Ar. 30. Aboimkmtnt«.Kedinzunzeir: VbonnemsnIS-Pret« pränumerando: Vierteljährl. 3£0 SDlf., monatl. 1,10 Ml., möchenllich 28 Psg. frei ins Haus. Simelne Nuinw'p ö Pfg. SonnlagS» Nummer mit illuNruru« Ssnniagi- Beilag«„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Nbonnement: 1,10 Mark pro Mona». Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für IVOS unter»r. 7878. Unter streu, band für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrig««uSland S Mark pro Monak. IS. Jahrg. Ate JnstMons-Gevstlfd beträgt für dt« fechggefpaltene Koloned» z«Ue oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. »Kleine Anieigen" jede« Wort e Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittag» In derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und SesttaAen bi» 8Uhr vormittag» geöffnet. Erscheint»glich»ufser Zvonkeg», Devlinev Volksbl�kk. Telegramm- Adresse: »«»rialdrmvstrat S erlitt" Csntralorgan der socioldemokratiscisen Vartei Deutschlands. KedaUkwn: 19, Beukh-Skrahe 2, Fernsprecher: Zlmt 1, Nr. 1&08. Das Parlament auf Ferien. -st- Wien, 1. Februar. Hat man jemals von einem Parlament gehört, das ändert- halb Monate keine Sitzung gehabt hat? Nämlich ein Parlament, das„tagt", das gemäß der Verfassung und nach seiner Geschäftsordnung„versammelt" ist, und das dennoch eineinhalb Monate keine Sitzung hält l Diese Wunderlichkeit konnte nur. der ö st reichische Parlamentarismus erzeugen, der der Welt schon so viele Seltsamkeiten geschenkt, die parlamentarische Technik mn so manchen neuen Brauch bereichert hat. Am 13. Dezember ging das Abgeordnetenhaus auf Ferien, und erst am 4. Februar wird die nächste Sitzung sein! Aber wohl gemerkt: da» HanS ist nicht vertagt, die Session nicht geschlossen worden, es wird eben nur keine Sitzung gehalten. Die Mitglieder deS Deutschen Reichstages, denen Graf Viilow dieser Tage wieder einmal versichert hat, mit den Diäten sei es nichts, werden es mit einer gewissen neiderfüllten Ucberraschung vernehmen, daß ihre östreichischcn Kollegen auch für so auSgicbige Fcricntage Diäten er- halten, daß die Ferien jedem Abgeordneten mit fast tausend Kronen honoriert werden, so daß der Staatskasse die Nichttagung des Hauses die ganz respektable Sunime von vierhundcrttanscnd Kronen kostet. Das Merkwürdigste an dieser unbegreiflich langen Pause in der Thätigkeit des Hauses ist wohl die Thatsache, daß sie erfolgt, um die Arbeiten des Parlanients zu— fördern. Es klingt paradox, daß durch Nichtabhaktung von Sitzungen die ParlamcntSarbcit beschleunigt werden soll, es ist aber dennoch so. Das Abgcordiietcuhans hat nämlich jetzt das Budget zu erledigen, und das ist in Ocstrcich, zumal jetzt, eine sehr komplizierte Sache. Wohl ist der Stantsvoranschlag der Prüfung der Volksvertretung so ziemlich entrückt; obwohl es ein Budget ist mit 16Cl) Millionen Krone», so wird weder ini Ausschuß noch im Plenum auch nur eine einzige Ziffer geändert; es bleibt alles so, wie es die Regierung vorschlägt. Nach der eigentümlichen Staatsverfassung Ocstrcichs sind o»ch die Budgetlnmpfe aus geschlossen, die in andren Parlanientcn zwischen Negierung und Volksvertretung zu entbrennen pflegen: die Kämpfe um die Forde rungen des Militarismus. Das Budget für Heer und Marine wird nämlich, als eine Ocstreich und Ungarn gemeinsanie Angelegen heit, nicht in den beiden Parlamenten, sondern von den Delegationen festgestellt und bewilligt; die Kosten des Militarismus kommen also ins Budget als eine gegebene und schon bewilligte Post, so daß die größte Streitfrage vorweg ausgeschaltet ist. Aber trotz dem währen die Verhandlungen über den Etat in Oestreich ungewöhnlich lange. Einesteils erklärt sich dies durch den Umfang des Voranschlages: umfaßt er doch die ganze Verlvaltung; andern teils ist die lange Dauer auch durch die Schwerfälligkeit der Geschäfts ordnung des Abgeordnetenhauses bedingt, die festsetzt, daß jede Regierungsvorlage einer Vorberatung im Ausschüsse unterzogen werde» muß, so daß also in Oestreich nicht bloß einzelne, der kommissionellen Prüfung bedürftige Titel des Budgets an den Aus- schütz gewiesen werden, sondern der ganze Voranschlag, wodurch natürlich eine doppelte Budgetdebatte entsteht: erst in dem aus nicht weniger als 48 Mitgliedern bestehenden Bndgetausschuß und dann. die zweite Auflage, im Plenum. Setzt man nun in Anschlag, daß die letzte Budgetdebatte im Jahre 1836 stattfand— bisher hat sich der Voranschlag auf die Erlassung der berüchtigten§ k.4- Verord nungen beschrankt— so begreift man schon, daß das Bedürfnis nach einer Gelegenheit, Beschwerden vorzubringen und Wünsche ans zusprechen— daS Um-und-anf der Budgetdebatte— Heuer noch weitaus stärker war als schon sonst in normalen Jahren. Just deshalb wurde das Hans auf Ferien geschickt: Die Plenar- sitzungen wurden sistiert, um dem Budgetausschusse Raum und Zeit für die Vorberatung zu schaffen. Daß auf den Fortgang der Arbeiten im Ausschusse die Abwesenheit deS Hauses nur fördernd einlvirkte, kann man schon verstehen. Nicht bloß in Hinsicht der Zeit — der Ausschuß konnte Tag für Tag nun von früh bis abends Sitzung halten, ohne von Plenarsitzungen gestört zu sein— sondern vornehmlich dadurch, daß der Zank und Lärm, dem sich die Herren Volksvcrtrelcr in der öffentlichen Sitzung so gerne hingeben, unter- blieben ist und damit auch die störenden Einwirkungen auf den ruhigen Gang der Ausschutzvcrhandlungcn. Die östreichischcn Abgeordneten sind nämlich den Radan so gewöhnt, daß sie ein solches Quantum von Sachlichkeit, wie cS die kapitelweise Verhandlung des Budgets produziert, nicht vertragen, daß die Langeweile dieser sachlichen Be- ratung ihnen jede Leidenschaft abtötet. Thatsächlich hat die Parlamentspanse den Ausschußverhandlungen sehr genützt; es steht bereits am Ende seiner Beratung. Allerdings sind noch die stacheligen Punkte zu erledigen: das Unterrichtsbudgct, in dessen Falten sich so viele nationalen Streitfragen berge», der Dispositionsfonds der Regierung— wohl nur 2 S n a h m S w e i s e" sogar noch länger gearbeitet. Wie hieraus ersichtlich ist und worüber die Einzelbeiicht« zum Teil verblüfiende Milleilungeii bringen, werden die Bundesrat«- 6 e st i m m Ii Ii g e ii vom 26. April 1899, welche eine dürftige Rege« Iimg der Arbeitszeit in den Getreidemühlen betreffen, im a t l» gemeinen wenig beachtet. Dnbei gchört bnS Müllergeiverbe zu den g e f ä?h r l i ch st e n. Im Jnhre 1901 ereignete» sich nach den Miiteilnn�en der Müllerei« dernfs!,e»osse»schaft 289 Unfälle. Geklagt wird aus den einzelnen Bezirken vielfach, namentlich in Kleinbetrieben, über eine übermäßige Inanspruchnahme der Gehilfen durch Tragen schwerer Säcke, über gesundheitsschädigenden Einfluß der staubhaltigen Luft, mangelnde Trockenheit und Reinlichkeit der?lrbeitsränme. sowie ungenügende Beschaffenheit der Schlaf« stellen. Das Trinkgeldunwesen statt regelmäßiger Lohnzahlung ist noch stark im Schivange, die Lohnzahlung ist unregelmäßig und wie einige Probebudgets beweisen, können selbst ältere und bevor- zugte Arbeiter, wenn sie verheiratet sind, nur durch Mithilfe der andenvärts arbeitenden Familienmitglieder«inigerniaßen aus- kommen.— Znm ordentlichen Professor ostenropäischer Geschichte in Beilin ist der bisherige außerordentliche Professor Schiemann ernannt ivorden. wir wissen nicht, ob auf Vorschlag der Fakultät oder v. Llthoffs Gnaden. Herr Schieniann ist Stockreaktionär und Ehauvinist, er treibt Wreschener Poleupolitik— gegen ihn fanden jüngst die polnisch- russischen Demonstrationen statt— und ist ständiger Mitarbeiter der „Kreuz-Zeitung". Das ö st l i ch st e Europa ist sonach sein Ideal, wenn er auch die Polen— farinatisch findet.— AlleS oder Nichts. Diese Parole giebt das Organ der der« einigten christlichen Banernvereine, die„Rheinische.VolkSstimme", für die Agrarier des Westens ans in Bezug auf die Getreidezöll«. DaS sonst centrümische Blatt bemerkt, es werde erstrebt, den weft- lichen Bauer— soll heißen Agrarier— gegen den östlichen aus- zuspiele». Diesem Bestreben gegenüber sei darauf hinzniveisen, daß der Westen durchaus nicht hinter den Forderungen des Ostens zurückstehe. AlS unbedingt notwendig erklärt hätten die vcrciuigtcn christlichen Bauernverciue Zölle von 7>/l M. für Roggen und Weizen. A» dieser wohlbegründeten Forderung halte man fest, nicht ei» Titelchen»verde davon preisgegeben. Bon den rheinischen Bauern werde der Regierungsentivurf ausnahmslos abgelehnt. In dieser Beziehung seien alle eiuig in der Meinung: „Prsscr Freihandel als die Zollvorlage der Regierung." Das ist auch unsre Meinung. Hoffentlich erlahmen die.Bauern" nicht in dem Kampfe gegen die Regierungsvorlage; an der Social- drnokvatie soll es nicht liege»», daß sie nicht hart unter den Tisch fällt. Je mehr Hilfe»vir bei Bekämpfung des RegieruugSeutivurfS finden, desto bester.— Centrnm und Flotte. Die„Rheinische Volksstimme", das Organ der CentrumSagrarier, bespricht den Erlaß des Marineministers Tirpitz, der vom.Borivärts" veröffentlicht wurde. Sie begründet ihre Stellung zu der.gräßlichen" Flotte und sagt zmn Schluß. keinesfalls könne man dem deutsche» Stetierzahlcr zumuten, eine Flotte zu bezahlen, um den deutschen Börsenjobbern ihre exotitchen Papiere zu sichern. Bissig bemerkt sie über ihre eigne Partei, das Centrnm:„Ob die Forderung bewilligt tverden»vird, hängt allein vom Centrum ab. Die städtische Centrinnspreffe spricht sich vorläufig dagegen ons. Aber das hat»venig zu jagen. Die Blätter werden schon zur rechten Feit einschivenken." Als CentrumSorgan muh die„Bolköstunme" ihre Pappenheimer an» besten kennen.— Durstantraa. Mit Unterstützung der freisinnigen Vereinigung bat der Abg. Schräder im Reichstage einen Antrag eingebracht. welcher eine Abänderung der Bestimimingen deS Strafgesetzbuches »ii Bezug auf die Strafe gegen d a S Duell bezweckt. Der Antrag verlangt, daß statt der bisherigen FestniigSstrafe in jedem Falle eine Gefängnisstrafe von nicht unter Z Monaten für die Herausforderimg und von mindestens ll Monaten für das Duell selbst eintritt. Die Straffreiheit der Sekundanten tvird beseitigt. Sic sollen als Gc- Hilfen bestraft»Verden. Bei den Beamten soll mit einer Strafe von miitieftciiS 8 Monaten auch die Unfähigkeit zur B e- kleidung von öffentlichen Ae intern für die Dauer von 1 bis 6 Jahren verbunden werden. Wer»vegc» Unterlassung einer Herausfordenmg oder Nichtannahme einer solchen jemandem »eine Verachtung bezeigt oder ihn andren gegenüber als per- ächtlich darstellt, soll»nit Gefängnis nicht unter einem Monat b e st r a f t>v c r d e n. Für Verletzungen oder Tötnngen im Zivcikampf soll der im Bürgerliche» Gesetzbuch vorgesehene Schadenersatz geleistet»verde». Der gut gemciiito Antrag»vird besteiffavs am Riff der bnndeS- ratliche» Ablehnung scheitern.— Daß die Socialdemokratie gegen die Gewerbe-Jnsprktoren hetze, hat der sächsische Bnndesrals-Bevollmächtigtc Dr. Fischer letzthin im Reichstag behauptet. Er führte aus: Wenn den Arbeitern jeden Tag gesagt»vird:„Die Gewerbe- Inspektoren sind Eure geschtvorenen Feinde"(Ziirnf bei den Social- deniolratcn: Da« ist nicht wahrl), so glauben es die Arbeiter. Recht bezeichnend ist folgender Vorgang: Im Dezember vorigen Jahres»vurde in Sachsen ein Vortrag über die lveib- liche Fabriliuspektio» gehalten. Sachsen hat ja mit dieser neuen Einrichtlmg bisher verziveifelt iveuig Glück gehabt. In der Diskussion nun über diese» Vortrag beklagte sich auch eine Fabrik- inspektorin darüber, daß sie von einigen Ärbeiterinne» belogen und betrogen worden sei. Da trat ein Arbeiter auf und sagte: Nach dieser Aeußenmg der Daine ist daS Band zwischen ihr und den Arbeitern zerrissen, sie kam» nicht»nehr erivarten, baß Vertrauen zu ihrer Arbeit herrscht. Also»venn jemand es»vagt, die Wahrheit zu sagen, dann haben die Arbeiter kein Vertrauen mehr zu ihm. Ich glaube, das ist sehr charakteristisch.(Widerspruch bei den Socialdcmokraten.) Von einein Besucher jener Versammlung, die in DreSden statt- fand,»vird uns geschrieben: Herr Dr Fischer ist über jenen Vorfall voll kommen falsch infortniert. Kein Mensch hat der Benmti»» in jener Versammlung die Frenndschast gekündigt. Es wurde ihr nur gesagt, daß das Vorbringe» derartig allgemein gehaltener Beschuldigungen gegen die Aibeiterinncn in öffentlichen Versammlimgen nicht geeignet sei, ihr das Vertrauen der Arbeiter zu.verschaffen. Diese, wie man zugeben»vird, sehr»n a ß v o ll e Rüge ivar um so berechtigter, als sich im Laufe der Diskussion beranSstellte, daß die Anklage auf sehr schivachen Füßen stand. Eine Arbeiterin teilte nämlich mit, sie kenne den Fall, ai»f den die FabrikinipektionS- Assistentin anspiele. Eine Arbeiterin hätte sich bei der Fabrikinspettlon über Mißstände in ihrer Fabrik beschivert. Daraushin sei die Beamtin in Begleitimg deS Fabrikanten i» der Fabrik erschienen. Nim habe die Arbeiterin aber auS Furcht vor Maßregelung ihre Aussagen w i e d e r r n f e n. Die FabrikinipeltionS-Assistentin sei also nicht belogen»»d betrogen worden, sondeiii sie hätte durch ihr eignes II» g e s ch i ck die Arbeiterin in die Zlvangslage versetzt zu lügen oder ihr Brot zu verlieren. Wird Herr Dr. Fischer nunmchr seine Beschuldigung zurück- nehmen?— Da» Gerücht von einer unten dciitsch-rngltschen lver- stlnituung kursiert seit einigen Tage». Es stützt sich auf den Um- stand, baß der Prinz von WäleS nicht, tvie im Reiseprogramm vorgesehen ivar. fünf, sondern nicht ei«mal volle drei Tage in Berlin geivcilt habe. Er reiste am Dienstag- vormittag ganz unverniittelt ab, trotzdem noch für den Abend des- selben TagcS vom englischen Botschafter ein großes Ballfest veranstaltet ivorden ivar, zu dem der ganze Hof eingelade» ivorden»vor. Bei diesem Ballfest fehlten denn auch die beiden Hatiptpersonei»: der Prinz von WaleS und der Kaiser. Gleich nack» der Abreise des Prinzen von WaleS hieß es in den offiziös vom Hofmarschallamt nnterrickiteten Zeitungen, der Abstecher»ach Strclitz sei mir eine Einlage, der Prinz werde schon am folgende» Tage, am Miltivoch,»nieder zurückkehren. Auch von Strelitz wurde Dienstag die Nachricht in Umlauf gefetzt, der Prinz treffe ain andern Tage schon um 10 Uhr»vieder in Berlin ein. Thatsächlich aber kehrte am Mittlvoch der englische Thronfolger nicht nach Berlin, sondern nach London zurück. Diese auffallende Veränderung der Reisedispositiouen des Prinzen von WaleS giebt zu dein allerdings äußerst naheliegenden Verdacht Anlaß, daß eS zwischen den, englische» Thron- folger und dem deutschen Kaiser auS irgend einem Grunde zu einer Verstimmung gekommen sein muß.— Freigesprochen und doch bestraft! Im vorigen Jahre wurde vom Thorner Kriegsgericht und auch vom Oberkriegsgericht des 17. Armeecorps wegen Achtu na Sverletzung und B e- leidigung militärr scher Wachen in Jdcalkonkurrenz mit Achtungsverletznng der Fcuerlverks- Oberlientenant Roggenbrod zu einem Jahre drei Monaten Gefängnis und zur Dienstentlassung verurteilt. Die beim ReichS-Milrtärgericht eingelegte B e- r u f u n g hatte Erfolg— daS Urteil zweiter Instanz wurde aufgehoben. Me»ms jetzt aus Thon» gedrahtet»vird, ist Dienstag der Angellagte völlig freigesprochen worden, nachdem er über ein Jahr in UntersuchimgShaft gefeffen hat. ES ist ganz unverständlich,»vie inan Roggenbrod angesichts einer so relativ geringfügigen Verurteilung ein Jahr lang in der UntersuchungSheft sitzen lasten konnte! Chronik der MajestätSbeletdiguugS- Proteste. Wegen MajestätSbeleidigung ist in K ö n i g S b e r g ein Pantinen- inachcr Färber zu einem Jahr Gefängnis verurteiit worden. In einem Postbrieslnsten wurde ein Brief a» den Kaiser gesund«»,, der inn Schimpfivorte enthielt. Da das Papier zu dem Briese aus einem Schreibheft stammte, stellte die Kriminalpolizei auch Er- Mittelungen in den Schulen an. ES»vurde schließlich die Tochter des Färber»IS die Schreiberin des Schmähbriefes ermittelt und die weiteren Feststellungen führten zu dem Resultat, daß Färber dem Kinde den Brief dittiert hatte. AllSfttuH. Die australische» Arbeiter gegen die englische Raubpolitik. Aus Sydney»vird vom DienStag gemeldet: In ihrer Schlußsitzung»vurde von der Konferenz der„Politischen Arbeits« liga" ijpoliticat labour league)»ach ledhafter Debatte mit 39 gegen 25 Stlmnien eine Resolution angenommen, welche sich für Autonomie der voere», Aninestiernng der Kaprebellen und Wiederaufrichtung der Farmen ausspricht. Die Resolution soll dem Premierminister des Bundes und dem Führer der liberalen Partei im Reichsparlament vor- gelegt»v erdet».--_ Dänemark. Zur Nentralttätöfrage. Bei der ersten Beratung der Vor« läge über die Ernenmnig einer Landesverteidignngs-Konnnisston im Follelhing sprach sich M i n i st e r p r ä s i d e n t D e n n tz e r über die Frage der Neutralität Dänemarks ans. Die Regierung, so führte er ans, sei geneigt, den Mächten gegenüber,»vie das früher geschehen sei. zu erklären, daß Dänemark neutral sei» und dies durch seine Handluuge II belveiscu»volle. Die Mäch»« würden sicherlich den guten Willen DäneniarkS an- erkennen. Wenn man jetzt an eine gleichzeitig« und g e- m einsame NentralitätS- Erklärung Schivedeus, Norwegens und Dänemarks denke, so sei dies in mehrere» Beziehiinge» von großer Bedeutung. Die Rc- gierung iverde dem Fortgang der Beivegnng in Schiveden und Norwegen mit großem Interesse folgen,— Frankreich. Nachklänge zur DrcyfuS-Affaire. Der„Fraiilfurtcr Ztg." wird aus Paris depeschiert: Das Civilgericht verurleille de» Kriegs- ministe r auf die Klage P i c q» a r t S, diesem alle ihn de« treffende» Briefe u» d Dokumente nuSzu liefer», die sich noch in den Prozeß- und Unterfnchnngsaktcn deS Kriegs- miinstcriumS befinden.— In Aldi»vurde am vergangenen Sonntag der Genosse Jean I a n r 6 S als Kandidat für die nächsten Wahlen»vieder aufgestellt.— Belgien. Die Kirche hat einen guten Magen. Eine enortne Anö- breitmig haben die geistlichen Orden Sgesellschaften und religiösen Kongregationen in Belgien in der zweiten Hälfte des vergangenen JahrhnudertS gefunden. Während es im Jahre 184S in Belgien 77S Klöster mit nahezu IS 000 »hätige» Mitgliedern gab, zählte man 1900 nicht»veniger als 2SSS Klöster mit 37 700 OrdcnSangehörigen. Der Gesamtwert der de» Klosterlenten gehörigen, von ihnen beivohnten oder vermieteten Gebäude belauft sich ans ca. 730 Mltt. Fr.; der BersichernngS- »vcrt der innere» Einrichtung, der Kultnsgeräte, des Mobiliars nsiv. beträgt 365 Millionen Frank, so daß das den katholischen Ordensgesellichaften gehörige Eigentum dieser Art eine Gesamtsnminc voir 1035 Millionen Frank repräsentiert. Hienirit ist a b e r der Besitz der gei st lichen Orden noch keines»vegS erschöpft. Landgüter, Wälder, Weiden, Werkstätten, Geschäftshäuser, HotelS, die von Mittelspersonen beivirtswastct beziv. betrieben»verde», sind Eigentum der Ko n g re g a ti onen, deren»virllichcr Eigentumsbesitz daher den buchmäßig nachiveiSbaren Bestand noch sehr erheblich übersteigen dürfte.— Rnstland. Verschärfte Schnüffelet nach politischer Konterbande. Ans sämtlichen russiickie» Zollämtern ist nach der„Kaltoiv. Ztg." eiire Verordnung deS FiuaiizmtnisterS v. Witte eingetroffen, ivonach den russische» Zollbeamten zur dringenden Pflicht gemacht»vird, alle ans Deulscblaud eingehenden Sachen einer besonders gründlichen Untersuchung zu unterziehen.— Nach dem„Pos. Tgbl." ist diese Verfügung dadurch veranlaßt ivorden, daß in letzter Zeit die revolutionäre Arbeiterbewegung im Weichielaebiet äch stärker geregt hat. Die rnsstschcn Behörden nehmen an, daß die Fäden der Beivegnng im Auslände zufanmienlanfen. Italien. Die Vcrniinderung der Analphabeten in Italien. Rom. 31. Januar.(Eig. Ber.) Hand in Hand mit der ökoiivniischcn»md finanziellen Wieder- gebnrt, dem industriellen Wachstum und der Organisation der Arbeiter geht auch der Fortschritt der VolkSbildinig während der Zählungsperiode von 1891 bis zmn 10. Februar 1901. 1891 betrug die DurchschnittSziffer der des Lesens Unkniidige» 37.3 Proz. für die inännliche und 50,9 Proz. für die»veibliche Bevölkerung, die Proviitz Palermo Sicilien). aus der die Angaben noch fehlen, nicht eingeschlosseir. 1901 be- trugen die entsprechenden Zahle» 21.9 resp. 31,7 Proz. Die Provinzen, die den geringsten Prozentsatz an Analphabeten aufiveisen, find Turin und Mailand mit 6,4 resp. 12 Proz. in Turin; S.S resp. 12,8 Proz. in Mailand. Alessandria, Bcllinio. Bergamo. Bologna, BreScia, Como, Cuneo, Florenz, Genua, Mantna, Novarra, Padua, Porto Maurizio, Rom, Sondrio, Venedig, Verona, Udine zählen»veniger als 20 Proz.; die Provinzen, in de»e» die Volksbildung am nieisten' zu wünschen übrig läßt, sind diejenigen Süd- Italiens, Ascoli. Benevento. Caltaniffetta, Catania us»v. Caltanissetta ist am nieisten zurück mit 65,3 Proz. der mäimlichen und 71,8 Proz. der weiblichen Bevölkennig. Ter Prozeß gegen Pallizzolo, der bekanntlich angeklagt ist, die Ermordung des Bankdireltors Notarbatolo von Palermo ver- anlaßt zu haben, geht in Bologna noch immer»veiter. Man ist jetzt beim 67. Vcrhandiungstage angelangt. Wichtig»vnren die Aussagen des Polizeichefs von Palermo, des Herrn Sangiorgi, welche dieser Tage erfolgten. Er erklärte, daß die öffentliche Meinung den Palliz- zolo vom ersten Tage an als den Urheber deS Mordes bezeichnet habe. Pallizzolo sei eines solchen Verbrechens auch fähig und im stände geivesen, ihn zur Ausführung zu bringen, dem» er sei von Leuten sehr zlveifelhaften Rufes umgeben geivesen.— Amerika. Imperialistische Pläne der Union. Aus Wafliington»vird vom 4. Februar gemeldet: Die kolmnbische Regierung hat sich gelveigert, de» Vereinigten Staaten die Bai von A l m i r a n t e a b z u- treten. Staatssekretär Hätz hat den amerikanischen Botschafter beauftragt, die U» t e r h a n d l u» g e n fortzusetzen, da diese Bai n o t»v e n d i g sei, falls der Paiiamakanal von de» Vereinigten Siaaten läuflich erworben»verde», sollte. VsvksmenfeViMes. Di« Branntlveinstcuer- Kommission des Reichstags trat am Dienstagabend zu ihrer ersten Sitzung zn- samme«. Die Zusammensetzung der Kommission, die seit dem April vorigen JqhrcS besteht, hat sich sehr verändert. An Stelle des Abg.' v. K a r d o r f f(Rp.). der ans der Kominisflo» ausgeschieden ist, führt Abg. Herold(C.) den Vorsitz. Von den Socialdemokraten gehören die Abgg, Wurm, F i s ch e r- Sachsen und Roseno iv her Kommission an. Es»vurde beschloffen, zunächst in eine Generaldebatte einzutreten und dann nach Bedürfnis ein oder zwei Lesungen abzuhalten. Bevor man aber zmn eigentlichen Thema kam, entspann sich eine sehr leb- hafte Geschäftsordnungsdebatte. Abg. Müller- Fulda(C.) weist ans eiue Besprechung hin, die am 3. Dezember v. I. im Landivirtschaftsministcrimn über die Brainitiveinsteuerfrage stattgefmide» hat. Der Vortrag, den der Vertreter der SpiritnS-Cciitrale, Herr V. Puttlitz, dort gehalten habe, müsse ollen Mitgliedern der Kominission zu- gänglich gemacht»Verden. Abg. Pachuicke(fcs. Vg.) findet die Situation eigentümlich: einer Rcichstags-Kommission müsse eine private Erleuchtung zu- gänglich gemacht»verde». Abg. Wurm(Soc.) betonte, daß eine öffentliche Angelegenheit nicht von einer privaten Jiitereffenvertretnng in geheimer Koiumilston verhandelt»verde»» dürfe und verlangt Aiiftlärnng über die Vorgänge. Abg. Dr. Paasch«(natlj erwidert, der Landivirtschaftsnnnistcr v. PodbielSki habe auf eigne Faust vier, fünf Abgeordnete, und ztvar die Heeren Speck, Dietrich. Paasche, Müllee-Fulda, Gamp und v. Komicroivski zu einer Besprechung eingeladen, an der sich ein Dutzend Brcnnercibcsitzer beteiligt hätten. Das sei durchaus Sache des Ministers. Abg. Dr. Müller- Saga»(frs. Vp.> regte daraufhin an, Herrn v. PodbielSki zn de» Nerhmediungeu zuzuziehen. Abg. v. Vroekhailseu(k.) halt die Teilnahme des Schatzsekretärs v. Thielmami für erforderlich. UnterstaatSsekrelär v. Fischer ent- schuldigt das Fernbleiben des Ministers, der heute verhindert sei. Bon andrer Seite wird angeregt, auch den Vortrag des Ver- treters der ringfieie» Brennereien, des Herrn v. Tie dem an», der Kommission zugänglich zu»»lache». Schließlich endet die Geschäfts- ordnungs-Debatte mit der Aunahme eines Antrags des Abg. Dietrich(l.), den preußischen LaudivirtschaftSminister zn ersuchen, der VerHand- lniigen der vom ihm einberuscncil Konferenz der Koiunussion zn- gänglich zu machen. In der Generaldisknssioii»varnt UnterstaatSsekretär v. Fischer vor znweitgehenden Anträgen, insbesondere vor dem Antrage Müller-Fnlda, dessen Annahme das Znstaiidckommini eineS neuen Branntivcinstener-GcfctzeS gefährde. Gcheiineat Geiger unterstützt diese Anffassung schon u>»>-deS-- »villen,»veil Bayern»ach»vie vor ans dem Standpunkte der Maisch- bottichstcuer stehe. Abg. De. Miillcr-Sagan(fes. Vp.) beantragt, den ReichSlanzler mn eine Ucbersicht sämtlicher Brennereien nach Betriebsart, Jahres- prodnklion und Kontingent zu ersuchen. Abg. Wurm(Soc.) beantragt eine Uebersicht einzufordern über die in» Reiche vorhandenen GenoffenschaftSbrcnncreie» nebst Angabe der Zahl der Genossen, ihrer Haftsumme und ihres Anteils an der Produktion, resp. dcö von ihnen zu liefernden Materials und zwar getrennt»ach den vor und den»ach den» 1. April 1893 begründeten Genoffcnsckafisbrenuereicu. Abg. Dr. Pachuicke(frs. Vg.) kritisiert die Leistungen des SpiritnsriiigeS als eine lange Reihe von kläglichen Mißerfolgen. Große Bestände hätten sich aufgesammelt und große Preisstürze sich nicht vermeiden lassen. Abg. Dr. Ermler(iiatl.) bezeichnet als Ziel der Brmintivein- stencr-Geietzgebmig, überschüssigen Spiritus unschädlich für die Preis- bildnng zu»lachen. Redner begründet einen Airtrag, durch den in denjenigen Brennereien die Kartoffeln, Mais, Melasse oder Brauerei- Abfälle verarbeilen, slir den gewonnene» Branntlvein eine Brenn- steuer von 15 M. für jede» Hektoliter reinen Alkohols erhoben»vird. Der oben erlvähnte vom Unterstaatssekrctär v. Fischer bekäinpfte neue Antrag Müller-Fnlda lC.)»vill die Maischbottich- und Material- stener vom 1. Oktober 1802»vegfallen lassen. Dafür soll von demselben Tage ab für den Branntlvein, der der Vcrbrauchsabaabe miterliegt, ein Zuschlag z» dieser erhoben Iverde». Dieser Zuschlag beträgt 12 Pf. pro Liter Alkohol bei landlvirtschastlichen und 20Pf. pro Liter bei gelverblichen»nid Materialbrcnnereien. Für diejenige» Brenne- reien, die i» einem Betriebsjnhr nicht mehr als 1000 Liter Alkohols erzeugen, wird dieser Zuschlag staffelsörmig auf 16, 12, 8 nud 4 Pf. ermäßigt. Die hentigen Verhandlungen schloffen mit der Nunahme der Anträge der Abgg. Dr. Müller-Sagan und Wurm. ' Nächste Sitzung Freitag. Die Bndgetkominisfio» deS Reichstags begann Dienstag ihre Sitzung erst»im 12 Uhr. nachdem eine Lokalbesichtigniig des Grundstücks für das Kolonialamt vorangegangen ivar. Abg. Vachrm(C.) ist im Princip für den Erlverb deS Grundstücks. Der Preis sei aber zu hoch. Abg. Dr. Miillcr-Sagan(frs. Vp.) bekämpft die Forderimg. Kolonialdireltor Etiibel erklärt, schon vor zehn Jahren sei in der Voßstraße ein höherer Preis gezahlt ivorden. Abg. Dr. Miillcr-Sagan bestreitet, daß es sich in allen diesen Fällen um reelle Verknuse gehandelt hat. Es seien Grundstücke ans- getauscht und Hypotheken in Zahlung gegeben wordeil. Prinz Arcubcrg(C.) findet, die' lokale Besichtignng habe er- »viesen, daß das Grundstück in Qualität und Quantität in jeder Hinsicht ausreichend sei. Abg. Bebel erklärt, das Grundstück sei mit l1/« Millionen Mark schon gut bezahlt. Direktor im Reichsschatzamt Geheimrat Dlvele befürwortet den Ankauf damit, daß daS Reich in der Wilhelmstraße noch»vciler Fuß z» fasse»» suchen müsse, so lange dies»ocki möglich sei. Abg. Graf Stolberg(k.) beantragt. 2 650 000 M. z» bewilligen. Bei der Abstinimmia»vird die Regierungsforderung falle» gelassen iiild ein Autrag Bachem(C.) zu Grunde gelegt, der mir ciiic»» Einkaufspreis von 2 500 000 M. bewilligen»vill miter der Voraus- sctzung, daß der preußische Fiskus eine moralische Garantie über- nehme, für die Zukunft den Korridoren des Grimdstlicks besseres Licht nnd bessere Lust z» erhalten. Zn dein ersten Teil dieses Antrages stellt Graf Noo»(l.) das Amendement, statt„2 500 000" —„2 300 000" nnd Graf Stoib erg(l.)„2 650 000 M." einzusetzen. Das Aniendenient des Grafen Roon»vird mit alle» gegen acht nationallibei-ale nnd konservative Stimmen, daS Anieudemeut Graf Stolbcrg mit 14 gegen 11 Stiimneu der Konservativen, National- tifiernlcn und des CeiitrumS abgelehnt. Der Antrag Bachem wird mit allen gegen sieben Stimmen der Socialdemokraten und der freisinnigen Volkspartci angenommen.— Nächste Sitzung Mittlvoch 10 Uhr(einmalige Ausgaben des Militär-Etats). Der Boeren- Krieg. Indirekte Antwort anf die Frirdenöintcrvention. Der englische K r i e g s m i n i st e r ordnete die Ein- bernfnng neuer Milizen znin aktiven Dienst an. was als Zeichen dafür angesehen wird, daß die Negierung entschlossen ist, den südafrikanischen Krieg bis zur völligen Unter- lverfung der Boeren fortzuführen. Vom Kriegsschauplatz. Ein Telegramm aus Tarka st adt meldet, daß die Boeren- kommandanten Becker und Wessels am SO. Januar bei Klaar- fontein von den Engländern überrascht wurden. Drei Boeren, darunter ein Kommandant, wurden getötet und S1 Pferde erbeutet. Auf englischer Seite Ivaren keine Verluste zu verzeichnen. Eine Depesche des Generals Kitchener aus Pretoria vom Z.Februar meldet: Seit dem 27. Januar wurden 2S Boeren g e- tötet, sechs verwundet, 142 gefangen genommen; 48 ergaben sich. In der K a p k o l o n i e befindet sich ein kleines Boeren« kommando i» BamboeSberg, ein andres, unter Louis Wessels, hat im Distrikt von Cradock am 1. Februar eine» Proviautzug an- gehalten und teilweise in Brand gesteckt. Die am Montag veröffentlichte amtliche V e r I n st I i st e meldet, daff bei einem am 31. Januar bei Bnrghersdorp erfolgten Z u s a m m e n st o st von Panzerzügen fünf Soldaten getötet und fünf verwundet worden sind. Jagd auf De Wct. Der Spccialbcrichterstatter der„Daily News" meldet aus Ladysmith:„23 englische Kolonnen nehmen jetzt an den Operationen gegen De Wet teil, und es scheint mehr als jemals berechtigt zu sein, zu versichern, daß die Gefaugeunahme oder Vernichtung seiner Truppe nur eine Frage' der Zeit ist.t. 30. 19. Iflürgait#.{|if jjßljf Meichskstg» 134. Sitzung vom Dienstag, 4. Februar 1902, nachmittags 1 Uhr. Am Bunbesratstische: Graf v. P o s a d o w s! y. Die zweite Beratung des Etats d eS NeichSamtS deS Innern wird fortgesetzt. Die Verhandlung beginnt mit dem auS der Kommission zurück- gekommene» Tit. 1 des Kapitels»Statistisches Amt"(Bericht- erstatter Abg. v. Tie bemann). Infolge der Errichtung der neuen arbcitsstalistischen Abteilung des Statistischen Amtes werden 12 100 M. mehr gefordert. Abg. Dr. Pachnick«(frs. Vg.): .Die Freunde der Sociastwlitik stehen der neuen Einrichtung mit gemischteu Gefühlen gegenüber. Wir hatten mehr erwartet. wir verlangten ein neues Arbeitsamt, während es sich hier nur um eine neue Abteilung eines schon bestehenden Amtes handelt. Festgesetzt ist auch nicht die Kompetenz dieser neuen Ab- teilung. Trotzdem begrüßen wir sie als Fortschritt, weil in ihr ein Organ geschaffen ist, das sich ausschließlich mit der Arbeiterstntistit beschäftigen soll. Sehr wünschensivert wäre nun die Fühlung zwischen Bureaukratie und Praxis herzustellen, die Schaffung eines Beirats, der zu einem Drittel aus Arbeitgebern, zu einem Drittel aus Arbeitnehmern und schließlich aus neutralen Sachverständigen bestehen u»"ißte. Ebenso erwarte» wir, daß regelmäßige Berichte über die Ermittelmigeu der Abteilung herausgegeben werden nach dem Must«r der anerkannt vorzüglichen englischen Berichte. Die Berichte uiüffen monatlich herausgegeben und in allgcniein verständlicher Sprache gehalten sein. Schließlich muß die Abteilung das Recht haben, selbständig Untersuchungen vorzunehmen über bestimmte Gcwerbezweige und auch Aendernngcn von Gesetzen vorzuschlage». Der Herr Staatssekretär hat dies ja in der Kommission zugesagt. ich betone es nur nochmals. da von der Seite des Centraiverbandes der Industriellen gerade an die Eingliederung dieser früheren Aufgaben der Kommission für Arbeiter- statistik in den bureaukratischcn Organismus des Statistischen Amts die Erwartung geknüpft wurde, daß diese neue Abteilung sich lediglich auf die Zusammenstellung des statistischen Materials beschränke» würde. Wir erwarten, wie gesagt, daß dies nicht der Fall sein wird. (Bravo! links.) Abg. Bebel(Soc.): Dem Vorschlag, eine neue Abteilung des Statistischen Amts für die Arbeiterstatistik zu schaffen, wurde von nnS zunächst mit Miß- trauen begegnet. Dieses Mißtrauen war hervorgerufen durch Aeiißernngen der konservativen Presse, die es so darstellt, alS handle es sich darum, die Arbeiten der f r ü h e r e n K o in m i s s i o» f ü r A r b e i t e r st a t i st i k wesentlich einzuschränken. Es wurde gesagt, diese habe ihre Befugnisse gelvissermaßen überschritten. Sic hätte keine andre Aufgabe gehabt, als statistische Erhebiingr» zu machen und ihre Resultate den Verbündeten Regierungen vorzulegen, die Koiii'e- qncnzcn aus den Resultaten aber den Regierungen zu überlassen. Nun hat aber bekanntlich die Konnnission ihre Befugnisse weiter auf- gefaßt. Sie hat die Resultate in eignen Berichten verivertet und schließlich nach eignem Erniessen an die Regierungen Vorschläge ge- macht, wie dem festgestellten Uebelstande abzuhelfen sei. Graf PosadowSky hat ja nun bei den Verhandlungen in der Kommiffion betont, daß den verbündeten Regierungen iii keiner Weise der Gedanke beigekommen sei, die Funktionen der Kommission zu beschränke n. Er sagt, eS sollten auch Ver- treler der Arbeiterorganisationen zugezogen iverden. Wi> sind freilich bcr Ansicht, daß es unbedingt noNvcndig iväre, einen festen Bei- r a t aus einer bestinnntcn Anzahl von Arbeitgebern und Arbeit- nehmern der Kommission hinzuzufügen. Sehr ivünschensivert wäre die Znziehuiig einer bestimmte» Anzahl von Gewerbe-Inspektoren durch die Kommission. Daß die neue Abteilung einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen bedeutet, wird auch von uns anerkannt, denn so, wie in der letzten Zeit die Kommission für Arbeitcistatistik gearbeitet oder vielmehr nicht gearbeitet hat, ging es nicht in e h r weiter. Die Hauptschuld lag ja am Vor- sitzenden, der die Stellung nur im Nebenanrte verwaltete und auch nicht von jenem socialrefonuatorischen Geiste bcieelt Ivar, der für eine solche Aufgabe nötig ivar. Die jetzige Kommission ivird, lvie wir voraussetzen, von Herren besetzt sein, die mehr sociales Verständnis haben. Die Abteilung wird hoffentlich mit ihre» Arbeiten. auch über den bisherigen Plan hinausgehen und wird sich mit der Statistik der Arbeiteransstände, der Lohnstatistik beschäftigen. Alle diese' Arbeiten sollen von ihr in die Hand genommen und geleitet Iverden. Wir sehen in dieser Kommission ein U e b e r g a n g s st a d i n m, das weitere Ziel muß die Griiudung eines RcichS-ZirbeitSamtS sein. Di- Thal. fache, daß ivir jetzt bald 14 Tage über den Etat des NeichSamtS des Innern beraten, beweist, daß diesem Amt mit der Zeit so verschiedenartige Aufgaben zugefallen sind, daß unmöglich ein einzelner Beamter alle diese Auf- gaben erfüllen und die Verantwortung dafür übernehmen kann. Das ist eine Aufgabe, die weit über menschliche Kräfte binauSgeht, und da notorisch das Gebiet der Socialrefvrm immer größer wird, so ist es nötig, daß sich ein Mann anSschlirfflich diese», Gebiete widmet. Daher scheint es dringend»otivendig, daß eine besondre Behörde für diesen Ziveck eingesetzt wird. Ich kau» nur nochnialS erklären, daß wir diese Neuschaffung als weiteren Fortschritt zu diesem Ziele begrüßen.(Beifall bei den Soc.) Abg. Dr. Haffe(natl.) ivünscht obligatorische Wertdeklnration bei der Warenstatistik. Die Werte, mit denen nian operiere» muß, Iverden meist auf dem Wege der Schätzung gewonnen. Diese hat aber große Schwächen, sie sind schwankend und ungenau. Man hat nn» schon im kaiserl. statistischen Amt erwogen, ob man nicht Deklaration einführen soll; von den sieben Sachverständigengruppen habe» sich jedoch vier dagegen ansgeiprochen. Fün neue Erwägungen wäre jetzt ein sehr günstiger Zeilpunkt. Ich glaube, man wird zu Deklarationszivang tomnie» inüsie». der auch schon in Nordamerika, England, der Schiveiz und den Hansestädten eingeführt ist, ivill man aber bei dem bisherigen Verfahre» bleibe», so nniß man den Sach- verständigen mehr Zeit für ihre Arbeit lassen. Auch wäre zu wünschen, daß man im kaiserl. Statistische» Amt nicht bloß Juristen, sondern auch Nationnlökonomen anstellt. Man wird auch für die Ver- waltung das Monopol der Jnriste» durchbrechen müssen. Abg. Dr. Spahn» e n w o r d e». Ist über diese Verhältnisse eine Untersuchimg eingeleitet und den, g e s e tz iv i d r i g e» Zustand ein Ende gemacht? Es ivird behauptet, daß Herr Bandtke niebt Uuteruehmcr ist, obgleich das Gesetz dies vorschreibt. Daun sind seine Urteile ungültig. Aehnlich hohe Gehälter erhalten andre Vorsitzende von Berussgeuosseuschafte», so der Vorsitzende der Fuhr- werksgeiiossenschast SOOO M., Herr Köhler von der Berliner Straßen- bahu-Berufsgeuosseuschaft 4000 M. Der Vorfitzende der Ziegelei- Berufsgciiosseuschaft soll 3000 M.. der Vorsitzende der Hannöverschen Baii-Berufsgeiiosieuschaft 4000 M. erhalten, ebenso viel der Vor- sitzende der Hamburger Bail-Berufsgeuosseuschaft. Von Herrn Backhaus, dem frühere» ehreuaiiitlichen Voisitzeiideii einer andre» Berufsgcuosseuschast, war schon im vorigen Jahre die Rede. Der Herr bezieht seine 12 000 M. jetzt nicht»>ehr als Vor- sitzender, sondern er erhält als Geschäftsführer jetzt ein noch Höheres Gehalt. Es scheint sich dabei um eine Beuiänleluug zu handeln, gegen die der Präsident des Reichs-Versicherilugsamtcs eiuschmten müßte. Die unteren Beamten, die die eigentliche Arbeit zu leisten haben, beziehen im Gegensatz dazu recht bescheidene Gehälter. Das Gehalt für den Vor- sitzenden einer weiteren B e r u f s g e n o s s e n s ch n f t soll nach den mir gelvordencn Mitteilungen inzwischen von IL VVO auf 16 000 8)1. erhöht worden sein. Es ist mit dem Gesetze n n v e r e i n b a r, derartig hohe Gehälter zu zahle». Ich bedaure sehr, dah der Präsident des Reichs-VcrsicheningsamtS nicht anwesend ist, um darzulegen, warum er diesen ungesetzliche» Zustand, zu dessen Beseitigung er eingesetzt ist. weiter bestehe» läßt. ES wird einem allerdings manches klar, wenn man sich in den Gedankengang der Herren, die die Geschäfte der Berufs- geuossenschaften besorgen, hineindenkt. Der Geschäftsführer der Brciinereigenossenschaft— der einzigen Bernfsgenosseuschaft, in der keine llnfallverhütungs-Vorschriften be- stehen—, Herr Lange, charakterisierte vor einiger Zeit einen seiner Ansicht nach allen Anforderungen entsprechenden Bentfsgenossen- schnfls-Vorsitzeuden u. a. mit folgenden Worten:„Seine durch Unabhängige äußere Lage und durch F a in i l i e n« bcz i eh u n ge n ge st ützte Art, auf Behörde n und ein- flußreiche Personen einzuwirken" usw. Ferner wird gerühmt die Freimütigkeit, mit der der Betreffende einzulenken und sich selbst des Irrtums zu zeihen versteht. Man sucht also solche Herren zu gewinnen, die einen möglichst großen Einfluß auf Behörden, au einflußreiche Personen und ans die Gesetzgebung ausüben können. Es scheint, daß die Berufsgcnossenschaften dies in großem Maße in Bezug auf den Präsidenten des Reichs-Bersichernugs- a m t s, G a e b e l, erreicht haben. Ich möchte dringend um Auskunft darüber bitten, ob diese Mißstände beseitigt sind. Ich komme nun kurz zu Herrn Fetisch, mit dem ich mich bereits im vorigen Jahre beschäftigte, zurück. Ich habe meinem Versprechen gemäß die Anklage gegen Herrn Felisch wegen Untreue gegen die Bernfsgenosseuschaft, begangen durch die Annahme ■eines hohen Gehalts in seiner Eigenschast als Ehrenvorsitzender er- ho b e», bin aber in allen Instanzen abgewiesen worden. Es wurde nicht anerkaunt, daß ein öffentliches Interesse vorliege und ver Oberstaatsanwalt meinte, mir stehe nicht das Recht zu, Beschwerde zu erheben, weil ich nicht Mitglied der betreffenden Bernss- geiiosscnschaft, also nicht durch das Vorgehen des Herrn Felisch g e- schädigt sei. Dieser Verlauf der Sache ist Ivieder einmal ein Beweis für die ungeheure Macht der Bcrnfsgenosscnschaften, es beweist, wie notwendig es ist, die Selbstverwaltung der Berufsgciwsscuschaften, die lediglich im Jutcrcsse der Bereicherung einzelner liegt, zu durchkreuzen. Wie notwendig dies ist, beweist auch die absolute Hilsslosigkeit deS Reichs-Ver sicher» ngs- a in t§ gegenüber allen Einrichtungen der Bcrufsgcnossenschaften, die zur Schädigung der Arbeiter führen, wie zum Beispiel dem System der Vertrauensärzte. Ich will nur einen Fall als Beweis anführen. Dr. Blasius ist der Vertrauensarzt der Berufsgeuossenschaft der Ziegelei- Arbeiter. Der Ziegelei-Arbeiter Schäfer war mm im Beruf verunglückt. Es mußte ihm ein Finger der rechten Hand abgenommen werden und außerdem war die Beweglichkeit des kleinen Fingers er- heblich verringert. Professor Dr. Sprenglcr, einer auch nach der An- ficht uichtsocialdemokratischer Arbeiter äußerst tüchtiger und humaner Arzt, der Vorsteher des herzoglichen Krankenhauses in Braunschwcig ,- behandelte diesen Mann und begutachtete in Uebercinstimniuiig mit dem Assistenzarzt, daß die'Erwerbs- fähigkcit des Mannes um 40 Pro z. beeinträchtigt worden sei. Dieses Gutachten übersandte die Berufs- genossenschaft ihrem Vertrauensarzt, Herrn Sani- tätsrat Dr. Blasius. Dieser begutachtete nun, ohne de» Kranken gesehe» oder«ntcrsncht zu haben, im Gegensatz zu den übercinstimmenden Gutachten dieser hervorragenden Aerzte, daß eine Rente von 20—25 Prozent genügend sei und die Berufs- genossenschaft billigte dein Vernnglückten nur 25 Prozent z». Als Dr. Sprenglcr dies erfuhr, kritisierte er in einem Schreibe» an die Berufs- genossenschaft das Vorgehen des Dr.Vlasins in den schärfsten Ausdrücken. Dem Arbeiter sei schweres Unrecht zugefügt. Wer ein solches Gutachten, ohne den Kranken gesehen zu haben, abgebe, begehe einen schweren Vertraucnsbrnch gegen die hnmanen Pflichte», die i e d e r A r z t auf sich zu nehmen habe. Dr. Blasius fühlte sich durch diese Kritik beleidigt und ging in allen möglichen Instanzen gegen diesen ehrlichen Arzt vor. der lediglich die Jnleresscn seines Standes und die des Verunglückten gewahrt hatte. Zunächst wurde das herzogliche Krankenhaus von der B e r u f s g e n o s s e n s ch a f t boykottiert. Daun denunzierte Blasius seinen Kollegen und beantragte das Disciplinarvcrfahren. Die Aerzte- kammcr lehnte das ab und applizierte in ihrer Begründiing noch Dr. Blasius eine wohlverdiente moralische Ohrfeige, indem sie auch die Herabsetzung ohne persönliche Untersuchung mit den Pflichten eines Vertrauensarztes nicht für vereinbar erklärte. Nun verklagte Blasius Professor Sprenglcr wegen Beleidigung. Im Termin erklärte Sprengler, das Verfahren des Dr. Blasius ver- stoße gegen die fundamentalsten Grundsätze der Medizin. Sein Ver- fahren entspreche lediglich den Gewohnheiten abhängiger Ver- trauenSärzte, die Rente zu drücken.(Hört I hört I bei den Socialdcmokraten.) Blasius führte an, daß er nach der seitens der Berufsgenossenschaft aufgestellten Tabelle vor- gegangen. Seitens des Herrn Staatssekretärs ist aber mindestens ein Dutzend Mal betonr worden, daß ein derartiges Schematisieren gegen die Pflichten des Ver- traue n sarztes ve r st ö ß t. Wenn der Arzt sich ein- fach begnügt, das Schema aufzuschlagen, so ist er nichts als der Handlanger, der Hausknecht der B e rn fs- genossenschaft. Der Sachverständige stellte sich auch auf den Standpunkt deS Dr. Sprengler. Das Gericht erkannte an, daß Sprengler zweifellos in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe und verurteilte Dr. Sprengler nur wegen der scharfen Ausdrücke zu 150 Mark Geldstrafe. Blasius meinte. Schäfer habe sich ja bei der Eutscheidnng beruhigt. Das ist eben das Traurige dabei, daß die Arbeiter nicht das ge- ring sie Vertrauen haben zu den Behörden und seit Herr Gaebel im Amte ist, auch nicht mehr zum Reichs-VersicherinigS- amt, so daß sie an eine Berufung gar nicht niehr denken. In deni erwähnten Fall hat das Reichs- Versichernngsanit die Pflicht, Remcdur zu schaffen, auf die Gutachten des Dr. Vlnsins darf nicht das geringste mehr gegeben werden.(Sehr wahrt bei den Socialdeinokraten.) Für das Verhalten des Dr. Blasius ist auch noch ein andrer Fall sehr bezeichnend. Ein Arbeiter Frankel wurde von diesem Arzt am 26. Dezember 1884 untersucht. Dabei hat ihm dieser durch Zerren an dein verletzten Arm st a r k e Schmerzen verursacht, ihn hart angelassen und ihm sogar gedroht, er solle gar keine Rente mehr er- halten. Fränkel zeigte seit jenem Tage eine auffällige Veränderung in seinem Benehmen, wurde sehr aufgeregt, zeigte sich csiitigem Zuspruch gegenüber ganz unzugänglich, eine Berufung an das Schiedsgericht lehnte er ab und meinte,!daS nütze ihm nichts mehr, der'Arzt habe ihm ja gesagt, daß er jetzt gar keine Rente mehr haben solle. Er hat dann mehrere vergebliche S c l b st- mord-Versuche gemacht, bis er sich schließlich tötete. DaS Reichs-Bersicherungsamt ist auf Grund der Erhebungen zu der Ueberzengung gekonimen, daß Fränkel infolge der Vorgänge bei seiner Untersuchung durch Dr. Blasius in einen Zustand seeli- scher Erregung versetzt worden ist. der in seiner weiteren Entwicklung zu der geistigen Verwirrung führte, welche schließlich eine freie Willensbcthätigung des Fränkel ausgeschlossen hat.(Hört! hört! b. d. Soc.) Der ursächliche Z n s a m menhang des Se l b st- mordS mit der Behandlung des Un glücklickicn durch den Doktor Blasius wurde als f e st g e st e I l t angenommen und der Witwe eine Rente gewährt. Diesen Fall habe ich, wenn ich nicht irre. 1895 oder 1896 hier bereits erwähnt und darauf hingewiesen, daß mit solchen Mißbränchen aufgeräumt werden müsse. Solche Vertrauensärzte hat der Gesetzgeber sicherlich nicht gemeint. Wenn wir sehen, daß in solcher Weise mit den armen Krüppeln ver- fahren wird, dann müssen wir von der Regierung Abhilfe fordern durch Beseitigung derartiger gemeingefährlicher BerusSgeiiossenschafteii und Vertrauensärzte.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Ich hoffe, daß der Staatssekretär sich infonnieren und uns mitteilen wird, ob er ein solches Vorgehen eines ArzteS und einer Berufs- genossenschaft für würdig erachtet.-- Die Art, wie die BerufSgenosseuschafte» vorgehen, spiegelt sich auch wieder in der Statistik der Unfälle, die Bände spricht von dem Elend der Arbeiter und dem grauenhaften Unrecht, das die Unfallversicheruugs-Gesetzgebung und ihre Handhabung über sie ver- hängt, während den Unternehmern in wachsendem Matze Millionen- Profite daraus zufließen. Von Jahr zu Jahr ist die Zahl der Toten und Schwerverwundeten auf dem Schlachtfeloe der Industrie gewachsen. Die tödlichen Unfälle betrafen 1896 7101, 1897 7460. 1898 7984, 1899 8124, 1900 8567 Personen. Die Zahl der schweren Verletznugen betrug in runden Zahlen 1896 79 000, 1397 84 900, 1893 90 000, 1899 97000 und 1900 99087. sHört: hört! bei den Socialdemokraten.) 107 634 Tote und Schwcrvrrwnndete in einem Jahre! Welche ungeheure Armee, die auf dem Schlachtfelde der Industrie gefallen ist. Und von Jahr zu Jahr hat sich diese Ziffer erhöht. Im wesentlichen läßt sich die Erscheinung auf zwei Umstände zurückführen. Erstens darauf, daß je mehr Unfälle stattfinden, um so größer der Gewinn wird, der der Unternehmerschaft als solcher, nicht den ein- zelnen Unternehmern ans Grund der Unfallversichernngs-Gesetzgebung zufließt. Zweitens darauf, daß die Arbeiter nicht das Selbstbestini- mungsrecht haben, sondern das willenlose Werkzeug der Bcrufsgenosscn- schaftcn auch nach der UnfaNnovclle geblieben siiid. Vergleicht man die Leistungen der Unternehmerschaft auf Grund der Unfallversicherung mit den Leistungen, die sie aufzubringen hätte, wenn der alte Haftpflicht- gcdauke so weit gegangen wäre, daß sämtliche Unfälle zur Entschädigung führen würden, so läßt sich berechnen, daß die Unternehmerschaft bei dem jetzigen Znstand erspart hat im Jahre 1897 94 Millionen, im Jahre 1898 102 Millionen, 1899 112 Millionen und 1900 120 Millionen. Selbst wenn man annehmen wollte, daß die Gesetzgebung auf Grund des Haftpflichtgedankeus nicht so weit gegangen wäre, für alle Unfälle einzutreten, also auch für diejenigen, die ohne Schuld des Unter« nchmers eintreten, würde dieser Gewinn sich allerdings auf den vierten Teil vermindern, aber seine steigende Tendenz würde bestehen bleiben. Gegenüber der fortdauernden Behauptung, als ob die Unternehmer weiß was für Lcistnngen für die Arbeiter auf- bringen, während dieser Gewinn aus den Knochen und dem Blut der Arbeiter fließt, müssen wir prüfen, wie viel auf den einzelnen Arbeiter t h a t s ä ch l i ch k o ni m t. Im Durchschnitt der Jahre 1886— 1899 entfielen auf den cinzeliien Arbeiter pro Tag l»/io Pf., 1900 sogar nur 1,07 Pf. Ziehe ich die Ausgabe der Verwaltung ab, die selbstverständlich bei den f ii r st- lichen Gehältern für die Herren Ehren Vorsitzen den sehr hoch sind und 0,37 Pf. pro Tag und Arbeiter ini Durch- schnitt betragen, so bleiben etwa �/ro Pf. für den Tag übrig. DaS sind die maßlose n Lasten, die die Unfallversicherung den gewerblichen Unternehmern auferlegt hat. Für den landwirtschaftlichen Unternehmer beträgt die Belastung sogar nur-/i« Pf. pro Kopf und Tag! Im Unfallvcrsicherimgs-Gesctz liegt also keine Belastung für die Unternehiner, wohl aber ist seine Folge eine Vermehrung der Unfälle. ' Für die Ermittelung der Ursachen der Unfälle waren wir bisher auf die Statistik vom Jahre 1890 angewiesen. Die 1897 auf- gemachte Statistik ist jetzt endlich im vergangenen Sommer voll- ständig erschienen. Sie entspricht aber nicht entfernt den An- fordernngen, die man an eine objektive und auf Verhütimg von Unfällen abzielende Statistik stellen muß. Sie ist auf u n zuverlässiger Grundlage aufgebaut und tendenziös abgefaßt. Die Beamten des Reichs- BersichcrungsamteS und des Statistischen Amtes haben meine Erwartung, daß sie voronssctznngslos und ohne Rücksicht auf Unternehmer- Interessen den Ursachen der Unfälle nachforschen würden, bitter enttäuscht. Für die Beant- wortmig der Frage nach demjenigen, der den Unfall ver- fchnldel hat, hat man sich ganz auf die Auskünfte der Bcnifsgenossenfchaflen, also interessierter Kreise, verlassen. Die Berufsgeuosienschaften haben ein Interesse daran, die Wahrheit zu vertuschen und der Unwahrheit zum Recht zu verhelfen. Präsident Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter. Sie dürfen die Bernfsgcnosscnschaften hier nicht solcher Thaten beschuldigen. DaS verstößt gegen die Ordnung des Hauses. Abg. Stadthage»(fortfahrend): Es mußte doch auch dem NeichS-Bersicherungsamt klar sein, daß die Grundlagen, die es von den BernfSgcnossenschaftcn bekam, nicht zuverlässig sind. Nur so ist es zu verstehen, daß diese statistische Arbeit so lange gedauert hat. Man hat eben die Notwendigkeit einer Nackiprüfung eingesehen. Es sind aber zur Ermittelung der Ursachen der Unfälle weder Arbeitervertretnugen noch Getverbc-Juspektoren heran- gezogen worden. Die ganze Statistik ist durchzogen von dem Gedanken, dessen Durchführung der Centralverband der Industriellen so lebhaft wünscht: wie ist es möglich, die durch grobe Fahrlässigkeit herbeigeführten Unfälle von der VersicherungSpflicht auszuscheiden? Den Arbeitern soll kein wirklicher Schadensersatz, sondern höchstens ein kleines A l m o s e u gewährt werden. Dieser Wunsch der Industriellen ist zu meinem lebhaften Bedauern fast au§ jedem Blatt der Statistik herauszulesen. Einer solchen Arbeit kann man keinen w i f s e n s ch a f t l i ch c n Charakter zuerkennen. Ich bedauere, daß so viel Zeit und Mühe darauf verwandt worden ist. Trotz dieser tendenziösen Grundlage aber kann man aus der Statistik doch entnehmen, wie ungeheuer wenig Rücksicht auf Leben und Gesundheit der Arbeiter ge- n o in ni e n wir d. Die verschiedenen Rubriken der Unfallnrsachen änd in der Erfassung der eigentlichen Unfallsgründe total ungenügend. Iii einen! nationnlokononiischcn Seminar'würde eine solche Arbeit nicht bestehen könneii. Unter den 13 Klassen der UnfallSgründc finden sich z. B.„Un- geeignete Kleidung",„Schuld de? Arbeitgebers und Arbeitnehmers zugleich"„ u n v e rm e i d li ch e Betriebs gefahr" usiv. Wie darf man eine BetriebSgefahr„ n n V e r in e i d l i ch" nennen? Von den Berichten der Gcw'cibe-Jiispcktorcn scheinen die Verfasser der Statistik nie etwas gehört zu haben. In diesen spielt der Mangel an Schulung, die Einstellung ungelernter Arbeiter eine große Rolle. In dem Schema der Statistik aber fehlen diese wichtigen Unfallnrsachen ganz. Auch die iingcnügende Bekanutmachnng der Schntzvorjchriften, die im Reichstag schon so häufig vorgebracht ist, fehlt. Daß in Niederbayem und Ostclbien die Unfallstaiistik so zahl- reiche Unfälle aufweist, kann nickt überraschen; dort bestehen die jämmerlichsten Schnlvcrbältiiisse, und doch werden in ininier wachsendem Maße ungelernte Arbeiter eingestellt. Die ga nze V e r s ch u l d n n g s- theori'e der Statistik ist unhaltbar. Die große Zahl der Unfälle auf dem Lande beweist, daß dort die auch vom Kaiser gewünschten UnfaNvcrhütungs- Vorschriften nicht überall befolgt werden. Auch auf diesem Gebiete herrscht der Junker, wenn auch der Kaiser regiert. Die socialdemokratische Partei hat schon 1871 die Fordcrurg eines vollen Schadensersatzes für sämtliche Unfälle erhoben, die ein Arbeiter in einem Betriebe erleidet, sei eS mit oder ohne Ver- schulden, durch Fahrlässigkeit oder ohne Fahrlässigkeit des Arbeitgebers. Bebel wiederholte diese am 8. Mai 1871 erhobene Forderung dann im Jahre 1879. Statt einer Erfüllung derselben haben wir als Minimal- Abschlagszahlung die Unfallgesetzgebung bekommen. die in sich den Keim dazu trägt, daß von Jahr zu Jahr die Unfälle sich hänfen müssen. Jetzt kann die Regierung nicht niehr sagen: Warten Sic doch noch ein paar Jahre ab I Die Zahl der Verwundungen und Tötuiigeu hat in den letzten Jahren in grauenvoller Weise zngciioiiimcn, auf dem Schlnchtfelde der Industrie sind in einem einzige» Jabre über 7000 Menschen verwundet oder getötet l Wir müssen eine Ergänzung der Unfallgesetzgebung in dem Sinne fordern, daß statt der sogenannten Rente eine volle Ent- jchädigung der Unfälle gezahlt wird. Ferner müssen die Arbeiter teilnehmen an der Verwaltung der Unfallversicheruiigs- Körper. Ihr Leben, ihre Gesundheit, das Lebe» und Gedeihen ihrer Frauen und Kinder ist es, worüber entschieden wird, worüber oft durch so inhumane Leute entschieden wird, wie durch den Dr. Blasius. Die Rechnung können Sie nicht für unrichtig erklären, jemehr Uu- ■älle, desto größer die Profite, die dem Unternehmerluni zufließen. Die Arbeiterorganisationen miille» geschützt werden. damit den Arbeitern vernünftige Arbeitsbedingungen zugestanden werden. Die Unfallshäufigkeitstabelle zeigt auch, daß bessere Schulen imstande seinkönnten, den größten Teil derUnfälle zu beseitigen. Die meisten Unglücksfälle kommen in Ostelbien und Nieder- Bahern, den Distrikten mit den schlechten Schulen vor. Vor allem ist es nötig, um die grauenhafte Zahl der Unfälle zu vermindern, die acht- stündige Arbeitszeit einzuführen. Die Länge der Arbeitszeit und die damit verbundene Ermattung der Arbeiter trägt die Hauptschuld an den Unfällen. WaS wir Socialdemokraten feit Jahren verlangt haben, das wird durch die Thatsachen stets als richtig erwiesen, auch wenn die amtliche Statistik noch so tendenziös aufgestellt wird. Die Verschuldung der Arbeitgeber an den Unfällen hat von Jahr zu Jahr zugenommen und das Unternehnierluiii ist so stark geworden, das ihm gegenüber Gesetze nicht mehr zu helfen scheinen. Ich frage den Herrn Staatssekretär, ob der Präsident des Reichs- Versichernngsamtes wirklich so leidend ist, daß er die Gesetze gegen das Unternehmertum nicht mehr in Anwendung zu bringen vermag. Fälle, wie der des Dr. Blasius dürfen nicht mehr vorkömmen, das Leben und die Knochen der Ar- beiter sind keine Knrierobjekte; auf der andern Seite dürfen die Bernfsgenossenschasten Aerzte», die die Arbeiter niegesehen haben, nicht zu so riesigen Einnahmen verhelfen. Die Aerzte dürfen nicht degradiert werden zu Lakaien des Unternehmertums.(Bravo I links.) Staatssekretär Graf PosadowSky: Der Abg. Stadthagen hat hier den Fall Blasius zum Gegenstand einer ausführlichen Besprechung gemacht. Sie werden von mir nickt verlangen, daß ich über jede einzelne Rentenfestsetzuug hier Auskunft geben kann, ich kann nur erklären, daß ich das Reichs- Versicherungsanit wiederholt angewiesen habe, die Festsetzung der Renten' ni ch t schematisch, sondern unter gründlicher Vertiefung des Einzelfalles vorzunehmen. Wenn der Abg. Stadlhagen die Vertrauensärzte so heftig angegriffen hat, so möchte ich ihn darauf verweisen, daß nach dem Gesetz der Geschädigte verlangen kann, daß ein andrer Arzt gehört wird. Liegt der Fall Blasius so. wie ihn Herr Stadthagen vorgetragen hat, so bedaure ich das. Ich will mich genau informieren und von neuem das R e i ch s v e r s i ch e r u n g s a m t anweisen, nicht schematisch, sondern konkret zu entscheiden. Was die von Herrn Stadthagen gerügte Festsetzung der Entschädigungen für die Vorsitzenden der Berufsgenoffenschaften anlangt. fo bedaure ich, daß der Herr Äbgeorducte gegen de» Präsidenten des Reichs-Versicherungsamts so schwere Vorwürfe erhoben hat. Diese Vorwürfe sind' um so bedenklicher, als der Präsident des Reichs-VersichernngsaintS auch richterliche Funktionen hat. Grundsätzlich sollen die Vorsitzenden der Berufsgenoffenschaften »ur für ihre den Berufsgenossenschaften gewidmete Arbeit und Zeit schadlos gehalten werden. Natürlich ist oft die Festsetzung der Entschädigung nicht leicht und nach der besonderen Thätigkeit der betreffenden Vorsitzenden zu bemessen. Ich habe angeordnet, daß die früher gezahlten Ent- schädigungen nach Inkrafttreten der Novelle von neuem einer P r ü f n n g unterzogen werden.— Im Falle Braudtke ist dem Vor- sitzenden die für den Geschäftsführer bestimmte Wohnung ein« geräumt worden, weil dieser darauf verzichtet hat. Er bezieht eine Jahrescntlchädigung von 10 000 M. und das Reichsversicherungsamt hat entschieden, daß die Höhe dieser Summe gerechtfertigt erscheint. Herr Felisch hat der Berufsgenossenschaft die Räume in seinem Haus« zu einem durchaus nicht unangemessenen Preise vermietet, er bezieht weder mittelbar, noch unmittelbar ein Diensteinkoiniiien von der Bernfsgenosseuschaft; für Reisecntschädigung ze. hat er jährlich etwa 790 Mark bezogen. Die„Baugcwerks-Zeitung" ist sein Privateigentum, sie hat lauge vor Inkrafttreten deS Unfall- gcfctzeS schon bestanden und schon im Jahre 1883 4000 Abonnenten gehabt. Ich habe keinen Einfluß auf die Festsetzung der Entschädi- gnngen, ich muß mich also ganz auf den formalen Standpunkt stellen. Die Entschädiguiigen werden von der Berufsgenossenschaft vorgeschlagen. vom Reichs-Bersicherungsamt geprüft und bewilligt. eS ist keinerlei Einspruch dagegen erfolgt, ich kann nur sagen: Horns, locuta est.— Eine tendenziöse Aufmachung der Statistik liegt nicht vor. Die Un- fälle sind auf Grund polizeilicher Feststellungen aufgenommen; natürlich wird eine jede Statistik Mängel haben und vielleicht könneii einzelne dieser Mängel bei der nächsten Aufnahme der Statistik aus- gemerzt werden. Auf Antrag des Abg. Dr. O e r t e l(k.) werden die Verhand« lungcn hier abgebrochen. ' Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr(Marine-Etat). Schluß 6 Uhr. «• * Berichtigung. In dem Parlamentsbericht von der Montags- Sitzung des Reichstags ist ein Irrtum unterlaufen. In der Rede deS Herrn Antrick heißt eS: „Weiter hat Herr Straßmann behauptet, syphilitische Wärter gäbe es uickit in Moabit. Der Herr Decernent scheint gar nicht zu wissen, was draußen vorgeht. Ich stelle der Regierung eine ganze Reihe v o n W ä r t e rn zur Verfügung, die t h a t s ä ch I i ch S y p h i l i S k r a n k e waren. Dies ist irrig. Antrick stellte vielmehr im Gegensatz zu der Rede des Stadtrais Dr. Straßiiianii ausdrücklich fest, daß in Moabit ans der Station 21 zu seiner Zeit mehrere syphilitifchkranke Patienten gelegen haben. Zum Beweise hierfür wolle er die Namen der Patienten, d. h. nur die Anfangsbuchstaben, und die Zeit, in welcher sie dort gelegen, niittcilen.... ZDsrkei-Vach virtzken. Gcmeindcwahlc». Bei der Stichwahl in Zeitz wurde unser Kandidat mit 488 gegen 477 gegnerische Stimmen gewählt. Damit zieht der zweite Socialdemokrnt in das Zeitzer Stadtparlanient ein. Am 20. Februar ist noch eine Nachwahl, für die uuscre Genossen eine lebhafte Thätigkeit entfalten. Totrnlistc der Partei. In Hamburg starb im Alter von 72 Jahren der Schuhmacher Karl Offen. Er war, wie das „Hamburger Echo" in dem Nochruf für den Verstorbenen sagt, einer der Kämpen, die schon in der Sturmzeit 1848/49 tapfer für die De« mokratie eintraten und sich nicht, wie so manche, nach rechts mauserten, sondern lebhaften Geistes konsequent die Bahn verfolgten, die znni Socialismus führte. Den achtimdvierziger Demokraten brachte der Allgemeine deutsche Arbeiterverein auf den socialistischen Standpunkt. In der schwersten Zeit stand er stets auf dem gefahr- vollsten Posten, wodurch seine Existenz erheblich zu leiden hatte. Er ruhte und rastete auch nach 1890 nicht. Noch vor Jahresfrist brachte der mehr als siebzigjährige die Flugblätter von Haus zu Hans, bis man ihn wegen seiner allmählich eingetretenen Körperschwäche dispensierte. Möge er unsrer jüngeren Generation � stets in Pflichttreue vorbildlich sein. Bei allen, die ihn kannten, ist ihm ein treues Gedenken gesichert. Tie erste soeialistische kkonsumgenossenschast ist vor kurzem in Chicago gegründet worden. Mitglied kann jedennann werden durch Einzahlung von 20 M.; aber nur Mitglieder der socialistischen Partei gelten als aktive Mitglieder und nur sie haben AbstimmungS- recht.»/• deS UeberfchuffeS wird dem Agitationsfonds der focia- listischen Partei überwiefen,'/» wird als Reservefonds zurückgelegt, die übrigen-/« werden als Dividende verteilt. Glückt dieses Unter- nehmen, so sollen auch in andren Städten der Vereinigten Staaten solche gegründet werden. Pvlileilichr«. Gerichtliches nfw. — Durch Austragen der„Schleswig Holsteinischen BolkS- zeitung" während des Gottesdienstes soll ein Parteigenosse in Wilster eine Polizeivcrordnung verletzt haben. Er erhielt ein Strafmandat über 5 M., obwohl er nach dem Postgesetze zu seiner Handlung berechtigt war. Leider erhob er seinen Einspruch zu spät, so daß er sowohl vom Schöffengericht wie auch vom Berufungs- gericht abgewiesen wurde. — Zu 100 M. Geldstrafe wurde der Genosse Meerfeld in Köln, Ncdocteur der„Rheinischen Zeitung", verurteilt. Er soll die dortige Hafenverwoltung beleidigt haben durch die Behauptung, sie habe einen in ihrem Bereiche' vorgekommenen Diebstahl ver- tuschen»volle»._ Sociales. Der OrtSkranken?asse für das Bnchdruckgewerbe in Berlin droht abermals ein schlverer Schlag. Wiederholt mutzten, um den sich steigernden Anforderungen geniigen zu können, die Beiträge er- höht»verde». Die Ursachen hierzu liegen teils in»virtschafl'lichen, teils auch in Verhältnissen, die in der Zuführung der weiblichen und jugendlichen Angehörigen des Berufs zu suche» sind. Augenblicklich steht abermals eine erhebliche Steigennig der Bei- träge bevor, etlvn um ein Drittel der bisherigen Sätze. Während in der höchsten Klasse, für männliche Mitglieder über l'i Jahre, bis- her 75 Pf. insgesanlt pro Woche zu leiste»»varen, ist künftig etwa eine Mark in Aussicht genomnie» für die andern drei Klassen, bisher 36, 30, 24 Pf. Wochcnbeitrag, entsprechend obiger Steigerung. Aber nicht allein für die Leistungen der Mitglieder»nacht sich eine Steigerung unablveisbar, auch die Leistungen der Kasse mutzten redudcrt»verde»»; hauptsächlich das Sterbegeld erfuhr eine Minderung gegen die früheren Sätze. Fraglich bleibt auch, ob die Buchdrucker-Kasse hinfort die Kranken»>> t e r st ü tz n n g auf die bisherige Dauer eines ganzen Jahres»vird leisten können, oder ob sie nicht gleich anderen Kasse» auf gesetzlich zulässige kürzere Zeitabschnitte»vird herabgehen müssen. Was dieser alten und gut funktionierenden Kasse aber gerade jetzt noch zu cincin geivitz nicht unbedeutenden Schaden verhelfen »nutz, ist die Gründung' einer Betriebs- Kranken lasse der Firma A n g n st Scherl. Scherl beschäftigt ein in die Hunderte zählendes Personal, und wenn zivar auch aus seinem Betriebe ein erkleckliches Kranken- kontiugcnt zu verzeichne»»var, so ist der A b g a» g dieses großen Personals für die O r t s k a s s e ein schlverer Verlust in materieller Beziehung. Mit der Gründung seiner B e t r i e b s k a s s e setzt A n g u st Scherl nur fort,»vas er auf andren Gebieten: der Spedition, des Jnseratenmonopols je. eingeleitet hat; er vcrgrötzcrt sein Zeitungsrcich durch S e l b st ä n d i g m a ch u n g auch im Kassen- resp. Versicherungswesen. Wir müssen es uns leider versagen, ans dem uns vorliegenden Statutenentwurf der Scherlschen Betriebskasse alle be- sonders markante», von sonstigen Statuten abiveichenden Stelle» �u beleuchten. Wir veriveisen aber hauptsächlich darauf, datz Scherl »m Gegensatz zur Ortskasse höhere»vöchentlicheLcistnngen beim Krankengelde i» Aussicht stellt, andrerseits aber nur für 26 Wochen Kranken-Unterstützung sgegen 52 Wochen bei der Orts« lasse) gctvähren will. Als Beiträge sind 3 Proz. angesetzt; bei 6 M. wirklichem Arbeitsverdienst 18 Pf., dann steigend bei 24 M. ?2 Pf. Für diesen letzteren Satz soll es 16 M. wöchcnlich oder 2,67 M. täglich Krankengeld gebe»,»vährend die Ortskasse bei 75 Pf. augenblicklich nur 10,50 resp. 1,75 M. zahlt. Wie bei andren Zwangskassen ist der Arbeiter zun» Zlveidrittel-Bcitrag der Wochen- satze Hleichsalls verpflichtet, ein Drittel»vill Scherl zahlen.— Für diejenigen im Scherlschen Geschäft Beschäftigten, die s o n st noch Mitglieder der freien Hilfskassen sind und dort weniger als die Hälfte des ortsüblichen TagclohnS als Kranken« Unterstützung erhalten, tritt nach z»v c i>v ö ch i g e r Beschäftig» ngsdauer der Beitrittszivang ein. fir»um Beitritt berechtigte Personen kann eine ärztliche itersnchung vor Aufnahme verlangt»verde».— Kranken- aeld»vird erst vom dritten Tage an gezahlt, Aerzte und Apotheken sind vorgeschrieben, also Zivangsinstitutionen. — Anderweit Versicherte soll das Krankengeld so»vcit gekürzt Verden, datz sie nicht mehr als ihren durchschnittlichen Arbeits- verdienst erreichen. 20M. Ordnungsstrafe zahlt, wer eine lieber- verficherunq verschweigt. Bei durch T r n n k f ä l l i g k c i t ze. entstandener Krankheit soll nur die Hälfte des üblichen Satzes und auch nur bis zu 13 Wochen gelvährt»verde». Scherl»vill„aus freier Entschliebung". wie eS im Statut heitzt, seiner Kasse eine. a u tz e r o r d e n t l i ch e Z u Iv e» d u n g" don einigen Tausenden machen; nur die Zinsen kommen der Kasse zu gute, nicht etiva das Kapital. Wahrhaft grotzmütig hat sich der Berliner Zeitmrgsniatador hier »seinen" Arbeitern gegenüber gezeigt; schade nur, datz seine Millionen abwerfenden Aller»vcllsunternehmen nichts Besseres bieten, als»vas man einen.Taubenschlag" nennt, denn tägliche r Wechsel ist an der Tagesordnung l Dein wird die Betriebskasse kaum steuern! Tie Arbeitslosigkeit in München. Gelegentlich der Beratung des Haushalts- Etats der Stadt München für 1002 forderte der Gemeindebevollmächligte Genosse R a i t h die sofortige Schaffnng von lveilere» Notstandsarbeiten und begründete diese An- regung mit einer vom Ge>verkschafts- Sekretär I a c o b s c n in den Tagen vom 27. bis 29. Januar aufgenommenen Statistik über die Arbeitslosigkeit in München. Danach »vurden dem Gelverkschnftssekrctariat als arbeitslos geineldet: Metallarbeiter 2000. Schmiede 70, Kupferschmiede 10, Holz- arbeiter 500, Zinnnerer 700, Maurer 1500, Maler 600. Dach- deck« 24, Töpfer 155, Steinarbeiter 40, nichtgelverbliche Arbeiter 3000, Bäcker 350, Konditoren 70, Brauer 30, Müller 8, Buchdrucker 133, Handels- und Transportarbeiter 250, Chemigraphen 6, Litho- graphen 4, Graveure 15, Steindruckcr 30, Tapezierer 160, Tabak- arbeiter 20, Friseure 40, Handschuhmacher 8, Schuhmacher 120. Insgesamt 0877 Arbeitslose. Hierbei fehlen noch die Schneider mit einer sicher nicht geringen Zahl und circa 16 kleinere Hciverkschaften. Die vom Genossen Raith vorgetragenen Ziffern blieben bei den bürgerlichen Mitglieder»» nicht ohne Eindruck und der Vorstand des Gemeindciollegiums, Seyboth, erklärte, datz diese Ziffern denn doch zu denken gebe»».— Ein Trupp Arbeitsloser zog am Sonnabend unter Fühning eines Poliers vor das Rathaus und sandte«ine Deputation zu dem Bürgermeister Hofrat v. B a r s ch t. Dieser empfing zlvar die Depntatioi», verivieS sie aber schlietzlich an den Oberbaurat S ch w i e n i» g. Der Oberbaurat versprach der Deputation, sein möglichstes zu' ihun, um Arbeitsgelegenheit zu schaffe»,. Er rief auch sofort sämtliche Bauräte und Ingenieure zu einer Konferenz zusammen. Die Polizei sandte sofort mehrere Kriminalbeamte unter Führung eincS Polizeirats nach dein Marienplatz, zu thun gab eS aber nichts, da die Arbeitslosen in Ruhe und Ordnung, wie sie ge- kommen, wieder abzogen.— Die ArbcitSlosenzählnng in Fürth, zu deren Vornahme der Stadtmagistrat de» Geiverkschaften 200 M. beivilligt hatte, ergab folgendes Resultat: Insgesamt arbeitslos 1009 Personen, davon 833»näniiliche, 176 weibliche. Verheiratet sind 481, ledig 523 Personen. Die Zahl der Kinder der arbeitslosen Familienväter beträgt 624. Diese Zahl dürste sich jedoch»vesentlich erhöhen, da bei der vor« läufigen Sichtung des Materials zur Verineidung von Doppel- zählungeu, die Kinder der weiblichen Arbeitslosen nicht»nitgezählt »vurden. Mit verkürzter Arbeitszeit arbeiten 1605 Personen, davon 1401 männliche, 204»veibliche. An der Zählung beteiligten sich 280 freilvillige Zähler. Lohnfestsetznugc» bei Vergebung städtischer Arbeiten. Der Stratzbnrger Gemeinderat lehnte einen Antrag unserer Parteigenossen auf Festsetzung von Minimalstundenlöhnen bei städtischen Arbeiten ab. Dagegen beschlotz er: Bei Vergebung städtischer Arbeiten ist eine Vertragsbestimnnmg festzusetzen,»vonach der Unternehmer ver- pflichtet ist, jedem Arbeiter, den er Verlvendet, einen Lohn von min- destens 2,50 M. für den Tag zu bezahlen. Antzerdem soll dieser Lohn bei ungelernte» Arbeitern miudcsicns 27 Pf. sürdieArbeitsstnnde betragen, »vährend bei gelernten Arbeitern die von der städtischen Lob»- koimnisssion besonders festgesetzten Stundenlöhne zu berechnen sind. Der Bürgcrincistcr kann auf Antrag beider Teile im Einzelfalle, bei Vcrlvcudl'ing mindertvertigcr Arbeitskräfte, Ausnahmen gestatten. Die städtische Lohukommission»vird gebildet unter dem Vorsitze des Bürgermeisters aus je drei auf die Daner eines Jahres vom Gemeinderat zu»vählcnden Arbeitgebern und Arbeitnehinern. Stratz- bürg ist die erste deutsche Stadt,»vclche eine derartige Lohnbcstiinmung eingeführt hat. Einc offizielle Enquete über die Arbeitslosigkeit in den Niederlanden. Der Minister Küpper hat bekanntlich»nit Hilfe der Gcniei»devcr>valtungcn eine sich über das ganze Land erstreckende Erhebung über die herrschende Arbeitslosigkeit vornehmen lassen. Am Sonnabend gab er nun in der ersten Kammer einen vorläufigen Bericht über die allgemeinen Resultate der Untersuchungen und er- klärte:„In verschiedenen Genieinden ist keine Arbeitslosigkeit vor- Handel», in andren geringe, in einzelne» größere Arbeits- losigkeit. Es hat sich herausgestellt, datz in 104 Gemeinden der Provinz Limburg keine, in 18 geringe Arbeitslosigkeit herrscht; in Fricsland in 23 keine, in 14 geringe, in 6»virkliche Arbeitslosigkeit besteht; in Südholland in 152 Gemeinden keine, in 32 etlvas Arbeits- losigkeit(552 Personen umfassend) und»virkliche Arbeitslosigkeit in Rotterdam und Ooltgensplaat(über 100 Personen) besteht." In derselben summarische» Weise»vird noch über die Gemeinden von vier andren Provinzen berichtet,»vährend ans 3 Provinzen noch keine Resultate eingelaufen sind, und zum Schlntz heitzt eS dann:„Diese bis jetzt erhaltenen Resultate müssen befriedigend gc- nanut»verde», vor allem,»venn»vir den Blick auf Deutschland richten." — Man erkennt sehr leicht, datz diese Statistik äntzerst mangelhaft ist. Unter andern» ist auch keine Rücksicht auf das in der Textil- industrie herrschende Elend genominen ivordcn, Ivo die Fabriken einen oder mehrere Tage jede' Woche geschlossei» werden. Ans dcv Fvnttrttbr»veg»»ttg. Die Allmacht der Sittenpolizei. Uns»vird ein Fall auS Danzig bekannt, der»viederum zeigt, »velche Allmacht die Sittenpolizei ausübt,»vie auch anständige Frauen moralisch mitzhandelt»verde»» können nnd»vie schwer es ist, in solchen Fällen dem Rechte zur Anerkennung zu verhelfen. Ein Mädchen, da? in Danzig ein GcsindevermietungS- Bureau betreibt, erhält eines Tages eine Borladi»ng der Polizei �,zur Vcrnehninng". Sie folgte der Ladung. Auf dem Bureau augekonimen,»vird ihr kurz u»d bündig erklärt, sie sei an- gezeigt, geschlechiskrank zu sein und niüsse sofort mit zur Unter- suchung. Alles Protestieren und alles Bitten half nichts, sie»vurde am Arme gefaßt und in ei» Zimmer geführt, in den» bereit? eine Auzahl Prostituierter der Untersuchung harrten. Durch diese Behandlung eingeschüchtert, ivaj»te sie keinen Protest mehr mid duldete, als nach einiger Zeit die Reihe an sie kam, die Untersüchinig durch den Polizei-Ärzt. Die Untersuchung ergab natürlich die vollständige Grundlosigkeit der Denunziation. Trotzdem»vurde das Mädchen noch nicht ent- lassen, sondern nunmehr durch die Stadt zur Polizeidireklion transportiert. Dort»vurde sie üble,D-Ctr. Rindsleijch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefläsch» Kalbfleisch Hamiueisleisch Butter 60 S lllil Ikg per Ocholt 6- 1 60 1,40 1,70 1,80 I 60 2,60 5- 2,20 2,60 2 60 220 1,80 300 1,20 15— 4- 1,20 1- 130 1,- 1,— 2,— 2 80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1 40 0,80 3,- Brieskasten der Redaktion. Die jurisitsche Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme deö Sonunbends von 7»/: bis 9»/, Uhr abends statt. Meiuhold. Der Arbeiter kann deshalb nicht bestraft werden, weil für ihn nicht geklebt ist. Strasbar wird lediglich der Arvcitgeber. In Ihrem Fall liegt keine Bersichernugspflicht vor,»mm der Wirt lediglich mit Ihnen, iiicht mit Ihrer Frau eliieii Bertrag geschloffen hat. Hat der Wirt mit Ihrer Frau den Vertrag geschloffen, so liegt Klebcpflicht(Invaliden- versichcrung) vor, nicht aber Krankenverstäiernngspflicht,— Z. A. 75. 1—4. Ja. In allen 4 Fällen kann auch Bestrafung wegen Betrugs und Beihilfe dazu erfolgen.— P. V. 1.— 3. Ja. 4, In dieser Aeuherung kann eine Beleidigung erblickt werden. 5. Gesundheiisgefährliche Wohnungen können ohne Einhaltung einer.Kündigungsfrist verlassen werden. Zur Untersüchinig des Wohnungszustandcs ist das Polizeirevier zuständig.— Weift. Die von Ihnen geschilderte Art der Ausstellung der Wählerlisten wäre unrichlig.— W. Bt. 29. 1. Sie köimeu sich bcschiverdeführeud an den Regierungspräsident«» winden. 2 Ein solches Recht hat der Regicrungö- Präsident nicht. ES ist lediglich der Bürgerineistcr und die sonstigen Schuldige» für die Rvchiiichterrichtmig des Gcwerbegerichts persönlich hastbar. — ffi. P. 63. Die Ehescheidungsklage hätte Aussicht aus Erfolg. Ihr muh ein Sühiieverfahreu vor dem Amtsgericht vorausgehen.— H. 2>. 10. 1. Leider»ein. 2. bis 4. Wenden Sie sich schriftlich an die Armendirektion, Dannmirühicngcbäude.— 8. B. 50. Die der Firma erwachsenen Kosten kani» diese erstattet verlangen.— Schlvob. 1. Lediglich Sitte. 2. Nein. — M. Z. B. Nein, falls nicht i» Ihrem Vertrag— das pflegt der Fall zu sein— steht, das) Sie sich verpflichten, den Mietsstempel zu zahlen.— A. W. Ja.— T. 35. 1. Wird kein Ehevertrag aeschloffe», so tritt nicht Gütergemeinschaft, sondern Gütertrennung mit Verivalwngsgemeinschaft eü». 2. Es kann jederzeit ein Ehevertrag geschlossen werden, durch de» das Vcrwaltungs- und Niesjbrauchsrecht des Mannes ausgehoben oder sonstige Bereinbarinigen aeiroffen iverden. Der Ehevertrag ist gerichtlich oder notariell zu schließen und in das Güterrechtsregister einzutragen. Ein Bei- spiel sür einen Eheuertrag fiuden Sie S. 225 Nr. 22 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers.— G. 10. Uns nicht bekannt. Eeutralvcrb. deutscher Maurer. 7sbI»t«IIs Cdarlottondurg. Den Kollegen die traurige Nach- richt, daß an» Sonntag, den 2. Februar 1902, unser langjähriger Ber- bandSlollege Albert Bernsee nach langem Leiden im Alter von 5t Jabren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute(Mitt- wo») nachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des neuen Luisen-Kirch- Hofes aus statt. Um rege Beteiligung der Kollegen bittet Ter Borstand. Treffpunkt für die Kollegen ist bei «. Wille mittags Vzl Uhr. 136/19 Deutscher Metallarbeiter- Berband. Berwaltungsstelle Berlin. Nachruf! Ain Donnerstag, den 30, Januar, starb miser Mitglied, der Dreher P»»»! Vogt infolge eines Unfalls. Wir werden sein Andenken in Ehren halieu! Berlin, den 4. Februar 1902. 411/8 Die Ortsverwal,„ng. Danksagung. Für die innige Teilnabine und Kranzspende de» der Beerdigung meines lieben ManneS und Vaters Paul Heiike sagen»vir allen Freunden und Bekanntell, insbesondere Sein Wahlveiein des S. Berliner Rcichstags-Wahlkreifes und dem Holz- arbeiier-Berband unsren herzlichsten Dank. 340b Frau Heult o nebst Tochter. Cocialdtmokratischer Wahlvertilt Charlotteilburg. ' Am Sonntag, den 2. d. M. ver- starb nach langem Leiden unser Mit- glied, der Maurer und Gastwirt Ulbert Bernsee. Die Beerdigung findet am Mittwoch. den 5. d. M., nachinittagS 2 Uhr, von der Leichenhalle deS Neuen Luisen- Kirchhofs am Fürstenbrunner Weg auS statt. Treffpunkt bei Pasche, Potsdamerstrahe 44, um 1 Uhr. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 250b I»«i> Vorstund. Teilzahlung monatlich 10 M. liefert elegante Herren-Garderobe noch Mah, auch bar Kasse aNerbilligste Preise. Fort. Garderobe stets vorrätig. TiiriporowskUfÄrsRi Anzöge llch Mai; lue StMll"Kllllbtu Gröfite Auswahl in tu- und aus ländischen Stoffen für Paletot». Anzüge. Beinkleider-c. werden »»ter Garantie de« guten Sitzes überaus billigen Preisen ulellsteus angefertigt im Tuchgeschäst .3« Manie Waldein arstr. 66. Achtung! Zimmerer. Achtung! Central-Krankcn- und Sterbekaffc der Zimmerer. (Eingeschriebene HilfSkaffe Nr. 2 Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, den 7. Februar, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung im GewerkfchaftshanS(groffer Saal). Engel-ttfer 15. TageS- Ordnung: Abrechnung vom 4. Quartal 1901. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung. Wahl eines Kassierers für den 3. Bezirk. Wahl der Revisoren. Anträge zur Generalversamullung. 259/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borftand. I. A.: B. SchrBder. Verein abst Arbeiter nnd Arbeiterinnen Berlins. DonnerStag. den 6. d. M., abend» S Uhr: FUKtKUvÄvr- VersttHRmRiiiKK in den„Arminhalleu». Kommandantenftr. 30. Bortrog deS Herrn M- Schwan«je über:„Die Bivtsektion, eine Gefahr sür die Arbeiterklaffe." Diskussion. BereinSangelegenheiten. Gäste willkommen. 285/16 Zahlreichen Zuspruch erbittet_ Per Vorstand. Arbeltervertreter-Verein Berlin. DonnerStag, den 6. Februar, abends 81/, Uhr. im Gewerk- fchaftShauS, Saal«I, Engel-Ufer IS: V ensammlung' TageS-Ordnuug: 1. Jahresbericht für 1901 der Mitglieder d-S Borftande« und AuS- fchuffeS, aus dem Kreise der Berstcherten, der LandeSversicherungs- Anstalt Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, Haien Zutritt. 63/1 Per Vorstand Allgem. Kranken-«. Sterbe- lasse der Metallarveiter (E. H. 29 Hamburg.) Filiale Berlin 2. DonnerStag, den 6. Februar, abends Uhr, bei Möhrkng, Admiralstrafie Nr. 18 o: Mitglieder- V ersamnilnn g. TageS- Ordnung: 1. Die bevorstehende Generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Auf- stellung von Kandidaten für die Generalversaiilmkung. 4. Eventuelle An- träge an die gemeinsame Statuteiiberatungs-Kommilsio» der 4. bis 11. Wahl- abteilung. 5. Wahl der Beisitzer zum Central-Wahllomitee. Die Mitglieder werden bei der Wichtigkeit der Tagesordnung gebeten, zahlreich zu erscheinen. 1W7 Die OrtSverwaltung. E. Fahrenwtlck. Grosses Yereinszimmer mit Piano zu vergeben. 262b P- Dobberahn, Fruchtstr. 61. Patentanwalt Gammann. IMorltasplatz 57. Auskunft bi» abends nenn. s33b9L" vr. Simiuel, Priuenttr. 59. Specialarzt für 7/19* Kant- und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Rah-Tabak. Die Rcftbestände der Liquidation sollen einzeln billig verkaust werden. Undenslädl,«ÄH Zähne M 3 an beliebige Teilzahlung. Olga Jacobson, 145 Jnvalidenstr. Carl Heiblg, Htilisthilsc uaii Masseur für sämtliche Krankenkassen Berlins 11148*] und Umgegend. llsedomstr. 0. Eing. Wattstr. 19, I. Frauenleiden heilt mit gutem Erfolg« ,rau dgrundinann, prall. Natur- heilkundige, Letterin der Frauen-Heilanstalt, Köpeulckerstr. 78, Sprechst.: DienStagS und Freitags, nachm. 4—8. ffiit fccit Juftolt der Inserate übernimmt die Rcdatiio» dem Pnblikum gegenüber keinerlei Bcrniitlvortnng. Mittwoch, Februar. Opernhan?. Canum. Ansang 7'/- Uhr. SehansPiclhanS. Miß HvkbS. An- taug 7Vz Uhr. Nene? Opern- Theater(KroN>. Geschlossen. Schiller. Familte Fonrchambault. Anfang 8 Uhr. DcnischeS. Es lebe das Leben. An- fang 7>/z Uhr. Berliner. Tiinon.— Der Hahn.— Die Fahrt über den Sthx. An- fang 7»/. Uhr. Lessing. Das schwarze Schäflein. Anfang 7>/, Ubr. Residenz. Verliebt. Vorher: Im Frack. Anfang 7'/, Uhr. Nene?. Coralie u. Co. Anfang 7'/- Uhr. Wesle». Wiener Blut. Anfang 7V, Uhr. SeeessionSviihne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall«nd Ranch. Vorstellung vor Serenisstnms. Auf. 8i/, Uhr. Triaiion. Lebende Lieder. Kleine Spiele. Anfang 8 Uhr. Ventral. Kvette Gnilbert mit ihrer Gefellschaft. Montmartrs en Ballade. Anfang 7i/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Uhr. Lnisen. Der Walzerkönig. Anfang 7i/, Uhr. Varl Weih. DaS Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. Fried rich-WilhelmslildtifcheS. Die drei Wünsche. Anfang 7i/, Uhr. Bclle-Sllliance. Die Dame anS Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7i/, Uhr. Orpheus. Specialitiitcn-Vorstellnng. Aniang 8 Uhr. Vharivari-Brcttl. Täglich Vor- stellnng. Anfang 8 Uhr. Metropol.'ne seine Nummer. Spccialitäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr Apollo. Gastspiel des Central- Theaters. Das süsse Mädel. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Casino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor- stcllung. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialilälen-Vorstellnng. Die süssen Mädel. Auf. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang»achliiittags b Uhr. Passage> Paiioplitnin. Speciall- täten-Vorflellttng. ReichShaUen. Sietliner Sänger. Ansang 3 Uhr. Ilrani». Tnnbrnstr.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage a» der Nlviera. Im Hörsaal. Abends 8 Uhr: Dr. G. N a ss- Das Bier. Jnvalidenstrah« bT/üX. Täglich: Sternwarte. Schisltl'Thtllttl' (WaNner-Theaier). Mittwochabend 8 Uhr: Zum erstenmale: Familie Foiirchnmbnnlt. Schauspiel tn 5 Akten von E. Augier, ans dem Französischen übersetzt von R. Löwenfeld. Donnerstagabend 8 Uhr: Familie Fearedaaidaalt. Freitagabend 8 Uhr: Fianame menschen. Central- Wattt. Beginn der Vorstellung 7i/, Uhr: Mme. Yvette Guilbert mit ihrer Gesellschaft. Yvette Guilbept, Montaja, Legay, F. Villi, Mme. Dora Fragerolle, Clement-George. Poll de Carotte. Comidie en tm acte. Le Sphinx(Ombres). Morgen und folgende Tage: Gart- »plel Mme Yvette Guilbert. Sonnabendnachinittag 4 Uhr: Schneewittchen bei den 7 Zwergen. Sonntagnachuilttag 3 Uhr, halbe Preise: Der Seekadett._ Thalia-Theater. DreSdenerstrahe 7«/73. Mit vollständig neuer Ausstattung: Seine Kleine. Grosse Ansstattmigsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akte». Paula Worin a. G, Guido Thielscher, Helmerding, Juukerinami, Paulinüller. Gerda Walde, Boje, Wannovtns, Junker-Schatz. Ansang 71/, Uhr. lIpsnäa, rsudsn-Strssss 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingsfage an derRiviera Im Hörsaal um 8 Uhr: Dr.€>. Xass: Das Bier. Invaildenatr. 57/OV. I. Sternwarte. Castans Panopticn Frledrlch-Strasse 165. Neu I! Original Tiroler Sängergesellsch. d. Gebr. Wilhelm aus Insbruck."VC. Voranaseige! Mittwoch, d. 5., abends 8 Uhr, Konknrrenss-Knmpf zwischen dem Kraftturner Alex mej'cru, d, Alhleten Zimmermann Wlih. Piasch. Üfitropol-Ilißatfir Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig: neuer prachtvoller Ausstattung: '116.»M Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde; Frauchens Weihnachtstisch. Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. c arl Weiss-Theater. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, den B. Februar 1902, abends 8'/, Uhr: Vorstellmig vor Serenissimus Erlösung.— Famlllenldyll etc. Parkett 6, 4,50. 3, 2 Mk. Grosie Fraiiisnrtcrsir. ItiS. Anfang 8 Uhr. Das Jnngferitstift. Operette in 4 Akten nach einer Idee des Paul de Kack von Ecnest Guinot. Mustk von Jean Gilbert. Min., Michetti als Gast. Morgen: D„S Jungfer, istift. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Domröscben. Belle-AHiance- Theater. Die Am luis Trouvillt. Schwank m. Gesang n. Tanz i. 3 Akten. Emil Sondermann. Ferd. Worms Mizzi Birkner. Rosa Marion. - islj?,. Lebensbild in Hierauf:. i Akt. Carl Wallner als Gast. Anfang 7i/, Uhr. jtpoHo- Theater. Gafstsplcl des Ccntral-Tlieaters Das süsse Mädel. Operette in 3 Akten von Heinrich Beinhardt. Ferner: The Leaniy-Truppe ► Kivoll und Frau O'Nell n. Torp Arvida Svensson 4 Read« Trio. Anfang 7i/, Uhr._ Passage-Hieater. Die siebenjährige Lola Gray in dem Mimodrama: DcrBajfizzo nndscin Kind Sie? Lanzetta Er? !>»meii1uftkainpr ausgeführt von 12 jungen Damen. IC ersitkl. IVuinmcrn. Trianon- Thealer. Gsorgenstrasse, Ecke Unlversitktsstr Madonnenschaln. Lebende Lieder. Anf. 8 Uhr. Parkett 2 M. E. tob Wolzogens Buntes Theater(Ueberbrettl) KOpnlckerstr. OS. Dienstag, den 4. Februar 1902; Clna Abarbancll. Bosena Bradftky u. Oskar Straus. U. a.: Nora-Parodie. Brabms'sche Duette. Anfang 8 Uhr. Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. 2%. Direktion: Winkler u. FrBbel. DaS durchweg neue glänzende Eedruar-krogramm. Vi Kolossal Nummern. Uni 9 Uhr: Wiederauftreten des Dir. Wlih. Fröbel in der Aus- stattungs-Gesangsburleske Die süßen Mädel. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billet-Borverkauf v. 11—1 Uhr. Sonnabend, den 8. 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Ml* Btvisektiou k Wer sich über diese ruchloseste Graiisamkeit unsrer Zeit uiiterrichleii will, verlange die Flug- blätter des Wettbundes gegen Vivi- sektion, welche uuentgeltlich versendet iverdcn vom Tierschntzverei» Berti», Köiiiggrätzerftrasse 108. Daselbst können auch Resereilten für Vorträge tu Aibeiterverelnen über Vivilektion be- stellt werde». Hin gütigen Abdruck wird gebeten. 161b* Gold, Silber kauft Brunnen- strasse 137, Uhrniacherladen. 334b Rähinaschiuen laust Werner, Alexandrinenftrasse 55._ 7/19» e« JlMitte" mit Anschluß an die durch die Ritterstraße führenden Linien; von der Museumsstraße über den Lustgarten und die Schloßfreiheit nach dem Schloßplatz. Ter Berliner Westhafcn. Der Plan, in der Nähe der Jungfernheide und des neuen Virchow-Krankenhanses einen großen „Westhafen" zu erbauen, der für den westlichen Schiffahrts- verkehr ein dringendes Erfordenüs ist, ist fertiggestellt, und handelt es sich jetzt darum, das für die Hafenonlage benötigte Gelände zu erwerben. Die bezüglich zweier umfangreicher Grundstiicke eingeleiteten Erwerbsverhandlungen haben bei den übermäßig hohen Preis- forderungen der Besitzer bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Zum Milchkricg. In einer Milchhändler-Konfcrenz wurde mitgeteilt, daß nach§45 des Statuts der M i l ch- C e u tr a l e das erste Geschäftsjahr am 1. Oktober v. I. abgelaufen und nach § 32 die ordentliche Generalversammlung spätestens iuuer- halb vier Monate nach diesem Termin einzuberufen sei. In der letzteren mußte, wie üblich, die Bilanz vorgelegt und dem Vorstände und Anfstchlsrat Tech arge erteilt werden. Man sprach allgemein seine Verwunderung darüber auS, daß der letzte Termin, 31. Januar d. I., verstrichen sei, ohne daß auch nur eine An- kündigung der gesetzlich vorgeschriebenen Generalversammlung er- folgt sei. Ob die Schlüsse, welche man aus dieser Unterlassung zog, gerechtfertigt sind, dürfte die nächste Zukunft lehren. Zu dem Luftschiffer-Nngliick, über das«vir gestern berichteten, meldet man aus Antwerpen: Dienstag früh wurde die Leiche des Hauptmanns v. S i g s f e l d zur Ueberführung nach Deutsch- land in feierlichem Zuge nach dem Bahnhof gebracht. Eine Ab- teilnng der hiesigen Garnison, welche den Zug begleitete, gab Ehrensalven ab. Eine große Meiischenmenge säumte die Straße» ein. Tic Rcttuugsgerätc an den hiesigen öffentlichen Wasscrläufen sind im Jahre 190l in 41 Fällen zur Rettung Ertrinkender an- Sewcndet worden und zwar 38inal mit und dreimal ohne Erfolg.— nr Bergimg von im Wasser treibenden Leichen sind die Rettungs- geräte außerdem in 24 Fällen benutzt worden. Schlechte Geschäfte macht bekanntlich die preußische Lotterie- verivaltung, seitdem sie die Zahl der Lose um das doppelte ver- mehrt hat. Die leidige Thatsache, daß die preußischen Lose so schwer abzusetzen sind, ist niohl weniger einem Wachsen der Intelligenz in der Bevölkerung zuzuschreiben, als der Konkurrenz von auswärts, die trotz aller Verbote den preußischen Spieler zu verführen weiß. Wie gemeldet wird, soll sich auch die Geschäftslage für die neue, 207. Klasscnlotterie recht ungünstig gestalten. ES geht das schon daraus hervor, daß an dem gestrigen vorletzten Einlösungstage der Lose für die 2. Klasse noch nahezu die Hälfte des Bestandes bei den Kollektenren festlag: infolgedessen ist anznnchmcn, daß zahlreiche Spieler von einer Erncncrnng ihrer bisher geführten Ninnmern absehen. Den bedentendstcn Absatz fanden bisher noch die Zchntel-Anteile, die bei allen Kollektenren geräumt wurden. Die Nachfrage nach diesen kleinsten Teilen eines Loose? war so bedeutend, daß nicht allen An- forderungen Rechnung getragen werden konnte. Sollte bei solcher Abneigung gegen das Lotteriespiel gerade in den besser situierteu und daher noch staatserhaltend gesinnten Kreisen ein Appell an den Patriotismus nicht helfen? Aus der Untcrsuchuugshaft cutlassen wurde gestern, in Gemeinschaft mit seinem Vater, der unter dem Verdachte der Brand- ftiftiuig verhaftete Sohn des Bauunternehmers S. in Wilmersdorf. über dessen Verhaftung wir feiner Zeit berichteten. S. selbst beteuert nach ivie vor seine völlige Unschuld. Es haben sich jetzt mehrere durchaus einwandsfreie Zeugen gemeldet, die das Alibi des Ver- hafteten für de» ganzen Tag deS Brandes bestätigen. Die Ver- Haftung des Herrn S. erfolgte bekanntlich, weil das Feuer gerade wenige Minuten nach seiner Heimkehr ausgebrochen sein sollte und in der Nähe der Brandstelle Gegenstände aus dem Besitze der Familie S. gefunden wurden. Nun haben sich inzwischen verschiedene Zeugen genicldct, die schon vor der Rückkehr deS Bauunternehmers einen intensiven Brandgeruch ini Hanse bemerkt haben wollen. Auch das Auffinde» von Sachen der Familie S. auf der Brandstätte hat seine durchaus harmlose Aufklärung gefunden.— Zu der Angelegen- heit wird uns vom Rittmeister Müller in Wilmersdorf mitgeteilt, daß die dortige Fcuerivehr und nicht die Charlottenburger bei dem Brande wirksam eingegriffen habe. Ein antiscmitischer Rcdacteur. Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I stand gestern wiederum Termin in einer Strafsache wegen Beleidigung gegen den Redactenr der„Staatsbürger-Zeitung" Otto B ö ck I e r an. Als Sachverständiger war Prof. Dr. Strack, als Zeugen Polizeilienteiiant M u n d t und der Student der Theologie Z o t t in e i e r aus Leipzig zur Stelle. Der Angeklagte war wiederum nicht erschienen. Der Vorsitzende Landgerichts- direkt or Köll er stellte fest, daß aus einem vom Angeklagten eiu- gcgangeiicn Briefe hervorgehe, daß dieser die Vorladung zum Termin erhalten habe. Er beantrage darin, den Termin zu ver- tagen, da er sich zur Zeit und auf längere Dauer zur Herstellung seiner Gesundheit im Auslände befinde. Ein Brief des gleichen Inhalts sei auch bei einem früheren Tennin an das Gericht gelangt, merkwürdigerweise sei aber in beiden Fällen der Brief in Berlin aufgegeben, eS scheine also, daß der Angeklagte sich in Berlin aufhalte.— Staatsanwalt Schmidt beantragte bei dieser Sachlage die Ver- Haftung des Augeklagten, dem es offenbar auf eine Verschleppung m, komme. Am 8. d. Ms. stehe schon wieder eine Anklage wegen Beleidigung des Regierungspräsidenten von Gumbinncn gegen den Angeklagten an, dieser sei erst kürzlich Ivcgen Beleidigung eines Rechtsanwalts zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt tvordcn und so scheine es, daß er sich der Strafe entziehen wolle.— Der Gerichtshof beschloß, den Angeklagten zum nächsten Termin nur vorführen zu lassen. Von einer Verhaftung hat der Gerichtshof. wie der Vorsitzende hervorhob, aus dem Grunde noch abgesehen, weil bisher noch nicht festgestellt sei, ob sich der Angeklagte nicht noch im Jnlande befinde, was wahrscheinlich sei. Daö Gesundbeten wird, wie die„Rat.-Ztg." erfährt, auch im Victoria-Lyceum betrieben! Dort werden sowohl in eZn g l i s ch e r als auch in deutscher Sprache„Unterrichtskurse" abgehalten, jeden Freitag von 7—8 Uhr abends englisch, von 8 bis 9 ilhr abends deutsch, und jede» Sonntag von 10— 11 Uhr vormittags englisch, von 11—12 Uhr deutsch. Es sind drei Damen thätig: Frau Seal, eine Amerikanerin, und Frl. Brnuner, eine Deutsche, die den Unterricht leiten und selbst Gcbctsheilunge» vornehmen, sowie Frl. Leplow, eine Amerikanerin, welche„Assistentin" ist und die Uebersetziingen der Bücher der Mrs. Eddy sowie andrer Schriften aus dem Englischen besorgt. Diese drei Danieu unterhalten zwei «Kliniken", Liitzowplatz 3 und Lnitpoldstraße 26, die sich vor- züglich„rentieren" sollen. Aehnlich wie die BebandlungSsäle der Schwestern Schön, find auch hier die Räumlichkeiten luxuriös auS- gestattet. Die Amerikanerinnen erklären, daß die Strahlen des gött- lichcn Geiste», die sie den Kranken„zuleiten", nur dann wirken, wenn diese nicht nur physisch, sondern auch moralisch gesiindei! wollen. Wer nur geheilt werden ivolle, um wieder sündigen zu können, werde vergeblich die Hilfe des gölllichen Geistes anrufen. Bleibt der Erfolg also einmal aus, so sind nicht die„Heiler" daran schuld, sondern die„Sündhaftigkeit" deS Kranken. Wer sich bei den Amerikanerinnen der Heilung durch das Gesundbeten nnterziehen will, muß zunächst eine kleine Broschüre„Antworten auf Fragen über die christliche Wissenschnft" von Edtvard A. Kimball kaufen. DaS Heftchen kostet 50 Pf. � Ferner muß man eines der beiden Bücher der Mrs. Eddy kaufen. Das eine kostet vierzehn. das andre z w e i u n d z w a n z i g Mark. Nach der Versicherung der drei Damen genügt das Lesen deS Buches oft allein schon, um die Krankheit zu bannen. Der Absatz dieses Buches soll geradezu Wttirech, 5. Fedrmr 1902. ins ungemessene gehen. Das Honorar für eine einmalige„Zuleitung" göttlichen Geistes beträgt mindestens drei Mark und steigt init den Vermögensvcrhältiiisscu. Um die heiligen Strahlen andren vermitteln zu können, muß man angeblich ganz in dem Geiste Gottes aufgehen und an der Bostoner metaphysischen Universität den Doktorgrad(dmstiau scient) erlangen.— Frl. Schoen macht übrigens trotz der„Konkiirrenz" auch sehr gute Geschäfte. Sie hat, Ivie jetzt bekannt wird, in der Geisbcrgstraße noch eine zweite Bc- triebsstätte der Gesundbeterei eingerichtet. Wenn die Beobachtung nicht trügt, ist diese Betriebsstätte für die Begüterten be- stinnut, die sich an die Vertreterin der„metaphysischen Heilmethode" wenden. Das läßt sich aus den Kutschen schließen, in denen die Kranken mit ihrer Begleitung vorsprechen. Die„höhere Bildung" scheint demnach kein Mittel gegen Dummheit zu sein. Die Beaufsichtigung der Kranken in der königlichen' Augenklinik in der Zicgelstraste wird eigenartig beleuchtet durch einen Vorfall, der die Beteiligten in große Erregung und Betrübnis versetzt hat. Der Schneidermeister Julius Insel, ein 61 jähriger Manu, war vor einigen Wochen wegen eines schweren Angeuübcls von Radewege bei Brandenburg nach Berlin gekommen, um sich einer Operation zu unterziehen. Am 13. Januar wurde er in der Angenflinik in der Ziegelstraße aufgenommen. Seit dein 15. Januar, 5 Uhr früh, ist er nun spurlos verschwunden. Nieniaud weiß, wie er auS dem Institut während der Nachtzeit hernuSgekonimeu ist. Andre Patienten konnten nur sagen, daß Insel nicht geschlafen hatte, sondern ruhelos umhergewandert sei. Daß er' die Klinik zur fraglichen Zeit nach der Straße zu verlassen konnte, erscheint ausgeschlossen. Nun liegt das Gebäude der Augenklinik mit einer Seite' ziemlich dicht au der Spree. Die Verwandten Jnsels in Rixdorf nehmen an, daß der alte Herr, der infolge seines bedenklichen Angenübels und vielleicht auch aus Furcht vor operativen Eingriffen nach und nach in einen Zustand hochgradiger Erregung hineingeraten ist, die Räume nach der Wasserseite zu vor- lassen und sein Ende in der Spree gefunden hat. Möge nun diese Annahme zutreffen oder nicht, jedenfalls ist durch den Fall Insel dargelhan, daß die Bewachung der Kranken in der Augenklinik einer Verbesserung bedürftig ist. Drei Kinder sind gestern nachmittag vor dem Grundstück Frankfurter Chaussee 102 schwer verletzt worden. Die Kinder spielten auf dem Bllrgersteig. als plötzlich durch den Anprall eine» mit vier Pferden bespannten Wagens der alte Zaun umgeworfen wurde, der das zur Zeit ausgeschachtete Terrain notdürftig umfriedete. Wäh- rend ein Knabe schnell zur Seite sprang und sich rettete, wurden der Sohn des Straßenbahn- Schaffners Randler, der Sohn des Rcstauratcurs Meißner und der Sohn des Arbeiters Pegalla unter den Trümmern begraben und schwer verletzt. Die Polizei inhibierte das Weiterarbeiten auf dem Baugriindstück und leitete die Unter- suchung ein. Jetzt wird ein regelrechter Bauzaun gezogen. Warum ist dieser baupolizeilichen Vorschrift nicht früher genügt worden? Wiederum»verde» zwei schwere llnsällc auö dem Strastcu- bahn-Bctriebc gemeldet. Gestern vonnittag sprang das Dienst- mädchen Martha'K rü g e r ans Wilmersdorf, welches den Motor- wagen Nr. 8 der Linie Linkstraße— Huudekehle der Westlichen Vorort- bahn benutzt hatte, an der Ringbahnstraße in Schmargendorf trotz der Wnrmnig des Schaffners von dem in der Fahrt befindlichen Wagen ab. � Das Mädchen kam zu Fall und zwar so unglücklich, daß es eine Gehirnerschüttcrnng davontrug. Das Dienstmädchen wurde zunächst nach der Wohnung seiner Herrschaft gebracht und von dort dem Kreiskrankenhause zugeführt. Der zweite Unfall ereignete sich gestern Abend gegen �49 Uhr, in der Nencii Königstraße in der Nähe der Linienstraße. Dort versnchk dasDienstmädchenEmmaHaake etwa 50 Meter von derHaltestelle auf die'. Hinterplattforn» des einen Anhänger verschenen Motorwagens 1845) der Linie Spittclmartt— Weißcnsee zu steige»», glitt jedoch hierbei ab) und kam zu Falle. Die H. stürzte zwischen Motor- und Anhänge-, wagen, geriet unter die Vorderplattform des letzteren und wurde von der Schutzvorrichtung desselben erfaßt und niitgeschleift. Der Schaffner gab sofort das Notsignal und obwohl es dem Wngcu- sührer gelang, den Zug auf einer EntferiiuugZvon drei Metern zum Stehen zu bringen, hatte das Dienstmädchen doch schon schwere Ver- letzungen davongetragen. Auf der Unfallstation in der Keibelstraße wurde unter andren Verletzungen auch eine Gehirnerschütterung fest- gestellt, und mußte daher die H. nach dem Krankenhause Friedrichs- Hain gebracht werden. Wegen SittlichkeitSverbrechen an einein zwölfjährigen Mädchen ist der 41 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Oehnstramm aus der Bergstr. 11 verhaftet worden.— Wegen gleichen Vergehens ist der Milchhändler Klakow auS der Pintschstraße verhaftet worden. Von der Sirastenbahn totgefahren wurde gestern nachmittag der ungefähr 6 Jahre alte Sohn des Arbeiters Blochwitz. Der Un- fall ereignete sich vor dem Hause Skalitzerstr. 117. Der Knabe war, so unglücklich unter den Wagen geraten, daß ihm der Kopf vom Rumpf getrennt wurde, so daß der Tod sofort eintrat. Unter der falschen Vorspiegelung, die patentierten Gas» sparbrenner der Firma Osfenburg aus der Luckaucrstr. 3 zu vertreiben, haben zwei Männer in Berlin und den Vororten verschiedenen Per- soncii wertlose Brenner verkauft. Sie führen einen richtigen Spar- brenner vor und liefern ungeeignete Apparate. Obgleich der Betrug schon seit Monaten betrieben tvird und die Polizei in Kenntnis gesetzt. wurde, ist die Ergreifung der beiden Personen bisher nicht gelungen. NberinalS ist ein Kind verbrannt, das die Mutter ohne Aufsicht lassen mußte. Die Witwe Schanmkessel aus der Lübecker- straße 13 hatte ihre anderthalb Jahre alte Tochter Elisabeth der Aussicht des drei Jahre alten Bruders Otto anvertraut, während sie selbst die HauSreinigung besorgte. Als sie am Moutagvormittag um 10'/» Uhr nach kurzer Abwesenheit die Wohnung wieder betrat, stand eine Schürze, auf der die kleine Tochter gesessen hatte, in Flammen. Der Knabe hatte einem Schrank Streichhölzer cntnommen und damit die Schürze in Brand gesetzt. Obgleich die Mutter das Feuer gleich löschte, hatte das Kind an der rechten Körperseite doch so bedeutende Brandwniiden erlitten, daß es eine Stunde später im Krankenhaus Moabit starb. Wege» Brandstiftung verhaftet tvurde gestern die Grünkram- Händleriii Röhl, die den Plan, sich eine hohe Bersicheriiiigssimiine zu verschaffen, auf die geisttge Uiiziircchiiimgsfähigkeit ihres Mannes ausgebaut hatte. Die aus dem Ehemann, der Frau und sechs Kindern bestehende Familie wohnt Grünthalerstr. 58. Der Mann hatte im Jahre 1896 von einem Hcringshändler einen Schlag auf den Kopf erhalten und war dafür mit 1700 M. entschädigt worden. Am 12. v. M begab sich die Mutter mit den Kindern zu Bekannten, der Vater ging später auch fort. Kurz nachher brach Feuer ans und zerstörte die mit 1700 M. über den Wert versicherte Einrichtung. Die Versicherung einigte sich mit der Frau aus 687 M. und zahlte das Geld. Daun hatte aber Frau Röhl noch bei der Polizei angezeigt, daß ihr anläßlich des Brandes acht Hundertmarkscheine entwendet worden seien, die sie in einem Kleiderschrank versteckt gehalten habe, auch eine Beschreibung des niiitniaßlichen Thätcrs schriftlich gegeben Nun hatte sich Röhl, auf den die Beschreibung paßte, den Vollbart abnchiiicn lassen und war in das Lazoriis-KraiikenhaiiS gegangen, Ivo er sich noch befindet. Das war bei den angeblichen Erniittetniigen nach den Scheinen aufgefallen. Als Frau R. bei ihrer Wcrnehiniing gestern sich widersprach, auch 200 M. in Gold bei sich hatte, die nach ihrer falschen Angabe von einer armcii Frau Schulz. ihrer Schwester entliehen haben wollte, wurde sie in eine Einzelzelle abgeführt. Auf dein Wege dorthin bemerkte die sie begleitende Aufseherin, daß Frau R. etwas in den Mund zu schieben ver- fudjfe. Das wurde verhindert und ihr konnten S Hundertniartscheine aus der Hand genommen werden, die sie in den Unterrock eingenäht hatte und nun zu verschlucken versuchen wollte. Stuf Grund dieser überraschenden Wendung gestand sie nicht bloss ein, über den Dieb- stahl falsche Angaben gemacht, sondern auch den Brand angelegt zu haben in der Annahme, daß ihr die Absicht mit Hilfe ihres im- zurechnungsfähigen Mannes gelingen werde. Ein tödlicher UnglMSfnH am Trapez hat sich gestern nach nnttcin um 4 Uhr in dem Lokal»Zum Brocken" in Reinickendorf zu« getragen. Dorr übte zu der abendlichen Vorstellung der K3 Jahre alte Artist Hermann Schönvorn in Gegenwart seines Bruders am Trapez. Dabei that er einen Fehlgriff und stürzte in das darunter geipannte Fangnetz, anscheinend ohne sich zu beschädigen. Als er aber gleich darauf ans dem Netz steigen wollte, fiel er ohne Be- sinnung mit dem Rücken auf den Fussboden. Der Bruder brachte «hn in einer Droschke nach der Wohnung, wo er bereits gestorben war, als ein herbeigerufener Arzt eintraf. Die Freie photographische Vereinigung veranstaltet am Donnerstag, den 6. Februar im Hörsaal der„Urania", Taubenstr. 48/49, eine aubervrdentliche Sitzung, in welcher Herr Dr. R. Neuhauv über den gegenwärtigen Stand der Photographie in natürlichen Farben uirter Bezug nahmt aus die von ihn, gewonnenen neuesten Resultate der direkten Farben Photographie durch Körperfarben sprechen wird. Der Bortiag findet vor geladenen Gästen stait und wird am Freitag, den 7. Februar, im Hörsaal der»Urania" öffentlich wiederholt werden. Wenn daö Berliner Aquarium seine Aufgabe zu einem Teil barin steht, den Besuchern und Freunden der Natur fortgeletzt neue und merk- wurdiae Tier formen aus den verschiedenen Länder- und MeereSgebiete» vorzuführen, so zum andren Teil nicht minder darin, abionderliche und eigenartige Lebens erlcheinungen und Vorgänge aus dem Reich der Tiere den Beschauern zu bieten. Daß dabei in erster Linie die Fauna des W a s s e r s, vornehmlich der Meere, zur Geltrmg lomnit, wird ja schon durch die Bezeichnung des Instituts bewiesen. Für die weitaus meisten der Besucher ist das Studium der Gruppierungen und Gescdehniffe in den Klaffen der kaltblütigen und niederen Tierwell viel anziehender, als die Bc sichtigung von einzelnen, wenn auch neuen Tiersormeu. Derartige intcrcffante biologische Eigentümlichleiten lernen uns beispielsweise mehrere kürzlich angelangte Genuffenschafter auS den Abteilungen der Krebs-, Schwamm- und Blumentiere kennen. In dem einen Fall hat sich eine Art Seerose aus der Wohnung eines Krebses angesiedelt, um mit diesem ge- ineinsam aus dein Meeresgründe herumzukutswieren, in dem andren Falle hat sich auf dem Hause des KrebseS ei» roter Korlschwamm festgesetzt, der allerdings manchmal dem Inwohner die Aussicht versperrt. Apollo-Theatrr. Während des Gastspiels der Avette Guilbert ist das Ensemble des Central-Theaters samt seiner Wiener Operette vonr„Süßen M ä d e l>" in das Apollo-Theater übergesiedelt. Das Werk, dem die Gesangs- und Spiellunst des süßesten Ging mädelS Berlins der Mio Werber reiche Wirkungen schafft, fand auch an seiner neuen Stätte herzliche Aufnahme. Die Operette zeichnet sich vor andren immerhin dadurch aus, daß in ihr der Trikot- dekoratenr zurücktritt und MusikuS und Librettist die Vorhand be. houpten. Dennoch bleibt eS jammerschade, daß eine Natnr künstlerin ivie Mia Werber verdammt ist, ihre Gaden lediglich den musikalischen Trivialitäten und dem textliche» Blak„moderner" Operetteiimacherei zu opfern, die schließlich doch keinen höheren Eindruck hinterläßt als ein anspruchsvoll ans- gesponnener und deshalb unerquicklicher Clown-lllk. Sollte die künstle rische Spieloper keine süßen Mädels gebrauchen können, und eine Mia Werber rechtzeitig der Gefahr entrciße», sich selbst zu verlieren und bei der Dmstellmig dcS Sinnlosen und Gleichgültigen z» ver gröbern, an das sie jetzt so viele Knust und Seele Verschlvendet?— Die übrigen Darsteller und Darstellerinnen der Opcrelte lhate» ihr Möglichstes in heilerer Ausgelassenheit; die puffende Massense zeigte sogar anmutig-derben Humor.— � Der Operette gingen einige Specialitätennummern voraus. Die drei Virtnosinncn am himmelhohen Trapez leisteten in verwegener Kunst halLbrecherisch-zierlichste Vollendung. Fruerbertcht. Eine Explosiv», die glücklicherweise nur geringen Schaden verursachte, entstand DienStagnachmittag 4 Uhr in der chcmi- scheu Fabrik von Dr. H. Spatz». Co. in der Gitichinerstr. 106. Beim Kochen von Chemikalien fingen diese Feuer und explodierten. Dir Flammen waren jedoch bei Ankunft der Feuerivehr bereits erstickt. Personen wurden nicht verletzt. Montagnachmittag kurz nach 1 Ith» wurde die Wehr nach der Oranienstraße 147 gerufen, ivo in einem Keller Verpackungsmaterial in Brand geraten war. Kurz darauf hatten sich in der Droutheimerstr. 1b Kohlen entzündet. Der dadurch entstandene Brand konnte indes bald abgelöscht iverden. Abends S Uh> gerieten in der Nostizstr. bS in einer Wohnung Möbel, Werg und Kleidungsstücke in Brand, der jedoch noch»n Keime erstick! werden tonnte. Außerdem erfolgten gleichzeitig noch zwei Alarmiernngen nach Frankfurter Allee 73»nd per Pulvnferstr. 21. In beide» Fällen handelte es sich nur um niibedentende Anlässe. Infolge mehrfacher Meldung wurde» Diensiagabend 7 Uhr ein halb Dutzend Löschzüge»ach dem Hause Prinzessinuenstraße 24 aernsen, dessen Quergebäude in allen Stockiverke» mit Tischlereien besetzt ist Ans nicht ermittelte Weise ivar im Dachranm Feuer ausgekommen. das rasch um sich griff, sodaß die Wehr energisch vorgeben mußte. mn zu verhüten, daß eine Tischlerei erfaßt wurde. Nach halbstündigem Wassergeben konnte indes die Gefahr als beseitigt gelten, dort) zogen sich die AufräumniisiSarbeiten noch stundenlang hin. Ein Teil de» DachstnhlS wurde eingeäschert. In der Königstratze 47 fingen dann noch Papier und Lumpen Feuer, welches jedoch ebenfalls in kurzer Zeit erstickt werden konnte. Sln» den Viachbnrortei, Ter Schönrberger Stadtverordneten-Versammlung lag in khrer Sitzung am Montag folgende von unsren vier Veitreteru eingebrachte Erklärung vor:„Unterzeichnete protestieren aufs energischie gegen die Einsührnng des Herrn S ch l i n ck, da derselbe nicht ge- wählt laut Slädle-Ordnuiig. sondern von 25 Stimmen„ernannl" worden ist. Gegen diese» Beschlutz liegt Beschwerde beim Magistrai sowie beim Regierungspräsidenten vor. Es wird erwartet, daß von der Einführung Abstand genounnen wird, bis dem Gesetze Genüge gethan ist." Bekanntlich ivurde in der vorigen Sitzung die Wahl unsreS Genoffen D ä u m i g im vierten Bezirk, trotzdem er wnt über die absolute Stimmenmehrheit erhalten halte, für un- gültig erklärt und sodann die Wahl deS einzigen bi'iraer« lichcn Gegenkondidaten Schlnick proklamiert, der auch die Wahl in einem besonderenA» schreiben angenommen hat. Daß ein ganz besonderer„Mut" dazu gehört, ein auf diese Weise erhallenes Mandat anzunehmen, wird ivohl jeder verstehe». Der Herr Borsteher Müller konnte denn auch weiter nichts erkläre». als daß der Protest den Alien beigefügt werde. Fünf Minuten später ließ Herr Schliuck sich denn auch wieder„einführen". Der hiesige Gastwirteverein hatte um Aufhebung des Gemeindezuschlages zur Betriebs st euer und die Scbönebcrger Innungen um Abstandnahme von der Er- Hebung der Beiträge zur Berliner Handwerkskamnier petitioniert. Der darüber' eingesetzte Ausschuß empfahl, über die erstere zur Tagesordnung überzugehen, da das Gastwirts- gciverbe ganz gut 100 Proz. Zuschlag zur Betriebssteuer erlragen könne, besonders auch, da die Steuer eine Einnahme von 11000 M. mit sich bringe. Unsre Vertreter wandle» sich ganz entschieden gegen eine solche Sonderstencr. die das kleinere Gosiwirtsgeiverbe ganz besonders treffe; von den Nnchbarstädten Berlin und Charlotten« durg werde dieser Zuschlag aucd nicht erhoben. Man könnte den Ausfall durch stärfere Heranziehmig der großen Betriebe ans- gleichen. Schließlich wurde mit großer Mehrheit der AuSschnßantrag angenonimen, so daß also der Betriebs st euerzuschlag auch weiterhin erhoben wird. Ebenso erging eS der zweite» P etition, trotzdem unsre Genoffen dafür eintraten. daß in Anbetracht der mit der Erhebung der Beiträge verbundenen Unznträglichkeiten daS Umlageverfahren aufzuheben sei. Mit 26 Glimme» ivurde ein Antrag Erdmann ongeiiommen. diese Bei- träge zur Handwerkerkanimer von den Jnteresienten wie bisher einzuziehen. Die Versammlung bewilligte sodann»och 3700 M. zur Einrichtung des chemischen Laboratoriums in der Hohenzoklernschul« und«klärte die Wahl de» Venoffen Hoff m a n n in, 8. Bezirk, gegen welche ein Protest eingelaufen war. ohne Debatte für gültig. AuS der Gtadtverordneteu-Sitzung in Spandan. Zunächst Ivurde der Etat der Stadt-Sparkaffe auf 814 659 M. in Einnahme und Ausgabe festgestellt. Alsdann erstattete der Oberbürgermeister, der gesetzlichen Vorschrift gemäß, den VerwaltuiigSbericht, der nur sehr kurz ausfiel. Einen Hauptpunkt nahm darin die socialdemokrattsche Beschwerde an den RegiernngSpräsidenten ein, die wir bereits gestern erwähnten. Die Beratung des Hauptetats für 1902/03 füllte alsdann den ganzen übrigen Teil der Sitzung aus. Unsre Genosse» hatten dazu eine ganze Reihe von Anträgen eingebracht, die aber— wie es auch kaum anders sein kann— fast sämtlich keine Gnade vor den Augen dieser Mehrheit fanden. Welche gefährlichen Zwecke unsre Gcnoffen mit ihren Anträgen verfolgten, besagte schon allein der eine Antrag:„für alle zulünftig zur Neneinstellung kommenden städtischen Arbeiter den Betrag von 3 M. als Mindestlohn fest- zusetzen" l Grund genug zur Ablehnung. Nur mit dem Antrag: „Anstellung von Schulärzten" hatten unsre Genoffen insofern Glück, als er in namentlicher Abstimmung mit 18 gegen 17 Stimmen angenommen wurde. Ein weiterer Antrag „Anstelllnig eines KrankenhauS-JnspektorS" wurde einer gemischten Kommission überwiesen. Gegen die Stimmen unsrer Venoffen und einiger bürgerlichen Stadtväter wurde alsdann der Kommuiialsteuer- Zuschlag auf 185 Proz.(im Vorjahre 200 Proz.) und die neue Grundwertsteuer auf 3,66 pro Mille festgesetzt und der Haupt-Etat auf 2 336 140 M. in Ein- und Ausgabe festgestellt. Groß- Lichterfelde. Nach einer Mitteilung deS„Gemeinnützigen" sollte der Redacteur Dr. Klein infolge der Verhaftung des Rektors Hillger geflohen sein. Wie wir uns überzeugen konnten, beruht die sensationelle Meldung auf Unwahrheit. Etsenbahnimglück. AuS S P a n d a n wird vom Dienstag berichtet: Der heute früh 6 Uhr von Spandau nach dem Schlesischen Babnbof in Berlin abgehende Arbeiterzug überfuhr das 22 Jahre alle Mädchen Bertha Krüger, ivelche in der„Allgemeinen Elcktricitäts-Gesellschaft" zu Berlin beschäftigt war. Sie wollte trotz warnender Zurufe des Bahnpersonals i» den schon in Bewegung be- findlichen Zug steigen, fiel jedoch dabei und geriet unter die Räder, die ihr über Brust und Leib gingen. Der Tot trat auf der Stelle ein. Im großen Prozeß Fuhrmann und Genossen find gestern die Vcrhaiidluugen im kleinen Schwurgerichtssaale wieder aufgenommen worden. Die Sitzung wurde mit der eingehenderen Vernehmung derjenigen Personen ausgefüllt, die in einzelnen Fällen gestohlene Sachen angekauft und sich dadurch der Hehlerei schnldig gemachl habe». Dieser Teil der Verhandlung bot kein allgenieineS Jniercffe. Gegen den wegen gewohnbeitSmäßiger Hehlerei angeklagten Pfandleihcr Marcus Scheyer wird erst am Miitivoch verhandelt iverden. Guten Appetit! Im verflossenen Herbst kam die Wittwe Emma B u r ch a r d t auS dem Poiensche» nach Berlin und auf die vernünftige Idee, hier eine Speisewirtschaft einzurichten. Sie mietete in der Linienstraße ein ans zivei Räimien bestehendes Lokal. Wädrend der erste Raum als Aufenthalt für die Gäste bestimmt ivar. diente der hinlere Raum als Küche. Es gab in dem Lokal Bouillon in Tasse»»nid Kakao in Tellern, an festen Speise» allerlei Ragouts zu billigen Preisen. Wiederholt waren den, Reviervotstand Klagen zu Ohren gekomme», daß eS in der Speisewirtjchafl der Frau Burckardt nicht appetitlich zugebe. Am 28. November wurde eine Revision vorgenommen. Beim Ocffnen der Thür strömte den Beamten eine Luft entgegen, dir ihnen da« Atemholrn erschwerte. ES Ivurde noch schlimmer, als sie die soaeiumute„Küche" betraten. Zunächst sprang ihnen auS einer Hätte ein zottiger Hund entgegen. Auf dem Fenstersims saßen zwei lebende Gänse, welche die nniforiilierten Gäste mit fröblichem Geichnattcr begrüßten. Auf dem Tisch stand eine Schüssel mit einem sonderbaren Ge- richt. ES bestand auS Karpfenköpfen mit einer braunen Briibe Übergössen. Daneben lagen einige Stücke ausgekochtes Rindfleisch. Unter dem Tische stand ein mit trübem Wasser gefüllter Eimer, in welchem ein Hirschkopf lag. Sämtliche„Speisen" waren bereits in Fäulnis übergegangen und strömten einen argen Geruch ans. Die Speisewirlichast wurde geschloffen und die In- haberin erhielt eine Anklage wegen Vergehens gegen das Nahrung»- mittel-Gesetz. In, gestrigen Termin vor der 180. Abteilung des Schöffengerichts behauptete die Angeschuldigte, daß sie nur gute und geinnde Speisen vertäust habe. Die bei ihr beichlagnabmten Gegenstände seien allerdings verdorben gewese». sie habe die selben deshalb auch nicht zur menschlichen Nahrung verwerten wolle», sondem die Absicht gehabt, sie als Futter für ihre Hühner z» ver- wenden, die sie sich aus einem Stück Gartenland vor dem Tsiore gehalten habe. Hirsch« und Karpfenköpfe habe sie in der Marllhalle gelaust. Ein Zeuge bekundete, daß er einmal Hirschkopfragoiit bei der Anaellagten gegessen habe. Es habe einen süßlich- säuerlichen. angenehm pttanten Geschmack gehabt. Da keine Zeugen aufznfinde» gewesen sind, welche über die Speisen zu klagen hatlen und da die üiigaben der Angeklagten nicht zu widerlegen waren, so mußte ein reisprechendeS Urteil erfolgen. Zu der Frage der religtösen Erziehung unehelicher Kinder Hai das Kaumiergericht folgende in der„Deulschen Jiiristenzeilnng" veröfientlichte Enischeiduirg gefüllt: Von einer eva»gelisck>cii Mutter ivar außerehelich ein Knabe geboren, der in der evangelischen Kon- fcssion unterrichtet wurde. Später verheiratete sich die Mutier mit einem Katboliten und wurde katholisch. Seitdem hat sie ihren Sohn in den katholischen NeligioiiSunlelricht geschickt. Während das AmlS- aericht ans Antrag des Vormundes anordnete, daß der Knabe wieder m der evangelischen Konfeision weiter zu»nterrichten, beschloß daS Landgericht auf Beschwerde der Mutter, daß der Knabe katholisch z» unterrichten sei. Die hiergegen eingelegte Beichivcrde ist vom Kammer- gericht zurückgewiesen. Da nach Artikel 134 des EinfübrnngSgrietzeS zum Bürgerlichen Gesetzbuch die Voeschristen über die religiöse Er» ziehmig deS Kindes»»berührt geblieben sind, so sind im Gebiete deS Allgemeinen Landrechts nnebeliche Kinder vi» zur Volleiidnng deS 14.' Lebensjahres im GlanbenSbekemiIniffe der Mutter z» er- ziehen. ES fragt sich aber, ob das Gesetz daS Glanbensbekenntnis der Mutter zur Zeit der Geburt d«S KindcS im Auge hat, oder ob im Falle eines ReligionsivechielS der Mutter vor Vollendung des 14. Lebensjahres deS Kinde» dieses letztere in dem neuen Glaubens- bediirfnisie der Mutter zu erziehen ist. Während das Kammergericht sich früher für die erstere Alternative entschieden bat, ist es ini Jahre 1890 zu der entgegengesetzten Ansicht gelangt und an dieser wird auch jetzt festgeholten. Wie man Socialdemokrate» v»r Gericht bringt. Für unsre politischen Znsiände bezeichnend ist die Art und Weise, wie etwelche Berliner Mili täranwärter dazu kommen, sich durch unser Kasseler Parteiblatt, das sie bis dahin ivahr» scheinlich nie zu Gestchl bekommen haben, plötzlich beleidigt zu fühlen. Am 30. Januar wurde Genosse Thiel in Kassel, früherer Redacteur inisreS dortigen Parteiblatts, wegen PreßvergehenS anö seiner RedaktionStbStigkeit her zu sechs Wochen G e- f ä n g n i« verurteilt.' Es handelte sich dabei um ein Entrefilet. ivelche» im Oktober v. I. in einer Reihe von Partei-Organen ver- öffeiitlicht wurde und die Begehrlichkeit der Herren Militäraulvärter in Bezug auf die Bekleidung kommmu-ier Posten schilderte. Einem Kasseler Obertelegraphen-Asststenten war eS vorbehalien. i» dieser ganz allgemein gehaltenen Notiz eine Beleidigung seiner Person zu finden. Die aiigestrengte Privatklage wurde jedoch zurückgezogen und die Staatsanwaltschaft«rbob Anllage im öffenl- iiche» Interesse, al» sich dem genannten Kasseler Herrn auch noch eine Reihe— Berliner Militäraulvärter. darunter ein P o t iz e i rat a. D.. anschloffeii. die sich gleichfalls in ihrer Ehre gekränkt fühlten. Die Sache tvurde dem Schöffengericht überiviesen l und in der Verhandl ing nahm der Amtsanwalt Beziig auf einl bereit« vorliegendes verurteilendes Erkenntnis eines auswärtigen Ober-LandeSgerichtS in einem ähnlich liegenden Falle. Die Bevor- zugimg der Militäranwärter erfolge auf Grund eines gesetzgeberischen Aktes und da heiße es:„Hand davon!"' Zudem habe der Angeklagte, wie anS seine» Vorstrafen ersichtlich, geradezu die Manie, andreLeute zu verletzen. Er beantrage daher zwei Monate Gefängnis nebst Pnblikationsbefugnis für die beleidigien tcrren. Der Angeklagte verwahrte sich zunächst gegen die itterstellnng, er' litte an einer Beleidigungssucht. Er habe nur die Manie, volkstümlich zu schreiben' und könne auch in den inkriminierten Ausdrücken höchstens dann unter Umständen eine Beleidigung finden, wenn die Strafantrag stellenden Personen den in dem Artikel besonders herangezogeneu Stande der Nacht- Wächter. Anlagen-, Friedhofs- oder Mnienms-Aufseher angehörten. Das sei bei dem Ober-Telegraphen-Assistenten und Polizeirat a. D. aber nicht der Fall und die andren Herren anS Berlin hätten ihre Amtseigenschaft gar nicht angegeben, so daß man überhaupt nicht wissen könne, wer sie seien. Das Recht endlich, gesetzgeberische Akte zu kritisieren, sei ein ver- fassungsinäßig jedem Siaatsbnrger gewährleistetes und kein Gericht dürfte daran rütteln. Die herangezogene Entscheidung eines auswärtigen Ober-Landesgerichts dürfe aber das Gericht in keiner Weise beeinflussen, weil dieVerschiedenartigkeit derBegleituinstäude dies schon nichtzuließen. Er habe den Artikel anS einem andren Blatte übernommen und koii- statiere, daß derselbe allenthalben unbeanstandet geblieben. Zum Ueberfluß siehe ihm§ 193 zur Seite, denn durch das Vordrängen der Militärauwärter würden die Kommnnalarbeiter benachteiligt und fielen ihren Klaffengenossen zur Last oder machten ihnen Konkurrenz. Er be- antrage daher eine Freisprechung. Das Gericht erkannte, wie erwähnt, nach knrzerBeratungautsechs Wochen Gefängnis soivie Pnblikationsbefugnis für die beiden genannten Herren in einer Kasieler und einer Ber- lincr Zeitung. Die andren Antragsteller aus Berlin schieden aus. weil ihre Charakterbezeichnung fehle.— Bon wo die Berliner Antragsteller wohl Kenntnis von dem fraglichen Artikel erhalten haben mögen? Neber de» MilttärbefreimigS-Prozeß wird anS E l b e r f e l d vom Dienstag berichtet: In der heutigen Verhandlung erklärten die sachverständigen Aerzte, daß die zu den Losnngsscheinen der Angeklagten festgestellten Befunde zuträfen bezw. zutreffend ge- Wesen seien, so daß man auch zu keinem andren Urteil gelangt sein würde. Der Erste Staatsanwalt gab unter diesen Umständen die Erklärung ab. es sei unmöglich, den vom Reichsgericht ge- fordcrien Beweis zu erbringen. Auf die weitere Beweisaufnahme ivurde allerseiis verzichtet.' Zu Donnerstag sind noch weitere sechs Zeugen geladen, auf deren Vernehmung die Verteidigung besteht; e sollen über Dr. Schimmels Charakter und Verhalten aussagen. Wie der Erste Staatsanwalt noch weiter mitteilt, hält er bei Baumann und der Witwe Dieckhoff auch Betrug nicht für vorliegend. Vom TrcbcrtroeknungS-Prozeß in Kassel verdient die folgende Nachricht aus der DienStagssitzmig Beachtung: In der heutigen Nach« initiagssitzung begann das Verhör der Sachverständigen mit der Ber- nehniung des Koiikursverivaiters der Trebergesellschaft Justizrats Dr. Fries, Dieser erklärte, die Bücher der Gesellschaft seien völlig in Uu- ordnung gelvcsen. so daß sich eine Konknrs-Bilanz nicht aufstellen ließ. In der Masse hätten sich 2000 M. bar befunden. Der Konkurs- Verwalter der Leipziger Bank habe 500000 M. zur Fortsetzimg des Betriebes geliehen. Die Aklivmaffe betrage 2 Millionen und lö-no sich im günstigsten Fall noch um rie— 1 Million erhöhen. An bevorrechtigten Forderungen seien 327 256 M. angemeldet. Die Schulden der Trebergesellschaft betrügen ca. 163 Millionen Mark, davon kämen 70—80 Millionen auf das Conto der Leipziger B ,ne. Die Gesellschaft habe mit der Trebeitrocknung fortgefahren, obgleich mit den Apparaten so gut wie nichts verdient worden fei. Die Ber- hmidliiiig wurde um'/«S Uhr abgebrochen, nachdem die Vernehmung des Koillnrsvmvalters Fließ beendet war. Letzterer äußerte Sie Ansicht, daß das persönliche Erscheinen des Direktors Schmidt a» dem thatsächlichen Bilde nichts ändern werde. Eentralvrrbaud der Konditoren und verw, BerufSgenvssen. Heute, Mittwoch, den S. Februar, abends 8Vi Uhr, bei Bauer, Rofenthaler- strahe 57; Mitgliedervcrsammlnng. (srntralverdand der Handlungsgehilfen und Vehilfiuueu Teutschlands. Heute abend 9 Uhr in den Arminhallen, Kommandanten- strahe 20, VovUag des Reaactcur H. Ströbel über: Die letzte lttterartsche Rcvolutton. Gäste find willlounnen. Veiuttifitztes« BnS Ruh» ort wird berichtet: Bei den hiesigen Rheinischen Stahlwerken erlitten Montag sechs Personen am Hochofen schwere Brandwunden, denen der Meister Feller und der Arbeiter Barkowink bereits erlegen sind. Tturninachrichten. Schwere Stürme haben, wie schon ge- meldet, an der englischen und atlantischen Küste große Verheerungen angerichtet. Ueber das Unwetter sind uns folgende Telegramme aus dein Ausland zngcganflen: New U o r k. Der gestrige Stunn erreichte eine Geschwindlgkeit von 65 Meilen in der Stunde und ver- nrsachte einen sehr hohe» Seegang; es werden mehrere Stran- düngen und andre See-Unfälle gemeldet.— Montreal. Ein fillchibarer Schncrstiirni und Orkan wütet im Osten von Kanada. Jeder Verkehr auf den Straßen und mittels der Eisen- bahn ist unterbrochen, die Zufuhr von Lebensmitteln nach Montreal ist bedeutend eingeschriiiikt, da es den Fannern unmöglich ist, ihre Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Seit 24 Stunden geben keine Züge mehr; der Sturm ist der' stärkste, der seit vielen Jahren in Kanada erlebt ivurde.— Rani. Infolge von Schneefällen gingen bei Peveragno(Provinz Cuneo) Lawinen nieder, wodurch ein Hans niedergerissen ivurde und mehrere Menschen ver- nnglückten. Auch aus andern Teilen von Pieinont und auS Venetien iverden seit mehreren Tagen Schneestürme gemeldet. Scchö Personen ertrunken. AnS Groß-Wardein meldet der Telegraph: Vierzehn Baptisten ans dem Orte Feketetü wollten in einem Kahn über die KöröS nach einem am andren Ufer be- findlickien Beihans hinüberfahren. Der Kahn schlug hierbei um. Sechs Personen ertranken._ Eingcgnngeue Truchschiiften. »Südd. Postillon". Die Nr. 3(M, Ernst'S Verlag ln München) ist besonders reich illustriert. Im Titelblatt spielt der hochmütige Agrarier mit dem Sanalprojett: dagegen wird auf dem nächsten Vullbilde die ganze Nimmersatte Gippe durch Bebel gehörig verdroschen. Ein lnstigeS Jnter- mezzo ist der Bilbereyklus;„Wie einem Centrumspairioten warm wird". Aus der letzten Seite findet sich die Müncheniade„Der Stadtesel" in der wir ersahren, daß in München„aa na was ander? waxt alS Mahkrüag und Radi". Von den mehr als 25 textlichen Beiträgen wollen wir nur hervorheben: die Gedichte Der brave Büttel und Der Bettelpoet. Die reich ausgestattete Nummer kostet 10 Pf. Tie gegenwärtige Krisis. ihre Ursachen und die Aufgaben der Gesetz- gebung. Bon Dr. Rudolph Eberstadt. Berlin 1902.(k. HosfmanuS Verlag). PrelS 75 Pf.____ morgen» 8 Uhr. «vltirriiiigslibersichi vom 4. Februar IOOT, Bleurr-Progiiose für Mittwoch, den 5. Februar tU»S. .........- Ein wenig wärmer, verwiegend nebelig oder wolkig mit geringen Die, Sache wurde dem Schöffengericht überiviesen I Niederschlägen und schwacher Luftbewegung, .........-— 1 öetllne r ffletterbureau. Verantwortlicher Redacteur:«ort Leid in Berlin Für den Inseratenteil ,'erantwortlich: Tb.«lock- in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin