Nr. 53. Abonnkineitts-Kcdingimgeil: Abonnements-Prett pränumerando: Bierteljährl- 3,30 Mb, monall. l,l0Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nunlm»r 5 Pfg. SonntagS- Nummer Mir illuNrlerier Sonntag!- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Pofl- Äbonnement: I,lv Marl pro Monat, Singetragen in der Post-Zeitungs- Preisliste für IS0L unter Nr. 7V7S. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig-«uSland S Marl pro Monat. «rschrinl täglich»ulier Monkig«. 19. Jahrg. Vevlinev VolksblÄkt. Die Instrilons-Gelilliit beträgt für die fechSgelpaltenc Kolonel» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerls chaflliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anfrige»" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in derSxpedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen- ragen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Telegramm-Adreffer „Sorialdemolirgl Srrlitt" Gentraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuch- Strshe 2. Zleriisprecher: Zlmt I Nr. 1808. Die Gefühle der Kaiserüt-Tante. In keinem Parlamente der Welt wird von den bürgerlichen Parteien den Fragen der auswärtigen Politik so geringes Interesse entgegengebracht, wie im deutschen Reichstag. Die Urteilslosigkeit vereinigt sich mit der Feigheit; man wagt sich nicht hinaus über die Höhe der angestellten Ministerial- Offiziösen, denen die Aufgabe obliegt, das leere Diplomatengeträtsch der Mahgebenden»och niehr zu verwässern und zu trüben. Der Parlamentarismus der bürger lichen Parteien in Deutschland ist immer mehr zum brutalen Ge- schüft geworden. Man interessiert sich für nichts wie für den eignen Profit, und diese Rücksicht gebietet es, in auswärtigen Fragen streng.national' zn denken, das heißt alles der unerschöpflichen Weisheit der Regierung zu überlassen. Von einer gnindjätzlichen Kritik größeren Stils ist keine Rede. Die furchtbaren Probleme des Völkerlebens gehen sie nichts an. Was schiert sie die Vernichtung der Boeren, Ivos die Unterdrückung von Nationalitäten, was jene unendliche Fülle der Frevel am Völkerrecht, die Tag für Tag die Staaten der Civilisation begehen oder doch dulden! Zum Gedenktag Victor Hugos hat die Pariser..Assiotto au beurre", wohl das bedeutendste satirische Anklageblatt, das Ivir besitzen, Visionen des französischen Dichters veröffentlicht, die in dämonischen Zeichnungen Steinlens darstellen, wie sich die Idee der Humanität in den hundert Jahren seit der Geburt Hugos erfüllt habe. Wir blicken schaudernd in ein Chaos von Blut und Greueln. Wir sehen, wie Kitchener im bocrischeu Konzentrationslager mit schweren Stiefeln Frauen und Kinder niedertritt. Der Präsident der französischen Republik freut sich Ssrm in Arm mit Väterchen des kosakischen Treibens. Den wilden scheußlichen Einbruch der Mächte in China schildert ein andres Blatt, der „christliche' Missionair torkelt voran, hinterher eine wüste französische Marketenderin bluttrunken schlendernd über ungezählte Leichen, am einen Ann den Russen, am andern den Deutschen. Auf einer weiteren Tafel erscheint der Sultan mit dem französischen Minister und be- lustigen sich an der fidelcn Niedermetzelung der Armenier. Ans der nächsten Seite treibt die christliche Civilisation Kolonialpolitik: Gepfählte, lebendig verbrannte, gemarterte und zerstückelte„Wilde". Man könnte das erschütternde Heft Steinlens statt„Vision Victor Hugos' auch„Die auswärtige Politik' oder „Weltpolitik' betiteln, deren Wesen sich in diesen blutrot- schivarzen Blättern wahrhaftiger abzeichnet als in allen diplomatischen Weiß- und Blaubüchern zusammengenommen. Aber die herrschenden Klassen, namentlich im Volle der Dichter und Denker, haben nicht das mindeste Empfinden mehr für diese tausendfältige Schändung der Kultur und der Humanität. Sie gähnen und grinsen. Nur wenn es sich um den persönlichen Zollprofit handelt, gerät ihr schlaffes Blut in Wallung. So mutz denn die Socialdemokratie auch die Aufgabe auf sich nehmen, die auswärtige Politik vor das Gericht der Mensch- lichkeit und der Vernunft zu ziehen. Es ivar durchaus notwendig. daß einmal von unsrer Seite die ganze internationale Politik der Völkerrechtsverletzungen der herrschende» Klassen gründlich erörtert wurde, trotz und wegen der stupiden Teil- nahmlosigkeit der bürgerlichen Parteien. Das geschah ani Montag im Reichstag. Zunächst wurde der oft asiatische Etat erledigt. Er ist in der Kommisfion ziemlich stark beschnitten worden. Gegen das Er- warten blieb der Widerstand gegen die Abstriche aus, und das Haus hieß ohne Widerspruch die Beschlüsse der Kommission gut. Bei dieser Gelegenheit hielt der Reichskanzler Graf B ü l o iv wieder einmal seine bekannte Rede über die auswärtige Politik: Alles ist in schönster Ordnung, Deutschland ist ebenso niaßvoll, besonnen und klug, wie energisch und entschieden; wir verfolgen blotz Wirtschaft- liche Juteresien in China, ivollen die offene Thür, das Verhältnis zu den Mächten ist das denkbar beste, trotzdem aber muß unsre Bc- satzung dort bleiben. Das neue Moment des engli sch- japanis che» Vertrages fügte sich zlvanglos in die altbewährte Bülow- Rede ein. Manche Leute meinen, für Deutschland sei jenes Bündnis einiger- maßen unangenehm. Da kennt ihr das Herz des Grafen Büloiv noch lange nicht. Nein, der Graf freut sich unbändig über de» schönen Vertrag. Ivenn er ein englischer Minister wäre, könnte seine Genngthnung nicht größer sein. Für die Socialdemokraten begründete Singer in entschiedener Weise die Ablehnung der gesamten Chinapolitik— in deren scharfer Verurteilung die Socialdemokratie recht behalten habe— und er- klärte sich natürlich auch gegen das Verbleiben deutscher Truppen in China, Ivo jetzt eine maskierte Kolouialarmee geschaffen wird. Dann kam der Etat des A u s w ä r t i g e n Amtes an die Reihe. Herr Professor Hasse, der Alldeutsche, bestieg die Tribüne. Sicher, nun forderte er den Reichstag und die Regierung mit flammender Begeisterung auf, sich der Boeren anzunehmen! Aber nein, Herr Hasse, der Führer der Boerenligo, hatte wichtigeres zu thun. Kein Wort über die internationale Politik; denn sein Jubel über die Prinzenfahrt nach Amerika ist nicht ins Bereich der ernsthaften Politik zu rechnen. Dafür jammerte er, datz irgend welchen Deutschen irgend wo im Ausland irgend ein Härchen gekrümmt worden sei. Dann sprach er über Berufs- und Wahlkonsulatc. Sonst wurde von bürgerlicher Seite noch über Handelskammern im Ausland ge- redet. Unser Parteigenoffe Gradnauer aber erörterte dann in einer grotzen Rede die wichtigsten Fragen der auswärtigen Politik. Die amerikanische Reisepolitik enthüllte er in ihrem kläglichen Nichts. Glaubt man durch derlei Mittclchcn die Freundschaft mit einem Staate herzustellen, den wirtschaftlich zu schädigen Hauptziel unsrer Zollpolitik sei? Ucbrigcns ist es merkwürdig, datz immer nur von Deutschland derartige Aufmerksamkeiten dem Ausland erwiesen werden. Bisher hat sich noch keine Nation revanchiert und uns solche kleinen Geschenke, die die Freundschaft verspotten und entwerten, durch Telegramme, Briefe und Specinlgesandte an- getragen. Dann charakterisierte Gradnauer ans drei Gebieten die Politik systematischer Völkerrechtsverletzungen: in Transvaal, in Armenien und in China. Er zeigte, wie die lautesten Boerenfreunde im Reichstage völlig versagten, nnd er wies unwiderleglich nach, daß die deutsche Regierung auf Grund des von ihr feierlich unter- schriebe nen Haager Friedensprotokolls nicht nur be- rechtigt, sondern geradezu verpflichtet sei, bei England in freundschaft-- licher Weise auf Beendigung des furchtbaren Krieges, wenigstens aber auf Abstellung der notorischen Völlerrechtslvidrigkeiten einzuwirken. Das sei keine Intervention, keine gefährliche Einmischung, sondern einfach die Konsequenz des Haager Vertrags. Wenn Deutschland das unter- lasse, geschehe das nicht wegen der geheimnisvollen diplomatischen Gefahren, hinter die man sich immer verschanze, sondern einfach deshalb, weil man nicht wolle. Zum Schluß erörterte unser Parteigenosse noch einmal in scharf gespitzte» Wendungen den Raub der Pekinger Instrumente, die den Eigentümern zurückzubringen eine socialdemokratische Resolution aufforderte. Als Gradnauer von einem„Zeichen der Schande" sprach, rief ihn der Präsident sehr übereilt zur Ordnung, indem er es für unzulässig erklärte, eine„That der Regierung' so zn nennen. Nachher sah er wohl selbst ein, datz es nicht glücklich ge- Wesen, die Wegnahme der Instrumente als Regierungsnkt zu be- zeichnen, und er hinderte später ähnliche scharfe Aenßerungen nicht mehr. Graf Bülow antwortete ebenso gereizt wie wundersam. Selbst seinen Kollegen Podbielski nnd Haminerstein ist zuzutrauen, datz sie sich geschickter ans der Affaire ziehen würde». Allerdings, was sollte der Mann auch sagen! Selbst er glaubt nicht im Ernst, datz diePcinzeusahrt irgend eine Bedeutung hat, trotzdem mußte ersiefeiern. AuchGrasBülow ist sich klar darüber, datz Deutschland sehr wohl jene freundschaftlichen Einwirkungen auf England und die Türkei unternehmen könnte. Aber Graf Bülow darf es— ans andren Gründen— nicht thun, nnd so mutzte er die Ausführungen Gradnauers verdrehen, als ob er eine Politik der Intervention gefordert hätte; dagegen läßt sich dann leicht polemisiere». Nicht minder ist cS dem Grafen Bülow bewußt, datz in der Chamberlain-Affaire nicht e r der Sieger geblieben. Gerade darum beantwortete er die Anspielung Gradnauers mit einem sinnlos verärgerten Ausfall. Endlich ist nicht daran zu zweifeln, daßGrafBülow, trotzdem er bereits einige Jahre in Berlin ministeriert, inmicr noch nicht ganz die Empfindung dafür verloren hat, datz es Deutschlands unwürdig ist, den Chinaranb weiter zu hehlen. Aber er hat nicht die Macht, die Zurückführung zu erzwingen, und so mutzte er gegen die socialdemokratische Resolution sprechen. Dabei entschlüpfte ihm aber ein geradezu ewiges Wort, das in der Weltgeschichte erhalten bleiben sollte. Der deutsche Reichskanzler erklärte, die Instrumente könnten nicht zurückgegeben werden, weil das die G e f ü h l e der K a i s e r i n- T a n t e von China verletzen würde. Das ist die Lösung aller Rätsel, die Enthüllung aller Ge Heimnisse. Graf Bülow regiert nach den unergründlichen Gefühlen der Kaiserin-Tante. Wenn innner in Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft die Bülowsche Politik unverständlich nnd unverständig scheinen möge,— seid ruhig: der Kanzler trägt nur den tiefen Gefühlen— der Kaiserin-Tante Rechnung, von denen das dumnie Volk nichts ahnt. Im Hanse lachte man über diese Ausrede dcS Grafen Bülow nnd niemand verstand, warum die Kaiserin-Tante sich durch die Rückerstattung entwendeten Besitzes gekränkt fühlen sollte. Ihr kennt die Kaiserin-Tante eben nicht, deren Seelenleben eigene Wege wandelt! Und es liegt sehr viel Sinn in der Beteuerung des Kanzlers, datz er nach den Gefühlen der Kaiserin-Tante in China regiere. Die Bülowschen Drolericn zerfaserte Genosse Lcdebour mit unbarmherzigem Spott. Seine temperamentvolle nnd eindringliche Rede klang aus in einer wirksamen Konstatierung der echten nationalen Politik der internationalen Socialdemokratie und der im Grunde ihres Wesens antinationnlen Politik der nationalen Parteien. Am Dienstag geht die Debatte weiter. Wir sehen voraus, datz die Socialdemokratie wiederum allein gelassen werden wird, die bürgerlichen Parteien werden sich wie e i n Man» um Bülow scharen wie neulich um Tirpitz. Was thut'S I Drautzen im Lande denkt man anders wie in dem parlamentarischen Warenhaus. Das Volk hat sich noch nicht daran gewöhnt, seine Meinungen über Recht und Unrecht einzurichten nach den Gefühlen— der Kaiserin- Tante von China. �olikifisze Mebevfirhk. Berlin, den 3. März. Die Steuerscheu der Besitzenden. DaZ Abgeordnetenhaus nahm am Montag die Gesetz- entwürfe betr. die Heranziehung zu den Kreis- abgaben, betr. die Provinzialdotationen und betr. den Erwerb von Bergwerkseigentum in dritter Lesung an. Den Gesetzentwurf betr. den Erwerb von Bergwerkseigentum bezeichneten verschiedene Redner als einen Schritt auf dem Wege zum socialistischen Staat, eine Anschauung, die Minister Möller mit dem Hinweis darauf bekämpfte, daß es sich hier ja nur um einen im Verhältnis zu dem gesamten Bergbau sehr kleinen Besitz handle. Ebenso bestritt der Minister energisch die Be- hauptung, daß der Staat auf die Bergarbeiter bei den Wahlen einen Einfluß ausübe, und er sah sich auch nicht genötigt, seine Bemerkung zurück zu nehmen, als Abg. Kirsch (C.) ihn an die Beeinflussungen bei der Wahl des Herrn Prietze in den Reichstag erinnerte. Expedition: SWM9. Vrntlt-Skeaste 3. Fernsprecher: Ami I, Nr. 5121. Von hohem Interesse war die Beratung des Etats der Verwaltung der direkten Steuern, die das Haus hierauf fortsetzte. Die Debatte enthüllte wieder einmal' das innerste Wesen der herrschenden Klassen, die zwar möglichst viele Rechte für sich in Anspruch nehmen, aber der unangenehmen Pflicht, Steuern zu zahlen, sich nach Kräften zu ent- ziehen suchen. Die Miquel'sche Steuerreform, die— man mag sonst über Herrn v. Miquel denken, wie man will— doch sicher das eine Gute hat, daß sie. was die Einkommen- steuer betrifft, die höheren Einkommen stärker als vordem be- lastet, erregt bei den besitzenden Klassen immer noch große Unzufriedenheit. Fast jeder hat etwas daran auszusetzen. Abg. Schmitz(C.) klagte über die Besteuerung der länd- lichen Kleinbesitzer und verlangte eine Schonung des verschuldeten Grundbesitzes in Stadt und Land. Sehr warm nahm sich der Centrumsredner der armen Hans- agrarier an, ans die eine Menge Lasten abgewälzt würden. Wie unberechtigt diese Klagen sind. geht daraus hervor, daß Herr v. Miquel die Besteuerung des Grund nnd Bodens bekanntlich den Gemeinden überlassest hat, in deren Vertretungen die Hausbesitzer das große Wort führen. Daß diese Herren eine übermäßige Besteuerung des Grund und Bodens nicht zulassen, bedarf keines weiteren Beweises. Der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben trat denn auch den hausagrarischen Anschauungen des Herrn Schmitz entgegen; er gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Gemeinden inimer mehr geneigt sind, ihre höheren Aus-, gaben durch Zuschläge zur Einkommensteuer zu decken und bezeichnete es als angebracht, die Grund- und Gebäudesteuer weiter auszubauen, da die Grundbesitzer von den kommunalen Einrichtungen besonderen Vorteil haben. Eine zweideutige Rede, die auf der einen Seite von Arbeiterfreundlichkeit förmlich überfloß, auf der andern Seite zollwucherischen Tendenzen huldigte, leistete sich Abgeordneter Frhr. v. Zedlitz(fk.). Er untersuchte die Frage, welche Wirkung die Erhöhung der Getreidezölle auf die Steuer- crgebnisse haben würde, und kam zu dem Schluß, daß that- sächlich die höheren Getreidezölle die Massen mehr belasten würden. Als Ausgleich hierfür forderte er eine stärkere Besteuerung der hohen Einkommen und Steuererleichterungen in dem Sinne, daß die Kinderzahl mehr als bisher berücksichtigt werden soll. Die Zedlitzsche Rede lockte den Abg. v. Eynern(natl.), den wütendsten Vorkämpfer für das Privateigentum, auf den Plan.— Er sieht in einer progressiven Einkommensteuer einen Schritt zum socialistischen Zukunftsstaat und fürchtet, daß dann eine Konfiskation des gesamten Eigentums nicht mehr lange ausbleiben wird. Leidenschaftlich legte er sich für i n d i r e k t e Gemeindesteuern, insbesondere eine Biersteuer, ins Zeug, um dann schließlich sein besonderes Steckenpferd, die Belästigungen bei den Steuerveranlagungen, die angeblich ungerechte Be- steucrung der Aktiengesellschaften und die nach seiner Meinung ebenso ungerechte Besteuerung des Agiogewinncs bei Neu- Eniissionen von Aktien, zu reiten. Minister v. Rheinbaben ergriff nochmals das Wort, insbesondere um für den Zolltarif zu agitieren. Nach seiner Ansicht handelt es sich bei den Zollerhöhungen nicht um eine Mehrbelastung des Volkes, sondern höchstens um den Ausschluß eines Vorteils, den das Volk bisher gehabt hat. Als ob das nicht ans dasselbe hinauskäme I Mit dem Ge- danken der indirekten Kommunalsteuern ist er durchaus ein- verstanden; namentlich hat er gegen die Mahl- und S ch l a ch t st e u c r nichts einzuwenden, da hierdurch das Brot und Fleisch nicht verteuert werde. Den Versuch einer kom- mnnalen Biersteucr allerdings hält er im Hinblick auf die süd- deutschen Staaten für absolut aussichtslos. Zum Schluß richtete er an die Mitglieder des Hauses, die zugleich Reichstags- abgeordnete sind, die Aufforderung, dafür zu sorgen, daß der Beschluß der Zolltarif. Kommission, betreffend die Beseitigung aller kommunalen Abgaben auf Lebensmittel, wieder aufgehoben werde. Nach weiterer unerheblicher Debatte wurde der Etat bewilligt. Dienstag: Etat des Ministeriums des Innern und Kultusctat._ Die Konvention der Zuckerronferenz. „Etoile Beige' veröffentlicht den Text der Znckerkonvention, welche am Montag der Schlntzkonfercnz vorgelegt nnd, wie das Blatt meint, wahrscheinlich ohne Abänderung von derselben an- genommen werden wird. Die Hauptpunkte der Konvention sind folgende: Die vertragschlietzenden Parteien verpflichten sich, vom Tage des Inkrafttretens des gegenwärtigen Abkommens die direkten und indirekten P ä m i c n abzuschaffen, nnd, solange das Abkommen in Kraft bleibt, keine Prämien solcher Art eiuzu- führen. Der zweite Artikel regelt die Kontrolle der Fabriken und Raffinerien durch Staatsbeamte. Im Artikel 3 verpflichten sich die vertragschlietzenden Staaten, de» II c b e r z o l l, d. h. den Ilnterschied zwischen Stenerbelastung des ausländischen nnd dcS inländischen Zuckers, auf die Höchstziffer von 6 Fr. für je 100 Kilogramm raffinierten nnd ihm gleichzustellenden Zuckers und 5�z Fr. für andren Zucker zn beschränken. Durch Artikel 4 verpflichten sich die vertragschließenden Teile, die Zuckercinfuhr anS solchen Ländern mit einem besonderen Zoll zu belegen, welche Fabrikations- oder Ausfuhrprämien ge- währe n. Dieser Zoll darf nicht geringer sein, als die von dem UrfprnngSlande des Zuckers gezahlten direkten od« indirekten Prämien. Die Parteien behalten sich die BefuaniS vor, die Ein- fuhr von Pramienzucker zu verbieten. Sie verpflichten sich gegen- seilig, zu dein geringsten Zollsatze ihres Einfuhr- tarifs den Zucker aus den Vertragsländern oder den Kolonien, ivelche keine Prämien gcivähren, zu- z li l a s s e n. Rohrzucker und Rübenzucker dürfen nicht mit ver- schiede»«« Zöllen belegt werden. Die„Sigciice Havas-Reuter" erfährt von kompetenter Seite, dieser von einer Zeitung veröffentlichte Text der Konvention nicht vollständig sei. Es sei wahrscheinlich, daß noch Abänderungen nebensächlicher Art vorgenommen würden.— Weitere Deukwlitdigkeiten von der Prüizenreise. Die Specialkabel-Schmocks beweise» fortdauernd eine wunder- bare Intelligenz bei der Anstvahl der telegraphisch an Scherl und Mosse übermittelte» Prinzen-Anssprüche. Beim Bestick) des Schlachtfeldes von Chattanooga, anf dem die Gebeine von 11(X)(> Gefallenen eingescharrt sind, rief'der Prinz aus: „Das Tenesseethal ist herrlich; ganz Europa weist nichts Schöneres mif I Ich sah nie solches Schlachtfeldl" Ob den Gefallenen deshalb das Sterben leichter gclvorden ist" Eine andre Meldung lautet: „In Dennison wurde ein K n a b e gegen die Plattform gedrückt; er verletzte sich hierbei an den E i s e n t e i l e n am Finger. P r i n z H e i n r i ch sprach die Hoffnung aus, daß der Knabe nicht ernstlich verletzt sei. Ein gewöhnlicher Sterblicher würde sich beleidigt fühlen, wenn niaii eine solch selbstverständliche Regung des Mitleids zum Akt besonderer Humanität aufbauschen wollte. Einen dritten Prinzentoast bringt einer der Schmocks in folgender selbstgefälligen Einkleidung: „Richtige Hurras kennt der Amerikaner als BegrnhungSnl nicht, überall, wo nicht das deutsche Element überwiegt, drückt er seine Freude in o h r en b et ä u b e ndem Kreischen aus---- Einem andren als nnsrem Prinzen ivürde dieser permanente Trubel vielleicht schon zu viel gelvorden sein, er aber mit seiner eisernen Konstitution und seinem liebensivürdigen Gemüt erträgt alle Reise- und Fcststrapazen spielend. Noch heute fragte er lachend Ihren Korrespon- deuten in solch einem lebhaften Moment der Begrüßmig: „Run, leben Sie noch?" Welche Konstitution mutz da der durch diese Prinzennnsprache ausgezeichnete Korrespondent selbst erst besitzen. Muß er doch nicht nur die nämlichen Strapazen ertragen, sondern auch noch jede er- horchte und erschnnffelte Staatsaktion nach Europa kabeln I— Zur Zlnfkanfuug des dritte» Bandes von Bismarcks Memoire». Die I. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart veröffentlicht folgende Erklärung: Die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Notiz, daß wir beziehnngstveise die mit uns verbündete' Verlagsgesellschaft„llnion" uns das Manuskript zu einem dritten Band der„Gedanken und Erinnerungen" des Fürsten Bismarck hätten abkaufen lasse», erklären wir hier-- durch als eine Erfindung. Auf weitere in jener Notiz ent- haltene unrichtige Mitteilungen einzugehen müssen wir verzichten. Ob die Form der Erklärung, daß man sich das Mannskript nicht habe abkaufen lassen, absichtlich gewählt ist und als indirekte Be- stätigung angesehen werden darf, daß Versuche des Aufkaufs ge- macht worden sind?—_ Die Sklaverei in unsreu Kolonien. Der„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Verordnungen„betr. die H a u s s k l a v e r e i" in Kamerun und Togo, die zwar in ihrer Tendenz angeblich daS unchristliche, kultnrwidrige Institut der Sklaverei allmählich aufheben �sollen, die aber in Wirklichkeit dies Institut für die nächsten Jahrzehnte nur legalisieren. Demi nach diesen Verordiinnge» werden zwar die nach der Ver- kündigung derselben geborenen Kinder der Hanssklaven für frei erklärt, allein alle vor diesem Termin Geborenen dürfen bis an ihr Ende als Sklaven behandelt werden. Andrerseits wird wenigstens der Verkauf, Tausch und jede derartige Veräußerung der Hansstlaven verboten, ebenso die Schnldknechtschaft. Die Verordnung enthält ferner folgenden Schutzparagraphen für die Sklaven: „Das Herrenrecht wird verwirkt, wenn der Herr seine Pflichten gegen den Haussklaven schwer verletzt. Die zuständige Verlvaltungsbehörde hat Fälle von Pflicht- Verletzungen dieser Art, welche zu ihrer Kenntnis gelangen, von Amts wegen zu untersuchen und. ist gegebenenfalls befugt, die Freilassung des betreffenden Sklaven durch A n s st e l l n n g eines Freibriefs h e r b e i z u- führen, ohne daß dem bisherigen Herrn ein Anspruch anf Entschädiguiig zusteht." Dieser Paragraph wird höchstwahrscheinlich nur eine p a- pierene Existenz fristen, enthält er doch nicht einmal die dringend erforderliche Definition des Begriffs der„schwere n Verletzung der Pflichten". Wie tvenig unsre Kolonialkreise daran denken, der Sklaverei in Afrika ernstlich ei» Ende zu bereiten, geht auch schon daraus hervor, daß von denselben vielfach der Vorschlag gemacht wird, den A r b e i t s z iv a n g der Eingeborenen für die Europäer einzuführen. Nicht nur der berüchtigte Karl Petsrs ivar ein leidenschaftlicher Verfechter der Idee der„Verstaatlichung der Arbeitskraft" der Eingeborenen, sondern ähnliche Grundsätze werden auch von dem„Ostafrikaner" Hauptmann Westler in der ,K o l o n i a l- Z e i t s ch r i f t" und dem Kameruner Major v. Morzen vertreten, die für die Einführung der„Arbeitspflicht" eine zielbewußte Propaganda entfalten, der sie gleich Dr. Hans Wagner, ebenfalls einem Vorkämpfer eines derartigen Sklaverei- Systems, durch den Hinweis auf die andernfalls n n v e r m e i d- liche Kolon ialpleite Nachdruck zu verleihen suchen Der hochverräterische Gymnasiasteiibnut». Dem„Posener Tageblatt" wird ans Gnesen vom Sonntag gemeldet: Borgenommene Haussuchungen ergaben, daß hier eine geheime polnische Gymnasiasteii- Verbindung besteht. Die Abilurientenprüfung wurde deshalb verlegt, vier Oberprimaner wurden von der Prüfung zurückgewiesen. Viele Bücher, Zeitschriften-c. wurden be- schlagiinhmt. Wahrscheinlich handelt es sich wieder um ein harmloses Litteratur- kränzchen der Gymnasiasten, lind da plärrt unser hakatistischer Janhagel noch prahlerisch:„Lieb Vaterland, magst ruhig sein."— Kommnnalwahlen in KarlSrnhe. Ans Baden wird uns geschrieben: Zu den nahe bevorstehenden Stadtverordneten- wählen in Karlsruhe haben die bürgerlichen Parteien, nnt alleiniger Ausnahme der Demokraten, ein W a h I k o m p r o m i ß geschlossen, dessen Zweck die völlige Verdrängung der Socialdcmokratie ans den bürgerlichen Kollegien der Stadt ist. Die konservativ- naiionaNiberal-frcisinnig-llerikalc Vereinigung ivill die ö3 diesmal zu vergebenden Sitze nach der zohleninübigen Stärke der einzelnen Parteien unter sich verteilen. Das Hanptkampf- selb wird die dritte Wählcrklasse sein, die mit 9112 Wählern bei halber Vertreterzahl doppelt so viel Stimm- berechtigte zählt wie die beide» ersten Klassen zusammen. Bei der letzten Wahl erhielt der socialistische Vorschlag in der dritten Klasse 2524, das Centrinn 822, die vereinigten Nationalliberalen, Frei- sinnigen und Konservativen 2370 Stimmen. Anf diese Klasse wollen die vereinigten Bürgerlichen nun ihre Hanptkraft verlegen, um die diesmal zur Neuwahl stehenden Mandate der Socialdcmokratie dieser abzunehmen und bei der nächsten Wahl das„Säiibermigswerk" dann zu vollenden. Von dem„Liberalismus" der Rcgienmgspartei ist man ein derartiges Vorgehen längst gewöhnt; daß aber auch das Centrum seine Hand dazu bietet,' die numerisch stärkste Partei der Residenz ans der Biirgcrvertretung zu verdrängen, das ist außerordentlich bezeichnend für die„Arbeiterfrenndlichkeit" dieser Herren.—- 1 Frankreich. Eine Bersammlung ZlrbcitSloscr in der Arbeitsbörse artete nach einem Bericht der„Voss. Ztg." zu einem anarchistischen Ruhe- störnngsvcrsuch ans. Die über tausend Köpfe starke Versammlung wälzte sich nach Schluß derselben aus dem Arbeitsbörsen-Saal auf die Straße und lieferte den dort anfgestellten starken Abteilungen von Schutzleuten einen halbstündigen Kämpf, wobei aus Revolvern geschossen und mit Messern gestochen wurde; 38 Schutzleute wurden verwundet. Unter den Verhaftelen sind 6 oder 7 Russen, Armenier, Italiener und Spanier, einer, ein gewiffer Pic, soll aus Barcelona angekommen sein. Eine A n a r ch i st e n g r n p p e drang nachmittags in den Trocaderosaal ein, wo unter Anatole Franccs Vorsitz eine Victor Hngo-Feier stattfand, und suchte auch dort die Ruhe zu stören. Die Polizei stellte rasch die Ordnung her. Ein andrer bürgerlicher Bericht b e st r e i t e t, daß von den Demonstranten bei dem Zusammenstoß gefährliche Werkzeuge ge- braucht worden seien, es sei lediglich mit Stöcken geschlagen worden, auch sei kein einziger Polizist schwer verletzt worden. Die Polizei und ihre Preßfrennde scheinen eben wieder einmal daS Gespenst des internationalen Anarchismus erscheinen lassen zu wollen.— Eine wunderliche Erklärnng wird JauröS von bürgcr- lichen Korrespondenten in den Mund gelegt. Danach soll Jaurös in einem Aufsätze zu dem in Tours tagenden Socialistenkongreß ausgeführt haben, der Regierungsversuch Millerands und der socialistischen Partei habe lange genug gewährt. Nach den Neuwahlen müsse Millerand, auch nach noch so glänzendem Siege, zurücktreten und der Socialisinus seine Unabhängigkeit zurückfordern. So bösartig kann Jaurös sich unmöglich selbst ad absurdum geführt haben.— Belgien. Anarchistischer Blödsinn. Die belgischen Klerikalen haben in ihrem Kämpfe gegen das allgemeine einfache Wahlrecht Unterstützimg gefunden bei den— Anarchisten. Diese haben in Lüttich— wo sie noch am stärksten vertreten sind und noch teilweise ihr Wesen in den socialistischen Vereinen treiben— ein Flugblatt herausgegeben unter dem Titel„Der Kriminell". Dieser„Verbrecher", das ist das Volk, „welches über den Wahlen seine Bedrückung vergißt". Als Mittel, das Volk von den Bedrückern zu befreien, wird natürlich der „revolutionäre Generalstreik" empfohlen. Die Herren Anarchisten haben also an den Lehren von Barcelona noch nicht genug.-- Italien. Die politische Lage hat sich seit 48 Stunden insofern geändert, als sich mit Zusage der Opposition B i a n ch e r i bereit erklärt hat, den Vorsitz in der Kammer anzunehmen. Die Kammer wird ihre Sitzungen am 10. März wieder aufnehmen.— Der Boereu- Krieg. Die Berluste bei KlerkSdorp und Harrysmith. K i t ch e u e r berichtet aus Volksrust: Die Verluste der Bocren bei dem Durchbrnchsversuche am 27. Februar betragen 50 Tote, tv Bcrwnndcte und 759 Gefangene; außerdem wurden bei dem DurchbruchSversliche am 24. Febiuar über 100 Boeren gefangen genommen. Außer den Verlusten der Neuseeländer waren bei letzterer Gelegenheit auf englischer Seite zu verzeichnen ein Offizier verwundet und vier Mann getötet. Die Gesamtverluste der Engländer bei Klerksdorp betrugen, wie jetzt offiziell mitgeteilt wird: L Offiziere,'43 Mann Tote; 6 Offiziere, l 2« Mann Verwundete; ein Oberst, zehn Offiziere und 443 Man» Gefangene. Neichstag. (Schluß ans der 1. Beilage.) Abg. Frese(frs. Vg.) befürwortet die Errichtung von Handels- kämmen« im Auslände. Abg. Ledebonr(Soc.): Der Reichskanzler hat die Rede des Abg. Gradnaner falsch auf- gefaßt. IInS liegt nichts ferner, als das freundschaftliche Verhältnis z» Amerika zu stören. Wir t h u n alles Mögliche, um M a tz n a h m e n d e r R e g i c r u u g, die das freundschast- liche E i n v e r n e h m e n stören könnten, entgegenzutreten. Mein Freund Gradnauer ist nur der finnlose» Ueberschätzmig rein ceremonieller Beranstaltiingeu entgegengetreten. Wir sind aber nicht der Meiiinng, daß Prinzenreiscn wesentliche Aendernngen in den Bezichnngen großer Länder hervorbringen können. Uns gilt die Reise als nichts andres als die Reise eines Cercmonien- meisters.(Sehr gutl links.) Zur Person des Prinzen Heinrich haben wir zudem kein besonderes Vertrauen. Er lvar auch«n China, wurde dort auch sehr glänzend empfangen. bald darauf hatten wir aber die chinesischen Wirren. Zu den gegen Amerika gerichteten deutschen Maßnahmen rechnen wir den Zolltarif.(Aha! rechts.) Jawohl, dieser Zolltarif muß wirtschaftliche Verstiinmungen in Amerika hervorrufen. Diese haben größeren Einfluß als Prinzcnrciscn und alle Festessen, mögen sich daran noch so viele Millionäre und Milliardäre von New Dork beteiligen. Ter Neichskanzler hat dann die Affaire der ch i n e s i s ch e» I n st r u»> e n t e so dargestellt, als würden wir der Regierung einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir die Schenkung zurückweisen. Gewiß. hat die chinesische Regierung zngeftinnnt. Aber diese Ziistimmnng ist doch erst nach der Fort nähme d e r I n st r n m c n t e und ihrer Wegschaffimg erfolgt.(Sehr richtig! links.) Wir fordern die Rückgabe der Instrumente nicht, um dem Nationalstolz der Chinese» zu schmeicheln, sondern im Interesse der eigenen EhreTcnschlandö. Damit entfällt für nnS der Vorwurf dcsChinesentimis Wir wahren eben die deutsche Ehre, als der Reichskanzler und seine Regierimg.(Lachen rechts.) Sie lachen, aber die internationale Socialdemokratie ist thatsächlich nationaler, als diejenigen, die das Wort Patriotismus stets im Munde führen, aber mir als Deckmantel für die Vertretung einzelner großer Jnteressencliqnen. Der Neichskanzler hat das große Wort ausgesprochen, die Käiserin-Witwe in China würde sich durch die Rückgabe der Instrumente verletzt fühlen. DaS ist der Standpunkt eines chinesischen Ceremonien- meisters, nicht eines deutschen Staatsmannes.(Sehr gut! links.) Da auch ich glaube, daß die Kaiscrin-Witwe eine sehr intelligente Dame ist, schätze ich sie höher ein, als eine» ihrer Ceremonieiimeister, und glaube an ein solches Vcrletztsein nicht. Im Volke herrscht Unwille und Erbitterung über die Fortnahme der Instrumente, deshalb wollen wir ihre Rückgabe.(Lachen rechts.) Immer noch nicht k l a r g e st e l l t i st, wer der Urheber dieser glorreichen Fortnahme war. ES scheint hier der Satz maßgebend zu sein, e recherche de la paternite est interdite (die Nachforschung nach der Vaterschaft ist verboten). Wenn wir nun auch den B e>v e r k st e l l i g e r der Fortnahme nicht kenne», so kennen wir dafür doch den Empfänger des Denkmals, das der Präsident ein Denkmal der Schande nicht genannt wissen will.(Große Heiterkeit.) Auch darauf ist man uns die Antwort schuldig geblieben, warum die Instrumente gerade im Park von Sanssouci aufgestellt worden sind. Hat man damit einer be- 'timmten Persönlichkeit einen Gefalle» thnn wollen? Wenn heute Bürger im Park von Sanssouci heriimgeführt werden, dann werden ihnen die Sehenswürdigkeiten gezeigt, dann wird ihnen auch die Mühle von Sanssouci als ein Zeichen der Gerechtig- keitsliebe preußischer Könige vorgeführt. Wenn Besucher des Parkes in Sanssouci an die P e k i n g e r I n st r n m e n t e geführt werden, dann wird man sie ihnen nicht als ein Wahrzeichen der Gerechtigkeits- liebe preußischer Könige vorführen können, über diese Instrumente wird man vielmehr schweige» im Interesse der Ehre Deutschlands oder der in D e u t s ch l a n d maßgebenden Z e r s ö n I i ch k e i t e n.(Sehr gut! links.) Ich hoffe. Sie werden iinsre Resolution einstimmig annehmen, vielleicht mit Ausnahme der Herren, die vorhin gelacht haben und die damit bewiesen haben, daß sie kein Gefühl für die Thatsache haben, daß man in Sans- souci ein Denkmal aufgestellt hat, das der deutschen Politik zur Unehre gereicht.(Bravo! links.) Der Reichskanzler hat Gradnaner vorgeworfen, er treibe eine Welt- Politik ä outrance. Hat denn Gradnauer irgend welche k r i e g e- r i s ch e Eiumischnng verlaugt? Als gesagt wurde, es dürfe kein Schuß in der Welt fallen, ohne day der deutsche Kaiser m'itrede, das war eine Politik dcS Haus Dampf in alle» Gassen. Gradnaner hat nur eine frcimdschastliche Einwirkung auf die englische Regierung verlangt. Das ist nach der Haager Konferenz Deutschlands gutes R e cki t. Man unterschätzt die Jmpon- derabilien in der Politik. Eine Mediation hätte erfolgen können, ohne die englische Regierung irgendwie zn verletzen. � Der Reichskanzler hat eine sehr tmglllckliche' Hand. Das bat er mit seiner Rede gegen Chamberlain bewiesen. Wäre er damals nicht so nn- geschickt gewesen, so hätte er jetzt freiere Hand, wirklich kulturelle Forderungen bei England zu vertreten. Noch ist es nicht zu spät. In Belgien hat man die Frage auch verhandelt. Man hat in Belgien nicht interveniert, aber ausdrücklich das Bedauern ausgesprochen, daß man nichts thnn könne, weil sich die ü b r i g e n Grosimächte so still Verhakte«. Was man in Belgien gcthan hat. das, meine ich, hätte man in Deutschland viel eher thnn müssen. Ich habe bereits früher darauf hingewiesen, daß es dringend gefordert werden muß, daß die Frauen und Kinder ans den Kon- zentrationslagern entfernt werden. Leider haben die angeb- lich so bocrenfrcnndlichen bürgerlichen Parteien diese Anregung nicht aufgegriffen, wohl aber meine Parteigenossen im belgischen Parlament. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse sehr zn Gunsten einer solchen Intervention verändert. Die Ernährung der Frauen und Kinder in den Konzentrationslageni ist nach den englischen Blaubüchern sehr schlecht. Die Sterblichkeitsziffer der Frauen und Kinder ist daher anßerordentl'ch groß. Lord Kitchener hat nun vor kurzem anf eine Beschwerde des Boerenkomniandanten Botha sich bereit erklärt, die Frauen und Kinder ans den Konzentrntionslagerii zu entlassen und sie ihn« dort zu übergeben, wo er sie in Empfang zu nehmen wünscht. Er würde sich„glücklich schätzen, der Sorge für die Frauen und Kinder enthoben zu sein". Man könnte das ja für reinen Hohn halten, ich meine pber, daß wir die Sache sehr ernst nchmen und alles dazu thnn sollten, um die englische Regierung ihrem Wunsche entsprechend glücklich zn mächen. Meine politischen Freunde in allen Ländern, auch in England, sind einig in der Verurteilung dieses Krieges, und wir sind einig, weil es sich hier um einen kapitalistischen Raubzug handelt, wir verurteilen den Chan- vinisnins der Engländer, ivie wir den Chanvinismns nnsrer All- deutschen anf das schärfste bekämpfen. Ihre Hammcrpolitit kann uns ebenso leicht, wie jetzt die Engländer, dazu führen, ein fremdes Volk zn eniiiationalisiercn. Wir wollen, daß Deutschland vorangeht allen Völkern der Welt in dem Grundsatz der Nationalitäten- t o l e r a n z. Von einer solchen Toleranzpolitik würde gerade Deutsch- lnnd den größten Vorteil haben, denn es find mindestens 10 Millionen Deutscher, die in fremde» Ländern in eng e�n Kolomsationscentren zusamniensitze». Die 10 Millionen Deutscher wären vor nationaler Verfolgung geschützt, wenn der Grundsatz der Nationalitätentoleraiiz allgemeine Geltung hätte. Wir internationalen Socialdemokraten halten es für unsre höchste Pflicht, dasRechteinesjeden Volkes auf seine Nnlionalilät zu betonen. Darin aber, daß wir überall dieselbe internationale und dieselbe nationale Politik treiben, liegt unsre SiegeSgrwistheit über alle alldeutschen und haka- tistische» Alfanzereien.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Hierauf wird ein Vertagungsantrag angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Hasse(natl.), die Bemerknng deS Herrn Gradnauer, ich sei ein Englandhasscr, war durchaus unberechtigt, gerade auf Grund meiner jüngsten Rede sind eine Reihe Ziistimmiingsschreiben aus England au niich gelangt. Der Vorwurf des Herrn Ledebonr, ich trete nur fiir die Bocren ein, wenn es mir keine Ungclcgenheiten bereitet, beweist mir. daß er vollkommen nnunterrichtet ist über das, was von nnsrer Seite für die Boeren geschehen ist.— Wenn mir Herr Gradnauer Mangel an Boerenfrenndlichkeit und Mangel an Chauvinismus(Große Heiterkeit) vorwarf, so berufe ich mich darauf, was der Herr Neichskanzler darüber gesagt hat. Slächsie Sitzung: Dienstag 1 Ühr.(Nachtrags-Etat für die Veteranen, Fortsetzung der zweiten Veratnng deS Etats deS Auswärtigen Amts.)' Schluß 6 Uhr. LauheSversamiulliltg der soeillldtmokrütislhen Partei Vadeiis. O f f e n b u r g, 2. März. Die diesjährige LandeSversammlnng der socialdemokratischen Partei Badens, die gestern und heute hier stattfand, war von ins- gesamt 56 Delegierten ans 42 Orten mit Partei-Organisationen be- schickt. Vom deutschen Parteivorstand war Genosse Bebel anwesend. Mit der Leitung derselben ward Genosse L e h in a n n- Mann- heim betraut. Ucber den Bericht des LandcsvorstandcS über seine Thätigkeit im verflossenen Geschäftsjahr ist an dieser Stelle schon vor einiger Zeit berichtet worden. Nach dem Rechenschaftsbericht deS Geschäftsführers unsreS Karlsruher Partei-Organs„Volksfreund", Genossen Enge» Geck, ist der finanzielle Stand desselben ein durchaus erfreulicher. Während in früheren Jahren stets nicht unerhebliche Zuschüsse er- forderlich waren, ist im verflossenen Jahre zum erstemnale ein kleiner Ueberschnß zn verzeichnen gewesen, der die Aussicht eröffnet, daß in absehbarer Zeit eine gründliche Sanierung der allgemeinen finanziellen Lage deS„Volksfrennd" erfolgt. In der ansgedehnten Debatte über die im vorigen Jahr neu eingeführte Einteilung des Landes in vier Agitationsbezirke stellte sich die llngccignethcit dieser Organisationsform heraus; es wurde deshalb beschlossen, dieselbe wieder aufzuheben. Es wurde statt dessen wieder anf die alrc Einteilung nach Rcichstags-Wahlkrcisen zurückgegriffen. Hinsichtlich der Agitation beauftragte die Landes- Versammlung den Landesvorstand, ein Aktionsprogramm für die Agitation auf dem Lande auszuarbeiten und der nächsten LandeSversammlnng vorzulegen. Landtagsabg. Drecsbach erstattete hierauf den Bericht der L a n d t a g�S f r a k t i o n. Dieselbe hat in der kurzen Zeit seit Eröffnung der Session drei Interpellationen eingebracht, über die Stellung der Regierung zu N o t st a n d und A r b e i t s l o s i g- k e i t, die Haltung der Bundesratsbevollmächtigteii in der Z o l l f r a g e und die sog. Verpreußnng der M a i n- N e ck a r b a h n, von denen die beiden erste» bereits zur Verhandlung kamen. Diese gaben Anlaß zu ansgedehiiten Debatten. Die Regierung suchte den Um- fang der Arbeitslosigkeit möglichst niedrig darzustellen. Der Minister des Junerii gab zwar zu, daß etwa 15 000 Arbeitslose im Lande vorhanden seien, diese Zahl verminderte sich aber auf dem Wege nach Berlin, bis sie von Posadowsky im Reichstag vorgetragen wurde, anf 5000. An Anträgen chat die Fraktion bisher vor allem einen solchen zur Einfühning des direkten Wahl- rechtes auf Grund des Proportionalsystems eingebracht, der aber voraussichtlich, wie früher, in den Papierkorb wandern wird; ferner ein Antrag auf Befferimg der Volksschullehrer, die bisher eine Mittelstellung zwischen städtischen und Staatsbeamten angenommen haben. Dann beantragte die Fraktion auch die Bildung einer Arbeitskammer im Anschluß an die beabsichtigte Einführung einer Landivirtschaftskammer. Der Kampf gegen die Mißstände der Volks- schule wurde fortgesetzt. Vor allem solle die rückständige Halbtags« schule abgeschafft werden; ebenso fordern wir die Einheitsschule. In kommnnalcr Hinsicht erstreben wir eine Stärkung der Befugnisse der Bürgernusschüsse gegenüber den Stadträten, und die Fraktion wird die Regierung zur Vorlegung eines dahingehenden Antrages auffordern. Die Interpellation der Frakiio» über das Z o l l t a r i f g e s e tz zog sich in Verbindung mit der ollgemeinen Finanzdebatte über volle nenn Tage hin. Ein direkter Erfolg war dabei natürlich nicht zu erwarten, es gelang uns aber, vor dem ganzen Lande die Volks- verderblichen Wirkungen der Zollvorlage darzulegen. Interessant war dabei, daß ein Redner der Demokraten, Prof. Heimbnrg. sich anf die Seite der Agrarier stellte. Der stcittgehable Miiiislerwechsel bedeute vor cillcm den Vcr- such einer Aussöhnung init dem Ccutrui», dessen bisher iutmusigentor Führer Wacker bereits durch die Leisetreter Zehnter und Gicjjlcr abgelöst worden sei. Es sei zu erwarten, dah bei den nächsten Wahlen die bisherige Kluft zwischen Nationalliberalen und Centrinn nahezu überbrückt lverde und die Wahlaussichten der Socialdemolratie dadurch erheblich verschlechtert würden. Jetzt schon zeige sich diese Strömung bei den Stadtverordnetemvahlen in Karlsruhe, es werde dies noch mehr dort bei den nächsten Ncichstags- und Landtagswahlen der Fall sein. Wir würden dadurch vielleicht einen vorübergehenden ltiückschlag in der Zahl uusrer Vertreter erleiden, in der Folge lverde sich aber zeigen, daß die Klärung der Situation und die Verschärfung des Kampfes uns nur zu gute kommen können. In der Generaldebatte über das Kultus bridget habe die Fraktion eine Erklärung abgeben lasse», die die Ablehnung desselben begründete, dagegen habe sie es für überflüssig gehalten, bei jeder einzelnen Position Anträge auf Ablehnung zu stellen. Hinsichtlich der Stellung zunr Gesamtbudget müsse es sich die Fraktion vor- behalten,»ach Erledigung der gesamten Positionen sich darüber schlüssig zu werden, was sie zu thnn habe. Auf alle Fälle werde die Fraktion auf dem Boden des socialistischcn Programms stehen und infolgedessen auch die Beschlüsse der Parteitage respektiere». Genosse Bebel schildert zuerst die gehässige Kampscsweise des Karlsruher Oberbürgermeisters S ch n e tz l e r gegen die Socialdemo- kratie und besonders gegen den„Volkssrcund"- Nedactcur Kolb, um zu zeige», daß die Socinlisten im Karlsruher Bürgerausschnsi die Gchallscrhöhnng Schnetzlers nicht hätten befürworten und dafür sliimnen dürfen. Die in Süddcntschlaud in derartigen Dinge» heute »och herrschende Gemütlichkeit werde verschwinden mit der Zuspitzung der Klassengegensätze nnd der Verschärfung deS Klassenkampfes. Dreesbachs Rede habe das bereits angedeutet nnd in durchaus treffender Weise anSgesührt. Die socialislische Rcichstagsfraklion hat es bisher abgelehnt, durch eine Wahl ins Präsidium„zu Hofe zu gehen", Fendrich dagegen habe dies in Aussicht ge stellt, falls an die partcigenössische Landtagsfraktion die Ge Icgenhcit zu einer Vertretung im Präsidium der Kaunnrr herantrete. Die Aenfferungen Kolbs auf dem letzten dadischen Parteitage über das Francnstimmrccht nnd die Altersgrenze für das politische Wahlrecht der Männer seien eine schtvere Vcr- letzung uusrer Programniforderuugen nnd»nifftcn um so schwerer ins Gewicht fallen, als diese Wone von einem als leitender Redac« tcur des führenden badischen Partei- Organs thätigcn Genossen kämen. Die neueste ablehnende Stellungnahme nnsrer belgischen Genossen zur Frage des Frauenstimmrechtes sei bedauerlich, wenn sie auch aus praktischen Gründen erfolgt sei. Neuerdings sei Kolb sogar in de» Verband der Bodenreformcr cingetreten, ein Schritt, der unter keinen llniständen gebilligt lverde» könne nnd sobald als möglich rückgängig gemacht tverden müsse. Des Redners Ans- führnngen in Lübeck über die Parteiverhältnisse in Baden hätten der Stellung nnsrer Karlsruher Parteigenossen im Landtags- ivahlkampf nicht nur nichts geschadet, sondern nur gewitzt. Die»eneste Entlvickelnng der Pnrteikonstellation in Baden lverde zeigen, dag wie Dreesbach richtig ausgeführt— mit der klaren Scheidung der bürgerlichen von der socialistischen Partei die Situation unsrer Genossen im Kampfe sich nur verbessern und die Massen zu begeisterter Mitarbeit veranlaßt würden. F e n d r i ch s Stellungnahme gegen die Hcrvorkchrnng des Endziels nnd seine Betonung des Hauptwertcs der praktischen Kleinarbeit müsse der großen Masse der Proletarier die Begeisterung raube», anstatt auch »och diejenigen für uns zu gewinnen, die heute»ns noch fremd oder gar feindlich gegenüberstehen. Die große Stimmenzahl der Social- dcmokratcn bei den NeichstagSwahlen trotz oller Schmähungen der Gegner belveise, daß in den großen, selbst noch in den indifferenten Maffen ein instinktives Gefühl für die Wahrheit und Bc rechtigung unsrer Forderungen vorhanden sei. Was»ns unsre Macht giebt, das ist der große sociale Gedanke, die Idee, daß wir eine gerechte, große, ideale Sache verfechten. Wenn An- schaunngen, wie die Kolbs nnd Fendrichs, maßgebend würden, so brauche man sich über die nlannigfachcn Mißerfolge der Partei in Baden nicht verwundern. Uebrigens glaubten ja— wie die Acnße- rungen des neuen Ministers Schenkel zeigen— nnsre Gegner selbst nicht an unsren OpporhiuiSmliS, hätten vielmehr eine Heiden- angst vor uns, weil sie wüßten, daß dem Socialismns eine un- gehener werbende Kraft innewohiie. Auch der Standpunkt, daß wir der Staatslokomotive das nötige Material zuführen müßten, sei irrtümlich. Der Staat ist vor allem ein Klassenstaat, dessen Aufgabe cs vor allem ist, alle der bürgerlichen Ordnung drohenden Gefahren abzuwehren. Wir haben kein Interesse daran, für dieses Material der bürgerlichen Staatslokomotive zu sorgen. Wenn lvir erst ein mal die Mehrheit in den Parlamenten besitzen, so verlangen lvir, daß die Leiter des Staates abtreten und rmö Platz machen. Die Motivierung Drcesbachs der Haltung der Fraktion in der Frage des KultuSbudgctS könne er nicht gelten lassen. In der Budget-Ab stimm» n gsfrage wünsche er nicht, daß ein Beschluß gefaßt werde. Die Partei habe in dieser Richtung ge- sprochcn und er hege die Hoffnung, daß diese Abstimmung im Sinne der socialistischen Auffassung erfolgen werde. Die Bcwilligmig des Budgets sei ei» Vertrauensvotum für die Regierung. Keine deutsche Regierung in Deutschland verdiene das Vertrauen, alle seien nicht nur antisocialistisch, sondern sogar antidemokratisch. In Baden selbst habe man das indirekte Wahlrecht, die Erste Kammer als Bremse, wenn die Maschine zu rasch ins Laufen komme. Dabei habe die badischc Regierung in der Arbeitslosen-Debatte, in der Schnlfrage eine durchaus volksfeindliche Haltung eingenommen. Neuerdings fühle auch das Centrnm Morgenluft und die Regierung lonmie seinen Wünschen entgegen, um die Socialdemolratie nieder- zuhalten. Alles sei also gegen uns gerichtet, und auch in den Fragen der großen Reichspolitik habe die badischc Regierung stets auf der Seite der Gegner gestanden. Wie man einer solchen Rcgicnmg das Vertrauen entgegenbringen könne, begreife ich nicht. Wir hätten principielle Politik zu treiben, und was wir im Reichstag für nötig hielten, müsse auch in den Landtagen praktiziert werden. Landtagsabgeordnctcr Eichhorn macht für den unbefriedigenden Ausfall der letzten Landtngswahlcn vor allem die Kompronnßtaktik der badischen Socialdemokratic verantwortlich. Kolb, Redactenr des„Volksfreund", wendet sich gegen Bebel, der in Lübeck ihm de» Vorwurf der Infamie, Perfidic ec. gemacht, heute aber weit milder gegen ihn aufgetreten sei. Die Stellung der Karlsruher in der Obcrbürgermcistcr-Frnge sei von Bebel falsch dargestellt worden. Es habe sich nicht um eine Gehaltsaufbesserimg, sondern lediglich um den Ersatz eines durch die Einführung des Bürgerlichen Gesetzes enlstandeiien Ausfalles gehandelt. Schnctzler habe ihm gegenüber die Beleidigungen zurückgenommen und ihm eine Ehrenerklärung gegeben. Des Redners Acnßenmg über das Frauen-Slimmrecht auf der letzten LandcSversammlnng sei falsch ans- gelegt worden; er stehe vollständig auf dem Standpunkt der Forde- rung dieses Stimmrechts. Damals habe es sich aber um ein Aliions- Programm gehandelt, mit dem wir, falls das Frauen-Slimmrecht darin enthalten getvesen lväre, bei uns Fiasko hätten machen müssen. Selbst Vandervelde habe in der belgischen Kammer erklärt, daß er ini Augenblick gegen die Hervorkehrnng dieser Forde- rung sei, weil er von der Erfüllung derselben nur eine Erweiterung des Einflusses des Beichlstnhlcs ans die politische Ent- Wicklung des Landes befürchte. Seine Zugehörigkeit zum Boden- reform-Vercin habe nur den Zweck, sich Aufklärung zu verschaffen, und werde ihn in seiner socialistischen Ucberzengung nicht im geringsten wankend machen. Die iiächsten Stadtverordnetemvahlen in Karlsruhe würden den Beweis dafür erbringe», daß der richtige Geist in der Arbeiterschaft der Residenz noch lebendig ist. Arbeitcrsekretär K a tz e n st e i n- Mannheim wendet sich gegen die Ausführungen Fendrichs hinsichtlicki der Agrarfrage in seinem „Handbuch für badische LandtaaSwöhlcr". Die ganze Grundlage der Theorien Fendrichs sei in dieser Richtung falsch, Bezüglich der Erreichung des Endzieles glaube er allerdings, daß die Eroberung der politischen Macht das Resultat eines augenblicklichen Er- folgcs sein werde, im Gegensatz zur wirckschaftlichcn, die wir langsam uttd schrittlveise erlangen müßten. Landtagsabgcorductcr Fendrich begrüßt das Bestrebe» Bebels, hier einigend zu wirken. Die opportunistische und die radikale s Richtung in der Partei müßten sich gegenseitig ergänzen und könnten wenn beiderseits der gute Wille des gegenseitigen Sichvcrstehcu- wollenS vorhanden sei, nur vorteilhaft wirke». Der eventuelle Eintritt der Socialisten in das Landtagspräsidinm sei natürlich nur so weit zu verstehe», daß dort lediglich geschäftsmäßige Funktionen zu vollbringen seien. Die Angst vor dem OpportriiiiSimiL in der Partei sei lediglich eine Sache der pshchologischcn Individualität. Er habe die feste Ucberzengung. daß wir von hier fortgehen werden mit de», Bewußtsciii, daß lvir uns wieder einmal verstanden und gezeigt hätten, daß wir auf demselben Boden stehen und dem gemeinsamen Gegner gegenüber einig nnd geschlossen seien. ' Bebel wendet sich nochmals gegen Kolbs Ansichten von dem Gang der Entwicklung und glaubt, daß allerdings auch eine Katastrophe eintreten könne. Aktionsprogramme könnten mir Er gänznngen unsres Parteiprogramms sein, dürften dies aber niemals ab- schwäche». Ein socialistischcr Redactenr könne niemals Mitglied des Bodcnreforin-Vereiiis sein. In seinem Schllißlvort meint DreeSbach, daß in Baden bisher die durch das indirekte Wahlsvstem da und dort gebotene» Wahlkomproinisse der Partei noch nicht das geringste geschadet hätte». Speciell in Karlsruhe habe die Socialdcmokrntie 1897 nniniltckbar»ach den Landtagsivahlen die Freisinnigen und Klerikalen, mit denen sie verbündet gewesen, bei der Reickistags wohl orifS schärfste bekämpft. Am liebsten wäre cs ihm allerdings auch, wenn wir Kompromisse überhaupt nicht mehr nötig hätten. Bei der Kultusabstimmung im Landtage sei es gegangen wie manchmal auch im Reichstage, wo bei solchen Positionen Abstimmung manchmal einfach nicht verlangt lverde. Eine gebundene Marschroute hinsichtlicki der künftigen Abstimmungen werde er sich nicht vorschreiben lassen, sondern eher das Mandat niederlegen, nnd in letzter Hinsicht sei er eines Sinnes mit der Mehrheit seiner Fraktioiisgenoffen. Es müsse schon im Interesse der persönlichen Würde der einzelnen Abgeordneten diesen überlassen bleiben, wie sie nach Prüfung aller in Frage kommenden Dinge zu stimme» für ihre Pflicht halten. Anträge lagen zn diesem Pliiikte nicht vor oder Wurden im Lause der Debatte wieder zurückgezogen. Als Sitz des L a ii d e s v o r st a n d e S wurde wiederum Mannheim, als Ort der nächsten LandeSversanimlung wieder O f f e n b u r g geivählt. Mit einem begeisternden Hoch ans die revolutionäre Socialdemo kratie wurden gegen 7 Uhr abends die Verhandlungen geschlossen. 5l>Ävkei�MAchvichkett. Volilriliches, Grrichkliches usw. — Tnrch eine Kritik deS DurklunfugS soll der verantivort liche Redactenr des„Hamburger E ch o". Genvfle W a b e r s k y, das Osfiziercorps der deutschen Armee beleidigt haben. Auf Antrag des preußischen Kricgsministcrs erhob die Staatsanwaltschaft Anklage und die 4. Strafkanirncr des Landgerichts Hamburg verurteilte ihn desivegcn zn ISO M. Geldstrafe. Die Beleidigung wurde in der Form verschiedener Ausdrücke gefunden. — Wegen öffentlicher Einladung z» einem nicht ge- nchniigtcn Ümzngc waren die Genossen Groß nnd R e i w a n d in Halle zu je drei Tagen Gefängnis verrnteilt worden. DnS Kaiinncrgericht hob das Urteil ans, weil die gesetzliche Mindeststrafe acht Tage Gefängnis ist. Jetzt sind die beiden in der erneuten Ber- Handlung zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Professor Dnehrsfen vor Gericht. Zu einem medizinischen Kongreß gestaltete sich die Beihandlnng einer Anklage lvcgcii fahrlässiger Körpervcrlctziiiig. die gestern den bekannten Gynäkologen Professor Dr. Alfred D u e h r s s e n vor die erste Sirafkainmer des Landgerichts I führte. Der zur Verfügung stehende kleine Saal war nicht im stände, auch nur annähernd die andrängende Zahl der Zuhörer anfzuiiehmen. Der Eintritt war mir gegen Karte» gestattet, die fast nnSichließlich in den Händen von Acrzten waren. De» Vorsitz führt Landgerichtsrat Tack mann, die Anklage verlritt Staatsanivalt Dr. Kux, die Verteidignng führe» Jnstizrat Dietrich und R.-A. Harrwitz. Ein ganzes Heer va» Sachver- ständigen ist geladen, darunter die Gehcimräte Prof. Dr. Fritsch-Bonn, Dr. Pank R u g e. Prof. G n ff e r o>v, Prof. Dr. v. Winkel- München, Prof. Dr. K ii st» e r- Breslau, Prof. Dr. Landau, Prof. Dr. Fürbringer, Prof. Dr. Z u n k e, Prof. Dr. Renvers, Prof. Dr. Koßmann, Hosrat Dr. N e» g e b a u er» Warschau, die Aerzte Snnitätsrat Dr. Werner, Dr. S cki ä f e r, Dr. Michaelis, Dr. Becker, Dr. R« i n i ck e, Dr. Z e i l e, Dr. König, Dr. Wimm er. Dr. Mansbach, Dr. Heinrich, Dr. Arthur Schlesinger, Assistenzart Dr. O b n ch n. a. Unter de» Zeugen befinden sich Oberstaatsanwalt Drescher(früher Berlin jetzt Breslau). Geh. Oberregierringsrat Reichstags-Abgeordneler G a m p, eine Gräsin v. P. sc. Der von der Verteidigung gleich- falls als Sachver st ä ii diger geladene Geh. Rat r o f. Dr. O l s h a>> s e ,» ist nicht erschienen.— Durch die Anklage wird dem Angeklagten zum Vorwurf genracht, am24. Oltober 1899 der 42 Jahre alten Frau des Regiermigs-Vausekretärs N.. die sich bei ihm einer Operativ» rmterzogen, durch Fahrlässigkeit eine Körperverletzung zugefügt zn haben. Der Vorsitzende macht den Aiigcklagten darauf aufmerksam, daß sein Vergehen eventuell auch als vorsetzlichc Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges— eines Messers aufgefaßt werden könnte. Der 1862 geborene Angeklagte ist der Er- finder beziehrnigsweise Begründer einer besonderen Operations- Methode. Er war früher zunächst aktiver Militärarzt, dann Assistent bei de», Geh. Rath Dohr»- Königsberg. Assistent an der Charitv und zuletzt Assistent bei Professor Dr. G u s s e r o iv. Seit dem Jahre 1892 steht er selbständig einer Privatklinik vor, die 20 Bette»»imfaßt. Er operiert etiva 300—400 Fälle im Jahre.— Der Vorsitzende fordert alle Beteiligten auf, nur sachlich zn verhandeln und alle persönlichen Spitzen, ivie sie bei der ärztlichen Konlroverse sich vielleicht ergeben körnitc». zu miterlassen.— Die Sirafanzeige ist von dem Ehemann N. erstattet worden. Die Ehefrau N., die von dem Dr. med. Pautz behandelt wurde, litt an Sterilität, ihr war der Kindersegen versagt nnd sie wurde am 23. Oktober als Patientin III. Klasse in der Klinik des Prof. Dr. Duehrffen aufgenommen, nachdem sie von dein Dr. Pautz tclephonisch zur Aufnahme angemeldet worden ivar. Am 23. Oltober wurde die Frau in der Klinik den erforderlichen vorbereitenden Maßnahmen untertvorfen, der Asfistenzarzt des An- geklagte», Dr. Obnch»»ahm die Krankengeschichte auf. Der An- geklagte selbst sprach die Patientin vor der Operation, die nur auf Beseitigung der Sterilität gerichtet war, nicht. Der Angeklagte er- klärte hierzu, daß die Patientin spät abends erst in der Kliirik auf- genoimnen ivordcn sei, bestreitet deren Behauptung, daß er sich nicht um sie bekümmert habe und betont, daß er dieser Patientin eine größere Fürsorge als gewöhnlich habe angedeihen lassen, da er ihr zn Liebe sogar eine für den 24. Oktober vorgesehene Operation einer Privatpntientin zurückgestellt habe. Die Uiitcrsrichiing der Frau in der Narkose habe in Gegenwart der Wärter und Wärterinnen, des Assistenten und einiger gerade anwesenden auswärtiger Aerzte statt- zefunde». Er habe nicht den geringsten Zweifel darüber gehabt, daß sie Patientin vollständig damit einverstanden war, daß ihre Sterilität eventuell durch einen operative» Eingriff geHobe» werden sollte. Nachdem er die Anamnese gehört, habe er geglaubt, daß, trotz deS Alters der Frau von 42 Jahren(in Wahrheit hat sich später herausgestellt, daß sie faßt 4 5 Jahre alt war), die gewünschte Operation nicht aussichtslos war. Er habe eine nnähernug deS II t e r n s für zweckmäßig gehalten und darüber mit de» Assistenten gesprochen. Es habe sich bei der Unter- iich»»g gezeigt, daß die Frau schwer unterleibsleidend gewesen und eine Verwachsung deS Uterus mit dem Mastdarm vorlag. Es gebe gewiß manchen Gynäkologen, der bei dem Alter der Pätientin und bei den Beschwerden, die sie nach der Krankengeschichte hatte, ohne weiteres zu einer E x st i r p a t i o n des Uterus geschritten wäre. Er selbst vertrete eine koiiservative Richtung, habe vorläufig an eine Exstirpation gar nicht gedacht lind sei zn der von ihm beabsichtigten Operation geschritten. Diese wurde durch migeivöhnlich starke Bliitnngen kompliziert, so daß er 8 Nähte anlegen mußte. Die Bliiinrig hörte aber nicht auf. Hätte er die Absicht einer Exstirpalion gehabt, so hätte er diese schon in diesem Stadium vorgenommen. Er sei aber nicht so vorgegangen, sonder» die, konservierende Operation verfolgt und die beiden Schlagadern miterbimden. Bei dieser Untersuchung habe er eine bedenkliche Geschwulst ciildcckt, es ergab sich eine direkte Lebens- gefahr für die Patientin und die Nvtivendigkeit, die Exstirpation rasch vorzunehmen. Die Patientin sei nach vierzehn Tagen völlig gesund entlassen worden, eine Darmfistel, die sich später bei ihr zeigte, habe sie damals nicht gehabt. Nach der Operation sei ihr mitgeteilt worden, daß die Exstirpation stattgefunden habe, nnd ihr gesagt, daß sie ihren Mann davon unterrichten solle. Er habe erwartet, daß der Ehemann darüber mit ihm sprechen würde, er habe diesen aber nie zu Gesicht bekommen. Als die Frau nach sechs Wochen zur Nachrliitersuchnng zn ihm gekommen, bade sie sich nicht beklagt, allerdings auch' nicht bedankt. Bei poliklinischen Patienten dritter Klaffe könne man auf besonderen Dank gewöhnlich nicht rechnen, allerdings sei er im allgemeinen entrüstet darüber gewesen, daß diese Fron, die dem Leben mit knapper Not erhalten ivordcn, so wenig dankbar ivar. Der Vorsitzende hält dem Angeklagien vor, daß ihm gerade zum Vor- Ivnrf gemacht werde, daß er ohne Not die Operation vorgenommen, die eine sehr unangenehme Beglcitcrscheimiiig, nämlich eine Darm- fistel, zur Folge gehabt habe, die erst ini Jimi v. I. geheilt worden sei. Diesel'Vorwurf lverde ihm vom Mcdiziiialkollegimn be- zichnngswctse in dem Obergutachten der ivissenschaftlichen Depn- taiion', die in einem Punkte ans andrem Standpunkt stehe, gemacht. Danach lverde in der Art und Weise der Operation ein Kunst fehler nicht erblickt, auch werde anerkannt, daß die gänzliche Entfernimg des UteruS, nachdem es einmal so weit gekommen war, notwendig gewesen, mn die lebensgefährliche Blutung zu stillen. Zum Vorwurfe lverde ihm gemacht, daß er diese Operation, die in ihrem Verlans eine so gefährliche Wendung genommen, vorgenommen hat in einer Zeit, m der sie nicht geboten nnd nicht gerechtfertigt getvesen, da die Patientin bcschtverdenfrci gewesen mrd solche Patienten häufig beschiverdenfrci bleiben nnd weil bei dem Alter der Patientin die Aussicht ans Behebung der Sterilität in minimaler Weise bestand. Der Angeklagte bestreitet dies»ach seinen Er- fahningen. Er habe die von ihm beabsichtigte Operation zwar für schwierig, aber nicht für gefährlich gehalten; er habe damals schon in 70 Fällen, die genau so lagen wie bei Frau N., operiert, ohne dabei«inen einzigen Todesfall zu haben. Er habe die meisten dieser Fälle kontrolliert mrd Komplikationen nie bcob- achtet. Dazu kommen Hunderte von Fällen, in denen er die Operation als Nebenoperalion gemacht habe. Bei den Resultaten, die er erzielt habe, habe er nicht auf den Gedanken konmren köniien, daß eine Lebensgefahr bestand oder die Gesundheit der Patientin geschädigt lverde» kölinte. Wenn die wissenschaftliche Deputation ihm vorwerfe, daß er unter keinen Umständen zur Operation bätte schreiten dürfen, ohne in eigner Person von der Patientin selbst die Krankengeschichte entgegen zu iiehmen, so entgegnete er, er halte einen Operateur, der eine große Praxis hat und auf einen beivährten Assistenten vertrauen kann, nicht hierzu absolut verpflichtet, denn niiler Umständen würde ihm andernfalls die Spannkraft, die die Operation erfordere, verloren gehen. Die meisten Operateure laffen die Krankengeschichte von ihren Assistenten aufnehmen.— Dem Angeklagten wird iveiter zum Vorwurf gemacht, daß er nach erfolgter Untersuchung und vorBcginn derOpcration die Frau nicht darüber belehrt nnd sie nicht' noch einmal aus der Narkose habe erwachen lassen, nm sie darauf aufmerksam zu machen, welche Gefahren und Komplikationen etiva entstehen könnten. Der Angeklagte kaim diese beiden Gutachte» deS MedizinalkollegiumS nnd der Ivissenschaftlichen Deputation nicht olS zutreffend erachten, denn er habe die von ihm beabsichtigte Operation nicht für gefährlich und auch nicht für aussichtslos gehalten. Wenn bei einer solchen geringeren Operation plötzlich Lebensgefahr auftrete, halte er sich für berechtigt, iveiter z» operieren, selbst ans die Gefahr hin, daß die Patientin später darüber ringehalten sei. Der Angeklagte bekämpft vom Wissenschaft- lichcn Standpunkte ans den Vorwurf, daß er ohne Verständigung mit der Kranken die Operation vorgenommen und die Bildring der D a r m f i st c l durch die Operation verursacht habe.— Der Staatsanivalt überreicht ein ihm vom Kultusminister zu- gestelltes Gniachten der wissenschaftlichen Depritation, Ivelches ein von dem Sachver-ständigen Prvfeffor Dr. Koßmann erstattetes Gutachten bekämpft.— Als erste Zeugin wird die Frau RegierrnigS- Bansckretär R.(jetzt in Aachen) vernommen. Sie behauptet, daß sie, bevor sie zu Dr. Pautz gekommen, k e r n g e s n n d getvesen,»ruß aber dann zugeben, daß sie vorher schon einmal acht Tage in der Klinik des Prof. Dr. Landau gelegen habe und auch bei einem Arzt in Posen in Behandlung getvesen sei. Da ihr Ehemann, mit dem sie damals 17 Jahre verheiratet gewesen, Familie haben wollte, habe sie ans Empfchlring den Dr. Pautz aufgesucht, der sie längere Zeit in M a s s a g e b e h an d l n» g gehabt und ihr schließlich angeraten habe. zur Behebung der Sterilität sich einer Operation bei Professor Dr. Duehrffen zn unter- werfen. Da Dr. Pautz ihr gesagt habe, daß es sich nur um eine kleine und ungefährliche Sache handle, habe sie eingewilligt lind sei zu Dr. Dnehrsscii übergesiedelt. Auf Vorhalt des Vorsitzende» giebt sie zu, dem Arzte, der die Krankengeschichte aufnahm, iv a h r h e i t s- widrig ihr.Alter auf 42 anstatt 45— Jahre angegeben zn habe». Sie meint, sie habe sich dem Arzt gegenüber„geniert", außerdem„sei der Arzt ja doch keine Behörde". Ihre ganze Absicht sei getvesen, von der Kinderlosigkeit be-> freit zu lverde». Hätte sie gewußt, daß die Operativ» gar leine „Kleinigkeit" nnd sogar lebensgefährlich sei, so würde sie. sich entschieden nicht zur Operation verstanden haben Sie halte den Angeklagten nicht für berechtigt, einen so großen operativen Eingriff ahne ihre Genehmigung vorzuiiehmen nnd sei sehr erstaunt gewesen, als sie beim Erwachen anS der Narkose erfahren, was mit ihr geschehen sei.— Staatsanivalt Dr. Kux stellt durch Befragen der Zeugin nochmals fest, daß sie lediglich zum Zlvccke, die Kinderlosigkeit zu beseitigen, zu dem Angeklagten gekamnien sei. daß sie fest davon überzeugt gewesen sei. trotz ihres Alters sei cs noch möglich, diesen Zweck zu erreiche» und sich zn der thatsächlich vorgenommenen Operation nicht verstanden haben tvürde.— Reckitsanwalt H o r r Iv i tz fragt die Zeugin, ob sie oder ihr Mann bei Anstreilgmig deS Strafverfahrens nicht einen finanzielle» Nebenzweck verfolgt habe. Die Zeugin erklärt, »ichiS davon zu wissen.— Zeuge N., der Ehemann der Vorzeugin, bestätigt, daß er seine Frau lediglich zu dem Zlvccke zu Dr. Pautz geschickt habe, um Familie zu bekommen. Als er erfahren, Ivelche Operation der Angeklagte an seiner Frau vorgenommen, sei er sehr e m p ö r t getvesen und habe sotvohl den Prof. Dr. Duehrffen, als auch den Dr. Pautz angezeigt, weil er sein Recht haben ivalle und keinen Arzt für berechtigt halte, ohne sein Wissen nnd Willen über den Körper seiner Ehefrau in der geschehenen Weise zu verfügen. Auch Dr. Pautz habe sein Vertrauen gemißbrancht, mrd er selbst sei „der Latkierte" gewesen. Der Vorsitzende untersagt dem sehr aufgeregten Zeugen derartige Ausdrücke und vertveist ihn darauf, daß er hier nicht in einer Bierstube, sondern im Gerichtssaale sitze.— Der Zeuge schildert iveiter. daß seine Frau seit der Operation fortgesetzt kränkele und mehrfach Aerzte ans- nchen müsse. Er habe sich inzwischen überzeugt. daß die ganze Sackte„verpufft" sei, weil es sich»nr„in eine Patienlin dritter Klasse gehandelt habe.„Hätte ich nur einige Hundert Mark z u bezahlen vermocht. dann wäre die S a ch e g a n z a n d c r s a» s g e g a n g e>i!" Der Vorsitzende untersagt ihm nochmals solche mipassende» riud willkürlichen Vehaiiptuiigen, andernfalls würde er sich selbst der Ge- und der Ver wird auf die ! e l d st r a f e fahr einer Anklage aussetzen. Nichtig sei es, wie er dem Präsidenten bestätigt, dast er erst vier Monate nach der Operation die Strafanzeige gemacht habe, nachdem er von dritter Seite über seine Rechte„informiert" worden sei und richtig sei es auch, daß er einen Brief an den Angeklagten gerichtet und' sich darin seine civilrechtlichen Ansprüche vorbehalten habe.— Dr. med. P a u tz gicbt eine Schilderung von dem Zustande der Frau N welche am 7. April 1899 in seine Behandlung gekommen sei. In erster Reihe habe sie über Kinderlosigkeit geklagt, daneben hatte sie aber auch andere Beschwerden, Kreuzschmerzen ec. gehabt. Er habe bei der Behandlung feststellen können, daß die Zeugin an einer lauge Zeit bestehenden Unterlcibskraukheit litt. Nach lä» gercr Behandlung, bei der sich auch eine Besserung im Befinden zeigte, Hube er ihr geraten, zum Zwecke der Beseitigung der Unfruchtbarkeit sich einer Operation beim Air geklagten zu unterziehen. Keineswegs habe er ihr gesagt daß es sich um ein Kinderspiel handle, er habe ihr über ihren Krankheitszufiand Mitteilung gemacht und ihr Ivahrscheinlich gesagt, daß die Operation im ganzen nicht besonders gefährlich sei. Einen Erfolg dieser Operation, auch bei einer 42jährigen Frau, halte er nicht für ausgeschlossen. Er habe auf Wunsch der Patientin der Operation beiwohnen sollen, habe dies aber abgelehnt und sei er- staunt gewesen, als er Hörle, daß die E x st i r p a t i o u vorgenonrmen sei. Auf Befragen des Staatsanwalts erklärt der Zeuge, daß ein Zwang zu einer Operation an sich nicht vorgelegen habe, da sie vorzugsweise nur über Kinderlosigkeit klagte. Nach Verlesung der Ivisseuschaftlichen Gutachten nehnumg des Geheimen NatS Dr. F r i t s ch- Bonn weitere Vernehmung von Zeugen verzichtet. Der Staatsanwalt beantragte 399 Mark Der Gerichtshof kam nach ganz kurzer Beratung zur Freisprechung deZ Angeklagten. Der Vorsitzende Landgerichts- Direktor Tack mann' begründete dies dahin: Bei der thatsächlichen Beurteilung sei der Gerichtshof davon ausgegangen, daß den Angaben der Frau N. nicht v o l l e r. G l ä u b e n zu schenken sei, da sie sich doch in verschiedenen Punkten Ividersprochen habe. Vom rechtlichen Standpunkte aus könne in Frage kommen, ob vor- sätzliche oder fahrlässige Körperverletzung vorliege. Der Vorsatz falle in dem Augenblick, wo angenonnnen wird, daß er die Einwilligung zur Operation hatte. Dies habe der richtshof angeiiomnien; er habe»ach den Bekundungen des Dr. Pautz nicht nur glauben können, daß die Einwilligung erteilt sei, sie sei vielmehr thatsächlich auch erteilt ivorden Was die Fahrlässigkeit betrifft, so stelle sich der Gerichtshof in wissen schaftlicher Beziehung ganz auf den Standpunkt der Gutachten der beiden medizinischen Körperschafte», komme aber trotzdem nicht zu demselben Schluß, weil die thatsächlichen Voraussetzungen, von denen sie ausgegangen, in der mündlichen Verhandlung sich in wesentlichen Punkten als unrichtig ertviese» haben. Das beziehe sich u. a. auf die Annahme, daß derAngeklagte diePatientinvor derOperationnicht unter- sucht und nicht Kenntnis von der Krankengeschichte genommen habe. Der Gerichtshof nahm auch an, daß die Operation nicht ungefährlich sei und geringe Aussicht auf Erfolg bot; damit sei aber noch nicht die Fahrlässigkeit eriviesen, denn der Angeklagte sei in dieser Operationsmethothe Autorität. Nach dem Ergebnis der Verhandlung sei eine Schuld des Angeklagten nicht eriviesen, derselbe habe viel- mehr alles gethnn, was er nach der Pflicht eines gewissenhaften Operateurs thun konnte. Wenn er in seiner Verteidigung und im Kampfe um sein vermeintliches Recht nicht stellemveise zir lveit ge- gangen wäre, würde er sich vielleicht diese Hauptverhandluug erspart haben. Aus Fudttjfvie und Hundvl. Unternehmer-Intelligenz. An Professor E h r e u b e r g, der km Scherlschen„Tag" mit so vielem Bemühe» uns die Willens- und Geisteskraft des Unternehmers in der Großindustrie veranschaulicht, erinnerten wir uns, als wir den Bericht der verkrachten Klein- bahn-Gesellschaft lasen. Welche Intelligenz! Von elf Tochtergesellschaften dieser Griindung ist ei» Herr Griebel in sieben Unternehmungen Direktor und in dreien Aufsichts- rat. Ein Kollege von ihni, Herr Dräger, verfügt nicht ganz über die Intelligenz, denn er ist nur in einer Gesellschaft Direktor und in vieren Aufsichtsrat. Damit ist die Intelligenz dieser Herren aber noch nicht erschöpft, denn Herr Draeger ist außerdem Direktor der Hauptgesellschaft und außerdem mit seinem Kollegen bei andren Konsortien in Amt und Würden. Man wende nicht ein. daß die Herren bei ihrer Vielbeschästigung das Unternehnie» zur Pleite führten, auch dazu gehört ein hohes Maß von Intelligenz. Die Aktien- Gesellschaft„Germania", Schiffs- und Maschine nbau-Gesellschaft in Berlin, wird anf einer außerordentlichen Geueralversamnilung über die Auflösung der Gesellschaft zu beschließen haben. Formell war die Firma Krupp seit 1896 Besitzerin, denn sie führte das Unternehme» und garantierte den Aktionären 4�/2 Proz. Verzinsung. Gegen Zahlung von 6 325 999 M. steht der Firma Krupp die Eriverbung der Aktiva und Passiva zu und damit die gänzliche Ueberleitnng des Unternehmens in ihren Besitz. Nachdem die Firma Krupp im vorigen Jahre 29 999 999 M. Anleihe zum Ausbau und zur Eriveiterung des Unteruehmens in Kiel aufgenommen hatte, ließ sich wohl annehmen, daß die Firma Krupp das Provisorium aufhebt._ GsmovkMnstliltzes. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Kleber. Die„Allgemeine Tagezierer- Zeitung", eine Zeitschrift der Unternehmer, für die der den Berliner Genossen aus der Unabhängigen-Beivegung wohlbekannte Herr Feder als Redacteur zeichnet, fühlt sich veranlaßt, in recht gehässiger Weise über die Kleberbewegung herzufallen. Zunächst ivird den „Machern" der Lohnbewegung angedroht, die jetzige Lohnbcivegmig würde ihnen bald als ein memento mori erscheinen, da ein derartig frivoler Streik in der Arbeiterbelvegnng ivohl einzig dastehe. Herr Feder muß es ja als ehemaliges Mitglied der Streik- kommission vom Jahre 1894 wissen, wie„frivole Streiks" insceniert werden.— Was ivar die Ursache des Streiks? Die Kleber hatten sich im Jahre 1999 einen Tarif errungen, der auch von den Arbeit- gebern durch Unterschrift anerkannt worden ivar. I» letzter Zeit hat nun dos Unternehmertum die flaue Konjunktur zu einer allgemeinen Lohureducierung benutzt. so daß der 1999er Tarif illusorisch geworden war. Nachdem nun in diesem Frühjahr der allgemeine für das Tapezierergewerbe geltende Vertrag von feiten der Unternehmer gekündigt war und der Verein der Kleber Berlins durch eine allgemeine Bau- lontrolle eine günstige Konjunktur für dieses Jahr festgestellt hatte, hielte» es die Kleber für angebracht, ihren im Jahre 1999 er- rungenen Tarif wieder zur Geltung zu bringen. Ein großer Teil der Unternehmer erkannte auch sofort die berechtigten Forderungen der Kleber an. Die Generalversammlung der Zlvangsinnuiig de- schloß dann die Unterschrift des Tarifs zu verweigern und ivählte eine Kommission, die die Zurückziehung derschon erfolgten Unterschristen veranlassen soll. Die treibende Kraft ivar Herr Feder, obwohl er in einer Kleberversammluug im Jahre 1999 die Forderungen der Kleber als berechtigt anerkannt hatte. Unter den Rednern der Meister- versaniniluug befand sich auch Herr Kahlen, der erklärte, die ivirl- schaftliche Misere mache eS möglich, den Augriff der Kleber leicht abzuschlagen, wen» die Unternehmer mir einig sind, und dieses müsse geschehen. Wie Herr Kahlen diesen Stand- puukt mit seiner Zugehörigkeit zur socialdemokratischen Partei vereinbaren kann, überlassen wir den, Urteil der Berliner Genossen. Von dem Artikelfchreiber in der Uuternehn, erpresse wird sodann behauptet, daß die Lohnkommission bei Veröffentlichung einzelner Sperren bewußt unwahre Angaben gemacht hätte, indem sie Firmen bekannt gab, bei welchen der Tarif bezahlt würde usw. Wir haben dem gegenüber zu erklären, daß wir. nachdem die Jnnungsversammlnng provokatorisch aufforderte, die Unterschrift des Tarifs zu verweigern, unbedingt daran festhalten mußten, die Unterschrift zu verlangen, wenn der Unternehmer auch den Tarif be zahlt. Der Lohnkommission wird dann gedroht, daß sie an andrer Stelle zur Verantwortung gezogen werden soll, und man die be treffenden Namen der lokalorgaiiisicrten Kleber bekanntgeben resp. schwarze Listen anfertigen werde. Wir können hierauf nur erwidern, daß uns diese Drohung nicht abschrecken wird, unsren ge rechten Forderungen zum Siege zu verhelfen. Wir ersuchen deshalb die Arbeiterschaft, speciell die Banhand werker. uns in diesem Kampf gegen Unteniehmerwillkür zu unterstützen, Die Lohnko in Mission der Kleber. »# In der verflossenen Woche haben noch folgende Firmen bewilligt Paul Weudt, Jnvalidenstr. 159. Robert Keller. Bülowstraße, Schwarzeuhauer. Kurfttrstenstraße. Paulik, Gräfeftraße. M, Härtel Elisabethstr. 22. Franz Köckert, Ritterstr. 34. Paul Schönfelder, Rostockerstr. 18. Stüde, Schmargendorf. Max Worbs, Sophien straße 18. Berendt, Brcmerstr. 65. Löber, Köthcnerstraße Werchuitzke. Plantagenstr. 14. Langer, Friedenau. Karl Sonnen bürg, Goltzstraße. H. Gebhardt. Rosenthalerstr. 14. Bautz, Char lottcnburg, Wilmersdorferstr, 162. Tübbecke, Mariendorf, Bern Hardt, Goltzstr. 11. Karl Böse, Dorkstr. 73. Siebert, Friedrichs seldcrstraße 25. Schulz Sohn. Friedrichstraße. Heinitz. Anuenstraße, Gesperrt sind die Firmen: Martin Otto. Danzigerstr. 19 (Bauten Kopcnhagencrstr. 7 und Ebertystraße). Witt, Dessauer straße(Bau Motz- und Neue Ausbacherstraßen-Ecke), Schöpf Beusselstraße(Bauten Rixdorf, Weserstr. 139, Gothen- und Lenthe» straßen-Ecke, Höne, Straußbergerstratze 41(Bau Kastanien-Allee 21), Pätz o l d. Elsasserstr. 28(Bau Freienwalderstr. 24), B e r n d t. Rixdorf(Bauten Donau- und Rcuterstraße, Rixdorf und Richard- straße 194, Rixdorf.) Die Lohn kommission der Kleber Berlins und Umgegend. Schützenstr. 13/19, Telephon Amt I, 1398. Achtung? Kleber(Tapezierer)? Gesperrt sind: Unternehmer Höne, Straußbergerstraße(Bau: Kastanien-Allee 21) und Unter- nehmer P e tz o l d, Elsasfcrstraße(Bau: Freienwalderstr. 24). Ver bandssektion der Kleber, Beuthstr. 21, Simonis. Amt I 5879. Achtung, Bildhauer! Die Differenzen bei der Firma Hau er Stuckgeschäft(Berlin), und Möbelfabrik Z e l d e r u. P I a t h e n sind trotz mehrfacher Versuche noch nicht beigelegt. C eni ra I V e r e i n der Bildhauer, Gauverein Berlin. Deutsches Reich. Den Formern will die Eisengießerei und Maschinenfabrik von Rob. Spieß Söhne in Bar m e n Accordarbcit auszwingen, nachdem sie in der letzten Zeit wiederholt Lohnabzüge vorgenommen hat. Die Former sind entschlossen, jede weitere Verschlechterung ihres Arbeitsverhältnisses energisch zurückzuweisen. Die Firma wird wahr- scheinlich versuchen, ftemde Former heranzuziehen.— Zuzug ist fern zu halten. Der Seidemveberstreik iu Rheiufclden dauert fort. In der vergangenen Woche sind einige bisherige„Arbeitswillige" ebenfalls zu de» Streikenden getreten und sind nun insgesamt 46 Frauen und 68 Männer im Ausstand, Der Ausstand selbst dauert nun die fünfte Woche und ist keine Aussicht auf baldige Beilegung, indem keiner der streitenden Teile etwas nachgeben will. Ausland. Die Bäckeraussperruug iu Götcburg. Die Ausgesperrten sind alle einig darüber, daß sie die ihnen angebotenen persönlichen Aibeitskontralte nicht unterschreiben, und beschlösse» nicht eher wieder mit den Meistern zu unterhandeln, als nicht die deutschen Streik brecber verabschiedet werden. Die Bevölkerung sympathisiert stark mit den Ausgesperrten. An mehreren Plätzen wurde gegen die Streikbrecher demonstriert._ Socinlrs. Der Bauarbeiterschutz in Preußen. Im vorigen Jahre hatten die Vertreter der baugewerblichen Arbeiter der preußischen Regierung und dem Abgeordnetenhause eine Petition überreicht, in der nach ausführlicher Darlegung der Ver Hältnisse bestimmte Forderiinge» für eine gesetzliche Regelung des Bauarbeiterschutzes gemacht wurden. Die Petition ist nicht zur Ver- Handlung gekommen. Jetzt ist dem Abgeordnetenhause abermals eine solche Petition überreicht worden. Um dem Verlangen der Arbeiter Nachdruck zu geben, werden die Bauarbeiter indes in der nächsten Zeit eine allgemeine Versannnlungsagitation betreiben. Es solle» allcnlhalben Versammlungen veranstaltet werde», in denen über die Frage des Bauarbeiterschutzes verhandelt wird. Die Be- chliisse der Versammlungen sollen dem Landtage übermittelt werden, Eine RrbcitSloseuzähluug der Leipziger Gewerkschafteu ergab, daß im Monat Januar in 28 Organisationen mit zusammen 12 554 Mitgliedern 1661 Mitglieder zusammen 25 999 Tage arbeitslos waren. Eine große Zahl Arbeiter arbeiteten mit ver- kürzter Zeit. Die volkstümliche» Hochschulknrse, die in Jena von der Comenius-Gesellsckinft veranstaltet werde», umfaßten in diesem Winter Kurse zu je 6 Vorträge» über folgende Gegenstände: 1.„Die Hygiene des Hauses"(Professor Gärtner); 2.„lieber Instinkte und Kunsttriebe der Tiere"(Professor Ziegler); 3.„Die Baudenkmäler von Jena und Umgegend"(Professor Weber); 4. Expenmental- Vorträge über die wichtigsten elektrischen und niagnetischen Er- 'cheinungen(Professor Straubel). Zu den Vortrage» standen akademische Lokalitäten zur Verfügung. Das Honorar für eine» Kursus beträgt 1 M,, den organisierten Arbeitern, die auch zuerst bei der Kartenadgabe berücksichtigt werden, wird eine Vergünstigung von 59 Proz. gewährt. Für die geiiannten Vortragsreihen entnahmen die Gewerkschafle» 359 Karten, die Gewerkvereine 195, die Eisenbahn» arbeiter(Verband der Eisenbahn-Handwerker und-Arbeiter) 179; zusammen 534, während die Gesamtzahl der verkaufte» Karten 855 beträgt. Für die zukünftige Kranken- und Unfallversichernng hat der schweizerische Bundesrat einen Fonds angelegt, der jetzt reichlich 19fz Millionen Franken beträgt. VevsÄnonlnngen. Ter deutsche Holzarbeiterverband hielt am Sonntag eine außerordentliche Geueralversamnilmig in der Brauerei Friedrichshain ab, um nochmals zu dem von den Holzindiistriellen und der Jinunig errichteten Arbeitsnachweis und den Eutlassiingsscheinen Stellung zu nehmen. Die Versammlung war sehr stark besucht und der große aal samt den Gallerie» dicht besetzt. Ein Teil der Mitglieder konnte überhaupt keinen Einlaß finden, da bereits vor Eintritt in die Verhandlungen die polizeiliche Absperrung erfolgte. Der Vor- itzende Th. Glocke, der die gegenwärtige Situation nach jeder Richtung hin beleuchtete' und das provokatorische Vorgehen der Unternehmer einer lebhafte» Kritik unter- zog, verwies auf die Verhandlungen der Vertrauensmänner- Versammlung am 13, Februar, die sowohl die Benutzung de» Arbeits- Nachweises als auch die Annahme der Eutlassungsscheine abgelehnt hat. Der Versammlung sei e» nun vorbehalten, diesen Beschluß im vollen Umfange aufrecht zu erhalte» oder aber eine Acuderung vor- zunehme». Die Verwaltung ist der Meinung, daß das System der Entlassungsscheine in erster Linie bekänipft werden müsse und zwar 'chon deshalb, weil dasselbe, wenn erst eingeführt, sehr schwer wieder beseitigt werden könne. Wen» die Versammlung aber auch die Sperre des Arbeitsnachweises beschließt, so müsse natürlich voraus- gesetzt werden, daß der Beschluß strikte durchgeführt wird. so daß dem Arbeitsnachweis die besten Kräfte fern bleiben und die Unternehmer schließlich gezwungen werden, die Benutzung des Nachweises auszugeben. Der Redner berichtete sodann, daß nach den Angaben der Unternehmer der Arbeitsnachweis in der Woche vom 21. bis 27, Februar von durchschnittlich 353 Personen täglich frequentiert worden ist. daß sich i» dieser Zeit insgesamt 449 Per- sone» einschreiben ließen und augeblich 595 Arbeiter durch die Ver« Mittelung des Nachweises eingestellt worden sind. Der Vorsitzende des Gcsellen-Ausschusses, Manien, berichtete hierauf, daß dieser Ausschuß sich mit der Frage des Arbeits- Nachweises eingehend beschäftigt habe, und da ein Ein- vernehmen mit den Unternehmern nicht erzielt werden konnte, so hat der Ausschuß die Anerkennung des Nachweises einstimmig abgelehnt und nunmehr bei der Aussichtsbehörde gegen diese einseitige, statutenwidrige Einrichtung Protest erhoben. Der Gescllenausschuß hat sich, genau so. Zwie dies auch von der Ver- waltung des Holzarbeiterverbandes schon vor zwei Jahren geschehen ist, für einen paritätischen Arbeitsnachweis, von dem auch die Rechte der Arbeiter gewahrt werden, ausgesprochen. In der weiteren, sehr erregten Diskussion, in der alle Gesichtspunkte recht eingehend erörtert und die aus den Beschlüssen resultierenden Kousequenzen be- sprachen wurden, waren sich alle Redner darüber einig, daß die Unternehmer nicht etwa den Arbeitsmarkt regeln, sondern lediglich die ungünstige Konjunktur dazu benutzen wollen, um mit Hilfe dieser Einrichtung nach dem Muster der Kühnemänner die Arbeiter- schaft dauernd»iedcrznhalten. Die meisten Redner gaben der Meinung Ausdruck, daß die Bekämpfung der Entlassungsscheine allein nicht genügt, sondern in Rücksicht auf die Organisation und im Interesse aller Holzarbeiter der Abwehrkampf gegen diese Kontroll- station, den Arbeitsnachweis, aufgenommen werden muß. Entsprechend dieser Diskussion wurden einige Anregungen in Bezug auf die Taktik abgelehnt und von der Versammlung fast einstimmig der von den Vertrauensmännern beschlossenen Resolution zugestimmt. Diese Resolution lautet: „Die heutige Versammlung des Deutschen Holzarbeiter-Ver- bandcs lehnt es ab, die von den Holzindiistriellen und der Tischlerinnung gestellte Bedingung, zur Benützung ihres Arbeits- Nachweises, Entlassungsscheine von dem letzten Arbeitgeber beizu- bringen anzuerkennen, da sie in dieser reaktionären Bestimmung einen Eingriff in die Freiheit des Arbeiters erblickt, seine Arbeitskraft zu einen, angemessenen Preise zu ver- kaufen. Die Versamnilung erwartet und verpflichtet jeden klassenbewußten und anständigen Kollegen, weder die entwürdigenden Entlassungsscheine anzunehmen, noch den In- nung-Arbeits-Nachweis zu benutzen, und zwar so lange, bis die Arbcitgeber-Organisationeu sich mit derOrganisation derHolzarbeitcr zu einer gemeinsamen Verwaltung eines Nachweises verständigt haben. Die Versammelten verpflichten sich, mit allen Kräften für Heranziehung der Nichtorganisierten zur Organisation Sorge zu tragen." Hierauf gelangte ein Antrag zur Annahme, wonach die durch den Beschluß betroffenen Mitglieder unterstützt werden solle». Die erste Auszahlung der ilnterstütznna wird am nächste» Sonnabend er- folgen. Außerdem wurde beschlossen, bis auf weiteres einen Extra- beitrug von 59 Pf. pro Woche zu erheben. Diejenigen Mitglieder. ivelche diesen Extrabeitrag nicht bezahlen, sollen, falls sie dann aus- gesperrt bezw. ebenfalls gemaßregelt werden, keine Unterstützung erhalten. Die Höhe der Unterstützung wurde zunächst auf 7,59 M. für Unverheiratete und 19 M. für' Verheiratete festgesetzt. Die Streikenden sollen außerdem den Lokalzuschlag von 3 M. pro Woche erhalten. Von einer Diskussion über die noch vorliegenden Anträge zum Verbandstage und über die Arbeilslosen-Unterstützung, die durch eine Urabstimmung entschieden werden soll, nahm die Versammlung Abstand. Die Dclcgiertenwahl zum Verbandstag hatte folgendes Ergebnis: Gewählt wurden: Ahrens, Arndt, Glocke. Klingncr, Matz. Maihes, Monien und Stusche. Die übrigen sieben Delegierten müssen in der Stichwahl gewählt werden. Uehkv Mschvichken und Depeschen« Socialisttscher Kongreß in Tourö. TourS, 3. März.(B. H.) Bei Eröffnung deS s o e i a I i st i« che» Kongresses hat der socialistische Führer I a u r ö S in längerer Rede den Eintritt Millerauds in das M i- n i st e r i u m als einen müßigen Versuch bezeichnet, der nicht mehr gemacht werden dürfe. Deutsche Bergwerkökonzessionc» in Schantung. London, 3. Februar.(W. T. B.) U n t e r h a u s. Hicks Beach erklärt auf eine Umfrage, die Regierung habe gehört, daß die deutsche Regierung wegen gewisser Bergwerks- Konzessionen in Schantung in Unterhandlung stehe, sie habe jedoch nichts gehört von Versuchen, sich aus- chließeude ministerative Privilegien zu sichern. Alle Kon- Zessionen müßten bis zu einem gewissen Umfang aus- Ilbließend sei», ob sie derart seien, daß sie gegen die Vertrags- rechte Englands und der anderen Mächte in China verstoßen, das hänge von verschiedenen Erwägungen ab, namentlich von der Größe des Gebiets, über welches irgendwelche aus- schließende Rechte gefordert oder bewilligt werden. Die englisch« Regierung sei gegenwärtig nicht informiert über die Ausdehnung dieser Konzessionen. Zwischen der englischen und der deutschen Regierung habe in dieser Frage kein Meinungsaustausch stattgefunden. Socialistische Wahlerfolge. Sofia, 3. März. Die„Agence Telegraphiqne Bulgare" meldet: Die Wahlen vollzogen sich gestern in vollständiger Ruhe ohne jeden Zwischenfall. Nach den nunmehr vorliegenden endgültigen Ergebnissen des gestrigen Wahltages sind gewählt: 97 Anhänger der Regierung, 33 Mitglieder der Natioualliberalen �toilowisten), 8 Stambulowisten, 19 Karavelowisten, 7 Demokraten. 19 Agrarier, 9 Liberale(Radoslaivisten), 8 Socialistcn. Bei sechs Gewählten ist die Parteizugehörigkeit unbestimmt. oder sie gehören keiner Partei an. Unter den Gewählten befinden sich die Führer aller Parteien mit Ansnahume von Radoslalvow. General Petrow und Jwantschow. In Sofia selbst drang die Liste der Regierungspartei gegenüber jener der drei koalierten Oppositionsparteien durch. Paris, 3. März,(W. T, B.) Wie dein„TempS" ans Saigon gemeldet wird, ist ein chinesisches Schiff mit 259 Passagieren an Bord auf der Reise von Namdiuh nach Hanoi bei Hungyen untergegangen; 299 Personen, darunter eine Französin»ni zwei Kindern, sind, wie die Meldung weiter besagt, ertrunken. London, 3. März.v e i t e r hinzufügen. (Lebhafter Beifall rechts.)(Schluß im Hanptblatt.) Kur den Jiibnlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei _ Nerantmortniig._ C livKtrv. Dienstag, den 4. März. Opcrnftans. Die Swinme von Portici. Anfang?>/, Ubr. Schanspiclftans. Das grobe Licht. Anfang 7i/z Ubr. Neues Over». Theater(Kroll). Geschloffen. Schiller. Familie Fourchambault. Anfang 8 Uhr. Deutsches. ES lebe das Leben. Anfang?»/, Ubr. lverliner. Alt-Heidelberg. Anfang ?>/- Uhr. Lessing. Die Fee Caprice. An- sang?>/>»br. Ncsidenz. Ein galanter Richter. Borher: Mein Schneider. An- fang 7V, Ubr. Neues. Das Ewlg-Weibliche. An- sang 7V, Uhr. Westen. Ii» Brunnen. Hierauf: Der Kuh. Ansang?>/, Ubr. Secessionsbühne. Detlev Lilien- crons BunteS Brettl. Anfang 8»br. G. v. Wolzogens Buntes Theater (Ncberbretty. Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissimus. Zwischenspiele. Ans. 8 Vi»Hr. Triauon. Coralie u. Co. Anfang 8 Uhr. Ceutral. Das süße Mädel. Anfang 7 V, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 71/2 Uhr. Luise». Der Pfarrer von Kirch- seltd. Ansang 7Vi Uhr. Carl Weist. Das Jungfernstift. Anfang 7Vi Uhr. Sriedrich-Wilhelmstiidtisches. Der Obersteiger, iliif. 71/2 Nhr. Belle-Attiance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Ansaug 7V, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivari. Täglich Borstellung. Ansang 7Vi Uhr. VIetropot.'Ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 71/2 Ubr lilpollo. Don Juan in der Hölle. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 71/2 Uhr. Casino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor stellung. Anfang 71/2 Uhr. Palast. Gpecinlitäteu-Vorstellnng. Die Vetlchenfee. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- VorsleNnng. Ansang nachmittags 3 Uhr. Paffage< Panoptikum. Speciali- lälcn-VorsteNnng. Ncichshalleii. Stettiner Sänger. Anfang 8»Hr. Urania. Tanbcnstr. 48/�'.».(Im Thealersaal.) Abends 8»hr: Frühlingstage an der Niviera. Im Hörsal um 8 Uhr: Moderne Luftschifffahrt. Jnvatidenstraste S7/K». Tag lich: Sternwarte._ EWtt'ÄMltt (Wallner-Theater). Dienstagabend 8 Uhr: W'niniHe fourchambault. Schauspiel in 5 Alten von E. Augier, a. d. Französ. übers, von R. Löwenseld. Mittwochabend 8 Uhr: Der Jongleur. Donnerstagabend 8 Uhr: Ver Revisor. Cfi Weiss-Theater. Graste Frankfurterstr. 133. Abends 8 Uhr: eas Jttngfernstift. Iverette in 4 Alten von Einest Guinot. Musil von Jean Gilbert. Mittwoch: Das Jungfernstift.- !°nn-rstag: Preciosa.- Frettag: lasparone.— Sonnabend. Das ungfernstift.- Sonnabenduach- siltag s Uhr: Max und Mor.tz.- ioniitagnachnnttag: �tiieuo.— oiiiitagabend: Gasparone. CkMal-TIiMer. Heute Dienstag, abends 71/2 Uhr: DAS Miivel. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Morgen und folgende Tage: Das süste Mädel. Sonnabendnachmittag 4 Uljr, halbe Preise, scder Erwachsene hat cm Kind frei: Schneewittchen bei de» sieben Zwergen. 'Hmlia-'Hlvater. Dresdenerstraste 7Ä/73. Abends 71/2 Uhr: Seine Klein e. Große AusstatMngsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worin a. G., Guido Thielscher, Gerda Walde. Helmerding, Paulmüller, Boss, Wannovius.„Had'n sie nicht den kleinen Cohn geaehen?" ffletropol-Ilieatfir Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: 'Hü Im 4. Bilde: Francliens Geburtstags tiscli, Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Belle-Alliance-Theater. Die Dame aus Troaville. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms. Mizzi Btrkner. Rosa Marlon. Hierauf: Er. �b-nsbüd in Adele Hartwig u. Leopold Thurncr a.G Ans. 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Borst. Apollo-Theater. Kolossaler Erfolg der neuen Specialitäten! Tbe 3 Hiloni Martin Eettner MElllt Capell 3 Avolo» Sinn Elton Willi Waiden The I-eamy-Troupe Der Kosmograph. Vorher: Don Juan in derilii _ Anfang 8 Uhr. Trianon-Thealer. Ceorgenstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Frledrlchstr. Zum 101. Male: Coralie& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. SCirkus chumann. Heute Dienstag, de» 4. März. abends präcise 71/2 Uhr: Gr. Elite- Vorstellnnjc. U. a: Neu! gpf She, die 4 Elemente. Kolossaler Erfolg! Novität! EUx Kiury aveo son Act oomique. Zum elstenmal: Tandem ohne ZUgel in der hoben Schule geritten vom Dir. gib. Schumann. I'unh-Ball, ainerilanisches Sporlsspiel, ausgeführt von 12 Auierilaneriunen n. 10 Herren der Gefellschaft. Cscili'sro lumlneuse. In Feuer und Flauuiien, ausgef. von Frl. Dorn Schumann. Zum Schluß: pr- Mephisto-»s ca. 500 Mitwirkende. 2 Musifcorps. Grobe AusstattungS-Pantomime vom Hosballcttineister A. Siems. Morgen Mittwoch, den b. März, abends präcise 71/2 Uhr: Auftreten simtl. oben angeführten Specialitäten. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frülilingstage an derRiviera Im Hörsaal um 8 Uhr: ISoderne EnftschliTahrt. Invnlidcnstr. 57/0%. Tägl. Sternwarte. Castans Panopticn Frledrich-Strasse 165. vrflll I Präsident Roosevelt iscll. Miss Alice Itoosevelt. ST c n! Italienische Konzert- Kapelle,«urnberto' a. Venedig. Neu! Der Boerenkrieg! Kiesenmomentbilder aus dem Transvaal- Kriege, nach der Natur aufgenommen. Passage-Theater.l Anfang Sonntags 3, Wochen- I tags 5, Ende 11 Uhr. I Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Das phänomenal lustige neue| März- Programm I Der kleine Kehn ist da! Burleske in 1 Akt von Robert| Breitenbach. Musik von M. Fall. I Gastspiel der 7 jährig. Cola[ 1 Gray in dem Mimodrama[ (Oer Bajazzo und sein Kindj 16 erstklass. Specialitäten! CroMHe im Exerzierliaus (am Prenzlauer Thor) Lathringerstrafte 1—7. Täglich 3 große Vorstellungen. 4, K und 8V2 Uhr. Dressur mit Löwen, Tigern, Wölfen u. Hyänen, sowie Löwen-Ribtgkatttpf und Fütternng um 4 it. 8V2 Uhr. Entree: I. Pla? 1 M., II. Pl. 50 Pf., III. Pl. 2b Pf., Kinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahle» auf 1. U. 2. Pl. die Halste, dem 3. Pl. 15 Ps. Die Direktion: Fresse. Mast-T'üvater (früher Fecu- Palast) «nrgstr. 2'!. Direktion R. Winkler 11. W. FrBbel Das neue große lllsr�-krogramm! IL uou« Kninmern. i-mr Grofter Erfolg!-Tps Jack u. Merry. Fanny Behrens, Richards-Truppe. Charles-Trio. Fredoff. Neu! Dazu um 8V« Uhr: Neu! Die Veilchenfee. Berliner Volks snick mit Gesang in 2 Akten. Ansang 8 Uhr. Entree S0 Pf. Billet-Vorverkauf v. 11—1 Uhr. Cssmo-VIiöster. Lothringersir. 37. Ab 1. März vollständig neues erst- klassiges Specialitäten- Programm! Dazu„Lustige Brüder" mit Richter,„Ehrlos" mit Berg. Ansang Wochent. 8 Uhr, Sonut.7V,»hr. Dr. Simme), PriBzenstr. 59. Speeialarzt für 11/13* Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-1. E. von Wolzogens Diintes Theater(Ueberbrettl) Kilpnlckcratr. 08. Heute abend 8 Uhr u. a.:„steiler- spuk",„Nora-Parodie",„Zufall" von Fulda,„Strohwitwer u. Strohwitwe". „Satirisches Schattenbänksll' Bozena Bradsky, Kompositionen und Be- gleitung Oskar Strauss._ Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Dienstag, 4. Marz, abends 8 Uhr: Gastspiel von Eman. Reicher. V orstellnng vor Serenissimiis Schiffbrüchig, Familienidyll, Herbstzauber. Kottbiiaeratr. 4u Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: II<» f I i» a■■ n s NoMiitsche Siiiwr Nach jeder Soiree: Tansthrilnieehen. Sonntag Ans. des Konzerts 5 Uhr, der Borst. 7 Uhr. Entreeo0Pf.num.Pl.7bPf._ Wochentags Auf. 8 Uhr. Eutree 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf.— Tanz frei. Bereinsbillets gültig. �DsZ 18 Dienstag, 4. März, abends 71/2 Uhr: Gr. Vorstellung, lllondike, Original- Pantomime des Cirkus Busch und die neu engagierten Specialitäten. W. fioaclis Theater. Brnunenstruße Ib. Benefiz für Martha Hoffmann. Schiitzenlies�l. Paffe mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow. Musik von G. Stessens. Heute: T»n-iKrLiii�olieii. Mittwoch: Verlorene Ehre. Reichshallen. TUgUch; Stettincr Sänger. Anfang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. An der Spandauer Brücke 3, Grfisst.Vergntlgungslokal Berlins internationale Konzerte u Specialitäten-Vorstellung Tägl. Anstich des„Erhock' Bockbier-JiM n.Ti'übel Ausschank; Berlinep Bock-Bpauem. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. ÜIntinec von 12-2 Uhr. 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Spr. 9-1. 4-7. «IIUUIV|[t YIIllM.. 1,55, ist mit oder ohne Silberpl.- Geschirr wegen Todesfall billig ver- käuflich Ratheuowerstr. 40, I rechts. Besichtigung 4—8. g46b Mastilnftrumeete u. Kette» aletHrt lltfert»iitiflg imterK«re>delstr. f Sprechstunden: Val2— V»3, Vi®— V Aelmttntmalkung der Brauereien von Berlin und Umgegend betreffend miedcreinfuimitid einesflaschenpfancks Um in Zukunft die ans der pfandfreien Hergabe der Flaschen entstaitdenen, ans die Dauer unerträglichen Verluste im Flaschenbiergeschäft zu verhindern, haben die unterzeichneten Brauereien sich nntereinailder vertraglich verpflichtet, von« S, Marz a. e. ab für eine jede Bierflasche einschließlich Patent- Verschluß, in welcher gegen Entgelt Bier geliefert wird, ein Pfand von 10 Pfennig zu erheben, welches nur gegen Rückgabe der gevranchs- fähigen Flaschen zurückerstattet wird. Um die Wiedereinführung des Pfandes möglichst zu erleichtern, haben die unterzeichneten Brauereien beschlossen, ihren Abnehmern in weit- gehendstcnl Maße entgegenzukommen und erklären sich bereit, die am 5. März er. bei der Kundschaft vorhandenen leeren Flaschen als Ersatz für Pfaudflaschen anzunehmen, so daß der vorbezeichnete Pfandbetrag von 10 Pfennig pro Stück nur für diejenige Anzahl von Flaschen in Anrechnung kommt, um welche die Zahl der gelieferten vollen Flaschen die der zurückgegebenen leeren Flaschen überschreitet. Pfnttdslaschett bldbcn ebenso wie die bisher ohne Pfand ausgegebenen Flaschen Eigentum der unterzeichneten Brauereien und find nuverkanflich. Berlin, den 4. März 1902. Aktien-Branerei Gesellschaft Friedrichshöhe vormals Patzeuhofer, Berlin. Aktienbranerei Hohen-Schönhansen, Hohen-Schönhansen hei Berlin. Aktien Gesellschaft Schlossbrauerei Schöneberg, Scböneberg. Aktien-Brauerei Friedrichshain, Berlin. Berliner Bock-Brauerei-Aktien-Gesellschaft, Berlin. Berliner Kronen- Brauerei, Aktiengesellschaft, Berlin. Berliner Stadtbranerei A. Lorch& Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. Berliner Unions-Brauerei, Berlin. Böhmisches Brauhans-Kommandit- Gesellschaft auf Aktien A. Knoblauch, Berlin. Julius Bötzow, Berlin. Brauerei Oswald Berliner, Berlin. Brauerei C. Flehinghaus, Charlottenburg. Brauerei Karl Gregory Aktiengesellchaft, Berlin. Brauerei Königstadt Aktien- Gesellschaft, Berlin. Brauerei Pfefferberg vormals Schneider& Hillig. Aktion-Gesellschaft, Berlin. Brauerei Schweizergarten. C. Schneider, Berlin. Breslaner Weizenbierbrauerei A. Werm, Berlin. Gustav Haesen, General- Vertreter der Brauerei E. Haase, Breslau. F. Happoldt, Berlin. Radeberger Exportbierbranerel, Radeberg-Pichelsdorf. Schultheiss' Brauerei Aktien-Gesellschaft, Berlin. Spandanerberg-Brauerei vormals C. Bechmann. Aktien• Gesellschaft, Westend bei Charlottenburg. Vereinigte Werdersche Brauereien, Werder a. H. Vereinsbrauerei, Rixdorf. Versuchs- und Lehrbrauerei, Berlin. Victoria-Brauerei Aktiengesellschaft, Berlin. Beiriebswerkstätte«r Knaben-Konfektion lwasor. Brunnenstrasse 84. ÄTs« Engrospreisen. _ nach Maß in kürzester Zeit. Gros»«« StolTlftger.———_ Pfennig, Jedes Wort: Mtr aas eraH) Wurt fett. Worte mit mehr als 16 Buchstaben zählen doppelt, 2 fCleine ßn D Anzeigen in den Annahmestellen f ür Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr9 in der Ha xiptexp edition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen, ste A rden A Hn A Verkäufe. stlcstmi vatiim zu verkauft» Rostvcker- strabe 40. 8686 t�ckdestillation an der Markthalle niit Orchester-Pianino zu verkaufcu Jana�strabe 8. 1-81» Tci«iIIati»n wegen Tode->salls und Verzug»ach aicherhalb verkauft sofort preiswert Fehse, Mückcrustrabc 70. Miete 1500,-. Zwei Kabrikru. 8666» ist sofort verkauf- lich, schön« Wohnung, Nröeitsstube. 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Klagen, Eingaben, Reklamationen Putzger, Steglitzer- straße 65.._ 8106 RcchtSvnrcnn, Teltowerstrabc fünsundvierzig. Eingabengesuche, Rat- erteiluug�_ 991®« Kostenfreie zahnärztliche Behandlung, Zahnziehen. Zahnärztliche Poli- klinik, Chansscestrabc 1a._ 10290* Ilnisonst Zahnziehen. Brunnenstrabe 42. Jährlich 9000 verschiedene Patienten. Dr. dental»urgory Fischler._ 4416 Kuiiststopfrrci von Frau Kokoskh, Steiniicctzstrabi48, Qncrgcbäude hoch- parterre. Vivisektion! Wer sich über diese ruchloseste Grausamkeit unsrer Zeit unterrichten will, verlange die Flug- blätter des Weitbitiides gcgeu Vivi- sektio», welche unentgeltlich versendet werden vom Tierschutzvereiii Berlin, Köiiiggrätzerstrabe 108. Daselbst können auch Referenten für Borträge in Arbeilervereinen über Vivisektion be- stellt iverde». Um gütigen Abdruck wird gebeten. 1611,« Büchrrankauf zu höchsten Preiftii. 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Den Modelltischlereien Tiurieh»!», Oranienstr. 25, Ölet rieh, Ehanssee- strabe 52, t-iurbe, Wasserthorstr. 30, und Horn, Charlottcnburg, Bismarckstraßc 106, sind Auslräge and der„Union" zugegangen. 79/S Zuzug fernhaltett! Le»ant>vortlichu Nedacteur- Carl Leid m Berlin Für dm Lltzeraleutetl verantwortlich l Th.«locke tu BeriUl. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin St. 58. 19. Mtpn. 2. Dtllllßt Berliner Partei Angelegeitheiten. VI. Wahlkreis. Noscnthaler Vorstadt. Heute abend 8Vs Uhr findet in Hensels Festsalen eine Versammlung des Wahlvereins statt, in welcher Genosse Molken buh r über„die Arbeiterversicherung" referieren wird. Zahlreiche Beteiligung notwendig. Tie Parteigenossen der Schönhanser Vorstadt werden darauf austnerksain gemacht, daß heute abend 8V2 Uhr in P u h l- manns Vaudcville-Theater, Schvnhauser-Allee 143, eine Volks- Versammlung stattfindet, in der Stadtverordneter H 0 f f m a n n über„Die logischen Gesundbeter und die unlogischen Gegner" sprechen wird. Dalldorf. Den Genossen zur Kenntnis, daß die Gewerbe- gcrichtsivahlen am 6. März von mittags 2 bis abends 8 Uhr im Restaurant von Krause. Hauptstraße 23, stattfinden. Talmlrs. Das Berliner Gewerkschaftshaus hat gestern seinen Bericht für das zweite Geschäftsjahr(1901) heraus- gegeben. Auch hierin spricht sich die Wirkung der Krisis und der durch sie verursachten Arbeitslosigkeit Iveiter Kreise und Einkommens- beschränknng der in Arbeit Stehenden ans. So betrug der durch- schnittliche Bierabsatz pro Monat in den acht Monaten des Jahres 1300 285 Hektoliter, in 1901 dagegen nur 237 Hektoliter, so daß sich ein monatlicher Minderabsatz von 48 Hektoliter ergab. Auch der Besuch der Herberge ist zuriickgegangen. Es reisten zu in den einzelnen Monaten des Jahres 1901(in Klammern diejenigen für 1900): Januar 795(—). Februar 799(—), März 1066(—),' April 1191(—), Mai 1171(697), Juni 1241(1054), Juli 1102(1401), August 1295 (1440), September 1200(1256), Oktober 1108(1277), November 824 (909), Dezember 611(636). Sieht man von Mai und Juni ab(die Herberge wurde erst am 7. Mai 1900 eröffnet), so tvar die Zahl der Zugereisten 1901 Monat für Monat geringer als 1900. Eine ivesentliche Rolle dürste hierbei die Warnung vor Zuzug seitens der Gewerkschaften gespielt haben, ohne deren segensreiche Thätigkeit die Anhäufung Arbeitsloser in Berlin und Umgegend noch bedeutend höher sein dürfte. Hierfür ein Iveiterer Hinweis: Die Zahl der unorganisierten Herbergsgäste ist stets kleiner als die der Organisierten; im Jahres- durchschnitt kamen auf 1000 Organisierte 385 Unorganisierte, aber diese Zahl hat sich von Quartal zu Quartal geändert: Es kamen auf 1000 Organisierte im 1. Quartal 304, im 2. 386, im 3. 425, im 4.k420 Unorganisierte; d. h.: mit zunehmender Arbeitslosigkeit nahm die Zahl der organisierten Zureiscnden prozentisch viel schneller ab, als die der unorganisierten. Dem Berns nach ivaren die Zugereisten: Apotheker 2, Arbeiter 699, Architekten 1, Bäcker 194, Bademeister 2. Bandagisten 3, Barbiere 181, Bauaufseher 5. Bahnbeamte 1, Bildhauer 275, Böttcher 36, Brauer 83, Buchbinder 483, Buchdrucker und Schriftsetzer 1080, Büchsenmacher 5, Bnreau-Angestellte 27, Bürsten- und Kamm- machcr 42, Chemiker 3, Cigarrcnmacher 18, Conditore» 75, Dach- decker 15, Elektrotechniker 4, Fabrikanten 5, Färber 7, Fenertvehr« leute 5, Former 359, Galvaniseure 7, Gärtner 42, Gastwirte 8, Gastwirtsgehilfcn 118, Glaser 61. Goldarbeiter 152, Graveure und Ciseleure 53, Gürtler 98, Handelshilfsarbeiter 12, Händler 85, Handschuhmacher 27, Hausdiener 215, Holzarbeiter 1790, Hutmacher 33, Jnstrumentcnniacher und Orgelbauer 13, Kämmerjäger 1, Kaufleute 389, Krankenpfleger 22, Kupferschmiede 294, Kürschner 16, Kutscher 18, Lackierer 20. Landwirte 10, Lederarbeiter 132, Lehrer 6, Lithographen und Steindrucker 117, Maler 398, Maschinisten und Heizer 27, Maurer 312, Mechaniker 157, Metallarbeiter 1731, Möbclpolierer 17, Monteure 35, Müller 35, Musiker 25, Phoio- graphen 15, Porzellanarbeirer 16, Portefeuiller 8, Posamentierer 14, Redacteure und Schriftsteller 18, Rentenempfänger 5, Rohrleger 17, Sattler 309, Schauspieler 11, Schlächter 83, Schleifer 52, Schmiede 147, Schneider 409, Schornsteinfeger 3, Schriftgießer 23, Schuh- macher 304, Seeleute 8, Seiler 5, Souffleure 1, Stcinmetze und Steinhauer 60, Stuccateure 35, Studenten 3, Tapezierer 252, Techniker 22, Textilarbeiter 54, Töpfer 134, Uhrmacher 39, Ver- golder 104, Werkmeister 3, Tylographen 2, Zeichner 14. Zimmerer 209. Die Bilanz des ganzen Unternehmens schließt pro 1901 mit einem Verlust von 10 922 M. 15 Pf., indem einem Ucbcrschuß von 4538 M. 95 Pf. Abschreibungen in der Gesanithöhe von 15 461 M. 10 Pf. gegenüberstehen. Trotz dieses ungünstigen Ergebnisses sehe» die Gesellschafter nicht trübe in die Zukunft. Die Möglichkeit eines besseren Geschäftsganges hängt nicht nur von dem Nachlassen der Krise ab. Die Erkenntnis von der Bedeutung des Gewerk- schaftshauses als eines Mittelpunktes für die Arbeiter- bewcgung, die auch bei der Arbeitslosenzählung wieder zu Tage getreten ist. muß sich immer mehr in der Berliner Arbeiterschaft Bahn brechen. Zu beklagen ist, daß viele sich von dem Besuch des Hauses abschrecken lassen, wenn die Einrichtungen nicht voll und ganz ihren Wünschen entsprechen, statt zu bedenken, daß erst bei vollem Verkehr die Bedeutung von Abänderungen erkannt und die materielle Grundlage für ihre Durchführnng gegeben weichen kann. Eine Reihe von Aenderungen, die namentlich den Restaurant- verkehr weitesten Kreisen ermöglichen soll, wird noch im Laufe des kommenden Monats durchgeführt werden, so die Errichtung eines Buffetts im Aschingerstil im Vorderraum des RestanrantS. Die neuen Vcntillationseinrichtungen im Restaurant und den Sälen des Seiten- flügels bewähren sich'glänzend. Die Beleuchtungseinrichtungen im Saalbau sind jetzt so vervollkommnet, daß die vielfach empfundenen Störungen durch Einbriugen neuer Kohlen in die Bogenlampen zc. völlig vermieden sind. Wir teilen nicht die Befürchtungen einzelner, daß das Berliner Gewerkschaftshaus stets weniger Berücksichtigung seitens der Arbeiter- schaft finden würde, als ähnliche Einrichtungen in anderen Städten, weil der Berliner Arbeiterschaft die Schaffung des Hanfes zu leicht gemacht worden sei; wir hoffen vielmehr, daß die organisierte Arbeiterschaft es durch immer regere Beteiligung der Gesellschaft ermöglicht, das Unternehmen zu einem mustergültigen in jeder Be- ziehung auszugestalten, wie es dem Vorort der modernen deutschen Arbeiterbewegung zukommt._ In der gestrige» Sitzung der Deputation der städtischen Gaswerke wurde beschlossen, den K ö n i g s p l a tz elektrisch zu be- leuchten. Es sollen 16 Bogenlampen von je 10 Ampere aufgestellt werden. Der Vorsitzende Stadtrat Namslau legte dann den Plan der Umgestaltung der Straße Unter den Linden vor. Dieser Plan bedingt auch Aenderungen in der Anfftellmig der Kandelaber für die elektrische Beleuchtung. Es wurde die Verstellung der Kandelaber genehmigt und beschlossen, die Gesamtanlage mit einem Central-Schältapparät zu versehen, so daß in Zukunft sämtliche Bogenlampen mit einem Schlage von einem Punkt aus zum Leuchten und zum Verlöschen gebracht werden können. Die Anträge auf Verstärkung der öffentlichen Beleuchtung in der Christbnrger-, Wins- und Franseckistraße, der Prenzlauer-Allee, der Ulmerstraße. des LausitzerplatzeS, sowie der Bülowstrahe wurden angenommen. Die Verstärkung der Beleuchtung in der Bülowstraße und des Lausitzerplatzes ist durch die Hochbahn erforderlich geworden. Geh. Medizinalrat Professor Dr. So, Ulenburg, der ärzt- liche Direktor für die chirurgische Abteilung des Krankenhauses Moabit, ist vom Magistrat auf sechs Jghre iviedergewählt worden. Zum Fall Pierson. Die Geiieralintendantur der könig- l i ch e n S ch a» s p i e l e sendet hiesigen Blättern folgende Zuschrift zu: „Nach dem Tode des Jntendantur-Direktors Henry Pierson tverden Gerüchte verbreitet, als hätte der Direktor Pierson zwar in künstlerischer Beziehung sachkundig gearbeitet, aber für die finanzielle Behandlung eines Theater-Jnstltnts leine ausreichende Befähigung gehabt, so daß iw, Inwärts" daher Unordnung und finanzielle Deroute Platz gegriffen hätte. Dem- gegenüber erkläre ich, daß 1. die königl. Ober-Rechnuugskammer die vorliegeuden Jahresrechnungen geprüft und für alle Geschäftsjahre anstandslos Decharge erteilt hat; 2. der Stand der königlichen Theater in finanzieller Beziehung ein so günstiger ist, ivie dies früher niemals der Fall war, und daß dies Haupt- sächlich durch die umsichtige, aufopfernde und sachkundige Thätigkeit des Intendantur- Direktors Pierson erreicht worden ist. Nach dieser Erklärung bedarf es ivohl keines Hinweises darauf, daß die Gerüchte von einem entdeckten Deficit, welches nach einer Mit- teilung sogar die Höhe von!>/« Millionen erreicht haben soll, von Uu- ordnungen in der Buchführung usw. vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Ebenso sind gegensätzliche Anschauungen zwischen demMinisterium des königlichen Hauses und der General-Jntendanttir der königlichen Schauspiele durch Erteilung der Decharge von seilen der Ober- Rechnungskammer vollständig erledigt. Indem ich Ihnen von' dieser meiner Erklärung Kenntnis gebe, bemerke ich noch ergebenst, daß mich die gegen die General-Jnten- dantur erhobenen Verdächtigungen veranlaßt haben, zunächst gegen einen Verbreiter derartiger Nachrichten d.en Schutz der Gefetze an- zurufen und die königliche Staatsanwaltschaft um Strafverfolgung zu ersuchen." Herr H 0 l z b 0 ck vom„Lokal-Anzeiger" bezieht in einer Zuschrift an uns eine bestimmte Stelle in dem„Zuknnfts"-Artikcl auf sich, Ivorin von einer ZeitnngSmeldnug die Rede ist, nach welcher Herr Pierson der Prcsie„den ihr gebührenden Platz überwiesen" habe. Hier liege eine Fälschung vor, denn in dem von ihm. Herrn Holzbock. geschriebenen Artikel des„Lokal-Anzeigers", den die„Zukunft" ins Auge fasse, habe es geheißen, daß der Verstorbene der Presse die ihr gebührende Stellung eingeräumt habe, was bedeuten solle, daß er die Presse ihrer Bedeutung und ihrem Stande entsprechend respck- tiert habe. Die Verhaftung deS spiritistischen..Blumenmediums" Rothe. Am Sonnabend ist hier bei einer spiritistischen sogenannten Seauce Frau Anna Rothe, das„Blumenmedium" durch die Kriminal- kommissare v. Kracht und Leonhardt bei der„Arbeit" in der Wohnung des Privatlchrers Jentsch, Winterfeldstraße 6, ver» haftet worden. Auch Jentsch verfiel demselben Schicksal. Man ivill ihnen, wie verlautet, wegen Betruges den Prozeß machen. Die Verhaftung hatte heute schon zahlreiche Vernehmungen zur Folge. Im Polizei-Dienstgebäude am Alexanderplatz wimmelte es von Spiritisten. Alle, die aus den Lifte» der Frau Rothe festgestellt iverden konnten, waren vorgeladen und erschienen, gegen 150'Personen, durchweg Leute aus dem Mittel st and, am meisten Frauen im Alter von 40—50 Jahren. Die Vor- geladenen sahen vielfach Ivie„Büchcrlvürmer" atis, tragen zu einem großen Teil Brillen und haben sich Lektüre mitgebracht, der sie sich beim Warten auf dem Flur Ividmcn, wenn die Unterhaltung stockt. Diese dreht sich um das verhaftete Medium im besonderen und den Spiritismus in, allgemeinen. An diesen glauben die meisten Zeugen auch jetzt noch.' Aber auch das Medium hat seine Eni- larvung noch keineswegs um allen Kredit gebracht. ES findet in der harrenden Gesellschaft noch viele Anhänger. die nach wie vor für seine Echtheit eintreten. Auch ein„Talisman" des Lehrers Jentsch, eine Glaskugel, ist Gegenstand lebhafter Erörterung. Mitglieder deS Spiritistenvereins„Psyche" be- finden sich unter den Erschienenen nur einige. Das Medium und sein Impresario, Herr Jentsch, wurden mittags photographiert und iverden wohl noch im Laufe des Tages nach Moabit in das Unter- snchnngsgefängnis gebracht werden. Frau Rothe, die 52 Jahre zählt und über 16 Jahre schon als„Medium" bekannt ist. wurde bereits wegen Kuppelei bestraft. Mit ihrer Verhaftung hat das Vor- gehen der Kriminalpolizei gegen den Schwindel dieser und andrer Art wohl nur erst begonnen. Wie man Herr» v. Thielen huldigt. De» Angestellten und Arbeitern der Eisenbahn soll nun mit Hilfe der Organisation beigesprnngen iverden, und zivar kam die Anregung zur Gründung dieser Organisation— man lache nicht— von oben, von höheren Eisenbahnbeamten. Eine stattliche Anzahl von Leuten aus dem Reiche des Herrn v. Thielen war durch ein Schreiben eingeladen worden, sich am Abend des 27. Februar in der Victoria- b r a u e r e i einzufinden. Die bisherigen Eisenbahn-Vereine hätten nur die Sonderinteressen ihrer Mitglieder verfolgt; nun solle aber ein Band gewebt werden, das alle, Hoch und Niedrig, umschlinge»ud eine ideale Harmonie der Seelen schaffe. Als um halb acht Uhr die ersten Arbeiterkolonnen herangerückt kamen, erlebten sie eine Ent- täuschung nicht gerade angenehmer Art. Der Saal tvar zum größten Teil bereits von Beamten besetzt und nur ein kleiner Teil der Arbeiter fand noch Platz. Hiervon wurden um acht Uhr noch etliche von der Polizei abgeschoben. Dann sperrten die Schutzleute das Lokal wegen angeblicher Ueberfüllung ab und um halb neun Uhr mochten an die 2000 Eisenbahnarbeiter sich auf der Straße und in den benachbarten Lokalen aushalten, alle voll Mißmut darüber, daß die Einbernfer sie zwar geladen, aber nicht für einen ausreichenden Versammlungsraum gesorgt hatten. Die Ansgeschlossenen meinten. daß sich immerhin noch für 400—500 Personen hätte Raum schaffen lassen, wenn die Stühle und Tische ans dem Saal entfernt wären und wenn> man auf ihre Anwesenheit Überhaupt Wert legte. So wurde aber der VersamnilungSratti» von etwa 700 Leuten, wie gesagt, zttnt größten Teil Beamten gefüllt. Ein wirklicher Geheimrat betrat das Podium und sprach etliches über den Zivcck der Gründung. Dann wurden die Satzungen verlesen. Als ein Arbeiter darauf hinwies, daß die eininaliae Zahlung deS Jahresbeitrages von einer Mark manchem schwer fallen tverde und daher ein Monatsbeitrag von 10 Pf. erhoben tverdölt möge. wurde dem Antragsteller unter dem Gelächter eines großen Teils der Versammlung bedeutet, daß sein Antrag nuzweckmätzig fei. Die Anwesenden erklärten sich dar- auf mit der Gründung des Vereins einverstanden. Es ließen sich gleich etliche in die Mitgliederlisten eintragen, auch wurde ein Ausschuß zwar nicht von der Versammlung gewählt, aber doch vom Bureau ernannt. So ging die Geschichte ivnnderglatt von statten, viel glatter, als ivenn die'Arbeiter in der Mehrheit gewesen wären. nn,' Schluß erhielt Herr v. Thielen ein Huldigungs- elegramm zugesandt. Seltsam, daß gewisse Leute immer noch keinen Schimmer haben von dem Elend unter den Eisenbahn- arbcitern und meinen, daß die nur zu begründete Unzufriedenheit sich durch Mittelchen, wie die Gründung eines Harmonicvercins, be- sänftigen läßt! Die Berliner Brauereien haben, wie aus dem Inserat in der heutigen Nummer ersichtlich ist, beschlossen, von heute an das Flaschen- Pfand wieder einzuführen. Für jede Flasche soll ein Pfand von 10 Pf. genommen iverden. Ein aufregender Vorgang in der Klinik in der Ziegelstraße ereignete sich gestern. Von dem Inspektor der köttigltchett Klinik wurde der Schutzmann Schönwolf um Hilfe ersucht gegen den früheren, vor einigen Tagen entlasfeneu Hausdiener der Klinik Max Schmidt, der sich in einen Gang im Keller der Klinik ein- geschlichen hatte. Als Inspektor Kaufmann und der Schutzmann sich der Stelle in dem dunklen Gange näherten, gab Schmidt einen Revolverschuß auf sie ab. Schönwolf holte darauf noch mehrere Schutzleute herbei, auf die der Hausdiener noch vier Schüsse ab- feuerte, ohne jemand zu verletzen. Die plattgedrückten Geschosse Ivurden später in der Nähe der Stelle, Ivo die Schutzleute standen, aufgefunden. Nach dem letzten Schuß trat Schmidt zu den Schutz- leuten heran, gab an, er habe sich selbst erschießen wollen, und ließ sich festnehmen. Die Untersuchung gcgeu die Einbrccherbaude Adnuietz und Genossen beschäftigt noch immer die Kriminalpolizei und jetzt ist wieder eine goldene Uhr zum Vorschein gekommen, die ein Mitglied Dienstag. 4. Mär; 1902. der Bande am 31. Oktober versetzt hatte und deren Eigentümer noch nicht bekannt ist. Es handelt sich un, eine 18karätige Schlüssclnhr mit drei Kapseln und der Nummer 4168. Sie zeigt auf der vorderen Außenseite einen Zuaven in Laufschritt mit ansgepflnnzten, Bajonett, hinten eine Blnmcnvcrziernng und im Innern das Zeichen T. F. Cgopcr, London. Die zugehörige 14karätige Herrenkette besteht ans zwei Schnallen, die ineinandergreifen. Der Kriminalpolizei wäre es lieb, zu erfahren, wem die Bande diese wertvolle Uhr gestohlen haben mag. Zu dein großen Jnweletidiebstahl in der von der Heydt- straße ivird mitgeteit, daß die Nachforschungen nach dem Dieb und feiner Beute noch keinen Erfolg hatten. Die bestohlcne Rentncrin H. hat jetzt für die Wiederbeschäffung der Schmucksachen 2000 und für die Ergreifung des Diebes 500 M. Belohnung ausgesetzt. Durch einen Zufall ist gestern vormittag die Baronin von Albedhll dem Tode entgangen. Die Dame benutzte zu einer Ausfahrt die Taxameter-Droschke Nr. 8612. In der Leipzigcrstraße kreuzte der Kutscher in ihrem Auftrage den Fahrdamm in der Nähe deS Reichspostamts, und zivar unmittelbar vor dem herannahenden Straßenbahnwagen 1962 der Linie Charlottenburg— Schlesischer Bahnhof. Der Kutscher hatte nicht beachtet, daß aus der entgegen- gesetzten Richtung der Motorwagen Nr. 2272 der Linie Görlitzer Bahnhof— Victoria Louise-Platz beraugesattst kam, und so erfolgte denn ent Zusammenstoß der drei Gefährte. Die Vorderplattformen der beiden„Elektrischen" zertrünnnerten dabei die Droschke voll- ständig und die Wageutrümmer wölbten sich über die Insassin der Droschke. Da sich die drei Gefährte derartig ineiuatidcr geklemmt hatten, daß es nicht möglich war, die Droschke zu befreien, wurde die Feuerwehr in der Mauerstraße alarmiert, deren Mannschaften die Dame endlich erlösten. Ebenso wie Frau v. A. hatte auch der Kutscher wunderbarerweise keine Verletzungen davongetragen. Die Verhaftungen von„Klingelfahrcrn" nehmen noch weiteren Fortgang. Zu den beiden Pärchen, die aus einem Hotel am Schlcsischen Bahnhofe herausgeholt Ivurden, hat sich ein drittes gesellt, das auch zu der Bande gehört, ein Einbrecher und Zuhälter Hoblewski und seine„Geliebte". Diese beiden wurden am Sonnlag- abend am Bahnhof Friedrichstraße ergriffen. Hoblewski vermittelte zwischen den übrigen Einbrechern und der Hehlerin. Seine„Ge- liebte" ist ein ehemaliges Dienstmädchen, das vor einem Jahre von Braunschweig hierher kam und von dem Verbrecher auf Abwege gebracht wurde. Ei» Thcaterdieb wurde nach der Vorstellung im Thalin- Theater festgenommen. Vor lauger Zeit tauchten in Berlin Taschendiebe auf, die im Gegensatz zu ihren Vorgängern nur in Theatern arbeiteten und ihr Augenmerk ausschließlich auf die Hintere Hosentasche der Herren richteten. Nachdem Weihnachten ein ungrischer Buchdrucker Herzog, der die Besucher des Bclle-ANiance-Theatcrs be- stahl, ertappt und festgenommen war. hörten dort die Diebereien auf, begannen aber bald in andren Theatern. So wurden einent Herrn 700, einem andren 400 M. jc. entwendet. Am Sonnabend erwischte eine Kriminalpatrouille einen 22jährigen Schriftgießcr Michael S p i e l m a n n im Thalia-Theater bei der Arbeit. Spielniann bestreitet seine Schuld, will seinen Landsmann Herzog nicht kennen und erst seit Mittwoch in Berlin sein. Das ist jeden- falls unwahr. De» Tod im Wasser suchte am Sonntag ein Mädchen von etwa 30 Jahren Namens Anna Könicke, das um 11 llhr von der Kottbuser Brücke in den Landwehrkanal sprang, jedoch gerettet und nach dem Krankenhanse am Urban gebracht wurde. Der Selbstmord- Versuch ist noch nicht aufgeklärt. Die Angabe, daß die Lebensmüde bei einem Fräulein H. tii der Tanentzienstraße gewohnt habe, er- wies sich als unrichtig. Dort kennt man ein Mädchen ihres Namens nicht. Der Bammfall in der Thoriierstraße, worüber wir an, Sonntag berichteten, hat zum Glück nicht so schlimme Folgen gehabt, als es' anfangs den Anschein hatte. Der Arbeiter Rothe ist auf seinen Wunsch am Sonnabend aus dem Krankeuhause entlassen worden und wird in seiner Wohnung allem Anschein nach bald wieder hergestellt werden. Es war ein Zufall, daß Rothe nicht den Leitergang hinabgestürzt ist; in diesem Fall wären mehrere Kollege» mit ihm verunglückt. Ei» größerer Dachstuhlbraud rief Montagabend kurz nach 7 Uhr mehrere Löschzüge nach der Friedrich Wilhelm- straße 16. Hier standen bei Ankunft der Wehr mehrere Boden- verschlüge mit Inhalt in Flammen. Durch das rechtzeitige Ein- greifen gelang es indes, das Feuer innerhalb einer Stunde auf seinen Herd zu beschränken. Fenerbcricht. In der Zwischenzeit hatte die Wehr zahlreiche Alarmierungen zu verzeichnen. Montag früh Vsl Uhr wurde sie »ach der Kanonierstr. 16 gerufen, wo ein elektrischer Straßenbahn- wagen brannte. Die Fahrgäste kamen indes mit dem bloßen Schreck davon, auch konnte das Feuer leicht erstickt werden. Durch Uebcr- kochen von Fett war Sonntagnachmittag 5 Uhr in der Eichendorff- straße 15 ein Brand entstanden, dessen Ablöschimg ebenfalls bald erfolgte. Kurz vorher mußte in der Kulmstr. 5 ein Schornsteinbrand beobachtet werden, während in der Griebeuowstr. 8 Gardinen in Flammen aufgingen. Sonnabendabend kam in der Prenzlauer- straße 32 durch unvorsichtiges Umgehen mit einem Spirituskocher ein Kellerbrand zumAnsbrnch, der hauptsächlich Wattevorräte einäscherte und mit einem Rohre abgelöscht werden mußte. Ein zweiter Kellcrbrnnd rief die Wehr Sonntagvormittag nach der Nannynstr. 68. Auch hier mußte längere Zeit mit eine», Rohre Waffer gegeben werde», um die Flammen, die an Spähnen reiche Nahrung gefunden hatten, z» ersticken. Montag früh war in der Lausitzerstr. 14 eine Bretlerwand auf einem Hängebode» in Brand geraten. In der Novalisstr. 8 mußte ein Brand beseitigt werden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. In der Warschauerstr. 14 ging mittags ein Bett in einem Zimmer in Flammen auf. Wohnungsbrände, die in der Hauptsache Gardinen und Kleidungsstücke beschädigten, er- folgten in der Spenerstr. 30 und Landwehrstr. 38 a. Außerdem waren noch Alarmierungen von der Steinmctzstraße 44 und Prinzen- straße 92 zu verzeichnen, die jedoch auf geringfügige Anlässe zurück- zuführen waren._ VkiiS de» Rachbatorteu. Den ersten Tieg bei den diesjährigen GciuciudcratSlvahleu haben unsre Parteigenossen in A d I e r s h o f am Montag errungen. Dort wurde der socialdemokratische Kandidat Ernst Laube gewählt; er erhielt 422 Stimmen, während auf den Gegner nur 45 Stimmen fielen. Möge dieser glänzende Sieg für die weiteren Wahlen von guter Vorbedeutung sein. Die GemeinderatStvahl in Steglitz, die gestern stattfand, hatte folgendes Ergebnis: Genosse S ch e l l h a s e erhielt 513 Stimmen, während auf den Mischmasch-Kandidaten Bamberg 337 und auf den Mieter Weinhausen 1 Stimme fiel. Somit ist für den I. Bezirk Genosse Schellhase gewählt. Im ll. Bezirk erhielten Stimmen: Genosse Wieloch 263, Wiukler(Mischt,, asch) 212 und Weinhausen als Mieter 283. Hier findet also zwischen dem Mieter Weinhausen und Genossen Wieloch Stichwahl statt. Eentralvereiu der Bildhauer Deutschlands Im Gewerkscbafts- hause, abends 8>/2 Uhr: Berichte von Konimissivneii, Wahl eines Revisors. tkentralvereiu der Bureau- Angestellten. Abenoö 9 Uhr, Rosen- thalerstr. 5? bei Bauer, Mitgliederversammlung. Wetter-Proguose für Dienstag, de» 1. März liltlS. Ausllarend, an. Tage wärmer bei schwachen südöstlichen Winden; keine wesentlichen Niederschläge- Berliner W e t t e r b u r e a>,. MiMlnMlMtt Wahlverein IWahlverein des 6. Berl. Reicfistags-Wahlkreises. fm den 4. Berliner Rtchslagg-Mahlkreis(Osten).--- Dienstag, den 4. März, abends 8 Uhr, Gr. Frankfurterstr. 117: �enssmmlung. TageS-Ordnung: I. Vortrag deS Schriftstellers Qeorzx Itvi>nIinrS über:«DaL LiebeSwerben um die Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Um zahlreichen Besuch ersucht 242/10» __ Der Torstand. SotillldenwKrliMer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagg-Wahlkreis. Dienstag, den 4. März, abends 8'/- Uhr, im Lokal des Herrn Hensel» Jnvalidenstratze Nr. 1: V ersammlung. Tagcs-Ordnung: t. Vortrag dcS ReichstagS-Zlbgeordneten!kloIlienI»nt»r über:„Die Arveiterverstcherung". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Zahlreiche» Besuch erwartet 24K/18» Der Torstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 5. März, abends 8'/« Uhr: Uttlranensniänntr-Unsammlniisen Zur Beachtung! I» allen unten angezeigten Versammlungen werden die Stlmm- zettel zur Urabstimmung über die ZlrbeitSloseu-UnterstüUuug aus- gegeben. Die Vertrauensmänner werden ersucht, für jedeS Verbands- Mitglied feiner Werkstatt einen Stimmzettel zu entnehme» und baldigst ausfüllen zu lassen, sodann sämtliche Stimmzettel seiner Werkstatt an das Verbandsbnrean, Engel ltfcr 15, abzuliefern oder per Conbert einzusenden. OfftH Mild UakdalitM! bei Mann, Strauhbergerstr. 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt- Kontrollkommission. 2. Werkstattangelegenhett. 3. BerbaiidSangelegenheit und Verschiedenes. SjldgsttM! bei C. Behrend, Mautenffelstr. 95. Tagesordnung: l. WcrkstattangelegenHeiten. 2. Verbands- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. SÜdtM! bei Bet«olh, Wasferthorftrafte«8. Tagesordnung: 1. Streik und Disferenzen. 2. Bericht der Kommission. 3. Verbandsangelegenheite». Zjid-Mrstr»«iid Weste»:'"Ä::;»?;?-0?.'"' Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Ver- trauensleute. \l im Lokale des Herrn Soehseh, Dnrmstr. 84. Tagesordnung: Bericht der Vertrauensmänner und Verschiedenes. Wedding und GesiiiidbruMiien:«0,�!'�°�. Tagesordnung: I.Bericht der Konunission. 2. Verbands- und Werkstattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Vcrtrauciismäuiier werden ersucht, ihre Verbandöblicher mit- zubringen. iSofentlialet»nb KchSnhaustr Mtbt: bei Wernau, Schwedterftr. 83/34. Tagesordnung: Bericht der Werkstatt- Kontrollkommission, Ver- bands- und Werkstattangelegenheit und Verschiedenes.. Wedrilhöberg-Iichtenkerg:»rkedN Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. WerksteNenangelegen- heilen und Verschiedenes. 3. Gewerbegerichtswahlen in Lichtenberg- Friedrichsbcrg. Modell- n. Fabriktischler"" Kommission. 2. Wcrkstatt- Tagesordnung: 1. Bericht der differenzen. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Musikiustrumenteu- Arveiter im GewcrkschaftShanS, Engel-llfer 15. In dieser Versammlung werden die Scheine über die Urabslimmnng verteilt, daher ist es notwendig, daß jede Fabrik vertreten ist. 80/7 Drechsler. Worden: Brunnenstr. 150. Osten: bei Matthes, Koppenstr. 41. Vtldosten und Westen: bei MähriNg, Abmiralstr. ISo. Tagesordnung: I Bericht der Kommisston. 2. Die Urabstimmung über die ArbcitSlosen-Unterstllhuug. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Ceiitrstlverbstiid kt innrer it. Zahlstelle Berlin. 137/12 Dienstag, den 4. März, abends 8 Uhr: Zmi NWIlkstkr-MwillllliWin Für in den drnnlnlnshallen, Brcmerstraßc 71/72. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. VerbandsaiigelegenHetteu. Für �chölteöerA im Blnhhans, Hauplstraße 5-8. Tagesordnung: 1. Bericht und Wahl der Obleute. 2. Wahl der BeztrkSkassterer. Zahlreichen Besuch ertvartet Dl« Terhandsleltna«. Fachverein der Tischler. Dlenötag, den 4. März, abends 8V, Nhr, bei Herrn rrnnhe, Pallisadenstraß« S:_ PF" RntraMeMSMiaMiier-RersammlUMg Mitgliedsbuch«nd-Karte legitimiert. Jede Werkstatt muh vertreten sein, auch wenn mir ein BereinSkollege dort beschäftigt ist.- Pünktliches Erscheinen erwünscht. 18S/S Der Torstnnd. Verein der frieitliclien Soeialisten Berlins und ITnigeftend. Mittwoch, den 5. März, abends pünktlich 8>/z Nhr. im Gewerk- schastshanse, Engel-llfer 15, Saal 1: Pf'Versammlung Tages-Ordnung: Mullaluli, der freie Denker und Dichter. Mit Recitation aus seinen Werken. Vortragender: Wilhelm Spohr. Gäste. Männer und Frauen, willkomnlen.. 9306 1' Der Vorstand. lese- u. WsklMerklub Central. Nachruf! Den Mitgliedern, Freunden und Genossen zur Kenntnis, daß unser treues und langjähriges Mitglied, der Maurer 2S8/1S Adolf Pafchke am 27. Februar in Radenicken»ach einjährigem Krankenlager an der Tuberkulose verstorben ist. Der Ber- storbene that nach jeder Richtung seine Pflicht. Ehre seinem Andenke». Ber Torstand. Dauksaguttg. Für die innige Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MauneS Panl Gohlko sage allen Bekannte», namentlich de» Genossen des 3. Wahlkreises, sowie den Kollege» der Firma Golinsch meinen besten Dank. Ww.«tohlke. Genttal-VersamMlinng der Zilliiiilgö-.w!!ktilkllsse i>er Tövser- u. Wlstiztr-WW (Zwangsinmmg) für JnnungSmtt- glieder nach s 2S des«affenstatuts und ß 38 des R.-Ä.-V.-G.) am Dienstag, den 18. März 1002, abend« 5 Uhr, im„Kbnlgstadt-Kaüno", Holzmarkt- strahe Nr. 72. TageS-Ordnung: Wahl von 81 Delegierte» nach§45 des Kastenstatuts. Blaue Mitgliedskarte oder Ein- ladungskarte berechtigt nur zum Sin- tritt. 927b luliu» prlllvlte, 1. Vorsitzender, 77., Dronthcimcrstr. 58. 5mN»ottmoim, Sckiriftsiihrer, _ SW., Fcilncrstraße 10._ Sonnabend, den 8. März I90S: 13. STIFTUNGS-FEST in den Räumen des Palast- Theaters(früher Feen-Palast) Burg- und Woir&angrstrassen-Boke bestehend in Gesangs-Auffülirungen und Theater-Vorstellung. gehalten vom Reichstags- Abgeordneten Ledebour. Nachdem: WM" Tanz. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang prttclse S Uhr. Programm gratis. 248/19 Blllets SO Pf. Der Torstand. Erkliirttug. Hierdurch nehmen wir die gegen den Herrn C a r l B a st i a», Wiesenstraße 80, und dessen Ehefrau üliina am 3. Januar 1902 gemachten be> leidtgenden Acnßcrnngen mit dem Aufdruck des Bedauerns zurück. Wir erklären ausdrücklich, daß wir über Herrn Carl Bastian oder besten Ehefrau Anna in keiner Weise etwas Nachteiliges behaupten tiiiinen. Berlin, den 27. Februar 1902. F. Redlich und Frau. Wtefenstr. 80 Achtung. Mrgdtder! Berwb hcr im Vergolbrrgtmtrbe btschöst. Meiter Mb SlrbciteciMCii DeutsdjlMbs (Filiale Berlin). Sonnabend, den 8. März cr., in den Gesamtränmen der„Alhambra", Wallnertheaterstraße 15(2000 Personen fassend): 12. STIFTUNGS-FEST. Mitwirkende: KUnstler-Orchcstcr, Direktion: Herr A. Grabow. Deklamation: Herr Panl Panll vom Deutschen Theater. Gesangsvortrag: Opernsänger Herr Willy Frank. Theotcr-Aufführung: Eleven der Deutschen Theater-Sclmle unter Direktion des Herrn F. Pauli. MS" Anfang priieise 8 Uhr."913 Herren-BilletS iukT. Tanz 50 Pf., Daincn-BilletS 30 Pf. sind bei den VorstandSmIsglsedem, sowie bei allen Werkstatt-VertrauenSlenten erhältlich.— Nach dem Konzert:(kBOSSEK BAU Ii. Abendkasse findet nicht statt. Da an künstlerischer Ailfführung alles aufgeboten, wird ein zahlreicher Besuch erwartet. NM- Arbeitslose Verbandsmilgliedcr habe» an diesen: Abend freien Eintritt und erhalte» 1 Mark Zehr- acld. Diesbezügliche Karten werden am Freitag, den 7. und Sonnabend, den 3. März, vormlttags von 8— 10 Uhr tu: Arbeitsnachwets-Bureau verabfolgt. Ber ILahlahend füllt an diesem Sonnabend ans. 225'? Der Torstand. Central-Verband der Innrer etc. Zweigvereisi Berlin. Bureau bor Zahlstellen Berlins nnd liingegend: E»,,el-»fer 15, Zimmer SS.(Fernsprecher: Amt VII 4289.) Geöffnet an den Wochentage» von vorm. 8-1 llhr und nachm. von 3-7 Uhr. Enr allgemeinen Beaehtnng! Laut BerbondSstatnt beginnt die Beitragszahlung für daS Geschäftsjahr 1902 mit dieser Woche. Beschluß unsrer General-Bersaunnlung ist, daß daS bisherige Doppel- morken-Systcm wegfästt und dafür eine Etnhettsmarke von 85 Pf. pro Woche ins BerbandSbuch geklebt werden soll. Die Betträge sind in den Vierte?::«nd Zahlstellen zu entrichten, wo daS betreffende Mitglied wohnt. Arbeitslose Kollegen wollen sich an einen: der letzten 3 Tage jeder Woche in den bekannten VerkehrSlokalen oder im Bureau tn der Zeit von früh 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr gegen Vorzeigung der JnvaliditätSkarte«inen Stempel in ihr BerbandSbuch drücken lassen. Mitglieder, die einen solchen Stempel im Buche aufweisen, zahlen nur eine Marke von 25 Pf. für die betreffende Woche. Die Kaffierung der Betträge findet Sonnabends, abends von 8—10 Nhr, tn den VerkehrSlokolm statt mit Ansnahme von Schöncderg, Berlin West und Groß-Lichierfelde, woselbst der BcrbandSbettrog tn der Wohnung der Mitglieder erhoben wird. Ble Terhandsleltnng. 137/11»__ I. A: Karl Parser._ Mtnng! Mkskkltgtr. AM« 1 Am Donnerstag, den 0. März, abends Grcnadterstr. 33: 8'/- Uhr. bei Schul«, Oeffentliche Versammlung ber zlieseiiltger Btrlins Mb Umgeg. mit Böllen. T a g e S- O r d n u» g: 1. Vortrag über:„Wie die Götter starbei:", gehalten von: Genosse» Waldeek cklanasse. 2. Diskussion. 3. Äewerlschaftliches. DM- Gäste haben Zutritt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Der Torstand. 58/4 Grosse ösfentliche Tersumliiiig Mittwoch, den 5. März 1902, abends 8 Nhr, im Lokal«Zur Drachenburg", An der Schlesischcn V rücke. TageS-Ordnung! 1. Vortrag des Genossen I. KaliSki über:„Momentane Slrbeitslosig- keit und die bürgerliche Gesellschaft". 2. DtSkussion. 84/4 Der Elnbernfcr. Lederarbeiter Berlin I. Weissgerber, Lederfärber and Derufsgenossen. Groste öffentliche Bersantmlung lllier 1» ber Lebersobrikiltion beslh. Arbeiter\i Arbeiternim Dienstag, den 4. März, abeudS 8'/» Nhr. bei Herrn Brinkmann(BolkSgarten, kleiner Lanl), Badstr. LS. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Link über Verstchernngs- Gesetzgebung. Kassenbericht, sowie Tif