Kr. 57. Kboimtments-Kkdwgungen: Bbonnement«-Preii pränumerando: «ierleljährl. ZL0 Mb, inonall. l,10Mr., wöcheulltch 28 Pfg. frei ins Hau». Sinrelne Nuniw'r 5 Pfg. Sonntag»« Nummer mit MunnerieO SonniagZ- Beilage„Die Neue Well" lo Pfg. Post- Abonnement: I,l0 Marl pro Monat, Eingetragen in der Post-Zeitung», Pr-islisl- für 1008 unter vr. 7878. Nnter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige«utland 8 Marl pro Monat. 19. Jahrs. Die Knsertwns-GMyd deträgt für die sechsgespaltene Kolonei» zetie oder deren Raum 40 Pfg., für polttif che und gewcrlschaftltche Vereins- Und VersaminlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinirtgrn" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in derSrpedilion abgegeben werben. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abendS, an Sonn« und Fefttazen dt» s Uhr vormittag« gsäfsnet. Erich, i»l täglich an st er Wonlng«. Vevlinev Volksblstk. Telegramm-Adresse: „SvrliUdemolirat Vrrlin- Centralorgan der so cinldemokrat i sctien Pnriei Deutschlands. Redaltlion: SXV. 19. Beuch-Slralie 2. Ikerusprecher: Amt l. Nr. 1608. Sonnabend, den 8. März Expedition: 3�.19, Venth-StvaAe 3. Aernsprecher: Slmt I. Nr. KISl. Michel nnd Jonathan. Graf Büloiv hat neuerdinsss entiveder eine Ente in die Welt gesetzt, der— um mit ihm selber zu sprechen— so rasch wie möstlich der Hals unistedreht werden muh, oder aber er hat zu seinen soustisten hervorragenden Verdiensten das einer epochemachenden wissenschaftlichen Entdeckung gefügt. Er hat nämlich in der Reichstags sitzung voin 4. März als Zweck der Prinzenreise übers große Wasser festgestellt:„die Aufrechterhaltung der traditionellen guten Beziehungen zwischen Deutschland und Ainerika, wie sie bestehen seit den Tagen des großen Friedrich und des großen Washington." Woran kann der Herr Graf bei dieser für jeden Geschichtskundigen überraschenden Be tnerknilg gedacht haben? Der Reichskanzler spricht von Deutschland, er muß also poli- tische Beziehungeil zwischen Amerika nnd dem zu Washingtons Zeiten »och existierenden heiligen römischen Reich deutscher Nation im Auge gehabt haben. In der That, solche sind vorhanden gewesen. Eine ganze Anzahl deutscher Reichsfürsten hat zur Zeit des Nordamerika uischcn Unabhängigkeitskrieges im ganzen 30 000 Man» Soldaten— a n England verkauft zum edlen Zweck des Kanipfes gegen die rebellischen Farmer. Es ivar ein Sklavenhandel, den Herder folgender maßen charakterisiert hat: „Sie sind in ihrer Herren Dienst So hündisch treu, sie lassen willig sich Zum Mississippi und Ohiostrom, Stach Kanada und»ach dem Mohrenfeld Verkaufen. Stirbt der Sklave, streicht der Herr Den Sold ein, doch die Witwe darbt, Die Waisen zieh» den Pflug und hungern. Nun, Das schadet nicht, der Fürst braucht einen Schatz." Da indessen die iveltpolitische Wirksamkeit dieser sogenannten „Herren" bei den Uaukees einen langivährenden Haß gegen den deutschen Namen hinterließ, so ivird Graf Bülow diese Beziehungen zivischen Deutschland und Amerika laiiin zu den traditionellen „gutetl" rechnen. Wir sind aber schon daran geivöhnt, daß der gegenivärtige Untersteuermann in der Fixigkeit mehr leistet, als in der Richtigkeit. Es wird also am Ende ein kleiner Rollcntausch vorliegen nnd an statt Deutschland Preußen gemeint sein. Er hat jedenfalls an Friedrichs des Großen Stellung zu dem rentablen Menschenfleisch� Handel seiner Kollegen in der göttlichen Gnade gedacht. Die war aber leider bei weitem nicht so heroisch, ivie in den Schulbüchern zu lesen steht. Daß der alte Fritz erklärt habe, er würde von den sein Gebiet berührenden verkauften Truppen Viehzölle erheben lassen, weil hier vernünftige Menschen als Tiere verschachert seien, ist eine Hohenzollern-Lcgeude, eine Ente, der der Hals um gedreht werden mutz. Wahr ist dagegen, daß Friedrich II. in» Ok- tober 1777 vorübergehend etlichen verkauften Truppenkontingenten deutscher Potentaten den Durchzug durch sein Gebiet versagt hat. Den Grund für dies Verhalte» bildete aber durchaus nicht Sympathie mit den amerikanischen Freiheitskämpfern und Entrüstung über die Schmach des Soldatenhandels. Er selbst spricht es in den„Mämoirss de 1774 jusqu a 1778* mit der ihm eigne» schlichten Nüchternheit in dürren Worten aus. daß es sich bloß um eine„E h i k a n e gegen England" handelte, das ihn 1762 in der dicke» Tinte des siebenjährigeit Krieges hatte sitze» lasse» und ihm eben erst wieder in seinen Anncxionsgelüsten auf Danzig Steine in den Weg gewälzt hatte. Er sagt wörtlich:„Es war nur eine kleine Rache für das häßliche Vorgehen des Londoner Hofs hinsichtlich der Stadt nnd deS Hafens Danzig; indessen wollte der König die Sache nicht zu weit treiben: eine lange Erfahrung hatte ihn gelehrt daß man in der Welt eine Menge Feinde findet, und daß nian sich nicht selbst leichte» Herzens welche schaffen muß." So ließ er denn auch ivenige Monate später, als er wegen des bayrischen Erbfolgckrieges sich mit England und Hessen-Kassel gut stellen ivollte, das Kanonenfutter für Amerika nicht nur ohne Hindernisse, sondern unter den freund- l i ch st e n W o r t e n s e i n G e b i e t passieren. Bei derartig rcalpolitischen Anschannngen zog sclbstverstniidlich eine amerika- nisch« Gesandtschaft, die um eben diese Zeit Friedrichs t h ä t i g e s Einschreiten gegen den tollen Skandal des Soldaten- Handels verlangte, mit ebenso langer Nase, wie Ohm Paul vom Deutschen Reiche ab. Daß der preußische König ettvaS hatte thnn können, wußten sogar die Engländer. Im Untcrhanse setzte Jrnham schon 1776 auseinander, die deutschen Fürsten seien nicht befugt, solche Verträge abzuschließen. Sie seien dein Kaiser Gehorsam schuldig und hätten keineswegs das Recht, ihr Land einer Sache zuliebe zu ent. Völker», die mit dem Reiche nicht das mindeste zu thun habe. dagegen daS Reich in den Augen der Mensche» ver- ächtlich machen müsse als eine Pflanzschule von Menschen. die zur Aufrechterhaltung der Willkür vermietet würden. Friedrichs des Großen Motive für seine merkwürdige Sorte strikter Neutralität werden ja zweifelsohne des Grafen Bülow verständnisinnige, scelen« verwandte Sympathie haben, aber der Reichskanzler ivird nicht be- Haupte» wolle», daß Friedrich II. sich mit seiner Stellung zum Soldatenhandel unvergeßliche Verdienste um die Union erworben habe. Da eS selbstverständlich ausgeschlossen ist. daß Graf Bülow inS Blaue hineingeredet hat, so muß er halt auf etwaS andres ab- zielen. Man verfällt also auf den rettenden Gedanke», er habe Friedrichs Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten gemeint. Aber ach. bei der ihm eignen deutschen Gründlichkeit hat Graf Bülow ganz sicher längst entdeckt. daß mit dieser Transaktion auch kein Staat für die„traditionellen guten Beziehungen" zu machen ist. Als ein Handels- und Freund- schaftsvertrag mit Preußen für Bruder Jonathan den größten Wert gehabt hätte, nämlich während deS Existenzkampfes mit England, hatte Friedrich II. für diesbezügliche ihm gemachte Vorschläge nur taube Ohren, um es mit England nicht zu verderben; Bravo I ivird Graf Bülow sagen. Erst als durch den Frieden von Versailles (1783) die Vereinigten Staate» in die Reihe der anerkannten Mächte eingetreten waren, kam der preußische König auf den Einfall, daß da am Ende für seine mcrkantilistische Politik ein Geschäftchen zu machen sei. Im Februar 1784 trug er seinem Gesandten im Haag, dem Herrn von Thulenieier, auf.„einen gewissen AdaniS" auszuforschen, ob eS möglich sei, mit „jenen Leuten" zu einem Einvernehme» zu gelangen. Der „gewisse Adams" ivar amerikanischer Gesandter im Haag, nachmals Präsident der Vereinigten Staaten, und„jene Leute" waren die Vereinigten Staaten: ein sonderbarer Ausdruck guter Bezichunge» I Nun begann ein langwieriger Kuhhandel. Die Jankees mit ihrem damals schon recht entwickelten Geschäftssinn legten das Haupt- gewicht auf den einen Punkt, daß im Kriegsfalle amerikanische Schiffe mit den von ihnen gekaperten Prisen, um den ge- fährlichen Rückweg über den Anlantic zu vermeiden, in preußische Häfen, das hieß damals vornehmlich in Emden, sollten einlaufen können. Ob dieses bemerkenswerten An- sinnens machte der alte Fritz einige Sperenzien, zog es aber vor, nachzugeben, als er merkte, daß die Union sonst auf den Vertrag verzichten würde. Dies merkwürdige Zeugnis guter Beziehungen ratificierte er 1733, der amerikanische Kongreß 1786. Handels« politisch ist der ganze Vertrag bedeutungslos, weil durch seine Freihandelsbestimmunge» kein Handelsverkehr geschaffen wurde, geschweige daß ein solcher schon existiert hätte. Er war denn auch ebenso flüchtiger Natur, wie ein preußischer Minister:»ach kurzer Existenz ist er unbeweint verschieden. Damit ist es also auch nichts. Man steht demnach ratlos da. Doch nein, das Ei des Kolumbus ist entdeckt! Als litteraturkundiger Mittelenropäer hat Graf Bülow nicht an das heilige römische Reich, auch nicht an den preußischen Staat gedacht, sondern an die deutsche Nation, speciell an die deutsche Nationallitteratur. Da gelangen thalsächlich die guten Beziehungen zu Ainerika wiederholentlich zum Ausdruck. Hervorzuheben ist Goethes zahme Xenie, die„Den Ver- einigten Staaten" gewidmet ist und in ihren, Hauptteil also lautet: „Amerika, du hast es besser, Als unser Kontinent, der alte. Hast keine verfallene Schlösser Und keine Basalte. Dich stört nicht in. Inner» Zu lebendiger Zeit Unnützes Erinnern Und vergeblicher Streit." Diesem Amerika feiernden Protest gegen die lebendige Mumie des Jnnkertums hat Graf Bülow seine» Beifall aussprechen wollen nnd dann einer dem Jahre 1783 angehörenden Ode der„Berliner Monatsschrift" ans das glückliche Ende des anierikanischen Unabhängigkeitskrieges, Ivo der Schluß lautet: „Und d», Europa, hebe das Haupt empor! Einst glänzt auch dir der Tag. da die Kette bricht, D», Edle, frei wirst, deine Fürsten Scheuchst und ein glücklicher Volksstaat grünet." Wir begrüßen also im Grafen Bülow einen bisher verkappten Mitkämpfer für die repnblikanischen Ideale, dem brüderliche Dar- reichiing der biedere» Rechten gebührt. Sollte er aber unverhoffter« weise auf den warme» Flossendruck verzichte», ja so müßte wohl dem orakelnden Gehege seiner Diplomaten-Zähne eine fette Ente ent- flattert sein,„der so rasch als möglich der Hals umzudrehen ist". Im Ernst: Für die Socialdemokratie ist von nicht un- wesentlichem Interesse, der mit historischen Erinnerungen geschmückten Rhetorik der Staatsmänner auf de» Grund zu gehen und die unsägliche täuschende Leere dieser Politik zu enthüllen. Gerade die Socialdemokratie, der es Ernst ist um eine friedliche inter- nationale Kulturpolitik, um eine wirkliche Berständignng der Völker, muß sich gegen diese oberflächliche Diplomatie haltloser Phrasen und historischer Märchen wenden, die nur dazu führt, die Völker von �hren wahren Interessen abzulenken und ihnen Schaum statt Brot zu reichen. Nichts ist gefährlicher als diese Politik oratorischer Blendung, in der die Worte nur die Ohnmacht der That verbergen._ Zolltarif. Kommission. Am Beginn der Freitagssitzung gab der Staatssekretär Graf d. Posadowsky auf Anfrage des Abgeordneten Dr. Spahn die Erklärung ab, daß zwar der Bundesrat über die Frage der Diätenbcwilliaung an die Kominissionsmitgliedcr einen Beschluß nicht gefaßt habe, er aber seine persönliche Ansicht dahin abgeben könne, daß keinerlei Bedenken vorliegen, an die Mitglieder der Kommission, soweit sie außerhalb der Tagung des Plenums Sitzungen abhalten, Diäten zu zahlen. Es wird also wohl demnächst dem Reichstag ein Gesetzentwurf hierüber zugehen. Die Frage, ob die Kommission wahrend der Osterferien tagen wolle, wurde nach mehrfachem Hin und Her dahin entschieden: vor Ostern nicht über die Zeit hinaus zu tagen, in der das Plenum tagt, die Sitzungen nach Ostern aber bereits am 8. April aufzunehmen. Nach den Erklärungen Spahns geht die Ansicht der Mehrheit dahin, daß die Kommission wohl sicherlich noch wach Pfingsten bis in den Juli hinein tagen wird. In der Beratung wurde von einer knappen Mehrheit, die Heu und Stroh entgegen der Regierungs- Vorlage mit Zoll(1 Mark) belegte, das Interesse der notleidenden Bauern schwer geschädigt. In striktestem Widerspruch zu dieser Zollcinführung stehen die häufigen Petitionen aus kleinbäuerlichen Kreisen um Ennüßigung der Frachten auf Heu und Stroh, insbesondere in Notstandsjahren. Dieser Zollerhöhung, welche die Kleinbauernschaft und die Viehzucht empfindlich zu schä- digen geeignet ist, sollte durch Erhöhung des Zolles auf Tabak von 85 auf 125 respektive 110 Mark eine Schä- digung der Tabakindustrie folgen. Dieser Anschlag wurde zwar abgelehnt, aber das Gesamtresultat der Debatte läßt ersehen, dah der Tabakindustrie eine neue Tabaksteuer droht. Einflußreiche Kreise im Parlament und in den Regierungen wünschen lebhaft, der Tabak soll aber- mals bluten. Es ist gut, daß die Tabakarbeiter und die Tabakindustrie durch die Debatte zu einer rechtzeitigen Rüstung gegen dieses Attentat aufgerufen sind. Die nächste Sitzung findet am Dienstag um 9 Uhr statt. 4», Die Konnnission verhandelte heute zunächst über die Ferien- frage. Staatssekretär Graf PosadowSkN erklärte, er habe persönlich die Auffassung, daß seitens der Regierungen Bedenken dagegen nicht obwalten würden, den Kommissionsmitglieder» während der Ver- tagung des Reichstags eine entsprechende Entschädigung für die Fortsetzung ihres Aufenthalts in Berlin zu gewähren. Spahn betonte, daß die so gewährte Vergütung kein Präjudiz bieten dürfe für die grundsätzliche Forderung des Reichstags auf Einführung von Diäten. Schräder(frs. Vg.) erachtet es für die patriotische Verpflichtung der Konnnission, ohne jede Entschädigung weiter zu tagen. Stadthagen(Soc) wünschte, daß die Kommission zugleich niit dem Plenum Schluß mache, aber etwas früher anfange.— Müller: Sagau(frs. Vp.) erklärte sich damit einverstanden, daß die Koni- Mission am 8. April wieder zusammentrete, erachtete aber baldige Ferien für notwendig, um die auf gewisser Seite herrschende nervöse Gereiztheit zu überwinden. Frh. v. Wangeuheim(k.) wünschte aus Rücksicht auf die Ab- geordneten des preußischen Landtags die Kommission bis zum 21. März zusammenzuhalten. Gamp(Rp.) eutgucte dem Abg. Schräder, die Berliner Ab- geordneten müßte» im Juteresse der übrige» das peinliche Gefühl, Diäte» zu erhalten, überwinden. Die Kommission solle höchstens 14 Tage Ferien machen. Spahn(C.) weist darauf hin, daß die Konnnission bis tief in den Juli werde sitzen müssen; das sei ohne Diäten unmöglich. Gäbel(Ant.) und Müller-Fulda(E.) plädierten dafür, mit dem Plenum zu schließen nnd lieber etwas früher zu beginnen. Nach weiterer Diskussion beschloß die Kommission, mit dem PI en n m in die Ferien zu gehen und die Beratungen am 8. April wieder a u f z u n e h m e n. Die sachliche Beratung beginnt bei Position 27: Grün- nnd Nauhfnttcr. Frhr. v. Wangeuheim(I.) beantragt: a) Grünfutter. Heu, auch getrockneten Klee und anderweit nicht genannte getrocknete Futter- gcwächse mit 1 M. Zoll zu belegen(anstatt zollfrei»ach der Vorlage): b) Stroh und Spreu(Kaff), auch Schaber und Häckerling (Häcksel) sstatt zollfrei) mit 1 M. Zoll zu belegen; e) Torfstreu mit 0.30 M. Zoll zu belegen(statt zollfrei). Er begründet seine» Antrag mit Hiniveis auf die Bedeutung des Heu- resp. Torsverkaufs für einzelne Gegenden. Ministerialdirektor Wermnth macht geltend, daß Torfstreu doch kein Futtermittel sei. Der Autrag Wangeuheim unter c gehöre unter Nr. 03 des Tarifs, wo von Torfstrcn die Rede sei. Die Heu-Einfuhr, die sich auf rund 30 000 Tons beziffere, sei verschwindend gegenüber der gesamte» heimischen Hen-Erzeugung. die sich auf 13 Millionen Tons, in guten Jahren bis ans 22 Millionen Tons belaufe. Miillcr-Sagan(frs. Vp.): Es sei doch bezeichnend für die Tendenzen der Landbündler, daß sie selbst für so wichtige landwirt- schaftliche MeliorntionSmittel wie Torfstreu und so unentbehrliche Futtermittel wie Heu eine Zollbelastinig beanspruchen. In Notjahren liege die Einfuhr im dringendsten Interesse nainenllich der klein en Landwirte. v. Kardorff(Rp.) erkennt an, daß nur wenige beschränkte Bezirke au dem Heuzoll interessiert seien. Aber jedes, auch das kleinste lokale landwirtschaftliche Interesse verdiene Berücksichtigung um so mehr beim Heu, als dies auch Träger von Jnfektioiis- stoffen sei. v. Wangenheim(kons.) zieht seinen Antrag unter c zurück. Molkcnbnhr(Soc.) spricht sich grundsätzlich gegen jede Ver- teuerung von Fulterinittel» aus. Wenn man bei Mißernten Notstandstarife für Futtermittel einräume, dann dürfe man doch nicht die Einfuhr derselben künstlich verteuern. Ministerialdirektor Wermnth spricht sich ini gleichen Sinne aus. Im Notjahre 1803 sei es absolut notwendig gelvese», fremde Futter- mittel einzulassen. Futtermittel sollten nach Möglichkeit inr Zolltarif verschont bleiben. Gegen diese Aulfassung erhebt d. Kardorff lebhaften Wider- spruch. Die ganze Statistik über Heu-Einfuhr bclveise gar nichts, da Heu auch in Fuhren über die Grenze komme. Der Antrag v. Waiigcnhcim ttliter a und b wird mit 13 gegen 13 Stimmen angrnoiiiinen. Position 28 läßt Banuitvollc, roh, auch gereinigt. Flachs, Hanf, Inte, Kokosfascr», Torfioolle und alle übrigen pflanzlichen Spinnstoffe, roh, gereinigt, geröstet, gebrochen, geschwungen, entleimt zollfrei. Ueber die hierzu eingegangenen Petitionen berichte! Paaschestiatl.). v. Wangeuheim(k.) kündigt für die zweite Lesung eincii An- trag auf F l a ch s z o l l an. Die Zollsreiheit der Vorlage für diese Position Ivird imvcrändert aiigtuoninien. Position 29 legt ans Tabakblätter, unbearbeitet oder nur ge- aohren oder über Ranch getrocknet, auch in Büscheln, Bündeln oder Puppen den bisherigen Zollsatz von 83 M. Abg. Fttz(natl.) nimmt den Antrag Hehl ans, den Zollsatz auf Tabak ans 125 M zu erhöhen und hebt hervor, daß die Tabakbauer sich gegenwärtig in einer Notlage befinden und nicht die Preise erzielen, die sie, um existieren zu' kömien, haben müßten. Seitdem der Verbrauch deS Pfeifentabaks abgenommen habe, können die Rippen nicht mehr pevrauchi weroen. sjie Bauer Hofjen durch Erhöhung des Zolls auf ausländischen Tabak ihre Lage zu ver- besseriu Grtinp und u. Kardorff(9lp.) beantragen in einer R e- f o l u t i o n: »Den Bundesrat zu ersuchen, mit möglichster Beschleunigung und unter Hinziiziehnng der Beriretcr des inländischen Tabakbaues in eine Prüfung darüber einzutreten, in welchen Beziehungen die zur Ausführung des Gesetzes vom 16. Juli 1873. betreffend die Besteuerung des Tabaks erlassenen Vorschriften ini Interesse der kleinen Tabakbauern vereinfacht werden können und dem Reichstage von dem Ergebnis dieser Untersuchung Mitteilung zu machen." Frese sfrs. Vg.): Die Frage des Tabakzolls greift weit über die Frage der Tabakbaner hinaus. Die ganze Tabakindusirie mit ihren ILO 006 Arbeitern wird davon betroffen. Die eingeführten Tabake sind zum weitaus gröfften Teil billige Sorien. Der Havannatabak macht noch nicht Vz Proz. des eingeführten Tabaks aus. Cigarren- tabak wird vorwiegend über Bremen und Hamburg eingeführt. Aus Holland komint fast nur Ranchtabak. Die Ranchlabakfabriken nehmen schon so viel inländischen Tabak auf. als sie verwenden können. Die in Rauch- und Kantabakfabriken verarbeiteten Stengel zahlen schon jetzt einen Zoll von 600 Proz. des Wertes. Der Wert des ganzen in Deutschland gebauten Tabaks beträgt 60 Millionen, Ivährend die Tnbakarbeiter einen Lohn von 80 Millionen erhalten. Schon heute ist die Gefahr vorhanden, daß die Cigarette die Herrschaft gewinnt und dann für deutschen Tabak überhaupt kein Mark! mehr zu finden ist. Früher verlangten die Raucher starken Tabak. jetzt ist nur Absatz für leichten Tabak zu finden. Das hat zur Folge gehabt, daß auch viel ausländische Sorten voni deutschen Markt ver- drängt worden sind. Für gute inländische Sorten werden aber immer noch Preise erzielt, die den Anbau sehr lohnend machen. Das Rütteln an dem gegcmvärtigen Steuersystem nützt den Kleinbauern nicht, schädigt aber die Tabakindustrie und den Steuerfiskns. Redner schätzt in eingehender Bnrechnung den Steuerausfall, der dem Reiche erwachsen würde, wenn die Einfuhr der billigen ausländischen Tabake durch Erhöhung der Tabaksteuer auf 125 M. vermindert würde, auf 7 237 300 M. Nur bis zu einer gewissen Grenze läfft sich das Publikum eine Verschlechterung seines Genusses gefallen! dann geht der Konsum zurück. Während dieser Ausführungen unterbricht der Vorsitzende Rettich den Redner und ersucht ihn sich kurz zu fassen. Zur Geschäftsordnung protestiert Müllcr-Sagan dagegen, daß seitens des Vorsitzenden nun auch sachliche Ausführungen von oppo- sitioneller Seite eingeschränkt würden. Pansche fnatl.) findet das Vorgehen des Vorsitzenden an- gemessen. Vorsitzender Rettich erklärt, er habe nur weiteren Rednern die Möglichkeit zum Wort zu kommen offen halten wollen. Müller-Sagan sfrs. Vp.) erwidert, daß der Borsitzende ja gar nicht in der Lage sei, Schlnßanträge zu verhindern. Schräder sfrs. Vp.) bestreitet dem Vorsitzenden das Recht, einen Redner zu unterbrechen, der sich an die Sache halte und die Ordnung nicht verletze. Staatssekretär Frhr. vo» Thielma»» weist zahlenmäßig nach, daß der heimische Tabak gar nicht zurückgegangen sei. Durch die Zollerhöhung würde die Neichsfinanz geschädigt werden. Badischer Bnndcsbcvollmächtigter Scherer: Die badische Re- gierung würde eine mäßige Erhöhung des Zolles für vertretbar und ivünschensivert halten. Der Antrag Hehl geht aber weit über das Ziel hinaus. Fitz und Blankenhoru snatl.) beantragen nunmehr, den Zoll ans Mark zu erhöhen. Bayrischer Bnudesbevollmächtigter Ritter von Geiger: Die bayrische Regierung würde auch noch einer Erhöhung des Zolles auf 110 Mark zustimmen. Staatssekretär Graf Posndowsky: Es ist unmöglich, den Tabakzoll zu ändern, ohne die ganze Tabakstener-Frage aufzurollen. Die Verfeinerung des Geschmackes hat herbeigeführt, daß viele Sorten, deren Verbrauch sonst als Genuß betrachtet wurde, heute unverkäuflich sind. Leichte Sorten deutscher Tabake sind in wenige» Jahren von 38 M. auf III M. und von 80 M. auf 37 M. gestiegen. Die schweren Sorten sind im Preise gefallen, iveil sie keine Lieb- Haber finden. Das Reich muß sich Steuerqnellcn offen halten und reservieren und hierzu gehört der Tabak. Eine Zollerhöhung ivürde jede Reform der Tabaksteuer hindern. Eine Zollerhöhung würde die ganze Tabakindustrie gegen den Zolltarif mobil machen. Fitz fnatl.) hält den deutschen Tabak für konkurrenzfähig egeuüber dem ausländischen. Der Schatzsekretär habe be- ürchtet. daß durch die Zollerhöhung ein Anreiz zur Steigerung des heimischen Tabakbaues gegeben werden und dadurch die Steuer- einnahmen des Reiches zurückgehen könnten. Er möchte fragen, ivie diese Furcht mit der sogenannten Heimatpolitik des Grafen Bülow im Einklang stehe. Geyer Eine gutbesnchte Steinarbeiter-Bersammlung. die am«onn- tag im Gewerkschaftshaus tagte, beschäftigte sich mit der neuen Tarifvorlage. Der Altgeselle berichtete kurz über die Resultate der letzten Verhandlungen mit der Innung. Danach soll die Vesperpause bis zum 16. Oktober beibehalten werden, dann aber fortfallen. Der 70 Pfennig-Stundenlohn soll unverändert aufrecht erhalten werden. dagegen beharren die Unternehmer aber entschieden auf einen z e h n- prozentigen Lohnabzug für sämtliche Accordarb eilen. Dieser Punkt rief eine sehr lebhafte und erregte Diskussion hervor. Man fand es empörend, datz gerade jetzt, wo dem Reichstag die bekannte Denkichrist vorliegt, eine Lohnherabsetzung vor- genommen werden soll, die doch nur dazu dienen kann, die Lebens- Haltung der Steinarbeiter herabzudrücken und sie dannt weniger widerstandsfähig gegen die gesundheitlichen Gefahren des BerusS zu machen. Schlietzlich wurde die folgende Resolution mit allen gegen zwei Stimmen angenommen:„Die heute am 2. März versammelten ca. 300 Steinarbeiter Berlins und Umgegend beauftragen den Gesellenausschutz. betreffs der zehnprözentigen Lohnreduktion nochmals mit der Steinmetzinnung in Unterhandlungen zu treten.— Nachdem die Resultate dieser Verhandlung vorliegen, soll über die weiteren Matznahmcn beschlossen iverden.— Es wurde bedauert, datz der Kamps gegen die Verschlechterung der Lebenslage durch das Bestehen einer Sonderorganisation erschwert wird, und die Er- Wartung ausgesprochen, datz sich deren Mitglieder dem Verbände anschlietzen. Ferner ivurde das Verhalten derjenigen Schrifthnuer scharf getadelt, die sich Lohnabzüge gefallen lassen und nicht mit aller Entschiedenheit für die Aufrechterhaltung der Tarifpreise eintreten.— Eine Verfaminlnng der Ball- und Reiscschuharbeiter tagte am 24. Februar bei Merkoivski. In derselben erstattete der Branchen- Vertreter über seine Thätigkeit Bericht. Hierauf wurde derselbe ein- stimmig wieder gewählt. Einer allgemeinen Aussprache über die gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse war zu entnehmen, datz, nachdem die Krise auch in dieser Branche eingesetzt hat und die Aussperrung im Früh- jähr zu Ungunsten der Arbeiter verlanfen war, die Arbeitsverhält- nisse bedeutend schlechter geivorden sind, und mehrere Fabrikanten die Löhne erheblich reduciert haben. Man empfahl den Amvesenden, sich der Organisation anzuschlietzen und thatkräftig für dieselbe zu agitieren; nur mit Hilse einer starken Organisation sei es möglich, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse wieder zu verbessern. Es wurde ein Antrag angenommen, überall Fabrikkonferenzen einzuberufen und die Branchenversammlungen regelmätzig am zweiten Montag jeden Monats abzuhalten. Unter„Verschiedenes" entspann sich eine rege Debatte über die Versicherungspflicht der Heimarbeiter, aus welcher hervorging, datz die Anmeldung der Arbeiter an die OrtS-Krankenkasse nicht überall glatt von statten ging, und datz namentlich die kleinen Fabrikanten ihren Arbeitern empfehlen,' sich einer freien HilfSkasje anzuschlietzen um dadurch die Unternehmer- beitrüge zu spare». Die Kommisfionsinitglieder forderten die An- ivesenden aus, solche Vorkommnisse sofort zu melden. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der„Union", ElektricitätS- Gesellschaft, hielten am Sonntag in der„Kronen-Brauerei" eine �ut- besuchte Versammlung ab. Cohen beleuchtete die letzten Vorgange in genannter Firma. Referent kommt auf die Aussperrung der Tischler zu sprechen und kritisiert das Vorgehen der Direktion. Die Anssperrnng könne aber noch iveitere Kreise ziehen und darum sei es Pflicht aller in dem Betriebe beschäftigten Arbeiter, auf der Hut zu sein und sich zusnmmenzuschlietzen. Lebhafter Bcisall solgte diesen Ansführungen. Es fand hierauf eine ausgedehnte Diskussion statt, in der besonders die Tischler betonten, datz sie im Kampfe aushalten ivürden. Die Versammelten nahmen einstimmig eine Resolution an, in der sie sich mit dem Verhalten der Modelltischler einverstanden erklärten, ihnen volle nioralische und materielle Unterstlltzniig zu- sicherten und die Hoffnung aussprachen, datz die Modelltischler aus dem ihnen aufgezwungenen Kampf als Sieger hervorgehen mögen. Für Klein- Schönebeck und Fichtenau fand am 23. Februar eine Versammlung der Genieindeivähler statt. S o n n e n b u r g- Friedrichshagen hielt das Referat. In der Diskussion nahm von den Gegnern ein Herr R ö h I e r das Wort. Er bezeichnete die Forderungen der Arbeiter als übertrieben und empfahl als Allheil- mittel, die Arbeiter sollten in der Jugend sparen, dann seien sie im Alter nicht auf Almosen angeiviesen. D i l l i n g rügte die Anordnung der Wahlzeit zu ungelegener Zeit. Jonas berichtete aus seiner Thätigkeit als Gemeindevertreter. Als Kandidat zur Gemeinde- Vertretung ivurde Gustav Schulz vorgeschlagen und»ahm derselbe auch an. Ans Antrag von D i l l i n g ivurde daS Bureau beauftragt, beim Gemeindevorsteher dahin vorstellig zu werden, datz die Wahl- zeit bis abends 8 Uhr ausgedehnt iverde. Verein der Mineratwasser-Slrbeiter. Sonntag, den v. März, nachmittags 3 Uhr: Oeffentliche Versammlung bei Franke, Sebastian- straste 39. Lokalverband der Elektromonteure. Sonnabend, den 8. März, Versammlung im Vereinslokal, Kleine AndreaSstr. 3. Urtzte Ltadivichken und Depeschen« Denkschrift über die WarenhauSsteuer. DreSdc», 7. März.(B. H.) Zu der Frage der Besteuennig der Warenhäuser und Konsumvereine veröffentlicht die StaatSregierung eine umfangreiche Denkschrift, in der xS u. a. heitzt: Von 100 sächsischen Gemeinden mit über 1000 Ein- wohnern haben nur fünf von dieser Sondersteuer Gebranch gemacht; deshalb liege keine Veranlaffung vor, die übrigen 96 Kommunen zur Einführung einer solchen zu nötigen, zumal die Wirkung der Steuer in socialpolitischer wie wirtschaftlicher Hinsicht zweifelhaft sei. Bon einer gesetzlichen Regelung der Frage müsse man daher Abstand nehmen und die Einführung den einzelnen Gemeniden überlassen. Zugleich bespricht die Denffchrift die Matzregeln zur Stärkung des Kleinhandels. Gegen eine Proletarisierung könne nur ein korporativer Zuiammenschlutz der Tüchtigeren, Ver- trauenSwürdigeren und Lebensfähigen helfen, um mit einem starken Wettbeiverb in die Schranken treten zu können. Zum Schlutz ivird der Kleinhandel nochmals eindringlich auf«ine thatkräftige Selbst« Hilfe verwiesen._ Dcpnticrtenkammer. Paris, 7. März.(W. T. B.) Humbert bringt eine Jnter- pellation ein über den englisch-japa nischen Vertrag. Der Minister des Aeutzern D e'lcassö erklärt, der Bertrag könne die Politik Frankreichs im äntzersten Osten nicht ändern; wie der eng- lisch-japanische Vertrag erstrebe auch die französische Politik die Aufrechthaltung der Integrität Chinas. Die Regierung werde e» sich stet» angelegen sein lassen, die Interessen Frankreichs zn ivahren.(Beifall.) Die Kammer beschlieht mit 339 gegen 190 Stimmen, dte Beratung der Interpellation Humbert bis nach Erledigung der übrigen Interpellationen zn vertagen. R i b o t befragt die Regierung über die Z u ck e r k o n v e n t i o n. ginanzminifter C a t l l a» x erwidert, alle Prämien für Zucker seien abgeschafft.(Beifall.) Er glaube, datz vom Standpunkt der allgemeinen Interessen aus seit langer Zeit kein so heilsanie« Werk geschaffen worden sei.(Beifall.) Alle ans die Zuckerkonvention be- züglichen Schriftstücke würden veröffentlicht werden. Cholera unter den Mekka-Pilgern. London, 7. März.rs.Fmiirls" KM» WsdIM Sglülllbeud, 8. Mlirj 1992. Veichskerg. 160� Sitzung vom Freitag, den 7. März 1902. » a ch ni i t t a g s 1 Uhr. Auf der Tagesordnung steht znuäckst die zweite Beratung des Gesetzeiitwurfs betreffend die II e b e r n a h m e einer Garantie des R e i ch e s in Bezug auf eine Eisenbahn von D a r- e s- S a I a a»i nach M r o g o r o. Ein Antrag Müller-Fulda fC.) miluuterzeichnet von Vertretern aller Parteicnf will den von der Kommission erstatteten Bericht zur uochmaligen Prüfung an die Budgettommission zurückverweisen. Der Autrag wird ohne Debatte angenommen. Damit ist der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Es folgt der Etat der R e i ch s schuld, Kap. Verzinsung. Die Zinse» zur Deckung des Anleihebedarfs werden debattelos genehmigt. Zum Po st-Etat wird die Resolution Dr. Miillcr-Snga» sfrs.Vp.) mit groster Majorität angenommen, welche die verbündeten Regierunge» ersucht, die erforderlichen Mittel für ivcitcre 1000 etats- mässtge Postassisteutenstellen in den Etat für 1902 einzustellen und die Bercitivilligkeit hierzu vor der dritten Lesung dem Hanse mit zuteilen. Die Einnahmen des Etats der Expedition nach Ostasien Iverden dem Antrag der Kommission entsprechend beivilligt.(Die Kommission hat als erste Zinsrate der Entschädigung von China 10 998 000 M. de» Einnahme» hinzugesetzt.) Es folgt der Etat der Zölle. Kap. Einnahmen. Die Kommission beantragt, als Einnahme einzusetzen 483 651 000 M. Ein Antrag Biising(natl.) tvill entgegen diesem Vorschlage den betreffenden Titel in dem im Etat vorgeschlagenen Betrage von 471 651 000 M.(12 000 000 M. weniger) bewilligen. Abg. Püsing(natl.): Das Streben der Kommission, den Rest der Zuschuffanleihe zu beseitigen, ist ja durchaus anerkennenswert, aber der hier eingeschlagene Weg der Erhöhung der Zoll- einnahmen ist doch sehr bedenklich. Die Ernte braucht nur besonders günstig auszufallen, dann ist von einer Steigerung der Einnahmen aus den Getreidczöllen keine Rede. Will inan die Zuschujzanlcihe durchaus durch Erhöhung der Einnahmen beseitigen, so könnte man ja auch die Matriknlarbeiträge nni 12 Millionen erhöhen, das ist aber ebenfalls sehr bedenklich. Wir verlassen mit dem Beschlnsz der Kommission die Bahnen einer ge- sunden Finanzpolitik und ich bitte Sie dringend, unsren Antrag an zimehmen. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thiclmann: Ich persönlich stehe durchaus auf dem Standpunkt des Herrn Abg. Büsing, daß durch den Vorschlag der Kommission eine grohe Unsicherheit in den ganzen Etat hincinkonimt. Es mag ja ein gewisser Grad der Wahrscheinlich- kcit vorliegen, daß die Getreidczoll-Einahnien im Jahre 1902 den Etats- anschlag übersteigen werden, aber andrerseits ist zu bedenken, daß beider Zuckcrstencr die Wahrscheinlichkeit gerade für das entgegengesetzte vorliegt.— Die verbündeten Regierungen sind aber zu den, Ent« schlusse gekoimnen, daß der Unterschied zivischen dem Kommissious- beschlnß, wonach den Einnahmen 12 Millionen Mark zugesetzt iverden sollen und dem Antrag Büsing, der das nicht Ivill, aber dafür durch eine Klausel Fürsorge treffen ivill, daß etwaige Mehreinnahmen zur Verminderung der Zuschußanleihc zu verwenden sind, kein sehr ins Gewicht fallender ist. Die Regierung wird deshalb, falls der Antrag der Kommisston angenonimen ivird, dieser Fassung des Etats nicht widersprechen. Abg. v. Waldow- Reizenstin(k.) spricht sich für den Antrag Büsing ans. Abg. Speck(C.) bittet um Annahme des Kommissions- beschlnsses. Bei der Abstinimung wird der Autrag der Bndgetkommission gegen die Stimmen der Rechten und der Nationalliberalen an- g e» o in m e ii. Beini Etat des„Bankwesens" wünscht Abg. Dr. Arendt(Rp.) baldige Vorlegung des Geschäftsberichtes der Reichsbauk und be- mängelt, daß dem Reichstag immer noch keine Mitteilung darüber zugegangen sei, wie hoch sich das finanzielle Ergebnis des verflossenen Jahres belänst. Der Etat wird beivilligt; ebenso eine Reihe weiterer Reste aus kleineren Etats. Es folgt das„Etatsgesetz"; auch dieses wird nach dem Koni- missionsbeschluß debattelos genehmigt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Montag i Uhr.(1. Zweite Lesung des Ent- Ivurfs betr. den Schutz des Genfer Neutralitätszeichens. 2. Dritte Lesung des Etats.) Schluß 3»/« Uhr. DÄvlttmenkttvipches. Die Branntweinftcurr-Koimnission des Reichstags setzte am Doimerstagabend die Verhandlung über die B r e n n st c u e r- S t a f f e l u n g fort. Abg. Lmfc(Banernb.) bekämpft den Vorschlag des Abg. Speck, die kleinen Brenner bis zu 300 Hektoliter Erzeugung srcizulassen. 150 Hektoliter für den Be- ginn der Skala seien eigentlich noch zu viel. Abg. Dietrich(k.) spricht sicki im gleichen Sinne ans. Sächsischer Bevollmächtigter Dr. Riiger spricht sich eiitscknedeu für eine mit 300 Hektolitern be- ginuende Skala ans. Ministerialdirektor Ritter von Geziger schließt sich den Ausführungen seines sächsischen Kollegen an. Abg. Dr. Semler(natl.) wünscht Stetigkeit in der Spiritus- industrie. Die Brenusleucr reize aber zur Mehrproduktion an. Redner bekämpft den Antrag Dietrich auf Einführung einer mit 2 M. bei einer Erzeugung von 150 Hektolitern begiiiiienden und mit 8 Vi. bei einer Erzeugung von mehr als 2000 Hekto- litcrn aufhörenden Brennsteuer. Die Zunahme des Konsums des gewerblichen Spiritus werde damit nicht Schritt halten. Der Antrag Dietrich bezwecke eine Brennsteuer auf Vorrat im Interesse der Spirituscentrale. Zu Gunsten der Kartoffel- brcnncr dürften die andren Kategorien nicht geschädigt werden. Redner empsiehlt einen Antrag Miiller-Fulda, der die Brennsteuer bei einer Erzengung von über 200— 300 Hektoliter mit 2M. anfangen und bei einer Erzeugung von nichr als 1700 Hektoliter mit 6 M. enden lassen will.— Abg. Speck amendiert diesen Antrag Müller- Fulda dahin, daß die Skala mit 300— 400 Hektoliter beginnen soll.— Abg. Mllllcr-Fulda enipfichlt zunächst seinen Antrag ohne das Ainendemeiit Speck, hält aber auch diesen Abändmings- autrag noch für acceptabel. Abg. Dietrich(k.j bekämpft den Autrag Miiller-Fulda und das Ameiidemeut und nimmt die Centrale gegen Seniler in Schutz. Abg. Gamp(Rp.) bestreitet, daß das Gesetz ans Begünstigung der Karroffelbreniiereien zugeschnitten sei. Die gewerblichen Brennereien hätten sich durch die Denaturierung der Vcrbrauchsabgabe entzogen. Der Antrag Miiller-Fulda sei eine Begünstigung der gewerblichen Brennereien auf Kosten der landwirtschaftlichen. Herr Rfliller-Fulda sei„immer mal so. mal so!"(Heiterkeit.)- Abg. Äugstbantrag zur Tagesordnung überzugehen, da Moreau bereits aus der Partei nebst feinem Wahl« komitee ausgetreten sei, sich also selber ausgeschlossen habe und gegenwärtig sogar offen einen Bonrgeoiskaiididaten unterstütze. Wozu also ihn ausschließen? Mallot teilt mit gegen Bogiwl, daß Moreaus Wahlkomitee sich autonom" erklärt habe. Es sei wirklich zu leicht, sich als eine autonome Gruppe aufzuthun. Ein Delegierter spricht gegen de» Ausschluß, weil der Kongreß sich nicht mit Personenfragen zu befasseiv habe. Schließlich ivird Moreau mit alle» gegen zwei Stimmen aus- geschlossen....., Thizou berichtet hierauf über den Fall der sechs Ab- geordneten, die die China-Expedit ionstr Uppen b e g lü ck w ll n slb t haben. Es sind das die Abgg. Jonrde-Bordeaux. Krauß und Colliard-Lyon, Palix-Villefranche(Rhone), Ferrero- Toulon und Legilimus-Guadeloupe. Auf die Beschwerde der Föderation der Unteren Normandie hin hat das Generalkomitee einstimmig ein Tadelsvotum gegen die Sechs votiert. Dann hat das Komitee mit 23 gegen 11 Stimmen bei 1 Enthaltung die betreffenden Föderationen eingeladen, vor dem Kongreß zu Tours einen Entscheid zu treffen, und eventuell beschlossen, falls die Föderationen keine Antwort gebe oder eine ungenügrude Maß- «gel treffe, die Angelegenheit vor den Kongreß zu bringen. Die 11 Gegenstimmen lvollten ohne weiteres beim Kongreß den Ausschluß beantragt wissen. Legitimus war während der Abstimmniig abwesend(in der französischen Kammer stimmt man für Abwesende), ans der Insel Guadeloupe ist noch keine Antwort eingetroffen. Die Föderation von Var(Ferrero) antwortete, ihr Deputierter hänge nur von ihr selbst ab, das General- komitee habe nichts dreinzureden, sonst würde sie die Partei ver- lassen(das ist inzwischen gescbehen). Die Föderationen von Rhüne und Gironde haben noch nicht geantwortet. Das Gencralkomitee stellt von sich aus keinen Antrag in dieser Angelegenheit. Gaudrille beantragt den Ausschluß der sechs Deputierten. Sie können nicht als Socialisten betrachtet werden, nachdem Sie den Jnternationalismus so schroff verletzt haben. Es mag noch hingehen, wenn die Deputierten für Militärkredite stimmten, iveil die Partei bisher kein Programm besessen hat. Clauzel beantragt den„Uebergang zur Tagesordniing", da die Statuten heute schon so werden abgeändert werden, daß die Kontrolle über die Abgeordneten den einzelnen Föderationen über- lassen bleiben soll. Camelle-Bordeaux: Die Föderation der Gironde verpflichtet sich, über den Fall Jourdc einen Entscheid zu treffen gemäß den socia- listischen Principien. Parsons: Ferrero hat die Chiuatruppen beglückwünscht ans Rücksicht auf seine Wähler, die Arsenalarbeiter von Toulon, die an den Kriegsrüstmigen interessiert sind. Man mutz sich fragen, ob solche Abstimmungen doch nicht manchmal notwendig sind, da die Wähler noch nicht sociakistisch durchgebildet sind. Abg. Kraust giebt Aufklärnngen über das Votum unter Hinweis auf die parlamentarischen Tricks bei Abstimniungen, die viel Verwirrung anrichten. Er und Colliard seien übrigens während des Votums abwesend gewesen, was er beweisen könne. Sie seien damals beide in Lyon gewesen. Er teilt ferner mit, daß die Föderation der Rhone ihre drei Abgeordneten getadelt habe, ohne freilich den Tadel bisher bekannt gemacht zu haben. Er werde sich als„hingebender Sohn des Sociaiismus" dem Kongreßbeschluß unterwerfen.(Bei- fall.) Thizou beantragt die einfache Tagesordnung. Vieu spricht dagegen und für den inzwischen zurückgezogenen Antrag Clauzel nebst einem Zusatz, der das„Bedauern" des Kon- gresses ausdrückt. Abg. Biviaui, der gegen die Beglückwünschung der Truppe» gestinimt, tritt für die einfache Tagesordnung ein: Die Verwarnung genügt. Die sechs Abgeordneten sind ja bereits getadelt worden. Ihre' sonstigen Abstimmungen waren ini ganzen korrekt. Gaudrillc zieht seinen Ausschlußautrag zurück und beantragt unter Unruhe ein Tadelsvotnm. Der einfache Uebergang zur Tagesordnung wird mit großer Mehrheit gegen 3 Stimmen bei einer Anzahl Ent- haltiingeu votiert. Auf T h i z o n s Antrag wird dem Komitee zur Erwägung über- wiesen die Einführung voii gleichzeitigen Agitatiousversämiiilungen in einer und derselben Region nach belgischem Muster. Ein Antrag auf Herausgabe von Ägitatioiisbroschüren zu 5 Cts. wird der Pretzkommission überwiesen. Schluß der Sitzung 6 Uhr. S ch l n tz- S i tz u n g. Abends 10 U h r. Abg. Aournicr berichtet über die Statutenänderung. Dem Namen der Partei wird beigefiigt der Untertitel„Fiidera- titze Einigkeit". Das Generalkomitee erhält den Namen„Jnter- föderales Komitee" und ihm werden seine bisherigen Kon- trollrechte genommen; fortan steht ihm lediglich die Wer- waltung und die Organisation der Agitation zn. Die Kontrolle übrr die Deputierten wird den einzelnen Föderationen übertragen. Gelangt an das Komitee eine Beschwerde gegen einen Deputierten, so hat er dieselbe ohne weiteres der Föderation, welcher der betreffende Deputierte angehört, zu übermitteln. Der Kongreß entscheidet dann eventuell als höchste Jiistanz. Die Kammerfraktion wird im Komitee durch einen Delegierten vertreten sein. Die Kontrolle über die Presse fallt fort, da die Partei kein Organ hat. Die Kammerfraktion wird sich mit dem Koniitee verständigen betreffs der Agitation und der Entseiidung von Deputierten nach Streik- stätten. Die Vertretungsbasis für den Kongreß wird in der Weise abgeändert, daß fortan die Wahlstimmen etwas weniger reichlich mit Delegierten bedacht werden sollen zu Gunsten der Vermehrung der Delegiertenzahl für die beitragleistendcn Mitglieder, 1 Delegierter soll fortan auf 100 zahlende Mitglieder oder eines Bruchteils davon kommen(bisher 200 bezw. ein nicht unter 100 Mitgliedern be- tragender Bruchteil), dann 1 Delegierter auf 2000—7000 Stimmen, 2 Delegierte auf 7—15000 Stimmen usw.(bisher 1 Delegierter ans je 6000 Stinimen oder ein Bruchteil von 2000 Stimmen und mehr). Auf diesem Kongreß kommen nach Renaudels Angabe 62 Delegierte auf die Wahlstimnien und bloß 30 auf die zählende Mitgliedschaft. Schließlich sei erwähnt, daß Kandidaten das Parteiprogramm zu untcrzcichen und als Wahl- affiche anzuschlagen habe», immer unter der Kontrolle der Föderation. Dies die wesentlichsten Statutenänderungen. Für eine erst im Entstehen begriffene Parteiorganisation mit einer socialistisch wenig durchgebildeten Mitgliedschaft(abgesehen etwa von einigen wenigen Föderationen) und ohne Parteiorgan bedeutet die föderalistische Lockerung des Parteizusammenhanges thntsächlich die statutenmäßig fe st gelegte Desorganisation und zugleich die B e g ü n st i g n n g d e s O p p o r t u n i S m u s in j e d c r F o r m. Für letzteres sorgen freilich noch stärker die programmatischen und taktischen Beschlüsse des Kongreffcs. So wurde in der Schlußsitzung der Antrag Renaudels ab- gelehnt, der die Bestätigung der einstimmig votierten Resolution des Pariser Jiiternationalen Kongresses betreffs Wahlbündnisse verlangte. Und doch läßt jene Resolution den lokale» Organisationen einen weiten Spielraum für zeitweilige Wahlkurtelle. R e» a u d e l begründete seinen Antrag mit dem Hinweis auf die bereits im Hinblick auf die kommenden Kammerwahlen abgeschlossenen Bündnisse zwischen S o c i a l i st c u (Ministcrialisteii) und Radikalen. Weitere Bündiiisse sind eben im Gange, und sie äußern sich unter anderm darin, wie ich hinzu- fügen will, daß die miniftcrialistischen Socialisten unter der Be- dingnng der Gegenleistung in gewissen radikalen Wahl- kreisen keine Kandidaten aufstellen!... Hingegen votierte der Kongreß die folgende von M e S n a r d (Deux« Ssvrcs) beantragte Resolution:„In allen Wahlen beim zweiten Wahlgang sind es einzig die Föderationen, die unter Berück- sichtigung der republikanischen Discipliu und ohne irgend etwas von den Parteigrundsätzen aufzugeben, auf ihre eigne Verantwortung zum beste» Vorteil des Proletariats handeln." Diese Resolution wurde votiert mit 21 gegen 16 für Renaudels Antrag abgegebene Stimmen, in Abwesenheit der 15 Prograinmkoniinisfions-Mitgliedvr. Die größere Hälfte der Delegierten haben sich also der Stimme ent- halten. In der kurzen Debatte war natürlich wieder die„Autononiic" der Föderationen zu Gunsten der Resolution Mesnard ins Feld geführt worden. Hierauf berichtet Abg. Ronauet über das von der Koniniisstou ausgearbeitete Minimalprogramm. Der neue Entwurf verändert den bezüglichen Entwurf des Generalkomitees in einigen wesentlichen Punkten. Bemerkenswert ist die iiberflüssig vorsichlige und die Hauptforderung abschwächende Einfügung von eventuellen bescheideneren Forderungen. So in Bezug auf den Achtstundentag wird die eventuelle„subsidiäre" Forderung einer nicht näher bestimmten Verkürzung der Arbeitszeit aufgestellt; der Milizeiiforderung wird die Nebenforderuug der Verkürzung der Dienstzeit als eventuelles Surrogat angehängt; die„sociale Versicherung" soll ohne Lohnabzüge organisiert sein, aper auch event. mit Lohnabzügen im Betrage.� der Versicherungslosteu, die übrigen 2/3 sollen vom Staat und Unternehmertum getragen werden, s An neuen Forderungen im Vergleich mit dem Generalkomitce-Ent- Wurf seien verzeichnet: Nntioncilisation(Verstootlichung) der©erg* werke. Eisenbahnen, des Bankwesens, der Zuckerindustrie und der Grotzmüllerei; Schaffung eines Agrarkredits, Subventionen für den Ankauf von landwirtschaftlichen Maschinen zum Zwecke der kollektiven Benutzung. Und dann,(der Entwurf wurde nur einmal verlesen und gedruckt liegt er noch nicht vor), ist die Verpflichtung der socialistifchen Abgeordneten, gegen die Militärausgaben zu votieren, aus dem neuen En'tivurf verschwunden und an deren Stelle folgendes gesetzt:„Verzicht auf jeden Angriffskrieg und auf jede Allianz, die nicht zum ausschließlichen Zweck den' Frieden hat" also ein Hinterthürchen zu G u» st e n d e r r u s s i s ch e n A l l i a n z, die ja eine„ausschließ- liche" Friedensallianz sein soll... Nebenbei, das Verhalten der Kammerfraktion in der Abstininning über dieZarenenipfangS- Kredite ist auf dem Kongreß nicht zur Sprache ge« kommen. Ferner wird noch auf jeden Kolonialkrieg verzichtet und Iverden Schutzgesetze für die Eingeborenen gefordert. Noch eins: die Forderung des alten Entwurfs' betreffs der Wahl von Gewerbe- Inspektoren durch die Gewerkschaften ist abgeschwächt worden— neben den gewählten Inspektoren sollen vom Staat angestellte fungieren. In der kurzen Debatte werden noch einige untergeordnete Forderungen hinzugefügt. Abg. V i V i a n i machte Vorbehalte in Bezug auf die Forderung der Richterlvahlen: er befürchtet die Parteilichkeit geivähltcr Nichter. Die Erfahrung der geivählten Handelsrichter sei nicht ermunternd. Ihr Ansehen sei tief gesunken. Von den 45 000 wahlberechtigten Pariser Handelsleuten beteiligten sich an den Hnndelsgerichts-Wahlen bloß 2000. Das Minimalprogramm wird, wie früher die Statutenänderungen. W Kloo einstimmig angenommen. Gsrnult-Richard hält die Schlußrede, die polemisch gegen die Guesdisteii und Blanquiste» zugespitzt ist, Er schließt diese Rede mit dem„Eintrachtsruf": Hoch der internationale SocialiSmus. Es folgen nun verschiedene Hochrufe, denen aus den Tribünen, wo die blanquistischen Arbeiter von Tours zahlreich vertreten sind. Niederrnfe gegen die Ministerialisten antworten. Die Delegierten stimmen die„Jnternatioiiale" an, und der Kongreß wird um Mitternacht geschlossen. Bezüglich d e r P r e s s e ist ein guter Fortschritt zu verzeichnen. Eine Reihe neuer Wochenblätter sind gegründet worden. Fudem wurden eine Anzahl Agitationsschriften in Auflagen von bis zu 10 000 Exemplaren verbreitet. Von Marx'„Kapital" ist ein Teil in holländischer Sprache erschienen. Außerdem Kautskys Erfurter Pro� gramm. Mit der Herausgabe von„Theorie und Praxis der britischen Gewerkschaften" wurde begonnen. Die drei letztgenannten Werke erscheinen bei privaten Verlegern. lieber die Gewerkschaftsbewegung sagt der Bericht unter anderm, daß keine besonders günstigen Erscheinungen zu ver- zeichnen sind.„Eine gewisse Mattheit und Erschlaffung ist in ver- schiedenen Gewerkschaften nicht zu verkennen. Die Ursache davon wird sicherlich zu einem großen Teil in der industriellen Krise zu suchen sein. Aber neben der Krise hat diese Mattheit noch eine zweite Ursache. Es ist namentlich noch immer der Anarchismus, der seinen Einfluß in der Gewerkschaftsbewegung fühlbar macht.— Es sind aber auch einige hoffnungsvolle Er� scheinnngen für die Zukunft unseres Kampfes hervor> getreten. Die größere Einigkeit und das bessere Zusammen arbeiten unsrer wirtschaftlichen und politischen Organisationen in den örtlichen Kartellen weisen auf ein inniges Verhältnis bei den mutige sten und zielbewußten Elementen der Arbeiterklasse hin und zeugen von größerer Uebereinstimmung und von einem geistigen Band zwischen den verschiedenen Formen des Klassen- kämpfe s." Der Kassenbericht der Partei iveist eine Einnahme von 11737,70 Gulden, eine Ausgabe von 12 059,12 Gulden auf, also ein Minus von 321,42 Gulden. Mit dem Deficit vom Vorjahre betragen die Schulde» 1852,52 Gulden.- er- DaS AgitationSkomitee für die obere Rheinprovinz stattet seinen Bericht für den kommenden Provinzial-Parteitag. DaS Gebiet des Agitationskomitees umfaßt die Regierungsbezirke Aachen, Köln, Koblenz smit Ausnahme des Reichstags-Wahlkreises Wetzlar- Altenkirchen) und Trier; außerdem gehört zum Agitationsgebiet das Fürstentum Birkenfeld, Teil des 1. oldenburgischc» Wahlkreises. Im ganzen unterstehen dem AgitationSkomitee 23. Reichstags-Wahb kreise. Das Komitee hat zwar nach Kräften gearbeitet, dennoch konnnt die Parteibewegung in diesem sehr ausgedehnten und stark industriellen Gebiete nicht vorwärts. Immer sind in dem ganzen Gebiet nur acht Orte, in denen wir ein, meist noch sehr uuzuläng liches Versamnilungslokal haben. Ueber die allgemeinen Ursachen dieses Zustnndes sagt der Bericht: „Im Agitatioiisbezirk giebt es drei industrielle Sanimelpunkte: Köln, Aachen und das Saargebiet. Steht es in Köln und Umgegend mit der Arbeiterbewegung befriedigend, so steht es in Aachen trotz der Bemühungen einzelner rühriger Genossen noch schlecht, an der Sagr aber sehr schlecht. Dank der christlichen Fürsorge ist der katho- lische Arbeiter des Rheinlands rückständiger als irgend ein andrer, und wo zu dem wirtschaftlicheii Druck durch das industrielle Scharf- machertum die geistige Versklavung durch den Klerus kommt, da ergiebt sich ein Menschenmatcrial. das schwer zu be- arbeiten ist. Die geistlichen Agitatoren des CentrumS wirken durch die Kinder in der Schule auf die Eltern, im Beichtstuhl durch die Frau auf den Mann zur Erkundung und Unter- drückung der politischen Gesinnung, wofern diese anders als ultra- montan ist, und Ivo das Centrum die wirtschaftliche Macht hat. wirke» die frommen Christenbrüder gegen Andersdenkende, namentlich Socialdemokraten. nicht anders als der ärgste Stummling. Ueber den Terrorismus der Ulträmontonen durch Mißbrauch sei es der wirtschaftlichen, sei es. was schlimmer ist. der kirchlichen Macht, er- halten wir täglich Kunde— um so auffallender berührt es den Kenner der Verhältnisse, wenn er bei Gelegenheit das Centrum sich als den Hüter der Toleranz, als den Beschützer der Wahlfreiheit auf- spielen sieht." Die Ausweisung der Frauen aus der Wählerversammlung in Breslau durch den überwachenden Beamten hat diesen«, wie dein Genossen Bruhns als Beschwerdeführer amtlich eröffnet worden ist, eine„empfindliche Discipliiiarstrafe" eingetragen. Die socialdemokratischc Partei ist Holland lvvl. Anläßlich des zu Ostern stattfindenden Parteikongreffes der niederländischen Socialdemokratie veröffentlicht der Parteisekretär den Bericht über die Thätigkeit der Partei während der Zeit vom April bis Ende Dezember 1901. Um das Berichtsjahr mit den« Kalender- jähr in Uebereinstimniuiig zu bringen, hat man mit der früheren Praxis, den Bericht vom Kongreß- bis nahe an den bevorftehcuden Kongreß laufen zu lassen, gebrochen, und so erstreckt sich der dies- malige Bericht ausnahmsweise nur auf B/4 Jahre. Das Haupl ereignis bildeten die K a m m e r w a h l e n vom 14. Juni. Die Parteigenossen haben sich mit außerordentlichem Eifer an der Wahl- agitation beteiligt. In den Wahltagen fanden nicht weniger als 500 öffentliche Versammlungen statt. An 700 000 Wahlzeitungcn, Manifeste, Flugblätter usw. wurden in den verschiedenen Distrikten wo die Partei sich an den Wahlen beteiligt, verbreitet. Die Gelder, die für die Wahlen durch die örtlichen Abteilungen und durch die Parteikasse aufgebracht wurden, belaufen sich ans 15 000 Gulden. In 53 Distrikten hatte die Partei eigne Kandidaten aufgestellt. ES kandidierten 22 Genossen, davon die meisten in 2 bis zu ö Wahl- distriktcn. Die Stimmenzahk, die am 14. Juni für die social demokratischen Kandidaten abgegeben wurde, betrug 38 279 gegen 13035 bei den Wahlen von 1897, also nahezu das Dreifache. Im ganzen beteiligte sich die Partei vom April 1901 bis zum 1. Januar 1902 an 58 Kammerwahlen mit 13 Stichwahlen. Ihre Vertreterzahl in der Kammer stieg von 4 auf 7. Trotz der großen Anstrengung bei den Kammerwahlen ent- wickelten die Parteigenossen auch bei den fast zu gleicher Zeit statt- findenden Wahlen zu den„Provinzial-Staaten", den Parlamenten der einzelnen Provinzen, eine rege Thätigkeit. In den Provinzen Friesland und Overijsel wurde je ein Socialdemokrat gewählt. Hierzu bemerkt der Bericht:„Der allgemeine Schluß, der aus den letzten Provinzial-Staaten-Wahlen gezogen werden kann, ist, daß obivohl das Interesse an diesem Zweig der Verwaltung der Natur der Sache entsprechend noch nicht groß ist bei den Arbeitern, doch auch hier die allgemeine Aenderung in dem Verhältiiis der politischen Parteien wahrzu- nehmen ist. Der große Krach der liberalen Partei ist, ebenso wie bei den Kammerwahlen, auch bei den Provinzialwahlen deutlich hervorgetreten. Die Arbeiter und Klein- bürger haben genug von der liberalen Herrenpolitik." ' Ein weit größerer Eifer wiirde von den Parteigenossen überall im Lande bei den Gcmeinderatswahlen entfaltet. Das große Interesse der Arbeiter für die Wahrnehnmng der Gemeinde- Angelegenheiten überwand die Hindernisse, die das äußerst be« schränkte Gemeindcwahlrecht gerade der Socialdemokratie bietet, ,md jetzt spricht auch hinsichtlich dieser Fragen in einer ganzen Reihe von Städten und Dörfern die Socialdemokratie ein Wort mit, wenn es auch in der Hauptstadt des Landes dem Misch- masch der bürgerlichen Parteien diesmal noch gelungen ist, die Socialdemokratie aus der Gemeindevertretung fernzuhalten. In 18 Gemeinderäten zählt unsre Partei zusammen 24 Vertreter. Aus Fndupkviv und Handel. ge den des all Ueber den Beschäftigungsgrad im Kohlen-Bergbau wirb der„Arbeitsmarkt-Korrespondenz" von sachkundiger Seite schrieben: Inwieweit der Rückgang der Bergwertswerte an deutschen Börsen berechtigt ist, darüber gestattet die Lage ArbeitSmarktcs im Bergbau ein ziemlich sicheres Urteil. Im gemeinen sind die Verhältnisse derart, daß die flaue Stimmung in Kohlenwerte» berechtigt erscheint. Eine Ausnahmestellung von den übrigen Gebieten im Westen nimmt das Wurmrevier ein. Hier find in geradezu auffallender Weise sämtliche Bergleute noch voll beschäftigt, ja etwa 5 Prozent der Belegschaft verfährt sogar noch Ueberschichten. Im ganzen sind von dieser bei der gegenwärtigen Marktlage auSnahmsweisen Gunst ca. 3000 Bergleute betroffen. Entlassungen finde» auf keiner Zeche statt; ja auf zwei ne»en Schachtanlagen werden für die nächste Zeit sogar noch Einstellungen erivartet. Von dem verhältnismäßig kleinen Wurmrevier abgesehen, hat auf allen Zechen des rheinisch ivestfälischen Kohlenreviers der Monat März sowohl eine Ver- ringerung der Belegschaft, als auch verkürzte Löhne gebracht. Trotz der Verringerung der Belegschaft, die aNein im Bezirk Essen während des Monats Februar ans 500 Mann angegeben wird, ist es den Zechen wegen mangelnden Absatzes nicht möglich, ohne Feierschichten auszukommen. Auch im März muß durchschnittlich mit 3 bis 6 Feierschichten gerechnet werden. Vereinzelt Iverden aber auch zwei Schichten pro Woibe gefeiert. Die Versuche der Bergleute, wenn sie einmal abgelegt sind, ivieder in Arbeit zu kommen, führe» gegenwärtig nur in seltenen Fällen zu dem erwünschten Resultat. Der Arbeitsmarkt ist überfüllt. Etwa 30—40 Personen sprechen gegen ivärtig fast täglich auf jeder der fünf Zechen bei Borbock»in Arbeit nach. Die Ueberfüllung des Marktes mit Arbeitsuchenden begünstigt in hohem Maße die sich vollziehende Lohnrediiktion. Die Lohnherabsetzungen werden vielfacki nicht durch Anschlag bekannt gegeben, sondern erfolgen von Mund zu Mund. Gegenüber dem Vorjahr sind die Accordlöhne von 1— 1,50, die Schichtlöhne durchschnittlich um 1 M. zurückgegangen. Zu den Lohiiknrzungen treten aber noch andre Einbuße». Manche Zechen geben z. B. den Invaliden und Witwen die Hausbrandkohlen nicht niehr z» ermäßigten Preisen. Die Klagen über rigoroses Nullen nehmen zu. und namentlich mehren sich in »»liebsamer Weise die Strafzettel. Jede Verminderung des Ein- koniniens macht sich um so empfindlicher fühlbar, als die Miets- und Lebeusniittelpreise»och auf der Höhe der früheren guten Zeit stehen._ Konzentration der Banken. Die Krise, die mit de» Banken so schwer zu Gericht ging, hat hier der Konzentration des Kapitals treffliche Hilfe geleistet. Besonders ist es die Deutsche Bank, die immer ans der Bildfläche erschien, sohald eine Erbschaft anzutreten war und sofort den frei werdenden Kundenkreis der Unsicheren und Geängstete» zu sich heranzog. I» einer glänzenden Bilanz konnte sie im Gegensatz zu den andren Großbanken über einen erheblichen Fortschritt ihres Geschäftsumfanges berichten und eine Hohe Dividende auSiverfen. In Leipzig trat sie kurz entschlossen mit der Gründung einer Filiale vor, als die Leipziger Bank zusammenbrach und in Dresden wiederholte sich dasselbe Spiel, als die Dredsdener Kreditanstalt fallierte. Jetzt bietet sich ein neues Objekt, bei dem die Deutsche Bant auch eine nicht unwichtige Rolleispielt. Die B a r.m e r Bank mußte in ihrem Jahresberichte den Aktionären die betrübende Nachricht zukommen lassen, daß sie in diesem Jahre keine Dividende erhalten können, die Bilanz überhaupt nur unter Zuhilfenahine des Reservefonds inS Gleichgewicht zu bringen ist. In diesem Nnglück hat sich die Bergisch- Märkische Baut, deren Direktor Dr. Jordan zugleich' Vorsitzender des Aufsichts- rats der Barmer Bank ist, zur Hilfeleistung erboten. Au der Bergisch-Märkischen Bank ist aber wiederum die Deutsche Bank mit einem erheblichen Aktienbesitz stark beteiligt. De» Aktionären der Barmer Bank sollen für 9 Mark Aktien 6000 Mark Aktien der Bergisch-Märkischen Bank, zuzüglich 4 Proz. Vergütung, in bar übergeben iverden. Die Aktien der Banner Bank stehen 95, die der Bergisch-Märkischen 151, so daß die Uebernahme zu einem Kurs von 104 erfolgen würde. DaS Aktienkapital der Barmer Bank beträgt 7l/s Millionen, die gegen nominell 5 Millionen der Bergischen Bank ausgetauscht werden. Die Groß-EinkaufSgesellschaft deutscher Konsumvereine hat im verflossenen Jahre eine Entwicklung wie niemals vorher ge- habt. In den letzten vier Jahre» entivickelte sich der Umsatz der Gesellschaft folgendermaßen: 1898 1899 1900 1901 M. M. M. M. 5 579 036 S 296 072 7 956 335 15 137 781 Interessant ist auch ein Vergleich der MonatSumsätze deS vor- hergehenden Jahres. Der Umsatz der Groß-Einkaufsgesellschast betrug: 1900 M. Januar.,. 448 804 Februar.... 460 645 März..... 619 217 April..... 631 769 Mai..... 579 796 Juni..... 454 328 Juli..... 598 088 August.... 597 773 September... 622 176 Oftober.... 1010036 Novemher... 1 l>65 908 Dezember... 667 794 Im neuen Geschäftsjahr setzt sich, so weit sich übersehen läßt, des Wachstum der Gesellschaft m der hisherigen Weise fort. Der Umsatz betrug im Januar 1902: 1 285 000 M. Geschäftsberichte der Konsumvereine. Der Lebensbedürfnis- und Produktivverein zu Freiburg im Breisgau hafte im ver- flossenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 677 212 M. Reingewimi 77 263 M.— Der Konsumverein in Bern bürg beziffert seinen Umsatz auf 182 462 M. Reingewinn 16 526 M. Rückvergüftmip 12 Proz.— Der Gewerkvereins-Konsum in K o t t b u s setzte in seinen 5 Verkaufsstellen und dem Kohlenlager ftir 389 186 M. Waren um. Reingewinn 38 047 M. 10 Proz.— Der Konsumverein in Jena giebt 411 590 M. an. Außerdem wurden im Kohlengeschäft 79 497 M. umgesetzt. Rückvergütung 12Proz.— Der Konsumverein in Wüste- giersdorf erzielte 275 645 M. Umsatz. Reingewinn 29 667 M. — Der Konsumverein in Sora» hatte einen Umsatz von 267314 Mark. Reingewinn 26 307 M. Rückvergütung 9 Proz. M. Rückvergütung seinen Umsatz auf- 1901 M. 714 507 842 826 939 761 954 660 1 035 205 1004 501 1 357 770 1298 091 1 380 743 I 882 797 1872 254 1 854 646 sich übersehen Aus dev Frauenbewegung. Arbeiterillneil Berlins, wahret Eure Reihte! Die Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung. die zum Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter erlassen sind, werden viel- fach seitens der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte der Arbeiterinnen werden oft gekürzt. Das Gesetz bestimmt: Die Arbeitszeit dauert für Arbeiterinnen über 16 Jahre 11 Stunden täglich, mit einstüudiger Mittagspause; an Vorabenden von Sonn- und Festtagen nur 10 Stunden, und es muß die Arbeits- stätte an diesen Tagen bis spätesteus 5>/s Uhr verlassen sein. Jugendliche Arbeiter von 14—16 Jahren dürfen täglich nur 10 Stunden mit einstüudiger Mittagspause sowie je Vsstüiidiger Frühstücks« und Vesperpause beschäftigt iverden. Kündigungen und Entlassungen. Gründe für sofortiges Ver- lassen der Arbeit sind z. B.: Unsittliche Augriffe der Unternehmer oder ihrer Vertreter, Thätlichkeiten, grobe Beleidigungen, un- regelmäßige Lohnzahlung, bei Accordarbeit nicht ausreichende Beschäftigung usw. Die Kündigungsfrist ist eine 14 tägige; sie kann durch gegen- eitige Vereinbannig ausgeschlossen werden. Wenn Kündigungs- risten bestehen, müsieil sie für beide Teile gleich sein. Ansstcllung von Zeugnissen. Die Arbeiterin hat das Recht, ein Zeugnis über Art und Dauer ihrer Beschäftigung zu verlangen; besondere Merkmale, welche die Schädigung der Arbeiterin zur Folge haben können, sind ungesetzlich und sind zurückzuweisen. Strafgelder. Bcstiinmungen über Lohnabzüge in Form von Strafgeldern niüssen in der Fabrikordnung, die sichtbar aushängen muß, bekannt gegeben sein. Die Verhängung jeder Strafe muß der Arbeiterin ohne Verzug mitgeteilt werden. Hygienische und Schutz, naßrcgeln. Arbeitsräume, Betriebs- Vorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften sind so einzurichten und zu unterhalten, daß die Arbeiterinnen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. ES ist für genügend Licht, reine gute Lust. Beseitigung von Staub und Abfällen zu sorgen; ebenso sind Schutzvorrichtungen an Maschinen anzubringen. In Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeilerinneii sich umkleiden und nach der Arbeit reinigen', müssen ausreichende, für beide Geschlechter getrennte Ankleide- und Waschräume vorhanden sein. Bedürfnis« anstalten müssen in genügender Zahl vorhanden und so eingerichtet 'ein, daß Sitte und Anstand nicht verletzt werden. Arbeiterinncii, achtet darauf, daß diese zu Eurem Schutze er- laffenen gesetzlichen Bestimmungen durchgeführt und innegehalten werden. Wir weisen danim von neuem darauf hin, daß nachstehende Personen bereit sind, um es den Arbeiterinnen zu ermöglichen, ohne Nachteile für ihre Existenz auf Beseitigung der Mißstände in den Arbeitsstätten hiiiznwirken. wahrheitsgetreue Beschwerden entgegenzunehmen und für schleunigste Abhilfe Sorge zu tragen. Die Name» der Beschwerdeführer werden streng geheimgehalten! Beschwerde»»ehmen entgegen: Frl. Baader. Großgörschen- straßc 38, zweiter Hof II. Frau B a u s ch k e, Rostockerstr. 47, Hos II. Frau Dr. Wehl. Lothringerstr. 67, 1. Frau Lutz. Waterloo-Ufer 9, im Laden. Frau M e s ch, Lychencrstr. 3, linker Ausg. IV. Frau T i e tz, Blumenstr. 63, 1 recht». Frau Sprung, Markusstr. 18, Ausg. 8, III. Frl. H e i d e m a n n, Alte Jalobstr. 118, IV. Sprechzeit jeden Mittwochabend von 7— 9 Uhr. Gewerkschaftsbureau, im Gewerkschaftshanse, Engel- Ufer 15, im Laden. Vorm. 9—1 und nachm. 6—8 Uhr. Die Gcwerbe-Jnspektori» Fräulein Reichert, Georgenkirchplatz 22, ist jeden Donnerstag von 7—8 Uhr abend? und eben ersten Sonntag im Monat von 9— 10 Uhr vormittags zu prechrw_ Eine öffentliche gewerkschaftliche Versammlung für Frauen und Männer als Fortsetzung der Versammlung vom 3. d. M. findet am 10. d. M., abends 8 Uhr, im Restaurant KönigSbank. Große Franksurterstr. 117, statt. Nach einem Vortrag Fritz Katers wird die Diskussion über die Lohuverhältnisse und die BehandluiigSiveise der beim„Lokal-Anzeiger" angestellten Zeitungsauslrägerinnen weiter geführt werden, auch derartige Zustände in andren ZeitungSuuter- nehmungen einer Kritik unterzogen werde». Hierzu kommen die Verhältnisse über Lohn- und Arbeits- bedingungen der in Neiliigungs-Jiistituten und in öffentlichen Lokalen angestellten Toiletten-Frauen. Die doppelte vuchsührnng beim BereinSgesetz geht weiter zu UnglUlste» der Socialdeniokraten. Sowohl in Kiel als auch in Magdeburg wurde die Entfernung der Frauen ans den Ver- äinmlungen der socialdemokratischen Vereine gefordert und als man ich der Aufforderung nicht fügte, wurden die Versammlungen ans- gelöst. Wenn die Beschwerden darüber an die oberen Instanzen kommen werden, dann wird man es schon hören, daß die ganze Strenge deS Gesetzes nur gegenüber Socialdemokraten gerechtfertigt ist. lvährend Agrariern kein Haar gekrümmt wird, selbst wenn sie direkte Polizei- liche Anordininge» als Lust behandeln. ArbeIteri»»ciianSbe»t»ng in Klöstern. London. 3. März. I» der Novelle zum Fabrikgesetze vom Jahre 1901 wurden bekanntlich die Wäscherinnen der K l ö st e r von der Fabrikinspektion auSgenomnien, da sich die irischen Ab- geordneten einer solchen Bestimmung widersetzten. Auf Autrag des Grafen vonLytton. eines EnkelS des Romanschriflstellers Bulwer-Lhtton. beschloß nun daS Oberhaus in zweiter Lesung, die Wäscherilinen in daS Fabrikgesetz einzuschließe». Lord Lytton gab eine Statistik von 71 Klosterwäschcreien. die insgesamt eine Jahres- einnähme von 30 670 Pfd. Sterl., haben und wies auf die Thaffache hin, daß dort übermäßig lange Arbeits st un den vor» herrschen. Er sähe keinen Grund, wannn die Regierung eS den religiösen Anstalten gestatten sollte, die Mädchen schärfer auSzu- beuten, als dies in kaufmännisch betriebenen Wäschereien geschieht. Marktpreise von Verliii am 6. März 1902 »ach Snuiltlu»««, des tgl. PolizelprSsidiiuns. W-ljeu. gut D.'Etr. . mittel . gering Roggen, gut . mittel . gering ««erpe, gut „ mittel . g-riiig »Hase«, gm . mittel . gering Sttchistroh Hr» Erble» Sveisedohneu liinien • stet Wagen und ab Bahn Kartoiselii neue.D-Etr. Niiidsleisch, Keule l do Bauch, Schioeiiielleifch„ »aldfleisch Hammelslelsch Butter Sie, Karpse» Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse S0 Siii.i t kg per Sch»>< 6- 1 60 1,40 I 7« 1,80 I 60 2,60 440 2,20 2,60 280 2 20 I 80 3.20 1,20 15,- 4- 120 1- I 30 1,— 1- 2- 280 1,20 I 40 0 80 1,20 0,80 1 40 0,80 3,- Für den Inhalt der Inserate «bernimnit die Nedaktio» dem Piibliknin gegenüber keinerlei _ Verantwortung. Tlivntev. Sonnabend, den 8. März. oprrnhans. Der Ring des Nibe- lnngen. Das Rheingold. Anfang 7»/, Uhr. Echansbielhans. Das große Licht. Ansang?>/, Uhr. Neues Obern- Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Der Prodekandidat. An- fang 8 Uhr. Deutsches. Pusj.— Ecolesia triumphans.— VolkSaufklärung. — Stichwahl. Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Wilhelm Tell. Anfang 7'/, Uhr. Lessing. Die Kollegin. Anfang 7V- Uhr. Residenz. Ein galanter Richter. Vorher: Verbotene Frucht. An- sang?>/, Ubr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- fang?>/, Ubr. Weste». Der Zigeunerbaron. An- sang 7'/, Uhr. Secessionsbiihne. Detlev Lilien- cronS Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. <£. v. Wolzogeus Buntes Theater (Ueberbrcttl). Anfang 8 Uhr. Schall nnd Rauch. Serenifsinius. Zwischenspiele. Ans. 8»/, Uhr. Trianon. Coralie u. Co. Anfang 8 Ubr. Central. Das süße Mädel. Anfang 7l/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang ?»/, Uhr. Luise». Der Walzerlönig. Anfang 7'/, Uhr. Carl Weift. DaS Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kindervorstellung: Max und Moritz. Friedrtch-Wilheln, städtisches. Pariser Leben. Auf.?>/, Uhr. Belle-Sillianee. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7-/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Vtrtropol.'Ne feine Nummer. Specialttäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr Apollo. Don Juan in der Hölle. Specinlitäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr. Casino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Bor- steviing. Anfang 8 Uhr. ReichShallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage> Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang uachmittags 5 Uhr. Passage< Panoptikum. Specialitäten-Vorstellung. lirania. Tanbrnstr. 48/Sv.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Jnbalidenstrafte 57/tt£. Täglich: Sternwarte._ SWttWllttt (Wavner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Probekandidat. Schauspiel in 1 Aufz. v. Max Dreyer. So»ntagnach mittag 3 Uhr: llvilheln» Toll. Sonntagabend 8 Uhr: Elnaame IHenachen. Montagabend 8 Uhr: vor Probekandidat. Heute Sonnabend, abendS 7»/, Uhr: Dss sützv Mlsdel. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Sonntagnachmittag 3 Uhr, halbe Preise:»le Geisha. Abends 7»/, Uhr: Das süfte Mädett rdalia-Tdester. Drcsdenerstrafte 7J8/73. _ Abends?»/, Uhr: MA Zum 50. Male:"MF Seine Kleine. Große AuSstattungSposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worm a. A., Guido Thielscher, Gerda Wald«. Helmerding, Paulmüller, Boso, Wannovius.„llad'n 81» nicht den kleinen Cohn gesehen?" Sonntag, 9. März, nachm. 3 Uhr, keine Preise: Iheborah. ipolio- Theater. Kolossaler Erfolg der neuen Specialitäten! Tbe 3 Wloni Martin Kettner llilly Capell 3 Avolos Sum Elton Willi Waiden Tbe E e a in y- T r o n p e Der Kosmograph. Vorher; Anfang 8 Uhr. Urania. Tauben-Straese 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frülilingstage an der Riviera InTalldenstr. 57/0%. . Sternwarte. Castans Panopticnm Frledrlch-Strasse 165. \Tnn 1 Präsident Koosevelt ItVll. Miss Alice Koosevelt. Wen! Italienische Konzert- Kapelle ,Humberto' a. Venedig. Nen! Der Boerenkrieg! 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Sonntaynachmittag 3 Uhr bei kleinen Preisen: Othello, der Mohr von Benedig.— Abends 7-/2 Uhr: zum zweitenmal: Gasparone._ iletropol-Ilieater Thomas, Bender, Joseph!.' Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: '116 Burleske Gesan/ und 4. Im 4. Bilde: Frauchens Gehnrtstagstisch. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet Palast-Theater (früher Fern Palast) Bnrgftr. SS. Direktion ll. Winkler u. W. Fröbel Das neue große März-Programm! 18 neue Nummern. AM" Grosser Erfolg!-MW Jack u. Merry. Fanny Behrens. Richards-Truppe. Charles-Trio. Fredoff. Neu! Dazu um 8V« Uhr: Neu! Die Veilchenfee. Berliner Volksstüd mit Gesang in 2 Alte». Anfang 8 Uhr. Entree 50 Ps. Billet-Borverkauf v. 11—1 Uhr. Seile-iillisoee-IIieslei'. Die Dame wis Troiiville. Emil Sondermano a. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marto». Hieraus: Ev. ��-»sbiid in Adele Hartwig u. Leopold Thurner a.G. Ans. 7>/,Uhr. Morgen: Dieselbe Borst. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Der kleine Cohn ist da! Burleske in einem Akt. Oer Bajazzo und sein Kind. Iß er�tklasMl&'e Iß Specialitäten*0 Trianön�thealer. Ceorgenstratse, 2 Minuten vom Bahnhot Friedrlchstr. Zum 105, Male: Coralie& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Grosse Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonnabend, 8. März, abds.S'/iUhr: Gastspiel von Emun. Reicher. Die Frau des Anderen, Komödie in 1 Akt von Latzkö. Geschichten vom toten Rabbi, improv. Soloscene von Eman. Reicher. Serenissimus. Zwischenspiele.— Bauern kumedi. Abschiedssoupar. W. Hoacks Theater. Brnnnenstrah- 16. Wegen Privatfestlichkeit keine Vorstellung. Sonntag: A Schtttxenlies'l. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Ab I. März vollständig neues erst- klassiges Bpeclalltäten- Programm! Dazu„Lustige Brüder" mit Richter,„Ehrlos" mit Berg. Ansang Wochent. 8 Uhr,Son»t.7>/,Uhr. Sonntagnachm. 4 Uhr: Muttersegen s Cirkus chumann. Heute Sonnabend, abds. präe. 7'/, Uhr: Grande Solree High-Life 500 Mitwirkende. 2 Musikcorps. SV~ Mephisto'Wt Große Ausstattungs-Pantomime vom Hofballettmeister A. Hleius. u. n.; NNf- Ideal-MG Hannoverscher Falbenhengst in der hohen Schule in ganz neuer Art dressiert und geritten von Dir. Alb. Schumann. Neu!? 8he? Neu! hie 4 Elemente. L'scuyere lumlneuse. In Feuer nnd Flammen, ausgeführt von Frl. Dora Schumann.— l'ush-Ball, amerikanisches Sporlsspiel, ausgeführt von 12 Amerikanerinnen und 10 Herren der Gesellschaft.— Lawn-Tennls- Sports-Doppel-Jongleure, Geschwister Hodgint.— Novität! Elix Klury, aveo son Acte oomique. Sonntag: 2 grosse ausserordentliche Gala-Borstellimge». Nachm. 3Vj Uhr und abends 7'/, Uhr. In Seiten Vorstellungen, nachm u. abends; Auftreten sämtlicher oben angefühtten Specialitäten, sowie in beiden Bor- stellungen die große Ansstottungs» Pantomime„Rophlsto". Nachmittags ein Kind frei._ Peck& Cloppenburg Gertraudtenstr. 26/27. 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An Spekulationslnst fehlt es auch jetzt noch nicht, und wie der gestrige Verlauf zeigte, machen sich, sobald der Horizont nur ein etwas heiteres Aussehen gewinnt, sofort neue Versuche zur Steigerung der Kurse bemerkbar; aber die Lage auf dem Industrie- markte, besonders die zunehmende Schwierigkeit des Abwtzes der Kohlenzechen, wirken denn doch ernüchternd auf die Auffassung der Ge- schäftSsituation ein. Thatsächlich scheint man doch allmählich in manchen Börsenkrcisen zur Ansicht zu kommen, daß es für die anhaltenden Kurssteigerungen, wie sie im Januar und in den beiden ersten Wochen des Februar stattgefmiden haben, an genügender Veran- lassung fehlt, wenigstens hat die Spekulation mehrfach Realisationen vorgenommen. Mitbestimmend für die Zurückhaltung waren die Nachrichten über die matte, tvidersprnchsvolle Tendenz der Ne>v f)orker und der Londoner Börse soivie Meldungen über eine Ver- chlechterung der Page des amerikanischen Eisenmarktcs. Den schon im vorigen Bericht erwähnten BankbilaiiZl Veröffentlichungen sind in der vorigen Woche verschiedene andre ge folgt, unter denen spcciell der Jahresabschluß des Schaafhausenschen Bankvereins und der Darmstädter Bank(Bank für Handel und Industrie) ein größere« Interesse beansprucht. Auch diesen beiden Banken ist ihre enge Liaison mit industriellen Unternehmungen ver« hängnisvoll geworden. Die Bilanz des Schaafhausenschen Bank- Vereins weist einen Neingelvinn von 6 555 574 M. gegen 9 476 739 M. im Borjahr auf; als Dividende werden 5 Proz. sim Vorjahr 71/a Proz.) vorgeschlagen. Der Ausfall wird hauptsächlich, wie bei de» nicisten im vorigen Wochenbericht erwähnten Banken, durch die Veränderung des Effektencontos herbeigeführt, das nach Abschreibungen von 1,1 Millionen Mark auf Konsortial- bctciligungen mit einem Verlust von 269 932 M. schließt; serner er- giebt auch, teils infolge deS niedrigen Zinsfußes im vorigen Jahre, teils infolge der Abnahme des Geschäfts, das Zinsenconto einen um über 1 Million Mark geringere» Ertrag, während sich das Wechsel- und das Provisionsconto etwas gebessert haben. Ob die vor- genommenen Abschreibungen als ausreichend gelten können, läßt sich um so weniger beurteilen, als genaue Specifikationen in dieser Hinsicht fehle»; was sich aber auch bei diesem Institut konstatieren läßt, daS ist die deutliche Reaktion gegen die fröhliche Unternehmungslust der Zeit der Hochkonjunktur. Der Geschäfts- umfang hat nicht unbeträchtlich abgenomme»; die Kreditoren sind unr 18'/, Millionen Mark, die Debitoren in laufender Rechnung um LöVa Millionen Mark zurückgegangen. Läßt sich bei de» meisten der größeren Banken nicht das Be streben verkennen, schön zu färben, so sucht dagegen die Darmstädter Bank die welken Ziveige, welche die vergangene Prosperitäts- Periode hinterlassen hat, ziemlich schonnngslos ivegzuschneiden. Ob hierzu die Absicht der veränderten Direktion beigetragen hat, die verdorrten Reste aus alter Zeit nicht mit zu über- nehmen, um später, wenn die Lage des Instituts sich wieder gebessert haben sollte, diese Besserung als ihr Verdienst voll in Anspruch nehmen zu können, mag dahingestellt bleiben. Da die ivichtigsten Veränderungen der Bilanz schon in der Rubrik„Aus Industrie und Handel" mitgeteilt sind, seien hier nur zur Ergänzung einige für die Beurteilung der Bilanz in Betracht kommende Moti- vationen des Geschäftsberichts hinzugefügt. Betrests der Verlliste auf dem Finanzoperations-Couto, die insgesamt 225 497 M. betragen, während das Jahr 1999 einen Gewinn von 615 429 M. brachte, heißt eS: „Der Ausfall auf Finanzoperationen ist im wesentlichen auf die allgemeine geschäftliche Lage des abgelaufenen Jahres zurück- zuführen. Die Verluste auf diesem Conto sind solche, ivelche wir im vergangenen Jahre als Mitglied größerer Konsortien bei mehreren, bereits in früheren Jahren in Angrist genommenen elektrische» und industriellen Untcrnehmnngen buchmäßig erlitte» haben. Der Schaden, ivelcher uns aus dem Engagement mit de» Disterdinger Werken bedroht hatte, ist durch die von uns vor- genommene Reorganisation auf ein Minimum reduziert. Die inzwischen erfolgte Kursentwicklnng läßt aber auch aus diesem Engagement einen nicht unerheblichen Gewinn für das laufende Jahr erivarten." Und bezüglich des Verlustes von 791 369 M. auf dem Conto- corrent-Conto und der Uebcrtragnng von 1 759 798 M. vom Special- Reservefonds auf das Delcredere-Conto sagt der Bericht: „Durch die Wcchselfälschungen des Gerhard Terlinden, dem wir lediglich einen Diskontkredit eingeräumt hatten, ist uns ein Ausfall entstanden, den ivir unabhängig von dem eventuellen Er- gebnis aus dem Konkurse der übrigen Wechselverpflichtcten zur Abschreibung gebracht haben. Leider sind wir auch bei einem ungarischen Beleihungsgcschäft mit einem größeren Verlust bedroht. Wir hielten es für richtig, denselben zum Teil bereits jetzt zur Abschreibung zu bringen und im übrigen auf Delcredere-Conto eine ausreichende Rückstellltng zu Lasten der besondren Reserve vorzunehmen. Der Rest des von der besondren Reserve aus Delcredere-Conto vorgenommeneu UcbertrngeS entspricht nnsrer Schätzung des möglichen Ausfalls bei einer Anzahl andrer von uns im Kousortialverband mit Berliner ersten Finnen ab- geschlossenen Geschäften. Wir hoffen, daß sich die geübte Vorsicht bei iveiter günstiger Entwicklung zum großen Teil als unnötig eriveise» wird. Wir hielten eS jedoch im Interesse unsrer Aktionäre für richtig, auch bilanzmäßig diejenige Summe zum Ausdruck zu bringen, welche nach nnsrer gewissenhaften Schätzung den Maximalbetrag ziveifelhastec Engagements darstellen kann." Infolge dieser Offenheit und der vorgenommenen Rückstellungen macht die Bilanz der Darmstädter Bank einen nichts weniger als günstigen Eindruck, doch hat ihr die Nichlverwendnng von Schminke und Puder kauni geschadet, ivenigstens stand gestent der KurS ihrer Aktien auf gleicher Höhe, wie vor acht Tagen. DaS wichtigste wirtschaftliche Ereignis der Woche ist unbedingt das Ergebnis der Brüsseler Zuckerkonfercnz. Die gefaßten Beschlüsse bat bereits der gestrige Leitartikel mitgeteilt; iveit mehr als diese Einzelheiten aber dürfte die meiste» Leser die Frage interessieren, um wieviel wird sich nach dem 1. September nächsten Jahres der Zuckerpreis ermäßigen. Eigentlich erscheint die Frage überflüssig. Bisher betrug der Einfuhrzoll auf Zucker 29 Pf. pro Pfund. Von diesen 29 Pf. gelteii 19 Pf. als Kompensation der Verbrauchssteuer, die andre» 19 als Schutzzoll. Da nur letzterer ermäßigt wird und zivar auf 6 Fr. per Doppelcentner, ivird künftig der Einfuhrzoll nur 12>/s Pf. pro Pfund betragen. Folglich ivird innerhalb des deutschen Zoll- gebiets der Großhandelspreis um 7V- Pf. pro Pfund fallen. Ganz abgesehen davon, daß die Großhandelspreise mit den Kleinhandelspreisen nicht parallel lausen; es kommt aber in Betracht, daß- bisher die Zuckerpreise in Deutschland nicht einfach durch Augebot und Nachfrage bestimmt wurden, sondern daß durch die Machinationen des Zuckcrkartclls der Preis durchweg um mehrere Pfennige höher stand, als er ohne die Preisbeeinfluffung des Kartells gestanden hätte. Bietet nun auch die Zollherabsetzung auf 6 Fr. per 199 Kilogramm, wie der Reichstags-Abgeordnete Dr. Barth in der vorigen Sonnabendsitzung des Reichstages richtig be« merkte, keincslvegs die Geivähr, daß nicht doch von Zucker- produzenicn-Vereinignngen Preistreibereien insceniert iverdcn könne», fo sind doch derartige Preisbeciuflussnngcn,>vie daS Znckerkartell sie sich bisher gestattet hat, ausgeschlossen. Danach dürfte mau annehmen, daß der Preis»och um mehr als 7>/- Pf. pro Pfund heruntergehen wird. Dieser Annahme steht aber auf der andren Seile entgegen. baß die Gelvährnng von Präniicn— in Deutschland beträgt zur Zeit die Ausfuhrvergiitung für Rohzucker von mindestens 99 Proz. Zuckergehalt und raffinierten Zucker unter 98 Proz. 2.59 M.. für Kandis, harten Krhstallzucker, weihen Zucker in Broten(Hüten) zc. 3,55 M, für andren harten Zucker 3 M. pro Doppelcentner— und die dadurch geförderte Ueberprodnktion und Preisunterbietung der Zucker ausführenden Länder auf den Exportmärkten z» einer Herab« drückung derZuckerpreife geführt hat, die, wenn erst die Prämien ivegfallen und wen», wie zu ertvärte» steht, der inländische Konsum der zucker« produzierenden Länder infolge der Verbilligung des Zuckers be- trächtlich zunimmt, nicht von Bestand sein kann; sind doch z. B. auf dem Hamburger Zuckermarkt die Preise für Ausfuhr«Rohzucker gegen Ende des vorige» Jahres bis unter 6Ve Pf. pro Pfund gesunken; auch zur Zeit beträgt der Preis für März- und Aprillieferung nur 6,57— 6,65 M. pro Centner. Es wird voraussichtlich eine bedeutende Aufbesserung der Exportpreise in den an der Konvention beteiligten' europäischen Ländern eintreten, und diese Steigerung der Preise für die Ausfuhr nach fremden Märkten wird auch den Preisstand der Inlandsmärkte erhöhen. Wie mr Grund dieser einander widerstreitenden Tendenzen sich genau der Preis gestalten wird, läßt sich nicht voraussagen; wahrscheinlich ist aber, daß er nicht um den vollen Betrag der Ermäßigung des Ein- fuhrzolls sinken wird. Das beste Mittel zur Ueberwindung der durch die Prämien Wirtschaft hervorgerufenen Ueberprodnktion wäre, daß die hauptsächlich in Betracht kommenden Länder Deutschland, Frankreich nnd Oestreich Ungarn zugleich mit dem Schutzzoll auch ihre Konsumsteuer herab setzten, doch erscheint recht fraglich, ob in Rücksicht auf ihre Finanzen sie sich dazu verstehen werden. Für Deutschland wurde durch daS Gesetz von 1891, das die Rübensteuer abschaffte, die Vcrbrauchsabgabe auf 18 M. pro 199 Kilogramm festgesetzt, ist dann aber zugleich mit den Prämien durch Gesetz vom 27/Mai 1896 auf 29 M. erhöht worden. Welcher Steigerung der deutsche Zucker« konfnm noch sähig ist, zeigt das Beispiel Dänemarks und der Schweiz. die ca. 59 Proz. Zucker mehr pro Kopf der Bevölkerung konsumieren, als das Deutsche Reich. Und noch bedeutender ist der Zuckervcrbrauch der Vereinigten Staaten von Amerika, dessen Bevölkerung pro Kops in den letzten Jahren 29—39 Kilogramm konsumierte, sowie der Verbranch Großbritanniens, das es gar auf 49 Kilogramm bringt. Dagegen hat die deutsche Bevölkerung pro Kopf im Jahre 1898/99 12,4 Kilogramm, in 1899/1999: 13,7 Kilogramm Zucker verbraucht, im Durchschnitt der fünf Jahre von 1896—1999— 12 Kilogramm. _ Tat, Bit den GemewdviVÄhlen. Wilmersdorf. Es ist hier zu den Gemeindewahlen gekommen, lvie ivir vorausgesagt haben. Die bürgerlichen Parteien haben sich mit Ausnahme einer geringen Gruppe liberaler Elemente auf eine gemeinsame Kandidatenliste geeinigt und präsentieren diese dem ver- chrlichen Philisterium. Daß die liberalen Secessioniften unter solchen Umständen ans eine bemerkenslvcrte Stimmenzahl kommen, ist ivohl ansgeschlossen, und daher haben uiisre Parteigenossen damit zu rechnen, daß' wesentlich nur ein Gegner in Betracht kommt, nämlich der Grnndbesitzerverein, und daß es gelten ninß, alle Kräfte so z» sammeln, daß bereits im ersten Treffen, bei der H a u p t>v a h l am Montag und Dienstag die Entscheidung fällt. Die nächsten Tage müssen daher zur intensiven Agitation ausgenutzt werde»; be- sonders gilt es auch, die Wähler auf die am Sountagnachmittag 2 Uhr bei Struß, Berlinerstraße, stattfindende Volksversammlung hinzniveisen, in der Genosse Lcdebour über die Bedeutung der Wahlen sprechen wird. Wenn die Parteigenossen ihre Pflicht thun, ivird das Resultat diesmal ebenso erfreulich sein ivie ini verflossenen Herbst. Parteigenossen, besonders arbeitslose, welche Montag und Dienstag bei den Wahlen helfen wollen, mögen rechtzeitig am Platze sein, Steglitz. Die gestrige Versamnilnng des Socialdemokratischcn WahlvercinS beschäftigte sich mit der bevorstehenden Stichwahl zur Gemeindewahl im zweiten Bezirk. Genosse L c i in b a ch als Referent führte aus, daß unsre Partei mit dem Resultat sehr zufrieden sein könne. Die Wahl des Genosse» S ch e l l h a s e im ersten Bezirk mit 513 gegen 337 Stimmen der vereinigten Gegner sei ein glänzendes Zeugnis der Disciplin nnsrer Parteigenossen. Unser Stimmenzuwachs gegen die letzte Wahl be- trage in diesem Bezirk 193, ein Beweis für die fortschreitende Er- kenntnis der Bedeutung der Genieindclvahlen unter der Arbeiterschaft Auch im zweiten Bezirk sei ein erfreulicher Fortschritt zu konstatieren, indem unsre Stimmenzahl gegen 1999 um 83 zugenommen habe und es uns zum erstcnmale gelungen sei, daselbst in die Stichwahl zu kommen. Daß die sogenannten„Unabhängigen" mitsamt ihren Protektoren, de» Hausbesitzern, in beide» Bezirken glatt durchgefallen seien, trotzdem sie noch zwei Tage vor der Wahl den zweiten Bezirk als ihre„Hochburg" bezeichneten und daselbst auf einen glatten Sieg hofften, bezeichnete Redner als eine wohlverdiente Strafe für ihre Rückgratlosigkeit. Diese„Helden" hatten die Wähler, darunter auch zahlreiche Parteigenossen von n»S, zu einer Versammlung schriftlich eingeladen, hatten jedoch nicht den Mut, den Gästen das Wort zur Verteidigung gegen ihre Angriffe zu erteilen. Die Hoffnungen der Gegner auf einen Sieg in der Stich- wähl scheinen keine rosigen zu sei», denn sonst wäre es nicht er- klärlich, daß jetzt sogar der G e ni c i n d e v o r st e h e r in Gemein- schaft mit den Herren Schafft und Gemeindeverordneten S e y d e l als Wahlvorstand durch Verkürzung der Wahlzeit um eine Stunde es einer großen Mehrzahl von Wählern der arbeitenden Bevölkerung unmöglich machten. ihr Wahlrecht auszuüben. Ganz abweichend von der bisherigen Ge- pflogenheit im hiesigen Orte, sei die Stichwahl auf die Zeit von 4—7 Uhr abends festgesetzt, trotzdem doch gerade der Wahl- vorstand gesehen habe, daß das Gros der Wähler erst nach 7 Uhr erschiene. Gerade dieser Unistand müffe die Wähler veranlassen. vollzählig zu erscheinen und am Tage der Stichwahl nnsrem Kandidaten W i e l o ch zun, Siege zu verhelfen. Das Wahl« komitce empfehle, den Kampf, wenn auch mit ungleichen Waffen geführt, aufzunehnien. Die Versammlung be« schloß demgemäß. In der Diskussion wurde die Wahlzeit« Verkürzung allgemein verurteilt und der Vorstand beauftragt. im Name» des Vereins einen Protest an den Genieindevorstand zu richten, welcher auch daraus gestützt werden soll, daß die amt- lichen Wahllegitimationcn zur Hauptwahl wieder gelten sollen, aus welchen als Wahlzeit die Stunden von 4—3 Uhr verzeichnet stehen, wodurch unbedingt Irrtümer entstehen müssen, aus welchen vielleicht eine Anfechtung der Wahl möglich sei. Britz. Sonntag früh 7 Uhr ist F l u g b l a t t v e r b r e i t u n g. Treffpunkt bei Weniger, Werderstr. 27. DaS Erscheinen sämtlicher Genossen ist unbedingt erforderlich. Treptow- Baumschnlenweg. Morgen Sonntag findet eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt früh 8 Uhr am Bahnhof Baumschulenweg und S'/l Uhr im Restaurant Staffeld. Banmschulenstr. 84. Zahlreiche Beteiligung ist erforderlich. Pankow. Am Sonntagvormittag 8 Uhr findet eine Flug- blattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Treffpunkt bei Hoffmann, Mühlen« traße 25.— Am Sonntagnachmittag 3 Uhr finden hiersclbst für die Wähler der dritten Klasse zwei öffentliche Wähler-Ver« s a n, m l u n g e n statt, und zwar für den ersten Bezirk bei K I i n g e n b e r g, Kaiser Friedrichstr. 12. für den zweiten Bezirk bei B l a u r o ck � Wollankstr. 112. Das Referat haben die Genossen S o n n e n b u r g« Friedrichshagen und Grauer« Lichtenberg über« nommen. Wir ersuchen die Wähler, zahlreich und pünktlich zu er- cheinen. Zehlendorf. Der Wahlkampf wird diesmal heftiger den» je werden. Visher hatten sich die Arbeiter an den Gemeindewahlen nicht beteiligt. Die Bürgerlichen entdecken denn auch jetzt sofort ihr warmes Herz für die Arbeiter; man wäre nicht abgeneigt, so hieß es, auch einen Arbeiter zu wählen, aber er dürfe nicht Social- demokrat sein. Ein Weiser hatte sogar herausgefunden, daß, da die Socialdemokratie hier keinen Saal zu Versammlungen hat, sie nur die Gemeiiidevertreter-Sitzungcn benutzen will/ um große politische Reden zu halten. Das warme Herz wurde so zum Schweigen gebracht und die verführten Arbeiter wurden sich selbst überlassen. So konnte man den» ohne Gewissensbisse das Fell untereinander verteilen. Natürlich wurden drei Hausbesitzer auf« gestellt. Der Ortstcil Schlachtensee aber war dabei zu kurz ge- kommen und stellte daher einen Hausbesitzer für sich auf. Aus Furcht vor der Socialdemokratie hat man denn Schlachtensee seinen Kandidaten gelassen; einer von dort sollte dazu noch in der zweiten Klasse untergebracht werden. Im hiesigen Blättchen erklären nun eine Anzahl Wähler der dritten Abteilung Schlachtensee den Krieg; als lachender Dritte sieht die Socialdemokratie dieser Katzbalgerei zu. I» Ober- Schöncwetde wurde gestern unser Genosse, der Bade-Anstalts-Besttzer L a n g e, mit 429 gegen 118 Stimmen in der dritten Wählerklasse gewählt. Für die erste Klasse fungiert der Fabrikbesitzer Rathnow und für die zweite der Boots-Bannieistcr Keller als Gemeindevertreter. Zu den Gemeindewahlen in Nciuickcndorf. Im Bezirk West präsentierten die Hausbesitzer als Gemeiudevertreter-Kandidaten den Bäckermeister Liebing. die Socialdemokraten den Genossen Ohl. Die Hausbesitzer niachten kläglich Fiasko, indem die Mehrzahl der Versammlung für unsren Genossen Ohl stimmte. Leider hat der Gemeindevorstand betreffs der Wahl Näheres noch nicht bekannt gegeben._ Berliner Partei-Angelegenheiten. Die nächste Lokal- Liste erscheint am Sonntag, de» 23. März, Wir ersuchen daher die Mitglieder der Lokal- k o in m i s s i o n v o n B e r l i n und Umgegend, Aenderungeu und Ncnaiifnahmen bis spätestens Freitag, den 14. März, ein- senden zu wollen, für„ T e l t o w- B e eskow" an den Genossen Hermann Schliebitz in Britz, Jahnstr. 2; für„Nieder- Barnim" an den Genossen O t t o R i e b e in FriedrtchSfclde, Victorinstr. 4; für» P o t S d a m-Ost-Havelland" au den Genossen Albert Nene in Spandau, Jagowstraße 9; für „D i v e r s e O r t e" an den Gcnossen Gustav Stein in Wriczen a. O.» Frankfurterstr. 32, sowie für Berlin au den Genossen Wilhelm Hinz, Prinzcnstr. 66, 3, 14. Die Gcnossen werden ersucht, hier- von Kenntnis zu nehmen und die Einsendüngen umgehend zu machen, spätere Einsendungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Gleichzeitig teilen wir den Genossen noch mit, daß alle An« fragen u»d Zusendungen nur an den Genossen Wilhelm Hinz, Berlin 8. 14, P r i n z e n st r. 66, zu richten sind und nicht an die R e d a k t i o n d e s„V o r w ä r t s". Die Partciblättcr der obigen Kreise werden um Abdruck ersucht. D i e L o k a l k o m ni i s s i o n. Achtung, 1. Wahlkreis. Sonntagabend 6Vz Uhr, spricht iii Cohns Festsälen, Bcuthstr. 29/21, Genosse Z u b e i l über„Streif- bilder aus dem Reichstag". Nachher: Gemütliches Bcisamniensein mit Tanz._ UokAles. Zeugenkrankheitcu. Herr Leopold Jacobi hatte vor seiner Wahl in einer Ver- sammlung liberaler Leute erklärt, daß die Vorwürfe, die der Schrift- steller GeorgBernhard gegen ihn erhoben hatte,„nichtswürdige Verlenmdnngen" seien. Aber als er nach dem Rückzug des Staats- anwalts die Privatklage gegen den angeblichen Verleumder erhoben, da steckte er bereits ein Loch zurück und klagte nicht auf Grund des Verleumdimgs-Paragraphcn, sondern nur wegen der Behauptimg nicht erweislich wahrer Thatsachen. Durch den Verhandlungstermin, dessen hauptsächlichster Inhalt durch nnsreii gestrigen Gerichtsbericht bereits wiedergegeben ist, hat sich die Situation des Herr» Jacobi der Oeffentlichkeit gegenüber jedenfalls nicht gebessert. Zwei sachliche Feststellungen wurden von feiten des Rechtsanwalts Heine gemacht, die Herrn I a c o b is ohnehin schon recht fahles Gesicht für einen Moment noch bleicher erscheinen ließen. Der Verteidiger stellte nämlich fest, daß ans dem Rcchtsgrund der Täuschnng von feiten der Filialisten Jacobis, der Herren Gebrüder Lewy, eine sehr bedenkliche Klage gegen Jacobi erhoben worden ist und daß die Parteien es vorgezogen haben, sich hinter dem Rücken des Rechtsanwalts Rudolf H a h n, der den Prozeß führte, zu vergleichen. Derselbe Rechtsanwalt hatte auch den Vergleich im Falle des Filialisten Jacks als dessen Auftraggeber geschlossen und es wäre deshalb erklärlich, wenn es Herrn Jaövbi unangenehm berührt hätte, unter Beihilfe dieses selben Rechtsanwalts nun auch in Sachen Gebrüder Lewy einen Vergleich schließen zu lassen. Jacobi behauptete, daß die Herren Gebrüder Lewy im Vergleich ausdrücklich ihre Forderungen als imberechtigt anerkannt haben Aber im vorgestrigen Termine ließ sich die Nichtigkeit dieser Be- hanptung nicht beweisen, denn Herr Bernhard Lewy hatte von Rawitsch ans sich bei dem Gerichte entschuldigen lassen und Herr Leopold Lewy hatte auffälligerweise in Lübeck so wichtige Geschäfte zu erledigen, daß er einen Tag vor dem Termin ab- gereist war. Selbstverständlich nehmen wir an, daß Herrn Jacobi das Fehlen dieser Zeuge» äußerst fatal gewesen ein niuß, denn durch ihre Aussage wäre ja sicher in wenigen Minuten die Haltlosigkeit der Bernhardschen Angriffe dargethan worden. Er niachte denn auch ostentativ darauf aufmerksam, daß a der dritte Chef, Herr Isidor Lewy, anwesend sei und veriiomnien werden könne und es war wohl nur eine böswillige Taktik der Verteidignng, daß sie sich hartnäckig auf den Stand-' Punkt stellte, daß dieser Zeuge ihr nichts nützen könne, da er nichts wisse. Gleiches Malheur hatte Herr Jacobi im Falle Jacks. Er wies hierzu einen Vertrag vom Jahre 1892 vor. Darin befindet sich eine Abschreibung von 49 999 M. Sicherlich hätte Herrn Jacobi sehr viel daran gelegen, die Her- k u n f t dieser Abschreibungen von 49 999 M. aufzuklären. Aber ihn verfolgte an jenem Tage eben das Pech. So hatten sich die Eheleute Jacks krank gemeldet, und der Schwager des Herrn Jacks, Herr Benjamin Löwenberg, der an jenen Verhandlungen beteiligt war, hatte sich ebenfalls mit Krankheit ent- ch ii l d i g t. Und sicherlich nur aus Bosheit gegen Herrn Jacobi hatte er dem Rechtsanwalt Rudolf jHahn verboten, über die ihm anvertraute» Dinge Auskunft zu geben. So blieb den» auch dieser Punkt ungeklärt, und Herr Jacobi muß nun leider bis zum nächsten Termin darauf warten, daß jeder Zweifel an seiner Ehrenhaftigkeit gehoben wird. Der Etatö-AnSschnst der Stadtvcrordneten-Verfaininlnng erledigte in seiner zweiten. am Mittwoch abgehaltenen Sitzung zunächst den Etat der B a d e a n st a l t e n, zu dem eine Petition der Badeanstaltsbesitzer eingegangen war. in der ie sich über die Konkurrenz, die die Stadt ihnen mache, beschwerten. Der Referent, Genosse B o r g m a n n, be- antragte Uebergang zur Tagesordnung. Der Ausschuß trat dem Antrage bei.' Iii den Flußbadeanstalten wird dem Schwimm- lchrpersonal die Einnahme miS der Verleihung der(ihnen gehörigen) Bndeiväsche solvie das Schwiiuinhonorar belassen, wofür sie' die erforderlichen Hilfskräfte für die Reinigung der Anstalten selbst balten müssen. Genosse Bruns rügt diesen Zustand, bei dem sich die Stadt den durch die Arbeiter- Versicherungs- Gesetzgebung ihr auferlegten Arbeitgeberpflilbten entzieht. Vom Magistratsvertreter luird die Erklärung abgegeben, datz die Frage augenblicklich in, Magistrat erlvogen werde. Die Etats der höheren' L e h r a u st a I t e n beschließt der Ausschuß ohne wesentliche Debatte nach dem Voranschlage festzu- setze». Dagegen eutlvickelt sich eine lebhafte Debatte beim Etat für die G e in c i n d e s ch u l e». Genosse Borg», nun stellt zunächst fest, daß es in Berliner Gcmeindeschnlen noch Klassen giebt, in denen nach verschiedenen Pensen in zwei Abteilungen unterrichtet wird, daß mithin er und nicht der Oberbürgermeister mit seiner im Plenum auf- gestellten Behauptung recht habe. Er weist ferner nach, dw nach der letzten Frequenzliste etwa 700 eingeschulte Rinder vorhanden waren, für die kein Platz vorhanden gewesen sei, nnd er tadelt scharf die Zustände in de» Mictsschulen, in denen trotz der unzulänglichen und oft ungesunden Räume die Kleider der Rinder noch in den Klassenzimmern untergebracht werden. Die Schul- Verwaltung müsse schneller den Bedürfiiisien nach neuen Schulen Rechnung tragen, um den geschilderten Uebclständen abzuhelfen, die nur aus Sparsamkeitsrücksichten so lauge erhalten bleiben konnten. Genosse Bruns ersucht den Magistrat, doch endlich für bessere Reinlichkeit in den Klassen zu sorge», und regt an, auch die Erziehung zur Kunst in den Volksschulen nicht zu vernachlässigen. Ebenso sei es notwendig, die Schülerbibliothcken von den alten noch vielfach vorhandenen Schmökern zu reinige» und auf die ans diesem Gebiete hervortretenden Bestrebungen die Aufmerksainkeit zu lenke». Der Vertreter des Magistrats, Siadt-Schnlrat Dr. Gerstenbcrg, giebt die durch die zu hohe Frequenz entstehenden Mängel zu und sagt insofern Abhilfe zu, als die Verwaltung sich mit dem Gedanken trägt, wenigstens die Frequenz in den Aufnahmeklasseu zu ver- mindern. Die Mängel der Mietsschulen und der fliegenden Klassen erkenne die Verwaltung an, doch sei es ihr bis jetzt nicht möglich gewesen, diese Mängel ganz zu beseitigen. Die beiden von den Socinldcmokraten zu diesem Etat gestellten Resolutionen, die eine schnellere Verminderung der Rlassenfrequeuz verlangten nnd für die MietSschulen Einrichtungen vorschlugen, daß die Kleider nicht in den Klassenzimmern untergebracht würden, wurden abgelehnt. Polizeiliche„Fürsorge" für die Arbeitslose». Unsre Kommunalbehörden halten es bekanntlich nicht für notlvendig, besondere Maßnahmen im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit zu treffen. Dagegen wendet unsre fürsorgliche Polizei den Arbeitslosen ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Freilich nicht, um dein Elend zu steuern, sondern um den Arbeitslosen, die„im polizcitechnischcn Sinne" wahrscheinlich als besonders gefährliche Subjekte gelten, zu zeigen, datz das Auge des Gesetzes wacht. Am Donnerstag- vormittag fand im Gewerkschaftshause eine Versammlung von arbeitslosen Holzarbeitern statt und dieser Ilmstand gab der Polizei, die ja immer mit ängstlicher Sorgfalt über das Wohl der Staatsbürger wacht, Gelegenheit zu einer außergewöhnlichen Macht- cutfaltung. Etwa ein Dutzend Schutzleute, darunler einer zu Pferde, waren in unmittelbarer Nähe des Gcwerkschaftshauses postiert, und in einem Nachbarhanse hatte man eine fliegende Polizeiwache etabliert, der zwei mit Fahrrädern ausgerüstete Schutzmänner zur Verfügung standen. Eine größere„Fürsorge" von feiten der Polizei konnten die Arbeitslosen wirklich nicht erwarten. Zu thu» hatten die Beamte» allerdings nichts. Ruhig, wie die Bersaminlungsbesncher gekommen Ivaren, entfernten sie sich wieder, und das Aufgebot der Polizei hatte keine andre Folge, als daß eine Anzahl von Beamten für einige Stunden einer nützlicheren Thätigkeit, als es das Postenstehen vor dem Gewerkschaftshause ist, entzogen waren, Der Polizeipräsident hat auf Grund des§ llZOs Ziffer 2 Abs. 2 der Reichs-Gciverbe-Ordnung bestimmt, daß' offene Ver- k a u f s st e l l e u an den unchsteheuden Tagen des Jahres 1902 für den geschäftlichen Verkehr bis 10 Uhr abends geöffnet sein dürfen: am 27. und 29. März, ani 1. April, am 7., 10. und 17. Mai, am 1. Juli, 1. Oktober, 18. und 22. November, am 8., 9., 10., 11., 12., 13.. 15.. 16.. 17.. 18., 19., 20.. 22.. 23. nnd 31. Dezember. Eine bescheidene Anfrage an de» Magistrat von Berlin' Von gewerkschaftlicher Seite schreibt man uns: Nachdem der„Vor- wärts" und selbst die liberale Presse in ihren Spalten wiederholt die Unzulänglichkeit der ni a g i st r a t l i ch e n Arbeiter- Fürsorge kritisiert hatte und nachdem ferner die beiden Redner der social- demokratischen Stadtverordneten-Fraktion am 20. Februar in sehr zutreffender Weise das Kartenhaus svcialpolitijcher Maßnahmen im Rathause über den Haufen geblasen hatten, stellte sich der Magistrat und einige Kirchenlichter a la Mommsen auf den Stand- Punkt der verfolgten Unschuld. Man sei von dem besten Wohlwollen beseelt und werde nur durch die„verhetzende Thätigkeit" andrer Leute sals böse Tyrannen hingestellt. Verwundert schüttelten die meisten städtischen Arbeiter ob dieser Selbstberäuchcrung den Kopf. Immerhin konnte man aber erlvarten, daß die vielfach besprochene M a g i st r a t s v e r f ü g u n g vom 25. Oktober 1901, deren Grundsätze bisher— so sagt diese Verfügung selbst— nicht ein- heitlich beobachtet wurden, wenigstens von jetzt ab als maßgebend für alle städtischen Betriebe angesehen würde. DieS ist aber nicht geschehen. Wenigstens warten die erkrankten städtischen Arbeiter auf der Gasanstalt in der D a n z i g c r st r a ß e, vom Polier bis herab zum Hofarbeiter, noch heute auf die zugebilligte Auszahlung der Differenz zwischen Krankengeld nnd Lohn. Bc- kauntlich soll diese„Wohllhat" ans die Daner von vier Wochen er« folgen; hier giebt es aber einfach gar nichts. Oder sollte der Herr Betriebsleiter diese, magistratliche Verfügung auch falsch„de- klarieren", wie ja der schöne Ausdruck lautete, als sich die Oeffentlichkeit erlaubte, die soeialpolitischcu Thaten unsres Rom- muualfreisinns richtig zu würdigen? Vielleicht wird dieser Herr dann von dem Decernenten Herrn Stadtrat Na ms lau auf seinen '.Irrtum" aufuierksam gemacht. Das Terrain der Borsigschcn Maschinenfabrik in Moabit beabsichtigt die„Neu-Bellevue Aktiengesellschaft für Grundstücks- Verwertung" in diesem Jahre der Bebauung zu erschließe». Es ist die Anlage von n i ch t w e n i g e r a l s fünf n e u e n S t r a ß e» von der Gesellschaft geplant, um deren Genehmigung der Magistrat ersucht ist. Der Tod deS DienerS Gandin. Am Douiierstaguach>iiit(ag 4 Uhr wurde im F r.a>> z o s.e.n- Pfuhl auf dem Tempelhofer Felde der am 29. Juli 1865 zu Dyuam in Frankreich geborene Herr- schastliche Diener Louis Gaudi n von einem in Tempelhof wohn- haften Arbeiter Schmidt tot aufgefunden. Der Arbeiter wollte sich aus dem Pfuhl, der sich auf dem Kavallerie-E�ercierplatz nahe bei Britz befindet, Würmer zum Angeln holen und entdeckte dabei den Toten im Eise. Die von, dem Funde benachrichtigte Tempel- hofer Polizei ließ die Leiche nach dem Schauhause in Teuipelhof schaffen. Der Arzt Dr. Magnussen stellte mehrere schwere, auscheineud von Säbelhieben herrührende Verletzungen am Kopfe und andre Wunden fest. Bekleidet war der Tote mit einem schwarzen Anzug und Ueber- zieher, in der Weste wurde eine alte silberne Uhr ohne Rette vor- gefnndeu. Andre Wertgcgenstäude und Geld wurden vermißt. Ver- iuutlich liegt ein Totschlag vor. Unverzüglich wurde deshalb die Staatsanwaltschaft benachrichtigt, die noch am Abend den That- bestand feststellen ließ. Ueber die Person teilt die Krimmalpolizei mit, daß Gaudin seit Mitte vorigen Monats vermißt wurde. Er war zuletzt Diener bei der Witwe Friedeberg, Unter den Linden 42, Von einem Ausgange war er am Sonntag, den 9. v. M., nicht zurück- gekehrt. Der Polizei war Gaudin schon längere Zeit wegen seines verbotenen Umganges mit Männern bekannt. Er pflegte sich mit Vorliebe an Soldaten herauzudrängen und soll schon eiimial eine derbe Züchtigung erhalten haben. Vermutlich ist er auch bei seinem letzten Abenteuer mit Männern in Streit geraten, wobei er die töd- lichen Verletzungen erlitten hat. Aus Furcht vor der Entdeckung hat ! man dann die Leiche in den Pfuhl geworfen., Der Polizeipräsident hat heute früh für die Ermittelung des Thäters eine Belohnung von 1000 ivt. ausgesetzt und das Publikum durch Säulenanschlag auf- gefordert, alle Wahrnehniuugen, die zur Ermittelung des Thäters und zur Aufdeckung der That führen können, sofort der Polizei mit- teilen zu wollen. Es ist jetzt festgestellt worden, daß Gaudin am 9. Februar nicht. wie jüngst angeuoinliien wurde, nach Tempelhof, sondern nach Bris' zum Tanz gegangen ist. Da seine Tombakuhr um 7 Uhr stehen ge- blieben ist. so muß man annehmen, daß er um diese Zeit ins Wasser geworfen worden ist. Die Eisdecke ist an der Fundstelle erheblich dünner als an andren Stellen. Auch sieht man, daß ältere Schollen- stücke wieder aneinander gefroren sind. Daraus geht, wie wir schon andeuteten, hervor, daß die Thäter, wahrscheinlich sind es mehrere gewesen, ein Loch ins Eis hauen mußten, um die Leiche zu beseitigen. Das Gaudin gleich am Tage seines Verschwindeiis getötet worden ist, geht auch aus dem Befund seines Gesichtes hervor. Er rasierte sich immer selbst und ging am 9. Februar frisch rasiert von Hause weg. Das Gesickit der Leiche zeigt aber auch noch nicht die geringste Bartstopvel. Man wird also die Thäter unter den Leuten zu suchen haben, die am Sonntag, den 9. Februar, nachmittags mit Gaudin zusammen waren. Da sind nunniehr für den Verkehr des Getöteten, der die Absicht hatte, binnen kurzer Zeit nach Paris über- znsiedeln, um mit seinen Ersparnissen ein Geschäft einzurichten, zwei bei ihm gefundene Briefe bezeichnend. Die Briefe sind beide„Dein Max" unterschriebe»; dieser redet den Empfänger„LiebeS Lieschen" an und schreibt ihm, daß er zum Andenken an die genieiniam ver- lebte schöne Zeit die Ringe behalten werde. Diesen Max zu ermitteln, ist die Kriminalpolizei jetzt eifrig bemüht. Ob er unter den Soldaten zu suchen ist. steht noch dahin. Daß der Thäter aber homosexuell ist. unterliegt keinem Zweifel. Es wird sich um einen Totschlag im Affekt, vielleicht aus Eifersucht, handeln. Gestern, Freitagnachuiittag. meldete sich bei der Kriminalpolizei ein junger Mann mit einer Wahrnehmung, die vielleicht Bedeutung hat. Als der junge Manu vor einigen Tagen am Fraiizosenpfuhl war. kam ein Mann zu ihm und knüpfte ein Gespräch mit ihm au. Er bat ihn auch, einmal nachzusehen, ob das Eis noch fest sei. Der junge Mann entsprach jedoch dieser Bitte nicht, empfahl vielmehr dem andern, selbst zuzusehen und ging davon, als dieser nun begann, ihn in verdächtiger Weise an- zufassen. Der junge Mann erkannte im Verbrecheralbum diese Person wieder. Sie wird wohl bald ermittelt werden, und dann wird sich zeigen, ob hier eine Spur zur Aufklärung des Verbrechens gefunden ist. Der Fundort und die Leiche wurden gestern, Freitagnachuiittag, auch von einer GcrichtSkoiumission vom Landgericht II besichtigt. Daß Gaudin am Fraiizosenpfuhl auch erschlagen sei. wird nicht au- genommen. Wo der Thatort aber liegen mag, dafür hat man noch keinen Anhaltspunkt gefunden. Ein deutscher Mann. Gegen den flüchtigen, früheren ver- antwortlicheu Redactenr der„Staatsb.-Ztg." Otto Vöcklcr ist jetzt, wie das„Kl. Journ." berichtet, von der hiesigen königlichen Staats- anwaltschaft ein Haftbefehl erlassen worden. ElcndSstatistik. Im Asyl des Berliner Asylvcreins für Obdach- lose nächtigten während des Monats Februar im Männer- Asyl 19 479 Personen, wovon 9134 badeten i im Frauen- Asyl 5416 Per- sonen, wovon 1208 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Füsilierstr. 5. Der Besuch des städtischen nächtlichen Obdachs in der Fröbelstrahe, der im Monat Januar d. I. im Gegensatz zu dem Besuch im Familienobdach große Dimensionen angenommen hatte, ist auch im Februar d. I sehr erheblich gewesen. Es wurden be- herbergt und verpflegt: 76 665 Männer und nnr 2109 Frauen, zu- samnien 78 774 Personen, gegen 87 000 Personen im Januar d. I. und 68 335 Personen im Februar 1901. Auffallend ist. daß während die Zahl der männlichen Besucher von 64 000 auf 76 600 gestiegen ist. die der weiblichen Besucher von 4000 auf 2000, d. h. um 50 Proz. gefallen ist. In der KantionSschwindcl-Affairc, über die wir gestern be- richtewn, sind zwei weitere Berhastuugen erfolgt. Der Versicherungs- agent Poroth, der mit einem Teilhaber ebenfalls eine General- agentur errichtet hatte, wurde verhaftet, weil auch er einen An- gestellten um die Kaution im Betrage von 1000 M. beschwindelt haben soll. Dann wurde gestern ein gewisser Voigt, Teilhaber des zuerst verhafteten Generalagenten Gotischalk, verhaftet, uachdem ihn Poralh bei seiner Veniehnmug im Polizeipräsidium des Betruges beschuldigt hatte. Obwohl beide in einem Lokal am Alexanderplatz saßen, als Porath verhaftet wurde, hatte Voigt Zeit zu entkommen, nnd konnte erst gestern abend im Bureau verhaftet werden. Die Verträge der Angestellten waren verbrannt worden, jedoch wrdertcn die Kriminalbeamten»och einige Ueberreste aus dein Ofen zu Tage. Die Vereinigten Asscknranz- Vnreans, Rudolf 91. Wolff, Unter den Linde» 13, ersuchen uns darauf hiuzuiveisen, daß sie mit dein wegen Kautiousschwindeleien verhafteten Otto Gotlschalk in keinerlei Beziehung stehen. Gottschalk hatte, wie wir mitteilten, in der Alcxandcrstraße ein Geschäft mit ähnlicher Firma. Wegen mistglülkter Bauspcknlationc» hat sich der Steinmetz- meister Fritz Helterhoff i» Wilhelmsberg erschossen. Helterhoff war in den östlichen Vororten eine bekannte Persönlichkeit, er hatte nameutlich in Hoheu-Schönhausen ausgedehnte Besitzungen. Vor einigen Jahren verdiente er durch vorteilhafte Terraiuverkäufe große Summen. In letzter Zeit verlor er jedoch bei einigen Terrain- ipelnlationci! sein Vermögen. In der Verzweiflung griff der Unglück- liche zum Revolver und tötete sich durch einöii Schuß in den Kopf. Durch einen Stnrz vom Dach ums Leben gekommen ist gestern nachuiiltag der 23 Jahre alte Dachdecker Gustav Heu- b a u m aus der Waldstr. 6 auf dem Grundstück Friedbergstr. 5 in Charlottenburg. Der Unglückliche fiel beim Benageln des Daches mit Pappe von dem fünf Stock hohen Hause auf den Hof hinab, wurde noch lebend nach dem Krankenhause gebracht, gab aber dort bald seineu Geist auf. Vor einem Schwindler wird gewarnt, der sich als ein „Dr. K a y i e r" ansgiebt und dadurch Betrügereien verübt, daß er in Wohnungen von Privatpersonen geht und angeblich im Austrage des„Vereins Berliner Presse" Uuterftützimgen für arme nnd kranke Joiirualisten einzuziehen versucht. Um mehr Vertrauen und Glaub- Würdigkeit zu erwecken, legt er ein mit dem Stempel„Verein Berliner Presse" versehenes schreiben vor. Geuauntcr Verein hat aber zu einer solchen Gcldsaiinnlnng keinerlei Auftrag gegeben und zieht überhaupt keine Unterstütznngen ein. Der Schwindler ist im- gefähr 45—50 Jahre alt, 1,65 groß, hat graumeliertes Haar, Schnurr- nnd Spitzbart, länglich mageres Gesicht, schmächtige Gestalt, etwas blaffe Farbe und trägt dunkle» Ueberzieher. Frnrrbcricht. Die beiden letzten Tage brachten nur wenig Alarinieruiigin, die auch meistens nur uubedeuteude Brände bc- trafen. Nur Freitagnachuiittag hatte die Wehr Liebeuwalderstr. 31 längere Zeit mit einem Rohr Wasser zu geben. Dort waren Lumpen und Gerünipel in einem Keller in Brand geraten. Vorher wurde die Wehr nach der Ecke Gericht- und Pankstraße gerufen, wo ein elektrischer Straßenbahnwagen brannte. Es gelang indes die Gefahr Ichnell zu beseitigen. In der Nacht zum Freitag lief eine Feuer- Meldung von der Bremerstr. 73 ein. Es handelte sich jedoch nur Hin niedergedrückten Ranch in einem Keller. In der Rheinsberger- straße 30 hatten nachmittags Schuhwaren und Regale Feuer gc- fangen, dessen Ablöschnng aber auch in kurzer Zeit erfolgen konnte. Außerdem wurden noch kleinere Brände von der Brombcrgerstr. 14/15, Hanptstr. 24 und Cnvryftr. 2 gemeldet. i Ernst Wichert Gedächtnisfeicr. Um auch einem weiteren Kreise von Verehrern des dahingeschiedenen Dichters Gelegenheit zu geben, der Gc> dächtnisfeier im Festsaale des Rathauses am Sonntag, den 9. März, mittags 12 Uhr, beizuwohnen, hat sich der Verein„Berliner Presse" ei». schlössen, auch an NichtMitglieder Eintrittskarten zu vergeben. Die Kartei sind im Bureau des Vereins, Charlottenstr. 97 lFahrstuhl) in der Zeit oon 10—1 und 4—7 Uhr zu habe». Der Eintritt ist frei. Da indes nur eine beschränkte Anzahl von Sitzplätzen zur Verfügimg steht, so ist es erwünscht, dafe die Meldung durch Abholung alsbald erfolgt. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag in der Marienkirche am Montag, den 10. März, abends 7>/, Uhr, wird ausgeführt durch Herrn Musikdirektor Otto Dienet, die Hof-Operirsäilgerin Fräulein Marianne Lüdele, Fräulein Margarete und Ella Schubert, Frau Chart. Fischer, Fräulein Martha Brückner, Fräulein Anna Dittrich, einen Chor aus Schülerinnen von Fräulein Lüdet?, den Violiiiisten Herrn Spöndly und den Organisten Herr» Heuer. Der Eintritt ist frei. Nach Ostern werden die Dienelschen Orgclvörträge wieder Mittwochmittags 12 Uhr gehalten. Tie Reue freie Volksbühne bringt an den Sonntagen, den 3. und Iß. März, nachmittags 2Vz Uhr, im Belle-Alliance-Theatcr Max Dreyers „Winterschlaf" zur Aufführung. Die Rollen sind mit den Damen Guudra, Schiff und Waldor und den Herren Kohlmetz, Moest und Pauly besetzt. Regie: Direktor Friedrich Moest. AnS de» kstachlxnorke». I» Spandau stehen unsre Genossen wieder vor einer Ersatz- wohl zur S t a d t v e r o r d n e t e n- B e r s a m m l u n g und zwar infolge Ablebens des Stadtv. Magers, welcher Vertreter der III. Abteilung war. Unsre Genossen haben in der III. Abteilung überhaupt noch 5 Sitze zu erobern, welche sämtlich mit Hans- b e f i tz e r n zu besetzen ist. Lluch diesmal ist also ein Hausbesitzer als Kandidat aufzustellen. Spandau. Durch Explosion einer auf dem Döberitzer Schießplatze gefnndenen Granate wurden gestern im Dorfe Slohrbeck der Bauer Kühnow nnd ein Arbeiter getötet, ein andrer Arbeiter schwer verletzt. Ein Mietsschwindler mißbraucht in Charlottenburg den Namen des Postsekretärs Marquardt. Ein Mann von 25 bis 27 Jahren erschien bei einem Fräulein in der Berlinerstraße und mietete unter diesem Namen ein Zimmer für 30 M. den Monat. Die erbetene Aiizahlimg behauptete er nicht leisten zu können, da er sein Gehalt noch nicht bekommen habe. Nachdem er eine Nacht in dem Zimmer geschlafen und am andren Morgen auf Kosten der Wirtin gefrühstückt hatte, ging der Mieter weg nnd ließ sich nicht wieder sehen. Nim erfuhr die Dame, als sie sich nach Herrn Marquardt erkundigte, daß ihr Mieter ein Schlvindler war. Dieser wird sein Manöver wahrscheinlich noch öfter versuchen. Er ist 1,70 Meter groß, hat hellblondes Haar und Schnurrbart und trägt einen grüngraneii Ueberzieher, Schnürstiefel und einen schwarzen Hut. Auö Schöuebcrg schreibt man uns: Nachdem der hiesige Magistrat die Einbriiigniig einer Vorloge betreffend Erhöhung der Löhne der st a d t i s cb e n Arbeiter gemäß einem An- trage ans Stadtverordiietcnkieisen in baldige 9lnssicht gestellt hat, sollen nun auch die voraussichtlichen M e h r e i n n a h m e n ans dem neuen Vertrage mit der Englischen Gasgesellschaft einem wirklich guten Zweck zugeführt werden. Das heißt, wenn der „goldene Segen" ans dein Vertragsschluß so lange anhalten oder überhaupt eintreten sollte. Es soll nämlich beim Magistrat die Absicht bestehen, die A n f h e l> n n g d e r n n t e r st e n Gemeinde- E i n k o m in e ii st e n e r stufe mit einem Steuersatz von 4 M.(Ein- koninien 660— 900 M.) zu beantragen. Hvffenilich ist dies kein leeres Gerede. Die mit so großer Dringlichkeit behandelte nnd kürzlich zum Absckilntz gebrachte Errichtung von höheren Schulen, speciell des Nealgymnasinins für den Berliner O r t S t e i l, bat fick, imn doch, Ivos das letztere anbetrifft, als etwas„zu eilig" herausgestellt. Da nämlich die A n m e l d u n g e n für die gedachte Anstalt bisher so spärlich eingelaufen sind, soll nach einem Antrage des Stadtverordueten- Kollegiums der Magistrat ersucht weiden, die Errichtung dieser Schnie e i n st w e i l e n noch zu verschieben. Und dabei hat der Magistrat sich schon um ein geeignetes Schnllokal zur Unterbringung der„nicht gemeldeten Real- gymnasialschüler" bemüht. Lichtenberg. Die Errichtimg eines Krankenhauses ist an sich sehr wünschenswert. Aber für die größte preußische Land- gemeinde, das 45 000 Seelen zählende„Dorf" Lichtenberg, ist ein Krankenhaus nicht notwendig. Eine Interpellation der socialdenio- kratischen Vertreter Graner nnd Genossen über den«stand des Krankenhausbanes brachte namens des Gcmeindevorstandcs obige Erllärmig des Gemeindevorstehers ans Licht. Genau wie bei der Llnfraqe über die Beschaffung von Bade- Einrichtnligeii wurde auch hier auf die Nähe der Großstadt Berlin verwiesen. Die acht am Orte praktizierenden Aerzte, ebenso der Vorstand der Ortskrankenkasse und die Armeiiverwallung verneinten das Bedürfnis, dazu käme, daß eine solche Eiiirichtnng größere Geld- anfweudungen bedinge. Ans all' den Gründen gedenke der Vor- 'tand das Projekt„zur Zeit" ruhe» zu lassen. Gemeindevertreter Graner beleuchtete eingehend den Mangel an socialem Empfinden, der ans dieser Erklärung spricht, nnd stellte die Be- Häuptling ans, daß der Gemeiiidevorstaiid sich mit seiner Auffassung durchaus im Gegensatz zur Bevölkerung befinde, ebenso die 1900 gewählte KrankenhaiiS-Kommiisioil, die damals mit der Wahlparole „Erbaimng eines Krankenhauses" auf den Stimmenfang ausgegangen ei und sich nunmehr völlig im Schlehptau des Gemeindevorstaiides bewege. Echt freisinnig war der Vorschlag des Herrn Plonz, daß man Kranke, die sonst nicht uiiterzubriiigen seien, vorläufig im A r m e n h a u s e behandeln möge. BZetter-Progiwie für Souuabeiib. den 8. März 1992. Zunächst ziemlich trübe, aber mild mit Niederschlägen und mäßigen wcst- lichen Winden; später ausklarend und etwas kühler. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte» bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchslaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt weiden soll, mid die letzte Aboliliemenlsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wortet und schrifiliche Antwort wird nicht erteilt. Tie jiietsillche Sprechsnnide findet täglich mit Ausnahme deS Sonnabends von 7»/, bis 9>/,«hr abends statt. S. Schlesischestr. 15. 12 Kilometer. Robert. Der Preis läht sich so nicht bestimmen. Fragen Sie in einigen größeren Buchhandlungen deswegen an, aber rechnen Sic nicht aus viel. R.. Blnmenftr. 59. So lange Sie den§ 22 Ihres Statuts nicht ändern, ist die Wahl von Vorstandsmitgllederii, die außerhalb Verlins wohnen, unzulässig.— 2. L. L. L. Auf die Folge mutz ausdrücklich auf- merksam gemacht werden.— H. P. Falls der Vertrag aus noch längere Zeit lautet, können Sie. weil die Mieterin im I. Quartal gestorben ist, bis spätestens am 3. April zum I. Juli lsindigen.— F. F. Die Fragen, auch die auf etwaige Borstrafen, mutz der Zeuge richtig beantworten. Wenn Sie vorher schriftlich dem Gericht mitteilen, dann und dann bin ich wegen usw. bestraft und bitte, aus den und den Grsinden nach den Strafen nicht zu fragen, so wird ein Rickiter Ihre Bitte schwerlich unbeachtet lassen. - F. S. 1. und 2. Ja. Em Grundstück kann nicht durch schriftlichen Ver- trag verkauft werden. Solcher nur fchrifllicher Vertrag ist ungültig, bindet keinen der Vertragschliesicndeii Der Bertrag müßte notariell oder gerichtlich abgeschlossen werden Auch eine Auflassuiigserklärung vor Gericht ohne Ver- trag ist gültig.- Hebamme. Zehn Mark ist hinlänglich, salls es sich nur um Beistand bei der Entbindung handelt und kein komplizierter Fall vor- liegt. Sie sollten nunmehr an dm Sachverständigen die Frage richten, ob eine amtliche Hebamme soviel verlangen kann. Eine rechtsgültige Taxe für Hebammen giebt es nicht: es kann nur angemeffener Lohn verlangt werden. Als unangemeffen ist stets ein Ueberfchreiten der für Bezirkshebamnieli vorgeschriebenen Polizeitaxen zu erachte», falls leine cntgegenstebrnde Vereinbarung getroffen ist.- M. W., Volle Zlllianeestrastr. Rein. RoUmnge». Zweiselloe ist eine jiraiitenkasse berechtigt, gezahlte Wöchneriniien-Unlerftützulig von den außerehelichen Väter» nach z ö7 des Kraiikeiivcrficherungs-Gcsetzes und§ 1715(B. G. B.) zurückerstattet zu ver- ngen. In Ihrem Falle ist überdies ja gegen den Zahlungsbefehl lein Widerspruch eich od en und der Zahlungsbefehl dadurch vollstreckbar ge- wordeiu— F. W. Sie könnten Erbanseiuanderietzung von Ihrem Bater verlangen, eventuell einen dahin gerichteten Antrag an das Amtsgericht richten und, falls keine Einigung erzielt wird, bei dem Landgericht— durch einen Anwalt— auf Zahlung klagen. Der Ersteher des Grundstücks haftet Ihnen gegenüber nicht.— Josef A. Ein Recht auf Naturalisation steht einem Ausländer(Nicht-Dcmichcn) nicht zu. Die Natnralifatio» hängt vom Ermessen der Behörde,(in Berlin des Polizei- in der Provinz des Re- gieruugs-Präsidenten) ab. Selbständigkeit wird in der Regel verlangt. Die Naturalisation kostet bO M.— Paul T. 999. Am t. Oktober 1831. — Fechner. 1. Ja. 2. Auf dem Amtsgericht Berlin II, Hallesches Ufer 23/31. 3. Ja. Die Höhe richtet sich nach der Summe. Bar Geld, Reichsanleihe u. dgl. ist zulässig.- W. 19. Wenn der Vertrag auf länger als eine Woche sich erstrecken soll, ja.- F. B.»4. Das ist unanständig, aber nicht strafbar.— Hahn. Der Wirt ist an den Vertrag gebunden. Sie können vom Wirt Schadensersatz verlangen, teile» Sie ihm das mit. — Unkundig IS. Wenn eine richtige Versteuerung unterlassen ist, hilft Ihnen auch die Annahme eines Anwalts nichts.— M. I. Sö. Sie könnten bei dem Amtsgericht des Bezirks, in dem der Beklagte wohnt, Erlast eines Zahlungsbefehls beantragen.—?1i. W. S. SSS. Sie mnstten sich an den Polizeipräsidenten wenden. Kostenpunkt äv Mark und ein Recht aui Namcnsändernng haben Sie nicht.— Th. Kl. 493. Nein. - K. F. beginnen . 81. Die Zahlung braucht erst vom Eingang Ihres Antrages ab : stellen Sie also schleunigst den Antrag.— N. W. 33. 1. Von und gegen Chambregarnisten und Schlasbnrschen ist, falls nichts andres ver- einbart ist, bis spätestens am 15. zum 1.(nicht umgekehrt bis am 1. zum lo.) zn kundigen. 2. Ja.- 21.(v. 500. Leider hätte ein Antrag ans Ruck- erstattnng der Hausiersteuer keine Aussicht auf Erfolg.— 100. Die An- Meldung hat in Berlin zn geschehen. Eine Rückerstattung der Klcbemarkcn findet nicht statt. Wenn Sie wollen, können Sie weiterkleben, sind hierzu aber nicht verpflichtet. Jich der Regel ist solche Selbstversicherung ratsam.- A. 989. Wenn die Wohnung ans mehr Stuben als einer smid Küche) besteht, so ist zu lieben.— W. Ja. AMiillg! o. Wahlkreis. AMm! Sonntag, den 9. März, abends 0 Ilhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstraste 23: Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Zlsx Schütte übet; Robespierre. 2. Diskussion. Nachdem: Geselliges Beisammensein. 1/7 Um zahlreichen Besuch bittet __ Pic Vertranensperson. ZmaldmokrMllier Mahlverein für den 6. Verliner Reichstags-Wahlkreis. Am Dienstag, de» 44. März, abends SVa Uhr: SÜT VevsAMin l wu a"WS in R a a b e' s Talon, Kolbcrgerstraße Nr. SS. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Robert Scbmidt über:„Welche Reformen erstrebt die Socialdemolratie innerhalb der bürgerlichen Gefell- schast?" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 219/8 UW- Gäste haben Zutritt; besonders sind die Frauen zu dieser Ver- sammltnig eingeladen und werden für dieselben als Zuhörer die Galerien reserviert. Per» Vorstand. 3ezir>k Moabit. Sonntag, den 9. März, vormittags 10 Uhr. im kleinen Saal von AhrenS Brauerei. Dnrinftrafte Nr. 25—26: Nezivks Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag tws Kollegen Hermann Kunze. 3. 35er- 80/12 . 2. Diskussion. vandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht _ Pie Ortsverwaltnng. Bildcrrahmenmacher. Montag, den 10. März, abends 8V« Uhr, bei Scbnhmacher, Skaliherstrasie Nr. 180: Neauckeuueesamutlung Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Ausgabe der Stimmzettel zur Arbeits- losen-Unterstützung. 3. Wertstattangelegenheiten. Das Erscheinen aller Kollegen ist erforderlich und sind die Werkstellen von 8pie«IoIt VI4, 35Z. Sonntag, de» 9. März 4 OOS, vcrmittagö 40 Uhr, bei Nüniann, Brnnnenstraste 48S, dicht am Sioscnthaler Thor: Versammlung der Metallschleifer. Tages-Ordnung: Vortrag des ReichStags-Abgeordneten Emil Rosenow über„Der Bauernkrieg". 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegenheiten. Sonntag, de» S. März 4902, vormittags 40 Uhr» im Gcwerkschaftshans, Engel-Ufer 13: Allgemeine Versantmlnng der Gas-, Wasser-, Dchullgs-Rohrleger u. Lelfer Tages- Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskusssou 3. Verbands-Angelegenheiten. NB. Um weiteste Verbreitung der Handzettel und zahlreichen Besuch der Versammlung, da in Zukunft eine Aenderung der Bekanntgabe unsrer Versammlungen stattfinden imist, ersucht 112, 10_ Plc Ortsverwaltung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29) Hamburg. Filiale Berlin 9. Sonntag, den 9. März 1908, vormittags 10 Uhr, bei Flügel (Moabiter Klubhaus), Bensfelstr. 9: HU tglleder-\r eivsa mniluu g. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines Revisors. 3. Wahl der Delegierten zur Gcneralversainmlung. 4. Statutenberatung. 5. Verschiedenes. DaS Mitgliedsbuch legitimiert. 1007b Die QrtSverlvaltiing der Filiale Berlin 9. Verd?.vl! öer Bau-, Eni- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Pentscblamls.— Kablstelle Berlin III. Sonnabend, den 15. März 1902, in Ballschmledere Salon, Badstr. 16: 4. Stiftungsfest verbunden mit Wt Lt s e n- V l l. IL Fbr: Pernasbiernng. I Ubr: Kaffecpanse. Während der Kaffeepause: Humoristische Borträge. 32/15 �nkanfl 8 Uhr. Bittet 50 Pf. Ende?? Um zahlreichen Besuch bittet _ Pas Vcrgniigungs- Komitee. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 40. d. M., abends SVg Uhr, Engel-Ufer Nr. 4S: MitgSiedee*»Mersammlung von Berlin und Umgegend. Tages-Ordnung� 1. Ist es praktisch, daß Berlin und Umgegend nur eine Filiale bildet? 2. Eventuelle Wahl der Verwaltung. 3. Bericht über die Differenzen und per Kontrollkarten Eiche. 4. Anträge. 5. Verschiedenes. 145/11 Heilt abend in«eeliers Festsäleu, Koppenstrasie Rr. 29: Wtnskeu- Vetll. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich mit ihren Verwandten zu erscheinen. Die Mitglieder bmnchen für ibrc Person lein Billet, wenn sie an die Kontrolle ihr in Ordnung befindliches Mitgliedsbuch vorzeigen. Per Vorstand. %tm der Bttlilm BlOnckr - ll»l> Schfiftgikjel'.- Am Dienstag, den 11. März, abends 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15: Vereills-Verssmmlullg. Tages-Ordnung: Beschlußfassung über das Reglement betr. eines Zuschusses _ bei dauernder Erwerbsunfähigkeit. Die Vertrauensleute werden gebeten, dies den Mitgliedern be- kannt zu geben. 35/2 Nächste Vereinsversammlung: Donnerstag, den 80. März. Per Vorstand. Centrnl-Yerband der Handels-, Transport- nnd Verkehrsarbeiter Deutseblands. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15, II, Zimmer 16, Telephon: Amt 7, 3348, Achtung:-W MW" Achtung! Für die Gruppen Kellerarbeiter° Fahrstuhlführer Sonntag, den 9. März, abends 6 Uhr. bei Patt, Dragoncrstr, 15: Gm» Versammlung mit Frauen. Tages-Ordnung: 67/4 I, Vortrag des Genossen Waldeck Manasse über„Kirchen und Ka- sernen". 2. Diskussion. 3, Geschäftliches und Anfnahme neuer Mitglieder, In Anbetracht der wirklich mtereffänten Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kellerarbeiters und Fahrstuhlführers, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ganz besonders bitten wir diejenigen organisierten Arbeiter, welche mit Fahrstuhlführern zusammen arbeiten, diese ans diese Bersamm- lung aufmerksaui zu machen. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensei» mit Tanz. Die Koinmissio». R. Wiedemann. P. Roestel. Mvkttin der Tischler Berlins. Sonntag, den 9. März, vormittags 10»hr, in ZLOIse' Fcftfälen. Köpenickcrstrahe 137: AusserordHHtlichHCGniiral-VHninliiiig. Tages-Ordnung: 1. Die zwangsweise Einführung der Entlossungsscheliie und Einfiihrnilg des Arbeitsnachweises der Tischler-Zwangsinitniig. 2. Beschlubsassiing über Erhebung einer Extrastencr. 3. Verschiedenes.__ 186/16 Mitgliedsbuch legitimiert. Wt Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet Per Vorstand. I Innnngs-Krankenkasse der Tiscbler-Innnnp. General- Versammlung der Vertreter der Kllsjeilmitglieher miü der Vertreter der zililllllgsmitglieder am Montag, den 17. März, abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Saal I, Engel-Nfer Nr. 15. Tages-Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1901. 2. Bericht der Revisoren. 3. Vorstandsbericht. 4. Antrag des Vorstandes betreffs Erhöhung der Bei- träge. 5. Verschiedenes. 1006b Um pünktliches Erscheinen wird ersucht. vor Vorstand. Junge Herbst Ganse Psnnd 40 nnd 45 Pfennig. 12712 Ullse-Stiilkeil-Neislh.........» 30» 40 Allse-Ztiilkm höh der Ktille..... Pk""d 40« 50 Glillseliestll unü Darm fett......« 90 w- Hautsett............... Pfund 50 u 60 ä Uilsekleia vaa einer Gans........... 40 Pf Kfd tili Marktlia"e Oresdenerstrasse, stand 73. HöMII, m Wedding, Stand 81/88. Fernsprecher„ WÖl'thei'StPaSSe, Stand 64. Amt iv, 1395. m Ackerstrasse, Stand so. Seltenes Angebot JV für den Umzug"VE in Teppichen, Portieren, Gardinen, Man-, Tisch-, Reise-«»a Steppdecken, Läuferstoffen, Möbelstoffen Plüschen. Teppichhaus Adler& Co., Königsstrasse 20/21. Am Donnerstag, den 6 März, ver- schied nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Grohvatcr, Bruder und Onkel, der Kaufmann 1010b imbj Liepmann im 77. Lebensjahre, Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebene» Leopold Liepmann. Central-Kranlen- n. Sterbe- kaße der Zimmerer. E. H. Nr. 2 Hamburg. Verwaltungsstelle Berti» 3. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag das Mitglied tteu'NHSNVH Liss nach längerem Krankenlager ver- storbe» ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 9. März, nachmittags 1 Uhr, vom Traucrhause Richthofenstr, 3 aus nach dem Ccntral-Kirchhof Friedrichs- felde statt, 259/3 Um rege Beteiligung ersucht Ter Borstand. I.A.: R. Schröder, Tilsitelstr. 83. Todes-Anzeige. Am Mittwoch, de» 5, d, M,, starb unser alter bewährter Parteigenosse, der Zimmermann 242/11 Herinaiin Uss im Alter von 54 Jähren. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 1 Uhr vom Trauerhanse, Richthofenstr. 3, uacki dem städtisdien Friedhos in Friedrichsfelde aus statt. Ehre feinem Andenken! Die Bertraucnslcnte des 4. Berliner Wahlkreises, Ost. Orts- Kraitkenkasse der Gastwirte und verwandten Gewerbe zu Berlin. A l l g e l» e i» e Versammlung sämtlicher Mitglieder der OrtS-Krankenkasie der Gastwirte und verwandten Gewerbe am Dienstag, den 41. März 4908. nachm. 3>/z Uhr, in den„rarmln-Hallon", Kouimandaiitenstraste 20. Tagesordnung: 1. Vortrag eines Kassenarztes:„Der Alkohol und seine Gefahren." 2. DiSknssioii. 3. Freie Besprechung über etwaige Anfragen nnd Anregungen aus der Mille der Berfanimlnng.(280/19 Berlin, den 1. März 1902. Per Vorstand. Poppe, Kraushaar, Vorsitzender. Sdniftsiihrer. Solingen. (eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung.) Die diesjährige Gciieral-vttsaiiiulinng findet statt am Sonntag, den 23. März, nachm. 5 Uhr, im Lokal des Herrn Karl Ern, am Wehrwols. 100/2 Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht, Vorloge der Bilanz pro 1901. 2. Besd,lugfassuiig über Verwendung des Uebersdiusses. Oer Aufsichtsrat. Strailb-Maumt am Müggelsee zwisch. Piiiggelschlois u. Aussichtsturm. Empfehle Fabriken, Vereinen und Korporationen für Sommervergnügen u. Ausflüge mein grohartig gelegenes Lokal. Saal für ca. 3000 Personen, Hallen, geiiiigende Nebenräume. Be- lustigungen aller Art. Coulante Preise. 3513C* M. 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Freundlichst ladet etil Der überaus grosse Erfolg, velcben wir durch die in den Schaufenstern unserer drei Läden gehabte iusstellung von mehr als fünfzig echten Diamanten (10 Stück Friedrichstrasse 169— 20 Stück Central-Hotel, Laden 15— 10 Stück Friedrichstrasse 181) hatten, giebt uns Veranlassung, diese iusstellung auf weitere vierzehn Tage, also bis 19. März C., zu verlängern. Von den vielen Tausenden Personen, die sich darum bemüht haben, waren nur die folgenden Wenigen im Stande, die echten Diamanten inmitten unserer Talt's Diamanten heranszuflnden: Herr B. Vagnitz, Johannistisch 4. Herr M. Scott, Wilhelmstr. 1a. Herr Walter Voigt, Winterfeldtstr. 42. Herr Direktor Schönlank, Johannistisch 1. Herr Gemme, Rudersdorferstr. 60. Herr Adolf Selig, Mitglied des Metropoi- Theaters, Kochstr. 56. Herr Egon Müller, Puttkamerstr. 12. Frl. Jacobs. Lothringerstr. 14. Herr Friedrich Borger, Friedrichstr. 175. Herr Elkan, Elsasserstr. 96. Frl. Sarah Lendt, Saarbröokerstr. 27. I. Diese Ii Personen erwarben daher die echten Diamanten inclusive Fassung zum Preise von 6 Mark das Stück» Vir sind immer noch Uberzeugt, dass Niemand im Stande ist, die echten Steine von unseren Imitationen herauszuflnden, und stellen daher Jedem anheim, uns diese echten Diamanten aus unseren Fenstern heraus zum Preise von 6 Mark das Stück wegzukaufen, Sobald ein echter Diamant verkauft ist, wird er sofort durch einen anderen ersetzt, so dass es stets SO Stück bleiben. IPostbesteliungen an unsere Adresse Berlin W., Friedrichstr. 169, werden prompt und sorgfältig ausgeführt Jeder hier abgebildete Gegenstand wird nach Empfang von 6,30 Mark franco, oder gegen Nachnahme von 6,50 Mark versandt. Nicht convenirendes"wird bereit-willigst Jkoatenlos umgetauscht! Jliustrlrte Preisliste auf Verlangen gratis und franco. Jaffi MencZn Diamoni palace BERLIN Eriedrichsirasse ITT IMedricl�trasse 181 zwlscben Mohren- und Taubensirasse. Französische Strasse. 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