Nr. 61. Abonnements-Kedingungeir: »bonncmentZ- Prei» pränumerando: vierleljährl. Z.Z0 MI., monall. 1,10 MI., wöchentlich 2S Plg. frei in» Hau». Sinielne Nuinm'.r S Pfg. Sonntagt- Nummer mir tn»nt,criec Sonntag!- Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Pbonnement: 1,10 Marl pro Monat. «ingetragen in der Post-Zeitungt- Preitliste für 1908 unter Dr. 7878. Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für dat übrige Sutland 3 Marl pro Monat. Erscheint iiiglich nutzer MoxUg», zz,*' Berliner Volksblntk. 19. Jnlfrg. Ate Jnftrtlons-Getillyr betragt für die sechsgespaltene Kolonei» »eile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungt- Anzeigen 20 Pfg. „Klein- Anseigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur dat erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittagt in dsrlSrpedition abgegeben werden. Di- Expedition ist an Wochentagen bit 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittag» geöfsnet. Telegramm- Adresse r .«orialdrmokral»rrliu» Centralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth-Strshe 2. Fernsprecher: Zimt I, Nr. lkv». Donnerstag, den 1*6. März 1903« Expedition: sw. 19, Ventil-Steasze 3. Fernsprecher: Zliiit I. Nr. LISI. Guittung. Im Monat Februar gingen bei dein Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Alsheim in Rheiichessen. ein Proletarier 3,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 3. Kreis 300,—, 4. kreis Ost 2000,— sdarunter Andreas B. K0,— Arbeiter der Firma Felix Landrö IS,—, Genossen des 160. Bezirks 9,70, Agitationsklnb Osten 10,—, Ueberschnß einer Partie nach Rübezahl 4.—). 4. Kreis Südost 1000,—(darunter Bierprozente von Pook n. Schacht 10.—. Policrpatten von Spinn S,—) 5. Kreis ISO,—(darunter Freiindschnstsklnb„Klette" S,— G. Bernhard für einen Vortrag 8,—). 6. Kreis 1800,— ldarunter F. Völkel 3,—. Kranzüberschust Flohr 2,60. Hochzeit Marienwalde durch Stark 2,60, Kranzübcrsckmst Dreherei A. E. G. 5,40, Gesangverein„Freier Männerchor" Nordlvest 3,—, I. G. Dez.— Januar 6,—). Sechster Kreis, Schönhauser Vorstadt 700.—(darunter alter Parteigenosse Bnchholzerstraste 20.—. R. M. 4.—. A. B. Mister 1.—, Kranzüberschnst Bezirk 476 3.90). Berlin, diverse Beiträge: M. H. 4,—. Müller(F. W.) 10, Machetes 5,—. R. K. SO,—. Vom aufgelösten Radfahrervercin Fester Wille, nach Abzug für Delegiertcnkosten und Porto- Ausgaben, ohne die � nicht gezahlten rückständigen Beiträge 10,—. Von den Bäckern der Genossenschaftsbäckerei 350.—. E. Knuz 4,60. L. u. H. B. 10,—. Uebersch. einer Branerei-Be- sichtigung des Arbeiterradfahrcr-V.„Berlin" 1,70. Kontobncharbciter vom Wedding S,—. Dr. L. A. SO,—. P. S. 50,—. A. B. 50.—. Setzer bei Weber, durch O. B. 10,—. Von den Arbeitern und Ar- beiterinnen der Buchbinderei von M. Babing 10.—. Von den Ar- beitern der Neuen Berliner Genossenschaftsbäckerei 24.—. Gntcnberg 14,20. Bleisteg 1,—. Werkabteilung v. M. Babing 15.—. Mitgl. der U.-Dr. 3,85. Von d.Verbandsmitgl. d. B.'schen Druckerei, George,, str. 23. 30,—. Gesangverein Tonblüte 4,20. Unbekannt 3,25. Breslau, social- demokratischer Verein 50,—. Beuthcn(Oberschl.), von oberschlcsischen Berg- u. Hüttenarbeitern 40.—. Bern 50,—. Bremen. B. C. 10,—. Chemnitz, F.„. B. 2,—. Coblenz, Note beim Karneval 2,20. Coltbus, P. L., Vierteljahrs- Beitrag 2,—. Duisburg, von Parteigenossen der Stadt D. 30,—. Erfurt, Wahlkreis Erfnrt- Schlensingci,- Ziegenrück 50.—. Falkenberg(Obcrschlesicn) 2,—. Forst i. L.. von Parteigenossen durch W. S. 200,—. Grabow i. Mcckl., durch A. K. 20,—. Gutschdorf bei Striegan, v. Parteigenossen 3,—. Greiz, von den Parteigenossen des Wahlkreises Sieust ä. L. 100,—. Gotha, durch den Vertrauensmann 30,—. Hastedt bei Bremen, von Genosse» 10,—. Halle a. S., von Parteigenossen 500,—. Hntzfnrt a. M., L. R. 3,—. Hagen i. W., Ungenannt 3,—. Hamburg, im Monat Februar in der Expedition des„Echo" eingegangen 67,60. Lichtensteiii- Callenberg, der Parteikasse durch die Rechtsanwälte L. überwiesen 20.—. Leipzig. 12. und 13. sächsischer Steichstags-Wahl- kreis(Leipzig Stadt und Land) 8000,—. Lindeiian bei Schnecberg, ges. auf einer patriotischen Hochzeit 1,40. Mannheim, von der Landesorganisation der socialde», akratischen Partei Badens 500,— Mannheim, vom socialdemokratischen Verein 200,—. München, Waldläufer 5,—. München, Gau Süd-Bayern, 4. Quart. 01 67,81. Nürnberg, vom Gau Nordbayern. Restbetrag für 1901. 556,—. Nenmünster, durch W. Fr. 100.—. Nürnberg-'Altdorf, socialdeino- kratischer Verein. 20,—. Nürnberg. Marke!. 2,—. Offen- bürg i. B., Wahlverein 26,—, Offcnbach, U. für eine Briefmarke 2.—. Pfaffengrund, eingegangen b. d. Beerdigung d. Gen. E. d. L. 2,—. Regensburg. Parteibeitrag 1. Quartal 1902, 10,—. Rahnsdorf, R. u. P. 6,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Spremberg, v. d. Genossen 50,—(darunter vom Arbeiterverein in Heinrichsfeld 25,—). Solingen, durch den Kreis-VcrtrauenSmann vom Volksverein in Solingen 10,—, desgl. vom Volksverein in Wald 10.—. desgl. vom Volksverein in Ohligs 10,—, Sa. 30,—. Tl'chichertzig, Ueberschnst vom Ab- schiedskränzchcn der Schiffer durch L. Sch. 6,10. Verden. 6. hnnnov. Wahlkreis 2. Halbjahr 1901 45,—. Württemberg 100,—. Weihwasser, durch R. M. 10,—. Zeitz, Wahlkreis ZeitzWeißenfels- Naumburg 100,—. In der Ouittnng in Nr. 35 des„Vorwärts" vom 11. Februar dieses Jahres muh es nicht heihen: Eisenach, sondern Eisleben, von Genossen durch D. 10,—. Unter Hahsnrt a. M. nicht 4,—, sondern 3,—. Unter den Berliner Diversen Gesangverein„Ton- blüte" nicht 3,65, sondern 5,85, öffentliche Versammlung der Tapezierer nicht 5,85, sondern 3,65. Berlin, den 10. März 1902. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Kreuzbergstr. 30. hatten selbst ein Tadelsvotum gegen die Antragstellerin beantragt,— liehen eS geboten erscheinen, die Sache nochmals gründlich zu diskutieren. Von der Stellungnahme des Kongresses hing sehr viel ab, weil die Frauen heute schon bei Aufstellung der Kandidaten für die Kammer einen entscheidenden Einfluß ausüben können. Bekanntlich haben wir hier die Listenlvahlen. Jede Partei macht unter sich die Liste znrecht. Hierbei können nun die Frauen in unsrer Partei als Mitglieder der Organisationen mitwirken. Wenn von den zum Beispiel 20 000 Mitgliedern in Brüssel nur ein Viertel sich an dem„Poll", das hciht an der Listenanfstellung beteiligt, so ist das für das Stimmenverhältnis von groher Bedeutung. Es kann dadurch mancher Kandidat zu Konzessionen gezwungen werden. Und selbst wenn ein von den Frauen nicht beliebter Kandidat noch air die Liste kommt, so kann er doch, da die Reihenfolge nach der Zahl der auf ihn entfallenen Pollstimmen festgesetzt wird, weit an das Ende der Liste kommen und hat dadurch ivegen der proportionellen Vertretung wenig oder gar keine Aussicht, bei de» allgemeinen Wahlen durchzukommen. Die so aufgestellten Listen werden dann von hundert stininiberechtigten Bürgern der Regierung übergeben. die dann die Reihenfolge der Listen auslost und die ganzen Listen auf den offiziellen Stimmzettel bringt. Dieses Beispiel allein schon dürfte genügen, die Wichtigkeit der Beschlüsse des Franenkongresses zu beweisen. Weiter sollten die Beschlüsse der Frauen auch für den allgemeinen Parteikongreh zu Ostern eine Richtschnur sein. Das Franen-Stimmrecht. AuS Brüssel wird unS über den K o n g r e h deSnatio- n a l e n Verbal, des der socialistischcn Frauen Belgiens geschrieben: Die früheren Kongresse der socialistischen Frauen Belgiens inter- essierten nur die engeren Parteikreise. Der soeben geschlossene aber hat die Aufmerksainkeit aller politischen Kreise auf sich gelenkt. Die bürgerliche Presse hatte viele Vertreter entsandt. Der das Interesse am meisten wachrufende Punkt ivar die endgültige Stellungnahme zum Frauen-Wahlrecht. Diese Frage wäre ja für uns klar. Die ziemlich verwickelte politische Situation in Belgien hat aber die Stellungnahme für unsre Partei sehr erschwert. Bekanntlich fordert die„Larti onvrier" laut Programm die politische Gleichheit ohne Unterschied des Geschlechts. Die Klerikalen der Kammer, als der hier ausschlaggebende Faktor, liehen verlauten, dah sie verlangen würde», das Frauen-Wahlrecht als Gegengewicht des allgemeinen Wahlrechts für Männer einzuführen, um ihre Herrschaft aufrecht erhalten zu können. Die Alliierten der Socialisten verlangten energisch die Ausscheidung dieser Frage bei,» jetzigen Wahlrcchtskampf. Es galt nun für die Partei hier Klärung zu schaffen. Die Genoffin Vandervelde beantragte in der Sitzung des Partei- Vorstandes, am 6. Oktober 1901, die Agitation für das Frauen- Stimmrecht bis nach Erringnng des allgemeinen Wahlrechts zu ver- schieben, was in dieser Sitzung angenommen wurde. Die vielen Proteste, die gegen diesen Antrag einliefen,— die Frauen Antwerpens & Der Kongreß wurde heute früh um lOVe Uhr eröffnet. Rund 65 Delegierte von 27 Gruppen, darunter 7 Syndikate, hatten sich eingefunden. Tagesordnung: 1. Die Propagande unier den Frauen. 2. Die Civilrcchte der Frau. 3. Die Frau in den Administrationen der Wohlthätigkeits institnte. 4. Obligatorischer Schulunterricht. 5. Das Frauenstimmrecht. 6. Der Anti-Alkoholisnms. Nur die wichtigsten Rede» des fünften Punktes, der den ganzen Nachmittag diskutiert wurde, feie» hier wiedergegeben. Zwei Resolutionen waren eingereicht. Die erste verlangt Sanktion des am 6. Oktober vom Parteivor- stand genehmigten Antrags. Tic zweite, vom Bureau des Kongresses gestellt, lautet: In Erwägung: ----, dah die Partei laut Programn, das allgemeine Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechtes und für alle Grade fordert;----—— beauftragt der Kongreß die Vertreter der Partei: Das'Frane n st immrecht sobald als möglich zu beantragen und es mit derselben Energie, mit der sie d i e a n der n Progra nun forder un gen ver- fechten, zu verteidigen. Das Bureau ist beauftragt, diesen Antrag dem Parteivorstaud und dem nächsten allgemeinen Parteikongreh zu nnterbreiteil. Gilbert: Die Frage des Franen-Stimmrechtes ist noch nicht ge klärt und noch nicht reif. Es wäre eine Ungeschicklichkeit, wenn niisre Abgeordneten jetzt dafür stinimten und dadurch die klerikale Herr schaft vcrlängerien. Nehmen wir vorläufig davon Abstand, um uns die Freundschaft der Liberalen nicht zu verscherzen. Warten ivir, bis die Frauen organisiert sind, und verlangen wir die Hilfe der Partei, die Frauen zu emanzipieren und aufzuklären. Genossin Gile: Dieser Antrag soll kein Kriegssigual für die Partei sein. Wir verlangen nichts als nnsre Rechte. Das Stimm recht ist für nns kein Zweck-, sondern ein Erziehungsmittel. Ein Mittel, uns politisch und ökonomisch zu befreie». Es ist nicht tvahr, daß die Frauen für dieses Recht sich nicht interessieren. Fraget unsre Schivestern, die in den Bergwerken und Fabriken arbeiten. Und wenn sich viele Arbeiterinnen ihrer Sklaverei nicht bewußt sind, so ist das sehr trancig und das beweist eben die Notwendigkeit des Wahlrechts, um sie zur Ueberzeuguug ihrer wahren Loge zu erziehen. Vcerblock: Man spricht von der politischen Unfähigkeit der Frauen. Haben die Männer denn diese Waffe(Wahlrecht) richtig gebraucht? Die achtzehn Jahre der klerikalen Herrschaft beweisen das Gegenteil. Das Wahlrecht ist für die Frauen ein Erzichuugs- mittel. Die Argumente, die man den Frauen entgegenhält, sind dieselben, die die Liberalen gegen die Arbeiter vor zehn Jahren aus- gespielt haben. In Gent waren es 1893 die Fabrikarbeiterinnen, die die Wahlrechtsbeivegung in Fluh brachten. Und heute will man nns sagen, wir seien dieses Rechts unwürdig! Den 2000 organisierten Fabrikarbeiterinnen in Gent sind fast alle eingeführten Vecbessernngcn zu danken. Eine Arbeiterin von Grammont: Es ist lächerlich, wegen der Liberalen ans das Franenstimmrecht zu verzichten. Sie haben uns schon oft betrogen. Während sie an der Regierung Ivaren. haben sie ebensowenig für uns gethau, als die Klerikalen heute. Wir protestieren gegen die Resolution der Genossin Vandervelde. Die Föderation hat damit nichts zn thun. Wollen nnsre Genossen etwa gegen das Franen-Stimmrecht stimmen, wenn es die Klerikalen beantragen? Ans jeden Fall nuih für das Franen-Stimmrecht für die Gemeinde und Provinz eingetreten werden. Die Delegiertin von Antwerpen beantragt ein Tadelsvotiun gegen die Genossin Vandervelde, weil sie den Antrag dem Partei- vorstand unterbreitet hat ohne Antorisation der Föderation. Gatti de Gamond incht die Wogen zu glätlen. Suchen wir nicht Gegensätze zwischen Genossen und Genossinnen zn koiistriiieren, die wohl bei der Bourgeoisie existieren, bei nns aber noch weniger Daseinsberechtigung haben. Für den Socialismus giebt es keine Geschlechtsunterschiede. Wir sind keine Opportunisten, weil wir den Antrag dem Parteivorstand unterbreitet haben. Das war lediglich eine taktische Mahnahme. Wir keiiiien den wahren Stand der Dinge. Wenn Sie Politik machen wollen, so beginnen Sie politisch zu denken. Die Rednerin verteidigt den ersten Antrag. Vandervelde: Es ist unrichtig zu sagen, die Frauen haben gar keine Rechte. Beteiligen Sie sich an dem„Poll", hier können sie niit der Ausübung Ihrer politischen Rechte beginnen. Vergifefse: Es sind nicht die Liberalen, die uns etwas geben können. Sic sind die Minorität in der Kammer und im Senat. Wenn wir etwas bekommen haben, so nur durch unsre eigne Kraft, nur dadurch, dah wir unser Leben und Existenz anfS Spiel setzten. Selbst heute gehen sie nur bis in die Kammer mit uns. Es ist leicht möglich,' dah die Schwarzen in der Konstituanle des Frauen- Stimmrecht als Gegengewicht bewilligen. Sind nnsere Abgeordneten gebunden, dagegen zu stimmen, so kann es soweit kommen, dah wir weder das allgemeine Männer- noch Frauen-Stinmirccht erhalten. Auf jeden Fall können Ivir den Liberalen zu liebe unsere Principien nicht verleugnen. Thiclcman»: Im Interesse der Franenforderungen bitte ich Sic. diese Sache zu vertagen bis nach dem Wahlrechtskampfe. Seid ver- ständig.(Ohorufe.) Pirson-Lothier, Minenarbeiteri»: Es ist etwas Wahres an dem. was die Liberalen sagen. Die Frauen sind thatsächlich in der Mehrzahl noch ini Banne der Pfaffen. Als die Liberalen noch regierten, schrieen die Arbeiter„a. bas la oalotto"(Nieder mit der Pfaffenmütze), während ihre Frauen und Töchter ihre Groschen in die Klöster und Kirchen trugen. Buckuian: Sollten die Socialisten gegen unsre Forderung stimmen, so wäre es ein schrecklicher Schlag für die Frauen- bewegnng. Eine Arbeiterin von Gent: Sind die Frauen wirklich noch so unwissend, wie man sagt, so tragen die Eltern und nicht zum wenigsten die Väter die Schuld. Der Glaube ist leider allgemein verbreitet, dah das Mädchen einer großen Bildung nicht bedürfe. ES muß schon in der Fabrik mitarbeiten, wenn der Bruder noch die Schule besucht. Es kommen nun die diversen Anträge zur Abstimmung. Der erste tvird mit groher Mehrheit verworfen. Der zweite, eingereicht von dem Kongrehbureau, der Frauen- Stimmrecht schon jetzt fordert, wird einstimmig ange- n o in m e n. Dann werden die Frauen»och aufgefordert, tüchtig Propaganda für die Beteiligung an dem„Poll" zu machen und den allgemeinen Parteikongreh zahlreich zu beschicken. Aus dem Rapport über die Situation der Föderation sei fol- gcndes hervorgehoben: Der Föderationsvorstand hat an alle Ge- meinden ein Cirknlar gesandt, das um Einführung gleicher Löhne für Lehrer und Lehrerinnen bittet. Er hat tveitec eine Petition gegen den Militarisnius der Kammer unterbreitet. Der Delegierte von Gent bespricht die Vorteile und guten Er- ahrunge», die dort mit einer Produktivgcnossenschast der Näherinnen gemacht worden sind. Das Atelier hat 120 Mitglieder. Die Pro- dukte werden in den Volkshäusern abgesetzt. Dann wurde die Gründung eines offiziellen Organs der Födc- raiion beschlossen. ES existieren jetzt ztvei,„Les cahiers feministeS" und„De Stein der Brouw". Das crslcre wurde als unpraktisch ge- 'childert; an dessen Stelle soll das beschlossene, offizielle, treten. Der Bericht, die antimilitaristische Propaganda betreffend, ist ehr ausführlich und interessant. Er schlicht mit den Worten: Ge- »ossinnen! Gebt am Weihnachtstage Euren Kindern keine Soldaten, Gewehre und Kanonen als Spielzeug, sondern sagt ihnen un- anfhörlich: Du sollst nicht töten. Nachdem noch einige für uns nebensächliche Punkte erledigt waren, wurde der Kongreß geschlossen. Geinttsezölle. Unannehmbar für alle Stadien der Be- r a t u n g, erklärte in der Mittwoch-Sitzung der Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. R i ch t h f e n. ist ein Zoll auf tische Küchengewächse. Dennoch setzten die Zöllner einen recht hohen Zoll ein. An der Debatte ergriff auch der Vor- ätzende Rettich das Wort, um als besonders Sachverstän- diger einen Schutzzoll auf Kohl zu befürworten. Rot- W i r f i n g k o h l soll künftig- von 2,50 M. verteuert werden. Pilze, Rhabarber, Spargel. sollen per Doppelcentner 20, Die Zollwünsche der Abstimmung kohl. Weißkohl, hin durch einen Zoll Artischocken, Melonen, Spinat, Tomaten andres frisches Gemüse 4 M. Zoll abladen. waren so stark, daß der Vorsitzende nach über Kohl glaubte, dem Staatssekretär, der das Wort erbat. nicht erteilen zu können. Erst durch Eingreifen der Linken ward dem Staatssekretär die ihm garantierte Redefreiheit. Diese be- nutzte er zu der nochmaligen Erklärung, daß auch ein Zoll auf andres Gemüse wie Kohl die Vorlage unannehmbar ür alle Stadien der B e r a t u n g mache. Wenn dennoch die agrarische Mehrheit einen Zoll einsetzte, so bekundete sie dadurch zweierlei: 1. Sie wolle keine Handelsverträge, die Sätze des sogenannten autonomen Tarifs sollen nicht zwecks Unterhandlung bei Schaffung von Handels- versrägen eingesetzt werden, sondern in ihrer vollen Höhe dauernd die Lebensmittel verteuern. Wenn durch diese Be- zackung der Vorlage mit seitens der Regierungen für unan- nehmbar erklärten Sätzen das Scheitern der Vorlage gewiß würde, würden die grundsätzlichen Gegner der Wuchertarifvorlage nur erfreut sein können. Aber augenscheinlich geht die Taktik der Zöllner dahin, später sich auch mit den Grundsätzen der egierungsvorlage gegen einige Zugeständnisse zu versöhne». Die Regierungsvorlage bleibt nach wie vor die gefährlichste Gegnerin. In der Donnerstag-Sitzung beginnt die Beratung über lebende Pflanzen(Nr. 37 des Tarifs). Auch hier sind von der agrarischen Mehrheit enonne Zollsätze vorgeschlagen. Es erscheint ausgeschlossen, mit Ländern wie Italien, Frank- reich, Holland Handelsverträge zu stände zu bringen, wenn 'tische Gemüse und Pflanzen mit Zoll belegt werden. Gerade deswegen sind trotz aller gegenteiliger Beteuerungen die Zoll- 'ätze beantragt. Die Kommission beschäftigte' sich in ihrer Mitilvochsitzmig fast ausschließlich mit der Position 33(Kiichrngewächse. f r i s ch). Diese Gewächse waren bisher zollfrei und sollen nach der Negicrnngs- vorlade auch zollfrei bleibe». ES liegen»im eine Reihe von Abä»dcr»»gsa»trägen vor: Gaiiip(8ty.) und Herold(E.) beantragen für Rotkohl. Weih- kohl und Wirsingkohl einen Zollsatz von 2.50 Mark, für Knollenscllerie' und Zwiebel von 4 Mark, sür andre Küche i»ge wachse von 10 Mark pro Doppelceutner. Gäbe! begründet den Antrag Gamp und hebt hervor, daß die ausländischen Küchengewächsc schon in die Küchen des kleinen Bttrgerstaiides Eingang gefunden haben; wo aber der Luxus anfange, müsse der Zoll einsetzen. Staatssekretär Frhr. v. NichtHofen: Die Verzögerung, die durch die Verzollung eintrete, führe ein Verderben der Gemüse her- bei und der Zoll komme daher einem Einfuhrverbot gleich. Ein solches indirektes Einfuhrverbot aber würde die Interessen weiter Kreise verletzen. Dieser Zoll aber sei entweder unannehmbar oder undurchführbar. Frhr. v. Wangenheim(k.): Die Gärtnerei sei die höchste Stufe der Landwirtschast. Der Gärtner könne aber nur bestehen, wenn er früh Gemüse lohnend auf den Markt bringen könne. Er Vertrete die Jiitercsscu der deutschen Gärtner und könne sich nicht eiitschlicbcn, dem Staatssekretär zu folgen, der offenbar mehr die Interessen deS AnSlandcS im Augs gehabt habe. Rettich fk.): Die Kohlproduklion in Deutschland leide unter der Konkurrenz von Holland und Dänemark. Kischcr-Sachsen(Soc.): Der agrarische Antrag ist übertrieben und unvernünftig. Die Vertreter der Rechten erheben Einspruch gegen diese Bezeichnung. Der Vorsitzende fragt seine Nachbarn, ob er zur Ordnung rnfc» solle, unterläßt dies aber und begnügt sich mit einem mist- billigenden Kopfschüttcln. Fischer sfortfahrend): Unsre Gemüsegärtner sind durchaus konkurrenzfähig. Die Zahl der Gärtnereien ist gestiegen, ebenso die Einfuhr. Einige Märkte, ivie der Berliner Markt und die Märkte in den grosten Städten des Rheinlands verlangen aber gröbere Quantitäten Gemüse als die benachbarten Gärtner liefern können, da doch der Konsum stärker ist als die Leistungsfähigkeit der heimischen Gärtnereien in der Nähe. Es muß Gemüse vom Ans- land herangezogen iverden. Auch unsre Handelsgärtner sind leistungsfähig. Die Zittauer Gärtner sind besonders in der Blnmenkohl-Zncht durchaus konkurrenzfähig. Sie versehe» den böhmische» Markt mit Blumenkohl. Auch in Oestreich verlangen die Agrarier hohe Zölle auf die Produkte der Gärtnereien. Wenn wir mit hohen Zöllen beginnen, dann ivird unser Vorgehen im Ausland Nachahmung finden und die deutschen Gärtner werden schlver geschädigt. Antrick(Soc.): Soweit eine Notlage unter den Gärtnereien besteht, ist sie zurückzuführen auf die hohen Grundstückswerte oder die hohe Pacht, die sie zahlen müssen. Dieser Gnmd für die Not- läge aber ivird durch die Zölle nicht beseitigt. Redner verwahrt sich dagegen, daß man Spinat zu den Lnxnsgemüsen rechnen könne. Hier in Berlin sei der besser situierte Arbeiter und der ganze Mittel- stand in der Lage, fast das ganze Jahr Spinat zu kaüfeu.— Was die kleinen Gärtner durch einen Zoll geiviimen würden, würden ihnen die Besitzer von Grund und Boden ivieder abnehmen. Graf Kunitz(k.) erklärt, die Gründe des Staatssekretärs können für die Kommission nicht maßgebend sein, denn die Amerikaner hätten als praktische Leute ja doch auch heute Schutzzölle auf frische Küchengewächse gelegt. Es muß verhindert werden, daß Geld für Lebensmittel ins Ausland geht. Staatssekretär Graf VosadowSky iveist statistisch»ach, daß die Hauptbetriebe unter de» Gärtnereien von 1882—1895 um 58 Proz. sich vermehrt haben und daß die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Personen entsprechend gestiegen sei. Die Nebenbeiriebe sind sogar um 80 Proz. gestiegen. Die eingeführten Küchengewächse sind in der Mehrzahl solche, die von der großen Masse konsumiert werden, nänilich Kohl, Zwiebeln und Gurken. Der Antrag Gäbel würde den Zoll auf 33 Proz. des Wertes und im Winter auf 168 Proz. des Wertes stelle». Im Wirtschaftlichen Ausschuß habe Stolle- Proskau, eine große Fach- Autorität, ganz energisch gegen den Zoll protestiert. Gerade durch die Einfuhr von Gemüse ist der Gcmüsegcnuß gestiegen und daran hat sich der heimische Gemüsebau emporgearbeitet. Auch die Herstellung von Prcserven und Konserven kommt hierbei wesentlich in Betracht. Hier steht die deutsche Industrie mit an der Spitze. Eine Schädigung der Blumen- binder würde auch die Bluniengärtuer schwer schädige». Wir können uns nicht isolieren und nicht die Wünsche jeder Gruppe berück- fichtigen. Müttcr-Sagan lfrs. Vp.): Alle weitsichtigen schlestschen Pro- duzenten legten den größten Wert auf die Aufiechterhaltung des Ausfuhrhandels für ihre Kräutereien. Speck sC.) beantragt, den Zollsatz für Artischocken, Melonen, Tomale» zc. auf 20 M., für andre Gemüsearten(außer Kohl) auf i M. zu bemessen. Kamp(Rp.) polemisiert gegen den Staatssekretär, weil dieser ausländische Interessen stärker begünstige als nationale. Nach weiterer Debatte ivird der Zoll in der Ab- st i m m u n g f ü r Kohl(Rotkohl, Weißkohl, Wirsingkohl) auf 2,50 M. festgesetzt. Während d c r A b st i m m>l n g erbittet Staatssekretär Frei- Herr v. NichtHofen das Wort. Der Vorsitzende Nettich will es ihm verweigern. Stadthagen und Dr. Müller-Sagan verlangen energisch, daß Regierungsvertreter jederzeit zum Wort zugelassen werden. Vorsitzender Rettich kommt nun diesem Verlangen nach. Staatssekretär Frhr. v. Richthofcn betont, daß seine erste Er- tlärung bezüglich der Unannehmbarkeit des Gcmüsezolls für jede einzelne Position gelte. Vorsitzender Rettich will nun in der Abstimmung fortfahren. Stadthageu beanstandet dies Verfahren, da durch da? Ein- greifen des Staatssekretärs die Debatte ivieder eröffnet sei. Der Vorsitzende eröffnet daraufhin die Diskussion, will sie aber sogleich ivieder schließen. Miiller-Sagan erhebt dagegen Widerspruch und giebt gegenüber einer Bemerkung des Vorsitzenden Rettich, daß in der Kommission Mitglieder der Regierung nicht die gleichen Rechte wie im Plenum hätten, um kein Präcedenz zu schaffen, das Verlangen zu Protokoll. daß jeder Regierungsvertretcr jeder Zeit zum Wort verstattet werden und daß durch jede Bemerkung eines Rcgierungsvertreters die Diskussion als wiedereröffnet gelte» müsse. Die A b st i m m u» g wird nunmehr fortgesetzt und der Antrag Speck(Zollsatz für Artischocken, Melonen, Pilze, Rhabarber, Spargel, Spinat und Tomaten 20 M., sür andre Gemiiie 4 M.) angeuommc». Der zweite Teil des Antrags Gäbel-ttauitz(Zoll für frisches Gemüse vom 1. Dezember bis 30. Juni 50 M.) wird abgelehnt. Position 35 sieht für in Salzlake eingelegte oder sonstige, einfach zubereitete Champignons einen Zoll von 10 M. vor. Auf Autrag des F r e i h e r r n v. W a u g e n h e i m(k.) wird der Zoll auf 50 M. erhöht. Position 36 legt auf zerkleinerte, geschälte, getrocknete, gebacken« oder sonstige einfach zubereitete Küchengeivächse, grüne Erbsen, Bohnen, zerkleinert, gedarrt, gebacken oder sonst einfach zubereitete Kartoffel», gepulverte, gedarrte Sämereien zum Genuß einen Zoll von 10 M. Gäbel(Sintis.). v. Kardorff(k.). v. Wangenhelm(k.) und Dr. Pansche(uatl.) beantragen einen Zoll von 62,50 Mark ein- zuführen. Stadthage»(Soc.): Die Antragsteller scheinen zu glauben, daß es sich um die für den fcineu Tafelgenuß zubereiteten Früchte handelt. Sonst ift der Vorschlag an dieser Stelle nicht ver- ständlich. Es handelt sich hier um Nahrungsmittel der großen Masse, ocren Einfuhr minimal ist. Speck(C.) beantragt für die in seinem Antrage zu 33 genannten Gemüse in zubereitetem, gedörrtem, getrocknetem Zustande einen Zoll von 40 M. einzusetzen. Der Antrag Gäbel wird zurückgezogen. Ministerialdirektor Mermuth iveist darauf hin, daß eS sich hier um Produkte handele, die wir nicht ein- sondern ausführen. Der Antrag Speck wird angenommen; im übrigen bleibt der Zollsatz nach der Regierungsvorlage unverändert. Die Weiterberatung wird auf Donnerstag vertagt. politische Mcberflcht. Berlin, den 12. März. Etats-Nachlese. Der Reichstag kam am Mittwoch, wie schon voraus- zusehen war, mit der dritten Lesung des Etats nicht zu Ende. Die Herren auf der Rechten und im Centrum wareil zwar schon reisefertig, aber unsre Genossen ließen sich nicht abhalten, Wünsche und Anregungen, die in der zweiten Lesung keine Erledigung gefunden hatten, vorzubringen und auf ihre Klar- stellung zu dringen. Zunächst wurde die dritte Lesung des Etats des Reichs- amts des Innern beendet. Stadthagen kann unter Berück- sichtigung des Falles Blasius auf das System der Ver- trauensärzte zurück und forderte ihre Beseitigung. Dann wies er darauf hin, daß das Reichs-Versicherringsamt die außerordentlich hohen Gehälter der sog. Ehrenvorsitzenden der Verufsgenossenschaften ohne Hinzuziehung der Arbcitervertrctcr beschlossen hätte. Herr Dr. O e r t e l suchte Herrn Blasius zu verteidigen, aber er konnte nicht einmal Herrn H i l b ck überzeugen, der an seiner Mißbilligung festhält. Herr R ö s i ck e, der in Sachen der Benifsgenossenschaften immer außerordentlich empfindlich ist, jammerte über die Beleidigung dieser Nnternehmerorgane durch Stadthageu, der sie einen Staat im Staate genannt hatte. Graf Posa- d o w s k y suchte es zu rechtfertigen, daß beim Beschluß über die Höhe der Entschädigung für die Ehrenvorsitzenden die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht hinzu- gezogen worden seien. Die Höhe der Gehälter ist auch ihm nicht recht, und er- bezeichnete eine Entschädigung für den entstandenen Zeitverlust als die äußerste Grenze. Beim Militär-Etat wurde noch einmal ausführlich über die Zustände in den Spandauer Militärwerk- st ä t t e n gesprochen. Ter konservative Vertreter für Ost- Havelland, Tischlermeister Pauli suchte die Angaben Zubeils aus der 2. Lesung als unrichtig darzustellen. Z u b e i l war aber in der Lage, seine Slngaben durchaus aufrecht zu erhalten. Hoffentlich entheben die Span- daucr Arbeiter bei den nächsten ReichStags-Wahlen Herrn Pauli der Mühe, die Zustände, denen sie ausgesetzt sind, zu beschönigen. Zub eil führte weiter Beschwerde über die Mißstände im Kantinenwesen und verlangte nähere Aus- kunft über die Entlassung eineS Arbeiters, der das höchst zweifelhafte Verhalten eines Lieutenants angezeigt hatte. Generalmajor v. Eine m versprach nähere Untersuchung, dagegen lehnte ein Vertreter des Kriegsministers das Ein- gehen auf den Fall jenes Soldaten ab, der wegen seiner Weigerung, die Chinadenkmünze anzunehmen, und wegen seiner wahrheitsgetreuen Angabe, daß er Socialdemokrat sei, zu drei Tagen Mittelarrest verurteilt worden ist. Stadthagen hatte dieses Urteil in gerechter Entrüstung zur Sprache gebracht. Da aber noch in der Berusungs- instanz darüber verhandelt iverden soll, hat das Kriegs- Ministerium Zeit gewonnen, sich auf die Antwort zu rüsten. Beim Marine-Etat brachte S ü d e k u m das Ueberwuchern des Reservc-Offizierswesens in den Kon- struktionSbureaus der kaiserlichen Marine zur Sprache und rügte jene unvermutet an die Oeffentlichkeit ge- kommene Prostriptionsliste. die die Namen der für die Entlassung bestimmten Arbeiter der Marinewerft enthält und hinter jedem Namen durchaus unberechtigte Urteile über die Arbeiter fällt. Ein Marinerat mühte sich um den Nach- weis, daß jene Listen nicht definitiv seien und daß bei den notwendigen Entlassungen gerade- die älteren Arbeiter geschont worden seien. Aber charakteristisch für den Geist, der bei den Beamten der Werst herrscht, bleibt die Liste immerhin. Mit der Genehmigung des Marine-Etats schloß die Sitzung. Donnerstag wird der Rest aufgearbeitet werden.— Die Zolldiäten. Na» der„Nat.-Ztg." ist die gestrige Nachri»t der„Franks. Ztg.". daß der Bundesrat bereits die Gcivähnuig von „Entschädigungsgeldern" an die Mitglieder der Zollkomniission be- schlössen habe, verfrüht und es sollen im Bnndesrnl noch Ziveifel über das in dieser Frage einzuschlagende Verfahren herrsche». Wir wollen hierbei de» Druckfehler unsrer gestrigen Noliz im Depcschentcil richtig stellen: nicht mit 240 M.. sondern mit 2400 M. sollen die Kom- nüssions-Mitglicder für die Beratung des ZollwucherS entschädigt iverden. Nach der„Deutschen TageSzeiiung" soll die Regierung den Schluß der Session nach Pfingsten in Aussicht nehmen und die Hinüberrettuug der bis dahin geleisteten Zollarbeit in die nächste Winlersession durch besonderes Gesetz zu sichern wünschen. Die „D. T." bemerkt mit Recht, daß es nicht leicht sein dürfte, ein solches Gesetz im Reichstag zur Annahme zu bringen.— Der Kieler Stietencrou-Prozesi. Der Rcdacteur uusres Kieler Partei-OrganS Weber wurde nach der am Mitlwoch erfolgten Urteilsverküiidignug, wie uns ein Privat- telegramm auS Kiel meldet, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Borwurf, daß daS Kriegsgericht den Stietencron als Standesgenossen betrachtet hätte, involviere, so führte die Begründung ans, die Behauptung einer bewußten Rechtsbeugung. Die Frage, wieviel Menschen Stietencron noch töten müsse, bis er unschädlich gemacht werde, sei eine grobe Beleidigung deS Kriegsgerichts, nicht StietencrouS. Sonach ist der Baron Stietencron. der— wie das Urteil des Civilgcrichts festgestellt hat— nicht in Ausübung berechtigter Notwehr einen Slrbeiter erschossen hat, frei ausgegangen; dagegen muß der Redacteur, der an diesem enipöreuden Fall Kritik übte, zwei Monate lang hinter eisernen Gardinen über das Recht der freien MeimuigS- äußerung in Deutschland nachdenken. Wie wäre der Fall wohl ausgegangen, wenn der Arbeiter in der Notwehr gegen den schießeifrigen Baron diesen erschlagen hätte!— Zur höheren Ehre GottcS. In M ü n ch e» sollte dieser Tage der bekannte, ans dem Jesuitenorden gesprungene Graf Hoensbroech im jungliberalcu Verein sprechen. Dabei kam es zu tollen Sccuen. Die empörten Frommen warfen mit faulen Eiern, Maßkriigeu, Stühlen, Tischen und andren„geistigen Waffen". Dazu wurde der Redner durch Ver- anstaltung eines wohlorganisiertc» Höllenlärms am Reden gehindert und die Versammlung gesprengt. Minichener liberale Blätter geben von der kühnen Geistes- schlacht der klerikalen Mamieu lebhafte Schilderungen Die „Müncheuer Neuesten Nachrichten" bringen u. a. die folgenden Einzel- heiten: „Berichte von Augenzengen bestätigen vollauf, daß die bc- gaiigenen Brutalitäten, das Werfe» niit Masikrngckn«. dergl. auf daS Konto der Ultramontane» zu setzen find. Einen ab- stoßenden Eindruck machte das Benehmen von Herren in» geist- licheu Gewand, die im Saal und auf den Galerien ihre Lenke hetzten und durch die Danmcu Pfiffen wie Vichtrcibcr. Eineni Studenten, der an den Händeln ganz unbeteiligt gewesen ivar und eben bezahlen wollte: flog ein Mnßkrug an den Kopf. Blutüberströmt brach der junge Mann zusamnien. Ein junger geistlicher Herr, der ersucht worden lvar, einzutreten sür Herstellung der Ruhe, meinte nchsel- zuckend, man müsse die Leute macheu lassen. Gleich darant eilte ein junger Arzt zu dem Verwundeten, sofort wurde von den Lärm- machern mit Fingern auf ihn gedeutet:„Der ist ein Junglibernler" hieß es und ein Vombardemcnt von Stcinkrügen wurde alsbald gegen de» Hklfebringer für die Verwundeten eröffnet, lieber- einstinunend wird bestätigt, daß der A n t i s e in i t e n h ä n p t l i n g SB e Ii ii g einer der Haupträdelssührcr gewesen ist. Viele ältere Männer verkrochen sich unter die Tische. Aber auch da waren sie ihres Lebens nicht sicher, denn schließlich wurden die T i s ch e ans- gehoben und von mehreren handfesten Männern alsZuschlags- waffe den Gegnern zugeworfen. Gleichzeitig begannen auch die ritterlichen Kämpfer für„Wahrheit. Freiheit»nd Recht" mit Stühlen zu werfen. Ungefähr vier bis fünf Stühle sausten durch die Luft... Es ist festgestellt, daß die Angehörigen der katholischen Gcsellcnprrcinr. selbst Lehrbuben zwischen 15 und 18 Jahren kommandiert waren, um die Toleranz der ultra- moiilaiicn Kreise bei der Diskuision des Tolcranzantragcs feierlich zu beknndeii. Die Mittvirkung verschiedener Geistlicher ist zweifellos festgestellt. Dafür sind Zeugen vorhanden. Tie geist- licheu Herren waren in geradezu schamloser Weise bemüht, den Kampf nicht nur durch belebende Pfiffe, sondern auch durch allerlei Aiiweisungen zur Organisation zu fördern."— So wirkt die feine sittliche Erziehung der durch die Heinzc- Schamhaftigkeit verfeinerten Klerikalen. Die„Germania" versucht allerdings die Schuld von dem Centrum abzuschieben; die klerikale» Blätter hätten ja davor gcivarnt, der von antisemitischer Seite er- folgten Anregung zum Radau Folge zu leisten. Das Münchener Centrnmsblatt hat sogar die Kühnheit, die Schuld dem Redner bei- zumessen; warum habe er es auch gewagt, in einer katholischen Stadt aufzutreten— ein hübscher Beweis, was die Centrumsleute unter Toleranz verstehen. Graf Hoensbroech selbst stellt in einer Erkläning fest, daß der Skandal von den Ultramontanen ausgegangen fei. So schützt man mit Maßkrügen die Toleranz I— Ei» vlick hinter die Konliffen deS Kasernenlebens. Aus Frankfurt a. M. schreibt man nnS: In gewisse Vorgänge bei einer RekrutenanSbildung eröffnete am Soiniabend eine lange Verhaiidlnng vpr dem Kriegsgericht inter- cssante Einblicke. Von einem Sergeanten aus der Untersnchnngs- hast vorgeführt, erschien der Unteroffizier Kr äfft von der ziveiten Conipognic des 88. Jnfanteric-Regiments in Mainz, um sich wegen fortgesetzter Mißhandlung von Untergebenen und Mißbrauchs der Dienslgewalt zu vcranitvorteii. Im ganzen legte ihm die Anklage 400 MißhandlungSfälle(!!) zur Last. Krafft, der ans der Uiilerofstzicrschnle hervorgegangen, ist 21 Jahre alt und seit zwei Jahren„Stellvertreter GoticS"— xaräon!— Unteroffizier. Als im Oktober v. Js. die Rekruten kamen, erhielt er eine Rekruten- korporalichaft und hatte nach seiner Angabe den Ehrgeiz, daß seine Korporalschaft die beste in der Compagnie sein sollte. Deshalb wurden die Leute gedrillt, daß es mir so eine Art war. Gleich morgens sorgle er für gute Richtung, indem er hinter die Front trat und die schlecht ausgerichteten Leute durch Treten oder auch durch Hiebe mit der Klinge seines Seitengewehres in die Richtung brachte. Hatten die Rekruten ihre Stiefel beim Antreten nicht sauber geputzt, so mutzten sie— oft in vollem Dienstanzug. de» Hclni auf dem Kopfe, umgeschnallt— niederknien und während der Früh- stückspause putzen, datz ihnen der S ch lv e i tz vom Gesicht rann. Auch beim Exerzieren ging es stramm her. Einmal mutzte die Abteilung zwanzig Minuten lang„Griffe Noppen", ohne datz ei» einzig Mal„Rührt Euch I" lommandicrt Ivurde. Einen Reknitcn schlug er beim Ausrichten da? Gewehr auf den Kopf. Im übrigen bildete er die Leute mit dem W i s ch st o ck und der Klopfpeitsche aus, namentlich in den soaenannten Jnstrnktionöstuiidcn. Wenn der eine etwas nicht ivutzte oder nicht gehörig auffatztc, kommandierte Krafft:„Rumpf vor- wärtS veugt I" und schlug ihn dann auf d a S G e f n tz. Beim Rückmarsch' in die Kaserne an einem regnerischen Tag mutzten die Rekruten dreimal Halt machen, Krafft komniaiidicrtc: ,H i n l e g e n I" und die Leute mutzten sick) auf den Boden und teilweise direkt in die Wasserlachen hineinlegen, bis ein Lieutenant dem lliitcroffizier diese Art„Ilebung" untersagte. An» nach Beendigung des D i e n st e s kümmerte sich Krafft in seiner Slrt um das„Wohlergehen" seiner Rekrpten, wobei er sich oft die Zeit mit allerlei Scherzen vertrieb, die er, wie er sagte, auf der Ilntcrofsiziersllmle„gelernt" habe. Weil eines Abends die Leute nicht schnell genug zu Bett gegangen waren, kom- mmidierte er viermal:„Raus ans den Betten!" und dann Ivieder:„Rin in die Betten!" Einige der Rekruten mutzten sogar unter d e m B e t t d u r ck k r i e ch e n. und ivenn sie am andren Ende vorkamen, wurden sie mit der Klopfpeitsche durchgehauen. De» Lentcii, welche nicht sorgfällig gereinigt hatten, diktierte er bis zu 14 Ta g e n S t n b e n a rr e st. wozu eigentlich nur der Hauptmann berechtigt gewesen wäre. Andre Trizereien entbehren nicht eines gewissen Humors. Eines Morgens vor dem Wecken mutzten alle Leute auS dem Bett springen und ein Streichholz anzünden, weil der Maim vom Sinbcndienst kein Streichholz zum Anstecken der Lampe gehabt halte. Ein Rekrut, der gerade ins Bett wollte, mutzte fick eines Abends im Hemd auf de» noch wannen Ofen stellen und die„Wacht am Rhein" pfeifen. Ein andrer, der darüber lackte, mutzte auf dem Sprengtrichter„Musik" niacken und ein dritter mit dem Brustbeutel so lange Wind machen, bis die Petroleumlampe ausging. Lliitzcrdem hielt er die Leute an, sich gegen- eilig zu„erziehen", das hcitzt Kanieraden. welche nach Ansickt des Unteroffiziers elwas begangen hatten, mit der Klopfpeitsche durchzuprügeln— eine ErziehiingSmethode. die ja in vielen Kasernen üblich ist. Einmal sagte er direkt zu den Leute»:„Zieht Euch den Scholl, sonst muß ich Euch ziehe»!" Die Leute verstanden natürlich den Wink und prügelten den armen Teufel weidlich durch. llmvillkürlich fragt man sich, wie war es möglich, daß die Leute diese Quälereien und Schnhricgelcien beinahe ei» halbes Jahr lang ertrugen? Wie war es möglich, daß die V o r a e s e tz t c n nichts von dem Treiben des Unteroffiziers erfuhren? Erst im Januar faßte sich einer der geplagten Rekrulen ein Herz und macht« Meldimg, worauf eine Untersuchung eingeleitet wurde, die alle die Ungehörig- leiten Kraffts ans Tageslicht brachte. In der Verhandlung am Sonnabend ging KricgSgerichtSrat Bergmann mit dem Soldatenschinder scharf ins Gericht. Er meinte. „Staat und die Llngehörigen des Soldaten müßten gegen solche ReiMverlctzlinften geschützt werden' und benntragte 1 Jahr Gefängnis und Degradation. Sein Verteidiger, ein freisinniger 0!) Ncchts- ainvalt Dr. Brust, führte dagegen die Jugend des Angeklagten und „seine gute Führung" ins Feld imd beantragte— Freisprechung. Das Gericht trennte einige Fälle ob, weil ein Zeuge wegen Krankheit fehlte. sprach aber im übrigen den Angeklagten schuldig: der Mihhanjdlung von Nntergebciie»' in 103 Fällen, der uilDorschristSnuifcigeii Behandlung Untergebener in 5 Fällen. dcS Mihbranchs der Dienst gcwalt in 11 Fallen, außerdem des Abhaltcns von der Führung von Beschwerde» und der Anstiftnng Untergebener zu strafbaren Hand knngcn. Für all das wurde der Angeklagte nach Antrag zu eine m Jahr Gefängnis verurteilt und für nnwürdig erklärt, die UnteroffizierStressen zu tragen. Er hat jetzt noch 4 Jahre als Gcineiuer zu dienen. Die Wahl in Tondcrburg. Nach dem amtlichen Wahl- rcsult.it siegte Rcdacteur Jessen-Flensbnrg(Dänes mit lOOöS Slimmcn über Pastor Jacobscii'Scherrebck(nationalliberal), der 4539 StimiPN erhielt.—_ die Verhaiidlungen findet sich folgende Richttgstcllnug. In nnsrcm Bericht über des Abgeordnetenhauses am 25. Februar d. I. Stell«: „Abg. G l e b o ck i(Pole): Die Aenfiernng des Herrn v. Chrznr aoivski in, Reichstag von der ,. p r e u fi i s ch e n P e st' bezog sich lediglich auf den' socio listischen»nd h a k a t i st i s ch e n Geist, der unter der prellbischen Herrschaft in die polnischen Provinzen gekoinmen ist." ES wird nns jetzt von polnischen Abgeordneten mitgeteilt, dafi sie Wert darauf lege», diesen Irrtum in nnsrcm Blatte richtig gestellt zu sehen. Thatsächlich zeigt das Stcnograinm, dah der Abg. Glebvcki überhaupt von„socialistisch" in diesem Zusammenhange nicht ge sprochen hat.— Ausland. Englische Armeercform. London, 10. März.(Eig. Ber.) Mr. Brodrilks Arnreereforut, tvie er sie in einer längeren Rede dem Parlamente vorlegte, wird soivohl von den Radikalen tvie von den Tones als die letzte Anstrengung betrachtet, der allge meinen Wehrpflicht vorzubengen. Nur darf man mit den Radikalen nicht glauben, dag eS sich in» die allgemeine Wehrpflicht im dentschen Sinne handle. Der Militarismus ist für England ein überlvundener Standpunkt. Kommt es znr Einführnng der allgemeinen Wehrpflicht so konnte dies mir in der Form einer Miliz geschehen. Die Notwendigkeit einer Anncereform ivnrde vom KriegSsekretär mit folgenden Zahlen begründet: Im Jahre 1896 wurden nur 27 Kl» Rekruten aiigeuounuen; 1897: 33 700; im folgenden Jahre wurde das Militärmob herabgesetzt und die Zahl der Rekruten stieg auf 38400. Das KriegSjahr 1899 brachte 40200 Nekruteii, worauf das Militärmaß iveiter herabgesetzt wurde, um den Bedarf an Mannschaften befriedigen z» können. Trotzdem und trotz des allgemeinen Kriegs ficberS des Jahres 1900 konnten nur 46 700 Mann angenommen iverden und im Jahre 1901 fiel diese Zahl auf 45 100. Aber mit der Herabsetzung des Militännabes stieg die Zahl an Kranken, lln tüchtigen und Desertierten. Im Jahre 1899 betrug sie 3485; 1900 5484; 1901: 8822. Demnach kann England unter den obtvaltenden Umständen nur einige 30 000 Mann jährlich für die Armee erhalten. Brodrick nimmt 3ö 000 als das Maximum an. England braucht a b e r 50 000. Der Plan deS KriegssekretärS geht vorläufig dahin, die Dienst zeit herabzusetzen und den Lohn zu erhöhen, ivaS für England eine Mehrausgabe von 1 048 000 Pfund Sterling nnd für Indien 786 000 Pfund Sterling jährlich bcanspnlchcn ivird, also zu sammei» rund 40 Millionen Mark. Durch diese Reform hofft Mr. Brodrick, auch diejenige Volksschicht für den Militärdienst zu gciviinieu, die ihm aus materiellen Gründen bisher ferngestanden hat. Eriveist sich aber diese Reform als erfolglos, d. h. ist England auch fernerhin nicht im stände, 50 000 Rekruten jährlich zu erhalten, so wird zur allgemeinen Wehrpflicht geschritten werden. Wie aber erwähnt, könnte es sich hier mir um die Einführung der Miliz handeln.— Schweiz. Dcmifnon des Regicrungö- und Rationalrats Curti. Zürich, 9. März.(Eig. Ber.) Eine Nachricht, die im ersten Augenblick ganz unglaublich klang, überraschte gestern die politische Welt der Schiveiz, nämlich die Nachricht von der Dcinission des Herrn Regienuigs- und Nationalrats Curti und von der Rückkehr desselben zn der„Frankfurter Ztg.", der er bereits von 1871 bis 1879 angehört halte. Der Verzicht auf die angesehenen Stellungen eines Acgiernngs- nnd Nationalrates ist in der Schiveiz etwas Seltenes, und kaum dagewesen ist der Verzicht aus dem Grunde, um znr Journalistik wieder zurückzukehren und zu diesem Ende ins Aus land zu gehen. Herr Curti giebt die Gründe zu diesem Schritt mit rückhaltloser Offenheit selbst au in der von ihm im„St. Galler Stadt- Anzeiger' veröfientlichten Rücktrittserklärnng, indem er sagt: „Schmerzlich ist niir der Verzicht auf meine politische»md amtliche Thätiakeit in der Heimat, aber ich habe mich dazu entschlossen, aufgefordert durch die Pflichten des Familienvaters, tvie gc- leitet von der Ueberzeugung, daß sich mir von ncnem ein Feld rühmlicher Arbeit eröffne. Meiner Lebensaufgabe bleibe ich getreu und vielleicht kann ich bei dem einflußreichen Zeitungsblatte nnsrem Laude«vch manche» Dienst leisten.' Herr Curti knuu und will seine materiellen Verhältnisse durch den Wechsel verbessern, was ihm nicht verübelt werden kann. Die 7000 Frank, die ein St. Gallcr Regie- nnigSrat erhält, sind für einen so befähigten Mann, tvie Herr Curti ist, in der That nicht viel, tun so iveuiger, wenn viele Aerzte. Advokaten, Bank- und VetsicherniigLbeainle»sw. das Mehrfache dieses Betrages als JahreSeinkomme» haben. Wir glanbcn aber mit der Annahme nicht fehlzugehen, daß vorhandene, tiefere Gründe den Entschluß deS Herrn Curti milbcslimmt haben. Er ist einer ber be- dentciidsten, wenn nicht überhaupt der bedciiteiidstc» Politiker ber Schiveiz. aber er ist nichtsdestoweniger von der herrschenden radi- kale» Gcldsackspartei systematisch zurückgesetzt,' gekränkt und geärgert toordrn, die kleinen radikalen Streber nnd Acmterjäger haben eS nicht an Jntrigucn fehlen lassen. Herr Curti iväre eine Zierde des schiveize- rischen Bundesrats geivesc», von dessen beutigen siebe» Mitglieder» keines an die Bedentmig Curtis heranreicht. Als Bundesrat,' a» der Spitze der Eidgenossenschaft, getragen vvit cdelcr Begeistening für die Freiheit, von den ehrlichste» Absichten für das Volkswohl, erfüllt von socialem Fühlen und Denken, hätle er seinen» Valerlande große Dienste leisten können nnd eS wäre dadurch für ihn persönlich auch die leidige Existenzsrage befriedigend gelöst ivorde». Aber die äiulcrhnngrigcn Streber ließen den Mann nicht aiifkomnieii. sie haben ihn ans seinem Baterlande hinanSgeärgert nnd nun erfrecht sich die ab- gebrühte„N.Zür.Ztg.'»ach altbewährter Spitzb, ibentaktik die— Social- dcmokralie für den Wechsel des Herrn Curti verantwortlich zn machen, Ivcil sie sich reorganisiert habe! Herr Curti hat sich nicht znnt Social- drmokratcn zu entwickeln vermocht, aber er kennt nnd versteht das Wesen der Socinldeniokratic und weiß gewiß die Reor�aliisalion derselben als das notwendige Ergebnis der Entwicklung' zu würdigen. Es ist ein dummes, blödsinniges Gebnhre». die Entwicklung einer Die gestern von Liberale», veranstaltete Manifestation Herrn Curtis Ausscheiden ans der schweizerischen Politik hinter- läßt eine fühlbare Lücke und namentlich empfindlich davon betroffen wird die demokratische Partei, aber auch die socialdcmokratische Partei erleidet einen Verlust, hat doch Herr Curti so ziemlich alle nnsre Forderungen, soweit sie nicht grundsätzlich socialistischer Natur sind, mit Eifer', Geist und Geschick allezeit vertreten. Möge er i» seinem neuen Wirkungskreise die erhoffte Befriedigniig finden.— Frankreich. Die Reise nach Rußland. Im Elhsee hat an, Mittwoch ein Ministerrat stattgefunden, an dem der Ministerpräsident Waldcck- Rousseau nicht teilnahm, da er noch leidend ist. Der Präsident L o n b e t teilte den Brief deS Kaisers von Rußland mit. in dem er ihn einladet, nach Rußland zu kommen. Die Reise wird in der zweiten Hälfte des Monats Mai stattfinden.— Niederlande. Reform dcö Jagdgesetzes. Die focialdemokratischc Fraktion hatte in der Ziveiteii Kammer eine Resolution ein- gereicht, worin eine g r ü n d l i ch c Reform des ganz ver- alteten Jagdgesetzes gefordert wird. Der Antrag Ivnrde von H e l s d i n g c» begründet, der sehr eingehend nachivies, daß das geltende Gesetz, das bereits seit dein Jahre 1857 besteht, nur ein Schutzgesetz für die den Landbml schädigenden Tiere ist, nur den Herren, die der Jagdleidenschaft fröhnen, zum Lorteil gereicht, den ivirlschafllichen Interessen der großen Masse des Volks aber direkt znividerläuft. Die social- demokratische Resolution rief eine fast zwei Tage dauernde Debatte hervor. Nicht einer der Redner wollte das Jagdgesetz in der bestehende» Form beibehalten wissen. Dennoch wurde die Neso- lntion mit 35 gegen 29 Stimmen verworfen, dagegen eine andre, von bügerlicher Seite gestellte, angenommen, in der eine Aendcrnng des Geictzes und Vorschriften über die Vergütung von Wildschaden für notlvcndig erklärt ivird. Hierfür stimmten, nm wenigstens etwas zu erreichen, auch die Socialdemokrate».—- Belgien. Brüssel, den 11. März.(Eig. Ber.) christlichen Demokraten und Socialistcn in A n t iv e r p e n ist unter noch nie dagewesener starker Beteiligmig verlaufe». Der liberale Bürgermeister empfing die Depntniiou der Manifestanten mit einer Anrede, in der er die Hoffnung ans baldige»» Sieg deS allgemeinen Wahlrechts a u s s p r a ch.'— Die Morgenblntter bringen Depeschen bon stattgefnndcncn Zn- slmnneiistößeit mit der Polizei in'M e n i n, einer klenie» Stadt i» Flandern. Die Arbeiter hatten gestern abend eine Mnnifcstatio» nach einer Versammlung zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts veranstaltet. Der Zng. 1500 Mann stark, bewegte sich ruhig durch die Stadt. Vor einem Polizeiburean versnchte die zahlreich anf- aebotene Polizeiinamischaft die Manifestanten zu zerstreuen und eine Fackelträgeriii zn verhaften. Die Maiiifcstante» slichten nun die Polizei zurückzudrängen nnd das verhaftete Mädchen zn befreie». Hierauf traten die Gendarmen aus einem Hans nnd schösse» ans die Menge, glücklichertveise ohne jemand schwer zu verletzen. Die Menge schrie:„Nieder mit den Mördern'. Ter Zug ging truppweise nach dem„Maison dn Pciiple', wo einige Redner das Vorgehen der Polizei brandmarkten. Italien. Tie Erningeiischafien der iinlirnischcn Eisenbahner. Die Gesellschaften haben drei Millionen pro Jahr für Gehalts- anfbcsscruitgen bewilligt, hierzu kommt der staatliche Zuschuß vo» fünf Millionen pro Jahr. Diese Gehaltsanfbesscrimgeit von ins- gesamt acht Millionen Frank werden bis znm Ablauf der Konzession der Eisenbahn-Gesellschaftci» gezahlt; diese laufet» mit Ende 1905 ab. Dann wird die Frage der V c r st a a t l i ch n n g der Eise» bahnen lviedcr akut werbe». Ter„Avant!' teilt mit, daß die Verträge im Ministerium für öffentliche Arbeiten unterzeichnet seien.— Asien. Rnfsische Kämpfe mit den Tungnscn. Die Petersburger Rnßki Invalid" berichtet über Gefechte mit Tnngiisen in der M a n d s ch n r e i. Am 20. Jainiar wurde vom Obersten Dobroncawotv eine etwa 1000 Man» zählende Tnugusenschar nordöstlich von Mtlkden zersprengt, ebenso nordöstlich von Charbin am Sungari, Ivo sich 600 Tlliigusen angesanmiclt halten. Auch bei Tunischcn fand am 20. Januar ein Gefecht mit Tnnguscn statt, bei dem die letztere» ettva hundert Tote und Verwundete hatten. Im Südwesten von Miikden an der mongolische» Grenze hatten sich ebenfalls Tmiguse» banden von 400 bis 1000 Mann Slärke gebildet, welche dort raubten und plünderten. In mehreren Gefeckiten gelang es dem Generalmajor Mischlschenko, daS Gebiet zu säubern und am 24. Fe brnar die Vcfestiginigc» zu»ehmen, in ivclche sich die Tungnse» zurückgezogen halten. Die Tnngusen verloren dabei insgesamt 133 Mann, die Russen 13 Mann. Die Verfolgung der Tungnsen Ivird fortgesetzt.— England. Die parlamentarische Nachwahl in Wakcsteld. London, 9. März.(Eig. Ber.) Socialistischc und Arbeitcrkandidatiircn werde» jetzt häufiger denn je zuvor. Es scheint das einzige Mittel zu sein, die öffcnllichc Meliiinig anfzurütteli». De»» ans ciiicn andre» Erfolg können diese Kaiididntlircn nickit rechnen. Jetzt steht in Wakeficld eine parlnmcn tarischc Nntbwnhl bevor, da der bisherige konservative Abgeordnete Vicomte Milton znm Peer erhoben wurde nnd deshalb in das HmiS der Lords eintreten nmß. Wakeficld ist ein konservativcr Wahl kreis, so daß bei den letzte» Hanptwahlen(1900) von der Aufstellung eines liberalen Gegenkandidaten abgesehen wurde. Sofort»och Er ledig», tg des Sitzes beschloß die llnnbbängigc Arbeiterpartei (Jndepeiident Labour Party— I. L, F.), ihr Mitgiied Mr. Philip S n o>v d e n als Kandidaten vorzuschlagen. Am 28. Februar 1902 and i» Wakefield«ine von 1500 Personen besuchte öffent« liche versammliing statt, die eine Resolution zu Gunsten der Kandidatur SnowdcnS angenoimnen hat. Die Wahl dürfte binnen zwei oder drei Wochen vorgenommen Iverden. Wakefield zählt nur ungefähr 6000 Wähler. Die Wahlkosten dürften 'ich auf etwa 350 Pfd. Sterl.(7000 M.) belaufen. Tie irische Partei beschloß, für Snowden einzlitreten, und wie es scheint, sind auch die Liberalen geneigt, dem Arbeiterkandidaten ihre Stiinmen zu geben. Im Jahre 1895 wurden dort 2165 liberale Stimmen abgegeben.— Der Aufruf der 1. l-. F., Geldsanmilmigen zu veranstalten, ver- ichert gleichzeitig, daß Wakefield im Herzen demokratisch sei und daß die kürzlich abgehaltene Konferenz des„Komitees für Arbeiter- Vertretung" zu großen Hoffmnige» berechtige.— Die Führer der I. L. F. lassen an Optimismus nichts zu wünschen übrig.— gclchnbtlich notwendigen Partei als gegen eine Person gerickitet hin zustelle»! Herr Curii hat im Gegenteil stets seitens der Social- deniokralen— und zwar der scviveizerischcn wie auch der dentschen— die größte Hochachtung und Wertschätzung genosscii, genießt sie auch heute»och und hat sie mich redlich' verdient durch sein allzeit eifriges Vertrete» der Arbeilcrfvrderungen auf dem Gebiete der socialen und demokratische» Politik, durch sein mutiges Bekämpfen der reaktionären Maßnahmen des Bimdcsrats lvie der reaktionären Politik der„radikalen" Partei, und wir werden ihm daher auch stets I ein gutes Andenken beivahrcn.' Engländer hatte» außerdem am 6. März bei B o s ch m a» s k o p ein Gefecht; ivobci ein Manu getötet, ci» Haupt- m a u n und acht Soldaten v e r>v u» d c t wurden. Am 7. März hatte» sie ein Gefecht bei K l i p d r i f t, wobei sie zwei Tote und 18 Verwundete hatten. Am 25. Februar hatten die Engländer bei Wildkhok zwei Tote nnd sechs B c r lv» u d e t e, darunter einen Hauptmann, zu verzeichnen. Austansch Kruitzingers gegen Methneu? Ans London wird vom 12. März gemeldet: Der Krieg?-. minister hatte gestern nachmittag, wie verlautet, i» Angelegen- heit des Austausches Lord Mcthnens gegen Krnitzlnger eine längere Audienz bei dem König. Das Kriegsaint teilt übrigens mit, daß die Verwundung Lord Methuens schwerer sei als anfänglich vermutet worden, und daß sich sein Zustand verschlimmert habe. Das Wundfieber, ivelchcZ bisher einen normalen Verlauf hatte, habe einen ernsten Charakter an- genommen. „Daily Mail" meldet, daß die Operationen Lord Methuens die letzten sein sollten, da ihm Kilchener eine Stellung im Generalstabc zu Pretoria angebotcu hatte. Eine Niederlage GrcenfellS? Nach Gerüchten, die in London verbreitet sind, soll General GrcenfellS ebenfalls eine schwere Niederlage erlitten haben. Die Details würden»och geheim gehalten. Amerika. Rltgcld tot. New Bork, 12. März. Ein Telegramm ans Joliet meldet: Der frühere Gouvernenr von Illinois, Altgeld, starb heute an den Folge» eines Schlaganfalles, den er gestern am Schlüsse einer Ver- ammlnng erlitt, in welcher er eine Rede für die Boeren gehalten hatte. Altgeld ist vor einigen Jahren viel genannt worden, als er in anerkennenswerter Gerechtigkeit die infame Hinrichtungsblntthat gegen die Chikagoer Anarchisten vom Jahre 1887 brandniarktc.— Der Boeren- Krieg. Weitere englische Berlustmeldnnge». Die amtliche Verlustliste der Kolonne Meihuen beträgt Offiziere. 38 Mann tot, ein Oberst, ein Oberstlientcnant und andre Offiziere schwer Vmvimdet. Der Oberstlientenant ist seinen Riiitden bereits erlege». 72 Soldaten sind schwer, ein Hanpwiamt und ein Lientenaiit leicht verwundet. 200 Mann werde» vennißt; ein Offizier wurde von den Boeren wieder freigelassen. Die drei fünf Dmrfei"Httdiviriiken. Die Parteigenossen in Schaumburg-Lippc ivollen sich znnt erstenmal an den Landtagswahlen beteiligen. Es handelt sich»in eine Ersatzwahl für den flüchtig gewordene» Vertreter der Stadt Stadthagen. Als Kaiididateu haben sie de» Tischler Wilhelm Kraft i» Stadthagen mifgestellt. Da die Wahl direkt und geheim ist nnd bei den letzten Reichstagswahlcn nicht niigünstige Ergebnisse erzielt wurden, so hoffe» die Pärteigeliofsen ans einen günstigen Ausfall. Gcmeindewahlen. In Niederzieder bei Landeshnt in Schlesien ivnrde der socialdemokratische Kandidat mit großer Mehr- heit in den Genieinderat gewählt. In B o r b y d bei Eckcrnförde wurde in der dritten Klasse ein Genosse gewählt, ein zweiter kam in die Stichwahl. Polizrilichro, Krrichlliches nfw. Die Handhabung dcS BcrciiiSgrseiicS in Bayer». Am 8. März fällte das oberste Landcsgericht in München eine Entscheidung, die von prineipieller Bedentmig ist für die Haiidhabiing des bayrische» VcreinSgesctzes. Gegen Bohl, Bildhauer, nnd Frau A. Rudolph, beide in N ü r» b e r g. lvnrde ans Grund einer Anzeige des dorliaen Stadtmagistrats ein Slrnfbefchl erlassen wegen Ilebertretniig dcS BcrcinsgesctzcS. Beide Angeklagte wurden von dem Schöffengericht freigesprochen. Das Landgericht Nürnberg jedoch verurteilte Bohl zu einer Geldstrafe von 10 M. evcnt. 2 Tagen Haft, Frau Rudolph zn 5 M. evcnt. 1 Tag Haft. Gegen dieses Ilricil wurde Revision an das oberste LandeSgcricht eingelegt. Der Sachverhalt ist folgender: Im Jahre 1901 halte das G c- w e r k s ch a f t S k a r t e l l in N ü r n b e r g die M a i f e i e r i» die Hand genommen und ein Festkomilce eingesetzt. Von der Gelverk- schaft der Bildhaner war der Angeklagte Bohl in daS Kartell delegiert. Am 1. Mai des genannte» Jahres fand im„Englischen Hof" eine Festversammliing statt, deren Leiter Bohl war. Unter den Teil- »ehmern befand sich auch die»litangeklagte Frau Rudolph, deren Ehemann, wie es in der Anklage heißt,„ein eifriger Anhänger der socialdemokratischen Partei nnd ei» bekannter Agitator" ist. Genosse Rudolph hielt in der Versammlung eine Rede, in der er sich über das Socialistcngesctz, die Nnödehmnig dcS Socialis- inus n»d dessen Einfluß aus das SiaatSleben verbreitete. Sowohl ans den Inseraten in der„Fränkischen Tagespost" als auch auS de», Verlaufe der' Versammlung selbst, in der auch gegen den Brotwucher, den Militarismus, gegen das Hinmentum:c. protestiert wurde, gehe hervor daß die vom GewerkschaflSkartell einberufene Versammlung über die besondere» Berufs« und Standes- iutercsse» der Mitglieder der in dem Gcivcrlschaftskartcll vcreinigtcu Organisationen hinanSgegange» sei. Dadurch sei das Kartell zu einem politischen Verein im Sinne des Gesetzes geworden, dem Franc» nicht als Mitglieder angehöre» nnd dessen VcrsauimllNtgeii sie nicht besuche» dürfe». Der Oberstaatsanwalt vertrat die Anschanuug, das GcivcrlschastS- karlcll sei ein Verein im Sinne des Vcrcinsgesetzes. Die Selb- standigkcit dieses Vereins ergebe sich auch aus dessen Zweck: die AuSlireiluiig und Kräftigung der Geiverkschaftc» Nürnbergs zn fördern nnd diese in moralischer und»natcricllcr Weise im Wirt- schaftlichen Kampfe zu unterstützen. Ein politischer Verein sei das Kartell nicht von vornherei» gewesen; eS sei erst dazu ge- worbe» durch die Agitation für die Maifestfeicr. Alle diese Gegenstände, die hier in Frage kämen, hätten mit den Berufsintcreffc» der einzelne» Gciverkschaften nicht mehr zu thim, als mit denen irgend einer andren Vereinigung irgend andrer Personen. Der Kampf gegen den Militarismus oder dic Be- känipfniig dcS ChiiiazngcS sei kein Moment, das den Schneider, Schuster oder Metallarbeiter mehr berühre als irgend jemand der Gesamtheit. Das scicu Dinge, die jeden Deutschen gleichmäßig bc- rührten. Hier handele es sich nicht mehr um das ausschließliche nnd s p e c i c l l e V c r u f S i u t e r c s s c nnd h i c r a ii f k o»n» e e s an. Er beantrage daher, die Revision als unbegründet z» verwerfen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt W. Heine, beantragte, de» Fall an die 2. Instanz zurück zu verweisen znr Rachprüfnng. welcher Art der Verein sei, dann iverde sich ergebe», IvaS schon in der ersten Instanz znm Aiisdrnck gekoinmen sei,'daß es sich hier nm Arbeiter- schntz-Gesetze gehandelt habe. Die Revision ivnrde verworfen mit der Begrnndnitg. daß das Urteil des Landgerichts keinen Irrtum erkennen lasse. — I» einer Bersammlniig in Elbing behauptete der Partei- genösse Einst Weber, daß die Polizei Arbeiter ans der Arbeit bringe. Vom Schöffengericht wurde er dafür zn t4 Tagen Gefängnis ver- urteilt, obwohl er eine Anzahl Fälle angab, wo nach seiner Meinung die Polizei an den Entlnssniigc» von Socialbcniokraten schuld gewesen sei. Ans seine Berufung billigte ihm die Strnfkannner den guten Glanben zn. ließ aber den Beweis nicht gelten. Sie ver- urteilte ihn zu 70 M. Geldstrafe oder 14 Tagen Gefängnis. Ans dev Fvmtenbeuu'fulttg. Jabrikaufficht durch Franc». Im sächsischen Landtage kam bei dem Titel Fabrilinipcltivii auch die Frage der Aussicht durch Frauen zur Sprache. Der Abg. Dr. Vogel sagte, daß nach dem, ivas er gehört, das Urteil über die sächsische Einnchtuiig»ngünstig laute. Er deutete a», daß i» andern BnudeSstnate» günstigere Erfahrung mit weiblichen Fabrikinspektoren gemacht worden seien und daß man deshalb erwägen könnte, ob die in Sachsen angestellten Damen ihrer Aufgabe gewachsen seien. Ein Fabrikant wies darauf hin. daß mit den 2000 M.. die Sachsen bisher für die weibliche Fabrikinspcktioii ausgeworfen habe, nichts ansznrichten sei. Das mußte selbst der Minister v. Metzsch zugeben. Er könne zwar»vch kein abschließendes Urteil abgeben, aber im ganzen wären doch günstige Erfahrungen gemacht worden. Trotzdem wolle die Regierung'nicht mehr fordern für diesen Zweck, sie tvolle noch cxperimciitiercil. Dieses Experiment, daß man für fünf Assistentiiilten 2000 Mark ansgiebt, wird niemals ein anSreickiciides Urteil über die Nützlichkeit der iveiblichcil Fabrikanfsicht ermöglichen. Aber eS bedarf eines solchen Experiments gar nicht. ES liegen von dort, wo man etwas iveniger zaghaft mit den Versuchen war, genügend Erfahrungen vor. die für die weibliche Fabrikanfsicht entschieden günstig find. Es liegt nicht am Mangel der Erfahrnng, sondern am Mangel des gntcu Willens, wie bei allen Arbeite rschntz-Einrichtilligen. GvmevksÄMftliches. Berlin und Umgegend. Achtung. Glasarbeiter! Seit sieben Monaten dauert der Flascheumacher-Streik in Turin und Sarzana. Die deutschen Kollegen werden gebeten, keine Arbeit dort anzunehmen. Alle Arbeiterblätter bitten wir um Abdruck. Föderation der italienischen Flascheumacher. Präsident Modigliani Deutsches Reich. Folgen der Krise. Der Unterstützungsverein de Kupferschmiede Deutschlands sieht sich genötigt, vom 1. April dieses Jahres ab die Unterstützungssätze um 15 Proz. zu rcducieren, In einer genieinschaftlichen Sitzung des Centralvorstnndes und Centralausschusses, die am Sonntag in Hamburg stattfand, wurde als Ergebnis einer eingehende» Erörterung zu dieser Maßnahme geschritten, um ein weiteres Sinken des Vercinsvermögens zu verhindern. Der kolossale Andrang der A r b e i t s l o s e n, der vor- aussichtlich im zweiten Quartal laufenden Jahres noch fortdauern dürfte, ist die Ursache dieser Maßnahme. Zur Auszahlung kommen demnach als Rcise-Untersttttznng pro Tag 0,85 M., Ortsunterstützung in drei Stufen pro Woche 7.K5' M„ S,45 M., und 5,10 SR, Umzugsunterstützung je nach der Entfernung von 12,75 SR anfangend bis zum Höchstbetrage von 68 M. Bei Todesfall beträgt das Sterbegeld 170 M. Schneiderbcwegnng. In Mannheim haben die Schneider der Firma Bertram die Arbeit niedergelegt.— Der Streik bei der Firma Herzberger in Mainz ist beigelegt. Der Inhaber der Firma hat den von der Lohnkommission vorgelegten Tarif anerkannt. Achtung, Metallarbeiter! Wege» wiederholter Lohn reduktion sind in der Dampfkessel- Fabrik vormals Suttsche i» Crimmitschau 45 Mann in einen Abwehrstrcik getreten. Die Braunschweigcr Polizei hat unter den dortigen Gewerkt schaften, von denen sie übrigens keine vernachlässigt, ganz besonders den T a b a k a r b e i t e r- B e r b a u d an ihr Herz geschlossen. Nachdem derselbe als„Versicherungs- Gesellschaft" nach dem neuen Gesetz betreffend die Privat'- Versicherungen ihrer Fürsorge entzogen ist, bekundet die Behörde aus andre Weise ihr Interesse für den Verband. Wie dem„Volks freund" berichtet wird, läßt neuerdings die Polizei Vorladungen an Nichtorganisierte Tabakarbeiter oder-Arbeiterinnen ergehen, und zwar in einer„polizeilichen" Angelegenheit. Vom Polizei-Jnspektor Busse nius werden die Vorgeladenen darüber befragt, ob sie im Verbände wären, ob ihnen von feiten der organisierten Arbeiter Unannehmlichkeiten deswegen auf der Fabrik bereitet würde». iver denn eigentlich der Vorstand sei u. a. m. Es ist bis jetzt noch dunkel, was die Polizei mit all diesem bezlvcckt: einer Agitation für den Verband soll aber anscheinend das polizeiliche Vorgehen nicht dienen. Der Scidcntvebcrstrcir in Rheinfelde» dauert immer noch fort. Im Laufe der letzten Woche sind etwa 30 der Streikenden abgereist. Einige iverden diese Woche wieder gehen. Der größere Teil aber ist gebunden, am Orte zu bleiben, namentlich Verheiratete, weil die Seidenstoff-Fabrikanten in Baden und der Schweiz keine Rheinfelder Weber einstellen. Dieses Verhalten kann eventuell eine allgemeine Sperre aller Seidenstoff-Webereien Badens und der Schweiz zur Folge haben. Ausland. Die WcbcrauSsperrung in Cnschede. Die Lohnrcdnkiionen. die den Streik der Deckenweber Hervorriesen, wurde» von de» Unternehmern, ivie das ja in der Regel geschieht, mit der wachsenden Konkurrenz und dem Sinken der Preise der Produkte motiviert. Nun hat aber V l i e g e n in„Het Volk" nachgewiesen, daß die Preise der in Enschede fabrizierten Decken thatsnchlich nicht gesunken sind! und wie wenig das Anwachsen dxr Gesamtsumine der Stlrbeits- lohne mit dem Wachstum der Produktion standhielt, dafür werden folgende Zahlen angeführt: der Wert der gesamten Produktion der Kattun- Industrie Enschedes betrug 1809: 12 231369 Gulden, die Gesamtsumme der ausbezahlten Arbeitslöhne 2 558 400 Gulden, gleich 21 Proz. des produzierten Gesamtivertes! 1900 tvar daS Verhältnis so: Wert der Produkte 13 624 557 Gulden; Arbeitslöhne: 2 605 539 Gulden, gleich 19Vs Proz. Der Gesamtwert der produzierten Waren war um mehr denn 1 0 P r o z. g e st i e g e n, die Gesamtsumme der Löhne kaum um 2 l/s Proz. Letztere Steigerung wurde aber nicht etwa durch Lohnerhöhungen hervorgerufen, sondern durch Vermehrung der Arbeiterzahl.— Im Bnchbinder-Gewcrbe in Dänemark ist es jetzt zu einer Einigung gekommen, nachdem unter Mitwirkung je eines Vertreters der„Arbeitgeber-Vcreinigung" und des„Gesamtverbaudes der Ge- wcrkschaften" längere Zeit verhandelt Ivnrde. Die neue Tarif- gemeinschaft ist bereits von den Mitgliedern des„Dänischen Buch- biuder-Verbandcs" niit großer Mehrheit gutgeheißen worden. Die Arbeitszeit und die Minimnllöhne sind im allgemeinen nnverändert geblieben, doch wurde an Stelle des Wochenlohns ein entsprechender Stundenlohn festgesetzt. Die Frage der Ueberzcitarbeit wurde durch ein Schiedsgericht entschieden. Der Zuschlag soll für Kopenhagen in den ersten 3 Stunden 40 Proz., danach 100 Proz., für die Provinz 40 bez. 80 Proz. betragen. Das Ucbereinkommen soll zwei Jahre gelten.— In Anbetracht des sehr schlechten Geschäftsganges könne» die Buchbinder mit dem Ausgang des Konflikts zufrieden sein. Der Streik der dänischen Dampfschiffheizer.„Detforenede Dampskibselskab" hat einen neue» Amerikadampfer von außer. gewöhnlicher Größe baue» lassen. Das Schiff, das einen Raum. gehalr von 10 000 Brutto-Tonnen hat und das größte Handelsschiff Skandinaviens ist, kam am Freitag von Glasgoiv in Kopenhagen an. Die 36 Heizer und Kohlenleute sind in England angclvvrben und gehören verschiedenen Nationen an. Bei ihrer Ankunft in Kopenhagen legten sie sämtlich die Arbeit nieder. Sie behaupte», daß sie in Glasgoiv bei ihrer Einstellung nichts von dem Streik in Kopenhagen gewußt haben. Sie erklären, sie wollten uicht Streikbrecher sein und Ivoilten nicht arbeiten, s e l b st wenn man s i e m i t G e w a l t zwingen würde an Bord zu bleiben und mit nach Amerika zu fahren. Die Leute haben sich an ihre verschiedenen Konsulate um Schutz ge- wandt. Einige sind Dänen, diese wandten sich an das See- und Handelsgericht.— Die landwirtschaftliche Bevölkerung Ober- und Mittel- Italiens befindet sich in einer andauernd um sich greisenden Ans- ftandsbewegung. Dieselbe hat sich bereits bis Bologna ausgebreitet. Unter den Streikenden herrscht starke Gärung; als besonders gespannt gilt die Lage der Provinz Modena. Der Streik der Metallarbeiter von Neapel sWerke Pattison) hat mit einem Siege der Arbeiter geendet. Die Gebrüder Pattison haben darein gewilligt, daß 3 Monate nach Beendigung des Streiks die Accordarbeit abgeschafft sein soll. Auch die übrigen Forderungen der Arbeiter sind bewilligt. In Boston sind nach dem„Bureau Herold" 30 000 Arbeiter der Eisenbahn- und Transportanstalten in den Streik getreten. S» dvu Genroin detvsthlrn. In Wilmersdorf habe» die Gemeindewahlen, wie nunmehr feststeht, der Socialdeniokratie nach schweren Kämpfen einen glänzenden Sieg gebracht. Es waren im ganzen 1388 SlLähler am Wahltisch erschienen, so daß die absolute Mehrheit 695 Stimmen be« trug. Da unsre Kandidaten Hilpert, Schröder und M e t> e r 734. 729 und 724 Stimmen erhielten, sind diese mithin gewählt, während wegen der beiden übrigen Hansbesitzer- Mandate unter den Ltandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien eine Stichwahl vorzunehmen ist. Die arg im Rückstand gebliebenen Liberalen, die bis dahin garnicht oft genug versichern konnten, wie lieb es ihnen sei, wenn ein' paar Socinldemokratcn in die Gemeindevertretung kämen, haben jetzt in ihres Nichts durchbohrenden Gefühle zum Mittel des Protestes gegriffen. Sie wollen die gesamten Wahlen der dritten Klasse für u n g ü l t i erklären lassen, weil der Formfehler begangen sei, daß der Wahl Vorsteher nicht auf eine besondere Bezeichnung der für den einen ausscheidenden Gemeindcvertreter als Ersatzmann zu wählenden Kandidaten gedrungen habe. Unsres Erachtens werden die Herren mit einem solchen Protest kaum Glück haben. Es hat, wie gesagt, harter Arbeit bedurft, um unsrer Partei in Wilmersdorf den schönen Erfolg zu sichern. Am Dienstagnochmittag wurde den bürgerlichen Parteien besondere Hilfe von seilen der Katholiken zu teil; unter Führung ihrer Kapläne und Präsides rückten die bedauernswerten Polen heran, die um die Windthorst kirche herum wohnen und von ihren Geistiichen unter strenger Kon trolle gehalten werden. Doch alle Mühen haben den Gegnern nichts genützt; die Socialdemokratie hat sich glänzend wie noch nie be hanptet und gezeigt, daß sie weitaus die stärkste Partei am Orte ist. Sie wird ihre Position unter allen Umständen zu behaupten und zu stärken wissen. In der II. Klaffe gingen die Kandidaten des Grundbesitzer. Vereins glatt durch. Es sind dies Herren Dröse, Göbbels. E. Müller, M. Müller, Vogler und Weber. Die Stichwahl in Steglitz fand unter starker Beteiligung statt. Unser Genosse W i e l o ch unterlag mit 286 Stimmen, während der Micterkandidat Weinhausen mit 619 Stimmen gewählt wurde. Pankotv. In der gestern vorgenommenen Ersatzwahl zur Gemeindevertretung wurden unsre Genossen F r e i w a l d und Eichler gewählt. Ersterer erhielt 356, letzterer 368 Stimmen; die Gegner brachten 107 bezw. 157 Stimmen auf. Heute, Donnerstage findet die Ergänznngswahl statt. Wir erwarten von unsren Genossen daß sie ans dem Posten sind, damit uns auch die beiden andern Mandate der dritten Abteilung zufallen. Zur Wahl in Britz. Trotz dieser ungelegenen ans die Stunden von 1—5 Uhr festgesetzten Wahlzeit, welche dann noch bis 6 Uhr ans gedehnt werden mußte, erzielten unsre Parteigenossen ein glänzendes Resultat. In der dritten Klasse waren schon zwei Vertreter unsrer Partei; es wurde» jetzt wiederum zwei Socialdemokraten gewählt. so daß nunmehr die gesanite dritte Klasse von Socialdemokraten vertreten wird. Während unsre Kandidaten je 209 Stimmen erhielten. brachten es unsre Gegner nur ans 93, 58 und 38 Stinimen. Infolge Zwistigkeiten des Grundbesitzer- und des Biirgervereins fand eine Stimmenzersplitterung unter unsren Gegnern statt. Groß-Lichterfelde. Die Alliance der Gegner im 1. Bezirk sAnhalter Seitej zur heutigen K o m m u n a l w a h l ist perfekt und in einem gestern verteilten Flugblatt verkündet worden. In diesem wird den socialdcmokratischcn Kandidaten zum Borwnr gemacht, daß sie uicht das Wohl desOrtes stvomit natürlich die Interessen der besitzenden Klasse gemeint sind), sondern das Interesse der Partei, die hinter ihnen stehe, vertreten. Einige Zeile» weiter mite» wird von den„staatserhaltenden Parteien" deren Kandidat empfohlen, der also demnach die reaktionären, arbeiterfeindlichen Parteien hinter sich hat. Während in diesem Bezirk die Gegner geschlossen dem Socialdemokraten gegen- überstehen, sind sie im II. Bezirk(Potsdamer Seite) gespalten. Hier kandidieren neben den Erkorenen der Grundbesitzer für die„Hand- werker" Rat Gebauer und Baumeister Mensching. Letzterer scheint ein sehr warmer Freund der Handwerker zu sein,' ivofür die Thatsache pricht, daß dieser Herr in der Gemeindevertreter-Sitznng am letzten SNontag eine Gemeindesteuer auf eingeführte Lebens- mittel(Fleisch usw.) verlangte! Die Arbeiter haben alle Ursache. dafür zu sorgen, daß ihm die Gelegenheit, auch fernerhin solche Volks beglückende Anträge auf dem Rathause zu stelleu, für alle Zeiten genommen wird. Charakteristisch ist serner. daß von den ca. 400 hiesigen Gewerbetreibende» 223 keine Gewerbesteuer entrichten. Noch einmal wenden wir uns an die Arbeiterschaft mit der Aufforderung, heute vollzählig an der Wahlurne zu erscheinen, die Säumigen aufzurütteln und die Gleichgültigen an ihre Pflicht zu erinnern. Im 1. Bezirk ist nur ein einziger, im 2. Bezirk dagegen sind zwei Gemeindevertreter zu wählen. Die socialdem akratischen Kandidaten sind: Für den 1. Bezirk lAnhalter Seite) K. W e n z e l. Zeitnngs- Expedient, Lankwitzstr. 6. Wahllokal: Restaurant Henning am Anhalter Bahnhof. Für den 2. Bezirk(Potsdamer Seite) Heinrich Wetzker, Redacteur, Drakestr. 48, und Robert Lampe, Buchdrucker, Ring traße 34.— Wahllokal: Füchtels Klubhans. Kyllmannstr. 7. Die W a h l z e i t ist von 4—8 Uhr nachmittags f e st- gesetzt. Wer sich um 8 Uhr im Wahllokal befindet, kann noch wählen; jedoch ist dringend zu raten, möglichst frühzeitig zur Wahl zu gehen._ VerlÄmnrlunsen. Der Wahlpcrein für den sechsten ReichStags-WaljlkreiS hielt am Dienstag eine Versammlung im Kolbergcr Salon ab. ahlrciche Frauen hatten als Znhörerinnen auf den Galerien Platz geuomnien, Ivo sie.„unvermischt" mit den im Saale anwesenden Männern, dem Vortrag des Genossen Robert Schmidt mit lell- haftem Interesse folgten. Der Vortragende besprach an der Hand unsres SjZarteiprogramms einige der hauptsächlichsten Forderungen, welche die Socialdeniokratie an die heutige Gesellschaft stellt, er zeigte im Hinblick ans einige Vorgänge der letzten Zeit, wie be- rcchtigt diese Fordernngen sind und schloß mit einem Hinweis ans die Ziele der Socialdemokratie. Diskutiert wurde der mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag nicht. Der Vorsitzende Frey- Haler schloß die gut besuchte Versammlung mit dem Ersuchen um Förderung der socialdemokratischen Organisation und der Partei- presse. Die Marmorarbciter, die am Montag im Englischen Garten eine Versammlung abhielten, beschlossen, von der Aufstellung eines neuen Tarifs Abstand zu nehmen, und falls der bisherige Tarif auch von den Unternehniern am l.Jiini nicht gekündigt wird, für die all- gemeine Durchführung desselben einzutreten. Von den Unternehmern ist der Tarif verschiedentlich durchbrochen worden und auch von der Firma Kiefer sind in letzterZeitAbzüge gemacht und weitere Reducierungen in Aussicht gestellt worden. Nach einer längeren Diskiission hierüber wurde den bei Kiefer beschäftigten Arbeitern anHeim gegeben, möglichst für die Aukrechterhaltung der Vereinbarung zn wirken.— Von den vorliegenden Anträge» zum Kongreß wurde nur derjenige angenommen, wonach Delegierte mit gcbiindenein Mandat aus dem Kongreß kein Stimmrecht haben sollen. Mit der von der Geschäfts- leitung beantragten und für die Organisation sehr bedeutenden Statulenänderuiig soll sich noch eine besondere Versamnilung be- 'chäftigen. Die Versammlung der Lalkicrer, die am Dienstag, den 4. März, tagte, beschäftigte sich zunächst mit dem Schreiben der Innung, in' welchem sie' es ablehnt. mit der Tarifkommission zn unterhandeln. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, an den aufgestellten Forderungen festzuhalten, wegen der schweren Krise aber von einer Lohnbewegung Abstand zu nehmen. Zum 2. Punkt, Wahl des Gesellcn-Ausschnsses. war die Versammlung der Meinung. daß organisierte Kollegen in demselben sitzen müssen, nicht wie jetzt, bloße Jasage-SRaschinen. Von diesem Gesichtspunkt aus stellte die Versammlung geeignete Kandidaten auf. Unter Verschiedenem wurde ein Antrag deS Vor- taubes angenommen, allen Kollegen, die in der Zeit vom 1. Na- vember bis 1. März länger wie 6 Wochen arbeitslos waren und sich während dieser Zeit ordn'ungsgeniäß auf dem Arbeitsnachweis ein- chreiben ließen, die Beitragsmarken auf Kosten der Filialkasse in die Mitgliedsbücher zu kleben. Der Verband deutscher GastwirtSgchilfen hielt am 23. Februar eine gut besuchte Mitgliederversammlung bei Hofs- mann. Englischer Garten, ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Mitgliedes h i e r b a ch in der üblichen Weise. Die Versammlung rügte das Betragen des Mitgliedes Ranke, der sich gegen Z 6 des Verbandsstatuts vergangen. Im Wiederholungsfälle wurde Ausschluß beantragt. Desgleichen wurde ein von Bern atz ky dem Bureau- Verwalter und Kassierer Z e i s k e gegenüber ausgesprengtes un- wahres Gerücht von der Versammlung scharf kritisiert. Hierauf hielt der Reichstags-Abgeordnete Sli o s e» o w einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Der deutsche Bauernkrieg von 1525". Von einer Diskussion ivnrde Abstand genommen. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Versammlung ge- schloffen.' Der Ccntralverband der Blumen-, Blätter- und Pntz- federn- Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am Mittivoch, den 5. März, seine Mitglieder-Versammlung in den Arminhallen ab. Frau Dr. H o f f m a n n hielt einen Vortrag über die Entwicklung der englischen Gewerkschaften. Derselbe wurde mit Beifall aus- genommen. Unter Verschiedenem entspann sich eine rege Diskussion über die fernere Entwicklung des Verbandes. IZs wurde lebhast beklagt, daß es' so schwer ist. die Arbeiterinnen für unsren Verband zu gewinnen. Angeregt wurde, in den einzelnen Betrieben Vertrauenspersonen zu wählen und Zahlstellen einzurichten. Dieser Vorschlag sowie ein Antrag, welcher die Einrichtung einer Arbeitsvermittelnng vorsah, wurden dem Vorstand zur Ausarbeitung überwiesen. Ferner wurde mit- geteilt, daß unter den in der Palmenbranche beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen eine rege Agitation entfaltet würde und wird zu diesem Zweck Anfang April eine größere öffentliche Versammlung stattfinden. Charlottenburg. Am 6. d. M. fand in der Gambrinus-Braucrci eine Generalversammlung des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes statt. Dieselbe beschäftigte sich eingehend mit der Stellungnahme zu dem von den llnternchinern errichteten Arbeitsnachweis und der Ein- führung der Entlassungsscheine. Nach längerer Diskussion fand die in der Generalversammlung des Holzarbeiter-Verbandes in Berlin angenommene Resolution ebenfalls einstimmige Annahme. Die durch den Beschluß betroffenen SRtglieder sollen unterstützt werden. Außerdem wurde beschlossen, einen Extrabeitrag von 50 Pf. pro Woche zn zahlen. Die Höhe der Unterstützung wurde auf 9 SR für Unverheiratete und 12 M für Verheiratete festgesetzt. Die Mil- glieder, welche arbeitslos werden und wegen der Nichtbenutzung des Arbeitsnachweises der Unternehmer keine Arbeit erhalten, werden ersucht, sich täglich in der Zeit von 9—12 Uhr vormittags oder 2—5 Uhr nachmittags zur Kontrolle im Bureau von Leder, Bismarck-, Ecke Niickertstraße. zn melden. Daselbst wird auch jeden Sonnabend von 7 Uhr ab die Unterstützung ausgezahlt.— Für nicht gemeldete Tage wird Unterstützung nicht gewährt. Rixdorf. Die hiesige Zahlstelle des Holzarbeiter-Verbandes nahm in einer außerordentlichen Generalversammlung am 10 März Stellung zu den Entlassungsscheinen und zum Arbeitsnachweis der Holzindnstriellen Berlins. S t n s ch e berichtete über die Maßnahmen der Arbeitgeber Berlins und die Stellungnahme der Berliner Holz« arbeiter gegen dieselben und forderte die Anwesenden auf. sich mit der Zahlstelle Berlin solidarisch zu erklären. Dies geschah durch Annahme der bekannten Resolution. Das Kontrolllokal befindet sich Roscnstr. 24 bei Preil und wird daselbst die Kontrolle in den Vor- Mittagsstunden von OVs— ll'/s Uhr stattfinden. Central- Kranken- und Sterbekasse der Tischler. Die bei der Kommission angeschloffenen Berwaltnngen Berlins und Umgegend ver- sammeln sich ani Freitag, den 14. März, abends Sy2 Uhr, im Gewerkschafts- hause, Saal 7._ Urhte Ns�zvithkott und Depeschen. Repressalien. Köln, 12. März.(B. H.) Wie der„Köln. Ztg." aus Bern gemeldet wird, gab die Zolltarifkommission des Nationalrats dem Artikel 4 des' Zollgesetzes folgende Fassung: Der Bundesrat ist ermächtigt, in Fällen, in denen der schweizerische Handel durch Handelspraltiken des Auslandes gehemmt oder in denen die Wirkung schweizerischer Zölle durch Ausfuhrprämien oder ähnliche Vergünstigungen beeinträchtigt wird, die ihm geeignet erscheinenden Anordnungen zu treffen. ttchbohrenden Gefühle zum Mittel des Protestes gegriffen. Thierbach in der üblichen Werse. Die Versammlung rügte das ist verfügt Verannvorllicher Redocicur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich! Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin IS Jahr ZnchthanS. Frankfurt a. M., 12. März.(B. H.) Das Schwurgericht verurteilte heute den Fleischer Felix Eckert, der bei seiner Sistierung 2 Schntzlente auf der Polizeiwache mit dem Meffer verletzte, wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen Totschlages zu 13 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Erdbeben. Frankfurt a. M., 12. März. Die„Frankfurter Zeitung" meldet ans K o n st a n t i n o p e l vom 11. März: Die Stadt Tochangri am Schwarzen Meer(Vilajet Kastamuni) wurde gestern durch Erd- töße heinigesucht, die sich im Laufe einer Stunde sechsmal wieder- holten. 3000 Häuser wurden zerstört; 20000 Menschen sind obdachlos. Aus den Trüniniern sind bis jetzt 100 Verwundete und 4 Tote hervorgezogen worden. Ausdehnung des Stimmrechts. Stockholm, 12. März.(W. T. B.) Die Regierung hat heute einen Gesetzentwurf betr. Ausdehnung des politischen Stimmrechts vorgelegt. Hiernach soll jeder, der das 25. Lebensjahr erreicht hat und das kommunale Stimmrecht besitzt, auch das politische Stimmrecht haben. Ausgenommen sind diejenigen, welche die staatliche oder kommnnale Steuer in den letzten zwei Jahren nicht bezahlt haben owie Wehrpflichtige vor Ablauf ihrer Dienstzeit. Verheiratete Per- onen und solche, die das 40. Lebensjahr überschritten haben, sollen zwei Stimmen haben._ Repräsentantenkammer. Brüssel, 12. März.(W. T. B.) Die Repräsentantenkammer beschloß auf Antrag des Ministerpräsideiiten, heute die Beratung über das allgemeine Stimmrecht zn beendigen, obwohl noch eine große Anzahl Redner ans der Liste stehen, und die Budgelberatungcn zu bcgiiiiicii. Tariiistirdt, 12. März.(B. H.) Der F i n a II z a u s s ch II b der Kamnier beschloß in seiner gestrigen Sitzung, in welcher auch Regierungsvertreter anwesend waren, nach längerer Debatte die Erhöhung der E i n k o in m e u- und V c r m ö g e n s st e u e r. Objekte unter 15 000 M. bleiben von der erhöhten Vermvgensstener befreit und fallen weiter unter die Sätze der bisherigen Vermögens- 'teuer. Rom, 12. März.(W. T. B.) Die Blätter veröffentlichen Tele- gramme aus Neapel, welche besagen, daß infolge der Ergebnisse der Untersuchung gegen di e stä d tisch e Verwaltung Neapels, die Anklagekammer den früheren Deputierten C a s a l e. den früheren Bürgermeister von Neapel Snmmarte, die früheren Munizipalbeamtcii Adinaifi und Dejena, den Direktor der Trambahnen SWilers und andre dem Strafgericht n b c r w i e s e n hat. St. Petersburg, 12. März.(W. T. B.) Nach Meldungen ans Vürsk(Altaigebiet) wurde gestern nachmittag dort ein wellen- örmigeS Erdbeben verspürt. Die Bodenschwankiiiigeii dauerten 18 Sekunden. Odessa, 12. März.(W.T.B.) Ter Chef der Hanptverwaltung der Posten und Telegraphen hat gestattet, versnchsiveise Apparate ftür drahtlose Trlegraphie zwischen Chcrson und Golaja-Pristan n einer Entfernung von 15 Werst aufzustellcii, damit sich die Beamten mit alle» Einzelheiten solcher Anlagen vertraut machen. Ssaratow, 12. März.(SB. T. B.) In den tartarischen An- sicdelnngcii breitet sich der Skorbut ans. Die hiesige Verwaltung des Roten Kreuzes erhielt weitere 10 000 Rubel zur Hilfeleistung für Skorbntkraiike. Chicago, 12. März.(W. T. B.) Die Anslicferung Terlindens ist verfügt worden. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. 9t. 61. 19. z-hrgm. 1 frildJC Meithsksg» 163. Sitzung vom Mittwoch, den 12. März 1902, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Graf P o s a d o lv s k h. Eine Anzahl von Petitionen wird entsprechend dem Konimissionsbeschluß für nicht geeignet zur Erörterung im Plenum erklärt. Die allgemeine Rechnung über den Reichs-Haushaltfür 1398 wird in erster Beratung debattelos genehmigt. Darauf ivird die dritte Lesung des Etats fortgesetzt beim Etat des Reichsamts des Innern, Kapitel„Reichs- P e r j i ch e r u n g s a m t." �.Stadthagen sSoc.)(im Eingang seiner Rede auf der Tribüne schwer verständlich): Ich habe in der zweiten Lesung den Fall des Dr. Blasius, eines Vertrauensarztes einer Berufs- genossenschaft, angeführt. Die ärztlichen Gutachten dieses Arztes tvareir geeignet, die berechtigten Ansprüche der Arbeiter zu bceiu- trächtigen, ja ihre Gesundheit und ihr Lebe» zu gefährden. Ich freue mich, daß Dr. Spengler, der jenen Gutachten des Dr. Blasius entgegentrat, in zweiter Instanz vollständig freigesprochen worden ist. Das Gericht erkannte an, daß seine Angriffe gegen Dr. Blasius durchaus berechtigt waren. Das ganze System der Vertrauensärzte führt mit Notwendigkeit dahin, daß zu Gunsten derBenifsgenossenschaften und zu Ungunsten der Arbeiter Gutachten abgegeben werden. Im Interesse der Arbeiter müssen ivir dringend die Beseitigung dieses ganzen Sh st ems fordern. Weiter möchte ich zurllckkoinmen auf meine Mitteilungen über die hohen Gehälter, welche gewisse ehrenamtliche Vor- sitzende von Berufsgenossenschaften erhalten. Ich habe in der zweiten Lesung dreizehn Fälle angeführt; die Gehälter erreichte» die Höhe bis zu 16 000 M. Es wurde mir damals zugegeben, daß eine Entschädigung für diese ehrenamtliche Thätigkeit in der That gegen d a s G- s e tz verstößt. Der Herr Staatssekretär erklärte damals, das Reichs- Versicherungsamt habe die H ö h e der E n t s ch ä d i g u n g« n fe st gesetzt und damit sei die Sache erledigt. Mir ist aber authentisch mitgeteilt worden, daß dieser B e s ch l u ß in gesetzwidriger Weise ohne Hinzuziehung von Vertretern der Versicherten gefaßt worden ist. Gerade hier aber Iväre das dringend notwendig gewesen. Nachdem von Jahr zu Jahr von den Vertretern der Arbeiter hier Klage erhoben worden ist darüber, daß angeblich ehrenamtlich an- gestellten Vorsitzenden ungeheure Geschenke bewilligt worden sind, iväre es zum mindesten ein Gebot der Billigkeit und Klugheit ge- wesen, wenn der Präsident des Reichs-Versicherungsamtcs zu einem solchen Beschluß Versicherte hinzugezogen hätte. Es scheint aber, als ob der Präsident persönlich die ungesetzlichen Ent- schädigungeu festgesetzt hat. Außerdem aber hat auch der Staats- sckretär kein Recht nun zu sagen:„Rom» locuta. est"(Rom hat_ gesprochen) und nun ist die Sache erledigt. Das Reichs- Versicherungsamt ist ein abhängiges Amt und hat das Gesetz zu beachten. Das klingt beinahe wie eine Verhöhnung des Gesetzgebers, wenn das Amt. dem das Recht ge- geben ist. diesen ungesetzlichen sZustand abzuändern, erklärt:„Ich lhue das nicht, sondern ich sanktioniere ihn." Gegen diesen Mißbrauch der Amtsgewalt hat der Staatssekretär die Pflicht einzuschreiten. Die Arbeiter haben den Eindruck, daß die Berufsgenossenscha ften einen Staat im Staate bilden und die Gesetze vollkommen verachten. (Widerspruch des Abg. Rösicke-Deffau.) Herr Rösicke, Sie haben früher mit uns Sturm dagegen gelaufen, daß derartige gcsetz- widrige Zustände bestehen.(Abg. Rösicke: Das war etwas' ganz andres.) Dann müssen Sie auch hier verlangen, daß der Staats- sckretär in dieser Frage endlich einschreitet. Die Arbeiter haben den Eindruck, daß wir in einem Klassen st aat leben und daß die Behörden ohnmächtig sind gegenüber den Uebergriffen der Arbeitgeber. Die Bernfsgenossenschasten sind so mächtig, daß vor ihnen der Präsident des Reichs-Vcrsicherungsamts sich beugen muß und einen an sich ungesetzmäßigen Zustand als gesetzmäßig hinstellt. Mir liegt aber nicht allein daran, das agita- torische Moment festzustellen, sondern nur liegt auch daran, daß der ungesetzliche Zustand beseitigt wird, und deshalb bitte ich den Herrn Staatssekretär, in eine erneute Prüfung der Frage einzutreten. (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Oertel(k.): Abg. Stadthagen hat in zweiter Lesung behauptet. Prof. Spengler in Braunschweig habe daS System der Vertrauensärzte wenn auch nicht für ungesetzlich, so doch für unmoralisch erklärt. Da? hat Prof. Spengler nicht erklärt. Er hat vielmehr am 27. September vorigen Jahres öffentlich gesagt, daß er nie das Systeni der Ver- trauenSärzte als unmoralisch bezeichnet habe. Ich möchte, nachdem auch Abg. Dr. Hilbck den Dr. Blasius preisgegeben hat, auf diese» Fall zurück- kommen. Ich iveiß nicht, ivclcher Partei Dr. Blasius angehört; ich habe den Herrn erst in den letzten Tagen kennen gelernt und ihn erst einmal gesprochen. Abg. Stadthagen hat vielleicht in gutem Glauben dem Manne, der ein Ehrenmann ist und sich in Fach- kreisen großen Ansehens erfreut, unrecht gethan. Er hat ihn einen Hausknecht, einen Handlanger und einen Lakaien des Unternehmer- tuinö genannt.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Der Fall lag folgendermaßen: Ein Ziegclei-Arbciter, der den vierten Finger der rechten Hand verloren hatte, wurde im Brannschweiger Krankenhaus be- handelt. Am Ende der Behandlung wurde ihm von dein Assistenzarzt ein von dem Direktor des Krankenhauses, Dr. Spengler, gegengezeichnetes Gutachten ausgestellt, wonach der Finger abgequetscht, aber keine Drnckenipfindlichkcit des StunipscS mehr vorhanden sei; die übrigen Finger aber seien so gut wie gar nicht geschädigt, die Kraft d e s A r m e S nicht herabgesetzt. Auf Grund dieses Befundes schlug Prof. Dr. Spengler' eine Rentengcwährung für drei Monate vor. 5 Tage später wurde der Vertrauensarzt der Ziegeleigenossenschaft, Dr. Blasius, aufgefordert, ei» Gutachleu abzugeben. Er schlug nun vor, dem Manne 20—25 Prozent der Rente zu gewähren und zwar auf längere Zeit, als auf drei Monate. Der betreffende Arbeiter hat sich dabei beruhigt. Man wirft Dr. Blasius vor. daß er diese Gntachl'en ohne eigne Untersuchung abgegeben habe, aber es kommt jeden Tag vor. daß Aerzte auf Grund des A k t e n m a t e r i a l s solche Gutachten abgeben müssen. Es lagen ja auch nur fünf Tage zwischen den beiden Gutachten, da konnte sich nichts Wesent- lichcs in dem Befunde ändern. Dr. Blasius hat sich auf das von ihm als zuverlässig anerkannte erste Gutachten ge- stützt. Dieses Vorgehen ist doch nicht verdammenswcrt. lieber den zweiten Vorwurf, daß die von Dr. Blasius vorgeschlagene Rente zu gering gewesen sei, enthalte ich mich des Urteils. Rechnerisch hat der Arbeiter dasselbe erhalten wie nach deni ersten Vorschlage. Auch hat Dr. Blasius nicht nach dem Schema der Berufsgenojsenschaften entschieden, nach diesem würde die Rente etlva 12— lo Proz. betragen haben. Ebenso wenig ist der Vorwurf berechtigt gewesen, er sei im allgemeinen ein Rentendrücker gewesen. Er hat iii über 50 Fällen höhere Renten vorgeschlagen als die bchandeluden Aerzte. So handelt kein Handlanger ünd HauSknecht. Stadthageu wird sich selbst überzeugen, daß er hier aus einer kleinen Mücke einen ungefügen Elefanten gemacht hat. Abg. Rösickc-Dessan(wildlib.l: Die Behauptung des Abg. Stadthagen, daß das System der Vertrauensärzte notwendig zu Entscheidungen zu Gunsten der Berufsqcnossenschaften und zu Ungunsten der Arbeiter führe, enthält eine ungerechtfertigte Herabsetzung»ud Beleidigung sowohl der B-rtranenSärzte wie der Bernfsgenossenschasten. Den Beweis für diese Behauptung ist Abg. Sladthagcn schuldig geblieben. Ich weiß. daß innerhalb der BcrufSgenossenschaften manches nicht so ist, wie eS sein sollte, aber die Ans- ilks.Fmillls" führungen des Abg. Stadthagen waren eine unerhörte Beleidigung. Er verlangte eine Beseitigung des Systems der Vertrauensärzte. Wie sollen es denn aber die Berufs- geuossenschaften machen, um sich Klarheit über die Bedeutung des Gutachtens eines behandelnden Arztes zu verschaffen? In vielen Fällen haben die Vertrauensärzte auf die Gewährung höherer Renten entschieden, als die behandelnden Aerzte. Im Falle Blasius hätte die Berufsgenossenschaft gar nicht nötig gehabt, nach dem Gutachten des Prof. Spengler noch das weitere Gutachten des Dr. Blasius zu hören. Mag Dr. Blasius unrecht gehabt haben oder nicht, jedenfalls ist der betreffende Verletzte durch ihn nicht in seinem Recht geschädigt worden. Was die Vorsitzenden der Berufsgcnosseuschaften anlangt, so habe ich mich nur gegen die allgemeinen Beschuldigungen des Herrn Stadt- Hägen gegen die Berufsge'nossenscbasten gewandt, mit ihm bedauere ich' den Beschluß des Reichs-Versicherungsamts über die Höhe der Entschädigungen und hoffe, daß der Beschluß abgeändert werden wird. Staatssekretär Graf PosadowSky: Bei der zweiten Lesung des Etats hat ein Abgeordneter der Linken gefragt, ivas auf meinen Erlaß von feiten der Berufsgenoffen- schaften zum Schutze der Arbeiter im Baugewerbe geschehen ist. Nach dem mir jetzt vorliegenden Bericht sind bei den 10 Bau- gelverks- Berufsgenossen schaften 31 Aufsichts- beamte thätig, von der rheinisch- westfälischen Baugewerls- Berufsgenossenschaft ist die Anstellung eines neuen Aufsichtsbeamten beschlossen, bei anderen Bernfsgenossenschasten schiveben zur Zeit Ver- Handlungen über die Anstellung iveiterer technischer Aufsichtsbeamten. Bei den leider immer noch sehr zahlreichen Bau-Uu fällen hoffe ich werden die Bcrufsgenosseuschafteu ernstlich auf dem Wege fort- schreiten, ein wirklich ausreichendes Aufsichtspersonal anzustellen.— Was die von Herrn Stadthagen berührte Frage anlangt, so ist es ein Irrtum, daß bei dem Beschluß des Reichs-Versicherungs- amtes über die Höhe der Entschädigungen Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern hinzugezogen werden mußten. Ich habe mich über die Form, in der der Be- schluß gefaßt ist, während der Rede des Herrn Stadthagen telephonisch unterrichten lassen. Danach ist in den Fällen, die zu Ziveifeln keinen Anlaß gaben, die Festsetzung im Wege der Dekretur von dem Präsidenten unter Hinzuziehung von fünf Mit- gliedern des Reichs-Versicherungsamts erfolgt. Die schwierigen Fälle aber sind in Unterabteilunge» entschieden worden. Gegen die Vorschriften des Gesetzes ist also in der Form nicht verfahren worden. Der ideale Zustand wäre es ja. wenn die ehrenamtlichen Vorsitzenden ihre Geschäfte ganz ohne Ent- schädigung leiste» könnten. Die Geschäfte sind aber so kolossal, ja überwältigend angewachsen, daß es ohne Entschädigung nicht mehr möglich wäre, Perionen aus der Industrie selbst für die Leitung der Berufsgenossenschaften zu gewinnen. In der Entschädigung für entstandenen Zeilverlust muß freilich die äußerste Grenze liegen.— Was die gestrige Anregung des Herrn Hitze anlangt, so hat das Reichs-Versichcrnngsam't nicht das Recht, die Anstellung bestimmter Krankenpfleger den einzelnen Anstalten vorzuschreiben.' Inwieweit in religiös gemischten Landesteilen auf die Bedürfnisse der einzelnen Konsessionen Rücksicht zu nehmen ist, ist dem eignen Ermessen der betreffenden Verwaltung überlassen. Abg. Hofmanu-Dillenbnrg(natl.) bezeichnet die Gründe, aus denen die Regierung der Resolution des Reichstags zur Besserstellung der Senatspräsidentcn beim Reichs-Versicherungsamt nicht stattgegeben habe, als nicht stichhaltig. Abg. Hilbck(natl.) erklärt, er müsse bei seiner früheren Beurtei- lung des Dr. Blasius bleiben. Es ist unbedingt notwendig, daß der Vertrauensarzt bei der ersten Rentenfcstsetzung de» Patienten persön- sich untersucht. Mit Abg. Dr. Hitze bin ich durchaus darin eiuver- standen, daß in den Krankenhäusern und Heilanstalten die Parität gewahrt werden muß. Die Herren vom Centrum sollten aber nicht nur dort Parität verlangen. Ivo sie in der Minderheit sind, sondern sie auch da ausüben, wo sie die Mehrheit haben. Der allgemeine westfälische Knappschaflsverein beabsichtigte im oberen Sauerlande eine Lungenheilstätte zu errichten. Die Verkanfsverhandlungen mit dem Besitzer des in Aussicht genommenen Grundstückes, Frhrn. v. Wendt, scheiterten aber daran, daß der letztere die Bedingung stellte, daß die zu errichtende Anstalt von einer katholischen Oberin geleitet und daß nur katholische Schwestern in derselben beschäftigt würden.(Hört! hört! bei den Nationalliberalen.) Nach vielen Mühen gelang es dann dem Kuappschaftsverband, an andrer Stelle die Heilanstalt zu errichten. Abg. Stadthagen(Soc.): Abg. Dr. Oerlel hat nichts von meinen Angaben über den Fall Blasius' widerlegt. Alles, was ich vorgetragen habe, hat sich vor dem Schöffengericht abgespielt und ist vor dem Landgericht wiederholt worden. Dr. Blasius hat sein Gntnchtcu abgegeben, ohne den Patienten irgendwie gesehen zu haben, entgegen dem übereinstimmenden Gutachten zweier andrer Aerzte. Ein solches Verfahren ist eines Arztes unwürdig und schädigt die Arbeiter. Aerztlichc Sachverständige haben sich dagegen erklärt, daß eine Herabsetzung der Rente ohne persönliche llntcrsuchuiig niemals vorgenommen werden dürfe. In den UrteilSgrüuden des Landgerichts, das den Prof. Dr. Spengler vollständig freisprach, wird das Benehmen des Dr. Blasius als leichtfertig bezeichnet.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Ich hoffe, daß der Fall Blasius wenigstens das eine Gute haben wird, das schädliche und gemeingefährliche System der Vertrauensärzte allmählich zu bcsciligcu.(Bravo! bei den Socialdemokraten.)* Damit schließt die Diskussion. Das Kap.„Reichs-Versicherungs- amt" ivird bewilligt. Beim Kap. Ansjichtsamt für Privatversicherung liegt ans der zweiten Lesung die Rciolution B ü s i n g(natl.) vor, welche obligatorische Zulassung der Zillmerschen Methode verlangt. Staatssekretär Graf Posadowskq bittet dringend um Ablehnung der Resolution. Die Resolution wird hierauf gegen die Stimmen der National- liberalen und Freisinnigen abgelehnt. Der Rest des Etats wird debattclos bewilligt. Es folgt der Militär- Etat. Reichs-Schatzsekretär Frhr. v. Thiclinaun? Ich will gleich von vornherein im Namen der verbündeten Regierungen erklären, daß sie dem Antrag Stockmann. der in der zweiten Lesung vorlag, auf Ein- etzung von' 154 000 M. für den Erweiterungsbau beim Bekleidiingsamt des Gardecorps in Berlin zustimmt. Abg. Gröber(E.): Bei der Besprechung des Falles Marten in der zweiten Lesung ging ich und auch die übrigen Redner von der Voraussetzung aus, daß die Erhebungen, welche der Gerichtsherr erster Instanz, General- lieuteuant v. Alten persönlich vorgenommen hat. in eine Zeit ge- 'allen seien, als die Untersuchung gegen Marten und Hickel bereits eingeleitet war. In einer Unterredung mit Herrn v. Alten ist mir bekannt geworden, daß diese Annahme irrig war und ich halte es 'ür eine Pflicht der Loyalität, das hier festzustellen. Die persönlichen Erhebungen des Herrn v. Alten sind erfolgt zu einer Zeit als ein Verdacht gegen eine bestimmte Person noch nicht vorlag. Herr v. Alten glaubte zu diesen Erhebungen berechtigt zu sein, da der Schuß aus einer Patrone gefeuert war, die damals schon seit Jahren nicht mehr im Gebrauch war, so daß der Verdacht nahe lag. der Thäter müsse ein Soldat sein, der schon längere Zeit im Dienst war. Herr v. Alten wollte daher feststellen, wo solche Patronen noch vorhanden waren. An der juristischeil Beurtsilung des Falles wird dadurch nichts geändert, denn nach dem Wortlaut des Gesetzes darf der Gerichtsherr sich überhaupt nicht an der Untersuchung be- teiligen, aber daS subjektive Verhalten des GerichtSherrn erscheint so doch' in etwas milderem Lichte. DaS wollte ich nur feststellen. (Bravo! im Ctntruin.) Donncrslag. 13 Miifl 1902. Abg. v. Czarlinö«(Pole) beschivert sich darüber, daß es den polnischen Soldaten verboten sei, in den Kasernen untereinander polnisch zu sprechen. Abg. Zubeil(Soc.) führt Beschwerde über Mißstände im Kantinenwcsen. Die Kantinen in Spandau sind an einen Generalpächtec vergeben, der jede einzelne wieder weiter verpachtet hat. Derselbe Generalpächter hat auch die Kantine auf dem Döberitzer Schießplatz gemietet. Die Militärverivaltnng wollte dieses Weiter- verpachten von Kantinen nicht dulden, sondern jede Kantine einzeln verpachten und darauf sehen, daß sie von dem Pächter selbst ver- ivaltet wird. Ferner hat dieser Generalpächter jetzt die Erlaubnis erhalten, auf dem Schießplatz in Döberitz ein Unteroffizier-Kasino zu errichten. Bei dem jetzigen Zustande hat die Militärverwaltung gar keinen Einfluß mehr auf die einzelne Kantine. Es wird behauptet, daß die in Spandau nicht verbrauchten Speisen nach Döberitz gebracht und dort verwendet werden. Ich bitte die Kriegsverlvaltung, auf die Wirtschaft in Döberitz ein Augenmerk zu haben. Abg. Gäbel(Antis.) bringt einen Fall von Soldatenmißhandlung im Bereiche deZ XII. Armeecorps zur Sprache, bleibt aber im Zusammenhang un- verständlich. Abg. Stadthage»(Soc.): Bei der zweiten Lesung habe ich den Fall des Oekonomke» Handwerkers Redmann vorgebracht, der auf Grund des von uns mehrfach besprochenen Erlasses des Kriegsministers angeklagt worden war, weil er der Wahrheit gemäß erklärt hatte, er nehme die ihm angebotene Chinamcdäille nicht an. weil das mit seiner socialdemokratischen Gesinnung nicht vereinbar sei. Der Herr KriegSmiuister hat darauf keine Antwort erteilt. Unterdessen ist nun das Urteil ergangen und der Soldat ist zu 3 Tagen Mittel- arrest verurteilt worden. Gegen das Urteil hat sowohl der Ver- urteilte Ivie der Gerichtsherr Berufung eingelegt. Die' Sache ist also noch nicht abgeschlossen. Dieser Fall zeigt wieder, welches Himmel- schreiendes Unrecht unter der Form des Rechts verübt werden kann. Redinannfist verurteilt worden, weil er auf eine dienstliche Frage, auf die er doch nur die Wahrheit zu sagen hat, die Wahrheit gesagt hat. Er ist also verurteilt worden auf Grund eines Erlasses des Kriegs- Ministers, der zu Meineid und Unwahrheit Anlaß giebt. Der Kriegs- minister hat kein Recht gegen die Gesetze der Wahrheit zu handeln. (Zurufe rechts.) Die Wahrheit steht höher als Erlasse des Kriegs- Ministers und ich habe den Kriegsminister zu ersuchen, der Wahrheit die Ehre zu geben und ich habe die Nationalliberalen und das Centrum, die sich bereits wiederholt gegen den Erlaß erklärt haben, zu ersuchen, daß sie für die Abschaffung solcher Erlaffe ein- treten, die mit den Grundsätzen der Wahrheit unvereinbar sind. (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Preußischer Generalmajor v. TiPPelSkirch: Die Untersuchung gegen den Oekonomiehandwerker Redmann ist durch Einlcgimg der Berufung noch nicht abgeschlossen. Das Kriegs- Ministerium muß es sich daher versagen, ans diesen Fall irgendwie einzugchen. Daß Redmann zur Zeit seines Vergehens unter der disciplinarischen Disciplin stand, darüber ist lein Zweifel. Abg. Znbeil(Soc.) bringt Beschuldigungen zur Sprache, die ein früher auf der Span- daucr Pulverfabrik beschäftigter Arbeiter gegen einen Ober- lieuteuant erhoben hat. Trotz dieser schweren Beschuldigungen hat tveder das Kriegsministerium gegen den Arbeiter Straf- antraft gestellt, noch hat der betreffende Offizier das Kriegs- Ministerium um die EriiiSchtigung hierzu gebeten. Der betreffende Arbeiter wurde, nachdem er die Anzeige gegen den Offizier erstattet hatte, vor die Direktion der Pulverfabrik bestellt, wo ihm erklärt wurde, alle seine Angaben seien einfach erlogen. Wenige Tage darauf erhielt er seine Kündigung, die er aber nicht annahm, weil sie den Vorschriften der Arbeitsordnung nicht entsprach. Die That- fache, daß das Kriegsministeriinn nichts gegen den Arbeiter unternominen hat, erweckt den Verdacht, daß ein Teil der Be- schuldignngen des Arbeiters auf Wahrheit beruhen. Dann aber war es doch die Pflicht der Militärverwaltung, den Arbeiter wieder ein- zustellen und ihn in seine Rechte zurückzuversetzen. Im übrigen habe ich von meinen Ausführungen über die Spandauer Zustände, die ich in zweiter Lesung gemacht habe, nichts zurückzunehmen. Eine Revision, die vor kurzem in Spandau stattfand, konnte natürlich nicht das geringste Ergebnis haben, da sie vorher angemeldet war.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Generalmajor v. Eine»,: Der Fall des Arbeiters Heister liegt so weit zurück, daß mir die Einzelheiten nicht mehr erinnerlich sind. Soweit mir erinnerlich ist, haben sich die Beschuldigungen als zu weitgehend erwiesen, eine präcise Antwort kann ich aber nicht geben. Ich' will aber der Sache noch einmal näher treten. Sollten Fehler gemacht worden sein, so kann man sie reparieren und das joll geschehen. Abg. Pauli-Potsdam(kons.) polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. Zubeil über die Verhältnisse in den Spandauer Artillerie- Werkstätten aus der zweiten Lesung. Bei der herrschenden Unruhe bleiben seine Ansführnngen im einzelnen fast unverständlich. Redner verliest Schreiben von Arbeitern aus Spandau, wonach eine Reihe von Behauptungen des Abgeordneten Zubeil auf Unwahrheit und Entstellung beruhen solle». Alle Arbeiter der Spandauer Fabriken hätten vor dem Verlassen der Anstalten Gelegenheit, sich zu reinigen und zu waschen. Allgemein würden die Wohlfahrts- einrichtungen der Spandauer Werkstätten als vorzüglich gerühmt. Abgeordneter Zubeil habe sich großer Ucbertreibungen schuldig gemacht. Keinem Arbeiter geschehe Unrecht; nur bei wiederholten Vergehuiigeu würden sie entlassen.(Beifall rechts.) Abg. Zubeil(Soc.): Wenn Herr Pauli einen Brief eines Arbeiters verlesen hat, de» behauptet, daß das Kolonnensystein besser sei, als der heutige Zustand. so niöge er sich nicht auf das Urteil dieses einen Arbeiters verlasse». Die große Mehrzahl der Arbeiter in Spandan begrüßt es mit Freuden, daß endlich das Kolonnensysteni abgeschafft ist. Daß die Aufscher und Meister sich an Herrn Pauli wenden und ihm danken, ist gar nicht Ivimderbar, denn Herr Pauli hat sich ja seit Jahren im Reichstage vor allem der Meister und Aufseher ange- uonimen. Dafür sind sie ihni natürlich Dank schuldig. Nur von den Arbeiterverhältnissen versteht Herr Pauli nichts. Wenn Herr Pauli sagt, in den Versammlungen der social- demokratischen Arbeiter herrsche ein so rüder Ton und eine s« miserable Behandlung der Gegner, daß jeder Gegner sich scheue, dort das Wort zu ergreifen, so hat er damit bewußt oder unbewußt eine schwere Verleumdung ausgesprochen. Präsident Graf Ballestem: Herr Abgeordneter, Sie dürfe» einen Kollegen nicht beschuldigen, daß er eine Verleumdung aus- gesprochen habe. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung.(Bravo l rechts.) >lbg. Zubeil(fortf.): Herr Pauli hat die WohlfahrtSeinrichtunge» besonders gelobt. Ist ihm bekannt, daß in der Geschützgießerei C II, die bei den Arbeitern den Namen Sibirien führt, so wunderbare Wohlfahrtscinrichtungen bestehen, daß dort die Arbeiter sich Kisten unter die Füße stellen müssen, und der Raum andauernd mit Qualm erfüllt ist? Wenn Herr Pauli die Zustände dort besichtigen will, so stellt ihm vielleicht der Herr Kriegsminister zu diesem Zwecke einen Jagdschein auf Natten aus.(Große Heiterkeit.) Meine Angaben über die Löhne wurden damals von dem Herrn General- major v. Einem bestritten. Ich stelle fest, daß nach Angaben, die mir, persönlich ganz kürzlich gemacht sind, ein Schlosser für 60 Stunde» Arbeit 8 M. erhielt, ein cmdrer Arbeiter für 60 Stlliiden o M., ein dritter für 30 Stunden 8 M. Die Namen der betreffenden Arbeiter stelle ich den Negierungsvertretern zur Verfügung. Herr Pauli hat die Spandauer„Laterne" angegriffen. Die Antwort wird ihm wohl in der„Laterne" sellfft gegeben werden. Die Stimmung, die Abg. Pauli durch sein Verhalten in der Spandauer Arbeiterschaft erregt hat. wird zur Folge haben, daß, sollte Herr Pauli eS noch einmal wagen. in jenem Kreise zu kandidieren, er nicht mehr in dies HanS kommt, er muß sich schon nach einem ander» Kreise umsehen.(Lachen rechts.)— Ich will mich ans diese Bc- merknngen beschränken, Sie(nach rechts) stehe» ja alle schon nnt dem Koffer in der Hand und wollen in wenigen Stunden in die Heimat abreisen.(Sehr richtig! rechts.) Jedenfalls möchte ich de» Herrn Pauli doch ersuchen, in Zukunft etivas vorsichtiger zu sein und sich nicht auf Briefe berufen, von welchen er genau lvciß, ans ivelcheu Schleichwegen sie hergestellt werde».(Bravo l bei den Socialdemokraten.) Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Pauli und Z u b e i l schließt die Diskussion. DaS Ordinarium wird bewilligt. Bei den Einn, aligen Ausgaben wird der vorhin wieder- gegebene Antrag S t o ck m a n n(Np.) angenommen. Der Rest des Militär-Etats wird debattelos erledigt. * Es folgt der Mnrine-Etat. Abg. Siidckum(Soc.): In der Hamburger Zeitschrift„Der Lotse" ist ein Artikel erschienen, der sich mit der Organisation der Konstruktionsbureaus der kaiserlichen Marine beschäftigt. Dort wird ausgeführt, daß eine Verfügung ergangen ist, wonach Schiffs- bauführer das Reserve-Osfizierspatent haben müssen. Die Verfügung soll sogar so streng ausgeführtf werden, daß Schiffsbauführcr, die infolge körperlicher Fehler nicht im stände waren, das Patent zu eriverben, die Staatsstellung aufgeben müssen. Vicc-Admiral Diedcrichsen: Eine neue Verfügung ist nicht er- lasse»: eine solche existiert schon seit längerer Zeit. Es ist aber natürlich, daß diejenigen, die an Bord gehen und alle Arbeiten ver- richten müssen, dienstfähig sind. Abg. Südckum(Soc.): Der Herr Regierungsvertreter hat nicht auf die Frage geautlvortet, ob Schiffs-Bauführer aus dem Staats dienst entlasseu sind, weil sie das Patent nicht erwerben konnten. Vice-Admiral Diederichscn: Das ist meines Wissens nicht geschehen. Ich wäre dankbar, wenn mir die Namen genannt würden. Abg. Singer(Soc.): Der Herr Vertreter hat noch nicht auf die Frage geantwortet, auf die es ankommt, ob nämlich eine Ver- fügung besteht, die bestimmt, daß nur diejenigen zugelassen werden, die das Patent besitzen. Vice-Admiral Diedrichsc»: Da? trifft zu, sie werden als See- kadetten ausgebildet, werden dann Reserve-Offiziere und dann Bau- führen Abg. Dr. Slldeknm(Soc.): Ich möchte nochmals auf die schwarzen Listen hinweisen, die von den kaiserlichen Werften geführt werden. In diesen Listen sind diejenigen Arbeiter mit Namen und Arbeitsnummer vermerkt, die für die Entlassung vorgesehen sind. Dabei sind die angegebenen Gründe für die Entlassung oft sehr eigenartig. Einige Arbeiter sollen„faul" und„frech" sein, andre sind als„niederträchtig" bezeichnet. Dabei sind dies gerade Arbeiter, die schon seit Jahrzehnten aus den kaiscr- lichc» Werften beschäftigt sind. Ich habe ein Original dieser schwarzen Listen vor mir. Einer der zur Entlassnng vorgemerkten Arbeiter ist 13 Jahre auf der Werft thätig, ein andrer sechzigjähriger Mann, der als„faul" bezeichnet wird, schon 27 Jahre. Wieder bei einem andren ist bemerkt:„Kann nicht sehen." Dieser ist 25 Jahre auf der Werft beschäftigt und soll jetzt auf die Straße gesetzt iverden. Bei einem weiteren ist angegeben,„er ist oft krank". Das wäre doch ein Grund mehr, um ihn gerade für die kaiserliche Werft zu beschäftigen. Die ganze Liste macht den Eindruck, als ob es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, als ob die Qualitäten, die eingeschrieben sind, nickt immer sachgemäß waren. Man sollte doch lieber wahrheitsgemäß die Gründe angeben und nicht durch ein derartiges Listensystcm Beunruhigung unter de» Arbeitern hervorrufen. Geh. Admiralitätsrat HarmS: Es kani vor einiger Zeit die Möglichkeit in Frage, einige Arbeiter, die nicht mehr voll beschäftigt werden konnten, weil es a» Arbeitsobjekten fehlte, zu entlassen. Nach der allgemeinen Vorschrift müssen Leute, die aus Arbcitsmangcl entlassen werden, immer sechs Wochen vorher gekündigt werden. Da ist es die Pflicht der be- treffenden Betriebe, sich,' bevor solche Entlassungen eintreten, mit der Frage zu beschäftigen, welche Leute dafür' in Frage kommen. Es ist deshalb von feiten des betreffenden Direkiors an die Werft die Order ergangen, diejenigen Leute einzuschreiben, die für ctlvaige Entlassungen in Frage kommen. Auf diese Weise haben zunächst die untelste» Beamten der Werft. jeder für sich, eine Liste aufgestellt. Diese Listen sind nun von den Obermeistern zusammengestellt worden. Die erste Liste enthielt S7 Namen. Sie hat aber dann noch verschiedene weitere Stadien durchgemacht. Schon nachdem der Obermeister des betreffenden Betriebes sie revidiert hatte, standen nur»och 31 Namen auf der Liste. Unter denjenigen, die als nicht zur Entlassung geeignet iveggestrichen waren, fanden sich diejenigen Arbeiter, die der Abgeordnete Südekum vorhin aufgeführt hat. Auf der zweiten Liste stehen immer noch Leute, die erst ein bis zlvei Jahre auf der Werft gearbeitet haben. Dann ist die Liste überhaupt nicht weiter bearbeitet Ivorden, weil iveitere Entlassungen nicht mehr nötig waren. Es sind gegen ungerechtfertigte Entlassungen die weit- geheudsten Garantien gegeben. Es ist bedauerlich, daß eine dieser Listen bekannt geworden ist. Abg. Dr. Südekum(Soc.): Es ist eigentümlich, wie die Listen die Wirkungen der Kontrolle durch die verschiedenen Stadien aufweisen. In einzelnen Fällen habe» die unteren Instanzen offenbar nicht gewußt, wie sie die Listen aus- füllen solle» und da ist dann später von andrer Seite mit Bleistift das Wort Aufwiegler eingefügt.(Hört! hört! bei den Social- demokraten.) Wenn Arbeitsmnugel bei der kaiserlichen Marine ein- tritt, so müssen natürlich Arbeiter entlassen iverden. dagegen sagt ja niemand etwas. Wir wendeir uns nur dagegen, daß ganz alte Arbeiter, die seit lange» Jahren im Dienst sind, von der Entlassung betroffen werden, und es sich dann noch gefallen lassen müsfen, auf solchen Proskriptionslisten mit derartigen Aus- drücken belegt zu iverden. Unter diesen alten Arbeitern befindet sich gerade ein Mitglied eines hochpatriotischcn Kriegervereius. Der wird das besonders dankbar empfinden. Damit schließt die Diskussion. Der M a r i n e- E t a t wird bewilligt. Hierauf vertagt das Hans die Welterberatung auf Doimerstag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr._ Aus Fudulkviv und Handel. Der unbequeme Kritiker. Ein ungewöhnliches Interesse nahm ein ehrengerichtliches Verfahren in Anspruch, ivelches gestern das Börse»-Ehrengericht beschäftigte. Angeschuldigter ivar der Handelsredacteur der„Berliner Morgenpost" Georg Bernhard, der von dem Direktor der Dresdner Bank, Konsul a. D. Kommerzien- rat Eugen Gutmann, vor das Ehrengericht gefordert worden ivar. Den Vorsitz führte Kommcrzienrat Behrens, den Ver- Handlungen wohnte der Staatskommissar Geh. Ober-Regicnmgsrat H e m P t e n m a ch e r bei. Der Angeschuldigte, der das Geschäfts- qebahreii der Dresdner Bank vielfach einer scharfe» Kritik unterzogen hatte, veröffentlichte in Nr. 304 der„Morgenpost" vom 29. Dezember einen Artikel, in welchem er mitteilte, daß in der Zeit dcö »rachs der Leipziger Bank und der dadurch hervorgerufenen Krisis die Dresdner Bank nicht genug gerüstet gewesen sei, um die böse Zeit a»S eigner Kraft zu überwinden, daß bielmehr die Dresdner Bank, die 3/i ihres Aktienkapitals in industriellen Werken nach Art der Hannoverschen Straßenbahn zu stecken habe, gezwungen geivescn sei, die Kulanz und den Diskonto- kredit der Rcichsbank und der Sächsischen Bank in ungewöhnlichem Maße in Anspruch zu nehme». Der Kredit sei ihr auch gewährt worden unter der Vorbedingung, daß sie allmählich ihr Kapital von industriellen Unternehmungen zurückziehe.— Darauf erließ die Dresdener Bank eine Berichtigung, in welcher die Behauptungen des Artikels für»»wahr erklärt wurden. Der Angeschuldigte teilte die Berichtigung mit, knüpfte aber daran die Bemerkung, daß seine Informationen aus bester Quelle stammen und er die Behauptungen aufrecht erhalte» müsse.— Nunmehr veraulaßte die Direktion der Dresdener Bank das ehrengerichtliche Verfahren. In der Anklage wurde behauptet, daß der Artikel mit seinen unwahren Behauptungen den Kredit der Bank schwer geschädigt habe, daß der Angeklagte systematisch an dem Geschästsgebahren der Dresdner Bank eine gehässige Kritik übe und dieses Verhalten nicht vereinbar sei mit de», im 8 l0 des Börsengesetzes vorausgesetzten kaufmännischen Vertrauen.— Das Ehrengericht hatte sowohl von der Reichsbank als auch von der Sächsischen Bank Auskunft eingeholt und diese ging ziemlich übereinstimmend dahin: daß die Dresdner Bank in der kritischen Zeit keinen ungewöhnlich großen Diskont- kredit in Anspruch genommen und keine Veranlassung vorgelegen habe, den ihr gewährten Kredit an die behauptete Vorbedingung zn knüpfen.— Redncteur Bernhard machte in längerer Rede Bc- denken gegen die Zuständigkeit des Ehrengerichts einem Jour- n a l i st e ii gegenüber geltend, da das Gericht nur über die specielle knuimäiiniscke Ehre zu entscheiden und seine Artikel auf irgend welcher Thätigkeit sciuerscits an der Börse gar nicht be- ruhen. Die Urheber der Denunziation beabsichtigten nur, durch dieses ehrengerichtliche Verfahren einen unangenehmen Kritiker, an den sie aus andre Weise nicht heraiiköunteii, abzusägen. Er habe seine In- formationcu nicht von der Börse und den Artikel nicht wider besseres Wissen geschrieben, sondern auf Grund der Mitteilungen eines von ihm direkt beauftragten Rechercheurs, der sich bei Besprechung der Aiigclkgenhcitcn der Leipziger Bank als sehr zuverlässig bewährt habe. Dieser habe seine Informationen sich aus allererster Quelle geholt. Seinen Gewährsmann zn nennen verbiete ihm seine journalistische Ehre, er würde jedoch event. bean- tragen, über die Behaupiuug des Artikels den Direktor der Sächsischen Bank Makowski eidlich zu vernehmen. Er habe, als das Dementi der Dresdner Bank erschien, sofort tele- graphisch bei seinem Gewährsmnun angefragt und dieser habe ihm telegraphisch geantwortet, daß er alles aufrecht erhalte. Er habe somit keine journalistische Pflicht verletzt und sei von der Richtigkeil der Angaben seines GewährSmaimes un, so mehr überzeugt ge Wesen, als sie mit seinen eignen Beobachtungen über das Geschäfts- gcbahreu der Dresdner Bank übereinstimmten. Ucberdics habe die Dresdner Bank bei andren Gelegenheiten auf schwere Angriffe, die er gegen sie erhoben, sich darauf beschränkt, nebensächliche Dinge zu dementieren und über die Hauptsachen geschwiegen.— Als Zeuge wurde Redacteur Georg Schweitzer vernommen. Der- selbe sprach seine lleberzeugimg dahin aus. daß der Angeschuldigte wissentlich gewiß nicht die Unwahrheit gesagt habe und bei seiiieu Artikeln gegen die Dresdener Bank persönliche Motive sicher aus geschlossen seien. Er habe auch journalistische Pflichten nicht verletzt, allerdings hätte er sich auf daS Dementi der Dresdner Bank hin zunächst noch eiunial sorgsam erkundigen sollen.— Die Vcriichminig des KomnierzienratS G u t in a» i, ivar bcdentiingslos. Er erklärte sehr erregt, daß der Angeklagte systematisch gegen die Dresdner Bank Hetze, daß seine Behauptungen unwahr seien lind daß die Dresdner Bank das Ehrengericht aiigerufcu habe, um ein Forum zum Erweise der Unwahrhcsten zu haben. Es kam zu etivas erregten Auseinandersetzungen, und als der Angeschuldigte an den Zeugen die Frage richtete, ob er den» Thatsäche» anführen könne, ivclche dafür spreche», daß er iBcrnhard) aus persönlichen gehässigen Motiven die Dresdner Bank kritisiert habe, da antwortete der Zeuge Giitmann: DaS weiß ich nicht, ich kann mir aber nicht denken, daß der Au- gcschuldigte aus lauteren Motiven gehandelt hat. Darauf erklärte Bernhard, daß er den Zeugen wegen dieser infamen Be- leidigung an andrer Stelle zur Vcrantworlung ziehen werde. Auf cmen direkten Vorhalt vcriiciute Zeuge, daß ihm irgend ein thatsächlichcs Moment zur Verfügung stebc, das darauf 'chließen lasse, daß der Angeklagte von persönlichen Motiven geleitet werde.— Der Staatskommissar legte dem Augeschuldigten in seinem Verhalten eine Fahrlässigkeit zur Last.— Ter Angeklagte bestritt dies iiochmals und nahnr es als sein gutes journalistisches Recht i» Aiijpnich, in sachlicher Kritik Schäden nusres Baukweseus bloßzulegen. — Der Gerichtshof ivar der Meinung, daß dem Angeklagten doch eine gewisse Fahrlässigkeit zur Last falle. eiknuiilc aber mit Rücksicht auf den guten Leumund, dessen sich der Angeschuldigte erfreue, nur auf einen Verweis. Das Ehrengericht war der Meinung, daß auch die Korrespondenten der Zeitungen, die die Börse besuchen, in Bezug auf kausmäunische Ehre den Bestimmungen des Börsengesetzes nnterworfen seien, da sie vielfach ihre Informationen aus kaufmännischen Kreisen erhielten. Das Ehrengericht sei deshalb auch gegen solche Korrespondenten zuständig. Wie aus der vom Vorsitzenden gegebenen llrtcilsbcgründiing hervorging, erblickte das Gericht die Fahrlässigkeit des Angeschul- digten darin, daß er den betreffenden Artikel veröffentlichte, ob- wohl sein Berichterstatter die dem Artikel zu Grunde liegenden Thntsachcn auch an andre Zeitungen berichtet hatte, die aber keinen Gebrauch davon gemacht haben, und ferner, daß der Angeschuldigte vom Redacteur Schweitzer ersah"» hatte, daß die bezüglich der Dresdner Bank behaupteten T�agachen zum Teil auf Unwahrheit beruhen. Das Gericht scheint hierbei übersehen zu haben, daß im Laufe der Verhandlung festgestellt worden ist, daß Bernhard bei Veröffcnt- lichnng des inkriminierten Artikels von der Mittheilnng seines Berichterstatters an andre Zeitungen nichts gewußt hat, und daß das Gespräch mit Schweitzer erst nach der Veröffentlichung des Artikels in der„Morgcnpost" stattgcfundcii hat, und zwar infolge eine Artikels der„Frankfurter Zeitung", der bezüglich der Dresdner Bau, entgegengesetzte Ansichten vertrat, wie der Artikel des Angeschuldigte». Bernhard hat gegen das Urteil sofort Berufung angemeldet. Der Jahresbericht der Hainbnrg-Rnierika-Linie verzeichnet einen Betricbsgewinn von 20 348 314 M. gegen 23 866 924 M. im Vorjahre. Die Dividende ermäßigt sich infolge dessen von 10 Proz. im Vorjahre auf 6 Proz. in diesem Jahre. Der Bericht bcincrlt hierzu: Das Ergebnis des verflossenen Jahres bleibt hinter demjenigen des vorhergehenden nicht unerheblich zurück. Während in der ersten Hälfte des' Jahres 1901 die in unsrcm vorjährigen Bericht hervor- gehobene günstige Konjunktur fortdauerte, trat im weiteren Verlaufe desselben' auf dem nordamerikaiüschen Frachtenmarkt ein ebenso plötzlicher wie entfchitdener und anhaltender Rückgang ein. Die Ur- achc dieses zeitlich mit dem Znsanmieubruche verschiedener in- 'iistriellen Nnleruehmnngen und Baukinslitute in Deutschland zn- auiineufallenden Umschwunges ist in erster Linie in der in den Ver- einigten Staaten in Bezug auf Mais eingetretenen Mißernte zu er- blicken, infolge deren sehr viel geringere Mengen dieses wichtigen Sportartikels zur Ausfuhr gelangten als in den Vorjahren. Dieser Ausfall machte sich umsoniehr bemerkbar, als auch der Export amerikanischer Judustrieprodiikte durch den Umstand ungünstig be- einflußt wurde, daß infolge des in den Vereinigten Staaten aus fast allen Gebieten des ivir'tschaftlichcn Lebens eingetretene» rapiden Aufschwungs die dortigen Fabriken durch Lieferungen für den ein- heimischen Markt so in Anspruch gcuoiiiinen Ivaren, daß sie kaum Veranlassung hatten, dem Export ihrer Produkte besondere Anfmcrksnmkeit zuzuwenden. Unglücklicherweise trat nun der Ausfall an Maisfrucht gerade zu dem Zeitpunkte ein, wo die bisher in Veranlassung der kriegerischen Aktion der ver- bündeten Mächte in China durch den Transport von Truppen und Kriegsmaterial in Anspruch geiioiiimeiie umfangreiche Tonnage für anderweitige Verwendung freigeworden war. Es ergab sich hieraus ein solches Mißverhältnis zwischen der Nachfrage und dem Au- geböte von Schiffsräume», daß die Frachtraten im Berkehr vop Nordamerika auf ein Niveau gedrückt wurden, welches man noch kurze Zeit vorher für unmöglich gehalten haben würde. Der Personenverkehr wird im Geschäftsjahr als lebhaft bezeichnet, dagegen weist auch der Frachtverkehr mit Süd-Amerika erhebliche Störungen auf. Die Verwaltung glaubt, daß sie die Rentabilität des vorhandenen Bctriebsniaterials durch die Vereinbarungen erhöhen wird, die sie im Begriff steht, mit den konkurrierenden Linien abzu- schließen. Für heute müsse sie sich darauf beschränken, zu berichten, daß die schwebenden Verhandlungen so Iveit für das Interesse der Gesellschaft günstig verlaufen sind, und eS brauche kaum versichert zn werden, daß durch dieselben die Selbständigkeit und v o ii ausländischen Einflüssen völlig unabhängige Leitung der G e s e I ls ch a f t in k ein e r W e is e a ng e tä st et werden w i r d. Diese Andeutungen sind ganz gehaltlos, denn es ist gar nicht einzusehen, warum die Verwaltung nicht in ihrem Geschäftsbericht offen über ihre Verbiudungen Aufschluß giebt. Das vorhandene Material an Schiffen ist durch Ankauf von 14 Dampfern vermehrt, weitere 10 sind noch im Bau. Wie schon gestern bemerkt, erklärt sich damit die Aufnahme von 20 Millionen neuer Aktien. Zu berücksichtigen ist bei der Bilanz, daß allem An- schein nach die bedeutenden Aufträge für den Transport nach China schon zu Buch stchen, somit der Abschluß ohne die Staatsaufträgc einen noch erheblich ungünstigeren Eindruck machte. Der Außenhandel Qcstreichö- Ungarns zeigt im Monat Januar eine kleine Aufwärtsbewegung. Die Einfuhr betrug ohne Edelmetalle und Münzen 145 166 000 Kronen gegen 134 917 000 Kronen im Januar des Jahres 1901. Die Ausfuhr stieg von 128 848 000 Kronen im Januar 1901 auf 142 409 000 Kronen in diesem Jahre. Geschäftsberichte der Aktiengesellschaften. Die Deutsche U e b e r s e e i s ch e B a u k hat im abgelaufenen Jahre einen Rein- gewinn von 1 341 214 M. erzielt, aus dem eine Dividende von 9 Proz. verteilt wird. Der Gesamtumsatz betrug über 5 Milliarden. Die Sächsische Bank ist durch den Konkurs der Leipziger Bank genötigt, 1700 000 M. abzuschreiben, die ihr als Verlust aus der Verbindung mit der Bank entstehen werden. Die Liquidation der Kreditanstalt für Industrie und Handel wird für die Sächsische Bank von keinen nachteiligen Folgen sein» sie genügend Deckung besitzt. Der Reingeiviim beträgt 1 255 354 U.(3 627 132 M.) Dividende 4 Proz.(9 Proz.)— Die Bergbaugesellschaft Ilse beziffert ihren Reingewinn auf 1 158 352 M.(665 632 M.) Dividende 10 Proz. wie im Vorjahre.— Die Howaldswerke in Kiel berechnen ihren Reingewinn auf 475 730 Mark(447 401 Mark). Dividende 8 Proz. wie im Vorjahre.— Die Vereinigten K n u st i n st i t u t e Aktiengesellschaft vorm. v. T r o i t s ch verteilen 18 Prozent Dividende.— Der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft F r i st e r u. R o ß in a n n genehmigte eine Dividende von 6 Proz. <5 Proz.) Die Bilanz weist an Guthaben bei Bankhäusern, an Debitoren. Wechseln und Kasse 1 346 000 M. auf, denen rund 107 000 M. Kreditoren gegenüberstehen.— Die Hamburg- Anierika-Linie bringt 6 Proz. Dividende in Vorschlag. Der Betriebsgewiun beträgt 20 000000 M.(23 866 924 M).'— Die Deutsche Levante-Linie wird 6'/? Proz. Dividende ge- währen gegen 10 Proz. im Vorjahre. Briefkasten der Redaklivn. Tie jurisillche Sprechlmude findet täglich mit Ausnahme des Souiiabeuds von 7V- bis llftr abends siatt. K G. 26. Das können nur Spiritisten wissen. 161. Sic müssen sich au die Jiivaliditätsanstalt, Breitesir. 21», wenden; vielleicht erhalten Sie das Formular auch durch Ihre Krankenkasse.— Eduard Tau... Eine Wiederaushebung einer Naturalisation ist un- zulössia.— Grofibeeren 66. I. Der Portier hat durchaus rechtmäßig gebändelt, wenn er zwecks Abwendung weiterer Uederschwemnning die Wohnung öffnen ließ und ist keineswegs deshalb strafbar. 2. Die Verjähr iingösrift beträgt 19 Jahre.— E. H. 12. 1. Die Kirchenfteucr- ZahlimgSpslicht fallt erst mit Ablauf des Jahres fort, das aus den Austritt aus der Kirche folgt. 2. Im Adrehkalender, zweiter Teil, sinden Sie die Adressen aller Konsulate in Berlin. — Buchbinder St. Alles beides ist möglich. Der Betreffende thut gut, sich an das Bezirkskommniido zu wenden.— 46 F.®. Nein: die unter dem Name» Kanon, Ouartalsgeld, Ratsdieuergeld, Pastorgeld, Eicrgcld Ostergcld und dergl. cingetrageiien Steuer» verjähren nicht.— I. G. II. 1. Leider ja. 2. DaS Landgericht ist die letzte Instanz.— F. H. 1. Staat- liche. 2. Berlin muß pro Kops seiner Einwohner 2,50 M. für die Schutzmaimschaft zahle». Die Sch»v»iannschaft ist staatlich, nicht städtisch. - R. Z. 8«. l. und 2. Ja.- Tk. Ja.- St. W. 22. Nein- S.«1. 1. Die Karle reiche» Sie so wie sie ist zum Umtausch vor dem 5. April ein. 2. Tie Sclbstvcrsichcrnng geht weiter.— Liebe. 1. Ein Arbeitsvertrag kann auf, länger als 5 Fahre gültig abgeschlossen werden. Ist dies der Fall, so kann anck beim Anöschluß einer Kündigungsfrist der Arbeiter mit einer KüudigungSirist von 6 Monatcu nach Ablauf von fünf Jahren kündigen. 2. Wenn in Ihrem Vertrage nichts über Kündigiings- irist vereinbart ist, so besteht die für Werkmeister bestehende ge, etzliche Külidiguugsstist(6 Wochen zum Quartalsersten.)— At. 1666. Nein. Socialdeiiiokraiischer Walilverein für den 2. Leid. Ilefclistags-Walilkreis. Am 10 d Mtö. verstarb unser lang- jähriges Mitglied, der Zimmermann Karl Schein. Die Beerdigung findet morgen, ircitag, nachmittags 5 Uhr, von der cichenhalle des Hcilig-Kreuzkichhoss in Mariendorf aus statt.(238/6 Zahlreiche Beteiligung erwartet 41«»» Vurtitund. Allen Bekannten hierdurch die Mit- teilung, daß mein alter Valcr Fr. Taeferow im Alter von 75 Jahre» am Gehirn- schlag in Berlin gestorben ist. Die Beerdigung findet jedoch in Pommern statt. A. Tneterow. ktntral-BtrbaM.zmmrer DtnWiM. Zahlstelle Berlin. Bezirk III. Den Mitgliedern zur Nachricht, dab unser treues Mitglied Karl Schein im Alter von 54 Jahren plötzlich ver- storbcn ist. Die Beerdigung findet Freitag, den 14. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heiligen Kreuz-Kirchhoses in Marien- dors aus statt. 354/6 Um recht rege Beteiligimg ersucht . Der Borstaud. Dentscher Buchbinder-Vtrbande �»hlatclle Berlin. Den Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, dag unser Kollege, der Album- arbeiter Hermann Reimler am 10. d. MtS. verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Neuen Luiienlirchhofs, Bergmann- straffe, ans statt.(23/12 Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortiiverrvnltmis:. Central-Kraukeu- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer(E. H.) Fllinle Sloablt• Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Zimmerer I�sul l'iekv, Brenierstr. 46, am Sonntag, den 0. d. M., plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Doinierstag- nachmittag 4 Uhr, von der Halle der HeilandS-Gemeindc in Plötzcnsec statt. 253/3 Die Ortsverwaltung. N a ch r»t f! Zur Nachricht, daff unser Kollege und Mitarbeiter, der Rcndaut Franz Staudinger im 68. Lebensjahre am 8. d. M. verstorben ist. 287/2 Ehre seinem Andenke»! Tic Ccntial-Koniniissiou der Krankenkasse» Berlins und llinKegend. Ctiitl'lil-Krliilktii- u. Stkrbc- Nase der Zimmtrer. Am Montag, den 10. März, ver- starb plötzlich unser Mitglied, der Zimmerer Karl Schein. Die Beerdigung findet am Freitag, de» 14. März, nachmittags 5 llhr, von der Leichenhalle des Heilige» KreUj-KnchhoseS tu Maricndors aus statt. 250/4 Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Borstaud. Kauartenroller, 5,00, Vorsänger 8,00. Zuchtweibcheu, Hectbauer, Schnud- straffe 31. 13/6« Kür dc» Jubalt der Inserate ülicrnimmt die Rcdnktio» dein Publikiii» gegenüber keinerlei Vern»tl»ort»»g. Tlirntev. Donnerstag, den IZ. März QpcrnbaiiS. Carnieir Auf.?»/, Nhr. Schauibiellianö. Gastspiel desHcrm Coanelin sin« mit der Gesell- schaft des Theätre de la Porte St. Marti». Le Bourgeois Gentilhomme. Ansang T'/j Ubr. Neues Cptru> Theater(Rvull). Geschlossen. Schiller. Familie Fourchanrbanlt. Anfang 8 Ilhr. Deutsches. Eoelesie triumplieirs Pnst. Bolksanfklärung. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Alt-Heidclberg. Anfang 7V- Uhr. Lessing. Die Kollegin. Anfang 7'/- Uhr. Ncsidenz. Ein galanter Richter. Vorher: Verbotene Frucht. An- sang 7>/z Ubk. Neues. Daö Ewig-Weibliche. An- fang 7'/, llvr. Seccssionsbiihne. Detlev Lilien- crons BnnteS Brettl. Ansang 8 llhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ucbcrbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissimus- Zwischenspiele. Ans. 8»/, Uhr. Driano». Coralie n. Co. Anfang 8 Uhr. Central. Das sühe Mädel. Ansang 7'/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7-/, Uhr. Weste». Wiener Blut. Ansang 7V- Ubr. Luisen. Dorf und Stadt. Anfang 7'/, Uhr. Carl Weiss. Das Jnngfernstift. Anfang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelni städtisches. Der Obersteiger. Ank. 7l/z Uhr. Belle-SIlltance. Die Dame aus Tronville. Hierauf: Er. Anfang 7-/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung Ansang 8 Ubr. Chnrivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Vtetropol. hie feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An fang 8 Uhr Ilpollo. Don Juan in der Hölle Specialitäten- Vorstellung. An fang 8 Uhr. Casino- Theater. Lustige Brüder. Ehrlos.— Specialitäten- Bor- stellnng. Ansang 8 Uhr. NeichshaNen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags b Uhr. Passage- Panoptikui». Speciali- »äten-Borstellung. Palast. Specialitäten-Vorstellnng. Die Beilchenfee. Ansang 8 Uhr. Urania. Tanbenstr. ISIM. tJm Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Jubalidenstraste S7/VL. Täglich: Sternwarte._ SWtt-Thtllttt (Wallner-Theater) Donnerstagabend 8 Uhr: t'lmiHie Fourchambanlt. Schauspiel in 5 Alten von E. Augier, a. d. Französ. übers, von R. Löwenseld. Ereitagabend 8 Uhr: er- Probckandldat. Sonnabendabend 8 Uhr: Der Probekandidat. CrMal-TlMttr. Abends 7'/» Uhr: Dss süHv MÄdlrl. Operette in Z Akten von H. Reinbärdt Morgen und folgende Tage: Das süsse Mädel. Sonntag, den Z6. März, nachniittags 3 Uhr, halbe Preise: $jtf- Die(»elslia. Operette in 3 Akte» von Sidnep Jones. Abends: TaS süsse Mädel. TKsIia-?Keater. Drcsdencrstrasse 72/73. Abends 7>/z Uhr: Seine Kleine. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten. Paula Worin a. w., Guido Thlclscher, Gerda Walde. Helmerding, Panlmüllcr. Boje. Wannovins.„«»d'n 8le nlodt äen kleinen Lobn geeeden?" Sonntag, lk. März, nachm. 3 Uhr. Neine Preise: Trilbh. Schauspiel in b Akten._ pari Weiss-Theater. Grosie Franksnrterstr. 132. Abends 8 Uhr: Das Jnngfernstift. Operette in i Akten von Ernest Guinot. Musik von Jean Gilbert. Minna Mlchettl a. G Freitag: Benefiz für Frl. Plasecka. Das Käthchen von Heilbron». Sonnabendnachniittag: Klei» Dänin- ling. Abends: D»s Jnngfernstift. Sonutagnaebnüttag: Othello, der Ntohr von Venedig. Abends: Das Käthchen von veilbron». E. von Wolzogens Bunte« Theater(Ueberbrettl) Küpiiickerietr.«8. Heute abend 8 Uhr u. a.:„Batalllons- topf"(Offiziers-Humoreske).— „Nora-Parodie".- Lina Abnr- banell.— Bo»ena Bradaky u. Dakar 8trua«tung; 'ne feine Nuiiimer! Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Frauchens Gehurtstagstisch. Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Kolossaler Erfolg der nenen Specialitäten! The 3 Kilon« Martin Kettner Mltly Capell 3 Avolos 8am Elton WilBi Waiden The I. eamy-Tronpe Der Kosmograph, Vorher: KasseneröfEnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Beginn des Abendprogr. 8 Uhr. Der kleine Cohn ist da! Burleske in einem Akt. Oer Bajazzo und sein Kind IC eratklasNige iL lD Specialitäten 10 Belle'Alliance-Theater. Die Dam aas Troiiville. Schwank m. Gesang u. Tanz in 3 Akte». Emil soudermaun a.G. Ferd. Worms. Mizzi Birlner. Rosa Marlon. Hierauf: Ev.«�.nsbUd in Adele Hartwig u. Leopold Thurner a.G. Ans. 7r/z Uhr. Morgen: Dieselbe Borst. Kdiall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Heute, den 13. März, abds. S'/aUhr: Gastspiel von iE in»». Kclcber. Die kleine Fite.— Geschichten vom toten Rabbi.— 8creniMHi»iuM- lenischenspiele.— Bauern- kumedi.-» Abschiedssouper. Trianon-Theater. Ceorgenstrasse, 2 Minuten vom Bahnhof FriedHchstr. Zum 110. Male; Coralie&■ Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Palast-Theater (früher Feen Palast) Vnegstr. LÄ. Direktion R. Winkler u. W. FrBbel Das brillante neue När2-?rogr»mml ([oloszal'NiiDiniern. Das Neueste»oinJleieSen. Um 83/i Uhr: Grober Ersolg: Die Veilchenfee. Berliner Volksstück mit Gesang. Ansang 8 Uhr. Entrec SO Pf. Billct-Borverkauf v. 11—1 Uhr. irl Donnerstag, 13. März, abends?>/, Uhr: Gr. Vorstellung. lilonrlike, Orig.- Pantomime des Cirkns Busch und die neuengagierten Specialitäten. W. Noacks Theater. Brunnenstrahe 18. Verlorene Ehre. Schauspiel in drei Aufzügen von Bohrmann- Riegen. Heute: TkLUS�rstQzollvN. Freitag: In See Heimlet. Deutsche Konzerthallen. An der Spandauer Brücke 3. GrSsst.Vergnügungslokal Berlins Internationale Konzerte u. Specialitäten-Vorstelinng Tägl. Anstich des„Urbock" Bockbier-Jubel u.Trubel. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl, Ilatinec von 12-2 Uhr. Typographia Gesangverein Berliner Bnchdrncker und Scliriftgiesser. (M. des A.-S.-B.)- Chormeister: Alexander Weinbaum. Sonntag, den 16. März, in Louis Kellers Festsälen, Koppenstrasse 29: Lieder- und Kammermusik-Abend unter gütiger Mitwirkung der Konzertsängerin Käte Havoth(Sopran) und hervorragender Solisten vom Berl.Tonkiinstler-Orchester. Nach dem Konzert; TANZ« Eintritt 5« Pf. Kinder IO Pf. Anfang«>/- Uhr. Billets a 40 Pf. sind in der Musikalien-Handlung von Kaan, Grüner Weg 17, im Bureau des Vereins Berliner Buchdrucker, Ritterstr. 88, und im Setzersaal des„Vorwärts" zu haben. 65/5_ Der Vorstand. Dr. med. Schaper hoimop, Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- n. Harnleiden, Frauenkrankheiten, Küniggrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Arbeiter- Bildungs- Schule. Sonntag, den 16. März 1902: Dichter- Abend Ufer 15. 4/12 Der Girku» bleibt nur noch kurze Zelt! CirkusAlb.Schumann Heute, de» 13.März, abds. präc. 7VzUhr: Elite-Abend. Gala-Programm. Zum 45. Male: Die groge Aus- stattungs-Pautomimc vom Hofballett- mcistcr A. Siems Mepliisto Ca. 500 Mitwirkende. Sämtl. Einlagen. Vorher: Die grohartigen DAM-' März- Specialitäten."QUi Jede Nummer: Ein Schlager. U. a: Zum 4. Mal: Neu! Die phänonicnale Neu! Vytltle-Trkppeufahtt des Amerikaners Dr. Cheater aus einer Höhe von 36 Meter. ? She?-ME Nen! Darstellung der 4 Elemente mit feenhaften Licht-Effektcn. Pllvll.kgll neueste hoch- 1 llon UClIl. interesiante amerikanische Sporlöspiel, ansgesührt von 12 Amerikanerinnen und 10 Herren. L'ecuyere lumineuse. Die leuchtende Sicitcrin, dargestellt von Frl. Dora Schumann. Zum Schluß: I» Feuer und Flammen. Pferde als Akrobaten.— Die musikalischen Hengste.— Kartenspielende Pserde:c.— Originaldrcssurett des Direktor Alb. Schumann. (Sociale Dichter) Im grossen Saale des Gewcrkschaftshanses, Engel> .�-.PROGRAMM. I. Teil: 1. Rhapsodie G-moll für Klavier von Joh. Brahms.., Herr Dr. Franz Kuhlo. 2. Fest-Vortrag über„Sociale Dichtung"....... Herr Dr. Rudolf Steiner. 3 Gesan" ai Winterweihe. Ged. von Karl Henckell. Komp. von Richard Strauss. g bi Brotlos..„„„ n i* Adolf Wallnöfer. c) Nach Hause.„„ Dr.L. Jakobowski.„, Wilhelm Berger. Fräulein Betsy Schot(Sopran). II. Teil: Faschingschwank Teil I u. III für Klavier von Rob. Schumann. Herr Dr. Franz Kuhlo. Recitationen a) Die Arbeit. Von Andreas Scheu. I b) Worte.„ Ernst Preczang.! Herr Eugen Albu. o) Hans Jörg.„ n,' Gesang a) Lied des Steinklopfers. Ged. von Karl Henckell. Komp. von Rieh. Strauss. b) Ruhe meine Seele.«*„ n.«»,„» c) Trotzdem. Gedicht von Gustav Renner. Komposition von Wilhelm Berger. Herr Emil Severin(Baryton). III. Teil: 7. Recitationen a) Ein Traum. Von Emst Preczang._) b) Frieden(aus„Die Nordsee"), von Heinrich Heine.!■ Herr Eugen Albu, o) Auf der Kasse. Von Detlev v. Lilienoron.) Gesang a) Matt giesst der Mond. Ged. von Karl Henckell. Komp. Otto Naumann. b) Ich trage meine Minne. nun»« Richard Strauss. c) Zukunftsblüte.„„„„„ Adolf Wallnöfer. d) Die grosse Firma. Ged. von Freiherr Franz Gaudier. Komp. W. Solinger. Fräulein Betty Schot(Sopran). Herr Emil Severin(Baryton). 9. Polonaise As-dur von Chopin............ Herr Dr. Franz Kuhlo. 8. Eröffnung 6 Uhr. Nachher: Taiiz. Billets a 50 Pf. inkl. Programm und Garderobe sind in den Zahlstellen, in der Schule und an der Kasse zu haben. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. MM- Nur noch bis Freitag:-Mg „Lustig« Brüder" mit Richter. „Ehrlos" mit Berg k. sc. Anfang Wochent. 8 Uhr.Sonnt.?»/, Uhr Sanssoiiei Kottbuseratr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und DonnerStag: Ii«» ri'in»>■ ii a NMtiltsche Tiiilger Nach jeder Soiree: Ta n ir.ki'ii n«cb«? n. Sonntag, den 18. März: Oer Kesselflicker. Charakterbild mit Gesang in 1 Akt. Palmsonntag:„Der Goldbauer" mit dem Berliner Schautplel-Vereln Reichshalle n. TUgllch: Stettinei'.Sänger Ausaug Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Kmpfehle allen Freunden u. Bekannten vmein IVeili,«., BayrlMchblep- und gr. 8pciKegCMc1iiirt. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf.. Mittag mit Bier 50 Ps. sowie Abendtisch k la carte von 30 Pf. an. 2 Vereliiszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.- II. 8tramiii, Rest., Ritterstr. 1:33. Julius Fischer! Weiß-«.BMschbitt-LM. 2. Wahlkreis, Zahlstelle I IM- Baecklistr. 7.-WM tUereinsztmmer mit Pianino zu 25 Personen. 333ZL» Beutscher Bclzurbeiter-Verbsull. Dablatollv DvrUn. Heute, Donnerstag, abends 8'/« Uhr, im GewerlschaftöhauS, Engel-Ufer 15: Vtttri«lknsmiiimer-Vtrsllmml«ilg fänitlicher Bezirke. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Situation bezüglich des JnniingSnachweifeS. 2. Werkstattstreiks und Differenzen. 3. Verbandsangelegenhciten. MP- Mitgliedsbuch nebst Vertraueusuiännerkarte legitimiert. Jede Werkstatt entsenile Delegierte. 80/17 Die Ortsvervraltnng. Bezirk Frledrlchsfelde. Donnerstag, 13. März, abends S'/j Uhr, bei Bube, Prinzen Allee 30: Dovlnttnttluttiz.""IBi Tages-Ordnung: 1. Die Arbeitslosen-Unterstützung und die gnte Konjunktur der Arbeit- geber zur Zeit. 2. Werkstattangelegenheitc». 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muh vertreten sei«; auch sämtliche Kollege», die in Berlin arbeite», aber in Lichtenberg-Ost und Friedrichsselde wohnen._ Orts-Krankenkasse für das Tapezierer-BewerliB zu Berlin. Ani Sonntag, den 1«. März: Im„Gewertschaftshause", Engel- 1 In dem Lokal des Herrn E. Schulze. Ufer 18, Saal V, vormittags Stallschreiberstr. 5, vormittags 10 Uhr i I 10 Uhr: Tages-Ordnung: Wahl von 23 Vertreter»(Arbeit- 1 Wahl von 10 Vertretern(Arbeit nehmer) zur General- Versammlung geber) zur General- Versammlung laut ß 48 des Statuts. i laut§ 48 de« Statuts. AM- Das Krankenkaffenbuch ist als Legitimation vorzuzeigen.-Wrt Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. 11236 C. NlckiKch, I. Vorsitzender, A. Pasewaldt. II. Vorsitzender, N-, Weinbergsweg 11._ S.W., Bcssclftr. 4. 4m Männer-Vortrag»I» Freitag, den 14. März, abend» SVz Uhr,| Kommandantenftr. 30: Gtslihren der leiblirfieii und sttlische« AnsteikiiiigSleilitii. Vom praktischen Naturheilkundigen Griindiiiann. Gäste 20 Ps. Naturheilverein„Reform". Kuranstalt Kopnickerstr. 72. kllgem. ljrls-Xi'Siikenkssse gewerblicher Arbeiter unil Arbeiterinnen zu Berlin. Den Kassenmitgliedern und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebern bringen wir Hierdurch zur Kenntnis, dah die in der ordentlichen General- Versammlung vom 15. Dezember v. I. beschlossene Ii. Abiinlieruug zum revidierten Statut am 1. März dieses Jahres vom Bezirls-Ansschuh genehmigt worden ist. 271/2 Hiermit sind die Bestimmungen der Satzung der Stadt Berlin betreffend die Krnnkenversichernng der selb- ständigen Hansgewerbetreiben- den vom 7./14. Oktober 1901 in das Kassenstatut übergegangen. Auherdem hat der K 10 des Statuts eine besonders für die Arbeitgeber wichlig« Abänderung dadurch erfahren, dag Aenderungen in dem täglichen Arbeitsverdienst, welche die Versetzung in eine andre Mitgliedertlaffe zur Folge haben, nicht mehr wie bisher am drilten Tage nach dem Eintritt, sondern am drilten Tage nach Ab- laus des Kalendervierteljahres, in welchem die Aenderung eingetreten ist, im Kaffenlokal schristlich anzu- melden sind. Versetzungen in eine höhere oder niedrigere Lohnklaffe finden mithin künftig nur noch von Kalenderviertel- jähr zu Kalendervierteljahr statt. Eine weitere Aeudernng hat der ß 31 erfahren dahingehend, dah auch für diejenige», welche im Laufe einer Woche aus der Beschäftigung aus- treten, für diese Wache der volle Wochenbeitrag zu zahlen ist. Vorbenannte Abänderung ist mit dem 1. Januar d. I. in Kraft ge- treten. Dieselbe wird den Kassen- Mitgliedern bei der nächsten Beitrags- Zahlung, sosern dieselbe durch den Arbeitgeber erfolgt, durch diesen, andernialls dem Mitgliede selbst ein- gehändigt. Berlin, den 11. März 1902. Dev Vea'tfemv. R. Weisie, Vorsitzender. Erklärung!!! fnsob D!e znm Verkauf stehenden Herren- n. Knaben-Garderoben sowie angefer- tigten Mahqualitäten der Firma Benno Ferester, nur Reinicken- dorferstrahe 59, werden nur an das Privatpublikum und nicht au Händler verabfolgt. Herren-Joppe» so lange der Vorrat reicht v. 3,25 an, Herren- Anzüge so lange der Vorrat reicht v. 8.50 an, Herrvn-Paletotö so lange der Borrat reicht v. 5,50 an, Knaben-An- züge so lange der Stoff reicht v. 2,25 an, Arbeitöhosen u. Jacketts v. 90 Pf. an. Geöffnet vorm. 9—1, nachm. 3—8. Verkehrslokal n. Arbeitseeachweis für mittlere Gewerkschaft im (kentrnm mit Separatzimmer, benutzbar zu jeder Zeit, gesucht. Il73/S Offerten unter D. 8 an die Expedition des„Vorwärts". Vereine! 1. Lsitrstiertiig: Saal frei gelvorden. 1084b� Kiiibhaiis,"Trnr;!;:'72 ftrülitrUliilifUu'iiiiuif. I» meinem großen Möbelspeicher und Lagerräumen Neeee Köttigstr. 39 (nahe Alexanderplatz) stehen viele Wohnung?- Einrichtungen, neue und vieltehen gewesene, znm schleunigen sehr billigen Ausverkauf. Passendere Gelegenheit für Brautleute wohl noch nie dagewesen. Brautleute erhalten ein Hochzeitsgeschenk gratis. 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Wlnterstcln vom Lessing-Theater und des Violin-Virtuosen Bax Pllaser. Das Reservieren von Stühlen ist durch Generaiversammlungs-Besohluss untersagt. Festmarken a 50 Pf. In allen Zahlstellen. Sonntag, den 10. Bärs, 1. 2. Abteilang, im Berliner Theator: Anfang Uhr. Mtthelnr Tell» Anfang Z1/* Uhr. Gleichzeitig 12. Abteilung 23/i Uhr im K/esslng-Theater: Hans Rotenhagen. 228/11 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Wer— Stoff— ha). i Fertige Zlszug 20 M.. feinste Znth.. S Anproben. für guten Sitz bekam goldene Medaille. Handuaharbeit. liudwig Engel, Prenz lauerstrafte Sit. 2Tr.. nahe Alexanderplatz. Gegr. Komme auch Maftnehmen ins Haus. Bitte Postkarte I ■1 r. 1892.| suehine» F ofikarte. p Cafe Schurig lWpÄSk- Kaffee Bier .Ä.usvSPk.auk wegen Anfgnbe des Undengelihiifts. Alle Waren im Preise ganz erheblich herabgesetzt. 3447?» D. Wurzel& Co., Köpnickerstr. 160. Ballsaison. Für Vereine und .w... � keselisebaflen. Ootlllon, Basken, Zauber-, Seherz-Artikel, Dnincn- spenden, Polonaise-Dekorationen. 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ISS 514 606 32 82 960 1117 29 262«0 81 558 2044 268 322 84 762 871 3103 251 73 355 94 411 60 574 608 795 811 904 47 4047 670 821 949 5132 40 66 249(300] 54 444 56 622 7)3 63 964 6005 70 230 341 78 442 640 643 702 38 50 862 929 78 7010 25 60 95 2o6 354 521 723 858 85 963 8015 59 110 58 253 69 505 24 33 659 71 724 987 97 9144 69 283 379 435 903 10359 547 82 670 717 50 90 888 91 95 930 11017 49 128(3001 91 313 32 76 461 897 935 1 2035 124 27 43 233 34 677 792 1 3063 109 78 236 83 329 93 443 515 991 99 1 4021 38 205 585 603 19 779 801 15101 75 241 70 345 476 77 605 11 805 88 1 6107 31 213 418 52 745 809 73 1 7000 36 49 130 63 279 371 492 503 603 23 96 811 923 31 94 1 8006 87 117 136 603 920 1 9231 328 832 924 54 78 85 20054 74 291 98 429 578 80 82 901 44 85 89 2 1042 83 155 218 13000] 82 93 324 25 29 439 672 944 22123 41 336 612 633 795 875 80 97 912 20 2 3020 26 33 101 48 367 601 34 844 65 953 24138 79 229 35 432 42 47 686 709 91 961 23016 76 363 428 640 66 722 31 62 864 26033 57 130 321 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995 85074 208 318 438 55 98 678 949 69 86131 553 709 25 78 81 86 90 968 8 7050 397 550 610 716 829 50 88347 404 636 770 801 911 89402 558 76«48 866 71 90247 405 52 70 83 550 86 807 83 993 9 1081 173 286 329 76 426 42 519 618 64 756 9 2110 70 243 638 58 780 818 924 35 9 3206 86 440 89 562 823 79 703 898 906 32 34 9 4076 163 284 509 729 94 861 9 5328 464 566 704 9 6020 140 280 87 357 412 21 541 664 767 962 9 7023 25 35 60 81 130 513 16 620 745 863 98026 43 89 286 383 657 721 916 99111 93 231 39 306 473 523 613 815 55 924 34 100012 207 418 21 37 723 828 930 35 79 101167 206 14 20 44 338 406 526 841 90 937 1 02235 36 611 742 958 71 103053 187 311 590 779 885 96 917 104037 562 65 853 1 05053 210 418 47 81 502 764 88 850 77 99 933 106106 49 250 335 45 449 51 81 534 35 911 107104 80 426 506 57 629 885 1 08020 69 167 204 373 4)8 534 60u 20[300] 765 93 814 75 975 1O90U 77 101 9 72 288 672 817 4 6 912 86 95 1 10203 13 419 680 740 834 78 84 89 111003 234 418 82 566 99 714 50 834 932 66 112047 268 «0 305 59 476 615 762 92 844 938 113008 14 57 204 347 98 455 684 720 814 114025 278 352 78 83 491 736 75 802 10 115186 227 31 466 988 817 808 116125 70 91 13001 216 98 344 491 802 36 769 78 874 117063 87 202 58 339 521 632 770 87 937 118135 453 85 548 639 744 59 65 95 119454 87 514 120271 90 378 524 816 94 1 2 1026 243 468 619 99 875 962 1 22070 108 71 82 253 501 68 606 831 123153 302 549 826 1 24125 66 97 99 306 13 27 516 37 90 644 885 959 87 91 12 5005 76 500 81 672(10001 006 88 1 26039 171 350 420 524 flOOO] 887 999 127020 123 91 314 91 537 843 825 68 1 28031 215 753 813 63 902 3 60 89 1 28038 103 83 88 234 362 603 54 74 93 716 855 946 130415 641 78 876 991 131028 323 407 58 514 638 67 1 3 2204 39 49 547 758 85 932 34 39 1 33005 31 121 27 270 354 429 94 505 53 614 710 828 988 13 4262 83 360 478 519 745 66 969 1 35063 170 254 336 581 84 634 39 55 752 924 1 36007 82 97 182 269 460 533 737 831 87 1 37029 32 178 262 594 641 44 86 702 47 1 3 8028 40 45 379 595 685 916 42 1 39037 93 160 245 51 68 700 936 140168 79 452 611 988 141055 69 270 310 36 584 607 39 142012 245 453 665 723 836 14303S 488 583 627 92 729 991 144363 525 622 71 894 929 14 5093 245 487 508 640 45 703 18 76 77 1 46248 393 428 91 98 505 69 641 53 817 90 1 47164 345 695 721 63 90 808 45 985 1 48092 226 359 482 94 544 645 776 811 28 1 49239 49 349 411 599 651 710 56 814 92 97 150171 83 210 59 888 634 705 39 988 1 5 1 078 124 88 289 318 607 69 840 66 1 52072 95 107 67 312 39 846 60 1 53016 33 143 539 672 811 52 62 80 987 154034 74 171 346 71 81 85 408 9 563 695 1 55211 68 460 79 784 878 945 52 69 75 1 56273 430 40 516 54 720 924 1 57067 127 28 232 308 855 1 58070 276 647 723 978 1 59093 274 348 464 81 92 579 739 78 927 160058 III 30 94 576 692 992 1 6 1 047 390 531 622 717 861 910 1 62178 286 395[300] 406 19 98 568 602 25 46 79 706 863 1 63020 41 149 85 88 203 362 404 579 908 1 64131 540 625 30 707 17 63 868 1 65042 76 258[3000] 507 680 738 79 969 1 66011 172 200 48 97 738 81 838 61 905 1 67146 229 55 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Käniglich Preu» Bischen tl!ai!«u>Lo>l»ie beginnt am 12. April 1902. r IVo, W... Jodes fir Pfennig. Wort. Mir da. erat» Wort fett, Worte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt, /deine ßnzeigen. � Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Ha up fexp editi an Beuthstr.S bis Uhr angenommen. Täte 3 rden M lin M Eckrestanrant mit Vorgarten, Verdiiszinmier, verlaufe ich znni 1. April preiswert. Zu erfragen bei Löwcnsicin,(örüner Weg 117. 10623* GntoS Schankaeschäft mit Vau zu verkaufen. Bei Gerwing, Muskauer- strafte 63, im Kvhlengeschast zu er- fragen._ f24S Grünkramgeschäst, gut gehend, kranlheitshaibcr preiswert zu verkaufen Putbuserstrafte 32. flOo* GardinriihanSGrofteFrantfurlcr- straftc 9, pavlevtc.____+87» GiniegiinngS- Anzüge, elegant fertig und nach Maft. Garderoben- Hans Achilles, Große Frankfurter- strafte 16._ 10539» Borjährige eiegontc Herrenhosen ans seinslen Stoffen 9—12 Mark. Verkauf Sonnavend und Sonntag. 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Ii« I•«, Omuiciistr. 25, Dietrich, Ebaussee- strafte 52, und Gnrbe, Waffcrthor- sttafte 30, sind Aufträge aus der „llnton" zugegangen. Zttz«g sertthalten! Verai'tworUicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bao,iig m oaim. ». ei. ii. Mm 2 Kilize Ks Jotmitls" KM» filWInlt. i-»»««.»»« Die„Potsdamer Duellrede" vor Gericht. Potsdam, den 12. März 1902. Der Prozeh wegen der angebliche» Ducllrede des Kaisers, durch deren Abdruck in der„Potsdamer Zeitung" sich die Offiziere v. G o h l e r und v. Kessel vom Ersten Garde-Rcgimcnt zu Fuh beleidigt fühlten, hat ein zahlreiches Publikum nach dem Zuhörer- rauni der Ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts geführt. Angeklagt sind: 1. der Potsdamer Stadtverordneten-Vorsteher-Stell- Vertreter Geh. Rcchnungsrat Steinbach von der Ober-Rechnnngs- kammer, 2. der frühere verantwortliche Redacteur der„Potsdamer teitung". Paul Groll, 3. der frühere Verleger dieser Zeitung ritz Stein. G e h. R a t S t e i n b a ch ist angeklagt, weil er die Nachricht noch ehe die angebliche Rede des Landesherr» in der„Potsdamer Zeitung" erschien, in einem hiesigen Restaurant erzählt haben soll. Unter den Zeugen befindet sich der Fliigeladjudant des Kaisers. Kommandeur des Ersten Garde-Regiments zu Fuh, Oberst Freiherr v. Plettenberg. Der Angeklagte Stcinbach bekundet: Er sei am Abend des l. Dezember 1901 im Restaurant Menzel gewesen. Dort sei nun erzählt worden, dah der Kaiser an dem damalige» Sonntag vom Gottesdienst in der Garnisonkirche nach dem Offizierskafino des Ersten Garde-Regiments zu Fuh und zwar in Husarenuniform gegangen sei. Er habe nun gesagt: es sei anzunehmen, dah der Kaiser sich den Offizieren gegenüber tadelnd über den Zweikampf äuhcr» werde. Er habe hinzugefügt: Er habe auch einen Sohn, der Reserve- Offizier sei, eS würde ihn tie schmerzen, wenn er seinen Sohn durch eine solche Sache verlieren würde. Jungen Leuten, die noch nicht trocken hinter den Ohren seien, sei alles zuzutrauen. Er bemerke, dah es ein Biergespräch Ivar und er sich heute seiner Erzählung nicht mehr genau erinnere Irgend einen Namen habe er nicht genannt. Er habe auch nicht im entferntesten bei seiner Aenhernng Osfizicre. n», aller wenigsten aber die Lieutenants v. Gohler und v. Kessel im Auge gehabt.— Vorsitzender: Aus dem Umstaude, dah der Kaiser in Husaren-Uniforn, in das Osfizierslasino des Erste» Garde-Regiments ging, haben Sie geschlossen, dah der Laudesherr sich gegen die Offiziere tadelnswert äuhern werde?— Angekl.: Diese Verhältnisse find mir nicht bekannt. Der Angeklagte Stein bemerkt: Er sei Mitinhaber der„Po. damer Zeitung" gewesen. Der zur Anklage stehende Artikel sei ihm gegen 1 Uhr übermittelt worden. Da derselbe sehr undeutlich ge- schrieben war, so habe er ihn abgeschrieben und in Druck gegeben Er habe kein Bedenken dabei gehabt, da diese Gcschichre schon am Abend vorher im Cafe Sanssouci hicrselbst erzählt worden sei.— Bors.: Und wann wurde dies erzählt?— Stein: Das weih ich nicht. Der Angeklagte bemerkt im weiteren: Er habe allerdings den Artikel, insbesondere die beiden letzten Sätze für nicht ungefährlich gehalten. Er habe deshalb Herrn Bnchdrnckereibcsitzer Wölffling gezagt: er solle Herrn Redacteur Groll, der gerade zn Tisch ivar auf diesen Artikel aufmerksam machen; dieser solle eventuell die letzten Sätze streichen. Er selbst hatte keine Befugnis, eine Aendernng vorzunehmen. Vors.: Ihr Socius. Chefredacteur Berger. war auch nickit da? — Stein: Nein.— Vors.: Da der Artikel Ihnen nicht ungefährlich vorkam, so hätten Sie doch denselben bis zum nächsten Tage zurückstellen können. Stein: Ich hielt den Inhalt für wahr und glaubte, es könnte uns eine andre Zeitung zuvorkommen.— Vors.:' Das ist doch kaum anzunehmen.— Stein: Man konnte es nicht wissen.— Vors Sie hätten doch den Chefredacteur Berger durch Fernsprecher über die Aufnahme des Artikels befragen können.— Ängekl.: Da» tvohl aber ich dachte nicht daran.— Vors.: Herr Berger ist Oberlienteiiant der Reserve, dieser hätte die Aufnahme des Artikels zweifellos beanstandet.— Stein: Das nehme ich nicht an, Der Angeklagte Groll bemerkt auf. Befragen deS Vorsitzenden: Er hatte allerdings in Abwesenheit des Chcsredacteurs Berger über die Aufnahnie von Artikeln zu bestimmen. Es sei ihm auch nach seiner Rückkehr der Artikel vorgelegt worden. Der Metteur bat ihn aber, da der Artikel Maschinensatz sei, bei dein eine Acndcrung viel Arbeit, möglichst wenig zu ändern. Da ihm Buchdruckereibcsitzer Scholz sagte: Mir ist der Inhalt des Artikels schon seit langer Zeit bekannt, so habe er kein Bedenken getragen, denselben unverändert aufzunehmen. Er habe auch die Rede des Landesherr» für tvahr gehalten und deshalb sich auch nicht für befugt erachtet, eine Aenderuug vorzunehmen. Der Zeuge, früherer Chefredacteur der„Potsdamer Zeitung Martin Vcrger, bekundet: Stein sei allerdings nicht befugt gcivesen, über die Aufnahme des Artikels zu entscheiden oder ihn zu ändern. Sein Vertreter in der Redaktion sei Groll gewesen. Er sei aber der Meinung, eine solche wichtige Sache, die sollte ans keinen Fall ohne Genehmigung des Chef-Rcdacteurs aufgenommen werden. Er habe die Ueverzeiignng, Stein habe de» Artikel aus genommen, weil er ihn, lZengen) Schwierigkeiten bereiten wollte.— Stein; Ich bestreite, daß ich Herrn Berger Schwierigkeiten bereite» wollte. Oberst Frhr. v. Plettenberg erklärt: Der Kaiser habe oftmals die Gnade,»ach dem Gottesdienst in der Garnisonkirche in das Offizierkasino des ersten Garde-Regiments zu kommen. So geschah es auch am Sonntag, den 1. Dezember. Ich trug den Helm, man konnte daher annehmen, es handle sich um eine dienstliche Angelegen heit. Dies war aber keinesivegs der Fall. Sc. Majestät habe kein Wort vom Duell gesprochen. Die Lieutenants v. Gostlcr und v. Kessel lvaren wohl anwesend, nicht aber deren Väter. Ich habe nun genau nachgesucht, ob die beiden genannten Lieutenants sich irgendivie über das Duell geäußert haben, es ist inir aber berichtet worden, dah nichts Der- artiges vorgekommen ist.— Präs.: War vielleicht in früheren Monate» etwas Aehnliches vorgekommen?— Zeuge: Niemals. Ich habe auch die Lieutenants v. Goßler und Kessel gelprochcn. ES ist völlig anögeschlosseu, daß etwas Aehulichcs passiert sein kann. Garnisonsverioaltnngs-Eontroleur Winter: Er sei am Abend deS 1. Dezember 1901 im Restaurant Menzel gewesen. Geheimer Rat Steinbach erzählte: Se. Majestät sei heute nach beendetem Gottesdienst in der Garnisonkirche in Hnsarennniform in das Osfizierkassino des Ersten Garde- Regiments gegangen und habe sich dort den Osfizicrcn gegenüber sehr mißfällig über das Duell geäußert. ganz besonders zwei jungen Offizieren gegenüber gesagt: er würde, ivenn ein Offizier sei» Duell- verbot nicht befolgte, denselben ohne iveitercs mit schlichtem Abschied entlasse», auch wenn der Vater desselben sich die höchsten Verdienste erworben hätte.— Vors.: Hat Steinbach dabei Namen genannt? � Zcngr: Solveit ich mich erinnere, ist dies nicht geschehen. Ich habe den Vorgang Herrn Stein, mit dem ich seit langer Zeit be- freundet bin, im Caso Sanssouci erzählt. Journalist Wilhelm Sobieyki schließt sich im tvcscntlichen den Vorzeugen an. Kassierer Ochlhardt: Er sei ebenfalls am Abend des 1. De- zembcr im Restamaiit Menzel gewesen. Steinbach habe erzählt: Der Kaiser habe im Offizicr-Käfino des 1. Garde-Regiments sich gegen die LiciltenantS v. Goßler und v. Kessel sehr mißfällig über ihre Bemerkungen betreffs des Duells geäußert und dabei in der be- kannten Weise auf die Jugendlichkeit der beiden Offiziere hin- gciviese» und zu den anwesenden Reserve-Osfiziercn gesagt: Meine Herren, Sie sind doch zumeist Juristen, sorgen Sie in Ihren Kreisen dafür, daß der Dnellunfug aufhöre. Steinbach hatte ferner gesagt: Mein Sohn Hans, der Referendar sei. habe ihm das erzählt. Vors.: Können Sie das. lvas sie jetzt gesagt haben, mit gutem Gewissen beschlvören? Angekl.: Gewiß, ich habe diese Aeußerung ganz genau gehört, ich habe dicht neben Herrn Geheimrat Steinbach gesessen. Zeuge Juwelier Gadebnsch bekundet: Nachdem der Artikel in der„Potsdamer Zeitung" erschienen Ivar, sei Steinbach zu ihn, gekommen, habe ihm den Artikel gezeigt und gesagt:„Das ist ja der helle Unsinn." Geh. Regierungsrat Zimmler: Geh.-Rat Steinbach sei ebenfalls mit dem Artikel der„Potsdamer Zeitung" zu ihm gekommen und habe gesagt:„Das ist ja der helle Unsinn." Geh.-Rat Steinbach habe ferner gesagt: Man könne ihn doch nicht für etlvas verant- lvortlich machen ,' woran er keine Schuld habe. Steinbach sei ein hoch patriotischer nnd vollständig königstreuer Mann. Kriminalkommissar Kuban: Stein habe ihm gesagt, er habe sich vor Aufnahme des Artikels bei dem Geheimen Rat Steinbach über die Wahrheit des Artikels erkundigt. Angekl. Steinbach: Ich erinnere mich allerdings, daß Stein. nachdem der Artikel in der„Potsdamer Zeitung" erschienen ivar, zu mir kam und mich über die Wahrheit des Artikels befragt hat. Ich antwortete, ich bedauere sehr, ich kann Ihnen nur sagen, der Artikel i st von Anfang bis Ende falsch. Die Plaidoycrö. Erster Staatsanwalt Wagner: Die Beweisaufnahme hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß der ganze geschilderte Vorgang von Anfang bis zn Endo erfunden war, und daß die Er- zählung zunächst der Angeklagte Steinbach gethan hat. Die Be- leidignng ivird um so schwerer zu ahnden sei», da sie dem Kaiser in den Mund gelegt wurde. Die Angeklagten haben sämtlich sehr leichtfertig gehandelt. Bei Geh. Rat Steinbach kann lediglich mildernd in Betracht kommen, daß er stets ein sehr patriotischer und königstreuer Mann gewesen ist. Dies hätte ihn aber eher abhalten müssen, eine solche Erzählung zu machen. Für den sxiritus rector halte ich den Angeklagten Stein. Ich beantrage gegen Groll 3 Monate, gegen Stein 6 Monate, gegen Steinbach 2 Monate Gefängnis. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Halpert-Berlin: Der Angeklagte Groll hat die Rede für wahr gehalten nnd konnte sie für tvahr halten. Es ist bekannt, daß der Kaiser es liebt, sich bisweilen etwas drastisch auszudrücken. Vorstrafen eines Redacteurs tvegen Preß- Vergehens dürfen niemals strafschärfend sein. Bestrafungen von Redacteuren sind Narben, die sich die Herren auf dem Felde der Ehre holen. Auch der Verteidiger Steins beantragt Freisprechung, des- gleichen der Anivalt S t e i» b a ch S. Nach sehr langer Beratung verkündet der Vorsitzende folgendes Urteil: Der Gerichtshof hat die Angeklagten der Beleidigung der Offiziere v. Goßler und v. Kessel für sckmldig erachtet und deshalb Groll zu S Monaten Gefängnis, Stein zu ZOO M. Geldstrafe verurteilt. Der Angekl. Steinbach ist ivegen Beleidigung der beiden Offiziere zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Der Gerichtshof hat in der angeblichen Aenßernng des obersten Kriegsherrn eine Beleidigung gefunden, die geeignet sei, die beiden Offiziere in der öffentlichen Meinung herab- zusetzen nnd sie verächtlich zu machen. Der Gerichtshof hat die Beleidigung um so schwerer angesehen, da nicht der Schatten eines Beweises dafür vorhanden ist. daß der Kaiser eine ähnliche Aeußerung getban hat. Der Angeklagte Steinbach hätte sich vorher genau erkundigen müssen, ehe er eine solche Erzählung machte. Es kommt aber straf- mildernd i» Betracht, daß Steinbach die Sache im kleinen Kreise mit nicht lauter Stimme gemacht hat. Bei Stein kommt in Betracht, daß dieser das ihm anscheinend zugegangene Manuskript abgeschrieben und in Druck gegeben hat. Groll hat als erfahrener Redacteur, der schon mehrfach mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen ist, die Beleidigung erkennen müssen. Bei Groll kommen auch dessen Vorstrafen in Betracht. Es ist für unsre Rechtsprechung charakteristisch, daß der eigent l i ch c Gewährsmann der falschen Nachricht, der hochpatriotische Herr Steinbach, mit einer gelinden Geldstrafe davonkommt, während der verantwortliche Redacteur, der durchaus in gutem Glauben handelte, ins Gefängnis tvandern muß. So urteilt man über die„kommandierenden Generäle" in Deutschland. Berliner Partei-Angelegenheiten. Wahlverein für den ersten Berliner ReichStagS Wahl- kreiS. Heute, Donnerstagabend 8�/2 Uhr spricht in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 20, der Genosse Rechtsanwalt Victor Fränkl über:„Hexenwohn, Nachtbilder aus der Kultur- und Religionsgeschichte". Frauen sind hierzu besonders eingeladen. Der Vorstand. Schöneberg. Zu der heute abend 8 Uhr bei Obst, Meininger- straße 8. stattfindenden Volksversammlung müssen die Mitglieder aller Krankenkassen erscheinen. Britz. Der hiesige Wahlverein hält am Freitag, den 14. März, abends 6V2 Uhr. in Püschels Landhaus, Chausseestr. 97, eine Wanderversammlung mit folgender Taflesordnung ab: l. Vor- trag des Genossen Wermnt-Berlin über„Die Arbeit als Ursache der Menschwerdung". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Friedrichsfelde. Am Freitagabend findet eine Flug- blartverbreitung zur Gemeindevertrctcr-Wahl statt. Treff- Punkt bei Loffe, Luisenstr. 20, zwischen 7 nnd 8 Uhr. Ehrenpflicht eines jeden Genossen ist es, schon möglichst früh zur Stelle zu sein. Der Vertrauensmann. FrirdrichShage». Der Arbeiter-Bildungsverein hält seine nächste Versammlung am Sonnabend, den 15. März, abends 9 Uhr. im Lokale des Herrn C. Conrad. Friedrichstr. 137, ab. Schriftsteller Herr Wilhelm Bölsche hält einen Vortrag über„Die Natur der Mark Brandenburg". Recht zahl- reiches Erscheinen erwartet der Vorstand. Lokales. Der Milchkrieg ist nun bald ein halbes Jahr im Gange und immer noch ist nicht abzusehen, wann er ein Ende nimmt. Nach allem was sich bis jetzt ereignet hat, sieht es so aus als ob von einem formellen Friedens- schluß überhaupt keine Rede sein wird, sondern daß der Krieg„ver- sumpft" nnd jeder der Interessenten so gut es geht unter der Hand eine Privatvorteile zn ergattern suchen ivird. Ein solcher Ansflang ist erklärlich. Kleine und mittlere Geschäftsleute auf der einen, „Bauern" verschiedensten Kalibers auf der andren Seite, also zwei Schichten der Bevölkerung, die beide unfähig sind, sich im idealen Streben zum Principienkampf aufzuraffen, wie es die Arbeiterschaft z. B. im Bierkrieg 1894 that. Damals führte das Berliner Proletariat den Kampf konsequent bis zu einem Friedensschluß, der als Lohn des Kampfes wert gehalten ivurde und dessen Bedingungen von der Achtung des Gegners erfüllt waren. Und dieser ruhmvolle Ausgang wurde' erzielt, trotzdem das Bürgertum Ivie ein Mann hinter den Brauereien und Saalbesitzern stand. Im Milchkriege war die Position der Händler wesentlich günstiger, da fast die gesamte Bevölkerung Berlins, von der Arbeiterschaft bis weit in die Schichten des Bürgertums hinein, der Parole„Gegen den Milch« tvucher" folgte und den Beutezug der Centrale als gegen sich selber gerichtet ansah. Und daß Berlins Einwohnerschaft es ernst mit diesem Kampfe nahm, beweist der M i tz e r f 0 l g, den die Centrale mit ihren Geschäften hatte, beweisen die Klagelieder, von denen ihre letzte Generalversammlung erfüllt ivar. Trotz allem aber ward auch den Milchhändlcrn kein eigentlicher Erfolg: ohne rechte Agitationssreudigkeit ließen sie unter sehr mittelmäßiger Führung die Slimpathien, die ihrer Sache entgegengebracht ivurden, ins Leere verhallen, und die Lage iväre ungeklärt geblieben auch Ivenn nunmehr nicht das Ereignis eingetreten wäre, das den Händlern als Verrat erscheint. Herr Bolle, der Hanptkämpe unter de» Milchhändlern, ist ins Lager der Centrale hinüber- g e s ch iv e n k t und hat sich m i t H e r r n R i n g geeinigt. Er übernimmt von der Centrale täglich 30 000 Liter Milch zum Preise von ll'/s Pf. Herr Bolle macht damit ein gutes Geschäft, denn die Milch, die er bis jetzt aus Böhmen und Westprentzen beziehen mußte, kam ihm auf l?'/- bis 20 Pf. zu stehen. Weniger gnt schneidet die Centrale bei dieser Einigung ab; der Geschäftsgrnndsatz, ans. keinen Fall von der Forderung von 13'/» Pf. abzulassen, geht elend in die Brüche und der Vertrag ward diktiert von der Not in der Schillingstraße, allwo die Milch nicht loSzutverden war nnd an jedem Tag eine Un- summe Geldes aus dem Fonds der Centrale nutzlos verpulvert wurde. Die Milchhändler sind von diesem Ausgang um so mehr verblüfft, als Herr Bolle mit der Centrale auf Hieb u n d S t i ch zu stehen schien und sogar von Beleidigungsklagen die Rede war, die er wegen eines von Herrn Ring in der„Krenz-Zeitung" losgelassenen Inserats anstrengen wollte. Jetzt, nachdem Herr Bolle mit der Centrale Frieden geschlossen hat, veröffentlicht Herr Ring in der„Deutschen Tagesztg." folgende Erklärung:„Nachdem die Milchccntrale mit der Firma C. Bolle in geschäftliche Verbindung getreten ist, erkläre ich: Es lag nicht in meiner Absicht, durch das im Oktober 1901 in Berliner Zeitungen seitens der Milchcentrale veröffentlichte Inserat mit der Uebcrschnft: „Antwort auf das Flugblatt des Herrn Kommcrzienrat C. Volle", Herrn C. Bolle oder die Firma C. Bolle zn beleidigen. Die Händler haben jetzt nur den mageren Trost, daß Herr Bolle ihnen im Grunde stets ein Feind war. daß er ihnen nie anders gegen- überstand als die Wertheim, Tietz und Jandorf den kleinen Geschäfts- lenlen. Die„Vossische Zeitung", die die neneste Wendung im Milch- krieg in einem Leitartikel behandelt, trägt sich mit der Hoffnung, daß die B c v ö l k e r u n g Berlins Herrn Bolle einen dicken Strich durch die Rechnung machen und seine Milch jetzt boykottieren werde. Die Lauheit, mit der der Krieg bisher im Lager der Händler betrieben wurde. ist gerade nicht dazu an- gethaii, das Bürgertum jetzt zu einem solchen Schritt zu begeistern; unsre Mcittnng ist vielmehr, daß die Gleichgültigkeit, die allmählich vor allem im' Mittelstand eintrat. erst in dem Falle einer großen Lebendigkeit Platz machen würde, wenn Bolle im Verein mit der Centrale dem Publikum die Milch verteuerte. Und von diesem Schritt wird Herr Bolle durch seine G e s ch ä f t s k l u g h e i t, die Centrale aber durch die eingetretene Erschöpfung ab- gehalten. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Bei dieser Gelegenheit sei einer Auslassung entgegengetreten, der wir in Calwers Jahrbuch„Handel und Wandel" begegnen. Unser Parteigenosse schreibt über den Milchkrieg: Die Versorgung einer großen Stadt durch eine moderne Groß- Unternehmung bietet die Möglichkeit, die Qualität und die Liefe- rung der Milch besser zu kontrollieren, als dies ohne eine solche der' Fall sein kann. Rein wirtschaftlich betrachtet, ist die Organisation des Handels im großen Stil, wie wir es bei den Warenhäusern, Specialgeschäften, Bazaren sehen, auch bei landwirtschaftlichen Produkten ein durchaus fortschrittliches Beginnen, wenngleich nicht geleugnet werden soll, daß die Gefahren der Centralisation nnd Kartellierung hier ebenso vorliegen, wie bei Unternehmervereinigungen auf gewerkschaftlichem Gebiete. Vom Standpunkt der Konsumenten ist die Stellungnahme aber davon abhängig zu machen, daß diejenige Forni des Handelns den Vorzug verdient, die am bequemsten und unter Berücksichtigung der Qualität am billigsten liefert. Die Gefahr, daß die Milch- centrale, ivenn sie siegt, den Preis langsam und stetig hinauf- schrauben würde, sollte nicht dazu verleiten, eine Betriebsform zu be- günstigen, die vom Standpunkte des wirtschaftlichen Kampfes aus zu überwinden ist. Eine solche Stellungnahme konimt schließlich ganz genau darauf hinaus, wie wenn man gegen Großbetriebe, gegen Warenhäuser Partei ergreifen wollte, um die rückständige Betriebsform des Handwerks nnd des kleineren Ladengeschäfts zu retten." Unser Parteigenosse sollte wissen, daß der hier von ihm beliebte Vergleich hinkt. Ganz gewiß hat die Socialdemokratie kein Interesse daran, die Entwicklung aufzuhalten nnd eine dem Untergang ge» weihte Wirtschaftsform künstlich zu stützen. Im Gegenteil. Aber die Milchcentrale wurde gegründet in der ausdrücklichen Absicht, ein wesent» liches Nährprodukt erheblich zn verteuern. Der Milchcentrale war nicht im geringsten darum zu thun, die Vorteile einer nationalen Vetricbsform auch dem Publikum zn gute kommen zu lassen; sie wollte, Fleisch vom Fleisch der Agrarier, den Milch w u ch c r mit derselben Raffgier und Plumpheit treiben, wie die Junker im Parlament den Brot- lu 11 ch e r. Dagegen mußte vor allem die arbeitende Be- v ö l k e r u n g Berlins sich besonders wehren. Der Milchwucher ist der Gesellschaft um Herrn Ring denn auch bisher wesentlich durch die Haltung der Arbeiterschaft'so versalzen worden, daß sie nichr mehr weiter konnte und mit Herrn Bolle einen wenig ruhmvollen Vertrag eingehen mußte. Die arbeitende Bevölkerung hat an ihrer Haltung kaum etwas zu ändern. Sie wird auch ferner jeden' Versuch, eines der notwendiflsten Lebensmittel notwendig zu verteuern, mit gerechter Energie entgegentreten, gleichgültig, von wem dieser Versuch ausgehen möge. • M * Mit der neuesten Wendung im Milchkricg beschäftigte sich gestern die Versammlung des Vereins der Milchhändler. Die Stimmung der Versammelten kam in folgender Resolution zum Ausdruck:„Die heutige Generalversammlung des Vereins Berliner Milchhändler spricht ihre Entrüstung darüber aus, daß die im ganzen Ver- lauf deS Milchkrieges von den selbständigen Milchhändlern energisch unterstützte Meierei Bolle die Kapitulationsbedingungen der agrarischen Milchcentrale einseitig acceptiert hat, dadurch den not- wendigen Zusammenbruch der agrarischen Ringbildung aufhält und Borteile auf Kosten des freien Milchhandels durch weiteren Vertrieb der Ringmilch zu erringen sucht. Indem die Versammlung erklärt, unentwegt im Kampfe gegen den agrarischen Milchring beharren zu wollen, bittet sie die städtische Bevölkerung, die wirtschaftliche Jso- lierung der Ringmilch fortzusetzen, auch wenn diese nunmehr von der Meierei Bolle in den Verlehr gebracht wird. Der Magistrat und der K 616, Der Ausschuß, welcher von der Stadtverordneten-Versanimlung zur Beratung des von nnsren Genossen gestellten Antrags:„Der Magistrat zu ersuchen, die Ver- fügung vom 25. Oktober 1901 über die Nichtanwendung des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches außer Kraft zu setzen und der Ver- sammlung eine Vorlage zum Zweck anderweitiger Regelung der Materie zu machen" eingesetzt ist, hielt gestern seine erste Sitzung ab. Die socialdemokratische Fraktion war durch Zubeil, Stadtha'gen und Hei mann, der Magistrat durch den Stadtrat Ramslau vertreten. Nachdem der zunächst erhobene Kömpctenzeinwand, daß nämlich die Versammlung kein Recht habe, ein solches Ersuchen an den Magistrat zu richten, da der Magistrat nur das gethan habe, was zn thun sein Recht sei. durch entgegenkommende Erklärungen nnsrer Vertreter, die ausführten, daß ihnen nur an der Sache, an der Form nichts gelegen wäre, beseitigt war, trat man in die Be- ratung der Nummer 1 der Verfügung ein. Diese besagt: Die Rechtswirkung des ß 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist durch die Arbeitsordiiniig oder den sonstigen' Dienstvertrag auszuschließen. Von unsren Vertretern wurde noch einmal in längeren Dar- legungen ausgeführt, Ivie tadelnswert und verhängniSlioll es sei, daß gerade die erste Kommune des Reichs in ganz genereller Weise eine zum Schutz der Ivirtschaftlich Schwachen getroffene gesetzliche Be- stimniung außer Kraft setze. Es lvnrde bemängelt, daß die Verfügung, soweit sie Einzelfälle regele, diese Regelung in ängstlicher, kleinlicher Weise vornehme, daß der Zweck der Verfügung, die Willkür der einzelnen Verwaltungsstellen durch Aufstellung fester Normen ein- zuschränken, durch ihre dehnbare Fassung nicht erreicht werde, und es wurde getadelt, daß der Magistrat eine für die städtischen Arbeiter so einschneidende Verfügung erlassen habe, ohne vorher darüber mit den Arbeiteransschüsscn Fühlung genommen zu haben. Der Magistratskominissar versuchte, alle diese Einwendungen zurück- zuweisen. Der Magistrat habe den Z 616 des Bürgerlichen Gesetz- buches nicht einfach außer Kraft, sondern gleichzeitig Besseres an seine Stelle gesetzt; daher könne auch von einem Verstoß wider die guten Sitten weder in juristischer noch in social- politischer Hinsicht die Rede sein. In der laug ausgesponuenen Debatte, die nicht zum Abschluß gelangte, wurden insbesondere einige juristische Fragen genauerer Erörterung unterzogen. Auch die Ab- stimmung über einen während der Debatte eingegangenen Autrag, Nr. t der Verfügung aufzuheben, wurde zurückgestellt Die nächste Sitzung findet in acht Tagen statt. Der Hausierhandel mit Bliunen in Restaurants ist in Berlin nach g Uhr abends nicht g e st a t t e t. Der K 139 e der Gewerbe-Ordnung, der den N e u n- U h r- L a d e n s ch l u ß vor- sieht, bestimmt u. a. in sciiicin vierten Absatz:„Während der Zeit, wo die Verkaufsstellen geschlossen sein müssen, ist das Feilbieten von Waren auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an andren öffentlichen Orten oder, ohne vorherige Bestellung, von Haus zu Haus im stehenden Gewerbebetriebe' sowie im Gewerbebetriebe im Umherziehe» verboten. Ausnahmen können von der Orts-Polizcibehörde zugelassen werden." Der Berliner Polizei- Präsident hat durch Anordnung vom 20. Januar 1901 solche Aus- nahmen für die, die auf eigne Rechnung hausiere», festgesetzt. Ihnen ist u. a. gestattet der Verkauf von Zeitungen, lvarmen Würsten, Streichhölzern sowie von„g e r i n g w c r t i g e n G e- b r a n ch s g e g e n st ä n d e n". Ein Fräulein Korzuch war mm vom Landgericht I wegen Vergehens gegen§ 13Ss Absatz 4 der Gewerbe- Ordnung zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie nachts gegen V2� Uhr. also nach 9 Uhr abends, in dem Wein- restauraut„Winzerstube" und in andren Lokale» der Leipziger- straße mit Blumen gehandelt hatte. Sie hatte bestritten, strafbar zu sein, und geltend gemacht, Blumen seien geringwertige Gebrauchsgegenstände im Sinne der Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten und überdies wären Restaurants, wie die Winzerstube, keine öffentlichen Orte gemäß§ 139 s der Gewerbe- Ordnung. Das Landgericht war indessen der gegenteiligen Auffassung und das K a m ni e r g e r i ch t hat jetzt die Revision der Angeklagten verworfen, indem cS ausführte: Das Landgericht habe Blumen, die in Restaurants feilgeboten würden, mit Recht nicht als„Ge- brauchsgcgenstände" angesehen. Ferner seien die Wiiizerstnben ein öffentlicher Ort, und schließlich komme noch evcntualiter in Betracht, daß die Angeklagte den Handel im Dienste einer andern betrieben habe. Auf merkwürdigen Wegen scheint die Verwaltung der Hochbahn zu wandeln. Sie läßt offiziös folgendes verkünden: Die Betriebsverwaltung der elektrischen Hoch- und Unter- grundbahn ist niehrfach genötigt gewesen. S l r a f a u z e i g e n gegen Fahrgäste bei der Königlichen Staatsanwaltschast zu machen. Die Anzeigen mußten erfolgen Ivcgen Beamtenbeleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt imd Vergehen gegen die Polizei- Verordnung betreffend den Betrieb der elektrischen Hoch- und Unter- grundbahn. Die Hochbahn hat nnsres ErachtenS vorab noch Gelegenheit sich auf andern Gebieten zu bewähren als dem der Schneidig- k e i t. Wie leicht es ist, auf einem Bahnsteig mit Beamten in Konflikt zu kommen, lehrt der Beleidigungsprozeß, den vor kurzem ei» veritabler preußischer Amtsrichter über sich ergehen lnffcn mußte. Daö Polizeiprästdinm teilt mit: Der ehemalige Schaffner und Reisende Karl S ch>v a r z e, 42 Jahre alt, Solingerstr. 39 bisher wohnhast, übte unter Vorlage des Sammelbuchs für das Bersorgungshaus neugeborener Kinder„ B e t h- E l i in" und die damit verbundene Pflegcstätte„Elim" in Berlin- Weißensee auf Grund einer GenehmignngS- Verfügung des Oberpräsidentcn der Provinz Brandenburg seine beglaubigte Abschrift dieser Verfügung führt S. bei sich) hier und in der Provinz Brandenburg die Haus- iollekte aus.— Schwarze ist seit Anfang Februar seinem Versprechen, die gesammelten Beträge an seinen Anflraggcver wöchentlich abzu- führen, bisher noch nicht nachgekommen, und es besteht sonach der dringende Verdacht, daß er die Gelder für sich verwendet. Es empfiehlt sich, über Schwarze bei seinem Auftauchen sofort dem nächstgelegeneii Polizeibureau Nacbricht zu geben oder dem Polizei- Präsidium zu 1826 IV 63 02 Mitteilung zu machen. Die königl. Gewerbe-Juspektion teilt uns mit, daß in dem gestern gebrachten Veriamnilimgsbericht, der sich mit dem Vortrag „Gelvcrbe-Jnspektion und Hygiene" befaßte, ein Druckfehler enthalten war. Die Sprechstunden im Dienstzimmer der königl. Gewerbe- Inspektion Berlin I(Potsdam)— Berlin SW., Großbcerenstr. 75, 3 Tr.— finden nämlich an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 11 bis 1 Uhr und an jedem D k e n S t a g von 3 bis 7 Uhr nachmittags statt. Eine Schwindlerin, die sich Frau Pastor Delitzsch aus Bonn nennt, hat die sonderbare Gewohnheit, sich zu ihren Opfern Leute auszusuchen, die selbst kaum das Allernötigste haben, die Wörterimien der Rotunden. Unter der Vorspiegelung, daß sie Beziehungen zu den höchsten Kreisen habe, knüpft sie mit den Frauen ein Gespräch an, bedauert sie und gewinnt durch das Versprechen, etwas für sie thiui zu wollen, ihr Vertrauen. Geht dann die Klingel und ist die Wärterin in Anspruch genonimen, so benutzt die gute„Frau Pastor" die Gelegenheit, mit ihren Habseligkeiten und der Kasse zu ver- schwinden. Die Schwindlerin und Diebin ist 26 bis 28 Jahre alt, mittelgroß, schlank und blaß, hat aschblondes Haar und eine schmale Nase, tritt vornehm auf und trägt ein schwarzes Barett. eine schwarze schmale Pelzbon und ein langes schlvarzes Rockjackett. Sie giebt sich auch für ein Mitglied des Vereins Frauenhilfe ans. Selbstmord eines Vljiihrigcn ArzteS. Der Selbstniord des Sanitätsrats Dr. W. aus der Charlotteiistraße ist geeignet, wegen der Motive, die dem 71jährigen hochgeachteten Arzt zu der That Veranlassung gaben, weit über die hauptstädtischen Kreise hinaus Aufsehen zu erregen. Als Sanitätsrat W. vor einigen Tagen in seiner Wohnung vergiftet aufgefunden wurde, haben die sofort an- gestellten Nachforschuiigeii über die Motive des Selbstmordes ergeben, daß den alten Herm N a h r n n g S s o r a e n in den Tod getncben haben. Dr. W. war Junggeselle und besaß in früheren Jahren eine ausgedehnte Praxis. Später hatte er außer über Vermögensverlnste auch über geringer werdenden Zuspruch von Patieutc» zu klagen. Seine trostlose niaterielle Lage, die Furcht vor gänzlicher Verarmung und manches körperliche Ungemach haben den alten Arzt in den Tod getrieben. Ilebcr einen Unglücksfall im Betriebe der Hochbahn macht uns die Betriebsverwaltung solgcnde Mitteilung: Beim Umrangieren eines Leerzuges auf Haltestelle Zoolugischer Garten ist Miltwoch- nachmittag der mittelste Wagen infolge falscher Weicheiiftcllung durch einen Unbefugten zur Eutgieisung gebracht werden. Der Betrieb war auf der Strecke Wittenberg-Platz bis Zoologischer Garten unter- krochen, wurde aber zwischen Potsdamer-Platz und Wittenberg-Platz »ach Verlauf von 15 Minuten regelmäßig iveitergeführt. Der Unfall ist bereits inzwischen behoben und es wurde der regelmäßige Betrieb um 6 Uhr wieder aufgenommen. Eine Vcrbrecherschule. Durch die Kriminalpolizei wurden zwei alte Zuchthäusler, Namens Ganzlin und Sinske, zwei jugendliche Einbrecher. Börner und Wutlke, und zwei vielfach vorbestrafte Hehler, der Trödler Max Obrikat aus der Dragonerstraße und der Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Bert Prodnktenhändler Temming ans der Friedenstraße, verhaftet, die an einer überaus großen Anzahl von Boden- und Einbruchsdiebfiählen beteiligt sind. Bei der Festnahme wurde bekannt, daß der erst- genannte Ganzlin eine förmliche Schule für angehende Einbrecher gegründet habe. Zu seiner Schule gehörten unter anderm auch der 16- bezw. 17 Jahre alte Börner und Wnttke. Börner wurde als Kochlehrling von seinen Eltern aus Dessau auf die Wander- schaft geschickt. In Berlin wurde er in einer Herberge der Weberstraße mit Ganzlin, der sich alsbald für ihn interessierte, bekannt. G. spielte dem unerfahrenen Menschen gegenüber den großmütigen Gönner; er gewährte ihm volle sechs Wochen kostenlos Unterkunft und Verpflegung und machte ihn alsbald mit Wuttke be- kaimt. Nun begann G.'deii Unterricht feiner ihm zugethauen Schüler in allen Diebesküiiften systematisch zu erteilen. Die Schüler wurden nach ihren eignen Aussage mit allen Gepflogenheiten und Tricks der Verbrecherivelt zunächst durch theoretischen Vortrag bekannt ge- macht, dem sich bald unter Hinzuziehung des älteren Sinske pral- tische Uebungen anschlosscii. Mit den beiden oben genaiiiitcn Hehlern aber verkehrten nur die älteren Diebe, ihr Nachwuchs sollte an den Verbindungen mit Hehlern keinen Anteil haben. Die Kriminalpolizei bat nun diese Vcrbrecherschule gewaltsam aufgelöst, nachdem sich die Schüler durch Fortnahmc von Tuchballen verdächtig gemacht hatten. Ein sehr gefährlicher Brand kam Mittwochabend in der S t e p h a ii st r a tz e 30 in dem Lagerkeller des Kolonialivaren- Händlers F. H o l z m a n n zum Ausbruch. Auf noch nicht ermittelte Weise hatte sich hier ein Posten Spiritus entzündet und andre Waren in Brand gesetzt. Dabei erlitt ein Hausdiener schwere Brandwiiiiden an den Händen und im Gesicht. Die herbeigerufene Feuerwehr hatte mit zivei Rohren längere Zeit Wasser zu geben, um das Feuer auf den Keller zu beschränken. Abgestürzt. Aus dem dritten Stockwerk des Reubaues Stralnuer-Allce 29 stürzte Mittwocknachmittag der etwa 25 jährige Ansibläger Karl Reinhardt, Kastanien-Allee 52 wohnhaft, auf die Straße hinab. Die Ursachen dieses Unglücks find nicht bekannt. Einerseits>var R. den ganzen Tag über bei bester Laime. wie seine Arbeitskollegen angeben, andrerseits aber konnte nach Lage der Sache, wie die Aniveseiideii ebenfalls behaupten, nicht gut ein Unfall eintreten. Die Angelegenheit wird demnach wohl nn- aufgeklärt bleiben, da R., der sofort nach dem Kraiitenhanse am Friedrichshain geschafft wurde, schon auf dem Transport verstarb, ohne vorher zur Besinnung gekommen zu sein. Nach Angabe aller, die ihn kennen, war er eiii nüchterner, überall wohlgelittencr Mann, der auch in geregelten Verhältnissen lebte. Oeffentltche Borträge der Ccntralronimissto» der Kranken- kaffen. Das Thema der heutigen Vorträge lautet: M u n d- u n d Zahnpflege. Jedermann weiß, daß eine große Anzahl von Krankheiten des Magens und der übrigen VerdaunngSorgaiie auf mangelnde Sorgfalt in der Bchniidliing des Mundes und der Zähne zurückzuführen sind. Wie man eine sorgfältige und ausreichende Mund- und Zahnpflege ausübt, lehren die heutigen Vorträge; ihr Besuch ist sehr empfehlenswert. Die Vorträge fiiideii ftalt heute, den 13. März, in den Schnlanlen Tilsiterstr. 4/5, Schönhauser Allee 166, Gneiiennustr. 7, Stephanstr. 27 und Schöneberg. Fenrigslr. 62/3; Vortragende die Herren Zahnärzte Frohman», Michaelis, Lipschitz. Böhm und Dr. Leipziger. Beginn präcise 8l/z Uhr abends. Zutritt für jedermann unentgeltlich ohne Legilimalion. Arbeiter-Bildmigoschulr. Wir machen auf den am Sonntag, den 16. März, im großen Saale des„Gewerkschaftshauses". Engel- Ufer 15. stattfindenden Dichter-Abend(Sociale Dichter) äuf- merksam. Die Ziisammeiistelliing des Programms ist eine solche, daß sie jeden Teilnehmer vollauf befriedigen wird.(Siehe Pro- gramm im Inseratenteil.) Wir erwarten recht zahlreichen Besuch. Fcncrbericht. Mittwochnachiniitag gegen 2 Uhr wurde die Wehr nach dem Jakobshof, Alte Jakobstr. 24. gerufen. Hier hatten in der Kartonfabrik von Baum u. Scholz Pappkartons ans noch nicht ermittelte Weise Feuer gefangen. Die Wehr beseitigte indes die Gefahr in kurzer Zeit, so daß der eiilstaiidcne Schaden unerheblich ist. Vormittags 82/-J Uhr mußte in der Kranseiistraße 35 ein Brand abgelöscht werden, der den Fußvoden und die Balkenlage ergriffen hatte. Dienstagabend kurz nach 6 Uhr gingen außerdem noch Blusen in einer Schneideriverksiatt in Flammen auf, die jedoch noch im Keime erstickt werden konnten. AnS den Rnckibarorten. Der Plan der Eingemeindung des Dorfes(Alt-) Weistensee in Neu-Weißeiisce ist für abiehvare Zeit gescheitert. In der gestrigen Sitzung der Gemeindevertretung in Weißeusee wurde die Frage leb- Haft erörtert, doch fand sich für die Einverleibung des OrteS in Nen-Weißensee keine Mehrheit. Die Einverleibung wird hauptsächlich mit Rücksicht ans die ungünstige Finanzlage von Neu- Weißeusee abgelehnt. Erst wenn Nen-Weißensee Sladt Iverden sollte, würde der Frage der Eingemeiiidulig von Weißeusee abermals näher getreten werden. Schöneberg. Der Beratung des städtischen Etat« hatte die letzte Stadtverordnetenversammlung wieder eine ausgedehnte Sitzung gewidmet. I» mir zu meisterhafter Weise versteht es der erste Bürgermeister Wilde, die Finanzlage der Sladt im rosigsteii Lichte erscheinen zu lassen, er erzielt auch damit bei der bürgerlichen Mehrheit stets einen gewissen Eindruck. Und immer wieder spielt dabei die große Emnigeiischaft. die die Stadt in der Frage deS neuen Beitrages mit der englischen Gasgesellschaft davon getragen haben will, eine große Rolle. Sogar die lange Ver- zögeniiig in der Fertigstellung des Etats wird ans das Conto des voransgcsehciiciiVertrügSschliisses gesetzt. Und eigentümlich— das„Ver- dienst", der Stadt dadurch eine neue,„nie versiegende Einnahme- quelle" erschlossen zu Häven, wird vom Magistratsvertreter plötzlich mifZiden Stadtrat Leidig abgewälzt. Unsrem Genossen K ü t e r war es ein leichtes, auf verschiedene nnerfüllt gebliebene Forde- ruiigeu, die besonders für die Arveiterschaft i» Betracht kommen, hinzuweisen. In erster Reihe betrifft dies die„dj* großen Kosten wegen" verweigerte Erbammg einer VolkS-Ba?eanstalt; z» einer endlichen Erhöhung derLöhneder städtischen Arbeiter bedurfte es erst einer Anregung aus der Mitte der Versammlung. Ebenso weist Küter auf die stels ablehnende Haltung des Magffirais zur Gewährung der erforderlichen Handbücher für die Bei- siyer des GewerbegerichtS hin, deren Anschaffung wir wiederum beantragen würden. Zu der in Aussicht gestellten Nicht- erheb ung der 4Mark-Stener(Einkommen von 600 vis 900 M.) könnten wir jedenfalls unsre Zustimmung geben, erwarteten jedoch, daß damit nicht ein Verlust des Wahlrechts verbniidcn sei, da die Arbeiter sonst ans diese„Wohlthat" verzichten müßten. Einen recht eigeiiiiimlichen Standpunkt nahm wieder einmal der naiioiialsöciale Siadtv. Maure nbrecher ein. Der Herr trat plötzlich für volle Beseitigung der Betriebs st euer im Gastwirlsgewerbe ein(im neuen Etatsjahre sollen nur 50 Proz. statt 100 Proz. zur Erhebung gelangen), trotzdem er vor einigen Wochen sogar als Referent für die Beibehaltung dieser Steuer eingetreten war, indem er behauptete,„die Gastwirtschaften köniiteii nach seinen Erfahrungen bei dem guten Geschäft ganz gut diese geringe Extra- fteuer tragen". Jetzt plötzlich diese Wendung? Daß eine Mauserung in seiner Stellung zur Gasaustallsfrage stattgefunden hat. konnte er trotz seiner gewuiidenen Rede nicht verbergen. Aus Schöueberg. Wie erinnerlich, hat die am 23. D e- z e m b e r v. I s. eingesetzte gemischte Deputation zur Beratimg über die Frag- der Beschäftigung der Arbeitslosen der Stadtverordneten-Versammliing bezw. dem Magistrat geeignete Vor- schlage machen sollen. Nun endlich, nach beinahe drei Moiiaten. hat die Deputation beschlosien, in Vorschlag zu bringen,„mit Rücksicht darauf, daß z. Z. andre größere Arbeiten nickt ailsziiführen find oder nicht ausgesührt werden können, die Ausführung der Entwässermigsaiilageii in dem zwischen der Bar- barossa- und Hohenstaiifeiistraße westlich der Martin Lutherstraße belegenen Teile des Westgeländes in Angriff zu nehmen und bei diesen Arbeften arbeitslose Personen„nach Möglichkeit' zu be- schästigen." Nun kömien unsre Arbeitslosen, soweit sie das Glück n Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck m haben, bei den genannten Arbeiten beschäftigt zu werden(die Kanalisatioiisdepiitation soll das Erforderliche„alsbald" vcr- anlassen) mit Freuden ausrufen:„Wie schnell sorgt doch nnsre weise Verwaltung dafür, daß unsre Bitte um Brot„schon nach drei Monate n" in Erfüllung geht."— Es geht eben nichts über „nicht dringliche" Sachen! Zchlendorf. Die Genieindeverlretung beschloß in ihrer letzten Sitzung, den Zuschuß für die freiwillige F e u e r Iv e h r von 600 auf 1100 M. zu erhöhen. Mit 8 gegen 4 Stimmen wurde der bekannte Kanf des Grundstücks, auf den ein Teil der Vertreter gern die höhere Töchterschule verlegen niöchte, abgelehnt.— Die Etatsberatung ging sehr schnell von statten; eine General- debatte fand gar nicht statt. Bei den eiiizolncii Positionen brachten die Herren hier und da die Wünsche der Grundbesitzer vor. Aber nicht ein Wörtchen hörte man beim Armenhaus, den WohlfahrtS- einrichtungen und der Volksschule. Die Ausgaben für die Volks- fchüler sind fast die gleichen geblieben; sie haben sich per Kopf mir von 46 auf 47 M. erhöht, wohingegen die Ausgaben für die Gym- nafiasten von 67 M. auf 97,30 M. gestiegen sind. Interessant war noch die Mitteilung, daß der Landrat den Gemeindebeschlnß, die Grundsteuer von 11 auf 16 Proz. zu erhöhen, vertvirft, weil für die Erhöhung die genügende Begründung fehle. Gevichks-Äeikimq« Wegen Uebcrtretnng deS Trauer- Reglements boin 7. Oktober 1797 und der Kabinettsorder voni 13. November 1845 war im November vorigen Jahres vom Schöffengericht zu Köpenick verhandelt worden. Die Anklage richtete sich gegen ein Fräulein H e i d e m a n n als Vorsitzende des„Vereins der Arbeite- rinnen an B u ch d r u ck- S ch n e l l p r e s s e n zu Berlin" und gegen den Musiker Wegner, welcher die Musik geführt hatte. Eine Dampferpartie des Vereins hatte am 11. August vorigen Jahre«. während der Landestrauer für die Kaiserin Friedrich stattgefimden und waren hierbei während der Fahrt durch Ober-Schöneweide, Köpenick usw. von der an Bord befindlichen Kapelle Musikstücke gespielt worden. Im Termine plädierte der Verteidiger, Rechtsanwalt Heinemann, für Freisprechung, da die auf die Landestrauer bezüglichen Vorschriften in Widerspruch ständen mit der Gewerbc-Ordnung, außerdem durch die Kabinetts- order vom 13. November 1845 das Tranerreglement ans dem Jahre 1797 in seinem wesentlichen Teile einschließlich der Strafbeftimmiingen aufgehoben sei. Das Gericht war dagegen der Anficht daß sä int- l i ch e Vorschriften noch zu R e cht beständen und verurteilte die Angeilagteii zu einer Geldstrafe von je 15 M. Auf die hiergegen eingelegte Berufung hatte sich gestern die erste Strafkammer des Landgericht« II mit der Sache zu beschäftigen. DieS Gericht schloß sich der Anficht des Vorderrichters an und verwarf die Benifung. So ist von neuem Ordnung, Religion und Sitte gerettet. Zu seinem willenlosen Werkzeug hatte der Ingenieur Albert Sander eine von ihm bethörte Frau zu machen gewußt. Er stand gestern wegen Betrugs, B e d r o h u» g und N ö t i g« u ii g vor der iieiliitcn Strafkammer des Landgerichts I. Der 47jährige Angeklagte hat früher in Leipzig geivohnt, geriet frühzeitig auf Abwege und zog sich mehrere Freiheitsstrafen zu, von denen er die letzte in Halle verbüßte. Jiizluischeii verstarb seine Frau. Als der Angeklagte in Freiheit gesetzt wurde, kümmerte er sich nicht um seine beiden Kinder, soiidem überließ der Waisenhaus- Verwaltung zu Leipzig die Fürsorge für dieselben. Er ging nach München. Ivo er Stellung in einer Musik-Aiitoniateufabril fand. Hier lernte er die Bahnmeister G.'scheu Eheleute keimen. Es entwickelte sich bald zwischen den beiden Männern ein freundschaft- sicher, zwischen dem Angeklagten und der Ehefrau ein unerlaubter Verkehr. Die letztere lag vollständig in den Bauden ihres Ver- führcrs. Dieser hatte sich mit dem Nimbus eines reichen Maiiiies aus vornehmer Familie umgeben, er gab sich für den Sohn des Jnsiizrats Sander in Dresden aus und behauptete, er habe erst kürz- sich von demselben, der sich vier LuxuSpfcrde halte, 4000 M. ge- smidt bekommen. Nur augenblicklich sei er etwas in Verlegenheit. Der von ihm nach jeder Richlimg hin Hintergangene Eheniann borgte ihm auf seine Angaben hin bereittvillig 110 M. Mit diesem Gelde brannte der Angeklagte, der seine Stellung verloren hatte, nach Breslau durch, er wußte aber die Ehefrau G. zu bereden, ihren Mann heimlich zu verlassen und ihn zu begleite». Von diesem Augenblicke an führte die bethörte Frau ein Hölleuleben. Der Angeklagte licsaß keine Mittel und verdiente uichls, um den Hunger zu stillen, mußte Frau G. ihre letzten geringwertigen Sachen, selbst ihre Betten verkaufen. Als Dank für' ihre Aufopferimg lvar sie täglich Mißhaiidlmigen und wiedcrholien schweren Bedrohungen ausgesetzt. Auch der Wirtin, die dem Paar Unterkunst gegeben hatte, drohte der An- geklagte, er iverde sie auf schreckliche Weise zu Tode martern, wenn sie es wagen sollte, ihn bei der Polizei anzumelden. Die Zeugin G. behauptete im Termin, daß weniger Liebe als grenzenlose Furcht sie an den Aiigeklaglen gekettet hätte. Jetzt sei sie von ihrem Eheuiaim wieder aiifgenominen worden.— Die Verhandlniig endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis und dreijährigem Ehrverlust. Ter Erpreffungsparagraph gegen Arbeiter. ES wird uns geschrieben: Der in Nr. 56 des„Vorwärts" vom 7. d. MtS. ent- halteue Bericht über einen Erpressungsprozeß gegen vier Maurer bedarf einer Berichtigung. Die Verurteilung des Haupt- angeklagten Richter ist erfolgt, obwohl'ausdrücklich fest- gestellt wurde. daß die Androhung der ArbeitSeiiistellung ausschließlich bezweckt habe, den Schüler zur Zahlung un- zweifelhaft geschuldeter rückständiger Verbandsbeiträge, deren Zahtimg noch ausdrücklich versprochen lvar, zu veranlassen. Es liegt hier also eine Auslegung des Erpresiungsparagrapheii vor, die weit über alles bisher Bekannte hinausgeht. Man darf auf den Erfolg der Revision gespannt sein. Briefkasten der Redaktion. Tintsin. Der Einsender des Briefes„LicbeS Schwesterchen" sc., der aus dem Postainte Stettinerstraße aiifqegede» oder in der Nähe desselben in einen Brieslasten gesteckt wurde, wird iiui Angabe seiner Adresse oder um Rücksprache aus der Redaktion gebeten. 35 Wettende. Beide haben unrecht. Eni Mann wird in der Regel mit volleiidetem 21. Lebensiahre heiratsfähig, ohne daß er der Einwilligung des Vaters bedarf. Eine Dispensation von dieser Altersgrenze durch Justiz- minister oder sonst wen giebt es nicht. ES giebt nur ein« Ausnahme: Denische männlichen Geschlechts werden mit erreichter Volljährigkeit, also in der Regel mit zurückgelegtem 21. Lebensjahre, heiratsfähig. Mau kann jedoch auch vor dieser Zeit, nach zurückgelegieni 18. Lebensjabre, durch Be. schluß des Amtögerichis für volljährig erklärt werden. Die derait voll- jährig Erklärten bedürfen biS zurückgelegtem 21. Lebensjahre der väterlichen Genehmigung zur Heirat.— HanS. Der Lohn ist wegen der Aliiiieiilen- fordeiiingen des unehelichen Kindes pfändbar. Jedoch muh der für den Vater, besten Ehefrau und ehelichen Kinder erforderliche Unterhalt belasten werden. Gegen«wen Pfändnngsbelchlub könnte im Wege der Bescknoeide und Klage geklagt werden.— B. 1. und 2. Nein.—