Ar. 52. Abomrements-Kedingiingcn: KbonnemenIZ-Prei! pränumerando: vierteljährl. 3,30®f., monatl. 1,10 OT., «vöchenllich 28 Pfg. frei in» Hau». Simelne Numm-r h PIg. Sonntag»» Nummer mir niutitictuc Sonntag»« Beilage„Die Neue Welt" 10 Plg> Post- Abonnement: 1,10 Marl pr Monat, Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste sür 1902 unier Dr. 7878. Unter streuzband tut Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Ait»land 3 Marl pro Monat. «rscheint täglich»usjet Moniags. Devlinev Volksblatt. IS. Jahrg. Iie Iilsertions-Trliliyt beträgt für die sech»gespaltene Kolonei- zeile oder deren Raum»0 Psg., sur polittsche und gewerkschaftliche Berein»- und Versammlung»-Anzeigen 2» Psg. „Kleinr Knicigen" jede» Wort S Pig. (nur da» erste Wort fett). Inserat« stir die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag« inderExpedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Testtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Telegramm- Adresse: »<»rl«ldemokr»t»erliir» Cientralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redalltion: 3�. 19. Veultz-SkraKe 2. Fernsprecher: Zluit l. Nr. 1508. Sonntag, den 2. März IKOA. Expedition: SW. 19, Veuth-Skeaste 3. Fernsprecher: Zlmt l Nr. 51Sl. Zun» Kongreß von Tours. Paris, 27. Februar. Der am 2. März in Tours sich versammelnde Kougretz ist Nominell der vierte Parteitag der im Dezember 189g gegründeten .Französischen socialistischen Partei.' Thatsächlich aber ist es der zweite Kongrest der im Mai vorigen Jahres zu Lyon neugebildeten Organisasion, nachdem auch die Blanquisten(„Revo- lutionär-Socialisttsche Partei")— acht Monate später als die Gnesdisten(„Französische Arbeiterpartei")— sich von der geeinigte» Partei getrennt haben. In Tours wird es sich nun zeigen, ob diese Neubildung auch lebensfähig ist. Wie bereits seiner Zeit von mir berichtet, tritt der Kongreh wieder, wie alle seine Vorgänger, unter krisischen Umständen zu sammen. Diesmal aber ist die Situation kritischer denn je. Die neugebildete Organisation ist nicht im stände, eine weitere Spaltung zu überleben, die jetzt ihren Zerfall bedeuten müßte, ungeachtet dessen, daß eines der Zerfallsprodukte den alten Namen und was damit zusammenhängt, beizubehalten beanspruchen würde. Der Konflikt spielt jetzt nicht mehr zwischen den alten Sonder organisationen und den Einigkeitsfreunden, sondern zwischen den auf dem Boden des proletarischen Klassenkampfes stehenden Elementen und den Ministerialisten. Auf den früheren Kongressen war die Situation sehr kompliziert, indem die principicllen und die organisatorischen Mcinungs- differenzcn einander durchkreuzten. Die«ntiministerialistcn standen in einem Lager mit der Rechten bcziehungs weise mit den Ministerialisten, um dem Einigungsgcdankcn gegenüber den alten Sondcrorganisationcn zum Siege zu verhelfen trotzdem sie principicll, von einigen Schattierungen abgesehen, auf demselben Boden standen wie die Sonderorganisationen. Die Reibungen, die mit der Fortdauer der Millerandschen Ministerschaft innerhalb des„Einignngslagers" selbst immer schärfer wurden, haben an jener Knmpfesstcllung nichts Wesentliches geändert. Noch auf dein Lyoner Kongreß ließen sich die aistjilönisterialistischen Elemente des' Einignngslagers, mit wenigen Ausnahmen, die bekannte Resolution Brian d gefallen, die Millerand„außerhalb der Parteikontrolle" stellte, anstatt ihn„außerhalb der Partei" zu stellen. DaS war ein verhängnisvolles Zngeftändiiis an die Ministerialisten, das sich bitler rächen sollte. Die Ergebnisie des Referendums über Millerand und deren Folgen, der Anstritt der Allemanisten und dann einiger Dcpartements-Föderationcn sind auf die Lyoner Resolution zurückzuführen. Jetzt aber ist die Situation klar und einfach. In Tours werde» Ministerialisten und Antiministerialisten einander gegenüberstehen wobei die letzteren zugleich die einzigen wirklichen Träger de« alten Einigungsgedaukens sein werden. Seit Lyon hat sich nämlich mit besonderer Dcntlichkcit gezeigt, daß bei den Ministerialislen mit der proletarischen Gcsinnnng auch der EinigungSgedgiike durch- gegangen ist. Ja, das gilt auch selbst von I a u r ö s, der ursprünglich mit so viel Energie und Begeisterung für die Einigmig wirkte I... Die weitere Entlvicklnug hat aber auch offenbart, daß die um das Generalkomitce gruppierte Organisation infolge der an ihr nagenden inneren Gegensätze»nfähig ist, sich wirklich als Partei, als ein ein- heitlichcs Ganzes zu bethätigen. Kongreß- und Komitcebeschlüsse gelten den Ministcrialistcn rein gar nichts, sobald sie ihnen nicht passen. So ist aus der Lyoner Resolution mir der„Benrlaitbniigs"- Zustand Millcrands von den Ministerialisten als bindend betrachtet worden. Dagegen ist für sie der ganze sonstige Inhalt jener Resolution ein toter Buchstabe geblieben. Die ministerialistischen Deputierten gingen mit dem Kabinett Wolbeck- Millerand nach wie vor durch Dick und Dünn, ungeachtet des Punktes der Resolution, der ihnen gegenüber diesem Kabinett dieselbe Stellung auferlegt, wie„gegenüber jedem anderen Bourgeois-Ministcriuin". Und die„Petite Rspublique", das Organ von I a u r ö s, wird seit Lyon womöglich noch minister- freundlicher als früher redigiert. Unmittelbar nach dem Lyoner Kongreß schrieb JanröS, er werde seine niinisterialistische lieber» zcugung mit Rücksicht auf den Zusammenhalt der Partei und aus Achtung vor dem Kongreßbeschluß nicht mehr bethätigen, Damit aber hat er ein unerfüllbares Versprechen gemacht. Der MinisterialismnS hat bei ihm den Klassenkampf-Standpnnkt so sehr verdrängt, daß er schließlich sogar die neuliche Rede Millcrands zu Firminy wegen ihrer so„deutlichen socialistischen Sprache" lobte nnd den Ministerialismus direkt verfocht, nachdem er denselben etwas fniher in einer„revisionistischen" Artikelserie indirekt be- gründet hatte. Ferner ist der Lyoner Beschluß auf Gründung eines Partei- Organs nicht nur auf dem Papier geblieben, sondern dessen Durch- ftthrung ist nicht einmal angebahnt worden. Hingegen ist es der niinisterialistische Teil der Partei, der eine Tageszeitung in der „Petite Repitblique" besitzt. Und in dieser Zeitung werde» die von den Ministerialisten mißachteten Manifeste nnd Beschlüsse des General- komitees veröffentlicht. Es sei nur erinnert an das Schicksal des Manifestes gegen den Zarenbesuch, das den Geduldsfaden der Anti- ministerialisten zum Reißen gebracht.. Ohne Partei-Organ, ohne eine einheitlich auftretende Kammer- fraktion, ein Gcncralkomitee ohne Macht nnd Ansehen— unter solchen Bedingungen ist die Gesamtpartei ein bloßer Schemen, ein Messer ohne Klinge und Heft.» Wie bereits bemerkt, sind nach den Allemanisten einige De- partcnientS-Föderationen ans der Partei ausgetreten, nnd zwar die Föderationen von Ain, Jura, Bretagne nnd jüngst noch die von Eüte d'Or, sowie die Gruppe der Stadt Auxerre. Unter Berücksichtigung der sofort nach dem Lyoner Kongreß mit de» Blanquisten zugleich ausgetretenen Föderationen und der inzwischen erfolgten sonstigen Grnppenverschicbungen wird in Tours die Minderheit der gesamten organisierten socialistischen Kräfte Frankreichs vertreten fein. Und innerhalb dieser Minderheit betrachten die in der Partei verbliebenen revolutionären Föderationen den Kongreß als den letzten Versuch, die Partei von den Schäden des Ministerialismus zu heilen. Ihre Bestrebungen und ihre Stimmung sind in einem Manifest dargelegt, dessen Inhalt wiedergegeben zu werden verdient. Das Manifest beginnt mit einigen wertvollen Aufklärungen über das Referendum wegen der Beteiligung Millerands am Zaren- empfang. Man erfährt, daß die Kundgebung des GencralkomiteeS, die jeden socialistischen Teilnehmer am Zarenempfang mit der„Eni- Würdigung in den Augen des revolutionären Proletariats" bedrohte. auch auf M i l l e r a n d gemünzt war, was durch das Sitzungs« Protokoll bestätigt wird. Also selbst vom rein formalen Staudpunkt hatten die Ministerialisten kein Recht, sich auf die Lyoner Resolution zu berufen, um Millcrand vor dem Ausschluß zu retten. Sodann erfährt man aus dem Manifest, daß die F e st st e l l u n g der Ergebnisse des Referendums nicht korrekt vor sich ging, indem die Antworten der Föderationen, die den„Uebcrgang zur TageS- ordnung" votiert haben, in der Mehrzahl von den betreffenden Mitgliedern des Generalkomitees mündlich mitgeteilt wurden, anstatt den geschriebenen Text der Antworten niederzulegen. Dieses von der Komiteemchrhcit beschlossene Verfahren habe das Referendum „null und nichtig" gemacht. Ferner betont das Manifest den Wider- sprach zwischen dem Mehrheitsvotum gegen den Ausschluß Millerands und dem antiministerialissischen Erstlings-Manifest, sowie den zahlreichen antimnusteriellen Kundgebungen des neuen Gcneralkomitees: „Die Mehrheit ist ausgewichen", sobald ihre eignen Beschlüsse auf Millerand angewendet werden sollten.„Sie zeigte dadurch, daß sie eine schmähliche Komödie gespielt hatte, darauf berechnet, diejenigen zu prellen, die mit ihr zusammengeblieben sind, um das notlvendige Einignngsiverk und den socialistischen Frieden zu sichern. Aber trotz dieser widerspruchsvollen und verdammungswürdigen Haltung des Generalkomitees wollen die Föderationen der Minderheit nicht die Fehler der Sonderorganisationen wiederholen. Sie sind entschlossen, es nicht durch ihren Abfall dahin kommen zu lassen, daß eine aus- schließlich ministerialfftische und ministerielle socialistischc Partei cnt- steht... Die Föderationen, besonders auch diejenigen, die sich zwar grundsätzlich antiministerialistisch erklären und Millerands Haltung brandmarken, dennoch aber den einfachen Uebergang zur Tages- ordnung votiert haben anS Erwägungen, die dem Wesen der Frage selbst fremd sind, werden bald sehen, daß eine vollständige Er- lcdigung des„Falles Millerand" einzig und allein die Partei von diesen peinlichen Befürchtungen zu erlösen vermag. Im Vertrauen auf die Kraft nnd die Logik ihres gemeinsamen Ideals, sowie in der Ueberzengnng, daß die Mehrheit der socialistischen Partei das mini- sterialistischc Experiment nach seinem Werte beurteilt hat, wird die Mino- rität von heute danach trachten, durch eine rastlose Wachsamkeit die ver- dächtigenKombinationen nnd die im Dunkeln angezettelten Verrätcreien zu hindern und zu entlarven.— Aus den» socialistischen Programm die Charte nnsrcr totalen Forderungen zu machen, und nicht den Gegen- stand eines vagen Reformismus, in welchem das Endziel hinter opportunistischen Rücksichten verschwinden würde; ein den Föderationen notwendiges offizielles Organ trotz alledem zu schaffen; die Agitation zu organisieren, die infolge der Unthätigkcit gewisser Abgeordneter wahrhaft allzusehr gelitten hat; die föderalistische Auffassung zu ver- wirklichen, die ans dem Kongreß zu Tours rein von jeder Mischung nnd gesichert gegen jedes Kompromiß hervorgehen muß; endlich die Anwcndinig der Lyoner Beschlüsse anzustreben, die im gcgenwärsigen Gcneralkomilee durch einen stillschweigenden nnd versteckten bösen Willen gelähmt wurde,— dies ist die Aufgabe, die die Föderation fortfahren werde, im Gcncralkomitee zu erfüllen. Dies ist der Grund, warum sie dort verbleiben. Auf dem Boden der Resolution Kautsky stehend, dürfen sie allein den Anspruch erheben, in Ueber- einstimmung mit dem internationalen Kongreßbeschluß zu stehen..." Wie aber, wenn die Hoffnungen des Manifestes in Tours ver- citelt werden, wenn die ausgeschiedene Jnra-Föderation recht behält, die in ihrer AuStrittserklärnng den Kongreß von Tours als„nutzlos" betrachtet, da er ebenso wenig wie die früheren Kongresse eine feste und datterhafte Organisation schaffen kann angesichts der geringen Achtung gewisser vielgewandtcr Pariser Persönlichkeiten vor den Be- schlüssen der Föderationen"?... Die innerste bewußte ober nnbewnßte Tendenz der Ministerialisten geht allerdings dahin, aus der socialistischen Partei ein Anhängsel der bürgerlichen Demokratie zu machen, nnd so ihr nebst dem proletarischen Charakter auch jede organisatorische DiSciplin zu nehmen. Der Umstand, daß der Ministerialismus gerade i u dem Maße zu einer Art Doktrin mit einer festen Anhängerschaft wurde, wie die handgreiflichen Erfahrungen dcrMillerandschen Minister- chnft das niinisterialistische Experiment in den Augen aller klaffen- bewußten Socialistcn Frankreichs verurteilten,— dieser Umstand zeigt am deutlichsten, daß der Gegensatz zwischen Ministerialismus und proletarischem SocialismnS die Millerandsche Ministerschaft über- leben müßte. Dieser Gegensatz aber ist so tiefgreifend, daß er schon an und für sich auf die Organisation zersetzend wirke» muß. Und andrerseits ist die immer stärkere Anziehungskraft wohl zu beachten, die die«Revolutionär- Socialistischc Einigkeit"(die in der„Socialistischen Partei Frankreichs" vereinigten Gnesdisten und Blanquisten) auf alle proletarischen Socialisten auö- übt. Die Abbröckelung der Generalkomitee- Organisation geht ja Hand in Hand mit der Erstarkung der guesdistisch-blanquisti- che» Organisation. Daß endlich die Allemanisten und die ihnen am nächste» stehende Jnra-Föderation(diese war im Generalkomitee durch Allcmane vertreten) eine dritte Partei zn bilden ver- suchen, kann natürlich der Generalkomitee-Organisation nur Abbruch thnn, so sehr auch jener Versuch aussichtslos erscheint und so sehr er insbesondere einer wirklicheu Zusammenfassung der socialistischen Kräfte in einer Partei widerspricht, indem er auf eine Art „Staatenbund" abzielt, in welchem die einzelnen Departements- Föderationen eigentlich ebenso viele Sonderorganisationen darstellen würden. Jedenfalls wird der Kongreß von Tours nur dann die Generalkomitee- Organisation nnd mittelbar die Gesundung der allgemeinen französischen Parteiverhältnisse fördern, wenn er rücksichts- los mit dem ministerialistischen Auch-Socialismns bricht. Zum Schluß noch die Bemerkung, daß der Kongreß zum Haupt- Punkt seiner Tagesordnung die Beratung des vom Generalkomitee ausgearbeiteten Programmentwurfs hat. Nun steht der erst diescrTage veröffentlichte Entwurfdnrchans aufdemBodenderinternntio- nalen Socialdemokratie. Die Prinsipienerklärung schließt sich eng ins- besondere an daS Wiener Programm an. Aber man muß immer und immer wieder daran erinnern, daß auch die principiellen Manifeste und konkreten Beschlüsse des Generalkomitees auf dem Boden der internationalen Socialdemokrasie standen und daß sie sogar e i n st i m m i g votiert wurden, und doch blieb die Praxis des ministcrialistisckien Teils der Partei von jenen Manifesten und kon- kreten Beschlüssen unabhängig. Um so Iveniger würde sie sich erst um die allgemeinsten Programmgrundsätze kümmern. Es ist daher besser, mit der Analyse des Entwurfs bis zum Ende des Kongresses zu warten, der übrigens den Entwurf ja noch ab- ändern kann._ Volitifche MvkerflM. Berlin, den 1. März. Die Zucker- Liebesgaben. Der Reichstag beschäftigte sich am Sonnabend in einer langen Sitzung so eingehend mit der Frage der Zuckersteucr- Gesetzgebung, daß die erwartete Debatte über die Börsen- stcuer ausblieb. Das Haus hatte auch allen Anlaß, sich ge- rade jetzt in die Materie der Zuckersteuer zu vertiefen, da die internationale Brüsseler Zuckerkonfcrenz vor dem Abschluß ihrer Verhandlungen steht und es ganz den Anschein hat, als sollte das Unmögliche möglich werden und durch intcr-, nasionale Vereinbarung die verderbliche Prämienwirtschaft abgeschafft werden. Herr Dr. P a ch n i ck e begrüßte dieses voraussichtliche Ergebnis der Konferenz und hoffte, daß die deutsche Regierung den Abmachungen zustimmen werde. Zu diesen Abmachungen gehört auch die allgemeine Herab- setzuug des Ueberzolles auf Zucker auf 4,80 M. Unter dem Ueberzoll wird der Zuschlag verstanden, der dem ausländischen Zucker über die Verbrauchsabgabe hinaus aufgelegt wird. In Deutschland beträgt dieser Schutzzoll gegenwärtig 20 M., während die Verbrauchsabgabe sich gleichfalls auf 20 M. bemißt. Die Erklärung, die der Schatzsekretär Frhr. v. Thiel- mann abgab, ließ die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß dieser internationale Vertrag in der That zu stände kommen wird. Wie zu erwarten war, griff der Bündlerführer Dr. Rösicke den des Freihandels außerordentlich verdächtigen Schatzsekretär nnt großer Heftigkeit an. Er weissagte den Untergang der Rübenzuckerfabrikasion als Folge eines solchen internationalen Abkojnmens, während doch thatsächlich nur das Zuckerkartell, das in der Ausbeutung des konsumierenden Publikums so außerordentlich viel geleistet hat, in seinem Bestände bedroht ist. Herrn Dr. Rösicke passierte übrigens das fatale Miß- geschick, daß er den U e b e r z o l l mit dem Zollsatz selber ver- wechselte und der Ansicht war, daß in Zukunft der aus- ländische Zucker überhaupt nur 4,80 Zoll zu zahlen haben werde. Aus Bosheit scheinen die Agrarier geneigt zu sein, in die Abschaffung der Zuckersteuer zu willigen, wenn die Prämien beseitigt werden. Den Standpunkt unsrer Partei vertrat Genosse Wurm in einer sachkundigen Rede, die mit Nachdruck auf die außer- ordentliche Belastung des Zuckerkonsumenten durch die Preispolisik des Zuckerkartells hinwies. Neben der Staats- abgäbe von 10 Pfennige hat die Hausfrau, die ein Pfund Zucker kauft, acht Pfeuuig an de» Zuckerring als Liebesgabe zu entrichten. Gerade bei der Zuckersteucr- Gesetzgebung zeigt sich, wie kleine, aber mächtige Interessen- gruppen die Klinke der Gesetzgebung in der Hand haben, um sich Millionen in die Tasche zu schanzen. Dabei wird aber die Produktivität treibhausmäßig gefördert und schließlich erstickt man im Ucberfluß. Ist doch bereits der ernsthafte Vorschlag aufgetaucht, die ge- waltigen Zuckervorräte, die sich augesammelt haben, dadurch zu vernichten, daß man Wasser in die Lager laufen läßt. Die Mobilmachung der Kriegervereine zur patriotischen Zucker- Vertilgung scheint nicht viel genützt zu haben. Bei einer Debatte über die Zuckerfrage konnte Herr Dr. P a a s ch e natürlich nicht fehlen. Die Zuckerkonsercnz verursacht ihm offenbar das heftigste Bauchgrimmen. Er wand sich aus der Tribüne hin und her, sprach einmal davon, daß die Konferenz wohl doch nicht erfolgreich sein würde, und meinte dann wieder, daß die Prämie sich wohl auf keinen Fall aufrecht erhalten lassen würde. In der Hauptsache aber handelte es sich für ihn darum, das Zuckerkartell weiß zu waschen. In diesem edlen Streben wetteiferte Herr von K a r d o r f f mit ihm. Er suchte die Schuld für die Ueber- Produktion dem toten Caprivi aufzubürden, den die Rechte über das Grab hinaus haßt. Eine recht merkwürdige Rede hielt der Landwirtschafts- minister v. Podbielski. Er kam einmal der Rechten zu Hilfe, indem er gleichfalls behauptete, daß die RübeNknltur so außerordentlich zugenommen habe, lvcil der Körnerbau sich nicht mehr rentiere. Dann suchte er seine agrarischen Freunde dadurch zu versöhnen, daß er für ein Verbot der künstlichen Süßstoffe Stimmung zu machen versuchte und drittens hatte er den Trost für sie in Bereitschaft, daß er ihnen versprach. das Inkrafttreten der internationalen Konventton ivenigstens möglichst lange hinauszuschieben. Herr Richter konnte den Minister mit Recht fragen, ob er mehr auf feiten seines Kollegen, des Freihcrrn v. Thiclmann, oder auf feiten des Herrn v. Kardorff stehe. Richter und ebenso Dr. Barth und G o t h e i n traten dafür ein, daß so bald als möglich die Konvention abgeschlossen und dem Reichskanzler zur Ge- nehmigung vorgelegt werde. Es scheint auch sicher zu sein, daß die Beseittgung der Prämien mit großer Mehrheit ge- nehmigt werden wird. Größere Schwierigkeit wird die Ver- ständigung über den Uebcrzoll machen. Der Centrunisredner Abg. Herold verlangte mit Rücksicht auf die russische Konkurrenz einen Uebcrzoll von mindestens 20 M. In einer zweiten Rede hatte Genosse Wurm noch Ge- legenheit, auf den innigen Zusammenhang des Zuckerkartells mit den bürgerlichen Parteien aller Färbungen aufmerksam zu machen. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß der viel- feitige Herr B u e ck der Geschäftsführer des Raffinerie- syndikates ist. Aber auch der Centrumsmamr Pin gen sitzt im Aufsichtsrat des Rohzuckersyndikates. Unser Redner schlug das Schuldbuch des Zuckerkartells auf. das dem deutschen Volk seit 1886 rund 800 Millionen abgenommen und sich dadurch revanchiert hat, daß es die Arbeiter in der Nacht schanzen ließ und polnische Arbeiter als Lohndrücker einführte. Gleich- zeitig hat es auch mit großer Gerechtigkeit den kleinen Rüben- dauern das Fell über die Ohren gezogen. Hoffentlich gelingt es wirklich diesmal, dieses gefährlichste aller Kartelle zu sprengen. Am Montag steht der Etat der ostasiatischen Expedition. der des Auswärtigen Amts, der Kolonial-Etat und der Zuschuß für die Usanibarabahn auf der Tagesordnung. Es wäre zu wiuischen, daß die„entschiedene Haltung' der Zoll gegner nicht durch die Träumereien über liberale Regierungsfähigkeit und die höfische Ungnade der Biindler gestört würde. Allerdings sind die Socialdemokraten bereit, den Kampf auch allein mit der nötigen Entschlossenheit zu führe». Wir zählen au nichts als auf unfre eigne Kraft.— Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus nahm am Sonilabend in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreffend den Erwerb v o Bergwerkseigentum für den Staat unverändert an und setzte sodann die zweite Lesung des Etats fort Beim Etat der L o t t e r i e v e r w a l t u n g regte Abg. Dr. Arendt(fk.). wie alljährlich, die Beseitigung der einzelstaatlicheu Lotterien und ihren Ersatz durch eine ReichSlotterie an. Der Etat der M ü n z v e r w a l t u u g gelangte debattelos zur Annahme Der Etat der Central- Genossenschaftskasse gab den Agrariern Gelegenheit, diese für die armen„Notleidenden geschaffene Punipstation über die Maßen zu loben. Wie scheint, hat auch die Milch-Centrnle, wenn auch auf tn- direktem Wege, den Kredit der Kasse in Anspruch zu nehmen verstanden. Auf die bezügliche Anfrage des Abg. Dr. C rüg er(frs. Vp.) erklärte der Präsident der Kasse, Herr v. Heiligen st adt, zwar, daß die Milch Centrale keinen Kredit bekommen hat. er ließ aber die Möglichkeit durchblicken. daß die Milch- Centrale durch Vermittelung der Verbandskasse, der sie angehört, den Kredit erlangt hat. Jedenfalls bedarf diese Angelegenheit dringend der Ausklärung. Zum Schluß trat das Haus noch in die Beratung des Etats der Verwaltung der direkten Steuern Die Debatte zeigte, wie gern sich die besitzenden Klassen von der Pflicht, Stellern zu zahlen, zu drücken suchen Abg. v. Woedecke(k.) klagte darüber, daß den Landwirten zu wenig Abschreibungen gestattet sind, und Abg. Dr. B ö t t i n g e r(natl.) trat warm dafür ein, daß die Aktiengesellschaften möglichst viel Abschreibungen vornehmen dürfen und daß diese Abschreibungeil steuerfrei bleiben. Der Mniister Frhr. v. R h e t n b a b e n erwiderte, daß auch er es für erwünscht halte, daß die Abschreibungen der Aktiengesellschaften nach Möglichkeit steuerfrei bleiben, daß aber eine Besteuerung dann eintreten müsse, wenn durch die Abschreibungen lediglich Reservefonds gebildet werden, die nicht mehr im Verhältnis zu der Wert inüldemng stehen. Bei Posten mit besonders großem Risiko sollen die Abschreibungen in hervorragendem Maße berück sichtigt werden. Die Debatte wird am Montag fortgesetzt. Auf der Tagesordnung steht außerdem die Beratuilg einer Reihe andrer Etats, darunter die des Restes vom Etat des Ministeriums des Innern und die des Etats der Ansiedlungskommission.— Zollstrategie.. Liberale, freisinnige und demokratische Blätter unterhalten ihre Leser mit allerlei Geschichten über die angebliche Lbneigimg der Krone gegen die Agrarier, über Wendungen, die sich vorbereiten, über pessimistische Slimmnngen der Wangenheim-Leute usw. Wir wissen nicht, ivelchcn Zweck derlei Betrachtungen haben sollen; warum man gerade im jetzigen Augenblick zum tausendsten Male den ewigen Woimetraum des deutschen bürgerlichen Liberalismus träumt, daß eS für den Liberalismus doch noch Frühling lverden und des Winters Herrlichkeit ein Ende nehmen würde. Den Zollgegnern, scheint nuS, kann es ganz gleichgültig sein. ob die agrarische Kompromißmehrheit der Regierung oder die Re» gierung der Speck-Garde nachgeben werde, ob der Wangenheini beim Kaiser gut angeschrieben sei oder nicht, und ob der Bund der Land- Wirte sich mit den Konipromißforderimgcn begnügen oder ans dem «wissenschaftlichen" 7Ve Mark-Zoll beharren werde. Der Kampf gilt doch der R e g i e r» n g S v o r l a g e, für die zwar jetzt nur ein paar Nationallibcrale eintreten, auf die man sich aber schließlich doch einigen wird, vielleicht sogar noch mit gewissen Erhöhungen. Wir haben jetzt wie vordem»nr die eine Aufgabe, zn sorgen, daß der Zolltarif nicht Gesetz wird. Das zollstrategische Coulissengeschwätz kann nur dazu dienen, die Aufmerksamkeit von der Gefahr abzulenken und die Sache der Agrarier zu stärken, die dann schließlich im Verein mit der Regierung die Minderheit überrumpeln nnd vergewaltigen werden. Hat man die Erfahrungen beim Fleisch- schaugesetz schon vergessen? Inzwischen spielen die Konservativen die Komödie der Un- erbittlichkeit fort. Tie„Kreuz-Zeitimg" legitimiert durch Aufnahme die folgende Mitteilung einer parlamentarischen Korrespondenz: „Die konservative Reichstagsfraktion warSonn- abendvormittag tlst,» Uhr versanunelt, um Stellung zum Zoll- taris zu nehmen. Die Vertreter der Partei in der Zolltarif- Kommission erstatteten Bericht über den bisherigen Verlauf der Berhandlnngen dieser Kommiision; es wurde ihueu für ihre bis« hörige Haltung das Verstauen der Fraktion ausgesprochen. Hierauf wurde in eingehender Debatte das künftige Verhalten der Partei erörtert und eine f e st e M a r s ch l i n i e ins Auge gefaßt. Aus diesen Beratungen icheint jedenfalls so viel hervorzugehen, daß an einer entschiedenen Haltung nicht zu zweifeln sein tvird." Zwei schwere Niederlagen sind vom südafrikanischen Kriegsschauplatz zu verzeichnen. Die eine hat die Engländer, die andre die Boeren betroffen. Obgleich sich die englische Niederlage mehrere Tage vor der Boercimiederlage ereignete, hat«S die vorsichtige Kriegs- Benchterstattnng Lord KilchenerS so einzurichten verstanden, daß der Oeffenb lichkeit zuerst die Nachricht von dem englischen Er folge zuging, damit man die dann freilich nicht länger zu verheimlichende Nachricht der schweren N i e d e r l a g mit größerer Fassung aufzunehmen vermochte. Es liegt nnter diesen Umständen der Verdacht ziemlich»iahe, daß Kitchener den englischen Erfolg über Gebühr aufgebausch hat, um die unmittelbar darauf zu beichtende Niederlage minder schwer erscheinen zu lassen. Es wäre ja nicht das erste Mal, daß die offizielle Kriegsberichterstattmig Müuchhausiaden in die Welt gesetzt hätte. Die englische Niederlage besteht in der vollstiiudige» Rn Hebung eines mindrstrnö SOS Mann starke», von zwei Gr schützen begleiteten englischen ArmeekörperS bei KlerkSdorp Wann diese Äufhebung erfolgte, läßt sich nicht genau feststellen. Die erste Erwähmmg dieser Katastrophe geschah in einem Telegramm Kitcheners vom Ä4. Februar. In diesem Telegramm meldete der Oberftkommandiereude, daß bei Klerksdorp nach„heftigem K a ni p f e" ein„leerer Convoi" von den Boeren genomme worden sei. Als Eskorte dieses„leeren" Convois wurden ein Ba taillo» Deomanry. drei Compaguien Northumberland- Füsiliere und zwei Geschütze aufgezählt. DaS Telegramm schloß mit de» wunderbaren Sätzen:«Einzelheiten liegen noch nicht vor. Die Boeren kamen offenbar aus erheblicher Entfernung, die Verfolgung ist aufgenommen." Nun war aber von den Boeren nicht mir daS„leere" Couvoi, soiidern auch die gesamte VeglcitungS Mannschaft von den Boeren genommen worden. Und davon will Kitchener kein Sterbenswörtchen erfahren haben, während er doch mitzn teilen wußte, daß der Convoi leer gewesen und die V e r f o l g» n g bereits anfgenonniien worden sei! Nachdem man dann glücklich am 27. Februar an einer andren Stelle deS Kriegsschauplatzes etliche hundert Boeren durch eine Einkreistiiig durch zehn- oder zwanzigfach überlegene Abteilungen zur Kapitulation gezwungen hatte. besaß man de» Mut, mit der Wahrheit herauszurücken und die Niederlage bei Klerksdorp in ihrer ganzen Schwere einzugestehen In der F r e i t a g s i tz n n g des Unterhauses verlas näm lich K r i e g s m i n i st e r B r o d r i ck folgendes Telegramm Kit cheners: „Nach einem soeben eingegangenen Bericht sind bei dem An griff der Boeren auf de» Convoi der Abteilung von Donop Ist Offiziere und 451 Mann gefangen genommen, davon aber e i n O f f i z i« r u n d 10ö M a n n s ch l i e ß l i ch w i e d e freigegeben. Der die britischen Truppen befehlende Oberst befindet sich noch in Gefangenschaft und der O f s i z i e r. der die I» f a n t e r i e befehligte, ist verwundet. Vrodrlck fügte der Mitteilung hinzu, etwa 120 Mann dürften a n britischer Seite gefallen sein. ES erscheint ausgeschlossen, daß Kitchener nicht schon von der vollen Schwere dieser Niederlage unterrichtet war, als er trimnphierend den englischen Sieg meldete nnd hinzufügte, daß dieser Sieg erfreulicherweise mit dem Jahrestag der englischen Niederlage ani Maj nbaberge znsanimeiifalle. Näher hätte eS entschieden ge legen, die Niederlage von KlerSdorp mit der Niederlage vom Majnba Hill in Parallele zn bringen! Uebcr die stloeren-Niederlage liegen folgende weitere Mel düngen vor: Das„Rentersche Bureau" meldet aus Harrismith vom 28. Februar noch folgende Einzelheiten zu der gestern im Unterhanie von vrodrirf mitgeteilten Uobergabe von etwa 000 Bor»»»: Die englische Operation, die m« h r» r« Tage dauerte, bewegte sich in der R i ch t u» g von Vre de»ach ta r r i s»i i t h. Am Donnerstag hatten die britische» rnppen die Boeren gezwungen, sich nach dem V a o l- F l n ß h i» a p z n z i e h e n, wo sie dann endgültig festgehalten wurden. Oberst Rawlinson gewährte dem Feinde einen Waffen st i l l st a n d von einer Slmide. damit er die Frage der lieber gäbe beraten köiine. Die Boeren licschluffen die llebergabe nnd so wurde» ÜOV bis 700 Man» gefangen. Die Verluste der Boeren während des Gefechtes sind nicht bekannt, aber man hält dieselben für sehr beträchtlich. Unter den Gefangenen befindet sich auch John Wessels. Die Gefangenen sind heute nachmittag hier eingetroffen. Die Morgenblätter berichten über die englischen Ope- rationell bei Harrismith, verschiedene englische Kolonnen hätten L i n d l e y am 21. Februar verlassen, seien an beiden Ufern des Wilgeflnsse« hinabinarschiert, hätten die Klipdrift am Morgen des 23 Februar besetzt und dadurch die Boeren am Uebergang über den Fluß verhindert. In der Nacht vom 21. seien D e w e t nnd Wessels niit einer großen B o e r c n a b t c i l u n g in östlicher Richtung über den W I l g e f l n ß gegangen. als sie sich jedoch Rcmingtoiis Truppen gegenüber gesehen bätlen. seien sie schleunigst bei der Schee nrpoort-Drift wieder über den Fluß zurückgegangen. Bald darauf sei die G e f a n g e n n a h m e der ans der östlichen Seite befind lichen Boeren erfolgt. Anscheinend hätlen sich De Wet, Steijn nnd Wessels mit i b r e n Kommandos n u r kurze Zeit in dem Gebiet der obenerwähnten Opc » a t i o n e n aufgehalten. Während der ganzen Operation sei es niit Ausnahme eines D u r ch b r n ch s v e r su ch e S gegen die Neuseeländer zu keinen wesentlichen Kämpfen gekommen. Während sich die englische Niederlage bei Klerksdorp im Süd Westen Transvaals zutrug, wurde die Jagd auf DeWet denn als nichts andres stellt sich daS oben geschilderte Kesseltreiben dar— im Nordosten des Oranje-Frei- taateS veranstaltet, so daß beide Oertlichkeiten eine Luftlinie von 300 Kilometern trennte. Das mnstcllte Terrain befand sich inner- halb der BlockhaiiSlinien Betlehem— Lindley— Heilbron im Westen, Heilbron— Brede— Newcastle im Norden, Newcastle— Harrismith im Osten nnd Harrismith— Betlehem im Süden. Die englischen Truppen wurden vom Westen und Norden aus gegen den Südost-Winkel bei Harrismith vorgeschoben. Innerhalb der abgetriebenen Strecke müssen ich über 2000 Boeren bestmden haben. Ein Teil brach bereits am 23. Februar durch, während DeWet selbst erst am 27. Februar mit dem GroS der Boeren bei Harrismith nach Süden die Block- hanSlinie durchbrach. Der Rest 6—700 Mann, wurde von den Engländern gefangen. Anscheinend befindet sich De Wet aber noch nicht in Sicherheit. Wie die„Daily News" aus Pretoria berichten, beteiligen ich augenblicklich nicht weniger als 32 K o l o n n e n an den Operationen gegen DeWet. Derselbe führt„nur" 1300 Mann mit sich. Die Garnisonen der Blockhäuser seien verstärkt ivorden. Hoffentlich bleibt dem kühnen Boerenführer indes auch diesmal ein wunderbares Glück treu. Daß die Engländer sich ihrer immerhin großen Erfolge freuen. I ist verständlich. Aber»och stehen die Boeren mit zahlreichen Mann- schaften im Feld. Und tvelch erfolgreiche Offensive sie noch immer zu ergreifen vermögen, beweist die Katastrophe bei Klerksdorp! Und da der Winter in Südafrika vor der Thür steht, werden sich die Eugländer allem Anschein nach die Hoffnung auf eine baldige Niederwerfung der Boeren aus dem Kopf schlagen müssen!— •» Deutsches Weich. Die Grenzsperre. Mit keinem Wort ist bisher die agrarische Presse auf unsere» Nachweis eingegangen, daß das Ausland so gut wie scuchenfrei sei, während die Viehstände in Ostelbien— bei strenger Grenzsperre— nach wie vor verseucht seien. Man muß schweigen, weil man eben nicht widerlege» kann, daß die Grenz- sperre, die angeblich aus„saiiilären Rücksichten" erfolgt ist, nicht nur die Fleischpreise gesteigert, sondern auch die gesundheitlichen Ver- hältnisie des einheimischen Viehes verschlechtert hat. Während die agrarische Presse dermaßen die unangenehmen That- fachen totzuschweigen sucht, richtet sie unausgesetzt wahre Erpresser- noten gegen die Regierung, die sich nicht einfallen lassen solle, die Grenzen zu öffnen.' Die kleine Erleichterung— die wohl ans den Druck der östreichischen Regierung erfolgte—, daß die schlesiiche Grenze für galizischcs Rindvieh unlängst geöffnet worden ist. hat die Agrarier höchlichst verbittert. Diese Erleichterung zeigt aber bereits ihre wohlthätigen Folgen. So wird aus Pleh gemeldet, daß infolge der Aushebung des Einfuhrverbots der Preis für die Flcischstücke, welche von der ärmeren Bevölkerung gekauft werden, bereits eine Herabsetzung er- fahren habe. Die Anordnung biete auch den Vorteil, daß jetzt junges nnd gesundes Vieh geschlachtet wird, während früher zum Teil alte und auch tuberkulöse Kühe geschlachtet wurden. Mit dieser einen Linderung des ungeheuerlichen Vieheinfuhr» Verbots ist es aber nicht gethan. Das Proletariat muß die Auf- Hebung sämtlicher Einfuhrverbote gebieterisch fordern, um endlich erschwingbare Preise und gesünderes Fleisch zu erzielen.— Um den Gcrstenzoll. I» der bayrischen Kammer der Ab- geordneten warf der CentrnmS- Abgeordnete Heim der bayrischen Regierung vor, daß sie durch ihre Slellmignahnie gegen einen höheren Gerstenzoll die vitalste» Interessen der bayrischen Bauern geschädigt habe, und erklärte sodann im Namen seiner bayrischen LandtagSfraktion»nd im Namen der bayrischen Mit- glieder des CentrnmS des Reichstags, daß die Zoll- tarifvorlage in ihrcrjetzigcn Gestalt fürsienn- annehmbar sei. F i n a ii z m i n i st e r Freiherr v. Riedel erwiderte, die Regierung sei bestrebt gewesen, alles zu thun, waS der Landwirt- schaft nützt, aber die Grenze dabei liege in der Rücksicht ans die Konsumenten, den Handel und die Industrie. Die verbündeten Re- gienmge» seien bezüglich der Mindest- und Mcistsätze für Gerste einig. Der Minister warnte davor, die Wirkung einer etwaigen Ab- kehming des ganzen Zolliarifs zu unterschätzen. Dann hätte die Land- Wirtschaft gar' nichts erreicht.—_ Eine famose Rede hat am Donnerstagabend in einer öffentlichen Versammkung der Reform- Demokraten das New Korler Stadtoberhoupt. Bürgermeister Low gehalten. Dieser originelle Herr erklärte: „Prinz Heinrich betrachtet unser Land mit dem Auge des Intellekts. Ich glaube, daß �die Reise eine höhere Schätzung des Prinzen und Deutschlands seitens der Amerikaner zur Folge haben wird. Wir werden daraus auch den Wert des deutschen Elements inunsrerBe- Völker« ng besser würdigen lerne n." Unsre Deutsch-Amerikaner werden von diesem Lob vertenfelt wenig erbaut sein. Daß erst der flüchtige Abstecher«ineS deutschen Prinzen nach der Union Amerika den Wert des deutschen Elements klarnincheu mußte, verrät eine nur äußerst zweifelhafte WerlschätzttUg ihrer bisherigen staalsbürgerlicheii vethätiaimgl DaS dem Prinzen persönlich gespendete Lob probocicrt übrigen? ein Urteil über die sehr wenig intelligente Berichterstattimg des deutschen Spccial-Kabel-SchniockS. Der Bürgermeister von New Dork Ist entzückt von dem Intellekt beS Prinzen. Von der scharfen Intelligenz, mit der der Prinz ans die neuen Eindrücke reagiert, haben uns besagte KabelschiuockS aber bisher noch nichts mitgeteilt, wohl aber haben sie um die Wette allerhand Belanglosigkeiten hernbergekabelt. Den Aclißeruiigen über die.Hrinmels- kratzer" und die znsällig an einem nntanglichen Objekt bewiesene ainerikanische Polizeischneidigkeit fügen sie heute eine neue hinzu: Nach einem Boxer kämpf der New Aorker Kadetten ließ der Prinz den Unterlegenen zu sich kommen,»m ihn mit den Worten zu trösten: „Es thnt mir keid. daß Sie unterlegen sind. Sie sind trotzdem ein tüchtiger Kerl." Dieser liebenswürdige„kleine Akt der Ritter- lichkeit" habe ihn bei de» Kadetten schnell beliebt gemacht." � Daß tzie Tüchtigkeit eines Menschen nicht ausschließlich in der Wucht auszuteilender Fanstichläge besteht, wußte man doch auch wohl 'rllher schon im Volke der Dichter und Denker.— Hohenzollern-Wetter. AIS der Prinz nach schweren Siurmtagen glücklich in New Dork eintraf, war gerade wieder einmal die Sonne durchgebrochen. Der Telegraph verkündete infolgedessen alsbald, daß die ganze New Yorker Presse daL Wort„Hohenzollern-Wetter" in ihren Sprachschatz aufgenommen habe, das nun ivohl eine dcmerude Bereicherung deS Yankee-Englisch bleiben werde. Das scheint nun leider nicht sein zu allen. Das„Bureau Lassan" bringt nämlich die niederschmetternde Meldung: „Der Regen fall seit Ankunft de§ Prinzen Heinrich übersteigt bedeutend den Durchschnitt. Man hofft, daß sich daS Wetter in größerer Entfermmg von der Küste besser gestalten werde."— Eine kolossale GeseyeSkcnntniS verrät die„Post"; sie be- hmiptet, den Frauen sei die Teilnahme an politischen Ver« ' a m ni l u Ii g e n gesetzlich nicht gestattet. So weit geht selbst unser reaktionäres Vereinsgesetz nicht. Die Post" sollte doch nicht über die Auslegung deS BereinsgesetzeS urleilen, wenn sie nicht einmal den Inhalt des Gesetzes kennt. Rur an Verhandlimgen politischer Vereine dürfen Frauen nicht teilnehmen; doch auch hier sind sie als ZuHörerinnen nach den Erklärungen des Ministers künftig zugelassen. Die„Voss. Ztg." wünscht die Wiisweisiing zuhörender Frauen aus der socialdemokratischcn Versammlung des dritten Wahlkreises zum Gegenstand einer Interpellation im Landtage zn niachen. Das scheint uns. bemerkt die„Tägl. Rundschau" zu dieser Anregmig, ein sehr vernünftiger Vorschlag. Der böse Verdacht, als ob es bei uns in Preußen zlvcicrlei Versammlungsrecht geben könnte— eins für den Bund der Landwirte und das andre für alle übrigen Leute—, müsse so schnell als möglich aus der Welt ge- Schafft werden. Werden die Freisinnigen im Landtage die Gelegenheit be- nutzen?— KlinSowströnis Nachfolge. AuS Königsberg wird uns geschrieben: Im Wahlkreise Rastenburg-Gerdauen-Friedland wird von den Konservativen und Freisinnigen geradezu fieberhaft gearbeitet. Beide Parteien tnndigen eine Menge Bersammluiigen an. Von steifinniger Weise sind schon in den beiden �auptorten des Wahlkreises, in Rasten bürg und Barten- lein, Versammlniigen abgehalten. Ob es möglich sein vird, auch nur eine einzige socialdem akratische Ver- ammlimg stattfinden zn lassen, ist mindestens sehr zweifelhaft; auf dem Lande ist es ohne weiteres ausgeschlossen. Schaden lverden nnS die Gegner durch ihre Bersammknilgen aber kaum. Die Konservativen rechnen nicht darauf,' Arbeiterwähler durch ihre Versammlungen zu gewinnen, denn sie halten die meisten Versammlungen an den Nachmittagen ad. Aber auch von frei- finnigen Rednern lassen sich die Arbeiter nicht fangen,>vie in den bisher abgehaltene» Versammlungen klar zu Tage trat. Ein ziemlich ninfangrciches socialdemokrntisches Flugblatt, das im Kreise verbreitet irmrde, ehe die Gegner auf de» Plan traten, hat seine Wirkung gethan. Sehr iutercsiant ist, wie der agrarische nud der freisinnige Kandidat sich in ihren'Anschauungen über den Zolltarif näher». Während Herr v. R a u t t e r erklären läht, dafe auch er nicht zu den Unniensche» gehört, welche unter allen Umständen noch höhere Zoll- sätze durchdrücken wollen, wie die Regierung zugesteht, bekämpft zwar der liberale Gutsbesitzer Dultz de» Zolltarif,' will aber von einer etwaigen Herabsetz nng der b e st e h e n d e n Zollsätze nichts wissen. In seinen Bersammlungsreden versichert er den Agraneni, daß sie ihm, dem alten Praktiker, glauben können, daß bei den jetzigen Zöllen ganz gut zu bestehen ist. Mit dieser Stellungnahme wird er bei den Gutsbesitzern im Kreise Iveuig und bei den Arbeitern gar keinen Eindruck machen. Wie das bei den Wahlen in Ostpreußen fast selbstverständlich ist, fehlt es auch in> Rasteilburg-Gerdaueii-FrieMänder Kreise wieder »ichr a» Uebergriffe» von Beamten. Die Freisinnigen haben im Wahlkreise ständig einen Agitator aus Berlin sitzen, der Ab schriftcn der Wählerlisten fordert. Er ist verschiedentlich abgewiesen und bat erst den Landrat rcsp. den Regierungspräsidenten zum Ein schreiten veranlassen müssen. In einem Fall ist schon festgestellt, daß ein Gendarm socialdeni akratische Flugblätter und Slimmzettel den Leuten abverlangt hat. Es ist sofort Beschwerde geführt worden. Außerordentlich erschwert wird auf dem Lande den Arbeitern die unbeeinflußte Ausübung des Wahlrechts. Es ist eine Wahlkreis Geometrie getrieben, die den schärfsten Widerspruch herausfordert. In vielen Fällen ist das Wahllokal auch für größere Dörfer auf einen» mehrere Kilometer entfernten Gut während es für die Freiheit der Wahl notivendig wäre. daß umgekehrt die GutSleute in den Dörfern wählen Wie schlimm die Zustände sind, geht daraus hervor, daß im Landratskreise Rastcubiirg von K7 Wahllokalen nicht ivcniger wie 37 im Gutshausc untergebracht sind, und im Kreise Friedland ist gar von 70 Wahlbezirken für 41 als Wahllokal das Gutshaus be stimmt. Als Wahlvorsteher funktioniert fast ausnahmslos der Guts Herr selbst; Beisitzer sind andre Gutsbesitzer, Inspektoren und Lehrer. Von einer Kontrolle der Wahl durch Wähler aus den» Bezirk selbst kann unter diesen Ikinstäudeii keine Rede sein. Die insgesamt»»ehr wie 200 Wahllokale von Königsbergern übcrtvaihen zu lassen, ver- bietet sich lvegen der hohen Kosten, die dadurch entstehen würden. Es ist ganz unverkennbar, daß die Konservativen ihre Agitation fast ausschließlich gegen die Socialdemolratie richte� die ihnen offenbar allein gefährlich erscheint. In der schamlosesten Weise wird in eincin der zur Verteilung gelaugten Flugblätter über die Socialdcmokratie gelogen, lieber die Geschichten von den Agita» tore», die sich von de» Arbeitcrgroschcu mästen, über die Behauptung von der Arbeiterfcindlichkcit der Socialdemolratcn usw. braucht mau sich nicht aufzuregen und die Arbeiter glauben das auch nicht mehr. Von unbegreiflicher Frechheit zeugt es aber, wenn in den» Blatt ge- sagt wird: „Die Socialdeinokratie käinpft nicht für die Arbeiter, sondern für den Geld sack. Sic will die Grenzen öffnen und den deutschen Arbeiter schntzlos der Konkurrenz von all dem anSläudischen Gesindel überlasse»!!" Das sage» die Leute, die zu Tausenden russische Arbeiter inS Land holen lassen und die Rcgicning fortgesetzt bestünnei», daß sie die Ausländer dauernd im Lande läßt und gestattet, daß dieselben ansässig gemacht würden. Und die fremden Arbeiter, die ihnen doch so willkommen sind, bezeichnen die noblen konservativen Herren als.ausländisches Gesindel". Wenn die Landarbeiter glauben würden, was in dem Flugblatt fteht, brauchte man sich nicht ivundern,»venu es in diesem Somincr noch häufiger wie sonst zu blutigen Zllsantmeustvßen zwischen heimischen und aus läudischen Arbeitern käine. Das Schönste an dein Flugblatt ist aber, daß schließlich be hauptet wird, die Wahl eines Socialdemokratcn müsse des wegen verhindert werde», damit nicht in Deutschland die Last der indirekten Steuern weiter erhöht werde. Es klingt unglaiiblich, aber diese Behauptung steht thalsächlich in einem Flugblatt, das unterzeichnet ist:.DaS vereinigte Wahlkonritee der konservativen Partei und des Bundes der Landwirte." Ein größeres Maß politischer Schamlosigkeit und Verlogenheit ist kaum denkbar. Und der Wnhlkampf hat erst begonnen.~ kann da noch komnicn?..._ Deutscher Kapitalisten,»cid. In den.Verl. Neuesten Nachr." lesen»vir über die spanischen Unruhen: .Trotz aller tönenden Redensarten ist cS eine geschichtlich er- härtete Thatsache, daß die Romanen wirkliche Freiheit nicht vertragen können. Standrccht und. wenn nötig, Pulver und Blei müssen als Korrektiv stets in Bereit- schaft gehalten»verde». Diese Erkenntnis hat die Re- giernngen der romanischen Staaten, gleichviel ob sie Monarchien oder Republiken sind, dahin gebracht. daß sie, wem» revolutionäre B e st r e b n n g e>» erst einen bedroh- lichcn Charakter aiigenoinmen haben, mit aller Riitk- sichtölofigkctt vorgehen. So ist z» erwarten, daß auch die iicuestc» Ausruhrversuche auf der Pyreuäenhalbiusel niedergetreten werden." Nach der Ansicht der„Berliner Neuesten Nachrichten" köinien aber»licht nur die Roinaiien die Freiheit nicht vertrage». Bclveis: die Z» ch t h a u s V o r l a g e. Wie schön wäre es deshalb,»ven» den geknebelten deutschen Arbeitern als„Korrektur" ebenfalls„Pulver und Blei" verabfolgt»verde» könnte. Krupp besitzt ja in den» Unter- nehiner-Dorado Spanien Erzgruben, kein Wunder, daß er die Bor- teile des romaiiischen Systems zu würdigen»veiß!— Dr. Freunds Artikel über die Socialdcmokratie als Blei- gclvicht. der von der„Konservative» Korrespondenz" und der„Post" so beifällig begrüßt ivnrde. hat ein„ationalsociales Gemüt der- maße» entzündet, daß es folgende Betrachtung einer iiatioiialsocialc» Zeitschrift eingeflößt hat: „Mau braucht nur einmal hinzuschauen auf das öffentliche Bersanimlungsleben Berlins in den letzten beiden Jahren nud man ivird sehe»», daß die Ziibeil. Hoffmann und andre Unter- osfizicre das große Wort führen, ivähreud die hervorragenden g e w e rk s ch a f t l i ch e n nnd politischen Ar- beiterführer im Hiiitergrimdc stchci». Wir ivissen ans direkten, persönlichen Beziehungen, daß in den letzigcnamiten Kreisen eine starke Erbitterung über diese E»t- tvicklnng herrscht,»nid daß»»»an in» G e h e i>i, c n längst eine Treuiiinig von Partei- und praktischer geiverkschaftlicher Arbeit wünscht." Da haben wir's. Nationalsociale müssen ihrer Natur nach alles mit allem vermcligen. bloß im» die Socialdemolratie auseinander zu schwatze». Dieser Berliner Beobachter nationalsocialer Scharfsichtig- keit niultiplizicrt kraft seiner ivuiiderbnrcu persönlichen Beziehungen den Dr. Freund noch mit de», Professor Ehreubcrg, und auf diese Weise erhalten»vir folgende Parteispaltnngeii.: Erstens: die politischen Unteroffiziere. ZiveitenS: die praktischen Getverkschaftler. Drittens: die hervorragenden politischen Arbeiterführer. Welche Rolle die letztere Gattung zu spielen berufen sein soll, ist»ms besonders dunkel. Werde» diese Politiker gegen die poli- tische» Unteroffiziere m i t den Getverkschaftler» zusamineiigehen, ob- ivohl doch die Partei von der Gewerkschaft getrennt werden muß? Oder werden sie eine besondere Parte» der Generäle bilden oder sich zu den Nationalsocialen flüchten?... Was für tindische Leute doch beanspruchen, in der Oeffentlichkcit das Wort zu»ehinen l— Eine wahre Tropenkoller-Epidemic scheint in Kamerun ausgebrochen zu sein. Bor einiger Zeit nmßten Ivir über die scheußlichen Bestialitäten dreier deutscher Kulturträger in Kamerun berichten, die wegen unglaublicher Roheiten(Ansengen. l Pfählen und Angenaüsschlage» von Eingeborenen) zu schweren aber verhältnismäßig gleichwohl leichten Strafen verurteilt ivorden tvaren; jetzt wird wiederuin ans Hamburg berichtet, daß dieser Tage der Dampfer„Alexander Wörniaiin" abermals fünf Personen dort gelandet hat, die das deutsche Gericht in Kanierun wegen verschiedener schwerer Vergehen z u mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt und zur Verbüßnng ihrer Strafen nach Deutschland gesandt hat. In» ganzen sollen SS Personen wegen verschiedener Vergehen verurteilt worden seien.— Ausland. Belgien. Der Säbel gegen das gleiche Wahlrecht. Da für morgen s o c i a l i st i s ch e K u n d g e b n» g e n in zahlreichen Städten und Dörfern Flanderns angekündigt sind, werden die Truppen von Gent, Ost ende und Brügge in den Kasernen kon- signiert und Sonderzüge bereit gehalten, die die Soldaten sofort an die Stätten der Kundgebungen bringen können. In »nehreren Orten habe» dleBehördenjede5kund- g e b u n g untersagt.-- Italien. Zur MinisterkrisiS. Die„F r a n k f. Z t g." meldet aus Rom: Die K r i s i s ist noch nicht gelöst. Die neuesten Meldungen lauten, daS Ministerium werde ohne Umbildung in die Kammer treten. Zanar belli bleibt interimistischer Arbeits- minister, da Lacara dieses Amt erst nach dein politischen Votum der Kainmer annehmen will. Jetzt sucht das Kabinett einen Prä s i d e n t e n für die Kammer; wahrscheinlich nimmt der alte Biancheri an. DaS Znsannnentreten der Kannner hängt von» Verhalten deS Eisenbahnpersonals ab, das den 4. März als den letzten Termin für die Antivort der Eisenbahngesell s ch a f t e n stellte. Die Regierung verhandelt mit letzteren, um sie zur Nachgiebigkeit gegen die Beamten zu veranlaffen. Die Mittelmeergcsellschaft erklärte, ein Iveiteres Entgegenkommen sei ihr finanziell unmöglich.— Spanien. Hccrcövermehrung im Lande der Hungcr-Ausstände. Der K r i e g S n, j„» st e r kündigte in den CortcS die Einbringung einer Gesctzcsvorlage an, durch die der Bestand d e S stehende n HeereS aus 100 000 Mann erhöht werden sol l. England. Die nene Partei. London, 27. Februar.(Eig- Ber.) Die liberal-iinperialistische Secessio» hat sich gestern eine eigne Organisation geschaffen. Sie nennt sich die»Liberale Liga". Ihr Programm ist die Ehester- stelder Rede vom 16. Dezember 1901. Eine weite»-e Entwicklung dieses Programms wird Lord Roseberh am 10. März in Glasgow geben. wo er in einer öffentlichen Bersammlung sprechen>v»rd. Bis jetzt haben sich der nene» Partei etwa zehn liberale Abgeordnete angeschlossen, worunter Asqnith, Sir Edward Grey»nid Haldane die bedentendsten sind. Bon den vielen politischen Gerüchten, die sich an die Sccession knüpfen, niag hier nur eins erwähnt werden. ES wird behauptet, der König stehe hmtcr Roseberh und ihn veranlaßte, die Spaltung z» beschleunigen, nm die liberale Agitation gegen den südafrikanische» Krieg zu schtvächen. Das ist nicht gciuz»»»wahrscheinlich, obwohl von einer ernsten Agitation gegen den Krieg kailn» die Rede sein kann. DaS einzige Zeichen eines Protestes gegen die Kriegsführung ist die ziemlich lebhafte Kundgebung in den radikalen Blättern' gegen eine Hinrichtung KruitzingcrS. Dieser Boerenführcr, der bei einen» Bersuche, einen vcrivundete» Kameraden z» retten, selbst verlvnndet und gefangen»vurde, ivird jetzt in der Kapkolonie prozessiert. Die Radikalen sind deshalb bemüht, eine M a s s e>» p e t i t i o n an die Regierung zu richten, um das Leben dieses braven Mannes zu retten. Nur soweit reicht die Agitation gegen den Krieg. Di« Seccssion kann also auf die südafrikanische» Ereignisse keinen Einfluß ausüben, ivohl aber bedeutet sie eine weitere Schwächung der liberalen Partei.—__ DaS Parlament über die Arbeitszeit der Eisenbahnen. London. 26. Februar.(Eig. Ber.) Gestern fand in, Paria- »nente eine lebhafte Diskussion über die Arbeitszeit der Eisenbahnen statt, wobei die Regierung mit 7 Stimme» geschlagen wurde. Haupt- man» Norton nnd Mr. N. Bell(Generalsekretär der Gewerkschaft der Eisenbahner) stellten folgenden Antrag: „Die Regierung soll voi» den Eisciibahn-Gesellschaften eine Statistik verlangen über die Arbeitsstunde»», die mehr als zlvölf und über die Rnhestuiide», die»veniger als neun betragen." In seiner Begründung des Antrags machte Bell folgende be. merkeiislvcrte Angaben:„Nach den Enlhüllungen, die von feiten der Arbeiter vor der„Königlichen Konnnission über die Arbeiter- frage"(1891>— 1894) gemacht wurden, haben die Ge- sellschaften die Arbeitszeit reduziert. Mit dieser Herabsetzung der Arbeitszeit fiel auch die Zahl der Unfälle. Scildcm haben die Verhältnisse eine bedeutende Bcrschliinmcrnng erfahre». Ich stellte den» Haiidclsmiiiistcriiim 22 Vertreter aus 17 verschiedene» Stationen vor. die aussagten, daß sie unausgesetzt voi» 14�/« bis 22 Stunden täglich beschäftigt sind. Bei der Grcat Central Railivay arbeite» die Leute von 16'/« bis 30 Stunden hinter cinander. Mir ist einer der Angestellten bekannt, der i» einer Woche 92�/» Stunde» arbeiten miißte... Bei der Midland Railway arbeiteten die Leute zuweilen von IS bis 29 Stunde» hiiitercinnnder. Ich kenne einige Fälle, Ivo die Arbeitswoche 116 Stunden beträgt.... Kein Wunder, daß die Unfälle im Wachsen begriffen sind. Im letzten Jahre»mieden 582 Eimvohiier gelötet..." Von de»» Arbeilerveriretern trat nur Mr. John Bunis mit einer kräftige» Rede für den Antrag Bell ein. Mr. Gerald Balfour, der Präsident des Handelsministeriums. prach gegen de» Antrag. Schließlich»vurde der Antrag mit 151 gegen 144 Stinimen angenommen. Für denselben st i»n m t e» auch einige Konservative.— Asien. Nene N,»ruhen in China. Peking, I.März.(Laffaii- Meldung): In seiner Antivort auf eine Anfrage des nuierikanischc» Ge- sandten Cougcr teilt das Aiisniärtige Amt mit,»»» Bezirk von Na nniyg sei unter den Truppe» ein Ä n f st a n d ausgebrochen, den, sich' 10 000 Soldaten und zahlreiche Rekruten angeschlossen hätten. Einen, Telegramm des Präfekten an das Auswärtige Amt zu- okge bcstnden sich die Missionare in großer Gefahr. Das Ausivärtige Amt ersucht deshalb die Missionare, sich unter militäri- 'che», Geieit zur K i» st c z»» begeben, da die Unterdrückung des Anfsiaiides einige Zeit erfordern werde. Es sind bereits Truppen abgegangen, um die Missionare»ach Wnchau zu bringen.— Nns Indultrio nnd Handol. Die Darmstädter Bank. Eine der Banken, die im vorigen Jahre bei den großen Finanzkrachs viel genannt wurde, sowohl als Finaiizinftitut recht schivacher und»»»»sicherer Unternehmungen, als auch in ihrer führenden Rolle bei der Reorganisation der Hypothekenbanken, giebt den Aktionären eine recht ungünstige Bilanz bekannt. Bon den bisherigen Abschlüssen der großen Banken zeigt keine so einpfindliche Eingriffe des ivirtschastliche» Ziisaimnenbruchs, als der der Darmstädter Bank. Mit Mühe nud Not rechnet die Bank eine Dividende von 4 Prozent heraus gegen 0 Prozent im Vorjahre. Der Reingewinn ist von 6 858 219 M. im Vorjahre auf 4 277 000 M. in diesem Jahre zurückgegangen. Das Ergebnis wurde aber nur möglich, daß man aus dem Reservefonds 1759 798 M. auf das Delcredcre-Conto übertrug— eine Summe, die einfach abgeschrieben tverden sollte als unsicherer Posten. Thatsächlich reduciert sich der Gewiini um diesen Beirag. Bei den viele» Schlägen, die auf die Bank niederhagelten, ist es doch sehr ungcwiß, ob das Dekcredcrc- Conto mit 2 391046 reichlich genug bedacht ist, zumal den Reserven keine neuen Summen zufließen. Ans Finanzoperationen hat das Institut einen Verlust von 225 497 M. erlitten, während im Vor- jähre 616 429 M. Getvinn erzielt»vurde». Ilutcr den vielen Verlust- bringenden Engagements figurieren die Differdiiiger Werke und die Rheinische Bank.' Ans der Verbindung mit Leo Hanau ist die Bank im Besitz schlver realisierbarer Effekten gekommen, Gerhard Terlinden hat seine Wechselschiebungen und Emission neuer Aktien hier nnter- gebracht und schließlich endete das»nigrische Beleihungsgeschäft mit einen» größeren Verlust. Mehr deS Iliiangenehmei», als die Bilanz erkeimei» läßt und es gereicht der Direktion nur zum Trost, daß sie i>n Hinblick anf die Sanierung der Hypotheken- banken dein Geschäftsbericht auch eine Lichtseite abgewinnen kann. Die Engagements versprechen hier gute Aussichten anf gewinnrclche Erträge. Es bestätigt sich dainit, daß die Presse »»it»hrer Kritik dieses FinanzgebahrenS recht hatte; die Aktion luar iin Interesse der Großbanken eingeleitet, die auf einen reichlichen Getvinn für„»neigcimntzige" Hilfsbereitschaft bedacht waren. Die Bilanz der Bank ergiebt folgende Ucbersicht: 1901 Aktiva. M. Wechsel............. 28 098 835 Kasse und CouponS........ 18 429 020 Nostri-Gnthabcn......... 8 373014 Reports und Lombard....... 19 039 778 Börsengängige Effekten....... 13 468 904 Debitoren.,.......... 104 041572 Laufende Operationen(einschließlich Be- teiligung bei 5 Terraingeschäftcn in, Betrage von ca. 1 017 000 M.... Kommanditen und dauernde Beteiligung bei sonstigen Bankgeschäften.... Mobilicn und Immobilien Passiva. Aktienkapital........... Gesetzliche Reserve, Besondere Reserve, Specialrcserbe für Kommanditen und Specialreserve für diverse Risiken.. Delcrcderc-Konto I und II...... Tratien............. 36 962 634 Avale............. 6 908 081 Unerhobene Dividenden: von früheren Jahren und pro 1901...... 4 221 061 Kontokorrent-Kreditoren....... 79 904 292 Die Bilanz ergiebt i» Passiva eine nur geringe Veränderung, dagegep sind in Aktiva die leicht verfügbaren nnd sichere» Bestände zurückgezogen, so daß der Gcsamtcindruck ein höchst ungünstiger ist. Bcrgtvcrkögcscllschast Hibcrnia. In der Anfsichtsratssttzung ivnrde beschlossen, iir der Bilanz für 1901 von dem abzüglich aller lnnfendcn nnd außcrgeivöhnlichen Betriebsausgaben, sotvie der Anleihe- zinsen von 446180 M. verbleibenden Brnttogewlini von 9459474,47 M. (im Borjähre 11319 542 M.) 4 001015,40 M. zu Abschreibungen auf Jiiueirtar-Conto zu verwenden nnd von dem verbleibenden Rest die Verteilung von 4 Proz. Dividende für die laut General- versannnlmig«- Beschluß von, 8. Juni 1900 ausgegebenen Ii on». 1 600 000 M. gleich 64 000 M., 13 Proz. Dividende für die alten Aktien von no>»>. 37 800 000 M. gleich 4 914 000 M. unter Bor- trag von 189 373,12 M. auf neue Rechnung der diesjährigen ordent- lichen Generalversamniliing vorzuschlagen. DaS neue Jahr hat mit verhältnismäßig hohe« Einschränkungen iin Kohlen- und Coaksabsatz eingesetzt. Die leichte Belebung, welche ans den, Eiscngeschäst berichtet ivird, ist für den Absatz der Produkte »och wenig in die Erscheinung getreten. 1900 M. 26007 671 11 912 649 12 627 377 27 620 653 12 300 929 96 673 686 35 371 730 32 239 808 28 042 338 6113 892 M. 105 000 000 20 520 464 2 391 046 27144 833 6 069 156 M. 105 000 000 22 230 262 655 207 36 900 637 6 904 741 6 828274 74 609 378 Drechsler, Februar im Ate vtui adiuichkett. Gcmcindewahle». In P i n n e b e r g(Schlestvig-Holstein) ist an» Donnerstag zun» erstenmal ein Socialdemokrat, Genosse Fliegncr, zun» Stadtverordneten geivählt worden. Ebenso ivnrdei» in B n x t e- Hude zwei Socialdemotraten in das Gemeiiidelollegium gewählt. Voltieiliches, Gerillltlichrs u Nu. — Entgegen den vereinSgesctzlichc» Bestimmungen ber- weigert der Bürgermeister von Velbert»in Rheinlande konsequent die' Anincldcbcschciiiigiuig für öffentliche Verfannnllingci»,»veil er beftirchtet. daß in den Versammlungen die Polizei beleidigt»verde»» könnte. Man Ivird dem Herrn klar„lachen müssen, daß er oesctzlich verpflichtet ist. die Ainneldebescheinigunst anSzustellen.»nidfdatz er kein Recht hat, ans den angegebenen Gründen eine Versanmilling zu verhindern. GeivVvkschÄlfkliches. Berlin und Umgegend. Mit der Aussperrung der Modelltischler nnd in der.llnioi»" E.°G. beschäftigte sich eine am 26. Weddingpark abgehaltene, sehr stark besuchte Versammlung der Berliner Modell- nnd Fabriklischler. Nachdem die betr. Werkstatt eine Woche lang fast völlig»»besetzt»vor, ist es der„Union" ge« limgen, im Verlans der letzten Woche eiiie kleine Zahl Arbeits- »villigcr z» finden. Aber die Firma hat damit ein sehr schlechtes Geschäft gemacht. Als Ersatz für die von ihr Ausgesperrten spccicll in der„Unioi," gut eingearbeiteten Leute hat sie derartig minder- »veriige Kräfte bekommen, daß sie auf die Dauer mit diese»» Lcntcir nicht arbeiten kann. Die„Union" versucht denn auch, ihre Arbeit überall. Ivo cS angängig ist, nnterznbriiigcn. jedoch zumeist erfolglos, da sich die Berliner Atodelltischler solidarisch erklärt und die Arbeit »vicderholt znrückgelvieseii haben. Da einige hier befindliche kleinere Modelltischlereien in letzter Zeit Arbeit von der„Union" bekommen habe», beschloß in Rede stehende Versammlung, de» in betr. Werk- stättci» arbeitenden Modelltischler» aufzugeben, auch diese Betriebs zu verlassen, also al« gesperrt zu betrachte». Die Sperre bezieht sich auf folgende Firmen(„Union" E. G., Hntteiistraße: L n d>v i g L ö to e». C o., Maschinenfabrik; Eckert, Landwirtschaftliche Maschinen; S ch r e p p, Berliner Modellfabrik, Kastanicii-Allee-i Jachmann, Eisengießerei, verlängerte Hnttcn- straße! K n r z h o l z. Oranienstr. 25; Dietrich, Chansscestr. 52; Garbe. Wasserthorstr. 80,»nid Horn, Charlottenburg, Bismarck- straße 106. In diesen Betrieben ist jede Arbeit zu veriveigern. Achtung, Metallarbeiter? Die Differenzen bei Koppin sind noch nicht erledigt. Die Werkstatt ist streng gesperrt. Deutscher Mctallarbciter-Verband, Ortsverwaltnng Berlin. Die Charlottenburger Porzrllanarbcitcr tvähltei, den bis- hcrigen Gciverkschaftsdclegicrtc» Tobias als solchen»vicder. Die Solidarität der Arbeiter ist kein leerer Wahn nnd doppelt anzncrkciuiei», wenn mit dieser nicht nnerhebliche materielle Opfer verbmideil sind. Ein weiterer Fall dieser Art ist von den anf dem städtischen Wasserwerk in FricdrichShagen beschäftigten Arbeitern zu verzeichnen. Dort mußten in der letzten Zeit infolge ArbeitSniangels— die städtischen Betriebe haben ja nicht notwendig, die ililschnldigen Opfer ihres oft eigenartigen GeschästSprincips bei eintretender Flaue über Wasser zu halten— eine Anzahl Arbeiter anfhören. So sollten letztens wiederum 6 Man» dieses Schicksal teilen. Dies ivar nicht»ach dem Sinne der»och Beschäftigten,»nid kurz entschlösse» wandten sie sich an den Leiter des Betriebes mit den» Ersuche», diese Mitarbeiter nicht zn entlassen, da fie dafür mir 5 Tage arbeiten wolle», was denn auch nach langem Hin nnd Her angenonime» ivnrde. Dadurch ist den Arbeitern, die entlassen werden sollte»», eine schivcre Sorge über ihre Zuklmft abgciioinnien,»»»d der Vorfall hat daz» gcfühi't, die Zugehörigkeit der städlischen Arbeiter zu ihren organisierten Kollegen fester zu gestalten. Deutsches Reich. Mit der Bedentnng der Gewerkschaftskartelle befaßte sich eine Gctvcrkschafts-Versainmlmig. die dieser Tage in Magdeburg stattfand. Ursache zu der Diskussion gab die zurückhaltende CtcIIimfl, welche die organisierten Magdeburger Banhandlverker dem Gewerkichaftskartell gegenüber einnehmen. Die Versammlung nahm schließlich gegen die Stimmen der anwesenden Bauarbeiter eine Re solution an. in der der Anschluß aller aus aufgeklärten Arbeitern be stehenden Organisationen an das Gewerkschaftskartell als Pflicht er- klärt wurde. Werftarbeiter für ITsingtau iverden wieder durch Anschlag in den Staatsiverftcn gesucht. Gesteni hielt sogar im Werftspeisehause g» Wilhelmshaven Herr Konsistorialrat G ö d e l einen Vortrag über China. Ob das angesichts der Abenteuer, über welche die aus Tsingtau zurückgekehrten Werftarbeiter berichten, genügen wird, recht viele Arbeiter für China zu begeistern, ivollen wir dahingestellt sein lassen. Die FlenSbnrgcr Schuhmacher haben ihren Arbeitgebern Lohnforderungen unterbreitet. Sie wünschen den Minimal-Wochen lohn auf 21 M. festgesetzt, sowie eine tciliveise Erhöhung des Stück- lohnes. Sollten diese Forderungen nicht zum 1. April geregelt sein. so ist nüt der Möglichkeit eines Ansstandes zu rechnen, zu dem bereits das Einverständnis des Centralvorstandes erteilt ist. Zum Streik der Klempner und Zuschneider bei der Firma Springorum in Grafenberg-Flingern wird mitgeteilt, daß dort drei Klempner bereits von der Polizei wegen angeblicher Beleidigung von Arbeitswilligen vernommen sind. Die Beschuldigte» sind' sich nicht bewußt, Ärbeitslvillige beleidigt z» haben. Der Firma scheint übrigens viel daran zu liegen, Streikende mit den, Gesetz in Konflikt zu bringen. Ein Mitinhaber der Finna, Herr Moll, forderte nämlich in Siegen einen Zuschneider auf. er möge nach Düsseldorf kommen und ihn besuchen. Wenn ihn dann ei» Streikender anhalten würde, dann möchte er der Firma davon Mitteilung mache». Für jede», den er namhaft machen könnte, bekäme er SO M.!— Um den Streikenden das Arbeit- finden unmöglich zu machen, verbreitet die Firma schwarze Listen Die ausserordentliche Generalversammlung des Dresdener BnchdruckervereinS. von ca. 500 Mitgliedern besucht, beschloß, nach der„Sächs. Arbeiterzeitung", auf Antrag des Vorstandes de» Ankauf eines Grundstückes(120 000 M.) zum Zwecke der Bureau und Vibliothekverlegung. Die Erwerbung der Rechtsfähigkeit (juristische Person) lehnte die. Generalversammlung. ab.. Der Streik in der Schuhfabrik von Rosenbusch in Mainz ist beendet. Die Arbeiter haben unter de» gestern gemeldeten Be- dingungen die Arbeit wieder anfgencmrnien. Auch wurde vereinbart, daß keine Maßregelungen stattfinden dürfen. Den Tarifvertrag der Schneider haben in München schon 21 Firmen mit ca. 600 Arbeitern unterzeichnet. Ausland. Bäcker-Russperrnng in Schwede». Unterm 27. Februar wird aus Göteborg(Gothenburg) gemeldet:„Sämtliche Bäckermeister der Stadt habe» von heute ab die Aussperrung proklamiert, nachdem sie den Arbeitern individuelle Kontrakte, lautend auf ei» Jahr und mit der Bestimmung einer 66 ständigen ivöchentlichen Arbeitszeit, vorgelegt hatten. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und damit die Bevölkerung nicht Mangel an Brot leidet(!), haben die Meister eine große Anzahl' Arbeiter aus Deutschland verschrieben.— Die deutschen Bäckergesellen sind in einer Anzahl von einigen 60 Mann heute.abend über Hamburg hier augekonimeu. Uni einen Auflauf zir vermeiden, mußte der Dampfer draußen am Fjord anlegen.— Es hatte» sich einige hundert Personen versammelt, die die Deutschen mit Zurufen und Pfeifen empfingen. In Droschken wurden diese dann nach den verschiedene» Bäckereien befördert.— Die Bnckcreibesitzer teile» mit, daß sie bis auf weiteres nur die gewöhnlichen Brotsorten herstelle» lassen."—_ -Beil nttfl, Der§ 17 deS Prestgesctzes. Ein kleines Nachspiel zum G um bin» er Mordprozeß beschäftigte gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- Direktors O p p e r m n n n. Unter der Anklage des Vergehens gegen§§ 17 und 18 des Preßgesctzes(vorzeitige Veröffentlichung von Akten stiickcn eines Strafprozesses) ivurden der Chefredacteur K ö b» e r von der„National-Zeitnng" und Rechts- anwalt Horn ans Jnsterburg, der Verteidiger des Sergeanten H i ck e l, zur Verantwortung gezogen. Als Hickcl zum zweitenmale freigesprochen war und dennoch seine Haftentlassutig nicht erfolgte, bildete dieser Vorgang bekanntlich den Gegenstand lebhafter Erörte- rungen in der Preste. Die„Rat.- Ztg." behandelte das Vorgehen des Generals v. Alten als einen Verstoß gegen die Militär-Slrafprozcß- ordnung und Rechtsanwalt Horn behandelte das Verhalten des Gerichtshcrrn in zwei Artikeln. Die darin behaupteten Thatsachen wurden in einer Erklärung der„Westdeutschen Volksztg." bestritten und nun veröffentlichte die„National-Ztg." in Nr. 407 vorigen JahreS einen Artikel, der den vom Rechtsanwalt Horn über die Frei- laffung Hickels mit dem Gerichtsherr» gepflogene» Schriftwechsel, die darauf bezüglichen Telegramme, die Beschwerde des R.-A. Horn, des letzteren Strnfantrag tvegen Frcihcitsberanbnng ze. im Wortlaute mitteilte.— Chefredacteur K ö b n e r erklärte, daß er sich zur Ver- öffentlichung für berechtigt hielt, da nach seiner Ansicht die Be- stimmung im Z 17, daß amtliche Schriftstücke nicht veröffentlicht werden dürfen, bevor sie in öffentlicher Verhandlung kundgegeben worden oder das Verfahren zu Ende gegangen sei, nur den Sin» habe, daß das Instanz verfahren beendigt sein ninß. Er wisse sehr wohl, daß darüber Kontroverse» bestehen, er selbst stütze sich auf den Kommentar des Obeistaatsanlvalts Dalcke, der in der dritten Auflage vom Jahre 1835 in einer Anmerkung klar ausgesprochen habe:„d. h. bis die mündliche Ver- Handlung ihr Ende erreicht hat, der ganze Strafprozeß braucht nicht zu Ende' gegangen sein". Er habe sich zu der Veröffentlichung ver- pflichtet gehalten, weil er der Meinung gelvcsen, daß eine schwere Verletzung der Militär-Strnfprozeß-Ordnung vorliege, und eS sich um ein neues Gesetz handelte, dessen sachgemäße«»Wendung in erster Zeit von großer Bedeutung sei. Außerdem habe er es für notlvcndig gehalten, daß dein Reichstage die Thatsachen aktenmäßig vorlägen.— Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß Dalcke seine Ansicht in der 6. Auf- läge seines Kommentars vollständig geändert habe.— Rechtsamvalt H o r» schloß sich der Rechtsauffassung des Mitangeklagten dahin an, daß die Aktenstücke nach Schluß der mündlichen Verhandlung ver- öffentlicht iverden dürften. Ihn hätten dieselben Motive geleitet, wie Herrn Köbner, doch seien bei ihm noch persönliche Motive maß- gebend gewesen: er habe sich gegen die auf ihn gerichteten An- griffe durch Mitteilung der Thatsachen wehren' müssen.— Staatsanwalt Schmidt hielt es für zweifellos, daß»ach § 17 des Preßgesetzes die Veröffentlichung von Aktenstücken erst erfolge» dürfe, wenn das Verfahren' rechtskräftig beendet ist. Der 8 17 habe gerade den Ziveck, die Objektivität und Unbefangenheit des mündlichen Verfahrens zu schützen. Dem Angekl. Köbner stehe als Mildernngsgrnnd zur Seite, daß er durch die ältere Auflage des Dalcke irregeführt worden und sich wohl auf die Rechtskenntnis des Angekl. Horn verlassen habe. Bei Horn müsse berücksichtigt werden, daß er das ihm als Ver- leidiger entgegengebrachte Vertrauen, das ihn besonders zur Geheimhaltung' der Alten hätte verpflichten sollen, doch ettvas gemißbrancht habe. Der Staatsanivalt beantragte gegen Herrn Köbner 50 M., gegen Herrn Horn 100 M. Geldstrafe.— Verteidiger Jnstizrat Wag n e r beantragte die Freisprechung des An- geklagten Köbner, bei dem ein strafbarer Dolus sicher nicht vorliege. Er berief sich auf die Kommentatoren Dalcke(in der älteren Auflage), Dclius, Schtvarze und Marqnardsen, um zu zeigen, daß die Frage über die Bedeutung des 8 l7 doch strittig sei. Auch von einer stehenden und festen Praxis des Reichsgerichts könne keine Rede sein. Er stehe auf dem auch von anderen eingenommenen Standpunkt, daß die Veröffentlichung zulässig sei, sobald die mündliche Verhandlung beendet und nicht mehr eine Berufung. sondern nur Kassation möglich sei.—, Der Gerichtshof glaubte den Angeklagten, daß sie überzeugt gewesen seien. daß eine Verletzung strafprozessualer Bestimmungen nicht Vorgelege» und daß sie sich im Rechtsirrtum befunden. Bei dein An- geklagten Horn hat der Gerichtshof ertvogen, daß er als Rechts- verstandiger das Verbot der Veröffentlichung hätte kennen müssen. In Uebereinstimmung mit allen Kommentatoren(mit Ausnahme vom älteren Dalcke und Marquardsen) und mit der Recht- sprechung des Reichsgerichts nahm der Gerichtshof an, daß die Ver- öffentlichung bis nach rechtskräftiger Beendigung des Verfahrens verboten ist. Das Urteil lautete gegen Herrn Köbner auf 50 M., gegen Herrn Horn auf 100 M. Geldstrafe event. 5 und 10 Tage Haft,' Einziehung?c._ Wie weit ist bei Streiks gegen Lohnherabsetzungen der K 153 der Gewerbeordnung anwendbar? Diese Frage betrifft eine dieser Tage vom Strafsenat des Kammergerichts gefällte prin cipielle Entscheidung. Am 6. Mai 1901 war in der Nähmaschinen und Fahrradfabrik von Nothmann zu Rixdorf bei Berlin ein Streik ausgebrochen, iveil die Löhne herabgesetzt Iverden sollten. Ein „Arbeitswilliger" wurde nun am 9. Mai, als er von der Arbeit kam, von dem streikenden Arbeiter Milde ein„ganz gewöhnlicher Streikbrecher und Lump" genannt. Milde er- hielt darauf eine Anklage wegen Beleidigung und wegen Vergehens gegen 8 �3 der Gewerbe-Ordnung, weil er einen andere» durch Ehrverletzung zu bestimmen versucht habe, an einer Verabredung behufs Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen teil zunehmen. Ämtsgericht und Landgericht verurteilten denn auch den Angeklagten auf Grund des 8 1b3 der Gewerbe-Ordnung in Ver bindung mit 8 185 des Straf-Gesetzbuchs zu 1 Woche Gefängnis. Milde legte Revision ein, zn deren Begründung Rechtsanwalt Dr. H e i n e m a n n vor dem Kanuncrgericht ausführte: Es komme zunächst darauf au, ob der Angeklagte am 9. Mai überhaupt noch in einem Vertragsverhältnis zum Fabrikanten Nothmann gestanden habe. Wäre die Kündigung ausgeschlossen gewesen, dann hätte M. infolge der Arbeitsniederlegung in keinem vertraglichen Arbeitsverhältnis mehr gestanden und konnte nicht mehr eine Verbesserung der Lohn und Arbeitsbedingungen erstreben. Dann aber— und das sei vor allem ausschlaggebend— habe es sich hier überhaupt nicht um die„Erlangung g ü n st i g e r e r Lohn- und Arbeitsbedingungen" gehandelt, sondern um die A u f r e ch t erhalt Ii» g der b e st e h e n den Lohnverhältnisse. 8163 der Gewerbe-Ordnung. der sich durch die Bezugnahme ans 8 152 nur ans Verabredungen behufs„Erlangung" günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen beziehe, könne deshalb nicht angewendet werden. Der Strafsenat des Kammergerichts hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache mit folgender bedeutungsvollen Be' griindnng an das Landgericht zu nochnialiger Verhandlung und Eni schcidnng zurück: Das Landgericht habe den Begriff der„Erlangung g ü n st i g e r L o h n b e d i n g u n g e n" im Sinne der 8s 162 und 153 der Gewerbe-Ordnung verkannt. Die Anwendung des 8 163 sei davon abhängig, daß eine Verabredung beziehungsweise ein Streik zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen vor- liege. Diesem Zivecke könne nun allerdings auch ein Streik dienen, der sich gegen eine L o h n h e r a b s e tz u n g richte, nämlich dann, wenn die L o h n h e r a b s c tz n n g e r st nach Ablauf der mit den Arbeitern geschlossenen Verträge eintreten sollte, mit andren Worten, wenn der Arbeitgeber ohne Verletzung einer gesctz- lichen oder vertraglichen Bestimmung die Löhne herabsetzen wolle. I» diesem Fall wäre 8 163 anzuwenden. Nicht anwendbar wäre er jedoch bei Streiks, die entständen, wenn der Lohn schon für die D a u e r der mit den Arbeitern geschlossenen Verträge herabgesetzt werden solle, denn dann würde es sich um die „Erhaltung" der bisherigen Löhne handeln. Das Landgericht müsse nun nachprüfen, welcher dieser beiden Fälle vorliege, und je nachdem 8 153 bei der Entscheidung anwenden oder nicht. Sic hatte sei» Bild im Traum gesehen— das tvar der In- halt der Aussage einer Zeugin, die gestern ini Prozeß Moschall und Genossen vernomiue» wurde. Es war festgestellt worden, daß der Angeklagte Schauspieler Haupt von dieser Zeugin, die früher in Halle angestellt ivar und jetzt in Leipzig lebt, nicht unerhebliche Geldsnnunen erhalten hatte, und es sollte Klarheit darüber geschaffen werden, auf welcher Grundlage diese Zuwendungen erfolgt sind. Die Zeugin gab als diese Grundlage eine Vision an. Nach ihrer Aussage ist ihr zur Zeit, als sie in Halle lebte, eines Nachts im Traume eine männliche Gestalt erschienen, deren Züge ihr ganz deutlich iin Gedächtnis geblieben seien, und eine ihr tief ins Herz dringende Stimme habe ihr gesagt, daß sie dazu bestimmt sei, diesen Mann ans Not und Elend zn reißen. Dann habe sie den Angeklagten Haupt bei seinen, Auftreten im Theater gesehen und es' sei ihr sofort klar geworden, daß dies der Man» sei, den re im Traum gesehen. Sic habe ihm deshalb mit Freuden die in Frage stehende Summe überwiesen, als sie gehört, daß er sich in Not befände. Als sie erfahren, daß dcrAngcklagtc schlechten Neigungen huldige, habe sie z» Gott gebeten, ihn wieder auf die richtigen Wege zu 'iihrcn. Der Gerichtshof kounle mit solch' einer Vision nicht recht elivas anfangen und wollte die Zeugin daher entlassen. Sic erbat sich aber die Erlaubnis, dem Angeklagten„noch einmal die Hand drücken zu dürfen", führte diesen Plan auch sofort aus, indem sie an die Anklagebank herantrat und verließ dann, offenbar befriedigt, den Gerichtssaal.— Ei» andrer ungewöhnlicher Zeuge war der gestern aufgerufene Rittergutsbesitzer de M.-Z. ans Warschau. Der Manu hatte 'chon einmal dadurch Aufsehen erregt, daß er imStcrnberg-Prozeß im Ball- nnznge mit iveitzerKrnwatte und weißen Handschuhen ii» Gerichtssaal er- 'chien. sich für eine» russischen Friedensrichter ausgab, sich ansHerre» von der russischen Botschaft berief und in die Verhandlung eingreifen wollte. Auch diesmal, Ivo er als Zeuge vernommen iverden sollte, erschien er in Frack, tveitzer Kralvatte und tvcißen Handschuhen an Gerichtsstelle und hatte durch sei» Benehmen ant dem Korridor chon großes Aufsehen erregt. Er hat früher einmal mit Moschall eine Affaire gehabt, das daraus sich cntivickelnde Strafverfahren gegen Moschall war aber eingestellt worden, iveil der Zenge damals für geisteskrank erklärt tvnrde. Unter diesen Umständen verzichteten Staatsanivalt und Verteidiger auf seine Ver- tiehmnng. Der darob etwas erstaunte Zeuge ließ sich ein Bündel Legitimntionspapicre, die er dem Vorsitzenden feierlichst überreicht hatte, zurückgeben und fragte, ob es ihn« nun gestattet sei, nach Warschau zu reisen. Die Erlaubnis hierzu tvurde ihm allseitig gern erteilt. Verlttimnltmgeir. Im eisten Wahlkreise fand am Mittwoch eine VolkSversainnilnng tatt. Dieselbe tagte in Cohns Saal und ivar sehr stark besucht. Die Referentiii Rosa Luxemburg behandelte das Thema: Socialreform und Socialdemokratie. Unter Hiniveis auf die Social- gesetzgebnng in den Industrieländern zeigte die Rednerin. daß diese Art der Socialreform nichts andres sei, als ein Angstprodnkt der bürgerlichen Gesellschaft, dazu bestimmt, die Arbeiter ausbentnngs- 'ähiger zu mache» und die Kapitalistentlasse in ihrer polilischen und wirtschaftlichen Machlstellung zu erhalten. Kcineswegs habe die Socialreform, ivelche in de» Arbciterschutz- und Arbeiter- versichcrnngs-Gesetzen zum Ausdruck kommt, einen socialistischeii Charakter, sie sei auch durchaus nicht geeignet— wie ihre Befürworter glauben— der Socialdemokratie den Bode» zn entziehen. Falsch sei auch die Annahme, daß diese Socialreform in Verbindung mit der Gewerkschafts- und Genossenschaflsbewegung uns langsam, ohne daß ivir es merken, zur Verwirklichung des Socialismus ühren. Wenn auch die Diskussionen über Opportunismus und revolutionären Socialismus beendet sind, so sprechen doch die Erscheinungen der letzten Zeit dafür, daß die Marxsche Lehre vom revolutionären Socialismus nicht todt ist, ondern daß sie mit verdoppelter Kraft lebt. Diejenigen, ivelche nicht durch theoretische Auseinandersetzungen zu dieser Erkenntnis kommen konnten, werden durch die Thatsachen eines besseren belehrt iverden.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Der Vorsitzende Oppel schloß die Versammlung mit der Mahnung an die Anwesendc», für die Ausbreitung des socinlistischen Gedankens zu ivirken. Eine gut besuchte Versitmiiilung der Stock- und Cellnloid- Arbeiter tagte am 19. d. Mts. bei Keller, um Stellung zn nehmen zur Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung. Der Referent Zorn zeigte an der Hand reichhaltigen statistischen Materials, welche Vor- teile die Einführung der Arbeitslosen-Unterstütznng haben würde und schilderte, wie der Holzarbeiter- Verband die Unterstützungsfrage zu regeln gedenkt. Er glaube, daß mit einem Mehrbeitrag von 10 Pfg. pro Woche und Mitglied die Frage sehr gut geregelt iverden könne. In der Diskussion wurde bemängelt, daß zu dieser wichtigen Frage kein Korreferent zu Wort käme, was damit erklärt wurde, daß ein solcher zum Versammlungstage nicht zu haben ivar. Fast sämtliche Diskussionsredner sprachen sich gegen die Einführnng der Unter- stlltzung ans. Es tvurde schließlich gegen eine beträchtliche Minorität folgende Resolution angenommen: ' Betreffs der Frage' der Arbeitslosen- Unterstützung beschließt die heutige Versammlung: die Einführung einer Arbeitslosen- Unter- stützung wird nicht zu umgehen sein. Jedoch müßte die Beitragszahlung so eingerichtet sein, daß ein Grundbeitrag festgesetzt wird, ivelcher den kleinen Zahlstellen Rechnung trägt,»nd daß die größeren Zahlstellen Ortsznschläge erheben können. Auch müßte die Höhe der Unterstützung danach bemessen iverden.— Unter Werkstatt-Angelegenheiten tvurde gerügt, daß die Arbeiter der Alfons Ludtvigschen Werkstatt die Beschlüsse der Kommission durchbrochen und sich unbedingt den Abmachungen, die auf ein Probejahr fest- gesetzt tvaren, unterworfen hätten. Es wurde» dann an Stelle eines ausgeschiedenen Kommissionsmitgliedes zwei neue vorgeschlagen und beide gewählt. Eine gut besuchte Versammlung aller in der Schrauben- brauche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterin»-» tagte am Montag in Graumanns Festsälen. Kaliski hielt einen fesselnden Vortrag über:„Die Arbeitslosen-Zählnng und die bürgerlichen Parteien". Großer Beifall lohnte den Redner. Unter Wertstätten- Angelegenheiten wurde u. a. die Lehrlingszüchterei in verschiedene» Schranbenfabriken einer abfälligen Kritik unterzogen. I» die Agi- tationskominission tvurde an Stelle von Liebchen A. Rosen o>v gewählt. Zum Schluß wurde eine im Sinne des Vortrags gehaltene Resollltion e i» st i m in i g angenommen. Adleröhof. Der socialdeniokratische Wahlvercin für Adlershof hielt am 20. d. Mts. eine außerordentliche Versannulung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden fünf Mitglieder neu aufgenommen. Als Hilfskassicrer wurden gelvählt: Paul S ch m i d t. Gustav K u s i n s k i und Max L a u. Zur bevor- stehenden Gemeindevertreterivahl nahm Wadepuhl das Wort. Derselbe Ivies darauf hin, daß unser bisheriger Vertreter Laube ausscheide und daß es nnsre Pflicht sei, dem neu aufzustellende» Kandidaten mit einer übergroßen Majorität zum Siege zn ver- helfen. Die Wahl findet am 3. März abends 4— 7 Uhr im Gc« mcindeburean statt. Darauf tvnrde der bisherige Vertreter Ernst Laube einstimmig wieder als Kandidat aufgestellt. Zur Lokalfrage wurde ein Antrag angenommen, sämtliche Säle zu sperren, auch das Lokal Wöllstein. Inhaber Dubrotv. Darauf hielt Kreplin noch einen lehrreichen und beifällig aufgenommenen Vortrag über: DaS Drama. Samariterknrsns für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen, Montagabend 9 Uhr, Uebiingsstunde in der Centrale, Dresdenerstr. 45. Vor- trag über: Transport Verunglückter. Nachher praktische Uebungen. Gäste ivillkolinnen. Neue Teilnehmer können jederzeit eintreten.— Mchtekiirsns im Apollosaal, Sebastianstr. 39. Vortrag über Verbrennungen und Er- frierungen. Nachher praktische Uebungen. Eine allgemeine Schlächterversammlung findet heute abend 6 Uhr im Gewerlschastshaus statt. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten. Uetzke Machvichken unv Depeschen. Kornelimünster(Rheinpr.). 1. März.(W. T. B.) Heute nach- mittag stürzte ein Arbeiter in einen in der Nähe der Station tehende» Katkofe»; vier andre Arbeiter versuchten»ach einander zu dem Verunglückte» zu dringen, um ihn zu retten, indessen wurden diese selbst sowohl wie der zuerst in den Ofen gestürzte durch d i e G a l e des Ofeus getötet. Miiuchc», 1. März.(W. T. B.) Prinzregent Luitpold hat an den Minister des Innern, Freiherr» v. Feilitzsch, ein Hand- ichreiben gerichtet, in welchem er auf den glänzenden Aufschwung des bayrischen K u n st g e Iv e r b e s in den letzten Jahren hin- � iveist»nd betont, daß die Zeit gekommen erscheine, um die jüngsten Errungenschaften auf kuustgciverblichem Gebiete in Form einer in München abzuhaltenden Ansstelluug den tveitesten Kreisen vor Augen zu führen. Der Prinjregcnl nimmt als Jahr für diese Ansstcllung 1904 in Aussicht, bewilligt dafür zugleich die Räume des GlaSpalasteS und ordnet an, daß die Bereitstellung ent- sprechender Mittel veranlaßt wird. Wie», 1. Marz.(B. H.) Die Polizei verhastete hier den Tapczierergchilfen Karl Brenner ans Hannover, welcher in Berlin einen Einbruch bei einem I u>v e I i e r verübt hatte. Sein Komplice Charles Equitz entfloh im Augenblick seiner Ver- Haftung. Graz, 1. März.(B. H.) Der hiesige Univcrsitätsprofessor Dr. Friedrich K r a n ß hat die von der preußischen Nntcrrichtsvcrivaltung an ihn ergangene Berufung an die Universität in Greifswald abgelehnt. Budapest, 1. März.(W. T. B.) Graf Stefan Tisza hatte in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses zum Abgeordneten Stefan Rakovsly, als dieser sein(TiszaS) Verhältnis zur Industrie- bank höhnisch erivähnte, gesagt:„Seien Sie nicht unverschämt!" Er erhielt deStvege» einen Ordnungsruf; er bat das Haus um Eut- 'chuldiguug und sügte hinzu. er lasse sich durch politische An- griffe nicht aus der Fassung bringen, seine Ehre aber gehöre ihm: er habe nie etivas gethan, Ivos irgend jemand das Recht gäbe, diese zn verdächtigen. Wie verlautet, hat TiSza Rakovsly eine Zeugen, Graf Julius Andrassy und Edmund Gajari, gesandt und Rakovsky den Abgeordneten Kuvik und Graf Wilczek als seine Zeuge» genannt. Mostar, 1. März.(B. H.) Ter Infanterist Albe, ein b e- k a n n t e r Hochtourist stürzte, als er in Begleitung des ZugS- uhrerS Rieder den Berg Orlacka Brda erstieg, in eine 100 Meter tiese Berghöhle hinab und blieb tot. Briiffel, 1. März.(W. T. B.) Die Zucker-Konferenz hat heute zivei Sitzungen abgehalten. Aus den Erklärungen, ivelche die verschiedene» Delegationen nach Erhalt der bezüglichen Jnstrnktionen von feiten ihrer Regieruiige» abgegeben haben, geht hervor, daß die Verständigung über die zurückgestellten Fragen, nämlich Ermäßigung der Zollschläge und Zeitpunkt des Jnkraft- trelens der Uebereinkunft als erzielt anzusehen ist. Der endgültige Text der Ilcbercinkimft tvird jetzt ausgearbeitet. Die llebcreiukunst soll, tvie bereits gemeldet, in den ersten Tagen der nächste» Woche unter-. zeichnet werden. Brüssel, 1. März.(B. H.) Mit der Legung des KabclS zlvische» Belgien und England tvird am 5. März begonnen iverden: dieselbe dürfte voraussichtlich am 15. April beendet sein. Die englische Kabclgesellschnft hat das neue Kabel gestern geliefert. Der tclephonische Verkehr zwischen Belgien und England ivir? daher in Bälde zustande kommen. London, 1. März.(W. T. B.) Lord K i t ch e n e r berichtet aus Volksrnst vom heutige» Tage: Die V e r I u st e der B o e r e» bei dem Durchbruchsversuche am 27. Februar betragen 50 Tote. 10 Verivundete und 759 unverwundete Gefangene. Nein Pork» 1. März.(W. T. B.) Die Berichte über Neber- chwcminnngcn im Westen und Süden häufen sich; auch Pitlsburg ist übcrfchwenunt. New Dort, 1. März.(W. T. B.) Nach den letzten Nachrichten aus Telturide(Colorado) beträgt die Zahl der bei dem, Lawinensturz ums Leben gekommenen Personen 14; eine Ay- zahl Personen tvurde verletzt, 20 werden vermißt. Rio de Janeiro, 1. März. Veichskag» ISS. Sitzung vom Sonnabend, den t. März 1902, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstischc: Frhr. v. Thielmann. Eingegangen ist der erste Nachtrngsetat. Von der Fürstin von Hohenzollern, der Eigentümerin des für das neue Kolonialamt bestimmten Grundstücks in der Wilhelmstratze ist ein Schreiben eingegangen, das den von der Budgetlommiffion auf 2'/z Millionen herabgesetzten Kaufpreis annimmt. Ans der Tagesordnung steht zunächst auZ dein Etat der Zölle und Verbrauchssteuern der Titel 3: Zulkersteuer zur zweite» Be ratung(Berichterstatter Abg. Richter(frs. Vp.). Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Der gegenwärtige Moment ist für die Zuckerindustrie austerordentlich bedeutsam. Man hatte den Glauben an die Erfolge einer Z u cke r k o n f e re» z bereits auf- gegeben. Diesmal liegen die Dinge ja günstiger. Ich möchte den Herrn Reichs-Schatzfekretär bitten, uns, so weit er es vermag, eine A ii S f ii n f t darüber zu geben. wie die Dinge jetzt liegen CS scheint ja bei den Beratungen der Zuckerlonferenz in Brüssel jetzt nur noch der Punkt aus dem i zu fehlen. lieber die Not wendigkeit derAufhebung derA n s fu h r- p r ä m i e n herrscht ja allgemeine U e b e r e i n st i m ni u n g die Hauptsache ist aber, dost der Zoll allgemein auf S Proz herabgesetzt wird. Ich hoffe, das; die deutsche Regierung einer solchen Abmachung zustimmen wird. Freilich,' daS' Kartell würde dann seinen Fortbcstand gefährdet sehen. Das wäre aber kein Schaden, denn daS Kartell hat die h o h e n Preise verschuldet und hat zur Ueberproduklion gereizt. Die Bestände sind bereits so hoch, dast die„Deutsche Zucker stibufhie* vorschlug, einen großen Teil des Zuckers unter Wasser zu setze». Dabei könnte der Verbrauch dieses so wertvollen Nahrungs- nnttels erheblich gesteigert werden, wenn nicht der Preis ein so hoher wäre. Staatssekretär Freiherr v. Thielmau»: Sie werden nicht von mir erwarten, daß ich Ihnen heute aus fiihrlich über die Verhandlungen der Brüsseler Konferenz Erklärungen abgebe; denn dieselben sind noch nicht abgeschlossen. Ich kann aber sagen, daß nach dem Verlaufe der letzten Sitzungen in Brüssel die Hoffnung berechtigt i st. daß, und zwar m allernächster Zeit, der Abschluß eines internationalen Vertrages er« niöglicht wird; heute will ich Ihnen nur soviel sagen, daß das, was die Zeitungen darüber verbreitet haben, daß eS sich handelt um Auf Hebung der Prämien in allen dem Vertrag beitretenden Ländern, ferner um die Fixierung eines Höchstsatzes, eines sogen, llebcrzolles, und drittens um eine Vereinbarung der beitretenden Länder, daß sie sich gegen olle solche Länder, die nicht beitreten und ihrerseits Ausfuhrprämien zahle», durchZuschlagprämien sichern wollen, zutrifft. Von der rechten Seite wird wohl auch hier wieder von Abhängig- kcit vom Auslande geredet werden. Ich niöchte deshalb betonen, daß wir nach Brüffcl gegangen sind, nicht ans Furcht vor dem 81 ii s l a n d e, sondern lim unsrem Zucker eine A u s f u h r m ö g l i ch- keit zu sichern. Diese AusführnngSmöglichkeit ist beschränkt� wenn eine Konvention nicht zu stände kommt, nach verschiedenen Seiten hin: t. Durch die große Zunahme, die die Znckererzeuguug bei uns selbst genominen hat; 2. durch den großen Aufschwung der Zucker« erzeugung in Kuba in den letzten zwei Jahren und sie könnte 3. be. schränkt werden dadurch, daß andre Staaten das Beispiel der Ber� einigten Staaten nachahmen und dem Präniicnzucker einen Zuschlags. zoll aufbürden. Nach diesen drei Richtungen läuft der deutsche Zucker Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten, und es war eine ernste Pflicht der verbündeten Regierungen, dem vorzu- beugen, daß der deutsche Zucker unvexkäuslich wird. Et wird voraussichtlich im Laufe der Debatte auf die Einzel. hciten, wie sie sich nach den Zeitungen darstellen, eingegangen iverden. Darauf behalte ich nur vor. noch zu antworten. Jetzt be- schränke ich mich darauf, zn betonen, daß es der Regierung gerade im Interesse der deutschen Zuckerausfuhr dringend geboten erschien, sich von der Konferenz in Brüffel nicht auszuschließen und wenn die Konferenz das Resultat ergiebt, welches wir in diesem Augenblick davon erhoffen, daß es zum Abschluß eines internationalen Vertrages kommt, sind wir der Neberzenguiig dem deutschen Zucker durch diesen Vertrag den Weltmarkt gesichert zu habeii.1 Abg. Dr. Rösicke« Kaiserslautern(B. d. L): ES ist für uns undenkbar, wie eine Regierung zu einer Konferenz kommen kann und einer anderen Regierung das Recht ziierleiinen kann, sich in die inneren Angelegen- Heiken eines Landes zu mischen.(Lachen links.) Wenn England sagt:„Ich verlange von Euch, daß Ihr Eure Zölle herab- setzt, sonst werde ich meine Differentialzölle nicht aufgeben', so ist daS ein Eingriff in die internen Berhältniffe eines andern Landes (Sehr richtig! rechts. Lachen links.) Ich hoffe, entgegen dem Abg. Pachnicke, daß der Reichstag einer Zollherabsetzung nicht zustimnit. Giebt er einer Herabsetzung seine Zustimmung, so trägt er wesentlich zum Unter. gang unserer Rübenziickerfabrilation bei. Es handelt sich überhaupt »ni einen Kampf zwischen Rübenzucker und Rohr» z«cker. Werden die Prämien beseitigt, so hat der Rohrzucker dem Rübenzucker gegenüber einen derartigen Vorteil, daß der Kamps wahrscheinlich mit einer Niederlage des Rübenzuckers enden wird. (Sehr richtig I rechts.) Ich möchte an den Herrn Staatssekretär des NeichS-SchatzamtS die Frage richten, welche Gegenleistungen von England zu erwarten sind, wenn wir uusreii Zoll herabsetzen? Ist Vor- sorge getroffen, daß England seine Differentialzölle aufgiebt? Von Rußland aus droht uns der Import des russischen Zuckers, auch der Konkurrenz des Kolonialzuckers werden wir ans- gesetzt sein, ivenn der Zoll herabgesetzt wird. Es wird sich sragcn, ob nicht die Zuckersteuer miter diesen Uniständen abgeschafft werden muß.(Abg. Wurm: Sehr richtig!) Wenn sich die Herren der Linken dazu bereit finden, iverden wir Ihnen gern die Hand dazu reichen. Ich hoffe, daß ein solches Abkommen tiiemals die Zustimmung des Reichstags finden wird. England hat alle Ursache, sich niit uiiS gut zu stellen.(Bravo! rechts.) Schatzsekretär v. Thielmann: Den letzte» Satz des Herrn Vorredners unterschreibe ich durch- ans, ebenso aber haben ivir dann auch allen Grund, uns mit England gut zu stellen.(Sehr richtig! links.) Unsre Regierung wird keinen Vertrag unterschreiben, in welchem wir uns England gegenüber betreffs imsrer AtlSfuhrpräinien oder unsreS ZuckerzollS binde», während England freie Hand behalten sollte, seine Kolonien vor »Iis in der Zollgesetzgebung vorzuziehen. Der Herr Vorredner hat gefragt, mit welchem Recht mischt sich daS Ausland in unsre Zoll- gesetzgebung ein. Das thnt das Ausland ebenso iven ig, wie w i r uns in seine Gesetzgebung einmischen. Ei» jeder Handels- und Zollvertrag bindet, aber beide Teile.(Sehr richtig! links.) Ferner kann ich mit- teilen, daß meines Wissens O e st r e i ch irgend ein Vorzug gegen- über Deutschland nicht in Aussicht gestellt worden ist. Das wird vielleicht einige der Herren beruhigen. Ich wiederhole, daß ich bis jetzt nur von einem Ueberzoll von 6 Frank gesprochen habe, während Herr Rösicke von einem G e s a m t z o I l von 6 Frank gesprochen hat; das ist ein Unterschied von 20 Mark. Ich halte dafür, daß ein solcher Ueberzoll vollkommen genügt, um »nsre eigne Zuckerproduktion gegen das Eindringen des ZuckerS der Nachbarländer zu schützen. Was Rußlaud betrifft, so erinnere ich daran, daß alle Staaten, welche der Konvension nicht bei- treten, sich von den Mitgliedern derselben slusgleichszölle werden gefallen lassen müssen, so daß wir nach dieser Richtung gedeckt sind. Ich bin überzeugt, daß die Zuckerkonvention die Billigung der großen Mehrheit des Hauses finden wird. Eine große Reihe der Herren von der Rechten hat sich im Jahre 1896 für die Abschaffung aller Prämien in der ganzen Wel als anzustrebendes Ziel ausgesprochen, so die Herren Gra Bismarck- Schönhausen, v. Piiltkamer- Plauth, Herr v. Standy, der CentmmS- Abgeordnete Schädler. ES ist kein Zweifel, daß unsre Produktion über das Bedürfnis herausgewachsen ist. Von rund 23 Millionen Doppeice ntnern werden be uns nur 7 Millionen verbraucht.(Hört l hört I links.. Die Hebung des inneren Verbrauchs ist nur möglich durch eine V e r b i l l i g u n g des ZuckerS. Das fortwährende Steigen der Preise in den letzten Jahren ist entschieden ein Zeichen, daß etwas nicht in Ordnung i st.(Sehr richtig I links.) Wir müssen also unsren Verbrauch heben und dem kolossalen Ueber quantum einen ruhigen Abfluß ins Ausland sichern; das soll durch die Konvention erreicht werden. Abg. Wurm(Soc.): Ans Herrn Rösicke sprach nicht die Furcht, daß a u S 15 ii bischer Zucker nach Deutschland herüberkommen könne. sondern die Furcht, daß der Zuckerring dadurch zu Grunde gehen würde und daß der bestehende Schutzzoll nicht auf- recht erhalten werden kann.(Sehr richtig I bei den Social dcmokratcn.) Durch diesen hohen Schutzzoll von 20 Mark pro Doppeleentner ist es möglich gewesen, daß der Zuckcrprcis im Jnlaiidc eine Steigerung erfahren hat, die gar nicht im Verhältnis zu den Produktionskosten steht. Der Preis für den C e n t n e r niiißte 20,50 Mark sein, ist aber in Wirklichkeit 28,25 Mark. (Hört! Hört! bei den Socialdemokraten.) Das ist der Erfolg des Kartells Es lvnnte die Preise noch mehr steigern und würde es auch thun, wenn es nicht wüßte, daß der Konsum dann noch mehr zurückgehen würde. Das deutsche Publikum zahlt für jedes Pfund Zucker nicht nur die 10 Pfennig als Staats abgäbe, sondern auch noch 8 Pfennig an den Zucker- ring als Liebesgabe für die Industriellen.(Hört! Hört! bei den Socialdemokraten.) Sie(nach rechts) sagen allerdings, daS geschähe im Interesse der Rübeiibaueru. Die R ii b e n b a u e r n denken aber ganz anders darüber. Selbst in den besten Zeiten haben die Z u ck e rin d u st r i e l l e n die R ü b e n b a n e r als Stiefkinder behandelt. Sie haben sie schlecht bezahlt und Abzüge geniacht, wo Sie nur konnten. Wenn jetzt die Rübenbauer in eine Notlage kommen, dann haben sie niemand anders dafür verantwortlich zu machen als die Herren Konservativen bis herüber zu Herrn P a a s ch e. Wir produzieren heute 13 Millionen Doppeleentner. und nur 7 Millionen werden konsumiert. Da bleibt eine Ueberproduktion von 6 Millionen Doppelcentuern! Erzwingen läßt sich eine künstliche Steigerung des Konsums selbstverständlich nicht so leicht, wie eine künstliche Steigerung der Pro- d u k t i o n. Zu letzterer gehört ja nur ein gewisser Wagemut ein- zelner Börsianer, es gehört dazu das Bewußtsein, daß man die Klinke der Gesetzgebung noch in der Hand hat. Die deutsche Ziickeriudustrie giebt so recht ein Beispiel für die kapitalistische Produktionsweise in ihren krassesten Zügen. Hier ist eine Jntcressengesctzgebung zu stände gekommen, weil die Mehr zahl der Bevölkerung sich irre leiten ließ und Leute in den Reichstag schickte, die nur das Interesse einer kleinen Zahl Großgrundbesitzer und große Industriellen ini Auge hatten. Von einem Interesse für die gesamte Landwirtschaft kann hier unmöglich gesprochen werden. Da man nun nicht wußte, wie man den überproduzicrteu Zucker los werden konnte, so alarmierte man die Kriegervereine. Der Verein der deutschen Znckerindustricllen hat in einem Rund. schreiben kurz vor Weihnachten den Krieger vereinen den Bezug von Zucker wäre n aus das d r i n g l i ch st e empfohlen. Man hoffte dadurch den Konsum des Zuckers zu steigern.— Ob diesem Wunsche Folge geleistet ist. weiß ich nicht. Jedenfalls würde der Zuckerkousimi bedeutend großer sein und die Bevölkerung würde keine Kunstprodukte wie Saccharin kaufen, wenn der Zucker nicht so teuer wäre. Herr Rösicke hat sich wieder etlvaS verrechnet, indem er einen Gesamtzoll von 6 M. zu Grunde legte. Das wäre ja sehr schön, dann müßte ja auch die Jnlandsteuer so weit herabgesetzt werden In der That aber soll ja der Gesanitzoll etwa 25 M. betragen. Die schwierige Lage, in der sich jetzt die Zuckerindustrie befindet, ist hervorgerufen durch die N i m m e r s a t t e n im eignen Lager, die, im Besitz der ersten Anlagen, sich durch daS Schutzzollsystem Riesen gewinne verschaffen Ivollten. Nun stehe» Sie da wie die betrübten Lohgerber, denen die Felle weggeschwommen sind.(Heiterkeit.) Es ist sehr charakteristisch, daß das Organ der Ziicker-JudiistrieNcii es für das beste erklärte, Ivenn man einen Teil des Zuckers vernichtete. indem nian die Zuckerlager unter Waffer setzte. Es fällt einem dabei unwillkürlich die alte Legende von dem Bischof Hatto und dem Mäuseturm ein, der lieber sein Korn verderben ließ, als daß er es den Konsumenten übergab. Es ist kcniizeichneiid für daS Genicin- fchädliche des ganzen Wirtschaftssystems, das Sie vertreten, daß solche Pläne Überhaupt ernsthaft erwogen werden können. Es ist ja auch vorgeschlagen, den Zucker zu denaturieren und statt den Menschen dem Biel» vorzulegen. Das ist die agrarische Wirtschaftspolitik, sie entspricht völlig Ihrer B r o t w u ch e r- Politik. Das Gericht ist über Sie hereingebrochen. Die natur- notwendige Entwickelrmg Ihrer Wirtschaftsweise hat auf diesem Ge- biete den Bankrott gezeitigt. Wenn aber Ihr kapitalistisches System zusaiiimeiibricht, das deutsche Volk wird seine Freude und seinen Nutzen davon haben.(Bravo! b. d.'Soc.) Abg. Dr. Paaschs(natl.): Die Erklärung des Herrn StaatSsekrekärs hat mich wenig be- friedigt. Denn es kann die Stellung uusrer Vertreter sicher nicht stärken, wenn hier von der Negierung erklärt wird, wir hoffen, daß die Konferenz in allernächster Zeit zu einem Resultat im Sinne der Zeitungsnachrichten kommt. Die Frage ist von großer Tragweite für die Zuckcrindustrie und damit, wie ich Herrn Wurm gegenüber betone. auch für die Landwirtschaft. Wurm betont mit Recht, daß der Zucker eins der wichtigsten RahningS- mittel für das Volk ist. Wo wären wir denn, wenn wir die Rüben- zuckeriiiduftrie nicht durch Schutzzölle großgezogen hätten? Noch nicht )er dritte Teil des Zuckers würde konsumiert werden I Sie können sagen, daß wir eine Ueberproduktion herbeigeführt haben. Ja, was bedeutet denn Ueberproduktion? Ueberproduktion bedeutet billige Preise für die Konsuiiicnten.(R u f bei den Socialdemokraten: Für die auSländifchcn!) Ja, bin ich denn an der Zuckersteucr schuld? Den Zuckerintereffenten liegt gar nichts daran, daß die Zuckerstcuer den inländischen Zucker verteuert. Aber wir können die Zuckerstener für die R ei ch s ei n n a h m e n niibt enlbehren. Die Ueberproduktion in Zucker ist durch die überreichen Rübenernteii versckmldet. Das ist aber eine vorübergehende Erscheinung. Das Zucker- teuer- Gesetz hat die Ueberproduktion nicht herbeigeführt. 500 000 Tonnen sind an Zucker in den letzten zehn Jahren in Ländern hergestellt worden, an die man früher gar nicht dachte. Selbst wenn allgemein die Znckerprämien aufgehoben würden, so würde der Koloinalzucker auf, dem Weltmarkte Sieger bleiben. Das ist eine weit verbreitete Ansicht. Ich selber schätze unire Ziickeriudustrie ja fürstärker und bin vielfach deshalb angegriffen ivordeu. Aber auf der Strecke wurden bei diesem Kampfe aller gegen alle genug Opfer liegen bleiben. Gerade die Kleinen ivürden die Zeche zu zahlen haben. Jede Einschränkiing der Produktion ist mir mit großen Opfern möglich. Die Landwirte hängen mit großer Zähigkeit am Rübenbau. Aber es wird so konimen, wenn Frankreich, Belgien und Holland wirklich geneigt sind, die Prämien aufzuheben, und England wirklich Differenzialzölle einführen will. Aber ob das französische Parlament die Prämien von 10 M. 80 Pf. so glatt aufheben»vird, erscheint doch noch sehr zweifel- Haft. Ob der englische Konsument sich höhere Zuckerpreise gefallen lassen wird, ist auch sehr ungewiß. So stark sind die schutzzöllneri- scheu Teudeuzen in England nicht, daß man den Konsumenten der paar westindischen Pflanzer willen mit einem Zuschlagszoll von 15—-18 M. belasten wird. Die allgemeine Aufhebung der Prämien erscheint mir also noch sehr ungewiß, aber ich will keinen Zweifel darüber lassen, daß auch ich für die Beseitigung unserer Prämien bin, wenn Frankreich, Belgien und Holland ihre Prämien aufheben.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Kardorff(Rp.) bestreitet, daß das Kartell an der lieber- Produktion schuld sei. Die Ueberproduktion hat Graf v. Caprivi mit der Herabfetzung der Getreidezolle verschuldet. Soll die llebcr- Produktion schwinden, müssen wir die Getreidezölle so er- höhen, daß der Getreidebau wieder rentabel wird. Heben die andren Staaten die Prämien auf, so können wir unsre Prämien auch ausheben. Die von England gewünschte Beschränkung des Ucberzolls ist aber ein Eingriff in die staatliche Autonomie. Bismarcks Grundsatz war es immer, die äußere Politik von der wirtschaftlichen möglichst zu trennen. Das sollten wir auch jetzt noch thun. Bismarck hat immer so gehandelt, er hat bei aller Freundschaft mit Rußland die russischen Papiere einfach vom deutschen Markt kassiert. Fürst Bismarck ist mir kompetenter wie Graf von Posadowsky. Preußischer Landwirtschaftsminister v. Podbielski: Die Ueber- Produktion in Zucker kommt von dem erhöhten Kartoffelba». Der erhöhte Kartoffelbau kommt daher, weil der Körncrbau nicht mehr rentiert.(Hört, hört! rechts.) Herr Wurm sagt, der Zucker ist ein notwendiges BolksnahrnngSinittel. Dann müssen Sie aber die Konsequenz ziehen und' ein Gesetz gegen die� künstlichen Süßstoffe annehmen.(Lachen links.) Diese künstlichen Süß- stofse kann ich als Volksnahrungsmittel nicht anerkennen.(Sehr wahr! rechts.) Führt die Konventio» zu veränderten Zollsätzen, so wird daS Haus Beschluß fassen müssen. Die heutige Debatte erscheint mir deshalb etwas verfrüht. Wir dürfen vorläufig nichts sagen, aber der Wunsch nach Einschränkung der surtaxo ist nicht von England ausgegangen. Sie dürfen sich versichert halten, daß ich als Landwirtschaftsminister dafür sorgen werde, daß die Konvention nicht von heute auf morgen in Kraft tritt. Abg. Richter(frs. Vp.): Die Rede des Landlvirtschafts« Ministers war mir nicht recht klar. Steht er auf dem Standpunkt seines Nachbars, des Freiherrn v. Thielmaim oder mehr auf dcni des Herrn v. Kardorff? Wenn ich ihn recht verstanden habe, so hält er die bevorstehende Konvention für einen Sprung ins Dunkle und es dürste ihm lieb sein,. sie käme nicht zn stände.(Heiterkeit.) Was die S ii ß st o f f e anlangt, so weiß jeder, daß sie keine Nahrungsmittel sind, aber ebenso allgemein weiß man. daß sie süßen. Wem eS mm nur um die Verfüßung zu thun ist, der gebraucht sie, weil ihm der Zucker zu teuer ist.— Ich begrüße cs mit Freuden, daß die Konvention zum Abschluß konnnen soll. DaS einzige, was ich bedauere, ist, daß man überhaupt auf die Konvention gewartet hat. Es hätte schon längst im deutschen Interesse gelegen, die Zuckerprämicn nb- zulchaffen. Die Rechte hat es hier abgelehnt, als Ver- leidiger des Zuckcrkartells aufzutreten, Selbst Herr Rösickch hat' sich dagegen verwahrt. Das ist auch ganz rechts denn das Zuckerkartell ist ein grober Unfug.. 00 Millionen legt cs in jedem Jahre auf den Konsuln, aller- dings muß es 55 Millionen davon an die Rohzucker-Fabrikanten abgeben. Thun Sie doch nicht so, als ob die Unrentabilität des Getreidebaues die Riibenproduktion gesteigert hätte. Die Rüben- Produktion hat sich infolge der Aufhebung der Materialstcuer so sehr. vermehrt. Herr v. Kardorff ist mit der Aufhebung der Prämie» eiiiverstnndeii. Er stößt sich nur daran, daß auch der Zoll herab- gesetzt werden soll. Beide Fragen hängen aber innig zusammen. Denn der Zoll ermöglicht die Bildung von Kartellen und diese sind in der Lage, private Ausfuhrprämien zu zahlen. England und die andren Länder haben ganz recht, ivenn sie beide Fragen: Aufhebung der K a r t e l l e und Herabsetzung der Zölle als unzertrennlich behandeln. Sehr wenige werden die Berqnt- ivortung auf sich nehmen wollen, eine Konvention abzulehnen, deren Nichtannahme die stärksten Nackenschläge für Deutschland im Gefolge haben müßte. Ich könnte es ja bedauern, daß die Opposition nicht größer ist als ich sie voraussehe. Denn ich könnte mir keine frischere bessere Wahlparole denken als die Zuckerverbilligung.(Sehr gut! links.) Ich schließe mit dem Wunsch, daß es dem SpirituSring ebenso ergehen möge wie dem Zuckerkartell, daß die falsche Gesetzgebung, die zu beiden geführt hat, elend in die Brüche gehen möge.(Bei- fall links.) Abg. v. Standy(k.): Es ist absolut unrichtig, daß Deutsch- land die Ueberproduktion verursacht hat; in den andren Staaten ist die Steigerung der Produktion viel größer. DaS Zuckerstcuer- Gesetz von 1896 halte auch ich für verfehlt. Herr Richter hat das Spirituskartell sehr scharf verurteilt, nach meiner Meinnng ganz mit Nnrecht. Es ist aber bezeichnend, daß er nur gegen die Kartelle der Landwirtschaft so energisch vorgeht, dagegen niemals gegen die andren Kartelle.(Sehr richtig! rechts.) Sollte � die Konvention zu stände kommen, so werden hoffentlich die verbündeten Regierungen dafür sorgen, daß Zeit gewonnen wird, damit die beteiligten Kreise sich an den neuen Zustand gewöhnen können. Elnein Inkrafttreten der Konvention vor dem 1. Oktober 1904 wird die Regierung hoffentlich auf keinen Fall ziistimineii, ein Inkrafttreten schon im Jahre 1902, wie es Herr Richter wünschte, wäre ein Sprung ins Dunkle, den niemand verantworten könnte.— Einen Neberzoll von 6 Mark pro Doppelccntncr halte ich für ungenügend, um die Konkurrenz des Auslandes zu verhindern. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.): An einer großen Mehrheit für die Konvention wird eS im Reichstag sciterzeit sicher nicht fehlen, das beweist die ganze Debatte. Darüber, daß die Prämie» aufgehoben werden sollen, herrscht Einmütigkeit, man sträubt sich mir gegen die Herabsetzung des Zolls und wünscht, daß die bittere Pille, die die Zuckerindiistrielleii schlucken sollen, möglichst spat kommen möge. Ohne Herabsetzung des Zolls ist aber keine Besserung der Verhältnisse möglich. Sehr erfreulich ist es, daß England sich dcr Be- weguna angeschlossen hat, ich hätte das kaum für möglich gehalten, denn das Vorgehe» Englands steht im Widerspruch mit seiner ganzen Freihandclspolitik. Man sollte daher den günstigen Moment, in dem sich England in finanziellen Schwierigkeiten befindet, wohl ans- nutzen.— Fraglich scheint es mir noch, ob der Ueberzoll von 6 Mark genügend gering ist. um das Kartell vom Leben zum Tode zu befördern. Ich würde daher wünschen, daß man den Zoll noch ni ehr herabsetzte, um auf jeden Fall einen Ziisammcn- bruch des Kartells herbeizuführen.(Bravo! links.) Abg. Schrcmpf(k.): Ich will noch kurz den Staiidpnnkt der lvürttembergischen Bauern klar legen. Der ganze Jammer kommt daher, daß der Getreidebau nicht rentabel ist, daher ist der Bauer gezwungen, immer mehr Rübenbau zu treiben. Auf der rechten Seite sitzen nicht die Vertreter der Kartelle, die Aktienbesitzer, die großen Geldsäcke sitzen auf Ihrer Seite(nach links). (Lachen links.) Man spricht immer davon, wieviel für die Landwirtschaft vom Staat gethan wird. Die Land- Wirtschaft zahlt 237 Millionen Stenern für Zucker. Spiritus und Tabak, und das ucnut man Liebesgaben.(Große Heiterkeit.) Wir werden die Konvention mit der schärfsten Brille prüfen müssen, denn die Regierung erweist sich häufig als blind. Bei den Caprivi- 'chen Handelsverträgen hat sie z. B. die MeistbegünstignngSklauscl ganz übersehen.(Große Heiterkeit.) Abg. Gothcin(frs. Vg.): Die Konkurrenz des AuSIauds brauchen wir bei Herabsetzung des Zolls absolut nicht zn fürchten, denn unsre "iickerindiistrie ist technisch hervorragend entwickelt. Ueber das Vorgehen nglands habe ich mich sehr gefreut und ich hoffe, der Erfolg der Kon» bcntioit wird der fein, dnß der Zoll soweit herabgesetzt wird, dasj sich der inländische Konsuln wesentlich erhöht. Ein Herr Dr. Ernst Lange hat es ausgesprochen, daß die Vertreter der Industrie— er spricht von der Spiritusindustrie— die Steuergesetzgebung dazu benutzen, um die Produktion und Konsumtion in d i e Bahn zu lenken, die ihren Wünschen entspricht! Das trifft auch für die Zuckerindustrie z». Wir sind aber der Meinung, daß die Klinke der Gesetzgebung nicht im Interesse einzelner gehandhabt werden darf, sondern nur im Interesse der Illlgemeiuheit.(Sehr richtig! links.) Abg. Herold iE.) spricht den Wunsch aus, daß die Brüsseler Kon- vention zu stände kommen und die Prämien abgeschafft werden möchten. Der Ilebcrzoll dürfe nicht zu klein sein, wenn Rußland der Konvention nickt beitrete, müsse er 20 M. betragen, denn Rußland sei ein sehr gefährlicher Konkurrent. Abg. Dr. Rösirkc-Kaiserslautcrn(B. d. L.) spricht die Ansicht ans, Abg. Paaschc unterschätzeZdie Konkurrenzfähigkeit des Rohr- zuckers. Euba habe sich erstaunlich schnell von seiner Debastatio» er- holt; eS produziere heute bereits ebensoviel Rohrzucker wie vor dem Kriege.(Hört! Hört! rechts.) Abg. Wurm(Soc.): Herr Schrempf hat gemeint, die an der Zuckerindustrie inter- cssicrteii Kapitalisten säßen nicht ans der rechten, sondern auf der linken Seite des Hauses. Nun. au der S p i tz e des g e s ch ä f t s- führenden Ausschusses der Raffinerien des Syndikats steht der uationallibcrale Herr Bueck; im A u f- si chtsrat des Rnffineriesyndikats sitzt der konservative Reichstagsabgcordnete Frhr. v. Richthofcn-Dnmsdorf. Der Vor- sitzende des Aufsichtsrats des Rohzucker-Shndikats ist der bekannte Agrarierführcr von Arnim; ferner gehören diesem Aufsichtsrat au: der konservative Reichstagsabgeorducte Graf v. Carmer und der Ccntrnmöabgcordnete Pingen, Unter den Aufsichtsrats- Mitgliedern des Kartells be- finden sich also keine Mitglieder der Linke», wohl aber Mitglieder des Ccntrums und der Rechten. Abgeord- nctcr Pansche meinte, der ungeheuerliche Vorschlag, den über- flüssigen Zucker unter Wasser zu setzen, könne von niemand im Ernst gemacht werden. In der That ist aber dieser Vorschlag absolut ernst gemeint gewesen. Redner verliest zum Belveisc den betreffenden Artikel aus der letzten Dezember-Nummer der„Deutschen Zucker- Industrie". Die Rübenanbaufläche hat sich im letzten Jahrzehnt lim 20 Proz. gesteigert. Die Durchschnittsernte pro Hektar ist seit 1832 ziemlich dieselbe geblieben, aber der Gehalt der Rüben an Zucker istimgleichenZeitraumpro Hektar ebenfalls um 20 Proz. gestiegen. Die Zuckerindustrie hat wie kaum eine zweite im Deutschen Reiche nn- geheure Summen aus den Taschen der Steuerzahler erhalte». Seit 1886 sind au Prämie», die von den Zuckerkonsumenten Deutsch- lands in der Zuckersteuer bezahlt worden und die dann an'dic Zucker- fabriken übergehen, nicht weniger als 800 Millionen Mark bezahlt lvorden! Das geschah, trotzdem die Zuckerfabriken Zeiten der größten Prosperität durchgemacht haben. Man hat ferner jahrelang seitens der Regie r n n g den Petitionen der Zuckerfabriken über das normale Maß hinaus nachgegeben und den Fabriken erlaubt, Frauen zur Nachtarbeit zn beschäftigen. Die Zuckerfabriken haben dadurch, daß sie polnische Arbeiter als L o h n d r ü ck e r hcrangezogcii haben, das Kultur- nivean der ganzen Bevölkernng heruntergedrückt. Abg. Schrempf. Jeden Sonntag und Dienstag Dans. Saal mit Bühne, auch Sonntags vergiebt 3533L* Balduin Franke Gesell schaftsh ans Swi»euiil»derstr.-12. Tägl. Theater- u. Speeialtiäteu- Borstellung. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Vereine, oulant zu vergeben.|3189C* Bnss' Salon und Stehbierhalle, Gr. Frankfurterstr. fiö. Jeden Sonntag, Dienstag, Donners- tag, Freitag:«all. Empsehle meinen Saal nebst Garten an Vereine zu Festlichkeiten an Sonnabenden. Z398L* Otto Theel. W. Krügers Restmailt, Vereinslokal, N a u n r? n st r a b e 6. Sonntags: Faiuilien-Abeud�_ Alliambra Wallnertheater-Strasse 15 Jeden Sonntag und Dienstag: Großer Cxtra-Ball bei doppelt be- setztem große» Orchester. Ansang 6 Uhr. A. Zameltat. Das von dem Spediteur Emil StoliBcnburjj in Umlauf gesetzte Gerücht, daß Genosse KrOhn den „Vorwärts" abbestellt hat, erklären wir für unwahr, da wir uns vom Gegenteil überfuhrt haben. 357b MO. Bezirk, 6. Kr. Im Auftrage d.Bezirksführer. ' Berlin SW. Alte Jakobstr. 124."I Electroteclinilm Maschinen-Bau-Scliule Höhere Fachschule mit Werkstätten. Elektro-Ma- schinen-Ingenieur-, Techniker-, Werkmeister-, Monteur-Ausbild. Vorkenntnis nicht erfordert. 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Friedrich-WilhelinsladtischeS. Die Landstreicher. Ans. 7»/, Uhr. Nachmittag 3 Uhr: Der Vogel- Händler. Montag: Die Landstreicher. KUlle-Zllliance. Die Dame aus Trouville. Hieraus: Er. Anfang 7»/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Montag: Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. QrphenS. Specialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Chnrivari. Täglich Vorstellung. Ansang 7Vz Uhr. virlropol. Ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 71/, Uhr Montag; Tieselbe Vorstellung. Stpollo. Don Juan in der Hölle. Specialitäten-VorsleNnng. An- sang 7>/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Cnsino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialiläleu- Vor- stellung. Ansang 7'/- Uhr. Nachm. 4 Uhr: Muttersege». Monlag: Lustige Brüder. Ehrlos. . Specialitäten. Palast. Specialitalen-Vorstellung. Die Detlchensee. Anfang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Panoptiknui. Special!- iät-n-Vörstellung. vieicktshallru. Steltiner Sänger. Ansang 7 Uhr. llranin. Tanbenstr. 48/tl,.(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Montag: Dieselbe Borstellung. Jnvalidenstrafle ö7/tsL. Täglich: Sterinvartc. LchilltrÄitlittr (Wallner-Thcatcr). So n ntagnach mittag 3 Uhr: Wllnnniiiv zionxrtien. Drama i» ö Akten von G. Hauptmann. Sonntagabend 8 Uhr: Jngciul. Ein Licbesdrama in drei Aufzügen von Max Halbe. Montagabend 8 U h r: liitnix»ai-lrkln. Dienstagabend 8 Uhr: �'»inilie? H-'«»»' c liain I>n»It. Trianon-Theaür. Georgenstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Frfedrlchetr. Zum 99. Male: Coralie A Co. Äuimg 8 Uhr. Parkett 2 M. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Frühlings läge an der Riviera Montag: Dieselbe V orstellung. Invalldcnstr. 57/018. . Sternwarte. Castans Panopticnm Frledrich-Strasse 165. \Ta„ I Präsident Roosevelt iicll. Miss Alice Roosevelt. X e ii! Italienische Konzert- Kapelle jHumberto' a. Venedig. Ken! Der Boerenkrieg! Riesenmomentbilder aus dem Transvaal- Kriege, nach der Natur aufgenommen. num Unter den I.inden 68a. Eingang; Schndo« str. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: mr so pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, _ Reptilien etc._ CtNttl» WM. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Die Puppe. Operette in 3 Akten v. Audran. Abends 71/, Uhr: Das süjfe Mlsdvl. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Montag: Das süsse Mädel. IMia-l'keater. Dresdenerstraste 73/73. Nachmittags 3 Uhr, bei kleinen Preisen Alexandra. Drama in 4 Akten von R. Voß. Abends 7Vz Uf)n Seine Kleine. Große AuLstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten Paula Worin a. G., Guido Thielscher. Gerda Walde.„Hadw Sie nlcbt den kleinen Cohn gesehen?" Hilmerding, Paulmüller. Boje, Wannovinö Belle-Aliiance- Theater. Nachmittags 3 Uhr: Von Stufe zu Stufe.— Abends Uhr: Die Sinne uns Iromiiöe. Emil Sondermanu a. G. Ferd. WormS. Mizzi Birkner. Rosa Marion. Lebensbild in Hieraus: 1 Akt. Adele Hartwig u. Leopold Thurner a.G. CeL Weiss-Theater. Grosse Frankfnrterslr. 138. 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Durch meine langjährigen Erfahrungen ans dem Gebiete der Gastronomie und küüstlerilchen Ver- aiistaltiiiigen hoffe ich, daß auch hier mir Gelegenheit gegeben wird, den weitgehendsten Ansprüchen meiner hoch- geehrten Gäste, sowie Vereinen, Geioerlschafteii, Jnnungsverbändeii und Vereinigungen, selbst van größtem Um- sänge, nachzukommen und mich Ihre? geschätzten WohlivollcnS erfreuen zu können. 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Als Einleitung zu den G e m e i n d e r a t s- Wahlen findet Dicnstagadend 8Vs Uhr im„Cafs Bellevue" eine G c m e i n d e iv ä h l e r- V e r s a m m l n n g statt, in welcher Genosse R o s e n o lv über die kommunale Politik der Social- demokratie sprechen wird und auch die Aufstellung der Kan- didaten erfolgen soll. Die dritte Klasse hat im ersten Bezirk einen Hausbesitzer und im zweite» Bezirk einen Nichtangesessene» zu mahlen; beide Mandate befinden sich jetzt in Händen der Gegner. In Betracht kommt für unsre Partei besonders der zweite Bezirk; es wird hier der Anspannung aller Kräfte bedürfen, um den Bezirk zu erobern, da ein bedeutender Teil Wähler aus Beamten besteht. Von den Gegnern hat bis jetzt der Grnndbesitzer-Verein zur Wahl Stellung genommen, doch hat er seine Kandidatenliste noch nicht Der- öffentlicht, so dast eine bestimmte Stellungnahme jetzt noch nicht möglich ist. Die Parteigenossen mögen für zahlreichen Besuch der Versammlung Sorge tragen. In Zehlendorf finden die Wahlen zur Gemeinde« Vertretung am Dienstag. 11. März, nachmittags von ö— 8 Uhr, statt und zwar für den 1. Bezirk im Fürstenhof, für den 2. Bezirk im Kaiserhof. Im 2. Bezirk sind zivei Kandidaten zu tvählen. Wilmersdorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, dafi am Sonntag, den 9. März, eine Volksversammlung stattfindet, in welcher Reichstags-Abgcordneter Ledebour über die bevor- stehende Wahl sprechen wird. Aus diesen» Grunde fällt die am Mittivoch, den 5. März, tagende regelmäßige Vereinsversnmmlnng ans. Pankow. Je näher die G e m e i n d e w a h l e n heranrücken, um so empfindlicher scheint die O r t s p o l i z e i zu»verde». Nach- den» nian hier erst in der vorigen Woche eine Berfanimlung anf- gelöst hat,' ivurde auch am Donnerstag die Gemeindewählcr- Versammlung von den» gleichen Schicksal erreicht, iveil angeblich die Scha»kko>»zession nur bis 11 Uhr lautete. Nach den» mit Beifall anfge»o>»»menen Referat des Genossen R o s e n o>v schritt man zur Nominiernng der Kandidaten. Vorgeschlagen und einstimmig acceptiert»vurden die Genossen Georg Eich l er, Willy Kub ig und Georg F r e i>v a l d t als Nichtangesessene, Genosse C l c in e ii als Angesessener. Als hierauf Frciivaldt die hiesigen Vcrhält>»isse einer scharfen Kritik unterzog, erfolgte während seiner Ausführungen die Auflösung der Versammlung. Trotzdem diese Auflösungen für unS agitatorisch»virken, wird Beschwerde eingelegt werden. Fricdrichsfclde. Montagabend 8V2 Uhr findet für den Ortsteil K a r l s h 0 rst bei Knpsch eine V 0 l k s v e r s a n» n, l n n g statt, in der die A r b e i t e r k a n d i d a t e n zur Gemeindewahl bekannt gegeben werden und die Aufgabe der Socialdcmokratie in der Gemeindevertretung erörtert wird.' Berliner Partei-Angelegenheiien. lieber die politische Rechtlosigkeit der Frau spricht Montag- abend Reichstags-Abgeordneter Paul S i n g e r in einer bei Klicm in der Hasenheide stattfindende» Volksversammlung. Die Vertraucnsperson. Ter Wahlverein für dcu vierten Berliner Reichstags- Wahlkreis(Osten) hält an» Dienstagabend 8 Uhr Große Frank- fnrterstraße 117 eine Versanimlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Schriftstellers Georg Bernhard über»Das L i e b e s iv e r b e n u n» die Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Johannisthal. Dienstagabend 8i Uhr findet bei Mertins, Roonstr. 2, eine Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt._ Uolrerles. Schülcrschlachteu. Aus Charlottenburg Ivnrde dieser Tage geineldet, daß hier seit etlichen Wochen in einzelnen Straße» tagtäglich Schülerschlachtcn statt- finden, durch die gelegentlich geradezu der Straßenverkehr gehemmt lvorden sei. Auch über Vorkommnisse ähnlicher Art in Berlin gehen von Zeit z»l Zeit Nachrichten durch die Presse. Dabei lvird nieist hinzugefügt, daß diese Schlachten»nit großer Erbitterung durchgekämpft und daß zuweilen recht gefährliche Waffen, selbst das Messer, dazu benutzt»verde». Jene Eiferer, die sich so gern über das„Sündenbabel an der Spree" entrüste»,, pflegen an solche Mitteilungen die Bcuierknng zu knüpfen, da sehe»nan wieder,»vie die moderne Großstadt- jugend im n» er m e h r„v e r r 0 h e". Sollten sie»virklich ganz vergessen habe»,,»vie die Welt damals aussah, als sie selber jung »varen? Auch tvir freuen uns getviß nicht über die Schülerschlachten, auch wir sähen es lieber,»venu die Jugend ihre über- schäumende Kraft in andrer Weise bethätigte. Aber das Geschrei über die„Verrohung" der heutigen Jugend möchten wir deshalb doch nicht mitniachen. Die Schülerschlachtcn.sind mit»lichten eine Frucht der Neuzeit. Sie sind schon recht alt— so alt, daß man eher behaupten darf, sie seien eine häßliche Hinterlassenschaft aus den rohen Tagen der Vergangenheit. Im alten Berlin waren sie anscheinend kann» seltener als im neuen. Wenn man den Chroniken glauben darf, wurden sie damals auch mit»„indestens derselben Erbitterung ans- gefochten wie heute. Die Schülerschlachten beschräiikcn sich ferner keineswegs auf Berlin und andre Großstädte. Man findet sie ganz ähnlich auch in kleinen Städten— heute»vie vor Jahr- zehnten. Schreiber dieser Zeilen hat vor jetzt mehr als 25 Jahren in einem sonst recht friedlichen Gymnasialstädtchen der Provinz Brandenburg manche erbitterte Schülerschlacht erlebt, bei der mit- unter das Messer nicht anders als in Berlin seine böse Rolle spielte. Aus diesen Kämpfen läßt sich also wirklich nichts gegen die moderne Jugend oder gegen die Jugend der Großstadt herleiten. Man kann nun häufig auch die Behauptung hören, die Schüler- schlachten seien eine Frucht des Klassengegensatzes. Aber auch diese Erklärung. vermag vor den Thatsachen nicht zu bestehen. Die Schülerschlachten spielen sich zlvar oft, aber nicht immer nur zwischen höhere»« und niederen Lehranstalten ab. In Berlin. Ivo»vir. eine große Zahl höherer Lehranstalten haben, Ivo daher reichliche Gelegenheit zu entsprechenden Bcobach- tungen vorhanden ist, sind auch Schlachten, die nur von Schülern höherer Lehranstalten ausgekämpft»verde»», nicht ganz unbekannt— ebenso»vie andrerseits vielfach Gemeinde- schulen gegen Gemcindeschulen zu Felde ziehen. Es besteht hier »nanchinal zlvischen einzelnen Anstalten ein dauenider Kriegszustand, der zwar für geivöhnlich dem belvaffneten Frieden der europäischen Mächte gleicht. der aber—»vie dieser— nur des geringfügigste» Aiilasses bedarf, um sofort in offene Feindseligkeiten umzuschlagen. Bon dieser Art»var früher lange Zeit hindurch das Verhältnis zwischen dem Friedrich-Werderschen Gymnasium und dem Dorotheen- städtischen Realgymnasiuin. die in der Dorotheen- bezlv. Georgen- straße liegen und mit ihren Höfen zusanimenstoßen. Da gab es fast täglich auf den, Schulivege Reibereien, Rempeleien und Prügeleien. Möglicherweise ist es heute noch so. Aehnlich Unerfrcu- lich»varen oder sind noch die Beziehungen zwischen andern höheren Schulen, die nahe bei einander liegen. Heftiger als diese Zusammen- stötze»varen freilich die Kämpfe, die i n» a I t e n Berlin zlvischen den Schülern höherer Lehranstalten stattfanden. Das Gyinnasium zum grauen Kloster und das Joachimsthalische Gynasinn, lieferten einander in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts manche»viitende Straßenschlacht. Dabei ivurde selbst der Degen so hitzig und in einem Fall mit so betrübendem Erfolge benutzt, daß die hohe Obrigkeit sich genötigt sah, aufs strengste dagegen einzuschreiten. Zlvischen den G e n» e i n d e s ch u l e n bestehen heute vielfach ähnliche Spannungen. Sie äußer» ihre Wirkung bis hinab zu den eben erst schulpflichtig gelvordcnen Kindern der untersten Klaffen und ziehen s c l b st die Ruhigsten u n d H a r n» l 0 s e st e n in ihren Bann. Dem Schreiber dieser Zeilen passierte es vor ein paar Jahren, daß ihn» sein Sechsjähriger, ein sonst durchaus fried- liebender Junge,»venige Wochen nach seinen» Eintritt in die Ge- meindeschule niit der Mitteilung nach Hause kam, die ganze Klasse habe verabredet, sich am Nachmittag in einer bestimmten Straße einzufinden, nin sich niit den Jungen der be- nachbarten Genieindeschule zu„messen". Er ließ keinen Zweifel darüber, daß bei diesen Mcßversuchen, an denen er selber aus Corpsgeist teilzunehmen»vünschte, als Maßstab die F a u st benutzt»verde»» sollte. Die Entstehlliig solcher Spannungen, die sich manchmal»vie eine Art„ E r b f e i n d s ch a f t" dauernd erhalten, »vird dadurch begünstigt, daß sich die Schnlbevölkerung der einzelnen Geineindeschulen in» allgcineine»(»venn auch keineslvegs durch- gängig) nach Bezirken gegen einander abgrenzt. Was n» a» gegen dieSchülerschlachten thun soll? Wir fürchten, uiiter den heutigen Verhältnissen»vird sich nicht allzu- viel machen lassen. Besserung»väre zu erivarten,»venn d i e S ch» le sich in ehr dessen belvußt werden»vollte, daß sie auch erziehliche Aufgaben hat. Aber daniit hat eS vorläufig noch lange Wege. Der Stadtvcrordneten-Ausschilß zur Vorberatnng des Orts- statnts von» 7./19. März 1877 solvie über die Erhebung von Bei- trägen in Geinäßheit des Z 9 des Kommunalabgabcn- Gesetzes von» 14. Juli 1893, hat gestern beschlossen, der Stadtverordneten- Versannnlnng folgenden Gemeindebeschlnß vorziisck»lage»: 1. Zu den Kosten für Herstellung von Straßenverbreiterungen, Anlegung von Plätzen usiv., sofern dadurch ein neuer Verkehrsweg geschaffen lvird, für Herstellung von Brücken, Straßenüber- und Unterführungen eiiischlicßlub der hierzu erforderlichen Anrainpungen und Zugangs- »vege, haben diejenigen Grundeigentümer, denen hierdurch besondre »virtschaftliche Vorteile erivachsen, Beiträge zu leisten, die nach diesen Vorteilen zn ben, essen sind. 2. Diese Verpflichtung tritt nur ein, falls die in 1 erivähntcn Veranstaltungen von der Stadt- gemeinde im öffentlichen Interesse vorgenoinnien werden. Solche Veranstaltinigen, mit denen nach den» 1. April 1895 begonnen ist, die aber beim Inkrafttreten dieses Beschlusses noch nicht vollendet sind, unterliege», schon dieser Verpflichtnng. 3. Solveit anf Straßen oder Straßenteile das Gesetz von« 2. Juli 187ö und das darauf gegründete Ortsstalut Anivendnng findet, ist die Anivendung dieses Beschlusses ausgeschlossen. 4. Der Ilmfang der nach 1»nd 2 ein- tretenden Verpflichtung»vird in» Einzelfalle durch besondere Beschlüsse nach Maßgabe des§ 9 des Kvnnnunal-Abgaben-Gcsctzcs vom 14. Juli 1893 von den Gemeindebehörden festgestellt. Mehr Krankenhäuser sind nötig. Vor»venige»» Tagen»vollte ein aus den» Krankenhansc in Rixdorf entlassener italienischer Arbeiter seine südliche Heimat aufsuchen, nu» daselbst seine Gesundheit völlig zu kräftigen. Auf dem Anhalter Bahnhof brach der Aermste jedoch vor Schlväche znsaniinen. Seine Kameraden brachten ihn in einer Droschke zu einem Arzt und von da»vicder in das Nindorfer Kranken- haus. Hier»vics man aber den Kranke» zurück,»vcil kein Platz für ihn frei»var. Man fuhr nach dem Polizeiburea», der Polizeilicutenant bemühte sich persönlich um die Nnterbringnng desLcidenden imKranken- hause, jedoch ohne Erfolg. Nachdem so drei Stunden vergangen»varen, fand der Kranke Aufnahme im Nixdorfer Armen hause, »velches natürlich für Kranke nicht eingerichtet und daher nur ein mangelhafter Aufenthaltsort für solche ist. Erst nach mehreren Tagen gelaug es, den Kranken in einer Berliner Anstalt unterzubringen. Ein andrer Fall: Ein i» Berlin»vohnender Arbeiter, der bei der R i x d 0 r f e r O r t s- K r a n k e» k a s s e versichert ist, erkrankte kürzlich und ivnrde von dcrKasse dem Krankenhause am Friedrichs- Hain iiberlviesen, nachdem sich der Kranke vorher durch Anfrage vergeivisscrt hatte, daß in den» genannte» Krankenhanse Platz sei. Trotzdem ivnrde der Kranke hier zurückgewiesen, Iveil er einer Rix- dorfer Krankenkasse angehört. Also in Rixdorf ist das Krankenhaus gefüllt, so daß Anknahmc- suchende abgelviesen»verde»» müssen,»nid da es auch in den Berliner Krankenhäusern in der Regel nicht anders ist, so verschließen sie ihre Pforten den» Berliner Einivohner, der Mitglied der Krankenkasse eines Vorortes ist. Aber trotz dieses notorischen Notstandes in der Krankenfürsorge beeilt man sich nicht»nit dem Bau»euer Kranken- Häuser. Die Stadt Nixdorf, die bei mehr als 90 009 Einwohnern nur etlva 100 Plätze im Krankcnhause hat, sollte ganz besonders in dieser Hinsicht ihrer Pflicht eingedenk sein und endlich den Bau eines der Größe der Einivohnerzahl entsprechenden Krankenhauses in Angriff nehmen. In der gegenlväriigcn Zeit»väre dies»och deshalb besonders zu empschlc»,»vcil dadurch Arbeitsgelegenheit, an der cS jetzt sehr mangelt, geschaffen lvird. Städtische Schulen und Bersaininlunge». Die Hergäbe einer städtischen Schule für die Zivcckc der Gesundbeterei hat bekanntlich in der Stadtverordneten- Versammlung zu Erörterungen geführt. Jetzt hat der Magistrat,»vie daö„B. T." hört, folgenden Erlaß an die Direktoren der städtischen Gyinnnsien, Realgynmnsien, Ober- Realschulen und Realschulen beschlossen: „Die Aulen der höheren Lehranstalten sind zunächst für lv i s s e n- s ch a f t l i ch e Zivccke bestimmt, können also unbedenklich allen solchen Veranstaltinigen überlassen»verde»», welche den Zweck habci»„ die Wissenschaft zn fördern und Bildung zn verbreiten. Hingegen sind sie allen Unternehmungen zu verschließen, die ungesetzlich oder unsittlich oder aber lediglich auf Geivinn ge- richtet sind. Anf den, dazlvischcn liegenden ne,ltralen Gebiete bleibt es dem Takt der Direktoren anheiingcgeben, in jedem einzelne» Fall geivissenhaft z» prüfen, ob daS in Frage stehende Unteriiehnie»» der Unterstützung durch Hergäbe von städtischen Schulränmen»vürdig ist. Was dann»veilerhin die Ueberwachnng der gcnchniigten Ver- anstaltnngen betrifft, so können»vir die Direktoren von der Auf- ficht nicht ganz entbinden, ohne ihnen dar»»»» de», Besuch der einzelnen Veranstaltungen znr Pflicht zu machen; insbesondere bitten»vir die Direktoren, bei denjenigen Unternehnuingen, gegen deren Gcnehinigung anfangs Bedenken vorlagen, anfmcrksan» darüber zu Iva che», ob dieselben etiva in, Laufe der Zeit einen Charakter annehmen, der unsre» Erlvartungen»viderspricht, und in diesem Fall an uns zu berichten." Bei loyaler Handhabung dieses Erlasses müßten die Schnlräume auch allen politischen Vereinen zu Bersaminlunge» offen stehen, so- weit die Versaminlimgen sich iin Rahmen der hier mitgeteilten Be- stininiungen halten. Die Größe des in Berlin«nd seinen Bororte» herrschenden Elends ist aus einer von der O r t s- K r a», k e 1» k a s s e für den Betrieb der K a n f l e u t e und Apotheker in Berlin aufgenoinmenen Enquete mit erschreckender Deutlichkeit zu erkennen. Parteigenoffe A. Kohn erlvähnte dieser Aufnahme in einein von ihin in Lichten- b e rg gehaltenen Vortrage und gab die anf diesen Vorort bezüglichen Zahlen bekannt. Es Ivurde danach durch die Enquete festgestellt, daß in Lichtenberg unter 637 krankgcnieldeten Mitgliedern 31»„ännliche und 28»veibliche Personen sind, die kein eigenes Bett besitzen, sondern trotz der Krankheit ihr Bett„,it Familienangehörigen teilen»nüssen; 10»veibliche und 8 männliche Personen aber haben überhaupt kein Bett als Lagerstätte. Die Veröfsentlichimg des Gcsamtrcsnltats dieser Enquete soll in nächster Zeit erfolgen. Der cuipfindliche Professor. In der gestrigen Vorlesung machte Prof. S ch i e m a n n, bei dem bekanntlich in» Dezember v. I. die Polendemonstration stattfand, seinen Zuhörern folgende Mit- teilnug: Ich habe mich während»reiner Vorlesung über die polnische Frage des 19. Jahrhunderts iininer befleißigt, sachlich und unparteiisch die Ereignisse vorzutragen. Nichlsdeftolveniger bin ich»vährend des ganzen Semesters und vornehmlich in den. letzten Wochen von polnischen a n 0 n y n» e 11 S ch n» ä h b r i e f e n f ö r n» l i ch überschüttet lv 0 r d e 11. Ich wünsche, daß unsre Polen, die stets über die preußische Barbarei schimpfen, einmal auf»nr ein halbes Jahr die Zustände in Russisch-Poleu in Angenschei» nehmen möchten. Der Herr Professor nluß ein recht empfindlicher Herr sein. Wir hätten viel zu thun,»venu»vir»ms»»»» alle anonymen Schmähbriefe kümmern»vollte», die uns von dummen Jungen zugehen. Für das im Auftrage des Ministeriums des Innern heraus« zugebende amtliche Bcrichtsiverk der Internationalen Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungslvesen Berlin 1901 sind die Vor- arbeiten im»vesentlichen beendet. Die unter Vorsitz des Geheimen Ober-Rcgiernngsrats und vortragenden Rats in« Ministerin»»» des Innern, Dr. Maubach, tagende Redaktionskommission, deren Arbeits- ausschnß von dem Dirigenten iin kgl. Polizeipräsidinn», Ober- Regiernngsrat Dr. Kautz geleitet wird, hat etiva 40 Fachberichterstatter für die Ausarbeitimg der einzelnen Abschnitte und Unterabschnitte verpflichtet, in die das Berichtswerk in» Anschluß an die Gruppen- und Untergruppen-Einteilung zerfällt. Ebenso ruht die Abfassung der allgelneincn»nid der Grnppcneinleitungen in den Händen erprobter Fachleute. In Rlnidschreiben sind die Aussteller ersucht lvorden, kurze Beschreibungen der von ihnen ausgestellten Gegenstände für das Berichtslverk einzureichen. Aussteller, die den» Ersuche», bisher nicht nachgekoinnien sind bezlv. nicht noch in den allernächste», Tagen die Beschreibung an das Bureau der Ausstellung. Berlin L'W., Lindenstr. 41, einsenden,»verde» es sich selbst zuzuschreiben haben, »venu sie später mit der Berichterstattung Über ihre Ausstelllings- gegenstände nicht zufrieden find. Nachspiel znm Prozeß Falkenhage». Die Berliner Wochen- schrift„Der Reporter", ein Scnsationsblatt ordinärster Sorte, brachte in einer ihrer letzten Nninmern die Verhaftung Falkenhagens in» Bilde. Falkenhagen»vird da veranschaulicht,»vie er im Kreise von Dirnen Chanipngner schien, int, ein Kriminalbeamter eintritt und ihn für verhaftet erklärt. Die Sccne ist ein Phantasiestück der Wochen- schrift. Falkenhagen hat nunmehr durch seinen Rcchtsbeistand, RechtsaMvalt St. in Hannover, Klage gegen das Blatt erhoben. Für 75 000 Mark Brillanten gestohlen. Die Rentneri» H. in der von der Haydtstr. 2 ging Freitagabend um 7 Uhr ans und ließ ihr Dienstniädchcii allein in der Wohnung. Als sie später zurück- kehrte, fiel ihr nichts anf. Erst gestern morgen sah sie, daß an einem dreiteilige» Garderobenspind der rechte Teil erbrochen»nd seines Inhalts teiliveise beraubt war. Es fehlten für 75000 M. Brillanten. Der Dieb ist verniutlich ein Mann, der zlvischen 7 und 8 Uhr das Hans abgebettelt hat. Dienst», ädchen im 2. und 3. Stock, die ihn fragten, wie er denn hineingekommen sei, antlvortcte er, die Haus- thür habe aufgestanden. Das bestreitet jedoch der Pförtner entschieden. Man hat eS wahrscheinlich mit einen» gelverbsmäßigen Einbrecher zu thun, der die Hausthür in Ablvesenheit des Pförtners niit einem Dietrich öffnete, ebenso in die H.sche Wohnung gelangte und das Spind mit einem Stemmeisen erbrach. Da er einen großen Teil der Schmucksachen, ungefähr auch noch für 75 000 M. hat liegen lasse», so scheint er durch igend ein Geräusch des Dienstmädchens gestört worden zu sein. Der Bettler ist ein Mann von etwa 30 bis 40 Jahren, 1,78 Meter groß, schlank, mit dunklem Haar. Er trug n. a. eine graue Joppe. Die polizeiliche«nd bautechnische Untersuchung über den Einsturz der Retorte nöfe n auf der st ä d t i s ch e n G a s- a n st a l t in der Danzigerstraße hat, wie offiziös gemeldet lvird, bis jetzt ergeben, daß ein Verschnlden der Bauleitung nicht vorliegt. Die Retorten waren aus Chamottcmaterial mit dem besten Binde- Material, Ccment, hergestellt, und erfahrungsgeinäß sind solche Bantcn höchst widerstandsfähig und fest. Ein Einsturz derselben ge- hört zn den Seltenheiten. Der Arbeiter Schn»idt ist seinen Ver- lctznngen leider erlegen. Der Polizeipräsident giebt folgendes bekannt: Hiermit bringe ich znr öffentlichen Kenntnis, daß ich an Stelle des Direktors Rein- hold Leßhafft den Direktor Moritz Lazarus hierselbst. Lessing- straße 22. zum Mitglied der Marktkomniission des SpecialmarkteS für Waren in Berlin ernannt habe. Beim GlaS Bier von» Tode überrascht Ivurde gestern abend nach 10 Uhr der 65 Jahre alte, ans Mannheim gebürtige Blich- Händler Ortlvin Salm aus der Solmsstraße in»„Friedrichshof" an der Ecke der Friedrich- und Kochstraße. Der alte Herr sank plötzlich an» Tisch zusammcn. Ein Schutzmann brachte ihn nach der Unfall- station in der Wilhelmstrabc. der Kranke starb aber schon anf dem Wege dahin. Todesursache ivar»vahrscheinlich ein Herzschlag. Ein schwerer Baunnfall ereignete sich gestern anf einen» Neu- bau in der Thornerstraße. Mehrere mit Stcilien beladene Stein- träger stiegen in der üblichen Weise eine Leiter hinauf, als die Last des vorderen Trägers plötzlich ins Wanken geriet, auf den nach- folgende» Arbeiter Adolf Rauter aus Wilmersdorf hinabstürzte und diesen von der Leiter hcrablvarf. Dort blieb er besinnniigslos liegen, da seine Schädeldecke durch herabfallende Steine verletzt ivar. In den» Krankcnhause, lvohiu er gebracht ivurde, liegt er hoffnungs- los darnieder. Einer sBaude von Flatterfahrern scheint die Charlotten- bnrger Kriniinalpolizei auf die Spur gekommen zu sein, lvelche, lvie bercils kurz mitgeteilt, gestern den jungen Ehemanl». Klempncr Timpe,- Landsbergerstr. 65 hierselbst lvvhnhaft, verhaftete. Am Donnerstag ivurde an» Bahnhof Zoologischer Garten ein bei einem Bodendiebstahl beteiligt gclvciencr Mann fcsigenomnien, der sich den Nanien Oskar Schneider beilegte, jedoch durch das Bertillonsche Meßverfahren als der bereits mit Zuchthans vorbestrafte Tgpezier OSkar Schneiden dach erkannt ivnrde. Bei einer in seiner Wohnung Ranpachstr. 7 vorgenommenen HailSsnchung wurden eine Menge ans Bodendiebstählen herrührende Gegenstände vorgefnndcn und' bcschlagnahnit. Der Verhaftete verweigert die Nennung seiner Compliccn, bat jedoch, daß man ihn nach Berlin bringe, iveil er bei seinen» Freund Timpe, welcher die Hochzeit be- gehe, als Trauzeuge fnngicren müsse. Diesem Wunsche ivurde natürlich nicht stattgegeben, dagegen erkundigte sich die Behörde genauer nach den» erlvähnte» T.»nd stellte fest, daß dieser bereits wegen Diebstahl vorbestraft und eine Coniplice des Schneidenbach sei. Daraufhin erfolgte an» Freitagmorgen seine Verhaftung und bei dieser Gelegenheit wurde ein förmliches Warenlager von Wäsche, Kleidungsstücken, Wertgegeliftänden usw., lvelche ans Diebstählen herrühren, beschlagnahmt. Mit Timpe ivnrde dessen junge Frau und ein Mann Namens Scheller. der in der Wohnung lveilte, festgenommen. Allen» Anschein nach haben Timpe und Schncidenbach gemeinsam mit verschiedenen, noch nicht ermittelten Personen bei Diebstählen, die besonders auf Charlottenburger Gebiet ausgeführt »vurden,„gearbeitet", und es dürften noch weitere Verhaftungen erfolgen. Eine« tödlichen AnSgang hat wieder ein StrafeeMahlinnfall i(teuoiumen. Der 72 Jahre alte Schuhmacher Karl Frick aus der Beruauerstr. 112, besuchte heute sSonntag) vor acht Tagen mit seiner «9 Jahre alten Frau seinen Schwiegersohn in der Buttmannstraße. Aus dem Heimwege wollten die alten Leute die Straßenbahn benutzen und an der Ecke der Buttniann- und Badstraße aufsteigen. Wahrend die Frau schon die Plattform erreicht hatte, stand Frick auf dem Trittbrett. Nun rückte der Wagen plötzlich an, und der Greis fiel rücklings auf die Straße. Obwohl er mit dem Hinterkopf auf das Pflaster aufschlug, schien er sich doch nicht erheblich verletzt zu haben, so daß das Ehepaar mit einer Droschke nach Hause fuhr. Hier ver- schlimmerte sich der Znstand des Verunglückten bald so sehr, daß man ihn noch in derselben Nacht in ein Krankenhaus überführen mußte. Die Aerzte stellten einen Schädelbruch mit Gehirnblutung fest und konnten den Verunglückten nicht mehr retten. Seine Leiche wurde auf Veranlassung der Staatsainvallschaft zur gerichtsärztlichen Oeffnung beschlagnahnrt. Alt-BerlinischeS. Die letzte Sitzung der„Brandenburgia" brachte mancherlei Interessantes. Knstos Bnchholtz berichtete über den letzten Rest der aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammenden Stadtmauer, der erst vor wenigen Wochen beseitigt ivorden ist, und zwar bei dem Bau der Turnhalle des Klostergymnasiums. Die älteste Berliner Stadtmauer, die etwa 1230 errichtet worden ist, folgte in gerader Linie dem Zuge der Klvstcrstraße. Als 1271 die Grauen Brüder mit dem Bau der Klosterkirche begannen, nahmen sie auf die Stadtniauer Rücksicht und schnitten den hohen Chor gradlinig ab. Als 1345 dieser hohe Chor erivcitert und ein aus sieben Seiten eines Zehnecks gebildeter Chorschluß angesetzt wurde, mußte ein Teil der Mauer abgebrochen und eine neue Mauer in drei Absätzen um den Chorschluß herumgeführt werden. Dieser Teil der Mauer ist es, der sich bis jetzt erhalten hatte.— Wie sodann mitgeteilt wurde, ist dem Märkischen Museum ein sehr„gewichtiges" Geschenk angeboten worden. Es ist dies ein Gipsblock von 200 Centner Schivcre aus den Sperenberger Gipslagern. Er zeigt zahlreiche Strndellöcher, fischreusenähnliche Ausspülungen aus der Glesicherzeit. Sollte sich der Transport des Blockes nach Berlin und seine Aufstellung im Garten des neue» Märkischen Museums ohne allzu große Kosten und Mühen ermöglichen lassen, so würde das Museum damit eine sehr interessante Sehenswürdigkeit erhalten. Ein origineller Fund, der neuerdings bei Neubauten in der Seestraße aus 2 Meter Tiefe herausgeholt ist, konnte von Geh. Rat Friede! vorgelegt Iverden, ein Doppel- st e m p e l in Stein, der auf der einen Seite das Wappen der niecklenburgischen Stadt Fricdland, die 1244 begründet ist und 1247 von dem Markgrafen von Brandenburg das Steudalsche Recht er- hielt, und auf der andren Seite das Wappen eines württcm bergischen Herzogs trägt. Im Anschluß an einen neuen Silber- f u n d. der bei Wachow gemacht ist, äußerte sich Dr. Bahrfeldt über die Berechtigung des Namens„Wendenpfennige" für die aus dem zehilten Jahrhundert stammenden Münzen mit dem eigentüm- lich hochgebogenen scharfen Rand auf beiden Seiten, die Vorzugs- weise in der Wcndengcgend der Mark gefunden werden. Wie der Redner darlegte, handelt es sich bei diesen Münzen nicht um solche wendischer Prägung, es sind vielinehr Sachsenpfennige, wie sie seit 970 in Magdeburg, Merseburg, vor allein aber in Goslar aus dem Silber des RammelSberges geschlagen sind. Die wendische Prägung setzt erst ein nach 1157, d. h. nach der Christianisierung der Wenden, wie denn überhaupt ini ganzen nördlichen Europa die Münzprägung immer erst nach Annahme des Christentums ausgeübt wordcii ist. Die Wenden standen im 10. Jahrhundert noch auf der Stufe des Hacksilbers. Zwei große Brände beschäftigten am Sonnabend die zlveite Compagnie in der Wallnertheaterstr. 19 rmd Brombergerstr. 14/15. Hier stand ein Kohlenplatz in Flammen und dort ein Keller. Dieser stand mittags in großer Ausdehnung in Flammen. Sie hatten reiche Nahrung gefunden und bei� Ankunft der Feuerwehr schon die Decke zum Erdgeschoß durchgefressen. In einem Zimmer desselben brannten schon Möbel und andres. Um die Flammen, die von allen Seiten mächtig emporloderten, an iveitcrer Ausdehnung zu verhindern, ließ Braudinspektor Dransfeld mit allen verfügbaren Kräften angreifen und mit vier Schlanckileitungen kräftig Wasicr geben, so daß der Keller bald unter Wasser stand. Dieses wurde zum Teil nachher wieder entfernt. Der Schaden am Hause ist be- deutend. Auf dem Kohlenplatz hatten sich Preßkohlen entzündet, wodurch der Brand entstanden war, zu dessen Löschung ebenfalls große Wassermengen erforderlich waren. Die Feuerlvehr hatte an beiden Brandstellen längere Zeit zu thun. Fenerbcricht. In den letzten 24 Stunden hatte die Wehr wenig zn thun. Nach der Brombergerstr. 14/15 wurde sie Sonnabendfrüh 8 Uhr genifen, weil sich hier ein Posten Preßkohlen entzündet hatten. Freitagabend kurz nach 10 Uhr erfolgte ein Alarm von der Kaserne des 4. Garderegiments in der Rathenowerstraße. Es handelte sich jedoch lediglich' um einen Schornsteinbrand, weshalb die Löschzüge sofort lvieder abrücken konnten. Gleichzeitig mußte in der Miinche- bcrgerstr. 23 ein Brand abgelöscht werde», der Hobelspähne in einer Küche ergriffen hatte. Außerdem war nachinittags»och eine Alar- mierung von der Jnvnlidenstr. 10 zu verzeichne». Hier ivar auf dem Hofe der Inhalt eines Müllkastens in Brand geraten. Arbeiter-BilduugSschule. Heute abend 7 Uhr: Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über:„Die heutige Ein- kowmenSbewegung und die Aufgaben der Volkswirtschaft."— Sonntag, den 16. März 1902: Dichter-Abend(sociale Dichter) im großen Saale des Gewerkschaftshauses. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ei» Der Vorstand. Treptow- Sternwarte. Die VenuS ist schnell wieder auS den Sonnenstrahlen nach Westen gewandert und steht am Sonntag, den 2. März, schon 23 o westlich von der Sonne, sie ist daher nur als Morgenstern sichtbar. Im Treptower Fernrohr wird sie schon nachmittags von 2 Uhr an gezeigt und bietet bis zu ihrem Untergange einen glanzvollen, interessanten Anblick. Sonntaanachmittag 5 Uhr spricht Direktor A r ch e n h o l d über einen„Aus- fing in die Stemenwelt". AuS de» Nachbarorten. Die Gemcindcbcrtretnng zn Pankow beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Er- richtung eines Ge Werbegerichts. Aus den» beschlossenen Statut' ist hervorzuheben, daß die Zahl der Beisitzer 18 betragen soll; sie werden auf sechs Jahre gewählt. Alle zwei Jahre scheidet ein Drittel der Beisitzer aus. ES wurde festgelegt, daß von den Heimarbeitern nur diejenigen als Arbeitgeber anzusehen sind, die ihr Gewerbe angemeldet haben und zu den Kranken- und Invaliden- beitrügen beisteuern. Die Wahlzeit für Arbeitnehmer ist auf die Stunden von 6 bis 9 Uhr abends festgelegt, die Wählerlisten liegen auch Sonntags aus. Als Entschädigung sind 3 M. pro Sitzung festgesetzt, beantragt ivurden 5 M. Somit bezahlt Pankow von allen in Betracht kommenden Vororten die niedrigste Entschädigung. I» Fricdrichöfelde beschloß die Gemeindevertretung, die Petition der G e m e i n d e b e a m t e n um Gewährung von Wohn»in gS- g e I d abzulehnen und dafür den Beamten eine kleine Gehalts- aufbesserung zukommen zu lassen. Das AnfangSgehalt der Sekretäre wurde von 1600 auf 1700 Mark erhöht, das der Unter- beamten von 1200 auf 1850 Mark.— Im Karlshorster, sowie im Friednchsfelder Ortsteil soll eine Turnhalle errichtet werden.— Die Geineinde will den Salzmannschen Garten für 10 000 Mark ankaufen. Damit wird das Verkehrshindenns in der Wilhelmstraße beseitigt, sowie eine öffentliche Anlage geschaffen.— Bei der K r ei s s p a r k a s s e sollen 109 000 Mark als Anleihe zu 4 Proz. Zinsen aufgenommen werden. Tcmpclhof. Die Gemeindevertretung hatte sich am Donnerstag abennals niit der Angelegenheit der Berliner Straßenba hjn zu beschäftigen. Bekanntlich sollte die Gemeinde ans Fertigstellung der Linie Lankivitz-Linkstraße auf sieben Jahre Verzicht leisten. während die Vertretung in vorletzter Sitzring beschloß, drei Jahre zu warten. Dieser Tage fand nun zwischen den Gemeindevorstehern von Tcmpelhof und' Laiikwitz und der Direktion der Straßenbahn eine Besprechung statt. Ein Regiernugsvertreter suchte zu vermittel» und schlug vor, die Linie in fünf Jahren herzustellen,»vofür dann in den Mvrgen- und Nachmittagsstunden der 6 Minutcnverkehr auf der Strecke Tempelhof-Bchrenstraße von der Direktion zugesichert wurde. Auf Vorschlag der Straßenbau-Konunission. welche sich mit der Frage" beschäftigt hatte, bleibt aber der Gemeiuderat auf seinen an, 10. Februar d. I. gefaßten Beschluß bestehen.— Die erste Lesung des Voranschlages des G e m e i n d e- E t a t s. der in Einnahme und Ausgabe mit 305 300 M. balanciert, zeitigte gar keine Debatte. NurnmelSbnrg. Die Gcmeindevertretnng beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst mit der Feststellung des Etats für das laufende Jahr. Ei» Antrag der Etatskommission, die Gehälter der kommunalen Beamten um etwa 10 Proz. zu erhöhen, lvurde einstimmig angenommen, dafür sollen aber die Weihnachtsgratifi- kationen und die Bezahlung der Ueberstunden ivegfallen. Der Gc- sanitetat balanciert in Einnähme und Ausgabe mit 936 593 M. Als Einnahmen sind he»r>orzuhebcn 323 605 M. direkte Steuern, 38 500 M. indirekte Stenern, 95 350 M. Einnahme vom Wasser- werk jc. Die hauptsächlichsten Ausgaben sind Gehälter 88 000 M., Armen- und Waisenpflege 33455 M., evangelische Schule 174205 M., katholische Schule 40 400 M.. Fortbildungsschule 9000 M.. höhere Knaben- und Töchterschule 5570 M., Wasseriverk und Kanalisation 160 000 M. Der Konnnunalzuschlag zur Staats-Eiukonnneusteiier wird auch im lanfeude» Jahre 160 Proz. betragen, der zur Betriebssteuer 100 Proz. Die Grnndivert-Steuer ist auf 3 pro 1000 festgesetzt. Ein Antrag der F r i e d h o f s- K o ,n m i s s i o n, die Grabstcllen in fünf Klassen einzuteilen und einen erhöhten Gebührentarif ein- zuführen, fand lebhaften Widerspruch, besonders bei nnsenn Genossen Ritter. Es soll zur- nächsten Sitzung ein specialisierter Entwurf vor- gelegt iverden. Die Verpachtung des W o ch e n m a r k t e s auf weitere drei Jahre für eine jährliche Pacht von 1000 M.(bisher 500 M.) wurde genehmigt._ Vevmis-fszkes- „Staatliche Gehciuiuiittcl". Vor uns liegt— so schreibt die„Magdeb. Ztg."— die Umhüllung der Em s e r K r ä n ch e n- Pastille» der kiinigl. preußische» Badeverlvaltuttg zu Bad EiuS. Danach ist der Gebrauch der Pastillen besonders hilfreich, nicht nur bei allen Katarrhen der Atmungsorgane. sondern auch bei Störungen des Magen- und Darnikanals. Bei Magendruck und Magenkrampf. Skropheln, Hämorrhoide»», Gicht, Nieren- und Harnblaiengries. Es wird besonders hervorgehoben, daß man bei chronischen Fällen den Gebrauch der Pastillen längere Zeit fortsetzen muß, wenn man eine» dauernden Erfolges sicher sein will. Jede Schachtel trägt die Au»- schrift„Staats-Koirtrolle" und daniit auch daS Ausland genügend beglückt werden kann: Controls de l'Etat. In politischen und Fnrb- Zeitschriften wurde unwidersprochen die Mitteilung gemacht, daß alt- bewährte Haus- und Volksmittel, wie Ilräuterthee.»Lchweizcr-Pilleir. Kau-Pastillen, Kräuterhonig, Kränterlvein zc., Mittel,»velche 60 Pf. bis 1 M. kosten, auf die Geheinunittel-Listen gesetzt worden find. Nicht aber, weil ihr Preis ein zn hoher ist, sonder»» weil ihre Verfertiger bei der Reklame den Mund zu voll genommen haben. Die Schachtel Emser Pastillen der König- lich preußischen Bade- und Brunnenverwaltnng, welche gegen so viel Krankheiten, wie beispielsweise gegen Gicht, helfen sollen, kostet 75 Pfennige. Ihr Herstellungspreis dürfte nach Sachverständigemirtcil nicht mehr als 2 b i s 3 P f e n n i g e betragen. Mit Recht beklagen sich deshalb die Fabrikanten der geächtete» Mittel, daß bei Aufstellung der Liste» nicht objektiv genug vorgegangen ist. Diesem Beispiel nach, nach ivclchem die mit großem Tamtam eingeführten Mittel nicht in die Listen aufgenommen sind, lassen sich wohl 1000 anführen,»veshalb sollen gerade 100 Leute herausgegriffen werden. Schon diese eine Erwähnung genügt, un» die Unhaltbarkeit der Aufstellung der Geheimmittellisten ohne Anhörung der Beteiligten und ohne richterliches Verfahren dar- zuthun. Oder' soll der Fiskus etiva noch nachttäglich auf die Listen gesetzt werden? Ei» grästlicheS Grubenunglück wird aus Nordamerika ge- meldet: Bei T e l l u r i d e(Colorado) sind das Schlachthaus und andre Gebäude der Grube„Liberty Bell" durch eine Lawine in eine Gebirgsschlucht hinabgerissen worden. Von den hierbei veruuglücklen Menschen sind bereits 39 als Leichen geborgen; während der Rettungsarbeiten ging eine zlveite Lawine nieder, welche 40 von den NettungSniannschafte»» unter sich begrilb. Nach emer späteren Meldung beträgt die Zahl der unis Leben gekommenen Arbeiter 75. Briefkasten der Redaktion. Krebs. Die Sonne drebt sich in etwa 25 Tagen eimnal um sich selbst. — Ad. I. 3V. Geschliffen ist richtiger, weil die Bemerkung angeben soll, »oas geschehen ist,»»icht was geschieht.— K. 41.— Strafbar sind Sie nicht. Wenn Sie die Flaschen in» Schaufenster stehe»» laffen, wiewohl Sie volle Konzession nicht haben, so setzen Sie sich aber genauerer Kontrolle aus.— R. H. 43, Erben des Stiefvaters sind dessen WiNve und dessen Kind, also nicht die Kinder des erste» ManncS.— Reinickendorf. 1. Soviel uuS bekannt, 3 Bataillone mit je 4 Compaguien. 2. Reinickendorf wies bei der Volkszähliliig von I. Dezeinber 1900 14 72S Einwohner auf.— M. John. Eine Rcchtspflicht der Geschlvister zur gegeuseitige» Unterstütziinq besteht»icht, lediglich eine moralische, nicht durch Klage erzivingbare Pflicht. — H. P. 14. 1. Nein. 2. Sie lehnen Zahlung ab. 3. Der Besuch des Kassenbeamten bettifft lediglich den Rechtsstreit Mischen der Kasse und der Jiivaliden-Vcrsicherungsailstalt. Letzterer steht ein Anspruch auf diejenigen Krankenkassengelder zu, die Ihnen zustehen würden. Ii» viele», Fällen, so wohl auch in dem Ihrigen, steht aber der Anstalt deshalb ein Recht nicht zu,»veil der dort Aufgeliomniene»icht arbeitsuusähig im Sinne des Kroiilcnkassen-Gesetzes war, sondern zur Berhülung des Eiutritts der Arbeitsunfähigkeit ausgelioiiimei» ist, um von diesem Zeilpunkt ab die Zahlungspslicht der Kasse der Jnvalidenversicherungs-Anstalt gegenüber an- zuerkennen.— L. K. 31. 1. An die Waisendirektion. 2. Schoeiilank starb am 30. Oktober 1901.— Z. B. Bor der Wiederverheirawiig müssen Sie eine Ausciiiaiidersetzimg mit Ihren Kindern vornehmen. Dieser Antrag auf Erteilung emcs Aiiseinniidcrsetzuiigbscheiiis ist a» das Amtsgericht z»» richte». Ein Beispiel finden Sie S. 224 Nr 19 des dem..Arbeitcrrecht' beigcsügte» Führers. Das Blich liegt in den vssenilichen Lesehalle»» aus. — Alter Abonnent. Wege» geringsügiger körperlicher Fehler zurückgestellt. — Ch. P. Bis zum Betrage von einer Mark.— Schönhonsen. Nein. — F.®. Nein. Sie kSmien aber von dem Jubilämn dem Magistrat Mit- teilung machen.— B. T. Eine Klage hätte mir gegen den Wirt Aussicht aus Erfolg. Sie müssen jedoch beweise», daß die Rechnung irrtümlich und zu unrecht bezahlt ist.— P. H. Das Ihnen gegebene Versprechen ist rechtS- gültig. Sie tonnen aus demselben Rechte»icht herleiten. Erbberechtigt sind »eben dem Ehegatten des Verstorbenen in erster Reihe die Kinder oder Kindcskindcr. sind solche nicht vorhanden, dann in zweiter Reihe die Elteni, sind auch diese»icht mehr oder mir einer von ihiieu am Leben, so erben die Geschwister und Geschwisterkinder, in dritter Reihe, wenn also weder Kinder, noch Eltern, noch Geschwister oder i�eschwisterkiiider am Leben sind, erben die Grobeltern und deren Abkönimlinge. A.(S. Britz. Nein. «Itieriiugsüberslcht vai» 1. März«908. morgens 8«Ihr. Stationen |i h e mmemde Hamburg Nerii» Frantf.M. M buch Ii Wien e 2 8? 756 O 754O 754 O 752 Still 753 O 754 SSO Wetter 1 bedeckt Lbedeckt 2, bedeckt — Regen Lheitcr Isivollig i4E B< O. II 1 IS Stationen 1 Haparanda 5 Petersburg 3Eork 6-Aberde«» SParii 7 761 SW 763 SO 748,3 752NNO Wetter 2 bedeckt bedeckt bhlb.bed. ivolkig s« l'"- 5-S W3. -5 -3 8 Kvetler-Prognose für Sonntag, de» 8. März«908. Ziemlich kühl und veränderlich, vonoiegend trübe mit Niederschlägen und mäblgcn nordSstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WARENHAUS A. WERTHEIM Montag, Dienstag, Mittwoch: Leipzigerstr. 132—135(Versand-Abteilung). Rosenthalerstr. 27—29.— Oranienstr. 52—56. Cxfrci-Preise kür Kleider-Stoffe Kleingemust. Stoff«».33». Reinwoll. Beige™",";*«.75™ Reinwoll. Beige"c-S"«, 85m Reinwoll. Beige«.,1.10«-. Reinwoll. Krepp«*85». 55 p. Waschseide«...95». Japan. Waschseide 1.45 aschseide mit eingewebten türkischen Streifen Mtr. 1.39 Mk. Cheviot ir'L": 35-1.10 Mk. ca. 110 cm breit Mir. 1.70 Mk. Kleinkar. Stoff Blusenstoffe 1«., Blusenstoffe 1.30«-. 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Tages-Ordnung: 1. Bortrag beS Schriftstellers©eorg Bernhard über:»Das LieVeSwerben um die Arbeiter". t. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Um zahlreichen Besuch ersucht 242/10« Der Vorstand. Achtung:"MH WF Achtung! Dienstag, 4. März, abends 9 Uhr, in Puhlmanns Bandeville- Theater, Schönhauser Allee 148: MoMsversammtung Tages-Ordnung: 1. Bortrag beS Stadtverordneten Genosse» Adoir Hoffmann über:»Die logischen Gesundbeter und ihre unlogischen Gegner". 2. Diskussion.— Um zahlreiche Beteiligung ersucht 91Sb _ Der BertranenSmann: Karl Wünsch. Vei'ein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 5. März, abends 8 Uhr, bei Cohn, Beiithstr. 20: Außerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des AuSschufies und Wahl desselben. 2. Bericht der Delegierien von der 12. Konferenz der Maurer Deutschlands. 3. Wahl der Fünfer-Koinmission. 4. Bericht des Kartell-Delegierten und Wahl desselben. b. Verschiedenes. ÜM" Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast."VG Der Torstand. Central-Verband der Maurer etc. Zweigverein Berlin. Bureau der Zahlstelle» Berlins nnd Umgegend: Ciigel-Nfer 15, Zimmer SS. Amt VII 4S8V.) Geöffnet an de» Wochentagen von vorm. 8—1 Uhr und nachm. fFernfprecher: von 3-7 Uhr. ZLar allgemeinen Beaehtnng! Laut Verbandsstatut beginnt die Beitragszahlung für da? Geschäftsjahr 1902 mit dieser Woche. Beschlnst unsrer Gcneral-Versainmlung ist, dast das bisherige Doppel- marken-System wegfällt und dafür eine Einheitsmarke von KS Pf. pro Woche ins BerbandSbuch geklebt werden soll. Die Beiträge sind in den Vierteln und Zahlstellen zu entrichten, wo daS betreffende Mitglied wohnt. Arbeitslose Kollegen wollen sich au einem der letzten 3 Tage jeder Woche in den bekannten Verkehrslokale» oder im Bureau in der Zeit von früh 9 Uhr bis nachmittags ö Uhr gegen Vorzeigung der Jnvalidttätskarte einen Stempel in ihr Verbandsbuch drücken lassen. Mitglieder, die einen solchen Stempel im Buche aufweise», zahlen nur eine Marke von 25 Pf. für die betreffende Woche. Die Kaffierung der Beiträge findet Sonnabends, abends von 3—10 Uhr, in den Berkehrslokaleu statt mit Ausnahme von Schöneberg, Berlin West und Groh-Lichterfelde, woselbst der Vcrbandsbeitrag in der Wohnung der Mitglieder erhoben wird. Die VerbandsleUnng. 137/11* I. A.: Karl Paneer._ Zu dem am 3. März stattfindenden 4Sjährigen Geburtstage des Gast- Wirts Herrn krite Seegeletz, Schlcsischestrasie 15, gratulieren sämtliche Mittags- und Stanliugäste.__ 3562g Todes-Anzeige. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, dast mein lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Maurer Adolk Paschke am 27. Februar i» Radenickel vcr- storben ist. Nullo>fPascdks!lebstFrau,Gerichtstr.7K. Cenlral'Yerband d. Maurer Deutschlands Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dast unser treues und langjähriges Mitglied Moli Paschke am 27. Februar im Alter von 3Z Jahren an der Proletarierkrankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. März, uachmittags 2 Uhr in Radenickel(Kreis Crossen an d. Oder) statt. Der Tod hat uns in ihm eins unsrer besten Mitglieder entrissen. Ehre seinem Andenken! 137/13 Tie Bcrbnndslettuug. Danksagung. Für die äusterst rege Beteiligung bei dem Begräbnis meines unvergest lichen lieben MauneS Georg Schimpf spreche ich allen lieben Kollegen, Ver wandten und Bekannten, besonders dem Personal der Firma T h c o d Adolph, den Gesang- Vereine» Arion II und Fröhlich, RummelS- bürg, dem Socialdemolratische» Wahl- verein Bezirk RummelSburg, sowie dem Jnteresseirvcrein der Kisteumacher Berlins und Umgegend unseren tief gefühltesten Dank aus. Dir trauernden Hinterbliebenen Dlinksngnug. Für die innige Teilnahme und vielen Kranzspenden bciderBcerdigung meiner liebe» Frau und guten Mutter vniheimme Giilner sagen wir allen Freunden und Be kannte», insbesondere den Kollegen der Firma A. Schäfer, unser» herzlichsten Dank. 8766 Die trauernde» Hinterbliebene» Banksagnng. Für die zahlreichen Beweise herz lichcr Teilnahme bei der Bestattung des Fabrikanten Herr» V06b Heimicli Thiele t. Fa. Heinrich Thiele& Comp. und für die reichen Kranzspenden sagen wir hierdurch unsre» herzlichsten Dank. Berlin, den 1. März 1902. Tie trauernden Hinterbliebenen. Zur Eviuneruttg an meine Freunde und Bekannten, dast ich Neue Promenade 4, am Bahnhof Börse einen BUtuow-.A.»ssehnnk eröffnet habe und bitte um gütigen Zuspruch. 822b Pnnl Rietz. herein deiltscher Whmdier. Montag, den 3. März er., abends«V- Uhr, finden in nachstehende» zwei Lokalen 1kg/z Zwei Braucheu-Vevsauunlungeu stau- 1. Arbeiter und Arbeiteriune» der mechanischen Schnh- waren-Fabriken bei Stechert, Andreasstilitze 21. Vortrag des Genossen A. UofTmann über: Ans was wir stokz find. 2. Arbeiter und Arbeiterinnen der Filzschnh-Branche bei XU», an», Briinneiistrassc 188. Vortrag von Frl. Imle über: Ungeregelter Lohnkampf und Tarif. In beiden Versammlnnge» als 2. Punkt der Tagesordnung: Wahl der Branchenvertretung. Montag, den 3. März er., abends 8V, Uhr, bei Cohn, Benthstrasze Nr. 19; Kombinierte Werkstatt- Konserenz der in Mafsgefchäfte» beschäftigten Schnhniachcr. Um zahlreiche Betclligung ersucht Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! HmellmWeider Berlins! DieuStag, den 4. März, abends SVa Uhr, im großen Saale des GctvrrkfchaftShanseö, Engel- Nfer 15, Hof II: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Lassen die Borgänge der letzten Zeit in den einzelnen Geschäften darauf schließen, dast die Unicrnehmer in der Herrenmatzbranche ivstematssch versuchen, die Löhne zu drücken? Referent: Kollege Kitter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes Berliner Herrenmastfchneiders, in dieser Versaumilung zu er- scheinen. Da im Centnlin ein großer Saal nicht zu haben war, wird er- wartet, dast niemand den Weg bis zum GewerkschastshauS scheuen wird, 162/6_ Der Bertranensmaiin. Centrnlmlmd der innrer it. Zahlstelle Berlin. 137/12 Dienstag, de» 4. März, abends 8 Uhr: Dri Mttgliedtr-Nl'rsgmmlmigkn: Für Moabit in den Armlnlashallen, Bremerstraste 71/72. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verbandsangelegenheiten. Für Ttbimtbeog im Rlnhhans, Hauptftratze 5-6. Tagesordnung: 1- Bericht und Wahl der Obleute. 2. Wahl der Bezirkskassierer. Zahlreichen Besuch erwartet Die Verbnndsleltnng. Verein für Frauen«Dd Mclten der Arbeiterldasse. Montag, de» 3. März, abends ä'/j Uhr. in de» Arniinhallen, Kommandanteiistrafjc 20: Vortrag des Fräulein ENelene Simon über: Robert Owen. Gäste willkommen._ 55/5 Ter Borstaud. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltnngsstelle Berlin. Bnrean: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Rmt VII, 353. Sonntag, den 2. März er.»«UttagS 12 Nhr: IM- versnnttnlnng"VU aller in der Union beslhiistigten Kollegen nnd Kolleginnen i»i Lokal KroneixUranerei. Rlt-Moabit 17/48. Tages-Ordnung: 1. Die neuesten Borgänge in der Union. 2. Diskniston. Angesichts der hochwichtigen Tagesordnung ist es unbedingt Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Montag, den 3. März er., abendS 7 llhr, im Geivertsrhaftshans, Saal I, Engel-Ufcr 15: Versatnmlmig der Metallformer. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskniston. 3. Verbandsaiigelegenheiten. Montag, den 3. März, abends 7 Uhr, im Lokal von Bteehert, Andreasstrahe Nr. 21: Werkstatt-Versammlung aller bei der Nrntn Pinlsch, AndreMr. 7PZ beMigten Kollegen. Tages-Orduung: 1. Professor Ahhe über den Achtstundentag und die Aendernng der Arbeitszeit bei der Firma P i n t s ch. 112/7 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die OrtSvcrwaltung. SolllUdemostraMn!ll»h»>mi» für den S. Dertiiicr Rtillistags-Wlihlkreis. Dienstag, den 4. März, abends 8'/* Uhr, im Lokal des Herrn Hensel, Jnvalidenstrafte Nr. 1: V SOseumnlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Reichstags-Abgeorducten illolhenhnhr über:„Die Arbeiterversicherung". 2. Diskussion. 3. Berschiedcnes. Zahlreiche» Besuch erwartet 216/18» Der Vorstand. �rhsiter-LjIdimgs-8ehaIv. �onnta», 6en 2. Närx cr., adends 7 Uhr, in Cohns Festsälen, Beuthstrasse No, 20: Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über: Die heutige Eiukommenhewegung u. die Aufgaben der Volkswirtschaft. Nach dem Vortrage: t/9 Oemtltllclies Beisammensein und Tans. Eintritt 20 Pfennig."VE_ AM- Garderobe frei ßciitrnliitrlKind der Innrer it. Sektion der Pntscr. Mittwoch, den 5. März. abendS 7 Uhr: Mitglieder- Bersammlung t» den„Armiiihallen",«ommandantcnstr. 2t». Tages-Ordnung: 1. Wahl der OVleitte und der Hilfskassierer. 2. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 133/6 Jni Auftrage der Verwaltung: Franr Schultz, Sonntag, den 16. März 1902: Dichter�Äbend (Sociale Dichter) im gr. Saal des(Sewcrkschaftshanses, Engel-Ufer IS. Instrumental-MuBlk. Festvortrag1. Gesangs. - Recltatlonen.- Eröffnung 6 Uhr. BiUets a 50 Pf. inkl. Programm und Garderohe sind in den Zahlstellen, in der Schule und an der Kasse zu haben. Verband der Tapezierer. Montag, den 3. März 1902, abends 8 Uhr, findet bei Simonis eine SektionsversamRilüiig der Kleiier statt Auf der Tagesordnung steht: „Welche Lehren haben die Verbandsmitglieder ans dem Streik z« ziehen?" Das Erscheinen eines jeden Mitgliedes ist durchaus Pflicht. Die Sektionsleitung. Achtung! BCBeber. Achtung! Dirnstag. 4. März, abends 6 Uhr. bei Jannaschk, Jnselstr. 10: Oeffentliche Versammlung aller Nlebvv Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Stand des Streiks. 2. Diskussion. 101/10 Es ist unbedingte Pflicht eines jeden Kleber?, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Die Sektionsleitiing der Kleber des Verbandes. Dir Lohiikommlssion der Kleber Berlins nnd Umgegend. I. 21.: Georg D'Avis, Kulmstr. 26. Moni) der MMmsten niib Heizer sowie BernsSgenossen Dentschiandö. Verwaltnugsstelle Berlin und»ingestend. Sonntag, den 2, März, nachmittags 5 Uhr: WT ¥ei»S£iaiiiiiliftiig*"WZ in Cohns Frstsäle», Beuthstrasie 20. Tages-Ordnung: Wie stellen wir uns zu den eingelaufenen'Anträgen zum VerdandStage in Magdeburg? 138/5__ Bio OrtsYcrwaltnng. Fachverein der Musikinslrumenten- Arbeiter Montag, de» 3. März, abends Uhr, bei Graamsm», Nanuhnstr. 27: Delegierten-Versammlnug. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:„Wie bauen wir unsre Organisation aus". 2. DiSkussion.'3. Wcrkstatinngclegenheiten. 141/7 Zur Kenchtung!-WD Wir ersuchen die Mitglieder, dafür zn sorgen, daß jede Fabrik vertreten ist. Blllets zu der am Sonntag, den 23. März, stattfindenden Urania- Vorstellung sind noch beim Kassierer Hensel zu haben. Her Vorstand. A««»-! Lackierer. , Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel'Ufer 15: Vo 1*8 am ml«ii g. Tagesordnung: I 1. Die endgiilttge Antwort auf«»fren Lohntarif. 2. Wie stellen wir uns zur Wahl des GeselieuauSschusses? 3. Bericht des Delegierten vom Proviiizialtag. 4. Verschiedenes. 107/3 NU. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist zahlreiches Erscheine» namentlich der bei Jiiiiiingsmeistern beschästigte» Kolikgen erforderlich. Der jetzige Gesellenausschuß ist besonders eingeladen. vle Ortsvenveltimg. Montag, den 3. März, abends 8 Uhr:' Grosie öffentl. Bersammlung iin Märkische» Hof, Adnnralstrabe 18o. Tages-Ordnung: 286/14 1. Vortrag über Pflichten nnd Rechte der Frauen in der heutigen Gesellschaft. Referent: Herr Kater. 2. Lohnverhältniffe und Behaudlungs- weise der beim„Lolal-Anzeiger" angestellten ZeitnngS-AuSträgerinnen. Ilm zahlreichen Besuch aller Mämier und Frauen behufs Organisation ersucht Der Vorstand des gewerkschaftlichen FraueuveretuS. äffiMMl Kupferschmiede. Aditmui Sonnabend, de» 8. März. in den gesainten Räume» deS Berliner GewcrkfchaftShanses, Engel-Ufer 1°: Großer Wiener Maskenball veranstaltet vom vnterstlltrung»-Verein klar Kupterschmlecke Deutschlands (Filiale Berlin) und dem Gesangverein der Berliner Kupferschmiede. Anfang 9 Uhr.«»de? Billcts sind zu haben bei Korbowicz, Stargardcrslr. 3, C. Ladner, Gerichtstr. 22, O. Bauer, Demuiinerstr. 5, K. Paetz, Tilsiterstt. 30, und bei sämtlichen Mitgliedern des Gesangvereins. Bas Komitee. Model- u. Polsterilillreil-Flibrik voll A., Sclmlz, Keichenbergerstr. 5, empfiehlt Einrichtniigeu von 259 bis 10 990 M. 3191L» Anerkannt gediegene Arbeit, billige Preise, conlanteste Zahlungsbedingungen Wer Arbeiter empfindet in der kühlen Jahreszeit das Bedürfnis, ein erwärmendes Getränk zu sich zu nehmen. Viel bosser als der Genuß von alkoholhaltigen Getränken, die bekanntlich nur vorübergehend anregen, auf die Dauer jedoch Er- schlaffung zur Folge haben, ist eine Tasse Bouillon. Mancher würde gern eine solche zu sich nehmen. Ivenn deren Zubereitung nicht so teuer und umständlich wäre. Dem ist nun durch Maggi's Bouillonkapseln a 16 und 12 Pf. für je zwei Tassen in der einfachsten Weise abgeholfen. Ueberall, wo kochendes Wasser zur Verfügung steht, kann man damit in einer Minute eine vorzügliche Bouillon herstellen und zwar durch einfaches Aufbrühen, ohne jede weitere Zuthat:— eine Tasse Kraftbrühe(extra stark, entfettet) kommt so auf nur 8 Pf., eine Tasse Fleischbrühe (fett) auf 6 Pf. zu stehen. Man verlange in allen Kolonialwarcn-Geschäften ausdrücklich Maggi's Bouillonkapseln. v-orir 3~2 JCIßine W'- Wort fett. Worte mehr als ML JA mL JA JA JA JA mU �JA JA Mk JA D£n ae lö Buchstaben zählen doppelt. JA JA A b' ine n iur die nä cjisee j-lrtAmt i/vfo jYutnmer tverden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr. für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpediiion Beuthstr.3 bis 4 Uhr anyenom m en. Verkäufe. Restaurant, Heilt, Vereine. Siegel vah», dringender Umstände, verkauft Wcberstrahe 46. 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Der Zutritt von Frauen wurde jedoch durch Polizei- lichc Auordnnng von vornherein verboten. Die Genossen in Hannover sind nun darüber entrüstet und sprechen unter Berufung ans die Er- klärungen des Ministers des Innern von zweierlei Recht in Preutzen. Da sind sie aber sehr auf dein Holzivege. Der Herr hat ausdrücklich erklärt, datz ihm der Berliner Polizeipräsident ge- sagt habe, die unterschiedslose Vermischung von Männern und Frauen in politischen Vereinen möchte doch unzulässig sei»; es müßte ein abgesonderter Zuhörerrauni für die Frauen geschaffen werde». Insofern es sich also um die Erklärungen des' Ministers handelt, sind»nsre hannöversche» Genossen im Unrecht. Richtig ist allerdings, daß es den agrarischen Herrschaften im Cirkus Busch auch gestattet worden ist, sich zu vermischen, und insofern könnte man allerdings versucht sein, von zweierlei Recht zu reden; aber wer kennt nicht de» Spruch:„Einmal ist keinmal". Und dann war das doch in Berlin und nicht in Hannover, und der Polizei Präsident von Berlin ist nicht der Vorgesetzte der Polizeibehörde von Hannover. Auch die Thatsache ist nicht zu leugnen, baß einem Berliner socialdemokratische» Verein nicht gestattet worden ist, Frauen als Znhöreriunen auf die Tribünen zuzulassen..EZ könnte daraus wiederum die Vermutung geschöpft werden, daß es zivei verschiedene Vereins- gesetzt in Preußen giebt. Indes ist das thatsächlich unwahr, und tvaS die Handhabnng des einen bestehenden Gesetzes angeht: ist es nicht denkbar, daß der Herr Polizeipräsident, so gut wie sich der Herr Minister bei ihn, erkundigte, sich np» seinerseits bgi feinem Decernenten über die Handhabnng der Versammlungspolizei in Berlin erkundigt hat? Dabei hat er denn vielleicht erfahren, daß bisher die Frauen immer hinausgeworfen wurden und daß er sich zu Grmsten der agrarischen CirkuSmänner nur geirrt habe— und deswegen werden die Frauen auch in Zukunft ivic.dcx hinausgeworfen...... Wenn ein Minister nicht gleich alles weiß, braucht's da ein Polizeipräsident zu wissen?_ Eine Mitglieder Bcrsaminlung de§ Frauen- und Mädchen BildungsvereinS.R ixd.o rf tagt am Montag, den 3. März er., bei Hollbach, Hermannstr. 12(1. Gäste sind sehr willkommen. Zur Agitatio» für de» gewerkschaftliche» Frauenvcrei» findet Montag, den 8. März cr., abends 8 Uhr, eine öffentliche Vcr sammlung Admiralstr. 18o(Märkischer Hos) statt. In dieser Ver sammlnng wird Herr Äater einen Vortrag halten über das Thema: „Pflichten und Rechte de» Frauen in der heutigen Gesellschaft". So dann wird über die Lohn Verhältnisse und die BeHandlungsweise der beim„Lokal-Anzeiger" angestellten ZeitnngsauSträgerinnen gesprochen werde». Hauptsächlich sind nun alle die dort angestellten Frauen mit ihren Männern besonders eingeladen. Schutz der Franc» und Kinder in Italic». Die bereits erwähnten Denronsirations-Versanimlnngen, welche in den letzten Wochen und namentlich am vergangenen Sonntag in Italien stattgefnndeii hahen,. waren, seitens der Arbeiterschaft zu dem Zwecke einberufen, um einen Druck ans Regierung und Parlanrent auszuüben, endlich ein Schnhgesetz für Frauen« und Kinderarbeit zu erlasse». ES liegen auch bereits drei verschiedene Entwürfe vor, und die kommende Sessioir wird. sich. zweifellos mit dieser Materie zu beschäftigen haben. Ani iveitgchciidstcn von den drei Entwürfen ist der von der socialisiischen. Fraktion eingebrachte; außerdem ist mit dem Projekt des Ministeriums(Gesetz Carcano vom 2. Dezbr. 1900) und dem Entwurf der Parlamentarische» Kommission vom 30. No- vembcr 1001 zu rechnen. Das socialistische Projekt sieht folgende Bestimmungen vor: Die Minderjährigen beiderlei Geschlechts können in keinem Fall vor ihrem zurückgelegten IS. Lebensjahre zur gewerblichen Arbeit zngelosse» werde». Tic Arbeit der Minderjährigen und der Frauen in den industriellen Betrieben irgendivelcher Art, den Bergwerken, den Gruben, den Reisfeldern, den Verkaufsläden, jede Lohnarbeit in Industrie, Handel und Ackerbau wird dem gegenwärtigen Gesetz unterstellt. Die unterirdische Beschäftigung in Berglvcrksbetricbcn, Gruben, Biücheii, sowie bei allen gefährlichen und gesundheitsschädlichen Ar- Veiten und die Nachtarbeit ist Minderjährigen unter 20 Jahren verboten. Den Frauen jeden Alters und ohne Ausnahme ist die Arbeit in gefährlichen und gesundheitsschädlichen Betrieben sowie die Arbeit unter der Erde verboten. Die Festsetzung der Betriebe, welche im Sinne dieses Gesetzes als gefährlich und gesundheitsschädlich zu gelten haben, erfolgt durch ministerielle Verordnung»ach Anhörung des obersten Sanitätsrats und des Komitees der Arbeitskammern. Nachtarbeit ist alle» Minderjährigen unter 20 Jahren verboten. Den Frauen ist Nachtarbeit ebenfalls untersagt. Als Nachtarbeit gilt im Winter die Zeit von abends 6 bis morgens 7, im Sommer die von abends 7 bis morgens ö Ilhr. In den letzten 6 Wochen der Schwangerschaft und in den 0 Wochen, die der Entbindung folgen, dürfen Franc» nicht zur Arbeit herangezogen werden. Dieser Termin kann noch hinausgeschoben werde», sofern die Notwendigkeit durch den Arzt festgestellt ivird. Die tägliche Arbeitszeit der Minderjährigen zwischen dem 15. und 18. Lebensjahre darf 0 Stunde» pro Tag nicht übersteigen und muß durch eine Pause von 2 Stunde» durchbrochen werden.' Vom 18. bis zum 20. Jahre kann die Arbeitszeit auf 8 Stunden täglich ausgedehnt werde»; auch hier muß eine Unterbrechung von 2 Stunden platzgreifen. In alle» Fällen hat in jeder Woche ei» 24 stündiger Ruhetag einzutreten. Die Frauen, auch die über 20 Jahre, dürfen pro Woche nicht länger als 48 Stunde» beschäftigt iverden. Des Sonnabends innß die Arbeit der Frauen um Mittag beendet sei», so daß(bis Montag) eine Ruhezeit von 42 Stunde» eintritt. Macht sich nach Lage der Industrie Uebcrzeitarbeit notwendig, so darf diese für Frauen 00 Stunden pro Jahr nicht überschreiten. und zwar muß dieselbe so verteilt werden, daß die Arbeit per Tag nicht über 10 Stunden und die Woche nicht über 52 Stunde» beträgt. Bon diese» weitgehendxn Fordernugen weichen die zivei andren Projekte ganz wesentlich ah. So will die parlamentarische Kam- inission Kinder von 12 Jahre» an in industrielle» Betrieben zulassen; diejenigen Kinder von über 10 Jahren jedoch, ivelche zur Zeit bereits in solchen Betrieben thätig sind, sollen auch fernerhin zugelassen sein. Zn unterirdischer Arbeit, in Gruben»siv. sollen Kinder schon nach dein vollendeten 13. Lebensjahre zugelassen werde», Frauen hingegen wird die Arbeit unter der Erde auch nach diesen» Projekt in jedem Lebensalter untersagt. Das ministerielle Projekt will in den Industrien Kinder unter 10 Jahren, in Bergwerken, Gruben(unter- irdisch) Kinder unter 13 Jahren nicht zulassen. Frauen sind auch hier von der Arbeit in Bergwerken und Gruben ausgeschlossen. Die Nachtarbeit soll sowohl nach dem ministeriellen als auch nach dem Projekt der parlamentarischen Konnnijsion für Kinder beiderlei Geschlechts bis zum 15. Lebensjahre untersagt werden; bei beiden ist aber die Nachtarbeit im Sinne des Gesetzes um 2 Stunden verringert..... Der Schutz der Wöchnerinnen erstreckt, sich>» beiden Entwürfen anf nur 28 Tage, und auch diese Zeit kann noch auf Grund ärztlicher Zeugnisse verkürzt Iverden. Die tägliche Arbeitszeit kann nach dem Entwurf der Parlamentarischen Kommission für Kinder von 10—12 Jahren 8 Stunden, für Kinder von 12-15 Jahren 11 und für Frauen jeden Alter» nicht I länger als 12 Stunde» betragen.' An den Vorschlägen der Parlamentarischen Kommission und des Ministeriums namentlich in Bezug auf die gesetzliche Beschränkung der Kinderarbeit kann man erniessen, welch ungeheure Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft in Italien zur Zeit gang und gäbe sein rnuß._ Sind Franc« Staatsbürgerinnen? Der unfreiwillige Humor ist immer der beste. Und er erhält etwas Rührendes, wenn er mit tüchtigem Wollen und viel ehrlichem Ernst gemischt ist, wie es so oft bei den eifrigen Weltverbesserern, welche ein ganzes vollkommenes Weltgcbäude errichten, welches nur einen Fehler bat— seine Unmöglichkeit. Ein neuer Beweis hierfür ist eine Broschüre„Sind Frn«en Staatsbürgerinnen?" von E. Wilhelm(Verlag von Rosenbanm u. Hart, Berlin). Die Litteratnr über die Fraue'nfrage kann schon längst auch von dem emsigsten Bücherwurm nicht mehr bewältigt werden; nur noch Stich proben können versucht werden; ein kleiner Fischzug im unendlichen Meer. Unser Büchlein von 102 Seiten verdient aber Aufmerksam keit, weil sich ein Temperament darin ausspricht.„Der studierende» Jugend" ist es gewidmet, weil die Männer, die heute schon in Amt und Würden sind, für die kühnen Neuerungen, die vorgeschlagen werden, kein Verständnis haben werden. Das glauben wir auch. Die Frage, ob Frauen Staatsbürgerinnen seien, Ivird zunächst natürlich verneint mit der tröstlichen Versicherung, wenn ihre gcsctz liche und politische Emancipation im heutigen Tempo' weiter geht, iw etwa 100 000 Jahren das ersehnte Staalsbürgertum erreicht sein werde. Man kann es der Autorin nicht verdenken, daß sie. die Warte- zeit ein wenig zu verkürzen sucht und sollte ihr Dank wissen für den Richtweg, welcher nicht nur das vorgesetzte Ziel in kürzester Zeit erreichen könnte, sondern auch Deutschland zn einem noch nie' dä- gewesenen Jdealzustaude emporheben würde. Ehe jedoch der Stein der Weisen sich darbietet, kritisiert E. Wilhelm die bestehenden Verhältnisse mit kräftigen Strichen oft in sehr treffender Weise und mit einem sehr strengen, dabei aber im ganzen sehr unparteiischen Maßstab. Sowohl was' gegen die Frauen verübt wird, als deren eigne Unterlassungssünden zieht sie vor ihr Gericht; natürlich gilt es zumeist den bürgerlicken. Frauen, ihrer rechtlosen Lage und ihrer Unthätigkeit.„Es hat sich eine Meinung eingebürgert, welche allem Christentum und allem Patriotismus ins Gesicht schlägt, diejenige nämlich, daß tiiie allein stehende Frau bereits außerordentlich Ehrenhaftes leiste, wenn sie, ohne jemand zur Last zu fallen, für sich selbst sorge; während sie- damit thatsächlich doch nur das Minimum der staatsbürgerliche» Pflichten erfüllt." So sehr als höchstes weibliches Ideal die vollkommene Hausfrau gepriesen wird, so bitter klingt der Spott über die Nichts- thnerinnen und Egoistinnen:„Sie sehen die Weber anf der Bühne, applaudieren am Ende,— aber das wirkliche, grimmige Elend des Proletaeiats ist ihnen zu schmutzig, zu gcniein;' sie sind zn nervös etwas dergleichen anzusehen, es beleidigt ihr ästhetisches Gefühl. Das wirkliche, grimmige Elend des Landproletariats wird geschildert: „Das Morgengranen ruft den Tagelöhner und sein Weib zur Arbeit, sie verläßt den unsauberen dumpfen Raum, in dem die viel- köpfigc Familie genächtigt, so gut sie eben konnte, in übermäßiger Eile. Bevor sie deni Säugling seine natürliche Nahrung reichte, stürzte sie selbst ein Glas Schnaps hinunter. Er erhitzt ihr eignes Blut und geht in das zarte Kindergehirn über, die kleinen Zellen erweiternd, so daß sie in Zukunft stets Alkohol und wieder Alkohol fordern werden um arbeitsfähig zu sein.— Sie giebt dem Acht- und Siebcir jährigen eine Stulle- schwarzen Brotes und schickt sie in die Schule. — Glücklicherweise brauchen Kinder nicht soviel Aufsicht wie das liebe Vieh, der Reichtum-des Landmannes; sie überträgt dem Sechs- jährigen die Sorge für das Drei- und Vierjährige; das Zweijährige nimmt sie an der Hand mit, nachdem sie auch ihm ein Stück Brot in Schnaps getaucht; dann schlafen die Kleine» auf dem Felde den Schlaf des— Säufers, während das arme Aelteste daheim sich erst mit den schwere» Kindern krumm und schief schleppt, dann selbst aus der glücklich aufgcfnndenen Flasche einen Zug thut und in erhöhter Lustigkeit ein Feuerwerk mit den Streichhölzern vom Kaminsims veranstaltet. Wahrlich: Gottes Schutzengel hat viele Arbeit, soll er die Kinder, das Vieh, die vollen Scheunen, die ärmlichen Wohnungen behüten, denn irdische Helfer findet er nicht." Die Rechtlosigkeit und daraus entspringende Geringschätzung des Weibes wird mit berechtigter Empörung behandelt, wenn auch die zahlreichen Beispiele hierfür nicht immer glücklich gewählt sind. Wenn es leichtsinnigen Neffen gelingt, ihre unverheiratete, arbeitende Tante auszubeuten,' ihren Sparpfennig zu ergattern durch Drohungen mit Selbstmord, usw., so ivürde die gutmütige Tante wohl durch das timmrecht auch nicht hartherziger werden. Nach einem Ucberblick über die llnvoNkoinmcnheiten alles gegenwärtig Bestehenden, be- sonders der Erziehung der Jugend, und der Stellung der Frau, er- kennt sie den Fehler darin, daß letztere mit Recht so gedrückt ist, da sie der allgemeinen Wehrpflicht nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat. So fordert sie denn:„Die allgemeine staatliche Dienstpflicht der Franc» im Dienste der wirtschaftlichen und erziehlichen Be dürfiiisse der unteren Klassen, entsprechend der allgemeinen Wehr Pflicht der männlichen Jugend zum Zwecke der Verteidigung und der Bchanptnng der Würde unsres Vaterlandes." Die Idee ist schon öfter in ganz allgemeinen Umrissen auf- getaucht; bei E. Wilhelm gestaltet sie sich zu einer Art Heilsarmee unter staatlichem Zwange. Daß sie bei ihrer Vorliebe für die Heilsarmee den Gründer derselben. William Booth, mit dem berühmten National- ökonomen Charles Booth verwechselt, sei nur nebenbei erwähnt; hat doch W. Booth gewiß auch seine Verdienste um die Armen Londons und andrer Städte. Was aber bei dem Vorbilde freiwillig geschieht, muß hier für die allgemeine Dienstpflicht umgemodelt werden. I» jeder Stadt, auch auf dem Lande errichte man Kasernen für die Mädchen, welche ihre ein- bis dreijährige Zeit abdienen als Krankenpflege- rinnen, Kiuderwärteriimen, Erzieherinnen, Hausbeamtinnen usw. Dabei werden sie selbst erzogen durch die Disciplin des Staats- dienstes:„Natürlich würde eS ohne Strafen nicht abgehen, beginnend vom mündlichen, im höheren Grade vom schriftlichen Verweise, sich steigernd bis zu der höchsten Stufe, der autoritativen Ausstoßung aus dem Staatsdienste. Anf jeden Fall muß eS jede als eine hohe Ehre betrachten lernen, das Dienslkleid ibrer Kaiserin und obersten BefehlShaberin zn tragen. Elemente zweifelhafter oder nicht mehr zweifelhafter Qualität müssen von vornherein ausgeschlossen bleiben. Nach der Kaiserin als Feldmarschall erscheinen die Fürstinnen Deutschlands als Generalinnen, da sie ja ohnehin schon lange das Oberkommando in Werken der Himianität übernommen haben. Die Autorin ist eine glühende Verehrerin der sürstlichcn Frauen; zunächst und vor allein der Hohenzoller». aber ein Abglanz fällt doch anf die andren Fürsten- Hofe. Wie glücklich muß E. Wilhelm über deren große Anzahl sei», welche ihrer Frauenarmee genügend viele obere Chargen garantiert, wenn ninn Prinzessinnen und hochgeborene Witwen heranzieht. Schon bei Majoren und Hanptleuten müßte man wohl anf Gräfinnen und Fürstinnen rechnen, und die LienteuantSstellen würden vielleicht für bürgerliche Frauen nicht als zu vornehm gelten? Auch subalterne Beamtinnen, die den Unteroffizieren entsprechen; erfordert der Dienst. Da hier keine allzu hohe wissenschaftliche Bildung verlangt wird, könnten die besseren Schülerinnen der Mittel« schulen diese Stellen ausfüllen. Die armen Mädchen finden in ihrer Militärzeit" ein besseres und angenehmeres Arbeitsverhältnis als tu der bösen Welt außerhalb; das reiche träge Mädchen lernt arbeiten,— die nötigen Ansnahmen und Dienstentlassungen sind garantiert— die Hilfsbedürftigen im ganzen Lande werden vor- züglich versorgt, alle Kinder behütet und erzogen, die Kosten müssen irgendwie beschafft werden, die Frauen im Dienst erhalten Orden »nd Verdienstlrcnze, auch Titel und Würden, Ehrengerichte iverden ihnen nicht ferner versagt— kurz, sie werden zu wirklichen Menschen durch die dreifach gesegnete Dienstpflicht. Und nicht nur z» Mensche», andern auch zu Staatsbürgern. Wie köimte man der Reseivefran Schon die Verquickung der allgemeinen Wehrpflicht mit dem politischen Wahlrecht hat eiwas unwiderstehlich Komisches. In Eng- land, dem Vaterland des Parlamentarismus, giebt es keine all- gemeine Wehrpflicht; in Preußen, der Wiege der allgemeinen Wehr- Pflicht, auch heute noch kein allgemeines Wahlrecht. Weit humo- ristischer aber erscheint trotzdem Lob und Preis der lveiblichen Armee als Mittel des socialen Ausgleiches, wenn es mit folgendem Betveise gestützt wird:„Es fehlt der eine verbindende Punkt in der weib- iichcn Erziehung, welcher im männlichen Lager beivirkt, daß der Feldherr im gemeinen Soldaten den Kameraden, der Hohe Beamte im Untergebenen den Kollegen, der große Fabrikherr in den, Arbeiter, der tagsüber nur mechanische Leistungen auszuführen hat und nach seiner mühseligen Arbeit am Abend noch einen wissen- schaftlichcn Vortrag anhört, mit Anerkennung und Hoch» achtun g den Geschäftsfreund sieht. Wahrlich, anders als in andren Köpfen spiegelt sich in dem von E. Wilhelm die Welt._ M. H. Socinles. Lasset die Kindlein zu de» Agrariern komme». Herr Oertel schreibt: „Der dunstgeschwängerte, schwüle Sumpfboden der Großstadt . bietet die beste Nährlösung für die Ansteckmigspilze der Frühreife. Man braucht nur in die Augen der heranwachsenden Großstadt- fugend tief und sinnig zu schauen, und man wird entdecken, daß ' den InSislen schon der seltsame Schimmer der Kindlichkeit voll- kommen abgestreift ist. Das, was ihnen damit genommen ist, daS . wird.durch kein» protzige. Pracht des GroßstadtlebenS ersetzt. Das Kind, das in ländlicher Armut, aber in traulicher Umhegung, gc- hütet vor dem Hauche der Frühreife emporwächst, ist unendlich glücksicher' für alle'Zeit als das unselige Großstadtkind, Hessen Äugen vor der Zeit alles sehen, bis sie den Glanz und die Klar- . heit und das rechte Augenmaß verlieren. Lasset die Kindlein zu mir kommen." Besonders, so, möchten svir hinzufügen, sind die Kindlein behütet, wenn sie�anf'dcn'Hvfen der Ostelbier mit Knechten und Mägden in einer Kammer schlafen und dort das ländlich-siltliche Liebesleben gründlich• studieren können, wie erst vor einigen Tagen ein Land- geistlicher und Schulinspcktor ini frommen„Reichsboten" erzählte. Die Arzncitaxen. Die am 15. Januar 1S02 in Kraft getretene amtliche Arzneitaxe für Wiirttcmberg sagt in ß 12 ihrer all- gemeinen B'cstnnm'ungen:„Bei Arzneflieferungen auf Rechnung von öffentlichen Kassen sowie von Krankenkassen alier Art, insoweit nicht besondere Vereinbarungen bestehen, ferner bei Epidemien, findet. wenn der Taxbetrag der vierteljährlichen Liefermig 5 Mark übersteigt, bei rechtzeitiger, das heißt binnen drei Monaten nach Uebergabe erfolgender Bezahlung, ein Abzug von 10 Proz. statt, insoweit der Rechnungsbetrag nicht unter 5 M. herabsinkt. In gleicher Weise tritt ein Abzug von 15 Proz. ein, wenn der Taxbetrag der vierteljährlichen Rechnung 75 M. über- steigt, und insofern der Rechnungsbetrag durch den Abzug nicht unter 07,50 M. herabsinkt. Bei Lieferung von Mineralwässer», Mutterlaugen, sowie bei Pflastermnllen oder andre in verschlossener Originalpackung befindlichen Arzneistoffen und bei sonstigen der Krankenpflege dienenden Gegenständen findet ein Abzug nicht statt. Oblaten und Verbandstoffe sind von dieser Bestimmung ausgenommen." Die preußische Regierung hat sich in ihrer Arzneitaxe für 1S02 zu einer solchen Bestimmung nicht aufgerafft, obgleich ihr dieselbe von ärztlicher Seite dringend nahegelegt worden war, und obgleich durch dieselbe der Boykott der Berliner-Krankenkassen gegen die Apotheken- besitzer in der einfachsten Weise erledigt worden wäre. Auch die sächsische Regierung hat sich in ihrer Arzneitaxe für 1S02 nur zu folgendem wenig besagendem Satze im ß 2 der„Allgmeinen Be- stii'nmnngen" entschlossen:„Den Apothekern bleibt unbenommen, auch bei der Rezeptur Taxermäßignngen zn gewähren; es ist jedoch der wahre Preis neben dem ermäßigten Preise auf dem Rezept zu bemerken." Die sächsische Taxe enthält auch eine Bestimmuna, die in der preußischen fehlt, obgleich die Meinung vielfach verbreitet ist, daß es auch in Preußen nicht an Veranlassungen zur Anwendung derselben fehlt. Dieselbe besagt:„Eine Geldstrafe bis zu 150 M. wird den Apothekern an- gedroht, die Acrzten, Wunderärzten oder andren Personen, die Heil- künde betreiben, von den verschriebenen Arzneien Rabatt oder andre Vorteile gctvähren oder vereinbaren. Die Wohnungsfrage in Hamburg. Wie groß das Wohnungselend in Hamburg ist. dem die städtischen Behörden' durch ein armseliges, nichtssagendes Gesetzchen abhelfen zu wollen vorgeben, geht ans der nachstehenden, ans Hamburgischen Blättern stammenden Notiz hervor. „Wo sind die Insassen der Eholerabaracken geblieben, als sie bei Beginn des Winters von der Polizei aus ihren luftigen UuterknnftS- Räumen ausgewiesen wurden? Haben sie Wohnungen gefunden? Ein Leser der„H. N. N." beantwortet diese Frage mit„Nein I" Sie siedelten nach verschiedenen in der Nähe befindlichen Terrassen über und bezogen dort„Lagerkcller", welche zur Zeit des geschäftlichen Niederganges leer standen. Jede Familie bewohnt eine» mit niedrigen Fenstern versehenen Lagerraum, in dem ein Kochofcn steht. Dieser eine Raum dient dann gleichzeitig als Küche, Wohn- und Schlafzimmer. Der Polizei sind diese Wohnverhältnisse ganz genau bekannt, aber dennoch schreitet man nicht dagegen ein und läßt die Lagerkcller räumen, offenbar, weil man eben mit seinem Latein am Ende ist. Hinaussetzen könnte man die Leutchen ja leicht zwangs- weise, aber dann wohin damit? Man hat thatsächlich kein andres Unterkommen für dieselben." In dem zur Vorberatung der SenatSvorkage eingesetzten AuS- schusse teilte ein Sachverständiger mit. daß 14 000 kleine Wohnungen dort fehlen. Mit Hilfe des neuen Gesetzes wird noch nicht der zehnte Teil davon geschaffen werden. Das widerspräche auch den Interessen der Hamburg beherrschenden Grundbesitzer. Ermästignng des Weltportos. Wie die Wiener Handels« kammer mitteilt, besteht in Neuseeland eine Bewegung, die auf die Einführung eines einheitlichen Portos von 1 Peuny(8Vs deutsche Pfennige) für den Wcllpost- Verkehr abzielt. Ein diesbezüglicher Antrag wird dem Weltpost-Kongreß in Rom vorgelegt werden. Giitgegtingene Druckschrifte». Das Märzheft der„Dokumente des SociatiSmnS", herausgegeben von Ed. Bernstein, reprobuciett einen Artikel über Bruno Bauer und das Nrchriftentum, de» Friedrich Engels im Jahre 1882 aus Anlaß von Bruno Bauers Tod für den Züricher„Socialdepiokrat" ge- schrieben hatte.— Eine halbvergessene Urkunde eir cs Zeit- genossen über die Aufstände in Stadt und Land, welche fich in den Jahren IbL4 und 1525 in Deutschland abspielte» und znsaimiiengesaßt alS der große deutsche Bauernkrieg bezeichnet werde», führt der Artikel Zur Charaktertstil der dentfchen Bolkserhebungen von 1524 und 1525" vor, als ein Zeugnis für die rationalistisch- socialistische Unterstrvmnng in jener Bewegung.— Einen Beitrag zur Charakteristik des aus der Schule Foutters hervorgegangeneu französischen Socialtsten Franc- oiS Bidal liefert der Aufsatz von Dr. R. Michels F r a ii y o i s V t d a I und die A r b e i t s k o m m i s s i o n dcS L u x e m b o n r g."— Unter„Urkunden des SocialiSiiiuS" werden Statuten von deutschen Arbeiterkonsu in genossen- schaften des Jahres 184 8 abgedruckt— Die„Do tum ente des Socialismus" kosten pro Quartal 3,75 M.(Einzelheft 1,25 M.); kombiniert mit den.. S o c i a l i st i s ch e n Monatsheften" sind sie zum ermäßigten Preise von insgesamt 4,— M. pro Quartal zu haben. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Colportenrc und Postanstalten(Post- Zritiwgs- Katalog Ztr. 2030 a, bczw. 6961a), ferner direkt durch den Verlag der„Socialistischen Monatshefte", Berlin IV. 35, mit ihrem outen DienstzeugmS irgend cm Amt, irgend ein Bürger- Lützowstr. 85�..(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Couvert.). recht verschließen? � Probehefte kostenfrei durch die Erpedition.• H. üandorf& Ca SpHfelmarkf 16-17. Ecks lieipzigerstra�e. Belle fllliancesfr, 1-2. Hm Blüdierplaf}. Sr. Frankfurter Sfr, 113. 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Stück 1,� Kaffeeservice bunt dekoriert, für 6 Personen....,, Stück 2,� f Milchtöpfe..... st. Maschinentöpfe st. Bratpfannen. rr. st. Bouillonsiebe.r.st. Durchschläge.v.st. Kaffeetrichter. st Wassertrichter /.st. Schaumlöffel. /.. st. Wasserkrüge.v.st. Nachtgeschirre, v:1 15,22, 25 pf. 18, 22, 25 pf. 25,35,45 pf. 12,' 18, 23 pf. 18, 28, 33 pf. 12, 20, 25 pf. 5, 10, 15 pf. 6, 8, 10 pf. 45, 60, 85 pf. .St. 35,36 pf. Theesiebe............. st. 15pf. Salzmesten............ st 42 pf. Müllschippen..........st. 38 pf Seifen behalte r zum Anhangen,.st. 16pf. k�leischhackmaschinen st. 2.�, 4.� Wirtschaftswagen .St. 1. Plättbretter mit Bezug........ St. 2.M. M. 85 M. 25 7 50 >1 8 80 Waschfässer mit wuist..st.#»m., o.m. Klammern-........... schock 1 2 pf. Tablets..... st. 48,55,75,95 pf. Stuhlsitze............. st. 18 Kleiderbügel........... st. 2 Büchsenöffner......... st. 9 Korkzieher............ st. 8 Vorrats-Tonnen........ st 10 Spirituskocher......... st 23 Tafelaufsätze............ st. 1. 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Verantwortlicher Redacleur; Enr! t'el» in Berlin, ftüt den Inserateuteil verantwortiich!»l,.«locke U> Berlin. Druck und Verlag von Babing i» Berit». B..9, w«, 4. KcilU i>ts Jotmitls" fiftliutt DcksM-»>»»«« Die Btlveise her„Carji". Die Replik der„Sarja" in Nr, 4ö ist so gehalten, baß gar kein Nulnß vorliegt, die lehrreiche Geschichte des französischen Partei- streiteS in die Diskussion hineinzuziehen. Keine Spur eines all- gemeinen Gesichtspunktes, lauter aus dem Zusammenhang gegrissene Zeilen, bearbeitet nach der bekannten Methode:„Gieb mir ein paar von jemand geschriebene Zeile» und ich bringe ihn an den Galgen". Ich mutz aber von der„Sarja" strikte Beweise fordern für die schweren und zum Teil auch ehrenrührigen Beschuldigungen, die sie gegen mich erhoben hat. Wie sehen nun ihre Beweise onZ? Was hätte sie beweisen sollen und was versucht sie, zu beweisen? W a s hätte sie beweisen sollen, um den ihr von der Redaktion des„Vorwärts" in der.Abwchr"-Notiz gemachten Vor- Wurf der„Unwahrheit" zu entkräften? 1. Meine„systematische Propaganda zu Gunsten der„neuen Methode" der Herrrn Janres und Millerand". 2.„Grobe Entstellung von Thatsachen." 3.„Tendenziöse Vcrschweignng derjenigen Ereignisse im Leben des französischen Socialismus, die den stets haltlosen Prophezeiungen des Korrespondenten zuwiderliefen und die Er- folge des ihm verhaßten französischen Marxismus bekundeten." 4.„Ständiges Beiverfen mit Kot" der GucSdistcn. 5. Die Insinuation betreffs der„Kritscheivskys, deS französischen Possibilismns", die die GucSdistcn„stets beschuldigt" haben sollen, „sich den Deutschen verkauft zu haben". Diese fünf Punkte galt es zu beweisen oder aber ohne Um- schlveife zurückzunehmen! Was versucht aber die„Sarja" zu b ew e i s e n? Die bösartige Insinuation(Punkt ö) scheidet ans der Replik als nicht«zur Sache" gehörig ans. Die Redaktion des„Vorwärts" hat über den bezüglichen Rechtfertigungsversuch der Replik bereits das nötige gesagt. Zu einer ehrlichen Zurücknahme des A»Wurfes bnngt es eben die Replik nicht. Vergebens sucht man ferner in der Replik nach einem Beweis für Punkt 2 und 3. Ein Beweis wird versucht nur für z iv e i unter den fünf Punkten(für 1 und 4,.� 0 Für das„ständige Bewerfen mit Kot" werden als BcwciS z Iv ei A e u tz e r u n g e n angeführt(ans den Nummer» vom 3.� und 5. A u g n st 18g9>, herausgerissen ans einer Diskussion über die Stellung der verschiedenen Richtungen deS französische» Socialismus zu der Drcyfus-Affaire bczw. zur Einig ungs frage. Die eine Anerkennung spricht von den „Privatlicbhabcreicn der Sektenführer", die gegen die Einigung sind; die andre von den„opportunistischen Rücksichten a»f die chauvinistische Stimmung der verhetzten Masse", die„in hohem Grade" die Enthaltnngstaktik der Gnesdisten in der Dreyfns-Affaire mit bceinfliitzt haben. Um diese Acntzerungen ans ihren Wert zu prüfen, mutzte die ganze bezügliche Diskussion wiedergegeben werden. Ich verweise daher einfach ans die Nummern des„Vorwärts" vom 3., 5., tv. und 16. August 1809, in denen ich meinen Standpunkt ausführlich begründete. Ans jener Diskussion wird man auch den Wert der An- rempelinig der Replik betreffs Galliffets erkennen. Nur in Bezug auf die erstere Acntzerung meint die Replik selbstischer, daß„die Gnesdisten und Blanqnisten eine„Einigung" nicht wollten, welche das Abweichen von den revolutionären Principic» bedeute» mutzte". Sie hat dabei nur die Kleinigkeit vergessen, das; die Gnesdisten und Blanqnisten. die nach der eigne» Behauptung der Replik im August 1899 gegen die Einigung waren, im Dezember des gleichen Jahres doch am Einignngskongretz sich beteiligt haben. Damit hat sich, nebenbei bemerkt, eine meiner„stets haltlosen Prophezeiungen" erfüllt vom Triumph der„wuchtige» Einigungsknndgcbnngc» der organisierten Masse". Nach der Replik hätten also die Gucsdisten und Blanquisten ihren„revolntionären Principien" zuwidergehandelt', indem sie den EinigungS-ftongretz beschickten und dann auch in der geeinigten Partei verblieben, die ersteren bis zum 2. Kongreß, Scptember-Oltober 1900, die letztere» bis zum*3. Kongreß, Mai 1901!.. Das kommt davon, wenn man die geschichtlichen Thatsachen zu polemischen Zwecken zurechtzulegen sucht. Noch einmal, eS galt das„ständige Bewerfen mit Kot" zu be- weisen. Zum Beweis aber kann die Replik aus meiner sechsjährigen Berichterstattung für den„Vorwärts" lediglich �wei ans dem Zusammenhang gerissene Aeußerungcn anführen, die beide in einem besonders kritischen Augenblick gefallen sind, Ivo das vitalste Interesse des französischen Socialismus, die EinignngSfrage, auf dem Spiele stand, Aentzerunge», deren Schärfe ich nicht bestreite, die aber als „Bewerfen mit Kot" zu bezeichnen gerade die„Sarja" am wenigsten berechtigt ist. Datz sodann die Replik das Wörtchcn„ st ä n d i g" sachte überhüpft und nur das„Bewerfen" ec. nachzuweisen sucht, macht ihre Sache nicht schöner. Zu einer offenen Zurücknahme der leichtfertigen Verdächtigung ist eben der Verfasser der Replik unfähig. Nim zu meiner angeblichen„systematischen Propaganda zu Gunsten der„neuen Methode" zc. Dieser Punkt ninimt in der Replik den meisten Raum ein. Wie wird mm die„systematische Propaganda für die„neue Methode" bewiesen? Durch einige, wie immer. a»S dem Zusammenhang gerissene Stellen, die nach Versicherung der Replik noch durch „mehrere Belege" vermehrt werden könnten. Jedenfalls werden die bereits gebrachten Stellen die beweiskräftigsten sein. Was beweisen sie aber? 1. Daß ich wahrbeitsgemätz die von Millerand in den ersten Monaten seiner Ministcrthntigkcit durchgeführten Maßnahmen als vorteilhaft für die französische Arbeiterschaft dargestellt habe. Ich wollte und durfte sie eben nicht„tendenziös verschweigen". Die Replik aber reißt zwei Sätze aus einem dreispaltigen Artikel „Millerand als Minister" heraus, o h n e a» ch n u r mit einem einzigen W o r t e den Inhalt des Artikels an zu- deuten. Dem Leser soll ans diese Weise der Eindruck beigebracht werden, datz ich die„neue Methode", d. b. ja wohl den M i n i st e r i a l i S m u s verteidigt habe, der übrigens selbst für Jaurös erst nach und»ach und ziemlich später wirklich zu einer „neuen Methode" sich kristallisiert hat. Zudem erläutere ich die Acutzernug vom„socialistischen Minister" sogleich wie folgt: „Der Ausdruck ist wohl am Platze, obschon es sich selbstverständlich uni ministerielle Maßnahmen handelt, die ins social- rcformerische Gebiet gehören und die also— a b st r a k t gc- Mammen— auch von einem ehrlichen bürgerlichen Demokraten durchgeführt werden könnten... Will man aber den Begriff „socialistisch" auch unter dem praktischen Gesichtspunkt streng fassen und ihn lediglich als unmittelbare Thätigkeit im Dienste des Endziels angewendet wissen, dann niag meinetwegen MillerandS Thätigkeit als iocialreformerisch und er selbst, trotz seiner Zugehörig- kcit zur socialistischen Partei, alS ein socialreformerischer Minister bezeichnet werden. Thalsache bleibt jedenfalls, daß er sich durch- weg im Interesse deö Proletariats belhätigt.. (29. Oktober 1899.) Diese Thatsache aber ist für die ersten Monate der Millerand- scheu Ministerschaft nicht zu bestreiten. Der Verfasser der Replik weiß vielleicht nicht, daß im gleichen Monat Oktober 1899 der g n e s d i st i s ch e Genieindcrat in Lille eine ungleich wirksamere '„Propaganda" für das, was er als„neue Methode" stempelt, ver- anstaltet hat, als ich es in tausend.Vorwärts"-Artikelii hätte thim können: in Lille wurde Millerand ein festlicher Empfang bereitet und der Bürgermeister von Lille. Genosse Delory, sprach beim Ehren- Punsch zum Minister wie folgt: „Keiner von uns verliert unsre Verfassung als Klaffenpartei ans dem Auge. Wenn wir auch unaufhörlich' wiederholen, daß die Befreiung der Arbeiterklasse notwendigerweise die Expropriation der Kapitalistenklaffe und die Socialisierung der ProduttionS- und AnStanschmittcl einschließt, so sind wirdoch weit davon entfernt, die R e f o r in a r b e i t z u mißbilligen, die Sie unternommen haben und die den Arbeitern nützlich sein wird."(„Vorlv.", 13. Oktober 1399, Redaktionsartikel.) In meinem bezüglichen Artikel steht ferner nicht nur kein Wort zu gnnsten der„neuen Methode", sondern ich betone viel- mehr ausdrücklich die Beschränkungen, die auch einem socialistischen Minister im Klassenstaat auferlegt sind. Jetzt kann der unbefangene Leser beurteilen, wie die Replik durch das Herausreißen der zwei Sätze mit meinem Artikel umspringt. Und das gleiche„tendenziös verschweigende" und„grob entstellende" Verfahren übt sie durch ihre Citatc a»S meinen andren Artikeln. 2. Aus dem Artikel„Eine Richtigstellung"(9. Juni 1900), einer Antwort an Bonnicr, reißt die Replik einen einzigen Satz heraus betreffs der„meist wohlwollend neutralen" Haltung der Regierung in den Streiks. Das soll ein neuer Beweis sein für meine„syste- matischc Propaganda zu Gunsten der„neuen Methode"". Man muß im günstigsten Fall annehmen, datz der Verfasser der Replik keine Ahnung davon hat, was die Worte„neue Methode" im französischen polemischen Sprachgebrauch bedeuten. Denn andernfalls hätte er gerade ans jenem Artikel ersehen müssen, daß ich Gegner der„neuen Methode" bin. Ich verweise dort auf die von mir„seit langem(schon vor dem Einignngskongreß) aus- gesprochene Meinnng".") „daß das socialistische Mitglied eines bürgerlichen Ministeriums zu demissionieren hat, sobald die ansnahmSiveise Situation vorüber ist oder falls der socialistische Minister bei der Durchführung des ihm von der Partei vorgeschriebenen, der gegebenen ausnahmS- weisen Situation angepaßten Programms auf den Widerstand seiner bürgerlichen Kollegen gestoßen ist." DaS ist nicht die„neue Methode", sondern der Standpunkt, den die überwältige ii de Mehrheit der internationalen Socialdcmokratie in der Mini st er- frage auf dem Pariser Kongreß, September 1900, ein- geiiommen hat. Der Verfasser der Replik bemerkt zutreffend, daß die Gnesdisten„vor 1 bis 2 Jahren fast zur Isoliertheit in der iiilcrnatioiialeii Socialdemokratie verurteilt waren". Woher nun diese Isoliertheit? Hätte er darüber nachgedacht und anstatt nach eiiizelneu Sätzen ans meinen Korrespondenzen zu suchen, die französische Parteientwickluiig der letzten Jahre studiert, so würde er gcfimdc» haden, daß die AnfangSperiode der Milleraiidschcii Ministeischaft und des MiiiisterininS überhaupt, die in die Zeit der„anknahmsiveiseii" Situation und der„repnbli- kanischen Verteidiginigsaktion" fallt, silb sehr wesentlich von der späteren„normalen" Regiererei des Ministeriinns unterscheidet. So sehr, daß auch die aiitiininisterialistischcn Socialisten»lindcsteiis ein- mal selbst damals für die Regierung gestimmt haben, als Galliffet noch KriegSmiiiister war.(Siehe meinen Artikel in der Nummer vom 19. November 1899.) ES ist aber auch unwahr, daß ich in den Jahren 1899—1900 „systematische Propaganda":c. getrieben habe. Schon am 26. Okiober 1899 schreibe ich über die Anstrengung eineS Protestes wegen„Armrebeleidigung" gegen Gohicr durch den Kriegsminister:. das Vorgehen Galliffets wirst ein schlimmes Licht ans die Gesnmtpolitik der Regicriing. Ein Ministerium der „republikanische» Verteidigung", das mir mit knapper Not und unter manchen schwächlichen Zugeftändiiisscii der prätorianifchcn Umtriebe Herr ivcrdcn konnte, darf nicht in die Fußstapfen eine? Dnpny oder eines Meline treten*.f."(Nummer vom 28 Oktober 1899). Und wenn ich am Schluß beukme:„Jedenfalls muß mau abivarten, was das Ministeriimi zu Galliffets Seitcnspimig sagen wird," so hat sich allerdings gezeigt, daß der„Seitensprung" wirkmigsloS blieb: der Prozeß Gohier winde um ein Jahr hinauSgeschleppt, bis er durch die Amnestie endgültig niedergeschlagen wurde. In meiner JahreS Übersicht für 1899(Nummer vom 4. Janiiar 1900) gebe ich folgende allgeineine Charakteristik der ersten sechs Rcgierniigsmonate des Ministeriums, die doch dessen Flittermonate waren: „Die Furcht vor dem Vorwurf der Feinde, eine„Kampsregicruiig" zu sein, hat e i u e R e i h e von Halbheiten bewirkt sowohl ans dem Gebiete der exekutiven Maßnahmen» ivic auf dem der gesetzgebenden Reformentwürfe..." Weiter bezeichnete ich den„Amnestievorschlag der Regiermig zu Gunsten der überführten Verbrecher des GcueralstabeS" als eine „nicht minder verhängnisvolle Waffenstrcckiing der Tivilgewalt vor dem Präiorinnkrtum" wie die Aenderiing der Revisionsrichter in der Drehfussache unter dem Kabinett Dnpny.... 3. Nun zinii Kapitel der Streiks. In der Nimmier vom 31. Dezember 1899 schreibe ich in einer gegen die„Berk. Neuesten Nachrichten" gerichteten Notiz: „Des iveiteren besteht die„Bedrängnis"(der französische» Unternehincr, worüber die„B. N. N." jammerten) darin, daß die gcgciiU'ärtigc Regierung sich im großen ganze» einer neutralen Hältimg bei Streike befleißigt, obwohl auch sie bei jedem größeren Streik das übliche Polizei- und Militäranfgebot entfaltet." Und dasselbe besagt auch die in der Replik angezogene Stelle. Ivo ich übrigens die Haltung dieser Regierung derjenigen jeder fxühcreii französischen Regienmg mit Fug und Recht gegenüberstelle. Ich konstatierte eben stets die thatsächliche Haltung der Regierung in den Streiks, wie sie ivar, ohne Beschönigung und ohne Anschwärzung. Uebrigens verweise ich ans den Artikel deS Genossen Lagardellc in der „Neuen Zeit"(Nummer vom 18. Januar 1902):„Die Streiks in Frankreich im Fahre 1900". Es heißt dort S. 486:„Die politische Ursache— die mehr oder weniger betonte Arbcitcrfreiindlichkeit des HandelSminifters Millerand— hat im Jahre 1900 in noch größcrem Maße dieselben Resultate gezeitigt wie 1899"(iininlicki die Ziniahmc der Streiks). Wohlgemerkt, die Wirkung dieser„politischen Ursache" hat sich 1900 gesteigert, trotz Martinique und Chalon. Da hat ja der Mitarbeiter der„Sarja" einen trefflichen Anlaß zu einem fulminanten AnSstill gegen die—„Nene Zeit", oder doch gegen diese mit Blindheit geschlagenen französischcn Arbeiter, die Übrigens vielleicht durch meine Pariser Korrespondenzen irregeführt wurden... Wie ich aber die Haltung der Regierung in der Chalou-Metzelei beurteilte, zeigt mein Artikel„Eine Bresche"(Nummer vom 20. Juni 1900), der über den„Sieg" der Regierimg in der Chalon- Interpellation berichtet: „Die ministerielle Beste weist nun eine gähnende Bresche auf, die vom Miiiisterium selbst gelegt worden ist... Es ist ein Selbst- mord, dessen Mißlingen nicht das Verdienst der selbstmörderischen Regiermig ist. wenn übrigens in diesem Fall von einem Verdienst überhaupt die Rede sein kann: lieber ein rascher Tod, als ein klägliches und entehrtes Fortvegetieren... Der Chef der„republikanischen Verteidigung" fand kein Wort des Tadels gegen den nieliiiistifchen Piäfektcn und den nationalistischen Gendarmerie- Offizier, der selbst das Schreckensgefctz gegen die„Aufläufe" verletzt bat, eines Gesetzes, von dem Waldeck- Ronfseau selber bei der Beratung der nieliiiistifchen Interpellation über den Massenstreik von St. Etieime gesagt hatte, es lasse sich nicht gegen Straßenkimdgebinigeii an- wenden, so lange die„materielle Ordnung" nicht verletzt ist: „Es gehört viel Vorsicht, viel Toleranz" gegenüber Straßeiikiiiidgebmigen. die mit Streiks nnzertrenniich ver- knüpft seien. Im Gegensatz zu diesen dnldsam-demokratischeii Erklärmigeii sprach Waldeck- Rousseau am Freitag wie ein Chef der polizeilich-militärisch-kapitalistischen Ver- t e i d i g u n g..." •) Dies geschah in meiner Antwort auf die intcriintioiiale Umlage der„Petite Räpiiblique", abgedruckt in„Catüors de la Qmnzaine", Nr. 8, 20. April 1900. Daß überhaupt meine Stellungnahme zum Ministerium einzig und allein durch die Rücksicht ans die Notwendigkeit der auSnnhmS- weisen Situation diktiert war, und keineswegs durch die«neue Methode", mögen nur noch folgende Citate zeigen: „llebcrhaupt- hat das Ende de? 5loinploliprozesscs die Situation u n v e rk e n n v a r geändert. Der„normale" NegicrungSschlcndrian hat desto größere Aussichten, das anormale „Minifleriiim der republikanischen Verteidigung" abzulösen, als dieses selbst in manchen entscheidenden Punkten Schlendrian-Politik getrieben hat."(Nummer vom 12. Januar 1900.) Im Artikel„DaS Ministerium und die Opposition"(der Ord- niingsparteien) schreibe ich(Nnnuner vom 27. März 1900), „daß das Ministerium der„republikanischen V e r- t e i d i g ii n g nichts mehr zu v c r t e i d i g e n h a t, nachdem die akute Gefahr für die Republik längst vorüber ist•••", lieber die Prograiumrede- Waldeck- Rousseaus zu Tonlonse(am Vorabend der Hcrbstsession 1900) schreibe ich: „Die Fortdauer der außergewöhnlichen m i n i st e r i e I l c n Kombination erscheint nach der Ton- lonser Rede desto unbegreiflicher, als das von Waldeck- Rousseau wieder einmal eutworfene gesetzgeberische Programm auch den Mut jede? beliebigen und gewöhnliche» radikalen MinifterimiiS keineswegs übersteigen würde..."(Nummer vom U N o v e m b e r 1900.) S o sieht in Wirklichkeit meine„systematische Propaganda" zc. ans, und zwar„in dc» Jahren 1399—1900", ans die sich der Mit- arbcitcr der„Sarja" nachträglich zurückgezogen hat, nachdem er in der„Sarja" Ende 1901 mir jene„Propaganda" ohne jegliche Z e i 1 e i ii s ch r ä n k n n q vorgeworfen hatte. Ich übergehe daher meine Verichterstaitung für 1901. Aber er wirft niir für daS Jahr 1901„VerschweigungS"- Sünden vor. Wahr ist an diesen Vorwürfen nur so viel, daß ich über die neuefte„levisiouistische" Ariikel crie von Jnuiös nicht �schrieben habe, aber Icliglich deshalb, weil ich im letzien Jahre, was der Mitnrbeilcr der„Sarja" wissen muß, über- Haupt meine Beiichlcrstatiuug mehrmals unterbrechen mußte wegen meiner Jaaiilpriichiia�me durch dringende russische Parteiaiigelegen- heiten. Die Besprechung der JaureS' chen Artikelserie würde aber ebenfalls eine Aitikclicrie erfordert haben. Aus demselben Umstand erklärt sich auch, daß ich über den„Generalstreik", d. h. wohl über die ueuliche Bergarbeiter-Beiveguiig nicht ausführlich berichten konnte, geschweige denn die Stellung der verschiedeucn socialistischen Rich- timgcn oder Wortführer zum„Generalstreik" zu besprechen oder zu kritisieren. Wollte ich übrigens letzteres bei jeder wichtigeren Ecscheinniig der französische» Politik und Arbeitervcwegmtq thim, dann müßte der „Vorwärts" eine ständige Separat-Beilage für Frankreich einrichten. Unwahr ist es, daß ich überhaupt die„neueste Evolution von Jaurös verschwiegen" hätte. Siehe meine Notiz, die von der Redaktion versehentlich nicht als Pariser Korrespondenz gekennzeichuct wurde, in der Nmiimer vom 2S. September 1901 unter Partei- nachrichten, wo ich die Resolution des Generalkomitees gegen jene „neueste Evoliitioii" mitteile. Ferner soll ich ans Millerand- Frenndlichkeit„vollständig den Protest des Kongresses der Gciverkschaften und Arbeitsbörsen" gegen MillerandS Reformen verschwiegen haben. Wahr ist daran nur so viel, daß ich über de» Kongreß überhaupt nicht geschrieben habe. Warum? Das muß der Mitarbeiter der„Sarja" genau wisse n. Der Kongreß fand nänilich statt am 23. bis 27. September 190l, d. h zu einer Zeit, als ich wegen ei»er riissischeii Parteikonferenz verreisen mußte. Ich benachrichtigte davon die Redaktion, die auch von sich nnS für einen K'ongreßbericht Vorsorge traf. Unwahr ist endlich, daß ich— ivaS die Replik freilich nur in- direkt zu verstehen zu geben sucht— überhaupt proletarische Proteste gegen MillerandS Reforuien verschwiegen hätte. Siehe Nummer vom 7. August 1901, Ivo ich den Protest des Metallarbeiter-VerbandeS gegen MillerandS Dekret, betreffend Arbeitsräte, wiedergebe und über die„meist verwerfenden Resolutionen" der Gewerkschaften im Refereiidiim über daS Altersversicherinigs-Gesetz berichte. Ebenso schreibe ich in meiner JahrcSübersicht für 1901(Nummer vom 4 Januar 1902), daß„die von der Kammer gegen den Wunsch der Negierung angeordnete Umfrage bei den Unternehmern und Arbeiter- Organisationen eine nahezu einstimmige Zurückweisung des Entwurfes ergeben hat." Nnckidem ich der Dichtung de» Mitarbeiters der„Sarja" die Wahrheit gegeiilibergestellt habe, stelle ich die Frage: Wozu diese Dichtung? Wollte die„Sarja" bloß beweisen, daß ich nicht im gneSdistischeii Sinne beziehungsweise nicht nach ihrem Geschmack korrespondiert habe, dann war ihre Mühe überflüssig. Ihr Versuch aber, weine revolnlionäre und litlcrarische Ehre anzugreifen, prallt ans sie selbst zurück. Paris, 19. Februar. B. K ritsch ewSkh. Sociale Eine für Photogi aphcn wichtige Entscheidung hat da» G e Werbegericht gefällt. Auf eine Eutscvädiguiigöklage des Photographeu P. wandte der Atelieriuhaber K u I b r i ch ein,' daß er den Kläger vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit entlassen habe, weil P. zu Unrecht sich geweigert hätte, au ciiiem der Sonn- tage vor Weihnachten bis 6 Uhr abends zu arbeiten. Vertraglich sei P. ja allerdings nur verpflichtet worden,' an nur zwei Soimtageii in jedem Monat, und zwar im Sommer bis 4 Uhr, im Winter bis 3 Uhr thätig zu sein. Da aber das Polizeipräsidium den Photographeu die vier Sonn- tage vor Weihnachten bis 6 Uhr abends freigegeben habe, so seien nncki Ansicht der nieisten selbständigen Photographeu die Photographen- gehilfen verpflichtet, an allen diesen Somitageii auf Verlangen des Prinzipals während der ganzen polizeilich freigegebenen Zeit zu arbeiten.— Der Kläger bestritt dies und stützte sich lediglich auf seinen Vertrag.— Die Kammer VIII des Gewcrbegerichts unter dem Vorsitz deS Dr. Meier verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 95 M. und führte begründend ans: Die Erlaubnis der Polizei, auf die sich der Beklagte berufe, fei lediglich im Interesse der Arbeitgeber und des beteiligten Publikums erteilt und berübre an sich nicht das Arbeitsverhältnis. Der Photographengehilfe brauche sich mir an die mit ihm getroffene Vcrtragsabrede halten. Wenn er sich weigere, länger zu arbeiten, als dies mit ihm vertraglich abgemacht sei, dann sei er formell im Recht. So sei es im vorliegenden Fall, also habe der Beklagte wegen iinberechtigter plötzlicher Entlassiliig des Klägers zur Lohiieiitschädignng verurteilt werden müssen. Nicht Gewerbegeliilse, sondern HandlmigSaehilfe. Ge- legentlich der Verhandlung eines Entschädigungsprozesses deS Lagerverwalters S. gegen den Fabrikanten Dettiilanil wurde vor der Kammer IV des Gewcrbegerichts die Ziiständigleitsfrage aufgeworfen. Die Thäligkeit de« Klägers betr. wurde festgestellt.' daß er besoi�ers daS Lager der einzelnen Wagcnteilc zu verwalten, die letzteren im GevrauchSfalle herauszugeben und bei der Expedition mitzuwi i ke» hat. Der Kläger betonte, daß feine Stellung durchmis keine kaufmännische gewesen sei. Im Rahmen jener Lngerverivaltnng habe er wie ei» gewöhnlicher Arbeiter Hand anlegen müssen. Die Kainmer IV unter dem Vorsitz des Dr. G c r t h erklärte jedoch daS Geivcrbcgcricht für unzuständig, weil Kläger nicht als Gewerbe- Gehilfe, sondern als HaiiMiingSgehilfe anzusehen sei. Gewerbliche Arbeiter im Sinne des Gewerbegerichts-Gesctzes seien mir solche, die Arbeite» verrichteten, ivelche derartig wären, wie sie in Hand» wcrks- und FabriKietriebeii ausgesührt würden. Hierzu gehöre die Thäligkeit des Kläger« als Lagerverwalter nicht, sie habe vielmehr einen tausmäniiischen Charakter. Einsegnungs" Anzüge f I ausseropdentlich peichhaltige Auswahl in Satin, Cheviot, Coating, Eipsgarn, Tuchkammgarn, Drapes u. s. w., je nach Grösse und Qualität 33,— 30,— 27,— 24,- 21,- 18,- 15, 12,- 9 ■k. Jeder Käufer eines Einsegnungs-Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst. Hüte, Wäsche, Handschuhe, Cravatten u. s. w. für die Einsegnung sehr preiswerth. I Herren Anzüge nach Haass. Modern. Elegant. 70.-, 60,-, 50.—, 40.-. 30.-. 84 Mk. Horpcn-Hosen nach jUaasa Modern. Elegant. « Mk SV. Die M Preisliste 1902 enthaltend alle FpOhjahps- und Sommer- Angebote in Herren- und Knaben-Ausstattungen ist heute erschienen und wird auf Wunsch kostenlos und portofrei zugesandt. 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