Zlr. 45. Adonntmeuts-Aedingungen: Ilbonnemenli-Prei» pränumerando: VIerlellährl. J.go M!�, monall� l.lvMl., wöchexlUch 2S Psg>»rei In« Hau». Simelne Numm»r S PI». Konniag»- Nummer Mi»«»»nrieriec?onn:nx»< Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Hbonnemenl: l.w Mark pro A onal, Singslragen in der Post-Zettung»- Preisliste für 1V0S unter»r. 7878. Unter Ilrsuzdand für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Aulland S Marl pro Monat. 19. Jahrg. Ate Znftrlwns-GMlil detrflgl für die lechigsspaltenc Kolonel« »eile oder deren Slaum so Pfg., sür voiullcheuiid gewertschastlichs Verein»- und Versammlung»-An,«igen 20 Pfg, „Kleine Zinjeigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort f->i>. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 1 Uhr nachmittag» in derErpedition abgegeben werden. Die TrpcdiUon ist an Wochentagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und gestlazen btsSUhr vormtllag» geöffnet. Erscheint täglich»uher Montag». Devliner Volksbl�lk. Telegramm-Adresse. »Oorialdemostrat Verls»«" Cvntralorgan der socialdemokratlschen Partei Deutschlands. Redalitlon': SW. 19, Venth-Skrahe 2. Fernsprecher: Stmi I Nr. 1508. Sonnabend, den ÄÄ. Febrnar IVWS. Expedition: sw. 19, Veutlz-Skrahe 3. Fernsprecher: Amt I Nr. 5131. Reisefrennde. Im Reichstag erklärten am letzten Donnerstag unsre Genossen gegenüber dem Geschwätz von der Vaterlandslosigkeit der Social demokraten, daß gerade unsre Partei in edelster Weise den nationalen Gedanken verkörpert, weil sie allein auf die kulturelle Wohlfahrt aller Volksglieder hinwirkt. Aber auch in andrer Hinsicht fällt der Socialdemokratie immer mehr die von den bürgerlichen Parteien im Stich gelassene Aufgabe zu, die W ü r d e und d a S S e l b st b e w u ß t f e i n des Vaterlandes zu wahren. ES ist seltsam, daß dieselben Leute und Parteien, die einem ekelhaften, siuulosen und verderblichen Chauvinisnius huldigen, die ein« weltpolitisch schneidige PrahlhanSpolitik der Selbstüberhebung und Vergewaltigung treiben, die alle andern Völker auf Kosten der Deutschen herabsetzen und ihre Niederiverfung als nationales Herren recht heischen— daß dieselben Elemente bei jeder Gelegenheit bereit find, in der demütigsten Weise um die Freundschaft des Auslandes zu werben. Wenige Jahre, bevor Deutschland den unbarmherzigen EchreckenSkrieg der„gelben Bestie' kündete, konnte Li-Hung-Tschang� als Vertreter einer erhabenen Nation, in Deutschland eine Triumph reis« durch ein Spalier unterwürfig gebückter Germanenrncken vollenden. Die» jammervolle Schauspiel»viederholt sich immer aufs neue und die bürgerliche Presse, als Vertreterin der kapitalistischen Interesse»- gruppen, findet niemals ein Wort gegen derartige nationale Selbst entäußerungen. Bei der jetzigen Tauffahrt des Prinzen Heinrich sehen wir dieselbe klägliche Erscheinung. Abgesehei» davon, daß von keiner Seite diese Diplomat««Politik kleiner Prä- s e n t e, die ein Hohn auf jede ernsthafte StaatSmannSknnst ist. mit der notwendigen Schärfe kritisiert»vird, wagt man nicht einmal ein Wort des Protestes gegen die jeden ehrlichen Nationalstolz ver letzenden Begleiterscheinungen, unter denen sich wiederum die Aktion vollzieht. Nein, alles schwelgt in höchster Kabel-Begeistcrung, weil drüben die Dollarmilliardäre eS sich ctivaS kosten lassen, nial einen deutschen Prinzen zu fetieren. Noch ist der Brief des Prinzen Heinrich an den amerikanischen Admiral Dcwch nicht aufgeklärt, und schon hört man von weiteren höchst merkwürdigen Vorgängen, die aber anscheinend nur das mangelnde Nationalgefühl der Socialdemokratcn verletzen. Wir teilten gestern jenes Telegramm des„Nelv Dork Journal and Advertiser'»nit, auS dem hervorging, wie viel Mühe das Aus wärtige Amt aufwendet, um die amerikanische Presie der Reise des Prinzen Heinrich gnädig zu stimmen. Der deutsche Preß-Feld Marschall Hamman soll sogar die Person des Kaisers hereingezogen haben, um den Ausdruck seiner Dankbarkeit für daS freundliche Ver- halten des New Uorker BlatteS zu verstärken. „Diese erstaunliche Auszeichnung des„New Dork Journal and Advcrtiser' bildet", so führt eine uns zugegangene Zuschrift a»S. „ein charakteristisches Seitenstück zu einem andren Zwischenfall, ivelcher sich kurz vor der Abreise des Prinzen Heinrich auS Bremer Häven zugetragen hat. Es ivar dies am Tage nach der Ver- öffentlichung jener„Herald'-Dcpesche, in welcher cS hieß, der Prinz hätte an den fainosen Admiral Dewey eine Art EntschuldigungS- . schreiben wegen der bekannten Vorgänge vor Manila gerichtet. Der Prinz wurde nun swie eS heißt, a>»f Betreiben des Botschafters v. Holleben) von seiner Umgebung veranlaßt, vor seiner Abfahrt den Berliner Reporter der„Associierten Presse" zu sich zu rufen und die Existenz jenes Briefes ausdrücklich in Abrede zu stellen. Zu derartigen direkten Kundgebungen„auS allerhöchsten Kreisen" benutzt man also ausgerechnet die„Afsociierte Presse" und das New Forker„Journal" l In diesem Vorgehen spiegelt sich eine der aller unerfreulichsten Charakter-Eigentümlichkeiten des neuen Kurses wieder— die förmliche Sucht, sich mit Freundschafts- und Ver- trauenSbeweisen gerade an solche Elemente zu luciiden, von denen man noch kurz zuvor auf das gröblichste beschimpft worden ist. DaS nennt man in Deutschland verniutlich„höhere Politik"� und„Staats- raison". Auderslvo nennt man eS— anders. Die.Afsociierte Presse" hat 1893, gerade während der kritischen Mauila-Episode, von Berlin auS in einer Weise gegen Deutschland gehetzt, daß in daS amerikanische Volk der bitterste Haß gegen alles Deutsche hineingepflanzt ivurde. Der damalige Reporter der „Associierten Presse" in Berlin war der berüchtigte Wolf v. Schier- brand— ein Renegat schofelster Sorte, der, um sich in seiner Stellung zu erhalten, blindlings den Instruktionen seines Londoner Vorgesetzten, eines gewissen Neef, gehorchte. Und diese Instruktionen lauteten bündig:„Run down Germany by all means!•— Deutschland mit allen Mitteln schlecht machen I Und Schierbrand machte Deutschland schlecht,— so schlecht, daß die Amerikaner laut jubelten, als Deiveh in Trieft ser war damals auf der Heimfahrt aus Manila begriffen) das geflügelte Wort aussprach: „Our nexd war will be with Germany."—„Der nächste Krieg. den wir führen werden, wird der Krieg mit Deutschland sein!" Dasjenige Blatt, ivelches in dieser kritischen Zeit diese Feind- scligkeit gegen Deutschland am eifrigsten und gehässigsten, in Wort und Bild, zu schüren beflisse» ivar, war das— Nelv Dorker„Journal". Der Herausgeber dieses Blattes, der Millionär Hearst, rühmte sich 1898 laut und öffentlich, daß e r es geivesen sei, der durch seinen Einfluß alS ZeitungS-HcrauSgeber den Krieg gegen Spanien herbei- geführt habe. Er pflegte wohl auch hinzuzufügen:„Jetzt»vird wohl bald Deutschland an die Reihe kommen." Das war lange, ehe Deivey seinen berühinten Ausspruch that. Hearst ließ denn auch in Bethätignng dieser seiner Gesinnung in seinem Blatte einen „Cartoon" zeichnen, in welche»! Onkel Sam dargestellt wird, wie er eine männliche Figur, die Deutschland personifizieren sollte, über's Knie legt und ihin mit drohend gcschlvungener Rute die Worte zu- ruft:„Du, wenn Du Dich nicht ordentlich aufführst. bist Du der nächste(nach Spanien)!" DaS ist aber nur ein Pröbchen der perfiden Brunnenvergiftung, welche damals in dem Hearstschen Blatte betrieben wurde. DaS „Journal" betrieb die Beschimpfung Wilhelm? II. geradezu als Sport— zum größten Gaudium seiner Leser. Wenn dasselbe Blatt jetzt mit einem Male eine allerdings recht plumpe, ungeschickt gemachte Deutschfrenndlichkeit zur Schau trägt, so wird dies keinen Kenner amerikanischer Preßverhältuisse auch nur einen Augenblick über raschen können. DaS Blatt weiß eben, daß drüben augenblicklich mit der Deutschfreundlichkeit die besten Geschäfte zu mache» sind, ebenso gute Geschäfte, wie seiner Zeit die Hetze gegen Spanien und Deutschland, die man im Auswärtigen Amt offenbar schon wieder vergessen hat. Warten wir einmal ab, wie dasselbe „Journal" in sechs Monaten über Deutschland schreiben wird, ivenn der jetzt in Scene gesetzte Rummel drüben wieder verflogen sein wird, Und er wird erschrecklich schnell verflogen sein, trotz der amtlichen Ver- brüdcrung mit der„Associierten Presse" und„Journal"."— «• * Soweit die Zuschrift. Es ist ja an sich mir eine unbeträchtliche Episode, die in ihr genauer gezeichnet wird. Dennoch ist der Vor- gang typisch für die gegenwärtige Politikinachcrei Deutschlands. In der einen oder der andern Form Iviederholt sich derselbe Prozeß unauS gesetzt— auf diese Weise wird über das Geschick deS deutschen Volkes weise und würdig gewaltet. Wir vaterlaudslosen Socialdemokratcn sind froh, daß uns das Gefühl für solche Art nationaler Politik völlig abgeht. Zolltarif- Kommission. Die FreitagS-Verhandluug der Konnnisfion über den Zolltarif zeitigte durch die Versuche der Mehrheit, die Minderheit zu ver- geivaltigen, zivci e r r e g t e G e s ch ä f t s o r d n u n g s- Debatten, die beide niit einem Sieg der Minderheit endeten. Der zu Beginn der Sitzung vom Abg. Müller-Meiningen ge- stellte Autrag, die KonunissionSsitzungcn entsprechend der Geschäfts ordnuug und der Gewohnheit deS HanseS»nit dem Beginn der Plenarsitzungen zu unierbrcchcn, spricht etivaS Selbstverständliches aus. Er ivar aber durch die Vorgänge in der Kommission am Tage vorher notwendig gcivorden. Die Mehrheit zeigte erst keine L»lst, daS zlveifelloS Zutreffende des Antrages anzuerkennen. Bebel mußte ihr erst eindringlich darlegen, Ivie geradezu pflichtwidrig«S »väre, wenn dem Präsidenten des Reichstags seitens der KomnrissionSnieHrHeit das Gehör versagt und Obstruktion getrieben würde! er niußte mit einem Beschluß des Plenums drohen, um einige Abgeordnete und dann auch den Vorsitzenden Rettich zu dein Zugeständnis zu bewegen, daß selbstverständlich mit dem Beginn der Pleuar- beratuugen die KonimisstonSsitzuug geschlossen werden würde. Daraufhin wurde der Antrag Müller zurückgezogen. In dieser Debatte wurde die zivcifellos nach der Geschäfts- ordnuug zu bejahende Frage gestreift, ob für den Fall der Schlicßniig der Kommissionssitzung während der Rede eines Redners demselben Redner zu Beginn der nächsten Sitzung daS Wort gegeben»verde»» müsse. Zur Entscheidung kann die Frage erst gelangen, Ivenn i» der That in solchem Falle die Mehrheit Ein- schränkung der Redefreiheit versuchen sollte. Eine z>v e i t e Geschäflsorduiiugs-Dcbatte wurde durch ein eigentümliches Verfahren des Abg. v. Wangen heim und des Vorsitzenden hervorgerufen. Der Führer des Bundes der Landwirte hatte entgegen der Vorschrift der Geschäftsordnung, nach der nur der deutscheu Sprache nicht mächtige Redner ihre Reden verlesen dürfen, eine Rede i» der Form einer Erklärung verlesen und gar noch beantragt, diese Rede zu Protokoll zu nehmen. Der Vorsitzende wollte diesem Verlangen seines Freundes entsprechen. Gegen dieses Verfahren wurde energisch protestiert. Daß ein Ab« geordneter Materialien zu Protokoll oder den» Berichterstatter giebt, ist schon vorgekominen. Aber daß ein Abgeordneter eine Er- klärnng darüber zu Protokoll giebt, wie er über eine Vorlage oder eine Erklärung der Regierungen denke, kann bei der weitherzigsten Auslegung nicht für zulässig erachtet werden. Solche Praxis würde chließlich ein Debattieren völlig überflüssig machen und die Ver« Handlungen außerordentlich erschiveren. Trotzdem war die Mehrheit geneigt, das Verfahren deS Vorsitzenden zu billigen, wenn nicht chließlich v. Wangenhciin selbst es vorgezogen hätte, sein Verlangen zurückzuziehen. Die„Erklärung" deS Häuptlings des Bundes der Landivtrte war ein Sainmelfuriuin von Phrasen, deren Verfasser die Regierung" des Bundes der Landwirte geivesenznseii» scheint. Offenbar hält sich der Bund für eine„Großmacht", seinen Vorsitzende» für den„König der Landlvirte", der diplomattsche Noten zwischen dem Bunde und der Reichsregierung auSzutauslhcn hat. Die Haltung dieses„Königs der Landlvirte" bei Abgabe seiner Erklärung war so grotesk»vie möglich. Hinter all dem Firlefanz steckt das heiße Ver- langen, wenigstens als Abschlagszahlung den Zolltarif einzusacken und gleichzeitig für die Znkimft einen Wechsel mit vielstellige» Zahlen bereit zu stellen. Wie Ludwig XIV. sagen konnte: l'etat c'est rno»(der Staat, daS bin ich), so möchte Herr v. Wangenheim glauben machen: l'axrioulturs c'est moi(die Landwirtschaft, daS bin ich). Den sehr eindringlichen, streng sachlichen klaren Ausführungen Bebels über die Wirkung der Getreidezölle hörtet» Herr v. Wangen- heim und seine Frcmidc kaum zu. Das kann bei Leuten,- die drei- undeiuehalbe Million Unterschriften»virklich notleidender Petenten übersehen können, nicht ivundernchmcn. Was schert die Herren eine Fülle sachlicher Gründe? Sie hören aus allen nur das Nein. Am nächsten Dienstag wird die Debatte über die Minünalzölle und über die Tarifstellen 1—4(Roggen. Weizen, Hafer, Gerste) fortgesetzt »verden. Die Freitags-Sitzung begann wieder mit einer langen Geschäfts- ordnungSdebatte. Müller-Meiningen(frs. Vp.) beantragt, daß an denjenigen Tagen, an welchen Plenarsitzungen stattfinden, die Kommissions« sitzungen spätestens dann zu schließen haben, ivenn die Plcnar- sitzung beginnt. Redner veriveist darauf, daß sein Verzicht auf das Wort am Schlüsse der gestrigen Sitzung erzwungen gewesen sei. Vorsitzender Rettich meint, Müller-Meiningen sei selber daran schuld. Hätte er seine Rede nicht so ausgedehnt, dann hätte die Sitzung nicht so lange gedauert. Es ist weder im Pleinlm, noch in den Koininissiouen üblich, daß Reden abgebrochen und in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Bebel(Soc.): Bei den Plenarverhandlungen liegt die Sache anders, denn das Plenum ist in der Dauer einer Sitzung un- beschränkt. Die Kommission aber muß sich nach dem Beginn der Plenarverhandlungen richten. In der Branntiveiusteuer-Kommisston ist es vorgekommen, daß ein Redner seine Rede abgebrochen und ain nächsten Tage fortgesetzt hat. Herold(C.): Wenn es zulässig sein soll, daß Reden unterbrochen und am nächsten Tage fortgesetzt werden können, dann kann ein Redner ja eine ganze Reihe von Sitzungen ausfüllen. Stadthagcu(Soc.): Herold kann in der Theorie ja recht haben, in der Praxis»vird es aber dazu nicht kommen. Denn sonst»väre ja auch zu befürchten, daß jemand ein ganzes Jahr lang über den Etat spricht. Bebel: Die Ordnung des Hauses gebietet, daß jeder, wenn der Präsident zur Plenarsitzung ruft, diesen« Rufe folgt. DaS Vorgehen der Mehrheit dieser Kommission ivar nichts als Obstruktion gegen den Willen des Reichstagspräsidenten. Spahnv a h l in G r e i f S iv a I d- G r i m m e n und die N i ch t b e- ftätiguug deSStadtratsKauffmann zum Bürgermeister von Berlin. Den Verlust ihrer Hochburg Greifswald— Glimmen können die Brotwucherer nicht verschmerzen; sie suchen sich nachträglich durch die Politik der kleinen Nadelstiche zu rächen, indem sie solche Personen, die in dem Wahlkampf direkt oder indirekt die Zollgegner unterstützt haben, wirtschaftlich zu schädigen bemüht sind, und in diesem Kanipfe hat der Landrat des Kreises die Fiihrerrolle über- nommen. Seiner Initiative ist es zu danken, daß über das Lokal einer Äitwe in Grimmen, die ihren Saal allen Parteien zur Vor- fügnng gestellt hatte, der Boykott der„staatserhaltciideii" Elemente verhängt wurde, und zwar trat die Wirkung des Boykotts zum erstenmal in die Erscheinung bei der Kaiser-Geburtstagsfeier. Dies Verhalten des LandratS hieß der Regierungspräsident gut mit der Begründung, es habe in dem Lokal eine Verbrüderung der Frei- finnigen und der Socialdemokraten stattgefunden. Nähere Auf- schlüsse über diese„Verbrüderung" wäre gerade uns Socialdemo- krate» erwünscht, für die solch eine Intimität sehr blamabel wäre. Man hätte wohl annehmen dürfen. daß der Minister diesen Ucbergriff des Landrats, der sich, um die Worte des Abg. Fried- b e r g(ul.) zu gebrauchen, zum Agenten einer bestimmten politischen Partei gemacht hat. aufs schärfste tadeln würde. Aber der neue Herr billigte nicht nur in jeder Beziehung das Vorgehen des Land- rats, sondern überhäufte auch die Führer der Liberalen in Grimmen mit Beschimpfungen, die den Unwillen der gesamten linken Seite des Hauses, einschließlich der Nationalliberalen, hervorrief. Wie muß cS um einen Minister bestellt sein, wenn sogar das Drei- klassenparlament ihm seine Entrüstung durch lebhaftes Zischen be- kündet! Die interessanten Erlebnisse, die Abg. G o t h e i n i o n, die dem Agenten ChristmaS von dem Minister Hörring 1899 versprochen wurden, haben, wie in einem vertraulichen Bericht Christmas an den Minister Sehcsted mitgeteilt wurde, teils dazu gedient, amerikanische Poliriter durch B e st e ch u n g für den Ankauf zu gewinnen. In diesem Bericht, der zuerst nur dem Präsidenten, dann aber allen Mitgliedern drS vorigen Ministeriums zugestellt wurde, erklärt ChristmaS, dah er. da er kein bares Geld in Hmiden halte, die amerikanischen Politiker auf Kredit bestechen mustte. was die Sache teurer gemacht habe. Dieser für die Regierung bestimmte Geheimbericht wurde von einem der konservativen M i n i st e r b e i„> A b g a n g d e S M i n i st e c i u m s S e h e fi r d nicht abgeliefert, später in einer konservativen Parieiver- sammlung vorgelesen und ist jetzt von dem konservativen Blatt . V o r t Land" veröffentlicht worden, ist also durch einen Vcr trauensbnich bekannt geivorden.— �virnftleich. Monarchische Pcetfionare der Republik. Bei der Beratung des Finanzbnvgets in der Kammer zeigte sich die„R e g i e r u n g der republikanischen Verteidigung" wieder einmal recht„objektiv" gegenüber den monarchischen Kost gängcrn. Die Republik zahlt nämlich an eine Anzahl Abkommen alter royalistischer Familien. deren Güter von der Revolution ein gezogen worden waren, Jahrespensionen aus, die ihnen von der R e st a u ra t i o n zugebilligt sind l Der socialistische Abgeordnete C a u t a n t brachte den Antrag ein, eine Kommisston zu ernennen, welche die finanzielle Lage der betreffenden Pen sionäre prüfen solle. Nicht für eine Aufhebung deS zur Auszahlung der Pensionen nötigen Kredits trat Cautant ein. sondern er wollte nur Venneiden, dast die Republik an Millionäre Unterstützungen auszahlt. Diese Leute, so führte Cautant aus, bcnützen ihre Penstonen vielfach dazu, Generale zu unterstützen, die den Staats st reich auszuführen bereit sind. Ucbrigens könue das, was durch Gesetz seitens des Censiten Parlaments Louis Philipps eingeführt worden sei, durch Gesetz des auf Grund des allgemeinen Wahlrechts gewählten reptzblikanischen Parlaments auch wieder abgeschafft werden. Trotzdem wurde der Art. 21 mit 323 gegen 204 Stinmien angenommen, nachdem der Finanzminister C a l i l a u x dafür gesprochen hatte.— Der KriegSminister hat eine austerparlamentarische Kommission damit beauftragt, die Lage der Arbeiter in den Militärwerksiättcn zu untersuchen. Diese Kommission hat die Leite r der betreffenden Organisationen ersucht, ihr Material zu liefern, Auskunft zu erteilen usw.— Belgien. Die Gemasiigt-Llberalc» siir daS allgemeine Wahlrecht. AuS Brüssel wird uns vom 20. Februar gemeldet: Der Führer der gemästigten liberalen Partei, Hymaus, erklärte in der heutigen Kanimersitznng feierlich namens seiner und der gemähigten liberalen Partei, dieselbe fchlieste sich den beiden Linken zwecks Durchsicht der Verfassung zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts an, da letzteres inzwischen unvermeidlich geworden sei. Anderer« scits ist der Redner gegen das Franenstimmrccht und die Agitation auf der Strastc, Diese Erklärung erregte um so gröstercS Aufsehen, als die gcmätzigte Linke bisher dem allgemeinen Stimmrecht und der Vcrfassnngsdnrchsicht durchaus ablehnend gegenübergestanden hat und damit den Sieg der Rechten aussichts» voller gestaltet hatte. Diese glaubte sich jetzt um so mehr ihreZ Erfolges sicher, nachdem der Führer der äusterstcn Rechten, Woeste, den Versuch Jansseus, den Antrag auf Einführung des Frauen« Stimmrechts zurückzuziehen, nicht ohne Geschick abgewiesen hatte. Durch die Erklärung Hhnians in der heutigen Kammer wird eine Vereinigung der gemästigten Linken mit der socialdcmokratischen Partei zu Gunsten der Verfassungsdurchsicht und Einführung des allgemeinen StnnmrechtS geschaffen. Die antimilitaristischc Manifestation in Brüssel. Brüssel, 20. Februar. e dt I t a l i a das Organ der einfluhreichen HandelSvertragS-Parteien sagt. dieAufnahme der Rede war flau. wie daS Programm der Regierung. Angesichts SeS Niederganges, den das Land jetzt erlebe, habe man Anderes erwarten können. De: socialistische, A v a n r i" sagt. das Programm sei recht'wetrläuiig. enthalte ober ntchlS PrSc'se« und AbgelchlosseneSi als Richtschnur könne«S nicht dienen Der klerikale.Oilervatore Romano' ist emvört über die Ratgeber der Krone. welche am Tage deS PabstjubiläumS sür die Thronrede Ausdrücke über die Trennung der Beziehungen zwischen Sraat und Kirche dem König« in den Mund tegren.--» «merika. Gegen den Krieg. Fn Buenos Kyres und in Santiago hatten die Socialisten and die Frauenligo groste Meetings einberufen, um gegen den Krieg zwiichen Argennnten und Chile eu protestieren. ES ist dabe» zu Zusammenstöhen zwischen vielen and der KnegSparlei gelommen! aus Seite der letzteren,»er Patrioten, stand dre Polizei.— Nns Industrie und Hundel. Die syndtkatSfreundltche Regierung. Dl» Mitteilung, dah die preustische Regierung in Rheinland-Wesisalen Bergw-rgS-Besitz- tum erwerben will, wurde vielfach als ein günstiges Zeichen dafür ausgenommen, dast nun dem Kohlenihndikat in der Preistreiberei Einhalt geboten werde. Man sprach sogar davon, dast die Regierung das Verlangen habe im Syndikat Sitz und Stimme zu erwerben. um einen Einflust in dieler grosten wirtschaftlichen � Interessen gruppe zu erlangen. Wir sind dreier optimistischen Aus- faffung nie beigetreten und thotsächlich hat das Beginnen der Regierung in den Kreisen der Bergwerks« Besitzer nie Beunruhigung hineingetragen, weil man sich der Bundesgenoffen> schafr von jener Seite sicher war. Dem hat nun auch der Handels minister Möller in der Budgetkommiision de§ AbgeordnetenbauieS Ausdruck gegeben, als die Forderung von b3 Millionen für den An tauf von BcrgwerkSbesiy im Ruhrgebiet zur Beratung stand. Der Minister zerstörte die letzten Bedenken, indem er sich zu folgende! Lobpreisung der Syndikatsherrschast verstieg! „Seil 1857 ist die Kohlenindusirie mit dem wachsenden Bedarf bedeutend gestiegen, ohne dast im Durchschnitt der Betrieb der Kohlenzechen kür die Unternehmer besonders lohnend gewesen wäre. ES ist vielmehr eine ungemein mästige Verzinsung eingetreten, in manchen Perioden, die sich über mehr als zwanzig Jahre, erstrecken. z B. von den sechziger bis Ende der achtziger Jahre war die Verzinsung im Durchschnitt nur IVe bis 1''» Proz. In der Preisstellimg und im Absatz kamen enorme Schwankungen vor. Man versuchte deshalb. eine gröstere Zahl von Bergwerks- gesellschaften und Grubengesellschaflen zuiammenzuschliesten. und so entstanden z. B die Horpener Gesellschaft und die Hibernia Schlicstlickr ging man zum Kohlenshndikat über. Ich kann mich nur der Ansführimg meines Amtsvorgängers anschlichen, dah das Kohle nsy u diko» im grosten Mahe w o h l t h ä t i g ge wirkt hat Es hat die Wellenlinie der Konjunktur abgeflacht, und so ist die Wirkung im ganzen wohihätig gewesen, wenn auch im cinzelnen Falle der einzelne unter der nionopolistischen Gewalt des Syndikats gelitten hat. Der Staat muh deshalb auf die mono- polistischc Getvall des Syndikats einen gewissen Einflnh auch in der Preisstellung gewinnen. Sic müssen es machen wie die großen Hüttenwerke, die sich einzelne Kohlenwerke gesichert haben, damit wir unsren Bedarf für die Eisenbahnen und die Marine decken können und auch für die Allgemeinheit eine Eintvirkung ans die Prcisstellnng haben Es ist aber nicht unsre Absicht, durch diese Vorlage einen ähnlichen Weg zu beginnen, wie er mit der Berstaob lichung der Eisenbahnen gemocht ist. Es würde auch schwer sein, eine so groste Arbeit für Millionen von Menschen zu leiten. Wir wollen wobl in die Bergbau-Verhältnisse eingreifen, ober nicht alles 'elbstherrlich machen." Danach ist die Verstaatlichung des Bergbaues indem beschränkten Umfange nur ans rein geschäftlichen Rücksichten von der Regierung unternommen. Nämlich sich selbst für den eignen Bedarf der Syndi katspreise zu erwehren, den Konsumenten lästt man. wenn auch mit einigcin Bedauern, ruhig weiter in dem Bann grobkapitalistischer Interessen. Die Sorge um eine angemessene Verzinsung des Kapi- tals im Bcrgworkbesitz scheint man in der prenhischen Regierung leb- hafter zu empfinden, als ein Interesse für dt» trübe Lage der Arbeiterklasse. Ans dem Niihr Kohlenmarkt sieht eS trostloser ans, als wir vor einigen Tagen schilderten. Nicht 585 Bergleute kommen infolge der schlechten Absotzverhältnisse auher Beschäftigung, sondern eS sind 800—1000 Mann, wie der„Köln. Bolksztg," von fachmännischer Seite gemeldet wird. Aber damit ist der AbivärtSbeweguiig noch nicht Einhalt geboten, vielmehr befürchtet der Berichterstatter, dah es bei diesen Arbeitereiitlaffungen nicht sein Bewenden haben wird, dah diese Mahrcgel vielmehr auch in der Zukunft sich wieder- holen wird; denn die Lage der Zechen verschlechtert sich zusehends: gegenwärtig ist auch kein Ausblick auf Bcfferimg vorhanden. Der Rückgang im Absatz ist, solange es einen rheinisch-wcstfälischen Kohlenbergbau giebt, noch nie so auf- fallend geivesen, wie gerade jetzt. Die Zechenbesitzer und nicht am wenigsten die Zechenleiter stehen ratloS da. Wenn im Monat Januar die gesamte Fördereinschränkimg schon knapp an die beschlossenen 20 Proz. reichte— dieselbe betrug 19,97 Proz.— so wird der laiifciid« Monat diese sicherlich überschreiten; denn bereits haben sich eine Anzahl Zechen gezwungen gesehen, freilvillig über dies« 20prozentige Förder- einschränkimg hinauszugehen. Ob es daher für die Zusiinft bei dieser bleiben wird, erscheint fraglich; jedenfalls wird in der am 22. d. M. stattfindenden Sitzung des KohlensyndikatS hierüber näheres mitgeteilt werden. Bei der freiwilligen Fördereinschränkimg fahren die Zechen verhältnismähig besser und erleiden nicht so viel Schaden, als wenn sie die geförderten Kohlen aufstapeln und verfaulen lnffen müssen, welche Gefahr bei dem jetzt wieder eingetretenen Tauwetter doppelt groh ist. Die Große Berliner Straßenbahn schlicht in ihrem Ge« schästsbericht sür daS Jahr 1901 mit einem Brnllo-lleberschub von 10192 885 M. ab, von dem nach Abzug der Zinsen, Gemeinde- Abgaben usw. ein Reingewinn von 5 860 056 M. verbleibt. Davon sollen dem Reservefoiids 292 001 M., Tantieme an Direktion und Beamte 292 001 M.. Tantieme an AnfsichtSrat 125 551 M. und Dividende f?1/« Prozent) 6 146 876 M. zur Verteilung gelangen. An Gehälter zahlte die Gesellschaft 7 475 381,10 M, daS find 44,37 Proz. ihrer GesamtanSgabe». In die Rnhegehaltskaffe wurden 252 242.47 M. abgeführt. Die Betriebs« einnähme ans der Personeiibeförderung stellt sich auf 26 540 956,03 M. gegen 24 537 822,37 M. im Vorjahre. Die Gesellschaft berechnet, dah sie bei dem Zehnpfemiig- Tarif im Verhältnis zu dem auf- gewendeten Material gegen das Vorjahr eine Vcnnindermig der Einnahme zu verzeichnen habe. Trotzdem dünkt n»S die Ver- zinsinig des Anlagekapitals mit 7l/, Proz. reichlich hoch, so dah im Interesse einer billigen Vcrkehrseinrichtung gewiß ein Zurückgehen auf den alten Tarif weder ir'üiischenswert noch aussichtsvoll wäre. Sehr hoch ist die Zahl der Unfälle. Es erhielten im Berickit«« jähre 27 Personen tölliche, 152 schwere und 1386 leichte Verletzinigeii. Leider kann u»S nicht in Aussicht gestellt werden, dah bessere Vor- kehrinigen zur Vermeidimg der Unfälle eingeführt werden können. Der amerikanische Gtahltrust hat„Stockholms Tidningen" zufolge beinahe sämtliche Aktien der„Gclliware Erz-Aktienaesellschast" zum Nominalwerte von 6 Millionen Kronen n»fgekanft. Dir lieber- nahm« des Betriebes»er nordschwedischen erzgruben durch den Trust eriolgi tm herbst. Di» schwedischen Erze sind von überonS guter Onaliiät und die Ausnutzung der großen Lager Verhältnis- mähig gering._ Der Boeren- Krieg« Die Konzciltrattouölager. D>««ngliiche Regierung publiziert soeben ein neue?„Blaubuch" über d>» Konzentrationslager in Südafrika. Danach starben vorn Junt 1901 bis Januar 1902 in den Lagern 18 l9S Personen oou der weihen Raffe, darunler 13 314 Kinder Prozentual und aus das Jahr berechnel kamen demnach im Monat Juni 170 ans das Tausend, im Oktober K3S prc Tausend, tm Januar sank die Ziffer aus 139 pro Tauiend, Di' Sterblichkeil ver Kinder allein erreichte tm Ottober die höhe von 572 pro Tausend; während der 13 Monate, auf die sich die Slatiftik erstreckt, betrug die Sterblichkeit der Kinder im Alter von unter 12 Jahren durchschnittlich 2lS ausS Tausend pro Monat. Die englischen Totalverluste. fleber die Etörkeverhältmsi« und Verluste der englischen Truppen in Südafrika enthält eine neuerdings tn London oeröffentlichte Liste nachstehende Angaben! Stärke des englischen HeereS am 1. August 1899.... 9940 Verstärkunaen bis 31, Dezember 1901........ 878 809 Gefallene Offiziere bis Dezember 1901....... 469 Gefallene Unteroffiziere und Mannschaften 4 762 Verwundete Ossiziere.............. 1 685 Verwundete Unrerofsiziere und Mannschaften..... 19 242 An Wunden oder Krankheiten gestorbene Osstztere,., 462 Desgleichen Unteroffizier« und Mannschaften..... 13 271 Verabschiedete Offizier«............ 377 Verabschiedete Unteroffiziere und Mannschaften.... 6306 Offiziere am 27. Dezember 1901 im Hospital..... Desgleichen Unteroffiziere und Mannschaften..... 11392 Stärke deS OffiziercorpS am 1. Januar 1902 i.... 8 600 Desgleichen Unteroffiziere und Mannschaften..... 229 200 Diese Zahlen ergeben einen Gesamlverlust von ZZS1 Offizieren und 54 975 Mannschaften, wobei aber mög- Ucherweile ein Teil der Gezählten m den verschiedenen Kategorien doppelt aufgeführt wird._ letzte Nachvichken und Vepeschen« Demission de» italienischen Kabinetts. Rom, 21. Februar. Die Abendblätter melden: Nach Schluß der heutigen Kammersitzung traten die Minister zur Beratung zu- sammen und beschloffen« i n st i m m i g. zu demissioniere». Zanardelli unterbreitete am Abend dem Könige die Demission des Kabinetts. Ueber die Ursache dieses Vorganges liegt folgendes Tele- gramm vor. Deputiertenkammer. Bei der Präsidentenwahl werden 292 Stimmzettel abgegeben, hiervon lauten 142 auf Villa, 17 auf den Socialisten Costa, 120 Zettel sind unbeschrieben, 13 zersplittert. Da die absolute Majorität 147 beträgt, findet mithin Stichwahl ztvischen Villa und Costa statt. In derselbe» er- hält Villa 135. Costa 25 Stimmen. Außerdem werden 142 un« beschriebene und 5 ungültige Stimmzettel abgegeben. sLang- andailernde Bewegung.) Der Ministerpräsident Zanardelli erklärt, infolge dieser Abstimmung behalte sich das Ministerium vor. in Beratung zu treten.oni 16. auf den 17. Fe» brnar in Jpeck von den Mannschaften de-S Gendarmerie-KapitünS Adem Bey getötet.> Verantwortlicher Redactcur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich! Th. Glocke in Berlin. Druck und Bertas von Mar Babing m Berlin. Hierzu£ Beilage». Pt.45 19. mmn. 1. Stllllljt i■■■■■■iimi i iiihiiibmbmb Meichsksg. 149. Sitzung von, Freitag. 2t. Februar 1992. » a ch ui i t t a g s 1 Uhr. Ani BundeZratstische: v. G o ß l e r. Die zweite Beratung deS Militär-EtatS wird fortgesetzt bei den„dauernden Ausgabe u*. Beim Titel Offiziere desKriegSminisieriums wird nach dem Antrage der Bndgetkonnnission ein Abteilungschcf ge- strichen.— Bein, Titel Bureaubeamte wünscht Abg. Dr. Ocrtcl(l) Gleichstellung der sächsischen Kanzlei- beamten in» Kriegsniinisterinin in ihren Bezügen mit den Kanzleibeanite» des prentzischen Kriegsministeriums. Major Sächsischer Militärbcvollinächtigter v. Bitztum erklärt die Berschiedenartigkeit der Bezüge durch die anders geartete Organisation der sächsischen Arnieevcrwa'ltung. Jedenfalls wird das sächsische Kriegsministerium die Anregung einer eingehenden Prüfung unter- ziehen. Abg. Dr. Orrtel bittet auch den preußischen Kriegsminister, seinen Einfluß geltend zu machen, daß diese unverständliche In- kouseqnenz beseitigt werde. Gcheinirat Herz: Die richtige Adresse, an die sich Herr Oertel hätte wenden müssen, ist das Reichs-Schatzamt. An dieses sind bisher keine Wünsche in dieser Beziehung gelangt, so daß es keinen Anlaß hatte, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Abg. Oertel sk.): Wir haben bisher so schlechte Erfahrungen mit dem NcichS-Schatzamt gemacht, daß ich es für besser hielt,»„ich auf Umwegen an diese Adresse zu wenden.(Heiterkeit.) Der Titel wird bewilligt, ebenso eine Reihe iveiterer Titel. Bein» Kapitel Militär-Ju st izver waltung wünscht Abg. Kirsch(C.), daß die Militärbehörden vorsichtiger beim Erlaß von Haftbefehlen sein mögen. Ein Ober- stabsarzt Schimmel in Düsseldorf ist monatelang unschuldig in Hast gehalten lvorden. Trotz neumnal von ihm' eingelegter Rechts- beschwerde hat der Gerichtsherr ihn nicht freigelassen. Wirkl. Gchchner Kriegsrat Wolff: Der erwähnte Fall ist den» Kriegsniinistcrium noch nicht bekannt, sollte sich herausstellen, daß die Haft zu lange gedauert hat, so wird dafür gesorgt werden, daß derartige Vorkominnisse in Zukunft vermieden werden. Das Kapitel wird beivilligt. Beim Kapitel Gouverneure, Kommandanten und P l a tz n» a j o r e hat die Koinmission das Gehalt eines Komman- danten in Berlin von 12 009 auf 9000, seine Dienstzulage von 4500 M. auf 1800 M. herabgesetzt und eine weitere Dienstznlage von 1800 M. gestrichen. Das Haus beschließt demgemäß. In» Kap. 24, Gcldverpflegling der Truppen, hat die Kommission im Tit. 1 eine Compapnic Fußartillerie gestrichen, weil nur ein Bekleidnngsanit statt wie beabsichtigt zwei, mit Civilhandwerkcrn an Stelle der Oekonomiehandwerler versehen werden soll. Die Dis- kussion über das Kapitel Bekleidungsamt Titel 1 wird daher damit verbunden. Das Hans beschließt ohne Diskussion gemäß dem KommissionS- Antrag. Beim Titel,' Militärärzte begrüßt es Abg. Dr. Müller- Sagau(fr). Bp.), daß die Gehälter der Roßärzte und Ober- roßärzte aufgebessert worden sind. Eine weitere Anfbessernng bis zur Höhe der Bezüge der bayrischen Roß- und Oberroßärzte ist aber dringend notivendig. Redner wünscht weiter eine Ans- bessern»«) der Lazarcttgehilfen. Abg. Werner(Antis.) tritt für eine Besserstellung der Zahl- meister ei». Geheimrat Herz erklärt eS für nicht angängig. einzelne Beanitenklassen aufzubessern, zumal bei der schlechten Finanzlage. Die allgemeine Gehaltsaufbesserung der Beamten ist im Jahre 1897/98 abgeschlossen. Nachdem die Abgg. Dr. Miiller-Sagan(frs. Bp.) und Werner (Antis.) sich gegen die letzte Bemerkung des Regierungskommissars mit dem Bemerken gewandt habe», daß thatsächlich auch nach 1898 noch einzelne Beamtenkategorien aufgebessert seien, wird der Titel bewilligt. Beim Titel„Mannschaften" fragt Abg. Dr. Oertel(k.) an, ob die Zeitungsnachricht richtig fei, daß sich ein Mangel an Unteroffizieren herausgestellt hat. Die offiziöse„Berliner Korrespondenz" hat dies ztvar bestritten, die niir zugegangenen Nachrichten aus dem Lande veranlassen mich aber doch, eine Erklärung des Herrn Kriegsministers in dieser Sache zu extrahieren. Redner wünscht des weiteren eine Aufbesserung der älteren Feldwebel. M.ifvr Goltz erklärt die Besorgnisse wegen eines Mangels an Unteroffizieren für ganz unbegründet. Abg. Horn- GoSlar(Natl.) verlangt Besserstellung der Militär- kopcllincister. Der Titel wird bewilligt, ebenso eine Reihe weiterer Titel. Beim Kapitel„G a r n i s o n v e r w a l t u n g s- und S e r v i S- w e s e n" verlangt Abg. Wmicr(Antis.) Gehaltserhöhung für die Kasernen- inspektoren. Es folgt daS Kapitel Militär-Medizin alwefen. Abg. Dr. Hermes(frs. Vp.) giebt seiner Freude darüber Aus- druck, daß die Gehälter der Militärapolheker aufgebessert worden sind, und daß auch ihre Rangverhältnisie in nächster Zeit ihren Wünschen gemäß geordnet»verde» sollen. Nlir einige Apotheker, die früher daS Nahrnngsmiltel-Cheiniker-Examen nicht gemacht haben, bleiben noch jetzt sehr schlecht gestellt. Redner erbittet das Wohlwollen der Militär- Verwaltung für die Garnisonapotheker. Abg. Graf Oriola(natl.) schließt sich dein Wunsche deS Vor- reduerS an. Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt Kap. Pferdebeschaffung, Tit. Ankauf von Remontepfcrdcn. Abg. v. Mafsow(k.): Ich bitte die Herren Socialdemokraten. mich genau anzusehen, damit eS nicht wieder im„Vorwärts" heißt/ ich hätte nach Genuß einer Flasche Sekt mit hoch- gerötetem Gesicht gesprochen. Ich habe heute mir ein Glas Bier getrunken, wie ich dos innner zu thnii pflege. Redner bringt des weiteren die Zeitungsnachricht zur Sprache, daß ein großer Pferdehändler 30 000 Pferde den Engländer» geliefert hat, wovon 10000 bereits abgegangen sein solle». Daun erörtert er ohne sichtlichen Zusammenhang de» Reitergeist in dem Offiziercorps. der noch ganz der alte geblieben sei. DaS beweisen die große» Distanzritte, so der von Berlin nach Wien, wo ein Träger des Hohcnzollerimamens den Preis errungen hat. Bei diesen Distanz- ritten ist besonders bewundernswert, daß die Herren ihre Pferde ohne Burschen gestriegelt, geputzt und gepflegt haben, ein Beweis, daß der Geist im Offiziercorps doch ein andrer ist als Herr Bebel es hinstellt. Redner kommt sodann auf die Spiclerprozesse zusprechen, die er bedauerlich findet. Die Verführer seien aber schlimmer als die Verführten. Redner spricht alsdann über den R e m o n t e- a r k t und hebt die Selbstlosigkeit der Landwirte hervor, die ohne Entschädigung bei den Reinontebesichtignugen ihre Pferde vorführten und einen halben Tag Arbeit daran verlören.— Ter Abg. Bebel hat sich auf die Autorität des Herrn Hofer be- rufen. Der Vater des Herrn Hofer war ein großer Pferdeznchter, von ihm hat die Militärverivaltung Pferde gekauft. Ein Offizier soll zu Herrn Hofer minier gesagt haben, er kaiife m«ht politische Pferde; das ist aber nicht richtig, man kaust nicht Pferde nach der Politik, sondern nach dem Aussehen und der Be- schasicnhcil. Wenn Herrn Hofers Pferde nicht mehr gekauft werde», so liegt das daran, daß seine P f e r d e z u ch t z u r ü ck g e g a n g e„ ist. Herr Bebel hat sich gewundert, daß ich ihn speciell angegnsien ilts.Immris" habe, das ist mir nicht in den Sinn gekommen. Ich habe nur seine» Namen genannt— wenn man eine Schlange angreift, faßt man sie doch nicht am Schwanz sonderii am Kopf, denn der Kopf beißt.— In der Presse hat gestände», ich hätte meine Militärkarriere auf- gegeben, um niuch der parlamentarischen Laufbahn zn widmen... (Glocke des Präsidenten.) Viccpräsident Büfing: Herr Abgeordneter, ich möchte Sie bitten, beim Etatstitel zn bleiben und nicht allgemeine Erörterungen daran zu knüpfen.(Heiterkeit.) Abg. v. Mafsow(fortfahrend): Herr Bebel hat beim Reichsamt des Jniicri» die Sache ziir Sprache gebracht und auch ganz allgemein gesprochen. Da glaubte ich auch bei diesem Etat das Recht zu haben. Viccpräsident Biising: Wir sind bei den» spcciellen Etatstitel „Ankauf von Remontepferden", da sind solch allgemeine Erörterungen nicht gestattet. Abg. v. Mafsow(k.) bricht darauf seine Ans- f ü h r n n g e» ab und setzt sich nieder.(Heiterkeit links.) Abg. Bräficke(frs. Vp.): Wer die Pferdezucht in Ostpreußen auf der Höhe erhalten will, daß an die Armee ein leistungsfähiges Pferd geliefert»verde» kann, ninß für höhere Preise für die Remoutepferde eintreten. Das Kapitel ivird beivilligt; ebenso eine Reihe»veitcrer Kapitel. Es folgt der Titel„Besoldnngen" in der Militär-tcchnischen Hochschule. Die Kommission beantragt den Titel zu streichen. Abg. Dr. Müller-saga»(frs. Vp.): Es ist nicht ivünschensivert, die Offiziere noch mehr von den übrigen bürgerlichen technischen Hochschulen zu isolseren. Redner bittet um Annahme des Komniissions- beschlusses. Das Hans beschließt dem Antrag der Kommission gemäß. Es folgt das Kapitel„Kadettcnschnlen." Abg. Eickhoff(frs. Vp.) fragt an. ob die Zeitungsnachrichten wahr sind, daß durch eine Kabinettsorder den Abiturienten der O'>er-Nealschlile» bedingungslos die Militärkarriere eröffnet iverden soll.— Redner tritt im weiteren für eine Vermehrung der ivissenschaftlichen Unterrichtsstunden durch gut geschulte Lehrer ein. Die Kadettenschulen dürfen in ivissenschaftlicher Beziehung nicht hinter de» andren Unterrichtsanstaltei» ziirückblciben.— Auch eine Gehaltsaufbesserung der Lehrer an den Kadettenschnlen ist dringend notivendig. Das ist eine Forderiing der Gerechtigkeit, da die Gehälter der Oberlehrer an den Gymnasie» auch erhöht worden sind. Generalmajor v. Einem: Den» Abg. Eickhoff kann ich erividern, daß eine Kabinettsorder ergangen ist, die die Abiturienten der Ober- Realschulen«,it denjenigen der Gymnasien gleichstellt. Die inangelnde Kenntnis im Lateinischen soll durch größere An- fordernngen in andren Fächern kompensiert iverden. Das Kapitel wird beivilligt, ebenso eine Reihe weiterer Kapitel. Es folgt das Kapitel„ T e«ch n i s ch e Institute d e r Artillerie". Abg. Pauli-PotSdam(k.) konstatiert n,it Genugthuung, daß die Verhältnisse der Beamten in der A r t i l l e r i e iv e r k st ä t t e in Spandau teilweise besser geworden seien. Ei» Mißstand ist es noch, daß tüchtige Arbeiter, die Meister iverden, erst in sehr spätem Alter dazu koinineii, festangestellte Beamte zu sein. Auch die Höhe des Gehalts dieser Meister läßt noch viel zu ivünschen übrig.— Weiter möchte ich, ivie in jeden« Jahre, auch wieder für die BctriebSschreiber eine Lanze brechen. Sie bekommen jetzt zuerst 4 M. pro Tag. ivährend sie früher»nr 3,80 M. erhielten, nach fünf Jahren aber er- hielten sie früher 4.50 M., jetzt dagegen erst 4,30 M. nach sechs Jahre». Hier müßte unbedingt Wandel geschaffen werde». In Spandau ist nun eine»ene Lohnordnung ausgearbeitet lvorden, was ich sehr begrüße. Die Arbeiter wollen sie aber ablehnen, denn es soll die Bestimmnng bestehen, daß Arbeitern. die von einem Betriebe in den andern versetzt iverden, die frühere Zeit nicht angerechnet ivird. Persönlich hat mir ein Regierungsvertreter erklärt, das wäre nicht der Fall. Wenn die Arbeiter das hören, werden sie hoffentlich der Lohnordnung zu- stiuunen. Abg. Zubeil(Soc.): Die Vorgänge der letzten Jahre iverden den Herrn Kriegsminister überzeugt haben, daß meine Quelle» doch nicht so trübe und unlauter gewesen sind, wie er es im vorigen Jahre meinte. Wenii der Herr Kriegsministcr dafür sorgt, daß die Arbeiter sich ohne Vcrmittelung der Direktion direkt an ihn wenden und ihn über die Zustände aufklären, ohne beflirchten zu müssen gemaßregelt zu iverden, ivird er auch solche Quellen zur Verfügung haben; er ivird seine Informationen von de» besten Arbeitern in Spandan erhalten. Wie schlecht die Verhältnisse in Spandau sind, beweist, daß der NrbeitcranSschuff bis vor lv e» i g e n Tagen überhaupt gestreikt hat. sodaß die Arbeiter ein halbes Jahr ohne Vertretung gegenüber der Direktion waren. Mit der Lohn ordnnng sind die Arbeiter durchaus nicht zufrieden, wie der Herr Vorredner, der ja für die Meister ein sehr warmes Herz hatte,»»einte. Bc- sonders ivenig beivähreu sich die L o h n k l a s s e n. denn es kommt vor, daß Arbeiter, die genau dieselbe Arbeit haben, in v e r- s ch i c d e n e n Lohnklasscn sind, und zivar sind dann immer die Arbeiter, die sich die besondere Gunst der Meister zu verschaffen verstehen, i» der höhere» Lohnklaffe. Alle Bemühungen des Arbeitcransjchuß bei Direktor Hirschberg und den ander» Stelle», eine Lohnordnnng nach dem Wunsche der Arbeiter zu erhalten, ivaren vergebens, deshalb legte der Ausschuß sein Amt nieder. Alle Mitglieder d e ss e l b e n wurde» abcrwiedergewählt,lehntenindessen biSanfganz wenige die Annahme derWahlab. DicserVorgnngspicltcsichnochcinmnl ab und erst in letzler Zeit gelang es der Direktion, einen AnSschnsseS zu bilde». Wenn die Arbeiter zu solchen Mitteln greife» in einer königl. Werkstättc, können die Zustände keine guten sein.— Nun zu den einzelnen Werkstättc». In der G e iv e h r f a b r i k verdienen die Maschinenarbcitcr bei höchster Anstrcngnng 4,50 M. Als sie uni Lohnmifbessernng einkamen, ivnrde ihnen erividert, ivaS nütztl es Ihnen, ivcini Sic auch 6 oder 7 M. erhalten, dann steigern sich nur Ihre Bedürfnisse und Sie müssen de» Mchrverdienst a» HanS- Wirt, Schuster»»flu. abgebe»». Diese Arbeiter müssen übrigens jeden Sonnabend zwei Stnnden nirentgeltliche RcinigungSarbcitcii ver- richte». Mit Genugthuung kann i>h konstatiere», daß in der Geschütz- g i e ß e r e i das Kolonnensysten» abgeschafft ist. DaS iväre sicher nicht geschehen, wen» hier im Reichstag die Mißstände bei diesem System nicht so ausführlich besproihen wären. Zur Strafe für diese Verbesserung werden nun die Arbeiter, die am meisten für die Abschaffung des Rolonnciisystems eingetreten sind, auf alle mögliche Weise ch i k a» i e r t. Am meisten beklagen sich die Arbeiter Über einen M e i st e r I ä g e r, der die brutale Aenßening gethan hat:„eS ist nicht nötig, daß die Arbeiter«st Jahre alt werden".(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Diese Aeußerung ist in öffentlicher V e r s a m ni l n n g i n S p n» d a n zur Sprache gekommen. In dieser Versammlung haben sich die Arbeiter der Geschntzgießerei auch über die Nachtarbeit geäußert. Eine kleine Vergrößerung der Ränmlichlciten der Geschützgicßerci ivürde die Mordarbeit— denn Nachtarbeit ist Mordnrbeit— überflüssig niachen. Wenn auch die Nachtarbeit etivas höher entlohnt ivird. so ivird doch die Gesundheit der Arbeiter dadurch sehr schnell ruiniert. Die Lohnzahlung wird jetzt auf der Straße voll- zogen(Hört! hört!), bei schlechtem Wetter in» Keller. Der Herr RriegSininister schüttelt den Kopf, er möge sich erkundigen, dam, ivird er meine Angaben bestätigt finden. Ganz ungenügend sind auch die Räumlichkeiten im A r t i I l e r i e d e p o t in H a s e l h o r st. Es besteht aus einem offenen Schuppen, Wasch- gelegenhcit ist für die 250 Arbeiter und Arbeiterinnc» nicht vor- Hände», männliche und weibliche Arbeiter müssen ein einziges Closet benutze». S»i»ilidcild, 22 /rdr»lir 1992. Auch die Lage der Bctriebsschreiber, die eine schwere Arbeit haben, ist, ivie schon der Herr Vorredner erwähnte, eine sehr wenig befriedigende. Heute bekommen sie erst nach 10 Jahren den horrcn- den Lohn von 4.50 M. Die befähigsten Betricbsschreiber— man muß sich wunder», daß in einem königlichen Betrieb auch unbefähigte Leute beschäftigt iverden— erhalten nach 10 Jahren 5,50 M. Dabei ist ihre Arbeit sehr verantwortungsvoll, denn die Meister setzen sehr oft ihren Namen einfach unter die Schriftstücke ohne sie gelesen zn haben. Wie steht es nun mit den Wohlfahrtseinrichtungen? Auf diesem Gebiete leisten viele Privatbetriebe iveit mehr, als die königliche Muster- anstalt. Badeeinrichtnng ist im allgemeinen vorhanden, nur komme» die Arbeiter oft monatelang nicht dazn, sich zn ivaschen. In der Gcivehrfabrik sollen 100 Arbeiter sich in 10 Minuten an einer Waschgelegenheit wasche». Da ist es klar, daß viele ungewaschen nach Hausc gehe» müssen.— Das unselige M e i st e r s y st e m führt zu häufigen L o h» k ü r z n n g e n der Arbeiter. So ist es vor- gekommen, daß ein Arbeiter pro Stunde IS Pf. verdiente. (Hört! hört!) Der BetricbSführer hat dann seinen Lohn auf 43 Pfennig pro Stunde erhöht. Eine große Rolle spielt das Kapitel Strafen in Spandau. Für kleine Ver- sehen Iverden Strafen von 60. 75 Pfennig verhängt. Die Ttrafkaffe hat ja jetzt schon die Höhe von GOOS M. erreicht. — Bei Vergebung der Submissionen müßte in die Ver- träge anfgenommen iverden, daß Z w i s ch e n m e i st e r und Heim- arbeit ausgeschlossen sind. Leider geschieht das heute nicht. Bei einer großen Submission wurden Sattlerarbeiten von der be- treffenden Firnia an Zwischenmeistcr in Spandau übergeben und diese beschäftigten Sattler der königlichen W e r k st ä t t e selbst als Heimarbeiter. Während die königliche Wcrkstätte z. B. für Packtaschen ihren Arbeitern 4,50 M. zahlt, zahlten die Zivischeu- meister nur 3,10 M.(Hört! hört!) Wen» dies Zwischenmeister- System beseitigt wird, kommen die auf der Straße liegenden Sattler Iveiiigstens vorübergehend zur Beschäftigung.— Am 15. d. M. haben große Arbeiterkündigunge» zum 1. April in der kgl. Werkstatt inSpandau stattgefimden. DaS ist eine bei der herrschenden Arbeitslosigkeit ganz nnangebrochte Maßregel.(Sehr richtig! bei de» Socialdemokrate».) Dabei scheinen diese Entlassungen lange vorbereitet zu sein, man hätte sie also leicht verhindern können. in- dem nian die Arbeit von IV ans 8 Stunden herab- setzte. Es wird dem Herr» Kriegsminister bekannt sein, daß für die gekündigten Arbeiter absolut keine. Aussicht vor- handen ist, bei der herrschenden Krise in der Priuatindnstrie Anstellung zu finden. Dabei wird mir berichtet, daß Maler- arbeiten in neuester Zeit au a u s iv ä r t i g e M e i st e r ver- gebe» sind.— Gegenüber Herrn Pauli-Potsdam bemerke ich, daß die Arbeiter i» Spandau für einen Vertreter danken, der es fertig brachte, in der Stadtverordneten- Versammlung in Spandau die ArbeitSloseu-Persaminlunge» alS Komödie zu be- zeichnen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Generalmajor v. Einem: Ans der Rede des Herrn Zubeil klingt der Geist heraus, den wir auch von andren socialdemokratische» Rednern hören; das ganze S y st e m ist ein Fehler. Wenn die Verhältnisse wirklich so lägen, verdienten die Arbeiter, die sich solche Zustände gefallen lassen, wirklich die Behandlung. Ich muß auch nach seinen Ansführnnge» betonen, daß wir mit unsren Arbeiten» i» Spandau in Frieden leben. Arbcitcrausschüsse haben allerdings wegen Lohnherabsetzimgen ihr Amt niedergelegt. Ich will zugegeben, daß eine Berechtigung zur Unzufriedenheit für die Arbeiter vorlag, denn sie wußten nicht, daß die Lohnherabsetzimgen nur die neue Lohnordnung vorbereiten sollten. Sobald die Herab- setznngen dem Kriegs mini st erium bekannt wurden, wurden sie inhibiert. Jetzt ist die Lohnordnung endlich fertig gestellt und ivird den Arbeitern zur Prüfung vorgelegt, denn wir wollen »nr eine Lohnordnung, die im Einverständnis mit den Arbeitern er- lassen ivird. Die Vorivürfe gegen die Meister sind»»»berechtigt. Die Meister haben gar nicht die Befugnis. Arbeiter zu entlassen. Mißgriffe mögen vorkommen. aber jede Beschwerde wird auf das aNergriindlichste geprüft. Der Meister Jäger hat leider Aenßeru»gen gethan, ivie sie ihm in den Mund gelegt wurden, er ist aber gehörig rektificiert lvorden. Es ist thatsächlich vorgekomincn, daß einmal der Lohn im Freien gezahlt ivnrde. ES n»ag ein Notstand vorgelegen habe». Aber was liegt viel daran. M i r ist es ganz gleich- gültig, ob man mir mein Gehalt im Freien oder in der Stube auszahlt.(Heiterkeit und Sehr richtig!) In einem offenen Schitppcn haben thatsächlich zivcimal im Monat fünf Arbeiter gearbeitAi, das ist der ganze Witz.— Die Wohl- fahrls-Einrichtungen sind in Spandau ganz besonders gut. wohl die besten außer bei den Werkstätten Krupps. Daß irgend wo mal eine Waschschüssel fehlt, mag ja sein, die ivird ersetzt Iverden. (Heiterkeit.) Daß ein Arbeiter jemals nnr 19 Pf. pro Stunde ver- dient haben soll, ist nach den mir zugegangenen Nachrichten»»richtig. Herr Zubeil wird diese seine Behauptung also noch beweisen müssen. Arbeit soll nach außerhalb vergeben sein. Das ist geschehen, um Nachtarbeit, Ueberanstrengung zn vermeiden. Daran, daß die Z w i s ch e» n» e i st e r niit guten Löhnen arbeiten, daran liegt auch »iiS. Ein Sattlermeistcr. der die Arbeiten nicht zur Zeit -liefern konnte, iveil seine Arbeiter wegen zu geringer Entlohnung streikten, wurde von uns unbarmherzig gezivungen, die Konvcntioiial- strafe zn zahlen. M a s s e n k ü n d i g»i n g e n sind vorgekommen, ich hoffe, daß die Entlassungen nicht im ganzen Unifange nötig werden. Da»vir aber für die Armee liefern, müssen wir gewisse Arbeiten zum 1. April fertig stellen und dürfen sie nicht bis in den Sommer anischieben.— Ich nehme an. daß die Ansführnnge» des Herrn Zubeil zun» größten Teil Samm« lungen aus Artikel» der„Laterne" ivaren. soweit er auf Mitteilungen von Arbeitern fußt, rate ich ihm, mit solchen Nachrichten sehr vor- sichtig zn sein, denn ich glaube, es wird ihm da so mancher Bär aufgebunden.(Bravo! rechts.) Abg. Pauli-Potsdam(k.) bestreitet dem Abg. Zubeil überhaupt das Recht, im Namen v o n A r b e i t e r n hier zusprechen. Die Arbeiter in den Spandauer Werlstättcn verzichten gern auf die Unterstützung deS Herrn Zubeil.(Lachen bei den Socialdemolrate».) Das haben mir dieselben s e l b st gesagt. Ich möchte ivissen. ivie es in den Wcikstätten ansseben ivürde. ivenn sie unter socialdcinokratischcr Leitung ständen. Ein Beispiel haben»vir ja an den heutigen socialdemokratische» Be- trieben. Was ich als Stadtverordneter lhue, muß Herr Zubeil schon mir überlassen. Ich handle in meinen, Sinne fortschrittlich.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Abg. Zubeil(Soc.): Nicht ei» Ex e»> p l'a r der„Laterne" befindet sich unter m e i n e in M a l e r i a l. Die„Laterne" brauche ich nicht, mein Material erhalte ich von de» Arbeitern, die sich freilich nicht an Herrn Pauli wenden.— Ich wünschte, daß die kgl. Werkstättc so miister- gültig geleitet wäre wie die bestehende» socialdemokratischcn Betriebe. (Sehr richtig! bei de» Socialdemokraten.) Ein Mandat von den Spandauern habe ich nicht, aber ich habe ihr Vertraue n. Die Arbeiter habe» Herrn Pauli ivahriich nicht gewählt und es ist ganz zweifellos, daß Herr Herr Pauli in diesem Kreise nicht wieder gc« wählt iverden wird.(Abg. Pauli: Wenn Sie sich nur nicht täuschen I)— Herr Gencrallientenant v. Einem hat die Arbeiter auf den Beschwerdeweg verwiesen. Er wird aber selbst ivissen, daß auf diesem Wege die Arbeiter höchst selten das Recht bekonimen iverden. Gewiß haben die Meister nicht das Recht Arbeiter zu entlassen, aber es ist doch ziveifellos, daß sie de» größten Einfluß auf die Entlassung der Arbeiter haben. Würden Sie sich mehr um die Ver- hältiiisse der Arbeiter kümmern, dann würden sich die Ver« HSItiiisse schon bessern, an Ihnen Negt rS,«nS doS Wasser abzugraben.— Die neue L o h n o r d II u n g ist durchaus kein Vorteil für die Arbeiter. Auch der tüchtigste Arbeiter kann danach noch nicht so viel verdienen, wie ein Grliüfe oder Meister von vornherein bekommt.§ 18 der neuen Ordnung bestimmt, datz die Arbeiter für den Einnahmc-RnSfall an Kaisers Geburtstag nicht entschädigt werden. Wenn ein Arbeiter plötzlich entlassen ist, soll er nur den Lohn bis zum Tage der Entlassung erhalten, während sonst allgemein der volle Accordlohn äusgezahlt wird. Die Zeitlohn-Arbeiter erhalten nach 6 Jahren 10 Pfennig mehr, und nach 10 Jahren erhalte» sie 50 Pf. mehr. Das ist die vielgepriesene außerordentliche Lohnaufbesserung. Da ist eS kein Wunder, dah sich die Arbeiter gegen einen solchen Erfolg ihrer jahrelangen Agitation wehren. Mit dieser Lohnordnung werden sich die Arbeiter nicht zufrieden geben. sBravo I bei den Soctaldemo kraten.) Das Kapitel wird hierauf bewilligt. Ebenso debattelos der Nest deS OrdinariumS und die Ein Nahmen. Hierauf vertagt sich da§ HauS. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr. t. Militär-Etat(Extra ordinarinm). 2. Interpellation A l b r e ch t betr. den Arbeitersekcetär Winter. 3. Etat des Reichs-JnvalidenfondS. Schluß 6-/4 Uhr._ DavlslmenkaviMes. In der Vndgetkommisston deS Reichstag» tvics Eisenbahn-Minister v. Thielen nach einer längeren Geschäfts ordnungS-Debatte daraufhin, daß das Bild der Eisenbahn- Ergebnisse ein recht trübeS sei sowohl für das laufende, wie für das kommende Rechnungsjahr. Für das laufende Nechnungsjahr 1901 beziffere sich der Mindcrüberschuh auf lLMill. Mark: damit sinke der Neincrlrag auf 2.97 Proz. Elsaß-Lothriugens Eisenbahnen würden vom Rückgange der allgenieincn wirtschaftlichen Verhältnisse besonders stark getroffen, weil sie einerseits auf den Durchgangsverkehr und andrer scits ans eine heimische Industrie angewiesen seien, die unter der rückläufigen Konjunktur schwer zu leiden habe. Seiner Meinung nach werde die Depression alsbald überwunden werden Gerade in einer Zeit, wie der jetzigen, müsse die Eisenbahn- Verwaltung besonders thalkräftig vorgehen, soweit eS die Finanzlage gestatte.— Abg. Schlumbcrger(natl.) betont, daß die Massen- g ü ter nicht auf die Eisenbahnen, sondern auf den Wasserweg gehören, und ersucht, den Ausbau der Wasserstraßen iii den Reichslanden fest im Auge zu behalten. Eine Verbillig ung der P e r s o n e n t a r i f e im Nahverkehr würde der Neichs-Eisenbahn Mehreinnahmen bringen, da sie zu einer besseren Ausnutzung der Plätze in den auf jeden Fall laufenden Waggons führen werde. Abg. Bachem(C.) meint, trotz des wirtschaftlichen Niedergangs halte allem Anschein nach der Kohlen- und Eisenring seine bohen Preise aufrecht. Dagegen müsse mit allen Mitteln der Tnrifpolitik angekämpft werden, um solche wucherische A»S beutungen des Reiches durch die Ringe zu beseitigen. Abg. Müllcr-Fulda(C) regt zu diesem Zweck einen Kohlen auSf uhrzoll an. Die Reichs-Eisenbahnen zahlten that- sächlich bis jetzt höhere Kohlenprcise. als ein p r i v a t e r Groß betrieb zu zahlen hat. Minister v. Thielen: DaS Saar-Revier gewährt der Reichs Eisenbahn vom Normalpreise eine Mark Rabatt. Die Ruhrkohle könne nur als Notbehelf in Frage kommen. Abg. Riff lHosp. d. frs. Vg.j: Seit Baden die Kilometer-Heste eingeführt habe, werde es unter den Elsaß-Lothringern immer mehr üblich, anstatt der reichsländischen die badischen Bahnen zu benutzen. weil diese billiger seien. Deshalb müßten auf den NeichS-Eisenbahnen Kilometer-Hefte eingeführt und die Personentarife allgemein verbilligt werden. Minister v. Thielen gi'ebt die Thatsache der Ablenkung deS Verkehrs zu. Die Einnahmen seien aber auf den reichsländischen Eisen- bahnen mehr gestiegen, als auf den badischen. Ob die Kilometer- Hcf'e in Baden namentlich für die dritte Klasse in Schnellzügen noch einen Ueberschuß ergeben, entziehe sich seiner Beurteilung. Abg. Hilbcktr Juttreßtu der Maurer Berlins nnd ltmgegcnd. Am Mittwoch, den 19. Februar, starb nach langem Leiden unser lang- jähriges Mitglied 129/S Wiiheim Döring an der Proletarier-Kranlheit, Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet Sonntag, den 23. d. M, nachmittags 3'/« Uhr, von der Leichenhalle der Sebastian- Gemeinde in Reinickcndorf, Humboldt- ftrahe 70, statt. Um rege Beteiligung ersucht Dvi> Vorstand. To des- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Bater, unser Schwieger- und Grobvater, der Maurer Wilhelm Kühn nach kurzem schweren Leiden ver- storbcn ist. 652b Dies zeigen tiesbetrübt an H. Kilhn und Frau. Die Beerdigung findet Sonntag, den 23. d. M., von der Leichenballe des Neuen Jakobi-Kirchhoses aus statt. Deutsclier gielsllsrveiter- Verdsm! B«rwalt»»gsstc0c Berlin. Kaclirnf. Am 14. d. M. starb unser Mitglied, der Dreher Alhei-t RetzlnlT im Alter von 43 Jahren an der Slbwindsucht. Wir werden sein Andenken in Ehre» halten. Berlin, den 22. Februar 1902. Die Ortsverwaltung. C odes" Klnzeigr. Am 20. d. M verstarb nach längerem Leiden unser Kollege, der Former Franz Wolfram. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Emmans-Kirchhofes aus statt. 3480? Ole Kollegen der Firm« Spatzler. Wahlvtreiil ChttlotteMß. Den Mitglieder» hiermit zur Nachricht, dab unser langjähriges Mit- glied 250/ S Karl Hegemann mit 19. verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Dir Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. M.. nachm. 2 Uhr, von der Halle des Skeucn Lonilen-Kirchhosö aus statt. Treffpunkt 1 Uhr bei Pasche, Potsdamerstrahe 44. Oer Vorstund. Deutscher Marbetter-Derlillud. Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, dab der Kollege, Tischler 79/16 Karl Lindemann am 11. Februar verstorben ist und am Freitag, den 14 Februar, zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken. Ole OrlHVcrwultiing:. Am Donnerstag, morgens 1 Uhr, entschlief plitzlich am Llingenschlag und Herzlähmung unsre innig geliebte Tochter Gertrud im 29. Jahre. Die« zeigen tiefbctrübt, um sttlleS Beileid bittend, an 6S8b Familie Tornow. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23 d M,, nachm. 4>/, Uhr, von der Halle des Simeon-KirchhoscS auS statt. Allen Freunden»nd Bctanntcii, insbesondere dem Berliner Becrdi- gungsveretn der Zimmerleute sage ich hiermit für dir rege Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meineS lieben MaimcS, Mise- res guten Saters herzlichsten Dank. Witwe Hornstein und Linder. S72b ISfiitrMrlnffii* u. Sterbt. Kajse der Tischler u. andrer gewerblicher Arbeiter. Verwaltung: Oerlin F. Montag, den 24. Februar 1902. abends 8 Uhr nlitgltedcr- Versanimlanc bei Hoffmann, Pasewalkerstrabe 3. T a g e s- O r d ii u ii g: I. Abrechnung vom IV. Quartal 1901. 2. Bericht von der Frauen-Sterbekafie. 3. Aerzte-Frage. 4. Innere Kaffen-Angelegenheiten und Verschiedenes. Sprechstunde findet an diesem Abend nicht statt. _ Mitgliedsbuch legitimiert. Voran Ii Produktiv- u.«Ink.-Genoffensch. für Radfahrer. Sonntag, d. 23. Febr., nachm. 4 Uhr, bei Schumacher, Skalitzerftrabe126. Perfammlung. Tagesordnung: L Dortrag deS Genossen W Hein über daS englische GenolienschaftS- mesen. 2, DiSkusfion. 3 Wahl eineS Delegierten. 4. Verschiedenes. Nach der Versammlung Isnikränidien. Bestellungen aus Fahrräder 76 M., 128 M., patentiertes doppeltes Glocken- lager. und V.li.o. mit Glockenlager lb3 M., Möbel und Nähmaschinen werden in der Bersammlung»nd in solgenden Geschäftsstellen entgegen- genommen: 10b/14 Hei«, Lödikerstr. 31, III. Lanibert. Demminerstr. 23, n. Zepernick. L.ingestr, 108, I. Teraphie», Rummelsburg, Kant- ftrabe 47.„,, Dhietert. Treptow. Elsenstr. 4. Garantie gestchert. Teilzabl, gestattet. Mitglieder werden aufgenommen. Sfiir den Jnlmlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pubiiti»» gegenüber keinerlei _ BerantMortnng. Tlientov. Sonnabend, 22. Februar. Opernhaus. Der Evangelimann. Bergißineinnicht. Anfang?>/- Ubr. Schauspielhaus. Das groHe Licht. Aniang 7'/, Uhr. Neues Opern< Theater(Kroll) Geschlossen. Schiller. König Harlekin. Anfang 8 Uhr. Deutsches. ES lebe daS Leben. Anfang?>/, Uhr. verliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V. Uhr. Lesshifl. Ueber den Wassern. An- sang 7Vi Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger.— Borher: English spoken. Anfang 7V, Uhr. ReneS. Untreu.— Colombine. An- ia», 7>/, Ubr. Bieste». Der Bettelstudent. Aiifang ?>/- Uhr. Secessionsbiihne. Detle» Lilien- crvns Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. S. v. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Nhr. Schall und Rauch. Serenisstinns. Zwischenspiele. Auf. 8'/, Nhr. Trianon. Coralie u. To. Anfang 8 Uhr. Central. DaS süße Mädel. Anfang ?>/, Nhr. Nachm. 4 Uhr: Schneewittchen bei den sieben Zwergen. Einlagen: Lebendes Schachspiel. Die Puppe. Die freche Ratte. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Ubr. Luisen. Der Pfarrer von Kirchfeld. Anlang 7,/i Uhr. Carl Weih. Das Jungfernstift. Attfang 8 Nhr. Uriedrich-Wilhelmsiiidttsche». Di« Fledermaus. Ans. 7t/, Uhr. Rrile-illliauce. Die Dame ans Trouville. Hieraus: Er. Anfang 7t/, Nhr. OrphcuS. Specialitäten-Borstellung. Anfang 8 Ubr. Charivart. Täglich Borstellnng. Anfang 8 Uhr. tvlrtropol. pe feine Nummer. Specialitäten- Borfiessnng. An- fang 8 Ubr «PoNo. Don Juan in der Hölle. Specialiläten- Borstellnng. Au- fang 8 Nhr. Casino- Theater. Lnstige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Bor- stellung. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialiläten-Borstellung. Die süßen Mädel. Ans. 8 Uhr. Paslage- Theater. Specialitäten- Borstellnng. Ansang uachmitt-gs b Nhr.« Passag«- Panoptikum. Specialt- lälen-BorstelluNg. ReichShaileii. Stettiner Sänger. Ansang 8»Hr. Nrania. Tnnbenstr. 48/11).(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Rivtera. Nachmittags 4 llhr(»u kleinen Preisen): Ueber den Wollen. Jubalidenstrasse 57/02. Dr. Grafs: Die McereSforschung und ihre Geschichte._ SWMtilttt (Wallner Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: iiiOnig Harlekin. Ein Maskempiel in vier Aufzügen von Nndols Lothar. So»» tag nach mittag 3 Nhr: Her Hevlaor. Sonntagabend 8 Nhr: Familie Fonrehambanlt. Montagabend 8 Uhr: Finaame Henachen. Criitml-Thkattt. Heute Sonnabend, nachunttags 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schueemittche« bei den fieben Zlurrgen. AbendS?>/, Uhr: Vss ZMiidel. Operette w 3 Alten von H. Reinhardt. Svnntagnachmittag 3 Uhr, halbe Preise: Ter Seekadett.— Abends 7»/, Uhr: Ta» sns?« Aiädel. ttirosie Franksnrterstr. 132. Nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung zu lleinen Preisen: Hans Huetebetn. Gr. romant. Sinderlomödie in S Alten von Ehr. Brinkuiann. Abends 8 Uhr: Das Jungfernstift. Operelle in 4 Akten von Srnest Gninot. Musik von Jean Gilbert. Morgen Sonntag, abends 7V, Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. ?s1a8t-7dkaikr (früher Fecil-Palust) Vnrgstr. SS. Direktion: lVinklor u. ssrsbol. Nene Speclalitttten. Um 9 Uhr! Großer Erfolg deS Dir. Wilhelm Frödel>n der AuSstattungs-Operette Die säßen Mädel. Neu! Fre«I«rr Neu! Neu! Ib ardlnl« Neu! Dazu das große glänzende kedrusr-krogramm! Ansang 8 Uhr. Eutree 30 Pf. «illet-Borverlaus 0. ll-1 Uhr. Freitag, den 28. F-briiar; Festvorstellung. Robert Dills Benefiz. yrania. Tauben-Straase 48 49. Im Theater um 8 Uhr; Fröhliiigsfage an derRiviera Nachm. 4 Uhr«u kleinen Preisen: Ueber den Wolken. Invalidcnatr. 57/02. Dr. OralT: Die Meeresforsohung and ihre Geschichte. Castans Panopticom Friedrlch-Strasse 165. Neu! Der Boerenkrieg I Vorst. 11-1 vorm u. 4-10 nachm. Neu! Gutenberg und die Buchdruckkunst. Konzert und Vorträge. Entree 50 Pf., Kinder u. Militär ohne Charge 25 Pf. Toranr.elge! Am 1. März, Boerenfeett. Anfang 8 Uhr abends. Billets a 1 M. im Vorverkauf und a. d. Hauptkasse. Thalia-Theater. Dresdenerftrafie 78/73. Mit vollständig neuer Ausstattung Seine Kleine. Große Ausstatiungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Allen. Paula Worin a. G, Guido Thielscher, Helmerding, Paulmüller. Gerda Walde, BojS, Wannovins, Jnnker- Schah. Ansang 7r/, Uhr. Sonntag, 23. Februar, nachmittags 3 Ubr, kleine Preise: Ter Raub der Saoinerinncn. ilfitropol-Tlißatfir Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: '06 Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4, Bilde: Francliens Gebnrtstagslisch. Anfang 8 Uhr. Ranehen überall gestattet. Belle-Ällianee-Tlieater. Die Dam mis Disuville. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms. Mizzt Birkner. Roia Marion. Hierauf: Ev. 8eT«T Adele Hartwig n. Leopold Thurner a.G. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Von Stufe zu Stufe. ipollo- Theater. Anfang 8 Uhr: DoflJoooMfi Das ptiänoineiiale Specialitäten-Pfflgr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Glänzender Erfolg! Allabendlich anSverkanft! W. Bicbtoi* in»Lustige vriider«. linnx Borzr in»WhrloS" zc. ic. Ansang Wochent. 8 Uhr, Sonnt. 71/, Uhr. Sonntagnachm.lUhr: Atntterseg««. Pssssge-Ikestei'. - a«- Ganz Berlin spricht von der 7 jährigen Lola Gray in dem Mimodrama Der Bajazzo und sein Kind. TUglich auNverkanft! In Vorbereitung: Oer kleine Cohn ist da!! Burleske in einem Akt von Robert Breitenbaoh. E. tod Wolzogens Hunten TTieuter(Ueberbrettl) KUpnlckerntr.«8. Sonnabend, 22. Febr., abds. 8 Uhr: Unt. anderm„Zufall",„Atellerspuk", ,, Fescher Domino",„Nora-Parodie". 1.1»» AbHi-banell. K Heute Sonnabend; Zweite tlons-Redoute.— Sonntag: 2 Vorstellungen, 3 und 8 Uhr. W. Knacks Theater. Brunnenftraß«>« Wege» Privatfeftlichkeit keine Vorstellung. Sonntag: Biljlljzli Ni> seine zamlie. MM giosstfi Fiscianing empflehlt von täglich frischem Fange und täglich frischer Zufuhr in Snhlwaggons frisch«, geräucherte und marinierte Ssekisvkv zu bekannt billigen Preisen. Oeiitsehe Dampffischerei-Geseilsctiaft.Nordsee' Hauptfiliale Berlin C. 22, Bahnhof BBrge, Bogen 9-10. II. Filiale: I.ttnebnrgeratr., Ecke Panlstr. III.„ PrinzeiiMtraHse Mo. 30. IV.„ Ifudalstr. 33, 1. Hehles. 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Täglich: Stettiner Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr. SonntagS 7 Uhr. Orts- Krailkenkasse der Möbelpolierer. Die zahlsttlle Norden wird am l. März 1302 nach der Brullllenstr. 96 bei Raa«« verlegt. Berlin, 22. Februar 1302. 270/17 Der vorstand. tredlleNtenNsus Wilhelmstr. 32/93. Jeden Sonntag, abends 8 Uhr: Tolkstümlichs Diclitev- und Tondicliter- Abende, Num, Platz mit Garderobo und Programm SO Pf. Nüchsten Sonntag Fontane-Abend Billotverkauf; Buchhandlung Kantorowicz, Potsdamer- Strasse 135, und Abendkasse, lieM»inK-Ge«cll«cliurt für Kunst und Wissenschaft Eingetragener Verein. Stanssoiiei Kottbn«cratr. 4n Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: ii o r r m u n u« NlnRtiltslht SSM Nach jeder Soiree: 1'annkeUnsiebea. Entree wie gewöhnlich, Tanz frei. /- Uhr. Eniree: I. Platz 1 M., II. Pl. 50 Pf., III. Pl. 25 Ps., Kinder unter 10 Jahre» und Militär ohne Charge zahle» ans 1. u. 2. Pl. die Hälfte, dem 3. Pl. 15 Ps. Die Direktion: kroese. Sonnabend, den 22. Februar, abends I'/t Uhr: Große Borstellung, lllondlke, Orig-Pantomime des Cirlu« Busch. Polo aus Stelzen. Elesant u. Pferd. Lall- unä LottMoll" Artikel. Sämtlicher FestlichkeitSbedarf für vereine. Masken-, Dekorations-, Scherz-, Zauber-, CottiNon-Artikel in großer Auswahl. Billige Preise. Schimllck. Berlin, Frledrtchstr. 335. Tel. Via Nr. 11 873._[33472» Deutscher Holzarbeiter-Verband. Branche Korbmacher. Munteeg, den 34. Februar, abends 7 llhr, im Gewerkschaftshans«. Saal VII. Engel-Nfer 15- Vevi'emunluttg. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Tarifkommissio». 2. Erläuterungen über die Broschüre. 3. Wahl von zwei Revisoren. 4. Bersdiiedenes. 73/8 In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreiches und pünktlulies Erscheinen_, Die Kontrollkommlsflon der Korbmacher. Montag, de» 24. Februar, abends S'/'r Uhr: SfSPPlipP'stsSWiiiIiiN liei SüilpsssIilPPWSPlies im Gewerkschaftshaus- Gngel-llfer 15. TageS-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in uusrer Branche. 2. Werkstattangelegen- heiten. 3. Berschiedenes. Es ist Pflicht jedes Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Denjenigen Kollegen, welche noch nickt im Besitz ihrer Mitgliedsbücher sind, werden dieselben in dieser Versammlung ausgehändigt. Hei' Obmann. Deutsch. Metallarbeiter-Verband VcrwultnngsHtclIe Kcrlin. Bureau: Engel-Nfer 15, Zimnier 1—5. Fernsprecher: Nmt VII, 353. Sountag, deu 33. Februar, vormittags 10 Uhr: UW?" Versammluna aller bei der Kirm Altiiillilil-Mllricliseliie Beslhäftigteit in Cobn« Festsälen, venthstraste Nr. 31. Tages-Ordnung: Wie stellen wir uns zu der beabsichtigten Einführung deS Prämien- Systems?_ Sonntag, den 33. Februar, vormittags 10 llhr: Bezirksversalttlltlttttg w* Charlottenburg bei Fl«cliep, Kruminestraste. Ecke Pestalozzistrafte. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Eventuelle Wahl einer Bezirksleitung und Berbandsangelegenheiteu. Sonntag, den 33. Februar, vormittags 10 llhr, im Gewerkschafts- Hans, Saal IV, Engel-llfer 15: ISST D o v s n tN ltt l u n g der Hobler, Bohrer und Fraiser. Ta I. Bortrag des Kollegen bandsangelegenheiten. : e s o r d ii n n a: 'asvlon'lt»en. 2. Diskussion. 3. Ber- 73/1? Sonntag, deu 33. Februar, vormittags 1« Nhr, im Gewerkschafts- hanS, Saal II, Gngel-llfer 15: Versammlung der Silberpolierer. Zahlreichen Bestich envartet_ Dir Ortsverwaltung,_ Vßited der Sattler uod varw. Gawarfta. Amtiilskttie Bkchtiliiilintg her Äcrliittr Ulialeit am Montag, den 34. Februar, abends 8 Uhr, im grofte» Saal des Gewerkschaftshanses, En>iel>llfer 15. Tages- Ordnung: 1. Beratung des Ortsftatnts. 2. Die Anstellungsbedingungen des Be- amten. 3. Wahl des Benmlen und der Revisoren. 4. Beischiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen, pünktlich und zahlreich zur Stelle zu sein. 1oS/g Mitgliedsbuch legitimiert. I>ie Koninii»«lon. Mitßlithtt-Bttsa»«ltitW btr Berlitter ziliale«. Filiale 1 fällt Montag ans, Beiträge werden in der gcmcinsomen Bersammlnng entgegen genommen. Sonnabeud, den SÄ. Februar, abendö 8'/« Uhr, �slillllt h. bei Schulz, Grenadierstrasse 33. Filiale III und VI fällt DienStag ans. Tiiias« i« Sonnabend, den 33. Februar, abendS 8Vs Uhr, qIIIuII, t, im GewerkschaftShanie, Engel-Ufer 15. Saal 7. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Anträge zur Arbeitslosen- Unterstützung/ 3. Verschiedenes. 158/8 Pünktliches Erscheinen wird gewvnsdit._ Die vorstände. Verband der Möbelpolierer. Die Mitglieder werden hiermit«rsncht, morgen mittag II»/, Uhr. in der 145/9 Oeffentlichen Versammlimg Koppenstraste 3v zu erscheinen. Tagesordnung: I. Die HandliingSwetse ber Stnhlpolierer und ihre Arbeitgeber früher und jetzt. Referent Kollege It. Weber. 2. Wie stellen sich die Mäbelpolierer zu dem neu gegründeten Arbeitsnachweis der Innung? 3. Vorschläge zur Wahl des GesellenanSschusses und Beisitzer zum Jnnnngsschiedsgericht. 4. Berschiedenes. Die Herren Stuhlfabrikanten sind schriftlich eingeladen. Montag, deu 31. Februar, abends 8% Nhr: Vei'Haiiiinlniig-eu Admiralftraste Rr. 18 c. Tagesordnung: 1. Bortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Ro»enow über: Der deutsche Bauernkrieg im Jahr« 1525. 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegierten. 4. Wahl der Bezirksleitung. 5, Verschiedenes Lichteitberg, Friedrich Karlftr. 11» Tagesordnung: 1. Bortrag. 2, Antrag zur AerbandSangelegen- heit. 3. Verschiedenes und Ausgabe der Jahresberichte sowie der BiNets zum Maskenball, welcher am 8. März in Kellers Festsälen, Koppenstr, 29, stattstndct. Ilei» Vurntand. Gebrüder Bell, Gräfrath"bei Solingen. 14 Tag- zur Probe mit 5 Iahreit Garantie ÄtÄ barer imtrirler«olbtiulaje und«tuiS, damit sich Jeder lohne Risiko) von de« SiNe und QuatilSt tderzeugen tan». Besteller leroflichlel sich, in angeze au» halt. 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Ein solcher Boykott ist durch nichts zu rechtfertige», zumal gegenüber einer Partei, die für Heer und Flotte eintritt und auf nationalem Boden steht. Ja diese Partei ist m vielen Hinsichten regierungsfreundlicher, als diejenige Partei, der der Landrat angehört, die konservative Partei. Der Landrat bezeichnete bei der Fmr von Kaisers Geburtstag, die jetzt in dem andern Gasthaus der Stadt abgehalten wurde, die Liberalen als Gegner der Politik des Kaisers.(Hörtl hörtl links.) Diese Stellung des Landrats ist durchaus verwerflich. Der Landrat hat nun nachträglich erklärt, er habe deshalb die Feier in dem betreffenden Gasthaus abgesagt, weil in der liberalen Ver- sammlung eine.Verbrüderung mit der Socialdemokratie" stattgc- funden habe. Das ist aber keineswegs der Fall. Es scheint auch dieser Ausweg dem Herrn Landrat erst vom Regierungspräsidenten an die Hand gegeben worden zu sein.(Hört! hört l links.) Aber selbst wenn dies geschehen wäre, was kann die arme Witwe Müllerdafür? Man kann sie doch nicht für das verantwortlich machen, was in dieser Versammlung geschehen ist, selbst wenn man sich auf den ein- seitigen Standpunkt eines königlich preußischen Landrats im Osten stellt.. April ivieder eine Klosse ein, während drei andre Klassen an die benachbarte 169. Gemeiiidcschule am Tempel- hofer Ufer übergehe». Tie frei werdende» Räume in der Warten- bnrgstraße sollen zur weitere» vorläufigen Illilerbriiigimg des nach»nd nach in die Tempelhofer Vorstadt übersiedelnden Friedrich- Realgymnasiums dienen.— Es ist doch wirklich ein ungemein glücklicher Zufall, daß sich der Mangel an Schülern in der Wartenbnrgjlraße gerade von dem Zeit- Punkt an eingestellt hat, wo eS feststand, daß das Friedrich-Real- ghmnasium in diese Gegend verlegt nnd in provisorischen Räumen untergebracht werden sollte. Oder ob da vielleicht ein bißchen das Glück korrigiert worden ist, indem man von dem Angenblick an, Ivo die Verlegung beschlossen war. der Schule in der Wartenbnrgstraße möglichst leine Kinder mehr zuwies?— Apropos:„Mangel an Schulkindern"! Die im Oktober in der Wartenbnrgstraße eröffnete unterste Volksschulklasse des Friedrich-Realgymnasiunis leidet selber an einem recht empfindlichen Schülermongcl. Wenn wir uns recht erinnern, so begann sie den Unterricht mit ganzen 13 Schülern. Ein derartiger Sch'iilerniangcl hat aber noch niemals eine Schul- Verwaltung veranlaßt, eine Vorschnlklasse aufzulösen. Er hat in dem vorliegenden Falle, wie man sieht, die städtische Schnlvcr- waltnng Berlins nicht cinnial davon abgehalten, die betreffende Klaffe neu zu eröffnen. Hier hätte sich übrigens einmal eine prächtige Gelegenheit geboten. daS Realaynmasinm ganz ohne Vorschule neu erstehen zn lassen. Aber der Gedanke, daß man in Berlin den Versuch machen könnte, eine Vorschule abzu- s ch a f f e n. ist so e n t s e tz I i ch. d a ß i h n e i n freisinniger Stadtvater nicht auszudenken ivagen darf. In der gestrigen Siiuing deS Magistrats ist der vom Stadt- baurat Ludtvig Hoffmann ausgearbeitete Entwurf zum Neubau eines Siechenhauscs(Kostenanschlag 6 Millionen Mary einer Unter- komniission des Magistrais zur nochmaligen Prüfung und Bericht- erstattung überwiesen worden. Eine gut fnnktioniercudc Sch,i«»t>orricht»»g besitzen die Straßcnbahnwageii der Großen Berliner bekanntlich imnier noch nicht. Anders scheint es in M n n ch e n zu sein. Dort ivnrde letzte Woche in der Magistratssitzniig mitgeteilt, daß die Schutzvorrichtnngeii an den elektrischen Motorwagen(Fniignetz mit pneumatischer Senkung, System München) sich als praktisch erwiesen haben. Mehrere Menschenleben wurden schon durch die Vorrichtungen gerettet. wcS- halb beschlossen wurde, weitere 100 Motorwagen(50 sind bereits damit versehen) mit solchen Schutzvorrichtungen auSznrüften. Man sollte denken, daß daS, was in München zu schaffen möglich ist, auch in Berlin eingeführt Iverden könnte. Von der Hochbahn. Die Strecke Potsdamer Platz— Zoolo- gischer Garten soll am 1. April eröffnet werden, die Teilstrecke Potsdamer Platz— Bülowstraße wird, wie-S heißt, am 1. März dem Betriebe übergeben. Der Verkehr auf der eröffneten Strecke Potsdamer Platz— Stralaucr Thor cntlvickclt sich nur langsam. Am ersten Tage der Eröffnung ist die Hochbahn von etwa 15 000 Per- sonen befahren worden und hat für die Unterstiitzlingskasse der Be« tricbsbeamtcn etwa 5000 M. eingebracht. Am zweiten Tage betrug der Verkehr ungefähr die Hälfte des ersten. Obgleich schon am Donnerstag der' gewöhnliche Tarif in Kraft gesetzt worden war. so hielt sich die Benutzung der Bahn nur in mäßigen Grenzen, da die Herabsetzimg der Preise fast uiibekaniit blieb. Durch einen Hnt verraten wurde der 48 Jahre alte ehemalige Saitler. jetzige Hoteldieb Robert Ba lau. der schon dreizehnmal vorbestraft ist und nach Vcrbüßnng einer sechsjährigen ZuchthnuS- stroße kürzlich nach Berlin gekommen war, um sein altes„Hand- werk" wieder anfznnehmen. Er lvar in einem Gasthof am Stettincr Bahnhof abgestiegen und hatte gestern morgen seiner Gewohnheit gemäß den Zimmern andrer Gäste Besuche abgestattet, nm das ihm zugängliche Gut z» stehlen. In der großen Hast, mit der er zu Werk gehen mußte, hatte er sich einen fremden Hut angeeignet, den er gar nicht nehme» ivollte. Mit diesem betrat er später das Gastzimmer. um nach dem Frühstück zu verschlvinden. Inzwischen hatten sich auch die Bestohkenen in dem Zimmer eingefunden nnd führten beim Wirt Beschivcrde, unter diesen auch der Eigentümer deS HnteS, den Balan in dein Glauben, er habe seinen eignen, in der größten Ruhe aus dem Kopf trug. Der Hut ivnrde aber erkannt, und der Wirt rief die Pvlizei. Bei einer Durchsicht der Balaiischen Habe förderte man die vermißten Gegenstände zn Tage. Der Dieb, der zunächst selbst erstaunt gewesen war. einen falschen Hut zu besitzen, war unter falschem Namen in dem Gasthof eingekehrt nnd legte sich auch bei der polizeilichen Vernehmung einen solchen bei. Durch den ErkennungS« dienst wurde indes der Spitzbube feftgcstcNt. Abermals eine Prügelei in, GerichtSsaale. Zn einer argen Srisschreituug kam eS wiederum gestern in einem der Gcrichtssälc. Der„Arbeiter" nnd„Athlet" Hermann Prahm stand wegen Zuhälterei vor der nennten Slrafkauimer des Landgerichts I. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von acht Monaten, der Gerichtshof erkannte aber ans l'/s Jahre Gefängnis. Als der Vorsitzende, Landgerichlsdircktor Müller, das Urteil ver» kündet hafte, sprang der' Angeklagte zum Anklageraum hinaus »nd fuhr dem zunächst sitzenden Zeugen. der ihn be- lastet hatte, an die Kehle. Der Gcrichlsdiciier ver- suchte, die Kämpfenden zu trennen, erhielt dabei aber auch von deni Angeklagten einen Faustschlag gegen den Kopf. Es entwickelte sich eine förmliche Schlägerei, es käme» andre Ge« richtsdiener hinzu nnd Nim ivnrde der Angeklagte, der ziemlich arg zugerichtet worden war, zn Boden geworfen, überwältigt imd von vier Mann nach der Zelle getragen. Während des aufregenden Auftritts fingen die Freunde des Venirteilten, die sich im Zuhörer- räum befänden, an. für den Tnnmltnante» Partei zn nehmen, indem sie Drohrnfe gegen die Beamten ausstießen. Die Lage hätte bedenklich werden können, wenn die GerichtSdiener nicht mit Entschlossenheit vorgegangen wäre». Einer der Beamten wurde von dem Wüterich während des Kampfes erheblich in den Finger gebissen, ein andrer erhielt einen Tritt vor den Leib. ES ist dies innerhalb kurzer Zeit die zweite schwere AuSschreilnng, welche von Angeklagten im GerichtSsaale begangen wurde. Feuer in der Charitö entstand in der letzten Nacht gegen 12 Uhr auf dem Boden des dem Verwallnngsgebäiide zunächst be- legenen Hauses. Die Wärter der Stationen 15, 16 und 17, deren Zimmer sich imtcr dem Bode» befinden, hatten einen Brandgeruch ivnhrgenommen und fanden ans dem Boden die Reisekorbe der Wärter n»d Wärtcrinnen in Flamine» stehend vor. Die Feuerwehr rückte in mehreren Zügen an und gab durch die Latten hindurch Wasser; eS dauerte indes mehrere Stunden, bis die Arbeit bewältigt war. Nur durch die frühzeitige Entdeckung des Brandes und das chnellc Eingreife» der Wehr wurde der Dachstnhl gerettet. Wegen Unterschlagung von ZV 000 M. verhaftet wurde der Buchhalter Karl v. B a d i n S k i ans der Dieffenbachstr. 12. Er lvar bei einem bedentenden Mehlgeschäft angestellt, lebte aber leichtsinnig und miterschlng nach nnd nach die erwähnte Summe. Eine SolideranSstcllnng von Webereien, Wirkereien und Stickereien wird das Museum für deutsche Volkstrachten nnd Erzeug« niffe des Hausgewerbes. Klosterstraße 36, Ende Marz veranstalten. Da diese Seite des künstlerischen Schaffens besonders reichhaltig vertreten ist, so wird sich die Ausstellung z» einer ninfnsscndc» lieber- ichl der bei alle» deutschen Stämmen einst sehr gepflegten tcxtilcn HanSkiinst ausgestalten. Urania. Frühlingstage an der Riviera. der mit farbigen Bildern und Wandelpauoramen ausgestattete Vortrag im Theater der Urania wird in dieser Woche allabendlich zur Wiederholung gelangen. Im Hörsaal beginnt Herr Professor Müller eine Vortragsreihe von vier Vorträgen zu vollslüiiiliche» Preisen über die wichtigsten Er- scheinunge» des Lebens mit dem Vortrage„linier Wissen vom Leben". Am Dienstag spricht Herr Dr. Naß über„Moderne Luftschiffahrt' und am Mittlvoch über„Die Porzcllanfabrikation"; am Freitag spricht Herr Dr. Donath vom elektrischen Strom nnd dem Ohmschen Gesetz und am Sonnabend beginnt Herr Dr. Schlvähn eine z»- sammenhängende Reihe von acht Vorträge», ebenfalls zn bolls- tümlicheu Preisen, über die Grundbegriffe der Mechanik fester Körper. Im Theatersnal der Urania in der Jnvalidcnstrnßc spricht am Freitag Herr Dr. Graff über„Die Welt der Fixsterne". Der NnSschank der Berliner Bolkbrancrci am Tempel- hofer Berge, der bisher von Herrn Wolff geführt wurde, geht mit Bcendigimg der diesjährigen Bockbier-Saison in die Hände des Herr» August R a d d a tz.' des bisherigen Besitzers des Königstadt- EastnoS, Holzmarktstr. 72, über. Die Direktion der Brauerei wird im Verein mit Herrn Rnddntz verschiedene ErweitmmqSbmlten vornehmen. So ist zunächst die Erweiterung des großen Saales durch einen Anbau geplant. ' Orgelkonzert. Zur Feier von HSndelS Geburtstag(23. Febr. 1S8S) gicbt Herr Must.'dtrekror Otto Dienet in der Martenkirche Montag, den 24. Februar, abcndS 7»/« Uhr, ein Händel-Konzert bei freiem Eintritt unter Mitwirkung von Fräulein Marie Radewald und Herrn Baurat Klingclpffrr aus Potsdam, Fräulein Elise Klein, Fräulein Lotte Dicnel, Fräulein Tercsina Gläser und des Violinisten Herrn Hans Groth. Fcilcrbericht. In den letzten 24 Stunden mußten wieder zahlreiche Brände beseitigt iverden und zwar zunächst Admiral straße 29 ein kleiner Dachstnhlbrand. Freitag früh kurz nach 4 Uhr wurde am 5larlsplntz der öffentliche Feuermelder bös willig gezogen. Der Thäter konnte leider wieder nicht ermittelt werden. Durch Selbstentzündung war auf dem Anhalter Güter bahnhof ein Waggon Preßkohlen in Brand geraten, dessen Ablöschung jedoch leicht erfolgte. Kurz darauf gingen in der Pritzwalkerstr. 10 Gardinen und Kleidungsstücke in Flammen auf. während in der Fricdrichstr. 105 ein Brand abgelöscht werden mußte, der den Fust bodc» und die Balkenlage ergriffe» hatte. In der Gnciscnaustr. 89 hatten abends 9 Uhr Lumpen Feuer gefangen. Außerdem erfolgten noch Alarmieruugen von der Rostockcrstraße 26 und Am Königs graben IS», die indes auf unbedeutende Anlässe zurückzuführen waren. AnS Nachbarorten. der ArbeitSlosen-Zählung ersteren beträgt Person de« Charlottnibnrg. Von für Charlottenburg, mit deren näherer Bearbeitung Genosse Dr. B o r ch a r d t beauftragt ist, liegen folgende weitere Daten be� rcits vor: Die Soirdcning der arbeitslosen männlichen Personen nach Be� rufen ergab 2269 Arbeitslose, unter denen sich 1414 Haushaltung� Vorstände befinden. Ihren näheren Beruf nicht angegeben haben 557--- 24,5 Proz., T89----- 31,8 Proz. gehören dem Baugewerbe an, 347--- 1S.3 Proz. waren in der Metallindustrie, 148----- 6,4 Proz. im Handel und Verkehr beschäftigt. Die Holzindustrie ist mit 74— 8,3 Proz. vertreten, die der Steine und Erden mit 70— 3,1 Proz., die Bekleidung-? industrie mit 66== 2,9 Proz., die Lcder- und Papierindustrie mit 60---- 2,6 Proz. Die übrigen verteilen sich auf andre Gewerbe. Die mittlere Dauer der Arbeitslosigkeit beträgt 58,7 Tage, also fast volle 2 Monate. Das Alter der Arbeitslosen ist recht verschieden, je nachdem eS sich um Haushaltungs-Vorftände oder im Haushalt wohnende Personen handelt; bei den elfteren überwiegen die Altersklassen von 30 bis 3S Jahren, bei den letzteren die von 19 bis 25 Jahren. Daher ist das Durchschnittsalter bei den 38,1, bei den letzteren 22,7 Jahre; insgesamt daS durchschnittliche Alter der arbeitslosen mäimlichen 3 2,3 Jahre. Dagegen zeigt sich fast gar keine Verschiedenheit in Bezug auf die Daner der OrtSamvesenheit; fast durchweg sind alteingesessene Charlottenburger, vielfach hier geborene, von der Arbeitslosigkeit bc- troffen. Ein Drittel, genau 731 von 2171, welche Angaben gemacht haben, wohnen seit mehr als 15 Jahren in Charlottenburg, ein zweites Drittel, 735 wohnen iveniger als 10, aber länger als 5 Jahre in unsrcr Stadt, und nur 706 ivcilen seit iveniger als 5 Jahren bei uns. auch von diesen nur die Hälfte, 363, seit iveniger als 2 Jahren. Von den 1414 HnushaltungS-Vorstäuden haben 931 die Zahl ihrer Kinder unter 16 Jahren angegeben; diese beträgt 2115, so daß die Familie durchschnittlich 2.3 Kinder hat: es überlviegen die Fa- Milien mit 1 bis 3 Kindern, 295, 285, 152 Familien, lieber 5 Kinder haben nur 26 Familien, darunter sind sechs Familien mit 7, drei •mit 8 und eine mit 9 Kindern. Außer diesen 2115 Kindern sind von der Arbeitslosigkeit und den traurigen Erwerbsverhältnissen noch stark betroffen die Kinder der weiblichen arbeitslosen HauShaltnngS- Vorstände sowie die der kranken HauShaltungs- Vorstände; es handelt sich dabei noch um 817 Kinder, so daß also 2932 Kinder arbeitslose und kranke Ernährer haben. Dabei ist zu beachten, daß das nur eine untere Grenze ist; denn bei weitem nicht alle Arbeitslosen haben die Zähl- karten ausgefüllt, und bei Iveitem nicht alle, ivelche geantwortet haben, habe» alle Fragen ordnungsmäßig beantivortet;' unter den 513 Haushaltungsvorständen, bei denen keine Kinder vermerkt sind, befinden sich nur sehr wenige, die ausdrücklich angeben, daß sie keine Kinder haben. Ueberhaupt wird daSBild des Elends, daS dieangesührten Zahlen entrollen, auch abgesehen davon, daß die mit beschräukterArbcits- zeit Arbeitenden noch fehlen, von der Wirklichkeit noch weit über- troffen. Wir werden darauf zurückkominen, ivcnn die Bearbeitung der Karten beendet ist. Die Nachtseite unsrer Kultur, von der unsre Zählung den Schleier ein ivenig gehoben hat, zeigt uns ein so düsteres Gemälde, daß unsre Verwaltung ivohl Anlaß hätte, sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, wie solche Zustände dauernd zu beseitigen sind. AuS den Militär-Wcrkstätte». Man schreibt uns aus Spandau: Wie sehr es bei den höchst unklaren Bestimmungen der Lohnordnuug in dem Belieben einer Direktion oder eines höheren Aufstchtsbeamteu liegt, die Arbeiter in diese oder jene Lohuklasse ein- zurangieren oder ihnen diese oder jene Vergünstigung zu teil werden zu lassen, das haben besonders die sogenannten„Blei- «irbeiter* in der Gcschützgießcrei Hierselbst erfahren. Die Arbeiterkategorie hat das Zerkleinern und Schmelzen von Bleierz und das Gießen von Geschossen zu besorgen; es ist dies eine Arbeit, die sehr leicht zur Bleivergiftung führt. und in der That sind bei diesen Arbeitern, trotz der sonst angeivcudcten Schutzmaßregeln, Fälle von akuter oder gar chronischer Bleivergiftung nichts Seltenes. Die Lohnordnuug schreibt nun vor, daß denjenigen Arbeitern, welche mit giftigen oder besonders gefährlichen Stoffen, Säuren zc. zu hantieren haben, ein Extrnlohn von 1 M. pro zehn- stündigen Arbeitstag zu zahlen ist. In der Pulverfabrik wird den Säurearbeitern diese Extravergütigung auch anstandslos gewährt; die Bleiarbeiter in der Geschützgießerei sind jedoch von dieser Vergünstigung a u S g e s ch l o s s e n. Woran mag daS liegen? Es ist in diesen Tagen von der Feldzengmetsterei ein neuer Lvhntarif eingeführt worden, der ebenso viele Ilnklarheitcn enthält und insbesondere auch hinsichtlich der Bleiarbeiter keine Klärung bringt l Wilmersdorf. DaS OrtSstatnt zum Ge Werbegericht enthält u. a. folgende wichtige Bestimmungen: Das Gewerbegericht setzt sich aus einem Vorsitzenden, zwei Stellvertretern und 24 Bei« sitzern zusammen, von denen die Hälfte aus Arbeitgebern und die Hälfte ans Arbeitnehmern besteht. Die Amlsperiode ist auf drei Jahre bestimmt. Als Beisitzer kann gewählt werden, wer 2 Jahre am Ort wohnt oder dort seine Arbeitsstelle hat und das 30. Lebens- jähr vollendet hat. Die Entschädigung, die den Beisitzern für die Teilnahme an einer Sitzung gewährt ivird, beträgt 4 M., ein im Verhältnis zu de» in den Nachbarorten gezahlten Entschädigungen geringfügiger Betrag. Die Wahl wird in 4 Bezirken voll- zogen, die nach den Polizeireviere» snlter Ort, Halensee, die Gegend nördlich der Gnntzelstraßc undFricdcnauerOrtSteils abgegrenzt sind. Der Wahltag tvird in kürzester Zeit angesetzt werden, die Wahlzeit ist mittags von 12—3 und abends von 6—9 llbr. Für die Ber- Handlung mnß bei einem Streitgegenstand im Werte bis 20 M eine Gebühr von 1 M. gezahlt werden, für ein Objekt bis 50 M. 1.50 M. und für ein Objekt bis 100 M. 3 M. Es ist notwendig, daß die Gewerkschaften am Orte sich unverzüglich mit den Wahlen befassen, soweit dicS»och nicht geschehen ist. Formulare zur Wahlberechtigung sind bei den Vorständen der Geiverkschaften zu haben. Einen Regrrffansprnch an die Gemeinde Lichtenberg in recht bedeutender Höhe erhebt unter Klage- Androhimg der dort wohnende Kaufmann Schulz. Durch das Versehen eines Arbeiters der Gemein de- Gasanstalt ist im vergangenen Jahre ge- legentlich einer Rcparaturarbeit der Hnnpthahn de? Gasmessers nicht geschlossen worden n»d Leuchtgas durch ein nicht mit v—•-— viston mit brennendem Streichholz betrat, erfolgte ekne Explosion, bei der Schulz erhebliche Brandwunden erlitt. Für entstandene Kur kosten berechnet dieser nun 314 M., für entgangenen Arbeitsverdienst bis auf weiteres 2900 M. jährlich, einmalig bringt Schulz ferner 400 M. in Ansatz. Der Gemeindevorstand erkennt den Regreß anspruch nicht an. Dalldorf. An unsrem Ort wird nach wie vor der Wählerschaft die Beteiligung an den G e m e i n d e w a h l e n auf das schlimmste erschwert. Unsre Parteigenossen hatten den Antrag gestellt, die Dauer des Wahlakte« bis 8 Uhr abends auszudehnen. Dieser An trag ist ober abgelehnt worden; es bleibt dabei, daß wie in früheren Jahren die Wahlhandlung von 9 bis 3 Uhr dauert. Vor aussichtlich findet die Wahl für die dritte Wählerklasse am Sonn- abend, den 22. März, statt. Unsre Parteigenossen werden trotz dieser ungünstigen Umstände mit frischem Mut in den Wahlkampf ein- treten. Pflicht jedes Genossen ist eS. die Wähler aufzurütteln, damit trotz alledem unsre Kandidaten ins Ortsparlament einziehen. Bei Potsdam ist gestern nachmittag um 5 Uhr der Bäcker- lehrling Wittstock beim Schlittschuhlaufen ertrunken, der zum Herbst Geselle geworden wäre. Ueber den Unfall wird berichtet: Zum Eislauf tvar auf der Havel nur die Strecke vom Hasengraben links bis zur Meierei freigegeben, während die Strecke rechts bis Sakrow durch Warnungstafel für den Eislauf gesperrt war. Dennoch bogen gestern nachmittag 5 Uhr drei jugendliche Schlittschuhläufer auf diese verbotene Strecke ein. Als sie gegenüber der kaiserlichen Matrosen- station„Kongsnäs" der Strömung zu nahe kamen, barst die dünne Eisdecke unter ihnen und alle drei versanken in den Finthen. Der sofort zur Hilfe eilende Fischer Krause verunglückte gleichfalls. Der Unfall war aber auch auf der Matroscnstatioii bemerkt worden, von wo sofort ei» Boot abstieß, das die schwache Eisdecke durchbrechen konnte. Die Rettung war äußerst schwierig und gelang nur bei zweien. Wittstock konnte nur noch als Leiche geborgen werden. dem vor- geschriebenen Korken verschlossenes Rohr in die Wohnräume eines Mieters gedrungen. Als Schulz die Räume zum Ztvecke einer Re- Schnudmöbel. Wegen Betruges hatte seiner Zeit das Schöffengericht die Möbelhäudleriu D y es zu 50 M. Geldstrafe der- urteilt. Die Angeklagte gehört zu denjenigen Möbclhäudlerinnen, die mit Hilfe Vertrauen eriveckcndcr Reklamen, in denen Möbel wegen Todesfalles",„wegen Umzuges" und dergl. zum Verkaufe angeboten iverden,„Schundmöbel" an den Mann zu bringen wissen. Der frühere Obermeister K r e ß von der Tapezier- Innung hat seiner Zeit im Auftrage der Innung solche Schundmöbcl an den verschiedensten Stellen aufgekauft und auch einmal versucht, die Angeklagte wegen Betruges zur Bestrafung zu bringen. Dies ist allerdings mißglückt, da- gegen ist die Angeklagte schon einmal wegen»nlanteren Wettbewerbes bestraft worden. Im vorliegenden Falle handelte es sich darum, daß ein Ehepaar bei der Angeklagten eine ganz neue Gobelin-Garnitur— bestehend aus Sofa, 4 FautcuilS und 1 Hücker — für 240 M.(II!) gekauft hat und zu diesem Kauf nur durch die Zusicherung beivogen sein ivill, daß die Polsterung nicht etwa aus Stroh und Heu, sondern ans Werg bestehe. Thatsächlich bestand die Polsterung aber aus Holzivolle, die nach dem Gutachten der Tapezierer Krcß n. Säiroeder zum Polstern absolut untauglich ist. Die Sachverständigen erklärten das ganze Mobiliar für„wertlose Schund>va re".— Gegen dieses Urteil war von beiden Seite» Bcrnfnng eingelegt worden. Der Staatsanwalt ivollte die An« gellagte zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wissen, während Rcchtsanivalt M o r r i s die Freisprechung beantragte. Er wollte cvcnt. 50 ganz solide Tapezierer dem Gerichte namhaft machen, die gleichfalls mit Holzivolle polstern, erklärte das Gutachte» der beiden Sachverständigen für durchaus irrig und bestritt jede Vermögens- bcschädiginig, da die Käufer für die 240 M. einen objektiven Gegen- wert erhalten haben.— Der Gcriäitshof verwarf beide Berufungen, indem er das erste Urteil für zutreffend hielt. Grobe VcrtraiienSbniche führten gestern den Handlung?- gehilfc» Karl R a d t k e vor die ueinite Strafkammer des Landgerichts I. Er war der fortgesctzien Unterschlagung bcslbnldigt. die neben ihm auf der Anklagebank sitzende Frau Minna Winter geb. Maß hatte sich wegen Hehlerei zu verantworten. Der Angeklagte, der ei» äußerst gewandter Verkäufer der Konfektions- »rauche ist, tvar längere Zeit in dem bekannte» Geschäft von Cords in der Leipzigerstraße thätig und halte in der Abtcilmig ür einzelne Roben und Restpartic» die Kundinnen z» bedienen. Er hat dabei in ziemlich großem Umfange Veruntrennnge» begangen, indem er es verstand, unbemerkt Scidenrcste und Roben an« dem Geschäft mit hinaus zu nehme», die er dann zu Geldc machte. Ein Zeichen für die kaufmäimifche Tüchtigkeit des Angeklagten ist die Thatfache. daß er unmittelbar, nachdem er seine Tbätigkeit für die Firma Cords aufgegeben hatte, für die Firma Rudolph Hertzog engagiert worden ist. Er selbst giebt den Wert der von ihm im Laufe der Zeit veruntreute» Ware» auf über 1000 M. an. sicher lich hat aber seine stille Teilhaberschaft einen viel größeren Umfang gehabt. Frau Winter war seine Wirtin; sie hat dem Angeklagten einige„billige Nester" abgenommen, obwohl sie ans den Umständen auf deren»»ehrlichen Erlverb hätte schließen niüsfen. Sie wurde ür diese» Leichtsinn mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. Radtke elbst wurde zu einem Jahr drei Mo na ten Gesang nis verurteilt. Einem Formfehler hatte der Hausdiener Wilh. Jahn eS zu verdanken, daß ihm eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten abgenomme» Ivurde. An einem Angnstabende des vorigen Jahres hatic der Am geklagte, der bei einer hiesigen Papierhandlung bcdienstet tvar Aaren in einem verschlossenen Handwagen zur Kundschaft zubringen. Bei einer Firma in der Jerusalemerstraße kam er»»verrichteter Sache wieder anS dem Hanse heraus, da das Geschäft bereits ge chlossen lvar. Er nahm»u». wie er angab, ans Versehe» einen fremden Handivagen, der ebenfalls vor der Thür hielt, legte die bereit? herausgenommenen Waren obendrauf »nd fuhr iveiter bis zur Kronenstraße. Als er hier ivieder vor einem Geschäft hielt, kam der Führer des fälschlich mitgenommene» Wagens nachgerannt, stellte Jahn zur Rede und beschuldigte ihn des Diebstahls. Es kam dadurch zivischen beiden Hansdienern zu einer Schlägerei. Dann wurde Jahn zur Wache geführt, und später wurde Anklage wegen Diebstahls gegen ihn erhoben. Der Gerichtshof wollte dem Angeklagten um so weniger glauben, daß nur ein Ver- sehen seinerseits vorliege, weil er bereits mehrfache Borstrafe» wegen EigentumsvcrgehenS erlitten hatte und weil der fremde Wage» mittels einer Kette gebemmt war, welches er schon durch die schwerere Vorwärtsbewegung beim Anziehen hätte bemerken müsse». Gegen daS verurteilende Erkenntnis legte der Verteidiger, RcchtS- nuwalt Schöps, Revision ein mit der Begründung, daß die Ver- teidigung durch Ablehuuug eines Antrages auf Ladung«ine« neue» Zeugen beschränkt worden sei. Die Revision hatte Erfolg. Im er- »eilten Termin führte der Verteidiger ans, ivie sinnlos der An» geklagte gehandelt haben ivürde. wenn er es anf einen Diebstahl abgesehen hätte. Der von ihm zurückgelassene Handivagen tvar niit einer Firma versehen und mußte sofort an ihm zum Verräter iverden. Außerdem konnte der Angeklagte gar nicht wissen, ob der Inhalt des fremden Handwagens nicht weit weniger wertvoll tvar. als der seines eignen, und war der Inhalt dcS letzteren schwerer, so konnte eS ihm auch entgehen, daß das eine Rad gehemmt war. Der Gerichtshof schloß sich sdiesen AnSführungen an und fällte ein freisprechendes Urteil. Vevmifiszkes, I» Augsburg ist der Raubmörder Kneißl gestern früh 7 Uhr h i ii g e r i cki l e t ivorden. Zu einer tragischen Scene kam eS an der Thür deS GefäiPiiiffeS, als die alte Mutler KucißlS aus der Frohnveste von dem AbtchiedS- besuch bei ihrem Sohn herauskam und sah, wie der für ihn be- stimmte Sarg ins Gebäude getragen, ivurde. Bei dem Anblick schrie sie laut über den Platz:„Justizmörderl" und verfiel schließlich in Schreikrämpfe.__ Von dem Erdbeben in Schemacha ivird aus Petersburg unter dem 18. Februar berichtet: 800 Leichen sind bis jetzt geborgen. Von den unbeerdigten macht sich ein starker Geruch bemerkbar. Die. Krankenhäuser sind so schnell als möglich wieder eröffnet worden; in ihnen werden die Verstümmelten behandelt. Das Erdbeben, das vier feuerspeiende Krater gebildet hatte, hat jetzt an Heftigkeit verloren, Die Straße nach Baku ist immer noch durch Flüchtlmge versperrt. Große. Geldsummen sollen bei der Feuersbruiist vernichtet worden sein. Deo Gouverneux von Baku, General Odinzew, ist in Schemacha an- gekommen. Er benihigt die unglücklichen Leute und hat angekündigt. daß zur sofortigen Hilfe 100 000 M. ausgegeben werden sollen. Die erste Sendung von Lebensmitteln ist angekommen, aber die Not ist noch groß. Ein tragischer Vorfall wird von der Zer- störung noch berichtet: Ein Mädchen lebte noch, obgleich sie halb unter einem Trümmerhaufen begraben war. Ihr Vater machte rasende Anstrengungen, um sich durch die Trümmer einen Weg zu ihr zu bahnen. Plötzlich brach unter einem neuen Erdstoß die Wand des HnuseS völlig zusammen und begrub Vater und Tochter. Wie aus Tiflis telegraphiert wird, ist Donners» tag das von dort entsandte zweite kaiikasische Schützenbataillon in Söhemacha eingetroffen und beteiligte sich sofort an den AuS- grabungen, die jetzt rascher vor sich gehen. Im Kruppschen Steinbruch zu Bredeney wurde gestern eine Arbeiterschutzhütte durch herabstürzende Felsmassen verschüttet. Von sieben darin befindlichen Arbeitern wurden vier getötet und zwei verletzt. Ucbcr ein Grubenunglück wird aus Charleroi berichtet: In dem Schacht„des Vallses" der Gruben in Montceau-Ia-Fontaiiie wurden heute abend fünf Arbeiter durch schlagende Wetter schwer verletzt._ Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallardeiter(S.$.29 Hamburg). Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 23. Februar, 8 Uhr abends, bei Bauer, Rosenthalerstr. 57, Mitgliederversainuilung.— Filiale Berlins. Sonntag, den 23. Febmar, vorm. 9 Uhr, bei Diecke, Acker- straße 123, Wahl der Delegierten zur Generalversammlung.— Filiale Berlin 10. Sonntag, den 23. Februar, voriniltags 10 Uhr, bei Faber, Stephanstr. 11, Wahl der Delegierten zur Geiieralversamnilung.— Filiale Charlotte ii b ii rg. Sonnabend, den 22. Februar, abends»Vi Uhr, bei Leder, Bismarckstr. 74, Wahl der Delegierten zur Gcneralversauimliing. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 23. Februar, vormittags 8>/t Uhr, in der Aula der«9. Geincindeschiile, Kleine Frankfurter- straße 6: Versaiiimluiig.„Freireligiöse Vorlesung". Um 10'/. Uhr vormittags, ebendaselbst: Vortrag des Frl. Ida Altmaiin:„Die Sittlich- keit in der alten deutschen Dtchtung." Vor- und Nachspiel auf dem Pariser M u st e l- H a r in o n i u m. Gäste, Damen und Herren, sehr willloiiuiien. Lokalverbnnd der Elcktroiiiontcure. Sonnabend, 22. Febmar, abends 9 Uhr, Kleine Andreasftr. 3: Sitzung mit Vortrag: Eine Reise durch die Schweiz und Rheinland mit Projekttonöbtldem. Kollegen wie Gäste nebst Angehörigen sind ergcbenst eingeladen. Marktpreise von Berlin an, 20. Februar 190« nach Ermilllmige» des tgl. Pollzeiprästdiwiis. f Metze», gut D.-lltr niillel, .«cri», t'JUßgeii, gut „ willel, „ gering •Gcrslf, gut „ mutet. , gering »Haler, gm. , imiiet, . gering Mlchistroh. Heu» l£i(i(eii Sveiledohnen. Linie». ff ah Bahn. " frei Wagen und ab Bahn. -f frei Bahn, frei Mühle. Produktelllnarkt vom 21. Februar. Die Tendenz auf dem v e- t r e t d e m a r k t war fest. Bevorzugt ist nach wie vor Roggen, da gute Nachfrage bestehen bleibt und Angebot wie Zufuhren knapp bleiben. Bon den ausländischeu Börsen wurde Anregung nicht geboten, Oestreich-Ungarn kam nur wenig verändert, Amerika nach schwächerem Beginne etwas erholt. Am hiesigen Platze war das Geschäft nicht sehr milsangreich; die L ieferungS- preise sür Wetze» und Roggen zogen ungesähr'/» M. an. Mehl notierte bei kleinem Handel 10 Pf. höher. Abgebcr fehlen. Späterhin stellten sich die Preise sllr beide Lrotarttkel 1 M. höher als gestern Futterfrüchte Mieden im Locohandel still behauptet, Lieferungen waren recht fest. Mai- haser 1 M. anziehend. Rüböl ging aus den mehrfach erwähnten Gründe», weiter im Preise zurück.— SptrituS ging bei Neinem Geschäft um 20 Pf. zurück, 70er loco 34,20 M._ Briefkasten der Redaktion. »es Tie jurtsiischr Sprechstunde findet täglich mit AuSnahuic Sonnabends von 7'/t bis i)1/, Uhr nbeiidS statt. W. F. PretSausschreiben. Steht in Nummer 2 des Unter» Haltungsblattes. P. St. Melden Sic sich bei der Bauleitung der elektrischen Hochbahn, Lindenstraste 29. W. I— mann. Der erste Oberbefehlshaber war Vuller. F. H. SP. 17. Ohne Anmeldung Jbres Patents ist ein Schutz NN' möglich.- St.