Nr. 51. Abonnements-Ktdingungen: Kbonnements-Preii pränumerando: vierleljährl. 3,30 Ml,, monall, l.ioMl,, wöcheulltch 28 Psg. frei in» Hau», Linieini: Nuinm'r 5 Pig, SonniagS- «iunnner mir ilinNrlcri-c konniaz!» Beilage„Tie Neue Welt" 10 Plg, Post- 'llbonnsmenl: l.io Mark pro Monar. Singelragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für Ivos unter Kr. 7078. Kniet Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. Erfcheiul iäglich aufiec Moulag». ji � � Devlinev VolksblÄkt. 19. Jahrg. Die IiisertwnS'Vebllifl beträgt für die sechsgespaltene Kolonei» zeilc»der deren Raum 10 Psg., für politische und gewerlschaftltche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anselgen" jedes Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittag« in derüxpediiion abgegeben werden. Die Lrpcdition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abendS, a» Sonn- und gestlagen dt» 8 Uhr vormittags geöfsnet. Telegramm- Adresse- «Sorialdrmvkrat Berlin'' C�ntrawrgan der sarialdemokratrMen Partei Deutschlands. Kvdaltkivn: SW. 19, Beullz-Sle�sze 2. Ferusprecheri Zlint I Nr. lS09. Sonnabend, den I. März Exprdikivll: 3�.19, Veullz-Skraste Z. Fernsprecher: Ruit I. Nr. 5121. Die Mobilmachnng zn den Reichstags- wählen. Die Scharfmacher-Verl'ände rüsten gewaltig zur ReichStagSwahl; sie richten sich sogar schon darauf ein, daß noch in diesem Jahre Nen- Wahlen siattstnden könnten. Darum organisieren sie mit aller Macht de»„geistigen" Kamps gegen die Socialdemokratie. Die Aennste» sehen sehr schivarz in die Zukunft. Sie rechnen mit drei Millionen socialdemokratischen Stimmen n»d mehr als 100 socialdemokratischen Mandaten. Gegen diese Gefahr muß etivas Durchgreifendes gethan werden! Und sie iverden zu einem snrchter lichen Schlage ansholen, der uns mindestens zwei Millionen Stimmen und achtzig Sitze kosten wird: Sie werden eine--- Broschüre veröffentlichen, eine Broschüre, die den bleichen Schrecken verbreiten, eine Broschüre, die jedem deutschen Reichstags Wähler zur Erleuchtung und sonstigem nützlichen Gebrauch kostenfrei in die Hand gedrückt werden wird. Aber die Broschüre kostet Geld, und deshalb wird in der nächsten Zeit, wie wir den Mitgliedern der Scharstnacherverbände verraten können, der Klingelbeutel herumgehen und an die„Opfer ivilligkeit" der Arbeiterfeinde appelliert werden. Man ist allerdings recht bescheiden in seinen Ansprüchen an die Opferwilligkeit; so ein notleidender Scharfmacher kann ja für die heiligsten Güter der Nation nicht allzu viel aufwenden. Die erwähnte zerschmetternde Broschüre wird anscheinend von allen Unternehmer- Verbänden verbreitet werden. Was sie bieten wird, das läßt sich erkennen ans einem Eirkular, das dcinnächst der „ I n n u n g S v e r b a n d deutscher B a u g e w c r k S m e i st c r Sitz Berlin(F e l i s ch), an seine Mitglieder versendet. Das anmutige Schriftstück lautet: Sehr geehrter Herr Kollege! Die Socialdemokratie ist im Deutschen Reiche während der beiden jüngsten Jahrzehnte in anßerordentlichcm Maße gewachsen. Sie erzielte bei den RcichstagSwahlen 1881 1884 1887 1890 1893 1898 312 000 SS0 000 763 000 1 427 000 1 787 000 2 107«100 Stinnnen und steht bezüglich ihrer Stimmenzahl bereits seit 1890 an der Spitze aller in Deutschland bestehenden Parteien. Tic Parteiführer rechnen für die bevotstehendeii Wahlen auf etwa 3 Millionen Stimmen, was deren Erfüllung bedeuten würde, daß die Socialdemokratie z» weit über IVO gewonnciicii Mandaten und damit zur mastgrbcndcn Stellung im deutschen Reichstage gelangt. Einer solchen Gefahr rechtzeitig und thatkräftig vorzubeugen, ist eine Pflicht, der wir uns aus nationalen, wirtschaftlichen, social politischen und sittlichen Gründen nicht entziehen dürfen. ES liegt ans der Hand, daß im Fall cincö socialdemokratischen Wahl- sieges auf der ganzen Linie die ohnehin sehr schwierigen Arbeitervcrhältnisse geradezu unerträglich werden müsse». Vor allem gilt es, was bisher allzu sehr versäumt worden ist, für die gründliche Aiifkläruiig der sämtlichen Wahl berechtigten in allen von der Socialdemokratie bereits eroberten oder wieder bedrohten Wahlkreisen über die Sinn« und Halt- losigkeit der social! st ischen Hauptlehren zu sorgen. UnS liegt eine sehr geschickt ausgearbeitete Broschüre vor, die diese Aufgabe ohne alle Redensarten ans- schließlich durch frststchende, nnaufechtbarc Zahle» und That- fachen erfüllt. AuS uaheliegende» Griindc» kann die Schrift jetzt noch nicht allgeincin der Ocffcnllichkcit übergeben werden. Sie soll in einer so großen Auflage hergestellt werden, daß kurz vor der Wahl jedem Wähler der in Betracht kommenden Kreise ein Exemplar verabfolgt iverden kann. Um eine lückenlose Verteilung zu sichern, iniiß in der Mehrzahl der betreffenden Wahlkreise eine umfassende Organisation geschaffen werden. Alles das erfordert viel Arbeit und Zeit, deshalb müssen die dazu nötigen Mittel schon jetzt aufgebracht werden. In Uebercinstimmnng mit dem von den angesehensten industriellen und handwerklichen Vereinigungen eingeschlagene» Verfahren richten wir an alle nnsrer Jnnniig resp. nnsrcm Verein angehörenden Kollegen die Bitte, daß sie pro Kopf der von ihnen durchschnittlich beschäftigten Arbeiter zehn Pfennig„für be- sondere Agitation" an den Vorstand cinsenden. Wir hoffen, daß im Hinblick auf die bekannte Opfcrlvilligkcit der Gegner niemand sich ausschließen wird, iiiid danken im Voraus verbindlichst. Die Schrift soll, wie bereits vorstehend angedeutet, liirz vor den nächst eu Rcichstags-Wahlen zur Verteilung ge- langen. Dieser Zeitpunkt tritt mit dem Ablauf der jetzigen Wahl- Periode im nächsten Jahre ein. Eingeweihte Kreise rechnen jedoch auch damit, daß sehr leicht eine Auflösung des ReichötagS und die Neuwahlen bereits in diesem Jahre statt- finden könnten. Deshalb ist es notwendig, alsbald mit de» Vorbereitungen zur Vcrteilniig der Aroschüre und mit der Aufbringung der hierzu nötigen Gelder zu beginne». Wir bitten deshalb die Herren Kollegen, die Einsendung der Beträge alLbald eraiilasscn zu wollen. Mit kollegialem Gruß Der Vorstand. Die Broschüre, mit deren Hilfe das deutsche Volk vor dem Schicksal beivahrt iverden soll. 3 Millionen socialdemokratische Stimmen abzugeben und mehr als hundert Sitze nnsrer Partei zu verschaffen. ist offenbar eine ganz aiißerordeiitliche Arbeit. Wir vermuten, daß sie den Ertrag der geistigen Bemühinigen der Herren Korbmacher Fischer. Werftarbeiter Lorenzen. Fischart'jun.. Dr. zur. Freund. Prof. Ehreuberg, Dr. Tille, Prof. v. Weuckster»—. unter gütiger Mit- Wirkung Engen Richters und eines halben Dutzend nationalsocitller Ablösniigsmäniicr— in feinstcr Raffinade darstellt. Dennoch aber sind die Herren sehr unsicher, ob dies erstaunliche Werk deutschen Geistes auch mir den bescheidensten Ansprüchen gP nügt. Denn sonst würden sie nicht so ängstlich sein,„ans nahe> liegenden Gründen" erst unmittelbar vor den Reichs� tagswahlen die edle Schöpfung an die Ocffcntlichkeit zu lassen. Man sollte meinen, daß die scharfmacherische Anfklärnngs arbeit nicht früh genug beginnen müßte. Das Voll muß doch solch liebermaß von Belehrung einigermaßen verdauen können und allmählich aber sicher müßte der svclialdemokratische Nebel ans den Köpfen vertrieben werden. Aber»ein, die Väter des großen Planes haben es anders beschlossen. Erst im letzten Augen blick soll die Nnfklärnng das Land überschweninien, rettungslos sollen die deutschen Wähler in der neuen Offenbarung ersäuft iverden, ohne Gnade und Barmherzigkeit wird ihnen in zwölfter Stunde meuchlings die Broschüre ans die Brust gesetzt werden, gerade als ob es sich nicht um ein erhabenes Produkt deutscher Forschung und denischen WahrhcitseiferS handelte, sondern um ein elendes Revolver- Machwerk, das im Dunkel aus dem Hinterhalt Schmähnngen, Albern heitcn und Vcrlennidnngen speit. Fürwahr Ivir müssen die uns bevorstehende Broschüre gegen die mißverständliche und unbegreifliche Handlungsweise ihrer Verbreiter verteidigen, die gerade so verfahren, als schämten sie sich ihres eignen Werkes und getrauten sich nicht, die strahlende geistige Waffe, mit der die Socialdemokratie endgültig getötet werden wird, der öffent lichen Prüfung rechtzeitig zu übergeben. Also heraus mit der Broschüre! Andernfalls hoffe» tvir recht herzlich, daß die U c b e r- r ä s ch u n g glücken und die Verbreitung ohne Unfall von st a t t e n gehen möge. Uebrigcns ist uns nicht verständlich, weshalb sich die Scharf niacher in die Unkosten einer neue 11 AnfllnrungSschrift stürzen. Warum verbreiten sie nicht einfach jene gelben Hefte zn Gunsten der Z n ch t h a n s v 0 r l a g e, von der sicherlich noch nngeheuere Rcstbcslände vorhanden sind? 12 000 Mark haben sie ohnehin bereits für diese Hefte verausgabt; und da eS ziveifelloS keine bessere Agitationsschrift gegen die verruchte Social- demokratie und die organisierte Arbeiterschaft gebe» kann als jene Denkschrift zur ZnchthanSvorlage, so sollten die Scharfmacher wirklich auf diese ihre höchste und wirlsamstc Leistmig zurückgreifen. Die viel bctraucrlen 12 000 Mark würden sich dann doch noch rentieren!_ Zolltarif- Kommission. Der Abg. G a ni p erfreute die Koniniissionsuntglieder zu Beginn ihrer Freitagssitznng niit einer kurzen, übersichtlichen Mitteilung der zu der siebenten Zolltarif-Position(Mais und Dari) eingelaufenen Petitionen für und wider— ein an- genehmer Gegensatz zn den zeitraubenden, durch die Unthätig- teit des Berichterstatters außer Diensten v. Wangenheim her- vorgerufenen Debatten der letzten Tage darüber, tvcshalb des Berichterstatters Mitteilungen so lückenvoll, mager und dürr ausgefallen sind. In der Debatte wurden die Scheingründe der Regierung und des Verbandes deutscher christlicher Baucrnvcreine insbesondere von M 0 l k e n b u h r arg zer- zaust. Der Mehrheit wiegen die Gründe, daß durch einen höheren Zoll auf Futtermittel insbesondere die kleinen Landwirte bcnach- teiligt werden, nichts. Sie ist keiner andern Auffassung mehr zugänglich als der einen: erhöhen Ivir schcmalisch überall. Ein Schlußantrag, den die Mehrheit nach kurzer Debatte durchsetzte, zeigt, daß die Mehrheit die Zeit gar nicht erwarten kann, uni für höhere Sätze, über die sich eine zwar knappe, aber immerhin vorhandene Mehrheit geeinigt zu haben scheint, zu stimmen. Dieser Erhöhungs-Mechanis- mns trat bei der achten Position besonders auffällig in die Erscheinung. Nr. 8 des Zolltarifs unifaßt die nicht besonders genannten Getreideartcn. Das ist, da alle andern Gctreidcartcn besonders rubriziert sind�, lediglich die rohe Mannagrütze, auch Mannagras, Schwaden- gras genannt(gbycena fluitana), eine Grasart, dessen Samen ähnlich wie Leinsamen aussehen, hier und da in Milch gekocht für einen Brei verwendet werden, vorzugsweise aber als Viehfutter Verwendung finden. Die gesamte Einfuhr(fast ausschließlich aus Böhmen) betrug im Jahre: 9— sage und schreibe neun— Doppelccntner im Gesamtwerte von höchstens 180 Mark. Die Erhöhung dcS Zolls um 50 Proz. von 1 M. auf 1,50 M. pro Doppelcentner wurde dennoch beschlossen— um beim Achschluß von Handelsverträgen ein Kompensationsobjekt von 4 M. 50 Pf. zu haben. Für das Lächerliche eines der- artigen Systems scheinen weder die Regierungen, noch die Mehrheitsparteien ein Empfinden zu haben. Bei der nächsten Position(Malz) mußte mit Rücksicht ans den Beginn der Plenarsitzung Vertagung auf DienStag beschlossen werden. Die folgenden Sitzungen sollen bereits um 9 Uhr morgens beginnen. Am Freitag nahm die Kommission znnäckist den eingehenden Bericht des Abg. Gnmp1. Nach einer längeren GeschäftsordnnngS-Dcbatte wird der Zoll- sah von 5 Vi. mit 14 gegen 13 Stimnicii(Heiin, C., fehlt) nngeuoulme». Mit der Minderheit slinimen Müller- Fulda(C.) und G ä b e l(Antis.) Dr. Müller- Sagau und Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.) beantragen, zu der Position: Mais und Dari die Anmerkung hiiizuznfügen: Mais und Dari zu Futterzwecken wird, amtlich ungenießbar gemacht, denaturiert, zollfrei abgelassen. Dr. Müllcr-Saga»(frs. Vp.) erklärt: Wenn sich der Mais auch nicht im ganzen Korn denaturieren lasse, so doch sicher im ge- brochenen oder geritzten Zustande. Auch für den Fall, daß noch kein geeignetes Denatuiieriingsmittel vorhanden sei, könne man cS getrost der Technik überlassen, ein solches zu erfinden. HaiidelSminister Möller erividert, es sei wissenschaftlich un» denkbar, eine solche Deiiaturierung durchzuführen. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp.) bestreitet, daß irgend ei» Minister abgrenzen könne, was wissenschaftlich erreichbar sei oder nicht. Bor ein paar hundert Jahren würde mancher Minister die Dampf- Maschinen und Eisenbahnen für undenkbar erklärt haben. Stadthagcn(Soc.): So lauae es keine DenaturierungSmittel gicbt, ist die von den Freisinnigen beantragte Ainnerknng wirkungslos und für den Zoll also unschädlich. Wer denaturierten Mais also einführt, nmß ein wirksames Denaturierungsinittel angeben. Wenn die Technik noch kein Mittel weiß, so ist damit nicht gesagt, daß cS nicht ge- funden werden kann. Hat nian doch bei Salz und Spiritus auch Denatnrierungsmittel erfunden. Die von Dr. Müller- Sagan beantragte Anmerkung wird mit allen gegen die Stimmen der Freisinnigen und Socialdemokraten abgelehnt. Bei der nächsten Position„Andre nicht besonders genannte Getrcidcartc»/sfachen Betrag des Zolles der Getreideart, aus dem es hergestellt ist. Graf Kunitz(k.) beantragt stir Malz anS Gerste 10,23 M., für Malz aus andrem Getreide 11 M. Zur Begründung seines Antrags hebt Herold(£.) hervor, daß er das Verhältnis zum Getreidezoll genommen und 1 M. zu- geschlagen habe. Die so gewonnene Summe von 10,38 M. habe er nach oben abgerundet. Schatzsekrctär Frhr. V. Thielmann: Die verbündeten Rc- gierungen würden schwerlich in derLage sein, einem Minimalzoll für Malz im Rahmen des Tarifs ihre Zu- stimmiing zu geben. Dr. Müller- Meiningen sfrs. Vp) begründet seinen Antrag auf Herabsetzung des Malzzolles auf 4 M. Im Interesse der deutschen Mälzereien liege weniger ein Schutzzoll als der billige Bezug von ausländischer Gerste. Die Mälzerei habe sich bisher sehr gut entwickelt. Gegen die Erhöhung spreche das Interesse der kleinen Brauereien, die pro Hektoliter um etwa 47 Pfennig teurer arbeiten müßten bei jeder Mark Erhöhung des Malzzolls. Die großen Brauereien würden durch Erweiterung ihrer Mälzereien sich zu helfen wissen. Es tritt hierauf Vertagung ein. Die nächste Sitzung findet Dienstag statt. Von nun ab soll schon um 9 Uhr früh begonnen werden. Berlin, de» 28. Februar. Der Reichstag beschäftigte sich heute mit Eisenbahnfragen. Viel Neues kam auch diesmal bei der Debatte nicht heraus. Nach der Ver- fassnng steht dem Reiche zwar die Kontrolle über die Tarif- Politik der Einzelstaaten zu, aber diese Bcstinimung steht nur auf dem Papier. Das Reichs-Eisenbahnamt ist in Wirklichkeit ein Anhängsel des preußischen Eisenbahn-Ministeriums und der leitende Geist in allen Tarisfragen ist Herr v. Thielen. Und wie Herr v. Thielen über die Tarifreform denkt, das wissen wir schon seit langer Zeit. Als die Einnahmen stiegen, erklärte er eine Verbilligung der Tarife für unmöglich und jetzt, wo die Einnahmen fallen, ist die Tarifreform natiir- lich noch unmöglicher geworden. Es war charakteristisch, daß der Staatssekretär des Reichs-Eisenbahnamtes, Dr. Schultz über die Tariffragen sich überhaupt nicht verbreitete, sondern sich nur darauf beschränkte, Angriffe nach andrer Richtung ab- zuWehren. Stolle hatte hervorgehoben, daß die Zahl der Unfälle im Eisenbahnbetrieb infolge der Mangelhaftigkeit der Betriebseinrichtungen noch immer außerordentlich groß sei und dabei auf die unglaubliche Thatsache hingewiesen, daß in einem Jahr auf den preußischen Staatsbahnen über 10(XX) Schieneiibrüche vorgekomnien sind. Er hatte dann weiter das Sparsystem bei den Beamten und den Still- stand auch in technischen Fortschritten geriigt. Herr Dr. Schultz beschränkte sich in seiner Erlviderung auf den mageren Trost, daß die Zahl der Unfälle nicht zu- genommen habe. Er leistete sich dabei den für die Opfer der Eisenbahnunfälle wenig beruhigenden Grundsatz, daß es auf die Zahl der verletzten Personen nicht ankomme. Der Herr Minister ist schon zufrieden, wenn er schwarz auf weiß nachweisen kann, daß die Zahl der Zusammenstöße und Entgleisungen sich vermindert habe. In der Debatte wurden noch eine Reihe Einzelwünsche laut. Herr Dr. P a ch n i ck e regte die Beseitigung der Rück- fahrkarten an und verlangte, daß der Preis für einfache Fahrten auf die Hälfte des jetzt für die Rückfahrten geforderten Betrages bemessen werde. Der nationalliberale Abg. Franken wünschte eine Auf- besserung der Bezüge der Lokomotivführer und Eisenbahn- Werkmeister. Herr Dr. Müller-Meiningcn tadelte die Einführung einer Rcklamationsgebühr von einer Mark und wies auf die vielfachen Beschwerden der Thüringer Kleinstaaten über Benachteiligung durch die preußische Eisenbahnverwaltung hin. Böses Blut hat besonders, wie auch Genosse B a u d e r t bestätigte, die Beseitigung fast aller Sonntagsfahrkarten im Bezirke Erfurt hervorgerufen. Bon der Rechten nahm nur der Reichsparteiler Graf B e r n st o r f f- Lauenburg das Wort, um aus Rücksicht auf die allgemeine Finanzlage vor weiteren Tarifermäßigungen zu warnen. Herr v. Thielen hatte erst beim Etat der Reichs- Eisenbahnen Gelegenheit, in die Debatte einzugreifen. Hier trägt er auch äußerlich die Verantwortung und so benutzte er dann die Gelegenheit, um wieder einmal zu versichern, daß er unter Tarifreform nur eine Vereinfachung des Fahrkarten- Systems, nicht aber eine Verbilligung der Tarife verstehe. Auch eine Herabsetzung der Gütertarife sei nicht zu erwarten. Im übrigen wurde der Etat der Reichseisenbahnen un- verändert nach den Beschlüssen der Budgetkommission genehmigt. Morgen stehen die Z u ck e r st e u e r und die Reichs- Stempelabgaben auf der Tagesordnung.— Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus nahm am Freitag den Gesetz- entwnrf betreffend die Bewilligung weiterer Mittel zur Ver- besserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern in staatlichen Betrieben und gering besoldeten Staatsbeamten in dritter Lesung und den Gesetzentlvurf be- treffend die Heranziehung zu den Kreisabgaben in zweiter Lesung debattelos an. Bei der sodann erfolgenden zweiten Beratung des Gesetzentwurfs betreffend» die Pro- Vinzial-Dotationen wurde von konservativer Seite der Wunsch nach einer gesetzlichen Regelung des Pflegestationcn- Wesens ausgesprochen. Der Minister Frhr. v. Hammerstein stellte sich der Anregung sympathisch gegenüber, bemerkte aber unter Hinweis auf die im Jahre 1895 gescheiterte Vor- läge, daß er eine neue Vorlage erst nach Klärung der An- sichten über diese Frage einbringen könne. Hierauf setzte das Haus die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern fort und erledigte in schneller Reihenfolge die Kapitel„Polizeiverwaltung in Berlin und den Vororten",„Polizeiverwaltung in den Pro- vinzen" und„Distriktskommissare in Posen". Die Debatte über die Polizeiverlvaltung drehte sich fast ausschließlich wieder um die Berliner Verkehrsverhältnisse und die Lage der Schutzleute. Ein hierzu gestellter Antrag Brömel (frs. Vg.), der die Regierung ersucht, die Schutzleute in Berlin nach einer gewissen Probezeit lebenslänglich anzustellen, wurde der Budgetkomniission überwiesen. Abg. Kreitling (frs. Vp.) berührte auch die Frage der D u r ch q u e r u n g der Liyden, wobei er in echt freisinniger Weise tiefe Ver- beugungen vor der Krone machte. Eine Auskunft Ivnrde ihm nicht zu teil, da diese Angelegenheit ins Ressort des Mi- nisters der öffentlichen Arbeiten gehört. Am Sonnabend stehen die Etats der Lotterieverwaltung, der Verwaltung der direkten Steuern, der Rest des Etats des Ministeriums des Innern und die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betreffend den Erwerb von BergwerkSeigentum auf der Tagesordnung.— Deutsches Weich. Sine Ehrung Washington». Prinz Heinrich legte am Donnerstag im Austrage Kaiser Wilhelms einen Kranz ans dem Grabe George Washingtons nieder und pflanzte nahe der Grabstätte eine Linde. Diese Ehrimg galt einem Führer vnterlandsloser Gesellen, die sich in dreister Unbotmäßigkeit gegen ihr angestammtes Herrscherhaus auflehnten. Sie galt einent Manne, gegen den einst deutsche Truppen kämpften, deutsche Landeskinder aus Hessen- Kassel, Hessen-Nassau, B r a n n s ch w e i g, W a l d e ck. Anhalt und Ansbach, die von ihren Herren Landesväteni an England verkauft ivorden waren.— Eine heimatliche Erinnerung. Einer der Kabel-Schmocks drahtet aus New Aork über folgende denkwürdige Episode der Prinzen-Neise: .Als Prinz Heinrich den Sonderzug nach Washington bestieg, nahm die Polizei einen Mann fest,' der sich zudringlich und widersetzlich benahm. Als der P r i n z dies sah, sagte er: „Ihr amerikaniscbenPolizisten macht kein Feder- lesens, die Art, wie der Mann beige st eckt wurde. macht m i r S p a ß." Der Festgenommene entpuppte sich später als ein harmloser U e b e r n e n g i e r i g e r; er wurde aber doch vom Polizeirichter zu 60 Dollar Geldbuße wegen Ungebühr- l i ch k e i t verurteilt." Daß den Prinzen die amerikanische Polizeischneidigkeit angenehm an seine preußisch-dentsche Heimat erinnerte, ist nur natürlich.— Die Aufkaufung de» dritten BandeS der Bismarckschen Memoiren behauptet die„Chemnitzer A l l g e m. Z e i t u n g", der von zuverlässiger Seite berichtet wird, daß jcner dritte Band, der ebenso wie die beiden ersten Bände der Stuttgarter VerlagSanslalt zur Drucklegung übergeben war, von hochstehender Seite um hohen Preis im Manuskript angekauft worden ist und infolge dessen nicht erscheinen wird. Der dritte Band enthält die Geschichte der Entlasiung Bismarcks und Betrachtungen über den neuen Kurs. Daß man sich in gewissen Kreisen vor diesem Bismarckschen Geschoß ans dem Grabe fürchtet, ist begreiflich. Dennoch möchten wir nicht meinen, daß die Erben Bismarcks sich ans solchen Handel einlassen könnten, der eine wertvolle Geschichts- quelle verschüttet. DaS VereinSrecht der' Frauen. Die„Berliner Neuesten Nachrichten" benierken zu der Beschwerde der Vereinsversammlung des dritten Berliner Wahlkreises wegen der Ausweisung der Frauen von der Tribüne:„Auf die Lösung dieser etwas verzwickt ge- wordenen Frage kann man allerdings gespannt sein." Wir finden die Frage nicht im mindesten verzwickt. Der Minister hat ausdrücklich auch für die n ä ch st e Versammlung des Bundes der Landwirte die Zulassung der Frauen als ZuHörerinnen ver- sprochen. Und der Polizeipräsident hat deshalb keine schwierigere Aufgabe zu vollführen, als einfach die Polizei- Organe anzuweisen, in des Ministers und seinem Sinne zu verfahren.~ Die Weltpolitik der Weltverbrüderung. AnS New Dork wird gemeldet, daß der Prinz Heinrich am S. März die kanadische Grenze überschreite» und der englischen Kolonie einen Besuch abstalten werde. Ein Vertreter des Generalgo ii Verne nrs M in t o von Kanada wird ihn empfangen.' Auch ein Ehrensaliit von 21 Schlissen soll zu seiner Begrüßung abgegeben werden. In L o n d o n ivar man merkwürdigerweise über die Absicht dieses Besuches bcrciis mehrere Tage früher unterrichtet, als in Deutschland. Druckte doch bereits die„R h e i n.- W e st sä I i s ch e Zeitung" in ihrer vorletzten Nummer eine„Laffan"- Meldung ab, derziifolge in London die Nachricht ver- breitet war. Kaiser Wilhelm habe bei König Eduard angeregt(!), er möge den Prinzen Heinrich einladen, Kanada zu besuchen, um dadurch darznthun, daß die kiirzlichen politischen Ereignisse keine Trübung der Beziehungen zwischen Deutsch- kand und England bewirkt haben. Dem Vernehmen nach sollte König Eduard den Prinzen Heinrich bereits durch Kabel zu einem Besuch Kanadas eingeladen haben.— Zu dieser Meldung wollte der New Dorker Korrespondent dcS„Bureau Laffan" von dem deutschen Botschafter in Washington v. Holleb en iveiter erfahren baben, daß diesem von einer Reise des Prinzen nach Kanada nichts bekannt ist. Der Botschafter äußerte weiter in freimütigstem Gesprächston, der General- gouverneur von Kanada Lord Minto habe den Prinzen Heinrich z n e i n e m B e s u ch e i n O t t a w a e i n g e l a d e n. Prinz Heinrich habe die Einladiing, die nicht von England ans angeregt worden sei, biS jetzt noch nicht beantwortet. Sollte er sie annehmen, so wird ihm der vom Herzog von Jork benutzte Zug an die kanadische Grenze entgegengeschickt werden. Die politische Bedeutung des' Uiiion-Besuches de? Prinzen kann in der That auch durch einen kanadischen Abstecher nicht beeinträchtigt werden. Ein amerikanischer Journalist hat ja bereit- auf dem Prinz Heinrich veranstalteten Pressefest das große Wort ausgesprochen, daß das Schicksal Amerika, Deutschland und England zu einem unlöslichen Dreibund ansersehen habe. Waruni sollte man diesem Dreibund nicht auch gleich den offiziellen Stempel aufdrücken I Mehr noch: Ein großer Teil der kanadischen Bevölkerung ist f r a n z ö- s i s ch e r Abstammung. Wer weiß also, ob a»S deni Dreibund nicht auch gleich ein Vierbiind werden könnte. Und da Deutschland zu diesem Vierbiind gleich Oestreich und Italien, England Japan, und Frankreich Rußland mitbrächte, so wäre sozusagen ein allgemeiner Weltbund fix und fertig. Seid uinschlungeu, Nationen..— Der Brombcrger Schnlprozesi hat zwar mit der F r e i s p r e ch u n g des angellaaten Gemeinde- Vorstehers geendet, allein es scheint keine Aussicht vorhanden zu sein, daß nunmehr gegen den Lehrer Kühn das Disciplinarverfahreii eröffnet wird, da ja der Gerichtshof den Wahrheitsbeweis dafür, daß Kühn das Z ü ch t i g n n g s r e ch t überschritten habe, als nicht erbracht angesehen hat.' Das Gericht hielt die Aussagen der zahlreichen Schulkinder nicht für genügend, um die gegen- teiligcn Aussagen des Lehrers Kühn, der ja hier infolge des gegen seinen Ankläger erhobenen Verfahrens als Zeug« fungieren lonute, und des Kreis-Schnlinspektors K e m p f zu erschüttern. Die Vernchmuiig der letzteren bot allerdings einige interessante Momente, die nachgetragen zu werden verdienen. Er erklärte nämlich, er habe Ivohl festgestellt, daß einzelne Kinder in unerheblicher Weise von dem Lehrer Kühn gezüchtigt worden seien, von erheblichen Züchtigungen habe er aber nichts gehört.— Vors.: Haben Sie die Kinder denn genau ver- standen?— Zeuge: Jawohl, da ich doch auch Anivalt der Kinder bin, so war ich aufs eifrigste bemüht, die Wahrheit zu ermitteln.— Vors.: Ein Schiilmädchen hat allerdings Ihnen zu Protokoll gegeben, Lehrer Kühn habe sie heftig auf den Kopf und die Nase geschlagen, so daß letztere blutete?— Zeuge: DaS ist richtig.— Vors.: Das würde aber das ZüchtignngSrecht überschreiten.— Zenge: DaS gebe ich zu. Interessanter noch war folgende Episode der Vernehmung des Schnlinspellors. Schulinspektor K e m p f erklärt, er habe auch gehört, daß der A n g e l l a g t e seinen amtlichen Einfluß aufgeboten habe, um die Leute zum Unterschreiben der Beschwerde zu bewegen. Eine bestimmte Unterlage habe er aber dafür nicht.— V e r t.: Geben Sie zu, daß Sie der königlichen N e g i e r n n g berichtet haben, der Angeklagte habe bei der Ent- richtnng der Stenern die Leute anfgefordert, die Beschwerde z u n ii t e r s ch r e i b e n?— A n g e k l.: Ich hatte dies allerdings gehört.— Bert.: Wie kam es aber, daß Sie diesen Vorgang der königlichen Regierung als Thatsache mitteilten, mit dem Be- merken, der Angellagle habe seinen anulichen Einfluß geltend ge- macht und die Leute mit Strafe bedroht, wenn sie die Beschwerde nicht unterschreiben wollten?— Staatsanwalt: Ich be- antrage die Beantwortung dieser Frage abzulehnen. — Bert.: Die Eingabe ist ein amtliches Schriftstück; ich beantrage, dasselbe zur Auffrischung des Gedächtnisses des Herrn Zeuge» zu verlesen.— Kieis-Schulinspektor Keiiips: Ich gebe die Möglichkeit zu, eine solche Eingabe gemacht zu haben. Trotzdem den ganz bestimmten und übereinstimmenden AnS- sagen der sechs Scknilliiider nur das Zeugnis des eigentlich Be- schuldigten und das des SchiiHnspektors, der wirklich Positives doch überhaupt nicht zu bekunden vermochte, gegenüberstand, wurde der Wahrheitsbeweis nicht für erbracht angesehen l Höäfft bezcichnciid für den Wert des Schulunterrichts der Gcrmanisierniiftspädagogcn ist noch folgender Passus aus der Gerichts- Verhandlung: Vors.: Wie verlehren Sie denn mit den Kindern, d a Sie doch der polnischen Sprache nicht mächtig sind? � Zeuge: I ch ver st ehe soviel polnisch, um mich uoldürstig zu verständigen. Bisweilen rufe ich meine Frau zu Hilfe._ Eiue Riesen- Protcstverfammlnng Kruppscher Arbeiter gegen die Kruppschen Wohlsahrtseinrichtiingeu. Man schreibt uns ans Essen: Die bereits gemeldeten Vorgänge auf der Kruppschen Fabrik hatten zur Folge, daß am Mittwochabend ca. 2000 Kruppsche Arbeiter zusaminenkainen, um gegen die neuesten Wohlfahrtseinrich- tuiigen zu demonstrieretz. Da das Lokal nur 1000—1100 Personen faßte. standen viele der Herbeigeströmten draußen an den Fenstern, aus dem Hofe und truppweise zogen die Leute wieder ab, weil das Lokal bis auf das letzte Fensterbrcttchen gefüllt war. Die von dem Referenten, Redacteur D ü w e l I. an den Kruppschen Wohlfahrtseinrichtungen im allgemeinen, an den neuesten Wohlthaten im besonderen geübte Kritik wurde von den Anwesenden mit st ü r m i s ch e m B e i f a l l laufgenommen. Ist es schon ein bedeutsames Zeichen. tveini ein paar Tausend Arbeiter der Kruppschen Fabrik in einer Versammlung erscheinen, die zu dem Zlvecke ein- berufen wurde, um gegen die Firma Stellung zu nehmen, so ist noch ganz besonders bedentiingsvoll, daß die Erschienenen wie ein Mann in so offener Weise gegen die Firma d e m o n st r i e r t e n. Auf Borschlag wurde einstiinniig beschlossen, UNI endlich einmal den Unverantwortlichen, der bisher nur Millionen einsteckte, die Excellenz Krupp, direkt auf die Vorgänge ans seiner Fabrik aufmerksam zu machen, dessen Einfluß auf sein Werk kennen zu lernen und sein gelobtes gutes Herz auf die Probe zu stellen, demselben folgendes Telegramm nach C a p r i zu senden: „Excellcnz Krupp Capri. Die heute, 26. Februar er., im Saale der Borussia von mehr als 1000 Arbeitern Ihrer Fabrik besuchte Bersanimlnng, tvendet sich an Sie mit dem Ersuchen, Anordnung zu geben, damit die neue Arbeits- Ordnung in der Schmiede S. S., nach welcher die Mittagspause nicht mehr wie eine Stunde betragen soll, aufgehoben wird." Weiter wurde das Bureau einstimmig dcnnftragt, an Krupp eine Eingabe gelangen zu lasse», in der die Miststände genauer ge- schildert werden und ersucht wird, die Kündigimgen riick- gängig zu machen und die frühere Arbeitszeit wieder einzuführen. Die Eingabe soll unterzeichnet werden von dein Vorsitzenden des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes und dem Vorsitzenden dcS ch r i st l i ch e n Metallarbeiter-Verbandes. Die Aufforderung des Referenten an die Versammelten, endlich nun die Konsequenzen zu ziehen, sich der Organisation a n z u s ch t i e st e n. wurde mit brausendem Beifall aufgenommen und mit einem begeisterte» Hoch auf die Organisation schlost die Versammlung. Buch in Essen rüttelt es gar mächtig an der Säule der«gött- lichcn" Weltordnung, an dem Fabrik-Feudalismus. Hehlerei. sGcgen den„Vorwärts" ist infolge der Veröffentlichung des vertraulichen Marinc-Erlnsses ei» Verfahren wegen Hehlerei eröffnet worden.] Wer die Wahrheit erfährt und sie weiter erzählt, Der hat diese selbige Wahrheit„verhehlt". Und wer sie für weite Kreise entdeckt, Der hat sie geheim in die Tasche gesteckt. Und wer in die Ocffentlichteit sie gebracht, Der will sie verbergen ans Niedertracht. Wer die Wahrheit kennet und saget sie frei, Der kommt vor Gericht wegen Hehlerei. (.Lustige Blätter'.) Ausland. Uever die Stltdcntem»nrnhc» in Kijew erhält der Krakauer„Naprzäd" einige Mitteilungen von Augenzeugen, denen wir folgende interessante Einzelheiten entnehnrcn: Die Studenten, die von den Ferien zurückkehrten, drückten als- bald ihre Unzufriedenheit aus wegen der„Reformen" des Unternchts- Ministers. Am 20. Januar alten Stils fand eine Versammlung der Studierenden deS Polytechnikums statt, in der der Streik beschlossen Ilwede. Am 24. Januar alten Stils beschlossen auch die Universitäts- studenten in einer stünnischen Versammlung den Streik; sie ver- warfen die neuen Universitätsniastregeln. Auhcrdem wurde ge- fordert: die Weiteste Autonomie der Universitäten, die Wiederaufnahme der für die vorigen Unruhen Relegierten und die Aufnahme aller, welche studieren wollen, ohne Unterschied des Geschlechts und der Nationalität. Zum 1. Februar alten Stils beschlost die örtliche Arbeiter- Partei eine Demonstration zu veranstalten. Sofort wurde dnS ganze Militär der Stadt mobilisiert. In der Nacht zum 1./13. Februar wurden die HeereSabteilnngen in den einzelnen Teilen der Stadt unter- gebracht. Mangab den Befehl, ohne K o m m a n d o auf dicMenge zu s ch i e st e II. und izwar auf Zeichen, welche Uneingeweihte» unverständlich waren. Am 13. Februar gegen 12 und 1 Uhr mittags wurde nahe am Rathaus eine rote Fahne entfaltet, neben welcher sich sofort Massen von Arbeitern und Studenten vereinigten. Sofort begann ei» wüster Kampf niit der Polizei, das Militär war noch nicht zur Stelle. Polizisten zu Pferd und zu Fnst schlugen mit NagaikaS und dicken Stöcken in das Pnblikmn— auf Frauen und Männer— ein. Der Polytechniker Wolski wurde auf der Stelle getötet, einige Studenten wurden schwer verwundet, einige Frauen unbarmherzig geprügelt... Da« Publikum wehrte sich, ein Polizist wurde erschlagen. Die rote Fahne wehte an einigen Stellen, wurde aber sofort niedergerissen. Neben der Universität demonstrierte zu'gleicher Zeit eine Gruppe Studenten und Arbeiter. Sofort erschien das Militär. Es gelang ihnen, die Demonstranten in einer Ecke cinznschlictzen. Nun begann eine fürchterliche Prügelei. Ein Teil der Eingeschlossenen wurde verhaftet. Neben dem Theater zog eine Truppe unter den Klängen revolutionärer Lieder vorbei. Auch hier gelang es den Kosaken, daS Publikum in die Enge zu treiben. Mau schlug die Demonstranten in fürchterlicher Weise. Trotzdem erklangen die revolutionären Lieder bis zum Abend auf den Straßen. Am nächsten Tage fand eine stünnische Stiidentenversammlung statt, an der auch der Vertreter des Ministers teilnahin. Er erklärte: „Mit den Herren Studenten kann man nie fertig werden." Schliest« lich ninstte er mit dem Rektor abziehen— zum Abschied mutzten die Herren tvieder einige revolutionäre Lieder hören. Die Erregung in allen BcvölkcruiigSkreisen— selbst bei den Offizieren— ist geivaltig. Zum 19.— dem Tag der Bauern- befreiung— und dem 1. März— dem Todestag Alexanders II.— hat mau wieder Demonstrationen angekündigt. Am ersten� Tag der Demonstration wurden 14 Personen ver« haftet, am nächsten Tag fanden Massenverhaftungen aus allen Kreisen statt.— Auch in anderen Universitätsstädten kam es zu lebhaften Stttdcntendemonstrationen. Der„Regierungsbote" veröffcnt- licht einen Erlast des Ministers f ü r„V o l k s a u f k l ä r u n g", in welchem Mitteilungen gemacht Iverden über die Ruheftöriingen, die eine Schar von 400 Studenten der Universität und andrer Hochschulen sotvie Frauen am 22. Februar in der Universität in Moskau verübt haben. Der Hanfe drang ans dem Hofe, wo er sich versammelt, in die Aula der Universität ein, zertrümmerte Thüren, Schränke, Tische und Stühle, hängte rote Fahnen ans den Fenstern heraus, lärmte und sang Lieder. Die Rnhestörnngen be- gannen um IlVe Uhr vormittags und dauerten bis Mitternacht, wo Polizei und Soldaten die Ruhestörer verhafteten, ohne dast diese bc« sonderen Widerstand leisteten. Der Minister ordnete die sofortige AnSschliestiing aller verhafteten Studenten aus der Universität an sotvie die A u s s ch l i e st u n g aller übrigen üürer andrerLehran st alten, die ebenfalls in der Nacht auf den 23. Februar in der Universität Moskau verhaftet sind, aus den betreffenden Hochschulen.— Oestreich-Nngarn. Abgeordnetenhaus. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde am Freitag ein Dringlichkeitsantrag der Social- demokraten auf Einbringnng einer Prestgesetz Novelle innerhalb 8 Tagen verhandelt. Ministerpräsident v. Kvrber erklärte, die Regierung, welche in dieser Angelegenheit freiwillig die Initiative ergriffen habe, werde ihr Vcrspcche» halten, einen Termin könne sie sich jedoch nicht setzen lassen. Hier- auf ivurde die Dringlichkeit abgelehnt und die Specialdcbatte des Budgets fortgesetzt. NeiitralitätSbrnch gegen die Boeren. Dem Krakauer „Naprzöd" wird ans Przemysl(Galizien) berichtet: In den letzten zwei Wochen reiste ein englischer Agent in unsrem Kreis herum und kaufte Pferdetran's porte an, die für Transvaal be- stimmt sind. Bekanntlich hat der Minister Goluchowski im RcichSrat erklärt. dast die östreichijche Regierung die Neutralität wahren wolle.„Wie sehe» angesichts solcher Thatsachen die offiziellen Er- klärnngen deS Grafen Goluchowski aus?" fragt mit Recht unser Krakancr Parteiorgan.— Frankreich. Waldeck- Rousseau erschien gestern in der Wahlkommisston. Die Kommission nahm nach seinen Erklärungen die Regierungs- vorschlüge an, tvonach die Zahl der Abgeordneten in einzelnen Wahl- kreisen entsprechend der Bevölkerung erhöht werden soll. Betreffend Marseille sollen weitere Erhebungen stattfinden.. Die Regierung unterbreitete ferner der Wahlkommission ein Projekt, das daraus hinzielt, die Wahlbecinflussungen einzuschränken. Das Projekt wurde von der Konnnission im Princip an- genommen.■— Spanien. Die Lage in Spanien ist trotz der scheinbaren Ruhe noch sehr ernst. In Barcelona, wo die Ruhe äußerlich zurückgekehrt ist, sind die Streitigkeiten der Metallarbeiter und der Fuhrleute mit den Arbeitgebern noch nicht beigelegt. Ebenso dauert der Generalstreik in Rens, Sabadell, Sana und Hostafrauk fort, doch hofft man, dast hier die Streikenden wie in Saragossa und Tarragona zur Arbeit zurückkehren werden. Neuerdings sind Truppenstärkungen nach Barcelona abgegangen. In Murcia ist der Generalstreik aus- gebrochen.— AuS Barcelona wird noch gemeldet: Die Behörden haben erfahren, dast Zusammenkünfte stattfinden, welche bezwecken, aufS neue einen a l l g e in e i n e n A u S st a n d zu proklamieren. Es wurden daher Maßregeln getroffen, um einem solchen vorzubeugen. Die Metallarbeiter mißhandeln noch immer diejenigen Kameraden. welche die Arbeit wieder aufnehmen. Sie wollen nicht arbeiten, solange nicht alle Arbeiter, die an- läßlich deS letzten Aus st andes verhaftet wurden, tvieder freigelassen worden sind.— Rußland. Ei».Hungerstreik war wieder einmal im Petersburger Unter- suchungsgcfängnis unter den politischen Verbrechern ausgebrochen. Der Hungerstreik ist bekanntlich das letzte Mittel, zu dem die ver- zweifelten Opfer des zarischen Despotismus greifen, wenn die Willkür der Gefängnisverwaltnng oder der administrativen Behörden nicht mehr zu ertragen ist. Es nahmen am Hungerstreik 48 Personen teil; drei Tage hindurch nahmen sie keine Speise zu sich; sie verlangten die Frei- lassung der in den Prozest der„Arbeiterbibliothel" vertvickclten Personen, die schon mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft sich befinden und deren Untersuchung schon l ä n g st zu Ende geführt ist; erst als der Staatsanivalt diese Forderung erfüllen zu wollen erklärte, wurde der Hungerstreik für beendet erklärt.— Unruhen in Finnland. Aus Anlaß des Jahrestages der Pnbli- kation des Manifestes des Zaren über die Einführung de r finnischen Wehrpflicht-Ordn u'n g fanden am 13. d. Mts. in H e l s i n g f o r s e r n st e S t r a st e n d e m o n st r a t i o n e n statt. Da die Polizei zu schwach war, die Ruhe tvieder hcrznstclle», mnstte Militär einschreiten und Ordnung schaffen. Heber 40 Verhaftungen wurden vorgenommen. JpKvsamenkKvifches. Kolontal-Etat. Die B n d g e t k o m m i s s i o n des Reichstags setzte am Freitag die Diskussion über Fortfiihrnng der Eisenbahn T a n g a— M n h e s n— K o r o g w e bis M o m b o fort, wofür als erste Rate 1550000 M, verlangt werden,— Abg. Dr Arendt(Rp,) stellt den Antrag, 000000 M, von diesem Etatstitel abzusetzen.— Abg. Müller-Fulda(E.) meint, dast die Fortführung der Bahn bis Mombo nicht für 3 Millionen zu bauen sein tvcrde, sondern vielleicht 0 Millionen kosten könnte. Er stehe dem Bahnbau ablehnend gegen« über.— Abg. Richter(stf. Cp.) empfiehlt Ablehnung der Summe.— Abg. Frccse(frs. Vg.) meint, man sollte nicht bei Korogwe stehen bleiben, sondern weiter bauen, und bittet, einen Teil der geforderten Snmme zu bewilligen. Staatssekretär Frhr, v. Richthofen Ivarnt vor gänzlicher Ab- lchnnng der Summe, Die Regierungsvorlage auf Bewilligung von l 550 000 M. wird mit allen gegen eine Stimme abgelehnt, der Antrag Arendt auf Bewilligung von 950 000 M. wstd mit 14 Stimmen abgelehnt. Für die Weitersiihrnug der von Dar-es-Salnnm ausgehenden Telrgraphenlinic und zwar von Mpapwa bis Tabora werden 108 000 M. verlangt. Der Posten wird b e>v i l l i g t. Der Etat für Südwrst-Afrika tvlrd ohne Debatte genehmigt, ebenso der Entwurf des Gesetzes, betr. die F e st st e l l n n g des Haushalts-Etats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1902. Nächste Sitzung: Dienstag 10 Uhr. Zur Beratung steht der Antrag Gröber, betr. das P o st ü b e r e i n k o m in e n des Reiches mit Württemberg. Die Brannttveinstener-Kommissio» deS Reichstags konnte am Donnerstagabend nicht in die Be- rätling des Antrags Paasche eintrete», iveil der Antragsteller am Erscheinen verhindert tvar. Auch die Anträge des Abgeordneten Miiller-Fnlda usw., die demnächst zur Verhandlung kommen sollte betreffend Abänderung des Z 41 des Gesetzes(Maischbottich- und Branntweininaterial-Steiier) schiede» aus der Erörterung ans. Abg. Miiller-Fnlda(C.) führte nämlich ans, die Maisch- ranm-Stener werde in dem Maße zu einer Kalamität wie der Trinkbranntwein gegenüber dem getverblichen Branntwein an Quantität zurücktrete. Von einem dauernden Gesetz könne des- halb keine Rede sein, nachdem die Maischraumsteuer wieder festgelegt worden sc!. Er ziehe ans diesem Grunde seine Autrüge zu Z 41 des Gesetzes zurück, werde aber darauf halten, dast nun auch dem Gesetze der Charakter eines NotgesetzeS nicht genommen werde, Abg. Pachnickc(frs. Vg.) regt an, dies in einer Resolution zum Ausdruck zu bringen, wenn im Augenblick die gesetzliche Beseiti- gung der Maischraumsteuer nicht möglich sei, Abg. Dietrich(k.) tritt für eine mindestens zehnjährige Dauer des neuen Gesetzes ein, da sich nicht nur die Behörden, sondern auch die Betriebe auf eine so tiefgreifende Reuernng, wie die Beseitigung der Maischbottichstener lange voraus einrichten müstten. Abg. Müller- Fulda(C.) stellt ein« Resolution im Sinne dcS Abg. Pachnicke in Aussicht. Es wurde dann noch eine Reihe von Antragen der Abgeordneten Fitz(natl,), Lücke(B. d. L.) und anderer beraten, die Abändeningen des Gesetzes, namentlich zu Gunsten der kleineren Brenner bezweckten, aber zumeist von den Antragstellern hernach zurückgezogen wurden. Die Verhandlung schritt bis zur Frage der Staffelung der Brennsteiier fort. Da zu dieser von dem abwesenden Abg. Speck(C.) wichtige Anträge gestellt waren, wurde die Beratung bis zu seiner Rückkunft vertagt. Nächste Sitzung Mittwochabend. Wie Abg. v. Brockhansrn ist jeder Arbeiter, der daS 25. Lebensjahr erreicht hat und enttveder ein Jahr in Ripdorf wohnt oder ein Jahr in Rixdorf arbeitet. Wer ein Jahr in Nixdorf ansässig ist, hat sich von dem Polizeirevier, in dem er wohnt, eine Bescheinigung darüber ausstellen zu lassen. Dieses geschieht un- entgeltlich, auch am Sonntag. Wer in Rixdorf ein Jahr arbeitet, hat sich dieses von seinem Arbeitgeber bescheinigen zulassen. Jede dieser Bescheinigungen dient als Legitimation zur Wahl. Es ist Ehrensache eines jeden Arbeiters, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen, und da die Wahlen an einem Sonntage stattfinden, ist die Beteiligung auch mit keinem Verlust des Verdienstes verbunden. Deutsche» Reich. Achtung Former! Bei Spics in Barmen, Leimbachstraße, sind Differenzen ausgebrochen. Der Streik ist nnvermeidlich. Zuzug von Formern und Gießerei-Arbeitcrn ist streng fernzuhalten. Dem Streik in der Schuhfabrik von Roscnbnsch in Mainz haben sich auch die Stepperinnen. 32 an der Zahl, angeschlossen. Die Arbeiter nahmen eine Resolution an, in der sie sich bereit er- klärten, unter vorläufiger Aufnahme der Arbeit zu den alten Be- dingungen, in eine Neuregelung des Tarifs zu willigen. Zuerst sollen aber alle Vorkehrungen, Einrichtungen und Arbeitseinteilungen an den neuen Maschinen vorgenommen werden. Achtung, Modelltischler! Für die„Union" in Berlin sollen außer in Stettin auch in Leipzig Modelle hergestellt werden. Durch Vernnttlung der Firma Meier u. Weigel sind den in der Modellfabrik von C a r i n s in Lindenau beschäftigten Modelltischlern gleichfalls Modelle für Berlin in Arbeit gegeben worden. Da die Modelltischler sich weigern. Streikarbcit zu thun, ist es in dem ge- nannten Betriebe bereits zu Differenzen gekommen, wobei ein Modell- tischler entlasse» wurde.— Die Modelltischler wollen allerorts acht geben, daß sie nicht unwissentlich ihre ausgesperrten Kollegen schädigen, da sich die Versendung von Strcikarbeit sicher nicht auf Leipzig und Stettin beschränkt. Ein Glasarbcitcrstrcik von gröftcrrr Ausdehnung scheint sich in N ü r n b e r g- F ü r t h vorzubereiten. Dort haben eine An- zahl Firmen Lohnrcdnktioncn vorgenommen, die bei der Firma P ö n n bis zu 30 Proz. gingen. Verhandlungen waren resultatlos. Eine GlaSarbeiter-Versammlnng beschloß deswegen, bei dieser Firma in den Streik zu treten. Da bei den elenden Löhnen auch den Reduktionsgelüsten der übrigen Firmen entgegengetreten werden muß, beschloß die Bersanimlnng weiter, an' die Verwaltung des Verbandes den Antrag zu stellen, alle notwendigen Vor- arbeiten für ei n cn größeren Ausstand zu treffen. Die Müucheucr Klciderbaroue erlassen in den TagcSblättern eine Erklärung, worin die Arbeiter der Firma Schwarz u. Sohn auf- gefordert iverden, unverzüglich die Arbeit wieder aufzunehmen, widrigenfalls am Montag, den 3. März, sämtliche bei Verbands- Mitgliedern beschäftigten Schneider und Schneiderinnen ausgesperrt würden.— Zuzug von Schneidern nach München ist strengstens zu meiden! Anslaud. Die Webcranssperrung in Euschede. Mit dem heutigen Tage wird sich die Zahl der Ausgesperrten noch um 500—600 ver- mehren, da den Arbeitern der Fabrik von Richtersbleek auf den 1. März gekündigt wurde. Am Dienstag hielten die Ausgesperrten wieder eine groffe Versammlung ab. Auf eine Anfrage, ob es wohl möglich sein werde, auch wenn jene 500—600 Arbeite« noch hinzu- kommen, die nötigen Gelder anfzubriiigen, erklärte das Streikkomitee, daff bis jetzt von Woche z u W o ch e h ö h e r e S u m m e n für diesen Zweck eingegangen seien, so z. B, in der vorletzten Woche 6500 Gulden, in der letzten 8500 Gulden. Dabei hätte man sowohl in Holland als auch im Auslände erst mit der Agitation für die Sache begonnen, so daß man wohl annehmen könne, daff die Unter- sllitzungcn noch zunehmen würden. Die Ziindholzarbeiter von Paris befinden sich in einem Ausstande, der einen groffe» Umfang anzunehmen droht. Die Zünd- Holzarbeiter von Marseille werden sich wahrscheinlich der Ausslands- bewegung anschließen. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß auch die Tabaksarbeitcr sich mit den Ausständischeu solidarisch erklären werden. Vevsernrntlunsen. Die Möbelpolirrer hielten am 23. Februar in Kellers Fest- sälcn eine öffentliche Versammlnng ab. Weber gab einen Bericht über den Streik in der Stnhlbrnnchc und die Ursachen desselben. Er kam zn dem Schkuff, daff es nicht soweit gekommen wäre, wenn die Kollegen der Firma Bolze, welche den Anfang gemacht hat, besser organisiert gewesen wären. Redner führte ans, daff die Fabrikanten alle Ursache' hätte», gegen die Zuchlhansarbeit Front zu machen, welche in diesem Fach besonders groß ist. Aber an diese Aufgabe getrauen sich die Herren nicht heran, dafür sind sie desto riicksichts- ioscr in den Abzügen bei ihren Arbeitern. Nachdem sich mehrere Redner zustimmend geäußert hatten, wurde folgende Resolution ein- stiinmig angenommen:„Die ani 23. Februar tagende öffentliche Versammlnng der Möbrlpolierer vernrteilt die Handlungsweise der Stnhlhändler auf das entschiedenste und verpflichtet ich, mit aller Macht dahin zn wirken. daß sämtliche bei den Stuhlhändlern beschäftigten Polierer organisiert werden, um die verloren gegangene Position wieder erringen zu können."— Alsdann wurde der nciigcgründete Arbeitsnachweis der Tischler- innung besprochen. Die Anwesenden waren der Meinnug, daß der- elbe von den Kollegen nicht benutzt werden darf, da er sich schon in den ersten Tagen seines Bestehens als für die Organisation ge- 'ährlich criviesen hat. Diese Ansicht wurde auch in einer Resolution niedergelegt. Alsdann wurde» Weber als Beisitzer nnd Heinrich S ch u l z 1 als Ersatzmann zum Jnnungs-Schicdsgcricht aufgestellt. Der Verband der Bäcker hielt am 18. d. M. im„Rosen- thalcr Hof" seine Mitgliederversammlung ab. K a ff l e r gab zunächst die JahreSabrechnnug, laut welcher eine Ausgabe von 2232,18 M. einer Einnahme von 2678,13 M. gegenüberstcht. Somit blieb zn 1902 ein Bestand von 445,95 M. Barth berichtete, wie weit die Obmänner in ihren Vorbereitungen zu den Bezirksversammlungen sind. Unter Jnnnngsangclegenhciten verurteilten inehrere Gcscllcn- Ausschnffmitglieder das Verhalten der Jnnungsvorstände den Gesellen- ansschüssen' gegenüber auf das schärfste. Jeder Antrag von den Gescllcnausschüffen wird von den Jminiigcn einfach abgelehnt. Als ei» Gesellenausschnff-Mitglied auf die Nichteinhaltung des vor dem Gewerbegcricht festgesetzte» Tarifs hinwies, antwortete ihm der Obermeister Bernhard, daff diese Vereinbarungen längst veraltet wären. Hetschold beantragte, daß die Alt- gesellen die beiden Jnnungsvoistände schriftlich auffordern mögen. innerhalb 4 Wochen eine Sitzung der Kommission, welche laut Punkt 6 der Einigiingsbedingmigen des Gewerbcgcrichts gebildet wurde, einzuberufen. Geschieht dies nicht, so solle erneut an das Gewerbegerickt herangetreten werden, nm feststellen zu lassen, wozu die Kommission geschaffen tvnrde. Die Versammlung stimmte diesem zn. Zu bemerken ist, daß diese Kommission ein einziges Mal. und zwar am 12. Juli 1900. getagt bat. Der Vorsitzende Bernhard versprach damals. die Kommission im Herbst wieder zusammen zu berufen. Dies ist trotz mehrfacher Anffordernng unter allerhand Ausflüchten seitens der Innung „Germania" hintertrieben worden. Ferner wurde mitgeteilt, daff die Sprechmeister Vogel 3785,27 M. und B o I t e 3085,75 M. Gehalt für das Jahr 1901 auS den Taschen der Bäckergesellen bezogen haben. Unter„Verschiedenes" machte Barth bekannt, daß sämtliche Vertreter der Geivcrkschaften, die zur Nahrungsniittcl- Branche ge- hören, schon etliche Mal zusammengetreten sind,»in Über einen Zu- sammenschlnß derselben betreffs leichterer Agitation in den Kleinstädten zu beraten. Rednersragte die Versammlung, ob er iveiter diesen Sitzungen beiwohnen soll nnd was er für eine Stellung dazu einnehmen soll. Er wurde beauftragt, diesen Sitzungen weiter beizuwohnen, dort aber eine ablehnende Haltung einzunehmen. Nachdem noch einige j erlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druc Verbandsangelegeiiheiten erledigt waren, folgte Schluß der Ver- sammlung. Die Rabitzpntzer hielten am 19. Februar in den Arminhallen ihre regelmäßige Mitglieder-Versammlung ab. Zunächst gab der Vorsitzende N i e k e den Geschäftsbericht vom Jahre 1901. Stall- gesimden haben im verflossenen Jahre 18 Versammlungen: 12 regcl- mäßige, 5 außerordentliche und eine öffentliche Versammlung. Sitzungen fanden 22 statt, außerdem 5 Sitzungen der Sechser- Kommission. Gcmaffregelt wurden wegen der Maifeier 15 und wegen Jnnehaltung der Organisations-Bestinimmigen 5 Mit- gliedcr. Die Gesamtcinnahme betrug 7282 M. 75 Pf., die Ausgabe 4856 M. 83 Pf. Es blieb am Schluß deS Jahres ein Bestand von 2423 M. 92 Pf. Nach Erledigung der Wnhlgeschäste nahm die Ver- sammlung Stellung zu den von den Unternehmern der Gips-, Cement- und Dccken-Baugeschäfte zum 1. April angekündigten Lohn- abzögen. Niete verlas ein Schreiben, welches die Unternehmer an den Verband der Rabitzpntzer gerichtet hatten. Ans diesem Schreiben geht hervor, daß die Unternehmer getvillt find', zum 1. April mit Lohn- rcducienmgcn vorzugehen. Niete bezeichnete dieses Vorgehen als Vertragsbruch, weil die Unternehmer es unterlassen haben, den jetzt bestehenden Vertrag rechtzeitig zu kündigen. Die Rabitzpntzer er- achten infolge der' verspäteten Kündigung den bestehenden Vertrag auf ein Jahr verlängert. Die Diskussion über das Vorgehen der Unternehmer war sehr heftig, doch nur kurz, weil sich sämtliche Redner gegen eine Lohnrcducicrung erklärten. Nach Schluß der Diskussion wurde der Vorstand beauftragt, den Beschluß der Ver- sammlung. lvcichcr sich jeder Lohnherabsetzuiig widersetzt, dem Unter- nehmer-Verband mitzuteilen. Charlottcubnrg. Die hiesige Zahlstelle des Deutschen Holz- arhciter-Verbandes beschäftigte sich in einer gntbesuchten Versamm- lnitg mit der Einführung der ÄrbeitSlosen-Unterstützuiig. Der Referent A h r e n s wies in seinem Vortrag darauf hin. daff die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung eine zwingende Notwendigkeit sei. Der Korreferent S i ck f e l d führte namentlich ins Feld, daß für die ge- plante Beitragserhöhung von 10 Pf. pro Woche nicht genügend ge- leistet werden könne. In der Diskussion sprachen sich einzelne Redner für die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützmig a»s. Als Dclc- gierter zum Verbandstag wurde B e n s ch e ck- Charlottenburg, zum Kongreß nach Stuttgart' G l o ck e für Berlin und Ah rens für den 6. Gan gcivählt. Rixdorf. Mitttvoch, den 26. d. Mts., fand im Laucknerschcn Lokale eine von ea. 500 Personen besuchte, vom Geiverkschaftskartcll einberufene Volksversammlung statt, die sich mit der bevorstehenden Gewerbegerichtstvahl befaffte. Der Referent Behrend beleuchtete in seinen Ausführungen die Vorteile der Gewerbegerichte vor den ordentlichen Gerichten, sowie die Verbesserungen, die durch die letzte Gewerdenovelle in das Gesetz aufgenommen sind.— In der Diskussion wurde das Gebahrcn der Arbcitgeber-Beisitzer scharf gegeißelt, welche angeblich ans religiösen Rücksichten die Ae- teiligmig an der Wahl am Sonntag ablehnten. Der Wahlakt wird deshalb von den Arbeitnehmern geleitet werden und werden die Genossen ersucht, den Anordnungen des Wahlvorstandes strengstens Folge zn leisten. Die vorgeschlagenen Kandidaten wurden einstimmig ange- noinmen. Die zur Wahl erforderlichen Legitimationen werden am Wahltage von der Polizeibehörde den ganzen Tag über ausgestcllt. Der Boereu- Krieg. Englischer Schwindel. Aus London wird gemeldet: Die englischen Verluste bei der Wegnahme eines Convois in der Nähe von Klerksdorp durch die Boeren, von derKitchener berichtet hat, beziffern sich auf 18 Ver- w u n d e t e. Die Engländer müßten ja ganz unglaubliche Feiglinge sein, wenn sie sich, 1 Bataillon, 3 Compagnicn nnd 2 Geschütze stark, nach .chcftigem Kampf", der sie ganze 18 Verwundete kostete, einen Convvi wegnehmen ließen, dessen Schutz sie bilden sollten! Da die zahlreiche Bcdcckmigsm annschaft so feig unmöglich gewesen sein kann, beruht die Meldung einfach auf dreistem Schivindel! London, 28. Februar,{ffl. H.) Alle Blätter beklagen sich über daS Stillschweigen der Regierung hinsichtlich der beiden letzten wichtigen Ereignisse in Südafrika.„Daily Mail" sagt: Wir wissen nicht einmal, wieviel Boeren die Blockhauslinie überschritten haben.„Daily News" meinen, die Ucberschrcitung der Blockhauslinie seitens der Boeren beweise, daß diese kostspielige und kom- pliziertc Einrichtung nicht diejenigen Dienste leiste, die man von der Regierung gewünscht und erwartet habe.' Uetzke Mscheirtzken und Depeschen. UnterhnuS. London, 28. Februar.(W.T.B.) Kriegsministcr B r o d r i ck verliest ein Telegramm Lord K i t ch e n e r s, in welchem dieser mitteilt, eine kombinierte Operatioit in der Nähe von Harri- smith habe den Erfolg gehabt, daff 600 Boeren gefallen oder ge- fangen genommen worden seien; unter den letzteren befanden sich der Sohn und der Sekretär von Christian De Wet. Kitchener fügt Hinz», diese befriedigenden Resultate kämen äußerst gelegen für de» Jahrestag von Majubahill. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung stellte B o l a n d(Rat.) die Frage, ob die Regierung die identische Note veröffentliche» wolle, über die sich die Botschafter in Washington am 14. April 1898 geeinigt hätten. H i ck s B e a ch entgegnete, der Fall gehöre nicht zu denen, wo man Doknmcntc, die höchst vertraulichen Charakter besäßen, mit Fug veröffentlichen könne. Die englische Regicrimg habe aber keine Kunde davon, daff irgend eine der übrigen Mächic auf diese Note hin etwas veranlaßt habe. Wie«, 28. Februar.(28. T. B.) Das„Fremdcnblatt" sagt: Wenn keine unerwarteten Zwischenfälle dazwischentreten, läßt sich der Ilntcrzeichiiuug der Konvention der Znckcrkonfcrcnz für morgen entgegensehen. Die Basis der Vereinbarungen ist die Aufhebung sämtlicher direkten und indirekten Prämien niit dein 1. September 1903, Ermäßigung der Znckcr-Einfuhrzölle auf einheitlich 6 Frank mit dem 1. September 1903, Erhebung von Retorsionszöllen gegen Zucker ans Staate», die an der Gewährung von Prämien fest- halten oder diese künftig gewähren sollten. Möglicherweise wird auch eine Klausel angenommen werden, die für die Zeit abnormaler Prcisentwickliing Fürsorge gegen niasseiihaftes Einströmen fremden Zuckers in die Kouferenzslaatcn trifft. London, 28. Februar.. ermordet worden. Unruhen werden nicht erwartet; der politische Agent fand bei einer Bereisnug des Gebiets im November die Bevölkening voll- kommen znsriedcn.________ nnd Berlag von Max Bading in Berlin. Hierzu A Bcilaze». Hr. 51, 19. Mm i. KcilGt Ks Jotmiittö" ßtrlinrt fiMlntt im Veichsksg. 154. Sitzung vom Freitag, den 28. Februar 1302. ii a ch in i t t a g s 1 Uhr. Am Bundesratstische: Präsident im Reichs- Eisenbahnamt Dr. Schulz. Die zweite EtatSberatung wird beim Etat für das Reichs- Eiseubahnamt fortgesetzt. Die Beratung beginnt mit den fortdauernden Ausgaben, Titel Präsident. Abg. Dr. Pachtticke(frs. Bg.): Nach Art. 45 der Verfassung steht dem Reich die Kontrolle über die Tarifpolitik zu. Eine Verbilligung der Personen- t a r i f e, wie wir sie seit Jahren verlangt haben, findet leider energischen Widerstand bei der preußischen Eisenbahn- Verwaltinig. Auch eine Konferenz der süddeutschen Staaten, die im vorigen Jahre stattfand und sich mit der Tarifverbilligiing beschäftigte. hat ein recht mageres Ergebnis gehabt. Sie ist mit Recht Bremser- konferenz genannt worden. Daher mutz das Reich ans Grund seiner Kontrollbefugnis eingreifen und das Interesse der Reisenden wahrnehmen, die auf Verbilligung der Fahrpreise dringen. Heute verweist man uns auf die rückgängige Konjunktur, aber in der guten Kon- jnnktur sind Ivir auch nicht vorwärts gekommen. Zum mindesten müßte die Konsequenz aus der Verlängerung der Geltungsdauer der Rücksahrtkartcn gezogen werden. 45 Tage sind kein geläufiger Zeit- begriff, man hätte zwei Monate wählen sollen. Es fehlt ferner noch die Möglichkeit der U e b e r t r a g b a r k e i t der Fahrkarten. Das richtigste wäre, man ließe die Rückfahrkarte fallen und setzte den Preis für die einfache Fahrt auf die Hälfte des Preises der Rückfahrkarte an.(Sehr richtig!) Ich bitte den Herrn Präsidenten des Reichs-Eisenbahnamts, sich der verfassnngs- mätzigen Pflichten, die sein Amt dem Reiche gegenüber zu erfüllen hat, zu erinnern.(Bravo! links.) Abg. Stolle(Soc.)(auf der Tribüne schwer verständlichj spricht über die Zahl der Unfälle im Eisenbahnbetrieb. Die größte Zahl der Unfälle entfällt auf Preußen. Die Ursache der Unfälle, Zusammenstöße, Entgleisungen usw. liegt natürlich an der Mangelhaftigkeit der Betriebseinrichtungen und es ist daher die höchste Zeit, daß diese Ursachen beseitigt werden. Schiene nbrüche sind zum Beispiel bei den preußischen Staatsbahnen in eineni Jahre 10 458 vorgekommen. (Hört I hört! bei den Socialdemokraten.) Dabei spart die preußische viseubahuvcrwaltung immer weiter, sie gleicht einem Hauswirt, der immer höhere Mieten verlangt, aber kein zerbrochenes Fenster einsetzt. Nicht nur beim M a t e r'i a l wird gespart, sondern ebenso bei den Beamte», von deren Leistungsfähigkeit doch vor allem die Sicherheit und das Leben der Fahrgäste abhängt. Die Arbeiter, die sich zur Verbesserung ihrer Lage organi- firren, werden gemaßtegelt. Auch der technische Fort- schritt im Eisenbahnwesen ist ein sehr geringer. Das neue Kuppel u ngsverfahren, von dem fchon vor zwei Jahren gesprochen wurde. ist noch immer nicht eingeführt. Ans die Mangelhaftigkeit unsres TarifwescnS hat bereits der Herr Vorredner hingewiesen. Die Verlängerung der R ü ck f a h r t k a r t e n ist gerade den Acrmstrn nicht zu gute gekommru, denn die vierte Klaffe hat keine Rückfahrt- karten. Die Eisenbahnverwaltung sollte doch endlich einsehen, daß eine Verbilligung der Tarife stets eine Vermehrung des Verkehrs mit sich bringt. Das beweisen die Erfahrungen mit der Einstihrinig des Z o n e n t a r i f s in Ungarn.(Sehr richtig! links.) Präsident im Reichs-Eisenbahnamt Dr. Schulz: Die' Zahl der Unfälle im Eisenbahnbetrieb hat nicht zugenommen. Es kommt nicht ans die Zahl der verletzten Personen an, fondern ans die Anzahl der Unfälle an sich. Wir führen seit 20 Jahren eine sorgfältige Statistik über diese Unfälle und daraus geht hervor, daß die Zahl der Ziisamincnstvße und Entgleisungen von Jahr zu Jahr abgenommen hat, sie haben sich um die Hälfte vermindert.— Was die auto- niatische Kuppelung anlangt, so werden fortgesetzt um- fassende Versuche angestellt, Die Nachrichten aus Amerika über die Brauchbarkeit der automatischen Kuppelung lauten aber nicht sehr günstig. Abg. Franke»(natl.) tritt für Aufbeffernng der Lokomotiv- führer ein. An diese Beamten werden sehr Hohe Anfordernngen ge- stellt, sie müssen daher auch entsprechend besoldet werde».' Des- gleichen wünschen die Eisenbahn-Werkmeistcr dringend eine Erhöhung ihres Gehaltes.— Redner fordert weiter im Interesse von Handel und Verkehr b e s s e r e B e h a n d l n u g des S t ü ck g n t- V e r- k e h r s und schärfere Aufsicht beim Umladen von Waren. Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): lieber die Notwendigkeit einer Tarifreforn, haben wir uns ja schon sehr häufig unterhalten, ohne etwas Wesentliches zu erreichen. Der gute Eindruck, den die große That des Herrn v. Thielen vom vorigen Jahre hervorrief, ist ja leider wieder abgeschwächt Ivorden durch die Einführung der 1 Mark« Reil'nmandcii« gebühr. Die Konsequenzen der Verlängerung der Rückfahrtkarten werden hoffentlich nicht wie diese selbst wieder lO Jahre auf sich warten lassen. Sehr zu begrüßen tväre zunächst der Gedanke einer süddeutschen Eisenbahngemeinschaft. Von einer ReichSeisenbahngemeinschaft, die nian ja theoretisch wünscht, befürchtet mau in Süddeutschland praktisch eine Verpreußuug. Besonders die kleinen thüringischen Staaten beschweren sich über den engherzigen Fiskalismus der preußischen Eisenbahn-Vcrwaltinig. Die schlechten Bahnen läßt man ihnen, während man ihnen die gut rentierenden wegiiimmt. Große Mißstimmung hat die Aufhebung f a st sämtlicher Sonntagsfahrkarten im Bezirk Erfurt erregt. Gerade der Thüringer ist ein lustiger, wanderfroher Mensch. der nichts mehr herbeisehnt, als sich an freien Sonntagen in Gottes herrlicher Natur zu ergehen. Man singt jetzt schon in Thüringen das Lied: Schlvarz ist die Trauer und weiß ist der Tod, und schloarzweiß ist Preußen, davor bhüt uns Gott.(Heiterkeit.) Ich bitte den Herrn Präsidenten des Reichs-Eisenbahnamtes. er möge seinem Kollegen in Preußen einen kleinen kollegialen Ellen- bogenstoß geben, damit er die thüringischen Staaten nicht allzusehr als Stiefkinder behandelt. Abg. Bcckh-Koburg(frs. Bp.): Ich hoffe, daß nach dem Wechsel im preußische» Finanzniinisterinm nun auch für eine allgemeine Tarifreform ein günstiger Wind wehen wird.— Den Beschiverdeu meines Herrn Vorredners über die schlechte Bahandlung der kleinen thüringischen Staaten schließe ich mich durchaus an. Abg. Stolle(Soc.) sauf der Tribüne fast unverständlichj: Im a l l g e m e i u e n mag eine Verminderung der Entgleismigeii zu verzeichnen sein, auf den preußischen Bahnen ist aber die Zahl der Unfälle in erschreckendem Maße gestiegen.— Besonders schlimm sind die Zuftände auf eineni Bahnhof vor den Thoren der Reichs- Hauptstadt, also unter den Augen der Verwaltinig, und zwar ans dem Bahnhof Lichten berg-FriedrichSfel de. Der Unterbau des ganzen Bahnhofs soll sich in einem sehr mangelhaften Zustand befinden, das Unwangieren von Güterzügen muß auf diesem Bahnhof öfters auf dem Geleis« für den Personenverkeyr vor- genoniineu werden. Die Arbeiter sind dort st a r k überlastet, es ist vorgekommen, daß ein Bremser»ach Akstiindigeni Dienst aufgefordert wurde,»och 8 Stunde» Dienst zu thnu. Das sind doch Zustände, die himmelschreiend find.— Wa« übrigens die Verlängerung der Rü ck f a h r t k a r t e n anlangt, so muß ich konstatieren, daß im vorigen Jahre von feiten der sächsischen Eisenbahn-Verivaltung die Geltungsdauer der Arbelter-Fahr- karten von 1« auf 6 Tage verkürzt worden ist.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Also nach oben verbilligt man die Tarife, um nach unten zu Erschwerungen des Verkehrs eintreten zu lassen. Abg. Baudrrt(Soc.) bittet den Präsidenten des Reichs-Eisen- bahnamts, dafür zu sorgen, daß die preußische Eiscnbahiiverwaltinig die Wünsche der kleinen thüringischen Staaten mehr berücksichtigt als bisher. Besonders die E i n z i e h u n g der S o n n t a g s k a r t e n hat große Erregung in Thüringen hervorgerufen. Das Urteil, das neulich auf der rechten Seite dieses Hauses geäußert wurde: der FiskuS ist der schofelste Kerl, ist infolge des mangelnden Eni- gegenkommens der preußischen Eisenbahn-Vcrwaltnng in Thüringen fehr verbreitet.(Bravo! b. d. Soc.) Abg. Graf Bernstorff-Lauenburg(Rp.) begrüßt die Verlängerung der Dauer der Rückfahrtkarten, warnt aber niit Rücksicht auf die Finanzlage vor weiteren Tarifermäßigungen. Der Titel wird hierauf bewilligt, ebenso der Rest des Etats ohne weitere Debatte. Es folgt der Etat der Verwaltung der Reichs- Eisenbahnen. Bei den Einnahmen wünscht Abg. Schlniubcrger(Hosp. d. Natl.) eine Verbilligung der Personentarife im Nahverkehr für Elsaß- Lothringen. Der Ausbau des Schienelmetzes im Ober-Elsaß läßt sehr viel zu wünschen übrig. Der Herr Eisenbahnminister erweist sich gegen- über allen Klagen in dieser Beziehung als ganz herzlos.(Glocke des Präsidenten.) Vicepräsident Büsing: Ich halte es nicht für angemessen, daß Sie dem Minister eines Einzelstaatcs vorwerfen. er sei herzlos. (Heiterkeit.) Das widerspricht der Ordnung des Hauses. Preußischer Eisenbahnminister v. Thielen: Es ist unbestreit- bar, daß Oberelsaß gegenüber Unterelsaß und Lothringen in der Entwicklung zurückgeblieben ist. Das liegt daran, daß es nicht so industriereich ist, wie Lothringen, und keine großen Festungen besitzt wie Metz und Straßburg. Es ist aber zu hoffe», daß auch für Oberelsaß in den nächsten Jahren mehr geschehen wird. Abg. Leineuwebcr(natl.) fordert den Ausbau des Eisenbahn« netzcs in der Rheinpfalz. Bayrischer BundeSbevollmächtigter Graf Lercheufeld: Der Vor redner hat es als die natürlichste Lösung der Eisenbahnverhältnisse in der Pfalz bezeichnet, daß die Eisenbahnen vom Reich über- nonmien werden. Diese Lösung halte ich und ein großer Teil meiner Landsleute nicht für die n a t ü r l i ch st e.(Heiterkeit.) Abg. Riff(Hosp. d. Fr. Vg.): Der Forderung des Abg. Leinen- Weber kann ich mich nur anschließen. Sehr wünschenswert wäre die Einführnng von Kilometcrheften in Elsaß-Lothringen, lvie dies im Nachbarlnnde Baden geschehen ist. Die Frage der allgemeinen Tarif ermäßigung ist zwar leider wieder aufgeschoben, ist hoffe aber nicht aufgehoben. Die 45tägigen Rückfahrkarten kommen auch nur einem kleinen Teil von S o m m e r r e i s e n d c n zu Gute. Die Hauptforderiing einer Tarifreform muß die allgemeine Herabsetzung der Fahrpreise sein. Preußischer Eisenbahnniinister v. Thielen: Mein Standpunkt in der Frage der Tarifreform ist unverändert. Ich halte nach wie vor eine Ta r ifre f o rm für notwendig, aber nicht eine Tariferniästigung sondern eine Vereinfachung der Tarife. Es ist ein Irrtum daß eine Vcrmindernng der Tarifsätze eine Vcrmchrnng des Ver- kchrs und d a r n m eiiic Vermehrung der Einnahnien hervorbringe. Wenn ich einen Verkehr, der negativ in bezng auf die Ueberschüffe ist. vennehre, so vermehre ich a»ck> daS Defizit.' Das Ziel der Tarif- reform geht nach meiner persönlichen Anschauung dahin, daß wir niit einem Schwamm über die ganze Anzahl der vorhandenen Fahrkarten hinwegwischen, so daß nur eine einfache Fahrkarte übrig bleibt. Natürlich müßten alle Klassen dann gleichmäßig und gerecht behandelt Iverden. Wann das cingeftthrt werden kann, ist allerdings noch nicht abzusehen. Es ist nur dann möglich, wenn es die F i ii a n z e n des Staates und des Reiches gestatten und das ist z u r Z« i t n i ch t der Fall. Auch eine Gütertarifreform ist unter den jetzigen finanziellen Verhältnissen nicht zu erwarten. Abg. Dr. Rösirke« KatserSlantem der Buchdruckerorganisation verübt. Das ist eine Verhetzung der Arbeiter, über die alle organisierten Arbeiter, mit denen ich darüber sprach, empört tvaren.— Ich glaube nunmehr ein Bild misrer Be- wegung ohne Uebertreibung gegeben zn haben und hoffe, auch Sie werden Über dieselbe ein ruhiges Urteil abgeben. R o b. Schmidt, der als erster Diskussionsredner daS Wort nahm, führte ans: Eine principielle Abneigung gegen Tarifverträge ist innerhalb der Gewerkschaften fast gar nicht mehr vorhanden, und die Errungenschaften, welche die Buchdrucker mit ihrem Tarif erlangt haben, sind von der GewcrkschaftSpresse— abgesehen von un- bedeutenden Ausnahmen— rückhaltlos anerkannt worden. Ich selbst' bin von Anfang an entschieden für Tarifvcreinbarimgen eingetreten und schätze es besonders hoch, daß die Buchdrucker gerade jetzt unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen eine Verbesserung ihres Tarifs durchgesetzt haben. Ich habe überhaupt die größte Hoch- achtung vor der Organisation der Buchdrucker wegen ihrer Lcistmigen find ihrer DiSciplin, aber gegen eines muß ich mich wenden, nämlich gegen die Taktik, welche der„Correspondent" befolgt. Ich will nicht die Frage„Partei und Gewerkschaft" berühren. sondern nur an das anknüpfen, was Massini bezüglich der Depesche an PosadotvSky und der Bemerkung im Historischen Kalender sagte. Ich meine, nicht die Erfüllung einer Pflicht, sondern eine Pflicht- Verletzung war es, daß das Telegramm an PosadowSky abgesandt wurde.(Lebhaftes: Sehr richtig!) Das hätte keine andre freie, auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Gewerkschaft fertig gebracht. In solcher Weise soll man' sich nicht an Behörden wenden. Die Znchthausvorlage, das große, gegen die Gewerkschaften geplante Attentat, ist von PosadowSky ausgegangen, und es heißt die Empfindungen der Arbeiter mit Füßen treten, wenn man an diesen Mann telegraphiert in der Weise, wie es die Buchdrucker ge- than haben. Diesem Minister können deutsche Arbeiter nicht die Achtung entgegenbringen, die andren gebührt.(Sehr richtig!) Ich habe eS als einen Vorwurf gegen die Buchdrucker empfunden, daß sie das Telegramm noch zu verteidigen wagen. Dadurch habe» sich die Buchdrucker die Sympathie selbst derjenigen verscherzt, die, wie Elm und Legien. stets auf ihrer Seite standen und sie gegen Angriffe von andrer Seite deckten. Meine Anerkennnng für den Abschluß Eures Tarifs! Weshalb aber mußtet Ihr denn das an PosadowSky telegraphieren und ihm Eure Freude ausdrücken? Massini sagte: wir kümmern uns den Teufel um die Znchthausvorlage. Das ist auch so eine Ueberhebnng von Euch. Auch Euch hätte der Teufel am Kragen gepackt, wenn die Znchthausvorlage Gesetz geworden wäre.— Daß daS Telegramm im Historischen Kalender vennerkt wurde, war nicht notwendig. Aber die Schuld dafür, daß es ge- schehen konnte, tragt Ihr doch selbst. Ihr habt doch den Anlaß dazu gegeben. Nun habt auch den Mut und nehmt es hin, wenn solche Thatsache festgenagelt wird. Eine Infamie gegen die Buch- drucker-Organisation ist die Benierknug im Kalender nicht. Ihr habt Euch so betragen, daß man den Arbeitern sagen muß: Diese» Weg solltet Ihr nicht tvandeln.— Wir haben zu verlangen, daß die Neutralität, die Ihr predigt, auch aufrechterhalten Ivird gegenüber der socialdemokratischen Partei. Die hier milucfeubeit Vertreter der Gelverkschnsten sind- fast'ohne Ausnahme Socinldemokratcn, und sie müssen sich verletzt fühlen durch die kleinlichen Vorivürfc, ivclche von Eurer Seite fortgesetzt gegen die Socialdemokratie erhoben werden. Keine andre Gelverkschaft ist gegen die Partei so vorgegangen wie Ihr. In dieser Beziehung sind die Buchdrucker falsche Wege geivandelt. sBeifall.) D ö blin: Es wundert' mich nicht, daß solche Ausführungen Ihren Beifall finden. Schmidts Ausführungen nötigen mich, auf das von ihm behandelte Thema cinzngchcu. Das scheint Sie auch mehr zu interessieren wie uusre Bewegung. Bezüglich des Telegramms hat sich Massiui verhauen. Es kam so zu stände: Am Schluß einer langen ermüdenden Verhandlung traten die Prinzipalsvcrlrctcr an die Gchilfcnvertretcr heran»nd sagten, die Bestimmungen, welche wir in nnsrcm Tarif bezüglich dcr LehrlingShaltnng festgesetzt hatten, müßten gesetzliche Kraft erlangen, und um die mafiizebenden Be- Hörden für Schritte nach dieser Richtung zu interessieren, mußten ivir den betreffenden Behörden von nnsrcr Vereinbarung Mitteilung machen und ihren Schutz dafür in Anspruch nehmen. Es wurde vorgeschlagen, ein Telegramm an den Reichskanzler und das Reichsamt des Innern abzusenden, und unsre Vertreter, die infolge der langen Sitzung abgespannt Ware», erklärten sich damit einverstanden. An die Person Posadowskys hat dabei niemand gedacht. Der Zweck der Depesche war, den Schutz der maßgebenden Behörden in Anspruch zu nehmen gegen die Lehrlingsansbentnng. Das war alles. Ich habe mich gewundert, daß nian die Depesche als ein Hnldignngs-Tele- gramm bezeichnet hat. Uebrigcns haben ja auch die Socialdemo- kratcn im Reichstag dcni Minister Posadowsky Beifall ge- spendet als er für die Anfrcchterhaltung der Freizügigkeit eintrat.— Man sagt, wir hätten uns die Shnipathie der Genossen verscherzt. Ich sage: Zu nnsrem Bedauern haben wir diese Sympathie noch nie gehabt, denn mau hat uns nicht verstanden. — Die Organisation hat mit der Depesche nichts zu thun, aber ivir treten für niisre Vertreter ein, selbst wenn sie einmal etivas gcthan habe», ivas uns nicht gefällt.— Man wird doch nicht anders sage» können, als daß ich stets bemüht ivar, die Arbeiterbcivegung zu fördern. Sollen ivir denn zusammenknicken, wenn uns seirenS der Partei Vorivürfc gemacht werden? Nein! Da sage ich: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Zum Schaden der Partei wird gegen uns gehetzt. Wir bedauern, daß Sie uns bekämpfen, weil Sic uns nicht verstehe», aber ivir thun, ivas ivir für richtig halten. Weder in der Leitung nnsrcr Organisation, noch in n»srer Redaktion ist das Bestreben vorhanden. die Partei zu bc- kämpfen.— Wenn man von Nur- Gewerkschaftlern spricht, so kann nian auch von Nur- Partciincnschcn reden, die alles nach den» politischen Schema behandeln ivollen. Das kann man aber nicht. Wir sind überzeugt, daß wir durch unsre praktische Thätigkeit der Arbeiterbewegung mehr nutzen, als wein» ivir einer Phrase zulieb etwas thun würden, was ivir nicht für richtig halten. Sagen Sie ivas Sic»vollen. Anf nnsrcr Seite steht die Ucberzengnng uild der Erfolg. Jäck führte aus, bald nach Absendnng der Depesche habe Massini dieselbe anders beurteilt lvie heute. Damals habe er sie nicht vertreten. Weiter vertrat der Redner die Ansicht, daß es nrit der Durchführung des Bnchdruckertarifs nicht so günstig bestellt sei, wie es die Buchdrucker hinstelle». Selbst Verbandsmitglieder arbeiten in Druckereien, Ivo der Tarif nicht voll zur Durchführung koinnie. Diese Energielosigkeit der Betreffenden, an der auch die Verbandslcitnng zun» Teil schuld sei,»verde von andren Arbeitern anf das UntcrstützinigSwesen zurückgeführt. Allerdings mit unrecht. Aber die, welche so urteile», würden durch das bezeichnete Verhalten der Buchdrucker zu Gegnern des UnterstütznngsivesenS i» dcn Geivcrlschaftcn. Hugo P ö tz s ch: Döblin brauche sich nicht ivundcr», daß Schniidt nicht anf den Tarif eingegangen ist. Hinsichtlich der Tarif- Verträge sei die Arbeiterschaft in» allgemeinen einig. und eine Be- sprcchnng dieser Sache deshalb unnötig. Es scheine, als ob diese Debatte mir deshalb veranlaßt sei, um auf das Verhältnis der Buchdrucker zur Partei einzugehen. Daher die n»it Material und Citate» belegte Rede Döblins. Es ließen sich aber auch Citate aus den letzten zwei Jahrgängen des„Correspondent" anführen, wobei die Buchdrucker nicht gut abschneiden. Da sei die Partei, die doch selbst nach Posadowsky als Partei der Arbeiter anerkannt werden müsse, fortgesetzt angerempelt ivorden. Dafür sei auch die Leitung des Buchdrucker- Verbandes verantwortlich, denn sie halte ja der Redaktion die Stange. Redner verurteilt das Telegramm und be- zeichnet dasselbe als eine Danksagung und Hnldigung an Posadowsky. Die Arbeiterschaft sei entrüstet geivesen über das Telegramm, aber nicht über die Erwähnung desselben im Historischen Kalender. Kein Arbeiterbkatt gehe so hainisch und unflätig gegen die Partei vor, wie der„Correspondent". Diese Schreibweise nenne Massini „geivandte Dialektik". Das sei nichts andres als bayrische Grobheit, vermischt mit Berliner Schnoddrigkeit. So lange das so iveiter geht, dürfen sich die Buchdrucker nicht über das Mißtrauen der übrigen Arbeiter beklagen. Die Arbeiter seien überzeugt, daß es ohne poli- tische Vertretung ihrer Jiiteressen nicht geht. Wo wären denn die Buchdrucker, ivenii ivir eine solche Vertretung durch die Socialdemo kratie nicht hätten. Fritz: Wenn das eintreffen sollte, Ivas die Buchdrucker von ihrem Arbeitsnachweis crwartei», nämlich die Ansmerzung der schwachen Arbeitskräfte, so sei das doch für die Gewerkschaft sehr bedenklich. Eine Rückstäiidigkeit sei die Bestimmung, daß n»r ge- lernte Buchdrucker an der Maschine arbeite!» dürfen. Was durch das Telegramm erreicht iverde» sollte, das hätte auch durch eine Eingabe gemacht werden können. Cohen: Der Genosse Wissel in Kiel, von Beruf Metallarbeiter. konnte wegen seiner agitatorischen Thätigkeit keine Beschäftigung in seinem Berns finden. Die„Schlcsivig-Holsteinsche Volks-Zcitung" stellte ihn als Maschinenmeister an, er»nußte aber diese Stellung ivicder verlassen, iveil sich die Buchdrucker ivcigcrtei», n»it Wissel zu- sannncn zu arbeiten, iveil er kein gelernter Buchdrucker ist.— In seinem Referat sagte Massini, als Geiverkschaftler könne er keine Rücksicht auf die Allgemeiiiheit nehincii. Das hat sich in» Fall Wissel beivahrhcitct. Geht denn nun der Egoismus der Buchdrucker so weit, daß sie einen Man», der von den Unternehmern zun» Hunger verurteilt ist. rücksichtslos den» Hunger preisgeben? Habcrland führte ans. die Gerber hätten mit ihrer Tarif- gcmcinschnft nicht die besten Erfahrnugcn gemacht, sie seien aber im großen und ganzen für dieselbe. Die Haltung des„Correspoiideiit" mißbilligt der Redner. W i e s e n t h a l: Zu dem Telegranin» hat sich Massini zienilich ungeschickt geäußert. Döblin war geschickter. Er sagte, die Organi- satioi» sei nicht schuld an dem Telegranin», und er ließ auch durch- blicken, daß es ihm selber nicht angenehm ist. Hoffentlich werden die Buchdrucker ans dieser Aussprache die Lehre ziehen, daß sie künftig,.wenn wieder Tarifverhnndlungen stattfinden, solche Vertreter damit betranen, die auch an» Schluß einer tagelange» Verhandlung ihre Ansicht über das, ivas bei dem Telegramm in Frage kounnt, nicht ändern. Rod. S ch m i d t: Ich wnndere mich, daßDöblin das Telegramm von den Buchdruckern heut»nit solcher Bravonr verteidigt. Der Corpsgeist ist ja zu bcivnndcrn, der die Buchdrucker veranlaßt, alles zu vertreten, ivnS ihrerseits geschehen ist. Döblin sagt, die Partei- principicn ständen uns höher als die praktische Arbeit der Buch- druckcr. Ich habe betont, daß wir die Leistungen der Buchdrucker anerkennen, aber an ihrer Taktik muß Kritik geübt werden. Wir sind ivcit entfernt, Zustände einreißen zu lassen ivie sie in Leipzig bestehen, aber ivir können nicht alles ivas die Buchdrucker thun. gutheißen. Was hat daS mit der praktischen Arbeit zu thun. daß Sie an Posadoivsly telegraphieren, der nicht nial geantwortet hat, der Ihre Organisation nicht anerkennt. In dem Telegranin» bitten Sic Posadoivsky»n» seine» hochmögendeii Schutz.— Ja, der Ton macht die Mnsik, und der To» des Telegramms macht dasselbe zu einem Huldiginigstclegram»». Das Verhalten der Buchdrucker gegenüber der Partei ist derart, daß Sie allen Anlaß haben, es zu ändern. tBeifall.) Maaß: Die Errungenschaften der Buchdrucker sollen nicht be- stritten ivcrdcn. Wenn, ivie Massini sagte, nur gute Arbeiter bc- schäftigt»Verden sollen, so ist das ein Standpnnkt, der uns in ziiiift- lerische Anschaunngeii zurückführt, der aber die moderne Gciverkschnfts- beivegung henniit, und deshalb nicht die Zustimmung der Gcivcrk- schaffe» finde» kann. Eine solche Taktik führt zun» zunftniäßigen Abschluß der Buchdrucker von de» andern Arbeiten. Auch der Fall Wissel in Kiel spricht für den zünftlcrischen Geist. Alle Mißstimmung gegen die Buchdrucker ist zurückzusührc» anf dir Haltimg Nexhäiiscrs Das»näßte doch der Leitung der Organisation einleuchten und sie vernnlasici», Rexbäiiser auf einen andern Posten zu stellen. Ob- gleich doch Rcxhänser weiß, daß viele Buchdrucker Socialdcniokratcn sind, greift er inunerfort die Socialdemokratie, aber iiie eine bürgcr- liche Partei an. M a s f i n i sucht in seinem Schlußwort das Telegramm, welches keine Hnldigung sei, zu rechtfertigen. Man niöge die Buchdrucker kritisieren, aber nicht verdächtigen. Als die„Holzarbeitcr-Zeitnng" durch ihre Stellungnahme znnr Glasarbeiterstreik diesen Streik»ach Ansicht aller Beteiiigten schädigte, da habe der„Vorivärts" nichts gegen den Holzarbeitcrvcrband gesagt. Nur die Buchdrucker würden immer angegriffen. Es sei nicht»Vahr, daß Verbandsmitglieder in Druckereien arbeiten, ivo der Tarif nicht anerkannt ist. Was den Kieler Fall betrifft, so könnten eS sicb die Buchdrucker, die selber viele Arbeitslose haben, nicht gefallen lassen, daß in der Buchdriickcrci Angehörige andrer Berufe beschäftigt werden. Wissel sei auch zu der Arbeit, die er machen sollte, nicht fähig geivesen.— Aus seinen fach- liche» Ansführnngen— bemerkt der Redner— könne man lerne», wenn»»an ivolle, aber die Betonung nebensächlicher Momente zeuge nicht von socialem Verständnis. P ö tz s ch stellt thatsächlich richtig, daß Wissel— ivie Redner ganz bestimmt wisse— die Fähigkeit zu der Arbeit als Maschinci!- meister in jeder Hinsicht hatte. Damit ist die Debatte erledigt. L i e r e verwies anf die gescheiterten Verhandlungen der Barbier- gehilfei» mit den Arbeitgebern und ersuchte die Aiiwesenden, auf die Beachtung der Kontrollkarte hinzuwirken. Iii der Versammlung fehlten die Vertreter der Asphaltenre, Bnrcan-Angcstelltcn, Dachdecker, Graveure, Hafenarbeiter, Maschinisten und Heizer, Raimner, Stickerei-Arbeiter, Steinhaucr, Vcrgoldcr, Xylographcn._ Eingegangene Trnckschrifte». Die»Soeialisiiichen Monatshefte»(Adininistration: Berlin W., Liitzowstr. 85A) haben soeben das März Heft ihres VIII. Jahr- gangs erscheinen lassen. Ans dein Inhalt desselben heben ivir hervor: I e a» I a u r ö s: Einbildniig oder Wirklichkeit?— Adolf v. E l in: Ncntralität der Geiiossenschasten.— E d u a r d B e r» st e i»: Bom deutschen Arbeiter einst und jetzt.— Ro b ert Schniidt: Arbeiterkauimern und Arbeitsaint.— Isegrim: Skizzen ans der socialpolitilchen Litteratur und Bewegung. VIII. Herr Gaiup, die Regierung. Arbeitsnachweis und Arbeitervertretung.— Ricarda H u ch: Der Mensch in der romailtlschen Wcltauschnuuug.— Rudolf Klein: Die Darinyädter Kinistlerkolonie.— Fanny I m l e: Die ArbeitSloscnuuIerstützung»n den deutschen Gemerk- schaffen.— Rundschau: Politik, von Richard Calwer.— Wirt- s ch a f t, von Mox S ch i p p e l.— Socialistische Bewegung, von Dr. L. G»» n» p l o>o i c z.— Gewerkschastsbewegung, von Heinrich Bürger.— Ä e n o s s e u s ch a s t S b e>v e g u n g, von Gertrud David. — Sociale K o m in u n a l p o l i t i k, von Dr. Hugo L i n d e m a n n. (C. Hugo).— Naturwissenschaften, von Dr. Curt G r o t t e w i tz. — Bücher, von Max Schippcl, Dr. L. Guinplomicz, Wally Z e p l e r und Dr. Curt G r o t t c w i tz.— Der Preis des HesteS beträgt l>0 Pf., pro Quartal 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buch- Handlungen, Colporteure und Postanstalten(Post- ZeiNmgs- Katalog Nr. 7138), serner direkt durch die Expedition der„Socialistischen Monats- hefte", Berlin W. 35, Liitzowstr. 8dA.(Zusendung unter Krenzband oder in geschlossenem Convert.) «viilcriingSiibcrslcht vom 88. Februar IU02. morgens«»Hr. Stationen Swtininde Hamburg Sellin Frankf./M. Münch.» Wien 6 §1 Sc o S a- -- 5 Z« 755 SSO 753 SO 755 S 756 W 758 SO 760 SO Wetter 2 wolkig 2 bedeckt 2 wolkcnl 1 wolkig 2heilcr Ibcdcckt &£ «s Stationen oü a- L.Hoparända 7603© 3PeierSk»irg 7683 2 Sork 743WSW 4 Aberdeeu OPariS 754, SSO l1 den». März I'.IOZ. Wetter 4 Schnee bedeckt heiter wolkeiil & 3» »ll g* WS, -9 8 BZeller-Proguoke für Sonnabend. Nachts etwas kälter, am Tage ziemlich warm und vielfach heiter, aber veränderlich bei mäh igen südlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb urcau. Vriefkasien der Expedition. Lnngciikraiik 180. Der uns von Ihnen übersandte Betrag von 13,70 M. haben wir an die Gewerlschaffslommissio» abgeführt. Dieselbe wird in ihrer nächstcii össenllichcu Ouittung eingegaiigeuer Gelder den Betrag mit quittieren. cenli'sI-VerbWll d. Maurer Deutschlands Zwcigverein Berlin. (Sektion d e r P ii tz e r.) Den Mitgliedern sowie den Mit- gliedern des Gesangvereins der Putzer zur Kenntnis, daß am 26. Febr. unser Mitglied idä/ö Wilhelm Holfmann ans Wilmersdorf verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, de» 2. März, nachm. 4»/, Uhr, von der Leichenhalle des Wilmcrs- dorser Friedhofes in der Berliner- strastc aus statt. Um rege Beteiligung ersticht VI» ijrtilvb« Verwaltung. I. A.: Frz. Schultz. Allen Freunden und Belanntcn die tieftraurige Nachricht, daß unser kleiner Liebling a i» t im Alter von 4 Jahren 7 Mmi.»ach langem schweren Leiden sanft ent- schlafen ist. 872b Dies zeigen tiefbetrübt an llaHenJilgcr und Frau. Die Beerdigung findet Sonntag, bei» 2. März, nachm. S1/. Uhr, von der Leichenhalle des städt. Central- Friedhofes in Fridrichsfclde aus statt. Ceml-Vmanloiig dn«tlfalmk„Stern" (Eing. Gen. m. b. H.) am 16. März 1902, vorm. 9 Uhr, im Geschästslokol, Markusstrabe 18. Tagesordnung: 1. Abrechnung von» Geschäftslnhr 1901. 2. Berrvendung dcS Rein- gcwinns. 3. Zkeuwahl des Vorstandes und AnfsichtSrats. 4. Verschiedenes. Bis zum 16. März liegt die Ab- rechnung für 1901 im Geschästslokol ans. 871b Der Vorstand. Kalisch. K r e tz f ch m a r._ Genossinnen«nd Genossen! Montag, den 3. März, abends 8 Uhr, bei Kliem. Hasenheide 14— 15; Vokksverlammrung T a g e S- O r d n u u g: I. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Pa«l Singer über: Die politische Rechtlosigkeit der �ra». 2. Diskussion. 1/6» _ Um zahlreiches und pünktliches Erscheiiiel» ersucht_ Die Bertraiiensperfon. Stuccateure» Sonntag, den 2. März, vormittags Ii1/« Nhr, im KlnbhnnS, Ko«nianda«tcnstrasie Nr. 72; Oeffentliche Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Notwendigkeit der geiverkschostltchen Organisation. Referent: Genosse 8lII»oi-»eI»n>l«rt. kusston. 3. Verschiedenes. Erscheinci» sämtlicher Stuccateure ist Pflicht.___ Der Eknbernrcr. 2.Diö- 173/4 Nachruf unfern» Snngesbruder 8676 Karl Schober, der am 22. Februar nach langem, schlvereu» Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Gcsniigverci»„Scrninik". (591. d. A..S-B.) Strilild-Rtstaumt am Müggelsee zwisch. Müggelschlob». Aussichtsturm. Empfehle Fabriken, Vereinen und Korporationen für Sommerverguügei» u. Ansfliige mein grobartig gelegenes Lokal. Saol für ca. 3000 Personen, Hallen, genügende Nebenränme. Be- Iiistigungci» aller Art. Coulante Preise. 351ZL* HI. Degebroilt, „Strandschlotz", Köpenick. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Morgen Sonntag, den 2. März, vonnittagS 4V Uhr, im Saale der Brauerei Fricdrichshain(vorm. Lipps), Zlin Friedrichöhai» 22— 30 t Außnord. Geiittkl-Versammbing. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zum Verbandötag. 2. Der vm» den Holzindustriellen»»d der Jnuiiiig errichtete Slrbeitsiiach»veiS und die Entlassungsscheine. 3. Anträge zum LerbnndStag. 4. Die NrbeitSlofcii.kintersiiitznng. 5. Verbandsangelegenheiten. izy- Die Mitglieder»verde»» ersucht, zahlreich und püliltlich zu erscheinen. Eintritt nur»nit Mitgliedsbuch. xg-4 Div Ortsverwaltnnar. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Veen alt ii n Rusi eile Itci'lln. Bnrean: Engel User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt Vit,«53. Sonntag, de» 2. März 1002, vormittags 10 llhr: Versoiiimlung der Klempner in den„ArmiuhaNcn«, Kominandantenftr. 20. Tages-Ordnung: 1. Der Bau-Arbeiterschntz- die Baupolizei-Verordnung von» 1. Oktober 1901 und das Ergebnis der Bautenkontrolle. Referent: Genosse I.inlc. 2. Ncmvahl des BrauchenvcriretcrS und der AgilationSlommissioil. 3. Vor- bandSmigelegenheitei». Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Finna Häger, Grobe Frankfurterstrabe, besonders eingeladen. Das Erfcheinen aller Kollegen ist angestchts der wichtige», Tagesordinnig liotivendig.__ Sonntag, den 2. März, vormittags 10 Uhr: Morgensprache der Schraubendreher bei Wetzet, Wrangclstraste 136. Sonnabend, den 1. März er., im Gi'werkschaftshaus, gr. Saal, Engel-Ufer 15: Vergnügen der Schlosser. �.»raag 8 Ihr. tllllet 25 Pf. Koilzert uttb Austretes Des Berlintr Ulk-Trio. Nach dem Konzert: T.A. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Da wirklich Grobartiges geboten wird, lünnei» wir jedem Kollegen den Besuch des Vergnügens eurpfehlen. 112/6 tttv Ortsvcrwaltang. Betbliiii) her Msihiüisten uiii) Heizer soioic Bernsögeüejstll Deutschland». VierivaltungSsteUc Berlin inid Nmgegend. Sonntag, de» 2. März, nachinittagS 5 Nhr: iQT ¥erisaBi2ifiiliin� tu Coline Festfälc», Benthftratze 20. Tages-Ordnung; Wie stellen»vir uns zu den eingelaufenen Anträgen zum Berbandstage in Magdeburg. 138/5 Die Ortsvcrwaltnng. Utthlliid der Paus Erd- und geWerblicheu Dilssardetter Deutschlllnds. Süalilstelle tierlia 1. Sonntag, den 2. März 1902, vormittags 10»/, Uhr, »N GraiiinauuS Salon, Naunylistrab« 27: t£W WlitylBeder- Versammlung."WE Tages-Ordnung: I. DaS Bandeputiertenlocscir. 2. Die Agllativus-Konsereuz»nd die evcutnelle Wahl der Delegierten. 3. Verbalidsaugelegeiiheiie». 31/14 Zahlreiches Ericheiuen erwartet_ Tic Ortsbcrtvaltuug. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 3. März, abendS SV, tthr, Hcrmaniiftratze 197; MW" Tersaniiniiiug."WD Tagesordnung: 1. Vortrog des Reichstags-Abgeordneten Genossen Pens über: Die Zwonasgeiverkschast. 2. DiSlnistou. 3. VerfchiedcncS. Die Kollegen von Rixdorf»verde» ersucht, mit ihre» Fraue» pünktlich zu erscheine». Mitwoch, dtil 3. Mrz: Sitzniig her VertruiltilSmiiiliier. Für«»tea: FriedrichSbergcrstr. 11, abends 7 Uhr, „ Südosten: Skalitzerstr. 59, abends 7 Uhr, „ Korden: Briillncustr. 90, abeudS 8»/, Uhr. Auber in obigen Lokalen werden noch heute abend Beiträge entgegen- genommen: Talldorferstr. 10, Koppenstr. 42. Blnmcustr. 38, Orauienstr. 197, für Weisueimee Räikestr. 20, für IdcUtcn- berg Friedrich Karlstr. 11. Daselbst Ausgabe der Jahresberichte und Billets zu dem am 8. März statiftndendcu Maskenball. Mitglieder brauchen für ihre Person kein Biller, müssen aber ihr Mitgliedsbuch vorzeigen. 145/10 Der Vorstund. „Teufelssee" M&Xe...„< Inhaber: C. Strelelilinhn. Empfehle beide Lokale mit grobe» Sälen und Gärte», jedes circa 3000 Personen sasseud, mit Tainpferbriicke», Stallungen für 40 Pferde zc. Msurant„Neuer Krug". an der Obcrsprce ztoischcn Atijggel-»nd Dnmeriiiscc, Bahnstation Ren Rahnsdorf, in 10 Minuten zu erreichen, empfiehlt sein Lokal für grössere Vereine und Gesellschnftcn bis 3000 Personen. 3521� Fritz Doiuning, Gastwirt. liolttta O SU 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzlos. Zahii° �lllllir Z|U« ziehen 1 M. Plomben 1,50 M.' Teilzahl. wScheml. 1 M. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 130. Spr. 9—7. Ritt de» Jnhitlt der Inscrnte iiberiiitiitiit die Mcdatiion dc»i Piiblikiii» negoiiibct fciticrlci Bcti,iit»'l>rt»iiti. CTjcnfcf. Sonnabend, beu l. März. �periiftans. Der Jinprovisaior, Ansang?>/, llhr. Schaiiidirlhaiis. Don Carlos, In- fant von Spanien. Ansang ■7V- Uhr. Ncnes CPcni■ Dheatcr(Sltull). Geschlossen. Tchillcr. König Harlekin. Anfang 8 Uhr. Tcnischcs. Es lebe daS Leben. Anfang?>/, llhr. Verlincr. All-Heidclberg. Anfang 7'/- Uhr. ?cssiiig. Das Gliick. Anfang 7'/, Uhr. Ncsidciiz. Ein galanter Richter. Vorher: Mein Schneider. An- sang 7>/z llbr. Neues. Das Ewig-Weivliche. An- sang 7>/z llpr. Weste». FigaroS Hochgeit. Mifanh 7l/z llnr. SccessiaiiSbiihiic. Detlev Lilien crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogcns Buntes Theater (Ueberbrettl). Zlnfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Screnisninus. Zwischenspiele. Auf. 8'/, Uhr. Trinno». Coralie». Co.' Anfang 8 Uhr. Eeiitral. Das süße Mädes. Anfang 7>/z Uhr. Nachm. 4 Uhr: Schneetvättchen bei den sieben Zwergen. Einlagen: Lebendes Schachspiel. Die Puppe. Die freche Ratte. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Uhr. Sttise». Kyritz- Pyritz. Anfang 7-/, Uhr. Carl Weist. Das Jungfemstift. Ansang 8 Uhr. Rtiedrich'Wilftrlnistüdiitche». Der Landstreicher. Ans. 7»/,. Uhr. Brllc-SIltiaiicc. Die Dame auS Trouvisie. Hieraus: Er. Anfang 7V, Uhr Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich BorsteNnng. Anfang 8 Uhr. ivirtropol.'ne feine Nnminer. Specialitäten- Vorstellnng. An- sang 8 Uhr Mpollo. Don Juan in der Hölle. Specialitäten- Vorsielhtng. An- fang 8 Uhr. CTafitia- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Bor- stellung. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitäten-VarsteNnng. Di- sühen Mädel. Auf. 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten Borstellung. Anfang nachmittags B Uhr. Passage. Panoptirnm. Specialis täten-Vorflellnng. Meichshallen. Stettiner Sänger. Ansaiig 8 Uhr. »rauia. Tanbenstr. 4.8/4».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Jupalidenstraste S7/VÄ. Täglich: Sternwarte._ SWttÄMtl' (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Ilui'Iolci». Ein Maslenspiel in vier Aufzügen von Rudolf Lothar. E o n» t a g n a ch m i t t a g 3 Uhr: Elnaame Jlcnaclien. Sonntagabend 8 Uhr: Jugend. Montagabend 8 Uhr: ICttnIg Harlekin._ Thalia-Theater. Dresdenerstraste 78/73. Seine Kleine. Grobe AusstattungSpossc mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worin a. G., Guido Thiclscher, Gerda Walde,„liad'n 81«»lobt ösn lilelnen llokn geeobsn?" Hclmcrding, PaulmüNer. Bojo, Wannovins. Ansang 7>/2 Uhr. Sonntag, 2. März, nachm. 3 Uhr, ilcine Preise:.Aiexandra, Drama in 4 Akten von R. Bob. jlpoilo Iliester. Volletöniilg neue» Programm lSain ZiUti.a Tke 3 sUHuna Mllly Capeil 8 AvoIo» Martin Kettner ♦ Willi Waiden ♦ T Ii e lieaniy-Troupe Der Koimograpli, neue Bilder-Serie, Vorher: KaaseneröfFnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Sonntags Anfang 7Vj Uhr. Rletropol-TliGatfir Heute Sonnabend, den I.März: Vierter und letzter ropol-Theater-Ball. 2 Musikkapellen. Ciänzende Illumination! Cr. lieber- ratchung! Brillant. Ballarrangernents! Exquisite Weine und Büffett. Bauchen gestattet. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Morgen Sonntag: 'flfi feine Niim! Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlings läge an der Riviera Invnlidcnistr. 57/08. Tägl. Stern warte. Castans Panoptlcn Frledrich-Strasse 165. IVTan t Präsident Rooscvclt iiCll. Miss Alice Roosevell. X e u! Italienische Konzert- Kapelle jHumberte' a. Venedig. Neu! Der Boerenkrieg! Kiesenmomentbilder aus dem Transvaal- Kriege, nach der Katur aufgenommen. Ärchitektenhaus Wilhelms tr. 92/93. Jeden Sonntag, abends 8 Uhr: Volkstümliche känsllerischeVeranstaliangen der Lessing- Gesellschaft. Nächsten Sonntag: Frühlingsfeier. Num. Sitzplatz inkl. Garderobe und Programm 50 Pf. in der Buchhandlung Kantorowicz, Potsdamerstr. 135, und an der Abendkasse. 11/16 Criittlil TMtt. Heute Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, halbe Preise, jeder Erwachsene hat ein Kind frei: Schiicrwittdie» bei de» siebe» Zwergen. Abends 7»/, Uhr: Das sntze Mliidel. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Morgen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Die Puppe. Montag und folgende Tage: Dassüfte Äliädcl. c arl Weiss-Theater. (Droste Frautsnrterstr. 138. Nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung zu kleinen Preisen: Haus Huckebeist. Abends 8 Uhr: Das Juttgferttftift. Soniitagnachinittag 3 Uhrzn kleinen Preise»: Das Schlost nin Meer.— Abends 7l/z Uhr: Prcciosa. I. von Wolzogens Buntes Theater(Ueberbrettl) KtipnlcUcrBtr. 68. Heute abend 8 Uhr u. a.:„Atelierspuk",„Nora-Parodie",„Zufall" von Fulda,„Strohwitwer u. Strohwllwb". Bozena Braüsky, Kompositionen und Begleitung Oskar Strauss. Mareell 8alzer. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonnabend, I. März, abds.SVjUhr: Gastspiel von lüman. Reicher. Zum erstenmal: Die kleine Fite, Scene aus Detl. v. Liliencrons Pogfred- Cyklus, �Geschichten vom toten Babbi", improvisierte Soloscene von Emanuel Eeicher. Serenissinins-Zwisclicnspiele Bauemkumedi. Abschiedssouper. SCirkns chumann. Heute Sonnabend, den I. März, abends präcise 7V- Uhr: Ciramle Soir6e HIglt-Ijlfe. Novität! Zum erstenmal 8he die 4 Elemente. Zum erstenmal Pllx Klary avec son Acte comique. Pnsh- Hall, amerik. Sportsspiel, ausgeführt von 18 Amerikanerinnen imd zehn Herren der Gesellschaft. U.'�cnydre InniineiiNo. In Zeuer und Flammen, ausgeführt von srl. Dorn Schumann. Zum Schluß: Mephisto'W ca. 500 Mitwirkende. 2 Musikcorps Große Ansstattungs- Pantomime vom Hofballcttmeister A. Stein». Morgen Sonntag, den 2. März: 8 gvoiise Vonstellniigen 8 Nachm. 3Vs Uhr»nd abends 7'/, Uhr. In beiden Vorstellungen: Austreten sämtlicher oben angeführten Speciali- täte», und in beiden Vorstellungen die große Ausstattiingspanlomime „Mephlstoll Palast-Theater (früher- Feen-Palast) Bnrgstr. 88. Direktion: Winkler n FrDbel. Das große neue erstklassige gllär!?-?rogramm! Neu! Aaclc n. Merry, mnsikaltsche Babys. Fanny Behren», Excentric Sängerin. Richard-Truppe «Jharles-Trto usw. Um 9 Uhr: Die Veilchenfee. Berliner Voltsstück mit Gesang in 2 Akten. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billet-Borverkaus v. 11-1 Uhr. Sonnabend, 1. März, abends 7»/, Uhr: Fiondlke, Original- Pantomime des Eirkiis Busch und die großartigen Specialitäten. TrUnon-Thester. Georgenstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Frledrlchstr. Zum 98. Male: Coralie& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Das neue März-Programm! Der kleine Cohn ist da! Burleske in 1 Akt v. Breitenbach Hella Collier, Deutschlands beste Vortrags Soubrette. Gastspiel der 7 jährig. T.öla Gray in dem Mimodrama Der Bajazzo und sein Kind . 16 erstklassige Nummern! I Belle-Alliance-Theater. M Dam iniö Dnumiilp. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms Mizzi Birlner. Rosa Marlon. Hierauf: Ev. in Adele Hartwig». Leopold Thurner a.G. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Von Slufc zn Stufe. Re ichshaBle n. TUglicIi: Stettiner Sänger. Ansang Wocheut. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Casino-Theater. Lalhringcrstr. 37. Ab 1. März vollständig ncncS erst- klaffiges Spectalltäton- Programm! Dazu„Lustige Brüder" mit Richter,„Ehrlos" mit Berg. Ansang Wochent. 8 Uhr, Sonn t.?»/, Utir. Sonntagnachm. 4 Uhr:„Muttersegen!' VI. Noacks Theater. Brnnnenstraßc Iii. Wegen Privatfeftlichkeit keine VorfteNiing. Sonntag: Verloresie Ehre. Sanssouci Kotthuxcreitr. 4 n. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: R o ff in a ii n» MMeiitsche Siiilger Nach jeder Soiree: Taniohrlla�ehen. Entree wie gewöhnlich, Tanz frei. Grosse inisciie inaprie im Exerzicrliaus (um Prenzluuer Thor) Lothringerstrnste 1—7. Täglich lk große BorsieNnnat». 4, K und bi>/, Uhr. Dressur mit Lowe», Tiger», Wolfen». Hyäne», sowie Löhvett-Ringkanlpf >i»d Flitter«»» um 4 u.«>/, Uhr. Entree: I. Platz l M., II. Pl. 60 Pf., HI. Pl. 26 Pf.,»tnder unter 10 Jahren »nd Militär ohne Charge zahlen ans 1. n. 2. Pl. die Hälfte, dem 3. Pl. 15 Pf. Die Direktion: Froese. An der Spandauer BrUcke 3. Grüsst.VergnUgungslokal Berlins Internationale Konzerte u Sil ecialiläten-Vorstellnng Tägl, Anstich des„Crbock" Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Matinee von 12-2 Uhr. Csznvlottonbttvy. M. Schinerberg(3140C* Wllmersdorfer-Strasse 127, Uhrmacher und Goldarbeiter. Großes Lager von Clire i, und Coldwareu zu äußerst billigen Preise». Optische Artikel. Ohrlöcher werden schmerzlos gestochen '�5 Berlins psste Fischlianing mpsiehlt von täglich frischem Fange und täglich frische Zufuhr in Kiihlwaggons frische, geräucherte und mariniert Svsfisvks El &*■* 2 � w 50 L z,, bekannt billigen Preisen. | Deutsche Danipffischerei-Gesellschaft, Nordsee' Jg � Hanptstliale Berlin C. 22, Bahnhof Rürse, Bogen 9-10.=.a- S II. Filiale: l.ünebnrgereitr.. 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Nickel, Uhlaud- straße 108, pari.— IiViedriclinberg-Frledrlchisfelde: Oswald G rauer, Berlin O-, Franksnrtcr Alle» 197.— Cränan: Gustav M i e r s, Köpcnickerstrnße III.— Rlxdorf: Oft er manu, Erkstraße 6.— ScIiUncberg: Wilh. Bäum l er, Apostel PanluSslraße 13, Qnergcb. Hochp.— Ober-Sehänewelde: Otto I oh», Withelininenhosslr. 13. — Mieder- Sebäaewelde: Karl 25 eber, Cigarrengeichäst.— Johannisthal: Paul Manu, Friedrichstraße 39,1.— Adle»-»- hof: Gustav Hitze, Hackenbergsiraße 8.— Kiii»eii!ek: Friedrich Wo ick, Grünstraße 29.— Friedenau- Steglitz: H. Berufe e, Kirchs» 15 in Friedenau. Bestell»»»«! nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Dllppelstraße 8, und Fr. S ch e l l h a s e, tzlbornstraße loa.— Rannioelinlenweg: Stock, Ernststrabe 2, II.— Men-Welsscn- bcc: Heinrich B a ch m a n», Lchderstraßc 1, pari, links.— Rninnielis- hnrg: Forgbert, Prinz Albertstr. 5a. tztnßcrdem ist sämtliche Parteilittcralur sowie alle wissenschastlichen Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Werke dort zu Haben. Ritte anNschnelden! Konsum n. Vrodtilttin-Gktiossritsllmst Jfrlin-KNDovr (E. G. in. ft. H) Bekanntmachittig für das GeschiiftsjdHr ISvO/vI (vom t. Oktober 1900 bis 30. September 1901). Mitgliederbestand bei Beginn des Geschäftsjahres.. 073 Während des Geschäftsjahres neu ciiigctrctnic Genossen 2227 Demnach am Schluß des GeschäjtsjahrcS 2900 Mit Ablauf des Geschästsjahrcs schieden ans infolge: Zluftiindiguitg...........■■ 04 Berbleibcn für das neue Geichäfisjahr 2850 Die Geschäfts-Gnthaben der Mitglieder haben sich im verflossenen Gc- lckiäftstabr um 2l 042,94 M. vermehrt und die Haftsummen um 00 8l0,00M. vermehrt Letztere betrugen am Schtnsse dcS Geschäftsjahres 87 000,00 M. �I<,lva__»IIa n z. Passiva An Casfa-Conto..... S«02,38 Deutsche Bank- Conto.. s 120,32 GaS-KautionS-Conto.. 400,— Jnventar-Conto 25 475,43 Abschreibung ö°/0 1 273,77 24201,66 Pscrd-u.Wag.-Cto, 3081,75 Abschreibung 10°,'o 308,17 z 773 53 Emballage»- und Fastagen- Conto...... 4 112,30 Waren-Conto..... 61 431,52 Wcchselgetdcr-Cont»... 490,— Großcinkaufs-Anteil-Conto 250,— Debiloren-Eonto.... 960,— Conto Frau Müller- Stangenberg.... 1 900,— Verlust....... 36,03 Per Mitglieder- Guthab.-Conto 28 100,94 Reservesonds-Collto... 1 556,72 Kreditoren-Conto,... 73 240,03 Disposttionsfonds-Conto. 78,50 Conto Staugenberg.. 1 500,— 104 476,79 Der Borstaiid. Ludwig Mielenz. Emil Wutzky. Nach dem vorgelegten Material habe richtig befunden. Berlin, im Februar 1902._ Ich 104476,79 Der Anffichtsrat. I. A.: loh. Droher. die Bilanz geprüft und für 105/19 A. Krüger, Revisor. Xteilaliaus»on AI. Orniiber� seit 1890 Roseiithalerstrafte 11/18, I 113/20 jetzt Friedrlclistr. 131 d, I. Etage £cke Karlztrasbe. Bahnhof Frledrlehztrazsc. 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Niederlage für Deutschland: Karl Hnnnins, Müuclien. Vor Fälschungen und Nachahmungen wird gewarnt. w£ fCIeine AnzGittGit» W* Wm Wort fett, Worte mehr als M JK Ä � � B MM MM M M" Ww in de y iß Btcchsiaben zählen doppelt. JBl y_£, Anzeigen in den Annahtnestellcn für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis I Uhr, in der ffaupiexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen, iste J rden M lin M Verkäufe. Rotte mit Ladeneinrichtung billig verkäuflich, Händler verbeten, Blisching- ftrnfee 14,_ 8296* Gnrdineiihans Grobe Franklnrtcr- firnbe 9, parterre�_ t37: Borjii Irrige elegante Herrenhosen aus seinftc» Stoffen 9—12 Marl. Zterranf Sonnabend und Sonntag. SZersaiidhans Germania, Unter den Linde» 21, II. 1030«» vorjährige elegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Stoffe» verkauft von 25,00 Mark an. B. Lewkowitz, Alcxandcrstrabe 22._ Anzüge und Palelots uacli Mab von 30,00 Marl nn, wer Sloff hat 25,00 Mark. B. 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Für den Jnserateut-U verantwortlich: Th. Glocke üi Berlni. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. st. 5i. i9. MW«!, 2. Knlllgt des Jormiitls" Kerlim WlksblM. S«««M>. 1. Miit! 1S02. Wirtschaftlicher Wochenbericht. V c r l i», den 28. Februar 1902. Seit dem letzten Wochenbericht sind drei Wochen verflossen, im Ivesciitlichen aber steht die Kursbelveetiin� an der Börse tiach dort, wo sie am 8. und 10. Februar stand. Zwar herrscht im ganzen noch imiiicr ein übertriebener Optimismus vor, der, sobald' nur irgend welche günstigen Ausblicke sich bieten, neue Hansse-Regniigcn in sich verspürt und thatsächlich mehrfach in den vergangenen Wochen sich recht ansehnliche Kursanftriebe geleistet hat; aber die seither keineswegs zufriedenstellender gewordene Lage des Kohlen- und Eisenmnrktes, die in den schlechten Ausweisen der Berg- und Hüttenwerke, vornehmlich den Berichten der Gelsenkirchencr Berg- werksgesellschaft und dem Semestralabschluh der Laurahütte deutlich zum Ausdruck kommt, haben die blinde Speknlatioiislust in letzter Zeit denn doch merklich gedämpft, zumal auch die veröffentlichten Bankbilanzen größtenteils den von mancher Seite gehegten Er- Wartungen recht wenig entsprachen. So folgten den Kurssteigerungen �Wder Abschläge; und stellt man den Kursstand vom 10. oder Ii. Februar dem heutigen gegenüber, so zeigt sich, daß zwar durch die � verschiedenen Ans- und Abschwankniigen die Kurse einer Reihe Bank- und Jndustric-Aktien um einige Prozent erhöht oder erniedrigt worden sind, daß aber das Gesamt- bl�dsich wenig verändert hat; nur stiller ist in letzter Zeit das Geichaft geworden. In rascher Aufeinanderfolge haben die letzten drei Wochen die �nhresbilaiiz-Vcröffeiitlichnngeii der größeren Banken gebracht, mit Spannung nicht nur von den Altionären, sondern von der gesamten Fiiianzwclt erwartet, um Näheres darüber zu erfahren welchen Eindruck der Ansturm der Krise gemacht hat. und wie die einzelnen Institute die Attacke abgewehrt habe». Soweit die Bilanzen im assgen, einen erkennen lässcn, haben die Uieisten der größeren Institute die Anfechtung besser überstanden als man erwarten durfte, ivennglcich die Spuren der geschäftlichen Depression deutlich z» erkenne» sind, trotz des Bestrebens der», eisten Geschäftsberichte und Bilanzen, die iinchgeblicbenc» Narben und Schrurnpfniigen dinch Schminke und kleine' Schönheitspflästerchen zu verdecken. Die Dividenden fallen meist im Vergleich zum Vorjahre recht mager � aus und sie werden zum Teil nur dadurch möglich, daß iveitere Dotationen der Reservefonds unterblieben sind, � teilweise sogar, wie zum Beispiel bei der Natioualbank für Deutschland, die Special-Reservefonds mit herangezogen und andrerseits die Abschreibungen auf das gcriiigste Maß rcdnciert wlirde». Um die Aktionäre und das Bankpnblikun, nicht in ihrer Zuversicht allzu sehr durch aufregende Sauicrungs- Maßnahnien zu stören, scheinen sich manche Direktionen den weichscligcn Hundeliebhaber zum Muster nehmen zu wollen, der sciiicm inicchtcu Mops, um ihn möglichst zu schonen, nicht mit einem Male de» Schwanz abschlug, sondern diesen»ach und nach, innuer nur um ein kleines Stückchen, kürzte. Sie beschränken die durch den Rückgang und den Bankerott industrieller Unteriiehmungen nötig geivordenc» oder sicher uvtig werdenden Abschreibungen von ihren Effekten- ,»id Konsortial- bestanden vorläufig auf ein Teilchen, um später mit ivciteren Kürzungen fortzufahren— wcini vornnssichtliche Gelvinnüberschüsse auf anderen Geschäftsgcbieten die Aktionäre solche Abschreibt», gen weniger schmerzlich empfinden lassen. Die Dresdener Bank hat sogar, gefühlvoll ivie sie ist, ein Extra- Mittelchcn erfunden, um die Schwanzkürznngs- Prozedur z» mildern. Zuerst schreibt sie auf dem Effekten- und Kviisortialconto drei Millionci, Mark ab, so daß troy der»amhaften Gewinne, die bei verschiedenen Kousortial-Traiisaktioiicii erzielt worden sind, dieses Conto mit einem Verlust von 348 327 M. gegenüber einem Gewinn von 910 223 M. im Vorjahr schließt, und hinterher üinunt sie dann vom Reingelvinit nochmals eine Extra-Abschreibnng auf dem Kon- sortialkonto von 2 400 000 M. vor, so daß also die eigentliche Ge- samtabschreibilng auf diesem Konto 6,4 Millionen Mark beträgt. Einen andren Weg schlägt die Berliner Bank ein; ihre Berlualtniig beantragt, jedenfalls in der Annahme, daß durch die Extra-Ab- schreibung von 1,2 Millionen ans Beteiligungen liiid nicht börsengängige Effekten entweder der bisherige Ausfall nicht voll gedeckt ivird, oder weitere Verluste in sicherer Aussicht stehen, die Bildung einer vorläufig mit 300000 Mark zu dotierenden Delcredere-Contos vor. Wie weit gerade die portionsweise Abschrcibnngsverteilnng der Dresdener Bank, bei deren Wahl das menfchenfrenndliche Bestreben mitgewirkt haben dürfte, de» Direktoren die vertragsmäßige Tantieme nicht noch mehr zi, schmäler», sich zur Nachahmung eignet, soll hier nicht erörtert werde»; im übrigen aber läßt sich gegen das Verfahren, die Abschreibungen in der jetzigen Zeit der geschäftlichen Depression relativ knapp zu bemessen und sie nach und nach vorznuehmen. bank- technisch kaum etwas einwenden. Besser iväre es sicherlich, wenn verschiedene der Banken. die in der letzten Zeit ihre Bilanzen veröffentlichten, statt halberqäulte Dividenden ansznschütten, in noch stärkerem Maße zu Abschreibungen sich be- quenit hätten; aber schließlich kann es keiner Bankverwaltung ver- dacht werden, wenn sie die Geschäftslage ihres Instituts als so günstig darzustellen trachtet, ivie sich mit Gesetz und Reglement ver- trögt; hängt doch von dein launischen Vertrauen des nnr zu leicht nach Aeußerlichkeiten urteilenden Publikums ihre eigne Existenz ab. Jeder Einsichtige weiß, was er von diesen ivie von andren öffcnt- lichen Selbstkonfessionen zu halten hat. Die Zahl derer, die wirklich annehmen, daß durch die vorgesehenen Abschreibungen die Schläge der Krise, die bereits erfolgt sind oder in sicherer Aussicht stehen, kompensiert werden, daß also durch sie die Aktiven auf ihren that- sächlichen Wert heruntergebracht sind, dürfte doch nur eine recht kleine sein. Zu eingehender Betrachtung der einzelnen Bankbilanzen bietet ein knapper Artikel, wse der vorliegende, nicht den genügenden Raum; zudem hat der„Vorwärts" in der Rubrik„Ans Industrie und Handel" die wichtigsten der Jahresabschlüsse bereits gebracht. Auch liefert das Bemühen, aus den Bilanzen ein wirklich genaues Bild des Geschäftsstandes zusammenzustellen, immer nur ein ziemlich ober- flächliches Resultat. So sehr auch gerade in diesem Jahr verschiedene Bankinstitute zu einer näheren Specifikation der Posten gegriffen haben, bleibt doch noch immer das Meiste dem Raten überlassen. Selbst wo genauere Angaben über die Effekten- und Konsortial-' bestände gegeben Iverden, erstrecken sich die detaillierten Mitteilungen doch durchweg nur auf Anleihen, die Beteiligungen an Bank- und Eisenbahn-Unternehmungen, an Industrie- und Terrain- gesellschaften usw., also gerade die Zahlen, die zur Beurteilung des Wertes der Bestände zu wissen am nötigsten iväre, iverden nur in Gesamtsummen mitgeteilt. Ebenso ist es sicher ganz schön, ivenn bei der Angabe der an Debitoren erteilten Vorschüsse hinzugefügt wird, wie weit diese Vorschüsse gedeckt sind oder nicht und welcher Art die Deckung ist resp. wie iveit die Vorschüsse auf Wertpapiere, auf Waren oder andere Sicherheiten erfolgten. Immer aber bleibt noch die Frage, ivie ist die Deckung durch Wertpapiere beschaffen, besteht sie jj. B. zu einem ivesentlichen Teil ans Effekten, die aus der eignen Regte der Bank stammen; welcher Art sind die auf Waren erteilten Vorschüsse, in welchem Verhältnis stehen sie ziim Warcmvcrt; ist letzterer selbst ein stark schwankender; wielvcit köiinen die ohne Unter- Pfand gegebenen Vorschüsse als gesichert gelten; wie lange laufen sie noch ec. ec.? Kurz, es bleibt noch eine lange Reihe der wichtigste» Fragen übrig, ohne deren Beantwortuiig kein sicheres Urteil mög- lich ist. Jnnnerhiil bieten die Bankbilanzen, wenn sie auch über die finanzielle Lage der Bauken selbst nnr äußerlich und ungenau orientieren, manche Belehrung. Es zeigt sich zunächst, daß ihre enge Liaison mit in- dustriellen Unternehmungen sich für verschiedene der Banken im ver- gangene» Jahr als recht verhängnisvoll eriviesen hat. Obgleich, ivie schon gesagt, die Abschreibungen, die sie auf ihren Effekten- nnd Konsorlialbeständen vorzunehmen sich gezivungcn sehen, gewisser- maßen nur als vorläufige Abschlagsleistungen gelte» können, erreichen sie doch recht respektable Summen. In welcher Höhe die Dresdener und die Berliner Bank Abschreibungen vornehmen, wurde schon vorhin erwähnt; aber auch andre Banken iveisen für diesen Ziveck recht hohe Suimnen an, so z. B. die Nationalbank(ohne die Ab- schrcibungen auf Contocorrcnt-Conto, Jnventar-Conto:c.) 2 500 000 M., die Berliner Handelsgesellschaft 1680 000 M. Andrerseits zeigt der aus den Bilanzen sich ergebende Geschäfts- umfang. daß auch int vergangene» Jahr die Konzentration im Bankgewerbe iveitere Fortschritte gemacht hat. De» Einfluß der Krise haben, ivenn man von der Dresdener Bank absieht, die ihre Leistungsfähigkeit überspannt hatte, vor allem die mittleren Banken zu spüren bekommen, jene, die es den großen gleich zu thnn suchten, ohne deren Mittel zur Verfügung zu haben,' während die großen zum Teil ihren Geschäftskreis bedeutend anszndehnen vermochten. Schon die in letzter Zeit von einigen größeren Banken in Aussicht genommene An- und Eingliederung kleinerer Bauken, wie z. B. die geplante, vorerst jedoch gescheiterte Ileberuahnte der Breslauer Diskontobank durch die Dannstädter Bank und die be- absichtigte Fusion letzterer mit der Bank für Süddeutschland sowie die in Aussicht gestellten Kapitalserhöhungen einiger der größeren Banken, vornehinlich der Deutschen Bank und der Diskontogescllschaft, ließen erkennen, daß die Lähmung des Wider- standes der mittleren und kleineren Banken durch die Krise nur den großen die ivillkominene Gelegenheit geboten hat, noch in stärkerem Maße, als bisher, das Geschäft an sich zu ziehen. Einen weitere» Beleg � in dieser Richtung bietet die Bilanz der Berliner Handels- gescllschaft, deren Geschäftsumfang, selbst wenn man den inzlvischen erfolgten llcbcrgang der Firma Brcest n. Gelpcke und deren Geschäfte auf die Bank mit in Ansatz bringt, eine erhebliche Znnahnie ausweist. Noch weit mehr aber gilt dies von der gestern veröffentlichten Bilanz der Deutschen Bank. Die Depositen-Einlagen sind um beinahe 24 Millionen Mark, die Crcvitorc» mn 75'/s Millioncu gestiegen, einer Znnahme, der auf der andren eine Vermchrnng der Barvorräte, Wechsel, Reports nnd Tarlehen nni ca. 88. der Debitoren um 13 Millionen Mark gegenübersteht. Der Brutto- wie der Reiiigcwinn haben denn auch gegenüber dem Vorjahre noch um ein geringes zngcnominen; und ebenso ivie im letzten Jahre verteilt die Bank 11 Proz, Dividende. Fast noch intcrcssantcr, wie die Bilanzen sind die in den Geschäfts« berichten der Banken enthaltenen Urteile über die Ursachen und den Verlauf der Krise, deren Einwirkung auf das Geschäftslcbcn, auf die Anssichtc» des nächsten Jahres, kurz auf die Gesanit-Wirtschafts- läge. Beim ersten Anblick ein bunter Haufen sich gegenscilig wider- sprechender, verschiedenartigster Ansichten, geivinnen die Urteile sofort ein andres Ansehen, ivenn man bei jedem iliitersncht, an welchen Geschäften die betreffende Bank besonders interessiert beziv. auf welche» Gebieten sie speciell arbeitet, wie sie ihre Geschäfte führt nnd mit Ivclchcn Geschäftskreisen sie vornehmlich zu thnn hat. Es zeigt sich dann deutlich, ivie Praxis und Interesse daS Urteil bestimmen. Auf alle diese verschiedene» Aenße- rnngcit znriickznkvnnne» ist hier nicht der Ort. Nnr zwei der Auslassungen, welche die AufwärtSbctvegnng der Jndustric-Akticn-Knrsc und die»ächsteu lvirtschaftlichen Aussichten betreffen, seien ans dem Haufe» herausgegriffen. Die Dresdener Bank, die von dem Steigen der Effekte» speciell der Jndustric-Aktien- und der Bahn-Aktien-Knrse, lebhaft interessiert ist(neben für 26 Millionen Mark Cffektcn-Rcporls be- sitzt sie für beinahe 3ö Millionen Mark eigne Effekten), meint: „Die über Erivartcn rasch eingetretene Besserung in der Lage des Effektenmarktes und die vcrtrancnsvollcre Auffassung, welche in manchen Jnduslricziveigen zur Geltung kommt, sprechen dafür, daß die Krisis, gerade, ivcil sie so akut und heftig auftrat, die i» unircm ivirischastlichcn Organismus angehäuften Krankheitsstoffe desto gründlicher und schneller ausgeschieden nnd damit den Ge- snndungsprozcß gefördert hat. Erfreulich ist vor allcni, daß die auf den Ersparnissen der eriverbSthälige» Bevölkerung beruhende Kapitalkrasl Deutschlands sich bei Ucbcrivindung der Krisis außer- ordentlich stark erwiesen hat, wie sich auch an der fortgesetzt leb- hasten Nachfrage»ach guten Anlagciverten erkennen läßt." Dagegen heißt es im Geschäftsbericht der Hamburger Vereins- bank, die sich allerdings an Bedeutung mit der Dresdener Bank nicht entfernt ineffen kann(Aktienkapital nur 24 Millionen Mark), die aber andrerseits mit eigentlichen Griiiidungsgcschästen recht wenig zu thtlii hat(Effekten- nnd Konsortinl-Bcteiligniig 3,3 Millionen Mark): „Ob jedoch die stark optimistische Strönning, die seit Ende 1901 eingesetzt hat, vollkoimnen berechtigt ist und nicht etwa über das Ziel hinausschießt, kann ziveifelhaft erscheinen. Die Thatsache, daß große Jndustrieziveige zur Zeit ohne Nutzen und selbst mit Schaden arbeiten, sollte zur Vorsicht mahnen; eS können starke innere ivie äußere ivirtschaftliche Kämpfe bevorstehen; auch flößt die Lage des Handels in den Vereinigten Staaten, der seit mehreren Jahren eine ungeahnte Prosperität zeigt und eine starke Stütze für Europa bildet, nicht ungeteilte Zuversicht ein. So bleibt als Hauptinotiv der jetzigen AufwärtSbelvegung an den Börsen nnr der reichliche Gcldstand, der allerdings weit nachdrücklicher in die Erscheiinüig tritt, als man vor wenigen Monaten annahm." Welches Urteil mir richtiger erscheint, brauche ich nicht erst zu sagen. Tat. Aus JuvttPfLio und UZuudel. Leipziger Bank. Die stattgehabte Glänbiger-Versaunulung der Bank beschloß, die Verwertung des neuen Bankgebäudcs dem freien Ermessen der KonkurSverwaltnng nnd des Glnubigeransschusscs zu überlassen nnd erklärte sich damit einverstanden, daß die Deutsche Bank das Gebäude niit 2 080 000 M. erivirbt. Die Versamnilung stimmte ferner zu. daß die Mitglieder des Anfsichtsrats sich ver- pflichten, eine Abfindung von ö Millionen zu zahlen, nachdem sie außerdem ihr Konsortialcönto bei der Leipziger Bank mit 2 300000 M. gedeckt haben. Die Chokoladenfabrik Gebr. Stollwerk in Köln ist, nach einer Mitteilung des„Berk. Tagcbl.",. in eine Aktiengcschast mit 10 Millionen Mark Aktien und 6 Millionen Mark Vorzngsaklien mn- gewandelt worden. Die Gründung liegt in den Händen eines Konsortiums, an dessen Spitze die Darnistädter Bank steht, iind dem außerdem die Firma S. Blcichrödcr, die Berliner Handels- gesellschaft und der Schaaffhanscnsche Bankverein angehören. Der Träger- nnd Halbzeiiglierbatid stellte in seiner Sitzung fest, daß der Beschäftigungsgrad ein guter ist Allerdings nur auf Kosten der Auslandsliefcrnngcn, die unter den eignen ProdnktionS- kosten abgeschlossen sind. Es wurde deshalb der Anregung ziigestinmit, die Preise um 5 M. pro Tonne zu erhöhen. Ein Gnssröhren-Syndikat, dem die nanihaftesten Werke an- gehören, hat sich in Köln zusainmengrschlossen. Die Werke ver- pflichteten sich, keine Aufträge mehr anzunehmen, sondern alle durch das Syndikat aufgeben zu lasse». Stühlen ans Deutz und Naumann von Brabach bilden den Vorstand. Geschäftsberichte der Rktiengescllschaften. Die Mecklen- �iirgische Hypotheken« und W e ch s e l b a n k in Schwerin verteilt eine Dividende von 11 Proz. Der Gelvinn betrug 1 334 633 M.— Die Mitteldeutsche Kreditbank wird eine Dividende von ö'/ä Proz.(im Vorjahre 6 Proz.) gewähre». Gewinn 3 860 089 M.(3 666 104 M.).— Die Ä a ch e» e r Bank für Handel und Gewerbe teilt mit. daß der Gesamtumsatz im vorigen Jahre um 35 Millionen zurückgegangen ist. Der Reingewinn belänft sich auf 157 846 M.(213 752 M.) Dividende 5 Proz.{53/e Proz.).— Die Stahlbahn iverke F r e» d e n st e i n u. Co. arbeiteten im verflossenen Jahre nach Abschreiben der Specialreserve mit einem Verlust von 500 000 M. Das Aktienkapital wird von 2 500 000 auf 2 000 000 M. herabgesetzt.— Kronprinz Aktiengesellschaft für Metällindilstrie verteilt 10 Proz. Dividende. Der Reingetviiin betrug 349 235 M.— H o f f m a n n s Stärkefabrik wird ivie im Vorjahre 12 Proz. ihren Aktionäre» über- iveisen.— Der Essener B e r g w e r ks v er e i n König Wilhelm verzeichnet einen Reingetvin» von 1880024 M. (1 789 473 M.). Dividende 15 Proz.(20 Proz.) auf Stammaktie».— Die Ravensberger Spinnerei in Bielefeld wirft 10 Proz. Dividende ab.— Die K a m m g a r n s p i n» e r e i S t ö h r u. C o. in Leipzig berichtet über einen Neingelvinii von 1 043 836 M. Dividende' 8 Proz.— Die Norddeutsche Lagerhaus- Aktiengesellschaft in Berlin hatte einen Neingelvinii von 190 424 M.(70895 M.). Der Ueberschnß wird auf neue Rechnung gesetzt.—_ Das Armenwefen im Stadthaushalts- Gtat. Das Kapitel A r m e n w e s e n schließt in dem Stadthanshalts- Etat für 1902 in Ausgabe niit 12 965 784 M.. in Einnahme mit 1397 074 M. ab, so daß ein Zuschuß von 11 563 710 M. erforderlich ist. Die Ausgabe ist mehr als ein Neuntel des ganzen 113 Millionen- Etats, der Zuschuß mehr als ein Sechstel des gesaniten Steuer- aiifkounnens von etwa 66 Millionen, im besonderen mehr als ein Drittel der Geincinde- Einkominensteuer von 32i/s Millionen. Die Bedeutling der A r in e n l a st e n für den Ge- samt-Etat wird von freisinniger Seite oft hervorgehoben. Es geschieht das zumeist in einem Tone, der aus Prahlsucht und Mißmut gründlich gemischt ist. Von der- selben Seite ivird der überaus langsam vorrückenden sogenannten Reform u n s r e s A r m e n lv e s e n s, die ti»s im Etatsjahr 1902 die»eue Geschäftsordiinng für die Armenkommissione» und niit ihr die Zuziehiing von Frauen zu den Arntenkoinniissionen bringen ivird, als ein besondrer„Vorzug" nachgerühmt, daß sie— entgegen den früher daran geknüpften Erivartungen— die iveitere S t e i g e r ti n g d e r A r in e n l a st e n n i ch t b e g ü n st i g t. Von den rtlnd 13 Millionen des Armenetats beansprucht die A r m e Ii d i r c k t i o n für den ihr zufallenden Teil der Armenpflege (Speeinletat 20) 9 703110 M. Davon sollen 767 000 M. durch Ein- nahmeii(meist aus Erstattung von Unterstützungen), durch städtischen Zuschuß 8 986110 M. gedeckt werden. Die von den Armen- koniniissionen zu zahlenden Unterstützungen betragen allein 7 456 000 M., nämlich Almosen 5 800 000 M.(136 000 M. mehr als 1901). Pflcgegcld 806 000 M.(ivie 1901), Extra-Unterstützung 850 000 M.(50 000 M. mehr als 1901). Zu den Erhöhungen ivird im Etat bemerkt:„Die gegenwärtige Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse läßt eine Besse-1 r u n g vorläiifig nicht erwarten." In gleicher Weise' wird auch die Erhöhung der unmittelbar von der Annendirektion zu zahlenden llnterstützinigen— 185 000 M., gegen früher 160 000■— begründet. Das Vorhandensein eines Notstandes ivird also zugegeben, aber gegeuiiber den Aufgaben, die der Komnitine aus der gegenwärtigen Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse erwachsen, halt der Magistrat—'dein Wink der freisinnigen Mehrheit der Stadt- verordneten- Versammlung gehorchend— im wesentlichen nichts andres in Bereitschaft als ein kleines bißche n m e h r Almosen! Aus de» übrigen Ausgabetiteln des Specialetats 20 ist hervorzuheben die Erhöhung des Honorars der A r m e u ä r z t e von 128 300 M. auf 155 060. Die Acrzte sollen künftig durchgängig mit 1600 M. pro Jahr besoldet werden. Für Kur und Verpflegung» in n i ch t st ä d t i s ch e n Krankenhäusern sind diesmal 940 000 M. ausgeworfen, die durch Verniiltelmig der Arincndirektio» bezahlt werden. Die Höhe dieses Betrages zeigt, daß die Stadt von dem erstrebenswerten Ziele, auf diesein Gebiete die lästige und nicht immer iinbcdenkliche Abhängigkeit von fremde» Anstalten(vergl.' Etisabcth-Kinderhospital) zu beseitigen, noch recht weit entfernt ist.. Gegenüber der„offenen" Armenpflege(Unterstützungen, tislv.k> bildet bei uns die„geschlossen e"(Verpflegung in Anstalten) nnr eine Ausnahme. Die Siechen für sorge, die hierzu gerechnet ivird, ist im Etat für 1902 im ganzen(für beide Anstalten) niit 800 000 M. Ausgabe. 103 300 M. Einnahme. 696 700 M. Zuschuß angesetzt. Zur„geschlossenen" Annenpflege gehören ferner Obdach und Arbeitshaus.' Für das Obdach sind 466535 M. Ausgabe, 43 037 Rk. Eiiinahme, 423 498 M. Zuschuß angesetzt, für daS Arbeitshaus 565 444 M. Ausgabe, 189 617 M. Einnahme. 375 827 M. Zuschuß. Ob für 1902 ivieder auf eine starke In- anspruchnahme des Obdachs gerechnet ivird, darüber iverden in den Erlänlcrnngen ividcrsprecheiide Angaben gemacht. Bald heißt i es, die Frequenz des letzten Jahres iverde in diesem Jahre„vornns- sichtlich nicht erreicht" iverden, bald wird im Gegensatze hierzu von der„auch für das Jahr 1902 zu erwartenden hohen Belegung" ge- sprochen. Die Ansätze sind aber meist der letzteren Eventualität angepaßt und gegen 1901 noch erhöht. Von den Ursachen der Frequenz- zunähme wird im Obdachctat nirgends gesprochen. Dagegen wird im Specialetat 20, bei dem die Mietsbeihilfen für Obdachlose ver« rechnet iverden, auf die„ungünstigen W oh n u n g s v e r- h ä l t n i s s e" hingeiviescn, wegen deren„nicht mir keine Verminderung, sondern eher eine stärkere Belegung" des Obdachs zu erwarten sei. Die im vorigen Jahr vom„Vorwärts" aufgedeckten Mißstände im Obdach sollen. zum Teil beseitigt werden, wofür der Etat einige Mchrfordernngen bringt. Für das Arbeitshans ist die gleiche Frequenz wie bisher angenonimeu. Wir sürchten indes, daß schon die allernächste Zeit dem Arbeitshanse eine erhebliche Zahl neuer Insassen zuführen ivird. Die Stadt thut offiziell zur Linderung der Arbeitslosigkeit ebenso wenig wie zur Bekämpfung der Wohiinngsnot; für die Opfer dieses. doppelten Notstandes' stehen lediglich das Obdach nnd das Arbeits- Haus bereit. Die W a i s e n p f l e g e, die einen besonderen Teil des Aruien- Wesens bildete, soll samt Fürsorge für die verwahrlosten Kinder 1 136 575 M. Zuschuß erhalten, bei 1 430 695 M. Ausgabe und 294120 M. Einnahme. Hierzu müßten, genau genomnien, auch die Ilntcrstützinigen gerechnet iverden, die die Atinendirektion(siehe oben) für die bei der Mutter in„offener" Waisenpflege verbleibeiiden „Pflegekinder" zahlt. Für die„Kostkinder", die in fremdeil Familien untergebracht werden, sind einige Aendernngen geplant(mehr Kostgeld, reichlichere Kleidung), über die die Stadtverordneten-Versanlnilnitg noch zu beschließen hat. Das Mehr an Ausgabe» ist im Etat bereits vorgesehen. Erhöht iverden soll auch die Entschädigung für die Beaufsichtig u n g der Kostkinder. Die Begründung. die sich in den Erläuterungen findet, giebt zu denken. Es erscheine„dringend geboten", die Be« anfsichtigniig der Berliner Pflegeftelle» zu eriveitcrn, nnd auch eine Verschärfung der Oberaufsicht sei„nötig geworden". Seit tvann und weshalb? Hieß es nicht bisher iminer, daß in dieser Beziehung alles in bester Ordnung sei? In dlen Gvmeindoenmhlrn. Wilmersdorf. Im Bürgert um am Orte stehen sich jetzt de» Liberale Verein und der G r u» d b e s i tz e r- V e r ei n gegen- über. Während letztere Organisation anscheinend Miene macht.' sich mit den Reichstreucn zu koalieren, haben die Liberalen beschlossen, selbständig Kmididaten anszustcllcn. Jedoch kandidieren in dcx dritten Abteilung nur Hausbesitzer; der ausdrückliche Beschluß deS Liberalen Vereins geht dahin, den von der S o c i a I d e m o k r a t i e aufgestellten Nichteingesessencn keine Kandidaten entgegen- zustellen. Der Unistand, daß unsre Parteigenossen, soweit die Mieter- kandidaturen in Betracht komine», wahrscheinlich nur mit einem Gegner zu thun habe», vereinfacht fiir die Arbeiterschaft den Wahltampf wesentlich, dient ihr aber zugleich als Mahnung zur doppelten Wachsamkeit. Ohne Zweifel werden die vereinigten Reaktionäre und Hausagrarier alles thun, um auch in der dritten Abteilung zu retten, was zu retten ist. Eine fleißige Agitation unter der Arbeiterschaft ist für uns auf alle Fälle erforderlich. In Lankwitz findet die Wahl zur Gemeindevertretung bereits 'am Montag, den 3. März, abends von 6— S Uhr, im Restaurant B e r g e r, Maricnfelderstr. V, statt. Unsre Parteigenossen haben de» Schriftsetzer Franz G e i s e n» K e r st i n g als Kandidaten proklamiert. Die von den Grnndbesitzervereinen zum Donnerstag einbenlfene Wählerversammlung war auch von Arbeitern stark besucht, da uns ein Lokal fiir eine eigne Versammlung nicht zur Verfügung steht. Genosse G e i s e n- K e r st i n g vertrat in geschickter Rede den' social- demokratischen Standpunkt auf kommunalpolitischem Gebiet gegenüber den bürgerlichen Parteien. An der Debatte be- teiligten sich die Gcmeindevertreter Tromm, Trinkkellcr, sowie die Genossen Zoch, Schmidt und Wenzel. Die Versammlung nahm mit grosier Majorität eine Resolution an, dahin lautend, dasj sie sich mit den Ausführungen des social- demokratischen Kandidaten einverstanden erkläre und mit alleil Kräften für die Wahl desselben eintreten«verde. Die Gegner ivaren von dem programinwidrigen Verlauf der Versammlung natürlich sehr verblüfst. Teinpelhof. Am Dienstagabend gl/» Uhr findet bei Adel, Gerinaniastr. 20, eine Versainmlnng des Wahlvereins statt. Genosse Z u b e i l spricht über:.Die Ursachen der Arbeitslosigkeit". Ein«veiteres Thema bildet.Die bevorstehende Gemeinderats« wähl i» T e m p e l h o f". Da die Tagesordnung sehr«vichtig ist, so iverden alle Parteigenossen von Tempelhof ersucht, in dieser Ver- fammlung zu erscheinen. In uusrcm gestrigen Bericht über die Wahlbeivegung in N o«v a>v e s ist uns ein Irrtum unterlaufen, indem die Wahlen am März nicht in Nowawes sondern in Neuendorf stattfinden. I» Nowawcs ist der Wahltcrinin auf den 18. März angesetzt. In Neuendorf ist Genosse Dummernix als Kandidat aufgestellt! in Nolvaivcs kandidieren die Genossen Buchdrucker Hoffmann, Maurer W. Wagner und Nestaurateur H i m k e. Die zuin Mvntag für Neuendorf angekündigte Wähler- v e r s a in in lnng kann nicht stattfinden, da Herr Blau die Her- gäbe seines Saales nachträglich verivcigcrt hat. Berliner Partei-Angelegenheiteu. Rieder-Schöneweide. Der Wahlverein hält heute Abend SVe Uhr, bei Franz, Grünaucrstr. 5, seine Versammlung ab. Lichteuberg- Fricdrichöbcrg- WilhelinSberg. Am Montag, den 3. März, sind in den 12 Bezirkslokalen die Bezirksführer des Wahlvereins zum Kassieren der Beiträge von 8 Uhr abends an anivesend. Die Mitglieder iverden zur regen Jnansprnchnahnle dieser Einrichtung aufgefordert. Die ,Vor>v2rts"- Spedition befindet sich nach«vie vor: Frankfurter Allee 1V7. In Miiggelhei»». Lokal des Herrn Brix, findet Sonntag- nachmittag 2 Uhr, für die Orte Müggelheim, Gosen, Zittau und Wernsdorf eine Volksversammlung statt. Zahlreiche Beteiligimg ist geboten. Zfolmles. Gefährliche Rieselfelder. Eine schwere Gefahr für die Gesundheit bilden die Riesel- selber der Strafa n st alt Plötze nsee,«velche nach einem uns zugehenden Bericht in durchaus unziveckmäßiger Weise augelegt sind. Die zur Berieselung bestimmten Wässer bedürfen eines Sand- bodens, Ivenn sie ihren Ziveck erfüllen sollen; hier aber ergictzen sie sich mif ein Gelände, das zum Teil Moorboden als Untergrund hat, den schlechtesten, den man sich denken kann. Auch die Größe der Rieselfelder ist in Plötzensee ungenügend. Für städtische Kanaljauche rechnet man 1 Hektar auf je 100 Köpfe der Einivohnerschaft; bei besonders günstiger V o r f l u t genügt 1 Hektar auf 200 Köpfe. Die Vorflut der Plötzenseer Rieselfelder besteht aber nnr aus einem stagnierenden schmalen Graben, der.Krummen Lanke", die nach einem Lauf von 200 Metern in den Verbindungskanal«nündet. Und doch ist ftir die Schmutziväsier der 2 5 00 Personen, die sich durchlveg in der Strafanstalt befinden, nur ß'/a Hektar Fläche vorhanden. Auf den Hektar kommen also 450 Personen, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß in der vegetationslosen Zeit fast die ganze Jauche dem südlichen, nur 3'/z Hektar großen Ricselfelde zugeführt«vird. Verschlimmernd koinmt noch in Betracht, daß es in Plötzensee keine Drainage giebt. Die durch solche nnziveckinäßige Wirtschaft hervorgerufenen Ucbelstände hat ein Sachverständiger, Prof. Vogel, in einen, in der Fachzeitschrift„Das Wasser" am 8. März IWI veröffentlichten Gutachten geschildert. Das Urteil dcS genannten Sachverständigen lautet: „Es ist als unzlveifclhaft feststehend anzusehen, daß fortgesetzt außerordentlich große Mengen Niescllvaffer von den Plötzenseer Ricselfeldern. teils auf oberirdischem, ganz besonders aber auf unterirdischen« Wege auf die benachbarte» Grnndstückc übertreten. Die oberirdisch übertretenden Riesellvässcr befinden sich im Z u st a n d e der r o h e n I a u ch e, bringen also beim Uebrrtreten dieselben Gefahren in hygienischer und sonstiger Beziehung mit sich,«velche rohe Spüljauche verursachen kann. Die n» t e r i r d i s ch übertretenden Riesclivässer sind s o gut wie gar nicht auf demRieselfelde gereinigt worden, jedenfalls aber ist«veitaus die größere Hälfte der Verunreinigungen in denselben verblieben, insbesondere gilt dies, so«veit es sich um fänlnissähigc organische Substanzen handelt. Dieselben können infolge dieser starken Verunreinigung nach meiner Ucberzeugnng«vesentlichen Schaden anrichten." Ans den Beobachtungen des genannten Sachverständigen ergiebt sich, daß das Grundwasser der ganzen Nachbarschaft verseucht sein muß! es werden aber auch auf oberirdischem Wege dem Vorfluter der Rieselfelder, der nur etiva 50 Meter entfernten Krnminen Lanke, welche nach kurzen, Lauf in den Verbindungskanal mündet, täglich große Mengen der rohen, ungereinigten Jauche zugeführt. Welch' eine schivere gesundheitliche Schädigung dadurch entsteht, braucht nicht erst gesagt zu«verde«,. Aber noch eine andere Gefahr lauert in nnchsterNähe. Die Krunnne Lanke eriveitert sichstclleniveiseznsceartigen Flächen, ans«velche«, zur Winterszeit in großen Mengen Eis entnommen und in den Handel gebracht«vird. Ein Tropfen enthält unzählige Bakterien, und dies Eis koinmt in den Handel und«vird in, Hanshalt verwandt. Eine Abhilfe läßt sich verhältnismäßig leicht dadurch schaffen, daß Charlottenburg jetzt bei der Erlveiteruiig seines Kanali- s a t i o n s- S y st e m s auch Plötzcnfee darin aufnimmt,«vas um so notlvendiger«väre, als die Rieselfelder zuin Teil auf Charlottenburger Gebiet liegen und das in Betracht kommende Terrain zur Bebauung bcsti»,»,t ist._ Die Geheimnisse deö Hof Theaters. In der.Zukunft" liest man folgende erbaulichen An- teutungen: „G e h e i m r a t Pierson, der seit Jahren fast allmächtig über die Berliner Hofbühnen herrschte, ist plötzlich gestorben. Am Herzschlag, hieß es. Der König von Preußen ließ nicht, wie er's in solchen Fällen immer thut,.seine Teilnahme ausdrücken". Die Intendanz verfügt über mindestens fünf für eine Trauerfeier ge- eignete Säle, von denen drei leerstehen; für die Pierson-Feier aber wurde ein Privatsaal gemietet. Unmittelbar vor dem Tode des Mannes, der als selbständiger Geschäftsführer sein ganzes Vertrauen besaß, hatte der Generalintendant Graf Hochberg sein... Eni- lassungsgesuch eingereicht, das nn«,„vorläufig" abgelehnt wurde. Voin Hausministerium oder von einer andren Kontrollbehörde war das Rechnungswesen der Hoflheater beanstandet worden. Da so seltsame Umstände zusammentrafen, drangen natürlich allerlei dunkle Gerüchte aus dem Coulissenreich in die noch bösere Welt. Eine auf Empfehlung des Bot- schafters Fürsten Eulenburg engagierte Schau- s p i e l e r i n soll ihrem Protektor Phili den unhaltbaren Zustand der Hofbühnen geschildert haben, der auf dem Umiveg über Wien dann auch dem Kaiser bekannt wurde. Ein Riesen deficit soll entdeckt sein? und so weiter. An Dementis hat es nicht gefehlt; nur glaubt ihnen niemand. Sicher ist erstens, daß ein Lieferant, den nian n, it dem Kominerzienrats- titel besänftigt zu haben glaubte, die Ver- «valtung nach seiner Ernennung mit einer Forde- rung überrascht hat, deren Höhe Entsetzen erregte: ziveitenS, daß die Herre«, Hochberg und Pierson in Ungnade gefallen«varen; und drittens, daß die fin anzielle Lage der Hofbühnen schlimn, ist. Der Gehet»n rat ist also jedenfalls in der für ihn günstigsten Stunde gestorben. Weit genug hat er's ge- bracht. Ein Titel, der in Preußen sonst ein langes Gelehrtenleben krönt und den Stadttyrannen im Schiveiße ihres Angesichtes er- streben,«vard dem früheren Buchhändler in jungen Jahren verliehen und ihm, der nicht die geringste Theatererfahrung hatte,«vurden die beiden erste» Bühnen des Reiches unterstellt. Was er wollte, geschah. Jammern, imen, die ihin seine Freunde empfahlen,«vurden ohne Be- denken für'S Hoftheater angeworben. Er ließ abgespielte Operetten von einem zusannncngelvürfelten Personal aufführen, das ebensoivenig «vie das Orchester je dem Hoftheater-Verband angehört hatte, und ruhigen Mutes auf den Zettel drucken: Neues kölligliches Opern- Theater. Das Repertoire«var in Oper und Schauspiel erbärmlicher als je. Auf den Proben that jeder,«vas er«vollte. Dichter und Komponisten, die neue Werke zur Prüfung einreichten oder sich mit Fragen an Pierson wandte«,, bekamen keine Antivort. Empörte Mitglieder«vurden mit Versprechungen gestopft, die nie gehalten wurden. Das Alles und Aergeres noch«var bekannt. Kein SterbenSivörtchcn aber drang in die Zcitnngsspalten; denn der Geheimrat, der unsägliche Holzbock hat's ausgeplaudert, hatte„der Presse de«, ihr gebührenden Platz an- gelviescn".„Die ihr gebührenden Plätze'«väre richtiger gelvcsen; der stets liebenslvürdige, gelvandte Mann gab, auch wenn die Menge sich an die Kasse«, drängte, den Journalisten so viele Freibillets,«vie sie haben «vollte». Kein Wunder, daß sie ihn aufrichtig betrauern, daß ihre tausendfach belvährte Schamlosigkeit anch vor rühmenden Nekrologen nicht zurückschrak. Jedem, der die skandalöse Hoftheaterlvirtschaft nach Pflicht und Recht tadelte. Ivnrde entgegnet: Was«vollen Sie? Pierson hat das Deficit lveggcschafft! Auch dieser S ch Iv i n d e l ist jetzt enthüllt. Trotzden, die Berliner Hofbühne» einen Tiefstand er- reicht haben, der selbst in des alten Hülsen schliininster Zeit undenkbar geivesen«väre, trotzden, das Repertoire geschändet, das Ensemble verlvüstet ist, hat die Aera Pierson nun mit einein Finanzkrach geendet. Der Mann, der ihr den Namen gab, ruhe in Frieden; ohne die Hilfe der Preßcamorra hätte er sein Werk nicht zu voll- enden vermocht." So erzählt die„Zukunft". Es ist zwar nur ein Hoftheater- Skandal, und doch spiegelt sich in ihm»nehr als nur die b r e t t e r n e Welt der Aera— Pierson. Die Piersons sind überall an, Werke, »in den Krach zu organisieren und zn verhehlen. DaS Reich des Hofthenters ist größer als Opern-, Schauspielhaus und Kroll.— Tie Frage der Linden-Ucberquerung«vurde gestern im prenßischeii Avgeordnctenhausc zur Sprackie gebracht. Als bei der Beratimg des Etats des Polizeiministerinins das Kapitel B e r- l i u e r P o l i z e i v e r>v a l t u n g zur Erörterung kam, führte Landtags-Abgeocdneter Kreitling an, daß die Stadt Berlin die von ihr angekanfte» Straßenbahnlinien erivorben habe,«veil sie ans den, Schreiben des Ministers die feste Zuversicht entnehmen innßte, daß der König die Geiichinignng zur Ueberschreitnng der Linden erteilen«vürde. Herr Kreitling«vies dann auf die Unmöglichkeit hin, einen Tunnel unter die Straße bindiirchznführcn, und bat unter Vorbringnng einiger höchst loyaler Komplimente nach oben den Mi- »ister, daß er die ganze Angelegenheit noch einmal den» Könige unterbreiten und für die Ueberqnernng ein gutes Wort einlegen möge. Ter Minister v. Hamm er stein begnügte sich damit, die Loyalität zn loben,«nit der Herr Kreitling paradiert hatte, und ver- schanzte sich in, übrigen hinter dem Einwand, daß die Angelegen- heit nicht ihn, solider» den E i s e n b a h n m i n i st e r angehe. Der freisinnige Abgeordnete Dr. Krüger- Königsberg«var etivas energischer als' Herr Kreitling. Als der Vorgesetzte des Polizei- Präsidenten sei der Minister des Innern in der Sache zuständig, es müßten in der Entscheidiing über die Lindenfrage unverantivort- l i ch e I n st a n z e n mitgeivirkt haben; der Minister möge den be- rnfenen technischen Instanzen das nötige Gehör verschaffen. Nachdem der nationalliberale Abgeordnete Reichard noch gegen die Ueber- querung gesprochen hatte, verließ man den heiklen Gegenstand. Im preußischen Parlament ist freistnnigen Abgeordneten eine Angelegen- heit, die das Selbstvenvaltungsrecht der Gemeinden,«vie es in Preußen verstanden«vird, blendend grell beleuchtet, gerade gut genug, um ein paar loyale Phrasen' an den Mann zu bringen. Kann man es da dem Minister verdenke«,, daß er so bcqucin«vie «nöglich einer unaiigenchmen Erörterung aus dem Wege zu gehen sucht? Von der Hochbahn. Um dem Drängen an den Schaltern vorznbengen, führt die Hochbahn jetzt auch Billeta ntoniaten ein. Auf dem Untcrgrnnd-Bahnhof Potsdamerplatz ist damit der Anfang gemacht Ivorden. Der hier stehende Billetantomat unter« scheidet sich von den ander,, dadurch, daß man nach Eiinvurf des Geldstückes nicht an einen, Griff zu ziehen braucht, vielmehr das Billet sofort von selbst herausfällt. Der erste Betriebsunfall aiif der Hochbahn hat sich gestern nachmittag kurz nach 6 Uhr zivischen Bahnhof Möckenibrücke und Hallesches Thor ereignet. Als ein Zug in die Halle einfahre» wollte, brannte beim Ausschalten des Stromes die im Inner«, des Motorhauses befindliche SicherheitS- Vorrichtung durch, so daß der Zug nicht von der Stelle konnte. Er mußte von den, nachfolgenden Zuge in die Halle geschoben Iverden. Immerhin aber hatte der kleine Unfall die Folge, daß »och ein dritter Zug, der einfahren wollte, auf der Strecke halten innßte. Ueber die Verbreitung von Krankheitserreger» durch Ge- schirr, Meffen, und Gabeln, äußert sich Prof. v. Esmarch in der „Hygien. Rundsch." Er führt dabei u. a. aus:„In der Steinigung der nötigen Gebrauchsgegenstände«vird von unsrcn Hausfrancn noch viel gesündigt, und doch steht es fest, daß gerade ihnen viel- fach die Rolle der Krankheitsübertraguiig zufällt", v. Esmarch infizierte eine Gabel mit Tuberkelba'zillen, legte sie darauf fünf Minuten in heißes Wasier von 50 Grad und Ivischte sie dann mit eiiiem trocknen Tuch ab. Die Keime waren trotzdem noch so lebensfähig, daß man«in Tier damit tödlich infizieren konnte. Um die beste, alle Keime tötende Reinignngs- Methode zu finden, stellte Esmarch verschiedene Versuche an. Er brachte den, Rande von Wassergläsern verschiedene Bakterien bei, ließ sie abtrocknen und reinigte die Geräte dann nach allgemein üblichem Brauch, das heißt ließ sie mit kaltem Wasser spülen und dann mit einem trockenen T»�h polieren. Die Untersuchung ergab, daß noch zahlreiche Keime am Rande deS GlascS saßen. Selbst heißes Wasser von 50 Grad konnte sie nicht vernichten. Nur«venu die Geräte fünf Minuten darin liegen blieben, giligen die Keime ein. Da kochendes Wasser den Gläsern, Bestecken ec. in- deffen schadet, experimentierte der Gelehrte«veiter. Seine Versuche brachten ihn auf Soda, und er empfiehlt nun eine Mischung von 20 Gramm Soda auf 1 Liter 50 Grad heißes Wasser; diese tötet innerhalb einer Minute alle Bakterien an Gläsern, Bestecken und Geschirr. Esmarch verlangt, daß diese Reinigungsart zlvangsiveise in Restaurationen und Hotels eingeführt«verde«, solle, da hier die Gefahr, durch einen Vorgänger in der Benutzung des Bestecks zu erkranken, besonders groß ist. Für die Anschaffung von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen zur Vermehrung des Lesestoffes in den Volks- bibliotheken und Lesehallen, solvie zur Ergänzung des Bücher- bestandes hat der Magistrat 80000 M. velvilligt,«vozn aber die Stadtverordneten noch ihre Zustimmung erteilen müffeii. Die größte Frequenz zeigen die Volksbibliotheken in der Mohren-, Ravenö- sWedding) und Wilmsstraße. Jährlich«verde» dort 30— 130000 Bände verliehe». Die Bücher in den 17 Berliner Volksbibliotheken und städtischen Lesehallen repräsentiere» einen Wert von mehr als 300000 M. In diese», Jahre sollen die Volksbibliotheken in der Langestratze 76, Thurmstratze 86, Schmidstraße 16. Albrechtstratze 16, Cho'rinerstraße 74. Ravenöstraße, Fruchtstraße 38 und Schlesische- straße 4 vollständig neu mit Büchern ausgestattet iverden. Wissenschaftliche Ballonfahrten. Am Donnerstag, den 6. März, findet in de» Morgenstunden eine internationale«vissenschaftliche Ballonfahrt statt. Es steigen bemannte und unbemannte Ballons auf in: TrappcS, Paris, Straßburg. München. Wien.Krakan.Berlin.Petersburg, Moskau, Blue Hill Observatory bei Boston II. S. A. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, ivenn er der jeden, Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und dieJnstnimente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphische Nachricht sendet. Auf eine vorsichtige Behandlung der Ballons und Jnstniniente«vird besonders anfmerksam gemacht. Um Irrtümer zu verineiden«vird darauf aufmerksam gemacht, daß für Hilfeleistnngen beim Landen eines bemannten Ballons besondere Vergütungen be- zahlt«verde««, deren Höhe jedesmal von dem Ballonführer festgestellt «vird. Die neuen Postwertzeichen,«velche voin 1. April d. I. ab für das Reichsgebiet und für Württemberg gemeinsau, gelten sollen, iverden von, 20. März ab verkauft«verde», gelten aber erst zur Frankicrung vom 1. April ab. Die jetzt umlaufsfähige» Postwertzeichen gelten nur bis 31. März einschließlich; unverivendct gebliebene Iieichs-Postinarken können in der Zeit von, 20. März bis Ende Juni d. I. bei den Postanftaltei, gegen»eue Postiverlzeichen (nicht gegen Barzahlnng I> umgetauscht«verde«,. Höchstivahr- «cheinlich wird die böse Anordnung, daß die jetzt gültigen Briefmarken nach den, 1. April überhaupt nicht mehr benutzt«verde«, dürfen, dem Publikum kaum genügend bekannt«verde«, und daher Verdrießlichkeiten sonder Zahl im Gefolge haben. Ein Diebstahl,«vie er in der Berliner Verbrechergeschichte noch nicht vorgekommen ist, beschäftigt die Polizei. Eine reiche Familie in« Westen der Stadt besaß einen sehr kostbaren Schmuck, der stets in eine», feuersicheren Schrank aufbeivahrt«vurde. Vor einigen Tagen zog man den Schatz«vicder einmal ans Licht, u,st ihn zn reinigen, und machte nun die»nliebsame Entdeckung, daß in viele» Stücken die«vertvolen Edelsteine durch Nachahmungen ersetzt«varen. Brillante» von Vs, Vi, s/i bis 1 Karat Ivaren herausgebrochen und hatten«vertlosen unechten Steinen Platz gemacht. Ans einem Halsschmuck, der mit mehreren Dutzend Steinen besetzt ist, ivaren drei kleine Brillante» entwendet und durch Fälschnngen ersetzt, aus einen, Haarschmuck, einen, Reiherstutz mit Verzierungen und Halbmond, ein großer Brillant, ebenso aus einem großen Korallenziveig, der als Brosche getragen«vird, und aus einer Vierblattnmschel mehrere größere Brillanten aus Fassungen, die aiff andere» Schniucksnche» aufgeschraubt«Verden, einer aus einem goldnen Armband. Man nimmt an. daß der Diebstahl von einem Hausdieb verübt«vordcn ist. Das kann schon vor Jahresfrist geschehen sein. Denn seitden,«vurden die Pretiosen erst«vieder im Einzelnen gründ- lich gesäubert, und ohne eine genaue Einzelbesichtigung«väre der Diebstahl nicht entdeckt Ivorden. Wahrscheinlich hat die Dieb die Steine durch eine» Fachmann herauSiiehnie» lasten. Er wird diesem vorgeredet haben, daß sie anders verlvendet und nur vorläufig durch Nachbildniigei! ersetzt iverden sollte». Es ist anch nicht ausgeschlostcn, daß derselbe Fachmann die herausgebrochenen Steine im Anftrage des Diebes, den er für den Eigentümer hielt. gleich zu anderer Vor- iveiidlmg ne«, gefaßt hat. Auf die Ermittelung der gestohlenen Brillanten setzt der Bestohlene eine Belohnung aus. Vielleicht er- innert sich ein Jnivelier eines Vorganges, wie er hier vermutet wird, und klärt die rätselhafte Geschichte auf. Ju der Examensangst. Das„Berliner Tageblatt" berichtet: Auf einem hiesigen Realgyinnasinn, sind bei der letzten Abiturienten- Prüfung böse Dinge voigekonimen, die für einzelne der Beteiligten verhäiigniSvollc Folgen haben können. Die Abituriente»— 19 an der Zahl— standen seit Mitte voriger Woche in, Examen und hatten bereits de» größten Teil der schriftlichen Themata erledigt, als die Prüfung plötzlich abgebrochen ivnrde. In das Amtszimmer deS Direktors«var eingebrochen, und man hatte an den bereits ab- gelieferten Examenarbeiten Korrekturen vorgenommei«. Anscheinend ivaren auch bei dieser Gelegenheit die noch zn bearbeitenden Themata in die Hände der Abitnrienten gelangt. Kurz nach Eröffuniig der Untersuchung meldete sich ein Abiturient als Thäter. Er ist der Sohn des in eine», Berliner Vororte«vohnhaften Baumeisters H. und«vurde sofort aus der Anstalt Verlviesen, lieber seine Mit- schuldigen verweigerte er die Aussage, doch steht bereits fest, daß «venigstens noch zivei Mitschüler an den« Einbruch beteiligt«varen. Die Abiturienlen bewahren über den Vorfall strengstes Still- fchlveigen. Lebhafte Beunruhigung hat im Südosten der Stadt die Wahrnehmiing der Anivohner und Straßenpaffanten hervorgernfe», daß ein IV, Meter langes, gebogenes V e r b i>« d u n g s st'ü ck a n eine», Hochbahn viadukt sich beim Passieren der Hochbahnzüge lose hin und herbe«vegt und man knüpfte daran die Befürchtung, daß der Viadnkt an dieser für schadhaft ge- halteiien Stelle— sie befindet sich gegenüber dem Hanse Skalitzer- straße 2— bald zusammenstürzen werde. Zur Beruhigung wird »«itgetcilt, daß es sich hier nur nn, eine sogenannte Maske— ein dekoratives Füllglied der Eiscnkonstruktion— handelt, das absolut nichts zn halten nnd zu tragen hat und daher anch ohne Gefahr ganz herausgenommen«verde«, kann. Diese Maske ist übrigens absichtlich nicht fest vernietet ivorden, damit die beiden aneinanderstoßenden KonstrnktionSteile—«vegen der Tcniperatnr- Ausdehnung nnd BelastungS-Dlirchbiegung— eine gelvisje Be- «veglichkeit erhalten. Eine Explosion in einem Straßenbahnwagen verursachte gestern abend in C h a r l o t t e n b u r g Aufsehen. Der Accuninlatoren- «vagen 213 stand gegen 7 Uhr ans den, Bahnhof Westend zur Ab- fahrt bereit. Als der Wagenführer Strom gab, um nach der Halte- stelle in der Spandauerstraße vorznfahrei«, erfolgte im Wageniiineri« eine Explosion. Dieselbe war so heftig, daß die Sitzbänke von den Wänden abgeristen und hochgeschleudcrt wurde» und eine Scheibe des Waggons zertrünunerteu. Älücklicheriveise befanden sich»och keine Pastagiere in, Wagen. Die Explosion«vurde hervorgerufen durch eine ungelvöhnlich starke Säureansammlung in der Batterie, die bei dem Unfall natürlich zerstört«vurde. Bon einem Eisenbahnwage» geköpft wurde gestern, DoiinerS- tagnachinittag, kurz nach 3 Uhr, der 44 Jahre alte Rangier«, elfter Szpulowski, der in, Eisenbahndienste seit 21 Jahren beschäftigt«var und a», Weidenivcg Sit. 79 wohnte. Szpulowski«var gestern nach» mittag auf dem Schlesischen Bahnhof im Personenverkehr n,it Raiv- gieren beschäftigt, glitt vom Trittbrett eines Wagens ab, der nnmittel- dar hinter der Maschine lief, nnd fiel zivischen Maschine»nid Wagen so unglücklich auf die Schienen, daß ihm ein Rad den Kopf jdoin Rilnipfe trennte. Der Venmglnckte hinterläßt eine Frau und eine löjährij�e Tochter. Die ciscubahiianitliche NnökunftSstelle ans dem hiesigen Anhalter Bahnhofe wird am 1. A p r i l d. I. g e s ch l o s s e n. Von da an komme» als amtliche Ansknnftsstellen, in denen unentgeltlich mündlich und schriftlich(event. auch mittels Fernsprechers) Auskunft er- teilt wird, für Berlin nur noch in Betracht: 1. das Ausknnfts- bureau auf Bahnhof ,.A l e x an d e r p I a tz": für alle Angelegen- heilen des Personen-, Gepäck-, Vieh- und Güterverkehrs, 2. das amt- liche Reif ebureau auf dein Potsdamer Bahnhof: für alle Angelegenheiten des Personenverkehrs und 3. die Auskunftsstelle au Bahnhof„F r i e d r i ch s st r a ß e": für alle Angelegenheiten des Personenverkehrs, soweit dcrsclve Berlin berührt. Selbstverständlich werden daneben nach ivie vor am Schalter sämtlicher Berliner Fern- Bahn Höfe Anfragen über Fahrpreise, Zug anschlüsse zc. bcantivortet, welche den Verkehr dieser Bahnhöfe be treffen. Daß das Stehle» iin Kleittcn unter Umständen auch noch seinen Marin nährt, stellte sich bei der Festnahme zweier Personen i» einem hiesigen Hotel heraus. Wie wir schon mitteilten, wurden in der letzten Zeit sehr viele Korridordicbstähle verübt. Nach der Festnahme eines gewissen Krell wurde noch ein ziveiter„Specinlist" Namens Glaser erwischt, der ebenfalls in der Weise vorging, daß er einen Dietrich unter seinem Taschentuch in der rechten Hand ver- barg. Die weiteren Ermittelungen der Kriminalpolizei" ergaben, daß beide Mitglieder einer Speciaiistenbande sein mußten. Deren Sitz entdeckte man nun gestern in einem Hotel am Schlesischcn Bahnhof. Hier wohnten seit einigen Wochen zwei, Reisende ans der Provinz" die mit ihren Frauen einen guten Tag lebten. Die Nachforschungen die die Kriminalpolizei wegen der Korridordiebstähle anstellte. führten auch nach dem Hotel und ergaben, dast die Reisenden Ein- brecher Namens Hetzer und Schnitze sind, die ihren ganzen Aufwand lediglich ans dem Ertrag von Diebstählen bestritten. Ihre Ehe- franen entpuppten sich als ehemalige Dienstmädchen, die außer Stellung und in Not geraten waren. Als Hehlerin wurde eine Frau festgenommen, die im Ceutrum der Stadt ein Lombardgcschäft betrieb und sich den Anschein großer Biederkeit gab. obwohl sie erst vor kurzem eine sechsjährige Zuchthausstrafe abgesessen hatte. Ans der städtischen Gasanstalt in der Danzigcrstr. 61, Ecke der Greifswalderftraße, hat sich am Frcitagnachmittag gegen 4 Uhr ein sehr bedauerlicher Unfall ereignet. Dort sind infolge zu großer Belastung eine Reihe gelvölbter Gasöfen eingestürzt. Ein Arbeiter wurde unter den Trümmern begraben, aber schnell von spiiiFig Kollegen, noch vor Ankunft der sofort alarmierten Feuerwehr, gerettet und nach dem städtischen Krankenhaus« am Friedrichshain z;e» bracht, wo man starke Verletzungen des Kopses feststellte. Außerdem war dem«ernisten, der verheiratet ist. der rechte Unterarm ab» gequetscht. Der Einsturz des einen Gewölbes erfolgte nach den Air gaben der beteiligten Arbeiter plötzlich. so daß sich der Arbeiter A. Schmidt, der am nächsten stand, nicht mehr retten konnte. Die übrigen dort Beschäftigten stürzten eiligst davou, während die übrigen Gewölbe nach und nach unter dem großen Druck znsamuienstürztcn. Dadurch gewannen die Arbeiter genügend Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Die Feuer- Ivehr räumte die Unfallstätte auf und rückte, da keine Gefahr mehr wahrzunehmen war, bald wieder ab. Eine Betriebsimterbrechung findet nicht statt, auch wird die Betriebsstörung bald beseitigt sein'. Das Befinden des Arbeiters Ivar abends noch besorgniserregend, doch hegt man Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Wegen der Ursache des Einsturzes der Gewölbe ist sofort eine Untersuchung ein- geleitet worden. Auch ein Geständnis. Wegen Diebstahls nahm die Kriminab Polizei einen Klempner Stephan fest, der schon wiederholt bestraft ist. Der Verhaftete legte das„Geständnis" ab. daß er gestohlen habe wie ein Rabe. Aber wo und was alles, daS wisse er beim besten Willen nicht mehr, das müßten ihm Kriminalpolizei und Staatsanwalt schon nachweisen. Seine Wohnung will Stephan mit seiner Geliebten in einer Laube in Treptow'gehabt haben. In feinem Besitz fand man u. a. eine Boa und eine kostbare Biberpelz- Garnitur, die er vor höchstens acht Tagen erbeutete und deren Eigentümer man noch nicht kennt. Schwere Brandwunden zog sich gestern vormittags der vier jährige Sohn Otto des Arbeiters August Drescher, Höchstcstr. 22 wohnhaft, zu. als er in der Küche der Eltern Kohlen auf den Koch- Herd werfen wollte. Er riß dabei einen mit kochendem Wasser ge- stillten Keffel herab, deffen Inhalt sich über seinen Leib ergoß. Ter Unglückliche hatte so schwere Brandwunden erlitten, daß er dem Krankenhause im Friedrichshain zugeführt werden mußte. I» die Kreissäge geriet Donnerstagnachmittag der in der Dampfschneidemühle von Reichelt in der Swinemüuderstr. 79 beschäftigte Arbeiter Robert Zobel. Er trug dabei so schwere Verletzungen davon, daß er in ein Krankenhaus geschafft werden mußte. Dasselbe Unglück hatte der Tischler Karl Ramuschlat, der in der Fabrik für Pianofortemechanik von Gcuz u. Co., Blumciistr. 77, ar- bcitete. Auch er mußte dem Kraiikenhausc überwiesen werden. Ncberfahren wurde gestern abend gegen 9 Uhr die sgjährige Frau Ottilie Lenz auö der Rheinsbergerstraßc 22. Frau Lenz wollte über den um diese Zeit stark belebten Damm gehen, als ihr ein Rollwagen entgegenkam und entgegengesetzt ein Gcschäftswagcn, so daß sie keinen Ausweg mehr fand. Sic kam unter den Rollivngeii zu liegen und zwar so unglücklich, daß ihr die Räder über Brust und Arme gingen. Auf dem Transport nach dem LazarnS-Kranken Hause verstarb die Frau. Fcnerbericht. Freitag früh wurde die Wehr nach der Skalitzcr- straße 33 gerufen. Hier war in der TcppichreiusgnngS- Anstalt von Wallerstein u. Krnift ein Brand entstanden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriff. Kurz vorher brannte in der Jnvalidcustr. 3s Dung in einer Grube. Früh 2 Uhr ivnrde in der Lützowstr, lOo, jedenfalls infolge eines weggeworfenen glimmenden Streichholzes ein Treppenläufer und die Treppe durch Feuer beschädigt Nach der Kiirfürstenstr. 20 wurde die Wehr gerufen, weil sich hier ein Posten Preßkohlen cntriindet hatte. Alarmierinigen nach Stralauer Allee 39 a und Leipzigerstr. 63 betrafen Brände, die hauptsächlich den Fußboden und die Balkenlage beschädigten. Außerdem hatte die Wehr noch Alarm von der Cbanssccstr. 49/50 und Jnvalidenstr. 94 aufzuweisen. In beiden Fällen handelte es sich um Wohnungsbründe, die noch im Entstehen unterdrückt werden konnten. Orgelkonzert. Die Hofopcrnsängerin Frl. Marianne Lüdeke, Lehrerin ani Eichelbergschen Konservatorium. Fra» Charlotte Fis-ber, Frl. Martha Brückner, Frl. Anna Dittrich, Frl. Margarete und Ella Schubert und ein Chor aus Schülerinnen von Frl. Lüdeke. ferner der Violinist Herr Hermann Spöndly und der Organist Herr Paul Heuer wirken mit beim Dienclschen Orgclvortrag' in der Marien- kirche am Montag, den 3. März, abends 7l/4 Uhr. Der Eintritt ist ftei. Der nächste Vortragsabend des Vereins„Berliner Presse", D I ch t e r i n n c n- A b e n d, findet am Donnerstag, den ti. März, im groben Saale des Architekten Hauses statt. Eintrittskarten sind zu haben in den Buchhandlungen von Amelang. Potsdamcrstr. 126; Lazarus, Friedrichstr. 66; Svcner u. Peters, Unter den Linden 43! Wonte, Potsdamerstr. 13, und im Berliner Prefleklub, Charlottenstr. 37(Fahrstuhl). A„S den tktnchbarorten. In der Sitzung der Nindorfer Stadtverordneten- Ber- sstmmlnng vom 27. Februar Ivnrde der neugewählte unbesoldete Stadtrat Dr. Poppe vereidigt und in sei» Amt eingeführt. Die Beteiligung der Vertreter der dritten Wählerabteilung, das heißt der Socinldcmokraten. an den Deputationen führte wieder einmal zu einer sehr lebhaften Debatte. Nachdem man schon vorher bei der Wahl von drei Mit- gliedern, zwei Stadtverordneten und einem Vürgerdeputierten. für das Sparkasienkiiratorium die Socialdemokraten trotz Protestes übergangen hatte, wollte man dies auch bei der Wahl von vier Stadtverordneten zur Verstärkung der Deputation für die höhere Lehranstalt thnn. Die verstärkte Deputation soll entscheiden über die Frage, ob die höhere Lehranstalt zu einem humanistischen Vollgtzmiiasinm oder zu einem Realgymnasium ausgestaltet werden solle.— Rechtsanwalt Abraham schlug die bier Herren vor und meinte namens der großen Mischniafchsraktion, daß man„diesmal" absehen wolle davon, auch einen Socialdemokraten zu wählen, da eS hauptsächlich darauf ankomme. Fühlung mit den Hausvätern zu nehmen, deren Kinder die höhere Schule besuchen oder besuchen sollen. Das könnten besser solche Lenke, die ständig mit jenen verkehrten, was bei den Herren der dritten Abteilung nicht der Fall wäre zc. zc.— Stadtverordneter Dr. S i l b e r st e i ii sSoc.) wandte sich energisch dagegen, daß die Socialdemokraten ein geringeres Interesse an der Ansgestaltnng des höheren Schulwesens hätten als die andern Herren. That- sächlich wolle man biirgerllchcrseits hier»nr seine Macht ge brauchen und weiteren Sccialdemokraten(der Deputation gehören zwei an) fernhalten. Man beabsichtige eine Ungerechtigkeit. Wenn, wie Abraham angeführt hätte, einige Gemeinden wirklich unanständig genug seien, Socialdemokraten nicht oder fast nicht in Deputationen zu nehmen, dann dürften sich anständige Leute nicht darauf berufen. Die ganze Angelegenheit sei übrigens eine technische Frage, bei deren Entscheidung es ans„Fühlung" niit den Eltern gar nicht aukonime.— Herr Beiß erklärte sich für einen großen Feind der Socialdemokratie, der aber in Schub dingen selber Socinldemokrat sei.(Allgemeines Erstaunen.) Er sei deshalb für Herrn Ostcrinann. Schließlich wurde die Verstärkung der Deputation beschlossen und außer Kotz, Inst und Wilschke auch Ost ermann(Soc.) mit 5 Stimmen Majorität gewählt.— Der Wahlausschuß hat sich in seiner Mehrheit dafür entschieden, daß dos Urteil des Bezirksausschusses in Sachen F a u st n e r, das Fanstiicr zum Stadtverordneten für gewählt erachtet, durch Berufung an- gcfochten wird. Die Stadtverordneten-Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Nixdorf. Gestern haben die Wahlen der Arbeitgeber zmn Gewcrbcgericht staitgcstnidcii. Im dritten Bezirk wurden die vom Gcwcrkschaftskarlell'aufgcstclltc» Genossen Gastwirt Preßler und Wcbeimeister Kant mit 14 gegen 6 Stimmen, welche ans die Gegner sielen, gewählt. In de» übrigen drei Bezirken siegten die Gegner. Die Kandidaten des Gewe'rkschaftskartellS erhielten recht erhebliche Minoritäten. Schöncbcrg. Von unseren Genossen und mit Unterstützung einiger bürgerlicher Stadtverordneter ist ein Antrag an da§ Kollegium gclongt, die Löhne der städtischen A r b e i t e r folgender- maßen zu erhöhen: Den Satz von 2.75 anf 3 M.. von 3.25 auf 3,50 M., von 3,50 auf 3,75 M., von 3,75 anf 4 M. und von 4 M. anf 4,26 M. Diese Angelegenheit dürfte bereits am nächsten Montag, nachdem sie schon einmal zurückgestellt war. zur Verhandlung kommen. Es steht zu crlvartcn, daß sich die Veifamnilnng aucki hier, wie seinerzeit bei der Erhöhung des Wohnungsgcld- Zuschusses für hie hiesigen Lehrer, zustimmend verhalten wird. umsomchr, als eine Glcichsicllnng mit den Berliner städtischen Arbeitern schon längst Bebürfnis ist. Britz. Die fünf Vorstandsmitglieder des socialdemokratischen WahlvereiuS � ivaren im November vorigen Jahres vom hiesigen AmtSvorstcher jeder mit einem Strafmandat in der Höhe von 15 M. bedacht worden, lvcil sie den nengcivählten Vorstand des Vereins nicht besonders angemeldet hatten. Anf die beantragte gerichtliche Enischcidnng fand dieser Tage vor dem Rixdorfcr Schöffengericht Verhandlung statt. Auf Grund einer am 16. Oktober 1899 gefällten Kaiimiergerichts» Entscheidung wurden sämtliche An- geklagten freigesprochen, und die Kosten der Staatskasse anf- erlegt. Der Richter ftihrte begründend aus, daß die Anklage ans§ 2 des VcreinSgesctzes erhoben sei, welcher besagt, daß Aendc- rungen des Vereins binnen drei Tagen der Orlspolizeibchörde an- gezeigt werden müssen. Der Paragraph sei aber nicht so anfzn- fassen, daß das Mitglied eines Vereins, Ivelches schon als solches gemeldet sei. nochmals gemeldet werden müffe, wenn es sich in den Vorstand wählen läßt._ Gevichks""Jeikuttg. Die Verhandlung gegen Moschall und Genossen ist bei ge- schloffen e» Thüren gestern bis zum späten Nachmittag fortgesetzt und soweit gefördert worden, daß schon eine ganze Anzähl Zeugen ver- nommen werden konnte. Sämtliche Angeklagte bestreiten, dem Ver- nehmen nach, ihre Schuld, insbesondere soll der S ch a u s p i e l e r Haupt sich nicht ungeschickt gegen den Vorwurf verteidigen, in Ge- mcinschafl mit dem Angeklagten Moschall und der Wahle die mämi- licheu Opfer, die sie in ihre Wohnung gelockt haben sollen, ans- geplündert zu haben. Mit der Persönlichkeit dcS Angeklagten Haupt, der als Schauspieler unter dem Namen G r e g o r h aufgclreten ist, beschäftigt sich die Anklage in hervorragender Weises um ans seinem ganzen Vorleben den Nachweis zu führen, daß man sich bei ihm der ihm zur Last fallenden Thaten versehen könne. Während Haupt bestreitet, durch eine Notlage auf Abwege gedrängt worden z» sein und behauptet, auch in den schlechtesten Zeiten immer noch Geldznwendniigeii von feinem Bater und seinen Geschislern erhalten zn haben, behauptet die Anklagcbebörde, daß er sich zu Zeiten in einer sehr verzweifelten Lage befunden und längere Zeit seine ganze Nahrung ans Butterbrot und Preißelbeeren, die er sich selbst eingemacht, bestanden habe. Dagegen habe er aus seinen besseren Zeilen einen Hang znm Wohlleben sich bewahrt, den er nur so lange unterdrückt habe, als die bitterste Not ihn dazu gezwungen. So habe er denn nach Zeiten der größten Ent- behrnngen in Prag und nanientlich in Weimar wieder in großeni Stile geiebt. In Weimar habe er ein höchst elegant ausgestattetes Landhans bewohnt, dessen Einrichtung so kostbar gewesen, daß die Hoftheater-Jntendanz sich dieselbe znweileu zur Ansschinückung der Bühne ansgebeten habe. Dazu habe er sich kostbare ausländische Vögel gehalten und die Allüren eines reichen Mannes herausgekehrt, obwohl er nur 4500 M. Gage bezog. Die Anklagebchörde will a»S dieser Thatsackie schon den Schluß gezogen wissen, daß Haupt gcheimnißvollc dunkle Nebenwege ging, die ihn dann, als er von Weimar zuerst nach Friedenau und später nach Berlin verzogen war und hier mit dem Angeklagten Moschall und der Wahle aeineinsames Quartier genommen hatte, völlig in einen moralischen Sumpf geführt haben sollen. Es wird zur Charaklcristik des Angeklagten andh darauf verwiesen, daß er schon einmal im Jahre 1898 in einer recht schmutzigen Sache, bei welcher ein gewisser Böller der Hanptbeteiligte gewesen, in Hast genommen nnd ivegcn Erpressung und Be- g ü n st i g u n g angeklagt gewesen war. Die erste Strafkainnier hatte ihn damals zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist später vom Reichsgericht aus Rechtsgründen aufgehoben worden und die wiederholte Verhandlung vor der Strafkammer hatte dann zur Freisprechung des Angeklagten geführt. In jener Verhandlung sollen aber, wie die Anklage behauptet, schon die trüben Neigimgen des Angeklagten zweifellos festgestellt worden sein. Gerade das ganze Milien, in dem der Angeklagte lebte, die Ver- bindnng mit Moschall, der früher ein ganz tüchtiger Kaufmann gewesen sein soll, und das intime Verhältnis, welches er mit der um 4 Jahre älteren Wahle unterhielt, bilden die Grundlage der An- klage, die aus diesen und vielen andren Umständen die lieber- zeugung geschöpft hat, daß Haupt nach Verabredung mit de» beiden andren Personen planinüßig Diebstähle an den Besuchern ihrer gemeiysaiiien Wohnung ausgeführt habe. Haupt, der übrigens einen recht sympathischen Eindruck macht, will von diesen Diebstählen absolut nichts wisse» nnd hat durch seinen Verteidiger Dr. S ch w i n d t eine Reihe von Entlastniigszeiigen laden lassen. Wegen Vergehens gegen Z 175 des Strafgesetzbuches kann der Angekl. Haupt übrigens nicht bestrast iverden. da die Schweiz wegen dieses Sittlichkeitsvergehens nicht ausliefert nnd die Auslieferung ans Zürich, wo er wegen eines unbegründeten DiebstahlS-Verdnchts fest- genommen worden war, nur wegen Diebstahls erfolgt ist.— Die Verhandlung wird voraussichtlich erst am Montag zu Ende gehen. In dem ehrengerichtliche» Verfahre» gegen Jnstizrat Eello wegen seines Verhaltens im Sternberg- Prozeß steht am 22. März Termin an. Den Vorsitz wird Justizrat v. Simson führen, dem Angeklagten steht Justizrat Kleinholz als Beistand zur Seite. Der Oberstaatsanwalt hatte, ivie das„Kl. I." berichtet, in sechs Punkten Anklage erhoben. Die Anwaltskanuncr hat jedoch in zwei Punkten die Anklage abgelehnt. Ans die hierauf erhobene Beschwerde des Oberstaatsanwalts hat der zuständige Senat des Kammcrgerichts beschlossen, auch in diesen beiden Punkten die'Erhebung der Anklage zu veranlassen._ Ve�mifchkes, Attentat anf einen Expreffzng. Die„Mttnchencr Neuesten Nachrichten" melden: Als der Nvrdsüd-Exprcßzug aus Berlin sich gestern abend 20 Minnten hinter R e g e n s b u r g befand, wurden zwei Fenster des Speisewagens von Geschossen oder Stein- würfen getroffen. Das eine Fenster zeigte eine kleine runde Oeffuung, wie von einem glatten Kngelschuß, das andre war mehr zertrnnimcrt. Am Tische hinter diesen Fenstern saß gerade die Prinzessin Friedrich Karl von Preußen, die sich auf der Reise nach Florenz befindet. Die Glassplitter flogen an der Prinzessin und ihren Tischnachbarn vorbei; verletzt wurde iiicinaiid. Eine Falschmiinzerwerkstätte in einer Kaserne— dieses wunderbare VorkommmS wird aus B u d a p e st vom 27. Februar gemeldet: Hier ivnrde ein Artillerist beim Einwechseln falscher Kronenslllcke betroffen. Die eingeleitete Untersuchnng ergab, daß in der Büchsenwerkstätte der Kaserne des 4. Artillerie-Rcgiments ans Zink massenhaft Kronenstücke hergestellt wurden. Die Verwertung der Falschsiücke wurde von zwei Soldaten nnd deren Geliebten besorgt. Die verdächtigen Personen wurden verhaftet. DaS deutsche Konsulat in'Baku meldet: Vor vier Tagen flüchtete hier nach Unterschlagungen etlva einer halben Million Mark ein armenischer Naphtha-Jndnstrieller P a u l A ss l a n o ff. Er ist ungefähr 40 Jahre alt. schlank, mittelgroß, trägt langes Haar. Man vernmtet, daß er mit Hilfe eines falschen Passes beabsichtigt, sich nach Frankreich zu begeben. Er spricht lein Deutsch, aber ein gebrochenes Französisch. ES wird gebeten, den Asslanoff zu ver- hasten._ FreireligiSse Geinciude. Sonntag, den 2. Mlirz, vormittags 88/4 Uhr, in der Aula der 69. Geiiieindeschule, Kleine Frankfurter- st r a sj e 6: Versauwilung.„Freireligiöse Vorlesung". Um lO»� Uhr vormittags elieudaselbst: Vortrag des Herrn Prof. Dr. Albert Gehrke: „Die Lebensalter." Bor- und Nachspiel aus dem Pariser Miistel-Harmoniuiu. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Nachmittags 5 Uhr in Kellers Festsälen. Koppenstr. 29, Feter des 57. Siifinngsfestes. Konzert, Theateranssührung. Die Sturmglocken, Kinder- darpellmig. Märchenbrunnen, Programm für Mitglieder 2b Pf., 59 Pf. für eingeführte Gäste vorher zu haben. .Hilfskasse der Graveure. Eiseleure und verw. Berufsgenosien in Berlin tagt jeden ersten Montag im Monat Restaurant Eltze, Luisen- Ufer 1, abends 8—10. Social demokratischer Agitationsverein für den Reichstags- Wahlkreis Stralsund- Uraiizburg- Rügen. Sonntag, den 2 März, vormittags 10 Uhr, Sitzung bei Herimum Ramlow, Schönhauser Allee 135, vlarktprels« von Berlin am 27. Februar 1802 nach Ermiltlnngen des tgl. Polizeipräsidiums. 17,40) 17,36 17,32 17,24 14,90 14,88 14,86 14,60 14,20 13,80 17,20 16,70 16,20 40- 50- 60- 17,28 17,20 14,89 14,87 14,85 1430 13 90 13,50 16,80 16,30 15,80 ZB- 26,- 20,- Kartosseln.ncne.D-Ctr, Riiidfleisch, Keilte 1 leg do, Banch, Schweinefleisch„ Kalbfleisch„ Haminelstelsch, Butler ! Welzen, gut D.-Elr , initlel, „ gering tJIoggm, gut. „ mittel„ . gcring «Gerste, gut, „ mittel, . gering , minel, . gering Rlchlstroh. Heu, Erdsen. Spelsedohnen„ Linsen. ch ab Bahn. * frei Wagen nnd ab Bahn. Produklenmarkt vom 28, Februar, Das milde Wetter bewirkte an der heutigen Getreidebörse schwache Tendenz. Weizen war über 1 M,, Roggen Vj bis 3/t M. billiger angeboten. Der n»veränderte Mangel an rentablen Warenofserten machte leinen Eindruck, ebenso wenig die an sich nicht mehr mibelamit gebliebene Thatsache, daß von der argentinischen Weizeucrnte nur etwa»/a Million Tonnen zum Export verfügbar bleiben. Auch Mehl lag matt. Von Futterartikeln war Hafer aus schwächere Ge- lamttciideiiz M. gedrückt, Mais im Preise kaum verändert, sehr ruhig. — Rüböl ans matteres Paris und billigeres Saatenangebot in London ab- fallend. Spiritus wurde im Preise gestrichen, Schluß für Getreide weiter abgeschwächt, Roggen 1 M, niedriger als geficin, Eier Karpsen Aale Fand« Hechle Barsch« Schlei« Bleie Krebse 60 Slück li-« per Schock 6- 1,66 1,40 1,7(1 1,80 1,60 260 4,80 2,20 2,60 2,80 2,40 I 80 3,00 1,46 15,— 4- 1,30 I- 1,30 I.- 1- 2,- 280 1,20 1,40 1.20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- Vriefkasten der Redaktion. Tie{»lifilschi- Sprechsiiinde findet täglich mit Ausnahme de? Touuabciids von 71/z bis!>>/- Ubr abends statt. I. L. Die Ziehung dcr Fcuerwehr-AnSstclluiigs-Lottcrie ist am 15. und 17. Februar vor sich gegangen. Gewinnlisten sind Lindenstr. 41(Haupt- feuerwache) zu haben, Börse. Zur Bibliothek habe» mir die zur Börse Zugelassenen Zutritt, Hatttiau. Die Asche winde ins Meer gestreut, Pankow 48. Schicken Sie den Knaben, falls er die Schule schon verlaffen hat, zunächst aus eine der Berliner Fortbildimgsschulcn, Wenn dies ge> fchehe» und er dort vom Zeichenlehrer Empfehlungen mitbringen kann, danu bei der Leitung des Kunstgewerbc-Museiniis in der Prinz Ulbricht- straße vorsprechen, A. Schw. 1. 50 Pf, 2. Ja.- P. L. 87S«. Sie müßten das Zeugnis einer Schule besitzen, das zum einjährig-freiwiNigen Dienst berechtigt, oder eine besondere Prüfung vor der Ersatzkoniinissioii ablegen. Es ist nicht ersichtlich, welchen Fall sie meinen,— Pal. Anklage soll aus tz 248 Str,-G,-B erhoben werden,— Dschischerzig. 1. und 2. Nein, Ein nicht öffentliches, daö heißt auf einen besttuimien PersviieukreiS beschränktes Ver- gnügen bedarf keiner polizeilichen Erlaubnis,— O. W. 33, 1. Verklagen Sie den Chef schleunigst beim Geweibegericht aus Zahlung des Lohnes gegen Herausgabe des Rockes, 2, Ja, das wäre Niitcrschlagiing,— A) Ot. Kit. Der Ring würde Ihnen zufallen.— X. H. Z. Nein. — Triberg. 1 Nicht die UiifaNberussgenoffenschaft, sondern die I»- validitötsanstalt hat die Rente zu zablcn. Wenden Sic sich schleunigst iintcr Mitteilung, wann Sie sich an de» Bürgermeister gewendet hatten, an diese, 2. Die Rechnung wäre nicht zu beanstanden.— P. 40. In der Regel werden zehn Mark als Gerichtskosieiivorschuß erfordert.— R. B. 190. Die Klagefrist wäre versäumt, Sie hätten ohne Rücksicht auf die ablehnende Antwort des Schiedsmannes innerhalb 90 Tagen nach Kemitiiis von der Beleidigung Sttcifantrag beim Amtsgeiicht, der Polizei oder der Staais- anwaitichast stellen sollen, Ist das geschehen, so können Sie noch jetzt klagen,— Tegel. 1. Die sechswöchentliche Frist zu»! Ouartalsersten muß illnegehalteii werden, 2, Das Mädchen,— G. O. Britz. Nein. — G. St., Chlirlotteuburg. Sind Sie Erbe Ihrer Frau geworden, io basten Sie auch für die Schulden des Nachlasses, falls Sie nickt die Rechtswohlthat des Inventars sich gesichert haben. Das Vorhandensein der behaupteten Schuld hat Ihre Schwägerin zu beiveisen. Die Beniiutnng spricht dafür, daß sie ihrer Schwester nichts gegeben oder, was sie etwa gegeben haj, geschenkt hat. Eine Einigung wäre in Ihrem Falle das praktischte.— C. B. 77. Ja.— H. T. 46. Ihr Schwager ninbie sich an das Polizeipräsidinm in Berlin mit dem Antrag wenden, ihm das Staatszngcbörigkeits- Zeugnis auszustellen.— E. St. KS. Nein 1 Brüder sind nickt pssichtteilsberechiigt.— W. W. Nein. — F. S. KZ. Ja: die Kirchensteuer wird nach Maßgabe der Beschlüsse der kirchlichen Korporationen erhoben. In Berlin wird von der pro- testanliichen Kirchengemeinde bereits ein Einkvnimen von 1250 M. besteuert. - E. R. Wenden Sie sich an einen Arzt, zu dem Sie Zutrauen habe», und zwingen Sie sich zur Energie.— A. St. IOO. Nein: eine solche ober- flnchltche Eiigueie ist wertlos, Material finden Sie in den Schriften des Vereins für Socialpolittk und in der trefflichen kleinen Broschüre„Hos- «ängerleben in Mecklenburg", erschienen im Verlag des„Vorwärts",— Rnngrstratze. Ihr Mietsstcmpel beträgt für das gesamte, von Januar bis Januar rechnende Jahr in Ihrem Fall 50 Pf,, nicht 1 M, ferfionshaus S-ftQ�SÜ» Kommandantenstr. 43. Berlin S., dicht am ffloritzplatz. Oranienstr. 70. Fertige HERREN Bekleidung. Eröffnung heute, Sonnabend, 1. März. Verkauf nur bewährter Qualitäten zu streng festen, in Zahlen gezeichneten Preisen. Grosse, der Neuzeit entsprechende Räume« Ucbersichtliche Ausstellung in 6 grossen Schaufenstern. Besichtigung des Lagers ohne Kaufzwang.-WM Anfertigung nach � Fertige Knaben- 'Bekleidung. Kinsegnungs-Anzüge neueste Fa�ous in blau und schwarz Kammgarn«. Cheviot Julius E-inelenksuuB, Große Frankfurterstraße Nr. A4l, Ecke Frnchtstraße. Achtung! 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