Nr. 40. AbmmemtM» Atdinzungen: Abonnements- Preis pränumerando: VUrteljährl. 3,30 Mb, monall. 1,10 SRI.. wöchentlich 28 PIg. frei ins ßauS. Cimelne Numm-r 5 Pfg. Sonntags» Nummer mir tnunticttef Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 PIg. Paft- Abonnement: 1.10 Mark pr» Monat, Eingetragen in der Post- ZeitungS» Preisliste für 1008 unter»r. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erscheint taglich nutzer»onkags, � c?<3 Verltnev Volksblatt. 19. Jahrs. Die Jnsrrtions-Gebnyd beträgt für die sechsgespaltene Kolonei», zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und BersammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Kieine Anieigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort settj. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werben. Die Expedition ist an Wochen- tagen diS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet* Telegramm- Adresse. «Eo-rinldrnwKrnk verlitt» Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutsthtands. Rrdaltlion: SW. 19, Veuth-Slratze 2. Fernsprecher: Amt I, Str. 1508. Sonntag, den 16. Februar 190& Expedition: sw. 19, Veutlk-Strasie 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. K1S1. Das Reichs-Deficit. Die Reichs- Finanzen machen den mahgebenden Parteien im Reiche arge Sorgen. Die von Jahr zu Jahr anwachsenden Ein nahmen des Reichs während des industriellen Aufschwunges sind unter der glorreichen Führung des Centrums für Militär, Marine und Kolonialpolitik mit vollen Händen verteilt worden. Ja, diese Ausgaben sind in einem so gewaltigen Umfang bewilligt worden, dah selbst die großen Einnahmen der guten Jahre nicht reichten und neue Schulden zur„Ausgleichung" des Etats gemacht werden mußten. Jetzt ist aber auch bezüglich der Einnahmen ein böser Umschlag eingetreten. Infolge der wirtschaftlichen Krisis kann nicht mehr eine Zunahme der Reichs« Einnahmen, wie in den früheren Jahren, erivartet iverden, während die Ausgaben, in Konsetsuenz der bisherigen Bewilligungen, unanfhörlich anwachsen müssen. Die Mehrausgaben für Militär und Marine sind ja bereits gesetzlich oder „prograinminäßig" festgelegt. Und daß selbst darüber hinaus neue Anforderungen zu erwarten sind, hat der von uns veröffentlichte Erlaß des Herrn v. Tirpitz bewiesen. Die„maßgebenden" Parteien aber stheuen sich, den schlechten Stand der Reichsfinanzen in seinem vollen Umfange bekannt iverden zu lassen. Sie fürchten davon— und das mit Recht— eine für sie sehr ungünstige Wirkung auf den Ausgang der Rcichstagsivahlcn im nächsten Jahre. Ans diesem Grunde sucht das Centrum den Etat dadurch zu ver— bessern, daß eine ganze Reihe von Ausgaben zwar bewilligt, die dafür geforderten Summen aber um einen erheblichen Teil in diesem Etat vermindert iverden. Die Folge dieser„Spar"polittk ist, wie die Finanzgröße» des CenlrimiS in der Bndgetkommiffion ausdrücklich als selbstverständlich zugeben, daß die enisprechcndeu Summen in den Etats der späteren Jahren um so größer sein müssen. Die Vertreter des Rcichs-Schatzamtcs haben vor dieser Politik in der Budgctkommisfion wiederholt dringend gewarnt, da für die nächsten Jahre ein noch viel schlechteres finanzielles Ergebnis der NeichSwirtschast zu erivarten sei, und wie sollen dann die kolloffalen Reste aus diesem bezw. dem nächsten Jahre auf- gebracht werden? Wie berechtigt diese Warnnngc» sind, beweist das soeben der Bndgetkommission vom Reichs- Schatzamt mitgeteilte „mutmaßliche Ergebnis deS ReichshanshaltS für das RechnungS- jähr 1901 auf Grund der Dezembcradschlüsie". Hiernach betrugen im„eigenen Reichshaushalt" die Im Jahre Ii» Jahre Mehr- Ausgaben. 1901 1900 M. M. Verwaltung des ReichSheereS... 3 271000— Verwaltung der kaiserl. Marine.. 1726000 6 548 000 ReichSamt des Jnuern..... 1571000 1 970000 Auswärtiges Amt...... 797 000 896 000 Verzinsung der ReichSschuld... 343 000 884 000 RechlMNgShof........ 31000 25 000 Reichs-Justizverwaltung...._ 13 000 27 000 Minder- Ausgaben. Verwaltung deS ReichSheereS 7 752000 10 350 000 1 509 000 Bleibt Mehr-Ansgnbe. 7 752000 8 841000 Einnahmen Zuckcrsteuer.........— 4 430 000+ 20 941 000 Salzsteuer.........+ 120 000-+• 1650 000 Maischbottichsteuer......— 2 007 000— 910 000 Breunsteuer.........— 2 635 000— 685 000 Brausteuer.........— 156 000-j» 1 329 000 Aversen für Zuckersteuer usiv...— 2 000— Uebcrschuß der Post- und Tele- graphen-Verivaltung..... Ueberschuß der Verwaltung d. Reichs« Eisenbahnen........— 12 241 000— Spielkarteustempel...... 4- 18000+ Wechselstempelsteuer........ 772 000+ Statistische Gebühr......+ 37 000 4- Aus dem Banlivesen: Anteil deS Reiches an dem Reiugeivinii der Reichsbank und Banknotenstener Für am 1. Januar 1901 noch im Umlauf gewesene Noten der vormaligen preußischen Bank...—-f. 59000 verschied. Verwaltungseinnahmen.— 2380 000— 1271 000 Zum Ausgleich für nicht allen Bundesstaaten gemeinsame Ein« nahmen.........— 3 098 000— 3211000 — 15 000 000— 19 000 000 1270 000 50 000 1992 000 88 000 — 2 162 000+ 9 288 000 Zusammen betrugen: die Mehr-Eiunahmen... 947 000 35 762 000 die Minder-Einnahmen.. 44111 000 26 712 000 Bleibt Die Mehrausgaben — 43 164 000 7 752 000 9 050 000 8 841000 Ergiebt beim eignen Reichshanshall— 50 916 000 4- 209 000 Wir haben, uin einen Vergleich mit dem Vorjahr zn erniög- lichen. die entsprechenden Zahlen miS dem.nmtmaßlichen Ergebnis für 1900' hinzugesetzt. 4- bedeutet Mehreinnahine.— Mindereinnahme im Vergleich zn den in den betr. Etats vorgesehenen Ein- nahmen. DaS Ergebnis ist also beim eignen Reichshaushalt, daß im Jahre 1900 noch ein kleiner Ueberschuß erzielt Ivorden war. im letzten Jahre dagegen ein Fehlbetrag von nicht weniger als 51 Millionen Mark verbleibt, und zwar wohl bemerkt über den Fehlbetrag hinaus, der schon bei der Aufstellt»'« deS Etats in der üblichen Weise„ausgeglichen" worden ist. Die U e b e r Iv e i s u n g S st e u e r n aber ergaben im Jahre 1900 sin Minus gegen den Etat von 1 201 000 91, im Jahre 1901 dagegen ein solches von 17 907 000 Mark. So ergiebt sich für das Rechnungsjahr 1901 ein Gesamtdeficit von fast 70 Millionen Mark. Und endlich tnnß zur vollen Würdigung der Finanzlage des Reiches noch darauf hingeiviesen iverden, daß die Vertreter des Reichs-Schatzamts in der Budgetkommission für die nächsten Jahre noch schlimmere Ausfälle befürchte», falls sich die ivirtschaftliche KrisiS noch längere Zeit hinzieht. Unter diesen Umständen ist die Er- innerung des Staatssekretär des Reichs-Schatzamts au neue Tabak- und Bierstenern durchaus verständlich. Es unterliegt ivohl keinem Zweifel mehr, daß in den nächsten Jahren das deutsche Volk auch noch in den Kampf mn diese weitere schwere und ungerechte Belastung der Steuerzahler getrieben werden wird. Das sociale Empfinden. In den letzten Jahren rieten u»S recht häufig wohlmeinende Leute, die aber verteufelt schlechte Musikanten waren, die Social demokrntie solle doch von der Härte des unerbittlichen Klassenkainpfes ablassen und in friedlich-vertranlichein Zusammenarbeiten mit den Regierungen und den bürgerlichen Parteien eine schriitweise langsame— ans dem„langsam" lag der Ton— Bessermig der, wie mau zugeben müsse, vielfach traurigen Verhältnisse anstreben Man wies zum Beweise solcher rosigen Anschauung auf die groß- artige staatliche Socialreform hin. amd schalt Nils Itnklug und ver- blendet, weil wir in ihr nur kümmerliche Konzessionen zu sehen vermochten. Man sprach von dem ivachsenden socialpolitischen Ver- ständniS der bürgerlichen Parteien und niachte viel Wesens von jenen Reforui-Ktänzchen, in denen die Berlepsch, Hitze und Stöcker geivaltig Arbesterfürsorge redeten. Zn dem riesig gesteigerten socialen Empfinden bekannten sich alle, links und recht» und in der Milte. UnS hat man mit diesem listigen oder einfältigen Singsang nie mals getäuscht und beruhigt. Die Socialdemokratie wußte ganz genau, daß die Brutalität der kapitalistischen Herrschaftsklasse nicht im mindesten gemildert ivar, höchstens daß die Furcht vor der ivachsenden Macht deS organifiertc» Proletariats zur Heuchelei feinerer Fortnen nötigte. Innerlich blieben sie dieselben, die sie waren, in ihrem Haß gegen die zunt Bewußtsein erivachte Arbeiterschaft, in ihrer feindseligen Borniertheit, in ihrer Neigung zur geivaltthäligen Unterdrückung, in ihrem einsichtslosen Ableugnen und ihrem hart herzigen Egoismus. Die Berliner Arbeitslosen Zählung hat wieder einmal den dünnen trügerischen Firnis des socialen Empfindens los gelöst und die rohen Instinkte der kapitalistischen Interessenten liegen wieder deutlich zn Tage. Man hätte denken sollen, daß, wenn irgend eine Frage, so die der Arbeitslosigkeit, keine Parteifrage ist. daß ihre grauenhafte Er scheinung die gesamte Gesellschaft ohne Unterschied hätte im tiefsten erregen und aufrütteln müssen. Diese unheimlichen Zahlen schreien! 76 654 Menschen arbeitslos, 52 967 unter beschränkter Arbeitszeit und gekürztem Lohn leidend, niigerechitet die 19 386 Kranke nnd Invaliden in einer einzigen Stadt und ihren Vororten I Müßten nicht alle andren Interessen verstummen vor dieser ungeheuren An klage? Hätte man nicht erivarten sollen, daß kein Gedanke mehr alle Klassen der Bevölkerung beherrschte als der: Wie können wir helfen? Wie, da sind 130 000 Menschen iiimitten dieser Üppigen reichen Stadt, die nicht wissen, ivovon sie leben sollen, die mit den Ihrigen hnngern und frieren— ist das erträglich, darf man auch eine Stunde zögern, der Rot zu steuern? Zum mindesten müßte man die opferbereite Thatkraft der Arbeiter bewundern, die in kurzer Zeit eine statistische Riescnanfgabe vollendeten, vor der die Regierungen nnd Behörden mit ihrem großen geschulten Beamten apparat zurückschreckten! Nichts von alledem geschah. DaS sociale Empfinden wurde nicht sichtbar. Kein Versuch, nicht einmal eine Anregung, dem Notstand entgegen zu wirken! RingSun, tiefe Stille, völlige Jiiteresselosigkeit dafür aber ebenso hämische wie dumme Bemühungen, den Wert der Zählung zn verdächtigen. Da die Zahlen eine so furchtbare Sprache führten, galt es sie auS der Welt zu lügen. Wir haben gestern bereits unwiderleglich den mit ganz nnd gar untauglichen Mitteln ttntcrnominenen Versuch zurückgewiesen, die ArbeitSlosenzählung der GciverkschaftSkounnission zu verleuntden. Auch heute unternimmt man es in bürgerlichen Blättern, die Zählung zn schmähen. ANeS was dies Preßgesinde gegen die tatislik vorbringt, beweist mir, daß man über deren Ergebnis er- 'chreckt ist. Weit entfernt, aus den ermittelten Zahlen Schlüsse ans den Grad der Arbeitslosigkeit zn ziehen, bemühen sie sich eifrig, durch allerlei nichtige Einwände die Zählung als völlig wertlos hinzustellen. Allen voran ist es die„ P 0 st", welche in einem langen, von gemeinem Haß gegen die socialdemokratischen Arbeiter diktierten Artikel die Arbeitsloscnzählnng als„Schivindel, Schivindcl und nochmals Schwindel' bezeichnet. Zivar will die „Post" nicht verneinen(es wäre auch gar zu dmimi, ivenn sie eS thätc) daß es in Berlin sehr viele Arbeitslose giebt. Aber— so schreibt die„Post' weiter: „In Berlin herrschen auch außerordentliche resp. anßergewöhn« licke Verhältnisse. In einer Millioiienstadt, in der täglich über 1000 angemeldeter nnd vielleicht die drei- oder vierfache Zahl im- angemeldeter Fremder ihr. wenn auch ans noch so kurze Zeit bemessenes. Standquartier aufschlägt, läßt sich im Handunidrehen und namentlich an zivei Sonntagen hintereinander zusammen- zählen, was daS Zeug hält, resp. was dem Partei- Interesse ent- spricht.' Wenn init dieser ekelhaft rohen und verlogenen Beinerknng ge- sagt sein soll, daß bei der an zwei Sonntagen vorge- nommenen Zählung eine sehr große Zahl durchreisender Personen doppelt aufgenommen sein werde, so erinnern wir die„Post' daran, daß nicht an zwei Sonntagen gezählt wurde. Vielinehr sind die Zählkarlen an einem Sonntag in den Wohnungen abgegeben, nnd am folgenden Sonntag, den 2. Februar, wieder eingesammelt worden. Die Zähler selbst konnten weder ein Interesse daran haben, mehr Arbeitslose als vorhanden zu ermitteln, noch waren sie dazu in der Lage. Da die Karten von Haus zu Haus verteilt wurden, nnd nur die Personen gezählt wurden, welche i m Hanse >v 0 h n e n, so ist also die Aufnahme von durchreisenden Fremden ganz ausgeschlossen. Nur die von den Herbergen gemachien Angaben— 749 Personen— können sich auf Fremde be- ziehen. Rechnen ivir hierzu noch die 3507 Personen, ivelche die Nacht deS Zähltages in Asylen zubrachten— die aber nicht alle Fremde sind— so kommen wir zu 4256 Personen, die nach der „Post'«zusammengezählt sind, was das Zeug hält, resp. was dem Partei-Interesse entspricht." Wird denn die Bedeutung der Zähl- resultate auch nur nennenswert abgeschwächt, wenn wir statt mehr als 76 000 Arbeitslose„nur" etlvas über 72 000 hätten? Und neben diesen stehen ja immer noch fast 53000 Personen, die teilweise arbeitslos sind. 1 Die„Berliner Neuesten Nachrichten" sagen:„Die Social- dcmokratie ist nun befriedigt, daß die von ihr veranlaßte Zählung eine erschreckende Summe ergeben hat."— Wir fragen: Wann und Ivo hat denn die Socialdemokratie einer solchen Befriedigung AuL- druck gegeben? Mit schmerzlicheiu Weh haben wir die Thatsache, daß ein furchtbarer Notstand vorhanden ist, festgestellt. Hätten die Zahlen das Gegenteil erwiesen, dann würden ivir Befriedigung empsnnden haben. Wir haben kein Interesse, daS Elend zu vergrößern, aber auch keine Ursache, es zn verschweigen. Von allen bürgerlichen Blättern, die wir bisher gesehen haben, ist die„Volks- Zeitung" das einzige, welches sich dem Eindruck der Ergebnisse der Arbeitslosenzählung nicht verschließt, sondern sie ohne Voreingcnoininenheit bespricht. Sonst überall Schiveigen, Abschwächen, Verleumden! Die gierige» Bemühmigen, die Statistik und ihre Urheber zu begeifern, stehen ganz ans der Höhe des gräflichen SocialpolitikerS Arnim: „Der Vater hat vielleicht alles versoffen l" Ihr redet von Not— lächerlich: die Socialdemokratie hat vielleicht alles gefälscht. Dermaßen steht es in Wahrheit um das„sociale Empfinden" der bürgerlichen Gesellschaft. Die paar redlich Wohlineinenden rechnen nicht, als Klasse aber hat sie st a t t Hilfe n u r H 0 h n I_ Polikifche Mebevkchk. Berlin. den 13. Februar. DaS Kompromiß der Ucberzöllner. Die Mitglieder der Zollkomuiission aus den konservativen Parteien nnd aus dem Centruin haben sich auf ein Angebot ge- einigt, das sie der Regierung bei der nun bald zu erwartenden Beratung der Gctreidezölle machen wollen. Von den National- liberalen hat diesem Koinprontißangebot nur Freiherr Hehl zu Herrnsheim zugestimmt, der aber aus der Kommission austritt; über die Stellungnahme seines Nachfolgers, des Abg. Sieg, ist nichts bekannt. Das Angebot fordert folgende Mindestzölle: Jetziger Regierungs- Kompromiß- Vertragssatz vorläge forderung Weizen. 3.50 M. 5,50 M. 6 M. Roggen. 3,50„ 5„ 5,50„ Hafer.. 2,20„ 5.. 5,50„ Gerste.. 2 3„ 4 Eine Mitteilung in der Preffe, nach der auch für Gerste ein Mindestzoll von 5,50 M. gefordert Iverde, dürste irrtümlich sein. Auch die T a r i f z ö l l e sollen gegenüber der Rcgiernngsvorlage eine Erhöhung erfahren. Der Weizenzoll soll von 6,50 ans 7,50 M. der Roggenzoll von 6 auf 7 M., der Hafer-»md Gerstezoll von 6 bezw. 4 auf 7 M. erhöht werden. DaS Bekanntwerden dieser Kompromißanträge, die noch nicht formell in der Zollkommission eingebracht sind, beruht, ivie die Ueberzollblätter entrüstet erklären, auf einer Indiskretion, die mir nationalliberalen Ursprung? sein kann. Die Mehrheit der National- liberalen beteiligt sich nicht am Kompromiß, sondern besteht bei der Regierungsvorlage, die also vorläufig nur eine ganz winzige Anzahl von Stimmen für sich hat. B 0 r l ä u f i g! Denn eS wird sich wahrscheinlich später zeigen, daß daS Kompromiß, wie die„B. N. N." mit Recht sagen, nur eine Brücke ist, ans der die Wncherparteien von ihren bisherigen noch iveiter gehenden Forderungen zn der Regierungsvorlage den Ueber- gang suchen. Die nächste Frage ist: Wird dieses Komp: omiß eine M e h r h e i t in der Kommission finden? Und— wird die Regierung irgendivclcheS Entgegenkommet» gegen diese überagrarischen Wucher- wünsche zeigen? Graf B ü l 0 w hat auf dem Festmahl des Landwirtschaftsrais jede Erhöhung der Mindestzölle als u n a n n e h m bar angekündigt. Ohne sich völliger Lächerlichkeit zu überliefern, kann er von diesem „Unannehmbar" nicht zurück. Die Regierung iveiß auch, trotz all ihrer aufrichtigsten Wuchcrneignngen nnd trotz all ihres Handels- politischen Leichtsinns, recht wohl, daß schon ihre Vorlage neue Handelsverträge außerordentlich erschwert. Steuert sie nicht niit be- wüßter Absicht, gleich den Konservativen, auf den Zoll- krieg mit aller Welt, so kann sie den Ueberzollsätzen des KompromiffeS in keiner Weise eutgegenkominen. Sie muß vielmehr darauf beharren, daß Konservative nnd Ceutrnm iin weiteren Verlauf der Beratungen ihre Ansprüche aufgeben nnd die orlage, die deS Wuchers übergenug spendet, annehmen. Eine Mehrheit fiir das Konipromiß ist schon jetzt in der Zoll- konlnnssion nicht gänzlich gesichert. Nach der«Germania" sind 1t Stimmen für das Kompromiß, denen 13 Gegner gegenüberstehen, die sich aus Anhängern der Negiernngschorlage und ans Zollgegner» zusammensetzen. Eine Sonderstellung»innnt der Vorsitzende des Bundes des Landivirte v. Wangcnheim ein, dem, gleich der.Deutschen TageSzeitring", auch die Koinpromißforderungen noch zu gering sind, der sich aber der Stimme enthalten wolle. Die.Germania' ist äußerst ungehalten über diese taktische Sonderhaltung des Bündler- führerS«nd droht, daß hierdurch auch mancher andre Abgeordnete gehindert werden könnte, dem Kompromiß zuzustimmen. Charakteristisch für den Stand der Zollfrage ist schließlich eine recht melancholische Aeußerung der.Kreuz-Zeitnng': „Wie die Dinge iveiter verlaufen, läßt sich schwer voraus- sagen. Bei festem Zusammenhalten der Mehrheit würde ohne Zweifel die Möglichkeit bestehen, die Beratung des E»t- wurfS in der Kommission zu Ende zu führen. Man darf sich jedoch nicht verhehlen, daß während der letzten Tage auch in denjenigen Kreise», die eine Verständigung der einzelne» Gruppen der schutzzöllnerischen Mehrheit warm befürwortet habe», d i e Stimmung eine wesentlich kühlere geworden ist. Das gilt namentlich von denjenigen, die in dem Eiitwurfe der verbündeten Regierungen eine ausreichende Berücksichtigung der be- rechtigten Forderungen der deutschen Landwirtschaft vermissen. Mehr und mehr scheint sich hier die Auffassung geltend zu machen. daß eine Erhöhung der Getreidezölle auf die in dem Entwürfe vor- geMlagenen Mindestsätze keinesfalls ein ausreichender Ausgleich sein würde für die Vennchrung, ivelche die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion bei der Erhöhung der Jndustriezölle auf das im Entwürfe vorgesehene Maß vor- aussichtlich erfahren würden.' Die erprobten Schacherer konservativen Glaubensbekenntnisses verstehen sich gut aufs Geschäft. Sie wiffen vom Pferdehandel, daß man gegenüber dem Objekt, das man haben will,.ivesentlich kühle Stimmung' zur Schau tragen soll. UebrigenS werden die Social- demokraten ihnen gern hilfreich fein, wenn es gilt, die Erhöhungen der Jndustriezölle zu verhindern. *• * Die Frage des Vorsitzes in der Zollkommission ist noch nicht geklärt. In konservativen Kreisen scheint man Herrn v. K a r d o r f ivieder Ivähleir wollen. Von andrer Seite vcrlantet, daß der stellvertretende Vorsitzende Dr. P a a s ch e wenigstens vorläufig den Vorsitz übernehmen soll.—_ Der Reichstag hielt heute eine kurze Sitzung ab, in der zunächst die zweite Lesimg deS Postetats zu Ende geführt wurde. Dabei kamen noch eine Reihe Beschwerden zur Sprache. Ucber das System der gehobenen Stellen wurde gesprochen, Mißstände bei der Vergebung der Kantinen gerügt«nd eine bessere Bezahlung der Postagenten angeregt. Genosse Z n b e i l nahm sich der Postillone an und forderte eine Verkürzung ihrer langen Arbeitszeit, die Gewährung von niehr freien Sonntagen und eine Verbesserung ihrer Dienstkleidung zum Schutze gegen die Unbilden der Witterung. Gleichzeitig bemängelte er die mißbräuchliche Verwendung von Briefträgern als Servier« kellner bei den Festlichkeiten der Vorgesetzten und forderte die Gleich- stellung der Charlottenburger und Berliner Postunterbeamten im WohnungSgeldzuschuß. Herr K r a e t k e äußerte sich entgegenkommend und versprach. daß den Postillonen von nun an die Wartezeit auf den Bahnhöfen als Dienstzeit angerechnet werden solle. Auch fiir wasserdichte Mäntel soll gesorgt werden. Um die Nebenbeschäftigung der Unter- beamten will sich der Staatssekretär grundsätzlich nicht kümmern. soweit sie nicht in die Dienstzeit fällt. Singer regte zum Schluß ein größeres Entgegenkommen in der Ge'.vährnng von Stellenzulagen für die im PostHilfsdienst beschäftigten Personen an, dann wurde das Ordinarium beivilligt. Beim Extra-Ordinarium wurde der einzige Streitpunkt— der Bau der Telegraphen Ii nie von Mpapna nach Tabora. die nach Müller-Fulda»nr von Rinozerossen benutzt iverden wird— von der Tagesordnung a b g e s e tz t. da sonst von der Linken mit Auszählung gedroht wurde, und die konnte das Hans heute nicht vertragen. So kam eS auch, daß die Linke nach debatteloser Erledigung des Etats der Rcichsdruckerei, des PensionSfoudS nnd des Reichs- Militärgerichts ihren Willen durchsetzte nnd die z iv e i t e Lesung des Militäretats auf Montag verschob. Bon den 40 bis vo Abgeordneten, die im Saale Ware», bildete die Linke die Mehrheit, denn die Rechte, das Centrum und die Nationalliberalen waren im ganzen durch etiva 1b Abgeordnete vertreten.— Zbie Beratung des Jnstszetats. Im Abgeordnetenhause begann am Sonnabend die zweite Lesung deS Etats der Justizverwaltung. In der sich an den Titel Minister anschließenden Generaldebatte kamen einige interessante Fragen zur Erörterung. Zunächst brachte Dr. Ruegenberg(C.) den Fall des Oberstabsarztes Dr. Schimmel zur Sprache, der im Elberfelder Militär- befreiungs-Prozeß mit angeklagt war, aber freigesprochen wurde. Der Centrumsredner ist entrüstet darüber, daß der Staatsanwalt, obwohl er selbst die Freisprechung beantragte, doch in seinem Plädoyer erklärte, er könne den Verdacht gegen Dr. Schimmel nicht los werden, und später, als er zu einer Ehren- erklärung aufgefordert wurde, dem Abgesandten des Herrn Dr. Schimmel antwortete, er sei für dienstlich gethane Aeuße- rungen niemand verantwortlich. Der Abg. Dr. Ruegenbeck verlangte, daß der Justizminister den Staatsanwalt zu einer Abbitte veranlassen solle. Ein etwas naives Ansinnen I Minister Schön st edt erividerte denn auch in von seineni Standpunkt aus durchaus korrekter Weise, daß er in dieser Sache nichts thun könne, da der Staatsainvalt nach seiner festen Ueberzeugung sich für verpflichtet gehalten habe, die Herrn Dr. Schimmel beleidigende Aeußernng zu machen. Wenn ein Staatsanwalt von der Schuld eines Angeklagten überzeugt sei, so sei es auch seine Pflicht, diese seine Ueberzeugung zu vertreten. Im übrigen sei er der Ansicht, daß sowohl Richter wie Staatsanwälte in der Verhandlung, in der Begriindung der Anklage, bei der Vernehmung und in der Begründung des Urteils mit Takt, Rücksicht und Ritterlichkeit zu verfahren haben, wo es am Platze sei. Hoffentlich hält Herr Schönstedt diesen Takt, diese Rücksicht und Ritterlichkeit auch Arbeitern und politischen„Verbrechern" gegenüber am Platze. Im übrigen ist der Fall Schimmel nur einer von den vielen, in denen der Staatsanwalt, weil das Beweis- Material nicht ausreicht, die Freisprechung beantragt. Hätte eS sich zufällig nicht um einen Oberstabsarzt, sondern um einen Proletarier gehandelt, so wäre der Fall im Parlament sicher nicht zur Sprache gebracht worden. Auf eine Anregung des Abg. Eckels(natl.) über landesgesetzlichen Schutz der Bauhandwerker verwies der Minister auf die beiden von ihm veröffentlichten Gesetz- entwürfe, machte aber darauf aufmerksam, daß der gegen- wältige Augenblick zur Einbringung eines Gesetzentwurfs ungeeignet sei, da dadurch möglicherweise die Bauthätigkeit erschwert werde und Bauhypotheken nicht mehr gegeben würden. Tie Regierung werde die Frage noch weiter ein- gehend prüfen. Einem Wunsche desselben Redners, betr. zwangsweise Pensionierung von Richtern in einem bestiinnrten Lebensalter widersetzte sich Herr Schönstedt unter Be- rufung auf die Verfassung und das Gerichtsverfassungs-Gesetz. die eine Versetzung von Richtern in den Ruhestand nur aü Grund richterlicher Entscheidung und nur unter ganz be- stimmten Formen gestatten. Auch fürchtet der Minister, daß eine solche Hwangspensionierung als ein Angriff auf die Unabhängigkeit des Richterstandes angesehen werden könnte. Wir freuen uns aufrichtig, daß Herr Schönstedt im Gegensatz zu seiner Aeußerung im vorigen Jahre über die Ernennung von Rechtsanwälten zu Notaren jetzt ernstlich bestrebt zu sein scheint, die Verfassung zu beachten. Erwähnenswert ist aus der Debatte nur noch die Mit- teilung des Ministers, daß sich ein Gesetzentwurf in Vor- bereitung befindet, der den Zweck hat, die Mißstände zu be- seitigen, die sich aus den auseinandergehenden Entscheidungen des Reichsgerichts und des Kompetenzkonflikt-Hoses ergeben. Montag: Fortsetzung.—__ Die Politik der«xtretouren. Die Abgeschmacktheit deS DiplomatenhandwerkS hat sich in de» letzten Wochen in ganz wundersamer Weise enthüllt. Kaum je ist man so sehr an das offenherzige Bonmot deS Znnftgenoffen O x e n st i e r n a, daß eS kaum glanblich sei, mit wieviel Un- verstand die Welt regiert werde, erinnert worden, wie in der letzten Zeit. Kaum, daß über die Granitbeißeraffaire des Grafen Vllloiv ein wenig GraS gewachsen war, so lieferte die englische Regierung den für unS Deutsche patriotisch-tröstlichen Beweis, daß diplomatische Genialität nicht nur im Lande der Eichen und Linde» zu Hause sei. Denn soweit sich aus dem gcgenivärtigen Stand deS diplomatischen Skandals zwischen England und Deutschland ein Urteil bilden läßt. muß konstatiert werden, daß die englische Diplomatie sich kaum je derartig blamiert hat, wie in diesem Fall. Ihr Versuch, die Amerikareise deS Prinzen Heinrich durch eine diplomatische Tücke ersten Ranges zu stören, ist kläglich mißlungen. Es ist ihr— nach den bis jetzt vorliegenden amtliche» und nichtamtliche» Erklärungen— nicht nur nicht gelnuge». die deutsche Regierung zu bezichtigen, Amerika bei seinem Raubzug gegen die spanischen Kolonien in den Arm gefalle» zu sein, sondern sie hat jetzt alle Mühe, selbst den eimvandsfreien Nachweis zu führe», daß ihr Vertreter Paunccfotc nicht aus eignem Herzensdrang, sondern nur als Doyen deS diplomatischen Corps auf Drängen des östreichischen Botschafters die Anregung z» einer Intervention zu Gunsten Spaniens unter- »ouimen habe. Cranborne bat in seiner Verlegenheit sogar seinen Botschafter halb und halb fallen lassen müssen. Eine schier un- begreifliche Stupidität, eine andre Macht anschwärzen zu wollen. auf die u ii a n s b I e i b l i ch e Gefahr hin, den Pfeil gegen sich elbst zurückgeschlendert zu sehen! Es ist in der That nicht aus- zudenken, mit ivieviel Unverstand auswärtige Politik getrieben wird! Aber abgesehen davon: war eS nicht schon eine große Dumm- hcit, der deutscbcn Prinzenreise, dieser politisch absolut bedcutmigS- losen Höflichkeitsvisite. durch ein diplomatisches Manöver erst ein Relief zu geben? Ist man jenseits deS Kanals wirklich so beispiellos naiv, zu glauben. daß ein Füisten- besuch eine Veränderung der weltpolitischen Konstellation nach sich ziehen, eine Acra neuer Staateiibüiidnisse herausführen könne! Wie lagen doch die Verhältniffe zwischen Dentschland und Amerika? Von einer Freundschaft lonntc bislang wahrhaftig keine Rede sein. Das Verhallen deS deutschen Admirals bei Manila während des spanisch-amerikanischen Kriege» hatte Deutschland manch wütenden Angriff der führenden ivellpolitischen Kreise der Union ein- gelragen. Auch Amerikas Haltung während des China- KreiizzngcS verriet alles eher als politische Sympathicii und diplomatisches Zusammengehen, wurden doch die amerikanischen Truppen durch rasches Zurückziehe» mit ostentativer Gefliffcntlichkcit dem Oberbefehl des dcntschcn WeltgeneralissimuS entzogen. Bekannt ist, daß einflußreiche amerikanische Politiker mehifach mit geradezu drohender Schärfe auf vorgebliche Kolonialprojekte Deutsch- lands in Südamerika hinwiesen. Auch die warme Sympathie. mit der Amerika erst dieser Tage den Abschluß deS englisch- japanischen Vertrages begriißt hat. verrät alles eher, als Wohlwollen für Deutschlands Weltpolitik. Und was die wirtschaftlichen Be- ziehimge» der beide» Länder anlangt, so sind sie wahrhaftig auch nicht die sreimdschasilichsten. Die ZoNkricgSgelüste unsrer einflußreichsten politischen Gruppen, in denen der Thron seine solideste Stütze erblickt, atmen alles eher als Sympathie für die tranSoccanische Weltmacht. WaS bedeutet diesen Thasiachen gegenüber die Prinzenreise, die a»S einer plötzlichen Eingebnng des Trägers der Krone heraus- geboren ist. Prinz Heinrich reist zur Schiffstaufe einer S p o r t y a ch t, die zufällig dort drüben vom Stapel gelassen wird. Und da Prinzenrciscn inin einmal untrennbar mit dem obligaten Gepränge verbunden sind, wird drüben dem Prinzen ein festlicher Eiiipf.ing bereitet. Die korrumpierte amerikanische Geldaristokratie hat ja veriiiittelst ihre» Goldes ihr plebcjisebes roieS Blut durch manche Transfusion gräflichen BlntcS zu verbessern verstanden, allein einen veritablen Prinzen, den Bruder eines Monarchen, hat sie doch noch nicht in ihrer Mitte gehabt. WaS Wunder da, wenn man in Millinrdärkreiscn diese Sensalion zu ivürdigen weiß und trotz Fiankreich zu beweisen sucht, daß auch Repilblikcii gekrönte oder der Krone iinhcstehende Häupter mit allem höfischen Pomp z» empfangen wiffen. Daß die deutsche Bourgeoisie ob solcher Ehrungen eines Prinzen in Hochgefühlen schwelgt, ist ja begreiflich, daß man aber in England den amerika« nischeii Abstecher de» vielgereisten Prinzen so tragisch nahm, ist schier unbegreislich. Weniger noch als unsrer Bourgeoisie köimen wir es unsrer Diplomatie verdenken, daß sie die Tauffcierlichkcit der Kaiseryacht mit dem Nimbus einer hochpolitischen Aktion zu umgeben. dieselben zu einer deutsch- amerikanischen Vcrbrttdernngiseier anfzublähen sucht. Deutschland ist ja momentan dank seiner un- crforschlichcn auswärtigen Politik so isoliert, daß eS sich schon im Reiche diplomatischer Phantasien Freunde und BmideS- genossen suchen muß. Der Dreibund ist ja von Herrn Bülotv sozusagen aufgegeben worden. Dafür hatte Dentschland seit einer Reihe von Jahren England geradezu aufdringlich hofiert, bis eS plötzlich dem deutschen Reichskanzler einfiel, einen englijcheii Minister ohne jeden ernstlichen Grund zu brüskieren. Der Zar hat zwar die deutsche Chiiiadeiikmünze erhalten, allein er ist doch andrerscilS auch Frankreichs Intim,>». so daß der HerzeiiSbund den ein wenig unzu- verlässigen und unmoralischen Charakter eines dreieckigen Verhältnisses trägt. Da war eS denn an der Zeit, wieder einmal eine Lxlratonr zu riskieren und mit der Dollar.Dcmokratie jenseits des Atlantic zu fraternisieren. Der Prinz Heinrich bat heute. Sonnabend, von Bremerhaven an? in Begleitimg des Herrn Tirpitz, dem die Erholung sehr ge- � legen kommt, die Reise angetreten. Wem die nächste Tour gelten wird?— Deutsches Weich. Rukanf von Kohlenbergwerken durch de» preußische» Staat. Dem Abgcordiietciihanse ist der bercils angekündigte Gesetz- entwurf betreffend den Eriverb von Bergwerkseigentum im Ober- Bergamtsbezirk Dortmund für den Staat zugegangen. Die Regierung verlangt, daß ihr ein Beirag bis zu 58 Miflionen zum Ankauf der Werke und zur Deckung der Betriebs- und Ausrüstungskosten bis zum 31. März 1903 zur Verfügung gestellt wird. Zur Deckung dieser Summe sollen Staatsschiild-Verschrcibnngcn ausgegeben werden. Geplant ist der Ankauf 1) von 52,' in den Kreisen Rccklinghausen und Lüdinghausen belegenen, von den Erben Vohwinkel angeboteiien Steinkohlenfeldcrii, 2. des Steinkohlen-Bcrg- wcrks Waltrop bei Waltrop, 3. der sämtlichen Kuxe der Gewcrk- schasteu vereinigte Gladbeck, Bergiiiannsglück, Gute Hoffnung und Berlin, 4. des der Gewerlsckmft Deutscher Kaiser zu Hamborn gc- hörigen StcinkohIenfcldeS Potsdam, sowie der Rechtsansprüche dieser Gewerkschaft aus zweien, zwischen den Feldern PölSdam und Berlin belegenen Bohrlöchern bezw. den hierauf eingeleglen Steinlohleu- Mutiiiigen. Gegen den Alkohol. Im A b g e o r d n e t e n h a n s e hat Abg. Dr. Graf Douglas sfk.) mit Unterstützung von Mitgliedern beider konservativen Parteien, deS Centrums, der Nationalliberalen nnd der Polen beantragt, die Regierung aufzufordern, nach dem Vorgange der Gesetzgebung der süddeutschen Bnndcsstnaten und in Verallgemeinening bestehender Polizeiverordnniigen einen Gesetzentwurf zur Verhütung der schädlichen Folgen deS Braniitwein- genuffes vorzulegen. Es soll insbesondere Gast- und Schankivirten, sowie Kleinhändlern untersagt Iverden, Branntwein zu ver- abrcichen in andre» als reinen, von Fuselöl und sonstigen gesimdheitSschädNchen Stoffen freiem Zustande, ferner soll — von Ausnahmefällen abgesehen— im Sommer nicht vor 7 Uhr. im Winter nicht bor 8 Uhr morgens Branntwein ver- „bleicht werden; an angetrunkene Personen, an Personen unter 16 Jahren nnd an solche, die von der Polizeibehörde als Trunken- bolde den Gastwirten bezeichnet sind, darf überhaupt kein Brannt- wein verabfolgt werden. Des weiteren wird die Regierung ans- gefordert, dnrch geeignete Veröffentlichimgen den weitesten Kreisen des Volkes die schädlichen Wirkungen des übertriebenen Alkohol- genuffeS auf die körperliche und geistige Gesundheit, die Nach- koniincnschaft, die Eriverbslhätigkeit nnd das Anwachsen der Verbrecher zum Bewußtsein zu bringen. Endlich soll die Ncgicnmg Erhebungen über die für Trinker bestehenden Heilanstalten nnd sonstigen Einrichtungen anstellen nnd die Uiilerbriiigung von Trinkern in geeignete Anstalten soivie die Fürsorge für sie fördern, insbesondere auf Errichtung öffentlicher Anstalten zur Unterbringung der wegen Trunksucht Entiiiüiidigten Bedacht nehmen: in Wartesälen. Warlcziiiiiiier» der Behörden und sonstigen vffent- liche» Räumen, in ivelchen das Publikum zu verweilen pflegt, bildliche Darstellungen und sonstige Belehrnngen anznbringeu, welche die 'chädlichen Folgen des übertriebenen Alkoholgenuffes insbesondere auf die Organe des menschlichen Körper? vcranschanlichen, und an- ordnen, daß die Jugend in der Schule besonders im Wege des An- schamnigSiiiiterrichtS über die schädlichen Folgen des übertriebenen Alkoholgenuffes aufgeklärt wird.— Ein erschütterter Polizeibericht. An die Generalversammlimg des deutsch-hamioberschen sivelfischcn) Wahlvereins, die am 3. Februar 1901 in HildeSheim stattfand, schloß sich ei» KommerS. Dieser verfiel der polizeilichen Auf- lösung. Den Anlaß zur Auflösung boten einige AnS- fühnnigen des Kaufmanns Heuniges aus Hannover.— Eine Beschwerde des Vorsitzenden des WahlverciuS, Frei- Herrn v. Hodcnbcrg, wurde vom Regierungspräsideliteil zurück- gewiesen. Er arachtelc den Bericht des überwachenden Polizei- k o m in i s s a r S P e r n a u für maßgebend, worin dieser nach der Wiedergabe andrer Aussühriiiigeii des HeiinigeS erklärt halte, er habe HrnnigeS unterbrochen lind mit der üiiflöiiing gedroht, als Redner gesagt' babe, die Hannoveraner kämpften für ihr Vaterland und die Wiede, Herstellung deS Königreichs Hannover. Redner habe dann fortgesabrcn:„Wir werden nicht eher ruhen, als bis der König von Harniover wieder zu seinem Rechte gelangt ist." Nnnmehr habe er die Versamlulung aufgelöst. Ob Hcnniges die Worte gebraucht bnbe:.-- auf geietzlicheili Wege" köimc er nicht behaupten.— Ter dem Kommissar beigeordnete Polizeisergeant Kund will diese Worte im M o m en t der A u f l ö s n n g oder gleich nachher gehört haben, glaubt aber, sie seien von anderer Seite gerufen worden. Der RegisnmgSpräsideiit ging Nim davon ans, daß jene Wort« nicht von Hcnniges gebranäit worden seien. daß somit dessen Ansfiihrnngcn eine Liifforderung zu strafbaren Handlungen ciuhalten hatten und die Versaiiiiiilimg deshalb auf Grund des§ 5 deS VereinsgcsetzeS mit Recht aufgelöst worden sei.— Der O b e rp r ä si d e n t von Hannover billigte diese Auffassung, worauf b. Hoden- berg beim Ober- Verwaltüngsgericht klagte. Der 1. Senat erhob zunächst Beweis.— Vier Zeugen deS Klägers bckimdctcn eidlich ziemlich übereinstimmend, HeiinigeS habe nicht gesagt, man»verde nicht eher ruhen, bis der König von Hannover wieder zu seinem Recht gelangt sei. Die Auf- lösung sei vielmehr erfolgt, als H. von einem Protest gesprochen habe, den die lvelfiscbcu Abgeordneten fort und fort im Reichstage einzulegen hätten. Und vorher habe H. ausgeführt:„Wir erstreben die Wiederherstellung de« Königreichs Haimover ans friedlichem u n d g e i e tz l i ch e m W e g e." DaS Ober-Berivaltnngsgericht gab derKlage am 11. Februar t a t t, hob den Bcscbiverdebeschcid deS Oberpräfidenten nnd de? RegicnmgSpräsideMcn auf and erklärte die Auflösimg des Kommerses für u n b e r c ch t i g t. In der vom Gcheimrat T e ch o iv publizierten sehr ansfübrlilben Begründung wurde hervorgehoben, daß trotz des Widerspruchs in den Aussagen der P o l i z e i b e a m t e u einerseits und der andren Zeugen andrer- icils ein Grund, an der G e'wissenh afligkeit der Beamten zu zweifeln-oder die Zeugen deS Meineids zu verdächtigen,' keinrSwegS vorläge. Man möge ficki eriiiiiern, Ivie schwierig es sei, den richtigen Gc- dankengang und uu» gar den Wortlaut einer Rede hinterher wieder- zuaeben. Hinzu koinuie eine gewisse Unbestimmtheit in den AnS- lihrintgtn des Polizeikoimiiiffars. indem er davon spreche, daß er nicht vcbauptcii könne usw. Wenn man den Bericht des K o in in i s s a r s nickit als widerlegt ansehen wolle, so sei er doch iedciifiills s o iv e i t erschüttert, daß nicht thatsächlich festgestellt werden könne, daß Heuniges vor der Auflösung wirklich die Aeiißernng habe fallen lassen, die nach dem Bericht des Polizei- kommisiars zur Auflösung geführt haben solle. Der Klage müsse darum stattgegeben werden. Protest einer christlichen Gewerkschaft gegen den Brotwncher. Krefeld. 13. Febniar 1902. Der christliche Gewerkverein der Ziegler hat auf seiner Generalversammlung einen Antrag angenommen, welcher die Mitglieder auffordert, ihre Gegnerschaft gegen die Z o l l t a ri f v o r l a g e anfterhalb de» rein wirtschaftliche Zwecke verfolgenden GcwerkvcrcinS zu bethätigen, dabei bringt der Antrag aber zum Ausdruck, daß die Zicaler Gegner der Vorlage sind. Dieser Antrag war das Resultat eines Kompromisses, welcher auf der Generalversammlung nach langen Verhaiidlimgcn geschlossen wurde. ES lagen eine Anzahl AntrSge vor. eine Petition gegen die Zolltarif-Borlag« an den Reichstag zu erlassen und eine P r o t e st r e i o l n t i o n zu fassen. Nur dem vermittelnde» Ein- greifen einiger Delegierten ist es zu danken, daß cö über die Frage nicht zum offenen Beuch zwischen dem Voisitzcndcn des Verbände», welcher über den Punkt nicht berhaudeln laffen wollte, und der Mchrhrit der Delegierten kam. Für ihre.inivrrnLiiftige' Stellimg zu dem Brollvucher iverden die Zieglcr vom katholischen„Arbeiter- sekretär' GicSbert in der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" gerüffelt.— Zwlsch?» Hofkonservativcu n»d„rcine»" Rsjrariern ist k? iin Wahlkreis Elbinei-Mcirienburg zu einem Konflikt flekommcit. Die Konservativen haben als Kandidaten den Fürsten Dohna- S ch l o b i t t e n präsentiert, der Bund der Landwirte hat de» hoch- agrarischen v. Oldenbnrg-Jannscha» erwählt. Die„Deutsche Tageszeitung" fordert ergrimmt die Zurückziehung der Kandidatur des Fürsten Dohna. Das ist derselbe Gegensatz zwischen den Vertretern des ,ge- mästigteit" und deS mastlosen BrotwucherS. der in dein Zollkampf eine beachtliche, wenn auch nicht zu überschätzende Rolle spielt.— Bestrafte Kaiscrhnldignng. Ein Dank- und Glückwunsch- telegrannn an den Kaiser ist mehreren Nnteroffizieren des 12g. In- fanterie-Negimeiits zu Broinberg sehr schlecht bekommen. Aus Anlaß der Umändernna des bisherigen Namens deS Regiments in„3. west- preußisches Jnsanterie-Rsgiment Nr. 120" gelegentlich des letzten Geburtstages deS Kaisers hatten ein Feldwebel und eine Anzahl Unteroffiziere deS Regiments dem Kaiser ein Dank- und Glückivunsch- Telegramm zugesandt. Wegen Nichtimlehaltung deS vorgeschriebenen Dienstweges haben jetzt auf Veranlassung deS Kriegsministers sämtliche'Gratulanten Arreststrafen von 3 und ä Tagen zu- dikliert erhalten. Zum.Abgewöhnen' ist das Verfahren ganz probat.— Ci» AuöstcllungS- Spitzel. Unser Düsseldorfer Parteiblatt berichtet: Vor einiger Zeit kam der hiesige K r i m i n a l k o m m iss a r JosefS zu einem auf der im Bau befindlichen Ausstellung be- schäftigten Ober-Monteur und fragte, ob es nicht möglich sei. einen „Gcwähröniann für die Polizei" anzustellen. Josess habe einen Mann. Der Mann sei ein tüchtiger Arbeiter und die Polizei müsse doch bei einer solchen Menge Arbeiter ihren Gewährsmann haben, um die Leute wegen etwaiger socialisti- scher Umtriebe zn überwachen. Der Monteur autlvortete, daß er vorläufig keine Beschäftigung für Hilfsarbeiter habe, doch solle der Man» notiert werden. Nach 1t Tagen kam ein Herr in Civil zn dem Obermonteur, legitimierte sich als K r i m i n a I- S ch n y- mann Schmitz und sagte, er komme im Auftrage des Kommissars Josefs, wie es mit der Anstellung deS von diesem empfohlene» Schlossers sei. Dem Schntzmnnn wurde abermals verneinend geantwortet. Abermals nach 14 Tagen kam wieder Kriminalkommissar Josefs und erneuerte sein Verlangen. Darauf sagte der Obernrontcur zn. der Manir solle sich vorstellen. Und andern Morgens kam dann ein ca. 3ö Jahre alter Man», der sich Johann Sandner nannte. Die Düsseldorfer Polizei Ivendet nicht allzu große Schlauheit an, nur das Spitzelheer gegen den inneren Feind zu rekrutieren. Für die„Moral" der Staatsstntzeu ist der Vorfall jedenfalls bezeichnend. Ein„unparteiliches" Stadtoberhaupt. Unser Kölner Partei- orgmi. die„Rheinische Zeitung", hatte sich rvicderholt vergebens an den Oberbürgermeister Becker gewandt in» Zulassung eines Vcr- treters zum Berichterstattertisch und u»i Ucberlnssung der städtischen Dnrcksachen. Beides hatte der Oberbürgermeister abgelehnt, das erster« mit dem fadenscheinige» Bemerken: eS sei k e i n P l a tz vorhanden. Wenn dies der tvahre Grund war, hatte eben Platz geschafft iverden müssen, zumal da der„Stadt-Anzeiger" der Kölnischen Zeitung" drei und der„Lokal- Anzeiger" zwei Plätze hat. Es dürfte schwer sein, das Verhalten des Overbürgermeisters mit der für einen städtischen Beamten selbstverständlichen Pflicht der Iliiparteilichkeit in Einklang zu bringen. In der letzten Sitzung der Kölner Stadt- verordneteii-Versammlung kam die Sache infolge der Interpellation von nenn CcntrumS-Stadtvcrordneten zur Sprache, und deren Wort- sührrr, Justiz rat Nausen, bezeichnete eS als ein Gebot der Gerechtig- leir und Billigkeit, den Wunsch der„Rheinischen Zeitung" zu gc- ivähren, wenn man ohne politische Voreingenommen- hcit an die Frage berangehe! die Presse müsse vollständig gleich behandelt werden. Das mußte Herr Becker, der Vicepräsident deS preußischen Herrenhauses, sich von einem ultra», on- taue» Stadtrat sagen lassen, und das gesamte Kollegimn stellte sich auf den nämlichen Standpunkt. Bezüglich deS Platzes am Berichterstatter- Tisch gab Herr Becker denn.'auch klein bei. Die Baukonmnssion soll sich mit der Platzsrage befassen. Be- züglich der städtische» Drucksachen ober behauptete er: Die Druck- lachen seien für die Stadtverordneten, mid sei» freier Wille sei eS, wenn er sie auch der Presse gebe» wolle. Seit je erhalte nur die „Kölnische Zeitung", die„Kölnische Bolkszeitung" und das„Kölner Tageblatt" die städtischen Drucksachen. Er trage aber auch die größten Bedenken, der„Rheinischen Zeitung" die Drncksacheu zu gebe», weil er glaube, dainit de» Pflichten als mittelbarer Staatsbeamter nicht zu entsprechen angesichts der Tendenz der „Rheinischen Zeitung". Er stütze sich da auf ein Erkenntnis des Ober- VcrwaltungSgerichts vom Jahr« t39S. wonach ei» Bürgermeister in eine Ordmingsstrafe genommen ivnrde, weil er em städtisches Lokal zu einer' socialdemokratische» Wahlversammlung gegeben und damit den ans Umsturz der Gesell- schaft. der Monarchie und deS ChristenthumS gerichteten Bestrebungen der Socialdemokratie Vorschub geleistet habe. Er betrachte die Her- gäbe der Drucksache» ebenfalls als eine N n t e rst ü tz u» g der socialde in akratische n Partei, st l I) Er habe gar keine Ber- anlassung, zn Gnnste» der«Rheimscheii Zeitung" eine Ausnahme zu nialhen, erstens wegen ihrer Tendenz im a l l g e- meinen �1!), ziveitenS aber auch wegen der Kritik, die in der„Rheinischen Zeitung" über alle städtischen Angelegenheiten geübt werde(1 1), von seiner Person ganz abgesehen. Kein einziger Stadtverordneter pflichtete Herrn Becker bei. Allerdings raffte sich auch niemand, selbstverständlich auch keiner der Freisinnigen, dazu auf, der„Rheinischen Zeitniig" zu den Drucksachen zu verhelfen I— Genickstarre km Müuchener Infanterie- Leib- Regiment. AuS München wird uns berichtet: Die Genickstarre tritt in dem Jnfanterie-Leib-Regiment epidemisch auf. 2ö Mann sind bis jetzt erkrankt, vier Mann gestorben. Es sollen bereits Vorkehrnngeii getroffen werden zur Verlegung 1. und 4. Compagni«, deren Mmmschnfien bis jetzt allein von der Krankheit heimgesucht wurden, nach dem Lager Lechfeld.— Politik und Blnmcufprache. DaS malitiöse„Lebewohl", daS ber sächsische Landtags-Abgeordnete Rechtsanwalt Stockei neulich in der zweiien Kanimer dem von seinem Posten nicht weichen lvollciidcli sächsischen Fiiianzminister v. Watzdorf zurief, hat den .Ministe' stürzer" in den Augen der Konservativen zn einem HeroS gestempeli. Als am vorigen Donnerstag Herr Stöcke! den Dresdner Stadtverordnetensaal betrat, wo er den Vorsitz führt, wurde ihm für seinen„Mannesmut" eine Huldigung dargebracht. Sämtliche Slndtverordnete— Konservative. Antisemiten nnd Nntionalsociale— erhoben sich von ihren Plätzen nnd verharrten in dieser Stellung, bis Herr Stöcke! Platz genommen hatte. Außerdem prangte auf dem Präsidentenpult ein Riescii-Bliimciistranß. Die Preßvertretcr wußten anfange nicht, was das alleö besagen sollte. Schon nach wenigen Minuten wurde ihnen die Bedeutung der Ovation inoffiziell mit- geteilt. Auch deutete man an, daß die Wahl der Blumen mit einer gewissen Absickitlichkeit geschehe» sei. Gesprochen wurde bei dem Hiildigungsakt überhaupt' nicht. Dr. Stöcke! begnügte sich, eine Verbeug, mg zu machen und zu sagen:„Ich danke Ihnen, meine Herren!" llni so größer wird wahrscheinlich der Wunsch der Leser sein, die Bedeutung der Blumen de§ Straußes zu erfahren. Der Elrauß bestand aus Alpenveilchen. Flieder N und Aronstab. In der Blnmensprache desagt Alpenveilchen:„Hege Mitleid mit ihm'(Mit Watzdorf?) Flieder bedeutet:„Ich kann warten." (Dr. Stocket wurde als Kandidat für den Dresdener Ober- bürgeimeisler-Posten genmnit: da Oberbürgermeister Bentler aber lvider Erwarten nicht Finniizminister Ivurde. so soll ihn der Flieder offenbar tröstein) Den Mittelpunkt deS Straußes bildete Aronstab. Nach dem 17. Kapitel des vierten BncheS Moses beschwichtigte Gott durch die Wmiderthat des grünenden Aronstabes das Murren nnd den Aufruhr der Kinder Israels. Es hat einen eignen Reiz, daß sich hier Dresdener antisemitische Stadtväter mit den Kindern Israels und thren Borsitzenden mit dem Arousstab vergleichen. ' Hoffentlich bürgert sich die Blnmensprache nicht im öffentlichen Leben ein, sonst dürste die Politik noch kompliciertcr werden als sie schon ist.— Ausland. Die Vorbereitung de» östreichifchen Zolltarifs. —Lb.— Wien. 13. Februar.(Eig. Ber.) Herr v. Koerber ist gestern abend von Budapest heim- gekehrt, wohin er sich begeben hatte, nm mit seinem ungrischcn Kollegen über die strittigen Punkte des Entwurfes zn einem autonomen Zolltarif zu verhandeln. Die Verhandlungen sollen in soweit ein günstiges Ergebnis geliefert haben, als sich, wie offiziös versichert wird,„daS Gebiet der Differenzen immer mehr verengert", so daß man hofft, bei der nächsten Besprechung vielleicht schon die Instruktionen für die dritte Lesung innerhalb der Unter- Handlungen vereinbaren zu kömien. Wenn aber auch das Gebiet der Differenzen kleiner geivorden ist— eS ist immerhin noch groß genug, um die Erwartung, der Entwurf werde bald heraus- konimen. tief herabzustimmen. Die Differenzen zwischen beiden Renten liegen in dem Gegensatz ihrer wirtschaftlichen Bedürfnisse. Ungarn, als ein ausgesprochener Agrarstaat, hat nur ein geringes Interesse an Schutzzöllen für die Industrie, die nur Oestreich zu gute kommen, Uugani aber nur die Waren verteuern, dagegen drängt es nach ausgiebigen Erhöhungen der Zölle auf die Produkte der Landwirtschaft. Nun sind die Agrarier auch in Oestreich sehr mächtig und das Abgeordnetenhaus besitzt trotz aller nationaler Verkleidungen eine ausgesprochene, begehrliche agrarische Mehrheit; dennoch kann die östreichische Regierung in der Nachgiebigkeit gegen- Über den agrarischen Wüiischennicht so weit gehen, als es die Ungarn zn wünschen scheinen. Dagegen dürften sich die Ungarn de» AuSschrcitinigen der östreichische» Jndnstriezöllner widersetzen— oder richtiger, ihr Nach- geben mit Zngesläiidnisjcn ans agrarischem Gebiete sich bezahlt machen wollen. Unter solchen Umständen wird der Entwurf natürlich eine Fanfare deS ProtcktioniSinnS werden; industrielle nnd agrarische Begehrlichkeit wird sich darin gleichermaßen austoben. Ob der Entwurf Heuer noch Gesetz werden kann, ob also Oestreich-Ungarn daran zu denken vermag, seine nächstes Jahr ab- laufendei! Handelsverträge heuer zu kündigen, ist allerdings eine andre Frage. Selbst wen» sich die Verhandlimgen über den Entwurf glatter und rascher abwickelten, als es dem Anschein nach der Fall ist, so wäre eS nicht gerade wahrscheinlich, daß man eS darauf an- tonnnen lassen ivimte, ob daS so unberechenbar« östreichische Parlament die schwierige, so viele Leidenschaften entfesselnde Vor- läge in der Herbstscssion nnter Dach und Fach dringen werde. Nim kompliziert sich aber die Sachlage ganz bedeutend dadurch, weil der Abschluß internationaler Handelsverträge über das Jahr ISO? hinaus den Abschluß eines regelrechten Zoll- und Handels- b ü n d n i s> e s zwischen O e st r e i ch und Ungarn voraussetzt. DaS jetzige wirtschaftliche Verhältnis der beiden durch das Band drs Dualismus vcikiiüpsteii Staaten de- ruht natürlich nicht ans einem Vertrage: dieser ist infolge der langen parlamentarischen Krise in Oestreich nicht zn stände ge- kommen. Die Gemeinsamkeit des Zollgebietes ist mir durch selb- ständige Verfügungen beider Staaten auf Grundlage der Rcciprocität begründet— in Ungarn mittels eines Gesetzes, in Oestreich durch eine bloße ungesetzliche§ 14- Verordnung. Diese „Gemeinsamkeit" besteht bis Ende des Jahres ISO?; darüber hinaus kann sich nun Oesireich-Ungam international nicht verpflichten, weil seine wirtschaflliche Einheit nur bis dahin verbürgt ist. Uebcr dieses „AuSgleichSjahr"— das das vierte Dezennium seit dem 1867er AnS- gleich abschließt— köimten internationale Handelsberträge nur ge« schloffen werden, wenn bis 1803 wieder ein regelrechtes Zoll- iiiid HandelS- bünduis— ein Vertrag in Form gleichartiger Gesetze beider Staaten— zu stände kommt. Nim schweben auch darüber Verhandlimgen, aber sich da zu einigen ist ungleich schwerer, als sich über willkürlich er- somieue Erhöhungen eines Tarises zu verständigen. Umsomehr als Herr v. Koerber im Abgeordnetenhaiise den Mund so voll genomiiicii hat. daß er ohne Eroberungen gegenüber dem verordneten Ausgleich die Partie im Wiener Parlament nicht gewimien kann. Aber selbst wenn auch diese Verhandlungen zu einem guten Abschluß kämen, so bleibt noch immer der verordnete Ausgleich mit seinen vielen Schattenseiten übrig, nnd die Ungarn zu neuen Verhandlungen Über die Notenbank, Über die Verteilung des Erträgnisses der indirekten Steuern, über die Quote zu bewegen, ist ganz aussichtslos. Aber alle diese alten Wunden würden aufbrechcii, wenn im Abgeordneten- Hanse der Zolltarif nnd das Zollbündni« verhandelt würde. Man könnte doch den neuen Ausgleich nicht machen, ohne den alten, die berüchtigten Notverordmiiigcn. die zur Beschluß- fassnng dem Abgeordneten Hanse seit zwei- ei n halb Jahren vorliegen, die aber von allen Parteien gemieden werden wie die Pest, ohne diesen octrohlerten Ausgleich end- lich vorzimehme». Wie kritisch sich die Vorlage dann aber gestalten könnte, liegt auf der Hand. Aus allen dem glauben wir folgern zu können, daß man in Oestreich-Ungarn mit dem neuen autonomen Entwurf im Jahre 1902 ebenso wenig fertig werden wird wie in Deutschland, und es vorziehen wird, die Dinge einfach ein Jahr so zu belassen wie sie sind.—_ Die Metzelei i»«rieft. Roch den weitere» Meldungen stellt sich heraus, daß das furcht- bare Blutbad in Trieft, dem nicht weniger als zwölf Menschen- leben zum Opfer fielen, von Militär und Polizei durch den allen bewaffneten OrdiiimgSstützen eignen Uebereifer provoziert worden ist. Im Abgeordnete n Hanse stellte allerdings am Sonn- abend der Ministerpräsident v. Koerber die Sache so dar, als ob die Truppen in der N o t>v e h r gehandelt hätten, nach der nicht offiziellen Darstellung trug sich der beklagenswerte Vorgang jedoch ganz anders zu. So wird dem„Berliner Tagebl." darüber gemeldet: „Die für 3 Uhr im Politeama angesagte Versammlung der Streikenden war verboten worden, was jedoch eine solche Aufregung verursachte, daß die Statthalterei dem Drängen des Arbeiterführers Ucekar nachgab und das Verbot zurücknahm. Sofort war das Politeama gedrängt voll Menschen. eS entstand eine heftige Debatte über die ferner einziinehinenbe Haltimg der Streikenden, und nach einer bewegten Diskussion wurde beschlossen, den Vorschlag der Lloydverwaltuug zur Kenntnis zu nehmen, aber bis zur Eiitscheidmig des Schiedsgerichts in dem Streik auszuharren. Die Arbeiterführer versuchten, beruhigend auf die Menge ein- z u w i r k e n nnd ermahnten dieselbe, insbesondere auf der Straße sich vor jeder Gewaltthätigkeit zu hüte». Es schien auch, alö hätten die Mahmmgen Eindruck gemacht, denn die Mcnge verlieh, Arbeiterlieder singend, aber sonst ziemlich ruhig, da« Politeama und zog den Acquedotto entlang der Stadt zu. DaS Militär vermochte die Massen nicht aufzuhalten. Auf der Via del Corso versuchten Militär und Wachleute vereint sich der Menge entgegenzustellen. CS erfolgte ein furchtbares Gedränge, die Meute staute sich wie eine Mauer, so daß daS Militär, um mit Erfolg daS weiter« Vordringen der Massen zu ver- hindern, sich genötigt(?) sah. mit gefälltem Bajonnet vorzu- gehen. Hierbei wurden mehrere Personen verletzt, darunter eine Frau schwer durch eine» Stich in de» Unterleib. In das Johlen und Pfeifen der Menge mischte sich das Wehgcschrei der Verwundeten. Allmählich begann sich aber der Menscheulnänel zu lösen und die auf dcn TrottoirS Stehenden stürzten in wilder Flucht iii die Seitengassen, teils rechts gegen die Altstadt, teils dem«ergestenm zu, sammellen sich aber bald wieder und eilten auf den Korso, wo sie nun im Rücken des Militärs zu st e h e n käme n. Der die Jufantcriecompagnie befehligende Hauptmalin ließ die Hälfte seiner Leute Kehrt machen und stand min mit der Eompagnie von beiden Seiten eingekeilt zwischen der wieder stürmisch vorwärts drängenden Menge, ans welcher, wie behauptet wird. Steine gegen d a S Militär geschleudert wurden. Der'die zweite Halbcoinpagnie befehligende Oherlieutenant Koeppl wurde durch z w c i S t e i n>v ü r f e au d e r B r n st u n d a m Kopf getroffen und stürzte zu Boden, zugleich gaben die S o l d a t e n Feuer, es wurden zwei Salven abgegeben. Mit gellendem Auf- schrei stürzten die in den vordersten Reihen Stehenden zn Boden. Fünf Personen waren tot, eine große Zahl verwundet." Das Wiener k. k. Telegr. Korvespoildenz-Vureaus meldet vom 15. Februar: Die Nacht ist ruhig verlaufen. Heute vormittag sind trotz des eingetretenen RegenS die Straßen sehr belebt. Acht Com- paguien Militär, zusammen M) Mann, sind aus Goerz eingetroffen. Patrouille» durchziehen die Straßen und halten die öffentlichen Gebäude nnd Hanptplätze besetzt. Die Läden sind mit Ausnahme der Eßivarcnläden geschloffen. Bier Vcr- w ii ii d c t e sind ihren Verletzungen erlegen. Verhaftet sind insgesamt 67. Ein Korrespondenz-Burean meldet über Wien: Der Gemeinderat beschloß in einer außerordentlichen Sitzung eine Tranerkundgcbnng. Zahlreiche Häuser der Stadt sind schwarz beflaggt. Als die Polizei in dieselben ein- drang, um die Traiicrzciche» zu entfernen, wurde die Viirgerschaft äußerst erbittert, da sie mit de» Arbeitern sympathisiert. DaS von feiten der Arbeiter gewählte Schiedsgericht, bestehend ans dem Setzer Oliva, dem Mechaniker Chinessi und Ucekar, verspricht Erfolg und läßt erwarten, daß die Arbeit am Moniag wieder aufgenommen werden wird.— Schweiz. Von der Klceblatt-Juitiative. Zürich, 10. Februar.(Eig. Ber.) Der städie-, iudnsirie- und sieindenfeiudlichcn Banern-Jnitiative ist im Hinblick ans die drei Ilrbeber derselben der schöne Raine Kleeblatt- Initiative ge- gebe» worden, der ihr auch bleiben lvird, da er kurz und er- schöpfend ist und dem p r a k t i s ch e n Bedürfnis nach sprachlicher Kürze nnd Pincisio» entspricht. Die Presse aller Parteien und in ihrer überwiegend großen Mehrheit bekämpft die Initiative und könnte man sie zum Maßstab der Beurteilung des Ausganges dieser reaktionären Eainpagne machen, so könnte man der- selben schon heute ein klägliches Fiasko mit aller Sicherheit voraussagen. Aber es ist schon wiederholt dagewesen, daß die Presse fast einmütig eine Refereudnmsvorlage bekämpfte oder empfahl und das Resultat ein völlig gegenteiliges Ivar. Die Presse erörtert inm fleißig alle in Betracht kommenden Verhältnisse wie die ihnen drohenden Veränderungen nnd insbesondere die empfindlichen Benachteiligungen einer ganzen Reihe von Kantonen, die sie durch eine kleine, übersichtliche Tabelle trefflich illnstriert. Nach derselbe» würden folgende Äanlone um die ihnen ge- bührende Vertretung zu Gunsten der bäuerlichen Machtstellung be- trogen werden: Gerade nm die 20 Nationalratssitze, die infolge der Bevölkerung?- vermehnmg von 1838 bis 1900 neu geschaffen ivurden, würde die gesamte Vertretung im Nationalrat verkürzt werden und zwar ausschließlich zu Ungunsten der vorstehend angeführten zehn Kantone. welche die größten und bedeiiteiidslen der Eidgenossenschaft sind. Es würde bei der Annahme der Kleeblatl-Jnitiative beim bisherigen Be- siandc des Nationalrates mit 47 Mitgliedern bis ans weiteres sc!» Bewenden haben. Nicht gezweifelt wird daran, daß bei dem demagogischen Charakter der Initiative die crforverlichen 50 000 Unterschriften ans- gebracht werden. EtwaL andres ist es aber mit dem Er- aebniS der späteren VolkSabsliinmnng; da ist einmal zweifelhaft, ob die Initiative die Mehrheit der Stinnnendeii auf sich zu vereinigen vermag nnd sodann auch die Mehrheit der StandrSstiinmen oder Kantone. Unter StandeSstimmc versteht man die Stiimucnniehrheit eines KantonS bei einer VolkSabstimnumg über Abändcnmg der Bundesverfassung, also eine verwerfende oder amiehinende Mehrheit. ES müßten sich demnach 13 Kantone je mit Mehrheit für die Initiative aussprechen, tvas allerdings nicht sicher zu ertvarten ist. Völlig anSgeschlosscii ist, meinen die radikalen„BaSler Räch- richten", daß die Initiative für die Wahlen im Herbst deS lanfendcii Jahres zur Geltung komme. Der Zeitpunkt ihrer crktinaligcn An- Wendung wäre frühestens der Herbst 1905, dann aber ist die Schlacht wegen der Handelsverträge(deren Abschluß in agrarischem Sinne eine der Ursachen der Initiative ist) längst geschlagen. Norwegen. Im Biwaf bei 20—30 Grad Kälte. Trotz vieler Prolesie und Warnungen wurden am DoiiiierStagiiiorgcii die sogeiiniinteu Detachenicuisübuiigen mit Vilvakiermig sieieu Felde bcgoimcu. Die in Kristiania gariiisonierendcn Truppen samt der Schnlabteilimg der ersten Brigade zogen morgens'/s7 Uhr hinaus nach Groind, die Infanterie und das Jngeii'icurcorps auf Schneeschuhen, um nachts Im Walde bei Laghangmoen zn kampieren. Die Nebimgen sollen 3 Tage dauern. Zur Zeit herrscht außerordentliche Kälte in Nor- wegen, wie sie seit 85 Jahren nicht zn verzeichnen war. In Kristiania zeigte daS Thermometer am Dienstngmorgen 25 Grad unter 0, in einzelnen Orten im Lande sank eS auf 30 Grad Eelstus.- England. Die Forderungen für die Marine belaufen sich auf 31 255 000 Pfd. Sterl. gegen 30 875 000 im Vorjahre. Davon sind 9 053 000 für Neubauten bcstiniint nnd 700 000 Pfund von letzterem Betrage für die ersten Raten neuer Schiffsbautcn. In der Denk- schrift zu diesem Voranschlag bemerkt der Eiste Lord der Admiralität, während die Flotte wachse, müsse der MaiinschaflSbestand in gleichem Verhältnis vermehrt werden. Jni Voranschlag für die Marine sind denn auch 122 500 Pfd. Sterl. vorgesehen für die Vermehrung des Personals um 8875 Köpfe.— Lord Roscbery hielt am Freitaxiabend in Liverpool bei einer qroßen liberalen Demonstration eine Rede, in welcher er mißbilligte, daß die Regiernng den Delegierten kein freies Geleit geivähren wolle. Das jüngst veröffentlichte Blaubuch zeige, daß Ncitz int Mai 1901 den Führern der Bocrcn schrift- lich nahe gelegt habe, eS fei nunmehr Zeit, sich mit den Engländer» zu einigen, und vorgeschlagen habe, daß irgend jemand nach Europa gehen und Krügers Genehinigung zu solchem Schritte nachsuchen solle. Es sei daher ivohl wert, zu erwäge», ob man den Delegierten nicht gestatten solle, nach Süd- afrika zu gehe», wenn man die Garantie habe, daß sie im Interesse des Friedens hingingen. Man müsse die zukünftige Niederlassung von Boere» und Briten neben einander im Auge' haben und er sei für eine friedliche und dauernde Regelung des Streites. Nach- dem Nosebery dann noch verschiedene politische Fragen berührt hatte, wobei er die Notlveudigkeit peinlicher Untersuchung beim Anlauf von Remonten betonte und zu einer reservierten Haltung gegenüber dem Abkoninien mit Japan riet, erklärte er, daß die liberale Partei, die 16 Jahre lang nicht am Ruder gewesen sei, ein neues Programm habe» müsse, nicht ein altes ab- getakeltes Programm. Die irische Gesetzgebung, wie sie Gladstone vorgeschlagen habe, sei tot. Er sei persönlich durchaus gegen e i n unabhängiges irisches Parlament. Die Iren hätten sich offen als Feinde Englands erklärt. Eine Allianze zwischen den Iren und der liberalen Partei sei daher nicht länger möglich. Italien. Milttiirkorrnption in Neapel. Der Kriegsminister hat den Bericht der militärischen Untersuchungskommisston erhalten. Danach be- tragt die Zahl der jungen Leute, ivelche durch Bestechungen der Militärärzte und Offiziere sich widerrechtlich vom Dienst' befreit haben, 104, 3 davon sind tot, 69 sind verhaftet, und die andren sind nicht auffindbar gelvesen.— Rnftland. R, Istland und der ostasiatischc Zwcibnnd. Der„Matin" meldet ans Petersburg: Der Wortlaut des englisch j a p a n i s ch e n A b k o m m e n s hat nun auch hier veröffentlicht werden dürfen. In amtliche n Kreisen wird der Vertrag mit großer Ruhe erwogen und erklärt, man könne nur befriedigt sein, daß England und Japan sich geeinigt haben, um die Integrität Chinas zu wahren. Warum sollte Rußland nicht so gut wie andre Staaten die lammfrommste Unschuldsmiene anfstccken dürfen!— Amerika. Internationaler Boykott. Die socialistische Partei der Ver- eipigten Staaten macht durch ihr Natioiialkonntec bekannt, daß sie beschlossen habe, mit aller Energie die Weltansstelluiig von St. Louis zu boykottieren. Die Direktion dieser Ausstellung hat bei den Arbeiten die organisierten Arbeiter systematisch ser'ngehalten. Der Arbeiterbund hat sich deshalb an alle Gewerkschaften und an die socialistische Partei �gewandt. Die letztere fordert die socialistischen Parteien aller Läuiser auf, Kredite, die in den Parlamenten für diese Ausstellung verlangt würden, nicht zu bewilligen.— Der Boeren- Krieg. De Wet. Der„Standard" meldet aus Pretoria vom Freitag: Man nimmt an, daß die Engländer, als sie bei dem im Oranjestaat ver- anstalteten Kesseltreiben die Linie Heilbron- Wolvehoek erreichten, nur mehr 600 Boeren vor sich hatten. Die übrigen Boeren waren, 1400 Mann stark, bereits nach Osten durchgebrochen und stehen jetzt rund u ni R e i tz.— De Wet ist nicht durch die Blockhauslinie von Thabanchn hindurchgckoinmen; er wird wahr- scheinlich versuchen, nach Norden durchzubrechen und die bei Reitz zerstreut stehenden Streitkräfte wieder unter seinem Kommando zu sammeln. Die Stärke der Boeren. Aus Berkhkerkop wird nach London berichtet: Nach Air nähme mehrerer Boerenoffizicre beträgt die Stärke der noch im Felde stehenden Boeren ISOIM) Man». Alle diese Leute wissen wohl, daß sie ruiniert sind und daß sie ihre Unabhängigkeit verloren haben, aber sie sind entschlossen, den Engländern möglichst große Verluste beizubringen und Ausgaben zu verursachen. Sie werden kämpfen, bis der letzte Boer getötet oder gefangen genommen ist. De WetS Stab besteht aus seinen beiden Söhnen, von denen der eine als Sekretär, der andre als Adjutant fungiert. kkttchenerö Abberufung? Man versichert in London, daß, falls der weitere Verlauf des Krieges es erlaube, Kitchener im April nach England zurück- kehren werde, um dem Krönungsfeste beizuwohnen. Es ist jedoch noch nicht sicher, ob Kitchener bei der Kröiiuiigsfeierlichkeit wird zu- gegen sein können. Nachdem Kitchener ciidgiiliig Südafrika verlassen haben werde, werde er sich alsbald nach Indien begeben. GeioeMslrtzslMichtvs. Berlin und Umgegend. Achtung, Modelltischler und Drechsler! Bei den Firmen Union, Elektricitäts-Gesellschaft, und Luwig Löwe, Maschinenbau, sind die Modelltischler und Drechsler aus- gespert. Zuzug ist fernzuhalten. Ktstcnmachcr! Die Differenzen in der Kistenfabrik von Stolz sind durch Vermittelung der Lohnkoiiimission beigelegt. Die Lohnkommission. Deutsches Reich. Eine drollige Verwechslung ist der„Socialen Praxis" passiert. Sie entnimmt der„Kölnischen Volkszeitung" die Mit- teilung, daß bei dem Ausstand von 2000 Deckenwebern in Enschede der Minister des Innern sich bereit erklärt hatte, daS Schiedsrichteramt zu übernehmen, und knüpft daran folgende Betrachtung: „Es ist unseres Wissens das erste Mal, daß ein preußischer Mini st er in eineni Arbeitskampf Verniittelung zu übernebnien bereit gewesen i st. während in England, Frankreich, Italien leitende Staatsmänner, wie Roscbery, Waldeck-Ronsseau. Zanardelli dies Amt zu Nutz und Fronmien des socialen Friedens wiederholt ausgeübt haben. Wenn der preußische Minister des Innern nun die gleichen Wege betritt, so erblicken wir darin einen höchst erfreulichen Fortschritt, dessen principielle Be- deutung durch daS Scheitern der Mission an dem Verhalten der Unternehmer nicht geschmälert wird. Wir kommen eben auch in diesen Dingen langsam vorwärts— hatte doch noch vor wenigen Jahren bei dem Streik am Piesberg Handelsministcr Bre- feld jede Vermittlung mit der Begründung abgelehnt. Ausstände seien Privatangelegenheiten der Arbeitgeber und Arbeiter, in die ein Minister sich nicht mischen dürfe. Eine derartige platt m an che st erliche Auffassung verschwindet immer m e h r." Herr v. Hammerstein wird nicht wenig verdutzt gewesen sein, als er diese Belobigung las. ES handelt sich nämlich nicht um den preußischen, sondern um den— niederländischen Minister des Innern. Die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter von Halber- st a d t haben ihren Arbeitgebern einen neuen, auf zwei Jahre gültigen Lohntarif vorgelegt. Derselbe fordert für das erste Jahr eine Lohnerhöhung von 3 Pf., für das zweite Jahr eine solche von weiteren 2 Pf. pro Stunde. Die Forderung einer � Arbeitszeitverkürzung von einer halben Stunde wurde fallen gelassen, weil die Arbeitgeber wenig Geneigtheit zum Entgegenkommen zeigten. Die Opfer eiucS Streiks. Am ganzen Rhein hat noch nie ein Streik so viele Opfer erfordert als der S a m m t f ch e r e r st r e i k in Krefeld. Nach einer Zusammenstellung wurden im ganzen 61 Anklagen wegen Bergehen gegen Z 163 der Gewerbe-Ordnung und Streikpostenstehen erhoben. ES handelte sich im letztern Falle um die Straßenpolizei-Verordnung, wonach die Streikposten 200 Meter von der Fabrik entfernt bleiben müssen. Nur 4 Freisprechungen er- folgten und zwar 3 in der Berufungsinstanz. Gefängnisstrafen wurden in 23 Fällen 282 Tage und Haftstrafen in 30 Fällen 92 Tage verhängt. Außerdem wurden vier Streikende zu einer Gesamtgeld strafe von 100 M. verurteilt. In der Waschmaschinenfabrik von Adam Schmidt in Saalfeld spitzt sich der Konflikt immer mehr zu. Da Herr Schmidt keine Miene zu Unterhandlungen macht, werden nach Ablauf der Kündigungsfrist(am 22. Februar) 16 Böttcher und 31 Tischler, Schneidemüller und Handarbeiter die Arbeit niederlegen. Inzwischen maßregelt Herr Schmidt weiter. Erst dieser Tage wieder hat er vier Metallarbeiter entlassen, weil sie es gewagt hatten, in einer Versammlung von den Fabrikzusländen zu erzählen.— Zu zug von Böttchern und Holzarbeitern ist von Saalfeld fern zu halten. Arbeiterentlaffungen in einem staatlichen Betrieb. Die königliche Artilleriewerlstatt in K ö l n- D e u tz hat einer großen An- zahl' Arbeitern gekündigt. Von ihren 440 Arbeitern müssen 64 Schlosser, 34 Tischler, 32 Schmiede. 16 Dreher und eine An zahl Sattler austreten. Unter den Gekündigten sind fast keine, die nicht mehrere Jahre in der Werkstatt beschäftigt waren, manche waren länger als zehn Jahre dort thätig. Es kennzeichnet das sociale Pflichtgefühl der Verwaltung, daß man sich be! der herrschenden Arbeitslosigkeit zu solchen Entlassungen entschließt. Bei der Arbeits loscndebatte im Deutschen Reichstag wollte Graf Posado wsky von einer großen Arbeitslosigkeit nichts wissen. Die Ermahnungen, die er der Privatindustrie gab, hätten nicht minder den staatlichen „Musterbetrieben" erteilt werden müssen. In dem DrechSlerstreik bei WormS in Zeitz haben dieser Tage Verhandlungen vor dem Einigungsamt statlgefunden. Es sollte zunächst versucht werden, Herrn Worms ebenfalls zur Au- rufung zu bewegen. Derselbe war zwar erschienen, erklärte aber von vornherein, sich niemals zu einigen. Der Herr Ober- Bürgcrmcistcr Arnold gab sich die größte Mühe, Herrn Worms zu überreden, jedoch ohne Erfolg. Auf der Suche nach Streikbrechern hat sich Herr Worms nach Lübeck, Flensburg, Wcstpreußcn und Wien gewandt; allerdings mit wenig Erfolg Bei der Webcr-AnSsperrnnz in Greiz stellt sich schon jetzt heraus, daß die große Masse der dem Fabrikantenverein angchörigci! Firmen, die sich an der Aussperrung ihrer Arbeiter beteiligen, dabei von einer Reihe von Großindustriellen über das Ohr gehauen wird Es ist bekannt, daß beispielsiveise die beiden Firmen Friedrich Arnold und Schilbach u. Co. in Nachbarstaaten(Langenwetzendorf und Mylau) Filialen besitzen, in welchen sie bedeutend geringere Löhne zahlen, als wie in ihren Fabriken in Greiz. Nun arbeiten aber die beiden Filialen ruhig weiter. Die Firma Friedrich Arnold hat in Greiz 90 Webstühle im Gang, ivährend sie in Langenwetzendorf mehrere hundert Stühle beschäftigt Bei der Firma Schilbach u. Co. ist das ja nicht der Fall; sie be- schäftigt die große Mehrzahl der Stühle in Greiz. Aber immerhin sind diese beiden Firmen gegenüber denjenigen, die bloß Fabriken in Greiz haben und mit denen sie sich solidarisch verbunden, bedeutend im Vorteil. Die Firma Friedrich Arnold hat durch die Anssperruug gar keinen Nachteil, da sie in Langenwetzendorf genügend Ncservestühle hat und mit Leichtigkeit die 90 Stühle in Greiz ersetzen kann, sie also in der Lage ist, ihre Bestellniigen rechtzeitig zu liefern. Bei der Firma Schilbach u. Co. liegt die Sache ähnlich und die andren Fabrikanten sind die Dummen.— Herr Schilbach hat sich bekanntlich während der Verhandlungen mit ganz besonderer Verve gegen jede Einigung aus- gesprochen; wie man sieht, konnte er das gefahrlos thun. Ter Klcmpnrrstretk in den Luxfchen Judustriewerken zu München ist durch gütliche Vereinbarung beigelegt. Ausland. Gewerkschaftliche Berufskongresse in der Schweiz. In der Osterwoche halten die Berufsverbände der Hafner, Holzarbeiter, Zimmerleute. Küfer und der Metallarbeiter ihre Delegierten- versammlniigen ab und zwar zumeist in Bern. Der Verbandstag der Korbmacher findet am 23. Februar in Zürich statt. Der schweizerische Branrreiarbeiter-Verband veröffentlicht soeben einen mustergültigen Bericht über seine Thätigkeit im Jahre 1901, woraus sich ergiebt, daß daS in Bern domizilierte Central« komitee mit Geschick und Erfolg die Interessen der Verbands- Mitglieder wahrgenommen hat. Mit dem Verband der Brauerei- besitzer trat es' zu dem Zwecke in Verbindung, bei notwendig werdender Betriebseinschränkniig Arbeiterentlassungen zu vermeiden, was zugesagt wurde. Der Verband erhöhte im Jahre 1901 seine Mitgliederzähl von 439 aus 630, also um 91 oder rund 19 Prozent. Die Einnahmen betrugen 6492 Fr., die Ausgabe» 3664 Fr., worunter 864 Fr. Arbeit'slosen-Unterstntzmig. der Kasscnbestand stieg von 1674 auf 1828 Fr. Der Diamantarbeiter-Streik in Amsterdam. Wie der Hanptvorstand des„Allgemeinen Niederländischen Tiamantarbeiter- Verbandes" mitteilt, sind in der vorigen Woche 6100 Gulden sür die Ausständigen eiiigekommen, wogegen in der ersten Woche nur ungefähr 2000 Gulden einkameii.' Die Unterstützung kann, andre Hilfsquellen mitgerechnet, auf unbegrenzte Zeit in der bisherigen Höhe ausbezahlt werden.— In der Textilindustrie Dänemarks ist jetzt eine Tarifgemein- chaft zwischen Arbeiter- und llnternehmer- Organisation zu stände gekommen, nachdem in den letzten drei Wochen sehr eingehende Ver- handlnngen zwischen den Vertretern der beiden Parteien statt- gefunden hatten. In einzelnen Punkten sind die Löhne etwas herabgesetzt worden, in andren haben dagegen Erhöhungen statt-- gefunden. Der friedliche Ausgang dieses Konflikts erscheint um so erfreulicher, wenn man erwägt, daß auderiifalls die große Schar der Arbeitslosen noch durch 6000—7000 Textilarbeiter und Arbeiterinnen vermehrt worden wäre. In Marseille ist die Zahl der streikenden Arbeiter aus den dortigen Oelfabriken auf 1500 angewachsen; in zwei Fabriken ist die Arbeit bereits wieder aufgenommen. Die Weistgcrber von LimogeS(Frankreich) sind in der Zahl von 300 in den Streik eingetreten. Bei einer Demonstration vor der Fabrik kam es zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei. Zwischen dem Streikkomitee der Turincr GaSarbciter und dem Präfekten sind Unterhandlungen im Gange wegen Bei- legung des Streiks. Die GaSarbeiter haben sich, nachdem die Ver- Sammlungen verboten waren, durch Flugblätter an die Bevölkerimg gewandt.' Die Direktion hat sich vergeblich nach Streikbrechern um- gesehen; an die Streikenden hat sie Briefe versandt, in denen zur Wiederanfttahnie der Arbeit aufgefordert wurde, aber auch diese sind ohne Erfolg geblieben, und so fcheint man denn zu Verhaiidluiigen geneigt zu sein. Die Gärung unter den Angestellten der italienischen Mittel- meerbahn ist durch die für ungenügend erachteten Zugeständnisse der Gesellschaft in Frage der Lohuerhöhnng eher gestiegen, als ver- mindert. Die Delegierten der Angestellten beschlossen vorgestern abend in einer vollzählig besuchten Versammlung zu Mailand, die Generaldirektio» aufzufordern, bis zum 1. März weitere Zu- geständnisse im Sinne des Memorandums der Angestellten bekannt zu geben; den Angestellten wird von der Delegierten- versammlimgj empfohlen, sich inzwischen ruhig zu verhalten. Eine ebenfalls vorgestern abend in Mailand abgehaltene Versamm- der Staatsniigestellten proklamierte die Solidarität zwischen den An- gestellten der Post, Telegraphie und Eisenbahn und er- hob scharfen Protest gegen die wegen Agitation � gegen die Ein« ührung von Dienstuniformen erfolgten Strafversetzungen.— Der Postminister Galimberti wird von demokratischen, liberalen Blättern wegen seiner Haltung heftig angegriffen. Berantworiltcher Siedaeteur!«arl Letd in Berlin. Für den Jnlnatenteil verantwortlich: Tch.«locke in»erlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Socialv Mechkspflege. Vom Kampf um die Unfallrente. Der Heizer Sch., der in einer D a m p s w äs ch ei und Plättanstalt beschäftigt war. wollte eines Morgens Kohlen in die Oeffnung der Treppenrost- feuerung schütten und hob zu diesem Zwecke den mit Kohlen gc- füllten hölzernen Kasten hoch. Hierbei spürte er plötzlich ein Knacken im Leibe. Gleichzeitig brach er zusammen, wodurch der Kohlenkasten auf seinen Unterleib und auf den rechten Fuß zu liegen kam. Sch. erhob sich bald wieder, fühlte sich aber sehr unwohl und mußte sich setzen. Der Betrievsunternchmer kam hinzu. Dieser ließ ihn, nach- dem er von dem Vorfall Keuntnis genommen, nach Hanse führen. Aerztlicherseits wurde eine Quetschung des Unterleibes und ein Nabelbruch konstatiert. Der Verletzte wurde acht Wochen in seiner Wohnung und drei Wochen in einer Klinik behandelt.— Die Berufs- genossenjchaft für die Bekleidungsindustrie, die Sch. um eine Unfall- reute anging, machte es sich zunutze, daß während des Unfalls selber niemand zugegen war und wies den Anspruch mit der Begründung ab, der Unfall sei„durch nichts erwiesen" und Sch. sei schon vordem »ervenleidend gewefen. Sic legte kein Gewicht auf das bei der polizeilichen Vernehmung abgegebene Zeugnis des Unternehmers, daß er Sch. an jenem Morgen ziemlich schwach und hilflos im Kcsselhanse ausgefunden habe und daß Sch. ihm gesagt hätte, er habe sich Schaden gethan. Später betonte der Genossenschafts- vorstand noch. Sch. habe bereits vor dem Unfall an Magen- beschwerden gelitten.— Das Arbeitersekretariat zu Halle a. S. nahm die Sache in die Hand und erzielte auch beim Schiedsgericht ein dem Verletzten günstiges Urteil. Es wurden ihm 75 Proz. der Vollrenle mit folgender Begriiiidmig zu- gesprochen: Es möge dahingestellt bleiben, ob Sch. infolge eines früheren Magenkatarrhs zu Magen- oder Nervenbeschwerden ver- anlagt sei. Entscheidend wäre, daß die Arbeit die Beschwerden plötzlich zum Ausbruch gebracht habe. Das sei nach Lage der gesamten Verhältnisse anzunehmen, zumal durch nichts erwiesen sei, daß Kläger unmitlelbar vor dem hier in Betracht kommenden kritischen'Tage an solchen Beschwerden gelitten habe. Die Berufs- geuossenschast legte noch Rekurs ein und wiederholte ihre Behaup- tungcn; das Reichs-Versicherungsamt verwarf jedoch das Rechts- mittel, indem es ebenfalls einen Betriebsunfall anerkannte und das Leiden darauf zurückführte. Die Arbeitseinheit. Der Vergolder R. verlangte im Klage- Wege von der Firma Nieder u. Malsdorf einen Tag. an dem er mittags entlassen worden Ivar, voll bezahlt. Der Vertreter der Beklagten berief sich demgegenüber darauf, daß die Kündigungs- frist ausgeschlossen gewesen sei und meinte, der Kläger hätte deshalb jederzeit, also auch mittags, entlassen werden können. Es wurde fest- gestellt, daß der Lohn des Klägers, der ihm wöchentlich ausgezahlt wurde, iiach Stunden berechnet worden war. Die Kainmer IV des Gewerbe- gerichts nahm folgenden Nechtsstaiidpimkt ein, wie der Vorsitzende Dr. Gerth mitteilte: Die Vereinbarung des Ausschlusses der Kündigungsfrist habe nicht die Bedeiitmig. daß die Entlaffnng jeden Moment erfolgen könne und der Arbeitgeber mir bis zu diesem Moment Lohn zahlen brauche. Vielmehr müsse der Arbeitstag als Einheit angesehen werden, sofern nicht aus dem Arbeits- vertrag eine andre Arbeitseinheit ersichtlich sei. Bei Tage- und Wochenlohn könne, den Küiidiguugsausschliiß vorausgesetzt, die Entlassung nur an jedem Abend erfolgen, und erfolge die Ent- lassung im Laufe des Tages, da»» seiunter den erwähnten Umständen der fragliche Tag voll zu bezahlen. Anders sei es bei Vereinbarung von Stundenlohn, wie sie im Falle des Klägers vorliege. Bei ihm sei die Arbeitseinheit die Stunde gelvese», und er habe deshalb jede Stunde entlassen werden können.— Nachdem so der Vorsitzende dem Vertreter der Beklagten, dem es nur auf eine principielle Belehrung ankam, seinen Wunsch erfüllt hatte, zahlte letzterer freiwillig dem Klüger den verlangten Betrag. Mitleid. Der Hausdiener S. beanspruchte im Klagewege von dem Restaurateur Schlüsser 84 M. rückständigen Lohn, indem er für den Monat 46 M. verlangte. Der Beklagte wandte ein, daß er S. nichts schulde. Ein eigentliches Arbeitsverhältnis habe zwischen ihnen überhaupt nicht bestanden. Er habe ia. nur aus Mitleid auf- genommen, als dieser a»S einer Anstalt gekommen sei und keine Beschäf- tigung erhalten habe. Wo anders hätte' S.wohl überhaupt keine Arbeit bekommen. UcbrigenS sei dem Kläger jeder besondere Dienst ver- gütet worden.— Der Kläger betonte dagegen, daß er nur ab und u sür Gänge etwas erhalten habe. Er sei indessen auch viel im Seschäft gewesen und habe häufig den Beklagten vertreten. Die Kammer VI des Ge Werbegerichts erhob noch Beweis und kam auf Grund der gesamten Verhandlung zu der Ueber- zeugmig. daß doch schließlich zwischen den Parteien eine Art Arbeitsverhältnis zu stände gekommen wäre. Es fei deshalb, meinte daS Gericht, ein angemessener Lohn zu gc- währen. Der Kläger wäre jedoch mit seiner Forderung, da er ja freie Station gehabt habe, zu hoch gegangen. Der Gerichtshof sah zunächst von einer formellen Entscheidung ab und riet dein Be- klagten dringend, an S. noch 40 M. zu zahlen. Der Beklagte ver« pflichtete sich dann auch dazu. Urtzke Zlttchvichkvn und Depeschen« Zur Triester Streikbewegung. Trieft, 16. Februar.(W. T. B.) Heute mittag wurden viele schwarze Fahnen gehißt. Die Menge verlangte, daß dies allgemein geschehe und warf die nicht mit Trauerschmuck versehenen Fenster ein. Wiederholt fanden mit Militär und Polizei Zusammenstöße statt. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Anden Straßenecken wurden Kundmachiiiigen der Polizei und des Bürgermeister-Amtes angeschlagen. in welchem die Bevölkerung zur Ruhe crmahnt wird. In der Kundmachung der Polizei werden überdies Ansammliiiigen und das Tragen von Waffen strengstens verboten, Die Börse ist geschlossen. Gegen 4 Uhr nachmittags kam es am Corso zwischen der Piazza Santa Catarina und der Piazza San Giacomo zwischen der Menge, welche die Fenster ohne Tranerabzeichen mit Steinen bewarf, owie die Straßenlaternen zertrümmerte, und dem Militär zu einem Zusammenstoß. Das einschreitende Militär sah sich gezwungen(??) Feuer zu geben. Drei Personen wurden getötet und vier ver- wundet. In einigen Straßen wurden von den Dächern Ziegel herabgeschleudert. Der Bürgermeister gab als Obmann des Schieds- gerichts bekannt, daß das Schiedsgericht sich für die Forderunge» der auöständigen Heizer ausgesprochen habe. D�r Stadtrat beschloß, beim Ministerium Einspruch zu erheben, die Freilassung der Verhafteten zu verlangen, die Getöteten ans Kosten der Stadt begraben zu lassen und für die Hinterbliebenen derselben die Summe von 10 000 Kronen zu spenden. Wien, 16. Februar. Der„Neuen Freien Presse" wird ans Trieft gemeldet, heule nachmittag seien bei dem Zusammenstoß mit dem Militär 6 Personen, darunter ein Polizeibcamter, getötet und 30 v er wund et worden._ Erdbeben. Baku, 15. Februar. Der Bezirkshauptmaiin von Schemacha meldet telegraphisch: Die Stadt ist jetzt fast vollständig zerstört, nur etwa ein Dutzend Iveniger beschädigter Hänser bliebe» stehen. Zahlreiche Menschen wurden gelötet. Die Kirche, die Moschee, die Kasernen und das Schatzamt wurden zerstört, das Gefängnis und das Gebäude der Bezirksverwaltung stark beschädigt. 25 000 Einwohner sind ohne Nahrung und Obdach. Heute vormittag 10'/2 Uhr dauerte daS Erdbeben noch fort. Husum, 16. Februar.(W. T. B.) Die Dampferfahrten zwischen Hoyerschleuse und der Insel Sylt sind von heut« ab Eises halber eingestellt. Hierzu 4 Betlagen n. ltiiterhaltniinsblatt. vr. 40. 19. Jöljrpng. 1. Icilnjf i>ts.Zmiirts" Knlim UcksM-»»»« MrichskKg« 144. Sitzung von, Sonnabend, 15. Februar 1902, nachmittags 1 Uhr. Vl», BundeSratstische: K r a e t k e. Die zweite Beratung des PostetatS wird fort- gesetzt bei den fortdauernden Ausgaben. Tit. Vorsteher von Post amtcrn III. Klasse. Abg. Kopsch(frs- Vp): Der Herr StaatSsekretcir meinte bei der Bcfordenmg in die ge hobenen Stellen, welches Sache der Postamtsvorsteher ist, werde weniger auk Wissen als auf Umsicht und Entschlichfähigkeit Wert gelegt. Das ist ja sehr schön, leider wird aber diese Umsicht nach ganz verschiedenen Masjstäben behandelt. Es muh daher eine Einheitlichkeit in den Befördern ngSgrnndsätzen un- bedingt eintreten. Am besten ist cS, man richtet sich dabei einfach nach dem D i e» st n l t e r. In der ersten Zeit ist eS auch so geHand- habt worden, dah stets die dienstältesten Unterbeamlen in die ge- hobenen Uiitcrbcnnitcnstellcn kommen. Den Heren Staatssekretär möchte ich fragen, nach welchen Grnnd sätze» die Kantinen für die Unterbeamlen vergeben werden. Es ist mir mitgeteilt, dah einige der gröhten Kantinen an einen Herrn Bogel vergeben sind. Dieser Herr— wie ich nebenbei bemerke, früherer Wachtmeister im Negiment des Herrn v. Podbielski— soll anch eine Speisewirtschaft nebenbei haben, und man behauptet, dah die Speise», die dort übrig bleiben, den Postunterbeamten vorgesetzt werde».(Hört! hört!) Die Beschwerde eines Beamten ist als Unbonnähiglcit zurückgeiviesen Ivo, den.(Hört! hörtl links.) Ich bitte den Herrn Staatssekretär zu sorgen, daß nicht mehrere Kai, tinen in einer Hand vereinigt werden. Abg. Zubeil(Soc.) führt Beschwerde darüber, dah Briefträger bei Festlichkeiten voi, Oberbeamten zun, Servieren benutzt weichen. Das ist in der jetzigen Zeit der Arbeitslosigkeit ganz besonders zu verurteilen.— Eine Gleichstellung der Charlottenburger Unterbeamten mit den Berlinern bezüglich deS WohnuiigSgeldznschnstes ist durchaus erforderlich, da Unterschiede in de» Mietsprcisen hier nicht vorhanden sind.— Ferner möchte ich darauf hiniveisen, dah auf dem Postamt 11, ei» grohes BahnhofSpostanit, bis heute noch nicht eine gehobene Stelle vorhanden ist.(Hört! hört! bei den Socialdcmokratcn.) Schon im vorige» Jahre habe ich eine Reihe Mihstände, denen die P o st i I l o n e ausgesetzt sind, zur Sprache gebracht und Herr von Podbielski hat damals auch Abhilfe versprochen. DieS ist anch teilweise geschehen. Die Hauptbcschiverde ist aber un erfüllt geblieben; die Fordcrnng auf wasserdichte Mäntel ist heute noch nicht erfüllt. Die Postillone müssen die Mäntel, die gewöhnlich vom vorigen Tage noch feucht sind, wieder anziehen DaS ist ein grohcr Schaden für die Gesundheit der Beamten, für welche die Pvstverwaltung doch auch Sorge zu tragen hat.(Sehr richtig! bei de» Socialdemokraten.) Weiter klagen die Postillone darüber, dah sie niemals einen ganzen freien Sonntag haben; manchmal haben sie alle 6 Wochen nur eine» halbe» Sonntag frei. zum mindesten mühte ihnen doch alle drei Woche» ein ganzer Sonntag f reigegeben werden. In Bezug auf die Anstellungö Verhältnisse der Postillone als Untcrbeamte und in Bezug auf die Entlohttuiig der Postillone ist seit dem vorigen Jahre nichts geändert. Ter Lohn beträgt noch immer anfangs 2.26 M., nach einem halben Jahre 2.50 M. und nach 6 Jahren 2,75 M., er bleibt also unter dem ortsüblichen Lohne gewöhnlicher Arbeiter zuriit?. Der AnfangSIohn mühte anfangs 2,75 M. betragen und nach 6 Jahre» auf 3,50 M. steigen. Die Arbeits zeit der Postillone betrögt auch heute noch 10 Stunden und darüber. Freilich die osfiziellen Postbücher, die den Revisoren vorgelegt werden, weisen nur eine Dienstzeit von 6 bis 7 Stunde» auf, das liegt aber nur daran, dah hier nur die Fahrzeit der Postillone und nicht auch die Zeiten deS Aufenthalts auf den verschiedenen Bahnhöfen eingetragen wird. Die Revisoren thäten daher richtiger, die Bücher der Postillone selbst»achzusehen. Schliehlich klage» die Postillone über die Vertrauensärzte. In einem Fall ist durch die Gewissenlosigkeiteincs solchen ArzteS, des Dr. Blumen- thal, der eS versäumte, den Krauken in seiner Wohnung aufzusuchen. ein Posiillou an schwerer B l i n d d a r in- E» t z ü n d n n g gestorben.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) DaS Leben deS Kranken hätte gerettet werden könuc», wenn der Arzt seine Pflicht gethan hatte. Ich hoffe, dah der Herr Staatssekretär hier für Remedur sorgen wird und überhaupt dafür eintritt, dah die von mir vorgetragenen Uebelsiände noch in diese», Jahre beseitigt werden. (Bravo! bei oen Socialdemokraten.) Abg. Ernst(frs. Bg.): Im prenhischen Abgeordnetenhause hat Graf B ü l o w geäutzert, zur Bekämpfung der polnischen Agitation könne man i» Erwägung ziehen, die Gehälter der Beamten im Osten zu erhöhen. Ich möchte an den Herr» Staatssekretär die Frage richten, ob dies auch für die Postbeamten gilt.— Eine Erhöhung der Ge- hälter der Unterbeamte» ist angesichts der gestiegenen Wohunngs- preise unbedingt erforderlich. DaS Miniinalg'ehalt mühte von 900 auf 1200, daS Maximalgehalt von 1500 auf 1800 M. erhöht werden. Wenn man hier steht, welche Konsequenzen die Einlage höherer Gehälter für die gehobenen Stellen nach sich zieht, könnte man beinahe zweifelhaft werden, ob jener Schritt der Po st- Verwaltung gut war. Wir haben seiner Zeit klar ausgeführt. dah diese gehobenen Stelle» mir für ganz b e st i m n, t e Zwecke geschaffen werden sollten, um keine neue Beamten- mtegorie bilden zu müssen. Die 8000 gehobenen Stelle» genüge» vollkommen dem BedürsniS und wir können auch unmöglich nach dem Dienstalter gehen, sonder» müssen die Fähigkeit und Umsicht der einzelnen berücksichtige». Herr Zubeil hat mehrfache Wünsche der Postillone zur Sprache gebracht und geklagt, daß die Postuuterbeamten zu Nebenbeschäftigungen herangezogen werden. Von andrer Seite wird un? aber anempfohlen, uns um die privaten Verhältnisse der Unter- beamtet, nicht z» kümmern. Auf diesem Standpunkt stehen tvir auch. Eine Nebenbeschäftigung der Postunterbeanite» während der Dienst- zeit halte ich freilich für ganz unangemessen und tverde über diesen Punkt Nachforschungen anstellen lassen. Ueber die Dienstzeit der Postillone bin ich augenblicklich nicht genau uiiterrichtet. Jedenfalls muß sie vom Augenblick der Ausfahrt bis zur Rückkehr gerechnet werden. Eine» freien Sonntag haben die Postillone alle drei Wochen, zum Gottesdienst werden sie beurlaubt. Sollten sich da etwa Kalaniitätcn helausgestellt haben, so wird für Abhilfe gesorgt werden. WaS die Löhne der Postillone anlangt, so muß be- rücksichligt werden, daß sie freies Logis und f r e i e K l e i d»» g haben. Um eine geeignete Kleidung zu schaffen, werde» seil zwei Jahren Versuche angestellt. Die Gummimantel haben sich nicht bewährt, alS der beste Weg scheint sich zu erweisen imprägnierte Mäntel anzuschaffen.— Der Fall deS VertrauenSarzicS Dr. Blumen- thal würde allerdings sehr schiver liegen, wen» sich die Sache so verhält, wie Herr' Zubeil es schilderte. Ich werde Nach- f o r s ch u n g e n anstellen lassen, bitte aber die Herren, solche lokalen Bcschiverden zunächst auf de», Wege der schriftlichen Ein- gäbe zu uiisrer Kenntnis zu bringen. Wem, der Fall wirklich so traurige Folgen hatte, so finde ich eS auch mit der sonstigen Menschenfreundlichkeit des Herrn Abg. Zubeil nicht vereinbar, daß er so lange wartete, statt im Interesse der übrigen Beamten sofort Beschwerde zu erheben. lieber die Kanlincnverhältniffe bin ich nicht genau unterrichtet. Jedenfalls Ivird ei» Mann, der einen größeren Betrieb hat. auch besser und wohlfeiler liefern können. Daß in solchen BewirtungS- fachen niemals alle Wünsche befriedigt werden können, wird der Abg. Ernst felbst wiffen. Hier kommt eS ganz auf den gute» oder schlechten Magen der Einzelnen resp. auf ihre fröhliche oder mißliche Lebensauffassung an.(Heilerkeit.) UebrigenS ist niemand ver- pflichtet, von dem Nestau, ateur ctivaS zu nehmen. Abg. Ernst(frs. Vg.) hofft, daß sich noch ein ModnS finden ivird, die Unterbeamten bei den gehobenen Stellen nach dem Dienst alter gleichmäßiger zu berücksichtigen, als bisher. Damit schließt die Diskussion. Der Titel wird bewilligt; ebenso eine Reihe andrer Titel. Es folgt Titel 29(Stellenzulage für Beamte und Unter- beamte). Abg. Eickhoff(frs. Vp): Ich halte daS ganze Princip der Stellenzulagen für ein unglückliches und verkehrtes. Der Herr Staatssekretär hat gemeint, diese müßten junge» Beamten gewährt iverden, die noch frisch und beweglich seien; aber auch die alten Beamten sind früher eiinnal jung gewesen und haben dieselben Aufgaben erfüllt, ohne daß sie Stellenzulagen erhalten hätten. Ich möchte den Wunsch aussprechen, daß eine größere Anzahl von Stellenzulagen in den uächstcn Etat eingestellt wird. Staatssekretär Kractkc: Ich möchte meine persönliche Ansicht über die Stellenzulagen hier nicht äußern; ich st ehe vielleicht dem Herrn Vorredner nicht sehr entfernt.(Hört! hört! links.) Ich kann dem Vorredner nur erwidern, daß. soweit ein Bedürfnis vorhanden ist. die Stellenzulagen vermehrt werden solle». Es werden auch keineswegs mit den Zulagen nur jüngere Beamte bedacht, sondern die tüchtigsten. Der Titel ivird bewilligt; ebenso eine Reihe weiterer Titel. Beim Titel Postagenten wünscht Abg. Blell(frs. Vp.) eine bessere Besoldung der Postagenten und die Gründung einer besonderen Pcnsionskasse für dieselben. Abg. Graf Oriola(natl.) schließt sich dem Vorredner an. Staatssekretär Kractke: Das Wohlwollen der Postverwaltung für die Poslagenten hat sich seit jeher belhätigt, Agenten, die im Alter die Agentur aufgeben müssen, erhalten eine jährliche Unter- stütz,», ig. Wird eine Agentur in ein Postamt verwandelt, so wird dem betreffenden Agenten nach Möglichkeit eine andre Stelle ver- schafft. Wir werden auch in Zukunft unser Möglichstes für die Posl agenten thun. Der Titel wird bewilligt. Es folgt der Titel. P o st hi IfS st ekle n Abg. Singer(Soc.): Ich möchte zunächst der Legende entgegen treten, als hätte ich ein Examen für die gehobenen Postuüter- bcamtenstelle» verlangt. Das ist mir nicht eingefallen.— Bei diesem Titel wollte ich nur einige Wünsche über die Art der Geivährung der Zu- lagen für die iinPosthilssdieusl beschäftigten Pcrsonc» znrSprache bringen. Diese Zulage beträgt nach dem dritten Jahre 20 Pf., nach weitere» Jahren schließlich 00 Pf. Bei der Berechnung der Zeit, nach der diese an sich schon sehr geringe Zulage zu zahle» ist, wird aber das Militärdien st jähr und das Probejahr nicht be- r ü ck s i ch t i g t. In einzelne» Fällen ist auch die Auszahlung der Zulage erst vom 1. Oktober, nicht vom 1. April ab erfolgt. Ich bitte den Herrn Staatssekretär, diese Angelegenheit wohlwollend zu prüfen. Direktor in, Reichs-Postamt Wittko(auf der Tribüne schwer verständlich): Wein, die Auszahlung der Zulage in einzelnen Fällen erst im Oktober erfolgt ist, so lag das daran, daß wir uns mit den vorhandenen Mittel» sehr einrichten niußten. Wir kamen erst im Spätherbst zu der Ucberzengung, daß eine EtatSüberschreitung nicht nötig war. Der Titel wird bewilligt. Damit ist das Ordinarium erledigt. Es folgen die E i>, m a l t�g e n Ausgaben. Zur Herstellung einer Telegraphenlinie von Mpapna nach Ta b o r a Iverden 002 000 M. gefordert. Abg. Schmidt-Elberfeld(fr. Vp.; zur Geschästsordinnig) bean tragt mit Slüctsicht aus die schwache Besetz, mg des Hauses, diesen Titel von der Tagesordnung abzusetzen. Sollte es zu einer Ab- siimmung kommen, so würde ich genötigt sein, die Beschlußfähigkeit des Hauses zu bezweifeln. DaS Haus beschließt mit großer Mehrheit die Absetzung dieses Titels von der Tagesordnung. Die einmaligen Ausgaben werden bewilligt, ebenso die Einnahmen. Dan»it ist der Postetat erledigt. Es folgt der Etat der Reichsdruckerei. Derselbe wird in allen seine» Teilen d e b a t t e l o s angenommen; desgleichen der Etat über den Allgemeinen P e n s i o n S f o n d s. Es folgt der Etat des R e i ch s- M i l i t ä r g e r i ch t S. Auch dieser ivird nach unerheblicher Debatte bewilligt. Es soll nunmehr die Beratung deS Militäretats folgen. Bicepräsident Büsing: Es liegt mir ein Vertagungsantrag der Herren Abgeordneten Bebel und Schräder vor. Ich stelle zunächst die Unterstützungsfrnge(zur Unterstützung erheben sich die Freisinnigen und Socialdemolraten.)— Die Unterstützung reicht a»S. In der Abstimmung wird nunmehr unter großer Heiterkeit des Hauses der Vertagungsantrag, trotzdem nur die Social- deniokraten und Freisinnigen dafür stimmen.an- genommen, da die andren Parteien nur durch ganz wenige Ab- geordnete vertreten sind. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Militäretat. ZpLU'tei-Vachvichten. Der Genosse Max Kegel, der langjährige Redacteur deL Wahren Jakob-, erkrankte Ende voriger Woche in besorgnis- erregender Weise a» Gesichtsrose. Wenn es sich jedoch erweisen sollte, daß sei» Körper ebenso unverivüstlich ist wie sein Humor, so dürfen wir hoffe», daß er uns noch recht lange erhalle» bleiben möge, zur Freude der Hunderttausende, die ihn durch die Lektüre des„Wahren Jakob" schätzen und lieben gelernt haben. Zur Hebung der Herzthätigkeit, dessen Ermattung bei dem korpulenten' Manne zu schivcren Bedenken Anlaß gab, verschrieb der Arzt ziveimal Champagner. DaS zweite Mal trank er davon mit Freunde», die ihm am Aschermilttvoch einen Krankenbesuch abstattete». Dabei diktierte er folgendes Gedicht, das hoffentlich noch nicht sei» Schwanengesang ist: Der Aschermittwoch lebe hoch, Der Fasching ist vorüber. Wir pfeifen auf dem letzten Loch. Im Bauche zivickt das Fieber. Der Sekt, der seine Blasen frei Zu Lust und Scherz getrieben, Ward nun als würdige Arznei Vom Doktor mir verschrieben. So soll, der Weltschmerzthräne gleich, Mein Sekt im Glas« perlen I Ein Hoch dem alten Narrenreich Und allen lust'gcn Kerlen! Zu der lveschuldigung gegen den Genossen Bendit in B r o m b e r g, der angeblich nach Unterschlagung von 000 M. durchgebrannt sein sollte, veröffentlicht der Grandenzer„Gesellige" jetzt eine Erklärung, ivorin er seinem Bedauern darüber Ausdruck giebt, daß er infolge nicht geiitigciid sorgfältiger Berichterstattung Bendit ungerechteriveise verdächtigt habe. Wir haben die Unwahrheit der Verdächtigung BenditS schon vor einigen Tage» konstatiert. Der Parteitag drr niederländischen Socialdemokratie wird am 30. nnd 31. März zu Groningen stattfinden. Am Sonnabend, den 29. März, dem Vorabend des' Kongresses, soll eine festliche Zn- sammenkunft im Cafs KrasnapolSky, wo auch der Kongreß tagen wird, abgehalten werden. Die AilSsperrmg der Weber n!> Weberillnen durch den Filbrikillltelllitreill zu Kretz. R» die Arbeiterschaft Deutschlands! Die Weber und Weberinnen der Firma Gebr. Albert in Greiz wurden wiederholt vorstellig um Aufbesserung der Lohnsätze; sie legten hierbei einen von den vereinigten Lohnkommissioucn der Greiz-Geraer Branche ausgearbeiteten Lohntarif vor. Der neu aus- gearbeitete Tarif sah eine lOprozentige Lohnerhöhung auf den 1890 er Lohntarif vor, welcher zur Zeit von den Arbeitgebern den Arbeiter» aufgezwungen wurde. Die Unternehmer versprachen den Arbeitern im Fahre 1890 auf Ehrenwort, den Tarif anch fernerhin hochzuhalten, aber »ehr bald mußten die Arbeiter erfahren, daß die Uniernchmer ihr Ehrenwort brechen, Ivenn ihnen der Profit nicht hoch genug er- scheint; und so kam es, daß der Tarif von der Mehrzahl der Fabrikaiitenvereinsniitglieder durchbrochen wurde mid daß imr einzelne Unternehmer den Tarif bis heute hochhielten. Die chronischen Krisen, welche seit dem Jahre 1890 bis vor kurzem anhielten, erleichterte» es den Unternehmern, die Löhne in der schäbigsten Weise herabzudrücken. Hierbei kommen Firmen in Betracht, welche in Weltruf stehen und heute noch die„schtvarze Liste" über mutmaßliche Streikführer und sonstige mißliebige Personen führen, und welche die Löhne derart herabgedrückt haben, daß sie sich unter den- jenigen Teil der Unternchnier gestellt haben, welche man mit dein Namen„Schmntzkonkurrenz" bezeichnet. Die gegenwärtigen Löhne zu veröffentlichen, würde hier zu weit führen, da jede Firma andre Löhne zahlt und dieselben stets von einander abweichen. Nach den uns vorliegenden Lohnlisten können wir mit Bestimmt- heit behaupten, daß die jährlichen Durchschnittslöhne der Weber 500 biS 550 M., die der Weberinnen 390 bis 400 M. bei einer täglichen Arbeitszeit von 11 Stunden betragen. Berücksichtigt muß noch werden, daß eS die Fabrikanten ver» stehen, durch ein raffiniertes Strafenshstem den Arbeitern selbst die Schuld für die kleinsten Fehler in der Ware aufzubürden, obgleich die Schuld vielfach nicht die Arbeiter, sondern das schlechte Roh- Material trifft, erhebliche Lohnabzüge zu machen. Bezüglich der Behandlung der Arbeiter muß auch hier gesagt iverden, daß die Arbeiter die unwürdigste Kontrolle über sich ergehen lassen müssen, den ganzen Tag in die Arbeitsräume wie Zuchthäusler eingesperrt, auch werden sie noch in verschiedenen Betrieben auf ihre Ehrlichkeit kontrolliert. Alle diese Zustände haben die Arbeiter in die Lohnbewegung hineingetriebeii. Die Arbeiter haben zunächst diejenigen Firmen ü, Angriff genommen, welche die allerfchlechtesten Löhne bezahlten, »nd brachten dieselben dazu, daß sie die Löhne auf die Höhe des 1890cr Tarifs setzten. Die Ilnternehmer des Fabrikantenvereins hatten bereits im Jahre 1890 erklärt, die Löhne weiter erhöhen zu wollen, wenn die Schinutzkonknrrenz in den benachbarten Städten beseitigt sei. Diese Konkurrenz ist nun zum Teil befestigt, und wir Ivandten uns deshalb an den Fabrikantenverei» und erinnerten denselben an daS uns vor längerer Zeit gegebene Versprechen. Der Fabrikantenverein erkannte aber«nsre Centrallohn- koinniisston der organisierten Textilarbeiter als nicht znstälidia an nnd antwortete überhaupt nicht auf. uilsre Eingabe. Angesichts dieser Sachlage gingen die Arbeiter der Firma Gebr. Albert wie oben angefühlt vor. Nach verschiedenen fruchtlose» Vorstellungen beim Chef der ge-- nannte» Firma erklärte derselbe, bis Montag den 10. d. M. früh- bestimmte Antwort zu geben. Als am genannten Tage die Arbeiter früh zur Arbeit kamen, fanden sie einen Anschlag vor, worin die be- stinimte Erklärung abgegeben wurde, daß die Forderungen deri Arbeiter von, Fabrikantenverei» abgeiviesen seien. Sollten die Arbeiter der Firma Gebr. Albert in de» Streik eintreten, so würde be* Fabrikantenverei»(17 Firmen) seine Arbeiter aussperren. Dieser Anschlag zeitigte unter den Arbeitern die furchtbarst« Erregmig, so daß sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen einmütig die Arbeit niederlegte». Darauf drohte der Fabrikantenverein mit der Aussperrung. Die Erregung der Arbeiter hierauf war groß, so daß die Leiter der Bewegung alle Mühe hatten, die Arbeiter an den Arbeitsplätzen bis zur Anssverrung zu erhalten. Hierauf fand eine Volksversammlung, welche sich eines Überaus zahlreichen Besuches erfreute, im hiesigen Tivoli statt. In derselben � ivurde eine Konimission gewählt, welche vor dein Einiglingsamt deS GewerbegerichtS mit dem Fabrikantenverei» eine Einigung herbei- führen sollte, welche aber leider an dem protzenhäften Verhalten der Fabrikanten scheiterte. Infolge des Scheiterns dieser Verhandlungen beschlossen die Arbeiter der Firma Gebrüder Albert mit 183 gegen 5 Stimme», den Ausstand weiterzuführen, worauf der Beschluß des Fabrikanten- verein« am Donnerstag, den 13. d. M. zur Ausführung gelangte. Mithin wurden gegen S300 bis 3000 Arbeiter anfs Pflaster geworfen. Wir appellieren nun deshalb an die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands und deS Auslandes, nnS in diesem vom Unternehiner- tum aufgezwungenen Kampfe materiell und finanziell mit allen Kräften unterstützen zn wollen. Hoch die Solidarität der Arbeiterschaft! Alle Briefe und Geldsendungen für die ausgesperrten Textil« arbeitcr»nd Textilarbeiterinnen in Greiz sind zu richten an: Gotthi'lf Reißmann, Greiz, Restaurant„Scharfe Ecke", Untere Silberstraße._ FnduZkvie und 13«udel. Umsatzpräinie» für Zucker. DaS Zuckerkartell bemüht sich, die Umsatzprämie für die Händler zu einer festeren Verpflichtung für die Syndikatsintereffen zn gestalten. So Ivurde unter Zustiminiina aller Fabriken beschlossen, die Umsatzprämien jedem Händler auf den in der Zeit vom 1. Januar bis 30. September 1902 gekaufte» und bezogenen Zucker zu gewähren, jedoch darf die bezügliche Zu- sicherung nur durch folgende, in den Schlußschein aufzunehmende Klausel erfolgen:„Verkäuferin verpflichtet sich, den auf sie entfallenden Betrag der von, Beirat des Syndikats Deutscher Zucker- Raffinerien G. m. b. H. Berlin nach Ablauf deS gegenwärtigen KartclljahrcS für allen seitens der Käuferin von Mitgliedern des Syndikats in der Zeit vom 1. Januar bis 30. September 1902 gekauften nnd be- zogcne» Zucker am Jahresschlüsse festzusetzenden Umsatzprämien gegen de» Nachweis zu zahlen, daß Käuferin in der Zeit von, 14. Februar bis 30. September 1902 den gesamten für eigne oder fremde» Ncchiiniig von ihr gehandelten Zucker ausschließlich von; Kartellmitgliedern entnommen und die ZahlinigS- nnd Abnabmebedingungen des Syndikats pünktlich erfüllt hat." Man kann nicht sagen, daß die Jntcrcsseiiten der Landwirtschaft! zurnckbaltender in der Anwendung energischer Zwangsmittel gegen, ihre Abnehmer sind als die Großindustrie in ihren Syndikaten. Jede Jiitcressenteiigruppe sucht mit gleich großer Rücksichtslosigkeit ihren Einfluß auszudehnen, wie auch diese Maßregel des Znckerkartclls den nußenstehendei, Werken die Konknrrenz erschweren will. Sollte Herr v. Kardorff wieder einmal im Reichstag die Syiidikatstreibereien, kritisieren, dann mag er an dem Znckerkartell nicht achtlos vorüber- gehen. Die bayrische Anleihe. Wie die„Münchener Neuesten Nach» richten" melden, sind auf die neuen 3Vsprozeiitige„ bayrischen Anleihen 5 Milliarden Mark gezeichnet, was einer 58fachc!, Ueber« zeichnmig des aufgelegten Betrages von im ganzen 86 Millionen Mark gleichkommt. Die Nuiou Deutsche VerlagSgcscllschaft in Stuttgart, die bekanntlich einen Teil ihres Zcitschnftenverlags in der größeren Zeitnngs-Aktiengesellschaft Aug. Scherl in Berlin hat aufgehen lassen, hielt am 12. Fcdruar b. I. eine außerordentliche Generalversammlung ab. um ihr Aktienkapital zu vermindern. Es wurde dabei auf An trag des Anfsichtsrats einstimmig beschlossen: SlX) Stiick Aktien (200 000 M. uom.) von einem Besitzer(dem frllhren Mitgriinder W. Spemann?), ivelcher weder dem Anfsichtsrat noch dem Vorstand angehört, zum Kurs von 177 Proz. zu erwerben, um durch Amorti sation derselben das Aktienkapital von 5 000 000 M. auf 4 500 000 herabzusetzen.. Der Kaufpreis kann zu Lasten des Gewinnvortrags (1 550 000 M. pro 1. Januar 1902) und aus paraten Mitteln getilgt tverden. Gleichzeitig wurden Statutenänderungen beschlossen, ivelche sich wesentlich als Konsequenz der Herabsetzung des Aktienkapitals ergeben haben.— Der auf diese Weise Abgelöste hat mit einem Mehrerlös von 385 000 M. kein schlechtes Geschäft gemacht. Von der Reederei Vereinigter Schiffer in Breslau hat sich der Aufsichtsrat zur Heransgabe von einer Million Mark auf erhobene Regreßnuspriiche bereit erklärt. Die Gläubiger dürften danach ungefähr 25 Proz. in bar und 25 Proz. in Vorzugsaktien bekommen. Geschäftsberichte der Aktiengesellschaften. Der Aufsichtsrat der Bcrgwerksgesellschaft Konsolidation beschloß eine Dividende von 27 Proz.(im Vorjahr 30 Proz.) in Vorschlag zu bringen. Die Königsberger Grund- und Kreditbank verteilt eine Dividende von 7 Proz.— Die Broncefarbenwerke vormals Karl Schient in Roth bei Nürnberg erzielten 3 Proz. Dividende.— Die Kaliwerke Aschersleben berichten über einen Mindergewinn von 550 000 M. gegen das Vorjahr. Trotzdem konnten 10 Proz. Dividende ausgeworfen ivorden.— Die Hannoversche Bank beziffert ihren Verlust an der Aktieir gesellschaft Terlinden auf eine Million Mark. Die Dividende beträgt 4 Proz.(6 Proz.).— Die Vraunschlveigische Bank verteilt 5�/3 Proz. (62/3 Proz.).— Das Preußische Leihhaus setzte die Dividende auf 0 Proz. fest.— Die Berlinische Boden gesellschaft schließt nüt einem Reingewinn von 411022 M. ab. Zur Aus- zahlung kommen 30 Proz. Dividende.; Die ncue Lcincnzeugfabrik der schottische» Großeinkaufs- Gesellschaft wird von den„Coop. News" in einem mit Abbildung versehenen Bericht geschildert. Das Bild zeigt ein geschmackvoll auf- geführtes Gebäude, das an den drei nicht an die Straße stoßenden Seiten von Gärten unigeben ist. Die Front zeigt zu ebner Erde .zwei Eingänge und zivei breite Bureaufenster, in den drei darüber befindlichen Stockwerken je 8 Fenster. Die Seiten haben ebenfalls je 3 Fenster. Das Gebäude hat 8000 Pfd. Sterl. gekostet. Es ist mit Dampfkraft und elektrischer Kraft, Waschmaschinen, Wring- Maschinen, Glättmaschinen, mechanischen Einseif- und Stärk- Vorrichtungen, 80 Singernähmaschinen der verschiedensten Typen, Knopfloch- und Bindemaschinen und dergleichen mehr so aus- gestattet, daß jährlich 7000 Dutzend gewöhnliche Hemden und 50 000 Dutzend Oberhemden, Vorhemden und dergleichen mehr hergestellt werden lönnen. Parterre befinden sich die Bureaus und Lager, die erste Etage enthält die Hemdenniacherei, die ziveite die Werkstätten für Oberhemden, Vorhemden k. und die dritte Wäscherei und Plätterei. Neben den» 89 englische Fuß tiefen und 43 Fuß langen Hauptbau steht noch ein einstöckiges Waschhaus, das 48 und 36 euglische Fuß in seinen Dimensionen aufweist. Die Stockiverke stehen durch elektrischen Aufzug in Verbindung und auch die Maschinen gehen meist mit der elektrischen Kraft, welche 11 Motore mit zusammen 50 Pferdekräften ab- geben. Jeder Raum hat auf allen Seiten Fenster und reichliche ÄuSstattung mit Beleuchtungs- und Waschvorrichtungen. Für Arbeiter, die in den Pausen nicht nach Hause gehen lönnen, besteht ein besondrer Speisesaal. Das von der schottische» Großeinkaufs-Gesell« schnft errichtete Etablissement geht für gemeinsame Rechnung der schottischen und der englischen C. W. S., die 1899 den Plan zu seiner Errichtung faßten. Es stellt die erste Weißwarenfabrik dar, die über- Haupt iit Schottland besteht. Der amerikanische Stahltrnst hat in den nenn Monaten deS Vorjahres, bis Ende Dezember gerechnet, einen Reingewinn von etwa 85 Mill. Doll. erzielt. Von diesem Betrage wurden 21l'i Mill. Doll. einem Fonds für Rückkauf von Obligationen überwiesen. 11 400 000 Doll. Ivurden für Zinsen auf Öbligatione» gezahlt, 26 750 000 Doll. für 7 Proz. Zinsen auf die Vorzugsaktien, 15 227 000 Dollars für 4 Proz. Zinsen auf die gewöhnlichen Aktien. Auf das Reserveconto wurden 10 000 000 Doll. gesetzt und mehr als 19 000 000 Dollars vorgetragen. Englands Außenhandel im Monat Januar weist in der Einfuhr eine Zunahme von 4 143 832 Pfd. Sterl. und eine geringe Abnahme von 493 967 Pfd. Sterl. in Ausfuhr gegen den gleichen Monat deS Vorjahres auf. Die Einfuhr betrug 20 134 348 Pfd. Sterl. und die Ausfuhr 24 254 574 Pfd. Sterl. Sortsles. Verbrechen und Strafe. Die Kriminalstatistik ergiebt seit Jahren ein Wachstum der Be- strafungen im Verhältnis zur Bevölkerung. Die Thatsache ist häufig erörtert worden: man hat über die Ursachen der Erscheinung vielerlei Betrachtungen angestellt und man hat nach Mittel» geforscht, der unerfreulichen Entwicklung entgegenzuwirken. Die Vertreter der Ab- schreckungstheorie sind rasch bei der Hand mit der Forderung der Ver- schärfung der Strafen. Von gleich oberflächlich urteilenden Leuten sind auch Erklärungsgründe oft lächerlichster Art herbeigeschleppt worden, worunter die Abnahme des Autoritätsglaubens, der Religiosität ec. eine so erhebliche Rolle spielen. Wir wollen uns hier nicht auf eine eingehende Untersuchung dieser Anschauungen einlassen. Wir wollen es auch unterlassen, die vorhandenen Kriminalitntsznhlcn einer kritischen Betrachtung zu unterwerfen; obwohl es keinem Zweifel unterliegt, daß verschiedene Ursachen.>vie Vermehrung der Straf- gesetzt, Verschärfung der gerichtlichen Praxis etwa unter dem Einfluß politischer Verhältnisse und ähnliches zur Erhöhung der Kriminalität nicht unerheblich beitragen können, iichmen wir die vor- handenen Zahlen als gegeben. Da haben wir die Thatsache, daß von je 100000 strafnründigen Eivilpersone» im Jahre 1882 wegen Verbrechen und Vergehe» gegen Reichsgesetze 1040 verurteilt wurden, im Jahre 1899 dagegen 1236. Die einzelnen Jahre weise» zwar mancherlei Schwankungen auf, aber im großen und ganzen ist doch die Steigennigstcndcnz unver- kenubar. Worauf ivir jedoch die Aufmerksamkeit lenken wolle», ist die Thatsache. daß die Steigerung der Verurteil,„igen ans- nahmSlos ans das Conto der Rückfälligen entfällt. Nach der soeben erschienenen amtlichen Bearbeitung der Kriniinalstatistik für 1899 entfielen nämlich Verurteilte, die vor Begehung der strafbaren Handlung noch nicht wegen Verbrechen oder Vergehen gegen Reichs- gesetze bestraft waren, auf 1000 straftnündige Eivilpersone»: 1832: 781 1883: 766 1834: 792 1835: 771 1836; 777 1887: 769 1883: 741 1889: 747 1890: 743 Es sind zwar (deren Ergründung 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1893 1899 741 785 785 785 776 761 743 752 731 nicht unerhebliche Schwankungen zu konstatieren einzusetzen hätte bei der Prüfung der Schwan- klingen der industriellen Prosperität), aber sie steigen nicht über 64 auf 100 000. Im ganzen ist die Gleichmäßigkeit der Zahlen gegen- über der deutlichen Steigerung der Gesamtkriminalilät auffallend und unverkennbar. Das Jahr 1899 hat übrigens die niedrigste Zahl der ganzen 13 Jahre. Die Zahl der Leute, die zum erste Mal mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten, hat also nicht zugenommen. Dagegen ist die Zahl der Rückfälligen in fortlvährender Steigerung begriffen. Die Vergleichung der Zahlen ergiebt, daß im Jahre 1882 auf 100000 straftnündige Eivilpersone» 259 und 1899: 502 rückfällige Bestrafte entfallen. Diese Thatsache giebt einen deutlichen Fingerzeig, wo der Hebel anzusetzen ist bei der Bekämpfung des Verbrechens. Von einer bessernden Wirkung des gegenwärtigen Strafvollzugs kann man bei solchen Erfahrungen sicher nicht sprechen. Und doch kann allein die bessernde Wirkung die Strafe rechtfertigen vor einem geläuterten socialen Empfinden. Beim Strafvollzug also ist der Hebel anzusetzen. Wirkungen der Krise auf ein Knnstgewerbe. Die Arbeits markt-Korrespondenz schreibt: In den Porzellanfabriken hat die Krise zu einer weitgehenden Umgestaltung des Arbeiterbestaudes gc führt. Schon lange ist zivar die llmwandluiig im Gange, wonach die meisten Artikel' nicht mehr gedreht, sondern gegossen werden. Da durch wurde es möglich, daß zu der Herstellung der Waren ungelernte Arbeitskräfte zu gebrauchen waren, die in ganz kurzer Zeit sich ein- arbeiteten. Auch' die Maler haben im Buntdruck eine Konkurrenz er- halten, die immer mehr an Boden gewinnt und den Porzellanmaler aus seiner Position verdrängt. In den guten Jahren hat man au die bisher beschäftigten Arbeitskräfte noch Rücksicht genommen, und nur an dem Lohnsätze merkte man, daß die Porzellanmaler und Dreher gewissermaßen nur noch geduldet werden. Seitdem aber die Krise auch auf den Absatzmarkt der Porzellanwaren übergegriffen hat und die gegenseitige Konkurrenz der Fabriken sich stärker bemerkbar machte, sind eine Reihe von Betrieben dazu übergegangen, die Dreher vornehmlich zu verdrängen. Die Betriebskosten sinken ganz be trächtlich, wenn an Stelle der Löhne, die an die gelernten Arbeits� kräste gezahlt werden müssen, die Lohnsätze ungelernter Arbeiter treten.' Was aber ganz besonders ins Gewicht fällt, das ist der Umstand, daß die bisherigen gelernten männlichen Arbeitskräfte, wie uns ans einer Anzahl' von Betrieben übereinstimmend berichtet wird, durch ungelernte Arbeiterinnen ersetzt werden. Dadurch werden an den Lohnsummen mindestens zwei Drittel erspart. Noch größer sind die Ersparnisse bei einer vermehrten Anwendung des Buntdrucks, der jetzt in einer Vollkommenheit angewendet wird, der bei Massenartikeln den Leistungen des einzelnen Malers weit überlegen ist. Zu der raschen Ausbreitung des Buntdruckes wirke» auch die Bazare und Kanfhäiiser mit. bei denen gemde Porzellansachen als billige Reklame« Artikel beliebt sind. Die Ersetzung der gelernten Porzellanarbeiter durch ungelernte weibliche Hilfskräfte erzeugt bei den betroffenen Personen große Be- stürzung, namentlich da ini letzten Jahre die Gefahr, aus der bis herigen socialen Position gedrängt zu Iverden, so ungemein rasch gegenwärtig geworden ist. Für die älteren Dreher und Maler ist die Lage an manchen Orten geradezu verzweifelt, und sie nehmen alles hin, nur um noch in Arbeit zu bleiben. Eine Zählung der Arbrislosen beschloß der Gemeinderat in S t u t t g a r t. Es soll jedoch nicht ctiva von Haus zu Haus ge- zählt werden, vielmehr sollen sich die Arbeitslosen an bestimmten Stellen selber zur Eintragung melden. Der ganze Umfang der Arbeitslosigkeit wird dadurch' wahrscheinlich nicht ermittelt werden können. In Hannover hatte das Gewcrkschaftskartell schon im Dezember durch Zählung 3590 Arbeitslose ermittelt. Die Wieder- holung der Zählung jetzt ergab 5734 Arbeitslose, also eine erhebliche Steigerung gegen' Dezember. Dabei stehen noch eine Anzahl Listen aus. Vom NrbeitSvermittclnttgSanite Nürnberg. Der gestern von uns erlvähute Fall, daß Arbeiter gefragt wurden, ob sie organisiert sind, ist im dortigen Magistrat erörtert worden. Dem Beamten soll die Frage nach der Organisation in Zukunft untersagt werden. Wichtiger wäre es schon, wenn die Vennittelung bei Arbeitskonflikten überhaupt eingestellt würde._ Noheitövergehcu Gebildeter. Zu den beliebteste» Jnventarstücken der reaktionären Preffe im Kampfe gegen die Socialdemokratie gehört das Wort von der Verrohung der Arbeiter. Die Socialdemokratie soll bekanntlich schuld sein an gewissen sogenannte» Rohcitsvergehen. Zu diesen Vergehen wird auch der Widerstand gegen die Staatsgewalt gerechnet, und da die Kriniinalstatistik dabei steigende Zahle» nachiveist und andrer- seits die Socialdemokratie von Jahr zu Jahr wächst, so ist das für die journalistischen Handlanger des Kapitalismus, die solche Urteile mit der Geschwindigkeit eines KonzertmalcrS fabrizieren, BelveiS genug, daß die Socialdemokratie die Schuld daran trägt. Wir haben schon mehrmals Gelegenheit gehabt, nachzuweise», wie falsch diese Behauptung ist. Die Untersuchung nach dem örtliche» Vorkommen der Verbrechen und speciell der Roheitsdelikte zeigt, daß ihre Zahl dort am geringste» ist, wo die Socialdemokratie am stärksten ist. Die soeben erschienene amtliche Bearbeitung der Kriminalstatistik für 1899 liefert tvieder einen neuen Betveis dafür, daß die Zunahme der Roheitsdelikte mit dem Wachstum der Socialdemokratie auch nicht in den entferntesten Znsammenhang gebracht werden kann. Es wird darin eine Untersuchung angestellt über die Krimi- n a l i t ä t der Studenten. Da wird uachgeiviesen, daß z. B. wegen Widerstand im Jahre 1899 auf 10000 Studenten Ilt.V verurteilt wurden. Eine Vergleichung mit de» Widerstands- dcliktcn der männlichen Gesamtbevölkerung der gleichen Altersklassen ergiebt folgendes: Die verurteilten Studenten standen im Alter von 18 bis 45 Jahren. Die männliche Gesamt- bevölkernng zwischen 18 und 50 Jahre» betrug rund elf Millionen, die Zahl der wegen Widerstand verurteilten männlichen Personen zwischen 18 und 50 Jahren beträgt 14 793 oder 13,4 auf 10 000. Die Berhältniszahl der wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilten Studenten, die doch vermöge ihrer Bildung ganz besonders vor Roheilsvergehen zurückschrecken sollten, ist größer, Ivie die der männlichen Gesan'tbcvölkerung der gleichen Altersklassen. Wird eltva jemand die Socialdemokratie für studentische Roheitsvergehen verantivortlich machen tvollen? Nevsetttttttlungen. I» einer gut besuchten öffentliche» Vranerriarbeiter- Versam nilung, die am Sonntag, den 9. d. M.. im großen Saale des GcwerkschaflShauseS tagte, gaben zunächst die im vorigen Jahre aus den Reihen der Organisierten geivählle» Arbeitnehiner-Vertrcter im Kuratorium des Arbcitsnachiveises der Brauereien einen Bericht über ihre Thätigkeit in diesem Amte, soivie auch einen solchen über de» Arbeitsnnchivcis inr Jahre 1901. Hierzu überualn» Kollege Richter das Referat und gab der Versammlung an der Hand reichen Materials ei» Bild über den Arbeitsmarkt im Berliner Braucrcigctverbe. Die Kosten deS Arbcitsnachiveises betrugen in diesem Jahre 9398,88 M. Davon entfällt auf Unterstützungen Arbeitsloser die Summe von 6655 M. Als die größten Uebelstände, die noch diesem Arbeitsnachweis anhaften, wurde nicht nur der„Prozentsatz", sondern auch die„Ansivahl" gebrandmarkt. So hat es z. B. die Vereinsbrnuerei Rixdorf fertig gebracht, zur Einstellung von 10 Mann sich 23 zur Ansivahl hinzubestellen; die Berliner Bockbrancrei dagegen hat wieder ihre gesamten Brauer(7) ans Prozentsatz eingestellt. Eine äußerst lebhafte Debatte schloß sich dem Referate Richters an. Mit größter Schärfe wandten sich die meisten Redner gegen den berüchtigten Prozentsatz und gegen die Praxis der Auswahl. Mehrere Anträge und Resolutionen zu diese» Punkten wurden mit Einstiinmig- keit angenommen. Der iveitgchendste davon lautet auf Acndcrung des Arbeitsnachweis-Statuts. Beifällig Ivurde auch die Nachricht ouS dem.Böhmischen Brauhäuse" anfgeiionunen, daß daS- selbe auf den Prozentsatz freiwillig ohne jede Klausel verzichtet.— Im weiteren Verlauf der Versammlung gab noch die Agitations- kommission der Berliner Brauereiarbeiter ihren Thäligkeitsbericht. Pre uß für Sektion I und Neu m a n n für die Sektion II. Die an sich günstigen Berichte riefen ebenfalls eine lebhafte Diskussion hervor. Eine Resolution, in welcher die Versammlung beschließt, daß auch fernerhin die Agitationskommission dazu berufen ist, die Interessen der allgemeinen Berliner Brauerei-Arbeiterschaft zu vertreten, wurde einstimmig an- genommen, lieber den ringfreien Arbeitsnachlveis gab Böhm dcit Bericht. Danach sind durch diesen Nachiveis 97 Mann in Stellung getreten und zivar 17 Brauer und 70 Hilfsarbeiter. Unter„Ver- schiedencs" wilrde nochKlage seitens derBrauerei-Arbeitergesührt Haupt- fächlich gegen die Brauereien Bötzow und E n d e r S(Wcißensce). Auch vom Maschinenpersonal führte ein Arbeiter Beschwerde. Schließ- sich rief noch eine unter seltsamen Umständen erfolgte Entlassung eines Böttchers in der Aktien-Brauerei Hohen-Schönhansen eine größere Debatte hervor. Mit einem Hoch auf die Arbeiterbetvegung gingen die Versammelten auseinander. Eine gut besuchte Mitgliederversammlung deS Schneider- Verbandes tagte am Mitttvoch. den 12. Februar, im Apollosaal. Ritter gab in derselben den Kassenbericht vom 4. Quartal 1901. Die Einnahmen für die Centralkasse betrugen einschließlich eines Bestandes von 9,26 M.. 5158,06 M. Die Ausgaben betrugen 5154.13 M., so daß für das I. Quartal 1902 ein Bestand von 3,93 M. am Ort verbleibt. Die Lokalknsse hatte einschließlich eines Bestandes von 7207,73 M. vom 3. Quartal 1901 eine Einnahme von 10 221,74 Mark zu verzeichne», die Ausgaben betrugen 2623,23 M., so daß für das 1. Quartal 1902 ein Bestand von 7628,46 M. verbleibt. Auf Antrag Schrcckling wird beschlossen, den Mitgliedern der Ortsverivaltung für jede Sitzung eine Entschädigung von 50 Pf. zu gewähren, dieser Beschlutz soll sich auch auf die im Bureau thätigen Kollegen, die Mit- glieder der Ortsverivaltung sind, erstrecken. Einem Antrag der OrtS« Verwaltung, den Revisor Ackermann seines Postens zu entheben, da derselbe seinen Verpflichtungen als Ortsvcrwaltungsmitglied nicht nachgekommen ist, erteilt die Versammlung nach kurzer Dis- kussion ihre Zustimmung und bestimmt durch Wahl den Kollegen Pohlmann für diesen Posten für das laufende Geschäftsjahr. Eine ziemlich lange und lebhafte Diskussion zeitigte der weitere Antrag der Ortsverivaltung, den, Kollegen Stoboy eine Rüge zu erteilen, iveil er auf ein Schreiben des Berliner Geiverbe-Jnspcktorats, in welchem dieses wegen der Forderungen der organisierte» Schneider an die Gesetzgebung mit einem Ver- tretcr der Organisation eine Unterredung ivünschte und ivelches in Form und Inhalt an den Vertreter der Organisation gerichtet war, eigeinnächtig mit dem Geiverbe-Jnspeltor eine Unterredung abhielt. � Ein Autrag Vierke, eine Kommission zu wählen, um die Sachlage erneut zu prüfen und der nächsten Versammlung Bericht zu erstatten, wird mit großer Mehrheit abgelehnt; der Antrag der OrtSver- ivaltung init einem Zusatzantrag Schrcckling, worin der Kollege Stoboy bei Wiederholung eines derartigen Falles auf die Folgen des§ 10 Abs. b des Organisations-Statuts aufmerksam gemacht wird, gelangt mit allen gegen sechs Stimmen zur Annahme. Nach Erledigung' einiger geschäftlicher Mitteilungen erfolgte Schluß der Versammlung. Charlottcnburg. In der am 12. d. M. stattgefundenen Filial- Versammlung der Vereinigung der Maler, Lackierer ec. behandelte Herr Magnus S ch lv a n t j e in fesselnder und belehrender Weise das Thema:„Die Vivisektion, eine Gefahr für die Arbeiterklasse", unter lebhaftem Beifall der Anwesenden. Im uächsten Punkt der Tagesordnung beleuchtete F l e m m i n g den Zweck und Nutzen des bevorstehenden Provinzialtages für die Provinz Brandenburg und wurde im Anschluß hieran ein Antrag angenonunen, der besagt, daß den, Mitglieds der Agitationskoinmission, Kollegen F l e m m i n g, ein Tag Diäte» aus der Filialkasse bewilligt wird, wenn der Antrag, der dem Provinzialtag vorgelegt wird, in Bezug ans die Vertretung der sämtlichen Mitglieder der Kommission ans demselben keine Annahme finden sollte. Als Delegierter der Filiale ivurde Jost geivählt. Schöneberg. Eine öffentliche Wähler-Versammlung beschäftigte sich am Freitag nüt der Stadtverordneten-Wahl ft'ir den vierten Bezirk an Stelle des nach außerhalb verzogene» Stadtv. Franz Richter. O b st erläuterte in eingehender Weise die gerade jetzt o notwendige Rückgratfestigkeit der Vertreter im Parlament, wo so wichtige, das Gcmeiiuvohl außerordentlich berührende Fragen die Stadt' beschäftige». Er besprach insbesondre die jetzt schwebenden Vcrtragsverhandlnngen mit der Englischen Gasanstalt, nach- dem doch schon in einer früheren Stadtverordneten- Sitzung die Erbauung einer eignen städtischen Gasanstalt beschlossen war. Der neue Vertragsentwurf enthalte wohl äugen- cheinliche Vorteile, bei näherem Zusehen jedoch sind eS solche, die sich in» Laufe der Zeit, Ivo sich eine Verbilligung der GaSpreise als notwendig erweisen dürfte, bald auf ein Minimum reduzieren würdein Sollte wrrklich der neue Vertrag von der bürgerlichen Majorität an» genonimen werden, so begiebt sich die Stadt auch wiederum deS Rechts, ans die Regelung der Coakspreise, die ganz in das Belieben der Gesellschaft gestellt sind, soivie auf die Arbeitslöhne einen Einfluß auszu- üben. Die Arbeiterschaft hat also große Ursache und das meiste Jntereffe daran, daß dieser auf 20 Jahre beabsichtigte Vertrag nicht zu stände kommt und daß Männer in das Stadtparlament gewählt iverden, die bei solchen Fragen stets nur das Interesse der Allgemeinheit im Auge haben. Redner schließt mit dem Wunsch, daß die Wähler im 4. Bezirk alles daran setze» werden, um einem derUnsrige» zum Siege z» vcrhelse». Sodann wurde der Genosse Manrer Karl P a n s c r einstiinmig zun, Kandidaten aufgestellt. Zum Schluffe wurde darauf aufmerksam gemacht, daß auch die aus dem vierten Bezirk inzlvischcn verzogenen Personen, sofern sie in die Wählerliste aufgenommen find, ihr Wahlrecht ausüben können. Sodann wurden die Genossen ersucht, sich zu der am Sonntag früh und am Abend vor der Wahl statlfindeude» Flugblattvcrbreitung recht zahlreich ein- zufinden. Treffpunkt: Restaurant Hoppe, Mcrseburgerstr. 7. Spandau.„Die Vergewaltigung unsrer Genossen im Stadt- parlamenl" war daS Thema einer öffentlichen Kommuualwähler- Versammlung, welche am Donnerstag in Spandau tagte. Der Wchesche Saal ivar bis auf den letzten Platz gefüllt. Die social- demokratische» Stadtverordneten Pieper, Rieger und Scholz gaben de» Versammelten ei» anschauliches Bild von den Kämpfen, ivelche nnsre Genossen im Stadtparlament für die Interessen der Gesamtheit der Bevölkerung gcgenüher der bürgerlichen Mehrheit zu führen haben, die einzig daS Hausbesitzertum in ihr Herz geschloffen zu haben chcint. Eingehend wurde die ganze Ursache der bestehenden Differenz zivischcn der bürgerlichen Majorität und den socialdemokratischen tadlverordnctc» geschildert; die Mehrheit hat ihre Diktatur in der Weise ausgeiibt, daß sie den 9 Socialdemokraten die Deputationen und Kommissionen jc. neuerdings beharrlich verschließt, zu dem aus- gesprochene» Ziveck, sich die socialdemokratische Kritik mit einem chlage von, Halse zu schaffe». Sogar die Aenderung der Geschäfts- ordnnng der Stadtverordnetenversammlung ist bereits von jener Seite in Aussicht genoinnien, um es unsren Genossen crner unmöglich zu machen, selbständige Anträge einzubringen. Natürlich fordern solche verhängnisvollen Diktaturgelüste den aller« schärfsten Widerspruch jedes objektiv denkenden Menschen heraus, und unsre Genossen iverden darum im, so kräftiger mit ihrer Kritik der zahlreichen Mißstände auf konmiuualem Gebiet, denen sich die gerichtlich aufgedeckten polizeilichen Mißstände Ivürdig anreihen, einzusetzen. In der Diskussion sprachen M a r r y, M ü l l e r und O d e r>v a l d im Sinne der Berichterstatter. DaS Verhalten der bürgerlichen Sladtväter erfuhr allseits eine rückhaltlose Verurteilung. Folgende von Oderivalt ein- gebrachte Resolution wurde hierauf e i n st i m m i g an- genommen:„Die heutige öffentliche Konnnunalivähler-Versannn- lung erklärt sich mit dem Verhalten der socialdemokratischen Stadtverordneten im Stadtparlament in allen Punkten ein- verstanden und spricht derselben ihr volles Vertrauen aus. Gleich- zeitig bringt dieselbe ihre schärfste Mißbilligung den übrigen Stadt- verordneten zum Ausdruck wegen ihrer Vergewaltigung und Majo» risieruug der socialdeuiokratischen Stadtverordneten, ksnr den Iulinlt der Jnscrate übernimmt die Nednkiio» de», Publik»», gegenüber keinerlei _ VernntNioriuiig. Tlirntev. Sonntag, IS. Februar. Freie Volksbühne. Carl Weiß- Theater, lv. Abteilung und 1l. Abteilung: DantonS Tod. Anfang SV4 Uhr. Lessing- Theater. 4. Ab- teilung und S. Abteilung: Hans Rosenhage». Anfang LV« Uhr. cl'rrnhanS. Mignon. Ans.?>/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kindervorstellung: Hansel und Gretel.— Die Puppenfee. Montag: Fra Diavolo. Coppelia. Schansplelhans. Miß Hobbs. Au- sang?,/, Uhr. Montag: Der Herr von Abadesta. Stenrs Opern. Theater tilroll». DaS große Licht. Ans.?,/, Uhr. Montag: Geschlossen. Schiller. Die Braut von Messina oder: Die feindlichen Briider. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: LysanderS Mädchen. Hierauf: Die Komödie der Irrungen. Montag 1 Nnsame Menschen. Deutsches. Es leb« das Leben. Anfang 7'/, Uhr. Nachm. 2»/. Uhr: Johanne». Montag: Es lebe das Leben. vrrliner. Maria von Schottland. (1. Teil: Darnleh.) Ansang 7'/, Uhr. Nachm. 2,/z Uhr: Die rote Robe. Montag: Alt-Heidelberg. Lessing. Das Glück. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Amphitryon.— Derein- gebildete Kranke. Residenz. Verliebt. Vorher: Furcht vor der Schwiegermutter. An- fang 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Kameliendame. Montag: Verliebt. Borher: Furcht vor der Schwtegcnnutter. Renes. Die brave Frau.— Die Mausesalle.— Colombine. Au- sang VL Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Beilchen- fresser. Montag: Die brave Frau.— Die Mausefalle.— Colonibine. «öefte». Wiener Blut. Ansang 7»/, Uhr. ' Nachmittags zu halben Preisen: Der Waffenschmied. Montag(Schüler- Borstellung): Der Maslenball. EeresstonSbühne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. K. v. Wolzogrns Buntes Theater (Ueberbrettl). Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Pchall und Rauch. Vorstellung vor Serenisstmus. Ans. 8»/, Uhr. Rachmittags 3»/, Uhr: Borstellung zu ermäßigten Preisen. Montag: Vorstellung vor Scre- nisstinnS. Trianon. Coralie u. To. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr(küher KünstlerhauS): Tierfptele. Stnder-Quartett. Mpntag: Coralie u. Co. Central. DaS süße Mädel. Anfang 7'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Fleder- maus. Montag: DaS süße Mädel. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7y, Uhr. Nachmittags 8 Uhr: Der Hütten- besttzer. Montag: Seine Kleine. Lnisrn. Der Verschwender. Ansang 7'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Der Walzerkönig. Carl Weih. DaS Jungfemstift. Anfang?>/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrtch-WilhelnistSdtische». Der B-ttelstudent. Ans.?-/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Obersteiger. Montag: Der Bettelstudent. Belie-SlNiance. Die Dame aus Tronville. Hieraus: Er. Ansang 7-/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseld. Montag: Die Dame ans Trouville. Hierauf: Er. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. rt.' Vorstellung. Zu Charivari. Täglich Anfang 7>/, Uhr. Nachm. 3»/, Uht: Vorstellung halben Preisen. Metropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 7>/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. «pollo. Don Jua» in der Hölle. Specialitäten- Vorstellung. Au- sang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Cosino- Theater. Lustige Brüder. Ehrloö.— Specialitäten- Vor- stellung. Anfang 7»/, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Muttersegeu. Montag: Lustig« Brüder. Ehrlos. Specialitäten. Palast. Specialiiäten-VorsteNnng. Die süßen Mädel. Ans. 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang nachmittags 3 Uhr. Passage> Panoptikum. Special!- läicn-Borstelluug. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Ilrania. Tanbensir. 48/4».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Montag: Dieselbe Vorstellung. gnvalidenstrasle S7/«»lS. Täglich: Sternwarte._ Trianon-Thealer. Ceorgenstrasee, 3 Minuten vom Bahnhof Friedrichetr. Zum 86. Male: Coralie&, Co, .Anfang s Uhr. Parkett 2 M. Wlltt-TlMler (Wallner-Theater). Sonn tag nach mittag 3 Uhr: I�sailders Mädchen. Hift. Lustspiel in 1 Akt von Widmann. Hierauf: Dlelioinüdlederlrrnnz'en. Lustspiel in 3 Auszügen v. Shakespeare. Sonntagabend 8 Uhr: Die Braut von Mesaina oder: Die feindlichen BrUder. Trauerspiel mit Chören von Schiller. Montagabend 8 Uhr: Einsame Menschen. Dienstagabend 8 Uhr: Zinn erstenmal: _ KOnig Harlekin. fjarl Weiss-Theater. Grosse Franksnrterstr. 132. Anfang 7Va Uhr. Das Jnugfernftift. Operette in i Akten von Ernest Guinot. Musik von Jean Gilbert. Minna Mlchettl als Gast. Morgen: Das Jnngfernsttft. An- fang 8 Uhr. Sonnabendnachmittag: Hans Huckebein. Ckstttlll-ThMkr. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Die Eledernians. Operette in 3 Akten von Joh. Strauß. Abends 7'/» Uhr: Dsts fützo Mädel. Operette in 3 Akten von H. Reinbardt. l'IialjA-l'dkatkr. Drcsdencrftrasse 7L/73. Mit vollständig neuer Ausstattung Seine Kleine. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worur a. G.. Guido Thiclscher, Hclmerding. Paulmüller. Gerda Walde, Boje, Wannovius, Junker- Schatz. Anfang?,/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr, kleine Preise: Der HUttenhesItser. Belle-illiance-Theater. Täglich abends 7'/, Uhr: Die Dm WS Trouvisle. Hieraus: Nachmittags 3 Uhr von Kirchfelb. /ä.. Lebensbild **/»:. 1 Akt. in Der Pfarrer Teliall und Rauch (Kletnes Theater) Unter den Linden 44. Sonntag, den 16. Februar 1902, nachmittags 3'/, Uhr: VorstellnngvorSerenissirnns Schiffbrüchig, Herbstzauber, Vorträge von Constanze Zinner, Ernst Griepenberger, Bichard Leopold. abends 8 Uhr: Vorstellung vor Serenissimus. Familienidyll, Bauernkumedi, Abschiedssouper. Hletropol-Theater Thomas, Bender, Joseph!. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: 'Mi feine Nommer! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Frauchens Weihnachtstisch. Anfang?>/, Uhr. Bauchen überall gestattet. l§jiiissionci Kottbnseraitr. 4 n. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: H o I' f m a 11 n■ NMeMt Zilitgtt EiiitThtilterprsbe. Nach jeder Soiree: Tan�kchnüchca. Entree wie gewöhnlich, Tanz srei. Cirkiis A. Schuman«. Heute Sonntag. 16. Februar: n grosse ausserordentliche O Gala-Borstellungen. Nachm. 3'/, Uhr und abends?>/, Uhr. Ganz besonders gewähltes Programm. In beiden Varstellunge»: Die sensationellen für Berlin vollständig neuen Specialitäten. U. a.: Der neueste Sports-Alt des Mona. Edouard Soa- mann sc. In beiden Vorstellungen: Dir. älh. Schumann* neueste Original- Dressuren, sowie Auftreten sämtlicher Clowns und Auguste. Nachmittags auf alle» Plätzen ein' Kind frei. Neu! Phänomenal Novität! ? h'öeuvöre lumlueuse? __ In Feuer und Flamme»'WK äusgeführt von Frl. Dorn Schumann. In beiden Vorstellunge»,»achmittags und abends, die große Ausstattungs- Pantomime vom Hof-Balletmei,ter A. Siems smr Mephisto-»m ca. 500 Mitwirkende. 2 Musikcorps. Morgen und täglich präcise 7Vi Uhr abends: Gala-Vorstellung mit abwechselndem Programm. Täglich zum Schluß d. Schlager d, Saison: Mephlito. Urania. Tauhen-Strasse 43 49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingslage an der Riviera Invalldenstr. 57/CS. Tägl. Sternwarte. Berliner Aqnarin Unter den Dinden 68a. Eingang Schndowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: mr 50 Pf.-ML Eeichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, _ Beptilien etc._ Castans Panopticn Friedrlch-Strasse 165. Neu! Der Bnrenkrleg und seine Schreckensscenen. Vorstellungen: 11— 1 Uhr vormittags und 4—10 Uhr nachm. Keu! Ciutcnbcrg und der Bnchdrnck. Neu! Konzert (Tiroler Sänger)— Vorträge (Eonzertsänger). Lebende Photographien. Entree 50 Pf."VQ Kinder und Militär 25 Pf. Passage-Theater. Anfang 5 Uhr. Anf. des Abendprogramms 8 Uhr. Ganz Berlin aprlclit von der siebenjährigen Lola Gray in dem erschütternden Mimodrama; Der Bajazzo und sein Kind. Der wunderbare Imitator von Otero und Fougfere JLsmzettn. D a m e n I n ft k a in p f. 5 Slsters Wanton. 16 erstklassige Nummern. E. von Wolzogens Buntes Theater(Ueberbrettl) KUpnickerstr. 68. Sonntag. 16. Februar: u. a.„Zufall" von Fulda,„Atellerspuk" von Wen- driner, Musik von Schytte,„Nora- Parodie" von Bemauer.— Nachmittags- Vorstellung um 3 Uhr zu ca. halben Preisen.— Abend» _ Vorstellung 8 Uhr._ Apollo-Theater. Neu einstudiert!— Mit neuer Ausstattung: Zum 101. Male: Don Juan in der Hölle. Phantastische Operette in 1 Akt von Benno Jacobson. Musik von Wllh. Rasenzweig. Ferner: D Meli and Torp, Arvida tSvenatioii., The Leamy-Truppe. Rlvoll u. Frau. Grifftth Reade. Martin Kettner. Kosmograph: Neue Bilder-Serie. Kassenöffnusg 6 Uhr.— Anfang 7V2 Uhr._ An der Spandauer Brücke 3. Grösst.Vergntlgungslokal Berlins Inteniaiionale Konzerte n. Specialitäten-Vorstellung Tägl. Anstich des„Iii bock" Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Matluee von 12-3 Uhr. Reichshalle n. s? T liglich: Stetliner Sänger. Anfang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Grosse riß im Exerzierhans (am Prenzlauer Thor) Lothringerftrasse 1—7. Täglich 3 große Vorftellungen. 4, 6 und M'/s Uhr. Dressur mit Löwen. Tigern, Wölfen n. Hyänen, sowie Löwen-Ringkauipf und Fütterung um 4 u. SV- Uhr. Entree: l. Platz 1 M., 11- Pl. 50 Pf., III. Pl. 25 Ps., Kinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen auf 1. u. 2. Pl. die Hälfte, dem 3. Pl. IS Pf. Die Direktion: Eroese. Alhinng! VI. Wahlkreis. Mtmio- Sonntag, den 16, Febrnar er., mittags Rä Uhr: WoMsverfammking in den Germania-Prachtsälen, Chaiisseestraße K<)3jH)4. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneteit Genossen �ugusR Bekvl über:„Volksfteev oder Uehendrs 2. Dtsknssion. Um zahlreiche Beteiligung ersuchen 210/4 Die Vertrauensleute beS v. Wahlkreises. Centralvervand der Maurer etc. SmeigVevein Verl in. Donnerstag, den 20. Februar 1902, abends 8 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshanses, Engel-Nfer Genml Verloinmlung kt ZMstklle fttlln. TageS-Ordnung: 1. Geschäft?- und Kassenbericht vom Jahre 1901. 2. Neuwahl des Zwelgvereins-VorstandeS. 3. Wahl der Delegierten zu der am?. März stattfindenden Landeskonferenz. 4. Verbandsangelegenheiten. Zur besonderen Beachtung: Da in einzelnen Vierteln unsrer Zahlstelle die VerbandSbücher ein- gezogen sind, so soll in dieser Versammlung die mit dem Schlnssstcmpel versehene Sammelkarte für das Jahr 1901 legitimieren.— j|DM~ Ohne Samtnelkarte lein Eintritt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Mitglieder. 137/6 Die Verb and sie Itnng. evi:,. rCfiAvYnftiMifitti«r> studet eine Versammlung mit derselben Tagesordnung _ O*'*" VvlJHllDUUlUllig am Dienstag, den 18. d. MtS., abends 8 Uhr bei B a u e r, Berlincrstraße 86, statt.__ O_ ilerband der Sattler. Montag, den 17. Febrnar 1902, abends 8'� Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshanses, Engel-llfer 15: Mmm Versiiiilum simtliclier Filialen Berlins. TageS-Ordnung: 1. Beratung des OrtSstatuts. 2. Die AnsteNungsbedingungeii des Beamten. 3. Wahl des Beamten und der Revisoren. 4. Verschiedenes.— Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung anwesend zu sein. _ Mitgliedsbuch legitimiert.__ 156/8_ Tie Kommissio»._ Uerbimd der Tapezierer sKItber). \ ersa m mlnng: m SitnStij,)« 18. Wrur,»lifrtä 8V- lljt, bei Zmerftei«, Alte Zeledslk. 75. 1. Bericht über die Versammlung der Tapezierer-Junung. 2. Beschlußfassung über de» Beginn der Lohn- bewegung. I. A.: Pank Hirth. gM- Alle Kleber und Knndenarbeiter, die an der Kleberbewegnng interessiert sind, haben in dieser Ven sammlung zu erscheinen. 177/7 Die Scktlsns-Vorsaaiiiiliing am Mittwoch füllt ans._ Palast-Theater Cfrilfjci- Feen-Palast) «nrgftr. 2«. Direktion; Winkler n. Fröbel. Sonntag, den 16. Februar 1902: Nene Spccinlitäte». Um 9 Uhr! Direktor Wilhelm Fröbel in der Operette Die siitzeu Miidel. Ne»! Fredaff Neu! Neu! Hb ar dl nls Neu! Dazu das große glänzende redrugr-rrogramm. Ansang 7 Uhr. Ermäßigte Preise. Entree 30 Ps. Parterre 50 Ps. Billet-Varverkans v. 11—1 Uhr. Freitag, den 23. Februar: Festvorstellung. Robert Dills Benessz._ Charivari-Theater. Alte Jakobstr. 37. Neues glänzendes Februar- Programm. Pepl Weiss Mlzzl Braun Lotte Sebus Albert Kühne Max Reichard u. a. VjlUhr Nachm.- Vors tollung zu halben Preisen. A 7,8 Uhr Boginn der Abend- V Vorstellung.. Wo amösiert raan Bich groasartlg? I» Schnegelsbergs Festsälen JttHaver: Max Scliimllei* liascnhcide Ä4 und JnhiistriiSHO 8. Heute: Mvoszev Vcrll verbunden mit Eigarrcn-, Bonbon-Regen und diverse» Ueberraschungen. Entree: Mlttvi'achs frei,«»niitags 4Si Pf, Täglich: SpcclalitUten-VurstclInng. Entree frei. 3325U* Max hicliiiidlcr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Glänzender Erfolg! Allabendlich ausverkauft! W. Richter in..Lustige«rüder». Dir. Hans Berg in»Ehrlos« zc. rc. Ansang Wochent. 8 Ubr,Sonut.7i/, Uhr. Heute nachm. 4Uhr bei kleinen Preisen: Aus vielscit. Wunsch zum 7. Male: ..Mnttersegen." Urania Wrnngclstrassc 10/11. Jeden Sonntag: Knossei' K«II. Ans. 4 Uhr. Siehe Auschlagsänlen. Einpsehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Bersainmlungen. 3186L* v.!>'. Walter. W. Noachs Theater. Brunnenstraßc 1». Dopfenrnths Erben. Voltsstnck mit Gesang in 5 Akten von H. Wille». Musik von G. Michaelis. Heute: TanzkTänzolieii. Mmrtag: Bajazzo und seine Familie. Sonntag, de» 16. Februar: 2 große Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr: Berliner Landpartien, höchst kom. Pantomime. Abends 71/2 Uhr: Nlondlke. Original- Pantomime des Cirlus Busch. Bcrlinei' Bock-Brauerei Act-Ges. Abteilung I 11 1 4 Abteilung II Tempelhoferberg. Ber1111- Chausseesirasse. 64. Boekbier-Salson 1902. Die Eröffnung des Ausschanks am Tempelhoferberg ist Sonnabend, den I. Februar 1902 Einzig I Unerreicht i Original I Täglich grosser BockOubel.— Zwei MilitSr«Kapellen. Unser weltberühmtes Original- Bockbier kommt nur in Korkflnschen mit Kapseln zum Verkauf SO Flaschen für 3 Ilairk. Nur echt, wenn in der Flasche zwei Böcke eingeblasen.— Kleine Gebinde an Private zu Festlichkeiten etc. Wir empfehlen gleichzeitig unsre anerkannt vorzüglichen Flaschenbiere und offerieren: Prima goldklares Liagcrblcr...= 30 Flaschen 3 Mark. Prima Vernandbler(Münchener Art)— 30 Flaschen 3 Mark. Hochfeines Dllaener Bier 30 Flaschen 3 Mark. Gefällige Bestellungen werden von beiden Abteilungen prompt ausgeführt. V T�elephon-Ansohluss Abteilung I Amt 6 No. 3019. Amt 9 No. 9191. Abteilung II Amt III No. 2623. Die Direktion. SolilildtUloliMMn W-tliml« für den 2. Beritner Reichstags-Wnhilirtls. vienstas,«dv» IG. ltaitu-aa»', abends SVa LThr Im Kolml von Habels Krnnerei- Ausschank Bcrgmannstr. b/? Versammlung. Tages-Ordnung: I. Die Bedeutung der preichischen LandtagSwahlen. Referent: Reichs- tagsabgeordncter Friti Ziibeil. 2. Diskussion.__ 238/3 Zahlreichen Besuch erwartet lief- Torstand. SotialdemoKrMcher Mahlverei» für den L Der!. Reichstags-MahlNrets(8ilio(t). Diriistng. de» 18. Februar, abends 8 Uhr» bei Granmann, Rauiiynstr. 37: V ersammlung. Tages-Orbnung: 1. Vortrag deS RetchStags-Abgeordncten ZloIKenbndr LSsr: Die erste Lesung deS ZolltarifgesetzeL in der Kommission. 2. Diskulsioa. 3. Vereinsaugelegenheiten. 242/8 Zahlreichen Besuch erwartet vor Torstand. K. WaWreis. Achtung! Sonntag, den 10. Februar, abends 0 Uhr, im„Kolbcrger Salon", Kolbcrgerstrahe Nr. 23: Oesfentliche Versammlung. TageS-Ordnung: l. Vortmg des Wenosten Waldcck Manage über:»Gefundieten— Gesuuddruten.» 2. Diskussion. 1/5 Nachdem: Geselliges Beisammensein. Um zahlreichen Besuch bittet Ble Tertrawenspcrsoa. Verein für Frauen ond Hellen der Arbeiterklasse. Montag, den 17. Februar, abends S1/, Uhr, in de««rmtnhallen, Kvmmandaiitenstraise 30: 55/4 Tortrag der Gewerbe-JnspektiottS- Assistentin Frl. Reichert über: Die Beschäftigung der Frauen i» Fabriken nach de« Erhebungen der Gewerde-Jnspektioneu im Jahre 1839. Diskussion. Gäste willkommen. Der Borstand. SotialdemotlraNscher Mahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Mahlkreis. Torstsult. Dienstag» den 18. Februar, abendS 8>/z Uhr, tu Wornau» Fcstsäien, Gchwedterstraße 83: SM" DevsottlttllnZtg."DR Tages- Ordnung: 1. Bortrag des RcichstagS Abgeordneten Genossen I-edebonr über: Die politische Lage. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Genossen ist zu erscheinen. 500b_ Her Torstand. I. A; K«rl Mar», Deutscher Holzarbeiter-Verband. DienStag» 85. Februar, abends 8 Uhr, im GclverkschaftShauS, Eugelufer 15, Saal 111t Vr«ttdienVors«rnrnrlnng der Mnsikinstrnmenten-Arbeiter. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über die Arbeitslosen- Unterstützung. 2. Branchenangelegenheit und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ist notwendig. 70/7 WS' SM- U. CkliillMMkiltt. Mittwoch, de» 1V. Februar 1998, abends 8 Uhr, bei Keller (oberer Saal), Koppcnstr. 39:_ KTersammliiugr."WA mng: 1. Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung. Referent Kolleg« Zorn. 2. Diskussion. 3. Bericht der Gewerbegerichts-Beisitzer. Referent Kollege Klinger. 4. Werkstattangclegenheit. 5. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung bitte ich sämtliche Kollegen zu erscheinen.____ Der Obmann. Dienstag, 18. Februar, abdS. 8'/- Uhr, im GewerkfchaftShauS, Eugelufer 15, Saal TU: Elnsmckvti»VvnsanHNHkitia der Kammmacher und alier in der Gelluloid-HaarschmuGk-BranGhe beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: I. Die Ausgaben der Organisation während der Krise und die Arbeitsloseii-Unterstützung. Rcserent Kollege Denher. 2. DtS- tusflon. 3. Die Disserenzm bei Döbbelin. 4. Verschiedenes Kollegen I Da wir zur Arbeitsloscn-Unterstützulig Stellung nehmen Müssen, ist ein vollzähliger Besuch dringend notwendig. AM«»«! ScbMauser und Rnsentbaler Vorstadt. Die Beitragssammler dieses Bezirks kassieren am 22. Februar des Maskenballs wegen von 7—9 Uhr abendS._ Deutscher Verein für volkstümliche Gesundheitspflege. Am DienStag, 18. Februar, 8"/«, Engel-Ufer 15, Saal Uli WM" Versaiiiiiilnng."HW Bortrag: Huf« Ernährung. Referent Dr. 0. Bloch. DlSkussion. LeretnSangelegenheitem 286/4 Dr. 0. Bloch. Verschiedenes. * Gäste sind willkommen.'MW ?aui»or, eh, Borsitzender. Lichtenberg'. Dienstag, den 18. Februar 1908, abendS S'/a Uhr, t» Htffllohs „Schwarzem Adler-', Frankfurter Chanssee 180 t Uolks-Uersammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Besteuerung des HungcrS und die Forderungen für Heer und Marine. Referent: H. Dtröbel. 2. Aus der Geiueindevertretung. 3. Diskussion. 222/2 Zahlreichen Besuch erwartet_______ Der Vertraue»«,»«»». Fachverein d. Tischler Dienstag, 18. Februar, abendS 8 Uhr,Nfer IS, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt TU, 353. Montag, den 17. d. M., abends O3/« Uhr, im Lokal des Herrn k i« tl« I, Neue Mühle, ¥ ersanimliing sämtlicher bei der B. M. A.-G. vorm. Cchmorhkovls bellhiistigtev Kollegen. Tages-Orduung: 1...Die erfoigten«nd bevorstehenden Slbzüge an de» Löhnen und Aeeordpreisen im Arbeiter-ParadieS zu Wildau.-« 2. Diskussion.' 111/15 DM- Kollegen! Scheut nicht die klein« Mühe, um nach dem Versammlungslokal zu kommen; die Gastwirte von Wildau und Umgegend nehmen wohl die Groschen der Arbeiter, die sie bei ihnen verzehren, aber zu Versammlungen geben sie ihr Lokal nicht her; deshalb waren wir gezwungen, das Lokal inNeueMühlezu nehmen. äHf Kollegen l Erscheint Mann für Mann in dieser Versammlung, um Protest einzulegen gegen die geplante Verschlechterung Eurer Lebenshaltung._____ Dienstag, de» 18. d. M., abends SV« Uhr, im Lokal von k e t»« I U, Wasserthorstr. 68, Vensanimlnng aller bei der Firma Spinn n. Sohn besWigten Arbeiter nnb Arbeiterinnen. Tages-Orduung: 1. Wie stellen sich die Kollegen zu den großen Aeeord-Abzügen? Referent: Karl Wiesrnthal. 2. Diskusston._ gjC Die Betriebsleitung ist hiermit besonders eingeladen.'�DG Das Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen zu dieser wichttgen Versammlung erwartet _ Die OrtsTerwaltnng. Arbeiter-Bildungs-Schnle. Sonntag, den 16. Februar, abends 7 Uhr, in Feuersteins Festsälen, Alte jakobstrasse Mo, 75; Vortrag des Sehrlftslellers Georg Bernhard über: Bürgerliche Wissenschaft nnd Arheiterhildang. Nach dam Vortrage: 4/7 Gemtttllcheiü Beisammensein nnd Tanz. Eintritt 20 Pfennig."tzAch_ gy* Garderobe frei Central-Yerband der Handels-, Transport- nnd Vnrkeiirsarbeiter Deutscblands. Ortsverwaltimg Berlin. Telephon: Amt 7. 3318. Engel-Nfer 15, II, Zimmer 16. Sonnabend, den 88. Febrnar 1008: Zml große Wieuer Maskenbälle in folgenden Lokalen: L Kellers Gesamt-Festsäle, Koppenstr. 29, Moabiter Öesellschaftshaus, Inh. Peters, Alt-Moabit 80|81. Um 12 Uhr: Demanklernng.-MW Die Ballmusik wird von fünf starken Kapellen des„Neuen Berliner Konzert- Orchesters- unter Leitung der Herren lluäolk TI«U und H. Haiti ausgeführt. Offen« Saffe ftndetnicht statt. Anfang abends 9 Nhr. Blllets a 60 Pf. sind zu haben im Bureau, GewerkschaftShauS, Eugel-Ufer IS, II, Zimmer 16, in den Zahlstellen und Bersammlungeu sowie bei sämtlichen Borstandömitgltedem, Bezirköführern und Betriebs- Vertrauensleuten._ Dienstag, den 18. Februar 1008, abends 8 Vi Uhr: Fortsetzung der ordentliche» GenerLtzl-DersÄtnonlung im Gewerkschaftshaus, Gugel-Ufer 15 tgrofter Saal). TageS-Ordnung: 67/3 Zur Erledigung stehen noch Punkt 3: Neuwahl der gesamten Orts- Verwaltung und der Revisoren. Punkt S: Anträge. Das Mitgliedsbuch ist an, Eingang der Berfammlung vorzuzeigen. Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen länger alS zehn Wochen im Rückstände sind, haben keinen Zutritt._ Kohlenarbeiter und Kutscher! Sountaa, den 16. Februar, abendS 6 Uhr: Grotze Versammlung mit Frauen im»Engltfchen Garten-, Alexanderstr. 87e. TageS-Ordnung: 1. Wie pellen wir unS zu den in letzter Zeit auf verschiedenen Plätzen vorgenommenen Lohnkürzungen unsrer Kollegen? Referent: Kollege Verner. 2. Disknsston._ Schöneberg und Westend! Sonutag, den 16. Febrnar. abendS 6 Uhr» Große Versammlung mit Frauen bei Obst(Tunnel). Meiuinger- u. Lutherstrasten-Sefe. TageS-Ordnung: 1. Die Konsum- Eenosseuschast und ihre Bedeutung für die arbeitende Klasse. Reserentin: grl. Fannl imie. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Nach der Versammlung: GeseUtges Beisammensein und Tarn. Di« Kollegen werde» um zahlreiche Beteiligung ersucht. Die Ortsveriraltung». inaler u. Anstreicher Berlins nnd der Uororte. Mittwoch, den 19. Febrnar, abends 8 Uhr In Feuersteins FestsiUen, Alte Jakvbstr. 75 HÜr Versammlung"WU Tagesordnung: 124/4 Wie gestalten wir für das Weitere unsre Lohn- und Arbeitsverhältnisse? Bei der Wichtigkeit dieser Frage erwarten wir, dasi kein Kollegefehlm wird. Die Ortsverwnltung der Bereinigung der Maler. Achtung! Rabitzputzerl Mittwoch, dt» Ii» Februar, pünktlich abendS T/z Uhr tu den„Arm in hallen", Komnumdantenstr. 20 Mitglieder- Versammlung der Filiale Berlins III des Centralverbands der Maurer. Tagesordnung: 252/1 1. Geschäftsbericht über die Bewegung tin Jahr« 1V01. 2. Wahl des Zweigvereiiis und SekttoiiSvorstandS. 3. Stellungilahme zu der von den Unternehmern angekündigten Lohnherabsetzung. 4 Verschiedenes. Uiii vollzähliges Erscheinen ersucht Her Torstand. ..„u.uuujriiGKliru.mlf Montag, den 17. Februar er., abends 8 Uhr: Lenersl» Versammlung im BereinStokak Kommandantrnftr. 65 bei liuderolzx. Tages-OrdNung: 1. Vorlesung deS Protokolls. 2. Antrag Engelhardt: kluflbsung deS Vereins und Uebettritt zum Holzarbeiter-Berband. 3. Wahl einer Kommiision event. eines neuen Vorstandes. 4. Diskussion. Mitgliedsbuch legittmiert. Aus s 8d macht ausmerlsam 422b_ Per Toratand. CtckiilveriWh her innrer ir. Zahlstelle Berlin I.(Putzer). Mittwoch, 17. Februar, abends 7 Uhr: ror » 11111511011111■UlUUtlllHIUlIgl Tagesordnung: 1. Wahl deS ersten Bevollmächtigten. 2. Beschlußfassung über daS OrtS- statut. 3. Wahl der Delegierten zur Konferenz Zu dieser Versammlung haben nur Mitglieder der Zahlstelle I Zutritt. 137/4__ Die örtliche Berwaltung. Mnlneriillnd der innrer u. (Bezirk Süden.) Sonnabend, den 22. Februar 1902; Großer Wiener Maskenball in der„Neuen Welt", Hasenheide.«7/5 Anfang abends S'/j Uhr.— Blllets a SO Pf. ES ladet freundlichst ein_ Pas Komitee. MOinstriinlenten-Ardeiter. Fachverein. Montag, den 17. Februar. abendS V,9 Uhr, Mitglieder- Versammlung im Lokale des Herrn vranmnnn, Nannynstrafte 87. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Dr. Wollheim über«Luft und Leben". 2. DiS» kufstou. 3. Abrechnung vom Weihnachtsoergnüge». 4. BereinSangelegmhetten. Sonntag, den 23. März 1S02: -�«rstvllnng Zur Aufführung gelangt: fpUKIingstsgv an Rhriana. 141/6 BilletS sind beim Kassierer Hensel zu �aben. er Torstand. Kerdluid der im stergoldmkmrdc beMMsten Ardtlin und ArdeNniunen ZeuMuud». (Filiale Berlin.) Montag, VJ. Februar, abendS präctfe 8 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstrah« 80(gr. Saal): Mitglieder-Bersammluag TageS-Ordnung: 1. Bericht der StatutenberatungS-Kommtssto». 2. Diskussion.«SM 3. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, die Nummer 3 vom 2. Februar er. deS „KoriespondenzblatteS" niitzubringen, damit ein jeder die von der Kommission vorgeschlagenen Paragraphen zur Hand hat, und erwartet ewen vollzähligen Besuch Der vorstand. ira. In dieser Versammlung erfolgt die AuSgabe der Btllets zu dem am 8. März er. stattflndeiiden Stiftungsfest._ D O. Ekntnil- Verband dn Eledtromontemk»nd Denlssgenoffen SeiiWlands. Delation Berti». Donnerstag, den 20. Februar 1S02, abends 3lU Uhr, im Lokale des Herrn Nünian». Briinnenstraße 188:_ Mitglieder-Versammlung."MW TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Reichstags- Abgeordneten E. Rofenow:„Die Arbeitslosigkeit, ihre Ursachen und Bekämpfung." 2. Diskussion. 3. Wahl«ineS VergnügungskomtteeS. 4. Verschiedene». ES ist Pflicht eine« jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Gäste haben Zuttitt. löS/lj Per Torstanü Achtung!"MD W Achtung! Goldschnittmacher! DienStag» den 18. Februar, abendS 8'/» Uhr: Verwanimluii£f"WE im Gewe rkschaftshaus, Gugel-Ufer 15. Tages-Ordnuiig: 1. Vortrag deS Stadtverordneten Adolf Boffmann über:»Dat moderne Raubrittertum.-' 2. Branchsnaugelegeilheiten. 2Z/g Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der BertraueuSmann. Verein abstinenter Arbeiter u. Arbeiterinnen Berlins. Heut«, Sonntag, abend» 6 Uhr, Armlnballen, AlVr Kolllmaiidaiiteustrave 20:-MM BA|t(M«(i. Alkohol nnd Tcrbrcchcn aus der Tcnselt. VUIlIdy. Nachdem i Geselliges Beisammensein. Gäste, Damen und Herren wtllkoulme». 286/5 Per Torstand. Granmann* Festsäle(frOlier Renz] Naunyn-Strasse 27. 3190Ü* Empfehle meiiie Säle, 900 Persoueu fassend(auch mit Bühne), zu allen Festlichkeiten und Versaiiimluiigen.— Souiiabcude und Sonntage im April und Mai noch frei und a» Vereine-u veigeben. Gustav Granmann. Sonnnbenli, der LL. Mrz, frei gtivorden! Verantwortlicher Redactrur: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«lo daS Zuslandckomme» deS großen VerkehrSnnternehmens ihn beauftragt habe, etliche Orden auszuteilen. Unter den Beglückten waren die Herren Wilhelm und Arnold v. SienienS, sowie Direktor Schwieg«. ES folgte dann noch eine Rede deS Herrn Karl v. Siemens. Ein Sonderzug brachte um I2'/2 Uhr die Fahrgäste zum Potsdamer Bahnhof. Der reguläre Betrieb der Hochbahn beginnt bekanntlich am Dienstag in der Frühe. Was von den Einrichtungen des neuen VerkehrSunternehineils nach erster Prüfung Gutes und auch Bedenk- liches zu sagen war, haben wir dieser Tage mitgeteilt. Hoffentlich thnt die Betriebsleitung im eignen Interesse, ivas möglich ist, um die Wünsche des PublikuniS zu befriedigen. An den beiden andren großen Berliner VerkehrSnnternehniungcn, der Stadtbahn und der S t r a ß e n b a h n, hat sie ja in vielfacher Hinsicht ein Muster, wie man's— nicht machen soll. Verkrachte Krankenkaff«. Das königliche Polizeipräsidium Hierselbst teilt mit, daß die Krankenkasse„HelioS", eingeschriebene HilfSkasse Nr. 136, nachdem gegen sie die Klage anf Schließung er- hoben worden, weil sie mit der Zahlung fälliger, nicht streitiger Unterstützungen trotz einer ihr gestellten nngemesscncn Frist im Rück- stände geblieben war, sich durch Beschluß der außerordentlichen Generalversamnilnng vom 30. Januar 1902 aufgelöst hat. Liquidator ist der bisherige Direktor der Kasse Otto Bahlke. DaS Kassenlokal des Liquidators befindet sich 17. 24, Linienstr. 126, part. Die Leichenhallen auf den hiesigen Friedhöfen werden zur Beisetzung von Verstorbenen bis zu deren Beerdigung noch nicht in dem Umfange benutzt, wie dies im Interesse deS Gesundheitszustandes der Bewohner beschränkter Wohnungen crsorderlich ist. Bei der Be- Nutzung der Leichenhallen ist folgendes zu beachten. Wird die Ein- stellung der Leiche in eine Leichenhalle beabsichtigt, so ist dem Küster derjenigen Parochie, auf deren Begräbnisplatz die Beerdigung statt- finden soll, hiervon möglichst zeitig Anzeige zu machen und dabei der vom Arzte ausgesüllte polizeiliche' Totenschein vorzulegen. Besitzt die Parochie keine Leichenhalle, so erstatte man die Anzeige an den Küster einer andren Parochie, anf deren Friedhof sich«ine Leichenhalle befindet, welche zur Einstellung benutzt werden soll. Der Küster fertigt einen Schein an den Totengräber aus, nach welchem die Beisetzung in die Leichenhalle gestattet wird. Der TranS- �zort der Leiche nach der Halle kann durch Leichenwagen oder auf jede andre den Hinterbliebenen paffend erscheinende Weise erfolgen. Die Benutzung der Leichenhallen zur Aufstellung der Leichen erfolgt teils unentgeltlich, teils nach den für die verschiedenen Kirchen fest- gestellten, in den Amtszimmern der Küster und Totengräber znr Ein- rcht ausgehängten Gebührentaxen gegen eine entsprechende Gebühr. Roch einmal die KrankenhauS-Debatte der letzten Stadt- verordneten-Sitznng. Die„National-Zeitung" konimt in ihrer Nummer vom Sonnabend früh auf die Krankenhaus-Debatte der letzten Stndtverordneten-Sitznng zurück und kniipft daran eine Reihe von kritischen Bemerkungen. Sie zeigt sich von dem Verlans der Debatte vollkonimen beftiedigt und gefällt sich in der Rolle einer Verteidigerin der städtischen Krankenhaus- Verwaltung. Komisch wirkt eS, wenn das Blatt sagt, der Vorsitzende der Kranken- Haus-Deputation Stadtrat Weigert habe„nachgewiesen", daß die von unsrem Genossen Antrick neuerlich im Reichs- tage gegen das Krankenhaus Moabit erhobenen Anklagen zum Teil völlig ungerechtferttgt und da, wo ein Körnchen Wahrheit vorliegt, sehr übertrieben" seien. Das war gerade das Charakteristische an den Ausführungen Weigerts, daß er sich um die unbequeme Aufgabe, die Antrickschen Angriffe zu widerlegen, vorsichtig herum- drückte. Der Herr hat lhatsächlich nicht ein einziges Wort der„Widerlegung" vorgebracht. Man kann gegenüber all' diesen Ausflüchten und Bcschönigungsversuchen wirklich immer wieder nur mit unsrem Genossen Singer sagen:„Zugegeben werden solche Mißstände nie", und wünschen, daß wenigstens der Nachsatz„aber mau beseitigt sie" recht bald seine Bestätigung erhalte. Das ueueste von der Polizciccusur. Dem L e s s i n g« Theater wurde gestern vom Polizeipräsidium die offizielle Nach- richt zugestellt, daß die Genehmigung zur Aufführung des Paul H e y s e schen DramaS„Maria von Magdala" versagt wird. Anstoß erregend sei die Verwendung von Stellen der Bibel, die dramatische Verwertung der Leidensgeschichte Christi und der Um- stand, daß die Kreuzigung in Beziehung gesetzt werde zu außer- halb der Ueberlieferung liegenden Motiven. Direktor Neumann- Hofer hat in, Verein mit Paul Heyse gegen dieses Verbot Klage erhoben. Die Zlerztezunft. Eine ehrengerichtliche Untersuchung gegen sich selbst hatte der Arzt Dr. Richard Schacffer beantragt. Ver- anlassung dazu gab der Beschluß der Aerztekammer Bcrlin-Branden- bürg, welcher„däs Zusammenivirken von Acrzten mit nicht appro- b i e r t e n Personen als im höchsten Grade die Würde und das Ansehen des ärztlichen Standes schädigend" bezeichnete. Durch diesen Beschluß hatte sich Dr. Sckiaeffer, der als Frauenarzt bei der Schöneberger Ortskrankenkasse neben den, in der Schweiz approbierten Frl. Dr. Springer angestellt ist, beleidigt gefühlt und den Schutz des Ehrengerichts angerufen. Die Verhandlung endete mit einem Frei- spruch. Dr. Schaeffer selbst bemerkt zu dem Urteil in der„Med. Ref." folgendes:„Das Urteil betveist erstens, daß es nicht für standcs- unwürdig gehalten wird, schweizerische Aerzte, und seien es sogar Aerztinncn, als Kollegen anzuerkennen. Weiter aber betveist der Frcispruch, wie mißlich' cS ist, wenn eine Aerztekammer sich verleiten läßt, allgemeine Normen des standeswürdigen Verhaltens aufzu- stellen; denn die Würdigung des. Einzelfalles kann nur ein Gerichtshof(Ehrengericht)»ach Anhören beider Parteien vornehmen."' Ueber eine vom Schöffengericht für ungültig erklärte Polizeiverordnung wird berichtet: Die Berliner Polizeiverordnung betreffend den Bauarbeiterschutz, tvelche seit 1. Oktober v. I. in Kraft ist, ist jetzt für rechtsungültig erklärt worden. Ein hiesiger Banunternchmcr wurde wegen Verstoßes gegen eine Bestimmung der genannten Verordnung mit einem polizeilichen Strafmandat bedacht. Auf Veranlassung des I n n u n g s v e r b a» d e s deutscher Bau- gewerksmeister erhob er Widerspruch und verlangte gerichtliche Eni- scheidung. Das Schöffengericht sprach den Angeschuldigten frei mit folgender Begründung: Die auf den Verstoß bezügliche Polizcivcrordnung vom 27. August 1901 kann nicht für rechtsgültig erachtet werden, indem sie nach ihrem gesamten Inhalt zum Schutze der Arbeiter erlassen ist und daher nach ßZ 120s. und 120o der Gewerbe- Ordnung vor ihrem Erlaß den Vorständen der beteiligten Berufs- genossciischaften Gelegenheit zu einer gutachtlichen Aenßerung hätte gegeben werden müssen, was nach der Einleitung zn der Polizei- � Verordnung nicht geschehen ist.— Hoffentlich geschieht bald das Erforderliche, um der Verordnung die Rechtswirksamkeit zu sichern. DaS PflcgehauS für sieche Ehrpaare, das auf den, Grund- stück der städtischen Siechenanstalt in der Prenzlauer Allee errichtet worden ist, soll in, Frühjahr in Benutzung genommen werde». Es wird 44 Ehepaare aufnehmen können. Die Verwaltung der Siechen- anstatt wird durch die bevorstehende Fertigstellung dieses Er- weiternngSbaucs endlich in die Lage versetzt, alte erwerbsunfähige Ehepaare künftig ungetrennt unterbringen zu können. Bisher war das bei den in der städtischen Siechenanstalt bestehenden Einrichtungcn nicht möglich. Zn dem Tode des Tischlers L., Ivorüber wir am Donnerstag berichteten, Ivird uns authentisch mitgeteilt, daß der Unglückliche nicht an Alkoholvergiftting, sondern an einer Gehirnquetschung in, Kranken- Hause Friedrichshain gestorben ist. Vor der Verhaftung vergiftet hat sich der 40 Jahre alte ehenialige Kaufmann Leopold L e m b k e, der unter dem Namen! eines LicirtenaittS Lembke Hochstapeleien getrieben hatte, deS-' wegen behördlich gesucht wurde und sich seit etwa drei Wochen in! der Wohnung eines Ober-Postassiste»t-n T. unangemeldet anfhictt. I Durch Zufall wurde die Kriminalpolizei auf die Fährte gebracht, f Ueber einen entlaufenen Hund wurde«nie öffentliche Bekannt-' machung erlassen, wonach der Hund einem Lieutenant Lembke' bei dem Ober-Postassistenten T. gehörte. Als die! Ehefrau deS Postbeamten. zu der L. in Beziehungen' stand, seine Anwesenheit in der Wohnung leugnete, wurden Beobachtungen angestellt, die die Richtigkeit des Aufenthalts ergaben. Nunmehr sollte gestern nachinittagRz» der Verhaftung LcmbkeS ge- schritten werden, der stets große Vorsicht beobachtete, weil er vo»! der Ueberwachnng des Hauses Kenntnis hatte. Die Beamten, die. genau wußten, daß er sicki in den Räumen befand, ließen fich nicht! abweisen. Bevor sie sich aber seiner bemächtigen konnten, hatte sich Lembke auf den Balkon geflüchtet und Strychnin zu sich ge- nommen. Als die Polizei ihm dahin folgte, fanden sie nur noch eine Leiche. Selbstmord eines Schutzmanns im Theater. Im Theater, ?nt sich der 35 Jahre alte Schutzmann Rudolf M i l 0 l e i t er- � choffen, der der Berliner Polizei seit 7 Jahren angehörte und die' letzten drei Jahre hindurch bei denselben Wirtslenten in der Solms-! straße 12 wohnte. Mikoleit, der unvcrheirathet war und im 31. Polizeirevier in der Krcuzbergstraße seinen Dienst that, erhielt von seinem Vorgesetzten daS Zeugnis eines pflichttreuen,»üchteriien Beaniten. Er war wenig mitteilsam und hat über seine Ver» hältnisse wenig gesprochen. Briefe hat er selten, weiblichen Be- such niemals empfangen. Als er am Freitagmittag un, 1 Uhr aus der Wohnung in den Dienst ging, war er sehr aufgeregt, ohne daß aber die Wirtslente auch nur erraten konnten, was mit ihm oder in ihm vorging. Abends hatte er Dienst am Berliner Theater. Nack- dem sich die Polizeibeamten dort versa», melt hatten, begab sich M. um 53/* Uhr in daS Innere, und gleich darauf fiel ein Schuß. Der Heizer fand ihn sitzend als Leiche auf; der Revolver, ans de», er sich« eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt hatte, log auf den» Fuß« boden. Das Theatcrpublikum hat von dem Vorgang nichts gemerkt, die Leiche wurde während der Vorstellung in unauffälliger Weise ab- geholt. Der Nachlast der„GiPSschulzen", der vo» dem hingerichteten Schuhmacher Goenczi ermordeten Witwe Schulze, bildet immer noch den Streitpnnkt zwischen dem Schornsteinfegermeistcr Lutz aus Hermannstadt und der Witwe Nobiling, einer Schwester der Er- niordeten. Lutz, der nur 15 Jahre jünger ist, als die GiPSschulzen. ist im gerichtlichen Verfahren bisher unterlegen. In der BenifungS- klage, die er jetzt gegen die Frau Nobiling und Genossen sührt, behauptet er, seine ernwrdcte Mutter habe Zeugen gegenüber die Aeußernng gethan, daß sie eine» unehelichen Sohn habe, aber nicht wisse, wo dieser sich aufhalte, andre Kinder habe sie nicht. Run hat die GiPSschulzen in der That vor Jahren die Frage erörtert, ob außereheliche Kinder erb- berechtigt seien. Dabei hat sie die llcberzengnng erweckt, daß sie Mutter eines solche» sei. Auch hat eine Frön K. ihr rundweg erklärt, sie besitze ein Kind, ohne daß die GiPSschulzen damals Ein- spruch dagegen erhoben haben soll. Wenn durch Zeugenaussagen das Vorhandensein eines Sohnes der Erniordctcn festgestellt wird, so kann dadurch die Klage um die Erbschaft eine für Lutz günstige Wendung erhalten. De» VerbrennungStod erlitt Sonnabendnachmittag die 93 jährige Witwe Jonas aus der Kastanienallce 100. Die bei ihr»>Tchwicft«rtvchter wohnende und sorgfällig gehütete Matrone hatte ein kleine» Stiil'che» inne. Di« Schwiegertochter brachte ihr kurz nach 1 Uhr das Mittogscssen und entfernte sich auf kurze Zeit, rnt in einem in demselben Hans« befindlich«» Grünkramkeller Ein- käufe zu machen. Jnzloischen war die alle Frau dem stark geheizten Ofen zu nahe gekominen, so das; ihre Kleider Feuer fingen. Auf ihre Hilferufe eilten HmlSbeluohncr herbei, die die Flamme durch Wasser und Neberwcrfen von Decken erstickten. Al» die herbeigerufene Feuerwehr erschien, zeigte die alte grau nur noch schwache Leben»- zeichen. Sie wurde»ach dem Lazarus-Krankenhaufe geschafft, wo sie inzwischen ihren Wunden erlegen ist. Der zur Frier de» 25 jährigen lvrstchens drr nennten ftädttschen Fortbildungsschule am Freitagabend i» KeNcr» Fest- sälen veranslaliele Festabend Halle«tiva lSVO Persoiic» herbeigelockt. An der Versammlung, die mit grostcm Interesse de» Ausführungen des Vorsitzenden des Kuratoriums, SadtratS Dr. M ü n st e r b e r g, und des Dirigenten Paget folgte, nahmen u. a. anch Geh. Rc- gicrungSrat iprofesior Dr. Bertram, Stadtschulrnt Professor Dr. Gerstenbcrg und Reichs- und LandtagS-Adgrordneter Ernst teil. Am IS. Februar 1877 mit 15 Schüler» inS Leben gerufen. hat die Anstalt heute eine Frequenz von I74S Schülern, 05 Klaffen und 62 Lehrkräfte. Innerhalb der letzten 4 Jahre ist die Frequenz um 70V gestiegen. Im Namen zahlreicher che- maligcr Schüler der Anstalt überbrachte Bildhauer Bothe herz- liche Glückwünsche und richtete einen warmen Appell an die Wer- fammellen, einen Jugendklub für die gegemvörtigen und ehe- maligen Schüler der Anstalt zu gründen, mit dem Endzweck, die wirtschaftliche und technische Forlbildung der heranwachsenden Jüng- linqe zu fördern und vor allem eine edle Geselligkeit durch Ver- anstaltnng von wissenschaftlichen und musikalischen Vorträge». Besuch von bedeutenden Stätten der Industrie und Kunst, Beranstaliung von Ausflügen an Sonntagen 2t.— Nach Schlntz des osfiziellen Teiles fand sofort die Gründung eine» Verein».Jugendklub" statt. Die einstweilige Leitung und Organisation übernahm der Dirigent der Anstalt Herr P a g e l und das Amt des Schatzmeisters Herr Bildhauer W e f i n g. Der Jahresbeitrag wurde auf 1 M. festgesetzt. Die Schlachtuugcn in den öffentlichen Schlachthäusern de« städtischen Schlachthofes sind auch im Monat Januar d. I., mit Ausnahme der Schlachlungen von Schafen, ganz erheblich zurückgegangen. ES wurden geschlachtet: 16 162 Rinder (gegen 17 691 Stück im Monat Januar 1961). 11 782 Kälber(12 927 46 361 Schafe(36 883), 63152 Schweine(75 620), zusammen 181 887 Tiere, gegen 142 621 Stück im Monat Jannar 196l, mithin weniger 11184 Stück, und zwar 1589 Rinder, 1145 Kälber und 11 868 Schweine, andrerseits 3418 Schafe nre h r. Von den gr- schlachteten Tieren sind zur menschlichen Nahrung ungeeignet be« fnnden und deshalb ganz.zurückgewiesen und bcnnslandct" worden 382 Rinder, darunter wegeu Finnen 87 Stück. wegen Tuberkulose 254 Stück; 29 Kälber, 13 Schafe und 259 Schweine. Bon diesen waren 123 Schweine tuberkulös. I» dir städtische» Untersuchungsstationen für von auswärlS cingcsührtcS frisch geschlachtete» Fleisch wurde» eingeführt und uiitersnckt: 26 761 Rindrrviertel, 14 295 Kälber, 2098 Scdafe und 13 786 Schweine. Unter dem untersuchten Fleisch befanden sich 557 Rniderviertcl, ei» dänisches Schwein. 2313 vstreichisch-uiigrischr Schweine, 26 östreichil'che Kälber. 25 östreichssche Schafe und 442 Stück Wildschweine. Bei den Revisionen der öffentlichcn Flcischvcrtnufsstellcn durch die städtische» Konirollbeamten wurden in sünf Fällen Fleiichwareii vorgefunden die nicht mit einem Stempel der städtischen Fleischbeschau versehen waren. S»««abendvornitttog wurde der wohnungDIose Arbeiter Ludwig Medow auf der Siadtbahnstrecke zwischen Treptow und RrunmelS- burg von einem Streckenwärter schwer versiiimmelt aufgefunden. Ein Zug hatte ihm daS rechte Bein vollständig vom Rumpf getrennt. Der Unglückliche wurde von einem Schnhmann miitcl» Krankeiiwageus nach dem Krankenhause Am Friedrichöhain geschafft, wo er wenige Stunden nach der Einlieferung starb. Wie dieses Unglück sich ereigne! hat, ist nicht bekannt geworden, da Medow jede Aussage verweigerte. Augenscheinlich liegt Selbstmord vor. Der Verletzte befand sich in einem äusterst hernnIergekonimeneii Ziisiande. und schlug alleSlärkungS- »Nittel aus, die man ihm anbot. Fenrrbertcht. In den letzten 24 Stunden halte die Wehr wieder mehrere Alaimirrungen zu verzeichnen. Sonnabendvonntttag 9 Uhr ivnrde sie nach der Ackcrstraste 14/15 gerufen. Ivo in einein Keller Spiritus in Brand geraten war. ES gelang indes, die Flamincii in kurzer Zeit zu erslicken. Unfug am öffeutlichc» Feuer- meldet wurde kurz vorher in der Birkeiislrabe 25 verübt. Leider kounte der Thäter wieder nicht erniitlelt weiden. Längere Zeit halte die Wehr in der Triftslrastc46o zu thun. Hier»vor in einei» Ladenverschlage auf nicht enuitielle Weise Feuer aiiögebrochen, da» schnell ui» sich griff. Die Webr muffte längere Zeit mit einem Rohre Wasser gebe», uni die Gefahr zu beseitigen. In der Grünauerstr. 26 gingen »achmitlagS Gardinen und Kleidungsstücke in Flammen ans. In der Liebigstr. 36 hatte in einem Keller Stroh, und BeipackniigSmaterial Feuer gesange», doch gelang eö auch hier, dcu Braut bald ob- znlöichcn. In der Greisenhagenerstr. 76 stand in der letzte« Nacht Papier u. dgl. in Flammen, während in der Mnllerpr. 25 in einer Küche ein Braud eutslanden war, der Wäsche u»d Kleidungsstücke er- griffe» Halle. Es gelaug jedoch der Wehr, das Feuer noch im Keim« zu ersticken. /- f!u6 be» Nachbarorte». Charlottenburger Stadtverordnrtcn-Srsatzwahl. An Stelle des ouSgesthiedeneu Stadtverordneten Quiimauu(Fraklion Alt'Char« lotteiibtirg), welcher den 3. Wahlbezirk der 11. Abteilnna vertrat, fand an, gestrigen Sonnabeiid eine Ersatzwahl für den Rest der Wahl- Periode bis Ende Dezember 1965 statt. Es erhielten: RechlSanwali Holz(Kandidat der vereinigten liberalen Parleien) 252 Stimmen, während auf Professor Warschauer(Ämididat der mipollliichen Fraktion) 142 Summen fiele». Somit ist AechtSaiiwolt Holz(Üb.) gewählt. Lichtenberg. Der Kampf nm die Verbefferniig der Gemeinde- s ch n l e n in Lichtenberg rief in der Sitzung der Gemeiiidevertretnng vom 13. d.M. steNenwetsc stürmische Erregung hervor. Der motivierte Antrag des Gemeindevorstandes und der Schnltonnnilsion verlangt die Mittel für einen neuanzustellenden Rektor, eine Lehrerl» und sechs Lehrer, sowie den Ausbau der Geinelndeschnle vom sechSslnfigen in' daS fiebcnstnsige Schntshstem. Der freisinnige Redner. Herr Plonz, spie Gift und Galle über die Begehrlichkeit der Arbeiter« Vertreter, denn diesen würde Rechnnng getragen und mit deren Hilfe Iverde voraussichtlich die Vorlage ängenommen. trotzdem sie. die Desttzenden, die Erwählte» der ersten und zweiten Wählerklaffe, sieden Achtel der Stenern aufbringen mühten und obendrein ihre Kinder nacb Berlin zur Schule schickten l! Herr BieckMann erachtete eine Kiasseusrequenz von 70 Kindern für nicht zu hoch. Der Gemeinde- vorstand solle bedenken. daff die BevölkerungSzimahme ihre» Höhe- pinckl überschritten habe; schon nahe die Leidenszeit der HairS- besitze» usw. Die Redner unsrer Fraktion: Welk. W e i ff t l u ck und Grauer traten ivarni ffir die Borlage ein. Sie wiesen im einzelnen daS Bedürfnis ans Grrmd des derzeitigen Schüler- bestandes nach; 76. 77 Kinder in einer Klasse, 2 Klassen ans einen Lehrer, 856— 000 UuterrichlSstunden ohne Lehrer, das seien die Zustände, bit der Gemeindevarstand durch sein« Vortage beseitigen will. Herr Plonz stellte nimmehr den Antrag ans Vertagung, die Regierung solle erst Erklärungen über die Zuschüsse abgeben. Da alle ver- such«, die Beschlnffsassmig hintewmzuhalten(fehlte doch sogar daS Schulkommissionsmitglied der Freisinnigen) nichiS sruchteten, richtete sich der grimme Zorn der Freisinnigen gegen dcn Borstandstffch. Herr Plonz sagt«: Dem Genieindeborstaiid gebe i ch anhrim zu erwägen, da die Vorlage nur von den Soeialdcmokraten unterstützt wird, ob der Vorstand es vcraiilworten kann, eine Bor- Iggc mit Hilfe der Socialdcinalralen(Lebhafte Unruhe. B/.uüiufe!) durchzubringen(Tumult). Nach Wiederherstellung der Ruhe erklärt der Vorsitzende, seine Stimmabgabe werde durch die Sache bedingt, nicht durch die mit ihm stimmenden Vertreter; wenn die letzteren in diesem Fall nur die Soeialdemokraten seien, so sei das bedauerlich, aber—. Die Lorlage wurde in ihrem ganzen Umfange mit 15 gegen 9 Stimmen angenommen. Nen-kkveiffensee. Die gestrige Sitzung der Gemeindevertretung hat die nachträgliche Eintragnng von vier Personen nt die G c- meinde-Wählerliste zum Beschluff erhoben.— Bei der AnS- losimg von Genreindeverordneten wurde in der erste» und zweite» Klaffe je ein Vertreter ausgelost, so daff jetzt zu wählen sind: J» der ersten Klasse drei, in der zweiten Klaffe drei und in der dritten Klasse ebenfall» drei Vertreter. Unsre Genoffcn iverden sich in der zweiten und drilten Klaffe an den Wahlen beteiligen.— Ein cigenariigeS Mittel, die Nachbargen, einde Weiffensee zur Aufgabe ihre» Widerspruch» in der EingenieiiidungS- frage zu veranlaffen, war der Gemeindevertretung i» die Hand aegeben durch da» Gesuch einer Brauerei, ihre Baulich- leiten auf Äciffenseer Gebiet hart an der Neu- Weiffenseer Grenze ausführen zu dürfen. Da hierzu der Niischluff an da» K a n a l i« sa ti onSne tz von Nen-Weiffensee»oiivendig ist, wird der Nachbar- gemeinde aiiferlegt. in die EingeineindiniaSfrage ohne jede» Vor- behalt zu willigen, widrigenfalls die Geineiiidebertreluiig Neu- Weiffensee ihre Einwilligiuig zu diesem Projekt verweigert. Der Eutschluff Ait-Weiffc»secS ist auch für den Fortgang der VerHand- liingcn über die Erlangnng der Stadtrechte von gröhter Bedentiiiig. Die Forderung unsrer Vertreter, in allernächster Zeit an die Au»- arbettung eines OriSslatutS für da? Gewerbegericht heranzugehen. wnrde bewilligt, außerdem soll dem Antrage dieser Genosse», die Wahlzcit der driiten Klaffe a»f eine günstigere Zeit, auf die späten NachmitiagSstunden zu verlegen, thlinlichst entsprochen werde». Mit dem Strastenbahn-Berkrhr nach Tempelhof beschäftigte sich dieser Tage die Gemeiiidevertretuiig dcS Vororts. In einem Schreiben an den Gemeindevorsteher hatte sich die Straßenbahn- Direktion mit der Einführiiiig dcS SechSminuten-BerkehrS auf der Linie Tempelhof-�Behrenslroffe eiiiverstaiidcn erklärt, ebenso wollte sie ans der. Strecke Grob-Lilblerftlde�Lankwitz— Behrenstrab« Wagen einschieben. Dafür soll ober die Gemeinde niit der Dnrchlrgung der Linie Groff-Lichterfelde— Lankwitz durch die Mantenffelstraffe bis zur Linkstraffe siebe» Jahre warten. Da» dauert jedoch der Gemeinde- Vertretung zu lange, und man will von der Stiaffeiibahn- Dircktio» fordern, daff die Durchlegung innerhalb dreier Jahre erfolge. Be- sonders haben die Tcrraingesellschnftcn ein groffeS Jntereffe an der Förderung der Slraffenbahn-Projekte. Die Gemeindevertretung Von Zehlendarf beschloff in ihrer letzte» Sitzung, anl 1. April die Fortbildungsschule mit obli« gatori'chcm Unterricht einznsührcn. Ein Antrag de» Socialdemo- kratischcn WahlvereinS. eine Deklaration z» beschlieffe», welche die Forensemvirlschaft beseitige, wurde nicht angenonmien. Wian lehnte den Antrag ab mit der Motivierung, daff man doch nicht über das Gesetz hinauZgehen könne. Baua» bcitcrschutz. Vom Verband der S t u c c a t e» r e, Gipser ze. erhalte» wir folgende Mitleilinig: In welch' fahilässiger Weise oflmalS verantwortungSvollc Arbeiten ausgeführt werden, beweist folgender Vorfall: In der Spichernstr. 3 befindet sich ein dem Bau- Herr» Füchte gehöriger Saalbau. Die etwa 800 Quadratmeter groffe Decke des Saale» wird durch ei» Rabitzgrwebe gebildet. Nun ver- langt e» die Vorschrift, daff alle an Decken zu zicheiiden Pro- silicriingcn, wie Leisten, Balken usw. vorgespannt werden, um dndnrch dt« Tragfähigkeit der Decke möglichst z» schonen und eine absolute Sicherheit für da» Pnbliknin zu biete». Ander» wurde jedoch hier gehandelt. Der die Teilung bildende bi» 13 Eentimeter tiefe Balken ist. ohne vor- gespannt zu werden, an» reinem Gipsmörtel von einer Putzer- kolonn« an die Decke gezogen worden. Jeder Laie kann sich eine» Begriff davon machen, welche kolossale Last bei dieser groffe» in vclracht kommende» Mclrrzahl eine solche Decke zu trage» hat. Daff bei einer solchen Auefübrung der Arbeit Unglücksfälle,' wie sie sich uiiläiigst im Leipziger Paliiieugartcn zugclragcn haben,»licht mehr z» den Scltenbeiteu z» rechnen sind, liegt leider klar auf der Hand. Drr zuständigen Behörde ist von dem Vorfall MiUrilung gemacht worden. Es bleibt abzuwarten, iu wie weit sie eiu- schreite» wird. XuS Spandau schreibt man uns: Wegen der kürzlich gerichtlich feftgestellleii Polizeiznständr in Spandau interpellierten in der lctzien Sladlverordnelkii-Citzung nulre Äciioffen das Oberhaupt der Spandau« Polizeivcrwaltnng, den Oberbürgermeister K ö l tz e; dieser weigette sich jcdoch, der Bürgerschaft über die auf- gedeckten Miffstände Rechenschaft zu gebe», indem er die Be- autworiiiiig der socialdemokratischen Jirtcrpcllaliou rundweg ab- lehnte. Vorher war schon der Stadtverordneten- Vorsteher dem Oberbürgermeister hilfsbereit zur Seit« gesprimgeii, indem er die Cröriernng der polizeilichen JnteruaS, als unfrc Genosse» bei einem Punkt der TagcSordnniig den Versuch hierzu»lachten, kurzerhand verhinderte. Eigentlich sagt ja dieses Ausweichen vor der social- demokratischen' offenen Kritik schon für sich genug, noch mehr aber fällt da» völlige Schweige» der bürger- liche» Stadtverordneten in dieser Frage auf. Wem, nian geglaubt hat, die unangeiiebmen Kritiker durch die hier gekenu- zeichneie Haltung etiva zur Ruhe zu bringen, so sind die Herren Költze und Erbröd« in einem selbstverschuldeten Jrrtnm beffmge». Im Übrigen gab Genosse Pieper in der Siadlvcrordnete»« Sitzung nnmenS der socialdnnolratijche» Fraktion die Erklärimg ab, daff miirc Genossen so laug« ans jede Beteilignng au Kommissiouen it. verzichtelen. bis die Mehrheit ihre VergcwaltigimgSt.iktil«»rfgeben, die bereiiS vollzogerw» Wahlen umstoffc» und unS»ach wie vor daS B e st t m>u u» g S r e ch t für je einen Sitz in allen Äonimijsioneu x. einräumen würde. Hiera» luüpit« sich eine erregie Debatte, in ivelcher die Stodtvv. Pieper. Scholz. Aiegcr und Halleck«(Eoc.) gegenüber der Mehrheit cntschieden den Standpunkt vertraten, daff eö sich nnr eine vergewattigung der Minorität durch die bürgerliche Majorität handele;'d« Antrag nnsrer Gen offen, betr. Schaffung eine» städtischcn Arbeitsnachweise» auf völlig paritätisch« Grmidlage, wnrde nach eingebend« Diskussion angenommen. Im vorigen Jahre war der' gleiche Antrag in namentlicher Adstimmlmg mit zwei Stimmen Rajoritttt abgelehnt worden. Pankow. DaS Ort»statut. betreffend die Errichtung eines Gewerbegericht«, sollte die Gememdevertretimg in der letzten Sitzung beschäslige». Man ist üb« die Sint«i»»iig aber nicht hinau»- gekoimnen.»vetl die Vorbesprechung mit den Arbeitgebern und Arbeit- nebmern nicht stattgcsuwden hat. Der«nitsvorsteher beantragte leibst, die Sache«och sinniat zurückzustellen, um da» Bersoimrte naolen.— Em« lebhafte Debatte rief der Antrag ans Errrcdtrmg einer Fortbildungsschule hervor. Während die Regienrng chon seit Jahren daraus dringt, hierorts«ine FortbiidungS- «hwle z»«richten. sträubt sich die Gemeindeverlretiing mit aller Macht dagegen. und zwar au» den nichtigsten Gründen. Stach langer Debatte»ourd« dam, auch ricdtig der Antrag ans Ernchuing einer Fortbildungsschule abgelehnt. Eine sogenannte Statistik, welche von einigen Herren der Gemeinde- Vertretung aufgenommen war, hatte da» ErgedntS, daff mir 18 Lehrlinge im Orte bescbästigt wäre», daff überhaupt kein Bedürfnis für Ervichtnng einer Fortbildung»schule vorbanden sei. Demgegenüber ist jedoch zn bemerke», daff e& cum bedeutend größere Anzahl von Lehrüngen und jugendlichen Arbeitern an» Orte gicbt. Der CyNnS hygienischer Vortragsabende nimmt In Eh ar- lottenbu rg au» diese Wo»e Fongang. E» spricht am Dienstag, den 18. Februar 1962. in der Aula der Oberreaffchnle, Echloffstr. 27. Herr Dr. Borchardt über.Schicktraickheilen", und am Freitag, den 3t. Februar 1962. in der Aula du Gemeiudeschule, Götheslr. 22, He» Dr. Cilax Bloch über»Pflege und Eruährugg des Säuglings". Die Vorträge beginnen praeis« 8V« Uhr; dkl Zlstrjtt zu denselben ist für jedermann»nentgelmch. i Gevickzks-Leitung» Ein Halluuke. ErpresiungSversuche schamlose st er Art fürten gester» den 64 jährigen Modellsteher Heinrich Wen dt vqr die achte Strafkammer des Landgerichts 1. Die verhandluiig bot ein absloffendes Bild. Bei den Wendtschen Eheleute» hatte die 23jährige Bncbhalterui Fräulein B. etiva fünf Jahre lang gewohnt und da- durch den gröfften Teil zu deren Unterhalluiig beigetragen, da das Modellstehen dem Eheina»» Wendt nicht genügend eintrug. Das Verhältnis zwischen den Parteien war»ach»nd nach ein freundschaftliches geworden. DieS änderte sich, als im In«i 1966 die Ehefrau Wendt starb. Der Angeklagte sing an, gröffere Ansprüche an seine Mieterin zu macticil und ihr Ratschläge verfänglicher Natur zu erteile», ivie sie ihre Et»kll»fle vermehren könne. Fräulein B. zog es deshalb vor. im Februar v. I. heimlich auszuziehen. Sic bintcrlieff ei» Schreiben, worin sie dem Angeklagten eine Zusamnientunft vorschlug, um mit ihm abzurechnen. Fräulein B. zahlte cinschliefflich der Miete bis April 56 M., wogegen Wendt ihr cin Schriflstlick einhändigte, worin er erklärte, daff er keine Ansprüche mehr an sie habe. Bald darauf drängte der An- geklagte sie um ein Darlehn und als er keine Antwort erhielt, ivnrde er in den folgendeii Briefen dringlicher. Schliefflich ging erzii Drohungeii über. Er wußte, daff Frl. B. vor etiva 5 Jahren das Opfer der Beiführuiig eines verheirateten MaimeS geworden war. Der An- geklagte drohte, daff er diesen Umstand ihrem Chef mitteile» und auch sonst bekannt machen würde, Ivo sich ihn, die Gelegenheit dazu biete. Er würde cinen groffe» Skandal hervorrufe». Jetzt be- banptete der Angeklagte anch ivieder, daß Frl. B. ihm noch gegen 166 M. schulde, bezahle sie diese Summe, so iverde er über ihre Vergangenheit schweigen. Fräulein B. antwortete nicht, worauf Wendt in späteren Briestn bis auf 15 Mark hiiiuiiterging. Als er auch hiermit keinen Erfolg hatte, begann er Frl. B. mit Postkarten nnfläiigcn Inhalts zu überschütten>md als dies nicht fruchtete, verfolgte er ein Shstem, wodurch das junge Mädchen zur Brrzwesfliiiig gebracht ivnrde. Morgen», mittag« und abeiid», wenn Frl. B. zui» Geschäft oder nach ihrer Wohnung ging, ivnrde sie ans der Straffe von dem Angeklagten erwartet. Cr fügte ihr laut die schwersten Bcschimpfnngeii zu nnd rief auch de» vorübergehenden zu:„Sehen Sie mal, da geht sie, die.. und nun solgie» die schoiulosesten Schiinpfnamcu. Der Angeklagte erkärte wiederholt, daff er sie so lange verfolgen würde, bis sie Berlin verlassen oder sich daS Leben gernrnmien haben würde. Auch die Wirtin dcS Frl. B. wurde von dem Angeklagten auf der Straffe belästigt. Dieser Zustand dniierte mehrere Monate, bis Frl. B. sich endlich aufraffte ll»d Anzeige erstattete.— Im gestrigen Termine erging fich der Angeklagte mit einem groffen Wortschivall in Behauptungen, wonach er geglaubt habe. seine Ansprüche au Frl. B. seien gci echtfertigt. Die BelveiSanfnahinc ergab seine volle Schuld, er hatte die bednuernsiverte Dame in einer unglaublichc» Weise gepeinigt und an den Rand der Ver- zlveifiuiig gebracht. Staalsanwalt Müller kennzeichnete das Ver- kalten des Ängeklagten mit den sibärssicii Ausdrücken: eS sei ihm selten eine so niedrige und gemeine Gesinnung vorgekommen. Trotz der bisherigen Unbescholtenheit des Angeklagten beantragte der StaatSnnwall gegen dcnselbe» 2 Jahre 6 Monate Gefängnis irnd 5 jährigen Ehrvcrlnst. Der GcrichlShof initcr dem Vorfitze des LaiidgerirvtSdireltorS Wintcrfeldt ging noch über den Antrag hmanS. DaS' Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis nnd 5jährige i, Ehrverlust bei sofortiger Verhaftung. Der Verurteilte brach in lautcS Wehklagen ans. Die Angst vor dem Arbeitcrschny. Die Konfektionäre, welche Maffschneiderei betreibe», kämpfen»och immer gegen die Ans- fassiiiig. daff ihre Schneiderwerkstätten als„Fabriken" zu betrachten seien.' auf ivelche die Gewerbe-Ordiiimg mit ihren Bestimmungen über die ArbeitSordniing, Beschäftigung der weiblichen Arbeits- kräftc usiv. Anwendung zi, finden habe. Gestern stand der Inhaber der groffcn Danienkonfcktions-Firnia G. u. E. Spitzer in der Mohrcnstrnffe vor der 6. Strafkammer, um sich gegen ein schöffengerichtliches Urteil zu ivchren, daS ihn wegen Ver- gehcns gegen die Gewerbe- Ordnung zu l46 Mark Geld- strafe eventuell 14 Tagen Gefängnis venirteilt hatte. Der Angellagte bestritt, daff die Geiverbe-Ordmiiig auf seinen Betrieb Anwendnng finde, da es sich u», keine„Fabrik" handle. Ebensowenig finde die kaiserliche Verordnung vom 31. Mai 1897 Anwendung, durch welche die betreffenden Paragraphen der Gewerbe-Ordnung a»f die Kleider- nnd Wäschekonseltion ausgedehnt worden sind, denn diese Berordiullig betreffe nnr Werkstätten, in dencii„im Großen" gearbeitet iverde. Dinch die Bcwcisaufilahme wurde festgestellt, daff in dem Berliner Betriebe, der mir eine Filiale des Wiener Geschäfts daistellt, bi» zu 166 Arbeiter beschäfligt werden«nd ein jährlicher Umsatz von 166666 M. erzielt ivird. Trotz alledem vertrat Rechtsauwalt Hugo Sachs den Standpunkt, daff nnr eine Maffslbiieiderei in Frag« stehe, in welcher nicht etwa Stapel- war« angefertigt, sondcni Eilizelbestevnngen nach persönlich«» und individuelle» Wünschen angefcnigi iverden, wie dies bei jedem Kleidennacher der Fall sei. Dazu koinui«, daß hier kein gcsoirderter technischer und kaus»ig»»ischer Betrieb stattfinde, beides sich vtelinchr in der Person dcS Angeklagten vereinige, daff jugendliche Arbeiter überhaupt nicht beschäftigt werden nnd der Betrieb nicht mit maschi- nellen Hilfsmitteln stattfinde. Rechtsanwalt SachS vertvieS auch noch ganz besonders ouf die vom Handelsminister am 16. Juli 1897 erlassene Anstsihinngsverordiiung zur kaiserlichen Verordnung vom 81. Mai 1897, die ansdrncklich erklärt, daff Schiieideriverlstäit«», in denen mich Maß aus BesUllimg snr den ptrjönlichen Bedarf der Besteller gearbeitet wird, vou der kaiserlichen Berordnnna onsgcschlossen feieu. Angesichts dieser Interpretation, die der Ressoriminister im Rahme» seiner Kompetenz gemacht, könne der Angeklagte nicht verurteilt werden.— Der Gerichtshof hielt trotz dieser Rilsführnngen auf Grund eines in ganz glcickiliegendein Falle ergangenen RcichSgenchtSerkeimtniffeS doch eii,e»„Fabrikbetrieb" für vorliegend und vrrivarf die Bernsimg. „Gedauken über die StanlS-ForstvettvallMla" von Sylvins betitelte sich eiire Broschüre, die seiner Zeit in Forstkreisen Aussehen erregte, da sie mit der staatliche» Forstver>v,iltung ziemlich scharf tn» Gericht ging. Die Broschüre hat indirekt auch Anlaff zn einer Privatklage gegeben, die der Forstmeister Sachse nröd«r gegen den Obersorstmeister G u s« angestrengt und das Schöffeugericht dieser Tage zu verhandeln hatte. Der Kläger wurde durch NochtSanwält Uhlenbrock, der Angellagte durch Justizrat G e I ch k e vertrete». Als der Ober-Landforslnrcister Donner nach 56 jähriger AnitSthätigkeit in den Rnhestcmd trat, widmete ihm der Angeklagte in der Zeilschrift für Forst- und Jagdwesen einen ehrende» Nachruf, in ivelchein er die Berdienstc dcS Ober-Landforft- Meisters hervorhob nnd ausführte, Iva» die Landforswerwaltung ihn, zn danken habe. Dabei wnrde anch der Schrift von Sylvins gedacht nnd entschieden gegen die darin entbaltene« Angriffe Front gemacht und u. a. gesagt: Die Schrift zeige wieder einmal, daff auch der Beste gegeu hämische Angriff« uicht gefeit sei. cS verlohn« sich nicht auf die Klaschcreieu de s Herrn Sylvins eui�ngehcii. Herr Donner stehe sa hoch, daff solche Angriffe„weil hinter ihm m ivcscnloscm Scheine" liegen, die Schrift rühre jedenfalls von einem Manne her. dem es nicht geliin�e» sei, die erstrebte höhere Stelle zu erreiche» zc. zc.— Wegen einiger in dem Nachnife enthattener Ausdrücke hatte der jetzige Pnvotkiäqcr, als Verfasser der Schrift, den Klageweg beschritten. Recht»« anwalt Uhlenbrock hielt eine empfindliche Straf« für notwendig, da die inkriminicrtcu Sätze die beleidigende Absicht deutlich«rkemirn lieffc» und der Angeklagte iu der qn. Schrift persönlich gar nicht angegriffen, sondern nur eine sachlich« Kritik vorhandener Mißstände innerhalb der Forstvcrwaltu»� geliefert ivordcy sei.— Justizrat G e s ch k e plädierte dagegen ans Freisprechung dcS An- geklagten, dem der Schutz des§ 193 Sir.-G.-B. in vollem Uinfange zugebilligt werden müsi«. da er cinen elhiiche» und sittlichen Stanbpnnit vertreten habe, als er die gegen die StaatS-Aorstverwallniig nnd deren Chef Herrn Domier erhobenen fchiveren Angiiss« zurückivieö.— DaS Schöffengericht hielt den Artikel für beleidigend rnid verurteilt» de« Angeklagten zu 166 M. Geldstrafe, Dem Beleidigte» wurde di« PubljlationLdefngiiiS zugesprochen. TamorttrrsnrfiiS für Slrbcitrr vnd Arbcttrrinnrn. Morgm, Meniaplibend 9 vhr, Ueduiigöstiiüde für de» Gefaniikurfus und Turnverein Fichte in Spicgclbcrks Festtälcii, Scbnstiauflrvbe 39. Vortrag des Augen» arzteS Dr. Wurm über:..Die erste Hilfe bei Augenverletzungen" mit Ab- büdinigeii und Demonstrationen. Naarhcr praktische Ucbungcn. GKste will- kouuuc». Nene Teiluehnier können jederzeit eintreten. Zlltgemeinc Kranken- und Sterbekasfeder Metallarbeiter(E.H.29.) Hamburg, Filiale Runimelsbnrg. Sonntag, den IS. Februar, vormittags SV, Uhr, im Lokal von Rud. Müller, Türrschmidtstr. 37; Mitgkieder-Ter- faiinnlmig._____ Vevmifchkes« Vrdbebeil fn Rnfiland. Ein Telegramm ans TifliS besagt: AnS Schemacha Ivird c,cmcldct, dnb die Vodenschivanrnngen dort fortdauern. Bei den, Crrddelie» sind sehr viele Menschen»ins Leben gekonnncn. Am 14 Februar wurden gegen 200 Leichen ausgegraben. Die Ausgrabungen werden fortgesetzt, doch werden sie, da die Erb» stöbe fortdauern, sehr erschwert. Man glaubt, daß noch einige Hundert Personen rnngekommen find, danmler viele Frauen, die sich in Bade-Anstaltcn befanden, als das Erdbeben siatlfand. M. Schvlftett-Eiugattg. Ferienkolonie». Don Johannes Bcrgkuecht. Frankfurt«. Cd. Schnapper. 1,50 M. Internationale Monatsschrift zur Erforschung des Alkoholis- »Nils lind Vrkäuipfilng der Trinkfittcn. Osftzielles Organ deS Alkohol- geguerbundes und des Vereins abstinenter Acrzte des deutschen Sprach- gebietes. Herausgegeben von Dr. Hermann Blocher. Zwölfter Jahrgang, Heft 1. Jährlich 12 Hefte zum Preise von 4M.(5 Fr). Druck und Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. Briefkasten der Redaktion. DI« f»> tstitche Sprrchftiittdr findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7Va bis'.»>/, ilbr abends statt. Kiel 1ZZ. ES besteht keine derartige Anstalt t» dem betreffenden Orte. N. V. Fragen Sie in einer Tabakfnbrik an.— Ollmann. Der Aegenstand dürfte keinen Wert haben. Es ist aber möglich, dost Sir für Ihren Sammeleiser im Produktcngeschäft Anerkennung finden. St. B. 193. Darüber lönneu wir Ihnen leider ketne AnSklmst er- teilen. Marftprclf« von VcrU« »ach Erttulllnugen de« NM 14. Februar Ivos tgl. PolizeigrSsidliiniS. st ab Bahn. * frei Wagen und ab Bahn. Prbdnktetnnartt vom IS. Februar. De««etreidemarkt war schwächer auf die wesentlich weiter abgeschwächten PrelSmcldungen auS Oestreich-Ungarn und matteres Nordamerika, doch wnrden nciuieuswerte PreiSetnbusten durch das strenacr« Frostwetter und dem unveränderten Mangel an Ware-Ofierten verhindert. Nur von der Donau kam heute cintgrS Angebot. Weizen notierte eine halb« Mark niedriger als gestern. Roggen blieb nomwell rnweräudert. IlvteniehmmrgSlnst fehlte gänzlich unb die Umsätze waren infolge dessen außerordentlich klein. Mehl behauptete seine gestrigen Preise. Ebenso Hafer und Mals. Mau nimmt au, dast die Kälte eine bessere Konservierung der hier lagernden minderwertigen Hafer- sortcn ermöglicht. Rüböl war trotz hoher Pariser Meldungen billiger offeriert; Abschlüffc wnrden nicht bekannt. B p t r i t» s gab nach mebrtägiger Preissteigerung heute 30 Pf. nach, 7ver loco 24,70 M.— Schlufj für Getreide geschäsiSloS. Städtischer Schlachtvtehmarkt. Berlin, Ib. Februar lS02. Ami- ltcher Bericht der Direktion. Zum Bcrkaus stände»! 5990 Rinder, 1367 Kälber, 8849 Schafe, 7722 Schweine. Bezahlt wurden für lOOPfiind oder öO Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungöweis« für 1 Psuud in Pfennigen): Ochsen:») vollsteischige, ausgemästete, höchsten Schlacht wertes, höchstens 7 Jahre alt 60-64, b) junge sieifchige, nicht ans gemästete und ältere ausgemästete 58— 59; o) mägja genährte junge und gut genährte ältere 53—54; Theater. Alle Abende: Specialitäten. Ehrlos. Deutschet Dolhlrbcitkr-Vttbiiiiki. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Max Scbauder om 13. Februar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. Februar, nachmittag« um 3l/t Uhr, von der Leichenhalle des Charlottenburger Kirchhofes, Fürsten- bnmner Weg, auS statt. Zar weiteren Mitteilung, daß der Kollege, ttorllmacher Ldnard Waltber om 13. d. M. verstorben ist. T ic Beerdigung findet am Montag- nachmittag IV, Uhr, von der Charit« aus statt. 79/8 Um rege Beteiligung ersucht _ IHe Ort» vorwaltung. z�rts- der Korbmacher. nTAjlAflL« A u /y r* Am 13. d.M. starb lln!n. Mitglied, Kollege Lliimn! Walther. Die Beerdigung findet am Montag, nachuiitagS IV, Uhr, auf dem Charit«- Kirchhof statt. 270/1-- I. A.: Xu»«-nt Westphal, Deutseher Holzarbeiler-VerbandS De» Mitglied eru zur Nach- rtcht, daß der Kollege Ernst Hainpel nach lanaeui Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 17. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes Lichtenberg, Krug- fteg«, aus statt. Ehre seinem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Ter Borstaud. Ktittrill-Kraiiktn- 11. Sterbest ber Tischler n. Znlilaiclle Xitchtcnberf. Den Mitglieder» zur Nachricht, daß am 14. Februar unser Mitglied, der Tischler KfriRst Hainpel gestorben ist. Die Bcerdigung findet am Montag, den 17. Februar, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe des neuen Lichten- verger GeineinbeftiedhofS(Krugstege) aus statt. 184/5 Tie Ortsverwaltung. SrtS-SmkenW ber n. v. zu Berlin. Di« unter dem 24. November 1901 ongenominene 7. Abänderung des StaNitS ist vom Bezirkö-Ausfchiib am 25. Januar 1902 genehmigt. Druckexempliire sind beim Rendanten Herrn Werner, Muinckstr. 29/30, ab- zuheüeu. 512b Bcrliu, den 16. Februar 1902. Der Borstaud. I. A.: H. Hinz, Lorsitzeuder. Wahlverein Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Freitag, denI2. d.M.. der Genosse Ernst Hampel verstorben ist. Tic Beerdigung findet am Montag, den 17. d. M., nachmittags 5 Uhr von der L-ichciihallc am Krug- sleae auS fialt. Ulli rege Betetltquilg ersucht öttnb Ter«orsuurd. TodeoMnzeig«. Am 13. d. M-»erstarb u«h schwerem Leiden mein geliebter Mann,. Vater und Schwiegersohn, der Drechsler AlbeK Tie Bcerdigung stutzet am 16. d. M.. nachmittags SV, Uhr, auf dem alten ThvmaS-Kirchhof in R-xdors, Her. ManilPratze, Patt..'-23b Die Htuterblieveuen. " Ssrlin SW. Alle Jakobetr. 124."" Electrotecliniknin Maschinen-Bau-SGltule Pialit.-tbeorct. Ffwjhscbuio niit\VeiUstätten,Ä6gr. 1874, Elektro- und Maschinen- Ingenieur-'X'ochnik-.Wcrk- nieister-, Montour-Autbild, Vorkenntnis nickt orforder- Ueh. Tlnbeffabtheit kein AusbildungKninderme. Ingenieur- Xnnnnjrsmeister- * Diplom. Stelluns;. Prospekt kostenlos Sluktio» der bei mir verkallenen Pfänder a»S den Monaten November, Dezember 1900 und Januar 1901 am 509b 30. u. 31. Februar c.,'Nachin. 2 Uhr. L. Regen, 121 Gr. Frankfurterstraße. Mit Rücksicht aus die anhnltende Arbcitsnot fühle mich veranlaßt, die Fleisch- und Wurstprctie durch- schnittltch um S— 10 Psg. p. 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Doppel!«, jetzt Stück 2,00. 4,50 und 0,00 Mk,— Remseidene Baststoffe, vorzügliche Qnalliäten, Mtr 05 Pj Ein massgebendes Urteil ivnrde auf der Pariser Weltausstellung 1900 über Maggi- Würze Maggi'S Suppenwürfel und Maggi's Bouillonkapseln gefällt: „Das Preisgericht der Klaffe S8 der Pariser Welt- anSstellung von 1900 stellt mit groster Genngthming die vollendete Wüte der Maggi- Erzengnistc fest." (Folgen 21 NameiiSunterschriften der von de» Regierungen der miS- stellenden Länder entsandten Fachantoritäten.) Aerimtwortttcher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für de« Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. it. 40.9 3. Keilllge des„liormürts" berliner KolkslilM. Aus dev Frauvnbewegttng. Mängel in der Berliner Urmenderwaltung, so lautete die Tagesordnung einer am 13. Februar bei Pnhlmann, Schönhauser Allee 148, stattgefundencn Frauenversammlung, welche den Saal bis auf den letzten Platz füllte. Dank der regen Agitation unsrer Genossen mittels Handzetteln waren endlich einmal die Aermsten der Arme» aus ihren lichtlosen Höhlen aufgescheucht worden. Man sah viele gebrechliche Greise neben alten abaebärmtc» Mütterchen, welche unter der Last ihreS Elend« schier znsamnienbrechen, sich mühselig in den Saal schleppen; galt eS doch hier, ihre nreigeiisten Interessen zu vertreten. Van der städtischen Verwaltung war Stadtverordneter Hintze al» Mitglied der Armen» depniation erschienen. Neben ihm waren verschiedene Armenvorsteher anwesend. Die Referentin, Frau N. Fuchs, beleuchtete die Schäden, welche unsrer Arnicnverwaltung anhaften, in treffender Weise. Sie schilderte. wie unendlich schwer eS den Armen gemacht wird, auch die geringste Unterstützung von 6M. monatlich zu erhalten. Häufig genug kommt es vor. dajj die Bittenden mit barschen Worten vom Armenvorstehcr abgewiesen, ohne überhaupt zu Protokoll genommen zu werden. Ja, nicht selten müssen sie Beleidigungen einstecke». Es giebt keine Be- riisung gegen den Spruch des Vorstehers. Er fühlt sich als Herrscher in seinem Bezirk. Schön klingt das Wort.Armut ist keine Schande', doch der Armenvorsteher ist frei von jeder Gefühlsduselei. Er be» trachtet den armen Bittenden von vornherein als Ausgestobenen. gegen dessen Habgier er den Stadtsäckel verteidigen mutz. Wie viele machen nicht aus Not ihrem Leben ein Ende, um nicht die Wohlthat unsrer christlichen Gesellschaft mit der Devise: „Liebe Deinen Nächsten' in Anspnich zu nehmen. Wie viele werden nicht aus Hunger zum Verbrecher. Mit großer Mühe und unter Demütigungen ist es den armen Witlven erst möglich, 6 M. Unterstützung siir das Kind zu erhalten. Ausgeschlossen ist davon das älteste, tvelcheS sie selbst erhalten muß. Der Tierschutz-Berein fordert jetzt pro Tag 60 Pf. Pflegegeld für Hunde; den Miittem billigt unsre Stadt 20 Pf. pro Kind und Tag zu. Wie unendlich groh muß- die Mutterliebe sein, um das Fehlende mit ihrer Arbeit zu ergänzen. Für Ausschmückungen der Stadt zum Empfang fremder Fürstlichkeiten hat die Verwaltung noch innner Geld genug übrig gehabt. Für ihre armen Kinder jedoch sorgt Frau Berolina recht stiefmütterlich. Wie unendlich wichtiger wäre es, wenn an Stelle des verbesserten Märchenbrunncn ein Brunnen geschaffen würde, der den blassen, elenden Kindern Milch so reichlich spenden würde, daß sie nicht darben brauchten. Ferner ging die Referentin auf die unzweckniäfcige Art der Recherchen ein. So kommt eS vor. daß auf Aussagen verfeindetxr Nachbarn den Armen die Unterstützung versagt lvird. Sie selbst hören, wenn nicht durch Zufall, überhaupt nichts von der Recherche. Dann müßte auch die Armenverwaltung verpflichtet werden, wie jede andre Behörde, auf die Gesuche schnell zu antworten. Bisher ist eS Sitte, daß Gesuche, welche bis zum 15. des Monats eingereicht Ivorden find, vielleicht zum 1. berücksichtigt iverde». Auf alle Fälle erfährt der Antragsteller erst am 1. im Hause des ArmenvorsteherS. ob er Unterstützung erhält. Un> ein Armeuattest für Klagen zu er- halten, bedarf es häufig, selbst bei Unterstützung Beziehenden, einer Frist von sechs Wochen. Was daS bedeutet, kann jeder beurteilen, der mit dem Gericht schon zu thu» hatte. Mit einem Appell an die Frauen, sich, als geboren« Helferinnen, selbst bei der Armenverwaltun» zu bethätige», nicht zu ruhen in der Sgitation biß die Mißstände beseitigt find, schloß die Rednerin ihren mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag. Dan» ergriff Stadtv. Hintze daS Wort, um aus seiner Praxis einige Fälle zu schildern. Er verfichcrte die Versammlung, daß die Socialdemokraten im Roten Hause mit aller Energie für Besserung wirken werden; doch auch die Anwesenden sollten das ihrige dazu thun. Sie müßten dafür sorgen, daß sich die Zahl unsrer Vertreter bei der nächsten Wahl erheblich verstärkt. Auch er verspricht sich die besten Resultate von der Mitarbeit der Frauen. Nachdem»och einzelne Fälle au« der Mitte der Versammlung geschildert worden, fand folgende Resolution einstimmige Anuahme: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen der Referentin einverstanden. Sie ist aufs tiefste empört über die Art und Weise, welche von den Armenkommissiouen bei der Verteilung der Unterstützungen beliebt wird. Sie hält eS für unbedingt notwendig, daß eine Erhöhung der Pflegegelder eintritt. Femer, daß die Unterstützungen den Armen ins Hau« geschickt werden, um ihnen die Erniedrigung der Eut- gegennahmt in den Geschäften zu ersparen. Ferner muß die Armen- direktion verpflichtet werden, auf jeden Fall dem Bittsteller schriftlich Bescheid zu geben. DeS weiteren hält eS die Versammlung für not» wendig, daß Frauen in größerer Zahl zur Armenverivaltung heran- gezogen werden. Darauf wurde die imposante Versamnilung mit einem Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen. Ueber die Jnvalidenverficherung der Hausgewerbe- treibenden schreibt Lic. R. Mumm in der„Soc. Praxis'. Er knüpft die Forderung an den Brief eines Fabrikanten in Berlin, welcher eine Näherin soffeubar kleine Zwischeumeisterin) auffordert, sich als Gewerbetreibende anzumelden, widrigenfalls er sie nicht länger beschäftigen würde. Infolge ähnlicher Aufforderungen sollen ca. 4(XX)AnmeIdnngen in wenigen Tagen erfolgt sein, von denen sicher viele, wie die oben Erwähnte, nicht 1500. soudem etwa 900 M. Einkommen besitzen. Der als Gewerbetreibende Augemeldete übernimmt damit die Gewerbesteuer, höhere Einkommensteuer und höheren städtischen und kirchlichen Zuschlag— selbstverständlich auch seinen Anteil an der Krankenversicherung, welche seit 1. Januar eingeführt ist. I-ic. Mumm berechnet die Mehrkosten mit 40 Proz. und kommt zu dem Schluß, daß viele der kleinen Zwischenmeister brotlos tverden, weil sie die höhere Belastung nicht tragen können. Für den Einzelnen kann man das bedauern, während man es durchaus billigt, daß die kleineren Schivitzbetriebe aufhören. Aber jene, welche sich trotz gesteigerten Ansprüchen behaupten, tvecken unser Interesse. Werden sie die 40 Proz. a» Unkosten wirklich selbst tragen? Die Arbeiterin, welche zwei Drittel deS Krankengeldes aufzu- bringen hat, wird in: Verhältnis zur Wohlthat des neuen Gesetzes genügend belastet. Wie viel aber wird der Meister von seinen neuen Ausgaben auf sie abwälzen? Wie viel länger wird sie schaffen müssen, oder wie viel weniger wird sie nach Hause bringen bei der traurigen Lohnzahlung? Um wie viel wird sie noch gekürzt, nachdem es schien, als sei es ganz unmöglich, sie noch um das geringste zu verkürze»? Sollte der Fabrikant, welcher die ihm vom Magistrat zugedachte Teilnahme an der Versicherung so schlau von seinen Schultern abichüttelt, nicht daran denken, daß jemand diese Kosten doch ent» richten muß? Glaubt er, daß es dem Äleiniueister leichter fällt als ihm? Oder glaubt er nicht, daß dieser, durch das gute Beispiel von oben angefeuert, auf gleiche Weise sich von der Mehrzahlung befreit? Sollen wieder.>vie so oft, die Wehrlosesten, die Hilflosesten die ganze Bürde der Reform tragen? Interessant ist die Mitteilung über invalide Zwischenmeisterinnen: .Näherinnen, welche sich an der Maschine nerven- oder Unterleibs- krank gearbeitet hatten oder um ihrer schwachen Auge» willen nicht mehr tn der Lage waren, in der seitherigen Weise thätig zu sein, find bisher in nicht seltenen Fällen kleine Zivischenmeisterinnen geworden. Zwei Mädchen arbeiteten in der Stube der invaliden Zivischen- meisterin, an vier Frauen gaben sie Arbeit aus und hatten von diesen 6 Arbeiterinnen als Zwischenmeisterinnen ein Einkommen von 600 M. jährlich. Diese Möglichkeit der Jnvalidenversorgung fällt fort." Es ist sicher kein Schaden für die Gesamtheit, wenn diese Art der Jnvalidenversorgung fortfällt. Gewiß sollten die invaliden Näherinnen Versorgung finden, aber doch nicht, indem sie aus 6 der schlechstbezahlten Arbeiterinnen je 100 M. herauspressen. Leider ist nicht angegeben, wieviel Lohn jeder der 6 Arbeiterinnen noch blieb, nachdem sie ihre 100 M. davon abgezogen. Man würde einmal eine klare Einsicht gewinnen, wieviele Prozente deS Arbeits» lohneS bei den Schivitzineistern hängen bleiben. Der Erzähler dieser Thatsache findet daran sonderbarerweis« nicht« auszusetzen; er bedauert mir, daß der invaliden Näherin in Zukunft diese gute Versorgung verschlossen sei. Es scheint, als fei er durch diesen künftigen Ausfall auf die Forderung der Invalidenversicherung gekommen, welche ja von andrer Seite auch schon erhoben worden ist. Sollte die NnSdehnuug der Alters- und Invalidenversicherung auf die Hausgewerbetreibenden greifbare Gestalt annehmen, dann würde eS jedenfalls dringend geboten sein. dem Gesetze in der vorsichtigsten und sorgfältigsten Weise seine Forin zu geben. Die Gefahr siegt immer nahe, daß durch die so beliebten Winkelzüge die neu erivnchsenden Lasten auf die schwächsten Schultern abgeschoben werden. Wir erleben es bei der Berliner Magistrats» Vorlage über Krankenversicherung, wie aus jeder möglichen oder scheinbaren Lücke heraus der Versuch gemacht wird, aus der beab- sichtigten Wohlthat des Gesetzes für die Aermsten einen Strick zu drehen. Soll dies verhindert tverden und das Leben der Wehr- losen durch wirtschaftliche Gesetze wahrhaft geschützt sein, dann ruft jede von den Unternehmern befehdete und umgangene Maßregel eine neue hervor, dann treibt ein Keil den andern. Die Antwort auf die Abschüttlungsversuche bei den Versicherungsgesetzen könnte dann nur sein: die Einführung eines Minimallohns. Wann wird diese kommen? Achtung, Rixdorf! Am 18. Februar findet in LauknerS Fest- sälen, Bergstr. 152, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: „Die Heimarbeit der Arbeiterfrauen und ihre Krankenversicherung". Referentin: Genossin Ihrer» Pankow. Die Heimarbeiterinnen aller Branchen werden ersucht, sich an dieser Versammlung zu beteiligen. An die organisierten Genossen ergeht die Bitte, für zahlreichen Besuch seitens ihrer Frauen zu dieser Versammlung zu agitieren. Die Vertrauensperson. I» Pankow findet Sonntagnachmittag 3V3 Uhr eine Volksversammlung im Restaurant zum Türmchen, Kaiser Friedrichstraße, statt, in der Frl. I n> l e über„Die wirtschaftliche Not» läge" sprechen wird und die weibliche Vertrauensperson ihren Jahresbericht erstattet. Zahlreiches Erscheinen der Frauen erwartet die Vertrauensperson. Der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs hielt am Donnerstag seine regelmäßige BereinSversammluug ab. wobei Frl. Dr. Springer den Vortrag hielt. Die Vorsitzende teilte mit, daß Sonntag, den 23. d. M., nachmittags 5 Uhr, in ObstS Fest- sälen(Tunnel) die halbjährliche Generalversammlung stattfindet. 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In der Werkstatt von Waltoi-, Büschingstr. 7, bestehen wegen Lohn- abzöge» Differenzen.__ Sgr Z'iiug fernhalte..:-MG t'«»vI>Vt!i'«I» Fe«' Druonlv? Berlins und Umgegend. Verauiworllicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Sur den JuserateiUeil- verantwortlich- Th.«locke in Berlin. Druck«nd Verlag von Mar vading in Berlin. fit. 40. 19. 4 Itilngt ki Amiirk" Kerlim IiMIüU. Soliiiiag, 16. Itkiiat 1902. Llnkevnr nouvZken Vnvs. Januar. 3. München. Genosse Grnbcr 150 Mark Geldstrafe lueircii Be- leidiguuji eines Geinciudebevoslinächiiqtcn. S. Wnnsicdrl. 14 Tage Gefängnis Genosse Runkel wegen Beaintenbeleidignng. 13. Halle. Zimmerer K u tz m e r wegen versuchter Erpressung 0 Wochen Gcsnugnis.— Genosse D ä u m i g wegen Be- Icidigniig von Polizeibeamten 300 Mark Geldstrafe. ,, Bautzen. Wege» Beleidigung nationalliberaler Abgeordneter Genoise Schubert 3 Monare Gefängnis. IL. Hamburg. Je 50 M. Geldstrafe zwei Maler wegen BeleiM- gung eines Meisters. « Crimmitscha«. 2 Wochen Gefängnis Genosse I ä ck e I wegen Beleidigung eines Fabrikanten. 2l. Berlin. Genosse Dr. Frendenberg 300 M. Geldstrafe wegen Beleidigung eines Apothekers. 22. Erfurt. 30 M. Geldstrafe Genosse H e n n i g wegen Be- lcidigung von Streikbrechern.— Derselbe 2 Monate Gefängnis ivege» Beleidigung eines Referendars. 23. Chemnitz. 2 Weber zu 2 bezw. g Wochen Gefängnis wegen Beleidigung von Streikbrechern. » Dortmund. Genosse Bredenbeck wegen Beleidigung von Gendarmen unter Einrechnung einer Borslrafe L Monate Gefängnis. 25. Dresden. 70 M. Geldstrafe der Sattler Nagel wegen Beleidigung von Streikbrecher». „ Mannheim. Wegen Beleidigung eines Bäckermeisters Genosse P i ck c r 50 M. Geldstrafe. . Leipzig. In der Nevisiousinstauz Genosse Kl ühö- Breslau 1 Monat Gefängnis wegen Beleidigung der Mitglieder des Vereins Arbciterivohl. 27. Breslau. Wegen Beleidigung in 3 Fällen Genosse KlühS 1 Monat, 6 Wochen und 4 Monate Gefängnis. „ Dresden. 200 M. Geldstrafe Genosse Fleißner wegen Beleidigung des Stadtrats in Radeberg. „ Breslau. 2 Maurer je 3 Monate, einer 2 Monate und 2 je 1 Woche Gefängnis wegen Vergehens gegen 8 163 der Geluerbe-Ordnung. 31. Wilster. 5 M. Geldstrafe rntheilignng. r Köln. Genosse Merfeld Ivo M. Geldstrafe wegen Be- leidignng der Hafenverwaltung. B Landau. Der Eisengießer Remmle, derzeit Infanterist 3 Wochen Gefängnis wegen Beleidigung von Streikbreche- rinnen. Insgesamt wurde erkannt auf 2 Jahre, 7 Monate und sechs Wochen Gefängnis und 1255 Mark Geldstrafe. Berlin, den 10. Februar 1902. Der Parteivorstand. ein Arbeiter wegen Sonntags- Schutzzöllnerische Arbeiter? Die„Deutsche Jiidustric-Ztiilmg", da? Organ des Scharsmachcr. Verbandes, hat zu ihrer Freude endlich Arbeiter gefmiden. die»trotz der unverständliche» Agitation" der Socialdemolintie gegen die Schutzzölle„der festen llebcrzcugung sind, daß wemgstriiS in diesem Punkte eine volle Solidarität der Jntcressen zwischen Unternehmern und Arbeitern besteht, und auf Grund dieser Erkenntnis für eine» Schutzzoll für diejenigen Erzeugnisse eintreten, welche sie selbst b erstell en". Diese Arbeiter nach dem Herzen der Scharsmacher sollen die Diamantfchleifcrei-Arbciter in Hanan sein. die ficki in einer Versammlung für einen Schutzzoll auf geschlissene Diamanten ausgesprochen haben. Die»Deutsche Jndnftric-Zcitiing" hat sich aber gehütet, aus diese Vorgänge in Hanau, denen sie n»d ihr»ach die gesamte schutzzöllnerische Presse einen besonderen Artikel widmet, näher einzugehen, weil sie sonst hätte zeigen müssen, wie wenig begründet ihr Triumph über diese angeblich schntzzvlliicrischeu Arbeiter ist. Die Hananer Diamantindnstrie befindet sich schon seit Jahren in einer argen Notlage. Diese ist im wesentlichen zurückzuführen auf die besonderen Verhältnisse des bon der berüchtigten De Beers- Gesellschaft beherrschten Dinmantenhnndels, die die Hnndmcr Diamantindustrie nm so schwerer bedrücken, weil letztere thiicn gegenüber viel zu lvenig kapitalkräftig ist. Dazu kam der Streik vom Jahre 1S97, der sich infskge dcS kurzsichtigen Streik waren über 250 Arbeiter in der Hanauer Tinmantindiistrie beschäftigt, nach dem Streik nur noch 78, und seitden, ist eine irgendwie erhebliche Zunahme nicht eingetreten. Im vorigen Herbst trat nun der Schleifcreibesitzer Strauß in Hanau auf mit dem Vorschlag, die deutsche Diamantindusirie gegen die Einfuhr geschliffener Diamanten vom Auslände durch einen Zoll von 25 Proz. deö WetteS der Diamanten zu schützen. Er kündigte einen gewaltigen Aufschwung der deutschen Diamant-Jndnsttie als die Folge des Schutzzolles an, weil da»» die deutsche Bijoiiterir-Jiidustrir ihren großen Bedarf an gcschlifseiw» Diamanten mit solchen decken müßte, die in Teutschland geschliffen sind, während sie jetzt den allergrößten Teil ihrcS Bedarfs ans dem Ausland bezieht. Es gelang Herrn Strauß, die meisten der übrigen Echlcifercibesitzer für' diese» Schutzzoll zu gewimieii, der denn auch durch die Vermittlung des Central- Verbandes beutscher Industrieller von der Regicning erbeten wurde. Hierauf wandte sich Herr Strauß cm die Diamantarbeiter und den ReichstagS-Abgcordiicten des betreffenden Kreises, Genosse» Hoch, um auch sie von der Notwcndigkeit dieses Schutzzolles zu über- zeugen. Vom Genossen Hoch erhielt er sofort die gebührende Ant» Ivort. Die beteiligte» Arbeiter besprachen die Angelegenheit erst im engere» Kreise und erklärten sich fast einstimnlig gegen den Schntz- zoll. Dann � fand für alle in der gesamten dortigen Edtt- »letall-Jndustrie beschäftigten Arbeiter eine größere Versamm- limg statt, in der Genosse Hoch über die Tarisfrage unter besonderer Berücksichtigung deS Diamanteuzolls referierte und seine Stellung gegen den letzteren eingehend begründete. Gegen diese Ausfuhrnngen erhob sich nicht«ine einzige S t i m m e, dagegen wurde ein Protest gegen die ganze Schutzzoll- Politik und gegen den Diamanteuzoll im Besonderen ein- stimmig angenommen. Damit schien die Sache erledigt zu sein. Kurz' vor'Weihnachten aber entließ Herr Strauß seine sämtliche» Arbeiter mit der Erkliining, sie könnte« eventuell später wieder bei ibm anfangen. Man kann sich denken, welchen Eindruck diese Maß- »ahme aus die betreffenden Arbeiter in der jetzige» Zeit des allgemein»» schlechten Geschäftsganges machen mußte, zumal Herr Strauß schon bei der Anseinaiidersetzimg über den Schutzzoll erklärt halte, wen» der Schutzzoll nicht durchgeht, werde er seine Schleiferei zumachen und nur noch mir Diamanten, die in Holland geschliffen sind, handeln. AlS dann am 21. Januar d. IS.«ine Diamantschleifer-Versammlniig sjgttiand. wurde die Ansicht vertreten, die Diamantarbeiter tönuU» es doch ganz ruhig einmal mit dem Diamantenzoll probieren; schlechter, als es jetzt den Diaiii.mtarbeitcr» gehe, könne eö ja nicht werden. Und so kam es, daß von dieser Brrsannnlung eine Resolution für den Diamanteuzoll mit 44 gegen 19 Stimme» angenommen wurde. Dieser übereilte Beschluß rief aber unter den beteiligten Arbeiter» eine große Erregung bervor. Jiisolgedcssen fand bereits am 27. desselben Monats eine weitere Versammtung statt, die zu einer eingehenden Ans- spräche führte. ES lvurde nachgewiesen, daß von dem Diamanten- zoll die betcitigtcn Arbeiter keinen Votteil zu erwatten haben, sondern ein etwaiger Nutzen nur den Kapitalisten zufallen würde, namentlich solchen,' die sich auf de», in diesem Artikel dann absolut unvermeidlichen Schmuggel legen würden. Dagegen hätte die Bijouteric-Jndustrie, die in dem Hanauer Bezirk mehrere Tausend Arbeiter beschäftigt, und circa die Halste der von ihr hergestellten Diainanten-Schmncksachen ins Ausland liefert, einen sehr großen Schaden zu befürchten. Schließlich erklärten sich von Diamant- arbeitern 55 gegen und nur 8 f ü r den Diamanteuzoll. Und wegen dieser' 8' Arbeiter erhebt die schutzzöllnerische Presse ein solches Trimnphgeschrei. Dir Herren sind in der That in dieser Beziehung sehr bescheiden. MttrVKuifches. Verlag: Krach. Krisiö uud Arbeiterklaffc bon Georg Bernhard. Buchhandlung Vortvärts. Preis 30 Pf. Ei» recht zeitgemäßes Thema wird von Georg Bernhard, der sich bereits als guter Keimer der Finanz- und Börsenverhältniffe eingeführt hat, unter obigem Titel kurz, gedrängt in einer kleine» Broschüre erörtert. Mitten in einer schweren Krise, die dem Arbeiter am empfindlichsten zum Bewußtsein kommt, an der Hand jener zahlreichen Vorkommniffe, die ans die Korruption in der bürgerlichen Gesellschaft so interessante Schlaglichter warf, das Unhaltbare und Widersinnige der kapitalistischen Produktionsweise deutlich hervortreten ließ, war eS eine verdienstvolle Aufgabe, all das Material, daS zerstreut in der Tagespresse erschien, kritisch zu- sanimenzufasien und belehrend zu verwerten. So gehört der Teil der Broschüre, in dem uns der Verfasser die Mnnipnlntionen der verkrachten Banken und der großen industriellen Unternehmimacn schildert, zu dem inicrcssantestcn. Unsre Pnrteilittcratnr ist leider sehr arm an Erzeugnissen, die u»S die verschlungenen Pfade der hohen Finanz- ivelt aufdeckt, obtvohl wir hier ein wichtiges Gebiet des modernen Wirt- schaftslebens vor uns haben. Es wäre durchaus unrichtig, wenn man glaubt, daß diese Dinge mir die Bourgeoisie anginge, auch der Arbeiter wird von dem spekulativen Treiben der Gründer n!S Pro- duzente» gepackt»nd wenn je, so haben die Ereignisse im vorigen Jahre den Bcivcis dafür erbracht. Welche Fülle der Korruption hat nicht der Zusammenbruch der Hypothekenbanken zu Tage gefördert. Da ist der hochaiigcschcne Kommcrzienrat Sauden, dessen Ehrbarkkit und Frömmig- tcit in der Potsdamer Bürgerschaft weit und brcitbckmnitlvar.cinsognter C brist, der es für notwendig fand, in seiner Villa zn Potsdam mit seinen Freunden zur eigenen Erbammg die Predigt einzimehme». In ihm hatte der Oberhosmeister v. Mirbach einen alle Zeit bereiten Spender für Kirchenbanten, ivcnn es auch schließlich nur wertlose Aktien der verkrachten Banken waren, die nl? billige Gabe in den KircheNban-FondS wanderten. Mit großem Geschick hat dieser ge- riebcne Bankdirektor feine Rolle bis' zuletzt gespielt, und nm ihn scharten sich Kreaturen, die seinen Zivccken dienstbar gemacht wurden; mancher Ivird dem Strafgesetz mit knapper Not entschlüpft sein, andre harren des Urteilsspruchs. Die Heuchelei triebe» sie alle mit gleicher Virtuosität, ivic wäre eS sonst möglich. daß sich Herr Eduard Schmidt, der Vorsitzende de? AnfsichlsratS der verkrachte» Preußischen Hypothekenbank den Titel eines„Hosbankiers Ihrer Majestät der Kaiserin" erschwindeln konnte. Zum Geschäft gc- hört« eben Name und Rang, um das Vertrauen derjenigen zn erwerben, die dem Ganzen geschäftlich die Grnndlag« geben sollten. Nicht minder gießt nns der Znsammcnbnich der Dresdener Kredit- anstalt, der Leipziger Bank, der Trcbcttrockcn-Gescllschast mit all ihre» verzweigten Nebcngesellschästcn ein Bild so verivorrencr Zu- stände, ivic sie seit der große» Gründcrperiode anfangs der 70er Jahre im gleiche» Umkange nicht mehr an die Lcsfcntlichkcit gestoßen sind. Mit Juteresie folgen wir hier dem Verfasser, der, wenn auch seine Darstcllniig nicht ganz frei von technischen Ansdrückeir, dennoch sichtlich bemüht ist, auch den Uneingeiveihten mit dem Getriebe vertraut zu uiachcn. Wer von demselben Verfasser ar.S Ullsteins Saiiiinlniig praktischer Hansbücher»Der Verkehr in Wertpapieren" gelesen hat, dem werde» die Börsen- und Bankgeschäfte gelänfiget idil, weil er hier he» inneren Aufbau in recht populärer Darstellung kennen lernt. Was uun die theoretische Abhandlung anbetrifft, die Erklärinig der Krise vom volksivirtschastlicheu Standpunkt, so hält sich der Ver fasscr an kein festes Schema, wie er überhaupt vermeidet, eine abae schloffcne Theorie der Krisen vorziistihrcn. Da aber, Ivo der Verfasser gegen die in der Partei vertretene Anfsassnitg, daß die Trnstbildnngc» die Krise abschwächen werde», daß das moderne Kreditsystem den Einfluß der Krise bannen könne, poleinisiert, hätten>vir ei» näheres Eingehen auf das Thema gewünscht n»d zwar im Aiikehnen a» be- stimmte Darlcginigen der vetrefieudcn Parteifrennd«. Der Verfasser überschätzt»»zweifelhaft de» Einfluß der flüssige» ZahlinigSmiltel auf die Gestalliing nnsreS WittschnftSlcbriiS. Weder löinic» wir der erHöhle» Kördennig der Boldminen in Transvaal ein Beleben»och de», AnSvlcibe» der Ecldzufiihr clnen ilcnnciislvcrlc» Anteil an der Stockung der GeschäftSkonjmiktur zusprechen;»och menigcr scheint»Iis hier die Erklärnng der Preisbildung zutreffend. Daß wir heute durch die starke Zufuhr von Gold in, Welthandelöverkehr fast allgemein zu diesem ZahliiiigSniittel übergegangen sind, hat weit eher zur Preis» herabsetziiiiq als zum Preisanfschlag der Waren geführt. Wenn i» der Periode von 1395—1900 die Warenpreise gestiegen sind, so ist dafür nur die starke Nachfrage erklärlich und vor allem die Trustbildung. Schon allein die Thatsackic. daß die landwirtschaftlichen Produkte in der Zeit von 1895 bis 1900 so stark i», Preise schwanken während Industrie- Erzeugnisse bis zu 60 Proz. und darüber i» die Höh« gingen, bestätigt, daß die Pretöbildinig von Angebot und Nachtrage.abhängig ist. Die Land- wittschaft konnte bei der starke» Erzengmig ihren Markt nicht ver- engt» und damit auf die Preisbildung gleichmüßig aufwär!» ivirken; sie' Versucht es deshalb durch die Zollgesetzgebmig. Das Kapital sticht seine Anlage da, Ivo ihm der höchste Gewi»» gcbolc» ivird. um dann die Produktion bald über die Aufuahme- sählgkeit des Markte? z» steigern nnd daiiiit den Beginn der Ab- ivärlöbewcgmig einzuleiten. Es giebt ivohl ans der Periode des letzten ivirtschafllicheii Ansichwuiigeö kci» besicreS Beispiel als die Eni- wicklniig der Elek!ricitätSii,dnstrie, die sich»nit thren eigene» Grüiidniige» überstürzte und so selbst den Zusammeiibrnch schuf. Was die Maßnahmen gegen die Krise a»belr>sst. so ist Verfasser nicht im Ziveifel, daß die kapitalistische Gesellschaft dagegen kein sicher wittendcS Hciliniitel bieten kann, was wir verlangen, sind nur Li»hcr»»gSn>itlcI, die Gcsniidung muß eint höhere Gescllschafts- ordnnng bringe». r». Die gegenwärtige KrifiS, ihre Ursachen und die Aufgaben der Gesetzgebung, von Dr. R. Eberstadt. Verlag K. Hoff- m a n n. Berlin, Mobrenstr. S. Preis 75 Pf. Der Titel der Broschüre verspricht mehr als der Inhalt giebt. Weder gelingt dem Verfaffer eine kkare Darstellung der Krise noch eine erschöpfende Beanlwottung der Frage, was die Gesetzgebung nack' der Rtchtung für Aufgaben zn erfüllen hat. Der Verfasser bemüht sich, den Nachweis zu führen, daß die Krise unr einige Industriezweige erfaßt, daß sie eines allgemeine» Charakters eutbehtt. Auch llebcrprodnktion sei nicht die Ursach« der Krise, sondern Uebersvaimuua deS Kredits. Die Krise sei auch nicht mit der Schiviiideltrife der siebziger Jahre z» vergleichen, sondern in unsre Industrie ist ein andrer Geist eingezogen. Wir haben bisher davon nicht» gemerkt, demt die Terlinden. Treberschmidt. Eyiier«nd andre halten ganz ruhig den Vergleich, mit ihren Vorgängern in de» siebziger Jahren ans. Von der Gesetz- gebung verlangt der Verfasser größere Freiheit der Börse und Beseitigung einiger Mißstände in der Organisation der Aktien- gcsettjchaslcii. Bei Evmtcniiig der Arbeitsloieii- Versichermig lehnt äch der Verfaffer kein Vorschlag deS Herrn Georg Schwanz an. er empfiehlt den Sparzwang, will aber eine Verpflichinng der Gemeinde oder de» Staates, die Unterstützung der Arbeitslosen zu über- nehmen, nicht anerkemien. Lobend tvird die Einrichlnng der Firma Lanz, Mannheimer Maschinenfabrik, erwähnt, die ihren Arbeitern für die Ucberstunde 10 Pfg. mehr zahlt und diesen Betrag als Arbeitslosenfond für die Arbeiter anfipart. Wenn der Verfasser eine Ahming von den Verhältnissen in den Betrieben hätte, dann würde er wissen, das; anständige Unternehmer Ucbcrstnnden überhaupt besser bezahlen, nnd von der Einrichlnng der Firma Lanz diese»>ehr als die Arbeiter profitieren. Von Vorschlägelt zu einer gesetzlichen Reform ist in der Schrift nichis zn spüren, vielmehr dringt der Grundsatz durch, lassen wir es beim alten.I_ r. s. Vevfttnnnlunge». Wahlverci» für de» 4. ReichstagS-Wahlkreis(Osten). Am Dienstag fand im Lokal KönigSbank eine gut besuchte Ver- sammluug statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte man das Andenken des verstorbenen Mitgliedes B u ch m a» n in der üblichen Weise. Hieralif hielt Gciiosic Dr. S ii d e k u m einen Vortrag, in ivelchem er in interessanter und fesselnder Weise die politische Silnatioii beleuchtete. Nach dem mit großem Beifall aufgenonuneuen Vortrag äußerte sich ein Redner i» zustimmendem Sinne.— Unter „Verschiedenes" lvurde angefragt, ob dafür gesorgt sei, daß am Neubau der„Vor>värts"-Druckerei nur Parteigenossen und Leser des »Vortvärts" beschäftigt würden. Genosse Äd. Hoffmani, ant- wertete darauf, ei» derartiges Verlangen kömie seitens der Partei gar nicht gestellt werden, weil die Partei das HauS nicht baut, sondern nur die Räume, welche sie braucht, mietet. lieber„Wasserpolitik uud Socialpolitik im Deutsche» Reiche" sprach am Mittwoch ReichStags-Abgeordiicter 81. Fischer in einer gutbesucht«» Versammlung bei Buggenhagen am Moritzplatz.' Einleitend hebt der Redner den scharfen' Gegen- satz hervor, der zwischen der Marine- Politik nnd der Social- Politik der Regieriliig besteht: wie auf der einen Seite mit Volldampf gearticitct wird, immer von neuem Millionen über Millionen verlangt»verde», auf der andren Seite aber eine Pfcimigfnchserei getrieben ivird, ivic sie ärger nickit getrieben Iverden kann, nnd selbst die bewilligte» Gelder nicht einmal voll verwendet werde». Der Redner giebt dann eine Ucbcrsicht über das kolossale Anschwellen der Marinefordcriiiigeii, kritisiert die Mittel, der sich die Liegiermig bedient, um" die ungchcnreu Summen von dem allzeit' gefügige» SIeichStag'bewilligt zu erhalten. verweilt besonders auch bei der Thatsache,' daß die Mehr- hcit deS Reichstags sich scheut, de» ihr so oft von der Rc- gierung angebotenen Kampf zwischen AbsolutlSnins nnd Konftitutio- nalisnmS niifzuiiehmen und geht kurz auf die Veröffentlichung deS Tirpitzschen GeheimerlaffcS ein, durch die trotz all' des heuchlerischen Geschwätzes dem Volke ein großer Dienst eriviefeu worden fei. Des iveileren giebt der Redner durch Aufzählung der Ereignisse ei» snniniarischcS Bild dessen, was auf dem Gebiete der Social- Politik von der Regicrmig zugestanden worden ist und zeigt, ivic lächerlich gering und unzureichend daS alles ist, wie die Socinlrefonii der Rcgiernng mir alS die Karikatur enier wirkliche» Socialrcform erscheint.' Der tziedner kommt zu den» Schluß, daß durch das Parlament allein eine ivirkliche Bessermig nicht zu erreichen sei, sondern eine lebendige Bewegung der Arbeiter durch politische»nd gewerkschaftliche Organisation damit Hand in Hand gehen müsse, mir dann sei eine Lösung der Frage möglich.— Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Enie DiS- kitssio» fand nicht statt.— Ii» Wahlverci» für de» sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreis sprach am Donnerstag bei Gleinert, Schnlstraße. ReichStags-Abgeordnetcr Ledebour über: die E i n>v i r k» u g e n der w i r i s ch n f 1 s> ch c» Krise a u f das politische Lebe». Der Vortrag lvurde mit levyasiem Beifall auigriwümicii. An der Diskussion beteiligten sich B r n n S. A r e n d s e e nnd Wehrte. Der letztere geht besonders auf die Zolltarisfrage ein »nd auch Genosse Ledebour nimmt in seinem Schlußlvort hierauf ausführlich Bezug.— Bei dem Pmikt„Verschiedenes" richtet K l c i n e r t eine Anfrage an den Vorstand bezüglich la Bestellung zweier Maschinen für die ,.Bor>värts"-Druckerci bei eine: der Gewerkschaft feindlich gegenüberstehenden Firma. Freythaler erklärt, daß eS sich hier um patentierte Maschinen handele, die »ach Ansicht der Fachleute in der gleichen Giile bon keiner andren Firma zn beziehen seien. Dieser Meinung schließt sich auch auf Grund persönlicher Erfahrung der Genosse Wurzel an. DeS iveiterc» richtet Genosse Wurzel eine Anfrage an den Vorstand betreff« der Quittung des Parteikassierers G e r i s ch über eine von der Schön- Häuser Vorstadt erhaltene, für Dillets vom Sommerfest vereinnahmte Summe(318,80 M.), die zunächst mit der Kasse des Gesamt- krciseS hätte verrechnet werden müssen. Der Vorsitzende, Genosse F r e y t h a l c r. führt an?, daß der Vertrauensmann der Schönhauser Vorstadt. Genosse Wünsch, ivicderholt zur Abrcchnnng aufgefordert morde» sei, ohne daß er der Anssordernng Folge geleistet habe. Daß die Abrechming der Schönhauser Vorstadt än sich in Ordnnng sei. daran sei nicht zu zlveifel», es müsse aber verlangt iverden, daß mit der Gesamtkassc abgerechnet»verde und daß die Unkoste» in gleicher Weise verteilt werde».— Die weitere Ler- folgung der Angelegenheit tvnrde schließlich den» Borstand über- lassen.' Die Marmorarbeiter hatte» am 11. Februar eine öffentliche Vcrsnmnilnng, in der sie z» dem bevorstehende» Kongreß der Stein- arbcilcr Deutschlands Stellung nahmen. Nach einem Referat Gersten- bergers»nd kurzer Debatte lvurde beschlossen:„In Erwägung, daß die lose Cent, aliiation nicht Mehr den Verhältnissen entspricht, ist die lost Organisation in einen Verband nmznwan.dcln." Diskutiert und schließlich angenoinmcn � wurden noch folgende Anträge, die ebenfalls dem Kongreß nnterbreitet werden sollen:„Es ist eine CinheitsbeitragSIcistimg zn geivährclt. Arbeits- losen-ilnterstütznng ist riiiziisührrn". Ein Antrag auf obliga- torische Einführung dcS Organs„Der Stcniarbeitcr" lvurde abgelehnt. Als Kandidat für die Wahl eines Delegierten, den die Marmorarbeiter Leipzigs, Berlins und Wittenberges gemeinsam zu entsenden habe», � lvurde H c r m a n» W i r t l e r von der VcrsaMmlinig aufgestellt. Von einer besonderen Stellung- »ahme zum Tarif sah mau vorläufig ab.— Die Arbeits- verhältiiiis? bei der Firma B raun. Ivo Abzüge gemacht ivorden sind, siihrlen zu einer längeren Debatte. Die Loh»- kommiffion ivird im Einverständnis mit den beteiligten Arbeitern und der Versainmlimg wegen Wiedcrcinsührmig der tarifmäßigen Sätze schriftlich bei Braun vorstellig iverden. Eventnell soll die Sa«« vor die SchiedSkonimission gebracht iverden, die nach dem Tarifvertrag bei Differcnze»»nter dei» Vorsitz eines Gewcrberichtcrs in Thätigkcit z» treten bat. Weiter wurde von verschiedenen Seiten gerügt, daß bei Schlaichcr Sonn tags gearbeitet werde, und das zu einer Zeit, Ivo die Arbeitszeit ans sieben Stunden verkürzt sei. Auch die Verhältnisse bei Kiefer erfuhren eine scharfe Kritik. Der verband deutscher Muhle, larbeitcr hielt am 9. Februar diese« Jahre« im Gelverischastsban« seine Jahres- Gencralversamm- lnng ab. Dem Bericht des Vorsitzeiiden Sauer ist zu entnehmen, daß die Thätigkcit de? Vorstandes eine äußerst intensive war. Es wurden abgehalten 12 regelmäßige MoiialSversammlmigen, 14 Vor- staiidSsitznngcn und in de» Vororte»»nd den einzelncii Stadtteilen 12 Bezirksvcrsnnimltinge». Es sind recht gute Erfolge erzielt ivorden, zur Zeit sind reichlich 55 Proz. der Berliner Müller oraauisiett. Eine»»Aussicht genonnnenc Lohnbcivegmig unterblieb angesichts der sich stetig verschlechternden Konjunktur. Einen breiten Rahmen beanspruchten die Verhandlungen vor und nach den, zu Ostern in cilbronn stattgcfuiidcuen VerbandStage. Vorträge wurden 6 gehalten. a eine Besprechinig des Rechenschaftsberichts nicht beliebt wurde, gab der Kassierer Stölhig seinen Kassenbericht. E« ist«in« Einnahm« von �833,36 Sil. zu verzeichnen, welcher eine Ausgabe von 1752,54 SR gcgennberstchl; hiervon gingen an die Hauptkasse 1375,27 M. Inkl. des alten Bestandes verbleiben der Lokalkasse 40(3,43 M. Verkauft Ivnrden 6461 Wochenniarken, S2 Bücher und 3SK Sterbemarkcn. Aus den Neuwahlen gingen hervor: Sauer als 1. Vorsitzender, S i d s ch l a q als 2. Vorsitzender. N ö th i g als Kassierer, U r b a n g als 1. Schriftführer, lliit erst ein als 2, Schriftführer, Tyll, H e i n z e, Da ni b c ck als Revisoren. Der Gankasse für den 1. Gan wurden 16 SR Überwiesen. Eine Versaiiiuilnug der Fleischergcsclle», die am Sonntag den ö. Februar d. I., in den AruiiuhalU'ii tagte, beschäftigte sich in ihrem ersten Teil mit dem Zunft- und Vrüderschaftstvcsen, das be kanutermatzen im Flcischergelverbc noch recht stark ausgeprägt ist und im Gegensatz zur modernen Gesellcubeivegnug steht. Beim ziveile» Punkt der Tagesordnung:«Die Ursachen der Arbeitslosigkeit im Fleischcrgelvcrbe", lvnrde von den einzelnen Rednern auf die groge LehrlingSzüchterei in der Provinz, auf die überlange Arbeitszeit und die Entwicklung in der Technik hingewiesen. Auch der Absperrung der Grenzen gegen die Vieheinfuhr aus dem Auslände ivurde ein grober Teil der Schuld an der Arbeitslosigkeit im Fleischergctverbc beigemessen. Die Anwesenden wurden daher ermahnt, sich der Or- ganisatio» anzuschliebcn. dmpit eine Verkürzung der Arbeitszeit durch den Druck der Gcscllcnbcweguiig herbeigeführt werden kvnue. Hieran anschliebend ivurde noch das Resultat der Mcistcrverhand- hingen in Sachen der Sonntagsküudignng und-Entlassung bekannt gegegcn, die Behandlnng dieser Angelegenheit jedoch auf die nächste Versammlung vertagt. Zum Schlns; machte der Vorsitzende ans den Esbjergcr Streik und den Kongreß aufmerksam. Die Nabitzspaiincr und-Träger hielten ihre rcgelmäbige Mitglicdcrversammhing am 5. Februar bei Jaunnschk ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte die Bersamnilung der vcr- storbenen KoNegen in der üblichen Weise. Dann erstattete Qu ade den Bericht von der letzte» ZahlstcNen-Konfereuz und erläuterte die dort zur Tagesordnung gestellten Punkte. Die Vcrsanimlung er- klärte sich mit den dort gcfabten Beschlüssen einverstanden. Unter VcrbandSangclegenheiten beschwerte sich Q n a d e über die Interesse- losigkeit der Kollegen betreffs der Statistikknrteu. Er forderte die Saumseligen auf, ihre Statistikkarte Nr. 1 ihm umgebend zukommen zu lassen, da er dieselben dem Hauptvorstaud zuschicken müsse. Die Adresse ist: Franz Quade, Pappcl-Allee 133. Sieben Kollegen ließen sich neu aufnehmen. Von der Genossin Klara Zetkin erhalten wir folgende Znschrist: Der Bericht über meinen Vortrag:«Der Bankrott des socialistischcn MinistcrialismuS in Frankreich"(„VorivärtS", vom 2. Februar, 3. Beilage) ist geeignet, eine durchaus irrtümliche Mci» irniig über meine Bewertung der Haltung zu criuecken, welche der Pariser Korrespondent des.Vorwärts" in der strittigen Frage ein- genommen hat. Wohl anerkannte ich. daß der Korrespondent kürzlich MilleraudS Rede in Finning zutreffend als Beweis dafür gewürdigt habe, daß der Haudclsnrinister nicht auf dem Bode» des politische» Klassenkampfes und mithin dem des moderuen SocialismuS stehe. Aber ich fügte auch hinzu, daß diese Thalsachc eine«olle Kanielle" sei, welche der Korrespondent— wie manche andre charakteristische Thatsache— schon längst hätte berichten können und berichten müsien. Als Beleg für meine Behanptimg citicrte ich eine Stelle aus einer Rede, die Millerand ans dem Bankett der«Beratenden Kammer der Arbeiter- Prodnktivgenosscnschasten am 4. Februar lSOO gehalten hat. Diese Stelle konnte für den Pariser Korresponbxnten des„Bortvärts" um so weniger ein nnbckamitcs 3l geblieben sein, als ste im Lager der französischen Socialisten lebhaft kommentiert wurde. Sie lautet: «Man hat in einer berühmten Formel erklärt: Die Befreiung der Arbeit kann nur das Werk der Arbeiter selbst sein. Diese Formel darf man nicht in jenem engen und lächerlichen Sinne verstehen, welcher dazu führen würde— ich weiß nicht durch welches Verfahren?— die Nation in, ich weiß nicht welche, Kategorien zu spalten, sondern in dem Iveilfasscuden, erhabenen, fruchtbaren Sinne, daß es der Mensch selbst ist, der sich sein Schicksal schmiedet." Hätte der Korrespondent seiner Zeit mitgeteilt, daß Millerand die Thatsache des Klassengegensatzes und des Klassenkampses als eine„lächerliche Formel" verspottet, daß er einem lächerlichen Moral- und Sparprediger gleich dieser«lächerlichen Formel" das individuelle Streben des Arbeiters entgegenstellt: Svtillerands Rtinisterschaft und die Vorgänge im Lager der fran- zösiiche» Socialisten wären vielfach anders gcwertet woröcn, als es vorübergehend hier und da der Fall gewesen und der Katzenjammer über das»subjektive Mißlingen" des ministeriellen Experiments dürfte bei dem und jenen minder groß sein. Grosi-Lichterfrlde. Der socialdemolratische Wahlvcrein Groß- Lichterselde hörte in seiner Mitgliederversammlung am Mittwoch einen Vortrag des Genossen W e tz k e r über die Bedeutung der Laiidtagswahlen. Nach dem beifällig aufgenoinmenen Vortrag wurden die weiteren OrganisationSarbeiten für die komrneude Ge- ineindcvertreter-WahI erledigt. An Stelle des Genossen Z e r n i ck wurde Fr. Fischer zum Bezirksführer gewählt. Zu einer längeren Diskussion gab die bekannte Angelegenheit bezüglich des Kreis- Krankenhauses, über die Gen. W e n z e l des näheren berichtete, Anlaß. Redner stellte den Antrag, die Gemeindevertretung zu ersuchen, Patienten dem genannte» Krankenhause— so weit dies möglich— nicht mehr zu überweisen bezw. den für das Krankenhans zu leistende» Beitrag so lange zu verweigern, bis die dortigen Miß- stände beseitigt seien. Wetzlcr bekämpfte den Antrag als zu weitgehend beziehungsweise ungeeignet mit der Begründung, daß erst eine Untersuchung der Beschwerden ciiitrctcn und die Art der Mißstände festgestellt werden müsse. Er stellte den Antrag, die Cemeiiidevertrctmig zu ersuchen, eine Untersuchung der Krankenhaus- Angelegenheit einzuleiten und event. die Beseitigung sich ergebender Mißstände an zuständiger Stelle zu fordern. G e i s e»- Jil e r st i n g lKrankciikasseu- Voistandsmitglicd) pflichtete dem letzten Redner bei und betonte, daß es sich hauptsächlich im Krankcnhause um principielle Gegensätze zwischen dem leitenden Arzt Dr. S ch w e n i n g e r und den übrigen Acrzten wegen der Bc- haiidlniig der Kranken mit oder ohne Arznei handle. Der Antrag Wenzel könne einen Druck zu Gunsten der sogenannten Schul- mcdizin ausüben und empfehle er, da zweifellos ans dem Gebiete der Eniährnng begründete Beschwerden vorhanden seien, den Antrag W e tz k e r, der, nachdem sich noch mehrere Redner über die Sache geäußert, zur Annahme gclanglc. I» Treptow fand am 12. Febniar bei Ackermann eine öflent- liche Versammlung statt. In feuriger Rede forderte im Eingang derselben Fräulein I in l e die Frauen auf. wenn sie auch vorläufig kein Recht zum wählen oder gewählt zu werden hätte», wenigstens die Männer zur Wahlbeteiligung anzuregen. Rednerin erläuterte dann die einzelnen Kommunal-Programmpnnkte der Socialdemokratie. Danach referierte Genosse G e r i s ch über die bevorstehenden Ge- meindevertrcter-Wahlcn. In der darauf folgenden Diskussion er- gänzien noch G r a m e n z, C a r o>v und Krebs die Llusführiingcn des Referenten und forderten zu energischer Agitation für unsreii auszustellenden Äandidalen ans. Als solcher wurde sodann C a r o w einstimmig gewählt, worauf noch ein Wahlkornitee, bestehend aus den Genossen SV leb 6, Miekleh, Stock, G r a in e n z und G e r! s ch gebildet wurde. FrtedrichSsrlde. In der Generalversammlnng deS Social- demokratischen Wahlvereins für Friedrichsfelde und Umgegend hielt Genosse S ch u b e r t- Schöneberg einen sehr interessanten Vortrag über die Laiidgeineinde-Ordnung. Dein Vortrag folgte ein kurzer Bericht des Wahlkomitees und dann fand die Nominiernng der Kandidaten zur Gemeindevcrtreter-Wahl statt. Vom Wahlkomitee wiirden der Versannnlling die Genosse» P i n s e l e r. G r o»>v a I d und Kehr als Kandidaten vorgeschlagen. Die Unterhandlungen mit dem vierten Kandidaten schiveben noch; sein Name lvird in der öffentlichen Versammlung am 19. d. MtS. bekannt gegeben werden. Die Versammlung beschloß, jedes Mitglied, welches ohne zwingende Gründe der Wahl fern bleibt, auszuschließen. Eine Resolution an den Geiiieindeborstand, die Wahlzeit von vormittags 19 Uhr bis abends 8 Uhr festzusetzen, fand einstimmige Annahme. Rcu-Wcisjensrc. Arn vergangenen Montag tagte hier eine Komnumallväbicr-Versaminlnng, in ivelcher Stadtv. Borg ni a n» einen mit Beifall aufgenomnienen Vortrag über die Betieilignng der Arbeiterschaft an den Geineindeivahlen hielt. In der sehr lebhaften Disliissio» Ivurde eingehend ein vom Wahlkomitee empfohlenes Progran»» besprochen und wurden die vorgeschlagenen Kandidaten hierauf verpflichtet. Als Kandidaten fungieren Gartz. Kasielke, Seifert, welche dm Beslimimingen der Landgemeinde-Ordiiniig genügen, Ivelche Hausbesitzer verlangt. Zugleich ivurde beschlossen, an der Wahl in der 2. Wählerklasse sich zu beteiligen und sind als Kandidaten H a n s s ch i l d und Schumann vorgeschlagen. Wir hoffen, auch hier gute Erfolge zu zeitigen. Pankow. In der gutbesnchten Mitgliederversaininlnng am 12. d. M. berichtete Genosse Freiwald t über die Thätigkcit der Konnnission snr die Wahle» zur Genieüidevertretiing. Die Liste des erste». Wahlbezirks enthält 1379, die des ziveile» 2979 Wahlberechtigte in der dritten Abteilung. Einigen Proteste» bei Einsicht der'Listen ist stattgegeben worden. Außer dem Bürgerverein, der mit seinen Ztandidate» Born. Carus. Holtkötter und P r a d e l bereits hei vorgetreten ist. wird der Verein der freisinnigen Volkspartei, sowie der Griiudhesitzervcrein Standidatc» aufstellen. Demnächst werden wir in öffentlicher Versaininlung z» den Wahlen Stellung»ehnicn. Auch in Nicder-Schönhausen und Mühlcnbeck ist derEintritt in die Wahl- bewegiing vorbereitet worden. Es ivurde beschlossen, bei der Gemeinde- Vertretung z» beantragen, die Wahlen am Sonntag slattfinden zu lassen, event. am Wochentage die Mahlzeit von II bis 8 Uhr ans- ziidehnen. Das beliebteste aller Hustenmittel sind infolge des angenchmeii Äeschiiiacks und der durchaus sichere» Wirkung uieinc bei Gustav Bchm. Berlin O, Frauksurter. Earl Gblers, Wiesenstraße 32, und Vit» Schult«, Ehausseestraße 84, Spitzwegerichsaft- Bonbons r Allee 120. G. R. Prenzel, Prinz Handjerystr. 47 u. He Nur allein zu haben Herinamistr. 227, 'vis-ä-vtS der Lieseustratze.* IIagi'. BERLIN N. 26, B n d st v a s; o [81849*%. >W> 2s,; •a 13»• lr«* I* r i■■ x c I I c e, v § il. 37 ScliIieiiiHiiiiMiraMkc 37 T erupfiedlt, wie betau»1. i» rr etiler»kiis- � l ISfiflS pltlifl stjitl! Preis...- | Herren- n. Knaben-- Harderobe. MF* ArbeitwHa«;lieii. ü Grosses Stofflager zur Anfertitung nach Mass. Gesundljeit ist Keichtnm! Dampf- und Hel�luft-Bäder wirksamstes, erfolg reichstes uiid billigstes Miitel gegen LktcültzunZs, Oicht und Rheumallsmus 3192L* Licseriing an sämtliche Kraiikenkaflen Sstll fkSlislfilkt I! Mek.gzil I 18. Ultter-Str'»»»« 18. 8pvel«»lltiit: .Russ. 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