f Nr. 86. AdvMtments-Kedingvngen: «bonnements- Preii pränumerando: visrteljährl. ZL0 Ml., monatl. l.loMl., wöchenllich 2S Psg. frei int Haus. Einzelne Numw»r S Pfg. Sonntag»- Numnier mit tniinttccict Sonntag!- Beilage„Die Nene Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l,lv Marl pr- Monat. Eingelragen in der Post- Zeitung»- PreiZliste für 1902 unter Nr. 7878. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige illutland g Marl pro Mona». Lrschelnk täglich«uster Montag«. *>' Vevlinev Volksdlstt. 19. Jahrg. Mt Insertions-SMyl beträgt für die sechsgespaltene Kolonsl« zeile oder deren Raum 43 Pfg., für poltttschsnnd gswerkschaftltchs Verein»- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fety. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 1 Uhr nachmittag» tn derExpedition abgegeben werden. Die Erudition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittag» geöffnet, Telegramm- Adresse: «Kortnldemoltrat Kerlin» Centralorgan der socialdemokratisrhen Partei Deutschlands. Kedalttivn: sw. 19, Beuch-Skrafze 2. Fernsprecher: Amt I Nr. 1606. Freitag, den 3t. Januar 1903. Expedition: sw. 19, Beuch-Skrahe 3. Fernsprecher? Amt I, Nr. 6121. Ein agrarisches Zugeständnis. Die in dem intelligenteren Teil des diehzuchttreibenden Bauernstandes zunehmende Erkenntnis, daß ihn die Annahme des Zolltarif-Entwurfs schädigen würde, da die Vorteile der Zollerhöhungen auf Vieh und tierische Produkte durch die Nachteile der geplanten Zollbelastung auf Futtermittel mehr als reichlich ausgeglichen werden, ist den agrarischen Kapazitäten von der Species der Wangenheim, Hahn und Oertel im höchsten Grade unangenehm; denn zu der Durchsetzung der von ihnen im Dienst und Interesse der ostelbischen Großgrundbesitzer ge stellten Forderungen ist die Mitwirkung des mittleren und kleineren Bauern nun einmal nicht zu entbehren. Seit einiger Zeit wird denn auch in den für ländliche Wähler bestimmten kleinen Provinzialblättchen mit allen Mitteln der Sophistik den obstinaten Bauern klar zu machen versucht, daß das sogenannte landwirtschafb liche Interesse einen„lückenlosen Zolltarif" verlangt, denn wenn die Futtermittel-Zölle nicht erhöht würden, werde sich sofort die Landwirtschaft in stärkerem Maße der Viehzucht zuwenden, und dann würde auf diesem Gebiet eine Ueberproduktion entstehen, welche die bäuerliche Viehhaltung unrentabel machen müßte. In einem neuerlichen, zur Aufnahme in die Kreis- und Landratspresse bestimmten Artikel der„Korrespondenz des Blindes der Landwirte" heißt es in dieser Beziehung: „Die Gclreidebniicr. die trotz oller Sorgfalt, trotz oller on- gewandten Mühe infolge der unznlnnglichen Getreidezölle nicht eimnal die Produktionskosten decken können, würden diesen unrentablen landwirtschaftlichen Betriebszweig auf dos allergeringste Maß einschränken, und zu der inzwischen unter de in Schutze hoher Zölle rentabel gewordenen Vieh zu cht, beziehungsweise Viehinästerei übergehen. Von dem Augenblick an, wo dies in größerem Umfange geschieht, »vürde dann eine heute schon aus dem Gebiete der Viehzucht drohende Ueberproduktion entstehen, die im Handumdrehen die Vieh- und Feischpreise werfen und damit auch diesen Zweig der Landwirtschaft ebenso wie den Getreidebau dem sicheren Untergange entgegensühren ivnrde." Und zwar erfordere, so wird weiter argumentiert, dieses „landwirtschaftliche Interesse" nicht nur die Erhöhung der Zölle auf solche Futtermittel, die in Deutschland selbst am gebaut werden, sondern auch auf jene, die im In lande nicht p r o d u z i e r t werden, z. B. auf Mais, denn das Maismehl mache heute schon dem Weizenmehl Konkurrenz, und ferner gehe man darauf aus, Bier aus Mais zu brauen, besonders aber drohe er die Kartoffelspiritus- Fabrikation völlig un- rentabel zu machen. „Der Viehzüchter und-mäster seinerseits", heißt es dam» weiter, „der heute nicht ohne billige» Mais und andre ausländische Futter- mittel prosperieren zu können meint, lvird alsbald zu seinem eignen Schaden folgende Erfahrung mache»: Die Viehinästnng wird immer mehr und mehr den Händen der Viehzüchter, der Landwirte entwunden werden. Jeder über ein gewisses Kapital verfügende Nichtlandwirt wird in der Lage sein, sich an einen» für die Einfuhr besonders geeigneten Punkt, möglichst in der unmittelbaren Nähe großer Absatzgebiete(Großstädte oder dicht bevölkerter Jndustriecentren) niederzulassen, Vieh aufzukaufen und dank den besonders günstigen Bedingungen für � die Einfuhr billiger ausländischer Futtermittel sowie' für den Absatz seines ge- niästete» Viehes, seinen landwirtschaftlichen Konkurrenten mit Leichtigkeit aus dem Felde schlagen können." Die Argumentation steht genau auf derselben Höhe, wie die vor einigen Tagen beleuchtete, daß eine Aufhebung der Grenzsperre den Fleischkonsumenten gar nichts nützen könne, da, wenn 2 bis 3 Millionen Schweine jährlich mehr in das deutsche Zollgebiet eingeführt würden, sicherlich ebenso viele von der Maul- und Klauenseuche befallen würden und krepieren müßten. Interessant ist aber, daß erstens, wie der Hinweis auf die Verwendung von Maismalz anstatt des Gersten- und Hafermalzes zur Bierproduktion und von Mais statt der Kartoffel zur Spirituserzeugung beweist, die Bundeshäupt- linge, obgleich sie von einem allgeineinen landwirtschaftlichen Interesse sprechen, doch unter diesem ausschließ- lich das specifische Interesse der oft elbischen Großgrundbesitzer verstehen, und zweitens, daß sie indirekt zugeben, die viehhaltenden Bauern würden von dem neuen Zolltarif keinen Vorteil haben und dürften auch keinen erlangen, da eine weitere Steigerung der Rentabilität der Viehzucht notwendig zur Ueberproduktion und zum Preis- druck führt, eine Ansicht, die zu der sonst behaupteten Notlage der Viehzüchter und den Klagen über die niedrigen Viehpreise recht schlecht stimmt. Wenn die Vieh-Zollerhöhungen bereits eine derartige Zunahnle der Rentabilität der Viehhaltung be- deuten, daß ohne das Gegengewicht der Zollerhöhungen auf fremde Futtermittel sofort sich Landwirte und Nicht-Landwirte in Masse und zwar obgleich sich für elftere der Getreide- Anbau infolge der geplanten Getreide-Zollerhöhungen eben- falls lohnender gestaltet, auf die Viehaufzucht werfen, dann kann unmöglich die jetzige Lage der Viehzüchter und-Mäster eine so elende sein, wie sie sonst aus agitatorischen Gründen die„Korrespondenz" schildert. Selbstverständlich ist die Behauptung, eine Nichterhöhung der Zölle auf fremde Futtermittel werde sofort zur Ueber- Produktion führen,— sonst heißt es, die deutsche Viehzucht müsse so gehoben werden, daß sie völlig allein den deutschen Markt versorgen könne— nichts als Spiegelfechterei. Der Ueber- gang zur Viehhaltung ist denn doch noch von ganz andren Bedingungen abhängig, als nur von dem Wünschen oder Be- lieben der Getreidebauern. Das wissen die Herren, wenn ihnen vorgehalten lvird, warum nicht Ende der siebziger Jahre die deutsche Landwirtschast gleich der dänischen in größerem Maße zur Viehhaltung übergegangen sei, sonst recht gut auseinander zusetzen. Uebrigens läßt sich dasselbe Argument mit mindestens gleichem Recht auch auf den Getreidebau anwenden. Auch von ihm läßt sich behaupten, daß die Steigerung seiner Rentabilität durch die gePlanten Zollerhöhungen dazu führen müsse, daß sich die Landwirtschaft weit mehr auf den Getreide- Anbau legen und dadurch eine Ueberproduktion, wenigstens im Osten, entstehen lverde. Hier dieses Argument anzuwenden, fällt aber den Wortführern der Agrarier nicht ein. Was die Futterzölle anbetrifft, so stehen die Interessen des ostelbischen Junkers denen des west- und süddeutschen Bauern direkt gegenüber, und da ist eben selbstverständlich, daß letztere sich bescheiden müssen; denn im Grunde genommen ist der Bund der Landwirte eine reine Interessenvertretung des ostelbischen Grundbesitzes, die nur das Kleinbauernwm als Vorspann gebraucht. Der Großgrundbesitz des Ostens aber hat kein Interesse an billigen Futtermitteln; er betreibt nur in mäßigem Umfange Viehzucht und pro- duziert die für diese erforderlichen Futtermittel selbst; ja er bringt meist von diesen noch große Mengen auf den Markt. Dagegen ist der mittlere und kleine Bauer in den meisten Gegenden West- und Süddeutschlands vor allem Viehzüchter und-Mäster, der durchweg einen großen Teil seines Futter- bedarfs hinzukaufen muß. Während z. B. nach der Zählung von 1895 auf 1 Hektar landwirtschaftlich benutzte Fläche bei den Betrieben über 100 Hektar in Ostpreußen nur 27,4 Stück Rindvieh und 9 Schweine, in Westpreußen 21 Stück Rindvieh und 11,9 Schweine, in Pommern 18,3 Stück Rindvieh und 13,7 Schweine kamen, entfielen auf die gleiche Fläche bei den kleinbäuerlichen Be- trieben von 2— 5 Hektar in Bayern 97,5 Stück Rindvieh und 46,9 Schweine, in Württeniberg 101 Stück Rindvieh und 45,7 Schweine, in Baden 101,3 Stück Rindvieh und 60,4 Schweine. In diesem Widerstreit der Interessen des ostelbischen Junkers und südwestdeutschen Kleinbauern geht naturgemäß die innige Bauernliebe der Bundesleitung.flöten; viel notleidender als der badische oder bayrische Kleinbauer sind ja unbedingt die Grafen von Arnim, Kanitz, Klinckowström usw. Und da bessere Gründe sich nicht bieten, werden im Gegensatz zu den sonstigen Deklamationen offen die Viehzoll-Erhöhungen von der„Korrespondenz" als hohe bezeichnet, und angenommen, allein schon eine Nichterhöhung der Zölle auf in Deutschland nicht angebaute Futter- mittel genügt, die Viehhaltung so rentabel zu machen, daß eine Ueberproduktion ein4 treten m u ß. Für die kommenden Verhandlungen der Zolltarif kommission über die Viehzölle liefern diese Ausführungen der „Korrespondenz" ein wertvolles Zugeständnis. Wenn nach Ansicht der Bundesleitung der Landwirte die geforderten Vieh zollerhöhungen ohne das. Korrektiv stark erhöhter Futter mittel die Viehhaltung so rentabel ge� stalten würden, daß eine baldige Ueber� Produktion in sicherer Aussicht steht, so folgt daraus unbedingt, daß ohne die Anwendung dieses Korrektiv, d. h. ohne die geplante hohe Steigerung der Futtermittelzölle, die jetzigen Viehzölle der Viehzucht eine niehr als ausreichende Rentabilität sichern. Und die Kompetenz der Bundesleitung zur Beurteilung derartiger Fragen werden doch die agrarischen Mitglieder der Zolltarif' Konimission nicht bestreiten wollen. Die ZoNtarif-Kommission des Reichstcigs setzte Donnerstag die Beratung Über Z 8 des Tarif- gesetzes und die zahlreichen dazu eingebrachten Anträge über die UrsprnngSzengniste-c. fort. Abg. Brömel(frs. Vg.) nimmt die Handelskammern, die gegen die Nrsprungszengnifse protestiert haben, gegen de» von der Rechten erhobenen Vorivurf der Agitation in Schutz. Die Handelskammern hätten nichts andres getha» n>!e die Regicrnng und sich genau so gegen die Anträge ausgesprochen, wie Graf Posadoivsky und Direktor Mermuth. Ursprungszeugnisse seien sehr schwierig auszustellen, häufig würde» Unrichtigkeiten vorkommen. Es liegt hier gar kein Bedürfnis ! eine derartige Regelung vor. Schon jetzt seien Bestinimunge» vorhanden, die dem Bundesrat das Recht gebe», Ursprungszeugnisse in gewissen Fällen zu fordern. Auch den Antrag Gothein lehire er als überflüssig ab. Staatssekretär Graf Posadowsky crlvidert. der Antrag Gothein- Fischbcck sei nicht überflüssig. Ursprungszeugnisse fordere er nur für zweifelhafte Fälle, nicht in jeden» Fall. Die Regierung habe jedoch die schwerste»« Bedenken gegen die allgenrcine Forderung der Ursprungszeugnisse, und bittet dringend, die Anträge bis auf den Antrag Gothein-Fischbeck abzulehnen. Abg. Stadthagru(Soc.): Der Antrag Gothein- Fischbeck sei geradezu gefährlich,»vcil er dem Bimdeßrut eine Vollmacht erteilt, deren Tragiveite sich nicht übersehen lassen und die zur allgemeinen Forderung von Ursprungszeugnissen führen. Was könne nian nicht alles zun» Beispiel aus dem Worte „hcrstanmiend" herausdeuten; daher muß auch dieser Antrag abgelehi»t werden. Auch der Begriff„Herstellungsland" im Antrag Gamp sei ganz verschieden definierbar. Zweifel seien nicht ausgeschlossen und die Unklarheit der Bezeichnung erweise auch die Unklarheit der Gedanken der Antragsteller. Diese wollten dem Handel den Hals umdrehen, ihn erdrosseln, nur schützten sie aller- dings müßige Gründe für ihr Vorgehen vor, un» damit die ivahrcn Gründe zu verdecke»». Die Socialdemokratie sei hier ivahrhaft kon- servativ, nicht revolutionär, wie die Väter des Antrages Gamp. Hamburgischer Bundesbevollmächtigter Senator Dr. Kliigmann findet auch den Antrag Gothein eigentlich noch zu iveitgehcnd. Selbst bei Annahme dieses Antrags müsse den» Bundesrat vollste Freiheit für die Ausführung eingerämnt»verde»». Man überlege nur,»vas hier beschlossen»verde, bedeute für den Handel internationales Rechts das habe bereits Bismarck hervorgehoben. Die äußerste Vorsicht fei also geboten. Sollen z. B. alle Länder bezüglich der Ursprungs- Zeugnisse»vie die»vestindischen Republiken behandelt»Verden. Der Antrag Gothein-Fischbeck bedeute das äußerste,»vorauf man»och eingehen könne. Nachdem Abg. Brömel(frs. Vg.) noch einmal gegen de» Antrag Gamp gesprochen hat, verlangt Abg. Singer bei der eventuellen Annahnie des Antrags Gothein< Fischbeck in diesem die Mitwirkung des Reichstags auszusprechen. Die Möglichkeit politischer Vcr- wickelnngen sei bei Zollkriegen durchaus nicht ausgeschlossen. Singer überreicht einen dahingehenden Antrag. Dem Antrag Gothein- Fischbeck soll hinzugefügt werden: „Die getroffenen Anordnungen sind dem Reichstage sofort oder, ivenn er nicht versammelt ist, bei seinem nächsten Zufammen- tritt nlitzutcilen. Sie sind außer Kraft zu setzen,»venu der Reichstag die Zustimmung nicht erteilt." Staatssekretär Graf Posadotvsky: Nach der Vorlage habe»»vir schon die Möglichkeit, Ursprungszeugnisse zu fordern, nur als Regel dürfen»vir dies nicht ausstellen. Die verbündete» Regierungen können eine Bestimmung nicht annehmen,»velche Ursprungszeugnisse zur Regel»»acht. Abg. Graf Schwerin-Lötvitz(kons.) hat gegen den von Singer beantragten Zusatz nichts einzuwenden. Abg. Fischbcck(fr. Vp.): Die Angelegenheit sei eine Sache der Berlvaltuug, und der Bundesi'at habe etlvaige Zolldifferenzierungen! zu bestimmen. Nachdem Singer den Zusatz gemacht haben»volle und er sich überzeugt habe, daß sein Antrag überflüssig sei, ziehe� e r den Antrag Fischbeck- Gothein zurück. Bei der Abstimmung lvird der Antrag Gamp mit dein Znsatz- antrag Singer mit 14 gegen 1« Stimme» angenommen. Der angenommene Antrag lautet also»vie folgt: „Bei der Einfuhr von Waren,»velche je nach dem Herkunfts« land verschiedenen Zollsätzen unterliegen, ist ein Nachiveis darüber, in welchem Staate die Herstellung der Ware erfolgte, zu erbringe», ividrigenfalls die Abfertigung zu dem höchsten Zollsatz erfolgt.' Ueber die Art und Weise, in»velcher dieser Nachiveis zu führen ist, trifft der Bundesrat die erforderlichen Bestiinmungen. Wenn über die Herstellung in einein Lande,»velches Anspruch auf die Abfertigung zu den» niedrigeren Zollsatz hat, Ziveifel nicht. bestehe»», so kann von der Beibringung eines besonderen Nach-! »veises über den Ursprung Abstand genominen werden. Die vorgesehenen Maßnahmen»verde»»ach erfolgter Zu-, j stimmnng des Bundesrats durch kaiserliche Verordnung verfügt.' Die getroffenen Anordnungen sind den» Reichstage sofort oder, � »veiu» er nicht versammelt ist, be! seinem nächsten Znsanniiciitritt niitznteilei». Sie find außer Kraft zu setzen,»veni» der Reichstag! die Znstimmniig nicht erteilt." Die Beratung wendet sich nun den» ersten Absatz deS g 8 in der Fassung der Regierungsvorlage zu: „Zollpflichtige Ware», die ans Staaten hcrstaimnen,»velche deutsche Schiffe oder deutsche Waren ungünstiger behandeln als die- jenigcn andrer Staaten, können neben dem tarifmäßigen Zollsatz einem Zollzuschlag bis zun» doppelten Betrage dieses Satzes oder bis zur Höhe des vollen Wertes»»iterworfen werden. Tarifmäßig zollfreie Waren können unter der gleiche» Voraus- setznng mit einem Zoll in der Höhe bis zur Hälfte des Wertes belegt werden." Nach längerer Debatte lvird dieser Absatz in der Faffnng der NegierimgSvorlage angenommen. Ein Zusatzantrag Brömel(frs. Vg.): „Die hiernach im Verhältnis zum Wert der Waren zn be« rechnenden Zuschläge der Zölle können in der Form spezifischer Zölle erhoben»verde»" Ivnrde gegen die Stimmen der Freisinnigen und Soclaldeinokraten abgelehnt. Hierauf wendet sich die Beratung den» Antrag Graf S ch>v e r i n- Löivitz— Dr. Beniner n. Gen. zu, der von Retorsionszölle» spricht, indem er folge», de Beftiinmtliig in den§ 8 anfgeiwmnien haben will: „Auch könne», solveit nicht Vertragsbestimmungen entgegen- stehen, für eingehende ausländische Waren dieselbe» Zölle' an- geordnet und dieselben Maßregeln verfügt»verde», die in ihren» U r s p r»l n g s l a n d e fiir eingehende deutsche Waren derselben oder entsprechender Art bestehen." Abg. Dr. B e» m e r(natl.) bittet um Annahme des Antrages. Der Bundesrat müsse das Recht zu Retorstonsinaßregeli» habe». Die Sätze des Zolltarifes seien vielfach zu niedrig, namentlich Amerika gegenüber. Senator Dr. Klügniani«- Hamburg spricht gegen den Antrag. Der Begriff„Ursprungsland" sei schlver definierbar, und der Bimdes« rat werde viiiknliert, da er mir„dieselben Maßregeln" amvcndeu solle. Abg. Singer(Soc.): Der Antrag»volle nur dem Amerika-Aerger Ausdruck geben. Das Vorgehen Amerikas sei ja nicht zu billigen, es schade sich aber selbst damit, und»vir haben keinen Anlaß. eS Amerika liachziimachen. Die Bkaßrcgel richtet sich gegen alle Waren, auch gegen die zollfreien; es wird»nieder der Begriff„Ursprungsland" eingeschmuggelt und doch will mau dieses Land gar nicht treffen. Es»nüßte mindestens„Herstellmigsland" heißen. Es ist eine eigentümliche Erscheinung dah wir die RegierungSkommissare vorstellen der Äegierung gegcniiber, die alles thut, um den Appetit der Schutz- nülluer immer noch mehr zu steigern. Mit den vorgeschlagene» Maßregel»«verde man Amerika nicht beikomiuen. Geh. Legationsrat Johannes meint, die Folge des Antrags Schivcri» und Gen.«verde eine völlige Unsicherheit des Verkehrs sein. Abg. Speck(C.) hält die Fassung des Antrags nicht für sehr gliü'lich; das von den Antragstellern erstrebte Ziel«verde durch ihn «iicbt erreicht. Er halt es aber für richtig, dem Auslände mit den gleichen Mittel» zu dienen, und«verde in der zivciten Lesung ent- sprechende AbändcrungSanträge stellen. Abg. Fischbcck sfrs. Vp.)«veist darauf hin, daß Deutschland gar keine Einrichtungen habe, um das Fakturensystem andrer Länder nachzuahmen. Wenn man durch solche Maßregeln Getreide und Rohstoffe bestimmter Länder ausschließe, so«vürden diese Waren andre Absatzgebiete aufsuchen und dafür«vürden nach Deutschland die Artikel aus begünstigten Ländern kommen. Das habe Freiherr v. Stumm beim russischen Handelsvertrag ganz richtig nachgeiviesen. Wenn man alle Belästigungen seitens anderer Länder diesen gegen- über in Deutschland nachahme, müsse man konsequenteriveise auch England gegenüber den Freihandel nachahmen. Nachdem»och der Abg. Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim(iiatl.) gegen den Borredncr polemisiert und der Abg. Gothein(frs. Vg.j den Antrag als Zollkriegsantrag und das Inland mehr«vie das Ausland schädigend hingestellt hat,«vird die Wcitcrberatung auf Freitag 10 Uhr vormittags vertagt. Volikifche Mebevflchk. Berlin, de» 30. Januar. Der Reichstag hatte am Donnerstag zunächst jene.Mav-Sitzuug des vorige» Jahres sorlzusetzen, iu der die B r a»» t>v e i n st e u e r- R o v e l l e durch Beschlußunfähigkeit begrabe»«vurde. Seitdem haben die Liebes- gabeu-Berbraucher der Spiritusiudustrie nicht geruht und auf ihr Betreibe» ist ei» Kompronüßaiitrag zwischen den» Centrum, der Rechten und einigen Vertretern der Natioualliberaleu zu stände ge- kommen, der die Liebesgaben-Politik für die SÄiiappsbreimer in andrer Weise sortsührei» soll. Es machte geschäftsordmmgsmäßig einige Schwierigkeiten, sich mit der Thatsnchc abzufinden, daß die Branutlveinsteüer- Novelle schon in der dritte» Lesung steht und mm doch jenes Kompronüßantrages«vegen in die Kommission»viedcr zurück muß. Aber der Seniorenkonvent hatte vor der Sitzung diese Schivierigkeite» beseitigt und so konnte die Sache im Plenmn in zehn Minuten nach de» Wünschen der Kompromißler erledigt«verde». Vor allem kam ihnen zu statten, daß Herr Richter Herrn Fischbeck veranlaßte, seinen Antrag ans namentliche Abstillnnung über den Artikel 1 ad 2 zurückzuziehen. Es wäre loyaler geivescn,«venu Herr Richter sich vor dcr Zurückziehung dieses Antrages erst mit derjenigen Partei ins Ein- vernehmen gesetzt hätte, deren Unterschriften in« Mai vorige» Jahres erst de» von 50 Mitgliedern zu stellenden Antrag ans namentliche Abstimmung ermöglicht hatten. Von freisinniger Seite«vor der Vorschlag gemacht«vorden, die Branntiveinsteuer-Novelle der Zolltarif-Kommisfion zu überlveise», und Singer hatte diesen Gedanken lebhaft unterstützt. Ans den andern Seiten des Hanfes scheint aber«venig Vertrauen z» dcr Arbeitsfähigkeit und dem Arbeitseifer der Tarifkommission zu herrschen, denn der Antrag«vurde lachend abgelehnt. Die socialpolitische Debatte, die dann wieder beim Etat des R c i ch s a m t S des Innern anhob,«vnrde mit un- geschwächtcn Kräften fortgesetzt. Noch ein Dutzend Redner sind vor- gemerkt, und der Soimabend dürfte herankontmen, bis dem Grafen Posadoivsky sein Gehalt belvilligt«vird. Die Debatte brachte zunächst eine Rede unsreS Genossen Pens, der gegen die Herren Dr. Oertel und v. Massoiv glücklich polemisierte imd die Lacher auf seiner Seite hatte, als er Herrn Massoiv daran erinnerte, daß die größte» Judeuhasser oft die Töchter der Juden lieben. Der eigentliche Gegenstand der PenSschen Rede «var die Kinderarbeit auf dem Lande, deren gesetzliche» Schutz er mit Sachkenutnis verlaugte. Für die Landarbeiter forderte er das Koalitionsrccht und«vics auf das Bestreben der cinzeliieii Landtage hin, durch Kontraktbrnch-Gesetzc die Znchthausvorlage zu ersetzen. Hieran schlössen sich drei sehr unbedeutende Reden der Herren Jacobskötter, Hoff mann- Hall und S ch l n ni b e r g e r. Herr Jacobskötter hatte de» Schmerz, gegen seinen Fraktionskollegeu Pauli und dessen Klagen über das ZlvnngS-Jinimigsgcsctz zu polemisiereir, der süddeutsche Volksparteiler Professor Hoffmami schlväbelte gegen die Kurpfuscherei und die weiblichen Acrzte, denen «r nicht sehr freundlich gesonnen ist, und Herr Schlnmberger schließlich brachte seine Abneigung gegen das internatioimle Arbeitsamt in Basel in merkiviirdigen Znsammenhang mit seiner Begeisterung für Kanipfzölle gegen Amerika. In vorgerückter Stunde kam Bebel zu Wort, um schlagende Kbrechnnng mit den Herren v. Hehl und v. Massoiv zu halten. Dabei fiele» Schlaglichter ans die jüngste Entscheidung des preußischen Obcr-VcrivaltnngsgcrichtS, das den Franc» die Teil- nähme an Festlichkeiten politischer Vereine untersagt, und auf den Rektor der Berliner Universität«vegen der Auflösung des Social- wissenschaftlichen Studentenvereins. Die treffende Charaktcrisiernng des Herr» v. Massoiv«veckte häufig die Heiterkeit des Hauses. Der jüngst in Wiesbaden gewählle freisinnige Abg. Dr. Crüger forderte vom Staatssekretär Erhebungen über das Jnnungslvcse», die Graf Posadolvskh auch zusagte. Gleichzeitig teilte der Minister mit, daß er bereits eine Unterstützung dcS internationalen Arbeits- amts in Bafel aus den Mitteln des RcichsamtS dcS Innern angeordnet habe. Freitag geht die Debatte weiter. � Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus übertvics am Donnerstag de«: Autrag v. Arnim(l) und Genossen betr. die Aonderung der Orgainsation und des Verfahrens der General- k o m m i s s i o n e n an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Der Antrag beziveckt die Unterstellung der General- konimissionen unter die Oberpräsidenten und die Veriuehrnng der Techniker solvic des Laienelcments in den Kommissionen. Hierauf setzte das Halls die Beratung des Etats der l a n d>v ir t s ch a f t l i ch e n Verwaltung fort. Die Agrarier der verschiedenen Parteien suchten«vieder Stimmung zu machen für höhere Getrcidezölle und für einen Zoll ans Oucbrachoholz. Daneben klagten sie über die Arbeiternot, die immer noch nicht abgenommen habe, und über die angeb- liehe Vergnügungssucht der Landarbeiter. Einen langen Wunschzettel verlas der Oberagrarier v. Mendel-Stein- f e l s(f.). der u. a. für die Beibehaltung der Zuckerprämien und für strenge Grenzsperren eintrat und neben dem Fleisch- schau-Gesetz ein Viehversichcrungs-Gesetz forderte. Der Miilister griff nicht mehr in die Debatte ein. Nach Belvilligung seines Gehalts vertagte das Haus die«veitere Etatsberatung auf Sonnabend. Am Freitag fällt die Sitzung aus.— Marinistische Waffertrübunge». Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ist infolge unsrcr Beröffcutlichung des Mariue-Erlasses ganz lulgelvöhu- lich redselig geivordeu. Sie hat die Aufgabe übernommeii, die durch unsre Beröffcutlichmig geschossene klare Situation«vieder zu verdunkeln, das Wasser zu trüben, damit Herr v. Tirpitz in ihm entivischeii könne. Die breite Geschlvätzigkeit des Regierungsblattes«vird noch über- boten durch seine Inhaltslosigkeit, Unehrlichkeit und Plumpheit. Herr v. Tirpitz hatte in seinein Erlaß seine verschiviegencn Gedanke» unvorsichtig ausgeplaudert. Jetzt muß die„Nordd. Allgem. Ztg." versuchen, jene Offenherzigkeit«vieder zu verivischei» imd die Tirpitzercicn, mit denen die Flottenvorlagen von 1898 und 1900 durch- geschmuggelt«vurde», zu«viederholeu und zu steigern. So lang auch das offiziöse Geiväsch ist, die präcise Beautlvortung unsrer beiden Fragen sucht mau vergeblich. Weder«vird verraten, «vie hoch die Jndiensthallnngen,»och«vie groß die Zahl der ge- forderten Auslandsschiffe sein«vird. Die Lücke i» dein Erlaß«vird trotz luisrer Anfsordcrung nicht ausgefüllt. Dagegen«vird von den» osfizivscn Blatt der klare und ehrliche Wortlaut dc§ Tirpitzschcn Geständnisses in der nnverschämtesten Weise gefälscht. Was soll es z. B. heißen,«veim das Blatt die komprvurittierlichste Stelle des Erlasses«vie folgt crläuterl: Es«verde „in dem Erlaß zunächst i» Erinnerung zurückgerufen, daß man sich bei Aufstellimg des Flottengesetzes durchaus darüber klar«vor, daß mau die Judiciisthaltruig mit Rücksicht aus personelle und finanzielle Gründe mir allmählich eutivickelii könnte. daß inau mithin eine Vermehrmig der Jndieusthaltnugeu für das Ausland zurückschieben und auch nlit dein organisatorischen Ausbau der Schlachtflotte nur langsam vorgehen könnte. Dementsprechend sind die Dispositionen im Reichs- Marine- Amt bis 1905 derart festgelegt, daß sich die insgesamt erforderlichen Geldmittel durchaus im Rahme» der in der Budgctkommijsion aufgestellte» Gcldbedarfs-Nachiveisuiigeii hallen. Für die Periode von 1905— 19l0 ko ii>i teil derartige detaillierte Dis- p o s i t i o u e u n o ch nicht getroffen werden,>v e i l da- zwischen noch mit einer N a ch f o r d e r u n g für die Auslandsschiffe zu r e ch n e u«var u n d auch im übrigen die e i» j ch l ä g i g c u V e r h ä l t» i s s e im e i»- z e l ii e n noch nicht zu übersehen sin d." Jedes Wort der„N. A. Z." eine beivnßte Verdrehung! Der Erlaß rief thatsächlich in die Eriimemug zurück, daß mau dem Reichstag die JiidiciisthaltmigSkosten falsch angegeben habe,«ueil bei der Kenntnis der«virklichen Kosten die Vorlage nicht durch- zubringen gelvesen«väre. Ein Schivindcl ist cS auch, daß man in jener Berechiimig. die die jährliche Steigernug der Unterhaltungs- kostcii auf 0 Millionen schätzte, nicht die Nachfordernng für die Ans- landsschiffe cinbegriffeii hätte. Das Gegenteil ist«vahr. Des«veiteren«vird aber das Handlverk von 1899/1900 fort- gesetzt und abermals geflissentlich die K o st c n zu niedrig angesetzt. Nur die Baiikostc» der neue» Vorlage «verden auf 130 Millionen Mark angesetzt—«vas belvcist, daß mehr Auslandsschiffe gefordert«verden als 1899— dagegen«vird hinsichtlich der JndieiisihaltuiigSkosten die alte Irreführung fortgesetzt. Es heißt nämlich.- „Selbst ivcnii die Steigenuig vorübergehend bis zu 9 Millionen Mark belrageu Ivürdc, ctiva 7—7—3—9—9 Millioneii Mark, «vürden die fortdauernden Ausgaben im Jahre 1910 nur um 10 Millionen Mar? höher fei», als bei 0 Millionen Mark Steigerung." Ja, meint dem« die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" daß irgend ein urteilsfähiger Mensch so duimi» ist. das zu glauben? In seinem� Erlaß vom 6. Januar 1992 bekennt Herr v. Tirpitz, er habe sich nicht getränt, dem Reichstag 1399 die «virklichen Kosten für die Judiensthaltliiige» anzugeben,«veil sie 1905—10„so hohe B e d a rfSz a h l cn" ergebe» hätten, daß neue Stenern erforderlich gelvesen«väre». Und jetzt behauptet die „N. A. Z.". daß es sich mir nm einzelne lumpige Millionen mehr handelte, die„vorübergehend" gefordert werden töiinte«!. Un- glaublich! Eine runde Milliarde forderte Herr v.TiiPitz kaltblütig, aber zivci, drei Millionen mehr zu begehren— davor bebte er zurück, da täuschte er lieber den Reichstag! Es scheint in der That eine un- geheure Verlvirrung in den Kreisen der Marine-Offiziösen hervor- gerufen zu sein, daß man mit derlei Faxen die öffentliche Meinung verlvirren zu köimcn glaubt. Aber diese Behauptungen über die Jiidicnsthaltuiigskosteii sind nicht mir mivcreiiibar mit dem Bekenntnis des Erlasses, sondern ihr «vidersprechen auch die Thntsiichen. Herr v. Tirpitz sollte doch wirklich die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" über seine thatsächlicheu Absichten aufklären, damit sie nicht so lächerliches Zeug schreibt... In der Marinepresse herrscht über Herrn v. Tirpitz' allzu große Erlaß-Offenherzigkcit großer Unmut. Man deutet ihm an, daß er klüger daran thätc,«venigcr zu schreiben. Sehr scharf schreibt die konservative„Schlesische Zeitung": „Der Staatssekretär des Reichs- Marincaints hat weder der Sache, die er vertrete»«vill, noch dem Vaterlande einen Dienst er- «viesen, indem er gerade im jetzigen Augenblick cincii solchen Plan in Angriff nimmt, der nach der Behauptiiiig des CentrumS- Abgeord- neten Müller- Fulda den Erklärungen des Staatssekretärs bei dcr Bercitmig der letzten Marinevorlage direkt widerspricht. Sollten sich aus der Veröffentlichung dieses Erlasses ernstere Vcrwickc- lnngcn ans innerpolitischcm Gebiete ergeben, so ninß der Staatssekretär v. Tirpitz für die üble» Folgen seiner Un- geschicklichkeit vcranttvortlich gemacht«verde». An diesem Urteil können auch die RuSlassimge» der„Nordd. Allg. Zig." nichts ändern, daß der jetzige Plan nur den früheren Erklärmige» dcr Regicrmigsvertreter entspricht." Der Marine-Erlaß hat in jeder Hinsicht Nnfklärmig geschafft. ES kann jetzt nicht mehr bestritten«verden, daß der Zolltarif für die Regierung dcn Zlveck verfolgt. nene Äkittcl ans Kosten dcS arbeitenden Volkes für die auSschiveifendsten Gelüste der Seeromantik zu be- schaffen.—., Deutsches Weich. Nationalliberale Zollzertviirfnis. Wir teilten kürzlich mit, daß Herr v. Heyl deinnächst aus der Zolltarif-Kommissio» austreten «verde,«veil zahlreiche seiner nationalliberale» Parteigenossen seinen hochagrarischen und hochschntzzöllncrischen Neigungen nicht folgen«vollen. Zivar ist der angekündigte Austritt bisher nicht vcr- «virklicht, aber er solle dennoch in nächster Zeit zu erivarten sein. Ueber die Vorgänge in der iiationalliberalen Rcichstagsfraltion«vird jetzt von dem Korrespondenten des„Pfälz. Courier", der von Herr» v. Hehl selbst miterrichtet zu sei» scheint, einiges näheres berichtet. Danach„that Herr v. Heyl Schrilte, um sich in der Zolltarif-Kom- nüssiou mit den Vertretern der Mehrheitsparteien zusammenzufinden behufs Schaffung einer festen, zahlenmäßigen Basis, von der aus man mit der Regierung unterhandeln könne. Es gelang ihm auch, die Vertreter der Mehrheitsparteien in der Kommission ans einen Miudestzoll von sechs Mark für alle vier Getrride-Artcn zu einigen. Herr v. Heyl, der Arrangeur des Ganzen, wurde aber von seiner eigenen Fraktion des- avouiert. In einer Sitzung derselben erklärten etliche zlvanzig Mitglieder, daß sie mit den von der Regierung zum Schutze der Landivirtschaft vorgeschlageuen Zollsätzen vollständig e i n v c r st a n d e ii und f ii r c i n e u h ö h e r e» Z o l l nicht z u haben seien." Der Korrespondent schreibt dann«veiter, daß der Abg. H i l b ck diese Erklärimg im Namen der Fraktion als den Mehrhcitsbqchluß verkündet habe. Hilbck habe aber nicht mitgeteilt, daß dem Wunsche des Freiherrn v, Heyl, der offizielle Führer der Fraltion, Abg. Bassermaim, solle eine Einladung an alle Mitglieder der Fraktion zu der betreffenden Sitzung ergehen lassen, nich» eni- sprochen«vorden sei. Hilbck habe«veiter auch nicht erklärt, daß man die Sitzung so rasch anberaumt hatte, um es den ablvesenden Mit- gliedern unmöglich zu machen, noch rechtzeitig zu erscheinen.— Di«„Post" besitzt die Keckheit, in Hinsicht ans u»sre Ber- öffentlichniig des Marin«-Erlasses von„socialdemokraiiichcut Schivindel" zu sprechen. Es ist nett, Ivemi ein Blalt, dessen geistiger Leiter«vegen des von ihm angestifteten migeheuren Kanalschivindels mit Schimpf und Schande ans dem Amte gejagt«vnrde, andre Leute der Unehrlichkeit zu bezichtigen. Ilcberhanpt thäte aber die„P o st" gut daran, nicht von Schivindcl zu sprechen. Wenigstens müßte sie zuvor Sorge tragen, daß sie nicht selbst Handlmige» begeht, die im S i u» e der Gesetze außer- ordentlich bedenklich sind. Die„ P o st" versendete kürzlich Reklanie-Prospekte, in denen sie sich erbot, das Blalt gratis zu liefern, sofern ihr nur die Post-Ueberiveisnngsgebiihr mid die Selbstkosten für das Papier iz»' sammen 0,70 M. für den Monat) vergütet würden. In diescr Offerte behauptet die„Post", daß sie„sich infolge ihres reichhaltigen und interessanten Inhalts einer steigenden Beliebtheit" erfreue. Die steigende Beliebtheit des Blattes besteht mm darin, daß seine Auflage von Quartal zu Quartal gefallen ist. Vermutlich «vird die„Post" den Hvchstgrad der Beliebtheit in dem Angeiiblick erreicht haben,«venu sie ihr Erscheinen einstellt. Wie«vir zuverlässig erfahren,«vird die„Post" jetzt überhaupt mir noch in 3570 Exemplaren gedruckt(was nicht gteichbedeutend mit: abonniert ist),«vährend sie in früheren Zeiten es ans 16 000 Exemplare ge- bracht halte. In Berlin hat das Blatt gar mir 1100 Abomienten, was es vermutlich seinen Inserenten nicht auf die Nase binden wird, wenn es gern von seiner„steigenden Beliebtheit" erzählt. Man sieht, daß das großmäulige und in» Kampf gegen den Gegner»»isanberste Blatt eigentlich so gut«vie gar nicht existiert. Es kommt nicht viel über den Kreis seiner Besitzer hin- ans, die allerdings erlauchteste Nanien tragen. Die„Post"- Gesellschaft besieht»änilich aus folgenden Mitgliedern: Seine Durchlaucht H e r z o g von Natt bor. Seine Diirchlamlit Herzog z n Trachenberg, Oberprnsident der Provinz Schlesien, Seine Durchlaucht Fürst von Pietz, Seine Diirchlnucht F ü r st z n Stolberg- Wernigerode. Freiherr von E ck a r d- st e i Ii' s ch e Erben, Freiherr von F a l k e n h a u s e n s ch e Erben. Seine Excellenz Freiherr Lucius von B a l l h a u s e li, Königl. StaatSniinister. Seine Excellenz Graf v o n M a I tz a n- M i l i t s ch, LegationSrat von N e u in a n u s ch e Erben. Konsul Stengel, Freiherr.von S t n m in- H a l b e r g s ch e Erben, Präsident a. D. Freiherr v o n Z e d Ii tz- N e n k i r ch. Da sich die behauptete Steigerung der Belieblheit nicht nach der Höhe der Aboniienteiizahl bemesiei» kann, so bezieht sich die „ehrliche" Versicherung offenbar auf die Vermutung, daß das Blatt bei jenen durchlauchtigen Herren immer beliebter wird, je mehr es sie— lostet. Ebenso wie die Beliebtheit steigt zweifellos die Wahrhaftigkeit nnd Moralitäl des Blattes rapid. Kein Wunder, daß sie die»n- aiitastbaren Thatscicheii, die der„Vorwärts" veröffentlicht, als „socialdemokratischeii Schwindel" empfindet. Lange Gewöhnmig hat eben die„Post" unfähig gemacht, die Begriffe Wahrheit n»d«Ige richtig aiiznlvenbeii.—_ Eine Warnung! Nach der bor cmigen Tagen im„Vorwärts" mitgeteilten Tsiiigtaucr Zuschrift der.Kölnischen Volksztg." scheint man in Kau nri, Ivo bisher nur ein ganz kleines Detachement deutscher Seesoldaten zun» Schutze der deutschen Bahnbanten stationiert«vor, eine ständige und vergrößerte Besatzung deutscher Truppen etablieren zu«vollen. Angesichts dessen dürfte es interessant sein, etivas über die sanitären«Verhältnisse von Kaumi zu erfahren. Einen, kürzlich hier aiigekommeiieil. durchaus znverlässigeir Privatbrief, dessen Vcr- fasscr die chinesischen Verhältnisse sehr genau kennt, cut- nehmen«vir. daß gerade in Kaumi eine»vahrhaft grauenvoll« Sterblichkeit für Europäer herrscht. So ruhen auf de»» Friedhofe von Kanini schon 140 deutsche Soldaten mid das bei der bisherigen geringen Garnison mid innerhalb mir dreier Jahre. Bliitruhr mid Typhus ivüthei» sürchterlich, und«vie in Tsingtnu diese Krankheiten immer schrecklicher wüteten, je mehr ge- baut mid zu diesem Ztveck die zahllosen chinesischen Gräberfeldcr umgewühlt wnrden, so auch in Kaumi, so daß der deutschen Besatzung und den deutschen Jligenienreii daselbst noch schlimmeres bevorsteht, als es in der oben genanntei» Totenzahl nur zu deutlich zum Aus- druck kommt.—_ Drei neue Schiffstasel» hat der Kaiser gezeichnet und«vie früher im Kuppelvorroum der Wandelhalle des Reichstags aufstellen lassen. Die Tafeln stellen die Schiffsstärken Rußlands, Japans und der Vereinigten Staaten von Nordamerika vor. Der Zivcck der Veranftaltnug ist nicht mitgeteilt. Vielleicht soll diese Mariuemalerei die FlottenvergrößcrimgSPIciiie des Herrn v. Tirpitz miterstützen, deren diese allerdings einigeriiiaßen bedürfen. � Der Gerichtsherr von Guuibinncu. Gcnekallientenaiit von »>l l t e ii. soll vom Sultan als Instrukteur der türkischen Armee berufen worden sein und den Ruf aiigeiiommen haben. Herr von Alten, der sich im Dezember vorigen Jahres feinen Abschied zu nehmen veranlaßt sah, fühlt sich also noch zu frisch, im» in Ruhe seine Pension zn verzehren. Er schüttelt den Staub des lindanlbareu Vaterlandes von den Pantoffeln, um der Türkei seine Dienste zn widmen. Ob er auch mit der Reorganisation der kürlischeu Militärjnstiz betraut werden wird? Als Gegner der Friedenöbcstrcbnngcn bekennt sich im Februarhcft der„Deutschen Revue" der General Vogel von F a l k e ii st e i ii. Er teilt völlig die Aiischmiungen jenes anonymen Militärs, der niilängst in den Spalten eines Blattes über die dreißigjährige Friedensära gejammert hatte. Bogel von Falken- stein bedauert lebhaft die Friedensbestrebungen: „Es ist meines Erachtcns bestimmt zn befürchten, daß dieses ständige F r i e d e ii s b l a s e ii allmählich nnsrer Nation den kriegerischen G c i st a u S b l ä st." Auch in den Thronreden pflegt übrigens ständig Frieden ge- blasen zu werden! Aber auch die Schiedsgerichtsidee findet keine Gnade bor den Augen des Generals. Ihren„Widersinn" demonstriert er folgendermaßen: „Wie denken sich... solche Theoretiker den Verlauf in, Jahre 1870. wenn beide Parteien zunächst ein Schiedsgericht angerufen und bis ans dessen Entscheidimg naturgemäß mit den» Losschlagen gclvartet hätten? Die in emsigster Arbeit nnd mit schweren Opfern geivonneiie frühere S ch l n g- fertigkeit der deutschen Heere,«velche doch thatsächlich den Äusgangspnnkt ihrer Erfolge bildeten,«väre einfach wertlos ge«vorden, aber der Krieg«väre dennoch entbrannt unter gänzlich zn nnsren llngunstcn veränderten Verhältnissen/ Dies eine Beispiel allein ist meines Erachtcns so schlagend, dah damit die Frage internationaler Schiedsgerichte im groszen Stile bei allem ernsthaften Vorgehen voir vornherein auszuschalten ist," Vogel von Falkcnstcin llclveist mit diesem Beispiel nur das eine schlagend, daß im deutsch-französischen Kriege Frankreich der über- rumpelte, unvorbereitete Teil war; nichts weiter. Denn seine Wissenschaft, dast der Krieg dennoch unter allen llmstäuden e»t- bräunt ivärc, scheint uns nur ans einer ganz vagen Hypothese zu bestehen. Viel einleilchtcnder erscheint uns die Annahme, dost »ran vor der Anzettelung eines Krieges zurückschreckt, weiin inan den Gegner ivohl gerüstet und vorbereitet weiß, und das Schiedsgerichtsverfahren würde ja der bedrohten Macht die Möglichkeit der genügenden Vorbereitung geben. Im übrigen sind Offenherzigkeiten, wie die des Anonymus und des preußischen Generals sehr dankcnsivert: sie beweisen selbst dem Vertrauensseligsten, wie weiiig der Militarismus als Hort des Friedens betrachtet werden darf,— Tic Protestversammluug gegen die Auflösung des Social- wissenschaftlichen Studenteuvcreins, welche die„alten Herren" des Vereins einberufe» hatten, fand am Mittwoch bei sehr zahlreicher Beteiligung im Saale des Handwerkervereins in der Sophien- straße statt, Rechtsanwalt Dr, E g e r betonte als Referent. nach eingehender Schilderung des Sachverhalts, daß kein Grund für die Auflösung des Vereins vorhanden gewesen sei und es den Anschein erwecke, als hätte man bloß nach einem V o r iv a n d e gesucht, um den Verein zu maßregeln und den socialpolitischeii Be- st r e b u n g e n der S t n de n t e n s ch a s t den Garaus zu machen. Der Socialwisscnschaftliche Studentenvercin habe keine Parteipolitil gc- trieben. Gelehrte der verschiedensten Richtungen seien in seinen Ber- sanrntlungeu als Redner anfgetrcten. Im Namen der akademischen Freiheit müßte gegen die Auflösung des Vereins Protest erhoben werden. Die Diskussion gestaltete sich sehr erregt, der Rektor wie der llniversitätsrichter Geheimrat Dr, Daude, auf dessen Einfluß man die Maßregelung zurückführt, mußten sich manchen heftigen Angriff gefallen lassen. Auch zwischen den Vertretern deS Vereins deutscher Studenten und denen des aufgelösten Vereins kam es zu lebhaften Anseinandersetznngcu. Endlich wurde eine Petition an den Rektor beschlossen, die in dem Ersuchen gipfelt, die verfügte Auflösung rückgängig zu machen und dem Social- wissenschaftlichen Stndentenvcreine zn gestatten, seine Thätig- keit zur Pflege der Socialwisseuschaft an der Universität wieder aufzunehmen. Antzerdem wurde die«lisendnnq eines Danktelegramms an Prof. Dr, Adolf Wagner beschlossen, der sich entschieden zu Gunsten des Vereins ausgesprochen und dessen Auflösung mißbilligt hat. Verschiedene akademische Vereine an ans- ivnrtigen Universitäten, die ähnlichen Vestrebiiugcn huldigen, hatten der Versammlung S Y m p a t h i e- Ku 11 d g e b u n g e ii zugehen lassen.— Eine Stcncreutlastiing der Grundbesitzer hat, tvie uns aus Dresden telegraphiert wird, der sächsische Landtag an, Donnerstag beschlossen, Der Landtag nahm nach einer sechsstündigen Sitzung die Ber- niögcnsstencr-Novclle an, und zwar mit den Aenderungen der Stenerdeputation. Der voraussichtliche Ertrag der Steuer betragt nur t> Millionen. Die Steuer belastet ein Vermögen von 100M, mit 50, ein Verinögen von einer Million mit 500 M. Zugleich hob der Landtag die Grundstener auf. Dagegen bleiben die mit der Grundstener verbundenen rechtlichen Wirkungen, z. B. bei der Landtagswahl, unberührt. Zn diesem Zweck wird eine fingierte Steuerleistnng in Ansatz gebracht. Die fingierte Steuer- leistung bedeutet eine wirtschaftliche Entlastung und politische Privilc- gicriing des Grundbesitzes.— Agrarische Lohndrücker. Tie Landivirtschaftskaimner ftir die Provinz Brandenburg macht folgendes bekannt: Infolge günstiger Abmachungen kann unser Arbeitsamt Berlin, Madaistr. 1,. im Jahre 1902 ausländische Wanderarbeiter z n erheblich günstigeren Bedingungen ale> bisher vermitteln, namentlich sind die Beschnffiingskosten für Gnlizicc imd Süd-Ungarn bedeutend herabgesetzt. Und diese Leute, die ihre ausländischen Kulis derart bchandcl», daß die italienische Regierung eine Warnung vor den deutschen An- Werbungen erlassen mußte, wollen das Volk glauben machen, daß es ihnen hauptsächlich desHall/ um die LebenSmittcl-Vertcucriing durch den Zolltarif zu thun sei, um ihren Arbeitern höhere Löhne zahlen zu können!— Abgewinkt. Der„Voss. Ztg." wird ans London gemeldet: Der in England naturalisierte Deutsche, der eine Protestvcrsamiicknng der Deutschen Londons angeregt hatte, richtet an die„Tinies" eine Zn- schrist, worin er sagt, daß er die Idee einer solchen P r o t e st- Versammlung aufgegeben habe, weil ihm von e i n f I n ß- reicher« e i t e zu verstehen gegeben worden sei, daß sein Aufruf zwar viel Gutes gestiftet und sehr gewürdigt worden sei. eine solche Kundgebung aber im g e g e n w ä r t i g e n A n g e n- blick aus politischen Gründen sehr nnbeqneiii werden könnte, und daß es deshalb besser sein wiirde, das Meeting vorlnnfig zn verschiebe n. Aus englischer Seile dürfte man die Kundgebung schwerlich als unbequem empsimden habe»!— Ein kriegsgerichtliches Todesurteil ist in China gefällt worden. Zum Tode verurteilt wurde der Chruasreiwillige Johann F r c i h o f, der sich in China des Verbrechens deS militärischen Aufruhrs schuldig gemacht hat. Der junge Mann, ein Sohn des zn Queichheim in der Pfalz wohnenden Totengräbers Frcihof, hat seiner Militärpflicht bei der Artillerie in Würzburg genügt und meldete sich im Sommer 1900 freiwillig zur China- Kreuzfahrt, trotzdem er bereits dem Benrlaubteustaiide angehörte. Zugleich mit de» Frei- willigen des 5. Feldartillerie-Regiments trat er dann seiner Zeit die Ausreise nach Ostasicn an. Nach in der Heimat cingctroffeneii Nach- richten ist das Urteil noch nicht vollstreckt. Freihof wird vielmehr nach Deutschland gebracht werden. Man glaubt, daß die Todes- strafe im Gnadenwege in eine entsprechende Freiheitsstrafe um- gewandelt werden wird.— „Ihr Lehrer seid dreckige Schweine!" Der Unteroffizier Meisterel von, Jnfanteric-Regimciit Nr. 63 zu Oppeln, der gegen den zur Zeit einjährig dienendei, Lehrer Reinhold Fuchs'die Aeußernng:„Ihr Lehrer seid dreckige Schweine!" gethan hatte, war bekanntlich hierfür zur Rechenschaft gezogen, aber von, Kriegsgericht der 12. Division in Rcisse in erster Jnstänz f r e i g c s p'r ö ch e n worden. Auf die von den, Gerichtsherr» gegen dieses Urteil ein- gelegte Berufung hatte sich Meisterel wegen seiner Acußcruug vor dem Ober-Kricgsgcricht in Neisse zu verantworten und wurde wegen Beleidigung zu— zwei Tagen Mittelarrest verurteilt.— Fahrpreisermäffiguug für Arbeitslose. Auf den Reichs- E i I e n b a h n e n in E l s a ß- L o t h r i n g c n und der Wilhelm- Luxeinburg-Bahn werden von» t. Februar d. IS. ab au Personen, denen durch Verniittelung der in Elsaß-Lothringen bestehenden und von der Generaldirektion der Eisenbahn anerkannten Arbeitsnachweis- stellen Gelegenheit zur Erlangung einer Arbeitsstelle verschafft werden soll, zur eininaligeii Fahrt nach dem Arbeitsort in der dritten Wagen- klaffe der Personenzüge Fahrkarten zum halben Preise mit Anfriindung von fünf Pfennig ausgegeben. Diese Fahrkarten werden mir gegen Vorlage eiiics von der Arbeitsnachweis- stelle ausgefertigten Ausweises verabfolgt, in dem die Person des Arbeitsuchenden, der Reisetag niid die zu befahrende Strecke aiigegeben sind. Als berechtigt zur Ausstellung solcher Ausweise wurden siebzehn Gemcindc-Arbeitsnachlveisstellen in allen Teilen deS Landes sowie die Privat-Ärbeitsnachweisstelle in Mülhausen anerkannt.— Notstandsarbcite». Das Gewerkschaftskartell in Metz hatte sich in einer Eingabe an den Gemeinderat gewendet mit dem Antrag zur Milderung der bestehenden Arbeitslosigkeit eine größere Anzahl' von Beschäftigungsloseii bei den Stadterweiterungs- arbeite» unterzubringen. Der Gcineiuderat hat infolgedessen den Bürgermeister beauftragt, so rasch wie möglich ein weiteres Los dieser Arbeiten zu vergeben und bei dringender Not die Arbeiten in eigner Regie ausführen zu lassen.— Der Notstand. Aus Mühlbau sei, i. Th. berichtet die Erfurter„Tribüne": Die Arbeitslosen-Zählung am letzten Sonntag erzielte nicht iinr ei» schätzbares Material auf diesem Gebiete, sondern man hat dabei auch Einsicht bekommen in das Elend, welches auch hier in Mühlhausen herrscht. Herzzerreißend war es anzusehen, wenn man in die Wohnung der Armen trat und einem die blassen, abgemagerten, verhungerten Gesichter entgegensahen. Die Wohnung war meistens eher einem Stalle ähnlich. Als Mittagsbrot hatte der Mann Brot und Fett, die Kinder und die Mutter Kaffee und trocken Brot. An den Brotrinden nagend, so konnte nian sie an- treffen, die Aermsten der Armen. Man braucht sich wahrlich seiner Thränen nicht zu schämcu, welche man, wider Willen, beim Anblick dieses Elends vergießt. Auf der einen Seite Leute, ivelche im Ueberfluß schwelgen, auf der andern Seite solche, welche noch nicht einmal das tägliche Brot in dem Maße haben, mn sich satt essen zu köniicu! Trotzdem mancher sich gescheut hat, seine Arbeitslosigkeit cinzugestche», so hat doch die Zählung gezeigt, daß die wirtschaftliche Krisis auch hier sehr schwer auftritt. Weberelend im Fichtelg ebirge. AnS Bischofs- g r ii n wird mitgeteilt: Kam da kürzlich ein Parteigenosse in die Wohninig eines armen Handwebers. Im Gespräch, was es heute zn essen gebe, sagte der Mann, bei ihm giebt's Schweinebraten, die Frau, die eben überm Kochen war. lachte und erklärte, wie eigentlich ihr Schweinebraten anssicht, er besteht aus Wasser, Küinmel und Zwiebeln, ohne Fleisch. Man darf aber nicht etwa annehmen, daß die Familie vielleicht ans Neberdruß am Fleischgeiniß sich eine derartige Brühe bereitet, nein, ans Not und Arbeitslosigkeit sehen sich die Leute veranlaßt, ihren Hunger mit solcher Kost zu stillen. Wir übertreiben nicht', es sind uns viele Familie« bekannt, die drei bis vier Wochen laug kernen Biffcu Fleisch auf den Tisch bringe». Auch bezweifeln wir sehr, ob inijre Agrarier, die uns Brot und Fleisch noch verteuern wolle», sich mit solcher Kost bc- gnügeu würden.— Am 13. Januar nahmen wir durch den Weber- verein eine Arbcitsloscnzählnng vor, wobei folgendes Resultat erzielt wurde: Bei 150 Webern, oistcr», die im Sommer 1901 300 Stühle betrieben haben, gehen jetzt noch 112; 50 Weber niit ca. 150 Kindern sind ganz arbeitslos und— wohlgemerkt— eine Familie mit zwei bis drei Kindern, in der vielleicht ein Stuhl geht, ist bei den bc- stehenden Lohiiverhältnissen nicht in, stände, sich zu ernähre». Es ist dies eine traurige Thatfache siir unfrc Gemeindc, in der kein andrer Erwcrbszweig vorhandei, ist. Ausland. Ffrankreich. Der soeialistische Abgeordnete Biviaui hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, welcher strenge Strafen für Wahl- b e e i n f l n s s u>i g e ii vorsieht. Nach dem Entwurf sollen Ab- geordnete, welche sich Wahlbceinfluffuiigeii zu Schulden koniineu lasse», für die Dauer einer ganzen Session ihres Mandats für verlustig erklärt werden.— Belgien. Tie Finanzskaudale bildeten den Gegenstand einer Jnter- pellatioi, des socialistischen Deputierten Bertrand in der belgischen Kann» er. Lonis Bcrtrand inlcrpellierte den Minister. waS er angesichts der großen, immer mehr überhand nchinenden Finanz- schwiiideleicn zn lhnn gedenlc. Der soeialistische Redner brachte eine Menge Material bei über die schwiiidelhaflen Finanzoperationen der Banken und Societes anonymes. Er geißelte die Manöver, durch ivelche die Papiere künstlich in die Höhe getrieben werden, um iiamciitlich die kleiiicii Kapitalisten zum Kauf zu veranlassen, im, dann die Papiere wieder sinkeii zu»lachen. Des weiteren wendete er sich gegen die Korruption in der bürgerlichen Presse, welche alle diese schwiiidelyaftcir Fiiianzopcratioiien nnterstützt. Der Justiz- minister Bau den Honvcl stiininte den AliSführniigen des socialistischen Redners zum Teil bei. Helfen könne hier aber nur die Anstlärnng des Piibliknins, das mehr Vorsicht gebrauchen müsse; dazu könne die Presie wesentlich beitragen.— Sturm in der Kammer. Das„W. T. B." meldet vom 30. Januar: Während der heutigen Sitzung der Repräsentantc»- kaiiimer. in welcher Über ciiicii Antrag auf gerichtliche Verfolgung des socialistischen Abg. Maccts berate» wurde, kam es zn st ii r- mischen S c e n c n. Als Woeste für den Antrag eintrat, ertönten von den Tribüne» Rufe:„Hoch das aNgcnicine Wahlrecht, nieder mit der Kutte." Der Präsident befahl, eineii der Schreier zn verhaften. Während dessen fanden im Hause lärmende Anseinander- ietzniigen zwischen den socialistischen und klerikalen Abgeordneten statt,'wobei der Klerikale Verhaege», welcher dem Präsidenten eine an den Zwischenritfen von der Tribüne beteiligte Person bezeichnet haben sollte, von den Socialisten als Polizeispion bezeichnet wurde. In der Folge kam es zn Thätlichkeitcn. Ter Präsident ließ hierauf die Tribünen räumeii, wobei 5 Personen verhaftet wurden. Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war. wurde die Beratimg wieder auf- geiiomilie». Da aber der soeialistische Abgeordnete Tcrivagne jetzt iioch fortfuhr, Bcrhaegcu anzugreifen, schloß der Präsident die Sitzung.— England. Die Wahl in Dcwsbury. die am Dienstag stattfand, hat folgendes Resultat ergeben: Rmicimm, tliberal) 5000, Halcy(lonf.) 4512, Queich sSoc.) 1597.— Der soeialistische Kandidat hat damit ein äußerst günstiges Resultat erzielt, wen» man die Zivistigkeitcn, die wegen feiner Kandidatur zwischen den einzelnen socialistischen Organifatioucn eiitstniidcn waren, in Betracht zieht. Hestlcy, der Arbeiterkaudidat bei der Wahl von 1895, hatte nur 1080 Stimmen erhalten; die Zunahme bei der jetzigen Wahl betrögt demnach 20 Proz.— Rußland. Wie Väterchen reist. Aus L o w i c z wird berichtet, welche Schlitzmaßregeln man während der letzten Aiiwescilheit des Zaren dort getrosten hat. Die ganze Bahnstrecke war mit Militär besetzt. Das neben der Bahn gelegene Dorf Zielkowice war ganz in Kaseriien iimgelvaiidelt. Die nicisteil Hütten waren von Soldaten und Poli- zisten besetzt. Die Amtsvorsteher zwangen die Bauern, Deputationen zum Zar zu entsendeil.— Wahrlich,„Vaterchcn" muß in russisch Polen das Gefühl haben, sich in der Mitte seiner„treuen Unter- thanen zu befinde»!... Aste». China. Das„Bureau Laffan" ineldet aus Peking: Der ain Dienstag stattgefundeiie Einpfaiig des diplomatischen Corps durch den Kaiser imd die Kaiserin-Witwe bedeutet einen vollständigen Sieg der Kaiserin-Witwe, der es mit Hilfe Diuiglns gelnngei, ist. den Kaiser völlig beiseite zu schieben. Wie Mitglieder seines Gefolges ans- sagen, nehmen der Kaiser nnd seine Gemahlin ihre Mahlzeiten in knieeiider Stellmig zu sich: nur bei seltenen Gelegenheiten Iverden sie zur Tafel der Kaiserin-Witwe zugelassen, wobei sie aber nicht sprechen und sich sofort, nachdeii, die Kaiserin-Witwe ihren Appetit befriedigt hat, zurückziehen.— Dem„Standard" wird ans Tientsiu gemeldet, ein dort vcr« öffentlichter kaiserlicher Erlaß weise de» A d in i r a l N e h a n, in T s ch i f u eine Marineschule zu errichten und den Admiral Lord Charles Beresford als Jiistrnk- t e u r unter seiner— Jehs-Leitiing zu engagieren.— Der Boereu- Krieg. Dir Friedens- Intervention. Ein der„Daily Mail" aus dem Haag zugegangener Drahi- bericht erklärt, zuverlässige Angalieu über den geiianeii Inhalt der Mitteilung der holländischen Regieruiig machen zu können. Danach bringt die Mitteilimg das ernsteste Bcdancrn über die Fortsetzung der Feindscligleitcn zum Ausdruck und bietet deS weiteren die guten D i c n st e der holländischen Regierung an. An die engiische Regierung wird die Anfrage gerichtet, ob sie geneigt sei. einer h o l l ä n d i s ch e n K o m m i> s i o n z n g e st a t t e ii. sich nach S ii d a f r i k a z n begeben, um den Bocrenführern nnd ihren Anhängern die Ivirkliche Lage der Dinge zu erklären, nameiitlich auch, daß nicht die geringste Hvffuiiiig auf ein Eingreifen Europas besteht und die Fortsetzung des initzloscii Kampfes keinen Zweck habe und völlig aussichtslos sei. Die holländische Regierung sage ausdrücklich, daß sie keine Vollincicht der Boereu- sührer in Europa oder Afrika besitze, der- artige Schritte zu ergreifen, sie wende sich vielmehr im Namen der Grundsätze der Humanität an England, damit die Kommission von den englischen Militärbehörden die Erlaubnis er- halte, ihren Bestimmuiigsoit zu erreichen und ihren Friedensauftrag auszuführen. Wie der Korrespondent der„Daily Mail" hört, werde das britische Kabinett, ohne eine Vollmacht der holländischen Rc- gierung. im Namen der Boereu zu handeln, anzNerkenneii, wahr- scheiulich mitteilen, es bestehe kein Grund, der holländischen Kom- Mission die verlangte Erlaubnis vorziieiithalten, vorausgesetzt, daß die englische» Militärbehörden keine Einwendungen dagegen erheben. Es verkantet, eine endgültige Antwort des englischen Kabinetts, das wegen der Angelegenheit mit Lord Kitchener in Vcrbiiidnng stehe, sei innerhalb zwei Tagen zn erwarten. Man erzählte sich Mittwochabend in den Londoner Klubs, daß die Minister die Note als w c r t l os bezeichnet hätten, weil dieselbe keinerlei bestiniinte Vorschläge enlhaltc. Das Kabinett habe bereits in sehr höflichen Worten auf vcr- schicdene Bemerkungen der Note geantwortet. Man erklärt, falls die holländische Regierung von den Boereu- f ü h r e r ii ermächtigt werde, Fliedensvorschläge zn machen, so würde die englische Regierung diese einer e r n st e n Erwägung iiiiterzichen. Ans alle Fälle hätte man sich Über die Wichtigkeit der holländischen Note getäuscht. Hätte dieselbe die Wichtig- keit, die man ihr beilegt, so hätte die englische Regierung nicht ge- zögert, von ihrem Inhalt Kenntnis z n geben. Der K. P. V. meldet ferner ans dem Haag: Nach zuverlässigen Jnfoniiatioiien fordern die Vertretet d e r B o e r e ii als Aorbedingmig jeder Eröffmmg von FriedenS- nnterhaiidliliigen die Abberufung M i l» c r S, die übrigens euglischerseits bereits im vorigen Jahr« zugestanden worden, wo Milner seine llrlaudSrcise antrat, in» die IliiterhaiiMmigxn zwischen Kitchener und Botha zu«unöglicheii. Andrerseits seien die Ler- treter der beiden Republiken bereit, auf die volle Unabhängigkeit zu verzichte», jedoch mir unter der Bedingung, daß ei» kaiserlich britisches Parlanrent, bestehend aus deii Delegierten allerK olonien, geschaffen werde, zu dem auch die Boeren-Repiibliken ihre Abgeoidneten entsenden würden. Diesen müßte» dieselben Rechte zustehen und sie auf der- selbe» Basis gewählt werden, wie i» allen anderen britischen Kolonien. Sollte die englische Regierung diese Forderung nicht zn« gestehen, so verlangen sie eine proportionale Veriretmig im Cap- Parlamente, das in ein südasritanischcs Parlament umgewandelt werden würde. Ganz Britisch-Südasrika würde niitcr diesem Parla- inciite vollste Selbstverwaltniig besitzen, im kaiserlichen Parlmnente in London ihm aber nur ein Veto in großen Reichsfrageii zustehen. Auf private Anfragen in den Wandelgängen des Palais Bonrbvn erwiderte Minister Tclcaff«»ach der Mekdimg eines Blattes, daß Frankreich dem Schritte Knypers fernstehe, lieber den Inhalt der Kliyperjcheil Anregiiiig konnte oder ivollte er nichts sagen, ebenso- ivenig äußerte er sich darüber, ob der holländische Ministerpräsident im eigenen Namen oder im Namen der Boercnfiihrcr gehandelt hat. Neue englische Nachschübe. Fmifhimdeil Offiziere und Mannschaften mit Pferden sind ans N e ii f e e la ii d nach Südafrila abgegangen, weitere 500 folgen am 8. Februar. Aiißerdem bereitet man sich vor, Noch eine, oder, wenn es nötig sein sollte, auch zwei Abteilimgen von je lOOO Mann nach Südafrika zn schicken. P r ä t o r i a. 30. Januar. Die großen Eilmärsche Bruce Hamiltons haben zur G e f a n g e n n a h i» e von 112 Boereu g e f ii h r t. Der Erfolg VeherS. Die imperialistische„St James Gazette" ist der Ansicht, daß Kommandant Beyers das Pietersbnrgcr Konzentrationslager am Mittwoch angegriffen habe, um den Engländern jene willkommenen Rekruten wegzunehmen imd„Daily News' meint, daß Beyers aller Wahrscheinlichkeit nach an 900 Man» zurückgewonnen habe, die zum größten Teil nur zu gern zu den alten Farben zurück- gekehrt feien._ Mommunnles. Stadtverordneten- Versammlung. 5. Sitzung vom Donnerstag, den 30. Januar 1302, nachmittags 5 Uhr. In der vorigen Sitzung ist die Niedersetzimg von nicht weniger als 8 Aiisschiisscii beschlossen worden. Die Wahl derselben wird durch die Abteilnngen vor der heutigen Pleiiarsitzimg vollzogen; außer- dem findet die Konstitnienlng der ständigen ÄnSschllsse statt, so daß die Sitzung erst nach Uhr ihren Anfang iiehnicii kann. Zunächst erfolgt die Wahl der 11 äsis der Beisammliing in die Schuldeputation zu wählenden Mitglieder. Die socialdcmokratffche Fraktion hat den— früher, vor dem Bosseschen Erlaß, von der Mehrheit als bc- rechtigt anerkannten— Anspruch erhoben, in dieser Deputation ver- treten zu sein. Es werden 131 stiiiimen abgegeben. Gewählt sind mit mehr als 66 Stimmen Stadtvv. Dr. B ii.t o w, Cassel, U l r i ch, L e m p, Schulze. S e e g e r. Hermes. I d c n, T ö r m e r. Weiter erhalten Stimmen: K r e i t l i n g 59, Dr. P r e n ß 59, Singer 62, Borg manu 49. Zwischen diesen vier soll in der nächsten Sitzung die Stichwahl vorgenommen werden. Von den Slvv. A u g n st i u nnd Genossen liegt folgender An- trag vor: Die Versammliuig ersucht den Magistrat, sich damit einber- standen zn erklären, daß von der Gemeindecinkommensteuer nach dem Steuersätze von 4 M. iimfasieiid ein Einkommen von mehr als 660—900 M. einschließlich vom I.April 1302 ab bis auf weiteres Abstand genom- m e n wird. Es ist beantragt, den Antrag dem demnächst rinzusetzenden EtatsanSschutz zn überweisen. Sladtv. Bruns fSoc.): Die Bersammkiing hat sich ja mit dieser Frage in den letzten Jahren iviederholt beschäftigt; ich maße mir deshalb auch nicht an, heute hier neue Gedanken vorzutragen. Das letzte Mal hat der Magistrat den Vorschlag gemacht und der niedergesetzte Ausschuß empfahl die Annahme. Trotzdem lehnte die Versammliuig mit 57 gegen 56 Stinimeii den Antrag ab. Wenn wir jetzt mit dem Antrage lviederkoinnien, so leitet uns dabei zunächst die Erwägung, daß die inzwischen stattgefiiiideiicn ErgäiiznngS- wählen eine kleine Verschiebung nach links ergeben haben, lind tmm das Stimmenverhältnis bei der letzte» Abstimmung. Einer der Gegner des Antrngcs ist ja seitdem in den Magistrat hinein- gewählt, wo ihm der Kämmerer gewiß eine bessere Meinung von der Sache beibringen wird.(Heiterkeit und Unruhe.) Sodann haben wir bei der Wiederaufnahme des Antrags den Notstand der unteren Schichten der Arbeiterbcvvlkcrnng im Auge, den ztvar der Magistrat leugnet, den aber die Bürgerschaft in ihrer großen Mehrheit als notorisch betrachtet. Wird die Sache zu lange hinausgeschoben, so könnten auch viele der Herren vielleicht vergessen, welchen Stand- Punkt sie bei der letzten Verhandlung eingenommen haben.(Lebhafter Widerspruch.) Daß unser Antrag die ganze freiheitliche Entwicklung in Preußen aushalten könnte(Stadtv. Cassel: Sehr richtig I), ist doch eine ganz müßige graue Theorie. Ich habe ja das große Zutrauen in die freisinnige Partei. daß sie, wenn sie mit Hilfe der Socialdcmokratie bei den nächsten Wahlen auf die Füße gestellt wird und einen der längst ersehnten Ministersessel erhält(Heiterkeit), dann freiheitliche Kommuualgcsctze beantragen und durchsetzen wird. Aber im preußischen Herrenhanse werden diese scheitern, und so wird es also immerhin gnt sein, wenn Sie jetzt schon auf den Boden des Antrages treten. Ich bitte, den Antrag ohne Ausschußberatung anzunehmen, beschließen Sie Beratung im Ausschuß, so werden wir dort unser möglichstes thiin. Stadtv. Prcnst Bei der Schwierige keit, in der sich die Arbeiter heute wirtschaftlich überhaupt befinden habe» wir keinen Grund, die Arbeiter noch mehr unter das Joch des Arbeitgebers, der Verwaltung, zu bringen. Stadtrat Heller: Im Mai v. I. ist die Berginspektion mit dem Ersuchen um einen Zuschuß an uns herangetreten. Die Grund- cigcutmns-Depntation hat die Sache reiflich geprüft und auch der Mietsvertrag ist genau durchgegangen und auf das Vorhanden- sein von Härten besonders angesehen worden. Die vierzehntägige Kündigung haben wir zum Gegenstand einer Rückfrage gemacht; die Berginspektion kann die dagegen erhobenen Bedenken nicht an- erkennen, weil die Kündigungsfrist nach allgemeinen Anordnungen des der Bergverwaltung vorgesetzten Ministers festgesetzt sei und es der Verwaltung nicht einfaNen werde, einem ordentlichen Arbeiter die Wohnung zn kündigen.(Hört l hört l und Heiterkeit.) Auch die Deputation und der Magistrat finden in der vierzehntägigen Kündigung keine Härte.(Hört! hört!) Der bergbauliche Betrieb trägt einen besonderen Charakter. Käme ein Kündigungsfall vor. so würde dem Arbeiter nichts übrig bleiben, als sich außerhalb Rüdersdorfs nach Arbeit umzusehen, dann könnte nach dem An trag Singer die Familie noch drei Monate von der Verwaltung in der Wohnung festgehalten werben, und gerade darin erblicken wir eine Härte(Aha! bei den Socialdemokraten) gegen die Arbeiter bevölkerung. Stadtv. Wallach: Ich will dem Antrag Singer nicht entgegen sein(Bravo!), denn hier liegt die Sache so, daß der entlassene Arbeiter in Rüdersdorf keine Arbeit finden kann, und gerade dieser Umstand muß ihm doch sehr erwünscht erscheinen loffen, die Wohnung noch ettvas länger behalten zu können, da er doch bei der Wohnungssuche nicht eine Familie von 5. 6 oder noch mehr Köpfen mit sich schleppen kann. Judesscu würde die Ermäßigung auf sechs Wochen auch schon vollständig genügen.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Haberlaud(A. L.): Die Herren Socialdemokraten haben sich früher gegen den Bau von Arbeiterwohnungen durch die Stadt erklärt und jetzt bepacken sie die Vorlage mit einer Be- dingniig, welche sie zum Scheitern bringen muß. Wenn die Stadt sich an solchem Unternehmen beteiligt, muß die Wohnung in irgend einem Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis stehen. Bei kleinen Wohnungen ist doch jetzt schon vierwöchentliche Kündigung die Regel.(Lebhafter Widerspruch.) Stadtv. Singer: Der Vorredner insinuiert unS Absichten, die ivir nicht ausgesprochen haben. Wie kommt er dazu, ans meinen Ausführungen de» Schluß zu ziehen, wir hätten den Antrag nur ge stellt, um dem Bau von Arbeiterwohnungen zu widerstreben? Materiell irrt er sich durchaus. Unsre Partei befindet fich im Einverständnis niit allen bürgerlichen Socialreformern bei der Auffassung, daß das Wohnungs- und das Arbeits- Verhältnis nicht in Zusammenhang gebracht werden dürfen Haben Sic denn die Arbeitseinstellungen vergessen, welche elend gc- scheitert sind, weil die brutale Macht des Unternehmertums die Leute aus den Wohnungen trieb?(Oho! bei der Mehrheit; Rufe bei den Socialdemokraten: Glasarbeiter I Bergarbeiter l) Es liegt auch kein Widerspruch mit unserer früheren Stellungnahme vor. Wir wolle» die Errichtung von Arbeiterwohnimgen durch die Städte nicht, weil dann die Freiheit des Arbeiters nicht respektiert wird. Wäre ich ängstlich, so würde mich das Eintreten des Herrn Wallach erschrecke»(Heiterkeit); aber ich bin nicht ängstlich, und so hoffe ich, daß Herrn Wallach recht viele seiner Freunde auf seinem Wege folgen werden. Wir haben Rücksicht auf die Arbeiter zu nehmen und nicht Scimtzpatroue der Verwaltung zu sein. Stadtv. Kreitling beantragt, die Angelegenheit e:nrm Aus- schusse zu übergeben.«Widerspruch.) Der Autrag auf Ausschußberatung wird abgelehnt, der Antrag Singer angenommen und mit dieser Modifikation die Magistrats- vorInge. Der Antrag Nathan betr. unentgeltliche Ge- Währung v o n K u r und Verpflegung in st ä d t i s ch e n Krankenhäusern an die in Berlin mit ansteckenden Krank- heiten behafteten Personen wird wegen der vorgerückten Stunde von der Tagesorduuug a b g e s e tz t. Es folgt die Beratung des Antrags Kreitling und Ge- »offen(Nene Linke): „Den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, ob ihm bekannt ist, daß in der Aula des Falk-Realgymnasiunis regelmäßige Versammlungen stattfinden, welche den Zweck haben, für die sogenannte„inetaphpsische Heilmethode" nach dem System der Amerikanerin Eddh Propaganda zu mache»." Stadtv. Kreitling: Der Kollege Rosenow erfuhr von befreundeter Seite, daß in der genannte» Anstalt sich eine Gesellschaft von „Gesundbetern" etabliert habe, die sich auch„Gesellschaft für christ- liche Wissenschaft" nennt. Der in Kenntnis gesetzte Schulrat hat an den Direktor Schellbach eine Anfrage gerichtet, auf die derselbe auch die Antwort am 23. Dezember gegeben hat, wonach es ein Irrtum sei. daß die Gesellschaft irgend etwas Schlimmes oder Anstößiges treibe; die Berliner Vertreterin dieser amerikanischen Wissenschaft sei Fräulein Ida Slbyn. Es sei auch für den Laien nicht ganz leicht, meint der Herr Direktor, sich von dem Wesen der christlichen Wissenschaft eine Vorstellung zu machen; Gebetsheilungen fändtn nicht statt. (Heiterkeit.) Nach dem Inhalt des Briefes muß man billig staunen, daß so etwas in der Stadt der Intelligenz und noch dazu in einer höheren städtischen Lehranstalt vorkommen konnte. Schnlrat Fürstenau hat seiner Zeit die Erlaubnis zu diesen Versa»» nlnngc» gegeben. Die neuen Schulräte sind jedenfalls bisher zu überlastet gewesen; aber sechs Wochen hätten doch nicht bis zur Abstellung dieses Humbugs zu verfließen brauchen. Stadt-Schulrat Voigt: Es war dem Magistrat von Gesnndbete- reien nichts bekannt. Gegeben war die Erlaubnis vom Sladt-Schulrat Fürstenau zur Abhaltung von Uebungen der Gesellschaft für christliche Wissenschaft, verlängert wurde sie vom Stadtschulrat Gerstenberg. Beide haben von Gesnndbeten nichts gewußt. Ich bin an der Sache unschuldig wie ein Kind. Der Stadtv. Rosenow wollte selbst hingehen. Das ist aber nicht geschehen; die Sache mußte durchaus noch eine» prickelnden dramatischen Abschluß finden. Herr Rosenow hat mir wenigstens keine Anskunft über daS Ergebnis seines Besuchs erteilt. Am 22. Januar las ich die Zeitungsnachricht von der Interpellation Kreitling, ich schrieb an den Direktor Schellbach, er kam...(Zurufe: er sah, er siegte! Große Heiterkeit) und teilte auf meine Frage mir mit, daß am Schlüsse der Uebungen in der That Geheilte aufgestanden seien und Propaganda für Gesnndbeten gemacht worden sei.(Stadv. Hoffmann:„Ueberbrettl der Heilsarmee.(Stürmische Heiterkeit.) Da mußte die Sache kassiert werden, und am 23. Januar, mittags 2 Uhr, war sie tot. Ich werde solchen Unfug in unften Schulen nicht dulden!(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Dove(A. L.) spricht sein Befremden darüber aus, daß die praktische Handhabung der sehr guten magistratlichen Grundsätze über die Benutzung der Schulen zu anderen Zwecken doch zu solchem Un° fuge hat führen können. Stadtv. Rosenow(N. L.): Der Schulrat hat durch den von ihm angeschlagenen Ton die Versammlung direkt verletzt(Widerspruch und Zustimmung). Der Schulrat hat mir keinen Auftrag gegeben, sondern nur bloß den Schellbachschen Brief zur KeuutniSnahme geschickt und nachher die Sache dahin zn beschönigen versucht, daß es fich viel« leicht nm die ernstlichste religiöse Erbauung handeln köuue.(Hört I hört!) Hätte Herr Schellbach recht, so brauchten wir ja keine Krankenhäuser mehr. Wir haben den Magistat aufzufordern, solchen: Unfug aufzupassen und zu steuern. Auch in Nowawcs wird die von sehr hohen Kreisen in Potsdam ansgegangcnc Gesund- beterei betrieben und städtische Kranke werden dorthin geschickt. Herr Direktor Schcllbach hat sich einen schlechten Dienst erwiesen, wenn er eine so böse Sache zu verteidigen versuchte. WaS sollen wir sagen, wenn unsre Direktoren solche Dinge fördern, wo es sonst so schwierig ist, selbst für Vorlesungen der Humboldt- Akademie die Schnlloknle zu erhalten? Hier hat man eine Humbng- Akademie installiert I(Große Heiterkeit.) Stadtschulrat Voigt: Herr Rosenow spricht heute viel erregter als bei unsrer früheren Besprechung. Ich habe seine Aenßerungen nicht anders aufgefaßt, als ich vorhin darstellte. Der Direktor Schellbach kann fiir diefe Vorkommnisse nicht verantwortlich gemacht werden, da er mit Arbeiten überlastet ist. Vorsteher Laugerhaus: Ich verstehe nicht, wie der Schulrat für den Schellbach noch ein Wort der Entschuldigung hat! Selbst hätte er hingehen sollen, sowie er von diesen Dingen etwas erfuhr. Durch diesen ruchlosen Unfug sind wir kompro- mittiert, sind wir vollständig blamiert! Der Stadtschulrat ist ja im Amte noch sehr jung, aber das mußte er sich doch sagen, daß so etwas in seinem Departement, in einer höheren Bilduugsanstalt und unter Billigung des Direktors nicht vorkommen durfte. Der Herr Direktor giebt ja in dem Briefe nicht einmal zu, daß Gebetsheilungen vorgekommen sind, erst nachher auf mündliches Vorhalten hat er es zugegeben. Wir müssen unsre Beamten mit aller Deutlichkeit darüber belehren, daß wir uns solchen Unfug nicht gefallen lassen!(Lebhafter allseitiger Beifall.) Stadtv. Rosenow: DaS Benehmen des Herrn Direktors Schellbach ist geradezu empörend gewesen, und da will ihn der Herr Stadtfchnlrat noch durch Ueberlastung mit Arbeiten ent- schuldigen! Stadtv. PerlS: In diesem Fall ist wieder einmal das Wort am Platze: Ctiorclieie la kernrne! Aus der Provinz- presse, die in den schärfsten Wendungen sich über diesen Berliner Unfug lustig gemacht hat, ergiebt sich, daß die Frau des Direktors eine' eifrige Anhängerin der Gesundbeter-Sekte ist. Dann hat Herr Schcllbach nicht gehandelt ans Ueberlastung, sondern er hat diese Dinge zugelassen, weil er einem Einfluß unter- warfen war, der stärker war als der Einfluß, über den wir bei den Direktoren unsrer städtischen Anstalten zu verfügen haben. Dagegen müssen wir Front machen. Damit schließt die Debatte. Der Vor st eher erklärt die An- gclegenheit für vorläufig erledigt. GentevkfifMfttirizes. Wegen Streikvergehen wurden in Breslau' fünf Maurer zu Gefängnisstrafen verurteilt; zwei erhielten drei Monate, einer zwei Monate und zwei je eine Woche Gefängnis.— Ueber Ver- urteilungen zum Straf minimum aus Anlaß des Vergehens gegen den§ 153 der Gewerbe-Ordnung hat die Scharfmacherpresse noch keinen Anlaß gehabt, Klage zu erheben. Achtung, Rahmcr! In der Gerberei von Georg Leber zu Greiz haben die Rahmer nach einer uns zugehenden Privat- Drahtmeldimg die Arbeit niedergelegt. ES streiken 34 Mann. Zuzug ist durchaus fernzuhalten. Der Streik der Rollladenarbeiter bei der Firma M ö ß n e r u. Co. in Stuttgart dauert fort. Die Firma hat ein paar Streikbrecher erwischt, sehr zum Nachteil der— Orts-Krankenkassen. Einer von den Leuten, ein Eiscndrchcr A u g u st E i b, hat sich bereits in den Finger gefraist; eine schwere Strafe für sein un- solidarisches Verhalten. AuS dem Kreise Iserlohn. Die„Rheinisch- westfälische Arbeiterzeitung" schreibt: Als Arbeitersekretär fiir die Kreise Jser- l o h n- L ü d e n s ch e i d ist am Sonntag der Genosse L i m b e r tz- Unna gewählt worden. Das Resultat ist jedenfalls mit Freuden zu begrüßen, da wir den Genossen Limbertz als energischen und tüch- tigcn Vertreter der Arbeiterinteresscn kennen gelernt haben und werden auch die Arbeiter des Iserlohner Kreises mit dieser Wahl zufrieden sein könne». Aber eine überraschende Mitteilung müssen wir hier noch machen, die am Sonnlag in Lüdenscheid i» einer Gewerlschasts- versnmmlung laut wurde. Der Genosse Fitzer teilte mit, dah der zuerst vorgeschlagene Kandidat Bullmer dem Herrn A. Grün- rock(Vorsitzender der Kreis-Gewerkschaftskommission) habe ver- sprechen müssen, nicht politisch t h ä t i g zusein. Die Sache bedarf dringend der Aufklärung, da es doch unerhört ist, wenn Arbeiterorganisationen resp. deren Führer ihren Angestellten verbieten wollten, politisch thätig zu sein. Es ist felbstverständlich, daß die Organisationen, die politische Freiheit von den Unternehmern. forder», dieselbe auch ihren Angestellten zubilligen. Das wurde auch in der Lüdenscheider Versammlung anerkannt. Der Voltshansverein in Nürnberg hielt am Sonntag eine Generalversammlung ab. Die Leitung des Volkshausvereins will aus der Katastrophe im Fürth« Saalbauverein eine Lehre ziehen. Nicht an einen großen Saalbau denkt man zunächst, sondern an eine Centrale für die Gewerkschaften.— Die Mitgliederzahl betrug am 31. Dezenibbr 1901 1837, 244 niehc als im Vorjahre. Angelegt sind 28 668,60 M., der Reservefonds beläuft sich jetzt auf 2863,29 M. Der Gewcrkvereiu christlicher Bergleute hält am 2. Februar in Eike! seine Generalversammlung ab. Die Tagesordnnng entbehrt .eder socialpolitüchen Bedeutung. In dem Geschäftsbericht wurden zunächst 36 873 Mitglieder angegeben, aus Grund„reinlicherer" Mit- gliederlisten wird der Bestand doch schnell auf 33 958 reduciert— einschließlich Ehrenmitglieder. Die Einnahmen bezifferten sich auf 206 482.35 M.— zuzüglich Bestand von 62 087,01 M.— die Ausgaben auf 87322,86 M. Das Gefamtvermöge» betragt I25559,49M. Für direkt fociale Zwecke Ivurden verausgabt: 22 350 M. Sterbegeld und 4656 M. Geniaßregelten-Nnterstntzuiig. Die Zunahme an Mit- gliedern beträgt rund 5000 und entfällt aNein ans das Ruhrrevier, welckies 31 377 Mitglieder stellt, während auf alle übrigen Bezirke nur 2500 Mitglieder cutfallen. Die dem Verband angeschlofsene fakultative Krankcngeld-Znschußkasse. die im Februar 1901 i» Thätig- keit trat, zählte am Jahresschluß 2256 Mitglieder mit 100 Zahlstellen. Letztere hatten eine Einnahme von 19 982,80 M. An Krankengelder zahlten dieselben 13 288,50 M. 60 Prozent der Mitglieder erkrankten. Den Zahlstellen verblieb ein Bestand von 563 M. Die Centralkasse vereiunahmle 10 559 05 M. Die Ausgabe einschließlich Riicküber- weifunge» von 4116,70 M. an die Zahlstellen betrug 5953,10 M., so daß ein Vermögen von 4605.95 M. verbleibt. Urtzkv Nnrh�irtztett und DrpeMen. Frankfurt a. M., 30. Januar.(W. T. B.) Amtlich. Bei der heute im 11. Wahlbezirk des Regierungsbezirks Wiesbaden statt- gehabten Landtags-Ersatzwahl wurde» insgesamt 824 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Redactenr Oeser -Demokrat) 471 und Rentner vom Rath(natl.) 353 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt. Mainz, 30. Januar..— Die F r a u e n f r a g c ist in der Diskussion berührt worden. Wir verlangen volle Gleickiberechtigung und Gleichstellung der Frau mit dem Manne auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens. Der Gedanke eines weiblichen Reichskanzlers z. B. hat für uns durchaus nichts Ungeheuerliches, vielleicht würde ein iv eiblicher Reichskanzler sogar mehr Heldenthaten aufzuweisen haben, Ivie mancher männliche. iHeiterkeit.) Auch Herr v. Kardorff war ja dafür, den Frauen das allgemeine direkte und geheime Wahlrecht zu geben, allerdings weil er sich daraus Borteile für die rechte Seite dieses Hauses ver- sprach. Er könnte ja fürs Erste recht haben, aber lassen wirs doch mal auf eine Probe ankommen. Es giebt ja auch heute noch sehr viele männliche Arbeiter, die nicht so vernünftig sind, uns zu wählen. (Heiterkeit.) Daher agitieren Ivir eben, und sehen ja auch erfreulicher Weise, daß die Zahl der Socialdemokraten unter den Arbeitern von Jahr zu Jahr wächst. Sollte es sich aber z. B. um den Zoll- tarif bei einer Wahl untcr Beteiligung der Frauen handeln, dann bin ich allerdings überzeugt, daß Sie(nach rechts) recht wenig auf die ll n t e r st ü tz u n g der Frauen bei einem solchen Wahlkampfe rechnen könnten,(Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.)— Die Aeußerung meines Freundes Auer vom Mainzer Parteitag, die Herr v. Hehl anführte. war mehr scherzhaft gemeint; der Sache nach hat Auer selbst auf das schlagendste nachgewiesen, wie notwendig die Zulasinng der Frauen zum politischen Leben ist. Wenn Herr v. Hehl die Frauen mir zu solchen politischen Vereinen zulassen will, die besondere beruf- liche oder StantSiiiteresscii vertreten, so bedenkt er nicht, wie ganz unmöglich es heute bereits ist, die Grenze zu ziehen zwischen dem Gebiet der Socialpolitik und dem der reinen Politik, Wenn z, B. in einer Versammlung betont wird, daß die Frauen, weil sie als Arbeiterinnen au allen Fragen des Arbeiterschutzes nsw. aufs leb- haftefte interessiert sind, deswegen auch das allgemeine Wahl- recht für sich verlangen müssen, soll da plötziich der über- wachende Beamte einschreiten und sagen: Das geht nicht. das gehört nicht zur Sache! Bereits 1395 kamen auf 100 beschäftigteMänuer 42 erwerbsthätigeFrauen. Da ist eine solche Scheidung gar nicht mehr möglich. Wenn einmal auf diesem Gebiete vorgegangen wird, muß es gründlich geschehen. Wie nötig das ist, hat ja erst kürzlich wieder die Auflösung des S o c i a i w i s s c n s ch a f t I i ch e n S t u d e n t e n v e r e i n s durch Herrn Rekuls v. Stradonitz bewiesen. Macht sich dieser Herr nicht geradezu lächerlich vor der ganzen Welt, wenn er diesen Verein auflöst, weil eine Frau in ihm einen Vortrag halten sollte, in dem Augenblick, in dem 4—500 Frauen au derselben Universität Kollegien besuchen. Ich verstehe nicht, wie der Herr Professor seiner eignen Frau und seinen Töchtern gegenüber seinen Standpunkt ver- treten kann. Die werden ihm schon die Hölle heißmachen.(Heiterkeit.) Noch viel schlimmer ist aber, was vor kurzem das preußische Ober-Verwaltungsgeri cht verfügt hat. Ein p o I i t i s ch e r Verein in einem Vorort von Berlin wollte ein B a l l f e st veranstalten, bei dem keine Festrede und keine Deklamation ge- halten werden sollten. Trotzdem wurde ihm die Abhaltung dieses Ballfestes verboten, weil Frauen an demselben teil- nah m e n. Es kann doch wirklich kein Mensch verlangen, daß die Mäinicr jetzt Mänucrbälle abhalten sollen.(Heiterkeit.)' Der Verein wurde aber in a l l e u Instanzen auf seine Beschwerde abgewiesen und das Ober- Verwaltungsgericht entschied zuletzt. der tz 8 des preußischen Vcreinsgcsetzes fei nicht bloß in dem Sinuc auszulegen, daß Frauen von Versaiiimlungeii politischer Vereine, in denen politische Erörterungen statt- fänden, fernziihnltcn seien, sondern sie dürften auch nicht dadurch, daß sie zur Verschönerung und Verherrlichung von Festen solcher Vereine beitrügen, demselben neue An- Hänger g e w i n n c n. Gegenüber solchen Entscheidungen kommt ja sogar die Polizei in die schwersten Gewisfenskonflikte. Sie ist ja gar nicht in der Lage, in allen solchen Fällen einzuschreiten. In Sachsen dürfen die Frauen übrigens ungehindert an politischen Vereinen teilnehmen, da ist es eine Schande, daß in ander» deutschen Bundesstaaten noch so riiik» ständige Aiifchauungeu herrsche». Präsident Graf Ballestrcm: Herr Abgeordneter, ich muß Sie doch ersuchen, andre Ausdrücke zu wählen, wenn Sie von Staaten des Deutschen Reiches sprechen. Von Schande dürfen Sie da nicht reden. Abg. Bebel(fortfahrend): Der Abg. Hehl hat sich dann über das K o a l i t i o n s r e ch t geäußert und gemeint, daß die Arbeitgeber da nicht so rücksichtslos aufträten, wie die Arbeiter gegen die Arbeiter selbst. Dabei hat er auf die Angelegenheit der H a ni b u r g e r A c c o r d in a u r e r hingewiesen. Die Frage ob Accordarbeit oder Tagelohnnrbeit ist uns keine Priucipieu- sondern eine taktische Frage, Der Lübecker Partei- tag hat deshalb auch dem Antrag der Hamburger Maurer auf AuS- schluß der Accordmanrer nicht stattgegeben. sondern sie vor das lokale Forum gewiesen, das allerdings zu Ungunsten der AccordMaurer entschieden hat, Sie sind für nicht würdig erklärt worden, der dortigen socialdemokratischen Organisation anzugehören. Darin liegt doch der Gedanke, daß die s o c i a l d e in o k r n t i s ch e Organisation hochgehalten werden müsse. Wenn die Arbeitgeber aber Arbeiter maßregeln, dann thun sie es, weil sie die's o c i a l d e m o k r a t i s ch e Organisation hassen und ihr feindlich gegenüberstehen. Das ist doch ein kolossaler Unterschied, der einem so eifrigen Leser der socialdemokratischen Litteratiir, wie Herr Heyl es ist, auffallen sollte, Herr Hehl ist so- gar Abonnent des„Vorwärts", was ihm»achziiahmen ich übrigens den gesamten Herren hier warm empfehlen möchte. (Große Heiterkeit.) Er wird also daraus wissen, daß in der Zeit des Socialistengesetzes und besonders nnmittclbar»ach den Attentaten Hunderttausende von Arbeitern von ihren Arbeitgebern und aiich in den Staatswerkstätten g e z w u n g e n wurden, einen Revers zu'unterschreibe n, in dem sie erklären mußten, sie seien leine Socialdemokraten, Wir haben damals geraten: Unter- schreibt lieber, als daß ihr eui'e Stellen verliert; zwingen euch die Gegner zurHeuchelei, so fällt dieV erant Wartung dafüranf s i e und nicht auf euch!(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten,) lind noch jetzt wird in keiner Militär-, Marine- oder staatlichen Eiscnbahnwertstatt ein Socialdemokrat oder ein gewerkschaftlich organisierter Slrbeil«� eingestellt. Es wird sogar behauptet, und mein Parteigenosse Hoch hat es hier wiederholt, ohne daß Herr v. Hey'l wider- sprach, daß er selbst in seiner Fabrik nicht dulde, d n ß d i e A r b e i t e r organisiert seien.(Hort I hört! bei den Socialdenwkraten.) Vor wenigen Jahren wurde erzählt, daß ein sehr großer süddeutscher Fabrikant, der Herrn Hehl persönlich bekannt ifß sich einen Spitzel vom Berliner Präsidium für seinen Fabrikbet�eb engagiert habe, der unter der Maske eines Arbeiters die Arbeiter zu observieren und die Socialdeniokraten darunter beim Chef zu denunzieren hatte.(Lebhaftes HLrt I hört! bei den Socialdemo- traten.) Herr v. Hehl hat auch auf Herrn M i l I e r a n d hinge- wiesen und dessen socialreformerische Leistungen mit dem in Aussicht gestellten 5linderschntzgesetz verglichen. Er bat gemeint, daß dieses Kinderschutzgesetz himmelhoch erhaben sein würde über die Leistungen des socinlistische» Ministers. Wie das Kinderschutzgesetz aussehen wird, wollen mir ab lv arten, aber das eine will ich Herr» v. Heist sagen: Wenn bei uns ein Millernnd existierte und uns mit solchen Socialgesetzen käme, wie sie Millerand eingebracht hat, der würde sehr übel bei uns ankommen! (Lebh. Zustimmung bei den Socialdenwkraten.) Es könnte ja sein, daß auch einer von uns einnial das Unglück haben würde, auf der Ministerbank zu sitzen und dann seine Grundsätze zu verleugnen— (Sehr richtig I rechts), nun einer kann seine Grundsätze preis- geben, aber die socialdem akratische Partei wird sie immer hochhalten und i h m k e i n e n P a r d o n g e- tv ä h r e n.(Lebhafte Zustininlung bei den Socialdeniokraten.) Bei der Millerandfrage darf nicht übersehen werden, wie die französische Bourgeoisie beschaffen ist: ihr Prototyp ist hier etlva Herr Schlnin- berger.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Nun möchte ich niich noch ein wenig mit der Rede des Herrn v. Massow beschäftigen.(Heiterkeit.)' Er hat sich ja mit meinem Freunde Singer ruid mit niciner Person sehr lebhaft beschäftigt und ich will darauf einiges erwidern, Herr v. Massow war früher Ulanenoberst und gehört seit drei Jahren dem Reichstag an. Er hat nach dem parlamentarischen Handbuch die Militürkarriere aufgegeben, um sich ins Parla- m e n t wählen zu lassen.(Ruf rechts: Das stand ja schon im „Vorwärts".) Das ist ihin ja auch gelungen. Er sitzt seit drei Jahren da drüben unter den Nachkommen der Bismarck, Winterfeldt und Roo» und hat beobachtet. Am Sonnabend ist er auf einer antisemitischen Mähre mit eingelegter Lanze gegen uns angeritten(Große Heiterkeit) und der Erfolg war— stürmische Heiterkeit.(Heiterkeit.) Herr v. Massow hat den etwas merkwürdigen G e s ch in a ck gehabt, mit dem Grafen P ü ck l e r, K l e i n- T s ch i r n e, in Konkurrenz zu treten. Mir hat es nicht imponiert, daß ein preußischer Junker, als solcher hat er selbst sich ja hier mit Stolz bezeichnet, hier eine solche Probe niedrigen Bildungsniveaus abgelegt hat. Herr v. Massow sagte, die Namen Bebel und Singer stehen ans der Schiefertafel, die Namen der Noon und Bismarck sind mit ehernem Griffel in das Buch der Geschichte eingegraben. Was wir thnn, das thun ivir ohne danach zu fragen, was k ü n f t i g e G e s ch l e ch t e r ü b e r uns sagen werden oder ob sie es überhaupt der Mühe für ivert halten, nnsrer Thätigkcit zu gedenken. Wir sind hier die Wortführer der Namenlosen und treten gegen Sic, die Ramensträger ans(Sehr gut! links), deren Vorfahren das Volk unter drückt, ausgebeutet und in Fesseln gehalten haben.(Oho! rechts, Bravo! links.) Wenn das aber den Vorfahren der Bismarck und Roon gelungen ist, den heutigen Junkern gelingt es nicht m ehr. Die Zeiten sind vorbei(Sehr gut! links und Heiterkeit), und weil dem so ist, daher der große Aerger über uns, auch bei Herrn v. Massow. Dieser Herr hat dann auch seinem Bedanern darüber Ausdruck gegeben, daß das Rote Meer seine Klappe nicht rechtzeitig zu- gemacht hat. Das sagt ein M a n n, der auf dem Boden des Christentums zu st e h e n v 0 r g i e b t. Das Christen- tum leitet sich doch von Christus ab. Christus war doch ei» Jude aus dem Stamme David. Die Juden werden in der Bibel das anserlvählte Volk genannt. Wenn das Rote Meer die Klappe zu- gemacht hätte(Heiterkeit), so wären die Inden ertrunken. Christus hätte dann nicht gelebt, und es gäbe keine christliche Kultur. Gerade Sie behaupten ja immer, daß unsre ganze Kultur auf dem Christentum aufgebaut sei. Noch einmal, hätte das Note Meer seine Klappe zugemacht, so würden Herr Massow und seine Junkergenossen noch in den ostprenßischen Urwäldern sitzen. Herr v. Massow hat weiter über die Verhältnisse der Arbeiter in Industrie und Landwirtschaft gesprochen und dabei die Verhältnisse der Landarbeiter rosig ge- schildert. Wie erklärt sich dann aber die Landflucht der Arbeiter? Ich will zugeben, daß einzelne Arbeitgeber auf dem Lande alles für ihre Arbeiter thnn, was sie thnn können. Aber das sind A u s 11 a h m e n. Die Thatsache steht doch fest, daß die Arbeiter vom Lande wegziehen, weil ihnen der Aufenthalt, die ganze Behandlung auf dem Laude nicht gefällt. Sie können das gar nicht bestreiten. Wenn Herr v. Massow im Gegensatz zu den ländlichen Wohnungen auf die Wohnungen in den Großstädten hinlvies, so gebe ich ihm vollkommen zu, daß eine große Anzahl von Arbeiterwohnniigen in den Großstädten sich in einem traurigen Zustande befinden. Das hat ja für Berlin eine gerade von unsrer, von socialdemokratischer Seite unter Leitung des Dr. Zadel veranstaltete Enquete bewiesen. Ich hatte mich damals gefragt: wie ist ein solcher Zustand in der ersten Stadt des Deutschen Reiches möglich? Aber das berechtigt noch nicht dazu, den Zustand der ländlichen Arbeiterwohnnngen im allgemeine» als besser zu bezeichnen. In Cadinen ivaren bekanntlich die Schweineställe besser als die Wohnungen. Herr v. Massow meinte weiter, weit mehr als wir könnten seine Freunde sich als Arbeiterpartei bezeichnen. Er fügte hinzu: „Wenn Sie draußen wie die Hausknechte auftreten, so mag das sei», das sind Arbeitermanieren." Nun, ich glaube, daß das Auftreten von Ihrer Seite weit besser diese� Charakteristik verdient als das nnsrige.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Weiter hat Herr v. Massow sich darüber beschwert, was ich von dem Be- nehmen der Söhne der Edelsten der Nation gesagt habe. Es ist aber doch eine ganz unbestreitbare Thatsache, daß durch de» Prozeß in Hannover, den H a r m l 0 s e n p r 0 z e ß usw. Zustände zu Tage gekommen sind, die ein geradezu er- schreckendes Bild von dem Leben gewisser Kreise entwerfen. Roch eine kurze Bemerkung gegenüber deni sächsischen B u u d e s r a t s b e v 0 l l m ä ch t i g t e n Dr. Fischer, der vor einigen Tagen hier geäußert hat, wir betrachteten die G e w e r d e- Inspektoren als unsere Feinde. Dafür ist er den B e- weis vollkommen schuldig geblieben. Wir haben alle Zeit verlangt, daß die Geiverbe-Jnspektore» sich ihrerAufgabe bewußtbliebeu, die Arbeiter vor Ilebertriiteu und Schädigungen der Arbeitgeber zu schützen. Heute aber erblicken sie vielfach ihre Aufgabe darin, niehr die Interessen der Unternehmer als die der Arbeiter zu vertreten. Solche Vorwürfe haben wir speciell vielfach den sächsischen Gewerbe- Inspektoren machen müssen. Aber daß gerade das Gegenteil von der Behauptung des Geheimrats Dr. Fischer richtig ist, beweist ja, daß wir iii jeder Session und auch in der jetzigen wieder das V e r« langest auf Erweiterung der Gewerbe-Jnspektion st e l i e n. Wie könnten wir solche Anträge stellen, tvenii wir Feinde der Gewerbe-Jnspektion wären?(Sehr richtig I bei den Social- dcniokraten.) Wenn die Gewerbe-Inspektoren ihre Pflichten erfüllen, werden wir keine Anklagen mehr gegen sie erheben.(Beifall bei den Socialdenrolraten.) Abg. Dr. Criigcr(frs. Vp.): Gegenüber den Ausführuiigeii des Abg. Jacobskötter zum I n n u n g s w e s e n möchte ich betonen, daß sich eine strenge Scheidung zwischen H a n d w e r k s- und Fabrikbetrieben k a u in durchführen lassen wird. lieber das gesamte Jimungswesen werden u»S hoffentlich die beabsichtigten statistischen Erhebungen aufklären. Dcii Frauen muß eine größere Freiheit auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts gewährt werden. Nicht so sehr gegen das Urteil deS Ober-VerwaktungsgerichtS muß man sich wenden als vor allem gegen eine veraltete Gesetzgebung, die es ermöglicht, daß heute noch solche Entscheidungen gefällt werden. (Sehr richtig! links.)— Das R e i ch s- A r b e i t s a in t hat eine sehr bedeutungsvolle Thätigkeit, die zweifellos geeignet ist, Arbeit- geber und Arbeiter einander näher zu führen. Die Mehrheit meiner Freunde wird sowohl für den nationalliberalen wie für den socialdeinokratischeu Antrag stimmen.(Bravo! bei den Socialdem.) — Die Art und Weise des Auftretens des Herrn v. M a s s 0 w hat ja Herr Bebel schon außerordentlich treffend skizziert.(Sehr richtig! links.) Auch meinen Parteigenossen Bräsicke hat ja Herr v. Massow angegriffen. Ich bin überzeugt, daß, wenn Herr v. Massow am nächsten Tage den stenographischen Bericht seiner Rede gelesen hat, er selbst bedauert haben wird, seinen landwirtschaftlichen Kollegen aus seiner Heimatprovinz in dieser Weise angegriffen zu haben, denn er wird die Empfindung dabei haben müssen, daß bei solchen Angriffen auch mancher Schatten auf ihn selbst zurückfällt. (Sehr wahr! links,) So wie Herr v. Massow es geschildert hat, liegen die Verhältnisse in Ostpreußen denn doch nicht.(Beifall links.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Das r ei ch s st a t i st i s ch e Amt ist beauftragt worden. Er- Hebungen über die Verhältnisse innerhalb der Innungen anzustellen. Das Resultat der Erhebungen wird Ihnen mitgeteilt werden.— Was die Frage des i 11 t e r n a t i 0 n a I e n Arbeitsamts betrifft, so habe ich bereits mehrfach betont, daß unser nationaler Egoismus es ver- langt, dahin zu wirken, daß andre Staaten gleichartige und gleich- wertige Einrichtungen auf dem Gebiete des Ärbeiterschutzes treffen, wie Deutschland. Es handelt sich dabei um eine Frage der inter- uationaleu Handels- und ProduktionSkoukiirrenz. Wenn es uns gelingt, die Belastimg unsrer Industrie auf diese Weise minder drückend zu gestalten, kann darin ein Moment liegen, das uns erlaubt, von unsren Zollsätzen abzulassen. Wir haben daher das allerdriugendste Interesse daran, solchen Be- strebungen freundlich gegenüberzustehen und ich habe bereits, bevor diese Anregung aus dem Hause kam, angeordnet, daß ans dem mir zur Verfügung stehenden Fonds das int cruationale Arbeitsamt in Basel unterstützt werde.(Lebhaftes Bravo! links.) Es sind hier auch wieder Klagen über die Kurpfuscherei und das G e h e i m- m i t t e I n u w e s e n erhoben worden. Man spricht doch imnier von der wachsenden Intelligenz des deutschen Volkes. Ist das richtig. dann darf man es wirklich dem Publikum selbst überlassen, sich gegen solche schwiudelhaften Unternehmungen, vor denen oft geniig gewarnt ist/ zu schützen.(Sehr richtig! links.) Auf allen Gebieten kann der Staat wirklich nicht die Rolle der Kinderfrau über- nehmen.(Heiterkeit und sehr richtig! links.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr._ NÄvlnmenkÄviflches. Die Lage tu China.— Zolltarif und Aiiswanderuiig. Die Budgetkonimission des Reichstags bewilligte am Donnerstag die Neu- oder Mchrforderungen für die Konsulate in Hankan, Managua(Nicaragua), Jtihang, Nanking und Toinanfn. Die letzten drei Forderunge» wurden genehmigt, nachdem der Referent Abg. Prinz Arcnberg(C.) und Abg. Dr. Miiller-Sagan(frs. Vp.) nähere Jnsormalion üver die politische Siluation in China erbeten. Korreferent Abg. Dr. Haffe(natl.) solche Information als für die Bewilligung der Forderung unerheblich bezeichnet und Staatssekretär v. NichtHofen den Wünschen des Referenten durch vertrauliche Mitteilungen entsprochen hatte. Den Neichstagsabgeordneten wird eine kartographische Uebersicht über die gegenwärtige Verteilung der Konsulats über den Erdball zugesagt. Die Forderung eines Zuschusses von 30 00E M. für die Schaffung einer Anskunftsstelle für Auswanderer giebt dem Referenten Abgeordneten Prinz Arenberg(C.) Anlaß, die Frage des Auswanderungswesens und der beabsichtigten Auskunftserteilung für Auswanderuugslustige eingehend zu erörtern. Die Deutsche Kolonialgcsellschafl ist, wie die Vorlage angiebt, bereit, gegen einen jährlichen Reichszuschuß von 80 000 M. mit Beginn des Rechnimgs- jahres 1902 die gewünschte Auskiinftsstelle zu eröffnen, sie der Auf- Ficht des Reichskanzlers zu unterstelleii und nach dessen Direktiven zu leiten. Korreferent Abg. Dr. Hasse(natl.) wünscht den Reichszuschuß ohne llteichsaufsicht für die Auskunftsstelle.— Staatssekretär Freiherr v. Richthofrn betont, daß die Reichsaufsicht auf ein Mindestmaß beschränkt werden solle.— Abg. Dr. Miiller-Sagan(frs. Vp.) erklärt, ohne Reichsaufsicht keinen Reichszuschuß gewähren zu wollen. Be- zeichnend für die agrarische Zollpolitik, die die Regierung begünstige, sei es, daß der Staatssekretär v, Richthofeu ähnlich wie die Er- läuterung der Forderung im Etat„eine Zunahme der Aus- Wanderung aus Deutschland in Aussicht stelle. Das scheine auch das Auswärtige Amt zu glauben und von der neuen Tarifpolitik eine Steigerung der Auswanderung zu erivarten.— Staatssekretär vou Richthofeu bestreitet, daß ihn diese Erwägung zu seiner Auf- fassimg über das Anwachsen der Auswanderung geführt habe. Die thalsächliche Feststellung der Auswaiiderungszifierii in den letzten Jahren lasse eine Steigerung erkennen.— Abg. Dr. Müller-Sagau: Das sei nicht der Fall; die deutsche Auswaiideruilg sei von rund 220 000 Personen im Jahre 1881 auf 120 000 im Jahre 1891, 24 000 im Jahre 1899 und auf rund 22 000 im Jahre 1900 gesunken, Abg. Frese(frs. Vg.) erachtet es als bedenklich, durch eine Auskniiftsslelle in den Wettbewerb der an der Auswanderung be- teiligten privaten Unternehmungen einzugreifen. Die agrarische Schutzzöllnerei muß in Gestalt einer erhöhten Auslvanderungsziffer diskontiert Iverden. Staatssekretär V. Richthofeu: Das Anwachsen der Aus- lvaiidernng sei durch die wirtschaftliche Depression bedingt. Abg. Bebel(Soc.): Es sei begreiflich, daß die Zahl der Ans- Ivanderer bei der gegenwärtigen Krise sich steigere. Der neue Zoll- tarif werde aber bewirken, daß die Krise chronisch werde. Bezeichnend sei eS, daß die Regierung, anstatt der Krisis durch Abschluß von Handelsverträgen entgegenzuarbeiten, den Auslvanderungsstrom zu regeln suche durch ein zivar nicht offizielles, aber doch offiziöses Auslvandcriingsbureau.— Staatssekretär v. Nichthofcn bestreitet, daß dies der Zweck der Forderung sei. Es solle nur eine objektive Ausknuflei und keine Leitung der Aus- Wanderung geschaffen werden.— Abg. Fürst zu In» und Kuyp- Hanse»(k.) hält dem Abg. Bebel entgegen, die ländlichen Arbeiter würden unter der Wirkung höherer Getreidezölle so hohe Löhne er- halten, daß sie nicht mehr ans Auswandern dächten.— Abg. Dr. Haffe(natl.) polemisiert gegen Bebel, der doch gegen die ganze Forderung stimmen werde. Leider sei es nicht möglich, die unangenehinen Elemente im Lande zur Auswanderung zu zwingen.— Abg. Müller-Fulda(C.): Der Reichstag müsse sich jedenfalls das Recht vorbehalten, alle Jahre über die Bewilligung zu entscheiden. Deshalb sei er für einmalige Bewilligung. Weshalb sei dem Raphaelverein nur Sitz, nicht auch Stimme im Auskunftsanit in Aussicht gestellt?— Staatssekretär v. Richthofeu: Der Raphael- verein sei uiit der Organisation des Auskunftsamtes ganz zufrieden. — Abg. Bebel(Soc.) ist gegen die Beteiligung des Ravhaelvereins, der einseitig koiifcssionell sei. Eine erste Bewilligung ziehe weitere Belvilligungen nach sich.„. Nach weiteren Ansfühmngen des Staatssekretärs v. Richthofeu werden die Verhandluugeii vertagt. Nächste Sitzung Freitag. Aus- w artiges Amt._ Die Wahlprufungs- Konnnission deS Reichötazs stellte in ihrer Sitzung am Donnerstag den Bericht über die Wahl des Abg. Pri etz e(natl., 6. Trier) fest. Die Kommission beschloß, Er- Hebungen über eine Anzahl Protestpunkte und bis zur Erledigung der Erhebungen Aussetzung der Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl. GoviltzkS»Isikung. I» dem große» Diebstahls- und Hchlcrprozeß Fnhrmani» und Genossen schreiten die Verhandlungen nur laugsam vorwärts und sind am gestrigen zweiten Sitzungstage noch im Stadium der Vernehmung der Angeklagten zu den einzelnen Diebstahlsfüllen ver- blieben. Die Bilder aus dem Berliner Verbrecherlcben, die da auf- gerollt werden, sind nicht von besonderer Originalität, die ver- brecherischen Thatcu, die den Angeklagten vorgeworfen werden, haben sich in den bei gewohnheitsmäßigen Einbrechern üblichen Formen abgespielt. Auch gestern war der Andrang zum Zuhörer- räum außerordentlich groß, was Ivohl darauf zurückzuführen ist, daß mancher glaubt, lehrreiche Einblicke in das Thun und Treiben der Diebesbanden thun zu können und viele andre den 3ö An- geklagten durch Verwandtschaft und Bekannischaft näher stehen. Unter den Angeklagten befinden sich mehrere junge Leute aus ganz anständigen Familien, die bis dahin völlig unbescholten, fast alle durch das Elend in die Verbrecherkreise hineingezogen worden sind. Gewöhnlich begann die Sache mit Arbeitslosigkeit. In den Herbergen zur Heimat, die sie behufs Erlangung von Arbeit auf- suchten, trafen sie mit gewiegten Verbrechern zusammen, die sie bald in ihren Fingern hatten. Bald waren sie mit jenen ständige Gäste in den Kaschemmen, wo besprochen wurde, wenn irgendwo„was zu machen" war, und ohne daß sie recht zum Bewußtsein gekommen waren, befanden sie sich mitten in dem verbrecherischen Getriebe. So ist es namentlich einem erst zwanzigjährigen Sohne eines ehrbaren Kanzleidieners gegangen. Ein andrer, auch erst 24 Jahre alter Angeklagter, der nun schon Zuchthauskleidung trägt, gab an, daß er den ersten Schritt auf die schiefe Ebene infolge häßlicher Familienverhältnisse gethan habe. Nach seiner ersten Strafe sei es ihm unmöglich gewesen, auf die Dauer wieder ehrliche Arbeit zu erhalten und so sei er dem Verbrechertum unaufhaltsam verfallen. Auch er hat die Verbindung mit den Verbrecherkreisen durch die Vernüttelung der Herbergen und Kaschemmen unterhalten. Wie leicht diebische Pläne zusammengeschmiedet werden, zeigte einer der Anklagefälle. Da hatte einer der Angeklagten auf einem Spaziergange bemerkt, daß an dem Schaukasten eines Uhrengeschäfts die Scheibe einen Riß erhalten hatte, der von innen beklebt worden Ivar. Sofort ging er in die Kaschemme und teilte seinen Complicen mit, daß er eine Gelegenheit kenne, um„ein Ding zu drehen". Unter Mitnahme einiger Holz- klötzchen machten sich drei Mann auf den Weg, hoben die Jalousie mit Stemmeisen in die Höhe, setzten dann die Klötzchen unter und hatten nun Gelegenheit, die Scheibe ganz leicht einzudrücken und Uhren im Werte von 1000 M. zu stehlen. Sie wollten dem Gerichts- Hof mit Gewalt einreden, daß sie die Uhren später ohne Bedenken auf offener Straße an vorübergehende unbekaimte Personen verkauft hätten. Uebrigens reden die Angeklagten frei von der Leber weg und man bekommt da einen artigen Verbrecher- Jargon zu hören. Da spielen der„schwarze Karl", der von der Polizei noch nicht er- griffen werden konnte, der„Maler Paul", der„Falkensteiiier", der „Ponte" und wie die Verbrecher-Spitznamen sonst noch lauten, eine Rolle, da wird von der„Greiferei" gesprochen, wenn die Polizei gemeint ist, vom„Tändelzeug", wenn man Brecheisen und sonstiges Diebes- Werkzeug bezeichne» will, vom„Lampen bekommen", wenn von einer Störung beim Diebstahle die Rede ist, von der„versenkten Sore"(versteckten Ware), den„Haken" (Dietriche), den„Schärfern"(Hehlern), den Kaschemmen den„Dingern". die„gedreht" werden zc. zc. Es ist immerhin bemerkenswert, daß nur ein ganz kleiner Teil der Au- geklagten in Berlin geboren ist, die Iveit überwiegende Mehrzahl da- gegen aus der Provinz stammt und auf vielfach verschlungenen Irr- wegen nach Berlin verschlagen Ivordeu ist. Unter den Mitangeklagten Frauenspersonen sind einzelne, die bis zu sechs Monaten in Unter- suchungshaft gesessen haben, dann entlassen worden sind und sich nun bloß wegen einfacher Hehlerei zu verantivorten haben. Sic hören den Diebstahlsgeschichten niit großer Aufmerksamkeit zu. An die Hehler wird erst später die Reihe kommen. Bis auf weiteres hat der Vorsitzende, Landgerichts-Dircktor Tackmann, noch vollauf zu thnn, um die Thätigkeit der verschiedenen Einbrechergrnppen fest- zustellen und die Schliche der Angeklagten offen zu legen, wenn sie sich bemühen, im Gegensatz zu früheren Aussagen, sich gegenseitig herauszulügen. Wie man schmiert. Ein für Baukreise interessanter Prozeß fand gestern vor der vierte» Strafkammer des Landgerichts I unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Braun statt. Der auf der Anklage- dank befindliche Regiernngs-Bauführer Gustav K ö h u war be- schuldigt, als Beamter für in sein Amt einschlagende, an sich nicht pflichtwidrige Handlungen Geschenke an- g e u 0 m m e n oder gefordert zu haben. Er räumte dies ein, bestritt aber seine Beamteneigcnschaft. Durch die Beweisaufnahme wurde folgender Sachverhalt festgestellt: Im Juli 1693 wurde Köhn bei der achten Berliner B a u i n s p e k t i 0 n, die unter der Leitung des Baurats Stall steht, als Bauführer mit einem Monatsgehalt vou 270 M. angestellt. Die Ucbernahme von Privat- geschäfteu wurde dem Angeklagten untersagt. Nun sind acht Fälle zur Kenntnis der Behörde gelangt, in denen er für die Erfüllung seiner Dienstpflicht Geldgeschenke erhalten hat. Für jeden Neubau oder bauliche Veränderung. Ivelche in der achten Bau-Jnspektion vorgesehen sind, muß der Unternehmer vorher bei dem Bureau, in welchem der Angeklagte angestellt war, die Bauzeichnung einreichen, die dann vou der Inspektion geprüft und entweder gc- nehmigt oder beanstandet wird. Der Bescheid läßt bis- weilen etwas lange auf sich warten, wodurch den Unter- nehmern außer dem Zeitverluste auch Unkosten erwachsen. Um nach dieser Richtung hin eine Beschlennigimg herbeizuführen. hatten die Bauuuternehiner zu G e l d z u w e n d n n g e n ihre Zuflucht genommen und bald sagte einer dem andern, daß mau hiermit beim Bauführer Köhn Erfolg habe. Zumeist machte der Angeklagte derartige Geschäfte, Ivenn sein Chef, der Baurat Stall, sich auf Urlaub befand, aber in einem besonders krassen Fall ließ er sich auch durch dessen Anwesenheit nicht abhalten, Nebeugeschäfte zu betreiben. Der Maurermeister Kr. hatte eine Bauzeichnung eingereicht, die in vielen Punkten beanstandet wurde. Baurat Stoll beschied ihn deshalb nach dem Bureau, um Rücksprache mit ihm zu nehmen. Als Kr. sich einstellte, flüsterte Köhn ihm hinter dem Rücken seines etwas schwerhörigen Chefs zu:„Kommen Sie abends nach meiner Privalivohnung, da werde ich olles in Ordnung bringen." Kr. erwiderte durch die bekannte Bewegung mit Daumen und Zeigefinger, daß er dafür erkenntlich sein würde. Er begab sich auch am Abend nach der Privatlvohnung des Angeklagten, wo dieser die Fehler der Zeichnung mit ihm durchging. Da Kr. aber an dem Thürschild des Angeklagten gesehen hatte, daß Köhn„Regiernngs-Bauführer" war, so getraute er sich nicht, ihm Geld anzubieten, sondern entfernte sich mit bloßem Dank. Am folgenden Tage sandte der Angeklagte ihm die Zeichnung wieder zu, die zu ändernden Stellen waren mit Blei vor- gezeichnet. Als dann der Bau im Gange war, stellte der Angeklagte sich dort ein und suchte Kr. auf. Da dieser sich in betreff des Geld- Punktes zurückhallend verhielt, wurde der Angeklagte beim Fortgehe» deutlich, er äußerte:„Ja, meinen Sie denn, daß ich alles u m s 0 n st t h u e?" Er verlangte erst 100 Mark, ermäßigte seine Forderung dann aber auf S0 Mark. Als Kr. auch die Zahlung dieses Betrages ablehnte, entfernte der Angeklagte sich mit den Worten:„So sind die Bauherren,' erst soll man ihnen gefällig sein und nachher geben sie nichts". Andre Zeugen bekundeten, daß sie dem Angeklagten 40—50 M. durch die Post zugesandt und dadurch erwirkt hätten. daß ihre Zeichnungen schlennigst geprüft wurden. Bei Ersuchen um Beschleunigung pflegte der Angeklagte darauf hinzuweisen, daß er mit Geschäflcn überhäuft sei und deshalb seine dienstfreien Stunden mit zur Hilfe nehmen müsse. Die Zeugen wollten dadurch in den Glauben versetzt sein, daß sie die lleberarbcit auch vergüten dürften.— Baurat Stoll sprach sein tiefes Bedauern über die Haudlungstveise des Angeklagten ans, in dem er einen außerordentlich tüchtigen Mitarbeiter verliere. Rat und Aufklärung erteile er selbst den Bau- Unternehmern bercitlvilligst während der Dienststunden und das durfte der Angeklagte auch thun, aber irgend einen Entgelt durfte er dafür nicht nehme». Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 3 Monate Gefängnis, ihm auf 3 Jahre die Fähigkeit abzusprechen, ein öffentliches Amt zu bekleiden und Einziehung der durch die Bestechung gewonnenen Geldbeträge. Der Verteidiger, Rechtsanivalt Dr. Jverrs, suchte nachznivcisen, daß der Angeklagte auf Grund eines von dem früheren Minister v. Maybach eriasscncn Bescheides des Glaubens sein konnte, dah er nicht Beamter sei. Trete der Gerichtshof dieser Ansicht bei, so müsse ein freisprechendes Urteil erfolgen, trotzdein das Verhalten des Angeklagten verwerflich sei. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis. Es sei von einer Geldstrafe Abstand genommen worden, weil der Angeklagte durch seine Handlimgsiveise die ganze Kategorie der Baubeamten verdächtigt und in Mistkredit gebracht habe. Rettung des Christentums. Wegen Beschimpfung der christ- lichen Kirche und Verbreitung einer unzüchtigen Schrift stand gestern der Redacteur Martin Hildebrandt vor der 4. Strafkammer des Landgerichts l. Unter Anklage gestellt Ivaren zwei Artikel in Nr. 2 der von dem Angeklagten redigierten periodischen Druckschrift „Der Heide". Der eine Artikel unter der Ucbcrschrift„Sind wir irreligiös I" machte Betrachtungen über den Einfluß des Christen- tnms auf unser gesamtes Leben, die von der Anklagcbehörde als Vcrstost gegen§ 166 aufgefaßt wurden, während in dem Artikel „Irdische und himmlische Liebe" eine Verletzung des Z 184 erblickt wurde. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oefientlichkcit statt. Der Angeklagte hatte unter anderm den Antrag gestellt, den Professor Dr. H a r n a ck als Sachverständigen darüber zu hören. daß„Christentum" und„christliche Kirche" nicht identisch seien. Der Autrag wurde abgelehnt. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate, der Gerichtshof erkannte ans zwei Monate Gefängnis. Briefkasten der Redaktion. Die jurlftllche Sprechsiunbe findet täglich mit RuSuahine des So»»abends von V'/s bis ti'/z»hr nbe»ds statt. H. B. 13. Die erste Berliner Volksküche ist unsres Wissens 1866 im Hause Kochstraste 74 eriissnet worden. W. M. Ch. Carl Rienacker, Kolporteur, Guben. Straße und Nummer uns nicht belaunt. Dürfte aber genügen. Wettende 1000. 57 000 Exemplare. P. 100. Wir kennen die Fabrik nicht, welche die Adler- Spieldose herstellt. Zt. B. Die Schlestngschc Stiftung für hilfsbedürftige Wöchuerinnen ist der Armenverwaltung unterstellt. Wenden Sie sich an die Armcndirektion, Am Mühlendamm 1. S. H. Die Reise nach New York stellt sich im Zwischendeck auf etwa 150 M. lieber die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Bereinigten Staaten können wir im engen Rahmen des Briefkastens keine Auskunst geben. Coi iiclius. Wie Sie sehen, haben wir Ihre Mitteilungen gern be- nützt. Besten Dank! — Nt. Weist. Wenn der Beklagte im amtsgerichtlichen Termin weder erscheint, noch sich vertreten läßt, so muß auf Antrag des Klägers gegen ihn Versäumnisurteil ergehen. Das Vcrsäumuisurteil ist vollstreckbar. Gegen dasselbe kann der Beklagte zu Protokoll des Gerichtsschreibers oder schrift- lich innerhalb 14 Tagen Einspni» einlegen. Ein Beispiel für einen solchen finden Sie im Arbeiterrecht S. 437 Nr. 77. Das Buch liegt in den oftent- lichen Bibliotheken aus.- I. B. 100. 1. Ja. 2. Ein vor 100 Jahren veröffentlichtes Testament ist unter keinen Umständen heute noch anfechtbar. Die Ansechtungssrist beträgt 1 Jahr.- Brunnenstr. 83. Das wäre keineswegs eine Unterschlagung.— A. Schmidt. Sie haben das Recht, auf Herausgabe der Papiere und vollen Schadensersatz(beim Amtsgericht) zu klagen. Sie thun gut, sich den Nachweis zu sichem, daß Sie wegen mangelnder Papiere keine Stellung erhalten haben. - A. G. Sie adressieren an den Magistrat, Generalbureau Rathaus, oder erkundigen sich mündlich im Gcneralbureau bei dem Bureaudirektor. - H. 31. 1. Nein. 2. In 10 Jahre».- 100 M. R., 1. Ja; event. ließe sich nur Beschwerde einlegen. 2. Nichts. 3. Nein. 4. Nein.— Arter«. Aus Ihrer Anfrage geht nicht hervor, ob der Arbeiter von der Wasser- leitungsgeseNschaft beschäftigt war oder nicht. War ersteres der Fall, so ist Unfallrente von der Unfall-Berufsgeuosseuschaft zu zahlen. Stand der Ver- »»glückte nicht in Arbeit bei der Wasserleitungsgcsellschaft, so steht ihm ein Anspruch auf voNen'Schadcuscrsatz gegen die Gesellschaft zu, weil diese aus öffentlichen Wegen oder an Orte», an welchen Menschen verkehren, Gräben oder Abhänge dergestalt unverdcckt ließ, daß daraus Gefahr für andre entstehen konnte.(§ 367 Nr. 12 Strafgesetzbuch). Dieser Anspruch ist durch Klage gegen die Gesellschaft beim Landgericht geltend zu machen. - N. Sich. 59. I. Leider: eine höhere Instanz giebt es nicht. Sie thaten Unrecht, daß Sie nicht sofort sich an einen Sachverständigen wendeten, vielmehr bis nach rechtskräftigem Entscheid warteten. 2. und 3. Ansprüche gegen die Firma oder gegen die Bernfsgeuossenschaft oder gegen die Jnvalidenversicherungs-Attstalt sind jetzt völlig aussichtslos. - G.». Ihre Frage ist ohne genauere Darlegung des Sachverhalts nicht zu beantworten. I» der allgemein gehaltenen Form wäre sie zu Der- »einen.— R. D. Wenden Sie sich direkt an die Postdirektion. — I. L. 43. 1. Gewerbsmäßige Vertreter löiineil zurückgewiesen werden. 2. Das Urteil kann zugestellt und zugleich vollstreckt werden. Für de» Inhalt der Inserate überniiiimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Pcrantmortiing._ Gheatev. Freitag, 31. Januar. Opernhaus. 7. Sinfonie- Abend der königlichen Kapelle. Anfang 7'/, Uhr. Mittags 12 Uhr: Oeffentliche Hauptprobe. Schanspielhans. Miß Hobbs. Au- sang 7'/, Uhr. Neues Over»> Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Der Jongleur. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Lebendige Stunden. An- saug 7-/, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7>/z Ubr. Lessing. Die Fee Caprice. Anfang 7'/, Uhr. Residenz. Verliebt. Ansang Uhr. Neues. Coralie u. Co. Ansang 7'/- Uhr. Weste». Engen Onsgin. Anfang 7% Uhr. Secessionsbühne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Vorstellung vor Serenissimus. Auf. 8l/2 Uhr. Triano». Lebende Lieder. Kleine Spiele. Anfang 8 Uhr. Central. Das süße Mädel. Anfang 7'/- Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang W- Uhr. Lutsen. Maria Stuart. Ansang 8 Uhr. Carl Weift. Das Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstädtisches. Die drei Wünsche. Anfang 7V, Uhr. Belle-SINiance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Ansang 7'/- Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivari-Brettl. Täglich Vor- ftellung. Anfang 8 Uhr. Wletropol. we feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. Au- saug 8 Uhr «Polio. Specialiläteu- Vorstellmig. König Agua Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Weihnachten. Mädchenjäger. Specialitäten-Vor- ftellung. Anfang 3 Uhr. Passage- Thealer. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- tälen-Vorstettung. NeichShallr». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitälen-Vorstellung Großstadtzauber. Ans. 8 Uhr. Ilranin. Tanbenstr. 48/49.(Im Thealersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingslage an der Riviera. Jnvalidcnstrasje 57/03. Um 8 Uhr: Die Welt der Fix- sterne._ Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera InvalMciinlr. 57/6%. Um 8 Uhr; Die Welt der Fixsterne. Castans Panopticn Frledrlch-Strasse 163. Ken!! Der bedeutendste PST Krafllurner der Welt, der Berliner Alex Meyer"UW Phänomenale Muskulatur! Ank. Sonnt. 3, Woohent. 5, Ende It. DameQ-Luftkarapf ausgeführt von 12 jungen Damen. «eol�Sr imon in seinen Zwerchfell erschütternden Bauerntypen. Neu! Schindler, der phänomenale Mundharmonika-Virtuose. Michel Mayer, der stärkste Mann der Welt, zahlt lOOO Mk. dem, der seine Hanteln naohhebt. 16 erstkl. Mammern. CkMlll-WM. Heute Freitagabend 71/2 Uhr: Das füjjc Mädel. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Sonnabendnachmittag 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schneewittchen bei de» siebe» Zwergen.— Abends 7l/2 Uhr: Das stifte Mädel.— Sonntagnachmittag 3 Uhr, halbe Preise: Der Seekadett. Abends 7'/, Uhr: Das süfte Mädel. Montag, 3. Febr.: Gastspiel Ifvette Gnilbert mit ihrer Gesellschaft. E. von Wolzogens Dante» Theater(Ueberbrettl) KUpnickerstr. 68. Freitag, den 31. 3 anuar 1902: I.Ina Abarbnnell. Bozena Itradsky u. Oskar StranHH. U.a.: Nora-Parodie. Die beiden Pierrots. Brahms'sche Duette. Anfang 8 Uhr. nifitropol-Tlisater Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: DK Burleske Ausstattnngsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Frauchens Weihnachtstisch. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, 1. Febrnnr: SJetropol-Tlieater-Ball. WIIttÄMttt (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: Der dloaxlear. !ßofie mit Gesang in vier Abteilungen von Emil Pohl. Sonnabendabend 8 Uhr: Der daaslvar. Eon«tag»ach mittag 3 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: Heimat. c aii Weiss-Tlieater. wrofte Frnnkfnrterstr. 133. Ansang 8 Uhr: Das Jnngferttstist. Operelle tu 4 Alten nach einer Idee des Paul de Kock von Ernest Guinot. Musik von Jean Gilbert. Hinna Hlchettl alS Gast. Morgen: Das Jungfrrnstift. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Freitag, den 31. Januar 1902, abends S'/j Uhr: orstellnngvorSereriissimns Fanilltenidyll etc. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Honte Freitag zum letztenmal das sensationelle Januar- Programm mit seinen Glanznuinmern, zum letztenmal.Weihnaehtea«. Morgen n. folg. Tage: Ganz neues Programm. Gastspiel des Direktors Wilhelm Richter. Altfang Wochcnt. 8 Uhr,Soniit.7l/,Uhr. Sonntagnachm. 4Uhr: Muttersegen. Uz A Schumann. Freitag, de» 31. Januar 1902, abends präcise Uhr: Grosse ausserordentliche Vorstellung:. Zum 119. Male: Nur noch einige Anfsührnngen. Der Schlager der Saison, das größte und glänzendste Ausstattungsstück in 8 Akten O»tt dm chMris. Vorher: Die großartigen Januar- Specialitäten. U. a. AUF' höchst interessant, spannend: cntscbeldnngs- Schluss-Rennen der Original- Byciclc-Truppe. Heutiger «taud: Amerika 74•• Eiijj- land 72•• Die neuesten Original- Dressuren des Dir. zib. Schumann. Ferner Auftreten sämtlicher Clowns und Auguste mit ihren neuesten ur- komische» Enirecs und Intermezzos. Sonnabend: XVIII. Grande Solrde Hlgh-Llke. Wala-Programm und neue sensationelle Debüts. S o n u t a g: 2 große Vorstellungen. In beiden VorfteNlingen die neuen Specialitäten. Nachm. l Kind frei. Ii Grosse .riß im Exemerhans (am Prenzlauer Thor) Lothringerstrafte 1—7. Täglich 3 große Vorstellungen. 4. 6 und 8'/, Uhr Dressur mit Löwe». Tigern. Wölfe» u Hyänen, sowie Löwen-Ningkanipf nnd Fütterung INN 4 u. Sl/2 Uhr. Entree: t Platz 1 M., II- PI. 60 Pf., III. PI. 25 Pf., Kinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen aus 1. u. 2. Pl. die Hälfte, dem 3. Pl. 15 Pf. Di« Direktion: proeae. Thalia-Theater. Dresdenerstrafte 7)8/73, Heute und folgende Tage mit voll- ständig neuer Ausstattung: Seine Kleine. Grobe Berliner Ausstattnngsposse mit Gesang und Tanz i» 3 Akten. Paula Worin a. G., Guido Thielscher, Helmerding, Junkermann, Paulmüller. Gerda Walde, Boss, Wannovins, Junker- Schatz. Aniaiig T/2 Uhr. Belle-Älliance- Theater. Die Dlllilt öiiö TrollMe. Schwank m. Gesang u. Tanz i. 3 Akten. Emil Soitdermann. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Mario». rfV- ,. Pariser Lebensbild Hierauf. in einem Auszug. Sonntaguachmittag 3 Uhr, kleine Preise: A.uue-Liiese. Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. 33. Direktion: Winkler n. Fröbel. Freitag, den 31. Januar: Sommerfeld-Kenefiz- UorsteUung. Gastspiel bcdeulender Kunst- Special itllten. Gewähltes Programm. Um 9 Uhr: Wiederauftreten des Direktors Wtidelm prödel in der AusstattungS-Operette Di- süß-n Mädel. Nach der Vorstellung: Beuefls-Ifreltans Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Freitag, 31. Januar, abends 7'/, Uhr: Gr. Vorstellung. KiouOihe. Orig- Pantomime des Cirkuö Busch. Die rätselhafte Comtesse X. DeiMe Konzerttiallen, An dar Spandauer Brllcke 3. GrBast.Vergnüg nngslokal Berlins I Internationale Konzerte u x Specialitäten-Vorstellnngi Ausschank: Berlinep Bock-Bpauepei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl, Jfatinee von 12—2 Uhr.| Oekonom: Gustav Preillpper, Reichshalle n. Tüglich: Stettiner Sänger. Anfang Wochcnt. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Apollo-Iheslep. Xnp noch bis Sonntag: König Aqua und die vorzüglich. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Montag, den 3. Februar 1902; Erstes Ensemble-Gastspiel des Central-Theaters mit 311a Werber in Das süsse Mädel. Sansisoiiel Kuttbuserstr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Ii» r r m a n ii■ NoMiitsche Zliilgtt Neu! Die Zillerthaler. Meu 1 Die Polkaschiitzen. Nach jeder Vorst. TAItinö. Cuttee 30 u. 75 Pf. Wochcnt. Attfäng 8 Uhr, Entrce 30 u 50 Pf. Wochent. Vereinsbillets gültig und Tanz frei. W. Noacks Theater. 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Februar, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal I, Engel-Ufer No. i5: Vortrag des Genossen Kreplin Ober:„Das Drama." Nach dem Vortrage: 4/6 OicinUtliehes ESei&aiiinienscin und Tanz. Eintritt 20 Pfennig."MM Garderobe frei. Deutscher Holzarbeiter-Verbani Heute Freitagabend 81/, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-User Nr. 15: Sitzung der Ortsverwaltnug. MG" Drechsler."WW Aonnabcnd, den 1. Februar, abends S'/j Uhr, im Gcwerkschafts- hans, Zimmer Iv, Engel-IIfer IZ: Sitzung der Sranchen-Kommisfion. Mitttvoch, den S. Februar, abends 8V« Uhr. im Gcwcrkschafts- ha»S, Saal I, Engel-Ufer 15: VrAnrh e u Derin miitl uug. Verein der Vananschliiger Berlins und Umgegend. Infolge der Arbeitslosenzcihltmg am 2. Februar findet die Zlonats» \rer»«an>«»Ini,c om ToinierStag, de»«. Februar. abendS VV- Uhr, im Gewcrl�chafts.hnusc, Saal I, statt. 33/6 Ter Borstand. AWllg, GmerkslhOmitglieiier! Krössle leizkraft Geringster Aschengehalt Kein Schlacken-Rückstand! sind die von altersher bewährten Vorzüge �MARIE� HENCKEf S WERKE■_ Daher stellen sich diese ßCilt§01111001101 �8? Henckels ßrikets thatsächiich im Gebrauch viel billiger als andere durch Reklame angepriesene Harken. Alleiniger engros Vertrieb der Henckels-Brikets durch & Co., Berlin NW., Holsteiner Ufer No. 8. Zu beziehen durch alle renommierten Kohlengeschäfte. Tirtltitit IM U> Jahre Garantie. Vollkommen schmerzlos. Zahn. Lullur£ KU» ziehen I M. Plomben 1.50 M. Teilzahl, wöchentl. WBa 1 M. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 130. Spr. 9—7. Am Sonntag, den 2. Februar, morgens 8 Uhr, gehen alle Gewerkschafts- Mitglieder, welche am 26. Januar Karten ausgetragen haben, in die Bezirkslokale. Alle diejenigen, welche nicht zum Verteilen gekommen sind, treffen sich von neuem in den untenstehenden Sammellokalen. Gemäß des Beschlusses der vereinigten Gewerkschaften haben sich 10 Proz. aller Gewerkschaftsmitglieder zur Verfügung zu stellen. 6005 Mitglieder sind am 26. Januar ihrer Pflicht nachgekommen; es hat sich trotzdem herausgestellt, daß, während in der Peripherie Berlins die Hilfskräfte keine Verwendung finden konnten, im Herzen der Stadt nicht genügend Leute waren. Um die Arbeit zu einer leichten zu gestalten, ersuchen wir alle Gewerkschaftsmitglieder, welche sich am 26. Januar nicht ail der Arbeit beteiligt haben, dieses am 2. Februar zu thun. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß alle die Mitglieder, welche am 26. Januar niitgearbeitet haben, dagegen ani 2. Februar nicht erscheinen, in der Kontroll- liste als nicht niitgearbeitet aufgeführt werden. Die Mitglieder, welche am 26. Januar keine Verwendung fanden und sich am 2. Februar zur Mitarbeit' einfinden, werden als anwesend verzeichnet. Das letztere gilt auch für Mitglieder, welche sich am 2. Februar neu melden. Alle Zähler sind angewiesen, in jedem Haushalt, wo eine Karte nicht abgegeben worden ist, Nachfrage über Arbeitslosigkeit oder. Erwerbsbeschränkung zu halten und dieses auf der Ersatzkarte zu notieren. Alle Karten sind an die Bezirksführer abzugeben. Das Centralbureau ist das Gewerkschaftsbureau, Engel-Ufer 15. Die noch weiteren notwendigen Hilfskräfte hat sich jeder Bezirksführer aus den ihm zunächst liegenden Sainmellokal zu beschaffen, deren Telephonnummern unten angegeben sind. Die Leiter der Sammellokale haben sich niit der Centralleitung in Verbindung zu setzen, deren Telcphonnummcrn für den Süden und Süd-Osten Amt 7, 3733, für den Osten 7, 3258, für den Norden 7, 353 sind. Arininhallen, Kommandantenstr. 20, 1 3504. Habels Brauerei, Bergmannstr 6a, 10, 128. Reholk, Wasserthorstr. 68. Ewald, Schönleinstr. 6. Hilfskräfte bei Brüder, Waldemar- straffe 75, 4, 1191. Königshof, Bülowstr. 37,6,241. Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal 1,7, 3733. Hilfskräfte für IH. und IV. Kreis Süd-Ost. Königsbauk, Frankfurterstr. 117, 7a, 8142. Stechert, Andreasstr. 21, 7, 5323. Keller, Koppenstr. 29, 7, 554. Elysium, Landsberger Allee 40. Hilfskräfte für den IV. Kreis Osten. Bauer, Nosenthalerstr. 57, 3. 1296. Feind, Weinstraße 11, 7, 8054. Hilfskräfte für den V. Kreis.(Schweizer Garten fällt hinweg.) Fischer, Waldstr. 8, 2, 660. Peters. Alt- Moabit 80/81, 2, 3420. Schüler- Brauerei, urmstr. 24, 2, 183. Norddeutsche Brauerei,. Chausseestraße 58, 3, 2623. Cösliner Hof, Eöslinerstraße 8. Brinkmann, Prinzen- Allee 21. Swiuemttnder Gesellschaftshäus, Swinemünderstr. 42, 3,. 583. Dicke, Ackerstraße 123, 3, 5114. Nümann, Brunnenstr. 188, 3, 6325. Wernau, Schwedterstr. 23/24, 3, 586. Hilfskräfte für den VI. Kreis. Charlottenburg. Leder, Bismarckstr. 74. Schöneberg. Obst, Meiningerstraße 8. Wilmersdorf. Witte, Berlinerstraße 40. Steglitz. Schellhase, Ahornstr. 15 a. Tempelhof. Müller, Berlinerstr. 41. Rixdorf. Thomas(Apollo-Theater), Hermannstr. 48. Baumschulen- weg. Staffeld, Baumschulenstr. 84. Rummelsburg. Beutling, Goethe- u. Kantstraßen-Ecke. Lichtenberg. Lütterbuse, Friedrich Karlstraße 11; Bastian, Hagen- und Gudrunstraßen- Ecke. Friedrichsfelde. Losse, Luisenstr. 20. Weiffensee. Schumann, Lehderstraße 118. Pankow. Hoffmann, Mühlenstraße 25. Reinickendorf-Ost. Putzirer, Provinzstraße 47. Reinilkeudorf-Weft. Engel, Eichbornstr. 73. 300/2 Radfahrer- Hilfskräfte sind im Gewerkschaftshaus und in den Lokalen, welche keine Telephonberbüidnng haben._ Der Ausschuf) der Gewerkschaftskommisfiou. Partei-Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert Wcnqels, Große Frankfurterstr. 133, Hof pari.— SO.: Paul Böhm, Laufitzerplotz 14/13 (Laden).— Seehater Wahlkreis(IMoablt): Start Anders, Salzwcdelerstraste 8, im Laden.— Wedding und Oranienbnrgcr Vorst atlt: Emil S t o l tz c n b u r g, Wiesenstraste 41/42.— Oesund- brannc»: Hermann Raschle, Grunthalerstr. 6ö.— Hosentlialer und SSchtfniiantter Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 93/96.— Charlottcnbnrg: Gustav Scharnberg, Sesenhciinerstraße 1. Ecke Goelhestraßc, v. I.— Deutscb-Wllmersdorf: W. Nickel, Ilhland- strnste 108, pari.— Kriedriebsberg-I-'riedriebseelde: Oswald Grauer, Berlin O., Frankfurter Allee 197.—(Grünau: Gustav Miels, Köpenickerstrahe 11l.— Rixdorf: Ost ermann, Erkstraste 6.— Schttneberg: Wilh. Bäumler, Apostel Paulusstraste 13, Quergeb. Hvchp.— Bber-Sebdaeiveide: Otto John, WilhelmineUhofstr. 18. — Hieder. lAebdneHveide: Karl Weber, Cigarrengefchäst.— dobaanistbai: Paul Mann, Friedrichstraste 3Y, I.— Adiers- hof: G u st a v Hitze, Hackenbergstrast« 8.— K.enlck: Friedrich Woick, Grüttstraste 29.— Ifriedenaa- Steglitz: H. Bernsee, Kirchftr. 13 in Friedenau. Bestellungen nehmen enigegen in Steglitz: H. Mohr, Diippclstratzc 8. und Fr. S ch e l l h a s e, Ahornsiraste 13a..— Baumschnlenweg: Stock, Ernststrabe 2, II— Heii-Welssen- see: Heinrich B a ch m a n u, Lchderstraste 1, park, links.— Bmameis- bnrg: Forgbert, Prinz Alberistr. 3 a. Austerdem ist sämtliche Pariciliiteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. AllH WerdkN JltftMte fÜv den„Vorwärts" entgegengenommen. Bitte anssebneiden!"MEi Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Unger.— Gegen iiO Pfennig aus 10 Ps Anivcisiing frei. Ohne Zweifel die bequemste u. loirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Mi». fori. 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Sonntag 2 Uhr, Frank- furterthor nach Karlshorst (Waldschenke). Donners- tag: Berfa mmlung Andrcasstraste 28. NB. Es wird gebeten, mit heil Billets abzurechnen. 11/5 Dr. Simmel, Prinzensir. 59. Specialarzt für 3/18'| Bant- und Barniciden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4.| Deutscher Dolmbelter-Verlmd. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege,. Drechsler Kustiiv Länger am 24. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Januar, iiachniittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neu- Weistenseer Kirchhofs aus statt. 178/8 Uni rege Beteiligung ersucht Bie Ortsverwaltnng. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern hiermit zur Nach-. richt, daß unser langjähriges Mitglied, der Buchbinder 23/5 Adolf Tänzer am 27. d. M. verstorben ist. Ehre seine ui Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachlnittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luisen-Kirchhöscs, Hermannstraße, aus statt. " Um zahlreiche Beieiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deulseder hleluHardeiler-YerM Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf! Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Kiese im Alter von 21 Jähren verstorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! 110/20 Deutsch. MetaNarbeiter-Berbnnd Ortsverwaltung Berlin. Ceiitl'lil-Krliiikeii- n. Sterbe- Kasse ber Tischler u. andrer gewerblicher Arbeiter. VersvaUnng Berlin A. Mitglieder- VersaumlW Montag, de» 3. Februar 1902, abends 8 Uhr, im Lokal von Wollschläger, Adalbertstr. 21. Tagesordnung: l. Abrechnuiig vom 4. Quartal 1901. 2. Bericht der Kommissionsmitglieder über die Steilulignahme der Aerzte zur Kaste. 3. BerschiedeneKastenangelegen- Helten. Insbesondere werden die Mitglieder der Frauen- Sterbekaste Nr. 28 ein- geladen. Um regen Besuch bittet 181/2 Tie Ortsverwattung. Die Sprechstunden finden an diesen? Abend nicht statt. Ceiltral-Kraiikeil- 11. Sterbe- Kasse der Tischler u. Ortsverwaltung Berlin B. Mitglieder- WsMAlW »m Sonntag, 2. Februar er., vormittags OV- Uhr, im„Märkischen Hos", Admiralstr. 18 c. Tages- O r d n u U g: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1901. 2. Die Aerztesrage. 3. Verschiedene Kassenangelcgenheiten. Mitgliedsbuch legiliiuiert. 181/1* Die OrtSverwaltnng. Ordentliche General-Dersammluns der Kranken- u. Begräbnis- kaßt der Seifensieder und Bcrnfsgenojsen E. H. Nr. 17 zu Berlin am Sonntag, 9. Februar 1992, vorm. 9?/, Uhr, im Restaurant Woll- schläger. Adalbertstr. 21. Tages-Ordnung: Jahresbericht.— BorstaiidSwahl.— Verschiedenes. Quittungsbuch legitimiert. Der S. Nachtrag gelangt zur Ausgab,. Zahlreiches u. pünktliches Erscheinen erwartet 248h »er Vorstand. I. A.: Karl(Scisler, Kassierer, Köpnickerstr. 123, H. II. Kleine Anzeiaen* W«- W Wort fett. Worte mit mehr als � � � � � Ä � �~ in de y 16 Buchs laben zählen doppelt. Jtk. Am_£_ Anzeigen fäfuL'ffZZt in den A?i?iahmes teilen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, der ffauptexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen. rate j rden lin m Verkäufe. Restaurant, flotigehend, krankheitshalber Jnveiltarpreis sofort verkäuf- lich Zorndoriershäste 8.____7/ä Altes Materialwaren-Geschäft, Nolle, berkaust Urbaustraste Ä3. 2i2b* Wardt nenhans ÄroßleFrailksuner- ftraste 8, parterre.__ t37* Borjährtge elegante Herren-Winter- paletots und Anzüge ans feilistell Stoffen 23— 40 Mark. Verkauf Sonn- abend nud Sonntag. Versandhaus Germania, Hütet den Liiideu 21, IT. Teppiche, Bette»,«icpvdeckeu, Gardincil, Remontoiruhren, Regula- tore» spottbillig Leihhaus Neander- straße 8. Teilzgßlllilgeu gestattet. s8/7* Musikwerke mit ausioechielbaren Notenscheibeii, gelinge Teilzahlung. I. Kiuzberg, LandSbergerstraste 13. Borjährtge elegalitc Herrenhosen aus feilistell Stoffen 9—12 Marl. Verlans Svnnabeud und Sonntag. Bersaudh-uis Germania. 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Fertige Herren- anzüge init Futtersachen 13 Mark. Wagner, Schneidermeister, Frank- surtcrstraße 39, III._ 1896 Bioisektio»! Wer sich über diese ruchloseste Grausamkeit uNsrer Zeit liiiterrichtcn will, verlange die Flug- biätter des Weilbuiides gegen Vivi- sektioii,- welche unentgeltlich versendet werden vom Tierschutzverciii Berlin, Königgrätzersiraße 108. Daselbst können auch Referenten für Vorträge in ArbeiiervereliiS» über Vivisektio» be- stillt werden. Um gütigen Abdruck wird gebeten._ 161b* Kanarienweibchen 80 Pf., jeden Posten laust Vogelhandluiig Flott- wellstraße 8.__ 234b* Rechtsbureau, Rcchtshilse, Ein- gabengesuche, Naterteilung. Andreas- straße dreuludfechztg. 194b Fahrrad Machnow, augabe.) 'Bereiiiszimmer, geräumig. Simeon- straße 2!T_ 978K* Gold, Silber kaust Brunnen- straße 137, Uhrmacherladeii. 2ö0b Vermietungen. Svi>IaIst«II«n. Schlafstelle, separat, Herrn, 7,30, Grünerweg 70, vorn III links, 220b* Schlafstelle sur Herrn zu vcr- mieten. Krämer, Naunynstr. 90, II. 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M. waren eS 16 Jahre, dag in Warschau vier Mitglieder des geheimen socialdemokratischen Klubs„Proletarier", die Genossen Stanislaus Kn nicki, Peter Bardo wski, Michael Ossoivski und Johann P> e t r n s i n s k i den Tod durch den Galgen erlitten habe». Es sind das die ersten Opfer der unter dem zarischen Despotismus damals frisch aufblühenden Arbeiterbewegung in Polen. Der Tod dieser für die Freiheit des Proletariats gefallenen Märtyrer hat seitdem die besten Früchte getragen, und heute kann man in Russisch- Polen beinahe das ganze polnische Arbeitcrvolk zur Socialdeniokratie zählen.— Die polnischen Parteigenossen Berlins halten das An- denken dieser Blutzeugen im guten Gedächtnis und veranstalten auch in diesem Jahre eine Eriinierniigsfeier, die Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 2 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, vor sich geht. Genosse Linde in Königsberg hat die beim Bezirksansschny eingereichte Klage gegen die Ungültigkeitserklärnng seiner Wahl zum Stadtverordneten zurückgezogen. Im Einverständnis mit der Parteileitung hat er darauf verzichtet, durch Gerichtsbeschluß die freisinnige Stadtverordneten- Mehrheit noch cinnial tvegen ihrer reaktionären Auslegung der Städteordnnng zn brandmarken, um den ersten Bezirk nicht monatelang in der Stadtverordneteii-Versammlnng ohne seine ihm gesetzlich zustehende Vertretung zu lassen. Die Genossen wollen Linde eine glänzende Wiederwahl und damit den Freifinnigen die gebührende Blamage bereiten. Ein Scelcnzwicspalt oder Parlamentarier und Jnrist. Der frühere nationalliberale Stadtverordnete, Banunternehnier Philipp F o r st e r in O f f e n b a ch hat sich durch ein social demokralischcs Flugblatt ans Anlaß der letzten dortigen Stadt verordneten-Wahl hcleidigt gefühlt und Privatklage gegen unsrcn Genossen Ulrich eingereicht. Das Gericht setzte in der Sache Termin auf den 31. Januar an und ordnete das persönliche Er- scheinen nnsreS Genossen an. Im Interesse seiner verfassungs- Mäßige» Rechte als Abgeordneter des Reichstags und der zweiten hessischen Kammer legte Genosse Ulrich gegen dieses Verfahren Vcr- Wahrung ein und das Gericht setzte ans seine nachdrückliche Zurückweisung hin den anberauniten Termin ab.— Das Merkwürdigste an der ganzen Sache ist aber folgendes: Der an- gcblich Beleidigte hatte seine Klage dem Rechtsanwalt v. Brentano übergeben, v. Brentano ist aber selbst Parlamentarier und muß ganz genau wissen, daß man so nicht gegen ein Mitglied des Reichstages mid der zweiten Kammer vorgehen darf; nichts dcsloiveniger leitete er die Klage ein, ohne die Einwilligung der be teiligten parlamentarischen Körperschaften nachzusuchen.— Was sagt der durch dieses Vorgehen doch ebenfalls in seinen Rechten gekränkte Parlamentarier v. Brentano zu der juristischen Qualifikation des Rcchtsanivalts v. Brentano? Nu-s mti» Wisndel. Ter internationale Schiffahrttrnst hat die Agrarier mobil gemacht, die in einer Berbillignng der Fracht eine schärfere Konkurrenz des amerikanischen Getreides befürchten. Nach der Richtimg zielte der Angriff des Herrn Roesicke im Reichstag und die„Deutsche Tages- zeitnng" verlangt die Verstaatlichung der beiden großen Schiffahrts- gesellschafte», um nicht die deutsche Schiffahrt amerikanischem Ein- flnß zu überantworten. Die Handelspress« versucht dagegen die Angelegenheit möglichst harmlos hinzustellen, vor allen Dingen den Verdacht zu beseitigen, als ob die beiden SchiffahrtSgcsellschaften sich den Amerikanern verkaufen könnten. Noch tveiter gingen die „Hamburger Nachrichten", die das Bekanntwerden der Pläne bedauerten. Wer die Entwicklung der Truslgründnng verfolgt hat, weiß, daß Morgan einen Einfluß auf verschiedene Schiffahrts- Gesellschaften besitzt»nd erworben hat und sicherlich die deutschen Gesellschaften auch nicht ganz davon frei geblieben sind. Trotzdem ist gar nicht anzunehuien, daß der Norddeutsche Lloyd und die Paketfahrt- Gesellschaft in ein Morgan-Syndikat ausgeht, weil es sicherlich Herrn Morgan vorläufig nur darum zu thnn ist, die Interessenten zn einer Konvention znsammenznschließen, die bei zweckmäßiger Ansnütznng deS Schiffsmaterials Frachterinäßigniigen zuläßt, den» billige Frachten ist für de» amerikanischen Weübcivcrb die Losung. Die Anssührnng des Planes lvird den Gesellschaften eine gewisse Selbständigkeit lassen und Vorteile in Aussicht stellen, die eine größere Geneigtheit zum Abschluß solcher Verträge günstig beeinflussen. Die Geheiimiiskräinerei in solchen Dingen, wie sie von de»„Hamburger„Nachrichten" empfohlen ivird, kann mir zum Schaden sein, denn schließlich kommen bei solche» Verträgen auch andre Interessen in Frage, als die der Aktionäre und Direktoren der deutschen Schiffahrtsgesellschaften. Richtiger wäre es, wen» von beteiligter Seile längst eine klare und bestimmte Antwort gegeben wäre. Zum Kapitel deö KohlciiwnchcrS erhält die„Frankfurter Zeitimg" eine Schilderung, die wert ist, mitgeteilt zn werden. In einen! Frankfurt benachbarten Städtchen war eine Baufirma in Zahlinigsschwierigkeiten geraten, die noch einen Liefernngsvertrag mit einer auswärtigen Kohlen-Gioßbandluiig über eine Restliefernng von 3892 Centnein laufen hatte. Nun erhielt der Vertreter des GlänbigerauSschusseS von der Lieferantin ein Schreiben, worin diese sich mit der Anflösnng des Vertrages eiiiveistanden erklärte, wenn ihr der entgehende Gewinn sofort bar ausgezahlt tviirde. Sie stellte dabei folgende Berechnung auf: Es betrug der Verkaufspreis für je 299 Ctr. 229.— M. der GestchnngSprcis. 299„ 135.59. mithin der Verdienst für je 299 Cir. 84.69 M. oder für die»och zn liefernden 3892 Centner 1696.35 M. Der Ge- ivinn der Großbandlniia an den Kohlen beträgt hiernach über 69 Proz. I Das ist im Zwischenhandel bei einem Artikel, der sonst keiner besonderen technischen Aufwartung oder Fürsorge bedarf, ein unerhört hoher Gewinn; und eS fragt sich, wie weit das Kohlen- syndikat auch die Preistreiberei im Zwischenhandel begünstigt. Der Umschwung im Texttlgcwcrbc, über den gegenwärtig viel gestritten wird, setzt sich ans verschiedenen Elementen zusammen. In einigen Textilbezirken liegt nichts vor, als die regelmäßige Belebung um den Jahreswechsel, die selbst i» den schlechtesten Jahren beobachtet wird. Ob eine solche dieses Jahr länger als 1991 an- dauert, bleibt abzuwarten. Im Webstoffgciverbe ist der BeschäftignngS- grab bis jetzt noch unbefriedigend im Vergleich zur Zahl der vor- handene» Stühle. Ans Forst wird bereits ein Rückgang in der Branche für Hcrrenstoffgetvebe gemeldet. Davon nn- abhängig sind jedoch in andern Bezirken Besserungen zn beobachten, die unverkennbar eine Hebung bedenten. Dies gilt naincnt- lich von Sachsen. In der sächsischen Wirkivaren-Jndiistrie ist der Geschäftsgang augenblicklich flott. Namentlich für Spitzen gehen aus dein Ausland große Orders ein. In de» Betrieben von Plauen und Umgegend ist für sämtliche Maschinen augenblicklich Beschästigung vorhanden. Auch in der Konfektion liegen reichliche Aufträge vor. In der Trikot-Branchc hängt die bessere Beschäftigung mit der Er- ledignng der vorliegenden Frühjnhrsanfträge znsaninien. Wenn sich diese Besserung vielfach»icht bemerkbar macht, so dürfte dies darin seinen Grund haben, daß die meisten Fabriken ziemlich beträchtliche Lager haben und ans diesen die Aufträge ausführen können. Einschränkung der Ccllnloseproduktio». I» Stockholm wurde dieser Tage in einer Versammlung der schwedischen Sektion der„Skandinavischen Cellulose- Bereinigung"' über einen von deutscher Seite gemachten Vorschlag auf Einschränkung der Produktion verhandelt.' Der Vorschlag, der in Berlin in einer Znsammenknnft von Vertretern der nortvegischen, schtvedischen, dentschen und östreichischen Holzmasse-Jndustrie ausgearbeitet worden ist, wurde mit lebhafter Sympathie begrüßt und fand, wie berichtet ivird, im Princip dieselbe Zustimmung wie in den übrigen Länder». Ein Komitee wurde beauftragt, die nötigen Erhebungen z» der- anstalten und dafür zn sorgen, daß so bald wie möglich eine gemein- same Sitzung der schivedischcn und norwegischen Sektionen zu stände kommt, um einen endgültigen Beschluß zu fassen. Nene Kartelle in der Schweiz. Die E i S e x p o r t e n r e in den Kantonen Bern, Glarns, Schwyz und Graubündcn haben sich zu einem Kartell vereinigt behufs Erschließung neuer Absatzgebiete »nd Erlangung billiger Eiscnbahnfracht, sowie— was nicht ver- öffentlicht ivird, aber in der Natur des Kartells liegt— zur Er- zielung hoher Preise.— Auch die E i« r h ä n d I e r, wobei es sich offenbar nm Grossisten handelt, haben sich in einer Verkaussgenossen- schaft vereinigt, deren Zivcck zweifellos Preistreiberei ist. Niilkgang der Einnahmen der schweizerischen Eisenbahnen. Wie die Krise auf die Schweiz wirkt, zeigt die Thatsachc, daß die 5 schweizerischen Hauptbahnen im Jahre 1991 mit 113,5 Millionen Frank um 3,4 Millionen weniger Einnahmen hatten als 1999. Einzig die Jura-Simplonbahn hatte eine Mehreinnahme von 89 990 Fr. Aus dev F'ruueubetueKNNg. Tie politische Gleichberechtigung der Iran— eine Rot- wendigkcit lautete das Thema, über ivclches Klara Zetkin am Mittwoch in einer Volksversaimiilnng sprach, die seitens der social- demokratischen Frauen einberufen war. Die Versammlung war von mehr als 1999 Personen besucht, besonders zahlreich waren die Frauen und Mädchen vertreten. Anschaulich und wirkungsvoll schilderte die Referentin den Zu- stand schreiender Ungerechtigkeit, der darin liegt, daß den Frauen, gleich Kindern und Uinnündigen, die unbehinderte Ansübnng des Vereins- und Versammlungsrechts, sowie das Wahlrecht vorenthalten ivird. Diesen» in der Klassenherrschaft begründeten Unrecht stehen nicht nur die Männer im allgemeine», sondern auch der grö�i- Teil der Frauen noch gleichgültig gegenüber. Scharf und trcff>var, das englische Volk zu beherrschen, und ein blul- junges Mädchen für reif genug gilt, den Königsthron von Holland eiiizunehmeii und die Herrschcrivürde anszuübcn? Im weiteren Verlans ihres Vortrages zeigte Genossin Zelkin, daß iveder die bürgerlichen Fraiienrechtlerinnen noch die bürgerlichen Parteien ernste Versuche zur Erriiigniig der Gleichberechtigung der Frau auf dem Gebiete des Vereins- nnd Versammlungsrechts ge- macht haben. Der neuerdings von nationalliberaler Seife gestellte Antrag, den Frauen die Teilnahme an socialpolitischen Vereinen zu gestatten, steht im Zeichen des ZopfeS. Wenn er Gesetz werden sollte, so ivird damit der juristischen Ansleguiigskinist ein neues Gebiet eröffnet, denn iver kann sagen, wo die Grenze liegt zivischen politischen und socialpolitischen Bestrebungen. Zum Schluß ivies die Reserentin darauf hin, daß die Socialdeniokratie die einzige Vorkämpferin für die volle Gleichberechtigung der Frau ist. Die Versaniinlung nahi» den Vortrag der Genossen Zetkin mit lebhaftem Beifall auf und stimmte einer Resolution zu, welche gegen die politische Rechtlosigkeit des iveibliche» Geschlechts mit Nachdruck protestiert, nnd die Fordernng erhebt: Aufhebung aller landesgesetz- liche» Bestimmungen, das Vereins- nnd Versammlungsrecht betreffend, Einführung eines einheitliche», freien, für Männer nnd Frauen gleichen Reichs-VereiiisgesetzcS, sowie aktives nnd passives Wahlrecht der Frauen zn alle» ösieiiilichen»nd gesetzgebenden Körperschaften. Tie Kellnerinnen- Bewegung soll nach einer Zeitungs- Korrespondenz ans Anlaß der Bundesratsverordiinng zum Schutze der Angestellten i»> Gnstwirtsgewerbe wieder in Flnß gebracht iverden. Eine socialpoliiische Fraircngrnppe will znnkchst mittels Fragebogen ein Umfrage über die Arbeits- nnd Lohnverhällnisse der Kellnerinnen veranstalten, die Kellnerinnen selbst für eine Kontrolle über die Schntzbestimniiingen der BnndesratSverordnung zu inter- essieren suchen nnd eventuell, auf Grund des gesammelten Materials, noch besondere Bestinimnngcn zum Schutze der iveiblichen Gastivirts- angestellten von der Gesetzgebung verlangen. Uebcr die Entlohnnng der Frauenarbeit ivird der„Schleswig- Holsteinischen Vvlkszeitnng" aus Elmshorn berichtet: Wie niedrig hier die Löhne für daS iveibliche Geschlecht sind, davon dürste mancher keine Vorstellung haben. Die niedrigste Stufe nehmen die Dienstboten ein. Hier sind jährliche Entlohnungen von 29 bis 49 Thalern gang nnd gäbe. Wie mit den Tienstniädchen. so steht es auch mit den Schneideriinic»; auch deren Entlohnung ist miserabel. Mädchen, die den Tag außer dem Hause arbeiten, bekommen 89 Pf. bis 1,29 M. und haben dann obendrein zu Mittag bloß einen Teller Suppe und des Nachmittags eine Tasse Kaffee. Das übrige, wie Wohnung, Morgen- nnd Abendspeise müssen die Eltern für ein paar Mark die Woche leisten, oder die Mädchen mieten sich selbst ein Zimmer nnd essen dann geivöhnlich trockenes Brot. Die angenommene zu Hanse ausgeführte Arbeit wird auch zu unglaublich billigen Preisen hergestellt, und unter diesen allen steht noch die Blusen-, Hemden- usw. Konfektion. Nicht um davon zu leben, sondern nur um zum Unterhalt der Familie eine Kleinigkeit beisteuern zn können, ivird die zuletzt genannte Arbeit von den Frauen unsrer Arbeiter hergestellt._ Soeinlvs. Petitionen um Aufrcchtcrhaltnug der II ftiindige» Nuhe- pause für das Ladenpersonal»i F l e i s ch c r e i- G e s ch ä f t e n, gemäß§ 139c der R.-G.-O., haben jetzt die Organisationen der Fleischergesellcii, der Centralvcrband sowohl wie auch der Bniid an den Reichstag und ersterer gleichfalls an den Bundesrat gerichtet. In de» beiderseitig gegebenen Begründungen ivird besonders darauf hingewiesen, daß die Arbeitszeit im Fleischergeiverbe, auch für das Ladcnpcrsonal, gerade lang genug, sehr selten durch Pausen unterbrochen und deshalb die bisher geschaffene Einschränkung derselben durch die Gesetzgebung wohl nötig sei. Die Herren Meister haben allerdings in verschiedenen Eingaben an den Reichstag und die Regierung die Aiifhebimg der aiigezogenen gesetzlichen Bestiniminig gefordert und um Einführung einer höchsten- falls neunstündigen lUinnterbrochenen Ruhepause petitioniert. Ii» Gegensatz zu den Gesellen stellen sie natürlich die Arbeitszeit recht kurz nnd die sonstigen Verhältnisse ihre« Personals nur günstig dar. Daher tvären wirklich unparteiische Uiitersuchnngen in aller Bälde notivendig, damit der Regierung nnd auch der Oeffentlichkeit einmal klar wird, auf welcher Seite das Recht ist. Bei einer Arbcitöloseuzählung in Msihlhausc« in Thüringen wurden 416 gänzlich Arbeitslose festgestellt. Unter diesen Arbeitslosen befinden sich 231 verheiratete mit 699 Kindern. Mit beschränkter Arbeitszeit arbeiten 291 Personen. Unter diesen befinden sich 126 verheiratete mit 395 Kindern. Die Zählung zeigt, daß über tausend Personen nicht wissen, wie sie morgen ihren Hunger stillen sollen. Was die moderne Gesellschaft gegen die Arbeitslosigkeit thut? Die Stadtvertretiing von Worms hat von der Jnnngriff- nähme von Notstandsarbeiten abgesehen, obgleich in den letzten Tagen 204 Arbeitslose gezählt wurden! Das Arbeitsamt in Stuttgart gab früher den Arbeitsuchenden mündliche Auskunft über Streiks nnd L o h n b e iv e g n n g e n. Dadurch Ivnrde verhütet, daß das Arbeitsamt auf die Sinfe eines Streikbrechcr-Eiigagemeiitsbureaus hinabsank. Später ist diese selbst- verständliche Eiiirichtimg beseitigt ivorden. Die vereinigten Geiverk- schaftcn Stuttgarts richteten mm an den Gemeindcrat das Ersuchen, den früheren Znstand im Arbeitsamt wieder herznstelle». Für das socialpoliiische Verständnis des GemcinderntS ist es bezeichnend, daß er diese Eingabe abschläglich beschied. Berliner Partei-Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Trotzdem in C h a r I o t t e n b u r g alle Lokale frei sind außer dem Lokal von Schöngnller, früher Wenzlow, Spree- straße 8, so veranstaltet doch der Ranchklub„Batnvia" ani Somi- abend, den 3. Febrnar, in diesem einzig gesperrten Lokal einen Maskenball. Man versucht mm unter der Charlottenburger nnd Berliner Arbeiterschaft Billets abzusetzen. Wo dieses Angebot ge- macht wird, weise man die Karten zurück und meide strengstens das Vergnügen. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß nm Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 6 Uhr, im großen Saale der Arminhätlen, Komniandanteiistraße 20, eine V e r s a n> m l» n g.mit nachfolgendem gemütlichen Beisammensein statifindet. Schriftsteller Genosse Georg Bernhard referiert über„Die Zöllner ans Schleichwege n". Rege Beteiligung erwarte» D i e Vertrau enSlente. Dritter Wahlkreis. Heute Freitag, abends 8 Uhr, spricht im großen Saale des Gewerkschaftshnnses die Genossin Clara Zetkin- Stuttgart über:„Weib nnd Arbeiterin im Lichte der Socialdeniokratie". Rege Beteiligung der Genossinnen nnd Genossen erivartet Der Vertrauensmann. Ii» Spandan ist Sonntagnachniittag 3Vs Uhr bei Wehe, Picheisdorferstraße, die Generalversammlung des socialdemokratischen Arbeitervereins._ UoKnles. A»S der Stadtvcrordncteu-Versammlung. Ueber den Anspruch der socialdemokratischen Fraktion auf einen Sitz in der Schuldeputation wurde in der gestrigen Sitzimg noch nicht entschieden. Die Zettelivahl ergab nur für neu» der zu wählenden elf Mitglieder eine Mehrheit. Um die übrigen zwei Sitze haben nnsre Genossen Singer und B o r g m a n n mit den Freisinnigen Kreitling und Preuß in einer Stichwahl zu kämpfen, die in der nächsten Sitzung vorgenommen werden Ivird. Die„Nene Linke" hatte für Singer nnd Borgmann gestimmt, hatte aber dadurch den Zorn der„Alten Linken" in dem Grade erregt, daß diese den Herren Kreitling und Prenß die Unterstützung versagte. Auch der von der socialdemokratischen Fraktion eingebrachte Antrag, die Einkommen von 660— 999 Mark ünftig nicht mehr zu besteuern, wurde gestern noch nicht erledigt. Genoffe Brun? wies in seiner Begründung darauf hin, daß die gegenwärtige Notlage eines großen Teiles der arbeitenden Bevölkerung diese Forderung jetzt mehr als je rechtfertige, und daß andrerseits von der durch die Stadtverordneten-Wahlen Herbeigeführten Verschiebung deö Stimmen« Verhältnisses für den Antrag jetzt ein besserer Erfolg als im vorigen Jahre zu erivarte» sei. Herr Cassel und seine Leute waren aber der Ansicht, daß die Sache, über die nun schon seit volle» zwei Jahren immer von neuem verhandelt worden ist. erst noch einmal geprüft und erwogen iverden müsse, nnd verlangten die Ueberweisiuig an den später zu lvähleiiden Etatsausschuß. ES blieb unklar, ob die bisherigen Gegner des Antrages nur ihren Rückzug in unauffälliger Weise beiverkstelligen wollen, oder ob sie hoffen, in dem Aiisschiiß etliche Freunde deS Antrages noch zum Umfallen bringen zn können. Das Hausagrariertum, das ja stet» am entschiedensten gegen die Beseitigung der 4 Mark-Stencr anfgetreten ist, schickte die Herren Wallach und Glatze! vor. Die Palme trug diesmal Herr Glatze! davon, den es drängte,„ansziisprechen, was ihn augenblicklich bewegte"— nämlich den Wunsch, daß der Antrag ab- gelehnt iverde. Er versicherte jedoch, daß es ihm„schiver falle". Wenigstens e i» Trost für die Steuerzahler der 2. Stufe I Genosse Singer gab schließlich die Erklärnng ab, daß ans principiellen Gründen auch die socialdemokcatische Fraktion sich der Ueberweisnng an den Etatsausschuß jiiicht widersetzen wolle. Man dürfe denen um Cassel die nochmalige Piüfung auch deshalb nicht verwehren, damit sie nicht hinterher einen erwüiischte» Vorwand zur Ablehnung hätten. Nach Erledigung mehrerer Vorlagen, die mehr oder weniger rasch abgethan wurde», führte der M a g i st r a t s a n t r a g, einen Teil derKosten der für die Rüdersdorfer Berg- arbeiter geplatiten WohnhanSbauten zu über- n e h m e n, zn einer sehr lebhaften Debatte. Genosse Singer verlangte, daß zum mindesten dafür gesorgt iverde, daß das Mietsverhältnis vom Arbeitsverhältnis getrennt iverde, damit nicht die sogenannte WohlfahrtSeiiirichtnng dieser Arbeiterivohnungen in der Hand deS Unternehmers zu einer Waffe gegen die Arbeiter werde. Die Forderung, für die Mietsverträge eine Kiindignngsfrist von drei Monaten festzusetzen, wurde übcrrnscheiidcrweise selbst von Herrn Wallach unterstützt, während Herr Haberland eifrig für eine möglichst enge Verqnicknng des MictSvcrhältnisses mit dem Arbeits- Verhältnis sprach. Der die Kündigung betreffende Antrag unsrer Genossen Ivnrde schließlich mit knapper Mehrheit durchgedrückt. Die Sitzung endete mit einer überaus heiteren Episode: der Besprechnng der Anfrage Kreitlings über den Unfug der G e b e t s h e i l u» g e>i, der in dem städtischen Falk-Rcalgymnasium getrieben ivorden ist. Die elektrische Belcnchtnng hat in Berlin, trotz der Ans« breitnng des Gasglühlichlcs, in den letzten Jahren weiter nnd sogar recht beträchtlich zugenominen. Bis 1991 haben sich die der öffent- liche» Belcnchtnng dienende» elektrischen Lampen auf 445 Bogen» lanipeii nnd 112 Glühlampen vermehrt. Die Zahl der elektrischen Lampen zur Privatbelenchtimg, die durch die Berliner Eleltricitäts- werke oder ans privaten Betrieben gespeist werden, ist(nach den Ermittelungen der Verivaltung der städtischen Gaswerk«) auf 22 969 Bogenlampen nnd 615936 Blühlninpen gestiegen. Fünf Jahre vorher, im Jahre 1896, waren in Berlin für die öffentliche Beleuchtung erst 291 Bogenlampen und 19 Glühlampen, für die Privatbelenchtniig erst 11783 Bogenlampen nnd 269169 Glühlampen in Betrieb gcivesen. Die Zunahme beträgt für das letzte Jahrfünft bei der öffentlichen Beleuchtung 244 Bogenlampen nnd 192 Glühlampen, bei der privaten Belenchinng 11 177 Bogen- lninpen und 264 917 Glühlampen, allein für das letzte Jahr bei der öffentlichen Beleuchtung 123 Bogenlampen(keine Glühlampe), bei der privaten Beleuchtung 3511 Bogenlauipen nnd 64 234 Glüh- lampcn. Bei der öffentlichen wie bei der privaten Belenchtung ist — V die Gesamtzahl der eleltnschc» Lauche» in de» fünf Jahren 1SS6 bis 1901 auf mehr als das Doppelte gestiegen. Gtrasteiivcrkauf warmer Speise» uud Getränke. Der Polizeipräsident giebt bekaünt: Dem Verein der Berliner B o l k s k n ch e n v o n 1 866 ivird hiermit vorbehaltlich der seitens des©todtmisschnsses auf Grund des§ 33 der Gewerbe-Ordunng zu erteilenden Erlaubnis die straßenpolizeiliche Erlaubnis erteilt, auf den hiesige» Straßen und Plätzen während der Zeit von 11 llhr vormittags bis 2 llhr nachmittags warme» Kaffee Kakao, Thee»nd Suppe vo»»niherfahrendc» Dreiräder- Trausportwageu aus, welche deutlich erkennbar die Aufschrift„B e r e i>i der Berliner Volksküchen von 1866" fähren inässeu, verkaufen zu lassen. Ausgenommen von dieser Erlaubnis ist derjenige Teil der Stadt, welcher begrenzt wird von der Friedrichsiraße zwischen der Wcidendammcr Brücke und der Krausenstraße, von der Krausenstraße bis zur Kommandanlen- straße, von dieser sowie von der Leipzigerstraße, vom Spittclmarkt, von der Gertraudteubrücke und der Spree bis wieder zur Weideudammer Brücke— die Greiizstraße» mit einbegriffen. Ferner silid anSgenommin: die Golluowstraße, die Linienstraße zwischen der Prenzlauer- straße und der Neuen Königstraße, die Lcipzigerstraße, der Leipziger Platz, der Potsdamer Platz, die Votsdamerstraße, die Pots- damer Brücke nebst der Victoria-Brücke, die Bcllevuestratze, die die Friedrichstraße schneidenden Querstraßen, die Königstraße, der Alexanderplatz, die Alexander-, Münz-, Prenzlauer-, Neue König und Landsbergerstraße, die Umgebung der Central-Markthalle. Die Friedrichsiraße. Leipznzerstraße und die Straße Unter den Linden dürfen in ihrer Längsrichtung nicht befahren werden. Ei» Spahn für Berlin. Eine etwas mystisch gehaltene Aeußeruug der„Germania" deutet doch offen genug an, daß auch die Berliner Universität ihren Spahn erhalten soll. Die notwendige .Besetzung des Lehrstuhls des verstorbenen Historikers Scheffcr- Boichorst soll dazu dienen, daß auch in Berlin der katholisch gcaichten Geschichts„wissenschaft" eine„paritätische" Stätte bereitet werde» soll.— Ueber die Entwicklung der Kriminalphotographie hielt gestern abend in der Deutschen Gesellschaft von Freunden der Photo- graphie Gerichtschemikcr Dr. Paul Jeserich eine» Vortrag. Er be- legte alle seine Vorführungen durch Beispiele aus der Praxis und einzelne dieser Fälle, die einen wahrhaft indianerhafte» Spürsinn be- kündeten, grenzte» fast ans Wunderbare. Bei der Leiche eines Er- mordeten wurden Haare vorgefunden, die man anfänglich kür lvlcuschen- haare hielt. Es gelang dem Vortragenden, nachzuweisen, daß die Haare von einem Hunde herrührten und daß der Hund alt, glatthaarig und kurzhaarig war. Das Signalement genügte, um den Hund ausfindig zu»lachen. Der damalige Besitzer wurde eruiert, und man faßte den Mörder. Herr Dr. Jeserich ging dann zu den Blutspuren über. Tierblut unterscheidet sich bekanntlich durchaus von Menschen- blut; daS.Ilffenhlnt hat die größte Aehnlichteit mit dem Lebenssaft des Menschen. Die thatsächlichen Nachweise über verschiedene Blnt- sorteu waren hochinteressant. Wenn die Findigkeit der Berliner striminalpvlizei im ganzen mit den Fortschritten der Chemie, auf einer Stufe stände, dann gäbe es in Berlin vielleicht wirklich weniger «neiitdeckte Mörder. Hochstapler. Das Polizeipräsidium teilt mit: In den letzten Tagen sind eine Reihe von Hochstaplern und Betrügern, hier und außerhalb, welche lange gesucht wurden, zur Haft gebracht worden, �fo ein Journalist Josef Teuchel, ivelcher unter dem Namen eines Grafen v. Hartenau. Graf Hohenau, Graf Waldeck, v. Werdenberg usw. sich als politischer Flüchtling ausgab und namentlich in Ocstreich vertrauensselig« Personen»m größere Geldbeträge unter Hinterlegung gefälschter Wechsel geschädigt hat. Sodann ist hier heute ei» Agent ; Karl W i r tz in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden, welcher namentlich in den Kreisen kleiner Leute durch Erschwindelnng von Aufnahme- Anträgen und Prämien für Krankenversicherunge», als deren Agent er sich ausgab, ein gemeingefährliches Treiben cnt- ! faltet hat. Sodann gelang die Festnahme des ehe- �»naligen Kutschers Robert Schneider, welcher seine Opfer hauptsächlich unter den Bierfahrern suchte. Er schwindclte > denselben vor, daß er ihnen für eine Fabrik, in welcher er als Arbeiter beschäftigt sei, die Lieferung von Flaschenbier verschaffen könnte, und ließ sich zum Teil ganz erhebliche Beträge als Provision zahlen. Endlich ist in der Person eines stellungslosen Handlungs- gehilfeu Edwin Richter ein Betrüger ermittelt und festgenommen worden, welcher ein altes Schwindelmanöver unter Zuhilfenahme eines neuen Tricks mit großem Erfolge durchgeführt hat. Der Ge- nannte gab größeren Zeitungen Inserate auf, durch welche er angeblich einen Buchhalter für eine Brauerei suchte und um Ucbersendnng von �Zeugnissen und Briefmarken zum Rückporto ersuchte. Um nun diesem oft angewandte» Schwindelmanöver einen mehr vertrauenerweckenden Anstrich zu geben, hieß es in den Annoncen:„Oesireicher bevorzugt",„Bayer bevorzugt" usw. Daß das Geschäft seinen Mann ernährt hat, dürfte daraus hervorgehen, daß Richter einen Teil seiner Mietsverbindlickkeiten mit Briefmarken decken konnte. Die vier genannten Betrüger sind in einer großen Anzahl von Fällen überführt, dürften aber noch in weit größerem llmfange ihre schlvindelhafte Thätigkcit ausgeführt haben. Anzeigen iverden bei der Kriminalpolizei, Zimmer 43� in den Vormittagsstunden und in den Polizeirevieren cntgcgengenonnncn. Berliner Ndrcsibnch. Der erste Nachtrag zum diesjährigen Adreßbuch gelangt von heute ab zur Ausgabe. Derselbe enthält alle feit dem Erscheinen der Haupt- Ausgabe bis zum 16. Januar d. I. angemeldeten Wohnnngsänderungen, Geschäfts- Eröffnungen und -Verlegungen, Zuzüge von außerhalb, Berichtigungen usiv. und bildet somit eine wesentliche Ergänzung uud Bereicherung des Hauptbuches. Der Nachtrag wird in der Haupt- Expedition des„Berliner Lokal- Anzeiger", SW., Ziminerstr. 37—41 und in dessen sämtlichen Filial- Expeditionen an die Besitzer der Hanptausgabe 1992 unentgeltlich ve, abfolgt. Der zweite Nachtrag, welcher namentlich die April- Umzüge berücksichtigen soll, wird im Mai erscheinen. Verschwunden ist seit einigen Tagen die zwölfjährige Else Denker aus der Zechlinerftr. 39. Sie ist bekleidet mit einem rot- kartierten Nock, einer alten, weißgeftreifteii Schürze, schwarzen Strümpfe» und Halbschuhen. Wer ellvas von der Verschwundenen weiß, wird gebeten, die Polizei oder die Eltern zu benachrichtigen. Wieder ein Opfer des Straßenverkehrs. Der 23 Jahre eilte Schlosser Paul Vogt ans der Gotzkowskystr. 2 wich am Sonnabendabend»in 6l/s Uhr auf dem Hcimivege von seiner Arbeitsstelle an der Ecke der Alten Jakob- und Ritterstraße einem Straßenbahnwagen ans und übersah dabei eine Droschke, die von der Linden- straße her gefahren kam. Die Droschke traf ihn>nit den» Schccr- dam» an der linken Körpcrseite. und warf ihn um. Da er nicht ruiter die Räder geriet n»d keine allzu großen Schmerzen hatte, so glaubte Vogt, noch gut davongekonnncn zu sein, und fuhr mit ciucni Straßeilbahnwage» nach Hause. Am nächsten Tage aber wurde sein Befinde» so schlecht, daß er ein Krankenhaus aufsuchen mußte. Hier starb er infolge des Unfalls an inneren Verletzungen. Die Leiche wurde auf Bcranlnffung der Staatsanivalischaft beschlagnahmt. Der Droschkenkutscher ist nicht ermittelt. Ob ihn eine Schuld trifft, steht noch dahin. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist gestern. Donnerstag- nachmittag der 19 Jahre alte Tischler Max Rokhe aus der Dnnckcr- straße 14 in der Musikinstrumentenfabrik von Frati u. Co. in der Kastanien-Allee 32. Er geriet mit der linken Hand in das Getriebe der Hobelmaschine, die ihm die ganze Hand verwundete und den Zeigefinger vollständig abriß. Der Verunglückte erhielt auf der Rettniigswache in der Kastanien-Allee die erste Hilfe und wurde dann vorläufig nach der Wohnung gebracht. Der Bau des Märkischen MusenmS in der Wallstraße hat ein Opfer gefordert. Der Arbeiter Otto Seidel aus der Georgenkirch- straße 62, der ans dem Gerüst beschäftigt war, stürzte ans dem 1. Stockwerk hinab und trug außer einem Annbruch schwere innere Verletzungen davon, so daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Erhängt hat sich Donnerstag früh der 39jährige Droschken- fnhrhcrr Stadach aus der Grenzstr. 1b, Er war seit etwa drei Jahren verheiratet, lebte in ansköiinnlichen Verhältnissen und hatte drei Droschken zu fahren. Mit seiner Frau, die ihm ein namhaftes, auf Grimdftiicke angelegtes Vermögen eingebracht hatte, lebte er in ehe- lichem Frieden. Vo» der Treppe hinabgestürzt ist Donnerstagmittag der 69jährige Kassenbote Karl Glänzer ans der Bartelstr. 14. Schlver- verletzt'wurde er nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht. Fenerbericht. Mittwochabend wurde die Wehr nach dem Bahn- Hof der Hochbahn Schlesisches Thor gerufen, Ivo in einem Achsen- lager ein Brand enlstande» mar. Die Wehr beseitigte jedoch»ach kurzer Arbeit die Gefahr. Zur selben Zeit mußte Frnchtstr, 33 ein Schonistciilbraiid beobachtet iverden. Nachmittags fingen Marien- burgerstraß e 39 a Betten, Möbel und Kleidnngsft'iicke Feuer, das jedoch noch im Keime erstickt iverden konnte.' Grenzstr. 17 hatten kurz darauf Polstermöbel und Werg in einem Keller Feuer gefangen. Auch hier gelang es, den entstandenen Brand schnell ab- zulöschen. Außerdem erfolgte» noch Alarmirungen nach Steglitzer- straße 33 und Laiigeubeckstr. 8. AuS den Nackibnrvrteu. A«S Lichtenberg wird uns berichtet: Mit Hilfe des Kreis- kriegerverbandeS will der Landrat des Kreises Niederbaruim, Herr v. T r e s k o w auf Fricdrichsfelde, zur Veränderung der Social- d e m o k r a t i e zu Leibe gehen. Auf der von 88 Vereine» besuchte» Tagung des Verbandes hielt der Herr Landrat eine mächtige Rede, in der' er die tapfereu Krieger ermahnte, sowohl in den einzelnen Vereinen wie auch sonst überall für eine„energische und rastlose Bekämpfung der socialdcmokratischen Irrlehre» voll und ganz" Sorge zu tragen. Herr v. Treskow ist Großgrundbesitzer in F r i e d r i ch s f e I d e. uud seinem Widerstande wird es zugeschrieben, daß die Ein- führnng der Grundwertsteuer in genanntem Vorort gescheitert ist. Nun ziehen die Socialdcmokraten unter der Betonung ihres principicllen Kommnnalwahl-Programms mit der Losung: ,�Her mit der Grundwertsteucr!" in den Gemeiiide-Wahlkampf. Kein Wunder, daß dem Herrn Landrat das rapide Vordringen der verhaßte» Partei in die Verwaltungskörper gerade„seines" Kreises schmerzlich berührt; ist sie doch sogar in den dreimal gesiebten Kreistag eingedrungen. Ob die erwähnte Parole an die„unpolitischen Kricgervereine" etwas nützen wird? Thörichte Frage! Die Charlottenburger Stadtverordneten- Bersauiinlung erledigte am Mittwoch eine Anzahl wichtiger Vorlagen. Die erste betraf die R e k r» t i e r u n g s st a m m r o l l e». Nach der Vorlage soll der Polizeidirektion unter Aufhebung des bisherige» Vertrages für die Führung der Rckrntiernngsstanimrollen eine jährliche Eni- fchädigung von 79 Ps. für jeden Gestellnngspflichtigen seil dem 1. April 1991 ab gezahlt iverden. Der für das Jahr 1991 crforder- liche Betrag von ca. 2ö99M. soll dem Dispositionsfonds entnommen Iverden. Nnuicns der socialdcmokrntische» Fraktion beantragte Stadtv. Dr. Borchardt Ablehnung der Vorlage. Redner be- gründete diese ablehnende Haltung mit dem Hinweis darauf, daß die Polizeibehörden mit den RekrntierniigSstammrollen Mißbrauch treiben, indem sie auch die Zugehörigkeit der Rekruten zu politische» oder gewerkschaftlichen Vereinen darin vermerkten. Es sei daher besser, daß der Magistrat die Stammrollen führe, damit ein solcher Mißbrauch aufhört. In der Debatte machte Stadtv, Oberftlieutenant K n ak das>ve>tvolle Zngcftändnis, daß die Militär- behördcn thatsächlich zu ermitteln suchten, Ivelchc Rekruten sich zur Socialdemokratie bekenne». Nachdem Stadtv. Hirsch diese Acuße- ruug des Herrn Knak festgenagelt hatte, wurde die Magistratsvorlago gegen die Stimme» der Socialdcmokratc» augeiiommen. Einem Ausschuß überwies die Versninmlmig die Vorlage betr. Kanalisation des Stadtgebiets jenseits der Spree. Die Kaiialisatio» soll nach dem vo» den Behörde» ge- nehmigten Mischsystem ausgeführt werden; die Baukosten für die Herstellung dieses Systems einschließlich der Koste» für das Pump- iverk und für die Druckrohrleitung betrage» 19�/2 Millionen Mark. Für das Pumpwerk sollen zunächst nur vorläufige Maschinell und Pumpen hergestellt werden. Dem Ausschuß gehört auch Stadtv, Vogel(Soc.) a». Gleichfalls einem Ausschuß überwiese», in den die Social- dcmokxateu den Genossen Paasch e entsandten, lvurde die Vorlage betreffend Bewilligung von lveitere» 539 299 M, für den Kranken- h a n s- N e u b a u. Die Gesamtkosten belaufen sich jetzt auf 58/4 Millionen Mark. Zu einer lebhaften Debatte gab die Vorlage betr. Erhöhung der U m s a tz st e ii e r für bebaute Grundstücke aus 1 Prozent Vor- anlassnng. Die Redner der bürgerlichen Parteien haben schwere Bedenken gegen diese Steuer, hauptsächlich, iveil nach ihrer Ansicht der Grundbesitz zu sehr belastet sei. Diese» Bedenken trat Stadtv. Hirsch sSoc.) entgegen, der namens nnsrer Partei für Annahme der Vorlage sprach. Die Steuer sei eine reine Finanzsteller, die der Gemeinde Einnahme» verschaffe, ohne daß die niinver bemittelten Schichtcu davon betroffen würde». Ganz verkehrt sei die An- »ahme, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer eine lveitere Steigerung der Mieten zur Folge haben würde, denn der Preis der Mieten richte sich nach Angebot und Nachfrage. Er freue sich, daß die Herren jetzt plötzlich ihr warmes Herz für die Mieter entdecken, aber mit der WohnungSfrag« habe diese Steuer nichts zu thun. Ebenso habe die Erfahrung gezeigt, daß die Spekulation durch die höhere Umsatzsteuer nicht eingeschränkt ivcrdc. Bemängelt wurde seitens des socialdcmokratischcii Redners, daß der Magistrat von seinem vor zwei Jahren gemachten Vorschlag, zivei Drittel des Ertrages der Umsatzsteuer dem Grundstückserwerbs- Fonds zufließen zu lassen, abgekommen sei. Auf die Frage nach dem Grunde hierfür blieb der Magistrat die Antwort schuldig. Die Vorlage lvurde, unter Ablehnung eines Antrags auf Vorprüfung in einer besonderen Kommission, dem Etntsausschnß überwiesen. AnS Schöneberg wird uns geschrieben: Recht unleidliche Er- fahrnngen haben ivir diesmal bei den am Sonnabend stattgehabten Getverbegerichtswahlen. und zwar bei dem Wahlakt der Arbeitnehmerbeisitzer, machen niüffcn. Nicht allein, daß die Wahl- zeit eine viel zu kurze war— sie ist leider durch Ortsstatnt sest- gelegt—, ma» hat auch auf die jährlich sich vcrinehrende Z a h l der st im in der echtigte n Wähler leine Rücksicht genommen; vielmehr wurde die ganze Handlnng in einem einzigen Lokal vor- genommen. Da nun naturgemäß in der Abendstunde der stärkste Andrang zu sein pflegt, konnie bis um 8 Uhr nur. der kleinste Teil der Stimmberechtigten fein Wahlrecht ausüben, so daß Hunderte gezwungen waren, bis gegen 19 Uhr im Wahllokal auszuharren. Diesem Zustande hätte ganz gut durch Ein- teiluug in Bezirke abgeholfen werden könne». Es find im ganzen für die von den Geiverkschaften aufgestellte» Kandidaten als Arbeit- n e h in e r- B e i s i tz e r 888 Stimmen abgegeben worden gegen 768 Stimmen bei der letzte» Wahl. Eine Gegenliste war nicht auf- gestellt. Von den Arbeitgebern wurden mit je 27 Stimmen gewählt: Schlossermeister Eggert, Zimmermeister v. Fröhlich. Schlächtermeister Hoffmann, Schneidermeister Prösiel, Zimmermeister Reichstein, Buchdrnckereibesitzer Sens, Gastwirt Reimann, Kaufmann Schwarz, Optiker Riese, Schuhmachermeister Neuendorf, Schuhmacher- mcister Fälsch, Kürschner Franke, Gastwirt Arbeiter. VevsÄmmlungen. Ueber„Die KrisiS und der Zolltarif" sprach am Mittlooch Reichstags-Abgeordneter Dreesbach in einer sehr zahlreich be- suchten Volksversammlung in Habels Brauerei. Einleitend wies der Redner auf den Wahlsieg im 19. sächsischen Wahlkreis hin, als auf einen neue» Beweis dafür, daß die Mehrheit des Volkes auch in der Frage des Brotwuchers mit der Socialdemokratie fühlt und denkt, und gab dann in große» Zügen einen Ueberblick über die Geschichte des wirtschastlichen Lebens in Deutschland während der letzten dreißig Jahre mit besondrer Bcriicksichtigiiiig der zollpolitischen Maßnahmen. Eingehend schilderte der Redner die verheerenden Wirkungen der gegenwärtigen Krise nnd erklärte schließlich, daß es demgegen- über eine der schönsten nnd edelsten Aufgaben sei, durch Presse, Partei nnd Organisation für die Ersetzung der kapitalistischen. anarchischen Produktionsweise durch eine vernunftgemäße socialistische zu wirken, ein Ziel, dem die wirtschaftliche Elitwickelung entgegen- treibe. Kurz geht Genosse Dreesbach auf den Wuchertarif ein, indem er voraussetzt, daß dessen Tendenz im allgemeinen genügend bekannt sei, und kommt zu dem Schluß, daß die Berathnngen über den Tarif kaum vor den Neuwahlen im Jahre 1993 zu Ende geführt werden könnten. Dann aber würden die Gegner des BrotwncherS überwiegen. Trotzdem jetzt wohl im Reichstag eine Mehrheit dafür zu haben sei, solle nnd müsse der Brotwncher fallen.— Stürmischer Beifall lohnte den Redner. Da sich trotz Anffordernng kein Gegner zum Wort»neidete, wurde von einer Diskussion Abstand genommen. Der Vorsitzende Genosse Paul Scholz forderte ztun Slnschlntz an die Organisation auf, sotvie zur exakten Durchführung der Arbeits- losenzählnng. Arbeiter- Sängerbund. In dem Bericht von der letzten AnSschnßsitzung ist im letzte» Pasins ein Irrtum vorgekommen be- treffs der Adlershofer Vereine. Es muß heißen:„Wegen des Streit- falles der Vereine„Frohsinn" nnd„Freiheit" ivnrde' liebergang zur Tagesordnung empfohlen und auch angenommen". In der.Hnmauistischeu Gemeinde, Niederwallstr. 12, in der Aula der friedrich-Werderscheu Ober- Realschule, halt am Sonntag, vorm. 10'/, Uhr, elr Dr. Rudolf P e n z l g den dritte» Vortrag des Cyklus: Bilder aus der Neligiousgeschichte. 3. Natiirvefeelung, Damen uud Herren habe» reien Zutritt.__ Vevmifihkes. Hochtvaffer. Aus Köln ivird gemeldet: Der Rhein nnd seine Nebenflüsse steigen beträchtlich. Der' hiesige Pegelstand zeigt heute vormittag 2,93; das Wasser ist seit gestern um 59 Ceiitimeier gc- wachsen. Die Mosel bei Trier ist um 1,67 Meter gestiegen; vom Oberrhein ivird weiteres Steigen gemeldet.— Auch aus Posen Ivird berichtet: Die Warthe steigt und hat Donnerstag die Höhe von 2,66 Meter erreicht. Die beide» Ueberfäll« sind bereits über- flutet. Großsener i» Hamburg. Donnerstag früh»m 5 Uhr brach in der Oehlkncheiimnhle von Carl Rambke eine Fenersbrnnst aus, welche an der Fabrik und einem sechsstvckigeil Lagergebäude großen Schaden anrichtete. Das Feuer wurde auf die Gebäude beschränkt und war gegen Mittag von der Feuerwehr bewältigt. Menschen sind nicht tims Leben gekommen. Die Pest. Wie der Petersburger„Regienmgsbote" meldet, ist wegen eines in Batiini unter pcstverdächtigen Erscheinungen vor- gekommenen Todesfalles angeordnet lvorden,' daß alle ans Bai um auslaufenden Schiffe vor ihrer Abfahrt nnd»ach ihrer Ankunft in de» Häfen des Schwarzen Meere s sanitären Maßnahme» unterworfen werden müssen. Auch die Batnm mit der Eisenbahn verlassenden Personell werden einer ärztliche» Beaufsichtigung unterliegen._ vlarklprelse neii Berlin am 29. Januar 1903 noch ErmillI imneii des tgl. Polizcwrändiums. i Wtljei», gilt D.-Ctr. 17,40 17,36 „ mittel. 1732 17,28 gering, 17,24 17,20 l' kloggen, gut» 14,55 14,53 „ mittel. 14,51 14,40 gering. 14,47 14,45 »iscrsle, gut. 14,50 14,— „ miliel. 13,90 1 3,40 Eier gering, 13,30 12,80 gorpfe» »Hoser, gm, 17,10 16,60 Aale millel, 16,50 16,— Zander gering. 15.90 15,40 Hechle »tichistroh. 7,32 6,82 Barjch« Hc». 8,40 6,30 Schleie Erbse». 4v.— 25.— Bleie Speiserohne». 50,— 25,— Krebse Linse», 60,— 20,— f ab Bahn, * frei Wage» und ab Bahn. Prodnkteuuiarkt vom 30. Januar. Der Getreidemarkt war zwar fest, infolge der audanernde» Lnstlosigkeit der Unternehmer entsprachen die Preiserhöhungen jedoch nicht den Erwartungen, die man im Hinblick auf die festen Tendenzberichte aus Oestreich- Ungarn«ud Slmerika und auf die neuerlichen Frostanlündigiiligen der Wetterwarten gehegt halte. Weizen notierte% bis 1 M. höher, während ifloggen seine Preise nur behaupten konnte, da in absehbarer Zeit neue Zusphren vom Jnlande erwartet werden. Das Geschäft entwickelte sich aus Provinzorders zeitweise eintgeruiahen lebhaft. Mehl zog 5 Ps. an. Hafer und Mais waren lvco imverändcit, Liefermigen auf Amerika V- M. besser bezahlt. Rüböl war fest aus Mei- nuugslänfc, Mailicseriingen 50—60 Pf. höher. Kartoffeln, neue, D-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ schweineslcisch Kalbfleisch Hammelfleisch« Butler 60«uiU 1 kg per Sche.t 6- 1,69 1.40 1,7» 1,89 1,60 2.69 5,20 2,20 2,60 2,60 2,20 1.89 3,00 1,29 15- 4- 1 20 1- 1.30 I- 1- 2,80 1,20 1,40 1,20 1.20 0,80 1.40 0,80 3,- »iZiNeriiiigsuberslcht»um 30. Jannar l'JUä, molgens 8 Uhr. " ZSelter Prugiiose für Freitag, den 31. Jannar 1903. Etwas kälter, zeitweise ausllarend, vorwiegend noch trübe mit leichten Schiieesällen und mäßigen westliche» Winden. Berliner W e t t e r b u r e a n. Max Arnsdorff Specialhaus - Berlin SO.- Oranienstrasse 176, Ecke Adalbertetrasse. von den 3335*Lfe billigsten bis ZU den elegantesten Qualitäten, zu denkbar soliden und festen Preisen. Veramwortlicher Redacleur: Carl Leid in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.