Ar. 48. Abonnements-Kedingungen: KbonnementZ-PriiS pränumerando: «Zierleljährl. ZL0 M!., inonatl. 1,10 SJIf., inöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. ffiimelne Numm-r 5 Pfg. Sonntags; Nummer mir muntictitr Sonntazs- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: MO Marl pro Monat, Singetragen in der Post-Zeitungs- Preisliste für 1S0L unter Nr. 7873. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, fiir da» übrige Ausland Z Marl pro Monat. 19. Jahrg. Air Ansertions-Weltayr beträgt fijr die fschSgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum so Pfg., für politisch« und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. «Kleine Anzeigen" jedes Wort S Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 1 Uhr nachmittag« in derExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fisttazen bt« 8 Uhr vormittags gevssnet. Erscheint täglich nusjer Montag». Vevlinev VolksblKtk. Delegramm- Adresse- «Sorialdrmokrnk Verlin- C�ntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. NedaKlion: S�. 19, Beuch-Slrahe 2. Fernsprecher! Amt I. Nr. 1508. Mittwoch, den 26. Februar 1002. Expedition: sw. 19, Beuch-Striche 3. Fernsprecher: Zimt I, Nr. 5131. Der schweizerische Zolltarif. Zürich, im Februar. Wie bereits kurz erwähnt, ist Mitte Februar der Entwurf zu einem neuen Zolltarif vom Bundesrat fertiggestellt und den Mitgliedern der nationalrätlichen Zollkonimission wie der Presse zugestellt worden. Da der allgemeinen Praxis der demokratischen Republik entsprechend an eine Geheimhaltung des Entlvurfs von vornherein niemand dachte, so zeigte sich auch keinerlei Bestreben, den Ent Wurf auf krummen Wegen zu erlangen und etwa zu ,, VerHöckern", wie dies mit dem geheim gehaltenen deutschen Entwurf geschehen. Der vorliegende schweizerische Tarifcntwurf ist ebenso sehr das Echo des hochschutzzöllncrischen Vorgehens Deutsch lands wie der Hochschutzzöllnerischen Strömungen in industriellen und landwirtschaftlichen Kreisen der Schweiz selbst. Die V e r öffentlichung desdeutschenTarifentwurfs im Sommer 1901 hat in der Schweiz wie in andren Ländern wie eine Bombe eingeschlagen und den vorhandenen schutzzöllncrischen Bestrebungen neue Nahrung zugeführt. Die Führung in der Campagne für Erringung höherer Zölle liegt auch bei uns in den Händen der Agrarier, die freilich im Vergleich zu den steinreichen deutschen Junkern nur armselige Kleinbauern sind, die aber in Bezug auf schutzzöllnerische Gesinnungs-Begehrlichkeit hinter denselben nicht zurückstehen. Auch einen Führer haben sie in der Person des Bauern sekretärs Dr. Baur, der, wenn er in Deutschland geblieben wäre, heute Wohl neben den Rösicke, Hahn, Wangenheim ze. mit an der Spitze des Bunde der Landwirte marschiren würde; nun steht er hier an der Spitze des schweizerischen Bauernverbandes, der Ende 1900 rund 78 000 Mitglieder zählte und dessen Sekretariat vom Bunde eine jährliche Subvention von 20000 Fr. erhält. Das Programm des Bauernsekretärs ist: Erhaltung des bäuerlichen Besitzes. einheitliches bäuerliches Erbrecht mit Abfindung der Geschwister nur nach dem Ertrags- und nicht nach dem Verkehrswert des väterlichen Erbes(was natürlich die Proletarisierung der so geringfügig abgefundenen Geschwister bedeutet), Schaffungeines einheitlichen schweizcrischenHypotheken- rechts, Erringung höherer Preise für die landwirt- schaftlichen Produkte und daher höherer Schutz derselben(die Ver- teuerungs-Tendenz des hohen Schutzzolles ist damit klar aus- gesprochen), Förderung des landwirtschaftlichen Genossenschafts- Wesens durch den Staat, billige Eiscnbahntarife und besseres Wagemnaterial zc. Für die Erneuerung der Handelsverträge hat der Bauernverband die großartigsten Vorbereitungen ge- troffen. In vier großen Kommissionen wurden die Vor- arbeiten durchberatcn und 150 Zollpositionen unter Be- rücksichtigung der Zollansätze seit 1841 in der Schweiz und im Ausland aufgestellt. Die dann an das eid- genössische Landwirtschafts- Departement in Bern ge- machte Eingabe des Sekretariats unifaßt den Raum von zwei Büchern; sie enthält Vorschläge für Minimal- zölle. Immerhin wurde das Getreide dabei weg- gelassen, und insofern stehen allerdings die schweizeri- scheu Agrarier über ihren deutschen Junkergenossen— freilich mußten sie sich auch sagen, daß ein Tarifgcsetz mit erhöhten Getreidezöllen kaum Aussicht hätte, in der Volksabstimmung Annahme zu finden. Der schweizerische Bundesrat hat ebenso wie die Deutsche Reichsregierung die verschiedenen Zollpositionen ungemein weitgehend specialisiert, so daß der Entwurf 1118 Positionen enthält gegenüber 728 im geltenden Tarif. Da der deuffche Entwurf 946 Positionen enthält, so weist der schiveizerische noch 172 mehr auf. Für eine Anzahl Positionen sind die Zollnmsätze unverändert gelassen worden, für verschiedene andre wurden sie sogar reduziert. Für ungefähr die Hälfte aller Positionen wurden dagegen die bisherigen Zollansätze erhöht. Unverändert sind die Getreidezölle mit nur 30 Cts. (25 Pfennige) per Doppelcentner, die eigentlich mehr nur eine Kontrollgebühr als ein Zoll sind; auch der Malzzoll mit 1.50 Fr. bleibt, während Reis mit 4 Fr. statt 2,50 Fr. verzollt werden soll. Ferner weisen von den wichtigsten Nahrungs- Mitteln Zollcrhöhungen auf: Bisheriger Bisheriger Neuer General- Vertrags- General- Tarif. Tarif. Tarif. Fr. Fr. Fr. Gedörrtes Obst........ 5 2,50 10 Frisches Gemüse....... 1 frei 2 Kaffee........... 5 5 10 Zucker in Hüten....... 9 9 12 Sago und Tapioca...... 7 7 20 Honig........... 15 15 20 Frisches Fleisch........ Ü 4,20 12 Konserviertes Fleisch...... 8 6 16—20 Geflügel, lebend....... 0 4 15 Geflügel, tobt........ 12 6 20 Eier............ 4 1 5 Frische Butter........ 8 7 15 Gesalzene Butter....... 15 10 20 Schweineschmalz....... 15 15 20 Margarine........... 15 15 Weichkäse.......... 10 4 1<2 Hartkäse.......... 6 4 Obstwein.......... 1,50 1,50 5 Nalurweiu in Fässern..... 6 3,50 15 Kunstlvein in Fäffern.... Alkoholische Weine: in Fässern in Flaschen Wcinniost, eingedickt.... Bisheriger Bisheriger Neuer General- Vertrags- General- Tarif. Tarif. Tarif. Fr. Fr. Fr. 12 12 60 —— 12 —— 25 —— 60 Tiere und tierische Stoffe. Ochsen........... 80 25 35 Stiere........... 25 25 40 Kühe........... 25 18 35 Schlveiue bis zu 60 Kilo.... 8 4 20 Schweine über 60 Kilo..... 8 5 15 Leder: Bodenleder...... 8 8 24 Kalblcder....... 16 16 40 Schmal- und Rindledcr.. 8 8 12 Schuhe aus Kalb-, Rotz- ic. Leder. 130 60 175 Das Hauptgewicht ist von bäuerlicher Seite auf die Vieh und Weinzölle gelegt worden und der Bundesrat hat da ein sehr weitgehendes Entgegenkommen bewiesen, indem er die einen wie die andern erheblich, die Wcinzölle gar um 500 Proz. erhöht hat. Die Viehzölle richten sich hauptsächlich gegen Italien, aber auch gegen Oestreich, allein sie verdienen von feiten der Arbeiter die schärfste Bekänipfung, denn die Fleischpreise haben schon heute eine solche Höhe erreicht, daß viele Arbeitcrfaniilien nur selten Fleisch auf deni Tische haben. Der Wcinzoll soll den Weinimport beschränken und den Absatz des inländischen Weines heben. Allein schon heute ist die Ursache des Rückganges des Weinkonsums der hohe Preis, der gefordert wird und der seit Jahren den Bierkonsum stark gefördert hat. Trinken doch die Weinbauern selbst, wenn sie in das Wirtshaus gehen, gewöhnlich das billigere Bier statt des teureren Weins. Die Verfünffachung des Weinzolles kann nur die Folge haben, daß der Wein noch teurer und daher der Konsum noch geringer wird. Erhöht sind auch die Zölle für alle Textil- und Kow fektionswaren, zum größten Teil für Maschinen, Werkzeuge und Geräte, optische Jnstruinente, chenlische Produkte, Erzeugnisse der Industrie der Erden und Steine ic. Die Zölle auf Roh' stoffe, wie Kohlen, Eisen, Rohseide, Baumwolle:c. sind ent weder unverändert gelassen oder reduziert oder nur ein wenig erhöht worden, was in Uebereinstimmung steht mit Artikel 29 der Bundesverfassung, wonach„die für die inländische Industrie und Landwirtschaft erforderlichen Stoffe im Zolltarife möglichst niedrig zu taxieren" sind. Derselbe Verfassungsartikel be stimmt aber auch, daß„ebenso die zum nötigen Lebens bedarfe erforderlichen Gegenstände" möglichst niedrig zu taxieren seien. Ob damit die vorgeschlagenen neuen Zölle vereinbar sind, erscheint uns sehr zweifelhast, auf keinen Fall können die aufgestellten Zölle für Fleisch, Eier, Butter, Schmalz. Wein usw. noch als„niedrige" bezeichnet werden. Und wenn der Bundesrat in der dem Entwurf beigegebcnen Be- gründnng erklärt, daß keine Zollerhöhungen zum Zwecke einer Einnahmevermehrung vorgenommen wurden, so sei doch auf die Erhöhung des Kaffeezolles von 5 auf 10 Fr., des Zolles auf Sago von 7 auf 20 Frank hingewiesen, wobei es sich um keinerlei Schutz-, sondern ausschließlich um Finanzzölle handelt. Freilich erscheint der schweizerische Zolltarifentwurf gegen über dem deutschen als der reinste Waisenknabe. Während in der Schtveiz die Getreidezölle völlig bedeutungslos sind, haben sie in Deutschland eine erschreckende Höhe erreicht. Aber auch bezüglich aller andren Warenzöllen bleibt der schweizerische hinter dem deutschen Entwurf zurück, namentlich hinsichtlich der Vieh- und Fleischzölle, Butter-, Schmalz-, Käse- und Eierzölle, der Kaffee- und Zlickerzölle usw..Der Thcczoll beträgt in der Schweiz bisher 40 Fr., der unverändert beibehalten ist, während er in Deutschland 100 M. beträgt. Was die Wirkungen der vorgeschlagenen schweizerischen Zollerhöhungen betrifft, so sind sie für Deutschland viel weniger empfindlich. als umgekehrt die deutschen Zoll- erhöhungen für die Schweiz. Nach der Art der Produkte im gegenseitigen Austausch befinden sich beide Länder in der gleichen Lage, indem die Fabrikate an erster, die Rohstoffe an zweiter und die Lebensmittel an dritter Stelle stehen. Es exportierten nämlich: Deutschland nach der Schweiz: Ledensinittel Rohstoffe Fabrikate Millionen Franken 1900.. 30,9 126,2 193,2 1899.. 29,1 113 200.6 die Schweiz nach Deutschland: 1900.. 20.9 53,8 126,9 1899.. 15,8 55,5 127,3 Ohne gemünztes Edelmetall betrug der Specialhandel der Schweiz mit Deutschland in den Jahren: Millionen Franken 1900 1899 1898 1896 1894 Einfuhr a u s Deutschland 350,4 342,1 314.6 305 242,9 Ausfuhr nach Deutschland 201,6 198,6 194 172.3 151,1 Daraus ist ersichtlich, daß Deutschland an einem freund- schaftlichen Handelsverkehr nnt der Schweiz mmdestens so viel Interesse hat. wie uingekehrt die Schweiz an dem- selben mit Deutschland; uni 150 Millionen Franken hat Deutschland im Jahre 1900 mehr in die Schweiz importiert als umgekehrt von der Schweiz bezogen. Ferner geht aus der vorstehenden Statistik hervor, daß der deutsch- schiveizerische Handelsverkehr in blühender Entwickelung begriffen ist und von Jahr zu Jahr an Umfang und Bedeutung zunimmt. Es wäre daher sehr notwendig, wenn die deutschen Zollsätze, so u. a. diejenigen für Uhren, Käse, Obst, Vieh k., wie sie im Entwurf vorgeschlagen sind, ganz erheblich reduciert würden. Was die Zollsätze im schweizerischen Entwurf betrifft, so erklärt der Bundesrat ausdrücklich in der beigegebenen Be- gründung, daß sie nicht zur unmittelbaren Anwendung, sondern zunächst nur zu Unter Handlungszwecken bestimmt sind und daher etwas höher gehalten sind. An Festlegung von irgendwelchen hohen Minimalzöllen, wie sie die deutschen Agrarier fordern und die Regierung bewilligt hat. ist in der Schweiz nicht zu denken. Zolltarif- Kominission. Die Dienstags- Sitzung dauerte von 10 bis 4 Uhr mit einstündiger Mittagspause. Die Kompromißleute versuchen noch kleine Plänkeleien vor ihrem definitiven Rückzug auf die Regierungsvorlage. Die Hoffnung einiger Unterzeichner des Kompromißantrages, die Regierungen wollten nur den Kompromißantrag als Ganzes nicht, seien aber vielleicht für einzelne Fruchtarten mit den vorgeschlagenen erhöhtest Minimalzöllen einverstanden, zerstörte der Staatssekretär v. Thielmann, der den Kompromißantrag als Ganzes und in seinen Einzelheiten für unannehmbar erachtete. Die Abgg. v. Kardorff(Rp.) und Sieg(natl.) hielten an der Auf- fassung fest: Das letzte Wort sei ja von der Regierung noch nicht gesprochen, alldieweil ein solches letztes Wort ja doch erst am Schluß gesprochen werden könnte. Weit offenherziger klang aus Gäbels(Antis.) Darlegungen heraus: na, schließlich nehmen wir, was wir kriegen. Den zornigen Enttäuschten markierte Heim(C.). Für ihn hat die Nicht-noch-mehr-Erhöhnng des Maximalzolles für Gerste die ganze Vorlage unschmackhast gemacht. In seinem Zorn sehnte dieserBajuvnrsich nach— BisinarcksZeitzurück.Noch erheiternder wirkte der preußische Landtvirtschaftsminister v. Podbielski, der ganz ernstlich als funkelnagelneue Wahrheit den staunenden Kommissionsmitglicdern kündete, daß die Bodenverhältnisse für die Landwirtschaft die wesentlichste Rolle spielen. In väterlicher Fürsorge bat er um Annahme der Vorlage der Regierung, der man wirklich zutrauen könne, daß sie für die Landwirtschaft das Menschenmögliche herausschlagen»verde. Gar putzig klang es, als der Minister auf seine reichspost- amtliche That der Herabsetzung des Zeitungstarifs sich für seine Treffsicherheit berief. Die sachlichste Rede hielt der Landwirt B r ä s i ck e(frs. Vp.), der mit aller Entschiedenheit als Landwirt an der Hand seiner Verhältnisse und der seiner Nachbarn der Behauptung entgegentrat, daß ein Besitz von 250 Hektaren, die ihm ge- hören, nach Zoll sich sehne. Diese rein sachlichen Darlegungen »nachten den Vorsitzenden wieder einmal nervös. Er meinte, das ginge doch nicht, auf Ostpreußens Verhältnisse einzugehen. Selbstverständlich wurde dieser Angriff gegen die Redefreiheit des Koinmissions- Mitgliedes zurückgewiesen. Ein weiterer Zivischenfall störte die Sitzung nicht. * Die Generaldebatte über die Gctreidczölle wurde am Dienstag fortgesetzt. Erster Redner»vor der freisinnige Gutsbesitzer Bräsickc, der vom Standpunkt des praktischen Landivirts aus die Zollerhöhung entschieden bekäuipftc. Er»vicS darauf hin, daß die Regierung sich von den Agrariern schieben ließ und daß ihr dieses Drangen eine Zeitlang ganz angenehm gelvcsen sei,»vcil sie Zollerhöhungen bei der traurigen Finanzlage deS Reiches gut brauchen konnte. Die Notlage sei in der Regel in der Person des LandtvirtS be- gründet. Ein gitt geleiteter landwirtschaftlicher Betrieb liefere noch immer gute Erträge. Er, Redner, sei kein Kapitalist, aber sein B e- trieb liefere doch solche Ueberschüsse, daß er sich den Luxus erlauben könne, im diätenlosen Reichstage sitzen zu können. Von einer Erhöhung der Getreidezölle hätten höchstens 25 Proz. der Landivirte Vorteil, 75 Proz. aber Schaden. Redner verlveist darauf, daß er selbst 250 Hektar besitze und 2000—2500 Doppelcentner Ge- treibe jährlich verkaufe: er»volle sich aber nicht auf Kosten der Acrmsten bereichern. Dr. Heim(C.): Graf Posadowskt) hat neulich gesagt, kein Mensch kann verlangen, billiger Brot zu haben, als es den Landlvirt kostet. Er hat auch beiviesen, daß der GetreidcpreiL in den letzten 30 Jahren gesunken ist und»vciter sinke, aber er»vill nicht die Zölle belvilligen, die int Interesse der Landlvirtschaft ge- boten sind. Da möchte man«ach eine,« Bismarck schreien. Heute wisse keiner mehr,»vohin die Reise eigentlich gehe. Das Ausland »verde durch die Handelsverträge direkt begünstigt. Wir sehen,»vie in Kleinasien und Südamerika der Getreidebau sich rapid entivickelt, und da»vill man langfristige Handelsverträge und damit einen Schrecke» ohne Ende herbeiführen! Die Fassung des Absatzes 2 des 8 1 des Tarifsgesetzcs sage: Die Zollsätze des Tarifs fiir Getreide s o I l e»t nicht unter die Miniinalsätze ermäßigt»verde». Das lasse darauf schließen, daß die Regierung unter Uinständen noch unter die Miniigälsätze herabgehen»volle; denn sonst hätte man statt„sollen" dürfen" gesetzt. Man»vill dem kleinen Bauern nicht helfen, sonst hätte nian höhere Gersten- und Hafcrzölle vorgesehen. Die Löhne in der Landlvirtschaft sind in die Höhe gegangen. Auch ein Opfer der Bauern an die Industrie. Seit 1852 haben sich die Ausgaben für die Arbeitslöhne versicbenfacht. Die intensive Wirtschaft erfordert öiel Arbeiter, den Bauern ist daher häufig zu empfehlen, zur exten- siven Wirtschast überzugehen. Die Behauptung, dast nur Großbauern Getreide verkaufen, ist unrichtig. Sonst würde in Bayern kein Getreide i» den Handel kommen. Die Steigerung der Getreidcpreise führt nicht zur Steigerung der Brotpreise.— das Umgekehrte ist richtig. In München stieg der Brotpreis, während der Getrcidepreis fiel. Die Ursache liegt in den Mietssteigerungen für die Bäckerläden. Llchnlich steht es mit den Brauern. Die Erhöhung der Mictspreise für die Bäckerläden und Wirtschaften bringt eine Steigerung der Ausgaben für die Bäcker und Brauer und das soll durch Druck auf den Getreidebanern wieder eingebracht werden. Gegen den Boden- Wucher in den Groststädtc» sollte man Front machen. Redner erklärt den Kompromisantrag Herold nicht unterschrieben zu haben. Für ihn wäre erst ein Kompromiß vorhanden, wenn auch die Regierung zugestimmt hätte. Ein höherer Gerstenzoll sei un- bedingt nötig. Die Kleinbauern verkaufen ihre Gerste a» die kleinen und mittleren Brauereien, diese aber werden durch die Konkurrenz der Groß» brauereien erdrückt. DieGersteistnnverkänflich, weil die Großbrauereien das Produkt der kleinen Banem nicht kaufen. Die Gerste darf nicht zum Stiefkind werden. Die Argumente, die gegen den Zoll auf Brotgetreide vorgebracht würde», träfen bei Gerste nicht zu. Einen großen Teil der Zollcrhöhung müsse der Getreide Handel tragen. Die Landwirte wurden immer zurückgesetzt, weil sie eS nicht verständen, so zu schreien wie die andren Klasse».(Stürmische Heiterkeit.) Derselbe große Lärm gegen die Zölle sei auch 1879 gemacht worden, nur einige Unterschiede seien vorhanden. An der Stelle, wo damals die Liberalen standen, stünden heute die Socialdemokraten. Damals hätte es auch eine gerade und feststehende Regierung gegeben. Die heutige Regierung stehe nicht fest, sondern gebe leicht nach. Durch die Förderung des Industrie- staatS treibe die Regierung eine Politik der Revolution. Bei dem Zoll auf Brotgetreide müsse man freilich vorsichtig sein, weil Perioden vorkommen können, wo hohe Getreidcpreise gefährlich werden. Bayrischer Bevollmächtigter Ritter v. Geyger: Die bayrische Regierung steht ganz auf dem Boden des Entwurfs, wie die Rede des FinauzministerS v. Riedel im Plenum bewiesen habe. Die Landwirtschaft bedarf eines erhöhten Schutzes, aber man muß sich niit den Zöllen in den Grenzen halten, daß Handelsverträge möglich sind. Diese liegen nicht nur im Interesse der Industrie, sondern im allgemeinen Interesse, also auch der Landwirtschast. Das Verhältnis des Zolls auf Brotgetreide zu dem Gerstenzoll ist immer so gelvesen, wie im Entwurf. Die Einfuhr von Braugerste ans Oest- reich hält sich seit langer Zeit aiif gleicher Höhe. Die Einfuhr der Futtergerste auS Rußland ist so gestiegen, daß hier die Gesaiut- steigerung zum Ausdruck kommt. Die Gerstcnpreise für gute Mittel- forte ist in Bayern im Durchschnitt ivohl Schwankungen aus- gesetzt gelvesen. im ganzen hat sie sich doch gehalten. In München ist der Gerstenprcis höher als im Durchschnitt Bayerns. und in Bayern ist der Gersteupreis höher als im übrigen Deutsch- laud. Die bayrische Regierung ist gegen Erhöhung der Gersteuzölle über den Tarif mit Rücksicht auf die Handelsverträge, die Brau- Industrie und die Landwirtschaft. Würden die im Antrage Herold vorgeschlagenen Sätze angenommen werden, dann würde ein Vertrag mit Oestrcich kaum möglich sein. Die Brau- Industrie braucht 16 Millionen Doppclcentner Gerste. Wenn der Gerstenpreis um de» Zollbetrag steigt, so würde die Brau- Industrie diese Belastung nicht ertragen können. Die Exportbrauerei würde vernichtet werden. Für den verlorenen Absatz im Auslände würden die Exportbrauereien sich Ersatz im Jnlande suchen und dadurch die kleinen und mittleren Brauereien vernichten. Dadurch würden wieder dem Kleinbauern die Abnehmer seiner Gerste entzogen werden. Die Futtergerste kann den Zoll nicht tragen. Gute Braugerste findet leicht Käufer! schlechte Ware aber ist auch dann nicht an den Mann zu bringen, wenn der Zoll erhöht wird. Preußischer Landwirtschaftsminister v. Podbielski: Ich weiß, daß ich die Gegner dcS Entwurfes nicht überzeugen werde, aber ich möchte doch auf meine Aussühningen nicht verzichten. Es ist nicht richtig, wenn man behauptet, daß 75 Proz. der Landlvirte kein Gc- treibe verkaufe». Auf dem Lande kann man sehen, wie der kleine Bauer mit seinem Centner Getreide zur Mühle fährt, um es in Geld umzusetzen. Für die Notlage der Landwirtschaft spricht der Rückgang der Pachtpreise, der im Osten begonnen und sich nach dem Westen fortgesetzt hat. Nur die Gegenden, wo Viehzucht getrieben wird, wie in den Marschen, sind nicht davon berührt. Die Ren- tabilität der Landwirtschaft ist abhängig von der Güte des Bodens. Auf Boden achter Klasse kann Roggen mit Profit nicht mehr gebaut werden. Gerade auf dem schlechten Boden sitzen die kleine» Besitzer. Im Osten werden die Arbeiter mit Naturalien entlohnt und sie ge- Winnen ebenfalls durch den Zoll. Darum haben die landwirtschaft- lichen Arbeiter ebenfalls Vorteil aus dem Zoll. Die Handelsverträge haben der Industrie Nutzen gebracht, aber der Landwirtschaft gehe es nicht gut. Die Preise steigen nicht in demselben Maße wie der Zoll. Der Verkäufer müsse Konzessionen machen, einen Teil der Preissteigerung übernehmen. Die Hälfte werde der Verkäufer im In- oder Ausland übernehmen müsse».(Zurufe: In den Motive» steht das Gegenteil.) Der Tarif enthalte das, ivas er als Vertreter der landwirtschaftlichen Interessen für möglich und durchführbar halte. Man würde ihm mit Recht voriverfeu könne», er habe der Landwirtschaft einen schlechten Dienst erwiesen, ivenn er mehr gefordert hätte. Namentlich die Viehzölle werden der Landivirtschaft große Profite bringen. Die Landwirtschaft müsse er- halten werden. Das kann man aber auch erreichen durch die An- nähme deS Tarifs. Hierauf tritt eine Mittagspause ein. In der Nachmittags- Sitzung weist v. KomierowSki auf die Notlage der Landwirtschaft hin. Gewiß verdankt die Landwirtschaft der Industrie eine große Menge Verbesserungen, aber deshalb dürfe sie nicht aufgeopfert werden, um der Industrie über eine schlvcre Zeit hinwegzuhelfen. Bei Zoll- Verträgen müsse auch an die Zukunft gedacht iverden. Redner tritt lebhaft für die Erhöhung der Getreidezölle ein. Er hätte seiner Zeit, wenn es möglich gewesen wäre, für den russischen Handels- vertrag nur unter der Bedingung gestimmt, daß höhere Getreide- zölle eingesetzt würden. Da aber nur eine Gesamt- abstimmnng möglich war, ließ sich dieser Antrag nicht stellen. Auf dem russischen Getreide ruht wenig Fracht, wenn cS nach Deutschland kommt, und doch wird Herr Witte noch in der Lage sein, den erhöhte» Zoll durch Herabsetzung der Fracht auszugleichen. Die sibirische Bahn, an deren Trace jedem Land- bauer 13 Werst besten Ackerbodens gratis zur Verfügung ständen, werde der deutschen Landivirtschaft schweren Schaden bereiten. Der Komprornißanlrag Herold, den er mit unterzeichnet habe, entspreche allerdings weder nach oben, noch nach unten seinen Wünschen. Langfristige Handelsverträge schädigen die Landwirtschaft. Wenn sie nach wenigen Jahren 10 M. Zoll fordern sollte, so ist das nicht mehr, als was sie schon einige Jahre vorher gehabt hat. Fischbeck(frs. Vp.) hat geglaubt, daß nach der Erklärung de? Grasen Posadowsky jede weitere Behandlung der Frage der Getreidezölle überflüssig sein würde. Bei den Agrariern ist aber offenbar noch die Hoffnung vorhanden, daß die Regierung doch noch die eine oder die andre Position ihres Antrags annimmt. Es wäre deshalb wünschenslvert, zu er- fahren, ob die Erklärung der Regierung, daß der Koinpromißantrag Herold in keinem Stadium für sie annehmbar sei. sich auch auf jeden einzelnen Posten des Antrags bezieht. Die Miniinalzölle seien in jeder Beziehung unpraktisch. Erstaunlich sei die heutige Er- klärnng des preußischen Landwirtschaftsministers, das Ausland trüge die Zölle. Jeder verständige Kaufmann weiß das besser. Auf Seite 52 der Motive heißt es wörtlich:„Die Preise des Inlandes erfahren, solveit die Verhältnisse der letzten Jahrzehnte eine Beurteilung ermöglichen, durch die Zölle eine ihrem Betrage ziemlich entsprechende Steigerung." Heiin sagt, die Bäcker sollen den Mehrbetrag zahlen, aber für Perli» würde die Steigerung allein ILKOVOOl) M. betragen. Das eine solche Summe von den Berliner Bäckern gezahlt iverden würde, glaubt Heim selbst nicht. Die Landivirtschaft leidet Not. Die Not ist aber nicht im Kapitalismus oder Arbeitslohn begründet, sondern in den B o d e n p r e i s e n. Der Wert des Bodens in Deutschland ist fast 13 mal so hoch, wie in de» konkurrierenden Getreideländer». Jede Zollerhöhung ivird kapitalisiert. Es giebt ja schon Landlvirte, die darauf spekulieren, eine Hypothek aufzunehmen, sobald der Zoll kommt. Wenn Heim behauptet, die Bauern könnten ihre Gerste nicht vcr- kaufen, so sei der Grund darin zu finden, daß die Bauern Futter- gerste als Braugerste verkaufen wollen. Wenn Heim wirklich an- nimmt, daß der Zoll die Produkte nicht verteuere, dann wäre schwer verständlich, iveShalb er die Aufhebung der städtischen Oktroys so eifrig verlangt habe. Der sogenannte Kompromißantrag soll nun die Deckung für den Rückzug auf die Regierungsvorlage sein. Aber die Regierungsvorlage ist eine große Gefahr für das Volk. Sie zu bekämpfen ist die vornehmste Aufgabe. Der von Gothein und ihm gestellte Antrag betreffend die Einstellung des heutigen autonomen Tarifs für Getreide in de» Zolltarif-Tntimirf war nur ein taktisches Manöver gelvesen. Er ziehe deshalb jetzt seine Unterschrift zurück. Die Landivirtschaft solle den Bog?» nicht überspannen,, sonst»verde bald der große Kladderadatsch kommen und alle Getreidezölle würden fallen. Gäbel(Antis.) stellt sich als-notleidendcr Besitzer von 160 Morgen besten Ackerbodens vor. Er sei'für Erhöhung der Getreidezölle, denn auch die Steigerung der Grundrente' sei notwendig. An dem von ihm mitunterzeichneten Antra g Herold werde aber seine Partei nicht u n b e d i n g t' festholten. In dem Tarif seien so viele Positionen vorhanden, die für die Landivirtschaft von großem Interesse wären, daß er es für angebracht hielte, lieber d e n K o m p r o in i ß a n t r a g z u r ü ck z u z i e h e n. als den ganzen Tarif in Frage zu stellen. Staatssekretär Frhr. v. Thiclinan» beantivortet die Anfrage Fischbccks dahin, daß die verbündeten Regierungen die in dein Tarif eingesetzte» Zölle für alle Gctreidcarten für daS Höchstmaß des Zulässigen betrachten. Sie würden bei keiner Getrcidcart einem höheren Zoll znstimmcn. I». Kardorff(Rp.): Die Schutzzollpolitik vermehre das Volks- vermögen, wie man an Amerika und Frankreich und auch bei uns gesehen habe. Bei uns ist seit der Handelsverträge die Landwirt- schaft in Not geraten und die Industrie leidet unter der KrisiS. Die Produktionskosten des Getreides sind auf jedem Gute verschieden. Redner hält es für nötig, ein Reichsgesctz zu schaffen, daS jede Ver- günstigung, die ausländischem Getreide gewährt Iverdc, auch dem deutschen Getreide verschaffe. Er hoffe, daß die Erklärung des SchatzsekrctärS keine so definitive sei, wie es den Anschein habe. Nach den Erfahrungen, die man mit Herrn v. Miguel gemacht habe, nimmt niemand solche Erklärungen mehr ernst. Sieg(natl.): Die Erkläning des Schatzsekretärs, Frhrn. v. Thiel- mann, habe ihn überrascht J» landwirtschaftliche» Kreisen werde sie die Popularität deS Ministers erheblich beeinträchtigen. Redner ivcist darauf hin, daß er in einem bevorzugten Bezirk wohne und doch herrsche dort allgemeine Not unter den Landwirten. Man habe ihm und seinen BernfSgenoffen den Rat gegeben. Zuckerrüben zu bauen und Brennereien zu gründen. Diejenigen, die diesem Rate gefolgt sind, sitzen nun in der Patsche. Die Aufhebung deS Identitätsnachweises habe seiner Heimat wenig Nutzen gebracht, ivcil auch die Staffeltarife aufgehoben worden seien. In seiner Gegend, 12 Meilen von Danzig entfernt, sei Roggen und Weizen teurer als in Berlin. Der Getreidebau in Deutschland läßt sich ins Ungemessene steigern. Es müsse daher vor allzu hohen Roggenpreisen gewarnt werden, da dieselben Ueberproduktio» hervor- rufe» würden. Die Getreidezölle würden keinesfalls den Güterpreis heben. Hohe Preise für Güter zahlten nur die reichen Söhne der Berliner und Hamburger Großkanfleute. die daS Geld ihrer Väter als Landwirte verpulverten. Für Milch und Milchprodukte erziele man im Osten Preise, die die Unkosten nicht decken, auch die Viehpreise seien sehr zurückgegangen. Der Reichs-Schatzsckretär habe zivar heute sehr schroff erklärt, die Regienmg wolle nicht bc- willigen, er glaube aber, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Die Regierung werde hoffentlich in einem späteren Stadium der Verhandlung noch nachgeben, namentlich, wenn sie sieht, daß sie einer kompakten Mehrheit gegenübersteht. Die Weiterberatung wird auf Mittwoch, 10 Uhr, vertagt. Erster Redner ist S t a d t h a g e n. polikifche Meberfichk. Berlin, den 25. Februar. Abgeordnetenhaus. Der Minister Frhr. v. Hammerstein muß auf die Bewillig»mg seines Gehalts aiißergewöhnlich lange warten. Auch am Dienstag. dein vierten Tage der Beratung deS Etats des Ministeriums des Innern, erreichte die Generaldebatte noch nicht ihr Ende. Allerdings wurden nur wenige Fragen erörtert, die mit dem Ministergehalt in Zusammenhang stehen: in der Hauptsache ivurde die Sitzimg durch einen häuslichen Streit zivischen den Vertretern der Großindustrie, den Nationalliberalcn. und den Berlretern der Landwirtschaft, den Konservativen, ausgefüllt. Die Herren von der»ationalliberalen Partei sehen voller Sorge in die Zukunft; sie halten die Opposition der Agrarier gegen die Zolltarifvorlage für mehr als eine boße Komödie und glaube» im Ernst, daß die Agrarier die von der Regierung vorgeschlagenen Zollerhöhnngen. weil sie ihnen noch nicht iveit genug gehen, ablehnen könnten. Das ivürde für die Großindustrie, die dann auch der Vorteile beraubt Ivürde, die ihnen der Zolltarif bietet, ein schwerer Schlag bedeuten. Diese Angst, daß sie bei der Verteilung der Beute zu kurz kommen könnten, hat sie in eine echte Kampfes- ftimmnng gegen die Agrarier versetzt. Allzu große Bedeutung ist diesem Kampfe nicht beizulegen. Im gegebenen Moment werden die Schlotjnnker und die Krautjunker sich schon wieder gerührt in die Arme fallen und, getreu ihren alten Traditionen, daS Volk gemeinsam auszupowern suchen. Betonte doch der Abg. Schmieding(natl.), daß das frühere Bismarcksche Kartell sehr leicht wieder zu stände kommen könnte, sobald nur Jndnstric und Landwirtschaft gleichmäßig von derSonne beschienen werden, d. h. sobald die Agrarier im Verein mit der Großindustrie ihren Beutezug auf die Taschen des Volkes unter- nehmen. Die Arbeiterklasie wird sich durch diesen ehelichen Zivist nicht von ihren: Ziele, der Bekämpfung des BrotwuchcrS, abbringen lassen. Zivischendurch ertönten wieder Klagen über die Unter- d r ü ck u n g der Polen in den östlichen Provinzen und über die Ausiveisnngen von Dänen ans NordschlcSwig. Namentlich die Polendcbatte nahm einen sehr ernsten Charakter an, der Ton war auf beiden Seiten schärfer als sonst. Erlvähncnsivert ist die Forde- rung des Abg. Schmieding(natl.), das Vereinsgesetz dahin abzu- ändern, daß in öffentlichen Versammlungen in den nicht geniischt-sprachigen Landcsteilen mir deutsch gesprochen'verde» darf. Der Minister äußerte sich hierzu nicht; ans einer Erlviderung auf die Beschivcrdcn der Polen ging hervor, daß er den preußischen Staat anfs höchste gefährdet glaubt. Selbst bei den in den letzten Tagen bei polnischen Studenten in Berlin veranstalteten Hans- suchnngen sollen Beweise für„hochverräterische" Pläne(?) gc- fiinden sei». Den Fall Kanffmann berührte nur noch Abg. Freiherr v. Zedlitz(frk.), der den Freisinnigen zurief, sie müßte», wenn sie Mark in den Knochen hätten, dem Minister ein Mißtrauensvotum erteilen und die namentliche Abstimmung über sein Gehalt bean- tragen. Unrecht hat er nicht. Am Mittwoch Ivird die Beratung fortgesetzt. DaS BcrsaiiiinlnngSrccht der Frauen. Der neue Polizeinnnister Hannnerstein ist, ivie auch auS dem amtlichen Stenogramm seiner Landtagsrcde hervorgeht, in der That mit dem Berliner Polizeipräsidenten der Meinung, daß Frauen als bloße Zuhörcriniicn an iversan'iulungcn politischer Vcr- eine zugelassen werden dürften; nur sollen sie auch äußerlich als ZuHörerinnen kenntlich gemacht und deshalb von den Männern ge- sondert gehalten iverden. Herr v. Hannnerstein führte nach dem amtlichen Stenogramm wörtlich aus: „Dann habe ich mich inzwischen nach der Handhabung der Polizei in der Versa m m l n n g(des Bundes der Landlvirte. Red. d.„V.") im C i r k» s Busch erkundigt. Der Polizeipräsident hat rcchtzeiiig die Veranstalter der Versammlung darauf aufmerksam gemacht, daß Frauen nach dein bestehenden Recht an der Versammlung nicht teilnehmen dürfen. Wie mir gesagt ist, ist auf den Eintrittskarten oder auf den Anschlagskarten in dem Lokal selbst ausdrücklich darauf hingewiesen. Wenn nun doch einige Franc» in der Versammlung gewesen sind, so hat der Polizeipräsident geglaubt, dagegen mit Rnflösnng nicht vor- gehe» zu solle», und zwar zunächst anS dem Grunde, daß diese Frauen sich thatsächlich an den Verhandlungen nicht beteiligt haben. Ebenso wie eS hier in diesem Hanfe möglich ist, daß oben ans der Tribüne sich auch Franc» einfinden nnd zuhören, so ist eS auch dort möglich. Allerdings iväre es dann richtig, daß man in dem Cirkus ein besonderes Segment dazu ausschiede, in dem man die Frauen als Zuhörer zuließe. Der Polizeipräsident ivird nochmals Veranlassung nehmen, für künftige Versammlungen darauf hinzuweisen, daß diese Bcrmischnng von Männern«nd Frauen(Heiterkeit) in dein Teil des Saales, der für die eigent- lichen Verhandlungen bestimmt ist, nicht zulässig ist. Er giebt sich der Hoffnung hin, daß dieser Aufforderung im näckisten Jahre entsprochen werden ivird." Diese Ausstihrungen sind klar und unzweideutig. Minister und Polizeipräsident sind der Meinung, daß Frauen an Versammlungen politischer Vereine teilnehmen dürfen, sofern sie sich nicht an den Verhandlungen aktiv beteiligen und sie getrennt von den Männern einen besondere» Zuschauerplatz einnehmen. Wir wiederholen nunmehr unsere gestrige Aufforderung: Unfre politischen Vereine sollen thunlichst bei den Ankündigungen ihrer nächsten Versammlungen ausdrücklich Frauen als Zu- Hörerinnen einladen. Sie werden gleichzeitig dafür Sorge tragen, daß diese weibliche» Gäste getrennt von den männ- lichen Triinehmern gehalten werden, also etwa auf den Galerien Platz finden. Die Polizei hat nach den Erklärungen des Ministers und des Polizeipräsidenten in diesen: Fall kein Recht, die Entfernniig der Frauen zu fordern oder die Anflösung der Versamminngen zu ver- fügen. Der Einzug der Frauen in politische VereinSversammlnngen, wenn auch nur als ZuHörerinnen, ist ein erster Schritt zur Beseitigung der unwürdigen politischen Entinündigung der größeren Hälfte der Menschheit.— »» Deutsches Weich. Die Zuckerkoufercnz, die gegenwärtig in Brüssel stattfindet, hat anscheinend»och zu keinem Resultat geführt. Zivar ist man. wie versichert wird, einig darin, die gemein- gefährlichen Ausfuhrprämien aufzuheben: dagegen bestehen zivischen den Mächten schlverwiegcnde Differenzen hinsichtlich der Einfuhrzölle. England will nur einen Maximalzoll von 4 Mark für den Doppelcentner zulaffe», dagegen beantragte auf der Konserenz der östreichische Gesandte namens der östreichischcn Delegierte» einen Schutzzoll von 12 Mark. Dagegen wandten sich entschieden die Engländer. Hinter der Forderung der Deutschen steckt der deutsche Zuckertrust, der alle Hebel in Bewegung setzt und alle persön- lichen Beziehungen spielen läßt, um eine vernünftige Znckerpoliiik zu vereiteln.— Prinz Heinrich«ni» die Flcischkönigc. Die bekannten amerikanischen B ü ch s e n f l e i s ch- Ex p o r t e u r e Armour hatten es verstanden, den Zufall so zweckmäßig zu leiten, daß sie gemeinsam mit dem Prinzen Heinrich die Fahrt nach Neiv Jork unternahmen. Wie die Blätter berichten, zog der Prinz diese Millionäre zur Mittagstafel heran. Die Herren Arroour werden ivohl nicht ver- fehlt haben, dem Prinzen mitzuteile», daß das von ihnen exportierte Büchsenfleisch ebenso schmackhaft und billig ivie gesund ist: daß also die deutsche Regierung ohne jeden sachlichen Grund den Agrariern den Wunsch erfüllt hat,„aus gesundheitlichen Rücksichten" die Einfuhr des amerikanischen Büchsenfleisches zu verbiete».— Der Höhcpnnkt der Prinzenreise ist heute durch den feierliche» Taufakt der neuen kaiserlichen Sport- Jacht glücklich erreicht worden, lieber diesen den Anlaß nnd Kulminationspunkt der ganzen Reise bildenden historische» Akt läßt sich das offiziöse deutsche Teveschenburca» aus Neiv Jork kabeln: Neiv Jork, 25. Februar. Auf Schooters Island an- gekommen, geleitete Prinz Heinrich Fränlcin Alice Rooscvelt zu der Plattform, auf der dann auch Präsident Rooscvelt und die Gattin des MayorS von New Jork, Frau Low, und der Bot- schaftcr von Hollevc» Platz nahmen.- Der Prinz plauderte mit Fräulein Roosevelt bis diese um 10 Uhr 40 Minute» die Champagnerflasche mit einem Schlage zerschlug und dazu sprach: „In: Namen des deutschen Kaisers taufe ich Dich. Riete or"." Kauoncnschüsse, Musik nnd lauter Jubel ertönten. Sodann überreichte der Prinz Fräulein Roosevelt einen B I u ni e u st ra u tz, Ivo bei er de» Hut lüftete. Fräulein Roosevelt zertrennte sodann mit einem silbenic» Beil die Seile, welche die Jacht hielte», diese erzitterte, glitt vor» ivärts und erreichte glatt die Milte dcS Stromes. Prinz Heinrich überreichte sodann Fräulein Roosevelt ein Hutband mit dem Namen„Meteor" nnd knüpft ihr dasselbe um den Ar m. Von dieser Seen soivie mehreren andern ivährend des Stapel laufs ivurden photociraphische Aufnahmen qe »n acht. Prinz Heinrich kabelbe dem Kaiser sofor eine n Bericht über den Verlauf der Tanffeier. Feierlicher kann auch im Himmlischen Reiche der Mitte eine gleichgültige Hofccremoiiie nicht behandelt werden. China ist mir darin uninodcrn, daß es gleich gcivichtigen Staatsaktionen noch keinen internationalen Charakter aufzuprägen pflegt. Am 24. fand im Weihen Hanse in Washington der Empfang des Prinzen statt. Präsident Rovsevelt hielt zwei inhaltschwere Reden die folgenden Wortlaut hatten: „Wir beivundem Deutschlands große Vergangenheit und seine gegenwärtige Grötze und wünschen ihni jeden möglichen Erfolg für die Zukunft; mögen die Bande der Freundschaft zwischen dem deiitschen und dem amerikanischen Volke immer stärker werden 1" .Im Namen des amerikanifchen Volkes begrüße ich Sie und biete Ihnen Miseren wärmsten Willkomm und die Versicherung uiisrer herzlichsten Zuneigung dar." Die Dankees werden sich wohl selbst nicht einbilden, damit den Rekord der Beredtsamkeit geschlagen zu haben. In Europa ist man ganz andre Bankettreden gewöhnt. Uebrigens beobachtete auch Prinz Heinrich demgegenüber eine angemessene rhetorische Zurückhaltung, indem er sich darauf bc schränkte, kurz der Hoffnung aus die beständige Fortdauer der freund schastlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen Ausdruck zu geben.— Die maßlose Arroganz der republikanischen Parvenüs soll sich übrigens, wie eine Korrespondenz sich melden läßt, in Gerüchten geradezu abenteuerlicher Art kundgeben. Infolge ihrer Unfähigkeit. die politische Bedeutung des Prinzenbesuchcs würdigen zu können, soll in gewissen Bevölkeruiigskrciscn das absurde Gerücht verbreitet fein, daß Prinz Heinrich als— Brautwerber gckominen sei, um für den Kronprinzen um die Hand der Miß Noosevclt(Rosenfeld anzuhalten! Einen krasseren Beweis ihrer politischen Unreife konnte» die Dollarprotzen wirklich nicht liefern.— Ter Snndenbork. Als im Reichstag zuerst die bekannte An- gelegenhcit der 12 000 M. zur Sprache kam, suchte v. W o e d t k c den Grafen Posndowsty auf, um ihn zu fragen, weshalb er ihn nicht verteidigt habe, da doch alles, was er gcth'an, nur auf An- iveisittig seines Vorgesetzten geschehen sei.„Wcöhalb?" erwiderte Graf Posadowskh,„dann hätte ich ja gehen müssen". So hat Herr v. Woedtkc, wie die„Voss. Ztg." erzählt, selbst seinen Freunden berichtet. Der Kadavergehorsam scheint auch in den Bcamtenkreisen zu herrschen, der in diesem Falle so weit gegangen ist, daß ein Uta schuldiger Strafe für den Schuldigen ans sich nehmen mußte. Sonderbar, daß Herr v. Wocdtke sich in diese Rolle ruhig fügte!— Anö dem antiscmitischen NarrcnhanS. Der Delirium- Antisemit Graf Pückler aus Klein- Tschirne sieht— Statten! Wir berichteten schon bor einiger Zeit von blutigen Hallncinationen dieses tollen Junkers; in einer von Pückler am Montag abgehaltenen Versnmmlniig vervollständigte sich der Shmptoiiienkomplex desselben noch: er sieht Ratten, der Bc- daucrnswerte,— Ratten I Unter dem Vorwand, einen Vortrag über das Thema:„Landgraf, werde hart I" halten zu wollen, fing er an �n delirieren. Minutenlang polterten die Sätze wie ein Wirbelwind in den Saal hinein, so daß man nur mit gespannter Aufmerksanikcit folgen konnte, dann verfiel der Redner nnt einem Ruck scheinbar in Schwermut, um bei ausgestreckten Annen und verdrehten Augen in langen Jnterlvallen mit Palhos dreimal zu mahnen:„Landgraf,... werde hart!" Seine Ausführungen galten anfangs den roten und goldenen Natten(Socialdcmokraten, Juden), deren vollständige Ausrottung er vom Kaiser fordert.„Deutscher Kaiser! Sei hart gegen die Ratten, namentlich gegen die goldenen. Schon hat es 3lil2 geschlagen, um 12 Uhr geht das Reich zu Grunde. Willst Du warten, bis es noch mehr Jndengenossen giebt. Siehst Du nicht, wie Deine Beamten und Offiziere von den Juden geschunden werden bis anfs Blut? D i e H ö f- l i n g e sind I u d e n g e n o s s e n und Jammerlappen, wie auch die Behörden und Gerichte längst unter d e m E i n f l u ß der Juden stehen.(Tosender Beifall.) Ich hätte für mein forsches Auftreten gegen das Judenpack eher einen hohen Orden verdient, als eine Verurteilung.(Brabo!) Der König sollte die Behörden veranlassen, Spitzbuben und anderes Gesindel zu verhaften, aber den unschiildigen Pückler unbehelligt zu lassen. Sollte sich wieder einmal ein Polizeikcrl heraus- nehmen, mich verhaften zu wollen, schieße ich ihm eine Portion Schrot in den Bauch. Landgraf— Landgraf— Landgraf! Du gehst einem dunkeln Schicksal entgegen I Es wird endlich Zeit, daß die Fürsten Buße thun im Sack und in der Asche. Wir aber müssen endlich einmal anfangen, auf die Jude n bau de wirklich loszugehen. Wen» Euch auf dem Heimwege schwarzlockige Jünglinge und Damen begegnen, tretet auf sie zu und gebt ihnen— patsch, patsch— rechts und links ein paar Ohrfeigen, hebt dann den Fuß und versetzt den Schlvarz- gelocklen noch einen tüchtigen Fußtritt. Auf diese Weise muß der Anfang gemacht werden.(Mit Pathos): Mein Vaterland, ivache auf I"(Tosender Beifall.) Der überwachende Polizeilieutcnant hielt den Narren offenbar für ungefährlich; er notierte zwar hin und wieder einige„Blumen", verzog aber sonst keine Miene. Daß der arme Pückler so reden muß, weiß jeder Mediziner; was soll man aber zu Leuten sagen, die den kranken Menschen durch wilden Beifall z» immer stärkerer krankhafter Erregung aufreizen? Wegen eines schlecht gefüllten Schoppens ein Tuellmord- versuch! E)n Pistolend, lell, das am Mvrgen des 18. Dezember v. I. bei Carkowitz stattfand, bildete den Gegenstand der Erörterung vor dem Kriegsgericht der 11. Division in Breslau. Als Angc- klagte erschienen der Lieutenant der Reserve, Referendar Hermann Schenke und der Lientcuant im ö. Trainbataillon Fritz Morawe, jener wegen Zweikampfs mit tödlichen Waffen, dieser wegen Kartelltragens angeschuldigt. Den Anlaß zu de», Duell, das, wie vorweg bemerkt sei, ohne Blutvergießen verlief, gab der„Breslaner Morgenztg." zufolge ein Rcncontre des Auge- schuldigte» Schenke mit dem«tuck. phil. Max Erler am Biertisch iin Aiigustinerblän am Abend des 29. November v. I. Referendar Schenke, der„alter Herr" der„Leopoldina" ist, hatte einen Schoppen Bier nicht angetrunken, weil er ihn, als schlecht e i n g e s ch ä n k t, nachfüllen lasse» wollte. Nach studentischem Branche sollte der Schoppen deshalb„abgefangen" Iverden. Schenke verbat sich dies mit der Erklärung, er wolle sich den Schoppen nachfüllen lassen. Da sagte Erler, der mit Couleur der Tübinger„Zollcrn", einer Kartell- Verbindung der„Leopoldina", an demselben Tische saß, zu Schenke: „Als Reserveoffizier darfst Du den Schoppen nicht»ach- füllen lassen." Schenke erwiderte:„Ich sitze hier nicht als Reserve- offizier, sondern als Leopoldincr I" darauf replicicrte Erl«:„Und ich fitze hier nicht als Leopoldiner, sondcni als Tübinger Zoller."— Schenke entgegnete:„Deshalb hast Du noch kein Rechl. Dich hier so „schlotig" zu benehnien."(Erker hatte sich nämlich nach Ansicht SchenkcS den Kellnerinnen gegenüber schon ivicderholt unpassend bc- tioinnien.) Durch das Wort„schlotig" fühlte sich Erler nicht nur per- sönlich beleidigt, sondern auch in seiner Eigenschaft als Tübinger „Zollcr", zumal Schenke hinzufügte:„Wenn Tu nicht die Couleur aus dem Kopfe höltest, würde ich Dir ein paar herunter- schlagen!" Erler»alpn darauf die Mütze vom Kopf nnd sagte: „Ich nehme sie ab. dann steht Dir nichts im Wege." Dann forderte er sciiien Gegner wiederholt auf, die Atigelegenheit draußen zu er- ledigen. Schenke iveigerte sich aber, mit hinauszukommen und deshalb sagte Erler:„Du kneifst also? D u b i st e i n F e i g l i n g nnd ein Kneifer!" Darauf erwiderte Schenke:„Wenn Du mich Kneifer nemist, nenne ich Dich einen Lump!" und wieder- holte das Wort„Liimp" nochmals. Als Schenke, der sich inzivischcn den llebcrzieher angezogen hatte, weggehen wollte, sprang Erler au ihn zu und schlug ihn mehrere Mal ins Gesicht. Die Afsaire forderte natürlich standesgemäße Sühne. Schenke linterbreitete die Angelegenheit dein E h r e n r a t des B c z i r k s k o m m a n d o in Neisse, wo er zuständig war, mit dem Ersuchen, sie nach Breslau zu überweisen. Der Bescheid des EHrenratcS, der am 16. Dezember eintraf, ging dahin, daß ein Tuell nicht zn um gehen sei. Das Gericht erkannte gegen den Angeschuldigten Schenke. wie beantragt, auf 5 Monate, gegen Lieutenant Morawe an 1 Tag Festungshaft._ Preußische Tchulcrfolgc in Polen. Aus der Schule in Buk wird fortgesetzt über die Bestrafung polnischer Kinder für Berweige- rung dentscher Antworten berichtet. Jetzt werden einige Aussätze der Kinder veröffentlicht, welche allgemeines Interesse beanspruchen weil sie geradezu kulturhistorische Dokumente bilden. Die Sätze lauten wörtlich: „In Namen der Vater und der Sonn und Anen Vater unser de biz Himmel der Heige erde der Namen zu erst komm Heisens Reim der Wilhelm erschen in Hiniel unsers Brot gib heute «nserinig Amen. Die Schreiberin zählt dreizehn Jahre und besucht die preußische Schule seit 7 Jahren. Ihre Schwester, die schon 5 Jahre zur Schule geht, hat so ge� schrieben: „In Namen des Vaters nnd der Heibes GeigeS Amen. Vaters unser der du bis im Himmel Geheilge werde dci Name zu nnS kome dein reih bei Wile gcscheje wie im Hinimel alse auch Erde unser köklich Brot uns vergib und unsscrs Schulige Ainc gegrüstet Hristu Maria du bis voldc gnabe der Herr ist mit dir du bis gebinn deit ist die frud Heiles Jesus Gna Heilige Maria MutcrS Gates bitcs für uns ame sindc Jetz nnd der Stund nnd sere todes Amen." Das sind prächtige Schulerfolge der GcrinanisierinigSpolitik Diese zwangsweise„Verdeutschung" der Polcnkiiider muß notwendig auch das küiiimerlichste Schulzicl vereiteln und die Schüler geistig verkrüppeln.— Crin FiaSko des Wrcschcner Kurse». Der Gemeindevorsteher von Ojaznnowo Albert O r m i n a, der der Beleidigung des d c n t s ch c n Lehrers Kühn angeklagt war, weil er in einer an die R e g i e r u n g gerichteten B e s ch w e r d e s ch r i f t bc- hauptet hatte, daß der Lehrer Kühn die Schulkinder miß- handle, wurde am Dienstag von der Straskammcr des Bromberger Landgerichts freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte 3 Monate Gesäugnis beantragt. Die Regierung wird sich ja mm wohl entschließen müssen, gegen den Lehrer einzuschreiten. Demi wenn die Dinge, deren der Gcmciiidevoisteher den GermanisierniigSpädagogeii bezichtigte, schon danach angethan waren, dem Beschwcrdcsührer eine Anklage zuzu ziehen, so müssen sie wirklich ziemlich hanebüchener Art sein!— Wreschcn. Die Komitees, welche sich in Posen und Wreschen zwecks Ver- waltnng der für die Opfer deS Gnesener Prozesses eingehenden Gelder gebildet haben, veröffentlichen jetzt ihre erste Abrechnung Danach sind in Posen eingegangen 64 034,32 M., in Galizien 78 391 Kronen. Von diesen Sunimen hat man den Verurteilten erst 9163 M. 77 Pf. ausgehändigt. Der Bericht sagt zum Schluß: „Aus den verbleibenden Summen wird ein Teil für eine augenblickliche Hilfe für die Verurteilten verwendet, der größte aber— im Sinne der Geber— gehört den Wreschen er Kindern... und wird in gehöriger Weise verwendet werden". Das schtveigsame„in gehöriger Weise" ist durchaus unverständ lich. Und dies um so mehr, da der Bericht erst erschien, als seit einigen Tagen in einem Teil der polnischen Presse Lärm geschlagen wurde. Es wurde behauptet, daß die Verurteilten in Wreschcn nicht einmal mit dem Notwendigsten versehen worden seien. Unser polnisches Parteiblatt, die„Gazeta Robotnicza" entsandte daraufhin eine» Vertreter nach Wreschen, der seine dortigen Ein drücke u. a. folgendermaßen in der„Gaz. Rob." schildert: „Manche von den Familien sind arbeitslos, manche verdienen nur 12 M. wöchentlich... Wenn wir dazu die Qual der Vor- nntersuchnng hinzurechnen, die bange Erwartung des Strafvoll zugs nnd die Erregung wegen des unerbittlichen Schulsystems. welches noch weiterhin die Kinder für ihren Trotz mit Nachsitzen straft, so erhalten wir ein genaues aber herzzerreißendes Bild ihres Elends." Es wird weiter ausgeführt, daß die Verurteilten den Eindruck haben, als ob das Komitee deii gegebeiicii Geldern den Charakicr von A l m o s e n aufdrücken wolle, ivaS die Familie» empöre. Man könne verlangen, daß die Gelder im Sinne der Geber den Ver« urteilten gegeben und für ihre Kinder verwendet würden. D a s Komitee h a b e» n r den Vermittler zwischen den G e b e.r n und d e n V e r n r t e i l t e n z n spielen und sich kein s e I b st ä n d i g e s R c ch t. z u z n s p r e ch c n. Die Kor respondenz schließt: „Was die jetzigen Schulverhältnisse betrifft, so haben sie sich insoweit geändert, als die Kinder für ihre Weigerung, den Rcligions Unterricht Deutsch zu nehmen, nicht niehr geschlagen, sondern mit 1— 2 st ü n d i g e m Nachsitzen bestrast werden. Dafür wird bei jeder andren Gelegenheit gc- schlagen, sodaß die Aufregung der Wreschcn er Bevölkerung absolut nicht abnimmt.— Doch geben die polnischen Kinder nicht nach; der Lehrer niuß den Rcligions Unterricht ausschließlich mit den deutschen Kindern führen, ivährend die polnischen schweigend in den Banken sitzen."— Englischer Boykott gegen Teutschland? Wir lesen in einem Blatte:„Wie es scheint, haben in diesem Jahre die Berliner Mäntelkonfektioiiäre kein gutes Geschäft in Eng- l a n d gemacht, da ihr Organ.„Der Konfektionär", klagt, r o s s i st e n und Fabrikanten, die s e i t I a h r e n ein sehr bedeutendes Geschäft mit England machen, versicherten an geblich»ach der Rückkehr von ihrer letzten Engtandreise. daß das G c s ch ä f t n o ch n i e s o s ch l e ch t g e w e s e n s e i."— Vom militärischen Beschwerderecht. Unterdrückung einer Beschwerde über S o l d a t e n m i ß h a n d l u n g. Der Hauptmann Hillmann vom S3. Fcldartillcric- Rcgiiiicnt hatte ich vor dem Kriegsgericht der 4, Division in Bromberg wegen unter- t a s s e n e r W e i t e r m e l d u n g einer Beschwerde zu verantworten, Der Fall, der durch eine an den Kaiser gerichtete Beschwerde zur Untersuchung kam, liegt 3'/s Jahre zurück. Im Dezember 1898 wurde der Kanonier Wiese, der damals bei der 9. Batterie des Feldartilleric-Rcginicnts Nr. 17 im zweite» Jahre diente, von dem Sergeanten Frank wegen schlechten Putzcns der Pferde so vor die Brust gestoben, daß er rücklings mit dem Kopf gegen die eiserne Krippe fiel nnd einige Tage hindurch heftige Schmerzen im Kopfe hatte. Noch am 'elben Tage begab er sich zn dem Angeklagten, der damals als O b e r I i e n t e n a n t die Batterie führte, und beschwerte ich über Frank. Die Meldung des Kanoniers hatte jedoch keinerlei Folgen. Uebrigens hat der Sergeant Frank im vorigen Jahre seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. Der Angeklagte behauptete, er könne sich nicht mehr entsinnen, daß Wiese sich beschwert habe. Wiese, jetzt Postbote in Berlin, sagte aber unter seinem Eide aus, daß der Vorgang sich in der geschil- dertcn Weile abgespielt habe. Er habe die Meldung erstattet, damit Frank bestraft würde. Am andren Tage sei er durch eine Ordonnanz zu dem W a ch t m e i st e r G I a s a gerufen und von diesem aufgefordert worden, die Besch werdezurückzun eh in e», was er auch versprochen habe. Ein« ähnliche Anffordming habe hierauf auch der Angeklagte an ihn gerichtet und versprochen, im Wiederholungsfälle die Bestrafung Franks herbeizuführen. Haupt- mann Hillmnnn wurde auf Ginnd der Zeugenaussage zu drei Wochen Festungshaft verurteilt.— Bon beispielloser Roheit zeugt eine Ansichtspostkarte. die von eiiicm Münchener Verlag(I. Silberstein) in den Handel ge- bracht worden ist. Auf derselben wird der hingerichtete K n e i ß e l dargestellt, wie er auf dem S ch a f f o t, den a b g e s ch l a g e n e n Kopf n n t e r in Arm, von vier Gendarmen Abschied nimmt, die sich die Thränen aus den Augen wischen. Unter diesem ekelhaften Bilde steht der Vers: „Es ist bestimmt in Gottes Rat, Daß man vom Liebsten, ivas man hat,— mutz scheiden." Welche Erfahrung muß der Verleger dieses hnndsgemeiiien Produkts mit der Geschmacks- nnd Gemütsverfassung des zu sieben Zehnteln katholischen Bayernvolkes gemacht haben, daß er es wagen darf, eine solche Ansichtspostkarte in den Handel zu bringen.—- Ausland. Oestreich-Nngarn. Galizische Freiheit. Die Lemberg« Blätter berichten, daß zwei Hörer des Polytechnikums, welche aus Russisch-Polen stammen, von der Polizei einen AuslvcisungSbcfchl bekamen. Sie sollen im Verlauf von sechs Tagen die Grenzen Oestreichs verlassen. Diese Maßnahme steht mit den letzten Stndenten-Dcmonstrationen in Ver- bindung. Weitere Ausweisungen sollen folgen. Zu dieser neucstcu Glanzthat bemerkt unser Krakauer Partei- Organ: „Die Servilisten reden dem armen Galizien fortgesetzt ein, daß es das glücklichste Land auf Erden sei. Hier— wiederholen sie ohne Ende— haben wir die Autonomie, hier ist der Pole auf polnischer Erde frei, hier kann er in polnischer Luft frei atmen I Ein Pole an der Spitze der Landesregierung, die ganze LandeSverwaltmig in der Hand von Polen l Man hat die Ausweisungen von Polen, welche der östreichisch- polnischen Regiening nicht gefallen, vergessen! Man hat vergessen, daß diese„polnischen" galizischen Behörden schon Kohen den russischen Gendarmen ausgeliefert haben, man hat den tragischen Tod von Jgnaz Komara vergessen, der an der Grenze in Granica von einem„polnischen" Krakauer Kommissar den zarischen Polizisten ausgeliefert wurde und sich unter die Räder des Zuges warf, um dem langsamen Tod durch Zwangsarbeiten zn cnt- gehen.... Dänemark. Die zweite Lesung des Stcucrreform-Eiittviirfö tuiirde am Sonnabend im Folkething beendet. Die Anträge der socialdcino- kratischcn Minderheit der Folkcthingsroinmission wurden zwar ab- gelehnt, doch zeigte es sich bei der Abstiiiimuiig, daß eine nicht unerhebliche Anzahl Liberaler sich für die socialdemokratischen Ab- ündernngsvorschläge entschied. So stimmten dafür, daß. im Falle der Wert eines Grundstücks durch allgemeine Verhältnisse ohne ZuthUn des Eigentümers steigt, eiiw deincntsprcchende Erhöhung der Steuer einzutreten hat, außer den Socialdcmokraten 6 Liberale; für den socialdemokratischen Antrag, der Stadt Kopenhagen das Recht auf Einsührnng der Bestellerling»ach prozentual steigender Skala znzngc- stehe», stimmten außer Socialdemokrnten II Liberale. Für die steigende Skala nnd gegen die diesbezüglichen Punkte des Regicriingsentwurss hat sich vor einiger Zeit schon die g e s a m t c Ä o in in n n a l- Verwaltung der Stadt Kopenhagen, Magistrat sowohl wie Stadtverordnete, ausgesprochen. Dieser Umstand und die äußerst scharfe Kritik, die der Genosse Borgbjerg an dem Verhalten der „liberalen" Regierung hinsichtlich der Steuerreform übte, waren Ivohl die Veranlassung, daß der Finnnzminister H a y e im Folkething erklärte, die Stencrverhält nisse Kopenhagens sollten durch ein besonderes Gesetz geregelt werden.—- Schweden. Die neue Partei, von deren Bildung schon seit geraumer Zeit die Rede war, ist jetzt endlich am Sonntag begründet worden. Sie hat den Namen„Freisinnige L a n d e S v e r e i n i g u n g" er- halten. Man hat lange darüber diskutiert, ob man nicht den Neimen„die Linke" wählen sollte, unter dein die entsprechenden Parteien des freigesiiniten Bürgertums in Norwegen und Dänemark gekämpft und gesiegt haben, doch befürchtete man, daß der Titel ein Schreckgespenst für die„Freisinnigen" auf dem Lande bilden koiintc; das Wort„Liberale" aber steht bei der Demokratie der Städte nicht mehr in gutem Geruch, und � so einigte man sich denn auf den oben geiianuten Namen. Dementsprechend ist denn auch das Programm der Partei nur durch ein Kompromiß zwischen de» entschieden demokratischen und den nur„frcifinnigen" Elcinrnten der Partei zu stände gckonnnen. So konnte sich die Mehrheit denn auch nicht dazu aufschwingen, das a l l g e ni e i n e Wahl- recht in das Programm aufzunehmen, sondern begnügte sich damit. sich für eine.Ausdehnung" des politischen Wahlrechts zu erklären. Demnächst will die Partei für eine zeitgemäße Reform des Stenenvesens eintreten. Ferner hat die Partei die Förderung der internationalen Schiedsgerichte, die Arbeiter- Wohnungsfrage, Jnvaliditäts« und Altersversicherung, Volks- anfklärung und Erziehung, die Nüchternheitsfragc, gesetzlicher Schutz der Rede-, Berfa m in lunaS- nnd K o a l i t i o n S- f r e i h e i t auf ihrem Programm.— Bei der Gründung waren nur wenig über hundert Personen anwesend: Mitglieder der Sammlungs» Partei, Liberale und radikale ZeitnngSredactcure.„Rein quantitativ genommen ein mir mäßige Hoffnungen erweckender Anfang", schreibt „Socialdeinokratcn".„und eS ist wenig Veranlassung, zn hoffen, daß die Qualität sich viel besser ausnimmt, daß die radikalen Elemcnte stark genug sind, um den Schwerpunkt zu bilden".— Belgien. Für da» allgemeine einfache Wahlrecht hat sich die liberale Vereinigung von Gent erklärt. ES ist dies insofern von Wichtigkeit, als diese Vereinigung zum großen Teil auS GrokiiidnstrieNen und Kanfleuten besteht.' In etlichen Tagen soll seitens der Socialistcn, christlichen Demokraten, Radikalen und Liberalen in Gent, also im Herze» des stark klerikalen Flandern, der Kampf für das allgemeine gleiche Wahlrecht mit großer Energie begonnen werden.— Tic Schliefning der Schächte von Marihayc seitens der Untcinehmcr wird Gegenstand einer Interpellation in der Kammer Iverden. Durch die Schließung der Gruben sind nicht mir 866 Ar- bester brotlos geworden, es besteht auch die Gefahr, daß durch das Aufgeben der Schächte die dortigen Kohlenlager sür nnmcr verloren ein iverden. Der socialistische Abgeordnete Smcets hat deshalb dem Minister angezeigt, daß er die Regiening interpellieren werde, was sie zn thnn gedenke, um das Eigentum, das der Nation gehöre, zn retten.— England. Die Getverrschaftcn und die Politik. London. 22. Februar.(Eig. Ber.) Es ist erfreulich, daß den alten Gewerkschaftsführern junge Arbeiterorganisationen entgegen- treten, die für progressive Gedanken kämpfen. Während Rosebery einen Brief an die„Times" schrieb, versammelte sich daS Komitee ü r parlamentarische L e r t r e t n n g zu seiner JahreS- konferenz in Birmingham. ES waren über 100 Delegierte von Gewerkschaften usw. anwesend. Der Jahresbericht teilt mit, daß sich dem Komitee 62 Gewerkschaften mit 442 676 nnd einige Gcwcrkschaftskartclle und socialistische Vereiiiignngcn mit 13 861 Mitgliedern angeschlossen haben. Der Bericht bedauert, daß die Arbeitervertreter, die gegeinvättig im Parlament sitzen, nicht die Gesamtinteressen des arbeitenden Volkes im Auge haben. Das wäre um so nötiger, als die Existenz der Arbeiter jetzt von den Ge- richten und der Presse gefährdet werde. Die Konferenz sprach sich ür die Gründung einer progressiven Arbeiterpartei aus. Die als konservativ geltende Gewerkschaft der Kessel- chmie de nahm letzten Monat ein Referendum vor über die Frage einer besonderen parlamentarischen Arbeitervertre« tuiig. Mit„Ja" stiminteii 25S8l, mit„Nein" 6995 Mitglieder. Die Mehrheit beträgt demgemäß 19 586 Stiinmen. Wenn nur miZldieser„progressiven" Politik nicht Iviederum eine bürgerlich-liberale wird I Auch die Broadhurst, Maddison er. haben als progressive Arbeitervertreter angefangen.— Italien. Sociale Konflikte in Italien. Der Generalstreik in Turin. Um die Forderungen der Gas- arbeiter zur Durchführung zu bringen, haben die an die Turiner Arbeitskammer angeschlossenen Organisationen den Streik be- schlössen, die Bäcker haben damit den Anfang gemacht, auch Eisenbahner und Schriftsetzer sind zum Teil ausständig. Die Erregung der Arbeiterschaft ist deshalb so hoch gestiegen, weil die Gesellschaft jedes Entgegenkommen ablehnt. Die Gasarbeiter hatten Einigungsunterhandlnngen vorgeschlagen auf Grund folgender Basis: Wiederaufnahme sämtlicher Streikenden ll»d nachträgliche Verhandlungen über die Forderungen. Die Direktion hat dies abgelehnt; sie habe Hilfskräfte genug und brauche ihre alten Arbeiter nicht mehr. Diese Arbeiter, über welche die Direktion verfügt, sind noch immer die Feuerwehr- leute und städtischen Arbeiter, und die Beleuchtung von Turin ist noch immer eine äußerst schlechte. Zu dieser parteiischen Unterstützung der Gasgesellschnft seitens des Staates und der Kommune kommt die brutale Behandlung der Streikenden durch die P o l i z e i. Am vergangenen Sonnabend hatten sich die Gasarbeiter in friedlicher Versammlung zusammengefunden, Saal und Hof waren voll besetzt. Da drang eine Anzahl Polizisten und Gendarmen ein, hieben ohne iveiteres auf die Versammlmigsbcsucher ein und nahmen eine Anzahl Verhaftungen vor. Auf diese Vor- kommnisse hin haben die socialistischen Stadtverord- ncten die Einberufung einer Sitzung beantragt, und die Deputierten Nosri und Morgari sandten ein Tclegrämnr an das M i n i st e r i u m, in welchem sie energisch P r o t e st einlegen gegen die polizeilichen Gewaltthätigkciten, die schwere Folgen nach sich ziehen könnten. * Der Streik in Turin soll übrigens bereits beendet sein. Ein Telegramm vom Dienstag besagt:'Die Stadt hat ihr normales Aussehen wieder gewonnen. Alle Arbeiter haben die Arbeit wieder aufgenommen. Soldaten als Streikbrecher. Der Ausstand der Eisen- b a h n a r b e i t e r ist von der Regierung in sehr einfacher Weise dadurch niedergeschlagen worden, daß man Soldaten zum Ersatz der Ausstündigen abkommandierte. Das geschah natürlich nur zur Anfrcchterhaltung des Verkehrs, keineswegs,»ni den schlecht- entlohnten Eisen'bahnproletariern die Ohnmacht ihrer Organisations- Bestrebungen zu beweisen! Den Streikenden ist aber jedenfalls ein- mal recht eindringlich demonstriert worden, eine wie nützliche und notwendige Institution der Riilitarismus ist— für den k a p i t a- l i st i s ch e n Staat. Die GaSarbeiter von Anrona sind ebenfalls in eine Lohn- bcwegnng eingetreten. Sie haben der Direktion ihre Jordernngen unterbreitet, diese hat mehr Entgegenkommen gezeigt, als'die Turiner, und die Unterhandlungen werden hier geführt zwischen ihr und den Arbeitern unter Beihilfe der Arbeit'skainmcr und der städtischen Verwaltung.— In Florenz streiken die Arbeiter der Tabak-Manufaktur.— Die Buchdrucker und Schrift- scher von Neapel sind in eine Bewegung eingetreten zur Erlangung eines festen Tarifs.— Spanien. Die Unruhen in Spanien. Die Nachrichten, die über die Unruhen und Aufstände in Spanien zu uns dringen, sind alle mit großer Vorsicht aufzunehmen, die Regierung übt eine scharfe Censnr an allen Depeschen. Die französischen Blätter lassen sich deshalb von Perpignan, der nächsten Grenzstadt telegraphieren. Nach den Ntit- teilungcn französischer Korrespondenten siiid die Streiks in Barcelona noch nicht beendet. Die Arbeiter verlangen die Hastentlassung aller bei den Unruhen verhafteten Führer. Der Generalkapitän hat'geant- wartet, daß er nicht wüßte, wo dieselbe» sich befänden. Die Unter- nehmer der Metallindustrie haben den Nennstundentag abgelehnt; sie behaupten, daß die Bewilligung desselben ihre Industrie ruinieren würde.— Türkei. Albanische Unruhe». Wie von der montenegrinischen Grenze gemeldet wird, griffen A l b a» e s e n reguläre türkische Truppen an, iveil der Mörder des Molla Ackka ihnen nicht ausgeliefert worden fei. Es seien in dem Kampfe, der noch fortdauere, mehr als 60 Personen getötet beziehungsweise verwundet, und es herrsche an der Grenze große Erregung. Der Boeren- Krieg. Der Wochenbericht Kitchencrö. Kitchener meldet, daß die Verluste der Boeren während der letzten acht Tage 28 Tote, 12 Verwundete und 2l9 Gefangene bc- trugen. 104 Boeren ergaben sich. Lord Kitchener berichtet weiter, daß die Kapkolonie von den Boeren zieinlich gesäubert ist. Er teilt ferner mit, daß eine neue Kombination englischer Kolonnen gegen De Wet im Oranje-Freistaat im Anmarsch ist. Die englische» Ver- Inste während der letzten Woche bcliefen sich auf 46 Tote, gg Ver- wnndcte, 21 Gefangene und 126 an Krankheit Verstorbene. Kein UntcrwerfnngSangebot. Lloyd George fragte am Dienstag im Unterhaus an, ob Lord Milner irgend welche Mitteilung von B o t h a erhalten habe, in welcher dieser seine Ergebung anbiete. Chainbcrlain erwidert: „Nein, keine!"_ GemevItMelftliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Kleber und Banhandwcrker! Der Bau Fasanen- straße 71/72 ist wieder gesperrt sUnternehmer Lina Gronau, Marbnrgerstr. 3), weil die Kleber trotz Unterschrift des Tarifes sich schriftlich verpflichten mußten, für die alten Preise weiter arbeiten zn ivollen. Die ArbeitsberechtigungS-Karte» der dort arbeitenden Kollegen sind also ungültig. Bewilligt haben noch die Firme» Bernhard, Goltzstr. 11 und W. Tübbecke, Mariendorf. Die Lohnkommission der Kleber Berlins und Umgegend. Die Filiale Berlin des Verbandes der Vcrgolder Deutsch- landS hat beschlossen, die Arbcitsloscn-UnterstiitzungZvom 1. Januar 1902 ab lokal und obligatorisch einzuführen und de» wöchentlichen Beitrag von 3ö Pf. auf 50 Pf. zu erhöhen.— Die erste Auszahlung der Unterslützung erfolgt nnt dem 1. Januar 1902. DentscheS Reich. Die sechste Generalversammlung des Verbandes der Maschinisten und Heizer findet am 30. und 31. März d. Js. zu Magdeburg statt. Der Verband, welchem zur Zeit ca. 6500 Mit- glicder angehören, will analog dem Vorgehen andrer Gewerkschafte» für seine Mitglieder ebenfalls eine A r v e i t s l o s c n- U n t e r- st ü tz u n g einführen; außerdem soll eine Reorganisation stattfinde», wonach die verschiedenen Vereine und Filialen i» Zahlstellen nm- gewandclt werden, unter angemessener Erhöhung und Einführung von wöchentlichen Beiträgen. Sitz des Verbandes ist in Berlin 80. 33. An den Streik der Gerbcrei-Arbcltcr in Wilster, der im Jahre 1899 ausbrach und recht lange währte, erinnerte noch einmal eine Verhandlung, die vor der Strafkammer in Altona stattfand. Sechs Gerber und ein Schiffer waren vom Schöffengericht in Wilster zu Gefängnisstrafen von 6, 5, 4 und 3 Monaten verurteilt worden. weil sie angeblich einen Arbeitswilligen. Namens S a h l i n g. verprügelt und beleidigt hatten. In der Berufungsinstanz wurde auf �VeraiUworllicher Redecteur! Earl Leid in Berlin. Kür den Inseratenteil Antrag des Staatsanwalts das Urteil gegen zwei der mit 3 Monaten Bestraften aufgehoben, das Urteil gegen' die übrigen bestätigt. Ter Streik der Schreiner in Ncn-Jfcnburg dauert fort. Bei der Firma Roller u. Lange hat auf Vorstellung der Arbeiter der Gläubiger- Ausschuß die Lohnreduktion zurückgenommen. Vor der Fabrik der Firma Wittich stehen mittags und abends zwei Schutzleute nebst den Fabrikanten und so werden die Herren Ar- beitswilligen mittags zum Essen und abends zur Bahn geleitet, da- mit ihnen kein Leid geschieht. Die Haltung der Streikenden ist eine gute zn nennen. Im Ganzen werden 79 Ausständige gezählt. davon sind 46 verheiratet mit 89 Kindern. Alle Anfragen sind an Andreas Amendt, Neu-Isenburg, zu richten. Die Situation in Greiz ist unverändert. Am Sonnabend Nachmittag wurden die Weber Seifert, Maschke, Dietsch und Gröger, welche zu den Streikenden gehören, in die Regicrimg beschicken. Sie wurden vom Regierungspräsident v. Medi'ng, Regiernngsrat Hanitsch und Regierungsrat Cnmmann empfangen und über die Situation eingehend befragt. Die Konferenz dauerte Stunde. Anscheinend hat die Regierung auch schon mit Fa- brikanten konferiert. Sie wird sichs allem Anschein nach angelegen sein lassen, einen Vergleich herbeizuführen. Weitere Besprechungen fanden am Montag' Vornnttag statt.— Die Unter- stützungssätze sind wie folgt festgesetzt: Für Verbandsmitglicder pro Woche 8 M. und für jedes Kind 50 Pf. bis zum Höchstbetrage von 11 M.; für diejenigen, welche erst im Laufe der Aussperrung dem Verbände beigetreten sind, 5 M. und ebenfalls für jedes Kind 50 Pf. bis zum Höchstbetrage von 8 M. Diejenigen, die dem Verbände nicht angehören und demselben auch nicht beitreten wollen, erhalten 4 M. und je nach der Kindcrzahl Naturalien. Für die letzteren müssen die Gelder verwendet werden, die durch freiwillige Beiträge eingehen. Diese Unterstützungssätze entsprechen ungefähr dem Ein- konnnen eines Webers bei nicht ganz gutem Geschäftsgang. Der Ausstand bei der Firma Adam Schmidt in Saalfcld ist nun doch eingetreten, obgleich die Arbeiter durch Anrnfung des EinigungsamtcS sich bemüht haben, das Acnßerste zu vcnneiden. Herr Schmidt wollte von einer Einigung nichts wissen und so legten denn am Montag 46 Arbeiter die Arbeit nieder. In Betracht kommen Böttcher, Drechsler, Tischler, Schneideniüller und einige Handarbeiter. Zuzug von Arbeitern dieser Branchen ist fernzuhalten. Auch die Schncidergehilfeu von Mannheim haben ihren Arbeitgebern Forderungen eingereicht. Die einzuführende» Tarife sind in vier Klassen geteilt und sehr nnnimal gehalten. Es ist den Gehilfen hauptsächlich darum zu thun, allgemein geregelte Lohn- Verhältnisse herbeizuführen, wie dieses in andren Städten schon längst der Fall ist. Auch der Schmutzkonknrrenz soll hierbei ein Damm gesetzt werden, die heute auf Kosten der Arbeiter betrieben wird. Ausland. _ Tic Anssperruug in Enschcde. Die Fabrikanten sind am Sonnabend übereingekommen, die Beschlußfassung über die Schließung sämtlicher Fabriken, wie sie bekanntlich anläßlich des Wcberstrciks geplant wird, noch 14 Tage hinauszuschieben. Vevssnttnlungen. Der Socialdcmokratische Verein für de» 5. Berliner Reichstags Wahlkreis hielt am Freitag in Bötzows Brauerei eine öffentliche Versannulung ab. in der Schriftsteller G. Bernhard über Zoll- und Klassenpolitik sprach. Eine Diskussion über den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag, in dem der Referent die wesent- lichsten Bestimmungen des Zolltarifgesetzes erörterte und die hoch- schntzzölllierische, agrarische Tendenz desselben sehr treffend kenn- zeichnete, wurde nicht beliebt. Unter Vereinsmitteilringen ergänzte der Kassierer L i e p m a n n den bereits in der vorigen Versamnilnng erstatteten Kassenbericht und berichtete, daß die Wahlvcreins-Einnahmc so ziemlich die gleiche geblieben sei wie im Vorjahr. Von Ziezcwitz wurde bemängelt, daß jetzt noch einige Listen von den Stadtverordneten- Wahlen ausstehen und gewünscht, daß in Znkunft nur an solche Personen Listen abgegeben werden, welche die Geivähr bieten, daß sie bis zu dem entsprechenden Termin Abrechnung leisten. Der frühcreVertraucnsmann I. Renk berichtete sodann, daß er in der Zeit vom 6. Oktober inkl. des alten Bestandes von 294,84 M. insgesamt 494,74 M. ver- einnahmt hat. Dieser Betrag ist bis auf einen geringen Rest, der dem Kassierer überwiesen, für die verflossenen Stadtverordneten- Wahlen verausgabt worden. Der Vorsitzende gab hierauf bekannt, daß der Vorstand das Mitglied Kräiner aus den der vorigen Versammlung mitgeteilte» Gründen ausgeschlossen habe. Der Ausschluß des Hoffmann habe sich von selbst erledigt. Die Versammlung erklärte sich nüt den Maßnahmen des Vorstandes einverstanden. Eine längere Diskussion entspann sich über die letzte Arbeitslosen- Zählung und wurde hierbei lebhaft beklagt, daß im 5. Kreis seitens der Gewerkschaftskomniission nicht die notwendigen Hilfskräfte, wie versprochen, zur Verfügung gestellt ivorden sind und dadurch eine Ueberlastnng der einzelnen Genossen stattgefunden hat.*- Zum 18. März wird eine Versammlung veranstaltet ivcrdcn. Die Vereinigung deutscher Maler und BernfSgenossc» erledigte am 14. Januar, sowie ain 11. Februar er. die umfangreiche Tagesordnung der Generalversammlung. Zum 1. Punkt erstattete der Vorsitzende Bnschhold Bericht, welchen Link ergänzte. Nach dem Bericht haben stattgefunden: 5 Vorstandssitznugen, 18 Vermal- tungsfitznngen. 2 erweiterte Verlvaltimgssitznugcn, 2 kombinierte Verlvaltnngssitzungen mit den Filialen Nixdorf und Charlottenburg, ferner 6 Mitglieder- und 4 ordentliche Generalversammlungen. Infolge Lohnrcducierung und unwürdiger Behandlung unsrer Mit- glieder seitens des Werkineisters bei der Firma Rappe n. Hecht (Fabrik künstlicher Palmen und Blumen) mußte die Verwaltung sich mit deren Betrieb befassen. Die dortigen Vcreinsmitglicder wurden nach 13- und 7jähriger Beschäftigung entlassen und in iveitgehendster Weise unterstützt. An Korrespondenzen ivechselte der Vorsitzende 43. P l u m giebt dann den Kassen- und ergänzt den Vcrwaltungsbericht. Die specisizierte Abrechnung ergab per 4. Quartal eine Einnahme von 1424,70 M.. eine Ausgabe von' 1182,30 M.; der Bestand ist 242,40 M. Durch Werkstättenagitatio» wurden mehrere Kollegen neu gewonnen. Rechtsschutz wurde 3 Mitgliedern gewährt, wovon 6 Klagen ge- Wonnen wurden; eine schwebt noch und eine ging verloren. Ohne Zeituiigsversand umfaßt die Bureaukorrespondenz 937 eingegangene und 2052 abgeschickte Postsendungen. Im vierten Quartal hatten bereits 773 Mitglieder 13 volle Wochenbeiträge entrichtet. Klotz er- gänzte noch den AgitalionSbericht: Die Wahl der ört- liche» Verwaltung ergab folgendes Resultat: Bevollmächtigter wurde Bnschhold. Kassierer und Verivaltungsbeamter I. Plum, Schriftführer F. Schulze, Beisitzer Klotz, Gibbe, U n g e r und O e r t e l, Revisoren B a r t e l und I a c o b e i t. An den Bericht des Gcwerkschaftsdelegiertc» Link knüpfte sich eine rege Debatte, an der sich K l o tz und U n g e r beteiligten. Da Link eine Wieder- wähl ablehnte, wurden Klotz und O e r t e l gewählt. Als Delegierte zum Provinzialtag wurden B u s ch h o l d, Klotz und I a c o v e i t gewählt. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß die Lackierer, Filiale II, ihren Arbeitsnachweis vom 1. April an ebenfalls in das GeWerk- schaftshans, Zimmer 36, verlegen. Der Verein aller Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Krawattenbranche hielt am 12. Februar seine General- Versammlung ab. ES fanden im Jahre 2 General- und 7 Mitglieder- Versammlungen statt. Die Einteilung des Vereins in Sektionen hatte sich für denselben gut bewährt' und ivar es deshalb möglich, den Verein, trotz der schlechten Konjunktur, fast auf denselben Mitgliederbestand zn erhalten. In den verschiedenen Sektionen fanden 11 Sitzungen statt. Außerdem wurden noch für Alt- und Ncnplätterinnen sowie Näherinnen 15 Versammlungen abgehalten. In Charlottenburg und Schöneberg fanden 2 Agitations-Versamm- Inngen des Vereins statt. Der Verein hatte eine Einnahme von 5032,31 M. inkl. Bestand von 1111.69M. Die Ausgabe betrug 2657,05 M. Das Vereinsverniögen betrug am 31. Dezember 1901 4996,53 M. Aus dem Bericht des Arbeilsvermittlers ging hervor, daß das An- verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badii gebot die Nachfrage um ein Beträchtliches überstieg. Die Vereins- bibliothek wurde sehr rege in Anspruch genommen. Die Neuwahl hatte folgendes Ergebnis: Erster Vorsitzender wurde A. Leopold, zlveiter Vorsitzender P. Keller, erster Kassierer M. Stanowsky, für den zweiten Kassiererposten wurde Frl. B u r g h a r d gewählt, als erster Schriftführer P. Worch, als Schriftführerin Frl. Roß, Beisitzer wurden W. E n e, Frau R o s e n st e n g e l und E ck. Die Bibliothek wurde dem Kollegen N e r l i ch, Löwestr. 5, belassen. Der Arbeitsvermittler H e r g t wurde einstimmig wiedergewählt. Derselbe wohnt Landwehrstr.' 1. Der Fachverein der Brctterträgcr und Brettschneider hielt am 16. Februar seine Monatsversammlung ab. Nach der Abrechnung der Lohnkommission hatte dieselhe eine Einnahme von 688.20 M., eine Ausgabe von 183,— M.. bleibt ein Ueberschuß von 500,20 M., welcher der Streikkasse zn gute kommt. In die Lohnkommission wurden gewählt: E. Hinze, W. P r a d e l, F. G ö r n e r, D. K r e i s ch m e r, G. Hechel und F. F a h r e n s o n; als Revisoren: A. Vielgezogen, Mrowka und K. Theurig. Zum 18. März wurde beschlössest, die Kranzspende wie bisher bei- zubehalten. Zur Lohnbewegung der Kleber. Nach dem Bericht, den die Lohnkommission in der gestrigen Versammlung erstattete, ist der Ver- lauf der Beivcgung für die Arbeiter ein günstiger. An der Bc- wegung haben sich bisher 215 Kleber(177 vom Verein und 38 vom Verband) ltetciligt. Von den 74 Unternehmern, an ivelche die Forderungen gestellt ivnrden, bnben bereits 54 bewilligt und arbeiten bei diesen 115 Kleber zu den neuen Bedingungen. Als Streikende sind noch 74 Vereins- und 14 Verbandsmitglieder ge- meldet. Einige Firmen sind deshalb noch gesperrt, weil sie wohl für einen Vau, aber nicht für alle in Betracht kommenden Bauten den Tarif anerkannten oder durch andre Mittel versuchen, die Forderungen der Arbeiter illusorisch zn machen. Dieses Resultat ist um so erfreu- licher, als bekanntlich die Innung die Ablehnung der Forderungen beschlossen und eine Vereinbarung mit den Gehilfen ebenfalls ab- gelehnt hat. Nach einer langen Diskussion, in der es auch zu Auseinander- sctzungen zwischen Vereins- und Vcrbandsmitgliederir kam, wurde folgende Resolution beschlossen: „Die am 25. Februar bei Jannnschk tagende Versamnilnng der Kleber Berlins und Unigcgcnd erklärt, daß 1. beide hier bestehende Organisationen nur solche Bewilligungen anerkennen dürfen, wo der Klebcrtarif vom Unternehmer durch seine Unterschrift oder Stempel im vollen Umfange anerkannt ist; 2. abgegangen darf nur dann werden, wenn eine öffentliche Kleberversammlung es ausdrücklich gestattet. Daher ist die vom Verbände anerkannte Bewilligung bei der Lirma Löber als ungültig zn erklären, und haben die Kollegen die Arbeit niederzulegen und erst dann wieder aufzunehmen, wenn der Tarif anerkannt ist. Vis dahin gilt diese Firma als gesperrt."' — Ein Antrag, den Generalstreik zu proklamieren, wurde abgelehnt. Eine Versammlung der Herren- und KuabenkonfektiottS- Schneider und-Schneiderinnen tagte am Mitlivoch in Büß' Salon. Große Frankfr.rtcrstraße, in der der Vertrauensmann Ritter über den Einfluß der sogenannten Maßkonfektion auf die Leistungen und den Lohn der in der Herrenkonfektion Beschäftigten referierte. Der Redner tvies nach, nachdem er die Schäden der Heimarbeit über- Haupt gekennzeichnet hatte, daß auch diese neue Methode wiederiim geeignet ist, die Lage der Arbeiter zn verschlechtern und daß nur mit Hilfe einer ftraffeii Organisation die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ermöglicht wird. Zwei öffentliche Schuhmacher- Versammlungen fanden am Montag statr. Es wurde die Frage erörtert, ob im Frühjahr in eine Lohnbewegung eingetreten werden soll, um den Minimal-Lohntarif zur Durchführung zu bringen. Es handelt sich um die in Besohl- anstalte» und bei Kleinincistern beschäftigten Gesellen. Für diese hat die Innung im vorigen Jahre einen Minimaltarif anerkannt. derselbe steht aber nur auf dem Papier und wird fast gar nicht nach diesem Tarif bezahlt. Bei der geplanten Lohnbewegung handelt es sich darum, daß dieser Tarif überall durchgeführt wird. In den Vcrsammlimgcn wurde lebhaft diskutiert, und zwar infolge des Ein- greifcns von Besohlanstalts-Jnhabern. Dieselben halte» den mit der Innung vereinbarten Tarif sür zu hoch, sie sind aber bereit, einen ctivas niedrigeren Tarif mit den Gesellen zn vereinbaren und halten auch die Einführung eines vom Verein der Bcsohlanstalts- Inhaber gemeinschaftlich mit Geiellenvertretern zu uerivaltenden Arbeitsnachweis für angebracht. Die Arbeiter sind dagegen nicbt gewillt, sich von dem anerkannten Minimaltarif etwas abhandeln zu lassen. In beiden Versammlungen wurde beschlossen, den Gesellenausschnß zn bcnnftragcn, sobald als möglich mit der Innung über die Durchführung des revidierten Minimal-Lohntarifs zu verhandeln. Eine später einzuberufende Versammlung soll dann das Ergebnis der Verhandlungen entgegennehmen und weitere Beschlüsse fassen._ Urtzke Nachrichten und Depeschen. Budapest, 25. Februar. Abg. Dr. Heim hat nicht die- jenige Autorität für sich in Anspruch genomnien wie Frhr. v. Wangen- heim mit der Erklärung, die er in der Kommission abgegeben hat. Man kann vielleicht nicht von einem Sturm des Bundes der Landwirte auf den Tentrumsturm im Rheinlande sprechen, wohl aber scheint es sich um eine Art Minierarbeit zu handeln. Wir werde» dafür sorgen, daß diese Minierarbeit nicht zu ihren, Ziele kommt!(Beifall im Centrinn.) Abg. Szmnla(C) fordert Erleichterungen für den Znzng polnischer«»d galizischrr Arbeiter. Ein Regier«, igökommissar: Ein Bedürfnis zur Erleichterung der Zulassung ausländischer Arbeiter ist zur Zeit nicht anznerkrnncn, außerdem ist eine solche iveitere Erleichterung auch in» Jnteresse der inländischen Arbeiter nicht angängig. Abg. Graf Liinbnrg-Stiru»,/s Millionen gegen das Vorjahr gekürzt; dementsprechend sind die Depositen und Kreditoren um 53>/-l Millionen zurückgegangen. Diese Rückgänge dürften in» Sommer, als die allgenieine Unsicherheit einriß, noch größer gewesen sei, als in den letzten Monaten, wo das Vertrauen bcrcils wieder zurückkehrte. Das Wechsclportcfeuille ist nni 41 Millionen und die umlaufenden Accepte nni 28V4 Millionen ge- schwächt. Die Verpflichtungen in Depositen, Kreditoren und Accepte» betrugen im Jayre 1900 rund 414�/4 Millionen gegen 332 Millionen 1001; dem gegenüber stehen leicht flüssige Mittel in Höhe von 227�4 Millionen, die im Jahre 1900 sich auf 275i/e Millionen be- liefen. Die Liquidität der Bank ist somit besser geworden, wen» auch keineswegs befriedigend. Der Jahresbericht der Berliner Bank schließt ungünstiger ab, als ninn erwartete; zur Verteilung gelangen nur 2 Proz. Dividende, während im Vorjahre 5 Proz. abgestoßen wurde». Der Reingewin» betrug 2 798 211 M. und steht gegen den vorjährige» um 1 460 771 M. zurück. Die Bilanz ergiebt' folgendes: Aktiva. 1901 1900 Kasse und Reichsbank....... 3 247 621 4 171 980 M. Nostro-Guthaben b. Banken u. Bankiers 1362 929 4 614 005„ Wechsel............ 15 814 684 19 785 030„ Coupons und Sorten....... 246 558 250 035„ Wertpapiere a) eigene....... 10 105 495 8 365 134„ b) reportierte..... 3 044 753 4 880 543„ Konsortial-Conto......... 12 088 311 12 681893. Debitoren........... 44 953 156 67 562 963„ Immobilien- Conto........ 2 146 842 1 261 924„ Passiva. Aktienkapital.......... 42000000 42000000, Reservefonds.......... 3 135 171 3 000 000„ Kreditoren a) täglich fällig.... 11 102877 16589981 b) auf feste Termine... 16 294 858 31 828 575„ Accepte............ 13 067126 27 862 454„ Avalacccpte.......... 4 564184 5 073 824„ Beaintcnpensions- und Unterstützungs- Fonds........... 123 675 101 913, Rückständige Dividenden...... 8 045 8 945„ Gewinn............ 2 798 211 3 258 983. Für nicht börsengängige Effekten machte sich eine Abschreibung von 1200 000 M. notwendig. Die Liquidität der Bank ist eine be- friedigende, denn es stehen ihren Verpflichtungen in Höhe von 40 468 361 M. mit Einschluß der Wechsel flüssige Bestände von 33 322 040 M. gegenüber. Auch diese Bilanz läßt den starke» Rück- gang des Geschäftsverkehrs erkenne», und zwar nicht nur der börsen- gängigen Geschäfte, sondern vor allem den Sturz der Werte in nidustriellen Nnternchmimgen. Deutschlands Slnßenhandel im Monat Januar lSOS. Die Einfuhr ist im Monat Januar nach den monatlichen Nach- weisen des statistischen Amtes zurückgegangen. Sie betrug 2 966 956 Tonnen gegen 3 048 436 und 3 281 287 in den beiden Vorjahren, daher weniger 81480 und 314331. Edelmetalle: 97 gegen 80 und 114. Gegen das Vorjahr zeigen 22 von 43Zolltarifnnnmiern eine erhöhte, 21 eine verminderte Einfuhr. Wesentlich höhere Einfuhr fand statt bei Erden, Erzen(4- 44 995), Getreide(38 881), Material- jc. Waren(17 856), Drogncn. Apotheker- und Farbeivarcn(16 012), Wolle(10 901), Ivesentlich niedrigere bei Kohlen(— 154 367), Eisen(26 001), Flachs, Hanf 2C.(9507). Die Ausfuhr weist dagegen einen erheblichen Mehrbetrag auf. Die Gesamtausfuhr weist 2 474 258 Tonnen gegen 2 414 739 und 2 430 681 in den beiden Vorjahren, daher gegen 1901 mehr 59 513, gegen 1900 weniger 6423. Edelmetalle:' 27 gegen 45»nd 38. Gegen das Vorjahr zeigen 24 Zolltarifnummern eine erhöhte, 19 eine geringere Ausfuhr. Wesentlich höher ist die Ausfuhr von Eisen (4- 135 546) und Materialwaren<27 438), ivesentlich geringer die Ausfuhr von Erden, Erzen(— 78 882), Kohlen(45 545). Bei der Berechnung der Ausfuhr nach dem Wert, wird das günstige Ergebnis herabgesetzt werden, denn die Zunahme der Aus» fuhr iii Eisen und Kohlen kommen im Gewicht sehr stark zun, Ausdruck, bei der Wertberechnung ivird der Vergleich nicht so vorteilhaft ausfallen. Tie Bergwerkögesellschaften berichten über nicht unerhebliche Rückgänge ihrer Betriebsilberschüsse für den Monat Januar. Die Harpe»er Gesellschaft erzielte 1 002 400 M. Bctriebsnber- schuß gegen 1558 400 M. im Januar vorigen Jahres. DieHibernia giebt ihren Betriebsübcrschnß auf 700 736 M, an gegen 939 539 M. im gleichen Monat des Vorjahres. Dir Auölicfcrniig Terlindens ist in Washington vom Obcrbundesgcricht beschlossen. Terlinden war nach VerÜbung großer Betrügereien, die er in seiner Stellung als Direktor einer Aktien- gesellschaft in Oberhausen beging, flüchtig geworden. Der Verbaiidötlig der Tteinscher Masiererj und Bmiss genossen DentschlandS. Ueber die Verhandlnngen des Verbandstages selbst erhalten wir nachstehenden Bericht: Der Vcrivaltuugsbericht. der von dem Vorsitzenden Knoll erstattet Ivurde, ivurde ohne große Debatte entgegeugcnommen, da allseitig anerkannt wurde, daß der Hauptvorstand iiach Maßgabe dersihm zur Verfügung stchendeu Mittel scinBestes gethau habe. Aus dem Bericht des Hauptkassierers Scholtz ergab sich, daß die anläßlich des Streiks festgesetzten Extrabeiträge nicht zum Besten eingegangen sind. Wäre es in dieser Hinsicht etwas besser gegangen, so brauchte die Haupt- lasse nicht noch 6000 M. Schulden zu haben, wenn sich unleugbar auch die Kassengeschäfte bedeutend gehoben haben. So ist die Einnahme an Wochcubeiträgen gegen die'voraugcgangene Geschäftspcriode von 34 575,70 M. auf 58 872,80 M.' gestiegen. Die Gesamt einnähme der Organisation von 52 894,89 M. auf 104 601,19 M. Zu letzterer Summe kommen noch hinzu die Einnahmen der Uuterstütznngskasse mit über 25 000 M. und die Einnahmen der lokalen Streikfonds, deren Bestand sich am Jahresschlüsse 1801 auf 30 814.26 M. belief. Der Gesamt- Kassenbestand in Haupt- und Filialkaffen, Unter- stützungskasse und lokalen Streikfonds belief sich am Jahresschluß auf 52 340,61 M, Dazu Außenstände(Darlehe») im Betrage von ca. 14 000 M., dem eine Schuld der Hauptkasse von 6000 M. gegen- über steht. Ein Antrag der Waudsbeker Genossen, ihnen ihre Rückstände an Exlrabeiträgen zu erlassen, da sie die Koste» ihres Streiks zum größten Teil selber getragen haben, wurde abgelehnt«nd das Verhalten des Hauptvorstand'es, welcher die Unterstützung versagt hatte, so lange die Waudsbeker ihre Strcik-Uuterstützungssätze nicht auf das vom Hauptvorstand festgesetzte Matz herabgesetzt hatten, aus- drücklich gebilligt. Ueber den Zolltarif und das Stein setzergewerbe referierte Knoll-Berlin; die Ausführungen desselben gipfelten in einer Resolution, welche einstimmig und dcbattelos zur Annahme gelangte. In derselben erhoben die Versammelten als Pro- d» z c n t e n Protest gegen den vom Verband deutscher Pflaster- und Hartstein-Jn'dustriellcr verlangten Zoll ans ans- ländische, insbesondere schwedische Pflastersteine(Positionen 232 und 682 des TarifentwnrfeS), da durch den geforderten Zoll, ebenso auch durch die im Tarifentwnrf zu Position 632 seitens der vcr- bündeten Regierungen vorgesehene Verzollung von ausländischen Pflastersteinen, für ausgedehnte Gebiete des Deutschen Reiches eine so euornie Verteuerung des Steinpflasters herbeigeführt würde, daß damit die Existenz des Steinsetzergewcrbes ernstlich in Frage gestellt wäre. Die eintretende Verteuerung des Steinpflasters würde lediglich eine künstliche Förderung des Asphaltpflastcrs hervorrufen, es hätten also auch die deutschen Stein- brncbbesitzer von dem Zoll ans Pflastersteine nicht den erhofften Vorteil. Des weiteren protestierte die Versammlung gegen den ganzen Zolltarif-Eutwnrf, iveil durch die Annahme desselben der Abschluß von Handelsverträgen in Frage gestellt oder doch sehr er- schwer! würde und bei einem Daniederliegen von Industrie und Handel auch das Stcinsetzcrgeiverbe in Mitleidenschaft gezogen, die Arbeitslosigkeit also noch vergrößert würde. Als K o n s n n> e n t e» protestierten die Versammelten gegen de» Zolltarif- Entivurf, weil die Verwirklichung desselben gleichbedeutend ist mit einer enormen Verteuerung der Lebenshaltung, die zunächst nur ausgeglichen werden könnte durch eine bedeutende Verschlechterung derselben. Ebenfalls zur einstiminigen Annahme gelangt eine von dem- selben Referenten empfohlene Resolution, in welcher die Grundzüge der Taktik bei zukünftigen Lohnbewegungen mit besonderer Berück- sichtigimg einerseits der Streikklausel, andrerseits die Herbeiführung tariflicher Vereinbarungen festgelegt sind. In der Resolution erklärt der V. Vcrbandstag des Verbandes der Steinsetzer(Pflasterer) und BerufSgenossen Deutschlands von neue m seine Bercitivilligkeit, überall, Ivo den Arbeitern das Mitbestimmungsrecht zugestanden ivird, in eine t a r i f- liche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhält- nisse zu willigen und macht es den Verbands- Mitgliedern der einzelnen Orte zur Pflicht, den Abschluß der- artiger Verträge anzustreben. Andrerseits, wo das Unternehmertum edwcdc tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, g e- t ü tz t auf das Vorhandensein der sogenannten Streikklausel, wiederholt ablehnen sollte, stellt der V, Ver- bandstag den Arbeitern des Stcinsetzergewerbes anHeim, mit ihren Lohnforderungen stets erst dann in die Oeffcntlschkeit zu treten, wenn die Arbeitsverhältnisse so liegen, daß durch eine gleichzeitige Arbeits- »iederlegnng in wichtigen Vcrkehrsstraßen eine öffentliche Kalamität herbeigeführt ivird, um infolge der eintretenden Verkehrs- törungcn usw., unter gleichzeitigem Hintveis auf unsre Bereit- Willigkeit zum Abschluß tariflicher Vereinbanmgcn, durch die öffenl- liche'Meinung einen indirekten Druck ans das Unternehmertum aus- üben zu lasse». An diese» Punkt schloß sich die Beratung über die Neuregelung der Beitragspflicht, Streits und Streikniiterstütznngen und das Unter- tützungsiv'escn. Die Debatte hierüber»ahm einen vollen Tag. ein- chließlich einer Abendsitzung, in Anspruch. Dieselbe endigte schließ- lich dahin, daß die bisherigen Extrabeiträge für Streiks Z und Delc- giertensteuer aufgehoben und statt dessen der Wochcnbeitrag von 20 Pf. erhöht wurde auf 30 Pf. für Bernfsangehörige. Ivelche bis zu 4,50 M. pro Tag, und auf 40 Pf. pro Woche für Berufs- angehörige, welche über 4,50 M. pro Tag verdienen. Bei dem jetzige» Mitgliederbestande kommen für die niedrigere Beitragsklasse ca. 1000, für die höhere Beitragsklaffe ca. 3700 Mit- gliedcr in Frage. An die Hauptkasse gehen 70 Proz. der Einnahme an Eintrittsgeldern und Wochenbeiträgen. Die Leistungen der Hanptkaffe bleiben hinsichtlich der Gemäß- regelten, Rechtsschutz-, Reise- und Notfallsunterstütznng dieselben wie bisher. Bei Streiks gewährt die Hanptkaffe, und zwar bei An- griffsstreiks vom 4. Tage, bei Abwehrstreiks vom 1. Tage ab. an Verheiratete pro Woche 12 M., an Unverheiratete pro Woche 10 M. Unterstützung. Filialen, ivelche über lokale Fonds in geniiltender Höhe verfüge», sind berechtigt, bei Streiks die Unterstützungen in der Weise zu erhöhen, daß obige Unterstützun(iSsätze bei Angriffsstreiks vom ersten Tage ab, bei allen Streiks für(edes Kind unter 14 Jahren bis zu 1 M. pro Woche gezahlt werden können. Höhere UnterstützmigS- 'ätze dürfen bei Streiks nicht gezahlt werde». Die Leistungen der UnterstütznugLkasse(bei Todesfälle») bleiben die gleichen wie bisher, jedoch wurden die Beiträge von 10 auf 7 Pfennig pro männlichen Stcrbefall herabgesetzt. Alle Anträge, welche die AuSdehnnng der Unterstützungen auf Kinder-Todesfälle forderten oder de» Frauen verstorbener Mit- glicder die Anrechte an die Untcrstiitzungskasse auch weiterhin gewahrt wissen wollten, wurden gegen wenige Stinimen als nicht mit dem Charakter der gewerkschaftlichen Organisation vereinbar abgelehnt. Dagegen gelangte eine Resolution zur einstimmigen Annahme, in welcher ausgedrückt ist, daß die Ueberschüsse der Unter- 'tützimgSkasse bis zum nächsten Vcrbandstnge anzusammeln seien, Ivo dieselben eventuell als Grundfonds für die Arbeitslosen- Unterstützung dienen sollen, da diese Frage auf die Tages- ordnung des nächsten Verbandstages gesetzt werden soll. Auf diese Weise, wurde erklärt, kämen den Frauen die Ueberschüsse der Unter- tützungskasse schon bei Lebzeiten der Männer zu statte». A» sonstigen Statutenänderungen verdient hervorgehoben zu werden, daß auch die Regelung der Arbeitsleistung als Aufgabe der Organisation in die Satzungen derselben aufgenommen wurde. Die Karrenzzeit für neneintretende Mitglieder wurde auf 10 Wochen herabgesetzt, für Wiedercintreteudc. welche wegen rückständiger Bei- träge ausgeschlossen waren, auf ein halbes Jahr erhöht. Außerdem haben die letzteren das sechsfache Sintriltsgeld(3 M.) zu zahlen. Der Ausschluß kann schon erfolgen, wenn ein Mitglied mit niehr als 10 Wochenbeiträgen im Rückstände ist. Dem Hauplvorstaude ivurde das ausdrückliche Recht eingeräumt, bei Streiks in die Leitung einzugreifen, bezw. dieselbe gänzlich, zu übernehmen. Ueber de» Arbeiterschutz im Straßenbau referierte ebenfalls Knoll- Berlin. Derselbe empfahl eine Resolution, in welcher der Verbandstag erklärt, mit aller Entschiedenheit an den von den Arbeitern des Straßenbaues ans dem Berliner Kongreß für Bauarbeiterschutz aus- gestellten Forderungen festzuhalten. Ferner spricht der Vcrbandstag sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß bei dem wenigen, ivas bisher infolge des Drängens der Arbeiterschaft von einzelnen Re» gierungen und Verwaltnngs-Körpcrschaften ans dem Gebiete deS sanitären Banarbeiterichutze's geschaffen worden ist, die Arbeiter des Straßenbaues zumeist nicht berücksichtigt, in einzelnen Fällen sogar ausdrücklich ausgeschlossen ivorden sind. Des weiteren erklärt der Vcrbandstag eS als Pflicht derBehördcn, welche auf deni Gebiet deS Bau- arbeiterschutzeS irgend welche Verfügungen erlassen, daß dieselben anch die Ausführung ihrer Anordnungen streng überwachen und ständig kontrollieren. Endlich erNärt der Verbandstag. daß die An- sich! des Staatssekretärs v. Posadowsky, wonach die Verhältnisse im Bangewerbe so verschiedenartig liegen, daß eine Regelung derselben durch RcichSgesetz nicht möglich ist, für das Straßenbangetverbe durchaus nicht zutreffend sei. Solange eine reichsgesetzliche Regelung der Materie nicht erfolgt ist, verpflichtet der Verbandstag die Verbands- Mitglieder, allerorten für die Herbeiführung der von uns geforderten Schntzniaßnahmen mit aller Energie einzutreten.— Die Resolution fand einstimmige Annahme. Zum Punkt: Wahl der Verbandsbeamten gab der Verbandsvorsitzende eine einstimmig gefaßte Erklärung des Haupt- Vorstandes ab, wonach dieser die Festanstellnng eines zweiten Beamten für nottvendig und nützlich hält, dieselbe aber ivegen der augenblickliche» prekären Verhältnisse und der damit verbundenen hohen einmaligen Ausgaben(größeres Bureau. Ausstattung usw.) zur Zeit für nicht' durchführbar hält. Es erfolgte hierauf die Zurücknahme eines diesbezüglichen Antrages. Der bis« herige Verbandsvorsitzende K n o l l und die beiden Kassierer Scholtz und Peter wurden dann einstimmig per Acclamation wieder- gewählt. Ersterem wurde eine Gehaltszulage von 200 M., letzteren eine Rcmnncrationsznlage von je 150 M. einstimmig bewilligt.� Bezüglich der von der Generalkommission angeregten Versicherung der Gewerkschaftsbeamtcn erklärte der Vcrbandstag einstimmig seine Zustimmiing; ebenso wurde es als selbstverständlich erklärt, daß die Gewerkschaft den volle»Beitrag dazu, und nicht bloß die Hälfte zahlt, da die Versicherung in erster Linie im Interesse der Gewerkschaften notwendig sei. Der nächste Verbandstag soll in B r a u n s ch w e i g stattfinden. Zum Gewerkschafts- und ebenso zum Bauarbeiterschutz-Kougreß wurde einstimmig Knoll als Delegierter gewählt. Weiter nahm noch der Verbandstag Stellung zur Lehrlingsfrage und präzisierte seine Stellung zu derselben in der Annahme einer Resolution, welche fordert, daß 1. der Lehrmeister konkraktlich gebunden sein soll, den Lehrling das ganze Jahr hindurch zu beschäftigen; 2. der Lehrmeister eventuell kontraktlich verpflichtet sein soll, dem Lehrling die nötige Zeit zum Besuch der Fach- bezw. Fort- bildnngsschul'e ohne Abzug zu gewähren. 3. die Festsetzung einer den örtliche» Vcrhältniffen entsprechenden Lehrlinsznhl. I» einer andren Resolution verpflichtete der Verbandstag die örtlichen Organisationen, für die Schaffung von Arbeitsleistungs« tarifen(Maximalleistung) thätig zu sein, uni eine Herabsetzung der heute vielfach unsinnigen Arbeitsleistung herbeizuführen. Desgleichen wurde die Errichtung von Arbeitsnachweisen empfohlen, eventuell auf paritätischer Grundlage. Eine Reihe weiterer Anträge, welche sich auf die Agitation, Unter- stützung Gemaßregelter. Streiks ec. bezogen, wurden dem Haupt- vorstaiid zur Berücksichtigung überwiesen. Vertreten auf dem Verbandstage waren 76 Delegierte aus den Verbandsfilialen. 3 Vertreter des Hanptvorstandes, ein Delegierter der Wiener und zwei Delegierte der Kopenhageucr Steinsetzer- Organisationen, sowie Genosse Pöplow für die Gcneralkonmiission. Die Arbeite» und Beschlüsse des VerbandtageS können als gluck- liche bezeichnet werden, so daß berechtigte Hoffnung vorhanden ist, daß die Organisation der Steinsetzer und BeriifSgenoffen sich in der bisherigen erfreuliche» Weise auch weiterhin entwickeln dürfte.— Aus drv Fr«nonl»r»ucgu»»g. Ein Verband gegen Kindersterblichkeit ist in Paris gegründet worden. Das Gespenst der Eutvölkerimg sieht drohend durch alle Fenster Frankreichs, seit die Volkszählungen darthun, daß die Ein- wohnerzahl nicht steigen will. Die französischen Staatsmänner ver- suchen durch allerlei Mittel die gefährliche Erscheinung zu bannen. Für besonders kinderreiche Familien giebt es Untcrstützunge», Preise, Vorzugseinrichtungen der verschiedensten Art. Ob sich der oben- genannte Bund praktisch wirksam erweisen wird, steht dahin; vom rein menschlichen Standpunkt ist er jedenfalls freudig zu begrüßen. Das Komitee, welches die Vorbereitungen in die Hand nahm, besteht aus zahlreichen hervorragenden Aerzten, Senatoren ec.; in der öffentlichen Versammlung, welche der Gründung des Vereins voraiisging, führte der Minister des Innern, Waldeck-Ronffeau. den Vorsitz. Das Referat war drei Aerzten zugeteilt, Ivelche die Not schilderten, der man Ab- Hilfe bringen will. Es gilt, die 150 000 Kinder, Ivelche jährlich im zartesten Älter sterben, dem Leben zu erhalten, oder doch so viele unter ihnen als irgend möglich. Mehr Asyle für micheliche Mütter, tiiehi- Krippen, vor allem mehr häusliche Pflege und Uiiterweisung der uuwisscnden Mütter in der Gesundheitslehre. Die meisten Mütter würden ja mit Freuden ihren Kindern jede notwendige Pflege an- gedeihe» lassen: nur die Unkenntnis hygienischer Maßregeln inncht sie oft zu Mörderinnen der Kleinen, welche sie mit den größten Opfern gern dem Leben erhielte». Die Redner fordern bessere Erziehung der Frauen zur Erfüllimg ihrer Mutterpflichten, bessere Belehrung über die gesundheitlichen Schädigungen der Kinder, dann aber die Vereinigung der zerstreuten Wohlthätigkeits- und Wohlfahrtsvereine zur gemeinsamen Mit- arbeit an diesem hochwichtigen Werke. Im Schlußwort betonte Waldeck-Roussean nochmals die hohe nationale Wichtigkeit der Aufgabe: In Frankreich wird zu wenig geboren und zu viel gestorben." Die Statuten deS Vereins, sehr ausführlich und sorgfältig zusammengestellt, zählen im§ 2 alle beabsichtigten Maßregeln zur ErhnIInug' der Kinder auf. In jeder Stadt Frankreichs soll der Bund in Verbindung mit der Verwaltung und den Aerzten die geeigneten Schritte thmi, um Asyle für junge Mütter zu errichten, Hauspflege verheirateter Wöchnerwuen zu organisieren, die Wartung der Säuglinge zu überwachen, sterilisierte Milch znr AuS« teilung zu bringen ec. Die Anstalten und sonstigen Einrichtungen des Auslandes sollen sorgfältig studiert werden, um das Beste von allen Seiten znr Verwendung zu bringen. Durch Flugblätter und Broschüren soll Aufklärung über Wöchnerimieii- und Kinderpflege die weiteste Verbreitung erfahren. Es ist ein seltsamcS Gemenge von Politik und Mitleid, welches diesem neuen Verein sein Gepräge giebt, seine Popularität sichert. Wird der Zweck erreicht werden, durch Wohlthäligkeit. oder werden auch sociale Schutzgesetze in ausreichender Weise die Bestrebungen unterstützen müssen, welche die geringe Zahl der Geburten durch sorgfältige Erhaltung aller Geborenen anszuglcichen sucht? Das würde dem französischen Volke zwiefachen Nutzen bringen. !. Wahlkreis. Mittwoch, den 26. Februar er., abends 8 Uhr, in Cohn« Fest- fälen(großer Saal), Beuthstrafte HO/Hl: Volks-Versarnnilung T a g e s o i d ii n u g: 1. Socialdeinokratie und Socialreform. Res.: Genossin IM-. Rosa I-nxcnibnrg. 203/3 Zahlreiches Erscheinen erwarten. Die Vertrauensleute. fttit den Inhalt der Inserate überulnniit die Rcdattio» dein Publikum gegenüber keinerlei Vcra»t»>ortn»g. Älkirtttrr. Mittwoch, 26. Februar CbcnihmiS. Der Improvisator Stillang 7V, Uhr. SchnnsPirlbanS. DaS große Licht. Slnsang 7Vi Udr. Neues Ci'mi■ Theater(Kroll). Geschlosien. Schiller. König Harlekin. Stnfang 8 Uhr. Teutsches. Lebendige Stunden. An- fang?>/, Uhr. Pcrliner. Mt-Heidelberg. Anfang V/t Ubr. Lessing. Wohlthätigkeits-Vorstellung. Slnsang?>/, Ubr. Ncsidrix. Sein Doppelgänger.— Perhcr i Die Vergangenheit. Stn- sai g"Vj Uhr. Neues. Untreu.— Colombine. Sln- lang VI, Ubr. Weiten. Wiener Blut. Slnsang VI, Ubr. Seressionsbühne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Slnfang 8 Ubr ffi. v. Wolzogens Buntes Theater (Uebcrbrcttl). Slnfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissimus. Zwischcnlpiele. Slns. 81/, Uhr. Trianon. Coralie u. Co. Anfang 8 Ubr. ventral. Das süße Mädel. Anfang 7>/, llhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang Vi, Uhr. Luise«. Zar und Zimmermann. Sliilaug 7,/i Uhr. Varl Weis-. Das Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Zigeunerbaron. Anfang 7 Vi Ubr. «rlle.bllliance. Die Dame ans TrouviNe. Hierauf: Er. Ansang 7'/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Borstellung. Ansang 8 Uhr. Vharivari. Täglich BorsteNung. Ansang 8 Uhr. Vlrtropol. he feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr »lpoNo. Do» Juan in der Hölle. Specialitäten- Vorstellnng. An- fang 8 llhr. � Sasino- Theater. Lustige Bruder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor- stellniig. Ansang 8 Uhr. Valaft. Specialiläteu-Vorstellnng. Di- süßen Mädel. Ans. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstcllmig. Slnfang nachmittags b Uhr. Passage> Panoptitiim. Epecialt täleii-Vorstcllinig. Nrichohalleu. SIcltiner Sänger. Ansang 8 Uhr. klrania. Tanbenslr. s8/Tl>.(Im Th-at-rsaal.) Abends 8 Uhr: Frlihlingstage an der Rivicra. Im Hörsaal. Slnsang 8 Uhr: Die Porzellanfabrilation. Jnvnlidenstrahe li7//, Uhr: Das süHe Miidol. Operette i» 8 Akten von H. Reinbardt. Morgen lind folgende Tage: Das fiiste Mädel.— Sonnabend, l.März, nachmittags 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schnee- »vittchen bei de» sieben Zwerge». — Sonntag, 2. März, nachui. 3 Uhr, kleine Preise: Die Puppe. T'ksIis-l'keAter. Dresdenerstrafs« 79/73. Seine Kleine. Eroße SlilsstattniigSposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Guido Thiclscher, Paula Worm. Gerda Walde,„llad'n 8Io nlobt äen kleinen vodn geeebn?" Helinerding, Paul- Müller, Bojo, WannovinS. Auf.?»/, Uhr Sonntag. 2. März, nachm. 3 Uhr, kleine Preise: Alexandra, Drama üi i Alten von R. Voß. (früher Feen-Pälästj «nrgstr. 99. Direktion: Winkler». Fröbel. Donnerstag zum letztenmal das glänzende erfolgreiche rebrusr-rrogramw! Neu! Vedriliier Wardini, Neu! die Iiiftigen Uebcrbrett'ler. Neu! Fred> Fredotk. Neu! Nur»och bis Doinicrstag Dir. Wilhcli» Fröbel i» der lustigen Slusstalliings-Operette Die süßen Müdei. Ansang ii Uhr. Entree 50 Pf. Billet-Vorverkans v. ll— 1 Uhr. Freitag, den 28. Februar: SV Gr. Festvorstellung. Robert IHH-Bencflz. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Frühlingstage an der Riviera Im Hörsaal um 8 Uhr: Die Porzellanfabrikation. Invalldeniitr. 57/68. Täyl. Sternwarte. Castans PaDoptlcum Frledrich-Strasse lSS. Neu! Der Boerenkrieg! Vorst. 11-1 vorm. u. 4-10 nachm. Neu! Gntenberjf und die Buchdruckkunst. Konzert und Vorträge. Entree 50 Pf., Kinder u. Militär ohne Charge 25 Pf. Voranzeige! Am 1. März Boercnfest. Anfang 8 Uhr abends. Billets a 1 M. im Vorverkauf und a. d. Hauptkasse. c aii Weiss-Theater. Grohe Frankfiirterstr. 132. Ansang 8 Uhr. Benefiz für Albert Heinrich und Alex Scheibach. Das Jungfernstift. Operclle in 4 Slkten von Ernest Gninot. Musik van Jean Gilbert. Rinn» Hichetti als Gast. Morgen und folgende Tage: Das Juiigfernstift.— Soniiabendnach- mittag: HanS Huckebei». Sonntag- nachmittag: Das Schi vi, am Meer. Soniltagabend: Preetosa. tMlIo Ikesler. Anfang 8 Uhr: »aa phänomenale Specialitäten-Progr. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, 26. Febr., abds. 8Vj Uhr: Gastspiel von Enian. Reicher. „Die Frau des andern", Komödie in 1 Akt v. Latzko.„Geschichten vom toten Eabbi", improvisierte Soloscene von Emanuel Eeicher. Serenissimus-Zwischenspiele Bauernkumedi. Abschiedssouper. Passage-Theater. - 89- Ganz Berlin spricht von der 7 jährigen Lola Gray in dem Mimodrama Der Bajazzo und sein Kind. Lanzetta 6 Tiso O Amon 16 erstklassige Nummern! Titglich annverkauft! In Vorbereitung: Oer kleine Cohn ist da! Burleske in einem Akt von Robert Breitenbach. SdiissoiicI Kottbnseratr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: R o 1* r in a ii n m EiileAeiiterprobe. Nach jeder Soiree: Tan�krilnachcn. Entree wie gewöhnlich, Tanz frei. HÜ. Noacks Theater. Briiiinenstiabe 16. Verlorene Ehre. Schauspiel in drei Aufzüge» von Bohrmann- Riegcr. Donnerstag: Dopfeurathg Erben. Miltwoch, 26. Februar, abendölVz Uhr: lllondlke, Original- Pantomime des Cirkus Busch und die großartigen Specialitäten._■ S Cirkus chumann. Heute Mittwoch. 2«. Februar, abends präcise 7V, Uhr: Orsiids Solrfee equeatre. Zum ahortt hannoverscher erstenmal: 0�111», Falbenhengst, in der hohen Sd>ule in ganz neuer Art dressiert nild geritten vom Direktor Alb. Schumann. Neu! PULh-Ssll Neu! •ja Amerikan. Sports-Spiel 1/ ausgesührt von Amerikanerinnen 12 I/ecnyfere Inminenac! in Feuer und Flammen"7WG ausgeführt von Frl. Vota Schumann. Möns. Sosmann in. feinem Sports-Akt. Blumen- Dogcart- Quadrille, gefahren von 8 Damen. Dir. Alb, Schumann m. s. Orig.-Dlessnren. Zum Schluß: jM- IKepkästo ca. 500 Mitwirkende. 2 Musilcorps. Große Ansstatwngs-Palitoinime vom Hofballettmeister A. Siems. Morgen Donnerstag, 27. Februar: EIUe-Abcnd mit vollständig gewechseltem Programm._ An der Spandauer Brflcke 3. GrSsst.Vergnagungslokal Berlins Int ernalioualc Konzerte u Specialitilten-Vorstellung Tägl. Anstich des„Urbock' Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bfirgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Rntinee von 12-2 llhr. Reichshalle n. T liglich: Stettiner Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Belle-Allianee-Iheater. Die hm ans Tioiiville. Emil Sonderman» a. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Nosa Marton. Hierauf- El?. Adele Hartivig u. Leopold Thurner a.G. Ans. 7Vz Uhr. Morgen: Dieselbe Borst. E. von Wolzogens Buntes Theater(Ueberbrettl) Kttpnickerstr. 68. Heute abend 8 Uhr u. a.:„Ateller- spuk",„Nora-Parodie",„Zufall" von Fulda,„Strohwitwer u. Strohwitwe". Bozena Bradsky, Kompositionen und Begleitung Oskar Strauss, Marcel 8ulzer. Mfitropol-Ilieater Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: '116 Im 4. Bilde; Frauchens Geburtstagstisch. Anfang 8 Uhr. Rauchen üb e r a 1 1 gestattet. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Glänzender Erfolg! Allabendlich ausverkauft! W. Richter in«Lustige Prüder«. Hann Berg in»Ehrlos« zc. zc. Anfang Wochent. 8 Ubr, Sonnt.?>/, Uhr. I ! PlSLSolislUs 52—53. Grosses Eröffnungs-Konzert der Kapelle des Kgl. Kadetten- Corps in Uniform, Kapellmeister W. Nu Jork.— Anfang 8 Uhr. Jeden Sonntag: ttrosser Ball. Jeden Mittwoch: MIHtttr- Konzert u. Familien-Krllnzchen. Achtung! Kixclorf. Achtung! Mittwoch, de» 25. Februar, abendS 8 Uhr: Volks-Versammlun! bei Thiel(früher L a u k n e r), Bergstrafse ISI/iöS. TageS-Ordnung: Unsre Geweriegerichts-Wahlen. Referent: Genosse liliimten. DiS- lussion. 202/6 TaS Gcwerkichaftskartell. Etuttal-VerbM ki ßicftroinoiitciire uilsBeriisSgtlioiseii Deutschlands. Sektion Berlin. Tonnerstag, den 27. Februar er., abends SV, iihr. im Lokale des Herrn Mttmann, Brnunenstralie 188: NnHerordentliche Generalversammlttug. Tages-Ordnung: 1. Stelliingnahme Zilin Dclegiertentag. 2. Wahl der Delegierteit. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines leden Kollegen, i» dieser Versammlung zu erscheinen.„_,,&f,'a Mitgliedsbuch legitimiert. Der 1 orstand. Vefband der Steinsetzer. Pflasterer und Berufsgen. Deutschlands. Filialen: Berlin I u. II, Charloitenburg, Rixdorf, Schöneberg, Köpenick. Sonntag, den 2. Marz er., vormittags tt>/, llhr, bei skiimann, Brnnnenstraste Nr. 188: Kombinierte Versammlung. T a g e S- O r d Ii u n g:. 1. Generalbericht vom fünsten Verbandstag. 2. Neu- bezw. ErganzungS- wähl des Hauptvorstandes, der Agilations-»nd der Preßkommlssion. 3. Ge- werlschastliches. Vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. 174/1 Ter Centralvorstnnd. I. A.: A. K n o l l._ Acht»,,!,! Achtung! Alle Im Massage-, Bade- uirankenpflege-Bernfe bcscliilftigten Personen. Mittwoch, 26. Februar. abcudS 8'/- Uhr. i» den Armi,, hallen, Koininaudantenstr. 2V: Gwlir ötjfnitlidir KkOmminng. Tagesordnung: 1. Herr StadtratWc i g e rt nud die schlechten Krankenwärter. Referent Reichstags-Abgeordnetcr O. Antrlck. 2. Dlskuiston. 286/10 Bei der großen Wichtigkeit der Tagesordiiimg ist es Ehrenpflicht eines jeden einzelnen BcrilsSkollcgen, zu erscheinen._ Der Einberufer. Mtiiiisl Charlottenburg. AAuns! Verein abst Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Donnerstag, den 27. Februar. abendS 8>/z Uhr. i» der Ganibrinus- Brauerei. Wallstrafte 05: krasse öffentliche Wander-Yersamlung. Tagesordnung: 1, Vortrag: Die Alkoholsrage vom socialen und hygienischen Stand- punkt. 2. Diskiisflon. 286/11 Um Zuspruch bittet___ Der Yorstnnd. Wo amUsiert man sieh g-rossartlg? In Schnegeltbergs Festsälen Inhaber: Max Selilndler Hasenheldc 21 und Jalinstrassc 8. Heute: HW" Oivoijcu Vall verbunden mit Cigarreu-, Bonbon-Regen und diversen j Ucberraschimgen. Entree: Mlltsvoelis frei, Sonntags 15 Pf. Täglich: 8pecialittttcii-Vorstcllung. Entree frei I 232ÖL«' Rax Schindler. Chanssecstv. 103. Arnold 8cholz. —— Jeden Mittwoch und Sonntag: Sänger. 8«4e*i IIa in Imi 1*2» er Danksagniig. Allen Freunde» und Parteigenosseii, die mir zu meineni Geburtstag ihre Glückwünsche übersandten, sage ich auf diesem Wege nieiiien herzlichsten Dank. 35000 A. Bebel. Konsum-Verein, eingetragene Genossenschaft mit beschr. Hastpflicht. Charlottenbiirj;. Am 1. März 1902, abends 3 Uhr, im Saale des Hern, Llllpopp, Ber- liiierslrahe 87: 105/17 GenernlVerslimmlnng. TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes und Aufsichisrats. 2. Statuteiiände- rung: Z§ 1, 8, 29, 30, 32, 44, 45, 46, 51, 53, 65, 66. 69, 75, 82, 83, 84, 96, 39. 3. Erhöhung der Entschädigung des Kassierers». Controleurs. 4. Wahl eines ständigen GeschästSsührers. 5. Wahl eines Aufsichtsratsmitgliedes. 6. Vereiusaiigelegenheit. Mitgliedskarte ist mitzubringen. Der Anfsichtsrat des Konsum- Vereins, eingetr. Gen. mit beschr. Haftpflicht. I. A.: Max Knöfel. Vorsitzeilder. Iii Orosse m Trianon-Thealer. Georgenstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Friedrlchstr. Zum 95. Male: Coralie<& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. im Exerzierhansl (nm Prenzlauer Thor) Lothriiigerstratze 1—7. Täglich 3 große Vorstellungen. 1. 0 und 8>/, Uhr. Dressur mit Löwen. Tigern. Wölfe»». Hyänen, sowie Löweit-Ripigkattapf »nd Fütterung um 4 u. 81/, Uhr. Entree: I.Platz 1 M., II. PI. 50 Pf., III. PI. 25 Pf.,»linder unter 10 Jahren nnd Militär ohne Cbarge zahlen aus 1. u. 2. PI. die Hälfte, dem 3. PI. 15 Ps. Die Direktion: Froese. 3444L* Letzte Woche! des Restbestände- Verkaufs der diesjährigen Inventur- Aufnahme zu Ausnafinie-Prelsen mit Extra-Rabatt-Gewährung für die letzten Tage. Jährlich nur einmalige Ätige Kaufgelegenheit für Teppiche, Gardinen, Portieren, Tisch- und Divnn- Decken, Rttbel- StolTe, Steppdecken etc. Teppich- Hans Emil Lefevre Bs".,,n0ramenslr.l58. Socialdemokratischer Wahlvercin für den 4. Beil. Reichstags-Wahlkreis. Südost. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied, der Schuhmacher Julius Kubat Forsterstraße 17, verstorben ist. Ehre seine»! Andenken k Die Beerdigung sindet am Mitt- woch, den 26. Februar, nachmittags 4 Uhr, vom Krankeiihaus am Urban aus nach dem Jakobikirchhos statt. 242/9 Ter Borstand. Allg. Kranken- nnb Sterbe- kasse her Metallarbeiter. E. H. 29 Hamburg. (Pillale Rnmmclsbnrg.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitgiied, der Metallarbeiler �>!»z Mwi nach langem Krankenlager am 23. Fe- bruar verstorben ist. Elire seine»! Andenken! Die Bcerdignng findet hente. Mitt- woch. nachm. 3 Uhr, von der Leichen» halle in NiimnielSburg aus statt. - Zahlreiche Beteiligung erwartet 112/4 Die Orköverwaltnng. Todes-Anzeige. Nach langem, schwerem Leiden ver- schied liiiser lieber Manu, Vater, Sohn, Bruder lind Schwager, der Arbeiter Panl Oolilke im Alter von 32 Jahren. Die Beerdigung findet am DonnerL- tag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Kranken- Hauses am Urban auS, ans dem Simeonkirchhos, Britz, statt. 812b Die Hintrrblirbenen. Movrs � Anzeige. Nach kurzen schweren Leiden ver- schied am 22. d. M. meine innig- geliebte Frau Emma Schcller geb. Degen. Die Beerdigung findet heute,»ach- mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth-KirchhofeS, Dalldorfcr- Chaussee aus statt. 792b Der trauernd« Galt«}. Scheller und Kinder. Freie Kranken- n.BMbins- knffe der Schuhmacher u. Aerufsge». Berlin-E.H. Str. 27.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Heirmaim Krüger gestorben ist. 7876 Die Beerdigung findet Donnerstag- nachmittag 5 Uhr von der Leichen- halle der Lutherkirche in Lankwitz statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Bocialdcmolo'lUischci- Wahlverein für den 3. Beil. Reichstags-Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 23. Februar starb unser Mit- glicd, der Metallarbeiter Oolilke. Die Beerdigung findet Donnerstag, 27. Februar, nachm. t'/j Uhr, von der Leichenhalle des Kranlenhanses am Urban auS statt. Recht zahlreiche Beteiligung erwartet 240/7 Der Vorstand. ChmsIu Brennnbor. Unser langjähriges Mitglied Adolf Müller ist am 23. Februar gestorben. Die Beerdigung findet am Mitt- ivoch, den 26. Februar, nachmittags 4 Uhr, vom Tranerhanse Solms» straßc 21 aus noch dem HeUig-Kreuz- Kirchhof i» Marieudorf statt. 788b Der Borstand. Gommert. Todes-A»izeige. Allen Freunden und Bekannten statt jeder besonderen Meldung die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter Willielroiiie Gillner geb. B l a il r o ck infolge Schiagansalls verstorben ist. Die Beerdignilg, findet Donnerstag, den 27. d. M., nachi»iitags4U»r, von der ,'Lcidienhalle deS Emmans-Kirch- Hofes bei Britz statt. 803b Der trauernde Gatte nebst Kindern. Am 24. d. Mts., nachmittags 3Vs Uhr, starb nach kurzem Leiden unser verehrter Ehcf, Herr fleinricli Thiele. Wir verlieren in demselben einen liebevolle»»nd hiiuiancn Chef nnd bewahren ihm ein cbrenvc. es Andenken. 789b Sämtliche Arbeiter h. Finna Heine. Thiele». Comp. Danksagung. Allen Verwandten nnd Bekannten, besonders den Kollegen der Firnia Spatzier»nd dem Gesangverein„Süd- Ost II« sage idi für die Beweise herz- lichster Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes meinen besten Dank. Ww. Wolfram nebst Kindern. Kaufen Sie keine Schuhe und Stiefel, ehe Sie nicht unsere Goodyear Welt-Fabrikate geprüft haben. Sie werden finden, dass unsere Preise die allerbüligsten, aber streng fest sind, und werden sich durch Tragen überzeugen, daes unsere Passformen die vorzüglichsten. und die Haltbarkeit unserer Fabrikate unerreicht ist. Wir verarbeiten nur das auserlesenste Material und verwenden die allergrösste Sorgfalt auf sauberste Ausführung. fnniiAn�n tf/IAPn nn8ere SehMhwnaren, und täglieh immviiv» SIWIJVII �grxrSgßsrt sich der Kreis unserer Kunden. 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Reichö-Eiscnbahlt. D i e Budget-Koniniissioii des Rcichstaqs setzte Dienste� die Beratung des Etats für die Reichs- Eisenbahnen fort. Abg. Müller-Fulda(C.) brachte Mr Sprache, datz die clsässischen Bahnen ihre Kohlen von der kgl. BergtuerkS-Tirektion in Saar- brücke» nur um 10 M. billiger beziehen, als die Nonnalberichts- preise betragen, während private Firmen und Kohleneinkaufs- Bereinigungen 30—40 M. Pro 200 Ctr. Nachlaß auf diese Liste genießen. Die preußische Bergwerks- Verwaltung sollte doch der Reichs-Eisenbahnverivaltung keine höheren Preise stelle, als andre Konsunienten zu zahlen haben.— Minister v. Thiele» erklärte, dieser Anregung gern folgen zu wollen und erbittet vom Ab geordneten Müller- Fulda das Material, um einen Druck auf die Bcrgwcrksverioaltung ausüben zu können.— Abg. Riff lHosp. der frs. Vg.> beklagt, daß der Fremdenverkehr von den reichsläudischen auf die badischen Eisenbahnen abgelenkt werde durch die Vorenthaltung der Kilometerhefte für die Rci'chslande. Geheimrat Glöckner erividert, daß das finanzielle Resultat in den Reichslanden trotzdem günstiger sei als auf de» badischen Eisen bahnen. In Baden hat sich zivar der Verkehr pro Personen- Kilometer um 44,5, in den Reichslanden nur um 44,4 Proz. unter Einwirkung der Kilometerhefte gesteigert. Die Einnahmen seien aber in den Reichslande» mehr gestiegen als in Baden. Die Personenbeförderung pro Kilometer sei in Baden um 3l,9 Prozent. in den Reichslanden aber um 36,5 Prozent in die Höhe ge- gangen.— Minister v. Thielen betont, daß der erste Schritt einer Tarifreform in Süddeutschland zweifellos die Abschaffung der Kilometerhefte sein iverde.— Abg. Dr. Bachem(E.): Mit den Kilometerheften sei man total hereingefalle». Die Gesamtheit der Steuerzahler dürfe nicht durch Einführung der unrentablen Kilometer- hefte belastet werden.— Slbg. Dr. Miillcr-Sagan(frs. Vp.) weist auf die Schädigung der wirtschaftlichen Interessen Elsaß-Lothringcns durch die Verweigerung jeder Tarifreform hin.— Geheimrat Glöckner entgegnet: Die Bahnverwaltung komme dem Verkehrsbcdürfnis durch die Vogesen-Rundreisebillets entgegen, welche auf einen Einheitssatz von 2,45 Pf., also der Hälfte des Preises für Rllckfahrtkartcn be- ruhen.— Die Einnahmen aus dem Personen-, Gepäck- und Güterverkehr Werden unverändert bewilligt. Eine Resolution Schlnmbcrger: „Der Reichstag»volle beschließen, unter Anerkennung der bis herigen Bestrebungen der Verivaltung der Reichs- Eisenbahnen, die Niveau- Uebergängc bei den Reichs- Eisenbahnen nach dem hervorgetretenen Bedürfiiis allmählich zu beseitige», den Wunsch auszusprechen, daß die Verivaltung der Rcichs-Eisenbahnen unter entsprechender Heranziehung des LandfiskuS von Elsaß-Lothringe» sowie der betreffenden Gemeinden zu Beitragsleistungeu»och energischer als bisher mit der Beseitigung der besonders gefähr- lichen Niveau-Uebergänge vorgehen möge" wird e i ii st i m in i g a n g e n v m m e n. In ihrer Nnchmittaßs-Sitzung wurde die Beratung des Etats der Reichs-Eisenbahnen fortgesetzt. Im weiteren Verlause der Verhandlung wurden die geforderten Beträge bis auf einen für Mühlhausen in Höhe von 300 000 M. allesamt bewilligt, zum Teil nachdem sie seitens der Heeresverwaltung vertraulich begründet worden waren. Nach Erledigung des Etats wurde die Sitzung ab- gebrochen. Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt. Bormittags kommen die Zölle, Zuckerstener und Stcmpclabgabcn an die Reihe, nachmittags der K o l o n i a I e t a t. Berliner Partei-Angelegenheiten. Ueber„Socialdcmokratic und Socialreform" spricht am heutigen Mittwoch, abends 8 Uhr, Genossin Dr. Rosa Luxem- bürg in Cohns Festsälen(großer Saal), Beuthstr. 20/21, in einer Volksversammlung des ersten Kreises. Dritter Wahlkreis. Heute, Mittwochabend 8 Uhr findet im Lokale„Märkischer Hof", Admiralstr. 18<:, eine Versammlung des Wahlvereins statt, in der Rcichstags-Abg. Pens(Dessau) über: „Die Socialdemokratie und die Wohnungsfrage" sprechen wird. Gäste haben Zutritt. Rege Beteiligung erwartet Der Bor st and. Ober-Schöncweide. Heute abend 8>/s Uhr findet bei Kauf- holt eine Versammlung des Wahlvereins statt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Alt-Glicnicke. Sonnabend, abends 3 Uhr, findet bei Saß, Grünaucrstraße, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereiiis statt. Referent: Genosse Paul Hirsch- Charlottenburg. Gäste haben Zutritt. Grüna». Die Kommunalwähler wollen beachten, daß die Wahl für die 3. Abteilung ani Mittwoch, den 5. März, abends von Ö3/�— 73/4 Uhr, im Gesellschaftshanse des Herrn Ohlrich hier- selbst, Friedrichstr. 20, stattfindet.— Am Freitag, den 28. Februar, abends 7'/z Uhr, findet bei Duchauffonr, Köpenickerstr. 79, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Reichstags- Abgeordneter Fritz Z n b c i l über„Kommunalpolitik" spricht. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.— Der W a h l v e r e i n hält am Sonnabend, abends v Uhr, seine Sitzung bei Gerke, Köpenicker- straße 88, ab. Herr Kiesel- Berlin spricht über„Die Heimatpolitik des Grafen Bülow". ZfoKstles. Der Kampf nm die Fortbildungsschule. Die Stadtverodncteii-Versaninilung wird voraus- fichtlich in ihrer nächsten Sitzung dazu gelangen, sich mit dem von der socialdemokratischen Fraktion bereits am 5. Februar eingebrachten Antrage, betreffend die Einführung des Fort- b i I d u n g s s ch u l z w a n g e S, zu beschäftige». Dieser Antrag ge- hört zu denjenigen, denen man das Motto vorsetzen darf:„Wir kommen wieder!" Wenn wir auf die nun bald zwanzigjährige Thätigkeit der Socialdemokratie in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung zurückblicken, dann begegnet uns eine recht lange Reihe von Anträgen, die von der freisinnigen Mehrheit abgelehnt, aber von unsren Genossen immer von neuem eingebracht wurde». Das fort- schreitende Wachstum der socialdemokratischen Fraktion hat dazu geführt, daß verschiedene dieser wiederkehrenden Anträge schließlich doch durchdrangen. Sluch die Forderung des Fortbildungsschnlzwanges wird endlich ihre Mehrheit in der Stadtverordneten-Versammlung finden, nach- dem sie von den socialdemokratischen Arbeiterverlretern seit mehr als zehn Jahren immer von neuem erhoben worden ist. Das letzte Mal hatte sich die Stadtverordneten-Versammlung im Herbst 1897 zu dieser Forderung zu erklären. Der von unsren Genossen gestellte Antrag auf Einführung der obligatorischen Fort- bildungsschule wurde damals einem Ausschuß überwiesen, aber in der 2. Lesung abgelehnt. Inzwischen hat sich aber doch manches geändert, so daß die Stadt Berlin sich der Pflicht, gleich andren Städten die obligatorische Fort- bildungsschule einzuführen, n u n nicht mehr l ä n g e r w i r d entziehen können. Einige der niientwegtesten Freisiiinsmänner werden vermutlich die Gelegenheit, sich noch einmal bis auf die Knochen zu blamiercu, auch diesmal nicht unbenutzt vorübergehen lassen wollen, aber'ihr„priucipientreuer" Protest wird ihnen nichts helfen. Die„edlere" Form der Fortbildungsschule, die freiwillige hat sich nicht bewährt— an ihre Stelle muß die Zwangsfortbildungsschule treten, wenn die Fortbildungsschulen ihren Zweck überhaupt erfüllen sollen. Die neue Tischlerschule. Am 1. April 1902 wird voraus- sichtlich der Neubau der gewerblichen Unterrichts- A 11 st a l t in der S t r a ß m a n n st r a ß e zur Benutzung fertiggestellt. In diesem Gebäude werden für die Berliner Tischlerschnle Werkstätten für Tischlerei, Drechslerei und Bildhauerei eingerichtet. Die Kosten für die Ausstattung dieser Werkstätten sind in den Spccialetat 35 im Betrage von 40 699 M. aufgenommen. In diesen Werkstätten soll den schön in der Ausübung ihres Berufs stehenden Lehrlingen und Gehilfen Gelegenheit gegeben werden, die wichtigsten Teile der Möbel- und Bautischlcrei nacki den von den Schülern angefertigten Zeichnungen mittels Handwerkszeugen und unter Benutzung'moderner Holz- bearbeitungs- Maschinen selbst auszuführen. Der Tischler soll dadurch in den Stand gesetzt werden, die für den Kleinbetrieb geeigneten Maschinen kennen zu lernen und ihre Leistungsfähig- keit zu erproben, um als Meister oder Werlmeistcr dieselben ausnützen zu können. Die Hebungen erstrecken sich auf alle Zweige der Kunst- tischlerei; eS wird hierdurch die gewerbliche Ausbildung' des Tischlers zu einer allseitigen erweitert und seine kunstgewerbliche Fähigkeit er- höht. Ferner werden in dem neuen Schulhause Lehrwerkstätten für Maschinenbauer, Mechaniker, Kunstschlosser und Kunstschmiede ein- gerichtet. Vorgesehen sind Lehrsäle für Physik und Cheniie nebst Laboratorien, mehrere Zeichensäle und eine Bibliothek. Unerwartete Ferien gab es am Montag in der 105. Gemeinde- schule in der Colmarerstraße. Im Laufe des Vormittags geriet die im Keller des Schulhanses untergebrachte Heizanlage durch Platzen eines Rohres in Unordnung, so daß die Wärmeziiführnng»achließ und der Betrieb schließlich ganz eingestellt werden mußte. Die Kinder sämtlicher Klassen mußten daraufhin nach Hause geschickt werden, weil die Temperatur in den Klassenzimmern so weit sank, daß sich eine Fortsetzung des Unterrichts verbot. Aus der Tagesordnung der nächsten Stadtperordj)iete»- Versammlung am Donnerstag sind folgende Punkte besonders hervorzuheben: Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von un- besoldeten Gemeindebeamten. Antrag von Mitgliedern der Ver- sammlung, betr. die Verpflichtung der männlichen Arbeiter unter 18 Jahren zum Besuch einer Fortbildungsschule. Bericht- erstattung über die Petition des Vereins der F l e i s ch b e s ch a u e r und Fleischbeschauerinnen zu Berlin nm Gewährung eines festen Einkommens und Anerkennung ihrer Bcamteneigenschaft. Bericht erstattung über die Vorlagen, betreffend den Neubau der Adalbert� Brücke. Vorlagen, betreffend die Ferien der hiesigen Gcmciiideschulcn. die Entschädigung des Eigentümers R. Dochow für sein Grundstück Siegmundshof 12 aus Anlaß der Aiirampung der Achenbach-Brücke.— Berichterstattung über die Vorlagen be- treffend: den Vorentwnrf zum Neubau eines städtischen Amtes zur Untersuchung von Nahrungs- und Genuß mittel» sowie Gebrauchsgegenständen in der Fischerstraße 39/42— und bie Er- Werbung des zur Freilegung der Straße 10, Abteilung XI. des Bebauungsplanes, erforderlichen Straßenlandes,— die Ueber- tragung der Druckherstellung des Gemeindeblattes und der damit in Verbindung stehenden Drucksachen an die Finna Wilhelm Greve auf die Dauer von drei Jahren, — die Auswahl der im Rechnungsjahre 1902 neu- und umzupflasternden Straßen und Plätze,— und die Ben rechninig des Aufkommens an W a r e n h a u s- S t e u e r auf die Gewerbesteuer der in der Steuerklasse IV veranlagten Gewerbe- treibenden. Chinamünzen werden bekanntlich die Hülle und Fülle verteilt. Die Art, wie die Spende vor sich geht, regt die mit der Medaille beglückten Staatsbürger aber nicht selten zu Betrachtungen über den Wert des unverhofften Geschenks an. Die Bureaukratie verlangt bei der Verteilung ihr Recht, und das empfindet der Beglückte meist sehr iniangenehm. Der Bruder eines unsrer Parteigenossen war seiner Zeit zum Militär eingezogen worden, um in seiner Eigenschaft als Schuhmacher Stiefel s ü r die China- krieger anzufertigen. Für diese herrliche That er- hielt' der Krieger denn auch seinen Lohn in Gestalt der Medaille. Um das Wertstück in Empfang zu nehmen, wurde er nach Schöneberg zum Bezirkskommando III„befohlen". Die Geschichte dauerte viel länger als eine gewöhnliche Kontrollversammlung; der Schuhmacher versäumte 3/4 Tag, mofür ihm natürlich der Arbeits- lohn entging. Damit aber noch nicht genug, erhielt er dieser Tage von neuem Befehl, nach Schöneberg zu kommen. Diesmal handelte es sich um die Aushändigung des B e s i tz z e u g n i s s e s für die Medaille. Der Schuhmacher fühlte sich nicht Patriot genug, um den ethischen Wert der Medaille zu dem ihm entgangeneu Arbeitslohn in ein richtiges Verhältnis bringen zu können. Die Berliner Eisenbahn-Dirrktion versteht eS. Geld zu nehmen. In den Gruben an dem Bahudamni der Strecke Berlin- Erkner haben sich Wasserlachen gebildet, die bei der letzten Kälte- Periode zufroren und eine ziemlich starke Eisdecke gaben. Eine An- zahl Gastwirte in den Vororten benutzten diese Gelegenheit, um zu einer Zeit, als die Flüsse und Seen noch kein Eis gaben, solches ans den erwähnten Baugruben zu gewinnen. Jetzt ist den be- treffenden Nestauratenren von der Bahnverwaltung eine Rechninig zugegangen, in der die Zahl der von jenen gemachten Eisfnhren festgestellt und pro Fuhre eine Gebühr von 40 Pf. gefordert imrd. Aehnlich liebenswürdig verhält sich auch die Bahnverivaltung gegen- über ihren Mietern von Stadtbahnbögen. Trotzdem die Mietspreise für diese Bögen durchaus nicht unbedeutend sind, haben die Mieter nicht das Recht, Plakate und Schilder an Autzenfronten der von ihnen gemieteten Bögen anzubringen, ohne hierfür eine Extrapacht zu zahien. Die Eröffnung der Weftstrecke der Hochbahn vom Pots- damcr-Platz bis zum Zoologischen Garten ist. jetzt von der Betriebs- Verwaltung auf DienSlag, 11. März, angesetzt worden. Die Ein- führuiig von Abonnements- und Zeitkarten liegt auch nach Eröffnung der Weftstrecke vorläufig nicht in der Absicht' der Betriebsleitung. Das ist sehr bedauerlich. Nach vorläufiger Feststellung sind letzten Sonntag 68 126 Personen befördert worden. Die Eiiuiahme betrug 10 628 M. 95 Pf. Die neue deutsche EinheitS-Briefmarkc mit dem Bilde der Germania, ivelche zum 1. April von der Reichs-Postverwaltung in Gemeinschaft mit der konigl. ivürttembergischen Postverwaltiuig eingeführt ivird, zeigt in ihrer endgültigen Gestalt einige wesentliche und charakteristische Unterschiede von der jetzt iu Geltung befindlichen Germania-Marke. Die Worte Deutsches Reich, die an Stelle des Aufdrucks Reichspost treten, gehen über den ganzen nnlren Teil der Marke iveg. Es ist dadurch eine andre Anordnung der Umrahmung des Bildes der Germania in ihrem unteren Teile notwendig ge- worden. Wie jetzt schon bei den höhere» Werten, ist bei der neuen Ausgabe das Markcnbild von einem weiße» Rahme» umsäumt, der das Bildnis mehr zur Geltung bringt. Die Zeichnung der neue» Marke ist bedeutend feiner und klarer. Für die neue Ausgabe nmßten selbstverständlich vollständig neue istöcke hergestellt werde». Die Zahl der notwendigen Platten geht in die Tausende. Die Wertzeiche» und die mit Wertsten, pel' versehenen Formulare sind jetzt bis auf einen kleinen Rest vollständig hergestellt. Es ivaren iusgesamt 37 verschiedene Sorten anzufertigen. Die Ge- sanitstückzahl der Wertzeichen und Ganzsachen, die notwendig sind, um mit der Ausgabe rm Reichspost-Gebiet und in Württemberg be- ginnen zu können, beträgt über IVe Milliarden, ihr Nennwert'ctlva 150 Millionen Mark. Eine neue Straßenbahnlinie Savignyplah— Stettincr Bahnhof wird Mittwoch früh von der Großen Berliner Straßen- bahn eröffnet. Die Linie geht durch die Kantstruße, Auguste Viktoriaplatz, Tauenzienstraße, Wittenbcrgplatz, Kleist-, Nettelbeck- und Schillstraße, über den Lützoivplatz durch die Lützow-, Pots- damer-, Leipziger-, Mauer-, Kanonier- und Französischeftraße. Von dort biegt sie Hinter der katholischen Kirche nach Norden ab und geht durch das Kastanienwäldchen, die Dorothcen- und Prinz Louis Ferdinandstraße über die Weidendammer Brücke, durch die Friedrich-, Chaussee-'und Jnvalidenstraße bis zum Stettincr Bahnhof. Die Linie erhält die Nummer 33. Die gegenwärtige Arbeitslosigkeit wird von gewissenlosen Personen in mannigfacher Art zu unlauteren Geschäfte» benutzt. Wie es gemacht wird, inn dem Arbeitsuchenden die letzten paar Nickel ab- ziiknöpfen, zeigt folgender Vorfall. Im„Lokal-Anzeiger" stand gestern eine Anzeige eingerückt, wonach ein junger Mann für eine Bade-Anstalt verlaugt wurde; zu erfragen war die Stelle in einer Straße in der Nähe des Bahnhofs Charlottenburg. Die Auskunfts- stätte ivar, ivas iu der Anzeige natürlich nicht mitgeteilt stand, eine Gastwirtschaft. Wohl in die hunderte Personen hatte» sich eingefunden, alle in der Hoffnung, daß ihnen die Stelle zufallen werde. Ettva anderthalb Stunden ivartete man, znin Teil im Lokal, zum Teil sogar vor der Thür. Der Badeanstalts-Besitzer erschien immer noch nicht, an seine Stelle rückte aber plötzlich ein P 0 l i z e i l i e u t e n a u t iu Begleitung eines Wachtmeisters, eines Schutzuininies und zweier Kriminalbcaniten an, um die„Versa m in l n n g" aufznlöseu und den Anführer der„Kolonne", wie der Beanitc sich ausdrückte, zu sistieren. Man erklärte dem'Mann, daß es sich um ein Stellenangebot handle und die vermeintliche Versammlung nichts sei, als eine durch die Slnzeige im„Lokal-Anzeiger" herbeigeführte Ansaminluiig von Arbeitslosen. Jetzt trat auch ein Mann hervor, der sich als Bademeister ausgab; und einige der Antvcscndcn meldeten sich, um zu bestätigen, daß diese Person sich zivar die von ihncii mitgebrachten Zeugnisse hatte zeigen lassen, jedoch niemand eingestellt habe. Den Arbeitslosen wie auch den Beamten wurde dann allmählich klar, daß es sich um einen plinnpcn Schwindel handelte, der wahrscheinlich ins Werk gesetzt worden ivar, um dem Wirt eine volle Gaststube zu verschaffen. Der Bademeister ivnrde festgenommen und auf die Revierwache geführt, während die Arbeitslosen, um eine Enttäuschung reicher, sich zerstreuten. Eine kostcnlose Nachwctsestelke für abhanden gekommene oder zugelaufene Hunde hat der Deutsche Tierschntzvercin in seinem Depot An der Stadtbahn, Bogen 79/30 eingerichtet. Mit- teilnngen über entlanfcne oder zngclaufene Hunde sind unter mög- lichst genauer Beschreibung dem genannten Depot zuzusenden, und es werden in der erwähnten Anstalt die Mitteilnngcn zum Aushang gebracht. Es sei übrigens darauf hingewiescii, daß zugelaufene Hunde in die Anstalten des Vereins eingeliefert werden können, wodurch dem Finder der Tiere natürlich keinerlei Kosten erivachsen. Der deutsche Tierschntzvercin hielt gestern im Bürgersaal des Rathauses unter Vorsitz des Generals Köring seine 61. JahrcS- Versammlung ab. Dem Berichte des Vorsitzenden zufolge ist die Mitglicdcrzahl im letzten Jahre von 7794 ans 7900 anstiegen. Tierquälereien sind bei dem Verein 1181 zur Anzeige gekommen. 304 Anzeigen ivurden als unbegründet zurückgewiesen, 276 erwiesen sich als nicht verfolgbar, in 205 erfolgte Verwarnung, 403 Fälle ivurden de» Gerichten überwiesen. 10 alte Pferde wurdeii auf Vereinskostcn angckauft. Wegen Verdienste uni den Tierschutz erhielten Prämien 15 Schutzleute und 2 Gendarmen. An- erkennnngSdiplome wurden ausgegeben an 10 Kutscher, 1 Dienst- inädchen, einen Wachtmcistcr in Schöneberg und an eine Frau. Während des Sommers wnrden 350 Strohhüte für Pferde abgegeben. Esel sind bisher 1517 durch den Verein eingeführt worden. In das Depot des Vereins sind insgesamt 21 091 Tiere eingeliefert ivorden, darunter 11 025 Hunde, die in Berlin und den 30 Vororten, in denen der Verein den Hundefang ausübt, gefangen sind. 8561 wurden davon ivicder eingelöst. Eingebracht wurden ferner in das Depot 4537 Tiere als„Find- liii'ge", 2370 Tiere zur Tötung, 581 Tiere zur Kur und Pflege lind 1851 Tiere, die dem Verein zur Verfügung gestellt ivurden. Von den Tieren ivurden getötet 6584, in Pflege gebracht 1170 und dem Asyl überwiese» 4120. Das Asyl beherbergte ivährend des Jahres 7035 Tiere, von denen iviederum 4977 getötet ivurden oder ver- endeten. Die beiden Anstalten des Vereins erforderten 15 000 M. Zuschuß. Die Gesainteinnahmen und Ausgaben des Vereins balancierten mit 109 071 M., das Vermögen belauft sich auf 150257 M. Der schlaue Ganncf. Bei der Kriminalpolizei meldete sich ein Mann mit der Angabe, daß er Gustav Dscharkowsky heiße, sich auf der Reise nach Russisch- Polen befinde und mittellos sei. Er bcan- spruchte ein Unterkoinmen für die Nacht und seine Weiterbeförderung am nächsten Tage(Montag) von Amtsivegen. Als Ausweis diente ihm ein Papier der Dortmunder Behörde, ivonach er seinen Weg über Linden, Burg, Magdeburg und Berlin nehmen sollte. An jedein Orte habe er sich bei der Polizei gznieldet, Nachtlager und Zehrungsgcld erhalten und sei dann von eiiiein Beamte» nach der Eisenbahn zur Weiterbeförderung gebracht ivorden. Zunächst wurde er hier in Gewahrsam genommen und mußte, ivic eS stets geschieht, Alles abgebe», was er mit sich führte. Dabei holte er.zwei Pfenuige aus der Tasche mit dem Hinzufügen, dies sei seine ganze Barschaft. Aus seikrcm Bellehnien nahm man Anlaß, Zweifel in die Angaben zu setzen trnd führte ihn zum Metzbureau. Hier ergab sich, daß man es mit Ulm 31 Jahre alten Handelsmann Isaak Bctschkowskh zu thiln hatte, der auf falsche Papiere� reist. Jetzt ivurde eine genaue Untersuchung der Person vorgenommen, die zu einem über- raschenden Ergebnis führte. In seinem Rock eingenäht führte der Biedermaini eine größere Summe von Zwanzig- Frank- stücken, amcrikanische» Dollarnoten und deutschen Geldes' bei sich. Auf die Frage, wie er zu dem Gclde gekommen sei, erfolgte die Antivort, daß es sich um seine Ersparnisse handle. In Dortmund habe ihm ein Bekannter gesagt, er sei dumm, wenn er die Reise auf eigne Kosten zurücklege. Er solle sich von der Behörde einen ZivangS- paß ausstellen lassen, dann erhalte er nicht bloß freie Fahrt, sondern auch noch Zehrungsgeldcr. Daher habe er sein Geld in den Kittel eingenäht. Die Behörden hätten bisher nach dieser Richtung keine Untersuchung mit ihm angestellt.— Seine Reise ging nun nach dem Untersuchungsgefängnis weiter. Ivo er ivegen seiner Betrügereien nnd Führung eines' falschen Namens längeren Aufenthalt genommen hat. Ob das mitgeführte Geld ihm gehört, muß erst festgestellt lverden. Einer Taschendicbin sind mehrere Portemonnaies mit Inhalt abgenommen ivorden, die sie geständigcrmaßen am 14. nnd 15. d. M. in der Centralmarkthalle gestohlen hat. Die Eigentümer lverden er- ucht, sich vormittags im Zimmer 97 des Polizeidienstgebnudes, Älexanderstr. 3—6, zu melden. Vergiftet hat sich gestern ans unbekannte» Gründe» die 19jährige Tochter Elfride des Hauptsteueramts-Sekretärs Heine in der Frnchtstr. 30. Sie nahm chromsanres Kali und mußte schwer« krank in das Krankenhaus Friedrichshain gebracht lverden, wo sie inzwischen an den Folgen des Giftes gestorben ist. Eine unsinnige Wettfahrt unternahmen am Dienstagmittag der Kutscher eiiics Gastlvirts und der eines Trainers zu Charlotten- bürg. Während die Eigentümer der Fuhrwerke in einem WirlShause 'aßen, sollten die Kutscher die Pferde langsam bewege». Statt desieil unternahinen beide eine Rennfahrt durch die Wallstraße nach der Kaiser Friedrichstraße zu. An der hier nicht geregelten Straße 'tehen zwei Pfähle, an die beide Fahrer anrannten, so daß sie auf die Straße flogen. Der eine Kutscher Otto Kullack blieb schiver ver- letzt ohne Besinnung liegen und mußte nach dem Kraiilenhaiis ge- bracht werden. Der andre war nur weni� nnt�enonnnen und wurde nach der Polizeiwache gebracht. Mehrere Schutzmänner hatten Mühe. ihn vor der Wut des Publikums zu schützen, da die Kutscher bei der Fahrt die aus der Schule koinmenden Kinder arg gefährdet hatten. Ein riihneS RettungSwerk vollzog gestern die Frau des Cafötiers S t r a s; e r aus Werder, indem sie mit ihrem Manne drei Personen, die in die Havel eingebrochen waren, vor dem Tode des Ertrinkens belvahrte. Der Rentier Becher aus Berlin wollte mit einem Versicherungsagenten und einem Restaurateur das Eis deZ ZernseeS überschreiten. Der Rentier und der Agent brachen ein. und auch der Restaurateur stürzte bei dem Versuch, seine Freunde zu retten, ins Wasser. Die Drei versuchten, sich an den Rand des Eises anklammernd, sich zu retten, da aber das Eis bröckelte, schienen sie verloren. Glücklicherweise war der Unfall von Frau Straher ge sehen worden. Ihren Mann heranrufend, begab sie sich auf die Eisfläche. Kriechend erreichte sie die Einbruchsstelle, und mit Hilfe ihres Gatten gelang die Rettung der drei Männer. Abgesehen von einigen Verletzungen, die sie sich an den scharfen Kanten des Eises zugezogen, kamen die Eingebrochenen ohne Schaden davon. Beim Besteige» der Straßenbahn hat sich wiederum ein schtverer Unglücksfall ereignet. Die 62 Jahre alte Handelsfrau Henriette Siegfried aus der Rciuickcudorferstr. 43a hatte gestern das Friedrich-Wilhelmstädlische Theater mit ihrer Schtvägerin' zusammen besucht. Beim Betreten der Straße bemerkte sie die Bahn, die sich soeben zur Weiterfahrt in Bewegung setzte. Nach Fraucuart hatte sie nun keine» Augenblick länger Zeit, lief an den Wagen und erreichte auch das Trittbrett noch. Sie konnte aber bei der Bewegung der Bahn nicht festen Fuß fassen, stürzte rücklings ab und zog sich einen Schädelbruch zu. Aus Mund, Nase und Ohren blutend, wurde sie von einem Schutzmann nach einem Krankenhaus befördert. Theater. Im Schiller-Theater wird Max Drehers Schauspiel„Der P r o b e k a n d i d a t" Dienstag, den 4. März. zum e r st e» m a l e zur Aufführung kommen. Der wahre Jacob hat in Leipzig den Bahnanschluß versäumt deshalb konnte die fällige Nummer in Berlin gestern nicht zur Aus gäbe gelangen, sondern wird erst heute Mittwoch in die Hände der Colporteure gelangen. Fcucrbericht. Die letzten 24 Stunden brachten nur wenig Alarmierungen. Dienstagvormittag kurz nach 9 Uhr wurde die Wehr nach der Admiralstr. 26 gerufen. Hier war in einer Wohnung im dritten Stock des Vorderhauses ein Brand ausgekommen, be dem sich ein vier Monate altes Kind eine leichte Rauchvergiftung zuzog. Die Mutter hatte Wäsche zum Trocknen an den Ofen ge hängt und sich auf einige Minuten entfernt. Während dieser Zeit hatte die Wäsche Feuer gefangen, das auch ein Spind ergriff. Glücklicheriveise wurde der Brand rechtzeitig bemerkt und gelöscht. Das Kind befindet sich außer Lebensgefahr. Gleichzeitig erfolgte ein Alarm von der Drcsdeuerstr. 117. Hier war auf noch nicht er mittelte Weise in einem Bodenverschlage ein Brand entstanden, der schnell um sich griff und einen Teil deS Dachstnhls in Mitleidenschaft zog. Es gelang indes der Wehr die Flammen bald zu ersticken, so daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Montagabend 19 Ilhr mußte in der Fricdrichstr. 96 ein kleiner Wohuuiigsbrand abgelöscht werden, der durch unvorsichtiges Umgehen mit einem Spirituskocher entstanden war. Slußerdem' waren noch Alarmieriingcn von der Bcrgmannstr. 93 und Litzmannstr. 1 zu ver zeichnen, die jedoch auf unbedeutende Anlässe zurückzuführen waren. SluS de» Nalhbarorte». Gchöncberg. Die G a L a n st a I t S f r a g e ist, wie wir gestern bereits mitgeteilt haben, von der Stadtverordneten-Versannnluug dahin entschieden worden, daß mit 43 Stimmen gegen 12 in nament licher Abstimmung beschlossen wurde, den kürzlich von u»S gekenn zeichneten Vertrag mit der Englischen G a s g c s e 1 1 s ch a f t auf 20 Jahre zu verlängern. Eine von Dr. Mauren brech er gestellte Anfrage, wie das gegenwärtige Verhalten des Ersten Bürgermeisters mit der von ihm am 16. Dezember vertretenen Ansicht übereinstimme, brachte das Stadtoberhaupt geivaltig in Harnisch und mit erregter Stimme erklärte er. sein Eintrete» für eine eigne Gasanstalt sei nur von der Absicht geleitet geivesen so viel wie möglich von der Gesellschaft herauszuschlagen.' an die Errichtung einer solchen habe er selbst nicht denken können (Allgemeines Aha!) Er beantrage für die weiteren Verhandlungen Ausschluß der Oeffentlichkeit. Genosse Küter wendet sich energisch gegen den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Bürgerschaft habe ein Recht/ zu erfahren, was die Komödie vom 16. Dezember, denn als eine solche müsse er die damaligen Verhandlungen bezeichnen, bezweckt hat. Die Stadt solle jede Gelegenheit ergreifen, um der Gemeinde neue Einnahmequellen zu erschließen. Sodann wurde die Oeffentlichkeit um 8 Uhr ausgeschlossen, jedoch noch einstündiger Pause wieder hergestellt. In vortrefflichen Darlegungen wies unser Parteigenosse M a s u ch ebenfalls auf die Borteile einer eignen Gasanstalt hin, jedoch vergeblich. Außer unsren vier Vertretern stimmten nur acht Bürgerliche, unter ihnen Professor Heyne, gegen den Antrag. Reinickendorf. Die GemeinderatS-Sitzung an» Montag stand im Zeichen der Arbeitslosenfrage. Schon die Beschaffung eines Krahnes zum Preise von 3140 M. wurde, nachdem die Vergebung in Submission wegen der Schädigung der Arbeiter ver- warfen war, unter HimveiS auf die Arbeitslosigkeit am Orte der hiesigen Firma Becker übertragen. Wegen des Einbaues der Nieder druckseite an einer Dampfmaschine des Wasserwerks soll mit mehreren Firmen in Verbindung getreten werden. Dann brachte unser Parteigenosse Schilling folgende Interpellation zur Ver Handlung:„Was gedenkt der Gemcindevorstand zu thun, um der herrschenden Arbeitslosigkeit am Orte zu steuern?" Schilling begründete seine Interpellation, indem er auf die Ergebnisse der Arbeitslosigkeit hinwies, die sowohl im ganzen wie auch für Reinickendorf insbesondere eine große Arbeitsnot ergeben hätte; be- trage doch am Orte die Zahl der völlig Beschäftigungslosen allein 625. Schilling schlug vor. daß die Gemeinde zunächst die Aufhöhuug des Kirchhofes ausführen lasse. Der Gemeindevorstehcr trat unserm Parteigenossen mit den altbekannten Argumenten cnt- gegen, daß keine übergroße Arbeitslosigkeit bestehe, daß man von der ArbeitSlosenslbar die Arbeitsscheuen in Abzug bringen müsse und was dergleichen mehr ist. Schließlich wurde die Erörterung der Arbeitslosenfrage einer Kommission übertragen, der, außer unsrem Parteigenosscii Schilling, die Gemcindevertreter Schmidt, Rein icke und T e r m e tz e l angehören. Auch wurden 5000 M. zur Vornahme von N o t st a n d s a r b e i t e n bewilligt, die Nnchbewilligung eines erforderlich werdenden Mehr- bctrages wurde in Aussicht gestellt. Die Gemeindevertretung beschloß dann noch, ein Fabrikgebäude in der Hmnboldtstraße abreißen und auf dem Grundstück ei» Armenhaus errichten zulassen. Die Kosten in Höhe von 60 000 M. sollen durch eine Anleihe aufgebracht werden. Wilmersdorf. Die Gcmeinderatswahlen sind, wie mitgeteilt, auf den 11. März angesetzt, finden also in 14 Tagen statt. Von unfrer Seite erfolgt die Aufstellung der Kandidaten in der heute, Mittwochabend bei Milte(Berlinerstraße) stattfindenden Volks- Versammlung. Die bürgerlichen Gruppe» sind sich, wie jetzt ver- lautet, in der Kandidatensrage nicht einig geworden, Führern der Liberalen und des Grundbesitzer-Vereins der Reichstreucn andrerseits ist wieder Feindschaft nachdem es vorige Woche ganz den Anschein hatte, als axt begraben sei. Ob diese Feindseligkeit gültige Zustand bleiben wird, steht noch Zeit herrscht jedoch unter den Liberalen sogar die Stimmung, der Socialdemokratie gegenüber in Passivität zu verharren und wenigstens den Nichteingcscssenen unsrer Partei keine liberalen Kandidaten entgegenzustellen. Wohlgcmcrkt ist dicS die Ansicht der in Betracht koiinnendcn Führer am Orte; ob und inwieweit die Mitgliedschaft der erwähnten loiumunalen Vereine der ausgegebenen Parole folgen wird, soll unentschieden bleiben, llnsre Parteigenossen zwischen den einerseits und ausgebrochen, ob die Streit- der end- dahin) zur am Orte werden auf alle Fälle gerüstet sein und in eifriger Agitati on dafür sorgen, daß in der Arbeiterschaft sich alle Stimmen für die Socialdemokratie sammeln. In dem Bericht vom Freitag ist übrigens ein Irrtum zu korrigieren. Der erwähnte Herr Bobrecker ist nicht Leiter des Hausbesitzervereins, sondern des liberalen Vereins, auch war er nicht in der Verhandlung vom Mittwoch, sondern in den Vorverhandlungen thätig. Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung die Wahl des Herrn D i e t s ch in der zweiten Abteilung für ungültig erklärt; die Vertretung nahm an, daß 26 Forensenstimmen zu Unrecht abgegeben worden seien.— Der Etat für das Bismarck-Gymnasium ist' auf 130 603 M. angesetzt, der Etat für das Reform-Gymnasium auf 45 100 M. Ans Groß-Lichterfelde schreibt man unS: Zu stürmische» Scenen kam es am Montag in der Gemeindcverireter-Sitzung in Groß-Lichterfelde gelegentlich der Beratung über einen Au- trag des Gemeindevorstan'des,' der den Ausbau der Realschule in eine Obcr-Realschule bezweckte. Gemeindevertreter FriebuS Ivendete sich energisch gegen die Be griindung des Vorstandes und entlvars ein Bild der geradezu skandalösen Zustände im hiesigen Gymnasium, die er wörtlich als „ein Verbrechen an der Jugend" bezeichnete. Auch Dr. Wüllenweber ging in heftiger Rede dem Gemeinde- vorstand und spcciell dem Vorsitzenden zu Leibe und wies auf die Verhältnisse im Gymnasium hin. Der Zeichensaal sei völlig un- genügend; an kleinen, schmalen Tischen, die kaum Platz für das Zeichenbrett bieten, arbeiten bei einer miserablen Beleuchtung die Schüler anf Kosten ihrer Gesundheit und könnten daher nichts leisten. Die Aborte befände» sich in einem haarsträubenden Zustande. Die Turnhalle sei von ähnlicher Beschaffenheit, der Fußbode» verfault und eingebrochen. Nach einer sehr erregten Debatte wurde der Ausbau der Realschule bei gleichzeitiger Erhöhung des Schulgeldes gegen 6 Stimmen beschlossen. Nach Bekanntgabe des Termins für die Gemeindevertreter- Wahlen kam es infolge Differenzen über die geschäftsordnungS mäßige Behandlung von Anträgen zu einem Z» s a m m e n ft o ß zlvischen Dr. Lehmgrübner und dem Gemeindevorsteher Schulz, was letzteren veranlaßte, die Sitzung demonstrativ zu verlassen. Die geschilderte» Zustände in den höheren Schulen, von denen die Arbeiterklasse ausgeschlossen ist, lassen einen Schluß zu, wie es erst in den Schulen der Armen, in den Gemeinde- schulen aussehen muß trotz aller rosafarbenen Berichte I Die Wähler der dritten Wählerklassc haben es in der Hand, bei der jetzige» Gemeindevertretcr-Wahl Männer in den Gcmcindcrat zu entsenden, die auch für die Volksschulen ein ivachsamcs Auge haben und bereit sind, energisch für deren Hebung einzutreten. Ober-Schöneweide. Nach längerer Ruhepause hatte der Amts Vorsteher K o t t m e i e r den Entschluß gefaßt, gegen die hiesige Parteibcivcgnng einmal wieder etwa? zu unternehme». Waren da neulich als Einladung zu einer Volksversammlung an verschiedenen Stellen rote Plakate angeklebt. Dies veranlaßte den Amtsvorsteher, den Einberufer der Versammlung. Genossen Fürl, In eine Polizeistrafe von 6 M. zu nehmen, ohne daß er den ge ringsten Beiveis dafür hatte, daß Fürl der Verbrecher war. Auf beantragte richterliche Entscheidung hin, wurde Fürl vom Amtsgericht Köpenick freigesprochen. In ähnlicher Sache war der Amtsvorsteher schon früher einmal abgeivicsen worden._ 3» Gevichts-Teilung» Thema„Herzog dem Thema„Herzog und Kammerfrau" gehört eine Privalklage, die gestern zur Verhandlung vor dem hiesigen Schössen- gerächt anstaird. Als Klägerin trat Frl. M i l e w S k i, die ehemalige Vertraute der verstorbenen Prinzessin Amalie von Schlesivig-Holstein gegen den Rcdacteur Ritter vom„Kl. Journal" und den Heraus gcbcr deS Blattes Dr. Leipziger auf. Die Klägerin wurde durch Rechtsanwalt Dr. Lubszynski, die Angeklagten durch Rechtsanwalt Morris vertreten. Als der bekannte Civil- prozeß der Klägerin gegen den Herzog Ernst Günther im Gange war, erschien am 16. Juni vorigen JahrcS im Kleinen Journal" ein Artikel, der sich mit der Person der Klägerin beschäftigte. Es wurde darin ausgeführt, daß die Klägerin keines- wegS den Charakter einer Hosdame der Prinzessin Amalie gehabt. daß die polnische Kammerjungfer vielmehr lediglich als Dicnstbote engagiert worden sei, aber als Gräfin Milowska aufzutreten beliebte, einen unheilvolle» Einfluß auf die alte Dame ausgeübt habe, den zu brechen der Herzog Ernst Günther schließlich verpflichtet geivesen 'ei, daß die Klägerin betrügerische Manipulationen mit Schmucksachen gemacht habe ec. Durch diesen Artikel fühlte sich Fräulein MilewSki beleidigt und strengte die Privatklage an. Aechtsamvalt Morris bestritt die Passiv- Legitimation des Angeklagten Dr. Leipziger. Dieser sei der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, und es sei nicht abzusehen, womit dessen Verantwortlichkeit für den Artikel begründet werden solle._ Im übrigen behauptete der Verteidiger, daß der Artikel wahre Thatsachen enthalte und nahm dafür daS Zeugnis des Herzog? Ernst ünther von Schlesivig-Holstein und des Kaiinnerherrn v. Nor m an» in Anspruch.— Rechtsanwalt Dr L» b s z h» s k i trat dagegen den Gegenbeweis an, daß die Klägerin sich nicht in dienender Stellung befunden, ihrerseits keine Manipulationen mit Schmucksachen ausgeführt habe und daß gerade die Prinzessin Amalie es geivesen sei, die sie dritten Personen als Gräfin Miloivska vorgestellt habe, um den Anschein zu erwecken, als habe sie eine hochadlige Gesellschafterin. Er beantragte, die Prinzessin F e o d o r a von Schlesivig-Holstein als Zeugin zu vernehmen. Dieser habe die Prinzessin Amalie iviederholt zugegeben, daß sie in letzter Zeit wiederholt auf die lliiterstützungen der Klägerin angewiesen gewesen sei. Ferner berief er sich auf die jetzt im. Dienste der Kaiserin stehende Kammerfrau S ch iv a n, die früher bei der Prinzessin Amalie bedienstet gewesen, darüber, daß die Klägerin die Stellung einer Gesellschafterin und Hosdame inue hatte. Endlich wurde die Vernehmung der Hofdame v.Röder in Primkcnau beantragt, welche bekunden lverdc, daß die Prinzessin Amalie in der größten Armut gelebt habe und gerade von deren Seite nicht ganz unbedenkliche Manipulationen mit Schmucksachen vorgenommen worden seien.— Der Gerichtshof beschloß, die Sache zu vertagen und die als Zeugen angegebenen Persönlichkeiten zu vernehmen. Die Vernehmung des Herzogs E r» st Günther und des Kammerherrn N o r m a n n soll persönlich an hiesiger Gcrichtsstelle möglichst bald geschehen.— Wie Rechtsanwalt Lubszynski mitteilte, ist inzwifchen gegen den Kammerherrn v. B l» m e n t h a I in Dresden. der seiner Zeit die Festnahme der Klägerin in Kairo betrieben hatte. ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung anhängig gemacht, in welchem jetzt Zeugen vernommen lverden. Der gestrigen Verhandlung wohnte im amtlichen Auftrage der Kaiserin der Geh. Schatullenselretär P o st h bei. Unter der Anklage der Unterschlagung dnrch Beraubung der Leiche eines Selbstmörders standen gestern zwei junge Burschen, der Tapezierer Otto Heibig und der Arbeiter W i l- Helm Kunze, vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I, lvährend ein dritter Angeklagter, der Arbeiter Karl Bergen, sich der Begünstigung schuldig gemacht haben sollte. Als die beiden Angeklagten sich am Abend des 15. Januar im Tiergarten umher- trieben, hörten sie in einiger Entfernung einen Schuß fallen. Sie gingen dem Schalle nach und fänden im Dickicht einen gutgckleideten Herrn liegen, der sich soeben erschossen hatte. Die Angeklagten überzeugten 'ich, daß sie eine Leiche vor sich hatten, und da kam ihnen der Ge- danke, dieselbe nach Geld und Wertsachen zn durchsuchen. Sie änden ein Portemonnaie mit einem Hundertmark- Schein und 14 Mark Silbergeld. Ferner eigneten sich die An- geklagten die Uhr an, die sie bei der Leiche fanden und machten sich dann davon. Die Uhr warfen sie im Tiergarten wieder ort, weil sie fürchteten, dieselbe könne sie verraten. Das Silbergeld wurde geteilt und noch an demselben Abend verausgabt. Am folgenden Morgen getraute sich keiner der beiden Angeklagten, den Hundertniarkschein zu wechseln, da jeder fürchtete, sich verdächtig zu machen. Sie weihten deshalb den dritten Angeklagten, der gleich ihnen in der Herberge zurHeimat logierte.in ihr Geheimnis ein und baten ihn, das Wechseln des Scheins zu besorgen. Börger verstand sich dazu, er ließ sich aber diese Mühewaltung sowie das Versprechen seiner Ver- schwiegenheit mit 50 M. bezahlen. Er hielt trotzdem nicht reinen Mund, sodaß die Sache schließlich zur Kenntnis der Behörde gelangte. Im Termin ivaren alle drei Angeklagten geständig. Der bereits vorbestrafte Kunze wurde zn sechs Monaten, Helbig zu zwei Monaten und B e r g e r zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Ter Sabnl alö VcrschöiiungSmittcl. Nach mehrfachen Ent- scheidungen des Reichsgerichts sind die sogenannten Bcstimnmngs- Mensuren der Studenten als Zweikämpfe mit tödlichen Waffen an- zusehen. Diese Anschauung fand auch Anwendung gegen die beiden Studenten der Medizin Max G r a b s ch und Eugen M i l a r ch. welche gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I standen. Sie halten eine Mensur mit geschliffenen Schlägern und Bandagen nusgefochtcn, wie es schien, nur in der Ab- ficht, sich' gegenseitig einen Schmiß als„Gesichtszierde" beizubringen. Wenigstens erklärten die Angeklagten, daß sie Freunde seien. Sie führten außerdem an, daß die Mensur nur eine Hebung mit militärischen Waffen sein solle und daß ihnen in der Duell- geschichte kein Fall bekannt sei, daß bei den erwähnten Bedingungen eine schwere Verletzung oder gar ei» Todesfall eingetreten sei. Der Gerichtshof hielt sich an die Entscheidung des Reichsgerichts und verurteilte die Angeklagten zu einer F e st u n g s st r a f e von je drei Monaten. Hehlerei ist ein Grund, Hebammen das PrüfnngSzeugniS zu entziehen. So hat das Ober-Verwnltungsgericht in dein Falle einerHebammeK. entschieden, die lvegen Hehlerei zu 14TagenGefängniS verurteilt worden war. Bei der Frau hatte man gelegentlich einer Hausfuchnng eine Anzahl Gegenstände in Gebranch gefunden, die ihre Tochter in dem Warenhause, Ivo sie angestellt>var, gestohlen halte.— Das O b e r« V e r w a l t u n g s g e r i ch t erklärte mit Rücksicht hierauf die Entziehung des PrüfuugsscheinS für gerecht- fertigt und führte ans: Von einer Hebamme, die in andern Häusern in einer Weise verkehre, welche ihre Beaufsichtigung unniög- lich mache, müsse gerade mit Bezug auf das Eigentum llnbcscholtenheit und Zuverlässigkeit verlangt werden. Briefkasten der Redaktion. Tic snilsiische Tprcchlmudc findet täglich mit AuSnahliie des Sonnabends von VU bis»Vs»kr abends statt. C. P. 109. Stadtyagens„Arbeiterrccht" können Sie u. a. in der Bucbhandlung Vorwärts zum Preise von 5,20 M. lausen.— Zum Besuch der lgl. Bibliothek bedürfen Sie keiner Legitimation.— Der Parteigenosse hat nicht den Prosesiortitel. ». 45. Vielleicht hilft Ihnen der Frauenverein zur Abhilfe der Not unter den kleinen Fabrikanten und Gewerbetreibenden, Vorsitzende Frau Ida Salamonsohn, oder das Bürgerrettmigs-Jnstitut, Sekretär Magistrats- sekrctär Höhne. Große Präsidentenstr. 7. Beide Stiftungen gewähren Hand- werlern ec. kleine Darlchne. 1303. Es giebt gegen tausend Wvhlthätigkcitsvercine und gemein- nützigc Ilntemchinmigen in Berlin. Daß wir diese nicht alle in einer Brief- kastennotiz aufführen können, werde» Sie bcgreiien. Teilen Sie uns mit, zu welchem Zweck Sie eine Wohlthätigkeits-Austalt in Anspruch nehmen wollen. H. L. 1. Ja, in jeder größeren Buchhandlung. 2. Es könnte Ihnen später einmal sehr zum Vorteil sein. (?. M. 5. Eine solche Adresse fehlt unS leider. H. I. Wir wissen nicht, welche Stiftung Sie meinen. Vielleicht kann Ihne» die Auskunftstelle der„Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur", Zicgclstr. 10/U, raten. Köpenick. Die Frage ist strittig. Nach den in unsrem Blatt wiederholt gemachten Darlegungen hat die Armcndirektion ein Recht auf Erstattung seit dem 1. Januar 1900 nicht mehr.— 3l. S., Rixdorf. Die Bau- gcwcrkS-Bcriifsgenossenschast ist eine auf Grund deö Uiifall-Bersicherungs- gcsetzes errichtete Bernssgenossenschaft, keine private Vcrstchcmngsgescllschaft. — ÄlianSfeld. Darüber können mir die uns nnbekannten Statuten des Kricgcrvcrcins Borschriite» treffen.— S00. I. V. Ja.— F. K.. Buckow. Sie sind im Rertu. Ein Antrag ans gerichtliche Entsckicidling würde Ihre Freisprechung herbeiführen.— F. N. 99. 1. Sic brauchen nicht auf dem Korridor, sonder» nur in der Wohnung zu zahlen. 2. Nie- mand ist verpflichtet, Reichs-Silbermlinzen im Betrage von mehr als 20 M. und Nickel- und Kupfermünzen im Betrage von mehr als einer Mark in Zahlung zu nehmen. Von den Reichs- und Landeskassen werden Reichs- Silberinünzeii in jedem Betrage in Zahlung genommen.— X. U. Z. Ja. — Pank. Der Restaurateur hat den Wert der Uhr Ihnen zu ersetzen, falls er die Uhr selbst Ihnen nicht zurückgiebt.— 222. Der Fabrikant hat leider Recht.— P. F. 10. 1. Vom zurückgelegten 15. Lebensjahr ab kommt die Kiuder-Uufallrcnte in Fortfall. 2. Offcnbacher Frauen-Kranken- krankenkasse.- M. F. 777. Der Mieter ist im Recht.- M. K. 30. Die Verjährung wird durch Klagc-Erhebmig bei einem unzuständigen Ge- richt nicht miterbrochen, wenn die Klage zurückgenommen wird.— Ocstreich. Die Ehesian kann schon jetzt Auszahlung verlangen. Es ist ratsam, sich an das zuständige östreichische Vormundschafts-Gericht zu wenden.— Reustettin— namenlos. Da ein Prozeß schwebt und Einiguligsvcrhandlmigcn stattgefunden habe», so wäre es zweckmäßig, Sie wenden sich an Ihren Anwalt.— R. F. Weistenbnrgcrstraste. Nein. — Elisabeth 101. 1. Nein. 2. Der Chef könnte während der Dauer der Krankheit, nicht aber nach gehobener Krankheit ohne Einhaltung der Kün- digungöfrist für zen.— G. G. 52. Darüber bestehen keine Vorschriften; in der Regel wiro nach geraumer Zeit Antwort erteilt.— O. B. 11. Eine beim Gewerbegericht aus Schadensersatz für 14 Tage anzustellende Klage wäre nicht ohne Aussicht aus Erfolg.— I. Schlüter. Die Witwe erhält die Hälfte des für ihren verstorbenen Mann gellebten Beitrages zurück. Der Antrag ist an den Magistrat, Breitestr. 24 a, zu richten.— K. Sie uiüßten sich au eine Münzenhandlimg wenden.— 2 I. 1. 1. Nein. 2. Wenden Sie sich an die Polizeivcrwaltung.— P. R. 29. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja. 4. und 5. Innerhalb 14 Tagen müßte Einspruch gegen das Versäumnis- urteil eingelegt werde». Cs. K. 21. I. Eine beim Staatsanwalt zu er- stattcndc Anzeige wäre zulässig, verspricht aber wenig Erfolg. 2. Falls der Betreffende vcnirtcilt ist, können Sie beim Amtsgericht(nicht beim Gerichts- Vollzieher) Pfändung des Lohnes beantragen.— P. W. 47. Wenn Sie das Eigenliim am Grundstück vorbehaltlos im Jahre I8S9 aufgelassen haben, so kann jetzt die Eigentümerin ohne Beschränkung über ihr Eigentum verfügen. ffi. R. 295. Eine freie Hilfskasse, die ohne ärztliche Untersuchung jemand ausnimmt, können wir Ihnen nicht nachweisen. 01. R. St. 9.§ 52 der Landgemeinde-Ordnung ist richtig angewendet. — Julius H. Wenden Sie sich an das Verbandsbureau der in Ge- maiidebetrieben beschäftigten Arbeiter, Bülowstraße 2l, Hof parterre.— Mehrere. Die Staats- Einkommensteuer beträgt für ein Einkommen von mebr als 5500-6000 M. 146, für mehr als 6000-6500 M. 160 M. jährlich. Reuenhageu H. D. I. Ja. 2. Ja. Sie müssen vorläufig zahle» n»d schleunigst unter Hinweis darauf, daß Sie in Ncuciibagen veranlagt find, gegen die Doppelbestcummg bei der Stadt Kiel reklamieren und Rück» zahlung verlangen.— 01. R. St. 000. 1. Ja. Das Wahlrecht hat der- jenigc, bei dem die übrigen Voraussetzungen hierfür vorliegen. 2. Ja. 3. Selbstveistäudlich sollen die Arbeitnehmer sich au der dortigen Gewerbe- gerichts-Wahl beteiligen. 4. Darüber erteilen wir grundsätzlich keine AuL- kunst. 5. Ihre Schank- und Gastwirtschafts-Konzession hat mit Ihrer Hcrbergc-Konzession nichts zu thun. Die Polizeiverordnnngen, welche das Herbergswcseu betreffen, lauten an den verschiedenen Orten verschieden. Wie sie für Ihren Ort lniitcn, erfahren Sie auf dem Polizeiamt. Hier haben wir uns vergeblich bemüht, derselben habhaft zn werden. — A. T. Der beim Schlittschuhlausen zugestoßene Unfall hat sich nicht beim Betrieb ereignet, ist also nicht nnfallvcrsicherungSpflichtig. Auch einem andern gegenüber läßt sich ein Anspruch mit Aussicht ans Erfolg nicht geltend machen.— T. W. 101- Am 1. April d. I.— W. 198. Nein. «Sitlcrnnnsüberstcht vom 25. Februar 1902. morgen» 8»Hr. Stationen L s £ h O S Swinemde Hamburg Berlin Frankf./M München Wien 763 SO 762 O 762 SO 758 O 757SO 760 Still Wetter iZS frt o 2Dunst 2 wollig 2wolle»I 2wolkeiil 4Ncbel — bedeckt -6 Stationen äs <3 S 763 Still 757 SW 750 SO 753 ONO bedeckt Haparanda —2 tzelersbnrg — 4Cork —II Aberdeen -6 ParlS «vetter>Prog»ose für Mittwoch, den SO. Februar 1902. Trocken und vorwiegend heiter, nachts ziemlich strenger, am Tage gelinder Frost bei mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wetter iö S ä" §» Sitz. bedeckt bedeckt bedeckt -14 -5 8 Veramwortlichcr Rcdacteur i Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke tu Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.