Nr. 35. Abomitmints-Krdtngongt»: Sbonnemenl»-Pr«i» pränum-rando: vierieljährl. 3L0 füll, monall. 1,103)»., wochixtltch 28 Pfg. frei ins Haus. Simelne Numm'�r S Pfg. Sonntags- Nummer mir«luNrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: I.lv Marl pro Mona«, Singetragen in der Post-Zeitung«- Breisltste für IVOS unter Nr. 7873. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Mark pro Mona». Srlcheiiil täglich«ulfer»»nl»g«. 19. Iichrg. fit Instrtions.«Myt ieirligt für die sechsgespaltene Knlonet- »eile oder deren Raum so Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersaminlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" jcdeS Wort S Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in derSxpedition abgegeben werden. Die Srpcdttion ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und FeftlaKen bis L Uhr vormittags geossnel. Vevlinev Volksblstk. Telegramm-Adresse» „chorlnldrmolirni Serlin" Cenwalorgan der socinldemokratischen Partei Deutschlands. Redalitwn: SW. 19, Venth-Strahe 2. yerusprecheri Sluit I, Nr. 1508. Dienstag, den 11. Februar 190�. Expedikion: sw. 19, Veullt-Skraste 3. Fernsprecher: Slmt l. Nr. 51S1. Ouikknng. Im Monat Jannar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Berlin,' Beiträge der Wahlkreise: 1. Kreis 200,—. Z.Kreis 300.—(dar. Dr. R. F. I. u. II. Quart. 02 50,—. G. B. Jahresbeitrag 6.20). 4. Kreis Südost 1000,—(darunter A. B. 23 30.— Katze, Skalitzerstr. 1,—). 5. Kreis 150,—(darunter R. K. 50,—). 6. Kreis Schönhauser Vorstadt 1250,—(dar. Beiträge vom Wahlvcrein Dezember 01 190,10, Billete vom Sommerfest 318,80, A. B. Mister 1,—). Berlin, diverse Beiträge: H. 100,—. Machetcs 5,—. Dr. L. A. 50,—. 91. K. 50,—. Bon den Arbeitern und Arbeiterinnen der Buchbinderei von M. Babing 20,—. M. B. 75.—. I. B. 25,—. Von den Arbeitern der Neuen Berliner Genosseiischafts- Bäckerei 23,—. Cigarrenfabrik R. Schulze, Fricdrichsfcldcrstr. 21, 7,—. Gesammelt von einigen Note» zu Presse!- durch K. S. 1,50. L. und H. B. 10,—. Die Contobncharbeiter vom Wcdding 5.—. Sp. C. SB. 10,—. A. B. 50,—. P. S. 50,—. Ne'stbestand des aufgelösten Bildungsvereins„Mehr Licht" 10,70. Von einigen in einer Spandmier Musterivcrkstatt erzogenen Heuchlern 4.'35. Zwei Mitglieder der Gewerkschaft der Buchdrucker im„Borw." 10,— Dr. R. in N.-D. 1,80. Von der verunglückten Gcwerbcsteucr-Nntcr ausschuhwahl 2,—. Für ein Referat Bebels bei de» Konditoren 10,—. Werkabteilung von M. Babing 25,—. Noter Bund v. C. N. u. Co., Alexandrinenstr. 27, 30.—. Drechsler und Schleifer der Guinmiwarcn-Fabrik C. Müller, Weißen see, 20.—. Namenlos. Marien- dorf, 26,87. Stereotypcnre des„Vorwärts" 15,—. Mitglieder der U.-Dr. 3,70. Ocffcntliche Versannnlnng der Tapezierer 5,85. Gesammelt im Gesangverein Tonblüte 3.65. L. R. 2,—. Barmstedt, St. i. B. 35,—. Brandenburg a. H., Wahlkreis Wcst- havclland 150,—. Breslau, socialdemokratischcr Verein 50,—. Bant- Wilhelmshafen, Partei beitrag 4. Quartal 1901 153,—. Bern 50.—. Bamberg,„Rot sticht" 25,—. Vreinerhaven, socialdemokratischcr Verein 100,—. Brüssel, durch P. Walkher 8,06. Barmen, auf einer Geburtstagsfeier bei Th. gesammelt durch Koch 2,60. Crimmitschau 150,—(darunter durch 81. C. von Ungenannt 10,—, von K. S.— ,50, v. Th. W. durch A. C. 3,—, durch K. von Garderobe- geld 3,—, durch E. M., Silvesterfeier— ,50, amerik. Slnkt. Silvesterfeier 7,—. Charlottenbnrg, vom Centralwahlverei» des Kreises Tcltow- Beeskow-Charlottenb.. Okt.— Dez. 300,—. Dresden. 4. sächsischen Wahlkreis 400,—. Duisburg, von Küfern, die am 1. Mai 1901 qe- arbeitet haben 3.90. Delitzsch. Wahlkreis Dcl.-Bitterfcld 50.—. Durlach, ges. auf der Silberhochzeit eines Veteranen der Partei 4,40. Dresden, Merkur 5,—. Estebrügge, Spießbürger Altcnland 6,—. Eisenach, von Genossen durch D. 10—. Eiscnach, durch C. P. 12.—. Falkenberg(Oberschl.) 2,50. Görlitz, Uebcrschnß der Singer-Ver- sammlung 100,—. Gelenau i. Erzgcb., durch C. R. vo»> N.-W.-Kalendcr 3.50. Gotha, von den Parteigenossen durch den Bcrtranensman» 30,—. Hanau-Gelnhausen-Orb. Wahlkreis 100,—. Hastedt bei Bremen, von Parteigenossen 10.—. Hcßler, von Genossen am Sylvester gesammelt 1,90. Hohenstein-Erustthal, Sylvesterüberschnß 5.—. Heßler. von Parteigenossen 5,—. Hüttensteinach, für die gute Sache, 1. Rate 10,—. Hagen i. W., Ungenannt, 3,-'. Hamburg. im Monat Januar in der Expedition des„Echo" ein- gegangen 107,40. Haßfurt a. M. L. R. 4,—: KarlSruhc-Mühlbnrg Wahlverein 10.—. Lengenfeld i. V., von Parteigenossen 3,—. Lindenau b. Schneeberg i. S., von Parteigcuosscu 1,35. Lahr i. B., ?lltvatcr 5,—. Langendiebach im Wahlkreis Hanau, von Partei- genossen 71,—. Magdeburg, von den Parteigenossen 500,—. Marburg a. L., von Parteigenossen 10,—. München, Wald- käufer 5,—. Nürnberg- Altdors, socialdemokratischer Verein 20,—. Nicderhätzlich, 6. sächsischer Reichstags- Wahlkreis 500,—. NeuhaldenSIeben-Wolmirstedt, Wahlkr. 50,—. Neu-Ruppin, Schulz 3,—. Oberstem a. N., Parteibeitrag, 4. Quart. 01 2,52. Offen- dach i. B., voi« den alten Offenburgern von einer nicht Hof- dämlichen Bcamtenfrau 25.—. Paris, vom deutschen social- demokr. Lcseklub 40,32. Rawitsch, Erlös einer amerikanischen Auktion 12,—. Rcichenbach i. V., W. K. durch F. M. 3,—. Ronsdorf, vom allgemeinen Arbeiterverein, 4. Quart. 25.—, Roter Maulwurf, 3. u. 4. Quart. Ol 3,—, Gen. E. W. 1,—, Sa. 29,—. Schwäbischer Zinsgroschcn 250,—. Sarau, durch den Vertrauens- mann 25,—. Salzmigen, 1. meining. Kreis 10,—. Solingen, durch den Krcisvertrauensmanu 25,—(darunter v. Volksverein Solingen 10,—). Vielau. Versteigerung einer roten Fahne 2,30.„Vorwärts" 4. Quartal 1901 16 065,15. Woltiitershansen, socialdemokratischcr Wahlvcrein 50,—. Württemberg 300,—. Weimar, vom 1. Weimar. Wahlkreis durch Beck 50.—. 3t/ U. Z. 2000,—. In der Quittung in Nr. 3 des„Vorwärts" vom 10. Jan. d. I., muß es unter Niederztvönitz nicht heißen 17., sondern 19. sächsischer RcichstagSivahlkreiS. Berlin, den 8. Februar 1902. Für den Parteivorstand: 81. G e r is ch, Kreuzbergstr. 30. Im Cirktts Busch. Wenn die Bedeutung einer politischen Demonstration— und als solche lvar die diesjährige Generalversammlung deS Bundes der Laudlvirte geplant— bloß von der Zahl der Teilnehmer bestimmt würde, dann hätteBerli» amMontag eine mächtige Demonstration gegen die Handelspolitik der Regierung aufzuweisen gehabt. Tansende und Llbertauscnde füllten die weiten Cirknsränme bis hoch hinauf auf die obersten Ränge, und wen» natürlich— wie sonst im Cirkus auch!— die Logen und Balkonreihen die Junker mit Kneifer und Glacshand- schuhen, in Cyliuder und Pelz, die Damen mit Lorgnette und OpcrnglaSlaufwiesen. im Parterre und den oberen Rängen drängte sich der mittlere Bauer, behäbig und kraftstrotzend, und da und dort vielleicht auch sogar der Proletarier der Scholle. Der blasierte Groß- grnudbcsitzer begrüßte seinen Nachbar mit den Worten:„Na. wollen Sie sich den Krempel auch anhören?" Der Kleinere nahm die Sache ernst, er glanbte auch an de» Ernst derer, die jahraus, jähr- ein der lauen, lahme» Regierung draußen den Krieg bis aufs Messer erklären! Ob er am Schlüsse nicht doch etwas enttäuscht war? Kein Rausch der Begcisternng, der ans den Massen zu den Rednern flutete und heiß und stürmisch in deren Worten wiederklang — resigniert, bedächtig und vorsichtig sprachen die Führer, kein Triumphton, und so war auch das Echo schwach I Und wenn auch da und dort der eine oder andre Redner eine» hellen Trompetcnton an- schlug, umsomehr fiel der Mangel an Kampflust bei den sonst so wortmutigen Bundesführern auf. Neben dieser Resignation gaben noch zwei Erscheinungen der diesjährigen Versammlung ihr charakteristisches Gepräge: ein bis zur Widerlichkeit getriebener Byzantinismus! Die Hahn, Nösicke, Oertel, Wangenheim trieften förmlich von Kniseo treue, sie gingen fönnlich mit ihrer loyalen Gesinnung hausieren— nur Liebcruiann von Sonnenbcrg verschmähte dieses Feigenblatt— und einer bis zur Lächerlichkeit angebotenen Bereitwilligkeit zum Karnpfe gegen die Socialdenrokratie! Die Herren vom Bunde der Laudlvirte scheinen also zn wissen, wie die flotten Kriegserklärungen der Rupprecht von Ransem e tutti quanti an gewisser Stelle verschnupft haben und von gewissen Leuten ausgenützt würden, und sie spckuliereir nunmehr durch das An- erbieten als Leibgardiste» gcgcir den Umsturz auf Wiedercrobernng des verlorenen Einflusses. Sie kennen wie ihre Widerparte so auch ihre Pappenheimer! Gegen 1 Uhr nahm die Versammlung ihren Anfang: der Land- tag hatte seine Sitzung überhaupt aufgehoben, ans dem 9keichstag waren die konservativen Abgeordneten teils als Mitglieder, teils als leibeigene Heloten des Bimdes der Landwirte anwesend! Neben den direkt Angestellten, wie Licbcrmann voir Sonnenbcrg, Hahn, 3lösicke. Wangenheini, Böckel, Lücke usw. waren auch Limburg- Stirnm. v. Heyl-Herrnsheim, Rechtsanwalt Diedrich, Amtsrichter Himburg, Kanitz u. a. anwesend, sogar Offiziere und Soldaten sah man und verhältnismäßig zahlreich auch Damen. In der Kaiser- Loge stand inmitten eines Lorbeer-ArrangeincntS die Kaiser-Büste. Die Begrüßungsrede hielt der BnndeSvorsttzendc R ö s i ck c; er hatte sie vorsichtigcrlveise gleich drucken und an die Prcßvertrcter verteilen lassen. Der Kampf ist dem Bunde der Landwirte aufgedrungen worden, Ivcil man die Interessen der Landwirtschast nicht genügend berücksichtigt habe; der Zolltarif ist verspätet eingebracht, so daß vielleicht die Neuordnung nicht rechtzeitig festgestellt werden kann. Ob und wie Iveit er dem Bedürfnis der Landlvirtschaft entspreche, das werde der Referent über die Zollfrage auseinandersetzen. Man höre, das Börsengcsetz solle verändert werden; das sei eine Verhöhnung der Landlvirtschaft; aber nian sei es schon gewöhnt, daß Gesetze, welche die Socialdemokratie, die Börse oder der Freisinn nicht wolle, entweder nicht durchgeführt oder nicht durchgesetzt würden, während Gesetze, Ivelche die Landlvirtschaft nicht «volle, unbarmherzig durchgeführt würden. Dann versetzte er dem toten Caprivi noch den übliche» Fußtritt, tadelte Hohenlohe wegen seines sainmctpfotenen Widerstandes und höhnte zum Schluß Miguel, der mit seiner„überlegenen Klugheit" den Bund beinahe lahmgelegt hätte. Den Grafen Bülow hätten sie selber bis zum Freitag nicht gekannt. Bei»« LiebcSmahl des LandwirtschaftSratcs haben auch sie erst sein Herz entdeckt. Nach ein paar Seitenhieben auf die„jetzt üblich geivordene?lrt", beim Mahle nach guten« Essen nnd gutem Weine Politik z« machen, gab er schwarze» Befürchtungen über das kalte Herz Bülows Ausdruck, forderte zur Einigkeit auf«md bot dann die Loyalität deS Baueriibnndes der Krone dar! Das ver- standen denn auch seine Mannen vortrefflich. Mit einem Schlage sprangen sie von ihren Sitzen auf, klopften die Hacken znsanlincn nnd stimmten stürmisch in das dreifache Hoch auf den Kaiser ein, lvie zu der Zeit, da sie noch auf dem Kaseriienhof standen! Während der Rede des BnndcSvorsitzcnden lvar der Beifall sehr mager! Nach ihm kam W a n g e» h e i m: Kanipf gegen die Social- dcmokratie«nid den Freisinn, die in gemeiner Verleumdung den Bund des ArotwnchcrgelüsteS verdächtigen. Der Feind der Land- Wirtschaft sei die zu einer Koalition vereinigte„radikale Linke". deren Kainpf in erster Linie gegen die Landwirtschaft und d i e L a n d w i r t e gerichtet sei. Denn die Socialdemokratie wisse, daß ihr Weizen erst blühe, wenn der Landlvirt ruiniert nnd von der Scholle vertrieben sei. Das sei, wie wen» ein Baun« vom Borken- nnd vom Rüsselkäfer benagt und von nuten»litdemSchivamm bedroht sei. Dann begab er sich aufs Gebiet der hohen Politik: Er wisse wohl, nicht alle staatserhaltenden Parteien seien auf ihrer Seite; sie geben sich auch keiner Illusion hin, unter den befreundeten Parteien seien nicht blos unsichere Kantonisten, sondern auch solche, ivelche ihnen in den Rücken fallen; vor den Wahle», ja, da hätten sie schöne Reden, in der Stlliide der Entscheidung aber mir«loch Rücksichten. 8lber wenn auch die Parteien unzuverlässig find, wir haben das Wort der verbündeten Regierungen. Freilich: Iver sind die verbündeten Regieningen. Einzelne Minister haben bei Festinahlen die weitgehendste Anerkennung für unsere Fordernngeil gehabt. Aber wenn sie h e e r d e n>v e i s e auftreten, dann n e n n t man sie Bundesrat(jubeln- der, tosender Beifall), dann aber sieht die Sache«neist anders aus, darum müssen«vir verlangen, daß den Worten bald T h a t e n folgen; es wäre traurig, wem« im Volke der Glaube aufkäme. daß man den Worten unsrer Minister nicht»nehr glauben könne! Aber wir haben ja noch«nsren 5iniser(der bekanntlich einst die Zumutung des Brotwuchers weit von sich gewiesen haben soll. D. R.) nnd eö wäre furchtbar, wenn jemals das Vertrauen in der Land- Wirtschaft aufhörte, daß nnser Kaiser seine Bauern nicht hören würde! Aber auch der H ö ch st g e st e l l t e ist nur ein Mensch! Und dunkle Kräfte sind thätig, eine dunkle Wolke zwischen de» Kaiser und seine Bauern zn schieben und die Verleumdung macht nicht mal am Filße des Thrones Halt. So iveit ist es schon gekommen, daß man uns sagt: Ihr Agrarier s e i d s ch l i», m e r als die Socialdemokraten!(Lebhafte Pfuirufe!) Es ist schlver, dies Thema zu berühre», aber es wäre Pflichtverletzung, hier Ihnen und unscrm a l l e rg n ä d i g st e n Herrn ---genüber nicht offen nnsre Meinung auszusprechen. W o der Kampf enden wird, das weiß nur unser großer Lllliierter im H i in m cl, auf ihn wollen wir fest vertranen. Auf ihn und auf unsre Einigkeit! Folgen wir alle unsrer alten Parole: Treu nnsrenr Gott, treu unsrem Kaiser und treu uns selber!" Nun folgte Hahn(mit Beifall begrüßt) lind gab den Geschäfts- bericht; ein Kassenbericht w u r d e n i ch t e r st a t t e t. Man mußte sich mit der Versicherung begnügen, daß alle rückständigen Zahler aus der Mitgliederliste gestrichen seien und daß mir dreiviertel Prozent der Beiträge geschuldet werden. Der Bund der Laudlvirte sei kein I n n k e r b» n d. 87 Proz., d. h. 217 000 Mitglieder seien Kleinbanenr, 31 500— 12V2 Proz. vertreten den mittleren Besitz und nur 1500— 1/2 Proz. seien Großgrundbesitzer. 115 000 lvohnen östlich, 135 000 aber westlich der Elbe. (Herr Hahn verschwieg nur, daß das V8 Proz. Junker nnd Junker- genossen das Kommando in« Bunde der Landwirte führen!) 18 000 Mitglieder seien neu gelvonne», 2700 Ver- sanimlungen abgehalten worden, und wenn bei den Wnnderrednern auch ab und zu eine kleine Entgleisimg vorgekommen sei, so habe das nichts zu sagen I 8luch bei den Wahlen habe der Bund der Landwirte große Erfolge gehabt: bei den b a d i s ch e n Landtags wählen seien 11, bei den sächsischen 13 Bundes- angchörige gewählt lvorden.(Vom verlorenen Wahlkreis Grinmlen-GreifSivalde und von Döbeln- Roßwein schwieg Herr Dr. Hahn!) Er empfahl noch die VersichernngSgesellschaften. mit denen der Bund der Laudlvirte Geschäfte»«achte nnd besonders die neu angelegte Centralkasse deS Bundes, ivelche Sparciiilagcn der Mitglieder mit 4 Proz. verzinse und gegen alle Krache gesichert sei! Alle diese Mitteilungen ließ die Cirkns-Versanmllung ruhig und teilnahmslos über sich ergehen. Erst alS der Hahn aufs Podium stieg mid über den Zolltarif krähte,«kam Leben in die Bude". Mit der Selbstbewundernng und Sclbststcherheit, die diesen jüngste» Direktor des Bundes auszeichnet, bearbeitete er nach einem dem Fürsten Bismarck nachgebildeten„ w i s s e n s ch a f t 1 i ch e n S y stem e" die Zollfrage. Ruhig und kühl«volle er auf VülowS Rede antworten, den» Ruhe und Kühle liegen in unsrem Interesse. Die alten Handelsverträge haben der Industrie nicht den erhofften Absatz gebracht und vor 8lllem ist die B I ü t e d e r I n d u st r i e nicht den Handelsverträgen geschuldet; diese sei der technischen Entlvicklnng geschuldet,„der engen Verbindung zwischen Technik«md Wissenschaft", vor alle»« aber den Militär-«lud Marine-Vorlagen und den zahlreichen K l e i» b a h n- B a u t e n über das ganze Land. Ei» IvahreS Glück sei es, daß sie die K a n a l v o r l a g e abgelehnt hätten, sonst wäre der Krach und jetzt die Arbeitslosigkeit noch schlüiliner geworden.(tzlllgemeines Bravo!) Es galt jetzt einfach. den I n l a n d s in a r k t festznhaltel« oder zu erobern! Das sei lvichtiger alS der ganze Absatz ins Ausland I Diese große nationale Idee habe schon Bismarck vertreten. Nicht langfristige Handelsverträge feien die Hauptsache, sonder» die Rücksicht auf den Jnlandsniarkt. Schon heute lasse sich die Zeit voraussehen, daß der Absatz der Jndustrieprodukte nach den« Aus- land aufhöre: in der Eisen- und T e x t i l- Jndrlstrie sei er schon heute zu Ende! Daher seien Zölle zum Schutz des Inlands- Marktes nötig; dazu Minimaltarif für alle Positionen der landlvirt- schastlichen Prodiiklioi«, daher müssen sowohl im Plenum als in der Kommissioii B e r a t u n g e>««md Verhandlungen gepflogen«verde». Eine neue«virtschaftliche Blüte sei für die Industrie so bald nicht zu erwarten, darum Schutz für den Inlandsmarkt. Damit müsse man rechnen und sich ii« diesem Bestrebe» von Reichskanzler Grafen Bülow nicht erschüttern lassen. (Bravo!) Dieser habe die Landwirte lvie unartige Kinder behandelt und ihnen gesagt, sie«nüßten vernünftig«verde««,«nit sich reden lassen. Aber die Rücksicht auf das nationale Interesse zivinge. auf die Regierungsvorlage n ich teil« zu gehe». Dafür müsse man unter Umständen auch ein g e>v i s s e s O d i n n« auf sich n e h m e n. eine Erneuerung der Handelsverträge auf jetziger Basis bringe auch für die Landlvirtschaft die Gefahr der Erhöhung n d n st r i e l l e r Löhne, lvciterer Abzug der Arbeitskräfte nach der Stadt. Schwere Verantwortung laste auf den Männern des Bundes der Laudlvirte; aber- Deutschland>v e r d e auf die mit Fingern weisen, die nicht genug Nerven nnd Mut be- säßen! Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen; dann lverden die Regierungen es sich nochmals überlegen, und schließlich den Ver- trete»» des Volkes nochmals Gelegenheit geben, vor dem Volke selber ihre Anschauungen zu vertreten. Keine Renregelung, die für uns aber- mals 12 Jahre des Unglücks herbeiführen. Diese Ausführungen trafen den Ton der Versammlung und wurden mit tosendem Beifall begrüßt! Der Provinzial-Vorsitzende des Bundes der Landwirte in West- falc», LandtagS-Abgeordneter S ü m m e r m a«in- Schleda referierte dann über die Zolltarif-Vorlage unter den üblichen Llnsfällen auf die Socialdemokraten, die nur Unzufriedenheit säen wollten. Schon während seiner Rede fingen sich die Reihen an zu lichten. Er schloß mit der Llufforderuug. den Abgeordneten den Rücken zu stärken, kei n ehalbe Arbeit zu leisten und auf Gott zu v e r- trauen— trotz Bebel, der mit den« lieben Gott nichts zu thun haben»volle. Bock- Groß- Bretz(Mecklenburg) referierte auf der geistigen Höhe eines Leitartikels der„Staatsbürger- Zeitung" und fast mit den» gleichen Sachverständnis über die Börsensteuer- Reform. Neu lvar in seinen Ansführnngen nur, daß Droschkenkutscher, Dienstmädchen, Hausdiener ec. auf der Produktenbörse ihre Ersparnisse anlegen und daß, iveil diese von jetzt von der Börse lvegbleiben itlüfle», die Börscnleute eine Aeiiderung des Gesetzes er- strebten. Beifall iand der Redner, während dessen Ansfiihruugen sich as Haus leerte, nur, lvenii er ab und zu ein paar Schimpfereien auf die Juden und die von ihnen snbventionieete» Socialdemokraten loslieh und dein Handelsminister Möller als BörsenfrcuNd Imitierte. Ihm folgte als erster Diskussionsredner„Se. Excellenz Herr Graf Limbnrg-Stirum Als Prophet, als Parlamentarier, als Konservativer, der die Bestrebung des Bundes unterstützt, wolle er reden. Die Situation ist jetzt güngiger als vor zehn Jahren, wenn auch n i ch l so günstig, wie»vir e S wünschen. Vor zehn Jahren »vnrde die Landivirtschaft der Industrie aufgeopfert. Heule nähert sich der Reichskanzler den Traditio ne»» des Fürsten Bisnrarck, und für nsich besteht kein'Zlveifel. daß»vir h e u t e rn»s keinen bessere»» Reichskanzler»vün scheu könne n.(Bereiirzeltes Bravo l) Erhebliche» Schivicrigkeiten »verde»»»vir im Parlament und bei den Regierungen begegiren, trotz- dem»Verden»vir bei großer Energie mehr erreichen können, als »insre Gegner heute zugestehen. Aber allein können»vir im Parlament nichts durchsetzen,»vir müssen u» s n» i t d e n» C e n t r u m und dem agrarfrenndlichen Teil der N a t i 0 n a l I i b e r al e n der- ständige»«: darauf müssen»vir nnsre Arbeit und unser Streben richten. Wir müssen auch der Regierung Gelegenheit geben, sich mit uns zu v e r st ä n d i g e n. Dann»Verden»vir auch dem Ausland mit»»ehr Kraft entgegentreten und günstigere Bedingunge» abringen können. Aber»vir können dem Tarif nur dann z u st i in n, e n,»venn er für uns eine »vefentlich bessere Situation bringt als bisher, sonst ist es besser, ihn abzulehnen. Aber ein Glück ist solche Ablehnnng nicht. Ein gutes Zeiche» für den guten Willen der Staats- regiernng wäre jedenfalls die Kündigung der Handels- Verträge. Damit zeigte sie. daß sie der Landlvirtschaft nützen und bessere Handelsverträge abschließen»vill. Sehr schivacher und sehr vereinzelter Beifall dankte diesem kalten Wasserstrahl des von Caprivi kaltgestellten Diplomaten, lind um de» Eindruck dieser P r o g r a n» m r e d e für die künftige Haltung der Konservativen abzuschlvache»», nah»»» der Bruides- Vorsitzende für Westpreutzeu Herr v. Oldenburg das Wort: Sein oder Nichtsein sei die Frage,»ver da glaubt, daß die Erklärung der „Norddeutschen Allgenieinen" auf uns Eindruck macht, der hat die Sitnatio» noch innner nicht erfaßt. Wir kämpfen mit dem Mut der Verziveiflung k Aber innner„auf vaterländischem Boden"— niemals lassen»vir an der Schlagfertigkeit des Reiches oder an dem Recht der Krone rühren. Noch ist es Zeit, aber der Zeiger rückt lmigsam auf die letzte Stunde. Gott schütze Kaiser und Reich! Seine mit drohenden» Pathos vorgetragene Phrase» fanden rauschendm Beifall; ebenso die Ausführungen Rings, daß die Unterstützung der Bundesmitglieder für den so schmählich notleidenden Milch-Ring anflehte,»nid schließlich bat, die Mitglieder »nöchten doch das MIkch-Melasse-Futter der Centrale abnehmen, die täglich 100 000 Liter Milch zu verarbeiten habe. Nach Rings Abtreten forderte der Cirkus das Aisilreten Liebermann v. SonnenbergS, so»vie man abends den LieblingSklown Daniels ruft. Statt seiner trat ein kleiner Ansiedler Schindler ans Posen auf, der mit»nehr guten» Willen als Können für die Interesse»» des Bundes sich ereiferte, Verdoppelung des Jahresbeitrages pro 1903 für den Wahlfonds forderte und ein paar Witze gegen die Juden losließ und so für die Stimmung sorgte, die am FastuachtS-Montag im CirknS Busch nach den stundenlangen Rede» der Hahn, Wangenheim zc. ihr Recht verlangte. Jetzt folgte endlich auch L i e b e r in a n» von Sonnen- berg, von tosendem Beifall begrüßt; aber er enttäuschte allgemein. Von ihm erwartete man Späße oder doch Schiioddrigkeitc»», und er tvurde pathetisch und brachte ein Hoch auf die d entfchen Frauen aus. Zwei Redner ans dem Rheinland brachten Grüße von dort und wiederholten längst und oft Gesagtes, so daß der CirknS sich lang- sinn leerte; auch sie schlugen in die Kerbe gegen die Socialdeinokratie, die ohne den Bund der Landtvirte längst Einzug bei den Klein- banern gehalten hätte; ein Pfälzer Bauer räsoiinierte auf Juden und Nationalliberale und der Rcichstags-Abgeordnete Lücke verkündete, er»volle ein Testament des Fürsten B i s n» a r ck zur Kenntnis der Bersammlung bringen. Und das Testament, das spannungsvoll erivartet»viirde, bestand in der Mit- teilung, daß ihm Fürst Bismarck eiu paar anerkennende Worte über den Bund geschrieben habe. Und ein zivcites Schreiben zur Zeit der hohen Lebensmittelpreise, ivorin Bisinarck es offen ausgesprochen habe:„Diese Leute sdie Socialdemokraten und Freisinnigen, die damals Snspendierung der Zölle gefordert hatten) haben keine laiid- wirtschaftliche Ueberzeugnng; die Socialdemokraten e r str e b e»» be- Ivlißt der Rull» der Landivirtschaft, und die Freisinnigen mibeivußt." Was natürlich allgemeinen Beifall fand. Als letzter Redner tauchte Herr O e r t e l auf, diesmal aber in fchtvarzer Weste! In seiner selbstgefälligen sächselnden Mmiier verteidigte er sich gegen den Borivnrf der Mittelstands- demagogie, erklärte den Begriff der HeimatSpolitik, räsoiinierte auf die ProfcssoreniveiSheit. donnerte gegen die Freizügigkeit, deren„Austvtichse"cr beseitigt»visscn»vill, schimpfte gegen die Kor- respondenz eines mährischen Judenv e i» b u r g I D. R.), der ihnen den Vorlvurf der berufsmäßigen Agitationshetzer gemacht habe, und versicherte am Schlüsse mit allem ihm zu Gebote stehenden Pathos den König die Königstreue der Bündler. Wenn früher unbedachte Worte dem Munde einzelner Heißsporne entfahren seien(„Wir müffen alle Socialdemokraten»verde«" oder„Wir müssen de» König als niisren Gegner ansehen"), so möge man das endlich vergessen. Wir alle decken den Thron mit unsren Leiber»! Und selbst iveiin dieser Kampf für uns sieglos endet,»nit einer Niederlage für den Bund, dann rufen»vir»vie im alten Roin die sterbenden Gladiatoren den» Kaiser zu: Morituri ts valutant! Und»vir sind es auch, die im letzten Entscheidnngskanipf di» Socialdemokraten bekämpfen müssen. Die von der Börse thui» es nicht, deren Füße taugen nicht dazu.(Tosender Beifall.) Aber bei aller KönigStreue müssen»vir auch für»iiisre Ziele kämpfen, ein Feigling, wer zurückbleibt. Unser Herrgott hat mit dem deutschen Volk«och viel vor! Er kann dieS aber nur vollführen,»veiti» die Landlvirtschaft lebensfähig er- halten»vird. Damit»var die Debatte erschöpft. Alle Anträge»tnd Resolutionen erklärte der Vorsitzende ohne Abstimmnng für einstiinnrig angenommen. Die Resolution zum Zolltarif lautet: Die Generalversamnilung des BnudeS der Landlvirte erklärt: „Die Landivirtschaft alS solche hat kein Interesse an langfristigen Handelsverträge»», ist aber bereit, an dem Znstande- koinnien' solcher»nitzinvirken im Interesse der heimischen I» d u st r i e. Sie kann das nur,»venn ihr in de», neuen Zoll- tarif dasjenige Maß des Schutzes gelvährt»vird, dessen sie neben einer blübeiiden Industrie und gegenüber dem billiger produ- zierenden Auslände bedarf. Die Generalversammlung stimmt den»virtschaftlicheu An- schauungen zu,»velche in der Eingabe des Bundes der Landlvirte a» de» Bundesrat und Reichstag von» L3. November 1901 nieder- gelegt sind. Die Vorlage der verbündeten Regier»»igen ist für die deutsche Landivirtschaft nicht a n» e h n» b a r(Bravo I); sollte cS nicht gelinge»», derselben in den Beratungen des Reichstages eine Gestalt zu geben,»velche den berechtigten Forderungen der deutschen Landivirtschaft entspricht, so erlvartet der Bund der Landwirte die Ablehnung derselben."_ Es folgte noch die Verlesung von Zustimmungsdepeschei», darunter Mch von Schöiicrer-Wien und von dein nach Amerika zu Studien- zlvecken abgedampften und noch vorher desabonierten Herrn v. Lo°. dann die obligaten Hochs auf Vorstand nslv.»md nach 5 llhr»vard die Generalversammlung von Rösicke mit dem Wunsch geschlossei», dix Mitglieder möchten abends die Cirkus- Vorstellung des Direktors Busch recht zahlreich besuche»». lind ruhig, nüchtern, enttäuscht gingen die Tausende von der Heerschau weg. Das»var keine KampfeSstimmung, kein Sieges- bclvnßtseiu— so ergebnislos fast»vie die Sammlung für die zahl- reich hcrnmgereichten Sammelbüchsen für den Wahl- fonds des Bundes der Landwirte»var die Debatte ge- »vesei». Graf Biiloiv braucht vor dem Bunde nicht mehr zu zittern, »venu auch draußen noch Fanfaren angestimmt werden, im Parlament »vird verhandelt ui»d gehandelt werde»». Ktaltkiftsze VeLievfilszk. B orkin. den 10. Februar. Der Reichstag erledigte am Montag einen Gesctzentlvurf über die Kontrolle des Reichshaushalts. Dabei»vurde die Vermutung des Abg. Dr. Müller- Saga», daß ein besonderer Rechnungshof für Deutschland geplant sei— jetzt erledigt der preußische Ober- Rechnungshof diese Revisionsarbeitei»— vom Bundesratstisch als irrtümlich bezeichnet. Ein Gesetz, das die mißbräuchliche Benutzung des Genfer Roten Kreuzes zu geschäftlichen Zwecken verbieten soll, wurde nach kurzer Debatte au eine Kommission vertvieseu. Daun wurde die zweite Lesung des I u st i z e t a t s fort- gesetzt. Die Diskussion betvegte sich in demselben Rahinen, »vie am Sonnabend,»»»»r zum Schluß trug Stadthagen einige neue Momente herbei. Herr Schräder von der freisinnigen Vereinigung verteidigte zunächst seinen Duell- antrag, der,»vie er hofft, noch in dieser Session zur Verhandlung komme»» wird. Er will die Standessitte des Duells beseitigen und die Duellfexe dadurch abschrecken, daß ihnen das Recht, ein öffentliches Amt zu bekleiden, aberkannt »verde»» kat»n. Der Zentrumsjurist R o e r c n trat warin für die Ent- schädigung unschuldig Verhafteter und für die Einführung der bedingten Verurteilui»g ein. Herr Nieberding setzte sich auf seinen alten Amtsschimmel und lehnte diese kleinen Fortschritte als vorläufig iiicht durchführbar ab. Unter ihm »vird das Reichs-Jnstizamt mit den Vorarbeiten nicht»nehr fertig, und sind diese»virklich eininal beendet, dann ist iminer noch der Bundesrat da, der wieder Jahre zur Durchberatuiig braucht. Auch in Sachen der landes- väterlichen Prügeleien»vird nicht geschehen. Herr Nieder- ding fühlt sich berufen, die Rechte cines einzel- staatlichen Landesfürsten auf die Kehrseiten seiner kleinen Niiterthanen warm zu verteidigen. Er braucht dazu dieses Prügelrecht llur Beg»»adig»lng zu nennen. Gegen diese»vundervolle Arislegung der deutschen Sprache protestierte der freisiimige Amtsrichter Bargmann und bedauerte gleichzeitig die fragmentarischen Fortschritte in der Justizr'eforin. Als dringend notwendig forderte er die Bc- seitigung des fliegende» Gerichtsstandes llnd der mißbrauch- lichen Anwendung des Groben Unfug- Paragraphen auf die Presse. Als Verteidiger des Duells»vagte sich Herr v. Kardorff hervor,»nährend Herr B a f f e r m a n n es»veiiigstens ver- schänit in Schutz nahm, indem er sich gegen die Verschärfung der Strafen für Duellanten erklärte. S t a d t h a g e>» legte in einigen poiiNierteu Sätzen ilusre Stelllii,g zum Duell klar. Er machte weiter auf die socialen Gründe für die Zunahme der Kriminalität iin jugend- lichen Alter aufmerksam und besprach dann den Fall Bredenbeck. Hierbei traf ihn, als er das Verhalten des Preu- ßischen Miilisters des Innern kritisierte, ein Ordnungsruf. Unser Redner verlangte dann weiter die Beseitigung des An- klagenionopols der StaatsaiNvaltschaften und brachte einige Fälle von Klassenjustiz zur Sprache. Besonders wirksan»»var seine Gegenüberstellung des drakonischen Urteils im Kösliner Landfriedensbrnchprozesse und der überaus milden Behaud- lung einiger Söh»ichen„angesehener" Zwickauer Familien, die einen Schutzmann gemeinschaftlich»nißhandelt hatten. Zrim Schluß trug der Redner den �fall Wasewitz vor und kritisierte scharf die Versuche, Angestellte der Druckerei des „Vorwärts" i» den« Ermittlungsverfahren, das gegen den verantwortlichen Redacteur schioebt, zu Aussagen zu zwingen. In seiner Antwort wandte der Staatssekretär das alte Verfahren an, sich über die socialdemokratische Manier zu beklagen, ihm»rieht vorher anzuzeigen, welche Fälle zur Sprache gebracht werden würden. Ja liest denn der Herr Staatssekretär nicht die Presse, ist ihm nur bekannt,»vas in seinen Akten steht? Mit der» unglücklichen Versuch eines sächsischen Geheim» rats, das Urteil im Zlvickauer Prozeß zu rechtfertigen, schloß die Debatte, die morgen fortgesetzt werden soll.— Auch eine„Wohnungsdebatte". DaS Abgeordnetenhaus beriet am Montag vor leeren Bänken— die»»leisten Mitglieder wohnten der Vorstellung im Cirkus Busch bei— in ei'ster Lesung de» Gesetzentwurf betreffend die U rn l e g u n g von Grundstücken in Frankfurt a. M., die sogenannte lex Adickes. Nach diese»»» Gesetz soll auf Antrag des Magistrats oder durch Beschluß der Mehrheit der Eigentüiner der unlzulegendeu Grundstücke die Uiillegung von Grundstücken verschiedener Eigentüiner zwecks Erschließung von Baugelände sowie zur Herbeiführung einer zweekniäßigen Gestaltung von Baugrundstücken erfolgen können. Das Gesetz hat vorläufig nur für Frankfurt Anlvendnng, soll aber durch königliche Verordnung auch auf andre Geineinden der Monarchie, sofern sie es bcantragen, sin»»- gemäß ausgedehnt»verde» können. Die lex A dickes ist ein alter Bekannter. Das Herren- haus hat eine ähnliche Vorlage bereits 1892 und 1901 angenommen, sie keim aber»in Abgeordneteilhause i>»folgo des Sessionsschlusses beide Male nicht zur Verabschiedung. Auch die jetzige Vorlage hat bereits die Zustiminiiiig des Herren- Hauses gefunden. Während sie dort fast debattelos sir Kloo angenoiiiinen»vurde. begegnete sie im Abgeordneten- Hause ernsten Bedenken. Die Redner fast aller Parteien sträubte»» sich mit Händen und Füßen gege»» den von der Regierung beabsichtigten Eingriff in das private Eigentum. So tiefe Unterschiede auch sonst zivischen den Parteien bestehen, in dem Schutze des Eigentums sind sie einig. Charakteristisch für das Abgeordiietenha»»s ist es, daß die Beratung der lex Adickes für seine Mitglieder keine Ver- anlassung war, eininal von Grund a»ls die Wohnungsfrage zu erörtern. Man beschränkte sich darauf, einzelne Bedenken gegen das Gesetz geltend zu machen, ohne die großeil social- politischen Gesichtspurikte auch nur zu streifen. Nur wenige Redner, vor allem die Vertreter von Frankfurt a. M., die Abgcordneteu F un ck(stf. Vp.) und O e s e r(frs. Vp.) standen dein Gesetz»vohlivollcnd gegenüber, fast alle übrigen Redner»vandten sich scharf gegen eine etwaige Ausdehnung des Gesetzes auf andre Städte. Die Furcht dieser Herren scheint uns völlig unbegründet zu sein. Es ist ja möglich, daß das Gesetz für Frankfurt segens- reich wirkt und da einigermaßen die Bauspekulation ein- dänimt, aber an eine Ausdehnung auf andre Städte ist so lange nicht zu denken,»vie das Privileg der Hmisbesitzer besteht. Daß irgend eine preußische Gemeindevertretung einen Be- schluß faßt, der dem Grundbesitz Lasten auferlegt, kann als völlig ausgeschlossen gelten, so lange die Hälfte der Stadtverordneten in fast gai»z Preußen aus Haus- besitzern besteht. Ist es der Regiernng»virklich ernst mit Maßnahmen zur Linderung der Wohmuigsnot, so beseitige sie zunächst dies Vorrecht der Hansbesitzer. Da sie aber hierzr»,»vie der Fiiianzminister bei der Etatsbcratnng erklärte, ihre Hand nicht bieten»vill, so verinögen wir ihren„Nefornlen" auch nicht den geringsten Wert beizumessen. Uebrigcns glaubt die Regierung, wie aus der Rede des Ministers Schön st edt hervorgeht, selbst nicht»nehr daran. daß das Haus der Ausdehnung auf andere Städte zustimmen »vird; sie»vird froh sein, wenn sie den übrigen Teil des Ge- setzes rettet. Aber auch hierfür scheint, insbesondere nach den Ansführm'"?»» der Herren Dr. Inner(k.) und v. E y n er« (natl.) weui.g Hoffiruiin zu bestehen. Abg. Dr. Jrmer will über- hmipt nichts von einer Mildening der Wohnungsnotin Großstädten ivissei», da er darin die Gefahr eines noch stärkeren Abflusses voin Lande erblickt, und Abg. v. E y n e r n. als fanatiseher Ver- teidiger des Privatbesitzes, sieht in der I-ex Adickes sogar eine»» Vorstoß gegen die Verfassung, die das Eigentum garantiert. Die Vorlage wurde einer Kommission von 21 Mitgliedern überiviesen. In die Fortsetzung der Etatsberatung trat das Harrs— vermutlich der Cirkusvorstellung lvegen-- nicht mehr ein, sondern vertagte dieselbe ans Mittivoch.— De Wet abermals entkouime». Das seit Wochen mit allen Chikanen vorbereitete, nlit einem ge»valtigen Trnppenaufgebot»nternominene Keffelireiben gegen den vettvegensten und listigsten der Boerengenerale, Christian De Wet, ist abermals erfolglos gewesen. De Wet»var kunstgerecht umstellt worden, der Fang schien diesmal sicher, allein als man die Masche» d<� Netzes, in de»» sich der Boeren- siihrer mit seinem Elitecorps verfangen sollte, enger und enger zog, stellte sich heraus, daß der Vielgeioandte und Bestgehaßte abermals entronnen»oar. Mit ihm fast»ämtliche Mannschaften. Ein an- scheinend unmittelbar darauf unternommener neuer EinkreisungS- versuch hatte denselben Mißerfolg. Obgleich diesmal der Boeren- verlnst ein beträchtlicher war, vermochte De Wet mit dem Gros 'eines Konnnandos gleichwohl zu entschlüpfen. Die Berichte über diese Operationen sind zmnlich unklar und lassen namentlich nicht deutlich erkennen, ob es sich wirklich um zwei verschiedeue Operationen handelte, worauf die abweichenden Daten schließen lassen. Die Be- richte lauten: W o l v e h o e I(Oranjestaat), 9. Februar. Nach mehrtägigen Operationen östlich von» Liebe nbergvlei und W i l g e f l»i ß brachen sämtliche englischen Truppen in d e r R a ch t a n f de» 6. Februar mis verschiedenen Richtungen ans und bildeten eine zusammenhängende Linie von Berittenen aus dem Westrand des Liebenbergvlei von Fraiiksort südlich bis Fannhshome mid Kasirkop. Die ganze Linie ging bei Tages- aubrnch nach Weste» vor und beseite eine Linie von Holland an der Blockhaustinie Heilbron-Franksort bis Doornlloof an der Block- Hauslinie Kroonstad- Lindlep. Auf der ganzen Linie standen während der Nacht verschanzte Vorposten, die fünfzig Uards von einander entfernt ivareu. Andre englische Kolonnen operierten in der Front, um eiu Ueberschreiten der Linie durch die Boeren zu verhindern. Diese Kolonnen rückten bei Tagesanbruch ans der Straße Heil- bron-Kroonstad und am folgende»» Tage nach der Eisenbahn, Blockhanslinie vor,»oelche verstärkt»var, um einen Dnrchbruch zu verhindern. Am 6. Februar befand s i ch De Wet inner« halb dieser U»> s p e r r u n g. Er befahl seinen Leuten» sich in kleine T r n p p S z i» zerstreuen. Er selbst mit »venigen Mannschaften und seiner Biehherde marschierte a»lf die Block Hanslinie Kroonstad-Lindleh, trieb in der dunklen Nacht das Vieh gegen den Drahlzam» und brach mit den, Vieh durch. Er hatte drei Tote und v e r l o r 2 S Pferde und ziemlich viel Vieh. In der folgenden Nacht wurden noch viele DnrehbrnchSversnehe von andren Boerentrupps gemacht, eine Rbteilimg verlor zehn Todte bei einem Durchbruchsversnch in der Nahe von Heilbron. Insgesamt sollen die Boeren 283 Tote, Verwuiidete u n d Gefangene verloren haben, ebenso 700 Pferde und viel Vieh. Die englischen Verluste betragen zehn Man». „Daily Telegraph" meldet: De Wet ist durch die Blockhaus- linie durchgebrochen, welche von Heilbron in südöstlicher Richtung nach L i n d l e y führt. Die englischen Truppen säubern de» Distrikt noch von einzelne»» zersprengten Boeren. Das große Kesseltreiben »var aber schon Sonnabendabend beendet. Lord Kitchener hat den Schauplatz der Ereignisse selbst besichtigt. Der Feind steht nnn, inehrere hundert Mann stark, nordöstlich von Heilbron in der Nähe des Baal.— lieber den Schauplatz der letzten Er- eigmsse erfahrt der„Standard", das Kesseltreiben habe sich über ein hundert Meilen langes und siebzig Meile» breites Terrain erstreckt. Die Zahl der darin befindlichen Boeren habe 2000 Mann betragen. Lord Kitchener schließlich telegraphiert: In der Nacht v o m 3. zum 9. F e b r u a r unternahmen mehrere englische Kolonnen ein Treiben zu dem Zivccke, die Boeren a»S der Blockhanslinie zivischen Heilbron und F r a n k f o r t zi» verdrängen. Die Kolonneil stießen bei Winsley auf einen Boereiitrnpp von 700 Mann unter De Wet. Die Boeren lonrdc» umzingelt. De Wet,»oelchcr die Gefahr übersah, in der er sich befand, entfloh mit einigen Mann, indem er die Drähte der Blockhau slinic d n'r ch s ch n i 1 1. Ein Blick auf die Karte des KriegSschaliplatzeS legt die Ver- mntling nahe, daß eS sich um eine Kette von aufeinander folgenden Operationen gehandelt hat. während deren De Wet nicht»veniger als drei Blockhaus- Linien durchbrochen hat. die»nit einander zusaimnenhingen und ihrer geographischen Lage nach etiva die Form eines umgekehrten lateinischen"L bildeten, nämlich erst die Linie Kroonstad-Liudlet), dann die Linie Lindley-Heilbron und schließlich die Linie Heilbron-Franksort. Daß De Wet es gelang. jedesmal nur»ml einer Handvoll von Lentei» die stacheldrahtgcschütztcn Blockhaus-Linien zu durchbrechen, beloeijt, ein»vie minimaler Wert diesem die Boeren an- geblich rernierenden Stacheldraht beigemessen»verde»» darf. Auch die ander»» Boerentrupps— De Wet beobachtete den allen Trick, 'eine Kolonne schleunigst in kleine Trupps aufzulösen— vermochten a die Bloekhanslinien so glücklich zupaisiere», daß von 2000 Main» nur 286 mifchndlich gcnradfst»Verden konnten, £er neueste„Erfolg" KitchenerZ stellt sich also bei Lichte besehen nicht nur als M i st e r f o l g heraus, sonder» er beweist auch die Aussichtslosigkeit der englischen Taktik, durch Blockhaus- Linien die Bewegungsfreiheit der Boerenkommandos einzuengen. De Wct und seine Leute befinden sich zwar jetzt auch wiederum in Gebieten, die von Blockhauslinicn umschlossen werden, allein im schlimmsten Falle steht ihnen ein Durchbruch nach W e st t r a n s v a a l, wo D e l a r e y steht, oder nach O st t r a n s v a al. wo B o t h a sich aushält, offen. Der Krieg scheint sich nach allen diesen Erfahrungen »och lange nicht seinem Ende zuneigen zu sollen. »»» « Deutsches Zteich. Tie Wnchcrparteicn und die Bauern. Da der Wnchertarif den ländlichen Grundbesitzern um so reicheren Gewinn bringen soll, je gröster der Besitz ist. da also die Grostgrnndbesitzcr den wesentlichen Vorteil aus der geplanten Gesetz- gebung haben werden, so ist es eine dringliche Ausgabe, dast die wirklich notleideudcn kleinen und kleinsten Landleute auch einiger- mäste» in ausgleichender Gerechtigkeit bedacht werde». Dieses Ziel verfolgt neben andren früher in der Zolltariskominission eingebrachten Anträgen der Socialdeniokratie der neue Antrag, der aus den Zoll- crträgnissen jährlich(50 Millionen Mark für die Hebung der Landes- knltnr, dnrck) Verbesserung und Bau von Landivegen und Kanälen, verwandelt wissen will. Es dürfte interessant sein, Ivie sich diejenigen Parteien zu diesem Antrage stellen würden, die gerade stets als Schützer der Bauern gellen wollen. Die.K o n s. K o rr.". das offizielle Organ der konservativen Partei, bcgrüstt den Antrag als„Verschlcppnngs- manöver' und bekundet ihre Neigung, für die Kleinbauern etwas Nützliches zu vollbringen, also: „Erst ntögcn aber die Herren Socialdemokraten für eine Er- höhung der Zölle eintreten; dann erst können sie über die Ver- Wendling mitsprechen. Von dem jetzigen Zollcrtrage bleibt bekanntlich nicht nur nichts übrig, sondern er reicht nicht einmal zur Deckung der Reichsbedürfnisse. Der Hnmbug, den die Social- dcmokratic mit diesem an und für sich widersinnigen Antrage treibt, liegt also klar am Tage." Während thatsächlich der gesamte Wuchertarif nichts ist als ein grostcs reaktionäres Verschleppnngsinanvver zur Verhinderung einer für das Volk segensreichen Politik, während soeben die Konservativen die Beratungen in der Zollkonnnission durch unerfüllbare Ziimlitliiige» von Woche zu Woche verschleppt haben, ivagt es das konservative Organ, von Vcrschleppnngsinanövcr» zu spreche», wen» endlich einmal nicht nur den Jnnkern, sondern auch den kleinen Leuten ans dem Lande einige Hilfe gewährt werden soll. Das konservative Parteiblatt sucht seine brutale Kleinbauern- fcindschaft durch die lächerliche Ausrede zu verhüllen, als ob der socialdemokratische Antrag„widersinnig" sei, iveil die Zoll- crträge nicht einmal hinreichen znr. Decknng der jetzigen Ausgabcbcdürfnisse des Reiches. Die„Konservative Kor- rcspondcnz" könnte noch weiter gehen und sagen, alle zukünftig möglichen Zollerträge, mögen die Zölle auch noch so hoch geschraubt werden, iverdcn nicht hinreichen, um alle zukünftigen Ansprüche des Militarismus und MariiiiSmnS zu decken. Aber auch die bisher konservativ Genasführten auf dein Lande werden sich durch solche Täuschnngsversuche zu der einfachen Erkenntnis durch- ringen, dast es nur einer vernünftigen direkten Steuergesetzgebung bedarff, nm große Erträge ans den Zöllen für die Landarbeiter und Kleinbauern frei zu machen. Würdig schließt sich der„Kons. Korresp." das Organ der andren großen Wnchcrpartci an. Die„Germania" verführt das notleidende Kleinbauer» tum. indem sie den Antrag als„socialdemokratische» K a r n e v a l s s ch e r z" bezeichnet. Der gekünstelte Scherz beweist nur, ivie ungemütlich dem Eentrum wird, sobald die Social- demokralie bereit ist, die Lüge der Wnchcrparteien, daß der Landwirtschaft geholfen werden solle, zu einer Wahrheit zu machen.— Der konservative Zollrückzng. Während die Bündlcr im Cirkus Busch nach einiger llnentwegheit iniincn. wird der Rückzug deS Gros der konservativen Partei immer mehr offenkundige Thatfache. Fast amüsant zeigt sich die konservative Wandlung in der „ Ä r e u z- Z e i t« n g". In der Wochenübersicht der Sonntags- nuinmcr der„Kreuz-Zeitung", die schon vor der Rede des Reichskanzlers im Deutschen Landwirtschaftsrat geschrieben ist, werden noch Koinpromistverhandlungen Über dieErhöhung der Getreidezölle zwischen der Regierung und der konservativen Partei als wie zwischen zwei Gleichberechtigten und Gleichstarken gefordert. Die diesem Artikel alsbald folgende Notiz aber, in dem die Redaktion sich zu der Rede deS Grafen Bnlow ausspricht, schlägt schon weit bescheidenere Töne an. Hier wird gesagt: „Allerdings besteht noch nicht volle Einigkeit in den Auf- fassungcn über das, was als notwendig ffür die Landwirt- schaft) zu betrachten ist. Obgleich aber der Kanzler mit nnverkenn- barer Entschiedenheit vor der Forderung warnte, daß die im Ent- würfe vorgesehenen Mindestsätze für die Getreidezölle erhöht werden, so läßt doch der ganze Ton, indem seine Aus- sührungen gehalten sind, der Hoffnung Raun,, daß er durchschlagende Gründe für die Notwendigkeit einer noch weitergehenden Erhöhmig nicht unbedingt von der Hand weisen wird." Die„Kreuz- Zeitmig" trägt, um die Konservativen im Lande dransten an die harten Thatsachen zu gewöhnen, noch leise Hoffnuiigen zur Schau, aber sie glaubt selbst nicht mehr daran. Aehnlich vollführt die„K. Korr." ihre Zollflucht, indem sie sich stellt, als sehe sie nunmehr allerdings eine„wesentliche" Erhöhung der Mindcstzölle ausgeschlossen, als hoffe sie aber noch auf ein„acccptableS Kompromiß". Der entsagungsvolle Ton dieser AnSführnngen sowie der Hhmnitf, den das Organ der konservativen Partei auf den Grafen Bülow als besten Förderer der konservativen Aufgabe anstimmt, beweisen nnzweidentig die konservative Geneigtheit, ihren Frieden mit der Regierung zu»lachen und auf weitergehende Wucherwünsche zu verzichte».—_ Die Ministerkrisiö im Sachsen. � AnS Dresden wird uns geschrieben: Die beliebtesten Ge- sprächftoffe: vom milden Winter, den Bocren, den Bankkrachs, dem Reichstag, dem Fasching sind mm in Sachsen in Ungnade gefallen. Das einzige Gesprächsthema bildet nur noch die KrisiS im Ministe- rium. Die Arbeiter besprechen sie mit einer gewissen Schadenfreude darüber, daß sich jetzt die Herren WahlrechlSräuber selber in die Haare gefahren find. Im übrigen interessiert nnscr sächsisches Proletariat der sächsische RcgicrungZkonflikt blutwenig. In Sachsen haben die sächsischen Arbeiter nicht mehr politische Rechte als die Ausländer. Dem parlamentarischen Konflikt stehen sie demnach als politisch un- beteiligte Zuschauer gegenüber. Anders ist die Stellung der sächsischen Bourgeoisie. Sie ist Partei in diesem Streit. Aber sie debattiert den Fcill ganz leidenschaftlos. MeinungSverschiedcnbeitcn, die allein Kanipscshitze er- zeugen könnten, gicbt cS ja in der gleichmäßig konservativ und rechts- nationallibcral angestrichencn lächstsche» Bourgeoisie nicht. DaS sächsische Spießbürgertum steht ohne AuSnahine hinter der zivciten Kammer. Einen Verteidiger des Finanzministers haben wir außer in dem Rcdacteur der Sachsenspiegel- Korrcspendenz, den der Finanzministcr inspiriert, bis jetzt nicht gefunden. Die rücksichtslose Absägung des Finanzminiftets wird auch gerechtfertigt mit dem Hinweis auf die Socialdemokratie. der inan für die loiiinieiidc ReichStagswahl den Wind ans den Segeln nehmen müsse. Die konservative Fraktion habe eben zeigen wollen, daß sie sich mit der finanzielle» Mißwirtschaft in Sachsen nicht indentifiziere. Nachdem die erste Ueberraschnng über die Demaskierung der konservativen Partei als Uuisturzpartei vorüber ist, vermag man die Entstehung der Konflikts besser zu erleunen. Gleich bei Beginn der Session machte der Abg. May in einer unbedeutenden Petitions- beratnng einen ungemein heftigen und schroffen Ausfall gegen das Ministerium wegen der Etatsliberschrcitnngen. Er sprach von Verfassungsverletznng durch die verantworlichen Bcaniten und empfahl rücksichtsloses Vorgehen gegen die Schuldigen. Dieser scharfe und unerwartete Ausfall des Abg. May, der als Freund des Königs sehr respektiert wird, machte einen um so tiefere» Eindruck, als der Präsident den Redner nicht zur Mäßigung ermahnte. Der Ab. M a y ist der Vorsitzende der Finanzdepuiation B, i» der die Jndemiiilätsfrage geboren wurde. Das„Vaterland" vom 8. Februar teilt nui, daß es in der Deputation zu hitzigen Aus- einaiidcrsetzungeii gekommen wäre. Die Deputation wollte nur den Fiiianzminister abschlachten; die Demission des GesamtmiriisterinmS hat sehr überrascht. Die Ministerkrisis zieht übrigens weitere Kreise. Laut Bekannt- machung traten in den„wohlverdienten" Ruhestand der Geh. Finanz- rat Hcydenrciter, die Geh. Bamäle Borgmaim und PetcrS und Oberbaurat Pagenstecher. „Ilm ferner ein für allemal die Wiederkehr so unliebsamer Vor- komimiissc auszuschließen, haben sämtliche Mitglieder der II. Kammer den A n t r ag eingebracht: Die k. Regierung zu ersuchen, der Kammer cincn Gesetz- entwnrf vorzulegen, der über die Staatshanshaltskontrolle und die Stellung der Oberrechnngskanimer ähnliche Bestimmungen, wie solche für Preußen und das Reich bestehen, enthält. Ferner wird gebeten, daß provisorisch der Bericht der Ober- rcchnungskaminer zugleich niit dem Rechenschaftsbericht dem Landtag vorgelegt werde. Da es ganz unmöglich ist, diesem Landtag Minister anfzu- zwingen, die er nicht mag, so empfing am Sonntag der König die FraktionSinitgliedcr und nahm ihre Wünsche entgegen. ES wird aber nicht ganz leicht sein, ein ucncS Ministerium zu bilden, zumal das neue zugleich dein Willen der Kainmcrniehrheit unterivorfe» sein wird. #« * Nach einem Reichstagsgerücht ist der Geheime Legationsrat v. Körner zum jächsischen Finanzminister ernannt worden. Eine auffallende Verabschiedung. Wie amtlich bekanntgegeben wird, hat der General- l i e ii t c ii a n t v. L e s s e l, der o b e r st e Kommandeur des ostasiatischeii ExpeditionscorpS— Walderse« bekleidete ja be- kamitlich den„einzigartigen" Rang eines Weltgcneralijsimus— seinen Abschied erhalten. Davon, daß Geuerallientenant v. Lesse! sich lrank fühle, ist nicht daS geringste bekannt ge- worden. Ebensowenig kann v. Lesse! die Bürde des Alters empfunden haben, da er 1866 das Kadcttenhnus verließ, also etwa 56—68 Jahre zählen dürfte, ein für höhere Offiziere keineswegs hohes Alter. W a l d e r s e e zum Beispiel hat bereits das 60. Jahr zurückgelegt, ohne anscheinend trotz seines in China acquiricrten Bein- schadcns ans Abschiednehuien zu denken. Waldcrsee wurde ja sogar trotz seiner 60 Jahre für rüstig genug befunden, den Weltmarschall- slab zu tragen. Lessei muß auch seiner militärischen Befähigung Ivegen bis vor kurzen sehr geschätzt gewesen sein. Sein rasches Avan- c e m c n t beweist dies. 1896 wurde er R e g i m e n t s- K o m m a n- d e u r, 1397 B r i g a d e k o m m a n d e u r, 1900 Divis ionS- k o m m a n d e u r. I» demselben Jahre wurde er dann auch mit dem Oberkommando über das ostasiatische Expeditionscorps betraut. Diese glänzende Laufbahn des anscheinend zu de» höchsten militärischen Ehren bernfenen Generals hat mm plötzlich ein über- raschend jähes Ende gefunden. Weshalb? Sollte Lcffel in China mit Waldcrsee in Differenzen geraten sein? Oder sollte er als Opfer für die peinliche Affaire mit den P e l i n g e r Instrumente» gefallen sein? Er war zwar seiner eidlichen Aussage nach nicht der eigentliche Verantwortliche. In dem Stuttgarter Hunncnprozeß gestand er wohl z», daß man die Pekinger astronomischen Instrumente beschlag« nahmt habe, und zwar einmal wegen ihres Kontrastes und andrerseits wegen ihres materiellen Wertes, allein dies sei nur ans höhere» Befehl hin geschehe»,»nm die Kricgskosten zu decken". Diese Auskunft mochte ja an der gewissen Stelle, der die Verantwortung zugeschoben wurde, übel vermerlt worden sein, allein Lesse! war doch durch den Zengeneid ver« pflichtet, diese Aussagen zu machen. Es ist jedenfalls ein auffallendes Vorkommnis, daß man zu derselben Zeit, wo man die Ehren des famosen ChinakreuzzugeS in Gestalt von Kriegsdenkmünzeii auf ungezählte absolut U n b e t e i- l i g t e auszudehnen bemüht ist, den ober st en Befehlshaber der Expedition sang- und klanglos verabschiedet.— Die Tirpits-Cainorra, die im Reichslage durch die Not der Mitschuldigen zusammengeschiveißt wurde, klebt auch in der Presse zäh znsammcii. Während vorher fast kein Blatt den Tirpitz-Erlaß zu verteidigen gewagt und einige lonscrvalive und klerikale Blätter die schärfsten Angriffe wegen der Tänschnng des Reichstages gegen den Staatssekretär gerichtet hatte», schreiben sie jetzt alle— ivie Müller-Fulda redet. Alle beschwören sie, daß sich Herr v. Tirpitz völlig weiß gewaschen habe, daß die Bebel und Richter mit blutigen Köpfen hcinigeschickt worden seien, daß die Entrüstung über den hehlenden und stehlenden„Vorwärts" ebenso allgemein wie hoch- gradig sei. Diese Uuschuldist ungefähr so wie ein« Jniigfernschaft. die durch ei» Dutzend geivissenhafter Liebhaber der tugendsame» Maid beleidigt wird. Auch die katholische„Kölnische Vvlkszeitung", die zuerst recht heftig gegen den Marinesekretär losfuhr. hält jetzt den Erlaß für harmlos nnd hat sich durch die„Auttlärungeu" des Herrn v. Tirpitz vollständig überzeugen lassen. In der That, man wird künftig gnemalS mehr de» Vorwurf erheben dürfen, daß der Reichstag von der Regierimg getäuscht worden sei, da er selbst bereitwillig sich täuschen läßt, um das Volk narren zu können. Die.Fraiikfiirter Zeitung" korrigiert inzwischen redaktionell leise die Tirpitziadc ihre» Berliner Diplomaten. Obwohl sie die ganze Ungeheuerlichkeit deS marinistischen TänschuirgSvorsucheS noch immer nicht erfaßt hat. meint sie doch, die Erklärungen des Ministers deckten sich nicht ohne weiteres mit dem Worilant des Erlasses. Die Wahrheit ist, daß der Erlaß dem Wortlaut und dem Zweck nach das gerade Gegenteil von dem dedeutet, was der Slaals- sckretär dem Reichstag vorznerzählen sich herausnehmen konnte. Strnfverfahreu gegen v. Endell. Die„Tägl. Rundschau' hat ans Posen erfahre», daß das gegen v. Endell, dem Ver- traiiensmann des Bundes der Landwirte, schwebende DiSciplinar« verfahren der StoatSanwallschaft gelingende Grundlage gegeben hat, nm ihrerseits die formelle Voruntersuchung gegen Major v. Endell ein- zuleiten. Zur Frage der Eiitschädigniig iinschuldig Verurteilter. Bei der Beratung des Etats des Rcichs-Justizamtes ist auch wieder auf die Unzulänglichkeit des Gesetze? über die Enlschndignng nn- schuldig Verurteilter hingewiesen»nd dabei vom Abgeordneten Müller- Mciningen ein besonders krasser Fall mitgeteilt worden. der diese Unzulänglichkeit illustriert. In diesem Falle ist dem Betroffenen aber doch wenigstens eine wenn anch geringe Entschädigung geworden, dagegen beschäftigte die Hamburg« r Gerichte kürzlich ein Fall, in dem ei» unschuldig Verurteilter, der nach Verbüßiing seiner Strafe ebenfalls freigesprochen wurde, keinen Anspruch ans Entschädigung geltend machen komile. Daran ist die unglückliche Fassung des Gesetzes schuld, in dem es heißt, daß nur den im Wiedcransnahme-Verfahreii Freigesprochenen ein Entschädigungsanspruch zusteht, wenn fis die ihnen zncrkannie Strafe ganz oder teilweise verbüßt haben. Indem Hamburger Fall lag die Sache so: Ei» junger Mensch von 17 Jahre» wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Mehrmonatlichen Gefängnisstrafe verurteilt. Das Schöffengericht nahm ihn„wegen Fluchtverdachts" sofort in Haft nnd der junge Mensch, dem kein Verteidiger zur Seite stand, verzichtete ans Rechtsmittel und trat die Strafe sofort an, um nicht erst lange in Untersuchungshaft sitzen zu müssen. Als der Vaier davon Hörle. ließ er durch einen Amvalt ans Grund Z 340 Straf-Prozetz-Ordnnng al§ Vertreter des noch nicht voll strafmündigen Sohnes Bemfung einlegen. Die Sache kam zur Verhandlung vor der Strafkammer, als der Soh» seine Strafe schon bis aus den letzten Tag verbüßt hatte. Und die Strafkammer sprach den jungen M c n- scheu frei. Sie hatte sich so sehr von seiner U n s ckni 1 d übe r- zeugt, daß sie die V e r t e i d i g u n g s k o st e n derStaalSkassc auferlegte. Eine Entschädigung für die verbüßte mehrmonalliche Ge- fängnissstafe konnte dem jungen Mann»ach dein Gesetz aber nicht gewährt werden, denn er war nicht im Wiedernnfnahme-Verfahren, sondern in der Berufungsinstanz freigesprochen. Es ist das ein Fall, an den der Gesetzgeber sicher nicht gedacht hat, der aber, wie Vorstehendes zeigt, möglich ist lind daher unbedingt eine Aendmmg des Gesetzes erheischt. Am vernünftigsten wäre eS freilich, wollte niau'der social- dcmokralischen Forderung nach einer Entschädigung unschuldig Ver- h a f l c t e r stattgeben.—_ Trophäen auS dem chinesischen ltalserpalast. In unsrcm hannöberschen Bruderorgan lesen wir:„Wie in einer Reklame für das„Hildesheimer R ö in e r m n s« u in" mitgeteilt wird, hat dasselbe eine ansehnliche Bereicherung an Gegenständen aus China erfahren. Es sind neu ausgestellt prächtige chinesische Stickereien auf Seide, sowie ans Seide gemalte Bilder, ferner zahlreiche chinesische Gcbrauchsgegeii- stände, Waffen, Kleidungsstücke und eine Fahne der Boxer. Manche dieser Sachen entstammten dem kaiserlichen Palast in Peking. DaS Museum erhielt die interessantesteu Gegenstände zum Teil von C h i u a k ä in p f e r n." Da nach den wiederholten amtlichen Erklärungen Beute in China nicht gemacht wurde, ist die Herkunft so wertvoller Gegen- stände, namentlich soweit sie aus dem K a i s e r p a l a st stanmiten. geradezu räisclhaft!— Austanv. Frankreich. Verworrene Partciverhältniffe im Senat. Gelegentlich eines kleine» Konflikts der demokratischen slan-radikalcn) Linken mit der sogenannte» republikanischen(weiter rechts stehendens Linken tritt die große Zerfahrenheit zn Tage, die in den Parteiverhältnisscn des französischeu Senats wie übrigens anch der Dcpntiertettkaminer herrscht. Zahlreiche Mitglieder der„repnblikanischcii Vereinigung" (linkes Gentium) sind gleichzeitig eingeschrieben bei der republikanischei» Linken; wiederum sind viele Mitglieder der republikanischen Linken gleichzeitig Mitglieder der demokratischen Linken. Bei jeder einigermaßen wichtigen Abstimmung spalte» sich alle republikanischen Gruppen und stimmt jeder Senator nach seinem Belieben. Ramentlich die republikananische Vercinigmig sendet fast immer, wo es sich um allgemein politische Fragen handelt, aus ihrer Mitte den Reaktionären der Rechten ein starkes Hilfs- kontiiigent. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der offiziöle„Temps" sich die schwer zn beanlwortende nnd übrigens anch von ihm selbst nicht beantwortete Frage vorlegt, warum denn überhaupt die Gruppen alias Fraktionen existiere», da sie ja doch bei jeder Abstnnmniig anSeinanderfallen. Der Vorschlag. daß jeder Senator nur bei einer Gruppe eingeschrieben sein soll, dürfte mir geringe Abhilfe schaffen.— Maudatsmiide Politiker. Nach der„Petite Rspnbliqne" haben bis jetzt 21 Deputierte auf die Wiederwahl verzichtet. Sie verteilen sich ziemlich gleichmäßig auf alle Parteien; es be- finden sich unter ihnen zwei Socialisten, Sonvanet nnd Letang, vier Radikale, ein Nationalist, zwei Mitglieder der Siechten, darunter 1 Bretagnier mit dem klangvollen Namen Baron von Keranartz. Die übrigen sind Republikaner aller mög- liehe» Schattierimgeii, darunter auch ein Prinz von Urenberg ans der bekannten internationalen, in alle» möglichen Parlamenten ver- tretenen und überall„gleich nationalen" Familie, der vor einigen Jahren nach langem Suchen sein republikanisches Herz, wenigstens wie er behauptet, entdeckt hat. Asien. Zerstörung einer dcntschcn Mission. Da«„Bilreau Laffan" meldet vom 10. Februar ans Hongkong: Wie von Kanton hierher berichtet wird, sind in Fayeuu die Gebäude der Berliner Missions- gescllichaft von christeuseindlichcn Volksmasse» niedergebrannt worden. Die Missionare konnten sich vor den Angreifern in Sicherheit bringen. Amerika. Der Sohn deS Präsidenten Roosevclt ist heftig an einer Luugeiientzündliiig ertrankt, sein Zustand ist nicht ungefährlich. Einige Biälter befürchten, daß ein schlimmer Ausgang der Erkrankung das Programm der deutschen Prinzenreise gefährden tonnte. Ter socialdemokratische Verein Nürnberg führte am Freitag seine vor acht Tagen vertagte Geiieralversannnliing zu Ende. Es handelte sich nur noch nm Reorganisation und Neuwahl der Preß- komniission. Im vorigen Jahre, gelegentlich der Affaire Sydow. wurde das Gcsellschaftsftalni einer einschneidenden Aenderung unter- worfeil. das die Rechte der Handelsgesellschafter bis ans ein Minimnm beschränkte nnd ans die Preßkommission übertrug. Nun sind in der Fränkischen Vcrlagsanstalt Maßnahmen notwendig geworden, die die finanzielle Leistniigsfähigkeit einzelner Gesellschafter in erhöhtem Maße in Aniprnch nehmeii. Um ihnen einen ihrer Verantwortlichkeit und ihrem finanziellen Risiko entsprechenden Einfluß ans die rein ge- schäftlichen Angelegenheiten zn gewähren nnd in ihren ge- sckiäftlichcn Dispositionen ein größeres Maß von Selbst- ständigkcit, als es die jetzigen Verträge gestatten, zn ermög- kichen. wurde ans Antrag des Genosscii Scgltz die Preß- komniission beauftragt, den GcseNschaftSvertrng»nd das Regulativ für die Vreßkoiinniision einer entspiechciidcn Aenderung zn initerzichen. In Ziikmift sollen dann Aenderimgen des GesellschaftsvertrageS nicht mehr in das Ermesse» der Preßkoininissio» gestellt werde», da hier- durch die Gesellschaften in unzulässiger Weise verpflichtet, belastet und entrechtet werden könncii. Die Preßkoiiimission soll aber nach wie vor als Schiedsgericht fungieren. Ferner wurde beschlossen, die Zahl der Preßkonimissioiis-Mitgliedcr von 21 ans 12 zn reduzieren, wovon 7 ihren Wohnsitz in Nürnberg und 5 in Fürth haben sollen. Die Kusseiiabrechiiiing ergab für daß Jahr 1901 18 797 M. Einnahmen und 11 266 M. Ausgaben. Der Mitgliederstand sank van 5111 am l. Januar 1901 ans 4542 Dieser anscheinende Rückgang ist jedoch nicht, wie die bürgliche Presse berichtet, ans die imiercn Parteiwirren zurück- zuführen, sondern ans die wirtschaftliche Kris«, ein großer Teil dieser 600 abgängige» Mitglieder ist nicht wirklich anSgeschiedrii, sondern befindet sich' unter den 5000 Arbeitslosen, die in Nürnberg gezählt wurden. Diese könneu natürlich ihren Beitrag erst dann iviedcr entrichten, wem» sie wieder Arbeit haben. In den Abrechnnilgcn werden aber nur diejenigen aufgesührt. die ihren Beilrag für den jeweiligen Monat im voraus entrichtet habe». Ctne«»wahre Nachricht verbreiten die Blätter über einen Genoffen aus B r o in b e r g. Danach soll von dort der Genosse B e n d i t nach Veruntreinnig von 600 M. entflohen sein. Wir köiiiien nur erklären, das; an der Nachricht kein Wort lvahr ist. Totenlistc der Partei. Die B o ch» m e r Genossen betrauern den Tod eines tapferen Kämpfers für die Sache der Arbeiter; es starb dort im Alter von 41 Jahren der frühere Brauer, jetzige Hausierer Christian Schlömer. Seiner Thätigkcit im Dienste der Arbcitcr- beivegung hatte er es zu danken, daß er in seinem Berufe keine Arbeit mehr fand. Er mußte sich als Hausierer durchzuschlagen vcr- suchen, mar aber auch dabei stets eifrig für feine Ideale thatig. Gemcindewahlcu. In Wiener-Nenstadt war die Wahl eines Parteigenossen für den Gemeinderat für ungiltig erklärt worden, weil er als Fabrikarbeiter nicht„selbständig" und daher nicht ivähl- bar sei. Die Parteigenosse» stellten für die Nachwahl denselben Kandidaten wieder auf und mit 1065 gegen 1034 gegnerische Stimme» wurde er wiedergewählt. ZSolizeiltches, Gerichtliches usw. Der Wahrheitsbeweis. In der„ M ü n ch n e r P o st' war einein Gendarmeriemacht- »leiste r der Vorwurf gemacht worden, daß er einen Arrestanten ohne Grund geohrfeigt habe. Dadurch soll der Wachtmeister beleidigt worden sein. In der Verhandlung gegen den verantwort- lichen Rcdacteur des Blatte?, die auf Grund des fliegenden Gerichts« standes vor dem Schöffengericht in R ü p p e l h e i ni stattfand, wnrde durch das eigne Zugeständnis des Wachtmeisters festgestellt, daß dieser den Arrestanten mit einem G n m ni i s ch l a u ch über den Kopf geschlagen habe, weil er ihm eine„ungehörige Antwort" gegeben habe. Auch die Ohrfeige wurde erwiesen, nur daß nicht der Wachtmeister, sondern ein andrer Schutzmann sie dem Arrestanten versetzte. Man sollte meinen, daß damit der Wahrheitsbeweis vollständig erbracht war. Ob Ohrfeige oder ein Schlag mit dem Gnmnnschlanch über den Kopf: beides ist eine gleich schwere und gleich unznlassige Mißhandlung. Sie ist auch grundlos erfolgt, denn eine ungehörige Antwort giebt keinem Polizisten das Recht, einen Arrestanten zu schlagen. Das Gericht erklärte jedoch, der Wahrheitsbeweis sei vollständig mißlungen und verurteilte den Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis. Dieses Urteil ist unmöglich aufrecht zu erhalten. Wegen Kalcndcrvcrbrcitiiiig wurden zwei Parteigenossen in Sonnenburg(Brandenburg) vom Schöffengericht zu ,e 10 M. Geldstrafe verurteilt. Festgestellt wurde, daß sie ani Sonntag vor der Kirchzeit die Kalender' von Haus zu Hans getragen. Der eine trug ca. 20 Kalender in Zcitungspapicr gewickelt, und der andre trug sie»ntcr dein Ucberrock. Der Aintsanwnlt sagte, daß schon d u r ch das Gehen von Haus zu Hans die Sonntags« ruhe g c st ö r t werde, und daS Gericht schloß sich dem an. Durch Zlbsingcu cinrö Liedes soll ein Arbcitcrgcsangverein in Ohlau lSchlesien) das Bereinsgesetz übertreten haben. Der Grund- gcdankc des Liedes ist das Wort von Marx:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch", das im Refrain mehrfach variiert wird. In der Absingnng des Liedes wird die„Erörterung politischer Angelegenheiten" erblickt, und deshalb erhielt der Vorsitzende des Vereins, Genosse Mum, eine Polizeistrafe von IS M., weil er diese„politische Vcreinsvcrsainmlimg, nicht angemeldet hatte. Das Schöffengericht bestätigte die Strafe, und ans den gleichen Standpunkt stellte sich die BcrufungSkanimer, obtvohl hier der Staatsanwalt selbst die Frei- sprcchnng beantragt hatte. — Durch Abdruck eines VersamuilungSbertchts, worin die Namen von 24 ans dem Verbände ausgeschlossenen Stnccatenren genannt waren, soll Genosse Pollen der von der„Leipziger Volkszeitung" diese 24 beleidigt haben. Das Schöffengericht hatte ihn deshalb zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Das Berufinigs- gerächt hat jetzt die Strafe auf 150 M. herabgesetzt. Die Berufung des Schriftführers der fraglichen Versammlung, Genossen Worms, der nur zu SO M. Geldstrafe verurteilt morden war, wurde verworfen._ Berlin und Umgegend. Kisteumachcr, Holzarbeiter! Es sei nochmals darauf hin« gewiesen, daß der Streik in der Kistcnfabrik von G ö k e. Köpnickcr- straße, unverändert fortdauert. Derselbe ist nur als aufgehoben zu betrachten, wenn es an dieser Stelle bekannt gegeben wird. Des- halb ist Zuzug fernzuhalten. Gleichzeitig sei' darauf hingewiesen, daß der Arbeitsnachweis sich nach wie vor Brcslancrstr. 28 bei Bnudach befindet(Telephon-Amt 7a Nr. 7604) und nur von da aus Arbeit vermittelt wird. Der Vorstand des Jnteressenvereins der Kistenmacher Berlin-? and Umgegend. Achtung! Modelleure? Bei der Firma Haue r(Slnck- gesckiäft) in Berlin haben sämtliche dort beschäftigten Modelleure die Arbeit niedergelegt, da ihnen ein SOprozentigcr Lohnabzug von der Bauzulage gemacht werden sollte.— Zuzug ist streng fern- zuhalten! Deutsches Reich. Zu«iucr Versainuiluug der Zahlstelle KottbuS des Ccutralverbaudcs der Bau nud Erdarbeiter, die polizeilich gemeldet morden war, hatte der Bauarbeiter K rüge r durch Cirkular auch eine Anzahl Nicht Mitglieder eingeladen. Während die Zahlstelle 40 Mitglieder hat, waren in der Vcrsaminlnug 70 bis 80 Personen anwesend. Der Bauarbeiter Rennthaler referierte in der Versammlung über die wirtschaftliche Lage der Arbeiter. Das Landgericht Kottbus als Bernfungsinslanz verurteilte mm den Ein- bcrnfer und den Neferenten wegen Vergehens gegen die§K 1 und 12 des Vercinsgesctzes zn Geldstrafe». Wegen der Einladung und der Anwesenheit vieler Nichtniitgliedcr nahm das Landgericht au, daß es sich hier nicht mn die der Polizei angezeigte Mitglieder- Versammlung, sondern um eine öffentliche Versammlung handele, d i e uicht angemeldet worden sei! Auch war es der Meinung, daß die Vcrsamnilung öffentliche Angelegen- heiten im Sinne des§ 1 des Vereinsgesetzcs crörtet habe.— Auf die Revision der Angeklagten hob der Strafsenat des K a in in e r g e r i ch t s die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zu anderweitiger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht in Guben zurück. Begründend wurde ausgeführt: Der ß 1 des Vereinsgesetzes sei nur anwendbar. wenn die Versammlung von vornherein zur Erörterung ofient- sicher Angelegenheiten bestimmt gewesen sei, wenn solche in der Ver- sammlung erörtert werden sollten. Das sei hier aber nicht festgestellt, sondern mir, daß derartige Angelegenheiten thatsächlich erörtert worden seien. Das Landgericht müsse nachprüfen, ob dies der von vornherein bestimnite Ztveck der Versammlung gewesen sei. Der Senat halte es für erforderlich, die Sache an ein andres Land- gericht zu vertoeisen. Der Auflosmig verfallen ist die letzte Sitzung des Gewerk« s ch a s t s k a r t e l l s in Halle. Der anwesende Polizeikomnuffar erkundigte sich zunächst bei Beginn der Sitzung, ob dieselbe auch an- gemeldet sei. Der Vorsitzende belehrte ihn dahin, daß die Kartell- fitzmigen schon seit Jahren für das ganze Jahr angemeldet würden. Die Äuskunft schien dem Herrn Kommissar befriedigend; jetzt aber forderte er die Entferiiung von zwei Damen, die als Delegierte anwesend waren. Diese Forderung war deplaciert, denn das Ge- werkscSaftskartell ist kein politischer Verein. Trotzdem lehnte der Vorsitzende es nicht rundweg ab, die Frauen hinauszuweisen, sondern befragte darüber erst die Versammlung. Während aber diese noch über die Frage diskutierte, zu einer Zeit also, wo die Entferiiung der Frauen noch gar nicht verweigert war— was das Bereinsgesetz als Grund zur Äuflösung von Versammlung politischer Vereine verlangt—, löste der Herr Kommissar die Sitzung auf.— Natürlich wird eine Beschwerde über das nach mehreren Richtungen hin rechts- irrtümliche Verfahren des Herrn Kommissars geführt. AuS Greiz wird gemeldet: Bei der Firma Franz Heyer sind die Forderungen der Weber bewilligt worden. Die Firma ist in der ' Perantwori sicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Sn'eratent-il Fabrik von C. G. Lorenz in Pacht. Man kann nun hier das Schau- spiel sehen, daß die Hälfte des Betriebes stillsteht(C. G. Lorenz), während bei dem Pächter gearbeitet wird. Bei der Finna Gebrüder Albert ist die Lohnkommissioii nun auch vorstellig geworden.— Die Fabrikanten ver eine haben jetzt in Reichen- b a ch eine Versammlung abgehalten, die sich mit der Lohnbewegung beschäftigte. Ein Privattelegramm meldet uns. vermutlich als Er- gcbnis dieser Verhaudlmigen, daß— wenn bis Donnerstag keine Wiederaufnahme der Arbeit in allen Fabriken erfolgt— eine General-AnSsPcrrung der Arbeiterschaft bevorsteht. Ausland. Der Wcberstrcik in Enschede wird mehr und mehr Sache sämtlicher organisierter Arbeiter in den Niederlanden. Auch von katholischer Seite wird eifrig für die Unterstützung der Ausständigen gesorgt. Aus Enschede wird an„Het Volk" gemeldet, daß dort Dupres, ein Vertreter des belgischen christlichen Gewerkschaftsbundes, eine Unterstützung von schätzungsweise IS 060 Gulden zugesagt habe. Der Ausstand der Bauarbeiter i» Amsterdam ist noch nicht beendet. Die Versuche, die zur Herbeiführung einer Einigung gemacht wurden, sind bisher gescheitert. Auch in dem Stand deS Diamantarbeiter- Streiks in A m st e r d a m ist keine Aenderimg eingetreten. Der Streik der dänischen Dampfschiffheizer dauert un« verändert fort.— Acht schwedische Heizer erheben in der in Göteborg erscheinenden„Nh Tid" eine ausführlich motivierte Anklage gegen den de utsch-schwedisch- norwegischen Vicekonsul Brei n holt in Esbjerg, weil er ihnen, die unter falschen Vorspiegelungen von einem Londoner Agenten nach Dänemark ver- lockt wurden, Schutz und Hilfe versagte. Nachdem der schwedische Minister des Aeußern, sowie der Generalkonsul in Kopenhagen erst kürzlich das Recht der Arbeiter auf Schutz und Hilfe bei ihres Landes- repräsentanten ausdrücklich proklamiert haben, kann man wohl erwarten, daß eine gründliche Untersuchung des Falles vorgenommen wird. Der Vicekonsul B r e i n h ö l t hat bekanntlich neulich auch einen deutschen H e i z e r in derselben Weise wie die schwcdi- scheu behandelt.— Der englische Heizer Conley und feine fünf Kameraden sind nun in England angekommen. Die organisierten englischen Kollegen in Grimsby haben ihnen für ihr unerschrockenes Verhalten ihre Anerkennung ausgesprochen.— In den dänischen Dampfschiff-Gesellschaften ist ein»oniinellcs Kapital von 70 bis 80 Mill. angelegt. ZnrZeitkoimncn die Mitleilnngen über die Profite, die die verschiedenen Gesellschaften im verflossenenJahre abgeworfen haben. cm die Oeffcntlichkeit. VicrFischerei-Gescllschnftc» gaben auf ein Kapital von S»/4 Millionen Kronen eine Ausbeute von 21 Proz., wovon 10 Proz. an die Aktionäre verteilt wurden. Die Bornholnier Dampfschiff-Gesellschaft verteilt 10 Proz. für das verflossene Jahr. Die Dampfschiff-Gesellschaft„Norden" hatte cinen Ncttoübcrschnß von 644 037 Kronen bei einem Kapital von 3 800 000 Kronen, also 17 Proz. Reingewinn. Die Aktionäre erhalten 10 Proz.— Ein Streik der Wolltvcbcr und Wollspiiittcr ist in V a l n n o in Toskana(Italic») ausgebrochen. Dieselben verdienten bisher bei einer 12 stündigen täglichen Arbeitszeit etwa IS Fr. pro Woche. Die Unternehmer, die vor etlichen 40 Jahren fast ohne Vermögen das Untenichmen begannen und die heute vierfache Millionäre geworden find, kündigten ihren Arbeitern einen Abzug von 40 Proz. an. Die Weber, die bisher im Accord etwa IS Fr. verdienten, würden nach dem neuen Tarif höchstens auf S— 10 Fr. kommen. Sie gingen auf diese Lohnrcduktion nicht ein und legten, ihrer'600 Mann, die Arbeit nieder. Socinlvs. Ei» Arbeiterhaushalt. Ein hiesiger verheirateter, aber kinderloser Maurer, der seit Jahren regelrechte Aufzcichuimgen über seine Hanshaltmigsnnsgaben macht, sendet unS sein Budget für das Jahr 1601. Der Mann arbeitete für einen Stundenlokm von 6ö Pf., ist also zu den besser bezahlten Arbeitern zn rechnen. Da er jedoch durch Wittermigs- Verhältnisse 268 Stunden, durch Maßregelung 233 Stunden und wegen Mangel an Beschäftigung 247Vz Stmidcii verlor, so Halle er nur 1797Vs Arbeitsstunden. Sei» Jahresverdicnst betrug 1168,37 M. Außerdem hatte er noch 1S4,7S M. diverse Einnahmen und da er ferner am Ende des Jahres 1600 einen Ueberschuß von 78,69 M. hatte, so betrug seine Gesamteinnahlne 1401,81 M. Die Gesamtausgabe betrug 1340,61 M., so daß ein Ueberschuß von 61,60 M. verbleibt. Die Ausgaben für die Ernährmig betrugen dabei im Durch- schnitt Ivöcheiitlich 13,74 M., für eine Person täglich also weniger wie 1 M. Unter den übrigen Ausgaben ist zunächst die Wohnungs- miete 228 M. Dann Kleidung, Wäsche, Schuhzeug und Hausstands- fachen 160 M.. Steuern 18 M., Kasten- und Vercinsbeiträge. Vcr- sichernngszwecke 73,46 M., Lektüre 24, IS M., Vergnügungen SS,2S M.; der Rest verteilt sich auf diverse Kleinigkeiten, die aber alle als unentbehrlich erscheinen. Sind bei solchem Einkommen Kinder, dann unterbleiben zn- nächst die Anschaffungen für Kleider ec., die Familie lumpt herunter und die Ernährung muß noch nngeungender ausfallen, wie sie hier cho» ist. Wie aber lebt dann eine Familie, wo der Mann vielleicht 20 M. die Woche verdient? Bekanntlich ist der ortsübliche Tagclohn ge- wöhnlicher Tagcarbciter in Berlin auf 2,90 M. berechnet, das sind nur 17,40 M. wöchentlich, bei 300 Arbeitstagen 870 M. im Jahre. Welches Jammcrdasein müssen diese Leute führen! ElcndSbilder. An die Armenkommisfion in M a n n h e i m gelangte folgendes Schreiben: An die Hochwohlgeboreue Armen-Konnnissio» Hier. Teile gehorsamst mit, daß ich mich entschlossen hatte, um hoch- wohlgeborene Armen« Kommission die Last vom Halse zu lassen, meine ganze Familie ums Leben zu bringen, weil ich das Elend nicht mehr mit ansehen kann. Jedoch hat meine Feigheit noch in letzter Stunde es nicht zugelassen, habe vielmehr für gut be- fnuden, mich allein wegzuschaffen; bitte meine Familie zn unter- stützen. Dieselbe steckt im größten Elend, ick bin schon 14 Tage arbeitslos, gab mir die größte Mühe, kann keine Arbeit finden. Wie ich auf den Hund kam. das ausführlich zu schreiben, wäre zu langweilig; jedoch eins: Ich arbeite seit 1867 als Tagelöhuek teils für 2,80 M., 3 M. und 3,20 M. Habe damit meine Familie so gut ich konnte ernährt, kam aber von Jahr zu Jahr zurück. Hochlvohl« geborene Wohnungskommission war schon etliche Male bei mir, hat immer bestätigt, daß das uicht so weiter gehen könne. das müsse anders werden. Bis jetzt ist aber noch gar nichts geschehen. Bedenken Sie, eine achtköpfige Familie wohnt schon über drei Jahre in eiuein 10 Quadratmeter messenden Loch, wo das Wasser von den Wänden runter läuft, in zwei nicht ganz vollständigen Betten und ein kleines Bcttchen. sage und schreibe zwei Betten. Darin müssen acht Menschen Quartier nehmen(Not- quartier). Es hat sich vor 14 Tagen jemand erbarmt und schenkte mir eine Bettlade und einen Rost. Bitte nochnials um Untcrftütznug meiner Familie. Eile thut not. In der Erwartmig, daß meine Bitte gewährt wird, zeichnet(Folgt die Unterschrift.) llnserm Königsbergcr Partciblatt schreibt man aus E l b i n g: Daß es hier in Eibing angebracht wäre. FrühstückSstuben für Schulkinder einzuführen, belvcist folgender Zettel, welchen ein Klaffen« lehrer dieser Tage erhielt:„Geehrter H�rr Lehrer! Sie werden ent- chuldigen, daß mein Sohn Wilhelm nicht zur Schule kommen konnte, denn wir hatten nichts zn essen, denn mit einem hungrigen Magen konnte ich ihn nicht schicken. Hochachwngsvoll Frau Eng." Ceutralvcrein der Bildhauer Teutschlands(Verwaltungsstelle Berlin). Abends 8»/, Uhr, im Gewerffchaftshausc, Mitgliederversammlung. 1. Geschäftliches. 2. Berichte und Wahlen sämtlicher Kommissionen. 3. Ver- schiedeues._ verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badil Gerichts- mifi« Der Trcbcrtrocknuilgs- Prozeß, lieber die gestrigen Ver- Handlungen wird aus Kassel tclcgraphisch berichtet: Mooren, ver- cidigter kaufmännischer Sachverständiger und Mitglied des Gläubiger-Ausschusses des Ottoschcn Konkurses, war nach dem Krach der Leipziger Bank von Otto beauftragt worden, seine Bücher nachzusehen. Der Eindruck, den er hierbei gewonnen habe, sei der großer Verworrenheit gewesen; so fanden sich Eintragungen, von 900 000 Mark und dergleichen mehr, die ohne jede weitere Begründung einfach auf Weisung des Direktors Schmidt gebucht waren. Schmidt hatte ofstnbar einen fasciuiercnden Einfluß auf Otto ausgeübt. Schon lange vor dem Krach habe er, Zeuge, Otto g e»> a r n.t und ihn zn bestimmen gesucht, von Schmidt zu lassen. Die große Versammlung vom Jahre 1899 hat Zeuge dem Otto direkt als Komödie bezeichnet. Als er ferner Otto die Wertlosigkeit des Bergmannschen Patentes uachgeiviescn hatte, habe sich' bei Besprechung der„rotierenden Retorte" wieder Ottos Optimismus gezeigt; er habe geglaubt, daß Schmidt doch noch alles zu retten wiffen werde. In der fortgesetzten Zeugenvernehmung wurde Zeuge Mooren nach einer von Otto für die Südseegesellschaft gemachten Schenkung von VOOOOO M. befragt und erklärte, daß er sehr erstaunt gewesen sei, in Ottos Büchern hierüber keine Buchungen vorzufinden; schließlich habe sich herausgestellt, daß auf Anweisung des Direktors Schmidt daS Konsortialconto in Berlin einfach mit dieser Summe belastet und dieselbe nachher abgeschrieben wurde. Zeuge ist der Ansicht, daß Otto in seinem Optimismus fähig gewesen wäre, sein Todes- urteil zn unterschreiben. Konkursverwalter Justizrat Fries erklärt auf Befragen des Rechtsanwalts Harnier, daß er im Geheimschrank des Direktors Schmidt Briefe usw. gefunden habe, aus denen hervorgeht, daß Schmidt sehr viele Darlehen gegeben hat, wie er überhaupt gern gab. wo immer er nur darum angegangen wurde; es soll daraus festgestellt werden, daß er Vertrauen von allen Seiten genoß, nicht nur von seilen der Angeklagten. Der Vorsitzende bemerkte, daß, da Direktor Schmidt vorläufig noch nicht hier sei, man mit der Ver- lcsmig der vorhandenen Briefe, auf welche die Angeklagten Bezug nehmen, fortfahre. So hat einmal Schulze- Dellwig an Direktor Schmidt ge- schrieben, daß ihm Sorge mache, Otto werde nicht schweigen. Hermann Sumpf hat einmal an Schmidt geschrieben, man müsse dock auf die„Frankfurter Zeitung" erwidern, man könne auf einen Punkt näher eingehen, das Publikum werde dann glauben, daß es mit den andren Angriffspunkten ebenso windig aussehe. In einem Briefe vom 19. Juni 1900 an Schmidt spricht Schulzc-Dcllwig von dem bösen Artikel der„Frankfurter Zeitung" zwischen dessen Zeilen man vielleicht lesen könne, daß es Spione in der Trebcr-Vcrwaltmig gebe. Schmidt möge für einen guten Redner in der Vcr- Handlung vom 23. sorgen. Man könnte nicht wissen, was die Gegner im Schilde führten. Der Zeuge Bollmann wird vom Vorsitzenden im Anschluß an diesen Brief um Ausklärung ersucht und er spricht seine Meinung dahin aus, daß damals Indiskretionen von Beamten der Treber-Gesellschaft vorgekommen sein müssen. Danach werden die Sachverständigen, über die zwischen den Angeklagten und dem Generaldirektor Schmidt- beziv. der Leipziger Bank ausgeführten WcchseltranSaktioiicn befragt und bezeichnen dieselben als Schein» geschäfte, die einmal als zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gcschlosicn unzulässig und andrerseits geeignet waren, den Vermögens- stand der Gesellschaft zu verschleiern und eine falsche Bilanzaufstellimg herbeizuführen.— Gegen S Uhr nachmittags wurden die Ver- hlMvlimgcn abgebrochen._ VevlÄmtttlnnigvn. Im Verbände deutscher Barbier-, Friseur- und Pcrrücken-- niachcr-Gehilfen sprach Genosse Kiesel über die Aufgaben der Arbeiterbewegung. Lebhafter Beifall belohnte den Redner für seine Ausführungen. Hierauf wurde von Kaiser das vom Einigungsaint eingelaufene Schreiben der Freien Vereinigung selbständiger Barbiere verlesen. Die Arbeitgeber erklären darin, daß sie den Vorwurf der Gehilfen, vertragsbrüchig zn sein, zurückiveisen. Sic wollen sich auf eine Einigung mit der Gehilfenorganisation über- hauptziicht mehr einlassen. Demgegenüber wurde von Liere und Kais er an zahlreicke» Beispielen der Vertragsbruch nachgewiesen. Auch der Satz im Einignngsvertrage: Maßregelungen stnden nicht statt, ist praktisch so ausgesührl worden, daß man die Organisierten entließ und dafür unter dem Tarif arbeitende Gehilfen engagierte. Die Erklärung der Freien Vereinigung, nnt den Gchilfenvertretern Kaiser und Liere nickt' mehr verhandeln zu wollen, bewog die letzteren zurückzutreten. Der Ausschuß der Berliner Ge- iverkschafts-Kommission setzte die Freie Verewigung davon in Kenntnis, worauf letztere erklärte, mit der Organisation nicht mehr zu verhandeln. Die Versammelten beschlossen hierauf. dasEinignilgSamt zur Verhandlung anzurnfen und bestimmten hierzu dieselben Vertreter. Die Versammelten protestierten gegen die Behauptung der Freien Vereini- gung, daß auf dem Nachtveis der Gcwerkscknst unter dem Tarif ver- mittelt wäre, und erklärten diese Behauptung für eine Verleumdung. Verschiedene Redner indessen wiesen darauf hin, daß gerade auf dem Nachweis der Freien Vereinigung die Stellen bedentend unter Tarif vennittelt würden. Zum Schluß wurde noch der Wunsch ge- äußert, daß die Arbeiterschaft recht rege nach der gelben Kontroll- karte fragen möchte._ Uetzke und Depeschen. Köln, 10. Februar.(W. T. B.) Der Rhein ist seit Sonn- abend um 2,96 Meter gestiegen, die Höhe beträgt gcgenlvärtig S,42 Meter. Paris, 10. Februar.(W. T. B.) Die Deputierteiikammer berät das Budget des I u st i z m i n i st e r i n m s. Dumas beantragt Streichung des Titels betreffend Kosten f ü r Hinrichtungen lind spricht sich für Abschaffung der Todesstrafe ans. Jnstizminister Monis bekämpft den Antrag und erklärt, die Frage der Abschaffung der Todesstrafe könne nicht so nebenhin erledigt werden, sei vielmehr einer besonderen Beratung wert. Der Antrag Dumas wird sodann mit 332 gegen 210 Stimmen abgelehnt. Jalta, 10. Februar.(W. T. B.) Im Befinden des Grafen T o l st o j ist plötzlich eine bedeutende Ver- s ch l i m m e r» n g eingetreten. New-Pork, 9. Februar.(W. T. B.) In Paterson(New Jersey) wurden durch eine F e u e r s b r u n st, die durch heftigen Wind noch weiter verbreitet wnrde, das Rathaus und daS Telegraphen« amt und zahlreiche Gebäude der Hauptstraße der Stadt zer- stört. Genauere Nachrichten fehle» infolge der Iluterbrechnng des TelcgraphcnverkchrS; doch wird der Schaden bereits jetzt auf 12 Äillioiieii Dollar angegeben. Bei einem heute früh in Saint-Louis ausgebrochenen Brande, durch den ein Hotel eingeäschert wurde, sind zehn Personen ums Leben gekommc» und mehrere verletzt worden. Die„Frankf. Ztg." meldet aus New Aork: Der Schauplatz der Feueröbrunst in Patterson zeigt ein gewaltiges Trümmerfeld, die Hauptindustric Pattersons, Seidcufabrikatio», ist indes wenig berührt. da von SO großen Etabliffeinents nur fünf vom Feuer er« griffen wurden. Ter Brand brach im WagcuhauS der elektrischen Bahn ans. Die Stadt ist vollständig in Dunkelheit gehüllt, da alle Gas- und elektrischen Anlagen zerstört sind. Tic Zahl der bei der gestrigen Feuers brunst Per« letzten, die in Krankenhäusern Aufnahme gefunden habe», beträgt f ü» f z i g. Durch den Brand ist auch der Stadtteil, in tvclchem die hiesigen Anarchisten ihre Zusammenkünfte hallen, zeistört worden. Port Louiö, 10. Februar.(W. T. B) Ein Cyklon hat die Insel Mauritius heimgesucht; daS Centrum desselben ging über die Insel fort. Halifax(Neuschottland), 9. Februar.(85. T. 93.) Der Dampfer der Allan-Li'nie„Grccian" ist bei der Einfahrt in den hiesigen Hafen aufgelaufen; die Lage des Schiffes ist ungünstig._ 8 in Berlin. Hierzu L Beilage»«. Nuterhaltmizöblatt. Ilt. 35. 19. 1. WM dcs Jurrttls" Krlim MsdlR Dit»slG. II. ItbtMt 1902. 139. Sitzung vom Mo» tag. 10. F e b r« a r 1902, nachmittags 1 II h r. Am BnndcsratStische: Gras Posado wskh. Auf der Tagcsordumig sieht die erste Beratimg des Gesetzes, Bctiiffciid die Kontrosle des ReichshauöhaltS. Adg. Dr. Müller- Sagau(frs. Vp.): In der Begründung zu diesem Gesetz heijzl es, der Eutivnrf unterscheidet sich von den bisher ergangene» gleichartigen Gesetzen, durch lvelche die Hanshaltskontrolle alljährlich der preuhische» Lber-Rechnungskammer unter der Benennung „Rechnungshof des Deutschen Reichs" übertrage«»«vorden ist, jnso- fern als in der Ueberschrift die Einschränkung ans ein bestinnntes Rechnungsjahr fortgefallen ist. Diese Thatsache in Verbindung init der andern, das; ein besondres Dienstgebäude siir den Rechnnngshvf gefordert ivird, scheint darauf hinzudeuten, daß ein besonderer Rechnungshof für das Deutsche Reich gegründet«verde» soll. Wir haben ja seit lange ein Komptabilitäts-Gesetz, eine dauernde Regelung der Reichshanshalts« Kontrolle durch eine besondere Gesetzgebung gefordert. Sollte aber ein dauern der Reichs-Rechnnngshvf eingesetzt tverdeii, so wäre es sehr »vünschensivert. daß der S i tz desselben nicht in Potsdam bleibt, sondern der Potsdamer Atmosphäre entzöge», und«ine das Reichsgericht, nach einer dem Einfluß geivisser Potsdamer- Kreise mehren tzogeuen Gegend, vielleicht nach Stuttgart, verlegt i'.nrd.— Aus diesen Gründen beantrage ich, den Enttvurf an die Budgetkommission zu verweisen, damit«vir dort erfahren,«vas mit der crivähnten Aenderung des Titels beabsichtigt ist. Direktor im Reichsschatzamt Ttvelc: Der Herr Borredner hat ans den« vorliegenden Gesetzcnilvurs Schlußfolgerungen gezogen, die die Regierung überhaupt nicht beabsichtigt hat. Durch diesen Eni- «vurf«vollen die verbündeten Regierungen nur die unhaltbaren Zu- stände, die auf diesem Gebiete bestehen, beseitigen. Auf den Vor- schlag, den Rechnungshof von Potsdam zu verlegen, Ivill ich nicht «vciter eingehen, da dies nicht zum Gegenstand derTagesordming gehört. Gegen den Wunsch des Vorredners, den Entivncf in der alten Weise Ivicdcr vorzulegen, hat die Regierung nicht die geringsten Bedenken und ivird denselben bei der ziveiten Lesung berücksichtigen. Abg. Dr. Paasck)e snatl.j und Abg. Spahn(C.j schließen sich den Ausfühnliigen des Abg. Müller-Sagan an. Nachdem Abg. Müller- Saga» seine» Antrag auf Verlveisnng an die Bndgelkoinmlssion zurückgezogen hat,«vird der Entlvurf genehmigt. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs zum Schutze deS Genfer Ncntralitiitszeichens. Staatssekretär Graf Posadowöky: Es kann keinem Zlveifel nntcrlicgen, daß das rote Kreuz vielfach zu geschäftlichen Zwecken gemißbraucht«vird. Diesem Uebclstande«vill der vorliegende Gesetz- cntivnrf abhelfen. Ich kann Sie deshalb nur bitten, demselben WohlU'ollcn eiitgegenznbringen und ihm zur Annahme z» verhelfe« Abg. Dr. Arendt(Rp): Es liegt im Interesse des Publikums, daß das Rote Kreuz nicht zur Irreführung gemißbraucht ivird. Solchen Irreführungen soll das vorliegende Gesetz vorbeugen. Man muß approbiertes und nichtapprobiertes Krankenpflcger-Personal uiiterscheidcn köniien. Ich beantrage, zur Prüfung der einzelnen Uebergangsbestiimnungen den Entlvurf einer Kommission von 14 Mit gliedern zu überlveisen. Abg. Prinz Schönaich-Carolath snatl.): Auch wir begrüßen die Vorlage mit großer Freude. Fast überall herrscht im Publikum die Ansicht, daß Waren, die mit den« Roten Kreuz verschen sind, be- sonders heilbringend seien. Ebenso«vird den Krankenpflegern, die dieses Kreuz tragen, besonderes Vertrauen entgegengebracht. Man uinimt an, daß sie Bca>«ftragte der CentralveNvaltnng des Roten Kreuzes sind,«vas aber heute durchaus nicht der Fall zu sein braucht. Daher«vor es dringend notivcndig, das Zeichen des Roten Kreuzes zu schützen, wie es hier geschieht. Einer KoinmissionSberatung stimmen auch meine politischen Freunde z««. l». Blödau sivildk.): Von Seiten Gelverbetreibcndcr aus Alten bürg, die bisher das Rote Kreuz unbehindert als Warenzeichen gc führt haben, sind 5 Petitionen angelangt, die Entschädigung für die Entziehung dieses Warenzeichens verlangen. Ich bin der Ansicht, daß diese Forderung durchaus berechtigt ist, denn die Betreffende» haben das Zeichen bisher von Rechts«vegen geführt. In der Komniission«Verden«vir also diese Ansprüche zu prüfen haben. Staatssekretär Graf Posadowsky: Das Genfer„Rote Krenz war als ein Wahrzeichen gedacht allein für die edlen Bcstrebnngen der Vereine vom Roten Krenz. Die A nilahme des roten Kreuzes als Warenzeichen lvar also von vornherein eine nicht ganz»»- bedenkliche Sache. Wenn«vir uns auf Entschädigungen einlassen wollen für diejenigen, die in Zukunft dieses Warenzeiche» nicht niehr führen dürfen, so niüßten wir mit unsrer ganzen Socialpolitik über- Haupt Halt machen. Die Entschädiguiigsforderungen«vürde» sich ins nngemesscne steigern.» Abg. Dr. Zwirk sfrs. Vp.); Ich möchte bitten, Privatleuten hin- sichtlich ihrer Abzeichen doch eine etivas größere Freiheit zuzugestehen. als es durch dies Gesetz beabsichtigt«vird. Das Gesetz gilt doch nicht für Kriegs-, sondern für Friedenszeiten. Es ist uns fraglich, ob man in den» Schutze des Rote» Kreuzes überhaupt sölveit gehen kann, Ivie es das Gesetz will. Es könnte dadurch leicht eine Schädigung einer Reihe von Krankenpfleger- und SanitätS- vereinig,»ige»«, die jetzt das rote Kreuz als Abzeichen führen, herbei- geführt«verde». Hoffentlich«verde«» unsre Bedenken in der Kom- »ilission beseitigt. Damit schließt die Diskussion; die Vorlage geht an eine Kommission von 14 Miiglieder». Die endgültigen Uebersichten der E i n n a h in e n und Ans- gaben des ofst a f r i k a n i s ch e n Schutzgebiets für 1897/98, soivie der Schutzgebiete von Kamerun und Togo und des südafrikanische» Schutzgebiets für 1898»verde«« debattclos in zlveiter Bcratung genehmigt. Darauf«vird die zweite Lesung des JnsttzetatS fortgesetzt beim Titel„Staatssekretär". Abg. Schräder(frs. Bg.): Es ist schon hingelvicsen«vorden auf die Notwendigkeit eiiieS Strafvollzngsgesetzcs für das Reich. ES ist zu be« dauern, daß diese Materie di«rch Bereinbari«ng eines Strafvollzugs- Reglements uiiter den verbündeten Regierungei» der Gesetzgebung des Reichstages entzogen ist. Die Befugnis des Reiches, die Justizpflege der Einzelstaaten zu überivachen, kann nicht b e st r i t t e n werden. Ich komme auf die Frage der B e k ä in p f n» g des Duells. ES«vnrden bekanntlich in letzter Zeit sensationelle Mitleilungen über angebliche Aeußerungen des Kaisers in Potsdam zur Dnellfrage verbreitet, und«vir haben uns im Reichstag vor Weihnachten ausführlich über diesen Unfug unterhalten. Bald darauf aber belviesen mehrere neue Vorfälle, daß der Duell»in fug eher zunimmt als in der Abnahme begriffe» ist. Besonders der Fall Falkenhagen-Bennigsen bciveist den Unfinn des Duells. Der beleidigte Ehemann hat seine Ehre nicht gerettet, er ist iin Duell gefallen. Und solche Fälle können sich jeden Tag»viederholen. Da- her muß endlich etivas geschehen, hin den» Dnevunsrig energisch e»t- gegenzntreten. Die Duellunsitte beschränkt sich heute keines- «ve'gs niehr auf die sogenannten feudalen Kreise, für die es eine noch a»S dem Mittelalter stammende Tradition bedeutet; heute ,,, u ß sich jeder duellieren, der R e s e r v e- O f f> z i e r ist. kürzlich hat sogar ein Vertreter der Justiz, Oberstaatsanwalt- schaftS- Rat CunY. in öffentlicher Rede den Zweikampf ver- tcidigt.(Hört! hört! links.) Für uns ist der Anzugreifende nicht so sehr der Duellant, als vielmehr die Standessitte. Das Gesetz muß so geändert werden, daß es geeignet ist, die Standes- fitte zu beseitigen. Auch Gefängnisstrafen allein»vürden gegen das Duell nichts nütze««, es muß zugleich Aberkennung des Rechtes, ein öffentliches Amt zu bekleiden, eintreten. Unser Antrag, von dem ich hoffe, daß er noch in dieser Session zur Verhandlung kommt, sieht eine derartige Bestimmung vor, und ich bin überzeugt, daß seine Annahme die endliche Beseitigung der Unsitte des Duells hcrbeisühren»vürde.(Bravo! links.) Abg. Rören((£.): Der Antrag Schräder»vird,«vem» er zur Verhandlung gelangt, jedenfalls einer' Konnnission überwiesen«verde»,«vo Gelegenheit sein «vird, ihn in Gemeinschaft mit dem von unsrer Partei gestellten Dnellanlrag zu beraten. Diese Beratungen«verde«» ergeben, ivelcher Antrag der herrschenden Unsitte am besten zu Leibe geht. In der Verurteilung des Unfugs sind«vir ja einig. Eine weitere der Er- ledignng dringend bedürftige Frage ist die Entschädig n» g unschuldig Verhafteter. Ihre Regelung ist eine notivendige Konsequenz der inzwischen geregelten' Frage der Entschädigung unschuldig Verurteilter. Ich verkenne die Schwierigkeiten der Frage nicht, sie dürfen aber das Reich nicht vcranlaffen, von der Erledigung dieser Frage überhaupt Abstand zu nehmen. Im Juni vorigen JahreS hat die erste Kammer des Grotz Herzogtums Hessen auf Anregung der zweiten Kammer die Regierung ersucht, bei der Reichsrcgiernng auf baldige Vorlegung eines Gesetz entivurfs zur Entschädigung unschuldig Verhafteter hinznivirkeir. Eine»veitere Frage, die ich anzuregen habe, betrifft die b e dingte Verurteilung. Eine reichsgesetzlichc Regelung dieser Frage ist noch nicht erfolgt, nur sind die Jnstizbehörden der Einzelstnaten zu einer sogenannte» administrative» Enlscheidnng darüber befugt. ob in einem bestimmten Fall die bedingte Verurteilung eintreten könne. In Frankreich, Norivegcn, Schweden, England, Belgien nnd Holland ist die bedingte Vemrteilnng eingeführt, nnd zivar mit de» segensreichsten Folgen. Trotzdem trägt die Reichsregierung noch Bedenken, die Angelegenheit reichSgesctzlich zu regeln. Der erkennende Richter lväre allein in der Lage, auf Grund der mündlichen Ver- Handlung zu entscheiden, ob eine bedingte Verurteilung eintreten soll oder nicht. Staatssekretär Nieberdiug: Gegenüber Herrn Schräder bemerke ich, daß ich allerdings verpflichtet bin, die Rechte des Reiches zu wahren, ebenso umß ich aber auch die Rechte der Einzelstaaten achten. Daraus resultierte mein Standpunkt, den ich in der letzten Sitzung gegenüber einzelnen Fällen der Begnadigrmg zu körperlichen Züchiiguiigen in einein kleinen Bundesstaate einnahm. I» das den Landesfi'nstcn verfassungsmäßig ge>vährleistete Begnadigungsrecht habe ich kein Recht einzugreifen.— Mit der Frage der Eni s ch ä d i g u n g unschuldig Verhafteter' beschnstigen»vir uns fortslesetzt, abgeschloffc»' sind die Verhandlungen in dieser An- gclegenheit noch nicht. Die Schlvicrigkeit liegt darin, daß die Frage «virksan» nur so geregelt«verde» kann, daß den« unschuldig Vcrha'f- teten ein uuzlveifelhafter Rechtsanspruch auf die Entschädigung zu- stehen müßte.— Ueber die bisherigen Resultate mit der' b e- dingten Begnadigung»vird Ihnen auch in diesem Jahre«vieder eine Denkschrift zugehen. Die Zahl der bo dingt Begnadigte» hat sich in de» letzten drei Jahren Uli» 39 P r o z. v c r m e h rt. Die Bnndcsregieriuigen sind aber keineSwcgs davon überzeugt, daß die günstigen Eifahrungcn in den Einzelstaaten mit der bedingten Begnadigung die Notivendigkeit der rcichsgesetzlichen Einführung der bedingten Verurteilung ergeben haben. Abg. v. Kardorff(Rp.): I» Frankreich ist das Duell noch heut zutage eine durchaus populäre I» st i t u t i o n. Wohin«vürde» «vir kommen,«vem« die Anträge Schräder oder Gröber angenommen «vürden? In Frankreich«verde» bekanntlich Ehemänner, die den Verführer ihrer Frau ohne«vciteres niederschießen, regelmäßig von den Gcschlvorneu freigesprochen. Ist diese Praxis unsrem Rechtszustande etiva vorzuziehen?(Lachen links.) In Engkand ist mit der Be- seitignng des Duells einhcrgegangen ei«i sehr wirksames, kurzes Ver> fahren gegen Verleumdung nnd Ehlabschneiderci vor dem Friedend lichter. Die Einziehung hoher Geldstrafen. Ivie sie in England üblich ist, widerspricht aber nnsrem Gefühl. Es kommt hinzu, daß in Eng land die Offiziere meistens in Civil gehen.(Heiterkeit.) Abg. vargmanu(frs. Vp.): Die Heranffetznng der Strafgrenze von» 12. ans das 14. Jahr habe ich schon im vorigen Jahr befür «vortet. Die vom Staatssekretär an» Sonnabend gegebene kriminal- statistik des jugendliche» Alters ist allerdings erschreckend, ob anS dieser Statistik aber ein Schluß gegen die Heraussetzung der Straf- grenze gezogen«Verden kann, erscheint niir doch einigerinaßen zivcifclhaft. Redner geht dam» auf einen kürzlich in Bremen vor- gekomincneii Fall ein,«vo ein junger Kaufinann auf einen g a n z unbegründeten Verdacht hin von drei Schutz lente» verhaftet und ins Gefängnis geführt wurde. Von eiuenr Redner wurde das Slrafmittel der Deportation gestreift, aber auch in Frankreich, Ivo der cocko xsral von 1810 diese Strafart vorsah, hat man damit keine guten Erfahrungen gemacht. Die gegen de» Duellunfug gerichteten Anträge finden misre volle Unterstiitzling. Mit den» Kollege» Heine bin ich darin durchaus einverstandeu, daß eine Verschärfung d e r S t r a f e n für Beleidigungen»» t e r den gegenwärtigen Verhältnissen bedenklich sein und nur zu einer Be s ch r ä» k u n g der ö f s e n t I i ch e n Kritik führe» würde. Auf den» Gebiete der RcichSjustiz-Gesetzgebung sind leider in letzter Zeit»rur Fragmente vorgeloimnen, wie die Regelung der Entschädigung unschuldig Verurteilter. Die in deutschen Kleinstaaten vorgekonimene„Begnadiguug" von Kindern zur Prügelstrafe, d. h. zu einer S t r a f a r t. die das Straf- gesrtzbnch gar nicht kennt, steht offenbar mit den Gesetzen in flagrantestem Widerspruch. Hier sollte der Staatssekretär doch etivas energischer auf die Durchführung der Bestiiiunungen des Reichs-Strafgesetzbuchs in den Einzelstaaten dringen. Abg. Baffcrmann(natl.): ES ist von einer allgemeinen Revision deS Strafgesetzbuchs gesprochen worden. Ich halte diese in der gegeinvärtigen Zeit für g a nz u n n> ö g l i ch. Dagegen sind einzelne Materien dringend der Regelung be- dürftig; so muß ein Gesetz geschaffen«verde», das es ermöglicht, jugendliche Personen im Alter von 14 bis 18 Jahren der Z lv a n g s e rz i e h u n g zu überlveisen und ferner ein Gesetz, das die bedingte Verurteilung r e i ch s- gesetzlich regelt. Weiter ist ein Ausbau des Systems der Schöffengerichte in der Richtung, daß statt der Heuligen Straf- kainmern große Schöffengerichte eingerichtet iverde», gegen deren Urteile Berufung an die ÖberlandeSgerichte erfolgen kann.— Was die Dnell- frage anlangt, stehen»vir dein Antrag Schräder nicht ohne»veitereS ablehnend gegenüber und sind bereit, ihn in einer K o»>„»» s s i o n »» prüfen. Anschließen kann ich mich der Vcrurteilnng ier cuotoclia honesta, die Festungshaft wächst sich innner mehr zu einen» fidelen Gefängnis aus. Sehr bedauerlich sind die vielen Fälle von Begnadigungen bei D u e l l v e r g e h e n.� Sie sind um so bedauerlicher,«venu man iveitz, lvie s ch lv e r es s o» st einem arm e n K e r l i st, die Begnadigung zu erlangen. So ist mir ein Fall bekannt, i» den» es einen» Arbeiter, der aus dem Gefängnis»vegeu Tuberkulose e»tlassei» lvar, nicht möglich«var, die Begnadi- gung zn erlangen. Er»nilß te»vieder in das Gefängnis zurück. (Höirt! hört! links). Die Resolution Gröber geht uns zu»veit. Der Antrag Schräder dagegen geht in der Beziehung zu weit, daß er die Festungshaft für alle Fälle des Duells beseitigen will und nur noch Gefängnisstrafe» vorsteht. Zu weit geht uns auch die Fordermig, daß Duellanten das Recht, öffentliche Aemter zu bekleiden, aberkannt werde» soll.— Eine zu hohe Bestrafung deS Duells würde nur die Fälle der Begnadigungen ins Ungemessene vermehren und das alte Fmistrecht wieder einführen. Ich kann mich dahin resümieren, daß wir den Antrag Gröber ablehnen, den Antrag Schräder, wenn er zur Berhandlmig' kommt, in einer Kom- Mission prüfen wollen.(Bravo! bei den Natl.) Abg. Stadthageu(Soc.). Der Staatssekretär hat sich beklagt über die Zunahme der Kriminalität in» jugendlichen Alter. Man sollte statt solcher Klagen lieber de» Ursachen dieser Er- schciinmg nachgeben. Im Plötzenseer Strafgefängnis stellte sich bei einer Untersuchung heraus, daß mehr als 70 Prozent der dort Internierten in der Jugend erwcrbSthätig waren. Je stärker die Erwerbslhätigkeit der Kinder, um so größer die Zahl der Vergehen. In Preußen giebt cS rund 800 000 erwerbs- t h a t i g e Kinder. Dazu kommen die Schillverhältnisse. Je schlechter unsre Schulverhältnisse geworden sind, desto mehr ist die Zahl der bestraften Kinder gewachsen. Die zu geringe Zahl der Schulen ist ei»S der Hauptmomente für die Zunahme der jugendlichen Verbrecher. Es ist hier nicht mit dem Strafgesetz allein, nicht mit der Heraufsetziliig des strafmündigen Alters gethan, sondern mit der Sorge f ü r d i e j e n i g e n, die den Kampf in i t dem Leben aufnehmen müsse n. In dieser Bezichnng ist auch das Vorgehen der Berliner Stadt- Verwaltung, die Berliner Waisen pflege,� bedanerns- >v e r t. Die Freisinnigen treten ja da, Ivo sie nichts zu sagen haben, für gnte Schnlbildinig ein, nur nicht da, wo sie die Macht haben. Sehr lvünschcnSwert wäre eine Statistik über die Ursache der Vergehen jugendlicher Personen. Es muß dargelegt«verde»», lvie die Eriverbsvcrhältnisse der Eltern des Kindes nnd die Schnlverhältnisse geivcsen sind.— Für die Resolution Gröber«verde»«vir stimme««. Der Antrag qualifiziert den D n e l l m o r d als daS,«vas er ist, alS gelvöh'nlichen Mord. Wir fühlen uns frei von jener Sentimentalität, die darüber heulmeiert, ivenn dieser oder jener im Duell gefallen»st. Dieser gegenseitige Selbstmord ist nnd bleibt jedenfalls ein Mord»nd muß als solcher bestraft«Verden. Wer den Mord verabscheut,«venu er sich gegen de» Prä- sidenten einer Republik ivcndet oder sonst ein Ober- Haupt eines andren Staates, muß auch den Duell- m o r d v e r a b s ch e n e n. Der Dnellmord ist sogar verächtlicher als jeder andre Mord. Der Dncllfex nämlich erklärt sich jede r- zeit bereit, die Siii«de des Mordes unter den für standesgemäß erachteten Ceremonien zu begehen. Herr Basscrmann meinte, es gäbe innner noch Leute, die das Duell als etwas Ehrenvolles ansehe«». Ja, es giebt auch Banditen, es giebt auch Raubmörder, die ihre eigne M ö r d e r e h r e für sich in Anspruch nehmen. Die That der Duellfexen ist eine besonders feige,»veil sie sich dem Reglement ihrer Standesgenossen nicht zu ciitziehen«vagen, nnd wir haben keine Veranlassung, auf diese F e i g b e i t Rücksicht zn nehmen. Wessen Ehre zn ihrer Reparatur deS Mordes bedarf, der hat keine Ehre. der gehört in das Erzieh nngshauS oder das ZilchthanS! (Sehr gut! bei den Socialdemokrateii.) Der Duellant vcr- dient durchaus den Namen, den man einem feigen Mörder geben muß! Wenn bei uns auf Mord die Todesstrafe gesetzt ist.«variim soll dann der organisierteste Mord, das Duell, geringer bestraft werden? Wir können auf diese bor- n i c rt e'n Vorurteile keine Rücksicht nehinen und sind mit dein Grundgedanken des Antrages Gröber einverstanden. Eine Ans- dehn u n g der F e st n ii g s st r a f e halte anch ich, ivie mein Kollege Heine, für angebracht, aber diese Strafe kann nicht für das Duell in Betracht kommen. Das Duell ist zn uns herübergckonnnen aus Spanien, aus der Zeit der Don- qnichotterie», und ivnrde im 17. Jahrhundert von unsrem Adel sehr gut aufgenommen. Es giebt keinerlei Ent- schnldigniig für irgend ein Duell anßcr. der damit vcr- bnndenen D>« m m h c i t. Ich lvar sehr erstannt, daß anch hier im Reichstag sich»och Stimmen erheben, die gewisse Arten von Duell verteidigen. Den Herren, die, weil sie in StandeSvornrteile» aufgewachsen sind, sich untereinander duellieren wollen, habe ich ja nichts dagegen einzuwenden, ich bin da für Selbstverwaltiing.(Heiterkeit.) Sie sollten dann aber wenigstens in ihren Komment die Bestimmniig auf- »ehincn, daß die Duellanten verpflichtet sind, sich gegen» seitig tödlich zu treffen. �Heiterkeit.) Ganz»»verständlich lvar mir, wie Herr Basserniaim die angeblich zu geringe Bestrafung der B e l e i d i g«« n g e n'mit dem Duell in Verbindung bringen konnte. Mein Parteigenosse Heine hat ja schon darauf hingelvicsen, Ivie henie die Z§'185 und 186 von den V e- Hörden dazu benutzt tverden, um politischen Gegnern eins z n versetzen. Es ist aber überhaupt ein Irrtum,' daß die Ehre eines angeblich Beleidigte» durch die Bestrafung des Beleidigers geflickt werden kann. Von einem Tadel der Bredenbeck zu teil gewordenen e h a n d l n n g habe ich auf der rechten Seite dieses Hanfes nichts gehört. Das ist charakteristisch für diese Herren! Ich kann es auch nicht für besonders tapfer halten,«venu der preußische Minister des Innern im Abgcordiietenhause erklärt, Bredenbeck sei ein Sitzredacteur. Bredenbeck hat darauf an« 29. Jaiiltar 1902 an den Mini st er des Innern öffentlich geschrieben, daß er von seiner Loyalität als selbstverständlich voraussetzt, daß der Minister eine nachträgliche Richtigstellung von derselben Stelle bekannt gebe, von der ans er diese Angriffe gegen ihn gc- richtet hat. Seitdem find aber 14 Tage ins Land gegangen, ohne daß der preußische Polizenninister die 1l n«v a h r h o i t e>« gegen Bredenbeck zurückgenommen hätte. Außerhalb dieses Haiises würde man einen Mann, der eine Berleumdnng gegen einen andren in einer Bcamleiistellimg ausspricht nnd nicht die erste Ge- leaeiihcit benutzt.«»» diese Verleumdung zurückzuiichinen, nicht einen Chreninalin nennen.(Glocke deS Präsidenten.) Präs. Graf Ballcstrcm(unterbrechend): Herr Abgeordneter, trotz der Umschreibungen, die Sie gebraucht haben, muß ich diese Aenßc- rmigeii gegen den Herrn Minister des Jmicri« als nnziilässig»md gegen die Ordinmg des Hauses verstoßend erkläre». Ich rufe Sie deshalb znr Ordnung. Abg. Stadthage»«(fortfahrend): Nun. Ich überlasse die Onalifikation dieser Art des Vorgehens deS Ministers durchaus den« Urteil der Allgeineinheit. Es«var g e- ' e tz>v i d r i g, Bredenbeck z» fesseln. ES lvar ei» M i ß b r a«« ch der Amtsgewalt, für den daS Strafgesetzbuch die Znchthansstrafe androht. Es ist keine einzelstantliche Polizei- jache, sondern es gehört durchaus vor den Reichs- tag. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft hat auch in Preußen nicht das Recht, gegen das ReichSgcsetz zn handeln, und die betlefieliden Beamten' gehöre»»ach dem Straf- gesetzbuch ins Zuchthaus, vorausgesetzt, daß ein Ankläger da ist und sie das Bcivußtseiii von der Tragivcite ihrer Handlungen gehabt haben. Der Umstand, daß keine "erfolgung der begangene» Slraflhat eingetreten ist, zeigt die Rolwendigkeit, daß das Anklagemonopol der Staatsanivaltschaft be- 'eitigt«vird und jeder verletzte Bürger selbst klagen kann. Naiürlich müssen dann Volksgcrichte, nicht etiva Kollege» des znr Anklage Gestellten entscheiden. Würde hier ein unparteiisches Volks- gericht zu entscheiden haben, ich bin überzeugt, der Gendarm wäre init einer gelinden Strafe davon gekommen, der Stantsanivalt würde aber«ns Znchthans geschickt sein.(Sehr gut l bei den Socialdeniokr.) Freilich in einem Klassenftaat«st die Verfolgung eines solchen Staatsautvalts nickt z n e r lv a r t e n. Herr Müller-Mcniingcn warnte am Schluß seiner Rede den Herrn Staatssekretär, er möge dafür sorgen, daß im Volke nicht die Meinung auf- komme,»vir hätten eine Klassenjustiz. Ich bin der Ansicht, die große Menge des Publiknms ist längst davon«berje»«gt, das? allerdings Klassenjustiz bei«nS besteht(Sehr richtig! bei den Socwldemvlrnteu) und bestehen muß.— Auch von andrer Seite haben wir ja vielfach Klagen über schlechte Behandlung von Gefangenen gebort. So erinnere ich daran, dag der aus dem Elberfelder Militär- befreinngS-Prozes; bekannte Dr. Schulz in der„Kölnischen Zeitung" -Klagen veröffentlicht hat, daß ihm im Gefängnis ungenießbares Essen vorgesetzt worden ist und daß die von ihm zu seiner Selbstbeköstigung angctviesenen Gelder erst nach einigen Tage» dazu benutzt worden sind. Das Gericht hat ans das Zeugnis des Aufsehers entschieden, daß das Essen gut ge- »vesen sei und daß die Verzögerung in der Geldauszahlung nicht zu vermeiden war. Dr. Schulz und der Ncdacteur der „Köln. Ztg." sind dann wegen Beleidigung bestraft worden. WaS sagt Herr Bassermann dazu, daß es hier„seinem Parteigenossen durch Anwendung des Beleidigungsparagraphcn verwehrt wird, in der Presse die Wahrheit zu vertreten. Wenn von uns aus gegen die u n- zähligen Flegeleien und Beleidigungen der gegnerischen Presse auch nur in einem Zehntel der Fälle Anklage erhoben würde, würden Hunderte von Jahren Ge- f ä n g n i s für Redacteure mehr bei uns zn verzeichnen sein als in andren Länder», aber wir stehen zu hoch, als daß wir durch Angriffe andrer beleidigt werden könnten. Ich habe noch eine andre Sache zur Sprache bringen Ivöllen, daß nämlich ein Recht, das jedem Staatsbürger zusteht, Ar- heitern gegenüber nicht beachtet wird. Ich habe wiederholt ge- sprorben von der Ungeheuerlichkeit, daß der prenstische Eisenbahn minister erklärt, der 8 3� des Bürgerlichen Gesetzbuches, der die Richtpsändbarkcit deö Lohnes ausspricht, sei nicht zivingendcS Recht. Trotzdem das wiederholt hier im Reichs tag z ur ii ck g e w i e s e n ist. steht der betreffende Erlaß des EisenbahnministcrS noch in G e I t n n g. Nach dem neuen Gewerbegerichts-Gesetz müssen in alle» Städten mit über 20000 Einwohnern Geiverbe g e r i ch t e eingerichtet werden Entgegen diesem klaren Wortlaut ist in mehreren Städten von über 20 000 Einivohiiern dank dem Einfluß der Arbeitgeber noch kein Gelverbegericht errichtet. So liegt mir eine Beschwerde vor aus Münster: in andren Städten ist es ebenso. Die Arbeiter werden da durch völlig rechtlos-- Präsident Graf Ballestrem(unterbrechend): Herr Abgeordneter, die Gclverbegerichte gehöre» nicht zum Ncichs-Justizamt, sondern 'zum Reichsamt des Innern. Abg. Stadthagc»(fortfahrend): Ich sah hier insofern einen Zw saunneuhang, als das Reich sjustizamt darüber zu loa che» hat, daß die R c i ch s j u st i z- G e s e tz e auch beachtet werden. Weiter habe ich Beschlverde darüber zu führen, daß der Art. 95 des Einführungsgesetzes zuni Bürgerlichen Gesetzbuch, der die Gesindevcrhältnissc be trifft, nicht beachtet lvird. Ich bitte den Staatssekretär dafür zu sorgen, daß dieser Artikel 95 endlich voll Gesetz wird. Auch hier zeigt sich wieder, wie wenig man au Versprechungen der Regierungsvertreter geben kann. Die VerrnfS' erklärungen hören, trotzdem sie für unzulässig erklärt worden sind, nicht auf; selbst Behörden beteiligen sich an der Ausgabe von schivarzcn Listen. Der Erlaß der preußischen Minister des Innern und der Justiz gegen die A r b e i t e r g e w e r k s ch a f t e n ist schon vom Abg. Heine besprochen worden. Ich möchte den Staats sekretär bitten, die einzelnen Verwaltuiigsbehörde» in den Einzelstaaten darauf aufmerksam zu machen, daß diese Erpressungsstrafcn auch gegen Arbeitgeber Anwendung finden. I» einem mir vor- liegenden Brief wird ein Arbeiter von seinem Arbeit- geber in schärfster Weise aufgefordert, aus einer A r b e i t e r- O r g a» i s a t i o» auszutreten, widrigenfalls würde er entlassen. Das ist ein Versuch, ans die Willensfreiheit des Einzelnen cinznlvirken in rechtswidriger Weise. Inn dem Arbeitgeber einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zukomnien zu lassen dadurch, daß der Arbeiter verhindert wird an der Bc- teiligung an einer Organisation, die bessere Lohnbedingungen erstrebt. Gleiches Recht für alle! Was dem Arbeiter recht ist, mutz dem Arbeitgeber billig sein. Bei Beratung des Bürger lichen Gesetzbuchs haben wir schon eine solche Judikatur gegen' die Arbeiter vorausgesagt. Wir müssen verlange», daß mit gleichem Maß auch gegen die Arbeitgeber vorgegangen wird. Ans welchen Gründe n find die sonst so arbeitSfrcndigc» Staatsanwalt- s ch a f t e n noch nie gegen derartige Vergehen der Arbeitgeber eingeschritten? Freilich ist dies ja erklärlich, da in Preußen bekanntlich der Grundsatz herrscht: wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht das- selbe. Ich erwarte von dem Herrn Staatssekretär, daß er einen Gesetzentwurf einbringt, der diesen Mißbrauch des Erpressimgs- Paragraphen ausschließt, oder aber den Arbeitern das Recht gicbt, den Erprjessungsparagraphen aucki gegen die Unter- n e h m er in gleicher Weise anznivenden.— Ich komme nun zu eineni Fall, der die Notwendigkeit einer andern Or- ganisation unsrer Gerichte auf das schlagendste beweist. In K ö s l i n hat sich im Dezember vorigen Jahres ein Strafprozeß vor dem Schwurgericht abgespielt, der an ungerechten Urteile» seines- gleichen nur im Löbtaner Fall hat. Dort kam es bei Gelegenheit eines Streiks zwischen Streikenden und Nichtstreikenden zu Reibereien. Die Streikenden wurden aufgefordert zn gehen, die am meisten bc- lasteten sollen den Gendarmen gegenüber erklärt haben: warum sollen w i r denn gehen, wenn die andren b I e i b e n. die andren, von denen einer mit dem Revolver geschossen bat. Schwere Verletzungen sind überhaupt nicht vorgekommen, eine Reihe von Arbeitern sind aber angeklagt wegen Landfriedensbruches und R ä d e l s f ü h r e r s ch a f t zu demselben. Das Schwurgericht hat lediglich aus Hausbesitzern bestanden und vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein getagt, so daß die Möglichkeit eines vcr- ständigen Urteils absolut ausgeschlossen war. Ein Zeuge hat erklärt, er sei auf den Bahnhof gekommen, man habe ihn angehalten, er habe einen Hieb bekommen, ein Stein sei ihm an den Kopf geflogen, dann habe er den Revolver gezogen. Ein Angeklagter habe ihm gesagt, hier werde gestreikt. Ober ihn geschlagen habe, weiß er nicht. Später hat der H a n p t b e l a st n n g S z e n g e bestätigt, er habe gesagt, wenn er vom Streikkoni itee 40 M. bekomme, wolle er nichts machen. Das habe er aber nur gesagt, nm die Leute los zu werden. Er war mehrmals wegen Sittlichkeits- vergehen vorbestraft. Das Urteil gegen die Angeklagten lautete in einzelnen Fällen auf 8 und Kl Monate Gefängnis. Der An- geklagte, der sich dem Gendarmen gegenüber geweigert hatte, fortzugehen, wurde als Rädelsführer mit 3 Jahren Zuchthaus bestraft. (Hört! hört! bei den Socialdcniokraten.) In dem ganzen Falle handelt es sich um eine kleine Schlägerei, und dabei diese kolossalen nngehenerlichcn Strafen. Um dieselbe Zeit fand vor dem Landgericht itz Zwickau ein Prozeß statt, in dem es sich nicht nm Arbeiter, sondern nm K a u f l e n t e im Alter von 17 bis 35 Jahren, alles Söhne vermögender, hochachtbarer Eltern handelte. Sie wurden angeklagt wegen Wider st ands gegen die Staats- g c w a l t und Hausfriedensbruchs. Sie hatten auf der Straße großen Skandal gemacht und einein S ch n tz m a n n die Kleider nbgr- rissen, ihn zu Boden geworfen und dann geineinschastlich auf ihn losgeschlagen. Der Staatsanwalt erklärte ihr Vor- gehen für eine Roheit, die ihresgleichen s u ck> e, die Angeklagten hätten sich schlimmer betragen als der allerrüpclhafteste Fabrikarbeiter. Das Gericht verurteilte die Angeklagteu zn Geld- strafen von 23 bis 400 M.(Hört! hört! bei den Social- demokraten). und zwar niit der ausdrücklichen Begründung. man habe von einer Gefängnisstrafe abgesehen» weil eS sich nm Söhne hochachtbarer Eltern handle. Für das hochangesehcne Vermögen der Eltern waren das wirklich sehr geringe Geldstrafen. Von Gefängnisstrafen hat das Gericht wohl»ur abgesehen, weil es sich n»i Leute handelte, von denen man erwartete, daß sie einmal Arbeitgeber und dadurch gewisser- maßen Vorgesetzte der Behörden werden würden. Also in dem einen Fall geringe Geldstrafen für schweren� Land- friedensb'ruch, wo es sich um Söhne angesehener Eiter»» handelt und auf der andern Seite für A r b e i t e r, die nichts weiter thnn als sich gegen Revolverschüsse wehren. Zuchthaus bis zu 3 Jahren! Wenn das keine Klaffeujnstiz ist, wie soll sie dann aussehen, das ist eine Klassenjustiz, wie sie schlimmer garnicht bestehen kann.(Sehr richtig! bei den Social- deniokraten.) Der Herr Staatssekretär wird mir sagen, aber Herr Abgeordneter, i ch habe sie doch nicht verurteilt. Das ist richtig, aber er kann organische Gesetze schaffen, damit ein solch blutiges Urteil nicht wiederkommen kann.— Alle diese Fälle beweisen, daß wir Gerichte brauchen, die vom Volke auf Grund des allgemeinen gleichen Wahlrechts gewählt werden. Es geht mit der Justiz jetzt so weit, daß die Politik in einzelne Civil- und Strafsachen unter Mißachtung der Reichsgcsctze hinein- getragen wird. In Sagan ist einem Zeugen ein Eid darüber auf- gelegt worden, daß er bisher noch nicht socialdemo- k ratisch gewählt habe! Wir haben doch unser g e- Heimes Wahlrecht! Aber einem Kriegerverein zu Liebe wird die Heiligkeit des Eides mißachtet und ein solcher Eid n o r m i e rt. Das A e r g e r n i s kommt von oben. Die Behörden scheinen in einzelnen Fällen zn glauben, daß die Rcichögcsetze für Soclaldcmokratcn nicht gelten. Die Reichsgesetze sollten doch sür jedermann anwendbar sein, der Deutscher ist. Es ist neulich hingewiesen worden anf das Gesetz zur Bekämpsnng des unlauteren Wettbewerbs. Ich möchte einen Fall anführen, in dem Metteure und andre, die in einem Drnckcreibctricbe angestellt sind, zur Uebertrctung des Z 9 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb geradezu anf- gefordert sind. Ihnen ist das eigentümliche Strafverfahren bekannt. das gegen einen Redactenr des„Vorwärts" eröffnet worden ist wegen angeblicher Hehlerei. Die Behauptung, der Tirpitz Erlaß sei gestohlen, ist ja ganz hinfällig, indessen eine un- gerechtfertigte Anklage ist ja nichts Neues. Nim werden ans der Druckerei Leute vernommen und sollen aussagen, was sie ans der D r u ck e r e i wissen. Es lvird den Leuten direkt zugemutet, Strashandlnngc« gegen ßlldesGesetzes gegen den UN- lauteren Wettbewerb zu begehen. Selbstverständlich haben die Leute die Aussage verweigert; imi so mehr, als die Gefahr der strafrechtliche» llntersiichnng gegen jeden in einem socialdemokratischen Betriebe Beschäftigten gleichmäßig obwaltet. Ich halte eine solche Aufforderung zur Gesetzesübertretung für n n- erhört; wie darf man das Gesetz so mißachten? Das zeigt wieder, daß klar und bestiinmt ausgesprochen Iverden mutz, daß die Angestellten eines Verlags und die Redacteure zum Zciigniszwang nicht herangezogen werden können. Selbst die n a t i o n'a l l i b e r a l e Partei hat jetzt diese Ansicht verfochten. Die fortgesetzten Versuche. Redacteure, Drucker ec. zu einer Verletzung der Anstandspflicht durch die Z e n g n i s z w a n g s- Haft zu zwingen, müssen dazu drängen, ein N o t g e s c tz dagegen zu schaffen. Ich hoffe. daß der Herr Staatssekretär die Staats- anwälte darauf hinweisen wird, daß ein§ 9 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb besteht. Wie notwendig es ist, jedermann das Anklagerecht zu geben, zeigt der Fall des socialdemokratischen Gastwirts Wasewitz, den ein unbekannter Spitzel zu S p i tz e I d i c» st e n ver- leiten wollte. Bei dem Transport des Lockspitzels zur Wache ging es sehr glimpflich zu. Der Lockspitzel zeigte auf der Wache eine Blcchniarkc, eine sogenannte Hundemarke, vor, und der Wachtmeister lehnte es ab, den Namen des Lockspitzels zu nennen. Anf denselben Standpunkt stellten sich der Berliner Polizeipräsident und der Staatsanwalt. Diese Beamten habe» sich unstreitig des Verbrechens schuldig gemacht, unter Mißbrauch ihrer Amtsgewalt eine» Schuldigen der Strafe zu ent- ziehen. Denn was liegt sonst vor. als jenes Zuchlhansverbrechc»? Ei» Bursche, der eine so feige That begeht, wie es die Vcr- leitnng zur Spitzelei ist. soll der Strafe wegen Beleidigung ent- zogen iverden! Das geht doch weit Über das selbst in Preußen zu- lässige Maß hinaus und scheint mir ein direktes Verbrechen zu sein. Wir müssen vom Reich die Mittel verlangen, gegen derartige Ver- brechen auch dann vorzugehen, wenn sie von Beamten begangen nid.(Bravo! bei den Socialdeniokratcn.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Der Reichstag wird nicht geneigt sein, auf Grund der einseitige» und erregten Darstellung des Vorredners zu urteilen, und das deutsche Volk wird auf Grund der leidenschaftlichen Auschuldiguiigen des Vorredners das Vertrauen in seine Richter nicht verlieren. Hätte ihm wirklich an der Aufklärung der von ihm an- geführten Fälle gelegen, so hätte Abgeordneter Stadthagen dem Reichö-Justizamt rechtzeitig Mitteilung darüber machen müssen, welche Fälle er behandeln wolle, damit dieses sich onenticren könnte. Auf die einzelnen Beschwerden kann ich heute nicht eingehen, ch verspreche aber, daß sie im Reichs-Jnstizamt geprüft werden ollen und daß, soweit es verfassungsmäßig dem Reichs-Jnstizamt zusteht, hier Remedur eintrete» soll. Wir sind aber nicht befugt, allgemeine Anweisungen an die Landesbchörden zu erlassen über die Auslegung der RcichSgesctze und die preiißischen oder andre Staats- anivaltschaften mit Anweisungen darüber zu versehen, wie sie die Ge- etze aufzufassen und auszulegen babcn. Zum Falle Bredenbeck stelle ich auf Grund dcS mir zu- gekonimcneii amtlichen Materials fest, daß die Staatsanwalt- ' ch a f t bei der Fesselung nicht mitgewirkt hat, wildern einfach angeordnet hat, daß nach einer Vernehmung Breden- bccks dieser wieder in sein Gefängnis transportiert werden solle. Zur Ausführung dieser Anordnung ist der Gefangene den Polizei- behörden übergeben worden. Was geschehen ist, fällt den Polizei- behörden zur Last. Ferner ist es nicht richtig, daß eine all- gemeine Anweisung über die Fesselung gegeben war. Es hat sich iinr der ausdrücklichen Anordnung des Staatsanwalts zuwider eine chablonenmäßigc Anwendung der Fesselung herausgebildet. Sächsischer Geheimrat Dr. Vocrner weist den Vorwurf zurück, daß das Gericht in Zwickau einen Akt der Klassenjustiz verübt habe. Von der Ferne lei eS immer schwer. ein Straftnrteil, das nntcr dem unmittelbaren Eindruck der mündlichen Verhandlung erfolgt ist, zn kritisieren. Ver- urteilt seien ganz junge, bisher nnbestraste Leute, der älteste von ihnen sei überhaupt freigesprochen. Redner gicbt eine akteumäßige Darstellung dcS Sachverhalts, die im w e s e n t- lichen die Behauptungen Stadthagens bestätigt. Daß die Leute deswegen mit Geldstrafen belegt worden sind, weil ic Söhne hochachtbarer vermögender Eltern sind, dafür liegt gar kein Anhalt vor. Die meisten jungen Leute stammten überhaupt nicht aus Sachsen(Heiterkeit), sondern aus Westfalen und Bayern. Das sächsisibe Gericht war also gar nicht in der Lage, die Verhältnisse der Eltern zu beurteilen!(Erneute Heiterkeit.) Ich lege mit aller Entschiedenheit Verwahrung ein gegen die Bor- würfe, die dabei gegen die sächsische Justiz erhoben worden sind. Die Gegenüberstellung des Kösliner und dcS Zwickaner Falles verliert wesentlich an Gewicht, wenn ich anf eine» Fall hinweiie, wo in Dresden ein junger Arbeiter wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, wegen Beamtenbeleidigiing und ruhcstöreuden Lärms auch auf eine Geldstrafe erkannt worden ist. Es tonimt eben ganz auf den iiidividncNeu Fall an. Abg. Dr. Müllcr-Meiningcn ist anf die Beschlagnahme eines' T o l st o j scheu Werkes in Leipzig gekommen. Der Erscheinungsort des Werkes war Leipzig, dies also der für eine notwendig erscheinende Beschlagnahme gegebene Ort. Abg. Dr. Müller sagte, das Buch enthalte ciucn Extrakt der Tolstoische» Anschauungen. Ich bin nicht so bewandert mit dem Inhalt der Tolstojschcn Schriften, aber es liegt doch nahe, daß Anschanungen, die das religiöse Empfinden auf das sch werfte verletzen, wenn sie in einem Extrakt dar- geboten iverden, eine ganz andre Wirkung und Bedentnug gewinnen müssen, als wenn sie ein mehr oder weniger verborgenes Dasein in verschiedenen Schriften führen. Die Kritik des Abg. Dr. Müller Ivar nicht berechtigt. Darauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Dienstag 1 Nhr.(Außerdem Post- und Telegraphen-Etat.) Schluß 6»/« Uhr. Uns Jttdupkvie und Mündel. Die Hypothekenbankeu und die Sicherheit der Hypotheken- Pfandbriefe. Unter diesem Titel behandelt Dr. Müller- F ü r e r in einer im Verlage von Hermann Walther erschienene» Broschüre die Vorgänge auf dein Hypothekenmarkt, im besonderen die Manipulationen bei den verkrachten Hypothekenbanken. Der Ver- fasser, der sich einer recht populären Darstellung befleißigt, steht den Reformvorschlägen, die im Anschluß an jene Ereignisse gemacht wurden, sehr skeptisch gegenüber, sein Urteil klingt dahin anS. daß schließlich die persönliche Ehrenhaftigkeit des Leiters der Bank die einzige sichere Gewähr für die solide Grundlage dcS Unternehmens bietet. Dabei ist aber der Verfasser keineswegs der Meinung, daß die Manipulationen, die in der Preußischen und Pommcrschen Hypothekenbank das Schwindelgebäude zum Znsammen- brnch brachten, nun ein- für allemal beseitigt sind, vielmehr hält er die Wiederkehr solcher Vorgänge für gar nicht ausgeschlossen, und wir möchten hinzufügen, sie müssen inimer aufs auf neue dem Boden der heutigen Wirtschaftsordnung wuchern. Es war für uns inter- effant, daß ein bürgerlicher Kritiker, der die Schäden dieser Bank- institute und ihrer Geschäftsverbindungen unnachsichtlich bloßlegt, es aufgiebt, durch Strafgesetze oder Ueberwachung der Geschäftsführung die Jnnehaltung eines ehrlichen Handels zu erzwingen und schließlich zu folgendem Schlußrcsmne kommt: „Davon sind heute alle Kenner der Verhältnisse wohl über- zeugt: mögen die Hypothekenbanken jetzt unter dem Druck der Verhältnisse auch alle Vorsicht walten lassen, sobald wieder„gute Zeiten" kommen und die Krisis vergessen ist, werden sich auch die Spekulationsinstinkte der Bank-Vorstände wieder bethätigcn, und dann werden wir eine neue Auflage der Spielhagen-Krisis erleben. Die Bernhigiings-Politiker, die nicht das Interesse der Pfand- briefkäufer und' das„legitime Kreditbedürsins der Grundbesitzer" ini Auge haben, sondern das Interesse der Banken allein, pfiegen zwar zn behaupten, daß die trüben Erfahrungen der Jahre 1900 und 1901 für alle Zeiten unvergessen bleiben würden, und daß also ein Rückfall der Banken in alte Sünden nicht zu befürchten sei. Aber diesen Versicherungen ist nicht zu trauen. Wo nicht die Einrichtungen in sich die Garantie bieten gegen leichtfertige Gcschästsführnng. Untreue und Betrug, da werden neue Menschen auch stets neue Fehler und Verbrechen begehen. Bis solche Einrichtungen bei den Hypothekenbanken getroffen sind, ist allen Kapitalisten nur dringend zu raten, vor dem Ankauf von Hypotheken-Psandbricfen sich bei Fachleuten in den ver- schicdenstcn Wirkungskreisen der betreffenden Bank genau nach deren Geschästsgewohnheiten zu erkundigen. Sie Ivisien jetzt, daß I. die Hypotheken-Aktienbanken nur private Erwerbsgesell- schaften sind, die im scharfen Wettbewerb unter einander und mit andren Hypothekenkänfern stets versucht sind, dem Geldnehmer mehr Kapital zn bewilligen, als sich mit der Sicherheit dcS Dar- lehns verträgt, 2. daß die Staatsaufsicht nur formaler Natur ist und keine Garantie gewährt, 3. daß in letzterJnstanz persönlich interessierte MänncrtDirektoren, Vermittler und Taxatoren) über die Sicherheit des Pfandbrief- kapitals zu entscheiden haben, 4. daß auch die von einer wilden Spekulation beeinflußte Konjunktur des städtischen Grundstncksmarktes den Wert und die Sicherheit der Hhpotheken-Pfaiidbriefe beeinflußt. 5. daß also schließlich diesen Papieren grundsätzlich keine höhere Sicherheit beizumessen ist, als den Hypothckar-Obligationen andrer Aklienunternehmeii. Der Ankauf von Hypotheken-Pfandbriefen ist demnach eine „Vertrauenssache" und verlangt eine sorgfältige Prüfung der emiltierciiden Bank." So lauge der Wohnungsbau der Privatspeknlation ausgeliefert ist, werden die Nnsicherheiten auf dem Hypothekenmarkt nicht ver- schwinden, und werden die Hypothekenbanken mehr oder weniger in ihren Bann gezogen. Die Genieinde kann hier nach zwei Seiten reformierend wirke», einmal die Hypotheken unter eigne Verwaltmig nehmen, dann aber durch eignen WohnniigSbau der Spekulation langsam das Terrain entziehen. Marktpreis« von Berlin am 10. Februar IVOS nach Erinlilliingeii des tgl. PoltzeipräsidinuiS. 'fwelzeii, gut D.-lltr „ mittel „ gering j- Kogge«, gilt „ mittel . gering »(ileifle, gut „ mittel gering »frirf«,«in miiiel gering Sil chchroh läcii Eidsen Sreiictohneu Uilifcn f ab Bahn. • frei Wagen und ab Bahn. Produlicinnarkt vom 10. Februar. Getreide. Die Getreidebörse war fester auf beffere Teudenzberichte aus Amerika und Oestreich-Ungam. Gröbere Umsätze fanden jedoch nicht statt, und die nominelle Erhöhung der Licfcrungsprcise betrug nur lU M. für Weizen und V, M. für Roggen, der seitens der hiesigen Mühlen gefragt bleibt. Das kältere Wetter vermochte die Stimmung deö Verkehrs kaum zn becinflusfen, da die Saaten seit drei Tagen durch reichlichen Schnee geschützt sind. Auicrikauischcr Weizen war in bedeutenden Posten angeboten, aber nicht billiger, während russischer Roggen au» zweiter Hand zu eNvas niederen Preisen zu haben ist, Futterartikel lagen ebenfalls sehr ruhig, Haser loco unverändert fest, Lieferungen Va M. gebessert. Mais behauptet. Rüböl war schwach behauptet. Spiritus 40 Pf. billiger, 70er loco 33,70 M, Schluß für Getreide! Roggen unverändert fest, Weizen etwas schwächer. «vtlieriingsübersichl vom>v. Februar 1902, inorgeuv 8 Uhr. »Veiter-Progiiose für Dienstag, de» 11. Februar l!»»2. Vielfach heiter, aber veränderlich mit leichteu Schneefällen und mäßigut südwestlichen Winden: nachts ziemlich strenger, an» Tage gelinder Frost. Berliner Wetterb nreau. Briefkasten der Redaktion. Die juilsiische Spre-t, stunde findet täglich mit Zlnsnahine deS Souiiabcnds von T'/a bis;>>/, ilbr abends statt. Breslau 210. Wiederholen Sie die Anfrage.— CT. G. 3. Leider nein.— H. lt. 18. Nein: ein Arbeiter kann nicht Mitglied zweier Zwaugskaffcn sein oder einer Zwangokasse und der Gemeinde-Klanken- versi6>ciuiig angehören. Zwangslassen, also Kasten, denen der Arbeiter— gleichviel, ob er augemeldet ist oder nicht— kraft Gesetzes angehört, sind: die Suappschastskassen, die Orts-, die FabrikS-, die Betriebs-, die Bau-, die Jnniuigs-Kraiikenlastcn. Wohl aber kann ein Arbeiter einer ZwangSkaffe und einer oder mehreren Znlchnßkastcn oder einer oder mehreren freien Hilfslasten angehören. Solche» Doppelversicherien ist, falls nicht das Statut eine bicrvon abweichende Borschrist enthält, das Krankengeld so weit zu kürzen, als dasselbe ziisamuicn mit dein ans anderwciter Versicherung bezogenen Krankengelde den vollen Betrag ihres durchschnittlicheu TagelvhnS überschreiien würde. n* Kür dc» Iulinlt der Iuscratc uberiiimüit die giehnklio» dem Publikum«rqettübcr keinerlei Berantwortnug. >!>>>!>>I!>lW!»»»l>»I! IM Tlirntcv. DienStag, 11. Februar. Qperubaus. I�i>.Draviata,(Violetta). Aschenbrödel. Anlang 7»/, Uhr. SchnusbirllmuS. Der Kauftnann von Venedig. Anfang 7'/, Uhr. Neues Ober»< Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Der Jongleur. Anfang 8 Uhr. Deutsches. ES lebe das Leben. An- fang 7'/, Uhr. Berliner. Timon.— Der Hahn.— Die Fahrt über den Styx. Anfang 7Vz Uhr. «eifiiifl. Das Glück. Anfang 7'/- Uhr. Nesideiiz. Verliebt. Vorher: Furcht vor der Schwiegermutter. An- lang 7l/z Ubr. Neues. Coralie it. Co. Ansang 7'/, Uhr Wefteu. Wiener Blut. Anfang 7V2 Uhr. SecessiouSbühue. Detlev Lilien- crons BuiiieS Brettl. Anfang 8 Ubr. E. v. Wolzogens Buntes Theater Meberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Vorstellung vor Serenissiiiliis. Ans. S'/j Uhr. Trianou. Lebende Lieder. Kleine Spiele. Anfang 8 Uhr. Central. Adelte Guilbert mit ihrer Gesellschaft. Anfang 7-/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang „ 7V, Uhr. Luise». Der Troubadour. Anfaiig 7'/- Uhr. Carl Weih. Das Jungfernsiist. Anfang 8 llhr. Friedrich Wilheluistndlischcs. Tie drei Wünsche. Ansang 7'/» llhr. Belle-Zllliauce. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7./. Uhr. OrpheuS. Specialititen-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. VIetropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. Au- sang 8 Uhr Zlpollo. Gastspiel des Central- Theaters. Das süße Mädel. Specialiläle»- Vorstellung. Au- saug 8 Uhr. Cafiuo- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor- stellung. Anfang 8 Uhr. Palast. Spccialilälen-Vorslelliuig. Die süsten Mädel. Ans. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panopliküin. Special!- Intcn-Vorstellnng. NrichShalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Ur auia. Tanbeuflr.(Im Th-atersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal. Abends 8 Uhr: Die geologischen Wirlungen des Wassers»nd des Windes. Jüdalidenstraste Täglich: Sternwarte._ Urania. Tauben-Straese 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera Im Hörsaal um 8 Uhr: Die geologischen Wirkungen des Wassers und des Windes. Invnlltlcnatr. 57/02, . Sternwarte. Castans Panopticnm Friedrlch-Strasse 165. Der König der Kraftturner (der stärkste Mann der Welt), der Berliner Alex Meyer hebt 300 Pfund- Scheibenstange!! Neu!! Tiroler Sänger- u. Schuhplattler-Gesellschaft aus Inshruck. letropol-Tlieater Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: iiopH.________ Burleske Ausstattnngsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Fraiichens Weihnaclitstisch. Anfang 8 Uhr. Bauchen übe r a 1 1 gestattet. SWtt'Ajtilltt (Walluer-Theater). Dienstagabend 8 Uhr: jlongl«»!'. Posse mit Gesang in vier Abteilungen von Emil Pohl. Mittwochabend 8 Uhr: ITaiuIII« IToiirchfimbHult. Donnerstagabend 8 Uhr: Iker �»nxlenir._ Mtral- f Ijratrr. Dienstag, 7V, Uhr nur noch fünf Gastspiele: IVIrne. stelle Guilbert mit ihrer Gesellschaft. Montoia, Legay, F. Villi, Mme. Dora Fragerolle, Clement-George. Morgen und folgende Tage: Gast- spiel Mme. Yvette Guilbert. Thalia-Theater. DreSdcucrstrafte 78/78. Mit vollständig neuer Ausstattung Seine Kleine. Grosse AuSstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worm a. G, Guido Thiclscher, Helmerding, Junlermann, P«ml»i>iller. Gerda Walde, Boje, Wanuovius, Junlcr- Schah. Ansang 7'/, Uhr. VVvit>8-T!ieRtei'. Greste Fraukfurterslr. 188. Ansang 8 Uhr. Das Jnngfernstift. Operelte in 4 Akten von Ernest Guinot. Musik von Jean Gilbert. Nlina Michetti als Gast. Morgen: Das Juugfcriistist. Belle-Alliance-Theater. Die Daine miö IromiiKe. Schivnnl m. Gesang u. Tanz i. 3 Akten. Emil Sondermann. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marten. Hieraus: Er. P-riser Lebensbild Adele Hartwig. Leopold Thurner. Anfang?>/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. ?alai3t-Theater (friihcr Feen Palast) Burgstr. 88. Direktion: iVInkler u. Frödel. Zum 1. Male in Berlin I-e« Hei«»,»!'«!. Kunst- Radfahrer auf der 30 Fuss hohen DM-Lnft.Schluebebahu.�VAS Einzig existierende Nummer. Um ll Uhr! Grosser Erfolg Direktor Wilhelm Frödel in der Ausstattungs-Operetic Die süßen Müde!. Dazu das grosse glänzende kebruar-Programm. Ansang 8 Uhr. Entrec 50 Pf. Billet-Vorvcrkaus v. 11—1 Uhr. VI. Hoachs Theater. Brunnenstrasse 16. Die Haubenlerche. Schauspiel in 4 Akten v. Wildenbruch. Heute: Tsn�IcrAiiAotivii. Mittwoch: Bajazzo und seine Familie. Passage Theater. Anfang 5 Uhr. Anf. des Abendprogramms 8 Uhr. Oanz llcrlin Kpriclit von der ttlebenJUhriscn Lola Gray in dorn erschütternden Mimodrama: Der Bajazzo und sein Kind. Der wunderbare Imitator von Otero und Fougere JLsmzeltsi. D a in c n I u T t k a m p f. 5 Sisters Wanton. 16 erstklassige Nummern. Apollo-Theater. Ouatupiel des Central. Theater-Ensomhlcs Das süsse Mädel. Ferner: Arvida Svensacn. The Leamy-Truppe. Beginn der Speclaliiaten?>/, Uhr. Beginn der Operette 8 Uhr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Gastspiel Wilhelm Kichter in der Gcsangspossc»Lustige Brüder�. Dazu„C-Hrlos* und das s e u s a t. neue Programm. Anfang Wochcut 8 Uhr.Sonni.?'/, Uhr. Sv»ntagnachm.4Uhr: Muttcrscgcn. k e i v k s K a 1 1 e n. Tiigllcli: 8 tetUncv Sänger. Aufaug Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. TelulU und Kiutel, (K�Isinss Tdsatvr) Unter den linden 44. Dienstag, 11. Februar, ab. 8'/2 Uhr: Vorstellung vorSercnissimus _ Neues Programm._ E. von Volzogens Buntes Theater(Ueberbrettl) KUpnlckerstr. 68. Dienstag, den 11. Februar 1902, abends 8 Uhr: Idna Abarbanell. Neu! Ateller- «puk, Pantomime von Bichard Wendriner. Musik von Ludw. Schytte. Nora. Nachbar. Satirisches Schattenbänkel. Trianon- Theater. Ceorgenstrasse, Ecke UnlversItStsstr Madonnenschein. Lebende Lieder. Anf. 8 Uhr. Parkett 2 M. Charivari-Theater. Alte Jakobstr. 87. Neues glänzendes Februar- Programm. Pepl Weiss Mlzzi Braun 1; Lotte Sebus Albort Kühne A Max Reichard u. a. I. ValUhr Nachm.-Vorstellung V zu halben Preisen. Ä VjS Uhr Beginn der Abend- j_ Vorstellung._ An der Spandauer Brücke 3, Bj GrBsst.Vergnllgvingslokal Berlins lulemaiionale Konzerte n. Special! täten- Vors tcllnii6 Tägl. Anstich des„llrbock' Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. lllatlncc von 12-2 Uhr. Dienstag, den 11. Februar, abends 7:/� Uhr: Grobe Vorstellung. Klondlke. Orig.-Pantomime des Cirkus Busch und neue grossartige Specialitäten. Kottbascmtr. 4a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: II«» IT in u» Ii• NMdciltslhe Säiiger EiiieTheatcrurobe. Nach jeder Soiree: Tanzkriinzchen. A m Fa st nachtsdienstag: Extra-Fast»achtS-lllk-VorsteUii»g und Fastuachts-Taiizkräiizcheii. Entree wie gewöhnlich, Tanz frei. ß lUsskeii cslllöslldö von Osi'l Li'nsV, Köpnickc'rstr. 126, 1 Tr. Ciröstte Auswahl! Billigsie Preise: Vorzcigcr dieser Annonce erh. 10% Preiöermässigung rrrlegcbrönt«nf allen WeitansetellnngeD. Gegen OroMie im Exerzicrliaus (inn Preiizlailer Thor) Lothringerstraste l— 7. Täglich 3 grosse Vorstellungen. 4,(» und d>V, Uhr. Dressur mit Lölve». Tiger», Wölfen n..Hhäue», sowie Löwett-Riitgkai»«pf und Fütterung um 4». 8>/z Uhr. Einree: I. Piah 1 M., II. Pl. bO Ps., III. Pl. 2ö Pf.,.ginder unter 10 Jahre» und Militär ohne Charge zahlen auf 1. u. 2. Pl. die Hälsle, dein 3. Pl. lö Ps. Die Direktion: Froese. Cirkus A. Sciiumann. Heute Dienstag, den II. Februar, abends präc. 7'/, Uhr: S Akrobaten. Zum Schluß zum 13. 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W vZT S Ä fClGItlG ÄllZGICfGil. W' W Wort fett. Worte mit mehr als jjgS M Mk JB£& M M MMM JH Am\Mj MM 9 W inde Tjp 16 Buchstaben zählen doppelt, JM W__ 6 Anzeigen ttJiL'rTJ'tn in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, der Ha ti p texped ition Beuthstr.3 bis 4- Uhr anffen ompien, [ Verkäufe. Restauration, sichere Existenz, sofort für 3400 Marl z» verlausen. Scharnbcrg, Eharlottenburg, Seien- heimersiraße 1, vom I.*[145» Schaukgeschäft. nachweislich gut, Umstände halber sofort zu verkaufen. Zu erfragen bei Miicle, Veteranen- strahe 20, vom IV._ fSD* Schöndrnckcr Alpen, 10 MilnNcn vom Bahnhof Zepernick, 2 Morgen, Berg, Thal, WafsersaN, 2500 Marl, verkaust Joers, Zepernick, Stctttner Bahn,_ 370b' Ostbahnvorort. 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Silber kaust Bmnnen- straße 137, Uhrmacherladen. 334b Mrtallbrnch aller Art kaust Bro- derick, Oppelnerstraße 16, Zlaunyn- straße 18. 338b* Beretuszimmer Grimmstrahe 3 5» vergeben, 387b Pelzkragen verloren bat die Gc- nosfl» Lüderitz in der letzten Ver sammlung des Vereins der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse am Montag, 27. Januar, in den Armin- hallen. Die Finderin wird um Rück- gab« oder Adrcssenangabe ersucht nach der Schöuholzcrstraße 14 vom 4 Treppen._ Die Beleidigung gegen Frau Oehlrich, Wriezcncrstr. 24, nehme ich zurück und erkläre sie für ehrenhaft. A. Biitow.__ 4386 Kanarienvögel verlaust Wemmer, Kleine Markusstrabe 18. 747» Vermietunxen.' Werkstatträutue. passmd für Tischlerei, Bildhauer, Drechsler. König, Pallisadenstraße 34. 8/15 «ei*» in«i*. Stallschreiberstrasie 15 II bei Neumann ist ein möbliertes Zimmer sofort oder später z» vemiieten. 424b Solil»kl>t«»!lon. Aeltere Person kann bei älterer rau billig mitwohnen. Warland, intschstraße 5. chll? RechtSbnrcau Fadlsch, Andreas straße dreiundsechzig. Rcchlshilfe, Ralertciluug. 443b �rbeitsmarkt. StSl!sn»ngsdot«. Tüchtige Weber auf Doppelpllisch (Chor) verlangt C. Fichelfcher, Andreasstraße 32,_ 442b Arbeiter-Geiangverein sucht tüchtigen Lehrer(Donnerstag). Meldungen nimmt Dcgenhardt, Wilhelmsberg, Hohelilchönhauserstraßc 18 1, enlgegen. Tüchtiger Äusscbneider gesucht, der auch bohren und souruieren kann. Goldleiftem'abnt Liegiiitzerftraße 15» Mamsells auf Kostüme und Paletots verlangt Herrmann, Kott- duserdamm 103. Jackett- Arbeiterinnen Prinzenstraße 92 II. verlangt 437b Arbeiterinnen Kostüme verlangt Kurslraße 40. auf Jacketts und Otto Kohlmann, 423b Stepperinnen im Hause, Schröder, Pankow, Kaiser Friedrichstraße 67. Oberhemde»> Plätterinnen aus „Ren", dauernd, verlangt Krenzberg- strabe 7. Ceutral-Dampfwaschaustalt. Mamsells aufJacketts und Saccos. köpnickerstraßc 8, 3 Treppen. Bruch. Mamsells auf Jacketts äußerm Hause Büge, Schwcdterstraße 36.* Achtung! Klavierarbeiter In der Pianofabrik von Sohopk* tkleder, MarknSbof 18, Kraulstr. 4-5, Blumenstraße 32, Keantstraße 52, AndreaSstraße 39, Samarilerstraße 7, haben sämlliche Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Vermittlung, die Lohnabzüge rückgängig zu machen, blieb erfolglos. 141/4 Zuzng fernhalten!, �svtweret» der Musik-Instrumenten* Arbeiterr. Wung! KistenMier, Holzarbeitn! 108/4 Der Slreil bei der Firma Göke, Köpnickerstraße, Kistensabrik, dauert unverändert fort. Znzug ist femzn- halten. Tie L o h nko mmissto». Achtung! Acht, iiijx I ParkettbaileRieser. Bei der Firma Bendix Söhne, Bau Thomasinsstrache, Moabit. Parzelle 28, sowie Bau Präger- und Spicherustrasten Gcke habe» sämt- liche Bodenleger die Arbeit enigestellt. Aus dem Bau Eh-irlottendurgee Gewerkschaftshaus wird derTartf uicht bezahlt. 79/2 ZiiZllg ist ftmiiihulttn. Verantwortlicher Rcbacieur: ffiarl Leid m Bertin. Für den Jnieratuueil verantwortlich: Tb. Glocke i» Berlin. Druck und Verlag von Atax«ading in Berlin. ilt.35. 19. 2. KW»es Jutmätte" Ktlmn pMlitt. DSenstag. 11. Mm 1902. Berliner Partei-Zlnftelegenheiten. 3>lr Lokalliste. Das Brandenburger Haus in der Mohreustr. 47 steht der Arbeiterschaft von jetzt ab unter den be- kauutcn Bedingungen zu Bersmmnhliigen usiv. zur Verfügung. Ueber die Politik der Socialdemokratie wird Reichstags- Abgeordneter Wolfgang Heine am heutigen Dienstagabend HVi Uhr in einer iinÄroiiprinzcn-Zelt sZ e l tNr. IsslattfindendeuWahl- v e r ein s- B ersamm lung des ersten Kreises sprechen. Nach vielen Jahren ist dies die erste Versaminlmig, die wieder in den Zelten stattfindet. Man agitiere für guten Besuch. Wahlvcrcin Grosi-Lichtcrfcldc-Lanktvilz. Morgen, Mitt- woch, abends 8 Uhr, im Lokale CHansseestr. 104: Vereins- versa mm l n n g. Tagesordnung: Die Bedeutung der kommenden Landtagswahlcn. Referent: Genosse Wetzker. Diskusston. Die b e v o r st e h e n d e n K o»»>n u n a l>v a h l e ii. Ober-Tchöncweide. Die Versammlung dcS Wahlvereins findet Mittwoch, den 12. Februar, abends 8l/8 Uhr. im Lokal von Kaufholt, Wilhelmincnhosstraße 18, statt. Neue Mitglieder werden ans genommen._ DokKles. Die elektrische Hochbahn soll, wie wir am Sonnabend mitteilten, in etwa acht Tagen für das Publikum eröffnet werden. Probezüge werden schon jetzt jeden Tag abgelassen und nehmen die Aufmerksamkeit des Publikums in Anspruch. Gestern war uns Gelegenheit geboten, an einer solchen Fahrt teilzunehmen. Der Zug von drei Wagen ging zunächst von der Station Potsdamer Bahnhof nach der Station Zoologischer Garten. Diese Fahrt dauerte sechs Minuten. Dann fuhren wir ohne sonderlichen Aufenthalt die ganze, wenn wir nicht irren, 10,1 Kilometer lange Strecke der Hochbahn biS zur Obcrbanmbrücke in 17 Minuten durch, um hierauf in einer 12 Minuten währenden Fahrt»ach der Ausgangsstation am Potsdamer Bahnhof zurückzukehren. Auf der Stadtbahn durchfährt ein Zug die 19.6 Kilometer lange Strecke Westend-Stralau-Rnmmelsburg, welche 14 Stationen zählt, in 47 Minuten. Als höchste Fahrgeschwindigkeit ist für die elektrische Hochbahn 50 Kilometer in der Stunde vorgeschrieben; nach der gestrigen Probe dürfte die Hochbahn, selbst wen» man den wahr- scheinlich nur ganz kurz bemessenen Aufenthalt auf den 13 Stationen in Betracht zieht, die Fahrgeschwindigkeit der Stadtbahn innncrhin noch um ein gutes Stück nbertrefsen. Folgende zehn Zwischen- stationen sind auf der Hochbahn eingerichtet: Stralaucr Thor, Schlcsisches Thor, Görlitzcr Bahnhof, Kottbuser Thor, Prinzenstrabe, Hallesches Thor, Möckernstraße, Potsdamerstratze, Nollendorfplatz, Wittcnbergplatz. Zwischen dem höchsten Punkt der Bahn auf dem sogenannten Anschlutzdreieck und dem niedrigsten in der Hardenberg- ftratze ist ein Höhenunterschied von ungefähr 20 Meter; im allge- meinen ist die Steigung der Bahn auf freier Strecke 1: 100, also durchans mätzig. Die Schwierigkeiten, welche beim Bau auftauchten, die hohen Anforderungen, welche an das Können der Techniker und Arbeiter gestellt wurden, alles dies haben wir seiner Zeit gewürdigt, und es ist wohl nicht mehr notwendig, darauf jetzt noch einmal im einzelnen zurückzukommen. Als eine in ihrer Art wohl einzig dastehende Leistung ist aber das Anschlntzdreieck auf dem eisenbahufiskalischen Gebiet in der Nähe des Potsdamer Ningbahnhofs zu betrachten. Auf eine fimireiche Weise hat man hier die drei in Betracht kommenden Gleisstrcckcn übereinander himveggefiihrt, so datz es ausgeschlossen ist, datz beim Kreuzen ei» Zug mit dem andern zusammeiistötzt. In der Mitte des Auschlntzdreiecks steht ein Turm, worin sich daS elektrische Stellwerk befindet, das für einen sicheren Betrieb, so weit es überhaupt nienschenmöglich, Gewähr bieten soll. Es fährt sich durchweg ruhig und glatt in den Wagen der Hochbahn. DaS Bremsen geht ohne Beschwerden für das Publikum von statten; uns scheint es, datz man an einzelnen besonders starken Kurven einen kleinen Stotz in den Kauf nehmen mutz. Den leidigen Klassenstandpunkt hat auch die Hochbahnverwaltung nicht aufgegeben. Die beiden äutzeren Wagen sind solche dritter Klasse, während der mittlere einer zweiter Klasse ist. Er ist dnnkelrot lackiert und hat rotgepolsterte Sitze; die gelben Wagen der dritten Klasse haben Holzbänke. Ungleich den neueren Wagen der Stratzenbahn sind nur LängSsitze eingerichtet, so datz die Fahrgäste ihren Rücken de?» Fenster zukehren müssen. UuS will scheinen, datz Wagen der neuen Art angenehmer gewesen wären. Geheitzt scheinen die Wage» nicht zu sein. Ein bischen unklar kam uns die Platzfrage vor. Die Wagen der zweiten Klasse haben, wenn wir recht unterrichtet sind, 44 Sitz- Plätze, die der dritten Klasse hingegen, einer Aufschrift im Wagenramn zufolge, 39 Sitzplätze und 27 Stehplätze. Wir gehören nicht zu den Leuten, die in Wehklagen ausbrechen, wenn in Stadtbahnwagen die Fahrgäste wie Pökelhäringe zusammengepfercht sind; es ist in den meisten Fällen immer noch besser, unbequem zu fahren, als über- Haupt nicht befördert zu werden. Die 27 Stehplätze im Hochbahn- wagen kommen uns aber doch als gesetzniätzige Einrichtung ein bitzchen ungemütlich vor. Der Führerstand ist mit Glasfenstern ver- sehen und soll bei jedem Wetter einen ausreichenden Schutz ge- währen. Datz wir die Stichteinführung des Zehnpfennig-TarifS für einen Fehler halten, dessen Folge Publikum und Verwaltung gleich unangenehm zu spüren bekommen werden, daS haben wir erst vor kurzem gesagt. Hier hätte die Hochbahn der„Grotzen" nachfolgen und Stadt- und Ringbahn mit gutem Beispiel vorangehen sollen. Der Winter ist jetzt in voller Schönheit gekommen. Ein Viertel- jähr lang blieb er schüchtern vor der Thüre; er lietz Regen und Matsch ihr Spiel treiben und machte uns sein oft so strenges Rcgi- nient ganz vergessen. Auch jetzt, wo er de» Schneefall brachte, latzt er die Härte unterwegs und zeigt sich nur von seiner angenehmen Seite. Er ist in der Eleganz,' mit der er auftritt, sozusagen ein Salonwinter und erinnert in seinem geschniegelten Wesen an jene Tiroler, die auf den Alpenkostümbällcn ein fadenscheiniges Dasein führen. Mit den ein oder zwei Grad Kälte mahnt er unter den Strahlen der schon etwas angewärmten Febrnarsonne gar sehr an die Vergänglichkeit alles Jrdstchen. Es komnit noch hinzu, datz der Mensch in der Grotzstadt alles thut, um durch Schneeschippen die Spuren des Winters im Stratzenleben zu vertilgen, selbst auf den Dächern findet die Gabe der Frau Holle keine bleibende Statt. Aber dennoch kann der Berliner den Winter jetzt in aller Herr- lichkeit schauen, wenn er 10 oder 20 Pf. daran riskiert. Eine Fahrt auf der Stadt- und Ringbahn bis Schmargendorf oder gar bis Station Grunewald zeigt ihn uns in poetischer Verklärung. Weit und breit liegt die Schneedecke über den Feldern ausgebreitet, ein Häslcin eilt hier und da über das blendende Weitz und macht nach einigen temperamentvollen Sätzen plötzlich sein Männckien. Auf den Seen und Pfützen, die wir häufig im tiefliegenden Moor finden, tnnnnclt sich die Jugend im Schlittschuhlauf. Und nun erst, wenn wir über Halensee oder Schmargendorf den Grunewald erreicht haben. Dort beugen sich die Aeste der Kiefern unter der weitzcn Last; jeder Sonnenstrahl weckt taufende Diamanten zum glitzernden Leben, und der Fntz schent sich fast, durch seinen Tritt die einzige Pracht zn ctweihcn. lind nun, wenn die Rehe und Hirsche in Rudeln von zwanzig, dreitzig herankommen, schüchtern den Menschen anblicken und gern den Brosamen nchincn, den seine milde Hand ihnen hinwirft. Ja. der Winter ist schön in seiner jetzigen Gestalt; man mutz ihn nur zu entdecken verstehen! Die Badeanstalt in der Odcrbergerstraße. Vielleicht findet an niatzgcbender Stelle die folgende, uns aus unsrem Leserkreise zu- gegangene Zuschrift die ihr etiva zukommende Beachtung: Die neue städtische Volks- Badeanstalt in der Oderbergcrstratze hat, obgleich sie in einein der volkreichsten Teile der Stadt belegen, bis jetzt nur einen wider Erwarten geringen Besuch abzuweisen. So hatte die wohlfeile und in den andren Badeanstalten der Stadt so stark benutzte Abteilung für Brausebäder am vergangenen Donnerstag während des ganzen TageS wohlgezählte 34 Bäder verabreicht, wie ich dein zufällig init angehörten Gespräch zweier Angestellter entnehmen konnte. Nach meinen Beobachtungen in Bekanntenkreisen ist die Anstalt selbst in der näheren Umgebung trotz des seiner Zeit erfolgten Säulenanschlages und einiger Zeitungs notizen noch viel zn wenig bekannt. Sollte dies daraii liegen, datz man bei dieser Anstalt mit der Gepflogenheit gebrochen hat, das Bäder- Preisverzeichnis nebst der Anstaltsordnnng und Besuchszeit Angabe dem Publikum außerhalb des Gebäudes sichtbar zn machen? Herr Stadtbaurat Hoffmann fürchtet näm- lich, datz durch die so notwendige Anbringung der Aushänge, die ihm auch schon empfohlen wurde, eine Störung des künst- l c r i s ch e n Eindrucks der Fassade hervorgerufen werde. Diese Befürchtung würde aber wohl gegenstandslos sein, wenn die Tarife zc. in künstlerisch ausgeführten, dem Gebäude angepaßten Rahmen rechts und links nebe» der Eingangsthür ausgehängt würden. Uebrigcns scheint Herr Hosfniann von der so unsymmetrisch angebrachten Haus- iiuMmer diese Befürchtung nicht zu hegen. Oder soll sie vielleicht durch ihre Anbringung rechts von der Hauslhür dem Wandrer symbolisch andcntcu, datz der Erbauer hier ebensowenig wie in der Märchcnbrinnien-Angclcgenheit den„Zug nach links" mitmacht? Ueber den Ursprung der Berliner Bezeichnung„Bock"- Bier. Die jctzigcISaisoii in Berlin steht nicht allein im Zeichen des hier ziemlich mageren Karnevals, sondern beginnt auch nunmehr Herrschaft auf die durstende Menschheit in Gestalt diverser„Bockbier- Anstiche" auszudehnen. Die verschiedenen Brauereien wetteifern in neuerer Zeit, immer die ersten zn sein im„Ausstotz" dieses für den Berliner süffigsten BräuS. Bunte Plakate in niehr oder minder guter Ansstattnng künden an. Fenstern der Ansschanklokale dieses feuchte Ereignis an. Die Hauptfigur in diesen Plakaten bilden immer ein oder zwei grimmig dreinschauende Ziegenböcke mit mächtigen Hörnern. Sie stehen gewöhnlich aufrecht an einem großen Bier- faß und deuten gewisscrmatzen den kräftigen Trunk darin sympolisch an. Diese Zeichnungen erwecken auch nnt Recht im Beschauer die Meinung, datz der abgebildete kraftstrotzende Ziegenbock die Stärke des„Bockbieres" versinnbildlichen soll und der Ausdruck dafür von ersterem abzuleiten sei. DaS ist aber ein weitverbreiteter Irrtum: der Name„Bockbier" steht mit dem meckernden und stotzcndcn bärtigen Vieh durchaus in keiner Verbindung. Bekannt ist, datz der Berliner von Bieren zumeist früher das Werdersche und vor allem daS Weißbier liebte und trank. Als dann das sogenannte bayrische Bier aufkam, wurde die? fast durchschnittlich von den Gastwirten nur aus Flaschen verschänkt. Nach und nach fand der Berliner am Bayrischen mehr Ge allen. Dies hatte zur Folge, datz sich dann mehrere Restaurateure entschlossen, neben dem Flaschen- bier das gelbe Naß auch direkt vom Faß zu verzapfen. Zu diesem Zwecke wurden die Fässer auf Holzgestelle gelegt, die unter dem Nmnen„Böcke" bekannt sind. Wollte nun ein'Gast statt Flaschen- Faßbier haben, so deutete er auf den Holzbock und bestellte:„ein Bockbier I"— Zu Ende der 30 er Jahre des vergangenen Jahr- Hunderts brachte die Brauerei am Tcnipelhofcr Berge zuerst in der Osterzeit ein stärker eingebrautes Bier in Verkehr. Diesem Bei- spiel folgteii nachher noch andre Berliner Brauereien. Später nannte man diese Biergattnng, die zu Beginn des Frühlings vom Faß auf Holzböckcn auSgeschänkt wurde, nur noch allein„Bockbier". Die zuerst erwähnte Brauerei wurde als„llrbock" bezeichnet... So er- klaren ganz alte Berliner den Ursprung des Namens„Bockbier!" Der Magistrat hat die Ferien der städtischen Schulen wie folgt festgesetzt: Der Schlutz des Schuljahrs 1901 findet Sonnabend, de» 22. März 1902 und der Beginn des Schuljahrs 1902 am Mon- tag, den 7. April 1902 statt. Die Pfingstfericn beginnen am Freitag, den 16. Mai 1902 und der Unterricht am 23. Mai. Mit dem Schlutz des Unterrichts am Freitag, den 4. Juli 1902 fangen die Sommerferien an. Der Beginn des Unterrichts ist ans Freitag, den 12. Augilst festgesetzt. Die Herbstferien beginnen mit dem Schlutz des Sommerhalbjahrs am Sonuabeud, den 27. September 1902 und endigen mit dem Beginn dcS Wiuierhalbjahrs Dienstag, den 27. Oktober 1902. Die' Weihnachtsferien beginnen am Sonnabend, den 20. Dezember 1902 und endigen am 6. Januar 1903. Deutscher Heldenmut. Der Redacteur der„Staatsbürger- Zeitung". H. O. Böckler, hat sich mehrfach gegen ihn erhobenen Beleidigungsklagen durch Ausbleiben von den Berhandlungsterminen entzogen; in der letzten Klagesache war auch schon seitens des Ge- richts der Erlaß eines Steckbriefes in Erwägung gezogen worden. Wie die„Antisem. Korrespondenz" jetzt mitteilt, hat Böckler seine Redaktionsstcllung bei der„Staatsb.-Ztg." aufgegeben und seinen Wohnsitz nach Wien verlegt. Die Courage scheint der Mann in solchen Dingen den leidigen Socialdcmokratcn überlassen zu wollen. Oder sollte der Antisemit ungleich den leidigen Umstürzlern eine im politischen Kampf erlittene Gefängnisstrafe nicht als eine Ehre ansehen? Die Deputation der städtische» Gaöwerkc hielt am Montag eine Sitzung ab, bei der Genosse Wurm als Mitglied in die Deputation eingeführt wurde. Beschlossen wurde u. a. auf Antrag des Stadtrats Namsla», den 9P e t r o l e n m l a t e r n e n-W ä r t c r n, die bisher 82,50 M. bis 86,10 M. Lohn pro Monat beziehen, diesen derart zu berechnen, datz sie pro Laterne und Tag 7 Pf. erhalten, wodurch der Lohn auf 94>/o M. pro Monat gesteigert wird. Ein Antrag Wurms, den Cvakspreis entsprechend der von den Charlottenburger Gaswerken vorgenommencu Preisherabsetzung sofort zu erniedrigen, wurde abgelehnt. Zur Reinigung der Straste» von dem Schnee sind von der Stratzenreiuigung nicht, wie von andrer Seite gemeldet wurde, 4300 Arbeitslose, sondern am Sonntag 2700 und am Montag etwa 3000 Beschäftigungslose angenommen worden. Von der Grotzen Berliner Stratzenbahn wurden nur einige Hundert eingestellt. Eine» heillose» Wirrwarr rief gestern ein Zuchthäusler im Sitzungssaale der ersten Strafkammer des Landgerichts I. hervor. Aus dem Zellengefängnisse war der Arbeiter Hermann F i e b r a n z vorgeführt worden, gegen den noch eine Nachtragsklage wegen Dieb- stah'ls verhandelt werden sollte. Als er den Anklageraum betreten und der Vorsitzende, Landgerichts-Direktor Tackmann, ihn gefragt hatte, ob er der Arbeiter Fiebranz sei, wurde der Befragte wenu es sich nicht um einen vorher gefaßten Plan handelte— plötzlich von einem Wutanfall ergriffen. Er schrie den Vorsitzenden au: „Du Lump! Du Spitzbube! Du kennst mich ja. Du hast mich ja selbst einmal verurteilt. Ich werfe Dir einen Stuhl an den Kopf!" Und blitzschnell ergriff er dabei einen der im Anklageraum befindlichen Stühle und schleuderte ihn gegen den Vorsitzenden. Einer der Beisitzer versuchte, dem Wurfgeschoß eine andre Richtung zu geben, er packte den Stuhl an einem Bein und erzielte dadurch, daß er auf den Richtertisch fiel. Von de» Richtern wurde keiner beschädigt, aber eine heillose Ver- ivirrung wurde auf dem Richtertische angerichtet. Mehrere Tinten- sässer wurden zertrümmert, ihr Inhalt ergötz sich nicht nur über fast sämtliche Richter, sondern auch über die Akten, die auf dem Tische lagen. Im Nu war der Verbrecher gefesselt und unschädlich gemacht. Der Zuhörerraum wurde geräumt, die Gerichts- diener suchten von dem Aktenmaterial zu retten, was zu retten .war und das Richterkollcgium begab sich in das Beratungszimmer. um eine oberflächliche Reinigung vorzunehmen. Der Bimsstein soll dabei eine hervorragende Rolle gespielt haben. Als die Verhandliuig dann wieder aufgenommen werden konnte, beschloß der Gerichtshof, den Angeklagten, der sich jetzt ruhig verhielt, wieder nach dem Zucht- Hause zurückzuführen und ihn dort auf seinen Geisteszustand unter- suchen zu lassen. Mit der Bestellung von Briefe» innerhalb des Stadtverkehrs scheint es nach den mannigfachen Klagen, die uns zugehen, immer noch zu hapern. Es ist nicht selten, daß Briefe, die am Morgen in Berlin W aufgegeben werden, erst abends mit der letzten Post ihren etwa in Berlin C oder O gelegenen Bestimmungsort erreichen: vier bis fünf Stunden kann man auch im günstigsten Falle auf eine Postbcstcllung rechnen, wenn Entfernungen in Betracht kommen, die ein Futzgättgcr iii einer knappen halben Stunde zurücklegt. Außerordentlich unsicher ist jedoch immer noch der Postdicnst zwischen Berlin und den Vororten. Wer am Vormittag in Berlin nach Wilmersdorf oder Friedenau einen Brief aufgiebt, mutz sich fast immer darauf gefaßt machen, datz dieser Brief erst am nächsten Morgen sein Ziel erreicht. Lätzt sich da kein Wandel zum Bessern schaffen? AlS falscher Kriininalbcainter festgenommen wurde der 26 Jahre alte ehemalige Reisende Paul Wrede. der ohne Wohnung ist und schon wegen Betrugs und Urkundenfälschung bestraft wurde. Seine Eigenart besteht darin, in den feinen Vierteln Berlins und den Vororten unter Vorzeigung einer Marke unter den Namen eines Kriminalbeamten Richter, Müller oder Schulze besonders Frauen in den Wohnungen aufzusuchen und zn benachrichtigen, datz in Ver- brechcrkreisen ein Einbruch bei ihnen für die nächsten Tage in Ans- ficht genommen sei. Er fügte den Rat hinzu, man möge sich von der Kriminalpolizei zum Schutz einen Beamten erbitten. Zum Schlutz hatte er zn Hanse seine Barmittel vergessen und erhielt leihweise Be- träge von 50 Pf. bis zu 3 M. Nach und nach liefen bei der Polizei verschiedene solcher Anzeigen ein; die Leute konnten keinen Beamte» zuni Schutz erlange», und der Einbruch fand nicht statt. Nun wurde auf den Pseudobeamtcn gefahndet, der bei einer solchen„Warnungs- fahrt" in Moabit verhaftet werden konnte. Den ersten Unfall im Betrieb der Hochbahn hat der Bahn- hos Trebbinerstratze zu verzeichnen. Am Sounabendnachmittag wollte der 31 Jahre alte Wärter Ludwig Kunckel aus der Scharnhorst- stratze 34 den elektrischen Strom umschalten und bediente sich dabei eines falschen Stöpsels. Infolgedessen schlug ihm eine Stichflamme entgegen und verbrannte ihn am Kopf, im Gesicht und an den Händen. Kunckel mutzte sofort in einer Droschke nach einem Kranleu- hauS gebracht werden. Zwei schwere Knochcnbrnche hat der Schneefall am Sonnabendabend von 6—9 Uhr zur Folge gehabt. Aus Posen war der 22jährige Schuhmacher Fritz Bischer hier eingewandert und wollte die christliche Herberge in der Oranienstratze aufsuchen. Kurz vor dem Ziel stürzte er in der Alten Jakobstratze infolge der Glatte, erlitt einen Bruch am Hüftgelenk und wurde in ein Kranken- haus gebracht. Der 2öjährige Kaufmann Otto John kam beim Ver- lassen der Straßenbahn in der Grotzen Franlfurterstratze zu Fall und brach einen Oberschenkel. Drei Preise der Stadt Berlin auf der Internationalen Hunde» ansstclluug des Kynologischeu Klubs haben erhalten: für die beste züchtörische Leistung in der Abteilung der Jagdhunde Freiherr v. Langen- Grotz-Lüdershagen bei Stralsund; für die beste Leistung in der Abteilung LuxuShuiide Peter Bollig- Düsseldorf, und für die beste Leistung in der Abteilung der Schoßhunde der Besitzer des Zwingers Wildcnstein, Heinrich Müller- Leisnig. Außerdem wurden sehr viele erste Preise verliehen. Bon einem schwere» Schicksalsschlage ist die Familie des Ingenieurs August Mähnert in Groß- Lichterfelde betroffen worden, der dort Belleimestr. 9 eine Villa bewohnt. Am Sonnabendabend gab der 17 Jahre alte Sohn Max. Oberseknndaner der Schönebcrger Realschule, in Gegenwart von Schulfreunden im Zimmer mehrere Schüsse nnt einer Taschcnpistole ab. Der Vater verwies ihm dies gefährliche Treiben. Bald darauf ertönte ein Schutz aus der» Zimmer des Schülers. Man fand den jungen Mann entseelt am Boden liegen. Er halte die im Beisein der Freunde ihm erteilte väterliche Ermahnung als eine so schwere Kränkung enipsunden. datz er seinem jungen Leben durch einen Revolverschutz ins Herz ein Ziel setzte. Ein Spiclcrncst ist in einem Hanse des Kurfürsten? danims von der Polizei ausgehoben worden; eS wurden zwei Ronlettes beschlagnahmt. In dem Hause hatte ein früherer Fähnrich W. eine» Lade» und ein Zimmer gemietet. Während der Laden leer stand, fand in dem Zimmer regerer Vorkehr statt, freilich nur zur Nachtzeit. Mau sah Herren und auch D a ni c n eintreten, die sich in dem Jnnggesellenzimmer versammelten und bis zum Morgen- grauen verweilten. Da man vorher beobachtet hatte, datz W. mit einem jungen Kaufmann auf einem Roulette anscheinend übte, so war der Verdacht enlstanden, datz jenes Zimmer als Spielhölle benutzt würde. Dadurch kam die Sache zu Ohren der Polizei. Wer die Bankhalter waren, wer in dem Zimmer verkehrte, ist noch nicht festgestellt. Fcucrbericht. Ein größerer Labenbrand kam Sonntag» nachmittag in- der Köpnickeiftr. 25 in dem Schuhwarenhanse von Franz Girnus zum Ausbruch. Das Geschäft wurde um 2 Nhr ge- schlössen, ohne daß etwas Verdächtiges bemerkt wurde. Kurz darauf drang dicker Rauch durch die Fenster und als die Feuerwehr eintraf. standen Regale, Kartons und Schuhwaren in hellen Flammen. Die Wehr hatte längere Zeit Wasser zn geben, um die Flammen zu ersticken. Wie der Brand cutstanden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Sonntag früh 1 llhr waren in der Angnststr. 38 Gardine» und Kleidungssiücke in Brand geralen, der indes noch ini Keime erstickt werden konnte. Ein ähnlicher Brand mutzte Sonnabendabend in der Kastanien-Allee 94 beseitigt werden. Gleichzeitig wurde die Wehr nach der Rosenthalerstratze gerufen, wo vor dem Hanse Nr. 59 ein bcladener Kohlenwagen in Flammen stand. Ali? de» Rachbarvrten. Der Charlottenbnrgrr StadthanShaltS-Eiat schließt in Einnahme und AnSgabe im Ordinarinm mit 12 438 000 M., im Extra-Ordinarium mit 7 801 900 M. Dazu kommen die SondcrctatS der Kanalisation mit 2,4 Millionen, der Ladcstratzeu mit 233 000 M., des Lagerplatzes der Tiefbaiivcrwalttmg nüt 573 300 M.. des Elektri- citätswerks mit 712 935 M., der Gasanstalten mit 8,6 Millionen, und der Stiftnnge» mit 69 716 M. Der Reingewinn der Gas- austalteu ist auf 473 000 M. veranschlagt. Das Ordinarimn des HauPIetats hat gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung um 844 000 M. erfahren. Die Gemeindesteuern sind um 522 950 M. höher veranschlagt, und zwar ist der bisherige Zuschlag von 97 Proz. zur Staats-Einkommensteuer beibehalten. Personell mit einem Ein» kommen' von nicht mehr als 900 M. bleiben steuerfrei. Die Ge- mcinde-Grnndsteucr ist auf 2,21 d/oo des gemeinen Wertes der bebauten und unbebauten Grundstücke bemessen, die Gcmcindc-Gewerbesteuer soll in Höhe eines Zuschlags von 97 Proz. der staatlich veranlagten Gewerbesteuer erhoben werden, und zwar so, daß die Gemeinde- Grund- und Gemeindc-Gewerbesteucr zusammen einem Satze von 145,5 Proz. der staatlich veranlagten Staatssteuern gleichkommt. Die Betnebsstencr soll in Höhe von 100 Proz. der festgesetzten Betriebs- stener, die Umsatzsteuer in Höhe von 1 Proz. des Umsatzwertc» der bebauten und unbebauten Grundstücke erhaben iverden, die Kanali- sationsgebiihr ist auf 1 Proz. festgesetzt. Die WarcuhauSsteucr fall zur Erleichterung des Gelvcrbestcuersoüs der Geiverbestcuerklasse IV verwendet werden, so daß alsdann die niedrigsten Sätze von 4, 8, 12 M. und— soweit der Betrag reicht— auch noch von 16 M. außer Hebung bleiben. AnS Nixdorf. Eine Messerstecherei rief am Sonnabend- abend in der Steinmetzstraße großes Aufsehen hervor. Der Müll- tntscher Karl Scheer war von dem 16 jährigen Sohne des Steinmetz- straße 114 wohnhaften Fuhrherrn Otto Liepert beschimpft worden und hatte dem jungen Burschen dafür einen leichten Schlag mit der flachen Hand versetzt. Liepert erzählte dies sofort seinem Bater, welcher den Scheer verfolgte, einholte und zur Rede stellte. Zwischen beiden Männern kam es zu Thätlichkeiten und als Scheer davon- laufen ivollte, erhielt er hinterrücks von Liepert eine» Messerstich in das linke Schulterblatt. Scheer mußte sich in der Unfallstation XU verbinden lassen und erstattete sodann gegen den Messer- stechcr Anzeige. Liepert wurde darauf von einem Schutz- mann»ach der Polizeiwache gebracht, wo er die That zugab. Glücklicherweise ist die Verletzung des Scheer nicht gefährlicher Natur. Der Kasscnrendant Knisse in Wilmersdorf ist gestern auf Veranlassung der Staatsanlvaltschaft als Polizei- gefangener nach derCharits gebracht worden. Nach seiner vollständigen Herstellung wird Knisse dem Moabiter Unter- suchungsgefäiigiiiS zugeführt iverden. Die Vonnitersuchung gegen den ungetreueil Kaiseubeamten ist bereits so gut ivie abgeschlossen, da er geständig ist. Als Kuriosum sei»och mitgeteilt, daß Kuisse, der sich auch vielfach als Schriftsteller auf kommunalpolitischem Gc- biete bethätigte, seiner Zeit ein Buch herausgegeben hat. mit dem Titel:„Wie ordnet und revidiert man eine Gemeinde- lasse?" Ein Sieg der«nglischeu GaSgesellschaft in Schöncberg? Man schreibt uns aus Schöneberg: Der Magistrat hatte am 22. November 1901 der Stadtverordneten-Versammlung folgende Vorlage gemacht:„1. Das Angebot der englischen GaSgesellschaft zwecks Verlängerung des Vertrages wird abgelehnt. Es ivird die Errichtung einer städtischen Gasanstalt beschlossen. 2. Die beiden Firmen, Berlin-Anhaltische Maschinenbau-Aktien-Gesell- schaft in Berlin und Kölnische Majchinenbau-Altien-Gesellschast in Köln sind auf ihr Angebot hin auszufordern, je ein baufähiges Pro- jett für eine zu errichtende städtische Gasanstalt zu liefern,' mit der Bestimmung, daß diese Projekte Eigentum der Stadt tverdc» und die ge- nannten Firmen keinerlei Recht auf die Ausführung erwerben. 3. Die Anfertigung der Pläne für das neue Rohrnetz in Schöneberg wird genehmigt. 4. Zur Deckung der durch die Vorarbeiten zur Errichtung einer städtischen Gasanstalt entstehenden Kosten sind 20 000 M. bereit- zustellen." Der Erste Bürgermeister Wilde hatte selbst die Vorlage ein- gehend begründet und auch unsre Vertreter hatten sich lebhaft für einen solchen Plan eingelegt. Die Magistratsvorlage wurde denn auch, nachdem der eingesetzte Ausschuß sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt hatte, in der nächste» Sitzung gegen nur eine Stimme angenommen. Auch wurde eine gemischte Deputation, bestehend aus drei Magistratsniitgliedern und sechs Stadtverordneten, niit den Vorbereitungen zum Ankauf eines erforderlichen Grundstücks betraut. Vorausschicken müssen tvir noch, daß vor Einleitung der Verhandlungen die Gas- gcscllschaft sich zu keinerlei weitergehenden Konzessionen verstehen ivollte. Nun bringt das„Schöncb. Tageblatt" in seiner Sonntags-Numnier die Nachricht, der Magistrat wäre einem neuerliche» Angebot der Gesellschaft nicht abgeneigt, auf Grund dessen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen ermöglicht sei.— Und was bietet jetzt die Imperial Continental-Gas-Association? Während die EntichLdigung au die Stadt jetzt nur 30 000 M. beträgt, will die Gesellschaft vom Tage des neuen Vertrages an jährlich 210 000 M. zahleii; außerdem sollen die öffentlichen Straßen kostenfrei erleuchtet werden. Es würde dies also im ganzen einer Entschädigung von etiva 500 000 M. gleichkommen. Was mutz nicht während der jahrzehnte- langen Ausnutzung des Monopols die Gesellschaft für eincil Vorteil gehabt haben, Iven» sie jetzt ihr Angebot in dieser Weise erhöht! Vorläufig freilich wird der Vorschlag der Gesellschaft noch die Stadtverordneten-Versanimlinig beschäftigen, und wir hoffe», daß diese Rückgrat genug besitzt, um an ihre,» früheren Beschluß fest- zuhalten.' Auf jeden Fall werden unsre Parteigenossen im Stadlpnrlament alles aufbieten, um Schöneberg zu einer eigenen Gasanstalt zu verhelfen. Ihrem Wagemut zum Opfer gefalle» sind am Sonnabend in Spandau drei dreizehnjährige Knaben, welche das sehr dünne Eis des Wallgrabens an der Citadellc betraten, um sich auf dem Eise zu tummeln. Die drei Kinder brachen ein, zwei der Knaben konnten mit knapper Not von Arbeitern gerettet werden, der Sohn des Arbeiters Friede ging jedoch sogleich unter, wahrscheinlich hatte ein Herzschlag sein Leben geendet. Nach einigem Suchen konnte die Leiche geborgen werden.— Die Schulen sollten es als ihre ernste Pflicht betrachten, möglichst oft alle Schüler auf die Gefahren des Eissports aufmerksam zu machen. AnS Steglitz schreibt man uns: Mit der Beratung des Orts- statuts für das G e w e r b e g e r i ch t beschäftigte sich die letzte Gcmeindevertretersitznng, zu der sich einschließlich des Gemeinde- Vorstandes ganze 14 Mann eingefunden hatten. Die Beratung fand auf Grund desselben EntivurfcS statt, über den man sich am21.No- vember nicht schlüssig werden konnte. Wir haben schon damals den havi'tsächlichstcil Inhalt des Statuts im„Vorwärts" mitgeteilt und bcsc.,.ä»keil uns auf die beschlossenen Abänderungen. Eine längere Debatte entstand zunächst über den Antrag des Gärtnervereins „Orchis", in dem Statut die Zuständigkeit deS Gewerbegerichts für alle Angehörigen des Gärtnerbernfes auszusprechen. Herr B u h r o w erklärte den Antrag für gesetztvidrig, worauf er abgelehnt wurde. Der seiner Zeit auf Anregung der A r b e i t- n e h m er- V e r t r e t e r in den Entwurf aufgenommene Passus: „Von der Genicinde vorschußweis« verauslagte Krankenpflege-Kosten gelten nicht als Annemniterstützung," ivurde vom Gemeindevorsteher als ungesetzlich erklärt. Genosse Rapp bestritt energiscki die Richtigkeit dieser Anffassung. Herr S t e i n t h a l stellte einen Zusatz- antrag:„tvofern der Empfänger die vereinbarten Raten zurückzahl t". Mit diesem' Zusatz erklärte der Vorsteher den Passus für nicht mehr gesetzwidrig und stimmte mit der großen Mehrheit d a f ü r. Als WahlmoduS' für die Beisitzerwahle» wurde das vom Gemeindevorstande vorgeschlagene Gruppen- W a h l s y st c m angenommen. Der katholische Arbeiterverein St. Joseph in Steglitz und ein Herr Behrens ans Berlin hatte» Hin Einführung der Verhältniswahl petitioniert,„um zu verhüten, daß sich nichtsocialdem akratische Arbeiter der Macht der Soeialdemokratie beugen müßten". Der Vor- sleher empfahl ivegen Unklarheit der bezügiiche» Bcstiniinungen Ab- lchmnig der Verhältniswahl. Das vom Euttvurf vorgesehene Wahl- verfahren auf Grund von Lcgitiinationen ivurde abgelehnt und die Auf- stellung von Wä h l c r l i st en beschlossen. AufVorschlag des Gemeinde- Vorstehers ivurde schließlich der sehr bedenkliche lund nach Ansicht des Schreibers dieser Zeile» ungesetzliche) Beschluß gefaßt, dem Vorsitzenden des Gerichts bei der Zuziehung der Beisitzer vollständig freie Hand zu lassen. Die Unparteilichkeit des Gerichts ivird durch diese Bestimmung nicht gewährleistet. Auch bestimmt das Gc- iverbegerichts-Gesetz in§ 24 Abs. 3:„In gleicher Weise(durch das Ortsstatut) ist zu bestiiinnen, nach welchen Grundsätzen der Vor- sitzende die einzelnen Beisitzer zuzuziehen hat." Ist daS„Ins- Beliebcn-stellen" auch ei» Grundsatz? Vielleicht beantwortet der juristisch gebildete Gemeindevorsteher diese Frage.- Mordversuch nnd Selbstmord. In Stahnsdorf hat dcr frühere Besitzer der bekannten Wirtschaft„Zur Post", Herr Franz Weber, in einem Nebenzimmer des Lokals aus Eifersucht vier R e v o l v e r s ch ü s s e auf seine Frau abgefeuert nnd sich dann selbst durch einen Schuß in den Mund getötet. Fra» Gertrud Weber ist eine Tochter des früheren Vorstehers des Potsdamer Fern- Bahnhofs in Berlin, Herrn Fonrnier, der als Pensionär in Stahnsdorf ivohnt. Sie lebteseit einigerZeitbei ihrem Vater und wollte sich von ihrem Manne scheiden lassen. Dieser bestellte sie am Sonnabend»ach der „Post" und hatte dort mit ihr eine ziveistündige Besprechung. Dann krachten plötzlich Schüsse. Frau Gertrud Weber wankte blutend aus dem Nebenzimmer und bat, sie nach Hauke zu schaffen. Gleich darauf erschien ihr Mann, rief den entsetzten Gäste» zu:„Das habe ich gcthan!" stürzte in das Nebenziminer und erschoß sich. Die Frau hat vier Schüsse erhalten; davon haben zwei den Kopf gestreift, während die dritte Kugel in die Schulter ging und die vierte die Brust traf, Die Frau liegt hoffiimigslos darnieder. Aus Groff-Lichterfelde schreibt man uns: DaS längst er- wartete, aber keincsivegs erwünschte Ereignis der Erhöhung der G e>n e i n d e st e ii e r n scheint vom 1. April an einzutreten. Die Steuerzahler unsres Ortes iverden aber gut thuu, sich nicht bloß auf die jetzige, sondern auch noch auf weitere im Laufe der nächsten Jahre mit ziemlicher Sicherheit zu erwartende Erhöhungen der Genieindesteuer» vorzubereiten. Bezüglich der Gemeindevertretcr-Wahlen haben nun die„staats- erhaltenden Parteien" ihre Kandidaten, natürlich nur Grund- b e s i tz e r. nominiert. Der„Handwerker- Verein", der für eine Abänderung der jetzigen Bauordnung eintritt und im übrigen selbstverständlich im konservativen Fahrwasser segelt, konnte sich mit den Grundbesitzer- Vereinen bezüglich gemeinsamer Kandidaten nicht einigen und hält an der Aufftellung der bisherige» Geineindevertreter Kaufman» C. Schulz uiid Baumeister Mcusching für den II. Bezirk(Westen) fest. Es soll natürlich nochmals der Versuch einer Einigung nnteriiomnien werden, im» der Soeialdemokratie, deren Kandidaten in diesem Bezirk die Genossen W e tz k e r und L a m p e sind, geschlossen entgegentreten zu köilncn.— Für den Osten(Bezirk I) haben die reaktionären Parteien den Ober- lehrer nnd Hausbesitzer Dr. Dietrich dem socialdeinokratischen Kandidaten Wenzel entgegengestellt.— Die Wähler der III. Abteilung iverden in ihren, eignen Interesse gut daran thun, alles aufzubieten, um den Grundbesitzer-Ring zu spreugen.— In der nächsten Zeit ivird die Frage der Verteilung der Ä o st e n d e r K a u a l i s a t i o n entschieden werden müssen. Wird das Geineindcparlament ausschließlich von Grundbesitzern beherrscht, dann'verde» diese, die schon 7 Millionen an Gnnidwertsteigernng „verdient" haben, d i e L a st e ii von sich a b u n d m ö g l i ch st auf die übrigen Steuerzahler abzuwälzen s n ch e n. Andrerseits iverden sie nicht versäumen, von den Mietern für die Annehmlichkeit der Kanalisation einen weiteren Tribut zu fordern. Die Wähler der III. Abteiliing haben also alle Ursache, durch Wahl der socialdemokratischen Kandidaten ihren Interesse» und dem Gemeinwohl einen Dienst zu erweise». Tempclhof. Sonnabend sind auf dem Wege nach Marieufelde die Sammellisten Nr. 31—40 verloren gegangen. Der Finder wolle sie bei M. Müller, Tempelhof, Berlinerstr. 41, abgeben. III. Wahlkreis. Mittwoch, den 12. Februar, abends 8 Uhr, im großen Saal von Bnggenhagen am Moritzplatz: Uolks-Uersammlnng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstagsabgeordilcten It. Fischer übet:„Wasser- Politik und Socialpolitik im Deutsche» Reiche". 2. Diskussion. Rege Beteiligung der Genossin»«» und Genoffen erwartet 212/2 Her Vertrsueusmemn. SocialdemokraUer WalMn für den 4. Berliner Reiclistags-WahIM(Osten). DienStag, den 11. Februar 1002, abends 8 Uhr, Groste Frankfurterstraste 117: Wff" Vevtsttiuilung."WU Tages-Ordnuug: I.Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Dr. A. SUdekuni. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 242/7 »m zahlreichen Besuch ersucht_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Donnerstag, den 13. Februar 1002, abends SVa Uhr, bei Puhlmann, Schönhauser Allee 148: UolKs-Uersammlnttg. Tages-Ordnung: 1. Die Mängel in der Berliner Armenverwaltung. Referentin: Frau Al. Fuchs. 2. Diskussion. Genossinnen und Genoffen agitiert für regen Besuch. 1/4 Dl« vertrauensperson. Deutscher Holzarbeiter-Verband. DonuerStag» den 13. Februar 1902, abends 8'/« Uhr. bei Keller, Koppeustraste: Vertranensmäuner- Versammlnug für sämtliche Bezirke. TageS-Ordnung: Ter von den Verbände» der Holz- IndnstrieUcn und der Innung errichtete Arbeitsnachweis und die Einführmig von Entlassniigsscheiile«. Werkstattstreiks und Differenzen. Tie Kollegen werden ersncht, anS jeder Werkstatt Delegierte zu entsenden. Mitgliedsbuch nebst Vertrauensmänner Karte legitimiert. Die Orts-venvaltunx. Mittwoch, den 12. Februar er., abends 7»/» Uhr; Branclien-Vemmlonj; der PeMter-AMer im GewertschaftshauS, Eiigel-Ufer 15. Tages-Ordiluiig: 1. Stellung der Kollegen zum Arbeitsnachweis. 2. ArbeitSloseil-Unter- sintzlllig. 3. Verschiedenes. 79/1 ' Kollegen! Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller notwendig. Der Obmann. Mittwoch, den 12. Februar 100», abends 8»/, Uhr, bei Hahels, Vergiiiaunsirahe 5—7; Bezirksyersammlunj! Ii den Westen u. Südwesten Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Ingenieur Grempe über:„Technische Fortschritte im Beleuchtungswesen". 2. Verschiedenes.— Damc» ivillkommen. Gentralverband der Maurer Zahlstelle Berlin. Mitglieder UersammUmgen. m Oramenburger Vorstadt" Ge'iiÄr.SflÄ 8 U5" Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Bericht anS der Vertretersttzung. 3. Verschiedenes. am Mittwoch, den 12. Februar 1002, abends 8 Uhr. im Lokal«rttxer, Na.inyi.strafte Nr.«. Tagesordnung: 1. Jahresbericht deS Obmanns. 2. Neuwahl der BiertelSverwaltung. 3. Verschiedenes. Ziui«#¥11,54-,» am Mittwoch, den 12. Februar 1002 guc Bnlowftrahe Nr. 37 abendS 8 Uhr, im„livuigsshek", *. 37. Tagesordnung: 1. Beschlußsaffung über die Einsuhrung der Hailökassiemng. L. Verschiedenes. Bezirk tOsteU m" Donnerstag, de» IS. Februar, abends 8 Mr. in Imhs Ostbahnpark, Tagesordnung: X. Bortrag. 2. Bericht anS der Bertretersitzung. 3. VerbandSangelegenhetten. Regen Besuch envartet 136/20_ Die Vcrbandsleltung. Dienstag, den II. Februar 1902, abends 8'/2 Uhr, Volks-Versammlung bei Gossmann, Kreuzbergstraste 48. 103/11* Die NerdiUignng der Lebensmittel. Paul Göhre. Referent: Rixdorf. Socialdemokrat. Wahlverew. Mittwoch, 12. Februar, abends 8�»Hr. bei Herrn Ph. Thomas, Hermannftr. 50: llitglleder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen Adolf Hoffmaun über:„Das Volk der Denker in der Zwangsjacke." 2. Diskussion. 3. Aufnahuie neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelcgenheiten, Verschiedenes und Fragekastcn. Um zahlreichen Besuch ersucht Der'Vorstanck. Ii JalOUSL uunui ui um uiufium Montag, de» 17. Februar er., abends 8 Uhr: General"Mepsammiung im Bereinslokal Komma, idanteuftr. 65 bei l-adewlj:. Tages-Ordnung: 1. Vorlesung des Protokolls. 2. Antrag Engelhardt: Auflösung deS Vereins und Uebertritt zum Holzarbeiter-Verband. 3. Wahl einer Kommission event. eines neuen Vorstandes. 4. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert. Auf 8 Sb macht aufmerksam 422b Der Vorstana. Ida Roder Felix Pascal Verlobte. 439b Barlin, Februar 1902. Patentanwalt Dammann, Rorltaplatii 57. Auskunft bis abendS nenn.(33S9L* Die glückliche Ankunft eines kräftigen gesunden Mädchens zeigen hocherfreut an Glatter und Frau, Rixdorf. yk Neu lieben Freunden und Bekannten hierulit die traurige Mitteilimg, daß mein lieber Mann, der Forinermeister Albert Oablenz out Sonnabend, den 8. d.M., abends, plötzlich am Herzschlag verschieden ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch- nachuiittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes in Rixdorf, Heruiannstraße, aus statt. 43(3b Paulinc Gablenz geb. Schirm. Stemrbelter! Am Sonnabend starb unser Kollege Ernst Elsenach. Die Beerdigung findet am Dienstag- nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Beusselstr. 7 ans nach dem Johannes- Kirchhof in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 172/4 Der Vertrauensmann. Statt jeder besonderen Meldung. Am Sonnabend, deu 8 d. vcr- schied nach kurzem schweren Leid-n unser lieber Baker und Grobvater Wilhelm Ruhm. Die Beerdigung findrt am Mittwoch, den 12. d. M., nachiiiittags 4»/, Uhr, von der LeichenhaNc des Alten Luisen- städtischen Kirchhofes statt. 44öb Amsterdaiu-Berlin. Alfred Ruhm«. FamNie. Achtung! Kleber! Achstm«! Große öffentliche Ucrsaulnilniig sämtl.zum Streikpbiet Berlins gehöriger Kleber am Dienstag, deu 11. Februar 1002, abendS 5 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstraste Nr. 10. TageS-Ordnung: l. Tarifausgabe. 2. Rechenschaftsbencht der Lohiikouiulisston. S. DiS- kussiou.— Das Erschelneu sämtlicher Kleber ist notwendig. 101/4_ Dt» Lohukoinmission. I. A.: Jack Ucffem. Kleber (Tapezierer). Mittwoch, deu 12. Februar, abends 8l/8 Uhr, bei Fenersteiu, Alte Jakobstraste 75, Oeffeutliche Uersammlnug. Ta geS-Ordnung: Die Bedeutulig der diesjährigen Lobnbcwegung für die in der Klebebranche beschäftigten Kollegen Berlins. Das Erscheinen aller Kleber und Kundenarbciter, die mit Klebe- Arbeiten beschäfligt sind, erwartet Die Sektionsleitung des Verbandes der Tapezierer. I. A.: Paul Hirth. Koösühi- id Produltiv-Genossenscit Berlin— Kixdorf. Freitag, deu 14. Februar, im grostc» Saale btS Gelverk- schaftShauscs, Engel Ufer IS: ftstscknnxdsssnssell>sdent!.CnnelsIffsssnnntnnx Tages-Ordnung: 1. Vorlegung der Bilanz und Beschlutzfaffuug darüber. 2. Erledigung der bereits veröffentlichten Anträge.„ 106/10* Ohne Legitiinationskarte fein Zutritt. Ter Vorstand. Veranlwortlicher Redacteur:<5arl Leid in Berlin. Für den Juserateuteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.