Nr. 41. Abomument»-Hedingunzcn: Bbonnimen»-Preit prünumerand»: Vierleljährl. z,zo Ml., monall. l.ioMk., wöche»Uich 28 Psg. frei tni HauZ. Ctiuelne SJumro»* 5 PIg. Sonntag«. Stummer mir ia»nr>er>»r Sonntag«, Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Singetragen tn der Post- Zeitung«. Preisliste für 1002 unter Sc. 7878. Unter streuiband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da« übrige llutland S Mari pro Monat. «rschilni»glich«uster Monlag«. 19. Jahrg. W« Instrtions-GeMyd deträgt für die sechSgespailene Zkolonew »eile oder deren Raum«0 Psg., sür poiitlsche und gewerkschastliche Verein«- und Versammlung«-An, eigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jedes Wort 0 Psg. » in a n d i e r e n d e Offizier, als die erste Salve rückwärts erfolgte, eine größere Gefahr für die Truppe annahm. als tatsächlich bestand. Vom Montag liegen noch folgende Meldungen vor: Trieft, 17. Februar. Der Streik ist beendet; noch heute wird die Arbeit von allen Arbeitern wieder aufgenommen werden. Das Leichenbegängnis der Erschossenen hat gestern unter mästen- haster Betcilignng des Pnbiiknms stattgefunden. Es kommen keinerlei Zwischenfälle vor, so datz das den Friedhof besetzt haltende Militär diese» verlassen konnte, ohne einzugreifen. Der ganze Tag verlief vollkommen ruhig. Wie», 17. Februar.(Bureau Lassan.) Die Umrihen in Trieft sind nach Ansicht der dortigen Polizei von Anarchisten hervor- gerufen worden, denn thatsächlick waren die Arbeiter schon vorgestern zur Annahme eines Schiedsgerichts bereit. Während sich nun das Schiedsgericht gestern nachmittag zu ihren Gunsten entschied, er- nenerten sich die Ansschreitungeii. Das Bekannt werden des Schiedsspruchs und der Aufmarsch einer großen Schar Arbeiter mit Meitzer Fahne wirkte jedoch beruhigend. Jndctz wurde noch abends ein S i ch e r h e i t s- Wachinspektor von unbekannter Hand erschossen. Gestern und vorgestern sind IL Eivilpersoiir», dninnier ein Knabe und ei« Mädchen, sowie mehrere Frauen getötet worden. Viele Soldaten und Wachleute wurden verwundet, eine Anzahl von ihnen schlver, ein Soldat tätlich. Zwei ins Meer geworfene Wachleute konnten gerettet werden. Wien, 17. Februar. Der„Neuen Freien Presse' wird anS Trieft gemeldet: D i e Polizei verhaftete in einem R e st a u r a n t 9 S o c i a l i st e n f ii h r e r. Ein Kaffeehans wurde von Polizei und Militär umzingelt; alle Anwesenden wurden einer Leibesvisitation unterworfen und dicjeiiigcn, die Waffen bei sich führten, verhaftet. Das polizeiliche Gefasel von einer Aufhetzung durch Anarchisten und die Verhaftung von angebliche» oder wirklichen Socialisteiiführcrn beweist nichts, als den kläglichen Versuch, für die eigne Schuld einen Siindenbock aufzutreiben. Die Schuld an dem Blutbad trifft aber einzig und allein, das beweist nicht nur der Bericht unsres Wiener Mitarbeiters, sondern auch die ganze telegraphische Berichterstattung, die B e h ö r d e n, die erst eine zivar mit allem Grund aufgeregte, aber an Exccsse nicht im entferntesten denkende Menge mit dem Bajonett attackieren n»d mehrere Personen. darunter auch eine Frau, niederstechen ließen, um dann die empörte, Widerstand leistende Bevöllerung vermittelst deS Klein» kalibrige» niedermache» zn lassen. Volikifche Mebevficht. Berlin, de» 17. Febmar. Militär-Etat. Der Reichstag nahm am Montag den Militäretat in An- griff. Wieder lag die Resolution Lenzmann vor, die das Duell- imwesen in der Armee mit allen gesetzlichen und disciplinarischen Mitteln bekämpft haben will. Herr Lenz m a n n gab seiner Resolution eine weitschweifige Begründung mit auf den Weg, ihat ihr aber selber dadurch Abbruch. daß er den Anhängern des Duells die Konzession machte, in gewissen Fällen die Vernichtung des Gegners für geboten zn halten. Man ist eben nicht umsonst Anditeur ge- wcsen und Schwiegervater zweier Offiziere. Er mußte sich dafür von dem Centnims- Abgeordneten Dr. Bachem mit Recht eine gewisse Halbheit vorwerfen lassen. Herr Bachem forderte im übrigen mehr Rücksicht auf die Bauern bei der Schaffung großer Exercierplätze und gleichmäßigere Verteilung der Manöverlasten. Hatte Herr Bachem von einem Hauptmann zu erzählen gewußt, der in einer Ansprache an die Rekruten die Jesuiten vernichtet hatte, so konnte Bebel ihn damit trösten, daß die Socialdemokratie noch schlechter behandelt würde als die Jesuiten. Unsinnige Pamphlete über sie werden in der Armee verbreitet, und es ist wirklich ein Wunder, daß die Social- demokraten überhaupt in das Heer eingestellt werden. Unser Genosse trat dafür ein, daß große Truppenübungsplätze auf Ländereien, die dem Staate gehören, eingerichtet oder durch Ausrodung von Staatswaldungen hergestellt würden. Nachdem er dann eingehend den Fall des Hauptmanns Luthmer dargestellt hatte, wandte er sich der D u e l l f r a g e zu. Im Zu- sammenhang damit wies er auf die unheilvolle Rolle hin, die der Alkohol bei Offiziersexcessen spielt. Das führt ihn wieder auf das alte und doch so neue und wichtige Thema der Militärmißhandlungen. Jahr um Jahr führt Bebel den Kampf gegen diese Barbarei. Leider sieht es so aus, als hätte die Zahl der Mißhandlungen sich nicht ver- mindert, sondern vermehrt. Unser Genosse konnte eine ganze Reihe von geradezu unglaublich rohen und barbarischen Mißhandlungen berichten. Die Strafen, die die Uebelthäter treffen, sind im allgemeinen sehr milde bemessen. Kein gutes Zeichen für die Armee ist es auch, daß die Zahl der Deserteure sich erhöht. Unser Redner schloß aus diesen Thatsachen, daß das System der Soldaten- erziehung falsch ist und daß besonders die kolossale Steigerung der Anforderungen an die Vorgesetzten die Zahl der Miß- Handlungen vermehrt. Das führte ihn zu organisatorischen Vorschlägen für die Umgestaltung der Ausbildung der Sol- daten. Bebel bekämpfte an der Hand militärischer Zeugnisse den Gamaschendienst, den Stechschritt und den Parademarsch und forderte, daß die Ausbildung deS Soldaten ausschließlich anf den Kriegsfall zugeschnitten würde. Er erinnerte an die großen Fort- schritte, die die französische Hceresorganisation in den letzten Jahrengemacht hat undwies dannnach, wie der Gedanke der Miliz sich in allen militärischen Ländern ausbreitet. Die Finanznot drängt die Staaten unweigerlich zu Reformen auf diesem Gebiet. Mit dem Appell an das Centnim, im Hinblick auf die schlechte Finanzlage den Militarismus zur Sparsamkeit zu nötigen, schloß unser Redner seine wirkungsvollen Dar- legungen. Herr v. G o ß l e r schien es zunächst nicht für erforderlich zu halten, unsrem Redner zu antworten. Er ließ zwei Sprechern der rechten Seite den Vortritt. Herr v. Thiede- mann verteidigte das Duell verschämt als unzertrennlich mit dem germanischen Ehrbegriff verbunden, während der fromme Graf v. Roon sich in ganz ähnlichen Gedankengängen bewegte, nur daß er statt vom germanischen Ehrbegriff von der Sünde sprach. Nebenbei forderte dieser konservative Redner wiederum härtere Beleidigungsstrafen. Er versuchte sich dann in einer Polemik gegen die Bebelschen Ausführungen. Durch diese Konkurrenz vermutlich veranlaßt, rang sich auch Herr v. G o ß l e r eine Erwiderung ab, die im Tone übrigens durchaus ruhig war. Er suchte einige Fälle, die Bebel er- wähnt hatte, anders darzustellen und behauptete, daß die Militärnnßhandlungen nicht zugenommen hätten. Wenn die Statistik ein andres Bild gewähre, liege daran, daß jetzt jeder Schlag und Stoß, der früher disciplinarisch geahndet worden sei, vor das Militärgericht komme. Er behauptete weiter, daß die Zahl der Deserteure nicht gestiegen und daß die Ausbildung der Truppen vereinfacht sei. Hierbei konstruierte er einen merkwürdigen Zusammenhang zwischen schlechtem Parademarsch und schlechten Schießerfolgeu bei den Truppen. Er rühmte das System der körperlichen Erziehung in der Armee und lehnte weitere Reformen ab, obwohl er sich nicht verhehlte, daß der nächste Krieg Deutschland in schwere Ver- Hältnisse bringen kann. Von der Resolution Lenzmann wollte er nichts wissen, weilereine besondere Bestrafung der Offiziere auf disciplinarischem Wege wegen des Duells als Rechts- Ungleichheit empfindet. Nachdem der Pole v. C h rz a n o w s ki sich über die ungerechte Behandlung polnischer Beamten beschwert und dabei einen Ordnungsruf davongetragen hatte und Herr Eickhoff nochmals auf den Fall des Barmer Bankdirektors eingegangen war, mit dem die Reserve-Offiziere nicht weiter Verkehren dürfen, weil er ein Duell abgelehnt hat, ging Genosse K u n e r t ausführlich auf das Thema der Soldaten- nnßhandlungen ein. Er führte eine große Zahl von Fällen an und stellte die niilde Bestrafung der Chargierten der harten Bestrafung der gemeinen Soldaten gegenüber. Als er dann weiter ein Telegramm des Kaisers, das in die Kriegsmaßregeln auf dem chinesischen Kriegsschauplatz eingriff, scharf kritisierte, erhielt er einen Ord—'ngsruf. Die Debatte schloß mit einer yumorvollen Rede des bayrischen Militärbevollmächtigten, General v. En dres, der die übermütigen Streiche junger Kavallerie-Offiziere in Bamberg als harmlose jugendliche Ausschreitungen zu verteidigen versuchte. �renstag wird die Beratung fortgesetzt.— Ter Minister des zweierlei Rechts. Im Abgeordnetenhause hat am Montag bei der Fort- setzung der Generaldebatte zum Etat der Justizverwaltung der Minister Schönstedt von neuem bewiesen, daß er den Grundsatz des zweierlei Rechts von Herzen gern in die Straf- rechlspflege eingefügt wissen will. Gegen Arbeiter, die von einem ihnen gesetzlich zustehenden Rechte Gebranch machen, sollen die Staatsanwälte angewiesen werden, wie gegen ge- meine Verbrecher vorzugehen; dagegen sollen Staatsanwälte, die öffentlich zur Verletzung bestehender Gesetze auffordern, höchstens, um der Form zu genügen, eine möglichst milde Strafe erleiden. Anlaß, in diesem Sinne die Klassenjustiz zu vertreten, gaben dein Minister zwei von den Abgg. Träger(frs. Vp.) und Dr. Barth(frs. Vg.) zur Sprache gebrachte Fälle. In dem ersten von uns wiederholt und auch im Reichstag erörterten Falle handelt es sich um den Zimmerer, Ln das Landgericht I Berlin wegen Erpressung verurteilte, weil er einen Arbeitskollegen zum Anschluß an die gewerkschaftliche Organisation gezwungen haben soll. Ter zweite Fall betrifft Herrn Cnny, den Staatsanwalt, der anf einem Kommers der Burschenschafter das Duell verherrlicht hat und hierfür straf- versetzt wurde. Die Gegenüberstellung beider Fülle zeigte, wie sehr in Preußen mit doppeltem Maß gemessen wird. Bekanntlich ist vor kurzem durch die gesamte Presse un- widersprochen die Behauptung gegangen, der Justizminister habe in Gemeinschaft mit dem Minister des Innern die Staatsanwälte angewiesen, gegen organisierte Arbeiter wegen Erpressung einzuschreiten, falls sie auf nicht organisierte Arbeiter einen Druck zum Beitritt zur Organisation dadurch ausüben, daß sie die Nieder- legung der Arbeit in Aussicht stellen. Die Staats- anwalte sollen ausdrücklich angewiesen sein, nur gegen Arbeiter, nicht aber auch gegen Arbeitgeber einzuschreiten. Daß in diesem Falle ein derartiger Erlaß ergangen sei, bestritt der Minister; seine gewundene, unklare Rede ließ aber gar keinen Zweifel darüber aufkommen, daß ihm alles daran liegt, den „Terrorismus" der Arbeiter einzuschränken und daß er gelegentlich eines andern Falles zur Erreichung dieses Zweckes in der That einen Druck auf die Staatsanwalts ausgeübt hat. Arbeiter, die einen organisierten Kollegen, der aus der Organisation austreten wollte, daran zu verhindern suchten durch die Drohung, sie würden dann dafür sorgen, daß er seine Arbeit verliert, wurden wegen Erpressung an- geklagt, aber freigesprochen. Herr Schönstedt hat das Urteil nachgeprüft und ist zu der Ansicht gelangt, daß dies Urteil der Entstehung, der Absicht und dem Sinne des§ 133 der Gewerbe-Qrdnung nicht entspricht. Er hat infolge dessen in einem Erlaß an die Staatsanwälte den Wunsch ausgesprochen, sie mögen hierüber eine Entscheidung des Reichsgerichts herbei- führen, und hierzu werde sich Gelegenheit bieten in all' den Fällen, wo der Thatbestand der versuchten oder vollendeten Erpressung in Frage kommt. Diesen Wink werden die Staatsanwälte verstehen, sie werden auch ohne Zuchthaus- Vorlage, dem Wunsche ihres Gebieters entsprechend, in Zukunft nicht mehr auf Grund des ß 153 der Gewerbc-Ordnung gegen Arbeiter einschreiten, sondern stets den Begriff der Erpressung zu statuieren suchen, wie es der Berliner Staatsanwalt in dem erwähnten Falle bereits gethan hat. Die Aenßcrungen des Ministers sind, wie Abgeordneter Dr. C r ü g e r(frs. Vp.) mit Recht betonte, viel bedenklicher als ein ganz bestimmter Erlaß in der Richtung, daß die Staatsanwälte stets wegen Erpressung einschreiten sollen. Natürlich fand der Minister mit seiner Scharfmacher- Politik bei den Reaktionären aller Schattierungen, allen voran den Abgg. v. L ö b e l l(k.) und Dr. Fried berg(natl.), ebenso lebhafte Zustimmung, wie mit seiner Entschuldignngs- rede für den die Gesetze verachtenden Staatsanwalt Cuny, dessen Treiben insbesondre Abg. Dr. Barth(frs. Vp.) einer scharfen, aber treffenden Kritik unterzog. Die Beratung wird am Dienstag fortgesetzt. «» « Deutsches Weich. Ter Zollstreit. Das Kompromist der Wucherparteien wird in den Blättern eifrig erörtert. Die Beurteilung, die ihm widerfährt, ist selbst in der Presse der Ueberzöllner überaus mannigfaltig. Die „Köln. Ztg.' sieht im Kompromist„die Morgenröte, die einen Sonnenaufgang ankündigt, der erwärmend, anregend und belebend auf das deutsche WirtschaftSgetriebe wirkt'. Die»Deutsch« Tages- zeitimg' dagegen.betont die austerordentlichen Schwierigkeiten, die der Toris noch überwinden müsse; fie fästt ihre Betrachtungen in den Forderungen zusammen: Vertagung deS Reichstages im Frühiommer, Fortdauer der Kommissionssitzungen mit Gewährung von Tagegeldern, frühe Einberufung des Plenums im Herbste, Be- willigung von Tagegeldern an die Reichstags« Abgeordneten. Werden diese äustcren und jene inneren Vorbedingungen nicht erfüllt, dann wird, soweit wir die Dinge übersehen können, alle Mühe ver- geblich sein.' Amüsant sind die Vorgänge bei den Nationalliberalen, deren Abgeordnete drei bis vier verschiedene Stellungen ein- nehmen. Freiherr Hey! zu Herrnsheim mnstte anS der Zollkommission austreten; seine Neigung, die extremste» Zoll- erhöhungSschreier noch zu überschreien, wird nur von einer sehr kleinen Gruppe seiner Parteigenossen geteilt, und so endet sein kurzes. durch Selbstgefälligkeit reizvoll geziertes Wirken in der Zoll- kommission mit einem überaus kläglichen Sturz. An die Stelle des entthronten Ledcrkönigs von Worms ist Abgeordneter Sieg getreten. Dieser vertritt eine zweite Gruppe der National« liberalen, die sich zwar dem Kompromist des CenirumS und der Konservativen onschliesten will, aber auch bereit ist. sich mit der Regierungsvorlage zu»begnügen'. Die Mehrheit der National- liberalen ist für die Regierungsvorlage. Und schließlich soll es noch einige Herren in dieser einheitlichen Partei geben, denen die Regierungsvorlage zu weit geht. Mehrercrlei Meinungen kann man in einer Partei nicht gut verlangen l Nach einer parlamentarischen Korrespondenz soll der Abgeordnete v. K a r d o r f f wiederum als Vorsitzender in der Zolltarifkommission vorgeschlagen werden. Herr v. Kardorff soll auch bereit sein, das Amt, das ihm schon so viele Qual bereitet, wieder anf sich zu nehmen. Die Konservativen treiben also ihre Obstniktion so weit, daß sie der Kommission einen nervös überreizten Vorsitzenden zumuten. Selbst der konservative„Reichsdote" hat gerade bemerkt:»Der Rücktritt des Herrn v. Kardorff dürfte sich für die Verhandlungen eher vorteilhaft erweisen, lveit Herr v. Kardorff zu nervös geworden sein soll.'— Der klagende Siormann- Schumann. Der Allerweltsspitzel „Rentier' Noiinan»-Sct>n»iaiin in Lnzeni hat min in der That die angedrohie Privatklage eingeleitet. und zwar gegen den Genoffen Bebel und den Redaclenr deS»Vorwärts' Genossen Leid. Der Mann fühlt sich beleidigt durch jene Erinnerungen, die Bebel am 12. November v. I. über den Polizei-Agenten zum besten gab. Er will den Beweis der Wahrheit geführt sehen z. B. darüber, daß er in Diensten der preustischen Polizei die ausländische Presse mit Majestäisbeleidiguiigen versorgte. Unsre Genoffen harren mit Spannung des großen Augenblickes, Ivo sie dem klagenden Spitzel an Gcrichisstclle gegenüberstehen. Oder Ivird er sich damit begnügen, ans der Ferne dem Spektakel zuzusehen?—_ Eine Razzia gegen polnische Nkadcmiker wurde am Sonnabend und Sonntag in Berlin und Char« lottenburg von der Polizei nnternoninien. In B e r l i n hatte» sich am Sonnabendabend in einem Lokal der Linienstraßs circa 18 polnische Studenlen zusammengefunden, um sich von ihren wegen deS ncnlicben Vorkonimnisscs an der Universität relegierten Kollegen nach studentischer Sitte durch einen K o in m e r S zn verabschieden. Daß es sich nicht um die Abhaltung einer staatSgcfährlichcn geheimen Versammlung handelte, geht schon daraus hervor, daß man der Polizei ganz offen von dem Stattfinden des Kommerses Mit- teilung gemacht hatte. Unsre politische Polizei jedoch schien den Bier- abend für die geeignete Gelegenheit zn halten, nni den hochverräterischen Umtrieben der in dem Kopfe gewisser Offiziösen spicken- den polnischen Berschtvörcrbande anf die Sprünge zu kommen. Gegen 10 Uhr drang plötzlich ein starkes Aufgebot von Schutzleuten in Uniform und Civil in das Zimincr. in dem die Studenten kommersicrten. um die R amen de r A n- >v e s e n d e n festzustellen. Zwei Teilnehiner. die ftch nicht sofort ausreichend legitimieren konnten, wurden mit auf die Polizeiwache genommen, wo ihre Personalien hochnotpeinlich festgestellt wurden. Einem der Sttidentcn, den man scheinbar für den Hmipträdelsführer hielt, wurde trotz Protestes, sein Notizbuch obgcuonuneu. Ob ficflen die Leutchen nun das Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet werden wird? I Etwa um dieselbe Stunde erreichte in dem benachbarten Ch ar- lottenburg eine Tafelrunde von polnischen Studierenden deZ Polytechnikums die Nemesis in Gestalt des all- gegenwärtigen AngeS des Gesetzes. Galt in Berlin die Razzia deutschen Staatsangehörigen polnischer Zuuge. so war es hier auf eine Tafelgesellschaft von Ausländern abgesehen: man glaubte augenscheinlich auf diese Weise gleich alle Fäden der internationalen Polenverschwörnng in die Hand zu be- kommen. Und auch hier ertappte man die Hochverräter in tkAranti: in geselliger Unterhaltung beim Abendbrot. In diesem Falle be- gnügte man sich nicht mit der Feststellung der Personalien; sämtliche 27 Delinquenten wurden vielmehr zur Polizei gebracht— man transportierte sie jedoch, was anerkennend hervorgehoben werden mag, nicht zu Fuß und mit Handschelle« aueinandcrgefesselt, sondern per Droschke in einen» imponierenden Droschkenzug— woselbst sie, zwei Damen eingeschlossen, die Nacht auf Staatskosten zubringen durften. An» andern Morgen wurden sie zunächst auf den» Polizei- Präsidium einem Verhör unterivorfen und dann einzeln, von je 2 Schutzleute» eskortiert, nach den Wohnungen transportiert, die Pein- lichst nach hochverräterischen Schriften und Papieren durchsucht Ivnrde» Schonam Abend vorher war den Verhafteten derJithalt ihrer Brieftaschen abgenommen worden. Schließlich wurde» die Verhafteten wieder auf fteien Fuß gesetzt. Eine Umfrage bei ihren Landsleuten ergab, daß auch noch bei z e h n w e i t e r» P o l e n, die an der geinein- schaftlichen Abendtafel nicht teilgenommen hatten, gehaussucht worden war. So wäre denn dank der Umsicht unsrer politischen Polizei der preußische Staat lvieder einmal gerettet! Die russischen Staatsangehörigen des Charlottenburger Polytechnikums aber iverdei» sich durch ihr interessantes Erlebnis eininal außerordentlich vaterländisch angeheimelt gefühlt haben.— Ter Kaiser seiuer Marine. 1000 Exemplare seiner Photo- g r a p h i e hat der Kaiser der Marine überwiese» zur Verteilung vorzngsweisc au Mannschaften der Facht„Hohenzollcrn", des Kaiser- boots.Slcipner", des Begleitkreuzers„Niobe" und des Linienschiffs «Kaiser Wilheln» H".— Wie DenkinalSgeldcr zusammeugefochten werden, zeigt folgendes Schriftstück: Kaiserliche Ober-Postdirektion. Posen O., 10. Januar 1903. Der vor Jahresfrist angeregte Gedanke, den, große» Kanzler des Deutschen Lleiches, dein Fürsten Bismarck, in der Provinzial-Hauptstadl Posen ein Denkmal zu errichten, hat in Sladt und Land sreudigste Zustinnnnng gefunden; eine reiche An- zahl von Beiträgen ist den» Komitee infolgedessen zugeflossen. Auch die in Postkreiscn des hiesigen Bezirks' veranstaltete Sammlung hat eine ansehnliche Snn»»>le(491 Mk. 10 Pfg.) er- geben. Die auf 72— 75 000 Mk. zu veranschlagenden Kosten deS Denk- nials find jedoch z. Z. noch nicht ganz gedeckt; es fehlen ungefähr noch 13—21 000 Mk. Unter Bezugnahme a»tf die Verfügung vom 25. Mai 1900 � werden Sie ersucht, bei den» nachgeordneleu Personal und dem der Postagenturen das Interesse für die Sache erneut anzuregen. Bei- träge entgegenzunehmen und diese bis zum 10. März an Herrn Ober-Posidirektions-Sekretär Selchow ohne Nennung der Namen der Spender durch Postanweisung portopflichtig zu übersenden. Der aufgekouimene Gesamtbetrag wird von Herrn Selchow dem Komitee überiviesen werden. gez. Köhler. An die Herren Vorsteher der Kaiserlichen Postämter des Bezirks des Kaiserlichen Bahnpostanrts Nr. Ü3 in Posen"VV. und des Kaiserlichen Telegraphen- aints in Posen O. Wenn l ei der mit Pauken und Trompeten stattfiiidcndcu Eni- hiillnng des Denkmals der Komitccvorsitzende den verdient..» Orden erhält— dann wird er gewiß dankbar der armen Post-llnterbeamten deuten, die sich„freiwillig" dazu gedrängt haben, ihr sauer verdientes Geld dem Andenken des„großen Kanzlers" zu opfern. Was sagt Excellcnz Kraetle zn der AnuSthätigkeit des Poscner Ober-Postdircktors? Eil» erledigtes NeichStagSmandat. Der ReichStagSabgcordnete de? 14. hannoverschen Wahlkreises Frhr. v. H a in»» e rst ei n, Welfe. ist auf seiner Besitzung bei Celle gestorben. Er war Mitglied des Reichstags seit 1898, Ivo er in der Stichwahl den national- liberalen besiegte. Vorher war der Wahlkreis. Nalionalliberal vcr- treten. Ein AuSstelluugSspItzel. Unser Düsseldorfer Parteiblatt meldet: Die Polizei- Af faire Josefs soll, lvie uns die Polizei per Telephon mitteilt, von A bis Z uuivahr sein. Die Untersuchung gegen miS sei eingeleitet. Der Polizei und den Lesern diene zur Kenntnis, daß unser Gewährsmann»och heute früh unter Zeugen seine Behauptungen aufrecht erhielt.— Tittlichkeitöverbrrchen ciueö Fähnrichs. Vor den» Kriegs- geeicht der Marinc-Akade»nic in Kiel hatte sich der Fähnrich zur See Osterburg ivegen Siltlichkeitsvcrbrcchen zu verantworten. Die An- klage legt ihin zur Last, sich an» 3. November v. I. an z>v e i n» i n d or j ä h r i g e n Schulmädchei» vergangen zu haben. Unter den 19 Zeugen befinden sich eine Reihe von Schul- lindern. Der Angeklagte trat an» 7. April 1900 in die Marine ei» und»vurde in» April 1901 zun» Fähnrich zur See befördert. Bei den ihn, zugeschriebenen Verbrechen ist er planmäßig vor- gegangen. Kurz nach der That ivnrde er verhaftet und der Irre»»- klinik in Kiel zur Beobachtung seines Geisteszustandes überiviesen. Der Oberarzt der Klinik erschien als Sachverständiger. Die Ver- Handlung»vurde, da eine Gefährdung der Sittlichkeit z»» be- fürchte» stand, unter Ausschluß der Ocfsenllichkeit ge- führt. Sie ergab die Tchuld des Angeklagten. Dieser wurde wegen SittlichkeitSverbrechen in zwei Fällen auf Grund des§ 173 Absatz 3 zu einem Jahr drei Monate» Gefängnis und zur Degradation verurteilt. Auch während der Verlesung der Urteilsbegründung blieb die Oeffentlichkeit auSge- schlössen.— Ausland. Belgien. Kundgebungen für das allgeuicine Wahlrecht. An» Sonntag fand in C h a r l e r o i. lvie das Burcan Herold meldet, eine große, von mehreren Tausend Personen besuchte socialislische Versa>»i>iil>ing zn Gunsten des allgeineinen und gleichen Wahlrechts statt. Socialislische Abgeordnete hielten Reden, die von der Menge»iiit ungehenrenl Beifall aufgenommen»vurde». Die Ruhe»vurde nicht gestört, da die Polizei den Auftrag erhallen hatte, nicht e i n z u« schreiten.(So steht's»vörtllch i» dem Bericht des sonst so polizeifromuien Depeschen-BureauS. Der Berichterstatter hat also die Ursache der Aiihestörungei» eininal richtig erkannt!) Aehiiliche Kundgebungen werden von den Socialiste» in allen Industriestädten geplant.— Italic». Tie Arbeitslosen und der Minister Zanardellt. Das Exekutivkomitee der Arveitskannner zu Ron» ivnrde dieser Tage vom M i n i st e r Z a»» a r d e l l i in Audienz empfangen, um ihn über den Stand der Arbeitslosigkeit zn»liiterrichtei». Die Konunisfion wies auf verschiedene Arbeiten hin. wie z. B. die Tiber- regulierung. die jetzt in Angriff genommen werden müßte», um den Arbeilsloscu Beschäftigung zu geben. Die Koimnisston»nachte ferner den Minister mif die Korruption anfinerksam. die bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten bestehe und der nur abgeholfen werden kLnue durch Vergebung solcher Arbeiten direkt an die Arbeiter. Schließlich brachte die Kommission noch die Beschwerden der Arbeiter der staat- lichen Tabakmanufaktur zur Sprache. Der Minister zeigte sich in Arbeiterfrogen sehr miterrichtet und sagte seine Uiltcrstützung in allen Punkte» zu; er werde seine» Einfluß geltend machen, daß die Regierung sowohl als die Stadt Ron» Notstands- arbeiten ausführen lasse.— Der Boereil- Krieg. Englische Schlappen. Lord Kitcheuer»ncldet aus Pretoria voin Sonnabend: Ein Bataillon berittene Infanterie stieß bei einen» Auf- k l ä r u n g s n, a r s ch an» 12. Februar bei Zuikerboschrand anf eine ziemlich starke Boerenabtciluug nud ivurde auf ungünstigen, Ge- lande i» einen Kampf verwickelt. II Mann fielen und etwa 40 wnrden verwundet, bevor es der Truppe gelang, sich ililter den Schutz der Blockhäuser zurnckzvziehcn. NawlinsonS Kolonne ist nun gegen die Bocrcn uiiterwegS. Nach einem weiteren Telegramm Lord KitchenerS wurde am 10. Februar eine Abteilung der südafrikanischen Polizei in der Nähe von VantonderShoek von überlegenen f e i n d- lichen Truppen unter Verlusten znriilkgcworfeu. Pretoria, 10. Februar. Am 12. Februar wurde» hundert- u u d f ü n f z i g M a ii n englische b e r» t t e n e I n f a n t e r i e in der Rähe von Klipriver nach tapferer Gegenwehr überwältigt, zwölf Mann sind gefallen und 48 verwundet, darunter mehrere Offiziere._ AbgeovÄnetvnhttus. 29. Sitzung v o in 17. Februar, 11 Uhr. Au» RegierungStisch: Schönstedt. Die zweite Beratung des Justizetats wird fortgesetzt beim Titel„Miiiistergehalt". Abg. Träger(frs. vp.): Welche Bewandtnis hat es mit dem Erlaß, den der Justiz- minister im Verein mit dem Minister des Innern erlassen hat und diirw den die Staatsanwälte aufgefordert iverdei», den Er- prcsfmigö-Paragrapheu gegen Arbeitcrgewcrkfchaftcn in An- wendring zn vrinqei»,»venn diese andre durch„Drohung" zur Teil- nähme ni» ihren Bcstrcbnngcn auffordern? Ei» solcher Erlaß wäre, loci»» er ergangen»väre. sehr bedenklich. Ich bezivcifle auch die Zn- siäiidigkcit der beiden Minister, den ErprcssnngSparaeraphcn in dieser Weise auszulegen. Dazu ist allein das Reichsgericht zuständig. Diese AnSlranng gefährdet das KoalitionSrccht der Arbeiter auf das schwerste. Justizmiiiister Schönstedt: ES ist die Bchanpiung aufgestellt, eö sei von mir und von dem Minister de? Innern eine An>ve»'»ng an die Staatsanwaltschaften ergangen, wvuach fortan gegen alle orgnuisicrtei» Arbeiter die ErpressiingS- anklage erhoben»verde»» solle, die gegen Nichtorganisierte Arbeiter einen Druck zum Beitritt dadurch ausüben, daß sie in Aussicht stellen, sie»vüroen sonst d!e Arbeit bei dem Arbeitgeber einstellen. Eine solche Verfügung ist aber nicht ergangen. J»n Reichstag ist man ohne iveneres von der Existenz einer solchen Verfügung auS- gegangen, obgleich man sie nicht gekannt hat. Man hat daraus schivere Angriffe gegen die prenßische Jnstizvcrivaltnng hergleilet und außerdem mit c»icr gewissen Bestimmtbcik bchaiiptct, diese Ver- ftigung bestimme sogar au ihrem Schluß, gegen Arbeitgeber dürfe wegen der gleichen Vcrgchnngc» nicht eingeschritten werden. Das sei»»»erhört. Daß das unerhört»väre, gebe ich ohne weiteres z»». aber daran ist kein wahres Wort. Diese Angriffs knüpfe» an ein Urteil an, das von einer Straskamincr in» Dezember ergangen ist und durch lvekchcS ein Arbeiter»vcgcn Erpressung zn einer Gefängnisstrafe von 6 Monate» verurteilt»vurde. Ein Arbeiter beklagte sich in einer Eingabe an den Jlistiziiiniister und de» Minister deZ Innern darüber, daß er durch Drohungen feiner Kollegen beinahe arbeitslos gcivordcn sei. Diese Eingabe»vurde, lvie alle an eine nnrichligc Instanz gerichtete Eingaben, an die StaatSamvaltschaft abgegeben, d'e darauf die Anklage wegen Erpressung erhob. Die Strafkanimer säüte dann das erivahnt« Urteil. Ich bin an der Sache absolut un« schuldig. Ich hätte ja eine solche Weisung niöglicherweise erteilen köimen, aber ich habe cS nicht gethän. Außerdem ist— das ist aber eine ganz andre Sache— ein Urteil eines andren Landgerichts gegen eine Anzahl von Arbeitern ergangen, das auf Freisprechung lautete. Einen Arbeiter, der den Entschluß kuiidgegcbe» hatte, ans seiner Organisation anSziischeidei», hatte»» andre Arbeiter gedroht, sie würde» dann dafür sorge», daß er anS seiner ArbcitSstclltMg herauskäme. Gegen die Arbeiter, die diese Drohnng ausgesprochen hatten, wurde von sciten der Staats- mnvaltschaft Anklage erHobe» mif Grund des§ 153 der Gewerbe- Ordnung. Es handelte sich»m» die Angehörigkeit zu einer all- gemeineu Vereinigung, die nur einen aNgcmeiiie» Zweck verfolgte. DaS Landgericht sprach die Angeklagte» von der Zuwiderhandlung »legen§ 153 frei, da dieser Paragraph»»cht Ainvendmig finde ans solche allgemeine Orgauisalionci», sondern nnr auf solche, die einen konkrete» Ziveck verfolgen. Die Nichtigkeit dieser Auffassung ist darauf in» Ministerinin geprüft worden, und»vir sind z» de»» Ergebnis gekommen, daß diese Anffassling unrichtig sei»»»d der Ab- ficht»nd dem Sinne des§ 153 nicht entspreche. Auf Grund dieses Thaibestandes habe ich darauf ohne Mitwirkung des Ministers des Innern eine Amveisnng an die StaaiSamvaltschaften dahii» erlassen, daß sie in ähiilichcn Fällen, lvie dein hier in Frage gckoininenen, Anklage erheben auf Grund dcS Z 153 der Gewerbe-Ordiinng und. wenn möglich, eine Entscheid»»»»»; de* RcichS�-richlS in solchen Sache» herbeiführen möchte». An» Schluß der»..- sügimg heißt es folgeiidcrinaßcn:„Terroristischen Ausschreitungen der erwähnten Art»ins» mit allen gesetzlichen Mittel» entgegengetreten werden. Die Beamten der Staalsamvaltschaft veranlasse ich daher, den oben dargelegten Rechlöslandpunkt in iveitestem Sinne auf- zufassen, gegen abweichende Entscheidlnigen die zulässigen Rechts- mittel einzulegen und möglichst auf eine Eiitscheidnng dcS Reichsgerichts hinzuwirken. Dazu»vird sich eine Gelegenheit i» solche» Fällen bieten, in»velchen der Thatbestand der versuchten oder vollendeten Erprrssnng in Frage kommt und daher die Zuständigkeit einer Strafkammer begründet ist". Hin eine Entscheidung des Reichögericbts herbeizuführen, genügt nicht die einfache Anklage auf Grnnd dcö S 153 der Gewerbe- Ordiinna, da ftir diese Vergehen nnr die Schöffen- geriete zuständig sind, sonder» die Anklage»miß erhoben»verde» auf Grund deS§ 153 in Jdcalkonknlrenz»>il den, Erpressungsparagraphen des Straf- Gesetzbuches. 8 153 mhnet ja mich mit der Möglichkeit, daß nach den» allgenieinen Straf- Gesetzbuch Höhere Strafen i» Betr.icht kommen können. In einem in Bayern vorgekommene» Fall ist mich gegen Arbeitgeber— es handelte sich um Beitritt zu einen» Kartell— auf Grund des ErpressnugSparagraphen eingeschritten wordeir und eine Verurteilung erfolgt. Von einer Klaffenjustiz kann keine Rede sein, iveder in der Entscheidung der Gerichle, noch i» der von mir erlassenen Verfügung. Welche Versnguiig ctiva drr Minister drö Inner»» noch an die Provinzialbehörden erlaffeu hat,»veiß ich nicht, darüber!..»»> ich keine Auskunft geben. Die mir gemachte» Vorivürfe find also vollkon»»»en iliigcrechtfertigt.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Friedberg(natl.) meint, daß der Minister in diesem Fall vollkommen korrekt gehandelt habe. Abg. v. Löbell(k.) billigt den Erlaß des Ministers ivegen An- Wendung deS ErpreffmigSparägraphen. Die Ueberzengimg, daß ein Schutz der Arbeitswilligen notwendig ist, hat sich allmählich immer weiter Bahn gebrochen.' Abg. Dr. Barth(fr. Vg.) bringt den Fall des Staatsanwalt- fchaftS-RatS Cnntz zur Sprache, der die GefetzeSverletzmig dadurch verherrlicht habe, daß er für das durch das Gesetz verbotene Diiell eingetreten ist. Diese Verherrlichung ist ililter erschwerendci» Uiiistäilden erfolgt, da die Aenßernng in einen» Toast auf den Kaiser erfolgt ist. Herr Cuny hat cS für angemessen gehalten, die GefetzeSverletzmig zugleich mit den» Träger der Krone zu ver- herrschen, der a» der Spitze des Rechtsstaates steht»i»d mehr wie andre berufen ist zur Anfrechterhaltung»nid Durchfiihning der Gesetze. Ein solcher Mann hat die Oualifikatioi» als Staatsanivalt verwirkt.(Sehr richtig I links.) Herr Cnny ist nach Hagen versetzt worden. Sollte das eine Strafe oder Censnr für sei» Verhalten sein, so wäre sie völlig ungenügend. Herr Cnny hat nicht nur in Berlin AergerniS erregt, sondern in ganz Deutschland. � I» welche Lage kommt die Justizverwaltung, wenn dieser Mann in Hagen die Geschworncn auffordert, nicht iiach subjektiven Empfindung en zu urteilen und ein Rechtsanwalt, vielleicht der Abg. Lenzmann in Hagen, ihn auf seine Verherrlichung deS Gesetzes rnifmerksan»»nacht. Ich»viederhole, ein Mann»vie Herr Cnny hat sein Amt als Staatsanwalt verwirkt»nd ich möchte den Justizminister fragen, warum er andrer Meinung ist.(Vravo! links) Jnstizininister Schönstedt: Herr Dr. Barth kennt die Rede des StaatsanwaltschaftSrateS Cnny lediglich aus den Zeitungen. Der in der Presse mitgeteilte Wortlaut ivird aber von Herrn Cnny lebhaft bestritten. Er bestreitet besonders die Aeußerungen in das Kaiserhoch verflochten zu haben. Die ihin vorgeivorfene Taktlosigkeit fällt also vo»' vornherein. Die von Herrn Cnny zugegebene Aenßernng lautet wesentlich milder. Er hat lediglich die studentische Mensur„verherrlicht". Nim ist doch kein Zweifel, dnß die studentische Mensur, wenn sie auch nuter die Strafbeftiminimgen des Ziveikampfes gestellt ist, etwaö ganz andres ist, als das Dnell.(Widerspruch linkS.) Herr Cnny hat sich gegen jeden frivolen Mißbrauch der Pistole erklärt und ist für Ehrengerichte cingetreteii. Allerdings hat er hinz»lgcfngt, daß»naiiche Ehrvcrletzniig nur mit der Pistole gesühnt»verde»» könne.(Abg. Dr. Barth ruft: DaS ist die entscheidende Stelle, die ich durchaus richtig vorgetragen habe.) Nu» bin ich der Ansicht, t. ß die Aeiißernng von einen» Manne in der Stellung eines Stantsmilvalts sehr nngceignet und durchaus ungehörig»var. Was sollte ich für Konsequenzen ziehen? Ich hielt eS für das richtigste, innerhalb acht Tagen durch eine Straf- Versetzung nach Hagen Rcmednr eintreten zu lasse». Die Ver- setzung ist alS Strafe gewählt und auch als solche enipfnnde» »vorden. Zu einer StaalSaffaire ivar die Sache nicht migethm», denn von einer Verherrlichung des Duells oder etiler Aufforderung zu»:» Duell ist nicht die Rede. Hätte ich den Herrn in den Richterstand versetzt, so hätten Sie geiviß auch Eiiuvendnnge»» erhoben und gesagt: Wer zun» Staatsanwalt zn schlecht ist. wird Nichter. Ich wiederhole: die Versetzung nach Hagen ist eine Strafversetzung. ES schadet auch nichts,»venn der Herr dort der erziehlichen Wirkung dcS Herrn Lenz»iai»u ansgesetzt ist.(Große Heiterkeit.) Ich bitte Sie, de» Fall milde anzusehen, Sie nehulei» es doch auch sonst nicht so streng, wem» einnial ein jugendlicher Herr die Grenzen des Zulässige», über- schreitet.(Beifall.) Abg. Dr. Kranse(natl.): Auch ich bin dagegen, den Fall zu einer Haupt-«nd Staats- aktion zn machen. Ich bin gegen den Dilellunfiig, der nicht so weiter gehen kann, würde es aber' bedauern,»venu auch die stiidentische Mensur über Bord ginge.(Sehr richtig I) Diese übt eine starke er« ziehliche Wirkimg aiif die jugendlichcn Gemüter miS. Herr Cuny hat eine Dummheit gemacht. Mit AmtSentsetznng konnte diese Dummheit nicht bestraft iverdei». Der Minister hat daS Nichtige getroffen. Abg. Dr. Crüger(frs. Vp.): Wir ivollei» auS dem Fall Cnnh keine Haupt- n»d Staatsaktion mache»», aber er ist typisch. Der Unfug des Duells hat solche Dimensionen angeiioinmen, daß mit Entschiedenheit auch solchen Aeußerungen gegenüber vorgegangen iverdeii muß. Der Minister hat ein paar Witze gemacht; dazu ist die Sache aber zn ernst. Cnny hat thatsächlich das hohe Lied auf das Duell ge- sniigeii. Wir veriocchscln eine Stiidentenmeiisnr nicht mit Duellen. Herr Cnny bat das Säbeldiicll geradezu verherrlicht. Eine Strafversetzung halten»vir für ein liilgeeignetes Strafmittel. Nicht»iir der Versetzte»vird bestraft, sondern auch der Ort. Hagen ist jetzt Strafkolonie geivorden. Dagegen sollten die dortigen Jlistizbeamten protestiere»».— Die Erlveiternng des ErpressnngS- paragraphcu bedauern»vir sehr. Wir bckomineu darin ein Seiten- stück zun» Groben Ilnsiigparagraphcn. Der letzte dilrch die Presse gegebene Fall ist geradezu»»»gchcnerlich. Mit demselben Rechte könnte mm» die von» Bunde der Lmiinvirte ausgehendeii Boykoltiernngcn unter den Begriff der Erpressung bringen. Jnstizininister Schönstedt: Ich habe keine Handhabe zur er- »veitertcn AuSlegimg des ErpressnugSparagraphen gegeben. DaS Reichsgericht wird ja jetzt i» den» beireffenden Falle sprechen. Hierauf vertagt daS HauS die Wciterberatnng auf Dienstag 11 Uhr. Schluß Wi Uhr._ GewevkschÄftltches. Berlin»nd Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik bei der Firma Z f ch a n e r. Nemidersiraße, ist aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband. OrtSverwaltung Berlin. Deutsches Reich. Tie öffentliche Berfamnilung des GcwerkschastskartcttS in Halle ist— entgegen den klaren Bestimninngen des Vcreinsgcsetzes — ebenfalls aufgelöst ivorde». Wie nnsreii Lesern eriuiierlich sein Ivird, erfolgte vor etiva acht Tage» die Auflösung der Kartellsitzung, »veil die Polizei die Meinung vertrat, daS GcwerlschaftSkartell sei ein politischer Verein in» Sinne deS§ 8 und an seinen Versa»»»»»- lungen dürften deshalb keine„Frauenspersonen" teiluhemen,»vie es in dem 8 8 geschmackvoll heißt. Gegen diese Ailflösnng ist Beschwerde eingelegt. Da aber die Sitzungen des Kartells bis zur Erledigung der Bcichwerde»iiimöglich ausfallen konnten, griff man> zu den» AnSlunstSinittel,»ach§ 1 des VereinSgesetzeS eine öffentliche Ver- sanimlniig einzubernfe», in der nach de»»» Gesetz auch Frauen Zutritt habet». AlS jedoch die öffentliche Versmninlnng eröffnet und das Bureau in üblicher Weise geivählt war, verlangte der anivesende Polizeikoi, unissar Wieden»»» die Entfernung der Frauen. Der Vorsitzende zeigte ihn» die polizeiliche Bescheinigung, mif welcher ausdrücklich die Au- »neldling einer öffentlichen Versmninlnng bestätigt»vorden iviir, ober ohne jedes weitere Wort und ohne irgendivelche Begründung löste der Beamte die Bersaiinnlmig auf, nachdem ohne Debatte sei» Verlangen auf Entfernung der Franc» eiiistmiinig abgelehnt worden war. Die Massen-AnSsperrnng der Textilarbeiter. Die Lage in» Greizer Fndnstriebezirk nimmt immer ernstere Forme» an. Es sind Komniissioiie» geivählt, welche alle weiteren Schritte zu thm, habe»,»im die U» t e r st ii tz u n g s- A>, g e l e g e n h e i t und die Arbeiterkontrolle zu regeln. AnS den» Streikfonds stehen de» streikenden und ausgesperrten Arbeitern gegen» wärtig 85 000 M. zur Verfügung, doch wurde bekannt gegeben, daß weitere Unterstütz,»,»gen vom Centralverbande der Textilarbeiter und von verschiedeuen deutschen Geiverk» schaften soivohl des In- als mich des Auslandes zu erivartei» seien. AnSgcsperrt sind rund 3000 Arbeiter au 6500 Webstühlen. I» der großen Arbeiterversanimluiig wurde noch beschlossen, KomiiccS zu wählen, die mit den 17 einzelnen Fabriken verhandeln solle». Der Ober- Bürgenncister von Greiz ersuchte den Leiter der betreffenden Versammlung um eine Besprechung. Man glaubt, es seien weitere EinigungSverhan dl unqen im Gcmge. Die Scharfmacher im Fabrikanteiiuerein thmi alles, um eine Eiili�ung zu hintertreiben. Wie jetzt aus der geheime n Sitzung bekannt wird, soll die Anssperrnng nur mit einer Stimme Majorität be- schlössen worden sein. Als Streikbrecher fungieren überall die C om p t o i r- A n g e st e ll t e»! Das Streikkomitee fordert die Arbeitenden ans, keinerlei Arbeit für solche Firnren anzlifertigen, die ihre Arbeiter ausgesperrt haben und nnn die Arbeit an andre Fabrikanten weitergeben. Die vogtländische Textilfabrikanten-Vereinignng hatte be- schlössen, sämtliche Kamnigarnlvebereien in Reichenbach, Mylau, Netzschkau, Elsterberg und Meerane zu schließen, wenn die Arbeiter der Firma Gebr. Chevalier in Mylau nicht wieder zur Arbeit zurückkehrten. Die Aussperrung hätte etwa 6000 Arbeiter betroffen. Diese Gefahr ist nun vermieden. Bor dem Gewerbegericht in Mylau kam eine Einigung zu stände. Die Fabrikanten versprachen, nicht den Fabrikanten-Tarif, sondern den bereits bewilligten höheren Tarif zu zahlen; darauf nahmen die Arbeiter am Sonn- abend die Arbeit wieder auf. Sämtliche Korkarbeiter der Firma Fürther u. Ehrlich in München haben wegen wiederholter Lohnrcduktion die Arbeit niedergelegt. Ausland. Die„Llot)d"-Heizer in Trieft haben die Arbeit wieder ans- genommen. Das Schiedsgericht setzte fest, daß die Arbeitszeit in den Häfen zehnstündig, während der Fahrt achtstündig mit zwei- stündiger Ruhepause sein soll, daß Uebcrstunden besonders vergütet werden und daß der Wachtdienst für die Heizer auf das notwendigste beschränkt wird.— Aussperrung der Bauarbeiter i>» Rnisterdaiu. In einer kombinierten Versammlung der Arbeiter des Baugeiverbcs, die am Sonnabend stattfand, wurde der Vorschlag der Unter- n e h m e r, die Arbeit vorläufig aufzunehmen und dann ein lieber- einkommen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu treffen, ein- stimmig verworfen, den Unternehmern dagegen die Bildung einer ans Vertretern beider Parteien bestehenden Kommission zur Beseitigung der Differenzen in Vorschlag gebracht. Der Streik der Metallarbeiter der Werfte» von Livorno ist zu Gunsten der Arbeiter beendet. Er war ciitstauden durch die Entlassung einer Anzahl Arbeiter unter dem Vorgeben, es mangele an Aufträgen; in Wirklichkeit handelte es sich um Maßregelungen. Jetzt hat der Bürgermeister von Livorno de» Konflikt durch Schieds- sprnch beendet. Der Kampf hat drei Monate gedauert und kostet dem Verband der italienischen Metallarbeiter 22 000 Fr. Lohnbewegung der Bäcker in Göteborg lSchweden). Seit längerer Zeit fanden zwischen den Vertretern der Bäckergesellen und -Meister in Göteborg Verhandlungen zivecks Aufstellung eines neuen Tarifs statt. Wie am Freitag von dort gemeldet wird, sind die V er- Handlungen gescheitert. Die Meister drohen mit einer all- gemeinen A n s s p e r r u n g. Tic italienische» Eisriibahttaugcstelltcu hielten in Pisa, Genna, Siena, Florenz und Pavia zusammen mit Vertretern der Arbeitskammern Massenversammlungen ab und.nahmen einstimmig eine gleichlautende Tagesordnung an, welche die Zugeständnisse der Gesellschaft als ungenügend verwirft und Gewährmyl aller Forderungen bis 1. März verlangt. Der Mailänder Centralausschuß ermahnt die Angestellten zur Ruhe und ordnet eine General- Versammlung aller Organisationen auf den 4. März an, in welcher über die zu erwartende Antwort aller Gesellschaften endgültig Be- schlnß gefaßt werden soll. Die Regierungsblätter äußer» die Hoff- Nimg, daß die Differenzen bis dahin erledigt sein werden. Der Metallarbeiterstrcik in Barcelona, der angeblich schon beendigt sein sollte, dauert noch fort. Die Lage wird sogar immer bedenklicher; die Zahl der Streikenden wird auf ungefähr 10000 geschätzt. Am Sonnabend kam es wieder zu Zusammenstößen. Mehrere Arbeitgeber sollen verwundet sein; die herbeieilende Polizei tvurde mit Steinivürfen und Revolverschüssen.mpfangen. I» de» Salzwcrke» von San F.'ruando iSpanien) sind die Arbeiter ausständig geworden. Gelegentlich einer Demonstration kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Streitenden und der Polizei. Das Militär ist mobil gemacht und viele Verhaftungen sind vorgenommen worden._ Der Dnellprozetz Falkenhagen. Der Domänenpächter F a l k e n h a g e n. der am 16. Januar dieses Jahres im Saupark von Springe den Landrat v. Bennigsen im Duell erschossen hat. ist gestern vom Schwurgericht Hannover zu sechs Jahre» Festungshaft verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte acht Jahre beantragt. Der Verurteilte erklärte in der Ver- Handlung, daß er auf das Rechtsmittel der Revision verzichten und die Strafe sofort antreten wolle. Aus der Verhandlung sind folgende Momente von Jntcresse: Obgleich nur gegen Karten der Einlaß gestattet>var, drängte sich das Publikum doch in Massen zur Verhandlung. Namentlich waren zahlreiche Damen ans den höheren Gesellschaftsschichtcn unter den Einlaßbegehrenden. Vor Beginn der auf lOVe Uhr festgesetzten Ver- handlnng richtete der Präsident des Schwurgerichts, Herr v. Luntken, an die Vertreter d e r P r e s s e die Anfforderung. alles Sensationelle ans den Vcrhandlungsbcrichten fortzulassen. Der An- geklagte Falkenhagen habe sich zweifellos schwer vergangen und werde seine Strafe finden. Trotzdem aber habe die Presse nicht da» Recht, ihn zu verunglimpfen. Ueber das, ivas der Angeklagte nach dem Tode des Landrats in Berlin gethan habe, seien durchaus falsche Nachrichten verbreitet worden. Die Ermittelungen hätten ergeben, daß alles, was darüber berichtet fworden, nicht der Wahrheit entspreche Unter den Zeugen befindet sich auch die Frau V.Bennigsen, deren Verkehr mit dem Angeklagten bekanntlich die Ursache zum Duell abgegeben hat. Ter Verteidiger konstatierte, daß die Vor- ladung der Witwe nicht auf sein Betreiben, sondern durch die Staats- anlvaltschaft erfolgt sei; außerdem beantragte er. während der ganze» Verhandlung dieOeffcntlichkeit auszuschließen. Er beantragte ferner, von der Zeugenvernehmung der Frau v. Bennigsen abzusehen. Beide Anträge wurden abgelehnt, doch ist auf die Vernehmung der Frau v. Bennigsen, soiveit aus den vorliegenden Berichten ersichtlich. verzichtet worden. In der Vernehmung gab der Angeklagte zu, daß er seit 1900 zur Frau v. Bennigsen in unlauteren Beziehungen gestanden und daß er den Brieftve'chsel mit der Frau auch, noch sortgesetzt habe, als ihr Mann von dem Verkehr Kenntnis erhalten habe. Am 13. Januar sei die Forderung erfolgt, am 16. Januar morgens 8V4 Uhr ging daö Duell vor sich. Es habe nicht die Absicht vorgelegen, daß jemand tot auf dem Platz bleiben solle, doch sei zehnmaliger Kugelwechsel auf 15 Schritt Distanz festgesetzt worden. Er habe vergeblich 10 Schritt vereinbart haben wollen, da Herr v. Bennigsen als guter Schütze bekannt sei und er die Sache ein für alle Mal habe zu Ende bringen wollen. Zuerst habe er die Absicht gehabt, vorbeizuschießen, wenn man aber vor der geladenen Pistole stehe, denke man doch anders. Beim dritten Kugelwechsel wurde Herr v. Bennigsen getroffen. Prä s.: Sie haben auch zugegeben, daß Sie mir den Gedanken gehabt haben, Ihren Gegner leicht zu verletzen, um ihn kampfunsähig zu machen.— Stimmt das?— A n g e k l.: Ja.— Präs.: Was geschah, nachdem Herr v. Bennigsen getroffen am Boden lag?— A u g e k I.: Ich ging bei feite und schickte meinen Schivager, um eine Aussöhnung zu versuchen. Aber der Bruder des Herrn v. Bennigsen, Gouverneur v Bennigsen, lehnte es ab.... Weiter bekundet der Angeklagte: Nach Beendigmig des Duells fei er nach Hause gefahren, habe dann nichrere hundert Mark zu sich gesteckt, um dann nach Leipzig zu reisen, wo Frau v. Bennigsen lueilte. Nachdem er dort seine Geliebte vom Verlauf des Duells in �Leraniwortlichtt Redacteur: Carl Leid tri Berlin, gür dm Snittatcuteti Kenntnis gesetzt hatte, sei er nach Berlin gefahren. Dort habe er seinem Vater von der Affaire Nachricht gegeben und dann auf An- raten des Rechtsanwalts Krause an die Staatsanwaltschaft in Hannover geschrieben. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit größtenteils ausgeschlossen. Nach halbstündiger Beratung fällte der Gerichtshof das oben mitgeteilte Urteil. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus, bei der Strafzumessung sei berücksichtigt worden, daß der Angeflagte das Lebensglück des Landrats v. Bennigsen vernichtet und augenscheinlich die Absicht gehabt habe, seinen Gegner im Zweikampf zu töten. Als strafmildernd komme in Betracht, daß der Angeklagte von der um mehrere Jahre älteren Frau v. Bennigsen verführt worden sei._ Gerichks-Leitung. Urprenßischcs zum Verewsgesetz. Die Auslegung des preußischen VereinSgesetzeS durch untergeordnete Polizei-Organe führt nicht feiten zu den un- glaublichsten Dingen. Ein Beispiel liefert die Verhandlung, welche gestern vor der vierten Strafkammer am Landgericht II stattfand. Der Turnverein„Fichte� hat eine Damenriege, die an einem schönen Sommertage des vorigen JahreS eine Turnfahrt an den Müggelsee unternahm. Einige zwanzig Damen beteiligten sich an der Fahrt, die von dem Turnwart der Damenriege, Herrn D e i b i n g, geführt wurde. Die Riege marschierte in Gliedern formiert iim den See herum und sang dabei lustige Tunierlieder. Wenn nun einige zlvanzig junge lebensfrohe Gestalten in ganz gleichem Turnerkostüm in geschlofsenen Gliedern und lustig singend daher zieht, so erfreut sich jedes Menschen Herz daran. Daher blieben auch alle Spaziergänger stehen, so lange der Zug vorüber ging. Andrer Meinung war ein Gendarm ans Köpenick. Derselbe' nahm umsomehr Aergeniis an dem Aufzuge, als er die Vermutung hatte, daß das Lied, welches die junge Mädcheuschar sang, ein socialdemokratisches sei. Das Lied war ihm fremd, aber er hatte doch eine.Vermutung", die sich in diesem Falle zu einer polizeilichen Kombination answnchs. Ein „socialdemokratisches Lied",„gleichförmige Kleidung",„marschieren zu zwei und zwei hinter einander",„ohne irgend ein KriegervereinS- abzeichcn", das mußte ein öffentlicher Aufzug im Sinne des§ 10 des Vereinsgesetzes vom lt. März 1350 sein, welcher„öffentliche Aufzüge in Städten und Ortschaften oder auf öffentlichen Craßen" denjenigen Versammlungen gleichstellt, welche der Polizei- lichen Genehmigung bedürfen. Also hielt der Gendarm de» Zug an riiid stellte die Personalien des Führers fest, die ihm bereitwillig und höflich gegeben wurden. Darauf folgte Anzeige, Anklage und— unglaublich, aber wahr— Verurteilung durch das Köpenicker Schöffengericht. Es wurde Berufung eingelegt, die Rechtsanwalt Roth vertrat. In der Verhandlung vor der Strafkammer vermochte der Gendarm außer seiner Vermutung, daß ein socialdemokratisches Lied gesungen worden sei und daß der Aufzug auf öffentlicher Straße den Verkehr gestört habe, weil die Leute stehen geblieben seien, als der Zug passierte, absolut nichts anzuführen, was den Aufzug als eiiien solchen darstellen konnte, der unter das Vercinsgesetz fällt. Der Staatsanwalt beantragte daher selbst die Freisprechung. Der Verteidiger Rechtsanwalt Roth beantragte aber weiter, die Kosten der Verteidigung ebenfalls ans der Staatskasse zu ersetzen, da die Auklage jeder'Begründung entbehre. Der Vorsitzende, Land- gerichtsdirektvr D ü tz. verkündete das Urteil dahin, daß der Ange- klagte freizusprechen sei und ihm alle notwendigen Auslagen aus der Staatskasse zu ersetzen seien. Es fehle hier jedes Thatbestandsmerknial. Mit demselben Rechte müßten Radfahrer, die in gleichmäßigen Sport- kostümen hintereinander herfahren, Mädchen-Pensionate, die einen Spaziergang machen, oder Coulcur-Studenten, die in ihren Farben durch die Stadt ziehen, unter das VereinSgesetz gebracht werden. Niemand nehme daran AergcrniS. Bei der Neugierde, die in Berlin und Umgegend herrsche, sei es selbstverständlich, daß die Leute stehen bleiben, ivenn sie etwas Fremdartiges sehen. Leberwurst uiit Mehlzusatz. Von einem ganz neuen Gesichts- punkte ans verurteilte gestern die 131. Abteilung des Schöffengerichts einen Schlächtermeister, welcher der von ihm angefertigten Leberwurst etwa 3 Proz. Mehl zugesetzt hatte. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß die Lebern bisw-ilen von einer Be- ichaffenheit seien, daß sich eine zusammenhaltende Wurst nicht daraus herstellen lasse, ohne daß man die Lcbeni deshalb als minderwertig bezeichnen könne. Es sei deshalb der Mehlzusatz ein all- gemeiner Gebrauch geworden. Die Sachverständigen, Gerichts- chemikcr Dr. Juckenack und Dr. Bischoff,' begutachteten. daß die Wurst dem Publikum dann wenigstens als„mehlhaltig" offenbart werden müsse. Der Staatsanwalt berief sich auf ein Erkenntnis des Kammergerichts, tvonach jeder Mchlzusatz strafbar sei, er beantragte gegen jeden der Angeklagl.n eine Geldstrafe von 20 M. Der Verteidiger, Rcchtsantvalt Röhrig. wies darauf hin, daß das Gesetz betreffend NahrungöinilM- Fälschung im vorliegenden Falle keine Aliwendung finden könne, da weder ein VcrmögenSvorteil seitens des Fabrikanten noch eine Täuschung deS Publikums vorliege. Der Mehlzusatz sei ein zlvingendes Bedürfnis. Wie ihm vcn Fachleuten mitgeteilt sei, rühre die Wässrigkeit der Leber von der überschnellen Mästung der Schweine her.� Früher wurden die Schweine erst nach einem Jahre geschlachtet, jetzt bringe nian sie durch Mästung mit künstlichen Fiitterniitteln innerhalb 8 Monaten zur Schlachtreife. Die Schlächtenneister und Händler würden durch die Polizeiverordnung thatiächlich in arge Bedrängnis gebracht. Der Gerichtshof nahm an, daß nicht subjeksiv, sondern nur objektiv eine NahrmigSmittelsälschung vorliege und verurteilte den Angeklagten wegen groben UufugS<§367 Abf. 7 Nr. OB, Verkauf verfälschter Nahrnngsmiltcl) zu einer Geldstrafe von 5 M. VevlawnUnngvn. Ueber„VolkSheer oder stehendeS Heer?" sprach Reichstags- abgeordneter Bebel am Sonntag in einer aiißerft zahlreich besuchten Völksversammlmig in den Germaiiia-Prachtsälen. Bereits lange vor Beginn der Versammlung füllt? sich der große Saal, und als der Redner Punkt 12 Uhr daS Wort nahm, war auch der letzte Platz besetzt. Genosse Bebel wies in seinem von umfaslender Sach- keimtnis zeugenden Vortrage nach, wie so oft im Laufe der Geschichte sich in kurzer Zeit organisierte Volkshcere den nach militärischen Grundsätzen mit vieler Mühe ausgebildeten stehenden Heeren über- legen gezeigt haben, und übte dann eine scharfe Kritik an der Ausbildung die misrcn Soldaten zu teil wird, an dem Kasernen- drill und an' der Ansnistuug»üt den blinkeuden Uniformstückcn. die einen trefflichen Zielpunkt für den Feind bieten. Eine wirklich zweckmäßige Ausrüstnng und Ausbildung würde nebe» allen andren Vorteilen'auch eine ganz erhebliche Ersparnis herbeiführen, was bei dem großen Deficit der Reichskasse immer mehr zur Notwendigkeit wird.' Der Redner legte des weiteren ausführlich dar, welche außer« ordentlichen Vorzüge' das Milizsystem nicht allein hinsichtlich der Wehrhaftigkeit desVolkeS. sondern auch hinsichtlich der Wahrung und Aufrechtcrhaltmig demokratischer Institutionen bietet, und auf die politische Lage, besonders auch auf die Verhandlungen über den Zolltarif und die nächstjährigen Wahlen hinweisend, kommt er zu dem Schluß, daß die Bahn für die Ideen der Socinldemokratie frei ist, und baß es nur. gilt, zu arbeiten, um unsern Ideen zum Siege zu verhelfen.— Dem Bortrag folgte stürmischer Beifall. Mit Hoch« rufen auf die Socialdemokratie wurde die Bersamnrlung geschlossen. Lohubctaiegung der Kleber. Eine Versammlung der Kleber tTapezierer). die am Sountagvormittag tagte, nahm Stellung zu der Lohnfrage. Vor Eintritt in die Tagesordnung läßt der Vorsitzende, um einen Uebecblick über die Beschäftigung zu finden, die gegen- wärtig Arbeitenden sich von den Plätzen erheben; eNva die Hälfte erhebt sich. Der Referent S t r a s s e r sowie die nachfolgenden Redner vertreten die Anficht, daß nunmehr mit der Lohnbewegung veraiilwortlich: Th.«locke w Berlin. Druck und Verlag von Mar Badii nicht länger mehr gewartet werden dürfe. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„Die Versammlung der Kleber beschließt, daß am Montag, den 17. Februar, morgens vor Beginn der Arbeit auf allen Bauten oder in Werkstätten, wo Kleber beschäftigt sind. resp. in Wohnungen der Unternehmer, der von der öffentlichen Ver- sanimlung am 6. Februar d. I. angenommene revidierte Lohntarif — dem von 1000 entsprechend— den Unternehmern zur Unterschrift vorgelegt wird. Wo derselbe nicht durch Unterschrift anerkannt wird, ist die Arbeit sofort niederzulegen und haben sich sämtliche Kollegen unverzüglich im Streikbureau zur Kontrolle zu nielden. Wo der Tarif bewilligt, ist derselbe im Laufe des Tages der Lohiikommission zuzustellen. In einer am Dienstag, den 13. Februar, nachmittags, stattfindenden Versammlung der Kleber soll dann ausführlicher Bericht über Annahme oder Ablehmmg der Forderungen gegeben werden. Auch werden daselbst©treil'legitiinatioiieii resp. Arbeits- berechtigungs-Karten ausgegeben. Sämtliche Streikende haben sich täglich vormittags von 9—11 und nachnnttags von 2—4 Uhr im Streikbureau. Schützenstr. 18/19 Restaurant Pinzervir,„das Volk der Denker", an der Ausübung der uns verfassungsmäßig gewährten Rechte und Freiheiten behindert sind durch die Zwangsjacke in Gestalt verschiedener Gefetze. Eine Diskussion über den Bortrag wurde nicht beliebt. Ausgenommen wurden 67 neue Mitglieder und die Aus» nähme eines Ncngemcldeten wurde beanstandet. Urtzke Ltachrtttzten und Drpeschen. Die Stt«ation in Trieft. Trieft, 17. Februar.v u r d e. Unter den Verhafteten befindet sich der b.kanntc' Anarchist Josef Rovigo. Der Wiener Scharfrichter Lang ist samt zwei Gehilfen hier eingetroffen. Die KrieHöfchiffe„Wien" und „Monarch", sowie ein Hochsee-Torpedoboot sind in den hiesigen Hafen eingelaufen. Brauuschweig, 17. Februar.(W. T. B.) Im Nachbarorte Lehn- dorf wurde, wie die.Braunschweigische Landeszeitung' meldet, eine Falschmünzer- Werkstatt entdeckt. Ein Schlosier, der dort falsche Zweimarkstucke anfertigte, und seine zwei Helfershelfer wurden ver- PariS, 17. Febr.(W.T.B.) Auf dem großen Kanal' des Versailler Stadtparks sind gestern sechs Personen beim Schlittschuhlanfen eingebrochen, fünf wurden gerettet, ein Jnsanterie-Osfizier ist er- trunken. Toulon, 17. Febr.(W. T. B.) Der MarseillerDampfer „Pionier" ist gestern Nacht auf einen Felsen in der Nähe des Kap Taillat aufgefahren. Das Wasser drang in den Kielraum. in welchem acht Tonnen Calciumcarbid lagen, das infolge dessen entwickelte Acetylen verursachte eine große Explofio», durch Ivelche ein Teil des Schiffes zerstört und der Kapitän und ein Reisender getötet wurden. Die übrigen Reisenden und die Mannschaft konnten gerettet werden. Rom, 17. Februar.vc»»»nan iveiter erfährt, daß der gänzlich blinde Mann den Reservelientenant Thiel fordert und einen befremideten Offizier bittet, als Kartellträgcr zu fungieren. Ter Kartellträger siebt ein, daß Lnthnier sich nicht duellieren kann, und schreibt deshalb an Thiel ciiicu Brief, worin er ihm vorwirft, daß er»vider besseres Wissen falsche Aussagen abgegeben habe. Der Kartelliräger erivartete, daraufhin von Thiel gefordert zu iverden. Thiel aber lehnt das Duell mir Luthmer ab und denunziert den Kartellträgcr beim Obersten. Doraushiu rrilt ein militärisches Ehrengericht zusaumicu. Thiel erhielt g l a t e n Abschied, der Korlellträger aber einen Verweis, iveil er einen Kameradcu vorsätzlich beleidigt habe. Dies Urteil bringt Luthmer noch mehr auf, iveil sein Freund siir eine nach seiner Auffassung korrekte und ehrenhafte Handlung bestraft tvordcn ist. Der Haiiptlnonu L»ilhmcr hat iveiter eine Klage auf Schadensersatz auf Grund des coäo civil erhoben. Auf Antrag der Gegenpartei wurden die gehcinien KricgSaklen bei dem GerichlStermin zum Vortrag gebracht. LuthmerS Kritik an dieieu Akten ist die denkbar schärfste und, wie ich nicine, gerechtfertigt. Nunmehr hat das L a n d e s g e r i ch t, daS Oberlandesgericht und da» Reichsgericht zu Gunstrn Lnthmcrö entschiede». Thiel ist zu vollem Schadensersatz verurteilt Beim Urteil des Civilgerichts fällt anf, daß es durch eine iveit größere Sachkunde und Objektivität in Militär- lachen sich auszeichnet als das des Kriegsgerichts. EtivaS ähnliches haben ivir ja auch beim Fall Stietencron erlebt. Das Militärgericht sprach Herrn von Stietencron frei, weil er in der Not- lvchr gehandelt hat. Das C i v i l g e r i ch t aber verurteilte den Stietencron zu einer Entschädigung an die Eltern des Erschossenen. In dem Urteil der Civilgerichte im Fall Luthmer wird ausdrücklich hervorgehoben, daß sein Unfall nicht durch»in- vorsichtiges Verhalten von ihm herbeigeführt worden sei, sondern daß er gar»icht anders Handel» kouute. Der Fall ist in der Presse wiederholt erörtert worden. Es ist im Jahre 1898 von dein General- Auditenr Ittenbach und dem RriegSminister die Sachlage ganz falsch dargestellt ivordeii, und deshalb hielt ich»nrch für verpflichtet, nachdem der Spruch des Reichsgerichts vorliegt, Herrn Lnthmer von den Schatten, die auf ihn geworfen sind, zu befreien. Herr Leuzmann hat hier eine Resolution über das Duell eingebracht. Bei verschiedenen Gelcgeiihcileii haben Ivir bereits deutlich Slellnng zu der Frage gellonimeu. So lange daS Duellunwescn von feiten des obersten Kriegsherrn geduldet, so lauge es nicht vom obersten Kriegsherr»»»it aller Energie verboten wird, so lange ist nicht daran zu denken, daß eS aus der Armee verschwindet. Würde der Duellant nicht imr bestraft, sondern mit schlichtem Abschied eutlasscu— und der schlichte Abschied»uird oftmals au« viel nerüigfügigerei» Ursachen verhängt—, so hätten wir das allerbeste Mittel, um das Duell ans der Armee zu beseitigen. Daß das Duell mit der Religion, der Moral und dem Strafgesetzbuch in Widerspruch steht, ist schon hundertmal nachgewiesen worden. Das Charakteristische ist eben. daß das Duell trotz dieser Aiischanungeii von oben herab geduldet, ja unter gcivisse» Umstände», für notwendig erachtet wird. Ivie die kaiser- liche Verordnung vom 1. Januar 1897 beweist. Will der Reichstag Remedur schaffen, dann wird er zu viel schärferen Mitteln greife» müssen. Unter den Fällen, die in der letzten Zeit die öffentliche Meinung stark beschäftigt haben, finden sich viele, in denen der Alkohol eine sehr erhebliche Rolle gespielt hat. Man sagt, daß die Armee ein besonders feines Ehrgefühl besäße. Die Offiziere sind als e r st e r Stand i»u deutschen Volke bezeichnet worden. Bei einer solchen Qualifikation sollten die Mitglieder diese» Standes sich doch dieser Stellung bewußt zeigen und sie durch ihre Handlungen wahr machen. Das ist aber nicht der Fall, wenn sie inr Zustande sinnloser Trunkenheit Exe esse verüben, die schließlich zu Duellen sühre». Ich bin gewiß kein Sittenrichter, ich lasse das Wort gelten:„Jugend h,Fmt Tugend I". aber alles hat seine Grenzen. Die Dinge gehen weit. I» Potsdam— diese zweite Residenzstadt Hai sich sehr oft durch militärische Excesse ausgezeichnet— hat Mitte J.�j der Lieutenant v. Eichel- Streiber vom III. Garde- Ul�,. Regiment bei einein Liebesmahl im Casino eine Wette ent', Zunächst hat er mit einem Kameraden gewettet, daß er in zehn at nuten ein SchnittglaS Cognac austrinken könne. Als d., Wette ausgetragen war, hat er weiter gewettet, daß er eine g a n, Flasche Cognac auf einen Ruck austrinken könne. Er hat d gethan und rst dann besinnungslos in sein Zimme gebracht worden. Dort soll man vergessen haben, ihm de: Uliiformkragen aufzuknöpfen und er ist dann buchstäblich erstickt. Gewiß findet sich die Trimksncht auch in andern Kreise», auch im Arbeiterstaiid. Aber welche moralische Entrüstung macht sich dann in der bürgerlichen Presse über die Arbeiter breit. In diesem Fall habe ich von einer solchen Entrüstung nichts bemerkt. Handelt es sich doch gerade um die Edelsten der Nation I Anfang vorigen Monats sind dann durch die deutsche» Zeitungen die Verhnndlungsberichte und das Urteil gegangen, daß in Rends- bürg gegen den Lieutenant V. Hollmanw gefällt worden ist. Er ist zu einem Monat und mehreren Tagen Gefängnis verurteilt ivorden wegen schweren Hausfriedcnbruchs und anderer Excesse. Im November hat er sich im Zustande siimloser Trunkenheit anf der Straße befunden und dort die ihm zur Last gelegte» gesetzlvidrige» Haiidlinigen begangen. Ich Ivundere mich nur, ivie»uter diesen Umständen ans eine so niedrige Strafe erkannt werden konnte. Bei Vergehen gemeiner Soldaten tvird Trunkenheit stets als st r a f v e r s ch ä r f e u d angesehen und dasselbe Ver- gehen»vürde einem gemeinen Soldaten mindestens fünf Jahre Festungshaft eingebracht haben. Wenn wir sehen, daß bei dem geringsten Snbordinations-Ver gehen, nameiitlich wenn eine kleine Thätlichkeit dabei eine Rolle spielt, die furcht- barste» barbarische» Strafe» gegen gemeine Leute erkannt iverden, während bei den ärgsten Excesse» von Offiziere» die Kriegs- gerickte sich mit verhältnismässig geringen Strafe» begnügen, dann kann man allerdings auch hier von Klaffcnjlistiz sprechen. (Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Ich komme nun mit einigen allgemeinen Bemerkungen zu den M i l i t ä r m i ß h a n d l u n g e n. In, vorigen Jahre erklärte ich, ich hätte den Eindruck, daß infolge der fortgesetzten Kritik dieser Mißhmidliiiigeii von der Tribüne des Reichstages ans eine Verminderung der Mißhandlinigen eingetreten sei. Im Gegen- satz zu mir vertrat mein Parteigenosse Kunert die Ansicht, daß sich im Gegenteil die Zahl der Mißhandlungen vermehrt habe. Ich muß nun heute gestehen, daß ich damals»»recht»nd mein Frenud Knnert recht hatte.(Hört! hört l bei den Socialdeino- traten.) Es sind im Lauf dieses Jahres eine solche Maffe vo» Militäriniffhandlnngcn vor den Militärgerichten verhandelt und infolge des öffeiitlicheii Verfahrens bekannt gelvorden, daß »»au wirklich in den weiteste» Kreisen des deutschen Volkes darüber im höchsten Grade entrüstet, aber auch erstannt gewesen ist. Selbst die„Berliner Neuesten Nachrichten"»mißten konstatieren, daß eine geradezu entsetzliche Zahl von Mist- Handlungen an den Tag gebracht sei. Dabei ist in diesen Prozessen iviederholt zum Ausdruck gekommen, daß in einer grostc» Anzahl vo» Fällen»icht Anklage erHobe» wird, weil d i e L e u t e nicht den M n l haben, sondern fürchten, daß nach dem Prozeß die Misthandlungcn sich noch steigern iverden. DaS muß natürlich die Vorgesetzten geradezu aufs neue an- reizen, ihrerseits erst recht mit Mißhandlungen vorzugehen, iveil sie glauben, vor Strafen sicher zusein und man kann mit' Recht behaupten, daß die wirkliche Zahl der Soldatenmihhandlinige» eine weit gröstere ist, als sie durch die Verhandlung zur öffent- lichen Keimtins gelangt ist, und daß Ivir gar keine genaue Uebcrsicht über die ivirklicheu Znslände in der Armee haben. Es sind eine ganze Anzahl von Fällen so roher und barbarischer Art vor- gekomnicu, daß mal» sich wirklich frage»»iinß, wie eSi möglich ist, daß ain Anfang deS 20. Jahrhunderts in einer Zeit hoher Entwicklung anf allen menschlichen Ge- bieten solche Roheiten voikoinmen köinieu. Da müßte esi die erste und vornehinste Aufgabe der Militärverwaltnnfl fei»,: alles, was ihr irgend zu Gebote steht, aufzubieten, um lvcmgstens i diesen geradezu barbarischen Roheiten ein Ende zu mache»! Ich will nun einige Ivenige charakteristische Fälle Heransgreifen. So hatte ein Unteroffizier in der 11. Division in Breslau einem; Untergebenen an einem Sonntagmorgen sämtliche Knöpfe. vom Rock gerissen, ihn genötigt, im Badekostüm dazu-! stehen, ihn mit der Hose um den Kopf geschlagen, ihm die Kleider; zerschnitten und dann besohlen, dieselben zu recht zu nähen und sich feldmarschmäßig anzukleiden. Um 9 llhr morgens z c r s ch n i t t er ihm dann nochmals die Kleider und ließ ihn wieder alles zunähen. Der Mann ist angeklagt und in 63 Fällen der Misthandlung überführt. 260 Ohrfeigen, Schläge mit dem gezogenen Seitengewehr»mirden ihm nachgewiesen und für alle diese Mißhandliuigcn ivurde er mit neu» Monate» Gefängnis bestraft, allerdings auch wohl degradiert. In einem andren Fall ivurde ein Offizier bei dem 2. Armeecorps lvegen Mißhandlung eines Untergebenen, die den Tod deS- selben zur Folge hatte, zu einen» Jahre und nirhrere» Monaten Gefängnis»nid Degradation verurteilt. In einem Fall in Stettin wurden einem Unteroffizier 97 Fälle der schweren Misthandlnng seiner Iliitergebcneu»ach» gewiesen. Er wurde mit acht Monaten und Degradation bestraft, auch vcrgleichSivcise eine änstcrst milde Strafe: In Oldeiibni-g wurden bei der 6. Compagnie des 1. oldeuburgifchen Infanterie- Regiments Nr. 93 eiiicin Unteroffizier rund 106' Fälle von Mist- Handlungen nachgcivicsen. In einem Falle hatte er seiner Korporalschaft beim Fclddieust befohlen, sich auf den Rase» zu lv e r f e u und iv i e die Kühe G r a S zu fressen. ES ist unglaublich, daß die Leute den» Befehle Folge leistete»; hätlen sie eS aber nicht gethan. so»vürde» sie natürlich lvegen Insubordination hart bestraft worden sei». Der- selbe Unteroffizier ließ einen Mann durch seine Kameraden in nacktem Zustande mit Besen»nd mit kaltein Wasser abbürsten. Einen Seemann stellte er in ein Spind, ließ ihn eine Stunde darin stehen und zivang ihn, das Lied zu singe»:„Was nützet dem See- manu sein Geld."(Heiterkeit.) Ei» andrer ist erst durch die social» demokratische Presse bekannt gelvorden mid, wie ich weiß, ist nach- lräglich im kriegSgetichtlichen Berfahreu die Bestrafung des Unter- offiziers erfolgt. Ein Musketier erschien unrasiert vor der Äorporalschaft. Der Unteroffizier schreit ihn an:„Du Schwei», ich»verde Dich schon rasieren!" nahm sei» Taschenmesser u i, d riß und kniff ihm d i e B a r t h a a r e aus. Während dieser Prozedur kommt ein Sergeant dazu und sagt:„Das müssen Sie macheu. ipie ich eS gemacht habe." Er zündet ei» Streichholz an und hält eö brennend dem Mann unter Kinn »»d Backe».(Hört! hört! bei de» Socialdemokraten.) Das ist! doch ein Akt ganz seltener Roheit I Wo sind denn die Leute. eigentlich geboren und wie sind sie erzogen, wenn sie solche Roheiten begehen können. Beim 6. schlcsischen Jnfanterie-Negiiiient wurde' ein Hauptmann C o u r e i ch in 63 Fällen wegen vorschriftS- »vidriger Behandlung Untergebener zu 3 Monaten Festung ver- urteilt. In Zi ltau erhielt ein anderer ll Monate Festungshaft, iii Dortninnd 1 Jahr 3 Monate. In letzterem Falle handelte es sich um ein Sittlichkcttsvergchci»»nd es ist zu koustatiercu, daß solche Ver-' brechen in der Armee ganz anstcrvrdcntlich milde behandelt »verde«; wenn es sich um Vorgesetzte handelt. erfolgt in der Regel Begnadtgnng. Interessant ist die Broschüre eines bayerischen Oberst v. Hichnolo, der konstatiert, daß die mili- tärischeu MißhandUmgeu namentlich seit dem deutsch- französischen Kriege in hohem Grade zvgeuomine» hätlen. Weuigstcus seien toeifenifdjc Armee behauptet er daS. ES wird notwendig sein, Die Scharfnn auf die Gründe hierfür einzugehen. Zunächst nock eine zu hintertrett- Die Zustände in der Armee haben zur Folge, daß die wird, soll l D e s e r l e n r e alljährlich eine sehr erhebliche ist. Diese sdblosie» ir« üehen zum größten Teil in die französische Fremden- G o in u w ci"c,n der.Neuen Zeit" Nr. 39 vom Jahre airu,it„„s der auf eine Schrift eines französischen Komma»- »roeireiu Frcnidenlegion basirt, wird mitgeteilt, dte ihre e Fremdenlegion zu 4ö Proz. aus Elsässern und miS 12 Proz. Fabrika Angehörigen des übrigen Deutschlands besteht. Zahl- � deutsche Deserteure befinden sich außerdem in der schlosf��'•®ciöic". in Holland, in England usw. 5».faf,yei c5>vohl»och zu wenig, lvenn' in jenem �eglsikel die Zahl der Deserteure von 1871—1897/98 auf öer � Stärke eines vollständigen Armeccorps geschätzt wird. Der Dienst zun der Fremdenlegion ist sicher kein leichter und da ist es besonders Di?arakteristi>ch, daß trotzdem die Leute lieber dorthin gehen, Mtls in Deutschland ihre Militärzeit zu ab« nsi o l v i e r e n. Die Zahl der Sterbcfnlle in der Fremdenlegion j; ist sehr groß, alljährlich werden 4—080 Totenscheine von deutschen ( Ntcichsangchörigcn von dem französischen Auswärtigen Amt dem deutsche» auswärtigen Amt übernuttelt. Nehmen wir auch, nur 488 an, so inacht das in 38 Jahren nicht weniger als IS VOV Dcutsche. die in der Frrmdcnlkgio» starben, daS ist doch ein erschrecklicher Verlust an Nationalkraft! Ein mit den Verhältnissen vertrauter Mann sagte mir, daß im Dezember sich in Paris 328 dentschc Deserteure beim Gcneralkomniando gemeldet hätten. Die zahlreichen Militärmiß- Handlungen und die Thatsachc, daß so viel Soldaten desertieren, hätte schon längst die iviilitärvcrivaltung veranlassen müssen, zu der Frage Stellung zu nehmen. Wie kann diesem Ilcbcl entgegengetreten werden? Mit hohen Strafen ist dagegen nichts zu machen, diese Vcr- gehen werden sich nicht ausrotten lassen, lvenn nicht die Fehler deS Systems selbst beseitigt werden. Wenn wir Socialdcmokraten hier von dieser Tribüne aus die Mißbränche in der Armee einer Kritik unterziehe», so ist für viele die bloße Thatsache, daß cS Socialdcrnokratcn sind, die diese Miß- stände geißeln, genügend, um» n s r e Kritik zu bekämpfen. Immer heißt es. wir wollten doch nichts andres, als die Armee diskreditiere». Aber auch aus militärischen Kreisen selbst, sogar ans OffizicrSkrciscn mehren sich die Stimmen, die sagen: Das System, das wir gegenwärtig verfolgen, ist durch und durch falsch und verderblich. Wenn Oberst Signolo die Behauptung aufstellt, daß seit dcni Kriege von 1878/71 die Mißhandlungen in der Armee in hohem Grade zugenommen haben, so hängt das zusannnen mit den von Jahr zu Jahr erhöhten Anforderungen, die an die Ans- bildung von Soldaten, Sergeanten und Ilnlcrosfiziercn gestellt werden. In den letzten drei Jahrzehnten sind die Anforderungen an die Ausbildung der Mannschaften ganz kolossal gc- stiegen, zum Teil durch die total veränderten Kriegs- und GefechtS-Ver Hältnisse, die eine Folge der technischen Entlvicklung in der Armee sind. Auf der andre» Seite aber wird noch eine ganze Masse veralteter, ü b e r Iv n n d c n e r und ganz überflüssiger Anforde- rungen an die Soldaten gestellt. Schon seit Ih» Jahrzehnten wird von den sachverständigsten Leuten aus der Armee in Schriften und Aufsätzen lebhaft darüber Beschwerde geführt, daß der Armee noch heute eine Menge von Dingen zugemutet werde, die infolge der niodenicn Entwicklung des Kriegswesens als total ü b er- flüssig anzusehen sind. Dazu gehört alles, was man als„G a ni a s ch c n d i e n st' zu bezeichnen pflegt, der Stechschritt, der Parademarsch usw. Die blanken Metallbestandteile der Uniformen hat man ja für den chinesischen Krieg beseitigt. Bei der kolossalen Tragweite der niodcrncn Geschütze wird eS künftig ganz unmöglich sein, einen Krieg mit nnsren blanken Helmen, den weithin leuchtenden Metallknöpfen usw. zu führen. Wenn ein großer europäischer Krieg ausbrechen sollte, so müßte nusre Armee mit einer Iliiiformicnnig in den Krieg ziehen, die völlig ungeeignet ist für die moderne Kriegführung. Wir haben ja jetzt im Boerenlriege er- lebt, wie die hohen Khaki-Helnie der Engländer das Ziel der feind- lichen Kugeln gewesen sind. Das schlimmste aber ist, daß Anfordeningen gestellt werden, die niit der kriegerischen Ausbildung und Befähigung nichts z u t h u n h a b e n. Ich habe schon im vorigen Jahre auf einen Artikel hingewiesen, den General v. Pnttkamer in der „Deutschen Tageszeitung' veröffentlicht hat und worin er namentlich gegen die Unvernunft und den Widersinn des Parade- Marsches geeifert hat. In neuerer Zeit ist auf diesem Gebiete eine andre Publikation erschienen:„Die Socialdemokratie im Heere. Bon einem Offizier. Der Offizier hat diese Broschüre ans den denkbar besten und edelsten Absichten heraus ge- schrieben. Sic richtet sich in erster Linie gegen die Socialdemokratie. Es ist mir, der ich zu den sogenannten Führern der Partei gehöre, ini höchsten Grade überraschend gewesen, aus dieser Broschüre zu er- sehen, wie weit und stark der sogenannte„socialdcmolratische Geist' in der Armee bereits verbreitet sei, wie er anfange, eine Gefahr für die Arniee zu werden, und wie die Militärverwaltung verpflichtet sei, alles aufzubieten, um dem Anwachsen der Social- demokratie entgegenzutreten dadurch, daß man Ausklärimg verbreite über das Wesen und die Ziele der Socialdemokratie. Wenn man sich dabei an die Wahrheit halten wollte, so könnten wir damit ja durchaus einverstanden sein. Aber wir wissen, daß dabei Anschaunngen zu Tage treten würden, die niit der Wahr- heit auf dem allergespanntestcu Fuste stehen. Der Offizier de- hanptet sogar, die socialdcmokratische Partei habe Instruktionen ge- geben, durch die sie möglichst viel Anhänger in der Armee zu erlangen suche; sie sei besonders bestrebt, ihren Anhängern die Unteroffizier- stellen zu eröffnen. Wir werden nicht so einfältig sein, derartige Instruktionen zu geben, die uns doch in einen sehr unangenehmen Konflikt mit dem Strafgesetzbuch bringen könnten. Für uns ist die Armee gewissermaßen ein„noli me tangere". W i r kümmern uns n i ch t d a r u m, so weit nicht die Zustände in ihr der öffentlichen Kritik zu unterziehen sind. Es war für mich sehr interessant, in jener Schrift Fordernngen wiederzufinden, denen wir Socialdcmokraten nahezu Wort für Wort zustimmen können. Das ist wieder ein Be- weis dafür, daß die Enttvickeluna der Dinge aus sich selbst heraus zu Forderungen drängt, die erfüllt werden müsse», man mag eS wollen oder nicht. Der Offizier verlangt entschieden. allem überflüssigen Exerzierdrill entgegenzutreten. Er schreibt weiter:„Der Parademarsch muß abgeschafft werden'. Man denke, der Parademarsch, in dem sich sozusagen das höchste Wesen der preußischen Armee inkarniert. soll abgeschafft werden I(Heiterkeit.) Wenn da« ein Socialdemokrat sagt, so lacht man und meint, da« ist ein dummer Kerl, der versteht nichts davon. Run aber erheben Herr v. Puttkamer und dieser Offizier dieselben Forderungen! Der Offizier sagt:„Der Parademarsch sei nur nach unsäglicher Mühe und von vielen überhaupt nicht zu er- lernen.' Ich habe das noch gar nicht gewußt; ich habe nicht das Vergnügen gehabt, Soldat zu sein.(Heiterkeit.)„Der Parademarsch sei auch keineswegs schön und wirke komisch."(Heiterkeit) Diese» Urteil stimmt überein mit dem deS Dr. W e g e n e r, des Berichterstatters deS„Berliner Lokal- Anzeiger' in China, der seinem Blatte schrieb, die große Parade, die General- Feldmarschall v. W a l d e r s e e bei seiner Ankunft in China über die deutschen Truppen abgehalten habe, habe bei den Zuschauem nllgemrinc Heiterkeit erregt.(Heiterkeit.) Wenn daS am grünen Holz eines der Armee günstig gegenüber stehenden Beurteilers ge- schieht, so brauchen wir Socinldemokrateu diese Institution kaum noch zu bekämpfen. Weiter wendet sich der Offizier gegen daS Schulexerzieren und das Parade-Exerzieren in großen Verbänden. Alles das sei furchtbare Z e i t v e r s ch w e n d u n g. Man. trennt sich in der Armee nur sehr schwer von alten Ueberliefer ungen Das ist allerdings wahr. Ich erinnere nur an da? Schicksal des alten Scharnhorst, dem, als er die Ncorganisation der preußischen Armee in Angriff nahm, sogar von dem General Fork von Wartenburg nachgesagt wurde, seine Bestrebungen seien diejenigen eines Kosmopoliten und RaisonnciirS. Allerdings: jeder Fortschritt wird zunächst mir von einer kleinen Minderheit befürwortet. Der Offizier sogt weiter, die Armee stehe infolge der außerordentlichen Bevorzugung deS Parade- dicnsteS in den Leistungen der Kriegsausbildung nicht auf der wiinschenswertcn Höhe.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wozu ist denn aber die Armee da, als für Kriegszwecke ausgebildet zu werden? Jetzt kommt dieser Offizier und sagt, unter der Bevorzugung des Exerzier- und Paradedienstes leide die eigent- liche Ausbildung für den Rriegszweck; die Tetailauobildnug für den KriegSzwcck komme zu kurz, sie währe nicht einmal S Monate in einem Jahre— also S Monate in zwei Jahren. Wen» wir verlangen, daß die Soldaten in 6 Monaten für den Kriegsdienst ausgebildet werden sollen, so schreit alle Welt und erklärt das für eine ganz tolle Forderung. Weiter urteilt der Verfaffer der Broschüre, die Führer der Truppen' würden bei Besichtigungen weit mehr nach ihren Lei st ungen im Paradeexerzieren beurteilt als nach den L e i st u n g e n im G e f e ch t s d i e n st.(Hört! hört I b. d. Soc.) Schließlich führt der Verfasser auch die Mihhandlnngc» auf den Hochdruck zurück, mit dem in der Amice gearbeitet wird, um die Vorschriften zu erfüllen. Wenn solche Urteile aus dem Innern der Annee selbst laut werden, dann hätten die entscheidenden Stellen alle Ursache genau zu prüfen, ob alles im Heere in Ordnung ist. In jener Broschüre wird wiederholt von Jena gesprochen,' und was Jena für die preußische Armee bedeutet, weiß man. Wenn unser ungeheures Heer in seinem blanken Waffcnpntz als erstes der Welt gepriesen wird, dann haben wir angesichts dieser Stimmen alle Ursache, be- scheiden zu sein. Wir wandeln auf einem bedenklichen Wege. Wir Deutschen, heißt es jetzt, sind die erste, die großmütigste, die tapferste, die frömmste, und was iveiß ich sonst noch, der Nationen. Das ist der Weg, den früher die Franzosen gewandelt sind, und den sie heute— n i ch t m e h r wandeln. In ihrer Armee- Organisation sind nnS die Franzosen jetzt viel- fach überlegen. Ein zweites 1878 erscheint heute ausgeschlossen. Graf Waldersce hat unsren Trnppen. die in China gekämpft haben, ein glänzendes Zeugnis ausgestellt. Nun, der weitaus größte Teil der chinesischen Trnppen trug noch nicht 9 Monate den bunten Rock und hatte nicht einmal ein Manöver mitgemacht. Auch 1886 waren die sächsischen, bayrischen und württembergischen Truppen erst kurze Zeit in Dienst und thatcn doch ihre Schuldigkeit. Der Gedanke der Einführung der Miliz, der bei uns als eine Art militärischen Hochverrats gilt, hat in den Nachbarländern mehr und mehr an Boden gewonnen. Ich erinnere an das Buch des französischen A r t i l l e r i e h a n p t m a n n S G a st o n Mach, der dicfUmwandlung der französischen Armee in eine Miliz an- strebte und zu ganz überraschenden Resultaten in der Kostenfrage ge- kommen ist. Auch ein andrer französischer Offizier, ein Oberst hat sich ähnlich ansgesprochcn. In Frankreich wird jetzt die Idee der zweijährige» Dienstzeit, auch für Artillerie und Kavallerie erörtert. Der Oberst erklärte: Wir werden in mehr oder weniger kurzer Zeit notwendigerweise zur Organisation von Miliz« trnppen gelangen, schneller, als man es glaubt.(HörtI hört! bei den Socialdcmokraten.) Auch in Italien und Oestreich macht der Milizgcdanke Fortschritte. Der italienische Oberst Marozzi befürwortet das Milizsystem, Zanardelli hat sich ähnlich ausgesprochen. Der Gedanke ringt sich durch trotz aller Widerstände: die ganze Entwicklinig drängt dazu. Der kommandierende General des VIII. französischen Armcecorps hat im September v. IS. den Truppen beim Abschied ans dem Feldlager gesagt:„Es ist not- wendig, daß ivir wissen, was die Uhr geschlagen hat. Sie sind der lebende Beivcis. daß eine sechsmonatige Ausbildung befähigt, nicht nur Unteroffiziere, sondern Offiziere der Reserve heranzubilden und daß eine Abkürzung der Dienstzeit nicht nur möglich, sondern notwendig und nützlich ist im Interesse von Handel, Industrie und Ackerbau'. Würden wir eine kurze Dienstzeit haben, dann brauchten Sie (nach rechts) nicht niehr über Leutcnot zn klagen. Es sind ganz banale Wahrheiten, die der französische General da ausgesprochen hat. Auch der französische Kriegsminister Andre, den Herr v. Goßler in der Budgetkomniissio» als tüchtigen Mann anerkannt hat, hegt ähnliche Idee». Der Gedanke taucht auf, die Schüler von St. Cyr und die Schüler der Polytechnischen Schule erst ein Jahr als Ge- meine dienen zu lassen, bevor sie Offiziere werden, damit sie das Fühlen und Denken des gemeinen Soldaten kennen und ihn als Kameraden schätzen lernen. Es wird ferner daran ge- dacht, ein Drittel der Offizirrstellen anS den Reihen der Unter- offiziere zu besetzen. Das sind Gedanken, die sehr verschieden von denen deutscher militärischer Kreise sind. Der Oberstbrigadier Wille in der Schweiz, der ein großer Verehrer der deutschen Hccrcseinrichtungcn ist. spricht sich in der„Allgemeinen Schweizer Militärztg.' folgenderniaßen aus: Es ist eine alte Erscheinung, daß in der langen Zeit des Friedens in den bestehenden Armeen eine ganze Reihe von Einrichtungen geschaffen wird, die sich im Ernst- falle absolut nicht bewähren. Auf Kosten der kriegerischen Tüchtigkeit werden diese Einrichtungen gefördert, die dann wie ein Kinderspielzeug von der rauhen Hand des Krieges zerdrückt werden. Auch die deutsche Armee scheint solche Pfade zu wandeln, eine Un« masie Einrichtungen sind bei ihr vorhanden, die in der Praxis, im Felde sich nicht bclvähren können, obwohl die preußische Geschichte Beispiele dafür giebt, wie bedenklich diese Entlvicklung werden kann. Aber auch die nnerträglichrn Zustände der ReichSfinanzcn müssen zu Veränderungen im Heerwesen drängen, die ohne die Schlagfcrtigkeit und Verteidigungsfähigkeit deS Landes zu beeinträchtigen. doch Taufende von Millionen Mark ersparen können. Wie unsre Finanzverhällniffe liegen, hat der Schatzsekretär in der Budgetkonimission klargelegt. Im laufenden Etat haben wir bis Ende Dezember ein Defizit von 43 Millionen. Dazu kommen Mehrausgaben im Betrage von über 7 Millioiieu, so daß daS Defizit bl Millionen beträgt. Bei der Ausstellung des gegenwärtigen Etats aber sind 57 Millionen Mark Annietdungcn aus verschiedenen Ressorts gestrichen ivorden; das ergiebt beim nächsten Etat ein Defizit von IV8 Millionen. Dazu komnien die N e n f o r d e r n n g c n z. B. für die M i l i t ä r p e u s i o n. Ja, meine Herren, selbst wenn Sie den Tarif bekämen, für diese Mehrforderungen würde nicht eine Mark von den Zoll- e r t rä g n i s's e n übrig bleiben. Auf allen Seiten drängen sich die Knltnrbediirfnisse hervor. Man sagt, die Einzel- staaten sollen sie bcsriedjgen. Zum Teil geht das über ihre Kraft, zum Teil handelt e« sich um Forderungen von solcher Wichtigkeit, daß nur das Reich sie erfüllen kann. Wo wollen wir hinan»? Der allgemeine finanzielle Krach steht unS bevor. Und werden, wie man fürchtet, auch noch die vereinigten Staaten in die Krise hinein- gezogen, dann besteht die Gefahr, daß wir in eine ganze Reihe von Knsenjahren hineingeraten und für lange hinaus mit Mindereinnahmen rechnen müssen. Italien, Oestreich und Frankreich sind in der gleichen Lage. Alle diese Umstände erzeugen den revolutionierenden Gedanken einer Umgestaltung nusrer militärischen Einrichtungen von Grund a»S. Bei der Flottenvorlage haben die Herren voni Centrum das ■eierliche Versprechen abgegeben, daß sie in keine neuen indirekten Steuern oder Erhöhungen bestehender indirekter Steuern willigen werden. Wie Sie(zum C e n t r u m) ihr Versprechen halten wollen angesichts der steigenden Anfordeningen. darauf bin ich sehr neu- zierig. ES giebt nur ein Gebiet, wo Sie sparen können, das ist Zer Militarismus, hier können Sie gründlich ändern, wenn Sie nur wollen k(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. v. Tiedemann(Rp.): Uebcr da« Duell können wir uns beim Antrag Schräder noch eingehend unterhalten. Ich habe den Eindruck je häufiger hier im Reichstag gegen das Duell deklamiert wird. desto häufiger wird duelliert. Das Duell iverdeu Sie nicht ausrotten, wenn Sie nicht vorher den germanischen Ehrbegriff ausgerottet h a b c n.(Lachen bei den Socialdcmokraten.) Abg. Graf Roo»(k.): Unsre Stellung zum Duell hat Herr v. Levetzow klargelegt. Das Duell ist gegen göttliche und menschliche Gebote fiir den Offizier wie für den Laien. Wir erklären aber wiederholt, daß, so lange die Sünde nicht anS der Welt geschafft ist,(Lachen links), so lange auch Duelle nicht aufhören werden, zumal dann nicht, wenn nicht schärfere Strafen gegen nichtsnutzige Ehrenbeleidiger erlasse» werden.(Lachen links.) Herrn Bachem schließe ich mich in dem Wunsche an, daß zur Expropriation von Bauern bei Schassung von Exerzierplätzen nur in den seltensten Fällen geschritten werden dürfte. WaS die Eiitschädiguugen für Flurschäden bei Manövern betrifft, so wäre es allerdings sehr wünschenswert, daß der volle Schaden er- setzt wird.— Daß vor den Socialdemokraten in der Armee gewarnt wird, ist selbstverständlich und einfach Pflicht der militärischen Vorgesetzten. Herr Bebel hat ja auch wieder das sehr beliebte und häßliche Thema der Soldaten- Mißhandlung berührt. So lauge solche junge Leute mit älteren in der Kaserne zusammen sind, werden solche' Kindereien. Dummheiten und leider auch Genieinheiten immer vorkomnien. Ich weiß nur nicht, welche Freude es Herrn Bebel machen kann, die schmutzige Wäsche der Armee hier vor dem ganzen Lande und dem Auslände zn waschen. Herr Bebel sollte seinen großen Fleiß und seine bewunderungswürdige Beredsamkeit wirklich einer andren Sache widmen.(Lachen b. d. Soc.). Kriegsminister Goßler: Nach der nihigen Art und Weise, in der Herr B e b el heute sprach, war ich zunächst im Zweifel, ob ich i h m antworten sollte. Ich muß jedoch einige seiner Angaben berichtigen. Nach Wreschen und Gnesen soll je ein Bataillon von Posen verlegt werden. Wenn irgend möglich, sollen die Kosten aus den laufenden Mitteln bestritten werden. Da die Verlegung nur im Juteresse Preußens geschieht, wird auch wohl Preußen einen Beitrag zn den Kosten leisten.— Daß Lieutenant v. Eichel durch über- mäßiges Trinken zu Tode gelonimen ist, ist nicht richtig. Die betreffende Zeitungsnachricht ist berichtigt worden. Lieutenant v. Eichel war schon vor Weihnachten leidend. Au dem Abend vor seinem Tode hat er bei seinem Jugendfreunde sehr wenig getrunken, denn er vertrug nichts. Es ist richtig, daß er in einem Zustande war. der seinen Freund veranlnßte, Äi nach Hause zu bringen. Am nächsten Morgen ist er dann nach dem Gutachten des Arztes am Herzschlag gestorben.— Bei dem Lieutenant v. H o l I m a n» ist konstatiert, daß er an einer schweren nervösen Störung gelitten hat. er ist mit der Hoffnung auf dauenide Heilung in eine Anstalt gebracht worden.— Ein Gegensatz ztvischeu Urteilen von Militär- und Civilgerichten, wie ihn Herr Bebel— in zivei Fällen— nachweisen zu können glaubte, existiert nicht. Im Fall Stietencron haben beide Gerichte übereinstimmeiid angenommen, daß Stietencron in der Rot« wehr gehandelt hat. Das C i v i l g e r i ch t hat nur hinzu- gefüg t, daß er die Notwehr fahrlässig überschritten habe. Im Fall des Hauptmannes L u t h m e r hat das Civilgericht in Ueberein- sumnuuig mit dem Militärgericht zwar nicht im Urteil, aber in der Begründung angenommen, daß Unvorsichtigkeit vorlag.— Die Militärmitzhandlungen haben der Zahl nach nicht zugenommen. Dem ewigen Druck durch die Vorgesetzten und dem bestimmten Willen deS obersten Kriegsherrn ist e« zuzuschreiben, daß die Mißhandlungen abnehmen. Außerordentlich erschwerend für uns ist es, daß nach der neuen Strafgesetzgebung jeder Schlag, jeder Stoß kriegsgerichtlich abgeurteilt werden muß, wäh» rend früher leichtere Fälle disciplinarisch bestrast werden konnten. ES macht aber viel größeren Eindruck, wenn der Betreffende auf der Stelle bestraft werden kann. Die Zahl der Miß- Handlungen beträgt 8,8 Proz. der Zahl der Vorgesetzten, die der einzelne Mann hat, das ist also keine große Zahl.(Ruf links: Im Gegenteil. das ist ja kolossal!) Jedes Jahr werden ungefähr pro«rmeecorp» 2—3 Offiziere wegen MißbrauchS der Dienstgewalt bestrast. Die Zahl der lriegSgerichllichen Urteile wegen Soldatemnißhandluiig ent- spricht ungefähr der Zahl der Bataillone der deutschen Armee. Dies Verhältnis halte ich an sich nicht für groß, Wünschens- wert wäre es natürlich, wenn Soldatenmißhaiidlungcn überhaupt nicht mehr vorkämen. Der ernste Wille, sie zu beseitien, ist auf allen Stellen vorhanden. Es wird kein Fall konstatiert werden können, in dem nicht streng nach dem Gesetz verfahren wäre. Freilich ist zu bedenken, daß 14 Proz. aller Rekruten gerichtlich oder polizeilich vor- bestraft sind. Von den Ersatzmaunschaften 1988 waren 29 388 vor- bestraft.(Hört! hört!) Durch diese Elemente wird die Aus- bildung der Rekruten sehr erschwert, und dadurch sind auch so manche Mißhandlungen zu erklären. Wenn man jeden Schlag bestrafen wollte, z. B. in den Schulen. ich glaube, die Schulen wären bald von Lehrern frei.— Daß bei Sittlichkeitsvergehen in der Arniee Begnadigung eintritt, ist ganz unrichtig. Im Gegenteil, der höchste Kriegsherr kennt da keine Schonung; wer wegen Sittlichkeitsverbrechen belangt wird, muß un- barmherzig au« der Armee entfernt werden.— Die Zahl der Deserteure ist nicht gestiegen, sondeni geringer geworden.— Auf die Vorschläge des Herrn Bebel auf eine andre Ausbildung unsrer Truppen gehe ich nicht weiter ein. Die Vorschriften werden bei uns umiuterbroche» vereinfacht. In meiner Division gab es ein Regiment, in dem die Truppen nicht nach den geivöhnlichen Principien ausgebildet wurden, auf Paradedienst wurde kein Wert gelegt. Das Resultat war, daß das Regiment im Schieße» das schlechte st e in der Armee war. Wir werden auch weiter die alte preußische Erfahrung befolgen, die Hauptfache ist. den einzelnen Mann so weit zn bringen, daß er die volle Gewalt über seinen Körper hat. Unsre Art des Marsches ist von ärztlicher Seite als die vorlcilhnftcste für den Körper anerkannt worden.— Die Broschüre deS sogenannten Offiziers in Jena hat auf mich keinen besonderen Eindruck gemacht. Ich glaube übrigens nicht, daß sie wirklich einen Offizier zum Verfasser hat, dazu spricht zu viel Uucrfahrcuheit anS ihr.— Die Warnung vor Jena trifft nicht zu. Wir sagen u»S selbst. daß wir in Zukunft wahrscheinlich schweren Verhältnissen entgegen- sehen werde», daß wir aber entschlossen sind, unsre Pflicht zu thun. (Bravo! rechts.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Ich hoffe, daß der Herr Krieg?- minister alles thun wird, um Mißhandlungen in der Armee imnier mehr zn vernnndcrn. Was die Ducllstage anlangt, so beweist die Stellung des KriegSniinisterS. daß seitens der Armeeverivaltung nicht die Absicht besteht, in Bezug auf das Duell irgend etwas zu ändern. Wir haben deshalb auf andrem Wege versucht, eine Besserung zu erzielen. Ich möchte den Kriegsminister bitten, seine Stellung dar- zulegen zu der zu diesem Etat eingebrachten Resolution Leuzmaau. KriegSministcr p. Goßler: Der Vorredner hat von mir eine Antwort verlangt auf die Resolution L e n z m a n n. Da« ist nicht Sitte; ich bin nicht ermächtigt, auf eine Resolution zu antworten, die an den Bundesrat resp. an den Reichskanzler geht.(Sehr richtig! recht».) Ich muß mich in dieser Hinsicht be- scheiden, bi» der Bundesrat Beschluß gefaßt hat. Meine persönliche Stellung zu dieser Frage ist außerordentlich einfach. SS ist nämlich der Grund zu der Resolution, daß sich die Duelle in der Armee vennehrt hätten, hinfällig. Die Duelle in der Armee Häven sich fortdauernd vermindert. Die Offiziere haben daS Recht, gesetzlich ebenso behandelt zu werden wie jeder andre. Daß Verschärsinigen der Dnellstrafe speciell für Offiziere notwendig sind, erkenne ich für meine Person nicht an. Abg. v. EhrzanouiSki(Pole) führt Beschwerde über die un- gerechte Behandlung polnischer Nckrnten, die vielfach von ihre» Offizieren beschimpft würden. Da» sei geeignet, die Autorität der Vorgesetzten bei ihren Untergebenen zu untergraben. Nach Wreschen seien zwei Bataillone geschickt, um der polnischen Agitation entgegen- zutreten. Die AuSführnngen des Redners bleiben im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Kriegsniinister V. Goßler: Nach Wreschen wird nur ein, nicht zwei Bataillone gelegt. Die Stadtverwaltung, der sechs Dentschc. sechs Polen und sechs Juden angehören, hat auch eiustiniinig die dafür seitens der Stadt aufzubringenden Mittel bewilligt. Es empfiehlt sich nicht, politische Motive mit dieser Maßnahme zn verbinden. Der Vorredner hat weiterhin davon gesprochen, wie schwer es für polnische Landivebrleute und Rekruten sei, für ein„fremdes Vaterland' zn fechten. Der geehrte Herr scheint die preußische Ver- fassnng nicht zu kennen. Ich kenne für die Soldaten kein andre« Vaterland als Deutschland und würde auch keinem raten, ein a n d r e s V a t e r l a n d f ü r s i ch b e a n s p r n ch e n zu wollen. (Sehr gut! rechts.) Der Vorredner hat angeblich Rede» angeführt, tic Haiiptlente bei Konlrollvcrsammlim�cn on polnische Nckrutcn frvichlct hoben fotlcn. Wenn die Honpllente solche Reden gehalten hätten, könnten sie es nur im Irrsinn gcthon hoben. Ich bitte, inir Noiiicn zu nennen und solche Mengen anznsnhre», die die Wahrheit dieser Angaben vor Gericht beschlvören lötinc». Ich halte diese An- gaben für vollkommen irrig. Abg.' Eickhoff(frs. Vp.): Ich war im vorige» Jahr o p t i m i st i s ch genug, anzn- irehnicn, dag mit Rücksicht ans die Ocffcntlichkeit des Militür-Straf- prozcgversahrens die Ä>k i ß h a n d l u n g e n in der Armee ab- n e h m c n ivürdcn. Leider Hobe ich mich in dieser Hoffnung getäuscht. Wir haben die Pflicht, den Finger immer wieder auf diese Wunde zu legen und gegen solche Roheiten und Gemeinheiten auf das schärfste zu protestieren. Ich komme ans einen Fall zurück, den ich schon im vorigen Jahr erwähnt habe. Bei einer Feier von Kaisers Geburtstag in einer groszere»� rheinischen Industriestadt wurde ein Kaufurann von einem Rittmeister der Reserve auf das schärfste rmd in taktlosester Weise provoziert. Der Kaufmann erwiderte, durch solche Be- leidignngen gereizt:.Holten Sie den Rand!-, worauf der Rittmeister erwiderte:„Sic sind ein Flegel I* Darauf wieder Der Konfmom,:„Dafür habe ich Sic sehr lange gehalten."(Heiterkeit.) Darauf schlug der Rittmeister den Konfman» ins Gesicht: dieser aber packle seinen Gegner an der Kehle und schlug ihn zu Boden, bis die beiden durch die antvcscnden Herren getrennt wurden. Am ondercn Tage forderte der Rittmeister den Kaufnrann zum Duell,>vas der letztere ablehnte. Der Rittmeister wurde wegen dieser Ducllfordernng z» 7 Tagen Festung verurteilt, die im Gnadenwege in St»de narre st umgewandelt wurden. Ich frage den KriegSminister: Hat ein ehrengerichtliches Verfahren gegen den Rittmeister stattgefunden, und welchen Ansgang bat dasselbe genommen? In der letzten Rang- und Qnartierliste ist er noch als solcher bezeichnet. Wie kann ein Mann, der sich in so taktloser Weise gegen die Pflichten seines Standes vergangen hat. noch dem Offiziercorps angehöre»? Es wird weiter erzählt, 'dafe der Bezirkskommandeur die Rcserve-Osfiziere seines Bezirks an- gewieselt habe, den Verkehr mit d e in K a u f m a n» wegen seiner Verwcig ernng des Duells z n meiden. Ich frage den Kriegsmiiiister: Hat der Bczirkskvmmandcur die Berrufserklärnng thntsächlich ergehen lassen? Hat er dabei aus Grund bestimmter Vorschriften gehandelt? Gelten diese niöglicheriveise vor- handelten Verrnfsvorschriften eventuell auch heute noch? Ich darf wohl annchmen, das; der Bezirkskommaudeur inzivischcn rektifiziert »vorden ist. Kriegsminister v. Goftler: Ich bedaure, dafi der Vorredner diese Angelegenheit nochmals zum Bortrag gebracht hat. Der be- treffende Offizier der preußischen Laudivehr nimmt in Barmen eine sehr geachtete Stellung ein. Die Sache an sich ist ja er- ledigt. DaS ehrengerichtliche Verfahren hat stattgefunden, und der Rittineister hat den Abschied erhalten. Was den Bankdirektor anlangt, so ist nur verfügt worden, daß es dem Taktgefühl jedes einzelnen überlassen bleiben niüsse, ob er mit ihm gesellschaftlich weiter verkehren ivolle. Etlvas andres konnte meines Erachtens gar nicht verfügt iverden. Abg. Kuncrt(Soc): Bei den Soldatemnihhandlungen handelt eS sich um eine An- Selegenhcit, an der alle Parteien gleichmäßig interessiert sein sollten. n der Bekämpfung und Ausrottung dieses Ilcbelstandcs müssen wir einig sein, wenn wir etwas erreichen wollen. ES mag sein, daß der gute Wille besteht, die Miß- Handlungen in der Armee zu beseitigen. Das zeigen die Erlasse des Prinzen Georg von Sachsen und' des Kaisers Wilhelm 1l. Es wird aber nichts damit erreicht, es erfolgen immer neue Miß- Handlungen. Ich will nun eine Reihe der allcrschiverslcn Fälle, in denen die Mißhandlungen den Tod des Gemißhandelten zur Folge gehabt haben, zur Sprache bringen. Man mutz sich wirtlich wunder n. daß nicht das ganze Volk»vic ein Mann auf- steht und mit allen Mitteln, mögen es sein, welche es»vollen, diesen Ucbelstand ausrottet! Redner führt zunächst zivei Fälle an, in denen Soldaten infolge von Mißhandlungen beim Baden den Tod fanden. Ei» Soldat»vnrde übennäßig lange unter Wasser gehalten, stieß sich beim Herauskommen aus dem Wasser und nahm dann die erste Ge- legenheit wahr, um sich selbst zu töten. Ein zweiter Fall ereignete sich in Mülhausen i. E. Bei der Leibschtvadron des Garde du Corps verstarb ein Soldat, Niederstcin, infolge von Mißhandlungen. Hier liegt gewissermaßen Totschlag vor. Ei» Soldat beim Fcldartilleric- Regiment Nr. 39 zu Perleberg fand gleichfalls seinen Tod durch fortgesetzte Mißhandlungen, er mußte endlose Kniebeugen machen u. s. w. Bei einem Füsilier-Regiment»vnrde ein Mann ge- tötet durch Kölbrnstöße vor die Brust. Es lag zivcifetloö Tot- schlag vor. Achnlich liegt der Fall Reiske in Danzig. Ich erinnere iveiter an den Fall des Rittmeisters Grafen Stolbcrg- Wernigerode, der eine» Sergeanten znuächst mit den schmäh- lichsten Verbalinjurien belegt, ihn dann mit Ohrfeigen traktiert und schließlich mit der Plempe erstochen hat. Die Stabs- ärzte als S a ch v e r st ä» d i g e sagen freilich regelmäßig aus. ein Zusainnicnhang zwischen der Mißhandlung und dem er- folgten Tode bestehe nicht. Die für diese Mißhandlungen er- teilten Strafe» sind sehr gering: 6 Wölben, 6 Monate, 9 Monate Gefängnis. Der genannte Rittineister erhielt 3 Jahre Gefängnis, vbivohl er 3 Jahre Zuchthaus als Miuimmn hätte erhallen müssen. Die Disciplinlosigkeit des gemeinen Mannes»vird mir ganz andren Augen angesehen als die des Chargierte». Wenn ein Soldat ein Pferd mißhandelt,»vird er zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Unteroffizier, der einein Soldaten zivei Ohrfeigen herunterhaute, bekam dafür IS Tage gelinden Arrest? Er hat den Gemißhandelten gefragt, haben Sie clivas dagegen? (Heiterkeit.) Weil dieser geantlvortet hatte: Jaivohll und noch mehr binzugesügt hatte,»vnrde er zu 14 Tagen st r enge n A r r e st e S verurteilt. Ei» Mann, der auf seinen Stuhl geritzt hatte: „Hoch die Arbeit I Freiheit I Gleichheit I Brüderlichkeit!"»vnrde zu sechs Monaten Gefängnis ivegen Bethätigung social- demokralischcr Gesinnung verurteilt. Wie milde»Verden dagegen schwere Ausschreitungen der Offiziere benrleilt. Jener Fürst Wrede, der in der WcihnachtSnacht, die RegimentZnmsik voran, mit seine» Kameraden durch daS nächtlich stille Bamberg zog. erhielt dafür t Tag Stubenarrest. Drei Resermste», die m der Betrunkenheit einen Gendarmen verprügelten, er- hielten dafür IL Jahre Zuchthaus. Das»vnrde also noch härter bestraft, als in nnsren Kolonien daS Pfählen rincS Mensche«. (Sehr wahrl bei den Socialdemokraten.) Das System der Mißhaiidlnngcn führt zur Korruption. die Soldaten»Verden zur Feigheit erzogen. Viele Soldaten verfallen auch durch die fortgesetzten Mißhandlungen in W a h n s i n». In verschiedenen Fällen ist der Z n s a m m e» h a n g zwischen Mißhand- Innge» und Geistesgestörthcir ausdrücklich nachgeuiiescn. Auch Fahnenflucht ist sehr häufig eine Folge der Mißhandlnnge». Redner führt eineRcihe solcherFälle von Fahnenflucht an. DieThatsache. baß 1897 bei der Stellung zum Militärdienst lOLOOO Leute unentschuldigt ausgeblieben sind, spricht wirllich wenig für die Beliebtheit der Armee. Redner zählt»veitcre Fälle von Soldatenmißhandlimgen aus Grund kriegsgerichtlicher Urteile ans, die Einzelheiten bleiben jedoch bei der wachsenden Unruhe des Hanses auf der Tribüne unverständlich. Die Selbstmorde hänfen sich in erschreckendem Maße. Jältf» Fälle sind pro Jahr zu verzeichnen, d. h. sechs oder sirbennial so viel als im Eivillebcn. Ter Herr KriegSminister meinte, die Schuld a» den Mißhandlmigen liege darin, daß so viele der Rekruten vorbestraft seien. Wollen Sic denn aber ein der- artig schlechtes Material durch körperliche und geistige Mißhandlnnge» verbessern? So harmlos»vie der Herr KriegSminister die Zahl der Mißhandlnnge» hinziistcllcn suchte, ist sie den» doch nicht. Ich verwahre mich übrigens dagegen, gesagt zu haben, die Mißhand- tu, ige» hätten sich vermehrt. Ich habe auch nicht gesagt, sie hätten stch vermindert, sonder» ich habe überhaupt kein so bcstimnites Urteil abgegeben, dazu bin ich viel zu vorsichtig. Die Zahl der Mißhand- luugcn betrug»ach der Angabc des Herrn v. Vicbahn in der preußischen Armee im Jahre 1899 0.63 Prozent. DaS heißt, auf 389 OOO Mann kamen 2394 MißhandliingSfällc im Jahre, auf einen Tag 7 M i ß h a n d l n» g e».(Hört I hört I) Das ist doch ein ganzer Abgrund von Schinderei. Die Zahl der Mißhandlmigen in der preußischen Armee ist übrigens vier- mal so groß als die Zahl der Mißhandlungen in Bayern. Es ist möglich, daß eine Abnahme der Mißhandlungen stattgefunden hat, Iveil das Heer seit 1889 ein einfacheres Reglement hat. Aber es fragt sich, ob seit 1895 eine»veitere Abnahme stattgefunden hat und ob sie stetig ist. Alles in allem»vird auch in Bayern seit 1870 eine Zunahme der Mißhandlungen staitgefnnden haben. Freilich, gelvissc Dinge, die in Berlin alle T a g e m ö g l i ch sind, sind in München unmöglich. Als Graf Waldcrsee in China tvar, erhielt er ein K a b e l t e l e g r a m m, daS ihn auf- forderte, die bei Horlu stehenden chinesischen Trnppeukvrper im- verziiglich zu zerstreuen und an die große Mauer zurück- zndränge». Dieses Telcgrmnm erinnert an den seligen Hof- Kricgsrat zu Wien und an die telegraphischc» Befehle des Sultans iin Harem an den Verteidiger von Pleivna, Osman Pascha, die diesen zu falsche» Maßnahmen zwangen. Sie sehe»,»reine Herren, der blutige TilrtantiSmns macht sich nicht nur auf dem Gebiete der K n» st, der Wissenschaft, der Reederei bcnicrlbar, sonder» auch auf dein Gebiete der Strategie. Der Absender des Tclcgranimcs ist— ich nenne ihn, damit kein falscher tu den Verdacht kommt— nicht etwa der'Kriegsminister oder einer seiner Räte, sonder» Wilhelm II., rex imperator.(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrcm: Ans Ihren letzten Aenßenmgen er» sehe ich, daß Ihre fniheren Worte als eine Majcstätsbeleidignng gelte» müssen. Ich rufe Sic dafür zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Abg. Knncrt(fortfahrend): Ich bedaure, daß es im Deutschen Reichstag nicht möglich ist, gelvissc Dinge zu sagen, die man in jeder öffentlichen Versaimnlnng aussprechen kann, ohne daß die Polizei oder der Slaatsanivalt eingreift. Was ick, gesagt habe, ist wahr. Ich berufe mich ans da» Beiblatt z u m M i l i t ä r i s ch c n W o ch e n b l n t t von 1 902 S e i t e 63, Ivo das Telegramm abgedruckt ist. Wir habe» also nur die Schön- hcite» des Militarismus zu bcwliuderii und zu bezahle». Bezahlt muß er werden vom Scknveiß, Blut und Hunger der Arbeiter.(Oho! rechts.) Sie dürfen nicht lciigncn. daß die Hanpterträge a»S den indirckte» Stenern fließen. Diese Expansionsfähigkeit des Militarismus fuhrt zum politischen und »virtschaftlichcn Zusainmcnbruch der Staaten. Die Parteien, die den Militarismus»»tcrsiützcn. mitcrmliiiercn ihre eigne Stellung. Der Militarismus ist Wahnsinn, allerdings Mahnsinn mit Methode! (Bravo! bei den Socialdemokraten.) General p. Einem: Tic Zahl von 0.63 Prozent, die Herr v. Biebaln für die Militännißhandlnngen im Jahre 1899 anführte. bezog sich nicht auf die Anzahl der Mannschaften, sondern ans die Anzahl der B o r g e s e tz t c ii. Stalt der 2000 sind also that- sächlich im Jahre 1899 nur 307 Fälle vorgekommen. Ans die andren Einzelheiten, die jahrelang zurückliegen, kann ich jetzt nicht eingehen, da mir das Material fehlt. Bayrischer Militärbcvollmächtigtcr Gciicralniajor v. EndreS: Der Herr Vorredner ist ans cincii Vorgang in Bamberg zu sprechen gekommen. Dort ging cö auf cinci» Feste junger Offiziere s e h r I u st i g z u. Nachdem die höheren Vorgesetzten sich schon nach Hause begeben halten, steigerte sich, wie daS ja immer der Fall ist(Heiterkeit), die Heiterkeit. Ter übermütigste unter de» jungen Leuten schlug Mi» vor: Holen»vir nnS die Pferde und reiten wir mit der Musik in der Stadt herum.(Heiterkeit). Nim gebe ich zu, bei dieser Gelegenheit sind schwere Vergehen vorgekommen. Die junge» Lcnle haben die polizeilichen Poischriften über die venntznna des TrottoieS vollständig übersehen.(Große Heiterkeit.) Der Zweck der Noll- lüden ist von ihnen völlig verkannt worden.(Erneute Heiler- kcit.) Als die Geschichte vorüber»var, sind sie schlascn gegangen. Von Brutalität habe ich hierbei bisher noch nichts bemerkt.(Heiter- keit.) ES war lediglich ein Nlk, den die junge» Leute sich mit der friedlichen Sladt Bamberg erlaubten. ES ist falsch, wenn Sie(zu den Socialdemokraten) darin eine Art Klasscnnlk sehen wollen. (Große Heiterkeit.) Denn in der That konmien solche jugendliche Ullstrciche in alle» Bevölkernngsschichten vor. Ich behaupte, daß niemand hier unter Ihnen sitzt, der nicht mal so einen lllk mitgemacht hat lHcilcrkcit), ja, ich gehe noch weiter, ich sage, es sitzt hier niemand, der sich nicht jetzt noch f r c Ii t, daß er einen solchen Utk»i i t g c m n.ch that.(Erneute großc'Heilcr- kcit.) Born polizeilichen Standpunkt ist ja die Sache schmerzlich» voin Standpunkt der In g en d ans aber doch sehr begreiflich.(LcbhasieS Brnbo! recht?, in der Milte n»d links:) Hierauf vertagt das Ha»S die Wciterberatmig auf Dienstag 1 Uhr. Schluß der Sitzung 6V, Uhr. Nä i � M äiTz v u?!ken. Ter Jahresbericht des Vorstandes der socinldcinokratischcn LandeSorganisation Badens ist soeben erschienen. Er stell! ein- leitend fest, daß daS abgelaufene Geschäftsjahr 1901, das im Zeichen der LalidtagSwahIen iind des BrolivncherS stand, reichliche Gelegen- heit zu politischer AgitationSthätigkcit gab. Flugschriften allgemeinen politischen Juhalls wurden 30 000 Sliick verbreitet, der in Mannheim icit 1. Mai v. I. monatlich einmal beranSgegebcue„Arbeiter- und Banernsreund" wurde im Unlerlcmde in einer Auflage von insgesamt 60 000 Exemplaren abgesetzt. Während der LandtagSloahl- b e»v e g iiZn g wurden außer dem vom LandeSvorstand in einer Auflage von 55 000 Exemplaren heransgegebenen allgemeinen Wnblprogrnnmiflngblait in den einzclucn Wahl- kreisen noch eine ganze Reibe größerer und kleinerer Wahlflngblättcr verbreitet, deren Gesamtzahl sich aiif mindestens 200 000 Exemplare bclänft. Besonders gute Dienste leistete im Wahl- kämpf das vom LandlagS-Abgcordiieien Genossen Fe» brich ver- faßte und in etwa 2000 Exemplaren abgesetzte„Handbuch für social« demokratische LandtagS-Wähler". Der Ausfall der LandtagS-Wahlen ist bekannt; er brachte der Partei den Gewinn von cnicm, den Verlust von zwei Mandaten, so daß die Zahl der soeialdeniokratischen Vertreter in der Zweilen Kammer von 7 auf 6 zurückging. Eine Gcnilgthming bo» dabei unsreii badischcn Genossen allerdings die Thatsache, daß in allen Bezirken, in denen die Partei mit eignen Kandidaten in die Wahl eintrat, die Zahl der sorialistischen U r w ä h l e r st i>n m e n gegenüber der letzten Wahl erheblich gestiegen i st. Der Aufwand für die LandlvagSwahlbcivegniig belief sich in den 8 mit eignen Kandidaten besetzten Bezirken ans 6138 M., denen nur 2609 M. an Einnahmen gegenüberstehen, so daß ein Gesamtdcficit von 3529 M. zu decken bleibt. Die allgemeinen F i n a n z v e r h ä l t n i s s e der Landes- organisation haben sich nach dem Bericht nicht unerheblich ver- schlcchtert und den Vermögensbestand von 1876 M. auf 675 M. herabgedrückt. Dieser Rückgang ist in erster Linie durch eine» Be- schluß der letzten Landesversammlung verschuldet, nach dem die Bei- träge der Mitgliedschaften an die LandcSkasse um ein Drittel ermäßigt wurde». Die Gesamteinnahmen nnd-Änsgaben der Landcskasse balancieren im Jahre 1901 in der Höhe von 6051 M. Die ans der vorjährigen LandeSversanimlimg beschlossene Ein- teilung des Landes in vier Agitationsbezirke scheint sich. den Aeußermigen der einzelnen Komitees zufolge, nicht sonderlich belvährt zu haben. Es»vird über die Schwerfälligkeit und Lau- heit des Verkehrs mit den einzelnen Mitgliedschaften geklagt und der Wunsch nach einer Abänderung des bestehenden Znstandcs ausgesprochen. In der Gemeindevertretung von Delmenhorst haben unsre dortigen Parieigenosien bei der letzlcn Wahl bekanntlich die Majorität erlangt. Bei der Einführung der neue» Mitglieder hielt der Bürger- meister eine Ansprache, die recht bezeichnend ist nnd Erwähnung ver- dient alS ein BeiveiS dafür, daß sich ein Bürgermeister auch in eine soeialdemokratische Mehrheit schicken kann. Der Bürgermeister erklärte, er wolle den Standpunkt des Stadtmagistrats gegenüber dem ncugelvähltcn Stadtrat von vornherein offen klarlege». Hegte der Stadtmagistrat die Besürchtnng, der Stadtrat werde eine einseitige Parteipolitik treiben, so»vürdeii sich die Mitglieder des StadtmagistrntS von einem Zusammenarbeitcn mii dem Stadirate keinen Erfolg versprechen können, und sich, wie er alisdrücklich betonen»volle, nicht an ihr Amt klammen». Der Stadtrat werde aber geiviß auch seinerseits einsehen, daß Fragen der hohen Politik nicht in einem Stadtrate gelöst werdeir könnten, nnd daß eine unduldsame Parteipolitik, einerlei, welche Partei sie betreibe, stets zum Schaden der eignen Partei anssckilage. Der Stadlinagistrat habe das Vertraue» zum Stadtrat, daß er zu praktischer Arbeit zusammenkomme, und dazu tverde der Stadlmagistrat ihm hinreichende Gelegenheit geben. Die Einrichtung des im Bau be« griffenen Kleinkinderheims, die Hergabe des Düsternorts zum Bau von Arbeiterwohnlingen, die Beschlußfassung einer der Hygiene entsprechen- den Bauordnung, die Anfstclluiig eines Bebauungsplans, die Ueber- nähme von GcnossenschastSwcgen und— als Schlnßsteiii zur Selbst- verivaltung der Gemeinde— die Umlvandlung Delmenhorsts in eine Stadt erster Klasse und Bildung eines eigenen Amtsverbandes seien die nächsten größeren Aufgaben des Stadtrats. So lange der Stadtrat daS Wohl der Gcsamtbevölkernng im Auge habe, könne er überzeugt sein, daß er an dem Stadtniagistrat leinen offenen Feind oder versteckten Widersacher, sondern einen ehrlichen Berater finden»verde. Totenliste der Partei. In K ö l n- S ü l z starb der Möbel- Polierer Karl Kolthoff. einer der bekanntesten Parteigenossen des OrteS. Er gehörte der Partei seit vielen Jahren au und Ivay unenniidlich für die Verbreitung nnsrer Ideen thätig. Der diesjährige Kongreß der focialistifchen Partei BelalenS findet am 30. März bis zum 1. April in Brüssel statt. Auf der TagtSordnimg steht: 1. Die Berichte des Parteivorstandes, der Fraktion, der Gewcrkschaftskonimission, des Bundes der socialistischcn Korporativgenossenschaftcn, des Bundes der socialistischen Gemciiidc- räte, dcS Bundes der jungen»ocialistischeii Garde und deS soeialisti- scheu FraiicnbnndeS. 2. Die politische Situation. 3. Die Errichtung eines ständig' n ParteijelretariatS. 4. Reorganisation des Partei- Vorstandes.'_ Ans Ittdnflvie und Mündel. Vom Eifcnniarkt»vird vielfach über eine Besserung der Ge« schäftSuerhältnisje berichtet. Es ist damit keineswegs gesagt, daß er flott aufwärts geht, wohl aber berichten einige größere Werke über de» Eingang von Aufträgen, die vorläufig ein weiteres Herabsinken der Konjunktur aushalten werden. In einer Sitzung des Vereins deutscher Eiscnhüttenleute, die vor einigen Tagen in Düsseldorf statt- fand, besprach der zweite Vorsitzende, Kominerzienrat Braun«, im Anschluß an den EeschäftSPericht auch die Lage deS EisciimarkteS und druckte die liebcrzeugnng ans, daß die schlimmste Zeit dcS Nieder- gangeS unserer Industrie vorüber sei. Schon lägen bestimmte An- zeichen vor, daß die Vorräte überall bald geräumt sein werden und daß das Vertrauen wiederkehrt. Die Beschäftigimg der Eisenhütte» sei allgemein lebhafter geworden. Die Verlust bringenden Preise hätten eine,»vciiii auch vorläufig nur geringe Aufbesserung erfahren. Erfreulich seien die Anordnungen des Ministers Thielen betreffs der vermehrten StaatSliefeningen. Notlvendig sei der baldige Ausbau eines Kanalnctzes»nd der Abschluß von langfristigen Handels» Verträgen. Die Versammlung nahm diese Darlegnnge» mit leb- hafte»» Beifall ans. Ob sich die Voraussetzungen deS Herrn BrannS erfüllen iverden, steht aiif»»sichrer Grundlage, bemerkenswert ist cS aber, daß man in der Eisenindustrie allenthalben versucht, wieder die Preise herauf» zusetzen. So haben die rheinüch- westfälischen und westdeutschen Walzwerke die Erhöhung des Grundpreises für Stabeisen um 5 M. pro Tonne beschlossen. In der Versannnliiiig der Interessenten, die in Köln tagte, wnrde auch wieder der Zusaminenjchlnß zu einem Walzwerkverband angeregt nnd sollen in der Sache noch weitere Vcrhaiidlniigcn gepflogen worden. Die Koiikurövcrtoaltnng der TrcbcrtrocknnngS-GcscNschnft teilt mit. daß sie an die Gläubiger Anfang August eine Abschlags- dividcndc von Ve Proz. zur Verteilung bringen werde. Die Bank für Rheinland nnd Westfalen in Köln hat ihren Aktionären eine»naiigcnchme lleberraschiing bereiiet. Die Bank schließt mit einer Nnterbiloiiz von 2 174 069 M. ab. die durch außer- ordentliche Abschreibimge» von 2 576 567 M. entstanden sind. ES wird deshalb vorgeschlagen, die Aktien von 6: 5 znsannnenznlegen. um daS Iliiternehmcn zu konsolidieren. DaS Aktienkapital lviirde demnach von 10 500 000 ans 8 334 000 herabgesetzt werden. Die schlechte Lage der Bank»vird aiiS dem allgemeinen Zmückgang der Geschäfte hergeleitet._ Soeiales. Zahl«nd Größe der HauShaltnngen. Daß kaiserlich Statistische Amt hat jetzt die Zahl der HanS« Haltungen zusainniengcstellt, die bei der Volkszählung am 1. De- zember 1900 fcstgeslellt»vorden sind. Danach lebten 53 866 405 Per« soncn, daS sind 95.6 Proz. der Gesanitbevölkcrnng. in gewöhnliche» HanShaltnnge» mit zwei nnd mehr Personen. In Einzel-HanS- haNungen lebten 870 601 oder 1.5 Proz. der Bevölkerung nnd der Rest in Anftalteii:c. Die Gesamtzahl der Haushaltungen betrug 12 260 012. Ans eine Haushaltung kommen(mit AnSnahine der Anstalten rc.) 4,8 Per- »one». Diese Feststellung bestätigt»vicder, daß eS durchaus gerecht- fertigt ist, bei VerbrauchSberechnrmgen die Familie zu fünf Köpfen zu rechnen. 1000 Arbeitslose versammelten sich in Lübeck und forderten in einer Resolution die Eiiisührmig einer ArbeitSloseii-Versicherung solvie die Vornahme von Notstandsarbeiten. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen Lübecks schätzt man auf 1500. Uiu Snbventlonteinng dcS Arbeiter sekeetariatS hat das GcwerlschafiLknrtcll in Kassel ein Gesuch an die dortigen städtischen Behörden gerichtet. ES»vird um Gclvährung von jährlich 1000 M. gebeten. Berichtigung. In der Notiz.Beibrechen und Strafe" In voriger Niiinmer ist selbstverständlich auch die Zahl der erstmalig Beslraficn auf 100 000 zu beKichen und nicht auf 1000, wie eS dort infolge eines Druckfehler» heißt. Ans dev Isvaurttbetvegung. ProstitutiouS-Statistik. Der bayrische Verein für Bekämpfung dcS Mädchenhandels und der Prostiintion geht damit um, in den größere» Städten nnd ArbeitScentren Bayerns mit Ulitcrftiitzuug der Polizei eine ProstitntioiiS-Statistik aiifzuiichme». ES sollen nament« lich über das Milieu, an» dem die Prostituierten hervorgegangen sind, über ihren früheren Beruf rmd über den Weg, auf dem sie zur Pvff'wiion gekomme» sind, Erhebungen angestellt werden. Gingegangene Druckschriften. „Der Arbeitsmarkt«, HoldmonotSschrist der Centrakftelle für ArdeitS» niarkt-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrvw), Berlin, Verlag von Georg Reimer. Die als Organ deS„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 10 deS 5. Jahrganges unter anderm: Die Bedeutimg der Krankenkassen siir die Verfolgung der wirtschaftlichen KrtsiS.— Nuiidschau über die Lage des ArbeitsmarkteS.— Situation»- berichte aus einzelnen Gewerben.(Preisbewegung. Steigender Export. Entlassungen im Maschiiiengewerbe); Textilgewerbe(Geschäftsgang in Gera, Elsaß, Baden»nd Baljcrn. Lohnbewegung); Graphische Gewerbe(Durch- sühning des neuen Tarifs).— Statistisches Monatsiiiaterial: Wetterbericht. — Arbeitsnachweise.— Kraiikcnkasten.— StreikverzeichmS für Deutschland, Oestreich-Ungarn, Schweiz.— Verwaltung der Arbeitsnachwetse.— Bei- tage: Mitgliederliste deS Verbandes deutscher Arbeitsnachweise nebst zahlen« mästigen Angaben über Januar 1902. flMif de« Iulmlt der Inserntc «berniuimt die Rcdatiio» de», Publik««, aefleiiiider keinerlei Beruiitwortling, Thettkev. Dienstag, 18. Februar. vpernhanß. Lohengrin. Anfang 7V- m,e. «cha,isdielft„iis. Mih HobbS. An- fang 7'/, Uhr. Rencs Oper».»heater(Kröv». Geschloffen. «chiNer. König Harlekin. Anfang 8 Uhr. Deutsches. ES lebe daS Leven. Anfang 7>/z Uhr. Berliner. Maria von Schottland. (1. Teil: Daniley.) Anfang „ 7V, Uhr. eeffing. Das Glück. Anfang ?'/- Uhr. Residenz. Verlieht. Vorher: Furcht vor der Schwiegernmtter. An- fang?,/, Uhr. Re ncs. Die brave Frau.— Die Mausefalle.— Colombine. An- fang 7'/, Uhr. Svesie«. Wiener Blut. Anfang 7-/, Uhr. Secessioiisbiihne. Detlev Lilien- cronö Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. B. d. Wolzvgens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Tchall und Ranch. Vorstellung vor Serenissimus. Aus. 8'/, Uhr. Driauo». Coralie«. Co. Anfaiig 8 Uhr. Ventral. Das sühe Miidel. Anfang 7'/- Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Uhr. Luisen. Martha. Anfang?>/- Uhr. Carl Weih. Das Jungfernstist. Ansang 7'/, Uhr. Friedrich-WilhelinsiiidlischeS. Der Beltelfiiident. Auf. 7-/, Uhr. Brlle-Sillianee. Die Dame anS Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7'/, Uhr. Orpheus. Speclnlitöten-Vorstellung Ansang 8 Ubr. Charivari. Taglich Vorstellung. Ansang 7-/, Uhr. Metropol.'ne feine Nummer. Spccialitätcn- Vorstellung. Ast» fang 7Uz Uhr Apollo. Don Juan in der Hölle Specialtlöten- Vorstelluna. An- fang 7� Uhr. Uasiiio- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos. Sperialitäten- Vorstellung. Aufaug 7>/z Uhr. Palost. Specialttöten-Vorstellnng. Die sühen Mädel. Ans. 7 Uhr. Passage- Theater. Speclaliläte»- Vorstellung. Ansang»achniittags 3 Uhr. Passage. Panoptlk»,». Specialt- täteii-Vorstellnng. ReichShalle». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. »rania. Tanbenstr. 48/1».(Im Theaicrfaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal. Ansang 8 Uhr: Dr. Schwahn: AnS den Archiven der Urwelt. Jnvnlideusirafte 57/63. Täglich: Sternwarte. Urania. Tauben-Strasae 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Prähliiigstage an der Riviera Im Hörsaal um 8 Uhr: l>p. P. Schwahn: Aus den Archiven der Urwelt. Tnvnllilenntr. 57/03. Sternwarte. Castans Panopticmn Frledrlch-Strasae 165. Neu! Der Bnrenkrles und seine Schreckensscenen. Vorstellungen: 11—1 Uhr vormittags und 4—10 Uhr nachm. Neu! Ontenberg und der Itiichdruck. Neu! Konzert (Tiroler Sänger)— Vorträge (Konzertsänger). Lebende Photographien. Entree 50 Pf. Kinder und Militär 25 Pf. IriitrnUilifiitfr. Heute Dienstag, abends 7»/, Uhr: DA-S fütze Miidel. 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An, Doinier?tag. abends SVa Uhr. wird Genosse Rechisanwnlt Dr. Herzfeld in'den Knrhallen unter dem Bahnhof Bellevue über die Politik der Socialdcmokratie sprechen. Da uns die letzte Versammlung hintertrieben wurde, so richten wir die dringende Ausforderung an die Genossen, wiedenmr recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand des Wahluereins. Zweiter Wahlkreis. Dienstagabend 8Vs Uhr findet in Habels Brauerei, Berginannstr. S/7, eine Versammlung statt, in der Genosse ssritz Zubeil über„Die Bedeutung der preußischen Landtags wählen" sprechen wird. Regen Besuch erwartet der Vorstand besonders von den Genossen der„Friedrichstadt", da uns dort kein größeres Lokal für eine Versammlung zur Ver- fügung steht. Sechster Wahlkreis(Gesiindbrunuen). Heute, Dienstag. abends 8�/2 Uhr: Versammlung des Wahlvereins im Lokal„Marien- bad", Badstr. 36. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten R. Fischer über:„Marinepolitik und Socialpolitik". Diskussion. Verschiedenes. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vor st and. Treptow- Baumschulenweg. Morgen, Mittwoch, abends 8>/s Uhr, hält der W a h I v e r e i n im Restaurant Michler seine M 0 n a t s v e r s a m m l n n g ab, in welcher Stadtverordneter Genosse R e tz e r a u über„Die Pflichten der Wahlvereinsmitglieder" referieren wird. Schöneberg. Heute, Dienstagabend, findet im O b st schen Lokale eine Versammlung des Wahlvereins statt. Ans der Tagesordnung steht außer einem Vortrag des Genossen G r e m p e über„Unsre technischen Forschrittc" auch ein Antrag betreffend Ver- «nehrung der Zahlstellen. UokiÄlles. Der teuere Stadtbaurat. Gegen die Bauten des Stadtbaurats Hoffmann wird seit einiger Zeit von freisinniger Seite mit wachsendem Eifer Sturm gelaufen. Herr Hoffmann legt ans die künstlerische Ausgestaltung seiner Bauten mehr Wert, als man bisher von den Berliner Stadt-Bauräten ge« wöhnt war. Infolge dessen muß er aber auch an den Stadlsäckel etwas höhere Anforderungen stellen, als daS beispielsweise sein Vorgänger Stadt-Banrat Blankenstein gethan hat. Daher der Grinim des Freisinns! Die besondere Ungnade der freisinnigen Stadtverordneten- Mehrheit hat sich Herr Hoffmann dadurch zugezogen, daß er sogar den Gemeindeschulbauten den Stempel seiner künstlerischen Persön- lichkeit aufzudrücken bestrebt ist. Vom Standpunkt eines freisinnigen Spießbürgers aus ist das in der That geradezu unverzeihlich. Wer hätte früher solche Gemeindcschulhäuser in Berlin fiir möglich ge- halten I Hatte nicht bisher auf diesem Gebiete das Schlechteste als gerade gut genug für Proletarierlinder gegolten? Die Wortführer des Freisinns suchen allerdings ihren Ver druß über diese ihnen unverständliche„Verschwendungssucht' hinter allerlei Bemängelungen andrer Art zu verbergen. Unter andrem Ivill man herausgefiniden haben, daß Hoffmann zu unpraktisch baue, und specicll mit Bezug auf seine Schulbauten wirft man ihm vor, daß die Klassenräume zu dunkel ausgefallen seien. In dem Stadtverordneten-Ansschntz, der sich kürzlich mit der Prüfimg der Baupläne für drei neue Doppelschnlhäuser zu beschäftigen hatte, ist diese Frage zur Erörterung gekommen. Dabei wurde von einem Mitgliede des Ausschusses versucht, den zahlenmäßigen Nachweis zu führen, daß Hoffnianus Schulen wirklich zu dunkel seien. Herr Hoffmann hat diesen Vorwurf, der in der That schwer genug wiegen würde, wenn er begründet wäre, nicht auf sich sitzen lassen ivollen, und hat auf Klarstellung des Sachverhalts gedrungen Eine darauf durch den Ausschuß vorgenommene Besichtigung mehrerer Gemeindeschulhänser hat ergeben, daß allerdings in einer der letzten Schulbauten Blankensteins die Lichtzusührung etwas besser ist als in den ersten Schnlbanten HoffmannS. Doch mußten sämtliche Ans schußmitglicder zugeben, daß in den Klassenzimniern der Hoffmann. schen Schulen alle Plätze gleichmäßig beleuchtet und ausreichend hell seien. Wir sind gespannt darauf, was nun das nächste Mal sversucht werden wird, um den Beweis zu erbringen, daß Herr Hoffmann— der„teuere" Stadtbaurat, wie er selber in einer der letzten Stadt- Verordneten-Sitzungeii sich scherzend nannte— ein elender Stümper ist, und daß sein Vorgänger Blankenstein, der in seinen Bauten nicht bloß die beschränkenden Vorschriften freisiimiger Sparsamkeit so sorg fältig zu befolgen, sondern auch den nüchternen Geschmack des frei- finnigen Spießbürgers so sicher zu treffe» wußte, ein Genie war. - Die auf dem städtischen Schlachthof vollbeschäftigten Meischbeschauer und Fleischbeschaueriuncu haben sich abernials an die Stadtverordneten-Versamnilung gewandt: 1. ihnen ein festes Einkommen zu gewähren und 2. ihre Beamteneigenschaft anzuerkennen. Gleiche Anträge haben die Bersamni- lung schon wiederholt beschäftigt. Der Petitionsausschuß hat das Gesuch um Gewährung eines festen Einkommens zur Sicherung der wirtschaftlichen Lage der Petenten für gerechtfertigt erachtet und empfiehlt es zur möglichsten Berücksichtigung schon beim nächsten Etat. Dagegen soll der zweite Teil der Petition durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt werden, da nach dem Reichsgerichts-Erkenntnis vom 7. März 18S3 und Ober-Verwaltnngs- gerichts-ErkenntniS vom 8. Juli 1839 die Fleischbeschau-Beamten ebenso wie die Tierärzte beim Schlachthof keine Beamten-Qualifikation haben und nur als Sachverständige angesprochen werden können. Eine feste Anstellung der Fleischbeschauer ist nicht möglich, weil bei ihrer Annahme und Beschäftigung das Polizeipräsidium mitzureden hat, welches vorkommendenfalls auch ihre Entlassung fordern könnte. AuS dem städtischen Obdach in der Fröbelstraße geht uns ewe Mitteilung zu. Ivonach bei dem jetzigen starken Andrang das Abendessen nicht immer ausreicht. Jedem Obdachlosen, der bis Uhr acht zur Stelle ist, wird bekanntlich eine Portion Mehlsuppe und ein Stück Schwarzbrot gespendet; die Verteilung erfolgt zwischen 8 und 8>/« Uhr. Die Suppe leidet an sich schon nicht an einem Ueberfluß an Fettgehalt: Ivo nun aber mehr Asylgäste kommen als vielleicht angenommen wurde, erscheint sie nach der uns gewordenen Mitteilung so dünnflüssig, daß von einem Nährwert nur sehr bedingt die Rede sein kann. Auch soll die Suppe manch- mal nur lauwarm verabreicht werden, so daß sie selbst den Zweck, den Körper ein wenig zu erwärmen, nicht erfüllt. Ebenso wird darüber geklagt, daß die Mehlsuppe kaum Salz enthalte und zuweilen große, fast rohe Mehlklumpen in sich berge, gewiß eine Folge mangelhaften Dnrchriihrens. Eine weitere Klage geht dahin, daß die Wärme, die das Asyl in den ersten Abendstunden durchzieht, nur kurze Zeit anhalte und in der Nacht einer Kälte Platz mache, die bei den dünnen Bett- decken so enipfindlich wirke, daß an Schlaf kaum zu denken sei. Zum Schluß beklagen sich die Asylisten über das Ungeziefer, daS selbst zur jetzigen Jahreszeit auch in den Schlafsälen haust. Sie schreiben dies Nebel zum Teil daher, daß die Pritschen im Gegensatz zu früher nicht mehr täglich abgespritzt werden. Es ist wohl angebracht, den hier mitgeteilte» Beschwerden auf den Grund zu gehen. Gelegentlich der Beratungen deö Stadtvererdneteu-AnS schuffes über den Neubau der Adalbertbrücke machte Stadt- baurat Krause einige Mitteilungen, die sich auf den Teltow er Kanal beziehen. Danach ist eine Verbindung des Teltower Kanals mit dem Landwehrkanal unter Benutzung des Rixdorfer Stichkanals seitens des Magistrats und der Verkehrsdeputation geplant gewesen. Dabei haben sich aber derartige Schwierigkeiten bei Ripdorf herausgestellt, daß zur Zeit von der Ausführung dieses Projekts Abstand genommen worden ist.— Ferner ist noch ein Zweigkanal von dem Teltower Kanal durch den Plänterwald nach der Spree projektiert, wo die Stadtgemeinde etwa 58 000 Quadratmeter städtisches Terrain unentgeltlich zur Verfügung stellen soll. Die Verhandlungen sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Zur Eröffnung der Hochbahn. Fiir die heute, Dienstag, stattfindende allgemeine Eröffnung der elektrischen Hochbahn ist, wie geschrieben wird, daran zu erinnern, daß die Fahrkartenlösung. der Schaffner- Kontrolldienst usw. ebenso sind wie bei der Stadtbahn. Auch wird es mit Hilfe der zahlreichen Wegweiser leicht sein, sich mit der Neuerung vertraut zu inachen, daß für Abfahrt und An kunft je ein besonderer Bahnsteig vorgesehen ist. Anders das Ein- und Aussteigen. Man steigt in die Hochbahnwagcn durch Schiebe- thüren, die an den beiden Enden der Wagen angebracht sind. Der eigne Bahnkörper, der deni elektrischen Betrieb zum erstenmale in Berlin auf der Hochbahn zur Verfügung steht, ermöglicht ein un- gewohnt schnelles Anfahren. Versuche, in einen anfahrenden Zug einzusteigen, sind somit lebensgefährlich. Da ferner die Wagen je nur zwei Ausgänge haben, ist der kurze Aufenthalt auf den Halte- stellen ohne Rost, aber auch ohne Hast auszunützen. 72 000 Kubikmeter Schnee sind in der verflossenen Woche aus den Straßen Berlins nach den städtischen Abladestätten gebracht worden, was einen Kostenauswand von ca. 90 000 M. entspricht. Bezüglich der Schueeabfuhr war mitgeteilt worden, daß verschiedene Kutscher einesteils, um die weiten Wege nach den städtischen Ablade stellen zu ersparen, um so niehrere Fuhren machen zu können, den unter Kontrolle von städtischen Beamten aufgeladenen Schnee unter- wegs wieder abgeladen hätten. Diese Mitteilung entspricht jedoch, wie Nachforschungen ergeben haben, nicht der Wahrheit und ist bei der Eigenart der Kontrolle, welche die städtische Straßenreinigung durch- führt, auch undenkbar. Jeder Kutscher erhält, sobald der Schnee auf den Wagen geladen, von einem Oberaufseher der städtischen Straßen- reinigunq eine Kontrollmarke und hat diese bei der Anfahrt an dem Abladeplatz einem dort postierten Beamten, der auch die Ladung kontrolliert, wieder abzugeben. Auf Grund der Zahl der abgelieferten Marken erfolgt die Feststellung der geinachten Fuhren und die Be zahlnng derselben, wodurch ein Betnig natürlich vollständig zur Un Möglichkeit gemacht wird. Der Pserdefleisch-Konsum kann als ziemlich sicherer Maßstab für das Elend angesehen werden. Von Einzelfällen abgesehen, kauft nur der Pferdefleisch, der mit dem besten Willen eine andre Fleisch Nahrung nicht erschwingen kann. Im letzten Jahre sind 12 929 Pferde in der Ccntral-Noßschlächterei in der Greifswalderstraße geschlachtet worden, gegen 11 610 Pferde im Jahre 1900. Im Januar 1902 hat die Zahl der geschlachteten Pferde noch eine erhebliche Vergrößerung gegen den gleichen Monat des Vorjahres erfahren. Von den ge- schlachteten Tieren diente nur der kleinere Teil als Futterfleisch fiir zoologische Anstalten, wie Zoologischer Garten, Aquarium usw., während die Mehrzahl zu Nahrungsmitteln für Menschen verarbeitet wurde. Die meisten Pferde wurden in den Monaten Januar. Februar und Dezember dem städtischen Schlachthause zugeführt, während die geringste Anzahl im Juni, Juli und August getötet wurde. Ueber die Märcheubrnunen- Angelegenheit wurde in der letzten Sitzung des Grundbesitzer-Vereins von unterrichteter Seite mitgeteilt: Auf eine gelegentliche Anfrage habe Stadtbaurat Hoffmann versichert, daß die Angelegenheit bald zu aller Zufrieden hcit erledigt sein dürfte. Er habe gleich zwei Projekte ausgearbeitet, die demnächst der städtischen Deputation für Kunstzwecke' vorliegen würden. Es stehe zu erwarten, daß wenigstens eins von beiden auch höheren Orts auf Zustimmung rechnen könne. Na alsol In derselben Sitzimg wurde mitgeteilt, daß den unhaltbaren Zuständen im Friedrichshain bezüglich des kleinen und großen Teichs bimien kurzem ein Ende bereitet werden wird Die Teiche werden ausgebaggert, ceinciitiert und mit reichlichem Wasser versehen. Besonders zur Verschönerung wird die geplante Anlegung eincs in Kaskaden abspringenden Wasserfalles beitragen. Späte Liebe. Die seit fünf Jahren verwitwete Frau Anna Schvnseld, die in der Pappclallee 118 eine Küche bewohnt, unterhielt seit drei Jahren ein Liebesverhältnis mit dem um zehn Jahr jüngeren Maler Wilhelm Weiß ans demselben Hause. Der Geliebte wurde ihrer überdrüssig und wandte seine Neigung einer Jüngeren zu. Das nahm sich die 18 jährige Witwe derart zu Herzen, daß sie zu sterben beschloß. Als sie am Montagmorgen einer Freundin auf der Straße begegnete, lud sie sie zur Besichtigung ihrer Leiche ein mit den Worten,' daß sie die Untreue ihres Geliebten nicht überleben könne, die Freundin möge um 5 Uhr nachmittags in die Wohnung kommen, dann sei sie schon eine Leiche. Die Freimdin wurde besorgt und kam schon um 12 Uhr mittags. Auf der Treppe fiel ihr schon ein Geruch auf. Als sie mit Nachbarn in den nicht ver- schlosseiicn Raum trat, war dieser völlig verqualmt. Frau Schönfeld hatte die Maschine mit Steinkohlen geheizt, den Schieber geschloffen und die Ringe abgenommen. Sie selbst lag, mit Hemd und Unterrock bekleidet, im Bett und hatte die Befiiinuna bereits verloren. Auf ihrem Tisch stand eine Tasse mit einer Flüssigkeit, daneben lag ein Abschiedsbrief an de» Treulosen. Das 97. Polizeirevier bestellte sofort einen Lückschcn Wagen, der die bedenklich Kranke nach dem Krankenhause am Friedrichshain brachte, da ärztliche Hilfe nicht sogleich Erfolg hatte. Ein erbitterter Kampf um eine» Lotteriegewinn beschäftigt zur Zeit das Landgericht I. In der zweiten Ziehung der M e tz e r D 0 m b a u« L 0 t t e r i e, die am 9., 11. und 12. November v. I. stattfand, wurde das Los Nr. 264 732 mit dem dritten Hauptgewinn von 10 000 M. gezogen. Bald nach der Ziehung erschien bei dem hiesigen Haiiptkollektenr, eine Frau W., zeigte ein Notizbuch vor, in dem die erwähnte Nummer eingetragen war und erkundigte sich, ob sie gewonnen habe. Ihre Freude darüber, als sie erfuhr, daß es mit 10000 M. gezogen war, erlitt einen Dämpfer, als der Kollektenr die Vorzeigung des Loses verlangle und sie erklären mußte, daß eS nicht mehr in ihrem Besitze sei. Sie woklte das Los von einem Herrn geschenkt erhalten und es in ihrer Handtasche aufbewahrt haben. Diese habe sie eincs Tages kurz vor der zweiten Ziehung verloren. Der Kollektenr weigerte sich natürlich, die 10 000 M. auszuzahlen, bevor ein Aufgebot erlassen und die Recht- Mäßigkeit ihres Anspruches festgestellt sei. Für die Glaubwürdigkeit der Angaben der Frau W. sprach der Umstand, daß der Finder ihrer Handtasche in der Person eines Lumpensammlers ermittelt wurde, der vor Gericht einräumte, sich den Inhalt der Tasche angeeignet, ein darin befindliches Los aber als vermeintlich wertlos fortgeworfen zu haben. Der Lumpensammler wurde wegen Fund- Unterschlagung bestraft. Nun beauftragte Frau W. den Rechtsanwalt Dr. Schöps mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Dieser erwirkte zunächst ein Aufgebot des verlorenen Loses beim Amtsgericht zu Metz. Da stellte sich der überraschende Umstand heraus, daß sich über zwanzig Personen meldeten, welche das Los verloren haben wollten. Das Gericht steht nun vor der schwierigen Aufgabe, alle die verschiedenen Ansprüche prüfen zu müssen. Die 10 000 Mark ruhen einstweilen wohlverwahrt im Tresor des Bankiers. Schon wieder wird ein entsetzliches Brandungltick gemeldet. In der Brunnenstraße 125 erlitt ein halbjähriges Kind gestern starke Brandwunden am ganzen Körper bei einem Brande, der dort um Mittag in einer Wohnung ausgekommen war. Das schwerverletzte kleine Wesen wurde sofort nach dem Lazarus-Kraukenhause in der Bernauerstraße gebracht, wo man aber nur wenig Hoffnung hegte, es am Leben zu erhalten.— Etwas später kam in einem Keller der Blücherstraße 32 Feuer ans. Es brannten dort Tapeten, Kisten, Packinnterial u. a. Nach der Kronenstratze 10 wurde die Feuerwehr gerufen, um ein Pferd zu retten. Hebel zugerichtet wurde am Sonntagabend angeblich bei einer Schlägerei auf dem Gesundbrunnen der 26jährigc Maler- gehilfe Rudolf Getschorek aus der Landsberger Allee 136. Er trug drei Wunden am Kopf und eine Wunde am rechten Arme davon. Die Verlctzniigen erwiesen sich bei der ersten ärztlichen Untersuchung als so schwer, daß G. in eincni Koppschen Rettungswagen nach einem Kraukcnhause gebracht werden mußte. Die behördliche Vernehmung über den Hergang hat noch nicht stattgefunden, so daß ein genaues Urteil noch nicht abgegeben werden kann. Beim Eislaufen verunglückte auf der Obcrspree in der Nähe der L i e b e s i 11 s e l ein junger Mann. Er brach ein und versank vor den Augen der übrigen Schlittschuhläufer. Besser erging es einem Herrn, der auf der Dahme einbrach. Auf seine Hilferufe eilte ein Landwirt mit seinem Jagdhunde herbei, warf sich platt aufs Eis und zog den Mann, den der Hund zunächst gehalten hatte, aus dem Wasser. Ein schwerer Strastenbahu-Uufall hat sich in der Ackerstraße ziigetragen. Die zehnjährige Lisbeth Wachholz aus der Liesenftraße stieg mit ihrem einjährigen Bruder Karl aus einem Straßenbahn- Wagen und nahm den Knaben auf den Arm, um ihn über den Fahrdannn zu tragen. In diesem Augenblick kam aus der entgegen- gesetzten Richtung' noch ein„Elektrischer" und erfaßte die Rinder. Während das Mädchen zur Seite flog, geriet der Knabe unter den Wagen und wurde mitgeschleift. Schwer verletzt wurde er nach dem Laz'arns-Krankenhause geschafft, wo er hoffnungslos daniederliegt. Die Schwester hat starke Abschürfungen an den Beinen davon- getragen. Ei» vermntltch amerikanischer Schwindler, der sich denRamen Karl Friedrich Zöller aus Philadelphia beilegt, mißbraucht de» Namen des Professors Joachim, des Direktors der königlichen Hochschule für Musik. Unter Vorzeigung einer gefälschten Empfehlung des Pro- fessors stellt sich der etwa 24 Jahre alte Betrüger als ein kranker Musikschüler vor und bittet um Unterstützung. In zahlreichen Fällen ist ihm seine Absicht gelungen. Er hat das Aussehen eines Künstlers, dunkles Haar und einen kleinen dunklen Schnurrbart, trägt einen schwarzen Ueberzieher uud einen schwarzen Schlapphut. Theater. Das Schillcr-Theater bringt heute die erste Aus- fühning von„König Harlekin", Maskenspiel in 4 Aufzügen von Rudolf Lothar, in folgender Besetzung der Hauptrollen: Königin Gertrud; Eiuiua Griebe: Bohcutund: Georg Paeschkc: Tancred: Max Palegg; Gisa: Else Wasa; Prinz Ezzo: Otto Rembe; Harlekin: Rudolf Lcltinger: Pantalone: Max Kirschner: Colombine: Marianne Wulf; Scapino: Nein- hold Köstlin. Neuer Berkchrsplan. Soeben erschien bei Alexius Kießling in Berlin SW.. Klembeerenstraße 26, in sechster Auflage(Ausgabe 1ä62): Kießlings Großer Werke hrspla 11 von Berlin wit allen Bororten 1: 20000, 6 farbig 2 M., bsarbig IV2 M., 3 farbig 1 M. Mit allen Verkehrslinien und Verzeichnis der Straßen und Sehenswürdig- leiten. Der in schönem Farbendruck ausgeführte Plan ist in allen Teilen bis aus die neueste Zeit ergänzt. Es hat darin das Straßennetz der Vor- orte Schöneberg, Wilmersdorf, Rixdorf und Boxhagen-Rummelsburg, das im letzten Jahre bedeutende Aenderungen erfuhr, eine ganz korrekte Dar- stelluug gesunden._ SliiS treu Nachdnroick«». Die trenmonarchischen Stadtväter zn Potsdam beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung aus Anlaß der von einer Arbeits- l 0 s e n- V e r s a in m I u n g vorgebrachten Resolution mit der A r» b eit s l 0 si g ke it am Orte. Der antisemitische Stadtverordnete Frölich hatte in dieser Versammlung den Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Steuerung der Not befürwortet und vertrat diesen Antrag auch nn Stadtparlamcnt. Darauf antlvortete der Stadtverordnete und konservative Reichstags- Abgeordnete, Tifchlcr» ineister Pauli, daß die Arbeitslosen- Versammlung nichts als ein Lustspiel, eine Komödie und Posse fei, bei der leider ein Kollege den Komiker gespielt habe. Er wüßte nicht, was von der Stadt zur Abhilfe des ArbeitsmangelS gofchchen solle, den Pfingstberg könne man doch nicht abkarre» nild aufs Bornstedtcr Feld fchaffen, Stadtverordneter Hofsattlermstr. Bernhard hob hervor, daß die Potsdamer Arbeiter sich weigerten beim Teltowcr Kanalliau mit den„Pollacken" zusammen zu arbeiten. Oberbürgcnneistcr Jahne konnte gleichfalls einen be- s 0 n d r e 11 Notstand nicht anerkennen. Jedem, der bei der Stadt nm Arbeit nachgesucht habe, sei solche gegen 1,23 M. pro Tag nachgewiesen worden. Die Berechtigung des in der Arbeitslosen- Versammlung aufgestellten Lohnsatzes von 3 M. pro Tag müsse er bestreiten. Nachdem noch andre Redner gegen den Frölichschen An- trag, der den Zweck haben sollte, thnnlichst schleunigst bevorstehende städtische Arbeiten in Angriff zu nehmen, gesprochen hatten, wurde derselbe abgelehnt. Stadtv. Frölich hatte zuvor erklärt, daß er perfönlich dem Stadtv. Pauli nicht antworten wolle, um sich nicht einen Ordnungsruf zuzuziehen. So sieht es nm das sociale Empfinden einer in Monarchentrene fast vergehenden Stadtverordiieten-Versammlung aus! Schöneberg. Der neue Vertragsentwurf mit der Englischen Gas-Gesellschaft, wonach die seitens derselben vorgeschlageneu Bedingungen auf 20 Jahre verlängert werden sollen, wurde in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten nach beinahe dreistündiger oft erregter Debatte einem elfgliedrigcn Ausschuß überwiesen, dem auch Genosse M a s n ch angehört. Eentralverein der Bildhauer Deutschlands(BerwaltimgSstellc Berlin), Abends ö'/z Uhr, im Gcwerkfchaftshaus, Engelufer IS, Saal I: Bersanmilung. Ceutralvercin der Bureau- Angestellten Deutschlands.(Mit- qliedschnst Berlin.) Abends 9 Uhr Rosenthalerstt. 57 bei Bauer: Mitglieder- Bersammluiig. Bcrei» der Mineralwasser-Arbeiter. Dienstag, den 18. Februar: Vereinsoersaimnlung. Schmidstr. 21 bei Hecht. Briefkasten der Redaktion. Die sniistische Sprechstunde findet täglich mit AnSnahme des Sonnabends von 7i/i bis'.U/a llbr abends statt. A. G. Wenden Sie sich an die Direktion der städtischen Straßen- reinigung. Kleine Frankfurterstr. 6. E S. Wende» Sie sich an den Reichötags-Abgeordneten Paul Singer. Lindcnstr. 44, Interessent. Der Zollsatz auf Kaffee, roh, beträgt pro Doppelcentner 40 M,; gebrannt, geröstet, gemahlen SOM. Cichorien 4 M." Ersatzstoffe 40 M. Andre Kaffee- llSttternngSüberstch» vom 17. Februar I»V3, morgen»«Uhr. Stationen Swtnemde Hamburg Berttll Frankf/M, Münche» Wie» -- s s« Wetter 769 SO 766 O 766 OSO 760 NO 7S7 Still -!O' 3, bedeckt Ljbcdeckt 4bedeckt Slieiter -Nebel öK C« All E w, -7 -4 Stationen . s o 6 5« Haparanda Petersburg -PCock — Silberdeen — 4ParIS 752 NW 7S7�SW 760 N Wetter wölke»! Regen wolkig tSK c � -7 llvrtter.Prognose für Dienstag, de» 18. Februar IVOS. Ziemlich trübe, zunächst etwas wärmer mit geringen Niederschlagen und mäßigen südöstlichen Winden, BerlinerWetterbureau, Achtung! Achtung! SiciMcmoliriiMn Mahluerel« für de« 1. Berliner Ueichstigs- Wahlkreis. Donnerstag, den A. Februar, abendS S1/, Uhr, in den IlnriiüU«», Holsteiner Ufer 19(unter dem Bahnhof Lellivne): Tages-Ordnung: 1. Die Politik der Socialdemokratie. Referent: RelchStagS-Abgeordneter Dr. 2. DlsfuffiON. 3. Verschiedenes. 238/4 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet v«? Toratand. SortaldrmaKratislher Wahlverein für de« 4. Verl. Beichstass-Wahlkreis iZiidsslf. DienStag, den 18. Februar, abends 8 Uhr, bei Granmann, Nannyiiftr. 27; V ersammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten!eiallr«i»l»i»lir über: Die erste Lestmg des Zolltarifgesetzes in der Kommtsston. 2. Diskussion. 8. Bereinsangelezenheiten. 242/8 Zahlreichen Besuch erwartet v«!» Toratand. Achtung: Ailztung� SotialdemokraMer Verein im 5. Berliner Reichstags-Mahlkreis. Freiillg, den II zebrmr 1902, fMtö 8I2 Uhr, in VötzowS Brauerei, Prenzlauer Allee S4S: Oeffentliche Bersammln»»g. TageS-vrdnuug: 1.»Zoll- und Klasteupolitik.« Referent: Schrlststeller«oorzr Bernhard. 2. Lereinsiiiitteilungcn. 3. Verschiedenes. Männer als Gäste willkomuten. 245/5 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet »er Toratand. Socialdemokratischer Wahlverein für den VI. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Beule. Dienstag, de« 18. Zedeuae, adeads 81- K!it: Versa mm Ih«g- im„M arienb a d", Badstraße SS. Tagesordnung: Vortrag deS Reichstags- Abgeordneten Blolinrd riselier über:»Marine- Politik und Socialpolitik." 2. Diskussion. Z. Verschiedenes. 246/18 Um zahlreiche Beteiligung ersucht ver Toratand. Socialdemokratischer Wahlverein für Schöneberg. Heute, Dienstag, de» 18. Februar, abends 8'/- Uhr: Vsrsins-Vsi'seiriiiiiliiiiN im O bstfche» Lokal, Meiningcrstraste Nr. 8. Tagesordnung: 1. Vortrag:»Unsre technischen Fortschritte.« Referent: Genosse Ingenieur c-romp«. 2. Diskussion. Z. Antrag Seidel betr. Bermehru»» der Zahlstellen. 4. Vereinsaiig-legenheiten. _ Pflicht eines jeden Mitgliedes ist eö, zu erlcheinen._ 15/4_ l>er Toratand._ SaliildtmaKratisiKer Mahloerei« für dt««. Berliner Reichstags-Wahlkrels. 8«I»Ä»lAttIRKSK' DieuStag, de» 18. Februar, abends 8V, Uhr, in Wernau« Fcstsäleu, Schivedterstraf»c 23: VeriÄttttttlung"MF Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Ledeboar über: Die politische Lage. 2. Disrnssion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Genossen ist zu erscheinen. KOOb_ Per Toratand. I. 81: Karl Mar«. Deutscher Holzarbeiter-Verband. DieuStag, 25. Februar, abends 8 Uhr, im GewerkschaftöhauS, Engelufer 16. Saal III: Vfnndiouvovfnmmlulm der Mnsikiustrnmentän-Arlieiter. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über die Arbeitslosen- Unterstützung. 2. Branchcnangelegenheit und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ist notwendig. 70,7 AMung! StoA-- II. 1 flliilolöiirüfitfr. Mittwoch, den 19. Februar 1902, abcndö 8 Uhr, bei Keller _(oberer Saal), Koppenstr. 29: MW in m I ii it£. Tagesordnung: 1. Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung. Referent Kollege Zorn. 2. Diskusston. 3. Bericht der SjewerbegerichtS-Bcifitzer. Referent Kollege Klinger. 4. Werkstattangelezenheit.'....... In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung bitte zu erscheinen._____ DieuStag, 18, Februar, abds. 8'- Uhr, im GewerkschaftöhauS, Engclnfee 16, Saal TU 5. Berschiedelies ich sämtliclie Kollegen Der Obmann. vNÄNvKsN-VSNSSNHJJHlUDHN der Dltamm«i,ar!>er und aller in der Deiiuloid-Haarsohmuck-Dranohe beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben der Organisation während der Krise und die Arbeitslosen-Unterstützung. Referent Kollege Dentzer. 2. Dts- kussion. 3. Die Disscrenzen bei Döbbelin. 4. Verschiedenes. Kollegen! Da wir zur Ardeitsloseu-Untrrstützung Stellung nehmen müssen, ist ein vollzähliger Besuch dringend notwendig, Acht«««! Einsetzer. Aldi«««! Mittwoch, de» 19. Februar' er,, abends 7 Uhr: Sitzung der RonimisNo« und llttfranfusiniiiiiirt bei Whlilmann, Engel-Ufer. Erscheinen aller unbedingt notwendig._ Der Obmann. TerivallnnsaMtelle Berlin. Mittwoch, den 19. Februar er., abends 6 lthr, im„Marienbad", Badftrnfte Nr.»6/8«: Oeffentliche Werkstatt-Versammlung Aller bei der Firma �radalm, Badstr. 40, beschäftigt. Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Kollegen zu den fortgesetzten Lohnreducterungcn und der inhmnanen Behandlung seitens der Vargesetzten? 2. Diskussion. Die Betriebsleitung ist eingeladen. Erscheinen aller in der Firma beschästiate» Kollegen erwartet zgg/z Pte Ortsverwaltnnaf�_ Mal-Kranken- Dod Sterbl» der Zimerer. Oertllche. Verwaltung Berlin. Den Mitgliedern dcS dritten Bezirks zur Nachricht, dah in der Mit- gliederversamnilung vom 7. Februar Bax ZLttleeke, Wcldenweg 71, II. »um Kassierer gewählt wurde. 259/2 Beiträge werden Sonnabends von 8—10 Uhr abends und Sonntags vormittags von 9—12 Uhr bei Bntachke, Krantstr. 36, entgegen- ßenommem Der Borstand. II.«ehrilder. Berliner Konsum-Berein. Dienstag, de» 25. Februar, abends 8'/- Uhr, in den Rrminhalleu. Komniandantenslrabe 20: Außerordentliche Generalversammlung TageS-Ordnunz: � 105/13 Gr. öffentl. Volksversammlung für Münner und Frauen Mlikkttioch. den 19. Jlebrunr 1992» abends 8 Mhv. in Kellers groftem Saal, Koppeustraßc LS. Tagesordnung: ioKt«Oesnndheter md ihre««Il-giW« Gtg«tr! Referent: Stadtverordneter Aitalph Hoffmwnn. Der Klnstritt ans der Landeskirche.— Wahl der Revisoren— Zur Deckung der Unkosten wird ein Eittree von 10 Pf. pro Person erhoben. KM- Die Anhänger und Gegner der„Gesundbeter" sind eingeladen. AuStritts-Formiilare sind nnentgeitltch zu haben und werden ans Wunsch ausgefüllt bei: G. Bohne, Brnnnenstr. 141. F. Bnckuw, Ebelingstr. 16. A. Hoffmann. Blumenstr. 14. H. Jänsch, Weidenweg 71. E. L i n d e in a n», Moritzstr. 9. Fortsetzung der Statutenberatung. Ter B-rstand. Ceiitrillvtrdaiih kt innrer it. Zahlstelle Rixdorf. Mittwoch, de» 19. Febrnar, abends 8 Uhr, im Lokale deS Herrn Lauttuer, Bergstrastc 151— 152: Miigliedep-Versammfiung. TageS-Ordnung: 1. Wahl der Verbandsleitung. 2. Berbandsangelegenheiten. 3. Ver- schiedenes. 137/7 Zahlreichen Besuch erwartet Die örtliche Verwaltung. Deutsch. IVIotallarbeiter-Verband Verwaltangsstclle Berlin. Bureau: Engel-ilfer 16. Zimmer 1—6. Fernsprecher: Amt TU, 353. Mittwoch, den 19. Febrnar. abends 8*/, Uhr. im GewerkschaftS- Hans, Saal I. Sngcl-User 16: Nonforenz dev Vortrunonsleute für GOden, 8Ud-Ostcn inifc Itlxdorf. 111/16 Zahlreiche» Scfucb erwartet Die Ortsverwaltung. herein Msdjtr Sdnliiiiider. Mittwoch, den 19. Febrnar. abendS 8>/, Uhr. im Saale des BnzrllaeUe» Barten«, Alexauderstr. L7e: M TageS-Ordnung: 1. Stichwahl zur Münchener Generalversammlung. 2. Bericht der Delegierten von der Brandenburger ProvinziaNonferenz. 3. Bericht der Delegierten der Gewerkichaftskominission und Neuwahl derselben. 4. Antrag aus Aufhebung des 5 Pf.-LokalsondsbeitrageS. 5. Verschiedenes. IM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."UM Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverioaltnng. Sonnabend, den ÄÄ. Febrnar, hält der Verein deutscher Schuhmacher im Schweizer. Garten, am König?- thor, und in Cohns Festsälen. Beuthstr. 19, zwei Wiener Maskenbälle ab. Billets a 50 Ps. sind bei den Vertrauensmännern, den Kassierern, in den Zahlstellen und dem Bureau, Dragonerstr. 15, zu haben. 169/3 Um rege Beteiligung ersucht__ Die O>tS Verwaltimg._ Achtnug:, KleXiei*! Dienstag, den 18. Februar, nachmittags 4 Uhr, bei Jannanclik, Jnselftrahe 10: Große öffentl. Uersammlnng sämtlicher Kleber Berlins und Umgegend. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommissto» über den Stand deS Streiks. 2. DtStnsston. 101/6 3. Entgegennahme der Gtreiklegitimattonen resp. ArbeitSberechtlgungSkarten. Die Lohukommisfio». fjOIÜg! Nnversälscht. deutschen Bienenhonig, beste Qual., vers. 9 Pfd. netto zu 6,50 M., 5 Pfd. 4 M. franko Nachn. Garant. Rück». B. Keil. Tord- loh, Bahnhof Augustfehn Oldcnbg. 5% Psnnd Brot 50 Ps. llack wäre MK- U Stück für 10 Pf."UM Albreclit* Blickei-eien: Wrangelstrahe 9, Krautstrahe 19. Faltrnsteinstr. 28, Laiisit-erstr. 2. Dr. Sctiünemanu, Specialarzt für Haut-. Harn- und Frauenleide», Sle>deleitr. 9. Sprechstunden: V.12—'/.3, V26-V,8. Dr. Simme), Prlozenstr. 59. Specialarzt für 7/10* Bant- nnd Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Dr. med. ächaper homöop, Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankhettem. Köniagrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Bruch-PollmH enipsiehlt sein Lager in Srnclwon- üagsn, beiddlnllon, versäsbiiltsrn, Spritron, Suopenooro, sowie»ilmtl. Artikel zur Krankenpflege. äHF" Kigene Werkstatt. Lieferant f.Orts- n. HilfS-Krankenkaffen Berlin C,[3173«» 30. Zlnien-Straße 30. Kranz-«hö Plinncubiiilifrfi von Robert Meyer, m iiirimiiifM-Striisje 3. BereinS-Kränze, Palmen- u. Blumen- Arrangeincnts, Beuquels, Guirlandeu usw. werden sein a. preiswert geliefert. DknMtt Skiltfrlder-Viiiii»."«"' L,»litßlitl««m»Äii,|. Tagesordnung: 1. Abrechnung pro 4. Quartal 1901. 2. Neuwahl des BorstanbeS und der Revisoren. 2S6/6 Mitgliedskarte legitimiert._ Paul Möhring. Vorsitzender. LliMIrmiii llsr killliiMs (Verwaltungsstelle Berlin). Sonntag, den 23. Februar 1002: Grosse karnevallstlsche Sitzung mit Dämon in den gesamten oberen Bäumen des OewerkachnftsUauses, mit darauffolgendem TflllZa Entree inkl. Tanz 0,43 Mk. Anfang Punkt 6 Uhr. Gaste willkommen. BHIetu sind zu haben beim Kollegen Order, Kfipnlckeretr. 1, zweiter Aufgang 4Tr., nnd im Bnrean, Engel-Ufer 15, Zimmer 37, und am BUfl'ett im Gewerkschaftahaas-Itestaurant. Ohne Kostüm. Narrenkappen sind am Eingang ru haben. 20/8» Der hohe Rai der Elfer. Bureaus fürGewerkschaften, Krankenkassen ufio. sind billig zu vermiete» im Lokal von Patt 497b DraD0»er8ll'll88S tS. iaskon Ganlerobe von Carl Ernst, 5töpnicketstr. 126, 1 Tr. Grösite SlnSwahl 1 Billigsir Preise! Borzeiger dieser Annonce erh. 10«/, Preisennäsiigung Llltt- und Cottillon- Artikel. Sämtlicher Festlichkcitsbcdarf für Berel»e. 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Ein ehrendes Andenken dewahrt ihm der Verein Bixilorker Tanzlehrer. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Februar, nachmittags 4 Ubr, nom Trauerhause, Herzbergstrasse 13, aus statt._ Mg. KrMetl- i!|öTt® biße Oer Metil�rbeiter. (Eiiiule Rixdorf.) De» Mitgliedern zur Nachricht, dass das Mitglied ö«lb Wilhelm Rudolph am 15. Februar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. d., nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause ans, Herzbergftr. 13, nach dem Rixdorfer Kirchhof statt. _ Die OriSverwaltung. Deutscher- Metallarbeiter- Yerhanö Bcrwaltnngsstelle Berlin. Burean: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Todes-Anzeige. De» Mitglieder» zur Nachncht, daß unser Kollege, der Dreher itfilh. Rudolph am 16. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 19. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Wohnung Rixdorf, Hcrzberg- straße 13 aus statt. 111/17 Rege Beteiligung erwartet Ble Ortsvcm'altnnjx. Ctntral-Kranken- n. Sterbe* fapcrbeittjdjeitSiigeubiuiec OrtSberwaltung Rnmmclsburg. Xodes-Anzeiffe. Am 15. Februar er. verstarb das Mitglied, der Schloffer Johann Säbelfeld im 50. Lebensjahre. Ehre seinem Zlndetlkenl Die Bcerdigmig findet am DieuStag, den 18. Februar, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause, tfichteuderg, Kietz« Weg Nr. 15, aus statt. 5716 Die Ortsvcrwaltung. - Todes- Anaieiffe. Nach lange», schweren Leiden entschlief sanst am 15. Februar, vormittags 3'/. Uhr, mein innig- geliebter Mann, unser auter Vater, Schwieger- und Gross- vater, der Gasnvirt August Hönsch im vollendeten 60. Lebensjahre. Die Beerdigung findet an: Dienstag, den 18. Febrnar er., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirch- Hofs, Landsberger Allee, statt. VI« trauernden Hinterbliebenen. GWesedtt» 60 pt Pfand(gröber* 30m Hfiljfn). Echlnchtfcle rn, rol* sie 0. d.«Inn, fallen, ,»>> allen Da»»cn VI. 1.50, füllfrriiger£önfttupf Dl. 2.00, besser*«Sönfebalbdaun-n m. 2.50, .1.00. beste schneemelbe m. B.50, russische raunen M. 3.50, weiß, böhm. raunen M. 5.00. z.. ristene»cdern m. 1.50, 2.00, i.50. Prima gerissen« IN. 3.00, 3.50. Versand gegen Nachnahme. Custav lustig, prinzenss-aß?»«». «Zrjl» Bettfedernfabrik m electr. tepprieckcn kauft man am besten n»d billigsten nur direkt in der Fabrik B.StroIitnnndel, Berlin S. 72, Wallslr. 72,«".".•.r., wo auch alte Decke» ansgearbeilet werden. 33731!� 8 Schiene 2 m.* Vollkoiuiiien seliraerxloacs Znaiiielclieii 1 Stark. Plomben 1,60 M. Eoparatur. sofort, ümarboit. schlechtsitz. Gebisse| Zahn-Arzt Wolf; Leipzigerstr. 130. (Haue Sohaarwächter). Sprechet. 9—7 Uhr.* Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortltch:»h.«ilocki in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiua i» Berlin.