Nr. 60. Abomitmeitt«.Dedingungen: WbonnementS:$ceti pränumerando! «lerleljährl. 3,30 Ml., mono». 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ins Hau». Stmelne Numm-r ö Psg. Sonntag», Nummer mit illuiut-mr Sonntag», Betlage„®le Neue Welt" 10 Psg. Post, Vlbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singelragen tn der Post- Zettung», Preisliste siir 190® unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da« übrige Autland 3 Mark pro Monat. 19. JalM. Dt« Insertions-Cieliliisr beträgt sür die sechsgespaltene fiotoncl» »eile oder deren Raum io Psg., für politische und gewerlschastliche Verein»- und Versammlung»- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anleigen" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» tn derSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bitbUhr vormittag» geössntt. Erscheint»glich ausser»onleg«. Devlinev Volksblakk. Telegramm- Adresse- „Pprialdemoltral vrrlin» Centraiorgan der sociaidemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 19. Veuch-Strahe 2. Uernsprecher: Slint I, Nr. lKO». Mittwoch, be» 1£. März Expedition: SW. 19, Veuch-Strasje 3. Nernsprecher: Zluit I. Nr. 6121. I« der dritten Beilage veröffentlichen wir heute die Ergebnisse der Berliner Arbeitslosen- Zählung in ihren wichtigen Einzelheiten. Boerettsieg. Die Gefangennahme Lord Methiiens und die vollständige Auf lösung seiner 1200 Man» starken. S Geschütze mit sich führenden Ab teilung durch den Boerengeneral Delarey hat in England begreif- licherweise die gröstte Erregung hervorgerufen. Wenn von einzelnen englischen Blättern diese Niederlage als die schiverste des ganzen Krieges bezeichnet ivird, so ist das zwar eine große Uebertreibung, immerhin enthält dies Urteil einen Kern von Berechtigung. Denn wenn man sich vergegenwärtigt, daß von Kitchener und dein Kriegsminister vor nunmehr bereits �/» Jahren die Boeren als jeder mililärischen Organisation ermangelnde Räuberbanden bezeichnet lvorden sind, die sich nur noch zu Zlveien und Dreien durch die Postenketten der englischen Truppen hindurch stehlen könnten, und ivenn diese Darstellung nicht von einem Hohngelächter des englischen PublikuntS beantivortet wurde, so kann man sich jetzt daS Staunen und die Bestürzung Englands ausmalen, daß eS diesen zersprengten Räuberbanden nun gelungen ist, eine so starke Abteilung unter der Führung eines der höchstgestellten englischen Generale vollständig aufzureiben; und zwar nicht in der D e f e ns i v e, die den Boeren anfangs so große Erfolge sicherte, sondern in der Offensive, im kühnen univider- stehliche» Angriff. Noch liegt keine nähere Darstellung über den Verlauf des Gefechtes vor, denn die lächerlichen und vcr- worrenen Angaben Kitcheners. die wieder einmal alle Schuld den antipatriotischen Maultieren'in die Schuhe schieben, geben natürlich kein Bild der wirklichen Vorgänge. Der Angriff dürste sich aber wohl ahnlich abgespielt haben, wie bei dem Ueberfall bei K l e r k s d o r p: Die Boeren griffen die auf dem Marsch be- findlichen Truppen mit Vehemenz von verschiedenen Seiten an, zer« schnitten sie in mehrere Teile und zwangen schließlich den größten Teil zur Waffenstreckting. DaS Haupttelegramm Kitcheners lautete in seiner Vollständigkeit: Ich bedauere sehr, eine traurige Nachricht über Methuen senden zu müssen. Er war mit 900 Berittenen unter Major Paris. 300 Mann Infanterie, vier Geschützen und einem Ponipom arif dem Marsche von V r y b u r g nach Lichtenburg und beab- sichtigte, mit G r e u f e l l, der 1300 Berittene unter seinem Befehle hatte. bei RoviraineSfontein zusammenzustoßen. ö00 Man» berittener Truppen sind in Marivogo und Kraaipan eingetroffen; sie wurden von den Boeren noch vier Meilen verfolgt. Sie berichten, Methuen s Geschütze. Bagage ic. seien von den Boeren g e» o m m e n worden. Als Methuen zuletzt gesehett wurde, ivar er Gefangener. Die Boeren griffen von d r e i S e i t e n an. Ich hatte bereits Dispositionen getroffen, um Truppen in dieseti Distrikt zu entsenden. Ich denke, dies plötzliche Wiederaufleben der Thätigkeit der Boeren bezweckte, die De Wet bedrängenden Truppen abzulenken. Die gestrigen Meldungen ließen die ganze Größe der Nieder- läge, die dies Telegramm Kitcheners wenigstens ahnen läßt, nicht erkennen. In diesen Meldungen war der Verlust nur auf ca. 300 Mann angegeben. In Wirklichkeit war er aber viel größer. Nach Kitchener sind von den 1200 Mann nur 500 Mann entkommen, so daß 700 von den Boeren gefangen genommen lvorden wären. Nach andren Meldungen sollen indes 1000 Mann ursprünglich in Gefangenschaft geraten sein, die 200.Vermißten", von denen die Rede war, sollen nur diejenigen Mannschaften umfassen, die von den Boeren noch nicht wieder freigelassen worden waren. Diese Darstellung hat eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit für sich, da ja die Boeren die Mehrzahl ihrer Gefangenen sofort wieder auf freien Fuß zu setzen pflegen, um in der Schnelligkeit ihrer Operationen nicht behindert zu sein. Hätte der englische Verlust thaffächlich nur ca. 320 Mann betragen, so hätten sich die übrigen 900 Mann einer Feigheit schuldig gemacht, indem sie jeden Versuch aufgaben, ihrer abgeschnittenen Infanterie zu Hilfe zu kommen. Da Delarey nur 1500 Mann zur Verfügung gehabt haben soll. ist die völlige Aufreibnng der 1200 Engländer eine Bravonrthat, die auch den unverbesserlichen Optimisten jenseits des Kanals be- weisen muß, daß all die tröstlich ausgesprengten Gerüchte über die angebliche Demoralisation und die ivachsende Kriegsunlust der Boeren nichts sind als dreiste Flunkereien. Haben doch im Gegen- teil die Boeren in dem letzten Vierteljahr eine O f f e n s i v k r a f t an den Tag gelegt und Erfolge erzielt, die diejenigen des vor- letzten Vierteljahres weit übertreffen. Eine kurze Uebersicht über die Boerenerfolge der letzten sechs Monate mag dies beiveisen. Im September 1901 rieb S m u t s bei Elandsriverfort eine Schivadron Husaren auf. Englischer Verlust 33 Tote und 34 Ver- wundetc. In W e st t r a n S v a a l, dem Operationsgebiet Delareys, ver- loren die Engländer bei Vlakfonlein 3 Tote, 23 Verwundete, 103 Gefangene und 5 Geschütze. Ferner brachte wenige Tage später Delarey den Engländern bei Moedvill einen Verlust von 33 Toten und 38 Verivnndeten bei. Louis Botha lieferte zur gleicher Zeit in Osttransvaal bei Jagersdrift den Engländern ein Gefecht, daS diesen 16 Tote, 30 Verwundete und 235 Gefangene kostete. Kurze Zeit später brachte er ihnen abermals einen Verlust von 120 Mann bei. Im Oktober schlug Botha die Engländer bei Berkenlagte. Der englische Verlust betrug 68 Tote, 171 Verwundete und 2 Geschütze. Im gleichen Monat verloren die Engländer bei Zcerust gegen Delarey 28 Tote und 53 Verwundete. Im November hatten die Boeren keinen größeren Erfolg aufzuweisen, wenn sie es auch in sämtlichen Distrikten des großen Kriegsschauplatzes an Lebenszeichen nicht fehlen ließen. Im Dezember dagegen erstürmte De Wet das Lager von T Iv e e s o n t e i n, wobei er den Engländern einen Verlust von 500 Toten, Verivnndeten und Gefangenen beibrachte und 2 Geschütze eroberte. Hierzu kommen dann die beiden großen Siege Delareys im März, die den Engländern bei Klerksdorp 600 Mann und 4 Geschütze und bei Lichtenburg mindestens 700 Mann und 5 Gc- schütze kosteten. Delarey und D e W c t— der dem letzten Keffeltreiben ja mit„nur' 1500 Mann entkam— haben also ihre ungebrochene Aktions- kraft hinlänglich bewiesen, und Louis Botha, der in Ost-Trans- vaal steht, wird wohl auch demnächst wieder etwas von sich hören lassen. Den schweren englischen Niederlagen der letzten zehn Wochen— der Sieg De Weis erfolgte am 24. Dezember— steht nur die Ge- fangemiahme von angeblich 8—900 Boeren bei Harrysmith gegen- über. Selbst englische Sachverständige haben indes den Verdacht geäußert, daß sich unter den Gefangenen ein großer Teil von Greisen, Frauen und Kindern befunden haben dürfte, wodurch dieser vielgerühmte Erfolg arg znsammenfchrnnipfen würde. Solveit sich die Lage übersehen läßt, ist sie die: In West- transvaal befindet sich Delarey, in O stt r a u s v a a l Louis Botha und im Oranje-Freistaat De Wet, jeder mit mindestens 1500 Kämpfern. Alle drei Führer besitzen also Mannschaften genug, um die Zahl der englischen Niederlagen in der nächsten Zukunft noch verntehren zu können. Außerdem aber befinden sich in der Kapkolonie, in Nord-Transvaal usw. noch eine ganze An- zahl kleiner Boerenabteilungeu, die die englischen Truppen fort- gesetzt beunruhigen. Das ganze große Gebiet deS Kriegsschauplatzes ist noch keineswegs gesäubert, vielmehr mit Ausnahme der englischen Etappen ebenso unbeschränktes Operationsgebiet der Boeren, wie vor einem halben oder ganzen Jahr. Und zweifellos erhalten die Boeren noch fortgesetzt Verstärkungen aus den Reihen deS Afrika ndertu in S, da sie andernfalls längst bis zum letzten Mann aufgerieben sein müßten. Die letzte Katastrophe hat diesen Zustand England wieder einmal voll zur Empfindung gebracht, das erklärt die Bestürzung deS eng- tischen Publikums, das sich trotz aller schlimmen Erfahrungen in Siegeshoffnnngen wiegte. Deshalb die übertriebene Einschätzung der letzten Niederlage, die an sich nicht schlimmer ist als die Nieder- lagen bei Klerksdorp oder Twcefontein. Ist es auch nnißig, sich in gewagten Prophezeiungen über den künftigen Verlauf des Krieges ergehen zu wolle», so verdient doch eine Thatsache mit allem Nachdruck konstatiert zu werden: Die LVejährige Dauer des Krieges beweist ivieder einmal die ungeheure Widerstandskraft eines Volks- Heeres. Nach all den Erfahrungen des Boerenkrieges gehört wirklich eine ungewöhnliche Dosis von Unwissenheit und Denr- Unfähigkeit dazu, sürderhin noch über die Milizarmee schale Späße zu machen! � � Im preußischen Abgeorduetenhause nahm am Dienstag beim Etat der auswärtigen Angelegenheiten Staatssekretär Freiherr von NichtHofen Anlaß, eine sehr entschiedene Sympathie- und Beileids-Kundgebung dem durch die neueste schivere Niederlage betroffenen England zu widmen. Herr v. Richthofen erklärte: Djc definitive Antwort der englischen Regierung auf nnsren geniäß dem Antrag des deutschen Boeren-Hilfskomitees gethancn Schritt ist nunmehr cingetroffen. Sie lautet: Der Wunsch der deutschen Regierung, daß die von dem Boeren-Hilfskomitee zu verschickenden Gegenstände zollfrei und frachtfrei in die Flüchtlingslager zugelassen werden möchten unter Zuziehung einer vom deutschen Botschafter genehmigten Person oder eines deutschen Konsularbeamten in' Südafrika ist von der englischen Re- gierung einer sorgfältigen Prüsting unterzogen worden. Der Versuch. außenstehende Personen an der Verteilung von Gaben teilnehmen zu lassen, ist bereits früher gemacht worden. Bei der Ausführnng hat ich aber herausgestellt, daß dies zu mancherlei Mißbrauch und Unzuträglichkeiten geführt hat. Daher ist zu diesem Zweck ein Lokalkomitee eingesetzt worden, das mit den jetveiligen Be- dürfnissen der Flüchtlinge vertraut ist. Im vorliegenden Falle ist die englische Regierung beflissen, den Wünschen der deutschen Re- gierung soweit wie möglich entgegenzukommen, und wird es daher auf sich nehmen, daß alle Gegenstände zum Gebrauch der Boeren- lüchtlinge, die an die Adresse eines deutschen Generalkonsuls gerichtet sind, nach dem Lager oder den Lagern, siir die sie durch das deutsche Boeren-Hilsskomitee bestimmt sind, zollfrei verschickt und durch das Lokalkomitee verteilt werden, indessen werden die Sendungen einer Untersuchung unterworfen sein. Die Geistlichen der holländischen reformierten Kirche werden als Sekretäre der Lokalkomitees wirken und es iverden ffierkehrnngen getroffen werden, um in jedem Fall von dem Sekretär des Komitees, durch das die Sendungen verteilt Iverden, eine Empfangsbescheinignng zu erhalten. Graf Landsdolvne hat in einem Privntbrief an nnsren Bot- chafter in London, Grafen Wolf-Metteruich, noch hinzugefügt, er hoffe, daß seine Antivort befriedigend sei. Dadurch, daß die Sendungen in die Hände deS Lokalkomitees gelangen, ist, meiner Ansicht nach, eine gerechte Verteilung gewähr- leistet, und es ist ein großer Fortschritt gegenüber dem früheren Zustand erzielt. Ich freue mich, konstatieren zu können, daß die Wünsche dieses hohen HauseS, wie sie Abg. Lückhoff präcisiert hat, voll erfüllt worden sind. Ich glaube, daß dieS mit Genugthuung begrüßt werden kann. Wir find die ersten, die in dicfer An- gelegenheit in dieser Weise im Humanitätöintereffe vorgehen. Nun ivird es an dem Boeren-Hilfsbund sein, recht viel zu sammeln, damit recht viel in die südafrikanischen Camps gesandt werden kann. Ich möchte noch einige allgemeinere Bemerkungen daran an- schließen, die sich sowohl an Sie wie an die Allgemeinheit wenden. Die Opfer an Geld und Blnt, die England hat bringen müsse», die grossen Verluste, die Höhe der Ausgaben und die dadurch bedingte Anziehung der Steuerschraube habe» in England natürlicherweise eine gewisse Enipfindlichrcit erregt. Jedes harte Wort wird infolgedessen doppelt tief empfunden, jeder freundliche Zuspruch doppelt dankbar anerkannt. Wir wünschen nun den notleidenden Truppen in Südafrika nach Möglich- keit zu helfen, dies kann trotz einiger Mißerfolge dock nur mit Hilfe des englischen Staates geschehen; ohne diese können wir überhaupt nicht an die Boeren herankomnien. Sichtlich ist es geboten, die Empfindlichkeit der englische» Regierung und der englische» Nation nach Möglichkeit nicht hcrans- zufordern. Eine solche Politik ist keine Liebedienerei, wir treiben unsre Politik mir dem deutschen Volke zu Liebe. Wenn wir die englische Empfindlichkeit schonen, werden wir in unseren Maßnahmen zu Gunsten der in Südafrika sich in so trauriger Lage befindlichen Menschen weiter fortfahren können. Dazu aber erscheint erwünscht eine etwas gerechtere Kritik gegen England; wir wollen nicht alles gleich verurteilen, was von englischer Seite geschieht. Einer unserer Generale, der auf seiner Rückreise von China in Ceylon Gelegenheit hatte, gefangene Boeren zu sprechen, erzählte mir, daß diese dort ganz vorzüglich von den Engländern be- handelt und verpflegt iverden. Es würde doch auch der Würde nnsrer Nation nicht widerspreche», wenn wir unsre Sympathie aussprechen, zum Beispiel bei einer solchen Gelegenheit wie bei der schwere» Verwundung des Lord Methnen, der früher als Militärattack« in Berlin außerordentlich beliebt war und sich der besonderen Wertschätzimg des Kaisers Wilhelin und Friedrichs III. erfreut hat. Ich werde im weiteren auf die englische Regierung dahin einzuwirken suchen, daß schließlich doch gestattet wird. Ambulanzen nach Südafrika zu schicken.(Bravo! rechts.) Aber dazu ist dringend nötig, daß wir England das Gefühl wiedergeben, daß wir trotz unsrer Beurteilung mancher Verhältnisse schließlich Englands Freunde und Verwandte sind. Wir müssen als Vettern diesseits des Kanals mit unsern Vettern jenseits des Kanals gemeinsam wirken. Wenn Sie dazu in Ihren Kreisen, in der Presse und im deutschen Volke wirken wollen, dann erweisen Sie dem deutschen Volke, der deutschen Regierung und den Boeren selbst den größten Dienst.(Bravo!) Aus dem Hause nahm zu dieser merkwürdigen Ansprache nur der freisinnige Abg. Lückhoff das Wort, der, bescheiden tvie die englandfrcsserischeu parlamentarischen Boerensreunde nun einmal sind, seine volle Befriedigung über die Erklärung deS Staatssekretärs ausdrückte, gerade als wenn der Minister seine Freude über den schönen Sieg der Boeren geäußert hätte, anstatt eine Liebes- erklärnng sür England abzugeben. Die politische Situation— das Zollgeschäft— erlaubt eS den bürgerlichen Boerensreunde» nicht. ihre Gefühle zu äußern. Gut, daß sich die Boeren nicht auf diese Freunde zu verlassen brauchen. In Abwesenheit seines erkrankten Chefs, deS Grafen Blllow, hat Herr v. NichtHofen in aller Form und mit großer Verve die gänzlich unmotivierte und ungeschickte Granitbeißer-Rede des Kanzlers desavouiert. Seine Mahnung, mit keinem Wort die naturgemäß ge» steigerte englische Empfindlichkeit zu verletzen, wirkte geradezu wie eine nachträgliche Rüge au seinem Borgesetzten. Von dem niedrigen Standpunkt der Diplomatie ans war die Trostrede des Herrn v. Richthofen, in der er England gerade in einem so kritischen Augenblick die Sympathie der preußischen Regierung aussprach, ebenso zweckmäßig, wie jener Bülowsche Ausfall thöricht war. Der kleine bescheidene Herrlv. Richthofen hat sich als Meister des genialen Grafen Bülow gezeigt. Er hat den Fehler seines Chefs korrigiert und den Canossagang vollendet. Ob England auf diese freundlichen Worte viel Wert legen wird, bleibt abzuwarten. Dafür aber entsprechen sie nicht den Empfin- düngen des dentscheti Volkes, und vor allem nicht der Meinung des internationalen Todfeindes der imperialistischen Raubpolitik, der Social- demokratie. Wir haben nicht den mindesten Anläß, die herrschenden Klassen Englands, die diesen ruchlosen Krieg entfesselten, zu bedauern, und wir freuen uns über jeden Mißerfolg, der dieser Politik der Völkerausrottung geschlagen wird. Die deutsche Regierung, die kein Wort des Mitleids fand, geschweige denn deS Protestes, als die tapferen Boerenführer standrechtlich er- schössen wurden, mag immer über das Mißgeschick des Generals Methuen empfindsam klagen, werbend um die Gunst der Regierung des Herrn Chamberlain. DaS deutsche Proletariat verachtet die diplomatischen Künste, und selbst unterdrückt fühlt es mit dem unter- drückten Volke und begrüßt jeden Sieg, den das heldenhafte Hättflein von aufrechten Freiheitskämpfern über di» stolze Weltmacht erringt._ Der HopfenzoU. Der erste Teil der Dienstags-Sitzung der Zolltarif- Kommission galt der Frage, ob die S a ch l i ch k e i t u n d Gründlichkeit auch auf die V e r i ch t e r st a t t u n g für das Plenum auszudehnen und dementsprechend ein schriftlicher Bericht im Plenum zu erstatten sei. Die Gegner der Devise„sachlich, gründlich und schnell" siegten. Es wurde beschlossen, nur über das Tarifgesetz, nicht aber über die 946 so wichtigen Tarifpositionen schriftlich Be- richt zu erstatten. Berichterstatter für das Tarifgesetz ist der Abg. S tz e ck(C.). Füp die Tarifpositionen werden nacheinander Bericht- erstattcr ernannt werden. Vorab wurde für die Nrn. 1— 22 der Graf v. Schwerin(k.) gewählt. Für die Positionen 23 bis 43 sollte Herr von Wangen heim ernannt werden. Aber— mag diesem Abgeordneten noch der allgemeine Tadel über seine so wenig ausreichende Berichterstattung über einige Petitionen in den Gliedern stecken, mag er sich von dem ausgedehnten Mangel seiner Kenntnisse in land- wirtschaftlichen Dingen überzeugt haben, mag er �zum fanatischen Verfechter des Rechts ans Faulheit ssich herausbilden wollen: er streikte; er lehnte ab zu referieren. Für die Nrn. 23—43 wird deshalb der Abg. G a m p sfk.) dem Plenum eine Skizze von den Kommissionsverhandlungen geben. Der größere Teil der Sitzung galt dem Hopfen. Die Regierungsvorlage will den bestehenden autonomen Tari von 20 M. auf 60 M. für den Doppclcentner Hopfen und au 90 M. für Hopfenmehl hinaufschrauben. Die Ueberzöllner ivollten diese Sätze für Hopfen auf 80 eventuell 70 M., für Hopfenniehl aus 130 oder mindestens 100 M. hinaufschrauben und überdies einen Minimalzoll für Hopfen einführen. Die Socialdcmokraten verlangten Zoll- f r e i h e i t. Bei der Abstimmung wurde das Verlangen der Festlegung des Hopfenzolles als Minimalzol und die Heraufschraubung auf 80 bezw. 130 Mark mit Stimmengleichheit abgelehnt. Der Zoll von 70 M. auf Hopfen, 100 M. auf Hopfemnehl gelangte mit einer Stimme Mehrheit zur Annahme, weil der freisinnige Abg. Müller- Sagan dem letzten Teil der Sitzung nicht mehr beiwohnte. Es zeigt dieser Vorgang, wie wichtig es ist, daß die Zollgegner bei keiner Abstimmung fehlen, die Socialdemokraten waren bei allen Abstimmungen voll- zählig. Aus der Debatte verdient Hervorhebung, daß selbst Graf v. K a n i tz dem Abg. Molkenbuhr zugeben mußte, daß die keineren Brauereien eine Zollerhöhung empfind lichcr fühlen als die großen. Auch das ließ sich nicht bestreiten. daß bei der Zollfreiheit die Brauer sich besser standen als jetzt. »« Ehe die Kommission am Dienstag in die sachliche Beratung ein trat, beschäftigte sie sich mit der Frage, ob über den Zolltarif ebenso wie über das Tarifgesctz schriftlich Bericht erstattet werden soll. Der Vorsitzende Rettich schlägt vor, daß schriftlich Bericht er- stattet wird. V. Kardorff(Rp.) erklärt sich für mündliche Berichtcrstattnng. weil die Feststellung des schriftlichen Berichts die Kommission zu lange aufhalten werde. Dr. Miiller-Sagan sfrs. Vp.s verlangt schriftliche Berichterstattung. Dr. Beniner snatl.), Herold47,50 M.. für Hopfenmehl einen solchen von 120 M.; außerdem die folgende Anmerkung:„Diese Zollsätze dürfen durch Vertrags- »näßige Abmachungen bei Hopfen nicht»uter 70, bei Hopfenmehl nicht unter IVO M. ermäßigt werden." Molkenbuhr(Soc.) begründet den socialdcmokratischcn An- trag. Ein Zoll kann nur preiserhvhend ivirken, wenn ivir auf Ein- fuhr angewiesen sind oder ein Ring die Preise festsetzen kann. BiS jetzt übersteigt die Ausfuhr die Einfuhr. Hopfen ist nicht»nr eine Würze des BiereS, sondern auch ein Konservierungsmittel. Auch als Würze gebrauchen die große» Brauer von Jahr zu Jahr weniger Hopfen, weil sie immer' mehr das letzte Atom Bitterstoff aus dem Hopfen zu ziehen verstehen. Der Hopfenverbrauch geht mit dein Ilebergang zuni Großbetrieb zurück. Während 1880 noch 26t Kilo Hopfen zu 1000 Hektoliter Bier gebraucht wurden, gebraucht man heute nur noch 209 Kilo. Die Zollerhöhung nützt dem Bauer»ickits. Auch ist es nicht zn billigen, daß die Herren Speck und Genossen den Versuch machen, in einer Anmerkung Minimalzölle für Hopfen und Hopfenmehl einzuschmugeln und hier zu erreichen, was man beim Zolltarif-Gesetz nicht erreichen konnte. Das sei Obstruktion. Graf Kanitz(k.>: Er und seine Freunde würden nicht nur ver- suchen, diese Sätze zu erhöhen, sondern auch bei Industrie- Artikeln Minimalzölle einzusetzen. Auch beim Bich tviirdcn Minimalzölle beantragt werden. Schatzsekretär Frhr. v. Thielmann: Die verbündeten Regierungen lehne» eö ab, für Hopfen einen Mindestsatz einzuführen. Ministerialdirektor Wermuth: Obwohl Großbritannien großen Hopfenbau habe, exportieren wir dorthin viel Hopfen. Dann kommen Belgien und die Niederlande als Exportland in Betracht, die sämtlich keinen Hopfenzoll haben. Der böhmische Hopfen ist im all- gemeinen teurer als der bayrische Hopfen. Er hat schon 600 M. pro Doppclcentner gekostet, und doch haben ihn die Brauer gekauft, weil sie ihn haben mußten. Dr.. Müller- Mciningen ffrs. Vp.): Bei den Handels- Verträgen sollte versucht werden, die hohen Hopfenzöllc in Rußland und Amerika herabzumindern. Dagegen steht zu befürchten, daß England, Holland und Belgien, lvo zur Zeit Zollfreiheit für Hopfen besteht, bei Einführung eines höheren Hopfenzolls in Deutschland sofort Repressalien durch Einführung ähnlicher Zölle ergreifen iverde». In Bayern hat selbst das HofbränhanS mehr böhmischen Hopfen verbraucht als bayrische». Speck(C.): Ei» kräftiger Schlitz für die kleinen Hopfenbauern, besonders für die ärmsten,'deren Existenz jetzt geradezu gefährdet ist, erscheint geboten. Bon 37 000 Hektar Hopfenland liegen 23 63ö in Bayern und speciell in Mittelfranken. Wen» die landivirtfchaft- lichen Zölle eine Preissteigermig betvirken, dann»verde» neben de» Judnstrie-Arbeitern die Hopfenbauern getroffen, denn sie miissc» alle Lebensmittel kaufen. Jetzt sind die Hopsenbanern alle überschuldet; früher waren Amerika und Rußland die besten Abnehmer unsres Hopfens; jetzt führen sie Hopfen aus. Direktor im Auswärtigen Ai»t Dr. v. Körner spricht sich gegen die Anträge Kanitz und Speck anS. Dr. Spahn iE.) beantragt, die Aumerkung des Antrags Speck mit entsprechender Aenderung der Ziffern auch in die Regierungs- Vorlage anfzunehine». Bayrischer Bundesbevollmächtigter Ritter von Geiger: Der Hopfenbau ist in bedrängter Lage, daS geht daraus hervor, daß er im Rückgang begriffen ist. Auch im Hofbräuhaus i» München ivird ausländischer Hopfen verarbeitet. Aber es besteht das Bestreben, den ausländischen Hopfen zurückzudrängen. Gegenwärtig iverden ca. 20 Proz. ausländischer und 80 Proz. inländischer verwendet. Württeinbergischer Ministerialdirektor Schneider: Auch in Württemberg geht es dem Hopfenbaner schlecht. Die würtlemvergische Regierung hält aber de» Zoll von 60 M. für angebracht und stimme weder einer Erhöhung noch einer Verminderung zu. Abg. Dr. Bcnmcr(natl.) erklärt sich entschieden gegen Minimal- zölle ans Hopfen. Wen» man auch für einzelne Jndnstriezölle Minimalsätze einsetzt, dann werden wir zu einem volle» Doppeltarif kommen inüssen. Staatssekretär Graf v. Posadowöky: Durch den Zoll darf man nur ausgleichen, was andre Länder an Vorzügen durch Klima, Boden, billigen Arbeitslohn zc. haben. Das ist in der Vorlage ge- schehcn. Nun sollte man aber auch nicht den Versuch machen,' stück- weise einen Doppeltarif zn schaffen. Ein Doppeltarif mit solchen Mintmalsätzen würde alle Handelsverträge unmöglich»lachen. Spahn sC.) erklärt sich für die Regiermigsvorlage. Die Sätze dürflen aber bei Handelsverträgen nicht herabgesetzt iverden. Schräder(frs. Vg.j: Kein Konmiissioiisinitglied außer Herrn Spahn hat die Regiermigsvorlage verteidigt. Durch Hinzilfügung der Anmerkung versetzt er ihr aber den schwersten Stoß. Graf Schwcrin-Löwitz sk.): Die deutschen Hopfenbauern wollen den inländischen Markt für sich erhalten wissen. Im Wirtschaftlichen Ausschuß sind Tabakbauern gefragt worden, wieviel Schutz sie ge- brauchen. Um Minimalzölle kommen wir nicht herum. Schließlich wird der Antrag Speck(Hopfenzoll 87.S0 M. mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt, dagegen wird der Autrag Kanitz'(Hopfenzoll 70 M.) mit l4 gegen 12 Stimmen angenommen Die Anträge der Socialdcmokraten und Freisinnigen aus Zollfreiheit resp. Ermäßigung des jetzt geltenden Zolles auf 14 M. iverden ab- gelehnt. Mit IZ gegen 13 Stimmen wird die Anmerkung zum Antrag Speck(Minimalzölle für Hopfen und Hopfemnehl) ab gelehnt; ebenso die Anmerkung zm» Antrag Kanitz. Der Zollsatz für Hopfenmehl nach dem Antrag Kanitz auf 100 M- festgesetzt. Nächste Sitzung: Mittwoch 9 Uhr. K>olikifche Aeberfichk. Berlin, de» 11. März. Der Reichstag setzte am Dienstag die dritte Etatsbcratung fort, erledigte aber nur einige Kapitel des Etats des Reichsamts des Innern. Die Zolltarif-Kommission hatte sich schon Sorgen darüber ge- macht, daß das Plenum vor Freitag in die Ferien gehen könne; dazu ist aber gar keine Aussicht vorhanden. Beim Kapitel der„ R e i ch s- S ch u l k o in in i s s i o n" kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Herrn Rettich und Genossen Herzfeld. Ter mecklenburgische Domänenrat begnügt sich nicht mit den Lorbeeren, die er als Vorsitzender der Zolltarif-Kommission täglich sammelt, er fühlt sich auch als geborener Verteidiger der glorreichen mecklenburgischen Ritterschaft, obwohl er nur ein schlichter Bürgerlicher ist. In einer langen und sorgfältig vorbereiteten Rede ging er den Schilderungen nach, die Herzfeld in der zweiten Etatsbcratung von den Zuständen in den mecklenburgischen RitterschaftSschnlen entworfen hatte. Er gab sich redliche Mühe, wenigstens den Eindruck zu er wecken, als ob er an den vorgetragenen Thatsachen etwas Wesentliches zu berichtigen habe. In Wirklich keit aber lief alles auf reine Veschönigting hinaus Es siel Genossen Herz selb leicht, seine Behauptlmgen durch das Zeugnis der berufensten Kenner des mecklenburgischen Volksschulivescns, der Schullehrer, zu beweisen. Es ist ein er- frenliches Zeichen, daß es sich in diesen Kreisen regt und daß sie in der Socialdemokratie ihre sicherste Fürsprecherin zu be- trachten beginnen. Wie unangenehm den mecklenburgischen Machthabern diese Entwicklung ist, das zeigte der Eifer des Herrn Rettich am deutlichsten. Es wird dafür gesorgt werden, daß eine so wichtige Kulturfrage, wie die Befreiung der mecklenburgischen Volksschule aus den Händen cincs eigen- süchtigen Adels nicht von der Tagesordnung des Reichstages verschtvindet. Beim Kapitel des Reichs-Gesundheitsamtes setzte eine sehr ausgedehnte Debatte über die Zustände i n den städtischen Krankenhäusern Berlins ein, die die Fortsetzung der Erörterungen über denselben Gegen- stand bei der zweiten Etatsberatung und in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung bildete. Dem Berliner Kontmunalfreisinti sitzt hier ein Pfahl im Fleisch, der ihm heftige Schmerzen verursacht. Seine Häupter im Parlament, der Stadtrat F i s ch b e ck und der Vorsteher Langerhans griffen wiederholt in die Debatte ein. nachdem sie den un- geschickten Herrn Dr. Hernies vorangeschickt hatten. Aber das Terrain war hier für sie viel ungünstiger, als im Roten Hause. Es fehlte der Korybantenlürm der Jacobiten. Vergeblich tvareit ihre Versuche, Antrick Irrtümer in Einzelheiten nachzulveisen und dadurch das eigeiilliche Thema zu verschieben. Handelte es sich doch für unseren Redner um die principielle Forderung einer Verbesserung der Zustände in der öffentlichen Kranken- zflege und der Hinweis auf Berlin, der die Herren so sehr verschnupft hat, diente nur diesem Zwecke. Antrick fertigte die Angriffe, die der Oberbürger- meister und die beiden Stadträte im Roten Hause gegen ihn erhoben haben, gründlich ab und Singer deckte die Mätzchen auf, mit denen Herr Fisch- beck die Sache seiner Freunde zu retten versucht hatte. Im stillen sagen sich die Herren sicherlich selbst, daß sie gar keinen Grund haben, sich so aufs hohe Pferd zu setzen und wenn sie aus dieser Erkenntnis heraus offenkundige Miß- tünde beseitigen, so wird Antrick trotz der Unbill, die er wrsönlich dabei zu kosten bekommen hat, mit der Wirkung eines Vorgehens im Interesse der armen Kranken zu- 'rieben sein. Der nationalliberale Abg. Münch-Ferber hatte eine Resolutton beantragt, die den Handel mit konzentrierter Essigessenz unter die Bestimmungen des Verkehrs mit Gift- 'toffeii bringen will. Der Bundesrat beschäftigt sich, wie Graf Posado wsky erklärte, bereits mit der Angelegenheit und wird in nächster Zeit eine Verfügung erlassen. Freilich scheint es mehr als zweifelhast, ob der vorgeschlagene Weg der richttge ist. Genosse Wurm beleuchtete in einer sachkundigen Rede, die vom Hause und von den Bundesbevollmächtigten mit großer Aufmerksamkeit angehört wurde, die Mißstände im Essighandel und schlug statt der umvirksamen Anregung Müiich-Ferbers eine Beaufsichtigung der Kleinhändler vor, die beim Essighandel das Publikum betrügen und schädigen. Die Resolution wurde schließlich mit sehr zweifelhafter Mehr- heit angenommen. Das Bureau, das es auf eine Auszählung nicht ankommen lassen wollte, einigte sich, in den Nattonal- liberalen und der Rechten die Mehrheit zu sehen. Zum Schluß wurde nach einer höchst komischen Schlumberger- Episode das Kapitel des R e i ch s- V e r- icherungsamtes in Angriff genommen. Herr Hitze vom Centrum forderte die Besserstellung der Senatspräsidenten beim Reichs- Versicherungsamt und klagte dann darüber, daß in den Heilanstalten nicht für katholische Krankenpfleger gesorgt werde. Mittwoch wird die Beratung fortgesetzt.— Das glbgeordnetenhans beriet am Dienstag zunächst den Etat des Ministeriums ür Auswärtige Angelegenheiten. Die Debatte wurde durch den Staatssekretär Frhrn. von Richthofen eingeleitet, der dem Hause die Antwort der englischen Re- gierung auf die gemäß dem Antrags des Boeren-Hilfsbundes gethanen Schritte mitteilte.(Siehe den Leitartikel!) Nach Erledigung des Etats des Ministeriums für aus- wärtige Angelegenheiten setzte das Haus die Beratung des Kultus- Etats beim Kapitel„Universitäten" fort. In der allgemeinen Besprechung wurde die eigenartige Auffassung der Untcrrichtsverwaltung über das Wesen der akademischen Freiheit von verschiedenen Rednern einer scharfen Kritik unter- zogen. Der Pole v. Mizerski protcstterte energisch gegen die Beschränkungen, die den polnischen Studierenden an der Berliner Universität auferlegt werden, insbesondere über die Verlünimerung ihres Vereinsrechts. Als Antwort darauf leierte der Kultusminister S t u d t eine seiner bekannten Polenreden herunter. Die polnischen Sttldentenvereine ver- folgen nach seiner Meinung hochverräterische Zwecke, und die Regierung nrntz im Interesse der Aufrechtcrhaltung des Deutschen Reiches gegen sie elilschreiten. Es muß fürwahr sehr schlecht um das Deutsche Reich bestellt sein, wenn es sich so sehr vor einigen polnischen Studenten fürchtet. Von der gleichen Furcht ist der Minister vor dem social- wissenschaftlichen Studentenvcrein beseelt. dessen Auflösung Abg. Dr. Müller- Sagan(frs. Vp.) zur Sprache brachte- Der Geist des seligen Herrn v. Stumm geht um, meinte der Redner. Ebenso wie Abg. Dr. Müller mißbilligten auch die Abgeordneten W e t e k a m p(frs. Vp.) und Dr. Friedberg(natl.), dieser allerdings in sehr be- dingter Form. die Auflösung deS socialwissenschastlichen Studentenvereins. Zur Verteidigung des Verhaltens der Universitätsbehörden erhob sich niemand, selbst die Rechte ließ die Regierung im Stich und hüllte sich in Schweigen. Die Regierung selbst beschränkte sich darauf, durch einen Geheim- rat erklären zu lassen, daß sie das Vorgehen des Rektors und des Universitätsrichters billige. Gründe dafür gab sie nicht an. Seine Unduldsamkeit beivies das Centrum und mit ihm ein Teil der Konservativen wieder einmal, indem es die be- rcits im vorigen Jahre abgelehnte Forderung für die Altkatholiken auch diesmal zu streichen beantragte. Die Mehrheit des Hauses nahm jedoch die betreffende Position in namentlicher Absttmmung mit 154 gegen 129 Stimmen an. In der nächsten Sitzung, die erst am Donnerstag stattfindet, wird der K u l t u s e t a t weiter beraten.— Deutsches Weich. Die Fiuauzklemme der Einzelstaaten. Die Regierung von Schivarzburg- Rudolstadt hat beschloffen. Ivegen der geplanten Erhöhung der Rlatrikularbeiträge in Gemeinschaft mit den übrigen thüringischen Regierungen der Reichsregieriuig die finanzielle Unmöglichkeit ans- zusprechen, über die bisherigen Matriiular beitrüge hinausgehen zu können. Staatsmiilista v. Stark wird sich, wie die.Leipziger Volkszeitung" meldet, zn diesem Zwecke nach Berlin begeben. Die üble Finanzlage der Kleinstaaten ist unbestreitbar. Dennoch können sie nicht die Pflicht von sich abtvälzen, ihr» verfassungS« mäßigen Beiträge zu den Reichskostcn zn entrichten. Sie selbst tragen die Schuld an ihrem Schicksal. Ohne die Zn- stimmnng der Regierungen der Einzelstaaten hätte das Reich nicht die tvahnsinnige Steigerung der Kosten für Heer, Marine, Kolonial- und Wcltpolitik durchsetzen können. Es ist mir die einfache Kon- sequenz der jämmerlichen Nachgiebigkeit der einzelstaatlichen Re« gieruiigen. wenn jetzt die Finanzen in Berwirnnig geraten. Die Einzelstaaten haben sonach kein Recht und auch keine Mög- lichkeit. sich gegen die Erhöhung der Matriknlarbeiträge aufzulehnen. Wollen sie ihre eignen Finanzen retten, so bleiben ihnen nur ztvei Wege übrig: Sie müssen erstens gegen jede Steigerung der weltpolitisch- militaristisch- marinistischen Ausgaben im Bundesrat stimmen und zweitens auf eine Reichs» Einkommeilsteuer hin- wirken.—_ Der Zollliorstost im Abgcordnctenhause wird zu einer einheitlichen Demonstration nicht führen. Die Freikonservativen habe» abgelehnt, den konservativen Antrag zu unterzeichnen und bringen einen abscbivächenden Vernnttlungsantrag ein. Da die National- liberalen gleichfalls sich von dieser Ueberzoll-Aklion fernhalten, ist ein geschlossener Druck ans die Regierung vereitelt. Der Antrag der Konservativen und des Centmms lautet: .Die Staaisregienmg anfziifordenr, inr Bundesrate dafür einzutreten, daß den von der Mehrheit der RcichstagS-Zolltaris- kommission ausgedrückten Wünschen ans Verstärkung deS landwirtschaftlichen Zollschutzes über die Zolltarifvorlage hinaus entsprochen werde." Die Freikonservntiven dagegen beantragen, den konservativen Antrag i» folgender Fassung anznnehmen: .Die königl. Staalsrcgiernng zu ersuchen, im Bundesrat dafür einzutreten, daß eine Verständigung mit dem Reichs- tage betreffs der von der Zolltarif-Kommission gefaßten Be- schlüsie auf Verstärkung des Zollschntzcs für die Landwirtschaft über die Sätze der Zolltarif-Vorlage herbeigeführt werde."— Die Zollwncher-Dtätc». Dem„Hannoverschen Courier" wird aus Berlin geichriebe», daß die Socialdemokraten im Reichstage bei der Beratung über den zu erwartenden Diätep- Gesetzenttvnrf die Diäten frage überhaupt aufrollen werden und daß sie bei Ablehnung von ständigen Diäten für den Reichstag auch die AuSnahmediäten für die Zolltommission ab- zulehnen beabsichtigen; auch die Freisinnigen würde» sich diesem Vorgehen anschließen. Die Mitteilung des„H. C." kann nur auf unverbindliche Gerüchte beruhen, da die socialdcmokratische ReichstagS-Fraktion bisher sich mit dieser Angelegenheit noch nicht befaßt hat und Beschlüsse nicht vorliegen. DaS aber erscheint allerdings von vonihercin außer Zweifel, daß die Socialdemokratie es ablehnen tvird, der Regierung und den Konservativen, die ein großes Diätengesetz verweigern, durch Be- willigung von Ansnahmediäteit den schmählichen Zollwucher zu er- leichtern.— Des Prinzen Nückkehr. Prinz Heinrich hat am Dienstag die Heimatreise angetreten, nachdem et zuvor in Philadelphia die Ans- sührnng des„Weißen Nößl" gesehen und seine letzte Rede gehalten hatte. In dieser Rede hat er' sich, wie eS sich gehört, für freundliche Aufnahme bedankt und im übrigen die nicht miintereffante Mitteilung gemacht, daß er dem ihm in der Heimat gewordenen Auftrag nicht ganz treu geblieben sei.„Mir wurde gesagt, so erzählte Prinz Heinrich, bevor ich meine Reise antrat, meine Augen und Ohren so weit Ivie möglich zu öffnen und so wenig wie möglich z n sprechen. In dieser letzteren Beziehung bin ich bange, daß meine Mission fehlgeschlagen sei." Die„Nordd. Ällgeni. Ztg." feiert in einem durch Influenza ge- milderten Bülow» Pathos die„Erfolge" der Prinzenrctse. Tie Amerikaner aber eile» neueren Seusalionen entgegen.— Den tollen Drcschgrafcn beuten die Berliner Antisemiten weiter in der schamlosesten Weise finanziell aus. So ließen sie den gestörten Edlen am Montag abermals in Berlin rede». Als Herr Piickler zu einem Sturm auf die.verjudete Reichsbank" aufforderte, wurde die Bersantmluiig aufgelöst. Inzwischen hat die Glogauer Staatsanwaltschaft gegen den Grafen P ii ck l e r Anklage wegen Vergehens gegen§ 305 des Strafgesetzbuches erhoben. NittergntLbcsttzer MetsK er in Skehden batte auf einem vom Grafen Pückler gepachteten Stück Land eiuc Feldbahn angelegt, die Graf Pückler zerstören ließ. Die Verhandlung findet am 20. März vor der Glogaucr Straf- lammet statt. Der Paragraph des Strafgesetzbuches bedroht mit Strafe nicht unter einem Monat Gefängnis:„>ver vorsätzlich und rechtswidrig ein Gebäude, ein Schiff, eine Brücke, einen Damin, eine gebaute Straße, eine Eisenbahn oder ein andres Bauwerk, welche fremdes Eigentum sind, ganz oder teilweise zerstört". Da der tolle Graf in diesem Falle nicht nur.bildlich" ge- stürmt hat, sondern seinen kranken Zerstörungstrieb real bethätigt bot, ivird sich das Gericht nun wohl, um ihn vor dem Gefängnis zu dewahren, mit seiner Zurechnungsfähigkeit beschäftigen. Was würde wohl mir einem gewohnlichen Schulze oder Müller geschehen, der in dieser Weise auftreten würde I— Eine BiSmarck-Debatte im Frankfurter Stadtparlament. Aus Frankfurt a. M. wird unS geschrieben: In der letzten Stadtverordneten-Sitzung kam es zu einer erregten Debatte über den verstorbenen„NationalheroS". Den Anlaß dazu gab eine Magistratsvorlage, die bezweckt, vor dem neue» Sckiauspiel- Hause, das im Oktober eröffnet werde» soll, ein BiSmarck-Denlnial zu errichten. Der Gedanke hierzn geht vom Oberbürgermeister Adickes aus, der eS seiner Zeit auch durchgesetzt hat, daß vis-a-vis dem Operuhause ei» Kaiser Wilhelm»Denkmal errichtet wurde. Dieses neue Projekt wurde von dem socialdemokratischcn Vertreter, Genossen Dr. Quarck, auf das entschiedenste bekämpft. Unter Bezugnahme auf amtliche historische Dokumente erinnerte er daran, daß gerade Bismarck es war, der Frankfurt 1866 um meisten brutalisiert und ihm seine politischen Rechte und Freiheiten ge- noinmcn hat. Bismarck, der sich hier seiner Zeit als Gesandter sehr ivohl fühlte und gern in den Kreisen der Frankfurter Bürgerschaft aus- und einging, habe sich 1866 nicht gescheut, gegen dieses nämliche Frankfurt gerade die allerschrosjsten Maßregeln zu ergreifen. In dem bekannten Prozeß, den 1868 preußische Gerichte gegen die„Frankfurter Ztg.", die damals das Bisniarcksche Gewaltregiment mit anerkennenswerter Offenheit kennzeichnete, austrengteu, wurde eidlich erwiese», daß Bis- marck der Stadt die Abschueidung von Post-, Telegraphen- und Eisen- bahnverkehr, Schließung aller Wirtschaften, schließlich Verhinderung jeg- lichen Verkehrs angedroht hat, um sie zur Zahlung von 2ö Millionen Gulden Kriegskontribution zu zwingen, obwohl Frankfurt gar keinen Krieg geführt habe. Er beabsichtigte also nichts andres als eine Aushungerung der allerschofelsten Art, eine gemeine Erpressung. n r g. Er entzog dem Referenten daS Wort, indem er wahrscheinlich an daS sächsische Vereinsgesetz dachte. Darauf auf- nierksam gemacht, daß er dazn in Preuße» kein blecht habe, erwiderte er, daß er es nicht so gemeint habe. Er hatte überdies vorher noch verschiedene Berwechselungen begangen. So hatte er verlangt, daß jeder, der einen Zwischcnnif mache, ihm seine Adresse geben müsse. Tann verlangte er die Entfcrimng der Frauen, weil die Versammlnng eine politische wäre. Auch in diesen Fällen hatte er sich aber belehren lassen, daß seine Forderungen imberechtigt seien. Die Arbeiter, die vom Versaimnlnngsrecht Ge- brauch machen, müsse» das Gesetz schon ettvas besser kenne», sonst mache» sie mit dem Strafrichter Bekanntschaft. Aus IndulU'io und Handel. Tie BreSlaucr TiScoutobank, die im Sommer vorigen Jahres mit z» denjenigen Banken zählte, die in arge Bedrängnis gerieten, soll illnimehr, nachdem das Projekt, den Präsidenten der Ccntralgcnosicnschastskasse. H e i l i g c n st a d t. für die Leitung zu getvinnen, fehlschlug, der Dnrmstädter Bank angegliedert werben. Das Akuenkapital der Bank in Höhe von 60 Millionen ist durch Beschluß der Gcncralversnnimlung im vorigen Jahre auf 45 MiNionen herabgesetzt und mm soll bei deni Ucbergang iveiter eine Reduzierung auf 25 Millionen erfolgen. Zu dem Zweck Ivird von der Darmstädtcr Bank den Aktionären der BreSlauer DiSconto-Bank nach Rückzahlung der nom. 20 000 000 M. mit 18 200 000 M. der Umtausch in nom. 16 666 666 M. Aktien der Darmstädtcr Bank mit Diuidetidenbcrcchtigung vom 1. Januar 1902, also im Verhältnis von 3 Aktien der BreSlauer Disconto-Bank gegen 2 Aktien der Dnrmstädter Bank unter Gewährung einer Umtansctwergütung von 6 Proz. auf den zusammengelegten Nennbetrag ihrer zum Umtausch eingereichten BreSlauer Disconto-Bank-Aktien. angeboten. Es erhält also der- jenige Inhaber von Aktien der Breslauer Disconto-Bank, ivelcher den letztgedachte» Umtausch bollzieht, nach dem letzten Kurse der Darmstädtcr Bnnk-Akticn berechnet und unter Berücksichtigung der obigen Rückzahlung, circa 95>/, Proz. ' Die Berliner Abteilung der BreSlauer DiSconto-Bank wird auf- gelöst, während die Bank in ihren schlcsischen Abteilungen mit dem Kapital von nom. 25 000 000 M. als selbständiges Institut bestehen bleibt. Die Darmstädler Bank ivird die sämtlichen Aktiven und Passive» der Breslauer Disconto-Bank. soiveit sie den obengedachtcn Betrag von 26 000 000 M. übersteigen, sowie die laufende Kundschaft der Berliner Abteilung übernehmen. Die Transaktion wnrde von der Börse günstig aitfgefaßt, die Aktien der Breslauer DiScontobank zeigte» eine Anftvärtßbewegnng bis zu 7 Proz. Die Darmstädter Bank dehnt damit ihren Geschäfts- kreis erheblich aus, sie schöpft ans dem Zusammenbruch der Kon- kurrenz neue Kräfte— ein Vorgang, den wir während der Krise wiederholt beobachten konnten. Die Bilanz der Breslauer DiScontobank schließt mit einem Reingelvinn von 1 758066 M. gegen 3 760 881 M. im Vorjahre. Aber diese Summe verschumidet bei weitere» Abschreibungen »»sicherer Bestände in Effekten, Konsortialbeteiligung und Wechsel, so daß auch der Reservefonds von 6 000 000 bis auf 985 000 M. gekürzt wird. Die Bilanz gicbt allein bei den Kreditoren, die noch 35 471602 M. betragen, gegen daS Vorjahr einen Rückgang von 7 286 401 M. an. Die Debitoren. Lombard- und Wechselbcstände sind von 122 270169 M. im Vorjahre auf 67182 342 M. in diesem Jahre herabgegaiigen. Die Bank, die im vorigen �jahre 4 Proz. Dividende verteilte, läßt in diesem Jahre die Aktionäre leer ausgehen, ohne die sonstigen Ver- lnste, die ihnen das System Landau eintrug. Die Hamburg-Ainrrikanische Packetfahrt-Gesellschaft ivird in der nächsten Generalversammlung die Ausgabe von 20 Millionen Marl neuer Aktien beantragen. Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt 30 Millionen, eS ist in rascher Folge— im Jahre 1896 stand eS noch auf 30 Millionen Mark— auf dieser Höhe angelangt. Daneben sind im Jahre 1893 Obligationen im Betrage von 16 Millionen Mark verausgabt, von denen ein Teilbetrag schon eingelöst ist, und im Jahre 1901 wurde die Aufnahme von 27 600000 M. Obligationen beschlossen, von denen erst 9 Millionen zur Ausgabe gelangten. Die überaus schnelle Entlvicklung der Gesellschaft hat vielfach Bedenken erregt, die sich steigerten, als im vorige» Jahre bei der schlechte» Lage des Frachlenmarttcs auch im Schiffsverkehr dieser Gesellschaft Stockungen eintraten. Mittlcrtveile sind ja mit eng- lischen Gesellschaften»nd in letzter Zeit mit amerikanischen Jntcr- essentcn Verhandlungen gepflogen, um die Konkurrenz im Schiffahrls- berkehr einzudämmen, aber welcher Art diese Verhandlungen waren, ist mit Bestimmtheit nie berichtet worden. Es ist in der Angelegen- heit eine Geheimniskrämerei getrieben, die geeignet ivar. die Unsicherheit»nr noch zu vermehren. Der Geldbedarf der Gesellschaft ist durch die Aufträge neuer Schiffsbauten erklärlich. Hieß es doch vor kurzem, daß für 42 Millionen neue Schiffe im Laufe des Jahres abzunehmen sind. Die Aufträge sind unter dem Eindruck der Hoch- konjunktur vergebe», heute ist sehr daran zu zweifeln, daß für das hinzu- kommende Schiffsmaterial genügende Verwendung vorhanden sein wird. Denselben Verhältnissen war nnsre zweite große Schiffsreederei, der Norddeutsche Lloyd, unterworfen, der vor Monaten seine Lieferverträge für Schiffsbauteu verlängerte. Die Erhöhung des Aktienkapitals muß um so mehr überraschen, als die Verwaltung bisher alle derartigen Gerüchte dementierte, schließlich ist doch die Erkenntnis zu einem solchen Schritte der Verwaltung nicht über Nacht gekomme», oder sollte Herr Ballin nach der Unterhaltung mit Herrn Morgan aus der Rückfahrt von Amerika den Plan erst erwogen habe»? Perlt»»nd Umgegend. Ter Streik i» der„Jndustria". Die Firma Jndnstria vir, daß cin Lohntarif oder viel- m e h r e i n A c c o r d t a r i f a u s g c h ä n g t werden sollte. Diese Forderung war notwendig, weil der Meister Bahr in einer Weise, die das Mißtrauen der Arbeiter erregte, die Accordpreise fest- setzte. Des weiteren verlangten wir angesichts der völlig»n« ziircichendc» Preise auf Zinkarbeit, daß gelernten Arbeitern bei Accord- arbeiten ci» Mindestverdicnst von 45 Pf. garantiert würde. Eine gewiß bescheidene Forderung. Auch die Abzüge, die nicht nur einmal, sondern des öfteren gemacht wurden, wollten wir uns nicht gefallen lassen. Schließlich forderten wir die Wiedereinstcllnng eines Kollegen, der stets zur Zufriedcnlieit des Meisters gearbeitet hatte und erst von der Zeit an dem Meister ein Dorn im Ange war, als es dem Meister bekannt wurde, daß der betreffende Kollege e« war, der die übrigen auf das Ungehörige der überlangen Arbeitszeit und die sonstigen Mißstände im Betriebe ansmerksam gemacht hatte. Ob eine umvürdige Behandlung vorliegt oder nicht, können die Herren Seligmann n. Oppenheim nickit entscheiden; das muß man »»frei» Empfinden schon Überlassen. Die Herren meinen eben, die Behandlung, die sie den Arbeitern zn teil werden lassen, sei Arbeitern gegenüber angebracht und würdig, während wir andrer Meimnig sind. Wir erinnern Herrn Seliginaim beispielsweise an die Be- Handlung, die dem Vertreter»nsrer Organisation zu teil wurde. Die Sticikcndeii der Finna Jndnstria. Achtung, Kleber«nd Vaichandwcrkrr! Die Bauten Prager- straßen- und Spickiernstraßen-Ecke(Unternehmer Kuppe u. S p ä t h, Klopstockstraße). Chnrloltenbnrg, Danckelmannstr. 13(Unternehmer Achilles, Jsslandstr. 4), ReaenSburgerstr. 20(Unternehmer Zander, Charlottenburg. Sprcesiraße), RegenSburgerstr. 32(Unternehmer Schi» all an, Neue Winterfeldtslraße). Motzstraße. Ecke Nene Ansbacherstraße(Unternehmer Witt, Dessanerstraße), Friedenau, Goßlerstraße 22(Unternehmer Kauf m a n n, Adolfstr. 12a), Kopen- Hagenerstraße 7 und Ebertystr. 88(Unternehmer Otto, Danziger- stratze) sind wegen Nichtzahlung der Tarifpreise gesperrt. Der Unternehmer S ch i e b l i ch, Bülowstr. 36, hat seine Unterschrift zurückgezogen und sind die Bauten Charlottenbnrg, Gnerickc- straße, und Lchöneberg, Hohenstanfenstr. 36, wieder gesperrt und die Berechtigiingskarteii der dort arbeitenden Kollegen ungültig. Bewilligt haben noch die Firmen Eugen Schmidt. Nixdorf: N. Starke. Wilhelmstr. 27; H. K l e t t e, Kessclstr. 23; Stein- bor», Drcsdoiicrstr. 84; Roth, Weslfälischestr. 50, und Ka blich, Lichtcrfelde, Karlstraße. Die Loh nkom Mission der Kleber Berlin» und U m g e g e ii d. Tcutsche« Reich. Schneiderbcwcgniig. Nachdem nun in Flensburg die Schneider wirklich zu einer Arbeitsniederlegung geschritten sind, haben sich die Herren Arbeitgeber endlich zn Verhandlungen bequemt; über das Resultat derselben ist»och nichts bekannt.' 4- Jn N o r d h a u s e n sind bei der Firma Heilbrium Differenzen ans- gebrochen. Die daselbst beschäftigten Schneider verdienen den horrenden Lohn von 6 bis 8 M. die Woche, für den sie nicht mehr weiter arbeiten wollen.— I» Mai n z sind die Arbeiterder Firma Herzbera in de» Ausstand getreten.— In O f f c n b a ch a. M. haben die Arbeiter ihre Forde- rmigcn am Donnerstag voriger Woche eingereicht. Bis Somiabcnd haben 3 Firmen dieselben bewilligt, bei der Finna Weinberg traten die Arbeiter in den Streik nnd bei den übrigen Firmen schweben Uiiterhandlimgen.— Die Lohnkommisston der Schneider in u l IN hatte für Freitag eine Konferenz mit de» Geschäftsinhabern an- geregt, die jedoch nicht erschienen nnd schriftlich durchivcg ab- lehnend antivortetc». Darauf kündigten die Gehilfen am Sonnabend in sämtlichen Geschäften. Wenn nicht nachträglich eine Einigung zu stände kommt, dürfte der Streik am kommende« So»»- abend ausbrechen. Die Schnhinacher i» Kiel haben am Montag ihre Kündigung eingereicht. Der Obcrnicister der Innung hatte es in einem Briefe an die Lohiikoniinissioii als„ganz zwecklos" bezeichnet, eine genieiii« fame Sitziing abzuhalte». Der Beschluß, die Kündigmig vor- zimchnieii, wurde infolge dicseö Verhaltens der Jmumg von den Schuhmachern mit 112 gegen 4 Stimmen gefaßt. Ter Streit der Klempner«nd Planierer der Emnillefirina Spriiigormns n. Co. bei Düsseldorf ist durch Vennittelimg des Eiuigungsamtcs beigelegt. Die Stimmung iu Greiz ist noch immer eine gereizte. Den Arbeitgebern will eS nicht einleuchte», daß sich die dnrch den Streik viel sclhstbewttßter getvordenen Arbeiter nicht mehr so behandeln lassen, ivie daS früher üblich war; die Arbeiter dagegen verlangen außer der Schätzung ihrer Arbeitskraft jetzt auch die Respekticrinig ihrer Menschenwürde. Infolgedessen kam es schon in der Fabrik von Timmel Reibereien. Dort soll»ieiiiaiid die Fabrik verlassen, auch in den Pansen nicht. Als sich ein Arbeiter zum Frühstück ettvas zimi Brot holen wollte, wurde ihm dieses verboten. Sofort lvurde eine Koumiissiv» ins Coniptoir geschickt mit dem Bemerken, daß man sich dies nicht gefalle» ließe. Der Fabrikinhaber ginq dann mit der Kommission zu den übrigen Arbeitern und sagte ihnen, daß niemand mehr hinaus dürfe. Ein allgemeines Hallo und Gelächter folgte seinen Worten — Die Arbeiter stützen sich daraus, dax von den Venretern deS Fabrikaiitenvereins eine halbe Stunde Frühstück und Vesper bewilligt worden sei. Ausland. Die BäiterauSspcrrnug in Göteborg. Der Besitzer einer größeren Dampfbäckerei hat. veranlaßt durch ore mrederholten Demonstrationen, beschlossen, die zehn bei ihm beschäftigten deutschen Streikbrecher zu entlassen. Dt« übrigen Bäckereibesitzer sollen dagegen bis aus weiteres nicht dazu geneigt sein.— Infolge der Bemühungen des Landeshauptmanns in Göteborg, Freiherrn L a g e« b r i n g. haben sich die Unter nehmer zu Verhandlungen bereit erklärt die am Dienstag unter seinem Vorsitz stattfinden sollten. Wie es heißt, soll Lagerbrtng bestimmt die V e r abschiedung der deutschen Streikbrecher ver langen. Die Stockholmer Bäckergesellen haben beschlossen. zunächst den Ausgang dieser Verhandlungen abzuwarten, ehe sie weitere Maßregeln zu Gunsten der Goleborger ergreifen. In Göteborg wurden am Sonntag überall Ausrufe angeschlagen unter- zeichnet vom Vorstand der Bäckerorgairisation»nd dem.Ny-Tid* Redacteur Lindblad. worin die Bevölkerung ersucht wird, während die Verhandlungen stattfinden. kein« Demonstrationen mehr zu veran st alten. Wie konstatiert wurde, haben sich die Bäckereiarbeiter an den Demonstrationen vom Sonnabend nicht beteiligt. Es sollen sich an derselben mindestens ein paar tausend Personen beteiligt haben Der Polizeimeister der Stadt scheint sich redliche Mühe zu geben, um ans gütlichem Wege die Ruhe herzustellen, in berichtet wird, ging er vor einer Bäckerei von Gruppe zu Gruppe unter den Demonstranten. um sie zu beruhigen. und wandte sich, da er keinen Erfolg hatte, an den Redacteur Lindblad. dem es dann auch gelang, die Masse zum Verlassen des Platzes zu betvegen. Der Polizei in ei st er und der socialdemokratischeRedacteur gingen dannneben einander an der Spitze des Zuges der Demonstranten, um an andrer Stelle wieder beruhigend einzuwirken.— Später am Abend kam es dann wiederum vor einer Bäckerei zu größere» An sammlungen. Hierbei griff die Polizei grob ein. so daß die Menge äußerst erbittert ivurde. Auf beiden Seiten kamen Verwundungen vor. wenn auch nicht ernsterer Natur. Sortsles. Die„Frankfurter Zeitung" beschäftigt sich nochmals mit nnsrer Stellungnahme zur Ausführung des Gewerbegerichts-Gesetzes. Daß sie immer»och allerlei Ausstellungen an unsrem Verhalten macht, bekümmert uns nicht; es bekümmert uns auch nicht die Be hauptung, daß wir auf die von ihr für wertvoll gehaltenen Dar legungen schwiegen. Dagegen möchten wir nicht unterlassen festzu- stellen, daß sich die ganze Polemik der„Frankfurter Zeitung" auf eine Unterschlagnng der Wahrheit stützt. In unsrer Notiz in Nr. S8 hatten wir bemerkt, die„Frankfurter Zeitung" scheine de»„Vorwärts" schlecht zu lesen, sonst hätte sie wissen müssen, daß wir schon am 1. Februar Herrn Möller gegenüber das Nötige gesagt haben. Mög lich, daß ihr dieser Artikel entgangen ist. Nachdem wir aber jetzt besonders darauf aufmerksam geiiiacht haben iind sie diese Thatsache trotzdem auch jetzt noch unerwähnt läßt, kann nur böse Absicht zu Grunde liegen. Die Arbeitslosigkeit hat den Minister Thielen veranlaßt, die Behörden anzuweise», daß sie alle Hochbauten inöglichst schnell soweit fördern sollen, als es die vorhandenen Mittel erlauben. Die An iveisung kommt etwas spät, aber es ist immerhin die Anerkennung der Arbeitslosigkeit darin enthalten. Die vielfach durch die Arbeiter selbst vorgenommenen Feststellungen der herrschenden Arbeitslosigkeit kann man eben nicht mehr abstreiten. Bei einer ArbeitSlosciizählung wurden im„Planenschen Grunde", einem Jndnstriebezirk bei Dresden. 954 Arbeitslose ge zählt. Davon waren 387 ledig, 666 waren verheiratet und hatten 1371 Kinder. Die Gesamtdaner der Arbeitslosigkeit betrug 8764 Wochen. Die vstreichische Arzneitaxc. Ebenso wie daS württem bergische ist auch das'östreichische Ministerium des Innern der Aw ficht, daß die Apothekenbesitzer gesetzlich aiizuhalten sind, auf die für Rechnung der Krankenkassen ec. gelieferten Arzneien eine bestimnitc Ermäßigung von dem allgemeineii Taxpreise zu gelvähren. Zu diesen, Zweck bestimmt das östreichische Ministerium des Innern in der am 29. November 1991 erlassenen Arzneitaxe für das Jahr 1902 in K 11:„Bei der Taxierung von Rechnungen der nach dem Kraiikenversichernngs-Gesetz eingerichteten soiuie der unter staatlicher Kontrolle stehende» Krankenkassen ist vom Apotheker ein Nachlaß von Ivenl g sten s f ü n f P r o z e n t des ermittelten taxinäßigen Arzneipreises zu gewähren. Höhere Nachlässe bleiben der Ver- einbarung zwischen Apothekern und Krankenkassen überlassen. In strittigen Fällen sind die politischen Landesbehörden ermächtigt, den Apothekern eines bestimmten Krankenkassen- gebietes, insbesondere der Hauptstädte und Jndustrieorte, nach Maßgabe des in demselben stattfindenden Medikamenten- Umsatzes für Rechnung der gedachten Krankcnkassen sowie nach Maßgabe der lokalen Verhältnisse einen höheren Prozentnachlaß und zwar ins zu 15 Proz. des g e s a m t e n Taxpreises vorznschreibe», wobei stets ein gleichmäßiges Vorgehen bezüglich aller Apotheken des betreffenden Gebietes zum Ziveck der Hintanhaltung von Stö- riingen der regelmäßigen Medikamentenversorgung des Publikums innerhalb der amtlich festgesetzten Absatzgebiete der Apotheker zu be- obachlen ist." Kann sich denn der preußische Handelsminister nicht auch von der Notwendigkeit einer solchen gesetzlichen Bestinimung überzeugen? und Da- A«s Vev FrttttrnbeiVegnng. Bei der preußischen Staatsbah» sollen im Telegraphen Güterabfertigungs-Dieiiste iveibliche Beamte angestellt werden. gegen werden im Kanzleidienste bei den Staatsbahnen keine Frauen »ud Mädchen mehr beschäftigt iverden. Die jetzt in diesem Dienste thätigen'.verde» bei der Fahrkarten- Ausgabe, bei der Telegraphie und der Güterabfertigung verwendet werden. Bu deni z e» st r. 66, zu richten sind und nicht an die Redaktion des„Vorwärts". Die Parteiblätter der obigen Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokalkommission. Zur Lokal-Liste. Am Mittwoch, den 12. März, ver- anstaltet der„Berliner L i e d e r k r a n z" in den Konkordia« Sälen, Andreasstraße, ein Konzert; ferner am M o n t a g. den 17. M ä r z, der M ä r k i s ch e C e n t r a I- S ä n g e r b n n d einen ogenannten Harmonie-Abend in Kellers Festsälen, Köpenicker- traße 96— 97, an welchem die Vereine„Ahorn",„Accordia" und„B r e n n a b o r" mitwirken. Da die Mitglieder dieser drei Vereine hanptsäcklich organisierte Arbeiter sind, so ver- 'ucht man, in Arbeiterkreisen Billets abzusetzen. Wir weisen darauf hin, daß man diejenigen Vergnügen streng zu meiden hat. die i» Lokalen stattfinden, welche der gesamten Arbeiterschaft zu Versammlungen zc. nicht zur Verfügung stehen. Die L o k a l- K o in m i s s i o n. Schöneberg. Heute, Mittivochabend 8l/z Uhr, findet in Obsts Festsälen eine Versammlung des Vereins für F r a u e n und Mädchen von Schöneberg und Umgegend statt, in ivelcher Dr. Friedeberg über„Frauenarbeit und Bernfskrankheiten" einen Vortrag halten wird. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt. Vevfsunmlunjgen. Die Taktik der Tapezierer nach Ablauf deS Vertrages wurde an, Montag in drei gutbeinchten öffentlichen Tapezierer- versammlnngen besprochen. In der Versanimliing, die bei Cohn in der Beuthstraße stattfand, referierte der Verbandsvorsitzende Leo Schmidt. Er führte unter ander», aus, daß die Gehilfen ein- getreten sind für eine Verlängerung des im Jahre 1800 vor dem Eiiiigungsanit abgeschlossene» Vertrages, und daß sie auch in diesen, Sinne Anträge an die Arbeitgeber gestellt haben. De» letzteren ei aber das Vertrags- Verhältnis nicht mehr genehm, und habe denn die Innung beschlossen, von der Ab- schließung eines neue» Vertrage? mit den Gehilfen Abstand zu Kenntnis von der ab- die Lohn- und Arbeits- Sie sieht einen Mangel Stellungnahnie. die den über die Lohnverhältnisse Die Versammlung verpfliclitet jedoch während der iarislosen Zeit nur nehmen. Das Vertragsverhältnis ist»im am 1. März abgelaufen. Die Orrsverwaltung des Verbandes und die Vertraiieusmänner seien dahin einig geworden, daß nach Ablauf des Vertrages mit Rücksicht auf die gegenwärtige ungünstige Geschäftslage neue Forderungen seitens der Gehilfen uichl gestellt werden iallen dagegen soll unter allen Umständen die Jnnehaltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, ivie sie in dem seitherigen Tarif festgelegt waren, verlangt iverden. Von dem 60 Pfennig- Stnndenlohn würden die Gehilfen keinen Pfennig ablassen. Jeder Veriucb einer Lohnkürzung werde entschieden ab- gewehrt werden. Die Organisation werde jede derartige Abwehr unterstützen, iofern die Vorausieyuiigen dazu erfüllt werden.— Nach lebhafter Diskussion, die sich im Sinne des Referats bewegte, wurde die folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Ver- sammluiig nimmt mit Bedauern lehnenden Halluiig der Arbeitgeber bedinglliigen vertraglich festzulegen. socialpolitischer Erkenntnis in einer Arbeitern das Mitbestimmungsrecht unmöglich machen will. alle Kollege». auch unter den bisherigen Vertragsbedingungen zu arbeiten und überall da. wo dieselben nicht eingehalten werden, dafür einzutreien. Ganz besonders werden die Kollegen verpflichtet, in Accordwerkslätten an den vor zwei Jahren festgelegten Zuschlägen von 10—15 Proz. fest- zuhalten, eventuell dies jetzt nachzuholen. In den beiden andren Versammlungen wurde diese Resolution gleichfalls angenommen. Cöpnick. Am Freitag, den 7 März, fand hier eine Versamm- lung des Gewerkschaftskartells gemeinsam mit den Vorständen der an das Kartell angeschlossenen Gewerkschaften statt. I» derselben hielt Herr Fabrikinspektor M e n t? einen Vortrag über:„Geiverbe- Inspektion und Gewerbehygiene. mit besonderer Berücksichtignng des weiblichen Geschlechts". In fünfviertelstündigem Vortrag erledigte der Herr Jnspekior in sehr verständlicher Weise unter großer Auf- merkianikeit der Versammelte» seine Aufgabe. Er hielt es namentlich für ivüiischenswert. daß die Arbeiter mehr Vcrtranen zu der staatlichen Inspektion gewinnen möchten, und legte den Vorständen ans Herz, in ihren Kreisen dazu beizutragen. Er bedauerte auch, daß nicht mebr Gebrauch von den Sprechstunden gemacht werde', bisher hat in Köpenick nicht ein einziger Arbeiter dieselben besucht. Die Sprech- stunden werden jeden Sonnabend nach dem ersten im Monat von 6 bis 7 Uhr iin Sitzungssaale der Stadtverordneten abgehalten, bezm. werden jeden ersten und dritten Sonntag ini Monat von 10 bis 11 Uhr vormittags im Bureau. Großbeerenstr. 75, zu Berlin Beschwerden entgegengenommen. Nach dem Vortrage ivurden verschiedene Anfragen an den Herrn Inspektor gerichtet und auch Beschwerden über niehrere Betriebe zur Kenntnis gebracht. Der Vorsitzende richtete zum Schluß noch die Frage an den Herrn Inspektor, wie er sich dazn stellen iviirde. wenn vom Kartell eine Kommission gebildet würde, um die Vermittlung zwischen Inspektion und Arbeitern herzustellen. Der Herr Inspektor lehnte dies kurzweg ab. Er müsse persönlich alles in Empfang nehmen, eventuell auch schriftlich mit vollständiger Raniens- »ennnng. Die Arbeiter würden keine Angeberei von seiner Seite zu befürchten haben. Die Arbeiter mögen nur Vertrauen zu ihm haben, er sei gern bereit, alles zu untersuchen, was zu seiner KeimtniS gelangt. An den Arbeitern wird es liegen, recht fleißig von den Sprechstunden Gebrauch zu machen und die Vorstände werden hoffentlich in den Versammlungen des öfteren darauf hiniveisen. Centralverband der Handlungsgehilfe« und Gehilfinnen Teuischlands.(Bezirk Berlin.) Mittwochabend 9 Uhr, Arminhallen, Kommaiidaiitenstrasje 29, Vortrag des Frl Fannp Jmle über:„Arbeits- losenverjicheruug" Baste willkommeii. Tehte UtachvirTzkett und DepepHei«. Diäten an die Zollkommisfio«. Frankfurt a. M., 11. März./s2 Uhr Arbeiter mit dem Ausschachten des Saugkanals beschäftigt, als plötzlich eine bereits fertiggestellte Seitenmauer des Kanals zusaninienbrach nnd fiinf Arbeiter unter sich begrub. Drei der- selben tvurden, zum Teil schwer verletzt, hervorgezogen. Die beiden anderen sind tot; beide sind verheirathet und Familienväter. Unter den Verunglückten definden sich zwei Brüder, von denen der eine ver- wundet. der andere tot ist; der Vater entging durch Zufall der Katastrophe. Paris, 11. März.(B. H.) Im Eckhause der Rne Montmartre und der Riic d'Uzös vrach kurz nach 8 Uhr gestern abend Fenrr i», Seidengeschäft von Blum aus, welches schnell gefährliche Dimensionen annahm. Das Treppenhans ist zerstört. Die Feuertvehr arbeitete mit größter Anstrengung, um die Einivohner zu retten. Im fünfstöckigen Eckhause befanden sich die Warenlager mehrerer Band- und Blnmenfabriken, die vor den, Ausbruch des Feuers geschlossen wurden. Das Feuer hatte die oberen drei Etagen ergriffen.— Ein Telegramm von 11 Uhr 25 Min. besagt: Bei dem Brande sprang ein Arbeiter, namens Schneider, aus dem ziveiten Stockiverk und wurde schwer verletzt. Die Feuerivehr konnte die übrigen Bewohner retten, darunter auch den Abgeordnete» Mesurcnr mit Frau. Als die Pompiers mehrere Kinder aus de» Mansarden retteten, schrie die Menge frenetisch Beifall. Gegenivärtig läßt der Brand nach, eine weitere AuSdehnting ist nicht zu befürchten. In einem der durch den Brand in der Rne Montmartre zer- törten Hause ivurde der verkohlte Leichnam einer hochbetagte» Frau gefunden. Der durch die Feuersbrnnst angerichtete Schaden ivird auf etwa 20 Millionen Frank beziffert. Glasgow, 11. März.(W. T. B.) Lord R o s e b e r y hielt heute eine Rede, in der er sagte, eine Frage beherrsche alle Ge- niüter. Es sei herzbrechend, daß jetzt, Ivo man innig hoffte, daß das Ende des Krieges in Sicht sei, ein so schtverer Schlag erfolgen konnte. Ohne Zivcifel»verde er die Feinde Englands erniutigen, die Freunde verzagt innchen, England aber»verde er nicht ent« mutigen.(Lebhafter Beifall.) England niüffe die Schläge, die das Schicksal ihn, austeile, mit Gleich, init ertragen, der deweise. daß England eines besseren Schicksals in den komnienden Tagen ivert 'ei. Später hielt Roscbcry in der Börse eine zweite Rede, in der er bemerkte, es ivürde lächerlich von einem Geschäftsinann sein, die Be- deutiing der Nachrichten aus Südafrika oder den Einflnß. den sie auf das Geschick und die Dauer des Krieges ausüben können, zu niedrig z» veranschlagen, aber sie würden auf die Politik Englands keinerlei Einfluß ausüben. Baku, 11. März.(W. T. B.) In Schemacha Ivnrden in der Nacht znm Montag aberntals starke, anhaltende Erdstöße verspürt. Nach den letzten Erhebungen beträgt die Zahl der Notleidenden in Schemacha 12 000. Hierz» Z Beilagen iliiterhaltiingstilat». nr. 60. i9. mtm. i. Ktililge heg„lotiirlg" KeMer Wlksl'lM IS Miil! 1992. Neichstag» 162. Sitzung vom Dienstag, den 11. Marz 1902, nachmittags 1 U h r. Am Bundesratstisch: Graf Posado wsky, Kraetke. Zunächst wird das Gesetz zum Schutz des Genfer Neu t r a t i t ä t s z e i ch e n s in dritter Lesung debattclos angenommen. Hierauf>vicd die dritte Lesung des Etats beim Etat des N e i ch§ a m i s d e S Innern fortgesetzt. Beim Kap. Reichs s ch u l k o m m i s s i o n kommt Abg. Rettich sk.) auf die früheren Ausführungen des Abg. H e r z f e l d über die Mecklen- luirgische» Schulzustäude zurück. Ich will nur ein paar der gröbsten Irrtümer des Herrn Herzfcld richtig stellen. Herr Herzfeld sagte, 10 Prozent der Schulen seien nach einem Artikel der„Schul- zcilung" unbesetzt, thatsächlich steht aber in dem Artikel nur, daß 10 Prozent der Schulen der Ritterschaft unbesetzt seien. Weiler mutz ich entschieden bestreiten, daß die Aufsicht der Schule keine staatliche ist. Ebenso unrichtig ist. dast den Lehrern kein gesctz- liches Recht auf Zulagen zusteht; wie diese sind auch die Grund- sätze für die Pensionierung gesetzlich geregelt. Herr Dr. Herzfcld sagte dann, die oberste Schu'laussicht sei dem Großhcrzog genommen und der Ritterschaft übergeben, die die Mehrheit in der Schnlkommissiou habe. Dem gegen- über stelle ich fest, dast die Schulkommisston mit der Auf- ficht überhaupt nichts zu thuu hat. Uebrigens ist es auch nicht u ahr, daß die Ritterschaft i» der Schulkommission die Mehrheit hat. Unrichtig ist auch die Behauptung des Herrn Herzfeld, daß die Kinder vom 8. Lebensjahre au vom Schulunterricht befreit werden tvnnci!, um Landarbeiten zu verrichten. DieS kann erst vom elften Lebensjahre au geschehen.(Hört! hört I rechts.) Auch darf die Erlaubnis nur auf Grund der Bescheinigung des aufsichtführenden G e i st 1 1 ch e n erteilt werden, der genau zu prüfen hat, ob das Kind in den Elcmentarkcniitnisscn genug vor- geschritten ist. Nnivahr ist auch, daß nur Lesen und Schreiben in den mecklenburgischen Volksschulen unterrichtet wird, es wird in der Thal auch Geschichte und Geographie gelehrt, soweit das eben möglich ist. (Lachen bei den Socialdemokraten.) Ich konstatiere übrigens, daß bei den R e k r n t e n e i u st e 1 1» n g e n aus Mecklenburg der g e r i n g st e Prozentsatz Analphabeten zu verzeichnen ist. (Hört! hört! rechts.) Ich will sie heute nicht mit längeren Ans- fnhrnngcu behellige». Jedenfalls stelle ich nochmals fest, daß fast alleZ. was Herr Dr. Herzfeld anSgesührl hat, unrichtig war.(Bravo! rechiS.) Abg. Dr. Hcrzfeld(Soc.): Nachdem nunmehr auch die rechte Seite des Hauses in eine Be sprechniig der mecklenburgischen Bolkszustände eingetreten ist, kann ich nur erklären, daß dieses Thema nicht mehr aus dem Reichstag verschwinden wird. Wir haben daS Recht, über die mecklenburgische Volksschule hier zu reden, und wir werden das so lange thuu, bis eine Besserung eingetreten ist. Diese lvird erst eintreten, wenn sich der Reichstag der mecklenburgischen Volksschule energisch annimmt.— Ehe ich aus die Ans- fiihruiigen des Abg. Rettich im einzelnen eingehe, tvill ich nur einige Bemerkungen darüber machen, ivie meine Worte auf die mecklen- burgischen Schullehrer gewirkt haben. Ich habe ganz unerwartet eine Reihe von Zuschriften aus Lehrerkretscu er- halten, die nie ine Angaben durchaus bestätige». In einem Schreiben heißt es u. a.:„Man verlangt zunächst vom Lehrer, daß er konservativ Ivähle, denselben Konservativen, der ihn zum Tagelöhner machen und als solchen behandeln will. Was die Lehrer von den Konservativen zu erwarten haben, das dürfte ihnen wohl schon klar geworden fein.' Das schreiben mir mecklenburgische Volksschullehrer! Die Angaben, die ich bei der zweiten Elatslesung gemacht habe, waren so richtig, daß das führende mecklenburgische Junkerblatt' mich per- söiilich in der schmutzigsten Weise angegriffen hat. Das Blatt ging so weit, daß es einen langen Leitartikel veröffentlichte mit der Ueber- schrifti„Genosse Herzfeld als Fälscher!" Es wurde darin ein kleines Versehen, das mir bei den Angaben über den Dienstschein unterlaufen ist, ausgeschlachtet. Die Schuld an diesem Versehen trifft aber nicht mich, sondern die mecklenburgischen Gerichte, die das dortige Vollsschul-Gesetz immer in demselben Sinne ausgelegt haben wie ich. Die einzelnen Angaben des Abg. Rettich kann ich natürlich im Augenblicke nicht auf ihre Richtigkeit hin prüfen, da ich nicht alles Material zur Hand habe. Bezüglich meiner Angaben über den Lehrermangel kann ich mich auf die„Mecklenburgische S ch n l z e i t u n g" berufen. Es hieß dort:„Wenn auch schon in den siebziger Jahren ein Lehrermangel vorhanden war, in dem Verhältnis wie heute war es aber noch nie der Fall. Ein Zehntel aller Lehrerstellen ist gar nicht oder nicht ordimngs- gemäß besetzt." Herr Rettich sagt allerdings, das träfe nur auf die Schulen der Ritterschaft zu. Bon diesen Schulen habe ich auch ii u r g e sp r o ch e n. Meine Angaben find also richtig. Ein großer Teil der mecklenburgischen Kinder in den Ritterschaften, sogar ein Zehntel, kann Ivegen Lehrermangels keinen Unterricht empfangen. Serr Rettich sagt, die Schulaufsicht ist eine staatliche, denn eistlichen haben die Aufsicht. Es besteht aber gerade ein Gegensatz zwischen Staat und Geistlichkeit, und die Geistlichen erhalten auch ihre Anstellung direkt vom Guts- besttzcr. Die Schulkonnnission besteht aus vier ständischen Mitgliedern, welche vom engeren Ausschuß dem Herzog zur Ernennung präsentiert werben. Sie werden also vom engeren Ausschuß zusammengesetzt, und der besteht in der Mehrzahl aus Mit- gliedern der a d e l i g e n R i t t e r s ch a f t. Es ist also richtig, daß die Schnlkommission, die höchste Instanz, von der adeligen Ritter- schaft beherrscht wird. Weiter hat Herr Rettich angeführt, ich hätte gesagt, die Zulagen für die Lehrer seien nicht gesetzlich gewährleistet. DaS habe ich nicht gesagt. Ich habe nur darauf hingewiesen, daß die Voraus- setzung der Gewährung der Zulage ist, daß die Lehrer sich nicht ein pflichtwidriges' Betragen zu Schulden kommen lassen und darüber entscheidet in letzter Instanz wieder die Schul- k o m in i s s i o n. Auch die Pensionen können wieder gewährt werden, Ivenn kein pflichtwidriges Verhalten vorgekommen ist. Auch die Steuern werden ja von der R i l t e r s ch a f t�erhoben und wenn Altcrszulagen und Pensionen eingenommen, verwaltet und ausgezahlt werden von dem engeren Ansschuß in letzter Instanz, wer herrscht denn da in Mecklenburg anders über die Schule, als die Ritterschaft? Herr Rettich hat zugegeben, daß das Gesetz vor- schreibt, daß für das ganze Somnier-Hnlbjahr der Dicnstschein an Kinder, die das elfte Lebensjahr erreicht haben, gewährt werden kann. Er behauptet, es werde eine gründliche Prüfung der Fähigkeiten der Kinder vom Pastor vorgenommcii. Ans einer Statistik der„Mecklenburgischen Schulzeitung", die sich über ein Drittel aller Schulen erstreckt hat. geht aber hervor, daß im Sommer 1899 im ganzen 3575 Kinder über 11 Jahre, das ist mehr als ein Drittel von sämtlichen in diesen Schulen unter- richteten Kindern, dispensiert wurde». Die„Schulzeitung" wies darauf hin. daß es Schulen giebt, in denen bis 98 Proz. sämtlicher Kinder über 11 Jahre den Dienstschein bekomme» haben.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Die„Schul- zcitung" sagt, daß nur Kinder, die nicht darum nachsuchen, keinen Dienstschein erhalten. Wegen schlechten Betragens� und Faulheit ist nur in 82 Fällen Abweisung erfolgt. Im übrigen sind alle dispensiert, ob fähig oder nicht,' jeder erhält einen Dienstschein, der sich meldet. ES soll unrichtig sein, daß die Gutsbesitzer selbst die Kinder ge- brauchen. Diese Behauptung des Herrn Reitich b elveist nur. daß er die mecklenburgischen Verhältnisse gar nicht kennt.(Sehr richtig! links. Lachen rechts.) In der That geschieht dies, nämlich indirekt, indem die Kinder den Dienstschein zu häuslichen Diensten bei ihren Eltern bekommen, damit ihre Mutter dann bei dem Guts besitz er arbeiten kann. Was für Mißstände in dieser Beziehung herrschen, ist in ganz Mecklenburg bekannt. Nim sagt Herr Nettich, die Kinder dürfen ja sechs Stunden in die Schule gehen, ivenn sie auch den Dienstschein haben. Es ist traurig daß ein Abgeordneter hier im Reichstage diese Zustände noch z» beschönigen versucht. Sechs Stunden die Woche, d. h. eine Stunde pro Tag und diese Stunde erhalten die Kinder, nachdem sie ermüdet von ihrer landwirtschaftlichen Arbeit sind! Sie ist ja nur dazu da, damit die Kinder auch während des Sommers in Bibclknnde und KatrchiS NiuS unterrichtet tverdcn können. Meine Behauptungen über den Lehrplan halte ich aufrecht. Offiziell ist bcstintlnt, daß weiter nichts zu lehren sei alS das göttliche Wort, Lesen Schreiben und Rechnen, soweit als es für den Stand der Tagelöhnrr-Ktnder notwendig sei. Die mecklenburgischen Lehrer haben eingesehen, daß sie sich solche Zustände nicht mehr gefallen lasse» könne»; sie haben erkannt, daß sie nur einen Fürsprecher haben, die Socialdemokratie.(Lebhaftes Bravo! bei den Social- demokraten.) Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Nicht nur die Socialdemokratie nimmt sich der Schnlverhältnisse an, sondern auch die liberale Partei. Sie hat es gcthan, che eine Socialdemokratie existierte. Die Lehrer und die Eltern der Schulkinder werden es Herrn Rettich nicht danken, daß er die mecklenburgischen Schulen so zu verteidigen gesucht hat. In der Hauptsache hat Kollege Herzfeld recht. Die GehaltSverhältnisse und Rechtsverhältnisse der Lehrer liegen in Mecklenburg sehr im Argen. Es herrscht ein großer Lehrermangel in Mecklenberg. Den Staats- Charakter der mecklenburgischen Schulen hat Herr Rettich dadurch zu beweisen gesucht, daß die Schulaiifsickst in den Händen der Geist- lichen liegt. Bekanntlich sind die Geistlichen nicht die geeigneten Schulinspcktoreii, sondern die Pädagogen(Bravo links.) Abg. v. Dzirmbowöki-Pomian(Pole): Da die mecklen burgischen Schnlverhältnisse hier besprochen worden sind, werde ich mir in Zukunft auch das Recht nehmen, die polnischen Schulver- hältniffe hier zu besprechen. DaS Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Behörden für die Untersuchung von S e e- II n f ä l l e n" wünscht Abg. Raab(Ant.) eine bessere Statistik der See-Unfälle, ans der das Verschulden der Reeder zu bemessen ist. Der Bericht der See-Aemter sei eingeschränkt worden. Es sei wünschenswert, daß alle Entscheidungen der' See-Aemter dem Reichstage mitgeteilt werden möchten. Der Reichstag mutz klar sehen, welche Entscheidungen über See-Unfälle gefällt werden. Geh. Rat v. JoncqniöreS: ES werden jährlich circa 800 Sprüche gefällt. Nur die aber werden veröffentlicht, die allgemeines Interesse haben. Die Tendenz, irgend etwas zn verheimlichen, liegt nicht vor. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„ReichSGesundheitsamt" liegt folgende Resolution Mnnch-Fcrbcr vor: Die verbündeten Regierungen zu er- suchen, dafür Sorge tragen zu wollen, daß der gewerbsmäßige tandel mit Essigsäure, sogenannter Essigessenz, in einer bestimmten onzcntration als Gennßmittel unter die Vorschriften über den Handel mit Giften gestellt werde. Abg. Dr. HermeS(frs. Vp.) kommt auf die Angriffe deS Abgeordneten A u t r i ck a»f das Moabiter Krankenhaus zurück. Ein Zufall habe verhindert, daß der stenographische Bericht über die betreffende Sitzung der Stadtverordiieten-Versammlung dem Reichstag noch nickt zugegangen sei. Im Berliner Rathaus hätten die Angriffe erhoben werde» müssen, nicht hier, wo der Magistrat nicht vertreten sei. Herr Gröber meinte, ich hätte mit dieser Ansicht den demokratischen Standpunkt verletzt. Nein, wir scheuen in Berlin die öffentliche Kritik nicht. Es handelte sich um Krankenhäuser der Stadt Berlin nicht um Veranstaltungen des Freisinns. Die städtischen Krankenhäuser sind so vollkommen, so m u st e r g ll l t i g, lv i e n u r in ö g l i ch. Wo Mißstände vorhanden sind, ist die Ver waltung jederzeit bereit, Abhilfe eintreten zn lassen. Wir brauchen über die Angriffe des Abg. Antrick nicht zu erröten. Die Stadträte Weigert mid Dr. Straßmann haben in eingehender Weise auf alle Anschuldigungen des Abg. Antrick in der Stadtvcrordneten-Vcrsamm- lnng geantwortet. Seine Anschuldigungen sind zum Teil als über- trieben, zum Teil als falsch hingestellt worden. Die große Mehrheit der Stadtverordneten-Versamniluiig hat mit Ausnahme der Freunde des Herrn Antrick mit uns den Standpunkt geteilt, daß in den städtischen Krankenhäusern nach dem Grundsatz verfahren wird: Das Beste ist gerade gut genug für die armen Kranken, das werden die stenographischen Berichte über jene Sitzimg der Stadtverordneten-Vcr- sammlung beweisen, die spätestens morgen zur Vcrteilnng gelangen werden. Gerade an der Spitze der Moabiter Anstalt steht ein Mann, der auf seinem Gebiete Mustergültiges geleistet hat und überall hin als Sachverständiger gerufen wird. Ueber die Besoldung der Wärter finden Sie das Nötige in dein Stenographischen Bericht. Der Trick des Herrn Antrick war das F r i k a s s e e a l a Straß- man ii. Es soll ans Speiseresten bestehen und mit einer sauren Sauce übergössen sein. Das ist ganz falsch. Speisereste kommen aus den Krankeiiziinmern nie in die Küche zurück. Das beste Fleisch wird für das Frikassee benutzt. Die Aufwendungen der Stadt Berlin sind sehr bedeutend. Ist das neue Virchow- Krankenhaus erst fertig, dann sind ctiva 3ö— 40 M i l I i o n e n i n Berliner Krankenhäusern investiert. Die Angelegenheit hat großes Aufsehen erregt. Die Antrickschen Angriffe waren aber nicht berechtigt. Dies Urteil wird jeder ans dem st e n o- graphischen Bericht gclviiincn. Die Kommune Berlin braucht 'ich ihrer Krankenhäuser nicht zu schämen.(Beifall bei den Frei- innige».) Abg. Antrick(Soc.): Die Rede deS Herrn HermeS war den Reden sehr ähnlich, die die Vertreter des Berliner Magistrats imd der Stadtverordneten- Versammlung gehalten haben. Auch sie gaben eine große Auf- 'tellung, was die Berliner Krankenhäuser alles einkaufen und was für schöne Sachen für die Kranken bestimmt sind. Im große» Boge» aber sind sie um die eigentlichen Angriffs- innkto herumgegangen, sie haben nur über mich geschimpft, was iir ein uiidankbnrcr Kerl ich sei, daß ich, der ich zweimal im Moabiter Krankenhaiise vom Tode gerettet sei, zu solchen An- griffen geschritten wäre. Auf diesen Ton lvar auch die Rede des Herrn Hermes gestimmt. Er ist Ivie die Katze um den heißen Brei bermngeschlichen(Sehr richtig I bei den Social- demokraten) und hat sich wohl gehütet, auck nur auf eine That- ache ciiizngehen. Denn ist etwa seine Behauptung über das Frikassee ä la Dr. Straßmann eine Thatsache. daß es nicht miS Speiseresten, sondern ans bestem Fleisch bcrgestellt wird? Ich h a I t e a u f r c ch t, daß es ans Aleischreste» hergestellt lvird, ob es mit einer sauren oder süßen Sauce versehen wird, das weiß ich heute nicht mehr.(Heiterkeit.) Auf solche mibedentendcii Einzel- hciten einzugehen, habe ich gar keinen Anlaß. Wenn Sie den steno- graphischen Bericht bekommen, so unterwerfen Sie ihn einer gründ- lichen Durchsicht, Sie werden dann zu der Auffassung kommen, daß trotz aller Redereien im Roten Hause nicht eine Thatsache lvider- legt ist. Nur den Beweis werden Sie erhalten, wie kolossal genügsam der Berliner K o m m n n a l l i b e r a l i s m u s, dann nämlich, wenn er seine eignen Einrichtungen verteidigt.(Sehr gut I bei den Socialdemokraten.) Außer den allgemeinen Redensarten fielen einige starke Ausdrücke auch von: Oberbürgermeister gegen mich. Darauf gehe ich nicht ein. Nur ein paar neue Ü n r i ch t t g k e i t e n— ich drücke mich besonders höflich ans— will ich aufdecken, die dem Herrn Stadtrat Weigert untergelaufen sind. Er hat erzählt, ich sei bei der Eni- lassung gefragt worden, ob ich mich über irgend cttvas zn be- s ch>v e r d e n hätte. Darauf soll ich gesagt haben: Nein,»nr einmal waren die Kartoffeln hart, und einmal lvar die Brat- Wurst nicht dnrchgebraten.(Heiterkeit.) Der Chorus der freisinnigen Stadtverordneten jauchzte natürlich über den undankbareir Kerl, der einmal eine nicht durchgebratene Bratlvnrst bekomnicn hat. Aber diese W e i q e r t s ch e B r a t>v u r st ist eine blanke Erfindung. Ich iveis; nur nicht, ob sie der Oberbürgermeister oder Herr Weigert erfunden hat. Es ist ja unaiigeiiehm, daß man auf solch kleinliche Dinge hier eingehen mutz. Ich tvill aber feststellen. daß ich, sotveit ich mich besinne, im Krankenhanse Moabit niemals Bratwurst erhalten, mich jedenfalls, ivenn ich sie erhalten habe, nie über Bratlvnrst beschlvert habe.(Heiterkeit.) Ich habe mein Essen nie aus der Krankenküche, sondern ans der Aerzte- k ü ch e erhalten. Die zweite Fabel hat der O b e r b ü r g e r- in e i st e r sich geleistet. Auf die Provokation meiner Freunde. weshalb nicht gegen mich vorgegangen würde, da ich doch die An- griffe in öffentlicher Versammlung wiederholt hätte, erwiderte der Oberbürgermeister, ein Strafantrag sei nicht erfolgt, einmal, weil ich in dieser öffentlichen Versammlung nur gesagt habe: ich halte alles aufrecht, was ich ini Reichstag gesagt habe und zweitens habe der Berliner Magistrat gefürchtet, das Gericht könne mir den Schutz des Z 103, die Wahrnehmung berechtigter Interessen, zubilligen. Was die erste Behauptung anlangt, so ist sie eine blanke Unwahrheit. Ich habe in öffentlicher Ver- sammlnng zwei Stunden über die Mißstände gesprochen, keine Versammlmig wird sich gefalle» lassen, beständig wiederholt zn bekomnicn, ich halte alles aufrecht, was ick im Reichstag gesagt habe.(Heiterkeit.) Was den Schutz des 8 193 anbetrifft, so hätten sich die Herren das vorher überlegen sollen. Aber Herr Stadtrat Weigert hat mich vor zwei Jahren geradezu provoziert, meine Angaben in öffentlicher Versammlniig zn lviederhoken. Ich habe das gethan und mich meiner I m m u n i t ä t b e g e b e n. Es handelt sich also um eine ganz sänke AnSrcde(Heiterkeit) des Oberbürgermeisters. Der Berliner Magistrat hat wohl gewußt, warum er nicht den Strafantrag gestellt hat, er wollte sich die Miß- stände in den Krankenhäusern nicht gerichtlich attestieren lassen. (Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Wie wenig die Herren iin Roten Hause und ganz bcsanders der Magistrat unter- richtet ist über die Dinge in den eignen Ressorts, geht ans der Be- Häuptling des Stadtrats Weigert hervor, der Gesinde- O r d n u ii g s- P a r a g r a p h bestehe schon s e i t f a st z>v e i Jahren nicht mehr. Einmal ivürde das gegenwärtige Nicht- bestehen des Paragraphen nichts gegen iiieine KnSfi'ihrniigen betveisen, sondern nur zeigen, ivie außerordentlich vorsichtig ich gctvescn bin. Der Gesinde- OrdnnngS- Paragraph lvar mir bekannt, seit ich im Krankenhanse lvar. Ich habe aber gclvartet, davon öffentlich zu sprechen, bis mir ein Exemplar dieses Kontrakts in die Finger gekommen lv a r. Daß eine solche Bestimmung be- standen hat, wird ja auch nicht bestritten. Darin allein liegt schon ein Denkmal der Schande für den Berliner Kommunalfreisinn. Es ist auch nicht lvahr, daß die Be- stiinniniig seit zwei Jahren aufgehoben ist. Offiziell aufgehoben ist sie seit dem 6. August 1000, also erst seit 1�/2 Jahren. Es haben aber W ä r t e r in'öffentlicher Versammlung ausdrücklich b e- hanptet, daß sie noch vor einem Jahre einen solchen Kon- t r a k t haben unterschreiben müssen. DaS ist die Wahrheitsliebe des Magistrats. Ich tvill ja nicht annehmen, daß er bewußt die Unwahrheit gesagt hat, aber die Herren sind von den Borgängen in ihrer eignen Verwaltung nicht unterrichtet. Nun noch ein paar Worte über das, was die liberale Presse über meine furchtbare Undankbarkeit gesagt hat. Mir wurde vor- geworfen, daß ich den: Moabiter Krankenhanse die Rettung meines Levens zn verdanken habe und daß ich trotz der Miß- stünde in das Krankenhaus gegangen sei. Ich bin aber tveder daS erste Mal, noch das zlvcite Mal freiwillig in das Moabiter Krankenhaus gegangen. Das erste Mal wurde ich b e>v u ß t l o s hingeschafft, das ziveite Mal stemmte ich mich mit Händen u n d F ü ß e n dagegen, obtvohl es mir selbst im Krankenhanse nur gut gegangen ist; aber alle Aerzte erklärten, Professor Soniienburg niiiffe zu Ende führen, was er begnnnen habe. Ich habe nur Anerkennung für das Aerzte- und Wärterpcrsvnal, das mich behandelt hat. Persönlich habe ich nicht den geringsten Grund zu einer Beschwerde. Ich erkenne dankbar die außerordentlich gute Verpflegung und Behandlmig an.(Abg. Pauli-Potsdam(k.) ruft: Das verstehe ich nicht!) Wenn Sie das nicht kapieren können, dann thuu Sie mir leid.(Glocke des Präsidenten.) Viccpräsidcnt Graf Stolbcrg-Wernlgerode: Der Redner hat nnf einen Zivischenruf eines Abgeordneten erwidert:„Wenn Sie das nicht kapieren können, thnn Sie mir leid." Ich mache den Redner darauf aufmerksam, daß der Ausdruck„kapieren" nicht parlamentarisch ist.(Langandanernde Heiterkeit.) Abg. Antrick(fortfahrend): Dann sage ich«verstehen". JchZwürde es als eine Pflichlverletzniig betrachten, Ivenn ich Mißstände nur deshalb nicht zur Sprache bringen wollte, weil sie mich nicht persönlich getroffen haben. Ich halte es für falsch, ans falscher Dankbarkeit über die Dinge zn schiveigen, die ich zu erfahren be- kommen habe. Zum Schluß bitte ich die Herren nur nochmals darum, die stenographischen Berichte eingehend zu studieren; dann kann ich das Urteil ruhig dem Hause überlassen.(Bravo! bei den Social- demokraten.) Wg. Fischbeck(frs. Bp.): Herr Autrick hat sich über die vom Abg. HermeS vorgebrachte Einzelheit deS Frikassees aufgehalten. Gerade er hat eben so viele Einzelheiten und Kleinigkeiten vorgebracht. Gerade diese Einzelheiten haben de» Eindruck hervorgebracht, daß an der Sache Ivirklich ettvas daran ist. Ick muß Sie nun mich noch mit Einzelheiten belästigen. Herr Antrick hat in seiner ersten Rede vor ztvei Jahren Über das Wärtergehalt nnd die W ä r t e r z a h l Angaben ge- macht mid erzählt, daß daS A n f a n g s g e h a l t 18 M. betrage. Es ist ihm nachgeivicsen ivorden, daß das Anfangsgehalt nicht 18 Mark, sondern 21 Mark beträgt. Daß dies Gehalt nur ganz kurze Zeit gezahlt ist und daß ein g r o ß e r P r o z e n t s a tz der Wärter 40 bis 60 Mark be- ziehe. In seiner letzten Rede hat Herr Antrick denn auch von einem Dnrchschniitsgehalt von 30 M. gesprochen. Ich will für meine Person gar nicht bestreiten, daß ich die Löhne für aufbesseriings- ähig halte, aber ich tvill nur feststellen, daß in Berlin immer noch bessere Gehälter gezahlt werde», als andersivo. In den letzten Jahren sind die W ä r t e r l ö h n e b e i n n s um 8 0 P r o z. g e- st i e g e n, es ist also eine gute Entwicklung vorhanden. Die Wärter ind städtische Beamte nnd pensionsberechtigt. Ihre Hinterbliebenen erhalten Reliktenversorgung. Das alles'muß man ist Betracht ziehen. Auch in der Wärterzahl ist eine erhebliche Steigerung ein- getreten. Es kommt jetzt durchschnittlich auf s e ch s K r'a n k e e i n Wärter. Nun zn den» Passus im Kontrakt über die Gesinde- Ordiiniig. Ich gebe gern z», daß es richtig gewesen wäre, wenn man diese antiguiertcn Persona lkontralte schon vor dem Jahre 1900 beseitigt hätte. Thatsächlich sind sie am 1. August 1901 beseitigt worden. Wenn Herr Antrick bedauert, daß in den Kontrakten noch von unbedingtem Gehorsam die Rede ist, so kann ich ihm darin nicht recht geben. Die Wärter müssen einer strengen Disciplin unterworfen sein, sonst geht es nicht. Gleichzeitig mit der Beseitigung des Passus über die Gesinde-Ordnung ist durch eine Verfügung vom 1. August 1900 das bis dahin bestandene Kiindignngs- recht der Beamten von 4 Wochen in ein 14tägiges nmgewandelt worden. Herr Antrick hat nun ein Kontraktexcmplar hier ouf dc» Tisch dl!s Hauses ticlegt, in dem zwar die Neudcrnnq der Kündigung e»tl?alte>i ist, die Bcseiti.qunq des Gesinde- Orduuiigs- Passus oder nicht erfolgt ist�'Ich kann»ur er- klaren, daß es sich hier offenbar um ein gefälschtes K o» t r a k t e x e m p I a r handelt. Die Verfügung ist nach beiden Nichtmigen gleichzeitig erlassen worden nüd öeide Acnderungen niüssc» in allen Koutraltexeniplaren. die nach den, l. August lSOO ausgestellt sind, vorhanden sei». Um diese Fälschung zu konstatieren, braucht man also kein Staatsanwalt zu sein, sondern»ur gesunden Älkenschcuvcrstand zu haben. Die Fälschung liefert den Beweis dafür, welche Bedeutung die Zuträgereien des Abgeordneten Sl n t r i ck haben. Herr Antrick hat behauptet, in seiner Station sei der Desinfektions- Apparat in Orduung gewesen, auf andren Stationen aber nicht. Es ist von der Verwaltung festgestellt worden, das; in Antricks Station über- Haupt kein Dcsiiifcktionsapparat für Wäsche gewesen ist. Dort befand sich nur ein Sterilisationsapparat für Verbandszeug.(Hört! hört!) Herr Antrick hat weiter behauptet, dag Badewannen nicht genügend gereinigt würden und daß innerhalb zwei S tu»den 30 Kranke in einer Wanne baden müßten. Der O b e r w ä r t e r ist darüber vernommen worden. Er bat erklärt, beschwören zu wollen, daß die Badezeit äö Minute» beträgt, daß für Ablassen und Reinige» der Wanne genügend Zeit gelassen ist, daß von den 30 Kränken der Station mindestens die Hälfte wegen frischer Operationen und damit zusnmmenhäugender Verbände nicht baden können, daß also gewöhn- lich nur 12. höchstens 15 Personen die Wanne benutzen und nicht innerhalb zwei Stunden, sonder» von 6 Uhr morgens ab den ganzen Morgen über. Es ist ferner festgestellt worden, daß vom 15. Mai 1895 an männliche syphilitische Kranke im M o a b i t e r K r a n k e n h a r> s e nicht a n f g e n o ni ni e n worden sind. Herr Autrick hat zwar bestimmte Fälle angeblich gegen- teiliger Art hier vorgeführt, es handelt sich aber' in diese» Fällen um chirurgische Kranke, die an Krankheiten operiert werden mußten, die vielleicht auf Syphilis zurück- geführt werden lümieii; jwie Drüsenanschwellungen usw.. die aber im Moment der Operation nicht mehr ansteckend Iv a r e n. Thatsächlich ist kein Syphiliskranker in die Anstalt ge- kommen. Sollte das aber wirklich einmal der Fall sein, so würde es meiner Ansicht nach hartherzig sein, wenn man einen sonst operations- bedürftigen Mann deswegen aus der Anstalt entlasse» sollte. Herr Antrick hat behauptet, in Moabit angestellte Wärter seien syphilitisch krank gewesen. Die Wärter tverden nicht alle 14 Tage untersucht, tvie es beim Militär der Fall ist. Wenn sie kontraktlich dazu geztvungen wären, welcher Spektakel würde dann gerade von der socialdemokratischen Organisation der Wärter los- gehen.(Sehr richtig I) Gehen die Leute Sonntags ans und stecken sich au, so trifft die Verwaltung kein Vorivurf. Für die Ver- pflegung der Kranken wird bestes Material verwendet. Margarine tvird überhaupt nicht verbraucht, für Eier wird nicht snbmittiert, es werden nur ausgewählte Eier verlvendet. Für das Frikassee, non dem Herr Antrick sprach, werden S p e i s e r e st e nicht ver- tv e n d e t. Die A e r z t e z a h l ist v o l I st ä n d i g genügend. Der Vorwurf kann Herrn Antrick nicht erspart werden, daß er nicht z u e r st s e i n e n F r e u n d e n in d c r S t a d t v e r o r d n e t e n- V e r s a m m l n n g seine Wahrnehmungen unterbreitet hat. Wenn es ihm nur um Besserung der' Zustände zu thnn gewesen wäre, so hätte er das thun müssen. Von social» demokratischer Seite ist in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung der Antrag gestellt worden, daß jeder Berliner Bürger, ob reich, ob arm, das Recht haben sollte, sich unentgeltlich in den Berliner Krankenhäusern behandeln z» lassen. Das steht doch im Widerspruch mit der Kritik des Herrn Antrick. Wären die Zustände wirklich so schlecht, so wäre der Inhalt dieses Antrags geradezu ver- brecherisch.(Heiterkeit.) Die Decernenten für das Kraukenhauswesen in der Berliner Komninnalverwaltung wollten, daß Herr Antrick vom Magistrat verklagt werde und haben einen dahingehenden Antrag gestellt. Die I u r i st e n im M a g i st r a t haben aber davon abgeraten. Die Klagecrhebnng ist aber gegen die Stimmen der Decernenten für das Krankcnhauswesen abgelehnt und es ist ganz un- richtig zu sagen. daß die Herren gekniffen khätt'en. Die Zustände in unseren Krankenhäusern find so gut. wie sie nach menschlichen Kräften nur sein können. Davon wird sich hoffentlich auch der Kollege Gröber überzeugen. Ich habe ihn privatim schon darauf hingewiesen, daß sich die Angriffe Antricks auch gegen das katholische Hedwigs- Krankenhaus und andre katholische Krankenhäuser richten, und ich will nur hoffen, daß sich dort die Zu- stände als ebenso gut herausstellen, wie es bei der llntersiichnng des Moabiter Krankenhauses der Fall war.(Lebhafter Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Singer(Soc.): Herr F i s ch b e ck hat die Wertlosigkeit seiner Ausführungen dadurch am besten charakterisiert, daß er es so hinstellte, als ob Antrick die Frage vom Parteistandpunkte und als vorteilhaftes Agitationsmaterial behandelt habe. Einem Manne, der mit Eifer, Fleiß und Energie für besiere Zustände ans dem Gebiet der Gesimdheits- pflege kämpft, wird kaltblütig insinuiert, er thue das bloß, um von seinem Parteistandpunkte aus gute Geschäfte zu machen. Ich ver- wahre Antrick gegen einen derartigen Vorwurf. Herr Fischbeck hat offenbar den Reichstag mit der Stadtverordneten- Versammlung verivechsclt. Wenn er dort gesagt hätte, die Socialdemokraten beantragen, obwohl sie so unzufrieden sind mit nnsreii Krankenhäusern, doch die Einführung der unentgeltliche n Krankenpflege, dann hätte es dort der Chorus seiner politi- scheu Freunde an Beifall und Händeklatschen nicht fehlen lassen. Die Schweigsamkeit, mit der seine Bemerkung hier aufgenonimen worden ist, wird ihm schon gezeigt haben, wie wenig durch- schlagend dieser Beweis ist.' Sollen wir eine grundsätzliche Forderung deshalb aufgeben, weil wir mit den Zuständen in den Krankenhäusern nicht zufrieden sind? Wir sind der Meinmig, daß bei den elenden wirtschaftlichen Verhältnissen des Volkes der Aufenthalt in den Krankenhäusern in vielen Fällen weit besser ist als der in den Familie«. Deshalb fordern wir von der Gemeinde die nnentgellliche Krankenpflege. Daß wir deshalb aber alle Unzuträglichkciten in den Krankenhäusern sanktionieren sollten, kann man wirklich nicht von uns verlangen. Die Fischbecksche Beweisführung war überhaupt e i g e n t ü m- I i ch. Er hat ganz übersehen, daß die Mitteilungen Antricks über die Zustände in vielen und nicht nur in Berliner Krankenhäusern nur eine Illustration zn unserer F o r- derung auf V e rni e h r u n g und B e s s e r st c liniig dcsAerzte- II II d W ä r t e r p e r s o n a l s waren. Es ist ganz falsch, die Dinge so heranszuspiclen, ob denn nun auch das Tipselchcn auf dem i in den Angaben Antricks bewiesen werden kann. Antrick hat ausdrücklich eine Ansnahmc zu Gnnstcu Berlins gemacht, indem er erklärte:„Wenn solche Dinge selbst in Berlin passieren können, wie sieht es dann in der Provinz auS?" Ein Beispiel für die Beweissührimg des Herrn Fischbcck. Er hat von der A u f n a h m e syphilitisch K r a n k e r in die Kranken- Häuser gesprochen. Da sind nun verschiedene Behauptungen nach- einander ausgestellt worden. Zimächst hat die Verwaltung behauptet. männliche Syphilitiker würden nicht aufgenommen. In der Stadt- verordiieten-Vcrsaimnlung aber hat mein Kollege Frendenberg f e st- g e st e l l t. daß Kollege B e r» st e i n sich ganz gcnan daraus bc- sinne, dkiß er syphilitische Männer nach Moabit geschickt und daß sie dort Ausnahme gefunden hätten als frische Fälle. Ich habe keinen Grund, Frendenberg für weniger glaubwürdig zu halten als Herrn Fischbcck. Spielen Sie doch die Sache nicht so ans, als ob wir uns grundsätzlich dagegen erklärten, daß Syphilitiker in Krankeuhänsern aiifgciioinmen werden. Davon ist gar keine Rede. Die Herren haben zuerst geleugnet und dadurch die Angelegenheit zu einer causs celebre gemacht. Natürlich ist es gerade für solche Kranke das beste, sofort in ein Krankenhaus zu kommen. Jedenfalls steht fest, daß Sie Antrick nicht der Unwahrheit zeihen können. Als pyramidalen Beweis für die Unrichtigkeit der Antrickscheii Darstellungen hat Herr Fischbeck auf den Vertrag zivischen Wärter und Vertvaltnug hingewiesen. Er hat aber selbst' dabei zugegeben, daß bis vor zwei Jahren ein solcher Vertrag bestanden hat. Ist das etwa ein Ruhm für die Berliner Verwaltung? Nun llammert sie sich an die Ausflucht, daß er seit zwei Jahren ab- geschafft ist. Das ist nicht einmal richtig, er ist erst seil etwas kürzerer Zeit abgeschafft. Damit wird aber nicht die Thatsache selbst aus der Welt geschafft. Es ist wahrhaft eigeutümlich, wie die Herren vom Magistrat sich verteidigen. Auch Stadtrat Weigert hat in seiner Erwiderung den enlscheidenden Satz aus dem Verlrage nicht vorgesehen. Es hieß darin:„Ich— der Wärter, der den Vertrag unterschrieben hat— übernehme die Verpflichlung, das Dienstverhällnis 14 Tage oder 4 Wochen vor der Auflösung zu kündigen, räume aber dem leitenden Verwaltniigsbcnmtcn oder seinem Stellvertreter das Recht zu nieiner sofortigen Entlassung ohne Gründe ein."(HörtI hört l bei den Socialdeinokraten.) Eine Verwaltung, die solche Verträge schließt, handelt nicht kalr.(Bravo! bei den Socialdcmokr.) Während durch Gesetz verhindert ist. daß bei den industriellen Arbeitern verschiedenartige Abmachungen über die Kündigungsfrist für Arbeiter und Unternehmer getroffen werden, stellt man das Wärtcrpcrsonal nntcr die Gesinde-Ordming. Warum hat Herr Fischbcck diese Stelle des Vertrages nicht vor- gelesen? Es handelt sich hier um den Geist, der aus' einem solchen Vertrage spricht. Die Berliner Verwaltung thut ettvas, was ein honetter Geschäftsmann nicht thun würde. Sie(zu den Freisinnigen!), die in jedem andren Falle gegen eine solche Bestimmung los- d o n n e r n würden, sollten in e r st e r L i n i e dafür sorgen, daß in Ihrer Verwaltung s o etwas nicht geschieht. Sucht man die Rede Antricks als tendenziös hinzustellen, so thnt man cS nur, um die g r o ß e n G e s i ch t s p u n k t e z u verschleiern. Der Magistrat würde viel richtiger handeln, wenn er eine solche Kritik— und die Herren geben ja selbst zu, daß nicht alles so ist, wie es sein soll, dankbar hinnehmen und de» Anregungen, die er hier erhalten hat, folgen würde. Statt dessen thut er so, als würde ihm an die Krone gegriffen. Können Sie sich eine bessere Bestätigung der Antrickscheii Kritik denken, als wenn der Chef der städtischen Krankenhaus- verlvaltung selber erklärt: Das Wärterpersonal ist schlecht. So weit sind Iv i r gar nicht gegangen. Wir haben auf die zu starken Anforderungen aii die Wärter und auf den schlechten Lohn hingeiviesen. Statt auf diesem Wege zu bessern, veranstaltet man ein großes Kesseltreiben gegen jede einzelne Aeußcrung Antricks.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Seine erste Kritik vor 2 Jahren hat ja genützt. Statt dreier Aerzte sind vier Acrzte angestellt worden. Ich bin auch überzeugt, daß trotz aller Redereien manche Dinge auf Grund der Antrickscheii Reden ver- bessert sind. Damit werden wir zufrieden sein und uns nur mit aller Entschiedenheit dagegen wenden, wenn Sie hier behaupten, Antricks Kritik sei nicht ini Interesse der Kranken erfolgt, sondern vom Partei- standpuiikt ans. Herr Hermes hat behauptet, die Berliner Verwal- tung scheue diese Kritik nicht. Sobald aber die Kritik kommt, schlagen Sie die Hände über den Kopf zusammen und stellen uns als die- jenigen hin,(die die Selbstvcrwaltnng schädigen. Wir werden nus dadurch nicht hindern lassen, das zn sagen, was wir für richtig halten und werden mit aller Entschiedenheit auf die Abstevung derartiger Mißstände dringen, ohne Rücksicht ans irgend einen nervösen Stadtrat. (Bravo! bei de» Socialdemokraten.) Abg. Dr. Sangerhans(frs. Vp.): Es hat mir sehr weh gethan, daß Herr Singer von der vollen Wertlosigkeit der Rede des Herrn Fischbeck gesprochen hat. Herr Singer sollte doch nicht vergessen, daß er selbsi Mitglied der Berliner Gciiiciiidcbchvrden ist. Herr Antrick sollte sich doch sagen: Wenn ich w gut behandelt werde, meiner schönen Augen wegen ist es doch nicht geschehen, sondern weil die Acrzte sich der Schwerkranken besonders annehmen. Herr Antrick hat nun Wärtervcrsamnilinigen einberufen! eine meisten Klagen komincn von den Wärtern her. Dann heißt es: ja die Wärter sind schlecht, weil sie zu geringen Lohn bekomme» und keine Ansbildnng haben. Wir haben es mit einer Wärter« ch u l e versucht, es ist aber niemand hingekoninie».(Die Aus- Tihrniigeii des Redners werden auf der Tribüne immer unoerständ- sicher.) Syphilitisch Kranke sind nach Moabit nicht gekommen. Es ist nicht richtig, daß der Dr. Bernstein ciueii syphilitisch Kranken nach Moabit geschickt hat. Es kann sich nur um Folgekrankheiten von Syphilis gehandelt haben, die nicht mehr aiisteckend find. Herr Antrick brauchte überhaupt nicht an die Oeffentlichkcit zu gehen. Die Dinge konnten mit den Aerzten und den Decernenten besprochen worden. Ging er aber an die Oeffent- lichkcit. so war die Berliner Stadtverordneten- Versammlung der rechte Ort. Abg. Antrick(Soc.): (mit unwilligem Gemnrre aus der Rechten empfangen): Sie(nach rechts) werden mir doch nachfühlen, daß ich auf die Rede des rrn Fischbcck nicht schweigen kann.(Rufe rechts: nein, nein!) Präsident Graf Ballestrem: Ich bitte um Ruhe, da ich selbst den Redner nicht verstehen kann. Abg. Antrick(Soc.) fortkahrcnd: Zunächst möchte ich dem Abg. Langerhaus erwidern, daß er nicht immer so w i e heute gegen ni i ch gesprochen hat. Es gab eine Zeit, wo er mir seinen Tank für meine Rede aus- gesprochen hat. Weiter möchte ich ihm sagen, wenn dasselbe Geld, was für die Krankenschwestern ausgegeben wird, auch 'iir die männlichen Krankenpfleger verlvendet Iverdcn tvürde, so würde ein genügendes und besseres Wärterpersonal vor- Händen sein. Abg. F i s ch b e ck hat mich auf einen Widerspruch fest- Zunageln versucht, daß ich hehanptet habe, das Anfangsgehalt der Wärter betrage 18 M., während es thatsächlich 21 M. betragen hat. Ich habe damals vom Wärterpersonal im allgemeinen ge- sprocheu: das Anfangsgehalt für das weibliche P e r s o n a l de- trägt 15 M., das für das niännliche 21 M.; der Durchschnitt war also Ifcs M. Schlußfolgerungen habe ich ans dicseni Anfangsgehalt nicht aezogen, sondern nur ans dem Durch- chuittSgchalt von»V M.. das ich für viel zu niedrig erachte. Auch die Behauptung des Abg. Fischbcck ist unrichtig, daß auf jeder Station eine feste und eine transportable Bade- wanne gewesen sei. Das ist zu meiner Zeit nicht der Fall ge- Wesen, ist es auch heute noch nicht. Ich halte meine Behauptimg aufrecht, daß 5 syphilitisch Kranke zu nicincr Zeit auf- genoninien worden sind. Mit dieser Dia gn o se sind sie ini Aerzte- journal geführt worden. In der Stationsküche sind thatsächlich Wärier, die mit'ansteckenden Krankheiten behaftet waren, beschäftigt worden. Der eine hatte einen eitrigen Ausfluß an der rechten Hüfte und einen zweiten am Ellbogen des rechten ArmcS. Wenn ich diese Schtveinerei zur Sprache gebracht habe, so wollte ich nicht damit gegen Berliner Stadträte hetzen, sondern nur die Aufmerksam- keit der Allgemeinheit auf diese Schweinereien lenken. Der zweite Wärter hatte das Gesicht vollständig verbunden, sodaß nur Augen und Nase hervorlugtcn. Der Magistrntsvertrcter hat gemeint, es habe sich bei ihm nur imi eine harmlose Sache gehandelt. Ich will das zugeben, aber einen so ekelhaft aussehenden Menschen bestellt man doch nicht zum K ü ch e n d i e n st, zur Bereitung der Speisen. Auf einen dritten von mir angeführten Fall— es handelt sich um einen in der Küche stationierten Mann, der eine ekelhafte, ansteckende Hautkrankheit hatte— ist vom Magistratsvcrtretcr mit keiner Silbe eingegangen worden. Diese Schweinerei scheint selbst dem Berliner Magistrat über die Hut- schnür gegangen zu sein. Herr Fischbeck hat von den guten Ge- hältern der Oberwärtcr gesprochen. Ich habe schon in meiiicr letzten Rede erklärt, daß als Oberwärter Leute geführt werden, die mit der Krankenpflege an sich nichts zu thnn haben, wie Telepbo nisten, Bureau beamte und dcrgl. Mau hat mir dann den Vorwurf gemacht, daß ich nicht gleich die Dinge, die ich in Moabit beobachtet hatte, zur Sprache gebracht habe. Ich wurde im Juli 1899 entlassen, nicht als geheilt, sondern alS gebrochener, erholungsbedürftiger Mann. Ich wurde in den Schwarz Wald geschickt, bekam dort die Krankheit von neuem, mußte mich ein zweites Mal operieren lassen, ging nach Berlin zurück und mußte eine dritte Operation überstehen. Sie werden begreifen, daß ich damals nicht in der Lage war, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Ich will nun noch ein Vorkommnis berühren, über das ich bisher geschwiegen habe. Als ich entlassen wurde, kam der Direktor Merker zu' mir und bat mich nach seiner Privatwohnuug. Er fragte mich, welches Urteil ich als Laie über die inneren Einrichtungen des Krankeiihanses hätte. Es interessiere ihn, meine Ansicht zu hören. Er erklärte mir. daß er jetzt bei seinem Alter nicht mehr in der Lage sei, sich so wie früher um alle Einzelheiten zu kümmern. I» jüngeren Jahren habe er sich manch- mal heimlich in ein Bett gelegt und von dort nachts Beobachtungen angestellt. Der Direktor fragte mich speciell über meine Ansichten über das Wärterpersonal. Sie werden es begreiflich finden, daß ich in meiner Antwort sehr zurückhaltend ivar und mich nicht in aller Schärfe ausgesprockien habe. Zum Schluß bemerkte Direktor Merker, was wir hier mit ein- ander besprochen haben, besprachen wir unter strengster Dis- k r e t i o n. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich nicht darüber reden iverde, und Sie geben mir Ihr Ehrenwort. Ich habe mich für verpflichtet gehalten, mein Wort bis zum heutigen Tag z u halten und habe niemals auf diese Unterredung hingewiesen. Nachdem aber der Vertreter des Berliner Magistrats mich dazu provoziert hat und ich aus dem Bericht ersehen habe, wie der Dr. Merker sein Wort gehalten hat, mußte ich die Sache hier vorbringen. Als ich Herrn Dr. Merker auf die schlechte Beschaffenheit vertrockneter Eier hinwies, sagte er:„DaS ist unmöglich, wir kaufen nur beste Ware ein". Ich erwiderte ihm:„Wenn Sie solche Kontrakte abgeschlossen haben, dann fehlt die Kontrolle, daß solche Sachen auch wirklich geliefert iverden." Er sagte, er werde selbst die Sache untersuchen. Wir kamen auch auf die bekannte Wurst. Ich sagte ihm, daß die Leute häufig die Wurst iv e g w e rfe n. � Er meinte, das sei unmöglich,' sie werde aus bestem Fleische hergestellt. Auch hier versicherte er mir. er werde selb st kon- t r o l l i e r e n und dafür sorgen, daß die Mißstände abgestellt ivürden. Ich muß mich entschieden dagegen verwahren, daß ich zu lange gewartet habe, um dann eine Tendcnzrede zu halten. Ich sagte mir, Direktor Merker hat ja versprochen, das Abhilfe geschafft werde, geschieht das, hast du keinen Grund, die Klagen vorzubringen. Erst als mir Mitteilimgcn wurden, daß es s o weitergehe, erst dann habe ich die' Gelegenheit beim Reichs- Scucheugesctz wahrgenommen, um die Mißstände öffentlich zur Sprache zu bringen. Herr Fischbeck sagt, es kam mir nicht darauf an. Mißstände abzuschaffen, sondern eine socialdemokratische Wärterorgaiiisation zu pflegen im Gegensatz zu einer andren. Das ist eine objektive Unwahrheit des Abg. Fischbeck. Ich habe wiederholt von einer Wärterorganisation gesprochen, die aber nicht soeialdemokratisch ist, sondern auf rein neutralem Boden steht. Ich bin auch stets den etwaigen Bestrebungen entgegen- getreten, in diese Organisation die Politik hineinzubriiigen. Da kann ich wohl billigerweise von jedem anständigen Menschen, auch von einem Berliner Stadtrat erivarten. daß er mir nicht Dinge unterschiebt, die mit der Wahrheit im Widerspruch stehen. Ich werde, so lange solche Mißstände in Krankenhäusern Berlins und der Provinz mir zur Kenntnis kommen und nrir nachgewiesen wird, daß sie wahr sind, sie auch öffentlich zur Sprache bringen, und davon werden mich nicht unwahre Beschuldigungen, Unterstellungen und Beschimpfungen, wie sie mir zu teil geworden sind, abhalten. Wenn man mich hier nicht verstehen will, draußen das Volk, besonders aber die arbeitende Klasse, die ärmsten Volksschichten, die am meisten unter diesen Mißständeu zu leiden haben, werden mich v e r st e h e n und werden mir dankbar sein, daß ich endlich einmal in diesen dunklen Teil Deutschlands hiiieiugcleuchtet habe.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Fischbcck(frs. Vp.): Herr Antrick hat zum Schluß seiner Ausführungen klar gesagt, worauf es ihm eigentlich ankommt: nicht auf die Sache selbst, sondern darauf, bei den Arbeiter» Beifall zu finden. (Lachen bei den Socialdemokraten.) Herr Singer hat mich falsch ver- standen. Ich habe gesagt, Antrick habe diese Dinge im Jahre 1900 in einer Tendenzrede vorgebracht, und habe dagegen gestimmt, daß Leute auf Grund des Reichs-Seuchengesetzes in die Kranken- Häuser geschickt werden, weil diese zu schlecht sind. Wen» jemand aber dies im Reichs-Seuchengesetz nicht zu- lassen will, kann er doch nicht von den Kommunen ver- langen, daß die Leute in die Krankcnhänscr gewiesen werden. Ich gebe ja z», daß Herr Singer und ein Teil seiner Freunde da- mals die Folgerung ans der Rede Antricks nicht gezogen haben, sondern für den§ 14 des Reichs- Seuchengesetzes gestimmt haben. Ein andrer Teil seiner Fraktion aber, die im Volksmimd die Leute vom nassen Strumpf heißen(Heiterkeit. Glocke des Präsidenten.) Präs. Graf Vallcstrrm: Abgeordnete haben keinen nassen Strumpf. (Stürmische Heiterkeit.) Abg. Fischbcck(fortfahrend): Diese Herren, und zu ihnen gehörte Herr Antrick. haben aber im Widerspruch zu dem socialdemokratischen Antrag in der Stadtverordneten- Versammlung damals gegen den Z 14 des Reichs- Seuchengcsetzes gestimmt, weil die Krankenhäuser zu schlecht seien. Abg. Miinch-Fcrbcr(natl.) befürwortet seine Resolution über den Handel mit Essigessenz. Es kommen häufig Unglücksfälle mit imvcrdüiniter Essigessenz vor, die vielfach mit Branntwein und auch mit Selterwasser verwechselt ivird. Staatssekretär Graf Posadowöky: Der Gegenstand wird zur Zeit innerhalb der zuständige» Ressorts verhandelt und der Bundesrat wird sich jedenfalls in allernächster Zeit über die Regelung der Materie schlüssig machen. Abg. Wurm(Soc.): Wenn der Bundesrat in seinem Entschluß der Resolution des Herrn Münch-Ferbcr nachkommt, dann wird auch nicht einer der Fälle beseitigt werden, die Herr Müuch-Ferber anführte. Solche Unglücksfälle kommen auch mit Gegenständen vor, die unter den Vorschriften über den Handel mit Giften stehen, mit Scheide« wasscr usw. Was als Essigessenz in den Handel kommt, ist eine chemisch reine Ware, die nicht durch das, was sie enthält, sondern durch ihre Konzentration giftig wird. Wenn aber jemand z. B. SOgrädigcn Spiritus trinkt, ist er auch ein verlorener Mann. Nach der Konsequenz des Antrags Münch-Ferber hätten also in den 30 und 40 Jahren die Brenner auch den Handel mit konzentriertem Spiritus verbieten müssen, der damals aufkam. Der Antrag be« deutet also ein Hindernis für den technischen Fortschritt. Bei der Eisigessenz handelt es sich ja auch vor allem darum, daß durch sie der Essigfabrikation ein unbequemer Konkurrent erwachsen ist. Die Essenz ist sauberer und appetitlicher als der Essig, der sonst in den Handel kommt. Das wichtigste für den Essighandcl ist, daß für den Kleinhandel mit Essig Bestimmungen getroffen werden, wie der Normalgehalt des zinii Verkauf gelangenden Essigs beschaffe» sein muß, und daß als Weinessig nur wirklicher Weinessig verkauft werden darf. Die Resolution aber ist überflüssig und fchädigt einen notivendige» Fort- schritt der Technik. Damit schließt die Diskussion. Die Resolntioii Münch-Ferber wird mit zweifelhafter Majorität — dafür stimmen die Nationalliberalen und die Konservativen— angenommen. Beim Kapitel„Reichs-Pateiitanit" kommt Abg. Schlunibcrgcr(Hosp. der Nationalliberalen) auf die An- griffe des Abg. Wurm gegen die in einer Fabrik, in deren Anfsichts- rat Abg. Schluinberger sitzt, herrschenden Zustände zurück. Redner betont nochmals, daß seine früheren Angaben auf Wahrheit beruhen. Präsident Graf Ballcftrcm(unterbrecheud): Herr Abgeordneter, Sie kommen auf eine bereits abgeschlossene Diskuffion zurück. Das kann ich nicht zugeben. Abg. Schlnmbcrgcr(fortfahrend): Die Entrüstung der Social- demokratie-- Präsident Graf Ballestrem(linterbrechend): Die Entrüstung der Socialdcmokratie steht auch nicht im Ziisannnenhano mit dem Patentamt.(Große Heiterkeit.) STBfl. Schlumberger lsortfahrcnd); Jene Angriffe gründeten sich' auf gesetzliche Bestiimnunge»--- Präsident Graf Ballcstrcm sunterdrechend): Sie kommen schon Mieder auf jene Diskussion zurück. tStürmische Heiterkeit.) Ich rufe Sic hiermit zur Sache! Abg. Schlnnibergcr sfortfahrend): Ich komme zum Schluß. (Große Heiterkeit!) Ich hoffe, daß der deutsche Erfindungsgeist sich auf deutschem Boden ungehindert im Rahmen dcS Gesetzes entfalten niöge und nicht durch den ungesetzlichen llebcrcifcr der Herren So'cialdemokratcn ins Ausland getrieben werde!(Stürmische Heiterkeit.) Beim Kapitel„Mcichs-Versichernngsamt" bedauert Abg Dr. Hitze(C). daß die früher vom Reichstag angenommene Rciolmion zur Aufbesserung der SenatSpräsidente» beim Reichs- Bersichernngsamt von der Negienuig nicht berücksichtigt ivorden sei. Ferner beschivert sich Redner darüber, daß in Krankenheilanstalten. in denen Katholiken ans Grund der Reichs-Vcrsicheruugsgesetze unter- gebracht würden, keine katholischen Krankenpfleger angestellt tvürden. Dies gelte besonders von mehreren schlesischcu Krankenhäusern. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr.'_ Schluß 6 Uhr. Akademische Freiheit. Im preußischen Abgcordnetenhause kamen am DicnZtag Fragen der akademischen F r e i h e i l zur Sprache. Bon polnischer Seite wurde zunächst gegen die Behandlung polnischer Stndcntcnvcrcine protestiert. Kultusminister Studt: Die Bcdentuiig der polnischen Studentenvereinc muß endlich einmal in das richtige Licht gerückt werden. Ich bin erstaunt, daß der Vorredner diese Verbindungen als absolut harmlos hingestellt hat. In Wirklichkeit verfolgen die polnischen Studentenverbindungen ivesentlich politische und hoch- verräterische Zwecke. Eine dieser Verbindungen enthält in ihrem Statut als Zweck des Vereins ausdrücklich die Stärkung des polnischen Nationalbewußtseins und die Vcnnchrung des pol- nischen Nationalschatzes in Rappcrsivhl. Der polnische Nationalschatz in RapperSwyl dient dazu, die Wiederherstellung der staatlichen U»- abhängigkeit Polens und seine Abtrennung von Preußen zu bc- fördern. In Berlin und Charlottcnburg pflegen jetzt die Studenten socialdemokratischcn oder andren nichtstildentischcn Vereinen beizutreten, deren scheinbare Gestaltung dann allmählich verschwindet und als deren Kern immer mehr eine Verbindung von Studenten erscheint. Das ist eine von den vielen Mitteln,' deren sich die polnische Jugend zur Erreichung ihrer Ziele bedient. Wir müssen dem gegegeuüber endlich einmal durchgreifen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit rühmend hervorheben, daß unsre deutschen Studenten sich von derartigen politische» AnSschrcitnngr» fern- gehalten haben. Es ist ein Verbrechen an der polnischen Jugend. wenn die polnischen Agitatoren sie in dieser Weise in politische Jntrigue» hineinziehen. Abg. Gras Limburg-Stirum(k.): Die deutschen Studente»« Verbindungen haben ihre volle Berechtigung. Sie verlieren diese aber, sobald sie Politik treiben. Die polnischen Stzldentcnvercine huldigen nur politischen Tendenzen, und wir billigen das Vorgehen des Ministers gegen sie durchaus. Auch die deiltschcii Burschenschaften haben politisch nichts geleistet. Abg. Dr. Mizeröki tPole) erklärt es für ganz natürlich, daß die polnische» Studenten Politik treiben. Wenn man einen Schorn- stein verschließt, so entstehe im Zinimer Rauch. Abg. Dr. Müllcr-Sagan(fcs. Vp.) bringt die Anflösnng des Socialwiffcnschaftllchc» StndcntcnvcreinS an der Universität Berlin zur Sprache. AIS Grund dieser Auflösung Ivird angegeben, daß der Vorsitzende trotz dcS Verbotes von Frauen- Vorträgen in Studentenvereinen in einer Zeitung angekündigt habe, an einer Diskussion, die sich an einem Vortrag anschließen solle, könnten sich auch Frauen beteiligen. Hier liegt ein bcklagenstverter Eingriff in die akademische Freiheit vor. Ich lasse dahingestellt, ob der Rektor oder der Universitätsrichter maßgebend für die Anslösung war. Wir stellen dies Vorgehen gegen de» Socialwisscuscbnsllicheu Studentenverein auf eine Stufe mit dein Borgehen des Frhr». v. Stumm gegen den KatbedersocialiSmus! Der Geist des Herrn v. Stnmm geht nm! Dieser Schritt der Negiernng. gegen den sich auch Prof. Adolf Wagner in der„Krcuz-Ztg." erklärt hat, ist aufs höchste zu bedauern.(Beifall links.) Geheimrat Dr. Schmidt: Bei der Auflösung des Socialtvissen» schaftlichen Studentenvereins Handell es sich nm einer, Akt dcS Rektors und der Universitätsrichter der Berliner Universität. Eine Beschwerde gegen diesen Erlaß liegt nicht vor. Insofern hat das Ministerium keine» Grund gehabt, sich amtlich niit der Sache zu be- schäsligen. Ich kann aber namens der StaatSrcgierung nur er» klären, daß sie keinen Grund hat, den Akt, der an der Universität vollzogen ist, zn mißbilligen. Abg. Dr. Fricdberg(natl.): Das Bestehen von Socialtvissen- schaftlichen Vereinen an den Universitäten ist in mancher Richtung ein Bedürfnis. Ich habe de» Eindrnck, daß gegen den Berliner „Socialivissenschaftlichcn Stndentcnvcrcin" mit einer Härte vorgegangen ist, die sich hätte vermeiden lassen. Daß Ge fahren bestehen, will ich gern zugebe». So hat sich einmal ein socialdemokratischcr Rcdacteur in eine» derartigen studentischen Verein Zugang zu verschaffen gewußt und sich dort in unzulässiger Weise über seine socialdemokratische» An- schaumigen verbreitet. Das läßt sich aber bei einer zweckmäßigen Organisation vermeiden. Ich möchte die Staatsrcgicrung bitten. a»f den Rektor in dem Sinne einzuwirken, daß die Angelegenheit in versöhnlichem Sinne geregelt werde. Abg. Wctckamp(frs. Vp.): Stndcntcnvercine sind allerdings nicht dazu da, um Parteipolitik zu treiben. Das aber hat der Ber- liucr Socialwiffenschaftliche Studentenverein auch keineswegs gcthan, er hat vielmehr Anschauungen ans den verschiedensten Lager» zu Worte kommen lassen. Die Auflösung tvar ein schwerer Miß- griff. Geheimrat Dr. Schmidt erklärt nochmals, daß die Staats- regicrmig um so weniger Anlaß gehabt habe, in die Angelegenheit der Anflösnng des Socialwissenschaftlichcn Studentenvereins einzu« greife», als sie das Vorgehen des Rektors und dcS UnivcrsitäisrichtcrS voll gebilligt habe._ Gevichks-SeitunH. SllS Schntzcngcl eines prügelnden Polizisten hat das Ober- Verwaltnngsgericht sich gestern bewährt. Wegen vorsätzlicher Körper- Verletzung, begangen bei Ausübung seines Amtes, war gegen de» Polizeisergeanten Tode zu Gleiwiy das Haupt- verfahre» eröffnet worden. Der Dreher Mnrzccha hatte am 10. März 1901 auf der Straße gelärmt, war mit zwei Wächtern in einen Wortstreit geraten und hatte sich der Ver- Haftung widersetzt, als der Polizeiscrgcant hinzukam. I» einer Anzeige gegen den Beamte» behauptete M., er sei mißhandelt ivorden. In der Wachlstiibe habe ihn Tode v o n e i n e r W a» d z ii r andren geworfen und bei der Leibesvisitation ihn an der Gurgel gepackt. Demgegenüber be- hauptete Tode, er habe M. ans der Straße nur z w e i O h r f e i g c n gegeben, nachdem sich M. zur Erde geworfen nnd ihn am Mantel gepackt habe, der dabei zerrissen sei. In der Wachtstuve habe er M. noch einmal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, weil M. wieder nach seinem Mantel faßte. Bevor es zur Verhandlung gegen Tode kam, erhob die Regicrmig zu Oppeln den Konflikt zu' Gunsten des Beamten und machte geltend, dieser sei im Nahmen seiner A m t s b e f n g n i s s e geblieben. Die Regierung berief sich hierfür auf die ErmittelmigSaktei! gegen Tode und auf die Feststellungen in einem iiizwischcn abgeschlossenen Strafverfahren gegen M.. das mit dessen Vcriirlcilmig zu drei Monaten Gefängnis, wegen Leamteiibcleidigniig mid Widerstandes gegen die Staats- gcivalt, geendet hatte. In diesem Strafverfahren war für erwiesen erachtet worden, daß die Darstellung des Polizeiscrgcantcii zutreffe.- Das Ober-VerwaltungSgericht gab dem Konflikte der Regierung statt, so daß das Strafverfahren gegen Tode endgültig einzustellen ist. Begründend wurde ans- geführt: M. habe dem Beamten Widerstand geleistet und ihn.tälhlich angegriffen"(indem er ihn an de» Mantel packte). Er hätte deshalb ans Grund der für ihn geltenden Gendamieric-Jnstniktion sogar von der Masse Gebrauch machen können. Statt dessen habe er sich ans ein milderes Mittel beschränkt, indem er ihm zwei Ohrfeigen gegeben habe, um den Menschen abziiwehreii. Auch ans der Wache hätte Tode dem M. mit der flachen Hand gegen den Kopf schlagen k ö n n c n. als M. ihn wieder an den Mantel faßte. Von einer II e b e r s ch r e i t u n g der Amlsbcfiignisse dcS Polizei« sergeanten könne demnach keine Rede sein. Dies Urteil wird manchen prügellustigcn Polizisten zu miitvollen Thatcn ermmilcrii. Schwere und beutcreiche Diebstähle kamen gestern in der Verhandlung zur Sprache, welche gegen de» Kutscher Josef Hoff, den Schlosser Ernst Noll, den Tischler Josef Neu reut er. den Buchhalter R i ch a r d Herrn und den Klavierarbeiter P a u l R i e f c n st n h l stattfand. Die drei elfteren waren des wiederholte» schweren Diebstahls, die beiden letzlcren der schivercn Hehlerei be- schuldigt. Hoff und Noll hatten sich im August vorige» Jahres zn gcmciiischafllichcn Einhrlichsdiebstählen verbunden. Obgleich An- fänger ans diesem Gebiete, gingen sie bald mit einer solchen Energie vor, daß die Polizei in Atem gehalten Ivnrdc. Sic hatten zunächst einen Einbruch in die Wohnmig des Banlicrs Cohn, Zelten Nr. 23, geplant, deren Bclvohner sich ans Reisen befanden. Die AiiSführung nilißte aber wegen verschiedener Hindernisse aufgehoben werden. Inzwischen„übten" sich die Diebe durch kleinere Diebstähle. Von Balkons in der B e n d l e r st r a ß e »nd Am Schöneberger Ufer stahlen sie je einen wertvollen Barometer. Der eine wurde für 3 M. verkaiift, der andre für spätere Vcrivcrtung vergraben. In der Nacht zum 12. Angust erbrachen Hoff und Noll ein vergittertes Fenster in einer Villa in der Eisen acher st raße, drangen in den Keller und erbeuteten 24 Flaschen Wein. Sie vergruben die Flaschen auf der Judenwiese bei All-Moabit, und begaben sich während der folgenden Nächte wiederholt nach diesem Versteck, um sich für neue Raiibzüge zu stärken. Es folgten zivei andre E i n b r ii che in Villen, wobei den Dieben in einem Falle ein neues Fahrrad, im zivciten für etwa 1100 M. Kleidungsstücke in die Hände fielen. In der Nacht zum 22. August v. I. wurde der große Einbrnchsdiebstahl beim Bankier Cohn ausgeführt. Die Diebe stiegen über das Eisen- gittcr dcS Vorgartens, brachen die Gitterstange vor dem Keller- fenster los, kletterten hinein und erbrachen die vom Keller nach der Treppe zur Cohnschen Wohmmg führende Thür durch Loslösen aller Schrauben, welche die Schlösser festhielten. Dann gelangten sie in die Cohnsche Wohiumg. wo sie in aller Ruhe sich nach Beute umsahen. In erster Linie fahndeten sie auf Schmucksachen. Sie nahmen deren in großen Mengen mit sich, der Wert ihrer Beute betrug gegen 6000 M. In der Nacht zum 29. Angnst brachen die Diebe beim Professor von Kaufmann, Maaßcnstr. 6 ein. Hierbei war auch der Angcllagte Neureuter beteiligt, welcher bisher liur beim Ab- satzc der gestohlenen Sache» mitthätig gewesen war. Sie gelangten in die Villa, deren Beivohner sich ebenfalls in der Sommerfrische befanden, in ähnlicher Weise wie in den früheren Fällen. In diesem Fall fiel den Dieben noch weit mehr Beute in die Hände, als beim Bankier Cohn. EL wurden dort eine Menge Silbersachen nnd Altertilmsgegciistände von unschätzbarem und im- ersetzlichcm Werte gestohlen. Bald darauf gelang es der Polizei. die Diebe zn ermitteln. Bon den bei Cohn gestohlenen Sachen hatte der Mitangeklagte Herrn einen Teil für einen Preis an sich gebracht, der etiva ein Fünfzigste! des Werts betrug. Herrn war den Dieben durch Nciircutcr zugeführt Ivorden. Mit Ausnahme HermS legten alle Angeklagten ei» offenes Geständnis ab. Der Verteidiger dcS Angeklagten Hciin, NechtSamvalt Dr. Werthancr. suchte iinchzMvciseil, daß gegen diesen nicht gcwerbS- und gcivohn- heilsinäßige, sondern mir einfache Hehlerei vorliege. Der Gerichtshof verurteilte die Aiigcllagteu Hoff und Noll zu je fünf Jahren Zuchthaus, N e n r e n t e r zn z w e i I a h r e n G e f ä n g n i S, Herrn und R i c f e» st a h l zu je z iv e i Jahre» Z u ch t b a n S. außerdem sämtliche Angeklagte zn Ehrverlust und Polizei-Anfsicht. fttttlimmnstibeillchi vom 11. März NitiL. moigens 8 Uhr. Üveltei-Proaiiolc für Mitttvoch, de» 12. März 19112. Zunächst ctwaS wärmer, vorwiegend trübe mit Sliederschlägen und frischen westlichen Winden; späler ansllareiid und etwas lühler. Berliner W e t t e r b u r e a u. Briefkasten der Redaktion. 21. D-, Leipzig. Solche Vereine gicbt cS nicht, auch sind UNS leine Privatpcrsvnc» belannt, welche uüttclloscn Erstildcrn belfe» mächten. <£. D.«00. Die Hule ist anfänglich da« ganze Grunds, ück gewesen, daS sür eine bäuerliche Familie»otwriidig war und dessen Gröstc nach der Vvdenbcschasseiihcit wcchiclte. Allmählich hat sich daraus ein festes Feldniah einwickelt, daS aber iiisalgc der Art seiner Entstehung in den verschiedenen Gegenden sebr verschieden ist. In der Provinz Broiidenburg gab es che- malS die grobe Hufe zn äv groben Morgen, a 400 Ouadratrutca, dann die Halenhufe oder nitttlerc Hnsc zu 2 groben Morgen und schlieblich die Land- tmfc oder kleine Hufe, gleich 1 grober Morgen. Der grobe braiidenburgische Morgen ist elwaS mehr wie Vi Hektar. Dann gicbt eS»och den kleinen braiidenbiiraischrn Morgen, der' 180 Qnadratrillen mibt, also etwas welliger wie die Hälllc dcö groben Morgens. I. L. 7. 07. Nein.— ILjälirlgcr Zlboniicnt. BZallltr. Ihr Amt alS Pfleger hat mit der Ailsrinmidersetzimg aufgehört. 1. Der Bater; im Interesse dcs Kindes lönnen Sie der Sparkasse den Sachverhalt mitteilen. 2. Nein. 3. Amtsgericht. 4. Nein. ö. Der unterliegende Teil.— Photo- grnph. Wir i'ittd gilber stände, eine bestimmte freie Kasse zu empfehlen. Eln Berzelchnis von Kassen finden Sie im zweiten Teil dcs Adrcb- kalcndrrs.— V. 91. 9«. Klagen Sie beim Amtsgericht auf Zahlilttg.— L. 103. Mit dem Schnellzuge lostet das Bittet 2ö,20, mit ge- wihinfchcin Zug 3. Klasse 23,00 M., 4. Klasse die Hälfte. 9i. 9t. Orsoy. Uns unbekannt. Die vestclllillgeil gehen nach dem Post-ZeltimgSaint, von dort bekommen wir damt die Gcsanitbcstellnng. Allen Bekannten hierdurch die Mitteilung, dab mein alter Vater Taeberow im Alter von 75 Jahren am Gehirnschlag in Berlin gestorben ist. Die Beerdigung findet jedoch in Pommern statt. A. Taeberow. PttblNld dttTapezierer und verw. Berufsgcnossen. l'NinIv Uerlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dab unser langjähriges Mitglied, der Renda»! 177/13 Iran; Staudiager «m g. d. M. verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. d. M, nachm. b Uhr, auf dem Petri- Kirchhofe, Fricdenstr. S4, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersticht IMe Oi*tMvcrn'»l(nii". Neue Berliner Genoffenschafts-Backerei Eingrtrageuc Genofienschaft mit licschränkter ä,» st Pflicht. Berlin. Eingetragenc Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. Berlin. Aciiva Vilnn» am St. Dezoinbev 1901 Passiva Montag, den 10. d. M, starb nach kurze» schivereu Leiden mein« liebe Fron Klar»»Ulli geb. Fechner. Dies zeigen an 1l22b Wlllielm ItuliI, Restaur., ihre liebe Tochter, Mutter und Bruder. Beerdigung DomierStag, den 13. März,»achm. 4 Uhr. vom Markus- Kirchhof(Hatte) in Wilhclmsberg. Llütklldomg. garantiert reiner Bicncnhouig, 10 Pfd.-Pastestner M. 6,— fco. Raifinade-Honig, 10 Pfd-Posteimer M. fco. unter Nachnahme offeriert 3048Ü* Jul.Pagenor, kpo, Westfalen 1. Cassabcstand......... 2. Waren- je. Bestände(Vorräte an Mehl, Fourage je.)..... 3. Aukellslände......... 4. Guthaben bei der Gasanstalt (Kaution)......... 5. Inventar.......... Abschreibung....... 6. Gespanne.......... Abschreibung....... Marl 1387,90 387,90 9995,50 Mark 1 687,01 6184,16 4 389,86 130,- 1000,- 1495,50,' 8 500, ,21 891,04 Nicht 1. Anteile der Genossenschafter 2. Reservefonds..... 3. Ereditoren...... 4. Lohnreserve(pro 1901 noch ausbezahlte Löhne).. 5. UnterstütziingSfonds.... 6. Gewinn....... Abschieibinigen a»f Inventar.... Geipanne.... Ueberweisniig an den Reseivefonds.., 1478,- UnterstützungSsondS.„ 500,— Auf Bausands zu übertragen.. M. 387,90 „ 1495,50 Marl 5689,79 3861,40 Marl 1 100,- 1 600,- 10 662,65 300,— 500,- 1 828,39 WWW 21891,04 Verbacken wurden 9670 Sack mit 967 000 Kilogramm Noggemnehl im Betrag« von 188120,70 Mark. Der Saffeiiumsatz stellte sich ans 26) 930,96 M., worin 249 961 M. Einnahmen für Backwaren enthalte» sind. Mitgliederbeweg Nlig: Bestand zn Beginn des Geschäftsjahres 20 Mitglieder. Eingetreten im Lause des Gelchästsjahres 2 Mitglieder. Berbleiben am Schlich deö GeichästsinbreS 22 Mitglieder. Die Haslstiiiinie der Genossen beträgt 1100,— Mark. 106/5 Berlin, den 12. März 1902. llei- Vovsland: Robert Engel, Geschäftsführer. Kerl Hetiold, Kassierer. Crosser öffentl. Vortrag des Raturheilpraktikers Sanne Mittwoch; den 12. d. M. abends 81/, Uhr, im Saale des Mioabiter Olesellschaftshanses, Alt Moabit 80 bis 81 über:„Sogcnaiiilte Männer- leiden". 11116 •I1 Üerren-Voitrag 4- Carl BrackholT, Friedlichst r. 10, über:„Die sogenaiiiitcn unheilbaren Männerleideil!" Mittwoch, 12. März, abends'/,S Uhr, in den Spreehatten, Kirchstraße 27. lllbb Nur für Herren! Eintritt frei! vanHoutertsl Cacao AVan versuche diese bestrenommierte AXarKeals erstes FrühstücKI Verein der Former. Sonnabend, den tk». März, in H. Kliemö Kestsälen, Haseuheide IS— IS: Zlir leler des 39. SWungsfestes Großer Wiener Maskenboll. Alisang 0 Uhr Entree 50 Pf. Um 12 Uhr; DeniaSkierniig. Um 1 Uhr: Pause. Nach der Pause: Orn«Hc(iiriitlM- Vcrlosnng. Da der gesammte Ueberschich iinsrer UnIerstütznilgSkasse nbenviesen wird, bitten nm rege Beteiliginig Der Borstand. Das Komitee. I. A.: W. 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Undine. Ansang?>/- Uhr. VeeessionSbiihne. Detlev Lilien- rrons Bnnleö Brettl. Ansang 8 lihr. E. U. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrcttl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Screnlfsunus- Zwischenspiele. Auf. 8V2 Uhr. Trianon. Eoralie n. Co. 8 Uhr. Ventral. Das füste Mädel. Anfang Anfang Aufang Anfang Anfang 7»/- Uhr Thalia. Seine Kleine. 7V. Uhr. Lniscn. Liefe Gruben er. 7-/, Ubr. Varl Weiss. Gaöparone. 8 Uhr. Nriedrich-WilhelinftlidttscheS. Der Obersteiger. Ans. 7'/- Uhr. Belle-Zllltanee. Die Dame ans Tronville. Hierauf: Er. Ansang 7Vi Uhr. Orpheus. Specialitäten-VorsteNnng. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. lv.'etropol.'ne feine Nummer. Specialitälen- Vorstellung. An- fang 8 Uhr Apollo. Don Juan in der Hölle. Specialitälen- Vorstellung. An- saug 8 Uhr. Easino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Vor- stcllung. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- VorsteNnng. Ansang nachmittags 5 Uhr. 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Freitag: Benefiz fllr Frl. Ptaseolca. TaS KSthche» von Heilbronn. Sonnabendnachmittag: Klei» Dänin- ling. Abends: Grobe Festvvrstcllung, zum 80. Male: DaSJnngfrrnstlft. SolNitaguachmittag: Othello, der Mohr von Venedig. Passage-Thealer.| Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr, Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Der kleine Cohn ist cla! Burleske in einem Akt. iDer Bajazzo und sein Kiiui.) ciMstklasslge (Speclnlittttcn Abends 7V| Uhr: Vss fntze Mlädel. Operette in 3 Akte» von H. Reinbardt. Mvrgen»ub solgendc Tage: Das fufse Nlädel. Sonntag, den IS. März, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: SjOer Die Oelslin. Operette in 3 Akten von Sidney JoneS. SlbsndS: Das fnfse Mädel. lUpollo skealei'. Kolossaler Krkelg der neutll Specialitäten! The 3 Milons Martin Kettner Mllly Cai>®ll 3 Avolos Smn Elton Willi Waiden XIic Licamy-Tronpe Der Kosmograph. Vorher: Kassencröifnung 7 Uhr. Anfang 8 lihr. Belle-Äliianee-Tiiealer. Die Dam aiiö Trailvisle. Schwank m. Gesang n. Tanz in 3 Akten. 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G., Guido Thiclschcr, Gerda Walde. Selmcrding, Paulmiiller, Boss, Wannovins.„Kahn Sie nicht den kleinen Colin gesehen?" Scliall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44, Mittwoch, 12. März, abds. 8V2 Ubr: Strindbcrg-Cj-klns. 1. Emanuel Reicher.— Rosa Berlevs.— Gertrud Eysoldt.—„Das Band", „Die Stärkere". Ferner:„Frau Hlmi",„Liebesträume". E. von Wolzogens Unntes Theater(Ueberbrettl) Küpnickerstr. G8. Heute abends Uhru. a.;„Batanion»- topf"(Offiziers-Humoreske).— „Nora-Parodie".— l.ina Abnr- bnncll.— Rozena Rradsky u. Oskar 8transs, Rarccll Salzer etc. Trianon-Thealer. Ceorgcnstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Friedrlchstr. Zum 109. Male: Coralie A Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Palast-Theater (friihcr Feen-Palast) «urgstr. SS. üircklion R. VVlnkler u. lV. FrDhel Das brillante neue März- Programm! JW IS"-PBS Kolossal-Humraern. JOlll Um S'/i Uhr: Grober Erfolg: Die Beilchenfee. Berliner Vollsstülk mit Gesang. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billet-Vorverkaus v. LI— L Uhr. Kottbuscrstr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: II«» f t III a II 11 a NoMvtsche länger Nach jeder Soiree: TanzkriLnzehen. Sonntag Ans. des Konzerts 8 Uhr, der Borst. 7 Uhr. Entree bv Pf. nuin.Pl.7ö Pf. � Wochentags Anl. 8 Uhr. Entree 3G Pf. Sperrsitz 30 Ps.— Tanz frei. Vereinsbillets gültig.-9 SotiäUtmolirntifl« Walilrerel» s ftit den 1. Betliiift Rcichstags-Mhssireis. Tonnerstag. de» 13. März, abends 8V2 Uhr. in den Amiinhallcn, Koiiiiiiaailaiitenstrass>c Mo. SO: OeffeutUche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vom Hexenwohn. Nachtbilder ans der Kultur- und Neligions- geschichte. Referent Rechtsanwalt Genosse Tletor Frünkl. 2. Dis- tusfioii. 3. Verschiedenes. Frauen sind hierzu besonders eingeladen. 236/4 11er Torstand. Svkünvbvi'g. Donnerstag, den IS. März, abends 8 Uhr, in „Obst Festsälen", Meiningerstr. 8: Uolks-Versammlung Tages-Ordnung: 20-2/7 1.„Die Mibstände im Lichterfeldcr Kreis-Krankenhause lind der hiesige Natnrheilverein". Referent Dr. med. Richard Reeder. 2. Diskussion. «P- Die Herren Aerzte und Stadtverordneien Schönebergs find besonders eingeladen. Um zahlreiches und pünktliches Erschelnelt ersucht Die Komniianion der Oi-tskrankcakasse. _ I. A.: Fr. Marx._ W. tloaclis Theater. Brunuenstrabe Iii. In der Heimat. Schauspiel in ö Akten von Charlotte Birch-Pseisser. Donnerstag: Terlorene Ehre. An der Spandauer Brücke 3. J Grösst.VergnUgungslokal Berlins llnternationale Konzerte n |Spccialitätcn-Vorstellnng iTägl. Anstich des„llrbock" ] Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. 1 Tägl. Rntinec von 12-3 Uhr. Deutscher Hotzarbeiter-Verband. Zahlstolle Rcrlin. Morgen, Donnerstag, abds. 8>/t Uhr» im GrwerkschaftShanS, Engel-Ufer 1o: Vkrttautasmiimikr-VkOmmIung sämtlicher Bezirke. TageS-Ordnung: i. Bericht über die Situatio» bezüglich deS JumingSnachweifeS 2. Werkftattstreiks und Differenzen. 3. VerbandSangelegenheiten. Mk- Mitgliedsbuch nebst Vortrouensmännerlarte legitimiert. dede HVerkstatt entseade Relegierte. 80/17 Die Ortsverwaltnng. Donnerstag, den 13. März, abends 8'/- Uhr, bei Bauer, Nosenthalerstraße Nr. 87: Branclieii-Venniliiiig der Stellmaclier. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Rasr»»« Sekwent!« über:„Die Vioil seltion und ihre Gefahr für die ArbeiterNasse". 2. Dislusston, 3. Verbands- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Wir bitte»»m regen Besuch, da in dieser Versammlung die Stimm zettel zur Urabstimimiug über die Arbeitslosen-Unterstützuiig ausgegeben werden. Die Romaiissio». Deutsch Jetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Nfer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Zlmt VII, 353. Mittwoch, den IS. Mär,, abends 8-/- Uhr: Oeffentliche Versammlung der Metallarbeiter und Arbeiterinnen für Vevlin Mosten und Sstzönodorg Bor im Klubliacis, Schöneberg. Hanptstrafse 6/6.-�Q Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Antrlck über:„Industrie und Zolltarif unter befonoerer Rücksichtnahme der Mctall-Jndustrie". 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. 112/14 ZM- Alle in der Mctall-Jndustrie beschäftigten Personen werden dringend ersucht, in dieser Versamnilung zu erscheinen. Der Kinbrruser: Cohen. Mtliwoch, 12. März, abends 7Vz Uhr: Gr. Vorstellnng. Klondike, Orig.- Pantomime des Cirkns Busch und die ncnengagierten Specialitäten. st e i o Ii s k s 1 1 e n. >7 Täglich: Stell iner Säuger. Anfang Wochcnt. 8 Uhr SonntagS 7 Uhr. Ctatralaerband kt Maurer u. (Zweigvcrcin Berlin.) Donnerstag, den 13. März» abends 8V2 Nhr, im Getoerk- schaftShaus, Engel-Nfer 13, Saal III: HÜT" Versammlung"'-fei aller Mitglieder des Verbailbes, die sich init Mjesenlegen beschiistigeil. Tages-Ordnung: Das heutige Bcrhälknis der Fliesenleger zum Verband. MGr- Da daS bisherige Verhältnis der sich mit Fliescnlegen be- schäftigenden VerbandLmitßticder zur Organisation einer dringenden Rege- lung bedarf, so erachten wir es als Pflicht aller dieser Kollege», diese Ber- sammlnng zn besuchen. 137/14 _ Die Verliandsioitmig. Maler, Lackierer, Anstreicker Berlins. Donnerstag, de» 13. in den Arinliilns-Hnllcn, März, abends 8'/« Uhr. Rrcnierstrassc Mo. 72— 53: Große öffentliche Uersammlnng. T a g c s o r b N u ii g':'' 1. Bortrag deS Genossen V. liater über:„Die Bentegler der Kapitalisten und wie stellc» sich die Arbeiter dem gegenüber?" 2. DiS- kussto». 3. Verschiedenes. 280/4 Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen wird ersucht Der Einbernfer: H. Weise. Ligsiiö llMleetioll. " LICZsnnts 08tümr0Lke [3572h*| tu Tuch, Zibcline Kamingarn und.Homespun. 6 M.. 7 M., 10 M., IS M., 15 M., 8eiden«i,iniast S5 M., Alpacca 4.50 M., 6 M., bis 30 M., weiss Cheviot Und Pique 3, 5, 7—15 M. Jaketkleicfer elegante Faxens. Saccokleider BBusenkleider letzte Neuheit in �ibeline. Reversibel, Cheviot, Covercoat und Homespun, 15 M., SO M., S5 M. Linsognungskloidor 15 M., 18 M., SO M. Soidonvluso»» 6,50 M., 8 M., 10 M., 15 M. Blusenhcmde» 1,75 M., 3,50 M. Golf capes e m., 8 m., 10 M. Schwarze, glatte u. bestickte Capes und Kragen 13 M., 15 M. iakets, Sackpaletots, moderne Fa�ons in vorzüglichem Sitz und tadel- loser Verarbeitung 10 M., 13 M, 15 M., 30 M.£ Sielmann&Rosenberi Kommandantenstraste. Ecke Lindenstraste. «lssssaakerllgllllg. kasioo-VIleater. Lothringerstr. 37. MM- Nur noch bis Freitag:-WM »Lustige Brüder" mit Richter. „Ehrlos" mit Berg zc. rc. Anfang Wochent. 8 Uhr,Sonnt.7V,Uhr. Berti», St-ttt». Chausseest.54 Bellealliancestr. 38 Magazinst. 2 Hohenzollernftr.S. Mas-Aailie 24«si'lt und 30 Mark. Paletots n. Mass 22 M. Bewuuderungswert anzusehen, weldien Borteil ich dem werten Publikum biete. Von rcinwolleneo Stoffresten liefere ich den besten Maß-Anzug mit Anproben unter Garantie tadel- losen Sitzes zu obigen Preisen. fti(jroS'Resterliaiu!Iun{). Chaussecftr. 54, 1 Tr. Bellealliaucestr. 08, 1 Tr. teppdecken kauft man am besten und billigsten nur direkt in der Fabrik R. Sirokmandcl, Berlin S. 72, Wallstr. 72, Ä.V., S wo auch werde». alte Decken aufgearbeitet 34950« Orts-Krankenkoffe fiir baskttverbe d. Disihltr u. Piaiiösöttc-Arbtittr zu Berlin. Doiinerstag, 30. März, abends 8»hr, tm„Gewcrtschaftshanse". Engel-Ufer 15(Saal I): 1110b G enera I-V ersamiiiliiiigr der Vertreter der Kosfenmitglieder u«td der Arbeitgeber. Tages- Ordnung: I. Abnahme der JahreSrcchnung pro 1901 nebst Bericht der Revisoren. 2. Wahl des Rendanten-Stellvertreters. 3. Wahl von zwei Kassierern. 4. Antrag de? Vorstandes: ß 29 nnires Statuts folgendermaben zu Andern: Die wöchentlichen Kassenbeiträge betragen: 1. für erwachsene männliche Kassenniitglieder, ausschlieblich der Lehrlinge, 54 Pf.; 2. für erwachsene weibliche Kassenmitgliedcr 33 Pf.; 3. Für männliche Kassen- Mitglieder unter 18 Jahre» und für Lehrlinge 24 Pf.; 4. für weibliche Kassenmitglieder unter 16 Jahren 18 Pf. Ber Vorstand. Achkims! W Achtung: Tischler Berlins. Mittwoch, den 12. März, abends 8 Uhr, im Saal deö Herr» Brochnow, Wcbcrstrahe 17: GvoSe öffetitlickzo Vrvf«m»nlung. T a g e ö- O r d u u n g: I. Die zwangsweise Einführung der Entlassiingsscheine und des Arbeitsnachweises der Tischlerinnunz und der ihr befreundeten Verbände. 2. Diskussson. 188/7 Kollegen, erscheint zahlreich tn dieser Versammlung, um Protest gegen diese Vergewaltigung zu erheben. Ter Einbernfer: M. Hü rtler. MSbel Spiegel u. Polsterwaren reell, zn soliden Preisen, empfiehlt st. Ltinelow, Tischlermeister, Bixdort, Richardstr. 116. am Denkmal.* 30 Hark hochfeine Toiunicrpaletots. 30 Mark hochelegante Herrenanzüge. 13 Mark hochelegante Beinkleider. Anfertigung»nr nach Mast. Anter Stoff, tadelloser Sitz.[3ol6L,* 14 Krattseustrafte 14, :. 3708. 1 Tr., Tel.-Anit I Nr. 1 Tr. üllhei Bürgevlielie aeiou* WoLnnngs- Einriclitnngen. Grosses Lager.» Billige Preise. Langjährige Garantie. VlI!,.l,Amdree!it,s�7o. IkitüsdiiZJg monatlich 10 M. liefert elegante P.erren l-lli'ljerolzs nach Mab, anch bar Kasse allcrbilligste Preise. Fert. Garderobe stets vorrätig. Ioiiiporowski.uk.�7'�Ä� pieraniworllichcr Siedactenr: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke ül Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Bcrlm. Bf. 60. 19. mm*. 2. Keiillge des„Jormirts" Kerlimr PgldsblM. IS. Wöti 1902. Uokales. Von den städtischen Heimstätten. Der vom Kuratorium der städlischeu Heimstätten erstattete Bericht über das Etatsjahc 1. April 1000 bis 31. März 1901 wird erst jetzt durch den Magistrat veröffentlicht. Die Angaben des Berichtes lassen erkennen, daß die Heimstätten mfolge des hier herrschenden Platzmangels im letzten Jahre mit kaum geringeren Schwierigkeiten als in den vorher- gehenden Jahre» zu känipfen gehabt haben. In zwei der be- stehenden vier Heimstätten waren die Schwierigkeiten diesmal sogar noch bedeutend grösser, in der Blankenfelder Heimstätte für tuberkulöse Frauen ivegcn der Steigerung des Andranges, in der Heinersdorfer Heimstätte für genesende Männer Ivege» der Zerstörung des Heimstältengebäudes durch eine Fenersbrunst (Juni 1900). Die Zahl der Aufnahmen war in Heincrsdorf im vorhergehenden Jahre bis auf 881 gestiegen, ging aber im Jahre 1900/01 mfolge des Brandes sofort auf 329'zu Rüdersdorf,— Berechtigungen — Polizeikosten im allgemeinen(Ortspolizei) und Fmwdösch� ivesen,— Fleischschau für das von außerhalb eingeführte Fleisch, � Gymnasien,— Realgymnasien— und Oberrealschulen — Realschulen,— höhere Mädchenschulen— Turnhallen der städtischen höheren Lehranstalten, Spielplätze und Turnwesen im allgemeine»,— Verschiedene Einrichtungen für die städtischen höhere» Lehranstalten und die höheren Mädchenschulen,— Gemeinde schulen(Volksschulen),— Tanbstummenschnle,— Blindenanstalt nebst Betrieb der Beschäftignngsanstalt.— Fortbildungs- Unterrichts- ivesen,— Gewerbliches' Unternchtswesen.— Armenwesen,— Siechenanstalten,— Friedrich Wilhelms-Hospital,— Arbeitshaus in Rummelsburg,— Städtisches Obdach, DesinfektionS- Anstalt II und Hilfsstation für Geschlechtskranke,— Krankenhaus im Friedrichs- Hain,— Krankenhaus Moabit,— Krankenhaus am Urban,— Krankenhaus Gilschinerstraße,— Kaiser und Kaiserin Friedrich- Äinder-Krankcnhaus,— Irren- und Jdiotcnanstalt in Dalldorf. — Irrenanstalt Herzberge in Lichtenberg.— Anstalt für Epileptische „Wnhlgartcn" bei Biesdorf.— Bade-Anstalte».— Desinfektionsanstalt' in der Reichenbergerstraße,— Heimstätten für Genesende und verschiedene Einrichtungen für die öffentliche Gesundheitspflege.— Berichterstattung über' die Vorlagen, betreffend das Ortsstntut II vom 7./19. März 1877 und die Erhebung von Beiträgen in Ge- mäßheit des ß 9 des Kvmmnnalabgaben-GesetzeS vom 14. Juli 1803. — Vorlagen, betreffend die Errichtung eines Hauses für 54 sieche Männer bei der Irrenanstalt Herzberge in Lichtenberg.— Außerdem findet i» dieser Sitzung, und zwar um 6 Uhr, die Wahl eines un- besoldeten Stadtrats statt. Die Eröffnung der Wcststrecke der Hochbahn bis zum Zoologischen Garten hat gestern früh mit ungleich größerem Erfolge stattgefunden, als es vor drei Wochen bei der Eröffnung der Ost strecke der Fall war. Der erste Zug, welcher um 5,42 früh vom Zoologischen Garten abgelassen wurde, zählte einige 2v Personen. Bald aber stieg der Verkehr, namentlich in derselben Richtung ganz bedeutend, so daß fast alle Züge gut besetzt waren. Eine Einrichtung der Berliner Feuerwehr» die im Publikum noch sehr wenig bekannt zn sein scheint, ist die der kostenlosen Abgabe von S au erst off bei Krankheitsfällen, also bei Einatmen von Leuchtgas, Vergiftungen usw. Auf allen Feuerwachen die durch das Adreßbuch oder im Verzeichnis der Fernsprech-Tcil- nehmer zu ermitteln sind, hat die Feuerwehr eine Einrichtung, daß sofort aus die erste Meldung ein ausgebildeter Samariter mit einem Sauerstoff-Apparat sich nach der Unfallstätte ic. begicbt, um schnell Hilfe zu leisten. Diese Hilfe ist auch in jedem Fall von dem nächsten Polizeirevier zu veranlassen. Bei der Vorlrcfflichkeit dieser Einrichtung sei nochmals darauf hingewiesen. DaS Komitee, welches zusammengetreten war, um die Her- stellung einer Fußgänger-Brücke zwischen der Krenzberg- und Groß- görschenstraße zu fördern, hat jetzt eine mit 8240 Unterschriften be- deckte Petition dem Magistrat übergeben. Diese hohe Zahl der Petenten kann wohl als Beweis dafür gelten, wie stark das Be- dürsnis nach einer direkten Verbindung zwischen der Potsdamer- und Kreuzbergstraße empfunden wird. Unruhige Aktionäre. Zu überaus heftigen Auftritten kam es gestern in einer Generalversammlung der Aktionäre des Zoologischen Gartens, die im großen Saale dieses Instituts tagte. Im Anschluß daran sollte eine außerordentliche Generalversammlung tagen, welche sich mit der Erhöhung des Grundkapitals auf 2 500 000 M., mit der Aufnahme einer Anleihe von 2 000 000 M., sowie mit dem Bau einer großen Ausstellungshalle und der geplanten Beschränknng des freien Eintrittsrechts der Aktionäre' befassen sollte. Es kam jedoch nicht zu dieser zweiten Versammlung, teils wegen der vorgerückten Zeit, teils wegen der erregten Stimmung, die unter den Aktionären Platz gegriffen hatte. Bei der nun folgenden Wahl von Anfsichtsratsmitgliedern kam es zn stürmischen Seenen. Der Vorstand schlug der Versammlung vor, die statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder: Unterstaatssekretär Dr. Fischer, Rittmeister Richter- Mahlow und Kommerzienrat Lucas wiederzuwählen und an Stelle des verstorbenen Geh. Konimerzienrat Ed. Veit den Kommerzienrat Fromberg in den AnfsichtSrat zu senden. Hier setzte nun eine starke Opposition ein, welche geltend inachte, daß man auch solche Männer in den Aufsichtsrat wählen müßte, die nicht zu allen Maßnahmen des Vorstandes ja sagen. Man möge deshalb statt Fromberg den Dr. Wachs- mann wählen. Während die nun folgende Zettelwahl bereits eine Stunde in Anspruch genommen hatte, teilte der Vorsitzende, Kommerzienrat Lucas, mit, daß die Feststellung des Resultats noch 3�_ Stunden in Anspruch nehmen würde Da er auf den Vorschlag, während dieser Zeit andre Punkte der Tagesordnung zu erledigen, nicht reagierte, machte Direktor Könitz die Bemerkung, daß es den Anschein gewinne, als sollten durch die hier vergeudete Zeit zahlreiche Aktionäre weg- gegrault werden. Herr Lucas fühlte sich hierdurch verletzt und drohte, von seinem Hansrecht Gebrauch machen zu wollen. Eine unbeschreibliche Aufregung folgte dieser Drohung. „Raus! Vorsitz niederlegen I" erscholl es von allen Seiten. Doch der Vorsitzende blieb. Je mehr er aber die Klingel in Bewegung setzte, je größer wurde der Lärm. Auch verschiedenen anderen Herren vom Vorstandstische gelang es nicht, den Stnnn zu beschwichtigen. Dieser legte sich vielmehr erst, als von der oppositionellen Seite Vertagung der außerordentlichen General- Versammlung beantragt wurde.' Es wurde demgemäß beschlossen, worauf sich die Versanimlung stark lichtete. Das erst viel später er- mittelte Wahlresnltat ergab die Wiederwahl der drei genannten aus- scheidenden Mitglieder.' Zwischen Fromberg und Dr. Wachsmann hat Stichwahl stattzufinden, die in nächster Generalversammlung vollzogen werden soll. Wegen KauttonSschwiudels ist der 34 Jahre alte Kaufmann und ZeitungSvcrleger Friedrich Weftphal in Groß-Lichterfelde ver- haftet worden. W. gab seit dem 1. September v. I. ein Anzeigen- dlatt,.Der Zimmervcrmicter, Ccntralorgan für Limmervermiewng", j heraus. Als Geschäftsräume dienten ihm zwei Zimmer in dem Hause Jägerstr. 10. Durch Stellenvermittler und Zeitungsanzeigen suchte und fand er Handlungsgehilfen, Handwerker-c. als Kassierer und Anzeigensammler und ließ sich von ihnen 200 bis 500 M. Bürgschaft geben. Sobald er jemand angenommen hatte, ging er mit ihm zur Deutschen Bank und legte dort die Kaution auf seinen(Westphals) Namen nieder. Schon am nächsten Tage pflegte er das hinterlegte Geld wieder ab- zuholen und für sich zu verbrauchen. Am Freitag nahm er wieder einen Kaufmann mit 250 M. an und brachte mit ihm das Geld nach dem Hauptgeschäft der Deutschen Bank. Zufällig sab der neue Kassierer seinen„Chef" am nächsten Tage wieder auf die Bank gehen. Mißtrauisch folgte er ihm und nahm nun wahr, daß er sich die Kaution wieder herauszahlen ließ. Der junge Mann machte Anzeige bei der Kriminalpolizei, und diese nahm Westphal fest. Bis gestern abend waren 15 Kassierer ermittelt, denen Westphal im ganzen 6800 M. abgenommen hat. Ueber die Ursachen! der vorgestrige» Gasexplosion in der Ackerstraße sind die Ansichten noch geteilt. Sachverständige der Gas- anstalt haben in dem Gasmesser noch Gas vorgefunden. Ei» etwaiger Schaden müsse also hinter dem Gasmesser nach der Küche zu gelegen haben, das heißt, wahrscheinlich müsse ein Hahn offen gestanden haben. Die beiden Frauen bestreiten dies indessen. In dem Befinden der Verletzten ist eine wesentliche Aenderung nicht ein- getreten. Leider haben in dem Tumult sich auch„hilfreiche" Hände eingefunden, die allerlei„gerettet" haben. Es fehlt ein Portemonnaie mit 100 M. und andres mehr. Die zertrümmerten Fensterscheiben ivurden gestern nachmittags durch neue ersetzt, die Wohnung mit Brettern vernagelt, die Treppe mit einem Lattengeländer versehen. Die Baukommission wird entscheiden, was mit dem Hause weiter geschehen soll. Die Untersuchung gegei« daS„Blumcumedium" Anna Rothe hat nun auch zur Ermittelung der irdischen Quelle geführt, aus der die Schwindlerin die Blumen bezog, mit denen sie vor ihren vertrauensseligen Gläubigen zn jonglieren pflegte. Wie aus Chemnitz, der Heimat der Rothe, gemeldet wird, sind unter den bei ihren Verwandten in der Umgegend von Chemnitz beschlagnahmten Briefen zahlreiche Bestellungen auf Eilsendungen von Blumen und großen Bauernblnsen gefunden worden. In einem Monat hat die Rothe über 20 Eilsendungen Blumen bestellt. In der Gaudiuschen Mordsache ist festgestellt worden, daß am 9. Februar, dem Tage, an dem Eaudin verschwunden ist, zwei Garde-Dragoner,' von denen der eine kleiner als der andre gewesen ist und auffallend dicke und rothe Backen gehabt hat, den Gandin von seiner Wohnung Unter den Linden 42 am Nachmittag' gegen 5 Uhr abgeholt haben. Es ist bemerkt worden, daß Gaudin> in Begleitung der beiden Dragoner sich durch die Friedrichstrabe in> der Richtung' nach dem Halleschen Thore zu entfernt hat. Es ist' von großer Wichtigkeit für die Anstellimg von weiteren Nach- forschnngen, näheres über die Persönlichkeit der beiden Dragoner zu erfahren und zu wissen, wohin sie mit Gandin gegangen find. Personen, die hierüber Auskunft geben können, werden ersucht, sich in de» Vorinittagsstmiden im Polizeipräsidinin am Alexanderplatz zu melden. Dm-ch einen Sturz vom Dach versuchte sich in einem Anfall von Geistesgestörtheit die 46 Jahre alte Bahnwärterfran Rosa Z. in der Elsasserstr. 37 zu töten. Die Frau war früher schon einmal in der Irrenanstalt zu Dalldorf, wurde aber als gebessert und nicht gemeingefährlich entlassen. Am Montagnachmittng bekam sie wieder einen Anfall, stieg heimlich auf das Dach des Hauses, stürzte sich hinab und zog sich außer schweren inneren Verletzungen mehrere komplizierte Oberschcnkelbrüche zu. Die Unglückliche wurde von der Rcvierpolizci in ein Krankenhaus gebracht. Ei» Kollidieb ist in der Person eines mehrfach vorbestrafte� Einbrechers Paul Panzer festgenommen worden. Ein Schutzmann, der ihn mit einem Ballen Stoff in der Haidcreutergasse sah, hielt ihn an und nahm ihn mit nach der Wache. Hier gab er an, daß er den Ballen, der rotgestteiftes Inlett enthielt, an der Ecke der König- und Spandauerstraße aufgehoben habe, nachdem er von einem Rollwagen herabgefallen sei. Er hat ihn aber ohne Zweifel vom Wagen weg gestohlen. Der Ballen war mit einem gelben Schild, das die Signatur trug, versehen. Fund einer KindeSlciche. Am 10. d. M. früh wurde im Flur des Hauses Nene Jakobstr. 28 die Leiche eines neugeborenen KindeS weiblichen Geschlechts aufgefunden. Das Kind war in ein Stück weißes Hemdentuch gewickelt, von welchem der eine Zipfel zusammen» gedreht und ihni in den Mund gestopft worden war. Das Ganze war in ein Blatt des Berliner„Lokal-Anzeigers" vom 6./6. 98 ein» gehüllt. Personen, welche im stände sind, Angaben über die Mutter des Kindes oder darüber zu machen, ob eine Frauensperson ihre' letzthin bevorstehende Entbindung zn verheimlichen gesucht hat oder nach staltgehabter Niederkunft ihr Kind verborgen gehalten hat, wollen sich bei der Kriminalpolizei, Polizeipräsidium, Zimmer 249, oder auf irgend einem Polizeirevier melden bezw. zu 1733 IV./27. 02 Anzeige erstatten. In der deutschen Gesellschaft wr volkstüinliche Naturkunde spricht am Mittwoch, den 12. März, abends 8 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses der kgl. Landesgeologe Herr Prof. Dr. Keilhack über„Land und Leute in der Bretagne"(mit Lichtbildern). Feuerbcricht. Dienstagvormittag gegen 9 Ilhr wurde die Wehr nach dem Stettiner Bahnhof gerufen.' Hier hatte sich in einer Privatwohnimg Benzin entzündet und eine Tischdecke und Kleidungs- stücke in Brand gesetzt. Das Dienstmädchen erlitt dabei leichte Brandwunden an den Händen. Die Feuerwehr trat nicht in Thätig» keit. Kurz vorher bräunten Spittelmartt 2 im vierten Stock des linken Seitenflügels Preßkohlen, der Fußboden und die Balkenlage. Die Wehr hatte hier längere Zeit mit einem Rohre Wasser zn geben, um die Flanimen zu ersticken. Ein ähnlicher Brand mußte früh 4 Uhr Chansseestr. 42 in einem Schlächterkcller abgelöscht werden. Außerdem war noch Montagabend 9 Uhr in der Huttenstr. 35 auf einem Neubau ein Brand entstanden, dessen Ablöschung indes in kurzer Zeit erfolgen konnte._ SluS de» Rartibneovle». Eine Aenderung der Landgemeinde- Ordnung behufs Schädigung der Landgemeinden um Berlin, denen durch ihr Wachstum dos Bedürfnis erwächst, der Städte-Ordnung unterstellt zu werden, wird nach einer offiziösen Meldung beabsichtigt. Es soll schon in nächster Zeit dem Abgeordnctenhause eine Novelle zugehen, durch die bestinimt wird, daß Landgemeinden, falls der einfache Verwaltnngsnppnrnt der Laudgemeiude-Orduung nicht mehr sür sie genügt, besoldete Schöffen anstellen dürfen. Durch diese Jlickreform soll das berechtigte Streben großer Landgemeinden, Städtccharakter zu erwerbe», behindert werden. Es ist sehr nötig, diese Pläne der preußischen Regierung aufmerksam zu verfolgen. Wilmersdorf. In der letzten Sitzung der Gemeinde. Vertreter wurden Professor Dr. Beischlag. Banrat G e r a d und der frühere Gemeindevertreter Sanitütsrat Dr. G ratzmann zu Schöffen geivählt.— Dann wurde die Errichtung einer katholischen Schule zum 1. April 1003 beschlossen.— Der Etat der Gemeinde ist für das neue Rechnungsjahr auf 103V VVV M. angesetzt, im Vorjahre betrug der Etat 1600 000 M. — Der Steuersatz bleibt im nächsten Jahre mit 90 Proz. Zu» 'chlag bestehen.— Der Etat der Volksschule stellt sich auf 190 600 ivfc, — Für Errichtung eines Feuerwehrschnppens in Halensee wurden 2500 M. bewilligt; für das zu errichtende Ge Werbegericht ind 500 M. angesetzt.— Für Kinder andrer Gemeinden, welche die Volksschule Wilmersdorf besuchen, werden pro Monat 2,50 M. Schul» geld erhoben.— Der Blindenanstalt Steglitz wurde jährlich laufcii; die Summe von 100 M. überwiesen. Wer ein Clgarren-Oesclilirt eröffnen will, wende sich envor an Adolf Adler, BelfortePStraaae 85. Terltnnf nnr an Cljpnrren llöndler nnd Growalxten.« L» Ziehung 3, Masse 206. Kai. Prenss. Lotterie. .3wdu»s vsm II. März I00S, vormittags. SO» Die(Sowr.uie übet 172 ML|iuD Den bi'ice|]eubl| Nummer» in Ktammeru boigejügt. (Ohne Gewähr.) 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Ziehung 3. Klasse 206. Kgl. Prenss. Lotterie. Ziehung vom ll. März 1902. nachmiitaaO. tim Die Gewinne übet 172 WL fiuD Den btltefienbe» Siummern in Itlonnnent. beigefügt [Ohne Gewähr.) 59[5001 310 463 82 785 913 25 1043 236 96 331 37 77 82 488 543 612 870 90 978 95 2081 224 88 92 377 438 60 84 598 634 768 804 23 42 3004 In 40 194 210 11 422 41 719 873 946 4023 126 234 301 608 7d 899 5004 142 236 452 525 673 6047 213 60 3,6 97 417 510 22 833 71 7007 76 242 91 510 610 53 78 855 925 29 62 8051 98 249 420 618 78 9012 189 98 257 63 671 883 19001 43 97 192 576 671 707 11101 60 209 306 16 469 90 661 782 872 82 1 2083 126 768 812 13 1 3190 258 465 68 73 95 749 923 61 90 1 4012 123 99 386 433 72 515 671 719 69 945 1 5018 148 247 94 393 501 624 40 98 1 6351 448 691 865 960 1 7027 365 704 98 18044 69 188 213 24 75 84 98 431 545 52 641 63 810 988 19073 136 81 323 57 81 599 647 80 748 923 20072 187 237 335 504 36 631 872 930 21339 420 90 653 849 76 2 2048 191 451 509 65 777 942 62 2 3016 124 97 99 319 21 581 860 975 99 2 4048 141 302 67 661 84 773 2 5256 474 88 555 98 714 45 912 14 85 2 6014 65 150 392 430 619 2 7028 80 113 318 25 29 520 56 61 610 708 43 98 811 13 2 8327 41 555 29107 226 412 19 72 568 86 603 003 30073 299 311 31 72 73 551 009 58(500) 750 3 1307 437 83 701 39 77 32145 210 59 433 38 582 764[300! 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max-vadiug in Berit». !it.6Q.>9. ZchMg. 3. Kejlllge hes„Mmiilts" Kttlinel WlkslllM. mm, 12. m Die Sivbeikslosen Ms wir die Ergebnisse der ersten, sozusagen groben Bearbeitung des Materials der Arbeitslosenzählung veröffentlichrcn und die Zahle» eine Ausdehnung der Arbeilslosigkcir und der Arbeits- I'eschrSnkung aufwiesen, ivie sie selbst bei iingü, istigster Beurteilung der Lage des Arbeitsmarltes vordem niemand erwartet hatte, da fiel fast die gesamte bürgerliche Presse, von der„Kreuz-Zeitung" bis ?»r„Bossischen Zeitung", über die Statistik der Gewerkschaftskommission her. Die Klopffechter des satten Bürgertums wollen nun einmal nicht zugeben, daß die Arbeiterschaft unter einem außergeivöhnlichen Notstande zu leiden hat. Die Scharfmachcrorgane, die ja gewohnt sind, alles ivas mit der Arbeiterbeivegung zusammenhängt,' in der pöbelhaftesten Weise herunterzureißen, wußten zu dem zahlen- »täßigcn Nachweis des Notstandes nichts anderes zu sagen, als: „Schwindel, Schwindel, und nochmals Schwindel l"„Eure Statistik sit nichts weiter als soeialdemokratischec Humbug I" So schallte es uns aus jenen Blättern entgegen. Jetzt ist die mühevolle und zeitraubende zweite Bearbeitung des statistischen Materials abgeschlossen. Die Ergebnisse derselben liegen, in Tabellen zusammengestellt, nunmehr vor. Wer aber erwartet hat, daß diese Bearbeitung die Bedeutung der zuerst verösieutlichtcn Zahlen abschwächen und das Elend der Arbeitslosigkeit, soivie die� Ausdehnung der Arbeitsbeschränkung kleiner erscheinen lasten würde, der hat sich gründlich getäuscht. Man mag die Ergebnisse der zweiten statistischen Bearbeitung betrachten wie inan will, immer ergicbt sich, daß das düstere Bild, welches durch die erste Bearbeitung entrollt wurde, nicht rosiger, sondern eher noch trüber geworden ist. Die Durchsicht der nachstehend ab- gedruckten Tabellen lehrt jeden, der sich den Tbatsachen nicht ab- sichtlich verschließt, daß die Arbeitslosigkeit, und nicht minder die Arbeitsbeschränknng einen erschreckenden Umfang angenommen hat. daß die Folgen der wirtschaftlichen Krise mit furchtbarer Wucht auf der Arbeiterklasse lasten, und daß diejenigen, Ivelche schon längst von dem Borhandensein eines erstreckenden Notstandes sprachen, leider recht behalten haben. Diese betrübende Thatsache ist angesichts deS vorliegenden Zahlenmaterials nicht mehr zu leugnen. Die nachfolgenden Tabellen sind des eingehendsten Studiums Ivert. Sie geben nach verschiedenen Richtungen hin Aufschluß über den Umfang der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsbeschränkung. Die Tabellen I», ld, Iv bezichen sich auf Berlin, während in de» Tabellen II», IIb und IIa das Material zusammengestellt ist ans den Bororten: Rixdorf, Schöneberg, Lichtenberg, Weißensee, Rummelsburg, Stralau, Friedrichs- selbe, Baum schulen weg, Tempelhof, Wilmersdorf, Steglitz, Pankow und Neinickendorf.— Da das Material von Charlotten bürg nicht von der Berliner GelverkschaftSkommission bearbeitet worden ist, so konnte es auch in die von derselben zusammeugestelltcn Borortstabcllen nicht auf- genommen werden. Von Steglitz, welches in diesen Tabellen mit aufgenommen ist, sind die Zahlen der ersten Bearbeitung in unfrcn frühereu Beröffentlichnngen nicht enthalten. Aus diesen Gründen weichen natürlich die Gesamtsummen der Vorortstabellcn von den früher veröffentlichten Gesamtzahlen aus den Vororten ab.— Auch die Berliner Tabellen weisen einige Ab- wcjchuugeit» gegenüber den Zahlen der ersten Bearbeitung auf. Damals wurden für Berlin 63 703 Arbeitslose und 42 863 verkürzte Zeit Arbeitende ermittelt. Unter den erstereu befinden sich 4256 Per- sonen, die aus Herbergen � und Asylen als arbeitslos gemeldet lvurden. Da für diese keine Angaben über Beruf, Dauer der Arbeitslosigkeit usw. vorliegen, so mußten sie bei der zweiten Bearbeitung ausscheiden. Nach Abzug dieser Differenz weist die Gruppe der Arbeitslose» 101 mehr und die der verkürzte Zeit Ar- beitcnden 353 weniger auf, als die Gesamtzahl der ersten Be- arbcituug. Durch'diese Abiveichungen, die auf Fehler zurückzuführen sind, wie sie bei jeder größeren Statistik vorkommen, wird das Ge- samtbild jedoch nicht verändert. WaS lehrt uns nun die vorliegende Statistik? Die Tabellen In und Ib zeigen, soweit Berlin in Frage kommt, Ivie sich die Arbeitslosen und die verkürzte Zeit Arbeitenden auf die einzelnen Berufe verteilen, wie lange die Arbeitslosigkeit währt, und um wie viel Stunden wöchentlich die Arbeitszeit in de» einzelnen Fälle» beschränkt ist, die Tabellen II» mid IIb geben die- selbe Zusamnienstellung für die Vororte. Betrachten wir zunächst die in Berlin herrschenden Verhält n iss e. Wir sagten schon, daß den ersten Veröffent- lichungen die Frage entgegengehalten wurde, wie viele von den Arbeitslosen zu denen gehören,' die im Winter regelmäßig arbeitslos sind. Von dieser, wenn man so sagen will,.naturgemäßen", durch die Witterung bedingten Arbeitslosigkeit im Winter wird nur das Bange werbe betroffen. Dasselbe weist allerdings die größte Zahl der mänulichcn Arbeitslosen, nämlich 0762 auf. Wenn wir zu diesen noch aus der Gruppe„Steine und Erden" die 053 arbeitslosen Asphaltcure, Steinsetzer, Rammer, Sleinhauer, Steinmetzen und Marmorarbciter rechnen, deren Arbeit aber nur zum Teil durch die Witterung beeinflußt wird, so haben wir 10 720 „naturgemäß" Arbeitslose, dcucu 48 018 Arbeitslose gegenüberstcheu aus solchen Berufszweigcn, deren Thätigkcit durch den Winter nicht behindert wird. Nun darf nian aber nicht vergessen, daß der gegen- wältige Winter so ungewöhnlich milde ist, daß er das Baugewerbe nicht zur Eiiistelliing der Arbeit zwang. Wo Bauarbeit vorhanden war, da konnte ohne Unterbrechung gearbeitet werden. Wenn wir trotzdem eine so große Zahl von Arbeitslosen ini Baugewerbe haben, so sind diese in Überwiegendem Maße nicht durch den Winter, sondern durch die Krise zum Feiern verurteilt worden. Von den Arbeitslosen im Baugewerbe waren am Zähltage nur verhältnismäßig wenige in der ersten Woche arbeitslos. Dagegen sindcn wir 2476, die 1—4 Wochen, 2310 die 1—2 Monat, 1813 die 2—3 Monate, und 1170, die 3—4 Monate arbeitslos waren.— Mit verkürzter Arbeitszeit »varen im Baugeivcrbe 4400 Arbeiter beschäftigt. Von diesen arbeitete» 1242 wöchentlich bis 6 Stunden, und 1742 bis 12 Stunden weniger. Es ist nicht ersichtlich, ob diese Verkürzung die Differenz zwischen der sommerlichen und der winterlichen Arbeitszeit darstellt. Sollte das der Fall sein, dann würde diese Arbeitszeitverkürzung eine für daS Baugewerbe normale und deshalb nicht als Folge der Krise anznsehen sein. Nun finden wir aber ini Baugewerbe 573 Ar- beiter, die 13—13 Stunden, 253, die 19—24 Stunden, und 244, die mehr als 25 Stunden wöchentlich weniger arbeiten. Diese Vcr- kiirznng der Arbeitszeit ist sicher durch Arbeitsinangel und nicht durch die Witterung verursacht. In der Metallindustrie finden wir 0648 männliche und 364 weibliche Arbeitslose. Das sind zusammen 10 012, also mehr wie im Baugewerbe und fast soviel wie das Baugewerbe unter Hillznrcchiiun'g der vorhin aufgeführten Arbeitslosen aus der Gruppe „Steine und Erden" aufweist. In der Metallindustrie waren 326 in der ersten Woche, 1675 1—4 Wochen, 2088 5—8 Wochen, 1830 bis 3 Monate und 674 bis 4 Monate ohne Arbeit.— Bedeutend größer wie in irgend einer andren Berufsgruppe ist die Beschränkung der Arbeits- zeit i» der Metallindustrie. Sie hat hier einen geradezu erschreckenden und für die Krise bezeichnenden Umfang augenoiuuicu. 12 266 Arbeiter und 586 Arbeiterinnen waren mit verkürzter Arbeitszeit beschäftigt. Die Verkürzung betrug bei 2740 Arbeitern bis 6 Stunden, bei 5046 7—12 Stunden. bei 2046 13—18 Stunden, bei 1106 10—24 Stunden und bei 735 mehr als 25 Stunden in der Woche. Es sind also fast SfÄkifliK der 2000 Metallarbeiter, deren Arbeitszeit um mehr alseinDrittel verkürzt ist. Da auch der Verdienst derselben natürlich um wenigstens ebenso viel herabgesetzt ist. so dürfte es eiueni großen Teil dieser Arbeitenden nicht viel besser gehen als den Arbeitslosen. Die Holzindustrie' weist erheblich geringere Zahlen auf wie die beiden vorher genannten Bernfsgruppeii. Wir haben hier außer 57 weiblichen 4166 männliche Arbeitslose, von denen 256 in der ersten Woche, 753 bis 4 Wochen, 1021 bis 8 Wochen, 831 bis 3 Monate, 465 bis 4 Monate arbeitslos waren.— fMit verkürzter Arbeitszeit waren 69 Arbeiterinnen und 3656 Arbeiter beschäftigt. Von diesen arbeiteten 552 bis 6 Stunden, 1152 6—12 Stunden. 830 13—13 Stunden, 394 10—24 Stunden und 394 mehr als 25 Stunden in der Woche weniger. Im Handelsgewerbe haben wir etwas mehr Arbeits- lose, aber erheblich weniger Arbeitsbeschränkte wie in der Holzindustrie. Die Zahl der arbeitslosen Haudlungsgchilfen und Handels-Hilssarbeiter beträgt 4873, dazu kommen noch 1000 weib- liche Angestellte und Arbeiterinnen. Verkürzte Arbeitszeit hatten 809 männliche und 05 weibliche Angestellte und Hilfskräfte. Die Bekleidungsindustrie zeigt gleichfalls große Zahlen sowohl der Arbeitslosen wie der Arbeitsbeschränkten. Wenn wir den Arbeitern dieser Gruppe in Tabelle I» die Näherinnen, Schnciderinnen. Arbeiterinnen in Schuhfabriken und Putzmacherinnen der Tabelle Ib hinzurechnen, so finden wir in der Bekleidungs- branche 7153 Arbeitslose und 7637 Arbeitsbeschränkte. Die größte Anzahl zu beiden Kategorien stellen die Schneiderinnen und Näherinnen, etwas geringer sind die Zahlen der männlichen Arbeiter in der Schneiderei. In diesem Gewerbe ist der Grad der Arbeitsbeschränkung ein sehr hoher. Von den 2001 Männern mit verkürzter Arbeitszeit arbeiteten 1064 mehr als 25 Stunden in der Woche weniger. Ungefähr ebenso ist das Verhältnis bei den Kürschnern und Mützenmachern, während in der Scknihniackierei die Zahl der Arbeitsbeschränkten s1464) ungefähr doppelt so groß ist wie die der Arbeitslosen. Die Leder- und Papierindustrie hat 2293 Arbeitslose und 2484 verkürzte Zeit Arbeitende. In der N a h r u n g s- und G e n ii ßni i t t e l b r a n ch e finden wir 1792 Arbeitslose und 569 Arbeitsbeschränkte, im G a st w i r t s- G e w e r b e 1348 Arbeitslose und 305 Arbeitsbeschränkte, zn denen auch ein Teil der in der Tabelle Ib aufgeführten Dienstmädchen und Köchinnen zu rechnen sein dürften. Das graphische Gewerbe weist einschließlich der Hilfsarbeiterinnen 1154 Arbeitslose und 209 verkürzte Zeit Arbeitende auf. In den kleineren Judustriezweige» sehen wir eutsprechend kleinere Zahlen, ans denen jedoch nicht gc- folgert werden kann, daß in diesen Bernfszweigcn günstigere Wer- hältnisse herrschen als in den andren. Siecht groß ist die' Zahl der Arbeitslosen— 10 729— und der Arbeitsbeschränkten— 5437— bei den Arbeitern und Arbeiterinnen, die keinen Beruf angegeben haben. Es handelt sich hier wohl um ungelernte Arbeitskräfte mit wechselnder Beschäftigung, die sich also auf verschiedene Industrie- zweige verteilen. In der Tabelle der Vororte finden wir entsprechend kleinere Zahlen, jedoch sind die einzelnen Berufsgruppen in demselben Ver- hältnis wie in Berlin au der ArbeilSIosigkeit beteiligt. In den Vor- orten stellt das Baugewerbe 2491 Arbeitslose und 1190 ver- kürzte Zeit Arbeitende, die M e t a l I i n d u st r i e hat 1612 Arbeits- lose und 2433 Arbeitsbcschränkte, dann folgt die Holzindustrie mit 768 Arbeitslosen, 914 Arbeitsbeschränkten, die Bekleidungs- i n d u st r i e mit 688 Arbeitslosen und 671 verkürzte Zeit Arbeitenden, das Handelsgewerbe nnt 657 Arbeitslosen und 168 Arbeits- beschränkten usw. Auch hier ist die Gruppe der Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Angabe des Gewerbes eine besonders große. Es sind 2322 Arbeitslose und 1249 verkürzte Zeit Arbeitende. Wieviel Arbeitsscheue, wieviel solcher Leute, die ein festes Arbeits- Verhältnis meiden, habt Ihr denn als Arbeitslose gezählt? Das tvar eine der Fragen, mit denen die bürgerliche Presse den Wert der Statistik zn beeinträchtigen suchte. Mit absoluter Sicherheit kann man diese vorwitzige Frage allerdings nicht beantworten, wohl aber bieten unsre Tabellen cincii klaren Beweis gegen die Annahme, als ob daS„arbeitsscheue Gesindel" einen erheblichen Teil der Arbeitslosen in Berlin ausmacht. Gewiß giebt eS in der Großstadt eine vielleicht nicht kleine Zahl solcher Leute, die so weit herabgekommen sind— durch welche Umstände, soll hier nicht unter« sucht werden— daß sie der Arbeit aus dem Wege gehen. Aber diese Leute haben wohl selten eine Wohnung oder auch nur eine Schlafstelle. Sie bevölkern die Straße, nächtigen in Asylen und Pennen, nud können schon deshalb nicht in der vorliegenden Statistik enthalten sein. Sollte aber wirklich ein Teil dieser Lunipenproletarier in der Statistik Aufuahine gefunden haben, so müßte man sie unter denen suche», die länger als ein Jahr arbeitslos sind. Deren Zahl ist aber, ivie ein Blick in die Tabellen lehrt, so gering, daß sie das Gesamtbild durchaus uicbt ändert. Außerdem kann kein ver- ständiger Mensch behaupten, daß jeder, der das Unglück hat, über ein Jahr arbeitslos zn fein, den Arbeitsscheuen zugezählt werden müßte. Will man nun noch weiter gehen, und auuehmeu, daß auch unter denen, die 9—12 Monat arbeitslos sind, ein Teil zu jenen Leuten gehört, die sich nicht ernstlich nni Arbeit beniühe», so kann man immer nocki keinen erheblichen Abstrich von der Summe der Arbeits- losen machen, denn die Zahl der 9—12 Monat Arbeits- losen ist verhältniLinäßig nicht groß. Wie die Verhältnisse auf dem ArbeitSmarkt zur Zeit liegen, ist eS durchaus glaubhaft, daß eine Anzahl von 1014 mäiinlichen und 225 weiblichen Personen in Berlin trotz aller Bemühungen nach Arbeit 9—12 Monat arbcits- los sind. Die Annahme, daß die„Arbeitsscheuen" in hellen Haufen herbeigeströmt wären, nm recht große Zahlen für die Statistik zu liesern, wird durch die Ergebnisse der Zählung gründlich widerlegt. Verfolgen wir nun die Dauer der Arbeitslosigkeit von 9 Monat an abwärts, so finden wir, daß die Zahl der von ihr Bc- troffeuen fortschreitend wächst. In den Monatsrubriken sowohl der männlichen ivie der weiblichen Arbeitslose» ist die Zahl derjenigen am größten, die am Zähltage bereits 2—3 Monate ohne Arbeit waren. ES sind dies in Berlin allein, Männer und Frauen zusammen, 10 769. Wenn ivir auch die Wochcnriibrikcu monatsweise zusammenziehen, so finden ivir eine noch größere Zahl, nämlich 13 894 solcher Personen, die 1—2 Monat s4— 8 Wochen) arbeitslos waren. Weiter abwärts vermindern sich die Zahlen. Im ersten Monat<1—4 Wochen) waren 10 525 Personen arbeits« los, und in der ersten Woche(1— 6 Tage) waren es 3106. Diese Zusaiiimenstelluug zeigt mit größter Deutlichkeit, daß die Arbeitslosigkeit nicht nur eine ungeheure Zahl von Personen be- troffen hat, sondern daß sie auch bereits sehr lange anhält. Ist doch die Zahl derjenigen, die länger als drei Monate arbeitslos sind, eine erschreckend große. 7244 Personen waren zur Zeit der Zählung im 4. Monat, 2210 im 5. Monat und 1946 im 6. Monat arbeitslos. Dabei ist zu beachten, daß sich diese Au» gaben nur aus Berlin ohne die Vororte beziehen. Von den 42 510 Personen, die in Berlin als verkürzte Zeit arbeitend festgestellt iirnrden, waren 20 025, deren Arbeitszeit bis 12 Stunde» wöchentlich verkürzt war. Bei diesen mag der mit der Arbeitszeit-Verkiirziing verbundene Lohnverlust, so schwer er auch in jedem Falle empfunden wird, noch erträglich erscheinen. Schlimmer sind schon die 6371 Personen daran, die wöchentlich 13— 18 Stunden weniger arbeiteten. Sicher aber haben schon Mangel und Eut- behrüng zu leiden die 4409 Personen, die sich von ihrem Wochen- s-Nommirfimr. verdienst den Lohn für 13—24 Stunden abziehen lassen müffen und die 5824 Persouen, deren Arbeitszeit sogar um mehr als 25 Stunden wöchentlich gekürzt war. Läßt man, ivie wir es in uusren bisherigen Betrachtungen stets gethan haben, diejenigen ganz unberücksichtigt, die die ihnen verlören gehendv Stundenzahl nicht angegeben haben, so finden sich 1.0 233 Personen in Berlin, deren Arbeitszeil und Verdienst um mehr als ein Drittelgekürzt w n r. Das darf man nicht außer Betracht lassen, wenn man sich ein Bild machen will von dem durch Arbeirsmaugel erzeugten Notstand. Sehr lehrreich sind auch die Tabellen lo und IIa, welche das Alter und die Dauer der O r t s a n w e s e n h e i t der Arbeitslosen und Arbeitsbeschränkten nachtveisen. Jene Leute, welche meinen, daß das Heer der Arbeitslosen durch Zuzug von außerhalb stark vermehrt würde, werden durch diesen Teil der Statistik gründlich widerlegt. Aus den Tabellen geht hervor, daß die Zahl derjenigen, ivelche' e r st wenige Wochen am Ort waren, ver- schwindend klein ist. In Berlin gehört ungefähr d.w 11. Teil der arbeitslosen, und der 17. Teil der arbeitsbeschränkten Männer zu denen, die noch- nicht zwei Jahre im Orte anwesend ivaren. Bei den Frauen bilden dieselben etwa den 16. Teil der Arbeitslosen und den 38. Teil, der Arbeitsbeschränkten. Also die ü b e r w i e g e n d e M e h r hei t derjenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die infolge der wirtschaftlichen Krise Not leiden, wohnen länger als 2 Jahre in Berlin, und 13432 gänzlich Arbeitslose, das ist nahezu ein Drittel der Gesamtzahl derselben sind ge- b o r e n e B e r l i n e r. Es sind also nicht Landstreicher, wie man seitens unsrer Gegner glauben zu machen sucht, es sind auch nicht die fluktuierenden Elemente in der. Arbeiterbevölkerung, sondern e s i st die in Berlin an säfsige und heimatsberechtigte Arbeiterschaft, welche den allergrößten Teil der Arbeitslosen, sowie d e r A r b e i t s b e s ch ä n k t e n st e l l t. In den Vororten ist das Verhältnis etwas anders. Zwar bilden auch hier die über 2 Jahre OrtSanlvesenden die überiviegende Mehrheit, aber die Männer, arbeitslose wie arbeitsbeschränkte, ebenso die arbeitslosen Frauen stellen etwa ein Fünftel, und die arbeits- beschränkten Frauen etiva ein Achtel der Gesamtzahl zu denen, ivelche noch nicht 2 Jahre im Ort wohnten. Nun handelt es sich bei diesen in der Mehrzahl aber nicht um Leute, die von außer- halb, sondern um solche, die v o n B e r l i n nach den Vororten- gezogen sind. DaS ist in sehr vielen Zählkarten ausdrücklich an»> gegeben, und eS stimmt übrigens mit der bekannten Thatsache überein, daß die Arbeiterbevölkerung vom Innern der Stadt nach de» Außenbezirkeii und den Vororten verdrängt wird. Von großer Bedentuug ist die Ermittelung deS Alters der Arbeitslosen und Arbeitsbeschränkten. Dieser Teil der Statistik verdient besondere Beachtung. Verhältnis- mäßig klein sind die Zahlen der arbeitslosen und arbeitsbeschränkten jungen Männer von 16—20 Jahren. Sie machen in der Berliner Tabelle lo nur den 16.- Teil der verkürzte Zeit Arbeitenden und den. 7. Teil der Arbeitslosen ans, während die Altersstufe von 21 bis 25 Jahren bei den crstercn die doppelte, bei den letzteren die änderte Halbfache Zahl der jungen Männer unter 20 Jahren aufweist. Mehr als die Hälfte aller arbeitslosen und fast zwei Drittel aller verkürzte Zeit arbeitslosen Männer in Berlin stehen ini Alter von 21—40 Jahren. Auch die höheren Altersstufen von 41 bis 70 Jahren sind noch mit sehr erheblichen, und zwar viel größeren Zahlen als die jungen Männer vertreten.— Bei den weiblichen Personen ist die Grnppieriiug wesentlich anders. Hier ist das Altev von 16—20 Jahren im Verhältnis zur Gesamtzahl bedeuteud stärker vertreten wie bei den Männern. Die weiblichen Personen im Alter von 21—25 Jahren sind am zahlreichsten sowohl bei den Arbeits- losen als bei den Arbeitsbeschränkten. In der Altersstufe 26 bis 30 Jahre sinkt die Zahl ungefähr auf die Hälfte der vorhergehenden Stufe, und die folgenden Altersklassen zeigen eine weitere Abnahme. Ein Umstand sei noch erwähnt, der für die Beurteilung der Not, welche der Arbeitsmangel mit sich bringt, von großer Bedeutung ist. Die Arbeitsbeschränkten in Berlin haben 41 375 Kinder, die Arbeitslosen sind nnt 37 296 Kindern„gesegnet". In den Vororten sind bei den verkürzte Zeit Arbeitenden 9534, bei den Arbeitslosen- 10 375 Kinder ermittelt worden. Sehen wir ganz ab von den.- Arbeitsbeschränkten, die sich zum Teil noch in einigermaßen erträg-- lichcn Verhältnissen befinden, und rechnen wir nur die gänzlich- Arbeitslosen mit ihren Kindern, deren Dasein ja die Notlage der Familie noch vergrößert, zusanimen, so erhalten wir in Berlin eine Zahl von 00 034, in den Vororten eine solche von 20 808, das sind zusammen 447 802 Personen, die unter de» drückende»» Folge» der gänzlichen Arbeitslosigkeit leiden. Als unser Parteigenosse Vorgmann in der Siadtvcrordneteii»� sitzuiig am 27. Februar den Magistrat an seine Pflicht gegenüber! der Arbeitslosigkeit erinnerte, da sagte der Oberbürgermeister— die ersten Gesamtresnltate der vorliegenden Statistik waren damals bereits bekannt— ivenn nntcr normalen Verhältnissen einige 40 000 sogenaniitc Arbeitslose in Berlin seien, dann wäre daS jetzt gefmideiie Resultat gar nicht so erschreckend.— Diese Acußerimg ist so recht keinizeichiiend für den Geist, welcher die bcrilfeiicii Vertreter der herrschenden Klasse beseelt. Wenn in Verlin allein 40 000 Arbeiter keine Beschäftigung finden können, wenn diese samt ihren Familien Not leiden,' so sind das grniK normale Verhältnisse.— Was würde man wohl sagen, wem» irgendwo 40 000 Familien durch Feuers- oder Wassersnot oder sonst ein Naturereignis cxistciiz- und brotlos geworden sind? Würde man nicht mit Recht denjenigen als gefühlSroh bezeichnen, der angesichts eines so traurigen Ereignisses sagen würde: Wenn Feuer und Waffcr die Habe der Menschen zerstören', so ist daS etwas ganz Natürliches, etwas ganz Normales, aber kein Notstand I—» Wenn aber die Arbcitslostgkeil, die den Arbeiter doch ebenso ohne seine Schuld und meist ebenso schlver trifft wie ein Naturereignis, Tansende und Abertausende in Not und Elend schleudert, so' gilt das in der bürgerlichen Gesellschaft als ein durchaus normales Verhältnis. Wir meinen, daß es Pflicht der Allgemeinheit ist, die Arbeiter. die sich, so lange die bürgerliche Gesellschaft besteht, vor der Arbeitslosigkeit und. deren Folgen, nicht bewahren können, auch gegen diese„normale" Arbeitslosigkeit zu schützen. Gegenwärtig haben wir es aber nicht mit einem„normalen", sondern mit einem außergewöhnlichen Arbeitsmangel zu thun, der einen aiißerordentlichc» Notstand erzeugt hat. Wie wir an der Hand der vorliegenden Statistik»achgewiesen haben, sind eS nur zum kleinen Teil durch den Winter beeinflußte Getverbe, die zur Zeit daniederliegen. Der Arbeitsmangel erstreckt sich zum allergrößten Teil auf solche BerufSzweige. die von der Jahres- zeit unabhängig sind. Die Arbeiter aber, die unter den Folgen der Krise leiden, gehören in der überwiegenden Mehrheit dem kräftigsten Mamiesalter an, sie leben in Verhältnissen, wo man sich nicht ohne harten Zwang der Unthätigkeit hingicbt, und sie sind mit wenigen Ausnahiiicii ortsansässige Berliner Einwohner. ES ist deshalb die unabweisbare Pflicht der städtischen Behörden, Mittel zur Lindcning des Notstandes zu gewähren. Welche Wege zn dieicm Ziel ein- zuschlagen sind, darüber nachziideiikeii ist Sache der berufenen Organe der Stadtverwaltung. Die Berliner Arbeiter haben das Bestehen des Notstandes zahlemiiäßig nachgewiesen, jetzt ist es an den Bc- Hörden, diesem Notstände gegenüber ihre Pflicht zn erfüllen. Tabelle I a. Novit«. Arbeitslose und verkürzte Zeit arbeitende männliche Personen. Gewerbe Baugewerbe: Tcchmlcr, Policre...... Mmircr, Putzer............ Bau- und Erdarbeiter.......... Iimmercr.............. Glaser............... Maler und Anstreicher.......... Dachdecker.............. Töpfer............... Stuccatcure............. Steine und Erde»: Asphalteure...... Steinsetzer und Rammer......... Steinhauer, Steiuinetzcn, Marmorarbcitcr... Glasmacher und Glasschleifer....... Porzellanarbeiter........... Landwirtschaft: Gärtner, Park- u. Waldarbeiter, Fischer.............. Metallindustrie: Former, Gelbgicbcr.... Äernmachcr, Gieszerci-Arbeiter....... Gold- und Silbcrarbeiter........ Drücker............... Gürtler, Galvaniseure.......... Schleifer.............. Kupferschmiede............ Schmiede.............. Dreher............... Schlosser, Maschinenbauer........ Klempner, Rohrleger, Installateure..... Radier, Drahtbinder.......... Maschinisten und Heizer......... Elektro-Monteure........... Stanzer, Hobler, Präger, Schnittarbeiter... Graveure und Ciselenre......... Mechaniker und chirurgische Jnstrumentenmachcr Büchsenmacher und Uhrmacher....... Sonstige Metallarbeiter......... Holzindustrie: Stellmacher........ Tischler, Drechsler.......... Möbelpolierer............. Kistenmachcr und Holzschneider....... Böttcher............... Korb-, Kamm-, Bürsten-, Knopf- n. Pinselmacher Holzbildhauer, Steinbildhauer, Modelleure.. Chemische Industrie: Chemische Industrie.. Heiz- und Leuchtstoff-Fabrikarbeiter..... Lackierer, Vergolder........... Leder n Papier: Buchbindern, Galanterie-Arbciter Sattler und Täschner.......... Tapezierer und Kleber.......... Gerber und Lederarbeiter........ Knust: Artisten, Schauspieler, Musiker.... Xylographen, Zeichner, Kupferstecher..... Tcxtil-Jndustrie: Weber, Tuchmacher, Wirker, Posamentierer, Seiler........ Graphische Gewerbe: Buchdrucker, Stereotypcuro, Sckriftgießer........... Lithographen, Steindrucker, Steinschleifer... Bekleidung: Schneider, Zuschneider, Bügler.. Kürschner, Mützenmacher.......... Hntmachcr.............. Handschuhmacher............ Schuhmacher............ Nahrnngömittel- Industrie: Müller, Bäcker, 5ionditorcn...........'. Schlächter.............. Brauer, Brenner............ Tabakarbeiter, Cigarrenmachcr....... Reinigung: Barbiere und Friseure..... Wäscher, Färber, Plätter......... Schornsteinfeger............ Handel nud Verkehr: Kaufleute, Buchhalter, Schreiber............. Hausdiener, Packer, Kutscher, Diener.,... Schiffahrt............. Beherbergung: Kellner, Köche, Zapfer.... Arbeiter: Ohne nähere Angabe des Gewerbes. Summa Arbeitslose o ch e n 2-3 3-4 4 340 227 43 12 74 20 130 20 3 19 24 3 1 iL 19 Ii 6 6 31 10 9 36 3t 162 75 2 10 11 6 8 16 8 117 11 181 14 18 9 6 26 2 4 26 36 24 33 17 13 6 13 42 30 139 10 3 2 62 66 53 13 7 17 5 1 36 181 3 59 445 4-5 5-66-7 1 287 165 28 5 65 12 101 27 3 13 6 4 12 12 8 2 7 26 11 3 34 46 174 61 2 4 7 4 4 29 2 84 9 134 18 11 9 9 23 1 6 11 38 16 23 7 5 4 55 19 131 15 3 51 65 32 4 7 14 4 52 176 3 59 399 7-8 17 300 219 41 22 104 15 73 14 3 28 15 3 2 18 26 5 4 6 41 27 6 41 36 188 80 3 8 17 11 16 29 9 151 11 200 42 19 7 10, 27 11 4 24 46 24 47 15 19 10 26 47 34 248 32 6 2 53 83 33 18 10 17 2 1 171 285 8 66 595 5 180 130 27 12 93 19 28 13 2 28 12 1 5 15 14 5 5 6 48 17 3 18 23 133 58 2 9 9 2 5 19 2 86 11 143 22 21 9 9 34 4s 2 21 34 25 44 15 8 12 23 13 238 36 2 53 47 16 7 11 4 1 66 161 2 41 351 6 199 220 21 10 145 28 35 24 3 60 21 1 1 12 30 3 5 11 53 15 3 28 44 144 69 3 4 10 10 3 24 1 108 6 177 87 19 3 7 22 2 3 16 24 23 55 19 1 7 26 35 21 201 34 6 1 62 45 29 8 10 44 170 20 45 444 1 96 133 17 3 87 13 15 11 14 50 12 3 7 16 7 2 4 26 8 6 23 27 87 44 1 7 3 4 18 1 68 6 133 14 10 1 6 15 1 2 13 9 9 36 4 1 15 33 8! 83 10 29 25 llj 10 41 Ii 51 35 115 10' 25 2241 o n a t e 2—3 3-4 16 275 520 78 50 683 99 78 39 40 212 56 6 5 90 96 29 5 20 114 37 21 105 133 573 191 7 28 28 28 13 79 19 354 28 600 93 38 13 21 88 7 9 59 73 70 270 43 46 17 41 121 45 327 23 28 3 109 97 91 62 26 28 25 6 4—5 10 110 292 42 7, 614 62 25 17 31 58 31 9 4 55 59 24 4 11 51 37 20 82 102 409 95 2 15 22 16 8 73 12 310 19 300 34 38 15 15 44 3 10 58 55 68 139 8 30 10 80 67 25 134 9 13 2 85 59 56 57 28 32 8 3 266 272 528 420 38 213 1505 6 257 1091 5-6 9 42 117 23 2 94 11 13 10 11 19 17 3 1 32 42 11 9 4 22 16 3 45 64 190 37 11 11 14 4 43 10 138 10 126 24 12 6 8 16 4 8 23 25 33 16 13 18 11 13 39 13 46 5 4 1 30 38 34 19 7 13 7 136 205 2 156 617 6-9 9—12 6 26 60 11 3 24 9 9 6 2 2 7 37 5 1 9 4 2 19 56 131 16 2 6 4 9 3 39 6 106 7 67 7 10 5 5 9 6 3 9 14 23 5 5 7 3 13 34 16 31 3 3 3 27 34 19 19 4 8 5 99 114 1 84 298 5 28 44 12 4 19 5 2 6 1 2 7 3 2 6 35 9 3 22 7 29 71 127 27 11 5 13 5 57 3 100 2 117 17 10 1 4 13 5 1 11 18 28 7 8 9 6 12 55 14 31 5 2 3 22 25 16 25 5 144 10 1 68 828 4 12 26 12 1 6 6 2 2 4 4 1 2 13 2 2 2 10 8 1 12 29 93 15 1 7 4 6 8 28 7 44 1 47 8 7 1 2 6 6 3 6 14 6 9 4 6 6 10 15 4 23 6 2 4 7 22 22 6 6 5 2 125 71 23 164 3113 2667|383lj2523j29S9]l725[9174|6219j281l|l640jl801 1014 über 1 Jahr unbestimmt 2 14 18 10 1 6 2 3 2 1 2 4 12 1 6 7 5 1 14 18 53 8 3 2 3 2 11 1 20 1 28 3 6 1 2 6 3 3 4 6 2 4 4 11 5 12 7 1 18 18 2 16 8 5 8 1 1 1 95 37 1 29 155 738 11 147 104 32 6 76 24 35 2 5 26 6 1 3 25 16 2 4 3 17 6 2 27 11 81 29 8 4 7 17 4 43 6 118 17 16 2 9 23 7 4 10 19 14 22 6 54 6 46 16 12 217 6 2 97 24 30 13 18 10 6 1 152 158 2 129 666 esamtzahl der verkürzte Zeit Arbeitenden der Arbeitslosen 2721 26 1116 1315 489 74 1046 217 101 106 123 78 134 73 39 89 504 255 129 122 702 220 139 732 1 127 3166 947 42 77 94 169 140 456 74 3171 185 2125 329 475 77 210 255 72 147 333 555 346 530 328 156 49 427 104 121 2 901 240 87 17 1408 127 116 41 174 42 194 5 258 551 25 305 4 445 35 057 48 351 Tabelle I b. Arbeitslose und verkürzte Zeit arbeitende weibliche Personen. e w e r b e Näherinnen— Schneiderinnen...... Putzmacherinnen............ Feder-, Fächer- und Blumenfabrikation.... Posamenriergeschäft........... Webereien, Spinnereien, Wirkereien...... Arbeiterinnen in Schuhfabriken....... Färberinnen.............. Wäscherinnen, Plätterinnen......... Metallindustrie............. Holzbranche.............. Glasindustrie............. Beleuchtnngs- sGlühlicht) Branche....... Nahrungsmittel-Industrie(Chokolade),.... Papier-, Leder-, Buchbinderei- und Galanteriewaren Porzellanindnstrie, Malerinnen....... Cigarrenarbeitcrinnen.......... Druckerei-Hilfsarbeiterinnen........ Landwirtschaft und Gärtnerei...... m•> Handels-Angestellte, Comptoiristinnen, Verkäufe- »••••»•••••••• Packerinnen............... Dienstmädchen, Köchinnen, HauSreinigung, Auf- Wärterinnen.............. Sängerinnen. Schauspielerinnen....... Arbeiterinnen ohne nähere Angabe deö Gewerbes) Weibliche Personen ohne Angabe des Berufs**)■ Anzahl der Arbeiterinnen mit verkürzter Arbeitszeit wöchentlich weniger beschäftigt Stunden über! mibe- 25 sstimint bis 6 7-12 13-18 220 3 65 8 31 4 6 59 101 10 14 25 8 117 6 14 12 1 10 9 121 3 854 481 8 51 21 70 5 13 119 239 18 6 45 12 189 19 16 6 6 10 4 15 2 254 8 286 4 58 28 45 14 9 47 125 4 3 18 6 153 2 12 17 3 4 5 26 118 7 1617 994 19-24 377 2 15 20 30 11 3 88 52 8 4 13 4 106 5 12 10 4 6 1 23 75 4 872 675 6 22 40 42 12 1 176 46 26 6 5 2 117 4 18 16 5 19 103 162 9 825 11 7 21 11 10 1 216 23 3 1 6 2 43 2 5 13 3 26 2 112 2 202 29 1511 1605 Arbeitslose t e s a m t z a h l der verkürzte Zeit Arbeitenden der Arbeitslosen 2894 34 218 138 229 56 32 705 586 69 33 III 34 725 38 77 74 22 74 21 287 4 932 60 7453 3783 94 162 155 165 86 15 707 364 57 14 62 71 464 15 63 206 45 930 29 1056 34 1907 753 11287 *) Die Betreffenden haben sich als„Arbeiterin" bezeichnet, ohne anz, *) Die Betreffenden haben sich als„arbeitslos" oder„verkürzte Zeit V o v o v k e. Tabelle IIa. Arbeitslose und verkürzte Zeit arbeitende männliche Personen. Tabelle IIb. Arbeitslose nnd verkürzte Zeit arbeitende weibliche Personen. Gewerbe ßiähcrimieil— Schncidcriimeii....... Putzmacherinnen............ gober», Fächer» imb Vlnmenfabrikation.... R-esai»c»lic> Geschäft........... Webereien, Spinnereien, Wirkereien...... Arbeiterinnen in Schuhfabriken....... Uürberinnen.............. Wäscherinne». Plätterinnen......... Melallinbustrie............. Halzbranche.............. TilaSinbnstrie............. Beleuchtn»n§- fGliihlicht) Branche....... Kahrnngsinittel-Jnbnslrie. Summa Davon sind Haushaltmigs- vorstände...... Dieselben haben Kinder unter 16 Jahren..... 1 2 4 46 8 1 5 101 155226241 22 34! 32 231|373 1 2 4 1, 16 24 95121 208211 39 SS 383 364400 1095 10 13 2— 8 1 II- 2 4 11 53 041 838 131 1 2 5 22 455 380 05 2 2 12 422 207 48 B 414 1 2 8 408 157! 142 42' 87 180 50 888 702 224 112 300 339 621 433 600 416 541 4 330 89 27 5 211 63 26 1 1 151 40 10 84 43 8 12 1 1 34 14 253 50 3 2 4 22 36 171 3612 2963 815 2 1 2 1 8 128 6 6 5 13 158 077297 68 53 451 805 209 135 13 302 7673 1495 l 341 257 235 100 153 38 102 7 38 15 2377 38 1804 547 32 12 4 2 5 8 21 139 335 2 6 5 17 16,-) 310 33 12 4 4 12 7 23 168 249 37 45 5 10 14 27 37 80 819 884 162 12 1 8 5 8 14 35 631 396 84 9 1 3 1 5 10 29 604 243 69 583 41 551 83 516 2083 40 286 81 1191, 970 256 198 400 451 2 . 1 2 5 10 607 182 55 11 1 1 2 8 13 651 153 . 57 1 2 6 3 12 509 129 56 12 1 2 2 2 10 505 112 47 3 2 6 313 76 42 869 892 816 448 615 605 767 548 488 693 445 483 190 325 59 4 238 65 36 350 206 48 10 12 1 2 1 5 69 17 118 70 213 50 73 38 153' 11 38 89 89 103 282 5843 3744 986 11287 8935 2399 Tabelle II e. V 0 v 0 v k 0. Alter und Dauer der Ortsanwesenheit. Der verkürzte Zeit Arbeitenden. � b) Der Arbeitslose». Dauer der OrtSa Ii Wesenheit Alter in Jahren IG 17 I 18 19 20[2 1— 2oj26— 30J3I— 35|36— lojll— 45j4C— So'ol— SöJoO— Gojßl— 7o]"efl'bc'n'l®umma l t e r in Jahren 16 17 18 19 20 21-25l26— 30)31— 3ü 36— 40J4I— lö'lB— BO�l— 55 56-00 61-70 Igca-ben®umma Männliche Personen. Seit 1901 ohne nähere Angabe Weniger als zwei Wochen. 2 bis 4 Woche»..... 1 bis 3 Monate..... 3 bis 6 Monate..... 6 Monate bis 1 Jahr... 1 bis 2 Jahre..... lieber 2 Jahre..... Seit der Geburt am Ort Nicht angegeben..... Summa.. 1 1 3 29 19 3 56 96 Davon sind HanShaltungs- Vorstände...... Dieselben haben Kinder unter 16 Jahren..... 11 12 Weibliche Personen. Seit 1901 ohne nähere Angabe Weniger als zwei Wochen. 2 bis- Wochen..... 1 bis 3 Monate..... 3 bis 6 Monate..... 6 Monate bis 1 Jahr... 1 bis 2 Jahre..... lieber 2 Jahre..... Seit der Geburt am Orte. Nicht angegeben..,,. 1 1 2 1 10 46 26 2 1 2 4 4 49 23 ?! 10 93 121 119 21 20 1 1 6 7 40 80 21 14 30 1 6 19 56 46 69 378 110 62 799 34 19 3 5 8 14 6 75 88 70 28 176. 107 868 101 101 1425 293 1263 286 1505 12 2 921 40 48 1215 1151 1948 21 1 9 33 88 70 873 83 29 9 1 1 o 19 24 44 586 25 14 1116 725 1082 712 2610 Summa 70 Davon sind HanShallungs- Vorstände...... Dieselben haben Kinder unter 16 Jahren..... 93 i 87 i, 4 21 Ä 15| 1 8 4 11 79 12 8 65 212 24 9 122 23 17 1 8 7 44 11 22 ö 67 1 3 1648 3 2 6 45 4 5 37 61 45 56 6 5 27 860 15 24 450 438 779 IG 800 10 10 357 348 316 2 1 3 50 3 4 1 3 1 3 114 8 5 138 133 50 22 1 81 24| 1 C 2 14 1 1 2 3 1 92 0 3 13 1 1 1 l 1 2 133 8 212 144 6 26 58 250 242 550 4894 401 551 12 1 6 5 10 5 9 93138 108 15 355 102 29 14 13 11 189 45 2 2 4 26 88 23 13 20 16 3 11 34 718g 136 185259314313 6898 9337 18 88 2 3 5 20 17 87 657 174 103 1106 105 25 269 197 96 6 2 6 10 19 12 16 167 67 10 9 1 7 12 12 10 28 157 50 18 68 8 26 51 92 49 119 026 226 89 73 15 20 17 104 07 142 756 185 75 27 11 5 15 61 67 107 917 53 44 26 31 3 S 3 4 44 13 6 6 86 80 1354 1434 503 819 13 4 11 10 10 15 127 27 14 1309 1094 1192 1359 2210 16 2 2 7 II 17 107 14 15 18 001 2 III 27 4 8 15 32 40 73 786 37 43 1065 1000 15 7 1 4 25 23 48 720 27 85 905 4 23 10 28 431 21 18 554 850 2210 1858 8 1 3 3 2 7 1091 . 531 999 8 93 o 2 12 6 19 373 13 18 3 2 1 3 10 5 8 204 9 11 2 2 2 1 6 11 190 13 10 1 31 1 2 1 4 31 1 21 450 256 237 37 63 420 424 236 165 207 69 30 2 47 38 1 1 1 2 47 3 7 4 43 2 9 i 3 18 15 77 231 191 141 146 120 25 8 43 40 53 77 81 152 71 96 97 60 65 86 60 38 67 55 40 10 30 o 39 19 10 261 62 84 140 415 349 628 5687 799 437 8871 6231 9858 80 8 16 32 48 38 125 908 156 126 1622 526 517 Charlottcnbnrg. Von der A r b e i t S l o s e n z ä h I» n g in Charlotte nb n rg liegt jetzt auch das Resultat vor, welches die Frage nach der Beichränknng der Arbeitszeit ergeben hat. Gegenüber der'Zählung der direkt Arbeitslosen ergiebt sich hier ein etwas ab- weichendes Bild insofern, als das Baugewerbe ctlvas zurück, die Mctaüindastrie dagegen gewaltig hervortritt, Mit beschränkter Arbeitszeit arbeiten 2083 männliche Personen (1701 HauShaltimgsvorstände und 382 im Hanshalt wohnende Personen, Söhne und Schlafburschenj. Von diesen haben sich als Arbeiter sckilechtiveg bezeichnet 484 oder 23 Proz., etwa ebenso viel, wie bei de» ArbeUSIosen(24,5 Proz): dem Baugewerbe gehöre» an 386 oder 18,5 Proz,(gegen 34,8 Proz. bei den Arbeitslosen); 15 Jahre dagegen 490; im Durchschnitt beträgt die OrtSanwesenheit 8,1 Jahre. Bei den Arbeiterinnen ühcrtviegcn hier sotvohl wie bei den Arbeitslosen naturgemäß die jüngeren Altersklasse»; auch hier sind es vorzngslveise längere Zeit Ansässige, zum großen Teil in Char- lottenburg Geborene, die unter der Krise zu leiden haben. Die 386 iveib'ltchen Arbeitslosen sind im Durchschnitt 10.2. die 211 Arbeiterinnen mit beschränkter Arbeitszeit 10,4 Jahre i» Charlottcnburg ansässig._ bjc Schriften-Eingattg. Metallindustrie ist vertreten mit 709 oder 34 Proz., mehr als ein Drittel, gegen Vi(15,3 Proz.) bei den Arbeitslosen. EtivaS stärker sind auch die Holzarbeiter beteiligt, welche hier 118 oder 5,4 Proz. gegen 3,3 Proz. bei den Arbeitslosen stellen. Die Verkürzung der Arbeitszeit beträgt bei weitaus den meisten 2 Stunden täglich oder 12 Stunden wöchenMich: 832, also nicht viel weniger als die Hälfte von 1937— die übrigen 146 haben die Frage nach der Dauer der Arbeitscinschräiikung nicht beantivortct— falle» in die Gruppe, deren ArbeitSzcitbeschräiiknng zwischen 7 und 12 Stunden liegt. Der Gesaintdrirchschnitt stellt sich ans 11.5 Stunden pro Woche. Rehmen wir die normale Arbeitszeit zu 9 Stnnden täglich, so ist allgemein eine Verkürzung und damit das Sinken des Lohnes um mehr als ein Fünftel eingetreten. In Bezug ans die AlterLllasscn gilt dasselbe wie bei den Arbeite- losen; die HailshaltnngSvorstande stehen mrist im kräftigsten Manne«- alter, zwiscken 30 nnd 40 Jahren, die andren sind junge Leute von 20 bis 25 Jahren; für die erster en beträgt das Dm-chschmttSalter 36,7 Jahre, für die letzteren 25,1 Jahre. Ebenso wie bei den Arbeitslosen ist auch hier die ansässige Bc- völkecung am stärksten getrosten. Weniger als zwei Jahre wohnen nur 296 der beteiligten Personen in Charlottenbnrg. länger als______ -- Berantioortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin Für de» Inseratenteil veranNvortlich: Th.«Nocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin Von der„Nene» Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 23. Heft des 29. Jahrgang? erschienen. Ans dem Inhalt beben wir hervor: Ein zärtlicher Sohn,— Karl Marx über die Pariser Kommune.— Der Abschluß der socialistischeir Krise in Frankreich, Von Rosa Luxemburg, I, — Zur Frage des Minliiiallohncs, Von Mar Zettcrbaum,(Schluß,)— Die Lage der Vuchbinderei-Arbciterimien in Wien, Von Therese Schlesinger- Eckstein,— WirlschafNiche Umschau. Von Heinrich Cunow.— Liiterarische Nundschan: W, Hahoss, Warenwert und naptlalvrofit. Brockbaus' Kon- versatianSlcxlkoii. P. Lechler, Tie Wohnungsfrage und die preiißtschen Miinslcrialerlastc vom lv, März 1901. Oestreichrlcher Arbeiter-Notizlalciidcr für das Jahr 1992.— Splitter. Von der.vXeichhcit«, Zeitschrist für die Jutcresten der Arbetlerliuien (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr, 9 dcS 12. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Niiuiuicr heben wir hervor: Gegen zweierlei Maß und Gewicht,— Fraucustimmrecht, Von rr. dr,— Zur Lage der Ctgarettciiarbcileriimcn in Dresden, Von W, Kählcr,— Ans der Bewegung,— Feuilleton: Frau Rat Goethe. Von Manfred Wittich,- Notizenteil: Weibliche Fnbritinspektorcii.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterimicii.— Sociale Gesetzgebung.— Vercinsrecht der Frauen.— Fraucustimmrecht.— Soctalistische Fraueiibewegmig im Auslände.— Frauenbewegung. Der»Wahre Jacob« hat soeben die Str. S seines IS. Jahrganges erscheinen lassen, welche im wesentlichen der Eriiiiiernng au die Ereignisse des 18. März gewidmet ist. Dieselben werden in dem Artikel„Einst und Jetzt" von Wilhelm BWS gewürdigt, dem eine Abbildung der ersten deutschen Nationalversammlnng in der Paulskirche zuFraulwrta.M., sowie deS neuen NeichStagsgebändeS zu Berlin beigegeben ist. Auch das Leit- gedichl„Heilige Gräber" von Rudolf Lavant ist dem Andenken an das Jahr 1348 gewidmet. Das farbige Titelbild„Das Geiundbeteu" legt den Agrariern nahe, die kraule Landwirtschaft durch inbrünstige Gebete zu heilen. DaS farbige Ruckbild„Auf der Steuerweide" zeigt die Berkehrthett in dem Streben des Schatzsekretär?, auö Stier und Tabak reiche Steucrerträge zu erzielen. Auö dem weiteren Inhalt der zehn Seiten starken Nummer er- wähnen wir die Gedichte„Washingtons Geisterstimme",„Ueberprodultion« und„Lob der Reichshauptstadt". DaS Cölibat. Eedankei, und Thatsachen vonFetd, Hei gl, Verfasser von„Der hellige Alfons von Liguori". 1902. Berlin.(Hugo Bchnnühler Verlag,) Preis 1,59 M. Wörterbuch für die neue deutsch« giechlschreibinig. Nach den seit 1992 für das Deutsche Reick, Oestreick und die Schweiz amtlich gültigen Regeln bearbeitet von Dr. Johaim Weyde. Preis geb. 1,50 M. Leipzig. G. Freitag, 1992, Stand der deutsche» Franenbetvegmig im Beginn des Jahres 1992, Von Elte SüderS, Zürich und Leipzig, Tb, Schröter. Sociale Ausgabe» und Pflichte» der Techutfer. Von Jngeniem Hermann Beck, Dresden, O, V, Böhrnert, 0,80 M. Das Verhältnis des SocialisninS zur Arbeiterschiiti-Geseh- gebnug. Eine dogmengeschichltiche Skizze von Max Büchler. Bern. Buch- dnlckcrei C, Sturzeiiegger. Tda Olberg. DaS Weib und der JiitellektualtSmiiS. Preis 3 M, Akademischer Verlag für sociale Wlssenschasten, Dr, John Edclhetm. Berlin und Berü.„ BvranSsehi'.ngSIosigkcit in Theorie und Praxis. Kritische Be- lcilchtimg d S Falles Lenz und dcS Falles Lehmann. Von Dr. Moritz M a i.(München 1902. Theod, Riedel,) Preis 1,99 M. Sind Francii Staatsbiirgeriiineu? Von E. Wilhelm, Preis 1,59 M. Berlin. Roseiidaum u Hart, BiichsiiyrungS- Unterricht. Kalifillämiische Unterrichtsbriefe von I. gj, Gntheil. Vierter Kursus, Verlag von I. R. Gutheil, Berlin N. 37 Fchrbellinerftr. 80.__