Ur. 58. Aboimeiiients•frtlitfliiiiflfn: «bonnemeniS- Preis pränumerando: Vierieljährl. S.lZV MI., monall. I.ioM!., ivöchenilich 23 Psg. frei inS Hau». Simelne Numm-r 5 Psg. Sonntags- Nummer m>> iilunucviet«onr.üsgJ- Aeilag«„Die Neue Welt" 10 Psg. Post, Vlbomieinenl! 1,10 Marl ptr Mona». Singeiragen in der Post- Zeiinng», Preisliste slir 1002 unter Er. 7878, linier«reuzdand fttt Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, slir»aS übrige Ausland Z Marl pro Monat. «rlcheini liiglich»ulier Zvonlag», Devlinev Volksblatt. 19. Jahrg. Die Knsrrttons-Eebllisl beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» seile oder deren Raum so Psg., für politisch« und gewerlschastliche BoreinS» und BersammlungS, Anseigen 20 Psg. „Kleine Knieigeu" jedes Wort 6 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen btS i Uhr nachmittags In derSxpedition abgegeben werden. Die«xpcdttton ist an Wochen- tagen blS 7 Uhr abend«, an Gönn- und gestlaAen bis S Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adreffe- „Porialdemostral verlin- Cvntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Nrdalltiim: sw. 19, Venth-Straho 2. Fernsprecher: 91ml I Nr. 1508. Sonntag, den 0. März 1902. Expedition: SW. 19, Beuch-Striche 3. Fernsprecher: Zliut I, Nr. 51S1. Staatsmänttische Selbsteinschätzung. So lange ein Minister im Amt ist, gilt cS in Deutschland als rin Verbrechen, an seiner Goitähnlichleit zu ziveifeln. Der im begabteste nnd univissendste Mensch, den ein Zufall auf den Ne gicrungSsessel weht, genieszt eine gröbere Autorität, als der scharf. sinnigste und iintenichteste unamtliche Politiker. Und ivenn er sich gar in den bequemen Faltenmantel dcS diplomatischen Geheimnisses hiifft, dann ist er»Mviderstehlich, und weh dem socialdcmolratischcn Kritiker, der die Widersprüche nnd Sinnlosigkeiten des Herrn ailf. zeigt; man hört auf den Aermsten gar nicht, der es besser tvissen Ivill als der erhabene Minister. Aber die Goitähnlichleit eines solchen Mannes dauert gerade so lange ivie sein Amt. Hat ihn der Zufall, der ihn in die Höhe hob, ivicder iiiS Nichts veisenkt, sso fallen bon allen Seiten die Geier über ihn her und jetzt ist der Unfehlbare ein elender Stüinper. Von allen Persönlichkeiten, die der Nene Kurs hervorrief, ivaren Graf Caprivi nnd Herr v. Marschall diejenigen, die auch dein Gegner durch Ernst und Gründlichkeit Achtnilg abgeivannen. Herr v. Caprivi, so reallionär er ivar, hebt sich aus der endlosen Fülle der vorübergehenden ministeriellen Erscheinungen vor ihm und nach ihm charaktervoll nnd sympathisch ab. Und gerade diesen Kanzler hat neulich Herbert Bismarck ans seiner intimen Kenntnis als Standes- und Berufsgenosse für einen vollendeten Trottel erklärt, der sich nebst seinen Räten bei den Handelsvertrags» Vethandlnngen mit Ocstreich aufs jämmerlichste übers Ohr hauen lieb- WaS ivird man da erst von den frisierten Salonlötven sagen, die man heute so überschivänglich und übereinstimmend feiert, wenn mich sie einst„ausgeschifft" sein werden! In der deutschen Presse ist, abgesehen von vereinzelten Ans- bcntliiigSversnchcn agrarischer Blätter, die Anti-Caprivi-Ncde des Fürsten Herbert Bismarck in der Neichstags-Sitzlnig vom 4. d. M. wenig beachtet worden. Geistig steht sie mit ihren durch überlieferte Familien-Eifersüchteleien diktierten Ausfällen gegen die Caprivische HandelSpolitil und ihrer Anskramung alter Wiener Souper-Er« iiinenmgcn kaiun über dem Durchschnittsnivean der Licbermaunschcn Nedeleistlmgeu. Einige Blätter haben zwar in Rückficht auf die Eigenschaft des fürstlichen Abgeordneten, der Sohn seines VatcrS zu sein, seine Rede ausführlicher wiedergegeben, als es sonst der Fall sein würde! aber für die meisten genügte dieses AbstamnitttigsverhältniS doch nicht, der Rede besondere Beachtung zu widmen, znnial sie für die Bcnrteilung der Frage, ob und unter welchen Bedingungen neue Handelsverträge mit Ocstreich und Rtibland abzitschliehen sind. völlig belanglos ist. Weit mehr Bedeutung scheint man in Ocstreich der von Bismarck tviederholten Behauptung beiznmessen, die deutschen Unterhändler hätten 1800/01 solche Eile gehabt, den dentsch-östreichischen Handels- vertrag unter Dach zu bringen, dost die östreichischen Bevollmächtigten gar keine Zeit nnd Gelegenheit gesunden hätten, ihre dem deutschen Kontrahenten zugedachten Konzessionen an den Mann zu bringen. Die Wiener„Neue Freie Presse" hat eS für»ölig befunden, von Personen, die genau mit den BertragSverhandlnngen bekannt sind, darunter einen der östreichischen Bevollmächtigten selbst, Jnfonnatione» einzuholen, und veröffentlicht jetzt folgende Atlslnnft ihrer GcivährS- männer: „Nach Abschlnh der Verhandlungen waren die östreichischen Unlerhändler der Anschauung, daß sich Leistung und Gegenleistung vollkomincn die Waagschale gehalten habe» und dag. wen» Deutschland die Absicht gehabt hätte, ivcitere Zugeständnisse z» er» . langen, die Verhandlungen gescheitert wären. WaS hat uns denn Deutschland eigentlich in dem Handelsvertrag gegeben? Die bc- rühmte Ermäßigung des Zolles für Weizen und Roggen von ö M. aus 3,50 M. Die östreichischen Unterhändler ivaren durchdrungen, daß Ocstreich von dieser Konzcssion eigentlich nichts haben Ivird, wenn alle andren Staaten, insbesondere Amerika nnd Rußland, ebenfalls zum gleichen Satze Getreide einführen werden. Diese Voraussicht ist bei Amerika sofort, Zug um Zug, bei Rußland ein oder ändert» halb Jahre später zugetroffen. ES ivürde ja vielleicht— dies ist jedoch mir eine Bermutnng— im Falle Deutschland iveitergchende Konzessionen als Preis für die Ermäßigung der Getreidezölle ver- langt haben ivürde, in Ungarn die Geneigtheit bestanden haben, auch in iinsrcn Konzessionen weiterzugehen; allein die östreichischen Unterhändler würde» nicht einen Kreuzer mehr für die Er» Mäßigung der Gctreidezölle geboten haben, als thatsächlich ge» luähit wurde... „Was haben wir außer der Ermäßigung der Getreidezölle bc» kominc»? Eine Stabilisierung für zwölf Jahre, geiviß eine wichtige Errungenschaft! allein diese ist ja Deuischlnnd ebenso zu gute gekommen. Für die Ermäßigung der Getreidezölle haben ivir Deutsch- land in den Zöllen für Textilarlikel, Roh» und Stabeisen, Maschinen nnd Chemikalien Zugeständnisse gemacht.... Daß die Oesireicher nicht diejenigen ivare», denen— gestatten Sie mir diesen Wieucri» sckcn Ausdruck— die Zunge noch einem Vertrage herausgehängt ist. geht ja schon daraus hervor, daß wir uns früher nicht schlechter befundeu habe». Die iviederhotten Erhöhungen der Getreidezölle in Deutschland, die dem Handelsverträge vorangegangen sind, haben uns eigentlich nicht geschadet, und bei einer Prüfung des Ergebnisses des Handelsvertrages»ach den ersten Jahren seiner Wirksanikeit ist man zu dem Resultat gekommen, daß unsre Handelsbilanz viel Iveniger aktiv ivar als früher." Und einer der a» den Wiener Verhandlungen beteiligte Unter- Händler erklärte: „Gewiß ist, daß man aus deutscher Seite nicht mit zugeknöpften Taschen an den Verhandlungstisch kam, was aber auch unsrerseits durchaus nicht der Fall ivar. Daß ejiiige„nicht losgegangene Torpedos" in unsren Taschen blieben, die wir damals Zugeständnisse nannten, die>mr zu machen bereit geivcsen wären, ohne zu deren Bewilligung verhalten ivordcn zu sein, ist richtig. Das ivar aber nicht»ur gegenüber Deutschland, sondern auch gegenüber Italien der Fall, wobei nicht daran zu zweifeln ist, daß auch die Dentschcit manch solchen Torpedo übrig behielten. Doch das alles kann sich nur auf Positionen von minderer Wichtig keit bezogen haben. Bei einschneidenden Fragen wurde von beiden Seiten mit der gleichen zähen Beharrlichkeit vorgegangen, nnd das erzielte Uebereinkommen war gewiß das Mittel zwischen den beiderseitigen äußersten Standpunkten. In der wichtigsten Frage aber, den Agrarzöllen, hat Fürst Bismarck keine Ursache, über die deutschen Unterhändler zu klagen. Da ivaren sicher ivir, richtiger gesagt, uusre Dtplomatic, die weniger gut Unterrtchteten. Man gab uns zwar keine bindende Zusage, daß Deutschland keinen Vertrag mit Rußland schließen werde. erklärte aber mit allem Nachdru»t, in absehbarer Zeit fei nicht daran zn denken. Die Kürze der Frist, die zwischen dem Abschluß des dentsch-östreichischen und dcS deutsch-russtschen Vertrages lag, hat aber klar gezeigt, daß der dentsch-russischc Vertrag zn der Zeit, als man mis erklärte, eS sei an denselben nicht zu denken, entweder schon fertig oder so gut iv i e fertig iv a r." Die Ausführungen der GetvährSmänner der„N. Fr. Presse", die für die ö st r e i ch i s ch c n Unterhändler den Ruhm in Anspruch nehmen, bon den Deutschen überlistet worden zn sein, werden durch die Thatsachen bestätigt. Die Ennäßignilg des deutschen eizen- nnd Roggenzolls auf 3,50 M. pro Doppelcentner konnte sür Ocstreich-Ungnrn nur so lange einen Ntitzen haben, als Rußland von dieser Ermäßigung ausgeschlossen blieb. Sobald Rußland durch den Vertrag von 1304 den gleichen Vorteil zugestanden erhielt, wurde das Zugeständnis für Oestreich-Ungarn fast ivertlos, wie denn auch thatsächlich Deutschland in den letzten Jahren mehr Weizen nnd Roggen nach dem Donaustaat ausgeführt, als von dort ein- geführt hat. Was Deutschland heute vornehmlich an landlvirischaftlichcn Produkten von Oestreich-Ungarn einführt, das sind Gerste, Gersten malz, Rindvieh, Pferde, Obst, Kleie, Klee- nnd Lnzerne-Saat, Eier. Für Obst. Kleie, Kleesaat konnten bei den VcrtragSvcrhandlnngcn keine Zugeständnisse eingeräumt Iverden, da diese Artikel im deutschen Tarif zollfrei ivaren. Für Pferde über 2 Jahre sowie für Stiere nnd- Kühe tvnrden von delitscher Seite auch keine Ermäßigungen zugestanden, nur für Ochsen und Jungvieh ivnrde vertragsmäßig der Zollsatz des Tarifs um niigefähr 15 Proz., für Gerste in« 11 Proz. und für Gerstenntnlz um 10 Proz. srediiziert. Der Eierzoll ivürde UM 33�/2 Proz. herabgesetzt. Das sind in der Hanplsache die enormen" Zollvergünstigungen, durch die der Vertrag angeblich die deutsche Landwirtschaft ruiniert hat. Allerdings ist nach der deutschen Statistik die Einfuhr Deutsch lands aus Oestreich-Ungarn größer, als die Ausfuhr dorthin; in 1900 betrug der Einfnhr-Ucberschnß söhne Edelmetalle) 218 Millionen Mark. Ganz abgesehen aber davon, daß nach der östreichischen Statistik sich die Handelsbilanz für Deutschland beträchtlich günstiger stellt, kommt hierbei in Betracht, daß auch vor dem dcutsch- östreichischen Handelsvertrag der Wert der deutschen Einfuhr aus Oestreich-Ungarn den Wert der AnSfnhr dorthin übertraf, n n r Iv a r d i e D i f f c r e n z damals iveit.g r ö ß e r, als sie im Durchschnitt der letzten Jahre gewesen ist. Im Jahre 1891 betrug z. B. der Einfuhrüberschuß söhne Edelmetalle) 288 M., in 1000, ivie schon gesagt, 218 M. Während aber 1801 der Gesamtwert des deutschen Ein- nnd Ausfuhrhandels mit Oestreich-Ungarn sebcnfallS ohne Edelmetalle) mir 000 Millionen Mark betrug, stellte er sich 1900 ans 1191 Millionen Mark. WaS die BiSmarcksche Rede bietet, ist nichts als eine kritiklose Wiederholung des agrarischen Geschivätzes von der Tölpelhaftigkeit der sogenannten Caprivische» Unterhändler: ein Geschwätz, das durch die Beiinengnng von Ausfällen gegen de» Mann ohne Ar nnd Halm nnd Wiener Eouper-Gcschivätz für die gleichgestimmten Seelen pilanter gemacht wurde, aber keineswegs an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Ist die BiSmarcksche Kritik sachlich ganz nnd gar haltlos, so ist sie doch deshalb interessant, Iveil sie zeigt, wie geringschätzig die Diplomaten untereinander ihre Fähigkeiten beurteilen. Schlimmer kann man die Autorität der Regierungen nicht vor dem Bolle kompro- mittieren, als Ivie es der BiSmarcksche Klatsch thut. Die im- vergleichlichcn Staatslenker erscheinen in dieser standesgenössischen Selbsteinschätznng als Leute, deren Handlverk der Kuhhandel ist, die aber selbst für das Geschäft nicht die hinreichende Intelligenz be- sitzen.—__ Volikisiche LtrbevfllZzk. Berlin, de» 8. März. Im Abgeordnetenhanse ist am Sonnabend, dem vierten Tage der Kultusdebatte, endlich der Kulturkampf zwischen Centrum und National- liberalen in gewohnter Schärfe entbrannt. Nach den kleinen Vorpostengefechten der letzten Tage stürmten die edlen Kämpen, auf der einen Seite der evangelische Pfarrer Ha ck e n b e r g (natl.), auf der andren Seite die Bachem, Roeren und Dasbach vom Centrum. wie wild auf einander loS, um sich gegenseitig mit Schmeicheleien zu überschütten. Was sie sagten, ist belanglos, da es sich in der Hauptsache um die Wiederholung uralter Dinge handelt, die für vernünftige Menschen absolut kein Interesse haben. Und das um so weniger, da sich ja erfahrungsgemäß diese scheinbaren Tod- einde stets wieder versöhnt in die Anne sinken, wenn es ein Attentat auf die Freiheit und Wohlfahrt des Volkes zn unter- nehmen gilt. Sehr verschnupft ist übrigens das Centnnn darüber, daß die Regierung trotz eines im vorigen Jahre an- genommenen Antrages noch immer nicht die Härten bei der Genehmigung von Niederlassungen katholischer Kranken- Pflegerinnen-Orden beseitigen will. Das wird die CentrumS- leute des Reichstages natürlich nicht hindern, derselben Regie- rung willig hohe Zölle zu apportieren. Sehr scharf und mit Recht ging Herr Roeren aus Anlaß der Maßnahmen,. die die Regierung infolge der Wreschener Schulkra walle getroffen hat, mit dem Kultusniinistcr ins Gericht. Er bezeichnete die Zurückhaltung polnischer Kinder über das 14. Lebensjahr hinaus als gcsetz- und verfassungswidrig und wies nach, daß die Regierung sich dadurch in eine Sackgasse verrannt habe, aus der sie nicht wieder herauskomme. Die Erwiderung des Ministers S t u d t ivar nur schwach; es gelang ihm nicht, die Vorwürfe Roercns zu entkräften, und er beschränkte sich mangels durchschlagender Gründe auf die bereits früher abgegebene Erklärung, daß die Regierung an ihrem System festhalten Iperde. Abg. Dr. C r ü g e r(frs. Vp.) zeigte, daß Preußen für Kulüirzwccke kein Geld übrig hat, daß wir aus diesem Grunde mit der Medizinalrcform nicht vorwärts kommen, und ver- langte eine Neuregelung des Hebammenwesens und den Erlaß eines Leichenschau- Gesetzes. Wie ein Negierungs- kommt ssa r mitteilte, beschäftigt sich die wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwesen mit der Neuregelung des Hebamnienwesens; sie behält auch die Einsührung der Leichen- schau im Auge. Montag: Fortsetzung.— Aufhebung des PetitiouörcchtS durch das Ober-VerwaltnugS-- geeicht. Dos Ober-Verlvaltiingsgeiicht überstürzt sich in reaktionärsten Entscheidnngen. Es behandelte nm Sonnobeiid die Klage der Stadtverordneten- Versammlung in Guben und in R i x d o r f gegen Magistrat beziehiingsiveise Bürgermeister wegen Beanstandung des Be» schlusics, eine Petition gegen den neuen Zoll« t a r i f abzusenden. Das Obcr-Vcrwaltnngsgericht cnischied zu Ungunsten der beiden Stadtvcrordneten-Kolsegicn, indem es nach alter, darum nicht richtiger Auffassung die Petitionen dcS- halb für unberechtigt erklärte, iveil dieselben nicht die»»mittelbar lokalen Interessen der betreffenden Stadtgemeinde vertreten. Diese Entscheidung des Ober-Bcrivaltungsgerichls, so unberechtigt sie ist, ist immerhin nicht dazu angethan, die Petition ernstlich zu hindern; die betreffenden Gemeinden haben nur nötig, ihre Petition uinzu» arbeiten nnd die Schädigungen nachzuiveisen, die spcciell ihren Ein« wohnern durch die Tarifvorlage erwachsen werden. Weit erheblicher ist ein andrer Teil desselben Entscheides. Der Beschluß der Stadtverordneten von Guben enthielt nämlich weiter eine Aufforderung an den Magistrat, sich der Petition anzuschließen, eventuell sollte der Borsieher die Pelition alS selbständige Petition der Stadtverordneten absenden. Hierzu hat das Ober-Verwaltungs- gericht nach dem uns vorliegenden Bericht entschieden: Ein eventuelles s e l b st ä n d i g e s Petitionieren der Stadt« v e r o r d net en habe der Magistrat ebenfalls mit Recht beanstandet. S e l b st ä n d ig pctitionicren könne eine Stadtverordneten- Vers a m in l u n g» u r, ivenn das Interesse der Stadt- verordneten tn Frage käme, ivenn z. B. in einem Gcsetz die Stechte der Stadtverordneten beschränkt iverden sollten. Hier handle es sich aber nicht nm Interessen speciell der Sladt- verordneten. Wenn der Beschluß eine Geincinde- Angelegenheit zum Gegenstand hätte, was ans obigen Gründen da3 Gericht ja verneine, domi bedürfte der Beschluß der Stadtverordneten immei' noch der sachliche» Zustiinmung des Magistrats und könnte dann nur durch diesen ausgeführt werden. Jeder Staatsbürger hat nach der Verfassung das Recht der Petition an die gesetzgebenden Körperschaften. Das Ober» Verivaltnngsgericht gelangt aber in seinen unerhört reaktionären Rechtsanslegungen so iveit, daß die Stadtverordneten-Versaiumlungen, die Erwählte» der Bürger, in ihren Rechten nnter die Rechte der sie Wählenden degradiert iverden. Nachdem bisher in zahllosen Fällen städtische Kollegien vom selbstverständlichen Recht der Petition ungc- hindert Gebrauch gemacht haben, beliebt jetzt das Ober-Verivaltungs- gericht plötzlich nnd im Widerspruch mit dem wirklichen Sinn der Verfassung die Aufhebung des PctitionSrcchts der Stadtver- ordneten I Das ist eine ganz' ungeheuerliche Entwürdigung und Herabsetzung des wichtigsten Organs der kommunalen Selbst« Verwaltung. Man darf mit Spannung erwarten, wie die Stadtverordneten« Kollegien in ganz Preußen diese Entscheidung des Obcrvcrivaltnngs- gerichts aufnehmen und ob. die Liberalen im Abgeorduetcuhaus» alsbald geeigneten Einspruch gegen den durch die neue Entscheidung geschaffenen UnrechtSzustand erheben werden.— Deutsches Meich. Zum Zollstreit. Die Ueberzöllner beabsichtigen jetzt auch in den Einzel« La ltdtagen Vorstöße zu nnteriichmen, nm die Regierungen in der Richtung der Gctreidezollbcschlüsse der Tarifkoinmission voran zu treiben. Noch der„National« Zeitung" ist ein entsprechender Antrag von den Konservativen deS preußischen Abgeordnelen- hapses bereits eingebrocht; noch einer ondren Nachricht ist es bis zur ivirllichen Einbringung des Antrages noch nicht gediehen, derselbe sei noch in der Vorbereitung nnd Man sammle auch Unterschriften in CcntrnmSkleisen. Auch in der sächsischen ziveiten Kammer soll ein derartiges Vorgehen geplant sein. Es ist natürlich außer Zweifel, daß die Einzellandtagc, in denen die Agrarier auf Grund eines Wahlsystems herrschen, das nicht Siecht, sondern Geivalt bedeutet, die agrarischen Ucberzölle mit großer Mehrheit fordern iverden. Schließlich kann es jedoch auch der Zollopposilion ivillkonnnen sein, wenn die Einzellondtage Sorge tragen, daß die Zollerregung im Volle gesteigert wird. Eine nicht nninteresfante Episode dürfte hereigefiihrt Iverden durch das Bestreben der Schutzzofferhöher. der Zolltarif-Kommission Diäten z n besorgen, damit sie die Möglichkeit habe, bald nach Ostern und den Sommer hüidiwch ihre Beratnngeu fortzusetzen. Die Regierung ist,>vie die Ausführungen des Grafen Posadoivsky voraus- sehen lassen, gern bereit, diesen Diatenluunsch zu erfüllen, der den zahl- reiche» agrarischen Schutzzölliiern der Kommission, die zugleich preubische Abgeordnete sind, D o p p e l d i ä t e n in Aussicht stellt. Die Regierung will dem Reichstag keine Diäten, gewähren, weil sie eine Stärkung desselben davon befürchtet, aberj ivenn es sich um Durchführung eines besonders volksfeindlichcii Ge- setzes, wie das Zolltarifgesetz, handelt, dann ist sie ge- neigt, eine Ausnahme zil machen. Wahrscheinlich würde die Regierung auch bereit sein, dem Plenum Diäten zu ge- währen, so weit diese zur Durchdrllcknng tcs Zollwuchcrs bei- helfen konnten! Und die Wucherparteien würden gewiß diese Diäten auf Zeit nicht ablehnen, Aber die Z v l l o p p o s i t i o n hat unseres Erachtens nicht das niindeste Interesse an dieser Verfälschung der Diäten- forder n ng zu reaktionären Zwecke», Sie wird gewiß nicht gewillt sein, zur erleichertcn Durchführung des gemeingefährlichen Zollwnchers die Hand zu bieten.— Staatöanwaltlichcr Schul; für den Lockspitzel Namenlos. Dem Genossen Wasewitz ist jetzt Anttvort seitens der Staats- anwaltschaft gelvorden, Waseivitz hatte bekanntlich Strafantrag gegen den Menschen gestellt, der ihn zu Spitzeldiensten zu verleiten suchte und erklärt hatte. Wasewitz habe bereits ähnliche Dienste geleistet, sei solcher Dinge sähig, und eine Reihe von Schinipfworten gegen ihn angewendet hatte. Der Mann war von Waseivitz festgenommen, auf die Polizeitvache zwecks Feststellung seiner Personalien transportiert. Dort war aber die Mitteilung des Namens dieses Mannes veriveigert. nachdem derselbe eine einer Hundesteuer-Marke ähnliche Blcchmarkc vorgezeigt hatte. Der Polizeipräsident hatte das schriftliche Ersuchen, o e n Namen dieses angeblichen Mannes zu nenne», ab- gelehnt. Der dann von Wasewitz bei der Staatsanwaltschaft iviederholte Strafantrag ist auch, falls der Mann ein Be- ainter lväre und i» höherem Auftrage gehandelt habe. gegen den Anstifter der Beleidigung ausgedehnt worden. Außerdem dehnte Waseivitz den S t r a f a n t r a g ausdrücklich auch auf den Polizeipräsidenten aus. Denn der Polizei- prmident habe dadurch, daß er den Namen des Beleidigers zu nennen ablehnte, wietvohl er ein zur Verfolgung der Strafthat be- rufeuer Beamter sei, zum mindesten der st r a f b a r e n B e- g ü n st i g u n g der Beleidigung sich schuldig gemacht, Die Antwort des Staatsantvalts ist im ablehnend l»n Sinne erfolgt. Der Staatsanivalt begründet diese Ablehnung da- mit, daß das Angebot Spitzcldienste zu leisten, weder objektiv »och subjektiv beleidigend sein kann. Der Ausdruck „Spitzel" sei nur eine volkstümliche Umschreibung für Kundschafter. Er habe keine allgemeine anerkannte Be- deutung, sondern sei vieldeutig, dehnbar und einer so verschiedenen Auslegung fähig, daß das Angebot, Spitzeldienste zu leisten, nicht i m in e r, nicht ohne weiteres und nicht an sich beleidigend fein muß. Es könne vielmehr eine solche Bedeutung nur durch die Verbindung mit andern Umständen oder durch seine Form gelvinneii und dann„allerdings" verletzend wirken. Es sei aber von Wasewitz nicht begründet, daß ihm oder seiner Frau zugemiitet sei. solche Spitzeldienste zu leisten, deren Leistung ohne eigne Uuehrenhaftigkeit unmöglich ist. Es brauche daher nicht untersucht zu werden, ob eine derartige Zumutung erfolgt ist, und o b eine solche immer eine Beleidigung enthalten muß oder auch durch bloße U n- geschicklichkeit der Ausdruckstveise des Auffordernden erklärt werden kann. Es fehle also jede Grundlage für das Vorliegen einer Handlung, welche objektiv als Beleidigung zu charakterisieren sein würde. Wenn aber auch durch eingehendere Er- forschung des Sachverhalts die objektiven Unterlagen einer Be- leidigung beschafft lvürden, so sei ein strafrechtliches Vorgehen doch aussichtslos. Den» dem Auffordernden, mag er sich ausgedrückt haben, wie er Iv i l l, habe sicherlich das Bewußt- sein, Wasewitz zu kränken oder an seiner Ehre zu verletzen, gänzlich gefehlt, denn es wäre ja geradezu widersinnig ge- tvesen, so zu handeln, wie er es gethan haben soll, wenn der Mann dabei bewußt gewesen wäre, hierdurch nicht sein Ziel zu erreiche n, so n de rn nur Waseivitz in seiner Ehre zu verletzen. Die Frage, ob Wasewitz durch die unwahre Ausflucht, er habe ähnliche Dienste geleistet, er habe oft genug etwas von.der Partei verraten und dergleichen, beleidigt sein könne, übergeht der Staatsanwalt voll- ständig. Offenbar hält er für selbstverständlich, daß ein Ehrenmanii doch nicht durch unwahre Behauptungen seitens eines„Kund- schafter' suchenden beleidigt werben könne. Aber Wasewitz hatte auch behauptet, es seien von dem Mann„eine Reihe von Schimpfworten" gebraucht. Schimpfworte sind nach ständiger Judikatur des Reichs- gerichts ja stets beleidigend. Weshalb schreitet da der Staatsanivalt nicht ein? Wasewitz, meinte der Staatsanwalt, habe ja nicht wörtlich angegeben, worin diese Schinipfworte bestanden haben, ob- wohl ihm diese Angabe bei seiner„sonstigen Schriftgewnndthcit nicht schwer gefallen sein könnte". Nach Lage der Sache habe er keinen Anlaß, um eine Ergänzung der Anzeige nach dieser Richtung zu versuchen. Das Gesetz ist etwas andrer Ansicht als die Staats- anwaltschaft. Es schreibt im jj 158 der Strafprozetz-Orduuug klipp und klar vor: „Sobald die Staatsauwaltschaft durch eine Anzeige oder auf andreni Wege von dem Verdachte einer strafbaren Haiidlmig Kenntnis erhält, h a t sie behufs ihrer Entschließnug, ob die öffeutliche'Älage zu erheben sei, den Sachverhalt z u e r f o r s ch c n." Indes lväre dann freilich auch der Frage näher zu treten, ob «ine Anstiftung zu einer oder eine Begünstigung einer strafbaren Handliiug vorliegt. So meint der Staatsanwalt: Da gegen- w ä r t i g der Thatbestand einer strafbaren Handlung weder objektiv noch subjektiv gegeben ist, so entfällt damit von selbst die behauptete Anstiftung zu dieser That und deren Begünstigung. Sollte der Staats- anwalt damit wirklich recht haben? Waseivitz tvird natürlich gegen den ihm zugegangenen Bescheid, der unsern„Rechtsstaat" trefflich illustriert, von dein schlecht unterrichteten Staatsanivalt beim Landgericht an den besser zu unterrichtenden Oberstantsantvalt beim Kammergericht appellieren. Bon den Schimpfworten, die ebensowenig wie das Spitzelangebot und die Spitzelnachsage objektiv oder sub- j e kti v den Thatbestand einer Beleidigung erfüllen sollen, deuten wir eine an. Als der Genosse Wasewitz mit einem andren Genosse» den Lnknlpaten zur Wache transportierte, rief dieser auf der Straße Wasewitz liebevoll zu: Ich hau' Dir in die...(hier folgte eine mit Fr beginnende Bezeichnung des Sprechorgaus), daß Du auf den... (hier folgte eine mit A beginnende Bezeichnung für das Ende des Rücken) fällst. Würden wir den Herrn Namenlos öffentlich auf- fordern, dieselbe Redewendung Herrn Oberstaatsanwalt Jsenbiel gegenüber anzuwenden, so würde es uns nicht wundernehmen. wenn dieser gegen uns Anklage wegen Aufforderung zu einer Be- leidigung erhöbe, deren Thatbestand nach objektiver und subjektiver Seite hin vom gesunden Menschenverstand und vom Juristenverstand als Beleidigung anerkannt wird. Nicht anders läge es. wenn Herr Namenlos von uns veranlaßt tvürde, Herrn Oberstaatsanwalt Isen- biel zuzumuten, Spitzeldienste zu leisten oder ihm zu insinuieren, er habe ja schon Spitzeldienste geleistet und von seiner Partei etwas an die Polizeibehörde verraten. Wir hüten uns aber, Herrn Namenlos zu solchen Strafthaten aufzufordern.— Muff der ländliche Arbeiter sich Pcitschcuhiebe gefallen lasse»? Das Kammergericht hat folgende Entscheidung gefällt: „Der ländliche Arbeiter Z. hatte die Arbeit bei dem Guts- besitzer Grimau vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit nieder- gelegt, weil ihn Grünau einmal am Ohr g e- zogen und ihm ein andermal ein paar leichte Peitschenhiebe auf die Hand versetzt habe. Z. hielt dies für einen wichtigen Grund gemäß 8 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der ihn' zur sofortigen Aufgabe des Vertrags- Verhältnisses berechtige. Der Gutsbesitzer beantragte dagegen seine Bestrafung wegen Koutraktbruchs und das Landgericht Königsberg verurteilte auch Z. auf Grund der§8 l und 2 des Gesetzes vom 24. April 1854, betreffend die Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter, wegen Verlassen des Dienstes ohne gesetzmäßige Ursache zu 30 M. event. 6 Tage Haft. Das Kammergericht hat nun jetzt die Revision Z. mit folgender Begründung verworfen: Der Angeklagte als ländlicher Arbeiter im Sinne des§ 2c des Gesetzes von 1854 habe allerdings nicht, auch nicht leicht gezüchtigt werden dürfen. Trotzdem sei§ 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches mit Recht nicht a n g e Iv e n d e t tvorden. Dieser Paragraph überlasse die Entscheidung darüber, ob ein wichtiger Grund vorliege, dem Ermessen des Richters. Es sei nun nicht r e ch t s i r r t ü m l i ch, wenn der Vorderrichter eine leichte Züchtigung eines ländlichen Arbeiters >v e g e n der A e h n l i ch k e i t des Arbeitsverhältnisses eines s o l ch e n m i t d e m D i c» st v e r h ä l t n i s d e s G e- sind es nicht für einen wichtigen Grund nach 8 626 des Bürger- liche» Gesetzbuchs halte. Auch sei 8 2 des Gesetzes von 1854 durch das Bürgerliche Gesetzbuch nicht aufgehoben worden. Letzteres sei privates Recht, ersteres dagegen öffentliches Recht." Diese Entscheidung des Kamincrgerichts steht in offenem Wider- spruch mit§ 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches. 8 026 berechtigt jeden Arbeiter(mit Ausnahme des getverblicheni, den Dienst zu ver- lassen, wenn ein„wichtiger Grund" vorliegt. Der Antrag der Socialdeinokraten. wenigstens ähnlich wie im Handelsgesetzbuch bei de» Handlungsgehilfen und im 8 133 der Gewerbe-Ordnung bezüglich der Werkmeister eine Reihe Gründe, insbesondere die der Beleidigung oder Mißhaudliuig. als Beispiel anzuführen, ist s. Z. abgelehnt worden, weil, wie derBerichlerstatteransfllhrte, diese Beispiele auf eine Reihe von Arbeitsverhältnissen nicht zuträfen, für die der 8 626 des Bürger- licheu Gesetzbuches maßgebend sei, z. B. nicht für den Antvalt oder Arzt im Verhältnis zu seiner Klientel. Es ist aber bei den Be- ratnngen angenoinmeii: ein wichtiger Grund liege stets vor, wenn II m st ä n d e eintreten, unter denen einer Partei die Fortsetzung des Dien st Verhältnisses nicht zugemutet werden könne. Und solcher Umstand liegt stets vor, wenn schwere Beleidigungen oder g a r Peitschenhiebe fallen. Dementsprechend bezeichnet eine große Reihe auch von Gesinde-Ordnnugen jede Beleidigung als wichtigen Grund zur Aufhebung des Dienstverhältnisses. Trotz des Erkenntnisses des Kämmergerichts, dessen ausführliche Be- gründung noch zu erwarten ist,' ist den ländlichen Arbeitern nahe zu legen, daß sie in jedem ähnlichen Falle den Dienst aufsagen und vom C i v i I g e r i ch t f e st st e I l e n lassen, daß der Arbeitgeber schadeusersatzpflichtig ist. weil er Veraulassuug zum Aufgebe» des Dienstverhältnisses gewesen ist.— Ein Prinzen-Bnllctin an die Presse. Auf der Fahrt von Wcstpoiut nach New Jork ermächtigte Prinz ?>ei»rich seinen persönlichen Adjutanten Kapitän v. Müller zu olgender Mitteilung an die Presse: „Se. kgl. Hoheit ist von seiner Reise durch das Innere der Vereinigten Staaten sehr befriedigt. Er ist sich voll bewußt, nur einen kleinen Teil der Vereinigten Staaten und auch nur ober- flächlich gesehen zu haben. Er hätte seine Zeit vielleicht besser ausgenutzt, wenn er in einer der größeren Städte des Ostens geblieben wäre, ist aber überzeugt, daß in Anbetracht des Charakters seiner Sendung die Reise durch das Land das Richtige für ihn gewesen ist. Er hat eine sehr zutreffende An- schauliug von der Größe des Landes und seinen Hilfsquellen er- halten. Höher als diesen Eindruck schätzt er aber den herzlichen Willkomm, den er überall gefunden hat, einen Willkomm, der dar- that, daß das Volk die Absicht verstand und würdigte, die der Kaiser mit seiner Entsendung verfolgte." Prinz Heinrich dürfte mit seiner Ansicht, daß ihm größere Gelegenheit zum Studium der amerikanischen Verhältnisse und der amerikanischen Volkscharaktere geboten gewesen wäre, wenn er, statt im Fluge einen Teil des Landes zu durchreisen, in einer Stadt des Ostens zu verweilen Gelegenheit gehabt hätte, nicht so unrecht haben. Freilich hatte er auch in diesem Falle nur dann zuverlässige Eindrücke empfange» könueii, wenn er sich i n c o g n i t o in der neuen Welt hätte aufhalten könne». Freilich: Prinzen haben es nun einmal nicht so gut tvie gelvöhnliche Sterbliche. Während diese die Welt in ihrer Wirklichkeit studieren können, müssen die Prinzen sich mit dem Anblick der Coulisseu und festlich angcschmiukter Komparsen begnügen. Diese Potemkiuschen Dörfer entsprechen niemals der Wirklichkeit. Eine gewisse resignierte Erkenntnis dieses leidigen Zustnndes spricht auch ans der Erklärung des Prinzen Heinrich. Ter Prinz sprach dann auch von dem freudigen Empfang, der bewiesen habe, daß das amerikanische Voll die Absicht des Kaisers gewürdigt habe. Diese Absicht bestand, wie der Prinz in seinen Reden wiederholt betonte, darin, daß Deiitschland Amerika die Freundes- Hand über den Ocean eutgegenrecke. So aiierkennenswcrt solche Freund- ichafts-Bezcugimgeu sein mögen, eine politische Bedeutung besitzen sie nicht. Herr v. Bülow hat ja oft genug den Fuudamentalsatz ucudcutscher Wellpolitik verkündet, das; nicht Sentimentalität, sondern der gesunde nationale Egoismus das einzig mögliche politische Priucip bilde. Diese These ist denn auch in den letzten Jahren mehrfach durch die deutsche Politik erhärtet worden. Im Jahre 1896, bei dem Besuche Li-Hung-Tschangs, betonte der deutsche Kaiser ja auch die„in der Vergangenheit erprobte, auf gleiche Interessen des Friedens und der Kultur b e- ruhende F r e u u d s ch a s t zwischen China und Deutschland." Nichtsdesioweuiger wurde Kiantschou„gepachtet" und der große Rachckrieg gegen die traditionell befreundete chinesische Regierung geführt. Und trotzdem 1896 das berühmte K r ll g e r t c l e g r a m m Transvaal dazu beglückwünschte, daß es o h n c d i e H i l f e einer befreundeten Nation mit der Jamesou-Bande fertig geworden sei, wurde sogar dem Ohm Krüger nicht einmal eine Audienz bewilligt! Viel älter ist die erprobte Frenudschast zwischen England und Deutschland. Allein trotz des Z a u g t s e e- A b k o m m e u S hat Deutschlands ein starkes Truppen- kontingeut in Shanghai stationiert! Den Amerikanern sind diese Vorgänge natürlich auch nicht un- bekannt geblieben.—_ Ein englischer Berstoff gegen die deutsche Chinapolitik. Der„Voss. Ztg." wird aus London gemeldet: Eine Pekinger Drahtung der„Times" vom 7. März be- sagt, der britische G e s a n d t e verständigte die chinesische Regierung, England sei bereit, die Berwaltnng der Eingeborenenstadt von Tientfin den Chinese» am t. Mai zn übergeben, vorausgesetzt daß die übrigen Mächte damit ein- verstanden sind. Die weltpolitisch entflammte Taute Voß bemerkt dazu: „Vielleicht hätte es diplomatischen Gepflogenheiten besser ent- spräche», vor Erteilung einer Autwort eine Verständigung mit den anderen an der Angelegenheit interessierten Mächten zu versuchen." Bekanntlich stehen die anderen Mächte, mit einziger ZluSnahnie DentschlandS, völlig auf dem Standpunkt der euglijchen Regierung. Da nur Deutschland hartnäckig Ausflüchte macht, bleibt England gar nichts anderes übrig, als Deutschland als Friedens- und Bertragsbrechcr vor aller Welt bloßzustellen.— Eine aufgelöste Pücklerverfammlung. Ungemein stürmisch verlief eine vom deutschen Antisemitenbnnd zu Freitagabend»ach Kellers Festsälen in der Koppenstraße einbernfene öffentliche Ver- samniluug. Wohl an 5000 Personen, darunter Socialdemokrate», hatte» sich trotz des abverlangten Eintrittsgeldes von 20 Pf. ein- gefunden. Die Polizei hatte' umfassende Vorkehrungen getroffen. Zuerst referierte Reichstagsabgeordneter W eine r über die Zolltarif- vorläge, wobei er zwar für eine höhere Besteuerung des Getreides eintrat. Als ein Herr Krauts ausrief:„Seht hin in den Reichstag, wie die schreckliche jüdische Gesell- jchaft und die frechen Socialdeinokraten uns ruinieren wollen," entstand ein Höllenlärm und nur durch schleunige Vertagung entging diesmal die Versammliiug der Auflösung. Nach sofortiger Wieder- eröffmmg versuchte Krauts tveiter zu sprechen, allein unaufhörliche Schlußrufe ließen ihn nicht dazu kommen. Der überwachende Polizeilieutenant erklärte, daß er bei weiterem Lärm einschreiten werde, erhielt aber vom Vorsitzenden die Zurechtweisung, daß zu einer Auflösung noch kein Grund vorliege. Die Stimmung wurde noch erregter, als ein Handlungsgehilfe dem Abgeordneten Sladlhagen nachsagte, daß derselbe in' früheren Jahre stark in Getreide spekuliert habe.„Und solchen; Kerle laufen Sie jetzt nach!"(Rufe: Pfui! Schluß! Lärm.) Nachdem einige Arbeiter unter Beifall und Widerspruch sich gegen jede ZoNcrhöhnng ausgesprochen hatte», erfolgte eine kurze Pause, worauf Graf P ü ck l e r das Wort zu folgenden Ausführungen iiahm: Ich freue mich, vor einer so großen Versammlung zu rede», bitte Sie aber auch, sich hübsch ruhig und anständig zu benehmen. (Großes Gelächter. Ruf: Fauler Kopp!) Die Stunde ist gekommen, wo wir die Juden energisch beim Kragen nehmen müssen. Von Ihne» erwarte ich, daß sie jetzt das Zeiche» zum Sturm geben und die frechen Jndcnkcrle verkeile».(Unbeschreiblicher Lärm. Rufe: Anfreizniig!) Der Vorsitzende unterbricht hier de» Redner und fragt die Bersaminlung: Fühlen Sie sich gereizt? (Rufe: Nein! Ja'!) Nun, die ja rufen, haben sich Instruktionen vom „Vorivärts" geholt.(Lärm.) Graf Pückler fortfahrend:„Wenn wir die Jude» Gauner, Lügner, Spitzbube» usw. schimpfen, so ist das ihnen ganz egal( sie bleiben ruhig, und wenn wir mit Worten noch so getvaltig auf sie einhanen. Wenn wir sie aber beim Kragen nehmen, nehmen sie ihren Krempel und reißen aus.(Großes Ge- lächter. Der Vorsitzende klingelt und macht den Redner darauf aufmerksam, daß der Polizeilieutennnt mit sofortiger Auflösung ge- droht habe, falls noch weiter aufreizende Worte fielen.) Pückler: Wenn auch die Polizei kommt, so ist daS egal, es muff riskiert werden. Wenn wir mit der Polizei freundlich thun, tvird sich diese mit der Zeit ou die Judenkeilcrei gelvöhnen. Dann kommt vielleicht die Zeit. wo die Polizei mit uns auf die Juden keilt.(Toller Beifall und Lärm.) Es müssen sich immer SV bis SV von«nS znsammenthnn und jeden Juden verkeilen... Hier erhebt sich der Polizeilieuteiiant und löst die Versammlung auf. Unter Hochrufen auf Pückler und Absingimg des Liedes: „Deutschland, Deutschland über alles", worein sich die Klänge der Arbeiter-Marseillaise mischen, leert sicki der Saal. Merkwürdigerweise hat der edle Graf dem Polizeibeamten, der ihn am Weiterreden hinderte, keine Ladung Schrot in den Baiich geschossen. Dafür aber hat das Publikum den Veranstaltern des unwürdigen Ulks de» einzige» Zweck, de» sie verfolgen, erreichen helfen: man hat Geld in ihre leeren Tasche» gefüllt,— Tie Viehverseuchnug in Ostclbien. Die„Centralstelle für Viehuerivertinig" versucht nach langein Warten endlich etwas gegen uiisren ziffernmäßigen Nachweis zu rmternehmen, daß die Grenz- sperren für Vieh die Verienchimg des preußischen Viehstandes nicht nur nicht gemildert, sondern gesteigert haben. Die Erividernng ist echt agrarischer Schtvindel. Sie beschränkt sich ans die gar nichts beweisende Angabe, daß im Jahre 1900 und 1901 die Maiil- und Klauenseuche nicht ganz so stark verbreitet gewesen ist. wie in den vorhergehenden Jahren i sie vergißt aber zu erwähnen, daß— worauf es ankommt— diese Seuchen in Ostelbien imiiier noch verheerend grassieren, während Oestreich nahezu seuchenfrei ist. Man sperrt also das verseuchte Inland gegen das gesunde Ausland ab. Wir hatte» aus der letzten amtlichen Statistik die Thatsache festgestellt, daß Mitte Februar 1902 8�9 Gehöfte in Deutschland von Rindvieh- und Schweiuekraukheiteu heimgesucht waren, die niit wenigen Ausnahmen in O st e l b i e n lagen, während in den öst- reichischeu Exportländern die Viehseuche» nahezu völlig verschwunden waren. Die„Deutsche Tageszeitung" weißgegenüber dieser für die Vieh- Wucherer vernichtenden Feststellmig nichts weiter zu sagen, als daß wir in unsrer„Gegeiiüberstellmig der Seuch.eiifälle in Deutschland und Oestreich, in Deutschland die Zahl der verseuchten Gehöfte, in O e si- reich aber die Zahl der verseuchten Gemeinden zu Grunde ge- legt habe», also zwei ganz verschiedene Größen, die sich gar nicht vergleichen lassen." Selbst wenn tvir daS gethan hätten, würde das Ergebnis kein andres sein: denn bei dem ganz geringfügigen Auftreten der Bich- seuchen in den östreichischen Ländern sind die Unterschiede der Ziffern nach Gemeinden und nach Höfen unwesentlich. Aber die„Central- Stelle für Viehverwertung". von der die„Deutsche Tageszeitung" erleuchtet wird, lügt zudem. So mögen vielleicht Agrarier Statistik treiben, wir aber haben nicht deutsche Gehöfte östreichischen G e- m e i ii d e n gegenübergestellt, sondern haben auch für Oestreich die verseuchten Höfe gezäblt. Das agrarische Organ hat sich die Verdächtigung unsrer Statistik einfach aus den Fingern gesogen; sie ist genau so ehrlich und wahr, wie ihre heuchlerische Versicherung, die Grenzsperre sei durch sanitäre Rücksichten bedingt. Wir machen der Regierimg erneut den Vorwurf, daß sie der agrarischen Heuchelei Vorschub leistet und, trotzdem keinerlei Gefahr der Seucheueinschlcppimg besteht, hartnäckig die Grenzen— mit einer Ausnahme— geschlossen hält und damit die Lebenshaltung des deutschen Proletariats verschlechtert.— Ter rückfällige Groffherzog. Mau schreibt uns aus Hessen: Es tvird noch erinnerlich sein, daß im vorigen Jahre es gerade das Organ des Herrn p. Heist, die„Wormser Zeitung" tvar, die nicht eindringlich genug davor tvarueii konnte, den Socialdemolraten irgendwie eiitgegeiizukommeii, wie sich dies bei dem vielbesprochenen Darmstädter parlamentarischen Abend durch die Unterredung des Großherzogs von Hessen mit dem Genossen Ulrich gezeigt habe. Am Donnerstag fand nun wieder ein solcher Abend statt, nnd zwar dies- mal im Kammergebände selbst; der Großherzog war wieder erschienen. In ihrem Bericht über diesen Abend schreibt mm die„Wormser Zeitung" diesmal:„Auch an dem Tisch der socialdcinokralischcn Abgeordnete» hatte sich Se. Kgl. Hoheit niedergelassen und einige Zeit besonders mit dem Abg. Ulrich lebhaft nntrrhalteu. Der ganze Abend verlief in jeder Hinsicht in allgemein befriedigender Weise..." Es scheint, als ob diesmal das lohale Empfinden der braven „Wormser Ztg." durch die wiederholte Unterhaltung des„Landes- Vaters" mit einem leibhaftigen Socialdeinokraten nicht verletzt worden sei. Oder hat man eingesehen, daß der Großherzog nicht mehr zu bessern ist, sondern in seinem Geschmack, mit Social- demokraten zu plaudern, zu steten Rückfällen geneigt ist?— Obcrschlesische Bcrsammlungöfreihcit. Ans Oberschlesien wird uns gemeldet: Eine Versaiimilniig des oberschlesischen christ- licheu Vereins in Rtzbnik ist aufgelöst worden, weil in derselben polnisch gesprochen wurde. Schon vor der Versammlung wurde dem Einberufe; bekannt gegeben, daß polnische Verhandlungen nicht zugelassen werden würden,„da ein Beamter nicht vorhanden ist, der die polnische Verhandlung genau ver- folgen könnte." Dieses Vorgehen der Behörden widerspricht schnurstracks der Spruch Praxis des Ober-Verwal- t u n g s g e r i ch t s in solchen Fällen, Vor 5 Jahren erging auch ein Urteil, welches sich auf eine aufgelöste Bersammliiiig aus dem Rybnicker Bezirk bezog. Der Einbernfer der letzten Versammlung nahm das Urteil mit und zeigte es den Polizisten. Trotz- dem die Anslösnug, die einfach einen Gesetzesbruch darstellt.— Einen Bolksschulgesetz- Entwurf verlangt in einem an den Landtag eingereichten Antrag die socialdemokratische Fraktion der zweiten b a d i s ch e n Kammer. AlZ Grundsätze werde» darin aufgestellt: 1. Der Zwang zum Besuch der Volksschule besteht für olle Kinder, die nicht wegen geistiger oder körperlicher Unfähigkeit zu dispensieren sind. Der Ucbertritt an höhere Lehranstalten ist nur gestattet, wenn ein bestimmter, auf der Volksschule erlangter Reife- grad nachgewiesen wird. 2. Für die achtjährige, mit dem vollendeten sechsten Lebensjahre des Kindes beginnende Schulzeit ficht der Lehr- Plan auf dem Minimum eines Mstiindigen Unterrichts in der Woche. 3. Die Erteilung des Neligionsmiterrichtes wird ans der Volksschule ausgeschieden. 4� Der Unterricht und die Lehrmittel werden unent- gelllich an die Schüler erteilt; die gesamte» Kosten trägt der Staats- Haushalt. 5. Die Hauptlehrer nnd Hauptlehrerinnen werden unter die Staatsbeamten(Gehaltstarif) aufgenommen.— Ausland. Ter Ausliahmcznstatti» genehmigt k -kt- Wie». 7. März.(Eig. Bcr.) Nach zwei von Leidenschaft erfüllten Verhandlungen hat heute das Abgeordnetenhaus die Ver- hänguirg des AnsnahincznstandeS z u r K'e n n t n i s g e n o ni m e n. Der Antrag der socialdeinokratischen Abgeordneten, die Kenntnis- nähme zu verweigern, wurde in namentlicher Abstimmung mit 180 gegen 65 Stimmen abgelehnt. Nicht einmal d i e Kraft hat das entnervte Privilegienpnrlmnent aufgebracht, die Aufhebung der Mast- regelung zu fordern,— einer Mastregel, für deren Aufrechthaltung Herr v. Koerbcr nichts als ein paar salbungsvolle Phrasen vor- zubringen ivustte. Tie Gemüter hätten sich noch nicht beruhigt— als ob die Suspension staatsbürgerlicher Rechte ein Mittel wäre, die mit Erbitterung erfüllte» Gemüter zum ordnungsmästigen Patriotismus zu erziehen! Gegen die Legalität der Ausnahmeverordnnng stimmten anster uusren Genosse» nur die Italiener und Jungczechen nnd ein ein paar versprengte deutsche Abgeordnete— sonst fügte sich das ganze HauS dem Diktat von der Minifterbank. Nach den ungemein tvirkungSvölleN Reden, die gestern die Abgeordneten Dr. Ellenbogen nnd Nortis— der italienische Vertreter der Triester fünften Kurie— gehalten, rückte Herr v. Koerber heute mit ganz phantastischen Erzählungen auf. Was er an Schauergeschichten, erfundenen Episoden, grellen Uebertreibungen geleistet hat, würde jedem Romanschrciber Ehre machen: Herr v. Koerber oder der, der ihm die gruseligen, den Stempel der Erdichtung an der Stirn tragenden Berichte geliefert hat, sollte sich als Erzeuger von Kolportageromanen etablieren; er iväre eine ausgezeichnete Kraft für Scherl-Blätter; der Rede mangeln nur noch„Illustrationen" nnd dann könnte sie als Sensntionslektüre ersten Ranges gelten. Unter andcrm erzählte Herr v. Koerbcr fol- geiidc romanhafte Geschichte: Stark unterstützt wird die Annahme einer systematischen Vor- bereitung dieser Unruhen, durch die nierkwürdige Episode mit de» angeblichen Vertretern des Stolen Kreuzes, welche hier so heftig gegen die östcntliche» Organe ausgebeutet wurde. Ain 15. Fe- brnar um 4 Uhr nachmittags, als die Piazza Grande fast menschenlcer war, erschienen sechs Männer und e i n e F r a u in i t d e r w e i st c n B i n d e und dem roten Kreuze darauf und st eilten sich ostentativmiteiner t h e a t r a I i s ch c» P o s e d a s e l b st auf. Es hatte sich dort nichts zugetragen. ES gab keine Verwundeten, welche weg» transportiert werden solltem Dem Militär erschien es seltsam. aber cS griff die Lerne in keiner Weise an. Was geschah dann weiter? Die Leute mit den» Abzeichen des Roten Kreuzes, welche sich in die Nähe der St. Antonio-Kirche be- geben hatten, brachten in einer Räderbahre Steine mit und verteilten sie unter die Menge. Als dies vollbracht Iv a r, flüchteten sie in der gröhten Eilx, ohne abzuiv arten, ob es zu Ver- w u n d u n g e n oder zu einem Z u s a ni m e n st o st e kommen werde. Das ist die Geschichte der Männer vom Roten Kreuz, für welche sich der Herr Abg. Dr. Ellenbogen sp echauffiert hat. Für die Behörden giebt sie ein schweres Jndiciinn für die Planmästigkeit der Krawalle. Und dergleichen offensichtlich erfundene Gruselgeschichten'machten auf die Abgeordneten Wirkung! Man weist wirklich nicht, ob man mehr den Minister bedauern soll, der eine schlechte Sache mit solchen Mitteln zu verteidigen hofft, oder die Abgeordneten, die solche Albernheiten glauben! Wbhlgcmcrkt, diese„Geschichte" brachte heute Herr v. Körbcr zum e r st e n m a l vor; noch im AuSschiisse hatte er von ihr nichts gewnstl. Und eine solche merkwürde, ausfällige nnd imvcrgestbare Episode sollte vom 15. Februar bis 7. März nicht bekannt geworden sein, davon sollten alle Spuren verwischt sein? Aber Herr v. Körbcr wollte ja nur die Gewissen der Parteien beschwichtigen, den Parteien den notwendigen Vorwand für ihr feiles Votum schaffen. Und so hat er nach Art schlechter Schmierenkoinödianten die stärksten Miticl angewendet, nnd als die Herren Abgeordneten gruseln gelernt hatten, erklärten sie be- reitwillig, Herr v. Koerber habe recht! Die zwölf Toten ruhen in der Erde, die Verwundeten winden sich in Schmerzen, aber Herr v. Koerber hat einen„Erfolg" errungen nnd wurde nach seiner Rede feierlich beglückwünscht! Um solche Erfolge wird ihn wohl nieniand beneiden.— England. Zwei Arbcitcrvertrctcr bereiten der Rchtstundcn-Bill eine Niederlage. London, 6. März.(Eig. Ber.) Was sich gestern im englischen Parlament ereignete, dürste in der Geschichte der Socialpolstik als ein einzigartiges Phänomen da- stehen. Die gewöhnliche Logik versagt, das Geschehene zu erklären. Es war das Werk der Dummheit, des bornierten, neutralen Ge- werkschaftswesenS, das die Arbeiterorganisationen in erbärmliche, selbstische Sonderverbindungen verwandelt. Mr. Moritz Jacoby, der liberale Abgeordnete der Berg- arbeiter von Derbyshire, beantragte in einer trefflichen Rede die zweite Lesung und die Annahme der Bill, deren Geschichte vor einigen Tagen an dieser Stelle skizziert wurde. Der Antragsteller wies auf die Thalsache hin. dast aus dem Wege freiwilliger Vereinbarungen sich diese Reform gar nicht durchführen lästt. Er wurde von einigen Liberalen, sowie von den Arbeitervertretern W. Abraham und K e i r H a r d i e unterstützt. Hierauf meldeten sich u. a. die Berg- arbeiter-Vertreter I. Wilson und Fenwick zum Wort nnd be- schivoren das Hans, die Bill abzulehnen. Wilson sprach im Namen des Evangeliums von Manchester nnd meinte, dast sein Kollege Mr. Burtz der leider abwesend sei, ebenfalls gegen die Bill gestimmt hätte. Und es waren thatsächlich diese beiden«rbeiterstimmen. die das Todesurteil über den Ächtstniidenlag entschieden. Denn die Bill wurde mit 208 gegen 207 Stimmen verworfen. Für die Bill stimmten die Radikalen. die liberalen Jinperialisien. die Iren nnd eine Anzahl von Konservativen. So scheiterte die Achtstunden- Bill an dem Egoismus der Berg- arbeiter von Rorthumberland und Durham, wo die fugend- lichen Köhlen gröber zehn Stunden täglich be- s ch ä f t i g t s i n d. Und doch meinen ihre Väter, die gewerkschaftliche Aklion sei besser als die parlamentarische. Nach dicscm Argumente zu schliesten. schicken diese Arbeiter einige Vertreter ins Parlament, iTiiT den gesetzlichen Arbeilerschutz unmöglich zu machen. Ganz nach dein Muster des Grostlapitals.— Das Unterhaus nahm in der letzten Nacht einen Gesetz- - n t w u r f an. welcher die F r i e d e n s p r ä s e n z st ä r k e der Arme« auf 400 000 Mann und das Kriegsbudget auf 18 Millionen Pfund feststellt. Spanien. Abschaffung des konfessionellen Eides. Aus Madrid lvird der„Frankfurter Zeitung" gemeldet: Gestern fand eine Studenten- kundgebung statt, und zioar wegen eines Vorfalles vor Gericht. Ein Student hatte sich vor Gericht geweigert, auf das Evangelium zu schwören, indem er erklärte, er glaube nicht daran und ivolle auf seine Ehre schwören. Der Richter liest ihn indes fesseln und ein- kerkern. Der U n t c r r i ch t s m i» i st e r wurde dieserhalb intcr- pelliert. Er erklärte, die Abschaffung des religiösen Eides werde d c m n ä ch st d e r V o t i c r u n g der C o r t e s unter- breitet werden, indes solle der Student, obgleich er gegen das Gesetz vcrsticst, f r e i g e l a ss c n w o r d e n. Der Boeren- Krieg. Keine Friedensverhandlungen. Der Londoner Korrespondent des„M a t i n" hat Über die jüngst verbreitete Meldung, dast von den noch kämpfenden Boerenführern Friedensverhattdlimge» eingeleitet worden seien, Erkundigungen ein- gezogen und es ist ihm an mastgebender Stelle erklärt worden, dast an der ganzen Nachricht kein wahres Wort sei. Der Körrcspondet führt diese Meldung auf die Thatsache zurück, dast Lord Roberts in den letzten Tagen längere Besprcchinigen mit Salisbnrh und Chamberlain halte, deren Gegenstand der süd- afrikanische Krieg bildete, sowie scriier darauf, dast zwischen der 51önigiii Wilheliim und der Königin Alexandra in letzter Zeit ei» reger Briefwechsel stattgefunden hat.— -MÄlchvirsxkvtt. Die Petition gegen daö Trciklasscn-Wahlrccht, die wir in imsrec Rr. 56 als von dem sächsischen Centralkoinitee ausgehend crlvähiitcn, hat in ihrer endgültigen Fassung einen etwas ändren Wortlaut, als der uns und andren Parleiblättern übermittelte Ent- wurf. Dast es sich nur um einen Enlwurf handelte, war allerdings ans der Drucksache nicht ersichtlich. Hat doch selbst die„Sächsische Arbeiterzeitung", die in eygstcr persönlicher Fühlung wit den Petenten steht, den Entwurf gegen die Kritik andrer Parteiblälter in Schutz genommen. In der endgültigen Fassung, die jetzt vorliegt, ist der von' uns vorgestern citicrtc EingangSsatz umgeändert in die ausdrückliche Forderung des allgemeinen gleichen' direltcn und geheimen Wahl- rechts„für alle Staatsbürger, welche Pflichten gegenüber dem Staate zu erfüllen habe n." Wenn sicki die Petenten etwa der Hoffnung hingeben, nunmehr eine uiianfechtbare Fassimg gesunden zu haben, dann befinden sie sich in einem argen Jrrtnni. Man kann sich nicht leicht eine mibe- stimmtere, schwanmiigere, anslcgungsfähigere Redensart denken wie die durch Sperrsatz hervorgehobenen Worte„für alle Staatsbürger, ivclche Pflichten gegenüber dem Staate zu ersüllen haben." Unser Progranim fordert das allgcnieine gleiche direkte und geheinie Wahlrecht für alle über 20 Jahre alten Rcickisangehörigen ohne linterschied des Geschlcchls. Das ist klar und imztveidciitig. An dem übrigen Inhalt der Petition ist nichts geändert und deshalb brauchen wir darauf nicht mehr zurückzugreifen. Unser Nr- teil über den Gesamtinhalt der Petition wird durch die Acndeiinig des Anfangs nicht günstiger, eher ungünstiger. Das einzig Erfreuliche daran ist. dast die Annahme, die Petition gehe vom Cciitialkomitee der sächsischen Partei aus, falsch ist. An dieser falsche» Annahme trifft uns aber gleichfalls keine Schuld, denn der uns ziigegaiigeiic Entwurf trug allcidiiigsdie Unterschriftcii Karl Siiidermaim und Ernst Schulze. Die endgültige Petition trägt aber die Unterschriften Karl S i N d c r m a n n und Johann T h i e m e. Das Cenlralkomitee hat mit der Petition nichts zu thiin und die Unterschrift des Genossen Ernst Schulze ist ohne dessen Wissen und Willen darunter gekommen. Damit verliert die Petition für mis den grösttcn Teil ihrer Be- dcutlmg, obgleich es uns natürlich auch nicht gleichgiltig ist, wenn einzelne Parteigenossen solche Sachen machen. Dagegen hätte die am Orte erscheinende, Sächsische Arbeiterzeitung" allen Anlast, ihren Parleigeiiossen ofscu zu sagen, wenn sie Fehler begehen, anstatt deren Vergehen wiederholt beschönigend zu verteidigen. Poliieiliches, Gorichtlichos u l w. Ein RechtSdoknincnt. In Bobenheim in der Pfalz war ein Parteigenosse beerdigt worden. Ihm wurde von seinen Freunde» wie üblich ein Kranz mit roter Schleife gelvidmct. Unter dem Lcichcngefvlge befand sich ein fanatisches Weib, das sich über dje rote Schleife ärgerte und sich dazu hinreisten liest, die rolc Schleife von dem Kranze abzureistcn. Die Kranzträger, darüber eiilrüstet, gingen zmn Staatsanwalt und verlangten dessen Einschreiten gegen die Frau. Ob das nötig war oder nicht, svll hier unerörtert bleiben. Aber wie der Stnalsamvalt die Angelegenheit behandelte, das verdient bekannt zu werden. Er liest den Aiizeigecrftattein, wie man uns berichtet, sslgendcs Schreibe» zugehen: Franke n thal(Pfalz), den 21. Februar 1S02. A. V.-No. 265 0. /02. Der kgl. Staatsanwalt bei dein kgl. Landgerichte Frankenthal. Betreff: Anzeige gegen Herzberger Barbara Witlve von Bobenheim a./Rh. Auf Ihren am 14. Februar 1902 gestellten Antrag, gegen die Rubrikatin die öffentliche Klage zu erheben, eröffne ich Ihnen, dast ich das Verfahren eingestellt habe, da in dem Wegreisten der roten Schleife eine strafbare Handlung nicht zu erblicken ist. Für die- jenigen, welche an der an einem Grabkranzc angebrachten roten Schleife Aergernis i�iiomiiien haben, bestand zum Wegreisten und Entfernen derselben mindestens das gleiche Recht wie für die andren, welche die Schleife angebracht hatten, wobei dahin- gestellt sein mag, ob das Wegreisten oder das Anbringen einer roten Schleife an einem Grabkränze mehr ärgeriiiserregeiid ist. Der köuigl. Staatsanwalt. gez. Doerr, III. St.-A. Zur Beglaubigung Der Gerichtsschreiber. _ Mayer, Sekretär. Witt# Jtoimifvte nnd Hnndvl. Der Jahresbericht der RcichSbank lästl, wie schon ans dem vorher bekannt gegebenen Herabsetzen der Dividende zu schliesten war, gleichfalls stark die Folgen der Krise erkennen. Die Hilfs- aktion. die die Bank im Interesse der Industrie unfernahm. konnte natürlich nicht ohne Risiko ablausen und so verzeickmet der Bericht 3 766 503 M. Verlust, darunter 290000 M. der von G r ü n e n t h a l gefälschten Banknoten und neben andren Posten 2 756 500 Mark auf Wechsel, deren späteren Einlanf mpn zmn Teil noch erwartet. Die Opfer sind milhiii vorläufig feine sehr grosten, wenn wir den Umsatz der Bank berücksichtigen und in Vergleich stellen, welche Verluste andre Banken erlitten haben. Wie sich heute unsre wirtschaftlichen Verhältnisse ge- stalten, wird man der Direklion auch keine» Vorwurf daraus machen, dast sie versuchte, bis einer gewissen Grenze bei der Deroute ans dem Geldmarkt helfend einzugreifen, der Sturz wäre sonst ein noch heftigerer geworden und wir müssen jeden Bersiich, dem eiitgegenznwirken. an- erkennen. Der Gesamtumsatz der Bank stellt sich ans riind 193 Milliarden. Am 31. Dezember setzte sich der Metallbestand der Bank zusammen aus: Gold in Barren mid Münzen 632 185 000 M., dazu an Thälern 138 232 000 M., Scheideniüiizeii 98 116 000 M., insgesamt 868 533 000 M. Im Durchschnitt des ganzen Jahres waren von de» uiiilanfeiiden Noten 76,57(1900 71,77i Proz. durch Metall gedeckt. Die Metalldeckung der imilaufenheii Banknoten inid der sonstigen täglich fälligen Verbindlichkeiten betrug im Jahresdurchschnitt 51,01 (1900 49,48) Proz. In Goldbarren und ausländischen Goldmünzen waren am I.Januar 1901 vorhanden 171615 642 M., angekauft wurden für 139 023,552 M.. zusammen 310 644194 M.(i. V. 124 505 098 M.) Davon sind ausgeprägt oder verkauft 115120 742 M. und 195 523 452 M. iiii Bestände verblieben. Das Gold hatte einen Wert von 195 533 964 M., und es hat sich also ein Gewinn ergeben von 10 511 M. Von den übrigen Posten möchten wir noch folgende hervorheben: Der Verkehr im Platzwechseln beziffert sich auf 3 814 961 993 M. Der Gewinn hieraus ergab 19 494183 M.(i. V. 23 525 220 M.) An Versandt- bczw. Einzugswechseln standen 5 778 817 891 M. im Verkehr und betrug hier der Gewinn 13 983 575 M.(i. V. 17 939 203 M.) Für Anslandlvechsel berechnet die Bank eine» Gewinn von 1 522 902 Markch tibrlgen kleinere» Geschiifte die For dcruiiIen nach den neuen Tarifen bewilligen, die innncrhin noch teilweise unter den Lohnsätzen stehen. die in andern Grobstädten bezahlt werden. Nur die an Zahl zicinlich kleine Schar der U n i f o rm s ch n e i d e r steht noch geschlossen im Lohnkainpf, da die Arbeitgeber dieser Kategorie sich vorläufig noch aus keinerlei Zugeständnisse einlassen wollen. I» Ulm fordern die Gehilfen Abschaffung von Kost und LogiS beim Meister, Erhöhung deS Stikklohns, Einschränkung der Nacht und SountagSarbeit, sowie Lieferung der Nähzuthaten durch den Geschäftsinhaber. Die Gehilfen hoffen'auf friedlichem Wege ihre Forderungen durchzusetzen, umsomehr, da diese in den umliegenden kleineren Städten schon seit Jahren bewilligt sind. In Leipzig bestehen bei der Firma'Albert Frankenberg Diffe rcnzen wegen der Entlohnung. Der Verband der Buchdrucker hat die aus Anlab der Durchs führimg des Tarifs vorgenommene Sperre der Grenzzahlstellen nun mehr wieder aufgehoben. Tapezierer! Wie aus Stettin niitgeteilt wird, sind dort Differenzen ausgebrochen und ersuchen die dortigen Tapezierer, Zuzug fernzuhalten.— Ebenso sind die Tapezierer Zürichs in«ine Be- wcgung eingetreten und erwarten, dah kein Tapezierer nach dorthin Stellung annimmt. Sind die„Gntenbergbiindler" Streikbrecher? Als Beitrag zur Bcnutwortnug dieser Frage, die jüngst in einer Gerichts Verhandlung aufgeworfen wurde, mag folgender Vorfall dienen I» der„Halleschen Zeitung", in der die Buchdrucker schon ver ichiedentlich Konflikte wegen des Tarifs hatten, wurde ihnen auch die Zahlung des neu vereinbarten Tarifs verweigert. ES gelang nun den Verbandsbuchdruckern, die Gutenbergbüiidler dahin zu bringen, daß sie mit de» Verbändlcrn gemeinsam die Kündigung einzureichen— versprachen. Statt aber dem Versprechen nachzukommen, unterhandelten sie hinter dem Rücken der Vcrbandsmitgliedcr mit dem Prinzipal, und während diese Pflichtgemäß ihre Kündigung einreichten, blieben die Herren vom Giitenbergbund unter Eiitaegennahiiie von„Lohnzulagen" in Höhe von 72— 2b Pfcmiig pro Woche(!) stehen.— Wie nennt man das? Der bekannte Musterchrist Brnst, Leiter des GewerkverciuS christlicher Bergleute, ist nun wegen Verleumdung des Genossen Möller bestraft. Kürzlich erschien im„Bergknappen" ein Artikel mit der vielversprechenden Ueberschrift:„Zur Charakterisierung socialdcmokratischcr Gewerkschaftsführer". In diesem Artikel, der von eincm andren Christen namens Ruth mann als Einsender unter schrieben war, wurde gegen den wegen schwerer Erlrankung von seinem Posten zurückgetretenen Vorsitzenden des deutschen Berg- arbeiter-Verbandes Möller der Vorwurf erhoben, derselbe habe in einem Briefe an einen Zccheiibeamten sich angeboten, Material, welches er gegen die Arbeiter ge snumielt, den Unternehmern zur V e r f ü g u n g!z u st e I l e n, Ivenu er dafür eine Stelle bekomme! Die ungeheuerliche Beschuldigung wurde in einer Form gebracht, auf Grund deren man kaum an der Wahrheit der Beschuldigung zweifeln konnte: man veröffentlichte den angeblichen Brief Möllers au den Grubenbcamten. Mit solcher Bestimmtheit wurde die Verleumdung aufrecht erhalten, daß mau trotz der trüben Quelle, aus der sie stammte, glauben konnte, diesmal enthalte die geradezu sensationelles Aufsehen und Erregung in den beteiligten Kreisen hervorrufende Bc- schuldiguiig, die in der Arbeiterbewegung wohl einzig dasteht. wenigstens ein Körnchen Wahrheit. Aber vor Gericht citicrt konnte Brust auch nicht den Schatten eines Beweises für die ungeheuerliche Anschuldigung erbringen. Seine einzige Entschiildigung bestand in dem Gejammer, er sei düpiert Ivorden 1 1 1 Dieser naive, harmlose Brust I Der angebliche Empfänger des Briefes bekundete, von Möller einen oder auch mehrere Briefe erhalten zu haben, in denen derselbe um Verwendung auf der Zeche gebeten habe, aber von Material, das gegen die Arbeiter verwendet werden könne, stand nichts in den Briefen. Ein andrer Zeuge will auch Briefe von Möller empfangen haben, kann aber über den Inhalt überhaupt nichts angeben. Mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung erkannte das Gericht gegen den Oberchristen B r u st auf 3 0 0 M. G e l d st r a f e, gegen R u t h m a Ii n auf vierzehn Tage Ge- f ä n g n i s. Ausland. Die Diaiiiantarbeiter-Anösperrittig hat zahlreiche Falliffe- mente zur Folge gehabt. Um der dadurch hervorgerufenen Be- unruhigling des Marktes entgegenzuwirken, hatten die Antwerpener, Pariser und Amsterdamer Juweliere an das Syndikat der Dinmanteii- bändlcr in London das Ersuchen gerichtet, die Einfuhr roher Diamanten vorläufig einzustellen. Wie„Hct Volk" aus zuvcr- lässiger Quelle erfährt, hat das Syndikat es abgelehnt, darauf ein- zugehen. I» der Grube z» ForchieS(Belgie») weigerten sich die Arbeiter, infolge von Meinungsverschiedenheiten mit der Direktion, eiiizufahrcn. Man befürchtet, daß die Grubenarbeiter des hiesigen Bezirks sich immer mehr für den Ausstand entscheiden und nur auS Brüssel das Signal zum Generalstreil erwarten. Bergarbeiter- Streik. In den„National- Bergwerken" des Nhonida- Thales, Südwales, haben letzten Sonnabend 1200 Bergleute die Arbeit niedergelegt, da sie es ablehnten, mit fünf Nicht- gewerkschaftlern zusammen zu arbeiten. Die Beamten der Berg- arbeiler-Föderation sprachen sich gegen diesen Streik aus. Sociales. Zur Ausführung deS GewerbegerichtS-GesetzeS. Schon wieder ist ein eifriger Arbeitcrfreund aufgestanden, der dem„Vorwärts" lehre» will, wie man Arbeiterrechte wahrziinehmen hat. Diesmal ist es die edle Frankfurteriii, die der„Socialen Praxis" nichts vorauslasscn möchte und die Auslegung des Gcwerbegerichts- Gesetzes durch Möller bietet ihr den Anlaß, ihre Arbeiterfreundlichkeit in elektrischem Lichte erstrahlen zu lassen. Die gesamte liberale Presse hätte sich mit Heller Entrüstung geäußert über Möllers Vorgehe», wir aber begnügten uns mit einem Artikel(Nr. So ist gemeint), der nicht Fisch noch Fleisch wäre. Die Frankfurterin liest den„Vorwärts" schlecht. Wir haben doch noch etwas früher dazu Stellung genommen als sie sich träumen läßt. Was wir Herrn Möller gegenüber zu sagen hatten, ist schon in nnsrer Nummer 27 vom 1. Februar gesagt worden. Ob das den Beifall der„Frankfurter Ztg." finden wird, wissen wir nicht; es kommt auch nichts darauf au. Diesmal handelte es sich für uns lediglich darum, gegenüber der„Arbeitsmarkt-Korrespondenz" festzustellen, daß es in dem Falle. wo Interpretation des Willens der Gesetzgeber eine Rolle spielen kann, auf Herrn Trimborns nachträgliche Meinnngsäußerung eventuell dessen Unfall ganz und gar nicht ankomme. Das ist der Fall bei der Frage des Verggewerbe- Gerichts. Da liegt dolose Verletzung des Gesetzes vor, gleichviel, wie Herr Trimborn oder das Centrum oder der ganze Reichstag jetzt entscheidet. In dem ander» Falle aber, dem des Z 7, kann man daS nicht in diesem Umfange sagen, deswegen kommt es allerdings hier auf die nachträgliche Interpretation an. Da aber zu den Urhebern des Gesetzes auch die Socialdcinokraten gehören, galt es andrerseits wieder der„A.-K." gegenüber hervorzuheben, daß diese Interpretation auch dann gegeben werden wird, wenn Herr Trimborn es unterläßt. Ob das freilich auf die Entschließungen des Herrn Möller einen Ein- fluß ausüben kann, das hängt andrerseits wieder davon ab, ob die Reichstags Mehrheit eine' loyale Handhabung des Gesetzes er- zwingen will. Und das steht in der That beim Centrum. Oder hofft-etwa die Frankfiirterin, daß die Freifinnigen und die National- liberalen mit den Socinldemokraten zusammeii Herrn Möller zu loyaler Aiisftthruiig des Gesetzes zwingen möchten?. Diese liveral-demokratisch-freisinnige Arbeiterfreundlichkeit ,st genau so sadenscheinig wie die des Centrums. Arbeiterschich in Glashütte». Die BunbeSrats-Verordnnng über den Schutz der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter in Glashütten vom 11. März 1892 läuft am 1. April ab. Sie ist jetzt vom Bundesrat durch Bekanntmachung vom b. März auf weitere 10 Jahre, also bis zum 1. April 1912 verlängert worden. Dabei sind einige Abänderungen daran vor- genommen worden. Von der Beschäftigung in solchen Räumen, in denen vor dem Ose»(Schmelz-, Kühl-, Glüh«. Streckofen) gearbeitet wird, sind jetzt auch Knaben unter 14 Jahren gänzlich ausgeschlossen, während bis her nur Arbeiterinnen ausgeschlossen waren. Ganz neu sind folgende Vorschriften: In solchen Räumen, in denen Rohstoffe oder GlaSabfälle zer kleinert oder gemischt werden, oder in denen mit flüssigem Fluor Wasser gearbeitet wird, darf Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern eine Beschäftigung nicht gewährt und der Aufenthalt nicht gestattet werden. Mit Arbeiten am Sandstrahlgebläse dürfen Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter nicht beschäftigt werden. Mit denjenigen Schleifarbeitern, bei welchen die GlaSwaren trocken geschliffen werden oder das Schlcifrad nicht durch mechanische Kraft angetrieben wird, dürfen auch erwachsene Arbciteriinieu nicht beschäftigt werden. Für die Berechnung der Pausen blieben diertelstündige Arbeits Unterbrechungen bisher gänzlich außer Betracht. Jetzt ist die sehr bedenkliche Bcstinimung hinzubekomme», daß bei achtstündiger Schicht die höhere Verwaltiingsbehöide gestatten kann, daß den jungen Leuten auch diese kurzen Arbeitsnntcrbrechnngen auf die vor- geschriebenen Arbeitspausen angerechnet werden. Nur für eine der Pansen wird auch dabei die mindestens halbstündige Dauer fest gehalten. Sonst ist nichts Wesentliches an der Verordnung geändert; vor allem ist selbst die mangelhafte Soniitagsrnhe beibehalte» worden. Der Bundesrat erneuert das am 1. April ablaufende Verbot der Bcschäftignng von Aibciteriniien und jugendlichen Arbeitern bei gewisse» Arbeiten in Zuckerfabriken auf weitere 10 Jahre. Äu den Gemeindemnhlcn. Ii» Wilmersdorf finden am Montag, den 10. und Dienstag den 11. März die Wahlen zur Gemeindevertretung statt. Die Wahlhandlung geht im' Victoria-Garten, Wilhclmsaue, vor sich, sie dauert an beiden Tagen vormittags von 10 bis 2 Uhr und nachniittags von 4 bis 3 Uhr. Alleinige Kandidaten der Social demokratic sind Gastwirt Hilpert, Redacteur Schröder und Hausbesitzer Meyer. Eine Wählerversammlimg, in der Reichstags Abgeordneter L e d e b o n r über die Bedeutung der Wahlen spricht, tagt heute nachmittag 2 Uhr bei S t r u ß, Ecke der Berliner- und Augustastraße. Zum letztenmal ergeht der Appell an die Partei genossen, heute und an den beiden folgenden Tagen mit ganzer Kraft ich der Agitation hinzugeben und dahin zu wirken, daß die arbeitende Bevölkerung Mann für Mann den Kandidaten der Socialdemokratie ihre Stimme giebt. Thue jeder seine Pflicht und der Sieg ist unser! Schmargendorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am Montagabend 7 Uhr eine Flugblattverbreitung zu der am Donners- tagnachmittag zwischen 4—8 Uhr im„Deutschen Hause" stattfiudeiiden G e m e i ii d c v e rt r e t e r- W a h l stattfindet. Zahlreiches Er- scheine» aller Genosse» ist erforderlich. Dienstagabend ll'/z Uhr iudet die regelmäßige Mitgliederversanimlimg des socialdemokra tischen Wahlvereins statt. Mittwochabend, Punkt 8 Uhr. ist bei Herrn Leonhard, Warnciniiiiderstr. 6, eine Volisvcrsammlimg. Tagesordnung: Ausstellung eines Kandidaten zur Gemeindevertreter-Wahl. NummelSbnrg. Als Kandidat für die dritte Klasse des zweiten Kommunal-WahlbezirkS(iiinfassciid sämtliche Straßen südlich der Ostbahn) ist Genosse Klempner Paul Gebauer aufgestellt. Die Wahl findet am Dienstag, den 11. März, nachmittags 4—8 Uhr, im Rathans 1 Treppe Zimmer Nr. 7 statt. Gros)-Lichterfelde. Die Gemeindevertreter- Wahlen für die dritte Abteilung finden am Donnerstag, den 13. März, nachmittags von 4—8 Uhr, statt und zwar für den ersten Bezirk(Anhalter Seite) im H e n n i n g s ch e n Restaurant, I u n g f e r u st i e g b; für den zweiten Bezirk(Potsdamer _ e i t e) im F i ch t e l s ch e n K l u b h a u s e, K y I l ni a n n st r. 7. Im ersten Bezirk ist nur ein G e m e i n d e v e r t r e t e r zu wählen und ist als socialdemokratischer Kandidat K. Wenzel, Zeitungs-Expedient, Lankwitzer st r. 6, nominiert. Im zweite» Bezirk sind zwei G e in e i n d e v e r t r e t e r zu wählen; hier kaiidiviercn socialdemokratischerseitS Buchdrucker Robert Lampe, Ringstratze 34, als Äugesesseiicr und Redacteur Heinrich Wetzker, Drakestraße 48, als Nichtangesessener. Die„Einigimg" zwischen den bisher feindlichen Brüdern, dem Handwerker"-Verein und den Grinidbesitzer-Bcreinen des Westen ist j>i stände gekommen; Baumeister Meusching, welcher vorher ein- tiinmig als Kandidat der Handwerker proklamiert wurde, ist auf dem Altar des Vaterlandes und ini Interesse des heiligen Kampfes gegen die Socialdemokratie geopfert worden; an seiner Stelle ivurde Baumeister Böhme, eine den Villenbesitzern genehmere Persönlichkeit als Komproniißkaiididat präsentiert und accepticrt. Dagegen hat der Grnndbesttzer-Verein nordwestlich der Wannsce- bahn in einer am Freitag stattgefnndenen Versammlung als 'eine Kandidaten Baumeister Meusching. den schnöde Verlassenen, und Rechniingsrat Gebauer, die beids für den Hochbau eintreten, gewählt. Von der genannten Versammlung wurden die Arbeiter ausgeschlossen; der socialdemokratijche Kandidat für den Osten wurde ebenfalls zurückgewiesen, obwohl er sich den betreffen- den Herren vorstellte. Die Herren werden vielleicht begreifen, daß die Abgewiesenen nicht die Blamierten sind. Im 1l. Bezirk(Westen) kämpfen demnach drei Parteien um den Steg, während im I. Bezirk(Osten) dem socialdcmokratischen Kau- didäten nur ein Gegner gegenübersteht. Die Arbeiterschaft on Lichterfelde mutz es als Ehrensache betrachten, aß ihre Kandidaten schon im e r st e n W a h l g a n g e h n e Stichwahl über die Gegner siegen. Dazu bedarf es bis zum Wahltag noch rastloser Agitation und Auftlärnng und am Wahltage selbst der thätigsten Mithilfe aller Parteigenössen. Kein Mann darf der Wahlurne fernbleiben I Heute nachmittag 2'/, Uhr findet im Richterschen Saale. Chaussee- trotz e 104, eine öffentliche Komniunalwähler- Versammlung der dritten Abteilung statt, zu der alle Wähler, auch die Gegner er Socialdemokratie, eingeladen sind. Marieiidorf. Die Gemeindevertreter-Wahlen für die dritte Klasse finden für den Marieudorfer Teil am Montag, den 10. März, im neuen Schulhause, die für den Südender Teil am Dienstag, den 11. d. M., in Südende im Restaurant Dahl, Lichter- elderstratze 21, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis b Uhr abends tatt. Trotz der so ungünstigen Festsetzung der Zeit der Wahl darf sich niemand von der Urne fernhalten: kann doch ein« einzige Stimme den Ausschlag geben l Der von unsrer Seite aufgestellte Kandidat ist Genos'ie Maurer Hermann Lehmann in der Bergstraße. Wir ersuchen die Parteigenossen nochmals, dort, wo es noch nicht geschehen, die Säumigen aufzurütteln, damit wenigstens diese ihr Wahlrecht nicht außer acht lassen. Teinpelhof. Am Donnerstag, den 13. März, von vormittags 8 bis mittags 12 Uhr, findet die G e m e i n d e w a h I für die dritte Wählerklnffe statt. Von unsrer Seite kandidiert der Nichtangesessene Tischler AlbertThiel. Friedrich Wilhelnistr. 17 wohnhaft. Nach amtlicher Bckaimtinachiing„kann nur" ein Hausbesitzer gewählt werden. Unsre Gemeindevertretung besteht aber nußer den zwölf gewählten Vertretern mit den Schöffen und dem Gemeindevorsteher aus 18 Mitgliedern. Mithin haben also die Wähler der dritten Klasse daS Recht, noch einen Nichtangefefsenen zu wählen. Lasse sich daher niemand in seiner Stimmabgabe beirren, Die Gegner verhalten sich, ihrer alten Taktik gemäß, bis jetzt noch ganz still: um so mehr ist es unsre Pflicht, die kurze Zeit bis zur Wahl ge- hörig auszunützen. Gelegenheit zur Agitation ist überall initcr den Be« kannten, deu Nachbarsleiiten.auf dem Bauplatz und in der Werkstatt vor« handen. Jeder Parteigenosse thne seine Pflicht und der Erfolg wird nicht ausbleiben I Gleichzeilig sei auf die am Dienstag, den 11. März, abends 3�/1 Uhr. im Lokale von Adel, Gcrmaniastr. 20 statlfindcndc Versammlung des Wahlvereins hingewiesen. Genosse Fritz Z üb eil, der sein Erscheinen zugesagt hal. wird nochmals über die Gcmeindewahl sprechen. Zahlreicher Besuch ist unbedingt nötig. In Zehlendorf findet am Sonntagnachmittag 3 Uhr eine W ä h l e r v e r s a m m I u n g im Restaurant„AnglerSruh", Alse»- straße 23, statt. Die Tagesordnung lautet:„Hat die bisherige Gemetndevertretu n g die Interessen der Allgemeinheit ivahr- genommen?" Sonntag früh 7'/s Uhr werden die Genossen ersucht, zur Flugblattverbreitung im Restaurant Giese, Tcltowec- straße 23, recht zahlreich zu erscheinen. Wir weisen nochmals darauf hin, daß die Wahlen am D i c n s t a g. den 11. März, von nachmittags 3—8 Uhr stattfinden. Der 1. Bezirk wählt im Restaurant Fürstenhof: Kandidat ist hier Gen. Göhr«. Der 2. Bezirk wählt im Restaurant Kniserhof: Kandidaten: Genosse K ö st e r als Mieter und Gen. G e h r i k e als Hauswirt; letztere Wahl gilt als Ersatzwahl auf 2 Jahre. Berliner Partei-Attgelegenheiten. Achtung, 1. Wahlkreis. Sonntagabend Ö1/« Uhr spricht in Cohns Festsälcn, Beuthstr. 20/21, Genosse Z u b e i l über.Streif« bilder aus dem Reichstag". Nachher: Geiiiütlichcs Beisammeiisein mit Tanz. De» Mitgliedern des WahlbereinS für den zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreis zur Kenutiiisiiahnie, daß am Mitlwochabend S'/e Uhr eine Versaimnliiiig im„K o n i g s h o f", Bülowslr. 37—40, siatlfiudet, in der Genosse Dr. Leo A r o n s über folgende Frage spricht:„Welche technischen Aufgaben stellt uns die Beteiligung an den preußischen L a n d t a g s- W a h l e n?" Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder, insbesondere auch der B e- z i r k S f ü h r e r ivird gebeten. Dritter Wahlkreis. Dienstagabend 8>/s Uhr V e r s a m m- l u ii g deS Wahlvereiiis im Lokale von F e u e r st e i n, Alte Jakob- stroße 73. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genosse» Kaliski über: „Die Legende vom socialen Verständnis des Bürgertums". Vierter Wahlkreis(Süd-Ost). Dienstagabend findet in der Urania", Wrangclstr. 11. eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, in der Frau Natalie Fuchs über Mängel und Schäden in der Verlincr Armenpflege sprechen wird. Zahlreiche Beteiligung erwartet die VertraueiiSperson. Schönhauser Borstadt. Heute, Sonulagabeiid, Punkt 3 Uhr iudet im Jägerhaus, Schönhauser Allee 103, eine Volks- Versammlung fiatt, in der Genosse Waldeck Ma nasse einen Vortrag über„Zertrümmerte Götter und Götzen" halten wird. Um rege Beteiligung ersucht Karl Wünsch, Vertraucusmaiiu. Zur Lokalltste. Am Sonnabend, 15. März, veranstaltet der Lottcrieverciii„Klub Hosfiiiing" im Restaurant des Ost- Bahnhof bei Kemp eine Festlichkest, zu iPlcher man Karten in Arbciterkreiscn abzusetzen versucht. Da dieses Lokak der Arbeiter- chaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht, so meide man trengftenS das Vergnügen und weise die aiigeboteiicn BillcIS zurück. Die Lokai-Kommtssion. Lichtenberg-Friedrichöberg-WilhelinSberg. Der Wahlverein hält Dienstag bei Höflich. Frankfurter Chaussee 121, eine Versamm- lung ab. Genosse Waldcck Maiiaise wird über:„Krieg auf Erden und deni Menschen kein Wohlgefallen" sprechen. Wichtige Percius- aiigclegeiihcitcii machen das Erscheinen aller Parteigenossen not- wendig. Der Vorstand. Köpenick. Am Dienstag, 11. März, abends Punkt 8Vs Uhr. indet pei Ludwig, Maricnstraße, die nächste Versaimiiliing des Wahlvereins statt, in der Genosse Max Kiesel über die Welt- und Heimatspolitik des Reichskanzlers sprechen wird. Z�rtzke Ilstdjt'ljfifcn und Depepchen« Politischer MeineidSprozest. Güstrow, 8. März.(Privattelegramm.) Das hiesige Schwur- gerächt verhandelte am Freitag und Sonnabend eine Meineids- klage mit politischem Hintergründe. Abgcordncler Hcrzfcld gründete im Dorfe Kamin seines Wahlkreises einen Rechts- 'chutzverein für Landarbeiter; an die Gründung knüpfte sich ein Prozeß gegen den VcreinSwirt wegen Uebertrctung der Sonntags- Ver- ordiimig, der mit Freisprechung endete. Zeuge Arbeiter Härder ollte dabei seine Eidespflicht verletzt haben und das Schwurgericht verurteilte ihn heute zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahre» Ehrverlust. Ein als Zeuge veriioiinnencr Amtshauplinan« drückte das Siegel unter den Passus in der Anklageschrift, der Meineid sei aus Partei- Interesse geleistet, durch die Aussage, Kamin sei der Schlupfwinkel der Socialdemokratie und die nieislen Kammer, ansgenommeii ein als Kronzeuge fmigicrender Händler, eien ihm verdachtig und mau könne sich nichts Gutes von ihnen versehen._ Hadersleben, 8. März.(W. T. B.) 9 Uhr abends. Reichstags- Ersatzwahl. Bisher sind gezählt für Redacteur Jessen Däne) 8127, ür Pastor Jacobseii-Ferrebeck(Deutscher) 4089 und für Schneider- meister Mahlke(Socialdemokrat) 437. Es stehen noch die Ergebnisse ans niehrercii Orten aus, doch scheint die Wahl Jessen gesichert. ein Dekret unterzeichnen, wonach das zum Eisenbahiidienst einberufene Militär vom 15. d. M. ab zurückberufe» wird. Ptllau, 8. März.(W. T. B.) Der am 18. Januar bei NodemS an der Bernsieinküste gestrandete Dampfer„Louise" ist unter Beihilfe der Bugsierdampfcr„Roland" und„Bravo" flott- gemacht. Rom. 3. März.(W. T. B.) Nach Verhandlungen zwischen der Regierung und Vertretern des Personals der Eisenbahnen und der Eisenbahngesellschaften ist heute ein völliges Einvernehmen unter c egenseitigen Zugeständnissen bezüglich der Forderungen deS Personals der Eisenbahnen erzielt worden. Infolge dieses Einver- nehmeiis ist jede Furcht bezüglich eines Ausstandes der Eisenbahn- arbeiter geschwunden. Dem Vernehmen nach wird der König morgen Baku, 8. März.(W. T. B.) Nach dem von dem Komitee in Schcmacha veröffentlichten Bericht wurden von dem Erdbeben 126 Dorf- 'chaften mit 9084 Häusern betroffen. Davon wurden 3496 zerstört und 3943 beschädigt. Außerdem erlitten Schaden 4163 Wirlschafts- gebäude, 11 Kirchen, 41 Moscheen, 3 Mühlen, 3 Schulen und 8 Seiben- Webereien. Getötet wurden 86 Persoucn und verletzt 60: außerdem ist viel Vieh unigekommen. New Bork,' 7. März.(W. T. B.) Ein Telegramm ans EI Paso meldet, ein Zug der Eisenbahnlinie Galveston— San Antonio sei entgleist; die Trümmer des Zuges seien in Brand geraten, 17 Per- 'onen seien getötet. Peking, 8. März.(Meldung des„Renterschen Bureaus".) Eine zum größten Teil aus eiiilasscncn Soldaten bestehende Räuberbande hat den Priester von Jesol) das 130 Meilen nord- östlich von Peking liegt, entführt. Die Regierung hat Truppen unter dem Befehl eines Generals entsandt. Hongkong, 8. März.(Meldimg deS„Reuterschen Biiremis".) Die A n f st ä n d i s ch e n in der Provinz K Iv a n s i haben den Ort Kaitschou, 80 Meilen von Kwongschwan, erreicht. Dort über» tele» sie die Mandarinen, überwältigten die Garnison und be- freiten die Strafgefangeiieii, welche sick den Aufständischen an- schlössen. Es heißt, daß die Dreifaltigkeits- Gesellschafr mit den Aiifstäiidischen bei ihren Raub- und Brandzügen gegen die Dörfer ziisamineiiwirke._ ' VeraMworllicher Redacteur: Carl Leid w Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich:»h.«locke in»erlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen u. Ilntcrhaltiiugsblatt. St. 58. 19. 1. SkilU i>kS.AmW" KM» UckslilÄ Sjnnlag, 9. Mörz 1902, UoKstles. Echt freisinnig! Für die Deputation der städtischen Wasserwerke tjaUe die Stadtverordneten- Versammlung durch Beschlutz vom 23. Januar d. I. eine Verinehrung der aus den Reihen der Stadtverordneten zu entnehmenden Mit gliedcr von bisher 4 auf künftig 5 gefordert. Hierzu berichtet das„Berliner Tageblatt", die Deputation selber habe„durchaus kein Bedürfnis" nach einer solchen Verniehrnng empfunden, da die bisherige Zahl der Mitglieder für die Erledigung der Geschäfte ausreiche. Sie habe die Entscheidung dein Magistrat anheimgestellt, dieser aber habe sich gegen die Vermehrung aus- gesprochen. Das Blatt schickt dieser Mitteilung die Bemerkung voraus:„Unzuträglichkeiten in den städtischen Deputationen haben sich gerade in letzter Zeit, wo besonders die Social demokraten ihre Parteigenossen in diese Kommissionen hineinzu- schieben versuchen, herausgestellt." Worin die„Unzuträglich- leite n" bestehen, wird von dem„B. T." nicht gesagt. Einen Finger zeig bietet aber der Hinweis auf die Socialdemokratie und der Ausdruck «hineinzuschieben v ersuchen". Anscheinend gilt der Freisinnsclique und ihren Pretzorganen schon das als eine „Unzuträglichkeit", datz überhaupt ein Socialdemokrat in einer Verwaltungsdeputation sitzt und Einblick in ihre Geschäfte erhält. Datz eine Fraktion, die jetzt über ein Fünftel aller Stadtverordneten- Mandate verfügt, auch auf eine Vertretung in den Verlvaltungs deputationen Anspruch hat, das sollte für jeden billig denkenden Menschen etlvas Selbstverständliches sein. Das„Berl. Tageblatt" aber scheint die Geltendmachung dieses Anspruches, sobald die Socialdemokratie in Frage kommt, mit einem Male für ein unerhörtes Verlangen zu halten. Was im besonderen die Deputation der Wasserwerke betrifft, so gehört sie zu detijenigcn Verivalwngs deputationen, in denen unsre Genossen noch keinen Sitz haben. Da in dieser Deputation süt die Stadtverordneten gcgemvärtig, wie gesagt, nur 4Sitze vorhanden sind, während die socialdcmokratische Fraktion bis Ende vorigen Jahres nicht ganz ein Sechstel äffer Stadtverordneten Mandate besaß, so hatte die freisinnige Mehrheit bis dahin mit einem Schein von Recht die socialde in akratische Minder- h e i t v o H st ä n d i g von der T e i l n crh in e an d e r V e r- waltnng der Wasserwerke ausschließe» dürfen. Wenn aber jetzt den Stadtverordneten ein fünfter Sitz in der Wafferwerks deputatio» eingeräumt würde, dann ließe es sich nicht umgehen, diesen fünften Sitz den Socialdemokraten zu überlassen. Daher der Jainmer des edlen„B. T." über die.„Unzuträglichkeiten"— und wohl auch die Abneigung der Wasscrwerksdeputation und des Magistrats gegen die Vcnnehrung I Ter Polizeipräsident gegen daS Kainmergericht. Ueber die polizeilichen Beschränkungen während der Karwoche macht der Polizeipräsident folgciidcs bekannt: Mit Rücksicht aiif eine neuerlich ergangene Entscheidung des kgl. Kaminergerichts sind in Intel esseiitenkrciscn und in der Presse Zweifel darüber laut gcwordci», ob die Berliner Polizeivcrordnnng über die äußere Heilighaltnng der Sonn- und Feiertage voin 10. März 1808 beziehnugsweise vom 0. November 1001, welche die öffentlichen Lustbarkeiten ivährcnd der Karivoche erheblichen Beschränkuiige» linterwirft, für sämtliche Tage derselben gültig ist. Zur Aufklärung sei folgendes bemerkt: Die Eiitscheidnng des kgl. Kamnicrgcrichts besaßt sich mit einer in Hanau in Hessen vorgekommenen Zulviderhandliing gegen die Polizeiverordiiimg des Kasseler Regieruiigspräsideiiten vom 31. De zcmber 1896. Diese Entscheidung betriff! ferner die Butztagsivoche und nicht die einen wesentlich andern Charakter tragende Karivoche. Der dort in Frage stehenden Polizeiverordnung liegt außerdem nicht— wie für Berlin— die allerhöchste Kabinettsorder voni 7. Februar 1837, sondern ein besonders für die Provinzen Schlesivig- Holstein, Hannover und Hessen- Nassau erlassenes Gesetz vom 0. Mai 1892 zu Grunde. Die Entscheidung trifft daher aus diese» und andern Gründen, deren Erörlening hier zu weit führen ivürdc, auf die hiesigen Verhältnisse nicht ohne weiteres z», so datz die erwähnte Berliner Polizeivcrordnnng auch diesmal in derselben Art wie bisher zur Durchführung gelangen muß. Im übrigen mag noch darauf hingewiesen werde», daß speciell über die Frage der Rechtsgültigkeit der Berliner Polizeiverordiiung in nächster Zeit eine Entscheidung des höchsten prentzischen Ver- waltniigsgcrichlshofes z» erivartcn ist. So der Polizeipräsident. Vcrnintlich wird es auch zu iveit führen, den klaffenden Unterschied zwischen Karivoche und der B»tztagswoche zu erörtern. Man mutz gewiß schon sehr tief in die Mysterien des preußischen Ehristentuins eingedrungen sein, um solche Unterschiede begreifen zu können. Dem Perdicnste seine Krone. Hofprediger a. D. Stück er ist aus Anlaß des 25jährige» Jubiläums der Berliner Stndtniission von der Universität Greifsivald zum Ehrendoktor der Theologie ernannt ivorden. Die Universität Greifsivald wird wissen, welche Ehre damit der Gotiesgelahrtheit zu teil wird. Zu dem Lcichenfnnd im Franzoscnpfnhl ist heute nicht viel Ncnes zu melden. Daß Gandin gleich nach seinem Verschwinden getötet worden ist, steht jetzt außer Frage. Bekundungen von Kindern, die jetzt vernommen wurden, haben auch die letzten Zweifel beseitigt. Die Kiiidcr liefen in der zweiten Woche des Febrriar, die mit dem 9. begann, auf dem Franzoscnpfnhl Schlittschuhe und sahen auf dem Eise Spuren von Blut und abgerissene Fetze». Datz sie nicht auch die Leiche fanden, erklärt sich leicht. Die Kinder hielten das Eis i» der Mitte noch nicht für stark genug und bliebe» daher am Ufer. Gastwirte aus Britz und Tempelhof, die gestern vernommen wurden, konnten etlvas Bestimmtes nicht bekunden. Sie gaben ivohl die Möglichkeit zu, daß Gaudi» bei ihnen verkehrt habe� konnten sich aber ans seine Person mit Sicherheit nicht besinnen. Gestern vor- miitag hatte Kriininalinspektor Braun eine Anzahl Frauc» und Mädchen geladen, die auf den Tanzböden in Britz und Tempelhof Verkehren, um sie über etivaigc Wabrnehmnngen zu hören. Andre haben sich auch sreiivillig gemeldet. Diese Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen. Bei der Leiche fand nian noch eine wertlose Uhr- kette. Es iverden jetzt Ermittelungen angestellt, ob diese Gandin oder einem andren gehört. Eine Korrespondenz bringt noch folgende Meldung: Eine wich- tige Wendung der Gandinsche» Mordaffaire ist gestern. Soininbend- nachmittag, eingetreten. Der Gefreite Schulz, Ordonnanz des ReginientSbnrcans im 2. Gardc-Dragoner-Regimcnt. und der Brigade- schrciber S ch i rm er vom 1. Garde- Dryaoner- Regiment sind in vorlänfigcn Gewahrsam auf der K'aserncn-Wnchtstube des 2. Garde- Dragoner- Regiments gcnomincn worden. Während der Kaiser in der Reitbahn das Osfizicrsreitcn besichtigte, erschienen Kriminal- inspektor Brau» mit einigen Beamten und Affesior Fiebelkorn in Ber- tretnng des Grrichtsherr» der Garde- Infanterie- Division in der Kaserne des 2. Gardc-Dragoner-Rcgimciits in der Blücherstraße und ließen sich zunächst den Gefreiten Schulz vorführe». Derselbe leugnete beharrlich jede Tbäterschnft, konnte jedoch nicht anders als zugeben, datz er mit Gandin am Tage der Mordthat zusammen gewesen sei. Obivohl er auch anfänglich bestritt, ünnatirÄichen Neigungen zu fröhnen. so leugnete er doch nicht mehr, als man ihm seinen bei der Leiche gefundenen Brief vorhielt, daß er G. gekannt habe»nd mit ihm verkehrt hatte. Seinen Gefährten weigerte er sich zu nennen und so ordnete die Kriminalpolizei eine Haussuchung an. Dabei fand sich im Spind des Schirmer ein Brief, den dieser an Gandin gesandt, der aber wieder zurückgekommen ivar, da die Adresse falsch war. Derselbe ivar derartig kompromittierend, datz die Untersuchungsführenden sich veranlaßt sahen, die Festnahme des Schirmer zu veranlassen. Eine Anzahl Ladcndiebinnen, welche gemeinsam oder auch einzeln operierlen, ist dieser Tage durch die hiesige Kriminalpolizei resp. durch die Köpnirker Polizeibehörde ermittelt und festgenommen werden. Bis jetzt befinden sich fünf der Diebinnen hinter Schloß und Riegel. Vor einigen Tagen wurden in Köpenick zwei Frauen festgenommen, welche in einem dortigen Schuhgeschäft Einkäufe machten und bei dieser Gelegenheit z>vei Paar Danienschuhe sich aneigneten. Fast gleichzeitig ivnrde in Berlin in der Büschingstratze eine Ladciidiebin, welche einen Einkauf bei einem Fleischer beivirkte, beobachtet, als sie ein Stück Kalbfleisch in ihrem Rndmantel ver- schwinden ließ. Bei der Durchsuchung ihrer Kleidung stellte sich die überraschende Thatsache heraus, daß der Radmantel mit iveiten und tiefen sogenannten Diebestaschen versehen ivar. Es lag die Vermutung nahe, daß zwischen den an verschiedenen Stellen ab- gefatzten Diebiimen eine Verbindung bestehe, um so mehr, als sie nachgeiviesenennatzen Verkehr mit geiverbsmätzigen Ladendiebinnen unterhielt. Eine der verdächtigen Frauen wurde am Mittwoch im Wertheimschen Warenhanse beobachtet und es gelang auch diese gelegentlich eines Diebstahls auf frischer That zu ertappen. Die fortgcsetzien Vernehmungen der Verhafieten führten nun dazu, daß bei einigen der im Verdacht der Mitthätcrschaft stehenden Personen Hanssuchnnge» stattfanden, welche zur Beschlagnahme einer großen Menge gestohlener Waren aller Art, als Kleidungsstücke, Wäsche, Porzellan, Holzwaren usw. führten. Die Untersuchung dürfte, da noch lveitcre Verhaftnngen bevorstehe», einsn größeren Umfang annehme». Den Vertrieb der gestohlenen Sachen haben die Diebinnen allein ausgeführt, indem sie an Bekannte und Ver- wandte die angeblich„gelegentlich billig erworbenen Waren" aus Gefälligkeit zum„Selbstkostenpreise" angaben. Für die städtische Unterpflasterbahn lNord-Süd-Lini'c), deren Ausführung zunächst geplant ist, läßt die städtische Banverwaltung, ivie wir hören, ein abgeändertes Projekt aufstellen. Ursprünglich war diese Linie vom Weddiiig, im Zuge der Chaussee-, Friedrich-, Belle-Alliance-, Dorl- und Mansteinstratze geplant, eS haben sich indes so erhebliche Bedenken gegen diese Linienführung herausgestellt, datz Stadtbaurat Krause sich entschlossen hat, die „Linden" im Zuge der C h a r l o t t e n st r a tz e zu überschreiten und am Gendarmenmarkt den Untorpflastertnnnel»ach der Mark- g r a f c n st r a tz e hinnberzuleiten; die Belle-Alliancestratze würde danach durch' die Lindrnstratzc erreicht werde». Mit der Aus- führung dieses ueuen Projektes ist ebenfalls die Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen beauftragt worden welche den Bahntnnnel zwischen Treptoiv und Stralau her- gestellt und auch schon einen generellen Plan nebst Kosteiiaiischlag'fiir eine sdnrch die Friedrichstratze führende) Nord-Snd-Linie ausgearbeitet hat? dieser letztere wird bei Ausstellung des neuen Projektes von großem Nutzen sein. Im Ballkleid ertrunken ist ein unbekanntes Mädchen, das man in Herinsdorf i. M. ans dem Wasser gelandet hat. Die Er- trunkene, die etwa 20 Jahre alt gewesen sein mag, hat schon längere Zeit im Wasser gelegen. Sie hat blondes Haar und trug ein rotes Seidenkleid, iveitze Haiidschnhe, zivei goldene Ringe und eine goldene Uhr. Man vermutet, daß sie' auf dein Wege zum Ball über das Eis gehen wollte und eingebrochen ist. Eine Dicbcsjagd aus den Dächern der Victoria-«nid Matthäikirchstratze verursachte bei den Anwohnern und Passanten da- selbst großes Aufsehe». Ein junger Bursche war bei einem Ein- brnch, den er in der Wohnung der vierten Etage des Hauses Victoriastr. 20 verübte, überrascht worden, entfloh durch das Fenster und kletterte an der Riiiiie cntlang»ach dem Dache hinauf. Hans- beivohncr übernahmen die Verfolgung des Flüchtigen, und nun de- ggnn eine ivaghalsige Jagd von Haus zu HauS, von Dach zu Dach. In der Matthäikirchstratze gelang es dem Dieb, durch eine offene Dachluke in den Bodenraum zu gelangen und hier gelang es ihm, sich zu verbergen und später unbemerkt zu entkommen. Bei dem Diebstahl, den der dreiste Bursche ausgeführt hat, fiel ihm eine goldene Taschenuhr sowie eine Summe Bargeld in die Hände. Zweierlei Mast. Uns wird aus den Kreise» der Bühnenkünstler geschrieben: Die Mitglieder und Angestellten des Apollo- Theaters haben alljährlich einen großen materiellen Schaden durch die polizeilichen Beschränkunge» in der Karwoche und an jedeni ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingstfeiertag. Laut ihrer Verträge mit der Direktion des Apollo-Theaters erhalten die Künstler an solche n Tagen, Ivo laut Polizeiverbot die Vorstellung ans- fällt— keine Gage. Dies ist namentlich für die Karivoche eine schwere Schädig»»» und das Apollo-Theater erfreut sich noch Extra- Beschränk»»»«! an jedem ersten offiziellen Feiertag.— Während alle andren Berliner Theater ruhig ihre jeweiligen Stücke. ob Posse oder Operette oder Schauspiel, ivelche sie auf dem Spielplan haben, weiter geben dürfen, darf das Apollo- Theater seine harmlosen Operetten, ivie:„Frau Lima", „Don Juan in der Hölle" u. s. w. nicht aufführen. Am ersten Weihnachts-Feicrtage 1901 spielte das Neue Theater:„Eprally n. Comp.", das Metropol- Theater:„Raub der Sabinerinnen", das T h a l i a- T h e a t e r:„Badepnppe", das Carl Weiß- Theater:„I n n g f e r u st i f t" u. f. iv. Nur im Apollo- Theater ivnrde cm diesem Tage„König Aqua" verboten— eine ivirklich harmlose Operette, welche die Sage der versunkenen Stadt Vineta behandelt. Bei dieser ungleichen Behandlung des Apollo-Theaters sind die Mitglieder und Artisten die einzig Gc- schädigten, da sie ihre Gage verlieren. Die Direktion' sollte doch alles thun. damit ihren Künstlern Gerechtigkeit widerfahre und dieselben wie alle andren Berliner Bühnenkünstler auch an diesen Tagen ihren Beruf ausüben dürfe». Der 24 Jahre alte Pappdacharbeitcr Gustav Heubauin aus der Waldslr. 6 ist auf dem Hanse Friedbergstr. 6 z» Charlottenburg bei der Arbeit durch Absturz tödlich verunglückt. Wie uns von gewerkschaftlicher Seite niitgeteilt wird, tragen auch dies- mal die mangelhnsteii Schutzvorrichtungen die Schuld an dem Unfall. Die Arbeiten wurden von der Firma Kopp u. Co. ausgeführt.� Tic landespolizeiliche Schlttstabnahme der gesamten elektrischen Hoch- u n d U» t e r g r u n d b a h n, soweit dieselbe dem öffentlichen Verkehr noch nicht übergebe» ist, fand gestern vormittag statt. Die Eröffnung des Betriebes auf der Weststrecke Potsdamer platz�-Zoologischer Garten ist für Dienstag in Aussicht gc- iiommeii. Fcnerbericht. Sonnabendvormittag 10 Uhr wurde die Wehr »ach der Thnerstr. 38/39 gerufen, wo in einer Wohnung ein Stroh- sack brannte. Mittags mutzte in der Oranienbnrgerstr. 86!>. ein Brand beseitigt iverden, der den Fnßbode», Teppiche und Decken beschädigte. Kurz darauf war in der Friedrichstr. 39 in einem Keller Stroh und Gerümpel in Brand geraten. Freitagabend 8 Uhr hatte in der Kaiserin Augustastr. 82 in einer Äadestube eine Waschmaschine und Wäsche Feuer gefangen, dessen Ablöschung indes in kurzer Zeit er- folgen konnte. Eine Stunde spater gingen in der Hermsdorserstr. 4 Gardinen und Kleidungsstücke in Flammen auf. Nachmittags 3 Uhr brannte in der Potsdamerstr. 122a in einer Wohnnug Bohnerniäffe, Körbe und Möbel, doch gelang es bald, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Knrz vor 6 Uhr lief eine Fenermeldung von dem Rnngierbahiihof in der Haidestratze ein. Hier hatte sich ein Waggon mit Prctzkohlen entzündet. Außerdem hatte die Wehr noch eine Alarniierung von der. Strouistr. 48 zu verzeichnen, die jedoch auf „bliuden Lärm" zurückzuführen ivar. Zum Besten der Ferienkolonie für arme, blinde, kranke Kinder ver- anstaltcn Frl. Angelika Gurlitt und Herr Hoffniann unter Mitwirkung nain- haster Künstler am 18. März, abends 71/, Uhr, im Königshof, Bülowstr. 37, ein K o n z e r t. Eintrittskarten sind u. a. durch Frau Direktor Archenhöld, Elsenstr. 3, zum Preise von 2 M. und 1,50 M. zu beziehen. AnS den Llachbaropte». Lichtenberg. Mit Erfolg ivchrtc die Gemeiiidevcrtretuilg als Amtsausschutz den Versuch der Hausbesitzer ab, die Neiitigüngspflicht der Straßen und B ü r g e r st e i g e ohne Gegenleistung der Gemeinde aufzuhalsen. Mit mehr Glück operierte die Majorität in dem Bestreben, die Gemeinde zur Anlcgimg und Uiitcrhaltnngs- Pflicht der Bürgersteige zu veranlasse». Im Prozetzivege soll auf Grund der Klage eines Hausbesitzers die Regretzpflicht festgelegt iverden.— Die Hundesteuer ivnrde von 12 ans 16 M. erhöht. Die Heranzichuiig der Stadt Berlin zu den Schul- l a st e n der Gemeinde wurde gleichfalls bcschlosscii. Es handelt sich um die Kleinigkeit von 79 000 M. Eine beantragte Anleihe voir 400 000 M. für das Schmerzenskind der Geuieinde, das Wasserwerk, fand Zustiminniig, ebenso der Antrag auf Verpachtung des Rats- kellers an einen Wirt, der,»»gleich dem bisherigen Wirt, in dem Bierverkauf des Gesängniswärters eine Konkurrenz nicht empfindet, Die Massenkiindigungcn in den Spandancr Staatsbetriebe» scheinen noch fortgesetzt zu werden, wenigstens sind am Mittivoch in der P u I v e r fa b r i k wiederum eine größere Anzahl Arbeiter von der Kündigung betroffen worden. Wenn auch der General v. Einem im Reichstag versichert hat, daß die Heeres- Verwaltung alles daran setzen werde, um die Entlassung der gekündigten Arbeiter auf das M i n d e st in a tz zu vc- schränke», so steht doch damit die Thatsache im Widerspruch, datz die Heeresverwaltung offenbar nicht im entferntesten daran denkt, den ihr voni Abgeordneten Z n b c i l bei der zweiten Lesung des Militär-Etats enipfohlenen und einzig gangbaren Weg zu bc» schreiten: in denjenigen Betrieben, Ivo sich die Arbeitsstockung bc- merkbar macht, die Arbeitszeit aller Arbeiter vielleicht um eine balbe Stniide pro Tag zu verkürzen! Auch der Spandaner Magistrat hat sei» arbeitcrfürsorglichos Herz im schönste» Glänze er- strahlen lassen, indem er an die Direktion der Pulverfabrik das An- sinnen richtete, mit den notiveiidig werdenden Kündigungen möglichst die gelernten Arbeiter(B a u h a» d iv e r k e r ce.) in erster Reihe zu bedenken, da sich für diese innner eher anderiveit Arbeitsgelegc»? heit böte, was bei den ungelernten Arbeitern nicht der Fall sei! Die Spandaner Arbeiter sind auf ihren Magistrat wegen einer solchen von echtem socialen Fühlen zeugenden Arbeiter- sürsorge ordentlich stolz. Steglitz. Ei» schwerer B a u u n f a l I ereignete sich am Freitognachmittag ans einem Nenba» in der Holsteilistratze. Infolge Wochen- Sonntag Spielplan. 9. Opernhaus Schanspielh. Neues Oper» Dh. Schiller- Theater Deutsches Theater. Berliner Theater. Lessiug. Theater Theater des Westens Nrtsdrtch» Wilhelm,'t. Theater. Luisen- Theater Carl Weiß- Theater Schall und Rauch Ntontag 10. 8. Sinfonic-Abd d. kgl. Kapelle. Mitt.Ocff.Hpr. Geschlossen Zweiter Lortzing-Abend Einsame Menschen Nrn.: Wich. Tell 4 Einaller von Dreye». Nachm.: Rosenmontag Alt-Heidelberg Nachm.: Heinig'funden Die Kollegin Agnes Sornia Wiener Blut Nachm.: D. tust. Weib. v. Windsor 'Pariser Leben Nachm.: Bettelstudent Der Kaperbrief Nachm. Wilhelm Tell GaSparone Nrn.- Othello GWp7E7Reicher Die Waltüre Dienstag 11. Der Improvisator Mittwoch 12 Donnerstag 13. Freitag 14. Siegfried Gastsp. Coquelin Gastsp. Cöqueltn Gastsp. Coqueli» Cyraiio Cyrano Cyrano de Bergerac de Bcrgerac de Äergerac Ter Probekandidat Es lebe das Leben Alt-Heidclberg Die Fee Caprice Der Kuß Im Brunnen Pariser Leben Liese Grubener Gasparone König Harlekin Bier Einakter von Dreyer Alt-Hetdelberg Das Glück Agnes Sorma Deff Wildschütz Der Obersteiger Maria Stuart Das Jungfernstift Hamlet' Ferdinand Bonn Der Probekandidat Cannen Gostlp. Coquelin Do Bourxoois Gontilhomme ES lebe das Leben Ueber unsre Kraft. II. Ueber den Waffern Nur.: Flachsin. Undine Der Oberstetger Liese Grubener Gasparone Familie Fourchamhault Bier Einakter von Dreyer Alt-Heidelberg Die Kollegin Agnes Sorma Wiener Blut Der Obersteiger Dorf und Stadt Da» Jnngfernstift Strindberg- Abend. Der Waffenschmied Vergißmeinnicht Gastsp. Sonnabend 15. Götter- dämnierung Coquelin I-s Bourgeois Das Gentilhomme große Licht Sonntag 18. Figaros Hochzeit Die S von; iungfrau )rleanö Der Probekandidat Lebendige Stunden Lucians Satiren Ueber den Wassern Agnes Sorma Der Kuß. Im Brunne» Die Fledermaus Der Kaperbrief Käthchen von Heilbronn Frau d. Andern Bauernlumedi Abschiedssouper Nächsten Sonntagnachuiittag: Der Probckandidat Es lebe das Leben Alt-Heidelberg Nora Agnes Sorma Zar und Zimmermänn Der Bettelstndcnt Der Pfarrer von Ktrchseld Das Jungsernstift Strindberg- Abend Das große Licht Miß Hobbs Heimat Rin.: Die Braut vp» Messiiia Bier Einakter von Dreyer... Narr Die Weber' Alt-Heidelberg� Nachm: Wilhelm Tell Ueber den Wassern. Agnes Sorma Gäsparone Nachm.: Die wei ße Dame; Betlelsiudem■ Nachm.: Der Obersteiger Ter Pfarrer van Kirchseld. Nchin,: Dorf und Stadt. Nachm.: Klein- Däumling Anderit Zra» d Bauernkuin.Nui.: Borst. v.Screukss. Nora.— Neue« Nm.: Borstelln.ig"'Uend� vor Serenisfimuö Emil Reicher>d Abschiedssouper Residcnz-Theater. Alle Abende: Ein galanter Richter. Borher: Verbotene Fmcht.__ Theater. Bon Sonntag bis Freitag allabendlich: Das Eivig-Weibllche. Sonnabend und Sonntag: ChamperayS Leiden. Dielen und nächsten onntagnachuiittag: Der Veilchenfresser.— Triano» Theater. Alle Abende: Coralie». Co.— Thalia- Theater. Alle Abende: Seine Kleine. Nächsten Sonntagnachmittag: Trilby.— Ccntral- Theater. Alle Abende: Das süße Mädel. Nächsten Somitagnachniittag: Die Geisha.— SecessionÄ Theater. Alle Abende: Detlev v. Liliencrons Buntes Brettl.— Belle-llllliauec-Theater. Alle Abende: Die Dame von Trouville. Hierauf: Er.— Urania. Alle Abende: Frühlingstage an der Riviera.— NPollo-Thcater. Alle Abende: Don Juan in der Hölle.— Castno- Theater. Alle Abende: Specialitäten und Lustspiele. ungenügender Befestigung hatte sich in dem dritten Stockwerk da? Baugerüst verschoben und st ii r z t e, obwohl es nur noch mit wenig Steine» belastet war. plötzlich in die Tiefe. Zwei Arbeiter, ein Maurer und ein Steinträger, die auf den, Gerüst beschäftigt waren, stürzten durch das noch nicht abgedeckte zweite Stockwerk hindurch und wurden nach längere» Bemühungen schwerverletzt aus den Trümmern hervorgezogen. Als zur Bergung der Verunglückten der Gemeinde-Kraukenwageu geholt lverden sollte, stellte es sich heraus, dost an diesem schon seit 14 Tagen ein Rad fehlte; er war nicht gebrauchsfähig. Einer der Verunglückten wurde daher in seine Wohnung in Steglitz, der andre mittels Privatfuhrwerts nach dem KreiSlraiitenhause übergeführt. Nach dem Unfall erschien die Polizei vier Mann hoch, um sich davon zu überzeugen, dast nicht nur die ungenügende Befestigung des Gerüstes den Unfall verschuldet. sonder» auch die vorschriftswidrig unterlassene Abdeckung des zweiten StollwerkeS ihn erst zu einem lebensgefährlichen gemacht hatte. ES steht zu erwarten, daß nunmehr auch die Jnnehaltnng der Unfallverhütungs- Vorschriften den Unternehmern gegenüber mit demselben Eifer überivacht wird, Ivie dies an de» Steglitzer Gast- lvirten geschieht, die es wagen. die staatsgefährlichen Agitations- Plakate der G e w e r k s ch a f t'e n in ihren Schantstätten zu dulden, l Ueber die folgenschwere Explosion einer Granate in denr Dorfe Rohrbeck(Kreis Osthavelland) wird in Ergänzung der kurzen drahtlichen Meldung noch mitgeteilt: Der Bauerngutsbesitzer Kuhnow hatte von dem Döberitzer Gelände, wo in diesem Winter entforstet wurde, Holz abgefahren und dabei vor Weihnachten eine Granate gefunden. Er nahm das Geschost mit nach Hause und legte es beiseite. Gester» nachmittag holte er es hervor und spannte es in einen Schraubstock, um das Geschoß auseinander zu nehmen. Kuhnow, ein Mann anfangs der vierziger Jahre, ist Soldat gewesen und glaubte, daß die Handhabung der Granate keine Gefahr mehr bringen könnte, weil der Zünder nicht mehr in Ordnung war. Er befand sich bei der Hantierung mit dem Geschoß in einem kleinen Stall, und in seiner Nähe weilte ein verheirateter Arbeiter Namens Herrmann. Plötzlich gab es einen donnerähnlichen Knall, die Granate war unter den Hände» KuhnowS explodiert und diesem lvurde durch Sprung- stücke der ganze Vorderkörper aufgerissen. Dem Herrmann hatten Granatsplitter gleichfalls furchtbare Verletzungen beigebracht. Vom Stallgebände find die Mauern geborsten und das Dach ist teilweise zertriinnnert. Hinzukommende Personen fanden die beiden Männer in schrecklich verstümmeltem Znstande entseelt vor. Ein Knecht, der sich in der Nähe befand, ist leichter verletzt worden. Kuhnow hinterläßt eine Frau mit vier Kindern; er gehörte zu den ivohlhabendsten Kommunal w äh I er- Herr C l e r in o n t hat wcit-r er selbst würde Schaden in Besitzern in Rohrbeck. Dies Dorf liegt unweit des Döberitzer Uebungsplatzes. HermSdorf. Die öffentliche Versammlung findet nicht statt. gehende Erkundigungen eingezogen; feinen geschäftlichen Unternchninngen haben, wenn er sein Lokal zu der genannten Versammlung hergeben würde. Dies ist der Grund, ivarum der Herr sein Lokal' im letzten Augenblick zurückgezogen hat. Der Arbeiterschaft in Hermsdorf steht ein andres Lokal zn Versammlungen nicht zur Verfügung. Pflicht eines jeden Genossen ist es, trotz der ungünstigen Verhältnisse in der Agitation für die G e- meindevertreter-Wahlen nicht zu erlahmen, sondern daftir zu sorgen, daß die Arbeiterschaft den Herren am 12. März die Ant- lvort nicht schuldig bleibt. Auf zum Kanipf! Auf zum Sieg! Die Zahl nnsrer Wähler, die ihre Stinime für»nsren Kau- didaten Karl Schulz abgeben, muß den Gegnern die Achtung für die Arbeiterschaft einflößen, die ihnen bis jetzt noch fehlt. Wetter-Prognose für Sonntag, de« S. März IU02. Kühl und veränderlich, vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Sohn, unser Bruder und Schwager Illblb Emil Zimmermann verstorben ist. Die Beerdigung findet heute. Sonntag, nachmittags b Uhr, von»er Leichenhalle des St. Thomas Kirchhofs, Hermannstrabe, statt. Technlkam£lehtra. Neanderstraße 4. Neue ibendkurse. Elektrotechnik.— Maschinenbau Zeichnen.— Algebra. Laboratorium. Programm srei. Persianer Boa verloren Brüderstrahe 41/42. Abzugeben bei Aron daselbst. IVSZb Berliner lllk-Trio. Felix Scheuer U Stnlniidiritr. L W. Krügers Restaurant, Vereinslokal, NaunynstraheS. Sonntags: Familieu-Abend. Bn»»' Salon und Stehbierhalle, Gr. 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Was Komitee, SMeiilms-RMilrM MptlM. direkt am Bahnhof, empfiehlt sich zu Ausflügen, Prtvat-Festlichkeiten; Saal und Nevenräume stehen zur gefälligen Verfügung. Speisen und Getränke wie allbekannt gut. 103Sb Sonntag«: Tan/. Um zahlreichen Besuch bittet M. Rath«. GMerMöbelverlmuf. In meinem großen und Lagerräumen Möbelspeicher Neue Köuigftr. 59 (nahe Alexanderplatz) stehen viele Wohnungs- Einrichtungen, neue und vicliehen gewesene, zum schleuulgen sehr billigen Ausverkauf. Passendere Gelegenheit für Brautleute wohl noch nie dagewesen. Brautleute erhalten ein HochzeltSgeschenk gratis. Durch große Gelegenheits- Einkauft, 9t- sparnisft der Ladenmiete, ferner durch Selbstanfertigung sämtlicher Polster- möbel und Dekorationen als Jnnungs, meifter bin ich ini stände, ganze Ein- Achtungen schon von IbO, 200, 300 Marl zu liefern. Hochelegante Ausstattungen von 1000 bis zu 2000 Mark. 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März, abends SVs Uhr, im Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain: 16/4 ärz-Ieier.�� Vonzevk» ausgeführt vom Kerliner Tottltüttstler-Orchester ceo Musiker) unter Mitwirkung namhafter Solisien. Direktion: Herr IT. v. Uion. Zur Aufführung gelangt: „FHthfef." Oratorium für Mäunerchöre mit Soloftimmen und Orchester. Leitung: Musildirektor Herr R. Blell. BundeSkarte legitimiert. Programm 20 Pfg. Während des Konzerts bleiben die Saalthüren geschloffen. Ber Torstand. Anmerkung! Folgende Lieder werden am 1. Mai gesungen:„Frühliiigsstllrme",„Empor zum Licht- „Bölkerftühling",„Liedeslust-,„Gruß nn de» Mai". Jeder Sänger ist verpflichtet, dieselben zu üben. Die Vereine, welche die betreffenden Lieder nicht haben, kömien flch au den Kaisirer Seikrit, Fidiciustr. 16, wenden. Anfragen und Znschrislen sind zu richten an den l. Vorsitzenden 3ul. Meyer, Fichtestr. 27._ D. C. 30!! I Mark!!" M elegante � Herren-!!! 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Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Torstand. MW" Liriztnng! • � Achtung!"MZ 4. Dienstag, den 11. März, abends 8 Uhr, in der „Urania", Wrangelstr.- 11;. Uolks-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag der Rcchtspraktikanttn Frau-VataHv Fachs über: »Mängel in der Berliner Arincnverwaltnng"."i. Dishission. Um zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen, ersucht 1/S VI« VSt-tcaacfterpSi'.oit. eine spcrsoil. Dienstag, den 18. März findet bei Stechert, Anbrcasstraße 21, ersammlung mit derselben Tagesordnung statt..--- Achtung!"WM Achtung! Zotlaldemokratischer Verein im 5. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den II. März, abc»idö 8Vs Uhr, in Lcydcckcrö Salon, Sophicnstrastc ZI: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung! 1. Die Thätigleit der Socialdemokratie im Stadtvcrordneten-Kollegium. Referent ReichStags-Abgeordneter>VjIt>. Fkanaleacli. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.'... 245/4* SM" Zu dieser Versammlung sind alle soeialdemokratischen Stadt- verordneten-Wähler extra eingeladen. ES ist daher Pflicht der Mitglieder, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. NM" Altinncr als OUstc willhommen."TpQ Der Vorstund. Achiiiilg! o. Wahlkreis. Mtinia! Sonntag, de» 9. März, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstrahe 23: Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnullg: 1. Vortrag deS Genossen Zlux Schutte über: Sobcsplerre. 2. Diskussion. Nachdem:«eselllKcs velsatnnieasela. 1/7 Um zahlreichen Besuch bittet ___ Die Vertraaensperson. Smaidemokratischer Mahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den II. März, abendS 8Vs Uhr: 1®" Versnmrnlttng TWf i» R a a b e' s Salon, Kolbergerstrahe Nr. SZ. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen Hohert Schmidt über:„Welche Reforme» erstrebt die Socialdemokratie innerhalb der bürgerliche» Gesell- schaft?" 2. DiSknsston. 3. Verschiedenes. 213/8 NM" Gäste haben Zutritt! besonders sind die Frauen zu'dieser'Ver- sammlung eingeladen und werdeil für dieselben als Zuhörer die Galerien reserviert.»«r Vorstand. Drei Volksversammlungen Dicuötag, de» II. März, abends 8Vs Uhr: 1. Schneiders Gesellschaftshaus, Belforterstr. 15. 2. Ju deu Boroussia-Sälen, Ackerstr. 6—7. 3. Im Marienbad, Badstr. 36. Die Levensmittelverteuerung null die Aiisgllben der KollsWgtillijskilslsiasttil. Referenten: Reichstags-Abgeordnete Fens und Rosenorr _ und Frl. Fanny Imle. SM" Franc» und Mäliiier habe» Zutritt."Vg 105/4_ Der Eiiibcrufer: F. Walther. Achtimg i Dekttteure. Artung! Dienstag, den II. März, abends 8 Uhr, bei Fen erste in, Alte Jakobstr. 75: Oeffentliche Uersammtnng. Tages-Ordnung.:.... 1. Vortrag des Genossen Franz Kohke. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Der Einbernker. Es ist Pflicht eines seden Dekatur-Arbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen._ 197/2 Verbänd der an DolibeaMtungs-Mafchinen dtschaftigten Arbeiter Deriias u. Ring. Montag, den 10. März, abends 8 Uhr, im Oewcrkschaftshause, Engel-User Nr. 15: Ausserord. General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Der Arbeitsnachweis der Tischlerinnung und der Holzindustriellen und unsre Stellung hierzu. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Sonntag, den 39. März(erster Osterfeiertag) in Schnegelsbergs Fcstsäle», Hasenheide 21: Vokal- und Justrumeatal- Konzert unter Mitwirkung deS Gesangvereins der Holzbearbeitungsmaschinen-Arbeiter und der Berliner Volkssänger-Gesellschast Lewandowsky. Anfang abends 6 Uhr. Tttttz. Programm 30 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Programme sind in der Versammlung und in den Zahlstellen z>t haben. 75/6 Zahlreichen Besuch erwartet Der Äorftand. Tapezierer! Montag, den 10. März, abends 8Va Uhr, in folgenden Lokalen: «£ öfTenlllche Versammlungen. Kellers Festsale, Koppenstr. 29; Cohns Festsalei Beuthstr. 2 1; Victaria-ESrauerei, LUtzowstr. III(an der DetmiwiMaSe). Mittwoch, den IS. März, abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: LVÄeiHii. Venssrnrnliung der Näherinnen. Tages-Ordnung in allen Bersammlungen: „Stellungnahme der Berliner Kollegenschaft zu»nsecn Lohn- und Arbeitsbedingungen nach Ablauf der BergleichSverträge. 177/11 _ Zahlreiches Erscheinen erwünscht I. A.: Fco Schmidt. Reichenbergerstr. 177._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Montag, 10. März, abends S'/t Uhr:' Bezirks- Bersammlnngen. Wcddiiig«iiii Gcsinidliriniiicii: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Kiesel über den Patriotismus der Junker. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Werkftatt-Angelegenheiten. 4. Ver- schiedeues. Den Werkstatt-Vertrauensmännern zur Nachricht, dast die Zahlstelle 14 von der Bergstraße nach der Ackerstr. 23 bei Hoppe verlegt worden ist. Rostnthaler und Schönhauser Vorstadt. T a g es- O r dnu» g: 1. Vortrag des Genosse» Dr. Beutler. 2. Diskussion. 3. Verbands- aiigelcgenheiten und Verschiedenes. Hierzu sind alle Kollegen sowie Gäste mit ihren Damen bestens ein- geladen._ Osten und Rordasten* bei»ann, Strausjberg-rstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Rod. AhrcnS:„Der Arbeitsvertrag nach dem neue» bürgerliche» Recht". 2. Diskussion. 3. Wahl von zwei Beitrag- sammlcrn. Verschiedenes. Znde»«nd Slidoke«:" KÄTs.1?0'* Tages-Ordnung: 1. Vorirag deS Genosse» Dr. Rofenthal über:„Chemie des täglichen LebenS"(mit Ervenmeuten). 2. Diskusston. 3. Berbaudsaiigelegenheiten. DM" NichtMitglieder und Frauen haben Zutritt. Es wird ersucht, pünktlich zu erscheinen. Z«d-Westt««nd Weftc«: 1. Vorträge schiedenes. für in Rahcls Brancrcl, Bergniaunftr. 5—7. Tages-Ordnung: und wider die Arbeitsiosen-Unterstühung. 2. Ver- Lichteuberg-Fviedrichsberg. Montag, de» 10. März, abendS 8 Uhr, im Lokal von Pante», Frankfurter Allee 171. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Referent Genosse Liesegang. Die Versammlung findet mit Frauen statt. Achtung! Parkettbodeuleger! Dienstag, den II. März, abcndö Punkt 6 Uhr, bei Brühl, Grolmann- und Goethcstrahen-Ecke, M?" Koulillisfisllssiijiillg mt Vertrliileilsleilteli. Sonnabend, den 15. d. M., großer Wiener Maskenball in den Armin- hallen, Kommandaiiteiistr. 20._ 80/13___ Der Obmann. Znm 50. Geburtstag(10. März gratulieren ihre» alten Freund Franz Tutzauer. J. A., C. K., O. It., A. It., H. P.,« R, W. S., R 1«., C. II. Kranze»W'lmkn F. Jacobilz, KoWeichr. 46. Genossenschaftsbäckerei „Vorwärts44 Am Ostbahnhof Str. 3 (Eingetragene Genossenschaft mit de- schränkter Hafipflichl). Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß die diesjährige lOSbb Ordentl.Generalversammiung am Sonntag, den 23. März er., vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Lerche, Rüdelsdorserftr. 3, stattfindet. Tagesordnung: 1. Vorlage des Jahresabschlusses. 2. Bericht über die stattgefunden« Revision. 3. Verwendung des Reingewinns. 4. Neuwahl des Vorstands und Auf- sichtsrats. 5. Geschäftliches. Um pünktliches Erscheinen ersuchr Der Vorstand. Hermann Teupel, Geschäftsführer. Fr. Viehäfer, Kassierer. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Bilanz den Genossen in unsrem Comptoir, Am Ostbahnhof Nr. 3, zur Einsicht ausliegt. D. O. Wahlverein Lichtenberg. Dienstag, den 11, März 1903, abends SVi Uhr: Versammlung im Saale des Herrn UUf lieh, Frankfurter Chaussee 120. Tages-Ordnung: 1. Vortrag bis Genossen VValdeck ül anasse:„Krieg auf Erden und den Menschen kein Wohlgefallen." 2. Abrechnung vom Stiftungsfest. 3. Wahl eines Bezirksleiters im 12. Bezirk. 4. Wahl eines Abtellungs- sührers der vierten Abteilung. 14/2.... Der Vorstand. w. Dienstag, 11. März, nbcnds 8'/s Uhr, im GctvcrkschaftShauS (Saal 5), Engelufer 15: Vevfmmnlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1301. 2. Neueinrichtung und Verlegung von Zahlstellen. 3. Wie haben sich die Mitglieder bei plötzlichen Er- kranlungen zu verhallen'? 166/1 _ Die OrtsTcrwaltang. Berliner Konsum-Verein. Abteilung V, Idchtenbcrg. Mittwoch, de» 12. März,' abends 8Vj Uhr, im Lokale»Zum schwarzen Adler", Frankfurier Chanssee 120: 106/3 IWJ tgUeder- V er saminluii g, Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zum GeuossenschaftSrat. 2. Abieiluiigs-Angelcgelihxitcii. 3. Verschiedenes. Der Borstand. Achiullg! Hixdtorf* Artung! DtiiWer WWbkittt-VttlM. Am Montag, den 10. März, abendS 7'/« Uhr, bei ThomaS, Hcrmannftraße 43/50: Außerordentl. Geateral-Verfamutlttng. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme der Rixdorfer Kollegen zu den Entlassungsscheinen und der Arheitsnachweis der Holziiidustriellen und der Tischler-Jnnung in Berlin. 2. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch ist mitzubringen.— Um zahlreiches Erscheinen ersticht 80/14__ Die Ortsverwaltung;. Gr. öffentliche Vevsammlung der gwerkschaftlichkn Wut» Berlins «nd Umgegend am Montag, 10. März, abends 8v« Uhr, in der KönigSbank, Graste Frantfurterstraste 117. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Kater. 2. Diskussion. 3. Der SituationS- bericht von der letzten össeiitlichrn Versammlung der beim„Berliner Lokal- Anzeiger" angestcNten ZeitungSausirägerinnen. 4. Anträge. 5. Verschiedenes. Der hochwichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen der in allen Berufen thäiigeu Frauen und Männer notwendig._ 287/1 Deutsch. Metallarbeiter-Verband VcriTaltuiiffsstelle llerlln. Bureau: Gngel.Ilfcr 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Montag, de» 10. März I00S, abends 8>/s Uhr: Bezirksonsammluffg für Rummelsburg bei Müller, Türrschmidtstr. 37. Tages-Ordunng: 1. Vortrag des Kollegen B ehrend über:„Die Praxis der Gewerbe- gerichte." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Dienstag, den II. März I00S, abendS 8'/» Uhr: DkzirksvkrsMMlüNg siir de» ilm'&m bei Schirui, Badstraßc 13. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen B e h r« n d über:„Die Praxis der Gewerbe- gerichte." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet 112/11_ Die Ortsverwaltnng. VermiWilg her Maler. Donnerstag, den 13. März, abends 8 Uhr, im GcwerkschaftS» hanS, Engel-Ufer IS, Saal I, NliigliedeB*- Versammlung der Filiale» Berlin, Charlottenburg nnd Rixdorf. T a g es- O r d nung: 1. Bericht vom Prvviuzialtag. 2. Wahl der Agitations« kommissio» für die Provinz Brandenburg. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Um pünktlichcs Erscheinen ersuchen 124/15_ Die Filialverwaltnngen. AAmig! Kistenmacher. AM«»! Montag, de» 10. d. M., abends 8'/« Uhr, im Gctvcrkschastshaus, Engel-Ufer IS, Saal V, V Susammlim jj. Tagesordnung: 1. Vortrag über den Kamps»ms Dasein. Referent: Genosse Waldcrt Mannsse. 2. Gewerkschaftliches. 3. Verschiedenes. Kollegen! Die letzten Vorkommnisse in einzelnen Fabriken und da? Vorgehen der Fabrikanten erfordert einen energischen Protest. Deshalb er- stheknt'recht zahlreich in dieser Versammlung. _ Der Vorstand. I. 8t.; Karl Juckel. AM«»! Moabit. AM«»! Nttin für WilMöMeheSLslkeS. Berliii-Mabit. Montag, den 10. März IVOS, abends 8>/s Uhr, im großen Saal von AhrendtS Brauerei, Tnrmftr. SS— SO, Grosser öffentlicher Frauen-Vortrag. Nur Frauen und Mädchen reisereu Alters haben Zutritt. Thema:„Aus dem Franenleben." Referent: Herr Dr. T.Böhm. Besonders belehrend und aufklärend dürfte obiges Thema wirke», weil eS das Leben der Frau als Weib, Gattin und Mutter, ohne jede Prüderie und Heuchelei vorträgt. Um zahlreichen Besuch dieses lehrreichen Vortrages ersucht 106vb Der Vorstand. AA«ng! Kürschner. AM«»! Montag, 10. März, abends SVa Uhr, bei Herrn Feind, Wetnstrafte II: IWÜllHIÜllIlU UUIIUIUI lUIUUlllliilUIlg« T a g e s- O r d u u u g: lo«/4 1, Bericht der Kommission über Beitragserhöhung resp. Krankenunter- stütznng. L.DiSkussion. 3 Antrag Molden Hauer betr. Anschluß an eine Centralvrganisation 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ersucht um zahlreiche» Besuch Der Vorstand, -w"»» i Marmorarbeiter! Mtm! Montag, den 10. März IVOS, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokale„Engl. Garten", Berlin, Alexandcrstr. S7v. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu unsrem Tarif. 2. Erledigung betreffs der Anträge zuni Kongreß. 3. Gewerkschaftliches. Der wichtigen Tages-Ordnung wegen ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 172/8 Der Vertrauensmann. MßkiHrWtck«- Arbeiter. Faclmrein. Zahlstelle Rixdorf. Montag, de» 10. März, abends«>/, Uhr, in de» ApoIlo-SHIen, Hermaunstraste 48/49: Mitglieder-Versammlung. Tagcsordiumg: 1. Vortrag des Genossen W e r m n t h über:„Krach n»d Krise." 2. Diskussion. 3. Vcreinsangelegenheitcn. 141/S Gäste willtouime».__ Der Vorstand. Herren- Vortrag. Mittwoch, den 12. März, abends>/-!) Uhr i» den Spree- Halle», Kirchstr. 27 und Freitag, de» 14. März, abends >,.9 Uhr im VercinShauS Moabit. WilSnaderftr.«3. Carl Itrachhor, Friedrichstr. 10 über:„Die sogenannten unheilbaren Männerleiden." Nur für Herren! Einiritt frei! Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin B. ücmdorf& Ce Zplttelmarkt 16-17. Ccks Iieipzigersfra�e. Belle fllliancesfr. 1-2. flm Blüdierpla�. Er. frankfurter Str. 113. Ecke Hndreasstrafte. EaumwoIIwaarßn Hemdentuch............ Meter 10, 80, 88 � Louisianatuch............ Meter Z8, 88, 50 � Satin gestreift für Negligee........ Meter 28, 88, 50 er. Pique- Barchend......... Meter 85, 15, 00 r. Schirting für Unterröcke........ Meter 20, 80, 15 f. D0WlaS(Lakenbreite).......... Meter A Z, Te> er. 1 m. Hemden- Barchend....... Meter 80, 38, 15 Satin gestreift, Deckbettbreite....... Meter 7�, 8.0, Oo pr. Satin gestreift, Kissenbreite........ Meter 15, OO, 00 pr. Damast Deckbettbreite......... Meter 85 pr. 1�. 1� Damast Kissenbreite.......... Meter 5o, 80, 05 pt. 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Für die Agrarier besteht also das VereinSgesetz nicht. An ihren politischen Vereinsveranstaltnngen dürfen Frauen ungehindert teil- nehmen. Nur auf socialdeniokratische Frauen wird dieses„Recht" angewandt. Die weibliche Fabriri»spe?tion hat in Baden einen höchst erfreulichen Erfolg zu verzeichnen. Frl. v. R i ch t h o f e n, die seit einiger Zeit als Assistentin bei der badische» Gelvcrbe- Aufsichtsbehörde thätig ist, erhielt vom Vorstande derselben, Rcgierungsrat WörriShofcr, das folgende schmeichelhafte Zeugnis ausgestellt: „Es kann ausgesprochen werden, daß die Genannte die Er- Wartungen, die man auf Grund ihres glänzend bestandenen Doktor- examcns von ihr hegte, auch in der Praxis vollkommen gerechtfertigt hat. Außer den Betriebe» mit ausschließlicher Ver- Wendung von Arbeiterinnen ist ihrnoch die Ucberwachung der Ciga r ren- fabriken und die Besorgung der zahlreichen schriftlichen Ar- betten, insbesondere die sich auf die Prüfung der Arbeits- ordnungen bezüglichen Korrespondenzen und die sich auf die Neu- genehmigung der Cigarrenfabriken beziehenden Arbeiten übertragen worden.' Die Gesamtzahl der von Fräulein Dr. v. Richthofen vor- genommenen Revisionen betrug 557. Bei allen diesen Arbeiten bewies sie eben so viel V e r st ä n d n'i s ivie B e st i m m t h e i t und Takt. Ihre Vorträge ivaren kurz und de» Gegenstand erschöpfend. In der letzten Zeit hat sie auch die männlichen Beamten durch ihr ver- ständiges Eingreifen wesentlich unterstützt. Ihre Art zu reden habe nach Mitteilung der Arbeiterpresse sogleich die Arbeiterinnen gewonnen. Die großh. Fabrikinspektion schließt sich diesem Urteil der genannten Presse vollkommen an." V evsartnntUmgvn» Die Steinarbeiter standen in letzter Zeit mit der Innung in Verhandlung wegen Verlängerung des bisherigen, gegenseitig ver- einbarten Tarifs. Die Innung erklärte sich zur Verlängerung nur unter der Bedingung bereit, daß die Accordlöhne der Steinmetzen um 10 Proz. herabgesetzt werden. Wie in einer am Freitag ab- gehaltenen Versammlung der Steinarbciier berichtet wurde, haben erneute Vorstellungen des Gesellenansschusses beim Jnnungsvorstand nicht vermocht, diesen von seinem Standpunkt abzubringen. Mit Rücksicht darauf, daß ein Lohnkampf unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen nicht ratsam erscheint, erklärte sich die Versammlung mit der Verlängerung des Tarifs unter der von der Innung vor- geschlagenen Bedingung auf ein Jahr einverstanden. Die Ver- längerung des Schrifthaner- Tarifs, den die Innung gleicbfalls um 10 Proz. kürzen wollte, lehnte die Versammlung ab, so daß also für die Schrifthaner das Tarifverhältnis gelöst ist. Allgemeine Familien-Stcrbe-Kasse. Heute Zahltag: Ackcrstr. 123 bei Dieke von 3— tt Uhr. SainariterknrsiiS für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends» Uhr: Filiale Brumienstr. IM). Vortrag über gefahrdrohende Krankheitszustände. Gäste willkouunen. Neue Teilnehmer lönnen jederzeit daselbst eintreten. Ein neuer Kursus beginnt in der Filiale am 23. April.— Fichtekursus Dresdencrstr. 45, Bortrag über verschiedene Krankheitszustände.— Stiftungsfest stehe Inserat. Händler»ud Händlerin»?»! Dienstag, den 11. März, abends 9 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 21a: Grobe öffentliche Ver- samnilung. Frau I h r e r spricht über: Die heutige Arbeitslosigkelt und die Zunahme der Händler. Dienstag, den 11. März, abends sVzUhr: Drei Volksversammlungen in Marienbad, Badstrajje 36, Borussiasälen, Ackerstrabe 6/7 und Schneiders Gesellschaftshaiis, Belforterstr. 15. Tages- ordilulig: Die Lebensmittelverteuerung und die Aus- gaben der Konsumgenossenschaften. Referenten: Frl. ff m l e und die ReichStagS-Abgeordneten P eus und E. Rosenow. Zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, erwünscht. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Ncdaktiv» dem Publikum gegenüber keinerlei Verantmortnng. Mheskev. Sonntag, den 9. März. Freie Bolksbühne. Lesstng- Theater. 19. Abteilung und 11. Abteilung: Haus Rvsenhagen. Ansang 23/i Uhr. Opernhaus. 8. Sinfonie- Abend der königlichen Kapelle. lAnfang 7'/- Uhr. Mittags 12 Uhr: Oeffentliche Hauptprobe. Montag: Der Ring des Nibe- lungen. Die Walküre. Sckinnspielhans. Geschloffen. Montag: Gastspiel des Herrn Coguelin»tne mit der Gefell- fchaft des Theätre de la Porte St. Martin. C�rsuv de Bergerao. Anfang 7>/, Uhr. Neues Opern- Theater tZlraUj. Zweiter Lortzing-Abend. Montag: Geschloffen. Schiller. Einsame Menschen. An- sang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Montag: Der Provekandidat. Deutsches. Pub.— Ecvlesia trivmphans.— Volksausklärung. — Stichwahl. Anfang 7VS Uhr. Nachm. 2'/, Uhr: Nosenmontag. Montag: Es lebe das Leben. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Uhr. Nachm. 2V, Uhr: Hcimg'funden. Montag; Alt-Heidelberg. Lessing. Die Koltegüi. Anfang 7V- Uhr. Montag: Die Fee Caprice. Residenz. Ein galanter Richter. Vorher: Verbotene Frucht. Au- saug 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Das blaue Kabinett. Montag: Ein galanter Richter. Vorher: Verbotene Frucht. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- sang 7V, Ubr. Nachm. 3 Uhr: Der Veilchenfresser. Montag: Das Ewig-Weibliche. Kvesle». Wiener Blut. Ansang ?>/- Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Die luftigen Weiber von Windsor. Montag(Schüler- Vorstellung): Im Brunnen. Hierauf: Der Kub. SrccsslonSbnhne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Or. v. Wvlzogens Buntes Theater (Uebcrbrettl). Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall und Ranch. SerenifstmuS- Zwischenspiele. Auf. 8'/, Uhr. Nachmittags 3l/2 Uhr: Vorstellung zu erniäbigten Preisen. Montag: Serenissimus- Zwischenspiele. Driano». Coralie n. Eo. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Erntrat. Das sübe Mädel. Anfang 7V,»Hr. Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Das sübe Mädel. Thalia. Seine Kleine. Ansang 7'/, Uhr. Nachmitlags 3 Uhr: Deborah. Montag: Seine Kleine. Luisen. Der Kaperbrief. Anfang 7-/, Uhr.„ Nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Liese Grubener. Carl Weiss. Gasparone. Anfang 7V, Uhr Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich-Wilhelmstäditsches. Pariser Leben. Ans. 7»/, Ubr. Nachmittags 3 Uhr: Der Beitel- student. Montag: Pariser Leben. Bette-Altianee. Die Dame aus Tronville. Hierauf: Er. Ansang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Orphcnö. SpeciaUtäten-Vorstellimg. Ansang 8 Uhr. Charipari. Täglich Vorstellmig. Ansang TV, Uhr. Wieiropol.'ne feine Nummer. Specialitkien- Vorstellung. An- sang 7'/, Ubr. ftlontag: Dieselbe Vorstellung. Ulla. Ton Juan in der Hölle. Specialiläien- VorsteNung. An- fang TV, Uhr. Montag; Dieselbe Vorstellung. «üsino- Theater. Lustig« Brüder. Ehrlos.— Specialitäicn- Vor- stell ung. Ansang 7V, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Mnttersegen Montag: Lustige Brüder. Ehrlos. Spccialitäten. Reick, shnlle». Stcltiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorslellinig. Anfang nachmittags 3 Uhr. Passage> Panoptiknin. Speciali- täten-Vorstelliing. Palast. Specialitäien-Vorstelliing. Die Beilchenfee. Anfang 8 Uhr. Urania. Taiibenstr. Idl/Ii«.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Monlag: Dieselbe Vorstellung. Jnvalidenstrasje k»7/tiL. Täglich: Sternwarte._ SchillMtilter (WaUner.Thcater). So uwtag nachmittag 3 Uhr: -GVlIdcIm Teil. Schauspiel in 5 Akt. v. Friedr. Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: 12 1 1,« u i» e 91 e n s c Ii e n. Drama in 5 Akten von G. Hauptmann. Montagabend 8 Uhr: Nee Probekandldat. Dteus tagabend 8 Uhr: KOnlp: Harlekin._ Ckuttal-WM. Heute, Sonntagnachmittag 3 Uhr, halbe Preis«: StT" Nie Gelelia.""-KJ Operette in 3 Akten von Sidney Jones. Abends 7V, Uhr: Das sutze ZMÄdol. Operette in 3 Alten von H. Reinhardt. Moniag und folgende Tage: Das süsse Aiödel. 'rdalw-'rjleatkr. Dresdencrstrasse 7L/7Z. Abends 7-/, Uhr: Seine Kleine. Grobe Ausstattilugspuffe mit Gesang und Tanz in 3 Alten. Paula Worm a. G., Guido Thielscher, Gerda Walde. Helmerding, Paulmüller, Boje, Wannovius.„Had'n Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?" Sonntag, 9. März, nachm. 3 Uhr, kleine Preise: Neberali. ipollo- Theater. Kolossaler Erfolg der nenen Specialitäten! Tbe 3 Milons Martin Kettner Willy Csipell 3 Avolos Sain Elton Willi Waiden The Eeamy-Tronpe Der Kosmograph. Vorher: Kasseneröffnung tt Uhr. Anfang 7V, Uhr._ Metropol-Tlieatür Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: 'DB Burleske Ausstaitnngsposse mit g un und 4 Bildern von Julius Freund. Gesang und Tanz in 1 Vorspiel Im 4. Bilde: Frauchens Oebni tstagstisch. Anfang V,8 Uhr. Hauchen überall gestattet. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentägs 5, Ende 11 Uhr. Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Der kleine Cohn ist da! Burleske in einem Akt. Oer Bajazzo und sein Kind. erktkla«siKe Iß Specialittiten 10 Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera Invalldenatr. 57/03. Um 8 Uhr: Dr. K. Itocckh:„Indische Gletseherfahrten im Himalaja". totalis Panopticiim Frledrlch-Strasse 165. \T/.ii I Präsident Roosevelt Miss Alice Koosevelt. V e ii! Italienische Konzert- Kapelle ,Humberto' a. Venedig. Neu! Der Boerenkrieg! Kiesenmomentbilder aus dem Transvaal- Kriege, nach der Natur aufgenommen. Architektenhaus Wilhelmstr. 92 93. Heute:""-SCO Heine- Abend. Beginn 8 Uhr. Mitwirkende: Hedw. Reicher, Leopold Thumer, Philipp Spandow u. a, Num. Plätze mit Garderobe und Programm 50 Pf. an der Abendkasse. Lessing- Gesel Isehaft für Kunst u. Wissenschaft. E. V. c arl Weiss-Theater. Grosse Frantfnrteiitr. 132. Nachmittags 3 Uhr: kleine Preise. IW- Parkett 60 Pf.-7NW Othello, der»Rohr vo» Venedig. tDesdemona: Frl. dl Ornanckl vom Stadt-Theater in Danzig als Gast.) Abends 7 Vz Uhr: Gasparone. Operette in 3 Akten von Karl Millöcker. Montag: Gasparone. Dienstag: DnS Juiigfernftift._ SCirkus Alb. chumann. Heut« Sonntag, den 9. März: (M grofte Extra-»> ä BorfteUnngei, � Nachm. SVa Uhr und abends 71/3 Uhr. Besonders gewähltes Programm. KS" In beiden DorsteNnngen:"9$ Naoität!? 8I>»? Novität! Die 4 Elemente.— USouyere lumlneuse. In Feuer und Flammen, ausgeführt von Frl. Dora Schumann.— l'usli- Bnll, amerikanisches SportSspiel, ausgeführt von IS Anierikaneriimen und 10 Herren der Gesellschaft.— Ifll» Kinry, aveo son Acte comique.— Bim n. Bons mit ihrem vollständig neuen ninsikal. Akt. Ferner: In beiden Vorstellungen: Mephisto-ma Große AuSftattnngS-Pantomime vom Hofballettmeister A. 81«,,,». b00 Mitwirkende. 2 Musikcorps, Nachmittags ein Kind ftei. Morgen Montag, präcise 7Vz Uhr abends: Große Elite-Porstellung mit gewechseltem Prograuun._ Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44, Sonntag, 9. März, nachm. 3V, Uhr bei halben Preisen: Vorstellung vor Serenissimus.— Schiffbrüchig.'— Herbstzauber.— Abends 8 Uhr: Vortrag von Constanz Zimmer.— Gastspiel von Knian. Kelchcr. Die Frau des Anderen.— 8ere- niNisInias- Kw Ischcnsplele. Bauernkumedi. Abgohiedssouper. W. Noacks Theater. Britimenstraße 1«. Schütze», list. Poffe mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow. Musik v. G. Steffens. Heute: Tsn�kiränTelisiL Montag: ISchUticenllesT, Belle-Alliance-Theater. Die Dme ous Troliville. Schwank m. Gesang u. Tanz in 3 Akte». Emil Sonderman» a. G. Ferd. Worms. Mizzi Birlner. Rosa Marlon. Hierauf- Er. Adele Hartwig u. Leopold Thurner a.G. Auf. 7Vz Uhr. Morgen: Dieselbe Vorst. TrUuou-Theater. Georgenstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Frledrlchstr. Zum 106. Male: Coralie& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. E. von Woizogens Bunte« Theater(Ueberbrettl) Ktipnickerstr. 08. Heute abend 8 Uhr u. a.:„Bataillonstopf"(Offiziers-Humoreske).— „Nora-Parodie".—„Strohwitwerund Strohwitwe".— Wiederauftreten von Ulm Abarbanell.— ZI areell 8alzer. Palast-Theater (früher Feen-Pakasf) Burgstr. LS. �Direktion kl. ivinkter». W. Frühe) Sonntag, de» 9. März: Wra-WrjleUtmg des brillanten neue» »ärz-rrogramms! Eolozzsl-Ilnmmern. Um S3/, Uhr: G roster Erfolg." Die Beilcheufee. Anfang 7 Uhr. ErmästigtesPreile. Entree 3/z Uhr. Entrce: I. Plag 60 Ps., II. PI. 40 Ps., III. Pl. 20 Pf., N Inder nnter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen ans 1. 11. 2. Pl. die Hälfte, dem 3. Pl. 15 Pf. Die Direkfion: Froese. An der Spandauer Brücke 3.. Cröstt.VergnUgungslokal Berltna iuternalionale Konzerte 11. Specialitäten-Vorstellun Tägl. Anstich dos„Crbock" Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank:: Berliner Bock-Brauerei. Bürgevl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Batlnee von 12— 2 Uhr. Eilyisinm Landsberger Allee 40—41. Sonntag, den 9, März 1902; Erster grosser öffentlicher Ball. Um U Uhr; Grati s-Verlosung wertvoller Gegenstände. Ansang 4 Uhr. Ende 2 Uhr. Avis! 1. Mai ist Saal und Garten zu vergeben. C. Elsermann. Gesellschastshaus Swineniündersfr. 4L. Tägl. Theater- n. Specialitäfen- Borftellung. Jeden Sonntag: Bali. Säle für Gesellschaften, Vereine, oulanf zu vergeben. t|3189C* llt Sonnlag, 9. März, 2 Gr. Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr:„Hie guet Brandenburg allewege". Abends 7V,Uhr: Klondlke, Original-Pantomime des Cirkus Busch. Das Frühjahrsfest im„Moabiter Gesellschastshatts� ist eröffnet. Schanstcllnngcn und Volköbclustigniigen aller Art sind zn sehen. Entree frei. 944b Alk Men Tliill: Jeden Sonntag Ball. amilslsrr man slvh g-rossartlg:? In Schncgelsbergs Festsälen Inhaber: Max Scliindler Haaenbeide LI und Jahnnfrasste 8. Heute: MW" Gvc»ßev Vall"WZ verbunden mit Eigarrcn-, Bonbon-Regen und diversen| Ueberraschnngen. Entrce: Mittwochs frei, Sonntags 15 Pf. Täglich: Speclalltäten-Vorstollans. 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Die Strafverfolgung war auf Grund des H 28 des Prcßgesetzes eingeleitet, welcher die Ver- breitnug einer beschlagnahmten Druckschrift mit Geldstrafe bis So» M. oder Gefängnis bis zu 6 Monaten bedroht. Der Angeklagte führte zu seiner Entlastung an, daß er geglaubt habe', die durch das Landgericht Leipzig aus- gesprochene Beschlagnahme beziehe sich nur auf das Königreich Sachsen, und daß er in dieser Annahme dadurch bestärkt sei. daß die Tolstojsche Broschüre noch cheut in Berliner Bnchhand- listigen ansliege und-daß auch in andren, kirchlichen Zeitschriften der Abdruck noch neuerdings erfolgt sei. Ans Veranlassung des Ver- teidigers, Jnstizrats Paul Jonas wurde aus den Allen des Land- gerichts Leipzig festgestellt, daß das Amtsgericht die Beschlagnahme abgelehnt hat, iveil es den Thatbestand des Z 166 St.-G.-B. durch die Schrift von Tolstoj nicht als gegeben ansah und daß erst auf Beschwerde der S t a a t s a u w a I t s ch a ft das Landgericht Leipzig die Beschlagnahme angeordnet, hat. Es wurde ferner fest- gestellt, daß sowohl die Staatsanwaltschaft als. das Polizei- präsidinm in Verkiu-ein Einschreiten auf Grund des Z.166 aus- drilcklich a b g e l e h u E und diese Ablehnung neuerdings wiederholt hat. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 30 Mark.— Jnstizrat Jonas plädierte für die geringste, zulässige. Strafe,..indem er insbesondere auf die Neichstags-Verhandlnngcn vom 3. und 12. Februar und die dort von dem Abg. Müller-Meiningen an dem Vorgehen des Leipziger Gerichts geübte Kritik verwies, die von keiner Seite aus dein Reichs- tage Widerspruch gefunden habe.— Der Gerichtshof erkannte auf eine Geldstrafe von 16 M.' eveut. 1 Tag Gefängnis, indem er der Verteidigung darin folgte, daß das Vergehen des Angeklagten außer- ordentlich milde zu beurteilen sei. Die kürzlich vertagte Verhandlung gegen die Briefträger Z a w i dzli scheu Eheleute, welche beschuldigt sind, ihr dreijähriges Töchtercheu fottgesctzt derart gemißhandelt zu haben, daß infolge- dessen der Tod eingetreten ist, wurde gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I fortgesetzt. Im vorigen Termine hatte der Ver- teidiger der Frau Zawidzki, Rechtsanwalt Ulrich, die Behauptung aufgestellt.'daß dieselbe infolge ihrer häufig auftretenden epileptischen Anfälle für ihre Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden kvime. Es wurde hierauf beschlossen. Professor Straßmann als Sachverständigen zu lade». Professor Straßinaini gab im gestrigen Termine sein Gutachten dahin ab, daß die Angeklagte that- sachlich epileptisch sei, es lägen begründete Zweifel an ihrer Zu- rechnnugsfähigkeit vor. Um ein endgültiges Urteil abzugeben, bedürfe es aber einer sechswöchigen Beobachtung.— Rechtsautvalt Dr. W e r t h a u c r als Verteidiger des Ehcinaunes Zalvidzki bean- tragte nun, gegen diesen weniger belasteten Angeklagten besonders zu verhandeln, der Gerichtshof hielt es aber nicht für angezeigt, die Sache zu trennen, sondern beschloß wiederum die Vertagung, bis die Beobachtung der augeklagten Ehefrau auf ihren Geisteszustand e r f o l g t ist. Eine Bauerntragödie. Vor dem Schwurgericht zu Augs- bürg begann am Freitag die Verhandlung gegen den 26jährigcn Bürgermeisterssohn Georg Bader von M o h r e n h a n s e n(Äe- zirks-Amt Jllertissen) unter der doppelten Anklage der Ermordung seines Vaters und der vorsätzlichen Brandstiftung. Der ermordete Bürgermeister Franz Bader war Vater von vier Kindern, von denen der Angeklagte das jüngste ist. Bis zum Tode der Mutter, der im April v. I. erfolgte, lclite die Familie im glücklichsten Einvernehmen. Kurze Zeit danach tvollte der Angeklagte heiraten„ was zur Folge gehabt hätte, daß der erst' S8' Jahre alte Vater sich auf das Altenteil hätte zurückziehen müsse». Dieser veriveigerte seine Einwilligung, und die Folge davon war eine lange Kette häßlicher Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn. Am 16. Dezember v. I. war der ermordete Bürgermeister von dem Angeklagten mit wüsten Schimpfereien bedacht worden, die sich bis in die Nacht fortsetzten. Gegen 3/4ll Uhr des nächsten Tages hörte eine über den Hof gehende Tochter des Bürgermeisters diesen in der Scheune dumpf stöhnen, weshalb sie, nachdem sie die Thür des Schobers verrammelt vorgesiindcn hatte, schleunigst das Gutspersonal zur Hilfeleistung ziisaNrtnenrief. In diesem Augenblick fliegen aus deni Gebäude dichte Rauchwolken und Flammen auf und gleichzeitig fingen die übrigen Gutsscheunen und die Viehställe, sotvie das Herrenhaus zu brennen an. Nach wenigen Stunden war das ganze stattliche An- wesen bis auf den Grund niedergebrannt. Gegen>/s8 Uhr abends fand man unter den Trümmern' den Leichnam' des Bürgermeisters, an- dem beide Beine vollständig weggebrannt und zum Teil auch die Arme verkohlt waren. Dagegen war das Gesicht des Toten merk- würdigerweise noch gut erhalten, und bei einer genaueren Unter- snchnng zeigte es sich, daß der Bürgermeister vor dem Brande er- mordet worden war. Als Thätcr wurde der Sohn eingezogen. Er wurde am Sonnabend zum Tode und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilte- WARENHAUS Extra-Preise Leipzigerstr. 132—135(Versand-Abteilung). Rosenthalerstr. 27—29.— Oranienstr. 52—55. Porzellan weiss Speiseteller flach 12 Pf., üef 15 Pf. Dessertteller 8 Pf. Kompottteller 5 Pf. Terrinen 95 Pf. u. 1.30 Mk. 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Straßen-»nd Brückcnbanten sind einem Hausagrarier ungleich wichtiger als Schulhäuser, Krankenhäuser und dergleichen; denn diese kosten nur Geld, jene aber bringen wieder Geld ei»— wenigstens den Hausbesitzern, die die von der Stadtgenieiude ausgesnhrtcn Verbcsscrnngen der Verkehrswege dazu ausnutze» dürfen, die Mieten in die Höhe zu schrauben und den Wert ihres Grundbesitzes mühelos zu steigern. In den Etat für 1902 ist das gesamte Bantvese» eingestellt nnt einer Ausgabe von 19 439 611 M., der eine Einnahme von 4 991 979 M. sdarunter 343 909 M. ans Anleihe») gegenübersteht. Es bleibt also eine Mehrausgabe von 14 467 632 M. Der Hochbau ist an der Ausgabe mit 7 774 932 M. beteiligt, ivährcnd Einnahmen hier nicht angesetzt sind. Ans den Tiefbau kommen 11 684 639 M. Ausgabe und die 4 991 979 M. Einnahme, also 6 692 680 M. Mehr- ausgäbe. Der Bau-Etat ist diesmal erheblich geringer dotiert als im vorigen Jahre. Er hat bei der Ansstellung des Etatentwurfes durch den Magistrat starke Kürzungen erfahren, iveil die für 1902 verfügbaren Mittel nicht weiter langen. Das Miuns gegenüber 1901 beträgt beim Hochbau 1 011 093 M.. beim Tiesbau 2 273 801 M. Was der H o ch b a n braucht, das muß, genau genommc», vcr- schiedcnen andren Verwaltungen aufs Conto gesetzt werden, für die die Bauten ausgeführt werden: de», Zchnlivesen, dem Gesundheitsivesen, dem Armenivcsen usw. Unter den geplanten oder bereits in der Ausführung begriffenen Bauten stehen hinsichllich der Höhe der geforderten Sunime» an erster Stelle: das Krankenhaus an der Seestraße, für das wieder 1 Million verlangt wird, nachdem von den auf 13 Millionen veranschlagten Vankosten bereits in den letzten Jahren 6 Millionen bewilligt worden sind: ferner die auf niehr als 7 Millionen veranschlagte Irrenanstalt Buch mit einer weitere!« Baurate von 1 700 000 M., das auf 7 Millionen ver- anschlagte zweite Rathaus mit einer Bauratc von 600 000 M., die auf 1 137 400 M. veranschlagte Heimstätte Buch mit 300 000 M. Von Bauten, die an sich bemerkenswert sind, die aber für 1902 nur mit verhältnismäßig kleinen Raten eingestellt sind, wären hier zu nennen: die 2. Handwcrkerschiile am Stralauer Platz, die in diesen, Jahre fertig werden soll, die Fachschule in der Slraßnianustraße, die ebenfalls ihrer Vollendung entgegen geht, die Eriveitcruiigsbauten am Krankenhanse Moabit, die längst dringend nötig waren, der Neubau des Waisenhauses in der Alten Jakobstruße, der den hier herrschenden, allen Forderungen der Hygiene hohnsprechenden Zu- ständen ein Ende machen soll. Die Summe, die der Etat diesmal für Gemeindcschnlbaute» fordert, wurde in der Stadtverordneten- Sitzung vom vorigen Donnerstag bei der 1. Lesung des Etats vom Stndtkammercr stark unterstrichen. Es seien Rate» für nicht weniger als 17 Gemeinde- schnlhänser eingesetzt, während es früher Grundsatz gewesen sei, in jedem Jahr höchstens 2 Doppclschulen in Angriff zu nehme». „Donnerwelterl Siebzehn Geincindeschnlen auf einen Schlag!" wird mancher gedacht haben, der das las. Allein die Sache liegt doch ein bißchen anders, als sie aussieht. Die 17 Banraten belaufe» sich zusammen auf nur 1 923 100 M., im einzelne» gehen sie von 246 000 M. hinab bis zu 3100 M. ES befinden sich darunter 3 Säml- Häuser, dse längst in Benutzung sind und für die nur noch Reste gefordert werden. 8 Häuser sind im Bau und werden voraussichtlich. in diesem Jahre fertig. Für die 4 übrigen Häuser aber sollen erst noch die Entwürfe genehmigt werden. Man hat also wirklich keinen Anlaß, niit den„17 Gemeindeschulen" zu renonnnieren. Daß Berlin mit der Vermehrung seiner Schulen noch immer i», Rückstände ist. das läßt sich durch keine noch so lärmende Prahlerei verdecken Und dasselbe gilt von den Krankenhäusern, den Irrenhäuser», den Siechen- anstalten, den Heimstätten.. „Ja, der langsa», bauende B a u r.a t I" pflegt hier der Freisinn eiiizuwcrfc». Gewiß, es ist wahr,«in etwas ichnelleres Tenipo würde den Bauten nichts schaden, wobei endlich einmal auch die Reste der in den Vorjahren belvilligtcn Bangelder aufgebraucht werde» könnten. Eine B e s ch l e n» i g n» g ist besonders jetzt zu wünschen, weil die städtischen Bauten bis zu einem gewissen Grade als N o t st a n d s a r b e i t e n dienen können und den Arbeitslosen wenigstens einen Teil jener Hilfe bringe» können, die ihnen die Stadtgcineinde, die Forderung offizieller Notstands- arbeiten zurückweisend, vernzcigert. Aber die beklagenswerte Lang- samkeit in der Vermehrung' der städtische» Schulen nsiv., für die Ulan allein den Leiter des Hochbautvesens verantwortlich machen möchte, ist im Ivesentlichen de» betreffende» Verwaltungen zur Last zu legen, die— eingedenk des von der freisinnigen Mehrheit der Stadtvcrordneten-Versammlung proklannerten Grundsatzes äußerster „Sparsamkeit"— die Vermehrung der Anstalten meist viel zn spät betrieben habe». Der Tiefbau will mit seinen rund 11�/4 Millionen Mark, worin übrigens verschiedene recht erhebliche Beträge stecken, die nur als durchlaufende Posten gelten können, zunächst die alljährlich wiederkehrenden, sehr umfangreichen Arbeiten zur Pflasterung und Unterhaltmig der Straßen bestreiten, die allein wieder mehr als 3 Millionen erfordern. Darunter befindet sich diesmal auch die famos«„Linden"-Regnlienn,g. die ziemlich 1 Million kosten soll. Sodann sind u. a. einige wichtige Brückenbauten auszuführen: die Lessing-Brncke. die Adalbcrt-Brncke, die Uebersührung am Bahnhof Gesundbrunnen. Auch hier ist eine Beschleunigung geboten, damit diese Arbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit beitragen können. Bon der Notlage der Korbmacher. Eine von, Vorstand des deutschen Holzarbeiter-Verbandes her- ausgegebene Broschüre, die auf Grund einer von dein genannte» Aerband im vorigen Jahre aufgenommenen Statistik die Lage der Korbmacher darstellt, giebt außer einer Anzahl übersichtlicher Tabellen auch eine anschauliche Betrachtung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der verschiedenen Branchen der Korbmacherei in 106 Städten, ans die sich die Erhebnugeii erstreckte». Der Bezirk von Kobnrg und Lichtenfels stDbersranke»), wo eine alteingesessene Hausiudnstrie in der Korbmacherei herrscht, ist ii, der Broschüre gesondert behandelt. Das Gesaint- ergebnis der Statistik bestätigt die bekannte Thatsache, daß die Korbinacher gleich den Webern z» den an« schlechtesten gestellten Arbeitern gehören. Der Holzarbeiter-Berband zählt gegen 1500 Korbmacher zu seinen Mitglieder». In den 106 Orten, welche die Statistik— außer Äobnrg-Lichtensels— umfaßt, giebt es 1224 Arbeitgeber, die zusammen 2777 Arbeiter und 300 Arbeiterinnen beschäftigen. Die Mehrzahl der als Arbeitgeber Gezählten halten nberhalipt keine Arbeiter, und die übrigen sind»,eiste»tcils Kleinbetriebe mit 1—3 Arbeitern. und nur 49 beschäftigen mehr als 10 Arbeiter, darnnter sind 6, deren Arbeiterzahl mehr als 30 beträgt. Der Zwergbetrieb herrscht also in der Korbmacherei vor. Die Arbeitszeit betrögt, für alle Otte durchschnittlich gerechnet. gl'/, Stunden in der Woche. Bei 60.1 Proz. der Befragten geht die Arbeitszeit, Dank de», Einfluß der Organisation, unter dem Durchschnitt herunter bis zu 54 Stunden, während 39,9 Proz. über dem Durchschnitt, und zwar bis zn 74 Stunden arbeiten. Die kürzeste Arbeitszeit hat Hamburg mit 34.3 und Berlin mit 33.4 Stunden im Durchschnitt. Ses„Kwiirfe" In der Korbmacherei herrscht fast ausschließlich die Accordarbeit. Der Wockienverdienst beträgt im Gesanitdnrchschnilt 16,31 M., während im Jahre 1897 ein solcher von 17,34 M. ermittelt wurde. In einzelnen Städten ging der Lohn in»och höherem Maße zurück. So in Berlin von 23.90 M. auf 18,70 M., in Bcrnburg von 2l,90M. auf 16,25 M.. in Geesthacht von 19,30 M, ans 14,13 M., in Halle von 17.00 M. auf 13,30 M. usw. Der auffallende Lohnrückgang luird zum Teil dadurch erklärt, daß in den Jahren 1896 und 1897 durch die Aiifertigmig von Geschoßkörben, die init einem Stück- lohn bon 3 M. bezahlt wurden, ein höherer Durchschnittslohn erzielt wurde. Zu dieser verhältnismäßig gut bezahlten Arbeit drängten sich die Korbmacher in so großer Zahl, daß der Accordpreis an 1,63 M, herabging und damit auch der Diirchschnittsverdienst sich verminderte. In einzelnen Städten ist der Durchschnittslohn gegen das Jahr 1897 ein ivenig gestiegen. 32 Proz, aller Arbeiter er- reichten den Durchschnittslohn von 16,31 M. nicht und nur 23 Proz. der Arbeiter hatten einen Wocheulvhi, bon 20 bis 24 M.— Den höchsten Durchschnittslohn weist Spandau au mit 20,82 M., dann folgt Bremen mit 20.60 M., Hamburg mit 20,12 M.. Elberfeld mit 19,91 M.. Bielefeld mit 19,83 M.. Frcs- bürg i. B. mit 19,50 M., Dresden mit 19,43 M., Brandenburg mit 18,96 M.. Ulm mit 18,75 M., Berlin mit 18.70 M. usw. bis herab zu 8,60 M. in Posen.— Bei so geringen Löhnen ist es erklärlich, daß bei 288 der Befragte» die Frauen, n»d in 30 Fällen sogar Kinder nnter 14 Jahre» durch Erwerbsarbeit zun, Unterhalt der Familie beitragen mußten.— Die in der Korbmacherei beschäftigte» Arbeiterinnen berdiene» durchschnittlich 7 M, in der Woche weniger als die männlichen Arbeiter, dagegen ist ihre Arbeitszeit im Durch- schnitt IN» zwei Stunden pro Woche kürzer als die der Männer. Heimarbeiter haben sich an den vorstehenden Erhebungen mir 7 beteiligt, obgleich sie in der Korbmacherei zahlreich vorhanden sind. In Berlin allein befinde» sich unter 330 Korbmachern wciiigstens 80 Heimarbeiter. Im Koburg-Lichtenkelser Bezirk sind in 63 Orten 1773 hansiudustrielle Betriebe mit 3683 Arbeitern einschließlich der Betriebsinhaber von der Statistik betroffen. Wir habe» es hier mit einer von wenigen Großhändlern ausgebeuteten Hausindustrie zu thu», deren Arbeiter in ebenso traurigen Verhältnissen leben wie die der Spielwarcn-Jiidiistrie des benachbarten Sonneberger Gebiets. llcbcrinäßig lange,„»geregelte Arbeitszeit und Hnngerlvhnc, gegen welche die im erste» Teil der Statistik aufgeführten gewiß recht dürftigen Löhne noch glänzend zu nenne» sind: Das ist das Kennzeichen der Roburg-Lichlenfelicr Korlnvaren-Jndnstrie.„Wir arbeiten im Sommer von früh, ivenn die Sonne aufgeht bis abends wenn ivir nichts mehr sehen, im Winter bon früh 6 oder 7 Uhr, bis nachts 11 oder 12 Uhr, »nd wenn der Licfertag tommt,»och länger, bistveilen die ganze Nacht hindurch." So lautet allgemein die Antwort ans die Frage nach der Dauer der Arbeitszeit. Nur in zwei Orten ist eine durch- schnittliche wöcheiitliche Arbeitszeit von 64 bczw. 66 Stnndcn ermittelt worden. Ii, den nieistci. Orten beträgt sie 90—100 Stunden »nd noch darüber. Der wöchentliche Dnrchschiiitlsverdicnst beträgt für eine vollbeschäftigte Person(oft arbeitet die Frau niit) in den»leisten Orten 4 bis 6 Mark, er erhebt sich mir in drei Orten ans 6,21, 6,23, 6.38 M.. und sinkt i» vier Orte» „och nnter 4 M. EtwnS besser, soivohl hinsichtlich des Lohnes als auch der Arbeitszeit, stehen sich die Mitglieder einer Gcnosseiischafts- iverkftatt in Steinachgrinid. Nicht selten treffe» wir auch noch ein verstecktes Trucksystem an. Wer beim Großhändler seine Arbeite» loSiverden will, ist genötigt, von diesem auch sein Arbeitsmalerial, Koloninlivarei, und dergl. z» kaufe,«, ivobei oft unverhältnismäßig hohe Preise berechnet werden. Hier und da sind für de» Bezug der Materialien Konsnmvereiiie entstanden, die den Arbeitern enie» für ihre Verhältnisse erheb- lichei, Nutzen bringen.— Die gewerkschaftliche Organisation ist de» Korbmachern von Kobnrg und Obcrsranken so gut wie »»bekannt. Nur vier Mitglieder des Holzarbeiter-Verbandes sind unter den Befragten gesunden worden. Viele haben die Frage nach der Zugehörigkeit zur Organisation init„Kriegcrvcrein" beantwortet. So gesellt sich alio auch hier, wie gewöhnlich, zur elenden Lage der Arbeiter ihr JndifferentismnS,»nd es ist deshalb noch ein gut Stück Anstlärnngsarbeit nötig, nn, in diesen dnnklen Winkel so viel Licht zn bringen, daß der Kampf für die wirtschaftlichen Interessen dieser gedrückten Arbeiterschicht Erfolg verspricht. Vevpamnrlnngen. Verein zur Wahrung der Jntercsscn der Maurer. In der außerordentlichen Genernlversaninilpug, die am Mittivoch in Cohns Saal stattfand, erstattete Z s ch o ch den Bericht des Ansschnsses. In der Zeit vom 3. August 1901 bis 4. März 1902 sind 17 Beschwerde» und 6 Rechtsschntz-Angclegenheitcn erledigt worden. 10 Unter- stützungsgesuche wurden genehmigt, 3 zurückgewiesen. 12 Kollege» wurde» wegen Streikbrnch, Accordarbeit»nd andrer Verstöße ans- geschlossen.— Nachdem dem Ansschnh Decharge erteilt worden war, wurden folgende Mitglieder in denselben gewählr: G e z o r k e, Joseph. Kater, Fribete, Schorratz. Hierauf erstattete Heller Bericht über die Konferenz der Vertranensmämier-Centralisatio» der Maurer Deutschlands, welche kürzlich in Berlin stattgefunden hat. In der Debatte, die dem Bericht folgte, wurde von verschiedenen Seiten das Verhalten eines Berliner Delegierten yeriigt, der auf der Konferenz gesagt hatte: Was hindert mis„och, in den Verband eiiiziitrelen, der Verband drückt li»s ja doch an die Wand und wir können nicht einmal mehr quietschen. Herolds, der als Dclc- gierter diese Aenhernng gemacht hatte, nieinte, so wie er gesagt, sei es thatsächlich. Das sei seine Meinung, die er sich»icbt streitig machen lasse. Tie übrige» Redner bezeichneten dieses Verhalten als eines Vertreters der Vertrauensmäimer-Ceiitralisation unwürdig. Im übrige» erklärte sich die Versammlung mit den Beschlüssen der Konferenz eilivcrstandcn.— Hierauf erfolgte die Wahl der Fünfer- Kommission der durch Vertrauensmänner centralisierlen Maiirer Dentschlaiids. Auf Grund einer in der letzten Generalversammlung niigenonimenen Resolution werde» die Geschäfte des Obmannes der Kommission vom VereiiiSvorsitzende» Gehl,»nd die Kassen- gcschäfte vom VereinSkassterer Witte besorgt. Stißerdem wurde» gewählt: Kater als stellvertretender Vertrauensmann, Pndlitz »nd Z s ch o ch als Revisoren,— Knöppchen erstattete de» Bericht als Delegierter zn», Gcwerkschastskartell. Es wurde gerügt. daß er in der letzten KarteNveriaminlung gegen den Ausschluß des Kellnervereins gestimmt hatte. Für den Streik der Kleber bewilligte die Versammlmig eine Unterstützung von 200 M.— Der Vorsitzende Gehl, nachte auf eine» Druckfehler im Statut aufmerksam, dessen Richtigstellung an dieser Stelle gewünscht wird. Im§ 3, Absatz b muß es heißen:„Sind die Organisationspapiere nicht in Ordnung. so kam, für diese Mitglieder der Z 3, Abs.»(nicht b wie irrtümlich dasteht) angewandt werden."— DaS Mitglied Gnft. Pläge wurde wegen Accördarbeit ausgeschlossen. Eine Glasarbeiter- Versammluiig, die am Donnerstag im Gewerkichaftshans tagte, befchäfiigte sich mit den, großen Facette»- s ch l e i f e r- S t r e i k in Förth. Der Verbandsvorsitzende G i r b i g schilderte das namenloie Elend, dem die Fürther Facetten- schleifer durch die Ausbeutiingssucht der Unternehmer preisgegeben sind. Vor 7—8 Jahren war ihre Lebenshaltung„och eine ziemlich gute, sie verdienten 27—30 M. pro Woche. Dann aber ivnrdei, die Löhne immer von neuem reduziert, so daß sie jetzt bei 60 bis «Ostiindiger anstrengender Arbeit kaum 12-13 M, wöchentlich verdienen, Trotzdem sind sie ihren Pflichten gegenüber der Organisation nachgekommen und der Verband zählt in Bayern nicht weniger als 1300 Mitglieder; von den ca. 700 Fürther Glasschleifern sind 310 organisiert. Durch die zahlreichen Kämpfe, die dem Glasarbeiter-Vervand in den letzten Jahren aufgezwungen wurden, war es jenen Arbeitern nicht � Soiuitilj, 9. pt| 1902. möglich gemacht, energisch für ihre eigne» Interessen zn kämpfen. Tie neuesten Lohiiredliklionen aber, die bis zn 33 Proz. betragen, sind für die so schon anfö äußerste AnSgebeniete» geradezu»n- erträglich. Leider konnte der Centralvorftand ans Rücksicht auf die gegenwärtige Lage den Fürther Kollegen nicht empfehlen, dem brutalen Vorgehen der Glasbaroue diktch energische Abtvehr- maßregeln cntgegenzntrctc», sondern mußte ihre» Vertreter de- auftragen, nach Möglichkeit dafür z» sorgen, daß die Aus- speming, die sich jetzt auf 90 Personen erstreckt,»ickt größere Dinienstonen annimmt. Doch soll selbstverständlich alles aiifgebolcn lverdcn, nn, den, Elend zu steuern.— W e l k i s ch geht auf»ichrcre Positionen des nenen Tarifs ein und iveist besonders darauf hin. daß es auch im Interesse der Berliner Glasarbeiter liegt, einer lveiterc» Lohnrednktioi, i» Fürth entgegenznivirken. Nachdem sich»och mehrere Redner in gleiche», Sinne geäußert hatten, wurde folgende Reioliition einstimmig angenommen:„Die Bersanuiilnng erkennt das Elend der Fürth er Glasarbeiter an und verpflichtet sich, mit allen gesetzlichen Mitteln dafür zu wirken, daß die elende Lage der Fürther Kollegen gebessert ivird. Die Ver- sanimliing hält eS für ausgeschlossen, daß die elende Lage der Glasarbeiter noch ans ein tieferes Matz herabgedrückt werden ka»». und verurteilt doshalb die dahin zielenden Versuche der Fabrikanten nnt größter Entschiedenheit. Die Versammlung erklärt sich ferner bereit, alles anfznbieteii, damit die Fürther Kollegen von ihrem Elend befreit iverde», und verpflichtet sich, sie materiell »ach besten Kräfte» z» unterstützen."— Die Herbeischaffnng von NnterstütziingSmitteln soll durch Saininellisten erfolgen. Vorläufig sind den Ansgesperrtm 100 M. ans de», Extrafonds überwiese» worden. Von mehreren Seiten wurde zur Beisteuer für den Extra- fonds aufgefordert,— Als Vertrauensmann für die Glasarbeiter Deutschlands wurde Horn einstiiinnig wiedergewählt. Die Verlegung des Stellenwechsels im Berliner Schlächter- gewerbe vom Sonntag auf einen, Wochentag, deren Durchführung seitens der Fleischcrgesellei, schon seit Jahren gefordert wird, hat jetzt bekanntlich z» einen, Konflikt zwischen der Fleischer-Jniinng lnid de» Geselle» geführt, iveil die Meister der Verlegung des Stellen- Wechsels ivohl zugestimmt, dafür aber nachträglich die tägliche Kiin- digmig verlangt haben. Sämtliche Organisallonci, der Berliner Schlnchtcrgcsellcn hatten deshalb für Sonntagabend eine allgemeine P r o t e st- Versammlung nach den, Getverkschafishanse einberufen. I» dieser wurde, nach einem vom Reichstags- Abgeordneten E. Rosen oiv gehaltenen Vortrag über den Stellen- Wechsel in früherer und jetziger Zeit, vom Gese'llenansschutz Bericht erstattet über de» derzeitigen Stand der Dinge. Unter ander», wurde da erklärt, daß die Verhandlungci, zwischci, den, Gcsellcnansschnß und de», Jnnmigsvorstand abgebrochen seien, da letzterer unbedingt die tägliche Kündigung einführen wolle, trotzdem dicS in del letzte» Jmiu»gsvcrsa»i»,l»»g nicht beschlossen sei. Dort sei vielmehr der Antrag angcnounne», der da besagt, daß der Stellemvechsel an eine», Wochentage außer Sonnabend stattzufinden habe und daß der für den Betrieb geltende Entlaffimgstag zwischen dem Meister und seinen, Gesellen vor Antritt des Arbeitsverhältnisses ausgemacht und ans der Arbeitskarle vermerkt werden soll. Hiernach dürfe also der Stellemvechsel i», einzelnen Geschäfte nicht au jedem Wochentage, sondern nur an einen, bestimmte» Tage in der Woche ersolgen. Auf Grund dieses Thatbestandes erhoben der Gesellenansschuß sotvie sämtliche andern Redner energisch Protest gegen die Handlmigsweiie des JnnungS- Vorstandes und gegen die beabsichtigte Einsührnng der täglichen Kündigung, da durch die Verwirklichung derselben die Lag» der Fleischergcsellcl, ganz bedeutend verschlechtert werde. Ein» in diesem Sinne gehaltene Resolution fand dann auch einstimmige Annahme. Ebenso wurde noch beschlpssen, daß die Kündigung»nd Entlassung allgemein auf den Donnerstag verlegt werde» und bis nachmittags 4 Uhr erfolgen soll. Bei Durchführung irgendlvelcher Veränderung in, Stellemvechsel soll dann auch die Arbeitsvermittlung der Innung»nd Freien Vereinigung der veränderten Sachlgge an- gepaßt werden. Ferner wurde noch gewiiiiicht, daß die Stellen- vermittliingS-Gebühr, die jetzt 1 M. beträgt, auf 30 Pf. herabgesetzt iverde. Alle in der Versamnilung gefaßten Beschlüsse wurden de», Gesellenansschuß überwiese», der dieselben in der amMiiiwoch stattfindenden Mcislerversammlnng vertreten soll. Tie Gold- und Silbcrarbeitcr hielten am 27. Februar im Dresdener Garten ihre Vranchenversainmlimg ab. In derselben hielt M e tz i, e r eine» mit viele», Beifall a»fgeuomme»cn Vortrag über„Die Krisen und ihre Ursachen". Unter Verschiedenem wurden von B r ü ck» e r die in der Silber, varen-Fabrik von Louis Bahner, Oraiiienstraßc, herrschenden Mißstände einer eingehenden Besprechung ilntcrworfen. Derselbe führte ans: Diese Fiinia bc- treibe das einträgliche Geschäft der Lehrlingsausbildung, indem sie bei 2 Gehilse» 10—12 Lehrlinge beschäftige. Diese müßten eine Lchrzeil von zwei Jahren absolvieren n»d erhielten an Kostgeld i», ersten Halbjahr nichts und später 3. 6 und 7 M. Run sei es aber infolge der i» diesen, Betriebe herrschenden Fabrikationstveise und maschinellen Eiimchtigigc» vollständig ausgeichlossen, daß ein dort beschäftigter Lehrling sich Fertigkeiten aneignen könne, die ihn befähigten, später einmal als Silberarbeiter sein Brot zu verdiene». Die in diese», Geschäft vorkonnnenden Arbeite» könnten von ungelernten Arbeitern ganz gut ausgeführt werden. Ungelernte Arbeiter müsse aber Herr Bahner doch vom ersten Tage der Beschäftigung »nd jedenfalls auch besser als seine Lehrlinge bezahlen. Herr B. verpflichte sich in den Lchrvertrüge» wohlweislich auch nur dazu, seine Lehrlinge, welche selbstverständlich„fleißig und ans- merksam" sei» müssen, in der„P n t e n t- Besteckfabrikatio»"»nd da auch mir„so gut wie möglich" zu»nlerrichten. Herr 93. verstehe eS also sehr gut, Lehrverträge nnfzilsetzen. Gerade obiger Passus habe schon das(Üewerbegericht veranlaßt, einen Batcr. der in de», Beivnßtiei», daß sei» Sohn bei Herrn B. doch nichts lernen kann, diesen ans der Lehre genonnncy halte und auf Herausgabe der Bücher klagte, ab- zuweise». In der Diskussion teilte Henning»lit, daß die Orts- lasse sich veranlaßt gesehen habe, gegen Herrn B. Schritte z» unter- nehmen, iveil die Lehrlinge desselben sich zu», Teil— nach Annahme der Kasse nicht ohne Verschulden des Herr» B.— hätten in ärztliche Behandlung begeben müssen. Ein bei Herrn B. beschäftigt gewesener Kollege tellte noch mit, daß er dortselvst in drei Tagen die fabcl- hafte Summe von 6 M. verdient habe. Tie Stnccateurc hielten am Sonntag eine öffentliche Ver- sammlnng in, KI»bha»§, Komnimidaiitenstraße, ab. Silber- f ch in i d t sprach in klarer, leicbiverfiävdlickicr Weise übei die Notwendigkeit der gclverkichaftlichen, sowie polilmhen Organisatio». Nach kurzer Disknsstoii über de» Vortrag wurde» wieder die Mißstände bei der Firma Ja ecket besprochen und die Lauheit der dort arbeitende» Kollegen getadelt. Zu», Schluß wurde darauf anf- merksam gemacht, daß in nächster Zeit in Wilmersdms die Wahlen der Gewerbegerichts-Bcisitzer fiattsinde» und wurde für zweckmäßig erachtet, hier auch die Slnccatenre durch einen Kollegen vertrete» zn lassen. Es ist dies wichtig, da in Wilmersdorf mehrere größere Firmen für diesen Beruf bestehen. Zur Erwähnung ivnrde»och ge- bracht, daß alle Arbeiter, die ein Jahr bei einer Wilmersdorfer Firma beschäftigt sind, wahlberechtigt sind. J» der Versaimnlnng der Graveure und Ciselcurc vom 4, März referierte Herr Wollheim über„Staalshilfe und Selbst- Hilfe" und ivnrde mit reichlichem Beifall belohnt. Die in der vorigen Berfa, nnilnng erfolgte Kassiererwahl ivnrde angefochtci,. da der Kandidat nicht die absolute Majorität erhalten hatie. Ans der Neu- ivahl ging Köhler als Kassierer herbor, zum 1. 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