it«. 50. Abom»mtnts-KrdiiMiigtil: SbonneminlS-Preii pränumerando: vierteljährl. 3,30 Ml., monall. 1,10®t., wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. ffiinselne Rumw-r 5 Pfg. Sonntags. Stummer mit»luNriener Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: l.10 Marl pro Mona,. Singelragen in der Post- ZeilungS- Preisliste für 1002 unter Er. 7878. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Susland 3 Marl pro Monat. Srsqelnl täglich-ruft er Moulag«, 19. Jahrg. Dir Instrtioils-Gebstyt beträgt für die sechsgespaltene Kolonet« zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfammlungs-Sln, eigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort S Pfg. (nur daS erste Wort fettj. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in derExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Sestmgen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Verltnev Volksbl�kk. C�ntralorgan der socraldemokratiMen Partei Deutsthtands. Telegramm-Adresse: «Sorialdemvkrnt vrrlln" RedaUlivn: SXV. 19. Venkh-Skrahe 2. _ Fernsprecheri Amt I Nr. 1508. Freitag, den Ä8. Februar 190�. Exprdilion: SW. 19, Ventlz-Skrahe 3. Kerusprecheri Amt I. Nr. K1S1. Der Generalstreik in Spanien. Madrid, den 23. Februar 1902. Seit langem schon bemühen sich die anarchistischen Elemente Spaniens oder, wie sie sich selbst meist nennen, die ..Libertanos" einen General» oder„revolutionären" Streik zu inscenieren. Um die Arbeiter dazu zu bringen, haben sie kein Mittel verschmäht; Austichtigkeit war nie ihr Grundsatz. Ihre eigentliche Absicht geht dahin, vermittelst des Generalstreiks eine Revolution zu entfachen, die mit der Bourgeoisie auf» räumen und dem Volk gestatten soll, ohne Staatsgewalt zu leben; aber da sie sahen, dasi die große Mehrheit der Arbeiterschaft an die Möglichkeit einer derartigen Re» volution nicht glaubte, schoben sie, um die Arbeiter für ihre Bestrebungen einzufangen, verschiedene andre Motive vor. Wo in letzterer Zeit irgenwo ein Streik ausbrach, erklärten sie, er müsse verallgemeinert, d. h. über alle Berufe und Ortschaften ausgedehnt werden. Und um für diese Auffassung Propaganda zu machen, suchten sie, wo sie konnten, die Beilegung von Streiks durch gegenseitige Zugeständnisse zu hintertreiben, indem sie forderten, daß sich die Arbeiter auf Teilbewilligungen von feiten der Unternehmer nicht einlassen sollten.„Alles oder nichts," so sagten sie. Besser als Nachgiebigkeit sei immerhin noch die Niederlage. Zeigten sich die Arbeiter dann dem Generalstreik geneigt, so wurde ihnen versichert, ein solcher allgemeiner Streik werde ja nur drei oder vier Tage, vielleicht gar nur einen Tag dauern, dann müsse die Bourgeoisie nachgeben. Derartige Versuche, einen Generalstreik herbeizuführen, haben die Anarchisten in den letzten Jahren mehrfach ge- macht; sie endeten zumeist mit Blutvergießen, Verhaftungen, Verurteilungen zu kürzeren oder längeren Gefängnisstrafen und einer völligen Desorganisation der beteiligten Arbeiter- vereine. In Barcelona, wo sie jüngst wieder einen Versuch dieser Art unternommen haben, waren die Unistände ihren Bestrebungen besonders günstig. Der krasse Eigennutz der dortigen Unternehmer, die Unfähigkeit der Behörden, das Blutvergießen und die dadurch hervorgerufene Erbitterung der Streikenden, ferner die Zugänglichkeit der dortigen Arbeiter» schaft ftir anarchistische Einflüsterungen: das und manches sonst bewirkte, daß der Generalstreik thatsächlich zu einem totalen wurde, der sich auch auf andre katalonische Städte ausdehnte und sogar auf Valencia und Saragossa überzugreifen drohte. Was hauptsächlich zur Verhängung des Generalstreiks den Anlaß bot, das war der Streik, der schon seit etwa zehn Wochen von den Barcclonaer Metallarbeitern um den neun- stündigen Arbeitstag geführt wird. Diese Arbeiter, einige Tausende an Zahl, traten, inspiriert durch die Anarchisten, in den Streik ein, obgleich sie nur ungefähr 100 Pesetas (80 M.) in der Kasse hatten. Man hielt, um die Unter- nehmer zu bekämpfen, eine vorherige Ansamnilung von Fonds nicht für nötig; und als dann, da die Ausbeuter nicht nachgaben, die Arbeiter in wenigen Wochen Hunger litten, postierten sie sich in den Straßen und vor den öffent» lichen Gebäuden und forderten Unterstützung nicht von den Arbeitern, sondern von der eignen Bourgeoisie. Erst dann schickten sie Kommissionen nach Madrid, Saragossa und andern Orten, um von den Arbeitervereinen Hilfsgelder einzusammeln, wobei man, um die Vereine dieser Städte zu beeinflussen und zugleich in den eignen Reihen den Widerstand zu ver- längern, das Gerücht in Umlauf setzte, daß von Arbeiter- vereinen außerhalb Spaniens beträchtliche Unterstützungen, ungefähr 250000 Peseats, eingelaufen seien. Darauf beschlossen die Unternehmer, erst recht in Unnachgiebigkeit zu verharren, um, wie sie sagten, das Princip zu wahren. Am Sonntag, den 16. d. M. hielten die Barcelonaer Metallarbeiter eine Versammlung ab, und ebenso noch einige andre kleinere GeWerke, die sich im Aus- stand befanden. In diesen Versammlungen und be- sonders derjenigen der Metallarbeiter kam es zu heftigen Anklagen. Der Moment wäre, hieß es, gekommen, wo das Diskutieren überflüssig geworden sei, jetzt gelte es zur That überzugehen. Am folgenden Montag in aller Frühe durch- zogen die Fürsprecher des Generalstreiks die Straßen und erreichten, daß die Arbeiter größtenteils mit der Arbeit nicht anfingen, und daß ein andrer Teil, der bereits begonnen hatte, die Arbeit wieder einstellte. Ihr Programm findet sich in dem folgenden von ihnen verbreiteten Aufruf resümiert: «Auf. Genossen und Einwohner! Laßt jegliche Arbeit ruhen, vom Auskehrcr bis zum Maschinisten, vom Hausknecht bis zum Schriftsetzer und bis zum Handlungsgehilfen, Ihr alle, die Ihr arbeitet! Nichts rege sich. Alles stehe still. Auf die Weigerung der reichen Vampyre antivorte die Leere, das Schweigen, der Hunger für alle I— Ohne Essen, ohne Getränk, ohne Annehmlichkeit werden unsre Feinde schon kapitulieren!" Bis zu den ersten Abendstunden waren die Verhänger des Generalstreiks Herren der Stadt; sie entrissen den Dienst- boten auf den Straßen die Nahrungsmittel, die diese bei sich hatten, duldeten nicht das Oeffnen der Läden und verhinderten den Wagenverkehri Die Eivilbehörde blieb unthätig; erst am Abend erklärte die Militärbehörde den Kriegszustand und ließ Soldaten-Patrouillen die Straßen durchstreifen, die ebenso wie die Civil-Garde(Gendarmerie) verschiedene Angriffe auf die sich ansammelnden Streikenden unternahmen. Zugleich erfolgte eine allgemeine Schließung der Arbeitervereine und Verkehrslokale, sowie eine eifrige Nachforschung nach Personen, die man für Leiter der Bewegung hielt. Nachdem das Parlament die Autorisation zur Aufhebung der konstitutionellen Garantien erteilt hatte, erklärte der Generalkapitän deren vorläufige Suspension. Gleichzeitig gingen mehrere Abteilungen Infanterie und Kavallerie nach Barcelona ab, und nun ging die Militärgewalt am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ohne irgend welche Rücksicht gegen die Tumultuanten vor, besonders gegen die Streikenden, welche die Brotläden zu stürmen suchten oder die von der Civil-Garde in die Gefängnisse Abgelieferten befreien wollten. Soweit bis jetzt bekannt, beträgt die Zahl der Toten etwa vierzig, der Verwundeten über 200. Wie immer hat auch diesmal die Behörde brutal gehaust. Sie hat nicht nur die beim Straßeukarnpf Festgenommenen und die anarchistischen Leiter ins Gefängnis gesteckt, sondern auch verschiedene So cialisten, obgleich diese gegen den Generalstreik ivaren. Sans, Sabadell, Tarrassa und andre unmittelbar an Barcelona grenzende Ortschaften standen ebenfalls im Generalstreik. In jedem dieser Orte haben sich im kleinen ähnliche Scenen abgespielt, lvie in Barcelona. In Sabadell wurde ein Kloster angegriffen. Auch dort wurden viele Personen festgenommen. Ebenso hat der Generalstreik auf Tarragona und auf Reus übergegriffen, doch wurde in dem ersten dieser beiden Orte bereits beschlossen, morgen, am Montagmorgen, die Arbeit wieder aufzunehmen, lieber Valencia und Saragossa haben die anarchistischen Elemente ebenfalls den Generalstreik zu verhängen versucht,.aber infolge der geringen Zahl ihrer Anhänger in diesen Städten und der von den Behörden ergriffenen energischen Vorbeugungs maßregeln sind dort diese Versuche mißlungen. In Madrid, Bilbao, Valladolid, San Sebastian. Bejar und andren Ortschaften, ivo die socialistische Partei unter der Arbeiterschaft einen größeren Anhang hat, ist es bisher nicht zu irgend welchen beträchtlichen Arbeitseinstellungen gekoinmen. Die Arbeiter dieser Orte sehen ein. daß aus dem Wege, den die Barcelonaer Arbeiter eingeschlagen haben, keine Erfolge zu erringen sind, daß das Resultat, so wie die Verhältnisse liegen, in nichts andrem bestehen kann, als in einer Schädigung und Schwächung ihrer Organisationen. Der Tod der im Kampf Gefallenen, die Einkerkerung der Ergriffenen, die Zer- rüttung der Gewerkschaften: sie werden nicht durch das geringste positive Ergebnis kompensiert. Es war eine völlig nutzlose Aufopferung; und man darf sogar noch froh sein, wenn der größte Teil der Arbeiter zu den alten Bedingungen wieder Arbeit erhält. Zum Schluß sei noch eine Thatsache erwähnt, welche die Qualität unsrer Regierenden trefflich illustriert- Das In- dividuum, das während der letzten Monate das höchste Civil- amt Barcelonas, einer Stadt von über eine halbe Million Einwohnern, inne hatte, ist ein notorischer Wüstling, der es als seine Hauptaufgabe betrachtete, seine Börse auf Kosten der Spielhäuser und Bordelle zu füllen, die in Barcelona in reichlicherer Zahl vorhanden sind, als in irgend einer andren spanischen Stadt. Pablo Jglesias. Zotttarif- Kommissiott. Die Donnerstags- Sitzung brachte in ihrem ersten Teile keine besonderen Ueberraschungen: Buchweizen soll noch über den Vorschlag der Regierung, Hirse über den heutigen Generaltarif hinaus mit Zoll belegt werden. Vergeblich wiesen Molken buh r und Stadthagen auf die kultur- fördernde Wirkung des Buchweizens als„blauer Hein- rich", als„Pfannkuchen", als menschliches Nahrungsmittel. als Dungniittel und als Griinfutter hin. Die Mehrheit schloß die Debatte, zu der noch G o t h e i n und Bebel zum Wort gemeldet waren, und nahm mit 14 gegen 10 Ssimmen Erhöhung des Zollsatzes an. Auch die Hirse soll um 50 Proz. mehr als bisher verzollt werden, wiewohl auch sie als Nahrungsmittel für Mensch und Vieh dient und die gesamte Einfuhr kauin VU Millionen Mark übersteigt. Die Mehrheit und die Regierung arbeiten, scheint es, ohne fach- liche Gründe, lediglich nach dem Schenia?:„wir wollen die Sätze des Generaltarifs erhöhen, weil auch der unreelle Kauf- mann auf seine Preise aufschlägt, um nachher ablassen zu können". Als um 12 Uhr die siebente Position des Tarifs„Mais und Dari" zur Verhandlung gelangen sollte, verlangte die Minderheit energisch, daß endlich den wiederholten Beschlüssen der Kommission entsprechend, über die eingelaufenen Petitionen Bericht erstattet werden solle. Der Abg. v. W a n g e n h e i m hatte trotz der wiederholten Nachweise der völligen Un- zulänglichkcit seiner sogenannten Berichterstattung, bei der er die wichtigsten Petisionen nicht einmal er- wähnt und die Begründung der andern nicht an- geführt hatte, auch am Donnerstag völlig als Berichterstatter versagt. Das einzige, was er vorzutragen hatte, war, daß ihm„soeben" die Petition des Bundes der deutschen christ- lichen Bauernvereine zugegangen sei. die jedes Reichstagsmitglied seit vielen Wochen ge- druckt zugesendet erhalten hatte. Diese totale Unfähigkeit zeitigte den Antrag, die Berichterstattung eine in andren Ab- geordneten zu übertragen und bis dahin den Zolltarif zurückzustellen und zu dem Zolltarif-Gesetz zurückzukehren. Es folgte nun eine erregte Debatte, in der die beispiellose O b st r u k t i o n dieses Berichterstatters in einer so abfälligen Art gegeißelt wurde, wie wohl noch nie zuvor das Verhalten eines Abgeordneten. Der Vorsitzende Rettich sucht die Schuld auf das Bureau abzulvälzen. Dieser Versuch mißlang völlig und ivurde selbst vom Centrum als unberechtigt zurückgewiesen. Der Vorsitzende selbst geriet mit seinem Freunde v. Wangenheim schließlich insofern in Konflikt, als er behauptete, er habe Herrn v. Wangenheim gebeten, die Berichterstattung für die Petitionen über Getreide zu übernehmen, und v. Wangenheim dies bestritt, v. Wangenheim lehnte, bevor es zu einer Ab- stimmung darüber kam, daß ein andrer Berichterstatter an seiner Stelle eingesetzt werde, eine iveitere Berichterstattung ab. Ein so klägliches Beispiel absoluter Unfähigkeit zu einer einfachen Berichterstattung steht in den Annalen des deutschen Reichstags einzig da. An Stelle des Herrn v. Wangenheim wurde der Abgeordnete G a m p mit der Berichterstattung über die Getreidezölle betraut und dann die Sitzung aiff Freitagvormittag um 10 Uhr vertagt In der Donnerstags-"Sitzung entschuldigte zunächst Gamp(Rp.) sein Fehlen bei der gestrigen Abstiminnug.(Im Bericht war i r r t ü m l i ch Gabel genannt.) Er habe dem Begräbnis Woedtkcs beiwohnen müssen und nach menschlicher Voraussicht sei es auch nicht anzunehmen geivesen, daß eS schon am Mittlvoch zur Ab- stimmung über den Antrag Herold kommen werde. Er würde sönst für den Antrag gestimmt haben. Dr. Müllcr-Meiningen(frs. Vp.) bedauert, gezivungen gewesen zu sein, ivenige Minuten vor der Abstimmung das Sitzungszimmer. zu verlassen, sonst würde er gegen das Kompromiß gestimmt' haben. Die Beratung beginnt bei Nnnimer 5 des Zolltarifs(Buchweizen.) Der Satz der Negierungsvorlage ist 3,50 M. Hierzu liegen drei Anträge vor: Molkcnbuhr(Soc.) beantragt 1 Zollfreiheit, Gotthei»(steif. Bg.) die Wiederherstellung des alten Vertrngssatzcs von 2 M. in den Tarif, und Herold(C.) einen Satz, von 5 M. für den Doppelcentner. Molkcnbuhr(Soc.) begründet seinen Antrag. Buchweizen sei; ein Nährmittel der armen Leute und dürfe deshalb nicht künstlich verteuert werden. Die Begründung für den höheren Zollsatz ist so niager lvie der Boden, auf dem der Buchweizen wächst. Die armen Bauern gebraucheji den Buchweizen als Gründüngungsmittel, und ihre Arbeiter essen ihn. Gothein(frs. Bg.) bemängelt die Begründung der Zollerhöhnng. Die Gründe, die dafür angegeben, seien nichtssagend. Frhr. v. Wangcnheim(k.) plädiert für einen Zollsatz von 5 M. Der heimische Buchweizen müsse gegen den Wettbewerb des Aus- landeS umfomehr geschützt werden, als er nur in den ärmsten Gegenden gebaut iverde und in seinen Erträgen bei uns zu Lande so nnsicher sei. daß dort, ivo in einem Jahre ein Scheffel Aussaat 25 Scheffel Ernte brächten, im andren Jahre 25 Scheffel Aussaat einen Scheffel Ernte gäben. Stadthagen(Soc.): Buchweizen ist eine Speise für arme Leute und für Gefangene. Ans eigner Erfahrung weiß ich, welche Bc- dcntung dem Buchweizen in Gestalt des sogenannten„blauen Heinrich'' für die Ernährung in Gefängnissen zukommt. Ich be- daure nur, daß der Justizminister oder der Minister des Innern nicht hier ist. Man sollte die knapp bemessenen Mittel für Beköstigung der Gefangenen nicht noch iveiter beschränken. Der Bund der Land- wirte hat auch keine Begründung für den höheren Zollsatz gewußt und nur gesagt, der von ihm geforderte Zoll entspreche dein Werte des Produkts. Eine solche Begründung kann man bei jeder Position aufstellen. Dr. Müller- Sagau(frs. Bp.) tritt gleichfalls für Zoll- freiheitz ein. Landwirtschaftsminister v. PodbielSki erklärt, höhere Zollsätze müßten eingestellt werden, damit nachgelassen werden könne. Ein guter Geschäftsmann mache nicht gleich sein letztes Gebot. Der Buchweizen werde nicht mehr annähernd in demselben Umfange wie früher als Nahrungsmittel von der ärmeren Bevölkerung verwendet. Der Großgrundbesitz habe am Bnchiveizen als Futtermittel erheb- liches Interesse. Nur die Produzenten wüßten, ivaS sie in ihren Petitionen motivieren, denn die Produzenten stehen in der Praxis; die Konsumenten aber petitionierten ohne die einschlägigen Verhältnisse zu kennen. Brocckmnnn(C.) weist auf die Petition der christlichen Bauern- vereine hin, welche für Bnchiveizen einen Mindestzoll von 5.50 M. fordert. Freiherr v. Wangenheim(k.) bestreitet die Bedeutung deS BnchiveizenS als Vordüngung. Der Buchweizen powere den leichten Boden aus. Geheimrat Johannes erklärt, die Begründung der Zollsätze sei so dürftig gehalten aus Gründen der internationalen olitik. Molkcnbnhr lSoc.) weist gegenüber den AnSführunge» Wangen- Heims auf die Rolle hin, ivelche die Gründüngung mit Bnchiveizen in Schleswig-Holstein spiele. Wenn die Landwirtschaft so notleidend ist, lvie behauptet wird, dann kann sie die Mehrausgaben für Grün- dünger-Saat nicht aufbringen. Man sollte doch mitteilen, welches die wirklichen Gründe für die beantragte Erhöhung sind. Stadthage»(Soc.) bcdanert, daß der Berichterstatter von Waugenheim so mangelhaft über die Petitionen referiere. Diese Bemerkung giebt dem Vorsitzenden Rettich Anlaß, in erregtesten Zwifcheubemerknnge» den Redner zu unterbrechen, indem er Betont, daß seine(Stadthogens) Bemerkungen über- flüssig seien, da über alles referiert iverde, Ivos vorliege. ES entspinnt sich nun eine längere GcschäftsordnnngSdebatte. an deren Schluß v. Wangenheil»(kons.) erklärt, daß er die Lust der- lorcn habe, eine so undankbare Aufgabe, wie das Referat, weiter zu behalten. Epahu((£.) beantragt Schluß der Debatte. Nachdem dieser Schlußantrag angenommen, wird der Au» trag Herold auf ä Mark-Zoll mit 14 gegen 10 Stimmen an- genommen. »» » Die Kommission Ivcndet sich nun zu Nr. 6(Hirse«.). In die Regierungsvorlage ist ein Zollsatz von l.bv Mark eingesetzt.— Gothein(frs. Vp.) beantragt, an dem bisherigen Vertragssatz von 1 Mark festzuhalten, indem er zugleich die Dürftigkeit auch dieser Begründung bemängelt. Ob denn auch bei der geringen Erhöhung um sa Pfennig das Auswärtige Amt zu Gunsten einer Unter- driicknng von Gründen interveniert habe? Direktor im Reichsamt des Innern Wcrmuth»nacht Handels- politische Mitteilungen, die vertraulich gehalten werden sollen. Bebel(Soc.) wendet sich gegen diese Praxis» alleS geheim zu halten, was doch längst in der Oeffentlichkeit schon erörtert ivorden sei. Die Regiernngsvertreter sagten nichts, was nicht in der Begründung oder in den jedermann zugänglichen amtlichen Publikationen stehe. Die Positionen sind handelspolitisch von keiner Bedeutung. Man will die Gründe geheim halten, nicht weil die Sache von Bedeutung ist, sondern weil cS au Gründen fehlt. Direktor im ReichSamt des Innern Wermnth giebt zu, daß die Zahlen bekannt sind, aber die Art, wie man sie handelspolitisch ver- werten kann, müsse doch geheim gehalten werden. Stadthagen(Soc.): Die Begründung ist ganz nach einein Schema gearbeitet, aber man hat nicht einmal richtig g e- rechnet. Will man etwa die HandclSvertragS-Verhandlnngen wie den Handel mit alten Hosen betreiben, dann hätte man nur mechanisch Verdoppelung oder Verdreifachung des bestehenden Tarifs vornehmen brauchen. Die Bauernvereine tvollen keine Erhöhung des Zolles, weil sie die Hirse als Futtermittel gebrauchen. Nicht ein- mal Scheingrnnde habe man vorbringen können. v. Kardorff(Rp.): Der Rat StaMhagenS, den bestehenden Tarif einfach zu verdoppeln oder zu verdreifachen, würde annehmbar sein. wenn Minimalsätze festgestellt würden, wie weit bei Handelsverträgen herabgegangen werden darf. Müller-Sagan(frs. Vp.) weist ans die Bedeutung der Hirse als menschliches Nahrungsmittel speciell für die schlesische Bevölkerung hin. Er legt weiter dar, wie wichtig es für die heimische Land- Wirtschaft sei, daß hirsefrcssende ausländische Stubcnvögcl anstatt heimischer Singvögel, welche Schädlinge der Landwirtschaft vertilgen, in den Familien gehalten werden. Zum Schutze der Landwirtschaft gegen tierische Schädlinge sei eine Erniäßigung des Hirsezolles notwendig. Der Zollsatz der Vorlage 1,80 M. wird mit großer Mehrheit angenommen. Als die Kommisston zur folgenden Nummer: Mais und D a r i übergehen will, beantragt Stadthagen Berichterstattung über die eingegangenen Petitionen. Es sei unerhört, wie v. Wangenheim feine Pflicht als Referent vernachlässige. v. Wangenheim(kons.) erklärt, was Stadthagen sage, sei für ihn Luft. ES sei ihn, fchnnppe, wie Stadthagrn über ihn denke; da er aber nicht Lust habe, sich iveiter kritisieren zu lasse», lehne er es ab, weiter zn referieren. Bebel(Soc.) verwahrt sich dagegen, daß v. Wangenheim die übrigen Kollegen mit vornehmer Nonchalance behandle. Ausdrücke wie„schnuppe" und„Luft", die Wangenheim eben gebraucht habe, seien bisher im Reichstage nicht üblich gewesen. Eine so leichtfertige und gewissenlose Berichterstattung wie die v. Wangenheims sei ihm noch nicht vorgekommen. Er empfehle, statt Wangenheim einen andren Referenten zn wählen. Pansche(natl.) erachtet eS für überflüssig, vor Beratung der Einzelnummer über die dazu eingegangene» Petitionen zu referieren. Was die Bauern wünschen, Wiste in an im voraus, das könne für die Beratungen nicht in Betracht kommen. Redner schlägt zur weiteren Berichterstattung den Abg. Fischbeck vor. Stadthagc»(Soc.) verweist auf den Beschluß der Kommission, über die zu jeder Ninnmer eingegangenen Petitionen im voraus be- richten zu lassen. Er habe sich nicht über die Thätigkcit, sonder» über die U n t h ä t i g k e i t Wangenheinis abfällig geäußert. Als Redner dann weiter die Leichtfertigkeit der Wangenheinischen Bericht- erstaitung kritisiert, erklärt der Vorsitzende Rettich daS für unzulässig. Stadthagen fragt an, ob eS denn zulässig sei, k la Wangenheim„schnuppe" und„Luft" zu sagen. Dem Abg. v. Wangenheim scheine der Vorsitzende Rettich alles durchgehen zu lasten, weil er sich als Untergebener des Vorsitzenden des Bundes der Landwirte fühle. v. Wangenheim erwidert Bebel, wenn er Ausdrücke gebraucht habe, die bisher im Reichstage nicht vorgekommen seien, so inüste das darauf zurückgeführt werden, daß auch Stadthagen in einem Tone gesprochen habe, der bisher im Reichstage nicht üblich ge- tvesen sei. Bebel stellt fest, daß v. Wangenheim in seinen, Referat über die Petitionen das Wichtigste unterschlagen habe. Für ein solches Referat, das sich von dem musterhaften Specks auf das»ach- teiligste unterscheide, habe Herr v. Wangenheim sicherlich keine Stunde Vorbereitung gebraucht. Wangenheim werde eine Disknssionsart gestattet, wie keinem andren Mitgliede der Kommission, dagegen wird jeder gegen v. Wangenheim gerichtete Vorlvurf vom Vorsitzenden als nicht zur Sache gehörig be- zeichnet. Die Ansicht des Abg. Pansche läuft auf eine Beschränkung des Rechtes der Petenten hinaus. Gothein(frs. Vg.) verurteilt ebenfalls WangenhcimS Bericht- erstattung und schlägt vor, an seiner Stelle mehrere Referenten zu emennen. Vorsitzender Rettich sucht die ganze Schuld auf da? Bureau des Reichstags zu schieben, das nicht im stände gewesen sei, dem Andränge der Petenten zn entsprechen. Fischbrck(frs. Vp.) bestreitet, daß dem Bureau irgend welche Verantivortung für Wangcnheims Nachlässigkeit aufgebürdet werben könne. DaS Bureau des Reichstags sei doch der Kommission nicht vorgesetzt. Vorsitzender Rettich erachtet die Erörterungen für überflüssig. Mehr zu thun, als geschehen, sei nicht möglich. Gamp(Rp.) erklärt, der innere Wert aller Petitionen sei ein sehr geringer. Jedes Mitglied des HnnseS wisse, was darin stehe. Er tvolle über die Petitionen ausführlich berichten, ohne sie gelesen zu haben. Müller-Sagan(frs. Vp.) verwahrt sich gegen die Gering- schätzung der Petitionen aus Bancrnkrciscn, denen sonst draußen im Lande der Bund der Landwirte gar nicht genug Honig um den Mund zu schmieren wisse. Nicht am Bureau, sondern au der Person des Abg. v. Wangenheim liege es, daß die Berichterstattung nicht zureiche. v. Kardorff(Rp.) glaubt, daß den Petitionen überhaupt zu viel Gelvicht beigelegt werde. Bebel(Soc.) weist dem Abg. Gamp an einer Petition betreffend differenzielle Behandlung des Mais nach, daß es unmöglich sei. aus allgemeinen Erwägungen den Inhalt einer Petition zu er- schließen und erklärt, nachdem die ganze Linke der Kommission dem Abg. v. Wangenheim ein Mißtrauensvotum erklärt habe, könne der- selbe unmöglich weiter referieren. Schließlich übernimmt Gamp das Referat für Mais. Die Kommission vertagt sich schon um 12V, Uhr auf Freitag 10 Uhr._ Ptlxim* MvberNcht. Berlin, be» 27. Februar. Der Reichstag hielt Donnerstag zwei Sitzungen ab, eine sehr kurze und eine sehr ausgedehnte. Schuld an der Doppelsitzung trug die Ob- struktion der Nationalliberalen, die auf jeden Fall die Ver- Handlung über die an erster Stelle stehende Wahl des Abg. P r i e tz e, des Nachfolgers von Stumm, hintertreiben wollten. Dabei handelte es sich noch nicht einmal um die Frage der Gültigkeitserklärung dieser Wahl. Die Wahl- prüfungs-Komniission hatte nur weitere Erhebungen be- antragt. Den Nationalliberalen aber lag offenbar außer- ordentlich viel daran, Herrn Prietze möglichst lange in dem Besitz seines zu Unrecht zu stände gekommenen Mandats zu erhalten. In krasser und cymschcr Verachtung der Gebote des einfachsten parlamentarischen Anstandes beantragten sie die Aussetzung der Verhandlung über den Kommissionsantrag. Singer wies mit Nachdruck darauf hin, daß eine alte Gewohnheit des Hauses sei, die Wahlprüfungen möglichst zu beschleunigen. Herr Bassermann aber ließ sich nicht abschrecken, und da das Haus nicht beschlußfähig war, konnte er seinen Willen durchsetzen. Freilich erreichte ihn dabei das verdiente Schicksal, daß er, obwohl er dem Hause doch schon lange genug an- gehört, sich durch seine Unkenntnis der Geschäftsordnung zwei- mal gründlich blamierte. Die zweite Sitzung, die Graf Ballestrem eine halbe Stunde später anberaumte, verließ das gefährliche Thema der Wahlprüfungcn und beschäftigte sich ausschließlich mit Petitionen. Nicht Iveniger als 43 lagen vor und im bunten Wirbel zog Wichtiges und Unwichtiges vorüber. Gegen die Stimmen der Linken wurde beschlossen, die Petition auf Abänderung der Börsengesetzgebung von der Tagesordnung abzusetzen. Eine Petition, die sich gegen das Apotheker- Monopol richtet, wurde dem Reichskanzler als Material überwiesen. Dabei wurde vom Rcgierungstisch darauf auf- merksatn gemacht, daß eine Abänderung der alten Verordnung über die Heilmittel, die rntr in Apotheken feilgehalten werden, inzwischen bereits erschienen ist. Der Versuch der Alldeutschen, bei den Petitionen, die die Ein- leitung von Friedensverhandlungen im südafrikanischen Kriege verlangen, eine kleine Boerendebatte zu entfalten, fand kein Entgegenkommen. Die Herren Dr. Hasse, der Anti- semit Werner und der unvermeidliche Dr. Arendt hielten Monologe. Doch wurde diese Petition dem Reichskanzler als Material überwiesen und trotz des Widerspruches des Cen- trums nicht über sie zur Tagesordnung geschritten. Eine Petition ans Beseitigung der gesundheitsgefährlichen Phos- Phor-Zündholz-Jndustrie wurde dem Reichskanzler als Material überlviesen. Genosse Wurm machte auf unsren Initiativantrag über den gleichen Gegenstand aufmerksam. Eine längere Diskussion entspann sich um eine Petition auf Beseitigung des I m p f g e s e tz e s. Die Genossen Thiele und R e i ß h a u s vertraten die Ansicht, daß der Jmpfztvang beseitigt werden niüßte, während der Nationalliberale Dr. Endemann den Impfzwang verteidigte. Die Petition wurde dem Reichskanzler als Material überwiesen. Freitag: Etat der Reichs-Eisenbahnen, der Zölle und Zuckersteuer.—_ Einen schweren politische» Mißgriff und eine falsche Auslegung des preußischen Vereinsgesetzes stellt eine Maßnahme dar. die an» Mittivoch in einer Versammlung deS W a h I v e r e i n S für den dritten Berliner Wahlkreis unier- geordnete Polizeiorgane ausführten. Den Erklärungen deS Ministers des Innern gemäß waren ans den Tribünen Fronen als Znhöreriiinen erschienen. Trotzdem ver- langte der überioachende Polizeibeamte, daß die Frauen die Tribüne räumten, eine unberechtigte Forderung, der sich die Versammlung fügen nmßte. Wie ans diesem Vorkommnis zu schließen ist. hat der Polizei- Präsident von Berlin es bisher unbegreiflichcrweise unterlassen, die untergeordneten Polizelbeamten anznioeisen, daß sie gemäß seiner von dem Minister des Innern ausdrücklich anerkannten Meinuiig künftig die Frauen als Znhöreriiinen zu den Versammlungen politischer Vereine zulassen. Nur so läßt es sich erklären, daß es ein Polizcibeamter wagen konnte, entgegen dem Willen des Ministers und deS Polizeipräsidenten die Frauen ans jener Versammlung zu entfernen. Selbstverständlich hat die Versammlung beschlossen, über die Verweisung der Frauen von der Tribüne des Saales B e- s ch Iv e r d e beim Polizeipräsidenten z n führen. Es kann keinem Zweifel rinterliegen, daß der Polizeipräsident die Bcschiverde als gerechtfertigt anerkeimen und den schuldigen Polizeibeamten rektifizieren muß. Würde er anders verfahren, so würde das nichts weniger bedeuten, als das Zugeständnis, daß eS in Preußen zwei Vereinsgesetze giebt. eins für den CirknSgcbranch des Bundes der Landtvirte und eins für die übrige Menschheit. Der Polizeipräsident wird doch Ivohl seinen vorgesetzten Minister nicht ins Unrecht setzen, sondern eine befriedigende Antwort geben. Inzwischen wird er gut thun, um weitere Mißhelligkeiten zn Venneiden, die Anweisung an die untergeordneten Polizeiorgnne er- gehen zn lassen, daß sie in seinem und des Ministers Sinne zu handeln hätten. » Deutsches Weich. Die Demokratie als Ausfuhrartikel. Während im Deutschen Reich der demokratische Gedanke sireng verpönt ist, während die gefallenen Helden von 1848 noch immer in» Friedrichshain einer nionuineiitalen Ehrung entbehren niiisseii, darf selbst ein deutscher Prinz drüben in den Vereinigten Staaten mit der Demokratie sich verdrüdern, allerdings mit einer Demokratie, die längst durch den Millionarismus korrumpiert ist. Wie Väterchen den französischen Geldgebern zu Liebe respektvoll stehend das nationale Revolutionslied anhörte, dicweil in seinem Vaterland jede politische Bewegung grausam im Blut erstickt wird, so paßt sich jetzt der deutsche Dreiviertel-Absolntismus wundersam den demokratischen Gepflogenheiten der amerikanischen Dollar-Republik an, waö ihn nicht hindern wird, nach seiner Rückkehr mit verstärkten Kräften vormärzlich mit Polizei und Staatsanwalt zu regieren. In New Jork rechnete es sich Prinz Heinrich zur Ehre an, mit jenem hochverräterischen vaterlandsflüchtigen Karl Schurz veriranle Zwiesprach zu halten, der einst den Unisturzdichter Gottfried Kinkel gewaltsam ans der Spandaner Gefangenschaft befreite. In Berlin würde Schurz nicht einmal als Stadtrat bestätigt werden. Auch sonst ist das demokratische Bewußtsein, daS in Deutschland als Todsünde angerechnet wird, als Ausfuhrartikel in Amerika zn höchster Anerkennung gelangt. Bei uns wird die Presse von den Herrschenden eben nur geduldet, und, soweit sie entschieden oppo- sitionell ist, auf alle Weise chikaniert. Noch niemals ist der Monarch in Deutschland auf einer Veranstaltung der Presse erschienen. und die Vereine der bürgerlichen Blätter fühlen sich schon außerordent- lich geschmeichelt, wenn sich ein leibhaftiger Minister auf ihre Bälle verirrt oder es ihnen vergönnt ist, in einem Preß-Konzert irgend eine dilettantische Serenissimusmnsik„in Gegenivart des hohen Komponisten" aiifzn führen. In Amerika genießt die Presse un- beschränkte Bctvegnngsfreiheit, von der sie oft zügellosen, ver- rohcnden Gebrauch macht. Diese„Polizeitvidrigkcit" der amerika- Nischen Presse hielt den Abgesandten des Deutschen Kaisers aber nicht ab, an einem ihm zu Ehren veranstalteten Preß-Bankett teilzimehmen und den amerikanischen Hunger- kandidaten(um ein Wort seines Bruders zn gebrauche»), in einer sehr merkwürdigen Rede seine politischen und sonstigen Mcinnngen anzuvertrauen. Diese Rede des Prinzen Heinrich auf dem Nctv Jorker Preß- Diner hatte folgenden Wortlaut: „Ich bin mir der Thalsache voll bewußt, daß ich der Gast und in der Gesellschaft der Vertreter der Presse der Vereinigten Staaten besonders der Gast der„New Jorker Staatszeitung" bin, und ich wünsche beiden zu danken für die freundliche Einladung und den Empfang, der mir heute Abend getoorden ist. Ehe ich mich in Einzelheiten vertiefe, möchte ich Ihnen alle» zn verstehen geben, daß ich dieses Zusammensein, obwohl dasselbe als offizielles betrachtet werden mag, als ein ganz vertrauliches ansehe,»nid daß es mein Wunsch ist, keiner von Ihne» möge, nachdem er diese Festtafel verlassen, daS auszubeuten ver- suche», was hier gesagt oder geredet worden ist. „Zweifellos ist die Presse heutzutage ein Faktor, wenn nicht eine Macht, welche nicht vernachlässigt iverden darf, und die ich mit zahllosen submarine« Minen vergleichen möchte, die in vielen Fällen in der am tvenigsten erwarteten Weise losgehen. Aber Ihre eigne Marinegeschichte lehrt unS, die Minen nicht zu beachten, wenn sie uns im Wege sind. Die bei dieser denkwürdigen Gelegenheit geführte Sprache war schärfer, als ich sie je heute abend zn wiederholen unternehmen tvütde. Ich brauche nur den Namen F a r r a g u t zn erivnhnen. Ein andrer Vergleich mag Ihrem Geschmack, meine Herren, mehr entsprechen,»nid er ist thatsächlich schmeichelhafter. Er wurde gezogen von Seiner Majestät dem Kaiser, ehe ich ab- reiste. Der Kaiser sagte:„Tu wirst mit vielen Vertreter« der Presse zusammentreffe» und ich wünsche deshalb. Du mögest Dir stets vergegenwärtigen, daß Preßleute in den Vereinigte» Staaten beinahe mit meinen kommandierende» Generalen rangieren." Ich weiß, es wird Sie interessieren, etwa? über die Natur meiner Mission in diesem Lande zu erfahren. Die Thatfachen liegen so: Seine Majestät der Kaiser hat die jüngste rapide Eni- Wicklung der Vereinigten Staaten aufs genaueste verfolgt, und Seine Majestät ist sich sehr klar über die Thatsache, daß Ihre Nation eine rasch schreitende ist. Meine Sendung in dieses Land mag deshalb als ein Akt der Freundschaft mid Courteoiste angesehen werde» mit dem einzigen Wunsche, freundschaftlichere Bczichnngen zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten zn fördern. Sollten Sie willens sein, eine ausgestreckte Hand zn ergreife», so sinden Sie eine solche jenseits des Atlantischen Oceanö." Es ist nach dieser Rede kein Zweifel, daß Prinz Heimich den Auftrag mitbekommen hat, die„Preßleute" durch persönliche Ein- Wirkung für Deutschland günstig zu stimmen. Ob er mit dieser Rede seinen Auftrag ziveckmäßig erfüllt hat. scheint aber sehr frag- lich. Die deutschen Kabelschmocks senden zwar allerlei berauschtes Gefasel nach Deutschland, das von dem Entzücken der„Preßlcute" lallt— indessen w i r würden nicht zufrieden sein mit einer so sonderbaren Hnldigmig, tvie sie der Prinz der Presse gezollt hat. Er verglich sie mit Minen unter Wasser, über die aber ein kühner Admiral, wie der Held des amerikanischen Bürgerkriegs, Farragut, gleichmütig mit Schiffen hinwegfährt. Und diese eigenartige Würdigung der Presse wird auch nicht durch die eindring- lich beabsichtigte Schmeichelei ausgeglichen, daß so ein amerikanischer Hungerkandidat beinahe mit einem preußischen kommandierenden General rangiert. Ein Journalist, dessen Ehre seine freie unab- hängige Uebcrzengnng ist. dürfte keinen Wert darauf legen, mit einem»msreien Glied der militärischen Hierarchie verglichen zu werden. Der Geist, der Schlachten der Kultur schlägt, hat eine höhere Würde als jede Strategie der gepanzerten Faust. Allerdings, die Herren, die in New Jork tafelten, mögen wohl nicht eine so hohe Meinung von ihrem Beruf haben, und so wird der eine oder der andre vielleicht doch glücklich gewesen sein, daß er beinahe den unerhörten Rang eines preußischen komman- dierenden Generals erreicht habe, der in demselben Augenblick nichts ist, in dem er seinen Dienst quittieren muß. Einer der Kabelschmocks, die ans Berlin nach New Jork gesandt wurden, urteilt über die Prinzenrcde, die vertraulich behandelt werden sollte und deshalb natürlich sofort in alle Welt telegraphiert wurde: „Es war einer der allerbedeutsamsten Vorgänge dieser eigenartigen durch einen ivunderbaren politische» Instinkt ins Werk gesetzten Reise, der die erfreulichen Folgen in den Pecssc-Bezichnngen und damit in der Pflege guter Bczichnngen zwischen beiden Nationen überhaupt sicher zu Tage treten lassen tvird." Der Brave! Die fabelhaften Wirkungen dieser Festivitäten Iverde» noch schneller verfliegen als die Kohlensäure des genossenen Sektes. Immerhin wird eine kleine Erinnerung daran zurückbleiben, daß deutsche Vertreter der herrschenden Klassen in Amerika fast ebenso „demokratisch" sich zn geben verstehen tvie der— Zar in dem revolutionären Frankreich.—_ DaS Geheimnis der Nankee-Vegeisternng ist jetzt durch den nnbcgreistichen Konkurrenzneid zeilenreißeuder Specialkorrespoiidentcn in ebenso verblüffender tvie betrübender Weise enthüllt worden. Wie bekannt, war zu dem Taufakt der Kaiser-Jacht nur die B l ü t e des J a n k e e t u m s. etiva 2—3000 Personen, zugelassen worden. Unter diesen zweitausend Elitegästen dürfte kann» einer gewesen sein, der nicht mindestens seine Million repräsentierte. Diese Leute repräsentierten also nach der Theorie des Professors Ehrenberg gleichzeitig die h ö ch st e Intelligenz des amerikanischen Volkes. lind diese Edelsten und Besten stimmten in daS von Raosevelt ausgebrachte Hoch mit einer Vehemenz ein, daß der hingerissene Berichterstatter des Scherl- Blattes den Eindruck empfing, als müßte der Begeisterungsansbnich bis jenseits des Oceans gehört iverden. Aber inin berichtet der Specialkorrespondcnt deS Mvsse« Blattes über den weiteren Verlauf der erhebenden Vera»»- staltung: „Nachher betrugen sich viele Gäste wenig anständig, sie betranken sich in Champaguerpunsch, überrannten die Frauen, die sich ein Andenken holen wollten, und schleppte» alles mit, Ivos nicht niet- und nagelfest war, sogar Teile vom Modell der„H o h e n g o I l e r n", das Townsend u. Downeh ausgestellt hatten, Schieszlich mußte Downey die Ve- w i r t u ii g e i ii st e l I e n lassen."— Die kommandierenden Generale. Der Specialkorrespondent des„Verl. Tagebl." kabelt folgende I c r e m i a d e: Die Berichterstattung über die einzelnen Phasen des Priuzeubesmlics ist dadurch, daß die meisten Veranstaltimgen privaten Charakters sind und die Presse ausschließen, das tägliche Programm aber fortwährenden Aenderungen unterliegt, enorm erschwert. Besonders dievonDeutschland eingetroffeneu Korrespondenten sind schmerzlich enttäuscht, statt die Wege geebnet, in e i st v e r s ch l o s s e n e Thören zu finden. Bisher waren nur beim Stapel lauf umfassende zweck- niäßige Anordnungen im Interesse einer zuverlässigen B e r i ch t e r st a t t u n g getroffen." Wir können den Schnierz mitfühlen, daß von der Weltvcr- brüderimg gerade die siebente Großmacht ausgeschlossen sein soll! Die Protzen-Parade. Bei der G a l a- O p e r u- A u f f n h r u n g zu Ehren des Prinzen Heinrich kostete ein Sitzplatz 200 M., ein Logenplatz die Kleinigkeit von 1000 M.! Der„New Dork Herald" erklärt, die märchenhafte Pracht, die im Opernhanse gesehen wurde, sei niemals in einem ähnlichen Institut der Welt zu finden gewesen. Abgesehen von den Dekorationen seien die Toiletten der Damen, speciell die rnorinen Mengen von Diamanten, stanncnöwret gewesen.— Unter den Dollar-Majestäten. Bei dem am Mittwoch stattgefuiidenen Festmahl der hervor- ragendsten Industriellen erhielt Prinz Heinrich ein Büchlein, welches die LcbcnSgcschichtc und das Bild jedcS Einzelnen enthält und seine Bedeutung erläutert. Die hundert Vertreter der Industrie und des Handels, welche daS Mahl ver- anstalteten, wurden, so meldet der Telegraph, vorzugsweise ans- erwählt als M u st e r das ii r, Ivie einzelnen Persönlich- leiten mit uiigewöhlichcn Fähigkeiten(zum s k r n p e l- losen Geldmachen! Anm. d. Red.) in Amerika der Weg vom Nichts zu den höchsten Stellen offen steht. Der Präsident des S t a h I t r n st s Schwab von Pittsburg bildet die erste Nummer in der Liste. DaS Festmahl, von dem die Presse natürlich ans- geschlossen war. soü eine viertel Million Dollar(1 Million Mark, also a Convert 10 000 M.) gekostet haben! Nach einer Mitteilung des Architekten Eduard Wichmann in Kiel, der dem„New AorkerHerald"(Pariser Ausgabe) er- klärt, ans zuverlässigster Quelle geschöpft zuhabe», soll Prinzessin Heinrich eine Kabeldepcsche an ihren Gemahl gerichtet haben, in der sie diesen inständig bat, er möge doch die ungeheuerliche Ans- gäbe für das Gastmahl, das die Millionäre New Jorks ihm zu Ehren geben wollen, nicht annehmen. Er solle doch nicht seine Person in jfnsammenhang mit einer so sinnlosen und schädlichen Geld- Verschwendung bringen!—_ Großgrundbesitz, Bnnd der Landwirte und Zolltarif. Man schreibt uns: Zu der von dem Bunde der Landwirte stets vorgeschützten Bauern- frenndlichkeit, speciell der Behauptung, die höheren Getreidezölle würden nicht wegen der Großgrundbesitzer gefordert, liefert die Neuverpachtung des Hofgntcs Utphe in der Wetterau ein drastisches Beispiel. Dieses dem Grafen zu Solms-Laubach gehörige 700 Morgen große Gut hatte der Occonom Fülbcrth seit 2i Jahren in Pacht und auf das beste bewirtschaftet. Während unter den früheren Besitzern und besonders dem vor- storbenen Grafen Friedrich zu Solms-Laubach die Güter zwar zu der höchstmöglichsten Pachtsumme verpachtet wurden, sich die Pächter jedoch stets einer sehr humanen Behandlung zu erfreuen hatten, scheint diese Traditio» unter dem jetzigen Grasen nicht beibehalten werden zu sollen. Mit Führung der gräflichen Berwaltung ist nämlich seit kurzem ein Herr Schön, früher Staatsanwalt und Bezirksvorsitzender des Bundes der Landwirte in Ostpreußen betraut, welcher im Schlosse zu Arnsburg residiert und von da ans täglich mit einer seiner Equipagen zur Rentkammer nach Laubach fährt, um hier in echt ostpreußischer Manier die Pachtschraube anzuziehen. Herr Schön, welcher auch heule noch Mitglied des Bundes der Landwirte ist, war erst an der Rentkamnier des Fürsten zu Solms- Braunfels ebenfalls als Kammcrdirektor thätig und suchte auch da schon im vorigen Jahre bei Verpachtung eines Gutes, wegen der bevorstehenden höheren Getreidezölle zu er- warte n denMehreinnahmen, eine wesentlich höhere P a ch t s u m m e herauszuschlagen, doch scheint man in Brannfels eingesehen zu haben, daß sich die Thätigkeit und Schneidigkcit eines ostprenßischen Staatsanwalts mit der von jeher geübten Loyalität der Braunfelser Herrschaft gegen die Beamten und Pächter nicht ver- trägt, weshalb Herr Schön bald wieder von der Führung der fürst- lichen Geschäfte als Kammerdirektor entbunden wurde. WaS in Braunfels nicht gelang, scheint nun in Lanbach voll- bracht zu werden. Trotzdem die Herren vom Bunde der Landwirte behaupten, die höheren Gctreidezölle sollten in erster Linie den mittleren und kleineren Landwirten zu gute kommen, fordert dessen früherer Bezirksvorsteher und Mitglied Schön mit Rücksicht ans die auö dem neuen Zolltarif für die Landwirtschaft sich er- gebende» Mehreinnahmen eine Pachtcrhöhnng von 4 M. pro Morgen, was bei einem seitherigen Pachtpreis von 18 M. ein Sinfschlag von ÄS Proz. bedeutet. Der seitherige Pächter wollte auch, um seine Existenz nicht preiszugeben, in den sauren Apfel beißen und 2 M. Pacht mehr, also 20 M. pro Morgen, zahlen. Dieses teilte Herr Schön jedoch sofort den übrigen Reflektanten mit unter Hinweis darauf, daß sie, wenn sie eine Chance für die Pachtung haben wollten, jetzt mehr bieten müßten, wodurch cs ihm gelang, einen andern Pächter zu finden, welcher 22 M. Pacht pro Morgen bot, bei Verschärfung der Pachtbedingungen, welche dem Pächter weitere Opfer auferlegten. Diesem wurde denn auch ohne jegliche Rücksicht auf den seit- hcrigen Pächter, der 24 Jahre für den Grafen gewirtschaftet und viele Verbesserungen ans dem Gute auf seine eignen Kosten vor- genommen, sofort der Zuschlag erteilt. Dieser Pachtpreis, welcher sich mit den übrigen Lasten ans 27 M. pro Morgen belänft, wurde auf genanntem Gute»och nie g e- zahlt und steht in krassestem Widerspruch zu den steten Klagen des Bnndcs der Landwirte, daß die Landlvirtschaft keine Erträge liefere. Dies die Mittelstandspolitik des Bundes der Landwirte und seiner Anhänger. Die„Konserdative Korrespondenz" ist mit der ihr vor einigen Tagen von uns zu teil gewordenen Abfertigung noch nicht zufrieden. Zwar läßt sie die perfide Behauptung, unsre spanischen Genossen hätten die Arbeiter in Barcelona in den Generalstreik hinciiigchctzt, um sie im Augenblick der Gefahr feige im Stich zu lassen, heute vollständig fallen. Natürlich fällt cs aber ihren Redaklions- Gentleinen darum noch lange nicht ein, diese infame Verleumdung jetzt wenigstens zu revociercn. Viel- mehr glauben sie' heute einen besonders geistreichen Witz zu machen, wenn sie nunmehr den Spieß umdrehen und der Socialdemokratie ironische Lobs ihrer„staatserhaltenden" Stellung- nähme wegen spenden, die bei der weit„arbciterfreundlichcren" Haltung der„Franks. Ztg." gegenüber den spanischen Unruhen doppelt angenehm auffalle. Diese groteske Witzelei der„Konserb. Korresp.' verrät nur wieder die Ignoranz und Denknnfähigkeit ihrer Hersteller. Der Korrespondent der„Franks. Ztg." hebt— und zlvar mit vollem Recht— hervor, daß zivar die Gcwalttaktik der Arbeiter verurteilt werden müsse, daß aber die Gcwaltthaten, die von den Machthaber» begangen würden, noch viel schlimmer seien,„weil man von den Negierenden eine Einsicht und Umsicht verlangen darf, die man von ungebildeten Arbeitern nicht erwarten kann". Eine Ansicht, die wir selbstverständlich vollkommen teilen, die aber andrerseits unsrer scharfen Verurteilung der a n a r ch i st i s ch e n Putschisten nicht ini geringste» Abbruch thnt. Einen Beitrag zur Charakteristik der Thätigkeit dieser Wirr- köpfe liefert unser heutiger Leitartikel. Selbst wenn wir nicht ans ni o r a l i s ch e n Gründen Gegner der Gewalt wären, müßten wir im Falle der spanischcn Unruhen schon aus Gründen des gesunden Menschenverstandes Gegner dieser thönchten Putschversuche sein. Und zwar gerade aus Arbeiter- f°r e n n d Ii ch k e i t. Und so sehr unsre Sympathien trotz alledem den Arbeitern gehören und nicht den Unternehmern und ihrem Werkzeug, der Polizei und dem Militarismus, so triftige Veranlassung haben gerade wir als Kampfgenossen unsrer gegen die Unheil stiftende» anarchistischen Elemente ankämpfenden spanischen Parteigenossen, die Sinnlosigkeit und Verwerflichkeit des Generalstreiks und des Putsch- systems zu demonstrieren. Selbst auf die Gefahr hin, von elenden Scharfmachern heute der Anzettelnng von Straßenkänipfe» nnd morgen als staatSerhaltciidc Schlafrockrcvolntionäre denunziert zu werden.— Die Richt-Annahme der China-Medaille strafbar! Bor kurzem kani im Reichstag zur Sprache, daß ein zu einer achtwöchent- lichen Uebnng eingezogener Oekonomie-Handwerker, Redmann ans Werne, vor das Standgericht zu Bochum unter der Anklage gestellt ist: d u r ch die„Beantwortung deran ihnauf dem Hauptnieldeamt gerichteten Frage, warum er die China-Denkmiiiize nicht annehmen wolle, mit der Erklärung, seine Ueberzeugnng als Socialdemokrat verbiete ihm das. sich des V e r g e h c n s' g e g e n den KriegSmini st erialerlaß u n d Corpsbefehl,' socialdemokratische Gesinnungen nicht zu b e t h ä t i g e n, schuldig gemacht zu haben. Die im ersten Termin vertagte Verhandlung hat am 24. d. M. mit Bestrafung des Angeklagten zu drei Tagen M i t t e l a r r e st geendet. Es mag auf sich beruhen, ob der Angeklagte zur Zeit der Beantwortung der Frage als unter Militärgesetzen stehend erachtet werden konnte. Das Urleil ist absolut unhaltbar. Es wird sich bei der dritten Lesung dcS Etats herausstellen, ob das allerdings längst militärfromni gewordene Centrnm einen Corpsbefehl oder cincii Kricgsministerial-Erlaß billigt, der dahin ausgelegt wird, daß„ent, gegen dem Gesetz, der Moral und dcrReligion" ein Mann deshalb zu b e st r a f c n i st, weil er die Wahrheit sagt.— Boin Poleukurö. Der verantwortliche Redacteur deS „Obers chlesier" Johann Kauunski, wurde wegen öffentlicher Beleidigung der königlichen Regierung und der Lehrer des Regieriingsbezirks Posen, begangen durch Beröffentlichnng eines Artikels, mit der Ueberschrift„Die preußische ErziehungSkniist" von der Poscner Strafkannncr zu 7 M o n a t e n G e f ä n g n i s ver- urteilt.— Ei» Soldatenschinder anS Ehrgeiz. Flensburg, 26. Februar. Wegen fortgesetzter Mibhandlnna Untergebener im Dienste hatte sich gestern vor dem Kriegsgericht der 18. Division der Unterosfizier Erff von der 7. Compagnie des Regiments„Königin" zu verantworten. Zur Verhandlung ist die ganze Korporalschaft des Angeklagte» geladen, nur drei Main» waren von Mißhandlungen verschont geblieben. Am schlimmsten ist es dem Füsilier Andcrfen ergangen. Fast täglich, manchmal zwei« bis dreimal am Tage, ist er während der Jnstruklioiisstiinde oder beim Exerzieren von Erff mit Ohrfeigen und Fanstschlägen traktiert worden. Einmal hat ihn der Angeklagte mit dem Gewehr gegen de» Unterleib gestoßen, daß er sich vor Schmerz zusammenkrümmte. Ein andres mal versetzte ihm E. einen so heftigen Schlag ins Gesicht, daß ihm daS Blut ans dem Munde lief. Der Füsilier Hinrichien ist ca. zwanzignial in ähnlicherWeise malträtiert worden. Dem Füsilier Thiessen waren infolge eines Fanstschlags die Lippen angeschwollen. Ein andrer erhielt einen Fanstschlag ins Gesicht, weil seine untere Gesichtshälfte anS der Front hervorsah(!). Sein Hauptmann stellt dem Angeklagten das Zeugnis aus, daß er ein tüchtiger Soldat sei und wahrscheinlich aus Ehrgeiz sich derartig vergangen habe. Auch sein Verteidiger, ein Oberlienteiiant, bat uni milde Beurteilniig, da der Angeklagte nur ein Opfer seines Ehrgeizes geworden sei. Das Gericht macht sich diese eigenartige Psychologie, die vielleicht vom Stand- Punkt des konsequenten Militarismus nicht so widersinnig ist, wie sie dem Civilmenschen erscheint, nur teilweise zu eigen. Es nimmt die Mißhaiidlnngen für erwiesen an und erkennt auf fünf Monate Ge- fängnis, niniint aber von der beantragten Degradation Abstand, da der Angeklagte in der That ein Opfer seines Ehrgeizes geworden sei. Der Uiiterofsizicr kann also, wenn er seine Strafe verbüßt hat, weiter seinem„Ehrgeiz" fröhnen.— Herr v. Kölker und die Presse. AnS Straßburg i. E. wird uns vom 26. November ge- schrieben: ES ist eine längst bekannte Erscheinung, daß reaktionär gesinnte Leute vor der Preffe, diesem modernen Teufelsding, und ihren Vertretern einen äußerst geringen Respekt haben. So auch Herr v. Kölke r. Gestern jühlte er im hiesige» Landesaiisschnß das Bedürfnis, den Eindruck einer von uns schon erwähnten, an derselben Stelle gemachten Aeußerung zu korrigieren, die nach den einstimmigen Berichten der Tagespresse dahin gegangen war, die elsaß-lothringiiche Arbeiterschaft möge cS sich in der Ziikniift abgewöhnen, Tag für Tag in den Kneipen zu liegen und dort ihren gesamten Verdienst zu verthnu. Das amtliche Steno- gramm hatte diese Mahnung an die gesamte Bevölkernng Elsaß- Lothringens gerichtet nnd damit im ganzen Lande eincii Stnrni der Eiilrüstnng entfacht. Gestern iiun behauptete Herr v. Köller ein Miß- Verständnis seitens der Presse und verwahrte sich gegen die Unter- stellnng, als ob er nachträglich am amtlichen Slenogramin eine Aendernng vorgenommen habe. Dann fuhr er fort: „Ich habe das Stenograiiim gar nicht zu Gesicht bekommen, die Stenographen hier unten haben die Bemerkung aber gehört und anfgezeichnct. Wenn die Vertreter der Presse auf der Tribüne es nicht gehört haben, so sollen sie sich andre Ohren anschaffen, damit sie die Reden richtig verstehen. Daß ich mich um die perfide» Angriffe der feilen Presse nicht im g e r i n g st e n k ii in m e r e, ist selbstverständlich. Ich ignoriere dieselben voll- ständig." Dieser unerhörte Angriff geht nun doch selbst der sonst streng regierungsfrommen„ S t r a ß b u r g e r P o st" zu weit. Sie legt gegen die Beschimpfung der dort vertretenen Blätter energischen Protest ein. Herr v. Köller scheint hinsichtlich der deutschen Journalisten nicht der Meinung des Kaisers über die amerikanischen Preß- leute zu sein: daß sie beinahe als kommandierende Generale rangieren.— Ausland. Die Militarisierung der Eisenbahner in Italien. Das, was die Regierung angedroht hatte, ist eingetreten, sie hat, um den drohenden Streik der Eisenbahner zu verhindern. daS Gesetz von 1898 in Anwendniig gebracht, indem sie die Eiscnbahner mobilisiert. Das königliche Dekret ist bereits am 2S. Februar, abends 8 Uhr iii Kraft getreten. Bis zu diesem Termin mußten sich sänit- liche Angestellte der Eisenbahnen, soweit sie der Reserve oder der Landwehr angehören, den Militäraufsichtsorganen ihreS Distrikts melden. Die in Betracht kommenden Eiseiibahn-Aescllschaftcn sind einzeln aufgeführt! ih» Zahl beträgt 13. Diejenigen Arbeiter und Angestellten, welche sich zur Zeit auf Urlaub befinden, haben sofort an ihren Wohnsitz ziirückzukehren; diejenigen Beamten, die sich auf der Reise befinden(Ziigpersonal). habe» sofort bei ihrer Ankunft an dein Ort, Ivo sie stationiert sind, sich zu stellen. Die oben bc- zeichneten, chemaligcn Angehörigen des Heeres nnterstehen von dem oben bezeichneten Termin an den Militärgesetzen. Personen, welche ohne Erlaubnis ihren Dienst verlaffen oder solche, welche ohne genügende Entschuldigung sich nicht stellen, machen sich des Vergehens der Desertation schuldig und werden auf Grund des Militär-Straf- gcsctzbnchcs bestraft. Dieses Dekret unterscheidet sich von dem des JahreS 1898 da- durch, daß es den auf diese Weife militarisierten Beamten außer ihrem Gehalt auch noch den vollen Sold zusichert. Die Ans- gaben, welche der Staat dadurch auf sich nimmt, belaufen sich auf 60 000 Fr. täglich. Mit diesem Schlag gegen das KoalitionS- und Streikrecht der Arbeiter hat das„liberale'Ministerium" auch den letzten Rest von Vertrauen bei der Arbeiterschaft verloren. Der„Avanti" sagt, es gäbe nun für die Eisenbahner nur zweierlei, entweder Streik oder Unterwerfung; er könne einen andern Rat nicht geben, als den, daß in einem Falle wie in dem andern die Eisenbahner die Disciplin und die Solidarität aufrecht erhalten müssen. Die Regierung greift das genaimte Organ heftig an. Wie in dein Turiuer Streik die Regierung parteiisch eingegriffen habe, so greife sie auch hier zu Giinftcn der Kapitalisten und zum Schaden der Arbeiter ein. Oestreich-Nngani. Streik von klinischen Assistente». AnS Lemberg wird ge- meldet: An der interncii Klinik des Universitätsprofessors Dr. Kor- czynski in Krakau streikei! die Assistenten und Sssisteiitiiliieii wegen Entlassung eines ihrer Kollegen.— Frankreich. Die zlveijährige Dienstzeit. Bei den Debatten über die zweijährige Dienstzeit, die in den letzten Tagen in der Deputierten- tammer gepflogen wurden, legte der Abgeordnete Baillant den socialiftischen Standpunkt dar, und zwar durften in dieser Frage wohl alle Fraktionell der gleichen Meinung sein. Baillant trat für die alte, bekannte socinlistische Forderung, Einführung des Miliz- systenis, ein. Er war sich natürlich nicht im Zweifel, daß die Zeit deS Militarismus»och nicht vorbei sei, er weiß auch, daß selbst die einjährige Dienstzeit noch nicht zur Eiiiführnng gelangen würde und betonte deswegen. daß er für die zweijährige Dienstzeit eintreten würde. Innres bekundet in der«Petite Röpubliqne" sein volles Einverständnis mit der Rede Vaillants; er kommt zu dem Schlnsse, daß die zweijährige Dienstzeit eine weitere Etappe sei auf dem Wege zum Milizsystem. Die zweijährige Dienstzeit sei die äußerste Grenze, mit der sich das gegenwärtige Militärsystem noch vertrüge. Die Entwicklung dränge aber zu weiteren Einschränkimgei! und führe so zu dem von den Socialisten geforderten Milizsystem: militärische Ausbildung der Jugend. Waffensähigkeit deS ganzen Volkes.— Spanien. Vergebliche Opfer. Der republikanische Abgeordnete siie Barcelona, Lerronsc, befragte in der Kammer den Minister des Innern über die Bedingungen, unter denen die Metallarbeiter von Barcelona die Arbeit wieder aufgenommen haben. Der Minister antwortete, daß nach sicheren Jiifonnationen die Arbeiter den N e» n st» n d e n t a g, um dessen Einführung willen sie in den Streik getreten, nicht erlangt hätten. Die Arbeitszeit in der Metallüidustrie von Barcelona beträgt also nach wie vor 10 Stunden, die furchtbaren Opfer an Menschenleben sind vollkoimnen umsonst gewesen. Werden die Anarchisten bald begreifen, daß sie mit ihren Pnlschen und Revolten dem Militär nur Kanoneiifiitter liefern und den Reaktionären willkommene Gelegenheit bieten, ihre Gewalt- und arbeiterfeindliche Politik weiter zu treiben?— Rnstland. Finnland nnd daS neue WchrPflichtSgeselz. Von April bis Mitte Juni sollen in Finnland die Mnstcrnnge» der Wehrpflichtigen vorgenommen werden. Die hierbei thäligen MnsteriiiigSkoinniissionen bestehen nach dem geltenden Gesetz von 1873 außer ans den Militär- Personen nnd Acrztc» ans je 3 Mitgliedern, die von den ver- fchicdenen Koinmnnen des Landes gewählt werden. Diese Wahlen bereiten der Regierung NU» aber große Schwierigkeiten. Finnland hat circa SOO Koininuncn. In 285 hat man bis jetzt versucht, die Wahlen vorzunehmen, aber 193 davon haben sich geradezu ge- weigert, dem Verlangen nnchzukommcii! die übrigen haben wohl ge- wählt, jedoch ihre Gewählte» nicht verpflichtet, die Wahl nnzniiehine». Es ist das ein neuer P r o t e st gegen die verfassungswidrige Ab- ändening des Wehrpflichtgesetzcs. llutcr den Gouverneuren soll Meiiinngsverschiedciiheit darüber herrschen, inwieweit man durch Geldbußen die Wahlen erzwingen kann. Der Gonvenieur von Nyland hat der Stadt Helsingfors eine Buße von 30 000 finnl. Mark auferlegt und auch die übrigen widerspenstigen Geineinden seiner Provinz mit den entsprechenden Strafen bedacht.— Kirchcnschänduug durch Zarcubiittcl. Nach Meldungen Lein- berger Blätter ans ttinssisch-Polen wurde die Ortschaft Bortniki der dortige katholische Pfarrer während des Gottesdienstes in der Kirche von Gendarmen verhaftet. Die in der Kirche anwesenden Andächtigtcn widersetzten sich dieser Verhaftung. Es kam zu einem Kampfe mit den Gendarmen, die schließlich von der blanken Waffe Gebrauch machten. Zahlreiche Personen wurden verwundet. Die Ursache zu der Verhaftung des Pfarrers soll darin bestehen, daß dieser bei einer kürzlich abgehaltcuen Feier- lichkeit es unterlassen hat, das Gebet für den Zaren zu sprechen!—_ Nomurunstles. Stadtverordneten- Vcrsaiiimluiig. 9. S i tz u n g v o m Donnerstag, d e n 27. F e b r u a r 1902, nachmittags 5 Uhr. Vor der Sitzung hat die Wahl eines Ausschusses von 15 Mit- gliedern für den Antrag Angnstin wegen Aufhebung der Magistrats- verfiiguug bez. dcS§ 616 B. G.-B. stattgefuiiden. Dem Ansschntz gehören auch die Stadtverordneten S t a d t h a g e n. H e i in a ii ii und Z u b e i l an. Als Bürger-Dcpntierter in das Kuratorium der Sparkasse wurde H o e l tz gewählt. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung steht die erste Lesung des Entwurfs des StadthauShaltS-EtatS nnd der Entwürfe der Etats der städtische» Werke für IVO». Kämmerer Maast: Der Etat ist diesmal recht hausbacken, kein epochemachendes kommiinalcS Ereignis ist darin vorgesehen, ergeht einfach in dem alte» Rahmen Iveitcr und bringt kaum Neues. Ein neuer Spccialetat ist das Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kiiiderkrankenhnus; ferner ist der An« fang mit einer Stadtbibliothek gemacht und 20 000 Mark dafür gefordert worden. Die 18S8er Anleihe kommt mit der ersten AmortisationSrate zur EinsteNnug. Für 1902 sind 381 000 M. Zinsen für daS bei der Sparkasse niifgcnomnieiie Darlehn zinn Ankauf der Sicmeiisscheii elektrischen Straßenbahnen als Ausgabe eingestellt, da der Oberpräsident auf endliche Neauliernng der Angelcgcnheii drängt; gegenübersteht 293 000 M. Einnahme an Dividende für 5 Millionen. Das Darlchn wird in die neue von uns beabsichtigte Anleihe kommen, und dann werden wir dkc Sparkasse befriedigen. Der Kämmereihanshalt schließt mit 112 839112 M. in Einnahme mit Ausgabe ab; wir brauchen 64 Millionen Stenerbetrag zur Deckung. Trotzdem das letzte Etatsjahr l'/s Millionen Ueberschnß weniger gc» bracht hat, ist cs doch noch möglich geworden, den Etat mit dem alten Verhältnis von 150 Proz. Rcalstenern und 100 Proz. Ein- kommeiistcuer abzuschließen. Es ist auch nicht etwa irgendwo in den Einzel- Etats geknapst worden, im Gegenteil. Die Abstreichimgen zur Balanzicniiig sind bei den fakultativen Etats, hauptsächlich beim Tiefbau-Etat vorgenommen worden. ES handelt sich da unter ander»! um die Verbreiterung der Burg. straße. der IlniversitätSstraße. der Mauteuffelstraße ec. Auch bit Weiten der Hochbauberlvaltung werden nicht kleiner: eine grobe Zohl neuer kostspieliger Bouten ist im Gange oder beschlossen.' Bei einer neuen Anleihe wird in Erwägung zu nehme» sein, ob nicht einzelne dieser gröberen Bauten trotz unsrer früheren entgegenstehenden Be- schlüsse ans der Anleihe zu bestreite» wären. sZustimmimg.) Der Staat würde uns ohne Murren nach unserer Vergangenheit, nachdem wir für die Vcrbrciiernng der ganzen Gertraudtenstrabe 3 Millionen aus laufenden Mitteln bestritten haben, Genehmigung geben. Wir haben ja nur 62 Millionen eigentliche Kämmereischuld. Die letzte Anleihe ist bis au 4 Millionen versilbert. Die neue wird auch zur Befriedigung des dringenden Bedürfnisses der Erhöhung des Betriebsfonds bei de» Hauptknssen verwendet werden müssen: die bisherigen Betriebsfonds von 4 Millionen, die seit 1874 nicht erhöht wurden, sind ganz un» genügend. Ich schliebe mit dem Wunsche, den jetzigen Etat wie die früheren wohlwollend zu prüfen. lBeifall.) Stadtv. Borgmann(Soc.): Der Etat ist n»S in diesem Jahre trotz unsrer wiederholten Klagen und trotz unsres Beschlusses au' Vorlegung zu Anfang Februar doch wieder erst Ende Februar zu gegangen. Es bleibt der Versammlung für die Prüfung dieses groben Werkes nur die Zeit weniger Sitzungen übrig. Ilnsre Klagen haben beim Magistrat nicht das gehörige Verständnis gefunden Wird der Versammlung solche Prüfung in so kurzer Zeit augesonnen. so wird es dahin kommen müssen, dab die Verabschiedung des Etats sich über den 1. April hinausschiebt. Endlich einmal sollte doch unsre Klage Erfolg haben, denn so viel Zeit wie wir zur gründlichen Durchberatung brauchen, m u b uns der Magistrat gewähren. Be- dauerlich ist das Fehlen einer Erläuterung zum Etat eines so groben Gemeinwesens im allgemeinen. Der regierende Oberbürgermeister soll uns nicht eine Thronrede halten; aber es sind doch in neuester Zeit viel bedeutsame Dinge vorgekommen, über die wir Aufklärung erhalten müßten. Da ist die Arbeitslosigkeit, auf die ich noch speciell zurückkomme. Es wäre interessant und unbedingt notiveudig, dab der Magistrat uns sofort bei der Einbringung des Etats mitteilt, wie er dieser Misere entgegenzutreten gedenkt. Da ist serner die Frage der Bestätigung des Bürgermeisters, die im Abgeordnctenhause in de» letzten Tagen auf der Tagesordnung gestanden hat. Nachdem wir die oberbürgermeisterlose Zeit hinter uns haben, können ivir heute von einer bürgermeisterlosen Zeil sprechen. Der Bürgenneister ist au Wartezeit gesetzt, und bald wird ein Witzblatt auch das Bild des Bürgermeisters bringen:„Ich kann warten." Der Landtag und die Regierung haben die Sache recht merkwürdig behandelt; es geben da Personen die Entscheidung, welche von dem großen Gemeinwesen Berlin keine rechte Vorstellung haben können. Auch der fähigste Landrat. der aus Oberschlesien Hierher versetzt wird, kommt doch mit der völligen Unbefangenheit des Unnnterrichteten hierher und soll dann Eni scheidungen treffen über die Gestaltung der Verivaltung eines so ungeheuren kommunalen Körpers! Uni da durchzugreifen, hätte der Oberbürgermeister einmal der Regierung einige Energie zeigen können und Ivenn es auch bloß halb so viel wäre. wie er sie uns gelegentlich zeigt. lOho!) Es ist dem Magistrat überlassen worden, die freigebliebene Stelle kommissarisch aus dem Magistrat selbst zu besetzen. Herrn Voigt ist von Herrn Kirschner die Stellvertretung übertragen ivorde», einem Mann der uns nicht sieht und nicht hört.(Widerspruch.) Der Ober bürgernieislcr sollte den von uns geivähltcn, nicht bestätigten Stadt- rat Kaufsman» mit der Stellvertretung betraue». Ich ivill dahin gestellt sein lassen, ob der Oberbürgermeister diese Schärfe gegen die Regierung zur Anwendung bringe» wird: meine Hoffnung ist sogar sehr schwach. Die Erläuterungen in den Specialetats können solche aktuelle und principiellc Fragen nicht behandeln kommt auch besonders darauf an, lvie die städtische Behörde in der O e f f e n t l i ch k e i t zu diesen Fragen Stellung nimmt. Wiederholt hat die Versammlung beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, 5000 M. zur Disposition des Vorstehers in den Eint ein- zusetzen. Das geschieht auch jetzt nicht, weil der Magistrat keine bestimmte Vcrivendung dafür erkennen kann. Der Magistrat wahrt eifersüchtig seine Rechte. Es könnte sich aber doch mir darum handeln, für gegebene Fälle diesen Fonds zur Ver- fügung zu haben. Die Entivicklung der Volksschule giebt uns zu lebhaften Klagen Anlah. Wen» auch 17 Raten für Voltsschulbanten in« Etat stehen, so genügt das dem Bedürfnis nicht: die Schul Verwaltung hat dem gegenivärtige» Bedürfnis in keiner Weise Rechnung getragen.(Widerspruch.) Am 1. April mub wieder eine grobe Menge neuer Klassen errichtet iverden, ohne daß dafür Schulen existieren, und zivar in längst der Bebauung erschlossenen Gegenden. In diesen dicht bevölkerten Distrikten werden«vir trotz aller Neubauten die Mictsschulen nie wieder los; unter dem System der Mietsschulen leide» Schulen und Lehrer ganz auberordeullich und ebenso der ganze Schulbetrieb. Ju dem neuen'Etat sind bloß vier neue ein- fache Schulen und eine Doppelschule vorgesehen, das ist bei iveitem zu wenig. WaS die Kosten betrifft, so könnte man ja dafür zum Beispiel die beinahe 1 Million für die Regulierung der Straße „Unter den Linden" verwenden.(Ahn! und Zustimmung.) Die Frequenz der einzelnen Klassen ist ja weiter heruntergegangen, aber die Klage über die Uebcrfüllung verstummt absolut nicht. In den unterste» Klassen sind noch Frequenzen von 68 und 6g Kindern vorhanden, womit eine gute Dnrchvildung der Schüler ganz uiiver- einbar ist. In vielen Klassen reichen die Plätze für die der Klasse überwiesenen Kinder nicht aus, so daß man direkt von obdachlosen Schulkindern reden kann, und dazu kommen die fliegenden Klassen, deren Zahl keineswegs zurückgeht, sondern im kommenden Jahre wesentlich in dieHöhe gehen wird, wenigstens in einzelnen Schulbezirken. Die bestehende Volksschule ist ja keineslvegs unser Ideal; wir ver- langen ja, daß jedes Kind der Gemeinde das Pensum der Volks- schule durchmachen muß, daß auch die Kinder der Besitzenden in die Volksschule hinein müsse», damit die Schule wirklich eine allgemeine Bildungsstätte wird.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Es siiid jetzt ganze 4 Schulärzte vorgeschlagen. Dieses Tempo der Vermehrung ist so schneckenartig, daß wir damit nicht einmal die östrcichische Landwehr erreichen werden. Die Frage der Be- währnug mutz doch längst geklärt sein. Wir halten für unerläßlich notwendig, eine andre Organisation, welche die hygienischen Angelegenheiten als oberste Instanz für die ganze Stadt zu leiten hat. wir müssen einen städtischen Medizinalrat als Mit- glied des Magistrats schaffen, wenn eS auch nicht anders gehen sollte, als durch Kreierung einer neuen Stadtrats- stelle. Wir hatten schon im vorige» Jahre die Verwaltung auf- gefordert, auf den städtischen Rieselfeldern die Milchwirtschaft wieder einzuführen. Der Milchkrieg hat die Frage akut gemacht. Erst jetzt, kurz vor der Beratung des Etats, ist ein Ausschuß für diese Frage eingesetzt worden.„Man merkt die Absicht und man wird verstimnit." Die Stadt hat die Verpflichtung dazu an« allgemeine» wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus Rücksicht auf die Uebcrnahmc des Kinderkrankenhauses, für das eine gute Säuglingsmilch Haupt- erfordernis ist. Auf den Rieselgütern läht sich'dieselbe unzweifel- hast gewinnen; die Frage der Rentabilität hat dabei zurück- zutreten. Wiederholt haben wir gröbere Spccifikation der Arbeits- löhne in dem Etat verlangt; verschiedene Verwaltungen haben diesem Wunsche nicht entsprochen. Die Abstriche zur Balancierung des Etats sind im Hoch- und Tiefbau-Etat erfolgt. Ich erbitte eine Nachlveisung, was gestrichen worden ist. Im Tiefbau ist die Summe für die Straße„Unter den Linden" stehen ge- blieben.(Aha!) Ick bedauere aufs tiefste, daß die Versammlung biese Regulierung beschlossen und damit ein Kompensationsobjekt aus der Hand gegeben hat, welches uns die Ueberführnng der Straßen- ckah» hätte bringen müssen.(Unruhe bei der Mehrheit. Zu- stinimung bei den Socialdemokraten.) Gegen die Art der Ausführung der städtischen Bauten, gegen das SubmissionSwcscn sind neuerdings in der Versammlung die lebhaftesten Klagen lant geworden; da sollten wir doch endlich daz» übergehen, die städtischen Bauten i» eigne Regie zu»ehme».(Abu l bei der Mehrheit.) Einst wird der Tag kommen. Ivo Sie diese Forderung mit uns erheben werden, und die Stadt wird dabei besser fahren als jetzt. Die Frage der Arbeitslosigkeit haben wir seiner Zeit durch' eine JnterpeNatio» hier zur Erörterung gebracht. Was die Gewerkschaften ermittelt hatten, wollte Herr Fischbeck damals nicht allgemein gelten lassen. Später hat der Berliner Polizeipräsident � Bcrauuvorilicher Redocteur. tturl Leid in Berlin, glir den Zuseratenleil verautwortlich: Tch eine Umfrage vornehmen lassen und ist zu dem geradezu drolligen Resultat gekommen, daß eine übernormale Arbeitslosigkeit von 7500 Köpfen bestände! Wie konnte ein so hochstehendes Organ die thatsächlichen Verhältnisse so entstellen oder so ignorieren? Jetzt haben die Gewerkschaften eine Statistik aufgemacht, welche die Dinge ganz anders erscheinen läßt; es sind 63 000 ganz, 45 000 zum Teil Arbeitslose ermittelt. Hegen Sie an der Richtigkeit dieser Aufmachung Zweifel, so wollen Sie bedenken, daß es eine große Zahl solcher Arbeitsloser giebt, welche nicht entlassen sind, sondern vier oder sechs Wochen aussetzen, und diese alle sind nicht jenen Zahlen hinzugerechnet. Gegenüber diesem schreienden Notstand, für den ich Sie ja nicht verantwortlich mache(Stadtv. Mommsen: Das ist nett! Heiterkeit.)— in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwunges ist ja doch auch die Frequenz in unsren Arbeitshäusern zurückgegangen — ersuche ich den Magistrat aufs allerernstlichste, ganz energisch Schritte zu unternehmen. Was hat er denn getha»? Die Dinge sind doch weit genug gediehen; von dem Magistrat aber hören und sehen wir nichts. Er muß sich endlich des Elends dieser unverschuldet Arbeitslosen annehmen! Es giebt ja noch Leute, welche meinen: Wenn wir auch alle Eure Forderungen erfüllen, Ihr sagt ja doch nicht danke schön I Der Herr, der diese Worte geprägt hats hätte seinerseits alle Ursache, dankbar zu sein. Ohne die gewaltige Aufklärungsarbeit der Socialdemokratie hätte wahrscheinlich der feige Rassenhaß einen ganz andre» Boden in der Arbciterbevölkerung gefunden.(Lärm und Zwischenrufe.) Wir haben mitgewirkt zum Schutz Ihrer eignen Freiheit; was wir errungen haben, haben wir uns erkämpft, oder uns Rechte zurückerobert, die der Arbeiterklasse entzogen ivordcn waren. Dafür sind wir niemand Dank schuldig. (Beifall und Zischen.) Oberbürgermeister Kirschner: In den Fehler des Vorredners über die Socialdemokratie hier zu sprechen, werde ich nicht verfallen Es würde sehr schwer sein, ein Urteil darüber zu fällen, wie weit Arbeitslosigkeit in Berlin besteht. Auch die neuesten Erhebungen gebe» ein sicheres Urteil nicht; eine Erhebung ohne amtliche Kontrolle ist keine sichere Unterlage. Immerhin sind diese Erhebungen nicht ohne Be deutung, sie haben aber eine so große Arbeitslosigkeit nicht ergeben, wie angekündigt wurde. Wenn unter normalen Verhältnissen einige 40 000 sogenannte Arbeitslose vorhanden sind, so kommt für den jetzigen Winter ein so erschreckendes Resultat nicht heraus. Denn es sind vielfach auch Verkürzungen der Arbeit um eine Stunde ein- getreten, und dabei kann der Betreffende dennoch mshr als früher verdienen. Ich erkenne aber an, daß in gewissem Umfange infolge des wirtschaftlichen Niederganges eine Arbeitslosigkeit in Berlin besteht. Die städtische Verwaltung hat sich bemüht und wird sich bemühen. dem Uebel zu steuern, es werden die Bauten und sonstigen Arbeite» o viel als möglich beschleunigt ausgeführt und dazu bietet gerade auch der Etat bedeutende Gelegenheit. Diese stille Thätigkeit ist die ricktige. Die Bürgermcisterfrage wird mir nun auch»och angehängt. Ich bin nicht in der Lage, den vorgeschlagenen Weg zu beschreiten; ich kann den Stadtrat Kanffmann nickt zum Stellvertreter bestellen, ich muß den ältesten Stadtrat damit betrauen nach den Gesetzen. Nachdem Herr Stadtrat Haack und Herr Hübner ablehnten, hat Herr Voigt dankenswerterweise die Vertretung übernommen und gerade ihm habe ich meinen Dank für seine Emsigkeit und Sorgfalt auszusprechen. (Beifall.) Der verfassungswidrige Weg wäre auch der impraktischtc. wenn er zulässig wäre. Ju dem Augenblicke, wo ick so vorgehe, haben Sie den Staatskommissar hier.(Zunife: Was schadet das? Der arme Kerl!) Die 5000 M. Dispositionsfonds sind ja eine Lappalie, aber über eine rechtliche Ucberzcuguug kann mau sich doch nicht einfach hinweg 'etzen. Ich habe keinen Dispositionssonds; ich versüße nicht über ciiicn Pfennig. Der Kämmerei- Unterstützmigsfonds steht zur Verfügung des Magistrats. er hat auch einen ganz bestimmten Zweck. Wünschen Sie einen solchen Fonds für den Vorsteher. so wird in dem Augenblick, wo die Ver- weudungszwecke angegeben werden: Geschäftsbedürfnisse. Rc präsentatiousbcdiirfnisse, Unterstützungsbedürfuisse, die Einstellung erfolgen; es hängt nur von Ihnen ab, den Ziveck anzugeben. Den Etat früher herüber zu geben, wäre auch'»nS sehr erwünscht, aber die Aufstellung wird immer 'chwieriger, der Etat wächst immer höher, der Kämmerer hat IN de» letzten Monaten mit Aufwendung aller Kräfte gearbeitet. Sie müssen die Verspätung sckon entschuldigen, an unsrem guten Willen hat es nicht gefehlt.' Ein Schulprojekt ist nicht gestrichen, um am Etat zu sparen; mit den Schulbameu wird anfs eifrigste fort- gefghren werde». Eine ganze Reihe von Klassen stehen leer, so schlimm, lvie es der Vorredner darstellt, steht es mit der Klassennot also nicht. Mit den Schulärzte» müssen noch weitere Erfahrungen gesammelt werden. Den Stadt-Medizinalrnt haben wir ja schon; niehr als der verehrte Mann, der dieses Amt jetzt wahrnimmt und taganS taaein arbeitet wie ein besoldeter Stadtrat, könnte er auch nicht leisten. Stadtv. Caffel(A. L.): De», Verlange» nach früherer Ein- briugung des Etats muß ich mich auch»ach dem Gehörten an« chließcn. Wir erkennen an, daß der Etat wieder die Bilanzierung mit 100 Proz. Einkommensteuer ermöglicht hat. Freilich haben die Steuern zu diesem Zwecke um 3 Millionen höher geschätzt, die Bauten um 3 Millionen gekürzt werden müsien. Den Nach- iveis darüber, was an Bauten zurückgestellt worden ist. hat ja der Kämmerer schon größtenteils gegebe». In der Frage der Schulärzte stellt sich der Redner auf die Seite des Magistrats, in derjenigen des städtischen Midizinnlrats aber a»f die Seite Borginanus. Ju der Schnlfrage werde der neue Lehrplan auf die Verminderung der Frequenz in den unteren Klassen stark einwirken.' Zur Aufhebung der letzten Steuerstiise biete die Finanzlage keine Ermunterung. Zum Schluß legt Redner gegen die Angriffe auf die Selbstverwaltung im Abgeordnetenhanse und besonders gegen den spöttischen Ton ,' in dem sich der Kommissar von Falkenhnyn gefallen habe, Verwahrung ein, spricht den Social- demokraten die Anerkennung ans, daß auch anS ihrer Mitte erwägenswerte Anregungen gekomme» sind, und schließt mit dem Wunsche. daß es gelingen möge, auch ferner das kostbare Gut der Selbstverwaltung möglichst aufrecht zu erhalten. Stadtv. Dr. Preuff(N. L.) sieht die Finanzlage nicht so rosig an wie Borgmaun. tritt aber doch für die Aufhebung der untersten Kommunalsteuerstufe ein. Redner berührt dann eine Reihe von AnstellungS- und Gehaltsfragen und spricht auch seinerseits die Hoffnung aus, daß die große Kabinettssrage der Dispositionsfonds ihre endgültige Lösung jetzt finden wird. In der Bürgermeisterfrage ei durch' die Landtagsverhandlimg wenigstens zugegeben, daß§ 33 der Städte-Ordnung„unglücklich gefaßt" fei. Stadtv. Mommsen'(Fr. Fr.): Ick halte an meinem ab- weichenden Standpunkt in der Bürgenneister-Frage unbedingt fest: aber die Art. wie diese wichtige Frage ini Landtage be- handelt worden ist. hat auch mir diesmal mindestens mißfallen.(Hört! hört! Heiterkeit!) Im Besoldungs-Etat ind einzelne Ächaltsansbesserungen enthalte», welche die Ver- amnilung noch nicht beschäftigt haben. Diese müssen wieder aus dem Etat hinausgeworfen werden, da erst vor wenigen Jahren die Gehälter reguliert worden sind. Auch das Bureaupersonal soll auffälliger Weise vermehrt werden. Durch bessere Kontrolle und andre Organisation könnte von dem vorhandenen Personal lvcit mehr Arbeilsleistung erlangt werden. An der konservativen Finanzpolitik der 100 Proz. muß die Versammlung festhalten. Im Etat sind an Arbeitslöhnen, teils zu Aufbefferungeu, teils für neue Kräfte, über 1 Million Mark mehr ausgeworfen worden, das wird (eine Wirkung ans die Arbeitslosigkeit nicht verfehlen. Oberbürgermeister Kirschner: Gehaltsaufbesserung tritt bloß bei den Oberstadtsekretären ein, das übrige sind kleine Korrektirre» nach der vor drei Jahren augenommenen Skala. Außerdem ist dem Wachstum der VerivaltnngSgeschäfte Rechnung zu tragen. Stadtv. Hugo Sachs(A. L.): Die Gnindgehalte der Beamten können nicht einfach durch den Etat ohne besondere Motivirung geändert werden. Darauf wird ein Schlutzantrag angenommen. Stadtv. Borgmaun legt gegen die Darstellung, als ob er mit einer Anregung betreffs des städtischen Medizinalrats irgend etwas gegen den Stadtrat Straßmann ausgeführt oder im Sinne gehabt hätte, Verwahrung ein. Im übrigen behält er sich die Erwiderung für die Specialberatung vor, Die Versammlung beschließt die Verweisung dcS gesamten Etats an einen Etatsausschuß von 15 Mitgliedern, der sofor! von der Versammlung durch Zuruf gewählt wird und dem auch die Stadtvv. B o r g m a n n, Bruns und Dr. F r e u d e n b e r g (Soc.) angehöre». DaS Verzeichnis der im Etatsjahr 1902 neu- b e z w. um- zupflasternden Straßen und Plätze wird au einen be» sonderen Ausschuß verwiesen. Die übrigen Gegenstände werden vertagt, Schluß gegen �210 Uhr._ Ans dev Fvsuenbeivrgttng« Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 3, März er., abends 8Vs Uhr, in den„Armiiihalle»". Konimandantcnstr. 20: Vortrag des Frl. Helene Simon über:„Robert Oweis". Gäste willkommen. Der V o r st a n d. Wöchnerinuenschutz in Dänemark. In das neue dänische Fabrikgesetz ist bekanntlich eine Bestimniuug aufgenommen worden, wonach Fabrikarbeiterinnen in der vierwöchigen Sckutzfrist nach der Entbindung eine Unterstützung aus öffentliche» Mitteln gewährt werden kann, die nicht als Ärmcnunterstützung angerechnet wird. Der„Dänische Frauenrat" hat jetzt in Gemeinschaft mit 30 andren Organisationen an den Reichstag das Ersuchen gerichtet, dieselbe Vergünstigung auch für andre unbenüttelte Mütter ein- zuführen und einen dementsprechenden Zusatz zum Kraulcnkassengesetz zu beschließen.—_ Versammlungen. Schöneberg, lieber den Zolltarif und seine Bedeutung für die Arbeiterklasse sprach am Dienstag Genosse Bebel in einer über- füllte», von den Frauen Schönebergs einberufenen Bersammlnug im O b st schen Saale. Am Schlüsse dcS mit großem Beifall auf- genommenen, ziemlich zweistündigen Vortrages fand eine Resolution einstimmige Annahme, die sich mit den Ausführungen des Referenten in vollem Maße einverstanden erklärt und das deutsche Volk zur energischen Abwehr der Brotvcrteueruugspläue des Junkertums auf- fordert. WaidmaunSlnst. Am Sonntag tagte hier eine öffentliche Kommnnalwähler- Versammlung. I u l. K a I i s k i sprach über: Unsre Aufgabe in der Gemeindeverwaltung. Der Redner wies auf die Mißstände hin, wclcke in Dalldorf und Borsigwalde herrschen, und forderte die anwesenden Gcmeindewähler auf, es sich zur Ehren- Pflicht zu machen, die beiden Kandidaten Adam und E ck a r d t mit großer Majorität in das Ortsparlament zu schicken. Zur Diskussion s'prackc» noch einzelne Redner, welche die Ausführungen des Referenten vervollständigten. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Der Boeren- Krieg. Der Durchbrnch der Blockhauslinic. Die Zahl der Boeren, welche am 23. d. M. durch die Blockhaus- linie Frankfort— Brede durchzubrechen versuchten, wird auf 600 bis 800 geschätzt. Sie stände» unter der Führung von Alberts, Roß, zivei Böthas und einigen Transvaalern. Ten Hauptstoß hatten die Neuseeländer auszuhalten, sie kämpften mit größter Tapferkeit und traten den Boeren erfolgreich entgegen, erlitten aber schwere Verluste. Zwei Offiziere und 18 Mann fielen, 5 Offiziere und 33 Mann Ivnrde» verwundet. Die Boeren ließen 15 Tote und 6 Gefangeue auf dem Kampfplatz. 70 Pferde wurden getötet und 100 unverwundcte Pferde sowie 6000 Stück Vieh erbeutet. Ueber die zweite englische Niederlage, bei der die Boeren eine»— angeblich— leeren Couvoi erbeuteten, trotzdem derselbe von 1 Bataillon, 3 Compagnicn und 2 Ge- schützen eskortiert war, sind bezeichnenderweise»och keine weiteren Nachrichten eingelaufen. Die Schlappe muß eine überaus empfindliche gewesen sein! Uetzke Nachvichken und Depeschen. Abgcordnctcnhauö. Wien, 27. Februar.(W. T. B.) Bei dem Kapitel„Beitrags- leistung zu gemeinsamen Auslagen" wirst Daszyuski ocialist) dem Minister des Aeußern vor, daß er einer volkstttmlickeu Staatspolitik huldige. Redner er- innert au die Ausweisungen östrcichiscker Arbeiter aus dem Deutschen Reiche, sowie an die Vorfälle in Lemberg und fragt an, ob es wahr sei, daß der Minister des Aeußern in dieser Angelegenheit vor dem Vertreter einer fremden Macht eine Kniebeuge gemacht habe. Der Mittisterpräsideut von Körber weist den Vorwurf zurück, als ob Oestreich seinen Staatsaugehörigen nicht jenen Schutz zn teil werden lasse, welches Angehörigen andrer Staaten in ähnlichen Fällen zu teil werde. In alle» Fällen, i» welchen von im Auslande lebenden Ocstreichcrn Beschwerden an die Regierung gelangt seien, oder in welchen irgend welche Vorfälle zn ihrer Kenntnis gelaugt seien, welche ein Einschreite» erforderten, sei die Regierung stets in der ciltschiedcnsten Weise für ihre Staatsaugehörigen eingetreten. «locke m Berlin. Druck und Verlag von MaxBading m Berlin. Deputiertenkainmer. PariS, 27. Februar.(W. T. B.) Bei der fortgesetzten Beratung deS Kricgsbndgets beantragt V a i l l a n t die Aufhebung des Kapilels 38. welches die Militärgerichtsbarkeit betrifft. Die nüli- tärischen Gerichtshöfe bedeuteten die Herrschaft' der Militär- gcwnlt über die Civilgewalt. Im Laufe der Debatte komnit es zu Beleidigungen zwischen einigen Deputierten. Chauvriöre nennt Duporier eine» Spitzel aller Regierungen. D» P e r i e r erwidert:„Schweigen Sie, Mörder!" Darauf ergeht V a i l- laut in eine Lobrede auf die Kommune. Dieselbe habe Paris und Frankreich gegen die Reaktion verteidigt. Der Präsident erhebt dagegen Einspruch und erklärte, er werde nicht eine Lobrede auf den bcdauernwertesten Aufstand dulden, den Frankreich je erlebt habe. Der Kriegsminister Andrs verlangt die Aufrechterhaltung deS Kapitels 38. Das Anieudement Vaillant wird darauf mit 463 gegen 63 Stimmen verworfen. Nächste Sitzung morgen. Frankfurt a. M., 27. Februar.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Luxemburg: Die Kammer nahm ohne Widerspruch das Wciugcsctz nach deutschem Muster an. Der Staatsministcr erklärte beiläufig betreffs der Stellung Luxemburgs zur deutschen Schaum» lveinstcuer, daß Luxemburg diese Steuer ebenfalls einführen werde. Eine Kellerkontrolle, wie in Deutschland, sei hier überflüssig, doch »verde die Regiernng Maßnahmen treffen, um die deutschen Firmen gegen die Möglichkeit des unlauteren Mettbeiverbs von hier aus zu 'chützen. Madrid, 27 Februar.(B. H.) Infolge heftiger Regeugiisse werden aus verschiedenen Teilen des Landes Ueberschlveuimungen gemeldet. Auf der Eisenbahnlinie Salamauca ivurde eine weite Strecke durch einen Bergrutsch nnfahrbar gemacht. ' Barcelona, 27. Februar.(W. T. B.) In den Gefängnissen befinde» sich 205 Personen, die von einem Militärgericht abgeurteilt werden sollen. Unter ihnen soll sich ein deutscher Anarchist Namens H e r in a» n befinden. Mcssina, 27. Februar.(B. H.) Der A p p e II a t i o n s g e r ichtS- rat De Vechi wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft ver- haftet. Derselbe ist verdächtigt, der Marquisc Cassibile, welche kürzlich wegen Testameutsfälschung verhaftet ivurde. behilflich ge- Wesen zu sein. Außer dem De Vechi wurden noch ein Auwalt und 2 Priester in derselben Angelegeuheit verhaftet. London, 27. Februar.(W.T.B.) Unterhans. Chamber- lain teilt mit. Lord Kitchener. der dabei auf eigne Autorität handelte. habe bereits die Uebcrgabe einzelner geringerer Boeren« "ührer augenomme» unter der Maßgabe, daß sie nicht, wie sie es verlvirkt hätten, i» die Verbannung geschickt werden sollten. englische Regiernng habe hiergegen keinen Widerspruch erhoben. Hierzu S Beilage» Nnterhalluugebtatt. Die n. so. is. hwn. i. KtiliM jlts Jonniirtö" �frlinct pulblilutt. 28. mu\m. Meichskttg. 152. Sitzung vom Donnerstag. 27. Februar ISlZ2, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische niemand. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wahlprüfungen. Die Beschlutzfassung über die Gültigkeit der Wahl des Bbg Prirtzc-Saarbriickcn(natl.) beantragt die Kommission auszusetzen. damit iveitere Beweiserhebungen vorgenouuncn werden können. Abg. Bassermann snatl.)(zur Geschäftsordnung): Ich beantrage die Absetzung dieses Gegenstandes von der Tagesordnung. Die Wahkprüfungs-Kommisfion hat den K 4 der Geschäftsordnung da durch verletzt, dntz sie P r o t e st e berürksichtigt hat, die verspätet eingegangen waren. Es handelt sich um eine principiell be- dentungsvolle Frage, und ich bitte Sie daher, meinen Antrag anzunehmen. Im andren Fall würde ich die Beschlnkfähigkeit des Hauses bezweifeln. Abg. Tinger(Soc.): Herr Bassermann hat gewiss gcschäftsordmingSmähig daS Recht. eine» solchen Antrag zu stellen, ich mache Sie aber doch darauf auf merksam, dass es eine alte Gewohnheit des Hauses ist, Wahll Prüfungen m ö g l i ch st zu beschleunigen. Da es sich nun hier nur um weitere Beweiserhebungen und nicht um die GültigkeitS crklärung der Wahl handelt, so glaube ich doch, könnte Herr Bnsierniann seinen Widerspruch für heute zurückziehen. Wenn er die Beschlussfähigkeit des HanseS beziveifelt, so werden die Beweiserhebungen auf unbestimmte Zeit vertagt, denn auf ein beschlnssfähiges Hans wird er wohl in dieser Session lange warten können. Wenn er etwa glaubt, dass ans Anlass der zweiten Lesung der Zolltarif-Borlage das Hans beschluhsähig sein würde, so weih er ja so gut wie ich. dass heute der Zeitpunkt dieser zweiten Lesung wirklich nicht festgestellt werden kann. Uebrigens hat die Wahlprüfungs-Kommission häufig auch verspätet eingegangene Nachrichten mit in den Bereich ihrer Erwägungen gezogen Schon im Interesse der Wähler dürfen wir die Wahl- Prüfungen nicht unnötig verschleppen. sSehr richtig! bei den Social- demokraten.) Abg. Dr. Spahn(®.): Die Mehrheit der WnhlprüfungS Kommission war der Ansicht, dass in den verspätet eingegangenen Nachträgen nur Thatsachen enthalten waren, die sich auf Vorgänge im ursprünglichen Protest bezogen. Abg. Vaffcrman» snatl.): Auf die Materie selbst will ich nicht eingehen. Die Beschlussfähigkeit des Reichstages herbeizuführe» haben ja die Fraktionen in der Hand. Ich mich bei meinem Antrag bleiben. Der Antrag Bassermann auf Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung wird gegen die Stimmen der Nationalliberalen abgelehnt. Abg. Bassermann(zur Geschäftsordnung): Ich bezweifle nu» mehr die Beschlussfähigkeit des Hauses. Präs. Graf Ballestrc»,: Ein solcher Zweifel ist nur zu laisig, wenn eine Abstimmung bevorsteht, das ist jetzt nicht der Fall.(Heiterkeit.)— Wir kommen nunmehr zur Verhandlung über den ersten Punkt der Tagesordnung.— Der Herr Berichterstatter verzichtet.— Es meldet sich meniand zum Wort... Abg. Bassermann(zur Geschäftsordnung): Herr Präsident, ich bezweifle die Beschlussfähigkeit des Hauses. Präsident Graf Ballestrem: Die Diskussion ist»och nicht ge schlössen.(Grosse Heiterkeit)... Es meldet sich niemand weiter zum Wort, die Dislnsfion ist geschlossen. Abg. Bassermann(zur Geschäftsordnung): Ich bezweifle die Beschlussfähigkeit des Hauses.(Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrem: Das Bureau ist einig, dass der Zweifel berechtigt ist:>vir müssen daher unsre jetzige Sitzung abbrechen. Ich schlage Ihnen vor, die nächste Sitzung zu halten heute 2 Uhr 13 Minuten.(Tagesordnung: Petitionen.) Schluss der Sitzung l'/3 Uhr. 153. Sitzung vom Donnerstag, 27. Februar, 2'/4 Uhr nachmittags. Am BundeSratstische niemand. Auf der Tagesordnung stehen Petitkonen. Eine Petition der Handelskammer zu Bielefeld betreffend Ab- ändcrnng des Börse ngesetzes beantragt die Kommission, dem Reichskanzler zur E r lv ä g n n g zu überweisen.. Abg. Biisiug(natl.) beantragt, diese Petition von der TageS- ordniuig abzusetzen, da eine Novelle zimi Börsengesetz innerhalb der Regierung in Vorbereitung sei. Hoffentlich werde diese Vorlage dem Reichstage bald vorgelegt werden. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.) widerspricht diesem Antrag. ES sei schon oft vorgekommen, dass von der Regierung in Aussicht gestellte Borlagen oft Monate, ja Jahre lang hätten auf sich warten lassen. Es sei daher angebracht, der Eiitschließnng der Regierung etwas nach- znhelfe». Abgg. Dr. Arendt(Rp.), Dr. Oertel(f.) und Dr. Spahn(C.) stimme» dem Antrag Büsing zn, während die Abgg. Dr. Pachntckkc (frs. Vg.). Singer(Soc.) und Dr. Crügcr(frs. Vp.) ihm wider- sprechen. Der Antrag Büsing ivird angenommen, die Petition also von der Tagesordnung abgesetzt. Eine Petition des Alois Oelke in Glasehansen wegen Be- willignng von Jnvalidciiivohlthaten durch die iveitere Gewährnng der dem Petenten früher zugebilligten Unterstützung ivird nach dem Kommissionsantrag für durch die Entschliessnngen der zuständigen Behörde erledigt erklärt. Eine Petition des Deutschen DrognistenverbaiideS wejjen Regelung der Rechtsverhält nissederDrog nisten. inS- besondere Freigabe von nnschädlichen Heilmitteln für den Drognen« Kleinhandel, beantragt die Kommission den, Reichskanzler als Material z» überwerfe». Abg. v. CahenSly(C.) spricht sich für den Kommissionsbeschlnss ans und fragt an. ob die in AnSsicht gestellte Verordnung bereits erlassen sei, wodurch die Verordnung vom 27. Januar 1800, durch ivclche die dem ausschliesslichen Vertrieb in den Apotheken vor- behaltenen Arzneizubereitnngen, Drognen und chemischen Präparater festgesetzt sind, abgeändert und ergänzt wird. Ein RegirrnngSkommissar erklärt, dass diese Verordimng bereits cischicncn und im Reichs-Gesetzblatt veröffentlicht sei. Abg. Raab(Ansis.) beantragt, die Petition den, Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Im Gegensatz z„ de», privilegierten nnd iii den Apolhekcrkaniniern organisierten Stande der Apotheker seien die Drognenhändler durch die beirtige Gesetzgebung vielfach benachteiligt. Sie dürften viele ganz harmlose Mittel nicht führen. Das erzenge eine Umgehung der Gesetze und eine un- vermeidlichc Korruption. Das Hans beschloss geinäb dem Kommissionsantrag. Eine Petition der W e b e r i n n u n g zu M e e r a n e(Sachsen) wegen Abänderung des Jnvalideuversichernngs-Gesetzes wird gemäss den, Beschluss der Kommission de», Reichskanzler als Material zur Abänderung der Gesetzgebung insotvcit über- wiesen, als sie die Uebertragnng der Rente eines Rentenempfängers an dessen Witwe erstrebt. Im' übrigen wird sie durch Nebergang zur Tagesordnung erledigt. Weiterhin geht das Haus zur Tagesordnung über über eine Petition, betr. die Einführung des Befähigungsnachweises für K a u f l c n t e. Als Material wird den, Reichskanzler überwiesen eine Petition, betr. AbänderuilgdcsKrankenversicherungS- Gesetzes. Eine Petition des Bundes deutscher Gastwirte zu Leipzig, betr. Abänderung des§ 865 Abs. 2 des Strafgesetzbuchs, wird de», Reichskanzler als Material überwiese». Eine Petition, betr. Abänderung des Viehseuchen- g e s e tz e s, wird dem Reichskanzler zur Berücksichtigung über- wiesen. Neber 20 Petitionen, betr. Einleitung von Friedens- Verhandlungen im südafrikanischen Kriege, be antragt die Kom'mission zur Tagesordnung überzugehen. Abg. Dr. Hasse(natl.): ES muss mit Bedauern festgestellt werden, dass trotz der Haager Abmachungen die europäischen Grossmächte auf eine Intervention'in, südafrikanischen Kriege verzichten. Aber es könnte doch- vielleicht ivenigstenS dafür gesorgt iverden, dass die Engländer den Werken der Barn, Herzigkeit und Wohlthätigkeit keine Schwierigkeiten in den Weg legen. Im Abgeordnetenhaus ist nun mitgeteilt worden, dass die Engländer es abgelehnt haben, einer von, deutschen Boeren-Hilfs- bund geplanten Sanitätsexpedition für die Boere» freies Geleit zu gewähre». Es tvar eine beschämende Feststellung, dass es einer Gross- macht tvie Deutschland nicht gelungen ist, auf den, Weg der fricd lichen Verständigung mit einer befreundete» Grossmacht diese eigentlich selbstverständliche Konzession zu erreichen. Ich wundere mich auch über das Verhalte» der Organisation des Roten Kreuzes Dieses hat iu dem Augenblick, Ivo England nominell den Krieg für beendet erklärte, seine Ämbulanzen aus Südafrika zurückgezogen. Das ist ein Verstoss gegen die Verpflichtungen des Roten Kreuzes: dieses hat sich nicht darum zu kümmeru, wie der Wind in der Wilhelmstrahe iveht. England scheint sich zu schämen, der Welt eine» Einblick in die traurigen, skandalösen Verhältnisse der Konzentrationslager zu gestatten. Daher seine Ablehnung der deutschen Sanitätsexpedition. Abg. Werner(Antis.): Ich bedaure ebenfalls, dass eine Gross macht wie Teutschland nicht ihre» Einfluss ausüben kann, um der englischen Kriegsührnng in Südafrika ein Ende zu bereiten. Die Neutralität Deutschlands gegenüber de» Boereu ist mehr als einmal verletzt worden; ich erinnere nur an die Pferde- Ankäufe in Westprcussen, gegen die die prcussische Regierung nicht eingeschritten ist. Hoffentlich werden die Boere» ohne Hilfe andrer Völler schlicss- lich de» Sieg errii>ge». England aber möge für seine Misscthaten die gebührende Strafe erhalten. Abg. Dr. Arendt(Rp.) beantragt, die Petitionen, die doch ei» beachtenslvertcs Symptom der Volksstimmung seien, dem Reichs- kanzler als Material zn übertveisen. Die Art der Kriegführung gegen die Boere» sei beschämend für das grosse christliche England, das selbst die Hilfeleistungen der Humanität' und die Entsendung von Acrzten auf den Kriegsschauplatz zurnckivcise. Abg. Schrcnipf(k.) spricht sich für den Antrag Arendt aus. Auf der rechte» Seite dcS Hauses herrscht volle Sympathie für die Boeren. Abg. Spahn(C.) bittet dringend, es bei dem KommissionS beschluss zu belassen. Der Antrag Arendt auf Ueberweisung der Petition als Material wird hierauf gegen die Stimmen des Centrums angenommen. Eine Petition betreffend Erlass eines Verbots der Ber- an st alt u n g öffentlicher Theater-Vorstellnngeii von Vereinen wird gemäss dem Kommissionsbeschluss durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Für erledigt erklärt wird eine Petition betreffend Ein- führung einer deutschen Reichs-Orthographie. Eine Petition des Chefrcdactenrs O. Tippel in Schweidnitz, die Einrichtung einer an, tlichen Stelle für die t e I e g r a p h i sch e lieber Mittelung von amtlichen Knndgebiingeii in Erwägung zu ziehen, wird dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Eine weitere Petition, betreffend Abänderung der K o n k u r s o r d n u n g, wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt; ebenso eine Petition, betreffend Vermi»derung von Manöver- lasten. Eine Petition der Handelskammer zu Reutlingen, betreffend Einführung des Post-Checkverfahrens. beantragt die Konnnission(Referent: Abg. Ledcbour) dem Rcichskauzler zur Kenntnisnahme zu übertveisen. Abg. Dr. Hieber(natl.) beantragt. die Petition dem Reichs« kanzler zur Erwägung zu überweisen. Es hätten sich der Petition nocki weitere ivürttcmbergische Handelskammern sowie viele Gewerbetreibende in Süddeutschland angeschlossen. Abg. Dr. Bachen,(C.): Der Wunsch nach Einführung des Post- Checkverkchrs ist allgemein, der Reichstag sollte also der Pvstverlvaltnng Mut machen, die Sache wieder aufzunehmen. Das tvill auch der Beschluss der Kommission, und ich sehe keinen Grund ein, von diesen, Beschluss abzugehen. DaS Haus beschliesst gemäss den, Antrage der Kon, Mission. Eine Petition betr. den Bau eines Postdieiistgebäudes in Apolda beantragt die Koinmission, dem Reichskanzler zur Er- >v ä g u n g zu überweisen. Abg. Baudert(Soc.) befürivortet einen Antrag, die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen. Der Antrag Baudert ivird gegen die Stimmen der Frei- sinnigen und Socialdemokraten abgelehnt und der Kommissionsantrag angenommen. Eine Petition betreffend anderweitige Regelung der Oberlehr er-Gehälter i» Elsnss-Lothri n g e n beantragt die Kommifsio» dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu über- weisen. Abg. Hasse(natl.) wünscht eine Erklärung der Regierung, dass diese Erhvhnng der Gehälter nicht dadurch kompensiert Iverden würde, dass man eine Anzahl Lehranstalten einzöge. BundeSbevollmächtigter für Eljass-Lothriiigeii v. Hallry giebt die gewünschte Erklärung ab. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Eine iveitere Petition betr. Erlass eines Verbots der Her- st eilung vonPhosphorzündhölzern beantragt die Ko»,- Mission dem Reichskanzler als Material zn überweisen. Abg. Wurm(Soc.): Meine Freunde wünschen diese Petition nicht als Material, fondern zur Berücksichtigniig zu nberiveisei,; wir stellen aber bei dieser Gelegenheit keinen besonderen Antrag, da die Materie bei Gelegenheit eines Initiativantrags, den wir eingebracht haben, ausführlich behandelt werden wird. ES wäre aber sehr wünschenswert, wenn die Regierung uns etwas mehr Material an die Hand gäbe. Die letzte Verhandlung der Petition hat im März vorigen Jahres stattgefunden, und seitdem habe» sich die Verhältnisse doch verändert. Die Schweiz nnd die Niederlande haben bereits das Verbot der Verwendung weissen Phosphors ausgesprochen. Die kleine Zündholz- Industrie Thüringens würde durch' ein solches Verbot nicht ruiniert werden, wenn die Regierung nach einen, besonnenen Plan vorginge. Durch genossenschaftliche Organisation mit Staalshilfe könnte der iu Betracht kommenden Industrie wohl geholfen werden. Geinirat Dr. Sprenger: Ich kam, nur erklären, dass die Re- gierung die Sache in, Auge behalten � lprt, iveitere Mitteilungen zu machen bin ich zur Zeit nicht in der Lage. Der Antrag der Kommission, die Petition den, Reichskanzler als Material zu überweisen, wird hierauf vngeitommen. Eine Petition betr. Aufhebung des Jmpfgesetzes beantragt die Kommission, als Material zn überweisen. Abg. Thiele(Soc.): Der Impfzwang ist wisseuschaftllch nicht begründet. Auch ärztliche Autoritäten, ivie Prof. Koch, haben sich dagegen ausgesprochen. Das Jmpfgcsctz ist zu stände gekommen unter dem Einfluss der Furcht vor grossen Epidemien. Seit den, Inkrafttreten dcS Gesetzes ist die Opposition gegen den Impfzwang! niemals verstummt. In zahlreichen Fällen ist die Uebertragung von Krankheiten durch die Impfung nachgewiesen. Die Lymphe ist ein ekelhaftes Eitergist des Tieres. Es handelt sich hier nicht um den Gegensatz zwischen Wissenschaft und Laientum, sondern ein- fach um das Urteil des gesunden Menschenverstandes. Wenn die Impfung wirklich schützt— nun gut, so mag man nur die impfen, die geimpft sein wollen. Die Zlvangsi'mpfung ist ein ungeheurer Eingriff in die persönliche Freiheit, beruhend aus einem medizinischen Aberglauben. Die Regierung aber thnt nichis in dieser Angelegenheit, trotzdem der Reichstag ihr Jahr für Jahr Petitionen gegen den Impfzwang als Material überwiesen hat. Wenn alle Jmpffrennde, die im Reichstag sitzen, gezwungen würden, sich impfen zu lassen, würden sie gewiss sofort zu Jinpfgegnern werden. Wir beantrage», die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Dr. Endemaii»(natl.): Eine solche Impfung hätte nur dann Ziveck, wenn wir eine Blatternepidemie hätten ini Reichstage. Sollte eine solche einmal ausbrechen, so würde ich dafür sorge», dass wir alle uns rasch impfe» lassen. Ich bin ein Freund der ZivaugSimpsung. Bei der Gewinnung der Lyniphe werde» die grösstcn Vorsichtsmassregeln beobachtet.' dabei kann nichts passiere». Freilich giebt es auch unter den Acrzten Jmpfgegner, aber die Behauptung. dass Prof. Koch dazu gehöre, ist mir g'a n z n e n. Wozu ist die Wissenschaft denn eigentlich da, wenn in solchen Fragen der sogenannte.gesunde Menschenverstand" enlscheidcn soll? Die Arbeiten des Rcichs-Gesundhcitsamts auf diesem Gebiete sind durchaus ilberzengeud. Von einer Uebertragung von Syphilis, Tuberkulose usw. durch die Impfung kann keine Rede mehr sein; es wird heutzutage nur Kälberlymphe verwandt. Abg. Rcisthaus(Soc.): Die Impfung soll doch eine Vorbeugung gegenüber den Blattern bezwecken: man dürfte also die Jnipfnng nicht, wie Dr. Endemann cS will, erst dann vornehmen, wenn eine Epidemie bereits ausgebrochen ist. Professor Robert Koch hat vor mehreren Jahren gelegentlich einer Jmpfpetitio» hier im Reichstag erklärt, dass der Impfschutz nur zehn Jahre vorhalte. Die Herren hier im Reichstag, die beim Militär zum letztenmal geimpft sind, würden also nicht mehr geschützt sein. Die Arbeiten des ReichS-GesundheitsninteS zur Jmpfsrage sind nicht als gewissenhaft zu bezeichnen. Heutzutage werden Minder, mögen die Eltern wollen oder nicht, zwangsweise ans der Schule geholt, um geimpft zu iverden. Das widerspricht den Tendenzen des Impf« gcsetzes, worin für die Verweigerung der Jmpsinig eine verhältnismässig geringe Geldstrafe festgesetzt war, durch die man sich gewisser- uiahen von der Impfung sollte freikaufen können. Geheimtat Biism»: Im Jahre 1809 hat sich eine Kommission von Sachverständigen im Reichs-Gcsuiidheitsamt mit der Sache be- schäftigt nnd hat neue Vorschläge zur Vermeidung von Jmpfichäden gemacht. Die überwiegende Mehrzahl der Sach- v e r st ä n d i g e n ist auch heute noch der Ueberzeugung, dass der Impfzwang notwendig ist. Auch Professor Koch ist der Ansicht, dass wem, auch nach zehn Jahre» der Impfschutz erloschen ist, doch immerhin der Verlauf der Krankheit ein viel Ivciiiger schädlicher bei geimpften als bei nicht geimpften Personen ist. Die Gefahr der llebertragung von Syphilis durch Lymphe ist hentzutage ganz ausgeschlossen,' weil mir die Lymphe von Kälbern benutzt wird, die bekanntlich gegen Syphilis immun sind. Wenn durch das Unterbleiben der Jnipfnng mir der Einzelne geschädigt würde, könnte man ja darüber reden, aber es wird auch seine Umgebung gefährdet, nnd daher muh im Interesse des Gemeinwohls der Impfzwang bei- behalten werden. Abg. Thiele(Soc.): Die grosse Masse des Volke» will nichts von der Jmpfimg wissen. Herr Dr. Endemann beruft sich ans die Wissenschaft: aber auch hervorragende Vertreter der Wissenschast sind Jmpfgegner. Die Vorsicht, die jetzt geübt werden mag, ist mir de», Drangen der Jmpfgegner zuzuschreiben; erst ihre Opposition hat bewirkt, dass heute keine Menscheulymphe mehr verwendet wird. Nach weiteren kurzen Beincrknngen des Abg. Reisthaus(Soz.) und des Geheimrats Bumm wird der socialdcmokralische Antrag gegen die Stimmen der Socialdemokraten und der Abgg. Werner, Dr. Oertel und Schrempf abgelehnt und der Kommissionsantrag a n g e n o ni in e». Eine Petition betr. Schaffung eines einheitlichen deutschen Vereins- und Versammlungsrechtes wird mif Antrag des Abg. W a t t e n d o r f(C.) von der TageSordnmig abgesetzt. Eine Petition betr. Nnterstütznng der E n t s ch ä d i g u n g s« a n s p r ü ch e der aus Transvaal ausgewiesenen Rcichsa ii gehörigen beantragt die Kommission dem Reichs- kanzler zur Erwägung zu überweisen. DaS Haus beschliesst dem- gemäss. Weiter beantragt die Kommission, Petitionen betr. Einsührung der Strafe der körperlichen Züchtigung durch frühere Beschlüsse des Reichstags für erledigt zu erachten. Auch hier tritt das Hans ohne Debatte dein Kommissionsbeschluss bei. Eine Petition der Handelskammer zn Minden betr. Abänderung der Gewerbe-Ordnnng wird durch Uebergang zur Tagesordnung er» ledigt, soweit sie Äusscheidniig der Lohnzahlniigs- Bücher auS der Gewerbe- Ordiinng verlangt. Soweit die Petition Erleichterung der Führung der LohnzahlungS- Bücher verlangt, wird sie dem Reichskanzler als Material überwiesen. Als Material über- wiesen ivird auch eine Petition betreffend Ausdehnung der U» f a l I f ü r s o r a e auf die P o l i z e i b e a m t e n. Mehrere Petitionen betreffend Beseitigung von Missständen auf dem Gebiete der Wohnungsfrage werden dem Reichskanzler ebenfalls als Material überwiesen. Desgleichen eine Petition betr. die Sonntagsruhe in den Schankftätten. Zur Erwägung wird überwiesen eine Petision betr. Einführung des Nemiuhr-Geschäftsschliisics für die Apotheken. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr.(Etat der ReichS-Eisenbahnen, der Zölle und der Ziickerstener in zweiter Lesung.) Schluss 61/» Uhr. Dsvlamenkavipches Kolonialetat. Die Budgetkom Mission desReichStageS beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Kolonialetat. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden Proben einer Reu- Guinea- Cigarre im Werte von 25 Psg. herumgereicht. Die Prüfung des Tabaks wurde sofort vorgenommen. Die gleichzeitig überreichte Kamcruii- Chokolade soll den besseren Hälften der Kommisstonsmitglicder zur Begutachtung übergeben werden. Die Beratung beginnt bei der Forderung von 1550 000 Mark als erste Rate für de» Bahnba» Tanga— Muhever— Korogwe bis Mombo. Kolonialdirektor Dr. Stiibcl schilderte die günstigen A»S- sichten, die die Landschaft Usambara, die durch die Bahn erschlossen werde» solle, in wirtschaftlicher Beziehung biete. Insbesondere lasse die Kaffeekultnr gute Ergebnisse erhoffen. Plantagcnbcsitzer F. Wismahl aus Usambara berichtet über seine eigne' Kaffeeplnntnge. Nach sechsjährigem Betriebe erhalte sie sich jetzt selbst. Kolonialdirektor Dr. Stiibel: Die Kolonialverwaltung denke nicht daran, die Bahn über Mombo hinaus lveiter zu bauen. Abg. Richter(frs. Pp.) hebt hervor, dass es Herr Wismahl für unbedingt erforderlich erklärt habe, die Bahn über Mombo bis zum Kilimandscharo weiter zu bauen. Auch die amtliche Denkschrift siehe in, Widerspruch mit der heutige» Erklärung des Kolonialdirektors. Wie wenig rentabel afrikanische Bahne» seien,' beweise der„Neber- �chnß von 30 M." der bisherige» Bahnstrecke. Kolonialdirektor Dr. Stiibel: Die Betriebskosten liessei, sich heute noch nicht schätzen. Abg. Richter: Es sei ein sonderbarer Irrtum der amtlichen Bcgründniig. dass das Usambaragebirge von den Beamten zu Urlaubs- zwecken werde mifgesucht Iverden. Nach früheren amtlichen Angaben gehe die Bahn durch eine ganz ungesunde Gegend; Mombo werde direkt als Fiebernest bezeichnet. Herr Wismahl glaubt, daß die Bahn für die Plantagen keinen Zweck habe, wenn das Kolonialamt nicht beabsichtige, sie bis zum Kilimandscharo tuciter zu bauen. Kolonialdirektor Dr. Stiibel: Eine Gebirgsbahn, wie sie Herr Wismahl wünsche, sei viel zu teuer. Abg. Henning(k.) bedauert, daß so wenig Klarheit über die einschläglichen Verhältnisse zu gewinnen sei. Der Sachverständige Wisniahl habe eine ganz andre Auffassung über die Trace als die Kolonialverwaltnng. Abg. Dr. Bachem lC.): Aus welchen Mitteln sollen die Kosten gedeckt werden? Sollen die zur Zeit notleidenden Einzelstnaten mit Ausgaben belastet werden, die doch jedenfalls nicht dringend sind" Wir sind doch aus den Flitterwochen der Kolonial Politik heraus und nn'issen endlich anfangen zu rechnen. Das Privatkapital werfe sich ans alles Mögliche, vor den Kolonien aber habe es eine heillose Scheu. Die weitere Beratung ivird auf Freitag vertagt. Die Branntlvcinstener-Konimtssion des Reichstages setzte a>n Mittivochabend ihre Beratungen über die Frage der Neu Veranlagung zum Kontingent sZ Lo) fort und verhandelte zunächst über einen Ilnterantrag des Abg. Holtz sNp.) zum Antrag Dietrich, welcher bezweckt, die im Jahre 1887 am Kontingente be teiligten Kartoffelbrennereicn, sofern sie nicht bereits ander Iveit neu kontingentiert ivorden sind, ans de» ersten bereiten Beständen ans das Normalverhältnis zwischen Produktion und Kontingent, in den norddeutschen Kartoffelbrennereien 100:71, in verhältnismäßig gleicher Steigerung zu bringen. Unter- staatssekrelär p. Fischer erklärt, die Annahme des Antrages werde die ganze Köntingentiernng von Grund ans unistürzen; der Antrag sei deshalb ganz unannehmbar.— Geheimrnt Korenbcr ergänzt diese Erklärung dahin, daß der Antrag Holl? ans ganz falschen Voraussetzungen fuße und ganz unklar gefaßt sei, ivie der Regierungskommissar des nähere» nachweist.— Abg. Müller Fulda sC.) folgert ans der Thatsache der Einbringung des Antrags Haitz, daß es unbedingt notivendig sei, das' ganz Kontingent aufzuheben, iveil es ganz unhaltbare Verhältnisse schaffe Abg. Dietrich(k.) entgegnet, mit dem Kontingent nehme man der Brennstenergesetzgcbnng ihre gesamte Grundlage.— Abg. Holtz sRp.) Wenn kein überschüssiges Kontingent vorhanden sei, dann falle ja sein Antrag in nichts zusammen. Es könne sich doch aber wieder ein Ueberschuß ergebe»; er schwärme für ein„festes Verhältnis lHeitcrkcit.)— Gcheimrat Koreuber iveist darauf hin, daß der Abg Holtz gar nicht sage, welche Produktion er meine, ob die vom laufenden Jahre oder die von 1887; in beiden Fällen sei sein An trag unmöglich. Ebenso tvenig lasse sich der Begriff dcS„über schüssigen Kontingents" fassen. Auch Abg. Gnmp erklärt den Antrag seines Fraktionsgenosse» für unklar und haltlos. Schließlich zieht Abg. Holl? seinen Antrag zurück. Bekanntlich hatte unn, ittelbar vor der Vertagung des Reichstags im Mai v. I. der damals noch beschlußfähige Reichstag die Kontingents grenze für die landwirtschaftliche» Brennereien von 80 000 an 80 000 Liter herabgesetzt. Von einer entsprechenden Kontingents- Herabsetzung für die Materialbrcnnereien, wie sie die Regierungsvorlage vorgesehen hatte, wurde mit Rücksicht auf die Geschäftslage Abstand genommen. Zugleich wurde dein Charakter des Notgesctzes insofcni Rechnung getragen, als für die Brennereien, die bis zum 1. Oktober v. I. betriebsfähig her gerichtet sein würden, das bisherige Kontingentsniaximum von 80 000 Litern beibehalten wurde. Dabei wurden gewisse Kantelen getroffen, damit nicht spekulative Brenner aus dieser Bestimmung durch Einrichtung ihres Betriebes noch bis zum 1. Oktober v. I. einen Prosit in Bezug auf den niedrigeren Abgabcnsatz zögen. Nnnniehr liegt ein Antrag Dietrich(k.) vor. der diese Ein schränkung der Regierungsvorlage beseitigen null. Die aus Grund der Vorschriften in Rechnung zu stellenden Alkoholmengcn dürfen im Fall einer Neubeteiligung am Kontingent oder einer Kontiugentserhöhung von der am 1. Ok- t o b e r 1 908 beginnenden V e r t e i l n n g s p e r i o d e ab für landwirtschaftliche Brennereien 50 000 Liter nicht übersteigen. Es soll also die Kontingentsherabsetzung für die landtvirtschaftlichen Brenncreicii uneingeschränkt gelten und außerdem für die Material breuncreien ein Kontingentsmaximnni von 5000 Litern an Stelle des bisherigen von 8000 Litern eingeführt Iverden. Abg. Müllcr-Fulda(C.) erhebt Widerspruch dagegen, daß die Matcrialbrcnnereien noch weiter beschränkt werden sollen, als nach de» Beschlüssen des Reichstags in der dritten Lesung. Ueber die Frage, ob dies zulässig sei oder nicht, entspinnt sich zwischen de» Ab gg. Gamp, Pachnicke, Dietrich, Wurm, Dr. Müller- Sagau und Dr. Paasche eine längere Geschäfts- o r d» u n g s- D c b a t t e, in der sich die Vertreter der Linken dem Protest des Abg. Müllcr-Fulda dagegen anschließen, daß eine in dritter Lesung endgültig erledigte Frage nochmals in der Kommission auf gerollt und anders, als im Plenum geschehen, geregelt werde. Abg. Dietrich ändert sciuen Antrag dahin ab, daß für die Material brennereicn die Höchstgrenze von 5000 Liter auf 8000 Liter hinaus- geschoben wird.— Abg. Wallenborn(C.) spricht sich im Interesse der Winzergenossenschaften für die höhere Grenze von 8000 statt 5000 Liter aus.— Auf geschäftsorduungsmäßigen Protest der Abgg. Wurm, Pachnicke und Müller-Sagan zieht Abg. Dietrich sein mi Antrag schließlich zurück und erklärt in einem Initiativ- antrag die Sache klären zu wolle». Dementsprechend wird auch der Autrag Prinz Arenberg und Genossen, der dieselbe in dritter Lesung vom Plenum schon erledigte Frage anders regeln, nämlich in§ 2 Absatz 3 unter ck den Absatz 2 streichen will, einstimmig abgelehnt. Als die Kommission dazu übergehen will, über einen Antrag snatl.) zu verhandeln, der den Melasse- den« Jahre 1895 in Betrieb waren, von insgesamt 10 Millionen Liter gewissen Modalitäten überweisen will, erklärt der Antragsteller, ihm sei eine anonyme Druck- schrift in die Hand gekommen, die zur Verteilung an die Mitglieder der Konmnssion bestinnnt gewesen sei. In dieser Druckschrift werde ihm, Paasche, der Vorwurf gemacht, daß er seinen Antrag im Interesse von drei namentlich bezeichneten Melassebrennereien gestellt habe und dafür mit 50 000 Mark entschädigt werden solle. Gegen solche Beschuldigungen müsse er den schärfsten Protest einlegen. Er habe durch eine solche Kampfcsweise jede Lust verloren, sich noch an den Arbeiten der Kommission zu beteiligen und ziehe deshalb seinen An- trag zurück. Der Vorsitzende erklärt im Nanien der Kommission, daß sie sich dem Proteste Paaschcs anschließe. Abg. Dr. Müller-Sagan ffrs. Vp.) findet eS sachlich verkehrt, daß ein Abgeordneter sich durch persönliche Jnpektiven ver- hindern lasse, eine Auffassung zu vertreten, die er für gerechtfertigt erachte. Herr Dr. Pansche dürfe nicht einen Antrag fallen lassen, von dessen Richtigkeit er selbst überzeugt sei. Darauf erklärt Abg. Paasche, den Antrag wieder auf- N c h n> c n zu wolle». Die Konnnission vertagt sich auf Donnerstagabend. des Abg. Dr. Paasche brennereicn, die vor ein festes Kontingent reinen Alkohols niiter die Ragniter Genossen vergeblich dafür, eine Versammlung abhalten zu können. Alle Versammlungen werden verboten. Änfänglich berief sich die Polizeiverwaltung ans„baupolizeiliche Gründe Trotz aller Anfragen, Eingaben und Beschwerden war monatelang nicht zu erfahren,' was aii dem Lokale auszusetzen. Erst nach einer äußerst geharnischten Beschwerde wurden im Juni d. I. die gering- fügigen Aeuderungen genannt, die vorgenommen werden sollten. Nachdem den Wünschen der Polizei entsprochen war. verging aber dann lange Zeit, bis die baupolizeiliche Abnahme des Lokals vorgenommen wurde. Auch das wurde erst nach energischem Drängen erreicht. Wieder wurden Versammlungen an gemeldet und verboten und zwar in ungefähr zwei Monaten gegen 10 Versammlungen. Auf die Anmeldung einer Versammlung für den 16. Februar lief der Bescheid ein, daß ein Verbot erfolgen müsse, weil die Beleuchtung den polizeilichen Anforderungen nicht entspreche. Da die Versammlung am frühen Nachmittag stattfinden sollte, wo die Sonne noch scheint, konnte angenommen iverden, daß der Ragniter Polizei für socialdemokratische Versammlungen diese Beleuchtung nicht genügt. Um die Wünsche der Polizeiverwaltung in Bezug auf etwaige Reparaturen an der Sonne kennen zu lernen, wurde zum Soimiagnachmittag, den 23. Februar, abermals eine Versammlung angemeldet. I» einem Begleitschreiben wurde ausdrücklich betont, daß keine künstliche Beleuchtung geplant sei, da die Versammlung am hellen Tage stattfinden werde. Unter diesen Umständen dürfe die Beleuchtnngsfrage tvohl ausscheiden. Weit gefehlt! Wieder erfolgte ei» Verbot,„da das Lokal den An- forderungen, welche an ein öffentliches Versammlungslokal zu stellen sind, noch immer nicht genügt. Die Belenchtung durch die frei in die Luft ragenden Kerzen bildet eine Feucrsgefahr, deren Beseitigung unbedingt gefordert werden nmß." Ans den Hinweis, daß der Versaminlnngsrauin durch die Sonne erleuchtet werde, hatte die fürsorgliche Polizei kein Gewicht gelegt. Die unheimlich in die Luft ragenden Kerzen erscheinen ihr auch dann gefährlich, wenn sie nicht angezündet werden. Was nun thu»? Ans eine Aendenmg im Beschiverdeivcge hoffen die Ragniter Arbeiter nicht mehr. Sie iverden einem Ansinnen des Bürgermeisters zufolge die Lichte mit Glas umgeben, damit sie keine Feuersgefahr bilde» oder gleichzeitig verlöschen, denn auch das letztere fürchtet das Ragniter Stadtoberhaupt. Dann werden sie abwarte», ob es noch möglich ist, weitere Gründe ausfindig zu niache», um sie um das Versammlungsrecht zu bringen. Sie werden jetzt mit dem Anmelden von Versammlungen fortfahren, bis— ja wie lange es dauert, bis die erste Versammlung stattfindet, das läßt sich nicht erraten. Der Gencralrat der belgischen socialistischen Partei be- schloß, die Agitation für das Franenstinnnrccht einzustellen. Die endgültige Enischeidung hat allerdings der Parteikongreß. der z» Ostern stattfindet. Siehe hierzu den Artikel in gestriger Nummer: „Vor der Entscheidung". Pvliieiltches, Gerichtliches usw. — Die Verurteilung dcS Redactcnrö LciinpcterS von der Deutschen Bergarbeiter-Zeitung" zu zwei Monaten Gefängnis, die wir schon berichteten, ist darauf zurückzuführen, daß vor Gericht seine 'ämtlichen Entlastungszeugen aussagten, die Behauptungen des Artikels seien unwahr. Die„Bcrgarbeiter-Zeitimg" hatte den Bericht, nach dessen Angaben sie den Artikel über die Zustände auf der Grube„Grünberg" der Zeche„Monopol" in Camen vcröffent- lichte, von Arbeitern bekommen. Als der Redacteur nach Erhebung der Anklage sich um Zeugen bemühte. fanden sich eine große Zahl von Arbeitern, die ihm die Richtigkeit der Angaben des kritischen Artikels bestätigten. Er ließ darauf diese Arbeiter als Zeugen laden und vor Gericht erklärten dann die 25 erschienenen Zeugen ohne Ausnahme, daß alles a u f d e r G r u b e in b/, Uhr. Berliner. Ueber nnsre Kraft. (1. Teil.) Anfang 7'/, Uhr. Lessing. Ueber den Wassern. An- fang?'/, Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger.— Vorher: Die Bergangenhelt. An- fang 7Vz Uhr. Renes. Der Hüttenbesitzer. An- fang 7-/2 Uhr. Weste». Der Bettelstudent. Anfang 7V, Uhr. Secessiousbühne. Detlev Lilien- crons BunteS Brettl. Anfang 8 Uhr. E. v. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissiiims. Zwischenspiele. Anf. 8-/, Uhr. Sriano». Coralie u. Co. Anfang 8 Uhr. Central. DaS süße Mädel. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7-/, Uhr. Luisen. Der Hüttenbesitzer. Anfang 7-/2 Uhr. Carl Weist. Das Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. «riedrich-Wilheln, städtisches. Der Landstreicher. Anf. 7>/, Uhr. Belle-Zlltiance. Die Dame ans Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7-/2 Uhr. Orpheus. Spccialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Ansang 8 Uhr. jvletropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr »lpollo. Ton Juan in der Hölle. Spedaliläte»- Bvrsteltimg. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäleii- Bor- ftettung. Ansang 3 Uhr. Palast. Soeciamnlen-Borslellnug. Die süßen Mädel. Ans. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialtlälen- Boiflettuug. Anfang nachintttags b Uhr. Passage- Panoptitnn«. Spectalt- iklemBorstetliing. Reichshallen. Slettiner Säuger. Anfang 8 Uhr. Iliaiii», Tanbeujtr. 48,48.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Rwiera. Anoalidenstrast« S7/VÄ. Täglich: Sternwarte._ WMTlMter. Heute Freitag, abends 7-/2 Uhr: Das MUe Mädel. Operette in'S Akten von H. Reinbardt. Morgen und folgende Tage: TaS süsse Mädel.— Sonnabend, l.März, uachuüttags 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schnee- wttlchen bei den sieben Zwergen. - Sonntag, 2. März, nachm. 3 Uhr, halbe Prelle: Tie Pupp«._ Trianon-Thealer. Georgenslrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Frledrlchstr. Zum 97. Male: Cornlie<&€o. Anfang 8 Ulir. Parkett 2 M. SWtt-TIjtllttl' (Wallncr-Thcnier). Freitagabend 8 Uhr: litfnls Harlehin. Ein Maskenspiel in vier Auszügen von Rudolf Lothar. Sonnabe.»dabend 8 Uhr: Kttnls Harlekin. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Einaame Hcnschen. Sonntagabend 8 Uhr: _ Jugend. Thalia- Theater. Dresdenerstraste 78/73. Seine Kleine. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Warm a. G., Guido Thielscher, Gerda Walde,„liab�n 81« nicht den kleinen Cohn gesehen?" Helmerding, Paulmüller. Bojo, Wannovitts. Ansang 7 r/z Uhr. Sonntag, 2. März, nachm. 3 Uhr, kleine Preise: JJexaadra, Drama in 4 Akten von R. Boß. Cil Weiss-Theater. Grosse Frankfnrtrrstr. 13S. Ansang 8 Uhr. Das Jnngfernftift. Operette in 4 Akten von Ernest Guinot. Musik von Jean Gilbert. Morgen und folgende Tage: Das Jnngfernftift.— Somiabendnach- mittag:.Hans Huctebet». Sonntag- nachmittag: Das Schlost am Meer. Sonntagabend: Preciosa. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den binden 44. Freitag, 28. Februar, abds.SVz Uhr: Gastspiel von Kman. Kelcher. „Die Frau des andern", Komödie in 1 Akt v. Latrko. pGreschichten vom toten Rabbi", improvisierte Soloscene von Emanuel Reicher. Serenissimus-Zwischenspiele Bauernkumedi. Absehiedssouper. Urania. Tauben-Strasse 48 49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingslage an der Riviera Inrnlldenstr. 57/(1%. Sternwarte. Castans Panopticn x Frledricli-Strasse 165. Ken! Der Boerenkrieg! j Vorst. 11-1 vorm.u. 4-10 nachm. Neu! Guteubcrg und die] Buchdruckkunst. Konzert und j Vorträge. Entree 50 Pf., Kinder j u. Militär ohne Charge 25 Pf. J Vorany.eigc! Am 1. März] ItoercntVst. Anfang 8 Uhr j abends. Billets a 1 M. im Vor- 1 verkauf und a. d. Hauptkasse.{ B» Palast-Thealer (früher �cen-Palast) Vnrgstr. 2«. Direktion: Winkler n. FrBbel. Freitag, den 28. Februar: Robert Hill- Benefiz. MtF" Fest-Lorstellung.-ig»J Um 9 Uhr: Zum erstenmal: Die Veilcheitfee. Berliner Bollsstück mit Gesang in 2 Akten. Dazu zum letztenmal das große j brillante revru»r-?rogrAmw! Nach der Vorstellung: Benefiz- Frei- Dniiz. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Bitlet-Lorvcrkans v. 11—1 Uhr. Belle-AHtance-TMei'. Die Dime ans Trouville. Emit Sondermauna. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marton. .«S** Lebensbild in Hierans: i aw Adele Hartwig u. Leopold Thnriiera.G. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Von Stufe zu Stufe. E. von Wolzogens Bunteis Theater(Ueberbrettl) Klipnlckertitr. OS. Heute abend 8 Uhr u. a.:„Atelierspuk",„Nora-Parodie",„Zufall" von Fulda,„Strohwitwer u. Strohwitwe". Bozena Bradsky, Kompositionen und Begleitung Oskar Strauss. Marcel Salzer. Metropol-Ilieater Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: 'no Burleske Ausslattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Frauchens Geburtstagstisch. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. DM- Sonnabend, den 1. März; Vierter und letzter Metropol-Theater-Ball. Sanssouci Kottbnacrtitr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: H o ff in a■■■■" Norddeutsche Tiiuger EiueTheaterprobe. Nad) jeder Soiree: Tanzkriinzchen. Entree wie gewöhnlich, Tanz srel. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Am 1. März vollständig neues erst- klassiges Specialitäten- Programm! Dazu„Lustige Brüder" mit Blchter,„Chrlvs" mit Berg. Anfang Wochent 8 Uhr, Svnnt.U/z Uhr. Passage-Theater. DS Ganz Berlin spricht von der 7 jährigen Lola Gray in dem Mimodrama Der Bajazzo und sein Kind. Lanzetta C Tlso 9 Amon 16 erstklassige Nummern! Täglich unsverkauft! In Vorbereitung: Oer kleine Cohn ist da!! Burleske in einem Akt von Robert Breitenbach. W. Noacks Theater. Brunuenstraße>« Verlorene Ehre. Schauspiel in drei Aufzügen von Bohrmami- Riegen. Sonnabend: Kicliio Vorstellang. Apollo-Theater. Rixdorf, Hermannstr. 49. Jeden Sonntag und Montag Große Theater-VoMuug. Grosser Saal und Garten z» Bereiiisfestlichkeiteu zu vergebe». 3Z7IL* l*h. Thomas. Freitag, 28. Februar, abends 7»/, Uhr: Klomlike, Original- Patttominre des Cirklis Busch und die grofzartigen Specialitäten._ Reichs hallen. Täglich; Stctliner Säuger Anfang Wochcnt. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Apollo-IMer. Anfang 8 Uhr: I Das phänomenale Specialitäten-Prosr. SCirkns chnmann. Heute Freitag, den£8. Februar, abends präctse V'/z Uhr: Cr. Gala-Yorwtellimg. U. a. Nett! Push-Ball Neu! 4 a Amerikan. Sports-Spiel j/ ausgeführt von Amcrlkaiierinnen 12 l-'ccnyfcrc lunilncuse! in Feuer und Flamme», ans- geführt von Frl. Bora Schumann. hannoverscher Falben- Ä'UUU. Hengst, in der hohen Schule in ganz neuer Gangart dressiert und geritten vom Direktor �Ih. Schumann. Möns. Soimann in. seinem Sports-Akt. Adalbert und Albert, 2 ostpr. Hengste in Freiheit vorgeführt von Mad. Renz. Die Sfache Sprlngfahrtchule mit den irischen Votlblnt- Pferden BaSra, empertale, Byfchet, geritten von Herrn ruft Renz. Direttor Aid. Schumann mit feinen unerreicht dastehenden Original-Drcssurcii. Zum Schluß: zm- Mephisto"W ca. BOO Mitwirkende. 2 MusilcorpS Große AusstattungS-Pantomime vom Hofballettmeister A. 81» im«. Morgen Sonnabend, den 1. März: XXl. Grande Soiree High-Life. Reue Debüts._ An der Spandaner Brücke 3. jfi GrQsit.VorgnUgungstokal Berlins Internationale Konzerte u Specialitäten-Vorstellung Tägl. Anstich des„Urbock' Bockbier-Jubel u.Trubel Ausechank; Berliner Bock-Brauerei. Bürgert. Diner, 5 Gänge. Tägl. Butlnce von 12—2 Uhr. 3I50L* Hjüüg lind MEE ••'T Mra-HatiatÜ auf die Restbestände meines morgen schliessenden Inveatiiverkauts zuÄusnahme-Prelsen! Teppich- Haus Emil Lefevre «�•»"Oranienslr.lSB. im Exerzierbans (am Prenzlauer Thor) Lothriiigeostrasse 1—7. Täglich li große Borstellungen. 1,, 0 und«c/z Uhr. Dressur mit Löwen. Tigern, Wölfen». Hyänen, sowie Löwctt-Rit»gkat«,pf nild Fütterung NM 4 n. K'/z Uhr. Eutree: I. Platz 1 M.. II. Pt. öO Ps., III. Pl. 2» Pf.,.üinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen auf 1. u. 2. Pt. die Halste, dem 3. Pl. 15 Pf. Die Direktion: Pros,«. Zur Evissuernttg an meine Freunde und Bekannten, daß ich Nene Promenade 4. am Bahnhof Börse einen BOtzow-Auisschaiik eröffnet habe und bitte um gütigen Zuspruch. 822b Panl Rietz. Kn gros En detail Rohtabak 33968* Mar ntffi Berlin IVO. WIÜA UHU, Nene»önigftr. 6. Wildfleisch 25, 40, 50. Reh- nnd Bennticr. Gänse 50 Pf„ Puten 65 Pf. Enten, Hühner von 1,25, Tauben. DM- Kaninchen."Tpg A. Rltxchl, Dregdanerttr. 81. Cirkus Renz-Konzert-Tunnel Karlxtraaae. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. SpscIatltätSB. J.M.Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung Jährlich nur einmalige günstige Kaufgelegenheit für Teppiche. Oardincn, I'oi'tle«-en, Tiisch- und Divnn- Ucckcn, MUbcI- Stolfo, Steppdecken etc. \ Komme mit Muster zum Mass- I nehmen Ins»ans. Bitte Postkarte Bon 38 Mk. an ' liefere ich Anzug nach' /Mab, ff. Aachener reinw. � ' Stoffe, engl. Sergefntter,' feinste Zuthaten, 2 Anprob., garant. tadellos. � Sitz, feinst.Handnäharb. 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Die Arbeitskosen-Nntcrftntiniig. 5. Berboiidsangelcgenheitcn. SW' Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und mUittlich zu erscheinen. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. SO/* Die Orts Verwaltung. Heut«. Freii-Mdend 8'/, Uhr, im GewerkschaflShcmS, Engel-User Nr. IS: N�hkung:'MG WP- Arb.kttttg! Stift- nni) CfUnloiöflrlifiter. Tom, abend, de» 1. März, abends 9 Uhr. im Lokal„Köuigsbank«. Brahe Franlfurlerstrabe 117: Kr. Uiever Maskenball. 13 Uhr Dcmaskiernng. Grosse Neberraschung. Alle Freunde und Gönner des Verbandes sind ergebenst eingeladen. _ Das"Komitee. Verimd der Dan-, Crd- und geVerdjjchen Dilfsarbetter Dentschlands. Zjaklstelle Rcrllu III. 9Tm Sonnta!,. de» 2. März, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Zimmerma»», Badstrassc 38: »yGWBammluniß Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen ,1.1, vi» Kttrstei, über-„Das Kranken- ,md Nufalloerflcheruiigs- Gesetz und deren Bedeutung flir die Arbeiter". 2. Diskussion, Verbaudssachc und Verschiedenes. 32/3 SfSF* Da der Vortrag für»»fern Beruf ein sehr wichtiger ist, ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen. __ Die Ortsvcrwaltnna;. Vereiii der Arbeiter o. Arbeiterinnen der Bttck bcr M-AlWger Berlius und Umgegend. Soiilltag, den S. März, vormittags 10>/s Uhr, im Gewcrk- schaftshansc, Cngel-Ufcr 13, Saal I: Wevsettttßnluns."WU Tages-Ordnung: 1. Neuwahl des 1. Schristsiihrcrs. 2. Verc i nsa ng eleg enh eiten. 3. Verschiedenes. 38/6 Mitgliedskarte legitimiert.— Beiträge werden nur zwischen 3 bis 11 Uhr augenomiuen. Diejenigen Mitglieder, welche noch nicht im Besitz der Mitgliedskarte von 1302 sind, werden aufgefordert, dieselbe in dieser Versainiulung ab» zuhebeu, anderenfalls dieselben nuter alten Uuistiinde» ihrer Mitgliedschaft verlustig gehen.— Die alte Mitgliedskarte, sowie die Arbeitsbcrechtigiings- Karte sind zur SchluWenipelung vorzulegen.— Gleichzeitig werden die Kollegen ersticht, die Billets vom Stiftungsfest abzilrcchuen. Oer Vorstami. Morgen, Soniiabend, de» I. März>908. i» de» Räume» der „Brauerei Friedrichshain": Wllliilgs-W in VöfW der Steinsetzer, Pflasterer ond Berufsgen. Deutschlands. Filialen: Berlin I u. 11, Ciiariottenburg, Rixdorf, Seliöneberg, Köpenick. Tonntag, den 8. März er., vormittags 9Vi Uhr, bei lVümann, Brii»neustras,e Nr. 188: MW" Kombinierte Versammlnng."WW Tages-Ordnung: 1. Generalbericht vom ftinften Vcrbandstag. 2. Neu- bczw. ErgSnzimgs- Wahl des Hauptvorftandes, der Agitations-nnd der Preblommifsion. 3. Gc- werkschaftliches.— Vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. 171/1 Der Centralvorftaiid. I. A.: A. Kn o ll. Zur Auffiihrilng gelangt: W W M/ Die vier Jahreszeiten. W W G Schluß-Tableau: Der Kolkerfrühling. Für Lustbarkeiten und Unterhaltung jeder Art wird bestens Sorge getragen. Ter Saal ist festlich dekoriert.— LV Ansang 9 Uhr."WG Billets a SV Pf. sind bei Stanowsky, Höchstestraßc 48; Eue, Köliigsbergerstrahe 24; Leopold, Kopenhagenerstrabe 78; und H c r g t, Landwehrstr. 1 zu haben. 2SI/2 Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Das Komitee. Sonntag, den 3. März, pünktlicli 5 Uhr AV. JStif'iiingrs• Fest in Kellers großen Festfnlen, Koppenstr. Ä9. Konzert. Festrede(Waldeck Manaffe), Theater-Aufführunge» von Kindern der Gemeinde(„Der Märchenbruimen" von Berthold Schröder) und von Erwachsenen(„Sturmglocken" von Georg Engels), Oesangs- vortrttge des gemischten Chors und Dams. Billets mit aussührlichem Programm für Mitglieder 2S Pf. und ei»- geführte Gäste SO Pf. sind an den bekannten Zahlstellen und am Sonntag- vormittag in der städtischen Aula, Kleine Franlfurterstr. 6, zu haben.[62/1 Freireligiöse tomibe Berlin. Sonnabend, den 8. März �902 Kr. Wiener Maskenball in bei: Uestfälen des K8.Ä.r, Schweizer Gartens. Billets sind bei folgenden Koniltee-Bltglicdcrn zu haben: O. Jänicke, Rixdorf, Reuterftr. 24, H. 4 Tr., G. Böhne, Bmnnenstr. 141, H.2Tr., E. Ehriestcus, Mühleiistr. 49, v. 3Tr., B. Schröder, Pasiauer- strahe 3 im Laden, P. Kuhirte, Jmmanuelktrchstr. 38, Quergeb. 4 Tr., P. Halbauer, Krautstr. 30, Qucrgeb. 3 Tr.. H. Kollow, Hochmeisterstr. S, Oucrgeb. 4 Tr., Frau Kohlhardt, Alexaudrineustr. 21, v. 4Tr., Kownlsztk, Swinemünderstr. 84. v. 4 Tr., und in unfren Verkaufsstellen: W. Börner, Ritterstr. 15, H. Bobficn, Komma»danteiistr.02, Chr. Schalls, Blniuenstr. 14, F. Wolf. Pintschftr. 3, H. Bogel, Demmiiierstr. 32, H. Zieh»«, Bernnncrstr. 48, W. 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FlektrleltUts- tZesellsebaft. lUlnablt, sowie von der FiriNa I.ndn lg Ittisve, MaschiilOtHmi. Uckert, Fabrik landwirtschaftlicher Sliaschinc», Friedrichsberg, und Siehrepp, Berliner ModeUfabrik. Kastaiiiens Allee. Saehrnan»,(Sifeugiesserei, verlängerte Huttenstraße, sind samt- liebe Modelltischler ansgesperrt. Den Modelltischlereie» KnrahelU, Oranienstr. 25, IHetrleb, Chansseestraße 52, und tSarbe, Wasserthorstraße 30, sind Aufträge aus der „Union" zugegangen. 79.9 Zuzug ferlthalten! SlW«IA «Q Verantwortlicher Redakteur- Carl Leid in Berlin Für den Jnseratentell verantwortlich: Th. Glocke tn Verttn. Druck und Verlag vo» Max Badlng in Bertm m,»»...» 2, llfilait I« Jonirls" Bftlinet Jdlistilitl Bu den GcuteindvNlkNhlen. I» Wilmersdorf beschäftigte sich gestern eine außerordentlich gut besuchte Volksversaunnluiig mit den bevorstehenden Gemeinde- wählen. Nachdem Neichstags-Abgeordncter Zubeil in einem anschaulichen Vortrage auf die Bedeutung der Wahle» für die Arbeiterklasse hingewiesen hatte, befaßte sich die Versammlung mit der Aufstellung der Kandidaten. Als Nichteingesesseue ivurden aufgestellt die Parteigenossen Gast- Wirt Hilpert in Halensee und Rcdacteur Schröder. Als Hausbesitzer kommen in der dritten Abteilung drei Gemeinde- Vertreter in Betracht; Ivie an vielen Bororten, so lvar es ouch� in Wilmersdorf nicht möglich, alle drei Mandate mit„Ein- gesessenen" zu besetzen. Es wurde in der Person unseres Partei- genossen Meyer in Haleusee ein Kandidat aufgestellt. Die Stimmung am Orte ist die beste; hoffentlich gelingt es der Social- deinokratie, ihren Kandidaten im ersten Ansturm zum Siege zu ver« helfen. Freilich i st dazu in nächster Zeit eine rege Agitation von nöten. Der§ 51 der Landgemeinde- Ordnung läßt es nicht zu, daß. wie ursprünglich beabsichtigt war, die Wahlen in einzelnen Wahl- bezirke» vollzogen werden. Solches wäre nur möglich, wenn für jeden Bezirk die Zahl der darin zu wählenden Personen besonders festgefegt worden Iväre, und dies erschien in Wilmersdorf nicht thunlich. Der Amtsvorsteher hat daher seine ursprüngliche Bekanntmachung abgeändert und bestimmt, daß die Wahlen nur in eine ni Lokal, und zwar im„ V i c t o r i a g a r t e n", Wilhelmsane, vor sich gehen. Die dritte Abteilung wählt nunmehr an zwei Tagen, und zwar am Montag, den 10.. und DienStag, 11. März; die ziveite Abteilung wählt am 12., die erste am 13. März. Die Wahlhandlung ist festgesetzt auf die Stunden von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und von i Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends. NowaweS. Ueberrafchend schnell hat sich die hiesige Gemeinde- Vertretung entschlossen, die bevorstehenden K o m m u» a l lv a h l e» auf den 4. März festzusetzen. Die strenge Geheimhaltung des Termins vor der öffentlichen Publikation läßt die Vermutung gerechtfertigt erscheinen, daß eine Ueberrumpelnng der hier zum erstenmal a» der Wahl teilnehmenden Arbeiterschaft geplant war. Die sich als Hahn im Korbe fühlenden Vertreter von Besitz haben bisher jeder Verbesserung, die im Interesse der arbeitenden Bevölkerung lag, auf das schärfste widerstrebt und dadurch gezeigt, daß sie nicht im stände sind, die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten. Durch Aufstellung unsres Kandidaten D u m m e r n i x, der für sämtliche von der organisierten Arbeiterschaft programmatisch erhobenen Forderungen eintreten Ivird, suchen ivir diesem Uebelstande abzuhelfen. Die Pflicht der Selbsterhnltnng treibt deshalb jeden sich als Arbeiter bethätigende» Eintvohner. nur u n s r e n Kandidaten zu wählen, damit wenigstens eine warnende Stimnte ertönt, ivenn wieder einmal Summen, wie die zur Er- richtung eines Völkerschlacht-Dcnkmals, bewilligt werden sollen. Deshalb auf zur Wahl I Jeder thue am 4. März seine Pflicht. Eine W ä h l e r v e r s a m in l u n g findet Montagabend im Nestanrant des Herrn Blau statt. Unsrerseits sind die Genossen Buchdrucker Otto Hoffmann, Maurer W. Wagner und Rcstanrateur Otto H i e m k e aufgestellt. Es handelt sich um eine Ersatzwahl und zwei Neuwahlen. Bei den letzteren gilt es, Sitze zu erobern, die bisher von freisinniger Seite besetzt waren. AdlcrShof. Die Gemeiuderatswahlcn hierorts finden am Montag, den 3. März d. I., nachniittags von 4—7 Uhr, im Gcmeinde-Bureau statt. Als Kandidat der 3. Abteilung ist von uns wieder Stuccäteur Ernst Laube aufgestellt. Rege Agitation für die Wahl und geschlossene Wahlbeteiligung ist Pflicht der Partei- genossen.— Gleichzeitig sei darauf anfnierksani gemacht, daß am kommenden Sonntag die Wählaufforderungen ans- getragen werden; Genossen, die helfen wollen, müssen sich bis Sonnabendabend bei Lölventhal, Hackenbergstr. 3, melden.— Neu-Weissensee. Die Vorarbeiten unsrer Genossen zu den Gemein deoertreter-Wahlen der 2. und 3. Klasse sind als abgeschlossen zu betrachten. In der dritten Klasse, der rund 4800 eingeschriebenen Wähler angehöre», scheint von»nsren Gegnern überhaupt auf die Aufstellung von Kandidaten verzichtet zu werden; die Erfahrungen bei früheren Wahlen lassen ihnen die Trauben zu sauer erscheinen. Die einzige Hoffnung unsrer Gegner, die darin de- stand, daß die Arbeiterschaft durch den Umstand, daß diesmal in der dritten Klaffe drei Hausbesitzer geivählt wenden, von der Wahl werde Abstand nehmen müssen, hat sich durchaus nicht erfüllt; von den liebenswürdigen Angeboten der Gegner, einige ihrer Hausbesitzer als Kandidaten mit auf die Lifte zu nehme», konnte kein Gebrauch gemacht werden. Dieser Vorschlag wäre aber ganz sicher auch abgelehnt worden, Ivenn wir keine Kandidaten gehabt hätten. Der nustchern Kantonisten, die heute schon die große Masse der Einwohnerschaft durch ihre tief- gründige„Weisheit", mit der sie über wichtige Fragen des Gemein- Wohls—„abstimmen", schier in Erstannen setze», sind schon allzu- viele, und man könnte es beinahe als Beleidigung auffassen,.daß man meint, die Arbeiterschaft gicbt sich dazu her, daß auf ihren Krücken ihre ärgsten Feinde ins„Dorf'parlamcnt einziehen können.— Die Arbeiterschaft aber darf sich durch die Thatsache, daß die Gegner bis jetzt keine Kandidaten aufgestellt haben und jedenfalls auch keine ausstellen werde», keinen Augenblick wankend machen lassen in der Agitation für u n s r e Kandidaten und damit für die Forderungen, welche in unserin Programm festgelegt sind und den einzelnen noch zugestellt werden. Es genügt durchaus nicht, daß unsre Kandidaten gewählt Werden, es muß dies vielmehr mit großer Stimmen- zahl erfolgen, damit ersichtlich werde, daß die übergroße Mehr- heit der Bevölkerung auf dem Boden unsres Programms steht und von der Gemeindevertretung dessen Durchführung fordert. Daß die Arbeiterschaft sich auch au den Wahlen zur zweiten Klasse beteiligen will, hat bei unfern Gegnern ziemliche Verwirrung hervorgerufen, war doch die erste und zweite Wählerklasse von ihnen ausschließlich als die Domäne der„besseren" Bevölkerungsschichtcn angesehen worden. Die hohe Wahrscheinlichkeit, daß bei der fast unvermeidlichen Stichwahl unsre Anhänger den Ausschlag geben könnten, wenn nicht gar„Schlinnneres" geschieht, läßt die tonangebenden Kreise in gegnerischen Reihen nicht schlafen. Unsren Parteigenossen, die in ziemlich großer Anzahl auch in der zweiten Klaffe ihr Wahlrecht ausüben können, erwächst die Pflicht. alles zu thun, um auch dort Erfolge zu erringen, damit endlich die reaktionäre Mehrheit aus der Vertretung der Gemeinde ver- schwindet. Friedrichsfelde. Bei den bevorstehenden Gemeinde- wählen sind in der ersten und dritten Abteilung je zwei, in der zweiten drei Nichteingesessene zu wählen. Die Gemeindevertretung zählt 18 Vertreter, 5 Schöffen und den Vorsteher, ins- gesamt 24 Mitglieder. Nach§ 52 der Landgemeinde-Ordnung können also 8 Nichtan'gesessene, und zwar in der 1. und 3. Klasse je 3 und in der 2. Klasse 2 gewählt werden. Der Gemeindevorstehcr rechnet sich, weil erNichtangcsessener, nicht mit und Wärendann nur 7 Nichtangesessene wählbar entgegen.dem klaren Wortlaut der Landgenieinde-Ordmmg. Die Parteigenossen haben als Kandidaten aufgestellt den Schuh- machet Otto P i n s e l e r, den Hntarbeiter Karl Gronwald, den Lederarbeiter Adolf Kehr und den Fabrikanten Robert Burisch. In fleißiger Agitation wird dafür gesorgt werden, daß die Arbeiter- schnst Mann für Mann ihr Wahlrecht zu Gunsten der Socialdemo- kratie ausübt. Die Gegner haben in ihrer Ratlosigkeit noch keine Kandidaten aufgestellt. Namentlich verschnupft es sie. daß wir in der dritten Klaffe gleich vier Mandate besetzen können. Die Karls- Hörster und die Friedrichsfelder Bürgerlichen, sonst die bittersten Feinde, wollen jetzt zur gemeinsamen Abwehr der socialdemokrati- schen Gefahr ein Kompromiß schließen. Viel Glück dazu! Pankow. Zu den bevorstehenden Gemeindewahlen lagen der Gemeindevertretung von unsrer Seite mehrere Anträge vor, in welchen verlangt wurde, die Wahl des Sonntags stattfinden zu lassen und in, Fall der Ablehnung die Wahlzeit auf die Stunden von 11 Uhr vornültags bis 3 Uhr abends festzusetzen; ferner wünschen wir, daß die Ersatz- und Ergänzungswahlen an einem Tage und in zwei getrennten Wahllokalen vorgenommen werden. Letztere? wurde abgelehnt mit dem Bemerken, daß die Wählerlisten nochmals abgeschrieben werden müßten, was ungefähr 14 Tage in Anspruch nehmen und 50 Mark Kosten verursachen würde. Es wurde be- schloffen, am 12. und 13. März die Wahlen der dritten Abteilung vorzunehmen; d i e W a h l z e i t wurde unfern Wünschen gemäß auf die Stunden von 11 bis 8 Uhr festgesetzt. Erst begebt man das Unrecht, Mandate Jahr und Tag offen zu lassen, und dann mutet man 3000 Wählern zu,, zwei Tage, und wenn Stichivahlcn eintreten, vier Tage in einer Woche vor' dem Wahltisch zu erscheinen. Die Arbeiter werden sich trotz alledem nicht abhalten lassen, die vier Mandate der dritten Abteilung zu erobern._ Ans Indnstvrv und Handel. Das für die Berliner Handelskammer-Wahlen bestehende vorbereitende Wahlkomitee der vereinigten hiesigen kaufmäunischcu und industriellen Verbände hat in' seiner am Dienstag, den 25. d. M., stattgehabten Sitzung beschlossen, von den 30 in Betracht konnuenden Sitzen der Berliner Handelskammer 12 der Börse und zwar 9 der Fonds- und 3 der Produktenbörse einzuräumen. Ferner ist der Beschluß gefaßt, in Bezug auf 16 Branchen, deren unbedingte Vertretung in der Handelskammer als erforderlich erachtet wurde, die beteiligten Interessentenkreise zur unverzüglichen Nominierung geeigneter Kandidaten aufzufordern. Hierüber, sowie über die weiteren »och verfügbaren 8 Sitze wird in einer erneuten dieser Tage statt- findenden Sitzung des vereinigten Wahlkomitees Beschluß gefaßt werden.— Der Verein Berliner Getreide- und Produktenhändler hält am Sonnabend, den 1. März, eine Versammlung ab, in der die Kandidaten für die Handelskammer nominiert werden. Die Deutsche Bank. Im Gegensatz zu den bisher bekannt- gegebenen Jahresberichten der Großbanken, die allgemein einen er- bcblichen Rückgang ihres Geschäftsumfauges konstatierten, giebt die Deutsche Bank in ihrer Bilanz einen nicht unbedeutenden Zuwachs ihrer Geschäftsverbindungen an. Das Ergebnis kaim nicht über- raschen, hat es doch die Direktion verstanden, bei den vielfachen Zusammenbrüchen der Konkurrenz weiter ihr Filialsysten, aus- zubauen und sich au Orten festgesetzt, wo sie bisher nnuertreleu war. Ganz zu schweigen von den Sanierungsplänen der verkrachten Gesellschaften, bei denen die Bank iveniger als der leidende Teil, vielmehr als der empfangende auftrat. Es bestätigt sich damit wieder, ivie auch in unsren, Banksystem das Großkapital die Konkurrenz überflügelt und nicht unbedeutend hat die neue BLrscngesetzgebuiig diesen, Vorschub geleistet. Die Bank verteilt auch in diesem Jahre 11 Proz. Dividende und. hat sich damit auf der Hohe des Vorjahres gehalten. Die Gesamtumsätze beliefen sich auf 51815 Millionen Mark fgegen 49 773 Millionen im Jahre 1900); es betrugen an, 31. De- zember 1901 die Hauptposte» des Abschlusses einschließlich der Filialen: Aktiva. 1901 1900 Mark Mark Knffe, Sorten und Coupons..... 79664328 63880722 Wechsel............. 344 731 287 299 686 901 Guthabe» bei Banken und Bankiers... 14 139 075 14 704 353 Report und Darlehen � 81 343 994 54 232 479 Lombard-Vorschüsse......... 17 032 807 15 215 534 Effekten............. 36 681 710 38 434 990 Konsortial-Beteilig, ingen....... 35 505 516 35 056 687 Kommauditen und dauernde Beteiligungen bei fremden Unternehmungen... 50 942 107 51 226 593 Debitoren, gedeckt......... 239 827 757 229 751 516 Debitoren, ungedeckt........ 58 250 695 55 543 943 Vorschüsse auf Warenverschiffungcn... 28 659 657 31064 935 Jnnnobilien in Berlin, Bremen, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, München, London.......... 10 406 643 8 232 900 Passiva. Aktien- Kapital.......... 150 000 000 150 000 000 Accepte tCentrale)......... 39 136 576 36 466 266 Accepte(Filialen)......... 103 284 341 104 665 034 Depositen- Gelder......... 214 521 270 190 872 628 Kreditoren............ 415 737 837 340 293 486 Reserven............ 49 342 646 48 049 218 Das Effekleuconto umsaßt nach wie vor einen erheblichen Be- stand von ersten deutsche» Anlagcpapieren. Der Gesamtgewinn betrug brutto 31 800 854 M,(1900 30 355 574 Mark), wozu der vorjährige Gewiunvortrag von 766 974 M, tritt. Für Haudluugsttukostcn, Gehälter, Tantieme» an den Vorstand und Beamte, Steuern und sonstige sachliche Kosten wurden veraus- gabt 10 883 678 M.(im Vorjahr 9 896 614 M.), darunter Steuer», Abgaben-c. 1 773 559 M.(1900 1 507 766 M,). Es erbrachten: 1901 1900 Mark Mark Wechsel und Zinsen... � 1.. 14 061 281 14 175 009 Sorten und CouponS 239 106 243 769 Effekten und Konsortial....... 4361432 3174802 Provision............ 8 378 480 7 728 697 Kommauditen und dauernde Beteiligungen bei fremden Unternehmungen... 4 760 552 5 033 295 Nach Abzug der Unkosten sowie Abschreibungen verbleibt ein verteilbarer Reingewinn von 20 501 997 M.(gegen 20 410 437 M. in, Vorjahre.) Es wird vorgeschlagen. 1300199 M.(1900 1 29 l 043 M.) an die ordentliche Reserve zu überweisen, 11 Proz. Dividende zu ver- teilen und 774 378 M.(1900 766 974 M.) aus neue Rechnung vor- zutragen. Die Reserven erhöhen sich durch obige Zuweisung auf 50 642 845 Mark gleich 33,76 Proz. des mit 150 Millionen Marl voll eingezahlten Aktienkapitals. Die Düsseldorfer Handelskammer äußert sich in ihren, Jahresbericht ähnlich der Essener Handeiskammer sehr zustimmend zu den Syndikatsbildnngen; nur die Geschäftsführung des Cooks- syudikats wird als nicht einwandfrei bezeichnet, da die Herabsetzung der Preise für Kohlen und Cooks in Anbetracht der Geschäftslage der Eisenindustrie ungenügend war. Die Handelskammer hält billige Rohstoffpreise als das einzige sichere Mittel gegen die Krise. Man wird dieser Meinung beistimmen können, ohne in den Irrtum zu verfallen, daß mit niederen Rohstoffpreisen die Krise überhaupt beseitigt werden kann. Billige Rohstoffe können nur in Zeiten der Krise mildernd wirken, während hohe Preise eine Verschärfung der Situation herbeiführen. Die Begünstigung des Ausfuhrgeschäfts kann nur einen teilweisen Ersatz bieten. Die Handelskanimer giebt der Meinung Ausdruck, daß die Geschäftslage eine sehr trübe war,' aber vor einem überspannte» Pessimismus müsse gewartt werden. Bon dem gewaltigen wirtschaftlichen Auf- schwung der letzte» sechs Jahre bleibe bei allen Verlusten und Rück- schlägen ein gutes Teil dauernder Besitz unsrer Volkswirtschaft. In dem Bau'kbericht wird gesagt, die Bankwelt habe einsehen gelernt, daß es unrichtig ist.'neue Unternehmungen zu einem so erheblichen Prozentsatze, wie es geschehen ist. auf Bank- krediten aufzubauen. Der Bankier ist nicht dazu da, die gruudlegen- den Mittel für die Unternehmungen herzugeben, sondern er soll nur den Ausgleich dafür schaffen, daß in Zeiten einer augespaunten Konjunktur ei» kleiner Prozentsatz des eigenen Kapitals den In- dustriellen zur Verfügung steht, während' in entsprechend stilleren Zeiten der gleiche Kunde ein Guthaben unterhalten sollte. Es geht aber nicht an, daß, wie dies in den letzten Jahren vielfach als Un- silte eingeführt wurde, Fabriken 20 bis 40 Proz. ihres eigenen Kapitals unausgesetzt als Bankschulden zu verzinsen haben. GeivevKschafrliifzes. Berlin und Umgegend. Die Verhandlungen im Barbirrgctvcrbc, die gestern zwischen der„Freien Vereinigung selbständiger Barbiere" und der Gehilfen- orgauisation vor den, Einigungsamt des Gelverbegerichts stattfinden sollten, sind gescheitert. Ba ritsch gab im Rainen der Meister die bestimmte Erklärung ab, daß sie nie mehr mit den Gehilfen ver- handeln wollten. K l a r b a n in, der Vorsitzende der„Freien Ver- einigung", war nicht erschienen. Achtung. Kleber! Die Sperre über die Bauten Haleusee, Westfälische- und Joachim Friedrichstraßen-Ecke, und Charlotteuburg, Uhlaudstr. 45, ist aufgehoben, da sich Herr L ö b e r endlich bemüßigt gefühlt hat, den Tarif ohne Abänderung der einzelnen Positionen zu unterschreiben und nnzuerkennen. Die Bauten Tegeler- und Lyuarstraßen-Ecke und Pfalzburger- stratze(Unternehmer K n a u e r, Usedomstr. 26a) sich) wegen Nichtzahlung der Tarifpreise gesperrt. Die Sperren über die Bauten Pankow, Heynstr. 27, und Berlin. Putbuscrstr. 56(Unternehmer Brandenburg, Ramlerstr. 23). Schöueberg, Ebers- und Tempelhofe, straßen- Ecke(Unternehmer R o S k y, Weidenweg 51), Charlotteuburg, Guerickestraßen- Ecke (Unternehmer Schiedlich, Bülowstr. 36),' Friedenau, Freege- und Saarstraßen-Ecke, und Schöneberg, Motz- und Neue Ansbacherstraßen- Ecke(Unteruehnier Witt, Dessauerstraße), und Berlin, Potsdamer- straße 100(Unternehmer M o e s e r, Fehrbellinerstr. 19) dauern uu- verändert fort. Die Loh n kam Mission der Kleber Berlins und Umgegend. Schützenstr. 18/19, Telephon Amt I. 1303. Achtnng, Modelleure! Der Streik bei der Firma Hauer, Stuckgeschäft, Berlin, dauert unverändert fort, da mehrfache Versuche um Beilegung bisher scheiterten. Deutsches Reich. Die Fürsorge für die schwedischen Bäckermeister, welche die Berliner Sicherheitsbehörde so schön begann, setzte die Hain- bürg ex Polizei beim DurchtranSport der 60 Streikbrecher prompt fort'. Eine Anzahl organisierter Bäcker waren den Streikbrechern bis Bergedorf entgegengefahren und dort in deren Zug gestiegen; sie konnten die Leute jedoch nicht zur bessern Einsicht bringen. Auf den, Bahnhof in Hamburg wurden die für Schweden„besonders nützlichen Elemente" von 20 Geheimpolizisten empfangen und zu Fuß nach dem Dampfer exportiert. Jetzt schwimmen sie bereits auf dem Waffer. Sie sind im Raun, eines F r a ch t d a m p f er s verstaut, in den, sie drei Tage ohne Betten auf Brettern kampieren müssen. Die Besatzung des' Schiffes, welche ausschließlich aus orgauisierten Leuten besteht, hat keine Veranlassung, sich um die gegen' das eigne Klasseuinteresse handelnden Leute besonders zu bemühen. Die Zahl der orgauisiericu Metallarbeiter i» Schlesien hat sich, wie auf einer in Breslau abgehaltenen Bczirkskouferenz festgestellt wurde, trotz des schlechten Geschäftsjahres um 100« erhöht. Von 3466 im Vorjahre ist dieselbe ans 3500 in diesem Jahre gewachsen. Der Lohntaris der Töpfer in Breslau ist in unveränderter Form auf zivei Jahre verlängert. Sämtliche Stuccateure in Posen sind, wie schon geincldet, seit den, 5. d. Mts. von den Meister» ausgesperrt, weil sie einen Lohntarif eingereicht hatten, welcher gegenüber de», seit drei Jahren bestehenden einige Verbesscrnngen in verschiedenen Positioueu euthielt. Während der ganzen Dauer der Aussperrung sind nun die Lehrlinge. deren auf 31 Gehilfen 21 bei fünf Meistern beschäftigt ivurden, in ganz iniverantivortlichcr Weise über ihre Kräfte zur Arbeit heran- gezogen worden. Hierzu bietet auch noch der Rektor der Fort- biidungsschnle die Hand, indem er die sechs Lehrlinge der Firma Richelen bis auf weiteres von den. Besuche des Unterrichts entbunden hat. Ob die Aufsichtsbehörde von diesem Vorgehen des Rektors Kenntnis hat. ist fraglich.— Mehrere Lehrlinge e'ines andren Geschäftes sind mit der Rüstinig eingebroche», jedenfalls weil ihnen die notivendige Zeit oder die Kenntnis zur ordnuiigs mäßigen Errichtung derselben fehlt. Einer derselbe» soll schivere Verletzungen davon getragen haben.— Wie die Prinzipale in Posen sich ausdrückten, erlvartcn sie ans Berlin(I) von der sog.„Freien Vereinigung der Stuccateure", die voriges Jahr mit Hilfe des Unternehmertums ins Leben gc- rufen wurde, mehrere Kolonnen Zuzug. Diese dürften allerdings' in Posen inerkivürdige Verhältnisse antreffen. Zum Abwehrst, cik der Holzarbeiter in Neu-Isenburg ivird berichtet, daß die Zahl der Streikenden sich für die zweite Woche un, drei erhöht hat, da sich einige Stchengebliebene an- geschloffen haben, so daß sich die Zahl für diese Woche auf 81 be- läuft, mit 88 Kindern. Ebenso ist es den Ausständigen gelungen, die von Auswärts per Eilbrief nngeworbenen Arbeiter abzufangen. Diese Anivcrbnng geht hauptsächlich von der Firma Wittich aus, die auch einen kolossale» Juseratenapparat in Beivegung gesetzt hat. Die Situation ist für die Ausständige» eine günstige. Als Arbeitsivillige haben sich bis jetzt 2 Lackierer gefunden. In den fünf vom Streik betroffene» Betrieben sind 1 Schreiner, 5 Anschläger und die sonstigen Maschiuenarbeiter und Tagelöhner beschäftigt, die jedoch gar nicht in Betracht kommen. Es ivird aber dringend gcbeten.'.dcu Zuzug von Schreinern, Malern, Lackierern und Weißbindern streng feruzl'ihalteu. Durch den Abwchrstreik der Holzarbeiter in S a a l f e l d sind betroffen: 14 Böttcher, 20 Tischler, 4 Drechsler, 5 Schneide- müller und 1 Handarbeiter, im ganzen 44 Mann, von denen die »icisteir schon jahrelang(3—7 Jahre) bei Adam Schmidt arbeiteten. Verheiratet von den Ausstäiidigen sind 31, welche 53 Kinder zu ernähren haben. Organisiert sind alle A u s st ä>, d i g e n. Von diesen müssen jedoch ivegen noch nicht zurückgelegter Wartezeit gegen 15 vom Orte unterstützt werde», für die übrige» kommt die Organisation auf. Der Kampf in Greiz dauert unveräichcrt fort.) Die Zwicker der Schuhfabrik von W. Braun u. Co. in Mainz haben die Arbeit niedergelegt. Sie konnten nicht mehr weiter arbeiten, weil Herr Braun sich beharrlich weigerte, die Werkstätte — heizen zu lassen. Die Miinchcncr Schneider beschlossen in geheimer Abstiinuning i»it 486 gegen 4 Stimmen, d a ß die Arbeit überall dort niederzulegen sei, Ivo der Tarif nicht unter- zeichnet wird.- Dies ist die Antivort auf die vom Arbeitgeber- Verband angedrohte Aussperrung der Gehilse u! — Die Kommission der Arbeiter begab sich in erster Linie zu dem Hanptscharfmacher Christian Schivarz u. Sohn, Prielniayerstraße, Sekretär des Arbeitgeber- Verbandes, und legte den neuen Tarif- vertrag, der keine neue» Lohnforderungen enthält, zur Ünterzeichnuug vor. Herr Schivarz lehnte die Unterzeichnung ab. Infolgedessen legten in dem genanutcn Geschäft sämtliche Arbeiter sofort die Arbeit nieder.— Zuzug von Schneidern nach München ist streng fernzuhalten. Berliner Partei-Angelegenheiten. Im Bezirk WaidmnmiSlnst findet am Sonntag früh 1/28 Uhr eine Flugblatt-Verbreitung statt. Die Genofieu wollen sich an folgenden Stellen recht zahlreich einfinden; in Tegel bei Paul Krause, Berlinerstr. S4, in Borsigwalde beim Genossen Vicring und in Dalldorf bei H. Kroll iZur Mühle). Tegel. Die G e w e r b e g e r i ch t s- W a h l e n finden am Mittwoch, de» 5. Marz, im hiesigen Amtsburcau in der Zeit von 12— 8 Uhr nachmittags statt. Unser Kandidat ist der Arbeiter Julius N e u m a n u, Berlinerstr. 87. In Dalldorf kandidiert der Genosse Maurer Karl Müller. Nosenthalerstr. 2. als Arbeitnehmer. Die Wahl Ivird ebenfalls am Mittivoch, den 5. März, in der Zeit von 12—8 Uhr vollzogen. Wahllokal ist das AmtSbureau. Pflicht der Genossen ist cS. dafür zu sorgen. daß die Obengenannten, die im Kreise der Arbeiter das grostte Vertrauen besitzen, gewählt werden. Erscheint Manu für Mann au der Wahlurne, damit wir mit großer Majorität siegen. NokKles. AnS der Stadtverordncten-Versammlung. Die gestrige Sitzung wurde fast vollständig durch die erste Be- ratung des Stadthau shalts-Etats für 1802 in Anspruch genommen! Der S t a d t k ä m m e r e r gab in der Rede, mit der er den Etat einführte, das unerwartet treffende Urteil ab, auch dieser neue Etat bewege s i ch ruhig in dem alten Geleise weiter und enthalte nichts Neues. Er ließ durchblicken, daß die Schwierigkeit, die erforderlichen Mittel zu beschaffen, im Wachsen sei, versicherte aber, daß trotzdem an den not- wendigen Ausgaben nirgends geknappst worden sei. Unser Genosse B o r g m a n n, der als erster Redner nach dem Kämmerer zu Worte kam, bemängelte an dem Etatentwurf die merkwürdige Schlveigsam- keit, die der Magistrat gegenüber wichtigen kommunalen Fragen darin beobachtet. Vorgmann ging auf eine Reihe von Einzelheiten näher ein, auf die Arbeitslosigkeit, zu deren Bekämpfung der Magistrat nichts thut, auf die Behandlung, die die Bürgermeistersrage kiirzlich im Abgeordnetenhause erfahren hat, sodann namentlich auf die vielfachen Mißstände, die im Volksschulwesen herrschen, auf die Frage einer Reform des städtischeu Gesundheits- wesenS usw. Als der Redner der socialdemokratischen Fraktion mit einem scharfen Ausfall gegen die freistlmige Mehrheit der Ver« sammlung geendet hatte, erhob sich Oberbürgermeister K i r s ch n e r. um in seiner bekannten Weise— vo'n oben herab— zu antworten. Was die Arbeitslosigkeit angeht, so pries er die „stille T h ä t i g k e i t* des Magistrats, das sei„die richtige". Er behauptete. BorginaunS Angriffe hätte» auf den Magistrat nicht den geringsten Eindruck gemacht, aber der Umstand, daß er eine sofortige Antwort für nötig gehalten hatte, sprach eher für das Gegenteil. Es folgte dann als Sprecher der„Alten Linken" Herr Cassel, der sich mit oft bewährtem Geschick um alle die Punkte, die zu Ausstellungen Anlaß geben müsse», her- nmredete. Beachtung verdient die von ihm abgegebene Erklärung, daß ein großer Teil feiner Fraktion»ach wie vor gegen die Aufhebung der V i e r m a r k- st e u e r ist. Der Redner der„Neuen Linke»", Herr P r e u ß, der nach Herrn Cassel daß Wort ergriff, sprach mit geivohnter Breite und stand bald vor leeren Bänken, zumal da es inzwischen bereits 8 Uhr geworden war. Die Debatte schleppte sich da»» initcr Reden der Herren M o in m s e n und des Oberbürgermeisters K i r s ch n e r, uninteressant und eintönig, bis in die zehnte Stunde hin. Ein von freisinniger Seite gestellter Schlußantrag wurde mit knapper Mehrheit angenommen— Bo rginan n konnte infolgedessen nur»och in persönlicher Bemerkung antivorten— und der Etat wurde dem A u s s ch u ß überwiesen. Von den zahlreichen Gegenständen, die soust noch auf der langen Tagesordnung standen, wurden einige in fliegender Hast ohne Debatte erledigt; daS meiste aber— auch der Aortbild ungsschul- Antrag— wurde auf die nächste Sitzuug vertagt. Die Arbeiter- Samariter- Kolonne(Samariter- Kursus für Arbeiter und Arbeiterimieu) hat dieser Tage über ihre Thätigkeit Bericht erstattet. Es heißt in dem Bericht über das Wirken der Kolonne: Das verflossene Sommerhalbjahr war gegenüber den Vorjahren eines der arbeitsreichsten und stellte an die einzelnen Mitglieder der Kolonne große Anforderungen. Waren doch nicht weniger denn 34 Festlichkeiten von politischen und gewerkschaft- lichen Vereinigungen mit Mitgliedern der Kolonne zu bc- schicken. Bei den großen Volksfesten des 4., 6. und Nieder- barnimer Wahlkreises, des Arbeiter- Raucherbnndes. des Central- Verbandes der Handels» und Transportarbeiter, der Krankenkasse der Tischler und schließlich des Arbeiter-Sängerbundes wurde die Station aufgebaut, welche aus zwei transportablen Zelten mit den not- wendigen Gerätschaften, wie Betten usw. besteht. Zu den übrigen Festen wurden je 2 bis 6 Mitglieder, mit ihren Handtaschen ver- sehen, delegiert. Es wurde in 107 Fällen Hilfe geleistet, davon allein beim Sängerfest 45 Hilfeleistungen und beim Volksfest des 0. Kreises 20 Hilfeleistungen. Die Thätigkeit misrer Kolonne nun hat uns eine Ausgabe von weit über 500 M. während des letzte» Sommers verursacht. Es wird wohl daher jedem Menschen ein- leuchten, daß die Kolonne, welche aus 25 Mitgliedern besteht, nicht im stände ist, von ihren geringen Beiträgen die Unterhaltungskosten zu bestreiten, sonder» daß wir dazu der Unter stützung der Arbeiterschaft bedürfen. Was Ihr uns gebt, gebt Ihr der Gesamtheit wieder. Unsre Mitglieder erhalten außer ihren notwendigen lliikosten wie Fahrgeld usw., keinerlei Bezahlung. Sie stellen ihre freie Zeit in den Dienst dieser idealen und humanitären Institution. Um nun im kommenden Jahre wieder den an uns gestellten Aufgaben gerecht werden zu können, sehen wir uns gezwungen, Eure materielle Hilfe in geringem Maße in Anspruch zu nehmen. Einzelne Vereine und Gewerkschaften haben in dankeuS- werter Weise auch bisher unsre Bestrebungen unterstlitzt, doch würde, wenn alle Arbeitervereine dicS Beispiel befolgen, auch eine geringe Zuwendung genügen. Als eine Organisation, welche sich bewußt, ein notwendiges Glied in der proletarischen Klassen- beivegung zu bilden, glauben wir eine Anerkennung unsrer Thätigkeit Eurerseits in diesem Sinne sicher zu sein. Gleichzeitig empfehlen wir den verehrten Vorständen, die Mitglieder zur Teil- nähme an unsre bekannten Unterrichtskurse zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen anzuregen. Geldsendungen nimmt der Kassierer G. Hellmuth. Berlin 0.. Langesir. 22, entgegen; Aufträge und Anfragen find an den Vor- sitzenden E. Stein. Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 40. zu richten. Die sechs Normaluhren in Berlin sind jede durch ein be- solideres Kabel mit der königlichen Sternwarte am Enkeplatz ver- bniiden. damit ständig der Gang der Uhren geregelt werde. Diese Kabel sind im Laufe der Jahre sämtlich schadhaft geworden, so daß eine vollständige Erneuerung notwendig wird. Eine solche ist schon erfolgt für die Uhr auf dem Hackeschen Markt, wodurch mehr als' 10 000 M. Kosten erwuchsen. In neuerer Zeit hat Geheimer Rat Professor Förster, der Direktor der Stern- warte den Vorschlag gemacht, eine Normaluhr neuer Kon- struktion, die eine beständige Kontrolle wie die bisherige nicht er- fordert, auf einem größeren städtische» Platze, vorgeschlagen ist der Lützowplatz, aufzustellen. Weini diese Versuchsuhr sich bewährt, dann würde die Erneuerung der Kabel, die außer den bedeutenden Kosten mit sehr erheblichen Mißständen für den Straßenbau verbunden ist. sich erübrigen. Der Magistrat hat diesen Versuch für ratsam erachtet und zunächst 4500 Mark für diese neue Uhr, vorbehaltlich der Zu- stimmung der Stadtverordneten, bewilligt._______ Die Opfer der»Große«'. Im Monat Februar wurden im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn drei Per- souen getötet, und zwar die Knaben Blochwitz und Wachholz und Schneider Schenk aus Potsdam. Alle drei gerieten beim Ucber- schreiten der Fahrdämme unter Straßenbahnwagen. Während die Zahl der Toten die gleiche geblieben ist wie im Monat Januar, hat sich diejenige der Schwerverletzten verdoppelt. Sie ist von vier auf acht gestiegen. Von diesen sind vier Personen beim Auf- und Abspringen zu Schaden gekommen, während einer bei VerÜbung eines Selbstmordversuchs verletzt wurde. Zwei der Schwerverletzten sind bei Zusammenstößen verwundet worden. Ein weiblicher Kandidat der Medizin, Frl. Elise Ebstein ans Breslau, bat gestern abend an der Berliner Universität die ärztliche Vorprüfung glänzend bestanden. Von den hier examinierten Damen ist sie die erste, welche einen regelrechten Studiengang durchgemacht hat; Fräulein Ebstein bestand als Extranea' die AbiturientciipiÜfung am Friedrichs-Ghinnasium zu Breslau und hat zuerst drei Semester an der dortigen Universität, dann eins in Berlin studiert. Bei der gestrigen Prüfung erhielt sie daS Prädikat' „gut", welches von den 14 Kandidaten insgesamt 7 zu teil ivnrde. Fräulein Ebstein gedenkt ihre Studien in' Freiburg fortznsetzen.— Eine andre Dame, Fräulein Dr. Martha W v g o d z i n s k i. die in Berlin ein außerordentlich gutes Physikum bestanden hat, ist jetzt im Besitze der deutschen ärztlichen Approbation, die sie in Halle erlangt hat. Die Dame, die schon früher in der Schweiz Examina gemacht hat, arbeitet jetzt im städtischen Krankenhause am Urban unter Pro- fessor A. Fränkcl. DaS Befinden des Professors Rudolf Virchow ist andauernd befriedigeud. Der Patient bedient sich jetzt bei seinen Gehversuchen einer sogenannten Laufbank. Der Patient nimmt auch leidlich gut Nahrung zu sich und erfreut sich besserer Nachtruhe. Man hegt die Hoffnuug. daß er in einigen Wochen schon sich allein an einem Stocke wird fortbewegen köuuen.-' Die vor einigen Jahren nach dem System W e g e n e r in der Gitschinerstraße erbaute„M ü 1 1 s ch m e l z e" wird jetzt wieder ab- gebrochen, nachdem der Ofen schon längere Zeit nicht mehr in Thätigkeit gewesen ist. Ein Sittegibild anö dem Großstadtsuinpf. Unter dem Titel „M o f ch a l l n n t» Genossen" beginnt heute, Freitag, vor der III. Strafkammer des Landgerichts I der Skandalprozeß, in welchem der ehemalige Hofschauspielcr Gustav Haupt eine so trübselige Rolle spielt. Die auf Vergehe» gegen die Sittlichkeit, Bandendiebstahl und Kuppelei lautende Anklage richtet sich gegen sechs Personen, unter denen Haupt jedenfalls die interessanteste ist. Er ist der Sohn des Rittergutsbesitzers aus dem Neuruppincr Kreise, Haupt, welcher seiner Zeit das Ehrenamt eines LandeSällesten bekleidete. Dem Angeklagten, der sich infolge seiner hervorragenden schauspielerischen Talente und stimmlichen Begabung frühzeitig der Bühne widmete, schien eine glänzende Zukunft bevorzustehen, er hat sich diese aber durch die von ihm zur Schau getragene llngebundenhcit eines „Uebermeuschen" und durch Extravaganzen auf sittlichem Gebiete völlig verscherzt und ist von Stufe zu Stufe immer tiefer gesunken. Haupt war vor etwa 15 Jahre» Mitglied des hiesige» Residenz- theaterS, kam dann an das großherzogiiche Hoflheater in Oldenburg, von da au daS Landeslheater in Prag und ichließlich an das Hof- theater in Weimar. Sein Verderben loar die Thatsache, daß ihm beim Eintritt seiner Großjährigkeit ein mütterliches Erbteil von 25 000 M. ausgezahlt wurde. Er hielt sich nun für einen Krösus, stürzte sich kopfüber in den Strudel der LcbciiSlust und war der Held mancher schlüpfrigen Abenteuer. Iii Prag trat er in ein ganz intiincs Verhältnis zu feiner Wirtschafterin, die um mehrere Jahre älter als er ist. Diese, die unverehelichte Malhilde Wahle, die jetzt als Helferin deS Haupt mit diesem auf der Anklagebank sitzt, hat auch»och in Weimar mit ihm zusammeii gelebt und ist mit ihm nach Berlin gegangen, als er sich infolge seines ausschweifenden L e b e n s iv a u d e l s in Weimar unmöglich gemacht hatte und aus dem Verbände des dortigen HoflheatcrS scheiden mußte. Nachdem er hier einige Versuche gemacht hatte, seine schauspielerische Begabung auf verschiedencu Vorstadtbühueu zu verwerten, stand er bald vis-ä-vis de rien, schnorrte Frenude und Gömier au und scheint schließlich ganz verlumpt zu sein. Außer der Wahle lvohute auch der Au- geklagte Kailfuiaim K a r l M o s ch a l l bei ihm, mit dem er un- sittliche Beziehlmgen unterhielt. Die drei, sollen nun nach den Er- Mittelungen der Kriminalpolizei die elegauten Wohuungen, die die Wahle auf ihren Namen in der Mohrcustr. 21 uud in der Kronen- slraße 83 gemietet hatte, zu Laster-, aber auch zu Räuberhöhlen gemacht haben, in welchen die in der Passage, in der Fricdrichslraße, Unter den Linden ec. angelockte» Männer mit perversen N e i g n n g e Ii in dreistester Weise ausgeplündert wurden. Wenn die Besucher die Wohnung verließen, ivaren ihnen aus den Taschen ihrer Kleidungsstücke, die sie gewöhnlich auf eine» vor einer dunklen Kammer stehendeii Stuhl legen mußten. Wertgcgeiistände. Uhren. Portemonnaies zc. in mysteriöser Weise abhanden. gekoiuiuen. Wahrscheinlich haben, während Moschall oder Haupt die Besucher Unterhielten, die beiden andern in der dunklen Kammer auf Posten gestanden und die Beraubungen ausgeführt..Da es sich um Dinge handelt, die das Licht der Oeffentlichkeit nicht vertragen, so haben sich die Opfer, deren Zahl nicht zu erniitteln ist, gescheut, Anzeige zu erstatten und eS vorgezogen, ihren Verlust zu ertragen, um nicht bloß- gestellt zu' werden. Ein 21 jähriger Maschinentechnikcr. ein älterer verheirateter Fabrikbesitzer und ein 65 jähriger Rentier, denen größere Summen geraubt worden waren, haben schließlich die Hilfe der Polizei in Anspruch gellomnien, müssen sich jedoch nun auch wegen sittlicher Verfchluugen veraut- Worten. Die Verhandlungen wird Laudgerichtsrat Wachtel als Vorsitzender leiten, de» Angeklagten stehen die Rechtsanwälte Dr. S ch lv i ii d t, G o I d s ch»i i d t und M a r c u s e als Verteidiger zur Seite. Unter den 45 Zeugen befinden sich solche ans Weimar. Halberstadt, Würzburg, Dresden.. Als Sachverständiger ist Kriminal- koiiiinissariils v. Tresckow, dem das hier in Frage kommende krimi» »elle Gebiet liutcrstellt ist., geladen. Für die Veihandlnug, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet, sind drei Tage an- gesetzt. Auch eine„Sanierung". Der Schlächtermeister H. hatte. weil er der Mindestsordernde war und hinsichtlich seiner Leistungs- fähigkeit uud Solidität eine sehr günstige Auskunft vorlag, die F l e i s ch l i e f e r u n g e n f ü r ein hiesiges Krankenhaus erhalten, kam seinen Verpflichwngen aber nur sieben Monate laug nach, dann stellte er die Lieferungen ein und eS wurde über sein Berniögeil der Konkurs eröffnet. Bei der weiteren Ver- dingung mußte einem andern Unternehmer der Zuschlag zu höheren Preisen erteilt werden, wodurch der Stadtgemeinde für den Rest des Rechnungsjahres ein Schaden von über 8000 Mark entstanden ist, für den der Kontraktbrüchige laut Vertrag mit seinem ganzen Vermögen zu haften hat. Nach Aufhebung des Konkurses hat H. die Auszahlung eines R e st- guthabens' von rund 8800 M. beantragt, welches der Magistrat einstweilen zur Deckung des der Stadtgemeinde eutstandenen Schadens einbehalten hatte. Da die Krankenhaus-Verwaltung sonst mit den Fleischlieferungen zufrieden war, hat der Magistrat nach Prüfung der ihm vorgettagenen Gründe beschlossen, B i l I i g k e i t S r ü ck s i ch t e n zu nehmen und den Schadensanspruch der Stadtgemciude auf die Hälfte zu reduciercn. Danach sollen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneteu-Versammlung, von den einbehallenen 8900 M. etwas über 4800 M. ausbezahlt werden. Durch Lädeudicbftähle ist ein großes Konfektionshaus in der Kurstrah« seit Jahren fortgesetzt geschädigt worden. Zu seinen Angestellten gehörte auch ein Lageraufseher R ö m e r. ein Jung- zes'elle, der das vollste Vertraiieii seiner Arbeitgeber genoß. Dieser Mann schnitt nun von jeder neuen Sendung, die auf das Lager kam, ein Stück ab und brachte es zu einem Barbier N. in der Gegend des Neuen Marktes. Dessen Braut brachte die Diebesbeute zu ihrer Tante, einer Grünkramhändlerin, soweit N. sie nicht an seine weibliche Frifierkundschaft absetzen konnte. Die Grünkramhändlerin wurde nun schließlich so dreist, daß sie an erlin. Kür dm Anlententetl verantwortlich:»b.«locke in Berlin. Dru> ihrem Stand in der Markthalle mit dem Gemüse zugleich die Seide feilhielt. Der Polizei fiel das schon seit geraumer Zeit auf, aber es bedurfte monatclanger Beobachtungen, bis die Kriuiiualbeaniteii den Lieferanten der Seide ermitteln konnten. Als sie endlich Römer b�- schuldigten, fanden sie bei seinen Arbeitgebern gar keinen Glauben, so groß war ihr Vertrauen zu ihm. Erst das Geständnis des Au- gcschuldigten überzeugie sie von dem groben Mißbrauch, den er mit ihrem Vertrauen getrieben hatte. Römer wurde verhaftet, während die Hehler auf freiem Fuße blieben. Sturz anS dem Fenster. Eine aufregende Sceue gab es gestern morgen um 8 Uhr in der Neichenbergcrstraße. Als zahlreiche Leute, die an ihre Arbeitsstelle eilten, de» Bürgerstcig belebte», stürzte vor dem Hause Nr. 144 plötzlich ein Mann herab und blieb mit zerschmetterte» Gliedmaßen vor den Füßen zweier Mädchen liegen. Während diese entsetzt zurückprallten, liefen andre zum Arzt und nahmen sich des Schwerverletzten au. Dieser war der 31 Jahre alte Buchbinder Wilhelm Kruse. der mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern seit Oktober des vorigen Jahres im dritten Stock des bezeichiieten Hauses wohnte. Kruse war seit einem halben Jahre uerveiileidend und die letzten vierzehn Tage in ärztlicher Behandlung. Gestern morgen um 8 Uhr spielte er mit seinen Kindern, als der Postbote klingelte. Während seine Frau diesem öffnete, verließ er plötzlich seine Kinder, lief auf den Balkon hinaus und stürzte sich über die Brüstung auf den Bürgersteig hinab. Als zwei Aerzte kamen, war der Unglückliche schon tot. Die Leiche wurde auf Veranlassung der Revierpolizei nach dem Schauhause gebracht. Bei einem Fluchtversuch ist in der vergangenen Nacht die 19 Jahre alte ehemalige Arbeiterin Gertrud Sckieu. die sich seit einiger Zeit in dem Zufluchtshanse Sichar zu Plötzeusee befand, schwer verunglückt. Mit drei andren Mädchen hatte sie eiucn Fluchtplan verabredet uud aus Bettlaken eine Art Strick zurecht gemacht. Gestern abend spät, als alles im Hause ruhte, ließen die Mädchen den Strick aus ihrem Schlafzimmer- feilster im zweite» Stock über die Mauer hinab, um mit feiner Hilfe das Freie zu gewinnen. Die Anführerin Scheu wollte zuerst hiuabklettcrii. Sie war aber kaum bis zum ersten Stock ge- kommen, als der Lakenstrick riß und sie auf den Hof hiuabfiel, wo sie mit gebrochene» Beinen liegen blieb. Als die andren Mädchen sahen, daß der Versuch mißlungen war, schlössen sie das Fenster, legten sich wieder ins Bett und ließen ihre verunglückte Gefährtin unten hilflos liegen. Erst später fanden Hausangestellte sie bei einem Rundgang und brachten sie nach Berlin in ein KrankeiihanS. Ei«„Kliugrlfahrcr" konnte gestern durch die Entschlosseuheit einer Frau.festgeuommeu werden. In letzter Zeit gingen der Polizei Mitteilimgeu über Einbruchsdicbstähle zu, welche am hellen Tage in unbeaufsichtigt stehenden Wohnungeil vorgenommeil'wurden. Der Verdacht der Thäterschaft richtete sich auf einen HaudelSmami, der in der Mchuerstraße 9 beobachtet worden war. Es war dies ein etwa 22jähriger Bursche, welcher mit Briefbogen uud CouvertS hausierte und auch an der Wohnung eines Fräulein Müller in der zweiten Etage klingelte. Der Handelsmauii wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Wohnungsinhaberiii nicht zu Hause sei und entferute sich dann. Zwei Stunden später wurde er wieder von Hausbewohnern beobachtet, als er�die Treppe himinterging und sich schleunigst entfernte. Fräulein M., die bald darauf nach Hause gekommen war, stellte fest, daß bei ihr ein- gebrochen und außer verschiedenen Wertsachen 70 Mark Bargeld gestohlen worden war. Die Polizei forschte zunächst vergeblich nach dem Älingelfahrer, auf dessen Conto auch die übrigen in jener Gegend verübten gleichartigen Diebstähle gesetzt wurden; der Bursche halle daS Feld seiner Thätigkeit nach einem anderen Stadtteil verlegt. Gestern unteriiahlN er eine„Fahrt" durch die Andreasstraße und drang in die Wohnung des Kaiifinallns B. Während hier der Dieb noch in voller Thätigkeit war, kehrte Frau B. von einem Ausgange zurück und erblickte, die Thür öffnend, den fremden Menschen in ihrer Wohnung. Schnell in den Flur zurückeilend, schlug sie die Korridorlhiire zu. schloß diese ab, bevor der Verbrecher folgen konnte und ließ den Schlüssel stecken, um so den etwaigen Ausbruch des Eindringlings zu erschweren. Nun alarmierte Frau B. Hausbewohner, um ein Eiitwcichen des Diebes zu verhindern, welcher dann auch durch inzwischen herbeigerufene Polizeibeamte festgenommen wurde. Bei dem Verbrecher, der sich Jonas nennt und angeblich ivohunngslos ist, wurde ein Stemmeisen, ein Bund Dietriche und einige andre Diebeswerkzcuge vorgefunden. Theater. Herr Direktor Ludwig R o s e n f e l d vom Passage- Theater teilt uns mit, daß er von der nächsten Saison ab das L u i s e n- T h c a t e r in der Reichenbergerstraße in Pacht nimmt. Feuerbcricht. Mittwochabend 9 Uhr wurde die Wehr nach der Juvalidenstr. 5 gerufen, wo in einem Kleiderladen auf noch nicht er- mittclte Weise Feuer ausgebrochen war. Es mußte indes nur kurze Zeit mit einem Rohre Wasser gegeben werden, um die Flammen zu ersticken. Der verursachte Schaden ist uiibedenteud. Gleichzeittg war in der Bernauerstr. 99 in einer Wohnimg die Wandbeklcidung und die Balkenlage in Brand geraten. Unfug am öffentlichen Feuermelder wurde abends 8 Uhr in der Rostockerstr. 21a verübt. Der Thätcr konnte leider wieder nicht enuittelt werden. In der Friedenslr. 59 wurde kurz vorher ein Zimmerbrand abgelöscht. der hauptsächlich Möbel und den Fußboden beschädigte. Nachmittags erfolgte ein Alarm nach dem SandmaunShof, Alexandrinenstr. 105/106. Hier hatten in einem Keller Balken imd Bänke Feuer gefangen, dessen Ablöschnug jedoch in kurzer Zeit erfolgte. In der Cuvry- straße 36 mußte ein Brand beseitigt werden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Außerdem hatte die� Wehr noch Alarmieruugeu von der Lithauerstr. 30 uud Schönhauser-Allee 141 zu verzeichnen, die jedoch auf geringfügige Anlässe zurückzuführen waren.__ AnS de» Rachbaroite». Anö Rixdorf. Nach dem im Magistrat festgestellten Entwurf des Stadthnushallsplaus für das Rechnungsjahr 1902 sollen erhoben werden: 150 Proz. Eiukoiumcusteuer(bisher 140 Proz.), Giimd- steucr nach dem Satze von 2,90 pro Mille(bisher 2,60) des gemeinen Wertes der Grundstücke uud 200 Proz. Gewerbesteuer(bisher 190 Proz.). Bei der Betriebs-, LustbarkcitS-, Umsatz-, Bier- und Grundsteuer soll es bei den bisherigen Sätzen bleiben. Der Eut- wurf des Haushaltsplans liegt von heute(Freitag) ab 8 Tage lang im Zimmer 57 des hiesigen Rathauses zur Einsicht öffentlich aus.— Die Wahl des Stadtverordneten Dr. Poppe zum unbesoldeten Stadtrat ist bereits von der Aufsichtsbehörde bestätigt worden. Gegen den Inspektor und gegen einen Aufseher des Rix- d o r f e r Amtsgefängnisses ist Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet worden. Der Hausdiener Gustav Tornow be- hauplet nach der„Berliner Zeitung", er sei in der Schönstedtstraße vor den Fenstern des Gefängnisses von dem Inspektor gefaßt und aufgefordert worden, mitzukommen. Er habe sich loszureißen ver- sucht, sei dann aber dem Inspektor in den Hof des Anitsgefänguisses gefolgt. Hier sei er zu Boden geworfen, geohrfeigt. geschlagen und gestoßen worden. Schließlich habe man ihn lanfen lassen.— Der Inspektor hat seinerseits dem genannten Blatt erklärt, daß am fraglichen Abend sich vor dem Gefängnis junge Burschen unnütz benommen hätten. Er habe dann einen Burschen, der sich in verdächtiger Weise an den Fenstern zu schaffen machte, in den Gefäugnishof gebracht. Dort habe sich der herbeieilende Nachtaufseher, der seinen Vorgesetzten gefährdet wähnte, hinreißen lassen, den tobenden Burschen durch Verabreichung einer Tracht Prügel kampfunfähig zu machen. Der Inspektor bestätigte, daß das gerichtliche Verfahren auf Grund der von Tornow wegen Körperverletzung gemachten polizeilichen An- zeige eingeleitet sei. Das weitere wird sich demnach ja vor Gericht ergeben.__ Weiter. Prognose für Freitag, den 28. Februar 11)02. Etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und lebhasten südlichen Winden. Berliner Wetterburea». und Verlag von Mar Badina in Berlin.