Nr. 59. AlionittUttnts• Zcülngungtn: AbonnemenlS-Preit pränumerando: vierteljährl. ZLo Ml., monall. l.lvMl., wöchentlich 2S Psg. frei in! Haut. Etruelne Numw-r S Psg. SouiilagZ- Nummer mir iu»n»>er>»e Sonntag!» Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Ilbonnement: l,io Marl pro Mona». Eingelragen in der Post- Zeitung», Preiäliste für l0l>2 unter»r. 7S7S. Unter llreuzband für D-ullchlaud und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Trlchrwk läfllirfj»uster Mo»lag». 19. Jahrg. Fit Inftrtlons-WMyt beträgt für die fechSgefpaltene Kolonei» »eile oder deren Raum»o Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigeu" jedes Wort B Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi»"l Uhr nachmittags in derSxpedition abgegeben «erden. Die Srpcdttton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn» und gesttaAen bis sUhr vormittags gevssiiet. Vevlinev VolksbleM. Telegramm-Adresse: »ruivkrnk»erlin» Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redalttivu: sw. 19, Beuch-Strafe 2. Fernsprecher: Zlmt I Nr. 1598. Dienstag, den II. März ItM)Ä. Expedition: sw, 19, Beuch-Stvahv 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5lSt. Ein politischer Meineidsprozetz. Vor dem nieckleitburstlschen Schwurgericht in G ü st r o lv spielte sich am 7. und 8. März eine Gcrichtsverhandlnnst ab, die hcransgewachsen ist aus dem nnablässigeil Kleinkrieg, den Polizei und Verivaltunst in Mccklenburss im Bunde mit den Guts- l'csipcrii gegen die Ausbreitung der Socialdemokratie unter den Landarbeitern führen. Sie lvlirdc auch in ihrem Verlans einfach nn verständlich erscheinen, Ivenn man nicht die Gemütsverfassung und die Stinlimmg in Rechming setzen wollte, in welche ganz naturgemäß die an diesem Nleinkrieg direkt beteiligten GcscNschaftslrcise durch die Wahrnchmnng versetzt werden Ulüssen. daß alle ihre so gut gc- meinten Anstrengungen dem Anwachsen der socialdemokratischen Be wcgnng unter den Landarbeitern keinen Abbruch thun konnte»; namentlich nicht in de», füiiften mecklenburgischen Reichstags-Wahl- kreise, der gerade infolge der erfreulichen Zunahme der socialdemo kratische» Stimmen in de» ländlichen Bezirken den ersten Social- dcmokraten ans Mecklenburg in den Reichstag entsendete. Aus der Initiative und unter Mitivirknng dieses Abgeordneten, des Rechtsanwalts Dr. H e r z f e l d- Berlin, sind im vorigen Jahre mehrere R e ch t s sch u tz- V e r e in e für Landarbeiter inö Leben gerufen ivorden, so auch in dem Dorfe Kamin und Um gegcnd. Hier hielt am 3. Februar ISOl, an einem Sonntag, der Genosse Herzfeld eine juristische Sprechstunde ab, die vorher durch Handzettel in der Gegend bckastnt gemacht war»md die sich reichen Zuspruchs erfreute; sie fand statt in den Lokalitäten des Gastwirts Schwank zu Kamin, der dem Rechtsschntzvercin, natürlich zun» Leidwesen der Behörden, seinen Saal zur Verfügung gestellt hat und gegen dessen Wirtshansbetrieb schon seit längerer Zeit ein anßer� ordentlich reger polizeilicher BewachungSdienst sich bemerkbar gemacht hat. Auch einige Wochen nach jener Sprechstunde erhielt er eine Strafverfügung wegen angeblicher Uebertretnng des SonntagSgesetzeS, welches den Wirten während der Kirchzeit den Ausschank von Bier an Einheimische verbietet und nur an Reisende gestattet. Ein als freiwilliger Polizeikundschafter im Dorfe bekannter Händler Wulf hatte eine Anzeige erstattet und meldete sich, als das Schöffen geeicht zu Ncubnkotv am v. Mai 1901 über den Widerspruch des GastlvirtS Sch. gegen jene Strafverfügnng zu entscheiden hatte. während der Verhandlung selbst, der er zunächst als Zuhörer bei- gewohnt hatte, als Bclastimgszcuge. Der gleichfalls als BelastimgS- zeuge geladene Arbeiter Härder aus Kamin— gegen den am 7. und 3. März d. I. vor dem Schwurgericht wegen Meineids verhandelt wurde— hatte nämlich bekundet: er habe zwar während der Sprech- stunde Bier gekauft, aber das fei nicht innerhalb der Kirchzeit ge schehe»; er sei überhaupt erst»ach beendetem Gottesdienste, der von 19 bis 11 Uhr stattfand, in die Sprechstunde gegangen und habe einen Bekannten hierzu abgeholt, in dessen Wohnung er breits einen Teller Mittagssuppe(Pflaumen und Klöße) genossen habe, ehe sie weggingen. I», Gegensatz hierzu bekundete Wulf, daß er ganz genau beobachtet habe, daß Harber um 10 Uhr b Minuten die Schtvarckffche Gastwirtschast betreten und Ivährend der Kirchzeit Bier getrunken habe. Das Schöffengericht legte diese präcise Zeitbestimmung zu Grunde und erklärte die ini« bestimmter gehaltene Zeitangabe des Harber damit, daß dieser sich nicht genau vergclvissert haben würde, ivieviel die Uhr war, nnd es erkannte den Schiv. schuldig, Ivährend der Kirchzeit Bier an einen Ein- heimischen verkaust zu habe». Schw. legte Berufung ei»; vor der Straf- kammer wurden aber weder Härder noch sonstige Zeugen vernommen, weil die Strafkammer davon ausging, es sei ganz gleich, ob Schw. an Leute ans Kamin oder ans den umliegende» Dörfern Bier aus- geschänkt habe; denn auch dicke seien keine.Reisende" im Sinne des SonntagSgesetzeS, und da Schw. den Verkauf von Bier an diese Fremden zugegeben hatte, so wurde er ohne weiteres vom Land- gericht mit seiner Berufung abgewiesen. Das OberlandeSgericht hob dies Urteil auf und sprach Schw. frei mit der Begründung: daß er an Kaminer Bier ivährend der Kirchzeit verkauft hätte, habe die Strafkammer nicht festgestellt, dies fei ihm nicht bewiese», an die von auswärts erschienenen Gäste habe er aber Bier verkaufen können, denn dieselben wären„Reisende" im Sinne des Gesetzes, ganz gleich, welche Entfernung sie zurückgelegt haben mochten. Der polizeiliche Vorstoß gegen den Vereinswirt des Rechtsschutz- Vereins war somit mißglückt. Nun wurde, und zwar erst im Oktober 1901, ein UnterfuchungSverfahren wegen Meineides gegen jenen Zeugen Härder eingeleitet und dieser sofort in Untersuchungshaft genommen; die Sache wurde auch auf Antrag der Rostock«; StaatSanwalt- fchnft dem Schlvurgericht überwiesen»nd in Güstrow am 7. nnd 8. März verhandelt; es waren nicht weniger als SS Zeugen geladen I #• • Me aus obiger Darlegung ersichtlich, hat es sich am 9. Mai bei der Zeugenvernehmung des Härder vor dem Schöffengericht lediglich darum gehandelt, ob er während des Gottesdienstes am 8. Februar in der Schivarckschen Wirtschaft Bier getrunken habe. nnd der Inhalt seiner eidlichen Aussage ging dahin: es sei nach der Kirchzeit gewesen. Man sollte mm meinen, ei» Meineid könnte nur dann vorliegen, ivenn dem Härder vorgeivorfen Iviirde, e s s e i nicht Ivahr. daß er erst nach beendetem Gottes« d i e n st bei Schw. war. Aber weit gefehlt. Der Staats- anwalt selbst erklärte vor den Geschivorencn: ausgegangen sei aller- dingS die Anklage, gestützt auf die eidliche Zeitangabe des Händlers Wulf, von der Smiahme, datz Härder ivährend des Gottesdienstes in die Sprechstunde ging; aber schon die Vornutersuchnng habe ergeben, daß er thatsächlich erst eine geraume Zeit nach 11 Uhr bei Schw. erschienen sein könne; in diesem Punkt sei H.'s Zeugnis richtig gewesen; der Meineid liege aber darin, daß Härder als Be» gründung dafür, daß er nach der Kirchzcit in die Sprechstunde ge- gangen sei, die Thatsache angegeben habe: er hätte bei einem Be kannten, den er auf dem Weg zur Sprechstunde abholte, einen Teller mit Pflaumen und Klößen gegcffen. Dies sei nicht wahr; sondern wie die Anklage behauptet, habe Härder jene Pflaumen und Klöße erst bei seinem Bekannten gegessen, als er bereits aus der Sprechstunde znrüekkchrte. Der Staatsantvalt stützte sich auf süiif Zeugen, darunter den Händler Wulf; von diesen bekundeten vier: sie seien in der Wohnung des Arbeiters Nicnian» gewesen, als Härder am 3. Februar diesen zur Sprechstunde abholte, und sie hätten nicht gesehen, daß Härder bei dieser Gelegenheit Pflaumen und Klöße gegessen habe; die fünfte Zeugin, die Ehefrau Niemann, bekundete: Härder sei,»ach dem er ihren 70jährigen Mann in die Sprechstunde geleitet, gleich lviedcr zurückgekehrt»ind habe ihr berichtet, jetzt spricht Dein Mann mit Herzfeld, und jetzt habe sie ihm einen Teller Pflaumen nnd Klöße vorgesetzt. Die Wer teidignng hatte mehr als ein Dutzend Personen geladen, die sämtlich ilbcrcinstimmcnd bekundeten, daß jene fünf Zeugen, mit Ausnahme des Wulf, vor Eröffnung der Unlersuchung gegen Härder unmittelbar »ach der Verhandlung vor dem Schöffengericht am 9. Mai gegen sie sich dahin geäußert hätten: es sei ganz richtig, was Härder bezeugt habe; er hätte die Suppe ge gessen, als er den alten Nie mann abholte. Eine Zeugin war zur Stelle, zu Ivelcher sich in diesem Sinne Frau N i e m a n n bereits am 4. Februar, also unter dem f r i s ch e st e n Eindruck des Vorganges, geäußert hatte. Vor dem Schlvurgericht allerdings lvollten nun diese 4 Zeugen ihre frühere entgegengesetzte Darstellung des Vorganges nicht ivahr haben. Der Staalsanwalt erklärte die Aussaget» aller dieser E n t l a st u n g s z e u g e n für den„Niederschlag eines aller elendeste» TorfklatschcS". Obwohl der Verteidiger darauf hin> wies, daß am 4. Februar, als noch niemand in Kamin ahnen konnte. welche Rolle einstmals zu spielen jener Teller Pflaumen und Klöße berufen sei. bereits laut einer durchaus einwands freien Zengcnanssage Frau Niemann. die Spenderin jener Mittagssuppe, erzählt habe, sie hätte dem Härder den Verhängnis- vollen Teller vor seinem Gang in die Sprechstunde vorgesetzt, so folgten doch die Geschivornen der Ansicht des Staatsamvalts, nämlich daß eS erwiesen sei, Härder habe nicht vor dem Gang, sondern nach dem Gang in die Sprechstunde jene Suppe gegessen. Und auch darin folgten die Geschivornen dem Staatsanwalt, daß Härder wider besseres Wissen jene Aussage gemacht habe; sie erklärten nach einer nur viertelstündigen Beratung den Härder des wissentliche» Meiueides schuldig! 44# * Es ist von Interesse, tvie der Staatsanwalt es begründete, daß den Härder unmöglich sei» Gedächtnis habe bei jener Zeitangabe in Stich lassen können. Der StaatSanivalt sagte:„Wenn mich oder Sie, meine Herren Geschivornen, jemand fragt: wann, Ivo und was haben Sie vor 3 Monaten zu Mittag gegessen?, so werden wir alle antworten, das wissen wir nicht. Und 3 Monate liegen zlvischc» dem 3. Februar nnd dem 9. Mai. Anders lag aber die Sache hier. Der 3. Februar Ivar für Kamin nnd für Harber kein gleich gültiger Tag, nicht ein Tag wie alle Tage, sondern es lvar ein großer Tag! Die große Bewegung dcS TageS schlug ihre Wellen vis in daS kleine nnd sonst so stille Dorf. Der socialdemokralische RcichstagS-Abgeordnetc hatte sein Kommen angekündigt. Das war ein Ereignis für Kamin, der starke Zulauf aus dem Dorfe und der Umgegend beweist dies. Was an diesem Tage geschah, hat sich den Beteiligten ganz besonders eingeprägt, so ivareS bei den vierBclastnngs� zeuge» und so wird es, so muß es auch bei Härder der Fall gewesen sein. Er allein sollte nicht im Gedächtnis behalte» haben, wann er die Pflaumen und Klöße aß? Er hat dies behalten und er ivar sich des richtigen ZeitpnnltcS ganz genau bewußt, als er zu Gunsten Schwarcks die falsche Zeugenaussage machte. Daß auf die Geschivornen diese staatsanwaltliche Rcdeblüte, trotzdem sie in ihrer psychologischen Unbegründetheit vom Verteidiger bloßgelegt wurde, bestimmenden Einfluß getvinnen konnte, wird nur begreiflich, wenn auf einen Vorgang in der Schwurgerichte Verhandlung hingewiesen sein wird, der bisher noch nicht erwähnt wurde, der uiisreS ErachtcnS aber der ganzen Verhandlung ihren Stempel aufdrückte. Die Staatsamvaltschaft hatte nämlich den AnitShanptman» v. Blücher, den Chef deS Amtsbezirks, zu dem Kamin gehört, geladen, um den Geschivornen ein Gutachten zu er- statten. Dieser hohe VerwaltnngSbeamte sagte unter seinem Eide: Der Ort Kami» ist mir besonders unsympathisch, weil er alS Schlupfwinkel der Sorialdcmokraten bekannt ist; dcS- wegen(!!) ist der Rnf der Einwohner schon im allgemeinen kein guter; es find meistens Leute, von denen man sich nichts GuteS»u versehen hat; zu den Ausnahmen rechne ich de» Wulf, dessen Leumund, so weit mir bekannt, im allgemeinen kein schlechter ist, wenn er auch schon vorbestraft ist." Kein Wunder, daß dies politische SittenzeugniS auf die zwölf Geschwonien, nnter denen 8 GnISbesitzer und Gillspächter. 1 Forst- »Heister und 1 Fabrikbesitzer waren, einen bestimmenden Eindnlck mache» mußte bei der Beurteilung von Personen, die ein Interesse für die Gründung eines RechlsschutzvereinS für Landarbeiter bethätigt halte». Kein Wunder, daß sie durchaus lvillig waren, dem Staats- anwalt darinkbeizupflichten, daß die de» Belastungszeugen entgegen- 'tehenden eidlichen Beklindungen als nichts andres zu beiverten eien als der„Niederschlag des allereleiidesten Dorfklatsches.' Sie hatten es ja gehört aus dem Munde ei»eS der höchsten Beamte» des Landes, der in ihren Augen gewiß als Autorität gilt, daß cS sich um einen.Schlupsivinkel der Socialdemokratie' handle(man höre und schaudere!), daß dar» m durchweg Personen in Frage kämen, von denen man sich nichts Gutes zu versehen habe I Hatten diese Leute ja auch, wie der Staatsanwalt sich ausdrückte, dem social« demokratischen ReichStagSabgeordneten großen Zulauf bekundet! I So ist es gekommen, daß der Angeklagte des Meineids schuldig befunden und vom Gericht zu zwei Jahren ZnchthauS und drei Jahren Ehrverlust verurteilt wurde. •• « Dieser erschütternde Bericht spricht durch sich selbst. Nur in einem Lande, in dem die politischen Gegensätze aufs äußerste zu- gespitzt sind, können solche Anklagen erhobei», solche Urteile gefällt werden. Kein StaalSanwalt würde nnter gesunden politischen Zuständen auch nur daran denken, um einer so gleichgültigen Bagatelle Ivcgen einen Menschen vor Gericht zu fordern, kein Schwurgericht würde ei» „Schuldig" sprechen. Dem Güstroiver Schwurgericht, das schon im Fall Holst einen, unsrcS Erachtens unschuldigen, Socialdeniolraten auf Jahre ins Zuchthans brachte, ist es vorbehalten gelvesen, Ivegen einer kaum erwähnenswerten, hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit kaum aufgeklärten nebensächlichen Einzelheit einen Arbeiter zu zivei Jahren Zuchthaus zu verurteile»— wegen wissentlichen Meineids! Warum sollte ivohl Harber wissentlich einen Meineid ge« leistet haben, da er— wie gerickitlich nachgewiesen und anerkannt worden ist— mit der aNein in Betracht kommende» Behauptung, daß er»ach Schluß der Kirchenzeit in das Wirtshaus gekommen, recht gehabt hat. Wenn er seinen Parteifreund schützen wollte. so war ihm das ja voll geglückt, und es war völlig gleichgültig, wann er die Suppe gegessen. Im schlimmsten Fall könnte er sich über die Einzelheit seiner in ihrem Ergebnis richtigen Aussage geirrt haben. Aber es ist nicht einmal ausgemacht, daß er sich geirrt hat; die Zeugen widersprechen sich. Die Geschworenen aber hielte» den An- geklagten des wissentlichen Meineids für schuldig, und die gelehrten Richter hoben nicht, lvie ihr Recht gewesen wäre, das Verdikt der Geschworenen ans, iveil sie sich zu Ungunsten des Angeklagten geirrt hätten, begnügten sich auch nicht niit der Minintalstrafe, sondern ver- urteilten den Unglückticheli zu zwei Jahren Zuchthaus. Freilich, das ivar ja die allgemeine Meinung der an dem Urteil Beteiligten: den Kaminer Socialdemokraten sei nichts Gutes zuzu« trauen. Bon dieser Anschauung bis zu dem Bedürfnis, ein Exempel zu statuieren, ist der Weg nicht weit. Es gicbt Verhältnisse, in denen die Leidenschaften so aufgewühlt sind, daß niemand mehr— bei allem guten subjektiven Willen— fähig ist, objektives Recht zu sprechen. Für die bedrohten Opfer aber einer solchen Justiz, die nnbeivußt zu einem Instrument der Politik wird, ergiebt sich die Aufgabe, Vorsorge zu treffen. Wir würden es durchaus begreifen, daß in Mecklenburg hinfort jeder Parteigenosse es ablehnen würde, einen Eid zu leisten. Lieber Zeugnis- zwangshaft erdulden, als sich der Gefahr aussetzen, wegen irgend einer kleinen Unrichtigkeit, ja vielleicht nur der falschen Annahme einer solchen ins Zuchthaus gesperrt zn werden! Wenn überall nach den Güstrower Grundsätzen geurteilt würde. kein Zeuge wäre seiner Freiheit mehr sicher. Denn eS giebt überhaupt keine Zeugenaussage, die in jeder Einzelheit nachweisbar völlig korrekt ist.—_ politische Vebeelichk. Berlin, de» 10. März. Die dritte Lesung des Etats. Der Reichstag kam am Montag rasch zur dritten Lesung des Etats. Das Gesetz zum Schutz des Genfer Ncutralitäts- Zeichens wurde nämlich ohne weitere Debatte in der Gestalt, die ihm die Konimission gegeben, en bloc angenonimen. Der Beginn der dritten Etatlesung hatte nicht vermocht, die Bänke des Hauses gut zn füllen. Einer nament- lichen Abstimmung hätte der Reichstag nicht stand ge- halten. Um so zahlreicher waren die Regicrungs- Vertreter erschienen, zeitweise hatten die Bundesrats-Bevoll- mächttgten offenbar die Majorität. Der Reichskanzler aber fehlte, durch ein leichtes Unwohlsein zurückgehalten. Die Generaldiskussion, die die dritte Lesung einleitet, brachte eine nicht wesentliche Polendebatte: die Etats des Reichstags und des Reichskanzlers brachten gleichfalls nichts Erhebliches. Auch beim Etat des Auswärtigen Amtes wurden Fragen der hohen Politik nicht bertthtt. Der nationalliberale Antrag auf Einstellung einer Summe von 20000 M. zur Errichtung von Handelskammern im Auslande wurde von allen übrigen Parteien abgelehnt. Staatssekretär v. Richthofen konnte heute die Frage Bebels nach dem Schicksal der in Libau im Gefängnis schmachtenden Frau Kugel beantworten. Allzu- groß scheint das Interesse nicht zu sein, das das Auswärtige Amt für diese Deutschen, die den russischen Schergen in die Hände gefallen sind, aufwendet, aber es ist wenigstens etwas geschehen. Der Konsul in Libau hat der Gefangenen Wäsche und Kleider besorgt und unser Botschafter in Petersburg hat 'ich nach ihrem Schicksal erkundigt. Nach den Versicherungen Zes Staatssekretärs ist die Untersuchung beendet und die Eni- 'chcidung steht bevor. Beim Etat der K o l o n i a l v e r w a l t u n g wurde die Bewilligung des Zuschusses von 30000 M. an die Deutsche Kolomalgesellschaft zur Errichtung eines Auskunftsbureaus für Auswanderer auf Antrag des Ceutrums-Abgeordneten Caheusly an die Bedingung geknüpft, daß diese Gesellschaft dein Reichs- kanzler jährlich über ihre Thättgkeit berichtet. Die Linke stimmte auch in dieser Form gegen die Errichtung eines Werbe- bureaus für die Kolonien. Dann wurde der Etat des R e i ch s a m t S des Innern in Angriff genommen. Hier setzte eine aus» gedehnte Debatte etn, die in erster Linie dein Reskripte des preußischen Handelsministers Möller über die A u s f ü h r u n g der Gcwerbegerichts- Novelle galt. Tie An- kiindigung einer Interpellation über dieses Reskript durch unsre Fraktion veranlaßte den nationalliberalen Abg. Beck, die Frage schon heute anzuschneiden. Infolge- dessen griffen auch Zubeil und Stadt Hagen aus unfern Reihen in die Debatte ein und stellten ihrerseits fest, daß die im Sinne des Scharfmacherverbandes gegebenen Ausführungsbestininnlugen des Handelsministers außerordent- lich bedenklich und gefährlich seien. Gleichzeitig brachten sie zur Sprache, daß nur eine verschwindende Minderheit von Gemeinden, für die das Gewcrbegericht seit dem 1. Januar 1002 obligatorisch geworden sei, sich bis dahin bequemt haben, das Gesetz zu erfüllen. Graf Posadowsky muß das Reskript seines Kollegen auch für nicht cinwandsfrei gc- halten haben, jedenfalls hat er sich mit ihm in Verbindung gesetzt nnd heute war er in der Lage, ein neuestes Reskript zu verlesen, in dem Herr Möller seine erste Leistung selbst berichtigt und ihre bedenklichen Punkte beseitigt. -Tie Verletzung des offenkundigen Willens des Gesetzgebers durch das Reskript wurde nicht nur von unsrer Seite, sondern auch vom Centnimsnbgeordneten Tr i m b o rn gerügt. Genosse Wurm spielte Herrn Schlumberger und seiner Gesetzesliebe au und Herr v. Schlumberger tanzte danach. Außerdem brachte unser Genosse die Maulkorb- Verfügung fiir die Gewerbe- Inspektoren zur Sprache und verlangte vom Minister eine büirdige Erklärung darüber, daß die Gewerbe-Aufsichts- bcamten zu jeder Zeit ohne vorherige Anmeldung die Betriebe revidieren können; ferner erkundigte er sich nach der Ver- ordnung zun: Schutze der S t e i n a r b e i t e r. Graf PosadowSkh behauptet, daß die Fabrikinspektoren auch weiter Klagen furchtlos berichten sollten und daß ihnen nur untersagt worden sei, in ihren Berichten neue Gesetzes- Vorschläge zu machen. TaS Recht der Gewerbe-Aufsichts- bcamten auf unangemeldete Kontrollbesuche stellte er fest und versprach die Veröffentlichung der Schutzverordnung für die Steinarbeiter für die nächsten Tage. Dagegen ging er auf die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Ziege- lcien. die S t a d t h a g e n noch zur Sprache gebracht hatte, nicht ein. Einstiinmig angenommen wurde eine Reso- lution Franken, die die freiwillige Feuerwehr unter die Unfallversicherung gestellt wünscht. Genosse M o l k e n b u h r hatte die Anregung, die von unsrer Seite ja schon viel- fach vorher erfolgt ist, begrüßt und nur getadelt, daß nicht auch gleichzeitig die Theaterarbciter, die Arbeiter in Laboratorien, die Totengräber:c. unter die Unfallversicherung gestellt würden. Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Das Abgeordncteuhaus hat am Montag einen großen Teil des K u l t u s- E t a t S erledigt. Nachdem in der Generaldebatte Abg. E r n st(frs. Vg.) über den Lehrermangel an den Volksschulen gesprochen und Abg. Frhr. v. Heerenian iE.) nochmals die Beschwerden des Centrums wiederholt hatte, machte die Mehrheit durch einen Schlußantrag der Debatte ein Ende und bewilligte dem Minister sein Gehalt. Der Antrag Äopsch(frs. Vp.) und Genossen, betr. Untersuchungen über die Ausführung des Lehrer-Besoldungsgesetzes, wurde von den Antragstellern mit Rücksicht auf die entgegenkommende Erkärung des Kultus- Ministers zurückgezogen. Die Debatte über die übrigen Kapitel des Kultus-EtatS war völlig belanglos. Beim Kapitel„Universitäten" vertagte das Haus die Weiterbcratung auf Dienstag. Vorher soll der Etat des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten beraten werden. Wie der Präsident v. K r ö ch e r mitteilte, besteht keine Aussicht mehr, den Etat rechtzeitig zu verabschieden. Er hofft, mit Hilfe einer Abendsitzung wenigstens den Kultus-Etat vor Eintritt der Osterferien, also vor dem 21. März, erledigen zu können. Nach Ostern ist dann noch der Eisenbahn- Etat zu beraten. Das Herrenhaus, das vom 19. bis 22. März Sitzungen abhält, wird den Etat voraussichtlich erst Ende April oder Ansang Mai beraten.— Tie Nichtbescitigung dcS fliegenden Gerichtsstandes. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitivig' gicbt bekannt: „Der Reichskanzler hat dem Bunde-rat de» Entivurf eincZ Gesetzes, betreffend die Abänderung dcS§ 7 der Strafprozeß- Ordnung. vorgelegt. Prcffvcrgehc» sollen danach bei Erzeug- nisten der psriodischeu Presse dort,>v o die Druckschrift erscheint, verfolgt werden, nur im Wege der Privat- klage soll die Verfolgung auch am Wohnorte des Ver- letzten, doch nicht an dritten Orten, geschehen können. Der fliegende Gerichtsstand der Presse dürste damit im wesentlichen als beseitigt gelten." Nach endlosen Zögerungen will also die Regierung durch eine Gesetzesvorlage sich gegen das Erbübel des fliegenden Gerichts- slandes wende». Aber nichts unberechtigter als der offiziöse Selbst- ruhin, daß„damit im wesentlichen der fliegende Gerichtsstand der Presse als beseitigt gelten dürfte". Im Gegenteil! Das Verfahren der Regierung ist eine klägliche Halbheit, die der Presjc vielleicht eine schlimmere Zukunft elössuet als der bisherige Rechtszustnnd. Beseitigt Ivird der fliegende Gerichtsstand nur bei öffentlicher Anklage. Er soll erhalten bleiben bei der P r i v a t k l a g c. Gerade bei Privatklagen ist bisher schon der ambulante Gerichtsstand am häufigsten zur Knlvendung und zur Schädigung der angeklagten Zeitungsredactenre gelangt. Das müßte aber nach dein geplanten Regiernngsentlvurf späterhin noch unleidlicher werden, da bisher die Klageerhebung am Orte des Verletzten als Ausnahme- zustand galt und als solcher bekämpft wurde, während sie nun gesetzliche Regel werden soll. Für die Zukunft soll durch ausdrückliches Gesetz derjenige, der sich beleidigt fühlt. rieben dem normalen Gerichtsstaild d a s P r i v i l e g i u in eines zweiten, besonders günstigen Gerichts- standes erhalten. Der angeblich Beteiligte soll den Redactcnr an seinen Wohnsitz citieren und ihn durch ei» Gericht aburteilen lassen dürfen, das in vielen Fällen niit dem Beleidigten lokalpatriotisch rmtenipfindet und nicht diejenige Objektivität hat Ivie ein vom Schau- platz der der Klage zu Grunde liegeiideii Vorkommnisse entferntes Gericht. Der Redactenr soll heut vielleicht nach einem Ort in Ostpreußen, morgen nach einem Ort in Elsaß-Lothringen genötigt lvcrdcn können. Der Gesetzentwurf der Regierung ist daher durchaus ungenügend und unannehmbar.—_ General M-thuen durch Telarcy gefangen genommen! D o l a r e y, der vor tveingen Tagen erst bei K l c r k S d o r p 600 Engländer gefangen nahm und dabei einen Convoi, 2 Geschütze und 2 Maschinengewehre erbentete, hat den Engländern ganz in der Nähe von KlerkSdorp eine neue, anscheinend noch schwerereNieder- läge beigebracht, da eZ ihm gelungen ist. den Oberstkommandierenden der Streitkräfte Westtransvaals, den General Lord Methuen selbst zur Kapitulation zu zwingen, lieber die Niederlage Methneiis liegen bis jetzt folgende Telegramme vor: London, 10. März.'(W. T. B) Unterhaus. Kriegs- minister B r o d r i ck verliest eine Depesche Lord Kitche- » e r s, in welcher derselbe mitteilt: Lord Mcthuen und Major Paris sind von D e l a r e y angegriffen worden. Lord Meihuen wurde am Schenkel verwundet und gefangen genommen. Die Verluste der Engländer betragen außerdem 3 Offiziere, 38 Mann tot, 5 Offiziere und 72 Mann ver- wnnvct, 1 Osfizicr und 200 Mann verniisit. Nach einer nichtamtlichen Meldung sollen die Boeren auch 4 Kanonen genommen babcn. London, S,2S Uhr abends.(K. P. V.) Nach einer offiziellen Meldung Lord Kitcheners ans Pretoria ist der g e- samte Stab. die ganze Bagage und fünf Geschütze des Generals Lord Methneii nebst seiner aus 1200 Mann bestehenden Tröknng von den Boeren initer Führimg DelareyS zwischen W t> b n r g nnd Lichtenberg angegriffen und nach heftigem Kampfe zur Kapitulation gezwungen worden. Die m e i st e n Gesang e n e n wurden von den Boeren wieder in Freiheit gesetzt. General Meihuen fiel verwundet in die Hände der Boeren. Die Verluste der Engländer betragen an Toten 1 Oberst, 4 Otfizicre und 48 Mann, 7 Osfizicre und 78 Maiiii wurdeii verwundet; mehr als 250 Offiziere und Maimschafteii werden vermißt. Die Stärke der Boeren war 1500 Mann. General Methneii ist wahrscheinlich in der Verfolgung DelareyS begriffen gewesen, um ihn für seinen Sieg bei KlerkSdorp zu züchtigen, und dabei selbst dem überlegenen Führer in die Hände gefallen. M e t h u e n S Name wurde bereits im eisten Stadium des Krieges, im November 1899, durch eine Reihe unglücklicher Gefechte bekannt, namentlich durch seine Niederlage bei M a g g c r s f o n t e i n, die den Engländern 963 Mann kostete. Nun ist er verwundet in die Gefangenschaft des unglaublich zähen Feindes gefalle». Die zwei glänzenden Siege DelareyS stellen diesen auch bisher schon erfolgreichen Borcnfiihrer direkt neben De Wet imb Lonis Botha. Sie beweisen aber namentlich, daß die Boeren noch lange nicht besiegt sind, sondern den Engländern wohl auch in Zilkulfft noch manche Niederlage beibringen werden!— Der Bocrensicg in den englische» Parlamenten. Bei der Verlesung der Depesche Lord Kitcheners im Unter- Hanse ertönten zuerst laute Beifallsrufe bei den Iren, wahrend auf den Bänken der Ministeriellen Pfui-Ruie laut wurden. Brodrick wies sodann imter allgemeinem Beifall rühmend auf die Verdienste Methneiis hin. Im Oberhan sc verlas der Parlauiciitssekretär des Kriegs- amts Lord Raglan die Depesche Kitcheners. Lord Roberts sagte, er hoffe, das Hans werde ihm zustimmen, wenn er seine Anteilnahme an dem Schicksal Methncns ausspreche, und werde sich einer abfälligen Kritik eulhalten, bis man wisse, iver für die Niederlage verantwortlich sei. Lord Spencer schloß sich den AilSführiingcn Roberts an. Lord S a l i s b n r y sprach ebenfalls die Ansicht auS. daß man mit dem Urteil über die sehr traurige Nachricht zurückhalten solle, bis man über die Eiiizelhcitcil unterrichtet sei. Er sei überzeugt, daß Lord Mcthuen sein Bestes gethan habe. ** * Deutsches Weich. Ter Zollwiichcr-Antrag der Koiiseivatiuen dcS Abgcordnelen- Hauses ist bereits eingebracht: seine Drucklegung soll aber erst er- folgen/nachdem die übrigen Parteien beraten haben, ob sie sich an dem übcrzöllnerischen Antrag durch ihre Uuterschriften beteiligen wollen. Die Freikonservativcii hatten über diese Frage am Montagabend eine Fraktioiissitzimg, die„Post" hat ihren Parteisreimden den Rat ge- geben, sich zu beteiligen. Die Natiouallibcraleii dagegen, die im Abgeordnetenhause mehr als im Reichstage reine Vertretung der Großindustrie und freier vom agrarischen Zwange sind, haben nicht nur bcschlosicn, den Antrag nicht zu imterzeichuen. sviidern auch dciijeiiigcn Fraktioiismitgllcderii, die Ncigimg dafür haben, untersagt, ihrer Neigung zu folgen. Die„Deutsche Tagcsztg." erklärt drohend diesen Beschluß als„wertvolle Klärung für die nächsten Wahlen". Aus dem Ceiitruin sollen zahlreiche Mitglieder bereit sein, an der Ueberzoll-Demonslration tcilzimchmeii.— Grenzsperren für den Geist. Die Harle Krilik, die von den polnischen Blättern der preußischen Polenpolitik gewidmet lvird, ist der preußischen Regierung sehr unaiigenehm. Sie wählt aber ein sehr untaugliches Mittel, um sie zu widerlegen: sie sperrt ihnen die Grenze. Der„RcichSmizeiger" meldet, daß die Verbreitung der Krakauer Zcilschrist„ C z a s" und der Lemberger Zeitschrift„ D z i e n n i k P o l S l i von denen jene binnen Jahresfrist zweimal, diese dreimal auf Grund der§Z 41 und 42 des Straf- Gesetzbuchs ver- urteilt sind, vom Reichskanzler auf die Dauer von zwei Jahren in Deutschland verboten worden sei. Auch imscr Wiener Parteiorgan ist, wie erinnerlich, vor kurzem von dieser Strafe ereilt worden. Glaubt man, daß die Wahrheit dadurch Ivcniger wirksam wird, daß man die Grenzbarriere herimter- läßt?— Die gute Tante„Voskin" vcrlvendet einen ganzen Leitartikel darauf, um ihre Genugthuuiig tiefsinnig zu begründcn. dyß der Großherzog von Hessen abermals mit einem Social- d e m o k r a t e n geplaudert hat. Wir wissen, daß eS die höchste Sehnsucht des Freisinns ist. zu Hofe zu gehen, und eS ist darum begreiflich, daß die.Vossin" solche imbeträchllichen Episoden für hochwichtige Ereignisse hält. Unverständlich aber erscheint eS uns, daß das Blatt sich wundert, weil der„Vorwärts" kein Worl des Tadels ans Anlaß dieses Geschehnisses gefunden habe. Was, wen sollten wir tadeln? Den Großhcrzog zu rügen, steht nnS nicht zu— darüber sachkundig zu urteilen, müssen wir den patentierten Monarchisten überlassen. Und daß unsre hessischen Freunde auf parlamentarischem Boden als höfliche Leute den großherzoglichen Gast nicht brüskierten, ist selbstveiständlich. Wir lönnen der„Vossin" versichern: Auch>v i r würden jedem Monarchen, der uns etiva in der Sprechstunde unserer Redaktion aufstichcn würde, bereitwillig und so liebenswürdig wie möglich Rede und Antwort stehen. ohne im mindesten an unserer republikanischen Gesinnung einzubüßen. Wir Socialdemokraten sind viel zu dcmolratisch. um gekrönte Häupter schlechter zu behandeln als andre Menschenlinder.—_ Ter Kommunal-Wahlsieg in Bremerhaven, den nnsre dortigen Genoffen am Donnerstag in der dritten Wähler- klaffe errungen haben, stellt sich— so wird uns von dort geschrieben— als eine von der S o c i a I d c m o k r a t i e glänzend bestandene Kraftprobe mit dem vereinigten Bürgertum dar. Bis zum März 1900 hatte die Partei von j30 Sitzen im Stadtverordneten- Kollegium nur 3 im Besitz, am 22. März 1900 eroberte sie mit 312—318 gegen 252—262 bürgerliche Stimmen Z weitere Mandate. Die Wahl unsrer füns Geuoffcn wurde rechtswidrig kassiert. Vergebens: mit 431—438 gegen 257—261 gegnerische Stimmen winden am 21. April 1900 die süns socialdeinolratischen Kandidaten wiedergewählt. Die Socialdemolralie besaß nun 8 Mandate und war zu einem M a ch t s a l t o r i» der Kommnnalvcrwaltimg geworden. Sie Orderte sortgesetzt Abschaffung der vorsündflutlicheii MietSsteuer und Einführung einer einzigen progressiven Kommunal-Einkommenfteiier, Abschaffung der Scknilsleiier für die Vollsschiilen, statt des slandalösen Mielssteuer-Dreillassen-Wahlrechts das Reichstagswahlrecht für die Kommune, sie trat gegen die städtische Liebcsgabeiipoliiik und Deficit- Wirtschaft auf. deöffe Mißstände in verschiedenen städtischen Ver- waltrmgsressorts auf; sie wußte ferner vor Jahresfrist einen Auti- Zolltarif-Autrag zur einstimmigen Amiahme im Stadt- verordnetenkollcgium zu bringen. Nicht selten beherrschte sie das ganze Kollegium und die Kommissionen. Dieser bedeutende Einfluß der Socialdemokratie war dem Bürger» tum ein Greuel. Als daher jetzt die Neuwahlen zum Stadt- verordneten- Kollegium herannahten, und auch die ersten 3 Mandate der Socialdemokratie abgelaufen ivaren, einigte sich da? in den beide» ersten Stimnirechtsklasseii gespaltene Bürgertum in der 8. Klasse auf gemeiiifame Kandidaten. Die Socialdemolratie entfaltete eine intensive und planmäßige Wahlagitation. Als be- sonders wirksam erwies sich dabei der in der„Nordd. Volks- stimme", unsrem Brcmerhauener Pnrtei-Organ, erfolgte A b d r n ck d e r gesaiiitcn, 1424 Namen ciithaltendeii Wählerliste für die 3. Klasse. Der ausgegebcneii Parole folgend, schon v o r m i t t a gfs oder miltags direkt von der Arbeit zur Wahl zu gehen, folgten die Arbeiter am Wahltag in Scharen, und brachen um 11 Uhr auf den Werften und sonstigen Arbeitsplätzen die Arbeit ab, um ihr Wahlrecht auszuüben. Das Resultat der Wahl war ein geradezu glänzendes. Mit 331—542 gegen 337—353 Stimine» gingen die fünf socialde m akratische n Kandidaten als Sieger ans dem Wahlkampf hervor. Sic hatten gegen die Demonsirations- ivahl im April 1900 rund 100 Stimmen gewonnen, trotzdem die Gegner am Abend vor der Wahl ein von Lügen und Gemeinheiten strotzendes Flugblatt gegen sie verbreitet hatten. Namnehr hat die Socialdemokratie a l l e zehn M a n d a t e der 3. K l a s s e im Besitz! Aber noch mehr: tvcnige Tage vor der Wahl stellte die Partei auch für die beiden ersten S t i m in r e ch t s k l a s s e n eine Kandidatenliste auf, um ihre Stimmen in diesen Klassen einmal festzustellen, und die in zwei gleich starke Parteien gespaltenen Gegner zu Stichwahlen zu treiben, bei der die Partei Auslese unter den Kandidaten und die zu Wählenden bestimmen könnte, lind der Vorstoß gelang in beiden Klassen glänzend. Bei der Wahl am Freitag, dse n 7. März, wurden in der 2. Klasse nur 2 bürgerliche Kandidaten, die a»f beiden sich sonst gegenüberstehenden bürgerlichen Listen stniideii. gewählt, 3 müssen in einer Stichwahl gewählt worden, und die Socialdemokratie er« hielt 55 Stimnien. d. h. 10 Proz. der eingeschriebciicn Wähler. Bei der Wahl zur 1. Klasse ergab sich am Sonnabend, den 8. März. genau dasselbe Resultat: 2 gemeinsame Kandidaten der bürgerlichen Vereine wurden geiväblt, 3 köimeii erst in einer Stich- ivahl gewählt werden, und die Socialdemokratie erhielt 3 l Stimmcii, d. h. fast l0 Proz. aller Wähler. Dabei besteht die 1. Klasse au? Gemcindehürgcrii, die mehr als 1250 M. Miete zahlen, die 2. Klasse aus Bürgen, die von 500 bis 1250 M. entrichten und die 3. Klasse aus Bürgern, die von 200 bis 500 M. Miete zahlen; wer unter 200 M. pro Jahr verwohnt, muß wohl Steuer zahlen, darf aber nicht wählen, lieber die Stellungnahme der Partei bei den am 18. und am 20. d. M. statifindenden Stichwahlen für die beiden ersten Klassen werden der Vorstand des socialdemokratischen Vereins nnd die Stadtverordneten in Bremerhaven Bestblntz fassen. Ans daS Bürgertum haben die Erfolge der Socialdemokratie lvie Äciilenschlägc gewirkt._ Die ReichstngS-Ersahwahl im Kreise HadcrSlebcn hat folgendes vorläufige Slimmresultat ergeben: Redactenr Jessen(Däne) 9963. Pastor Jacobsen» Scherrebcck(Deutscher) 4514 uud Schneidermeister M a h l k e (Socialist) 480 Stiimneu. Nur das Ergebnis von der Insel Aars steht noch aus. Die Wahl Jessens ist zweifellos. Bei den letzten Haupiwahlen im Jahre 1808 erhielt der dänische Kandidat 10 431, der deutsche 3715, der socialistische 346 Stimmen, Der deutsche Kandidat hat mithin 800 Stimnien gewomicii, der dänische 470 Stimmen verloren. Der Gewinn der Socialdemokraten beträgt 130 Stimmen. Im Verhältnis zu den Wahlanstrcngnngen, die von den An- hängerii des reaktionären deutschen Mischmisch- Kandidaten nnd der Regiernug gemacht worden sind, ist das Ergebnis ein keineswegs glänzendes. Die Dänen haben zwar 470 Stimmen(ca. 5 Proz.) verloren, allein dieser Slimmenrückgang dürfte sich schon ans de» diversen hundert dänischen Stimmen erkläre», die durch das mehrfach charaltcrisierte Vorgehen der Regierung gegen Personen, die seit Jahrzehnten ihr Wahlrecht unbehindert ausüben k o u i! t c n, einfach kassiert wurden. Wenn man ehemals Stimmberechtigten ihr Wahlrecht einfach cskaiuoticri. kann man natürlich leicht eine Abnahme der Stimmen einer verfolgten Partei herbeiführen! Wahrscheinlich hat sich auch eine Anzahl weiterer Dänen durch den Terrorismus abschrecken lassen. da» Wahlrecht ausznülieii, um nicht ebenfalls dem Damoklesschwert der AuSweisiiiig zu verfallen. Die 800 Stimme». die der deutsckie Kandidat mehr erhalten hat, dürften säst ausschließlich auf ein- geivanderle deutsche Elemente zurückzuführen sein, nicht aiif Dänen, die ihrer nationalistischen Sache untreu geworden sind. Die nur geringe Zunahme der socialdeinolratischen Stimmcii kann nicht Überraschen. Wo der Nationalitäteiikampf fo erbittert geführt wird, können die Fortschritte einer dritten Partei nur langsame sei». Zumal in einem Wahlkreise, der überwiegend bäuerlich ist und in dessen paar KreiSstädtche» von Industrie so gut wie keine Stede ist. Tie Wahl bat bereits ein Nachspiel gehabt. Wie der„Nene Apcnradcr Anzeiger" meldet, ist der B a d e a n st a l t s b e s i tz e r Fischer— dem„Wölfischen Bureau" zufolge„einer der Haupt- leiter der dänischen Agitation"— ausgewiesen worden, nachdem sich heransgeftellt hat, daß Fischer seiner Zeit für Dänemark oplierl halte. Die Maßregel beweist, daß man mit dem Wahlresultat keines- wegs zufneden ist. Sie beweist aber auch, daß man trotz aller Lehren von dem System cincr terroristischen GernianisierungSpolilil nicht abweichen will.— Der treue Diener seines Herr». Loyale Berliner Kommcrzieuräte Pflegen, so erzählt man. die Speisezettel von der kaiserlichen Tafel sich zu beschaffen, um diese dann am häusliche» Herd iiachkochcn zu lassen. Ein preußischer Minister — eS ist selbstverstäiidlich Herr v. R h e i n b a b e u— hat dieser Tage ein solches Verhalten unter die Pflichten eines guten Untcr« thauen gerechnet. Der Herr hat nämlich bei der Eröffnung deZ Düsseldorfer Kunstpalastes eine Rede gehalle», in der er nach der „Köln. Ztg." ausführte: Düsseldorf hat immer die ideale Kunst gepflegt. Bleiben Sie auf den bisherigen Wegen und huldigen Sie nicht den Götzen des Tages. Die Kunst ist die Darstellung des Schöne», was auch andre, die das Platte oder Häßliche für Kunst hallen, da- gegen sagen mögen. Indem wir das Gedeihen der Düsseldorfer Kunst in diesem Sinne erhoffen, geloben wir auch, daß diese» Gebäude nnr einer solchen Kunst dienen wolle. ES ist ein crmiitigcuder Gedanke, daß damit die Düssei- dorfer Kunst sich genau in der Linie dessen bewegt, was Seine Majestär der Kaiser von der Kimst denkt und wünscht. Seine Majestät habe' dies vor einiger Zeit in einer Rede ausgesprocheii.. die bezaubernd gc- wcsen sei für alle, die sie angehört hätten. Wenn Düsseldorf eine solche ideale Kunst Pflegt, dann zeigt es sich zugleich als treuer Diener seines Kaisers. Der Minister schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Nur der ist ein treuer Diener seines Herr»— so lehrt uns Rhciiibaben— wer sich stets und überall so räuspert und so spuckt wie der Monarch. Ein treuer Diener seines Herrn trägt den gleichen Schnurrbart, redet dieselben Reden wie sein Fürst; er vergöttert Begas, den„Idealen", und verachtet Böcklin, den Riimsteiiikttiistler, er bewundert Charlcys Tante und die poetische Majorsecke de« ;ii Lanff, vor Hauptmanns„Webern" aber bekreuzigt er sich. Selbst in den Zeiten des absoluten Königtums waren die Unter- thanen nicht zu einem so schwierigen Diencrtum verpflichtet. Kein Minister Friedrichs II. hat e§ verlangt, daß die Deutschen den Gc- schmack des preußischen Königs teilen und den guten Gellert den rohen Barbaren Leffing und Goethe vorziehen müßten. Heute sind wir herrlich fortgeschritten: DeS Königs Wille ist glücklich das höchste Kmistgesetz geworden. Beiläufig: Hat keiner der in Düsseldorf versammelten Künstler während der ministeriellen Rede das Lokal verlassen, wenn auch nur deshalb, lveil er unwohl— wurde?— Auskand. Frankreich. Ter Kougrest der frauzöfifchen Bergleute, llebcr die Ver- Handlungen auf dem Kongreß der französischen Bergleute, der in der vergangenen Woche in AlaiS stattfand, hat der Telegraph schon Einzelheiten berichtet. Slni Mittwoch hatte der Kongreß den sofortigen Generalstreik mit 124 gegen 105 Stimme» beschlossen. Eine Kommission tvurde beauftragt, ei» entsprechendes Manifest aus- zuarbeite». I» der Sitzung vom Freitag lagen zivci Manifeste vor, auch die Minorität hatte ein solches ausgearbeitet. Joucaviel, ein Delegierter ans dem südlichen Kohlengebiete., verlas das Manifest der Minorität, i» welchem festgestellt wird, daß die Organisation der Bergleute für einen Generalstreik nicht genügend stark sei, die Dcle- gierten könnten die Verantivorlnng für den vorher gefaßten Beschluß nicht übernehmen. Die Antragsteller verlangten die HinauSschiebnng deS Generalstreiks. Ueber dieses Manifest entsteht nun eine heftige Debatte. Escalier, der sich besonders bemüht hatte, den Beschluß des sofortigen Generalstreiks durchzudrücken, spricht in heftiger Weise gegen Joucaviel soivie gegen Basly und Lamendin. Ivelche er des„Ministerialisnnls" bezichtigte. Evrard weist nach, daß hinter der Minorität der Delegierten die Majorität der Bergleute steht, derjenige Teil also, der von dein Generalstreik nichts ivijsen will. Die Abstimmung crgiebt 105 Stimmen gegen, 98 für den Generalstreik und 20 Slinlmenthaltungen. Die erste Abstimmung hatte 124 Stimmen für, 105 Stimmen gegen den Generalstreik ergeben, die Stiminenzahl gegen den Generalstreik ist also gleich geblieben, 20 Delegierte, die ans dem nördlichen Kohlen- gebiete, hatten sich diesmal der Abstimmung enthalten. Seitens des französischen Senats liegt eine Einladung vor, Delegierte vor die SenatSkomnnssivn. ivelche sich mit dem Projekt Odilon Barrot zu befassen hat, zu entsenden; es werden gewählt Evrard, Bexand, Joucaviel, Bnvat und Cotte. F» der zweiten Halste des Monats August soll iviedermn ein Kongreß stattfinden. Ein Teil der Delegierten hatten unter Führung Escaliers nach der Abstimmung betreffend den Generalstreik den Kongreß verlassen.— Italien. Tie Präsideutenkrise. und damit die Ministerkrise ist glücklich überivnnden worden. Aus Rom wird vom 10. März gemeldet:„Bei der Präsidentenwahl wurden 402 Stimm- zettel abgegeben, von diesen lauten 350 auf Bianchcri. 24 ans Eosta, 23 sind unbeschrieben, 5 Stimmen zersplittert. Die Wahl Bianchcris wird auf allen Seiten des HauscS mit lebhaftem Beifall aufgenommen." Das Ministerium hat also mit dem neuen Präsidcntei« mehr Glück gehabt, als vor einigen Woche» mit dem Präsidentschaftskandidaten Villa. Die Socialistcn stimmten zwar auch diesmal für Costa, iiiid auch 23 bürgerliche Abgeordnete— vermutlich die äußerste Rechte— opponierte durch Stimmenthaltung gegen den vom Ministerium präsentierten Kandidaten, allein die übergroße Mehrheit schloß ihren Frieden init dem Ministerium.— Anshcbnng der Militarisierung des EisenbahnpersoiialS. Ter König unterzeichnete, ivie verlautet, ein Dekret, durch welches vom 15. d. M. ab die lluterstellmig des Eisenbahupersonals unter die militärischen Dienstvorschriften aufgehoben lvird.— Gegen die Ehescheidung. Die Klerikalen hatten gegen das in Aussicht stehende EhescheidungSgesctz Petitionen in Umlauf gesetzt, die Zahl der Unterschriften beträgt angeblich 2Vs Millionen und die Petilioiisbogcn sind der Kammer eingereicht.— Neichsksg. lSchluß ans der 1. Beilage.) Staatssekretär Graf Posadowsky: WaS die Anregung des Abg. v. Salisch anlangt, so können wir den Großgewcrbebctrieb im Heilmittclioesen nicht weiter ein- schränken, als wie es Leben und Gesundheit der Bevölkerung er- fordern. Ich hoste, daß auch die zukünftige Gesetzgebung derart be- schasse» sein lvird, daß alle beteiligten Faktoren nach ivie vor ihr Auskommen finden iverden. Ich komme auf die Ausführungen des Abg. Wunn. Ich habe schon wiederholt darauf hingelvicsen, daß die Geiverbe-Jnspektorcn die Pflicht haben, die von ihnen festgestellten Thatsachcn in ihren Be- richten klar und furchtlos zum Ausdruck zu bringen. Selbstverständlich sind sie auch berechtigt, sich darüber zu äußern, wie die bestehenden Gesetze gewirkt und ob sie genügt haben. Dagegen Halle ich es nicht für angebracht, lvenn die Gewerbe-Jnspekloren lange social- politische Erörterungen in ihre Berichte mifiiehnic» und v o l I st ä n d i g neue G e s e tz c S v o r s ch l ä g e machen. Der preußische HandelSminister und ich sind einig in der Auffassung, daß die Gclvcrbe- Inspektoren, wenn sie ein bestehendes Gefctz für im- genügeud halten, zunächst ihrer vorgesetzten Dienstbehörde Vortrag halten müssen, ehe sie mit neuen gesetzgeberischen Vorschlägen an die Oefseutlichkcit treten. Jin übrigen iverden die nächsten Berichte der Gcwerbe-Jnspektorcu zeigen, daß cS uns vollkommen fernliegt, die Geiverbc-Jnfpektoren i» ihrer freien MeinnugSäußerung zu be- schränke». Abg. Anrin hat weiterhin wiederum die Behauptung aufgestellt, daß das Miliisteriuni des Innern abhängig von industrielleil Bcr- einigungen sei. Ich muß wirklich einmal bitten, diese Insinuation zu miterlassen. Für daS. Ivos geschehen ist, habe ich die volle politische V e r a n t iv o r t l i ch k e i t übernommen, und der Beamte, der Gegenstand so ungerechter und übertriebener Angriffe gewesen ist, scheidet aus der Diskussion vollkommen ans. DaS habe ich schon in der vorigen Tagung erklärt, uud ich freue mich, heute Gelegenheit z» haben, auszusprechen, daß der T o d dieses aus- gezeichneten und t a d c l l v-f e» B e amn te n ein schmerz- l i ch e r B e r l u st für Reich u n d Staat gewesen i st. (Bravo! rechts.) Weiter habe ich keine Veranlassung, auf die An- gelegenhcit einzugehen. Die Verordnung betreffend die Slcinarbeitcr ist bereits von« Bundesrat beschlossen ivorden: sie wird in nächster Zeit im„Reichs- Anzeiger" veröffentlicht werden. Ich hoffe, daß sie Herrn Wurm ge- niigen ivird. � Abg. Schlnmbergervo solche Sachen behandelt werden sollen, wir sind kein Gericht, sondern ein Parlament. Wenn ich irgendlvie gegen die Gewerbe-Ordliung verstoßen hätte, so lvürde ich nicht erst ivarten, bis die Herren Socialdcmokraten mich daran erinnerten, sondern ich lvürde selbst der erste sein, der be- ouspruchte, daß ich bestraft werde.(Lache» bei den Socialdemokratcu.) Ten von Herrn Wurm citiertcn Dr. lllrici habe ich nicht die Ehre zu kennen. Ich will Ihnen sagen, was ich den Grwerbe-Jnspektoren, deren Aufgabe schlvierig genug ist, sage:„Seien Sie schärfer, als Sie je haben sein können, mir persönlich gegenüber. Sie leisten mir den größten Dienst, wenn Sie mich auf irgend eine Ungesetzlichkeit aufmerksam machen." Ich lviedcrhole: was ich gesagt habe, lvar absolut lvahr. Und die Berichte von Zeitungen— ivelche Zcitlingcn sind es, mein Herr?(Heiter- keit.) Die Ungerechtigkeit(zu den Söcialdemokraten) schadet Ihnen viel mehr, als wciiu Sic ein bißchen unparteiischer wären, das ist Ihr großer Fehler, mein Herren!(Lachen bei den Socialdemo- kraten.), Abg. Stadlhage»(Soc.): Entgegen dem klaren Wortlaut des Z 2 des Gesetzes über die Geiucrbegerichte, wonach für Gemeinden, die mehr als 20 000 Ein- lvohncr haben, ein Gelverbegericht errichtet iverden muß. haben bis zum l. Januar 1902, dein Tage des Inkrafttretens dieses Gesetzes, mir 0 solcher Städte Gewerbegcrichte errichtet) gegen 50 aber haben diese B e r p f l i ch t n» g>r i ch t e r f ü l l t. Das ist ein gcsetz- widriger Zustand, wogegen eingeschritten iverden muß. Nach dem Gesetz haben die Landes-Eentralbehörde» erforderlichenfalls die Er- richtnng solcher Gewerbegerichte anzuordnen, mid daß es bisher nicht geschehen ist, ist ein Borlvurf. der auch den preußischen Handelsminister trifft. Freilich, sein Erlaß, der— in ganz»»- richtiger Auffassting— die Ausführung des Gesetzes betrifft, das am I. Jannar 1902 in Kraft getreten ist, datiert selber nach dem 1. Januar. Da darf man sich nicht wundern, lvenn auch die Gc- meindcn entgegen dem klaren Wortlaut des Gesetzes handeln. Die Nichterrichtnng dieser Gelverbegerichle ist eine Rechtsverweigerung für die Arbeiter. Denn das Amtsgericht muß sich siir nicht ziiftändig erklären, da ja ein Gelverbegericht errichtet sein soll und die Arbeiter sind geradezu rechtlos. Der Herr Staatssekretär hat ja beute aus- drücklich betont, daß für Gemeinden niit über 20000 Einwohner Gelverbegerichte für alle Arbeiter errichtet werden inüsscn. Ich hoffe, er lvird so viel Einfluß auf den preußischen Handelsininister haben, daß dieser dieGemeinden veranlaßt, dieGefetzeanSzuführci!. 8 7 ist lediglich eine Konseguenz des ß 1. Zwischen beiden Paragraphen aber sieht die Bestimmung, daß die Gewerbegerichte obligatorisch sind. Das ist bindendes Recht und geht allen andren Bestimmungen voran. Der Staatssekretär hat heute dieselbe Ansicht vertreten. Wieder sind es die Arbeiter, die das Gesetz achten, während die Gemeindevertreter daS Gesetz verletzen. Noch einen zweiten Gegenstand habe ich zu berühren. Es ist die außerordentliche Steigernng der Beschäftigung ausländischer Arbeiter. Jedenfalls sollten die Gewerbe-Jnspcktorcn veranlaßt werden, gerade die Betriebe, Ivo ausländische Arbeiter beschäftigt iverden, ganz b e s o n d e r§ zu kontrollieren. Besonders sind es russische Arbeiter, die in Frage kommen. Die russische Regierung hat im Mai vorigen Jahres die russischen Arbeiter vor der Auswanderling nach Deutschland gewariit, weil sie dort geradezu hilflos seien, sich jeden Lohnabzug gefallen lassen müßten und jeden Augenblick ansgelviesen iverden könnten. Deshalb find sie aber gerade den deutschen Arbeilgebern so lvill- komme». Besonders viel iverden sie in Z i e g e l e i e n beschäftigt. Ziegeleien aber sind ein industrielles und kein landwirtschaftliches Gclvcrbe, auch kein landivirtschaftlichcs Nebengelverbe, besonders da nicht,>vo neben der Ziegelei nur eine kleine Ackerwirtschaft be- trieben lvird. Es kann nicht gestattet iverden, daß Ausländer in der Art, ivie es geschieht, dort beschäftigt iverden, Männer und Frauen zusammen und auch Kinder. Die Behandlung dieser russischen Arbeiter ist ganz irnwiirdig. Zahlreiche Beschwerden sind mir zugegangen, ibr Gulndton ist immer die Klage über die außerordentliche Schinutzkonkurrenz. So beschäftigen die Ziegeleien von G» st a v Man» und Louis Mann in Herzseldc hnndertc von rnssifchen Familien, entgegen den Bestimmungen in den Erlässen von 1891, 1895 und 1899. Als S ch l a f st ä t t e n dienen ihnen licht- und lustlose Räume, in denen Mäiincr uud Frauen unterschiedslos auf Stroh gebettet liegen. Auch Kinder sind dazivischcn. Ein Mangel an deutschen' Arbeitern ist in Herzfelde nicht vorhanden. Die Uiiternchmer haben vielmehr eine ganze Reihe deutscher Arbeiter ciitlassc», lveil ihnen die russischen Arbeiter infolge ihrer Recht- losigkeit als billige und lvillige Ailsbeutinigsobjekte dieneii, die sich die ivillkiirlichste und säilechieste Art der Behandlung mid Bchaiisniig nnd Lohnabzüge gefallen lasse» müssen. Dabei arbeiten die ausländischen Arbeiter nicht mir im Sommer, sondern auch im Winter in den Ziegeleien, obwohl sie nach dem Gesetz nicht länger als 8 Monate im Jnlande bleiben dürfen. Die Arbeiter haben sich darüber beschlvert. Der Land- rat soll aber erklärt haben, er werde s ch o n dafür sorgen. däß die Herren die ausländischen Arbeiter iveiter bcjchäftigcii dürfen. Trotz der jahrclangcn Beschwerde» der Arbeiter hat sich in den Herzseldcr Ziegeleien kein Fabrikinspektor sehen lassen. Ich bitte den Staats- sckretär, diese Beamten anzuweisen, daß sie untersuche«, unter ivelchen Bedingungen die ausländischen Arbeiter dort arbeiten. Nach dem Gcsagicu werden Sie es verstehen, lvenn die dentscheii Arbeiter verlangen, daß beim Abschluß künftiger Handelsverträge die Bestimmung getroffen lvird, daß die auSläudischeu Arbeiter die gleichen Rechte haben sollen ivie die in- ländischc», d. h nicht ausgewiesen werden dürfe». So lange das AilSiveislingsrecht besteht, üben die Ausländer nur Lohndruck. Die Gewcrbe-Jnspektorcii müssen diese Dinge untersuchen und zivnr ohne ihr Erscheinen anzumelden und indem sie mit den Arbeitcr- organisationen in Verbindung trete».(Bravo! bei den Social- deinokrateil.) Abg. Franken(natl.) befürwortet die von ihm gestellte und oben ivicdcrgegebenc Resolution betr. die Unfallfiirsorge von Per- soncn, die bei freiwilliger Nettlingsarbeit veniiigliickt sind. Abg. Dr. Opfergclt(C.)(ans der Tribüne fast»»verständlich): Der gesetzgeberische Regelnng dieser Materie ist sehr schlvierig, es lvird im besonderen nicht leicht sei», den Kreis der zu versichernden Per- soncn mid den Kreis der Versicherungsträger festzustellen. Abg. Vasserniann fragt an. ob die Vorlage, betr. die kauf- inäimischcn Schiedsgerichte nach Ostern noch in dieser Session zu er- ivarten ist. Tie Komuiission. welcher der diese Materie behmidelnde Initiativantrag überwiesen ist, hat ans Grund einer Erklärung vom RegicriiligStische, eine solche Vorlage sei in kurzem zu crlvarlcn, ihre Berntungen bis dahin verragt. Abg. Molkeubnhr(Soc.).' Wir stehen der Tendenz des Antrags Franken sehr sympathisch gegenüber, aben wir glauben, daß er den Kreis der zu versichernden Personen zu eng begrenzt. Die Antragsteller häiten in der laufenden Legislaturperiode schon zweimal Gelegenheit gehabt, zu betveisen, daß es ihneii Ernst mit ihrem Antrag ist, bei der Beratung des Geiverbe-NlifallversichcrungS-GesctzeS und bei dem Unfallversichcrlmgs- Gesetz für Beamte nnd M i I i t ä r p e r s o n e n. Beim Gewerbe- UnfallversichernngS-Geietz haben wirden voliderReichsregimiilg bereits 1894 verfolgten Äcdankeii anfgegriffen, die llnfallversicherung ans alle diese Kategorie» von Arbeitern' misz»deh»en. aber unser damaliger Antrag ist ohne wcilercs abgelehnt ivorden. Auch bei dein Gesetz betr. die Unfallversicherung der Personen des Beamten- iind Soldatcnstandcs haben wir den Versuch gemacht, die Fenerlvchr- l e n t e usw. mit hineinzuarbeiten. Man hat aber auch diesen Antrag ohne Kommissionsbera/nng abgelehnt und damit zu erkennen gegeben, daß man die Versichcrnng dieser Per- soneii überhaupt nicht lvill. Auch der vorliegende Antrag krankt daran, daß er die Versicherung auf einen ganz bestimmteil Kreis von Personen beschränkt, nämlich hauptsächlich ans die Feuer- wchrleute. Es gicbt doch noch außerdem zahlreiche Arbeiten, bei denen Leben nnd Gesundheit anfs Spiel gesetzt werden. Scheidet man diese Arbeiten jetzt ans, so lvird die Versicherung für sie später n»i so schwieriger geregelt werden können. Es kommen außer den Feuerwehrleuten besonders in Betracht Personen, die in wissenschaftlichen Laboratorien beschäftigt sind, ferner T h e a t e r a r b e i t e r. Totengräber usw. Man sollte auf unsren Gedauke» eingehen und alle diese Personen mit iu die Versicherung hiueinbeziehen. Abg. d. Salisch(k.): In llllsrer Fraktion' wird eil» Initiativ- alitrag, der diese Materie regelt, ausgearbeitet: lvenn er Ihnen noch nicht vorgelegt ist, so liegt das an den', wie ich zugebe, nicht geringen Schlvicrigkeiten bei der Begrenzung des Kreises der Versicherten uud Festsetzung der Höhe der'Reute. Ich hoffe aber, lvir werden die Schwierigkeiten überwinden.(Bravo! rechts.) Staaissekretär Graf PosadowSkh: Ich habe zunächst nachzuholen, daß auch ich der Meinung bin daß ein Gewerbe-Inspektor, der eine Fabrik revidieren will, nicht erst der Genehmigung des Fabrikinhabcrs bedarf, sondern durch jeden Eingang eintrete» darf, durch den auch Arbeiter und Personal eintritt. Mau wird abwarten müssen, ivie das O b er lan desg eri ch t in den» von Herrn Wurm angeführteil Fall entscheidet, Die Wer- sicherimg der Feuerwehrleute geschieht ani besten durch L a n d e s g e s e tz. Den p r e» ß i s che» Minister des I n» c i n habe ich ans die Notwendigkeit der Regelimg dieser Materie auf- merksmn gemacht. Wir iverden ab ivarten müssen, ivas Preußen thnt. Geschieht durch die Landesgesetzgebmig nichts, dann ivird allerdings nichts übrig bleiben, als eine Novelle z» m U n fallversichern n gs-Ge setz vorzulegen. Die Vorlage betr. Regelung der Rechtsansprüche der Handlungsgehilfen liegt zur Zeit im Jnstizministerium nnd dieses ist geneigt, die Sache noch auf einen breiteren Leisten z» schlagen. Ich hoffe, daß es möglich sein wird, die Vorlage nach Ostern an den Bundesrat zu bringen. Jeden- falls können Sie versichert sein, daß die Sache iu einem Sie be- friedigenden Sinne geregelt iverden wird. Abg. Fischbclk(frs. Vp.) erklärt sich für die Resolution Franken. Daraus, daß lvir damals gegen die socialdemokratische» Anträge gestimmt haben, folgt nicht, daß wir überhaupt nichts für die Feuer- ivchrleute thun wollten. Abg. Wurm(Soc.): Ich muß Herr» S ch l u in b e r g e r gegen- über meine Behauptmigen voll aufrecht halten. Ich kami ihm nur rate», sich mit dem Gelvcrbe-Jnspcktor Dr. Ulrici in Mülhausen anscinanderzusetzen, ich bezweifle aber, daß er dabei etlvas gewiime» Ivird. er ivird vielmehr den kürzer» ziehen. Damit schließt die Diskussion. Die Resolution Franken wird einstimmig angenonnnen. Hierauf veriagt das Hans die Weiterberatung des Etats auf Dienstag 1 llhr. Schluß 0»/z Uhr. Für de» Wahlkreis Bochum- Gelsenkirchen stellten die Parteigenossen in einer Konferenz an» Sonntag den Redaeteur Hoff mann aus Bielefeld als Roichstags-Kandidaten ans. Totcnliste der Partei. In W a l t c r s h a u s e n(Koburg- Gotha) starb der Modelleur Fritz Keil au einem Schlaganfall. Der Verstorbene hat sich um die Parteibelvegmig am Orte große Ver- dienstc crivorbel», gehörte er doch zu den Begründer»» der ersten Organisation in WälterShauseu. Die Parteigeiiossci» iverden ihm ein treücS Andenken bcivahren. Poliieiliches, Gerichlltches uslv. — Wege» Teilnahme an einem nicht genehmigten öffent- lichc» Umzüge wurden in Zangen bcrg bei Zeitz 9 Genossen mit Polizeislrafc» von je 25 M. belegt nnd der Genosse Burgau als Veranstalter mit 40 M. Ihr Vergehen»vurde darin gefunden, daß sie an dem Leichenbegängnis eines Parici« genosscii teilgeuoiinne» hatten. bei dem die Parteifahn« niitgeführt wurde mid eine Musikkapelle Trancrmnsik gcinacht hatte. Ans ihren Einspruch wurden die erste» neu» vom Schöffengericht Zeitz freigesprochen,»veil festgestellt tvurde, daß der Ortsvorsteher die Genehinignng zur Mitführung der umflorten Fahne gegeben und das Leichenbegängnis sonst den üblichen Charakter gc- tragen habe. Genosse Burgau wurde dagegen als Veranstalter zu 15 M. Geldstrafe verurteilt, weil die Musik ohne Erlaubnis auch auf dem Kirchhof gespielt hatte. — Zu 4UU M. Geldstrafe wurde der veranttvortliche Redaeteur der„Müiichcner Post", Geuosse G r u b e r, verurteilt. Iu Verfolg einer lokale» Augclegciiheit hatte ei» Rechtsamvalt der„Müiichcner Post" vorgeivorfen, sie treibe infamen Stiinmenfang und darauf hatte das Blatt mit kräftigen Worten geantworict. Dadurch fühlte sich der Rechtsanwalt beleidigt und klagte, worauf die Verurteilung erfolgte._ Mus Indttlkviv nnd AZemdel. Tic Diökonto-Gcsellschaft. eine Kommandite mit 130 Millioliei» Anlagekapital,»st die letzte der Großbanken, die ihre Jahresbilanz veröffentlicht. Sie verteilt 8 Proz. Dividende»md steht damit nur »in 1 Proz. gegen das Vorjahr zurück. Allein die.Bilanz bietet ein iveuiger augeuehmeö Bild, als aus den» bloßen Vergleich mit der Dividendenhöhe zu erkeiuieii ist. Der Reiiigeivinn ist gegen das Vor- jähr»»» 3 034 854 Vf. zurückgegangen nud erreicht die Suumie von 12 340 943 M. Aus zweifelhafte Forderimgeu nmßteu 525 031 M. abgeschrieben werden: Nuckstellunge» in die Reserve sind unterbliebei», ivo'bei betont»verde» muß, daß der NeserveföndS 38 474 028 M. enthält, also gut bedacht ist. Bei dieser Bilanzierung konnten 10 400 000 M. für Dividende, 273 084 M. für Taulieme, 1308 421 M. Juhaberanteile»md 273 084 M. auf Vortrag gestellt l verde». ES betragen die Kassen- nnd Wechselbeftäude 133 994 433 M. (122 144 497 M.), die Reports nnd kurzfälligen Vorschüsse mit Effekten- unterläge nach Börseinlsanee 31 905 943 M.(31 402 792 M.). der Bestand der eigenen Wertpapiere ekzschließlich der Konsortial- engagements 00 971 352 M.(63 830 351 M i. die Komniaiiditbeteiliguug bei der Norddeutschen Bank 40 000 000 M. und die andre dauernde Beteiligung bei Bankinstituten nebst kouiniauditarischei» Beteiligimge» 15104 025 Vf.(11345 905 M.), die Debitoren in lausenden Rechliüllgen 196 571 803 Vf.(181 719 865 Vf.). Die Aeeepte stellen sich aus 34 970 040 Vf.(89 093 850 Vf.), die Deposit« rechmnigen mit Kündiguiig ans 75 092 402 Vf.(47 983 480 M.) und die sonstigen Kreditoren in laufenden Rechmnigen ans 148 811 107 M.(132 835 194 M.). das Sparkafscneoiito für die An- gestellten der Gesellschaft ans 2 824 439 M.(2 058 272 M.). Die ge- samten zu Gefchäftsziveckei» dieiienden Grundstücke sind einschließlich der Rosten des Neubaues in der Behrenstr. 43�44 und des Kaufpreises des in London erworbene» Baukgebäudes mit 7 011 045 M. (4 355 200 M0 in die Bilanz ausgeuommeu. Die Erhöhung der Verbindlichkeiten um 33 900 000 M. deutet auf eine erhebliche GeschäftSauSdehmmg. bemerkeiiSwert ist, daß die Depositen sich»in 27 108 922 M. erhöhten. Den» steht aber in Aktiva nur eine Berniehrnng von 12290 000 Vf. leicht greifbarer Mittel gegenüber, so die Lignidität der Bank sich verschlechterte! Die Debitoren in Höhe von 190 570 000 M. sind schlver zu schätzen. da weder angegeben ist, ivelche Posten ans Bankgnthabei», noch ivelche gedeckt oder migedeckt ausstehe». Rheinisch-lvcstfälischcS Kohlcnftiildikat. Nach der Abrechunug für den Monat Februar betrug in diesen» Monat die Beteiligmigs- ziffer 4 098 023 Tonnen gegen 4 940 005 Tvimei» im Bormonat und 4 320 909 Tonnen in denlselben Monat des Vorjahres. Die Förderung betrug im abgelaufenen Monat 3 030 418 Tonne» gegen 3 952 000 Tomien im Monat Jannar 1902 und 3 907 852 Toinien im Monat Februar 1901. Hiernach ist also die Förderung im Februar d. I.»m 21.44 Proz. gegen die Veteiligmigszisfer zurück» geblieben, während dieser Abstand im Monat Jannar 1902 19,99 Proz. und im Monat Februar 1901 mir 8,30 Proz. betrug. GrwevkMAftliches. Berlin nud Umgegend. Zur Einführung der Entlassungsscheine im Holzarbeiter« Gewerbe mid den, Arbeitsnachiveis der Holzindustriellei»»ahin eine Konferenz Stellung, die am Sonntag der Gauvorstand des Holz- arbeiter-VerbandeS mit den Verivaltinigen der Vorort-Zahlstellen abhielt. ES waren vertreten die Vororte: Nixdorf, Wcitzensce, Schöncberg, Chorlottenbiirg, Groh-Lichterfelde, Köpenick, Ndlersho und Steglitz. Die Konferenz beschloß, für die Vororte in derselben Weise vorzugehen, wie die Berliner Kollege», d. h. die Annahme der Entlassungsscheine zu verweigern und den Arbeitsnachweis der Holz- industriellen nicht zu benutzen. Der Extrabeitrag von 60 Pf.' soll dorthin gezahlt werden, wo der Beitrag zum Verbände gezahlt wird In der Geueralversannnlnng der Vorstände'der vereinig t e n Verbände der Berliner H o l z i n d n st r i wurde folgender Beschluß gefaßt:„Die heutige Bersanmrlung der Vorstände aller besonders in Betracht kommenden Arbeilgeber- Ver bände der Berliner Holzindustrie beschließt: 1. den 1. Mai als Feiertag der Arbeitnehmer nicht anzuerkennen; 2. den einzuberufenden Generalversammlnngcn der einzelnen Verbände folgenden Beschluß zur Annahme zu unterbreiten: D i e a m 1. M a feiernden Arbeiter sind zu entlassen und vor einer gewissen Frist nicht wieder einzustellen. Diejenigen Arbeiter, welche wegen Feierns des 1. Mai entlassen sind, dürfen vor Ablauf einer gewissen Frist in andren Betrieben nicht eingestellt werden. Arbeiter, welche vor dem 1. Mai beschäftigungslos waren— was zunächst durch Anfragen bezlv. Entlassungsscheine festzustellen ist— können e in g e st e l l t wer den. Dnrch diesen Beschluß scheinen die Herren Scharfmacher in der Holzindustrie am 1. Mai ihr etlva renitentes Personal gegen gefügigeres eintauschen und auf einem Umwege zur Einführung der Entlnssiings- scheine konmren zu wollen. Die Holzarbeiter werden auch diesen Schlag zu parieren wissen I Von der Blcchwarenfabril„Jndnstria" erhalten, ivir unter Bezugnahme auf den Z 11 des Preßgesetzcs eine Berichtigung, in der es heißt: Wir erklären hierdurch ausdrücklich, daß die Klempner, Drücker und Schleifer weder wegen Lohndifferenzen, noch wegen unwürdiger Behandlung die Arbeit niedergelegt haben, sondern mir deshalb, weil ivir ihnen die von ihnen verlangte Einstellung eines entlassenen Arbeiters verweigerten. Dem entlassenen Metalldrückcr ist von uns mir deshalb ge kündigt worden, weil derselbe seine Arbeiten nicht zur Zufriedenheit der Meister ausgeführt und auch sonst Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben hatte. Ter Fachbcreiu der Tischler hält seine Bureaustnnden jeden Vormittag von 10—11 Uhr bei Erdmann, Reichenbergerstr. lö ab. Alle arbeitslosen Mitglieder sind verpflichtet, zwecks Kontrolle sich jeden Tag dort zu melden. Gleichzeitig ist dort seit Sonnabend, den S. März, eine Zahlstelle errichtet worden. Der Vorstand. Gewcrkschaftskartell gegen 63 Stimmen ab. schon wiederholt gestellt Deutsches Reich. Ten Auschlus, an das örtliche lehnten die Buchdrucker in Danzig mit 71 Der Antrag auf Beitritt in daS Kartell ist und wird vermutlich auch wiederkehren. SS Putzer in dem neuen Giistrower Eisen-»nd Stahlwerk haben am Freitag die Arbeit niedergelegt. Die Leute forderten Aufhebung der Accordarbeit und Einführung eines Stundenlohnes von 25 Pf. für bisher 20 Pf. Diese bescheidene Forderung wurde den Leuten abgelehnt.— Leider sind sie sämtlich unorganisiert. Die Aufnahme der Arbeit in Greiz'gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Die Arbeiter der einzelnen Fabriken versammelten sich in ihren bisherigen Verkehrslokalen und zogen dann gemeinschaftlich den Betriebsstätten zu, alt und jung. Mann und Frau. Bald zog hier, bald da ein Trupp Arbeiter durch die Straßen und auf allen Gesichtern malte sich Siegesbewnßtsein. In vielen Straßen bildete das Publikum Spalier. Der Einmarsch in einer Fabrik erfolgte unter den Klängen des Socialisten morsches. Maßregelungen sind— soviel bis jetzt bekannt — nicht vorgekommen. Bei dem gehobenen Selbstbewußtsein der Arbeiter ist dies auch für die Fabrikanten das beste, denn die Arbeiter würden solche nicht ohne Gegcnmaßregeln hinnehmen.— Hoffentlich ist der Friede min ein dauernder. Ein clsaff-lothringifcher GewerkschaftSkongresi wird am 27. April d. I. in C o l m a r stattfinden. Die Gcneralkommission der Gewerkschaften Deutschlands wird auf dem Kongreß ebenfalls vertreten sein. Anöland. Der Diamantarbeitcr-Streik in Amsterdam. Die„Ver- cinigung der Diamnntschleiferei-Bcsitzer" hat dem Vorstand des „Allgemeinen Niederländischen Diamautarbeiter-BundeS* mitgeteilt, daß sie am Freitag beschlossen hat, die Fabriken vom 16. März ab zu schließen, um dadurch eine schnellere Beendigung des Konflikts der Juweliere und ihrer Arbeiter herbeizuführen. Der Borstand des Diamantarbeiter-BundeS erklärt darauf in einem Manifest, daß, obwohl das Schließen der Fabriken bisher stets die drohendste Gefahr gewesen sei, dadurch doch keine Veränderung in dem festen Beschluß, den Streik bis an§ Ende durchzukämpfen, herbeigeführt werde.„Wir werden den Kampf keinen Tag früher auf- geben. Wenn die Schließung zur Thatsache werden sollte, dann wird sie auch für sehr viele Fabrikbesitzer, die ziemlich oder auch sehr gut zn thnn haben, einen absoluten Verlust bedeute», dann werden aber auch an 3000 Arbeiter mit ihren Angehörigen ins Elend gestoßen, die Misere der bereits mehr als zehn Wochen Aus- gesperrten wird vergrößert, Haß und Verbitterung wird gesäet, und das alles, ohne das Ende des Streites zu erreichen. Denn, wir wiederholen es: wir verhungern lieber, als daß wir nachgebe n.*— Viele nicht der Unternehmerorganisation angehörende Julveliere sollen bereits Maßregeln getroffen haben, um, falls die Drohung der Fabrikbesitzer ausgeführt wird, ihren Betrieb nach Antwerpen zn verlegen. Der Hanptvorstand des Diamantarbeiter-Bnndes teilt mit, daß die Einnahmen in der vorigen Woche 8144,73 Gulden<13 846 M.) betrugen, 1266 Gulden davon sind nicht von Diamantarbeitern aufgebracht, sondern in andern Kreisen gesammelt worden. Die Bäckeraussperrung in Göteborg. In Göteborg fanden am Sonnabend größere Demonstrationen gegen die Bäckereibesitzer und gegen die Streikbrecher statt. Hierbei ist es auch zu einem Konflikt mit der Polizei gekommen, der es erst nach zweistündiger Thätigkeit gelang, die Demonstranten zu zerstreuen.— Socislvs. Steinarbeitcrschntz. Der Bundesrat erteilte in seiner Sitzung am Sonnabend dem Ausschußantrage zu dem Entwurf von Vor- schriften Über die Einrichtung und den Betrieb von Steinbrüchen und Steinhanereien seine Zustimmung. Die Bekanntmachung der Vor- schriften dürfte also wohl in kurzer Zeit zn erwarten sein. Zwangstveiser Banarbciterschntz. Der Stadt Würzburg war aufgegeben worden, einen Bauauffeher aus Arbeiterkreisen aufzustellen. Die Stadtväler hielten jedoch eine solche Einrichtung für unnütz und führten Beschwerde durch alle Instanzen, von denen jetzt die letzte, das Ministerium, gesprochen hat. ES ließ die Weisung ergehen, daß die Aufstellung binnen drei Monaten vollzogen zn sein hat._ Ans Vsv IsvÄNvnbetvrtlttttg. Wegen Teilnahme von Frauen wurde in Halle am Freitag- abend eine öffentliche Gewerkschafts Versammlung ans- gelöst. Der überwachende Beamte verlangte die Ausweisung der anwesenden zwei Frauen und als dem nicht Folge geleistet wurde, löste er die Versammlung auf. Da eS nicht die Versammlung eines politischen Vereins der Agrarier war, ist ja das Verfahren auch ganz selbstverständlich. Weibliche Beamte in Indien. Die niederländisch-ostindische Regierung hat unlängst beschlossen, auch Frauen Gelegenheit zu aeben das kleine ostindische Bcamtenexamen abzulegen. Bereits haben bei den im Januar dieses Jahres stattgefundenen Examen 17 weibliche Kandidaten, von den 32, die sich meldeten, ihre Prüfung bestanden.— Ätt den GemeindenLAhIcn. Wilmersdorf. Die Ermittelung des Wahlergebnisses des gestrigen TageS zog sich durch verschiedene Umstände derartig in die Länge, daß wir leider nicht in der Lage sind, dasselbe heute mit teilen zn können. Welches aber auch das Resultat sei— und wäre es noch so günstig— auf keinen Fall dürfen wir uns in Sicherheit wiegen, sondern müssen namentlich heute in der Agitation unsre ganze Kraft an- strengen. Ueberraschnngen sind nicht ausgeschlossen, da im letzten Augenblick noch die Forensenstimmen schwer zu unsren Ungunsten ins Gelvicht fallen können. Suche daher ein jeder die Säumigen heranzuholen! Die Verkündigung des Wahlresultats erfolgt heute abend 8VsUhr, in einer in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40 stattfindenden Volksversamnilung. Am Sonntagnachinittag war in Struß' Salon eine außer ordentlich gut besuchte Volksversammlung. Genosse Ledebonr sprach über die Bedeutung der Wahlen und geißelte mit beißendem Sarkasmns die Wilmersdorfer Kommunalzustände. Steglitz. Am Mittwoch, den 12. März, abends von 4—7 Uhr(nicht wie bei der Hanptwnhl bis 8 Uhr) findet die Stich- wähl zwischen nnsrem Genossen Schlosser Wieloch und dem Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Gegner statt. Unsre Reserven reichen aus, um dem Sieg vom 3. März einen neuen hinzuzufügen Wenn nur jeder Genosse auf dem Posten ist, um die Säumigen auf znrütteln, mutz es gelingen, den unter der Flagge des Mieter- Vereins segelnden Günstling der Hausbesitzer zu schlagen. Wählt vor 7 U h r I Die amtliche Wahllegitimation von der Hanptwahl oder ein sonstiger Ausweis(Steuerquittnng, Militärpaß) i st mitzubringen. Wahllokal ist die Turnhalle des Ghmnasiunis, Eingang Südendstraße. Alle Genossen, auch die vom ersten Bezirk, die zum Sieg beitragen wollen, mögen sich am Dienstagabend Punkt 7 Uhr im Restaurant Krüger Albrccht- und Hecsestraßen-Ecke einfinden. Groß- Lichterfelde. Die Vereinsversammlung am Mittwoch fällt wegen der am Donnerstag stattfindenden K o ni m u n a l w a h l e n aus. Die Parteigenossen werden ersucht. am Tage der Wahl sich den Wahlkomitees zur Verfügung zu stellen Dieselben befinden sich für den W e st e n: im Lokal Ecke der Dracke- und Hans Sachs st raße; für den Osten: I n n g f e r n st i e g 4 bei G a st w i r t Scholz. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die beiden Etabliffe mentS, in denen die Wahlen vorgenommen werden, Fichtels Klufr Hans und Hennings Restaurant, der Arbeiterschaft für Versamnv liingen nicht zur Verfügung stehen. Zn den bevorstehenden Stichwahlen in Neucndorf. Mit großer Befriedigung dürfen unsre Parteigenossen a»f das Resultat der Wahl zurückblicken. Zum erstennial hat sich die Socialdeniokratie in Nenendorf beteiligt und das mit einem Erfolg, der jeden über- raschte. Von den Gegnern sind alle Mittel angewandt, sie haben sich vor keinen Unkosten gescheut. Es hat für etwa 40 Vollmachten Stempelsteuer gezahlt werden müssen, außerdem sind Plakate inassenhaft angeheftet und Handzettel verbreitet worden. Die Festsetzung deS Wahltermins wurde bis zur amtlichen Publikation, 8 Tage vor der Wahl, streng geheimgehalten; nian dachte uns so die Wahlagitation unmöglich zn machen. Die uns anfänglich zugesagten Versammliings- räume sind uns entzogen und den Gegnern zur Verfügung gestellt worden, und doch ist unser Genosse Dnmmernix in die Stich- wähl gelangt. Das„Potsdamer Jutelligeiizblatt" sucht zwingend nachzuweisen, daß die Wähler des Herrn Wernitz, des Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Vereine, jetzt für Schimmel, den Kau« didaten der Grundbesitzer eintreten müssen, da die Socialdeniokratie jedenfalls alles aufbieten werde, wenn es gälte, einen entscheidenden Schlag zn führen. Die Stichwahl ist ans Donnerstag, den 13. März, abends 3—10 Uhr, im Restaurant Karlsgarten angesetzt. Mariendorf. Am Sonnabend fand in dem für die Arbeiter- schaft gesperrten Lokale„Schwarzer Adler" eine von den M i s ch m a s ch- P a r t e i e ii einberufene öffentliche Kommunal- Wähler- Versammlung für die dritte Abteilung statt, welche sich zu einer imposanten Kundgebung f ii r unsre Partei g e- kältete. Anwesend waren ca. 400 Personen, doch sah man nur vereinzelt ein Glas Bier trinken, denn im allgcnicinen war in diesem gesperrten Lokal wenig Durst vorhanden, was sehr für die Disciplin zer Arbeiterschaft spricht. Da der Arbeiterschaft in Mariendorf kein Saal zn irgend einer Versammlung zur Verfügung steht, war es doppelt erfreulich, gerade durch eine von nnscrn Gegnern gebotene Gelegenheit eine Gemcindewähler-Versamnilnng zu haben. und so gelang es uns auch vollkommen, unsre Agitation zu ent- alten. Nachdem der Gegenkandidat Herr Dr. L eiitloff in seiner An- prache den Wählern gegenüber sich verpflichtete, für„Recht und Wahrheit" einzutreten, im übrigen schwarz schwarz sein zu lassen und die Interessen der Besitzenden sowohl wie der Nichtbesitzenden zu vertreten, nahm unser Kandidat der Maurer H e r ni a n n Lehman n das Wort, um in kurzen. treffenden Worten die Forderungen unsrer Partei dnrzuthun. Verschiedene gegnerische Diskussionsredner bemühten sich, eine Einigung betreffend der Kandidatur herbeizuführen, um eine Zersplitterung zu vermeiden, da der bisherige Vertreter wieder kandidiert und seitens der Süd- ender ebenfalls ein Kandidat zu erwarten ist. Natürlich wurden ihnen die nötigen Antivorten zu teil und es gelangte folgende vom Genossen Bä r e n w a l d eingebrachte Resolution gegen 3Slinimen zur Annahme: „Die heute im H a a l scheu Lokale slal'lfindcnde Kommunalwähler- Versammlnng der dritten Klasse erklärt sich mit den Forderungen es socialdeni akratischen Gemeinde-Progranims voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich für den K a � d i- baten der Socialdemokratie, den Maurer Hermaii>i Lehmann einzutreten." Britz. Heute, Dienstag, finden die Wahlen zur Ge- m e i n d e v er t r e t u n g in B e th g e s Lokal, Chausseestr. 39, in der Zeit von 1 bis 8 Uhr nachmittags statt. Es ergeht in letzter Stunde an alle Genoffen die Aufforderung, sich rege an der Wahl zu beteiligen und niit aller Energie dahin zu agitieren, äumige sowie uns noch fernstehende Wähler mit an den Wahltisch zu bringen, damit unsre Kandidaten: 1. der Landwirt A ii g u st Kreuschner als Eigentümer, 2. der Gastwirt Friedrich e n i g e r als nicht ansässig in der dritten Klasse, und der Eigen- tiimer K a r l D o r n in der zweiten Klasse als Sieger aus dem Wahlkampfe hervorgehen. FricdrichSfelde. Die Wahlen sind endlich auch bei uns aus« geschrieben worden, und zwar finden statt am 17. März, vormittags 11 Uhr bis abends 7 Uhr die Ergänzimgswahlen der 3. Klasse, am 18. März die Ergänzungswahlen der 2. und I.Klasse vormittags bis ll Uhr. Von 11 Uhr bis abends 7 Uhr sind die Ersatzwahlen der 3. Klasse. Zu den Ergänzungswahlen der 3. Klasse sind ausgestellt die Genossen Hutarbeiter Karl Gronwald und Fabrikant Robert Burisch, zu den Ersatzwahlen der 3. Klasse die Genossen Schuh- machcr Otto P i n s e I e r und Lederarbeiter Adolf Kehr. Unsre vereinigten Gegner haben beschlossen, gegenseitig ihre Kandidaten zu unterstützen. Die Agenten des unpolitischen BürgervereinS gehen um die Forcnsenstimmeu betteln. Nebenbei bitten sie auch die Hauswirte, darauf einzuwirken, daß ihre Mieler keinen ocialdemokraten wählen, weil--- sonst der Friede im Ort gestört werde I RumuielSbnrg. Diejenigen Parteigenossen, welche sich bei der heutigen Wahl dem Koniitee zur Verfügung stellen wollen, werden ersucht, sich von 6 Uhr an bei Gastwirt R. Müller, Ecke Türrschmidt- und Mozartstraße einzufinden. Pankow. Die Wahlen der dritten Klaffe finden morgen Mittwoch und übermorgen Donnerstag von vormittags 11 Uhr bis abends 8 Uhr statt. Da Panloiv in ztvei Bezirke geteilt ist, so ist folgendes zn beachten: Der e r st e Bezirk umfaßt folgende Straßen: Breitestraße, Amalienpark, Damcroivstraße, Mendelstraße, Am Schloßpark. Kavalier- straße, Schloßslraße, Parkstraße, Pcstalozzistraße, Berlinerstraße, Schnlstraße. Maximilianstrahe, Esplanade, Kaiser Friedrichstraße, Behnscnstraße, Turmstraßc, Thalstraße, Nenmannstraße, Kurzestraße, Prenzlauer Chanssee. Wahllokal: Restaurant Ebersbach— Kur- fürstensäle—, Berlinerstraße 102. Der zweite Bezirk umfaßt folgende Straßen: Mühlenstraße. Florastraßc, Hcynstraße, Görschstraße, Kominililikationsiveg, Schön- bolzerstraße. Nene Schönholzerstraße, Spandanerstraße, Krenzstraße, Wollankstraße, Schnlzcstraße, Brehmestraße, Nordbahnstraße, Schmidt- straße. Gottschalkstraße, Sternstraße, Sleegerstraße. Wahllokal: Restaurant Krause, Wollankstraße 1. Die Kandidaten unsrer Partei sind für den ersten Bezirk: Am Mittwoch Genosse F r e i w a l d t, am Donnerstag Genosse C l e in e n; für den zweiten Bezirk am Mitttvoch Genosse E i ch l e r, am Donnerstag Genosse K e b i g. Die Parteigenossen werden ersticht, Mann für Mann am Wahltisch zu erscheinen, um ihre Stimme zu Gunsten der socialdemokratischen Partei in die Wagschale zu werfen. Unsre Gegner haben sich im letzten Augenblick geeinigt, um den bürgerlichen Misch-Masch zum Siege zu verhelfen. Thun ivir unsre Schuldigkeit I Die Genossen, welche am Tage der Wahl mit- helfen wollen, versammeln sich am Mittwochvonnitlag 10 Uhr, bei Hoffmann, Miihlenstr. 26.— Mittivochabcnd 9 Uhr ist bei Großlurth, Berlinerstraße, eine öffentliche V e r s a ni in l u n g mit der Tagesordnung:„Belaimtmnchimg des W a h l r« s n l t a t e S." Berliner Partei-Angelegei»heiten. Wahlverein für den ersten Berliner NeichStagS-Wahl- kretS. Donnerstagabend 8Vs Uhr, spricht in de» Arininhollcn, Konimandantenstr. 20, der Genosse Rechtsanwalt Victor Fränll über:„Hexenwahn, Nachtbilder ans der Kultur- und NcligionS- geschichte." Frauen sind hierzu besonders ein- geladen. Der Vorstand. Ten Mitgliedern dcö WahlvereinS für den zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreis zur Kenntnisnahme, daß am Mittwochabend 8>/s Uhr eine Versammlung im„K ö n i g S h o f", Bülowstr. 37—40, stattfindet, in der Genosse Dr. Leo A r o n s über folgende Frage spricht:„Welche technischen Aufgaben stellt uns die Beteiligung an den preußischen L a n d t a g s- W a h I e n?" Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder, insbesondere auch der B c- z i r k s f Ü h r e r wird gebeten. Dritter Wahlkreis. Heute, Dienstagabend 3Vz Uhr, ist bei Herrn Fenerstei», Alte Jakobstraße 76, eine Versammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Kai iski über: „Die Legende vom socialen Verständnis deS BürgerlumS." Dis- kuffion.' Gäste haben Zutritt. ReichötagS-Slbgeordnctcr Pfanukuch referiert heute abend 8»/- Uhr in einer bci Leydecker, Sophienstr. 34, stattfindenden Versammlung des Wahlvereins für den 6. Wahlkreis über: Die Thätigkeit der Socialdemokratie im Stadt« verordneten-Kolleginm." Heute, Ticnötagabciid 8 Uhr, spricht Frau Natalie Fuchs in der Urania, Wrangclstr. 9/10, über:„Mängel in der Berliner A r ni e n p f l e g e". Zahlreichen Besuch dieser Bersanimlung erwartet die VcrtranenSperson. Ober-Schönewcide. Am Mittivochabcnd, 8Vs Uhr, findet bei K a ii f h o l t eine Versammlung des Wahlverems statt. In derselben werden Uraniabillets zum 1. Osterfeiertag ausgegeben. Nene Mitglieder werden aufgenommen. VevsttmnUnngvn. Ter Fachvercin der Tischler nahm am Sonntag in einer außerordentlichen Generalversammlung ebenfalls Stellung zu dem Arbeitsnachweis der Tischlerinnung und der Einführung von Ent- lassungsscheinen. Der Vcreinsvorsitzende Hirt ler vertrat die An- ficht, daß der Beschluß deS Holzarbeiter-Verbandes in dieser An- gclegenheit nicht weit genug gehe. In wirksamer Weise könne der Arbeitsnachweis nur dann bekämpft werden, wenn in allen Werk- stellen, wo der Unternehmer auf Benntzimg deS JniiungsnachwciscS und auf den Entlassungsscheinen besteht, die Arbeit niedergelegt wird. Nachdem man in der Diskussion das Vorgehen der Unter- iiehmer einstimmig verurteilt hatte, beschloß die Versammlung: Es ist dahin zn wirken, daß die entwürdigenden Entlassnngs- scheine zurückgezogen werden und der Arbeitsnachweis der Innung streng gemieden wird. Der Vertrauensmann wird bc» auftragt, in kürzester Zeit öffentliche Versammlungen cinznbernfen, um gegen die Unternehmer Stellimg zu nehmen, welche die Kollegen wegen Verweigerimg der Entlassnugsscheine und Umgehung des JnmiiigsnachweiscS nicht einstellen.— Zur Unterstützung derjenigen Kollegen, welche aus diesem Anlaß arbeitslos werden, soll vom 16. März an bis auf weiteres ein wöchentlicher Extrabeitrag von 26 Pf. erhoben werden. Eine öffentliche Versammlung der Fliesenleger mit Frauen tagte am 6. März bei Schulz, Grenadierstr. 33. In derselben hielt Wnldeck-Manasse einen Vortrag Über„Götter außer Dicnsteii." Der Vortrag wurde mit Aufmerksamkeit verfolgt und mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Dem Gcwcrkschaftskartell wurden 100 Mark zur Unterstützung der Kleber Überwiesen. In die Lohnkonmiission wurden gewählt Vaberschke. Flieger. Weg» er und Steffen. Centralvercin der Blldbnucr Teutschlands. Im GcwcrkschaftS- Haus, abends 8V, Nhr. Wahl eines Revisors für den Centralvorstand. Wahl zweier Revisoren stir die Lokallaffe. Berichte und Wahlen von Koinmissioiien._ Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Uelzte Llttchvichkett und VrpeMzeu. Boerenkrieg. Londo», 10. Marz. Eine weitere Depesche Lord KitchenerS meldet: Pretoria. 9. März. Major Paris ist mit dem Rest einer Mannschafteii in Kraaipan eingetroffen. Er berichtet: Die Ab« leilnng marschierte in zwei Koloinieii und verließ um drei Uhr früh Ttvcebosch. Eine Stunde später, kurz nach Tagesanbruch, griffen die Boeren an. Ehe Berstärlungeu eintreffen'tonnten,>var die Nachhut durchbrochen; inzwischen" galoppierten Boeren in großer Zahl gegen beide Flanken an; dieser Angriff wurde anfangs von den Flankeiiabtnliinaen abgewiesen; aber es war eine Panik eingerissen. Alle mit Maultieren bespannten Wagen und berittene Mannschaften türmten wild dnrchciiiniidergcworfeii dahin, ihnen folgten die mit Ochsen bespannten Wagen. Alle Bemühungen, sie zmn Stehen zu bringen, waren erfolglos. Major Paris sammelte 40 Mann, besetzte eine Stellung und brachte die Ochsenstihrwerke zum Stehen. Nach mutiger nutzloser Verteidigung drang der Feind in die Wagenreihe ein und Methnen wurde am Oberschenkel verwundet. Paris wurde umzingelt und ergab sich um 10 Uhr früh. Methnen befindet sich noch im Boerenlagcr._ Konstaiitiiiopel, 9. März.ts„WMs" KrNn WlksdlÄ Dicaslag. 11. Wim 1902. Reichskag. 161. Sitzung uom Montag, den 10. März 1902, n a ch in i t t a g s 1 U h r. Am BundeSratSlisch: Graf Posado wSly, Frhr. B. Nicht- Hofen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetzentwurfs' zum Schutze des Genfer Neutralitätszeichens. Berichterstatter ist der Abgeordnete Dr. Endeman»(natl.). § 1 gestattet die Berwenbnng des roten Ärcuzes zu geschäftlichen Zwecken ic. nur auf Grund einer besonderen Erlaubnis. Die Er- laubnis wird Bon den ItandeS-Centralbehörden nach den vom Bundes- rat festzustellenden Grundsätzen erteilt. Die Kommission beantragt folgenden Zusatz:„Die Erlaubnis darf Vereinen oder Gesellschaften, welche sich im Deutschen Reiche der Krankenpflege widmen und für den Kriegsfall zum mili- tärischen Sanitätsdienst zugelassen sind, nicht versagt Iverden." Die vom Bundesrat festgestellten Grundsätze sind dem Reichstag alsbald zur Kenntiiisnahine mitzuteilen." Abg. Prinz Schönaich-Carolath fnatl.) beantragt, das Gesetz en bloc anzunehmen. Dieser Antrag wird einstimmig a n g e n o m m e n. Damit ist der erste Gegenstand der Tagesordnung erledigt. Es folgt die dritte Lesung des Reichshaushalts- Etats. In der Generaldiskussion erhält zunächst daS Wort Abg. Dr. V. KomierowSki(Pole): Ich war bisher verhindert. auf die Ausführungen des Herrn Abg. Sattler bei der ersten Lesung des Etats zu antworten und mutz dies jetzt nachholen. Die 11»- gcreimtheiten, die er damals vorbrachte, stehen im krassesten Widerspruch mit den Thatsachen.(Unruhe bei den National liberalen.) Nach dem offiziellen statistischen Material stelle ich fest, daß seine Behauptung, die ruthenischen Schulen in Galizien seien utraquistisch, unrichtig ist. Es giebt in Galizicn keine Volksschule, in-welcher ein Gegenstand in polnischer nnd ein andrer in ruthenischer Sprache erteilt würde. Jede Schule hat mir eine Unterrichtssprache, die von der Gemeinde gcmeinschastlich mit der Landesschulbchörde festgesetzt wird. Der Religionsunterricht wird in allen diesen Schulen nach den verschiedene» Konfessionen getrennt erteilt. Weiter mit Herrn Sattler über diese Dinge zu diskutiere», halte ich für zwecklos. Er urteilt hier wie der Blinde von der Farbe. (Unnihe bei den Nationalliberalen.) Das Verständnis der religiösen nnd nationalen Gefühle des polnischen Volkes ist ihm entweder ganz verschlossen oder eS wird ihm durch die Rabulistik seiner hakatistisckicn Freunde genomnien.(Unruhe bei den Natl.) Redner beschwert sich des weitere» über das fast täglich vorkommende Orffnc» Polnischer Briefe seitens der Behörden.(Bravo I bei den Polen.) Abg. Dr. Hasse(natl.): Ich glaube, es hat niemand vermutet, datz die dritte Lesung des Eiats durch so unerhörte Angriffe ans meinen wie allgemein bekannt seit längerer Zeit erkrankten Kollegen Dr. Sattler eröffnet werden würde. Der Herr Vorredner hat es für richtig gehalten, von hakatistischer Rabulistik und alter Weibermanier gegenüber meinem Freunde Dr. Sattler zu sprechen. Die sachliche Erwiderung auf die Ausführungen des Vorredners über lasse ich Herrn Sattler selbst. Präs. Graf Ballestrcm: Erst ans den Ausführungen des Herrn Vorredners habe ich entnommen, datz der Abg. Dr. v. Komierowski dem Herrn Abg. Sattler vorgeworfen haben soll, er habe in alter Weibcrmanier gewisse Thatsachen hier vorgeführt. Wenn das richtig ist— ich habe bei der herrschenden Unruhe seiner Rede nicht ganz folgen können, so ist das eine Aeutzerung, die gegen die Ordnung des Hauses verstötzt. Nach Einsichtnahme des Stenogramms werde ich das Weitere veranlassen. Abg. v. Schele-Wuustorf(Weife): In allen centralistischen Bestrebungen geht der Bnndesstaat Preutze» mit bösem Beispiel voran. Ich erinnere nur an die chauvinistische Polen- Politik. Diese Politik hat nicht nur die Rechtsbrüche von 18 66 verschuldet, sondern ist auch schuld an unsren inneren Verhältnissen. Erst wenn die politischen Hinder- nisse. beseitigt sind, wird es möglich sein, zu einem mittel- europäischen Zollbund zu gelangen, den die deutsche Reichspartei immer erstrebt hat. Nur auf diesem Wege wird Deutschland ein Reich des Friedens sein, sonst nicht. Abg. V. Komierowski(Pole) erklärt, datz er den Abg. Sattler viel schärfer angegriffen hätte, wenn derselbe anwesend gewesen iväre. StatSsekretär des Reichs-Postamts Kraetke: Gegen die Be- h a u p tu u g des Abg. v. Komierowski, datz in Posen durch Post- bcamte daS Briefgeheimnis verletzt sei, mutz ich pro- testieren. Wenn Briefe in polnischen LandeSteilen geöffnet sind, so geschah eS nach Matzgabe der Bestimmungen der Post durch Beamte, die sich um den Inhalt der Briefe nicht zu kümmern haben. Das geschieht aber nicht nur in Posen, sondern das geschieht auch in andren Gegenden. Abg. v. DziemboivSki-Pomian(Pole) erklärt, daß er bei der Specialberatnng des Postetnts urkundlich nachweisen w e r d e, datz in Posen das BriesgcheimuiS durch Postbeamte verletzt sei. Damit schlietzt die Generaldisknssion. Es folgt die Specialberatnng. Die Beratung beginnt mit dem Etat des Reichstags. Abg. Eickhoff(frs. Vp.) bringt Beschwerden über die Reichstags- restauraiion zur Sprache. Sollte der Rcichsiags einmal einen Homer finden, fo könnte dieser von den Abgeordnete» nicht singen: sie setzten sich nieder zum lecker bereiteten Mahle.(Grotze Heilerkeit.) Redner wünscht weiter Anstellung eines besonderen Beamten zur Führung der Protokolle in der Budgetkommission und Gewährung von Urlaub an die Bibliothekare sowie Schaffung einer neuen Bibliothckarstellc. Sehr wünschenswert wäre auch ein neuer Supplcmentband zu dem Bibliothekskatalog. Präsident Graf Ballestrem: Der Anregung, datz die Protokolle der Bndgetkommission durch einen Oberbeamten deS Reichstages statt durch Mitgliedes deS Hauses geführt werden mögen, iverde ich siir den nächsten Etat näher treten. Die Wünsche bezüglich der Bibliothek bringt der Herr Vorredner besser bei der Bibliothek- kommission vor. durch die sie dann auf dem ordnuugSmätzigen Wege au mich gelangen. Abg. Fischbeck(frs. Vp): Sehr wünschenSlvert wäre eine baldige Vornahme der notwendigen Reparaturen an den Aufzügen im Reichsiag.(Sehr richtig!) Ich hoffe, datz dieselbe noch in den Osterferien erfolgen wird.— Bei der ersten Lesung bat Herr Gamp von den schlechte» ZngangSwcgen zum Reichslage ge- sprachen und die Berliner Rommunalverioaltung um Abhilfe ersucht. Die Wege, für welche die Berliner Kommnnalverwaltung ver- untwortlich ist, werden thatsächlich am hänffifften gesäubert. In sehr schlechtem Znstande befindet sich nur der Weg. für den die königl. Tiergartenverwaltnng zu sorge» hat. 'Präsident Gras Ballestrem sagt zu, datz der erste Wunsch des Vorredners möglichst bald erfüllt werden wird. Aus die königl. Tier- gartenverivaltnng habe ich keinen Einfluh, sie wird hoffentlich von unsren Beschwerden Kenntnis nehmen. Der Etat wird darauf bewilligt. Es folgt derEtatdeSReichSkanzlerS. Abg. ti. DzicmbowSki- Pomian(Pole) polemisiert gegen die Ausführungen des Reichskanzlers, datz die Gefahr einer Poloni- siernna Deutschland« vorliege. Vielmehr könne man von einer «russifizier«"9 reden.— Aus der ReichSverfassnng geht hervor datz die Kritik der Matznahmen der Regierung gegen die Polen'Reichssache ist und nicht Landessache. Staatssekretär Graf PosapowSky: Der Herr Reichskanzler ist leider durch ein leichtes Unlvvhlseiu verhindert, an der heutigen Sitzung teilzunehmen. Sonst würde er gewitz auf die AnSfühnmgen deS Herrn Vorredners genntivortct haben.— Wenn der Vorredner nuS dem Rechtssatz, datz Reichsrecht vor Landesrecht gehe, glaubte herleiten zu können, datz die Polenpolitik Reichssache sei, so will ich daran nur eine Bemerkung knüpfen. Dieser allgemeine Rechts- grundsatz bedeutet nun. datz auf Gebiete», wo reichsgesetzliche Rege- lungen erfolgt sind, die landesgejetzlichen Bestinmiungen als auf- gehoben zu betrachten sind. Das hier in Frage kommende Gebiet betrachtet die preutzische Regierung nach wie vor als eine rein preutzische Angelegenheit.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Daniit schlietzt die Diskussion. Der Etat wird bewilligt. Präsident Graf Ballestrcm: Aus dem Stenogramm der Rede des Abg. v. Komierowski entnehme ich, datz er in Bezug auf den Herrn Abg. Sattler gesagt hat, er hätte eine Polemik»ach Art und Weise der' alten Weiber geführt. DaS ist ein beleidigender Ausdruck gegen den Herrn(Abg. Sattler. Ich rufe deshalb' den Herrn Ab- geordneten Dr. v. Konncrowski zur. Ordnung.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Es folgt der Etat des Auswärtigen Amts. Abg. Miinch-Ferber(natl.) bittet um Annahme einer Resolution, die den Reichskanzler ersucht, in einem Nachtrags-Etat oder spätestens im Etat für 1903, cntsprcckiend dem Beschlüsse deS Reichstags vom 19. März 1901. zur Vorbereitung der Errichtung von Handelskammern im Auslände 20 000 M. einzusetzen. Die grotze Mehrheit der Kauf- leute steht hinter dieser Forderung. Die Konsuln sind zur. Erteilung von Informationen oft nicht genügend unterrichtet, mauchmal lassen sie sich auch von starrem Bureaukratismus leiten. So hat z. B. ein Konsul auf eine telegraphische Anfrage überhaupt keine Antwort gegeben, weil das Rückporto für daS Autworttelegrainm nicht beigefügt war(Hört I hört!) So etwas würde in den Handelskammern in Ocstrcich und Frank- reich niemals vorkonimcn können. Neben der Auskunftserteilung köiiutcn die HaudelSkainnier» im Auslände auch schiedsrichterliche Funktionell übcrnchinen. Wie unhaltbar die jetzige» Zustäude sind, beiveist die Thatsachc, datz eine bedeutende deutsche Firma Mitglied der französische» HmidelSkaniiner in Konstantinovel ist, weil wir keine Handelskammer dort haben.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Cahcnölti(C.): Meine politischen Freunde können' für die Resolution Miinch-Ferber nicht stimmen. Die grotze» Handels« nalioneu England nnd Amerika haben nur ganz ivenige solcher Handelskammer» im Auslande errichtet. England nur sieben, Amerika zwei. Wir halten die Kousularbeamten für durchaus geeignet, deutsche» Firmen über die Verhältnisse im Auslande Auskünfte zu erteilen. Staatssekretär Frhr. v. Richthofcn: Es kann unmöglich von jedem Wahlkonsnl verlangt werden, datz er auf jede telcgraphische Anfrage tclegraphisch antivortet. Dazu haben die Kousukn niit der Rückerstattung der Koste» zu schlechte Erfahrungen gemacht. Wen» eine deutsche Firma sich in Konstantinopel der französischen HaudelSkaniiner angeschlossen hat, so ist dies jedenfalls deshalb ge- ichchen, weil die Finna über den französischen Jinport auf dem Laufenden sein wollte. Eine Reihe von Handelskammern, so die von Essen, Offcnbach, LSuabrück, Köln, stehen auf dem Standpunkt, datz ein Bedürfnis für die Errichtung von Handelskanimern im Aus- lande nicht anzucrkeuneu ist. Ich bitte Sie daher, die Resolution abzulehnen. Damit schlietzt die Diskussion. Die Resolntion Münch- F e r b e r wird gegen die Stimme» der Nationalliberalen abgelehnt. Es folgt das Kapitel: Gesandtschaften und Kon- s u l a t e. Staatssekretär Frhr. v. Nichthofcn kommt auf den vom Abg. Bebel vorgebrachten Fall der Verhaftung der Frau Kugel durch russische Beamte in Polangen zurück. Es ist richtig,' datz die Frau am 1. September verhastet worden ist und sich zur Zeit noch im Gefängnis zu L i e b a u befindet. Der Ehemann hat am 6. September die ll n t e r st ü tz ii» g des A i> s>v ä r- t i g e u Amtes für die Freilassung seiner Frau erbeten, der kaiserliche Botschafter in Petersburg ist sofort aiigeiviefen worden, für die Frau ein- zutreten. Er teilte mit, das; die Frau im Verdacht stehe, r e v o 1 u t i o n ä r e Drucksachen nach R u tz l a n d e i n g e s ch m u g g e I t zu haben, nnd datz die Untersuchung voraussichtlich längere Zeit in Anspruch uchmen wird. Der Botschafter hat den Konsul in Liebmi angewiesen, sich der Frau m ö g I i ch st a» z n n e h m e n. Der Konsul hat die Frau im Gefängnis aufgesucht und ihr auch auf ihren Wunsch Wäsche und Kleider besorgt. Das Gleiche hat er auch im Februar getha». Die Untersuchung war im Januar beendet, die Akten sind dem Justizministerium in Peters- bürg zugesandt, imd nach den Nachrichten, die wir haben, steht der A b's ch 1 u tz der Verhandlung unmittelbar bevor. Nach russischem Recht wird die Verhandlung entweder ans richterlichem oder nnf admiiiistrativem Wege erledigt werden. Nach den dem Bot- schafter in Petersburg zugegangenen Mitteilungen hat die russische Behörde beobachtet, datz das Ehepaar seit Mai v. I. verbotene Drucksachen nach Nutzland eingeführt hat und fortwährend Beziehungen mit Russen»nterhielt, die im Verdacht solchen Schmuggels stehen, und datz eS auch eine Niederlage verbotener Bücher eingerichtet habe. Ter Wirt des Ehepaares Schlaume Hirsch Fcinftein (Heiterkeit rechts) stand auch im Verdacht der Mitthälcrschafl, ist aber bereits freigelassen worden. Die Frau scheint also st ä r k c r be- lastet zu sein, als der Wirt, da sie sich»och nicht in Freiheit be- findet. Dafür, datz ein Versuch gemacht worden ist, das Ehepaar zwangsweise über die russische Grenze zu bringen, hat sich kein Anhaltspunkt gezeigt und die zu- ständigen Behörden stellen es als g a n z ausgeschlossen hin, datz eine Bewachung des Ehemanns durch russische Geheim- Polizei erfolgt sein könne, lieber schleckte Behandlung hat sich die Frau beim Konsul nicht beklagt. Wir werden den Fall auch iveiter im Auge behalten und unS der Frau, da sie deutsche Reichsnngebörige ist. aunehme». Abg. Bebel(Soc.): Eine Verurteilung der Frau kann meiner Auffassung uack in R u tz 1 a n d nicht erfolge»; selbst tvenn eS wahr iväre. datz sie auf p r c n h i s ch e m Boden ein Lager von in Rutzland verbotenen Schriflen gehabt hat. Sie kann auch nicht bestraft iverden, toen» sie mit Russe» in B e r b i» d n n g ge- stauden hätte. Bestrafung kann nur eintreten, tvenn sie einen solchen S ch r i f t e n s ch m n g g e 1 auf rufstschem Bode» selbst betrieben hätte. Wie weit sich das bewahrheiten wird, müssen wir abwarten. Wenn de» Behörden nichts dapon bekannt geworden ist, datz versucht wurde, das Ehepaar zwangsweise über die Grenze zu schaffen, so stammt meine diesbezügliche Bemerkinig ans ganz direkter Quelle und ich bedaurc nur. datz Kugel de» preutzifchen Behörden davon nichts berichtet hat. ich iverde ihn auf- fordern, sein Beweismaterial den Behörden mitzuteilen. Staatssekretär Freiherr v. Richthofen: Die russischen Behörden behaupten eben, datz die Frau wiederholt aus russischem Gebiet den Schninggel betrieben hat. NebrigenS weitz doch in der Gegend jedes Kind', datz die russischcik Behörden mit der Einführung revolutionärer Schriften keinen Spatz verstehen und datz Schmuggler einer etwas kräftigen und rauhen Behandlung seitens der russischen Behörden ohne weiteres ausgesetzt sind. Damit schlietzt die Diskussion. Beim Kapitel„Allgemeine Fonds" wünscht Abg. Dr. Hasse(natl.) die Errichtung einer Ccntralstelle zur Kontrolle der deutschen Schulen im Auslände. Staatssekretär Frhr. v. Richthofc« sagt Berücksichtigung deS Wunsckes für da« nächste Jahr zu. Abg. Schräder(f>s. Vg.) schlietzt sich den Ausführungen des Abg. Hasse an. Das Kapitel wird bewilligt. ES folgt das Kapitel„Kolonialverwaltung"(Znfchutz an die Deutsche Kolonialgesellschaft). Hierzu liegt eine Resolution Calicnsly(C.) vor, die 30 000 M. Zuschntz an die Deutsche Kolonialgesellschast für die Schaffung einer Auskuuftsstclle für Auswanderer nur mit der Mahgabe zu be- willigen, datz die Deutsche Kolonialgesellschast dem Reichskanzler jährlich über ihre Thätigkeit Bericht erstattet. Staatssekretär Frhr. v. Richthofcn: Die verbündeten Regierungen wollen gegen die Resolution keinen Widerspruch erheben, nachdem die deutsche Kolouialgesellschaft sich bereit erklärt hat. unter den in der Resolution angegebenen Bedingungen die Auskunftsstelle zu unter- halten.(Bravo!' rechts.) Abg. CahcnSly(C.) bittet um Annahme seiner Resolution. Die Resolution wird gegen die Stimmen der Linken und einer Minderheit des Centruins a n g e n o m in e n. Das Kapitel„Koloiiialverwaltnng" wird bewilligt. Damit ist der Etat des Auswärtigen Amtes erledigt. Der Kolonial-Etat wird in allen Teilen debattelos genehmigt. Es folgt der Etat des R e i ch S a m t s des Innern. Zu den Fortdauernden Ausgaben Kap. 1 liegt folgende Resolution Franken(natl.) vor: „Der Reichstag ivolle beschlietzen, den Reichskanzler zu ersuchen, thunlichst bald dem Reichstag einen Gesetzentwurf betreffend die U n f a 1 1 f ü r s o r g e bei Arbeiten, welche freiwillig zur Ret t'u n g von Personen und zur Bergung von Gegenständen vorgenoinmen werden, vorzulegen unter besonderer Berücksichtigung der'bei solcher Thätigkeit vorkommenden Feuer-, Wasser- und andern Gefahren." Abg. Beck-Heidelberg(natl.): Bei der Novelle zum Gewerbe- gerichts-Gesetz ist beschlossen worden, in allen Orten mit über 20 000 Einwohnern müssen Gewerbegerichte errichtet werden. Der preutziiche Haudelsmiiiister Möller hat' nun einen Erlatz veröffentlicht, wonach in allen den Orten mit über 20 000 Einwohnern, in denen bereits irgendwelche gewerblichen Schiedsgerichte bestehen, die Er- richtung von Gcwerbegerichten nnterbleibeii soll. Ich gehe nicht so weit, wie das„Correspondenzblatt der Generalkommission" der Gewerkschaften Deutschlands. das in einer solchen Auslegung eine illoyale Handhabung deS Gesetzes sieht, jedenfalls aber liegt eine mitzverstäiidliche Auffassung der Absicht des Reichstages vor. Es erscheint daher geboten, datz der Reichstag klare Stellung zu der betreffenden Bestimmung des Ge- setzes unimit. Abg. Znbcil(Soc.): Es war ursprünglich nicht die Absicht meiner Freunde, diese Sache heute zur Sprache zu bringen, da wir nach Ostern eine Intel- pellation in dieser Angelegenheit dem Hanse unterbreiten wollten.— Bei der Schaffung des Gesetzes ist es wohl niemand von uns eingefallen. datz eine derartige Interpretation von einem M i n i st e r erfolgen könne. Ich mache besonders Herrn Trimborn darauf aufmerksam, datz, als wir in der Kam in i s s i o n den Antrag stellten, datz in Städten, wo Gewerbegerichte errichtet werden, alle bereits be st ehe n den Schiedsgerichte, Jnnungs-Schieds- geeichte usw. aufgehoben werden sollten, dieser Antrag ab- gelehnt, dabei aber ausdrücklich konstatiert wurde, daß auch ii e b e n solchen bestehenden Schiedsgerichten Gelverbegerichte zu errichten seien. Wenn zum Beispiel die Schornstein- seger in einen» Ort ein solches Schiedsgericht errichtet hätlen, so mützte nach dem Erlas; des Ministers Möller in Zukuiist die g e s a in t e Arbeiterschaft dieses Ortes unter die G e- r i ch t s b a rk e i t dieses Schiedsgerichts fallen. DaS widerspricht ganz offenbar der Absicht des Gesetzes. Herr Möller ist hier lediglich dem Lieblingswunsch des Verbandes d e ü t s ch c r Industrieller nachgekommen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokratcn.) Wcuil der Herr Staatssekretär heute nicht eine bindende Erklärung abgiebt, durch welche die Ver« ordnung des Ministers Möller aus der Welt geschafft wird, so mutz der Reichstag nach Ostern dem Z7 des Gewerbegerichts-Gesctzes eine Fassung geben, welche eine derartige Interpretation unmöglich macht. Von dieser Verordnung iverden 54 Gemeinden betroffen, die dein Gesetze Nicht iiachgekommen sind. In Weitz ensee, einenr Orte von 30 000 Einwohnern, hat der Gemeindevorsteher öffentlich erklärt: „So lauge Weißensee nicht Stadt geworden ist, so lange würde er sich nicht zwingen lassen, für seine Gemeinde ein Gewerbe- gericht zu errichten."(Hört! hört! b. d. Soc.) So wird einem Gesetze, daS dazu dienen soll, den socialen Frieden zwischen Arbeitgebern nnd Arbeitnehmern herzustellen, entgegen gewirkt.— Man mutz sich doch überhaupt fragen, ob durch eine derartige Verordnung ein Reichs- gesetz geradezu aus der Welt geschafft werden kann. Sogar der CentrumSabgeordnete Trimborn hat sich mit dieser Verordnimg ein- verstanden erklärt.(Widerspruch des Abg. Trimborn.) So ist es durch die Presse gegangen, auch durch die C e n t r u m s p r e s s e. Ich bin nun wirklich gespannt, ob Herr Trimborn, der Vater des GewerbegericktSgesetzeS, seinem Kinde die nötige Achtung verschaffen wird. Jedenfalls bitte ich sowohl das hohe HanS wie auch den Herrn Staatssekretär, datz hier dem Reichsgesetz Geltung verschafft wird.(Bravo bei den Socialdemokraten.) Abg. Trimborn(C.):' Nachdem in so beredter Weise von dem Herrn Vorredner meine Vaterschaft herausgefordert worden ist, mutz ich mich mit einigen Worten zur Sacke äußern. Vaterqnalitäten sind hervorragende Qualitäten(Heiterkeit), namentlich auf parlamentarischem Gebiete. (Erneute Heiterkeit.) Meine Herreu, Sie lachen, aber gerade auf parlamentarischem Gebiete ist es besonders schwer, Vater zu tverden. (Grotze Heiterkeit.) Der Herr Vorredner hat mir weiter eine parlamentarische Berühmtheit vindiziert, die ich bescheiden ablehnen mutz. Er sprach davon, datz ich zu dem Erlaß des M i n i st e r s M ö l 1 e r über die Gewcrvcgerichte mein E i n v e r st ä n d n i s ausgedrückt hätte. Das ist nicht der Fall. So weit habe ich es noch'nicht gebracht, das; mich ein preußischer Minister, wenn er ein Reskript erläßt, um mein Einvcrsländuis befragt. Der Gedanke, daß es einmal so weit kommen könnte, macht mich geradezu schwindelnd.(Heiterkeit.) Wie liegen iiiin aber die Verhältnisse, die uns veranlaßt haben, zu sagen: nicht in Orten von mehr als 20 000 Einwohner, sondern für Orte mit mehr als 20 000 Eiinvohner mutz ein Gewerbegerickt errichtet werden? Nehmen Sie z. B. Mülheim bei Köln, ein Ort von 38000 Einwohnern. Das dortige Gewcrbegericht fungiert gleichzeitig für den Nachbarort Kalk mit 2S 000 Ein- wohuer», imd die Kalker befinden sich ganz wohl dabei. Daran wollten wir nichts ändern, und deshalb ist der erste Satz des Ministerial- rejkriptes ganz korrekt:„Jede Gemeinde von mehr als 20 000 Ein- wohnern muß zu einem Gewerbegerichts-Bezirk geschlagen werden Anders steht es mit dem zweiten Satz des Reskripts. Den halte, auch ich nicht für übereinstiinmend mit dem Gesetz über die Gewcrbcgcrichte. Es geht nichl an, einzelne Gcwerbcgerichte in ihrer örtlichen oder sachlichen Zuständigkeit zu beschränken. Ich möchte dem Handelsininister nicht die Kompetenz geben, auf dem Wege des Reskriptes Gewerbegerichte mit voller örtlicher oder beschränkter Zu- stäudigkeit, mit voller sachlicher oder beschränkter sachlicher Zu- jtändigkeit zu schaffe». Hoffentlich wird möglichst bald von kompetenter Stelle die nötige Aufklärung erfolgen. (Bravo! im Centrum.) Staatssekretär Graf Posndowsky: Bei einem solchen Gesetz mutz man nicht nur nach dem Bater. als welcher Herr Trimborn in der That volle Aiierkennnng verdient (Heiterkeit), sonder» auch nach dem Großvater und Urgroßvater fragen. Der§ 7 entspricht dem§ 6 de« Gewerbegerichts-G-setzes von 1890, und dieser ist wieder dem Entwurf vom' 23. Juli 1878 ent- nominell, der nicht Gesetz geworden ist. In dem Bericht zu diesem Entwurf wird ausdrücklich hervorgehoben, es solle die Möglichkeit gewährt werden, unter Berücksichtigung der großen Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Jndustricgrnppen und gelvisjer lokaler Ver- Mtnisse die Einteilung eines einzelnen GelverbegerichtS in mehrere Sektionen vorzunehmen. Was folgt nun aus dem Inhalt des geltenden Gesetzes? Es folgt, daß unter allen U m st ä n d e n für alle Arbeiter eines OrteS ein Gelverbegcricht errichtet werden muß, daß dieses Gewerbegericht aber geteilt werden kann, sowohl nach Be» rufSzweigen wie auch nach der örtlichen Lage. Was nun die Errichtung von Gewerbegerichten für mehrere Ort- schaften anlangt, so ist Ihnen ja bekannt, daß eS zuerst im Gesetz hieß:»in Gemeinden von über 20 000 Einwohnern", daß dann auf Veranlassung des sächsischen Bevollmächtigten gesagt wurde:«für Gemeinden", weil dieser darauf hinwies, daß Dresden und Löbtau örtlich zusammenliegen und ein Gewerbegericht auch für Löbtau in Dresden errichtet werden könnte. Natürlich ist es dem Sinne des Gesetzes nach ausgeschlossen, daßräumlich auseinander- l i efg e n d e Ortschaften zusammen ein Gcwerbegericht erhalten könne». Ich habe mit dem Herrn Handelsminister über die Frage vcr- handelt und es ist mir heute von ihm ein Schreiben zugegangen, nach welchem er ein vom 8. März 1902 datiertes Reskript an' die Oberpräsidenten erlassen hat. Es heißt darin:„Der Jnbalt meines ersten Erlasses ist lebhaft erörtert worden, und es ist der Befürchtung Ausdruck gegeben worden, daß durch ihn der wesentlichste Zweck des Gesetzes, die obligatorische Errichtung von Gewerbegerichten in Ge- meinden mit über 20 000 Einwohnern, unmöglich gemacht würde. Das war selbstverständlich nicht die Absicht des Erlasies, und alle Behörden sind beflissen, das Gesetz zur Durchführung zu bringen. Der neue Erlaß hebt nun hervor, daß die einzelne» Ort- schaften sich nicht damit abfinden können, daß sie für zwei oder drei Schornsteinfeger, die sich im Orte befinden, ein Gewerbegericht er- richten dürfen, sondern daß das Ortsstatut der Entscheidung des Bezirksausschusses unterliegt und dieser dafür zu sorgen hat, daß die praktischen Bedürfnisse der Ge- m e i n d e befriedigt werden und die Absichten des Gesetzgebers zur Geltung kommen. Es ist anzunehmen, daß die Entscheidungen dieser beschlußfassenden Körperschaft dem Inhalt und dem Sinne des Gesetzes entsprechen, kommt in einer Gemeinde ein Gcwerbegericht auf diese Weise nicht zu stände, so hat die Centraibehörde zu entscheiden!" Sie sehen, der Handelsminister steht auf dem gleichen Standpunkt, den hier der Abg. Beck-Heidelberg vorgetragen hat. Wenn das Gesetz in einzelnen Gemeinden nicht durchgeführt worden ist, so bedauere ich das. (Ruf: In den meisten Gemeinden!) Wenn es also in den meisten Gemeinden nicht durchgeführt wird, so bedauere ich das. denn ich meine, wenn für das Inkrafttreten einer Einrichtung im Gesetz ein Termin festgesetzt ist, so muß dieser auch innegehalten werden. sLachen links.) Abg. v. Salisch(t) fordert gesetzliche Maßnahmen gegen das Geheinunittelwesen. Abg. Wurm sSoc.): Als von unsrer Seite seiner Zeit gewisse Klagen über U n- gesetzlichkeiten in der Fabrik des Herrn Schlrini« b e r g e r vorgebracht wurden, erklärte dieser Herr, er sei zwar Auf- fichtsrat jener Fabrik, trotzdem aber würde dort die Fabrikordnung durchaus aufrechterhalten. sHeiterkeit.) Ich fragte dann Herrn Schlau- berger{Stürmische Heiterkeit)— Herrn Schlümberger. feit wann denn die Gesetzlichkeit in seiner Fabrik besteht und er behauptete daraufhin: seit Be st ehe n der Fabrik. Ich bin nunmehr in der Lage, auf Grund amtlichen Materials nachzuweisen, daß die Behauptungen des Herrn Schlümberger von A bis Z unwahr find. Der Gewerbe- Inspektor für Mülhausen, Dr. UI- r i c i, hat in einem öffentlichen Vortrag anf Befragen er- klärt, daß geivisse Mißstände in der Fabrik des Herrn Schlümberger erst auf seine Veranlassung abgestellt worden sind. In Bezug auf die Nichteinhaltung der llstündigcn Arbeitszeit für verheiratete Ar- beiterinnen erklärte der Gewerbe-Jnspektor. die llstündige Arbeits- zeit steht zwar in der Arbeitsordnung, cS werde aber tu der That fortgesetzt IS Stunden gearbeitet. Er habe zwar die nötigen Schritte gethan, um diese Gesetzwidrigkeit zu verhindern, wenn seine Schritte aber erfolglos blieben, so läge das nicht an ihm.{Hört! hört! b. d. Soc.) Das kann natürlich nur bedeuten, daß der Wille gewisser T e x t i l f ü r st e n sich über die Gesetze hinwegsetzt.— Weiter möchte ich den Herrn Staatssekretär darauf aufmerksam machen, Ivie sich der Herr Minister Möller über den Geheimerlaß seines Amtsvorgängers an die Gewerbe-Aufsichts- beamten geäußert hat. Er hat sich gerühmt, diesen Erlaß den Beamten noch besonders eingeschärft zu haben. In der That be- deutet aber der Erlaß nichts andres, als daß der Reichstag! dmch die amtlichen Berichte der Aufsichtsbeamten künftighin hinters Licht geführt werden soll. {Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter, Sie dürfen nicht sagen, daß der Reichstag durch eine Verordnung eines Ministers hinters Licht geführt werden soll.{Große Heiterkeit.) Höchstens könnten Sie sagen.geführt werden kann".{Erneute Heiterkeit.) Abg. Wurm{fortfahrend): Herr Möller sagte am 7. Februar im Abgeordnetenhause:„Es ist richtig, daß durch den Erlaß gewisse Beschränkungen eintreten. In den Jahresberichten sollen die Beamten nur t h a t s ä ch l i ch e Wahrnehmungen mitteilen und theoretische Erörterungen, insbesondere Abschweifmigen der Ausgestaltung und A b- änderung bestehender gesetzlicher' Verordnungen vermeiden." Die Beaniten sollen, falls sie der Meinung sind, daß gesetzgebende Schritte zur Abstellung von Mißständen notwendig sind, dies in einer b e s o n d e r en M i t t e i I u n g nur der Regierung berichten. Der Reichstag braucht davon nichts zu wissen. Das ist eine Degradicrnng des Reichstags.{Sehr richtig! bei den Social- deniokraten.) Dajju sind die Gcwerbe-Aufsichtsbeamten nicht ge- schaffen. Wenn die Socialreform für so leicht verletzbar gehalten wird, daß die Regierung den Beamten noch extra einen Maulkorb vorlegt, damit sie sie nicht durch ihre Kritik schädigen. so ist das nur ein Beweis dafür, daß die Regierung selbst davon überzeugt ist, wie wenig die vorhandenen Gesetze ausreichen. Gerade deshalb aber verlangen wir, daß die Kritik der Beamten eine recht gründliche ist. Wir haben ein Recht, zu erfahren, wie die vom Reichstag beschlossenen Gesetze wirke»{Sehr richtig! bei den Socialdemokraten), und wir können es nicht dulden, daß die Minister fich noch mit solchen Vcr- ordnungen brüsten, Minister, von denen man ja niemals iveitz,' von welchen Kreisen sie abhängen.{Unruhe rechts. Ruf: Verdächtigung!) Es ist keine Verdächtigung, wenn ich darauf anspiele, daß der Centralverband der Industriellen die 12 000 Mark hergegeben hat. Wenn auch das Opfer jener Jntrigne, Herr v, W o e d t k e, gestorben ist, so ist doch die ganze Angelegenheit noch lange nicht aufgeklärt. Nach der Gewerbe-Ordnung müssen Arbeitgeber gestatten, daß Gewerbe- Aufstchtsbcamte zu jeder Zeit, auch in der Nacht, ihren Betrieb aufsuchen. In München ist nun der Fall vorgekommen, daß der Portier dem A n f s i ch t s b e a m t e n den Eintritt in die Fabrik durchs Portal verbot und ihn anwies, erst in das C o m p t o i r zu gehen. Der Beamte holte sich die Polizei und erzwang sich den Eintritt. Der leitende Ingenieur der Fabrik wurde bestrast, legte Berufung ein und das Landgericht München 1 erklärte:„Der Äuffichtsbeamte habe kein Nccht, durchs Portal hinein- zugchen, er müsse sich erst beim Betriebsinhaber melden." Das Ober- l a n d e s g e ri ch t hat das Urteil aufgehoben, aber zum zweiten Mal hat das Landgericht München l in dcmsclbrn Sinne entschieden und den Ingenieur freigesprochen. Nun ist die Sache wieder an das Ober- landcsgericht verwiesen. Es istnotwendig. daß derHerr Staatssekretäreine Erklärung in dieser Sache abgicbt. Aus den Verhandlungen des Hauses geht klar hervor, daß keineswegs die Absicht bestand, daß sich die Änfsichtsbeamten erst anmelden müßten. Sonst würde ja auch die Untersuchung sehr oft zur Komödie werden. Im Zeitalter der Elektrizität ist es dem Betriebsleiter sehr leicht möglich, vom Comptoir ans in die entfernt gelegene Fabrik Anordnungen zn Übermitteln, daß bis zur Ankunft des Inspektors etwaige Ungesetzlichkeiten beseitigt werden. Schließlich richte ich an den Staatssekretär noch die Frage, ob die Steinarber-Verordnung vom Bundesrat erlassen ist. Die Stein- arbeiter werden im Durchschnitt nur 3öVs Jahre alt, 80 Proz. derselben leiden an Krankheiten der Atmungsorgane. Das ist ein Bild tiefen Elends, und da ist es dringend wünschenswert, daß die zugesagte Verordnung zum Schutz der Arbeiter bald kommt. Ich weiß ja, welch schwerwiegenden Einfluß die Unternehmer in den Sandstein- betrieben geltend gemacht haben, und diesem Einfluß ist es wahr- scheinlich auch zu verdanken, daß wir noch immer auf die Ver- ordnuiig zu warten haben. Fällt aber die Verordnung besser aus, als der Rnf ist, der sonst Verordnungen des Bundesrats vorangeht, dann wird sich niemand mehr freuen als ich und die deutschen Stein arbeiter.{Bravo! bei den Socialdemokraten.) {Schluß im Hauptblatt.) Briefkasten der Redaktion. P. B. 69. Der Krawall in der Blumenstrahe hat sich, wie wir nach- träglich erfahren, am 25. Juli 1872, und nicht 1873, abgespielt. B. 010. Lesen Sie den Aüstuf in Nr. 57 unter Frauenbewegung z dort finden Sie die gewünschten Adeffen. A. K., Bredowstrasje. Erstatten Sie bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Betrugs. Ab. 34. Schädlich und ekelhast. Folgen: Nervenzerrütwng und Wahnsinn. R. H. Dir, also auch„ihrem". Da das betreffende Zeitwort den dritten Fall erfordert, lag ein Druckfehler vor. R. R. 1. Nein. 2. Für Strafanzeigen ist die Staatsanwaltschaft, für Civilklagen bis 30V M. das Amtsgericht, für solche mit höherem Streit- objelt das Landgericht zuständig, in deffen Bezirk der Beklagte wohnt. — R. V. Die Kasse ist im Recht. Wollen Sie eine Entscheidung haben, so mühten Sie sich an die Gewcrbedeputation, Stralauerstr. 5/6, wenden. — O. L. 100. Wenn monatliche Zahlung und nicht Zahlung für jedes- mal vereinbart war, ist die Friseuse im Recht.— GesebeSniikenninis 32. 1. Es genügt der in der Guttentagsche» Sammlung Deutscher Reichsgeseye erschienene Kommentar über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. 2. Gut- haben ist weder das eine noch das andre, sondern der Anteil des Gesell- schafterS an dem, was nach Abzug der Verpflichtungen des Geschäfts als Reingewinn übrig bliebe. Uebrigens, auch wenn Ihr Statut lautet„Haft- summe 30 Mark",„Betriebskapital-Zuschuh 600 Mark", ist der Anteil nicht 30, sondern 630 Mark. Jeder Gesellschafter haftet also für ins- gesamt 2+ 630— 1260 Mark. 3. Die Bilanz muh den aus- sührlichen Vorschriften des zu 1 genannten Gesetzes entsprechen. — 2299. Ja. Auch Arbeitslose haben Anspruch auf Zeugengebühr. Nach der Gebührenordnung für Zeugen erhalten Personen, welche durch gemeine Handarbeit, Handwerksarbeit oder geringeren Geschäftsbetrieb ihren Unter- halt suchen, oder sich in gleichen Verhäliniffen mit solchen Personen befinden, die nach dem geringsten Satze zu bemeffende Entschädigung(10 Pf. pro Stunde) auch dann, wenn die Versäumnis eines Erwerbes nicht statt- gesunden hat.— 2t. HO. Ja.— S. 74. Halten Sie zu Protokoll die Unterschrift anerkannt, so fällt der sonst berechtigte Einwand fort; Sie müssen zahlen.— A. D. 100. Vereine müffen nur dann polizeilich an- gemeldet werden, wenn sie eine Einwirkung anf öffentliche Angelegenheiten bezwecken.— 56. Am Ersten, also bis etwa 7 Uhr abends muh völlig geräumt sein. Die Räumung einer Wohnung muh in Berlin bei aus höchstens zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am 1., bei aus drei bis vier Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am 2. April um 12 Uhr mittags und bei größeren Wohnungen am 3. Aprtl um 12 Uhr mittags beendigt sein. Unter Zubehör sind Alkoven, Küchen, Kamuiern, Bodenräume, Verschläge und Borratskeller zu verstehen. Bei Wohnungen, die aus drei Zimmern bestehen, muß jedoch am 1. April ein Zimmer, bei größereu zwei Zimmer bereits vollständig geleert und dem einzichendenMieter zur Verfügung gestellt werden. Läden rechnen nicht als Wohnzimmer; ebenso wenig Schankränme.— C. R. N. Nein. — E. O. Solche Baugenoffenschasten sind: Baugenoffenschast„Freie Scholle"(Vorsitzender Baumeister Lilienthal zu Groß- Lichtcrselde, Martha straße 5) betrifft Terrains in Waidmannslust und Marienfelde); Berliner Baugenoffenschast(Vorsitzender Schräder, Berlin, Bureau: Steglitzerstr. 19) betrifft Häufer in Adlershof, Banmjchulenweg, Hermödorf und Groß-Lichter- selbe; Berliner geuieinnützige Baugesellschaft(Bureau: Hollmannftr. 23) betrifft Wohnhäuser in Berlin; Berliner Spar- und Bauverein(Geschäfts- stelle: Sickingenstr. 7); Villen- und Landhaus- Baugesellschast„Heimstälten- Aitiengesellschaft"(Linkstr. 4) betrifft Schlachtensee, Nikolsköe, Karlshorst und Malchow. Wegen der Bedingungen müssen Sie sich schon selbst an die Genossenschaften wenden. Bevor Sie einer solchen Genoffenschast beitreten, überlegen Sie sich, ob Sie das Hans in der Gegend stets gebrauchen und Ob Sie unter allen Umständen die Bedingungen des Vertrages erfüllen können. H. S. L.u. 100. l. Verjährung liegt vor. 2. und 4. Wenn Sie damals volljährig waren und nicht beweisen könneu, daß Irrtum und Drohung vorlag, so ist das Schriftstück gültig. 3. Die Bestrafung hat keinen Einfluß auf den Civilrechtsanfprnch. 5. Unverständlich.— Anita. 1. Nein, Sie können nur aus Zahlung klagen und dann pfänden laffen. 2. Die Ein- tragung genügte.— W. Rx. Wenn nichts andres vereinbart ist, so muß spätestens 6 Monate vor Schluß des Geschäftsjahres, bei Ihnen also bis am 30. September, zum Schluß des Geschäftsjahres gekündigt werden. Falls keine andre Vereinbarung zu stände kommt, ist das Geschäft dann zu liquidieren. Eine gütliche Auseinandersetzung liegt demnach in beider Jntereffe »Litternngstibersicht vom 10. März 1902, morgens« Uhr. W-tter 4 bedeckt 3 bedeckt 3woilig 4svolkjg 5 Schnee c � <40 -19 10 8 Kvelter-Prognosr für Dienstag, den 11. März 1902. Zeitweise heiter, am Tage etwas wärmer, aber veränderlich niit geringen Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. für den Inhalt der Inserate bernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Verantwortung._ - T licatec. DienStag, den 11. März. Opernhaus. Der Improvisator. Ansang 7'/, Uhr. Gthanspielhans. Gastspiel des Herrn Coauelin atne mit der Gesellschaft des Thästtre de la Porte St. Martin. Cyraiio de Bergerao. Anfang 7Va Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll). Geschloffen. Schiller. König Harlekin. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Beelesia triumphans. Puß. Volksausklämng. Anfang 7V- Uhr. Verlincr. Alt-Heidelberg. Ansang 'Va Ahr. Lessing. Das Glück. Anfang 7>/a Uhr. Residenz. Ein galanter Richter. Vorher: Verbotene Frucht. An- sang 7i/, Uhr. ReneS. Das Ewig-Weibllche. An- sang?>/, Uhr. Westen. Der Wildschütz. Anfang V/, Uhr. Gecesslonsbithne. Detlev Lilien- crvnS Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. E. v. Wolzogens BunteS Theater (Neberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenisflmus- Zwlschenspiele. Ans. 81/2 Mr. Tri anon. Evralte u. Co. Anfang 8 Uhr. «entral. Da« süße Mädel. Anfang 7Va Uhr. Thalia. Seine Kleine. Ansang V/, Uhr. Luisen. Maria Stuart. Anfang H/a Uhr. Carl Weiß. Das Jungfemstist. Anfang 8 Uhr. »rledrich-llvilhelmstädiischeS. Der Obersteiger. Auf. 71/, Mr. Dclle-2lllta»ce. Die Dame aus Trouville. Hieraus: Er. Ansang 7»/, Uhr. OrpheuS. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Metropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- VorsteNnug. An- sang 8 Uhr NpoUo. Don Juan in der Hölle. Specialilätett-jVorstellung.- An- saug 3 Uhr. itasiiio- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialiiäieii- Vor- stellung. Anfang 8 Uhr. Rrichshalleu. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptitnm. Speciali- lätcii-VorsteNuiig. Palast. Specialitäteu-Vorstellung. Die Veilchenfee. Ansang 8 Uhr. Urania. Taubeiistr. 48/49.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühiingstage an der Rjviera. Im Hörsaal. Ansang 8 Uhr: Dr. K. Boeckh: Im verschloffenen Lande Nepal. Jnvalidenstraße 57/62. Täglich: Sternwarte._ Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Dienstag, 11. März, abds. 8lA Uhr; Zum erstenmal: Strlndbepg- Cykliia. I„Da» Band" und „Die Stärkere" ven Aug. Strindberg. Ferner:„Frau Mlml" von Gustav Wied und„Liebesträume" von _ Max Dreyer._ Thalia-Theater. Dresdenerftrafte 72/73. Abends 7Va Uhr: Seine Kleine. Große Ausstattungspoffe mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worm a. G., Guido Thlclscher, Gerda Walde. Helnierdtng, Paulmüller, Boss, Wannoviiis.„Hab'n Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?" Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr, Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Der kleine Cohn ist da! Burleske in einem Akt. Der Bajazzo und sein Kind eratklnaslge Iß Speclalltaten 10 (ijlllfrllifflter (Wnllner-Theaier). Dienstagabend 8 Uhr: König Harlehln._ farl Weiss-Tlieater, Grosse Fraiikfiirterstr. 132. Abends 8 Uhr: Das Jnngfernftift. Operette in 4 Akten von Ernest Guinot. Mnflk von Jean Gilbert. Minna Mlchettl a. G. Mittwoch: Gasparone. DonnerS- tag: Das Jnngfernftift. Freitag: Benefiz für Frl. Flasecka. Käthchen von Hetlbronii. Sonnabendnachm.: Klein Däumling. Abends: Das Jiuigfernstift. Sonntagnnchmittag: Othello, der Mohr von Peuedig. Abends: Käthchei« von Heilbronn. In Vorbereitung: Hannemann vom Viehhof und der kleine Cohn. Apollo-Theater. Kolossaler Erfolg der neuen Specialitäten! The 3 Miloni Martin Kettner Mllly Capell 3 Avolos Sinn Elton Willi Waiden The I-eamy-Tronpe Der Kosmograph. Vorhat: 1 Kasseneröffiiung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Stanssotiei Kottbuaemtr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoff■■■ unna NMeutscht Tiillger Nach jeder Soiree: Tunnka-tinachen. Sonntag Anf. des Konzerts 5 Uhr, der Vorst. 7 Uhr. Elitree 50 Pf. num.PI.75 Pj._ Wochentags Ans. 8 Uhr. Enttee 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf.- Tanz frei. Vereinsbillets gültig."W Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingslage an derRiviera InvallileiiBtr. 57/62. Um 8 Uhr: Dr. K. Itocck:„Im ver- schlossenen Lande kflepal". Castans Panopticam Frledrlch-Strasse 165. VT-,, I Präsident Koosevelt ilCU; Miss Alice Koosevelt. M e n! Italienische Konzert- Kapelle.Humberto1 a. Venedig, Neu! Der Boerenkrieg! Biesenmomentbilder aus dem Transvaal- Kriege, nach der Natur aufgenommen. IHetropol-Tlißatßr Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: 'DD ffilDfi Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde; Frauchens Gehurtstagstisch. Anfang 8 Uhr. Bauchen übe r a 11 gestattet. Trianon-Tlieater. Georgenstrasse, 3 Minuten vom Bahnhof Prledrlchstr. Zum 108. Male: Coralle/a Uhr. Dressur mit Löwen. Tigern, Wölfen u. Hyänen, soivie Löweaz-Rittgtaittpf und Fütterung um 4 u. S1/, Uhr. Entree: I. Platz 60 Pf., II. Pi. 40 Pf., HI. PI. 20 Pf., Kinder unter 10 Jahren und Militär ohne Charge zahlen auf 1. n. 2. PI. die Hälfte, dem 3. Pj. iz Pfl Die Direktion: Froese. Dienstag, 11. März, abends 7»/, Uhr- Gr. Vorstellung. Klondlke, Orig.- Pantomiiiic des Cirtus Busch und die neuengagierten Specialitäten. R 0 i c Ii» K si 1 1 e n. TAgUcIi: Stettiner Sänger Anfang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. SW Nur noch bis Freitag:"VB »Lustige Brüder" mit Richter. »Ehrlos" mit Berg zc. zc. Anfang Wochent. 8 Uhr.Sonnt.?»/, Uhr. Xn der Spandauer Brücke 3. Grösst.Vergnügungslokal Berlins 1 internationale Konzerte uj Specialitäten-Yorstcllungj Tägl. Anstich des„UrbockH Bockbier-Jubel u.Trubel.l Ausschanlc: Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Batinee von 12-2 Uhr. Berliner BJIk-Trio. Felix Scheuer U Strsluaiuitr. 1, MW-TMll. Abends 7V, Uhr: Das Mtze Nliidvl. Operette in 3 Akten von£. iHchibnrbt. Morgen nnd folgende Tage: tDas suszc Mädel. Sonntag, den 16. März, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: "NN Operette in 3 Akte» von Sidney Jones, . Abends: Das snfze Mädel. Der Cirkus bleibt noch kurze Zeit! nur S Cirkus Alb. chumann. Heute Dienstag, 11. März: abends präcise 7»/, Uhr: Vr.snssvrvräsnlllelieVorstoUiiilg. Zweites Auftreten des Amerikaners 31 p. Cheutep mit seiner staunen- «rrcgcndeu Itz'oiole-'l'pvppen- i'nlrpt von einer Höhe von 36 Metern. l.'bou>«ro lumlneuse. In Feuer und Flammen, ausgeftihrt von Frl. vor» Scdumann.— Zleu! Slie Neu! Die 4 Elemente.— I'iisli-»»!!. amerikanisches Sporlsspiel, ausgeführt Von 12 Amerikanerinnen und 10 Herren der Gesellschaft.— liki>liscb. Hengste, Orig.-Dressur des Dir. /Ad. Srbumann. mr Mephisto"im Grobe AuSstattuugZ«Pantomime Vom Hofdallettnieistcr A. Siems. 600 Mitwirkende. 2 Musikcorps. Album- uleilerwarenfabrik Oskar Gundau Oranlcn- Strasse Ko. 30 Adalbert-Strabe. Ecke tS) Ojftten Verwandten, Freunden und Bekannten die tieftraurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder und Schwieger- söhn, der Bildhauer und Zeichner RZelikU'Ä Uleyer nach langem Leiden am Sonntag, den 9. März 1902, abends V-S Uhr. saust entschlafen ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. März 1902, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Centralkriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 3627L Im Namen der Hinterbliebenen: Anna Meyer. Otto Meyer. Schlestschestr-36. Centrslvereiiidiiliaoer Deutschlands. Am Sonntag, de» 9. März, abends r/z6 Uhr, verstarh nach langem Leiden unser Mitglied, der Holzbildhauer und Zeichner Kiedarü Meyer. Seine langjährige Mitgliedschaft und eifrige Thätigkeit für den Verein sichern ihn: ein dauerndes ehrendes Aiidenken. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Ccntral-Fricdhofs in Friedrichsselde aus statt. Nu» zahlreiche Beteiligung bittet 20/6 Der Vorstand. Achkung!'WS Artztung: Arveitervertreter-Berein. Donnerstag, 13. März, abds. 8�s Uhr, im GewerkschaftShauS Stück für 10 Pf. Ipfn Albrechts nuckereien: Wraiigelstroye 9, Krantstraye 11», Fnlkensteinstr. 28, Lansil, erste. 2. Invaliden- Fahrräder (Kranken- sebstfahrer) mit Hand-, Fub- oder Motorbctrieb, für Fiifsgelähnite jeder Art, serner Krankenfahrstühle sür Zimmer und Strabe, fabriziert als Spccialität: Louis Krause, Fahrräderfabrik, lelprlg-Gohll, 24. Katalog gratis. Grobes Lager. Bereine! 1. Lsierstiertog: Saal frei geworden. 10341)* Klobhaus�Trnhe�r?? Dienstag, 11. März. abds. 8»/, Uhr, Germania Brauerei, Frankfurter Allee 63: 10876 DHisträtions-Vortraü. + Der Naturheilkundige m II. ülUller, Gr. Frank->MW furterstr. 87, spricht über■ die Heilbarkeit der Lungenschwindsucht, der Tuberkulose und Krebskrankheiten. Herren und Garnen Fintritt frei. MuMer Dolzarbetter-Nerbattd. Zahlstelle Charlottenbnrg. Am 7. März starb unser altes Mitglied August Holl. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Marz, nachmittags W2 Uhr, statt. 80/15 Ehre seinem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht Die Drtsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dab unser lang- jähriger, stets bewährter Rendant Franz Staudinger nach kurzen», aber schivercni Leiden am 9. d. M. sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, de» 12. März er., nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des St. Petri- Kirchhofs, Friedenslr. 84, aus statt. 1099b Im Name» der trauernde» Hinterbliebenen, der Beamte»»nd des Borslandes d.Orts-Krankenkassed. Tapezierer- Gewerbes zu Berlin. Das Kassenlokal ist an diesem Tage von 3 Uhr ab geschloffen. Allg. Kraiiktil- il.Stttbekajse kt bentldjen DreWer und deren Ber»fS,ir»osscn. (E. H. 86 Hamburg) Bezirk G. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Moritz Wisotzky am 8. März verstorben ist. Die Beerdigung findet an» Mittwoch, den 12. ds. Mts., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Krcuzkirch- hoscs in Mariendorf aus statt. IlOlb_ Der Vorstand. Mittwoch, den 18. März 1002, abends 8 Uhr, bei dauuasehk, Jufelstrafte Nr. 10: Grosze öffentliche Versammlung aller Kleber Berlins und Umgegend. Tages-Ordnnng: 1. Die Mahnahmen der Innung gegen unfern Streik. 2. Der Stand des Streiks. 3. Diskusston. 177/12 Die Lohnkommission der Kleber Berlins und Umgegend. Die Sektionsleitung der Kleber des Verbandes. I. A.: Georg G'AvIa, Kulmstr. 26. Central-BtthM kt Töpfer. Mittwoch, de» 12. März, abcndö v'/s Uhr, bei Stsokenl, Andreasstr. 21 UM' ¥ersaiiimliing aller zun» Organisations- Gebiet Berlin gehörenden Kollegen. Tages-Ordnnng: 1. Arbeitslosigkeit, deren Folgen und wie können wir dieselbe» mildern 2. Bericht über vorliegende Lohnstreitigkeitcu. 3. Gewerkschaftliches. Zahlreichen Besuch envartct_ Der Vorstand. Arbeiter-Bildnngs-Schnle. Sonntag, den 16. März 1902: Dichter"Abend (Sociale Dichter) im gr. Saal des Gcwerkschnftslianses, Engel-Ufer 15. Mitwirkende; Herr Dr. Rnd. Steiner(Fest-Vortrag), Herr Dr. Franz K ah lo(am Flügel), Frl. Betsy Schot(Sopran), Herr Emil Severin(Baryton), Herr Engen Alba(Eecitationen) Eröffnung 6 uhr. Nachher: Tanz. Billets a 50 Pf, inkl. Programm und Garderobe sind in den Zahlstellen, in der Schule und an der Kasse zu haben. An: 8. b. Mts. verstarb nach kurzer Krankheit unser lieber Kollege, der Knssenreiidant Ulis im 58. Lebensjahre. 10S5b Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, auf dem Petri- Kirchhof, Friedenstrahe 84, statt. Ehre seinem Andenken! Verband der Verwaltungsdeamten der Orta-Krankenkassen u. Berufs Genossenschaften Deutschlands. Beiirksgruppe Berlin-Brandenburg Verband d. Textilarbeiter n, Arbeiterinnen Deutschlands Filiale II. 10906 Sonntag, de» 9. März, starb unser Mitglied Emil Pähl im 46. Lebensjahre. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag �5 Uhr von der Leichenhalle des /akobi-Kirchhofes(Ripdorf, Hermann strahc) aus, statt._ Danksagung. Für die herzliche Teilnahme am Grabe meines lieben Baters sage allen seinen Kollegen ineinen herz- lichsten Dank.> 1103b Hertha Kadolph, Unireni unvergeßlichen Kollegen und guten Meister 1090b Sinil Puhl welcher i» treuster Pflichterfüllung, in jeder Weise, und guter Kameradschaft »11S allen ein Vorbild war, werden wir stets ein gutes Andenken be- wahren. Tic Kollegen und Kolleginnen der Firma G. L. Bredereck. Orts-Krankcnkasse d. Sattler Berlins. Sonnabend, den 8. März, verstarb daS Mitglied 270/20 Eduard Kranke (Werkstatt Karl Trenne r). Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12., nachmittags 4 Uhr, vonAer Leichenhalle des St. Joha»nis-�p:h- hoses in Plötzensee aus statt. I. A.: G. Abmann. Deutscher Duchhinder- Verband Zahlstelle Berlin. Morgen, Mittwoch, de» 12. März, abendS 8Vs Uhr: fySitglüedei*- VersammSung im Gewerkschaftshaus, Saal I. Engel-Ufer 15. Tagesordnung: 1. Tie Bedeutung des 1. deutschen Gewerkschafts- Kongresses. Referent: Kollege E. Brückner, 2. Borschläge von Kandidaten zum Koiigress. 3, Abrechnung vom Silvester-Bergnügen. 4. Abrechnung von den Urania- Vorstellungen. 5. BerbandSaugelegenheiten und Ver- fchiedenes. 23/11 Zahlreiches Erscheinen erwartet Tie Ortsverwaltnng. Sonnabend, den 22. März, in Unni» Kellers Festsäle», Koppenstrasie Nr. 2S: ZV. Stiftungsfest Nonzork.— Festvede. »44 Auftreten des Berliner„Ulk- Trio Stachdem: vrosser Lall in beiden Sälen.| Herren, die daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Billet 20 Pf. 23/1 l Ansang 8V2 Uhr. Billets find in den Zahlstellen, bei den Vertrauenspersonen sowie in UN serin Bureau, Engel-Ufer 15, zu haben. D. O. Mittwölh, IL. März, akwk S1!« Nhr, Märkischer Höf, + Adniiralstr. 18°: Kmen- Artrilg TT Wie retten wir unsre Jugend vor Gefahren der leiblichen «nd seelischen AnstecklingSkraukheiten? Vorgetragen an Lichtbildern vom prakt. Naturheilt. Cirnndmann. Gäste, Frauen, willk. Eintritt 20 Pf., 1 Broich. Naturheilverein Reform, Franen-Sprechst- Kuranstalt, Köpnickerstrasse 72 13-3, O- Koppenstr, 29. jftfr" Jeden Dienstag:-MG Norddeutsche Sänger (Fnhrninnn, Horst, Walde). Anfang 8 Uhr. Eiftree 50 Pf. 34948* Nach jeder Soiree: Faulilieu- Kränzcheu. — Bons haben Gültigkeit.— Jeden Mittwoch: Derllner Protcr, Kastanien-Allee H. Wahlkreis. SMMmMrMcher Mahlverein für den Ii. Berliner Reichstags Mittwoch, 12. März, abends 8Vs Uhr, im Königs Hof, Bütowstr. 37—40: Vetlnttttnlnng. ISi Tages-Ordnnng: 1. Vortrag vorn Genossen Dr. Eeo Arons:„Welche technischen Ausgaben stellt uns die Beteiligung an de» preußische» Landtagswahlen. 2. Diskussion. 238/5 Zahlreichen Besuch der Mitglieder erwariet Der Vorstand. III. Mahlkp«,«. DicnSiag, 11. Versammlimg des Wahtvereins. T a g e s- O r d N u n g: Vortrag des Genossen ilaNski über: Die Legende vom socialen Ber- ständnis des Bürgertums. Diskussion. DG?- Gäste haben Zutritt.-GBG Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. März, abends 8'/» Uhr, bei Herrn Fenersteitt, 'Alte Jakobstrafte 75: Nrhknnq: i Dienstag, Nchkuttg! lS t�llS-Sjtj. März, abends 8 Uhr, in der den 1t „Urania", Wrangelstr. 11: Uolks-Uersammlnng. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag der NechtSpraktilantin Frau Natalie Fachs über: „Mängel in der Berliner Armenverwaltnng". 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen, ersucht 1/8 Die Vertrauensperson. DM- Dienstag, den 18. März findet bei Stechert, Andreasstraße 21, eine Versammlung mit derselben Tagesordnung statt. Achtung!"WD jptF* Achtung! SotialdemMrMcher Uerew im 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. DicnSiag, den 11. März, abends 8Vs Uhr, in LeydeckerS Salon, Sophienstrafze 34: Krosss Ver8ammtmlg. Tages-Ordnnug: 1. Die Thätigkeit der Socialdemokrotic im Stadtverordneten-Kollegium. Referent Reichstags-Abgeorduetcr Wllh. PFannhneh. 2. Diskussion. 3. VereinsangelcgcnHeitcn und Verschiedenes. 845/4* DU?- Zu dieser Versammlung sind alle socialdemokratischen Stadt- verordneteu-Wähler extra eingeladen. ES ist daher Pflicht der Mitglieder, zahlreiä) und pünktlich zu erscheinen._ .TS Ii ii n er als(xttste svlllhoinnien.-TJfltg Der Vorstand. Sociaidemokratischer Mahlverein für den V. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Heute, Dienstag, den 11. März, sabrndS 8'/» Uhr: Vevi'QMtttlung"WW in Raabe'S Salon, Kolbergerstrafke Nr. 23. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Robert Schmidt über:„Welche Reformen erstrebt die Socialdemokratie innerhalb der bürgerlichen Gesell- schaft?" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 219/8 Gäste haben Zutritt; besonders sind die Frauen zu dieser Ver- sauimlung eingcladenfnud werden sür dieselben als Zuhörerinuen die Gascrien reserviert Der Vorstand. Tocioldcmokrat. Wahlverein. Kixeßvi''ka Mittwoch, de» 12. März, abends 8Va Uhr, im Lokale deS Herrn Milnaer, Knesebeckstr. 113: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnnng: 232/3 1. Vortrag des Herrn Dax Schutte;„Preußen unter Friedrich Wilhelm IV.* 2. Diskusflon. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Vereins- angelegcnheiten, Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sclmrlg Dresdener Strasse 1%8. 50 Zeitungen u. Journale, 2 Billards. a�rfrioPf.« Dr. Simmel, Prinzenstr. 59. Specialarzt für 11/13* Bant- nnd Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Deutsch. Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 13, Zimmer 1—3. Fernsprecher: Amt VII, 333. Sonntag, den 16. März 190Ä, vorlllittags 10 Uhr: Anßerordentliche Generat- Versammlung bei Buggenkagen, am Moritzplatz. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Maifeier. 2. Wahl eines Bibliothekars. f u dieser Versammlung werden keine Laufzettel verschickt. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. ahlreichen Besuch erwartet DI« O risvetwaltung. 112/13 Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vertvaltniigsstellc Berlin. Burea«: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Ami VIR, 353. Mittwoch, de» 12. März, abendS 8 Uhr, im GewerkschaftShauS (Saal 5) Engelufer 15: Versammlung der Mechaniker, Uhrmacher u. Optiker. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Genossen Waldeck Manasse über:„gerttünimcrte Götter". 2. VerbandSaiigelegenhctten. 112/12 Da zum zweiten Punk',.ber Tagesordnung wichtige Fragen erledigt werden müffcn, ist das Erscheinen aller Kollege» dringend erwünscht. Mittwoch, de» 12. März. abendS SV, Ithr, im grohe» Saale deS GcwerkschaftShnuseö, Engelufer 15: Ver8ammIu«A d«r hiiiitlvr und Di-üekei'. Tages-Ordnung: 1. Die Gefährdung der Gewerkschaftsbewegung durch die neue Recht- sprechung. Referent Reichstags Abgeordneter Wolfgang Heine. 2. Tis- knsflon. 3. Neuwahl der Branchenvertreter sowie der Agnationskommission. 4. Berhaiidsangelegenheitcn. Es ist die Pflicht aller Kollegen, für regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Mittwoch, 12. März, abends Ws Uhr, im GewerkschaftshanS (Saal VII) Eugelnfer 15: Versammlung her Drahlarketter lTchloßtr, Nahler, Cefltchtsspiililtr uub Hilssilt'btiter). Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Dislussion und Berbandsange- legenhetten. Zahlreichen Besuch erwartet Die Drtsvervaltnng, MiiMkr Dlffrbeiter-Nkrblind. Achtimg, Stock- ttud Cetlttloidarbeiter! Mittwoch, den 12. März er., abends 8 Uhr: luszerordeutlieke Sraneken-Versammlung. im Englischen Garten(oberer Saal), Rlexanderstr, 27 e. Tagesordnung: 1. Der Generalv erj a»im lungs-Befchluß über die Extrabeiträge. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. L0/16 De? Obmann, Betriebswerkstätte«« Knabeii-IConfektion 2. Uehnnk 3. Masse 206. Jlftl Preusj. Lotterie. Ziehimg vom 10. Kür* 1902,«ormItl°gS. WUl dl» Vewttlne über 172 iW, NNO den beirejfendß» in Klammem beigefügt. lOhne Gewähr.) 'K 223 72 324 35 39 487 685 734 91 1135 15 4-'6 4o6 99 563 72 846 61 950 76 2223 346 582 625 ®0p8 401 73 530 4124 294 711 55 74 977 81 5014 17 5 80 956«103 28 29 57 /9 98 254 481 507 |£;v,8�861 7084 304 517 24 33 91 36 656 737 873 938 "234 600 885 914 35 9068 94 249 52 62 356 434 767 946 /_.*0014 45 139 71 353 442 87 562 687 822 930 90 1|1132« 62 409 42 660 704 45 58 1 2036 6« 88 95 97 225 99 506«20 29 788 1300] 13018 162 87 544 59 620 {*792 939 1 4318 1300] 434 535 629 806 14 34 1 5008 Bio 254 599 870 S54 917.<0 IS, 57 422 807 708 �« 17204 311 55 572 689 765 912 1S280 530 610 «9 845 1 9098 221 338 573 672 721 351 81 949 87 -o- 20099 427 30 635 59 703 14 68 21157 263 305 686 626 857 64 949 2 2310 61 603 45 75 882 90 2 3085 981292 330 04 400 59 78 91 647 82 700 34 36 082 929 24068 104 395 409 538 57 618 818 89 908 2 5223 50 «w 8? 867 2 6012 114 52 228 54 558 1300] 610 88 720 SS 8ÜJEi.77045 427 48 550 781 28044 338 571 900 78 2 9046 59 527 795 923 70 83 117 287 37» 435 541 699 824 913 58 81';>2 256 433 670 3 2040 118 82 208 28 82 83 608 724 Si 813 916 58 3316-1 93 271 308 508 814 19 87 3 4037 2» IN 60 043 66 719 49 3 5006 40 119 85 331 416 607 «9 13001 760 805 903 3 6017 60 132 64 260 13001 771 S2? rSX?,18'02 18 288 455 76 86 597 681 858 3 8386 461 11000] 625 86 766 844 39155 749 40071 227 64 319 33 433 54 81 551 635 56 750 »1028 264 338 90 514 77 83 656 69 712 19 830 995 »2234 42 67 334 475 826 974 4 3207 400 84 565 718 «15 983 44206 49] 646 90 718 97 871 909 45129 454 C88 93«54 731 55 985 ,46028 139 52 08 400 31 62 654 « 712 47149 97 209 63 95 349 96 829 4 8055 110 473 98 953 83»2« 62 90 49128 33 281 306 37 539 693 760 50003 118 282 364 578 668 731 90 827 63 89 939 <51068 103 238 323 60[3U)I 413 31 545 739 68 SO 887 »19 52157 406 91 821 22 31 43 903 17 53300 77 508 750 84 901 98 54081 ISS T.jS 809 11000) 927 42 «5026 207 76 519 81 634 744 46 58 052 5 6003 14 45 «73 371 41d 633 42 837 830 57206 55 83 320 414 549 «B 58088 122 72 218 407 745 881 959 5 9078 83 257 70 424 95 551 662 78» 824 928 56 «0018 203 23 3» 85 399 503 5 650 72 741 904 93 299 425 529 695 899 904 62184 264 494 582 701 16 86 98 980 6 3006 145 50 209 68 506 59 64[3001 881 64196 417 743 863 996 6 5031 114 84 53 824 921 66029 116 67 97 484 99 556 93 673 922 82 67159 215 494 565 625 6 8038 363 423 744 925 6 9012 73 195 258 452 85 645 70111 93 267 387 513 86 611 45 710 879[3000] 904 71065 129 89 99 279 559 658 705 882 72114 57 85 234 447 556 7 3252 99 332 91 602 951 56 7 4081 159 .724 860 75191 459 526 95 758 916 91 76106 19 38 ?262 76 475 13001 571 647 85 999 77156 66 74 467 79 660 702 50 828 65 901 30 45 7 8039 51 59[300] 63 296 670 771 98 927 76 88 79194 230 50 57 392 475 579 6(59 88 750 80114 60 215 319 538 57 649 723 86 914 8 1 048 63 91 207 110001 61 683 818 84 918 82114 37 82 496 8 3005 118 70 92 314 456 840 8 4002 119 92 98 562 805 8 5198 209 41 69 334 83 473 833 60 96 8 6257 319 20 430 56 96 539 671 706 51 61 882 904 87038 1500] 86 406 50 74 590 624 45 91[500] 738 834 8 8319 642 958 904 78 8 9072 110 72 527 93 642 730 898 .»0167 239 401 8 63 95 520 41 637 816 96 994 8 1208 22 309 42 473 600 82 751 92042 46 65 140 51 348 460 655 926 76 9 3010 189 233 43 90 367 490 809[300].50 79 726 67 87 858 9 4029 491 734 92 999 9 5052 211 307 550 803 983 9 6103 219 43 69 314 23 466 626 32 85 761 835 97117 61 99 524 682 92 751 833 89 964 9 8314 92 513 624 65 755 903 34 9 9073 120 65 271 421 553 732 72 80 998 100203 49 302 96 428 73.586 750 93 1 0 1 091 10 32 44 69 309 445 604 783 11,2035 162 68 244 321 422 46 533 791 103012 77 620 93 WS 32 903 10 004098 218 35 98 305 572 675 769 933 1 05049 224 35 51 313 47 65 647 736 916 27 38 1 06167 335 441 889 821 48 905 1 07275 496 808 61 935 65 1 08138 421 57 501 672 842 89 1 09023 366 97 648 58 727 892 78 81 923 80 110079 386 455 577 98 653 730 876 975 111052 202 13 641 749 58 82 837 924 112049 63 150 74 324 48 51 89 414 574 88[300! 946 113090 505 84 775 830 114123 25 32 49 322 599 938 115010 372 87 444[300] 64 853 937 69 116011 108 438 501 767 816 96 961 66 117035 91 III 27 63 248 332 31 536 Gustav Laaser, Berlin n., Brunnenstraese 84. Knaben- Anzüge, Paletots, in grösster Auswahl, nur allerneueste Fa?ons, elegantester Sitz. Tadellose Verarbeitung Eingesjndte Stoffe verarbeite Anfertigung nach Mass in kurzer Zeit. zu billigsten Preisen. Jünglings-Anzüge nur Gesellen-Arbelt. 919 1180.37 T24 5.3[10 0001 436 599 801 936 119270 78 369 574 801 120052 lv.6 52 238 58 393 671 73 1 2 1 037 46 72 10k 479 538 733 839 906 25 1 2 2036 344 499 514 757 807 19 44(3000) 12 3200 27 322 402 10 613 12 4029 31 184 241 42 57 62 80 337 73 86 475 85 574 683 70 87 89 708 32 49 817 952 76 1 2 5036 599 636 95 755 859 1 2 6016 63 340 417 520 650 737 830 39 992 93 127003 22 61 77 234 318 416 60 538 934 1 28011 72 165 272 411 78 553 833 971 12 9008 123 374 407 655 99 767 805 18 31 991 130002 46 175 241 71 99 483 954 1 3 1004 205 441 83 564 702 837 68 84 96 943 1 32070 145 92 262 67 329 634 86»17 1 3 3 043 112 376 499 773 96 805 27 963 134025 215 19 301[3001 885 1 3 5013 228 378 413 57 959 1 36031 202 66 461 641 835 917 59 137177 210 418 597 772 84 808 911 42[300) 59 138304 29 517 734 981 139155 267 502 86 800 37 921 140211 302 795 810 21 932 1 41101 13(3001 201 308 59 63 520 840 1-5001 30 69 142055 94 142 205 64 607 722 1*3286 335 515 646 79 999 1 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In der Liste vom 10. MSrj vorwiltagl lieg »1573 ftctt 91 473. Jedes Wort.- ff[eine AnzeiaBn, Wort fett. Worte mit mehr als Ä iS � � mam AI wv« �" Buchstaben zählen doppelt, JBBA JV 'Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, itt der Ilanptexpedition Beuthstr,3 bis 4- Uhr an gen om m en. 'sie A rden ÄX (in m Velrestanrmit»eifnuft Fiimilic»- BeifiSIlnifie hnlber Loilsitzerplatz 13. 917= iKeiiautnUon pockerstraße 40. z» berkmtscit 10216' Restaiirnlioii verfällst fttnstc 53, Zeidlcr. TreSckow- fCO* Borjiilirilie elenitiile Herteiilwseit ans seiiisleu Slosscn 9—12 Morf. Verfalls Sounabeitd itnd Soiintag. Dersoiidhaos Aermania. Hitler den Linden 21, II._ 1030SV <«ur»fro6nif)mtö Ackiillco. Onrosjc Kronfsurterstraste 16. Elegante Herren: und Äitadeio.Garderobc», Sport- und BerusSbelleidung, verbiinde» mit eleganter Maganfertigimg. 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Eckert, Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen, Friedrichsbcrg. und 8cb,-epp, Berliner Modellsabt ik, Kastanien- Allee.Sacbinann, Eiscngiesterci, verläitgcrte Huttenftraste. sind samt- liche Modelltischler ausgesperrt. Der» Modelltischlereien Karsiboliz, Oronieuftr. 25, IHctrlch, Ebauffee- straste 52, und»nrbe, Wafferthor- straste 30, sind Aufträge aus der „Union" zugegangen. Znzng fernhalten? Lerantivortlicher Redacteur! Carl Leid w Berlin. SM deu Juferattnteil verantwottlich- Th.«locke m Berlm. Druck und Verlag von Mar vading i» B«lm./ flt. 59.(9. hmt. 2. KeilGt hes„Alllilirts" Lttlim MsblM. ZiMG.«. Mt! l9vz. Tchennenviertel, Stadt und Wohniiiigsnot. Magistrats offiziös wird berichtet:„Die Beseitigung des Scheimenviertels und die Verlängerung der Kaiser Wilhelmstraste bis zum Prenzlauer und Schönhauserthor ist im Princip von, den höheren Staats- behörden nach den Plänen des Stadtbaurats Krause genehmigt Iverden. Es wurde dabei die Frage aufgeworfen, ob für die Unterbringung der B e w o h it e r' dieses Stadtviertels gesorgt werden könnte. Die Frage kann dahin beantwortet werden, dast die vollständige Beseitigung des Scheunen- Viertels noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird und n n r nach Mastgabe der Mittel ins Werl gesetzt werden kann. Der städtischen Baudeputation II und dem Magistrat liegen zur Zeit Pläne vor, die geeignet erscheinen, die Frage der. Wohnungsnot" sehr bald zu beseitigen. Mehr als ein Dutzend neuer Strasten sollen allein im Nordwesten, Moabit zc. in dem städtischen Bebautings- plan aufgeworfen werden. Die grasten Gelände der Schwartzkopffschen Maschinenfabrik in der Chaussecstratze, der Borsigschen Fabrik in Moabit, der Judenwiese und das Gelände an der Jungfern Heide sollen jetzt der Bebauung erschlossen werden. Die Bau gcsellschaft, die das Terrain zwischen der Stromstrahe, der Straste Alt-Moabit, der Strohe 30, der Levetzowstraste und der Spree er- worden hat. beabsichtigt sieben neue Ströhen und eine neue Brücke im Zuge der Flensburgerstraste und der Straste 30» auf eigne Kosten anzulegen, bezw. erbauen zu lassen. Der Inhalt dieser Notiz ist natürlich, dast die Stadt Berlin auch später nicht die geringste Lust zeigen will, der Wohnungsnot zu begegne». Bei der Bekundung dieses antisocialen Empfindens macht sich der Hinweis auf die Bebauung des Borsigschen Grundstücks besonders hübsch. Die Aktiengesellschaft, welche das Gelände erworben hat, brennt förmlich darauf, hart am Tiergarten A r b e i t e r iv o h n n n g e n zu errichten. Ist es Thorhcit oder Frevelmut, die solche Meldungen in die Oeffentlichkeit lanciert? Et» Kulturbild. Die.Gesundbeter" treten wieder an die Oeffentlichkeit. Die Anhänger der Mrs. Eddh und ihrer Lehren habe», aus der Aula des Falk-Rcalgymnasiunis vertrieben, sich ei» eignes Lokal in der Steglitzerstr. 3S für ihre Versammlunge» gemietet, deren erste am Sonntag stattfand. Etiva 50 Personen, meist elegant gekleidete Dame», einige alte Herren und einzelne Neugierige hatten sich zu der.Gemeinde- Andacht" eingefunden. Am Eingang zum Lokal, einen» Tanzsalon, bekam jeder Besucher von einem„dienenden Mitgliedc" ein Gesangbuch der Scientisten- Gemeinde geliehen. Lieder mit Harmoniumbegleitnng leiteten die Feier ein. Ein älterer Man» bestieg eine improvisierte Kanzel und verlas eine Anzahl von Stelle» ans dem Alten und Neuen Testament, die zum Teil auf Gebets- Heilungen Bezug hatten. Darauf verherrlichte ein Fräulein Bruns die iverkthätige Liebe, wie sie sich besonders in der Cbristiimscionco offenbare. Eine Solistin trug dann ein geistliches Lied vor. Vom Gesundbete» war, wohl nicht ohne Absicht, bei der Feier fast gar nicht die Rede. Dagegen hatte man das Einsammeln freiwilliger Gaben nicht vergessen. Nicht blast Nickel, sondern auch Thalerstücke flösse» in das Samtkörbchen, welches vom„dienende» Mitgliede" herumgereicht wurde. Bezüglich der SchuluntcthaltnngSkosten wurde in der letzten Sitzung des EtatS-AusschusscS an den Kämmerer M a a h die Frage gerichtet, ob die Zeitnngsnachricht richtig sei, nach welcher die Stadt der Gemeinde Meitze nsee einen Zuschuh von lb 000 M. habe zahlen müssen. Stadtrat M a a st erwiderte darauf, dast unsre Vorort- gemeinden zwar Klage gegen die Stadt Berlin wegen Erstattung von Schnlnnterhaltungskosten erhoben hätten, dast die Gemeinde Rix- d o r f aber mit ihre» Forderungen abgewiesen lvorden sei. Der Prozetz mit Adlershof schwebe noch, wie es mit Weihe»see stehe,.könne heute noch nicht gesagt iverden, soviel stehe indes fest. dast ein Betrag von IS 000 Mark nicht gezahlt worden sei".— DnS letztere ist etwas dunkel I Die Eröffuuug dcö Hochbahubctricbcö auf der Wcststrecke ist am heutigen DienStog früh mit den beiden Zügen S Uhr 56 Min. ab Potsdamer Platz und 5 Uhr 42 Min. ab Zoologischer Garten erfolgt. Zunächst ist ein Zehn- Minnten-Verkehr vorgesehen, später soll die Zugfolge in den verkehrsreicheren Stunden verdichtet iverden. Die im Betriebe befindlichen Hoch- und Untergrundbahn-Strecken haben jetzt eine Gesamtlänge von rund lO1� Kilometer, auf welche 1,7 Kilometer Tunnelfahrt sNollendorfplast— Zoologischer Garte») entfallen. Die östliche Teilstrecke(Potsdamer Platz— Stralauer Thor) ist etwas über 6 Kilonieter, die westliche etwas über 4l/4 Kilonieter lang. Die Fahrpreise auf der Weststrccke betragen für die ganze Tour in III. Klaffe 10 Pf., in II. Klasse 15 Pf. Im Kriminalgerichtö-Gebinide gelang es gestern einem ge- fährlichen Diebe, der aus der Strafhaft in Plötzensee der dritten Straskaiiimcr vorgeführt worden war, die Freiheit zu erlangen. Der Arbeiter L ü ck, der eine längere Freiheitsstrafe zu vcrbüstc» hatte. war aus Plötzensee ohne Gefangenenkleidnng, mit Stiefeln und Kopf« bedeckung vorgeführt worden, um ein»och schwebendes Slrafconto zu begleichen. Er erhielt eine Zusatzstrafe von acht Monaten Ge- fäiigniS. Nach Erledigung seiner Strafsache wurde ein andrer Häst- ling vorgeführt und Lück' hatte auf seine Abführung im Räume der Anklagebank so lange zu warten, bis der einzige Gerichtsdiener die Zeugen für die nächste Sache aufgerufen hatte. Gleich darauf halte der Gerichtsdieuer einem Kollegen einen Stost Akten auf de» Flur hinaus zu reichen; unmittelbar nebe» der Thür stehend wandte er dieser den Rücken zu. In diesem Augenblick hatte Liick die Thür zum Anllagcraum geöffnet und den Schritt zur Flnrlhür in ruhiger Weise zurückgelegt. Als er dann den Flur betrat, bemerkte er, dast der GerichtSdiener ihm de» Rücken zudrehte; er wandte sich nach der entgegengesetzten Richtung und ivar gleich darauf in der auf dem Wandelgange harrenden Menschenmenge vcrschivnnden. Bisher ist es nicht gelungen, des Flüchtigen habhaft zu werden. Zum Leicheufnnd im Franzoseupfuhl. Die Leiche des er- schlage»-» Dieners wurde gestern vonnittag von dem Kreisarzt Medizinalrat Dr. Elten und Dr. Magnussen geöffnet. Die Acrzte stellten" fest, dast die Schädelhiebe cntivcder von einem Säbel oder einem Faichinenincsscr herrührte». Welche von diesen Waffen der Thäter gebraucht hat, darüber wurde» sich die Aerzte nickt einig! daher trennte man den Schädel des Toten ab, um ihn durch eine gerichlöärztlichc Koniniission noch genauer untersucken zu lassen. Die Obduktion ergab, dast der Tod nicht durch Ertrinlcn, sondern durch die Hiebe herbeigeführt worden ist. Anderweitig ist unterdessen eimiitelt lvorden, dast der 9. Februar der Todestag sein muh, denn Kinder haben schon am 10. morgens a»f dem Eise Blnt- und Gebiruspuren und Fetzen des UeberzieherS liegen sehen. Die Thäter sind uvck nicht ermittelt. Zwei Garde-Dragoner. die am Sonnabend in Gewahrsam genommen ivurden, der Gefreite Schulz und der Briqadcschreiber Schinner, haben ihr Alibi für den 9. Februar nachgewiesen. Schulz, der belastet schien, wurde auch zur Leichen- öffnung herangezogen. Er sah sich die Leiche mit Schanden» au. er- klärte aber, dast er den Toten nicht wiedererkenne. Er bestreitet nicht, mit Gaudin verkehrt zu haben. Aufgefallen war,� dast seine Briefe an diesen mit dem 8. Februar aufhörten. Er erklärt da§ jedoch da- mit, dast er nicht mehr geschrieben habe, tvcil auf seinen letzten Brief die Antwort ausgeblieben sei. Dan» seien auch durch die K-iininalpolizei und Herrn Friedeberg in der Kaserne Nachtragen nach dem Verschwundenen gehalten worden. Er habe daher gewnstt, dast Gaudin auf seiner Stelle nicht mehr sei. Mädchenhandel. In den» Hanse Schönhauser Allee Nr. SO wohnten im zweiten Stock im Hofe seit dem 1. Juni v. I. ein Cigaretteuarbeiter Paul Wiuckler mit seiner Ehefrau Leue geb. Eisen- starck und vier Kindern im Alter von 2 bis 8 Jahren. Es fiel den Nachbarn auf, dast viele Mädchen mit Reisekofferu zu Winckler kamen Der Frau des Hausverwalters, die deshalb nachfragte, gaben Winckler und seine Frau die Auskunft, sie hätten eine ans gedehnte Verwandtschaft ui»d Frenndschast, besonders in Warschau, und bekänltn viel Besuch. Nachden» daS Dienstmädchen vor drei Wochen als geisteskrank uack Dalldorf gebracht lvorden war, hielt sich eine Schwester Winklers bei ihm auf, angeblich zu Besuch, Die Kriminalpolizei ermittelte»»»terdeffeu, dast Winckler durch Inserate junge Mädchen für Stellen im Auslände suchte. Winckler scheint Wind bekommen zu haben, denn seit Freitagmorgen ist er „abgereist". Frau und Kinder hat er hier zurückgelassen, seine Schivester dagegen ist ebenfalls verschivunden. Dagegen nahm die Kriminalpolizei ain Sonnabend in der Wincklerschen Wvhming eine Frauensperson fest, die»»»it einem Mädchen„z»l>n Besuch" gekoinmen war. Diese Frauensperson, die viel Geld bei sich hatte, ist eine Schleppern». Sie wurde auch alsbald in das Untersucknngs gesängnis gebracht, das Mädchen, da? sie von Warschau über Berlin nach Buenos Aires verkaufen wollte. in die Obhut der Polizei ge- nomine»». Die Hauptstation dieser Mädchenhändler war Warschau Von hier wurde die„Ware" über Berlin uud London nach Südamerika geliefert. Ein schwerer Unfall traf am Sonntagmittag a»lf dem Schlesi- scheu Bahnhofe die Witwe des Spediteurs R e i g e l i n aus Rixdorf, Saalestr. 3. Als die zieinlich bejahrte Dame den Wagen verliest, glitt sie auf dem Trittbrett aus und fiel so unglücklich auf den Bahn- steig, dast sie besinnungslos liegen blieb. Man brachte die Bedauerns iverte sofort nach der nächstgelegenen Unfallstation, wo eine schivere Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Der Arzt ordnete sogleich die Einliefenmg in das Krankenhaus Friedrichshain an, wo sie zur Zeit die Besinniing noch nicht wiedererlangt hat. Ein«nvcrbcsscrlichcr Einbrecher und Gelege», heitsdieb ist in der Person eines eheinaligen Hausdieners Albert Nickel, der erst am 16. Januar das Zuchthaus Verlaffen hatte, von der Kriminal Polizei wieder festgenommen worden. Der 28 Jahre alte Mann nahm gleich nach seiner Entlastung sein verbrecherisches Treiben »vieder auf uud legte auch zum Teil ein Geständnis ab. Zu einigen Sachen, die man bei ihm fand, sind die Eigei»tün»er»och nicht bekannt, so zu einem ledernen Cigarrenetui mit Blmnenstickerei und einem verschlungenen doppelten K und einer schwarzen ledernen Briestasche, die ebenfalls mit Stickerei geschmückt ist. Autzerdem ver- setzte Nickel schon am 18. Januar einen gestohlenen Sommerüberzieher. am 22. einen blauen und am 2S. einen sckwarzen Wintcrnberziehcr, am 27. Januar eine Remontoiruhr mit der Nr. 72 096, am 8. Februar eine silberne Herren-Remontoirnhr Nr. 3l20 und am 28. Februar eine silberne Cylinderuhr Nr. 26 171. Auf der Lokomotive gestorben ist am Sonnabendabend der 25 Jahre alte Hilfsheizer Richard Bieberstein aus der Liebigstr. 16. Als der Zug Nr. 1791 sich um Mitternacht zwischen den Bahnhöfen Friedrichsträtze und Börse befand und sich diesem näherte, fiel Bieberstein neben dem Lokoinotivführer plötzlich um und blieb regungslos liegen. Der Führer, der nun die Heizung mit zu be- sorgen hatte, bewahrte seine Ruhe und sorgte für Hilfe, sobald der Zug auf dem Bahnhofe hielt. Mehrere Beamte trugen den beivustt- losen Heizer in die Wartehalle uud zwei Aerzte bemühten sich eine halbe Stunde lang, ihn ins Leben zurückznrnfen. Ihre Bemühungen hatten jedoch keinen Erfolg, ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Ein schwerer Einbrnchödiebstahl, bei welchen, die Diebe mit ungewöhnlichem Raffinement vorgingen, ist in der Nacht zum Son»� tag in dem an der Ecke der Kulm- und Göbenstraste belegenen Warenhause von Max Meier verübt worden. Um ihre Beute im Werte von ca. 4000 M. fortschaffen zu können, ohne dast die in der Nähe an» Mansteiuplatz postierten Schutzleute hiervon ettvas bc> merkten, wandten die Einbrecher einen ganz eigenartigen Kniff an, um die Beamten aus der Nähe des Hauses fortzulocken. Die Einbrecher- bände, ivelche aus etiva sechs bis ackt Personen bestand, erbrach mit einein Stemmeisen die von» Hausflur nach den Geschäftsräumen führende Seitenthür, eigneten sich das TranSport-Dreirad der Firma an und beluden es mit Stoffballen, Wäschepakcten nsiv., während sie wertvollere Gegenstände in ihren Taschen versteckten. Um die Polizeibeainten und Strastenpastanten aus der Nähe des Waren Hauses fortzulocken und die Anflnerksamkeit auf sich zu lenken, nahmen drei Teilnehmer, die sich angetrunken stellten, in einiger Entfernung Aufstellung, gerieten dort scheinbar mit einander' in einen lauten Wortivcchsel, der in Thätlichkeiten überzugehen drohte. Natürlich entstand sofort eine graste Menschenansammlung, Schutz leute und Wächter schritten ein und versuchten die Zankenden aus- einander zu bringen, ivas ihnen auch nach einigen Bemühungen ge- lang. Inzwischen hatte» die in den Mcherschc» Geschäftsräumen befindlichen Komplicen die Rolljalmisie des Haupteingangs empor gezogen und konnten durch diesen mit ihrer reichen Beute unbemerkt entkommen. Eine gewaltige Gasexplosion versetzte gestern die Bewohner des Hauses Ackerstr. 16 und die Nachbarschaft in Schrecken uud ver letzte mehrere Personen. Im ersten Stock wohnt die Hausivirtin Witlve Lüdeke»nit ihrer Schivester, einer Witwe Ticle, und einer Tochter, deren Mann sich augenblicklich in London aufhält und die ein fünfjähriges Kind bei sich hat. Gestern morgen um 7V« Uhr ivollte die betagte Frau Thiele in der Küche auf der Maschine auf einem Gaskocher Wasser zum Kaffee kochen. Sie drehte den Hahn a»f und hielt ein brennendes Streichholz an die Oeffnung. In demselben Augenblick gab es einen furchtbaren Knall und Feeiersäulen schössen zu den Fenstern hinaus. Eine Menge Gas, das sich in der Küche angesammelt hatte, war explodiert. Frau Thiele war anfangs wie gelähmt. DaS Kopfhaar ivar ihr vcrscngt, das Gesicht, beide Arme und Hände schivcr verbrannt. Die Tochter der Wirtin, die mit ihren» Kinde in» Nebenzimmer schlief, blieb unversehrt, während dem Kinde das Haar verbrannte. Frau Lüdeke brach in» 3. Zimmer mit dem Bett zusammen, ohne ernstlichen Schaden zu nehmen. Die Hausbewohner eilten zum Teil in ihrer Nachtkleidung hinaus. Alle.hatten das Gefühl gehabt, dost das Haus sich hob, und glaubten, es»verde in sich zusanuuenstürzen. Der Gewalt des Luftdrucks entsprachen die Berivüstungen. In der Wohnung der Hausivirtin flogen die Thürcn anS dem Mauer iverk heraus, sämtliche Fensterscheiben ivurden zertrümmert. Die Möbel, selbst ein schweres Büffett stürzten um. Die Decke hob sich um zehn Ccntimeter und würbe durchschlagen. Selbst im 3. und 4. Stock sprangeu die Thüren aus den Rahnien. Im Keller wurden die Fensterscheiben ebenso eingeschlagen ivie am ganzen übrigen Hause. Auch au den neben und gegenüberliegenden Häusern ivurden viele Laden- und Fensterscheiben zcrtrüimnert. Fünf Minuten nach dem Unfall erschien die Feuerwehr. Während die Samariter und Aerzte aus der Nachbarschaft sich nach den Verletzten umsahen, räumten die übrigen Maiiiischaftc», die Trümmer auf und sicherten das schwer beschädigte Haus durch Absteifungen gegen Nach- stürze. Das Haus wurde polizeilich gesperrt. Die Eigentümerin mnstte mit ihren Angehörigen ihre Wohnung räumen und eine Hof- Wohnung beziehe»». Fcuerbericht. Montag früh SV» Uhr wurde die Wehr nach der Prenzlauerstr. 18 gerufen, wo in einem Keller Gerümpel und Ber- packungsmntcrial Feuer gefangen hatte. Kurz vorher war in der Sebast'ianstr. 2 Müll und eine Holzivand von cinein Bretterschuppcn in Brand geraten. In der Nacht zun» Montag brannten in der Adalbcrtstr. 99 Tische. Jnnnoblieu und Kleidungsstücke in einer Küche, Es gelang jedoch, das Fcuer noch im Entstehen zu unterdrücken. Sonntagabend kurz nach 8 Uhr kam in der Schillingstr. 30 in einer Mansardenwohnung ein größeres Fcuer aus. Die Wehr hatte hier längere Zeit mit einem Rohre Wasser zu geben, um den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Vonnittags 5 Uhr niustte in der Koblankstr. 11 ein kleiner Dachstnhlbrand abgelöscht werden, während in der Dunckerstraste 18 Gerümpel und Packniaterial in dem Lichtschachte eines Kellers Feuer gefangen hatte. Eii» ähnlicher Brand mustte Sonnabendabend gegen 11 Uhr in der Elisabethstr. 49 beseitigt iverden. Vorher gingen in der Cuvrystraste 20 Gardinen, Vorhänge und Kleidungsstücke in Flammen auf, die jedoch noch in» Keime erstickt stverden kom»ten. I» der Manteuffelstraste SS mustte gleichzeitig ein Schornsteinbrand beobachtet iverden, während in der Blumenstiaste 16 Lumpen, Säcke und andres in einer Küche brannten. Austerdem hatte die Wehr noch Alarmierungcn von ber Birkenstr. 73 und Kaiser Wilhelmsplatz zu verzeichnen. In beiden Fällen handelte es sich indes nur um geringfügige Anlässe. Sl»S de» Vkachbarorte». Eine Erhöhung der Preise für chirurgische Leistungen für Krankenkasse» ist in einer vom Vorstande der Köpcnicker Barbier- Innung einberufen gewesenen allgemeinen Versanimlung der Barbiere und Heilgehilfen von Köpenick, Adlershof, Nieder- Schöncweide, Grünau, Alt-Glienicke, Johannisthal und Rudow beschlossen lvorden. Der getroffenen Vereinbarung gcmäh sollen fernerhin gefordert iverden: für Zahnziehen 0,76 M.. für Schröpfen bis zu 10 Köpfen 1 M.. von 10 bis 15 Köpfe» 1,50 M. und bis zu 20 Köpfen 2 M. Für alle übrigen chirurgischen Verrichtungen soll die Taxe der Ge- bührenordnung für Heilgehilfen der Stadtkreise Berlin und Char- lottenbnrg als Norm für die Forderungen betrachtet werden. Friedrichsfclde. Der Gemeinde-Etat für daS Jahr 1902 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 230 ISO M. gegen 164 600 Mark im Vorjahre. Es kommen zur Erhebimg 240 Proz. Zuschlag zur staatlich veranlagten Grund- und Gebäudeftencr und 120 Proz. z»lr Einkommenstencr(im Vorjahr 150 und 100 Proz.). Die Kreis- stener, ivelche im Vorjahre 33>/s Proz. betrug, wird nicht mehr erhoben. Die Gebäudesteuer ist infolge Verdöppelnng der Zuschläge (früher 1�/e Proz.) von 34 350 M. auf 58 950 M. gestiegen. Hier iverden die Mieter wieder bluten müssen; dast letzteres geschehe, wurde bei der Beratung der neuen Steuerordnmig vom Vorstands- tisch auch gleich befürwortet. GeviMs-'Äettunq. Um eine Bagatelle hat der Tischler Rudolf Wulff, der gestern vor den Geichivorenen des Landgerichts I stand, einen Menschen n i e d e r g e st o ch e n. Die Anklage lautete auf vor- sätzliche Körperverletzung mit tödlichen» Erfolge. Der Angeklagte, ein Familienvater in»ncht mehr jugendlichen» Alter, kam in der Nacht zum 20. Jnunar in angeheitertem Zustand die Badstraste e»t- lang. Er hatte längere Zeit gekneipt und wollte am nächsten Morgen nach austerhalb auf Arbeit gehen. Als er einen Nachtwächter suchte, kam er an dein Tanzlokal„Marienbad" gerade in der Zeit vorbei, als dort der Tanz zu Ende gegangen war und die Tänzer und Tänzerinnen herausströmte». Da»rat er in dreister Weise an eine» der herauskommenden jungen Männer heran und verlangte von ihm eine Cigarette und als dieser ihn verwundert fragte, wie er zu einem solchen Verlange» komme, gab er ihn» einen Schlag auf den Hut. Der junge Mann ivar gutmütig genug, die Sache scherz- Haft aufzufassen; er riet aber dem Angeklagten, ruhig nach Hause zu gehen, da er wohl angezecht sei. Ein andrer junger Mann ging dem sich entfernenden Angeklagten nach, um ihn zur Rede z»» stellen; es ivar dies der 21 Jahre alte Former Bruno Wilkert, der bis dahin lebeiislustig niit den Genossen gezecht und getanzt hatte. Als er nicht wiederkam, sahen die andren nach seincin Verbleib und fanden ihn in den letzten Zügen am Boden liegen. Er flüsterte den andern nur»och zu:„Mit mir ist es aus l", dann verschied er. Man holte Schutzleute herbei und brachte den Toten zu>»ächst nach der Unfall- statio», wo festgestellt wurde, daß er einen Messerstich mitten ins Herz erhalten hatte. Der Angeklagte war inzwischen nach Hause gegangen und hatte sich schlafen gelegt, er wurde jedoch bald von Schutzleuten herausgeholt und auf die Revierivache ge- bracht. In seiner Wohnung fand man noch ein ganz blutiges spitzes Messer vor. Er behauptete, dast er sich in der Notwehr befunden habe, da er angegriffen worden sei; zu seiner Verteidigung habe er das Messer gezogen und blindlings um sich herumgeschlagen, ohne eine Ahnung davon zu haben. dast er seinen» Gegner eine lebensgefährliche Berletzung beigebracht habe. Die Darstellung des Angeklagten wurde von den Belastungszeugen als eine künstlich zurecht» gemachte geschildert. Eine recht böse Charakteristik des Angeklagten lieferte der Ilmstand, dast dieser vor Jahren schon einmal wegen ge. fährlicher Körperverletzung zu 4 Jahren verurteilt lvorden ist. Er hatte damals einen Gegner»nit einer Eisenstange derartig bearbeitet, dast dessen Leben aufs äusterste gefährdet ivar.— Die Geschworenen flaben auf Grund der Beweisaufnahme ihren Spruch auf schuldig im Sinne der Anklage ab, belvilligten dem Angeklagten aber mildernde Umstände. Das Urteil lautete auf 2Jahre OMonate "efängnis. Das„Gesnudbohren". Ein kleines Seitenstück zu dem sesundvete»»", kam gestern bei einer Verhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts II zur Sprache. Wegen Sach- beschädigung an einer öffentlichen Anlage stand der Bauer Julius Günther aus Glienick bei Zossen vor der Strafkammer. Eines Tages wurde aus der Krcischaussee Zossen- Glieirick ein Allee- bäum, der dicht an der Einfahrtspforte des Gehöfts deS Angeklagte» steht, angebohrt vorgefunden. Das mittels eines'Bohrers verursachte Loch ivar mit einer tcerartigen Flüssigkeit voll« gegossen und mit einem Holzstöpsel zugepfropft. Der Angeklagte bestritt ganz entschieden', an dem Baume irgend etivas vorgenommen zu haben, das etwaige Motiv des An- geklagten lag auch ziemlich im Dunkel, das Schöffengericht kam aber doch zu der Ucberzeugung, dast er der Thäter sei. und verurteilte ihn zu 30 M. Geldstrafe. Das Schöffengericht ivar zu diesem Urteil ge- kommen. Iveil in der Bchansung des Angeklagten ein Bohrer vor- gefunden lvorden ivar, der in die im Baum befindliche Oeffnung passen konnte. Iveil man ferner eine Quantität Karbolineum vorfand und an- nahm, dast der Angeklagte den Baun», der seine Einfahrt beengte, habe zun» Absterben bringen wollen.— Der Angeklagte legte gegen das schöffengcrichtlichc Urteil Berufung ein und Rechtsanwalt Dr. F I a t a u machte zu seinen Gunsten folgende Ausführungen: Jeden», der mit ländlichen Verhältnissen vertraut sei, müsse der Be- fmid an, Baume sofort klar inachen, dast es sich gar nicht„in ein Attentat auf den Bestand des Baumes, sondern um die Bcthätigung eines uralten,� in dortiger Gegend weitverbreitete» Aberglauben» handle. Kein Bailer, der auf das Eingehen eines BaunieS bedacht sei, werde so operieren, wie es hier geschehen. ES seien alle charakteristischen Merkmale jenes Aberglaubens vorhanden, den »na» mit„Verbohren von Krankheiten" bezeichne. ES ei ein in der Mark stark verbreiteter Glaube, dast ntn» eine lang währende Krankheit, insbesondere offene Schäden an» Körper, da- durch heilen köniie, dast man ei»»»it der kranken Stelle während einer bestimmten Zeit in Berührung gebrachtes Stück Holz in ein üifch gebohrtes Baumloch stecke. Man nehme an, dast. iveiu» die Säfte des Baumes, der besonders mächtig sein mnst. mit den, Stück Holz in Berührung kommen und der Baum weiter gedeiht, auch die Krankheit schwinde. Namentlich»vohne» in dortiger Gegend ver- 'ckiedene Personen, an denen zur fraglichen Zeit fortwährend aber- (länbische Operationen und Kuren versucht lvorden seien. Bezeichnend ür die Macht deS Aberglaubens sei es, dast der Angeklagte sich offen- bar fürchte, diese Personen zu nennen. Jedensalls sei den» Auge- klagten eine Schuld nicht nachgewiesen und ein Motiv zur That bei demselben nicht erkennbar. Der Verteidiger hatte sich zur Bekräf- tigung seiner Mitteilungen auf mehrere Zeugen berufen, das Gericht verzichtete aber auf deren Vernehmung, hob daS erste Urleil auf und sprach den Angellagtenfrei.' Waarenhaus Hermann Uetz Für Restau rateure, Pensionate und Hausfrauen. Lebensmitlel-Abtheilnng, 4. Etage, Extra-Ram Von heute ab kommen 80000 Büchsen Stangenspargel, Brechspargel, Schoten zum Verkauf. Ernte 1901'�as �anze e'ner ers�<'ass/,vose V: Vi vese Riesen- � 10-15 1 Diner- ca. 23| I. Sortierung ca. 36 2 II. Sortierung ca. 43| III. Sortierung ca. 53| Braunschweiger Conserven-Fabrik. BrechspargeT Vs Vi vose Pr. extra stark] 74 L 1.38 Pr. la. K 64 � 1.13 Pr. Mittelstark 54 L 98 Brechspargel, Iii. Sorlirung j 45 � 80 Brechspargel ohne Köpfe 39 s 68 Preise anssergewöhnlich. 1.10 2.10 — 1.68 78� 1.45 65� 1.20 53-5 95 L Kaiserschoten, ff. 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