Ur. 49. Absimrmen!»-Sedingungen: «bonnemsnls-PrelZ pränumerando: Vierleljährl. 3,30 3JIt, monatt. 1,10 SJir., ivöchentlich 28 Pfg. frei WZ Hau«. Simelne Numw'r 5 Pfz, Sonntag»! Nummer mir ttltiftricrico Sonntag»! Beilage„Die Neue Well" 10 Pfz> Post! Äbonnement: 1,10 Mark pro Munal, Singelrogen in der Post- Zeitung»! Vreislists für 1902 unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oestertieich! Ungarn 2 Mark, für da» übrige AuZIand 3 Mark pro Monat. «rscheini liislich»Ilster Zvonlig«. 19. Jahrg. Di» Jtlftrllons-GtMyd beträgt für die fechZgefpaltene Kolonel» geile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschastliche Verein»! und Bersammlung»! Anzeigen 20 Pfg. ..Kleine Zinfrigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 1 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen! tagen bi» 7 Uhr abend», an Tomt! und Festtagen bisSUhr vormittag» geöffnet. Verlinev Volksblskk. Telegramm-Adresse- „Porl-rldemostr«t Verlin- Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: L�. 19, Veuth-Slrahv 2, Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Donnerstag, den 27. Febrnar 1903. Expedition: sw. 19, Venth-Straye 3. Fernsprecher:«ntt I. Nr. 51S1. Wie die preußische Regierung den Arbeitslosen Hilst. Bei der Beratung unsrer Arbeitslosigkeits- Interpellation im Reichstage wies Graf Posadowsky auf die seitens der Einzelstaaten in Aussicht stehenden Maßnahmen hin, durch welche den Arbeitslosen Beschäftigung und Brot verschafft werden solle. Inzwischen ist die Not der arbeitslosen Massen nur noch größer geworden, aber von der praktischen Wirb samkeit der Maßnahmen der Einzelstaaten war noch nichts zu verspüren. Das Versiegen der Steuerquellen zwingt die Finanzminister zur größten Knauserigkeit, und die Aufträge, die speciell Preußens Arbeits- und Eisenbahn minister für Eisenbahnmaterial, Brückenbauten zc. zu ver geben hat, sind für die Werke kaum genügend, die vor h a n d e n e Arbeiterzahl weiter zu beschäftigen, geschweige denn die Masse der Arbeitslosen durch Ncu-Einstellungen zu vermindern. Da endlich kommt die preußische Regierung den Arbeits losen mit einer Maßnahme zu Hilfe und geht so den übrigen deutschen Regierungen mit löblichem Beispiel voran! Die Maßnahme geht bezeichnenderweise von deni preußischen Polizeimini st er aus, der unserm Minister der Reichs Socialreform in der„Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" bei springt. Seit einiger Zeit bemerkt die Polizei und das honette Bürgertum die durch die Arbeitslosigkeit erzeugte schreckliche Not an der zunehmenden„Bettelplage". In den Straßen der Großstädte sieht man scharenweise heruntergekommene Gestalten dahinstreichen. Proletarier, denen schon seit Monaten die Krise das durch Arbeit erworbene Stück Brot aus der Hand geschlagen hat und die nun verlumpen und untergehen. Haus für Haus wandern die Bettelnden, die städtischen Obdachlosenasyls sind überfüllt und die Zahl der von Polizisten und Gendarmen aufgegriffenen Bettler schwillt von Tag zu Tag an. Aus den Städten ergießt sich der Strom der Arbeitslosen auf die Landstraße, von der vagen Hoffnung getrieben, anderwärts Verwendung für die ge- sunden Hände zu finden, oder auch, um dem Strafrichter und dem Gefängnis zu entgehen, denn die kapitalistische Gesellschaftsordnung bestraft ja obendrein die Opfer ihrer widersinnigen Produktionsweise, indem sie auf die Bettelei die Haftstrafe setzt, das Zwangsarbeitshaus und den polizeilichen Schub in die Heimat. So hat das erschreckende Anlvachsen der Arbeitslosen� Armee, des„Bettels" und der„Vagaboudage", den prepßi schen Polizeiminister zu einer„socialpolitischen" Maßnahme veranlaßt, die so recht zeigt, wie Staat und Gesellschaft den Arbeitslosen„helfen" und wie sie, anstatt auf des Nebels Abhilfe zu sinnen, sich darauf beschränken, die aufgebrochene sociale Wunde möglichst zu bedecken. Die ihm untergeordneten Verwaltungsbehörden- hat der preußische Minister des Innern darauf hingewiesen, daß die Zahl der Verpflegung' st a t i o n e n sich im Laufe der letzten Jahre nahezu überall wesentlich verändert habe, und zwar auch vorwiegend an den von den wandernden Arbeitslosen benutzten Straßen. Die Verpflegungsstationen seien im allgemeinen als eine„wert- volle Ergänzung" der Einrichtungen der Fürsorge für Arbeits- lose, der gemeinnützigen Arbeitsnachweise und der Arbeiter- kolonien angesehen worden, zumal in Zeiten umfangreicherer Arbeiterentlassungen. Mit andern Worten heißt dies: die Zahl der Arbeitslosen auf den Landstraßen, die industrielle Reservearmee des Kapitals, ist bereits jetzt derart ange- schwollen, daß die vorhandenen Verpflegungsstationen sie nicht mehr zu fassen vermögen. Die in Deutschland vorhandenen, an den Hauptwanderstrichen des Landstraßen-Proletariats gelegenen Verpflegungsstationen sind an sich nur ein Notbehelf gegen das schlimmste Elend der von der Gesellschaft aus- gestoßenen„Vagabonden", sie nützen weit mehr den Gc- meinden, als den Pfleglingen. Sie sind hervorgegangen aus der 1880 in Württemberg begonnenen Einrichtung kommunaler Verpflegungsstationen, indem man diese in Bezirksstationen umwandelte. Sie wurden von den Kreisen errichtet und unter- halten oder ans Kreismitteln unterstützt. Sie entlasteten die an den Hauptwanderstraßen gelegenen Gemeinden von der ihnen nach Z 28 des Reichsgesetzcs über den Unterstützungswohnsitz obliegenden vorläufigen Unter- stützuugspflicht. Es ist auch eine der Folgen der guten Jahre von 95 bis 99, daß mit der zunehmenden Arbeitsniöglichkeit und der Verringerung des Landstraßen-Proletariats die Ver- pflegungSstationen von den Kreisen und Gemeinden vielfach nicht in Betrieb erhalten worden sind. Nun, da die furchtbare Wirtschaftskrise plötzlich einen Strom überschüssiger Arbeits- kräfte auf die Landstraßen hinaushetzt, wo der Hunger sie zwingt, an den Straßen, in den Häusern, in den Dörfern, in den Bauernhöfen um Brot zu betteln, weiß man nicht, wohin mit all' diesen Obdach- und Existenz- losen. So rächt sich der Optimismus der guten Jahre. Man glaubte, der Aufschwung werde nun immer so weiter sich ent- wickeln; es ist rein gar nichts geschehen, um für die Folgen plötzlicber Stockungen, um für schlechte Jahre vorzusorgen. Jetzt muß der preußische Polizeiminister nachdrücklich zu- reden, damit die Verpflegungsstationen in Stand gesetzt Iverden. Den Orts-Armenveftbänden liege an sich die vorläufige Unter- stntzungspflicht ob, das ergebe die Rechtsprechung des Bundes- anits für das Heimatwescn. Deshalb sollten die Verwaltungs- behördcn ihren Einfluß bei den Kreisen und Gemeinden m i t Nachdruck dahin geltend machen, daß die Staftonen in Betrieb erhalten würden. Der Minister wünscht diese Ein- Wirkung auf die Kreise und Gemeinden, namentlich für den Fall, daß die Wiederher st eilung eines voll- ständigen Stationsnetze's geboten erscheine, oder sofern andre Gründe das Vorhandensein einer Station an einem bestimmten Orte besonders erwünscht erscheinen ließen. Das heißt: der preußische Polizeiminister rechnet also mit einer weiteren Füllung der Landstraßen durch arbeitslose Proletarier, denen dann ein„voll- ständiges Stationsnetz" die allernotwendigste Hilfe gewähren soll! Wie ganz anders klang es doch noch im Januar! Da meldeten alle Polizei- und sonstigen Behörden, deren Aus- künfte in endloser Reihe Graf Posadowsky im Reichstag vortrug, daß von einem besonderen Notstand infolge der Arbeitslosigkeit nichts zu bemerken sei, daß die Arbeitslosigkeit den gewöhnlichen Umfang nicht überschreite, daß die vorhandenen Einrichtungen für besondere Notfälle vollkommen genügten, ja, zwei Behörden führten sogar Beweise für eine Besse- rung der Lage an: 1. die öffentlichen Lokale sind gut be- sucht, 2. die Frequenz in den Leihhäusern hat abgenonimcn! Man sieht jetzt, welchen praktischen Wert die Auskünfte hatten, auf Grund deren der Reichsminister für Socialreform im Januar jedes Eingreifen des Reiches zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ablehnte. Auch weiterhin zeigt der Erlaß des preußischen Polizei Ministers, daß man niit einer Steigerung der im dustriellen Reserve-Armee auf den Land- st r a ß e n rechnet. Es sei damit zu rechnen, so sagt die Ver- fügung, daß die anderweite Unterbringung der Arbeitslosen durch die Arbeitsnachweise sich bei starkem Andrang nur langsam vollziehen könne, daß auch die Ausnahme aller nicht sofort unterzubringenden Arbeitslosen in die Arbeiter kolonien sich nicht inmter würde durchführen lasse, daß vielniehr eine erhebliche Anzahl Arbeitsloser zum Aussuchen anderweiter Arbeitsgelegenheit von den In- dustriegegenden auf den Landstraßen abwandere. Bei fach gemäßer Einrichtung und Leitung seien die Verpflegungs stationen ein geeignetes Mittel, um den Strom der wandernden Arbeitslosen auf bestimmte Straßen einzuschränken und hier der not wendigen Ueber wachung zu unterwerfen, demgemäß den Belästigungen und Gefahren der anderbettelei und Vagabo ndage entgegen zu wirken und die Wandernden vor dem sittlichen Verfall zu schützen. Das ist also des Pudels Kern bei den preußisch- Polizei lichen Arbcitslosigkeits-Maßnahinen! Nicht um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an sich handelt es sich, sondern um eine polizeiliche Reglementierung und Kommandierung des Arbeitslosenstromes, damit es besser möglich ist, ihn durch Polizeibeamte und Gendarmerie zu überwachen. Das ist alles, was der preußische Staat für die Arbeits- losen thut! Uns aber ist das Vorgehen des Polizeiministers in Preußen nur ein Beweis, wie unheimlich groß die Armee arbeitsloser Proletarier bereits angeschwollen ist. Um so nachdrücklicher verlangen wir. daß die Staaten und das Reich aus ihrer thatenlosen Haltung heraustreten und mit durch- greifenden Mitteln der Arbeitslosigkeit entgegenwirken. Hilfe den Arbeitslosen, das ist iin gegenwärtigen Augenblick die vornehmste Aufgabe der Socialpolitik. Die Annahme des Zollkompromisses. In der Mittwoch-Sitzung, die niit einstündiger Mittags- Pause von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags dauerte, ist die Entscheidung über die Minimalzölle und damit zugleich über das Tarifgesctz und die ersten vier Stellen des Tarifs (Roggen, Weizen und Spelz, Gerste und Hafer) gefallen. Trotz wiederholter eiftiger Beteuerung der Rcgierungsvertreter, daß der sogenannte Komproniißantrag unannehmbar sei, wurde von der Mehrheit im ersten Akte des Zolldramas Be- harrlichkeit und Unnachgiebigkeit gespielt. Der K o m- iromiß- Antrag wurde mit 14 gegen 10 Stimmen(Socialdemokraten, Freisinn, reisinnige Vereinigung und die drei National- liberalenBIankenhorn.Beumerund Paaschs) angenommen. Die Abg. v. Wangenheim(Bund der Landwirte) und Heim(E.) enthielten sich als grollende Un- versöhnliche der Abstimmung. Zwei Abgeordnete(Müller— freis.— und Gäbel— Antis.) fehlten bei der Abstimmung. Der Kompromißantrag ist also in erster Lesung mit allerdings 'ehr knapper Mehrheit durchgegangen. Dürfte man den Konservativen und den Centrumsleuten trauen, die durch den Mund ihrer Führer ein entschiedenes Nein für alle Stadien der Beratung ankündigten, dann„ade, Z o l l t a r i s". Aber leider ist auf beide Parteien ebensowenig Verlaß, wie auf die Re- ierungen. Wenn nicht zwischen erster und zweiter Lesung in der ommission, so wird zwischen dem Abschluß der Konimissions- beratungen und der zweiten Lesung der Kuhhandel mit ver- 'tärktem Eifer versucht werden. Möglich ist es, daß das Centrum sroh ist, vor den Wahlen der Notwendigkeit ent- hoben zu sein, gegen das klare Interesse der Arbeiter für erhöhte Gctreidezölle einzutreten. Seine jetzige Stellung- nähme für hohe Gefteidezölle, selbst über die Zoll- tarif-Vorlage der Regierung hinaus, bietet reichlichen Agitationsstoff zur Aufklärung bis zu den Neu- Wahlen, deren Termin niemand voraussagen kann. Dem Centrum hat bislang bei Arbeitergesetzen jedes unannehmbar der Regierung genügt, schleunigst auf die von ihm selbst als berechtigt und notwendig anerkannten Ver- besserungen, z. B. beim Jnvaliditäts- und Ünfallversicherungs- gesetz, zu verzichten. Man wird daher trotz aller gegenteiliger Beteuerung auch jetzt mit einem Umfall zu rechnen haben. Die wirklichen Gegner der Zolltarif-Vorlage sind die Gegner der Getreidezölle überhaupt. Sie werden sich durch die jetzige Haltung der agrarischen Mehr- heit nicht in Sicherheit wiegen lassen. Ein von der Mehrheit angenommener Schlußantrag schnitt den Zollgegnern, von denen auf der socialdemokratischen Seite noch Antrick und Molkenbuhr zum Wort gemeldet waren, das Wort ab. Das Vorgehen des Vorsitzenden rief den scharfen Protest der Linken hervor. Er versuchte dann dem Abg. Graf v. Schwerin, der selbst für den Schluß der Debatte gestimmt hatte, Gelegenheit zu einer neuen Rede zu geben. Der Versuch scheiterte. Die erste Lesung über die noch ausstehenden 942 Zolltarif- Positionen wird Donnerstag fortgesetzt. In der Mittlvochsitzmig berichtet zunächst Frhr. b. Wangenheim über eine Anzahl nachträglich eingegangener Petitionen, von denen einige die Erhöhung der Getreide- und Mehlzölle verlangen, die meisten aber sich gegen jede weitere Erhöhung der Lebensmittelzölle richten. Alsdann wird in der Generaldebatte über die Getreidezölle fortgefahren. Graf Schwerin-Löwitz(k.): Nachdem der Staatssekretär des Reichs-Schatzamts gestern ganz ohne Not den Grafen Posadotvsky in der S ch r o f f h e i t der A b w e i s u n g der Erhöhung der Ge- � treidezölle noch z u überbieten gesucht habe, werde es ihm schwer, die Gründe, welche für eine weitere Erhöhung der Ge- treidezölle sprechen, noch einmal vorzuführen. Man hat die Land- Wirtschaft Dättetnarcks und Irlands als Muster dafür hingestellt, daß man ohne Getreidezölle prosperieren könne. Eine Enquete hat aber festgestellt, daß die Werte der Produkte der irländischen Landwirtschaft von 270 Millionen Pfund auf 185 Millionen Pfund zurückgegangen sind. Großbritannien und Irland zahlen jährlich mehr als 4 Milliarden Mark an das Attsland für landwirtschaftliche Produkte. Die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeiter nimmt ab und die Grundrente sinkt. Auch in Dänemark geht die Landwirtschaft zurück. In den Jahren 1886—1899 sind die Preise für Grundstücke gefallen und zwar sanken die Preise für große Güter nm 22 Proz., die für kleine um 33 Proz. In Dänemark hat man bereits vorgeschlagen, Ausfnhrprämien für Vieh einzuführen. Bei der Plenarberatung der Zollvorlage hat der Abg. Bebel darauf hin- gewiesen, daß die Großgrundbesitzer ihren Besitz vergrößern. Darin ist aber nur ein Zeichen des Rückgangs der Landivirtschaft zu sehen, denn zu allen Zeiten und in andren Ländern ist die Latiftindienbildung immer in Zeiten des Niederganges vor sich gegangen. Jeder Zoll wird etttweder vom Inland oder vom Ausland oder von beiden ge- meinsam getragen. Wie die Zölle sich zwischen In- und Ansiland verteilen hängt von dem Ausfall der Ernte ab. Bei reichen Ernten drücken die Zölle ans die Preise. Wenn der inländische Konsument das Getreide in der Höhe des Zolles teurer be- zahlen, also den ganzen Zoll tragen muß. dann kann es dem Auslände gleichgültig sein, wie hohe Zölle»vir nehmen. Schon der Umstand, daß man in hohen Zöllen ein Hindernis für das Zustandekommen der Handelsverträge sieht, schließt eine Anerkennung des Grundsatzes ein, daß das Ausland einen Teil des Zolles bezahlt. Die im Koinproinistautrag verlangte Zollerhöhung würde einer Arbeiterfamilie die Lebensmittelpreise um 46 M. jährlich erhöhen. Diese Summe werden die Unternehmer gerne zum Lohne zulegen. Wenn man von Wucher reden wolle, dann könne man die Mietssteigerungen mit viel größcrem Rechte Wucher nennen. Die Arbeiter wollen keine niedrigen Preise: sie wissen, niedrige Preise bringen niedrige Löhne. Auch für den Abschluß von Handels- vertrügen ist der Kompromißantrag kein Hindernis. Oestreich ver- kanft jährlich für 700 Millionen Mark Waren an Deutschland. eS wird sich deshalb durch einen höheren Gerstenzoll nicht abschrecken lassen, mit unS Handelsverträge zu schließen. Für diesen kann man ja Oestreich bei andern Waren größere Konzessionen machen. Die Regierung erschwert sich aber den Abschluß von Handelsverträgen selbst, da sie die Waffen, die ihr der Reichstag in den Ursprungszeugnisscir und den hohen Minimalzöllen liefern wollte, ablehnt. Die Reichs- tagS- Mehrheit hat großes Entgegenkommen gezeigt, indem sie sich mit der Forderung von Zollsätzen begnügte, deren Höhe von gc- wichtigen landwirtschaftlichen Körperschaften als unzulänglich be- zeichnet worden ist. Mindestens hätte die Regierung es vermeiden müssen, in einem so frühen Stadium eine so schroff ablehnende Antwort zu geben. Sie ist erfolgt, bevor eine eigentliche Be- gründung der Anträge erfolgen konnte.(Zurufe: Abg. Herold hat ja die Erkläritng gefordert!) Nein, wir haben gar nicht danach verlangt. Das waren die Herren links. Und wenn auf nnsrer Seite eine Autwort wirk- lich gefordert ist, so hatte man etwas andres erwartet.(Große Heiterkeit links.) Die Großgrundbesitzer des Ostens haben an einem höheren Gerstenzoll kein Interesse, treten aber für ihn der süddeutschen Kleinbanern wegen ein. Wir Landivirte haben aber gelernt, einig zu sein. Sollte die Regierung sich nicht ans die im Kompromißantrag vorgeschlagenen Sätze einlassen, so werden wir lieber de» ganzen Tarif scheitern lasten. Ich mutz nunmehr für meine Freunde crNaren, dc>b dieselben die Verpflichtung, für Handelsvertrüge zu stimmen, in denen die Sätze des Minimaltarifs enthalten sind, nicht übernehmen, sondern bei der jetzigen Alternative ei» vollständiges Scheitern des EntwnrfS als daS geringere Nebel ansehen verglichen mit einer lang� fristige» Bindung der Zollsätze. Die Stellung der Regierung tvird dann unhaltbar, indem sie nur eine dcmolratische Minderheit für sich, die Mehrheit im Volke und in den gesetzgebenden Körperschaften gegen sich hat. Preußischer Handelsminisier Möller schließt sich den Erklärungen deS erkrankten Grafen PosadowSky und Frhrn. v. Thielmann durchaus an. Die Regierung ist zu ihrer Erklärung gekommen, weil die Sätze im Tarif das höchste sind, was sich erreichen läßt. Die Re gierung hat aber das Interesse des ganzen Volks im Auge. Handels- vertrage sind notwendig, sonst würde» Hunderttausende von Arbeitern die Arbeit verlieren und darunter würde auch die Landwirtschaft leiden. Graf Schwerin hat auf die Holzeinfuhr aus Oestreich hin- gewiesen; Holz ist aber kein Objekt zu Handelsverträgen. bei Holz ist oft der Käufer mehr darauf angewiesen, als der Verkäufer. Das hat sich bei dem Streit zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada herausgestellt. Auch der Vorschlag, die Getreidezölle nicht zu binden, ist kein gangbarer Weg. Die Periode der gleitenden Skala in England hat bewiesen, daß diese Zollart große Nachteile hat. Man soll sich beim Abschluß von langfristigen Verträgen nicht von augenblicklichen Konjunkturen verleiten lassen, wie man es 18S2 gethan hat. Die hohen Getreidcprcise von 1891 verleitete» zur Herabsetzung der Getreidezölle auf 3,50 Mark. Eine ebenso vorüber gehende Erscheinung sind auch die niedrigen Frachtsätze von Amerika. Ein zu hoher Roggenzoll würde den Roggenbau in Deutschland so steigern, daß das Interesse Rußlands am deutschen Markte ver- loren geht. Direktor im Reichsamt des Inner» Mermuth: Eine Erhöhung der Gerstenzölle würde zur Folge haben, daß auch die Malzzölle entsprechend erhöht werden müßten, wodurch die Brau-Jndustric schwer getroffen würde. Die Thatsache, daß die Gersteneinfuhr ge stiegen ist, läßt sich nicht leugnen, aber die Bierproduktion ist»och weit mehr gestiegen. Die Bicrproduktion ist seit 1880 von 33 Millionen Hektoliter auf 69,3 Millionen Hektoliter gestiegen. Zu dem vermehrten Gebrauch von Braugerste liefert die deutsche Landwirtschaft 4 bis 6 Millionen Doppelccntner. Venn größten Teil der mehr eingeführten Gerste handelt es sich um Futtergerste. Der gesteigerte Verbranch ist auf den gesteigerten Viehstand zurückzuführen. Die Exportbrauerei kann eine Verteuerung der Gerste nicht vertragen. Jin Bierexport hat England uns schon überflügelt. Während Deutschland für 22 Millionen Mark Bier ausführt, hat England schon eine Ausfuhr von 35 Millionen Mark. Die nmhrische Gerste müssen wir haben, da sie zeitiger auf dem Markt erscheint als die deutsche, und das ist zum Vorteil für die Jahresarbeit in den Mälzereien. 1887 ist keine Erhöhung des Gerstenzolls erfolgt. Es wurde zivar ein Antrag auf Erhöhung gestellt, aber er wurde einfach abgelehnt. Hierauf tritt eine Mittagspause ein. In der NachmittagS-Sttzung tritt Stadthagen einigen falschen Auffassungen entgegen, die geflissentlich von Wangenheim und dem Grafen Schwerin verbreitet würden. Danach solle die Socialdemo- kratie anerkennen, daß die von Kanitz seiner Zeit geforderten staatlich garantierten Minimalpreise für Getreide als Normalpreise zu be- trachten seien. I» dem Antrag aber werden die Kanitzpreise als Notstandspreise bezeichnet, bei welchen jeder Zoll aufgehoben werden soll, damit die Preist wieder unter diesen Satz herabsinken. Vorsitzender Rettich unterbricht den Redner und bittet ihn, diesen Antrag nicht zu besprechen. Stadthageu(fortfahrend): Heute vormittag hat Graf Schwerin sich auf den Staatsrat berufen, der höhere Zölle verlange. 1895 aber hat der Staatsrat sich gegen höhere Zölle erklärt. Will man ein Bild davon haben, wie man im Volke eigentlich über die Vorlage denkt, dann kann man sich nur an die Petitionen halten. Auf dem kleinen Tisch in der Ecke liegen alle Petitionen, die höhere Zölle fordern, daneben liegt der große Berg der gegenteiligen Bitten. Die beiden Haufen stehen in den, selben Verhältnis zu einander wie der Kreuz- berg zum Chimborasso.(Heiterkeit.) Jetzt beklagt sich Graf Schwerin. daß die Negierung so schnell eine bestimmte Erklärung abgegeben habe. In der vorigen Woche aber hat der Abg. Herold diese Er- klärung ausdrücklich verlangt. Mit dem Hinausschieben der Er- klärung würden die Verhandlungen nur verzögert werden. Sie(zu den Agrariern) beklagen sich über die Obstniktion, und Sie sind es, die jetzt den Mechanismus der Kommisstonsarbeiten dadurch zum Anhalten bringen wollen, daß Sie ein Fünfzig Pfennigstück in das Räderwerk werfen. Am meisten muh man sich über das Centrum wundern. Alle Größen des CentrumS, wie Windthorst, Schorlemer-Alst, ReichenSperger haben 1837 erklärt. weiter könne man unter keinen Umständen mit den Gctreidezöllen gehen, und jetzt folgt das Ccntrum nicht nur der Regierung, um hohe Getreidezölle herbeizuführen, sondern es fordert sogar»och höhere Sätze. Durch Erhöhung des Getreidezollcs werden die Ao beiter geschädigt und nicht nur an der Erringung einer höhere» Kulturstufe gehindert, sondern direkt herabgedrückt. Selbst wenn die Mehrbelastung für eine vierkvpfige Arbeiterfamilie nur 16 M. im Jahre betragen würde, so mache das eine Summe aus, von der sich die Familie für 14 Tage Nahrnngsniittel be- schaffen müsse. Sie müsse also 14 Tage hungern, um die Steuer- erhöhung zu zahlen. Thatsächlich aber ist die Belastung größer als 16 M. Man braucht nur»ach den Sätzen zn rechnen, die für eine» Gefangenen für Brot und Mehl ausgegeben werden, daim kommt man schon zu einer Mehrbelastung für die vierköpfige Familie von LO M. jährlich. Das Centrum sagt, die Arbeiter sollen von der Belastung durch die Getreidczölle durch die Rclikten- vcrsorgung etwas zurückerhalten. Aber wenn der EentrmnSantrag angenommen würde, dann erhielte der Arbeiter für jede Mark, die er zu zahlen hat, nur einen Pfennig wieder. Das Brot wird um die Höhe des Zolles verteuert, daS crgiebt sich, wenn»»an die Preist vom In- und Ausland über längere Perioden vergleicht. Die Steuer, die man den deutschen Arbeitern auferlegen will, steigt progressiv je niedriger der Lohn ist. Die Progression wird noch ver- schärft, wenn von den geringen Löhnen eine große Familie leben soll. Sie behaupten, die Landivirtschnft leidet Not und doch sträuben Sie sich gegen eine aufklärende Statistik, wie wir sie verlangt haben. Die Zollerhöhung würde eine schlechtere BolkSernährung herbeiführen und den AlkoholiSmus und damit Geistes- krankheiten und die Kriminalität steigern. Es ist eine alte Erfahrungsthatsache, daß die Kriminalität steigt, wenn die Getreide- preise sich erhöhen. Es wird also hier thatsächlich ein Gesetz ver- langt, von dem wir im voraus wissen, daß es die Kriminalität er- höhen wird. Steigende Getreidepreise bedingen weiter ein Sinken der Gebnrtsziffern und Vermehrung der Sterbefälle. Wer eine Erhöhung der Getreidepreist herbeiführt, spricht dadurch über Tausende von Kindern das Todesurteil aus. Man meint, die hohen Getreidepreise würden durch Erhöhung der Löhne wieder aus- geglichen werden, aber wo steht denn im Gesetz oder Tarif auch iiur ei» Wort davon, das; höhere Löhne gezahlt werden sollen. sich den Landarbeitern anständige Löhne zuzahlen. Jede Aufbesserung des Lohnes muß der Arbeiter sich erst erkämpfen. Zu einem solchen Kampf fehlt dem industriellen Arbeiter ein wirksames Koalitionsrccht, dem Landarbeiter auch nur der Ansatz zu einem Koalitionsrecht Hier wird direkt verlangt, daß der Anne dem Reichen etivas geben solle. Nicht der Handwerker» (Graf Kanitz ruft: nichts hat 1) Für nur die Lebenshaltung des Arbeiters, auch die der Beamten wird herabgedrückt werden Die berhungern alle, wenn die Landwirtschaft daS Volk wäre es daS beste, wenn es den Großgrundbesitzern de» Boden abnehmen und ihnen eine Rente be zahlen würde. Das wäre immernoch billiger, alS dieZollbelastnng Durch die Steigerung des Zolls wird die industrielle Reserve-Armee des Kapitals vergrößert. Kommt man nicht zu Handelsverträgen, dam, macht man den deutschen Judustrie-Arbeiter abhängig von der ausländischen Gesetzgebung. Die Agrarier begeistern sich nur in Worten für daS Wohl der Kleinbauern, in ihren Thaten th»n sie das Gegenteil. So warnt der Jahresbericht der Brandcnburgischen Land- wirtschaftskammerwiederholt davor, die Rentengüter zu großzu machen. Ausdrücklich wurde verlangt, diese Güter so klein zu halten, daß die Besitzer gezwungen würden, in Tagelohn zu arbeiten. Durch die Rentengüter sollen die Landarbeiter gebunden werden, um sie noch bester ausbeuten zu können. Die Minimalzölle stellen unzweifelhaft eine Einschränkung der Rechte der Krone und daher eine VcrfassnngSändcrnng vor. Nach Artikel 11 der ReichSverfassung hat der Kaiser das Recht, Handels- vertrüge abzuschließen. Der Verfassuiigsartikel sieht keine Ein schränkung dieses Rechtes bor. Eine solche Einschränkung aber lvird durch die Festlegung von Miniinalzöllen geschaffen. Wir können uns nur darüber freuen, daß hier die Regierung selber zugicbt, man könne die verfassungsmäßigen Rechte des Kaisers durch Gesetz einschränken. Hier soll eine solche Einschränkung zn Gunsten der Junker erfolgen. Der Satz soll wieder einmal zur Wahrheit werden: In Deutschland herrscht der Junker, lind eS regiert der Kaiser. Bisher ist das Ccntrum bei Arbeitergesctzcn immer zurück- gewichen, wo», die Regierung Nein sagte. Hoffentlich bleibt dS auch bei dieser Vorlage nicht fest und schließt sich unserm Antrage an der die Beseitigmig der Nahrungsniittel-Zölle verlangt. Reichs-Sch.itzsekretär Frhr. v. Thiclmann bestreitet dem Ab geordneten Grafen Schlverin-Löwitz gegenüber, daß er schroff auf- getreten sei. Ans direkte Anfrage des Abgeordneten Fischbcck habe er nur das wiederholt, was Graf Pvsadowsky im Namen der ver- biindcten Regierungen erklärt hatte. Dr. Paasch«(natl.) polemisiert gegen Stadthagcn. Er habe noch kein Kind an hohen Zöllen sterben sehen. Er gehöre auch zu den Uli- glücklichen, die inehr als 100 Hektar Land haben. Seine 400 Hektar brächten ihn, keine 10 000 M. ei», sondern er setze eine solche Summe jedes Jahr zn. Trotz höherer Gctreidezölle hätten die Ge trcidepreise eine sinkende Tendenz. Die Lebcnshallung der Arbeiter ist sehr gestiegen. Wo Weidewirtschaft möglich ist, kann inan den Getreidebau entbehren, aber auf 36 Proz. der landwirt schaftlich benutzte» Fläche wird Getreidebau betriebe». Wem, die Großgrundbesitzer ihre Ställe mit Schweinen füllen würden, dann würde» die kleinen Viehzüchter vernichtet werden. Die deutschen Getreidebauern haben für künstliche» Dünger, Wegebau, social- politische Gesetzgebung Ausgaben zu machen, die die Konkurrenz leider nicht hat. In Teutschland wird Getreide auf Land gebaut, das inci, anderswo brach liegen läßt. Redner bedauert, daß Graf Schwerin eine so schroff ablehnende Erklärung abgegeben habe. Seine nationalliberale» Freunde und er stehen auf dem Boden der Regierungsvorlage, und er hoffe, daß bis zur zweite» Lesung eine Verständigung gesunde» wird, und da nicht mehr zu erreichen ist, die Vertreter der Landivirtschaft sich mit dem zufrieden gebe» lue, den, was die Vorlage bietet. Sächsischer Geh. Finanzrat Rügcr: Bisher habe er als Ver- trcter der sächsische» Regierung geschiviege». Er wolle auch keine großen Reden halten, das herdenweise Auftreten von Regierungs- Vertreter» sei ja neulich moniert worden.(Heiterkeit.) Er wolle deshalb nur erklären, daß auch die sächsische Regierung auf dem Boden der Vorlage stehe. Dr. Spahn(C.) bedauert, den, Abg. Paasche nicht in Aussicht tellen zu können, daß die Unterzeichner des Koinpronußantragcd »achgeben würden. I» der Koinniissio» müsse man erst die höhere» Sätze beschließen, dam, kön»« man»»»terhaudeln Erklärungen, wie sie namentlich Graf PosadowSky abgegeben hat, cien ungewöhnlich. Man habe sonst dem Reichstage als Gesetz- gebungsfaktor größere Bedeutung beigelegt und mit ihm unterhandelt. Der Reichs-Schatziekretär habe die Posadowslyschc Er- klärnng»och verschärft, indem er gesagt habe, es gebe bei keiner Getreidesorte ei» Nachgeben. Er halte diese Erklärungen für un- vereinbar mit der Stellung, die Reichstag und Bundesrat zu einander einnehme». Warum sei der Reichskanzler nicht selbstzur Stelle? Offenbar liege hier ein Kompromiß zwischen de» Einzelstanten vor, dessen Zn standekommen nur nach große» Schwierigkeiten möglich war. Nun fürchte die Reichsrcgierung. daß das ganze Gebäude zusammen stürzen könne, wem, eine Lücke gebrochen sei. Nach Bceudigung der ersten Lesung werde man aber noch einmal die Regierungen der Einzclstaaten befragen müssen, vielleicht erreiche man dann ein andres Resultat. Windthorst sei für den FiinsinarkzoN eingetretc», weil er die Mittellinie darstellte zivischen den Sätze», die in der Ceiitriimsfraktiou gefordert ivurde». DaS Centrilm ist sletS für daS Koalitionsrecht eingetreten. Durch daS Zurückweiche» dos Cenlrunis sei beim Jnvaliditätsgesetz das erreicht ivorden. was die Arbeiter erhalte» haben. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) giebt dem Abg. Spahn darin Recht, daß eS besser gewesen wäre, wen» der Reichskanzler selbst anwcsend gewesen wäre. Wer aber die Stellung der Regierung immer noch nicht erkannt habe, für den müsse eine neue Sprache«rfmide» werden. Nach des Grafen Schwerin Erklärung schien es ein Zurück ja auch fiir die Konservativen nicht mehr zn gebe». Die Hoff« nungen des Kollege» Paasche seien Optimismus ohne Unterlage. Die Lage der Landivirtschaft sei nicht so schlecht, ivie sie von den Agrariern geschildert werde, die gesteigerte Einfuhr entspreche nur den, gesteigerte» Kons»»,. Auch die heimische Landivirtschaft habe ihre Ertröge gesteigert und durch gesteigerte Produktion höhere Ein- »ahmen erzielt. Durch die Zölle werde der Arbeiter und die Industrie arg belastet, Lorteile hätte» nur die Großgrundbesitzer. Der Banernverein „Nordost' habe eine Enquete vorgenommen. Da seien Antworten gekonimen, ans denen hervorgehe, daß die kleine» Besitzer meistens mehr Futtermittel kaufen als sie Getreide verkaufrn. Von Solidarität zwischen kleine» und Grohgrmidbcsitz-ru könne man nicht sprechen, im Gegenteil seien die denkbar schärfsten Interessen- gegensätze hier vorhanden. Er halte eS für daS aussichtsvollst« auf Grund des alten Tarifs in neue Verhandlungen einzutrete». Er glaube nicht, daß das Cenlrum die Regierung dabei im Stich lassen wird.(Widerspruch beim Centruin.) Graf Schwerin-Löwttz(k.) und Herold(C.) beantragen Schluß der Debatte. Nächster Redner ist Antrick. Der Schlnßantrag wird angenomm«». Graf Schweriu-Löwitz(l.) bemerkt persönlich, daß Reichs- Schatzsekretär Frhr. v. Thielina»» in der Form zwar nicht schroff, Gerade die Großgrundbesitzer, die am meistens ür sich verlangen, weigern aber in der Sache schärfer als Graf Posadowsly gewesen sei. Von socialdemokratischer Seite wird Einspruch gegen die Fortsetzung der Debatte durch die eben gehörte Bemerkung des Grafen Schwerin erhoben. Eine persönliche Bemerkung sei das nicht gewesen. Graf Schwerin solle keine Schlußanträge stelle», wenn er die Debatte fortsetzen wolle. Durch den angeuomuienei, Schlußantrag sei dem focialdemokratischen Redner das Wort ab- schnitten worden. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) verliest die Erklärung, die Abg. v. Lcvetzow als ReichStagspräsident seiner Zeit über das Wesen einer persönlichen Bemerkung abgegeben hat. Vorsitzender Rettich meint, Graf Schwerin habe nur eine miß- verständliche Auffassung seiner Worte berichtigen wollen.(Rufe: Der Schatzselretär hat ja gestern vor dem Grafen Schwerin gesprochen I) Damit schließt diese Auseinandersetzung. Es wird zur. Abstimmung geschritten. Der Antrag Bebel auf Beseitigung aller LebenSmittelzölle wird abgelehnt, folveit die Zölle auf Roggen, Weizen, Gerste und Hafer darin in Frage kommen. Dafür stimme» nur die vier Socialdcmokrateu. Die übrigen Teile des Antrages Bebel kommen bei den entsprechenden Tarifpositioiiel, zur Abstimmung. Vor der Abstinimung über den Kompromißantrag Herold- Graf Schtvcrin erklären die Abgg. Frhr. v. Wangcnhcim(k.) und Heim(C.>, daß sie sich der Abstimmung enthalten würden. Der Komproniißantrag Herold lvird hierauf in seinem ersten Teil mit 14 gegen 10 Stimmen angenommen. Mit der Mehrheit stimmte der Nationalliberale Sieg. Es fehlten die Abgg. Müller-Meiningen(frs. Vp.) und Gäbel(Antis.) Die Minderheit setzt sich zusammen aus 4 Socialdemokraten, 3 Freisinnigen und den Nationalliberalcn Paasche, Benmer und Blankenhorn. Danach sollen als Minimalzölle in das Tarifgefetz eingestellt werden: Für Roggen 5,50 M., für Weizen 6 M., Gerste 5,50 M. und Hafer 5,50 M. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wird auch der zweite Teil des Antrags Herold angenommen. Danach sollen in den Zoll- tarif eingesetzt werden: ein Roggenzoll von 7 M., ein Weizen- zoll von 7,50 M., ein Gerstenzoll von 7 M. und ein Hafer- zoll von 7 M. Dannt ist das Zolltarif-Gcsctz und die ersten vier Positionen des Zolltarifs erledigt. In der nächsten Sitzung am Donnerstag werden die weiteren ositionen des Zolltarifs in Angriff genommen werden._ politische Mebevficht. Berlin, den 26. Februar. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus erledigte am Mittwoch einige kleinere Vorlagen, darunter in zweiter Lesung den Gesetz- entwurf betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel für Wohnungen von gering besoldeten Beamten und staatlichen Arbeitern, und setzte sodann die zweite Beratung des Etats S Ministeriums des Innern fort. Die General- debatte dauerte nur noch kurze Zeit. Abg. Dr. Fried- berg(natl.), der in den letzten Tagen so hefttg gegen die Agrarier gepoltert hatte, lenkte ein; er erinnerte an die großen Ziele, die seine Freunde gemeinsam mit den Frei- konservativen anstreben, und niachte Propaganda für den Zolltarif. Wie er erklärte, steht die nationalliberale Fraktion geschloffen der Zolltnrifvorlage gegenüber, deren Annahme sie erivartet. Abg. G o t h e i n(frs. Vg.) erging sich nochmals eingehend über die Vorgänge in Grimmen. Der Minister Freiherr v. Hammerstein wußte auf die schweren Angriffe des freisinnigen Redners nichts andres zu erwidern, als daß Herr Gothein eine Wahlrede ge- halten habe. Nachdem noch Abgeordneter Kreitling (frs. Vp.) die Berliner Stadtverordneten-Versammlung im Fall Kauffmann in Schutz genommen und sich darüber be- -chwert hatte, daß Pückler- Versammlungen trotz der auf- reizenden Reden des antisemitischen Grafen nicht der Auf- lösung verfallen, bewilligte das Haus das Gehalt des Mi- nisters. der auf diese Weise der undankbaren Aufgabe ent- hoben wurde, sich zu der Handhabung der Polizei in den antisemitischen Versammlungen zu äußern. Bei einigen andren Kapiteln, die dann noch beraten wurden, handelte es sich um die Besserstellung einzelner Beamtenkategoricn, um die Berliner Verkehrsverhältnisse und um die Lage der Berliner Schutzleute. Die Debatte hierüber wird am Freitag fottgesetzt. Vorher stehen die Gesetzentwürfe betreffend die Heranziehung zu den Kreisabgaben und betreffend die Provinzialdotattonen zur zweiten Beratung. Am Donnerstag fällt die Plenar- itzung aus._ Graf PosadowSky und die Rgrarler. Der Ernst der Opposition der reinen Agrarier gegen den Zoll- tarif der Regierung wird durch ihr Verhalten dem Grafen PosadowSky gegenüber sehr deutlich gekeimzeichuct. Mau sollte denken, daß die Agrarier dem Grafen PosadowSky jetzt gram sei» müßten, weil er mit solcher Entschiedenheit den agrarischen Kompromißantrag abgelehnt hat. obwohl dieser für die Wangenhoim und Ocrtcl noch zu wenig bietet. Wenn Graf Posa- dowSky nicht einmal den Kompromißantraft accepticrt» de» die reinen Agrarier noch fiir nnannchmbar geringfügig erllären, welches Interesse könnten sie au dem Staatssekretär haben, der auf dem für die Agrarier absolut unannehmbaren RcgiernngSentwnrf beharrt. Nun sieht man aber, daß die Agrarier nichts so sehr fürchten Ivie den Rücktritt des Grafen Posadowsly, den sie immer»och als ihren verläßlichsten Mann betrachten. Sie zittern, es könnte ihnen mit dein Grafen PosadowSky auch der Regierungsentwnrf des„maß- vollen ZollwucherS" entgehen, und in ihrer rührenden Sorge für den Minister verraten sie unziveidentig, daß ihre ganze oppositionelle Komödie nur darauf berechnet ist, die Opposition der Zollgcgner zn erschlaffen und zu entnerven, damit sie sich schließlich im ent- cheideuden Augenblick auf die Regierungsvorlage einigen. In den letzten Tagen hat den Grafen Posadvlvskh ein schwerer Schlag betroffen, den auch ein in dem heutigen Regierungsbetrieb hin» reichend moralisch abgehärteter Mann nicht leicht verwinde» mag. Die Konservative Korr.' war ungeschickt genug, den frühzeitigen Tod deö Herrn v. Wocdtke auf die 12 000 Mark-Affaire zurückzuführen. Wir erwiderten darauf: Wenn das wahr ist, so hat sich der Ver- torbene es zu Herzen genommen, daß er für einen andren habe unschuldig leiden müssen. Die.Voss. Ztg." teilte dann mit, Herr i. Woedtke habe sich auch Freunden gegenüber in diesem Sinne geäußert und sich lebhaft beklagt, daß Graf Posadolvsky ihn nicht verteidigt habe, obwohl ihn lein Verschulden traf. Die„Deutsche Tageszeitung' des Bundes der Landwirte wittert auS Anlaß dieses Zwischenfalls Unheil fiir ihren Liebling und sie beeilt sich.«inen Eid darauf zu leiste». daß Herr v. Woedtke ihr gegenüber sich niemals beklagt habe. Belanntlich aber beweist-s nichts gegen die Thatsächlichkcit einer Aentzerung, daß sie irgend jemand nicht gehört hat; denn es ist die Eigentümlichkeit jeder Aeusternng, daß sie mir einem winzigen Bruchteil der Bevölkernng der Erde belannt wird; negative Zeugen können stets in be- liebigen Millionen Exemplaren aufgeboten worden. Bon Interesse ist der von dem Agrarierblatt gierig angebotene Reinigungseid aber deshalb, weil er beweist, wie viel auch den Bündiern an dem Zolltarif des Grafen Posadowsky liegt, von dem sie so laut und oft erklärt haben, er genüge ihnen in keiner Weise und würde an ihrem Widerstand scheitern. llebrigens ist Graf Posadowsky erkrankt und hat an der letzten Sitzung der Zollkommission nicht teilgenommen.— GewerkschaftSrecht und Parlament. London, 24. Febr.(Eig. Ber.) Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde. beschloß daS Parlamentarische Komitee des Gewerkschaftskongresses eine Novelle zum Trades-Unionsge setze einzubringen. Nach einem Cirkular von Mr. Sam WoodS soll die Novelle nach den Oster- Feiertagen dem Parlament zugehen. Sie lautet: „Werden von einem Beamten, Diener oder Agenten einer TradeS- Union zwecks Förderung eines Streiks, Lock-outs oder irgend eines industriellen Konflikts zwischen Unternehmern und Arbeitern un- gesetzliche Handlungen begangen, so darf der gerichtliche Prozd oder das gerichtliche Verfahren nicht gegen die Trades-Union oder gegen die Personen, die ihre Beamten oder Vertreter sind, gerichtet sein; es sei denn, daß die Leitung der Trades-Union nachweislich den Beamten, Diener oder Agenten zu den ungesetzlichen Hand- lungen ausdrücklich autorisiert hat."— Diese Novelle ist gegen den Entscheid der Lordrichter in Sachen der Taffthalbahn vom 22. Juli 1301 gerichtet. Dieser Entscheid lautete: „Eine Gewerkschaft ist korporativ für die Handlungen ihrer Beamten verantwortlich; sie ist klagbar und mit ihren Fonds für alle rechtlichen Ansprüche haftbar." Das Cirkular von Mr. Woods teilt ferner mit, daß die Novelle bon folgenden Abgeordneten unterstützt werben wird: Atherley-Jones (Sohn des bekannten Chartisten Ernest Jones), W. Abraha»,(süd- ivalisischer Bcrgarbeitervcrtreter mit dem Dichternamen„Mabon' N. Bell(Generalsekretär der Eisenbahner), I. Burt(Sekretär der Bergarbeiter von Northnmberland), Sir Charles Dilke, B. Pickard (Sekretär der Bergarbeiter von Dorkshire) und noch einigen liberalen Parlamentariern. Die Namen von John Burns und Keir Hardic fehlen. * Die Regrehklage gegen die südwalisischen Bergarbeiter. Die Bergarbeiter von Südwales haben bekanntlich im Monat November 1901 einige Ruhetage in der Kohlenförderung eintreten lassen, um der Ueberproduktion resp. der Lohnvermiudcrnng vorzn- beugen. Die Bergwcrksbesitzer erhoben nun die Regreßklage gegen die südwalisische Bergarbeiter-Föderalion und beanspruchen eine» Schadensersatz von nicht weniger als 78 018 Pfund Sterlina(über 1572 300 Mark!).- •# A-utfches Weich. Die Zoll-Situation stellt die„FreisinnigeZeitung" wie folgt dar: „Du konservative Partei soll schon erwogen habe», die förmliche Vertagung der Kommission zu beantragen. Vielleicht aber wurstelt man»och eine Zeit lang fort, ohne daß hüben und drüben noch ein lebendiges Interesse zur Sache besteht. Die Mehrheit der Konimission wechselt alsdann von Tarif- satz zu Tarifsatz, es entstehen Widersprüche ans Widersprüche und zu- letzt wird man des grausamen Spiels müde, lange bevor noch Abg. Stadthagen seine letzte ziveistündige Rede gehalten hat. Das Schiff hat.jetzt einen solche» Leck bekommen, daß es unrettbar versinken muß. W a s aber dann weiter? Die Regierung befindet sich nicht einmal in einer so günstigen Lage ivie bei der Kanalvorlage. Damals konnte sie das Slbgeordnetcnhaus auflöse» und an die Wähler appelliere». Das ist jetzt unmvglich, iveil die Regierung sich einzig und allein auf die Natioualliberale» stützt und bei den Neutvahlen an die Wähler sowohl gegen die Konservativen und das Centrum, w i e g e g c« die Freisinnigen und Socialdemokraten appellieren müßte. Das Regierungsschiff ist nach der Segelorder der Miquelschen Politik in der Zolltariffrage ebenso wie in der Kanalfrage auf den Grund getrieben. Das einzige, was übrig bleibt in der Zollfrage, ist. das havarierte Schiff preiszugeben, die Tarifvorlage im Reichstag zurück- zuziehe» und den Versuch zu machen, wieweit sich die einzelnen Planken bei den Verhandlungen über Tarifverträge mit dem Auslände verwerten lassen." Wir möchten dringend warnen, die Situation zu günstig auf- zufassen. Es ist weder ausgeschlossen, daß die Renienmg sich zu dem Kompromißautrag bekehrt, noch daß die Agrarier sich mit der Regierungsvorlage abfinden. Die Zollopposition steht längst nicht am Ende des Kampfes; sie hat nach wie� vor die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der Zolltarif nicht Gesetz ivird, weder der der Regierung, noch der des Kompromisses, von den„V/z Mark-Zöllnern" nicht zu reden.— Weltgeschichtliches von der Yachttnufe. ES geschehen noch Zeichen und Wunder. Die skeptisch-kühlen, pfifsig rechnenden Aankees sind infolge des Prinzenbcsuchs von einem Orkane der Begeisterung befallen worden, für den dem nüchternen Chronisten, der während dieser großen Tage dieSseilS des atlantischen OccanS zu bleiben verdamnit ist, jede äußerliche Er- klärnng, ja selbst jeder psychologische Schlüssel fehlt. Aber das ist nun einmal so bei einem richtigen Wunder, das sonst ja gar rein Wunder wäre. Der Prinz Heinrich ist»ach Amerika gefahren, itni dakür zu sorgen, daß die neue Sport-Aacht Meteor III. auch mit den spvrts- üblichen Feirrlichteite» vom Stapel gelassen»verde. Dabei ergab eS sich natürlich von selbst, daß der Bruder des deutschen Kaiser« mit besonderem Ccrcmoniell empfangen wurde, was sich um so weniger umgehen liefe, als der deutsche Kaiser die Tochter des Präsidenten gebeten hatte, die obligate Champagnerflasche am Bug dcS Täuflings zu zerbrechen. Daß sich in einem Lande daS ztvar keinen Goethe, aber einen Barnum hervorgebracht hat, auch für die Schiffstaufe eine Menge dankbarer Schaulustiger ein- finden würde, stand außer Zweifel. Daß diese Menge aber von einem wahre» Paroxisnnis von Prinzen-Begeisterung befallen iverdcn würde, konnte selbst der angestammteste Hohenzollern- Schwärmer nicht erivnrten. Hier beginnt eben das Wunderbare. Der Special- berichterstatter unsreS be'ftbedienten Blattes kabelt über diese einzig- artige Sceiie: „Beim Lunch in der Werfthalle rief Prinz Heinrich, jedes Geräusch übertönend, mit hallender Stimnie:„Ich fordere auf, drei herzliche Hochs dem Präsidenten zu bringen I M r. Roosevelt hip hip hurral" Dem ward nrit stürmischem Jubel entsprochen, die drei Hochs aber, die folgten, waren lauter. Der Präsident rief, durch Handwinken sich Gehör verschaffend: „Ich fordere drei Hochs für den Ga st, der schon alle unsre Herzen gewonnen I' Dann fügte er, seine Vmikee« kennend, in derber Art hinzu:„Norv a good one", zu deutsch: „Nun aber f e st e!" Die S c e n e. die nun folgte, ivird n i e ni a» d vergessen, mit beide« Armen i» der Luft schrieen begeisterte Mensche», und man fragte sich, ob dies orkanartige Hurra ans»000 Yankeekehlen wohl über den Orran hinüber Halle. Das schlanke, junge Mädchen blickte aus großen Augen f a st furchtsam und erschreckt. Der Prinz stand tiefernst, ergriffen und bleich. Der Präsident und er schüttelten sich die Hände. Auf die Menge fiel plötzlich ein seltsames Schweigen." Vergebens sucht der Korrespondent des mit Scherl in spalten- langen amerikanischen Originalbcrichten wütend konkurrierenden Mosse-Blattes eine Erklärung für die wunderbare Popularität des Prinzen. Er telegraphiert:. „Die Stimmung ist überall eine enthusiastische. Der Prinz verstand es. über Nacht sich eine gewaltige Popularität zu erringen. Viele seiner Aussprüche trafen ins Schwarze. So gab er auf die Frage, wie ihm die Wolken- ! r a tz e r gefielen, die charakteristische Antwort, ihn inkercssiere es wenig, wie viel Stockiverke die Hänser aufwiesen, er sei vielmehr gekommen, hier die Menschen kennen zu lernen. Dieses Wort hat außerordentlich gezündet und ist in aller Munde." So sehr man die Originalität dieses prinzlichen Bonmots be- wundern mag. eine ausreichende Erklärung für so ergreifende Knud- gebung der Nationalbegeisterinig bietet es gleichwohl' nicht. Die New Dorler Vorgänge eröffnen der Weltpolitik ganz un- geahnte Perspektiven. Eine neue Welt internationaler Beziehungen scheint sich aufzuthim. Was bedeuten derartig weihevollen Völkerverbrüderungen gegenüber alle früheren und etwa noch späteren diplomatischen Mißveistäiidniffe. der Hader der Admirale, die Eifersüchteleien der Botschafter und das bißchen Zollkriegsstiminuiig! Die Zukunft der deutschen Nation liegt in den Herzen der Naukees, die sich„über Nacht" dem Prinzen Heinrich in so wunderbarer Weise erschlossen haben!—_ Die offiziös fristerten Präsideutenreden. Man erinnert sich wohl noch an die entrüsteten Ausbrüche liberalen Mannesstolzes vor Fürstenthronen, als bei dem Zaren- besuch in Frankreich ein soeialistischer Bürger- m e i st e r die Frechheit besaß, den russischen Kaiser einfach mit„Sie" anzureden. Um so erstaunlicher ist, daß diese nämliche Lakaienpresfe kein Wort des Entfctzcns darüber findet, daß der Präsident Roosevelt mit dem Bruder eines Herrschers, dem Prinz Heinrich selbst das Epitheton „erhaben" beilegte, ganz genau so zu verkehren sich er- dreistete wie jener soeialistische Maire in Frankreich, Der ameri- kanische Präsident redete den Prinzen mit echt amerikanischer Un- verfroreiiheit mit„Sie" an, gerade als ob er Gevatter Schneider imd Handschuhmacher vor sich habe. Man mußte amiehmeii, daß eine solche Gleichheitsflegelei einen Sturm patriotischen Unwillens ini deutschen Bürgertum entfesseln werde— aber sonderbar, nicht der leiseste Seufzer beleidigter Unterthaiiendemiit mischte sich in die ans New Dork bezogenen Jiibelfaiifaren. Ist das wirklich dieselbe Presse, die erst vor wenigen Monaten den Kotau als nnunigängliches Hofceremoniell reklamierte? In gewissen Regionen scheint man indessen ein nieiischlichcs Rühren mit dem gekränkten Unterthanengefühl empfmiden und dem offiziösen Depeschenbnreaii einen Wink gegeben zu haben. Das Wölfische Bureau hat sich nämlich in seinen letzten Berichten der Mühe imlerzogeii, die deniokralisch-imgeschliffene AnsdruckSweise des amerikamscheii Präsidenten h ö f i s cki a U f z n f r i s i e r e N. Es läßt demgemäß den Präsidenten, der selbst im schriftlichen Vor- kehr mit dem Prinzen— man vergleiche sein v o r g»st r i g e s E m p f a n g s t e l e g r a m m— die Anwendiing ber dem Prinzen zukommeiiden Titulatur geflissentlich vermied, folgende Rede halten: „Ich möchte meinen herzlichen Dank für die gütigen Worte ausdrücken, welche Eure königliche Hoheit mir gewidmet habe», und ich möchte Ihne» zu wissen ihn»(das ist kein leeres Kompliment), daß Eure königliche Hoheit bereits einen aufrichligeii Platz in imsrer Zinuiguiig»nd imsrem Wohlwolle» gewonnen haben. Wir würdigen es in hohem Maße, daß Seine Majestät der Denlsche Kaiser Sie zu dem amerikanischen Volke entsandt hat, und ich danke Ihne n persönlich, und dafür, was natürlich von viel höherer Wichtigkeit ist, daß Sie einen Schritt unternommen haben, der»aliirgemäß die beide» großen Nationen enger aneinander knüpfen muß, deren Fremidschaft so viel für die zukünftige Wohlfahrt der ganzen Welt bedeutet. Um schließlich Ihnen gegenüber einem persönliche» Wunsche von mir Ausdruck zu gebe», so ist eö der. daß ich mit großer Freude dem Tage entgegensehe, an welchem ich Gast bei I h n e n in Ihrer Eigenschaft als Adiniral an Bord eines Ihrer Schlachlschiffe sein werde." Man sieht, der Cereinonieiimeifter des Wölfischen BureanS hat nur halbe Arbeit gemacht und niisreii Liberalen daS patriotische Aergcrnis nur zum Teil gespart. Wir hoffen indes, daß dieser Hinweis genügen wird, um den betreffenden Korrektor morgen Herrn Roosevelt bereits im Stile der Berliner Magistrats-Byzaiitiner sprechen zu lassen.—_ Prinzenrcise und Sekt- Reklaine. In fast der gesamten Presse begegnen ivir inmitten der Telegramme über die Prinzen- reise folgender Reklame einer S e k t- F i r in a: „Rheingold"- Spende für Mist Roosevelt. Bei der gestern durch Miß Alice Roosevelt vollzogenen Taufe der kaiserlichen Dacht„Meteor" wurde nach altem Brauch von der Taufpathln am Bug des ins Wasser gleilenden stolzen Schiffes eine Flasche deutschen„NheiiigoId"-SekteS zerschellt. Diese Flasche wurde von der F i l i a l e d e r W e i n f i r m a S v h n l e i n u, C o, (S ch i e r st e i»> i n M i l w a u k e e geliefert, sie befand sich in einem Etni ans hellblauem Leder, welches durch Veiniiltelnna des deiilschen Botschafters Dr. von Holleben Fräulein Roosevelt zugestellt wurde. Schloß und Schlüffel des Etuis sind ans echtem Silber gearbeitet" usw. DaS Ergebnis der Prinzenreist scheint also schließlich in einer Reklame für die Herren Scherl, Masse und die Schier- st einer Sektfirma bestehen zu sollen I— DnS militariflerte Parlament. Eine Beförderimg von Ab- geordneten im inUilärischeii Range dat. wie wir der„Freist Ztg." entnehmen, der Kaiser vor einigen Tagen auf dem Festmahl alter Herren beim Regiiiient der Gardes du Corps vorgenommen. Der wegen seiner K a n a l a b st i in m n n g zur Disposition g e- stellte L a n d r a t v, Kotze wurde vom Riltineifter a, D, zum Major, der konservative Abg. v, Kc s s e l zum Rittmeister ernannt. Aiißerdem hat der Kaiser dem Burggrafen zu Dohna-Waldburg und dem F ü r st e n z n B e n t h e i in die Uniform deS Regiments der GardeS du Corps verliehen. Schade, daß trotzdem der Wille des„obersten Kriegsherrn" nicht auch parlamentarisch das„höchste Gesetz" geworden ist 1— Wohlfahrt bei Krupp. Man schreibt uns ans Essen: Während Krupp auf Capri als Krösus und splendider Mann gefeiert wird, setzt man auf der Fabrik in Essen die Millioiien-Ueberschiiß- Wohlfahrtspolitik eifrigst fort. In einem Betriebe wurde den Leuten ögar verboten, während der 1�/, stiindigen Mittagspause das Werk zu verlassen, statt dessen sollten sie. nach Einnahme des zur Fabrik gebrachten Essen, die Arbeit sofort wieder aufnehmen. Verschiedentlich kam cS auf der Fabrik schon zu offener Auf- ässigkeit der Arbeiter. Die Arbeiter in der erwähnte» Werkstatt begossen am Montag, trotz des Verbotes, wahrend der Mittagspause nach Hause zu gehen. Dies nahmen eine große Schar andrer Arbeiter zum Anlaß, gegen den betreffenden Betrieböassistenten. der natürlich wütend den Arbeitern sich entgegen zu stellen suchte, durch Ansammlung vor der Werkstatt und Rufe zu demonstrieren. 25 Leute wurde» noch denselben Nachmittag gekündigt und die Arbeitszeit, entgegen deuj Bestiuiinuiigeli der Arbeitsordnung, auf effektiv 11 Stunden verlängert, indem die Mittagspause um 1 Stunde, äuf eine halbe Stunde verkürzt wurde. Da sage noch einer, Krupp müsse seine Millionen nicht durch iaure Arbeit— andrer verdienen. Der Bürgermeister und daS Wahlrecht. Krefeld, 21. Februar.(Eig. Ber.) In dem schönen Städtchen Uerdingen a. Rh. im Landkreise Krefeld waren bei der Stadtverorbnetenivahl im November vorigen Jahres schlimme Wahlmogeleien vor- gekomincii, und zwar zum Nachteil der CentrumSpartei, so daß die Führer dieser Partei Protest gegen die Wahl erhoben. Die national- liberale Partei ist dominierend in dem aufstrebenden Industrie- städtchcn, und hat sämtliche Stadtverordneten-Mandate, mit Aus- nähme zlvcicr, inne. In eincin Punkte sind sich die beiden Parteien, Ivelche sich sonst grimmig befehden, einig, nämlich in ihrem Haß gegen die Ä r b e i t e r b e w e g u n g.' Organi- sierte Arbeiter werden in den Betrieben nicht geduldet. Bei der betrefsciiden Wahl waren nun die bekannten Mittel, Freibier, der Wink mit der Entlassung, und so weiter, angewendet worden. Außerdem wurde noch Stimnie»kauf festgestellt: ein Wähler hatte von einem Stimmzettelverteiler 1 M. erhalten für die Zusage, daß er uationalliberal wähle. Interessant war die Thatsache, daß bei einem Wirt L400 Biermarken von den Führern der liberalen Partei zum Zweck der Veiteilniig an die Wähler gekauft Ivorden waren. Einem Wähler war es»im passiert. daß er bei der Stimmenabgabe nicht die Naiiicn der liberalen Kandidaten geiiaiint hatte.' Nach Verlauf von vielleicht 10 Minuten kam der Betreffende nuii. nachdem er darauf aiffmerksaiii gemacht worden war, und erklärt: er habe sich geirrt, er habe die libe- ralen Kandidaten wählen wollen. Der Bürgermeister als Wahlvorsteher ließ ihn auch wieder wählen, und erklärte die zuletzt abgegebenen Namen für gültig, lieber den Protest der Cen- truinspartei wurde in der Stadtvcrordlletcii-Verfamnilnng verhandelt und selbstverständlich wurden die Wahlen trotz der Mogeleien für gültig erklärt. Ob die CeiitrumSpartei sich bei der Entscheidung der Stadt- verordlieteli-Versamiiiluiig beruhigen wird, wissen wir nicht; die Ansicht des Bürgermeisters'und der nationalliberalen Stndtberordiieten- Mehrhcit über das Wahlrecht ist aber so eigenartig, daß es gut wäre, wenn die Sache weiter verfolgt würde.— Unterschlagungen eineS Hauptmanns. DaS Ober-Kriegs- gericht in Trier verhandelte gegen den Hauptmann Koch vom Inf.- Regt. Nr. 29 wegen imterlasseiicr Strafanzeige, unrichtiger Führung des Schießbuches, Mißhandlung eines Untergebenen, Unterschlagung. Der Angeklagte war wegen dieser Vergehen vom Kriegsgericht zu sechs Wochen Stubenarrest und zur Dicusteiitlassuug verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte aber sowohl Koch, als auch der Gerichtsherr Berufung eingelegt. Das Ober-Kriegsgericht erkannte den Hauptmann der angeführten Strafthaten für schuldig und ver- urteilte ihn zu drei Monaten Feslniig und zur Dienstentlassung.— Ein Hauptmann»vege» Beleidigung bestraft. Vor dein Kriegsgericht der 9. Division in Gloga» hatte sich der Hauptmaim Sch. von der 5. Compagnie des Infanterie- Regiments Nr. 53 in Glogan wegen Beleidigung zu verantworten. Ein Kaufmann aus Grünberg, der bei dem genannte» Truppenteil diente, fühlte sich von dcni Hauptmaun chikaniert. Bei einer Uebung ließ sich der Hauptmai»! von dem Soldaten Griffe vormachen. Da die Uebung schlecht ging, wurde der Hauptmann sehr erregt und rief: „Mit Ihnen erreiche ich nickits. Sie sind c b e n s o e i n L u m P, wie Sie im Cipilleben wäre n. Sie werden es noch erreichen, daß Ihnen die F e st n n g s- mauern winken." Ei» andres Mal bat der Kauf- mann»m zwei Tage Urlaub zu einer Reise, um eine Schuld von 000 M. einzutreiben. Der Hauptmann schlug das Urlaubsgesuch rundweg ab und ließ sich hierbei zu einer erneuten Beleidigung des Kaufmanns fortreißen. Obgleich die der Compagnie angehörenden Zeugen die Beleidigungen in milderer Form gehört haben wollen, nahm der Gerichtshof beide Beleidigungen als erwiesen an und verurteilte den Hauptmann zu zehn Tagen Stubenarrest.— Was ein mecklenburgischer Professor leistet. Seit einiger Zeit fällt in Bücher» und Joimialaufsätzen ein Herr Dr. R i ch a r d E h r c ii b c r g aus, Professor in Liostock, der das Gewerbe treibt, Leibphilosoph der ,. königlichen Kaufleute" zu sein und die riesigen Ouaiiitäten„Unteiiiehnicriiitelligcnz" wissenschaftlich zu analysieren, die in den Rothschild, Krupp usw. aufgespeichert sind. Im Scherlschen„Tag", der sich immer mehr zum Sammel- decken der geistigen Absonderungen der Max Lorenz und Zedlitz entwickelt, wendet sich dieser Mecklenburger Professor Richard Ehren» berg gegen die Socialrcformer, die sich von den Socialdemokraten in Schlepptau nehmen lassen, indem er warnend und belehrend folgendes System der Uiiteriiehincriiitelligenz enthüllt; „Unter dc» folgenschweren Irrtümern, welche unsere bürger- lichen Socialpolitiker kritiklos von den Socialistcn Übernommen haben, sei heute mir die allgemein verbreitete Anschauung be- sprachen, daß es sich bei der socialen Bewegung unserer Tage um ciuen Klassenkampf zwischen„Kapital" und„Arbeit" handelt. Diese Anschamnig ist in det Wurzel falsch. Der Gegensatz von Besitzenden und Nichtbesitzendcn ist uralt; aber der Klassen- kämpf, welcher mit der Großindustrie eutstaiideii ist, wird anS- fchltestlich gekämpft zwischen Kopfarbeiter» und Hand- arbcttcrn. Der Unleriichmer ist als solcher lediglich ein Arbeiter, der seine Willens- und Geisteskraft darauf verwendet, Unter- nehiiiimgen zu bcgriiudcn und zu leiten. Als Handwerker leistet er daneben noch Handarbeit, Aber durch Eni- stehung des Großbetriebes ist die Thätigkeit deS UntoruehmerS so schwierig geworden, daß er sich besonders für sie ausbilden und auf sie beschränken muß, Scitdcin kann die Mehrzahl der Lohuarbcitcr nicht mehr Unternehmer wcrdcn, nicht etwa deshalb, weil sie das dafür erforderliche Kapital nicht besitzen, sonder» anSschliestlich deshalb, weil die Auf- gaben eines GrostunternehmrrS so schwierige sind, daß mir verhiiltniSmästig wenige Mensche» sie erfolgreich lösen können, und diese wenigen in der Regel mir auf Grund Iniiger Erfahrimge». Seitdem giebt es die beiden scharf von einander gesonderten Klassen der lediglich mit dem Kopf arbeitende» Unternehmer«nd der mit der Hand arbeitenden Lohnarbeiter." Nach dieser Jntelli�enzprobe deS Herrn Richard Ehrenberg zweifeln wir nicht im nnndesten daran, daß er eben so gut wie etwa der derzeitige Inhaber der Firma Krupp geeignet ist, die 50 000 Haudarbeiler dicseS Betriebes durch seine Kopfarbeit ans- znbeiite». Ach, in diesem nup.liicklichen Mecklenburg weiß ein Professor nicht, daß in den inbustriellen Großbetrieben auch die nötige leitende Kopfarbeit von Angestellten und AuSaebcnteten(Ingenieuren. Chemikern usw,) geleistet wird, während die Uiiteriiehmerintelligeuz der kapitalistischen Unternehmer sich vielfach darin erschöpft, zu über- legen, wie sie auf möglichst angenehme Weise die durch ihre Kopf- arbeit verdienten Milliouen los werden können. Zu dem Monarchen und Gutsherrn von GottcS Gnaden erfindet der mecklenburgische Professor jetzt auch einen mystischen Unter- u e h in e r von Gottes Gnaden, der nicht durch das Kapital, sondern durch seine lolossnle Intelligenz zur Ausbeutung der Hand- arbeiter berufen ist. Zu der Entdeckung iiiußte der„T a g" gegründet werden I Sollte dieser anschlägige Professorenkopf nicht eine zweckmäßigere Verlvciidiiug in den Vorzimmer» der Krupp und Rothschild finden, als in de» Lehrsälen einer Universilät?— Die auSalclchende Gerechtigkeit dcS Matthias V. Köller. Der Staatssekretär v. Köller hat wieder eine bedenkliche Entgleisung zu verzeichnen. Er äußerte jüngst im elsaß-lothriiigischcu Landes- ausschnsse anläßlich der ersten Lesung des Etats, die A r b« i t e r laufen jeden Sonntag in die Kneipe» und ver» trinken da ihr Geld, Diese Bemerkung wurde seitens der Presse scharf zurückgewiesen. Die Kritik scheint nicht ohne Wirkung geblieben zu sein, Herr v. Köller nahm Beraiilassung, im o f f i z i e l l e n st e u o g r a p h i s ch e u Bericht über die dritte Plenarsitzung des LaudesauSschusses seine Aeußermig zu korrigieren. Et zeigte aber hierbei die bewährte geschickte Hand. In der zweiteil veränderten Auflage geht die Aeußermig Kollers dahin, er mache nicht nur den Arbeitern, sondern der ganzen Bevölkernng den Vorwurf, daß sie jeden Sonntag in die Kneipen laufe und ihr Geld vertrinke, statt zu sparen für ernste Zeiten, wo sie das verschwendete Geld brauchen könnten. Koller ist eben immer originell.— Ausland. Schweden.' Im Zeichen der Arbeiterfrage. Die staatliche Arbeitsstatiftik in Schweden ist bis jetzt nur eine provisorische Einrichtung, die von den jeweiligen Bewilligungen des Reichstags abhängig ist. Die Regierung hat nun vor einiger Zeit dein Reichstag eine' Vorlage unterbreitet, wonach die Arbeiter� statistil in eine dauernde Institution umgewandelt werden soll, mit festangestellten Beamten. Die ReichstagS-Kommission, die sich hiermit befatzte, hat in ihrer Mehrheit den Vorschlag verworfen und will das Provisorium beibehalten mit 10 000 Kr. pro Jahr als Extrabewilligung. Sie war der Meinung, daß man während der 6 Jahre, während der die arbeitsstatistischen Untersuchungen gepflogen werden, noch nicht genug Erfahrungen in der Sache gemacht habe, um ein besonderes Amt dafür einzurichten.— Im Reichstag fand am Sonnabend eine sehr interessante Debatte über diese Angelegenheit statt. Die Erste Kammer sprach sich mit 75 gegen 39 Stimmen für das Kommissionsgutachten, und gegen di Regierungsvorlage auS. In der Zweiten Kammer wurde mit 110 Stimmen gegen 88 ein Antrag von Friesen angenommen, der sich' in der Hauptsache mit dem Regierungs Vorschlag deckt und mit dem sich die Regierung auch einverstanden erklärte. Danach soll ein oberster Leiter der Untersuchungen mit einem Jahresgehalt von 4500 Kronen fest angestellt werden, und für die Untersuchungen des nächsten Jahres wurden 15 000 Kronen als Extra-Ausgabe bewilligt. Bei den Verhandlungen in der Ziveiten Kammer traten auch die beiden an- wesenden Minister sehr entschieden für die Arbeitsstatiftik ein Fi nanzmini st er Graf Wachtmeister erklärte u. a.:„In dem neuen Jahrhundert ist und wird die Arbeiterfrage immer mehr die dominierende Frage; es wird dahin komnien, dah sie eine gröstere Rolle als irgend eine andre Frage spielt, sowohl inncrhalb'als auch antzerhalb der gesetzgebenden Körperschaften Darum ist es sowohl für die Arbeitgeber als mich für die Arbeiter von größter Wichtigkeit, daß ihnen zuverlässige Statistiken iiber Lohn Verhältnisse. Lebensmittelpreise, die Wohnungsfrage usw. zugänglich sind. In dem scharfen Kampf um die Interessen der verschiedenen Gesellschaftsklassen kann die Schärfe gemildert werden, wenn beiden Parteien eine unparteiische Statistik zur Verfügung steht." — Der Civilmi nister v. Krusenstjerna sägte u. a. «Laßt uns daran denken, daß wir nicht nur im Zeichen des Verkehrs, sondern auch im Zeichen der Ar beiterfrage leben. Im Jahre 1841 fand sich auch jenes wichtige Gebiet des Gcsellschaftslcbens noch nicht aufgeführt unter den Zweigen der staatlichen Wirksamkeit, für die ein be sondercs Departement errichtet Ivnrde, Nun sind inzwischen andre Verhältnisse eingetreten. Eine völlige Umwälzung hat stattgefunden und ans dieser neuen Lage folgen auch n e u e P s l i ch t e n f ü r S t a a t u n d G e s e l l s ch n f t.' Staats- institutionell für Förderung des Landbaucs und Verkehrs sind im Laufe der Jahre geschaffen worden. Nun wohl, da ist es wohl auch an der Zeit, eine Institution zur Beleuchtung der Arbeiterfrage zu schaffen."— Die Vorlage wird jetzt den beiden Kammern zur gemeinsamen Beschlußfassung vorgelegt ivcrdcn. Die erste Kammer ist hierbei ausschlaggebend. Es lvird aber viel davon abhängen, daß die Regierung dann ebenso scharf wie in der zweiten Kammer ihren Standpunkt auf feiten des Fortschritts markiert.— Frankreich. Eine Rede Misterandö an die Postbeamten. Angesichts der Nahenden Wahlen sind die französischen Minister jetzt sehr viel auf Reisen. So war der Ministerpräsident Waldeck-Rousscau dieser Tage in Sorbonne, der Ackerbauminister Diipuy in Lille und Millcrond und Baudin i» Bordeaux. Dort präsidierte Millcrand einem Bankett von 700 Gedecken, a» welchem die Post- und Telegraphenangestellten teilnahmen. Bei dieser Gelegenheit hielt Millcrand in Bc antwortung eines auf ihn ausgebrachte» Toastes eine Rede. Er bc glückwllnschte den Geist, der unter den Beamten der Post und Tele- «raphie herrsche, und lobte das Parlament, das die Lage der Post angestellten materiell und moralisch verbessert habe. Die Staats- betriebe müßten Musterinstitute sein und der Privatindustrie mit gutem Beispiele vorangehen. Diese Reformen seien aher nur eine Folge der Existenz der drei großen Ver- e i n i g u u g e n der Post- und Telegraphcu-An- geste Ilten und Arbeiter.„Denn," so fuhr der Minister fort, „man darf sich nicht auf Wunder verlassen, sondern muß sich stützen auf die Kraft der Vereinigungen, deren Klugheit und Vorsicht. Sie müssen vor allem einig sein, nicht nur in der Vereinigung selbst, sondern Einigkeit ninß auch herrschen zivischen den Organisationen. Wir iverden Sie in Ihrer Solidarität nicht anseinanderreißen, und Sie dürfen sich bei Ihren Fordernngen nicht von einander trennen. Sie dürfen nicht von Ihren großen Wer- einigimgen lassen, denn der Ziveck derselben ist die Ueberleilung der republikanischen Ordnung i» eine ökonomische und sociale Ordiilnig.— Belgien. Der Kongreß der vlämischen Socialistcn, der am Soimtag in Courtrai stattfand, nahm eine Resolution Anseele an, in welcher ausgesprochen ist, daß das vlämische Volk bereit ist. alle Opfer für die E i n f ii h r u n g des allgemeinen, gleichen und einfachen Wahlrechts zu bringen. Die Haltung der Socialisten gegenüber den andren Parteien bei den Wahlen wird in der Resolution ivie folgt festgelegt: In den Kreisen, in welchen die Arbeiterpartei nicht stark genng ist, das Mandat zu erobern, ist der- jenige Kandidat zu unterstützen, der für das gleiche einfache Stimm- recht eintritt. Die Partci-Organisationen der einzelnen Kreise haben das Recht, bei den Wahlen mit denjenigen bürgerlichen Parteien Kom- promisse abzuschließen, die für das gleiche Wahlrecht eintreten.— Italien. Bürgerliche Berichterstattung. Frivole Leichtfertigkeit, wen» nicht schlinnneres, Pflegen der offiziöse Telegraph und die bürger- lichcn Blätter bei ihrer Berichterstattung über die Vorkonunnisse bei Streiks an de» Tag zu legen. Das zeigte sich wieder bei einem Mord, der vor etlichen Tagen bei Turin an zlvei Gendarmen be- gangen wurde. Derselbe ereignete sich in der Nacht vom Sonnabend f' um Sonntag auf der Landstraße von Turin nach Beinasco. Der lelcgraph bringt diesen Mord einfach»lit dem Streik in Zusanunen- hang, und die bürgerliche Presse ist ebenso schnell dabei, diese Unthat den Streikenden zur Last zu legen. Wie ivir jetzt dein „Avanti" entnehmen, hat der Mord absolut nichts ni i t d e m S t r e i k zu t h u n. Die zlvei Gendarmen befanden sich auf der Suche nach einigen Strolchen, die ihnen schon von mehreren Orten signalisiert worden waren. Sie begegneten einer Anzahl zweifelhaft aussehender, ihnen unbekannter Männer, in denen sie die Gesuchten vor sich zu haben glaubten. Die Gendarmen wollten des- halb die Verhaftung derselben vornehmen: diese setzten sich aber zur Wehr, es kam zu einem Handgemenge und die Gendarmen wurden durch Erdolchen und Würgen inngebracht. Wir sind begierig, zu sehen, ob die bürgerlichen Blatter, welche in leichtfertiger Weise die Streikenden des Mordes beschuldigten, nun auch die obige Darstellung bringen iverden. Die Nachricht von der Beendigung des Gasarbeiter- Streiks scheint sich zu bestätigen. Den militärischen Streikbrechern kann man also den Lohn zahlen, den man dem Personal verweigertl Der Wahn von dem guten Willen der Regierung, die Lage der Arbeiter zu bessern, ist rasch und gründlich zerstört worden!— Spanien. Ueber die Unrnhen wird weiter gemeldet: Barcelona, 26. Februar. Die Militärbehörden setzen eifrig die Untersuchung fort bezüglich der letzten Vorkommnisse Von den Verhafteten wurden 40 wieder freigelaffcn. Die Hafen arbeiten wurden wieder begonnen. 1200 Arbeiter haben die Arbeit wieder aufgenommen. Murcia, 26. Februar. Ausständige sammelten sich in den Vorstädten an: sie wurden von der Gendarmerie zerstreut. Mehrere Personen wurden verhaftet, Patrouillen durchstreifen die Straßen Die Stadt ist ruhig. Cartagcna, 26. Februar. Die Bäckergesellen setzen den Aus stand fort, während alle übrigen Arbeiter die Arbeit wieder auf genommen haben. Madrid, 26. Februar. In Mallen(Provinz Zaragoza) wurden zwei Anarchisten ivegen Aufreizung zum Aufruhr verhaftet. Sie werden summarisch abgeurteilt iverden. In Reus dauert der allgemeine Ausstand fort, in Sabadell arbeitet nur ein Teil der Arbeiter. Amerika. Amerikanisches Licbeöwcrben in China. Die Londoner Blätter berichten aus Washington, die Vereinigten Staaten hätten an die Großmächte das Ersuchen gerichtet, in eine proportionale Er Mäßigung der von China geforderten Kriegsentschädigung zu willige», damit dieselbe 450 Millionen Taels nicht übersteige. Deutschland soll dagegen der Ansicht sein, daß die von ihm geforderte Ent- schädignngSsnnnne zu gering sei und eine Erhöhung derselben um 12 Millionen Taels verlangen. Es sollen gegenwärtig zwischen den beiden Kabinetten diesbezügliche Unterhandlungen stattfindeii. Der Boeren- Krieg. Zwei neue englische Mißerfolge. Lord Kitchcner meldet aus Pretoria vom 24. Februar: Ei» leerer Convoy von Vondonops Abteilung ivnrde bei Wolniaran- stad. ungefähr 10 Meilen südlvestlich von K l e r ks d o r p, angegriffen und nach heftigem Kampfe weggenommen. Die Eskorte bestand aus dem 5. Bataillon Dcomanry, drei Coinpagnieu Northinnberland Füsilieren und 2 Geschützen. Einzelheiten liegen noch nicht vor. Die Boercn kamen offenbar aus erheblicher Entfernung, die Verfolgung ist aufgenonlinen. Ferner meldet K i t ch e n e r vom 23. Februar: Wie Oberst Bhng berichtet, versuchten 600 Boeren vom Süden Ivelche eine Heerde Vieh vor sich hertriebe», am 23. Februar des Nachts auf der rechten Seite der Vorposten Bhng's genau in der Richtung auf Bothasberg durchzubrechen, Ivo Byng Fühlung mit Riniington'S linker Flanke hat. Einer Anzahl von V o e r e» gelang der Durchbruch, nachdem sie alles zurückgelassen hatten. Die Neuseeländer zeigten die größte Tapferkeit. In ull>i,ittell»rcr Nähe des Schlachtfeldes ließe» die Boeren 15 Tote und 6 Venvundete zurück. Weitere Einzelheiten, insbesondere über die britischen Ve'cluste, liegen noch nicht vor. Der Arbetterschutz der Regierung. Die„Agenzia Stefans" meldet ans Rom: Das zum Militär einberufene Bahn- personal ist, da es soivohl für den Ei s e n b a h n- D i e» st als auch für den Militär dien st bezahlt wird, vollständig zufrieden und thut seine» Dianst mit völliger Regelmäßigkeit. Der Bahnverkehr ist in ganz Italien völlig nonnal._ GvkvevItfllszÄfkli�zrs. Berlin und Nuigegcnd. Als Streikbrecher nach Schweden sind nun leider doch trotz aller Abmahnungen ca. 60 Berliner Bäcker gefahren. Die organisierten Bäcker versuchten noch in letzter Stniide die Irre- geführten zun» Hierbleiben zu bewegen. Mit ihnen zugleich hatten ich aber auf dem Lehrter Bahnhof 2 Polizei-Offiziere. ca. 10 Schutz- leute und eine Anzahl von Kriminalbeainten eingesimden. Also sogar im Dienste ausländischer Kapitalisten muß unsre brave Polizei thätig sein I Auch das Bahnhofspcrsonal war mit zur Rettung des schwedischen Staates aufgeboten. Der Portier ersuchte die Streikbrecher, ihn, alle nicht nach Schweden engagierten auf dem Bahnhofe aiNvesenden Bäcker zu bezeichnen. In seinem Eifer geriet er ab und zu an Verbandsmitglieder, die ihm selbstverständlich hoch und teuer versicherten, daß sie seinem Wunsch Folge leisten würden. Ein Vcrbandsmitglied zog sich auch durch das Mißverständnis eines Polizeilieutenants einen Teil des für die Streikbrecher bercitgehaltenen Schutzes zu. Unter den Streikbrechern befand sich ein den, Berbändler bekannter Auchkollege. Da er cS für seine Pflicht hielt, denselben von seinem Vorhaben zurückzuhalten, trat er an ihn heran,»n, ihn, wegen desselben Vor- Haltungen zu machen. Ein Polizeilientenaiit mißverstand die Situation, hielt den.Streikbruder" für eine»„Arbeitslvilligen" und erkundigte sich fürsorglich bei ihm, ob er— belästigt worden sei.— Den Leuten, die sich in Unkenntnis der Sachlage hatten engagieren lassen, die sich aber dann gegen die Abreise sträubten, wurden vom Sprech», eister die ihnen abgenoinmene,, Papiere zurückgegeben. Achtung, Kleber und Bauhandwerker! Durch Versammlungs- beschluß vom 25. d. M. ist der von der Vcrbandsleitnng mit dem Unternehmer Löber, Köthenerstraßc, abgeschlossene Tarif für »»gültig erklärt ivorden. Die Bauten Charlottenbnrg, llhlandstr. 45, und Halensee, Westsälischcstraße und Joachim Friedrichstraßen Ecke. sind also gesperrt und die Bercchtigungskarlcn der dort arbeitenden Kollegen ungültig. Die Baute» Schöneberg. EberSstraße und Tempelhoferstraßen Ecke(Uliternehmer R o s k y, Wcidcnweg 51), Charlottenburg, Guericke- traßen Ecke(Unternehmer S ch i c p I i ch, Bülowstr. 36) und Sparr- traße, Ecke Burgsdorsstraße(Unter, ichnier K n a u e r, Usedom- traße), sind wegen Nichtzahlung der Tarifpreise gesperrt. Die Sperre über die Firma Langer, Friedenau, Handjerh- traße(Bau Friedenau, Menzelstr. 13) ist aufgehoben. Bewilligt haben noch die Unternehmer Max W o r b S, Sophien- traße 18, und Paul Schön felder, Rvstockcrstr. 18. Wir fordern nochmals alle Banhandiverker auf, die Kleber nach den Berechtigungskarteii zu fragen und alle diejenigen, welche sich nicht im Besitz derselbe» befinden, nach de», Streikbnreau der Kleber, Schützenstr. 13/19, Telephon Aint I 1308, zn schicken. Die Lohnkom», issioi, der Kleber Berlins und Umgegend. Die Differenzen der Stercotypcure im„Reichsboten" sind mit den, gestrigen Tage beigelegt worden. Die Ausständigen„ahmen darauf die Arbeit wieder auf. DcnifcheS Reich. Sämtliche Fabrikschnhmacher der Firma Rosenbusch u. Cie. in Mainz haben die Arbeit niedergelegt. Ursache des Streiks ist die Dnrchbrechnng des seit 12 Jahren' bestehenden Tarifs, durch ivelche ganz bedeutende Lohnreduktionen herbeigeführt ivorden sind. Einen, Arbeiter, der seither in einer Lvhnzahlnngsperiodc 27,49 M. verdiente, wurde dieser Verdienst ans 15,44 M. herabgemindert,. einen, andren verheirateten Arbeiter sein Verdienst von 25,31 auf 15,58 M. Ein Kaltpolicrer erhielt statt seither 26,16 M. nur 18 M. ein Glätter statt 28 M. nur 22 M. und etliche Pfennige. Der Vor« sitzende des Gewerbegcrichts wurde von der Lohnkommission zur Vermittlung angerltfen»nd iväre eS in, beiderseitigen Interesse zn lvünschen, ivenn baldigst eine Einigung herbeigeführt würde. Die Verinittelnng der Regierung im Greizer Weberstreik ist leider gescheitert. Den abermals auf die Regierung beschiedeiien Konimissionslnitgliedcru der Weber wurde seitens des Regierungs- Präsidenten von M e d i n g eröffnet, daß der Fabrikantenverein weitere Konzessionen als diejenigen, die seine Vertreter vor den, Einigungsamt gemacht, nicht g e w ä h r e>» k ö>, n t e.— Die Verhandlungen sind demnach wieder als gescheitert zu betrachten und die Beseitigung des Konflikts auf nicht absehbare Zeit hinausgeschoben. Der DrechSlerstreik bei der Firma Worms in Zeitz dauert fort. Im Laufe der Woche hat dort ein Drechsler Kr oker ans Leipzig als Arbeitswilliger angefangen. Andrerseits haben einige Streikende Arbeit bei einer Firma gefunden, die bisher ihre Arbeiten bei Worms herstellen ließ. Herr Worms versucht Arbeitswillige da- durch anzulocken, daß er einen Lohn von 40 Pf. pro Stunde bietet. Wenn er seinen alten Leuten anständige Löhne gegeben hätte, so hätte er sich viel Sorgen erspart. Die Differenzen zwischen den organisierten Holzarbeitern nud dem Scharfmachcrverbaud des Baugewerbes in Miinchc» sind durch das Eingreisen des Vorsitzenden des Gewerbegerichts beigelegt. Die Firma Kehrer u. Schnell hatte die Arbeiter wegen Kontraktbruchs verklagt. Dabei wies der Gewerbe- lichter darauf hin, daß eine Urteilsfällnng die angedrohte Aus- sperrung und die dadurch hervorgerufene Verbitternng mehr fördern als hindern würde. Er rate den Parteien, den eben beendeten Kanipf nicht auss neue zn beginnen, sondern zu einer Verständigung die Hand zu bieten. Nach mehrstündiger Verhandlung kam folgender Vergleich zu stände: Die Firma Kehrer u. Schnell verpflichtet sich, bei normaler Arbeitszeit und Arbeits- leistniig ein wöchentliches Kontogeld von 24 M. zu bezahlen und die gegen die Arbeiter gestellte Klage znrückznziehcii. Dagegen erklärten sich die Arbeiter bereit, den Streik für beendet zu erkläre» und die Arbeit umgehend aufznnehnien. Der den Verhandlungen an- wohnende Sekretär des Arbcitgeber-Verbandes, Ingenieur Feller- meier, gab die Erklärung ab, daß die vom Arbeitgeber-Verband für den 1. März beschlossene Aussperrung sämtlicher bei Verbands- Mitgliedern beschäftigten Holzarbeiter hinfällig geivorden sei.— Die Arbeiter der Firma Kehrer u. Schnell haben die Arbeit tvieder auf- gcnommew__• VevlÄinmiungen. General Bersamuilnng des Vereins ziclbewnßtcr Händler und GcschästS-Jnhaber. Der Kassenbericht ergab einen Bestand am 16. August 1901 von 70,78 M.. Einnahme bis jetzt 97,35 M.. Ausgaben 40,70 M, augenblicklicher Bestand 127.93 M. In den Vorstand wurden gewählt: Alfred Opitz, 1- Vorsitzender, Max Lange, Kassierer, Max I a h n e l, Schristführer. Als Revisoren wurde» gewählt: Max N i t h a ck, Paul Weber und Otto Schultz Ü. Charlottenbnrg. lieber die Arbeitslosen-Zählung in Char- lottenburg sprach Dr. Borchardt am Dienstag in einer Ver- saniinlnng der Charlottenburger Getverkschaften. Redner führte aus: Der Charlottenburger Magistrat habe im vorige» Jahre von der Geiverkschaftskoinniission, ivelche um Maßnahnien gegen die Arbeits- losigkeit ersuchte, den Nachweis verlangt, daß eine außergewöhnliche Arbeitslosigkeit bestehe. Die Gelverkschaftskonimission habe infolge- dessen beschlossen, eine Zählung der Arbeitslosen ivomöglich noch in, Dezember vorziniehmen. Als sie jedoch den Magistrat um Beihilfe zu den Kosten der Zählung ersuchte, antwortete derselbe, er trage Bedenken, sich an einer von privater Seite veranstalteten Arbeits- loscn-Zählnng zu beteilige». Inzwischen habe nun die Berliner Geiverkschaftskommission ebenfalls die Aufnahine einer Arbeitslosen- statistik beschlossen, und die Charlottenburger Gewerkschaften hätten deshalb ihre Zählung verschoben, u», sie gleichzeitig mit Berlin und den übrigen Vororten auszuführen.— Der Redner besprach nnii die bereits veröffentlichten Ergebnisse der Zählung. Dieselben gaben zwqr kein vollständiges Bild> von der herrschenden Arbeitslosigkeit, sie zeigen aber trotzdem, daß infolge des Arbeitsmangels ein außergeivöhnlicher, ja ein erschreckender Roistand bestehe. Die Äntlvort, welche der Magistat in der letzten Sitznng der Stadtverordneten auf die Interpellation nnsrer Genossen gab. sei eine durchaus»inbefriedigcnde. Der Magistrat halte die durch die Zählung iiachgewicsciie Arbeitslosigkeit nicht für erschreckend und fiihle sich— wie der Magistratsvettreter sagte— nicht veranlaßt, auf die Anregungen einzugehen, Ivelche iinsre Genossen behufs Linderung des Notstandes gaben. Das könne erst geschehen— meinte der Magistrat— wenn die Stadtverordneten- Versamm- lung in dieser Hinsicht bestimmte Beschlüsse gefaßt habe.— Dieser Teil der Antwort des Magistrats— sagte der Redner— setze ihn an, meisten in Erstanncn. Der Magistrat müßte es sich doch zur Ehre rechnen, in der socialen Fürsorge selbständig vorzugehen, eine führende Stellung einzunehmen inid nicht erst auf die Beschlüsse der Stadtverordneten zn ivarten. Nachdem die Jnter- pellation den geivünschten Erfolg nicht hatte, ivürdei, die social- demokratischen Stadtverordneten bestinunt formulierte Anträge einbringen. Außer der bereits angeregten Speisung der Schul- linder und der Gründung eines Notstandsfonds müßten auch Maßnahme» zur Fürsorge gegen die Folgen der r e g e l in ä ß i g e n Arbeitslosigkeit getroffen iverden, die stets vor- handen ist, auch wenn kein anßergelvöhnlicher Notstand besteht. Nach dieser Richtung hin würde unsererseits vielleicht beantragt iverden. die Gcwcrksihaften znili Zweck der Arbeitslosen-Uiitcrftütznng aus öffentlichen Mitteln zu subventionieren. Die Frage der Fürsorge gegen die Folget, der regelinäßigen Arbeitslosigkeit werde nicht von der Tagesordnung' verschivindcn. Es sei zu hoffen, daß Charlottenburg in ivenigen Jahre» dauernde Ein- richtuiigeii haben weide. ivelche die durch die Arbeitslosigkeit verursachte Not einschränken und lindern lverde.— Die Redner, ivelche in der Diskussion das Wort nahmen, stimmten mit de», Referenten überein. Einer scharfen Kritik ivurde das Verhalten des Magistrats und der Stadtverordneten-Mehrheit der Arbeitslosigkeit gegenüber unterzogen. Schließlich wurde folgende Resolution ein- stinnnig angenomnien: Die Versammlung der Charlottenburger Gewerkschaften miß- billigt auf das Entschiedendste des Verhalten des Magistrats und der Mehrheit der Stadtverordneten in Sachen der Fürsorge für die Arbeitslosen: sie verlangt energische Maßregeln in dieser Richtung, die sich ain besten an die Arbeilslosen-Unterstiitzung der beruflich organisierten Arbeiter anschließen. Urlzte itachvichken und Depeschen. Brandunglück. Frankfurt a. M., 26. Februar.(B. B.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet: In Dtnkclsdithl ereignete sich ein großes Brand- unglllck. Eine einstürzende Mauer begrub eine Anzahl Menschen unter sich. Man zählt 15 Tote. Nürnberg, 26. Februar.(W. T. B.) Nach einer weiteren Meldung aus DinkclSbühl wurden bei dem Brande durch den Ein- turz der Giebelmaner IS Pcr�nen getötet. Offenbach, 26. Februar.(B. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet: In de», Zurichteraum der Lederfabrik von I. Meyer entstand ein großes Feuer, wobei Felle im Werte von einer Million Mark verbrannten. Rom, 26. Februar.v ach« ge st ärkt, und wenn dem über 25 Jahre alten Bürger Stimme und dem über 40 Jahre alten Stinimen gegeben tv erden. Aber»vir verlangen vorher Garantien für diese Forderungen, ehe wir für die Revision st i m m e». Man kann die Lobgesänge, die die liberale nnd progressistische Presse ob dieser Erklärung anstimmen, begreiflich finden. Für die socialdemokratische Partei aber ist sie der Ausgangspunkt neuer Schivierigkeiten. Allerdings wäre durch die Erklärung die Zahl der revisions� freundlichen Abgeordnete» um ein halbes Dutzend gestiegen. Aber eventuell um welchen Preis! Was den Verzicht auf das Frauen- Stimmrecht und die Verstärkung des Senates für unsre Partei be- deutet, braucht hier nicht ausgeführt zu werden. Für das zu konser- vierende Ziveistimmen-System wird fich kein Socialdemokrat erwärmen können. Es könnte aber nichtsdestoweniger, wie bei früheren Gelegen heiten, mangels eines andren Ausweges, durch ein K o m p r o ,n i ß zwischen Klerikalen. Doktrinären usw. als kleineres Uebel Gesetzeskraft erlangen. Vor der Erklärung der Doktrinäre traten von den 152 Abgeord neten rund 65 für das allgemeine Wahlrecht saos xbraso ein. Und befanden sich auch unter diesen 65 einige, die ähnliche Bedingungen wie HymanS zu stellen gewünscht hätten, so hätten sie schon in Anbetracht ihrer numerischen Schwäche aus rein taktischen Gründe» davon Abstand nehmen müssen. Anders jetzt. Die Wankelmütige» schlagen sich auf die Seite HymanS, legen Bresche in die bis dahin leidlich ge- schlossene Phalanx und erschiveren dadurch die Eroberung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts. Die Anhänger der Parole:„Ein Mann, Eine Stimme" haben durch den Eintritt HymanS in den Kreis der Freunde der Verfassungsrevision eher verloren als gewonnen. Die Klerikalen nützen diese gegebene Situation mm auch weidlich aus. Der Drohung des Klerikalen Goelaert, die Einführung des Frauen-Stimmrechts zu beantrage», wenn die Linke das allgemeine Wahlrecht erobern würde, wurde sowohl von ihm selbst als auch von seinen Parteianhängern anfangs eine nnr minimale Bedeutung beigelegt. Als sich aber durch diese beiläufig gemachte Drohung die Liberalen und Progressisten ins Bockshorn jagen ließen, erlangte diese Drohung eine ivachsende Bedeutung. Man beeilte sich, zu erklären, lieber auf daS allgemeine Wahl recht verzichten z» wollen, als den noch unter der Herrschaft der Pfaffen stehenden Frauen das Stimmrecht einzuräumen. Und auch im Lager unsrer Genossen tauchten Meinungsverschiedenheiten auf, die erst nach lange» Debatten beseitigt werden konnten. Als dann Genosse Vandervelde in der Kammer mit seiner glühenden Beredt samkeit für das Frauen-Stimmrecht eintrat, verlangten selbst die Progressisten, die sich mit de» Socialisten für alle Eventualitäten dieses WahlrechtSkampfeS verbunden hatten, kategorisch die A u S s ch ei d u n g dieserFrage sowie„Garantieii Die Klerikalen putzten nun aber dieses ihr Steckenpferd gehörig auf nnd führten es der Kanimer mit den der Situation entsprechenden Reden vor. Die Klerikalen können aber das Frauen» Stimmrecht ebenso tvenig wollen wie die Liberalen. Denn das schlüge ihrer ganzen Taktik und Tradition ins Gesicht. Gleichwohl gelang cS ihnen durch diese» taktische» Zug. die Einigkeit der Wahlrechtsfreunde, hoffentlich nur vorübergehend, zu stören. Die Frauen-Wahlrechtsfrage bcw. die sie begleitenden Umstände haben unsre Partei in eine ziemlich schwierige Lage gebracht, die zur Stunde noch keineswegs geklärt ist. Wenn sie»nn auch den Argumenten der Liberalen, der„politischen Unreife", dem„sentinien- talen Charakter der Frauen" usw., kein großes Gewicht beilegt, so Ivird sie doch im Ernstfalle in dieser Frage eine ablehnende Stellung einnehmen müssen, nnd daS nnr aus rein taktischen Gründen. Für daS Franen-Stimmrecht gemäß dem Parteiprogramm eiiizu- treten, bedeutet nichts Geringeres als eine Verzichtleistung auf die Waffenbrüderschaft der liberalen Linken. Diese kann nnsre Partei in diesem Kanipfe nicht entbehren. DaS wissen auch die Liberalen nnd deswegen fordern sie„Garantien". Der Ende März stattfindende Parteitag wird diese Frage und noch einige andre, die den Wahlkampf betreffen, endgültig zu regeln haben. Die Regierung selbst hat, streng genommen, eine endgültige Erklärung in der Wahlrechtsfrage noch nicht abgegeben. Aber sie ist zlveifellos eine Gegnerin der Wahlrechtsreform. Regiert doch heute die klerikale Majorität, deren Chef, Woeste, der eigentliche Ministerpräsident ist. Die Minister, die sich bis jetzt an der Wahlrcchtsdcbatte beteiligt haben, suchten mit allen mög- lichen und unmöglichen Argumenten die Bedeutung des allgenreinen Wahlrechts herabzusetzen. Hierin sind sie nur ihren Vorgängern gefolgt, ohne aus deren, bei ähnlichen Gelegenheiten gemachten Erfahrungen Lehren gezogen zu haben. Und in der That ist daS gegemvärtige Dreistimmensystem ein Mittel par excellence, regierungsfreundliche Majoritäten zu stande zu bringen. In den Händen eines servilen Beamtentums kann bei Zuerteilung der zum Beispiel zweiten und dritten Stimme riesig geschwindelt iverden. Eine öffentliche Kontrolle über die rechtmäßige Zuerteilung ist oft gar nicht oder nur sehr schwer möglich. Daß natürlich auch für andre unlautere Manipulationen das Pluralsystem die Thören weiter öffnet, als die Einstimmensysteme, versteht sich am Rande. Die Klerikalen wissen denn auch sehr gut, was sie dem Pluralsysteni zu danken haben, warum sie für den Status quo sind nnd das allgemeine Wahlrecht bekämpfen. Für alle rechtlich Denkende» aber ist das System, das den Schwindeleien Vorschub leistet; das 990 009 Wählern 900 000 Stimmen nnd 637 544 Wählern 1306 655 Stimmen verleiht, ein für alle Mal gerichtet. Und die Zahl der recht nnd billig Denkenden ist beträchtlich angeschwollen. Und sie sind fest entschlossen, diese politische Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu beseitigen und die politische Gleichheit zu erkämpfen. Die Regierung beeilt sich, alle Vorkehrungen zu treffen, um eventuell den Ausbruch des Volkswillens zu unterdrücken. Aber auch das Volk rüstet sich, seinen Willen kundzugeben. Der Manifestation der Brüsseler Arbeiter ist das Riesenmceting in C h a r l e r o i ge- folgt. Gent nnd A n tw e rp e n haben gesprochen, und am ver- gangenen Donnerstag manifestierte» 7000 Proletarier in L ü t t i ch für das allgemeine Wahlrecht. Selbst in dem schivarzen Flandern regt sich's gewaltig. Tagtäglich treffen Nachrichten von iniposanten Wahlrcchts-Mauifeswtionen ein. Werden die Herrschenden in Belgien dem Willen des Volkes Rechnung tragen oder werden sie das Schicksal ihrer Vorgänger teilen? Die nächsten Wochen werden diese Frage beantworten.-______ Zölle und Verbrauchssteuern. In der B u d g e t k o m m i s s i o n des Reichstags gab am Mittwoch Abg.' Richter sfrs. Vp.) als Referent über Zölle und Verbrauchssteuern der Meinung Ausdruck, daß es sich nicht empfehle zollpolitische Erörterungen hier zu pflegen. Die Konnnission stimnite dem zu. Zur Sache führte Abg. Richter ans: Bei der Bemessung der Einnahmen aus den Zöllen dürfe in diesem Jahre um so iveniger eine mechanische Schablone in Anivendnng gebracht Iverden. da sonst ein Voranschlag sich ergeben werde, welcher z» der Wirklichkeit in schroffem Widerspruch stehe. Die Be rechnung des Bundesrats stützt sich auf den Durchschnitt der letzten 24 Monate bis auf die Getreidezölle, für welche die Verhältnisse der letzten 3 Jahre 1898—1900 in Anrechnung gebracht seien. So sei eine Aufrechnung zu stände gekonünen, die schon um rund 18 Millionen hinter dem Ergebnis für 1900 zurückbliebe. Wenn man aber die ungünstige Getreide-Ernte des Vorjahres in Betracht ziehe, die nach den vorliegenden Notierungen eine erhebliche Mehrcinfuhr schon erforderlich gemacht habe und noch erforderlich machen lverde, ergebe sich eine sichere M e h r e i n n a h m e von rund 70 Millionen. Dieser besondere Umstand rechtfertige eS, die Einnahmen aus Zölle» um mindestens 20 Millionen höher ein- zustelle». Schatzsekretär Freiherr v. Thicliuan» meint, daß die Zuschuß- anlcihe zwar ein großer Schönheitsfehler sei, sie zu vermeiden sei aber unmöglich geivesen angesichts des Rückgangs der Konjunktur. Richters Schätzungen haben ja den Vorzug.' daß sie auch die Er- gebnisse der letzten Monate einbeziehen, was bei dem schon im Vor jähre aufgestellten Voranschlag der Regierung unmöglich geivesen sei. Aber auch Richters Berechnungen beruhen doch nur auf Schätzungen, ivelche ebenso fehlgreifen könnten ivie die des Bundes- rats. Deshalb bitte er. es bei den Etatsansätzen zu belassen. I» gleichem Sinne spricht sich der bayrische Staatsrat Frei Herr v. Stengel aus, der betont: Die Einzelstaaten hätten ein lebhaftes Interesse daran, daß die lieber iveisungen nicht zurückbleiben hinter den Matrikularbeiträgcn. Wenn höhere Einnahmen aus Zöllen eingestellt würden, so werde eventuell die Enttäuschung in den Einzelstaaten um so größer sein. Dagegen, daß die Zuschnßanleihe eine unnötige Höhe erreiche, könne der Reichstag sich ja schützen durch Aufnahme einer Klausel, wie sie Abg. Bachem im Plenum angeregt habe, derart, daß vorgeschlagen iverdc, für den Fall von Mehreinnahmen aus UeberiveisungS- steuern, die lleberschüsse auf die Zuschußanleihe in Anrechnung' zu bringen. Abg. Müllcr-Fulda sC.) vertritt Richters Standpunkt. Schon bis zum 1. Februar 1902 hätte» die Brutto-Einnahmen aus Zöllen sich auf 453Vg Millionen beziffert, für die beiden noch restierenden Monate Februar nnd März seien sie auf mindestens 70 Millionen zu berechnen, Ivahrscheinlich ivürde also das Rechnungsjahr 1901/1902 eine Gesamteinnahme von 625 Millionen ergeben,' also weit über den Etatsansatz hinausgehen. Es sei auch mit Sicherheit anzunehmen, daß im folgenden Jahre entsprechend höhere Zollcinnahmen erwachsen würden, da die Verhältnisse an- dauern, welche im Vorjahre dazu geführt hätten. Diesen eigen- artige» Verhältnissen trage Richters Antrag Rechnung, deshalb sei auch er— Redner— für eine höhere Bcniessung des Voranschlages, er wolle aber der Sicherheit halber nur 12 Millionen mehr ein- stellen. Geheimrat Ranschning ergänzt die Rede Thielmanns, indem er seinerseits Bedenken gegen eine Erhöhung des Voranschlages geltend macht. Abg. Büsing snatl.): Was ans den Getreidezölle» mehr ein- kommen werde, werde an Znckersteuern fehlen. Richters Antrag erreiche im besten Falle doch nur eine mögliche Wirklichkeit. Bei der Wahl zwischen zwei unsicheren Schablonen ziehe er die der Rc- giernng vor. Vadischer Ministerialdirektor Scherer erklärt, daß Richter früher immer richtig geschätzt habe. Seine Voraussich hat sich glänzend bewährt. Das sei aber bei andren Schätzungen nicht der Fall gewesen. Dem AntrageRichter liege zwar ein durchaus gesunder Gedanke zu Grunde, es empfehle sich aber, denselben dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß die Zuschußanleihe von dem Ertrag der Ueberiveisungs- steuern abhängig gemacht iverde. Abg. Freiherr v. Hertling(C.) polemisiert im Sinne Büsings gegen Müller-Fulda und Richter. Es dürfe aber in keinem Falle eine Erhöhung der Matrikularbeiträge in Frage komnien, denn Bayern könne keine weiteren Lasten tragen. Abg. Richter lfrs. Vp.) will die Zuschußanleihe grundsätzlich nicht als eine Einrichtung der Finanzierung des Reichsctats gelte» lassen. Auf Anleihen dürften grundsätzlich nur Aufwendungen für dauernde Kapitalanlagen des Reiches genommen iverden. Staatsrat Frhr. v. Stengel sucht den Ausführungen Richters legenüber nachzuweisen, daß das Prinzip der Zuschußanleihen oder >och des Anleihezuschnsses schon durch die leges Lieber in die Reichsfinänziienmg eingeführt worden sei. 1899 seien mehr als 30 Millionen in Anleihezuschüssen aufgebracht, allerdings aber nicht verausgabt worden. Abg. Bachem(C.) betont, das Prinzip der Zuschußanleihe sei trotz Stengel ein ganz neues. Früher sei ein Anleiheznschuß nur ur den Nnchtrags-Eiat in Frage gekommen. Da hat es sich nur um eine formelle Zuschußanleihe gehandelt, hier aber solle eine materielle geschaffen werden. Den Hebel gegen Erhöhung der Matrikularbeiträge müsse der Bundesrat bei sich 'elber ansetzen und gegen höhere Flotten- und HeereS- aufwenduugen Stellung nehme». In jedem Fall müssen die zuschußanleihen, die ein„finanzielles Horrendum seien, das nicht eine einzige Lichtseite habe", beseitigt Iverden. Er werde deshalb für den Antrag Müller-Fulda stimmen und nur im äußersten Not- falle einen eignen Antrag auf Einfügung einer Klausel einbringen. Abg. Richter sfrs. Vp.) beantragt, die Einnahmen ans Zölle» auf 490 Millionen Mark zu erhöhen. Bei der Abstin, nmng wird der Antrag Richter mit allen gegen 7 Stimmen der Sociald'emokratcn nnd Freisinnigen abgelehnt) der Antrag Mitller-Fnlda auf Erhöhung um 12 Millionen mit 12 gegen 9 Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und der Abgg. v. Hertling und Prinz Arenberg(C.) angenommen. Bei der Beratung über die Einnahmen aus der Znckcrsteucv interpelliert Abg. Richter sfrs. Vp.) den Staatssekretär v. Thielmann wegen der Brüsseler Prämienkonferenz. Staatssekretär v. Thiel- mann bedauert, nicht in der Lage zu sein, über schwebende Vor- Handlungen Mitteilung zu machen, erklärt aber, seine Ueberzeugung gehe dahin, daß es diesmal wahrscheinlich z» einer Einigung zwischen den Mächten kommen werde. Die Abgg. Miillcr-Fulda iE.) und Dr. Arendt(Rp.) betonen, daß eine Anfhebung der Prämien nnr unter Gewährung ent- sprechenden Schutzes für die heimische Zuckert n du st rie erfolgen dürfe. Abg. Richter isrs. Vp.) führt dagegen ans, daß ohne Ermäßigung nnsres Zuckerzolls England durch Erhebung eines Zuschlagszolls die Einfuhr nnsres Zuckers ausschließen iverde. Die Aufhebung unsres Zuckerzolls sei schon nötig, zur Sprengung deS Kartells, das sich nicht nnr für die heimische Konsnintion, sondern auch für die Zucker verarbeitende Industrie als unerträglich erwiese» habe. Abg. Szmnla sC.) erivartet eine geringere Produktion für die kommende Kampagne. Auch die Konsumtion habe nachgelassen, da in seiuer.Gcgend statt des Zuckers vielfach Saccharin genossen werde. Nach längerer Diskussion ivird der Etatsnnsatz dafür unverändert angenommen. Hierauf tritt die Mittagspause ein. In ver N a ch m i t t a g s- S i tz u n g wird zunächst beschlossen, den Kolonialetat wegen Behinderung des Kolonialdirektors erst am Domierstagvormittag vorzunehmen. Die Debatte iveudet sich dann der Börscnstener zu. Die Sätze der Börsenstener iverden nach der Vorlage ange- nommen. Nach längerer GeschäftSordnnngs-Debatte, in der der Wunsch ausgesprochen wird, bei Beratung der Afrikabah» nicht wieder mit llsambarakaffee traktiert zu>v erden(Heiterkeit), wird die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt. Die Petitionskommission deS Reichstags verhandelte am Mittwoch über eine Petition des Verbandes reisender Schausteller in Hamburg. Petenten fordern eine Abänderung der Gciverbc- Ordnung in dem Sinne, daß der den reisenden Schausteller» von ihren Hciinatsbchördcn ausgestellte Wandergelverbeschein nicht nur für den Heimatsbezirk, sondern überall im Deutschen Reiche Geltung haben solle. Die Petition wird dem Reichskanzler als Material überwiesen. Ferner fordert derselbe Verband die Beseitigung der Konzcssions- Pflicht für die Schausteller und die Aufhebung der Lustbarkeitssteuer, die in viele» Gemeinden von den Schausteller» gezahlt iverdc» niuß. Endlich ivünscheu die Petenten, daß der Aufhebung von Messen und Märkten, durch ivelche den Schaustellern die Gelegenheit zu ihren Schaustellungen immer mehr entzogen wird, durch' Rcichsgesctz Ein- halt gethan, und andre Wünsche mehr, über die die Komnüssion zur Tagesordnung übergeht. Der ehemalige Viehhändler Feitzer in Mühlheim(Rhein) peti- tioniert um Geivährung einer Entschädigung für erlittene Verluste bei der Lieferung von Schlachtvieh während des Feldziuzcs von 1870/71. Er behauptet, von der Militärverwaltung zur Zeit der Belagerung von Paris eine Bestellung auf Lieferung mehrerer> Tausend Hammel und Ochsen erhalten zu haben. Auf den, Transport sei unter den Ochsen dieMaul- und 5Aauensenche ausgebrochen, so daß die Tiere auf Anraten der Behörde» getötet iverden mußten. Die Militärbe- hördehabe sich geweigert, die von ihmanfgckauftenHammel abzunehmen. Den ihm durch veriveigerte Abnahme der Haminel und Tötung der Ochsen erwachsenen Verlust beziffert Petent auf ca. 200 000 M.— Die Militärverwaltung bestreitet Herrn Feitzer, eine feste Bestellung auf das genannte Schlachtvieh gemacht zu haben. Mit einer Schadeusersatz-Klage ivcgc» der getötete» Ochsen hat sich Petent bereits an die Gerichte gewandt. Er wurde jedoch damit in zivci Instanzen abgewiesen.— Nachdem sich die Petitionskommission bereits früher mit der Angelegenheit beschäftigt hatte, beschloß der Bundesrat, dem Petenten eine Entschädigung von 30 000 M. zu zahlen unter der Bedingung, daß dieser aus alle weiteren Ansprüche verzichte. Auf letzteres ist der Petent nicht ein- gegangen.— Die Petitionskonimissio» beschloß aufs neue, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen, mit der Maßgabe, daß dem Petenten 30 000 M. ohne jede weitere Be- dingung ausgezahlt werden. Z�nvkei--MÄrtzvirtzken. Nngecignete Vertreter ihrer Interesse» haben die Partei- genossen in H a r z g e r o d e in den Gcnieinderat gewählt. Das dortige Lehrerkollegium hatte an den Magistrat den Antrag gerichtet, den Unterricht in der Fortbildungsschule, der jetzt von 8 bis 10 Uhr abends erteilt wird, auf eine frühere Zeit, nämlich von 6 bis 7 Uhr, zu verlegen. Der Antrag wurde ausführlich mit guten Gründen' versehen. Der Schnlvorstand stimmte dem Antrag einstimmig z» und brachte zur Begründung noch weiteres beachtliches Material bei. Demgegenüber verlangten eine Anzahl Gcmeinderats-Mitgliedcr vom Magistrat die Einberufung einer Gemeinderats-Sitzun'g nnt dem Antrag, den Fortbildnngsunterricht ivährend des Sommer- Halbjahres überhaupt zu schließen. In dem an den Magistrat ge- richteten Schreiben wird gesagt, daß die Unterzeichner zwar den Segen der Fortbildungsschule zu würdigen wüßten, daß diese aber im Sommer lästig sei; der Mittelstand leide ohnehin schwer. Zu den Unterzeichnern dieses Schreibens gehören auch die drei ocialdemokratischen Mitglieder des Gemeinderäts. Wir wissen nicht, ob die Parteigenossen in Harzgerode dieses Vorgehen ihrer Vertreter gegen den Schulunterricht, das jedem Lehrlingsansbenter nnd jedeni Agrarier Ehre machte, billigen oder ob sie etwas dagegen zu thun gedenken; socialdemokratisch'en Grundsätzen entspricht es aber in keinem Fall._ Aus Indupkriv und Hsndel. Ueber de» Beschästignngögrad im deutsche» Bergbau ivird der„Arbeitsmarkt-Correspoudenz" von sachkundiger Seite ge- chrieben: Wenn die geschäftlichen Nachrichten über die Lage der Bergbau-Unternehinungen noch einen Zweifel lassen, so Ivird er durch gerädez» unheimliche Uebereinstimmung beseitigt, mit der aus de» verschiedensten Revieren Deutschlands vom Arbeitsmarkt berichtet ivird, daß rntiveder die Zahl der Arbeiter oder der Grad ihrer Be- chäftignng herabgesetzt ist. Von de» größeren Bcrgban-Bezirkcn ist bisher nur das Saarbccken von allgemeiner Fördereinschränkung ver- 'chont geblieben. Dagegen legten die oberschlcstschen Gruben im Februar teilweise sogar wöchentlich 2 Feierschichten ein. auch die fiskalische» Werke beschränkten die Schichtzahl. Im niederschlesischcn Becken ist zur Zeit die Zahl der Feierschichten teiliveise bis auf ö und 6 monatlich für die einzelnen Gruben gestiegen. Die sächsischen Zeche» 'ahen sich genötigt, die Arbeitsdaner täglich um 2 Stunden zu be- chränken; nur in dem kleinen Plauenschen Grunde ivird noch voll gefördert. Von den mitteldeutschen Braunkohleu-Werken sind im Laufe Zes Februars ebenfalls Feierschichten eingelegt, die Fördereinschränkung beläuft sich im Zeitz- Meuselivitzer Becken auf 10—15 Proz. Die Lciusitzcr Gruben leiden sehr stark unter Absatzniangel und iverdcnl auch j,» Betriebseinschränkungen übergehen müssen. Am stärksten I ist die Krise im Ruhrbecken. Am' 1ö. Februar� haben die I meiste» Gruben Arbeiterentlassungen vorgenommen. Solveit bisher bekannt, belauft sich die Ziffer der Kündigungen auf 23 000! Doch kommt nur ein Teil der Kündigungen zur vsscutlichen Kenntnis. Da die Entlassungen allgemein sind, auch dem Vernehmen nach noch fortgesetzt werden, ist von einer andcriveitigen Anlegung der Ertvcrbslosen einstweilen keine Rede. In der Februar-Vcrsnmmlnng der Zechenbesitzer sKohlensyndikat) erklärte der Shndikatsdirektor, Aussicht ans baldige Besserung sei nicht vorhanden. Für Januar dieses Jahres betrug die Minderförderung der Shndikatszechen bald 20 Proz.; eine solche Förderbeschränkuug Ivar»och nicht dagewesen seit Bestehe» des Syndikats, im Februar dürfte sie aber noch gröster sein. Tie Tagespresse meldet, die entlassenen Arbeiter seien meistens Ausländer und jüngere. Dagegen behaupten die Bergarbeiter in ihren Versammlungen— die bis jetzt fast aus nahnislos sehr stark besucht sind—, die ältere» und einheimischen Leute würden mit Kündigungen zuerst bedacht. Holländer und vor« zngslveise Italiener könnten bleiben. Auf vielen Grube» ist öffent lich ein Lohnabzug von 10—15 Proz. bekannt gemacht ivorden. Die Fachpresse verzeichnet Lohnverluste der Bergleute, die monatlich 30, 50 und mehr Mark ansinachcn. Feierschichten, pro Woche 1— 3, sind heute von de» Syndikatszechen des Rnhrgebietes allgemein ein- geführt. Die Nichtsyndikatszcchen und Hüttenzcchen stehen in dieser Beziehung bedeutend besser. Das Siegerländcr Nassauische Eisen- stein-Shndiknt ordnete 25 Proz. Fördereinschränkung an. Die dortige» Grubenarbeiter sind schon seit Monaten erheblich in ihrer Erwerbsthätig- kcit beschnitte». Ebenso die rheinischen Braunkohlen-Arbeiter, die bereits anfangen, bettelnd durch die Ortschaften zu ziehen. Große Hütten- Werke in der Rheinpfalz arbeite» schon seit Monaten mit stark ver- nnndcrte», Betrieb. AuS dem rechtsrheinischen Bayern Ivird berichtet, die Kohlengruben(Bezirk München) und die fränkischen Erzgruben sähen sich genötigt, Feierschichten einzulegen! zu Arbeitercntlas'snnge» sei es noch nicht gekommen, ivohl aber sind die Löhne reduziert. Alles in allem genommen zeige der Arbeitsmarkt aufs klarste: der Februar hat im deutschen Bergbau die Krisis zur vollen Entfaltung gebracht I_ Das Coakssyudikat wird, wie die„Rheinisch-Westf. Ztg." meldet, auch für den Monat März die Produltionseinschränknng von 33 Proz. beibehalten. Der Verband deutscher Glasfabriken, für dessen Znstande- kommen die Interessenten sich eifrig bemühten, hat sich konstitniert. 'Der Verband beabsichtigt eine Preiserhöhung der Fabrikate herbei- zuführen. Einige Werke stehen»och ans, jedoch erivnrtct man deren Beitritt in Bälde. Die Betriebe, welche Glas für Beleuchtungsanlagen herstellen, wollen in Anbetracht der großen Lagerbestände vorläufig gänzlich die Fabrikation einstellen. Um die Znrkerpräniie entbrennt jetzt der Kampf der Fnter- esscnten, vor allein sieht das Syndikat seine Stellung bedroht, wenn rs� zu einer internationalen Vereinbarung kommt, die der Zucker- Prämie und dem hohen Schutzzoll den Todesstoß versetzt. Dennoch fängt es auch in den Kreisen der Zuckerfabrikanten an zu dnmnicm, man erkennt, daß es mit der Präiniemvirtschaft nicht so weiter geht, und schließlich die unqesiinde Wirtschaftspolitik aufgegeben werden muß. Führt England seine Drohung ans und behandelt den Prämien- zncker bei der Einfuhr differenzicll, so würde der Zuckcrindnstrie in Deutschland und Ocstreich erst das Verkehrte ihrer Liebes- gabenpolitik empfindlich dargethan werden, denn England ist für den deutschen Zucker das Hanptabsatzgebict. Von diesen Erwägungen ausgehend, hat denn auch das„Centralblatt für Zncker- Industrie" die Aufhebung der Prämie als einen Erfolg für die Zuckerindustrie bezeichnet und es lvehrt die hiergegen erhobenen An- griffe der Syndikatszcitnng, der«Deutschen Znckerindnstric", mit folgenden überaus zutreffenden Bemerkungen ab. «Das Fnchblatt„Die deutsche Znckerindustrie" ist mit seinem Latein zu Ende. In allen Lebensfragen der deutschen Zuckerindnstric hat diese Zeitung eine so bodenlose Unkenntnis bewiesen, daß eil» totaler Mißerfolg ihrer Politik gar nicht ausbleiben konnte, und es ist psychologisch durchaus folgerichtig, ivenn das Blatt jetzt, nachdem es»nit seiner Theorie vollständig 'Schiffbruch gelitten hat, sich verztveifclt in einem Wntanfall auf diejenigen stürzt, die seit Jahren in eindringlicher Weise vor de» un- ausbleiblichen Folgen der Vernächlässigung des JnlandinarkteS warnten, und deren Befürchtungen sich, tvio Fignra zeigt, als durchaus begründet erwiesen haben. Das Mißverhältnis zivischen Erzeugung und Verbrauch— gedankenlos häufig nur als„Ucber Produktion" bezeichnet— ist die unbedingte Folge der von der „D. Z." mir großem Eifer befünvortctcn, dagegen von uns stets als verfehlt, weil veraltet, bekämpften Prämien- und Steuerpolitik. Die Verheerung auf dem Weltmarkte ist eine derartige, der Preis- stand im Auslände ein so niedriger, daß eine große Anzahl Zncker- fabrikanten, die bekanntlich mit mehr als zivei Dritteln ihrer Er- zeugung gerade auf diesen Weltmarkt angelviescn ist, bereits vor dem Ruin steht. Ein Verbrauchsgebict nach dem andern schließt sich durch Ansgleichszölle von der Einfuhr ab. Durch daS Vorgehen Englands droht das Karteuhaus jetzt ganz zusamincnzubrcchen."— Die Hochbahi». Wie verlautet, beabsichtigt die Verlvaltung der Hochbahn, in der nächsten Generalversammlung eine Erhöhung des Aktienkapitals von 4—5 Millionen vorzuschlagen, und außerdem werden sich für den tvciteren Ausbau der Bahn die Aufbringung von Mitteln notw-ndig machen. Die Bankosten der Bahn haben den Voranschlag erheblich überschritten, sie ivaren mit 25 Millionen angesetzt und erreichen jetzt bereits 32�/? Millionen. Von fachmännischer Seite wird die Rentabilität der Bahn sehr beziveifelt. Die Neue Boden-Gesellschaft wird der Generalversammlung eine Dividende do» 6 Proz. pro anno in Vorschlag bringen. Von den» Aktienkapital sind 400 000 M. das volle Jahr dividenden- berechtigt und 26 000 000 das halbe Jahr. Die Gesellschaft ist aus dem Znsammenbruch der Spielhagen- Concerns entstanden. Sie diente, selbst eine Tochtergesellschaft der Deutschen Grundschuldbnnk, zur Reorganisation dieser verkrachten Bank. Der Abschluß des ersten Geschäftsjahres liefert einen treffenden Belveis, wie bei der Sanierung die Pfandbriefbesitzer benachteiligt wurden. Die Sanierung ging so vor sich, daß die 94 861000 M. Pfandbriefe der Grnndschnldbank von dein Garantiekonsortinm, an dessen Spitze die Darmstädter Bank stand, mit 40 Proz. beglichen wurden oder den Pfandbriefbcsitzcrn die Zusammenlegung von 4000 M. zu 1000 M. Aktien und 1000 M. Pfandbriefe angeboten ivnrde. Den letzteren Weg konnten natürlich nnr Leute wählen, die Pfandbriefe in Höhe von 4000 M. in Besitz hatten und ruhig die Entwicklung der Dinge abwarten konnten. Der Abschluß der Bank stellt ihnen jetzt eine reichliche Verzinsung des Aktien- kapitals in Aussicht. Diejenigen aber, die eine abwartende Stellung nicht einnehmen konnten, haben dem Garantie- konsorlium einen sehr erheblichen Vorteil in den Schoß geivorfen. Aber selbst wenn alle Pfandbriefbesitzer den Umtausch geivählt hätten, ist der Geivin» des Gnrantiekousortinnis kein geringer, denn die auf 47 430 500 M. rednciertcn Pfandbriefe der Grundschuldbank, geteilt zur Hälfte in Obligationen und Aktie» der Neuen Bodengesellschaft, sind von den» Garantickonsortium gegen 51 600 000 Aktien und Obligationen der Neuen Bodcngesellschaft übernontmen. Ein sehr respektabler Verdienst, der bei der Sanierung für die Banken hcransgekominen ist. Die fchlver Hereingefallenen sind natürlich immer die kleinen Be- sitzer, die doppelt gerupft werden; einmal bei den, Zusammenbruch des Schwindelgebäudes und dann bei der von den Großbanken betriebenen Atisschlachtung. Dresden, den 16. Februar 1302. Sie werden hierdurch veranlaßt, Anzeige darüber zu erstatten 1. wieviel ungefähr Arbeitslose, d. h. solche Personen,»velche erst infolge des wenig günstigen derzeitigen Geschäftsganges aus der Arbeit entlassen»vorden sind, in dein Gemeindebezrrk vorhanden, und 2. eventuell, ob feiten der Gemeinden Schritte gethan Ivorden sind, um solchen Arbeitslosen durch Ausführung von Arbeiten auf Rechnung der Gemeinde oder sonst Verdienst zu verschaffen? Königliche Amtshaupünannschaft Dresden-AItstadt. Dr. Schmidt. Die Anfrage wird allerdings nicht viel Erfolg haben!„ungefähr" ist ein so dehnbares Wort, daß es den» opportunen Ermessen der Genicindevorstände freien Spielraum läßt. Ohne Zählung der Arbeits losen bleiben alle Angaben über deren Anzahl wertlos. Zudem nitmnt die Erläuterung, daß als arbeitslos nnr solche gelten, die erst infolge des schlechten Geschäftsganges arbeitslos geworden sind, der U»n- frage jeden Wert. Anstatt als arbeitslos jeden Arbeiter zu be� trachten, der keine Arbeit hat, sollen die Gemeindevorstände mit Hilfe ihrer Dorfgemeinde-Polizisten ein Urteil darüber abgeben, aus welchen, Gnmde jemand arbeitslos wird. Da wird was Schönes herauskommen. Gegen die Miststände in der Heünarbeit hat der Verband der ch r i st l i ch e n Schneider und Schneiderinnen eine Petition an den Reichstag gerichtet,»velche folgende Forderlingen enthält: 1. Ausdehnung der Gewerbe-Anfsicht auf die Hansindnstrie, sowie Unterstellung der Heimarbeiter unter die gewerblichen Schieds gcrichte bei Streitigkeiten, welche aus dem Arbeitsverhältnis ei»t fpringen. 2. Ausdehnung der ArbeiterversicheruugS-Gesctze auf die in der Hausindustrie beschäftigte» Personen. 3. Verbot der Heimarbeit an Sonntagen und gesetzlichen Feier- tagen, sowie der Nachtarbeit in der Zeit von abends 8 Uhr bis morgens 6 Uhr. 4. Verbot der Arbeit schulpflichtiger Kinder in der Heimarbeit. 6. Erlaß strenger Verordiiiingen über die Einrichtungen der Arbeitsstätten in der Heimarbeit sowie Uebergaugsvorschrifte» über die Absckiaffniig derselben. 6. Verbot des Zivischenincister-Systems; die Arbeit ist seitens der Unternehmer direkt an die Arbeitnehmer zu verabfolgen. 7. Der Arbeitgeber ist zu verpflichten, eine Liste über die von ihm ailßer der Betriebswerkslätte beschäftigten Personell soivie deren Wohnung zu führen und auf Verlangen der Gelverbc-Jnspektion Einsicht nehmen zu lassen. 8. Bei ausgebrochcnen Krailkhciten in Wohiiuiigen und Räumen, in welchen Heimarbeit hergestellt Ivird, sind die konsnllierendcn Aerzle zu verpflichten, die Polizeibehörden zu verständigen; letztere haben dann während der Dauer derselben die Heimarbeit zu ver- bieten; außerdem sind auf Gutachten der Gewerbc-Jnspcktoren für alle der Gesundheit und Sittlichkeit zulviderlaufcuden Zustände ent- sprcehcudc Specialverorduungcn zu erlassen. Wenn es noch eines Beiveises für die schauderhaften Zustände bei der Heimarbeit bedurft hätte, so ist er jetzt geliefert, wenn die gednldigen christlichen Schneider schon solche Fordernngen erheben. Ei» Jnvalidcnhans für Lungenkranke, die keiner Kranken- hans-Vchandlnng bedürfen, will die Laiides-VersicheruiigSanstalt der Hansestädte errichten. Der Vorstand hat den» Aus- schlisse eine entsprechelide Vorlage unterbreitet. Für Er- lverb dcS in Aussicht geuonimencn Grundstücks sind 122 000 M. und für die zunächst beabsichtigten Banlichkeiten samt Aus- stattnng etlvn 150 000 M. erforderlich. Der Plan geht dahin, nur kleinere Gebäude für ctiva 25 bis 30 Pfleglinge zu errichten. Zunächst soll ein derartiges Hans gebaut werden. DaS in Aussicht gclionnnenc Grundstück ist ctiva 43 Hektar groß. Sociales. Amtliches Ruerkenntnis der Arbeitslosigkeit. Die Amts- hauptmannschaft Dresden- Altstadt hat an die Gemcliidebehörden ihres Bezirks, der sehr stark industriell ist, folgende Verfügung erlassen: Aus dev LsvÄuenbewejlUttg. Mit der Findelhauöfrage beschäftigte sich eine Versammlung dcS Vereins„Frauenwohl" am Dieiistagabend. Nach einem Vortrage des Stadtrats Dr. M ii n st e r b e r g, der Haupt- ächlich die geschichtliche Entwicklnlig der Fürsorge für die verlassenen»»d bedürftigen Säuglinge behandelte, entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in der die Vertreterinnen der bürgerlichen Franen- bewegung sich entschieden gegen die Findelhäuscr, aber für eine bessere Fürsorge für Wöchncriuuen und Säuglinge aussprachen. Franc»« i» der Wohlfahrtspflege. Auf Veranlassung der Frauengruppe» für sociale Hilfsarbei» lvird AmtsgcrickitLrat Koehnc vier Vorträge ans dem Fainilienrecht halten. Sie sollen den Zweck haben, Frauen, die sich bei socialer Hilssarbeit beteiligen wollen, einige gesetzliche Kenntnisse über Fürsorgeerziehnng, Vorinundschafts wesen illld dergleichen zu vermitteln. Der erste dieser Vorträge, zu de»» der Eintritt frei ist, findet Dienstag, den 4. März, um 5 Uhr, in der Aula der Dunckerschen Schule, Lützolvstr. 64, statt, Die weibliche Abteilung beim städtischen Arbeitsamte»n Mainz hat seit der Zeit ihres Bestehens eine stets steige», de Zahl von Stellen vermittelt. Besonders stark ist die Entivicklnng, seit die Leitung der Abteilung einer Frau übertrage» tvorde» ist. Dabei ist als besonders erfreuliche Begleiterscheinung die Thatsache zu kon staticren, daß die Zahl der privaten Gesindeverniicler Zc. seit 1898 von 34 auf 20 gefallen ist._ Schuh der Franen und Kinder. Die Demonstration, die an» vergangenen Sonntag in größeren Städten Italiens geplant war zu Gunsten Einführung eines Gesetzes zun» Schutze der Frauen- Kinderarbeit ist nicht ganz prograinniniäßig verlaufen. waren insgesamt 300 Versamnilnngen in Aussicht genommen: der Minister des Innern Giolitti hatte aber an» Sonn- abend an die Präfektcn telegraphiert mit der Weisung, die Versammlungen eventuell zu verbieten. In der offiziösen Presse wurde das Vorgehen des Ministers damit begründet, daß das Kabinett(das ja demissioniert hat) sich nicht genügend Autorität zutraue, die bisher gewährleistete Versammlungsfreiheit auf- recht zu erhalten. Nu» sind aber doch nur wenige Ver- sanimlungsverbote erlassen worden; außer in Turin und in Rom fast nirgends. Alle Versammlungen sind, soweit Nachrichten darüber vorliegen, glänzend verlaufen; es wurde überall eine gleichlautende Resolution angenommen, welche sich für den von der socialistische» Fraktion eingebrachten Gesetzentwurf ausspricht. allen der und Es Vccsammlungvtt. Ter Prodiuzialtng der Maler, Lackierer«ud Austreicher für die Provinz Brandenburg tagte an, 23. d. M. in» Berliner Ge- werkschaftshause. Auf demselben»vare» 17 Delegierte, 3 Mitglieder des Agitationskomitecs und 1 Vertreter des Hauptvorstandes an« wesend. Link, als Obmann des Agitationskomitecs berichtete über die Thätigkeit desselben in den letzten 2 Jahren. Redner hob hervor, daß man dank der Lauheit und Lässigkeit der Berufskollegen in einzelnen Orten von großen positiven Erfolgen nicht reden könne. Allerdings haben sich gegenüber den früheren Jahren laut einer von der Kommission herausgegebenen Statistik die Lohn- und Arbeitsverhältnisse und auch die Zahl der organisierten Mitglieder, namentlich in Berlin und den Vororten gebessert. In Oranienburg, Wilmersdorf und Stranßberg wurden Zahlstellen neu- und in Guben. Wittenberge, Luckenwalde und Vetschau wiederholt Filiale» von iicuen» errichtet. DieZahlstelle Friedrichs- Hagen ging verloren und schlössen sich die Mitglieder derselben wie auch einige Berliner der Lokalorganisation an. Redner bittet zum Schluß, in Zukunft das Agitationskoinitce durch Rat und That unterstützen zu wollen. In der Diskussion wurde namentlich das Verhältnis zn der in» Herbst 1900 in Berlin gegründeten Loknlorgaiüsation besprochei, und»vurde von allen Rednern die Handlungsweise der letzteren bei der vorjährigen Tarifbewegnng scharf kritisiert. In Bezug auf die weiter zn leistende Agitation der Bereinigung wurde vom Haupt- Vorsitzenden To bler- Hamburg die Hausagitation und die HäuSkassierung der Beiträge empfohlen, da sich diese Methode besser zur Erzielung von Mitgliedern eigne, als die bisher abgehaltenen Werkstätten-Sitznngcn. Diesen» neuen Projekt wurde auch von Mietz-Hendrischke aus Rixdorf»md F l e in n» i» g- Charlottenburg zugestimmt, während Klotz- Berlin den» bisherigen Modus der Werkstätten-Agitation das Wort redet. Den» Provinzialtag lagen verschiedene Anträge zur Erledigung vor. Ein Antrag, der die Verschinelzung der Vorortsfilialen mit der Filiale Berlin verlangte, wurde zurückgezogen, da dies eine Sache der bc- treffenden Filialen selbst ist. Ein Antrag Kottbus: In der Nieder- Lausitz die Agitation kräftiger als wie bisher zn betreiben, wird dem Agitationskomitee zur Berücksichtigung übergeben. Ein Autrag Rixdorf, prozentuale Vertretung der Mitgliederzahl der einzelne»'» Filialen entsprechend auf den nächsten Provinzialtagen znznlassen, wurde ab- gelehnt, ebenfalls ein Antrag Fl e n» m i n g- M i e tz, der will, für die Zukunft festzulegen, daß jeder Ort— sei es Filiale oder Zahl- stelle— nur durch einen Delegierten auf den Provinzialtagen vertreten sein müsse. Der Sitz des KoiniteeS wurde in Berlin belassen und soll die Wahl des Komitees in einer kombinierten Versammlung Berlins mit den Vor- orten vollzogen werden. Unter„Agitation" behandelte Link ausführlich die Wichtigkeit der Bleiweißfrage, des Bauarbeiterschutzes und ersucht, das Probien» der Hausagitation in den» Sinne, wie es der Hauptvorstand den einzelnen Filialen schon mitgeteilt, in Gestalt der Vertreibung von Agitationsbroschüren und Agitationsnummern des Fachorgans, zu löse»». Wegen vorgerückter Zeit»vurde von einer iveiteren Diskilssion abgesehen und somit der Provinzialtag geschlossen. Die Tabakarbeiter kamen in einer zum 12. d. M. einberufenen öffentlichen Versannnlung in der Brauerei Bötzow zusaminen, um sich ein Referat ihres Kollegen, des Reichstags- Abgeordneten F ö r st e r- Hamburg über die bereits geplante Mehrbelastung des Tabaks mit anzuhören. Der Referent legte klar, daß die Pläne über die neue Besteuenmg auf Rohtabak öder fertige Fabrikate noch sehr in Dunkel gehüllt sind, aber auf alle Fälle hat sich die Tabakindnstrie nach diefer Seite hin etwas zu gewärtigen. Insbesondere machte Redner darauf aufmerksam, daß bis jetzt bei allen höheren Vestcuerungen des Tabaks, die seit mehreren Jahrzehnten vor sich gegangen sind, die Arbeiter es waren, welche den größten Nachteil davon hatten. Aus diesem Grunde müssen die Tabakarbeitcr schon jetzt anfangen, die Agitation so zu organisieren, daß sie geivappnet dastehen, wenn die dunklen Pläne der Regierung greifbarere Formen annehinen. Der Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen und eine in» Sinnes des Referats gehaltene Resolution einstimmig angenommen. Als im Jahre 1893 die Fabrikat- stcuer drohte, fand sie, wie in der Diskussion hervorgehoben»vurde, eine festgefchlossene und gut organisierte Tabakarbeiterschaft, welcher es»nöglich war, durch ihr zielbewußtes Vorgehen, durch Abhalten von Kongressen, Versammlungen und Einreichung von Petitionen der Regierung klar zu machen, daß der Tabak eine Mehrbelastung nicht vertragen kann. Die Versanimlnng wählte eine Kommission aus nachfolgenden fünf Mitgliedern: W.Börner, C. Butry, M. Kiesel, M. Otto und Fr. Sperber, welche die nötigen einleitenden Schritte zur Agitation gegen jede Mehrbelastung dcS Tabaks in die Wege zn leiten hat. FricdrichSfclde. In einer am 19. d. M. stattgefundenen öffent- lichen Volksversammlnng, welche von ca. 500 Personen besucht war, sprach der ReickiStags-Abgcordnete Dr. Südekum über:„Social- dcmokratische Genieindepolitik". Die auch stark von Frauen besuchte Versammlung spendete dem Redner reichen Beifall. Zu Punkt 2 referierte Pinseler über:„Wie sorgt die Gemeinde für die hiesigen Ortsarmen". Die Ausführungen des Redners zeigten ein erschreckendes Bild von Vernachlässigung anf diesen» Gebiet. In der Diskussion suchte ein Mitglied der Annenkommissioii die Ausführungen Pinselers zu widerlegen resp. zu entkräften; Pinseler rechnete jedoch mit der sicbengliedrigen Armeiikommission unter großem Beifall der Versammlung zum Schluß noch einmal gründlich ab. Bei der Ausstellung von Kandi- datcn zur Genieiiidcvertrctnng»vurden einstimmig Schuhmacher Otto P i n s e I e r, Hutarbeiter Karl G r o n w a l d und Leder« arbcitcr A d o l f K e h r vorgeschlagen, welche die Kandidatur auch annahmen. Der vierte Kandidat kann erst später bekannt gegeben werden._ Briefkasten der Redaktion. Tie jnrtstlsckir T.pecchl»»»t>e findet täglich nili Ausnahme dcd Sonnabends van Vh bis 9»/, IIb« abends statt. H. M. Ainerikanischcs Büchsenfleisch darf nicht mehr eingeführt werden. Daß es trotzdem immer noch in Deutschland zu kaufen ist, liegt daran, daß vor dem Inkrafttreten deS Gesetzes größere Mengen eingeführt worden sind.— Versuchen Sie es»mt Kautsky, Erfurter Programm.— Gegen- wärtig ist im Erscheinen begriffe»» ein Sociaidemokratisches Handbuch, das Max Schrppel hcrausgiebt.— Anleitung für das Studium nebst Quellen- angaben geben zwei kleine neuerdings erschienene Broschüren von ilampff- meycr»ud F Hertz. Alles erhältlich durch die VorwärtS-Buchhandluug, Beuthstraße 2. R. F. 1870. Falls der nicht mitgeteilte Teil des Vertrages nicht andre Vorschriften enthält, hat Ferdinand S. 1500 M. zu beanspruche».— Gneisena». Die Klage hätte Aussicht auf Erfolg.— R. H. 43. Sie müssen angebe»: Waiui der Vater verstorben ist? Wo? Wo er den ersten Wohnsitz nach der Heirat hatte? Ob ein Testament vorliegt? Wiederholen Sie Ihre Fragen unter Vervollständigung nach diesen Richtungeil hin.— B. 100. l. Vergleichen R. H. 43. 2. Amtsgericht in Halle a. S— W. K. Strasnnzcigen sind an die Staatsanwaltschaft schriftlich zu richten. — G. W. 10 und K. K. Nein, leider nicht.— 8. R. 1. Ja. 2. Nein. 3. Wenden Sie sich direkt an das Krankenhaus.— K. 100. Ja.— C. R., Schöneberg. 1. Nein. 2. Ja.— Roter Angler. Wende» Sie sich an die Schuldeputation; möglich ist die Erlenntnis eines Katarrhs ohne genauere Untersuchung.— Knllmrr. Wenden Sie sich an das Kriegs- »itilisteriui». Ob ein Recht der Witwe zusteht, läßt sich ohne genaue Kennt- nis der einschlägigen Papiere nicht sagen.— W. F. 0. 1. Ja. 2. Neil». — 1259. Sie müssen zahlen.— H. X. 46. Den StaatSzugehörigkcitS- ausweis erhalten Sie von verschiedenen, von uns wiederholt mitgeteilten Behörden in den verschiedenen Staaten. Wir können diese lange Ans- Zählung nicht wiederholen. Teilen Sie mit, von welchem Staat Sic den Ausweis haben»volle».— I. P. Sie müffcil, falls Ihre Statuten»uchts Gegenteiliges enthalten, mit Ihrem Anspruch»varte».— B. 100. Zunächst müsse» Sie Sühnetermin beim Amtsgericht beantragen.— 100 gl. H. Nein. R. St. 17. Ja.— 31.500. 1. Nein. 2. Ja.- Rixdorf 58. Mit einem Anspruch auf Miete kämen Sie im Klagelvege nicht durch.— H. Z. 11. 1. Ja. 2: In allen Fällen� kann auf Einziehung erkannt werden. 3. An das 1. Nein. 2. Etwa smzteyurig> Amtsgericht.— P.$t. 200.— H. B. 18 bis 24 Mark monatlich.- Ä. 91. Mgrktprelse von vcrll» i»»i, SS. Februar 1 002 »ach Ermittlniige» des tgl. Polizeipräsidiums. Kartossel», neue, D-Etr. Rindsieisch, Keule 1 kg do. Bauch, Schweinestkisch» Kalbfleisch» Hammelfleisch Butter Eier Karpse» Aale gande, Hechle Barsch« Schlei« Blei« Krebse »0 Stü.« l>-K per Schot 6- l,eo 1,40 1,70 1,80 1,60 2,60 4,80 2,20 2,60 280 2,40 1 80 300 1,40 15,- 533. Ja. 4- 1 20 I- 1 30 I,- 2- 2 80 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1 40 0,80 s.- Produrieuinarkt vom 26, Februar. Getreide. Höhere östreichisch- ungarische und amerilanische Notierungen veranlaßten eine Steigerung der Preise. Aber bei der unveränderte» Teilnahmslosigkeit der Käufer blieb diese» Berstich ohne Erfolg»ud die Gesamttendenz nahm mittags einen schivScheren Charakter an. Der wider Erwarten schärfere Frost blieb ohne Einfluß. Weizen, der an gestriger Nachbörse weiter nachgegeben hatte, setzte V2 5K. böher ein, um nachher Mieder>/, M. im Preise zu weichen über neue Offerten wurde nichts bekannt. Auch Roggen war anfSnglich Vs M. gebessert, späterhin infolge vermehrten russischen Angebots leicht abgeschwächt. Mehl war still, behauptet; Hafer wenig verändert, Mais eher eine Kleiuig- keit fester.— Nüböl konnte sich nach mehrtägiger Mattigkeit leicht erholen. — Aber bei der unveränderten Teilnahmlosigkcit der Käufer blieb der Ber- such, die Preise zu erhöhen, ohne Erfolg.— Spiritus blieb unverändert; loco 70er 34,10 M. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 26. Februar 1802. Amt- lichcr Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 671 Rinder, 2161 Kälber, 1171 Schafe, 9401 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pfennigen): Lchfc»: a) vollfleischige, ansgemästete, höchsten Schlacht- wertes, höebstens 7 Jahre alt 00-00, d) junge fleischige, nicht ans- gemastele und ältere ausgemästete 00- 00; o) mäbig genährte junge und gut genährte ältere 00—00; 6) gering geuahrle jeden Alters 00— 00.— Büsten: a) voltfleischige höchsten Schlachtwerls 00- 00; b) mähig genährte jüngere und gut genährte ältere 00— 00; o) gering genährte 48— S2.— Färsen und Kühe: a) voll fleischige, ansgemästete Färse» höchsten Schlachlwerts 00—00; b) vostfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahre» 00— 00; c) ältere ausgemästete Kühe»nd Wenig gut entwickelte jünger« Kühe und Färsen 00— 00; 6) mähig genährte Kühe und Färsen 47—48; o) gering genährte Kühe und Färsen 42—46.— Kälber: a) feinste Mast- kälbcr(Vollmilchmast) und beste Saugkälber 73—76, b) mittlere Ma stund gute Sangkälber 62— 66, o) geringe Saugkälber 46— 52, d) ältere, gering genährte(Fresser) 42—46.— Schajc: a) Mastlämmer und jüngere Mast- Hammel 56—58, b) ältere Masthammel 46-52, c) mähig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 40-45, d) Holsteiuer NiederungS» fchafe(Lebendgewicht) 00— 00.— Schweine: a) vostfleischige, der feineren Nassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1>/« Jahren 220—280 Pfund schwer, 62— 63; b) schwere, 280 Psnud und darüber(Käser) 00; o> fleischige 50—61; d) gering entwickelte 56—58; e) Sauen 58-59. Für 100 Psnud mit 20 Proz. Tara. 1 Verlaus und Tendenz. Vom Rinderauftrieb blieb ungefähr ein Drittel des Auftriebes unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig. Bei den Schafen fand fast der ganze Bestand Absatz. Der Schwcincmarkt verlies ruhig und wird kaum ganz geräumt. Wltternngsiiberstcht vom 2«. Februar 1002. morgens» Mr. Stationen LS ie h «2 S>- i f Swinemd« Hamburg Berlin Frankf.M München Wien 750RNO 760OSO 760 NW 758 O 756 O 760 Still Wetter bedeckt Dunst 2 Nebel 2'wollenl 3)volkig — ivolkcnl s � d II so» M -1 -5 -2 -4 Stationen 6 E =» S c b5 Sl- Haparauda Petersburg Cork Aberdee» Paris Z t Wetter 7661® 768WSW 744 SO 754 ONO äe: Sä HS, 2 bedeckt 1 heiter 7 Regen 2>bcdcckt -7 -10 8 Bsclter-Proguosc für Donnerstag, de» 27. Februar 1002. Zunächst gelinder, ziemlich trübe mit leichteil Schneesästen und schwacheil nordwestlichen Winden; später aufklarend und etwas kälter. Berliner W e t t e r b u r e a>'. Für de» Inhalt der Inserate überiiimnit die Nedaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Zterautwortung. Throfrv. Donnerstag, 27. Februar. Opernhaus. Figaros Hochzeit. An- saug 7'/, II hr. Srhauspielhaus. Ein Sommernachtstraum. Ansang 7'/, llhr. Reucs Opern- Theater(Kroll). Geschloffen.» Schiller. Lyfanders Mädchen. Hier- auf: Die Komödie der Irrungen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Ansang 7»/, Uhr. lverliner. Alt-Heidekberg. Anfang 7V- Uhr. Lessing. DaS Glück. Anfang 7>/- Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger.— Vorher: Die Vergangenheit. Sln- fang 7'/, llhr. Neues. Untreu.— Colombine. An- saug 7Vz 116t. «Neste». Die Fledermaus. Anfang ?>/, Uhr. Seeessiousbühne. Detlev Lilten- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogeus Buntes Theater (Ueberbrettl). Ansang 8 Uhr. Schall»nd Rauch. SerenisstmuS. Zwischenspiele. Ans. 8>/, Uhr. Driano». Coralie u. Co. Anfang 8 Uhr. Seutral. DaS süße Mädel. Anfang ?'/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7Vj Uhr. Luisen. Wilhelm Till. Anfang 7-/2 Uhr. Sarl Weist. DaS Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. Friedrich-WilhelmstädtischeS. Die Fledermaus. Anfang 7»/, Uhr. lvelle-Sllliauce. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7-/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-VorsteNung. Ansang 8 Uhr. Sharibari. Täglich Vorstestung. Anfang 8 Uhr. Metropol.'i\t feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. Au- fang« Uhr Klpollo. Don Juan in der Hölle. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr. Vasiuo- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor- stellung. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialilaten-Vorstestung Die süßen Mädel. Ans. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Specials- lätcu-Vorstellung. Reichshallr». Siettiiier Sänger. Ansang 8 Uhr. ttrauia. Taubeustr. 48/40.(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Friihltugstage an der Riviera. Juvalideustraste S7/02. Täglich: Sternwarte._ SWtt-TlMltt (Walluer-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: l-z'iz-'Ntlei-«, Mädchen. Hist. Lustspiel in 1 Akt von Widmann. Hieraus: Die KomOdie der Irrnngen. Lustspiel in 3 Auszügen v. Shakespeare. Freitagabend 8 Uhr: littnlg; Hnrlckin. Von nabendabend 8 Uhr: KUnig Harlekin._ Central Tveater. Heute Donnerstag, abends 7'/, Uhr: Dns süßo Mcivel. Operette in 3 Alien von H. Reinbardt. Morgen und folgende Tage: Das fitste Mädel.— Sonnabend, t.März, nachmittags 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schnee- tuittche» bei de» siebe» Ztvergen. — Sonntag, 2. März, nachm. 3 Uhr, kleine Preise: Tie Puppe._ arl Weiss-Tlieater. Graste Frautfurtersir. 132. Ansang 8 Uhr. )ns Jungfevttstift. erette in 4 Alte» von Ernesl Gniiivt. Musik von Jean Gilbert. Norgen und folgende Tage: Das »gferustift.- Soniiabendnach- itag: HauS Huckebei». Sonntag- hmittag: Das Schlost am Meer. nntagabend: Preciosa. Irjsnov-I'dester. l-eorgenitrao«», 2 Minuten vorn Bahnhof Frledrichatr. Zum 96. Male: Coralie& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Wahlverein des 6. Berl. Reichstags-Wahlkreises. Sonnabend, den 8. März 1903: 13. STIFTUÜGS-FEST in den Räumen des PaSast- Theafers(früher Feen-Palast) Burg:-- und Woirgangrstrassen-Ecke bestehend in Gesaiigs-Auffühniiigeii und Tlieater-Vorstellung. FGSllPCClCy gehalten vom Reichstags- Abgeordneten Ledeboiira Nachdem: gJSgF" Tanz."T&fä Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang prftclsc 8 Chr. Prograniin gratis. 246/16 Billots 20 Pf. Der Vorstand. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frnlilingstage an der Riviera Invnlidenatr. 57/02. Täpl. Sternwarte. (Passage-Tlieater. - ss- ■ss- Ganz Berlin spricht von der 7 jährigen Lola Gray in dem Mimodrama Der Bajazzo und sein Kind. Lanzetta 9 Tiso Amon 16 erstklassige Nummern! Täglich ausverkauft! In Vorbereitung; Der kleine Cohn ist da!! Burleske in einem Akt von Robert Breitenbach. Gate Panopticui| Friedrlch-Strasse 165. Nen! Der Boerenkrieg! j Vorst. 11-1 vorm.u. 4-10 nachm. 1 Neu! Gntenbcvg und die Buchdruckkunst. Konzert und 1 Vorträge. Entree 50 Pf., Kinder( u. Militär ohne Charge 25 Pf. Voranzeige! Am l. März Boerenfcst. Anfang 8 Uhr j abends. Billets a 1 M. im Vor- 1 verkauf und a. d. Hauptkasse. SCirkns chumann. Heule Touuerstag, 27. Februar. abends präcise?>/, Uhr: Elite-.Ahcnd.'-spU l/Ccuj fere luniinciiMc! in Feuer und Flammen, anS- geführt von Frl. Vera Schumann. Mpii| Zum erstenmal Up,, I »vU! am Kontinent!>>vU! ? u S k M S S l I •jev Amerika». Sports-Spiel 4 o 1/ ausgeführt Bon(/ Amerikanerinnen ,Lt �hflll hannoversäier Falben- Hengst, in der Hoheit Schule in ganz neuer Gangart dressiert und geritten vom Direktor älh. Schumann. Möns. Sosmann m. seinem Sportö-Akt Blumen- Dogcart- Quadrille, gefahren von 8 Damen. Dir. Alb. Schumann mit seinen unerreicht dastehenden Original- Dreffnren. Zum Schluß: Wk- Mephisto ca. 500 Mitwirkende. 2 Musikcorps. Große Ausstattungs- Pantomime vom Hosballettmeister A. Sicnn*. Morgen Freitag, 28. Februar; Grosse Gala-Vorstellung mit ganz neuem Programm.__ Casino-Theater. Lothrmgerstr. 37. Glänzender Erfolg! Allabendlich ausverkauft! W. Richter in.Lustige Brüder". Hau« Berg in„Ehrlos" sc. JC. Anfang Wochent. 8 Uhr,Son»t.7»/,'Uhr. Thalia- Theater. Dresdeuerstraste 72 73. Seine Kleine. Große Ansstatlnngspoffe mit Gesang »nd Tanz i» 3 Akte». Paula Worin a. G., Guido Thiclscher, Gerda Walde.„Hahn Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?" Helmerding, Patiluiüller Boje, Wannovius. Anfang 7r/i Uhr. Sonntag, 2. März, nachm. 3 Uhr, kleine Preise: Alexandra, Drama in 4 Akte» von R. Voß. Scliali und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Donnerstag, 27 Feb, abds, SVjTJIir: Gastspiel von I inaei. Bcichor. „Die Frau des andern", Komödie in 1 Akt v. Latzko.„Geschichten vom toten Eabbi", improvisierte Soloscene von Emanuel Reicher. Sereuissimus-Zwischcnsiiiele Bauernkumedi. Abschiedssouper. E. von Wolzcgens" llnutcN Tlieater(Ueberbrettl) KUpnickci-Mtr. GS. Heute abend 8 Uhr a. n.:„Ateller- spuk",„Nora-Parodie",„Zufall" von Fulda.„Strohwitwer u. Strohwitwe". Serena Bradsky, Kompositionen und Begleitung Oskar Strauss. Marod Salzer. letropol-IlisatGr Tliomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung; 'nß Burleske Ausslattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und'4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde; Fraucliens Geburtstagsüscli. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonnabend, den 1. März: Vierter und letzter Melropol-Tlieater-Ball. Palast-Theater (fnil)t'c Fccit-Pnlust) Purgstr. 22. Direktion: Winkler u FrBhel. Donnerstag zniu lesttcuiual das glänzende erfolgreiche rebruar-krogramm! Neu! GedrUder Wardini, Neu! die lustige» Ucberbrctt'ler. Neli! Prsdy predokk. Neu! Nur noch bis Doiiiierstag Dir. Wilhelm Fröbel in der lustigen AnSstattiingS-Operette Die süßen Müdcl. Ansang S Uhr. Entree SO Pf. Billet-Vorverkaus v. 11—1 Uhr. Freitag, den 28. Februar: MP- Gr. Festvorstellung.'MNG Nähert»ill-Beaehz. An der Spandauer Brllcke 3. Grösst.Vergnltgungslokal llerllns lulerlllllioilitlv lion�ei'te u Specialiliiten-Vorstellung Tägl. Anstich des„Urbock" Bockbier-Jubel u.Trubel, Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bfirgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Matinee von 12-2 Uhr. Belle-Alliance-Theater. Die Dintic uns Troiiiiille. Emil Iondermann a. G Ferd. Worms Mizzi Birkner. Rosa Marion. Hierauf: Er. �"�ild in Abele Hartwig u. Leopold Thurner a.G. Sanntagnachmittag 3 Uhr: Veei tstuke?:» Stafe. Apollo-Theater. Anfang 8 Uhr: 1 Das ptiidenale Specialitäten-Fsogr. hirosse sis im Exerzierlians (am Prenzlauer Thor) Lothringerstraste 1—7. Täglich:i große BorsteNiiugen. 4, K niid H'/z Uhr Dressur mit Löive». Tiger». Wölfen n. HYäur», sowie Löweu-Rittgka»upf lind Fütterung»Iii 4 II. hji/z Uhr. Eutree: I.Platz 1 M., II. Pl. 50 Pf.. III. Pl. 25 Pf., jlinder Hilter 19 Jahren und Militär ohne Charge zahlen ans I. u. 2. Pl. die Hälfte, de»! 3. Pl. 15 Pj. Die Direktion: Froese. &£Bii$$oaici KuttbniscrMtr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: II«» ff in a n»«t NMtiitslhe Tiiitger ßiiieltieuterproiic. Nach jeder Soiree: Tunxkrilnzchen. Entree wie gewöhnlich, Tanz srei. W. ßbiicll! Ilieslei'. Bruuneustraße>6. Dopfenrathg Erben. VoliSslück»Hl Gesang in o Aklen von H. Willen. Musik von G. Michaelis. Heute: IktNAlcranAohSQ Freitag: Ves-loreae Ehre. Reichshallen. TUgllch: SteUiner Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Donnerstag, 27. Febr., abends?>/, Uhr: Klondlke, Original- Pantomime des Cirkns Busch und die großartigen Specialitäten._ a & Ä euipsiehlt von täglich frischem Fange und täglich frischer Ziisnhr in Kühlwaggons frische, geräucherte und marinierte Seefisclie zu bekannt billigen Preisen. Deutsclie Danipffischerei-Gesellscliaft.Norflsee' Hanptsiliale Berlin C. 22, Bulinhof B»rsc, Bogen 9-10. II. Filiale: I-tjucbiirgcrstr., Kcke Baals tr. III.„ PrinjEcnstrasse Wo. SO. IV.„ Madalstr. 2«, 1. Schlcs. Bnhnh. <»3 _ T i e s e BS o ch c i �djCÜflfdjg in allen Grösten 26— 35 Df. 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Weiß- ii. VliyrWiwLokal. 2. Wahlkreis, Zahlstelle 1. Bocckhstr. 7."VIS Vereiuszimmer mit Pinnino zu 25 Personen. 8333V!* Interessen-Verein der Kistenmacher Berlins und Umgegend. Todes-Zluzeige. Den Mitgliedern und Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mit- glied, der Kistenuiacher ticorg Schimpf am Montag, den 24. Februar, im Alter von 26 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. Februar, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des Rummels- burger Kirchhofes aus statt. 103/8 Um zahlreiche Beteiligung der Kollegen ersucht Der Vorstand. Todes Anzeige. Allen Kollegen und Freunden die traurige Nachricht, das, unser Kollege und Mitarbeiter, der Kistenmacher Cicocg Schimpf am Montag, den 24. Februar im Alter von 28 Jahren infolge von Blutvergistnng verstorben ist. Seine langjährige Thätigkeit in rmsrer Mitte, sein solider und gerechter Charakter sichern ihm bei nnL ei» dauerndes Andenken. Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. Februar, nachmittags B Uhr, von der Leichenhalle des RummelS- durger Kirchhofes aus statt. 103/9 Um zahlreiche Beteiligung bittet Das Personal der Kistenfabrik von TheodorAdoIph, Rummelsburg. Central-Yerband d. Maurer Deutschlands (Zahlstelle Berlin II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Verbandskollcge Moli Grund, Rügenerstr. 17, am 2B. d. Mts. im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Slndenken l Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 28. Febniar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedens-Sirchhofes in Siiedcr-Schön- Hausen(Nordend) aus statt. Rege Beteiligung der Kollegen wünscht 137/10 Die Berbandsleitung. Ceiltral-Krilllkeil- n. Sterbe- e der Tischler andrer gewerblicher Arbeiter. Zahlstelle Wilmersdorf. Am 25. Februar verstarb nach kurzen Leiden unser Mitglied, der Arbeiter Kcinhold Ullrich im Alter von 40 Jahren an Lungenentzündung. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Ge- inetnde-Äirchhofes, Berlinerstrahe, aus statt. Die Ortsverwaltung. ! VI. Wahlkreis. DmerStag, Den 27. Febnm, abends Uhr: Volks-Versammlung im„Maabiter CeselWfWlls" lPeters), Alt-Moabit Nr. 80/81. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneteu Genossen UJirstcr(Hamburg) über: Die Ursachen der Arbeitslofigkeit. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 219/7 Um zahlreiche Beteiligung ersucht_ Der Vertrauensmann. Smaldemkrat. Wahlverein für den Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 8/3 Georg Schimpf am 24. Februar an Blutvergiftung verstorben ist. Ehre seinem Andeuken! Die Beerdigung findet am Freitag- Nachmittag 5 Uhr von der Leichen- halle(Kietz) aus statt. Um rege Beteiligung der Mit- glieder ersucht Her Vorstand. Gesangverein Arion 11, Kammelabnrg. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die. traurige Nachricht, daß unser Tanges- bnider, der Kistenmacher Georg Schinipf am Montag, den 24. d.M., verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. Febniar, nachmittags B Uhr, von der Leichenhalle des Rummels- burger Kirchhofs aus statt. 05/3_ Der Vorstand. Patentanwalt Darnrnann, llloritzplatz 57. Auskunft bis abends neun. f33B9L� Dt*, vned, Schapev homöop. Arzt w. Spez.-Arzt f. Haut- n. Harnleiden, Frcmenkrankheiten. Königgrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Verband der Bau-, Erd- n. gewerblichen Hilfsarbeiter Dentschlands. Zahlstelle Wilmersdorf. Die Beerdigung unfres am 25. Fe- bruar an Lungenentzündung ver- storbencn Kollegen Reiuhold Ullrich findet am Sonntag, den 2. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Kirchhofes, Berliner- strahe, aus statt. Um rege Beteiligung bittet. 32/12 VI« OrtsTcrwaltnng. Orts- Krankenkasse der Sattler, Berlin. Montag, den 24. d. Mts., verstarb das Mitglied WHI� Eggersdorf (Werkstatt Fischer u. Richter). Die Beerdigung findet Freitag, den 28. d. Mts., von der Leichenhalle des Heil. Kreuz- Kirchhofs in Mariendors aus statt. 270/18 I. A.:<». Assin»»». 33881.» ff fi Eiesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Daeta Mocqaetts, Plüsch. OCMC Satteltaschen. Muster bei näherer Angabe franko. Berlin, IOC Oranlenstr.IO J Eillefövre,1 Arbeiter-Bildungs-Schule. Sonntag, den 2. März er., abends 7 Uhr, in Cohns Festsälen! Beuthstrasse Mo. 20; V ortrag des Genossen Eduapd Bernstein Uber: Die heutige Einkommenbewegnng n. die Aufgaben der Volkswirtschaft. Nach dem Vortrage: Gemtttllches Beisammensein nnd Tanz. 4/9 Eintritt 20 Pfennig. Garderobe frei. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Sonntag, den 2. März, vormittags 10 Uhr, im Saale der Brauerei �riedrichshain(vorm. Lipps), Rm Friedrichshain S!!— 89: Alißmrd. Geiiml-Mmulliing. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegierten und Autriige zum Verbandstag. 2. Der von den Holzindustriellc» und der Innung errichtete Arbeitsnachweis und die Entlaffungsscheine. 3. Die Arbeitslosen- Nnterstützniig. 4. Verbandsaiigelegeilheiten. LM" Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Znr Beachtnng für Tischler! Heute abend 8 Uhr findet im Gewerkschaftshause, Engel-User 15, die Wahl der Beisitzer zum Jnnungs- Schiedsgericht und die Ergänzuugswahl zum Gesellen- AuSschutz statt. Die Kollegen, die in Jimungsbetrieben arbeite», werden ersucht, diese Versammlung zu besuchen. 80/4 Ble Ortsverwaltnng. IVatarhellmethode. Heute, Donnerötag, abends 8V2 Nhr; Oessentlicher Vortrag. Nerdenleiden NeurliBenie Wlasloßgktit) und die Behandlung der Nervösen. Referent: Bclnhoid Gerling. Nach dem Vortrag: Freie Aussbrache. Mäuuer und Frauen, welche es mit der Erhaltung und Wieder- erla»g»»g ihrer Gesundheit enist meine», sind herzlich eingeladen. 824b Eintritt frei. llm» Bartsch, Gauvorsitzender. Gewerkschafts-Kommission. Heute Donnerstag, 27. Februar, abends 8'/- Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 13, Saal I: Vrrsümmluug in Wtglkttkn. Tages-Ordnung: 1 Bericht über den Tarifvertrag der Buchdrucker. 2. Diskussion. 3. Verschiedeues. 300, j Zahlreiches Erscheinen erforderlich. ver Anssehnss. Steinavbelter. Sonntag, 2. März, mittags ISV, Uhr, im GewerkschaftöhauS, Engel ilfer 15: ISP Oeffentliche Uersammlung. TageS-Ordnung: 1. Nehmen wir die neue Tarisvorlage zum 1. März an? 2. Der- schiedenes. 172/6 Es ist notwendig, baß jeder Steinarieiter in dieser Versammlung er- scheint.__ Der BrrtranenSinann. Lichtenberg. Friedrichsberg. Heute: 222/3 Uolks- Uersammlung bei Höflich, Frankfurter Chansfee 121. Orts- Kraukenkasse für M Bierbrinler-Gewttbe fit Kerlin Alte Schönhauserstr. 32. Hof I. Am Freitag, den 7. März, abends S Uhr, findet die ordentliche Skiiml-vttsammlmg im Gewerkschaftshanse Engel-ttfer 15 im Saal I statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Bericht der Revistons-Kommifston. 3. Entlastung des Rendanten und des Borstandes. 4. Verschiedenes. S27b Als Legitimation dient die Delt- giertenkarte pro 1901/1902. Um recht pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Otto Wolf, Vorsitzender. 30 Mark hochfeine SommerPaletotS. 3« Mark hochelegante Herrenanzüge. IS Mark hochelegante Beinkleider. Anfertigung nur noch Matz. Guter Stoff, tadelloser Sitz. 133711, 14 Krausenstr. 14, I Tr.. Tel..Amt I Nr. 3708. 1 Dr. lUenCanUe von Carl Ernst, Köpnickerstr. 126, 1 Tr. Grötzte Auswahl k Billigste Preise k Vorzeiger dieser Annonce erh. 10»/,, Preisermäßigung Cuccur, gerrüffffirr fOCjssseffA NordliäDser Kantabakarlieitei-Geiiosseiiscliaft »>M°ni>°Kler. jcain�cyumiya' Anzüge IMk Mass von 25 Mk... Dresdenerslr. 4, am Kottbuser Thor. Hauptstrasse 143 SchSnebepg. WM/T Jedes Wort: Wort feti. Tl y 26 BucJistabm Pfennig. _ Nur das erale Wort feti, Worte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt. j fCleine /inzeigen. 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Eingabeiigesuche, Rat- erteilung.__ 99lK* iliifailsachen, Klagen, Eingaben, Reklamationen Pntzger, Steglitzer- straffe 65._ 8106 Rechtsburea» Fabisch, Andreas- straffe dreiuudsechzig. Rechtshilfe, Raterteilniig._ 776b Anfertigung eleganter Herren- aarderobe. Teilzahlung gestattet. Marcus, kleine Franisurterstraffe zwanzig. 777b Vivisektion! Wer fich über diese ruchloseste Graiifamkeit uiisrer Zeit nntcrrichlen will, verlange die Flug- blätter des Wcllbnndes gegen Vtvi- seltion, welche unentgeltlich versendet werden vom Tierschntzverem Berlin, Königgrätzerstraffc 108. Daselbst können auch Referenten für Borträge in Arbeitervereinen über Vivisektion be- pellt werde». Ilm gütigen Abdruck wird gebeten. 1616* Mcyerlcxikon, BrockhauS und alle andren Bücher kauft, beleiht Hanneniann, Kochstraffe 56, 1. Amt VI, 3397. 982K* Bücherankauf zu höchsten Preisen. Epstein, Markgrasensttaffe 101. jI30/1* ziinisisiopferel von Frau Kokosky, Steininetzstraffi<8, Ouergebäude hoch- parterre.____ Umsonst Zahnziehen, Brunnen- straffe 42. Jährlich 9000 verschiedene faticnten. Dr. dental surgeiy ischler. 4416 Rannrienweibche», 70 Pf., kaust Bogelhandlung Flottwellsttaffe 6. �Kanarienvögel kaust, Preis- angabe, Schmidsttaff« 31, Konopka. ff Saal bis 400 Personen saffend am 1. Osterseiertag frei. Herzog, Memelerstraffe 67._ 6516 Vercinsziminer Sonnabends und Sonntags noch zu vergeben. Marks, Stendalerstr. 8._ f81* Kaufe Kanarienweibchen 0,60, auch einige Hähne, Vierkant, Kastanien- allce 34._ fßO Goldsachen. Silber, Zahngebisse kauft Brunneustraffe 137, Uhrmacher- laden. 820b* Berliner Vereinszimmer, alle Tage frei, Wirt ist Mundharm onika-Künstler, Sangesbrudcr, Ausschank Patzenhofer, Schliciiiannffraffe 23. ffiO» EhescheidiiiigS-, Jnterventions-, Unsallsachen! Stellunggesuche, Rat- erteilungen! Linienstraffe 36. 138/17 Bereinszimmer sucht Segclklub im Osten, ansprechend. Adressen zu schicke»: Holzmarktstraffe 48, vor» IV, Oskar Härtig.-s-48 Vermietungen. Zimmer. Theilnehmer zum Zimmer 10>/, Mark. Josepbstraffe 5, Hof parterre. Separatzimmer. möbliert, vorn. 2 Herren. Rstterstraffe 2. Witwe Müller. 8l7b Freundliches möbliertes Zimmer vermietet sogleich Neumann, Stall- schretberstraffe 15 II. 814b Sottlaffotellen. Möblierte Schlafstelle für zwei Damen vermietet Witwe Jordan, An der Jerusalemer Kirch« 3, IV. 820b Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Bolkssänger- Gefellschaft Lewan- dowsky Sickingenstraffe 4._ fSl* Fii hrman» sucht Zeitung zu fahre» für Berlin und Vororte. C. Lüty, Charlottenburg, Wallstrabe 14. 784b Blinder Sttihlstechter bittet um Arbeit. Stühle werden zu den billigsten Preisen gestochten, werden abgeholt und«»entgeltlich zurück- geliefert. Adresse: Mulackstraffe 27, A. Gläser._* Frau sucht Aufwartestelle nach- mittags oder Comptoirreinigcn, bei Frau Belendorff, Reichenberger- straffe 109, II Treppen. 817 b Stellenangebote. Zimmerpolier, tüchtig, praktisch erfahren, verlangen sofort Max n. Rietz, Zimmermeister, Rixdors, Thüriiigerstraffe 8. 782b* Birger für Patridge nnd Piment verlangt Slocksabrik Rittcrstraffe 59. Tüchtiger Firnisset und ein Ein- ballierer werden verlangt'bei Neu- man», Hennig Sc Co., Zeughof- straffe 2t._ 8386 Gewandte» Cclluloidbicgcr verlangen Körnich&, Ausrecht, Wall- straffe 17/18. S23b Plütterinne» aus Oberhemden im Hause verlangen Letnberger�. Grave»- Horst. Wäschesabrik, GreisSwaldcr- straffe 13.____ 138/18* Näherin aus Damenhemdeil in mrd auffenn Hause verlangt Jorbandt, Alexandrineiistraffe 38, IH. 8256 Lehrmädchen auf Putzsedem bei sofottigem Gehalt werden verlaugt Ehrktch u. Co., Wallstrabe 57. j819b Acltereö Schulmädchen bei einem Kind sucht Kleiber, Schönhauser Allee 49. Mamsells auf Kosliinie, Paletots verlangt Schwartz, Tresckowstraffe 9, parterre.__ 818 b Mädchcnjacken-Arbeiterinnen vcr- langt Schmidt, Sttalsu»derstraffeb8III Im RrbeilSmartt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» koste» IN Pf. pro Zeil« Ein tüchttger Ciselrur erhält sofort dauernde Stellung b. C. G. Hallbcrgs Guldsmcds Aktiebolag, Stockholm (Schweden). 10/11* Wuilß! Aorbmacher! In der Korbwaren- Fabnk von Schlesinger, Stallfchreiberftr.I8, haben sämtliche Korbmacher Abzüge wegen die Arbeit eingestellt. Znzng fern halten. 80/3 Die Ortsverwaltnng. Achtung! Achtung! Modelltischler! Vo» bev Union, Ilkchtr icltltts Gesellschaft, Slonhit, sowie von der Firma I-ud,,lg l.liuc, Maschinenbau. Uchect, Fabrik landwirtschaftlicher Moschine». Friedrichsberg. nnd Schrepp, Berliner Modellfabrik, Kastanien» Allee, ducliuii!»», Eisengirfterei, verlängerte Hutteustraffe, stnd sämt- liche Modelltischler ausgesperrt. Deg Modelltischlereien liur-ir.hol-, Oranienstr. 25, Idlctrlch, Chaussee- straffe 52, und Gur-hc, Wasserthor- straffe 30, sind Auftrüge aus der „Union" zugegangen. 79/g Znzng fernhalten! Verontwottlich» Redacteur: Earl Leid in Berlin. Für d,u Inseratenteil verantwortlich- Tb.«lock- in Berliu. Druck und Verlag vo» MarBading m Berlin. st. 4«. ig. I-htMg. 2. Ktilllge jlts Jormiittö" feiltet iolblildtt s-merMg. 27 M«t 1992. JaZ CthiOhtltswesell im 5ta!»thallShlllts-Etllt. Mit dem städtischen Gesundheitswesen Berlins hat sich die Oeffentlichkeit in den letzten Wochen eingehender beschäftigt, als unsrcn freisümigeii Stadtvätern lieb sein konnte. Von social demokratischer Seite ist im Reichstag und in der Stadt vcrordneten-Bcrsammlung die Krankenpflege der Stadt scharf b e leuchtet worden. In der Stadtverordneten-Bersammlung erklärte der Magistratsvertreter, die Gemeinde könne„mit Stolz" an' ihre Ausgaben für die Krankenhäuser blicken, aber nach berühmtem Muster unterließ er, hinzuzufügen, wie groß Berlin ist und wie weit die von der Stadt gemachten Aufwendungen noch hinter dem Bedürfnis zurückbleiben. Im übrigen kommt es gerade auf diesem Gebiete nicht allein auf eine freigebige Dotierung des Etats an. Es ist nicht minder nötig, daß an der Spitze des Ressorts eine Persönlichkeit steht, die ihrer Aufgabe gewachsen ist. Im Etat für 1902 sind für das ganze Kapitel Gesund heitswesen 8 540256 M. Ausgabe und 2 670 614 M. Einnahme angesetzt, so daß ein Zuschuß von 5 869 642 M. zu leiste» ist. Die Krankenpflege— der, wenn man so sagen darf, prinntivere Teil des Gesundheitswesens— erfordert allein 7 441 986 M. Ausgabe An Einnahmen werden hier 1 954 970 M. erivartet, mithin wären 5 487 016 M. durch Zuschuß zu decken. Davon sind angesetzt für die Krankenhäuser 3171 126 M. Ausgabe, 1 324 840 M. Einnahme 1 846 286 M. Zuschuß, für die I r r e n a n st a l t e n 4 270 860 M. Ausgabe, 630 130 M. Einnahme, 3 640 730 M. Zuschuß. fEntsprccheud der Zahl der Anstalten ist der Krankenhaus-Etat in 5, der Irren anstalts-Etat in 3 Einzel-Etnts zerlegt— eine zu weitgehende überflüssige Specialisieruug.) Die Erhöhung d e r K n r k o st e n- s ä tz e in den städtischen Anstalten hat diesen in den letzten Jahren erhebliche Mehreinnahmen gebracht. aber sie hat es andrerseits auch manchem Familienvater noch mehr als bisher erschwert, dem VerlustseiiiesWahlrcchts vorzubeugen. Unter den städtischer Krankenhäusern erscheint jetzt zum erstenmal das Kaiser Friedrich Kinder-Krankenhaus(268 650 M. Ausgabe, 28 500 M. Eiuuabnic 240 150 M. Zuschuß), das am 1. Oktober endlich in städtische Ver waltnng übergegangen ist. Eine Vermehrung(die laugst not wendig war) tverden die Kindcrpflege-Anstalten später durch das Krankenhaus an der Scestraße und durch die Irrenanstalt in Buch er- fahren, die beide inr Bau sind und für die der Bau-Etat wieder bcträcht- liche Raten fordert. Der Mangel an Anstalten ist aber allmählich so groß geworden, daß schon jetzt wieder, noch ehe diese beiden Sln stalten fertig find, an ivcitere Vermehrung gedacht iverden muß. wen» dem Bedürfnis genügt werde» soll. Bemerkcnsivert ist übrigens die wichtige Rolle, die in den Aufwendungen für die Krankenpflege die Jrrenfürsorge spielt. Die Irrenhäuser erfordern heute doppelt so viel Zuschuß wie die Kraukciihänscr. Zur Krankenpflege gehört, genau genommen, auch die S i e ch e n f ii r s o r g e. aber die Siechen Häuser sind in dein Etat nach altem Brauch dem Armenwesen z» geteilt. Der Zusammenhang mit der Armenpflege ist ja leider für die gesanite Krankenpflege noch nicht beseitigt, während für das Volksschnlivescn daS hemmende Abhängigkeitsverhältnis, in dem es früher zun. Armenwesen stand, glücklicherweise schon seit Jahrzehnten gelöst ist. Dem principientreuen Freisinn null es, ivie gerade im letzten Jahre manche Verhandlinigen gezeigt haben, noch iiinncr nicht einleuchten, daß die Rücksicht auf das Gemeinwohl auch für die Krankenpflege eine völligeLoslösung von der Arn. en pflege gebietet. Die vorbeugende Äcsnndheitspflege, die Frucht einer fortgeschritteneren Entivicklung des Gesundheitswesens, liegt in Berlin noch mehr im Argen als die Krankenpflege. Im Etat für 1902 sind hierfür rund 1 098 270 M. angesetzt, wovon, da an Ei.u nahnien 715 644 M. erwartet werden. 382 626 M. aus dem Stadt säckel zu bestreiten find. Ucbrigens kommen von diesen Ausgaben allein 319 970 M. auf die Heimstätten für Genesende, die noch halb zur Krankenpflege gehören. Der Zuschuß beträgt hier nach Abzug der auf 223 990 M. geschätzten Eiuuahmen 95 980 M. Die B a d e- A n st a l t e n bieten mit dem erfreulichen Aufschwung, den sie in letzter Zeit genommen haben, ziemlich de» einzigen Lichtpunkt in unsrem städtischen Gesundheilsivesen. Sie erfordern dabei nur 14 872 M. Zuschuß, bei 476 826 M. Ausgabe und 461 954 M. Einnahme. erhalten sich also fast ganz selber. Die Warm-Badeanstalten bringen sogar noch einen kleinen Ueberschuß, der aber durch die Flußbäder mit aufgebraucht wird. Die Schul-Brausebäder wurde» bereits dein. Schul-Etat aufgeführt. Erwähnung verdient hier noch, daß zum erstenmale auch für den Schwimmunterricht von G e m e i n d e s ch n l e r n ein kleiner Posten(1000 Mark) ein gestellt ist— ein erfrenlickier Anfang. Die Desinfektions- a n st a l t rechnet auf 180 334 M. Ausgabe und nur 29 700 M. Einnahme(meist ans Gebühren), braucht also 150 644 M. Zuschuß. Völlig auf die Gebühren zu verzichten, das geht nicht! wahrscheinlich fürchtet man, daß dann die Anstalt zu sehr in An- spruch genommen ivürde und zu viel kostete. Wenn wir»och dir Ausgaben für Rettungswesen, Impf Wesen und Sanitätskommission(80 000, 28 900, 12 100 M.) erwähnen und ans Specialetat 45 die Unterstützung einiger Vereine hinzu- fügen, dann ist ja wohl alles erschöpft, was' über Berlins vor- beugende Gesundheitspflege zu sagen ivärc. Um gerecht zu sein, n.uß allerdings hervorgehoben werden, daß zur Gesundheitspflege im weiteren Sinne auch die Kanalisation, die Reinigung und Besprengung der Straßen, die Müllbeseitiguug ge- hört; ferner die Waflerversorgung(die in Berlin immer»och nicht ganz zweifelsohne ist), auch die Regelung der Lebensnnttel-Versorgnng durch Viehhof und Markthallen, am Ende auch das Parkwesen. Wollten wir aber hier auszählen, was weiter noch dazu gehört, aber noch nicht vorhanden ist, dann ivürde eine mindestens ebenso lange Liste herauskommen. Das städtische Amt für N a h r» n g s- mittel-Untersuchung ist ja nun gesichert. Dagegen ist z- 93. die städtische Wohnungsaussicht noch immer ein frommer Wunsch, dessen Erfüllung der Stadt Ausgaben verursachen und dafür nichts andres einbringen würde, als Förderung der Volksgesundheit. Aehnlich steht es um d i e S ch u l h h g i e n e, um die Forderung einer W ö ch n e r i n n e» f ii r s o r g e, einer Bekämpfung der Säuglings st erblichkeit und um n.anche andre Forderung. Ein nennenstverter Fortschritt in unsrem städtischen Gesundheits- Wesen ist freilich, auch wenn mehr dafür aufgeivendet würde, so lange nicht zu erwarten, als dieses Ressort nur im Neben- amt verwaltet wird. Beim Schul.vesen wie bein. Bau- Wesen ist dieser einer Großstadt unwürdige Zustand, der hier noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Berlin bestand, seitdem längst beseitigt. Beim Gesundheitsivesen behilft man sich noch am Anfang des 20. Jahrhunderts, im Zeitalter der Hygiene, mit einem un- besoldete» Stadtrat, der zwar ärztlicher Fachmann ist, der aber über die Angelegenheiten seines Ressorts meist falsch oder unvollkommen unterrichtet ist und als H y g i e n i k e r im günstigsten Fall den Namen eines„Amateurs" verdient. In den Gemeinven»nhlrn. Steglitz. Die bevorstehenden G e m e i n d e>v a b l e n und die daraus resultierende Rührigkeit unsrer Parteigenossen haben zu Wege gebracht, was bis jetzt nicht gelingen wollte: die gesamten bürgerlichen Parteien und Parteichcn, die sich noch bis vor kurzem bis aufs Messer bekämpften, haben ein Herzcusbündiris geschlossen, um der verhaßten Socialdemokratie den Rathans zu verlegen. Daß bei diesem zum— 9-——— i" der Mieterverein und die bisherige Opposition. die„ 11 ru abhängigen"„ihre" Kandidaten in einem Flugblatt der Grund besitzerpa ctei empfehlen lassen, ist ja Geschmackssache, daß aber diese Kandidaten als unabhängige Männer de» Wählern der dritten Klasse empfohlen werden, Bündnis die doch fast nur aus. Handwerkern und Arbeitern bestehen das ist ein Demagogenstückchen, daß an Dreistigkeit nichts zu wünschen übrig läßt und eine geradezu polizeiwidrige Urteilslosigkeit der Wähler voraussetzt. Glauben diese Herren wirklich, daß die Wähler es vergesse» haben, daß der von ihnen vor zivei Jahren gewählte Kandidat des Mietervereins, Herr Fischer, seine Maudatgober elend im Stiche ließ und zur Mehrheit abschwenkte daß er eben nur der Kandidat der Mieter, aber nachher der Vertreter ihrer Gegner war und noch ist? Sollten die Wähler der dritten Klasse wirklich noch den Kandidaten eines Vereins ernst nehmen können, dessen Mitglieder ihrem Vorsitzenden ein Vertrauensvotum ausstellten, nachdem durch seine Stinime eine Verschlechterung des Gemeinde-Wahlrechts durchgedrückt>var? Bei mit normalem Verstände begabte» Wählern dürfte die Unterstützung einer derartigen Kandidatur ausgeschlossen sein. Für nnsre Parteigenossen ist die Situation fetzt klar: der Ordnungsbrei steht ihnen geschlossen gegenüber, denn auch der T a lm i- M i e t e r- k a n d i d a t, der Natlonalsociale W e i» h a u s e». erklärte am Freitag in einer Versammlung, daß sein Feldgeschrei natürlich laute:„Gegen die Socialdemokratie!" An den Parteigenossen liegt es mm, am Wahltag zu zeigen, daß die Arbeiterschaft nicht länger gelvillt ist, sich von einer Kapitalisten- und Grundbesitzerklique entrechten zu lassen, sondern durch die Wahl von Kandidaten aus ihren eignen Reihen ihre Interessen zu wahren. Um unseren Kandidaten zum Siege zu verhelfen, ist es jedoch unbedingt nötig, daß ein jeder Parteigenosse seine Pflicht voll erfüllt und alles daran setzt, die Säumigen aufzumuntern und für die Wahl zu interessieren. D i e Wahlen der dritten Klasse finden statt am Montag. den 3. März, nachmittags von 4 bis 8 Uhr, in der Turnhalle der Genieindcschnle für den I. Bezirk; unser Kandidat ist der Gastwirt Schcllhase. Der II. Bezirk u> ä h 1 t in der Turnhalle des G Y m- u a s i n m s miscrii Kandidaten, den Schlosser W i e l o ch. Am Sonntag früh 8 Uhr ist bei S ch e l l h a s e, Ahorn straße Treffpunkt für alle Genossen, wclckic am Tage der Wahl ihre Diensie dem Wahlkomitee zur Verfügung stellen wollen. Zahlreiches Erscheinen wird bestimmt erwartet. Lankwitz. Für heute abend 8 Uhr ist nach dem Bcrgerschen Lokal hier eine öffentliche Kommnnalwähler- Ver- s a m in l n n g einberufen. Die Parteigenossen werden ersucht, in dieser Versannnliing z» erscheinen, da uns selbst ein Lokal zur Ein- berufinig einer eignen Versannnluiig nicht zur Verfügung steht. Pankow. Am Donnerstag, den 27. d. M., abends SVa Uhr findet bei Röll, Spandauerstraße. eine Wählerversaminlung sänit- tichcr Gemcindewählcr Pankows statt. Das Referat hat der Genosse ReichStagsabgeordueter R o s c n o w übenionniien, außerdem findet die Aufstellung der Kandidaten statt. Es ist Pflicht jedes Wählers, in der Bcrsammlinig zu erscheinen. Berliner Partei-Zlngelegenheiien. lieber die politische Rechtlosigkeit der Frau spricht Montag- abend Reichstags- Abgcordneler Paul Singer in einer bei Kticm in der Hasenheide stattfindenden Volksversaiinnlung. Die Vertraucnsperson. Lichtenberg. Heute abend 8'/? Uhr findet in Höflichs Lokal „Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee 121, eine Volks- v e r s a ni m l u n g statt, in der Genosse Robert Ahrens über daS Kraiikcnkassenwescii einen Vortrag hält. UokÄles. MittelstandSrcttcrö Arbeiterfrenndlichkeit. Ihr Herz entdeckt hat mit einem Male die«Staatsbürger- Zeitung", die Beschützerin des bekanntlich iiinner nur„bildlich" redenden Dreschgrafen Pückler. In einer Besprechung des neuen Haushalts-Etats der Stadt Berlin tritt sie für die— Arbeitslosen ein. Man beachte wohl: die„Staatsbürger- Zeitung" für die Arbeitslosen— dasselbe Blatt, das sich sonst nicht genug thnn kann in Beschimpfung der Arbeiter. Die Staatsbürgerin fordert st ä d t i s ch e N o t st a n d s a r b e i t c n und thiit, als würde sie aiichts dagegen einzuwenden haben, wenn die Gemeinde die Steuern erhöhen wollte, um die dazu erforderlichen Mittel zu beschaffen. Was werden die Gestmiungsgenosscn des Blättchens, die in der Stadtverordneten-Veisammlung sitzen oder saßen, zu dieser plötzlich erwachten Zärtlichkeit für die Arbeiterklasse sagen— der bei den letzten Stadtverordneten-Wahlen durchgefallene Rechts- anwalt Ulrich sowie der als einziges Uebcrbleiscl der„Bürgerpartei" dem Roten Hause noch gebliebene Stadtverordnete Pretzel! Haben doch diese Herren die nur ganz selteiien Gelegenheiten, bei denen sie in der Stadtverordneten-Versammlimg überhaupt in die Ver- Handlungen eingriffen, fast nur zu Kundgebungen krasse st er Arbeiterfeindlichkeit benutzt: Herr Ulrich, indem er bei der Petition gegen die Getreide- zölle den Junkern beisprang und den Brot Wucher ver- teidigte— Herr Pretzel, indem er in der Debatte über die Wohnungsnot die Wohnungswucherer in Schutz nahm und den Arbeitern Faulheit vorwarf. Die„Staatsbürger- Zeitung" hat freilich ihr warmes Herz für die Berliner Arbeiter jetzt wohl nur deshalb entdeckt, weil sie einen Vorwand braucht, den Vorwärts" anzurempeln. Die bei Besprechung des Stadthaus- haltS-EtatS von uns eingeschaltete Bemerkung, bei den gegen- wärtigen Beziehungen zwischen Stadtverwaltung und Staatsregicrung könne man Bedenken hegen, die Steuern zu erhöhen, iveil damit der taatlichen Aufsichtsbehörde ein willkommener Anlaß zu einer neuen Einniischuiig in die Berliner Kommunalvcrwaltuug gegeben werde, wird von dem Blättchen mit dreister Verdrehung so ausgelegt, als eien wir um diesen Preis auch für Notstandsarbeiten nicht zu haben. Merkwürdigerweise wird aber von der„Staatsbürger- Zeitung" gleich dahinter betont, daß„die Wähler der socialdemo- kratische» Stadtverordneten bekanntlich nur unerheblich zu den Steuerlasten der Stadt beitragen". Weiter unten wird noch deutlicher auf die Höhe der Steuerrechmnig hingewiesen, auf die 65 Millionen Mark, welche einige Tausend Berliner Bürger auf- zubringen haben, welch' letztere dann obendrein noch von denen, welche in der dritten Abteilung im Stadtverordneten-Kollegium den großen Mund haben, ohne Steuern zu zahlen, mit Kosenamen wie Hausagrarier, MittelstnndSretter, Reaktionäre förmlich überschüttet tverden". Es ist ein wahres Glück, daß so der Verfasser dieser konfusen Ausführungendievorgenommenc MaSke des Arbeiterfreundes noch rechtzeitig fallen läßt. Am Ende hätte sich die taatsbürgerin" sonst noch die Gunst der von Grund aus arbeiter- eindlichen Hausagrarier, Mittelstandsrettcr und Reaktionäre ver- cherzt, aus denen sich ihr spärlicher Leserkreis zusammensetzt. Denn gerade diesen Leuten darf man am allerwenigsten im Ernst mit der Genugthuung komnien, die nach Versicherung ihrcS Pretzorgans ast nur von ihnen aufgebrachten Steuern noch zu erhöhen, um zum Vorteil der Arbeitslosen Notstandsarbeiten ausführen zu lassen. Preisherabsetzung. Die städtischen Gaswerke haben den Preis für C o a k s auf 1 M. pro Hektoliter herabgesetzt. „Der Wahre Jacob" Nr. 5 ist auch heute noch nicht ein- getroffen. Auf unsre telegraphische Aufrage beim Verleger erhielten ivir die Antwort, daß die ganze Sendung in Bayern liegen gc- blieben sei, so daß die Ausgabe in Berlin erst am Freitag, de» S8. d. Bits., früh 8 Uhr, erfolgen kann. Die Sterblichkeit hält sich in Berlin in diesem Winter erfreu- licherweise auf einer verhältnismäßig geringen Höhe. Bisher ist die Zahl der Sterbefälle nur selten in einer Woche über 600 hinaus- gegangen. Die höchsten Zahlen waren 628 in der Woche vom 29'. Dezember bis 4. Januar und 618 in der Woche vom 2. bis 8. Februar. Im Winter 1900/01 war die Sterblichkeit meist über 600 Fälle in der Woche hinansgegangen, mehrfach sogar über 700, und in der vierten Januarwoche war sie bis auf 750 gestiegen. Im Winter 1899/1900>var sogar die 800 einige Male überschritten und in der dritten Februarwoche als Höchstzahl 861 erreicht worden. Der Rück- gang der Sterblichkeit in dem laufenden Winter ist zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, daß diejenigen Krankheiten, deren Ent- Wicklung durch Erkältungen begünstigt tvird, zumal die Erkrankinigen der Atmungsorgane, in den letzten Monaten eine verhältnismäßig geringe Verbreitung gefunden haben, während sie in den vorher- gehenden Wintern eiiie recht bedeutende Zahl von Opfern gefordert hatten. Die Erinnerung an Victor Hugo, die dieser Tage von der gesamten Presse wachgerufen wurde, veranlaßt uns, auch daran zu erinnern, daß drei seiner besten Romane in der von der Buch- Handlung Vorwärts herausgegebenen Illustrierten R o m a n b i l> l i o t h e k„In freien Stunden" abgedruckt sind, und zwar sein Revolution s-Roman„1.793" mit prächtigen Original-Holzschnitten und Zeichnungen von Victor Hugo selbst; der sociale Roman:„Die Armen und Elenden" mit künstlerischen Federzeichnungen von Damberger, und der historische Roman:„Der lachende Mann" mit den herrlichen Originalzeichnuugen von D. V i e r g e. Jeder dieser Romane ist in den Original- Halbjahresbändcn zu 3,50 M. und in Halbfranz zu 4 M. zu beziehen. Zur Zeit veröffentlichen die „Freien Stunden" den Roman„Der Bastard" von K. Spindler, dem Verfasser des von unsren Lesern seinerzeit mit so großem Beifall aufgcnomineuen Romans„Der Jude". Reben deni„Bastard" erscheint ein kleiner Roman von Gorki und eine er- greifende Geschichte von P. Loti:„E i n S e e m a n n". Wir können unsren Lesern das Abomiemeiit auf die Zehupfennighefte der „Freien Stunden", für die jeder Colporteur Bestellungen entgegennimmt, aufrichtig empfehlen. Im Berliner Verein für SchnlgesmidheitSpflege, der vorgestern im Bürgersaal des Rathauses versammelt war, unterzog der bekannte Bresl'auer Augenarzt Professor Dr. Hermann Cohn die Berliner Schulbücher und Zeitungen vom aiigenärztlichcn Stand- punkt aus einer kritischen Betrachtung. Unter Hinweis auf die mit der Bildung stetig fortschreitende Kurzsichtigkeit stellte er die Forderung auf, nicht so der Prüfung der Sehschärfe der Schüler, als den Gegenständen, die die Kurzsichtigkeit verursachen, erhöhte Auf- merksamkeit zuzuwenden. Zu diesem Zwecke wäre zunächst notwendig, eine Prüfung der Lichtstärke in allen Schulräumen und deren einzelnen Teilen, also naiiieiitlich auch in den Ecken und Winkeln vorzuiichmen, zu welchem Ztveck der Redner einen neukoiistrnierten Apparat vorführte. Sodann müsse man sich entschieden mehr als bisher um den Druck von Büchern und auch von Zeitungen kümmern. Der Redner hat 50 Berliner Schulbücher in Bezug auf den Druck untersucht und dabei festgestellt, daß 26„schlecht gedruckt", 16„teil- weise schlecht gedruckt" und nur 3„gut gedruckt" sind.— Als Forderung i stellte Prof. Cohn auf, daß durch eine einen Qnadratcentimeter große Oeffnung nicht mehr als zwei Zeilen sichtbar sein dürfen, wenn ein Buch der Allgenhygiene entsprechen soll. Die Höhe eines„n" muß mindestens 1,5 Millimeter, die Eiitfcrinnig eines„n" von dem darunter stehenden kleinen Buchstaben muß iiiindestens 2,5 Millimeter, und die Dicke der Buchstaben, die jetzt nur 0.2 Millimeter ist, muß liiindestens 0,3 Millimeter betragen. Nach diesen Forderungen ist die kleinste Schriftart, die in Schulbüchern angewendet werden darf, Korpus Fraktur beziehungsiveise Korpus Antiqua mit 2,5 Millimeter Durchschuß. Der Ausschuß zur Beratung der Magistratsvorlage über die. N e b e r n a h ni e und Einrichtung der Heimstätte G u t ergötz hat nutcr dem Vorsitz des Stadtverordneten-Vorstehers Dr. L a n g e r h a n s nach einer Besichtigung des Inventars folgendes � beschlossen:„Die Versammlnng ist damit' einverstanden, daß vom 1. Juli 1902 ab das jetzige Sanatorium der Landesversichermigs- Anstalt Berlin in Gütcrgotz als dritte Heimstätte für Brnstkranke in Betrieb genommen und mit Männern belegt wird, sowie daß vom gleichen Zeitpunkt ab in die Heimstätte Maichow brustkranke Frauen niifgenoinnicn werden, und bewilligt die zu diesem Zweck ersorder- lichen Mittel aus den Ueberschüssen des Etatsjahres 1900. Die Auf- »ahme erfolgt nach denselben Grundsätzen, wie sie für die schon bestehenden Heimstätten für Brustkranke gelten." Gegen den„Doktor" Paul Neumann, über dessen Flucht wir bereits berichtet haben, wurde die Strafanzeige erstattet, daß er auf de» Namen eines mit ihm befreundet gewesene» Stndcnteil der Medizin Wechsel in der Höhe von 8000 Mark gefälscht habe. Das Gepäck des„Dr." Nenniann, das dieser auf dem Bahnhof Friedrich- straße in Verwahrung, gegeben hatte, wurde von der Kriminalpolizei mit Beschlag belegt. Die Lichtung des Tiergartens ist jetzt in vollem Umfange beendet, nachdem bannt im Winter 1897/98 begonnen worden war. In diesem Winter wurde der Teil auf der Südseite von der Hofjäger- Allee bis zur Weichbildgrenze ausgelichtet, so daß die Arbeite» einen eitranm von 5 Jahren erfordert haben. Die Neugestaltinig der lergartenfläche mit ihren umfangreichen Rasenanlagen erfordert einen bedeutend höheren Aufwand an Unterhaltiingskoste», die auf 240000 M. festgesetzt Ivorden sind. In die Hände von vier Räubern gefallen ist letzte Nacht der Arbeiter Beyer aus der Gartcnstr. 158. der kürzlich aus der Provinz nach Berlin gekommen war, um sich hier als Kutscher zu verdingen. Beyer war Dienstagabend in einem Gasthofe der Jnvalidenstraße a» einem Tische mit vier Männer» bekannt geworden, die sich angelegentlichst nm seine persönlichen Verhältnisse kümmerte» und für sein Fortkommen zu sorgen versprachen. Sie versprachen unter andrem den Beyer, ob er in wenigen Stunden ein anständiges Geld verdiene» ivollte, wenn er sich an einem Pferde- transport nach Nauen beteiligen würde. Beyer sagte freudig zu. Anfangs wollten ihn seine„Gönner" in aller Frühe wecken kommcii, später aber überredeten sie ihn, gleich mit ihnen nach der Hussiten- traße 72 mitzugehen, von wo der Aufbruch nach Nauen erfolgen ollte.� Als Beyer mit seinen vier Begleiter» im Flur des genannten Hauses stand, schloffen die Leute das Haus von innen ab und fielen über de» ahnungslosen Mann mit Stöcke», Brecheisen und Schläuchen her und verletzten ihn derart, daß er bewußtlos zu- ammenbrach. Dann beraubten sie ihn feines Portemonuaies mit 30 M. Inhalt, seiner Uhr und sonstiger Wertsachen, sowie eines Gepäckscheines, auf den sie gestern am frühen Morgen nm Stettiner Bahnhof den Reisckorb 93cyers, der seine Habseligkeiten enthielt, auslösten. Den Korb haben sie alsdann in der Nähe des Lehrter Bahnhofs in die Spree geworfen, wo er vollständig geleert herausgefischt wurde. Beyer selbst erlangte erst nach V/2 Stunden das Bewußtsein wieder und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Kriminalpolizei, die sofort die Ermittelungen einleitete, hat bereits zwei der Räuber, den 2S Jnhre alten Arbeiter TaSprick und den Sojähriften Bäcker Conrad, beide im Hause Aiiguststr. SO wohn- Haft, verhaftet. Ein merkwürdiger Straßemmfall ereignete sich am Dienstag- abend. Von der elektrischen Strahcnbahn wurde vor dem Hamc Gartenstr. 1ö3 der Arbeiter Schmidt iiberfnhren und anscheinend schwer verletzt. Da er nicht gleich befreit werden konnte, wurden durch den Feuermelder zwei Züge der Feuerwehr alanniert. Als diese in schnellstem Gang an der Unfallstätte erschienen, kreuzten zwei Radfahrer den Weg der Feuerwehr. Um sie nicht zu überfahren, mutzten die»ahrzcuge stoppen, wobei nicht verhindert werden konnte, datz eine DMiipfspritze mit dem Stratzenbahnwagen zusammenstietz und ein Radfahrer auf den Bürgersteig flog. Der Arbeiter wurde unter dem Wagen hervorgeholt und nach der Unfallstation in der Eichendorffstratze gebracht. «Bei der Arbeit" erwischt wurde in der letzten Nacht ein Goldwarcn-Dieb Oskar Günther, ein mehrfach vorbestrafter Mensch, der an der Spitze einer Einbrecherbande stand. Mit drei Helfers- Helfern fuhr er ans dem letzten Stratzenbahn-Wagen nach der Rcinickendorferstratze und stieg in der Nähe des Hauses Nr. 10 ab. Nachdem sie sich nach allen Seiten umgesehen hatten, hoben die Spitzbuben an der Uhren- und Goldwarcn- Handlung von Frank die Rolllade in die Höhe und zertrümmerten behutsam eine Scheibe. Während drei Man» drautzc» blieben, um aufzupassen, stieg Günther ein, um die Ivertvollsten Sache» aus- zusuchen und herauszurcichen. Ein Schutzmann, den die Einbrecher nicht gesehen hatten, beobachtete von einer dem Hause gegenüber- liegenden Bedürfnisanstalt ans das Treiben der Einbrecher, kam dann aus seinem Versteck hervor, stieg ebenfalls in den Laden ein und nahm Günther fest, während seine Helfershelfer entflohen und von einein Wächter und einem andren Schntzmon» nicht wieder ein- geholt werden konnten. Günther, das Haupt der Bande, hatte bereits eine sorgfältige Auswahl getroffen, als der Begmte ihn am Krage» nahm und auf die Wache brachte. AnS verletztem Ehrgefühl in den Tod gegangen ist der 48 Jahre alte Gürtler Emit B. vom Kottbuser Ufer. B., der in guten Verhältnissen lebte, war seit Anfang diese? Jahres brustleidend und arbeitsunfähig, geriet aber in den Verdacht, datz er nicht arbeiten wolle. Diese Kränkung wollte er nicht überleben. Gestern mittag ging er von Hause weg, aber nicht, wie er angab, um frische Luft zu schöpfen, sondern um sich im Tiergarten zn vergiften. Eine Schutz- maniiSpatrouille fand ihn in der Nähe der Löwenbrücke und brachte ihn in ein jkraukenhaus. Hier starb er nach ganz kurzer Zeit. In einer Aufzeichnung, die er hinterlietz, beklagte sich der Unglückliche. datz er für faul gehalten werde, weil er nicht arbeite, wahrend er krank sei. Frau und Kinder möchten ihm vergeben. Die Abgehärteten. Wenn ein Schuljunge die alten Grieche» nackt abgebildet sieht, so ivird er von Neid und Wornie zugleich erfüllt. Er erwägt, wie schön es ist, wenn man niemals wegen zcr- rissener Hosen geprügelt iverden kann und auch des Morgens sich nicht erst anzuziehen braucht. Man kann da eine Viertelstunde länger schlafen. Nur im Winter wird die Sache mulmig. Wenn eS friert und schneit, giebt ein jeder der unästhetische» Tracht von heute den Vorzug und bewundert nur scheu den alten Sokrates, der ohne Winterüberzieher und barfutz den Schnee vor seiner Thür fort- geschippt haben soll. Die verweichlichten Kinder des 20. Jahr- Hunderts aber auch im Winter an die griechische Nacktheit zu ge- wohnen, hat sich der D c u t s ch e Verein für intelligente Leibeszucht zum Ziel gesetzt. Im letzten Sommer haben wir mehrfach auf das Licht- und Lust- Sportbad am Kurfürsten- dämm hingewiesen, wo der männliche Mensch in reiner Nacktheit, nur der lieben Polizei zuliebe mit einem Schurz angethan, sich stählender Hebungen hingab. Eine Kerntruppe jener Männer hat aber auch dem Winter Trotz geboten. Am Sonntag sahen Ivir im Sportbad eine gar nicht einmal kleine Gesellschaft, vom zehnjährigen Knaben bis zum stattlichen Vierziger sich bei einigen Grad Kälte nackend tumnieln. Man turnte, lief und sprang im Freien umher, ohne im mindesten sich vor Schnupfen und Influenza zu fürchten, und ein ganz besonderes Vergnüge» war es für nianche, den nackte» Körper unausgesetzt im Schnee zu wälzen. Andre übten sich in Athletenkünsten oder führten Ringkämpfe auf. Grotz war die Freude aber, als ei» Photograph herangerückt kam, um für eine hiesige Zeitung Gruppenbilder der Wetterfeste» aufzunehmen. Ein andrer Umstand erfüllte die Abgehärteten»och mit Stolz. Ein Athleten- Verein hatte sein Erscheinen zugesagt, war aber nicht gekommen. Statiirlich war es nach allgemeinem Urteil die Furcht vor dem Schnupfen, welckic das Riesengeschlecht abgehalten hat, sich mit den Mitgliedem des Vereins für intelligente LeibeSzucht zn messen. Und dann kam»och ein Drittes hinzu, dessen die meisten der Abgehärteten sich rühmten. Sie verkündeten, datz sie Vegetarier seien ivas lag da näher, als die Schlutzfolgerung, datz der Abscheu vor Tierlcichen wesentlich zur Stählung des Menschen gegen Winterkälte beiträgt I Nachtleben in der Friedrichstraße. In die Dameukneip« Friedrichstratze SS kamen gestern morgen gegen VsS Uhr drei gut gekleidete Herren. Nachdem einige Glas Bier geleert waren, begann die kleine Gesellschaft Karten zu spielen. Das Spiel währte nicht lange. Zwei der Herren gerieten mit dem dritte» in Streit, und ehe es das Personal verhüren konnte, war eS zu Thätlichkeiten gekommen. Die eine Partei fatzte den dritten an, warf ihn zn Boden und schlug mit Biergläsern auf ihn los. Die Angreifer hiebe», nachdem schon die Gläser gebrochen waren, mit den Scherben den Wehrlosen auf den Kopf und in das Gesicht, bis er endlich blut- überströmt und mit furchtbaren Verletzungen besät aus den Händen der sich wie wahnfinnig Gebärdenden befreit iverden konnte. Der Schwerverletzte, ein Droguenhändler aus der Chausseestratze, wurde nach der Unfallstation i in der Wilhelmftratze gebracht, wo der dirigierende Arzt mit dem Verbinden der teilweise sehr gefährlichen Wunden zlvei Stunden zu thun hatte. Die volkstümliche Kunstausstellung im Gcwcrkschaftö- Hause wird am Freitag, den 28. Februar, geschlossen. Am Donnerstag, den 27., und Freitag, den 28. Februar, finde» nock Vorträge verbunden mit Führungen statt, zu denen Eintrittskarten a 20 Pf. im Cigarrengeschaft von Horsch, Engel.Ufer IS, zu haben sind. Die Vorträge beginnen Punkt V Uhr abends und dauern bis gegen lOVe Uhr. Feuerbertcht. Eine reiche Brandchronik weisen die letzte» 24 Stunden auf. Mittwochfrüh 1 Uhr tvurde die Wehr nach der Köuigstr. 47 gerufen. Ivo in dem Eigarrengeschäft von W. Arndt auf noch nicht ermittelte Weise Feuer ausgebrochen war. Es gelang indes die Flammen mit einem Rohre in kurzer Zeit zu ersticke». Kurz vorher brannten in der Raupachstr. 1 i» einer Gastwirtschaft eine Holzivand und Vorhänge. Dienstagabend erfolgte ein Alarm von dem Kaufhaus Spittelmarkt. Hier hatten in der im ersten Stock untergebrachten Danicnniäntelfabrik von S. Bernhard, Kon- fektionSwarcn Feuer gefangen, dessen Ablöschung aber auch bald erfolgen konnte, so datz der verursachte Schaden nicht erheblich ist. In der Urbanstr. 36 mutzte vormittags 7 Uhr ein Brand abgelöscht werde», der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Dienstagabend gingen in der Gartenstratze 4S Kleidungsstücke und Möbel in Flammen auf. Ivährend in der Fehrbcllinerstr. 38 Holz und Lumpen Feuer gefangen hatten. Nutzer- dem waren noch Alarniierungen von der Vlücherstr. 69 und Lange- stratze 88 zu verzeichnen. In beiden Fällen handelte eS sich um kleinere Wohnungsbrände, die noch im Entstehen unterdrückt werden konnten._ SliiS de» Nachbarorten. Eine SubmissionSblüte. Man schreibt u»S auS Lichtenberg: Zum ErlvciterungSbau des Wasserwerks Lichtenberg wurde der Bedarf von Filtersaud ausgeschrieben. Die Angebote schwankten zwischen 12.30 und 7 M. per Kubikmeter. Dem Mindestfordernden. einem Unternehmer D. in Spandau, wurde der Zuschlag mit 7 M. erteilt. Der Sand wurde auf die Baustelle g«. Verantwortlicher Redacteur: Karl Leid in Verl fahren, und da gkelchzeltig derselbe Unternehmer für die Betonarbeiten solchen zu liefern hatte, auch für letztere Zwecke zum Teil verwandt. Nunmehr macht der Unternehmer der Bauleitung den Vorschlag, datz der auf der Baustelle befindliche Sand gewaschen und vorschriftsmätzig auf die Filter gebracht werden möge, dafür solle pro Kubikmeter S M. berechnet iverden. Das heißt, der mit 7 M. angebotene Sand stellt sich auf 12 M. Ist das nicht uit- lauterer Wettbewerb. Wenn nun hier die Unverfrorenheit auch pure Ablehnung erfuhr, ein netter Beitrag zum»Mindestgebot" bleibt sie doch. ArmenhauS-Zustände in FriedrichSfeldc. Im Herbst vorigen Jahres gab der Gemeindeschöffe Pechard der Befürchtung Ausdruck, daß luxuriöse Wohnungen im neuen Anbau zum Armeiihause ein- gerichtet werden könnten. Wie wenig von Luxus die Rede sein kann, zeigen folgende Thatsachen. In einer im oberen Stockwerk des alte» Armenhauses belegene» Räumlichkeit, welche aus Stube und Küche besteht. Hausen siebe» erwachsene Personen, nämlich fünf Männer im Alter von S6 bis 81 Jahren und zwei weibliche Personen, die Frau des einen der Insassen und seine 16jährige Tochter, welche in der Fabrik arbeitet. Die Stube ist Meter lang, ebenso breit und 2,63 Meter hoch, die Küche ist 2,13 Meter breit und 4'/e Meter lang. Geheizt wird nicht, da die Gemeinde keine Feuerung liefert, die Wände sind infolge der Kälte und schlechten Lüftung mit Schimmel bedeckt. In der Küche, die den Zugaug zur Stube bildet, schlafen die beide» Frauen. Ein altes Ehepaar, welches das Armenhaus bewohnt, ist End» August vorigen JahreS exmittiert worden. Die Gemeinde hatte sich geweigert, zur Miete einen Zuschuß zu gebe», und so kam eS, datz das bißchen Mobiliar drei Tage lang auf der Stratze lag, bis es in einem Stall untergebrnäit wurde. Am 1. Oktober erhielten die alten Leute das oben beschriebene Quartier in« Anuenhause. Eine aus elf Köpfen bestehende Familie, welche das Armenhaus schon früher bewohnte, war ans diesem Asyl entfernt worden, nnd der Vater der Familie hatte eine Anklage zn bestehen, weil er kein Obdach für sich und die Seinen beschafft haben sollte. Er mutzte aber freigesvrochcn werden, Iveil er nachivcisen konnte, datz niemand am Ort ihm eine Wohnung vermieten wollte. Hierauf mutzte die Familie wieder im Anueiihause aufgenommen Iverden. Ans Zchlcudorf berichtet mau uns: Die Gemeindevertretung von Zehlendorf hatte voriges Jahr beschlossen, die neue höhere T ö ch t e r s cki u l c südlich der Wannseebahn zu erbauen. Schwere Kämpfe waren diesem Beschlutz vorausgegangen. Jetzt ivird bekannt. daß die Partei, die für den Bau nördlich der Bahn eingetreten war. es durchsetzen will, datz doch ein Grmidstiick an der Nordseite, nnd zwar neben dem Eleltricitätswerk, gekauft iverde. Man ivill a» dieser Stelle die Schule errichte», um küufiigeu Scherereien mit Eigentümern, die sich durch das Werk in der Nachtruhe gestört fühle» könnte», aus dem Wege zu gehen. Ob dies Motiv wirklich das allein matzgebende ivar? Dadurch, datz die Angelegenheit vorige Woche i» nichtöffentlicher Sitzung vou der Gcineindevcrlretung behandelt wurde, ist allerhand Vermutlingen Nahrung gegeben. Der Gemein de-Etat balanciert mit 626 612 M.; es ist gegen das Vorjahr eine Erhöhung um 234 922 M. eingetreten. Während für das Gymirnfiiim 150 000 M., für die Töchterschule 30000 M. angesetzt sind, fungiert das Armenhaus nicht im Etat, obgleich ein Geineindcvcrtreter daS jetzige Gebäude als ei» für die Gemeinde unwürdiges bezeichnet hat. Die erhöhte» Ans- gaben sollen durch eine Anleihe in Höhe von 200000 M. gedeckt werden. Daö Millionendorf. Während noch vor drei Jahren von den männlichen Haushaltungsvorstäiiden Schön ebergS nur eine Person als Summe aller direkten Steuer mehr als 20 000 M. zahlte, habe» jetzt zlvei Personen eine» solchen Steuerbctrag zu entrichten. und zwar die eine Person als höchste» Betrag etwas über 42 000 M. und die andre Person als zweithöchsien Betrag etwas mehr als 27 000 M. In beide» Fällen sind die Steuerzahler Gutsbesitzer. 13 000 bis 20 000 M. Steuer zahlen zwei Personen sGuIsbesitzer) nnd 10000 bis 13 000 M. vier Personen(ein Rittergutsbesitzer, ein Gutsbesitzer, ein Arzt nnd ein Rentier); 8000 bis 9000 M. zahlen drei Personen tein Geh. Kanzleirat und zwei Knnfleute), 6000 bis 7000 M. ein Maurermeister. Mit 3000 bis 6000 M. sind drei Personen vor- Hände»(ein Landgerichtsrat. ei» Kanfniann und ein Braunieister). ivährend ein Beirag von 4000 bis 3000 M. von siebe» Personen entrichtet wird(von einem Brauereidirektor, zwei Kauflcuten, eiiiem Rentier, einem Schriftgietzercidesitzer, einem Zimmermcister und einein Civilingenienr). Im Ganzen zahlen also 22 männliche Per- sonen mehr als 4000 M. Sleueni; vor drei Jahren waren nur neun solcher Steuerzahler vorhanden. GevMzks Wie Pole» germanisiert wird. Bereits gesteni haben wir mitgeteilt, datz in dein polnischen Schulprozetz der der Beleidigung des Lehrers Kühn angeklagte Gemeindevorsteher Osmina aus Ojrzanomo freigesprochen. Aus der Verhandlung wollen wir einige Einzelheiten hervorheben: Er— der Lehrer— habe anfänglich einen sehr schlveren Stand gehabt und sei genötigt gewesen, körperliche Züchtigungen vorzunehnren. Er bc- sitze auch einen fingerdicken Stock. Er habe wohl auch einige Male Kinder auf die Nase geschlagen, so daß diese blutete, das Züchtigungsrecht habe er aber niemals überschritte». Er erinnere sich nicht, mit dem Stock oder mit der Faust die Kinder auf den Kopf geschlagen zu haben, auch nicht, datz er dieselben an die Schiefertafel oder an die Wand gestoßen habe. Seit dem 1. April 1901 sei er der einzige Lehrer in Oirzonowo und habe l67 Kinder zu unter- richten. Er hatte sich derartig in seinem Amte angestrengt. datz er schwer erkrankte und sich einer Operation unterziehen mutzte. Bert.: Ist eS richtig, datz Sie behauptet haben, der Angeklagte habe Sie bloß verdrängen wollen, weil er«in fanatischer Pole ist und Sie als Deutscher der polnischen Propaganda«utgegengetreteu sind.— Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt.— Bert.: Sie haben dies aber bei Ihrer Vernehmung in Labischin zu Protokoll gegeben.— Vors.: Das ist richtig.— Zeuge: ES ist mir aller- diugs erimierlich, datz mir so etwas mitgeteilt worden ist.— V e r t.: Aber irgqjd eine Unterlage haben Sie dafür nicht.— Zeuge: Nein.• Danach wird die elfjährige MichalSka, ein kleines schwächliches Mädchen, als Zeugin i» den Saal geführt. Diese betundet durch Vermittelimg de« Dolmetschers: Sie habe einmal nicht gut rechne» können; da habe sie der Lehrer Kühn 12 mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen, s o da tz lie h e fti g g e b luie t habe. Alsdann habe er sie von hinten am Kopf gefaßt und sie in so heftiger Weise gegen die Schiefertafel gestoßen, daß sie heftige Kopfschmerzen hatte und zwei Tage lang zu Bett liegen mutzte. Die zwölfjährige BoniSkawa R u r i n S k a bestätigt Vollinhalt- lich die Aussagen ihrer Mitschülerin. Di« elfjährige Josepha S i t a r« k bekundet mittels Dolmetscher«: Sie habe einmal nicht rechnen können: da habe sie der Lehrer Kühn mit der geballten Faust, auf der ein dicker Ring war, heftig auf den Kopf geschlagen und sie mehrfach ge- ohrfeigt. Alsdann Hab- Lehrer Kühn ihr die Schiefer- t a f e l derartig an de» Kopf geschlagen, datz dieselbe in Stücke zerbrach. Daraufhin zerbrach der Lehrer auch»och den Schiefcrgriffel. Sie habe geblutet und heftige Kopfschmerzen gehabt. Lehrer Kübn giebt auf Befragen des Vorsitzenden zu. daß er, da er verheiratet fei. den Trauring trage, die von dem Kinde bekundete Mißhandlung fei aber jedenfalls sehr übertrieben.— Die 14 jährige Wando P a« k i e w i e z bekundet ebenfalls mittels Dolmetscher: Lehrer Kühn habe sie, da sie im Geschichtsunterricht mcht zu antworten wußte, heftig mit dem Stock auf die Hand und milder Faust ins Gesicht geschlagen. Sie habe der- artig geblutet, daß sie sich auf Befehl des Lehrer? das Blut an einem Brunnen aus dem Schulhofe abwaschen mutzte. Lehrer Kühn, der ztvei Stöcke besaß, habe diese, sobald der Schulinspektor kam. versteckt.— Der lOjährige n Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck un Stanislaus Gwltt spricht zunächst deutsch, sehr bald mutz aber auch bei diesem der Dolmetscher helfend eingreifen. Dieser Knabe bc- kündet: Er habe einmal in der Rechenstnnde ungenügende Antwort gegeben, deshalb sei er von dem Lehrer Kühn mit der Faust ins Gesicht geschlagen ivorden, so datz ihm die Nase blutete. Alsdann habe ihn der Lehrer mit dem Kopf an die Schiefertafel gestoßen. Trotz dieser von den Kindern bekundeten haarsträubenden Züchtigungen kam der Gerichtshof zu dem Ergebnis, daß Kühn das ZüchtigiingSrccht nicht überschritten habe. Die Frei- s p r e ch u n g dcS Gcnieindeborsichcrs erfolgte, weil er in Wahr- nehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Bemerkt sei noch, datz der Kreis-Schnlinspcktor K e in p f- B a r t s ch i n die Bekundung abgab, datz der Lehrer Kühn die Kinder Nur in unerheblicher Weise gezüchtigt habe. Eine nette Pflanze. Die phantastischen Märchen eines„ v e r- sch wundeue n Mädchens" beschäftigten gestern die erste Straf- kammer des Landgerichts in einer gegen den Bügler August D o l i v a gerichtete» Anklage wegen Sittlichkeitsverbrechens. Im Frühjahr vorigen Jahres'verschwand das 11jährige Schulmädchen Frida F l i e g n e r aus der Pallisadcnstratze. Alle Nachforschungen nach dem Mädchen bliebe» erfolglos, und es tauchte schließlich das Gerücht auf, daß das Mädchen erschlagen und dann in einer Lauben- kolonir in der Petersburger Straße vergrabe» worden sei. Dos Ge- rllcht verdichtete sich so, datz die Polizei seiner Zeit auf dem Gebiet der Laubenkolonie Nachgrabungen anstellen lietz, die aber auch erfolglos blieben. Das Mädchen blieb fast ackt Monate verschwunden, bis im Dezember die Elten, von ihrem Dasein Kunde erhielten. DaS Mädchen befand sich unter dem Namen Else Hofmann bei einem Einwohner von Müncheberg in Waisenpflege. Die dortige Polizei hatte durch eine Aentzening des Mädchens, daß es auS der Pallisaden- stratze in Berlin stainme, den Verdacht gesckiöpft, datz das Kind mit der verschlvundenen Frida F l i e g n e r identisch sei. Als der herbei- citierte Vater diesen Verdacht noch bestätigte und sein Kind in die Anne schließen wollte, wurde das Mädchen dreist und erklärte katc- gorisck:„Ich kenne Sie wohl, Sie sind Herr Flicgncr aus der Pallisaden- stratze, Sie sind aber nicht mein Vater!" Es bedurfte erst stunden- langer Ueberredung, um das Mädchen zu bewegen, die Komödie aufzugeben und dem Vater nach Verlin zu folgen. Hier wurde sie ins Gebet genommen und gab über ihren Verbleib folgende Mllnchhausemade zum besten: Am 13. Mai sei sie aus Furcht vor Strafe wegen einer von ihr begangenen kleinen Unterschlagung in Höhe von 2 M. aus der elterlichen Wohnung weggeblieben und habe sich planlos in den Straßen nmhcrgetricben. Dahabe sichein unbekannter Mann zu ihr gesellt und habe sie zu einer Frau in der Köpiiickerstratze gebracht, wo sie über vier Monate geblieben sei. Dann sei sie vorübergehend nach dem Waisenhause gebracht worden. Eines Tages habe sie derselbe Man» ans der Stratze aufgegriffen und abermals zu der Frau gebracht, sie wäre dann von beiden mit auf die Reise gciiommcn worden und habe in einem Schau- s p i e l e r- W o h ii w a g e n die Tour einer Schauspielergesellschaft durch die Provinz mitgemacht. Als sie eines Tages kurz vor Müncheberg sicb von dein Wagen etwas entfernt gehabt habe, sei dieser bei ihrer Rückkehr verschwunden gewesen und sie habe nun hielflos allein dagestanden. Schließlich sei sie von der Polizei aufgegriffen und, da sie erklärte, elternlos zu sein, durch die Waiscnverwaltuiig dein Pfleger in Müncheberg überwiesen worden. Die Polizei machte nun alle Anstrengungen, um die angeblich in der Köpenickerstratze wohnende Frauenspcrsoii. die offenbar eine Kupplerin sein mutzte, zu ermitteln. DaS Mädchen hatte ein ganz bestimmtes Haus angegeben, in welchem die Frau hinten auf dem Hof drei Treppen lvohnen sollte. AIS sie aber dorthin geführt wurde, ergab sich die völlige Haltlosigkeit dieser Bchnnptung. DaS Mädchen änderte dann seine Angaben und behauptete, daß das betreffende Haus einer Feuerwache gegenüber gelegen sei, aber auch nach dieser Richtung hin blieben alle Recherchen ohne jegliches Ergebnis. Datz ein elfjähriges Berliner Mädchen, welches monatelang in einer Wohnung sich aufgehalten haben wollte, daS betreffende Hans nicht wieder finden sollte, war schon au sich undenkbar. Weitere Nachsorschungen ergaben dann, datz das Mädchen die ganze phantastische Geschichte von dein Aufenthalt in der Köpeiiickerstratze und seinem abenteucr- lichcn Zuge im Wohnwagen der Schauspiclertruppe frei erfunden hatte. Thatsächlich hatte sich das Mädchen aus Furcht vor Strafe aus dem elterlichen Haus« entfernt, hat es verstanden, viele Tage sein Leben im Vagobondieren zu fristen, ist dann aufgegriffen und der Waisenverwallung zugeführt und als angeblich elternlose Else Hofmann dem Pflegevater überwiesen worden. Man nahm sie nun energisch ins Verhör, ob sich während der Zeit ihrer Baga- boudage jemand au ihr vergangen habe und da rückte sie denn mit der Beschuldigung heraus, datz noch vor ihrer Entfernung aus dem elterlichen Hause der Angeklagte, bei dem sie öfter kleine Bestcllnugeu auszurichten hatte, ihr iviederholt Gewalt angethan habe. Sie blieb auf eindringliches Vorhalten unentwegt bei dieser Beschuldigung, die dadurch eine gewisse Verstärkung erhielt, daß der Angeklagte einmal so leichtsiimig gewesen ist, das Kind auf seine Bitten zn begleiten, als es sich eine Puppe kaufen wollte. Der An- geklagte wurde am 20. Dezember in Hast genommen und seine Chancen standen im gestrigen Termin ziemlich schlecht, da die Lehrer der kleinen BelastungSzeugin dieser ein glänzendes Zeugnis gaben und sie als ein ungewöhnlich begabtes Mädchen, dos sich nie als verlogen gezeigt habe, schilderten. Schließlich gelang es dem Vorsitzenden LandgcrichtS-Tirektor T a ck m a n n durch ernstes, väterliches Einreden auf das Mädchen die Situation zu klären, nachdem RcchtSamvalt Dr. Schöps schon »rbcbliche Widersprüche i» den Aussagen dcS Mädchens festgestellt hatte. Es ergab sich, datz das Mädchen auch diese Beschuldigung ihrer lebhaften Phantasie entnommen hotte. Der Staatsanwalt bc- antragte die Freffprechung, Rechtsanwalt Dr. Schöps hielt es ftir geboten, bei der ganzen Sachlage auch die Kosten des Verteidigers der Staatskasse zur Last zu legen. Der Gerichtshof vermochte nicht so weit zu gehen, da sich der Augeklagte immerhin in eine» gewissen Verdacht selbst gebracht hatte; er sprach ihn aber frei und ordnete seine sofortige Hastenilaffung an. Ter Meineidsprozeß gegen den früheren Bankier nnd Hau?- besitzer Eduard Mertens in Potsdam bat vor dem dortigen Schivurgericht jetzt stattgesimden. Der Vorsitzende suchte durch Fragen an den Angeklagten zunächst festzustellen, wie eS mit dessen angeblicher Gedächtnisschwäche beschaffen sei. Mertens gab nun m» daß er den Tag seiner Geburt nicht mehr genau wisse. Er sei aber im ti,ni184t geboren. Vorbestraft wurde er wegen PfandbrnchS. Bedrohimg, üebstahlS, Urkundenfälschlmg usw. Jetzt wird er beschuldigt, am 21. September v. I. einen OffenbarnngSeid wissentlich falsch geleistet zu haben. Antzerdem soll er«S im Dezember versucht haben, die Witwe deS BoteumeisterS Liimarz in Potsdam zum Meineid zu verleiten. Am 28. September, also wenige Tage nach der Ab« leistnng deS OffenbarungSeideS, zahlte er in einem Zwangs- versteigenmgS- Termin Mertens 1000 M, Zinsen, indem er eine von ihm früher nicht angegebene Aktie verkaufte. Diese wollte er von der Witwe Liimarz geliehen haben, die er wiederholt bestürmte, seine Behauptung zu de- stAigen.— Zwei Herzte erklärten Merten» für einen geschickten Simulanten, der das vergesse, was ihm nicht passe. Die Ge« schworenen erachteten Mertens des fahrlässigen Meineids und der versuchten Verleitung zum Meineid für schuldig. Als Mertens ihren Spruch hörte, schrie er laut auf. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre und 6 Monate Zuchthaus. Der Gerichtshof erkannt« auf 2 Jahre Zuchthaus. Schriften-Gingang. W rescheuer«chulprozeß vor der 2. Straskammer des Landgerichts zu wnesen Berlag Dztennik PoSnanski, Polen. 176 Seiten. Tie Arbeiterschaft und die Alkoholfrag«. Cm Bortrag von Otto Lang. Mit«nicui Nachwort vou Dr. B. Adler. 16 Heller. Wien. Bolls- buchbaudlmig(Jgnaz Brand). �„ •jöaS haben die Arme» dem Christentum zu verdanken? Vou Dr. Eugen Lofinsky. Preis 26 Pf. Berlin. Expedition der Buchhandlung Vorwärts. ) Verlag von Max Babing tu Berlin