100 Millionen Mark für den Bau solcher Erholungsheime ver« langen. Wir würden sie b e w i l I i g e n; cS werden ja sonst so viel Schulden für Mtlitärzwecke gemacht. Es sind ja nun von allen Parteien eine ganze Reihe schöner Pläne und Versprechungen zur Abhilfe der Arbeitslosigkeit vorgeführt tvorden. Als wir aber zur Zeit des ivirtschaftlichen AuschwungS in den guten Jahren mit positiven Vorschlägen zum Schutze der Arbeiter kamen, da haben Sie uns im Stiche gelassen. Damals war es angebracht, die Unternehmer, die wahnsinnig drauflos prodncierten, wie Graf Posadowsky aus- führte, etwas mehr zu belasten. Aber alle unsre Anträge wurden abgelehnt. Angesichts dieses Stillstandes der Socialreforn, behauptet aber Graf Posadowsky, wir hätten ein Tempo in der Socialpolitik eingeschlagen, daß andere Staaten nicht folgen könnten. Er versprach uns eine A u s st e l l u n g, die dies beweisen sollte, aber bisher hat er sie noch nicht vorgebracht. Jedenfalls hat der Vergleich mit den anderen Staaten doch nicht das Bild gegeben, das er wünschte. Thatsächlich ist, ivas bei nns überhaupt an Arbeiterschutz geleistet ist, nur durch den fortwährenden Druck der Arbeiter ermöglicht worden gegen den Widerstand der Regierung und der Unternehmer. Die Arbeiter werden also die jetzigen schönen Versprechungen der Herren aus den bürgerlichen Parteien als das, was sie sind, das heißt als bloße Komödie erkennen. Bezeichnend für die Arbeiterfrenndlich- k e i t z. B. des Centriinis, war die Aeußsnmg des Herrn Abg. Spcck, Die bisherige industrielle E u t>i> i ck e l n n g müsse zurück- gehalten werden. Auch Frhr. Hey! zu Herrnsheim ist ein ganz besonderer Arbeiterfreuiid. Er behauptete seiner Zeit mir gegenüber, bei s e i n e n A r b e i t e r n habe sich bis jetzt k e i ne Tendenz gezeigt, den Gewerkvereine n beizutreten. Nach den m i r gewordenen Mitteilungen sind aber die Arbeiter des Herrn v. Hehl davon überzeugt, daß sie sofort grmaßregelt würde», wenn sie den G e r k v e r e l n e n beitreten würden. Thatsache ist jedenfalls, daß die„Worms er Zeitung", die stets die Ansichten des Herrn v. Hehl vertritt, die Gewerkvercine auf das h e f t i g st e bekämpft.— Graf Posadowsky riet den Arbeitern, die Krisis nicht noch zu verschärfen, indem sie vom Lande immer nach den großen Juimjtriecentrm strömten. Wollte Graf Posadowsky wirklich den Arbeitern empfehlen, sich unter keinen Um- ständen von den höheren Löhnen in den Städten verlocken lasse». sondern in dem Elend des Landarbeiters ihr ganzes Leben zu verbringen? Das kann man doch nicht annehmen. So schlimm die Verhältnisse in den großen Städten für die Arbeiter sind, die Verhältnisse auf dem Lande sind doch noch schlechter. Deshalb wollen die Arbeiter nicht unter die Füchtel des Grundbesitzes zurück' Wenn alle Söhne der Großgrnnd- besitzersainilie» dem Rate des Ministers gefolgt und nicht dem Rufe nach Berlin gefolgt wären, so würden wir wohl einige Minister weuiger haben. (Heiterkeit.) Schlimm stände es nur unser Land, wenn die Arbeiter nicht den Drang hätten, den unwürdigen Verhältnissen auf dem Laude zu cutfliehcu, Ivo sie schlecht behandelt werden, ja nicht einmal das Koalition srecht haben.— So lange«sie die Landarbeiter als Bürger z w e i t e r K l a s s e behandeln, so lauge Sie ihnen nicht die gleichen Rechte wie den Judustriearbeiteru ge- währen, haben Sie kein Recht, über die Landflucht zu klagen. Tie Ostrlblcr wolle» ja übrigens die Jndnstriearbeiier gar nicht zurück haben; das haben die jüngsten Verhandlnngrn im Herrenhanse gezeigt. In F r a» k f u r t a. M. hat die Polizei eine Rolle gespielt, die geradezu ein Skandal ist. Wir haben eine Ansammluua von Arbeitslosen gehabt, ganz naturgemäß, weil dort, wo die Ausamni- limg war, der Arbeitsmarkt eines Blattes verteilt wird. Wer die Frankfurter Straßen und baulichen Verhältnisse kennt, wird Ibissen, daß ebenso natürlich die Arbeitslosen hernach in Gruppen abzogen. Hierbei ist es nun zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Der Grund dieser Zusamineiistöße lag aber nicht etwa darin, daß die Arbeitslosen Ausschreitungen be- gäiigen bätten, nein, im Gegenteil, die Polizei hat diese RnS- schreitnngrn geradezu provoziert.(Hört! hört! bei den Social- demokraten. Glocke des Präsidenten.) Vicepräsidcnt Biistng: Herr Abgeordneter, Sie dürfen nicht von der Polizei eines deutsche» Bundesstaates behaupten, daß ihre Rolle ein Skandal sei und daß sie Ausschreitungen provoziert, ich bitte Sie, sich in Ihren AilSfühiimgcn zu mäßigen.(Bravo I rechts.) Abg. Hoch(fortfahrend): Die Frankfurter Arbeiter sind bekaimt wegen ihrer ruhigen Art, Die Frankfurter Polizei aber hat nicht A n s sch r e i- t u n g e n verhindert, sondern sich vielmehr so benommen, daß Ausschreitungen eintreten mußten. Augenzeugen be- richteten, daß die Polizei durch ihr ungeschicktes Benehmen die lln- ruhen förmlich provoziert hat. Redner verliest einen Artikel eines Frankfurter Blattes, wonach die Polizei mit Ochsenziemern nicksichtSlos uns die Menge eindrang. Wer nicht rechtzeitig flüchtete, lief Gefahr, einfach niedergetreten zu werden. Man bemerkte eine Anzahl Frauen, die ganz zufällig in den Schwärm hineingerieten. Einige Schutzleute gebürdeten sich wie rasend. Wer ihnen in den Weg kam, wurde geprügelt.-- Vicepi'äsident Biising(niiterbrechend): Sie lesen einen längeren Artikel aus einer Zeitung vor. Ich bemerke, daß Sie nicht die Ge» »ehmigimg des Präsidenten dazu eingeholt haben. Ich halte lange Vorlesungen, in dcue» Sie dasselbe mitteilen, was ich schon vorhin getadelt habe, n i ch t f ü r a n g e m e s s e n. Ich möchte Sie bitten, darin nicht fortznfahrcn. Abg. Hoch(fortfahrend): Herr Präsident, ich muß mich selbst- verständlich Ihren Anordmiiigcu fügen. Ich möchte aber zu meiner Rechtfertigung nur daS eine bemerken, daß ich in diesemHanse sehr viel längere Vorlesungen mit angehört habe. Vizepräsident Bttfina: Ich möchte dazu nur bemerken, daß dann jedesmal die Genehmigung des Präsidenten dazu ein« geholt worden ist. Abg. Hoch(fortfahrend): Thatsache ist, daß eine große Reihe von Personen verhaftet sind, die a b s o l u t n i ch t s g e t h a n h a b e n. Diese unerhörte« Vorgänge sind auch in der Franksurtcr Stadtverordneten- Versammlung ausführlich erörtert worden.'Da hätte auch die Regierung die Pflicht gehabt, sich um diese Vorgänge zu b e- kümmern. Freilich, die Polizei ist nur so vorgegangen» weil sie glaubt, damit Ihren Absichten, Herr Staatssekretär Gras Posadowsky, zn cutsprcchr». Sie hat gehandelt im Geiste der von dem 12000 Mark- Minister vorgelegten Zuchthausvorlage. Wepn die Regierung mit so schlechtem Beispiel vorangeht, dann kann sie sich nicht wundern, wenn die unteren Beamten auf das Zuchthausgesetz nicht er st warten, sondern gleich mit Drähten und Gummi« s ch l ä n Ä»ist a rr f die Arbeiter einschlagen. Ihre schlechte Meimnig von der Polizei in allen Ehren, aber in Ihrer Praxis handeln Sie doch ganz anders. Sie wünschen die Polizei nur da nicht, wo es gilt, die Unternehmer und Groß, grundbesjtzer zn belästigen, wenn cS sich um die Bedrückung der Arbeiter handelt, dann schreie» Sie nach noch viel mehr Polizei.(Glocke des Präsidentcii.) Vicepräsident Piising: Herr Abgeordneter, ich möchte Sie bitten, nicht immer den Herrn Staatssekretär direkt anzureden, sonder« zum Hanse zn sprechen. Abg. Hoch(fortfahrend): Man behauptet, daß der Staat nicht nur eine notlvenMge, sondern eine wohlthntlge Einrichtmig sei. Die Politik, die Sie jetzt gegenüber der Frage ter Arbeitslosigkeit betreibe», gegenüber dem angeblichen Notstand der Neichen im Lande, der Großgrundbesitzer, die zeigt allerdings auch dem am lv e n i g st e n auf« geklärten Arbeiter, was dieser Staat für eine Einrichtung ist. eine Einrichtiliig zur verbrecherischen RnSbentttng und de« Knüppelet der Arbeiter.(Unruhe rechts. Bravo l bei den Social» demokraten. Glocke des Präsidenten.) Vicepräsidcnt Piising: Herr Abgeordneter, wegen des kotzten Ausdrucks rufe ich Sie zur Ordnung.(Bravo! recht«.)' SwatssekretSr Graf PosadowSky: Der Herr Vorredner hat behauptet, daß in den Zeiten des tvirtschaftlichen AnfschivuiijM nichts zum Schutze der Arbeiter ge« schehen sei. Ich erinnere Sie daran, daß in dieser Zeit die protze Refonn der Alters- und Jnvalidenversicherunp und die fiiuf Unfall« pesetze verabschiedet find, durch die in erheblichem Matze die Versicherten besser gestellt und die Unternehmer belastet stvcrden. Die Behauptung des Herrn Hoch war also thatsächlich un- richtig.— Der Herr Vorredner machte ferner der Negierung de» Vorivurf, daß sie die fremden Arbeiter hereinlasse. Auch ich bedauere tief das Hereinströmen fremder Arbeiter aus socialpolitischcn und ethischen Gründen. Ader wie soll sich denn die Landlvirtschaft helfen, soll sie ganz zu Grunde gehen? Die Arbeiter vom Lande gehen in die Städte, vom Auslände sollen keine Arbeiter herein- komme», woher soll dann die Landwirtschaft ihre Arbeiter nehmen? Die kleinen Bauern werden heute vielfach direkt zur Verzweiffung getrieben, weil sie zu den nötigsten Arbeiten keine Arbeiter finden. Sie sagen nun, die Löhne auf dem platten Lande sind zu schlecht. Dann müssen Sie aber die Landwirte in die Lage versetzen, höhere Löhne zahlen zu können, wenn Sie nicht agitatorische, sondern praktische Politik treiben wollen. Wenn Sie aber die fremd- ländischen Arbeiter nicht hereinlassen und andrerseits die Landwirt- schaft nicht durch Zölle schützen«vollen, so treiben Sie eine Politik, bei der die Landwirtschaft zu Grunde gehen m u tz. Die Dinge liegen wirklich sehr ernst. Abg. Hoch hat die von mir verlesenen Berichte angegriffen. Ich habe aber nicht die Verantwortung für diese Berichte übernommen, dazu bin ich gar nicht in der Lage, ich habe nur auf Grund der Mitteilungen der Einzelstaaten ein Bild der Verhältnisse gegeben. Sie szn den Socialdemokraten) machen den Reichskanzler oder die verbündeten Regierungen verantwortlich für alles, was in einem Einzelstaat geschieht. Das ist staatsrechtlich vollkonimen unzulässig. Ein Unbeteiligter, der heute die Rede des Abg. Hoch gehört hat, niützte glaube», ich sei der preutzischc Minister des Innern. Soll ich die Verantwortung übernehmen für alles, was i» einem B u n d e§ st a a t geschieht? Das ist eine staatsrechtlich vollkommen unmögliche Konstruktion, die die Souveränität der Einzelstaaten aufhebt. Die gegen die Polizei vorgebrachten Beschwerden gehören nicht vor den Reichs- tag, sondern vor daS prentzische Abgeordnetenhaus. Es hat gar keinen Zweck, diese Beschlverden vorzubringen gegenüber einem Regicrungsvcrtretcr, der gar nicht verantwortlich ist. All- gemeine Besprechungen haben gär keinen Zlveck. Für diese An- gelegenheit sind die preutzischen Minister verantwortlich. Zeigen Sie lzu den Socialdemokraten) mir die Stelle der Verfassung, aus Grund deren Sie diese Angriffe hier erheben. Ich bedaure die Aeutzerung des Vorredner?, die Polizei habe diese Ausschreitungen provoziert, ich habe aber iveder ein Recht noch die Neigung, mich in diese Debatte einzumischen. Ich stelle ihm aiiheim, einen Abgeordneten des prentzffchen Abgeordnetenhauses zu veranlassen, die Sache dort zur Sprache zu bringen; dann wird er die genügende Antwort bekommen. Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Graf Hohenthal: Herr Hoch scheint zu glauben, eine unrichtige Behauptung werde dadurch richtig, datz man sie wiederholt. Herr Zubeil hat am 17. d. M. gesagt, die sächsische Eiseubahnverwnltnng habe den Not- stand ausgebeutet und Arbeiter entlassen. Ich habe am Sonnabend nachgewiesen, datz die sächsische Eiieubahiiverwaltung keine ständigen Arbeiter entlasse» hat, obwohl Mangel an Beschäftigung vorliegt. Es sind»»r einige vorübergehend beschäftigte Arbeiter, denen vorher besonders mitgeteilt war, datz sie nur zu Sommerarbeiten angenommen seien, ent- lassen worden. Die Leiter der staatlichen Unternehmungen sind augewiesen worden, in erster Linie derartige entlassene Arbeiter auf- zunehmen. Alle ehrlichen Leute müssen ein solches Vorgehen für arbeiterfreundlich halte». Ich stelle den Herren szu den Socialdemo- traten) anheim,� die Richtigkeit meiner Behauptungen durch ihre Be- Ziehungen in sächsischen Arbeiterkreiseu nachzuprüfen. Auch die Bau- Unternehmer, mit denen der Staat Verträge abgeschlossen hat, sind angewiesen worden, derartige früher bei der Eisenbahnvertvaltung vorübergehend angestellte Arbeiter zu berücksichtigen, ebenso deutsche Reichsangehörige vor ausländischen Arbeitern zu bevorzugen. Geheimrat Wchrmann: Ich wiederhole, datz in der Besetzung der Strecke nichts geändert Ivorden ist. Weder Beamte noch Hilfsbeamte sind entlassen ivorden. Wenn sich der Verkehr auch gesteigert hat. so war diese Steigerung doch so. datz sie eine Vermchning des Personals nicht notwendig machte. Es hat vielmehr eine Verminderung der offenen Uebergänge stattgefunden. Gegenüber dem Vorwurf der Lohndrückerei vcriveise ich darauf, datz die Löhne der preutzischen Eisenbahn-Arbeiter! in den letzten 10 Jahren um 22,3 Proz. gestiegen sind.(Hört hört l rechts.) Abg. Hilbck(natl.) sucht nachzuweisen, datz an dem Hörder Bergwerke nicht Geld ge- Wonnen, sondern verloren gegangen sei. Jahrelang sei iveder von einer Verzinsung noch von einer Dividende die Rede. Diese industriellen Werke haben ein kolossales Kapital verschlungen, bevor sie Ertrag lieferte. Was die Interpellation de- trifft, so freue ich mich, datz sie ruhig und sachlich begründet worden ist und zu positiven Vorschlägen geführt hat. Die Arbeits- '-t o s i g k e i t scheint i n B e r l i n r e ch t g r o tz z u s e i n. Aus Westfalen sind viel weniger Klage» gekommen. Graf Kunitz hat sein altes Steckenpferd wieder gegen das Kohlensyndikat getummelt, aber er ist ein schlechter Reiter. Das Kohlensyndikat hat die Arbeitslosigkeit durchaus nicht gefördert. Auf den westfälischen Bergwerken ivaren im 1. Quartal 1901 beschäftigt: 220 000 Arbeiter, im 2. Quartal 234 000 und im 3. Quartal 236 000 Arbeiter. Die Arbeitsgelegenheit hat also zugenommen und die Arbeiter wurden ausreichend beschäftigt. Die Minderförderung gegen 1900 betrug 412 000 Tonnen, also nicht 1 Prozent. Die Löhne find sehr gering gesunken: von �4,18 M. pro Tag auf 4.07 M. Die Ausfuhr ist durchaus nicht besonders forciert worden, um die Preise imJnlandc hoch zu halten. Alle gegenteiligen Behauptungen beruhen auf allgemeinen Redensarten. .nicht auf Zahlen.— Graf Kunitz hätte sich vielmehr mit den Kartellen beschäftigen sollen, die ihm näher liegen, und sich überlegen sollen,' ob man nicht die Exportprämien auf Zucker ab- Waffen solle, damit der Zucker nicht im Auslande so sehr viel billiger verkauft iverden kann wie bei uns. Nur der eine Bor- w«rf trifft daS Kohlensyndikat, datz es nicht noch mehr den Preistreibereien der Händler entgegen- getreten ist. Wenn übrigens aus diesem Hause der Antrag gestellt iwürde, dieKartelle unter Staatsonfficht zu stellen, würde ich der erste sein, der diesem Antrag zustimmt, denn das Kohlensyndikat hat nichts zu ver- »berge». Die rheinisch-westsälische Eisenindustrie war in ihrem eignen Jntereffe gezlvungen, bei der sinkenden Konjunktur ihre Produkte in frötzerem Matzstabe in das Ausland zu exportieren, um die Pro- nktion auf der alten Höhe erhalten zu können. Die Stadtverival- tung in Dortmund hat schon vor zwei Monaten beschlossen, sobald «in Notstand eintreten sollte, Notstandsarbeiten ausführen zu lassen. Die Abhilfe gegenüber der Arbeitslosigkeit aber ist mehr noch Sache der Industrie selbst als der Kommunen, und ich halte«S geradezu für unanständig, wenn«ine Fabrik in Mannheim, die in den Zeiten der Hochkonjunktur die höchsten Löhne gezahlt und andren Unternehmungen die Arbeiter weggeschnappt hat, jetzt rücksichtslos ihre Arbeiter auf die Strohe setzt. Ich möchte aber auch den Staatssckr-rtär des Innern bitten, den Reichskanzler zu veranlassen, endlich doch die wasserwirtschaftliche Vorlage wieder vor- zulegen.(Heiterkeit.) Das ivürde der Arbeitslosigkeit im grotzen ganzen abhelfen. Die prentzische Regierung wird sich entschlietzen müssen, die Kanalvorlage bald wieder vorzulegen. Die Kohlenarbeitcr des Kohlenreviers liefern ein vorzügliches Erdarbeiter-Material. DanerndeAbhilfe aber kann nur geschaffen werden durch eine vernünftige Handelspolitik. Ich glaube ja, datz wir im neuen Zolltarif höhere landlvirtschaftliche Zölle durch- setzen werden. Aber mit den Sätzen, wie Sie(nach rechts) sie verlangen, machen Sie keine Handelsverträge. Ich glaube, datz ein großer Teil meiner Fcaktiouskollegen für einen derartigen Tarif nicht zu haben sein wird. Sie dürfen dochnichtdieamerikanischenBerhältniffezum Ausgangs- Punkt für olle handelspolitischen Berhandlungen mit anderen Staaten machen. Wenn wir im Zolltarif unerschwingliche Mauern aufführen, so datz unsere Industrie nicht mehr exportieren kann, dann werden wir schlictzlich nicht mehr Waren, sondern nur noch Menschen ausführen.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Eine umfangreiche Arbeitslosigkeit besteht unzweifelhaft und wir müssen ans Mittel zur Abhilfe sinnen. Was die Ursachen der Krise anlangt, so sind wir überzeugt davon, datz eine staatliche Regelung der Produktion und Konsumtion die Schwankungen im Wirtschaftsleben nicht verhindern könnte; auch ans seilen der Socialdemokratie spricht man von kollektivistischer Pro- duktion nicht mehr gern. Mannigfache Warnungen von unsrer Seite gingen der Krise voran. Auch die Reichsbankleitung zog ein Warnungssignal auf, das sich darstellte in dem Bankzinsfntz von 7 Proz. für Wechsel und von 8 Proz. für Darlehen. Diese Festsetzung aber wurde von der Rechten aufs heftigste bekämpft. Als im Juni vorigen Jahres die Finanz- krise einsetzte, wurde durch Gewährung zinsfreier Darlehen, durch besondre Schonung bei der Einkominensteuer-Einziehung, durch wesentliche Herabsetzung der Tarife usw. in mancherlei Weise Rücksicht auf diese Lage genommen. Ilm so mehr ist eS erforderlich, datz die gleiche Rücksicht jetzt gegenüber den durch die Krise arbeitslos gewordenen Arbeitern genommen werde. Ganz zu verurteilen ist es, wenn man durch eine falsche Handels- Politik den im Notstand befindlichen Arbeiten« noch etwas von dem nimmt, was sie noch haben. Eine Politik, die durch Erhöhung der Kornzölle den zur Ernährung der Arbeiter verfügbaren Einkommens- betrog noch vermindert, ist angesichts der Arbeitslosigkeit besonders verwerflich. Dieser Gesichtspunkt ist merkwürdigerweise auch von socialdeniokratischer Seite nur wenig gestreift. Man braucht sich nur an die Ausgabestellen derZeituugeu zu begeben, Ivo ganze Scharen von Arbeitslosen auf das Erscheinen des neuen Blattes warten, um sich ein Bild von der herrschenden Arbeitslosigkeit zu machen. Eine statistische Umfrage unter 150 Arbeiterfamilien hat festgestellt, datz viele Arbeiter entlassen Ivorden sind, die jahrelang ununterbrochen in demselben Betrieb beschäftigt worden sind. Solchen Arbeitern noch weitere Lasten aufzubürden, da? heitzt einen durch Blutverlust erschöpften Körper noch zur Ader lassen. Der Re- gierring freilich ist jeder Hinweis auf den Z u s a in m e n h a n g zwischen der Krise und ihrer Zollpolitik nnangeueh m. Graf Bülow erklärte, die Regierung werde nuter ihre Minnnaltarife nicht heruntergehen. Meinte er damit die Sätze des vorgelegten autonomen Tarifs oder des noch vorzulegenden BertragStarifs? Ich halte es für unmöglich, datz er damit den autonomen Tarif im Auge gehabt hat. Denn ich traue der Regierung nicht zu, datz sie so wenig die Eventualitäten der Zukunft bedenkt und sich selbst einen Weg verbaut, den sie künftig vielleicht doch gehen mutz, nämlich, selbst wenn der Tarif— was ich nicht glaube— hier erledigt werden sollte, unter den Minimaltarif dann herabzugehen. sobald auf einer andren Grundlage Verträge nicht zu stände zu bringen sind. Jedenfalls wird diese Erklärung die Opposition um so mehr berechtigen, den äutzersten Widerstand gegen den Zolltarif auf- zuwenden. Die Rechte, nutet der Regierung sogar zu, unter allen Umständen die Handelsverträge zu kündigen. Diese Zumutung. das letzte Sicherheitsventil aus der Hand zu geben, ist doch zu naiv. — Ein Autrag, der die Errichtung paritätiscker Arbeits- nachweise verlangt, ist von mir und Herrn Rösicke eingebracht worden und wird hoffentlich die Mehrheit dieses Hauses finden. Die Frage der Arbeitslosen- Versicherung ist noch nicht geklärt. Der gegenwärtige Moment scheint mir am geeignetsten, dieser Frage näher zu treten, daher habe ich einen Antrag eingebracht, der Schaffung einer Kommission zur Prüfung der bestehenden Versuche zur Arbeitslosen-Versicheruug verlangt. Die Schaffung der arbeits- statistischen Abteilung ini rcichSstatistischen Amt begrützen wir daher und hoffen, datz ihr weiterer Ausbau bald erfolgen möge.(Bravo! links.) Ein Vertagungsantrag wird hieraus angenommen. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr.(Wahlprüfungcn, kleinere Vor- lagen). Schlutz 5Vs Uhr._ Vevssmznl ungen. Eine imposante Kundgebung gegen den Militarismus war die Volksversammlung, welche der Vertrauensmann des ersten ReichStags-Wahlkeises am Sonntag nach dem„Feenpakast" einberufen hatte. Selten hat Berlin eine so stark besuchte Versammlung gesehen, wie diese. Schon um 9 Uhr fanden sich die ersten Besucher ein, und gegen 11 Uhr wurde das Lokal, welches von einer nach Tausenden zählenden Volksmenge bis zum äutzersten Winkel gestillt war, polizeilich abgesperrt. Ein starkes Aufgebot von Schutzleuten besetzte alle Eingänge zum Saal und sperrte die St. Wolfgangstratze sowohl nach der Heiligen Geist« wie nach der Bnrgstratze zu völlig ab. Wäre das Versammlungslokal doppelt so grotz gewesen, es wäre auch gefüllt worden, denn Taufende von Männern und Frauen, die keinen Einlatz mehr fanden, standen in dichten Scharen auf der Stratze und zerstreuten sich dann nach kurzer Zeit vergeblichen Wartens. Punkt 12 Uhr nahm Genosse Bebel, mit stürinischcm Beifall begrützt, das Wort..Stehendes Heer oder Volkswehr mit besonderer Berücksichtigung des Boerenkrieges", lautete sein Thcnia. Zunächst zeigte der Redner an geschichtlichen Beispielen, datz, wenn ein Volk zu den Waffen griff, um für seine Freiheit zu kämpfen oder den vaterländischen Boden von fremden Eroberern zu befreien, das Volksheer den in militärischem Geist ausgebildeten und geleiteten Armeen bedeutend überlegen gewesen ist.— Wie bedeutend ciu Äolkshcer dem stehenden Heer überlegen ist, das hat auch der Krieg in Südafrika auf das deutlichste erwiesen. Die Boeren haben zu keiner Zeit mehr wie 46—50 000 Mann im Felde gehabt, denen 250 000 Engländer gegen- überstehen, ohne datz es der englischen Armee bis heule gelungen ist, die Boeren, die jetzt nur noch etwalö 000 Kämpfer zähle», zu besiegen. Da ist zu bedenken, datz die Boeren, abgesehen von ihrer Artillerie, keine militärische Ausbildung erhalte» haben. Die Engländer führen den Krieg in Südafrika i» derselben Taktik, die im deutschen Heer üblich ist. Wenn also die englische Kriegstaktik derjenigen der Boeren nicht ge- wachsen ist, so zeigt daS, datz alles, was die Engländer bezüglich des Kriegswesens von der deutsche» Armee anaeuommcn haben, uu- zweckmätzig ist.— Der Vortragende legte ausführlich dar, wie ein Volksheer, welches diesen Namen wirklich verdient, organisiert und ausgebildet werden mutz. Andrerseits wies er auf die zahlreichen verkehrten, der heutigen Kriegstechnik nicht entsprechenden Einrich- tuugen in der deutschen Armee hin. wobei er sich des öfteren auf Aeutze- nuigen anerkannter militärischer Sachverständiger berufen konnte.— Unsere Verhältnisse— so schlotz der Redner— fordern die Demokratisierung des Heeres. Ein solches Heer ist allerdings in einem reaktionären Staat nicht möglich. Demnach mutz nnsre Politik, auch die aus- wärtige, von demokratischem Geist gelragen sein. Die Vorteile, welche die Einführung der Volkswehr den Nationen bietet, sind, wie Bebel näher darlegte, ganz bedeutende. Wenn Deutschland bezüglich seines Heerwesens die bezeichnete Bahn betritt, so werden ihm die übrigen Kulturnationen folgen. Das kann aber nur geschehen, wenn die Masse unsreS Volkes überzeugt wird und der Ueberzeugung bei den Wahlen Ausdruck giebt, datz die jetzigen Verhältnisse ein Hindernis der Kulturentwicklung sind und datz sie durch bessere ersetzt werden müssen. Dem zweistündigen Vortrage folgte ein anhaltender Beifalls- stürm. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung mit ciuein Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen hatte, wurden lebhafte Hochrufe auf Bebel ausgebracht._ Bereiuskalender. Oefsentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann. Alexandrinenstrah« 26, Gartenhaus. Geöffnet werktäglich von 16 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von S— ö und 3—6 Uhr. Reichhaltige Bibliothek und 430 Zettungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung. Slrbeiter- Sängerbund Berlins und der Umgegend. II. Vor, sitzender: A. Hübner, Wilhelmstraße 134. Erster Kassierer: Seikrlt, Ftdictn- straffe 16. Alle Aendenmgcn im Vercwskalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Lausitzerstraffe 33. Dienstag, Ucbungsstuude abends 9—11 Uhr.—„Gerechtigkeit"(Westen), Bartel, Bülowstr. 59.—„Olhmpia", Zimmermann, Grüner Weg 29.—„Hand in Hand 1", Jurran, Naumm- straffe 86.—„Kreuzberg", Heinze, Bergmaniistr. 10.—„Edelweib". Lüppke, Melchiorstraffe 15.—„Echo", Miiudner, Liniensir. 19.—„Wiederhall", Schnieber, Admiralstr. 21.-„Freiheit II", Schmauser, Adlershof, Bismarck- straffe 16.—„Myrthenblätter",«pät, Geoigenkirchstr. 65.—„Note Nelke II", Rosin, Ruppinerstr. 42.—„Vorwärts IV", Schulze, Rathenow, Jägerstr.— „Alp englocke", Gold, Große Frankfurtersir. 133.-„Weddinger Harmonie", Milbrodt, Mttllcrstr. 7.—„Vorwärts VIII", Schurbauni, Marwitz in der Mark.—„Sangeslust II", Bergmann, Pasewallcrstr. 3.—„Weihe Rose I", Willer, Reinickendorf, Proviuzstraffe.—„Arbeiter- Mai- bund", Hiemke, Nowawes, Wallstrabe 55.—„Glasarbeiter", Köpenick, Müggelheimerstr. 29.-„Esmeralda", Schammler, Warschauerstraffe 14.— „Kreuzberger Harmonie", Möhring, Admiralstraffe 18o.—„Nord-Ost", Conrad, Zomdorferstr. 6.—„Freie Feldblume", Schmidt, Skalitzerstr. 51/52. -„Einig", Schulz, Bluvienstr. 38,-„Cacilia", Brandenburg a./H., Bettermann, Wilhclmsdorfei straff« III.—„Schneeglöckchen II", Potsdam, Glaser, Brandenburger Kommunikation 16.—„Textilia", Wetzel, Wrangelstr. 136— „Froh-Hoffnung", Schilling, Kyffhäuserstr. 16.-„Rosenrot", Poruich, Schweden- straffe IIa.-„Alpenröslein", Hilgcnfeld, Bergstr. 60.-„Kupferschmiede", Feind, Wcinstraffe II.—„Schuhiuacher", Weigniann, Andreasstr. 32.— „Frohsinn I", Rummelsburg, Bcnlling, Göthe- und Kantstraben-Ecke.- „Akazie"(gem. Chor), Talg. Skalitzerstr. 94 b.-„Eichenkranz", Prenzlau, Lorenz, Klosterstraffe.-„Hand in Hand II", Friedrichsberg, Zeidler, Frank- furter Allee 176.-„Vorwärts IX", Charlottenburg, Wernicke, Bismarck» straffe 34.-„Maiglöckchen II", Köpenick, Pielemann, Müggelheimerstr. 3o. —„Einigkeit", Ruuimelsburg, Rechlin, Neue Prinz Albrechtstraffe 44.— „FrciheitSklänge", Weihnacht, Ärünstr. 21.—„Einig", Schulz, Blumenstr. 38.« —„Alte Eiche", Apell, Prinzen- Allee.-„Rosenthaler Vorstadt", Ad. Neumann, Brunnenstr. 150.—„Zukunft I", Steglitz, Schellhase, Ahorn-' straffe 15a.-„Concordia". Lier, Alte Jakobstt. 119.-„Rosenrot"� Tauschel, Wiesenstr. 29,—„Freier Männerchor Nord- West", Pflaumbaum, Rostockerstr. 28. Arbeitcr-Rnucherbnud Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Vereinslalender sind zu richten an Albert Liebctrau, Berlin, Putbuser- straffe 44, IV. Dienstag: Rauchkl.„Eldorado", Grüner Weg 120, Bltihm.—„Grüne Eiche", Urbanstr. 51, Pech.—„Anwalema", Forster- straffe 10, Uckel.—„Neuer Berl. Rauckklub", Reichenbergerstr. 146, Aull am.— „Domingo", Waldemarstr. 16, Sckreibe.—„Kollegia", Reichenbergerstr. 157, Bergner.—„Einigkeit I", Prinz Handjerystr. 72, Zum Ambos.— „Korea", Weidenwcg 40.—„Neuer Hain", Langenbeckstrahe 7, Techt- meier.—„Blütendnft", Cothcniusstraffe 1, Fedtke.—„Ruhiga", Britzerstraffe 46, Herzog.—„Pfcifenkopf", Falkensteinftr. 5, Gonell.i -„Gemütlichkeit I", Manteuffelstr. 101, Gläser.-„Diana", Schätz,- Bremerstr. 71.—„Jmnicrarün", Hecht, Zeughosstr. 9.—„Kairo", Schul- straffe 5.-„Blaue Wolke IV". Putbuserstr. 30, Mönch.-.Kein Streit",- Zorndorserstraffe 9, K rinnst.—„Veilchenblau", Winsstraffe 56, Dimke.—! „Ktästiger Z»g", Kiesling, Skalitzerstr. 41.—„Eldorado I", Rüdersdorfer-- straffe ll, Neumami.—„Geranium", Zorndorferstr. 8, Müller.—„Weichsel-' dilft II", Köslüierstr. 3, Krabbenhöft.-„Seegras", Licgnitzerstr. 18, Mane» gold.—„Volldampf", Münchebergerstr. 9, Ludsee.—„Lustige Brüder'', Neu- Wciffenfce, HeinerSdorfer Weg 38, Helmke.—„Fidele Brüder III", Fickinger,! Putbuserstr. 19.—„Victoria", Heiler, Boxhngenerstr. 21.—„Edelweiß",/ Ripdorf, Ringbahnstraffe 24, Faustner.—„Einsiedler", Nen-Weißenwe, � Wilhelmstr. 2. Jrmeler.-„Flora", Willen, Friedrichsberg, Kronprinzen- straffe 14.-„Abguh II". Schulz, Höchstestr.30.-„Gloria", Köslinerstr. ll. —„Ziikunst"' Neu- Weißensee, Neuendorf, Friedrtchstr. 5.—„Tabak zur Asche", Kant, Charlottenburger Ufer 2.—„Thonpseise". Schöneberg, Schicder, Sedanstr. 52.—„Nordpol", Günther, Hennigsdorferstraß« 25.—: „Weichselduft III", Schultz, Neu-Weiffensee, Sedanstr. 24.—„Grüner Hain",. Rott, Straffmannstr. 23.—„Kernspitze", Krusemark, Ripdorf, Jägerstr. 69.— „Colnmbus", Conrad, Urbanstr. 87.—„Portoriko", Gehrke, Langcstr. 23.—„Feste Männer", Nostizstr. 16.—„Taku", Giebel, Ncn-Weiffensee, Sedanstr. 30.— „Weichselduft Moabit", Wiclcflstr. 38.-„Kleeblatt", Rnmmelsburz, Kant- straffe 43.—„Gesundbrunnen'', Klinge, Koloniestraffe 137.—„Wiederschn", Neu- Weiffensce, Weber, Friedrichstr. 35.—„ sommerkahl", Fricdrichsberg, Gürtel- und Scharrnwebcrstroffc.—„Sonnenblume", Hcnnigsdorferstr. 4. Gesang-, Duru- und gesellige Bereiue. Dienstag. Schöneberger Theaterverein, Wilhelmshof, Ebersstr. 81.— Sängerchor II 7>es Berliner Spar- und Banverein", Genosscnschaftshaus Schreine: straffe.— Gesangv. „Thalpsia", Friedrichstr. 211.—„Undine", Admiralstr. 18o.— Zithervcrein „Einigkeit", Piariaimenstr. 19.— Schachverein„Namenlos", Elisobethstr. 30. —„Neuer Berliner Schachklub", Stralauerslr, 4. Arbeiter-Turuerbulld. Tienslag und Freitag: Turnv.„Fichte",) Berlin, abds. 8—10 Uhr: 2. Männerabt.: Skalitzerstr. 55/56; 4. Männer- abt.: Moabit, Sicmcnsstr. 20; 5. Männerabt.: Aikerstr. 67; 6. Männerabt.: Stallschreiberstr. 54; 9. Männerabt.: Müllerstr. 153, Ecke Triststraffe; 10. Männerabt.: Petersbnrgcrstr. 4; II. Männcr-Abt.: Fllrbringerstr. 33; 1. Lehrlingsabt.: Friedenstr. 37; 1. Jugendabt.: Friedenstr. 37; 3. Lehrlings- Abt.: Boeckhftr. 17/20; 6. Lehrlingsabt.: Reichenbergerstr. 67/70; 8. Jugend- Abt.: Höchstestr. 36/37; 1. Damenabteilung: Mariannen-Ufcr 1a. Zlrbciter-Schwiinnicrbuiid. Anfragen an E. Bratke, Panlstr. 21. Dienstag:„Neptun"(Weiffensce), abends 7>/, Uhr, städtische Badeanstalt Turinstr. 85o.;„Vorwärts", städtische Badeanstalt SchiUingsbrücke. Arbeiter- Stenographenverei»„Stolze".(Einigungssystcm.) Bezirk„Norden", bei Gleinert, Schulstr. 29, abends 8'/, Uhr. Arbritcr-Ilkadfahrerbiiiid„Solidarität". Gau 9(Pro». Brandenburg). Alle Zuschriften und Ansragen, den Bund betreffend, lind zu richten an den Gau-Vorsitzcnden Karl Fischer, Berlin NW., Wnldstr. 8. Dienstag: Arb. Rads. Verein„Ripdorf", Thonias, Hermannstr. 48/50.— Rads. Verein „Frisch aus" in Bcmnischulenweg jeden 1 und 3. Dienstag im Monat, Dabclow, Baumschulenstr. 14.— Arb. Rads. Verein„Vorwärts" in Schöne- berg, jeden Dienstag nach dem 8. und 21. bei Obst, Meiningerstraffe 3.— Arb. Rads. Verein„Fester Wille" in Berlin, Bachgänger, Swineniünderstr. 34. —„Voran", Elysium, Landsberger Allee 40/41.—„Fahr wohl II 1900", Rausch". Hussitenstr. 9.—„Norden", Löhricht, Panlstr. 32(1.—„Obersvree", Obcr-Tchöneweide, John, Wilhelminenbofsir. 18.—„Glück auf", Friedrichsbcrg, Landhaus, Gürtcistr. 22.—„Adler", Ripdorf, Bracht, Zierhenstr. 77. Central- Raucherbuiid. Zuschriften sind an Kleist, Ripdorf, JuliuS- straffe 26, zu richte». Dienstag:„Florida", Ripdorf, Bergstraße 3t.— „Morgenrot", Ripdorf, Hermannstr. 52.—„Kankordia", Ripdorf, Wiffmaun- straffe 22.—„Alpenhähe", Ripdorf, Karlsgartenstr. 1.—„Starte Raucher", Ripdorf, Hermannstr. 213.—„Blaue Wolke", Steglitz, Schützenstraffe.— „Deutsche Eiche", Steglitz, Flora- und Düntherstraßen- Ecke—„Grüne Linde", Friedenau, Kaiser-Allce 85.—„Hand in Hand", Britz, Chaussee- straffe 97.—„Hoffnung", Wilmersdorf, Güntzclstr. 37 a.—„Gemütlichkeit", Mariendorf, Feldstr. 14.—„Zufriedenheit", Ripdorf, Goethestr. 8. Ceutralverein der Bildhaurr Teutschland»(Verwaltungsstelle Berlin). Dienstag, den 21. Januar, abends 8>/, Uhr, im Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15: Ordentliche vierteljährliche Generalversammlung. Mitglieds- buch legitimiert. Ceutralverein der Bureau- AngesteNtcn Tentschlands. Heute abend 9 Uhr Roienthalerstt. 57 bei Bauer: Mitgliederversammlung. Vor- trag des Kollegen Felgenlreu:„Das Mickecht". Mitglieder wwden auf- genommen. Gäste willkomme». Berein der Miiicraliuasser-Arbeiter. Dienstag, abends SV, Uhr, Generawersammluiig im Bereinslokal, Schmidstr. 2t. Tagesordnung: Neuwahl des Borsiaudes. Ausgabe der neuen Statuten. Arbeitslosen- Zählung. Aufnahme neuer Mitglieder. Eingegangene Triiltschrifte». Don der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben da» 16. Heft des 20. Jahrgangs erschiene». Ans dem Inhalt heben wir hervor: Bülows Woche.— Die Streiks in Frankreich im Jahre 1900. Von Hubert Lagardellc.— Bauernfeld. Von D. Bach.— Kansinännische Schicds- acrichte. Don Heinrich Swienty.(Schluß.)— Gartenbau und Landwirt- schaft.— Wirtschaftliche Umschau. Von Heinrich Cunow.— Feuilleton: Die Stellung des Menschen im organischen Stammbaum. Von Cnrt Grottewitz. Vom„Süddeutsche» Postillon" ist soeben die Nr. 2 deS neuen Jahr- gangs erschienen, die zum Preise von 10 Pf. zu beziehen ist. tfnnaleu des Deutsche» Reichs. München. I. Schweitzers Verlag (Arthur Sellier). 1902. Heft I. Inhalt: Die staatsrechtliche Stellung der Reichs- Eisenbahnen. Von Werner Roscnberg.— Handelsverträge und Handelspolitik. Von C. Wicsinger.— Die Organisation der inneren Ver- waltung auf recbtsvcrglcichender Grundlage. Von Konrad Bornhak.— Ueber die Voraussetzungen eines Aussuhrzolles auf Kalisalze. Von Emst Kohler.— Miscellen. Briefkasten der Redaktion. Tie jurisillclie Sprechstuubc findet täglich mit Ausnahme dcS Sonnabends vo» 7V- bis 9'/, Mt'»bcudS statt. C. SLaudtke. 1. Sie erben nach märkischem Recht. Mithin ist das Der- mögen Ihres Mannes mit dein Vermögen(einschließlich Schulden) zu- sammen zu werfen, daS am Todestage Ihnen gehörte. Vo» dieser Gesamt« masse habe» Sie die eine, Ihre Kinder die andre Hälfte geerbt. 2. Ueber Ihr Vermögen könuen Sie teftameiitartsch verfügen, müssen aber Ihre Kinder mit dem Pffichrteil(das ist die Hälfte der gesetzlichen Portion, also bei fünf Kindern für jedes Kind V« Ihres Nachlasses) bedenken. 3. Zur Teilung des Nachlasses Ihres Mannes sind Sic verpflichtet. Die Nächlaß- masse ist nach dem Stande von 1884(Todestag Ihres Mannes) zu berechnen. Zsür dc» Julialt der Juseratr iibcniiiiimt die Nednktio» dem Publitiii»«icgciiiibcr keinerlei Vernntwortniig. Thrtttrv. Dienstag, 21. Januar. Opernhaus. Haschisch. Bajazzt (Pagliaooi.) Aschenbrödel. An- 'a»g?>/, Uhr. Schauspielhaus. König Richard der Dritte. Ansang 7l/z Uhr. Neues Opern> Theolcr(Kroll). Geschlossen. Schiller. Einsame Menschen. An- fang 8 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 7", Uhr. Ucrlincr. Ueber unsere Kraft. (1. Teil.) Anfang 7r/, Uhr. Lessing. Auiphitryon. Hierauf: Der eingebildete Kranke. Anfang 7>/z Uhr. Ncsldcuz. Die japanische Vase. Vor- her: tllrassoe-lüroisv�. Anfang Uhr. Neues. Coralie u. Co. Anfang 7'/- Uhr. Weste». Wiener Blut. Anfang 7'/» Uhr. Secessiousbnhne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogenö Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Vorstellung vor Serenissimus. Auf. N/, Uhr. Triauou. Lebende Lieder. Anfang 8 Uhr. Central. Das süße Mädel. Anfang "'Vi Uhr. Dhalia. Seine Kleine. Anfang "'Vi Uhr. Luisen. Die Waise von Lowood. Ansang 8 Uhr. Carl Weih. Das Jungsemstist. Ansang 8 Uhr. ssriedrich-Wilftelmstädtisches. Der rote Kosak. Anfang 7»/, Uhr. Bclle-Zllliauce. Die Dame ans Trouville. Hierauf: Er. Ansang ~ l1/» Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Zlnfang 8 Uhr. Charivari-Brettl. Täglich Bor- stelliing. Anfang 8 Uhr. lvietropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr Npollo. Specialitäten- Vorstellung König Aqua. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Weihnachten. Mädchenjäger. Specialitäten-Bor stelliing. Anfang 8 Uhr. Pastage- Theater. Specialitäten VorsteNiuig. Anfang nachmittags b Uhr. Pastage- Panoptikum. Speciali täten-Vorstellung. ReichshaNeu. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialtläten-Vorstellung. Großstadtzauber. Ans. 7 Uhr. llrauta. Tanbenstr.4«/-ti».(Im Thealersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal. Abends 8 Uhr: „Vulkanismus der Erde". Jnvalideustrasie S7//, Uhr: Das sütze Mädel. Operette m 3 Akten von H. Reinhardt. Morgen und folgende Tage: Das süfte Mädel. sW! Weiss-Theater. (Lrohe Frankfnrterstr. 132. Anfang 8 Uhr: Das Juugferttstift. Operette in 4 Akten nach einer Idee des Paul de Kock von Ernest Guinot. Musik von Jean Gilbert. Eomtesse Marie.. Minna Michetti als Gast. Morgen: Das Jungfernstift. KIkWlll-sllkiltös Ilioms. kenliei', rjose�i. �lit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: 'ne Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlings fage an der Riviera Im Hörsaal um 8 Uhr: Tnlkanismus der Erde. 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Direktion: Winkler u. frödel. Das effektvolle wunderbare Januar- Programm Um HVt Uhr: Noch kurze Zeit die humorvolle stets neue AnSstattungs-Gesangs-Burleske Grotzstadtzaliber. Hugo Luftig: Dir. R. Winllcr. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Freitag, den 31. Januar: Sommerfeld-K enefi;. Die süslen Mädel. Operette. Auftreten des vir. Wild, llrödel. Seile-Allianee-Tllealer. Die Dame m Sroimile. Schwank m. Gesang u. Tanz i. 3 Akten. Emil Sondermanu. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Mario». fiicrnuf- tPf Pariser Lebensbild Hiermit, �r. j„ tiRe|u Aufzug Tilly Dellon. Danny Gürtler. Scliail und Rnucli, (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Dienstag, den 21. Januar 1902: Zum 69. Male: Vorstellung vor Serenissimus. Anfang 8>/, Uhr. Passage-Tiiaatar. Anf. Sonnt. 3, Wochent. 5, Ende 11. Damen-Lurtkampf ausgeführt von 12 jungen Damen. Neu! DHUäorisf' Amon in seinen Zwerchfell erschütternden Bauemtypen. Neu! Schindler, der phänomenale Mundharmonika-Virtuose. Michel Mayer, der stärkste Mann der Welt, zahlt lOOO 71 It. dem, der seine Hanteln nachhebt. 16 erstki. Xummern. E. Yon Wolzopens Buntes Theater(Ueberbrettl) KUpnlckerstr. 68. Dienstag, den 21. Januar 1902: Elna Abarbanell. Bozcna Bradsky u. Oskar Stranss. U. a.:„Maientanz", Musik von Schindler.„Steppke", von Jon Lehmann.— Anfang 8 Uhr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Debüt der reizenden Schwedinnen Geschm. Kiree. Nur noch kurze Zeit„BZeihnachten«, Günther sc. Ansang Wochent. 8 Uhr, Sonnt.?!/, Uhr. Charivari- Brelfl Alte Jakobstr. 37. Pepi Weiss Helena Dyas Stella Rnth Albert Kühne Preise 1,00, 2,00, 3,00 Mk. Trianon-Thealer Georgenstr., am Bahnhof Friedrichstr. e b e n de 1. 1 e d e r. Anfang abends 8 Uhr. Cirkus A. Schumann. Dirnstag, de» 81. Januar, abends präcise 7>/z Uhr? Zum 108. Male die gröbte und glänzendste AuSstattungs-Pantomlme der Gegeiuvart in 8 Aktcn Der Schlager der Saison' M.J O»kr durch Wis. Vorher das grobartigc Januar- Programm. Die Seissation des neuen Jahrhunderts: Troupe Mirza Golem. Neu! Persisch-kaukasische Karawane. Neu! Das lebende Karussell. Neu! Jeux Icarleus sur chameaux. Neu! Die Orlglnal-Bycicle-Truppe. Heute Entscheldunys-Rennen. Neu! Die musikal.Gerlchtsvcrhandlung Neu! Die vorzüglichen musikalischen Clowns BIm-Botn. Die im erreicht dastehenden Original- Dressuren des Dir. Alb. Schumann rc. irt DieuStag, 21. Januar, abends 7�/2 Uhr: Gr. Vorstellung. Bloadlke. Orig. Pantomime des Cirkus Busch. Die rätselhafte Ooiutesse X. liottbuserstr. Aa Jeden Sonntag, Montag »nd Tonnerstag: B o I I in u ii ii s Norddcutslsjt siiilger Xeu! Die Zillerthaler. Xcn! Die Poltaschllye». Nach jeder Vorst. TAX2. Entree 5« u. 73 Pf. Wochent. Ansang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochent. Vereinsbillets gültig und Tanz frei. An der Spandauer Brlloke 3. Grösst.VergnOgungslokal Berlins Internationale Konzerten Specialitäten-Vorstellung Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bärgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. iMatince von 12— 2 Uhr. 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Hermann Munter, Danckelmannstr. 2. Hugo Plaschke, Spandauerstr. 14. Victoria- Droguerie Max Mayer, JoachimSthalerstr. 3. Alfred Arendt, Potsdamerstr. 8. Frlcdenan. Georg Oelgart, Rhein- u. Hedwigst-Ecke. Dankmar Hermann, Dürerplatz 1. Gr. Uchtcrfclde. Max Winde, Dürerstr. 7a. Apotheker M. Gartz, Droguerie West- Bazar, Karlstr. 1/2. Paul Remus, Stcglitzerstr. 47. Otto Borstell, BiSmarckstr. 31. Eaabaw. Apoth. Wllh. Elchstaedt» Löwen« Droguerie, Breitestr. 8—9. Gebrüder Härtung, Breitestr. 16. Richard Rosemann, Brehmestr. 61. Rixdoi-r. Paul Lemcke, Kaiser Friedrichstr. 242. Robert Trinkkeller Nachf. Max KUnzel, Berlinerstr. 26. C. R. Prcnzel, Prinz Handjerystr. 46 und Hermanustrabe 227. A. Jungblnt, Bcrgstr. 157 u. Walterstrabe 26. Johannes Golck, Steinmetzstr. 37. Sciittncbcrg. Borussia- Apotheke und Droguerie H. Doehl, Hauptstr. 141. Hermann Vages, Hauptstr. 100. Heinrich Hotze, Sedanstr. 82. August Kortenbach, Bahnstr. 42. M. Rychlltzkl, Hahenfriedbcrgstr. 17. M. F. 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Vercinsangelegcnheiten. 242/4 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Torstand. S:§. Wahlkreis. Mittwoch, den 33. Januar, abends M/s Nhr» im Lokal „AltcS Schiitzcnhanö", Linienstr..ss>: W olks-Y ersammlniig. Tages-Ordnung: 1. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Handelsverträge. Referent Genosse RoUort Sclnuidt. 2. Diskussion. 3. Oeffentliche Partciangelcgenhciten. 4, Verschiedenes. 9V Die Frauen des b. Kreises werden zu dieser Versammlung besonders eingeladen. 245/1* DI© Tcrtrancnslente. Fl LFU1I11IU1 llUlUIIUlUgU II Ulli IIUlUl Dicnötag, den 31. Januar 1903, abends 8l/a Uhr: IV�crisamnilungs-Wg in den„Ariutntns-IfaHvn", Bremerstrahe 70/71(Moabitj. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Reichstags-Zlbgeordnetcn Genossen I-vdodonr iivcr:..Tie Aera Viilow". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Torstand. Yerein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Mtmih, de« 21 zamlllr, MS 8 Uhr, in Scn VornM- Tillen, Mrßrnie 6/7: Mitglieder-Versammlung. IS® Tagesordnung; 1. Vortrag deS Genossen J. Kallske über:„Das sociale Verständnis des Bürgertums." 2. Diskussion. 3. Die Brannschweiger Konferenz und Stellungnahme zu der am 9. Februar 1902 stattfindenden Konferenz in Berlin, event. Wahl der Delegierten zu derselben. 4. Veretnsangelegenhetten 129/2 Der Tor stand. CtMlmdM kt innrer iL (Bezirk 8iid-Ost). Mittwoch, den 33. Jannar, abends 8 Nhr, im Lokal des Herrn Nriiger, Nannynstrahe G: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnilng: 1. Vortrag des Kollegen O. Hanke. 2. Verbandsangelegenheiten. Regen Besuch erwartet 136/14 ____ Die Terbandsleltnng. Zahlstelle Berlin. Heilte, Dienstag, abends 8'/« Uhr, im KeskerlisolHsfKslHSuse, Engel-Ufer 15: WrttllilensmiillsskrVrrsWililiiiig für sämtliche Bezirke. Tages-Ordnung: „Weitere AnSsperriliigöbrschlnffe der Unternehmer und die Ztiknuftspläne der Innung". Werkstaii-Streiks und-Dissercuzen. Es ist Pflicht der Kollegen, ans sklie V Werkstatt Delegierte zu entsenden. Rote BertrauciiSniännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Znr Benchtnns;! Diejenigen VertranenSmänner, welche sich noch keine rote Karte haben ausstellen lassen, werden ersticht, dies bei den Ob- Männern des Bezirls zu thun. Die Orts-verwaltnnjf. Achtung:-WG aar- Achtung! lentrnlneriinnS her innrer (Zahlstelle Charlottenharg). Am DicuStag, den 31. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal deö Herr» Bauer, Berlinerstrafle Nr. 86: Genvi.'«l-VeviÄm»nl»tng. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Abrechnung vom 4. Quartal 1901 und Bericht des Kassierers. 3. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 4. Ver- schiedeues. 136/13 IV In dieser für jeden Kollegen so außerordentlich wichtigen Ver- saminlnng darf lein Mitglied fehlen; deshalb erwartet zahlreichen Besuch Die örtliche Verwaltung. I. A.: I�rltr Kim«. Achtung! Rixdorf. Achtung! Win deutsclior Sctiölmaciifir. Ilm Niittwoch, de» SS. d. M.. abends präc. 8Vz Uhr. im Lokal „Englischer Garten", Blcxanderstrasse 87c(oberer Saal): Tages-�Ordnung: 1. Wahl von 2 Telcgicrteu zur Brandenburger Proviuzial-Kouferenz. 2. Anträge zitr Geueralvcrsammlung in München und Wahl von 2 Dele- gierte». 3. Verschiedenes. 169/1 Bei der wichtigen Tagesordnung erwarten wir zahlreiche Beteiligung. SV Mitgliedsbuch legitimiert. ___ Die Ortsverwnltung. Facliverein d. TischieFBerllns u. Umgeg. Tieiistag, de» 31. Jannar, abends 8'/. llhr: Geiieral-Versammlung 1», I.oknl dos Herrn Zills. Hijpniekersir. 187. Tie Tagcsoidiiuiig wird in der Versammlung bekannt gegeben. Mit- glicdsbnch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 136/2 Der Torstand. HtuWer WlMiMr-VkrbiiO. (Zahlstelle Blxdorf.) Mittlvoch, dcu 33 Jannar, abends 8'.e Uhr, im Lokal des Herrn Thomas, Hcrmanustraße 48—30: CaGiferal- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Bericht des GcsamtvorstandeS und Neuwahl desselben. 3. Bericht vom Gautag. 77/18 Mitgliedsbuch legitimiert. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwallnng. UM" Im Anschluß an oblge Bekanntmachung machen wir aus unser« am Sonnabend, den 1. Februar bei Thomas stattfindenden Maskenball aufmerksam. Billcts a bv Pf. sind bei den Komiteemitgliedern, und in sämtlichen Zahlstellen zu baben._ Reinickendorf. Sonnabend, den 35. Januar, abendö SVa Uhr, im Restaurant des Herrn N e u b a n c r, Hnnöottcrstraste Nr. 48: Generalversammlung des Wahlvereins. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kotzke über:„Junker und Bauer". 2. Kassenbericht und Wahl des Vertrauensmanns. 3. Vereinsangelege»- Helten.— Zahlreiches Erscheinen ist Pflicht. 222/1 Der Torstand. liehung 6. Februar n. folgende Tage öffentlich im itathaase zu Danzig. MnnlinchW.WMenbmg Meine Bade-Anstalt Bcrlinerstr. 109 ist wieder«üsfnet. Täglich für Damen und Herren von 3 Uhr morgcnS bis 9 Uhr abends für säurt- liche Krankenkasse» Berlins und der Vororte. 3301S* £iV Bäder und Massagelieferung."VS Gewissenhafte Bedienung._ A. fosner und Frau. jäfcllme 2 Mit. TeUsahlun�öchentUch6" 1 Mark. 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Beerdigung: Dienstagnachmittag 2Vj Uhr, vom Trauerhause, Hussiten- straße 16. 4b � Der Vorstand. Centrai-Kranken- and Sterbekasse der dentschea Wagenbaner.(E. H. 8.) Berlin III. Todes-Anzeige« Am Freitag, den 17. d. M., verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Nikolaus Klaus im Alter von 51 Jahren an Bauch» Wassersucht. 25«/? Ehre feinem Andenken. Die Beerdigung findet am DienSwß, den 21..d. M., nachm. 3 Uhr, vom Königin Augusta-Hospital nach dem neuen Nazareth-Kirchhof m Reiniclen- dorf statt. Die Ortsverwaltung. Berlin III. Für die mir bewiesen« reg« Teil- nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage allen B-teiliqt-n, besonders den Kollegen vom Central- verband der Maurer nebst ihren Frauen und dent Gesangverein„Zukunft" in Steglitz für seinen feierlichen Grab- gesang herzlichen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Rslnh. Stasrksr. Kranken- n. Sterbekch aller geiverblichen Arbeitn fir Wneberg nah Berlin (Eingeschr. Htlsskasse Nr. sllbj B2)> Sonntag, den 26. Januar 1902, vormittag« 10 Uhr, ha Saale des Heren Krüger, Grunewald str. HO: Generai- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Jährlicher Kassenbericht. 2. Bericht des Vorstandes. 285/10» 3. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 4. Verschiedene Kasscnangelegenheiten. Mitgliedsbuch legittmiert. Pünktliches Erscheinen ist unvedwgt notwendig. Der Vorstand. j Kleine Anzeinen» ITore feit. Worte mit mehr als ff M A MM Af MMM MM M MM V in de 16 Buchstaben Sühlen doppelt, Mi W b Anzeigen d,e"äch"e rumtner werden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis/ Uhr» in der Haupt expediUon Beuihstr.3 bis 4 Uhr angenommen, iste A rden M Hn 4> m Verkäufe. Gikresiaiirant, großes Vereins- zimnter, gute Gegend, sichere Existenz. billig zu verkaufen. 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Ztg. 3Z76L* Km tiichtiser Astlibohrer wnd verlangt Llchteuberg. Herzberg, straße 105/6. 3322g Verantwortlicher Redactcur: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortNch: Dh.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin i7. i9. 2.}(il«p i>rs.Flwilrls" Kerlim NcksblÄ»>«», i«. Krankenkafsenniitglieder Berlins nnd der Vororte. Die Einig ungsverhandlui? gen zwischen den Apothekern und den Krankenkassen sind g e- scheitert. Wohl kamen die 5kasscnllertreter den Apothekern weit entgegen, sogar über die Grenzen hinaus, welche ihnen von ihren Auftraggebern gesteckt waren, aber das Verhalten der Apotheker be- wies, daß s i e den Friede» nicht wollen. Nach ihrem Willen sollte auch ferner den Berliner Krankenkassen dasjenige Masj von Ver- giinsiigungen versagt bleiben, ivelchcs in andren Städten den Kassen längst gewährt, ja teilweise von ihnen sogar überschritten ist. Aber weiter: selbst die kümmerlichen Zugeständnisse, ivelche gemacht wurden, sollten den Kassen nur zugebilligt iverden um den Preis einer ehrlosen Handlung, des Verrats an unsren bisherigen Bundesgenossen, den Droguisten, welche nach dem Willen der Berliner Apotheker künftig wieder von der Lieferung für die Kranken- lassen ausgeschlossen sein sollten. Krankenkassen-Mitglieder I Wir sind Eurer Zustimmung dafür sicher, das} wir diese schimpfliche Bedingung mit aller Entschiedenheit abgewiesen haben. Der Kampf muß unter diesen Umständen mit gröberer Schärfe als zuvor iveitergcführt werden. Nur dann kann der Widerstand jener Herren gebrochen, nur dann können die bc- rechtigten Forderungen der Krankenknstcn erfüllt werden, wenn jeder einzelne von Euch treu zn uns steht»nd es sich zur Pflicht macht seinen nnd seiner Familie Arzneibedarf in erster Linie aus Droguen Handlungen zu beziehen, wo dies nicht angängig ist, die z urKasse»liefe- rung zugelassenen Apotheken in Anspruch zu nehmen. Centralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte. Die zugelassenen Apotheken sind: Centrum: Apotheke zum schwarzen Adler, Kömgstr. 51. Fortuna-Apotheke, Dragonerstr. 6a. Löwen-Apotheke, Jernsalemer siraße 30. Komniandanten-Apotheke, Seydelstr. 16. W e st c n: Humboldt-Apotheke. Potsdainerstr. 29. Barbarossa- Apotheke, Kurfürstendamm 1. Kurfürsten-Apotheke, Genthinerstr. 20, Pallas-Apotheke, Goltzstr. 23(siehe Schöneberg). Wittes Apotheke, Potsdamerstr. 84a. Engel-Apotheke, Kanonicrstr. 44. Süd-Westen: Johanniter-Apotheke, Plnn-Ufcr 11. Kreuz- berg-Apotheke, Belle-Alliancestr. 75. Auguste Victoria- Apotheke. Königgrätzerstr. 52. Apotheke zum goldenen Einhorn, Gneiscnau- straße 92. Anhalter-Apotheke, Dorkstr. 18. Süden: Apotheke zur Sonne. Prinzenstr. 102. Apotheke zum Schivan, Oranienstr. 148. Urban-Apothcke, Urbanstr. 113. Hohen staufcn-Apotheke, Boeckhstr. 30. S ü d- O st e n: Neander-Apotheke, Ncanderstr. 29. Görlitzer- Apotheke, Görlitzcrstr. 48. Adalbert- Apotheke, Adalbertstr. 16. EmmauS-Apotheke, Neichenbergerstrabe 150. Springers Apotheke, Manteiiffelstr. 105. Apotheke am Schlesischcn Thor. Skalitzerstr. 72. Osten: Gradts Apotheke, Stralauer Platz 20. Krugs Apotheke, Zorndorferstr. 53. Neichsadler-Apotheke, Große Frankfurterstr. 134, Blumen-Apothcke, Blumenstr. 73. Stern-Apotheke, Posenerstr. 7. Nord-Osten: Apotheke zum schivarzen Adler. Nene König- straße 50. Apotheke zu den Frankfurter Linden, Große Frankfurter- siraße 103. Siegfried-Apothcke, Greifswalderstraße 10. Deutsche Apotheke, Büschingstr. 15. Kaiser Wilhelm-Apotheke, Landsberger straße 3. Norden: Prinzen-Apotheke, Prinzen-Allee 69. Nord-Apotheke, Schulstr. t. Prinzessin Victoria Louise-Apothcke, Voltastraße 44. Apotheke zum gekrönten schwarzen Adler, Anguststr. 60. ZionZ Apotheke, Anklamerstr. 39. Gustav Adolf-Apotheke, Koloniestr. 1 Nordhafen-Apotheke, Fennstr. 31. Bornssia-Apotheke, Schönhauser Allee 56. Marien-Apothcke, Wörtherstr. 40. Grüne Apotheke, Chaussee- straße 19. Hochplatz-Apothcke, Neue Hochstr. 24. Italienische Apo- theke, Antonstr. 25. Nordwesten: Roland- Apotheke, Tunnstr. 16. Diana- Apotheke, Tnrmstr. 23. Moabiter Apotheke, Alt-Moabit 18. FellerS Apotheke, Lübeckerstr. 32. Schiller- Apotheke, Alt- Moabit 35. Kronprinzen-Apotheke, Hindersinstr. 1. Stephan-Apotheke, Stcndaler- straße 11. Polnische Apotheke. Mittelstr. 56. Phönix- Apotheke, Birkenstr. 6. Beussel-Apotheke, Beusselstr. 55. Charlottenburg: Friedrich Wilhelm- Apotheke, Leibniz- straße 89. Pestalozzi- Apotheke, Kaiser Friedrichstr. 61 B. Uhland- Apotheke, Kantstr. 151. Hof- Apotheke, Berlinerstr. 71. Falken- Apotheke, Potsdamerstr. 31. Schöneberg: Sedan-Apotheke, Sedanstr. 3. Pallas-Apothcke, Goltzstr. 23. Rixdorf: Reichsadler-Apotheke, Bergstr. 13. Berg-Apotheke, Hermannstr. 146. Lichtenberg: Lichtenberger Apotheke, Dorfstr. 41o. Groß-Lichterfelde: Ädler-Apotheke, Drakestr. 56. Steglitz: Apotheke von Ray, Albrechtstr. 19. W e i ß e n s e e: Flora-Apotheke, König-Chaussee 9. Neu-Weißensee: Sonncn-Apothekc, Langhansstr. 82. Wir bitten, diese Liste auszuschneiden und aufzuheben oder besser noch: die nächste zugelassene Apotheke herauszu- suchen und für den Bedarfsfall vorz» merke»! Berliner Partei-Angelegenheiien. Schöneberg. Dienstag, im O b st f che» Lokale, Meininger- straße 8: General-Verfammlung des Wahlvereins.— Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des' Gen. Emil R o s e n o w: »Die Arbeitslosigkeit, ihre Ursache und ihre Bekämpfung." Zehleudorf. Die Parteigenossen werden auf die heutige Vereinsversammlung aufmerksam gemacht, in der Genosse G ö h r e über die Gemeindewahlen spricht. Ober-Schiincweide. Mittwoch findet im Restaurant Kaufhold, früher John, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen, veranstaltet vom Socialdemokratischen Wahlvercin, statt. In derselben hält Herr Direktor P a u l y vom Verein für Feuer- b e stattung an der Hand des ModelleS einer Feuerbestattungs- Anlage einen Vortrag über:»Die Feuerbestattung'. U«»kslles. Taö Ende eines WaiseukiudeS. Großes Aufsehen hat in der Tempelhofer Vorstadt der Selbst- mord eines Waisenknaben erregt, eines Barbierlehrlings Emil Bahrend. der seit Juni 1900 bei dem Barbier und Heilgehilfen Heinrich Wagner, Willibald-AlexiSstraße 5, in der Lehre war. Der noch nicht 16jährige Knabe hat in der vorigen Woche auf dem Flur deS HaufeS der Friesenstraße Karbol- säure getrunken nnd ist unter den Händen eines ArzteS, zu dem er von dazu kommende» Personen geschafft worden war, gestorben. Am Sountagnachmittag ist er unter großer Beteiligung der HauS- bewohner und der Nachbarschaft beerdigt worden. Die G r ü n d e dieses Selbstmordes sind vorläufig noch in Dunkel gehüllt. Gegen den Meister des freilvillig aus dem Leben geschiedenen Lehrlings herrscht bei der Nachbarschaft eine starke Erregung. Man behauptet, der Junge Habebeisein em Lehr- Herr» böse Tage gehabt. Es ist schwer, in den eiuander widersprechenden Angaben, die über diesen Punkt von verschiedenen Seiten verbreitet werden, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. Sicher scheint aber zu sein, daß Herrn Wagner diejenigen Eigen- schaften fehlen, die bei solchen Personen vorausgesetzt werden müssen, denen die Waisenverwaltung ihre Pflegebefohlenen zur Er- ziehung oder Ausbildung anvertraut. Wenn der bedauerns- ivertc Junge seinem Leben gewaltsam ein Ende gemacht hat, weil er es in dieser Lehre nicht mehr aushalten zu können glaubte, so fällt die Verantwortung dafür, daß es zu diesem tragischen Ausgang gekommen ist, großenteils auf die Waisen Verwaltung der Stadt Berlin. Der in einem hiesigen Blatt ausgesprochene Zweifel, ob der zuständige Waisen rat seine Pflicht gethan habe, ist durchaus unberechtigt. Gefehlt ivorden ist von einer ganz andre», höheren Stelle. Die Waisenverivaltung war über die Persönlichkeit des Herrn Wagner rechtzeitig unterrichtet worden. Sie war von vornherein gewarnt ivorden, diesem Meister ei» Waisenkind in die Lehre zu geben, und es ist hinterher, als die Warnung nicht beherzigt worden war, noch von dritter, unbeteiligter Seite eine Beschwerde bei ihr eingelaufen, in der die Behandlung des Jungen als schlecht geschildert wurde. Trotzdem ist Bahrend nicht aus der Lehre genommen worden. Der Fall zeigt, daß die vielgerühmte Bereitwilligkeit der Waiseuverwaltung, den Klagen der in Lehr- und Dienststellen uniergcbrachten Waiscnzöglinge ein geneigtes Ohr zu leihen, doch nicht so sehr groß sein kann. Es ist n»S das niemals zweifelhaft gewesen, aber in dem vorliegenden Falle ist es einmal in ganz eklatanter Weise zu Tage getreten. Wenige Stunden, bevor er den Selbstmord beging, hat sich Bahreud selber nach dem Bureau des Waisenhauses begeben und dringend gebeten, ihn aus der Lehre fortzrniehmcn. Es ist ihm sofortige Untersuchung zugesagt worden, aber Bahrend hat nicht länger warten wolle», sondern noch an demselben Abend Gift genommen. Schon im Sterben liegend, soll er gesagt haben, er habe das Hundeleben satt. DaS Grab hat sich nun über den armen Jungen geschloffen, aber die Frage nach den Gründen seiner VerzweiflungSihat ist damit nicht erledigt. Die Untersuchrmg wird zugleich von der Waisen- Verwaltung und von der Innung, deren Mitglied der Lehrhcrr ist. geführt. Sie wird hoffentlich volle Aufklärung darüber schaffen, ivelcher Art das„Hundeleben' war, das den Lehrling des Barbiers Wagner in den Tod getrieben hat. Die Große Berliner, lieber einen Laternenstrcit, der zu einem Prozesse der Stadtgemcinde gegen die Große Berliner Straßenbahn geführt hat, berichtet der VerwaltuugSbcricht der städtischen Gaswerke. An einer belebten Straßenecke war ein mit 2 Pferden bespannter Straßenbahnwagen durch einen vor ihn> stehenden und bctriebsunsähig gelvordeucn AccuniulatorenWagen am Weiterfahren behindert worden. Kutscher und Schaffner hatten ihn auS den Schienen gehoben und bewegten ihn über das Straßen- Pflaster, um ihn dann wieder in die Schienen zu leiten. Hierbei wurde eine Straßenlaterne umgestoßen. Der Magistrat forderte Schadensersatz auf Grund des'§ 831, Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Die Direktion der Straßenbahn iveigerte sich, Ersatz zu leisten; da sie die erforderliche Sorgfalt durch Prüfung ihrer Augestellten auf ihre Leistmigs- fähigkeit vor der Beschäftigung im Betriebe beobachtet und zur Ausrechterhaltung eines sicheren und gefahrlosen Betriebes Aufsichtsbeamte als Leiter desselben angestellt habe. Da letztere nicht überall anwesend sein könnten, hätte sie der Vorschrift deS § 831 Absatz 2 Bürgerlichen Gesetzbuchs vollständig genügt.— Das Gericht erkannte nach dem Klageantrage. Nach der Beweisaufnahme hätten Schaffner und Kutscher im Auftrage und mit vollem Ein- Verständnis der Straßenbahnverivaltung gehandelt, so daß die Schuld nicht die Bediensteten, sondern die Beklagte treffe. Letztere habe die im Z 831 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs erforderte Sorgfalt im Verkehr nicht beobachtet, da sie gerade im Hinblick auf die herrschende Glätte deS Stratzendammes für Hilfspersonal oder geeignete Hilfs- mittel zum Transport deS Wagens hätte sorgen müssen. Die Bevölkerungszahl Berlins war am 1. Januar 1902 nach den vorläufigen Feststellungen 1 901 588. Sie ist demnach im Lauf des Jahres 1901 nur um 12 878 gestiegen, Während die Jahre 1900, 1899, 1898 einen BcvälkcruugSzuwachs von 42 493, 43 006, 46813 gebracht hatten. Der Zuwachs deS Jahres 1901 dürfte lediglich aus dem Uebcrschuß der Geburten über die Sterbefälle be- stehen. Zum Milchkriege. Vom Verein Berliner Milch Händler sollen genaue Erhebungen veranstaltet werden, wie viele Pachtverträge am 1. April ihr Ende erreichen und welches Quantum Milch dabei in Frage kommt. Nach dem Ergebnis dieser Umfrage sollen Maßnahmen getroffen werde», um Berlin auch in der lvärmcren Jahreszeit, in ivelcher der Milchkonsum erheblich steigt und der MilchtrauSport auf weite Entfernungen hin sehr erschwert wird, ausreichend mit riugfreicr Milch zu versorgen. Die Läden der Milch- Centrale, von denen einzelne eingegangen sind, inachen, namentlich in den Arbeiter- gegendcn, recht schlechte Geschäfte und können nur durch fortwährende Zuschüsse seitens des MilchringcS über Wasser gehalten werden. Andrerseits kehren sich nicht dem Ringe augehörige Landwirte nicht an die Drohungen und Warnungen von agrarischer Seite und liefern nach Wie'vor riugfrcie Milch nach Berlin. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich gestern vormittag in der Maschinenfabrik der Allgemeinen E l c k t r i c i t ä t s- G e- s e I l s ch a f t in der Brunnenstr. 107. Der Dreher Max L e ch e l, welcher au einem Horizontalwerk(einem sogenannten Karussell) mit der Ausbohrung eines großen Dhuaino-Polgehäiiscs beschäftigt war, mußte behufs Verstellung des DrehstahleS einen lose stchendeü, leicht beweglichen und mehrstufigen Holztritt besteigen. Hierbei kam Lcchel zun: Straucheln und fiel so unglücklich gegen das in horizontaler Richtung rotierende Polgehäuse, daß sei» ausnahmsweise starker Körper von dem das Gehäuse tragenden Querbalken erfaßt und durch eine höchstens 260 Millimeter betragende Oeffnuug hindurchgequctscht Wurde. Ei» Aufschrei und eS war um den Unglücklichen geschehen; auf dem Transport nach dem Krankcnhause erlag er seinen furcht- baren Verletzungen. So ist, Wie man uns hierzu schreibt, wiederum eine Familie ihres im besten ManneSaltcr stehenden Ernährers be- raubt worden, und lveun die mit der Erforschung und Feststellung der Ursachen beauftragten Personen auch»och so lange suchen, die eigentliche Ursache entdecken sie nicht. Den imter der hastenden Produktionsweise von heute leidenden Arbeiten! ist sie jedoch nicht fremd. So hat u. a. in fast allen größeren Betrieben die Methode Platz gegriffen, daß sich die Herrn Jngenienre und Werkmeister, nachdem der zn bearbeitende Gegenstand aufgespannt und die Stähle angestellt sind, mit Uhr und Tourenzähler in der Hand an die Bank stelle», um dann vielleicht noch mit Zuhilfenahme von Steigungstabellen den Preis für die zu leistende Arbeit auf ein Minimum festzusetzen. Dadurch bleibt dem Dreher, wenn er einigermaßen etwas verdienen oder nicht als minder- werlig angesehen sein will, keine Zeit, um die Maschine ausrücken und ihren Stillstand erst abwarten zu können. Solange allerdings die Arbeiterschaft nicht ihre ganze Kraft einsetzt, um durch feste» Zu- samnicnschluß in der Organisation ihre Macht dem Unternehmer gegenüber zu vergrößern, werden derartige leicht vermeidliche Un- gliickSfälle sich leider nicht vermindern, sondern immer noch ver- mehren. Blinder Feuerlärm im Schauspiclhansc. Bei der Auf- führung des Lustspiels»Wie die Alte» fungen" im königlichen Schauspielhause erhoben sich Sonntagabend plötzlich gegen Ende des dritten Aktes mehrere Zuschauer im Parkett und verließen den Thcatcrraum, iveil sich Brandgeruch bemerkbar niachte. Andre Zuschauer er- hoben sich ebenfalls und brachten dadurch solche Unruhe ins Publikum, daß alles aufstand und die Vorstelluug unterbrochen iverden mußte. Die Untersuchung aller Räume ergab,' daß es sich um keinen Brand handelte. In dem unter der Freitreppe befindlichen Raum, Ivo sich die Heizanlage des Schauspielhauses befindet, war feuchtes Holz in einem Röhrenkessel zum Trocknen aufgespeichert. Durch die Hitze hatte sich Qualm entwickelt, der durch einen in demselben Raum befindlichen Ventilator durch den HcizungSkaual in den Zuschauer« räum gedrückt Ivorden war. Zahlreiche Beschwerde» wurden gestern über die Personen- beförderung auf der Linie Kreuzberg— Spittelmarkt— Gesnndbruimeu laut. Uns wird mitgeteilt, daß in der Zeit von 6—8 Uhr abends an den Haltestellen und spcciell an der auf dem Spittelinarkt zahlreiches Publikum der Beförderung harrte. Wir wissen nicht, was die Ursache dieses schwachen Verkehrs war; daß aber die wenigen Wagen, die in dieser Zeit verkehrten, ohne Anhänger fuhren, müssen auch wir aufs schärfste tadeln. Ei« kostbarer Fund beschäftigt die Kriminalpolizei. Der Grünkramhäudler Hold aus der Krausenstr. 18 sah am Sonntagvormittag kurz nach 10 Uhr auf dem Hausflur ein Paket in Zeitmigs- papier liegen und bat die Pförtnerin, Fräulein Emilie Brandt,„den Schmutz" zu beseitigen. Die Pförtnerin kam mit dem Besen, um das Papier wegzufegen, hob es aber doch einmal auf, öffnete es und fand darin eine lederne schwarze Damentasche und in dieser Wertpapiere((RcichSanleihe, preußische KousolS, Pfandbriefe u.a.) im Betrage von 23 000 M. In der Tasche befand sich außerdem ein leeres Portemonnaie»nd ein Notizbiichelchen. Mau nimmt an, daß die Wertpapiere irgendwo gestohlen sind; der Eigentümer war aber bis heute mittag noch nicht ermittelt. Paul Blumenreich» der ehemalige Direktor des Theaters deS Westens, I ist gestern aus dem) Strafgefänguis zu Plötzensee entlassen worden. Er hat seine Strafzeit in einer Isolierzelle ver- bracht, beiläufig in derselben, die vor ihm der Herausgeber der „Laterne", Erich Fließ, bewohnte. Es war ihm gestattet, sich Bücher und Zeitschriften nach seiner Wahl kommen zn lassen und sich ausschließlich mit littcrarischen Arbeiten zu beschäftigen. Im Streite erstochen wurde gestern früh der 21 Jahre alte Former Bruno Wilkert aus der Schwedcustraße 15 von dem 41jährigcii Tischler Rudolf Wulff auS der GropiuSstraße 5. Wulff ist zum zwcitcumale verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von 9 und 12 Jahren. Da seine Frau nach ihrer pommerschcn Heimat gefahren ist, um eine verwandte Wöchnerin zu pflegen, so benutzte er gestern abend die Gelegenheit zum Kneipen. In einer Gasilvirtschaf't in der Badstraße lernte er Wilkert kennen, der bei seinem Vater, einem Former, wohnte und auf einem Kohlenplatze arbeitete, weil er in seinem Berufe keine Beschäftigung hatte. Beide besuchten»och mehrere Wirtschaften und trafen mit noch drei andren Männern zusammen. Auf dem Heimtvege machten die an- getrunkenen Leute um 2 Uhr Nachts allerhand Allotria. Schließlich trieben sie sich gegenseitig die Hüte an. Als nun Wilkert etwas stärker auf Wulff einschlug, zog dieser sein Taschenmesser und stieß eS ihm vor dem Hause GropiuSstraße 6 bis ans Heft in die Brust. Der Schwerverwundete starb bereits auf dem Wege zur nächsten Unfallstation. Das Messer hatte daS Herz getroffen. Wulff lief nach Hause und schloß sich ein. Schutzleute holten ihn jedoch sofort aus der Wohnung heraus und nahmen ihn fest. Von der Revier- Polizei wurde er der Kriminalpolizei zugeführt. Einbrecher suchten in der vorletzten Nacht die Buttergroßhand« lung von Müller u. Braun in der Brunnenstraße 16 heim. Sie er- brachen an dem im Keller des linken Seitenflügels gelegenen Lager- räume mit einer Eisenstange das Doppclschloß' und erbeuteten zwei Fässer mit 1�/» Ccntncr Butter im Werte von 160 M. Die Fässer sind M. B. gezeichnet. DaS HauS ist nachts lange geöffnet, da sich aus den: Grundstück eine Gastivirtschaft befindet. Von der Strastcnbah« überfahre» wurde gestern wieder ein» mal ein Kind. AIS die fünf Jahre alte Tochter des Kupferschmiedcs Daune in der Bellcrmauustraße den Siraßendamm überschreitc« wollte, wurde sie von einem elektrischen Straßenbahnwagen erfaßt. DaS Kind geriet unter den Wagen, wurde unter den Vorderperron gedrückt nnd erlitt erhebliche Verletzungen, anscheinend auch innerlicher Natur. Am Mittwoch, den SA. Januar, hält der„Verein von Freunde» der Treptower Sternwarte«(E. B.) seinen 73. BeobachtungSabend abends 8 Uhr in dem durch Verdoppelung der Wände für den Winter der- gerichteten VortrngSsaal der Treptower Sternwarte ab. Direktor Archen hold spricht über den„Werdegang von Autotypien« unter Vor- Icgung zahlreichen von crflen Firmen zur Verfügung gestellten Demonstratioiis- Materials. Im Anschluß au de» Vortrag wird der Terciu später einige ReproduktionSanslalten besuchen. Bekannllich bedarf eS besonderer Vorsicht bei der Wiedergabe von Sternanfnahmeu durch den Druck. Aus der Tages- ordnung sieht noch ein Bericht über die Bildung eines besonderen Komitees für Erbauung einer neuen BorlragS Halle. Eine ungenannte Gönncrm hat hierfür 1060 M. gespendet und haben die Beiträge schon eine Höhe von nahezu 5000 M. erreicht. Mit dem großen Refraktor wird der Mond von 7—11 Uhr abends beobachtet. Ein froheS n»d würdiges StiftnngSfest beging die Arbeiter- B i ld u n g§ f ch ul e am Sonnabend zu ihre», nunmehr elfjährigen Bestehe».' Die Frcimde der BildnngSschnle hatten sich überaus zahl- reich eingefunden, und die Fcstleitung spendete ein Programm trefflich künstlerischer Darbietungen. DaS Prograuun hielt sich von dem hier und da iuifre Arbeitc'rfeste ein ivcn'ig beschwerenden Fehler fern, die Hörer durch zn viele und umfassende Vorführungen schließlich zu ermüden, eS bot dafür eine Auswahl nur guter Stücke. Fräulein Rose brachte ans Mozarts„Figaro" ei» Recitativ nnd eine Arie und schöne Lieder von Schubert, BrahmS, Gricg zum Vor- trag; die Bläfervereiiiigung des Philharmonischen Orchesters bemühte sich nicht ohne Erfolg um den ersten Satz des wundervollen Beethoven- fchenEs-äur-OuintettS. In prächtiger Festrede, behandelte Gen. Heinrich Schulz- Magdeburg die Bestrebungen der Arbeiier-Bildimgsschtile. Der Redner beleuchteteinsbesondere die thörichte Anffassimg bürgerlicher Kreise, welche dtirch BolkSbildnngSuiiternehimmgen eine Ncberbrückuug der Klasseugegeusätzc erhoffen. Vielmehr seien umgekehrt diese bürger- lichc» Bestrebungen nur eine Folge des Klassenkampfes der Arbeiter. Aber die besondere BildungSaufgabe der Arbcitcr-BilduiigSschnle müsse eS sein, die Klnssenkäiupfer des Proletariats durch Wissen zn festigen. Die Festrede gipfelte in schöner Verherrlichung der idealen Ziele der Arbeiterbewegung, die gerade in der Arbeiter- BildnngSschnle eine gute Stätte gefunden haben und ferner behalten nrögen., Froher Tanz hielt die Feiernden bis in die Morgenstunden bei- samme». Willkommene Abwechslung brachten noch die vorzügliche» Leistungeii deS Radfahrer-Vereins„Vorwärts". Der»ritte VortragSabeu» des Vereins„Berliner Presse" findet am' Donnerstag, de» 30. Januar statt. An diesem Abend werden zum ersten Mal drei bildende Künstler auf dem Podimir erscheinen, die sich auch litte- rarisch einen Namen gemacht haben: der Bildhauer Prof. Giista» Eberlein, der Maler Prof Hans Fechner und der Architekt Bodo Ebhardt. Da dle Nachfrage nach Plätzen zu diesem Abend sehr stark ist, sind in den Bnch» handluiigen von Auielang, Lazarus, Speyer und Peters»nd Woyte, sowie im Berliner Preffeklub schon jetzt Eintrittskarten zn haben. CU'kiiS Schnmai»!. Der irische Wall, in der Artistenwelt kurzweg Sechscrivall genannt, bildet seit dem Jahre 1886, wo er zuerst von dem berühmten Dresseur Albert Schuinami in Warschau gezeigt wurde, den imposantesten Pferdedressurakt bis auf den heutigen Tag. Er beruht auf dem Princip der Chaugemcuts aus der Mitte, dergestalt, daß die sechs Trakchner sich in zwei Zügen teilen und ihren Herrn und Meister in genauester Präcision umkreise», indem sie ihn beständig als Mittelpunkt der zu beschreibenden Kreise be- trachten. Da nun Direktor Schnmaim seinen Standpunkt fortgesetzt sprungweise ändert, so müssen die Hengste, Ivelche dabei Hindernisse nehmen, eine» phänomenalen Appell zeigen, wenn sie die notwendigen Kiirzkchrt-Wendnngen im rasenden Galopp ausführen sollen. Der Akt ist an verschiedenen Orten gezeigt worden; in seiner ursprüng- lichen Gestalt ist er jedoch nur im Cirkus Schumann zu sehen. Seit einigen Tagen hat der Direktor diese vornehmste Piece seines mehr als Ivo Freiheitsdressuren zählenden Nepertoirs wieder ans das Programm gestellt. Kenerbericht. Montag früh kurz nach 1 Uhr wurde die Wehr nach der Ticckstr. 82 gerufen, Ivo in einer Küche Wäsche und KleidnngS- stücke Feuer gefangen hatten. Tempelhofcr Ufer 32 brannte am Eonntagmittag der Fnszboden und die Balkenlage, während Pri»- gessiniienstrasze 23 Gardinen und Möbel in Fia>>»nen aufgingen. In der Nacht zum Sonntag wurde der öffentliche Feuermelder in der Chorinerstraße böswillig gezogen. Der Thäter ist leider ivieder nicht ermittelt worden. Sonnabendabend 8 Uhr kam in der Alexandrinen- ftrasje 119 ein sehr gefährlicher Brand in der chemische» Fabrik von Kroiier zum Ausbruch. Das im Dachgcschoh ausgekommene Feuer drohte auf die unteren Stockwerke überzuspringen, wo graste Vorräte von Celluloid und andren explosiblen Stoffen lagerten. Es gelang indes der Wehr, den Brand mit zwei Schlauchleitiiiigen, die über eine mechanische Leiter geführt Ivnrden, zu lokalisieren. Der ver- »usachte Hausschaden ist beträchtlich. Kellerbrände beschäftigten die Wehr am Sonntag in der Mnlackstr. 8 und Grenadierstr.'42. In beiden Fällen brannten Lumpen, Wäsche und Möbel. Außerdem erfolgten noch Alarmierungen nach der Wallsir. 88» und Sellcrstr. 11, die je- doch auf unbedeutende Anlässe zurückzuführen waren. SluS de» Stnchbnrorien. Ungültig erklärt wurde gestern das Stadtverordneten-Mandat unsres Genossen, des Maurers Däumig in Schöneberg, und der bürgerliche Gegenkandidat Schliuck als rechtmästiger Vertreter an- erkannt. Gegen diesen Beschlust wird von unsren Genossen Protest und Klage eingelegt werden. Eine Deputation der Ntxdorfer Strastenhändler, unter Führung des Händlers Stein, ist beim Rixdvrfer Polizeipräsidenten v. Glasenapp vorstellig gelvorden, um eine Milderung in der Hand- habung des Strastenhnndels-Verbolcs zu erzielen, daS seit dem 11. d. Mls. in Kraft ist. Der Polizeipräsident enipfing die Deputation wohlwollend, ließ sich eingehend über die Notlage der Händler berichten und gab den Vertretern der Strastenhändlcr den Rat, sich nochmals mit einer genauen Darstellung des Sachverhalts an die städtischen Behörden zu wenden. Auch soll der Präsident die Zusicherung gegeben haben, daß die bereits wegen Uebertretung des neue» StrnstenreglcmentS ergangenen Strafanzeigen bezlv. Straf- Mandate vorläufig bis nach Erledigung der Petition ruhen sollen. Die Arbeitslosigkeit. Als gestern auf dem auch von uns ab- gedruckten Aufruf der Rixdorfer Kanalbau-Verwaltung hin sich die Beschäftigungsuchcnden zu nielden hatten, stellte sich durch die vorgenommene Zählung heraus, daß 2300 Arbeiter in der Hoffnung, Beschäftigung zu erhalten, erschienen waren. Gebraucht wurden, wie uns mitgeteilt wird, nur 250 Arbeiterl R»S Wilmersdorf wird uns berichtet: Der Arbeiter Fr. N o a ck war angeschuldigt worden, in einer Volksversammlung bli Erörterung der Wohnungsnot den Amtsvorsteher unsres Vorortes beleidigt zii baben. Das Schöffengericht verurteilte ihn dafür zu 4 Wochen Gc- fängnis; der Staatsanwalt hatte 3 Monate beantragt.— In das für die Gemeinde neugcmietcte Haus Gasteinerstr. 11 sind gestern zunächst die S t e u e r b u r e a u x verlegt worden.— Die neueste Staatsrettnng hat die Firma Markiewirz, welche in Wilmersdorf den Säulenanschlag gepachtet hat. zu Wege gebracht. Am tviontng fand in Wilmersdorf eine P r o t e ft v e r f a»> m l u n g gegen die Handhabung der G e m e i n d e- V e r t r e t u n g im Orte slatt mit der Tagesordnung:„Die Richteinfübrnng der ncugelvählten Gemeinde- Vertreter. Diskussion. Verschiedenes." Die Firma „Markicwicz" teilte am Sonntag nnsrem Genossen Hetz als Ein- bernfer mit, daß die Plakate zur Versammlung nicht zum An- schlag gelangen könnten, weil sie einen P r o t e st gegen die Gemeinde- Vertretung enthielten I Somit wäre Wilmersdorf gerettet. Jedoch hat die' Versammlung auch ohne Mitwirkung der Firma stattgefunden und sich bei der augenblicklich herrschenden Stimmung im Ort zu einer sehr imposanten Kundgebung gestaltet. In der Angelegenheit dcö Lichtrrfelder KreiS-Krankcn- hanscS teilt das„Teltower Kreisblatt" mit:„Die Kritik der ärzt- liche» Leitung und Versorgung des Kreis-KrankenhauseS in Groß« Lichterfelde, wie solche auf dem Kreistage vom. 18. Dezember 1901 von einem Steglitzer und einem Lichterfelder Abgeordneten geübt wurde, hat naturgemäß die Kreisverwaltung wie die staat- liche Aufsichtsbehörde zu einer besonders sorgfältigen Prüfung und Beaufsichtigung der herrschenden Zustände veranlaßt. Das Ergebnis dieser Prüfung wird zweifellos im März gelegentlich der Vorlage des Etats und des Verwaltnugsbcrichts an den Kreis- tag amtlich bekannt gegeben werden. Zur Beruhigung aber aller beteiligten Kreise dürfe» tvir auf Grund authentischer Information schon heute konstmieren, datz diese Prüfung, insbesondere auch die des staatlichen Regiernngs-Medizinalbeamtcn. lediglich ergeben hat, daß die ärztliche Leitung und Versorgung, die Pflege, die Be- Handlung und die Beköstigung in dem Kreis-Krankenhanse allen An- fordernn'gen der modernen Gesundheitswissenschaft vollkommen ent- spricht." Umfaitgreiche Metalldiebstähle sind in den königlichen Eisen- bahn-Weikstälten zu Potsdam in der letzten Zeit entdeckt worden. In dem Materialienlnger der Werkstätten wurde» auch eine größere Anzahl Messiuglager aufbewahrt, Ivelche der deutschen Speisewagen- Gesellschaft zu Charlottenbnrg. die ihre defekten Wage» stets zur Lteparatur nach Potsdam bringt, gehören. Hiervon wurden kürzlich nun ctiva 30 Centner vennistt. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß in einer Nacht einige Personen auf dem Grundstück des Restaurants„Zur alten Linde", Alte Königstraste 13, das an den Hof der Eiscnbahn-Werlstätten angrenzt, in verdächtiger Weise sich zu schaffen gemacht hatten. Ein Mann wurde von einer Hausbewohnerin auf dem Dach eines Gebäudes bemerkt, es ist wahrscheinlich, daß mit den Verhältnissen vertraute Personen die Messinglager, welche patentiert und in Belgien angefertigt sind, ge- stöhle» haben, indem sie mit ihrer Beule den Weg über daS Restau- rntionsgrnndstück hinwegnahme», nachdem sie die Lager schon vorher in der Nähe versteckt hatten. Die Persönlichkeiten der Diebe sind noch nicht ermittelt, doch fand die Polizei bei einer nach dem ge- stvhlencn Gut bei einem Produktenhändler in NoivawcS vorgenom- , neuen Revision größer« Quantitäten von Mcssingfeilspäne», die ebenfalls aus den kgl. Eisenbahnwerkftätten gestohlen sind, ferner Metall, das in der Lokomotivfabrik von Orenstein u. Koppel am Drewitzer Bahnhof gestohlen war. Der Sohn des Produktenhändlers wurde als Hehler verhaftet. Selbstmord durch Erschießen verübte an, Sonnabendabend der 20jährige Kammerdiener Alfred Obst, welcher bei einem in Potsdam wohnenden Prinzen thätig war. Als sich der Prinz mit seiner Gemahlin' nach Berlin zu den Hoffestlichkeiten begeben hatte. erschoß sich der junge Mann in der Villa desselben. Als Motiv zu der That wird Schwermut angegeben. Ter am lS. November v. I. erfolgte Einbruch in die e». Gcnikindeschnle, Gipsstr. 28a, beschäftigte gestern die 7. Straf. kammer des Landgerichts I. Der schon mehrfach vorbestrafte Arbeiter Simske war mit einen, noch nicht ermittelten Komplize», der den Spitznamen„Schlächter-Richard" trägt, abends über die das Grund- stück abschließende Mauer geklettert.' hatte sich mit Einbrecherwerk- zeugen den Weg weiter gebahnt und war in mehrere Klassenzimmer gedrungen. Dort hatten sich die Diebe eine ganze Anzahl halb- fertiger Hemden, die zum Nähunterricht der Schulmädchen gehörten. Verantwortlicher Nedaeteur: Carl Leid in 8 mehrere Kleidungsstücke der Lehrerinnen und zwei Geigen an- geeignet. Die Diebe sollten sich nicht lange ihrer Beute freue». Die Kriminalpolizei nahm aus verschiedenen Anzeichen Veranlaffung, bei einer Alinosenempfängerin, deren Wohnung Simske kurz nach dem Einbruch mehnnalS aufsuchte, Haussucht'nig abzuhalten und dabei konnte sie feststellen, daß die gestohlenen Sachen dort unter- gebracht waren und der dort ivohnende Kellner K r a k o w s t i und dessen„Braut", die Artistiii Minna Titz, Hehlerdienste verrichtet hatten. Ersterer halle insbesondere Versuche gemacht, die Geigen zu veräußern. Simske war des Einbrnchsdiebstahls geständig und wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Gegen die beiden Hehler lautete das Urteil auf je einen Monat Gefängnis. Ei« weiblicher Heiratsschwindler. Dumm gemacht hat die unverehelichte A ug u st e Sperling, die gestern wegen Be- trnges vor der siebenten Strafkammer stand, einen Liebhaber, der da glaubte, ihr ganzes Herz zu besitze». Sie hatte mit einem Kaufmann, der mit seiner Ehefrau in Scheidung lag, ein Liebesverhältnis angefangen, welches nach der Absicht des Mannes zur Ehe führen sollte, sobald die Scheidung perfekt geworden. Sie erklärte ihm eines Tages, daß sie die Absiclit habe, ein Konfekiionsgcschäft zu erwerbe», um durch dessen Er- Irägnisie die künftige Ehe frcmidlicher gestalte» zu könncii. Ihr Anbeter fand diese» Plan durchaus verniiiistig und gab der An- geklagten auf ihre» Wunsch 1000 M., welche sie als Anzahlung bei dem beabsichiigten Kauf verwenden Ivollte. Der Bedauernswerte halle keine Ahnung davon, daß die Angeklagte mit einem andre» Manne in häuslicher Gemeinschaft lebte und der ganze Gesckiäfts- ankanf ein von ihr crsonnenes Märchen war. Sie stand überhaupt nicht in Kausverhandlmig und hat von den 1000 M. sofort 400 M. ihrem ältere» Liebhaber überlasse» und den Rest für sich verbraucht. Der Gerichtshof verurteilte sie zu einem Monat Gefängnis. Versammlungen. Eine Konferenz der Lagerhalter a» Konsumvereinen der Provinz Vraudcuburg tagte am Sonntag im Gctverkschnflshause. Unter de» etwa 300 anwesende» Teilnehmern befanden sich als Gäste auch zahlreiche Vorstände von hiesigen und auswärtigen Konsnm- vercincn. Als erster Redner erläuterte Buhl- Leipzig die Minimal- forderungen, die der Verband der Lagerhalter bereits auf seiner 6. Generalversammlung in Jena festgesetzt hat. Bezüglich der Geschäftszeit begründete der Vortragende folgende Mindest- forderungen: Einführung des Acktuhr- Ladenschlusses; Geschäfts- schluß' an Sonn-' und Feiertage»; eine wöchentliche Geschäftszeit von höchstens 66 Stunden; Gewährung einer zweistündtge» Mittagspause, während welcher die Geschäfte zu ichließen sind. Daß verschiedene dieser Fordernngen i» den Konsum- gcuossenschaften noch nicht allgeincin durchgeführt sind, haben nach Ansicht des Redners die Vorstände und Aufsichtsräte verschuldet. Die aus den Arbeiterorganisationen Hervorgegangeue» Institutionen müßten aber, ohne Rücksicht auf etwa entgehenden Profit, mit der Einführung des Achtnhrschluffes sowie des zweistündigen Mittags- Ladenschlusses vorgehen. Auch sei dem Lagerhalter monatlich ein freier Tag zu gewähren. Würden die Angestellte» nicht zu- friedengestellt, könne das Geitossenschaftstvese» nie vorwärts kommen, Was die Gehaltsfrage anbelangt, so ivnrde nnter Wegfall der Beioldmig nach Unisatzprozentcn die Norniierung eines festen Gehaltssatzes nebe» freier Wohnung gefordert, weil gerade die Prozeiitverechmmg die Ueberbürdung des ArbeitSpersonals sowie die lange Verkaufszeit verschulde. Die befriedigende Regelung des Mankosatzes wurde als eine Lebensfrage für die Lagerhalter bezeichnet. Aber gerade ans diesem Gebiete Herrichten in den Konsiungenoffenschaften die größten Nebclstände. Bei vielen Artikeln(Butter, Schmalz, Fleischwaren) könne ein Lagerhalter ohne eine Mankogewährung von S Proz, nicht auskommen. Zu verwerfen sei auch die Verpflichtung des Lager- Halters zur Kautionsstellung, da letztere dem Princip von Arbeits- institntcn zuwiderlaufe. I» Berlin habe man ja auch ursprünglich von jeglicher Kaution abgesehen, Plane aber deren Einführung jetzt auch, ivogegen jedoch Front gemacht werden müsse.(Beifall.) Nach kurzer Pause referierte T o st- Berlin über die Manko- frage und Vogt- Berlin über die Einführung von Kantionen in de» Berliner Konsumvereinen. Beide Redner richteten, ebenso wie Buhl, scharfe Angriffe gegen die Vereinsvorstände, und namentlich ivar der Vor- stand des Vereins Berlin-Rixdorf harten Beschuldigungen durch Tost ausgesetzt. Vor Beginn der Generaldebatte um 5V» Uhr gab der Vor- sitzende Kiither-Schönebcrg bekannt, daß der Saal nm 6>/2 Uhr anderweitig besetzt sei. Daher wurde gegen den Widerspruch der Vereinsvorstände eine Redezeit von 10 Minuten festgeseht. Da diese Zeit aber de» angegriffenen Vorständen zu kurz erschien, so ver- ließe» viele nnter Protest den Saal. N i tz s ch k e, Vorstand des Berliner Konsumvereins, erklärte es geradezu für ungeheuerlich. daß die Lagerhalter in der Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs mit solche» Forderungen anfträte». Viele der Herren scheinen zu ver- gesscn, unter welch drückenden Verhältnissen sie früher gelebt liätten. Die»nchfolgenden Redner stellte» eine Berücksichtigung der Forde- rniigen in ÄnSsicht. Zu großer Erregung kam eS in der Verstimm- Iniig. als Schumann die gegen den Verein Berlin-Rixdorf und ihn persönlich gerichteten Angriffe als Vorstandsmitglied zurückwies. Die Versammlniig schwebte in Gefahr, aufgelöst zu werde», wenn nicht der Vorsitzende schnell eine Vertagung herbeigeführt hätte. Gegen 10 Uhr endeten die persönlichen Auseinandersetzungen mit Schluß der Versammlung, nachdem vorher folgende Resolution zur Aunahnie gelangte: „Die Konfereiiz der Lagerhalter erklärt sich mit den AnSführnngen der Referenten einverstanden und ersticht dringend die Verwaltungen, die gewerlschaftlichen Mindestforderimgen des Lagerhalter-Verbandes zur Durchführung zu bringen. Für diesen Zweck beauftragt die heiitige Versammlung die Verwaltung der Lagerhalter-Vcrbände des Bezirks Berlin in Berbindlnig mit den Vertrauensleuten der einzelnen Vereine, mit den Vcrivaltunge» der Koniumvereiiie in Verbiiidnng zu treten, um eine Durchführung derselben soivie Beseitigung der dringendsten Miststände herbeizuführen. In weiterer Erwägung, daß im allgemeinen i» den Ko»s»»iverei»cn eine bestimmte Grundlage zur Regelung einer Mankofrage nicht vorhanden ist, diese aber als Lebensfrage zur gedeihlichen Weitercntivicklimg der gesamten Genossenschastsfrage nur dienen kann, erscheint eS als dringend not« ivendig, zwischen den beteiligten Faktoren Verhandlmigeii herbeizu- führen. Im weiteren verpflichten sich die Anweseilden. überall dort. wo Kautionen von ihnen verlangt sind, für Abschaffung derselbe» einzutreten»nid mit allen gesetzlichen Mitteln zu bekämpfe». Die anwesende» Lagerhalter empfinden es als ein beschämende- Mist- lrauc» und dem genossenschaftlichen Princip widersprechend. Sie erwarten von de» Verwaltungen, daß sie ihren bisher eingeiiommeneii Standpunkt verlasse», um ein gedeihliches Zusammenwirken zu ermöglichen." Die Versammlung der Arbeiter der Union, Rktien-Gesell- schaft, die herbeigeeilt ivare», um de» Bericht der am Sonntag gewählte» Komuiiision über ihre Erfolge bei der Direktion zu höre», bot das Bild einer überfüllten Volksversanimlung. Kopf an Kopf drängte sich die Menge im Saale und auf der Gallerie. Den Bericht gab Mittmann als Obmann der Kommission. Am Mitttvoch- mittag wurde die Koinmission zur Direklio» zur Unterhandlung be- schieden, die drei Etunden in Anspruch nahm. Im Verlaufe der Unterhandlnng wurde von de» Arbeitern darauf hiiigciviesen, dast gerade in der heutigen Zeit der Arbeiter so schwer zu kämpfen bat, dast er unmöglich Lohnabzüge auf die Daner ertragen kann. Von der Direklio» wurde eiiigeivandt. dast die Gesellschaft nicht bloß fabri- ziere, sondern daß sie auch eine Handelsgesellschaft sei. die fabriziere n», zu verkaufen. Es seien auch Verkäufe mit Verlusten ab« gescblosseu. so daß Preisregulierungeii bei der Herstellung vorgenommen werden müßte». Auch wurde besonders betont, daß� falls die Arbeiter mit der reduzierten acknstüiidige» Arbeitszeit nicht einverstanden feien, die Firma sofort 500 Mann entlassen müsie. Die Abzüge hätten n u r b4 Proz. der Arbeiter be- troffen. Zugeftanden wurde, daß bei den schlechtest gestellten irlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Xb. Glocke in Berlin. Dn, Arbeitern, d.h. denen, die unter 40 Pf. haben, der Abzug aufgeboben wird. Das System des Kolonne-Arbeitens soll auf seine Miststände nntersncht und, wenn nötig, beseitigt werde».(Stürmischer Beifall,) Im Verlaufe der Versammlung verließe» die Modelltischler, welche sich als gut organisierte Arbeiter mit dem Ergebnis der Verhand- lungen nicht zufrieden erklären konnte», demonstrativ den Saal, um in einer besonderen Sitzung ihre Forderungen zu formulieren. Hilter den Rednern sprach als letzter K a r l W i e s e n t h a l als Vertreter des Deutschen Metallarbeiter-Vcrbnndes. Der Redner tvieS in ein- dringlichen Worten auf den Wert der Organisation hin nnd forderte zum' Beitritt in dieselbe ans. Mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß die imposante Versammlung. Schöneberg. Zu den am 23. Januar statifindeitdeil Ge- Iverbegerichts-Wahlen»ahm eine am Donnerstag ab- gehaltene, von den hiesigen Gewerkschaften gut besuchte Vcrsamm- In, ig Stellung. Nach einem einleitenden Referat des Genossen Schubert über die am 1. Januar d. I. in Kraft getretene neue Gewerbegerichts-Novelle und»ach einem Bericht der bis- herigen Beisitzer, deren Amtsperiodc am 31. März dieses Jahres abläuft, wird seitens der Bersnnnnlimg beschlossen, Bcschivcrde zu erheben gegen die ungesetzliche einseitige Behandlung der Beisitzer zum hiesigen Gewerbegericht durch den Vor- sitzende» des Geiverbegcrichts, der wohl die Arbeitgeber-, nicht aber auch die Arbeit n e h m e r beisitzer zu einer Besprechung der ilebergangsbcftiininungen eingeladen hatte. Sodann wurden folgende von den einzelnen Gewcrkichaflen vorgeschlagenen Kandidaten aufgestellt: Maurer Däumig. Schuhmacher G r u n o w, Zininierer Schäfer, Zimmerer Hinrichten, Buchdrucker Michaelis, Tischler Z i n n e r, Handels-Hilfsarbeiter B u t r y, Maler G r u n« tv a l d, die Metallarbeiter Reiter und Seidel, die Maurer B a g a n s und P u h l nr a n n, Bauarbeiter Klinge und als Ersatzmann Pohl.—_ Vcrmisilhkes« DaS Stuttgarter Hoftheater, eine der bedeutendsten Bühnen Deutschlands, ist in der Nacht zum Montag i» Flammen auf- gegangen. Ein von morgens ö Uhr datiertes Telegranim meldet über da? Ereignis: Heute»acht kurz nach 12 Uhr brach im Dachstock des hiesige» königlichen Hoftheaters Feuer aus, das sich mit rasender Ge- schivindigkeit ausdehnte, so daß binnen einer halben Stunde der ganze Dachstock in Flammen stand. Trotz eifrigster Thätigkcit der gesamten Stuttgarter Feuerwehr breitete sich das Feuer immer weiter auS. Zunächst brannte der Bühnenraum auS; alsdann griff daS Feuer auf den Zuschauerraum über. Es besteht die Hoffnung, den linken Seitenbau und den oberen Theaterteil mit den Haupt- eingängen zu retten. Der an das Theater sich anschließende Schloßflügel ist nicht mehr gefährdet. Verlust an Menschen- leben ist, so weit bekannt, nicht zu beklagen. Die Entstehniigsursache des Feuers ist noch unbekannt. Der König und andre Mitglieder des KönigshanseS verlveilten mehrere Stnnden auf der Brandstätte. Der Schaden ist, so weit es sich bis jetzt übersehen läßt, sehr bedeutend. Einem weiteren Umsichgreifen des Feuers ist vorgebeugt; doch dauert dasselbe noch fort. Das Feuer entstand, wie weiter gemeldet wird, durch elektrischen Kurzschluß, was daraus geschlossen wird, daß das elektrische Licht, nachdem der Brand entdeckt war, versagte. Die nach dem königlichen Privatgarten hin gelegene Seitemvand brannte zuerst nieder. Um 4 Uhr ivnrde das Maschinengebäude zerstört. Auf der Brandstätte erschien die hiesige Garnison, der Minister des Innern und der Kriegsminister. Die an das Hoftheater angebauten Dienst- Wohnungen sind bis auf die Grundmauern vernichtet. Personen sind bei dem Brande nicht ums Leben gekommen. Ein Familiendrania. Die„Pfälzische Presse" in Kaisers- läutern meldet ans O b c r m o s cb e l: In dem Hause de? Kauf- manns Kasimir Schmidt 11. wurden dessen Frau, vier Kinder und die Magd durch Kohlen oxydgas vergiftet aufgeftinden. Schmidt wurde als der absichtlichen Vergiftung verdächtig in Haft genommen. Der gestrandete Dampfer„Offenbach". AuS yinuiden wird telegraphiert: Weder Soiniabendabend noch Sonntagfrüh bei Hoch- flut ist es gelungen, den großen Dampfer.Offenbach" flott zu machen. Man hat denn auch alle Versuche eingestellt, weil das Schiff zwischen einer Sandbank und dem Strande festsitzt. Der Dampfer bat sehr gelitten, das Steuer, soivie der Steuerrahme» ist verschtvundcil. Die Platten des Vorderschiffes sind eingedrückt. Augenblicklich steht schon 4 Fuß Wasser im Vorraum. Glücklicher- weise ist das Wetter ruhig, so daß man hoffen kann, die Ladung, die einen Wert von einigen Millionen hat,»och bergen zu könncii. Ob, nachdem das Schiff gelöscht ist, dieses selbst noch gerettet werden tan», ist sehr zweifelhaft, da es sich tief in den Sand gebohrt hat. Eisenbahuunfnll. Im Centralbahnhof in München überfuhr Sonntngvornnttag ein«inlailfender Personenzug die gewöhnliche Haltestelle, sodatz die Lokomotive auf den Prellbock stieß, welcher glücklicherweise dem Anpralle Stand hielt; der Lokomotivführer' und ein Fahrgast wurden leicht verletzt, der Materialschaden ist geringfügig. Auö Brüx wird berichtet: Sonntagnachmittag brach im ärarischen Jnliusschacht bei Kopitz ein Strecke nbrand a»S. Da der Brand nicht gelöscht werden tonnte, mußte die ganze Grube ab- gesperrt werden. Die Verhältnisse bei dem Jupiterschachte sind»ach einem Bericht vom Montag unverändert; die Räunumgs- und Sichmmgsarbeitcil in der Grube werden noch geraume Zeit beanspruchen, so datz voraussichtlich erst in einer Woche, oder viel- leicht noch später, bcliufs Bergung der Venn, glückten wird weiter vorgedrungen werden können.— Ein in dem zur Zeit außer Betrieb stehciiden Gnidoschachte auSgebrochener Streaenbraiid wurde bald bewältigt. In Kolberg haben sich der 12jährige Knabe Wilhelm Neitzke und dessen 14jährige Schivester, angeblich aus Furcht vor Strafe, in die Persante gestürzt nnd sind ertrunken. In Breslau hat sich der Oberlieutenant v. Salisch ans Bricg Sonntagnachmittag in einer Droschke erschossen. In Porto Alrgre ist Bubonenpe st festgestellt. Die sanitäre Lage giebt aber zu Besorgnissen keinen Anlaß. Ans Barcelona wird gemeldet: Die Zahl der bei der Explosion in der Spinnerei in der Ikähe von Manrcsa Getöteten be- trägt 60, etwa 100 Personen erlitten Verletzungen.— Bo» den bei der Explosion in der Nähe von Manresa Verunglückte» sind bisher 16 Tme geborgen; die Verwundeten wurden nach dem Hospital von Manresa gebracht. Die Hälfte des Dorfes Puente de Vilumara, in welchem sich die zerstörte Fabrik befand, liegt in Trümmern. In Belfast stürzte Montag plötzlich die S e i t e n m a u e r der Smithfieldschen Flachsspinnerei ein; die Fußböden in zwei Stockiverken wurde» mit in die Tiefe gerissen. Zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen der Haspelränine liegen unter den Trümmern; bisher sind zehn tot hervorgezogen worden. AuS Ungar». In dem der Hauptstadt Budapest nahen Flecken Nagy-Käta wurde der Grundbesitzer Löwiiiger. dessen Frau, eine Tante und ein Dienstinädche» gestern von drei Bauern im eignen Hause zioecks Beraubung angefallen»iid mit Schüssen und Messer- stichen i» furchtbarer Weise mißhandelt. Frau Löwinger ist ihren Verwundungen bereits erlegen; der Zustand der andren Personen ist bedenllich. Die Raubmörder wurden von herbeieilenden Nachbarn festgenommen._ ttveiier. Prognose für Tienstag, de» 31. Jannar>»63. Zunächst etwaS wäriner. meist trübe mit Niederschlägen und starken, zeitweise stürmischen westlichen Windelt; später aufklarend und etwas kühler. und Verla« von Max Badittg m Bertm.