Nr. 24. Abomtments- Kedingunzen: ilbonnementi- Preis pränumerando: vicrteljährl. 3,30 SDlt, monatl. 1,10 Sit., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Ein?elne Nuinm'r s Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftrieri-r Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Mona». Singetragen in der Post- Zeitung»» Preisliste für IVOS unter Dr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich«tster»onlag«. 19. Jahrg. fit Inftrtions-GMyr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anieigen" jede» Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fsttZ. Inserate für die nächste Nummer müssen biS s Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die«rpcdition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geöffnet. Verliner VolksblAkk. Telegramm- Adrsffe r „«»rii»ld»mokrat Serlin"' C�ntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redalition: SW. 19, Benklz-StrMe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Mittwoch, den£9. Januar 190£« Expedition: SW, 19, Veutlz-Steaiie 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 5121. Eine neue Marinevorlage in Sicht! Während das deutsche Volk den Kampf gegen die ungeheure Volksbelastung führt, der in dem Wuchertarif liegt, während die Heimatpolitik genannte Junkerpolitik um den Triumph ringt, holt bereits die in alle Erdteile romantisch schivcifende Welipolitik zu einem neuen Schlage aus. Zwei Jahre nach der Milliardeuvorlage der Flottenvermehrung wird im Rcichs-Marine-Amt eine neue Flottenvorlage für die nächsten Jahre vorbereitet. Schon vor einiger Zeit las man in der Krupp-Presse An- deutungen, die eine Ergänzung des Flottengesetzes, eine Vermehrung der Marinc-Aufträgc für Krupp und Konsorten forderten. Die Vorlage, welche die Negierung plant, beziveckt zweierlei. Einmal die Vermehrung der Auslandöflotte, welche im Flotten gesetz von löOO durch den Reichstag verweigert worden lvar. Die Vor läge lvill ferner das Flottengesetz in der Frage der Jndicnsthaltnngen der Schiffe ergänzen. Man hat nämlich, um die grojze Flottenvorlage von 1900 nicht zu gefährden, absichtlich und wider besseres Wissen die Volksvertretung über eine» wesentlichen Teil der Vorlage im Dunkeln gelassen, indem man ihr die damals schon gehegte Absicht, die Jndiensthaltnngen entsprechend dem möglichst beschleunigten Ausbau der Schlachtflotte zu steigern, ver- schwieg. Da wir voraussehen, daß die Offiziösen mit der ihnen eigen- tümlichcn Ehrlichkeit unsre Behauptung, daß ein neues Flottengesetz bevorsteht, bestreiten werden, so sind wir genötigt, den u r k u n d- l i ch e n Beweis zu führen. Unter dem 6. Januar 1902 ist seitens des Reichs-Marine-Amts ein Erlaß ergangen, der folgenden Wortlaut hat: Bei Aufstellung der Berechnungen zum jetzigen Flottengesetz diente als Grundlage für die Gesamtentivicklnng der Marine lcdig- lich der Gesichtspunkt, jährlich eine gleiche Anzahl von Schiffen in Bau zu gebe», und zwar wurde das jährliche Bautempo auf 2 Linienschiffe, 1 großen Kreuzer, 3 kleine Kreuzer festgesetzt. Eine parallel laufende planmäßige Steigerung der Jndienst Haltungen, im besonderen der möglichst beschleunigte organi- fatorische Ausbau der Schlachtflotte, mnßte in den Bc rechnungen vorläufig außer Acht gelassen werde», da eine dem anwachsenden SchiffSbestande entsprechende Steigerung der Jndicnsthaltungcn für die Jahre 190»— 191V so hohe BrdarfSzahlcn für die„Fortdauernden Ausgaben" ergebe» hätte, daß die Flotten-Borlagc ohne neue Steuern nicht dnrstiführbar gcuiesc» und infolge dessen anfS äußerste ge fährdet worden wäre. Nach den bisherigen Absichten soll dem Reichstage im Winter 1904 9» eine Novelle zum Flottengesetze vorgelegt werden. Der Inhalt der Novelle selbst wird sich zwar nur auf die zahlenmäßige Vermehrung der Zlnslandöschiffc erstrecken, die beizufügende Begründung aber wird 1. den Schiffsbauplan für die nächsten S Jahre(1996 bis 1910>. 2. einen Ucberblick über die Entwicklung der Gesamtkosten der Marine innerhalb idieser Bauperiode(1996—1919) geben müssen. Falls in: Winter 1991/5 die finanziellen und inner- politischen Verhältnisse des Reiches dies irgendlvie gestatten, wird man den Versuch nrachen müssen, in der vorzulegenden Be gründung zur Flottennovclle, die planmäßige Entwicklung der Jiidicnsthaltnngen in den Jahren 1996—1919 dem wachsenden Schiffsbestand und dem zu beschaffenden B e r u f s personal anzu- passen und zu diesem Zwecke eine ausreichende Steigerung der „Fortdauernden Ausgaben" in de» Berechnungen vor- zusehen. Eine wie hohe jährliche Steigerung der„Fortdauernden Ausgaben" seiner Zeit in der Reichstags- Vorlage in Aussicht genommen werden kann, ist eine etatspolitische Frage, deren Ent- scheidung vorbehalten bleiben muß. Von größter Wichtigkeit aber ist es. baldmöglichst klare Anschauungen darüber zu geivinnen, welche Steigerung der Jndienst- Haltungen nach Maßgabe des zu beschaffende» Berufspersonals bis zum Jahre 1919 einschließlich bei normaler Ent- Wicklung möglich ist. und welche Geldmittel dazu er- forderlich sind. Zu diesem Zivecke ersuche ich, im Einvernehmen niit den andren beteiligten Gruppen des Hauses: 1. einen Jndiensthaltungsplan nach Maßgabe des 1919 verfüg- baren Schiffbestandes und des bis 1919 bereit zu stellenden Berufspersonals(Kapitel 62), 2. den Gesamtbedarf an Militärpersonal(Kapital 61) zur Durch- führung dieses Jndiensthaltnngsplanes aufzustellen und mir vorzulegen. Als M n st e r für den Jndiensthaltungsplan ist der alljährlich für den Etat aufgestellte Jndiensthaltungsplan unter n a m e n t- l i ch e r Aufführung der einzelne» Schiffe beziv. Angabe des Schiffs- thps zu benutzen, damit nach diesem Plan Kapitel 52 berechnet werden kann. Eine Schiffsliste der im Jahre 1919 dienstbereiten Schiffe liegt bei. Bei Aufstellung derselben ist angenommen, daß 1. das jetzige Bantempo von jährlich 2 Linienschiffen, 1 großen Kreuzer und 3 kleinen Kreuzern auch von 1996— 1919 beibehalten wird, 2. Linienschiffe und große Kreuzer 6 Jahre, kleine Kreuzer 4 Jahre, Torpedoboots-Divisionen 3 Jahre nach der Be willigung ihre Probefahrten beendigt haben und dienstbereit sind. Bei Aufstellung des JndiensthaltungsplaneS ersuche ich im besonderen folgendes zu erwägen: A. Auslandsschiffe. Wir Iverden bis zum Jahre 1919, also für 8 Jahre, mit einer erheblichen Steigerung der Auslands- Jndiensthaltnngen rechnen müssen. (Folgt ein Tableau und unter B. ein Verzeichnis der heimischen Schlachtflotte.) Der Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts. gez. v. Tirpitz. ** # Das vorstehende Aktenstück entwirft ein erschreckendes Bild von den moralischen Auffassungen, die der macchiavelistischc Marine- Absolutismus dem Reichstag und den: Volke gegenüber bethätigt. Der Reichstag wird gerade nur für wert gehalten zu zahlen und— gröblich dnpiert zu iverden. In erster Linie ist cs ja das C e n t r u m, das auf diese Weise zum Narren gehalten worden ist. Als man 1899/1999 die Milliardenvorlage betreffend Ausbau der Flotte durchzubringen suchte, überbot sich die Regierung in Be- tcuerungen, daß der Flottenplan ohne neue Steuern ausgeführt werden könnte. Ja, Herr v. Thielmann, der Schatzsekretär, ivurde durch das Reichs-Marinc-Amt zu der unsäglichen Komödie gedrängt, sich stolz zu stränben gegen die neuen Steuerangebote des Centrnnis. Und diese unehrliche Posse erlaubte man sich dem Reichstag gegenüber, obivohl man sich ganz klar war, daß der wirk- liche Flottenplan ohne weitere Steuern nicht ausgeführt werden könne. Um die Rechner der Volksvertretung irre zu führen, ver- schwieg man, wie schon im Jahre 1898, den wirklichen Flotten- plan. Wird sich die Volksvertretung und das Volk noch länger dieses beleidigende Spiel gefallen lassen( Und zugleich mit der längst beabsichtigten, aber jesuitisch ver- schwiegenen„Anpassung" der Jndiensthaltungen lvill die Regierung die Vermehrung der Auslandsflotte fordern. Diese Vermehrung ivurde im Jahre 1999 bereits gefordert, aber die Verwirklichung der Forderung sollte erst vom Jahre 1996 ab geschehen. Das C e n t r u m rechnete es sich zum großen Ruhme, diese Auslandsschiffe ans dem Flottengesetz gestrichen nnd so einige Ersparnisse bewirkt zu haben. Jetzt will das RcichS-Marine-Amt dieselbe Forderung— voraus- gesetzt, daß nicht eine noch größere Zahl von Auslandsschiffen als damals gefordert iverden wird!— im Etat für 1994/96 wieder- hole», so daß die Inangriffnahme dieser Schiffsbanten also doch bereits im Jahre 1996 beginnen soll. Der einzige Abstrich, den das Ccntrum durchgesetzt hat, soll jetzt doch vom Reichstag er- zwnngen werden. Als der weltpolitische Flottenrnmmel tobte, verschwieg man sorgfältig die Brotwuchcrpläne der„Heimatpolitik". Jetzt wo das Zollattentat auf das Proletariat znr Vollendung gelangen soll, ver- hehlt man der ahnungslosen Volksvertretung die neuen weltpolitischen Projekte. Erst schafft man eine Flotte, um die finanziellen Mittel dann ans der Vesteuernng des Hungers zu gewinnen. Und nachdem diese Mittel gewonnen sind, wird man das Volk wieder mit einer neuen Marinevorlage überfallen. Im Dunkle» spinnt die Regierung ihre Pläne. Volksansbentende Weltpolitik nnd volksausbeutende Heimatpolitik wechseln i» jäher Folge. Wenn der Reichstag nur irgend seine Würde und Ehre wahren will, so müßte er dieser Regierung der Heimlichkeit und Irre- führung jedes Vertrauen und alle Mittel weigern l Zolltarif- Kommissivm Die Sitzung der Kommission am Dienstag begann mit der Mitteilung des Vorsitzenden, daß mehrere Handelskammern und industrielle Vereinigungen schriftlich und telegraphisch dringend um Ablehnung des von den Abgeordneten Beniner, Hehl, v. Kardorff, Müller-Fulda, Paasche, v. Schwerin-Löwitz und Spahn zu§ 8 ge- stellte» Antrages gebeten hatten:„Bei der Einfuhr zollpflichtiger Ware ist ein Nachweis darüber, in welchem Staate die Her- stellung der Ware erfolgte, zu erbringen." Im Anschluß hieran entwickelte sich eine Geschäftsordnungs- Debatte, an der die Abgg. Speck, Brpmel, Singer, Gamp und Stadthagen teilnahmen, über die Notwendigkeit, von den eingehenden Petitionen ausreichend und rechtzeitig Kenntnis zu erhalte». Es soll künftighin der Berichterstatter, Abg. Speck, bei Beginn der Beratung der einzelnen Paragraphen Bericht über die eingelaufenen Petitionen erstatten und bei der Beratung der 946 Nummern des Tarifs selbst soll die Berichterstattung Über die einzelnen Petitionen mehreren Kommissionsmitgliedern Übertragen werden. Der fernere Verlauf der Sitzung wurde mit Fortsetzung der Diskussion über den oben mitgeteilten Antrag Beniner und Genossen und einer Reihe Acndernngsanträgc» ausgefüllt, die von den Abgg. Hehl und Könitz zu diesem, ihrem eigenen zun: Zollkrieg aufrufenden Antrag ein- gebracht wurden. Von den Vätern des Zollkriegs-Antrags hatte be- reits am Freitag der Abg. Speck erklärt, daß angesichts der ab« lehnenden Haltung der Regierungen und der gesamten Gründe er eine Unterschrift zurückziehen müsse. Seinem Beispiel folgte ijn der Dienstagsitznng der nationalliberale Äb« geordnete B e u m e r. Von den übrig gebliebenen Vätern des Antrags Beumer und Genossen wendete sich Hey! folgendem, noch vexatorischeren, vom Graf Kanitz gestellten Antrag zu; „Bei der Waren- Einfuhr ist ein Nachweis über den Ursprung der Waren zu erbringen, widrigenfalls die Abfertigung unterbleibt." Als Väter dieses von der Regierung gleichfalls für unannehn:- bar erachteten monströsen Wechselbalgs handelSvcrtragsfeindlicher Stimmung und gesetzestechnischen Unvermögens bekannten sich: Graf v. Kanitz, Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Rettich, v. Wangen- heim und Dr. Heim. Gar beweglich empfahlen die Abgg. Kanitz nnd Hehl ihren Antrag. Abg. Graf Kanitz teilte den Kommifsions- Mitgliedern zur Empfehlung seines Antrags die für ihn wie es schien neue und erstaunliche Thalsache mit, daß Waren anS Ländern nach Deutschland importiert werden, wiewohl sie in andren Ländern geboren sind, so Reis aus Dänemark, Kaffee ans Holland usw. Dem zum Zollkrieg mit Amerika bereite» nntionalliberalen Abg. Heyl entfuhr das linksseitig mit Beifall acccptierte Geständnis, der Zolltarif gefalle wohl keinen: Menschen. Die Regierungsvertreter, deren viele das Wort nehmen mußten, um agrarische Unrichtigkeiten zurückzuweisen, beharrten auf ihrem ablehnenden Standpunkt. Der Regiernngsrat Wermuth über- reichte eine Uebersicht der im Deutschen Reiche und in den für den deutschen Außenhandel wichtigeren Ländern geltenden Bestimm u n gen über den Ursprungs- Nachweis für die Waren- Einfuhr eine recht dankenswerte Zusammenstellung. Den Agrariern Kanitz und Heyl sekundierte der Abgeordnete Gamp. Dem Bestreben, U r s p r u n g s a t t e st e einzuführen, traten die Abgeordneten Brömel, Pachnike, Fischbeck und Stadthagen entgegen. Der Antrag Kanitz. führte dieser aus, gehört nicht in das Gesetz, würde eine Erschwerung des Handels, eine Verteuerung der Waren, endlose Plackereien und einen zollkriegähnlichen Znstand herbeiführen. Uebcrdics sei der Antrag technisch undurchführbar. Das Statistik- Gesetz vom 29. Juli 1879 verlange die A n m e l d u n g der über die Grenzen des deutschen. Zollgebiets gehenden Waren nach Gattung, Mengen, Herkunft und Bestimmungsland. Als Land der Herkunft werde dasjenige Land erachtet, aus dessen Gebiet die Versendung erfolgt. Zollfreie Waren unterliegen dieser statistischen Anmeldung nicht. WaS fordere dagegen der Antrag Kanitz? Alle, also auch die zollfreien Waren — sei cS, daß sie ihrer Beschaffenheit oder ihrer Gewichtsmenge wegen zollfrei gelassen werden— sollen Zollplackereicn der ärgsten Art unterworfen werden. Ohne„Nachiveise", also ohne teure Atteste sollen künftig keine WarenmehrinDeutschland hinein. Und was solle denn nachgewiesen werden? Nicht wie jetzt nur die Herkunft, sondern der „Ursprung der Ware". Was soll das bedeuten? Stach den beweglichen aber unberechtigten Klagen der Herren Kanitz und Heyl doch das Land, von dem der Rohstoff herstammt. Wie könne man einen danach einfach undurchführbaren Antrag stellen! Wie viel Nachweise z. B. sollen für einen in Paris angefertigten Anzug bei- gebracht werden und in welcher Weise, wenn der Anzug aus australischer Wolle in England gesponnen und gewebt, mit Indigo aus Afrika gefärbt, mit Seide gefüttert ist, die in China gewonnen. in Italien gesponnen, in Deutschland bearbeitet ist. und dessen Knöpfe aus deutschem Metall bestehen, das in Belgien ver- arbeitet ist. Wo ist da der«Ursprung der Ware?" Wo ist der „Ursprung der Ware" bei einem Kuchen, der argentinischen und russischen Weizen, türkische Rosinen und Eitronat ent- hält, der aus Spanien oder den Kolonien herstammt? Ein wirtschaftlich, politisch und technisch so schlecht gearteter Antrag tvie der des Abg. Kanitz sei lediglich geeignet, in unnötiger Weise die Verhandlungen mit Dingen zu bepacken, die nur Zeitverlust herbei- führen. Nach stundenlanger Verhandlung kündigte Abg. Heyl für sich nnd den Abg. Kanitz einen Ersatzantrag dahin an:„Bei der Einführung von Waren, Ivelche verschiedenen Zollsätzen unterliegen, ist ein Nach- tvcis über den Ursprung derselben zu erbringen, widrigenfalls die Ab- fertiguug zu dem höchsten Zollsatz erfolgt." Staatssekretär V.Thiel- mann erklärte, dieser Antrag scheine lediglich den bestehenden Zustand wiederzugeben; sei dem so, so habe die Regierung gegen ihn nichts einzuwenden. Nachdem er jedoch darauf hingewiesen war, daß der Antrag einen N a ch w e i s des U r sp r u n g s, nicht nur eine Angabe der Herl unft verlange, modificierte der Staatssekretär seine Erklärung dahin, daß er erst nach Drucklegung des nur mündlich angekündigten Antrages eine bindende Erklärung abgeben könne. Gegen 1 Uhr wurde die Debatte auf Mittwochvornnttag 19 Uhr vertagt. Die beiden letzten Sitzungen der Kommission wurden also lediglich durch die Begründung eines nnannehmbaren Antrages der Agrarier und durch Versuche ausgefüllt, den Agrariern die Un- aunchmbarkeit ihres Antrages klarzumachen.— Volikische Mvbevficht. ' Berlin, den 28. Januar. Der Reichstag war Dienstag der Schauplatz einer Aktion des Centrums- Die längst angekündigte Interpellation wegen Aufhebung des Jesuitengesctzes kam zur Verhandlung. Am 1. Februar werden es drei Jahre, daß das Parlament einem ultramontanen Initiativantrag zugestimmt und die Beseitigung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten wieder einmal ge- fordert hat. Seit drei Jahren überlegt sich der Bundesrat die Sache. So lange hat sich das Centirini in christlicher Geduld gefaßt und sich damit begnügt, auf allen Katholiken- tagen dieses Schaustück aus der Kulturkampfzeit blank zu putzen. Es ist aber seinen Wählern schuldig, gelegentlich auch einmal ernst zu machen. schon um nicht ganz mit den Nationalliberalcn verwechselt zu werden. Daß die „regierende Partei" aber nicht etwa gewillt ist, wegen der schönen Augen der Jesuiten ins Oppositiouslager abzuschwenken, zeigte sich schon in der Wahl des Redners, der die Ahfrage zu begründen hatte. Es war Herr Dr. Spahn, der, durch einen Händedruck des Grafen Posadowsky gestärkt, die Tribüne betrat, um in mildester Forni beim Reichskanzler anzufragen, weshalb der Bundesrat denn nicht endlich Stellung zu der Aushebung des Jesuitcngesetzes nehme. Graf Bülow war aus unbekannten Gründen nicht er- schienen. An seiner Stelle war Graf Posadowsky mit einer schriftlichen Erklärung ausgerüstet, die ihrem ganzen Stile nach aus der Reichskanzlei stammt. Sie ist der reine Extrakt der haltlosen Schaumpolitik, die den Bülowschen Kurs ausmacht. Ganz auf einerseits und andrerseits gestellt, fehlt ihr der Mut zu jeder entschiedenen Antwort. Schwierigkeiten sollen dadurch überwunden werden, daß die Entscheidung um einige Monate hinausgeschoben wird. An die vielen und langen Erwägungen des Bundesrats, von denen die Erklärung spricht, glaubt ja doch kein Mensch und so ist die Ergatterung einer Gnadenfrist das einzige Resultat dieser diplomatischen Künste, die auf die Dauer zum Bankrott führen müssen. Dieser„Seinerzeit-Politik" wurde heute von allen Seiten des Hauses das schlechteste Zeugnis ausgestellt. So sehr die Parteien in der Sache verschiedener Meinung sind, darin war man einig, daß die Taktik der Verschiebung hier ganz versagen müsse. Die sachliche Stellung der Parteien zur Frage der Aufhebung des Jesuitengesetzes hat sich in der Zwischenzeit nicht verschoben. Für die unbedingte Aufhebung des Ausnahmegesetzes treten neben Centrum, Polen und Elsässern nur wir ein! Selbst ein Teil der Freisinnigen will von der Aufhebung des Z 1 nichts wissen, der principiell jede Thätigkeit der Jesuiten in Deutschland untersagt, und wünscht nur den Fortfall der Jnternierungs- und Expatriierungs- bestimmungen des.§ 2, dessen Beseitigung übrigens auch in den Reihen der Nationalliberalen und Konservativen Anhänger hat. Unsren Standpunkt vertrat Genosse B l o s in einer kurzen Rede, der es nicht an humoristischen Spitzen gegen das Centrum fehlte. Große Heiterkeit machte der gute Rat. den unser Redner den Centrums-Abgeordneten gab. sie sollten sämtlich dem Jesuiten- orden beitreten, dann müsse die Regierung das Ausnahme- gesctz aufheben, um nicht eine nie versagende Bewilligungs- Partei zu verlieren. Die Besprechung der Interpellation ging schließlich in ziemlich müßige staatsrechtliche Auseinandersetzungen über die Bedeutung des Bundesrats zwischen dem Grafen Posadowsky und Herrn Dr. Bachem aus, in dem eine schärfere Nuance in der Centrumspartei zum Wort kam. Die socialpolitische Debatte, die nachher beim Etat des Reich samtes des Innern sortgesetzt wurde, brachte eine Rede unsres Genossen Stolle über die Berichte der sächsischen Fabrikinspektoren. Die übermäßige Bewilligung von Ueberstunden und Sonntagsarbeit durch die unteren Verwaltungsbehörden führten unsren Redner zu der Anregung, diese Befugnis den unparteiischen Gewerbe- Inspektoren zu übertragen. Der sächsische Geheimrat Fischer bekam es in der Polemik fertig, trotz dem der Socialdemokratie nachzusagen, daß sie die Gewerbe- Inspektoren als die ge- schworenen Feinde der Arbeiter betrachte. Nach einer Rede des konservativen Abgeordneten Pauli- Potsdam, in der die Schmerzen der Zünftler über die Ge- staltung der von ihnen so heiß verlangten Zwangsinnungen hervortraten, regte der nationalliberale Abgeordnete Dr. Es ch e vom ärztlichen Standpunkt aus eine Bekämpfung des AlkoHolis- mus durch die Reichs-Gesetzgebung an. Dann wurde die Weiterberatung vertagt. Mittwoch wird sie durch einen Schwerinstag unterbrochen, auf dessen Tages- ordnung die Anträge wegen der Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte und Sicherung des W a h l g e h e i m- n i s s e s sowie der T o l e r a n z a n t r a g des Centrums stehen.— Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus begann am Dienstag die zweite Lesung des Etats der landwirtschaftlichen Ver- w a l t u n g. Bei den Einnahmen forderten Redner der ver- schiedensten Parteien eine wirksamere Ausgestaltung der Staatsaufsicht über die Hypothekenbanken. An den Ausgabe- titel„Gehalt des Ministers" knüpfte sich, wie üblich, eine Art Generaldebatte, in der über alle möglichen und unmöglichen Fragen debattiert wurde, die mit dem Gehalt des Ministers nicht das geringste zu thun haben. So pries Abgeordneter Dr. H eisig, ein schlesischer Gutsbesitzer, die Einführung des Religionsunterrichts in die landwirtschaftlichen Schulen als Mittel, um dem Vordrängen der Socialdemokratie in Schlesien Einhalt zu gebieten. Von andrer Seite wurde wieder über den ländlichen Arbeitermangel und die Flucht in die Städte geklagt. Zur Beseitigung dieses Mangels empfahl Minister von Podbielski den Bau von eignen Häusern für Land- arbeiter. Etwas lebhafter gestaltete sich die Auseinandersetzung zwischen dem Bund der Landwirte und dem Centrum. Der konservative Abg. Malkewitz, der sich trotz seines bürger- lichen Namens eifrigst bemüht, die Allüren der Hommerschen Junker nachzuäffen, hielt sich für berufen, dem Centrum eine Gardinenpredigt zu halten. So lange im Centrum Leute wären, die nicht mit ganzem Herzen für die Landwirtschaft eintreten, fei es ganz gut, wenn der Bund der Landwirte dann und wann auch mal in Centrumskreisen agitiere, um die Landwirte aufzurütteln. Diesen wohlgemeinten Ratschlag des Herrn Malkewitz verbaten sich verschiedene Centrums- redner mit dem stolzen Hinweis darauf, daß eine so große Partei wie das Centrum der Unterstützung des Bundes der Landwirte nicht bedürfe. Daneben debattierten die Herren, um die Zeit totzu- schlagen, über den Zolltarif, über den Quebrachozoll, über Grerizsperren, über Wahlbeeinflussungen der Konservativen, über den Verein Nordost und über Tausend andre Dinge, über die schon alljährlich unendlich lange Reden gehalten sind. Da etwas Neues dabei nicht zu Tgge trat, erübrigt es sich, auf diese Reden einzugehen. Erwähnenswert ist nur, daß der Abg. W a m h o f f(natl.) dem neuen Landwirtschaftsminister das Vertrauen seiner Partei ausdrückte und für„mittlere" Zölle eintrat, welche auf der einen Seite die Landwirtschaft aus ihrer schwierigen Lage befreien, auf der andren Seite der Regierung nach wie vor die Möglichkeit gewähren, Handelsverträge abzuschließen. Der Minister v. Podbielski äußerte sich über die Zölle nicht mehr; wohl aber trat er energisch für die Aufrecht- erhaltung der Grenzsperren ein— natürlich nur aus veterinärpolizeilichen Gründen, beileibe nicht, um die Vieh- preise den Agrariern zuliebe zu erhöhen. Am Mittwoch wird die Beratung fortgesetzt. Vorher soll der Gestütsetat erledigt werden.— » Deutsches Weich. BallestrcmS Zolltoast. Der Präsident des deutschen Reichs- tags Graf Balle strem hat es für nötig und nützlich gehalten, bei der Kaiser-GedurtstagSfeier im Reichstag Propaganda für die Zoll- vorläge zu machen. Ferner hat er über die Ehina-Politik überschwänglich gespröchen. Die Weisheit unsrer Diplomatie soll unS den Welt- frieden erhalte» haben. Ueber das Jesuitengesetz sprach Herr v. Bavestrem seltsamer- weise in dieser seiner verspäteten Etatsrede nicht.— Die unbekannte.Größe". Die katholische„Kölnische Volks- zeitnng" will endlich wissen, ivelche Meinung der Herr Reichskanzler über die Politik habe: „Ist er für die kirchenpolitischen Forderungen des CentrumS (Aufhebung deS Jesuiten gefetzes uslv.) zu habe»? Es scheint nicht so, aber wir wissen auch nichts Sicheres. Wie denkt er über ein christliches V o l k s s ch n l g e s e tz? Es ist uns unbekannt. Ist er ei» Agrarier? lxnorawus.. Er bat sich schon günstig für die Landivirtschaft. aber auch im Sinne einer wesentlich den Handel und die Reederei fördernden W e l t p o l i t i k ausgesprochen. Vor einer Erhöhung der im Tarif geforderten landwirtschaftlichen Zölle hat er zwar gewarnt, aber auch nicht gesagt, daß die Re- qierunq sie nicht annehmen werde. Will er das Kanalprojekt durchführen? Niemand weiß eS. Er hat erkärt, daß eS„seiner Zeit" wiederkonnuen werde, aber ob»och unter seiner Kanzlerschaft. das wissen wir nicht. Mag doch„seiner Zeit" ein andrer Herr auf seinem Platze stehen. So könnten wir noch Dutzende von inner- poiitischcn Fragen anführen, nnd wenn man uns fragte, welche Stellung der Kanzler dazu einnehme, so müßten wir immer ge- stehen:„Das wissen wir nicht". Man nenne uns e i n c i n- ziges Land der Welt, Ivo ein solcher Zu st and sein Gegenstück hat. Selbst in R u ß I a» d kennt man die Ziele und Anschauungen d e r M i n i st e r; i» anderen konstitutionellen Staate» liegt ihre politische Ansicht vor aller Welt da, wie ein offenes Buch; aber wir haben eiuen leitende» Staatsmann, dessen Politik uns— unbekannt ist." Nur in der Polenpolitik findet das Blatt, daß Bülow eiuen be- stimmten Willen bekundet habe. Das CentrnmSorgan ist sehr anspruchsvoll. Wie soll Graf Bülow wissen, was er meint? D a s h ä n g t doch nicht von i h in a b!— Kleinbauern und Getrcidrzölle. Daß die Kleinbauern kein Interesse an den Getreidezöllen haben, sondern im Gegenteil durch sie geschädigt werde», gehl auch ans einer Umfrage hervor, welche die Nalion'allibcralen bei den Vertrauensmännern der Provinz Hannover veranstaltet haben. Dabei ist von einer großen Anzahl von Kreisen berichtet worden, daß Brotkorn überwiegend für den eignen Bedarf gebaut, sehr häufig, namentlich von den kleineren Be- sitzern, auch zugekauft werden muß. Im Kreise Sulingen„ist der Klein- besitz und zum Teil auch der mittlere Grundbesitz gegen die Erhöhung der Getreidezölle". Die Vertrauensmänner in Celle berichten, daß die kleinen Leute niedrige Kornpreise tvünschen, iveil sie zukaufen müssen. Im Kreise Lychow sind die Land- wirte im allgemeinen mit ihrer Lage zufrieden. Im Kreise Achim ist allgemein die gesamte Bevölkerung gegen eine Er- höhnng des Zolles auf Brotkorn, in noch größerein Maße gegen eine Erhöhung der Futtermittel-Zölle. In den Kreiien Nenhaus und Stade verhält man sich allgemein ablehnend gegen eine Er- höhnng des Zolles auf Brotkorn und noch mehr ans Futtermittel. Ebenso herrscht im Kreise Leer im allgemeinen eine starke Abneigung gegen Brotkornzölle. Ans dem Kreise Wittmnnd wird berichtet: Selbst der Führer des Bundes der Landwirte im Kreise. De. piiil. Möblniann-Borgholt, will aus Gerste»nd MaiS keinen höheren Zoll, weil er diese Futtermittel zur Mast seiner Schweine zukaufen muß."— Attö Biilows Heimat. In den amtlichen„Mecklenburger Nachrichten" wird„von hochgeschätzter Seite" angeregt, im Reichstag die Geschäftsordnung dabin abzuändern, daß. abgesehen von einem Antragsteller oder Berich lerslatter niemand länger als 20 Minuten rede» darf. Die mecklenburgisch gesinnten Konservativen können ja für ihre Person sich vor Redseligkeit in der Weise schützen, daß sie sich selber Schweigen auferlegen; dazu bedarf es keiner Aendcrnug der Geschäftsordnung.— Die Ehre. Ein Duell ans knunine Säbel wurde nach der „Frnnlf. Ztg." am Freitag in Marburg zivischeu einem ehe- maligen K ü r a s s i e r- O s f i z i e r»nd einem Studierenden aus- gesochicu. Beide wurden verletzt, der Offizier ziemlich erheblich durch eine» Hieb über die Stirue. Das Marbnrger Gericht hat nicht selten Gelegenheit, über Bauernbnrjche» schwere Gefängnisstrafen zu verhängen, die ihre Ehrenhändel mit Messern ausfechten. Wird man mit den„höheren" Ehrekämpfer» ähnlich verfahren?— Der spanische KlernS und die deutsche Centrnmspresse. „Germania" nnd„Kölnische Volkszlg." sühlen sich nach einer mehrtägigen Ruhepause zu einein abermaligen Waffciigangc mit uns aufgelegt. An nns soll's nicht fehlen, wenn wir auch nicht gleich unsren verehrten Gegner» volle 1�/» Spalten der anmutigen Polemik widmen Iverden. Die Centrumsprcffe befindet sich allerdings auch in der unangenehmen Lage, durch ein breites Drauvorbeireden ihre Leser über die Unzulänglichkeit ihrer Argumente hinwegtäuschen zu müssen. Die Centrumsblätter behaupten, daß die von uns aufgezählten geistlichen Kategorien nicht genau die in der.Frankfurter Zeitung" angegebene Zahl von 1S4S17„GotteSdiciiern" ergäben. Da« haben wir auch gar nicht behauptet, sondern stets von rmid 154000 gesprochen. Eine Addition der in der Nr. 18 des.Vorwärts" gegebenen Zablen- kolonnen ergiebt 154192. Nun ist uns— durch einen Schreib- oder Druckfehler— insofern ein Irrtum unterlaufen, als die Zahl der Küster auf 16 876 statt auf 10 876 angegeben war. Dafür lvar aber der Posten von 5774 Geistlichen mit den niederen Weihen übersehen worden, so daß gleichwohl die Zahl von 154 000 herauskommt. Nun bestreitet freilich die Centrumspreffe die Richtigkeit der von der„Frankfurter Zeitung" gegebenen Zahlen. Sie beruft sich auf ein Werk Banmgartens, das die Zahl der spanischen Kleriker nur auf 50 052 angiebt. Demgegenüber erklärte aber auch Dr. Julio Brouta in Nr. 339 der Wiener„Zeit", daß in einer amtlichen Zusammen- Stellung nicht weniger als die umstrittenen 154 000 Kleriker in Spanien gezählt worden seien I Die CentrumSblätter machen ferner einige krampfhafte Scherze über die 172 auf„halbe Kost", gesetzten Geistlichen, die wir in unsrer Nr. 18 anführten. Das seien jedenfalls eigenartige „Parasiten"(Schmarotzer). Nun. die 172 würden zweifellos auf ganze Kost gesetzt iverden können, tvenn nicht die 9 Erzbischöfe Gehälter von 32 000—35 000 Pesetas bezögen und wenn nicht— nach einer Aufstellung der konservativ-klerikalen„Epoca"— 1313 hohe Geistliche allein 5.3 Millionen Peseta» für sich bcan- Kruchten. Wenn die Herren nicht nur„in Christo" mit der niedrigen Geistlichkeit gleich wären, würde die letztere sich ivesentlich besser stehen. Aus unsre Bemerkung, daß die Existenz von nur halb so viel Schulmeistern Spanien vor der Schande bewahrt hätte, 69 Proz. Analphabeten aufzuweisen, sind die CentrumSblätter be- grciflicherweise mit keinem Wort eingegangen. Aber was lag auch dem spanischen KlernS an der Volks- b i l d u n g? Mochte das Volk noch so roh und stumpfsinnig sein— das Vorhandensein von mehr als 4000 gewerbsmäßigen Stierkämpfern beweist den Grad der Roheit I— wenn eS nur im rechten Glanben erhalten wurde. Und sowenig der Klerus für die Bildung der Massen that, an fanatischer Intoleranz leistete er das Außerordentlichste. Wurde doch erst 1868 das Verbot der Ausübung einer andern Religion aufgehoben, befand sich doch bis in die allerjüngstc Zeit in dem Katechismus der schöne Satz: „Der Liberalismus ist eine Todsünde, viel schlimmer als Mord und Raub, und führt denjenigen, der sich ihm ergiebt, unfehlbar zur etvigen Verdammnis, denn Gott kann Mord und Raub verzeihen, nicht aber den Liberalismus, der Mord und Raub gegen Gottes Tochter, die römische und katholische Kirche, verübt." In der Verbreitung solch idealer, christlicher Lehren besteht die Thätigkeit der großen Mehrheit der klerikalen Riesenarmee. Kein Wunder, daß sich in den letzten Jahren die spanische Volkswut bei zahlreichen lokalen Ausständen in erster Linie gegen die Klöster nnd den Klerus gerichtet hat!—_ Noch ein erledigtes Mandat. Der konservative Abgeordnete v. P u t t k a m e r- P l a u t h, der Vertreter für Elbing-Marienburg, hat sein Mandat für den Reichstag niedergelegt. 1398 siegle er im ersten Mahlgang mit 9346 gegen 4.4:73 social- demotratische, 3034 klerikale, 1048»ationalliberale, 591 freisinnige und 26 polnische Stimmen. Die Aussicht, in die Stichwahl zu kommen, ist für nuS nicht ausgeschlossen.— DaS amtliche Wahlrefnltat tu Schanmbnrg-Lippe ergiebt für die Gegner des Brotwuchers»och ein etwas günstigeres Resultat: ES haben erhalten: Dennuig(fr. Vp.) 3054. Graf Rrveullow (Antis.) 3016, Reichenbach(Soc.) 1634, zersplittert 51 Stimme». Die Stichwahl findet bereits Freitag statt. Die Stichivahl ist auf Verfügung der fürstlichen Regierung so rasch angesetzt worden, was um so merkwürdiger ist, als Wahl- Versammlungen dvrt drei Tage vorher angemeldet werde» müssen.— Militärjnftiz. Aus Straßburg i. E. wird«nS geschrieben: Vor dem Kriegsgericht der 30. Division hatten sich dieser Tage der Vicefeldivcbcl N i t s ch nnd'stne Unterosfiziere Reich und Beyer von dem in WolSheim garnisonierende» 3. Bataillon des Infanterie- Regiments Nr. 143 unter der Anklage zu verantworten. Civil- Personen vorsätzlich durch Mißbrauch der Waffe niißhaudelt und der Polizei bei Ausübung ihres Amtes thätlichen Widerstand geleistet zu haben. Die Angeklagten befände» sich an einem Abend des Oktober »ach Feierabend noch in einer Wirtschaft, als dort zwei Polizisten er- schienen, um sie zum Weggehen zu veranlassen. Anstatt letzteres zu thun, vergriffen sich die Soldaten an den Beamten, erklärten ihnen, sie bätten Militärpcrsonen gegenüber keinerlei Befugnisse und nannten sie außerdem„Lappen",„Saulappen" sc. Es kam zu einer Rauferei zwischen de» beiden Parteien, die sich ans die Straße fortpflanzte und an der auch eine Anzahl Civilisten teilnahmen. Die Unter- osfizierc zogen blank und wollten auf die Polizei loS, wurden jedoch von den Civilisten am Zuschlagen gehindert; einer der letzteren wurde dabei durch einen Säbelhieb besinnungslos niedergehauen. Ein an der Sache v L ll i g U n b e t e i l i g t e r, der Meisinggießer Hclpert, wurde von dem Feldwebel Ritsch unter den' Worten:„Da steht auch so ein Wackcs!' mit dem Säbel am Arme und vom Unteroffizier Beyer durch einen Hieb über den Kopf schwer verletzt. Ebenso ging es eineni zweite» Arbeiter, der ruhig seines Weges gehen wollte, von den Soldaten aber angegriffen und durch drei Streiche auf Kopf und Hand erheblich verletzt wurde. Der Vertreter der Anklage hielt die Anklage gerade im Hinblick ans die zuletzt genannten Fälle aufrecht nnd beantragte wegen dieser nnd des Widerstandes gegen die Polizeigetvall gegen Ritsch und Reich eine Geldstrafe von je 50 M., gegen Ritsch und Beyer je zwei Monate Gefängnis. Die Ver- teidigung dagegen plädierte auf Freisprechung, da die Unter- offiziere gegenüber dem„Komplott" der Civiliftcn in Notwehe gehandelt, die Polizei aber ihre Schuldigkeit durch Verhütung der Keilerei ans der Straße nicht gcthan hätte. TaS Urteil des Kriegsgerichts lautete gegen Nilsch und Beyer ans Freisprechung, Reich wurde ivegen des Widerstandes gegen die Staatsgcivalt zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagte» hätten in Notwehr gehandelt; im Falle Helpert sei zuzugestehen, daß sich der so schwer Verletzte am Streite zwar nicht beteiligt habe, immerhin aber h ä t t e n s i ch d i e U» t e r- offiziere„eincö Angriffes von ihm versehen müssen".— DaS Urteil schließt sich den zahlreichen Erkeimtnisscn der Militär- justiz. die dem Liechtsbeivußtscin des Volkes direkt ins Gesicht schlagen, in durchaus würdiger Weise an.— Ein Hauptmann zu Gefängnis verurteilt. Bor dem Kriegs- gericht zu Vromberg hatten sich der Hauptmann z. D. und bisherige Bezirksoffizier in Flatoiv, Wilhelm Eduard Leuthaus. und der frühere Wachtmeister, jetzige Magistratsbnrean-Aifistcnt Glasa in Charlotten- bürg wegen falscher Meldung nnd Unterdrückung einer dienstlichen Meldung in Verbindung mit Rechtsbeugung bczw. Teil- nabnie daran zu verantworten. Das Verfahren wurde auf Grund einer von dem frühren Unteroffizier Arendt, der eine drei- monatliche Gefängnisstrafe ivegen Dienstvergehens verbüßt hat, an den Kaiser gerichtete» Bcschwerdeschrift eingeleitet. Lenthans. der im Jahre>898 Hauptmann und Chef der 9. Batterie des 17. Feld- artillerie-Regiments in Bromberg war. hatte anläßlich einer Vor- stellimg des Regiments vor dem CorpSkommandcnr drei Kapitulanten. nachdem ihnen von den Uniformen die Gefreitenknöpfe und Kapitnlantenschnür« entfernt waren, unter falsche» Namen als„Rekruten" in die Batterie einstellen lassen. Ferner soll er e i n e Beschwerde über den Sergeanten Frank wegen arger Mißhandlung dreier Soldaten nicht weiter versolgt haben. Sergeant Frank hat sich vor einigen Monaten erschossen. Der zweite Angeklagte, Glasa. soll sich an diesem Vergehe» beteiligt haben. Dieser sagte im Termin aus, daß er die Kapitulanten auf Grund eines am Tage vorher von dem Hauptmann erhaltene» Befehls eingestellt habe. Die Aussagen zahlreicher Zeugen be- stätigcn sowohl diese Anordumig als auch die Thatsache, daß die Meldung der Mißhandlimgen erfolgt und unbeachtet ge- blieben ist. LeuthauS wurde daher zu acht Monaten Gefängnis und zum Verlust des Offiziersrangcs, Glasa zu 15 Tagen Arrest verurteilt. Auch ein« socialdemokrntischc Orgnntsatto«. Wie der „Franks. Ztg." aus O b e r ö>v i s h e i m bei Bruchsal berichtet wird. besteht dort seit längerer Zeit ein Militärverein nnd seit vorigem Jahr auch ein freiivilliges Feuerwehrcorps. Etwa die Hälfte der Mitglieder der freiwilligen Fencrlvchr gehören auch dem Militärverein an. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bestehen zwischen der Vorstandschaft der beiden Vereine Differenzen, die den Vorstand des Militärvereins anläßlich der bevorstehenden Feier von Kaisers Geburtstag zu folgendem UkaS veranlaßten: „Wer an Kaisers Geburtstag als Mitglied des Kriegervcreins bei der Feuerivehr antritt, gilt als S o ei a l d e m o k r a t und tvird a u s g c tu i e s e n." Das Komische an der Sache ist, daß der Protektor der badischcn Fe ucrtv ehren der Erbgroßherzog von B a d en ist. DaS erbgroßherzoglich protegierte focialdemokratische Feuerivehr- corps sollte an dem Vorstand des Militärvereins einmal eine Kall- Wasserkur versuchen.— Ausland. Arbeitervcrtrcter im Parlament. Auf die Bestrebungen eines Teils der englischen Gewerkschaften, besondre Arbeitcrvertreter in das Parlament zu bringen, ist schon mehrfach hingetviesen worden. Dem„Komitee für Arbeilervertrctnng" sind bereit» mehrere Hnnderttauiend organisierte Arbeiter an- geschlossen. Kürzlich lvnrde nun auch berichtet, daß der große Berg- t>rbeitcrl'»»d beschlossen biibe, bei der nächsten Wahl eigene Kandidaten auszustellen. Es handcll sich hier um 370 0(X) organisierte Bergleute; es wurde beschlossen, daß pro Mitglied und Jahr 1 Sch. in de» Wahlsonds zu zahlen ist. Jeder angeschlossene Verband hat das Recht, für je 10 000 Mitglieder einen Kandidaten aufzustellen; die geschlichen Wahlkostcn werden aus dein Fonds bezahlt, eben- falls 7000 M. pro Session und eine Eisenbahn-Fahrkarte 1. Klasse für jeden gewählten Abgeordneten. Auf diese Weise werden pro Jabr 375 000 M. aufgebracht und die Zahl der Bundeskandidaten wird bei der nächsten Wahl 37 betragen. Selbst, wenn alle 37 Kandidaten gewählt werden würden, so würden die Ausgaben doch nur, allerdings mit Ausnahme der Fahrkarten 259 000 Mark betragen, so dag für unvorhergesehene Fälle immer noch Geld vor- Händen wäre. Der„Labor Lender", dem wir das Obige entnehmen, bemerkt zu diesem Plane:„Was auch das nächste Resultat sein mag, in letzter Linie wird er doch revolutionär wirke», denn diese Bewegung, wenn einmal begönne», kann nicht nrehr rückwärts gehen, und jeder Schritt vorwärts wird die Bergleute immer iveiter eutsernen von der ortho- doxen Politik und bringt sie in nähere Berührung mit der socialisti- scheu Vorhut der weltumfassende» Arbeiterbewegniig." Der Artikelschreiber sKeir Hardie?) geht sodann scharf ins Gericht mit den gegenwärtigen sogenannten Arbeitcrvertreter», nainentlich mit denen aus der Reihe der Bergleute. Wenn dieselben fortfahren, sich den Liberalen oder den Torys anzuschließen und nur dann und wann, wenn' ihre eigenen Bernfsinteressen in Frage stehen, sich ver- nehmen laste», so würden sie eine guantits negligable bleiben. «Arbeitervertreter müssen begreifen lernen, daß jede Frage, welche vor das Parlament konunt, die Arbeit entweder in gutem oder schlechtem Sinne berührt und daß sie zu jeder Frage Stellung zu nehmen und eine Meinung zu äußern haben." Der Artikclschreiber stellt die 80 irischen Mitglieder des Parlaments, welche immer in Opposition zur Regierung stehen»nid bei jeder Frage silchen,»nöglichst etivas für ihr Land heraus- zuschlagen, als Muster hin. Er drückt am Schlüsse seiner Arbeit die Hoffnung aus, daß eine solche geeinte, zielbetvußte Arbeiterpartei in» englischen Parlament erstehen werde.— Schweiz. Demission deö schweizerische» FabrikinspektorS Dr. Schuler. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Aus Bern kommt die Mitteilung, daß der iveit über die Grenzen der Schweiz hinaus be- kannte eidgenössische Fabrikinspcktor Dr. Fridolin Schuler in Wallis (Kanton Glarnss dein Bundesrat seine Demission eingereicht und dieser sie angenominen habe in dem Sinne, daß der Rücktritt»lit Ende März erfolgen solle. Die Ursache dieses Schrittes ist nicht schwer zu errate»!, denn sie liegt ziveifellos in dem vorgerückte» Alter des Herrn Dr. Schuler, dem die Anstrengungen, die mit dem Ainte eines Fabrikinspektors verbunden sind, zu schwer gcivorden sein mögen. Herr Dr. Schiller ivar der erste eidgenössische Fabrik- inspektor, der im Sommer 1873 sein Amt antrat, also dasselbe rund 24 Jahre bekleidete. Vorher Ivar er schon neben seiner Thätigkeit alS Arzt 11 Jahre lang Fabrikinspektor des Kantons Glarus, der in der Schweiz das erste Arbeiterschutzgesetz geschaffen und zuerst den gesetzlichen Elfstnndentag eingeführt hatte. Als eidgenössischer Fabrikinspektor hatte Dr. Schuler wenigstens in den ersten Jahren ein sehr dornenvolles Amt zu bekleide», denn die schweizerischen Kapitalisten»varen über das Fabrikgesetz lvütcnd und ver- schmähte» kein Mittel, mich das schmutzigste und betrügerischte nicht, um das Gesetz zu umgehe»; andrerseits hatte er eS zun» größten Teil niit einer social rückständigen, völlig ver- sklavtcn Arbeiterschaft zu thun. Wie er unter diesen Verhältnisse» sein schwieriges Amt dennoch mit Erfolg ausübte, beweisen seine zahl- reichen, ebenso instniktiven wie lehrreichen Amtsberichte. In den letzten Jahren war die organisierte Arbeiterschaft mit seiner Jnspeltions- thätigkeit nicht mehr ganz zufrieden, es schien, als sei er etwas konservativer geworden und als habe seine Thatkraft»vesentlich ein- gebüßt. Leider steht aber kaum zu erwarte»», daß er einen besseren Nachfolger erhalten wird. Die Arbeiterschaft wird ihn» stets ein dank- bares Andenken bewahren. Dänemark. Ter Verkauf der drei westindische»» Jusel». Ans Washington winde untcr dem 24. Januar gemeldet, daß der Traktat, den Verkauf der dänischen Antillen an die Vereinigten Staaten betreffend, von de»»» Staatssekretär Hay und dem dänischen Gesandte», Kammer» Herrn Brun, unterzeichnet»vnrde und baldigst dem Senat zu Rati- fizierung vorgelegt werden solle. Eine weitere Meldung aus Washington besagt, daß der Vertrag keine Bestimmnng über eine vorher vorzunehmende Abstiminung unter der Bevölkerung der Insel» enthalte. Die dänische Regierrmg hätte aber in einer Note erklärt, daß vor der endgültigen Ratifikation die Fräge des Verkaufs der Bevölkerung vorgelegt»verde»' solle, doch nicht bevor der Traktat vom Senat der Vereinigten Staaten ratifiziert sei. A»f St. Thomas ist die Nachricht von der Unter- zeichnnng des Traktats mit Ruhe aufgenommen worden. Aus Kopen- Hagen liegt»och leine offizielle Mitteilung über den Abschluß des Verkaufs vor.— Schweden. Ko»is«lat»Nid Arbeiter. Anläßlich der schlechten Behandlung, die kürzlich vier schwedische Heizer auf dem Konsulat in Kapeuhageu erfahre» hatte», wendete sich Genosse Hj. Brauting an» Mulivoch im schwedischen Reichstag mit einer Interpellation an den Minister des Aeußern Lagerheun Die Heizer waren in Hamburg von einem Agenten für„Dat forenede Danipskibselbskab" angeivorbeii worden, ohne daß man sie von dem Streik in Dänemark miterrichtete. Nach Kopenhagen übergeführt, weigerte» sie sich, den Dienst anziurelen und ivaudteu sich an den schwedischen Konsul um Schutz. Ihre Bitte wurde ihnen rundweg abgeschlagen und einer vom Personal des Konsulats sagte weg- werfend:„Das sind ja bloß Heizer!" Sie wurden dann zivangs- weise auf das zur Aufnahine der Streikbrecher bereit liegende Schiff übergeführt. Der Minister erklärte anf Brantings Interpellation,»vorin dieser forderte, daß-in Heizer auf dem Konsulat ebenso rücksichtsvoll behandelt werden solle als ein reicher Graf, er hätte über de» Fall in„Socialdemokrateu" gelesen und sofort eine Erklärung von dem betreffenden Konsul verlangt. Diese sei aber noch'nicht ein- gelaufen.— Norwegen. Das KoalitiouSrecht. Im Odelsihiug wurde an» Freitag von dem demokratischen Abgeordnete» Myrvaug an den Jnstizmiuister Qvain das Ersuchen gerichtet, einen Gesetzentwurf ziu» Schutze des Vereinigungsrechtcs der Arbeiter vorzulegen.� Veranlassung hierzu gab unter andern» ei» kürzlich vom„Socialtcmokraten" veroffent- lichter Arbeitskontrakt der von englischen Kapitalisten gegründeten Gesellschaft«The Korwegian Copper Mines Limited", der neben andren für die Arbeiter nachteiligen Bestiinnnmge» auch die enthält, daß die Arbeiter ohne Zustinunung der Wcrksleitnng bei Strafe der Einlassung keinen» Fachvercin beitreten dürfen. Die Redner der Verschiedenen Parteien sprachen sich mißbilligend über diesen Kontrakt aus. Der Minister gab das Verspreche», einen diesbezüglichen Gesetz- «ntwnrf auszuarbeiten.— Schwede» und Norwegen? Neutralität. Die„Friedens- Vereinigung" des norwegische» StorthiugS hat im Storthiug beantragt, eine Kommission von neun Mitgliedern zu»vählen, die die Frage permanenter Nentralitätscrklärnng Schwedens und Norwegens, so- »vcit Schweden in Betracht kommt, erwägen und eventuell dem König einen dahingehenden Vorschlag vorlege» soll. Im schivedischcn Reichstag wird, wie verlautet, der demokratische Abgeordnete Hedin einen ähnlichen Antrag einbringen. Frankreich. Pari?, 28. Januar. Rachdein der Budgetansschuß mit 13 gegen 7 Stimmen die Dringlichkeit der Beratung des Programms zur Vornahme öffentlicher Bauten erklärt hat, beschloß die Kammer die sofortige Beratung des Antrages auf Bauten von Kanälen, Eisenbahne»», Brücken usw. im Werte von iirsgesaint 663 Millionen Der Gesetzentwurf betreffend die HeereSreform ist nunmehr von der Kammer endgültig und zivar»nit 74 gegen 42 Stimmen und 3 Stimmenthaltlingen angenomniei» worde»».— Der Boeren- Krieg. FriedeuSunterhandlungen? Das„Bureau Laffan"»neidet a»S London: Der erste Lord des Schatzes Balfour teilte in» Unterhause»nit, die holländische Regierung habe der englischen Friedenövorschläge zur Beendigung des südafrikanischen Krieges gemacht. Die englische Regierung ziehe diese Borschläge in Erwägung. Ansgeschlosse» erscheint es uns nicht, daß England den Boere» doch geivisse Konzessionen zu uiachen bereit»väre. Ist doch trotz aller englischen Schönfärbllngsversnche die Lage der Engländer eine keineswegs rosige. Ein Londoner Blatt veröffentlicht Auszüge von Briefe» englischer Soldaten, aus denen hervorgeht, daß die südafrikanischen Truppen v o l l st ä n d i g k r i e g s n» ü d e»md e n t»n u t i g t sind, Die Soldatei»»volle» die Blockhäuser nicht mehr verlassen. De Wet»nt« porta« I Aus Wolvchoek wird gemeldet: In der ganzen Kolonie des Oranjestaate« sind die Garnisonen der Block- h ä n s e r in g r ö ß t e r A n f r e g u n g, da die A n w e s e n h e i t De Weis gemeldet lvorden ist, Eine Boerenschlappe. General B r n c e- H a n» i l t o n hat am 25. Januar einen neuen erfolgreichen Nachtmarsch gemacht nud ein Lager zivischen Ermelo und Bethel überrrai'cht. Die Boere» flüchteten und»vnrdcn mehrere Meilen iveit verfolgt. Ihre Verluste betragen 2 T o t e, 4 Ver- >v u n d e t � und 82 Gefangene, darunter F e l d k o r n e t D e v i l l i e r s und der Kapitän D e j a e g c r von der Staats- a r t i l l e r i e, der auch Mitglied des Erste» Raabs ivar. Säintliche Vorräte des Lagers wurden erbeutet. Anf britischer Seite»vurdcn ein Offizier schivcr und zivei Mann leicht vcrlvnndct. Biljoeu. Neber die Persönlichkeit des gefangenen BoerengeneralS Viljoen ist»och zu melde»»: Ben Viljoen»vor ursprünglich Journalist, der nainentlich»vegen seiner humoristischen Arbeiten geschätzt ivar. Bei Beginn des Feldznges focht er unter den» Oberbefehl Jouberts in Natal und zeichnete sich in de» blutigen Kämpfen am Tngcla mehrfach hervorragend aus. Als nach dem Fall Pretorias»md Johannesburgs der Guerillakrieg begann, kommandierte Viljoen die Truppen im nördlichen Transvaal, In seinem Lager»varen meist auch.Schalk-Burghcr und die übrigen Mitglieder der Trausvaalregiernug, In diesen Kämpfen erntete Viljoen den höchsten Ruhm; sein Verdienst ivar eS, daß das ganze »veite Land nördlich der Delagoabahn von den Boeren vollständig beherrscht»vnrde._ Aus uuh Ter Petrolennitrust. lieber die Transaktion, durch»velche die Standard Oil Co. abermals ihr Monopol befestigt, schreibt die „Naphtha":„Da The Shell Transport an Trading Co., eine in London seßhafte Reederei und Handelsgesellschaft, soivvhl mit der Moeara Euim, einer der bedeutendsten niederländisch-ostindischen Petroleumgesellschaftcn, als nitch mit der Haupteigcutümerin der in Texas nrnerbohrten Oclquellen Verträge betreffs Vertrieb und Transport ostindischen, beziebungSiveise lexauischcn Rohöls abschloß, trat sie mit der Standard Oil Co.,»velche Ladnngen von Kistenöl»ach Oslasien und Anstralien sandle, in Wettbewerb und machte derselben besonders in Bezug auf das Oel von Texas, das als Heizmaterial inimer»»ehr an Bedeutung geivinnt, im Laufe der Zeit ernstlich Konkurrenz. Hierdurch sah sich die Staudard Oil Co. veranlaßt, die Shell Line auzukaufen, indem sie für deren Aktie» solche ihre» Geiellschaft in Tausch gab, niigeickich zu einem Preis von circa 100 Dollar unter dem Kurslvert. Diese Transaktion, iiir die ein Kapital von 12 Millionen Pfund Sterling aufgeivendel»vorden sein soll, sichert der Standard Oil Co. die Kontrolle iiber die neue» texauischen Oclqurllen»nd ziviugt die niederländisch-ostindischen Petroleliniproduzeuten, ihre LieferungS- kontralte künftig statt mit der Shell Line mit der Standard Oil Co. abzuschließen, anf»velche Weise dann die letztere den Petroleum« absatz in alle» Häfen des Stillen»nd des Indischen Occans be- herrscht." Die»»eue A»ileihe»vird in der Weise verteilt, daß von der Reichsanleihe nur 1,4 Proz, nud von der preußischen Anleihe 2 Proz. der gezeichneten Snnnne begeben»verde»». Die Allgemeine OinnibnS-Gesellschast stellt ihren Aktionären im verflossenen Geschäftsjahr mir 1 Proz. Dividende in Aussicht, gegen 10 Proz. in» Vorjahre. Die Gesellschaft verzeichnet, trotzten» '/» Million mehr Personen befördert»vurden, 135 000 M. Minder- einnahine, Die Dl'rSdener Spar- und Borschnstbanr dükfte nach den» Bericht des Konknrsverivalters ihren Gläubigern etiva 50 P»oz. bieten. Ueber die Anfstellnng deS KonkurSverivalterS kam es in der Gläubigervcrsaminlung zu MeiiinngSversch'.cdcnheite». Man glaubt, daß die Schätzung des KonkurSverivalterS zu pessiuiislisch lautet. Infolgedessen legte der Konkursverivalter sei» Amt nieder und»vnrdc Rechtsanivalt Dr. Thieine an dessen Stelle gcivählt. Interessant ist an dem Bericht, daß von den neu»» AufsichtSratsniitgliedern acht der Bank 2 382 000 M. schulden. ES geht daraus hervor, daß die Anfsichtsrateniilglieder»nit der Bank umfangreiche Spcknlations- geschäftc mackiteu. Die Elektricitätsgcsellschaft Kuiumer stellen»yreii Gläubigen» i» den» Konlursbericht sehr trübe Aussichten. Bevorrechtigte Forde- ruiigen sind 89 830 M. anerkannt, iveiter 12 457 872 M. nicht bevor« rechtigte und 11074 976 strittige. Demgegenüber befinden sich nur etiva 3 Millionen bar in der Masse. Was ans den» Besitztum hcransgeschlagcn werden kann, ist vollständig nngetviß. Tic Lage in» transatlantischen Frachtenmarkt»vird nach einer Meldung aus Neiv Jork als höchst»»»befriedigend betrachtet, »veshalb mehrere Frachldampfer aus dem nordatlnnlischen Ver- kehr zurückgezogen»vnrde»; andre konnten nur kleiiie Frachten für Reise» nach dem Osten erhalten. Am gedrücktesten sind die Preise der Gctreidcfrachten, sür welche die Rale gegenlvärtig bis auf 2 Cents per Bnsbel gesunken ist. während im vergangenen Jahre 5>/s— 6 Cents gezahlt wurden. Der Rückgang der Presie wird auf den»»»genügenden Ertrag der Ernte» zlirnckgrsührt. Di« Ver- Minderung in der Eisen-»nd Stahl-Ansfnhr ist der starken anleriktmischcn Nachfrage zuzuschreiben, welche die gesamte Produktion völlig aufbraucht. Türkische Anleihe. Wie berichtet wird, soll sich das Syndikat der deutschen Banken bereit erklärt habe», der türkischen Regierung eine größere Anleihe gegen Erleilnng der Bagdadbah n-Konzessiv» zn geivöhren. Ans der vorgestreckten Summe soll die liirkisch« Regierung eine Million Pfniid(türkisch) für die Erbanmig der Dnmaslus-Mekka-Bahn verivenden. In den, Prozeß gegen den AnfsichtSrat der Aktiengesell- schaf» für Trrbertrocknnng findet nun»ach einem eruentei» Be- schlnß des Gerichts in Kassel die Verhandlung doch a» den» ur- sprünglich fortgesetzten Termin(am 3. Februar) statt. Gemevk Maftlirfjrs. Verlin und Umgegend. Achtung. Holzarbeiter'. In der Tischlerei Hitzler, Lausitzer- platz, bestehe»» die Differenzen fort. Verhandliiiigci»»varen erfolglos, da Herr Hitze erklärte. sich von keiner Seite Vorschriften»nachen zu lassen. Ferner sind die Differenzen in der Tischlere» bei Zeltern. P l a i h e», Frankfurter Allee, noch nicht beigelegt. Die Ver- handlnngcn»varen bisher ergebnislos. In der Tischlerei bei Trebs, Frnchtstr. 35, haben die Kollegen die Arbeit eingestellt, da sie ihren rückständigen Lohn nicht erhalten konnten. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Holzarbeiter. Deutsche» Reich. Die Arbeitslosigkeit in» Beruf der Lederarbeiter. Der Centraiverband der Lederarbeiter hat im vorigen Jahre in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Juni Erhebungen über die Arbeitslosigkeit seiner Mitglieder veranstaltet. Die Statistik sollte im»vesentlichen die Grundlage für die Berechming einer Arbcils- lose»,- Untcrstiitznng bieten,»veshalb sie auch im Gegensatz zn einer gleichen Statistik, die im Jahre 1894 aufgenoinniei»»viirde, diesnml die Unorganisierten unberücksichtigt ließ. Das geivonnene Material ist von dem Rcdactcur des Fachorgans, H. Beiß- »v eng er, bearbeitet und in einer kleinen Broschüre das Tabellenlverk mit eingehenden Erläuterungen versehen. An den Er- Hebungen beteiligten sich 3473 Mitglieder an 155 Orten. Von diesen meldete» sich 652 arbeitslos,»vobei, nach Tagen beredinet, 22 550 Tage angegeben»Verden, a»»velckien die Arbeiter ohne Beschäftignng waren. Davon sind allein 73 Mitglieder zu verzeichnen, die über 10 Wochen im ganzen 8143 Tage arbeitslos»varen. Jin Durch- schilitt ivar von den 652 Arbeitern jeder 34,6 Tage arbeitslos. Einen hohen Prozentsatz stellen die»vegen Krankheit arbeits- los geivordenen, es»verde»» hier 305 Mitglieder»nit 9505 Tagen der Eriverbslosigkeit angegeben. Interessant ist,»vie sich auf die Altersstufen die Arbeitslosigkeit verteilt. In» Alter bis zu 20 Jahren betrug in» Durchschnitt die Arbeitslosigkeit 26,3 Tage, von 20—30 Jahre» 29 Tage, von 30—40 Jahren 35,85 Tage, von 40—50 Jahren 48 Tage, von 50—60 Jahren 68 Tage, über 60 Jahre 73 Tage. Ein schlagender Beiveis,»vie gerade in der Gerberei die Unlernchmer die alten invaliden und kranken Arbeiter ansinerzen»nd junge Kräfte vorziehen. Die alten Arbeiter haben in diesen, so ftüh die Gesundheit aufreibenden Betrieb, ivcnn sie von Gicht und Rhcinnatisnnis geplagt, in ihrer Arbcitsleistniig zurückgehen, keine Anlvarlschaft auf dauernde Bcschästignng. Des iveiteren erörtert nun der Verfasser an der Hand der Stalistik die Einführung der Arbeiislosen-Unter- stützmig; er schlägt in Rücksicht anf die sehr differierenden Löhne drei Beitragsklassen von 35, 40 und 45 Pf. pro Woche vor, den» ent- sprechend würde die Unterstützung 75 Pf,, 1 M, und 1,26 M. be- tragen. Der nächsten Generalversammlung steht es frei, eventuell nur z>vci Klassen zu»vählc». Eine gute Grundlage zur Bcrechinnig der Leistungen hat die Statistik den Mitgliedern geboten, ihrer Ent- scheidnng bleibt eS nun vorbehalte», ob sie zur Lösung der Frage übergehen. Die ArbcitSloseu-Uuterstütznng im Verband der Metall- arbeite»'. Außerordentlich günstig Ivar das Ergebnis, das der dcntiche Melallarbciter-Vcrband i»n ersten Wirkungsjahr seiner Arbeilslosen-Untersiützmig(vom 1. Juli 1900 bis 30, Juni 1901) machie. Bei durchichnilllich 100 000 Mitgliedern verausgabte der Verband,»vie»vir einem in Stuttgart gehaltenen Vortrage des Verbandssckrctärs Reichel entnehmen, nur 195 838 M. für Arbeits- losen-Uiiterstiitzung. also pro Mitglied jährlich nur etiva 1,96 M., während dem Verbände für diese Zivecke nicht.bloß 400 000 M. laufender Jahrcscinnahme, sondern auch der Fonds des ersten Karenzjahres in gleicher Höhe zur Verfügung stand. Die sür die Arbeitslosigkeit verfügbaren Mittel»vurdcn also noch nicht zu eine»» Viertel beansprucht. Freilich ist seitdem die Arbeits- losigkcit gewachsen; sie stand schon bei den beiden Halbjahren des obigen Rechnungsjahres in» Verhältnis von 1: 3 und iin dritten Quartal sollen,'»vie verlautet, in Berlin wiederum gesteigerte Anf- Ivendungeu für Arbeitslose erfolgt sein. Immerhin zeigt die That- fache, daß der Mctallarbciter-Verband im Jahre 1901/1902 niit einen» Arbeilslosigkcitsfonds von 1 Million Mark rechne» kann, daß er Vorsorge getroffen hat, um auch größeren Ansprüchen gerecht zn »verde». Für die Arbeitslosen»vie für die Organisasion crlveist sich die Wirksamkeit der Arbcitsloscn-Iliiterstütznng als ein»vnhrcr Segen; sie hat dem Metallarbcitel'-Vcrbaiid einen bedeutenden Mitglieder- znivnchS verschafft, und die Mitglieder besser alS durch alle bisherigen Verbandseinrichtinigen an die Organisation gefesselt. Die Germaniatverft in Kiel giebt jetzt in einer Zuschrift ai» die„SchleSivig Holsteinisch« Volks- Zeitung" zn, daß sie durch Ver- miiielnng der ArbeitSnachiveise in Lübeck, Stettin, Danzig und Kiel soivie auch durch Inseriere»«ihren Stand von gelernten Arbeitern ihstematisch zn vennehre» suchte". Die Werft»vill angeblich in Kiel ihren Bedarf an gelernten Arbeitern nicht aiinnhcrnd haben decken können. Abgesehen davon. daß in der Kieler Arbeiterschaft von einem Mangel an Arbeitskräften nichts bekannt ist, spricht die Direktion mit keinem Wort von jenen Arbeitern, die, durch Annonce» in anßivärtigen Blättern verlockt, nach Kiel gereist und dort abgewieie»»vorden sind. Gerade diese Fälle aber habe» die Arbeiterpresse zn ihrem eiilriistetcn Protest und zu der Warupng vor der Gcrmaiiiaivcrft veranlaßt. Es»väre mm. um über die Stichbaltigkcit dieser an die Adresse der Werft- lcituug geiict'teten Vorwürfe urteilen zu tönnen, von ausschlaggebender Bedeutung, zu ivisse», ob diese Annoncen direkt von der Werft, oder von ansn'ärtigcu Agenten, die ans eigne Faust gehandelt haben, herrühren. Nun siebt es fest, und das Schreiben der Direktion giebt es zn, daß die Werst selbst in ansivärligcn Blättern annonciert hat. Habe» auf diese Annonce» die Arbeiter die Mystisikations- reise nach Kiel untcrnonnnen? Zur Lohnbctvegnng der Textilarbeiter in Greiz. An, Freitag»vnrde die Fabrikkvinmission bei der Firma I. G. Rein- hjo l d n. C v in p. bvrstellig. Man verlangte zunächst eine Bedenkzeit bis Sonnabendabend. Als die Köniniiision zu dem festgesetzten Termin erschien,»vnrde derselben nach längerer Aussprache das Ver- spreche» gegeben, die Forderungen zu bcivillige». Im Laufe dieser Woche soll das Versprechen durch Unterschrift bestätigt»verde».— Die Firma Gcntzsch»». Pergel, Neninühlc-Anbachthal, hat frei- »villig die augenblicklichen Fordern»»»«», der Arbeiter, Anerkennung des 18V0er Lohntarifs, belvilligt. Anchbeioe» Finna Schulze in Schön feld sind die Forderungen belvilligt»vorden, ohne daß es zn einein Konflikt aekonnnen»väre.— Die Firma G e i g e in ü l l e r u. Fuchs in Dölau ba» sich ebenfalls einen Lohntarif von dem Vorsitzende» der Lohnkomniiisivil hole» lassen und steht zn erivarten, daß mich diese Firma die Forderung der Arbeiter ancrkenncn»vird. Webcrstrcik ,»iid AnSsperrnug t» Rcmschrid. In der Fabrik von van Heeks sind nach eine»» Telegram», 250 Decken- »veber in Ausstand getreten. Die Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmer» sind durch Lohnkürzungen entstanden. Falls die Streikende» bis zum 1. Februar die ArbeitHicht zu den von der Fabrikleitung festgesetzte» Bedingungen iviedcr aufiiehine», soll allen Arbeitern in der Fabrik<2300 Manu a« der Zahl) gekündigt werden! Den Miilhäuser Stickeru und Stickeriuiicu ivurde von de», Strickivarenfabrikanten-Vcrein ein Tarif vorgeschlagen, der gegenüber dem vor zwei Jahre» gemeinsam»nit der Kominissio» der Arbeit- nchiner vereinbarten und jetzt abgelaufene» Lohnverzeichuis eine Reduzierung der Arbeitslöhne von durchschnittlich 7 bis 8 Prozent vorsieht. Die Arbeiter erklärten sich für einen Veriuittc- lungsvorschlag, der eine Lohnrcdnktion von 3 Proz. vorsieht. ES soll versucht»oerdcn, einen neiien Lohnvertrag anf längere Zeit, eventuell auf zivei Jahre abzuschließen. Ausland. Der Textilarbeiter-Streik in Boras �Schwede») ist zu Gunsten der Arbeiter beendigt. Das Koalitionsrecht ist auf sämtlichen Fabriken anerkannt. Bezüglich der Arbeitsbedingungen wurde ein lieber- einkommeu mit den Fabrikanten getroffen.— Der französische Bergarbeiter-Bund beruft zum 31. Januar seine» Ausschuß zusmnmen, um über die Situation zu beraten. Derselbe wird auch den Zeitpunkt des nächsten Kongresses bestimmen. Auf diesem Kongresse soll auch die Frage des Generalstreiks zur Er- ledigung gebracht»verde». Eil» Strcikprozcst. Vor dein Mailänder Gericht hatten sich dieser Tage 65 Landarbeiter Ivegen Streik, verbunden mit „Geivalt und Bedrohung", zu verantlvorten. Der Anklage lagen folgende Thatsachen zu Grunde: In Cambriago in der Nähe von Gorgoi»zola sivo der berühmte Käse her- kommt) liegen die Latifundien des Grasen Trotti. Die zur Arbeit auf den Gütern des Grafen verpflichteten Land- arbeiter erhielten 48 Centimes Lohn pro Tag. nicht aber in barem Gelbe, sondern diese Summe wurde gebucht. Im Juli kam es zun» Streik, weil die Arbeiter 1,50 Fr. pro Tag forderten. Dem Grafen gelang es, eine Anzahl Streikbrecher, denen er 4,80 Fr. pro Tag zahlte, zu gcivinnen. Am 22. Juli zogen etwa 400 Bauern vor den Gutshof, um gegen die Beschäftigung der Streikbrecher zu protestieren. Die lchtren verließe» die Arbeit und der Graf sah sich genötigt, den Bauern soivcit entgegen- zukoimnen, daß er pro Tag 1.20 Fr. bezahlte. Er ließ nun' durch seinen Berlvalter eine Liste von 117 Personen aufsetzen, die er als Ruhestörer usiv. den Gerichten denunzierte. Am 16., 17. und 18. d. Mts. wurde die Sache in Mailand prozessiert; eS hatten 65 Bauern auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Der Staatsanwalt hielt dieselben überführt, durch Be- drohuna die Freiheit der Arbeit verletzt zu haben. Nach einer glänzenden Verteidigung des socialistischen Deputierten Ferri und einiger andrer Advokaten gelangte das Gericht zur Fcisprcchung. Gegen den Verlvalter des Grafen»vird ein Verfahren ivegen Ab- legring falschen Zeugnisses eingeleitet. Es gicbt noch Richter— in Mailand. Der Streik der italienischen Eisenbahner scheint nun doch noch ausbrechen zu sollen. Dieser Tage fand im Ministerium für öffentliche Arbeiten zu Rom eine Sitzung statt, an»velcher die Ver- treter der Compagnicn und der Angestellten teilnahmen. Die Forderungen der Angestellten»vurden seitens der Compagnien ab- gelehnt,»vcil ihre Belvilliguug eine Ausgabe von 60 Millionen aus- rnache.— Die Eisenbahnangestelltcn haben beschlossen, am 10. Februar in den Streik einzutreten. Sonntag den 2. Februar finden fünf große Versammlungen in Neapel, Rom. Turin. Genua und Mailand statt. Die Burennbeaniten der miltelländischen Linien haben sich mit den librigeiisEiseitbahiierii Italiens solidarisch erklärt und»verdcn ebenfalls in den Streik eintreten. Aus dvv Fimurnbenregung. Ein Ausstand der Einlegerinnen ist in der Druckerei des „Tagesarizeiger" zu Wald bei Solingen ausgebrochen. Fünf von de» Mädchen ivurde gekündigt,»vorauf die übrigen sieben sich mit ihnen solidarisch erklärten, so'daß iin ganzen zivölf Mädchen an dein Streik beteiligt sind. Die Textilarbeiterinnen der Finna Gebr. L o e b in Stuttgart ivaren in den Streik getreten, um eine Lohnreduktion abzuivehren. Nach neuerdings gepflogenen Verhandlungen reduzierte die Finna die Abzüge durchschnittlich auf die Hälfte und jagte Ab- Hilfe einiger sonstiger Beschiverden zu. Die Arbeiterinnen nahmen den Vergleich an, da bei dem schlechten Geschäftsgang mehr nicht zu erreichen»var und außerdem von den 250 Arbeiterinnen nur sieben organisiert»varen. Die Arbeit eingestellt haben vier Schererinnen der Weberei- Firma W. B u s ch e n d o r f in Gera. Sie arbeiteten bisher gegen einen Wochenlohn von 11 M. und sollten jetzt nach Stück arbeiten,»vobei sie höchstens 6.25 M. pro Woche verdienen»vürden. Gege»» eine solche Lohnreduktion sich zu»venden, hatten die Arbeite- rinnen alle Ursache. Nur eine Mitarbeiterin ist stehen geblieben. Gevtözts-Bcilunfl. Die Kämpfe nu» daö Präserve-Salz bilden jetzt eine ständige Nummer auf den Terniinzetteln der Schöffengerichte und Straf- kammern und dürften bald so häufig sein,»vie die Anklage», die aus Straßenbahnunfällen entstehen und noch immer tagtäglich in großer Zahl die Gerichte beschäftigen. Die ganze Frage der Gesundheits- »chädlichkeit des Präscrvesalzes und der Bekämpfung seiner Au- Iveudung auf Grund des Nahrungsmittel-Gesetzes ivurde gestern »viederun» sehr eingehend vor der 4. Strafkammer des Land- gerichts I erörtert. Es handelte sich darum, daß ein Schlächter- mcister, der dem Schabefleisch, um ihm ein gutes Ansehen zu er- halten, einen Znsatz von Präservesalz gegeben hätte, Ivegen NnhrungS- »nittcl-Berfälschung angeklagt»vorden»var. Die Litteratur über die Streitfrage ist neuerdings' derartig geivachsen. daß es nach An- ficht des gestern vernommenen medizinischen Sachverständigen Dr. Stürmer kaum, mehr möglich ist, sie zu bcivältigen. Der Polizeichemiker Dr. I n ck e n a ck vertrat den Standpunkt, daß das Prüservesalz nur im stände sei, den Blutfarbestoff im Fleisch zu konservieren, aber gerade deshalb der Täuschung Thür»md Thor öffne,»veil es auch altem, schon etivas übergegangenem Fleisch das Ansehen ganz frischen Fleisches verleihe. Den Aus- führungen dieses Sachverständigen trat der gerichtliche Sachverständige Nahrluigsinittel-Chemiker Dr. Leb bin in verschiedenen Pnuktcu entgegen. Er hielt den Zusatz eines geringe» Prozentsatzes von Prüservesalz für zulässig und nicht gesundheitsschädlich.— Gerichtsarzt Dr. Stürmer trat der Ansicht des Dr. Jnckenack über die Täiischilngsivirkung des Prüservesalzes bei und erklärte, daß die Frage der Gesnndheitsschndlichkeit noch eine offcnesei. Wenn nachZeitungsbenchlen das Medizinalkollegiun» neuerdings die Gesundheitsschädlichkeit ver- neint habe, so müsse doch darauf hiugeiviesen»verde»», daß das Kollegium dabei»ur von 0,1 Proz. spreche. Schon dies zeige, daß die Sache doch immerhin sihre Bedenken habe.— Der Verteidiger »var der Ansicht, daß die Gerichte nicht dazu da seien, um ivissen- schaftliche Streitfragen zu entscheide»». Nach der in Fleischerkrcisen herrschenden Ueberzeugung erfülle das Präservesalz die Aufgabe, das Fleisch z»» konservieren»»ud die Verlvesung auszuhalten, und diese Ansicht»verde auch von einer ganze» Anzahl von Sachverständigen geteilt. Der Angeklagte habe daher in gutcin Glanben und nicht zu>n Ziveck der Täuschung des Publikums gehandelt.— Der Staatsanwalt ließ auch in diesem Fall die Anklage ivegen Verkaufs gesundheits- schädlichen Fleisches fallen und beantragte»ur ivege» Verfälschung eines Nahrungsmittels 40 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof erkannte auf 10 M. Geldstrafe. Eine recht boshafte und niedrige Grstnunug lag der An- klage wegen schlverer Urkundenfälschung zu Grunde, die gestcru vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I gegen den Schlosser Altgust Höhle verhandelt ivurde. Am Vorinittage des 15. Oktober saß'der Angeklagte, der ohne Arbeit»var, in einer Schankluirtschaft, als der ihm oberflächlich bekannte Schlosser Türig eintrat. Ans der Unterhaltung erfuhr Höhle, daß Türig zur Zeit in einer elektrotechnischen Fabrik eine gute Stellung mir einem Wochenlohn von 27 Mark iiinc habe. Nur an diesem Tage»volle er aus- setzen, um eines Zahnleidens ivegen zum Arzt zu gehen. Türig ließ sich vom Wirt eine Postkarte geben mit dem Bemerken, daß er sich bei seinem Arbeitgeber entschuldigen»volle. Als er dies an eineni Nebentische ausführte, ließ auch Höhle sich eine Postkarte geben, die er folgenderinaßeu beschrieb:„Halten Sie für morgen früh meine Papiere bereit, ich danke für Ihre Arbeit". Er unterschrieb mit dein Namen Türigs, richtete die Adresse an dessen Arbeitgeber und steckte die Karte in den nächsten Briestasten. Als Türig am folgenden Morgen an seiner Arbeitsstelle erschim,»vurden ihm seine Papiere mit der Bemerkung eingehändigt, deß er entlassen sei. Der höchst unliebsam Veramwvrilicher Resacteur: Carl Leid tu Berlin. Kür den JnferetenUil Ueberraschte versuchte vergebens, den Grund dieser Maßnahme zu er- fahren, man verlvies ihn an das Gelverbegericht,»venu er sich zu Unrecht entlassen fühle. Nach 14 Tagen erfuhr er von einem Dritten, Ivelch ein niederträchtiger Streich ihm von Höhle gespielt»vorden sei. Im Termin erklärte der Angeklagte, daß er sich in der Angetrunkenhcit eine» recht dummen Scherz geleistet habe. Der Vorsitzende hielt ihm entgegen, daß er dann die Folgen seiner Handlungsiveise, die ihm bekannt ivaren, am folgenden Tage hätte»vieder gut mache» müssen. Der Gerichtshos»vor überzeugt.' daß der Angeklagte aus niedriger Gesinnung gehandelt hatte und verurteilte ihn z u e i n e m M o n a t Gefängnis. Ter Brotivncher und das religiöse Gefühl eines Forst »icistcrs. Unser Parteigenosse Fritz Hoppe aus Rixdorf»var vom Amtsgericht zu Beeskolv zu 15 M. Geldstrafe verurteilt worden,»veil er in Neubrück Flugblätter verteilt und Unterschriften für die Petition gegen den Brotw»icher gesammelt hatte. AIS Belastnngs- zeuge trat ein Forstmeister Naniens S diöpfer gegen ihn auf; dieser Herr hatte sich dadurch, daß Hoppe von Haus zu Haus gegangen»var, in seinen religiösen Empfindungen verletzt gefühlt. In der Begründung des Urteils heißt es u. a.:„Indem der Angeklagte ani genannten Sonntage mit Flugblättern durch die Straßen des gedachten Torfes ging und dieselben i» de» dortigen Hänsern verteilte, ferner bei de» Insassen Unterschriften zum Zivecke einer Petition sammelte, verrichtete er eine Arbeit, ivelche für die dortigen Beivohncr sinnlich»vahrnehmbar und durch die Art ihrer Ausführung geeignet»var, dieselben in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen und die Sonntagsruhe zu stören. Es »var daher thatsächlich festzustellen, daß der Angeklagte an, Sonntag, 15. Scptbr. 1801, nachmittags gegen 2 Uhr. zu Neubrück durch Verteilung von socialdemokratischc» Flugblättern gegen den Kornzoll und durch Sammlung von Petitionsunterschriften öffentlich bemerkbare Ar- bcite» verrichtet hat, die geeignet ivaren, die äußere Heilighaltung des Sonntags zu beeinträchtigen. Gegen das Urteil hatte Hoppe Berufung eingelegt. Der Termin fand dieser Tage vor dem Landgericht in F r a n k f r! r t a. O. statt. Der Staatsanivalt führte unter andern» aus, daß das Gehen von Haus zu Haus als Hausiere» aufzufassen sei. Im übrigen könnte sich der Angeklagte auch zufrieden geben; die Strafe von 15 M. sei nicht zu hoch, er beantrage, die Be- rufung zu Verlverfen. Genosse Hoppe plaidierte für seine Frei- sprcchnng und berief sich auf einzelne Kammergerichts-Entscheidungcn. Der Gerichtshof schloß sich dem Antrage des Staatsanivalt an und verwarf die Berufung. Hoppe»vird jetzt an das Kamniergericht gehen. Waö ein Ortsstatut über den obligatorische»» Fortbilduugs- Unterricht nicht verlange»» darf. Gelegentlich eines Straf- Verfahrens gegen den Fabrikanten Böhm hat das Kammer- g e r i ch t die Bestimmung eines Ortsstatuts für ungültig erklärt, die alle im Ort„in Stellung befindlichen" Lehrlinge unter 18 Jahren zum Besuch der Fortbildungsschule ver- pflichtet. Begründend»vurde ausgeführt: Der Angeklagte halte sich nicht zur Anmeldung icincs Lehrlings bei der Fortbildungsschule in Ruhrort für verpflichtet,»veil der Lehrling abends, d. h. zur Zeit des Fortbildungsuuterrichts. stets zu seine» Eltern nach Mülheim, der Nachbargeuicinde zurückkehre. Dagegen betone der Vertreter der Obcrstaatsanivaltschaft, daß Ivegen der Beschäftigung des Lehrlings in Ruhrort mich das dortige Ortsstatut auf ihn Anlvenduug binden. Nun sei ja allerdings zuzugeben, daß Ortsstatuten»vie Orls- Polizcivcrordnungen jeder im Ort sich Aufhaltende unterivorsc» sei, immer aber mir für die Dauer des f r e i lv i l l i g e n Aufenthalts N i e ni a ii d könne durch ein OrtSstatnt gezwungen»Verden, sich in einem Ort langer aufzuhalten»vie erlvolle. Da in Ruhrort die Unterrichts- stunden der Fortbildungsschule des Abends lägen, so sei die Be- stimmnng des Ortsstatnts, die alle in Ruhrort in Stellung be- f i n d l i ch e n Lehrlinge zum Forlbildiings-Unterricht verpflichte, insoweit rechtsungültig, als sie die Ruhrorter Lehrlinge, die in den Nachbarorten»vohuten, zu einem»infreiwilligen längeren Aufenthalt in Ruhrort zivingen würde. Um einen solchen Lehrling handele es sich hier, also muffe der Angeklagte freigesprochen werden.— Anders lägen die Dinge, wenn der Unterricht der Fvrlbildnngsschiile in Ruhrort in die»v e r k t ä g l i ch e Arbeitszeit fiele. In diesem Fall »väre das OrtSstatnt in vollem Umfange rechtsgültig und verbind- lich auch für die in Ruhrort beschäftigten, aber in andern Ge- meindeu lvohiicndcn Lehrlinge. Devlammlimgen. Gcncral-Vcrsauinilung dcS Verbandes der Hafenarbeiter in Hamburg. Z»v e i t e r Tag. Den Sitzuiigen wohnen von der Generalkommission deren Vor- sitzender Legie» und als Galt der Vorsitzende des Ccntral-Ver« bairdes der Transportarbcilec S ch n m a n n- Berlin bei. In seinem Jahresbericht führt Döring ans, daß die Herab- Minderung der Fluktuation im Verbände»vohl vornehmlich den Rechts« schlitz- und sonstigen Unlerslütznngseilirichlimge» z» danken sei, die in den letzten Jahren ausgebaut oder ganz neu eingeführt»vären. Aber auch die Hilfe und der Nutzen, die die Organi'alion bei diversen Lohn- beivegriiigen gebracht hätte, seien in dieser Beziehung für den Verband zun» Vorteil ausgeschlagen. Fast alle Mitgliedichatten des Verbandes sind bestrebt geivesen, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu bessern, und fast in allen Fälle» ist es gelungen, Verbesserungen zu er- zielen. So»vnrde ein Streik um eine geringe Lohnforderung in Danzig schon nach einer Woche geivonnen, obivohl diejenigen Hafenarbeiter, die dem Danziger evangelischen Arbeiterverein an- gehörte», von Vereinsivegen zu Streikbrecherdienste» komurandiert »vurden. Ein, trotz des Vetos des Centralvorstandes begonnener Streik der Lübecker Kohlenarbeiter ist nach achtlvöchent- licher Dauer vollständig verloren gegangen. Erfolg hatten Lohnbelvegungen in Passau, Stettin, Wismar, Brenrerhave», Brake, Segelmacher-Hambnrg und Quai- und Getreidearbeiter in Harburg. »vährend die Binnenschiffer»veder der Elbe, noch der Weser etlvas erreichen konnten. Ebenso erging es in Königsberg und den Schauer- lenten in Hamburg und Bremen. I» Hamburg drohte i,n letzten Jahre infolge der ablehnende»! Haltung der Arbeitgeber»vieder ein Ricienstreik»vie 1895/96. Da die Hafenarbeiter sich kraft der inzivi scheu erfolgten Organisierung aber disciplinierter erwiesen als damals,»vurde die Gefahr ivenigstens vorläufig beseitigt. Das Organ ,�Der Hafenarbeiter" hat sich gut entwickelt; seine Auflage ist vom Juli 1900 bis jetzt von 11000 auf 17 500 gestiegen, In der Moiitags-Sitzung»vnrde noch beschlossen, eine Enquete über die Art und Höhe der Entschädigung anzustellen, die an Beamte der einzelnen Mitgliedschaften gelvährt»vird. Der Centralverband der Maurer Deutschlands sZahlstellcn Berlins und Umgegend) hielt am Montag im Gewerkschastshanse eine außerordentliche, nur»näßig besuchte Mitgliederversammlung ab, in der ausschließlich über den Fall Thürling»vider Becker ver- handelt ivurde. Wie in Nr. 287 des„Vorwärts" berichtet»vurde, soll der lokalorganisierte Maurer Thürling auf Betreiben des Verbands- Mitgliedes Becker gemaßregelt»vorden sein, und als Th. vor dem Geivcrbegericht auf Entschädigung ivegen kündigungsloser Eiillaffnng klagte, hat Becker de» Unternehmer(feinen Vater) vertreten. In diesem Prozeß»vurde vom Gelverbegericht aiich principiell entschieden. daß der für das Manrergeiverbe bestehende Vertrag nicht u»r für die Verbandsmitglieder, sondern für die gesamten Maurer bindend und demzufolge die Kündigung für beide Teile ausgeschlossen ist. Vor diesem Prozeß sind vom Geiverbcgericht verschiedenartige Urteile gefällt»vorden und da es bei dieser Klage zu einer principicllen Entscheidung kommen sollte, ob der Vertrag nur für einen Teil oder für die gesamten Maurer gültig sei, hat die Verbandsleitung dem Becker das notlvendige Material zur Verfügung gestellt. Von einigen Rednern Ivurde deshalb auch gegen die Verbands- leitung Vorivürfe erhoben. Nach einer fast vierstündigen Diskussion, in der auch das Verhalten der Gebrüder Becker lebhaft kritisiert und verautwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Vadii gegen dieselben der Vorivurf erhoben wurde, daß sie in verschiedenen Fällen die Interessen der Unternehmer vertreten und ihren Kollegen gegenüber»»»solidarisch gehandelt haben, Ivurde folgende Re- solution mit allen gegen eine Stimme beschlossen: Die am 27. Januar im Geiverkschaftshause tagende Versammlung nimmt Kenntnis von der Geiverbegerichts- Verhandlung in Sachen Becker»vider Thürling. Die Versammlung verurteilt da? Vorgehen Beckers, welcher als Achtzehnerlommissions-Mitglicd es für gilt befunden hat, vor dem Gewerbegericht einen Unternehmer zir vertreten, auf das allerentschicdenste. Die Versammlung steht auf dem Standpunkt, daß der Kollege Becker das Vertrauen, das ihm die Berliner Kollegen geschenkt haben, gemißbraucht hat und er für die Zukunft nicht mehr»vürdig ist. einen Posten in der Organisation zu bekleiden,"— Becker»md auch seine Brüder ivaren in der Ver- saminlung nicht erschienen. Die Rabitzpnüer hielten am 22. Januar ihre regelmäßige Mitgliederversammlung in den Arminhallen ab. S i l b e r s ch in i d t referierte in einem 10s stündigen Vortrage über den Gegensatz der modernen Organisation zur Innung. Die Versammlmrg zollte dem Refereirten langanhaltenden Beifall. Darauf gab der Kaisierer die Abrechnung vom 4. Quartal. Es betrug die Einnahme sowie die Ausgabe für die Hauptkasse 1249,50 M.. für die Lokalkasse eine Ein« nähme mit altem Bestand von 2746,22 M., die Ausgabe betrug 1300,25 M.; es blieb somit Bestand 1445 97 M. Der Unterstiitzniigs- sonds hatte eine Einnahme von 1122,95 M., davon sind gezahlt an Arbeitslose resp. Bedürftige 145 M.; es bleibt ein Bestand von 977,95 M. Die Mitgliederzahl beträgt zur Zeit 190. Den Kassierern »vurde eine Vergünstigung für ihre Bemühungen beivilligk. Ter Tcxtilarbeiter-Verbaird hielt am Sonnabend, den 25. Ja- »uar seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Der Kassierer erstattete den Kassenbericht vom 4. Quartal 1901. Derselbe ergab eine Einnahme von 1270.24 M., eine Ausgabe von 931,16 M., der Bestand am Schluß des Quartals betrug 339,08 M. Hierauf erfolgte der Jahresbericht. Die Einnahme betrug 3659,71 M., die Ausgabe 3320,63 M.; der Bestand war»vie oben. Die Versammlung erledigte alsdann noch einige Vereinsangelegenheiten. Reinilkendorf. Am Sonnabend, den 25. d. Mts. hielt der Wahlverci» für Reinickendorf und Umgegend seine ordentliche General- Versammlung ab. K o tz k e referierte über„Junker und Bauer". Eine Diskilssion ivnrdc nicht beliebt. Achter gab de» Kaffenbericht. Die Einnahme betrug 320,50 M., die Ausgabe 162,55 M., bleibt ein Bestand von 157,95 M. Zum Vertraueusmann»vurde Ohl, z» Kafsenrevisorcn W. Lorenz und Schüler, in die Bibliothek- koinmisfioil Ohl, O h s e und S p i tz l e r gewählt. Köpenick. Am Dienstag hielt der hiesige Wahlvcrei» im Lokal von S ch e e r seine regelmäßige Vcrfnmiirlring ab. Die Bekanntgabe des Stadtverordneten-Wahlresultats, wonach unser Genosse Albert C z e r n e s s k i mit 765 gegen 52 Stimmen geivählt ist,»vnrde mit Jubel begrüßt. Sodann gab der Kassierer den Vierteljahres- bericht. Nach demselben hatte der Verein eine Einnahme von 271,20 M. imd eine Ausgabe von 290,05 M. zu verzeichnen. Zun» Scblnß»vurde ein Antrag angenommen, der die Preßkoinnrission auffordert, dahin zu streben, daß der„Vorlvärts"»vöchentlich eine Beilage bringt, ivelche die kommunalen Angelegeiiheilcir der Vororte behandelt. Großer Sieg der Soeialdemokratei»! Mit einem herrlichen über Erwarten großen Sieg hat die Reichstags- Ersaflwahl im 10. sächsische» Wahlkreise Töbelu-Rosiwein geendigt. Unser Kandidat Grünberg hat im ersten W a h l g a n g ü b e r d i e konservativen und national- liberalen Gegner gesiegt! Ueber das Wahlergebnis liegen uns folgende Privat- Telegramme vor: Döbeln, 28. Januar.(Privattelegramm.) Bei der heute stattgefundenen Reichstags-Ersatzwahl im X. Wahlkreise des Königreichs Sachsen Döbeln-Roßwein wurde an Stelle des ver- storbenen Reichstags-Abgeordneten Dr. Lehr(natl.) der Social- dcmokrat Fabrikant Grüuberg mit 11 714 Stimme« gewählt. Der nationalliberale Gegenkandidat Landtags-Ab« geordneter Vogel erhielt 5924, der konservative Kandidat Guts- besitzer Sachse 5213 Stimmen. Hartha, 28. Januar, 10,12 Uhr. Bei der heutigen Reichstags-Ersatzivahl siegte Genosse Grüuberg mit 11»Ä1 Stimmen. Vogel erhielt 5925, Sachse 4938 Stiminen. ♦ �* 1889 erhielt der socialdemokratischc Kandidat in der Hauptivahl 9758, der Nationalliberale 5938, der Konservative 5406 Stiminen. In der Stichwahl siegte der Nationalliberale mit 11925 gegen 10 681 Stimmen über unsren Parteigenossen. Während der nationalliberale Kandidat gegen 1898 seine Stimmenzahl mühsam behauptete, der Agrarier sogar 200 Stimmen zurückging, wuchs unsre Stiinmenzahl um 200«. Diese Wahl ist ein Todes st oß für die Brotwuchererl Niemand kann an dem Ergebnis deuteln. Auch in diesem agrarischen Wahlkreise hat die große Mehrheit des Volkes sich gegen den Zolltarif erklärt. Unter der Parole gegen den Brotwucher zieht der 38. Socialdemokrat in den Reichstag, da der Breslaucr erledigte Sitz für uns sicher ist. Uetzte UtaitzviMen und Depesiizen. Fulda, 28. Januar.(W. T. B.) Amtlich»vird qemcldet: Heute nachmittag nach'/24 Uhr»vnrde zwischen den Stationen Kerzell und Bronzell auf den Schnell- z u g 15 ein Schns) abgegeben. Die Schiißrichlmig war der Fahrtricbtiing entgegengesetzt, so daß die Kugel die vordere und hintcre Scheibe des erkerarlig vorgebauten Ausgucks für de» Pick- nieister durckilochte. Es wurde niemand verletzt. Die Untersuchimg ist veranlaßt. Paris, 28, Januar.(W. T. B.) Die Deplitiertenkamnier »ahm in ihrer Vormittagssitziiug die Vorlage betreffend die Her- stellmrg von schiffbaren Wegen und die Verbefsernng von Kanäle» und Häfen mit 491 gegen 48 Stimmen an. Die Vorlage bezweckt hauptsächlich den Ausbau der Häfen von Düiikircheu, Boulogiie, Dieppe, Havre, St, Nazaire, Nantes, Bordeaur, Bayonne, Cette»nid Marseille, sowie den Bau eines Nordost-Kaunls, London, 28. Januar.(W. T. B.) Heute sind im Distrikt von London 53 neue F ä l l e von Erkrankung an Pocke» vor- gekommen; es ist das die höchste bis jetzt festgestellte Ziffer. Auch aus verschiedenen Ortschaften der Provinz»vurden mehrere Fälle gemeldet. New Jork, 28. Januar,(W, T B.) Bei der gestrigen Dl)nam it- explosiv n in der 40. Straße sind nach den hiesigen Feststellimgeir 6 Personen»uns Leben gekommen, darunter 3 Gäste des Hotels Murrayhill. 75 Personen»vurden s ch>v e r mid gegen 1 00 leicht verletzt, darunter viele Besucher und Angestellte des Hotels Mnrrayhill.___. g in Berlin, Hierz« 2 Beilagen«. IliiterhaltnugSblatt. üt. 24. ig. mm**. i. WlM iles„Wlililllts" Kerlimr Mksllllltt. Mwch.29 I..,Mi»«2. Veichsksg» 428. Sitzung vom Dienstag, 28. Januar 1902, nachmittags 1 II h r. Am Bnndesratstisch: Graf P o s a d o>v S k h. Das Haus ehrt das Andenke» des versiordenen Abg. v. Klinckolv st r ö mv a r t e n l ä ß t. Wir hoffen, daß die Entscheidung nun bald fallen wird, und zlvar niit einem klaren unziveidentig bündigen Nein. Abg. Blos(Soc.): Unsre Stellung zur Jesuitenfrage ist die alte. Ich habe also nicht viel zu sagen. Die Ausführungen, die Graf Posadoivsky hier in Stellvertretung des Reichskanzlers gemacht hat, deuten nicht darauf hin, daß die Antivort bald erfolgen wird. Denn wenn sie vielleicht auch noch in dieser Session kommt, so dauert diese Session doch sehr lange, bis nämlich der Zoll- tarif fertig ist.(Heiterkeit.) Wenn wir nun auch durchaus nicht mit dem Interpellanten die Jesuitenpatres alle für joviale Erscheinungen halten, so stimmen wir doch mit ihm darin überein, daß die Zulassung der Jesuiten d u r ch a u s ungefährlich i st. Wenn es Leute giebt, Ivelche sich vor den Jesuiten fürchten, j'o geschieht ihnen recht, ivenn ihnen_ von den Jesuiten das Fell über die Ohren gezogen wird.(Heiterkeit.) Herr Spahn hat erklärt, daß die Jesuiten frage mit dem Zolltarif nichts zu thnn habe. Wir wollen das ab- warten. Sollte infolge der heutigen Erklärung des Reichs- kanzlers der Z o l l t a r i f n i ch t zn stände kommen, so würden wir gewiß nichts dagegen haben. Wenn Sie (zum Centrnm) das Jesnitengesetz aber beseitigen wollen, so möchte ich Ihnen ein e infa ch es M i t t e l angeben. Sie brauchen dabei der Regierung nicht einmal Schwierigkeiten in den Weg zn legen. Die Regierung treibt jetzt Wellpolitik und braucht dazu eine Flotte. Kolonien, Platze an der Sonne. Da sie das alles braucht, hat sie auch eine Bcwilligungspartei«ans pkrass nötig, und es ist nicht zu leugnen. daß diese Bewillignngspartei in de» letzten Jahren wesentlich vom Centrum gebildet wurde. Ich rate Ihnen nun, daß Sie alle als Mitglieder in den Jesuitenorden eiu- treten, dann werden Sie sehen, wie schnell die Re- gier un g sich zur Aufhebung des Jesu itengesetzes v e r st e h t.(Stürmische Heiterkeit.) Abg. v. Standy(l): Ich habe namens meiner Partei die folgende Erklärung ab- zugeben: Auch wir wünschen, daß die Regierung zu B e- s ch l ü s s e n des Reichstags schneller Stellung nimmt, als dies bisher in manchen Fällen und spcciell in der Jesuitenfrage der Fall war. Wir erwarten aber keine zustimmende Antwort von der Regierung.— Die überwiegende Mehrzahl unsrer Partei kann dem Zweck der Interpellation nicht zustimmen. Wir bedauern das, denn es entspricht unsrem Empfinden, Anforderungen, die auf religiösem Gebiete gestellt werden, uns nicht zu verschließen. Die große Mehrheit unserer Bevölkerung sieht aber in der Zulassung der Jesuiten eine Gefährdung des konfessionellen Friedens. Ein Teil meiner politischen Freunde ist bereit, d e»§ 2 des Jesuitengcsctzes aufzuheben, der andre lehnt auch dieses ab', weil er glaubt, daß diese Acnderung das Ziel des Gesetzes in Frage stellt. Abg. Fürst Radziwill(Pole) stimmt dem Antrag auf Zulassung der Jesuiten z u. Das Jesnitengesetz ist ein trauriger Rest ans der Zeit des Kulturkampfes. Ehe dieser Rest nicht weggeräumt ist, wird innerhalb der katholischen Bevölkerung nicht Ruhe und Frieden einkehren. Wir hegen noch immer die Hoffnung auf eine andre Beantwortung durch die Re- gicrung, als sie von dem Vorredner erwartet wurde. Die katholische Bevölkerung muß es als tiefe Kränkung der Kirche ansehen, wenn der Staat darüber bestimmen will, Ivic die Kirche ihre Souveränetät auf ihrem eigensten Gebiet ausüben will.(Bravo! im Centrum.) Abg. Biising(nntl.): Auch ich habe im Namen meiner politischen Freunde eine kurze Erklärung abzugeben. Wir bedauern mit den Interpellanten, daß der Bundesrat eine verzögernde Behandlung der B e s ch l ü s s e d e s N e i ch s t a g e s in der Jesuitenfrage hat eiu- treten lassen. Auch wir, die wir die N u f r e ch t e rh a l t u n g des Jesu itengesetzes für notwendig erachten(Unruhe im Centrnm), müssen den Wunsch aussprechen, daß der Bundes- rat eine klare Haltung in dieser Frage einnimmt.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalcn.) In der Sache selbst sind wir der Ansicht, daß im Interesse der Aufrechterhaltung des konfessionellen Friedens in unsrer konfessiomll�emischten Bevölkerung die Jesuitcn-Niederlaffttugen niclit zuzutassen sind.(Unruhe im Centrum.) Ein Teil meiner poli fischen Freunde ist bereit, der Aufhebung des K 2 des Jesuitengesetzes zuzustimmen, weil er sehr selten a"gewcndel worden ist, während ein andrer Teil auch die Auf- rechtcrhnllung dieses Paragraphen wünscht. Abg. Schräder(frs. Vg.): Dem ersten Teil der Erklärung des Vorredners kann ich mich anschließen; auch wir bedauern lebhast, daß der Bundesrat nicht eher Anlaß nimmt, zu den Beschlüssen des Reichstags Stellung z» nehmen. Was unsre Auffassung des Jesuitengeietzes anlangt. so haben wir keine» Anlaß. in eine Diskussion darüber einzutreten. Wir haben unsre Auffassung in Beschlüssen seiner Zeit niedergelegt. und nichts hat sich daran ver- ändert. Ein Teil meiner politischen Freunde ist der An schauung, daß das ganze Geictz aufzuheben ist, ein andrer will nur den ß 2 aufheben. Zur Verteidig»»� eines solchen Ausnahmegesetzes müssen andre Gründe angeführt werden, als es bisher geschehen ist, und zwar dürfen dazu nicht geschichtliche That- fachen dienen, sondern Vorgänge, die in der Gegenwart liegen (Sehr richtig! im Centrum.) Vor allem wünsche ich, daß bald ein Beschluß des Bundesrats erfolgt, dainit das auf mehreren Seiten vor handene Mißverständnis beseitigt wird. Die Beschlußfassung des Bundesrats sei von Rücksichten abhängig, von d e n e n s i e n i ch t abhängen sollte.(Lebhafte Zustimmung im Centrnm.) Die Katholiken haben ein Recht darauf, daß diese Frage nicht mit andern Fragen verknüpft wird.(Lebhabte Zu- stimmung ini Centrnm.) Abg. Richter(frs. Vp.): Den Ausführungen des Vorredners kann ich mich durchaus anschließen. Die Stellung meiner Freunde zu der Sache selbst ist unverändert geblieben. Wir sind übereiustimuiend der Ansicht, daß d�ie Beschränkungen des Z2 aufzuheben sind, in e z u g auf§ 4 sind die Ansichten geteilt. Abg. Dr. Bachem(C.). Ich muß mich zunächst mit denjenigen beschäftigen, die der Auf Hebung des letzten Ausnahmegesetzes widerstrebe», zunächst mit dem hohen Bundesrat.— Der Herr Reichskanzler hat sich heute vertreten lassen. Die Gründe für sein Fernbleiben bei einer so überaus wichtigen Angelegenheit sind uns nicht bekannt gegeben worden.(Sehr richtig! im Centrum.) Da ich nun nicht sagen will— ich kenne die Gründe des Herrn Reichskanzters nicht, aber ich mißbillige sie (Heiterkeit), so will ich annehmen, daß der Herr Reichskanzler wirk- l i ch Gründe für sein Fernbleiben gehabt hat.(Heiterkeit und sehr gut! im Centrum.) Ganz abgesehen von seiiiem Nichterscheinen hat aber der Herr Reichskanzler heute auch nur das Mini m u in von Vertretung prästiert, was überhaupt denkbar ist. Graf Posa- dowsky hat uns eine Erklärung verlesen und ist dann wieder verschwunden, llm so mehr freut es mich, daß wenigstens von den übrigen Herren Bundesrats Mitgliedern heute eine Anzahl a n s h ä l t. Vielleicht haben die Herren eingesehen, daß es nicht genügt, nur Telegramme ans der Heimat zn empfangen und danach einfach m i t j a oder nein zn stimmen.(Sehr gut! im Centrnm.)(Staats- sekretär Graf Posadowsky betritt den Saal.)— Zunächst muß ich konstatieren, daß der Herr Stellvertreter des Reichskanzlers wieder erschienen ist.(Große Heiterkeit.) Da also, was ich eben als böse Vermutung aussprach, nicht zugetroffen ist, nehme ich meine Bemerkungen dankbar zurück.(Abg. Singer ruft: Hierbleibe»! Heiterkeit.) Ich hoffe, daß Graf Posadowsky unsre Gründe nun auch im Bundesrat mitteilen wird. An die übrigen Herren vom Bundesrat richte ich die F r a g e, ob sie sich wirklich die uculiche Aeufterung des Herr» Neichskauzlcrs über die Stellung der BmideöratSinitglieder gefalle« lassen wolle«! Eine solche Herabsetzung hat wohl noch kein Bundesrat schweigend er- tragen. Nach der Darstellung des Herrn Reichskanzlers ist er nichts als ein Phonograph, der die Telegramme auf die Walze nimmt und dann herunterschluckt, bald ja, bald nein, ivic's fällt.(Heiterkeit.) Seit sechs oder sieben Jahren liegt der Beschluß des Reichstags vor und bis heute soll sich der Bundesrat noch immer nicht zu einer Entschließung haben ermanuen können. Graf Posadowsky hat als Gründe der Nichtzulassung nichts anführen können als vage Besorgnisse der evangelischeu Bevölkerung, ver- ursacht durch nichts als einen Berg von Verleumdungen.(Sehr gut! im Centrnm.) In den„üblichen Formen" soll uns die Antwort zugehen. Das heißt nichts andres als: die S e s s i o n wird geschlossen, und dann wird uns das übliche Akten- t ü ck vorgelegt, worin steht. welche Stellung der Bundesrat zu den einzelnen Anregungen des Reichstages eingenommen hat, (Sehr richtig l im Centrnm.) Auch Herr Standy fürchtete Beim- ruhiguna der Bevölkerung. Man darf sich doch aber in einer solchen Sache nicht auf romanhafte Befürchtungen stützen, sondern muß auf Grund von Thatsachcn der heutigen Zeit seine Stellung nehmen.(Sehr richtig I im Centrum.) Wenn Sie die Jesuiten nicht zum ehrlichen Kampf zulassen, fühlen Sie denn nicht, daß Sie sich selbst ein Zeugnis der Schwäche ausstellen?(Sehr wahr I im Centrum.) Wir haben noch nie verlangt, daß der Freimaurerorden polizeilich chikaniert werde. Gehen' Sie doch nach dem Ausland. Dort sind ja die Jesuiten zugelassen, ohne daß sich irgend welche Störungen daraus ergeben haben.(Sehr richtig I im Centrnm.)— Sieht man sich die Hand- habnng des Jesuiten'gesetzes in den Einzelstaaten an, so muß einem wirklich die Galle überlaufen und dem katholischen Volk ist schon oft die Galle übergelaufen.(Sehr wahr! im Ccntrnm.) Die Be- Handlung des Jesuiten, der preußischer Nntcrthan Ivar und sich nicht das geringste hatte zn Schulden kommen lassen— Herr Spahn er- wähnte bereits diesen Fall— muß geradezu brutal genannt werden. (Lebhaftes Bravo I im Centrum.) Wir verlangen die Aufhebung dieses Ansnahmegesetzcs auch im Interesse des gesamten Deutsche» Reichs, das nicht ein R e ch t s st a a t genannt werden kann, so lange ein Teil des Volkes außerhalb der Gesetze st cht. (Bravo I im Ccntrnm). Gerechtigkeit überall auch für die Jesuiten. (Lebhafter Beifall im Ceutrum.) Abg. Tclsor(Eis.): Wir Elsaß-Lothringer haben besonders wenig Ursache Freunde einer Ansnahmegesctzgebung zu sein. Das Jesuiten- g e s c tz ist ein Bruder des Diktaturparagraphen. (Sehr wahr I links.) Wir verlangen daher die Auf- Hebung dieses Ausnahmegesetzes, das uns auch in unsccn religiöse» Gefühlen verletzt. Wir hoffen, daß die Antwort des Bundesrats bald und im Sinne der Freiheit der Kirche erfolgen wird. Abg. Stöckcr(wildkons.): Herr Bachem hat behauptet, daß die Poiemik des Evangelischen Bundes gehässiger sei als die der Jesuiten. Ich bin für die Freiheit beider Kirchen (Bravo!), aber ich muß sagen die ,G e h ä s s i g k c i t beider kirchlichen Richtungen ist leider gleich groß. Mein Ideal liegt in den Anfängen deS vorigen Jahrhunderts, wo jede kirchliche Richtung das Gute bei der andren anerkannte.(Bravo!) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich muß der Auffassung des Herrn Abgeordneten Bachem in Bezug auf die staatsrechtliche Stellung des Bundesrats entgegentreten. Was der Herr R e ichskanzler seinerZeit in dieser Beziehung gesagt hat, entspricht durchaus der verfassungsmäßigen Natur dieser Körperschaft. Der Bundesrat ist kein Parlament, kein Oberhaus, die Mitglieder desselben haben nicht ihre persönliche Ansicht zu vertreten, sondern der Bundesrat ist die Vertretung der deutschen Fürsten und Staaten, welche nach dem Inhalt des eingangs der deutschen Reichsverfassuug den völkerrechtliche» Bund des Deutschen Reiches geschlossen haben. Daraus folgt, daß zwar im Bundesrat die Vertreter der einzelnen Regierungen auch ihre persönlichen Anffaffungeu, die Gründe für oder gegen eine Vorlage oder eine Maßnahme des Bundesrats geltend macheu könne», daß sie aber bei ihrer Schluß- abstimmung lediglich das Votnm abzugeben haben, das ihnen von ihrer Regierung vorgeschrieben wird.— Weiter ist mir von einem Herrn Abgeordneten der Linken vor- geworfen worden, meine Erklärungen, die ich früher ab- gegeben habe über das st a a t I i ch e Verhältnis des Reichskanzlers zum Bundesrat, sei abweichend von meiner Erklärung während der Debatte über den Etat des Reichsamtes des Innern. Auch das i st nicht richtig. Die Sache vollzieht sich im Bundesrat derart, daß der Reichs- kanzler oder auch eine einzelne Regierung einen A n trag beim Bundesrat einbringt. Der Bundesrat prüft diesen Antrag. berät ihn, ändert ihn in vielen Fällen ab. Das Plenum macht sich dann über diese Vorlag« der Ausschüsse schlüssig. Der verantwortliche Reichs- kanzler steht dann vor der Frage, ob er geneigt ist, diesen Beschluß des Bundesrats z n vertreten und danach die politische Ver antwortlich kcit für den Beschluß mit z n übernehmen oder nicht. Eine derartige Stellung des Reichskanzlers gegenüber dem Bundesrat, daß er verlangen solle, seine Vorlage würde unverändert angenommen, ist vollkommen ausgeschlossen. Das würde das Ende des föderativen Princips des Reiches sein und würde weilergehen, wie ein Minister» Präsident sogar gegenüber seinem Staatsministerium gehen kann. Der Reichskanzler ist auch uichtin derLage, jedem abändernden Beschlüsse des Bundesrates gegen- über die Kabinettsfrage, zu stellen. Der Fall kann eintrete», obgleich er ä u ß e r st u n w a h r s ch e i n I i ch i st.(Abg. Singer:„Sehr unwahrscheinlich!" Heiterkeit.) Es ist möglich, daß der Bnndcsratsbeschluß in einem solchen Wider- spruch steht zu der Auffassung deS Reichskanzlers, daß er daraus eine Kabinettsfrage machen kann, aber das wird immer ein Ans- »ahmcfall sein, denn Bnndesratsbeschlüsse kommen nach reiflicher Erwägung und eingehendem Meinungsaustausch zu stände. Auch mit meinen letzten Ausführungen habe ich nur gesagt, daß für die Politik, die im Reiche getrieben wird, nicht nur ein einzelner Beamter verantwortlich ist, sondern die gesamten ver- bündeten Regierungen. Das entspricht dem Gedanken, ans dem das Deutsche Reich als ein föderatives Staatsgebiet enl- standen ist. Abg. Dr. Bachem(C.): Ich habe meine Vorwürfe gar nicht so sehr gegen den Herrn Reichskanzler als vielmehr vor allem gegen die Herren Bundesrats Mitglieder erhoben. Ich habe bisher doch eine etwas höhere Anschauung von der Bedeutung des Bundesrats gehabt als sie Graf Posadowsky eben vertreten hat. Wenn seine Anschauungen richtig wären, dann w ii r d e n j a d i e einzelnen Regierungen gar nicht nötig haben, so hervor- ragende Vertreter sich auszuwählen(Heiterkeit), dann könnten sie ja schließlich eine» ganz gewöhnlichen Geheim rat hierhersende»(Erneute Heiterkeit) und ihm einfach ein Expose zusenden, wonach e r zu handeln hat. Das geschieht aber nicht, weil sich eben die heimischen Regierungen durch ihre in Berlin an- wesendcn Vertreter über die Stimmung des Reichstags orientieren lassen. Das ist ein überaus wichtiges Moment. Wenn das nicht funktioniert, dann funktioniert die ganze llteichs- Maschine nicht.(Bravo! im Centrum.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Ich freue mich, nieine Ueber- e i n st i m m u n g mit den Ausführungen des Grafen Posadowsky konstatieren zu können. DaS Entscheidende ist, daß für uns der Reichskanzler der Verantwortliche ist. Mit ihm haben wir abzurechnen und er wird uns seinerseits die Gründen»zu geben haben, ans denen die Stellung des Bundesrates sich ergiebt. Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt. Hierauf wird die zweite Beratung deS Etats des Reichs- anitS des Juuern(Tit. Staatssekretär) fortgesetzt. Abg. Stolle(Soc.): Die Fortschritte unsrer Socialreform sind wirklich außer» ordentlich gering, aber nicht einmal die b e st e h e n- den B e st i in ni n» g e n zum Schutze der Arbeiter werden i» n e- gehalten. Das geht aus den Berichten der Gewerbeauffichts-Bcaniten klar hervor.— Nach de» Bestimmungen der Gswerbe-Ordnung dürfen U e b e r st u n d e n v o n Arbeiterinnen iinr mit Ge- nehniiguilg der«ntcvcn VerlvnltuWSbehörden verlanxit werden. In Sachsen sind jedoch solche Ueberstnnden von diesen Behörden in überaus großem N in f a» g e zugelassen worden. Gerade in der heutigen Zeit der Arbeitslosigkeit sollten doch aber zmu mindesten Ueberstnnden nach Möglichkeit vermieden werden. (Sehr richtig! bei den Socialdcniokratcn.) In ihrem Hunger nach Ueberstnndenarbeit schrecken die Unter- nehmer, gestüht ans die Macht des Centralvcrbandes, vor keiner Gewallthat zurück. Das haben erst jüngst die M c e r a n e r Weber erfahreii. Kurz vor Weihnachten sollte in einer Fabrik. die 5—600 Arbeiterinnen beschäftigt, eine Stunde länger gearbeitet werden. Die Arbeiterinnen wehrte» sich gegen diese Zumutung, die in einer Zeit gesiegt wurde, Ivo die Frauen zu Hanse besonders viel zu thun haben. Sie legten die Arbeit nieder. Daraiifhin setzten sämtliche Fabrikanten, die dem Central- verband angehöre», ihre Arbeiter— S au der Zahl— oufö Pflaster. Natürlich wurden dadurch auch alle kleinen G e- s ch ä f l s l e u t e geschädigt. Das ist- so der Schutz des Mittel- st a n des, von dein Herr Dr. Ocrtel so schöne Worte zu machen versteht. Der Centralverband kennt keine Gnade. Die Ar- beiter mußten zu Kreuze kriechen, hieß es doch schon, daß aus der n ä ch st e n G a r 11 i s o n st a d t ein Regiment Soldaten herbeigeholt werden würde, um mit blauen Bohnen den Arbeitern zu bciveisen, daß sie sich zu fügen haben.(Hört! hört! bei den Socialdcmokratcn.) Ein Fabrikant, an dessen Mensch- lichkeit oie Arbeiter appellierten, erklärte offen:„Ich würde ja nach- geben, aber ich kann es nicht: ich bin durch eine Kon- v e nt i o n a lstra fe von 1000 M. g e b u n d en." Das kann sich natürlich nur der Cciitralvcrband erlauben. Was würde wohl der Gctverkschast geschehen, die durch Koiiventional- ftrafe» ihre Mitglieder zur Teilnahme air einem Streik anhalten würde? Ein solches Vorgehen der Unternehmer ist geradezu g e- m e i n g e f ä h rli ch. Bei solchen Zuständen sollte man nicht i» so hohe» Tönen von der deutschen Soeialreforin sprechen.(Sehr richtig I bei den Socialdemokratcn.) Was von der Ucbcr- arbeit gilt, gilt auch von der S v» n t a g s a r b e i t. Die Mit- teilunge» der Fabrikinspektoren zeigen, wie vielfach von den unteren Verivaltiingsbehörden die Genehmigung zur Sonntagsarbcit erteilt wird. So ist im Glauchaner Bezirke' an 42 Sonntage» diese Genehmigung erteilt worden. Was bleibt von den Bestimmungen da noch übrig, wenn man an so viel Sonntagen die Arbeiter zivingt, Arbeit zn leisten! Die Gründe für diese zahlreichen Konzessionen liege» für jeden ans der Hand, der ins gewerbliche Leben hineinblickt. Die Stadträte und B ü r g e r m e i st e r in den Jndustriegcnieindcn Sachsens sind an der Industrie durch Aktienbesitz interessiert. Da ist es nicht verivnnderlich, wenn sie so bereit- willig die Ueberstnnden und die Sonntagsnrbeit genehmigen. Eine Abhilfe kann nur geschaffen werden, wenn den untcren Per- »ualtnngsbehördcn dieses Recht genommen und ausschließlich den Anfsichtsbeamten erteilt wird. sSchr richtig! bei den Soc.) Zu der Ueberstmidcn- und der Sonntagsarbeit kommen nach den Berichten der sächsischen Inspektoren noch andre Uebertretnngen der Geiverbc-Ordnnng. die zum Teil durch die Arbeitsordnung festgelegt werden. So berichtet der Leipziger Inspektor, daß den Arbeitern einer Fabrik durch die Arbeitsordnung ein Lohnabzug für Oel und Beleuchtungsziveckc auferlegt wurde. Aehnlich berichtet auch der Chemnitzer Getverbe-Jnspektor. Er hebt hervor. daß die Arbeiter selbst nicht wüßten, daß sie sich solche Lohn- abzöge nicht gefallen zu lassen brauchen. Der Grund liegt in der mangelnden freien B e tv e g u n g für die Arbeiter. In vier Orten des Bezirks Chemnitz ist es den Arbeitern unmöglich gemacht. Bersamnilmigen abzuhalten. Im Glauchauer Bezirk steht den Arbeitern nicht ein größeres Lokal zur Verfügung, ihre G e- werkschaftSversammlungen werden als öffentliche Versammlungen behandelt. Der Bund der Land- Wirte aber darf sich ganz ungehindert ausbreiten und Vcrsamm- Imigen abhalten; das nennt man in Sachsen: Gleiches Recht für alle. Ueber mangelhafte U» f a l I v e r h ii t u n g e n berichten die Berichte der Fabrikinspektoren aus den industriellen Provinzen Preußens, so aus Breslau, Elbing und Magdeburg. In eineiii Jahr sind auf dem Schlachtfeldc der Industrie 8 Tote und über 90 000 Vertvimdetc gefallen. Wo sind u n s r e Patrioten, die sich über den T r a n s v a a l k r i e g so e n t r ii st e n, warum sorgen sie hier nicht für Abhilfe?(Sehr richtig! bei de» Socialdemokraten). Der Breslauer Bericht und auch der Magdeburger Iveist vor allen» auf die zahllosen Betriebsunfälle hin, die auf den Bauten vorkommen. Der Magdeburger Inspektor beklagt sich, daß die unteren Verwaltungsbehörden sehr mangelhaft über solche IIn- fälle berichten, daß sie erst nachträglich auf Zeitungsnachrichten hin dazu aufgefordert iverden müßten. Er sagt, daß für die Sicherung der Arbeiter gegen Unfälle auf den Bauten durch die Unfall- Verhütnngs-Vorschriften der Banbernfsgenossenschaften nicht genug gesorgt sei. Auch hier thut dringend Abhilfe not. Die Berichte zeigen, daß noch sehr viel zu thun ist, daß von einer ivirklichen Socialreform nicht die Rede sei» kann. DasReichs- a m t d e s I n n e r n informiert sich zu>v e n i g. Als die Bau Hand iverker hier ihre» Kongreß abhielten, hat der Staatssekretär keinen Beamten zur Entsendung nach dem Kongreß übrig. Jetzt wird er wohl auf die Berichte der Gelverbe-Jnspcktoren sich näher informieren. Wir wollen es wenigstens hoffen. Wenn dem Verlangen der Arbeiter nur teilweise nachgekommc» wird', wird sich ein Bericht, wie ihn der Magdeburger Geiverbe-Jnspektor gegeben hat, nicht wiederholen brauchen. Auch über das Lehrlings- Iv e s e n im B a u g e iv e r b e geben die Berichte ein trübes Bild. Herr Ocrtel ereiferte sich für den Befähigungsnachweis und das Jiinungswesen. Aber in Sachsen hat nian die Bau- Getver beschulen einrichten müssen, weil bei Jiinungsmeistcrii die Lehrlinge absolut Uligcniigeiidcs lernten. Herr Oertel scheint mit den Verhältnissen in seinem engeren Baterlande nicht sehr vertraut zu sein. Vielfach fehlt bei den Bau-Unternehmern die scharfe polizeiliche Ueberwachung, die die Arbeiter gewöhnt sind. Die Berichte ergeben weiter, daß so und so viel Tausend Anlagen im Jahre nicht ein einziges Mal revidiert ivorden sind. Was kann in diese» Anlagen nicht alles passieren? Am Sonntag und des Nachts waren die Revisionen auch in den Betrieben nur gering, Ivo viel Nachtarbeit und Sonntagsnrbeit geleistet werden mußte. Der Inhalt der Berichte über die K i n d e r a r b e i t ist erschrecklich. In Sachse n sind Schulkindc«: außerhalb ihres Schul- Unterrichts noch bi« 7, 8, ja bis 12, 13 Stiiiidci« täglich gewerblich thätig.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Auch keinen Sonntag giebt es für die Kinder. Die Broschüre eines Schuldirektors hat diese Zustände an dieOeffeiitlichkeit gezogen. Der Verfasser hat auch die Kinder nach den Ursachen gefragt, weshalb sie denn so viel arbeiten müssen. Da heißt es: die Eltern tot, Mutter Witlve, Vater arbeitslos usw. usw. Sie beklagen sich über die Zustände in den Konzentrationslagern in Südafrika, in denen Franc» und Kinder hinsterben. Vor Ihrer eignen T h ü r e, im e i g n e n L a n d e i st a b e r d i e Kindersterblichkeit viel größer als selbst in den Konzentrationslagern. Wenn Sie Ihre» Patriotismus beweisen tvollen, dann sorgen Sie hier für schleuiiigste Abhilfe im Interesse des Wohles und des Glücks der heran- wachsenden Menschheit.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Sächsischer Bimdesratsbevollmächtigter Dr. Fischer: Der Vorredner ist zunächst zu sprechen gekommen auf die Meeraner Arbeiteranssperrmig zu Weihnachten v. I. Die Verein- barung der Konventionalstrafe nuter den Arbeitgebern war eine rein c i v i l r e cht l i ch e Abmachmig, in die die Verwaltungsbehörden nichts hineinzureden haben. Die Arbeiter haben in dieser Beziehung dasselbe Recht wie die Arbeitgeber. Weiter hat Herr Stolle beklagt, daß von der Befugnis zur Ueberstundeuarbeit im Sinne des§ 138a der Gewerbe-Ordnung zu reichlich Gebranch gc- macht wurde. Die in Sachsen geübte Praxis ist aber eine gesetzliche. Nach der Gewerbc-Ordnung haben die unteren Verwaltungsbehörden das Recht, solche Befugnisse bis zur Dauer von zwei Wochen zu erteilen. Davon, daß der Getverbe-Jnspektor, wie Herr Stolle es verlangt, aus der Genehmigung auch gleichzeitig die Grunde zur Erteilung der Erlaubnis soll ersehen können, steht im Gesetz nichts. Es heißt im§ 138a nur:„Der Bescheid der unteren Vertvaltungsbehörden auf den Antrag ist binnen drei Tagen schriftlich zu erteilen." Der Geiverbe-Jnspektor ist doch auch nicht das Aufsichtsorgan der unteren Verivaltiingsbehörden. Ferner ist der Vorredner zu sprechen gekommen auf die Vereinsverhältnisse in verschiedenen sächsischen Bezirken. Wenn aber in einem Bezirk die Arbeiter nicht ini stände sind, ein VersanunInngSIokal zu erhalten, so können dafür die VerwaltnngS- behörden nicht, sondern dafür können nur dieGastivirte.(Lachen b.d. Soc.) Herr Stolle weiß auch von unsrer Begegnung vor 5 oder 6 Jahre» in Sachsen, daß das königliche Ministerium des Innern mit einer solchen Handhabung nicht einverstanden ist. Der vom Vorredner angezogene Bericht' eines Schuldirektors ist mir bekannt. Ich bin selbst früher Aintshnnptmann in Chenmitz gewesen und habe mich von den großen Mißständen besonders auf dem Gebiete der Hausindustrie überzeugen können. Meine Regierung ist sich dessen sehr ivohl bewußt und wird gern bereit sein, die Mittel zur Be- seitigung dieser Mißstände zu unterstützen. Dann ist Abg. Stolle»och ans die Revision der Fabrik- betriebe in Sachsen zu sprechen gekommen. Damit ist es eine cigentümlichc Sache. Sachsen steht in dieser Beziehung an der Spitze, und das ist de» Socialdeiuokratcn sehr unangenehm.(Oho I bei den Socialdemokrate».) Sagen Sie(zn den Socialdemokraten) es nur ganz offen: Was in Sachsen gut ist, das ist Ihnen unangenehm. (Lachen bei den Socialdemokrate».) In Sachsen werden pröccntuell die»leisten Betriebe revidiert. Herr Stolle hat wieder von dem schlechten Verhältnis zwischen den Gewerbe- Inspektoren und den Arbeitern gesprochen. Glanben Sie, daß die Gciverberäte und-Inspektoren schuld sind an den nicht ganz günstigen Verhältnissen zwischen ihnen und den Arbeitern? Die Berichte der sächsischen Gewerbe- Inspektoren haben mir ein sehr objektives Bild ihrer Thätigkeit gewährt. Schuld an den ungünstigen Beziehungen ist die Verhetzung gegen die G e Iv e r b e- I n s p e k t o r e n, die von einer gewisse» Seite erfolgt.(Zurufe bei den Socialdemokraten.) Wenn den Arbeitern jeden Tag gesagt wird:„Die Gewerbe-Inspektoren sind Eure g e s ch w o r e n e n F e i» d e"(Z u r u f bei den Social- d ein o traten: Das ist nicht wahr!), so glauben es die Arbeiter. Recht bezeichnend ist folgender Vorgang: Im Dezember vorigen Jahres wurde in Sachsen ein Vortrag über die lveibliche Fabrik- inspcktion gehalten. Sachsen hat ja mit dieser neue» Einrichtung bisher verzweifelt ivenig Glück gehabt. In der Diskussion nun über diesen Vortrag beklagte sich auch eine Fabrikinspektorin darüber, daß sie von einigen Ar beiterinnen belogen und betrogen worden sei. Da trat ein Arbeiter auf und sagte: Nach dieser Aeußerung der Dame ist das Band zlvischen ihr und den Arbeitern zerrisse», sie kann nicht mehr erivarten, daß Vertrauen zu ihrer Arbeit herrscht. Also wenn jemand es ivagt, die Wahrheit zu sagen, dann habe» die Arbeiter kein Vertrauen mehr zn ihm. Ich glaube, das ist sehr charakteristisch.(Widerspruch bei den Socialdemokraten.) — Bei der ersten Beratung des Etats wies Herr Südekuin darauf hin, daß vielfach Mitglieder von Bergbehörden im A n f s i ch t s r a t von B e r g iv e r k s g e s e I l s'ch a f t e n sitzen. Für Sachsen kann das jedenfalls nicht zutreffen, denn hier sind die Bestiinmiinac» in der Beziehung außerordentlich streng. Sogar für pensionierte Beamte ruht die Pension, so lange sie Rcmnnerationen als Aktionäre von solchen Privatgesellschaften be- ziehen. Herr Südekuin hat weiter erwähnt, ihm sei sogar von einem höheren sächsischen Regierungsbeauiten zugestanden ivorden, daß er mit seinerKritik recht habe und daß, ivenn derRegiernngsbeaiute unter solchen Zuständen zu leiden hätte, er auch Socialdeniokrat sein würde. Ich ivill Herrn Südekuin nicht der Unwahrheit beschuldigen, doch glaube ich, daß hier ein M i ß v e r st ä u d u i s vorliegen muß. Es' kann ja vor- kommen, daß ein sächsischer Regierungsbeamter mit gewissen Zuständen in gewerblichen Betrieben nicht zufrieden ist, aber eine solche Aenße- rung glaube ich so lange nicht, als mir nicht Herr Siidekim, den 51 a rn e n des betreffenden Beamten nennt.(Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Lachen Sie nicht, meine Herren, selbst der„Vorlvärts" hat dieselbe Enipfindung gehabt ivie ich; mir liegt sein Bericht vor. Dem Setzer oder dem Korrektor ist ivahrscheinlich die Sache ganz unglaublich erschienen. Es heißt nämlich in dem Bericht: Ein sächsischer höherer Arbeiter usiv. (Stürmische Heiterkeit.) Das läßt tief blicken I Abg. Pauli-Potsdam(wildk.) beschwert sich über die Handhabung des Gesetzes betr. die Bildung von Z w a n g s i n n u u g e n. Nur noch die kleinsten Betriebe iverden dem Handiverk zugezählt, alle irgcndivie leistnngsfähigcn Betriebe gelten als Fabriken. Dadurch wird die Bildung von Zwangsinnungeii ganz unmöglich gemacht, und das Gesetz damit für die Handwerker vollkommen illusorisch. Wenn das Gesetz keine andere Handhabung zuläßt, so muß es so schnell Ivie möglich ge- ändert iverden.— Redner wünscht weiter schleimige Regelung der Frage des Bcfähigungsnachlveiscs im Bangeiverbe.' Man hat Hin- zuzichung der Arbeiter bei der Baukontrolle gewünscht. Ich habe ja nichts dagegen, fürchte aber, daß die Arbeiter nicht unabhängig urteilen werden. Am besten eignen sich zur Baukontrollc die Fabrik- inspektoren. Ei» preußischer Regieruiigskoiumiffar giebt zu. daß die Nnterschciduiig zivischen Fabrik-»nd handwerksmäßigem Betrieb öfters große Schivierigkciten biete. Man bemühe sich aber, möglichst allen Wünschen gerecht zu werden. Abg. Dr. Esche(natl.) plädiert auf Grund der Veröffentlichungen des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke für eine iv i r k s a in e B e- k ä m p f n n g des A l k o h o l i S in u s. In allen Teiles des Volkes »lachen sich jetzt Bestrebungeii gegen den Alkoholismus geltend, aber von der Regierung ist auf diesem Gebiete noch io gut ivie nichts geschehen. Amerika hat seinen Ausschivung ivesentlich seiner energischen Bekämpfung des übermäßigen Alkoholgenusses zu verdanken. Wir ollten in dieser Beziehuiig von den Amerikanern, denen nian doch ivirklich nicht zu großen Idealismus zuspreche» kann, lernen. Die Wehrhaftigkeit unsrer Armee hängt ivesentlich von der Mäßigkeit ihrer Angehörigen ab.— Glücklicherweise haben nnsre Arbeiter die Bcdeutimg des Alkoholgenusics auch in Bezug auf die Unfälle in den Betrieben erkannt und es haben sich bereits eine große Anzahl ab st in enter Arbeitervereine gebildet. Sehr wünschenSivert wäre eine Verfügung, die den Fabrikbesitzern vorschreibt, für ihre Arbeiter stets frisches Trinkivasser vorrätig zu halten.— Ich bitte den Herrn Staatssekretär, auch die Regelung dieser Frage in sein reiches Arbeitsprogramm aiifziluehmen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Hierauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung: Mittivoch 1 Uhr.(1. Antrag B a s s e r m a n n (natl.) betr. laufmäimische Schiedsgerichte; 2. Anträge Rickert-Gröber betr. Aenderung des Wahlgesetzes; 3. Toleranzantrag Dr. Lieber(C.) (ziveite Lesung). Abg. Schräder(fcs. Vg.)(zur GeschäftSordnnng): Ich möchte nur dem Wunsche Ausdruck geben, daß die verbündeten Regierungen sich bei der Beratung des zweiten Antrages(Zuruf bei den Social- demokraten: aller!) vertreten lassen möchten.(Bravo I) Schluß 6V4 Uhr._ Das Ergebnis der LandtagS-Erfatzwahl in Gnben-Toran- Forst verschiebt sich nach der amtlichen Anszähluiig etivas. Der Konservative erhielt 310, der Liberale 321 Stimmen, so daß die Differenz 19 beträgt. An der Beurteilung des Experiments ivird dadurch nichts geändert. In der Angelegenheit der„Erfurter Tribüne" hat die Thüringer Agitationskomniisfion folgenden Beschluß gefaßt: „Die Agitationskommission erkennt das formelle Recht der Preß- kommission bezüglich der Kündigung des Genossen Grunwald an. Sie ist jedoch der Meinung, daß der Anlaß der Kündigung— die Uebernahine der Kandidatur Grnnwalds in Mühlhansen— so untergeordneter Natur gewesen ist, daß die äußersten Konsequenzen zu ziehen, nicht unbedingte Notivendigkeit geivesen wäre. Da Genosse Grunwald auf Be ragen erklärt hat, im Laufe der nächsten Monate sein Domizil in Erfurt aufzugeben, stimmt die Agitationskommission dem Vorschlage der Untersuchungskommission zn, daß Genosse Grunwald die Redaktion der„Tribüne" bis zum 1. Juli d. I. weiterführt. Die Agitationskoniniissioii erkennt an. daß beide in Widerspruch geratene Teile— Preßkomniissioii und Genosse Grunwald— durch ihr Verhalten und Handlungen in gutem Glauben gehandelt haben, der Partei nach bestem Ermessen zu dienen, inid bedauert nur, daß der Streit Formen gezeitigt hatte, die der Partei nur zum Schaden gereicht haben. Die Agitationskomniission erwartet deshalb, daß beide Teile sich bemühen, fernerhin im parteigenösstschen Geist kollegial mit einander zu arbeiten." Ein Parteitag fiir Heffen und Waldeck wird für den 9. März nach Kassel einberufen. Er wird sich neben den geschäftlichen mit kommunale» Angelegenheiten und mit der socialpolitijchen Gesetz- gebung beschäftigen.' Die socialistische Partei Frankreichs(JaursS und Genossen) hält ihren vierten Kongreß am 2. März in Tours ab. Das General- koniitee hat eine Kommission geivählt, die sich mit den Vorbereitungen für den Kongreß zu befassen hat. PulUriliches, Gerichtliche» usw.' — Fünf BeleidigniigSprozefse sollten am Sonnabend gegen den verantwortlichen Redacteur der„Volkswacht" in Breslau, Genossen K I ü h s, verhandelt werden. Im ersten Fall soll er Richter und Staatsanwalle beleidigt haben durch den Vorwurf der Rechts- beugtliig, der allerdings»i'cht wärtliih ausgesprochen war, der aber gefunden wurde in der Aueinauderreihiing zweier sehr stark diffe- rierender Urteile, an deren schiveren Strafen er selbst beteiligt ivar. Der Stantsanivalt beantragte in diesem Fall sechs Monate Ge- fäiignis, das Gericht erkannte auf Freisprechung, indem eS dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zubilligte. Weiter soll er einen Amtsboten, einen Polizeisergeanten und die Staatsanwaltschaft in Gleiwitz beleidigt haben. Für diese Thaten wurde er z» insgesamt sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Unterdes ivar es 12'/e Uhr nachts geivorden und Klühs mußte dem Gericht erklären, daß er wegen vollkommener körperlicher Erschöpfung der Verhandlung nicht mehr folgen könne. Deshalb wurde die fünfte Sache, Beleidigung von Richtern in Posen, auf den 18. Februar vertagt._ Socttttes. Schutz den Gastwirtsgehilfen. Die gestern bereits erwähnte Verordunng des Bundesrats, die dem Schutze der Gastivirtsgehilfen oder wenigstens eines kleinen Teiles derselben diene» soll, ist soivohl eine Schwergebnrt Ivie eine Mißgeburt. Bekanntlich wurden die Erhebungen der Kommission für Arbeiter- Statistik über die Lage der Angestellten im Gastwirtsgewerbe schon im Jahre 1393 vorgenomuien. so daß also ein Zeitraum von circa acht Jahren nötig war, um dieses lächerliche Mäusleiu von Arbeiterschutz zu gebären. Und es ist keiiiizcichucud für den Rückschritt, den unser doch gewiß seit je uicht radikale Socialreform seitdem gemacht hat, iveim man sich der Be- stimmungen der Bäckerei-Verordnung vom Jahre 1896 er- innert. Dort ist zwar auch nur eine nnunterbrocheiie Ruhezeit von acht Stunden vorgeschrieben, aber doch iveuigstens die Arbeitsschicht auf 12 bis 13 und eine habe Stunde begrenzt. Für die jüngsten Lehrlinge ist sie sogar um 2 Stunden kürzer, also auf 10 bis 11>/z Stunde begrenzr. Das ist noch immer viel zu viel, aber dem Gastivirtsgehilfen, dessen Thätigkeit. wenn man die schlechte Lust W den Restaurants und die oft fürchterliche Hetzjagd der Arbeit berück- fichtigt, niindcstens so gesundheitsschädlich wie die des Bäckers ist, gewährt man auch dies nicht einmal. Er soll 16 bis 17 Stunden in Anspruch geuonimeu werden dürfen. Die scheinbare besondre Wohlthat eines ganzen Ruhetages aller 2 oder 3 Wochen wird aber zum besonderen Fluche umgeivandelt dadurch, daß in der Ruhetags- woche jede Beschränkung der Arbeit an den übrigen 6 Tagen auf« gehoben wird.*) Welche» Sinn hat denn eine derartige Berordnung? Durch die Enquete der Konmiission für Arbeiterstatistik, die sich auf circa 12 000 Kellner und Kellnerinnen erstreckte, ist festgestellt ivorden, daß die tägliche Arbeitszeit bei etiva einem Drittel der Angestellten allerdings 16 Stunden überschreitet, es ist aber auch festgestellt ivorden, daß sie nur i» vereiiizeltcn Fällen 18 Stunden überschritt. Und das ist recht begreiflich. Eine 16 stündige tägliche Arbeitszeit überschreitet eben bereits die durchschnittliche physische Möglichkeit und kann innner nur von einzelnen und nur auf kurze Dauer ausgehalten werden. Wenn nun der Bundesrat 16 bis 17 Stunden tägliche Schichtdaner gestattet, so ändert daS an den thatsächlich bestcheiidcn Zuständen fast gar nichts. Und wenn in der ziveitcn Woche dem 24stiindigen Ruhetage zu liebe jede Beschränkung der täglichen Arbeitsschicht aufgehoben ist, so wird eben für diese Woche erst reckit nichts an den thatsächlichen Zuständen geändert, denn auch dieser ganze Ruhetag wird vielfach jetzt schon gewährt. Daß eine Nachtruhe von 8 und selbst 9 Stunden nicht immer ausreichend ist. den bei der Hetzarbeit in der heißen, rauch- und dunstgeschivängertcn Schenkenluft abgetriebenen Körper wieder völlig arbeitsfähig zu machen, hat selbst das in diesem Punkt sehr zaghafte Reichs-Gesundheitsamt in seinem Gutachten über die Gast- ivirtschaftsarbeit anerkannt. Die Blindesrats-Verordninig gewährt aber einem sehr großen Teil der Angestellten nicht einmal eine Nachtruhe von 8 oder 9 Stunden. Denn ein sehr erheblicher Teil der Kellner ec. namentlich in den Großstädten wohnt längst nicht mehr beim Wirt; er hat seine Wohnnng außerhalb der Arbeitsstätte und hat deshalb einen oft längeren Weg von und zur Arbeitsstätte zu machen, so daß ihm höchstens 6 bis 7 Stiniden Schlaf übrig bleiben. Die gelegentlichen Unterbrechnngcii der Arbeit am Tage, die ja nach der Verordnung mindesteiis 2 Stunden betragen sollen, aber nicht zusamnieiiznhängeil branchen, hat auch das Gesundheitsamt nicht als Ersatz für eine auS- reichende Bettruhe anerkannt. Ist also das, was jetzt als angeblicher Schutz der GastivirtS- gehilfen verordnet woiden ist, nicht einnial ausreichend, um seine Äörperkräfte zu erneuter Anspannung zu befähigen, ihm das zu geivähren, dessen Versagung man dem Pferde gegenüber als Tier- quälerei bezeichnen würde, so ist an eine Befriedigung geistiger und sittlicher Bedürfnisse, an ein Familieiileben erst recht nicht zu denken bei solcher Arbeitszeit. Und es steht fest, daß schon eine sehr große Anzahl der Kellner verheiratet ist. Im Kampfe gegen die Socialdemokratie ivird ja gar viel geredet von der Notwendigkeit, die Familie zn schützen gegen die angeblichen fa»iilie»störe»deii Tendenzen unsrer Partei. Hier hätten die CommiS der herrschenden Klasse die beste Gelegenheit zu zeigen, daß ihnen der Schutz der Familie mehr ist wie eine bloße Phrase. Für den Bundesrat dürfen bei seinen Erlassen ans§ 120ö der Gewerbe- Ordinnig allerdings nur Rücksichten auf die Gesundheit der Arbeiter maßgebend sein. Aber daß er auch aus diesen Rücksichten erheblich *) In den zwischenliegenden Wochen ist, ivie zur Berichtigmig der gestrige» Angabe erivähnt sei. außerdem eine sechsstündige Ruhe- pause einmal in der Woche zu gewähren in der Zeit zwischen 8 Uhr morgens und 10 Uhr abends, also am Tage. weiter gehen mußte, dafür haben schon die Erhebungen der Kommission für Arbeiterstatistik, das Gutachten des Reichs- Gesundheitsamtes und eine Reihe wisscuschaftlichcr Untersuchungen und Urteile uou Fachleuten genügend Beweise geboten; daß er es kann, beiveist die Bäckereiverordnung, und daß man die Notwendigkeit dafür einsieht, beweisen die gesetz- lichen Borschriften über die Beschäftigung der Ladenangestellten, deren Thätigkeit lange nicht so gesundheitsschädlich ist. wie die der Gast- Wirts-Gehilfe», die aber dennoch besser geschützt wurden. Den Bundesrat scheinen aber iveit mehr als die Rücksichten ans die Gesundheit der Angestellten die Rücksichten auf die Interessen der Gastwirte geleitet zuhaben, obwohl diese ebensowenig in den Kreis seiner Erwägungen für Erlasse aus§ 120ö der Gewerbeordnung gehören, wie die Rücksichten auf die geistigen und sittlichen Bedürfnisse, auf das Familienleben der Arbeiter. Die Gastwirtsgehilfen waren selbst außerordentlich bescheiden in ihren Forderunge»; sie verlangten zwar eine Arbeitszeit von höchstens 12 Stunden, doch sollte sie auf IS Stunden verteilt werden dürfe», wenn dazwischen 3 Stunden Pausen gewährt würden, in denen die Angestellten das Lokal verlassen dürfen, so daß eine neunstündige Nachtruhe herauskam. Für jugendliche Personen verlangten sie Nachtruhe von 10 bis 6 Uhr und höchstens 10 Stunden Arbeitszeit und jede Woche eine volle Ruhe von 36 Stunden. Diese wirklich bescheidenen Forde- ruugen hätte der Bundesrat im Siahmen seiner Befugnisse be- l willigen können. Die viel weitergehenden Forderungen, die der Socialpoliliker stellt, wozu unter anderm auch die wichtige Lohnfrage, der Kampf gegen das Trinkgcldumvesen gehört, können aller- dings nur durch Gesetz erledigt lvcrdcn. Um einen Gesetzcntivurf vorzubereiten, hätten doch wohl die 7 Jahre seit Beginn der Er- Hebungen genügen sollen. Den Einwand, daß der Bundesrat be- fürchtete, vom Reichstage kein solches Gesetz zn erlangen, kann er jedenfalls nicht machen angesichts der gänzlich wertlosen Bcr- orduung, die er selbst erlassen hat. D i e Mühe hätte er sich auch noch sparen können. Die Errichtung eineS städtischen Arbeitsnachweises ist von der Stadtverordueten-Bersaminlung in Brandenburg im Ein- Verständnis mit dem Magistrat beschlossen worden. Die Kosten für die Einrichtung wurden bewilligt, ebenso auf ein Jahr die Kosten für die Unterhaltung, die auf 2360 M. veranschlagt sind. Die Ver- iniltlung ist unentgeltlich. Es wird eine Abteilung für Männer unter einem männlichen Verivaltcr und eine Abteilung für Frauen unter einer Verwalterin eingerichtet. Die Aufsichtskommission ivird von den Gelvcrbegerichtsbeisitzen« gewählt. Die Mitglieder der Korn- mission erhalten Sitzungsgelder. Der Arbeitsnachweis beginnt seine Thätigkeit am 1. April 1902. Das Arbcitersekretariat in Gera war vom dortigen Stadt- rat als konzessionspflichtiger Gelverbcbetrieb behandelt worden. Das im Beschwerdewege angernscne reußische Ministerium hat diese Ent- scheidung aufgehoben und sich auf den vernünftigen Standpunkt ge- stellt, daß ein Arbciteysekrctariat kein Gewerbebetrieb sei. Die Landnrbeitcrlöhne in England sind unter dem Drucke der gegenwärtigen Konjunktur etivas gesunken. Nach den Berichten, die nus den ländlichen Grasschaftcn Cnmbcrland, West-Morland usw. über die Herbstvcrdiuguiigen vorliegen, sind die Halbjahreslöhne für Arbeiter I. Klasse um geringes, die der jungen Leute und Burschen um 20— 3P M.. in einzelnen Fällen um 10 M. zurückgegangen. Die Ursache war das stärkere Angebot, das wiederum eine Folge dcS schlechteren Geschäftsganges in der Industrie sein dürfte. Das An- gebot der Frauenarbeit war nicht größer als sonst; die Löhne blieben deshalb dieselben wie bisher. Die Löhne für ältere männliche Arbeiter bclicfe» sich für eine Halbjahrs-Vermietuug auf 3—400 M., für jugendliche auf 180—280 M., beides neben freier Kost, Logis»nd Wäsche._ Ecutral Verband der Handlungs-Gehilfen und Gehilfinnen Deutschlands(Bezirk Berlin). Heute abend 9 Uhr, Armiiihallrn, Konliiiandantenstr. 20. Vortrag: Ad. Hofsmann:„Aus was wir stolz sind." — Gäste willkommen. Für den Inhalt der Inserate nberniiumt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei VerantNiortiing._ Thrntvv. Mittwoch, 29. Januar. Opernhans. Der Freischütz. Ansang ?>/, Uhr. Schauspielhaus. König Richard der Dritte. Ansang 7'/- Uhr. Neues Ober»- Dhcater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Der Jongleur. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Lebendige Stunden. An- fang 7l/z Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7l/z Uhr. Lesfing. Aniphitryon.— Der eingebildete Kranke. Ansang 7>/z Uhr. Residenz. Die japanische Vase. Vor- her: Obasser-Croissz. Anfang D/z Uhr. Neues. Coralie». Co. Anfang ?>/- ltbr. Westen. Die Fledermaus. Anfang 7 Vi Uhr. Secessionsbnhuc. Detlev Lllien- crons Bmilcs Breill. Ansang 8 II Hr. (£. v. Wolzogcus Buntes Theater (Ucbcrbretil). Anfang 8 Nhr. Schall und Ranch. Vorstellung vor Serenissimus. Ans. S'/s Uhr. Drinnon. Lebende Lieder. Kleine Spiele. Ansang 8 Uhr. Central. Das süße Mädel. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7Vz Uhr. Luiseni Der Walzerkönig. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Das Jungfernstist. Anfang 8 Uhr. Nriedrich-WilhelnistädlischeS. Der rote Kosak. Ansang 7V, Uhr. Brlle-Zllliancc. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Ansang 7'/- Uhr. erphens. Speeialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Charivari-Brettl. Täglich Vor- stellung. Anfang 8 Uhr. Vtetropol.'ne seine Numiner. Speeialitäten- Borstellimg. Ansang 8 Uhr Illpollo. Speeialitäten-Vorstellung. Könlg Aqua. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Weihnachten. Mädchenjäger. Specialitäten-Vor- stellmig. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialttäteli- Vorstellung. Anfang nachmittags b Uhr. Passage- Paiioptikum. Speciall- täten-Borstellinig. Neichöhalle». Stetliner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Spectaltläten-Vorstellmig. Grojjstadtzanber. Ans. 8 Uhr. Urania. Tandeustr. 46/49.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Niviera. Im Hörsaal. Abends 8 Uhr: Küchenchciilie. Juvalidenstraste 37/02. Täglich; Sternwarte._ Wlltt-TlMttt (Walluer-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Her.longiciir. Posse mit Gesang in vier Abteilungen von Emil Pohl. D o N N e r s t a g a b- n d 8 U h r: ZKIn«Rinv kftvnsckleii. Freitagabend 8 Uhr: vei--Jonglunr.___ Ckiilral TIMtt. Heute Mittwochabend 7Vz Uhr: Das süße Mädel. Operette i» o Akten von H. Reinhardt. Donnerstag und Freitag, abends 71/2 Nhr: Das iiiste Mädel. Sonnabetidiiachmittag 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind wer: Schuectuillche» bei den sieben Zwergen.— Abends 7V, Uhr: Das süste Mädel.— Sonntagnachmfitag 8 Uhr, halbe Preise: Der Seekadett. Wd88-IIikk,tei'. C Gliche Franksnrierstr. 1:12. Ansang 8 Uhr: Das Jungfer,»stift. Operette in 4 Akten nach einer Idee des Paul de Kock von Ernest Gntiiot. Mnstk von Jean Gilbert. iniiuia itlichctti als Gast. Morgen: Das Jnugfertistift. IJüEülE: Tauben-Straese 48/49. Im Theater ora 8 Uhr: Früliliiigslage an der Riviera Im Hörsaal um 8 Uhr: Kliclionchcnilc. In i nlMcntitr. 57/OS. lägt. Sternwarte. Castans Panopticnm Frledrlch-Strasse 165. Ken!! Der bedeutendste PF* KrafKurner der Welt, der Berliner Alex Meyer Phänomenale Muskulatur! -» Anf. Sonnt. 3. Wochent. 5, Ende 11. Damen-Luftkampf ausgeführt von 12 jungen Damen. imon in seinen Zwerchfell erschütternden Bauerntypen. Neu! Sclundler, der phänomenale Mundharmonika-Virtuose. Michel Mayer, der stärkste Mann der Welt, zahlt IOOO Mk. dem, der seine Hautein nachliebt. 16 eriütkl. Knmiuern. Scliall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, den 26. Januar 1902, abends 8V2 Uhr: Vorstellung vor Serenissimns Familienidyll etc. E. von Wolzogens Kniitcdi Theater(Ueberbrattl) Köpuiekerstr. 68. Mittwoch, den 29. Januar 1902; lilna Abarbanell. Boxcna Bradslry u. Oskar Stranss. U. a.: Nora-Pnrodie. Keu! Pftngst- lied, Tanzduett, Musik von Kurt Schindler.— Anfang 8 Uhr. Palast-Thealer (früher Fee« Palast) Burgstr. t!2. Direkllon: iVlnkler it. Frödel. NV Rur noch bis Freitag''■&£ die bis jetzt einzig dastehende Ansstatinngs-Gesangö-Burleske Grohstadtzauber. Hugo Luftig: Dir. R. Winkler. Freitag, den 31. Januar: Sammerfeld-K enestz. vir. Willi. Frödel in der Operette Die süßen Mädel. Abschicds-Anftreicn der gesamten Knnst-Specialttäte» Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Sonnabend:.Wegen Privatfestijch feit geschlossen.-WrZ NABlISiSOfliel Kottbriscrstr. 4 a, Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: II 0 i Tin a»» s iorööfiitjrijc Tiiilger cu! Die ZUlerthaler. Ken! Die Polkaschuhe». Nach jeder Vorst. TÄ�liL. Eittrec 50 u. 75 Pf. Wochent. Ansaug 8 Uhr, Eniree 30 u. 50 Pf. Wochent. Vereinsbillets gültig und Tanz i>� Sene-AIHanee-Iheater. Die Diime aiis Trouville. Schwank m. Gesang u. Tanz i. 3 Akte». Emil Sondermann. Ferd. Worms. Mlzzi Birluer. Rosa Marlon. siierlink- Vs,« Pariser Lebensbild Hieraiis. � einem Auszug. Tilly Dellon. Danny Gürtler. Morgen u. folg. Tage: Dieselbe Vorst. Thalia- Theatsr. Dresdcucrstraste 7S/7Z. Henke und folgende Tage mit voll- ständig neuer Ausstattung: Seine Kleine. Grobe Berliner AusstatiungSpoffc mit Gesang und.Tanz i» 3 Akten. Paula Worin a. G., Guido Thiclschcr, Helmerding, Jnnkermaun, Paulmüller. Gerda Walde, Boje, Wannoviiis, Junker-Schatz. Anfang 7�2 Uhr. ioiropol-tatsr Themas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: '118 Burleske Ausstattnngsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildorn von Julius Freund. Im 4. Bilde: Frauchens Weihnachtstisch. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater. Letzte Woche: König Agua forner die vorzüglich. Speeialitäten Anfang 8 Uhr. Voranzeige. Montag, den 3. Februar 1902: Erstes Gastspiel des ges. Ensembles vom Berliner Centrai-Theater Das süsse Mädel. Girkus A Schumann. Mittwoch, de» 29. Januar, _ abends präcise 7i/s Uhr: Grande Solree equestre. Zum 117, Male: Rur noch einige Aufführungen des gröhlen u. glänzendsten Manegen- Schaustücks in 8 Alten OiikrhnrlhWlS. Vorher, nur noch einige Tage, die großartigen Januar- Speeialitäten. H. a.: Sensationelle Neuheit Mm Golem-Truppe. Neu! Ei» Märcheu aus 1001 Nacht. Neu! Die persische Akrobatcn-Trnppe. Neu! Jeux icarieus sur chnmeaux. Höchst interessante Entscheidungs- Rennen der saus den besten Fahrern Amerikas und Englands bestehenden Original- Stj cicle- Truppe. Heutiger Stand: Amerika 69•• iieglaud 61•• Direktor Alberl Schumanns neueste Origtnal-Diessnnn Die vorzüglichen mustkalischen Clowns Bim- Born?c. Mittwoch, 29. Januar, abends 7>/z Uhr: Gr. Vorstellung. Klomtike. Orig- Pantoinime des Cirkus Busch. Die räiselhasle Lemtesnse X._ Ii Groftse rie im Exerzierliaus (um Prenzlauer Thor) Lothriiigerstraste 1—7. Täglid, 3 große Vorstellungen. 4, 6 und BV, Uhr. Dressur mit Löwe», Tigern, Wölfen u. Hyänen, sowie Löwett-Rittgka,«pf und Fütternng um 4 u. Sl/2 Uhr. Eniree: I. Platz 1 M., II. Pl. 50 Pf., III. Pl. 25 Pf., Kinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen anf I. u. 2. Pl. die Hälfte, dem 3, Pl. 15 Pf. Die Direktion: Froese. T rianon- Theater Georgenstr., am Bahnhof Friedrlchstr. zwisch. Charlotten- u. Unlversitätsstr. I.cbende Lileder und kleine Spiele. Sonntagnachm. 4 Uhr; Neues Kinder-Theater(frilh. Künstler- haus) Tierspiele, Kinder-Quartett. An der Spandauer Brücke 3. J Grösst.VergnUgungsiokal Berlins |[nlernalionaIe Konzerte n. (speeialitäten-Vorstellnug Ausschank; Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. I Tägt. Jfatince von 12— 2 Uhr. Oekonom: Gustav Prelllpper. Leipzitferslr. 73174 »»» am Dönholtplatz.— Orieiit-Keisc mit der Lustyacht , Prinzessin Victotta hülse". Vor- stelluilgeu täglich 12, 2, 4, 6, 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. 7/2« Reichs hallen. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Casino-Theater. Lothriugerstr. 37. Nur noch bis Freitag das einzig dastehende Janilar-Programm. Rur noch bis Freitag: Weihnachten. Anfang Wochent. 8 Uhr, Soi»it.7>/z Uhr. Oharivan- Brett'l Alte Jakobs tr. 37. Pepi Weiss Helena Dyas Stella Ruth Albert Kühne Preise 1,00,2,00, 3,00 Mk. W. Klacks Theater. Brnnnenstrahe 16. Liebtstriliiill nni) Ermchen oder: Charlotte. Schauspiel in 5 Abteilungen von C. Lavarenz. Donnerstag: Unser Uebling. Roh-Tabak. 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Geburts- tage, ein dreimal doitiierudes Hoch: senden die centralorganisierteu Zimmerer vom Bezirk 8. j219b Die 24jährige Näherin M. D. be- findet sich infolge eines schweren Herz- und Augenleidens in großer Not. Noch bis in die letzten Tage hinein angestrengtest außer dem Hause thätig gewesen, ist sie hierzu nunmehr außer stände, bei ihrer Mittellosigkeit aber auch nicht in der Lage sich Pflege und den nötigen ärztlichen Beistand verschaffen zu können, so daß ihr Leben schwer gefährdet ist. Ihr Bruder, der sie srüher ab und zn mit kleinen Beträgen unterstützt hat, kann ihr infolge Arbeitslosigkeit seit mehreren Wochen nichts mehr geben. Der Unter- zeichnete, der zu näheren AnSküuften bereit ist, bittet daher, freundliche Gaben für die Unglückliche an ihn senden zu wollen. Victor Fracnkl, Rechtsauwalt, _ A n h a l t st r a ß Dr. Simmel, Prinzenstr. 59. Specialarzt für 3/18* Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 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Bäuntler, Apostel Paulusstraße 13, Quergeb. Hochp.— Ober-SchWnewcide: Otto John, Wilhelminenhosftr. 13. — ÄTieder- Schünewelde: Karl Weber, Cigarrengeschäst.— .Tohaunisthal: Paul Mann, Friedrichstraße 39, I.- Adlershof: Guftnn Hitze, Hackciibergstraße 8.— Köpenick: Friedrich W o i ck, Griinstraße 29.— Priedenan- Steglitz: H. Bern sc c, Kirchstr. 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppclstraße 8, und Fr. S ch e l l h a s e, Ahornstraße 15s,,— löanrnsehnienn'eg: Stock, Ernststraße 2, II.— Men-Weissen» see: Heinrich Bach m a n n, Lehderstraße 1, pari, links.— Rnnirneis» bnrg: F o r g b e r t, Prinz Albertstr. 5s. Außerdem ist sämtliche Parteilitteraiur sowie alle wisseiifchaftiichen Werke dort zu haben. AUH WerdkN Jnsewte M den„Vorwärts" entgegengenommen.. Bitte ansschneiden! Wo amtlelert man sieh Rrossartlg? In Schnegolebergs Feslsälen Inhaber: Max �clilndler Hasenheide 31 und Jalmstrasso 8. Heute: IM- Gvotzvv Vall verbunden mit Gigarren-, Boubou-Rege» und diversen Ueberrafchungen. Entree: Hiitnoehs frei, Sonntags IS Hf. Täglich: Specialltilten-Vorstellnng. Entree frei. 23258* Hax Schindler. Cirkus Reuz-Konzert-Tnnnel Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstllassige Dtrektion: Sonntags 5 Uhr. Spsolatltätsn. J. H. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung 'Brauerei Germania, mi« 1 Berlin O,, Frankfurter Allee 53, VII 2845. in sämtlichen eignen Ansscliank-Lokalen——— Moik-Mer 1« w- 10 w| Vs Tonne M. 3,50. [3334L*] 16 Vio-VIaschen H. 1,50. �9 -----~- MMMMM WWW Mtimt iioabltg_ Mittwoch, den 29, Jannar 1902, abends tthr: Bakksversammtung in„Peters Gesellschaftshaus", Alt-Moabit 80 81. Tages- Ordnung: I. Bortrag der Genossin lil«,-» ans Stuttgart über: „Me polMscht GIMlirreiWgilm der Zra»' ei»« Nolweiidiglieit" 2. Diskussion. Genosstune» und Genossen, agitiert für rege» Besuch.' 1/2' AchtilM l Sattier. Ple Tertrawcnsperson. Acht»»a! jM- Donnerstag, den ZO. Jannar 1SVS, abends S�s Uhr, SKI Mitgliederversammlung d.r Berliner Filialen i»n großen Saal des GcwerkschaftshanscS, Gngel-Ufcr 13. Tages- Ordnung: 1. Die Centralisierung der Berliner Filialen. Referent: Kollege 2. DiSkusston. 3. Beratung des Ortsstatuts. 4. Wahl eines Mitgliedes zum Ausschuß. 5. Verschiedeues. 156/4 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden organisierten Kollegen pünktlich zu erscheinen.» Ii«i»i»!s»ii«i». kreis Volksbühne JPonnerstnsr, den 30. Januar, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstrasse 20: General-Versammlnng. T ag e s- O r d n u n g: 1. Vortrag des Herrn Wllliclm 8nolir über: Multatuil, der freie Denker und Dichter(mit Recitationen aus seinen Werken). 2. Geschäfts- und Kassenbericht, Bericht der Revisoren, Diskussion, Neuwahl eines Revisors und Verschiedenes. Zutritt haben nur Mitglieder, Li Die 7. Serie der Vorstellungen beginnt am 2. Februar im Lessing-Theater. Zur Aufführung kommt: Haus Rosenhagen Drama in 3 Aufzügen von Max Halbe. knntag, den 2. Februar, X3/4 Uhr, im Carl Welkster: 6./7. Abteilung; Uautons Tod. Der Vorstand. I.A.; C. Winkler. Nthkttttg! Achkung: Vttck Ais Walininf der Interessen der lüanrer Berlins und Umgegend. llttiDoi he» 29. Suniifit 1992, abeilds 8 Uhr, in Colins Msiiltn, Benthstraßt Nr. 29: Mitglieder- Bersammlnng. Tages-Orduung: 1. Bortrag des Genossen llallsbl über:„Lumpenproletariat und Arbeitslosigkeit." 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zu der am g. Februar stattfindenden Konserenz. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen Iioiwendig._ 129/3_ Per Vorstand. Prim Rinh-, KM- nnh HilinmelfleA! Rinder- Schmorbraten a Psd. 55 Pf.— Suppenfleisch n Pf. 40 und 50 Pf.— Kalbfleisch a Psd. 55 Pf.- Kalbskeule a Pfd.«5 Ps.- Kalbs- rücken und Nierstück a Pfd. 05 Pf.— Hammelfleisch a Pfd. 45 Pf.— Dicke Rippe a 55 Pf. Hammelkeule n Pfd. 00 Pf. Hammelriickeu a Pfd. 00 Pf. MM" GÄnfe!-WU täglich frisch und in großer Auswahl, ausgeschlachtetes Gänsefleisch a Pfd. 00 Ps.— Gänseleuleu, frisch und gepökelt, a Stück 00 Ps. Gänseknochen- fleisch a Pfd. 40 Ps., Gänseklein, Gänselebern und Gänseliese». Große, weiße Gänsc-Stopslebcm(täglich frisch). WM" Gättseschmalz!"WZ garantiert rein, hochfein im Geschmack 1,20 M.— Pa. SpickganS(Roll- brust) im Ganzen a Pfd. 1,00 M.— Räuchcrkeulen a Stück 80 Ps. Roll- lenlen a Stück«0 Pf. ff. Aufschnitt a Psd. von 1.00 M. au.' Wiener Würstchen 3 Paar 50 Pf., Fraustädter Würstchen 6 Paar 50 Pf., Lnngenwürstchen 6 Stück 50 Pf. 2076 Paten,.Eilten und Hühner empfiehlt zum billigsten Preise Henna im IseisNiier, Herl in C., Klosterstrnsse 95, Eckhaus Kaiser Wilhelmstrasse 11. + Herren-Vortrag+ Carl ItrucUhoff, Fncdrichstr. 10, über:„Der vierfache Mord in der Oranienstraße und die sogenannten unheitbarcn Männcrleiden" Mittwoch, den 29. Januar, abends V-L Uhr, in den Berolina-Festsälen, Schönhauser Allee 28 Nur ftirHerren! Eintritt frets! Ebrenerlrlürnng. Die Beleidigung, die ich gegen Herrn Metzle ausgestoßen, nehme ich hiermit zurück._ A. Kerstowshy. ; Zielning 12., 13., 14., 15. März| zu Köln a. Rh. 300000 Loose[ 4«° Grosse t zur Erhaltung des' «eld Siebengebirges I nnCP• 1 Ganzes M. 4-20 UJU6C' 1 Halbes M 8.10 (Porto u. Liste SO Pf.) 14 000 Geldgewinne AtM" zahlbar ohne Abzug."WJ Hauptgewinne: Mark 7BBm SO 000 20000 Ii 090 5 a 4000= 5 a 2000- 15 ä 1000= 20 ä 500= 50» 200= 100�100= 300 ä 50= 1500ä20= 120ö0al0 20000 10 003 15000 10600; 10000 80000 850001 30000 =1�000» Loose versendet; General Deblt üirlJiilleriÖo. Berlin, Breitestr. 5. |Telegr.-Adr.; Qlüoksmüllsr. Socialdemokrallscliep WaMvercin für de» 6. Berl. Reieltstags-Walilkreis. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schankwirt •Insniili Tuende Prinzen Allee 30, am Sonntag verstorben ist. 246/4 Ehre feinem Andenken. Die Beerdigung findet heute, Mitt- wochnachniittag 3 Uhr, von der Leichen- halle der Charite nach dem Charits- kirchhof, Müllerstraße, aus statt. Uni zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Dotstirnkiter-Verbliild. Den Mitgliedeni zur Nachricht, daß der Kollege, Drechsler Konrad Pilz am 25. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Charite aus nach dem Charitelirchhof in der Müllerstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/5 Tie OrtSverwaltung. Todes �Anzeige. Hiermit allen Verwandten, Freunden und Genossen die Nachricht, daß die Beisetzung niciner lieben Frau und unserer guten Mutter �mia ßergemann, geb. Brien, am Donnerstag, den 30. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr, auf dem Central- Friedhof zu Friedrichsfelde stattfindet. Hng« Bergemann nebst Kinder, G e r i ch t st r. 74.[2116 DodeS Anzeige. Allen Verwandten, Kollegen und Genossen zur Nachricht, daß meine liebe Frau, unfre gute Mutter Angnste Oenscbmer, geb. Pätz, am 27. d. M. nach langem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, de» 30. d. Wl., nachmittags 3»/, Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes, Nieder- Schönhausen, aus statt. Der trauernde Gatte J. Gentichnier nebst Kindern, Schönhauser Allee 54. Für die uns ausgesprochene Teilnahme und Kranzspenden beim Ableben unsres lieben Vaters des Schriftsetzers Samuel Ooldschniidt sagen wir allen Verwandten und Bekaiiutcn, insbesondere den Kollegen des Entschlnfenen vom „Berliner Tagebsatt" unsren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Siegfried(«oidschmidt. Liegnitzerstr. 14. Dantsngnng. Für die herzliche Teilnahine bei der Krankheit sowohl, wie auch bei der Beerdigung unsres innigstgeliebteu Sohnes, Bruders und Schwagers Karl Klose, sagen wir alle», besott- ders dem Herrn Chef Sudikatis, den Herren Meistern und seinen lieben Ärbeitskollegcn unsern innigsten Dank. Die trauernde Famtlte Klose k>lür die vielen Beweise herzlicher O Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes IHax Eechcl sage ich allen, iiisbesondre den Herren Kollegen der Allg. Elektr.- Gesellschaft Brunnen- und Ackerstrabe, sowie den fcrren Kollegen der Firma Flohr, rennden und Bekannten»leinen herzlichsten Dank. 204b Enfoe Eechcl nebst Tochter. Achtung Vereine!» Saal mit Bühne, 400 Personen, Palmsonntag sowie ersten Osterseiertag frei. Neue Königftr.?. Daselbst gr. Vereinsziminer noch etliche Tage frei. III. Wahlkreis. NoUis■ Uersammlnng am Freitag, den ZI. Jannar, abends 8 Uhr, im Geweikschaftshause, Engel-Ufer 15, gr. Saal. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genosfi» Clara Zetkin(Stuttgart) über: „Weil» uttd Arbeiterin im Kichte der Sorial- demoKratie." 2. Diskussion. Rege Beteiligung der Genossinnen und Genossen erwartet 212/1* Der Vertrauensmann. Achtunq!-WU MW" Kichtunq! SotiliidemoKratischer Verein im 5. Berliner Beichstngs- Wahlkreis. Donnerstag, den 39. Jannar, abends 8'/2 Uhr, im Lokal von VuSke ISchnlz), Grenadierstrafte SZ: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Diskussion. 245/S 3. Bestätigung der Abteilungssührer. 4. Vereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Erscheinen notwendig.— Mitgliebsvnch kegitimiert. Der Verstand. Deutscitki' Holzarbeiter-Verband. Heute, Mittwoch, abends S1/* Uhr: General-Versammlung bei Neilsr, Koppenstrafte Nr. 29. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal, Bericht des Vorstandes, der Werkstatt- kontrollkomniission und des Arbeitsvermtttlers. 2. Ersatzwahl zur OrtSverwaltung. 3. Bericht des Gauvorstandes und Wahl desselben. 4. Auf- steNung der Delegierten zum Verbandstag und Gewerkschaftskongreß. 5. Anträge. 78/3 SP�* Die Versammlung wird pünktlich eröffnet."PPE Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. iW" Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. __ Die Ortsverwaltnnif. Deutsch. Metallarheiter-Verband VerwnUnngsstslle Derlln. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 853. Mittwoch, den 29. d. M., abends 8V2 Uhr: Terssiuimlaiig der Klempner im GewerkschaftshanS(Saal 1)> Engel-Nfer 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Scbeffier 2. Diskusston. 3. Verbands-Au> gelegenheiten. 110/19 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltnng. Montag, de» 3. Februar, im Lokal des Herr» Ssuor, Rosenthalerstraftc 57(Hof): Oeffentliche Versammlung � der Wstttrilger Btllins u. Wgkgkiid. Tages-Ordnung: 1. Die lvirtschafiliche Lage und deren Ursache. 2. Wahl einer Kommission zur Ausarbeitung eines Tarifs betreffs der Lohnsrage. 3. Die Organisation und deren Nutzen. 4. Verschiedenes. Das Erscheinen eines jeden Kollegen ist Ehrensache. Die Töpfer werden höflichst ersucht, ihre Träger auf diese Bersammlung aufmerksam zu machen. 285/13* Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Elnherafer. Gentraiverband der Maurer zmiMtm I Berlin(Putzer). Am Sennahend, den I. Febrnnr, findet unser diesiithrigct Masken valk in den gesamte» Räume» der Brauerei Friedrichshai« statt. Die Mitglieder und deren Familien machen wir darauf aufmerksam, daß Billets nur in den bekannten Lokalen und im Bureau zu haben sind. Ilm zahlreiche» Besuch ersucht 133/2 Die örtliche Verwaltnng. 3 Ä KlGitlG AnZGWGIt. W- ffiF Wort fett. Worte mit mehr als M«L JB B* AJM MfaSW JHL JM Stat � vV JM Jm W in de W 16 Buchstaben zählen doppelt. BmaBsk p S Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis I Uhr, der Hauptexpedition Beiithstr.3 bis 4-. Uhr angenommen. \8fe A rden jm lin �32 'M Wer Stoff hat? Fertige Herren- anziige mit Futtersachen tö Mark. Wagner, Schneidermeister, Frank- surterstraße 59, III. I89b Bartsch Gesellichaftsfäle, Trift- straße 41, Saal mit Bühne, 400 Per- sonen, ist noch Sonnabend zu ver- geben. Jeden Sonntag Tanzlustbar- ketten. Winter- Kegelbahnen und Vereinsziminer, einige Tage frei. Coulante Bedingung und gute Be- dieining. S65K* Zlchluiig! Empfehle meine Restau- ratio» zur freundlichen Benutzung. Vereinszimmer mit Pianino noch einige Tage in der Wod>e frei. Paul Kobus, Andrcasstraße 33. sg81K* Bereinszinimer» geräumig. Simeon- straße 23._ 978SI* Vereinszimmer für 40 Personen noch einige Tage frei. Ladewig, Kommandantenslrabe 65._ 9798:* �Ehrenerklärung! Die Beleidigung gegen Fränlein Helene Schcller, Urban- straße 131, nehme ich reucboll zurück und erkläre dieselbe für eine ehren- hafte Person. Hermann Winter, Rmninelsburg bei Berlin. 218b Vermietungen. SoDIakstnilsn. Möblierte Schlafstelle für Herren Gräfestraße 35 bei Hinz.» Möblierte Schlafstelle, paffend für Freunde, Britzerstraße 11 II. Witwe Kunzuiaiin._ ch21 Schlafstelle vermietet, Walkowiak. Muskauerstraße 47 von: III. 216b Möblierte Schlafstelle allein. Manteuffelstraße 7t, Ouergebäude I, Witwe Haucnstein. s-Zl Möblierte Schlafstelle sür Ge- nossen sofort, Weise, Kcibelstraßc II, Hof D 20sb Diniiner. Freundliche leere Stube zum 1. Februar. Skalitzerstraße 12, vorn H. links.____ 151* Möbliertes Zimmer an Herren verniietbar Prinzesflimenstraße 12 HI. lArbeitsmarkt. Stellengeaueh©. Bolkssänger-Gcsellschaft Lewan- dowsky, Sickingenstraße 4.__ ch80* Junger intelligenter Mann, zu- verlässig, kautiousfähig, 26, sucht Stellung als Kassierer oder Kasten- böte-c. bei bescheidenen Ansprüchen. Gefällige Offerten snb E. 2 an die Expedition dieses Blattes. 117b Blinder Stnhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden zn den billigsten Preisen geflochten, werden abgeholt und nnentgeltlich zurück- geliefert. Adreffe: Mulackstraßc 27, A. Gläser._* Suche Wasd)stcllen. Annenstr. 2, vorn 4 Treppen bei Zöllner.(12936* Junger Man», 20, sucht Stellung als Hausdiener oder dergleichen. Offerten unter R 20, Postamt 36. Stellenangebote. Nebenverdienst leicht, für Männer und Hausftauen weist sofort nach unter D. 2 Erpedition dieser Zeitung. .Hausierer, welche Fuhrherren zc. besuche»/ finden lohnende Artikel bei Lucas, Bernbiirgerstraße 8. 1Z5b Tüchtige Werkzeugschlosser auf Schnitte und Stanzen, die selbständig arbeiten können, per sofort gesucht. Offerten„T. W." im Anuonccnburean Köpnickerstraße 32._ 20-26 Tüchtige Einsetzer verlangt Emst Gossow, Berlin 8IV., Teltow straße 53._ 2056 Laufbursche sofort. Allee 54, Hof H, links. Kastanien- _ t58 Hosen, Arbeiterinnen, gefüttert 1—6. Weser, Demminerstrahe 36.[1866* Mamsells, Arbeitslohn. 1,75 bis 2,25 Mark Fritz, Grenzstraße 11. Th. Glocke i» Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin m i» 2. IfilMf\b JotiuWs" littliiitt ügMIitl m»'»-9 z»«-« ArbeitslosettzWiilg! Durch ein Mißverständnis eines Teiles der Bezirksführer sind die Zählkarten in einigen Stadtteilen mrr an Arbeitslose verabfolgt worden. Es wird deshalb noch einmal darauf hingewiesen, daß auch diejenigen Hanshaltungsvorstände, in deren Haushalt Arbeitslose nicht vorhanden sind, die ausgegebenen Zählkarten auszufüllen haben. Es handelt sich darum, durch das Verhältnis der gezählten Arbeitslosen zur Gesamtzahl der eingegangenen Antivorten den Prozentsatz der Arbeitslosen zur Gcsanrtbcvölkerung festznstellcir außerdem aber bei den zur Zeit beschäftigten Personen die Erwerbs bcschränknng kennen zu lernen. Es werden deshalb alle Personen, welche keine Zählkarten bekommen haben, gebeten, solche von dem Bureau der Gewerkschaftskonimission, Engel-Ufer IS, von 9—1 6—8 Uhr, zu fordern. Auch schriftlich an das Bureau gerichtete Anforderungen werden erfüllt. Gleichzeitig werden alle Bezirksführer und Zähler darauf aufmerksam gemacht, daß am 2. Februar in allen Haushaltungen, wo Karte» nicht abgegeben waren, solche noch ausgefüll werden m ü s s e». Der Ausschuß der Berliucr Gcwcrkschnftökoinmissiou. Berliner Partei-Angelegenheiten. Zur Lokal-Liste. In der am 26. Januar 1902 erschienenen Lokal-Liste ist irrtümlichcriveise daS Lokal T r a p p s F c st s ä l c in Tegel nicht niit aufgeführt worden, wir ersuchen die Parteigenossen, dieses auf der Liste nachzutragen, da obiges Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen-c. zur Verfügung steht.— Ferner ist das Lokal von Otto Heiser in Hoheulchme nicht mehr als gesperrt zu betrachten, da der Wirt durch Unterschrift sich verpflichtet hat, sein Lokal zu Versammlungen-e. der Arbeiterschaft herzugeben. Die L o k a l k o in m i s s i o n, Erster Wahlkreis. Ten Parteigenossen zur Nachricht, daß am Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 6 Uhr. im großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstraße 29, eine V e r s'a m m l n n g mit nachfolgendem gemütlichen Beisammensein stattfindet. Schriftsteller Genosse Georg Bernhard referiert über„Die Zöllner au Schleichwegen". Rege Beteiligung erwarten Die Vertrauensleute. Dritter Wahlkreis. Am Freitag, den 31. Januar, abends 8 Uhr, spricht im großen Saale des Gcwerkschaftshauscs die Genossin Clara Zetkin- Stuttgart über:„Weib und Arbeiterin im Lichte der Socialdemokratie". Rege Beteiligung der Genossinnen und Genossen erwartet Der Vertrauensmann. Die Parteigenossen von Dalldorf, Borsigwalde, Tegel und Hermsdorf werden ans die Wählerlisten für die Gemeinde- vertreter-Wahlen hierdurch hingewiesen. Die Listen sind in den Amtsbureaustunden einzusehen und liegen bis zum 30. Januar aus. Da sich die Arbeiterschaft ans genannten Orten an den Gc- meindevertreter-Wahlen, die im März stattfinden, beteiligen, so ist es Pflicht eines jeden Wählers, daß er die Listen einsieht. Im Fall er nicht in der Liste steht, muß er sofort Einspruch erheben. Die Parteigenossen in Tegel, Vorsigwaldc, Dalldorf, Hermödorf und Waidmannölust werden aus die in Tegel statb findenden Gewerbegericktsivahlen aufmerksam gemacht. Die Listen liegen bis zum 31. Januar aus. ES ist Pflicht der Genossen ans obengenannten Ortschaften, die Listen einzusehen. Waidmannslnst nnd Umgegend. Am Sonntag, den 2. Februar, findet im Lokal von A. Kuhn in Waidmannslnst eine Volksversainm lung statt. Genosse Ad. Hoffmann spricht über:„Das Volk der Denker in der Zwangsjacke." Die Gcmeiudevcrtreter-Kandidaten für die umliegenden Ortschaften werden in der Versammlung auf gestellt. Parteigenossen, erscheint vollzählig in dieser Versammlung Uoknles. Ueber die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Strafsenreinignngs-Arbcitcr findet sich in dem das Jahr 191X1/1901 behandelnden Bericht der Straßcnreinigungs- Deputation, der jetzt vom Magistrat veröffentlicht ist, wieder(wie immer in den Jahres- berichten gerade dieser Verwaltung) eine sehr ausführliche Dar- stellung. Es ist aber auch diesmal nur der übliche s ch w u n g- volle Hymnus auf die überaus große Fiir sorge der S t r a ß e n r e i n i g u n g s- V e r lv a l t u n g für ihre Arbeiter. Wir können es uns bei den meisten Angaben ersparen, sie hier wiederzugeben. Sie stimmen im weseut- lichen mit denjenigen überein, die in früheren Berichten zu finden waren, und die von uns wiederholt als nicht ganz einwandfrei nachgewiesen worden sind.— Von Interesse ist, daß das A r b e i t s p e r s o n a l im letzten Jahre um mehr als 10 Proz. vermehrt worden ist. An ständigen Straßen- reinigungs-Arbeitern ivarcn im eigentlichen Neinigungsbetriebe vor- banden: 112 Vorarbeiter, 432 Arbeiter I. Kläffe, 432 Arbeiter n. Klaffe, 70 Arbeiter III. Klasse, 200 Burschen, zusammen 1246 Personen, also 120 mehr als in, Vorjahre. Zu ihrer 1410313� M. ausgeworfen, es wurde ganz hübsches Sümmchen dabei er- erkrankte Arbeiter nicht sofort Ersatz ein- zunächst von den andren Arbeitern mit- besondere Eutschadigmig gezahlt wurde. Die Löhnung waren aber wieder ein ü b r i g t, weil für gestellt und für die geleistete Arbeit keine ersparte Summe betrug diesmal 26 015 M. Unter sämtliche Arbeiter nach Maßgabe der Lohnhöhe verteilt, ergäbe fie für das Jahr einen Betrag, der bei den Burschen mit etwa 11 M. beginnt und bis zu 27 M. bei den Vorarbeitern steigt.— Ueber die B'u r s ch e n wurde viele Jahre hindurch in den Berichten im mer wieder dieselbe Klage vorgebracht. Sie seien wenig brauchbar, deshalb sei ihre Zahl auch seit längerer Zeit nicht vermehrt worden. In dem neuesten Bericht fehlt diese Klage. Sie würde sich auch sehr komisch ausnehmen; dem, die im vorigen Jahre eingeführte Aendcruug des Reinigungssystems, die sich besonders auf die Asphaltstraßen er- streckte, setzte gerade eine Vermehrung der Burschen voraus. Ob und eventuell wodurch die Asphaltburschen mit einem Male brauchbarer geworden sind, ist in dem Bericht nicht gesagt. Die Verivaltung erwartet augenscheinlich eine Besserung von äem Be- schluß, das Arbeitsgebiet pro Burschen auf 5000 Quadratmeter Asphalt fläche zu ermäßigen. Dieses von uns seit Jahren neben der Erhöhung der Löhne vorgeschlagene Mittel dürfte sich in der That als wirksam erweisen. Im letzien Jahre kamen auf jeden Burschen noch 9541 Quadratmeter i in den letzten 4 Jahren lvar das Quantum um 2500 Quadratmeter gestiegen.— Neber die Schneeschipper, für die im letzten Jahre 140746 M. ausgegeben wurden(bei einem Tage- lohn von 2,60 M., früher 2,25 M.), ivird wiedergesagt, ihre Arbeits- leistung sei im allgemeinen nicht erheblich, auch könne eine besondere Auswähl nicht getroffen werden. An einer andren, ziemlich ver- steckten Stelle des Berichts begegnet man der Bemerkung, daß diese Hilfsarbeiter der Verivaltung fa st zu jeder Zeitz ur Verfügung st e h e n. Diese Bemerkung kehrt in den Jahresberichten mit großer Regelmäßigkeit fast gleichlautend wieder. Sie steht in incrkivürdigem Gegensatz zu der alljährlich von der bürgerlichen Presse verbreiteten Behauptung, die Straßenreinigungs-Direktion könne bei Schneefällen gar nicht, so viel Arbeiter finden. wie sie brauche. Auch i« dicseni Winter ist nach dem vereinzelten größeren Schneefall, den wir bisher gehabt haben, Achnlichcs behauptet worden, so daß es den Anschein gewann, als sei cS mit der A r b e i t s l o s i g k e i t gar nicht so schlimm. Der neueste Bericht versichert auch wieder, daß die Schneeschipper vollständig die in andren Orten gebräuchlichen S ch n e e p f l ü g e ersetzen. Schncepflüge seien über dies unrentabel, weil sie in schneearmen Aintern ein totes Kapital sind und trotzdem erhebliche Nnterhaltnngs- und Unterbringiings kosten erfordern. Angesichts dieser Thatsache bezeichnet es der Bericht als„ g ü n st ig", daß Hilfsarbeiter fast stets zur Verfügung stehen. Die StraßcnreinignngS-Vcrwaltung hat es, wie man sieht. den verachteten Schneeschippern zu danken, daß ihr die Schnee bescitigung nicht noch teurer zu stehen kommt. Schneepflüge kosten Geld, auch wenn sie müßig stehen; Schneeschipper brauchen nur ein- gestellt und bezahlt zu tverden, wenn Schnc« fällt. Da wird es die Direktion der Straßenreinigung am Ende gar als ein Glück ansehen, daß es in Berlin an Arbeitslosen niemals fehlt. Unsre Vertreter in den städtischen VerwaltnngS-Dep« tationc», Kuratorien nsw. Die Stadtverordneteu-Versammlung hat die Neuwahlen für die ständigen Ausschüsse der Versamm Inng, für die von, Magistrat ressortierendcn Deputationen nnd Kuratorien, sowie für einige nicht voni Magistrat ressortierende Ver waltnngen vollzogen. Den wichtigsten dieser Ausschüsse, Dcputa tioncn usw. gehören nunmehr von der s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Fraktion die folgenden�Mitglieder an: Ausschuß für Wahlen' unbesoldeter Gcincindebeamter: Ewald. Leid, Tolksdorf; Ausschuß zur Begutachtung der Vorlagen wegen Anstellung oder Peiisionieruiig besoldeter Gemeindebeamter: Singer, Wehl; Pctitionsausschuß: Bruns, Hcimann. Leid; Rechnungsausschiiß: Basner, Bernstein. Glocke, Mehner; Ausschuß zur Vorprüfung der Gültigkeit der Stadtverordneten Wahlen: Liebknecht, Stadthagen; Anncudirektion, Plenum: Hiutze, Liebknecht; Aruicndirektion, Abteilung für Arbeitshaus und Obdach: Augustin, Hoffmann; Armendirektion, Abteilung fiir Waisenpflege: Freudenberg Tolksdorf; Baudeputation: Glocke, Wernau; Deputation für die Blindenpflcge: Pfannkuch; Brcuiimatcrialien-Depntation: Gleinert; Finanzdcputation: Heimann. Wurm; Kuratorium des Friedrich-Wilhelms-Hospitals und der Sieche» anstalten: Wilkc, Schulz; Gasdcputation: Wurm; Gewcrbcdcputation: Basncr, Borgmann; Grundcigentmus-Dcputation: Singer; Kuratorium dcr HandwerkcrschuIcn und Baugewerksschule: Ewald Deputation fiir Jrrcupflege: Bruns; Deputation für Kaualisatiouswerke und Rieselfelder: Borg mann, Koblenzer; Krankeiihans-Dcpntatiou: Friedeberg; Kunftdcpntation: Singer; Marklhallen-Dcputatio»: Hintze, Wernau; Direktion des Märkischen Museums: Zubeil; Parkdeputation: Metzner, Zubeil; Deputation für innere Ausschmückung des Rathauses: Ewald. Glocke; Schreibmaterialicii-Depiitation: Hoffmann; Deputation für Statistik: Wurm; Stcuerdeputation: Augustin, Bernstein, Ramlow, Wehl; Straßenreiingmigs-Depiitation: Pfannkuch; Deputation für Turn- und Badewesen: Borgmaim; Verkehrsdcpntation: Singer; Viehhofskuratorium: Wilkc; Kuratorium für Volksbibliotheken und Lesehallen: Bruns, Heiniann; Deputation für den Gesinde-WohnnngS- und Uuterstütznugs- fonds: Koblenzer; Sanitätskommission: Freudenberg. In mehrere» Ausschüssen, Deputationen usw. haben nnsre Ge nossen zu ihren bisherigen Sitzen n e n e h i n z u b e k o m m e n, so im Pctitionsausschuß, im WahlprüfungS-AuSschuß, in der Waisen Verwaltung, in der Bau-, Gewerbe-, Kanalisationsdeputation. In einige ist jetzt znni erstenmale ein Socialdemokrat h i u e i u g e w ä h l t worden, so vor allein in die Krankenhaus Deputation, Gasdcputation, Sanitätskommission. In andern ist die Fraktion noch immer u n v e r t r e t e n. z. P. in der Wasser werks-Deputation und im Heimstätten-Kuratorinm. Ueber den Air 'pruch auf einen Sitz in der Schnldeputation wird die Versammlung erst am Donnerstag entscheiden. Der Magistrat hat 25 000 M. zu den Kosten einer Handels kainmer in Berlin in den Etat 1902 eingestellt,— für den Bedarf an Schreibmaterialien sind in den städtischen Etat 133 000 M., fiir Drucksachen 105 000 M., für Buchbindcrarbeiten und Aktenheften 5000 M., fiir Porti und Botenlöhne 100 000 M., für die Fernsprech- Einrichtungen 20000 M., für den Transport der Akten durch Wagen 25 000 M., für Fuhrkoste» 33 000 M. und fiir die Unterhaltung und Vermehrung der Magistrats-Bibliothek und des Archivs 10 000 M., erner sind 15 000 M. für Ausgaben an ärztlichen Gebühren u. s. w die durch die Begutachtung des Gesundheitszustandes der Bewerber um Anstellung im städtischen Dienst u. s. w. entstehen, in den künftigen Etat eingestellt, weil die Zahl der vorzunehmenden Untersuchungen derart gewachsen ist, daß sie von einer ärztlichen Kraft nicht niehr betvältigt werden kann. Die Fahrpreise auf der Hochbahn werden sich leider teurer telleu als die im Straßenbahnverkehr, da an die Einführung des Zehnpfcnnigtarifcs nicht gedacht wird. Im allgemeinen wird man in der III. Klasse für 10 Pf. über drei bis vier Haltestellen fahren tömicn. So wird die Strecke zwischen dem Potsdamer Platz und der Prinzenstraße 10 Pf. kosten. Für die ganze demnächst zur Er- Öffnung kommende Oststrecke vom Potsdamer Platz bis zum Stralaner Thor, auf der sich acht Haltestellen befinden, werden in der III. Klasse 15 Pf. erhoben. Die dritte Stufe des Fahr- Preises, 20 Pf. für die III. Klasse, gelangt vorläufig noch nicht zur Erhebung. Sie ist für die ganze Strecke Zoologischer Garten- Warschauer Brücke oder deren größten Teil vorgesehen. Die Strecke führt von Stadtbahn zu Stadtbahn. Der Fahrpreis entspricht hier genau dem der Staatsbahn. Die ganze Weststrecke Zoologischer Garten— Potsdamer Platz wird in der III. Klasse 10 Pf. kosten. Fiir die II. Klasse sind meist um die Hülste höhere Preise vor- gesehen. Hier werden fiir die Zehnpiennig- Strecken der III. Klasse 15 Pf. erhoben, ebenso wie bei der Stadtbahn. Für die Fünfzehn- pfennig-Strecken III. Klasse zahlt man in II. Klaffe 25 Pf. Die dritte Zone kostet in der II. Klaffe 30 Pf. Vielleicht ivird die Verwaltung der Hochbahn bald zu der Einsicht kommen, daß mit einem Einheitstarif von 10 Pf. für III. Klasse nicht allein das Publikum, sondern auch sie am besten fährt. Mit der Auflösung des Socialwissenschaftlichen Studeuteu- Vereins wird sich nun doch eine Studenten-Versaminlung befassen. Die„alten. Herren" des Vereins haben zu heute Abend nach dein der Arbeiterschaft bekanntlich nicht zur Verfügung steheudcn Hand- Werkersaal in der Sophienstraße 15 eiue allgemeine Studenten- i Versammlung einberufen, in der Universität erörtert werden soll. das Verfahren deS Rektors der Zum Apothekcn-Boykott. Zu unsrer, am 26. d. M., veröffentlichten Mitteilung schreibt uns das Preßbnrean des Vereins der Apotheker Berlins, daß ein Empfang von Vertretern des Vereins durch den Oberpräsidenten in voriger Woche nicht erfolgt sei. Gegen die Schwindelanktionen. Der Polizeipräsident v. Wind- heim hat in den letzten Tagen Vertreter der verschiedenen kauf- männischen Vereinigungen im Auftrage des Ministers für Handel und Gewerbe empfangen. Es wurden die Mißstände im Anktions- nnd Vcrsteigerungswesen eingehend besprochen, sowie eine Reihe von Vorschlägen gegen das Ueberhandnehmen der schwindelhaften Auktionen, die in manchen Branchen förmlich zu einem Mittelpunkte unlauteren Wettbewerbes geworden sind, erörtert. Wie mitgeteilt wurde, soll der Handelsminister ein energisches Vorgehen gegen die Schwindel- auktionen planen und zu diesem Behufe demnächst eine besondere Verfügung erlassen, die dem zum Schaden des ehrlichen Handels nnd Gewerbes sich breitmachenden Unwesen ein Ende macht, oder die Versteigerung von Waren unter falschen Vorspiegelungen, wie sie' bald hier, bald dort in leerstehenden Läden betrieben wird, sehr er- schwcrt. Die vernommenen Vertreter der Organisationen nahmen diese Ankündigung mit großem Beifall ans und machten auf die Auf- forderuug des Polizeipräsidenten auch ihrerseits verschiedene Vor- schlüge zur Bekämpfung der Schwindelauktionen. Weitere Arbeiterentlaffniigeu haben in einem städtischen Betrieb stattgefunden. Ans dem Steinplatz an der Urbanstraße er- hielten kürzlich acht Mann Feierabend und in Treptow 31 Mann. Nunmehr sind letzten Sonnabend in Treptow die letzten 22 Mann entlassen worden. Man ist in den Kreisen der Gemeindearbeitcr der Meinung, daß es immerhin möglich gewesen wäre, die Entlassenen in Arbeit zu behalten. Ein Opfer deS StrastenverkehrS ist der acht Jahre alte Gcmeiiideschüler Wilhelm G r o t h e aus der Rostockerstraße ge- worden. Der Knabe wollte mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Otto in der Nähe der Emdenerstraße den Fahrdnmm der Turm- straße überschreiten. Da kam ein Flaschenbicrivagen in rascher Gangart heran. Während Otto noch ausweichen konnte, rannte das Pferd den größeren Knaben um und der Wagen ging über ihn hinweg. Der Kutscher fuhr weiter und entkam leider. Das überfahrene Kind erhob sich wieder und setzte mit dem kleinen Bruder den Weg fort, fing aber bald an zu taummeln und stürzte dann besinnungslos zu Boden. Ein Mann nahm den Jungen ans seine Arme und trug ihn rasch nach der Unfallstation in' der Huttenstraßc. Der Arzt stellte hier eine Schädelverlctznng und Gehirnquctschimg fest und ordnete die Ueber- fikhrima nach dem Moabiter Krankenhaus an. Der Verunglückte starb schon ans dem Wege dorthin in enier Droschke. Als der schnell benachrichtigte Vater kam, war der Knabe bereits tot. Der Unglück- liche Vater trug dann die Leiche nach Hause. Ein Wcchsclfälschcr ist in der Person des früheren Zeichners Marek von der Ikriminalpolizei festgenommen worden. Im Oktober vorigen Jahres gründete M. in Gemeinschaft mit einem Lithographen Ä. die graphische Kunstanstalt„Union", Neue Promenade 3.' Ohne irgend welches Kapital zu besitzen, wußte er auf Grund angeblich ihni gehöriger Sparkassenbücher böhmischer Banken über etwa 10000 M. sich Kredit zu verschaffen. Seine Lieferanten bezahlte er mit Wechseln erster Berliner Firmen. Wie sich jetzt herausgestellt hat, sind sowohl diese Wechsel als auch die Sparkassenbücher von M. gefälscht worden. Der Gesamtbetrag der gefälschten und ver- ausgabten Wechsel soll etwa 25 000 M. betragen. M. ist 30 Jahre alt und verheiratet. Vierzehn Taschendiebe wurden am Montag„Unter den Linden' und in den angrenzenden Straßen festgenommen. Darunter be- finden sich fünf Schüler der 123. Gemeindeschule, die sich gleich nach der Schulfeier zu gemeinschaftlicher Arbeit nufgcinacht hätten. Nach einem schon vorher verabredeten Plane mischten fie sich überall gemeinsam in das Gedränge. Einer machte sich dann an die Leute heran, während die übrigen ihn deckten. Nach mehreren erfolglosen Versuchen erbeutete die Bande ein Portemonnaie mit 43 Pfennige». Das Publikum merkte aber den Diebstahl und nahm den Thüter fest, während zugleich Kriminalbeamten, die das Treiben der Jungen schon beobachtet hatten, die übrigen vier ergriffen. Zwei von den Verhafteten sind galizische bekannte Taschendiebe, die in Erwartung eines großen Tages besonders hierher gekommen waren, einer ist ein hiesiger HandiungSgehilfe, der früher in einem großen Hause angestellt war, jetzt aber ohne Beschäftigung ist und sich durch die Not zum Taschcndicbstahl verleiten ließ, die übrigen zu den gewerbsmäßigen jugendlichen Taschendieben und sind bereits vorbestraft. Alle vierzehn wurden gester» nach dem Verhör und der Gegenüberstellung mit den Bestohlenen von der Kriminalpolizei dem Untersuchungsrichter zugeführt. Peinliches Rnfsehrn erregte gester» abend in der Denncwitz- straße eine Frau im Alter von etwa 30 Jahren, die dort in Be- gleitung eines achtjährigen Mädchens lamcuticrcud und Hände« ringend umherlief. Sie redete die Straßenpassauten als ihren Herr- gotl an und forderte das Kind auf, sich zum Gebet zu rüsten. Man erkannte bald, daß man es mit einer Irrsinnigen zu thun hatte und rief einige Schutzleute herbei. Diese brachten'die Person, welche sich heftig sträubte, ans die Polizeiwache in der Steinmetzstraße. Dort 'tellte cS sich heraus, daß man es mit einer Frau Kaiser aus der Katzlerstr. 15 zu thun hatte. Der Mann der Unglücklichen arbeitet in den Eisenbahu-Werkstätten zu Tempelhof. Ein schweres BootSuugliiek. Auf der Obersprce in der Nähe deS Restaurants„Abtei" hat sich gestern ein bedauerlicher Vorfall ereignet, dem z w e i M e n sch e n l e b e n zum Opfer gefallen sind. Zwei Kinder des Frachtschiffers Kolz aus Shchen. der 12jährige Emil und die ein Jahr ältere Emma Kolz, wollten in einem Kahn, begleitet von einein Schiffer, von Rummelsburg aus über die Spree setzen. In- mitten des Stromes angelangt, bemerkte der Schiffer zu seinem Ent- 'etzcn, daß der Kahn Wasser ziehe und im Sinke» begriffen sei. Ehe noch vom Ufer Hilfe komnien konnte, versank der Kahn und mit ihm die beiden Kinder in den Wellen. Der Schiffer rettete sich durch Schwimmen. Die Leichen der beiden ertrunkenen Kinder sind noch nicht gefunden. Es scheint leider auch hier die Kontrolle des Fahr- zcugs in Bezug ans seine Brauchbarkeit, wie schon in so manchem andren Falle, zu wünschen übrig gelassen zu haben. Feuerbericht. Am Montag hatte die Wehr verhältnismäßig wenig Alarmienmgen zu verzeichnen. Es fehlten uanicntlich die oiist an patriotischen Festen üblichen Brände von Litfaßsäulen. Montagabend 7 Uhr wurde infolge mehrmaliger Meldung ein größeres Löschaufgcbot nach Unter den Linden 77 gerufen. ES handelte sich jedoch lediglich um einen kleinen Kellerbrand. so daß die Wehr in kurzer Zeit wieder abrücken konnte. Abends kurz nach 9 Uhr gingen im ersten Stock des Hauses Memelerstr. 66 Gardiiien und Kleidungsstücke in Flammen auf. Dienstag früh gegen 6 Uhr mußte in der Neuen Königstr. 75 ein Brand abgelöscht werden. der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Außerdem mußten noch in der Vritzerstr. 15 und An der Stadtbahn 43 Schornstein- brande beobachtet werden. Urania. Herr Dr. P. Spies wird am Donnerstag im Hörsaal der Urania in der Tanbcustrafje einen Experiinentalvortrag„Wechselstrom und Drehstroin" halten. Im wiffenfchastlichcn Theater gelangt allabendlich der Bortrag„Frühlingstage an der Riviera" zur Wiederholung. Au« de«» Nachbarorten. Nur noch zwei Tage liegen die Wählerlisten in den Vororten öffentlich ans. Wer noch nicht seiner Pflicht nachgekoniuien ist, sehe die Listen jetzt nach nnd erhebe Einspruch, wenn er nicht richtig darin anfgefiihrt ist. Anö Rixdorf schreibt man uns: Hier hatte sich das Gerücht verbreitet, eine Wärterin der städtischen Kranke»an st alt habe sich im November mit vier fast nackten Kindern im Garten der An- statt photographieren lasse» und einige der Kinder seien bald danach gestorben. Auch sollte die Wärterin mit den Bildern einen schtvung, haften Handel getrieben haben. Der Magistrat tvurde vcranlaszt. die Angelegenheit zu untersuchen. Er teilt jetzt amtlich das Ergebnis der Untersuchung mit. Danach hat die Wärterin im September, als sommerliche Witterung herrschte, und nicht im November, mit vier ihrer speciellen Obhut anvertrauten kranken Kinder von einem Amateur, einem Bekannten des Vorstehers, der zufällig mit seinem Apparat anwesend war, im Anstaltsgarten photographieren lasse». Der Vorsteher hatte keine Bedenken getragen, die Erlaubnis dazu zu erteilen, da sich die Kinder ohnehin bei dem warmen Sommerwetter auf ärztliche Anordnung im Garten den gröszten Teil des Tages aufhalte» sollten. Auch waren die Kinder nicht fast nackt, sondern teils ganz, andrenteils so weit bekleidet, daß der Aufenthalt im Freien ihrer Gesundheit nicht schade» konnte. Zwei der Kinder sind allerdings später ver- starben, nach ärztlicher Bekundung aber an krankhaften Veränderungen, die nicht eine Folge von Erkältungen sein können. Ferner kann von einem Handel mit Bildern nicht die Rede sein.— Die Privat- Nachforschungen eines Mitgliedes der socialdcmokratischen Stadt- verordneteu-Fraktion haben ein andres Resultat, als die amtliche Untersuchung, nicht ergeben, so daß die Absicht, im roten Hause den Magistrat zu interpellieren, aufgegeben wurde. Aus Friedrichöselde berichtet nian uns: Der Amtsvorsteher Lockert sowie ein hiesiger Oberlehrer mühen sich um Errichtung einer Fortbildungsschule am Orte. Die Kosten sollen für drei Klassen 3500 Mark betragen. Um die Meinung der Arbeiterschaft über diesen Plan zu hören, hatte der Amtsvorsteher auch unser» Parteigenossen Pinseler um eine Aussprache ersucht. Selbst- verständlich erklärte Pinseler, daß die Arbeiter am Orte von ganzem Herzen das Zustandekommen des Projekts wünschen, Am Donnerstag soll die Angelegenheit der Gemeindevertretung vor- gelegt werden. Wird dort, was noch zu bezweifeln ist, der Vorlage zugestimmt, so werden unsre Parteigenossen iveiter ihre Wünsche betreffend Unterrichtszeit und Lehrmittel äuheru. Die Genossen thun gut, die Sitzung am Donnerstag zu besuchen. Es steht dort auch ein Vortrag über die Kanalisation auf Tagesordnung. Zu den G e m e i n d e r a t s w a h l e» hat die preußische Klassen- gerechtigkeit folgendes Verhältnis geschaffen: In der ersten Klasse wählen 24 Einwohner, in der zweiten 165 und in der dritten 13(X1. Zur Wahl stehen von 18 Vertretern in jeder Klaffe zlvei, ferner haben in der dritten Klasse zwei Ersatzwahlen zu erfolgen. Auö Tchöncbcrg wird uns zu der Stadtverordneten- Nachwahl im g. Bezirk noch geschrieben: Nach der am Abend des Wahltages vorgenommenen Auszählung und Verkiindniig des Wahlresultats waren abgegeben worden: 654 Stimmen; davon hatten erhalten zur Erweiter nngs wähl Genosse Obst lHnnsbesitzer) 299 Stimmen, der Gegenkandidat, Hausbesitzer Presch. 323 Stimmen, ungültig waren 8 Stimmen, so daß die absolute Majorität 324 Stimmen betragen hätte, mithin eine Stichwahl zwischen O b st und Presch erforderlich wäre. Neuerdings will nian freilich, kaut einer Mitteilung des„Schöneverger Tageblattes", noch eine Stimme mehr sowohl für Presch wie für den Mieterkandidaten Dr. Richter herausgefunden haben, womit freilich ersterer netto die absolute Mehrheit erhalten hätte. In der Ergänzungswahl hatten erhalten Genosse Wollermann 299 Stimmen, der Gegen- kandidat Dr. Richter 326 Stimmen snach der letzten Feststellung 327 Stimmen). Da hier ebenfalls 654 Stimmen, davon 8 ungültige, abgegeben waren, so beträgt die absolute Mehrheit 324 Stimmen, mithin ist Dr. Richter mit 2 Stimmen über die absolute Majorität wiederum gewählt worden. Inwieweit freilich und mit welchen Mitteln diese Wahlen zu stände gekommen sind, das steht auf einem andren Blatt. AuS Britz wird uns geschrieben: Die hiesige Gemeinde- Vertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung, die Gemeinden Rixdorf, Berlin und Niederschöneweide zu den S ch u l u n t e r h a l t u n g s- k o st e n heranzuziehen. Eine allgemeine Klage, welche auch in der Vertretung zum Ausdruck kam, bildet die elektrische Straßen- b e l e u ch t u n g. Die Leitung, welche an hohen hölzernen Masten oberirdisch geführt wird, ist vielen Störungen ausgesetzt. Es kommt nianchmal vor, daß ganze Straßen dunkel bleiben. Ein Antrag des Gemeindevorstehers, die Aufhebung des Vertrages mit der Allgemeinen ElcktricitätSgescllschaft, welcher noch 11 Jahre geht, anzustreben, wurde angenommen. Dagegen wurde ein weiterer Antrag, in de» Bureauränmc» deS Gemeindehauses die elektrische Beleuchtung durch Gasglühlicht zu ersetzen, abgelehnt. Reges Interesse zeigte die Vertretung bei den Beratungen über den Bau des T e l t o w- K a n a l s, welcher bald in Angriff genommen werden soll. Bei der Kaualbau-Verwal- tnng soll beantragt werden, den auf llOlXK) M. veranschlagten Beitrag auf 20 000 M. zu ermäßigen.— Vom Verband Märkischer Arbeitsnachweise lag ein Antrag vor, in Britz einen Arbeitsnachweis einzurichten; der Antrag wurde abgelehnt. Es folgt sodann ein Gesuch des Lehrer- Vereins um Erhöhung des Grundgehalts und der Mietsentschädignna. Das Grundgehalt beträgt für festangestellte Lehrer 1200 M., für Hauptlehrer 1400 M., für einstweilig angestellte Lehrer 940 M. Nach dem Antrage solle» diese Sätze um je 100 M. und die Mietsentschädigung für verheiratete von 375 auf 435 M. erhöht werden. Nach Befürwortung durch unsren Parteigenossen Jenner wurde dem Gesuch entsprochen. Der Magistrat von Spandau hat für das neue Rechnungs- jähr folgende Steuersätze bei der Stadtverordneten-Versammlung beantragt: Zuschläge zur Einkomniensteuer 185 Proz., zur Gewerbe- steuer 190 Proz., zur Betriebsstener 100 Proz. und als Grundwert- stener 3,66 pro Tausend. Die Eiiikommeiisteuer-Zuschläge sollen da- nach um 15 Proz. niedriger sein, als im laufenden Jahre. Zehlendorf. Unsren Parteigenoffen ist es sehr verdacht worden. daß sie in ihrem Flugblatt zur Gemeindewahl nur„hetzten" und nicht all des Guten gedachten, das der Arbeiterschaft von der Ge- meinde beschert worden. Sei man doch deren Forderungen in Bezug auf die Volksschule erst kürzlich entgegen gekommen. Wie wenig aber in unsrem Ortsparlament für die Gemeindeschule Interesse vorhanden ist, zeigte sich in der letzten Sitzung, Ivo über die Realschule ei» langes und breites gesprochen und die Volksschule kaum gestreist wurde.— Der stellvertretende Gemeindevorsteher gab bekannt, daß zwei Vertreter ihr Amt nieder- gelegt haben. Diesen Herren soll der Dank der Gemeinde erstattet werden, obgleich einer von ihnen die Sitzungen fast immer geschwänzt hat.— Zwischen dem Vertreter Kimzendorf, der den Gemeiiidc- Vorsteher Schweitzer verhimmelte, und der Mehrheit der Körperschaft gab es über den Wert der Verdienste des aus dcni Amt geschiedenen Herrn eine sehr erregte Debatte. Der lachende Dritte war in diesem Falle die Zuhörerschaft. Man sprach n. a. davon, daß„schwer- wiegende Umstände" eine Wiederwahl des früheren Gemeinde- Vorstehers unmöglich machten. Ihm sollen bekanntlich jedes Jahr 2000 M. als„Ehreuruhegehall" ausgezahlt werden. Der Postsekrrtär Paul Wirsing aus Halensee, der, wie gestern berichtet, nach Unterschlagung amtlicher Gelder und unter Mitnahme der Mitgift seiner Frau flüchtig geworden war, ist in der letzten Nacht in einem Restaurant in Leipzig verhaftet worden. Er hielt sich dort unter falschem Namen auf. Gevi�ks-Jeitun-g. Ungültigkeit einer gegen die Straßenhändler gerichteten Polizcivorschrift. Die Händlerinnen Schulcnburg und Nowaczek aus Berlin hatten in H o p p e g a r t e n bei Berlin an Reimtngen den Straßenhandcl mit warmen Würstchen, Konditorwareu, Apfelfiiien und Cigaretten betrieben und waren deshalb wegen Uebertretimg des K 2 der Polizeiverordiiung vmn 15. April 1901 mit Geldstrafen belegt worden. Der Z 2 jener Straßen-Polizeiverordnuiig ver- bietet für Hoppegarten jeden Straßenhandel mit Gegen- ständen des Wocheiimarkt- Verkehrs an den Reuuta'gen, wo bekanntlich viele Berliner Händler in Hoppegarteu sich aufhalten. Die niit der Verfügung bedachten Frauen beamraisten richter- liche Entscheidung und erzielten auch in zweiter Instanz ihre Frei- s p r e ch u n g. Das Landgericht ging davon aus. daß die An- geklagien freigesprochen werden müßten, weil sie thatsächlich den Verkehr auf den Straßen und Wegen im Gemeiudsbeziik Hoppegarteu nicht gestört hätten.— Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte geltend, daß eS auf die thatsächliche Störung hier gar nicht ankomme: Der Straßenhandel sei ja in Hoppegarteu durch die neue Verordnung überhaupt ver- boten, zur Sicherimg der Ordnung und Leichtigkeit des Verkehrs, und das sei entscheidend.— Der Straffenat des Kammer- gerichts verwarf indessen die Revision der Staatsanwaltschaft und führte ans: Der 82 der Octspolizei-Verordnuiig vom 15. April 1901, der jeden Straßenhandel mit Gegenständen des Wocheimiarkt-Ver- kehrs a» den Renntagen in Hoppegarten verbiete, müsse in dieser Fassung für u n gültig erachtet werden. Die Eiiischräiikung deS StrahenhandelS, sowohl des Hausierhandels im Wohnort wie des Gewerbebetriebes im Umherziehen seien durch die ZZ 4b und 66b der Gewerbe-Ordnung den Ortspolizeibehörden entzogen. Entsprechende Bestimmungen könnten nur durch die höhere Ver- waltimgsbehörde nach Anhörung der Gemeindebehörde oder durch Beschluß der Gemeindebehörde mit Genehmigung der höheren Ver- waltinigsbehörde einerseits und andrerseits unter gewissen Voraus- setzungen(§ 56 b) durch Beschluß des Bundesrats dezw. Anordnung des Reichskanzlers erlassen werden. Dst Gewerbetreibenden hätten sich im übrigen nur den allgemeinen polizeilichen Vorschriften der Ortspolizeibehörden, denen jederniann unterworfen sei, zu fügen. Der 8 2 der hier angezogenen Verordnung richte sich aber lediglich gegen die Straßenhändler und habe, weil er darum ungültig sei, von den Angeklagte» nicht beachtet werden brauchen. Die Diebstähle an Fahrrädern, die seiner Zeit so häufig im Gebäude der Reichs dank vorkamen— es sind ungefähr 14 derartige Fälle gemeldet worden— kamen in einer Verhandlung zur Erörtcriing, die die 9. Strafkammer gegen den Handlungsgehilfen Bernhard N a w r o ck i zu führen hatte Der Angeklagte wurde überführt, in vier Fällen Fahrräder, die im Gebäude der Neichsbank von dem dort verkehrenden Publikum auf ganz kurze Zeit unbeaufsichtigt stehen gelaffen waren, gestohlen und verkauft zu haben. Da dem noch jugendlichen Angeklagten noch mehrere Fälle der Unterschlagung zur Last fielen, so verurteilte ihn der Gerichtshof zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis._ Vcvmiflsztkes. Londons Bevölkerung. Nach den Ergebnissen der Volks- zählung des vorigen Jahres zählt London 4 536 541 Einivohner, unter denen sich 135 377 Ausländer befinden. Eine entsetzliche Dynaniitexplosio» hat sich in N e w York ereignet. In eineni provisorische» Vorratshause der 40. Straße explodierte Montag zum Gebrauch für die Unternehmer des Rapid- Franest-TunnelS niedergelegtes Dynamit und zertrümmerte die Fenster der imiliegenden Gebäude. Mehrere Arbeiter in dem Tunnel wurden gc- tötet, andre verletzt. Wie die Polizeibehörde mitteilt, sind bei der Explosion vier Personen getötet worden und«ine später ihren Ver- letzungen erlegen. Wie die Feuerwehr und die Behörden aimedmen, ist die Explosion durch eine in dem Tunnel selbst vorgeiionmieiie Sprengung verursacht worden, deren Stoß so mächtig geivesen sei. daß er das in der Nähe des Vorratshauses befindliche' Dynamit zur Explosion gebracht habe. Der Ingenieur, der au der Explosions- stelle mit zwei Werkfübrern arbeitete, wurde verhaftet. Der Schaden ist bedeutend. Mehrere Häuser sind unbewohnbar gemacht und die Straße auf eine große Strecke aufgerissen worden. Ei» englisches Kriegsschiff mit 430 Mann verschollen. Ein schwerer Verlust hat allem Anschein nach die englische Kriegs- flotte betroffen; das Schiff„Condor" hat als verschollen zu gellen und ist, wie man befürchtet, aus der Fahrt von der Vaucouverinsel nach dem Sandwichs-Archipel mit seiner Besatzung einem Wirbel- stnrin zum Opfer gefallen. Der„Condor", eine Schaluppe von 980 Tonnen, dampfte am 2 Dezember v. I. von Esquimault auf Van- couver nach Honolulu ab und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Am 21. Dezember wurde das Kriegsschiff„Phaeton" von Esquiniault auf die Suche nach„Condor" abgeschickt. Der.Phaston" kam letzten Sonntag in San Fraucisco an. ohne eine Spur vom„Condor" gc- fuuden zu haben. Man glaubt daher, daß der„Condor" wahr- scheinlich in einem Wirbclslnrm mit Mann und Maus untergegangen ist. Seine Besatzung betrug 130 Osfizierc und Mannschaften. Kapitän des Schiffes war Clifton Slator, ein älterer Seeniaim, der noch am Bombardement von Alexandria teilgenommen hat. Elektricität und Gesangbuch. In dem kleinen Städtchen S. in Wüitteniberg. wo seit kurzem auch in der Stadtkirche elektrische Belenchluiig eingeführt ist, funktionierte in der Weihnachtswoche die elektrische Leitung ganz ungenügend. Man hatte deshalb de» Ingenieur des Elektricitälsweikes in G____ telephonisch ersucht, behufs Abhilfe h.r- übeizukommen. Der Ingenieur befniidsichschon auf derBahn unterwegs, als während des Abendgotlesdieiistcs das elektrische Licht in der Kirche schwächer und immer schwächer wurde. Vor dem Schluß- gesang versagte es fast gänzlich, so daß der Mehner in der dunklen Kirche den Schlußvers des Liedes, der im Gesangbuch nicht mehr leöbar war, vorsprechen mußte. Dieser lautete sinnvoll: Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit Und euer Leid und Weinen Verwandeln dann in Freud. Er ist's, der helfen kann. Macht eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig; Er ist schon auf der Bahn I Die Gemeinde vermochte beim Nachsingen dieses Verses kaum ernst zu bleiben. Der VerS steht thatsächlich am Schlüsse des Liedes Nr. 96 de« Württembergischen Gesangbuches, in eineni Adventlied, das den Zusatz trägt: Gedichtet von Michael Schirmer 1640. Sociale Gesetzgebung.— Aewerischastliche Arbeiterinnenorganisationen.— Genoffeuschastsbewegmig.— Frauenarbeit aus deni Gebiete der Jiibustrie, des Handels und Verkehrswesens.— Fraueiiftiiiimrecht.— Fraueiidcwcginig. — Verschiedenes. Di«„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage eiimial. Preis der Nummer 16 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost-Zeitinigsliste für 1902 unter Nr. 3051) beträgt der Aboiiiiemeiitspreis vierteljährlich ohue Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Ter„Wahre Jacob" hat soeben die 3. Numnier seines 10. Jahr- gangeS erscheinen lassen. Das farbige Titelbild„Die Pflicht der Selbst- erhaltuug" verspottet die Junker, welche im Jnteresie ihrer.Selbsterhaltimg" die Einführung von Ochsen erschwert wissen wollen. Das fardige Riiclbild „Büloivs Trauiii" schildert in hiiuioristischer Weise die Gefahren, welche für das Ministerium Biilow aus deni„seiner Zeit" zu erbauende» Karnal noch entstehen werden. Das in zwei Teile zerfallende schivarze Vollbild„Ursache und Wirkung" illustriert den Zusainmeiihaiig Mischen Handelspolilik und Volkswohlfahrt. Das politische Leitgedicht„Das Deficit" ironisiert die Finanzlage des Reiches. Das Leitgcdicht der Beilage„Laiidsriedenshiuch" beschäftigt fich mit einem der neueren, s. la Löbtau gefällten Gerichtsurteile. Des weiteren enthält die Nummer eine Novelle von Clara Müller„Eisgang"(illustriert) und zwei Humoresken aus der Feder Max Kegels, wich sonst ist die politische Satire in Wort und Bild noch reich in der 12 Seiten starken Nummer vertreten, so daß wir unfern Lesern die Anschaffung der- selben nur empfehlen können. Der Preis der Nummer ist 10 Ps, Marktpreks« von Berlin nin 27. Januar IVOS nach LrinilNinigk» des tgl. Polizeipräsidiinns. » frei Wagen nnd ab Bahn. ab Bahn. Prodiikteiimar7t vom 28. Januar. Auf dem Getreidemarkt entivickelte sich schwächere Tendenz. Weizen und Roggen waren im Anschliitz an mattere Aiislandsineldiingen, sowie infolge von reichlichem Wcizenaiigebot zu rentablen Preisen V» M billiger zu haben. Auch durch den Umstand, vav nach eintägigem Frost wieder Tauwetter eingetreten ist, wurden Reali- sierungen veranlaht, die aber Ziirückhaltimg der Abgeber begegneten; das Lieferungsgeschäst blieb daher änherff still und auch der Handel mit effektiver Ware entwickelte sich nnr schleppend. Mehl notierte wie gestern. Am Markte siir Futterartikel, der gleichfalls jeglicher Regsamleit entbehrte, war Mais unverändert, während Haser etwas nachgab. Rüböl ging nach anfänglicher Befestigung aus gestrige Preise zurück. Spiritus zog 20 Pf. a», 70 er loco notierte 33,70 M. Eingegangene Trintschriften. Von der„Reuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 17. Heft des 20. Jahrgangs erschienen. A»S dem Inhalt heben wir hervor: Duellmord und Duellhumbng.— I. I. Bachosen.(18S1— isoi.) Von. Dr. Cafimtr v. Kelles-Krauz.— Ein moderner Erztehungsroman. Von H. Ströbel.— Die Kinderarbeit in der Sonneberger Spielwaren-Jndustrie.> Von P. Reihhaus-Ersurt.— Zur Frage der Aibeilsloicnverstcherung. Bon' Hermann Molkenbuhr. L— Litterarische Rundschau: Johannes Frizenschaf, Die Praxis des Journalisten. Josef Hcrzfeld, Die mecklenburgische Ver faffuug.„La rnaterialisrne de Marx et pidealisrne de Kant".„Kant etait-il un sophiste bourgeois", reponse i Paul Lafargue par Ch. Bappaport.— Splitter. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Jntereffen der Arbeitcrunieu (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 3 des 12. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Das Verrückteste.— Di« Lage der Frauen in der Londoner Eigarren- industrie. Von 61. LI.— Vom Schutz erwachsener Arbeiterinnen im Ans- land. Schweiz. Oesterreich-Ungarn. Die Niederlande. Von a. br.— Aus der Bewegung.-- Jahresbericht der Bertrauenspersonen der Geiiolsinnen von Berlin.— Feuilleton: Betrachtungen. Von Multatuli. Deutsch von Wilhelm Thal.(Schluß.)— Notizenteil: Weibliche Fabrikinspcltoren.— Briefkasten der Redaktion. Tie jniislischc Sprechsiiinde findet täglich mit Zlusnahmc des Toniiabcnds von 7>/z bis tl'/z tthr abends slatt. Eentralvereiu der Bildhauer. Ihre Karte kam— da die Post wegen der kaiserlichen Gcburtstags-Fcier nur in den Morgenstiiiiden aus- gelrageu wurde— erst Dienstag früh in unsre Hände. Die Ausnahme der Vcreiiislalender-Notiz war dadurch miiiiöglich. W. K. 1. Aus dem Lateinischen. 2. Das erste e wie a, das zweite e stumm. K. G. 25. 1. Mit e. 2. Im Konjunktiv mit S. O. M. Der Beitrag für 2 Monate tann in Abzug gebracht werden.— F. F. Ein Einspruch lann nicht die Heirat hindern, wohl aber kann die Nichterfüllung Ihrer Unterstiitziiiigspflicht die Einziehung zur Folge haben. — H.