Ur. 39. Adonmmeitts-Kedingimgen: Abonnements-Preti pränumerando! vierteljährl. Z.Z0 Mb, monatl. l.lvMI., wöchenlltch 28 Psg. frei ins HauS. Eimelne Numm-r S Psg. EonntagS- Slummet mir»InNricrier esnntagZ» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement! l,lo Mark pro Mona», Singetragen in der Post-LeilungS- Preisliste für IVOS unter Nr. 7S7S. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. Arsch, int täglich«uft« Montag«. 19. Jahrg. Nie Iilstrtwns-GMyr beträgt für die fechSgsfpaltene Kolons»- zetle oder deren Raum«o Pfg., für politische und geiverkschastliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anieigeu" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate fiir die nächste Nummer muffen biS i Uhr nachmittag» in derExpcdition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Devltnev VolksdlÄkk. Telegramm- Adresse! -.Aorlüldemostrut Serlln" Csntralorgan der so cialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedalttion: SW. 19, Veuklz-StrMe 2. Aernsprecher: Zlmt I, Str. Ikiv«. Expedition: sw. 19, Veutlz-Steaste 3. Srrusprrchrri Amt I, Nr. 5131. Ans dem Zollkriegslager. Die Zollkommission hat am Freitag de» Zollkrieg be- schlössen; die Wnchermehrheit erhob trotz des Widerstandes der Regienuig den Antrag zum Beschltitz, dah der neue Tarif spätestens am 1. Januar 1V0S in Straft treten solle. Danach werden die be- stehenden Handelsverträge bis zum Ablauf des Jahres IVOS gekiindigt werden müssen, ob sich nun inzwischen neue Handelsverträge er- möglicht haben oder nicht. Mit diesem Beschluß hat die Agrarmehrheit der Kommission die Von der Regierimg verteidigte Politik durchkteuzt, damit aber auch zugleich die Lage vereinfacht. Jetzt ist es klar, daß der Zolltarif mit dieser Terminklausel unter allen Umständen den Zollkrieg bedeutet, und da die Regierung weiß, daß ihr Entwurf ohnehin die Gefahr von Zollkriegen äußerst nahe rückt, ja sie fast sicher er- scheinen läßt, andrerseits aber die furchtbare Verantlvortnng für die direkte Erklärung eineS handelspolitischen Weltkrieges nicht über- nehmen kann, so müßte sie entiveder jetzt ihren Zolltarif zurück- ziehen und ans Land appellieren, oder aber selbst zmücktreteil und einem Ministerium Waiigeuheim-Kaiiitz-Müller-Fulda-Kardorff Platz machen. Wie nnsre Verhältnisse nun aber einmal liegen, so wird man der harten Notwendigkeit unziveideiitiger Entscheidung wiederum ausweichen nud ruhig fortwursteln. Möglich, daß ja bei der ziveiten Lesung der Fristbestiuimung wieder fällt, nnd der Wucher frieden der„mitteren Linie" zlvische» Regierung und Mehrheit her- gestellt wird— wir haben keinen Anlaß, uns durch diese Zukuufts koinbmationeu irgendwie beeinflussen zu lassen. Unser Weg ist klar vorgeschrieben: Dieser Zolltarif darf nicht Gesetz werde», gleichgültig, ob er mit oder ohne Friftbestimmunq behaftet ist. Nachdem die Mehrheit deinonstratib die Erklärung des Zollkrieges beschloflen hatte, ging sie nnn auch zum inneren Krieg über, Mit einem in der Geschichte des deutschen Reichstags bisher nn- erhörten menchlcrischeu Gewaltstreich versuchte der Vorsitzende der Koiilmisfion, Herr v. Kardorff, im Verein mit dem aus der Marine- Affären her in derlei Machinationen geübten CciitrilniSimillcr ans Fulda die Minderheit der Kommission brutal und hinterlistig nieder zuwerfen. Es ist selbstverständlich, daß bei einem Zolltarif, der auf die Not der Laudivirtschaft begründet ist, vor allem dieser Notstand beiviesen wird. Bisher ist man über leere allgemeine Redensarten nicht hinaus- gekonlnien. Deshalb war die von der Linken erhobene Forderung einer landwirtschaftlichen Enquete die unerläßliche Voraussetzung aller weiteren Verhandlungen. Der Antrag Gothein diente diesem Zweck, Klarheit über die Lage der Landwirtschaft z» gewinne». Und diese ebenso berechtigte wie den Agrariern verhaßte Forderung zu vereiteln, war die Absicht einer Berschwörnng, die Herr v. Kardorff und Müller-Fulda angezettelt hatten. Herr Müller- Fulda brachte einen Antrag ein, die Enquetefrage bis zum Schluß der zweiten Lesung zu vertagen, d� h. zu begraben. Gegen den Antrag lagen mehrere Wortmeldungen vor. Herr v. Kardorff aber erklärte plötzlich eine Diskussion für mizulässig nnd wollte den Antrag Müller-Fulda sofort zur Ab- stimiiiuiig bringen, Infolge des Gewaltakts entstanden so wild erregte Scenen, wie sie im Reichstag selten, in einer Kommission noch niemals erlebt worden sind. In einem elementaren Ausbruch leidenschaftlicher Energie widersetzten sich nnsre Genossen den» Kardorffschen Staatsstreichsversuch, so daß schließlich die Mit- glieder deS Ceutrums einlenkten und gegen den Antrag ihre« Parteigenossen stimmten, der damit fiel. Nachdem auf diese Weise der eigentliche Kriegsfall aus der Welt geschafft war, legte Herr v. Kardorff den Vorsitz nieder. Die Ans- einandersetzmigen fluteten noch eine Zeitlang chaotisch gärend dahin. Schließlich ging man ergebnislos auseinander. Am nächsten Dienstag wird man sich zunächst ei»en Vorsitzenden wählen müssei». Nachstehender Bericht skizziert den Verlauf der Verhandlungen. »» » Am Freitag wurde die Beratung des K 12 des Tarifgesetzes, ier den Zeitpunkt des Inkrafttretens bestimmt, fortgesetzt. Speck sE.): Der vorliegende Entwurf specialisiert nnd daS ist sein Vorzug. Die Specialisierung erleichtert den Abschluß von Handels- Verträgen. Wenn keine Frist für das Jiikraftlreten des Tarifs eingesetzt wird, dann werden die Verhandlungen mit den Verlragsstaateu sich in die Länge ziehen. Das Princip der Meistbegünstigungsverträge ist besonders im Hinblick auf die mit uns in engere Handelsvertrags-Politik getretenen Staaten zu verwerfe». Oestreich-Uiigarn z. B. wird schwer geschädigt durch den Meistbegünstignngs-Vertrag mit Argen- tinicn. Den» imgrischeii Weizen entsteht durch die Meistbegünstigmig mit Argentinien erdrückende Konkurrenz. Sollte die Befristung bis zum 1. April 1906 nicht genügen, so ivird der Reichstag zweifellos eine weitere Befristnng zugestehen. Bei einem vertragSloscn Zustand zwischen Dcntschlnnd ,md Oestrcich würde letztere» den größte» Schaden haben. Zollkriege sind indessen durchaus zu vermeiden. Die Konservativen nnd das Eentriim sind durch das Fleisch. beschau- Gesetz mißtrauisch geworden. In dieses Gesetz sind für die Landwirtschaft giii'stige Bestimmungen aufgenommen. Da aber ein Termin für das Inkrafttreten nicht angesetzt ivar, sind sie heute noch nicht i» Wirkung. De» Antrag Gothein auf An- stellnng von Enqueten ist so lange als ein Obstruktio»s- a n t r a g zn betrachten. bis Herr Gothein das Gegenteil nachgewiesen hat.(Abg. Gothel» ruft: Ich werde Ihnen das bei der Begründung der Anträge uachiveisen.) Frhr. v. Hehl zu Herrnsheim(natl.) stellt für die zweite Lesung einen Antrag in Aussicht für die Staaten, mit denen wir> nicht im engeren BertragSverhältuis stehen, den Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes auf den 1. Januar 1904 festzusetzen. Ein vollständiger Doppeltarif hätte das Gute, daß man dem einen Staat diese, dem andren jene Vergünstiguiige» gewähren könnte. In dem Handel mit den BertragSstnateir haben wir eine Untcrbilanz, freilich ist diese beständig gesnnkc». Die Pro dilkliouskosten für Weizen betragen an» Rhein IS M., während sie für argentinischen Weizen frauco Rotterdam nur 10 M. betragen; wir müssen daher rine» Zoll von 7,80 M. für Argentinien in Aussicht nehmen. Wenn wir dann Rußland imd Ocstreich gegenüber nur 6 M. Zoll nehmen, dann hat dies immer einen Vorteil, wenn diese Vergünstigungen den überseeischen Staate» nicht bewilligt werde». Neben den Minimalzöllen für Getreide muß auch ein Miiiiinalzoll für Mehl angesetzt werden. Alle MeiftbegünstigiingSailträge»missen, nnd zwar früher als die Handelsveriräge-gekündigt werden. Redner erklärt, keinem Handelsvertrag seine Znstimmilng zn gebe»,»venu die Meist bcgüustigungSvcrträgc nicht beseitigt sind und behält sich vor, in einem Antrage die Kündigung der Meistbegünstigungsverträge zum 1. Januar 1904 vorzuschlagen. Staatssekretär Graf PofadotvSky bekämpft die ÄilSfühttMgen der Abgg. Speck und Hehl. Stadthagcu(Soc.): Hehl stehe, wenn auch nnbcivnßt, ans de», reinen zolllriegerischcn Standpunkt. UnS liege nicht daran, das Gesetz möglichst hinauszuschieben, sondern es bald, aber in einer für uns annehmbaren Gestalt, in Kraft zu setzen. Bor allem müssen die Gctrcidezöllc herabgesetzt werden. Wir ivollcn über alle diese Fragen sachliche nnd gründliche Erörterung. Wie kann man da von Obstrnklion sprechen? Was ist den» eigentlich Obstruktion? Stellvertretender Vorsitzender Paasche(imterbrccheud) ersucht den Redner, sich kurz zu fassen. Er solle hier nicht eine allgemeine Abhandlung über den Begriff Obstruktion geben. Stadthagcu(fortfahrend): Die Unterbrechung des Vorsitzenden verlängert nur unnötig die Debatte.(Heiterkeit.) Wochenlang haben die Freunde des Herrn Paasche die Debatte mit Anträge» hin- geschleppt, die unannehmbar waren. Wie breit ist über Spiritus und Zucker gesprochen worden und auch der vorlicgc»»dc Antrag Späh» ist Obstruktion im ivahrsten Sinne des Worte (Heiterkeit.) Denn er will verhindern, daß Handelsverträge zn stände kommen. Gestern hat»»s Herr v. Kardorff mitgeteilt, daß die Laudivirtschaft jährlich 9 Milliarden, die Industrie aber nur 6 und der Handel 2 Milliarden an Wert produziere. Dagegen hat die Industrie noch 3 Milliarde» für Rohstoffe abzugeben. Wen» diese Ziffern, deren Nichtigkeit sehr zu bezweifeln ist, vom Wirt- schaftlichen Ausschutz ermittelt sind, dann können sie nur beweise», daß sich die Laudivirtschaft in einer außerordentlich günstigen Lage befindet. Von den 14 Milliarden erzeugter Werte, die nach Abzug der Rohstoffe das Nationaleinkoinme» darstellen, nimmt die Laudivirtschaft, die weniger als Vs der Bevölkerung»»»faßt, 9/i4 für sich in Anspruch. Da fehlt jede Grundlage für die Behauptung der Agrarier, daß sich die Lmidtvirtschafti» einer Notlage befinde. Gestern hatHerr Paasche aufdiebedrängteLage derZucker- uiidSpiritusindustrie hingewiesen. Es scheintmirso.alS wenn das nur geschehe» sei, um die Debatte zu verzögern als hätte man hier eilte» weitereu Fall von Obstruktio» der Mehrheit vor sich. Mit dem Antrag Spahn hatten die gestrigen Ausführungen des Herrn Paasche nicht das geringste zu thnn. Be- merkenSivert ist auch, daß die Antragsteller sich als stramme Monarchisten gebärden nnd das Jukraftsctzen durch kaiserliche Per- ordlinng verlangen, dabei aber dein Monarchen vorschreiben, bis wann er seinen Eiiischlnß z» fassen hat. Bräsicke(frs. Vp.) bekämpft ebenfalls den Antrag Spahn. Es gehe der Regierung jetzt mit der Rechten, wie Eltern mit verzogenen Lieblingskindern. Beivilligten dieselben nicht jeden unvernünftig«» Wunsch, so werde über»laugeludes Wohlwolle» und daS schaurig lalte Herz gezetert. Als praktischer Landivirt bestreite er durchaus den behaupteten Rückgang der Laudivirtschaft. v. Kardorff(Rp.) beruft sich auf Bismarck, der immer den Grundsatz vertreten habe, daß man sich nicht durch ivirtschaftliche Zugestäuduisse politische Frenudschaften erlverben oder erhalten könue. Staatssekretär Graf PosadowSky weist demgegenüber auf die totale Verschiebung der Verhältnisse timerhalb der letzten 20 Jahre hin. Auch die größte ftaatSinäunische Autorität könne nicht ver- langen, daß ihre gelegentlichen Aussprüche eivig als Axiome betrachtet ivürden. In der Polilik müsse man sich nach de» gegebenen Verhältnissen richten, das habe Bismarck immer gethan. Gothein(frs. Vg.) beruft sich auf Schnioller, der Bismarcks Ausspruch ebenfalls für völlig verfehlt erachte. An der Verbesserung der russischen Beziehungen sei doch handgreiflich zn spüren, wie die wirischastliche Annäherimg eine politische Aimäherung nach sich gezogen habe. Mit seinen Enquete-Aiiträgen beabsichtige er keine Obstruktion. Es sei unbillig, diese Anträge schon zu bekämpf«», ehe er»och in der Lage geivesen sei, dieselben mit«inci» Worte zu begründe». Redner tritt für volle Meistbegünstigmig ein, besonders mit Rücksicht auf die Industrie- ariikel.dic anßer von im« auch von andre» Staaten unter ähnlichen Bedingimgen hergestellt werden könnten, nnd das sei die übergroße Menge aller unsrer Jiidiistrie-Artikel. Länder mit wenig entwickelter Industrie wären häufig schon technisch nicht in der Lage, koinplizierte Tarifverträge abzuschließen. Für solche Staaten müßte» die einfache» Meislbegünstigmigs-Verträge aufrecht erhalten iverde», deren Be- seitigung die averbedentlichsten Wirkniige» ans das wirtschaftliche Leben haben müsse. Graf Kauitz(k.) hält die Ausführungen des Abg. Gothei» nicht für richtig. Er polemisiert dann gegen de» Abg. Speck»nid wüuscht der Regierung ein möglichst steifes Rückgrat in den Verhandlimgen mit den Vertragsstaalen. Er glaube, daß Nußland im Hinblick auf seine ungünstige Handelsbilanz mit uns nicht wieder Handelsverträge abschließen werde. Der Reciprozitätsvertrag mit Nordamerika betreffe»ur einige»mlergeordiiete Artikel. Es müsse eine Hauptaufgabe der Regierung sein, nnsre Position Amerika gegenüber zu verbessern; geschehe dies nicht, habe die ganze Handels« vertrags-Politik keinen Zweck. Aus Furcht vor einem Zollkrieg solle man nicht von Position zn Position zurückiveichcn. Molkenbuhr(Soc.) fragt die Befürworter des Antrags Spahn, welche Machtmittel sie aiiwcnden wollen, um den Kaiser zu zwingen, die Verordmiiig zu erlassen, wenn sie bis zum 1. Januar 1906 nicht erlassen ist. Eine Auskunft würde sehr interessant sein auch für etivaige andre Fälle, in dem eine gesetzlich erforderliche kaiserliche Mitivirknilg verweigert iverde. Bei dein Hasse gegen Nordamerika und Argentinien imd dem Wiliische auf Abbruch der Handelsbeziehiingen zu diesen Staaten sollte inan doch iveuigstens einigermaßen Rücksicht nehmen auf die enormen Interessen unser Reederei, die ihre Haupteiniiahmen in Amerika findet. Ehe man sich auf den Hehlschen Vorschlag mit der Kniidigiing der Meistbegüiistigiiugsverträge einläßt,»nützte inan eine Znsaunnenstelliing über de» Nutzen haben, den wir aus der Meist« begüiistiguug genieße» und eine Zusaninienstellnug der Gesetze, woraus zn ersehen ist, ivelchc Nachteile Deutschland nach Wegfall der Meist- begimstigmig zugefügt weide» könnei». Staatssekretär Graf Posadowsky giebt dem Vorredner recht. Es ist ei» staatsrechtliches Novum, daß man für den Erlaß einer kaiserlichen Lerord»u»g einen Termin vorschreibt. Spahn(C.) hält es für überflüssig, die Molkenbuhrsche Frage zn beantworten. Das Gesetz muß die Unterschrift des Kaisers haben, der bisher diese Unterschrift nie vcriveigert habe. Wenn das Gesetz mit der Bestiinmuiig des Termins für die kaiserliche Verordnung erlassen ivird, niiih diese Bestimmung mit publiziert iverde». Stadthagcn(Soc.) weist nach, daß ver Antrag Spahn eine ganz»e»e Art Verpflichtung schaffe. Er müsse sich wimdern, daß von feiten der köiiigslrenei» Parteien eine solche Minderung der kaiscrltchcu Machtstellung angestrebt zu sehen. Sie gehe her- vor ans dem allgemeiuen Mißtrauen der.staatserhalteuden" Parteien gegen die Regierung. Hieranf schließt die Diskussion. Der Antrag Spahn ivird gegen die Stiiinnen der Freisinnigen, Socialdemokraten und des iiationalliberalen Abg. B cum er au- genommen. Er setzt fest, daß spätestens der Zolltarif 1908 tu Kraft«ritt. Es kommt nim zu einer erregte» Sceue. Vorsitzender v. Kardorff: Wir komine» nnn zu den Anträgen des Abg. Gothein auf Vornahme von Eiiqueten. Hierzu liegt ein Antrag des Abg. M ü l l e r- Fulda(E.) vor:«Die Beratung über diese Angelegenheit bis nach der zweite» Lesung auszusetzen." Gothein, Singer und Stadthagen bitten zur Geschäftsordnung umS Wort. Borsitzender v. Kardorff(fortfahrend): Wer f ü r den Antrag Müller ist, de» bitte ich eine Hand zu heben. Erneute stürmische Rufe von Gothein, Eiliger und Etadthagru:„Zur Geschäftsordnuiig 1" Vorsitzender v. Kardorff:»DaS giebt es nicht! Der Antrag Müller-Fulda entspricht einem Antrag auf Vertagung und über den ivird ohne Debatte abgestimmt." Diese Worte des Vorsitzenden entfesseln den Tu in«lt. Die Mehrzahl der Abgeordneteii hat sich vo» den Sitzen erhoben. Alles spricht und ruft durcheinander. Man hört Singer und Stadthageu riife»:„Das ist eine Vergewaltigmig 1 DaS ist TerroriSnniS I Das ist ein Bruch der Geschäftsordiiung I Das ist Geivalt I" Die freistnnlgen Abgeordneten rufen gleichzeitig:„Sie stehen nicht über der Geschäftsordnung I Das ist unrecht!" Der Vorsitzende p. Kardorff versucht vergebens mit der Glocke Ruhe zn schaffen. Er klingelt minuteulang, um sich Gehör zu ver- schaffe». Schließlich schreit er dazwischen:„Siekönnen mich beim Pleimm verklage» I"(Zwischeiirnfe der Socialdemokraten:„Hier müssen Sie Rede stehen, wir weichen nicht I") Dann wiederholt er unter großem Lärm:„Wer für den Antrag Müller ist, soll die Hand erheben!" Vier, fünf Abgeordnete erheben die Hände, v. Kardorff erklärt den Slntrag Müller für abgelehnt und legt gleichzeitig seinen Vorsitz nieder. Unter diesen Uniständen könne er nicht Iveiter Vorsitzender sei». Niminchr ivird die Bertagiing auf Dienstag beschlossen. Samt- liche Koiiimissioiismitglieder und die Regierungsvertreter bleiben im Saal. Die Besprechung der Affaire ivird, wie Einger meint, als gesellige Unterhaltimg" fortgesetzt. Spahn»leint, es sei doch»ur darüber abgestimmt, ob über den Antrag Müller-Fulda eine Debatte stattfinden soll. v. Kardorff erklärt aber, er hätte über den Antrag Müller- Fulda abstimmen lassen und dieser sei abgelehnt. Singer: Die Sitzung ist zivar geschlossen, aber wir könncn ja feststellen, daß über Schluß- und Vertagmigsanträge zwar keine Debatte stattfindet, daß aber der Antrag Müller kein solcher Schluß- ober Vertaguiigsnutrng geivesen ist. Dieser Antrag fordere die Aussetzung der Beratung eines andre» Antrages. Dafür sind materielle Gründe anzuführen und über solche Anträge wird immer diskutiert. Das Vorgehen des Vorsitzenden ist also ein Verstoß gegen die Geschäftsordnung und gegen die Gepflogenheiten des Hauses. Es taucht der Vorschlag auf die Beratungen der Zolltarif« konnnissio» so lange zn pertagen, bis Herr v. Frege ans dem Süden zurück ist. Er sei wohl der geeignetste Leiter für solche Verhandlungen.(Große Heiterkeit.) Allmählich verlassen die Mitglieder der Kommission das Sitzungs- zinnner. Am Dienstag ist zuerst die Wahl eines Vorsitzenden vor- zunchmeil. Dann hat die Beratung über die E n q u c t e- A n t r ä g e G o t h e i n zu begiimeii. polMsche Aebevstcht. Berlin, den 14> Februar. Der Reichstag bewilligte am Freitag dem Staatssekretär Kraetke das Gehalt, eine längere Debatte ging vorher, in der viele Lokalschmerzen erörtert wurden. Daneben wurden auch wichtigere Fragen besprochen. So regte der freisinnige Abg. Müller- M e i n i n g e n die Einführung des Jnlandstarifs, wie er im Berkehr mit Oestreich besteht, auch für den Verkehr mit der Schweiz an und tadelte die Hartnäckigkeit der Bayern, die an ihrer besonderen Postmarke festhalten. Der Nltramontane Frhr. v. H e r t l i n g, der die Hofbränhausspießer besser kennt, behauptete aber, es käme zn einer Revolution in München, wenn dort die Einheitsmarke eingeführt würde. Auch die Reichs-Postvcrwaltung scheint von der Aussichts- losigkeit der Markeneinheit für die nächste Zeit wenigstens überzeugt zu sein, denn Herr Kraetke lehnte den Versuch ob, das; die bayrischen Marken gegen Reichsmarkcn auf den Postämtern umgetauscht werden dürften. Man will dieses Pressionsniittel nicht aus der Hand geben. Von verschiedenen Seiten tvurde eine Erhöhung des WohnungsgeldzuschusseZ angeregt. Hierzu gab der Staatssekretär die Erklärung ab, daß eine Vorlage in Vorbereitung sei, die die Wohnungsgeldzuschüsse für alle Reichsbeamtcn neu regelt. Im Laufe der Debatte griff Genosse Ulrich den Fiskalismus der Postverwaltung scharf an und forderte eine Vermehrung der Zahl der Beamten und eine Verminderung ihrer Dienstzeit. Gegenwärtig würden infolge des unheilvollen Sparsystems die unteren Beamten zur Ueberarbeit gezwungen und ihre Wohnungsverhältnisse seien ganz unbefriedigend. Herr Kraetke suchte seine Verwaltung so gut � es ging zu verteidigen. Er behauptete dabei, daß auch die Ilntcrbeamten in der Wahrnehmung ihrer Vereinsrechte nicht beeinträchtigt werden sollen. Genosse Peus brachte die Portofreiheit der Fürsten zur Sprache. Er wies darauf hin, daß offenbar auch für die Telephon- gcspräche der Fürsten keine Gebühren erhoben würden. Das wurde vom Unterstaatssekrctär S y d o w bestätigt, nur die Anschlußanlagen haben die Herren auf eigne Kosten herzustellen. Zum Schluß wurde eine alte ctatsrechtliche Frage ausführ- lich erörtert. Die Postverwaltung hatte für dieses Jahr die Vermehrung der etatsmäßigen Stellen der Postassistenten um 1000 vorgesehen und den Kostenaufwand auf l'/s Millionen veranschlagt. Am Einspruch des SchatzsekrctärS aber war dieser Plan gescheitert. Nun nahmen ihn die Freisinnigen wieder auf und beantragten die Eiiistellnuq der Summe in den Etat. Schatzseki'etär v. T h i e l in a n n ging auf die Sache selbst nicht ein, sondern beschränkte sich auf einen formellen Wider- spruch. Er stellte in Abrede, daß der Reichstag befugt sei, höhere Summen in den Etat selbständig einzustellen, und riet dazu, der Regiening durch eine Resolution die Forderung nahezulegen. Singer bezeichnete die Anschauung Thielmanns für irrig und verwies auf zahlreiche Bräcedenzfälle. Auch der Centrnms-Abgeordnetc G r ö b e r schloß sich dieser Ansicht an. Principiell wurde die Frage zunächst nicht ausgetragen, da die Freisinnigen auf den Wunsch des Schahsekretärs ein- gingen und sich mit der Stellung einer Resolution begnügten, die demnächst wohl einstimmig angenommen werden wird. Doch behielten sie sich ans Rat Singers vor, zu ihrem ursprünglichen Antrag bei der dritten Etatsberatung zurück- zukehren, falls von der Regierung nicht inzwischen eine bindende Erklärung erfolgt ist. Sonnabend wird die Beratung des Postetats fortgescht, außerdem steht der allgemeine Pensionsfouds und das Reichs- Militärgericht auf der Tagesordnung. Das Abgeordneteuhaus überwies am Freitag die Vorlage betr. die Bewilligung weiterer Staatsmittel im Betrage von 12 Millionen Mark zur Verbesserung der Wohnuugsverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten nebst der dazu gehörigen«Denk- schrift über die Ausführung der früheren gleichartigen Vor- lagen nach kurzer Beratung an'die Budgetkommission. In der Debatte sahen sich alle Redner von dem freisinnigen Dr. C r ü g e r bis zu dem konservativen F e l i s ch veranlaßt, ausdrücklich zu erklären, daß sie die private Bauthätigkeii nicht ausschalten, sondern ein Eingreifen des Staates nur insoweit zulassen wollen, wie die private Bauthätigkeit nicht ausreicht. Auf denselben Standpunkt stellte sich Minister Frhr. v. Rhei nbaben, der wieder unnütz viel Aufhebens von der Wohnungspolitik Preußens machte. Hierauf setzte das Haus die Beratung des Etats der Bauverwaltung fort. Abgesehen von den alljährlich erfolglos vorgetragenen Wünschen auf Gehaltsaufbesserung einiger Beaintenkategorien und von dem Betonen lokaler Schmerzen, kam es zu einer kleinen Kanaldebntte. Die Agrarier verlangen Regulierungen einiger Flüsse; die Regierung konnte sie aber mit Recht darauf hinweisen, daß ihre Wünsche in der von ihnen selbst zu Fall gebrachten Kanalvorlage berücksichtigt waren. Die Ver- sicherung. daß die neue Vorlage„seiner Zeit" kommt, wurde von Rcgierungsvertretern der Abwechslung halber wieder abgegeben. Die Regierung steht, wie der Kommissar des Ministers hinzufügte, nach wie vor auf dem Staudpiiukt. daß die wasserwirtschaftliche Vorlage ein einheitliches Ganzes fei, aus dem mau einzelue Teile nicht herausnehmen dürfe. Am Soimabcnd: Fortsetzung der Beratung des Etats der Bauverwaltung und Justizetat.— Ieutsches Weich. Ei» doppelter Schlag der Grubeubaronc. Zilan schreibt uns ans dein Rnhrlvhlciircvier: Seit Monaten werden auf den rhciniscb-westfälischeii Gruben Feierschichten eingelegt imd überall Lohnreduktionen vorgeiiomnicii. auch legte mau Arbeiter ab. Merkwürdigerweise stellte man Arbeiter aber auch in erheblicher Anzahl ein, so daß die Belegschaftsziffern noch in die Höhe gingen. In den Ullteruehnierorgaiicn wird forlgesetzt darauf hingewicscn. daß die Löhne relativ noch sehr günstig, die �Ergebnisse der Unter- nehimuigen ungünstig sich gestalten, eine Steigerung der Leistungen der Arbeiter, sowie schärfere Lohn- h e r a b m i n d e r u n g notwendig sei. Wie es in Wahrheit mit der Berechnung über Leistmig und Lohnhöhe bestellt ist, läßt trotz des offensichliichen Versuches der Vei-fchleierimg der Jahresbericht pro 1901 der BergwerkSgesellschaft Gelsen- kirchcn erkennen. Der Jahres- Durchschnittslohn ist um 97 M.. auf 1310 M. gegen das Borjahr zurückgegangeu. Während man sonst seitens der Nuternehmer von Ueberschichtcn nichts zu vermelden weiß, wird hier gleich bemerkt, die Lohilveriniiiderung finde durch SchichtenaiiSfall seine Erklärung, womit gesagt sein soll. eine direkte Lohnreduktion habe nicht stattgefunden. Dann aber wird weiter bemerkt, daß die LohnanSgabe auf eine Tonne Kohlen gegen das Vorjahr um 4,37 Proz.» gegen 1894 um 41,57 Proz. gestiegen sind. Woher diese Steigerung resultiert, das auseinanderzusetzen— vergißt man. Die Gesamtbclcgichaft der Gelsenkirchener Gesellschaft war in 1901, obwohl die Produktion zurückging. Feier- schichten an Stelle der sonst üblichen lkcberschichten traten,»in 2001 höher als in 1900, stieg von 19 050 auf 21 III. Für die Kohlen förderung hat man zweifellos die Belegschaft nicht erhöht, sondern für Neuan lagen, wofür im Berichtsjahre 684 000 Mark mehr ausgegeben wurden als im Jahre vorher, 10 884 000 Mark gegen 10 200000. Die hierbei bc- schäftigten Leute und die Löhne werden aber der Belegschaft resp. den Produktionskosten zugerechnet und das— gewünschte Resultat ist da. Durch die ziffernmäßigen Miiiderleistmigeii und Selbstkosien- stcigcruiigen glaubt man aber noch nicht genügend für— erheb- sichere Lohmednktioneii Stimmiuig gemacht. Dazu hat man noch besonders vorbereitet. Durch Einlegnng von Feierschichten ver- mied man— wie das ja auch unsrcrscitts gefordert wurde— die Ver- Minderung der Belegschaft, ja noch mehr, durch weitere Einstellimg von Arbeitskrästen erhöhte man noch die Zahl der eventuell entbehr- lichcn Leute. Das geschah ohne Zweisei nach einem bestimmten Plane, zu einem beslimmlen Zwecke. Dieser Zweck wird ziemlich offen- sichtlich, ivemi man vernimmt, daß am 13. Februar 19VS aisi allen Gruben Massciiktindigiingcn vorgenommen werden sollen k! Unter der Bestürzung, welche die Maßnahme hervorrufen wird, sind, so hofft man, bedeutende Lohnreduktionen leicht v o r z u u e h m c n. Diese Maßnahme der Massenkijudigung soll weiter hakatistischen Bestrebungen dienen! Durch Änndschrsiben sind die Bergwerks- Verwaltungen aufgefordert ivordei», für die Kündigung am 15. Februar die anö Ost- und Westprensien stammenden Arbeiter aus- zuwähkc», jedoch die Masure» von der 5liindigiiilg ans- zuschließen k Auf diese Weise will man nun anscheinend das Rnhrrevier von den Polen säubern, die konservativen, vcrprcnßtcn Masnren sollen hier bleiben. Erst holte man die Polen alZ Lohndrücker in großen Scharen heran, setzte dieselben in Kolonien, hielt sich dieselben lieb und warm, mm der Mohr seine Schuldigkeit ge- than, kommt der große Schub und die rheiiiisch-west- Mischen Grubcnbaroiie retten wicdermal ihre„ideale nationale" Gesinnung. Daß aber ruhig weiter durch billig arbeilende Italiener und andre Vertreter von Vaterländern dein deutschen Ar- bester die Arbeitsbedingungen erschwert werden, das bcschivcrt das „nationale" Gefühl der Grubenmagnaten nicht im mindesten. Das Lohndruck«Kartell verbindet nun mit nach oben Erwünschtem das Witzliche— Polenhatz und Verringerung der Selbstkosten durch Lohndriickcrei._ LandeStraitcr. Im Abgeordiietenhaiise haben die Abgg. Dr. Wie rn er und K o p s ch beantragt, die Regierimg zu ersuchen, ans die Aufhebung des die Landestrauer b e» treffenden Reglements von 1797 und die Rabiuetsordre von 1345 hinzuwirken. Daß jene Kabineilsordre überhaupt rechtsungültig sei, haben wir wiederholt nachgewiesen. Sie verstößt gegen die Gcwerbe-Ordnniig. Jrnnicrhiu ist c» zweckmäßig, wenn sie nun auch formell beseitigt würde.— Kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt wurde, wie wir vor rinigcr Zeit meldeten, wegen mililärischeii Aufruhrs in China der ehemalige Ehina-Freiwillige Ludwig F r c i h o f, Sohn eines in Queichheim in der Pfalz wohnenden Totengräbers. Wie der Ver- urteilte seinen Ellern je�i brieflich mitgeteilt hat, ist die Todesstrafe iick' eine achtjährige Zuchthausstrafe u m g e lv a n d e l t worden.— Eine Milliatiir-Briiselvitiiade. Vor dein Kriegsgericht der 1. sächsischen Division Nr. 23 wurde am Donnerstag, gegen den Lieutenant W a l t e r R o s e vom Zittaner Jnfaiileric-Negimciit Nr. 102 wegen Körperverletzung verhandelt. Ter angeklagte Offizier war am Rachmiltag des 19. Januar, einem Sonntag, in der Wohnung des Kaufmanns Richard Häbler in Zittau erschiencii, nm diesen für eine ihm. Rose, zugefügte thätliche Beleidigung zu züchtigen. Rose zog seinen Säbel und hieb auf den n n b e w a f f- nctc» Häbler ein. Diesem gelang es. nachdem er einige Schläge über den Kopf'und Arme erhalten hatte, den Lävel mit beiden Händen zu erfassen und den Angreifer in eine Ecke deS Zimmers zu drücken. Inzwischen hatte die dreizehnjährige Tochter HäblerS Hausbewohner alarmiert und diese hatten die Polizei gerufen. Als die Polizeibcamteii erschienen und die in der Stube noch immer mn den Besitz des Säbels Ringenden getrennt hatte, iicllte es sich heraus, daß Häbler im Gesicht, am Kopfe und an beiden Armen leichte Haulverletzungen davongetragen hatte. Er bc- hanptet jedoch, daß der Offizier mit voller Kraft zugeschlagen habe. Beranlafinng zu dieser Ausschreitung bildete ein Rencontre, welches am Tage vorher in den ersten Morgen- stunden des Sonnabend in einem Zittaner Kaffeehause zwischen Rose und Häbler staltgefimden hatte. Rose, der sich in Civil befand, saß mit einer Dame und einem jungen Kaufmann an einem Tisch, als Häbler herantrat und die Dame(es soll eine Kellnerin ans einem andern Cafs gewesen sein) mit Redensarten belästigte. Als sich Rose diese Eimnischnng verbat, erhielt er von Häbler eine grobe Autwort, worauf Rose erwiderte:„Sie sind ja besoffen!" Darauf versetzte Häbler dem Offizier eine Ohrfeige. Ohne ein Wort zn sagen, verließ nun Rose sofort das Lokal, nm am Sonntag in der geschilderten Weise„R e v a n ch c" zu n c h m c n. In der durchweg öffentlich geführten Berhandliing des Kriegs- gerichtS zn Dresden gegen den Lieutenant Row wurde derselbe wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Mißbrauch der Dienstwaffe zn drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ob der Lienleiimit sich erst vorher nnt feilten Kameraden über diese eigenartige AnSfcchtnng seines„Ehrcii"haiidcls verständigt halte?— Tie beleidigte Lfsizierstaille. Heber ein hochkomisches Intermezzo in ciiiem Hörsaal der Mniichener llniversität wird gc- »icldet: Professor Dr. Raule behandelte i» einer Vorlesung über Anthropologie den linterschied zwischen M e n s ch mib Affe und erklärte ihren Körperbau, wobei er insbesondere auf die Verschiedenheit der Taille hinwies. Mit trefflichem Humor geißelte er hier die Unsitte des S ch n n r e n s, der Damen und Offiziere huldigen, um diesen Unter- schied durch die Mode in übertriebener Weise zu betonen. Am Schlüsse des Vortrags fühlte sich iinn Prinz Georg, der die Vorlcsmigcii frequentiert, dazu berufen, dem greisen Forscher eine Lektion zu erteilen. Er wollte in der Konstatiernng der ein- fachen Thatsacbe, daß die uniformierten Herren zuweilen nicht zurückschrecken, sich in ein Korselt eiiiznpresieii— man stnune!—, eine„Beleidigung des gesamten Offiziereorps" erblicken. Und so forderte denn der junge Herr seinen Lehrer zur„Revokation" auf. Herr Professor Dr. Ranke besaß die Liebenswürdigkeit, den Anwesenden noch zu erklären, daß es ihm fern gelegen sei. mit seinen Auöführnngcn die Ehre der Herren Offiziere auch nur im geringsten aiiziitastcn. Offenbar vermochten die meisten Hörer den tragischen Zusammenhang der ganzen Sache nicht sofort zu finden, aber am nächsten Tage' wurde der Prinz bei seinem Eintritt in den Saal mit einem homerischen F u ß i ch a r r e n— dem studentischen Zeichen des Mißfallens— empfangen. Professor Ranke begrüßte man finrniisch: die erlittene Kränkung sollte ihm dadurch leichter gemacht werden. Die polnischen Studenten in Berlin, die gegen An- griffe auf ihre Nationalität zu protestieren wagten, begegneten keiner so liebenswürdigen Nachsicht, wie der empfindsame Prinz.— Gcrmaiiisicriing in Nordschleswig. Anläßlich der durch Gustav Johannsens Tod notwendig gewordenen Wahl in Nord- schleswig wird von den preußischen Behörden mit erncntcin Eifer »ach Ausbreitung deutscher Vaterlandsliebe unter der dänisch- sprechenden Bevölkerung gestrebt und deshalb sucht man die Unverbeiser- lichen, wenn irgendmöglich zu dänischen Uuterthanen zu stempeln und ansziimeise». Der Hofbesitzer Finiieiiiami, den dieses Schicksal er- eilte, wurde, wie.Ritzaus Bureau" meldet, am 11. Februar über die Grenze transportiert, kehrte aber am andern Morgen wieder zurück und wurde von Gendariiirn angchalicii und in los Anitsgefäiignis zn HaderSleben gebracht, Ivo er drei Tage Haft verbüße» soll, um danach wieder über die Grenze gebracht zn werden. Finiiemann will dann aber wieder nach NordschlrSwig zurückkehren, um dadurch zuletzt ein Urteil in der Sache zn erzwingen. Tie Frist für die Ausweisung seines Sohnes ist mit dein 13. Februar ab- gelaufen. Wie der„Hauiburgische Korrelpoiibent" aus Hadersleben meldet, ist heute nachmittag auch Fiimeinaiin jun. wegen unerlaubter Rückkebr verhaftet worden; derselbe wurde aber später wieder entlassen. Die Anklage geht weiter. Gestrauchelte Ordniingsmänucr. Alteiibnrg. 12. Februar. (Eig. Ber.) Vor einigen Tagen stellte sich der hiesigen Staats- anwaltschaft der Poliz'ei-Aktuar Steeger, der seit Jahren Unter- schlagungen verübt hat und mm eine Entdeckung nicht mehr verhindern konnte. Daß diese Unterschleife zum Schaden der Sienef- zahler Jahre hindurch verübt werden konnten, liegt an der Art der Kontrolle, die, wie jüngst gerichtlich festgestellt wurde, so ziemlich alles zn wünschen übrig ließ. Der Plcilegeier hat hier in den letzten Monaten viele Opfer gefordert, der Krach der Leipziger Bank hat hier schwere Verluste verursacht, und mm ist ein Agent der hiesigen Herzoglichen Landesbank, der Fabrikant Grüne rt in Schmölln, nach Unterschlagung von mindestens 250000 M. flüchtig geworden. Die Landcsbank leistet keine» Ersatz, denn d e Defraudänt war lediglich Mittelsperson zwischen dem Publikum und der Bank, haftbar war die Bank erst&nmi,_ wenn das Geld bei ihr eingezahlt worden ist. Grünert war ein s e h r p a t r i o t i s ch e r Mann und erfreute sich solchen Ansehens, daß die Bauern von ihm gar keinenBeleg verlangten, sondern die Dokumente ruhig beiihininBer- Währung ließen,»amenllich, nachdem G. dieZinsen mit großerPünktlich- kcit ablieferte. Thalsächlich hat er diesen Umstand benutzt, die Gelder zum größten Teil abzuheben. Neueinlagen behielt er überhaupt gleich für sich, die Einleger verlangten ja keinen Belag zusehen, sie glaubten die Dokilmente wohlvenvabrt im sener- und diebessicheren Schr.ml des Agenten. Kurz vor Weihnachten nnd nach Neujahr Ivuiden größere Summen eingezahlt. so brachte ein Landwirt de» Erlös für sein verkauftes Gut im Beirage von 50000 M. Mit diesen Geldern trat G. eine„Geschäftsreise" an. von der er nicht wieder zurückgekehrt ist. Viele kleine Leute hatten dem G. ihre sauer ersparten Groschen gebracht zur Einzahlung an die Landes- bauk. das Geld ist verlören. Eine Reihe kleiner Landwirte und Geschäftsleute sind damit an den Rand des RniiiS gebracht. Die Aufregung über diesen neuesten Fiuanzskandal ist migeheuer. Das Haus des Flüchligen mußte, mn dem Ansturm der Betrogenen zu steuern, polizeilich abgesperrt werden. Alte Leute verlieren ihre Not- pkcnnige und sind an den Bettelstab gebracht. Wo sich der Gauner, hinter'den natürlich sofort ein Steckbrief erlassen wurde, momentan aufhält, ist nicht bekannt.—_ Prozeut-PatriotiSinnS. Man schreibt uns ans Hessen vom 11. Februar: Das Deficit in uns rem Staatshaushalt macht nnserii bürgerlichen Parlamentariern viele Kopfschmerzen und sie haben bisher im Finanz« ruisschnß der zweiten Kammer alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dasselbe ans eine Weise aus der Welt zu schasse», die ihren Mandat- gcbcrn möglichst gar nicht an das Portemonnaie geht. Ein Ans- schlag von 20 Ps. Ver m ö g c» s st euer pro 1000 M. Kapital, wie ihn die 3!egiernng vorschlägt und neuerdings wieder für nnab- weiSbar erklärt, können die armen Leute nicht tragen und sie haben daher am neuen Etat Abstriche über Abstrichs gemacht, dabei sogar, ivic inan hört, an reibt notwendigen Dingen, um ja das finmtzielle Gleichgewicht herzustellen. Ein noch verbleibender Rest soll ans Ueberschiissen früherer Jahre getilgt werden. ES ist nun nicht imwahrsebeinlich. da die Regierung von dem sehr richtigen Vorschlag der Erhöhung der Vermögenssteuer nicht abgeht, daß es bei den nächsten ElatSberatimgeii de» ÄanuuerpleimmS zn einem Konflikt zwischen Kamniermehrheit nnd Regierung kommt. Wie mau aber auch diese braven Staatsstützen ans solche Weise in ihren heiligsten Gefühlen verletzen kann, ist schier unbegreiflich. jmsftmd. Der«uglisch-japaiiische Zweibnnd. In beiden Häusern fanden.am Donnerstagabend ausführliche Debatten über das Bündnis mit Japan slait. Im Oberhaus verhielten sich auch Liberale, für die Lord Rose de rh sprach, recht günstig zum Vertrag. Ans Anfrage stellic Lord Lausdowne fest, daß der Vertrag sich auch aus die M a n d s ch u r c i als einen Teil Chinas beziehe. Belnnntlich sieht Deutschland, nach den Erklärmigen des Grafen Bülow, die Mandschurei als ansgtschloiieii von den Bcstimmnngen des deutsch« englischen China-AbkominenS an. Im II u t e r h a n s e führte Lord C r a n b o r n e auS: Die wirk- liche Veranlassung des Abkommens sei die S o r g e der Regie« r u n g gewesen, den b i s h c r i g e u Z u st a n d in China ans- recht z n erhalten. Englands kommerzielle Position in China sei von größter Wichtigkeit, und wenn sie dies jetzt schon sei. wer wolle dei sagen, welche Wichtigkeit sie in der Znkmift bei der Fähigkeit Chinas, seine Bedeutung zu erweitern, erreiche» könne. Diese Position. ovschon groß, sei nicht iincingchchräiikt, E i n f lu ß s p h ä r e n p a s s e» E« g l a» d nicht. England wolle das gesamte China dem Handel und de» indnslricllcn Unternchiimugen geöffnet sehen. Englands Position haften besondere Schivierigkeiien an. nnd unter diesen llmsländen habe die Regierung nicht nur recht daran gethan, sondern sei auch verpflichtet gewesen, in jeder Weise si'ic den Schutz dieser Position in China Sorge zu tragen. DaS spceielle Interesse Japans sei größtenteils von seiner geographischen Position bedingt, nnd eS sei mit England>»> besonderen für die Aufrecht- erhallnng der Integrität Chinas jnteressiort. Beide Mächte seien, die eine durch ihre Flotte, die andre ans Grund ihrer militärischen Basis, besonders befähigt, diese Politik zu behaupten. Bezüglich der Rechte und Verpflichtiingen der beide» Vertrags« mächte erklärte Lord Cranbonie: Nur ivciin mehr als eine Macht interveniere nnd wenn es eine Koalition gegen England oder I a P a n gebe, könne die nnbedingte Pflicht zur bewaffneten Intervention den Koiilraheilteu obliegen. Während der Vorgänge in China habe England im herzlichsten Ei n v c r n e h m e n mit A m c r i k a gewirkt. Fast in jeder Krisis nnd in jeder größeren Schwierigkeit der liiiterhandlnngen in Peking hätten die amerikanischen nnd die britischen Vcrlreter zusammen gehandelt. Es unterliege keinem Zweifel, daß England in dem vorliegenden Abkommen d i e volle Billigung der amerikanischen Regierung haben werde. lBeifali.) Campbell Banner m a n n erklärt, die Opposition sei nur von wohlwollender Gesinnmig für Japan erfüllt und schließe sich dem Wunsche gleicher Handels, lelegeuheiiru sür alle an. Wenn aber die Lage befriedigend gewesen sei. wie Cranboriie behauptet habe, jo frage er, welche Notwendigkeit vorgelegen habe, einen Schritt zn thiiii, der einige Gefahr in sich schließe und geeignet sei. die Eifer- sucht und den Argwohn andrer Mächte zu erregen? Er wolle nicht seine Ansicht darüber ausdrücken, ob es iveije oder unweise gewesen sei. den Vertrag zu schließen, aber die Stegierimg habe dem Hause gegenüber die große Veränderung ihrer Politik nicht be« gründet. Ba'lfonr stellt in Abrede, daß der Vertrag e-.en mifrenndlichen Charakter gegenüber irgend einer Nation habe. Eng- land sei ans das äußerste bemüht, niit andren Mächten auf freund« schaftlichcm Fuße S" stehen. Der Vertrag bilde eine Ver- Währung gegen a b e n t e u e r I i ch e P o l i t i k im Osten, nöcr die Regierung sei entfernt daNon, in dieser Beziehung Arg- !v v h n g e g e n R u tz l a n d z n hege n> Durch den Vertrag habe sie nie! gcthan, um die beiden SUäfte, die den Frieden fördern, zu starken. Er stelle die Verpflichtungen, die das Land durch den Vertrag iibernoininen habe, nicht in Abrede, aber er glaube nicht an jene Politik, ivclche da vorgiebl, sie habe alles erlangt und doch nichts riskiert. »• Aus Washington toird zur Bündnisfrage telegraphiert: Die Verösfentlichnug des cnglisch-japanischen Bündnisses ist hier als eine freudige lleberraschnng aufgenominen worden. Mit Genug- thiunig wird die Ilebereinstinunung der Grundgedanken des Ab- kounnens niit der Politik der Vereinigten«taatcn in der Mandschurei- frage begrüstt. Man verspricht dein neuen Zivcibund starke Syuipathieu inr ainerikanischen Senat.— AuS LuegerS Reich. Eine Skandalaffaire schlimmster Art, die ein geradezu v e r- l> r'e ch e vi s ch e s System enthält, ist in Wien an die Oeffentlichkeit gekommen: Die Kommune Wien wurde vom Gericht verurteilt, ein von ihr als Geheimnis gehütetes Dokument herauszugeben. In diesem Dokument verpflichtet sich, wie die«Neue Freie Presse" meldet, ein städtischer Bauunternehmer, welcher Erlueitcruugsbauten ail dem Wasserjchöpstverk in Potschach vorgenommen hat. tvcdcr öffentlich noch den Behörden, noch privat mitzntcileu, daß in einem Briinuc» der Potschacher Tiefquellcn-Leituug Sickerwasscr ans dein Gebiet rineS Abdeckers von Gloggnitz eindringt, und daß die Wiener Wasserleitung dadurch verunreinigt wird. Das Potschacher Schöpfwerk, dessen Wasser der Sanitätsbehörde schon Vor längerer Zeit verdächtig war, ist jetzt außer Betrieb. Oestreich-Ungarn. Militari«. In der galizischen Festung Przemhsl steht daS X. öftrcichische Armeecorps. Das Corps ist im letzten Jahr bekannt geworden durch die zahllosen Zusammenstöße, die in Przemysl zivische» den Ofstziercn und der Bevölkerung stattfände» und die in zahlreiche» Prozessen ihren Abschluß fanden. Unser Krakauer Partei- organ veröffentlicht jetzt eine interessante Bilanz des X. Armee- corvs für das Jahr Ivvt, der wir einige Zahlen entnehmen: Soldatenselbslmorde iiber............ 80 Sckwerc, selbstbewirkte Kölperverletzungen der Soldaten. 70 OffizieiSselbft, norde............. 12 Eintritt von Irrsinn bei Soldaten......... 40 S oldatemnißhandlungcn, welche den Tod oder die Dienst- Unfähigkeit herbeigeführt haben........ 13 Desertionen.................. 400 Mit schwerem Gefängnis oder verschärftem Arrest bestrafte Soldaten................ 723 Für Soldatenmißhandlungen mit schwere»! Kerker bestraft 48 Für Lesen der socialislischen«Lataniia", Korrespondenzen an Zeitungen:c. bestraft............ 3 Diese wenigen Zahlen genügen. Sie iverden eine neue wuchtige Waffe rvcrden in dem Kampf nnsrer galizischen Genossen gegen den demoralisierenden MilitarisinuS. Schwede». Abgelehnte Agrarzölle. Der Autrag auf Einführung eines Eierzolles ivnrde in der ersten Kammer mit 60 gegen 33 an« genonunen, in ber zlveiten Kammer jedoch>nit 129 gegen 77 abgelehnt. Der Antrag aus Einführung eines Kartoffel- z o l l e s wurde in beide n K a in m c r n abgelehnt, in der Zwesten mit 134 gegen 31 Stimmen.— Frankreich. Paris, 14. Februar. Ans Cherbourg wird berichtet, daß in letzter Zeit i» der Normandie große für England und Südafrika bestimmte Pfcrdeaukäufc gemacht worden sind. Es geht fast kein Dampfer nach England ab ohne Pferde au Bord. Die Regierung wird über diesen NentralitätSbruch interpelliert und auf- gefordert werden, die Ausfuhr von Pferden nach England zu verhindern. Die zwetjährlge Dienstzeit� Dein Senat ist der Bericht der Armeclonunission. abgefaßt vom Senator Rolland, zugegangen. In dem uuifangreichen Schriftstück wird die geschichtliche Entwicklung de-Z modernen Militärsystems von Frankreich und andren Ländern. namentlich von Denlschland, dargelegt. Die Vorschläge Rollands gehen dahin, für die gesamte Armee die zweijährige Dienstzeit ein- zuführen. Es würde dadurch der Effektivbestand des Heeres um 120 000 Mann verringert;»m die Armee ans ihrem jetzigen Bestand von 575 000 Mann z» erhallen, wird vorgeschlagen, den Eiitjährigen- dienst aufzuheben, wodurch 03—70 000 Mann gewonnen würden. Den Rest glaubt mau durch Kapitulationen von llnteroffiziereu, ferner durch vermehrte Aushebungen ersetzen zu können. ES wird kaum»och niöglich sein, bis zu den Wahlen mehr als höchstens eine priucipiclle Erklärung bezüglich der Hccresfrage von Senat und Kammer zu erlangen.— Der konservative Abgeordnete Teniö Gnibcrt hat an den Ministerpräsidenten Waldcck-Rousscau ein Schreiben gerichtet, in welchem er ankündigt, daß er ihn, da der Minister des AnSivärtigeii Telcassö abwesend sei, in betreff deS englifch-japa- nifchcn Vertrages interpellieren werde.— Niederlande. Tie Kolonialarmce als Schnlitruppe der Kapitalisten. Daß die Koloniallriege der Holländer mit ihren großen Opfern an Geld und Blut des Volkes zu Gunsten kapitalistischer Ausbeuter gc- kührt iverden, ist den vorurteilsfreien Leuten längst bekannt. Man sucht aber im allgemeinen diese Thatsache zu verschlciein. und selten tritt sie mit solcher Deutlichkeit zu Tage, wie in dem sokgendcn Bc- richt des„Java-Bode" an« Kotaradja in Atjeh.„Die Königliche Niederländische Pctrolcnni-Gesellschaft" seine privatkapitalistische Gesell- schalt) hat," so schreibt ma» dem Blatt,„vor kurzem wieder eine gute Bohrung gemacht in der Landschaft Petoi, wohin mit einer Patrouille von Nibocng ei» Zug unternomine» wurde. Wirklich bohrten hier die zlvci die Kolonne begleitenden Herren von der „Königlichen" an einem Ncbenflüßchen de« Kerti-rivier fünf Quellen an.— Zlvci davon icheinen reiche Quellen zn sein, die drei andren nur gewöhnliche. Auf jeden Fall aber kehrten die zwei Herren sehr zufrieden über das Gefunden� nach Hanse zurück.— Die Produktion dieser Gescllschast a» Rohöl in Pcrlack betrug im November vorigen Jahres 18 181 095 Liter.— Angesichts der eventuellen Begegnung feind- seliger Banden war diese Patrouille stark, nämlich 7 0 Mann". Ter Prctendciit- Sultan von Atjeh soll, ivie bereits vor einiger Zeil gerüchtweise gemeldet wurde, auf einen! Zug in den Gajoclandcn gefallen oder infolge von Entbehrungen unigskonimen seist. Diese Nachricht ivird jetzt bestätigt und des weitcrn gemeldet, 'daß sein Sohn, der 13 jährige Jocaukoe Ibrahim zum Sultan ausgerufen wurde.— Belgien. In der Kammer haben die Debatten über das gleiche Wahl- recht in Provinz und Konnmmcii begonnen. Ter Abgeordnete Lorand slinkSliberal) legt den Staiidpniikt seiner Partei dar; er er- itälte sich im Princip für die Forderung der Socialisten. den Fronen das Wahlrecht für die Äaunncr zn gewähren, aber die Frage sei nocU nicht reif. Elfft müßten die Frauen privatrechtlich den Männern gleichgestellt werden: ferner sollten sie snccessive daS Wahlrecht cr- irnUrn zn den wirtschaftlichen Körperschaften, wie G-tverbegericht. Arbeitslannncru usw. Ferner müsse ihnen das Konnnnnal- und Provinzialwahlrecht gegeben werden. Dagegen spricht Woeste, der Führer der Klcrilalcu. Tie Debatten werden i» den nächsten Tagen fortgesetzt.— Italien. Ter Papst und die christlichen Demokraten. Auf das Rundschreiben des Kardinals Rampolla hat der Ausschuß der christ- lichen Demokraten zu Rom in einem Cirkular geantwortet, daß die christlichen Demokraten Italiens auf die politische Thätigkcit nicht verzichten könnten. Sie hätten niemals die Achtung verletzt, die sie der kirchlichen Autorität schuldig seien. Die Grenzen ihrer poli- tischen Thäligkeit aber wollten sie selbst bestimme n. Die Beteiligimg am öffentlichen politischen Leben und die Bereinssreiheit wollen sich also die christlichen Demokraten von ihrem Oberhaupt nicht beschncideii lassen. Der Kundgcbmig ihres römischen Ausschusses haben sich die christlichen Demokraten von Mailand, Genna, Sa»!- picrdarena angeschlossen.— Der Berbaud italienischer Gemeinden. Das Exekutivkomitee des Verbandes italienischer Gemeinden, der vor etlichen Moirnte» ans dem Kongreß zn Bologna ins Leben gerufen wurde, hielt dieser Tage eine Konferenz in Mailand ab. Es wurde festgestellt, daß dem Verband bereits 1300 Kommunen beigetreten sind. Beschlossen wurde, eine Reihe von Kongressen für die Geincindcvertretcr der verschiedenen Provinzen und Kreise einzuberufen. Auf denselben sollen die Reforinen der Geineindcstcncrn, das Refercilduni, kurz, die kommunalen und prövinzialeu Gesetzgebnngs- und Verivaltuugs- fragen diskutiert iverden. Ferner wurde beschlossen, ein Monats- Bulletin herauszugeben. England. Byzautinertum. London, 11. Februar. sEig. Bcr.) In der Jahresbetrachtung über England ivnrde an dieser Stelle auf den wachsenden Einfluß des englischen Königtums ailfmerksan! gemacht. Als Illustration mag folgender Briefwechsel dienen. Der Oberbürgermeister der inneren Stadt von London erhielt von Zeit zu Zeit dringende Anfragen ans der Provinz, ob auch der Trinkspruch auf die Königin imd den Kroiiprinzeii stehend ausgebracht iverden sollte. Der Lord Mayor, der im Ceremoniell nicht viel Bescheid Ivnßte, ivandte sich in seiner Per- legenheit in einem unterthänigen Schreiben an die Hofkanzkei und bat nin Entscheidung deS Problems. Eduard VII. ließ min durch seinen Sekretär folgendes autlvorteii: „Seine Majestät dankt Eurer Lordschaft für daS Schreiben vom 27. Januar und ist der Meinmig, daß gar kein Zweifel darüber obwalten könne, wie eine Versammlung sich zu verhalten habe beim Ausbringen des Trinkspruchs auf' Ihre Majestät die Königin. Ihre königlichen Hoheiten den Prinzen und die Prinzessin von Wales und die übrigen Glieder der königlichen Familie. Seine Majestät sagt, der Trinksprnch sollte stehend empfangen werden und die ganze Gesellschaft solle ihre Sitze nicht wieder eimichnien, bis nicht die ersten Töne der Nationalhymne und des Liedes„Gott segne den Prinzen von Wales" gespielt worden sind." Derartiges iväre v o r 1 3 o d e r 2 0 I a h r e n ganz u n- möglich gewesen.— Lord Tnffcri». London, 12. Februar.(Eig. Ber.) In Clandcbohc lJrland) starb honte der englische Staatsmann Lord Dufferin im Alter von 70 Jahren. Seine Laufbahn ist für die des hohen englischen Adels typisch. Sie begann mit der Diplomatie und endigte im Schlamme der Finanz. Er ivar Botschafter in Konstantinopel, Paris, Vicckönig van Indien und Ehrenbürger der meiste» englische» Großstädte. Zuweilen schrieb er auch fiu_ die Presse, besonders über die irische Frage. Sei» ältester Sohn Lord Ava fiel bei Ladysmith. Als sich Lord Dufferin von der Diplomatie zurückzog, ivnrde ihm eine sehr einträgliche Stelle als Direktor der„London und Glöbc Eompagme" angeboten, die er zn icinem Unglück annahm. Denn die Gründung brach nuter ihren schtvindelhaften Transaktionen zusammen und wird gegenwärtig vor dem Londoner Baiikrottgcrichte prozessiert. Die zn Tage geförderte Korruption, die mit dem Namen DnfferiiiS gedeckt worden war, gab dem greisen Diplomaten den Todesstoß.—' Parlament und GctvcrkschaftS recht. London, 12. Februar. (Eig. Bcr.) Der liberale Abgeordnete Hnnplmaiin Norton kündigte gestern dem Präsidenten an, daß Mr. N. Bell �Abgeordneter für Derby und Generalsekretär der Eisenbahner) in vier' Wochen einen Antrag betreffend den Entscheid der Lordrichter in GeiverkschaftS- fachen einbnngen wird. Warum diese RnküUdigniig von einem Hauptmann gemacht werden mußte, ist nicht llar.' Es sitzen doch im Parlament außer Bell noch zehn andre Arbeitervcrtretcr.— Nnszland. Der vervehmte Dolstoj. Ans Petersburg wird der„Franks. Zeitung" gemeldet: Die hiesigen Zeitungen dürfen über TolstojS Krankheit keine Mitteilungen bringe». Die Obcr-PostveNvaltung be- nachrichtigte indes die Blätter, daß, sobald Tolstoj sterben sollte, die Veröffcnllichnng von biographischen und kritischen Würdigungen der littcrarischcii Thäligkeit des Grafen gestattet sei. Wie gnädig!— Gemevltslsz?»ftl izszes. Berlin und Umgegend. Ter Ceutralvcrband der Maurer sZahlstcllcn Berlins und der Vororte) unterbreitet seinen Mitgliedern den schriftlichen Jahres- bericht für 1901. Der Bericht konstatiert einen Rückgang der Bau- koiijnnttiir, der in der allgemein gedrückten wirtschaftlichen Lage seine Erklärimg stndct i jedoch erwartet man. daß durch JiiängnffnnhUie städtischer und staatlicher Bauten eine Bcsserniig eintreten dürfte und damit auch die Privatbanten wieder erheblich zunehmen. lieber den Ein- flnß der Organisation ans die Lohn- und Arbeitsverhältnisse enthält der Bericht eine interessante Statistik, die Vergleiche vom Jahre 1890 bis 1901 anstellt. Am 3. Juni 1896 arbeiteten, wie bei Anfnahmc einer Bnukontrolle festgestellt wurde. 4083 Arbeiter 9 Stunden und 2346 Arbeiter 10 Stunden; am 12. Jinii 1901 ergab eine Bau- kontrolle, daß nur noch 33 Arbeiter 10 Stunden arbeitete» und 7831 die iieniistündige Arbeitszeit hatten. Das gleiche Verhältnis zeigt der Lohn. Am 3. Juni 1890 hatten 4083 Maurer einen Stunden- lohn von 83 Pf. und 2340 einen Stundenlohn von 50—55 Pf. Am 12. Juni 1001 wurde konstatiert. daß 238 Maurer 70 Pf., 90 Maurer 67>.2 Pf.. 6942 Maurer 63 Pf., 36 Maurer 62' /e Pf., 76 Maurer 60 Pf. und 39 Maurer 37>/z Pf. Stniidenloh» erhielten. Daß der Verband wieder die Verlängerung des Tarifvertrages herbeiführte, ist bekannt, ebenso seine eifrigen Bemühungen, durch Baukoiitrolle die Gefahren zu mildern, denen der Banarvcitrr aus- gesetzt ist. Berlin mit seinen Vororten umfaßt jetzt 6193 Mitglieder; zu beriicksichligcn ist aber, daß in dieser Berechnung diejenigen fehlen, 4?ie ans der Provinz hier Arbeit»chinen und als Mitglieder au ihrem Wohnort geführt werden. Die Maurer dürften in Berlin jetzt mit zn den bestorgnnisiertcn Bernsen gehören. Die Jahresabrcchiiiing des Streikfonds der Zahlstellen iveist eine Einnahme von 211 723.83 M. und eine Ausgabe von 146 770.61 M. aui. Die sonstigen Einnahmen betrugen 62 414,88 M. denen 49 385,04 M. Ausgaben an die Hanptkasse und 13 446,30 M. an die Lokalkasse gegenüber- standen; der Bestand am Ort beirägt 7984.31 M. Hoffen wir, daß die Organisatio» weiter so rüstige Fortschritte macht, damit auch die letzten der Organisation Fernstehenden für die Arbeiter- beivcgung getvonneli werden. Deutsches Reich. Bon der Gewerkschaft der Buchdrucker cihalte» wir eine längere Zuschrift, die im Anschluß an nnsre Notiz über die Ilr- abstiinninng betreffend die Einigung niit dein Verbände die näheren Beweggründe dcS Verhaltens der ivtajorität darlegt. Die Ablchining wird im besonderen damit motiviert, daß die Vermittelung der General- kommifston, wie es derAntrag ans Bremen, Harburg und Hamburg ivollte, bei den Mitgliedern starke Abneigung hervorrief. Dic Generalkomniisstow hatte auf dem Frankfurter Kongreß sehr entschieden de» Ausschluß der Buchdrucker-Getverkschaft gefordert, man kannte also von der Scito keine Förderung der Sache erwarten. Daß die Gewerkschaft keine zu einer Einigung ablehnende Stellung einnimmt, das ist den Lesern ans den Verhandlungen während des Leipziger Konfliktes bekannt. Stcinarbciter! Die Firma Walther in E r f n r t sucht in vcr- schiedenen Lokalblättcr» Steinmetzen nach Erfurt. Der Platz ist gesperrt, tveil Walther die dort beschäftigten Steinmetzen zwingen ivollte 20 Proz. unter dem bestehenden Tarife zn arbeiten. In Schwarzenbach a. S. haben bei der Firma Schedler u. Eo. 172 Mann wegen zn Unrecht vorgenommener Kündigung die Arbeit niedergelegt. Alle Unterhaiidluiigeii von feite» der Ans- ständigen, sowie eines Vertreters der Geschäftsleitniig der Steinarbeitcr Deutschlands waren erfolglos. Die Firma beharrt darauf, daß der jetzt bestehende Tarif zu hohe Lohnsätze aufweist und sie mit andren Uiiteniehmern nicht mehr konkurrieren kann, ob- gleich feststeht, daß die Tarife andrer Geschäfte in der Denkmal« Industrie bedeutend höhere sind, als es. dort der Fall ist. Sämtliche Streikende sind organisiert und die Granit-Jndnstiiellen des Fichte!- gebirges werden es sich überlegen, mit dieser fcstgeschlossciieil Macht einen' Kampf zu provozieren. Zuzug ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfrcnndlichci! Blätter werden pur Abdruck gebeten. Das GewerkschaftSkartcll in Halle wird bis zur Erledigimg der Beschwerde, die gegen die Anflösimg der Sitzimg am vorigen Freitag erhoben worden ist. seine Sitzungen als öffentliche Versa«! m l n n g e n aimielden. An solchen dürfen weibliche Delegierte ztveifellos teilnehme». In Reichenbach im sächsische» Pogtlande scheint sich eine allgemeine Streikbewegung vorzubereiten. Reben den Webern sind die Färb erei-, Appretn r- A rb eit e r und- A rb e it« r in Ii e n in eine Lohnbewegung eingeti eten. Die Schneider bereiten eine solche vor. Es würden von ihnen zwei Lohntarife ausgearbeitet, die der Gesellen-Ausschuß der Innung zu unterbreiten hat. Die Meister iverden je nach Kundschaft n»d Arbeit in die Tarife eingeteilt; 6 Meister sollen nach dem ersten. 92 nach dem zlveiten Tarife bezahlen. Zum vogtländische« Weberstreik Ivird gemeldet, daß auch dort die Gefahr einer AnSsperrinig wie in Greiz immer naher rückt. Die Arbeitgeber sind weit weniger als früher zn Unterhandlungen geneigt. Selbst früher gemachte Zugeständnisse werden eben einfach ignoriert oder man speist die Arbeiter niit einigen Versprechungen ab. Zn Streiks kam es im Lauf dieser Woche bei Popp n. Sohn i» Netzschkau, Ivo sich 30 Mann beteiligte», ii»d. bei Gebrüder Chevalier in Mylau, Ivo 70 Weber(davon 40 weibliche) die Arbeit niederlegten. Der letztere Ausstand dauert noch fort. In beiden Fällem war die Ursache, daß die Firmen den mit de» Arbeitern vereinbarten Tarif nicht zahlten, sonder» an seine Stelle den vom F a b r i l a ii t c n v e r c i ii nachträglich alisgearbcitetcn Tarif aushängten. Wie den Arbeitern mitgeteilt wurde, hat der Fabri- kaiitcnvercin Mylan-Netzschkan-Reicheiibach de» Beschluß gesaßt, daß falls ein Fabrikant, der den vom Verein beschlossenen Tarif be- zahlt, mit seinen Arbeitern in Differenzen kommt, sich die übrigen Fabrikanten mit diesem solidarisch er- klären und eventuell ihre Arbeiter aussperren. Die AnSsperrinig hätte nach 8—10 Tagen zn erfolgen. Der Streik der Weber bei Gebrüder Albert in Greiz dauert fort, ebenso die A u S f p e r r u n g in den Betrieben des FabrikmitenvereiiiS. Nene Verhaiidlnuge» unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Thomas, an denen die füiifgliedrige Kommission' der Streikenden soivic die Fabrikanten R. Schilbach, Frisch und Prehler teilnahmen, verliefen ergebnislos. Am kampsesmutigsten gebürdete sich Herr R. Schi l b ach.— Herr Oberbürgermeister T h o m a s ist auf die Landesregierung beschiedcn worden. Vermutlich hat man ihn nin Informationell über die Sach- läge ersucht. Klempncrstrcik. Die Spengler der Lnxichen Jndustriewerke in Miinchcii haben wegen ansgcbrochcncr Differenzen die Arbeit nieder« gelegt. Ter Zuzug von Klempnern nach München ist strc»gsteii4 fernzuhalten. Arbeiterfreundlichc Blätter werden um Nachdruck gc» beten. Ausland. Die östreichischc Gcwerkschastskomiuisston hat ihren Bericht über die Entwicklung der GcweikschaftSbewcgnng in Oestreich im Jahre 1901 erstattet. Der Bericht ist in feiner Totalität eine sehr ernste Mahnnng für die östreichischc Arbeiterschaft. So erfreulich die Wahrnchmniig ist, daß die Organisation durch immer engeren Znsnmineiischluß ans der einen Seile und Benifsglicdernng der in Oestreich noch vorhandenen a l l g e m e r n e n Geiverkschaftcn auf der andren Seite innerlich gewönne» hat. so sehr muß die Thatsache bc- dauert Iverden, daß die M i t g I i e d e rz a h l der Gewerkschaften abgenommen hat. Obivohl am 1. Januar 1901 die Beiträge nin 50 Proz. erhöht wurde», waren die Einnahmen der GeiverkschaftS« kommifston nicht nur nicht höher als vorher, sondern bei Berück- sichtiguug der Beitragserhöhung geringer als in irgendeinem Iahte seit 1897. Die DnrchschnittSbcrechiiimg ergiebt gegen das Vorjahr einen Verlust vo» 17 371 Mitgliedern. Dabei spricht zweifei« loS die Krise ein gewichtiges Wort mit, offenbar entbehre» aber auch die östreichischc» Gewerkschaften noch jener innere» Festigung, welche es ermöglicht, auch solche Krisen ohne Verluste zu überstehen. Die Geluerkschnflsloiinnission ivird alle Kräfte anspannen müssen, das verlorene Terrain zurück zn erobern, um dann zn neuen Erfolgen fortschreiten zu können. Der Lloüdheizerstrcik in Trieft hat infolge der'Hartiiäckuikcit der Lloyddireklioii und des Eintretens der Behörden für die Gesell- schaff zu einer fürchterliche» Erregung in der Tricster Arbeiterschaft geführt. Nachdem die Behörden durch Stellung von Marineniatroseir, Koiisigiiicrnng der Schntziiiannschaft und des Militärs in imzivei« dentigster Weis« gegen die Streilenden Stellung genommen haben, ist die Arbeiterschaft, dazu übergegangen, den gesamten Verkehr von Trieft lahm z n legen.' Vorgestern legten die A r s e n a l a r b c i t c r die Arbeit nieder. Die Ausständigen zogen dann vor die städtische Gasanstalt imd verlangten die EinstcNnng der Arbeit. Die GaSarbeiter schloffen sich ihnen an. Run tviirden die Straßcnbahiieii angehnlten und anib die A ii g e st e I l t e n der Straßenbahn traten in den Streik ein. Die Schriftsetzer hatten vorher schon beschlossen, sich am Streik zn beteiligen. Sie kamen dem Beschluß in solcher Einigkeit »ach, daß die gestrigen Morgeubkätter entweder gar nicht oder in ganz red n eierte r Form rrscheiiicn komncn. Diese Unter» bindimg de? Verkehrs nnd des Nachrichtenwesens führte dazu, daß f a st a l l e Fabriken und Geschäfte geschlossen werden mußte». Der Frachtverkehr dcrSndbahn ist eingestellt. Eine große Menschenmeiige durchwagt dieStraßc» und verhindert den Verkehr auch da. wo schüchterne Versuche gemacht werden, ihn aufrecht zn erhalten. Besonders große Ansainmlimgcii fanden vor dem Gebäude des„Lloyd" statt, wo die Menge die Fensterscheiben zertrümmerte und gegen die Wache, welche mehrere Verhaftungen vornahm. Steine schleuderte. Hierbei wurde ein Wachmann verletzt. Infolge drohender Haltung der Menge ivnrden alle Plätze und später die ganze Stadt militärisch besetzt.' DaS Streikkomitee acccptierte ein Schiedsgericht unter dein Vorsitz des Bürgermeisters. Da eine Einigung wahrscheinlich, dmffe der Streik heute beendet wtrden. Zürich, 10. Februar.(Eig. Bcr.) Der Vorstand de? « ch w c i z e r i s ch c n A r b e i t e r b n n d e s hielt gestern hier seine JahreSversamnilunji ab, wozu sich 36 Mitglieder einfanden nnd auch das eidgenössische Jndnstrie-Depaitcineiit' i» Bein in der Person des Dr. Rhser einen Vertreter entsandte. De» Vorsitz führte Genosse Oberrichter Lang. Von den gefaxten Beschlüssen erwähnen wir: Der nächste Arbeitcrtag soll am Ostermontag in Bern stattfinden, und an demselben sollen behandelt werden die Revision der Haft- Pflichtgesctze, und zwar durch Heinrich Scherrer. Advokat in St. Gallen, und Rapin, Advokat in Lausanne; ferner die Ge- Werkschafts- Organisation und speciell die Frage der Neutralität der» selben durch Fürholz, Advokat in Solothurn, durch den katholischen Socialpolitiker Dr. Decnrtius, Nationalrat, und durch Arbeiter- sekretär Greulich, sowie die Zollfrage, zu deren Behandlung die Referenten noch nicht bestellt sind. Schliestlich soll dem Arbeitertag auch eine Resolution gegen den Militarismus unterbreitet Iverdcii. Sodann soll mit Genehmigung des Jndustrie-Departements aus der Subvention des Arbeitersekretariats dem Sekretariat der Tessiner Gewerkschaften ein monatlicher Beitrag von öv Fr. gezahlt werden. Die bisher unregelmäßig erschienenen.Monatsblätter des schweizeri« schen Arbeitersekretariats" sollen wieder eingeben und dafür viertel- jährliche Mitteilungen an die Arbeiterpresse zur Publikation gemacht werden. Der französische Adjunkt Genosse Sigg in Genf soll von nun an zweimal wöchentlich in Lausanne Sprechstunden abhalten.— Der Verlauf des Arbeitertages kann mit der aufgestellten Tages- ordnung interessant werden. Et» eintägiger GaSarbeiterstreik fand in Viel(Kanton Bern) statt und zivar wegen der Entlassung von 3 Monteuren. Nach Zeitungsberichten wurden die Entlassungen, wob-i es sich offenbar um Maßregelungen handelt, aufrecht erhalten und nahmen die Streikenden ohne Zugeständnisse seitens der Dir-ktion die Arbeit wieder auf. Nach der.Bern. Tagw." scheint der Direktor Kuukler in der städtischen Gasanstalt ein persönliches Gewaltrcgiment zu führen. Die Arbeiter von fünf Oelfabriken in Marseille sind in der Zahl von etwa 900 in den Streik eingetreten. Sie fordern die Herabsetzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden(jetzt wird elf und zwölf Stunden gearbeitet), Abschaffung der Kantinen innerhalb der Fabriken. Erhöhung des Lohnes um 50 Cts. pro Tag und Ge- Währung einer einstünMgen Pause, um ihre Mahlzeiten einzunehmen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der staatliche» Tabak- mannfaktur zu Rom sind in einen Streik eingetreten. Sie hatten eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen(Löhne, Arbeitszeit usw.) verlangt. Die Direktion lehnte nicht nur diese Forderungen ab. sondern weigerte sich auch, mit einer Kommission z» verhandeln. Darauf stellten die Arbeiter ihre Thätigkeit«in; sie haben nun be- schloffen, eine Eingabe an den Finanzminister zu machen. Aus Fndulkvie und Handel. Die Lage des Arbeitsmarktcö. Der schneidende Gegensatz zwischen steigenden Börsenkursen der Andustrielverte und fortgesetzt ungünstiger Wirtschaftslage wird jetzt nur allzu deutlich bestätigt durch die Mitteilungen über Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkte. Im Monat Januar' drängten sich an den öffentlichen Arbeitsnachweisen Deutschlands, soweit sie lan die Berichterstattung deS.Arbeitsmarkt" angeschlossen sind, um 100 offene Stellen im Durchschnitt 220.2 Arbeitsuchende. In dem entsprechenden Monate des Bor- jahres, wo ebenfalls schon über einen großen Andrang geklagt wurde. hatte die Ziffer doch immerhin nur 168,3 betragen. Ein deutlicher Unter- schied niacht'sich bemerkbar zwischen dem weiblichen und dem männlichen ArbcitSmarkt. So findet an weiblichen Arbeitskräften auch jetzt noch ein Unterangebot statt<85,5 Proz. gegen 76,0 Proz. im Borjahr), während für die männlichen Arbeitsuchenden ollein gerechnet die Zahl der Bewerber um 100 Stellen auf die ungeheuere Ziffer von 347,3 kommen würde I Gegenwärtig wird in der That die Lage des Arbeitsmarktes nur durch die Frauen- arbeit noch in erträglicher Höhe gehalten, wie denn auch vielfach die Ernährung der Familie vom Manne auf die Frau über- geht. In den Krankenkassen, die in den letzten Monaten des Jahres einen gewaltigen Mitgliedersturz zu verzeichnen hatten, ist die Ab- wärtSbewegung naturgeinäß in ein langsameres Tempo geraten, und die weitere Abnahme der Mitgliederzahl hat nur 0.3 Proz. betragen (gegen 2,5 Proz. im Januar des Vorj.), d.h. trotz aller vorangegangenen Entlassungen ist auch in dieseni Monat dieZahlderArbeits lösen »och vermehrt worden. Einigermaßen gehoben wurde dieDnrch- fchnittSziffer dadurch, daß jener Aufschwung im Textilgewerbe in den Gegenden, in denen dies die Hauptinduftrie ist, eine Zunahme der Be- schäftigten herbeiführte; so in den Krankenkassen von Leipzig, Dresden, Chemnitz, Gera, Kottbns u. a. m. Aber in den Gcwerbszweigen, die den Sitz der Krists bilden, zeigt der Arbeitsmarkt bis jetzt kein Anzeichen einer Besserung. Im Maschinenbau dauert die Stockung fort. Im Bergbau nehmen an denselben Zechen, deren Aktien steigen, die Feierschichten zu. Die Politik zahlreicher Staats- und Gemeinde» Verwaltungen, gerade die gegenwärtige Zeit großer Geldflllssigkeit nnd wirtschaftlich schlechter Lage zu ivinierlichen Bauaufträgen zu benutzen, wurde durch das beispiellos günstige Wetter des Monat« Januar(seit 1866 hatte kein Januar eine so hohe Durchschnitts- temperatur) begünstigt, so daß beispielsweise in Stuttgart durch die Mehreinstellung von Bauarbeitern allein der Arbeitsmarkt wesentlich günstiger gestellt werden konnte. Die Trebrrschwindler» wie man die Leiter der Kaffeler Trebertrocken-Gesellschaft allgemein nannte, sind nmnnehr nach einer langandauernden Gerichtsverhandlung mit verhältnismäßig milden Strafen von sieben bis herab zu drei Monaten davon gekommen. Mit dem Diebstahl ist eS in der heutigen Gesellschaft ein eigen Ding. Stiehlt jemand seinen Mitmenschen einen Betrag, der auch nur so viel Pfennige ausmacht, als hier Mark veruntreut wurden, so kann er sicher auf einige Jahre Zuchthaus rechnen. Dazu bedarf es aber, daß der Delinquent sich möglichst einfacheri Mittel bedient. Wo aber ein höheres geniales Geschick in Anwendung kommt, liegt die Sache milder, da sind es nicht selten ehrenwerte Männer, die irre geleitet wurden und so die Taschen und Geldschränke andrer er- leichterten. Ehrenwerte Männer waren es alle,»ach den Leumunds- zeugnissen, die gute Freunde den Angeklagten im Kasseler Prozeß ausstellten, und doch wird jedem ein berechtigter Zweifel aufsteigen, ob dem so ist, wenn er den Hergang des Prozesses sich vergegen- wärtigt. Ein genialer Schwindler unzweifelhaft und sicherlich ist der Hauptakteur, der noch in Paris iveilende Direktor Schmidt..Erfahren »vir doch in dem Prozeß, daß dieser Man» aus einer kleinen Gesell- schaft mit ein paar himderltausend Mark in ungefähr 5 Jahre» ein Unternehmen schuf, bei dem die Schuldmasie schließlich auf 163 Millionen Mark anwuchs, während die eigentlichen Bestände der Gesellschaft heute den Wert von 2 Millionen repräsentieren. Nicht iveniger als 14 Gesellschaften hat dieses Konsortium gegründet, lein Land wurde verschont, um von den Schöpfungen dieser Gründer be- glückt zu werden. Ihre Gesellschafte» finden wir in England. Ruß- land, Finnland. Belgien, Frankreich, Italien und Oestreich, ganz abgesehen von de» vielen Unternehnmngen und Be- teiligungen in DeMschlaiid. Es ist fabelhaft, mit»velchem Raffinement gearbeitet wurde. Mit 200 000 M. setzte der Kredit bei der Leipziger Bank an, uin mit 80 Millionen zu enden. Die Tochter- gesellschaften wurden ohne einen Pfennig Geld ins Lebe» gerufen. Es ivnrde die bekannte Manipulation bei solchen Schwindel« gründungen eingeleitet. Einige Personen, die Gründer, weisen dem Notar die Anzahlung für die Aktien bei der Konstiluienmg der Ge- sellschaft vor, dieser übergiebt es den» sofort gewählten Direktor, der dann an die Leipziger Bank die Lcihsnmme, denn eine solche»var eS, zurückgiebt. Nun beginnt die Schiebung. In den Buchern erscheinen fingierte Werte für Patente zur Trocknung der Treber, für Verwertung der Holzabfälle zur Bereitung von Essig, die Tochtergesellschaft lieferte an die Trebergesellschaft ihre Fabrikate. die oft als Brennmaterial sofort verkauft ivurden; für Lieferungen. die gar nicht stattgefunden hatten, erschienen große Posten in den �Büchern. Um den Bankkredit nicht zu hoch erscheinen zu lassen, geben Berautwottlicher Redacteur: Carl Leid in die Aufsichtsrats-Mitgliedcr vor Aufftellung der Bilanz Wechsel, um die Kredite auf ihr persönliches Conto zur übertragen. Schließlich ivuchs die Sache so an, daß kein Mensch mehr aus dem Wirrwarr zurechtfindet. Dabei erhielt die Gesellschaft nach außen den Anstrich eines glänzenden Geschäftsganges. Die Dividenden konnten gar nicht hoch genug fein. Im Jahre 1837 war eine Ergänzung des Aktienkapitals von 3 Millionen vollzogen und sechs Monate später verteilte man 50 Proz. Dividende, d. h. man wollte das halbe Aktienkapital auszahlen, und in den folgenden Jahren betrug die Dividende 40, 40 und 25 Proz. Daneben bezog der Vorstand im Jahre 1901 eine Tantieme von 205 000 M. und der Aufsichtsrat 254 000 M. Die Bilanz tvurde vom Anfsichtsrnt nicht geprüft, die letzte war in Gegenwart eines AufsichlSratS-Mitgliedes verlesen. Es erscheint ganz ausgeschlossen, und dahin hat ja auch das Gericht entschieden, daß der Aufsichtsrat nicht um die Sache wußte, und ohne Zweifel haben alle bei den Kurstreibereien ihren schweren Gewinn eingestrichen, denn die hohen Dividenden waren nur für diese Manipulationen berechnet. Berücksichtigt man, daß der Kurs bis zu 900 getrieben werden könnte, so kann man sich nur einen ungefähren Begriff machen, uin welche enorme Summe das Publikum von diesem Konsortium be- schwindelt wurde. ES ist der erste Prozeß, der nach dem Zu- sammenbruch der letzten Gründerära zum Abschluß kam, intereffnnt nach v'-len Richtungen; die folgenden Prozesse iverden uns einen weiteren Einblick in die Korruption geivähren, von der sich die bürger- liche G-sellichaft nie frei machen kann. Die Große Berliner Straßenbahn stellte gestern in der Sitzung des Aufsichtsrates den Abschluß für das verflossene Geschäftsjahr fest. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung die Ber- teilnng e'ner Dividende von 7'/e Proz. auf daS Gegenüber den» Borjahre um 22 875 000 erhöhte) Aktienkapital von 68 625 000 M. vor- zuschlagen. Die vorjährige Dividende auf das alte Aktienkapital betrug 11 Proz. Dk- schweizerischen Zolleinnahmen betrugen im Jahre 1901 46.47 Millionen Franken gegen 48,01 Millionen im Jahre 1900, um 1,53 Millionen lveniger. Im Januar 1902 wurden mit 3,04 Millionen um 221 933 Fr. mehr Zolleinnahme» gemacht als im gleichen Monat 1901. Soc�lrs. Ein städtischer Arbeitsnachweis unter freifinnigcr Herrschast. Der städtische Arbeitsnachweis in Nürnberg führt bei den dortigen Arbeitern längst den Titel.Streikbrechcrbureau". Wie be- rechtigt diese Bezeichnung ist, lehrt ein Vorfall aus den letzte» Tagen, den die«Fränkische Tagespost" mitteilt. Ein Arbeiter fragt auf den, Bureau um Arbeit nach.«Sind Sie organisiert?"»vird gefragt. Der Arbeiter bejaht die Frage, „Bedauere I Ist keine Arbeit da l" Der Arbeiter. durch die Frage nach der Organisation stutzig gemacht, beauftragt seinen draußen»vartenden Kollegen, einmal sein Glück zu versuchen, aber nicht zu sagen, daß auch er organisiert sei.«Sind Sie organisiert?" fragte Iviederum der städtische Beamte. Der Gefragte verneint die Frage— und bekommt dann Arbeit zu- gewiesen i» der Bcilsteiiischcii Holzivarcn-Fabrik, in der die Arbeiter im Ausstand stehen, um eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen abzuwehren. Daß der Arbeiter sich dafür dedankte, die vom städtiscben Streikbrecherbureau angewiesene Arbeit zu übernehmen, ist selbstverständlich, Solche«paritätischen" Arbeitsnachweise können den Arbeitern gestohlen bleiben._ Staatliche Regelung ber Entschädigung für an Manl- und Klauenscnche gefallenes Rindvieh soll in Hcffcn durch eine bei der Zweiten Kammer eingebrachte Regierungsvorlage erfolgen. Diese Borlage sieht Entschädigungen für' alle über sechs Woche» alten Tiere m Höhe von vier Fünfteln des Werte? vor, so iveit dieselben den Betrag von 400 Mark nicht übersteigen. Für verendete Kälber bis zu sechs Wochen sollen 20 Mark geivährt iverden. In Abzug von diesen staatlichen Entschädigungen konnnen jedock alle aus privaten Versicherungen erhaltenen Beträge, wie etwaiger Erlös aus Teilen der Tiere, die mit polizeicher Genehmignng verwertet iverden dürfen, Die Entschädigung kommt auch in Wegfall bei Tieren, die noch an andren unheilbaren Krankheiten litten, die mit der Seuche behaftet in das Landesgebiet eingeführt ivnrden, für in öffeirtlichen Schlacht- Häusern oder Viehhöfen aufgestellten Thieren nnd bei Thieren. deren Verenden an Manl- nnd Klauenseuche erfolgte, bevor 24 Stunden abgelaufen waren, seitdem der Besitzer oder desien Stellvertreter die Anzeige vom Ausbruch der Seuche oder vom Senchenverdacht bei der Ortspolizeibehörde erstaltet hat. Die zu leistende Entschädigung wird durch Schätzung festgestellt, die durch zwei Schätzer unter Hinzuziehung des Kreis-Belerinärnrztes festgesetzt»vird. Die Eiitschädigimgssnmmen sollen durch jährliche Uinlagen bei den Vieh- besitzern aufgebracht werde», die sich»ach einer Schätzung, abgesehen von sonstigen Koste», auf 17 Pf. pro Stück Bieh stellen dürften, Wenn die Vorlage Annahme finden sollte, ist vorgesehen, daß sie im Interesse schwer geschädigter Biehbesitzer rückwirkende Kraft bis zum November 1901 erhallen soll. Zu dem GewerbcgerichtSfkandal in Metz, von dem wir i» unsrer Nr. 37 schon berichteten, wird uns noch geschrieben: Schon oft haben sich die Arbeitervertrcter des Gewcrbegerichts in Metz anfs bitterste über den Vorsitzenden HermeSlroff zu beklagen gehabt. Neuerdings sind sie mit einer Beschwerde bei der kaiserlichen Regierung vorstellig geworden, in der um die Amtsenthebung H.'s ersucht wird. da sie nicht mehr mit ihm zusammen tagen würden. Die Beschwerdepunkte sind recht mannigfaltig, Vor allem bevorzugt Herr H. bei der Heranziehung zu den Sitzungen in auffälliger Weise die unorganisierten Arbeiter, ivährend die ciner Organisation angehörigen fast vollständig übergangen werden. Ferner ist, entgegen de» Bestimmungen deS§ 12 deS Gewerbegerichls-GesetzeS, der bestimmt, daß»veder der Vorsitzende noch dessen Stellvertreter Arbeitgeber sein dürfen, ein Unternehmer als zweiter Vorsitzender berufen worden. Am meisten Erbitterung erregt es jedoch, daß Herr H. die Vertretung von Arbeiten,. denen die nötigen Fähigkeiten zur Verteidigung ihrer Jntereffe» 'chlen, durch Kollegen zu verhindern sucht. In Metz, wo man es in so vielen Fällen mit«rveiten, französischer oder italienischer Zunge zu thnn hat, wird diese Bes-Hränkiing der Verteidigung umso schwerer empfunden. In einem derartigen Falle»verlagte" H. die Verhandlung kurzerhand auf 14 Tage, weil der Kläger nicht erschienen war, obwohl die Voll», acht seines Vertreters vollständig in Ordnung war. Auf die Frage deS letzteren, auf welche gesetzlichen Be- stimnnmgen sich H. dabei stütze, anwortete dieser:«Wir sind hier nicht in einem Taubenschlag! Ich brauche überhaupt leine Para- graphen anzuführen, das habe ich nicht nötig!" Eine absterbende HanSindnstrte. «Stahl„nd Eisen' berichtet in den ersten zlvei Heften des Jahr- gangS 1902 über die bausindustrielle Nagelfchmiederei der Wallonen, eine feit mehr als 500 Jahre bestehende Hansindustrie. Wie diese nun abstirbt, zeigen die folgenden Angaben: In Fontaine rEvsqne. welches Anfangs 1896 noch 20 Nagelfchmieden auf- weisen konnte, besteht zur Zeit»nr noch eine Handschmiede. und an andren Orten sind dieselben seit 1899 ganz vcr- chwunden. Nur für gewisse Nagelsorten, bei denen entweoer die Nachfrage eine so geringe ist, daß der Maschinenbetrieb für deren Erzeugung nicht gewinnbringend erscheint oder die Formen derart kompliziert sind,'daß diese nicht mit Maschine» hergestellt»verde» können, hat diese Hausindustrie noch Aussicht, nicht gänzlich zu er- lösche». Je mehr daS Verkehrswesen sich entwickelt, je leichter es den Arbeitern wird, ans ihren weltabgeschiedene» Ardenncudörfern in die Industriestädte zu gelangen, desto kürzer»vird die Lebensdancr dieser absterbenden Industrie sein.— Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Aus drv Isvanrnbewegung. F» Kopenhagen ist der Verband der Näherin» et» energisch in die Aktion eingetreten. In 5 öffentlichei, Vcrsaninilungen, die sich guten Besuches erfreuten und den, Verband viele neue Mit« glieder zuführten, haben sie die Lage in ihre», Veriife erörtert. Die Arbeiterinnen in der Herrenkonfektion, deren Organisation 1000 Mit- glieder umfaßt, haben im Jahre 1300 einen Aecordtanf errungen, der ihnen eine Lohnerhöhung von 25 Proz� eintrug; der beste Beiveis für die Macht der Organisation. Die übrigen Branche» für Wäsche, Blouse». Handschuhe usw., in denen die Heimarbeit voriviegt, daher auch die Organisalion keinen Boden findet, verdienen besten- falls 6—3 Kronen wöchentlich. Auch hier wie überall predigen die Zahlen in laute» Worten die Verderblichkeit der Heimarbeit, wie die Vorteile der Organisation. Uetzke Nschvichken und Depeschen« Der diplomatische Skandal vorm Unterhaus. London, 14. Februar.(W. T- B.) Norman bittet um In« formation bezüglich der Versammlung der Botschafter der europäischen Großmächte in der englischen Botschaft zu Washington im April 1333. Unterstaatssekretär ViScount Cranborne erklärt: die Versammlung fand am 14. April 1893 statt und war zusainmenbernfen von Lord Pauncefote als Doyen der Botschafter auf mündlich vorgebrachte Anregung einiger feiner Kollegen. Welche Meinungen auch immer Pauncefote während derBeiprechung, die nichtformellenCharakterS Ivar, zu», Ausdruck gebracht haben mag, sie waren seine persönlichen Meinungen und wurden nicht in Befolgung irgendwelcher Jilstruklionei, der englischen Regierung ausgesprochen. Die Besprechung endete mit der Vcr- einbanmg der Botschafter, identische Telegramme an ihre Regierungen zu senden, in welchen eine weitere Mitteilung an die amerikanische Regierung in Borschlag gebracht Ivird. Nach Empfang des Tele- grammS Paucefotes erwiderte die englische Regierung sofort und sprach sich gegen die Fassung der vorgeschlagenen Mitteilung an die amerikanische Negierung. die sie als unüberlegt betrachtete, aus. Zwei Tage später lvurde Pauncefote mit- geteilt. daß die englische Regierung sich entschlossen habe, keine Aktion vorzunehmen.—«Wir hatten," schließt Cranborne, «zu der Zeit keine Information über die Ha l t u n g der deutschen Regierung."(Beifall.) D i l l o n fragt Cranborne, ob seine Aufmerksamkeit auf den offiziellen deutschen Bericht über die Angelegenheit gelenkt sei und ob dieser Bericht zutreffend sei. Cranbome erwidert, er habe der von ihm soeben gegebenen Antwort nichts hinzuzusetzen._ Abgeordnetenhaus. Wie», 14. Februar.(W. T. B.) Die heutige Sitzung»va« der Debatte über die gestrige Antwort des Ministerpräsidenten v. Körber auf die Interpellation Lucgers betresiend Bildung eine« Wahlfonds der deutsch- fortschrittlichen Partei in Wien gewidmet. Abgeordneter Vogler versucht attcnmäßig die in der Interpellation enthaltenen Behauptmigen und Angriffe zu wider- legen,»vährend Lucgcr seinerseits die Richtigkeit derselben alten- mäßig zu erhärten versucht. Die S o c i a l i st e n und Christlich-Socialen werfen sich gegenseitig Terra« rismuS und gröblichsten Berfasfungsmißbrauch vor. Fast jede Rede»vird durch heftige Zwischenrufe unterbrochen, besonders heftig treten die Christlich-Socialen und die Socialisten gegeneinander auf. Den Höhepunkt erreichte die Lärmscene, als Abg. Peru er st orfer den Abg. Lneger persönlicher Ehrlosigkeit zieh,»vcshalb er vom Präsidenten unter»>innte»la„g anhaltendem Lärm zur Ordnung ge- rnfen wurde. Die Debatte endete geschästSorduungSmäßig, ohne daß es zur Abstimmung kam._ Die amerikanische Presse über daS Verhalte« des britischen Botschafters. New Jork, 14. Februar.» den Straßen an« gesammelte» Personen angeschlossen hatte»,»ach de», in der Innen- stadt gelegene» Großen Platz, wo fis von, Militär zurückgedrängt wurden. Als der die Halbcompagnie befehligende Obcrlicutcnant, durch Steimvürfe an der Brust und am Kopf getroffen, zu Boden stürzte, gab das Militär Feuer» fünf Personen blieben tot. zahlreicke Personen wurden verlvnndet. Beim Säubern des Börsenplatzes wurde eineIrau durch eine» Steimvurf schwer verletzt. Bei dem weiteren AnSeinandertreibei, der Massen, mißte die Sicher- hcitS-Wache wiederholt von der blaiikei, Waffe Gebrauch mache», wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Konstaiitinopck. 14. Febr.d Pascha, wurde infolge der Entdeckung eines neuen Komplott» als milverdächtig verhaftet. Weiter siel der Verdacht aus einen im Palaste eine hohe Stellung einnehmcnden Pascha. Washington, 14. Februar.(W.?. B.) Im Reprä- s e n t a n t c n h a u s e rief Wheeler(Kentncky) S ensatron hervor durch eine Rede, in welcher er s ch w e r e V o r w ü r f e erhob gegen die A d m i n i st r a t i o n des S t a a t S d e p a r t e- m e n t S in Verbindung mit. wie er eS»annte. der jüngste» Tut- hüll, mg über die Haltung GroßbritaimienS gegenüber den Vcr- einigte» Staate».___ l„»d Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilage». pt. 39. ig. imm. i. KeilM Ks.IllMlirts" Kttlmer MldsdlM 15 F-dlmr'SVS. Neich�skslg. 143. Sitzung vom Freitag. 14. Februar 1902, nachmittags 1 Uhr. Am BimdeSratstische: K r a e t l e. Die zweite Beratung des Etats der ReichSpost- Mtd Tele- graphenverwaltniig wird fortgesetzt. Abg. Hng lC.) lauf der Tribüne fast liitverstäudlich) verlangt Erhvliung der Wahniiiigsgeldzuschüsse. Abg. Dr. Ntiiller-Mciiiinge»(srs. Dp.): Unhaltbar sind die postalischen Verhältnisse zivischeu Deutsch« lau d und der Schweiz. Bei dem kolossal gewachseucu Verkehr zwischen diesen beiden Ländern ist die Einführung der In« landstarife im Verkehr zwischen beiden drin- gen des Bedürfnis. Während heute von Deutschland nach der Schweiz im Jahre ca. 13�/s Millionen Bricfsendungen gehen, gilt die Schweiz im Gegensatz zu Oestrcich noch immer als Ausland für Dcntscblnnd. � Zum wenigsten müßte während der Sommer- Monate diese Tarifermäsjigmrg eintreten.— Sehr zu bedauern ist es, daß die Verhandlungen wegen der E i n h e i t s m a r k e zwischen Bayern und dem Reich zu keinem Resultat geführt haben. Eine gewisse Dosis von gesundem Partikularismns ist ja manchmal ganz zweckmäßig, in der Frage der Einheitsmarke stehe ich aber mehr auf dem Staudpunkt Württembergs. Zum wenigsten müßte der Zustand beseitigt werden, daß Briefe mit bayrischen Marken im übrigen Deutschland und um- gekehrt Briefe mit Reichspo st marken in Bayern als ganz unfrankiert gelten. Abg. Ulrich(Soc.): Es Ivar mir außerordentlich interessant, gestern ans dem Munde de? Herrn Abg. Crüger die Schmerzen derjenigen Postasscsioren zn hören, die auf ihre Visitenkarte gern den Titel:»Lieutenant der Reserve" drucken mochten. Ich wundere mich, daß gerade ein Mit- glied der freisinnigen Volkspartei sich hier zum Vertreter solcher Klagen macht. Das unabhängige Bürger- tum hätte alle Ursache, den Auswüchsen des Militarismus entgegenzutreten. Uebrigens wäre es einem großen Teil der Postassistentcn viel lieber, wenn sie von Amts wegen weniger be- lastet würden in der Wahrung ihrer Juteresieu und ihres Ver- einigungSrechteS und wenn ihnen eine bessere Stellung zu teil würde. Die Zahl der Assistenten, die so in Byzantinismus macheu, ist doch recht gering. Mögen auch sie lieber nicht nach dem Offiziers- t i t c l schielen, sondern suche», in den eigenen Reihen mehr Rückgrat für die Vertretung ihrer eigne» Fordcrnnge» zu finden. Herr Werner hat sich dann gegen die Iveitere Anstellung von Damen im Postdienst gewendet. Die Konsequenz seiner Forderung wäre, daß die Dame» überhaupt a»S dcni Postdicust verschwinden. Das würde ich sehr bedauern. Gerade im Telcphondienst bat sich gezeigt, daß die Stimmen der Dame» sich vielnrehr zur Ueber- Mittelung von Gesprächen eigne», als die männlichen. Aucki voni socialen Staudpmilt muß ich mich entsihieden gegen diesen Rückschritt verwahre». Jede Volkszählung zeigt, wie sehr die Zahl der Damen, die nie unter die Haube kommen, steigt, und da ist eS eine Pflicht des Staates» dafür zu sorgen, daß diesen Mädchen Gelegenheit gegeben werde, sich durch ihre Arbeit durchs Leben zu schlagen. Die Zahl der Beamten muß vermehrt, ihre Dienstzeit reduziert werden. Daun wird auch eine große Zahl Beamten und Beamtinnen eingestellt werden können. Der Geiundhcitszustand der unteren Postbeamten ist heute infolge der Ucbcrarbeitung sehr schlecht, und infolge des Vorgehens der Behörden, das gestern schon mein Kollege Singer schilderte, vermeiden es die Beamten meist so lange als möglich, sich krank zu melden, um nicht als Simulanten angesehen zn werden. Dazu kommt, daß die Pensionsverhättnifie der Beamten ganz unbefriedigende sind. Ihre Pension reicht nicht zum Lebe» aus und wenn sie aus diesen« Grunde bis in ihr spätes Alter hinein im Dienst geblieben sind, sind sie so abgearbeitet, daß sie meist nur ganz kurze Zeit die Pension erhalten. Das alles ist eine Folge der allzu großen Sparsamkeit unsrer Postverwaltung. Weiter bringt Redner noch persönliche.Lokalschmcrzen" über die Offenbachcr Postverhältnisse vor. Abg. Stücker stmldk.) konimt nochmals auf die Qeffnnug deutscher Briefe seitens der englischen Bcaniten in Kapstadt zurück. Mir sind noch solche Fälle von Brieföffnuugen von Mitte November bekannt geworden. Es wäre interessant zu wissen, wie schnell Eng- land auf unsere Beschwerde Abhilfe geschaffen hat. Ich begrüße es mit Freuden, daß eine so große Anzahl weiblicher Angestellter im Post- dienste beschäftigt tvird. Redner plädiert für eine Ausdehnung der Sonntagsruhe.(Bravo! rechts.) «bg. Freiherr v. Hrrtling(C.): Die Abschaffung des bahr«- schen Reservatrechts auf eigne Postmarken würde im Publikum so große Erregung hervorrufen, daß die eventuellen Wer- kehrSerleichterungen demgegenüber gar nicht in Frage käme». Staatssekretär Kraetke: An der Wohnungsnot nimmt auch die Postverwaltung leb- haften Anteil. Es ist zur Zeit eine Vorlage in Ausarbeitung, durch die die Wohnungsgeldziischüsse für alle Reichsbeamten neu geregelt werden sollen. Die letzte Antwort Englands auf unsre Beschwerden wegen Oeffnung deutscher Briefe datiert aus dem vorigen Jahre, unsre letzte Beschwerde!ist vor wenigen Wochen nach England abgegangen. Herr Ullrich wirft uns zu großen Fislalismus vor, vergißt aber, daß in den Retzien Jahren die Zahl der Unter- beamten um 6000 und die Zahl der Beamten um 3000 vermehrt worden ist. Von der andren Seite wird uns übrigens zugerufen, wir machten keine Ueberschüffe. Ich kann also wohl daraus schließen, daß wir unS auf der goldenen Mittelstraße bewegeir. Von einer Belästigung der Uulcrbcamten durch die Poslbehörde bei der Wahrnehmung ihreS VereinSrcchtcS kann nicht die Rede sein. Diese Bemerkung deS Herrn Ullrich muß ich als de» thatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechend zurückweise». Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß die Unterbenmten nicht wagen, sich krank zu melden. Jeder Beamte thnt allerdings so lauge seine Schuldigkeit als er kann, das kann ich zum Lobe sowohl der unteren wie der oberen Bcaniten nur sagen. Die Verwaltung wendet keine Straf- maßregeln an. um kranke Beamte im Dienst zu halten.— Eine Er- süllxng des Wunsches. daß bayrische Marlen gegen Reichspost- marken umgetauscht werden könnten, kann ich Ihnen nicht in Aus- ficht stellen/ Uuterstaatssekretär im Reichspostamt �Sydow: Von einer Ver« nachläisignng der kleinen thüringischen Staaten seitens der Reichs- Postverwaltuug kann nicht gesprochen werden. Eine Ausschaltung der Damen aus dem Telcphondienst ist nicht im geringsten be- obsichligt. Die weibliche Stimme ist in der That angenehmer im LerniittelungSdienst als die männliche. Abg. Dr. Müller- Saga»(frs. Dp.): Auf die von mir vor- gebrachten Klagen über die übermäßig großen Ansprüche beim Eckrctärcxamen meinte der Herr Staatssekretär, eS liegen keine Be- schwerdcn vor. Ja. wer soll sich denn beschweren? Hier kann aus dem Beschwerdewege nicht geholfen werden, sondern nur dadurch, daß von der Centrale auS ein« allgemeine Anweisung ergeht. Die VcisetzungSanträgc der Beamten nach andren Bezirken sollen immer wohlwollend behandelt sein. Thatsnche ist aber, daß auf erhobene Beschwerden einiger Postassisteiiten die ReichS-Postverwaltuug ab- weisend erklärt hat, sie könne in die Zustäudigleit der einzelnen Obcr-Postdireklionen in dieser Beziehimg nicht eingreifen. Es hatte einen gewissen pikanten Beigeschmack, über die Frage der Hoffähigkeit der Postbeamten gerade den Herrn Abg. Ullrich sprechen zu hören, dem nicht von unS sondern von seiten seiner eignen Presse Vorwürfe eines gewissen Byzantinismus nicht erspart geblieben sind.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Fürchtet er etwa, daß die hoffähig gewordenen Assistenten ihm an seinem Hofe Konkurrenz machen könnten?— Was die Anstellung von Damen im Telephoudienst anlangt, so bin ich für gleiche Bezahlung der männlichen und weiblichen Tclephonbeamten. Abg. Peus(Soc.): Ich möchte einige Mißstände auf dem Gebiet der Portofrciheit fürstlicher Persönlichkeiten zur Sprache bringen. Der Hof in Dessau bezahlt für Telephon-Gespräche keine Gebühren, wäh- rcnd doch nur Telegramme für Fürsten frei sind. Es ist ja ganz nett, wenn die Fürsten von zum Telegraphieren ohne Draht auch noch das Tclephoniercn ohne Draht fügen wollen(Heiterkeit), aber zur Zeit ist dies»och ein ungesetzlicher Zustand. Die Behörde sollte da ganz energisch eingreifen, trotzdem es sich um fürstliche Persönlich- keilen handelt. Uuterstaatssekretär Sydow: Die Sache liegt so. daß bis 1892 die Gebührenfreiheit für das gesamte Gebiet des Postweseus einschließlich der Telephonie durch Ver« ordlumg geregelt wurde. I» dem dann angenommenen Postgesetz wurde bestimmt, daß weitere Gebührenfreiheiten als sie damals bestanden für fürstliche Persönlichkeiten nicht mehr zugestanden«verde» dürften. Durch Verordnung war aber damals bereits bestimmt, daß in An- erkennnng der Ehrenrechte, die die regierenden Fürsten im Deutschen Reiche besitzen, ans Telephonliiiien ihnen für ihren persönlichen Ver- kehr die Gebührenfreiheit eingeräumt worden ist, sofern die Anschluß- Anlage auf Kosten der allerhöchsten Herrschaften hergestellt worden ist. In diesem eingeschränkten Maße besteht die Gebührenfreiheit auch heute noch. Abg. Ullrich(Soc.) Herr Müllcr-Sagan hat eine Parallele gezogen zwischen dem Byzantinisnius den ich darin gefunden habe, daß nia» es gewisse» Leuten ermöglicht, den Titel Reservelieutenant auf ihre Visitenkarte zu schreiben, und einem Vorgange der sich im vorigen Jahre in unserer kleinen Residenz abspielte und bei dem mein Name mehr als nötig genannt wurde. Dabei ist es ihm passiert, daß seine Phantasie weit über alles hinausschoß, was über- Haupt geschehen ist. Nicht in einem einzige» meiner Parteiblätter hat man mir daraus, daß ich als anständiger Mensch eine pcrsöu- liche Unterhaltung nicht zurückgewiesen habe. den Vorwurf des Byzantinismus gemacht. Der Byzantinismus, der darin liegt, ist lediglich eine Eigentümlichkeit des Herrn Dr. Müllcr-Sagan. Staatssekretär Kraetk«: Die Wünsche der Beamten auf Ver« setzung in andre Bezirke werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Der Titel wird hierauf bewilligt. Ebenso der Rest deS Kapitels Centralverwaltung. ES folgt das Kapitel Betriebs- Verwaltung. Abg. Schmidt-Franffurt(Soc.) bringt Mißstände vor. in Frank- furt in, Poslwesc» herrschen. Den folgenden Fall habe ich schon vor zwei Jahren vorgetragen. Ter Sohn eines schon seit 1875 in, Posldienst stehenden Üuterbeamte» Kraus, der sich im Dienst eine Schädigung zugezogen hatte, wurde im Jahre 1893 in der Schule vom Lehrer schwer mißhandelt. Der Vater erhob gegen den Lehrer Klage, der Oberpostdircktor Schaum suchte aber de» Mann zu be- wegen, die Klage zurückzuziehen. Er bot ihm als Entschädigung für die ärztliche Bchandlrnig des Knabeu 20 M. Kraus zog wirklich die Klage zurück. Später aber wies ihn der Lehrer«vegen der Bezahlung an den Oberposidiicktor, denn er hätte keinerlei Entschädigung ver- sprochcn. Von dieser Zeit an wurde der Beamte in jeder Weise chikauiert, er mußte ganze Tage lang Briefe stempeln, so daß sein Arn, an- schwoll,»nd mußte sich in jeder Weise unrecht behandeln lassen. Plötzlich wurde dem Manne mitgeteilt, er sei»ach Rüdesheim ver- jetzt. Seine ganzen Familienverhältnisse wurden dadurch zerrissen, aber schließlich fügte er sich. In RüdeShein, wurde er krank und auf einige Tage»ach Frankfurt beurlaubt. Run endlich verordnete der Vertrauensarzt ihm eine längere Erholungszeit. Dies wurde ihm jedoch erst 6 Wochen später mitgeteilt. Schließlich wurde er pensioniert und muß nun mit 64 M. anskomnie». Nach einer glücklich verlaufenen Badekur ist der Mann jetzt«vieder vollständig gesund und könnte sehr gut wieder Dienst leisten. Aber nian will ihn nicht mehr haben, weil er einmal dem Obersekretär auf die Füße getreten hat. Ich erwarte, daß der Herr Staatssekretär in diesem Fall für Remedur sorgen wird. Direktor in, RcichSpoftamt Wittko: Wir kennen den Fall Kraus auf das allergenaueste und haben vier große Aktenstöße in der Sache durcharbeiten müsse».(Heiterkeit.) Kraus hat, hauptsächlich geleitet von seiner lieben Frau, die eine erstaunliche Energie besitzt,«md gestützt auf das Zeugnis deS der forialdruiokratischei« Partei angehvrige«, ArztcS Dr. Schneider, das Unglaublichste an Unbotmäßigkeit und Ouerulantcntun, geleistet. und es verstanden, sich 2'/, Jahre außer Dienst zu balte». Die Einzelheiten, die der Herr Vorredner an- führte, sind im allgemeinen richtig. Der Mann ist aber thatsächlich wegen seiner Dienstunfähigkeit pensioniert worden. Er hat sich bis in die höchste Instanz hinein beschwert, ist vor wenigen Wochen von dort aber abschlägig beschieden worden««nd damit ist die Sache definitiv erledigt. Abg. Schmidt-Frankfurt(Soc.): Der Herr Regicrungsvertreter hat zugebe» müssen, daß ick die Einzelheiten richtig dargestellt habe. Warum ist die Unbotmäßigkeit bei dem Mann erst so spät entdeckt worden? Jahrelang hat er in Frieden seinen Dienst gcthan, bis die erivähnten Ereignisse eintraien. Wenn ein Mann in dieser Weise chikaniert wird, so ist eS kein Wunder, wenn er schließlich toll wird. Wanim hat man nur dann auf mein Schreiben keine Antwort erteilt, wenn man wußte, wie die Sache lag? Sonst tvird uns doch inuner vorgeworfen,«vir teilten die Einzelfälle nicht vorher der betreffenden Verwaltung mit. welche wir hier in, Reichslage vor- bringen ivollen.(Sehr richtig! bei den Socialdeniokratcn.) Thun wir eS aber, dann antivortet man UllS nicht. Beim Titel..Oberpostassistenten' befürwortet Abg. Dr. Wiemer(frs. Bp.l den Antrag Dr. Müller-Sagan— Wiemer, die Stellen der O b c rp o st a s s i st e n t e n um 1000 zu vennehren. Gegenwärtig seien die Anstellungsbedingnnge» der Post- assistenten zu ungünstig. Die Sicherheit der Beamten ist eine ganz andre, weu» sie ctatsmäßig angestellt werde«,. Die Verhältnisse sind unleidlich unter dem Regime Podbielski geworden. Für andre Zwecke ist Geld genug da. bei den Beamtengehältern wird geknausert. Rcichs-Schatzsekretär Frhr. v. Thielmann: ES handelt sich nicht um die lumpigen Millionen, sondern um die ernstere Frage, ob der Reichstag befugt ist, selbständig höhere Summe» in den Etat einzu- stellen. Die Beratungen der Budgetkommission über die Zuschuß« anleihe sind noch nicht abgeschlossen, daher ist eS wenig angebracht, bicr eine Summe in den Etat einzusetzen, die da« Gesamtbild des Etats verändert. Legen Sie die Forderung der Regiemug durch eine Resolution nahe. Ich tvarne Sie, den Weg des Kampfes zu betreten, der auf die Dauer nicht zum Guten führen kann. Abg. v. Waldow-Reihenstei,,: Wir erkennen das Bedenkliche. da« die Annahme des AutrageS hat. an. In der Lage ist der Reichstag zivar, solche Forderungen nachträglich in de» Etat ein- zusetze», aber eS ivar bisher üblich, den Weg der Resolution zu gehen. Freilich habe» unsre Resolutionen nach dieser Richtung bis- her keine» Erfolg gehabt. Es iväre sehr wüuschenSivert, weu» eine bestimmte Erklärung abgegeben würde, daß schon im»ächsten Jahre unser» Wünschen Rechnung getragen werden wird. Staatssekretär Kraetke: Ich kann zusagen, daß die Diätare, die länger als sechs Jahre beschäftigt sind, eine Erhöhung der Diäten von 4 M. auf 4,50 M. und von 4,50 M. ans 5 M. erhaltet» sollen. Ferner sollen in den nächsten Jahren 3000 neue Stellen in de» Etat eingesetzt werden. Abg. Graf Oriola(natl.): Der beste Ausiveg ist, wir ersuchen die Regierung, in einem Nachtragsetat die Forderung zu bewillige». Sind die Negierungen geneigt, unsrem Wunsche nachzukommen, so kann das bis zur dritten Lesung geschehen. Abg. Wiemer(frs. Vp. zur Geschäftsordnung.) Ich habe zu erklären, daß Ivir den Antrag Müller-Sagan zurückziehen und Ihnen statt dessen folgende Resolution zur Annahme empfehlen: Die Regierung möge die erforderlichen Mittel für iveitere taufend etats- maßige Postassistenten-Stellen in den Etat für 1902 einstelle» und die Bereitwilligkeit dazu vor der dritten Lesnng des Etats dem Haufe mitteilen. Abg. Siitgcr(Soc.): Die Auffassung des Herrn Thielmann, der Reichstag habe nicht das Recht, seinerseits Ausgabeposten in den Etat zu stelle», ist durchaus irrig. Immerhin' ist ein solcher Vorgang ein Kampfes- mittel, das nian nur i» Ausnahmefällen amveudet. Gerade der Umstand, daß der Herr Staatssekretär auch hier wieder anstatt praktischer Bedenken die staatsrechtliche Seite in den Vordergnmd geschoben hat, zivingt uns, an unserm principicllen Standpunkt festzuhalte», der mit Ausnahme eines Teils der Konservativen von allen Parteien des Reichstags geteilt wird. Durch die Zurückziehung des Antrags ist ja die Sache für heute erledigt und wir werden für die Resolution stimmen. Sollte aber die entgegenkommeude Erklärung der Regierung nicht erfolgen, so hoffe ich, iverden die Herren Antragsteller auf ihrem Antrage beharren, so daß dann auch die etatrechtliche Frage zur Entscheidung kommen kann.— Sehr ge- wundert habe ich mich über die Bemerkung des Herrn Rcichsschatz- sekretärS, der Etat zeige auch nach den Abstrichen der Budget- kommission kein erfreuliches Bild. Wollte er damit sagen, das) die Koinmission noch nicht gcung gestrichen hat?(Heiterkeit.) Und iveshalb hat er uns dann den noch uuerfrculichereu Ursprung- liche» Etat überhaupt vorgelegt?(Heiterkeit.) Ich muß noch kurz auf die leidige Frage dcr Militärauwärter zurückkommen. Mir wird«nitgeteilt, daß, nachdem der Postfiskus zur Zahlung mit 6 Proz. Zinsen verurteilt worden ist. die Assistentei« nicht gleichmäßig behandelt lverden. Die Kölner Postdirektion zahlt gar keine Zinsen, Trier 4 Proz. seit dem Tage der Anstellung, eine andre Direktion 4 Proz. seit dem Tage der Klageeinreichung. Das ist doch eine ganz unberechtigte Buutschcckigkeit in der Be- Handlung. Man sollte doch endlich diese Sache zur Ruhe kommen lassen. Diese kleinliche Sparsamkeit ist einer großen Vertvaltung dluchaus unwürdig.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Kraetke: Ich glaube, die Nachrichten des Herrn Vorredners sind falsch. Es wird jetzt allgemein der Zins bezahlt, der in dem betreffenden Gebiet üblich ist, und zwar von dem Tage der Klageerhebung an. Ich hoffe, daß die Sache endlich zur Ruhe kommt. Wir sind in Haniburg zu den ortsüblichen Zinsen verurteilt worden; Ivir dürfen deshalb' aber nicht in einzelnen Gegenden, wo 5 Proz. üblich sind, 6 Proz.. wie sie in Hamburg üblich find, zahlen. Abg. Gröber(C.j: Thatsächlich hat der Reichstag bereits selbständig Posten in den Etat eingestellt, wenn ich auch zugebe, daß im allgemeinen die Uebung dahingeht, der Regierung auf dem Wege der Resolution die Wünsche des Reichstags vorzulegen. Für die Resolution werden wir stimmen. «bg. Lenzmann(frs. Vp.): Herm Singer kann ich bestätigen, daß«vir aus rein praktischen Erwägungen vorläufig den Weg der Resolution betreten haben, u»sre principielle Stellung tvird dadurch nicht berührt. Abg. Graf Oriola(nail.): Nicht mir Militäranwärter in ver- schiedenen Bezirken, sondern Beamte in den« selben Dicnstgebäude haben verschiedene Zinsen erhallen. Damit schließt die Diskussion. Ueber den Titel mit der Resolution soll am Montag abgestimmt werden, da die Resolution noch nicht gedruckt vorliegt. Hierauf vertagt das Hans die Weiterberatung auf Sonn- abend 1 Uhr.(Außerdem Etat des Allgemeinen' Pensionsfonds, Etat des Reichs- Militärgerichts.) Schluß 6 Uhr._ VÄelsmenkavifches. ReichSpost. Die Budgetkommission deS Reichstag« setzte am Freitag die Beratung der einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der R e i ch S p o st fort. Bei der Forderung für Ertverbung eines Grund- stiickS für neue Postbetriebsanlagen am Schlesischen Bahnhof in Berlin fragt Abg. Kopsch(frs. Vp.) an, weshalb denn der Bau des geplanten neuen großen PostgebäudeS im Osten Berlins an der Ecke der Magazin- und Alexanderstraße, wofür schon im Etat für 1900 eine Million beivilligt ivorden sei. nicht in Angriff genommen tverde. Staatssekretär ftrnetke erwidert, bisher sei der Neubau aus Rücksicht auf die ungiinstige Finanzlage zurückgestellt worden; er«verde aber im»ächsten ,i»d übernächsten EtatSjahr ausgeführt werden. Bei der Forderung von 602000 M. für die Herstellung einer Telegraphenlinie im Innern von Deutsch-Ostasrika, von Mpsaqua nach Tabora, beantragt Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) völlige Ablehnung der ganzen Forderung. Im gleichen Sinne sprechen sich die Abgg. Dasbach a n g e n o m n« e n. Der Rest deS PvstetatS wird unverändert genehmigt. Nächste Sitzung: Dienstag; Ostasien und Ncichs-Juvalidenfou'dS. Die Braniitweinsteuer-Komiiiisston des Reichstags beschloß am Donnerstagabend nach längerer GeschäftSordnnngs-Debatte, der Specialberatung zunächst den Autrag de» Abg. Prinz Arenberg(C.) zu Artikel II der Novelle zum Branutiveinsteuer-Gesetz zu Grunde zu legen, soweit er sich auf Ab- satz 8a deS§ 2 des alten Branuliveinsteuer-Gcsctzes(Regelmäßiges Verfahren bei der Kontingentierung) bezieht. Nach Bcfürivortlliia durch die Abgg. Dietrich(k.). S e m l e r(natl.) und Speck(C.) und Bekämpfung durch die Abgg. Äugst(füdd. Vp.) und Dr. Müller- Sagan(frs. Vp.) tvird dieser Teil des Antrages mit kleinen redaktionellen Aenderunge» gegen die vier Stimmen der Freisinnigen und Socialdemokraten angenommen. Er lautet:„Die bisher beteiligten Brennereien werden nach Maß- gäbe der in den vorhergehenden fünf Betriebsjahren durch- schnittlich zum niedrigeren Abgabensatze hergestellten Alkohol- nieilgen weiter beteiligt. Bei Beciiiiereien, die in einem oder »lehreren der fünf Jahre das Kontingent überhaupt nicht oder nicht vollständig herstellen, lvird für diefe Jahre gleichivohl die volle >ronliilgeniSlilenge als hergestellt angenommen, wenn wenigstens in giveicu der fünf Jahre das Kontingent vollständig hergestellt ist. I» Avfindilngsbrennereien(§ 13) iverdcn die Kontingente auch dann als bergestellt angenommen, wenn dieselben in der Kontingcntspcriode Überhaupt oder nicht vollständig hergestellt worden sind." Zu 8 2 Abs. Sd, der die Ko'ntingcntsmindcrnng betrifft und »ach den, Antrag Arenberg lvie bisher bleiben soll, begründet Abg. F i tz stiatl.) seinen Antrag, der für die nach 1887 gegründeten Lust- befefabrilen eine Kontingentsmindernng nur Vio vorschlägt.— Abg. sipert(ß.) wünscht iveitcreS statistisches Material darüber, wieviel Prcsthefefnbrikcn, lvann und mit ivicviel Kontingent zum Lnslhefe- verfahren übergegangen sind.— Geheimrat Knreuber stellt fest, daß etlva '/s, darunter auch kleine Hcfefabrikcn die fragliche llinivändlnng ihrer Betriebe vorgenommen, haben. ES lvürde„nicht schön" sein, sie ein- fach totzuschlagen. Auch iviirdc» alsdann die grosten Lnfthcfefabriken zum alten Verfahren zurückkehren nnd wieder Qnalitätsbranntwcin herstellen znni Schaden namentlich anch der kleinen Onälitätsbrenner besonders in Rheinland nnd Westfahlen.— Abg. Gnuip tritt für Matznahmen gegen die großen Lnfthefefabriken ein. Diese machten den laiidivirtschasilichenBreniicreien dadurch Konkurrenz, dntzsieLnpincn nnd schlechte Gerste verbrennen. Redner schlägt vor, das Kontingent nur nur Vis zu kürzen.— Ministerialdirektor Geiger bestreitet die Bc- hanptung des Abg. Gamp, daß in Bayern eine Verfügung ergangen sei, durch die der llcbcrgang zum Lnfthefevcrfahren' als Betriebs- Wechsel gekeiuizcichnet lverdc. Eine solche Verfügung würde gcsctzividrig sein.— Ministerialdirektor Schcrcr spricht sich noch schärfer ans: es liege nicht der mindeste Anlaß vor, die landwirtschaftlichen Brennereien bei Kürzung des Kontingents anders nnd besser zn be- kiandclu, als die geiverblichcn. Die Abgg. Dietrich(kons.) und Dr. Pansche lvendcn sich mit großer Entschiedenheit gegen den Antrag Fih, der ans die Ueberprodnktion steigernd wirke.— Die Abg. M«lkrr-F»lda(C.). Dr Pachnickc(srs. Vgg.)»nie- Dr. Müller- Saga»(frs. Vp.) bekämpfen gleichfalls de» Antrag, weil er technische Fortschritte bestrafe nnd nur einen Konkurrenzkampf von Ludwigs- Hafen gegen Grünivinkcl, zwischen der Firma Köhlih und der Firma Sinner begünstige.— Abg. Fli tz zieht schließlich sciueir Antrag zurück. Die nächste Sitzung der Kommission findet am Mitlworti, den 19. d. M. abends statt. Pavftfi-Xlaiisuidifen« Partcilitteratur. Die illustrierte Romanbibliolhck„In Freie» Stunden" in Wochenheften zn 10 Ps. hat mit der Answahl des Nomaus: Der Bastard und dessen charakteristischen Illustrationen zweifellos einen guten Griff getha»; aber anch der Gorki'sche Nomon: Jni Banne der Dämonen, dem bald Loü'S ergreifender Roman Ein Seemann folgt, hat allgeineine» Anklang gefunden, wie die mit jedem Heft steigende Abonnentenzahl klarlegt. Wir einpsehlen die„Freien Stunden" bestens,»nd unsere Expedition liefert z» jeder Zeit ans Wunsch Probehefte nnd Sannnelniatcrial für Vereine und Versammlungen. Aus de» Orgauisatiouci». Der socialdemokratische Verein für den z>v c i t e i, H a m.b u.r g i s ch e n Wahlkreis zählt jetzt 3539 Msiglicder gegen 3322 im vorigen Jahre. Die Eiiiiiahme» im Jahre 1901 betrugen einschließlich des Kasienbcslandes von 5501 M. im ganze» 19 912 M., davon 11202 M. anS Beiträgen und Eintrittsgeldern. An die Hanptkassc in Berlin führte der Verein «000 M. ab. Der socialdemokratische Verein Bremen halte iin vergangenen Jahre eine Einnahme von 9399 M. einschließlich dcS Kassenbcstandcs voil 1205 M. lieber die Zahl der Mitglieder kann der Geschäfts- bcricdt mangels einer Mitgliederliste keine Angaben machen. Der Pnrtcivereiu in Hannover hat die Zahl von 1951 Mit- gliedern erreicht. Er hatte eine Eiiliiahuie von 2783 M. Totenliste der Partei. In S t e i nse i f fe n(Schlesien), starb ein alter verdienter Parteigenosse, der Kolporteur Karl Epner. Wegen seiner Thätigkeit sür den Texlilarbeiterverbaud verlor er vor drei Jahren seine Arbeit in einer Fabrik, in der er 20 Jahre lang thätig gewesen war. Er übernahm die Kolportage für die Partei- bintter, aber weder diese,»ocki ein kleines Handelsgeschäft konnte dcili Genosse», der auf Krücken einherging, ein einigeriiiatze» sicheres Anskonunen gebe». Er starb in» Elend, bis z»>letzt aber treu seinen Idealen. Polizeiliches, Gceichklichea usw. ~ Wegci« ltrbcrtreinng des Vcreiusgcsetzcö wurde der Genosse Dr. Winter in Benthe» zn 45 M. Geldstrafe ver- urteilt. Die Anklage stand von voiiiberciii ans so schwache» Füßen, daß das Gericht zunächst die Eröffliuiig dcS Verfahrens überhaupt abgelehnt hatte: erst auf die sofortige Bcschlverde bei der Staatsamvaltschaft kam es zur Verhaiidlmig. I» dieser behauptete ein„herrschaftlicher" Parkivächtcr, onst Dr. Winter am l. September v. I.. bei Gelegenheit des Bergfestes der Laurahiittegrubc in Bicnhof bei Laurahütie eine Rede gehalten habe, von der er freilich so gut wie nichts wußte. Zwei andre Zeugen, die in Dr. Winters unmittelbarer Nähe bei der angebliche» Rede gelocscii lvarcii, veriieiliten mit Vcstimmlheit, daß er eiue Rede ge- halten habe. Trotzdem die Verurteilnng nnd zugleich die Androhulig des Meineidvcrfahrens gegen diese beiden Zeugen. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt worden. Zur Arbeitslofeitstatistik. Mehrere bürgerliche Blälter, die„Vossischc Zeitung", das„Berk. Tageblatt", die„Neuesten Nachrichten" und andre bringen eine glcichlauutcnde Korrespondenz, die ihrem Inhalt nach bestimmt ist, die ArbeitSloseiizählliiig der Gewerkschaftskommission zu bemängeln und ihre Bearbeiter der Parteilichkeit zn verdächtigen. Es war ja auch nicht anders zn erwarten, als daß jene Leute, ivelche bisher das Vorhaildeusei» eines»ngewöhn- liche» Notstandes beharrlich leugneten, mliimchr versuche» würde», den Wert der Zahlen, lvclchc den erschreckenden Ilmfang der Arbeitslosigkeit feststellen, hcrabzumiiidern.— In den genannten Blättern wird gesagt, von„fachmännisch gebildeten Sta- tistikern" nnd«bekannten Autoritäten auf dem Gebiet der Statistik" werde die Arbeitskoseuzählliug der Geiverkschafic» sehr gering ein- geschätzt, denn es fehlten ja Angaben über das Alter der Arbeitslosen, sowie darüber, ob auch die arbeitslosen Saisonarbeiter, die stellungslose» Kanflente, sowie die Alters- u»d Jnvalideiirentner als Arbeitslose initoezählt ivordcn seien. Die Zesinngen, Ivelche solches Geschreibsel aufiiehmen, beweisen damit, daß sie in statistischen Dingen ebenso unlvisscnd sind wie ihr Korrespondent. der sich angeblich ans Autoritäten stützt. Man braucht teil, berufsmäßiger Statistiker zu fein, um zn wissen, daß eine so specialisierte Bearbeitung des riescn- l,»steil Materials, ivie sie in den genanilten Zeitlmgsnrtikeln verlangt lvird, selbst durch amtliche Statistiken nicht in wenigen Tagen erledigt werden kann. Aber die Arbeiten des gewerkschaftlichen ZählburcnuS sind noch in vollem Gange, nnd wir werden binnen kurzem in der Lage sein, die Zählung nach Berufen mid Dauer der Arbeitslosigkeit zn veröffentlichen, Ivomit dann ei» Teil der Zweifel, die die „Autoritäten" der genannte» Zeitungen bedrücken, geHobe» werden. Auf die lveitcren. miglnnblich einfältigen Einwände der„bernfs- � mäßig gebildeten Statistiker" wollen wir hcnt nur cmtivorteu, daß * Kanfleute und Saisonarbeiter. wenn sie keine Arbeit haben, selbstverständlich zu den Arbeilslosen zu zähle» sind. Die Alters- und Jlivalidenreiitiier lvird man natürlich nicht in der Rnbrik der Arbeitslosen, ionder» in der in nnscrn Tabellen befindlichen Rubrik .Kranke und Invalide" suchen müssen. Mehr noch als die AilSlassungen der vorstehend bezeichneteil Blätter zeugt ein Artikel der„Konservativen Korrespondenz" von dem Bestreben, die Arbeitslosen-Zählung zu verunglimpfen. Nach diesem Blatte ist dos ganze Werk nichts, als focialdeliiokraiifchcr Humbiig. In ihrem Eifer, den Wert der Statistik herabzu- fetzen, konnnt die„Konservative Korrespondenz" zn den sonderbarsten Widersprüchen. Einerseits»mß die Schnelligkeit, mit der die Zählinig nnd die Ermilteknng der Resultate vor sich ging, herhalte», um die ganze Statistik als iliibraiichbar hinzilstellen, andrerseits verlangt aber die„Konserv. Korrcsp." die Beantivartmig einer Reihe Fragen, die erst nach einer langen nnd mühevollen Specialbearbeitmig bc- aulwortct iverdcn können. Aber nicht geling damit. Auch die Unparteilichkeit der Zählung lvird in Zweifel gezogen. Die zuerst erwähnte Zeitungs- Korrespondenz hält die Nachprüfung der Zählkarten von eiinvandsfreicr, unparteiischer Seile für»otwendig. Anch in dieser Hinsicht können die Zweifler»»d Nörgler beruhigt sein. Dem AnSschiiß der Gewerkschaftskommission hat ein sachverständiger Beirat zur Seite gestanden in der Person dcS Herrn D r. Raths vom st a t i st i- s ch e n Amt der Stadt Berlin. Dieser bernfs- mäßige Statistiker hat nicht mir den ArbeiiSpla» für die Zählimg entivorfen, sondern auch eine dauernde Kontrolle über die AuSzähl»»« nnd die Ziisaininclistelllmg des Materials ans- geübt. Von dieser gciviß unparteii'chcn»nd cinwondsfreien Seite haben wir erfahren, daß im Zählburean des GeiverkschaftshauseS ebenso gewissenhaft gearbeitet worden ist, ivie in irgend einem mnt- lichen Bureau, und daß dieser ArbcitSlosenzähluug nicht mehr n»d nicht größere Mängel aiihafteii, wie sie bei jeder amtlichen Statistik auch zn finden sind. Um allen Zivcifel» an der Unparteilichkeit der vorliegenden Statistik zn begegnen, ist die G e iv e r ks ch a f tS k o m in i s s i o n gern bereit, die sorgfältig aufgehobenen ilnd geordneten Zähl- k a r t c n f o lv o h l dem Kaiserlichen, als dem Berliner Statistischen Amt zum Zweck d e r N a ch p r ü f n n g zur Verfügung z n st e l l e n. Wenn der„Kons. Korr." oder den andren Zeitungen an einer amtlichen Nachprüfung gelegen ist, dann mögen sie nur ihre» Einfluß nach jener Seite hin ivirkcn lassen. Die„Kons. Korr." gesteht zlvar zu, daß es den Veranstalter» der Statistik gelungen ist, mit großen Zahlen an die Oeffent- lichkeit zu treten, aber sie sucht die Wucht der Zahlen abzuschwächen, indem sie sagt, es scic» nnkoiitrollierbare Angaben kritiklos zusanniicngestellt. Daß bei der Zusainlneilstellillig dcS Materials sehr kritisch zn Werke gegangen wurde. und daß daher die wirkliche AuSdehliuiig der Arbeitslosigkeit, bc- sonders aber die Erwerbsbeschränkuiig»och bei weitem nicht in den ermittellc» Zahlen zum Ausdruck komnit, dafür bürgt ebenfalls die ciinvondZfreie Kontrolle des Herr» Dr. Raths. Wenn erst die Zählling nach Berufen, Dauer der Arbeitslosigkeit usw. ab- geschloffen ist, dani, wird die ganze Größe dcS Elends erst recht kraß in die Erschenlimg treten. In unsrer gestrigen Ziisaminenstelllliig der Endresultate vergaßen wir die Zahlen von Reinickendorf aiizufiihreu. Daselbst wurden ermittelt 625 Arbeitslose, 466 mit beschränkter Arbeitszeit, nnd 147 Kronke und Invaliden. Demnach stellt sicki das Gesamtresnltat für Berlin»nd die Vororte folgendermaßen: 76<>3� Arbeitslose, 52 967 Personen mit beschränkter Arbeitszeit, 19 386 Kranke und Invaliden. Aligesichts dieser Zahlen hilft kein Ableugnen und kein Deuteln. Ein autzergeivöhnlichcr Notstand ist vorhanden, nnd die Behörden haben die Pflicht, hier helfend einzugreifen. Berliner Pnrtei-Angelegettsieiten. Erster Wahlkreis. Die Abhaltung der Versammlung am 11. d. M. ist lins bekanntlich durch Beeinfluffuug hinterlrieben Wörde». Wir haben uns mit Erfolg bemüht, Ersatz zu sckiaffe», und so findet die Versa m m l u» g mit demselben Thema nächste Woche in den Kurh allen c:»i Holsteiner Ufa, in der Nähe vom Bahnhof BcNcvne stall. Da Genosse Heine verhindert ist, das Re- fcrat zn halten, so lvird au dessen Stelle Genosse Herzfeld spreche». Näheres lvird durcki Inserat bekannt gegeben. Die Partei- genossen wollen zahlreich erscheine». Der Vorstand des Wahlverein». Dritter Wahlkreis. Am Sonntagabend 6 Uhr findet im Apollo-Sanl. Sebaflianstr. 39, eine Vcrsannnlnng für Männer und Frauen statt. Vortrag des Genossen F. Philips über„Heinrich Heine". Nachher gemütliches Beisalnmeilseill mit Tanz. Entree 20 Pf. inkl. Garderobe. Sechster Wahlkreis. Sonntagabend 6 Uhr findet in, Kol- bcrger Salon. Kolbergerslr. 23, eine Volksversammlung statt, in tvclcher Gcnoffe Waldcck M a n a s f e über das Thema:„Gesund- beten— Gcslniddenkc»" sprechen lvird. Nach der Vcrsammlniig: Ge- selligcS Beisammensein. Um regen Besuch vittct Die VertranciiSpersvn. Zchleitdorf. Gonntagnachmitkag 3 Uhr findet Alsenstr. 28 (AnglerSrnh) eine Wäb le r v e r>' a m m l u» g statt, in der die Kandidaten für die bevorstehenden G e m e i n d e w a h l c n aufgestellt »verde» sollen.. UokAles. „Hetzer l" Nun ist cS endlich heraus: W e r a n d e n E i n r i ch t n n g e n der Berlin er Kommune Kritik übt. der ist ei» Hetzer! Gott sei Dank, das erlösende Wort ist gefuiiden! Als dieses Wort am Donnerstag in der Stadtverordneten- Sitzung bei der K r a n k c n h a u S d e b a t t e den Socialdemo- kraten ins Gesicht geschleudert»vnrde, da athincte manch braver FrcisilinSheld in sichtlicher Erleichtcnmg ans. Hetzer! Nun sind sie für immer gebrandmarkt, und kein Mensch wird ihnen mehr ein SterbenSivörtchcn glauben, weil» sie es noch einmal»vagen sollten, auf die Berliner Kommuualvcrivaltllng z» schelten. Ja, cS muß den Säulen des rcichShauptstädtischen Freisinns verflucht nahe gegangen sein, daß man ihre vielgepriesene Berliner Konnniinalvcr'.valiinlg so vor dem ganzen Reiche bloß- gestellt hat! Genosse Anwick Ihnt mit den Angriffen, die er im Reichstag gegen die städtischen Krankenhäuser Berlins gerichtet hat — selbst wenn er dabei in Einzelheiten geirrt haben sollte— thatsächlich doch ins Schwarze getroffen. Das wurde uns durch diese Stadtverordneten- Sitzung klarer als je. Aus jedem Wort, das vom Magistrat und seinen freisinnigen Helfer» ans der Velsannnluiig vorgebracht wurde, ans dem giftigen Gezeter des Stadtverordneten Enjsel wie ans dein täppischen Gepolter des Stadtrats Straßmaun oder dem sentimentalen Gegreine des Oberbürger- mcisters Kirschner, sprach das geheime Schuldbewußtsein, Am dcntlichslen aber spricht es aus dem Worte„Hetzer". Man kennt diese Taktik zur Genüge. Sie ist im Kampf der poli- tischen Parteien— und. wie man sieht,»im auch im lommnualen MciiulligSstreit— das letzte Mittel der Regierungspartei, die sich v o n d e r O P P o j i t i o n in die Enge getrieben sieht. Genosse Frendenberg zog eine Parallele zlvischen der Art. in der im Parlament Bismarck nnd die konservativen die Regierimg gegen die Aiigrisse dcS Freisinns zn verteidigen pflegten, und derjenigen Art, in der jetzt iit der Stadlverordneten-VersaiiNuIlNig Herr Kirschner nnd die Freisilliiige» den Magistrat gegen die Kritik der Social- denlohiaten in Schutz nehmeil. Der Vergleich ist treffend, insoferli er die klägliche Verlegenheit beleuchten will, die einerseits die konservasibe Regierung, andrerseits die freifinnige Berliner Stadtverwaltung an den Tag legt, sobald von der Opposilion an ihrem Treibe» Kritik geübt wird. Weiler geht die Aehiilichkeit jedoch nicht. Sic erstreckt sich vor allein nicht anch ans den Erfolg der„hetzerischen" Thätigkeit. Tie Freisinnigen im Parlament haben mit ihrer„Hetzerei" bisher recht wenig erreicht; die s o ei a l d e m o t r a t i s ch c n „Hetzer" dagegen, die dem Freisinn in der Berliner Gemeinde- vertreliing sein einst so behagliches Dasein jetzt so rnchloS verbittern, dürfen stolz sein ans die Früchte, die ihre„Hetzthätigkeit" bereits getragen hat. Wie sähe es heute in der K o m>n u n a l- Verwaltung Berlins aus. wenn Iv i r nicht die socialde«nokratischen„Hetzer" in der Stadtver- o r d ii e t c»- V e r s a in>n l n n g hätten! Der selbstantlagendc Eifer,>nit dem der Magistrat nnd seine von Herrn Easscl zllsanuncligetronimelte Hilfstruppc sich gegen die Kritiker der städtischen Berwallmig wandten, wurde treffend gekenn- zeichnet durch die Bemerklmg Singers:„Z n g e g o b e n werde» solche Mißstände nie, aber— gebessert werden s i e." Hoffen ivir, daß auch die Angriffe ans die städtischen Kranken- Häuser endlich die notwendige Besserung herbeiführen. Noch einiges zur KrankeiihauS- Debatte in der letzten Stadtverordneten- Sitzung. Ob die städtische Krankenhaus- Verwaltung in der letzte» Sitzrnig der Stadtverordnete» besonders günstig abgeschiiitten hat, darüber gehen die Ansichten in der bürgerlichen Presse anseinander. Die Freisiiiingeii oder dem Freisinn nahe stehenden Blätter pflichten, soweit sie sich zn der Angelegenheit äußern, meist dem Magistrat und seinen Getreuen ans der Stadtvcrordiicte»- Versammlung bei. Das„Berliner Tageblatt" läßt. jedoch durchblicken, daß die von oen Social- demokratcn geübte Kritik am Ende doch nicht ganz nnberechtigt ivar. Zn den AnSführunge» des Stadtrats Weigert über das Krankenhaus Moabit bemerkt das Blatt:„Er zahlte ans. ivaS alles an Milstcreiurichtlnigen dieses Jnstiint besitzt, nnd lpnS künflig»och— projektiert ist. Man iviirdc de» Gedanke» nicht los, daß so manches erst der mehr oder weniger berechtigten Kritik zu verdanken ist." Hinterher wird allerdings— in wunderlichem Widerspruch zn diesem Geständnis— die Sache so dargestellt, als habe der Magistrat alle Angriffe Antricks glänzend widerlegt. In der Nummer vom Freilagabend geht das„Berliner Tageblatt" noch einen Schritt ivciter nnd spricht mir noch von„aiigcblichcii" Mängeln in den BerlinerKrankenhänsern. Die„N a ti o n a l-Z e i tu n g" bringt einen rein sachlichen Bericht, schmückt ihn aber zum Schluß mit ein panrWitzchcn über die Ausführinigen. die Genosie Dr. Frendenberg unter dem Lärm der freisinnigen Sladtverordncten-Mchrheit den Behallptungen dcS Stadtrats Straßniami entgegensetzte. Wie bei dem frcisiimigen „Berk. Tagcbl.", so hat die Krankenhans-Debatte auch bei einem „nnparteiiichen" Blatt, dem„L o k n l- A n z e i g e r", recht gemischte Eliipfindullgcil hervorgerufen. Das Blatt, dem man Vorcin- genommeuheit gegen den Berliner Magistrat nicht nachsagen kann, flicht in seine Betrachtimg über die Weigertsche Rede die Bemerkmig ein:„In der Hauptsache umging der Stadtrat jedoch den Aiitrickschcn Vorstoß", und schließt mit den Worte»: „Es besteht nnleugbnr ii» Publikum seit langer Zeit eine gcwiffe Stimmung gegen die städtischen Krankenhäuser, deren Praxis � auch von wohliuollender und einsichtsvoller Seite nicht so vorbehaltlos gerühmt lvird, wie gestern von dem zuständigen Deceriieiiteii." Ja einem bemerkenswerten Gegensatz hierzu stellt sich die„Berliner. Marge ii Post" in niizwcioeiltiger. Form auf die Seite des Magistrats. Daß da? Blatt, seinem Grundsätze getreu, sich redlich abmüht, auch diese» spröden, durchaus ernsten Stoff wieder nach dein oft beivährten Rezept:„Hundert Stück Knallerbsen oder: Du' sollst»nd mußt lachen" zu behandeln, das sei nebenbei bemerkt. Ii» der gestrigen MagistratSfiNnng wurde der Syndikus des B e r l i ii e r P f a n d b r i e s a in t s auf zivölf Jahre wiedergewählt. Der Oberlehrer Gillischewski wurde zuni Oberlehrer am Askaiiischcn Gymnasinm gewählt. Hilfslehrer Hennann Frankfnrtb zum Oberlehrer am S ophien-Rea l-Gymnasinin, die Hilfslehrer Dr. Bahr und Dr. Ramm zn Oberlehrern am Humboldt-Gymnasinm. der Gemeinde-! lehrcr Dr. Herrn. Sachs und der Hilfslehrer Dr. Albert Gruh» als Oberlehrer au der 13. Realschule, Hilfslehrer Dr. Marens Roseiithnl zum Oberlehrer an der 1. Realschule, Hilfslehrer Dr. Schäfer zum Oberlehrer an der 4. Realschule, Tlinilehrer Mollert von der Luisen» städtische» Ober- Realschule' zu», Tuniwart am Gymnasillin znin Grauen Kloster. der Organist Robert John zun, Gesanglchrer an der Lliiseiistädtischcn Ober- Realschule und der Gemeindeschullehrer cauä. tbeol. Walter Böse zum Vorschullehrer am Königstädtischcn Gymnasium. Der Magistrat hat dann noch beschlossen, sich z» der von der Landespolizei geplanteii Neuregelung der Polizei- Verordmmg über den Verkehr mit Milch und Sahne dahin zn äußern. daß er iiach Anhören der Sachverständigen nicht in der Lage sei. der Aendernng beiznstinimcn, besonders die Bestinnmmg über die Aendernng der Bezeichnung ..Vollmilch" in„Marktinilch" ist vom Magistrat in seiner Aenßerung veanstandet ivorden. Auch hat der Magistrat sich dahin geäußert. die Verordnnlig, den Wiiiischcn der Interessenten entsprechend, erst am 1. April 1903 in Kraft treten zu lassen. Fortschritte in der Berliner Konsumvereius-Bewegung. Ter Konsilmvercin B e r l i n- S ü d verfügt nach zweijährigem Bestehen bereits über vier VerkailsssteUcli. Die Mitgliederzahl stieg auf 1200. die monatlichen Umsätze belaufen sich ans 18 000 M. An Rück- Vergütung sind 4992 M., gleich 6 Prozent, gezahlt worden. Gewiß ein Zeichen, daß sich der Verein in der besten Eutwicklnng befindet. Mit Leuchtgas versuchte sich am Freitagmittag unter dein Einfluß von Kopfkrämpfen die 31 �ahre alte Ehefrau Eleonore des Kaufmanns B. zn vergiften. Das einzige Kind der Eheleute befindet sich bei den Eltern der Frau. Die im ziveiten Stock des Hauses Schöuhauser-Allee 47 belegene Wohnung ist mit Gaseinrichtiing versehen. Die Frau war allein anwesend nnd ließ,»m ihrem Leide» ein Ende zn machen, ans den vorhandenen Hähnen daS Gas ausströmen. Im letzten Ailgenblick, bevor sie die Besinnung verlor, wurde ihr die Sache leid. Sie öffiiete die Korridor- thür Nlld'schrie lim Hilfe. Als die Nachbarin. Frau Weiß, herbeieilte, ivar Frau A. ans dem Korridor ziisammengevrochen nnd lag mit dem Gesicht nach nnten. Ans die Benachrichtigung ans dem Hanse erschienen mehrere Polizeibeamte, die die bewußtlose Frau in einem Lückscheu Krankenwagen nach der Charitö befördern ließen nnd die durch daS AnSströmeil des Gases für da? Hau» enlstandene Gefahr beseitigten. In den, Augenblick, als der Krankenivagen abfuhr, erschien der ahnungslose Ehemann an Ort nnd Stelle. Beim Betteln vom Tode ereilt tvnrde eine etwa 50 Jahre alte Frau, die eiiie» Zettel mit dem Namen„Pauline Schulte" bei sich hatte. Die arme Frau hat anscheinend das HanS Zosienerstr. 42 abgebettelt, wurde dann von lliilvohlsein befallen»nd hatte sich zur Erholimg auf die Treppe niedergelassen. Hier fand sie am Dolliierstagnbend um 6 Uhr ein Beivohner dcS HanseS tot auf. Die Frau ivar ärmlich gekleidet nnd trug einen mit Eßwaren verschiedener Art gefülllen Korb bei sich. AnS ErstilknngSgcfahr tvnrden heute Morgen die beiden Knaben der Witwe Rose in der Veternueiistraße gcreitet. Während die Mutter die Treppenreiniguug besorgte, hatte sie ihre beide» Kinder in der im Keller belegenen Küche zurückgelassen. Dort war die eiserne Klappe der geheizten Maschine von selbst hermitergefalleli, so daß der Ranch keinen Abzug mehr hatte nnd die Küche bald dicht füllte. Hausbeivohner nahnicn wahr, daß ans der Wohiiimg Qualm drang, nnd riefe» cinen Schiltziiiann herbei. Dieser schlug sofort ein Fenster ein n»d gelangte so in das Innere. Er konnte die beiden KnabeiiJvou denen der achtjährige Karl bereits betäubt war, noch retten. Der gefährdete Knabe liegt jetzt im Krankenhause, der jüngere Bruder konnte zn Hanse belassen werden, Gilt Fabrikant Ijdu Lcgitiwatiouöpapiercn ist der SZjähriae Trahiflechtcr Georg Riciiiann, der durch die KriminÄpolizei fest- geiiomutcu wurde. Bei einer Revision, welche Köpenicker Polizei- deaiute in einer Herberge dieses Vorortes vorunhiucu, bcnierlten sie, Zvie der in dein Gnstzinuner ivcileude Drahtflcchlcr Rienmim bei ibrciu Eintritt Popicre versteckte. Die Beamten beschlaguahinten die Bogen und bemerkten, das; diese mit verschiedenen Polizeistempeln versehen Ware». Nicinann behauptete zwar, das; er dic>e Stempel zu seinem Privatvergnügen angefertigt habe, fand jedoch naturgemäß keinen Glauben, vielmehr nimmt die Behörde an, daß er die Stempel- bogen zur Anfertigung von Lcgilimationspapicren benutzt hat, die er in den Herberge» an solche Personen verknuste, ivclche alle Ber- anlassnng hatten, sich dem Auge des Gesetzes zu entziehen. Der „Fabrikant" imirde in das Untcrsnchnngs-Gefäiignjs eingeliefert. Trauerfeier für Ernst Wichert. Der Verein„Ber- Ii n er Presse" veranstaltet am Sonntag, den 9. März, mittags 1 2 Uhr, im großen Raihanssaal eine Trauerfeier für Ernst Wichert. Am 11. März hätte der Verblichene seinen 7l. Gebnrts- tag gefeiert. Paul Hcyse hat dem toten Freunde ei» Gedicht gewidmet, das eine unsrer ersten Schauspielerinnen sprechen wird. Die Trauerrede wird Olto von Leixner halten. Eesangsvorträgc sollen die Feier beschließen. Orgelkonzert. Der Orgclvortrag in der Marienkirche mn Mow tag, den 17. Februar, abends 7>/< Uhr, ist ein Händcl-Koiizert, das nusgcfnhrt wird von Herr» Musikdirektor Otto�Ticnel, Frl. Marie Rade- wald tmi) Herrn Baurat Klingelböffer ans Potsdam, Frl. Elstc Klein, Frl. . t'otlc Dienel, Frl. Teresina Glaeser und dem Violinisten Herrn Hans Groth. Ter Eintritt i st frei. Stach Ostern Huden die Dienelschcn Orgel- vortrSge in der Märkeitlirche wieder Mittwochmittag 12 Uhr statt. Feuerbericht. Freitag früh, kurz nach 7 Uhr. ivurde die Wehr nach der Alexaudrinenstraße 29 gerufen, wo ei» größerer Kellerbrand ausgebrochen war. ES brannten Teerstricke, Regale und Immobilien. Es mußte längere Zeit mit einem Rohre Walser gegeben werden, mn die Flammen zu ersticken. Zwei andre Kellerbrände mußten gleichzeitig Donnerstagabend 7 Uhr abgelöscht werden, und zwar in der Prenzlauerstr. 12-1 und Krautstr. 38a. In beiden Fällen hatten Späne, Stroh, VerpacknngSinaterial u. dcrgl. Feuer gefangen, das indes in kurzer Zeit erstickt werden konnte. Freitagvormittag gegen 11 Uhr erfolgte ein Alarm nach der Kaiserin Angnsia-Kaserne. Ivo in einer Stube deS zweiten Bataillons ein Spind mit Kleidnngs- stücken brannte. Größere Gefahr war nicht vorhanden. Mittags 1 Uhr gingen in der Augnslstr. 40 Gardinen, Wäsche und KlcidungS- stiicke in Flamincn auf. die jedoch noch im Keime erstickt werden konnte. Außerdem lvar noch eine Alarmieriiiig nach der Griinaucr- straße 26 zu verzeichnen, die indes aus„blinden Lärm" zurück- zuführen lvar. AnS den lkinchbnrvrtcii. Charlottenburger Stadtberorductentvahl. Gestern fand stn vierten Wahlbezirk der dritten Abteilung die Neuwahl für die Wahlperiode bis Ende Dezember 1907 statt. Dieselbe war dadurch notwendig geworden, daß die am 1. November v. I. erfolgte Wahl de-S Gastwirts Nötiger durch rechtskräftig gewordene» Beschluß der Skadtverordueten- VSrsammluug für ungültig erklärt worden ist. Die gestrige Neuwahl hatte folgendes Resultat: Maurer Mick l er der Peuterstraßc für Rechnuiig der beteiligten Ginndbesitzcr genehmigt.— Lstagistrat und Baudeputation beantragen, zu beschließen, daß das frühere Amtsgerichts- G e s ä n g u i s mit Ausnahm c des Gefangenen-AnffehemwhiihanseZ zum Abbruch verkauft ivird. Ter Antrag wurde angenonimen.— Tie Bersammlung erklärte sich mit der Anstelluiig deS Architekten W u d r a ck als Bon-Assisteiit ein- verstanden. Von der Bedingung völlig einwandSfreier Gesundheit sah man ab. weil M. ein chronisches llcbcl sich ivahrscheinlich im Dienste der istadt zugezogen hat. Ter Verein üir BoltSiintcrlialiiiiigei! in bharlotteubiirg ver- anstalter nächsten Sonntag, abends 6 Uhr, in der Aula der Gcmcindcschnle Pellalozzistr, 40, eine Abendniilerhaltung, bestehend aus Gesang, Piutinspiel und Teklaination Der Eintrittspreis beträgt 40 Pf- Zehleudot s. Für s ckwa chbegabke Kinder soll zitm 1. April an der hiesigen Volksschule eine eigene Klasse eingerichtet Iverden. Aorlänstg lonimkii 7 Kinder in Betracht. Wie berichtet Ivird, hat die Regierung in Potsdam einen Erlaß an die Ge- tneiiiden gerichtet, tu dem zu derartigen Einrichtiliigen sowie zur Hinznziehnng von Aer�ten aufgefordert wird. Recht Ivuitdcrlichc Zustände herrschen noch in ciiizelneii Orten der Mark. So besteht in Zeuthen die Einrichtung. daß jeder junge Mann über 16 Jahre, soweit er keine Kirchensteuer zahlt, zehn Pfennig Opsergabe zur Bestreitung der Abend- rnahls-Koste» für die Kirche in WoltcrSdorf zahlen muß. lluS ist ein amtlicher Mahnzettel zur Verfügung gestellt worden, in u elchem ein Lehrling aufgefordert wird, binnen drei Tagen die zehn Pfennig„Opfer für den Herrn Pastor" zu zahlen, widrigenfalls unverziiglich zur Pfändung geschritten werde. Besonders bedenklich ist, daß die tvt ah n g e b iih r e n obendrein mit lu Pf. berechnet werden, also ebenso hoch sind wie der angebliche Schuldbetrag selber. Der mit der Psändimg bedrohte Lehrling ist am Orte über- Haupt noch nicht zum Abendmahl gewesen, verdient auch gar nichts, ja erhält von seinem Meister nicht einmal ein Taschengeld, von dem er sich etwa die 10 Pf. AvendmahlSkosten erübrige» könnte. Trotzdem verlangt die Kirche von ihm die Steuer. GeL iMs- Sv iku nxj. Ter Treber troekiiiingS Prozeß in Kassel ist am Freitag zu Ende gekommen. Es liegt über die Veibaiidliing folgender Bericht vor. In der heute mittag fortgesetzten Verhandlung' erhielten die Angellagleu noch Gelegenheit, sich über die Antragstellnng der Staatsamvaltschaft zu äußern. Hermann Sumpf führte in längerer Rede a», daß er. stets für das Wohl der Gesell- sckiaft bedacht gewesen sei und immer mir das Beste gewollt habe. Jedenfalls fei er überall von gutem Glauben über die Güte der Geschäfte und die Wahrheit der Schmidtschen Darstellungen geleitet gewesen. Er schloß: Der Verlust meines Vermögens ver- invchle nicht, mir die Kraft»nd de» Mut zu rauben, ein neues Lebe» zu beginnen. Mein Mut Ivurde aber tief gebeugt werden. iveim ich Bestrafung erlitte. Ich kann mir.wiederholen, was ich vom ersten Tage meiner llntersnchungshaft ausgesagt habe, ich bin unschuldig und' bitte daher eindringlich und herzlich um meine Frei« spreiimng. In gleicher Weise beteuerten die andren Angeklagten ihre Iluschnld.' Darauf zog sich der Gerichtshof um l'/e Uhr zur Be- ratung zmück. Nach b/tstnndiger Beratung verkündete der Vorsitzende: Die An- geklagten find schuldig des Vergehens anS§ 314 Absatz 1 deS HandelSgesetzSuchS und werden verurteilt wie folgt: Hermann Sumpf zu 7 Monaten Gefängnis und 10 000 M. Geldbuße, Schlegel zu 5 Monaten Gefängnis und SOOO M. Geldbuße, Otto zu 6 Monaten und SOOO M. Geldbuße, Schulze-Dellwig zu 3 Monaten und SOOO M. Geldbuße, Arnold Sumpf zu 3 Monaten und 5000 M. Geldbuße. Hcrinau» Sumpf, Schlegel und Otto werden 4 Monate lliitersnchnngShaft angerechnet. Schulze- Dellwig und Arnold Sumpf haben ihre Strafe durch die UnterfiichmigShaft verbüßt und werden ans der Haft ciitlaffen. Von der Anklage der Untreue im Sinne des 312 des Handelsgesetzbuches werden die Angeklagten freigesprochen. Für die erkannte» Geldstrafen tritt im Nicht- vermögenSfalle Haflftrafe und zwar für je IS M. ein Tag, aber dieselbe darf nicht größer als ei» Jahr im ganzen fei». So find die Angeklagteii für Leichtfertigkeiten, durch die gctviß viele Hunderte in Not und Elend gestürzt sind, mit Strafen davon gekommen, deren Maximalhöhe jener Gefängnisstrafe entspricht, die am 2. Dezember vorigen Jahres in Berlin über socialdemokratische Redacteure verhängt wurde, weil diese das ostasiatischo Exp-ditionS- corps durch BeröffcnUichinig von Hiiiiiienbriefc» beleidigt haben sollten. Auch diese Gegenüb'erstellimg dient zur Keimzcich'nnng der deutschen Justiz. Einen erbitterten Kampf gegen die Polizei, der erst jetzt durch das Ober-VerwaltnngSgerickit entschieden wurde, führte seit Jahren der Gastwirt Gustav Lindenhayn in Grünaii. Zu seinem Lokal gehörte ein großer Saal, den er früher öfter zu social- demokratischen Versammlnngcii hergab. Im Januar 1900 klagte der Aintsvorstcher v. O p v e n schlimmen Angedenkens gegen Lindenhayn auf Eiitziehmig der Konzession, weil dieser unter der MaSke von VereiiiSvergniigimgeit öffentliche Taiizlnftbarkeiteii ohne polizeiliche Erlaubnis veranstaltet imd häufig die Polizcistimdc überschritten hätte. Der KreiSaiisschnß Teltow erkannte auch auf Konzesstönsentzlehititg. Hiergegen legte Rechtsnnwalt Lcop. Meyer Berufmig beim Bezirks- ansschnß in Potsdam ein, der nach eingehender Beiveisanfnahme daS erste Urteil aufhob und die E n t z i e h n n g S k l a g e d e S Amtsvorstehers abwies. Das Bernfimgsgericht nahm zwar mit dem Vordcrrichter au, daß der Beklagte plmunäßig und fortgesetzt die Pylizeivorschriftc» übertreten: hierbei aber nicht gerade die Unsittlichteit und Völlerei gefördert habe, so daß trotz der erheblichsten Zweifel an seiner Zuverlässigkeit immer noch die Hoffming bestehe, er werde in Zukunft sich mehr in acht nehmen und das Schankgewerbe nicht mißbrauchen. Gegen dieses Urteil ließ der AmtSvorfteher durch den Rechtsanwalt M e r l e ck e r Revision beim Ober-Verwalt»ngSgericht einlegen. Sie wurde damit begründet, daß der Beklagte durch das vom Berufniigsrichter fest- gestellte G e s a m t v e rh a l t e n Anlaß zu der Besorgnis ge- geben habe, er werde sein Gewerbe zur Förderung der Völlerei und Unsittlichkeit in Zukunft iiiißbrmichen. Dem gegenüber machte Rechtsanwalt Leopold Meyer geltend, daß die thalsächliche Feststellung des BeriifungsgerichtS, der Beklagte habe bei seinen Ausschreitungen weder die Völlerei noch die Unsittlichkeit gefördert, der Nachprüfimg durch den Revisionsrichter entzogen und die Nevisionsangrisse deS AmtSvorfteherS deshalb bcrfehlte seien. Der III. isenat des Obcr-Vcrwaltnngsgerichts erlannte nach längerer Beratung auf k o st e n p f l i ch t i g c Zurückweisung der Revision, so daß linnmehr der mehrjährige Streit zwischen der Polizei und dem Gastwirt Lindenhayn zn Gunsten de» letzleren cut- schiedcn ist. Eiu„Meuschenfretiud" hatie sich gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I in der Person des Gärtners Emil S ch w a r z wegen W u ch e r S zu verantworten. Der Polizeidiener Pr. in Glogan hatte dort seine Stellung aufgegeben und war zu Januar 1900 als Schnldicner nach Berlin versetzt worden. Da er kein Umzugsgeld erhielt, kam er in Verlegenheit. Durch eine Zeilungöannoiice suchte er einen Menschcnfrcinid, der ihm 100 M. leihen sollte. Ter Angeklagte meldete sich. Pr. mußte einen Schein unterschreiben, wonach er anerkannte, daß er freies VerfügungSrecht über sein Mobiliar habe und außerdem einen Dreimonats-Wechsel über 125 M. Sodann erhielt er das Darlehn von 100 M. Am Verfalltage konnte Pr. den Wechsel nicht bezahlen, seine beide» Kinder ivnren erkrankt und hatten ihm dadurch größere Ausgaben verursacht. Nur nach langem Bitten war der Angeklagte zn be- wegen, den Wetbsel ans drei Monate zn verlängern. der Schuldner ninßte aber für daS Vierteljahr 25 Marl Zinsen zahlen. Als am 1. Juli noch keine Einlösung deS Wechsels erfolgen konnte, ging Schwarz im Wege der Klage gegen den Schuldner vor. Der Gerichtshof gelangte auf Gi und der Beiveisanfnahme im gestrigen Termiiie zu der Ansicht, daß der Zeuge Pr. sich thatsächlich in einer Notlage befimdeii habe. Der Angeklagte wurde zu einer G e f ä n g n i s st r a s e von zwei Monaten und 300 M. Geldstrafe verurteilt. Ter Peruaner Mord ist gestern vvr dein Schwurgericht Prenzlau verhandelt worden. Unter der Anklage der gemein- schastlichen Ermordung eines ihrer Spießgesellen haben sich gestern vor dem Prenzlauer Schwurgericht drei der gefährlichsten Ein- brecher Berlins, und zwar der Postschaffner a. D. Stern, der„Arbeiter" Gntzka und der Schlosser Oeltze zu ver- antworten gehabt, lieber das Verbrechen der drei Angeklagten hatten wie seiner Zeit ausführlich berichtet. Als die Verbrecher in der Nacht zum 18. Mai vorigen Jahres einen Raubzug verabredeten. kam es zum Zank und hierbei wurde der Einbrecher Conrad von den drei Angeklagten zunächst durch einen Nevolverschuß wehrlos gemacht und hieraus mit einem Faschmenmeffer getötet. Vierzig Zeugen sind zur Verhandlung geladen. Stern machte in der Beryaudlmig den Eindruck eines Geistesgestörten. Ucber den AttSgang der GcrichlS- verhandlnng liegt noch keine Mitteilung vor. Ter Dnellprozeß gegen den kgl. Domänenpächter Falkenhagen anS Springe, der bereits am Dienstag dieser Woche vor dem Schwur- geeicht Hannover beginnen sollte, ist ans nächsten Montag ver- tagt worden, da die Berleidignng noch die Ladung mehrerer Zeugen beantragt hat. ES werden n. A. der Bater des erschossenen Land- ratS v. Bennigsen', der Oberpräsident Rudolf v. Bennigsen, ferner der Vater des Angeklagten, Abg. AmtSrat Falkenhagen, die Schwester der Frau von Bennigsen, Frau von Schueheu äus Leipzig, und die beiderseitige» Sekniidanleu der Duellgegiicr und andre als Zeugen vernommen werden. Der Ausschluß der O e ff e ii i l i ch k e i t in den auf zwei Tage berechneien Ver- Handlungen wird so vollkoinmeit sein. daß nur das definitive Urteil öffentlich verkündet werden wird. Ter Ausschluß. auch der Preß- Vertreter, wird damit begründet, daß die ganze Norgeschichte dcö verhängnisvollen Duells eingehend zur gerichtlichen Erörterung gelangen soll. Der Angeklagte Falkenhagen ist trotz eines hohen KantionsgebotS nicht ans der Haft entlassen worden und wird daher zu dem bevorstehenden Ternfine anS der UntcrsnchimgShafl vorgeführt werden. Als ein trauriges Pild sittlicher Aertvahrlosniig charakterisierten sich die Strafthaten. die das zwölfjährige Mädchen Meta Schmidt seiner Zeit vor das Forum des Schöffengerichts führte. Damals hatte es der tiefpelrübte Vater des Mädchens über- itommeu, den niidegretflichcn Charakter seiner Tochter zn schildern. Das Mädchen hat einen miwiderstehkichen Hamp zum Stehlen und Bagabtntdiereit und die Eltern sind dem störrischen Wesen deS Kindes gegenüber völlig machtlos. DaS Mädchen hat die Eltern mehrfach beslobleii und ist wiederholt weggelaufen, in die schlechteste Gesellschaft geraten und hat sich längere Zeit verborgen gehalten, bis es die Eltern durch Zufall imd oft in imsagbarem Zustande der Verwahrlosung wiederfanden. DaS letzte Mal ist sie fast drei Monate verschwmiden gewesen. In der Zwischenzeit hat sie mit außerordentlicher Nerschmitztheit in einer großen Zahl von Fällen kleinen Kindern, die von ihren Eltern zum Einhole» von KanfmaimSware ausgeschickt waren, daS Geld ab- gelockt oder ihnen Mäntel und Hüte weggenommen. Sie hat diese ihre Thäiigkeil in den verschiedensten Stadtvierteln ans- geübt. Als Meto Schmidt im Dezember vor dem Schöffengericht stand, war eine ganze Schar von Knürpten mäniilichen und weiblichen Geschlechts an Gerichtsstelle crschiciien, um Zeugnis gegen sie abzulegen. Während der Ver- Handlung tanchlen infolge des Gesamtverhaltens der jungen Vaga- bimdin Zweifel an ihrer Znrcchmmgsfähigkeit auf und der GcrichtS- arzt Dr. Puppe wurde mit ihrer Beobachtung betraut. Dr. Puppe gab gestern vor dem Schöffengericht sein Gutachten dahin ab, daß daS Mädchen zweifellos geisteskrank imd deshalb für die Siraflhaten nicht verantwortlich zn' machen sei. Jiisolgedesseii Ivurde Meta Schmidt von der Anklage des wiederholten Betruges, Diebstahls lind Unterschlagung freigesprochen. Das Mädchen wird mm in eine Anstalt gebracht werden._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den lä. Februar. voniiiltagS S3/4 Uhr, in der Aula dcr 69. Geincindescbnle. Kleine Frankfurter- strahc 6: Versni»»rln»g.„Freireligiöse Vorlesung". Um 10»/» Uhr vormittags, cbendalelbst: Vortrag des Herrn Wilhelm Bölschci„Neue Forschungen zur Seelenlnnde." Vor- und Nachspiel auf dein Pariser Miistel-Harinoniliiu. Gäste. Damen und Herren, sehr ivilllouuuen.— Montag, den 17. Februar, abends St/o Uhr, piniltlich, im unteren Saal des Englischen Gartens, Alernnderstrnße 27 e: Beschließende Versammlung. Wahl der Revisoren u. a. in. VermischkeSö Grubetiunglülk. In der Zeche Königsborn bei Bochum wurden durch eine Kohlenstanb-Explosion vier Bergleute schwer ver- letzt s einer derselben ist bereits gestorben— J» der Zeche Kaiser- stuhl bei D v r t in n n d stürzten, ivie die Dortnumder„Tremonia" meldet, zwei Bergleute in einen Schacht. Der eine wurde getötet, dcr andre schwer verletzt. Ein Ttcitcrinspcktvr von grossem Schneid muß ein Herr Wüstner in Anklam sein, über den das„Stralsunder Tageblatt" in seiner Nr. 37 folgendes berichtet: Zu einer Geldstrafe von 800 M. ist vom Schöffengericht Anklam der Steuerinspektor Kataster-Controlenr Wüstner von dort verurteilt worden»nd zwar deSivegen, weil er am 6. Aiignst v. I., abends, dem Tischlermeister Moritz Lange in dcr Gastwirtschaft des Herrn Lcmgschelder in Anklam mit einem Bierseidel dermaßen ans de» Kopf geschlagen hatte, daß das Seidel total zertrümmert ivurde mtd Lange eine ganze Reihe von Kopfwimden davontrug. Gegen diese? Urteil hat W. Bentfuitg eingelegt, und zwar begründet er die- selbe damit, daß er an dem betreffenden Abend sinnlos b c- trunken gewesen sei und sich überhaupt des Vorfalles nicht ent- sinneu könne. Das Schöffengericht hatte zwar durch die Beweis- aufnähme erster Instanz als' erwiesen angesehen, daß W. aii dem fraglichen Abend sehr stark angetrimlen gewesen sei eS lvar jedoch nicht zu dcr Ueberzerigiing gelangt, daß die Trunkenheit einen der- artige» Grad erreicht hatte, daß durch dieselbe die freie Willens- bestimmnng W.s ausgeschlossen wurde. Die heutige Beweisaufnahme förderte jedoch so viel Momente zu Tage, die darauf hindentctc», daß dcr Angeklagte an dem betreffenden Abend in der That sinnlos betrunken gewesen sein muß. Verschiedene Zetigen bekundeten dies. Das Gericht sprach dann auch den Angeklagten unter A u f h e b n n g des e r st e n Urteils k o st e n los fre i. Weniger Glück als dieser Steuerinspektor hatten seiner Zeit die L ö b t a n e r Arbeiter, die in starker Trmikenheit einen Bau- löwcn mißhandelt haben und dann von der sächsischen Justiz zn insgesamt 53 Jahren Zuchthaus verurteilt worden sind. Erdbeben im südwestlichen Nustland. Wie anS Elisabeth« pol gemeldet ivird, tvurde dort heute um 12 Uhr 55 Minuten ein Erdbeben verspürt, ivelchcs mehrere Sekunden dauerte. Einige Hänser erhielten Risse. Ein zweiter Stoß erfolgte 3 Minnten später und dauerte eine halbe Sekunde. Das Erdbeben ging in der Nichtnng vom Norden nach Süden. Aus Baku wird gemeldet, daß ein Erdbeben die Kreisstadt Schemacha gänzlich zerstörte. Einzelheiten fehlen noch.— Auch in Astara wurde ein Erdbeben verspürt. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit Attsiiahme deS Sonnabends Pott 7l/„ bis OVa Uhr abends statt. M. 3. 31. Mit Ihrem Anliegen können Sie sich an A. Bebel, Schöne> Vera,(ufcnachciftv. 69, wenden. W. R. 42. Ali-Moabit 10b, nachiniitagS van 5—7 Uhr. M. L. SV. Liebknecht wurde 1874, 77 n»d 78 in Stollberg, 1381 und 84 in Offenbach gewählt. G. 3. 1«v. Die Firma ist verpflichtet, gut gestimmt das Jnstmuient abzuliefern. Spätere Stimmungen gehören nicht zn Verpflichtunge», die durch die Garantie übernouinien sind. F. G. l. Wir iiemien Ihnen folgende gcmcinnul-ige Bauvereine. die unter relativ günstigen Bedingungen den Beitritt ertuäglickeu: Baugenoffen- schast freie Schalle. Vorsitzender Bannicister Lilienthal, Groß- Lichterselde, Marthaslr. 5; Berliner Spar- und Bauvcrein, Vorsitzender L. Schmidt, Sickingcnstr. 7 1 Berliner Bangeuossenschast, Bureau Steglitzerftr. 19, II. Der Spar- und Bauverein baut in Berit» große Häuser mit Wohnnngen von 2—3 Znninern, während die beiden andren Vereine in der Umgegend meist kleine Einzelhäuser bauen. — W. SR 100. Bei Aufhören des Arbeitsvertrages nniß Ihnen auch Ihr PrüfungszeugniS zurückgegeben werden.— 91. M. Diilke». Kuefe- beckstraste, V. N. 100, F.. Potsdam. Ja— O. Ä)!. 3Ä. l. und 2. 13 Woche« ist die Miniiualfrig, die Statuicn können eine längere Frist fest- setzen. 3. New« der Betreffende soll ans Herausgabe klagen. — P. K. 110. Wenden Sie sich an die Direktion der Wah'enuerwaltung.— P. 3.>2. l. Weitde» Sie sich an Ihre Gewerkschästsorgauisation. 2. DaS wissen wir nicht.—<»>. Rein. —.I. L. 100. Klagen Sie schleunigst aus Herausgabe mtd beantragen gleichzeitig im Wege einer cinstweiligeir Bersüamig Herausgabe oder Deponierung Ihre» Werkes. Nehmen Sie cincii nn Bezirk des Beklagten zugelassenen Anwalt.— G. SP. 30. Durch Nncntgelllichkeit der DeSiufektiaii verlieren Sie Ihr Wahlrecht nicht.— G. Z. I. Nein. 2. Für die verloren gegangenen Onittungskarten können Sic Ersatz verlangen. Wenden Tie tich 011 Ihre Polizeibehörde.— 91. K. 160. Die Kündigung für Chautbregaruisten und Schlafburschen, die monatlich gemietet haben, findet, saNS nichts andres vereinbart ist, bis ain Fünfzehnten zum Ersten statt, nicht umgekehrt am Ersten zum Fünfzehnten. — Zl. V. 00. Wegen Gcsnndhcitgcsährdniig der Wohnung kann der Mieter den Bertrag sofort ausheben und Schadensersatz verkaiige». Klagen Sie auf Anshebuiig des Vertrages und auf Schadensersatz beim Amts- gerickn und beantragen Sic gleichzeitig, durch einstweilige Berfngmig Sie zn ermächtigen, mit Sack und Pack die Wohnung zu verlasse». Ein ärztliches Attest inuffc» Sie beifügen.— Leo. Der Vertrag läust weiter.— Höhle. Nein. — E. 3. 31. In Berlin ja.— H. N. 01. Die Unfaltrentc ist wegen dcr Alimente für die Ehefrau und ihr Kind beschlagiiahmemhig. Die Be- schlngiinhme erfolgt ans Antrag durch Beschluß des Amtsgerichts. Ein Ans- trag an den Gcrichtsvollzichcr iü nutzlos.— P. O. II. Sicherer ist eine ausdrückliche Vereinbarung mit dcr Gesellschaft selbst.— F. G. 12. Ein Verkäufer braucht eine cinmal gekaufte Ware nicht zmnckzimehmen, falls nicht besander« Gründe(vorher nicht zu erkenucnde Fehler, Betrug 11. dgl.) vorliegen.— Mi. K. 7S. l. Rein,«>c lhnn au, besten, sich mit dem Vor- mundschaslsgericht in Verbindung zu setzen. 2. Ja, 3. Nein.— Mi. Ja. T- 100. I. T. Sic können gegen de» Beamtet!, der die falsche Mit- teiluiig gemacht hat, Beschwerde einlegen,— Togino. Teilen Sie dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Sic wohnen, mit, dar, Sie beabsichtige», aus der Lmtdeskirche ansznschctden, und erklären Sic dann in dcr Frist, die vier Wochen bis sechs Wachen nach Eingang dieser Ihrer Mittrilimg beim Gericht liegt, ans dein Gericht, daß Sie austreten.— E. K. 100. Ein Grund zur vorzeitigen Stnshebnng des Vertrages liegt nicht vor. Sic fömte», falls eine Vcrciiibarnug nicht zu stände koinntt, frühestens am 31, Dezember 1902 kündigen. Diese Kündigung mühte spätestens am 27." Se»> tembcr dein Wirt zugehen.— Zl. II. Ja.— Sk. G. 1». Nein. — 31. T., Nixdors. Leider sind weitere Schritte nntzlos, da das Reichs- Verstchcrnugsaint als letzte Instanz gesprochen hat.— H. K. SO. 1. s-ie müßten detailliert darlegen, wieviel Sie gebrauchen, z, B. für Miete, Wirtschaftsgeld, Bier, Ctgarren, Vereine, Theater, Bücher, Verstchernngeu ge., deshalb ist die Fnhrmig eines HanshaltangsbncheS sehr zweckmäßig. Es kann ein Betrag von 1500, aber auch ein Betrag von 3000 M. als standcS- geinäßer erachtet werden. 2. Wegen Aliincntetifordernngc» der Eltern, Ehr- sraueu ist das Gehalt, gleichviel ivelche Lohnfarm für dasselbe maßgebend ist, pfändbar. Ter standesgemäße llnierhalt muß der Ehefrau und dein Manne belassen werde». 3. Nein— H. It., 3rhö»el>erg. Völlig sicher. — R. 3. Der Mictsflempel ist für die fielt vom 1. Januar bis 1 Januar zu cntrtchien. Beträgt Ihre Jahrcsmiete bis 500 M., so habe» Sie durch die Zabuing der Mark für zwei Jahre gezahlt. Ist Ihre Miete höher, so haben«ic noch zu zahlen,— 3L. T,. Frantenstr. Sie innffen zahlen.— 3Petier-Prognosr für Sonnnbend. de» IS. Februar liitlÄ. Trocken und vielfach heiter, nachts ziciulich strenger, am Tage gelinder Frost bei schwachen nordöstlichen Winden. BerlinerWetterbnrean Fiir den Inhalt der Inserate iiberniinmt die Nedaktio» de», Pnblikmn gegennber keinerlei _ Bcrantwortnng. Tlzentev. Sonnabend, Februar. VprrnhanS. Fidelio. Ans.?>/, iltjr. SchanshielhanS. Der Herr von Abadessa. Anfang 7»/, Uhr. NcueS Qher»> Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Familie Fourchambault. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Aiifang 7'/, Uhr. Berliner. Alr-Heidclberg. Anfang 71/2 Uhr. Lessing. Die Zwillingsschwester. An- fang 7V, Uhr. Residenz. Verliebt. Vorher! Furcht vor der Schwiegermutter. Au- fang 7Vz Uhr. Neues. Die brave Frau.— Die Mausesalle.— Colombine. An- fang 7'/, Uhr. Westen. Der Freischütz. Anfang 7'/, Uhr. Secessionsbiihne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansaiig 8 Uhr. E. v. WolzogenS BunteS Theater (Ucberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall„nd Ranch. Vorstellung vor Serenissimus. Ans. 87, Uhr. Trianon. Cvralie u. Co. Anfang 8 Uhr. Eentral. Uvette Guilvert mit ihrer Gesellschaft. Anfang 7>/, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Schneewittchen bei den sieben Zwergen. Einlagen: Lebendes Schachspiel. Die Puppe. Die freche Ratte. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7V, Uhr. Luisen. Die Waise von Lowood. Ansang?V, Uhr. Earl Weist. Das Jungfernstift Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Dornröschen. gsriedrich-Wilhelnistildtisches. Die Fledermaus. Auf. 71/2 Uhr. Bellc-Sllliance. Die Dame aus Trouvtlle. Hierauf: Er. Anfang 7-/2 Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivart. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Mctropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr Apollo. Gastspiel deS Centrai- Theaters. DaS süsse Mädel. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Casiuo- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor- stell ung. Anfang 8 Uhr. Palast. Spcciaiitäten-Vorflellnng. Die süssen Mädel. Ans. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags k> Uhr. Passage> Panoptikum. Specialt- täten-Vorstellnng. Retchshallr». Stettluer Sänger. Anfang 8 Uhr. Urania. Taubeustr. 48/tv.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Rtviera. Jnvalidenstrasie 67/03. Täglich: Sternwarte. SlhillMtlitl'l (Wallner-Theatcr). Sonnabendabend 8 Uhr: Famillo Fourclianibuiilt. Schauspiel in 5 Akten von E. Augier, a. d. Französ. übers, von R. Löivenseld. So nn tag nachmittag 3 Uhr: K-yuandcrs Mttdchen. Hierauf: Die KomOdic der Irrungen. Sonntagabend 8 Uhr: Die Braut von üleaslna. Montagabend 8 Uhr: Blnuame Menschen. farl Weiss-Theater. Grosse Fraukfurterstr. 133. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung. Dornröschen. Grosses romantisches Kindermärchcn mit Gesang in 3 Akten von Bolten-Bäckers. Abends 8 Uhr: Das Jungfernftift. Operette in 4 Akten von Ernest Guiltot. Musik von Jean Gilbert. Minna Michettl a l ö Gast. Morgen: Das Juugfernsttft. l'suvsu.Strssss 43/49. Im Hisater um s Uhr: krällliiixstSAe sn äer Riviera Invalldenstr. 57/03. Sternwarte. Ckiittlil-TIikater. Heute Sonnabend Anfang Vfo Uhr. LeNtes Gastspiel Vvettv LuildenR mit ihrer Gesellschaft. Nachmittags 4 Uhr, halbes Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Sednosrelttodon bot/, Uhr. Dressur mit Löwe», Tigern, Wölfen u. Hyänen, sowie Löwett-Rittgka«»pf und Fütterung um 4 u.«v, Uhr. Eutree: I.Platz 1 M.. II. Pl. 59 Pf., III. Pl. 25 Pf., Kinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen auf 1. u. 2. Pl. die Hälfte, dem 3. Pl. 15 Pf. Die Direktion: Froese. usstelluno für Spiritus-Industrie und technische Yervendung des Spiritus Berlin X., See-Straisse Institut für Gärungsgewerbe. Täglich geöffnet von 9 Uhr vormittags bis»V2 Uhr nachmittags. Schluss bestimmt am 16. Februar Xllnfrlttispvcls: Für Dauerkarten....... 3 M. Für Tageskarten....... IM. Für Sanntagskarten.... SO Pf. Im Vorverkauf: Tageskarten......... 75 Pf. Sonntagskarten....... 40 Pf. erhältlich im ständigen Aus- stellungs- und Verkaufslokal der Centrale für Spiritus- Verwertung, Friedrichs tr. 06 (gegenüber d. Central- Hotel) und in den durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. In der Ausstellung abgestempelte Billets werden bei Einkäufen in dem ständigen Verkaufslokal der Centrale für Spiritus-Verwertung in Berlin, Friedriohstr. 96(gegenüber dem Central- Hotel), sowie während der Ausstellung im Ausstellungs-G-ebäude selbst zum Preise von 1,50 M. bei Dauerkarten, 0,75 M. bei Tageskarten, 0,40 M. bei Sonntagskarten in Zahlung genommen. Schluss bestimmt am Sonntag, den 16. Februar. Todes-Anzeige. Am 12. d. M. verschied plötzlich unfer lieber Bruder, Schwager und Onkel, der frühere Restaurateur Wilhelm Thierbach im 53. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. d. M., nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des Krankenhauses Friedrichshain auS nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee statt. 492b Die trauernden HinterblieSenen. BoeisIäemokrstisLlier TViiMverdn für den 1. Beil. Reidistags-Walilkreis. Todes-Anzeige. Unter langjähriges Mitglied Villikim Thierbach ist nach langem Leiden an der Schwindsucht gestorben. 236/3 Die Beerdigung findet Sonntag, den 16. FebFnar, nachmlltags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kranken- Hauses Friedrichshain auö nach dem Friedhos der Freireligiöse» Gemeinde, Pappel-Allee statt.— Um rege Be teiligung ersucht Ter Vorstand. MililS beiltsditr Astmrts- Wlftil. (OrtS-Vertvaltnng Berlin.) Den Mitgliedern zur Kennt- ms, daß am 12. d. M. unser langjähriges Mitglied Wlhelm Thierbach verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. d. Mts., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Friedrichshain aus nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, statt. Ghre seinem Andenken! Um reg« Beteiligung bittet 286/2_ Der Borstand. Verein socialdernokratisclier Gast- und Schankwirte Berlins und Umgegend. Am 12. d. M. starb unser Mitglied Kollege Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 3 Uhr vom Krankenhaus am Friedrichshain aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/4__ Der Vorstand. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter 486b Tbereae i'ranzkc, geb. Schwalbe nach kurzen aber schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. d. M., nach- mittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Luisenstädttschen Kirchhofes (Rtxdorf, Hermannsttasse) aus statt. Ii. Franzke, Tapezierer,»ebst Kindern. �Den Mitgliedern der kreien Hilfskasse der Schnlimaclier zur Nachricht, daß Wilhelm Bayer gestorben ist. 4826 Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 41/, Uhr von der Leichen- halle des Heitig Kreuzkirchhofs in Mariendorf statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. I. A.: F. Luis. teilt zur Wahrung her Jnterejstn ki lautet Berlins und Umgegend. Den Mitgliedem zur Nachricht, daß unser Mitglied 129/6 Reinhold Bartnick gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 16. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs Mariendors aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Heute nachm. 4t/, Uhr ver- schied nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, innigst- geliebte Mutter 3451L Anna Grona, geb. Bsrgsr, im 38. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Bann Orona. Brich Grona. Berlin, 13. Febr. 1902. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr auf Jeder Arbeiter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lederhose Bez'hisie» tragen. Allein-Verkanf. Sehr starke Ware in praktische» grauen u. braunen Streifen. Hinten u. voril am Bund aus einem Stück gearbeitet. Nietknöpfe u. Kapp- nähte. Feste Leder- Pilot- Taschen, Grosse Flicken umsonst. Die Hofe SV bei Entnähme von 6 Stück 26 Mk. | 4 Mk. Echt blaues'Monteur-Jackett l M. 99 Echt blaue Monteur-Hose.. i M. 59 Eckit blaues Monteur-Jackett Prima Köper-Gewebe.. 2 M. 59 Echt blaue Monteur-Hose Prima Köper-Gewebe.. 2 M. 19 Prima Manchester Hose 9,—, 5,59, 4,25 Gefüttert. Manchest.-Jackett 14,— 9,— Operations-Mantel f. Aerzte 4,35, 3,69, Z M. 49 Maler-Kittel..... 3,-, 2,50, 2 M. Mechaniker-Kittel(braun) 3,—, 2 M. 49 Weisses Leder-Jackett, 2reihig gefüttert.......... 7M. 59 Weisse Lederhose, Prima Ware 3 M. 75 Baer Sohn En gros. Export. En detail. 60rtiificestr.24a'23. Brückenstr ll. Gr. Frankfnrterstr. 20. Die 18. Preisliste der Saison 1991/1992 über gesamte Herren- und Knabcn-Be- fleidnng(Anslage 1 Million) wird kostenlos und portofrei zugesandt. Versand von 29 M. an franco.— Bei Bestellung genügt Angabe der Brust- n. Bundweite it. Schrittlänge. Obige Preise gelte» für normale Gröben. 3295L* Nachdruck verboten! Orts< Krankenkasse der Gelb- uni) ZmiMer. Die General> Versammlung der Vertteter sür die Mitglieder findet am Sonntag, de» 2S. Februar er.» vormittags 19 Uhr, im Gcmerkschaftshans, Berlin SD., Engelufer 15, Saal 8� statt, wozu sämtliche Vertreter der Arbeit- nehmer hiermit eingeladen sind. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Vorlage und Abnahme der Jahres- rcchnung pro 1991. Bericht der Re- visoren. Dechargeettetlung pro 1991. 3. Beschlussfassung über den Dienst- vertrag des Rendantcn. 4. Ersatz- wähl für ein verstorbenes Borstands- Mitglied. 5. Verschiedenes. 4S6b Berlin, den 13. Februar 1992. Der Vorstand. Cssino-VIivstvr. Lothrlngerstr. 37. Gastspiel fVilhelm Richter in der Gesangsposse»Luftige Brüder-. Dazu»Ehrlos- und daS s ens at. neue Programm. Anfang Wochent. 8 Uhr,Sonnt.7t/, Uhr. Sonntag»achm.4Uhr, bei kl. Preisen: Auf vtelsacheil Wunsch zum 7. Mal: Muttersrgen. Trisium-Thelller. Georgenstrasse, Ecke Unlversttätsstr. Madonnenschein. Lebende Lieder. Anf. 8 Uhr. Parkett 2 M. Essen wollen und nicht können, Soll man seinem Feind nicht gönnen. Damm schaffe jedermann Sich den Wurm beizeiten an. Verlangen Sie gefl. ausdrücklich: Wurms Magendoktor. Vertreter: Generaldepot: Berlin X«., Reue Königstr. 74. S449L» srilinen Neuheiten. Seecssions- und Jugendstil, circa 259 Muster. Katalog 1459 Jllustr.) grat. u. freo. Emil Lefbvre.Ä,�. 158. Herren-Kragen, rein leinen, garantiert 4 fach* sämtliche neue Faeons in allen Weiten SM 15 Vf.. SÄÄ Geschlossene Kragen per Dutzend 3 NU 3 M. 50 Pf. Manschetten, prima, garantiert 4 fach, ll2 Dutzend 2,25 Mark. Oberhemden, Servlteurs, Krawatten in gröftter Auswahl. Trikotagen, Strumpfe. Detailverkauf zu Engroe- Preisen. 3249L« Eni ist Mavcnsc, Mstnzstr. 23. Verautwortlichcr Redacicur: Carl Leid in Berlin. Für den Jnserstcuteil veranlwsrNich: Tb. Glstte u» Berlin. Druck und Verlag von Max Vading tu Berlin. ».39. i9.?.dtWg. 2. Ktilage des Jormirts" Krlimr Pollislilutl ThvAkev» WolzogenS„B»»tes Theater". Novitäten abend.— Ausregend waren die Novitäten, von dein Kanonendonner und Schlachtenlärm des vierundzwanzigaktigenGunippenbcrgische».Historio- Steno-Drainas abgesehen, gerade nicht. Die Idee, das Princip einer Siegesallee auch in der dramatischen Kunst durchzusühren, war sicher ein sehr hübscher parodistischer Einfall. Aber die allzu intime Versenkung in den daS grosze Vorbild beseelenden Geist steinerner Monotonie ist für den sonst so launigen Satiriker ver- hängnisvoll geworden. Es giebt eben Dinge, mit denen man nicht ungestraft sein Spiel treibt. Das Princip war stärker als der Spötter, und was eine lustige Parodie ans die Langweile des regimentsmätzigen Aufmarsches der seligen Markgrafen, Kurfürsten und Könige hätte werden solle», ward von der Langeweile des Originals mitangesteckt. Die vierund- zwanzig Minuten- Akte, in denen Gumppenberg die Laufbahn Napoleons I. vor uns rekapituliert, wirken durch state Wiederholung einiger dürftiger Effekte ähnlich entmutigend und trostlos wie die in Marmor ausgehauene» Kapitel aus der preubischen Regenten- geschichte. Die witzige Idee hatte keine ZengungSkraft. Die über- laschenden, lustigen Anzüglichkeiten, die man von ihrer Ausführung erwartet hatte, blieben fast völlig aus. Es war ein Thema ohne Variationen. Außer dieser, wenigstens in ihre» Intentionen gepfefferten, Napoleontragödie gab es dann noch zwei kleine Harmlosigkeiten: einen pantomimischen Scherz:„Atelierspnk" und eine Fnldasche Plauderei, in der ein viclgeplagter Ehegatte dem Jugendfreinidc einen ganz amüsanten Vortrag' über die tückische Allmacht des Zufalls, speciell bei Heiratsanträgcn, hält. Ein Paar zu enge «tiefe! waren schuld daran, daß er mit seinem Antrag leider nicht zu spät kam; der Zufall einer stehengebliebenen Uhr und dem- entsprechenden Verspätung machen aber alles wieder gut, sie tragen deni Glücklichen den Absagebrief und die Flucht der tief empörten bessere» Ehehälfte ein. Im übrigen brachte der Abend, vielleicht mit Aus- nähme von ein paar Liedern, nichts Neues. Frl. Abarbanell fand mit ihrer überlauten und ontrierten Vortragsart in diesem Theater, das nach seinem Programm gerade der sPflege„intimer" Kunst geweiht sei» soll, merkivürdigerlveise den lautesten Beifall.— — ät. VevlÄnrinlunZen. Der Holzarbeiter- Verband hat in einer stark besuchte» Ver- trauensmänner- Versammlung für alle Bezirke, die am Donnerstag im großen Saale bei Keller, Koppenstraße, tagte, die A n e r- kennun�l des von den Verbänden der Holz- industriellen und der Jnnnng errichtete» Ar- beitsnachweises sowie die Entlassungsscheine abgelehnt. Sowohl von dem Referenten als anch von den Diskussionsrednern wurde das provokatorische Vorgehen der Unter- nehnier, die während der ungünstigen Gcschäftskonjunktur mit den brutalsten Mitteln den Kampf gegen die Arbeiterschaft führen. einer lebhaften Kritik unterzogen. Wie berichtet wurde, haben sich seiner Zeit die Arbeitervcrtretcr mit der Errichtung eines gemeinsamen Arbeitsnachweises einverstanden erklärt, allerdings unter der Bedingung, daß derselbe unparteiisch geführt»verde, daß ein von den Arbeitern gelvählter Controleur angestellt»vird und die Ver- mittelnng für diejenigen Betriebe, wo Differenzen bestehen, ruhen soll. Von einein solchen Arbeitsnachweis, der nur dazu angethan war, den Arbeitsmarkt zu regeln,»vollen die Unternehuier nichts»vissen. Der von lhnen ohne Zustimmltiig des Gesellen- SuSschliffeS jetzt gegründete„Arbeitsnachweis", der bereits am IS. Februar in Funktion trete» soll, ist genau nach dem Muster des schlvarzen Kabinetts der Metallindustriclle» eingerichtet und soll wie dieses mit Hilfe der fainosen„Entlassungszengnisse" lediglich als Kontrollstelle und zur Verniittelung von Streikbrechern dienen. Er soll ausgesprochenermaßen dazu benutzt»verde»,„den Terrorismus der Arbeiter zu brechen", richtiger: den Arbeitern die Arbeitsbedingiingen zu diktiere»», die»nit den Verhältnissen un- zufriedenen und für die Organisation thätigen Arbeiter aus- zuhungern und sie ans den Werkstätte» fernznhnltei». Die Benutzung dieses Arbcitsnnchlveises ist»ach den ZZ 47 und s8 des Jnnungsstaluts obligatorisch; es sollen sämtliche in der Holzindustrie beschäftigten Arbeiter nur durch diesen eingestellt»»nd nur solche Arbeiter vermittelt »verden, die sich im Besitz der vorschriftsinäßigen Legitimation, des Entlassungszenguisses, befinden. Dadurch, daß der Gesellenansschnß seine Zustimmung zu diesem Arbeitsnachweis verlveigert hat, ist die Zuftimmmig der Aufsichtsbehörde notiveirdig und es»vird ertvartct, daß auch diese ihre Znstinnnmig versagt und diese Einrichtung unter den gegebenen Verhältnissen mhibiert. Allerdings ist es nicht a»S- gcschlvffen, daß die Unternehmer die gesetzlichen Bestiminnngen dadurch unigchen, daß sie dann auf de» eigne» Nachlveis verzichten und sich formell dein der Kühneniänner aiischließen.— Nach einer langen Diskussion, in der auch die gegcnivärtigcn Verhältnisse»»ach jeder Richtung hin geivürdigt wurden und in der verschiedene Vertrauens männer berichteten, daß auch die»inorganisierten Kollege» lebhaft gegen dieses Vorgehen der Unternehiiler protestieren,»vnrde schließlich e i» st i in m i g folgende Resolution beschlossen: „Die heutige Versammlung deS Deutschen Holzarbeiter-Verbandes lehnt es ab, die von den Holzindnstriellen und der Tischlernmung gestellte Bedingung zur Benützung ihres ArbeitSnachiveiscs, Enb lassnngsscheine von dem letzten Arbeitgeber beizubringen, aiiz»icr kennen, da sie in dieser reaktionären Bestimmung einen Eingriff in die Freiheit des Arbeiters erblickt, seine Arbeitskraft z» einem angemessenen Preise zu verkaufen. Die Versammlung erlvartet und verpflichtet jeden klafsenbewußten und anständigen Kollegen,»veder die eutlvürdigenden Eutlassungsscheiue anzunehmen. noch den Jnnlings-Arbeitsnachiveis zu beimtzen, und zivar so lange, bis die Arbeitgeber-Organisationcn sich mit der Organisation der Holzarbeiter zu einer gemeinsamen Verivaltiuig eines Nachiveises verständigt haben. Die Versannnelten verpflichten sich, mit allen Kräften für Heranziehung der Nichtorganisierten zur Organisation Sorge zu tragen." Dem Gesellenansschnß wurde anßerdeni anheiin gegeben, bei der Aufsichtsbehörde Protest zu erheben und eveiit. im Einverständnis mit der Versammlung»veitere Maßnahmen zu treffen. Von dem in der� Verwaltung anwesenden Vertreter deS Hirsch« Dunckerschen Gewerkvereins»vnrde die Erklärung ab- gegeben, daß sich seine Vereinigung, ebenso wie bei andren Gelegen- beitcn in der letzten Zeit, so anch in diefem Falle mit den Beschlüssen deS Verbandes solidarisch erklären wird. Am Sonntag, den 2. März, soll entweder im EirkuS Busch oder im Feenpalast eine außerordentliche Generalversammlung des Holz- arbeiter-Vcrbaudes stattsiuden, die sich mit dieser Sache nochmals beschäftigt und die»veitere Beschlußfassung vornehmen»vird. Eine öffentliche Klebervcrsammlung tagte am Mittivoch »vieder in Feuersteins Saal. Sie ivar seitens des Tapezierer- Ver- bandes einberufen und von etiva 100 Personen besucht. Auf der Tagesordnung stand die Lohubelvegung. In den Erörterungen, die in der Versammlung gepflogen»vurden, nahmen anch diesmal die Organisationsstreitigkeiten den breitesten Raum ein. Von beiden Seiten»vnrde der Streit mit großer Lebhaftigkeit ae- führt. Die sachlichen Meinungsverschiedenheiten bezüglich der geplanten Lohnbewegung sind unsren Lesern bekannt. Nach längeren Debatten beantragte der Verbandsvorsitzende Leo Schmidt: Am nächsten Mittivoch eine öffentliche Versammlung einzuberufen, welche über den Beginn der Lohnbelveguug Beschluß zu fassen hat. Später»vurde dieser Antrag dahin ergänzt, daß das Bureau der gegenivärtigen Versammlung die beantragte Bersnmuilung einberufen foll. S t ra s s e r, dcrWortführer des Klebervereins, bemerkte dazu: Wenn hier nicht erklärt»verde, daß die Orlsverlvaltung des Ver- bandes von derLcitmigder Lohnbewegung ausgeschlossen bleibe, dann sei er nicht für die beantragte Bersammlliug. Darauf sagte H e ck m a u u: Eine gemeiusanie Aktion mit dem Kleberverein müsse der Verband nach den mit dem Verein gemachten Erfahrungen ablehnen, aber er sei für ein gemeinsames Eintreten in die Beivcguug. Hierauf ver- langte Straffer eine Erklärung des Verbandes, dahingehend, daß zu der beantragten Versanimlung nur Kleber zugelassen»verde» und der Referent die Organisationsstreitigkeitcn ganz aus dem Spiel loffe. Wels als Vertreter des Verbandes erklärte darauf: Der Verbaild»verde dafür sorgen, daß die Polsterer aus der Bersanim- lung ferngehalten»verden. Falls erNfer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: 9tint VII, 333. Sonntag, de» 16. Februar, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Bersammlnng sämtlicher Cas-, Wasser-, Dchungs-Rohrleger u. Helfer im GewerkschaftShans, Engel Ufer 15. T a g e S- O r d Ii ii n g: 1. Dortrag deS Kollegen Bswloivltseli über: Arbeitslosigkeit und die wirtschaftlichen Nachteile der arbeitenden Klasse. 2. Diskussion. 3. Der- bandsangelegenheiten. Sonntag, den 16. Februar, vormittags 10 Uhr: Versammlung der Feilenarbeiter Ehausieestrasic 72 bei Heltinncr. Sonntag, den 16. Februar, vormittags 10 Uhr» bei Wetzet, Wrangelstraste Nr. 136: Morgenfprache der Schranbeltdreher. Montag, den 17. Februar, abends 8'/, Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerltr. 23: Versammlung der Former »nd Bernfsgenossen von Berlin und Nnigegend. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Ilusenorv über:„Bilder llUS der Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechts". 2. Lohn- und ArbeitsverhälMisse in nnfreni Beruf. 3. Derbandsangelegenheiten u»d Verschiedenes. BV Tic Bersammluiig wird pünktlich eröffnet."VtS Dienstag, den 18. Februar er., abends 8»/, Uhr, bei Xttmann, Brnnueustr. 188: Versammlung Chirurgischen Branche. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl des Branchenvertreters und der Agitationskomniisston. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordmnig werden die Kollegen ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Dienstag, 18. Februar, I abends 8Va Uhr. im GewerkschaftShauS, Engel llfer 15, Saal 5: Versammliiiig d"]>ralitarbeUer (Schloffer, Nadler usw.) Tages-Orduuug: 1. Au» der Praxis des Berliner Gewerbegerichts. Referent: Kollege Selrrenckl. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 111/14 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Verbanli der Maschiilistkil inti) Heizer sowie BmiMlossell Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegeud. Sonntag, den 16. Februar, uachnitttagö 5 Uhr, in Cohns Festsälen, Bcuthstraste Nr. 20; SW WeviÄlttmlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. 138/4 Die OrtsvervTaltangr. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Kahlatclle Berlin. Brauche Korbmacher. Sonntag, 16. Februar, vormittags 10 Uhr. im Lokal des Herr» Th. Handke, Lichtenberg, Dorfstr. 13—11: Devinmntlung Tages-Ordnung: t. Branchenangelegcnheiten. 2. Verschiedenes. Zu dieser Bersaimnlung sind speciell die Arbeiter der Werkstätten der Herren Bader, Zwerner, Knorr und Specht eingeladen. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Die Kontrollkommission der Korbmacher. Die Broschüre:„Von der Notlage der Korbmacher«ach statistischen Er- Hebungen im Jahre lS01-> gelangt in der Versammlung zur Verteilung; anch kann selbige im Gewerkschaftshaus, Engel-User 1B, und Dresdenerstrage 82/83 bei Herrn C olb erg abgeholt werden.' 79/5 Nationale Krankenkasse der Deutsehen Gold- und Siiberarbelter und verwandtan Berufsgenosten(E. H.) zu Schw.-Gmllnd. Montag, den 17. Februar, abends pritcife S1/, Uhr Mitglieder-V ersammlung (g 28 des Statuts) im grohe» Saale des„D read es er Garten", Drcsdeiierstraffe Nr. 45. Tagesordnung: I. Jahres- und Rechenschafts- bericht vom Jahre Iblll. 2. Diskussion. 3. Die stattgefundene IX. Generalversammlung und ihre Beschlüsse. 4. Apotheker- frage. 5. Wahl deS Vorstandes. 6. Verschiedenes. Das Kassenbuch legitimiert. Um recht zahlreiches wie pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. I. A.! E. Holtkamp, Vorsitzender, Admiralstraß« 18 E. J Kleber. Sonntag, den 16. Februar, mittags 12 Uhr, bei Jannasch?, Jnselstr. 10: Oeffentliche Beisammlung. Tages-Ordnung: Wann sind wir gewillt, den Unternehmern unsre Forderungen zu iliitee- breiten, cvent. tn den Abivehrstretk zu trete»? 2. Diskussion. 101/5 MS"" Zu der Versammlung haben nur Kleber Zutritt und hat in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ein jeder Kleber Berlins und Umgegend zu e r s ch e i n e n. Die Lohiikommisston. I. A.: Jack Uessem. Verband der Möbelpolierer. Die Mitglieder werden ersucht, bis heute abend in den Zahlstellen einen Zettel zu unterschreiben, ob sie für die Arbeitslosen jede Woche außer dem M Pf.-Beitrag noch 20 Pf. zahlen wollen oder nicht. Die später als Montag einlaufenden Zettel kännm nicht Mehr berück- sichtigt werden, ebenso die Kontrollkarten. 14S/7 Montag, den 17. Februar, abend» 8'/, Uhr: VersKtNtnlungo»». 1. AndreaSstrahe 26. Tagesordnung: 1. Die letzten Vorgänge in unsrer Orgaiilsatioi» und die Frage der Arbeitslosen- Unterstützung. Referent Kollege Nttschke. 2. Diskussion. 3. Wie verhalten wir unS gegen daS Borgehen einiger Stuhlfabrikanten. 4. Wahl der Bezirksleitung. 5. Verschiedenes. Die Kollegen von der geschweiften Branche sind hteruut«ingeladen. 2. Wethensee, Röltestraste 20. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Antrag zur VerbandSailgelegenheit. 3. Verschiedenes und Ausgabe der Jahresberichte sowie der BilletS zum Maskenball, welcher am 8. März in KellerS Festsälen, Koppenftr. 29, statt- findet. Der Vorntaiid. Achtung! Achtuns: Bauarbeiter Berlins n. ltmg. Verbailh der Äilil-, Erb- vilb gewerbl. HilssuMer. Sonntag, de» 16. Februar 1002, vormittags 10 tthr, in Buggcnhagens Etablissement, Morttzplatz: Gr. kombinierte Mitgliederversammlung ' aller zum Swikgebiet Berlins gehörigtil Berbaiids-ZlllMeil. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom Jahre 1901. 2. Der Vertrags- eiitlmirf der Arbeitgeber und welche Stellung»ehmen wir dazu ein. 3. Ver- baudsaugelegeuhciten und Verschiedenes. Kollegen, da der Saal nachmittags anderweitig besetzt ist, iniist die Bersammluiig pünktlich erössnet werden. Wir erwarten deshalb pünktliches und zablrcicheö Erschetuen._ 32/9_ Die Lohnkvmmissivii. Cirkus Renz-Konzert-Tnnnel Karlstraiise, Nur erstklassige. Direktion: Speolalitäten. J. ni. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung; Tanz ohne Nachzahlung Wochentags 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr. 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Rechtshilfe, Raterteiliiiig. 443b Strafsachen, Gnadengesuche, In- validensachen, Alimentensachen, Schank- erlaubnis, Eingaben, Klagesachcn. Langjähriger Gerichtssekrctär, Ge- sängnlsinspeltor. Auch Sonntags. Oranienburgerstroffe siebzehn, 113/11* Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für de» Juseratenteil verantwortlich: Th. Glocke i» Berliu. Druck und Verlag vv» Max Badhig in Betluu