Ar. 63. Adomuments Kedtngunge«: Abonnemint«-Prei« pränumerando! Vierteljahrs S,Z0 Ml., monatl, l.lo Mt., Ivöchenllich 28 Pfg. frei in! Hau!. Stuulne Numm»r 6 Pfg, Sonntag!, Nummer mir iil»tir>m»c Sonntags, Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnemenl: l.lv Marl pro Mona«. Singelragen in»er Post- Zeitung!» Preisliste für lOOL unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da! übrige«uSIand Z Marl pro Monat. 19. Jahrg. Ii« Insertlons-GeliNlid beträgt für die fechZgespallene Kolons«» zelte oder deren Raum«o Pfg., für politische und gewsrlschaftliche Bereins- und Versammlung!-Anzeigen 20 Pfg. „Klein- Anfeigen" jede! Wort S Pfg. «nur da! erste Wort fetij. Jnferate für die nächste Nummer müssen bi! 4 Uhr nachmittag! in derüipedilion abgegeben werden. Die Expcdi tion ist an Wochentagen bt! 7 Uhr abend!, an Sonn- und Festlagen dt! 8 Uhr vormittag! geöffnet. «rjcheml täglich außer»anlag«. Vevlinev Volksblslk. Telegramm-Adresse! «Sorialdrmokrat Serlin» Csntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: L�iV. 19» Venth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt I. Nr. Ili08. Freitag, den 14. März 1903. Expedition: SW. 19, Beuch-Strafe 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. KlSt. der Regierung ein Gefühl sein, in die sie ihre Um Und ein Zeichen für diese daß ein»euer Herr Die Regierung in der Mitte. Die viclberufene Politik der Mitte, die im Grunde eine Politik der Impotenz ist. hat die deutsche Regierung jetzt in die Mitte zwischen den Parteien und Interessengruppen so eng eingekeilt, daß sie kaum nach Atem holen kann. Ihr „maßvoller" Zollwucher, mit dem sie noch Handelsverträge möglich zu machen hofft, wird von rechts und links gleicher� maßen abgelehnt. Die Linke, die ernsthaft Handelsverträge will. bekämpft die hochschutzzöllncrischc Tendenz des Entwurfs, während die Mehrheit des Parlaments und der Kommission, die überhaupt keine Verträge, sondern profitable Zollkriege wünscht, die Regierungs-Zollpolitik der mittleren Linie mit einem geringe schätzigen Hohn behandelt, der ganz an die Zeiten des Junker aufstandes der Kanalrebellen erinnert. Die Regierung spricht ein über das andre Mal ihr„unannehmbar". Die agrarische Mehrheit, unter der Führung des Herrn v. Wangenheim, pfeift auf die Erklärungen der Minister, sie nimmt sie gar nicht ernst, und erhöht, unbekümmert um die entschiedensten Proteste der Regierungsvertreter, jede Position ins Ungemessene. Die von den Agrariern errichtete Zoll mauer wächst in den Himmel, und der Zolltarif wird zu einer Karikatur der Hochschutzzöllnerei, zu dem Entwurf einer absoluten Grenzsperre. Endlich scheint nun auch in für die klägliche Rolle erwacht zu Werbung der Agrarier gebracht hat. erwachende Enipfindlichkeit ist es, Plötzlich als Wortführer der Regierung vorgeschickt worden ist. Bisher lag die Verteidigung der Regierungsvorlage in den Händen des Grafen Posadowsky, der zwar auch fast jede Zollerhöhung der agrarischen Mehrheit als unannehnibar bc zeichnete, der aber als Höriger der Hochschutzzöllner keinerlei Eindruck niit seinen Warnungen und Mahnungen hervor zurufen verinochte. Der Reichskanzler ist in der Kommission niemals erschienen. Dagegen ist in den letzten Tagen— Graf Bülow soll krank sein— Herr v. Richthofen, der Staats sekretär des Auswärtigen, erschienen und hat— sehr zur Ueberraschung und zum Verdruß der Agrarier, eine so entschiedene Sprache gegen die Mehrheit geführt, daß es am Donnerstag in der Kommission zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen ihm und den Ueber- Zöllnern gekommen ist. Es war die letzte Sitzung vor den Ferien; sie vertagte sich bis zum 8. April. Sic hat im ganzen bisher 37 Sitzungen abgehalten. In dieser Zeit hat sie in erster Lesung die 12 Paragraphen des Zolltarif- Gesetzes und einige zu ihm gestellte Abänderungsanträge sowie 43 Zolltarif- Positionen erledigt. Es stehen noch eine Reihe zum Zolltarif-Gesetz gestellter Anträge und 903 Zolltarif-Positionen und die ganze zweite Lesung aus. Der Konflikt brach bei der Debatte über die Zölle auf lebende Blumen aus. Der Staatssekretär des Aus- wältigen Amts, Herr v. Richthofen, hatte am Mittwoch auf das bestimmteste namens der verbündeten Regierungen erklärt, daß eine Aeuderung der von der Regierungsvorlage — entsprechend dem bestehenden Zustand— vorgeschlagenen Z o l l f r e i h e i t der meisten Küche ngewächse und lebenden Blumen für alle Stadien der Be- ratung absolut unannehmbar ist. Heute wiederholte er aus Anlaß von Beschwerden der Mehrheitsparteien darüber, daß er so gesprochen hatte, diese Erkläning und gab wiederholt die Erklärung ab, daß die Zollfreiheit auf Gemüse und lebende Blumen in dem in der Regierungs- Vorlage vorgeschlagenen Umfang eine Vorbedingung für das Zustandekommen eines Handelsvertrages mit Italien ist. Ueber seine Erklärungen beschwerten sich die Agrarier bitter und betonten lebhaft, sie seien keine Gegner von Handelsverträgen, wollten aber nur solche, die Zölle aufweisen. Sie erklärten unverblümt, die Re- gierung handle gegen das nationale Interesse und im Interesse von Gruppen des Auslandes. Herr v. Richthofen erhob fehr nachdrücklich Einspruch gegen die Mißachtung der Regierungserklärungen. Herr v. Wangenheim erwiderte höchst patzig. Die Bündler treiben zweifellos schon jetzt Wahlpolitik. Ihre Anträge sind zum Fenster hinaus gerichtet. Kein Handelsvertrag, hohe absperrende Zölle gegen Einfuhr aus den« Auslande bleibt die Losung für die agitatorischen Handlungen der Mehrheit. In jedem Worte der Mehrheit offenbarte sich diese Absicht. Von den Rednern derLinken hatte insbesondere S t o l l e als sachverständiger Gärtner dargelegt, daß der Zoll auf Blumen die Gärtnerei, ins- sondere die kleinen Gärtner schwer schädige und die erzieherische. Augen und Gemüt veredelnde Wirkung der Blunienfteude dem kleinen Mann und dem Mittelstand raube. Vergeblich. Ein Zoll würde für den Großbetrieb, für den Besitz im Gegensatz zur Arbeit Vorteilegewähren.alsowurdeerbeschlossen. Von den bislang zollfreien Blumen sollen beispielsweise lebende Pflanzen in Töpfen mit 13. i» Erdballen mit 20. Rosen mit 40, Pfropfreiser, Bäume und andre lebende Pflanzen mit 13 M. Zoll belegt werden. Der höchste Grad des Zollftcbers befiel die Zöllner bei ihrem letzten allerdings nur mit knapper Mehrheit zu stände gekommenen Beschluß. Cycas Wedel sollen nach der Regierungsvorlage mit 20 M. Zoll, nach einem socialdemokratischen Antrag zollfrei eingeführt werden können. Die agrarische Mehrheit setzte den Zoll auf 230 M., das heißt auf eine Höhe steht, die in mehr als 227 Proz. des Wertes der Ware besteht I Und bei derartigen Prohibitiv zöllen soll man der Mehrheit noch glauben, sie wolle Handelsverträge. Nein: sie streben durch Zölle eine künstliche Verteuerung der Waren zu Ungunsten der Gesamtheit, aber zu Gunsten der Großkapitalisten an, selbst wenn durch dies Streben die Ausfuhr aus Deutschland unmöglich gemacht werden sollte. Die Regierung kam auf diesem Wege nicht mit. Aber sie hat durch die enorme Sätze enthaltende Vorlage A gesagt, die Bündler-Logik verlangt von ihr, nun das ganze Alphabet mit durchzugehen. Der erste Schritt, der Schritt einer Erhöhung der Zölle war frei, im zweiten sind die Regierungen Knechte. Herr v. Richthofeu hat heute versucht, dieses Joch abzu- schütteln. Seine Entschlossenheit scheint in der That beim Centrum und auch bei den Konservativen Eindruck gemacht zu haben. Die Centrumsleute erklärten, diese enormen Zoll- Erhöhungen seien ja nur Versuche, bei der zweiten Lesung werde man weiter sehen. Auch der Konservative Graf Schwcrin-Löwitz ließ in seinen zweideutigen Wendungen die Absicht einer Verständigung durch- blicken. Nur die um Wangenheim verharrten in ihrer trotzigen Jntransigenz: Entweder— oder. Vom Standpunkt der Agrarier ist diese Haltung nicht unlogisch und auch nicht ungeschickt. Wenn die Regierung so hohe Zölle den Agrariern ganz unbegründet bewilligt hat, so ist in der That nicht abzusehen, warum sie gerade bei den von ihr zugestandenen Mätzen stehen bleiben soll und nicht noch höher gehen kann. Außerdem rechnen die Bündler mit dem Nicht-Zustandekommen des Tarifs und mit Reichstags- wählen. Danach richten sie ihre Forderungen ein. Freilich kommt wie die Regierung so auch das Ccntrum in Gefahr, zwischen den Gegensätzen zerdrückt zu werden. Die Socialdemokrasie kann in Ruhe zusehen, wie sich der Ausgleich der Interessen der um den Beuteantcil Hadernden vollziehen wird. Ob die Regierung sich der Mehrheit unter- werfen, ob die Agrarier schließlich sich mit dem„maßvollen" Zollwucher begnügen werden— ist für uns von sekundärem Interesse, da die Vorlage der Regierung für uns genau so unannehmbar ist, wie die der Mehrheit und die eine wie die andre verhindert werden muß. Dagegen mögen diese Auseinandersetzungen und Konflikte innerhalb der herrschenden Klassen und ihrer Vertretung in der Regierung für die Entwicklung der Parteiverhältnisse im Reiche nicht ganz ohne Bedeutung sein. Der Zolltarif wirkt in der That als S p r e n g p u l v e r. *« * In ihrer DomierStagS-Sitzuiia beschäftigte sich die Koinmission zunächst mit der Position 37 sBäumc, Reben, Stauden, Sträncher, Schößlinge zum Verpflanzen, und s o n st i a e lebende Gcivächse, ohne oder mit Erdbällen, mich in Töpfe» und Kttbcln, Pfropfreiser, Cycas st äm in e ohne Wurzel, und Wedel); die Regierung sieht für diese Pflanzen wie bisher Zollfreihcit vor, beantragt aber für Lorbeerbäume eine» Zoll von 3 M., für andre einen Zoll von k> M. Wallenborn(E.) beantragt, der Position folgende Fassung zu geben: Lebende Pflanzen in Töpfen 30 M.. Lebende Pflanzen ohne Erdballen 20 M., Rosen 40 M. pro Doppclccnlner, Bäume und andre vorstehend nicht genannte lebende Pflanzen, einschließlich Lorbeer- bäume und Chcasslämme ohne Wurzel und Wedel IS M. Antrick und Genossen(Soc.) beantragen auch die Unter« Position: Lorbeerbäume 3 M., andre 6 M. freizulassen. Stolle lSoc.j: Wenn auch der Gärtner nicht immer im Rosengarten sitzt, so kann doch von einer Notlage der Gärtnerei nicht die Rede sein. Die Besitzer großer und größter Gärtnereien haben gar keine Ursache, Petitionen um Schutzzölle bei uns einzureichen. Für ie bedeuten Zölle Liebesgaben ohne Not. Wer macht' denn den Gärtnern Konkurrenz? Das Ausland— nein, die inländischen Großgrundbesitzer, die, wie Möllers„Deutsche Gärtner- Zeitung" berichtet, selbst den Hausierhandel mit Pflanzen und Gemüse betreiben lasse». So wird zum Beispiel chivere Klage geführt über die Konkurrenz des Hof- garte ns des Grafen von Stolberg-Wernige- rode, ivo sogar die Lehrlingszüchterei betrieben wird und die Gärtnerei des Ortes in jeder Beziehung geschädigt wird. ES beißt in den Berichten dieser Fachzeitung, daß 4 bis ö Gärtner am Orte noch bestehe» könnten, wenn diese Konkurrenz nicht wäre, während die vorhandenen durch sie geschädigt werden. Sie sollten die Blimienpflege im Volke nicht durch unsinnige Verteuerung mittels Zölle hindern. Frhr. von Wangenheini(k.): Er habe den Auftrag, für die deutsche Arbeit einzutreten. Davon lasse er sich durch keine Reden der Linken, durch keine Drohungen der Regiernng abbringen. Direktor im Rcichsanit des Innen« Werniuth betont, daß die ollsätzc des Antrags Wallenborn das Mah aller bisherige» ordernngen weit überschritten. Ein Zollschutz sei um so weniger gerechtfertigt, da nnsre Ausfuhr in diesen Waren sich ebenso ge« steigert habe wie nnsre Einfuhr. Antrick(Soc.): ES ist nicht so, wie Wangenheim behauptet, daß die kleinen Gärtner von den Zöllen Borteil haben würden. Nur stir die Großhändler würden Vorteile herausspringen, die sich die Konkurrenz deS Auslandes vom Halse schaffen wollen, während die Konkurrenz im Inland die kleinen Gärtner schädigt. So lange nicht Stillstand oder Notstand in der Gärtnerei eintritt, kann nian von nnS nicht verlangen, daß wir Zölle und Liebesgaben bewilligen. Der Schutz der Arbeit besteht darin, daß man einem etwas giebt, der eS nicht nötig hat. Wenn jemand des Schutzes bedürftig ist, dann sind es die Arbeiter in der Gärtnerei, die trotz deS blühenden Ge» werbes außerordentlich ungünstig gestellt sind. Vorsitzender Rettich ersucht den Redner, nicht zu weit auf die Arbeiterverhältnisse einzugehen, da das nur in losem Zusannnenhange mit der Position stehe. Antrick(fortfahrend): In« Gegenteil, das ist die Hauptsache, wenn die deutsche Arbeit geschützt iverden soll, müssen in erster Linie die Arbeiter geschützt werden: für sie haben wir hier einzutreten. Aber der Zoll nützt ihnen nichts, sie bekomme» jetzt bei guten Erträgen der Gärtnerei auch nichts. Miiller-Meininge»(frs. Vp.) betont, daß die Herren auf der Rechten niit dem Feuer spielen. Mau sehe, daß ihnen der Abschluß von Handelsverträgen gleichgültig sei. Die Einsührnng höherer Zölle im Interesse der kleinen Gärtner sei ganz unbegreiflich. Die Be- kämpsung der Einfuhr von Zierpflanzen sei auch vom künstlerischen und ästhetischen Standpunkte aus' sehr bedauerlich. In der Abstimmung wird der Zusatz„Pfropfreiser" nach einem Amendement W a>! g e n h e i m augcnommen, ebenso der Au- trug Wallenborn unter 1 bis 3 und, nachdem unter 4 die Worte „Cycasstämme ohne Wurzeln, und Wedel gestrichen worden sind, auch 4. In besonderer Abstimmung'wird für Cycas- stämnie ohne Wurzeln, und Wedel Z o l I f r e i h e i t beschlossen. Ueber Position 38 wird mit 39 zusammen beraten. Position 33 läßt Orchideenbulben, eingewurzelt, wie bisher zollfrei; Position 39 ebenso Blumenzwiebeln,«Knollen und-Bulben, vor- stehend nicht genannt. Frhr. v. Wangenheim(k.) beantragt für Blumenzwiebel» und -Knollen einen Zollsatz von 7,50 M. Veunier(natl.) behauptet, der einheimische Konsument werde vielfach durch die Einsuhr aus Holland betrogen. Die gestrige Er- kläruug des Staatssekretärs Freiherrn v. Richthofeu habe ihn im hohen Maße überrascht. Die Regierung könne es doch den Mit- gliedern der Komnnssio» nicht verdenken, daß sie die beimische Produktion nach Möglichkeit schützen wollen. Staatssekretär Frhr. V. Richthofeu erklärt, im englischen und Ivohl auch in keincin andren Parlament wäre es denkbar, daß so gewichtige Erklärungen, wie er sie gestern im Namen der ver« bündetcn Negiernngen abgegeben habe, in der Debatte kaum gestreift und bei der Abstinimnng ohne Wirkung geblieben wären. Wenn die Leitung der anSIvärtigen Politik so gewichtige Erklärungen abgebe, wie dies gestern durch seinen Mund geschehen sei. so habe doch der Reichstag allen Anlaß, anzunehmen, daß sie ihre guten Gründe dafür habe. Daö Ausland werde leider aus de» gestrigen Beschlüssen zu der Aunahme gelaugen, daß die Mehr« heit der Kommission Handelsverträge mit den durch dieselben betroffenen Staate» überhaupt nicht wolle. Ein solcher Eindruck müsse von Grund ans zerstört werden. Frhr. v. Wangenheim(k.) meint: Die Konnnission iel nicht- der Ort, über diese Fragen endgültig zn entscheiden. Das sei Sache des Plenums. Die Regiernng hätte sich deshalb ihre Er- kläruug für daS Pleuuin ersparen sollen. So wie die Dinge jetzt liegen, hätte das Vorgehen des Freiherrn v. Richthofen nur dazu geführt, klarzustellen, daß zwischen der Majorität der Kommission und der ReichSregierung absolut gegensätzliche wirtschaftliche Anschauungen herrschen. Ter Rcgirrung schritte das Interesse der Italiener«vichtiger zu fein, al» daS der hrimifchru Prodnzriiten, welches die Mehrheit der Kommission vertrete. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen entgegnet, die Regiernng vertrete das wirtschaftliche G e s a m t! n t e r c s s e der Nation. während die Mehrheitsparieien nur Einzclinteresse«, zur Geltung zu bringen suchten. Schon die gestrigen Beschlüsse der Kommission als solcher seien geeignet, den Ab- schlnß eines Handelsvertrages mit Italien aufs äußerste zu erschweren. Die Reichsregiermig werde aber darüber keinen Zweifel lassen, daß sie eventuell eiiicn solchen Handels- Vertrag gegen die Bcschliissc der Koinmission abschließen «verde. Schräder(frs. Vg.): Es sei noch uicht vorgekommen, daß hoch- «vichiige Erkläniugcu der vcrbüudeteu Regierungen seitens einer parlnmeutnrischcu Körperschaft so gleichgültig behandelt worden seien ivie gestern seitens der Mehrheit der Kommission. Man solle bedenken, daß ein gegenteiliger Beschlutz des PleiuimS leicht schon zu spät kommen könne, da inzwischen von Italien und andren Mächten Maßnahmen ergriffen werde» könnte», die nnsre gute» Beziehungen zum Auslände schädigen Iviirden. So werde denn ein hochwichtiges politisches und nationales Interesse von der schntzzölliicrischen Majorität wegen einer berhältniSmnßig un- bedeutenden Zollposttion gefährdet. Stolle(Soc.)«vendet sich gegen die Kusführnngen Beniners. In der Kommission für daS Unfallversichernngs-Gesetz hat man sich immer hinter die Regierung verschanzt. Hier geben die Herren Agrarier auf die Ansichten der Regierung nichts und beHandel» sie wie Luft- Speck(C.) bedauert die Erklärung NichtHofens, die übrigens von seinen Freunden nicht gleichgültig aufgenommen«vorden sei. Seine Freunde hatte» nur den Versuch gemacht, die heimische Gärtnere« vor ausländischer Konkurreiiz und äusländische» Parasiten zu schützen. ES gehe aber doch nicht an, daß die ReichSregierung die Koniinission so rückhaltSlos desavouiere, daß sie erkläre, auck ohne oder gar gegen die Beschlüsse der Konnnisston Zollfreihcit gewähren zu«vollen. Seine Freunde ivüuschteii Handelsverträge auch mit Italien, aber gleichzeitig, so weit als möglich, Schutz für die einhciinische Produktion. Staatssekretär Frhr. v. Richthofe» erlvidert, nicht die Konimission, sondern die ReichSregierung sei d«öavo»»iert worden. Erst habe die Regierung ihre Erklärungen abgegeben, dann habe die Kommission ohne Rücksichtnahme auf die Auslassunge» der Regierung entgegen- stehende Beschlüsse gefaßt. Spahn(C.) bedauert ebenfalls das Verhalten der Regierung. Diese sollte Erklärmigeu innner nur xrobio et nunc(für den Einzelfall«nid Augenblick) abgeben und uicht der Kommission die«Brust aitf die Pistole" setzen.(Heiterkeit.) Eine erste Lesung stelle doch nur einen Versuch dar, in der zweiten Lesung werde er z. B. anö Rücksicht auf seine» Wahlkreis, der gegen Zollschutz für lebende Pflanzen sei, anders stimmen. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Meine Erklärung ist nicht für die Znkinift, sonder» für die Gegenwart berechnet. Redner beiueist dies durch nähere vertrauliche Mitteilungen. Müller- Saga»(frf. Vp.) erinnert daran, wie frühere Er- klärungen der Regierung als nur vorläufig und unverbindlich von der agrarischen Mehrheit beurteilt worden seien. Charakteristisch für das Verhalten der Agrarier gegenüber der Reichsregierung sei es, daß sie gerade bei einem Punkte mit dem heftigsten Widerstand einsetzten, der für die heimische Erzeugung ohne besondere Be- deutuug sei. Dadurch gäben sie zu erkennen, daß sie Handelsverträge überhaupt nicht haben wollten. llnsre heimische Gärtnerei braucht fremde Blun, enzwiebeln, Knollen und Bulben. Trotz dieser Sachlage versteift sich die Mehrheit der Regierung gegenüber auf hohe Zollsätze für diese Artikel ebenso wie für frische Pflanzen und frisches Gemüse. Da müsse man sagen, so schlecht sei noch keine Regierung in einer Kommission be- handelt worden wie die jetzige von der agrarischen Majorität. Gamp Mp.s verbittet sich die Angrifie des Abg. Schräder gegen die Mehrheit, da jener doch selber die Tarifvorlage zu Falle bringen wolle. Er. Gamp, sei bereit, den Entwurf cn bloc anzunehmen, wenn die Linke das auch thne. Wann habe denn in letzter Zeit eine Sitzung des Bundesrats, in der der Zolltarif verhandelt worden sei, stattgefunden, daß Frhr. von Richthofcn im Namen der verbündeten Regierungen sprechen könne? Dr. Paasche(natl.) verwahrt sich im Namen der Mehrheit gegen den Vorivurf des Abg. Schräder, daß er die Erklärung der Regierung gleichgültig bchanhelt habe. Man kann aber doch nicht verlangen, daß die Komniission bei jeder Position die Regierung frage, wie weit eine Zollerhöhung zulässig erscheine. Er sei der Meinung, daß die Erklärung RichthosenS nicht so tragisch zu nehmen sei. Auch auf feiten der Mehrheit sei doch noch nicht daS letzte Wort gefallen. Freilich dürfe die Regierung bei Anträgen au höhere Zollsätze nicht fragen, wen verletzt man jenseits der Grenze, sondern nur: was ist das Interesse der Deutschen? Stadthagenv lviedergiebt, meint unter Hinweis auf englische Angriffe gegen das Verhältnis Deutschlands zu den Ver- einigten Staaten: „Aus die Dauer hat niemand Lust, einen Igel zu streicheln, der bei jeder passenden nnd unpassenden Gelegen- heit gegen uns die Stacheln sträubt." Frhr. v. Richthofen streichelt ruhig den englischen Igel, dessen Stachel soeben seinem Vorgesetzten, den, Reichskanzler, die Finger blutig riß. Eine neue Episode im Zickzack-Wirrwarr des neuesten AllerweltZ- lnrses 1— Die letzte Sitzung der Kommission für Arbeitcrstatistit hat am Donnerstag im ReichSamt des Innern stattgefunden. Sie stellte die Fragebogen betreffend die Erhebungen über die Arbeits- Verhältnisse im Fleischcrgewerbe und solche betreffend des FuhrwcrksgewerbcS endgültig fest. Die Erhebimgeu sollen in derselben Weise vorgenommen»Verden wie die früheren Erhebungen. Es sollen 10 Prozent der Betriebe befragt werden. Bei der Hälfte der Befragten sollen die Unternehmer, bei der andren Hälfte die Arbeiter die Fragen beantivorten. In den Großstädten wird die Ilmfrage mir in bestimmten Bezirken erfolgen, jedoch sollen die Großbetriebe beim Fleischergewcrbe schon mit 10 und mehr Arbeitern nnd im FuhriverkSgeivcrbe solche mit 20 und mehr Arbeitern auch dann befragt werden, wenn sie auch nicht in den Bezirken wohnen, die für die Erhebungen ansersehen sind. Die Sitzung war die letzte, welche die Kommission in ihrer jetzigen Znsammensetzung abhielt. Denn die Kommission wird am 31. März aufgelöst nnd vom 1. April an wird eine besondere Ab- teilnng des Statistischen Amts gebildet, zn welcher sechs BundeSratS- mitglieder und sechs Reichstags-Abgeordnete berufen werden, die dann die Arbeiten der Kommission für Arbeiterstatistik über- nehmen sollen. In seiner Schlußrede gab der Vorsitzende, UnterstaatSsekretär Fleck, einen Rückblick ans die Thätigkeit der Kommission. Die Kommission hat in der Dauer ihres Bestehens 22 Sitzungen ab- gehalten. AIS sie 1892 zusammentrat, wurden Erhebungen über das Bäckereigewerbe, Müllereigcwerbe und der in Ladengeschäften be- schäftigten Personen eingeleitet. 1893 wurden die Erbcbungen über die Gastiuirtsgehilfen, 1893 über die Sonntagsarbeit der Binnen- schiffer, 1890 über das Koiifeklionsgewerbe eingeleitet, die sämtlich zum Abschluß gekommen sind. 1901 wurde die Kommission beauftragt, die gegenwärtig schwebenden Erhebungen über das Comptoirpersonal, Fleischercigewcrbe, Fuhrwerksgewerbe und die Binnenschiffahrt einzuleiten, deren. Fortführung und Abschluß der neu geformten Kommission vorbehalten bleibt.— Der Fall Stietcncron. Kiel, 12. März.(Eig. Ber.) Zn der bereits telegrophisch gemeldeten Vernrtcilnng des Redacteurs Weber von der„Schlesw.-Holst. Volkszlg." wegen angeblicher Beleidigung des Kriegsgerichts der 3l. Division ist noch folgendes nachzutragen. Das Kieler Civilrichter- Kollegium glaubte dem Militärgerichtshof das ausdrückliche Zeugnis, daß er zur Freisprechung Stietencrons nur„nach eingehender Berücksichtigung und Prüfung aller That- fachen nnd ans gelvissenhafter Ueberzeugmig" gekommen sei, nicht versagen zn dürfen. Die Kritik der„Schlesw.- Holst. Volkstg." enthalte eine schwere Beleidigimg des Kriegsgerichts. Namentlich sei der Vorwurf, die Kriegsrichter' hätten in Stietcncron m erster Linie den Standesgenossen und dann erst den Angeklagten erblickt, schwer beleidigender Natur. Es werde damit den Richtern „Reebtsbengimg wider besseres Wissen zu Gunsten ihres Standes- genossen" zur Last gelegt. Dazu ist denn doch, wie auch aus dem ursprünglichen Prozeßbericht hervorgeht, zu bemerken, daß die „Schleswig-Holsteinsche Volkszeitnng" durch ihre eingehende Erklärung des Standpunktes der Kriegsrichter ans deren Milieu heraus die von ihr allerdings angenommene Befangenheit der Militärrichtcr gerade als eine objektive zu charakterisieren versucht hat, während andrerseits das Urteil des Kriegsgerichts selbst mit seiner auffallenden Würdigung der Persönlichkeit Stietencrons und mit seiner Nichtberücksichtigung der Bclastmigs- zeuge» und der Sachverstäildigeu den Passus der„Schlesiv.- Holst. Bol'lSztg." von Stieteiicrou als StandeSgeiiosseii der Militärrichtcr nachdrücklichst uiiterstricheil hat. Auch die Frage des inkriminierten Artikels, ivie viele Menschen eigentlich der„tolle Baron" töten müsse, ehe er unschädlich gemacht lvird, betreffe nicht,>vie der Angeklagte ivollc. Stietencron, sondern sei auf das Kriegsgericht gemünzt. Der 8 193, Wahrnehnnnig berechtigter Interessen, sei dem Angeklagten nicht zuzugestehen, da er„offenbar" das Kriegsgericht habe beleidigen >v o l I e ii. ES sei deshalb, obivohl der Angeklagte noch nicht vor- bestraft, auf eine empfindliche Strafe— wie bereits gemeldet, zwei Monate Gefängnis— zu erkennen. Eine Ladung Schrot gefällig? Wegen vorsätzlicher Zerstörung einer Eisenbahn sollte sich Graf Pückler- Kleintschirue und mit ihm vier seiner Gntsarbeitcr und sein Inspektor Kirchner vor der Strafkammer G l o g a n verantworte». Graf Pückler hatte, wie schon gemeldet wurde, seinem Gutsnachvar, dem Rittergutsbesitzer Metscher zn Steyden, ein Stück Ackerland verpachtet, auf dem dieser zum besseren Transport der Feldfrüchte eine Feldbahn erbaut hatte. Noch ehe der Pachtkontrakt des Metscher abgelaufen war, ließ Graf Pückler diese von seinem Gutsnachbar erbaute Feld- bah» durch den Mitangeklagten zerstören. Der Inspektor und die GntSarbeitcr waren zum Termin erschiene», nicht aber Gras Pückler. Der StaatSamvall beantragte, den Grafen Pückler zum nächsten Termin verhasten oder zwangsweise vorführen zn lassen. Diesem Antrage gab der Gerichtshof nach kurzer Beratung statt und so lvird Graf Pückler zum nächsten Termin, der ans den 20. d. M. festgesetzt ist, zivangsweise vorgeführt Iverde». Der tolle Graf hat bekanntlich geschworen, er ivürde dem Be- amte», der nochmals wagen würde, ihn zwangsweise vorzuführen, eine Ladung Schrot in den Bauch schießen. Wer wagt's?— Ter tapfere Spahn. Vor einiger Zeit fühlten die Dortmunder Ultramontane» das Bedürfnis, sich vom Professor Spahn etwas Wissenschaftliches über den Seraph unter den Heiligen— wie den Kindern in der Schule gelehrt wird--- Franziskus von Assisi zn erzählen. Spahn kam und steckte den Dortmundern ein Spähnchcn. Franziskus sei der Stutzer unter den Heiligen, babe in der Jugend ei» ansschweifendes Leben geführt, sei infolgedesse» auch physisch vollständig zusammengebrochen, so daß er nachher stets einen Stab zur Stütze notwendig hatte. Als Kranker, ei» durch Ausschweifung erschöpfter Mensch habe Franziskus endlich 23 Jahre alt den Weg des Heils gefunden und sei auf demselben tapfer sürbaS gewandert, bis in die vorderste Reihe der Heiligen hinein. Solche Wissenschaft hat bei den Ultramontanen wenig ge- fallen. In der Dortmunder„Tremonia" fuhr ein Pater Pankratius schweres Geschütz gegen dm„jugendlichen" Wissenschafter auf, der mit seiner aus„gegnerischen Werken" geschöpstcn„Wiffenschaftlichkeit" den Dortmundern die ver- klärende Vorstcllinig vorn heiligen Franziskus getrübt, das reine Bild befleckt habe. Und energisch fordert Pater Pankratius, Spähuchm solle widerrufen. In einer an die„Tremonia" gerichteten Erklärmig behauptete der Centrumsprofessor zunächst. vetschiedeiitlich falsch verstanden morde» zu sein, verwahrte sich aber gegen den Vorwurf der leichtfertigen. absälligen Kritik in Bezug auf das Jugend- lebe» des heiligen Franziskus. Weiter warf er seinem Gegner Redaktionen und Bcmitzmig minderwertiger Quellen vor. Darob erbost, forderte die Redaktion der„Tremonia" vom Professor Spahn den bündigen Nachweis für seine Behauptungen... Und Spähnchen schwieg! Tagegen kann die„Tremonia" ini Anschluß an einen Be- richt über einen Vortrag, den Professor Dr. Spahn am 4. März in Aachen hielt, seinen Leser» folgenden indirekten Sieg über die Wissenichafrlichieit des Professors kundgeben, indem sie bemerkt: ..... Herr Prof. Spahn vermied es, seine vor einiget« Monaten in Dortmnnd vorgetragene» Ausichtc» über das Jugendlebcn des Heiligen vor seiner Berufung zu wiederholen, auch sonst war die Bedeutung des hl. Franziskus für seine Zeit«nd die Kirche ganz anders und befriedigend dargestellt.. Dr. Spahn wird sich tröste» in dem Gedanlen, daß er nicht der erste Held ist, der sich tapfer der Hierarchie zn unterwerfen wußte.— Die Verpreustnng der Main- Neckarb ah». Die Eisenbahn- Kommission der Ziveiteu badischen Kammer beantragt beim Pleinun. dem Staatsvertrag zwischen Baden, Preußen und Hessen vom 14. Dezember 1901, betreffend die.Veremfachung der Berwaltimg" der Main-Neckarbohu, die Zustimmung zu erteilen. Die Berpreußung ber Main- Neckarlinicn wird also wohl demnächst zur Thatsache werden. Man verhehlt sich in Baden nicht. daß damit eine erheb- lichc staatsrechtliche VenachtciliIiing des LandeS verbunden ist, glaubt dieselbe aber als unerläßlich bezeichnen zu müssen, wenn man sich die finanziellen Vorteile des neuen Staatsvertrages nicht entgehen lassen will.— Den Dank für den Prinzenempsang hat Wilhelm II. dem Präsidenten Roosevelt in einem sehr verbindlichen Telegramm abgestattet, in dem der Kaiser der Genugthuung Ausdruck giebt, daß seine„ausgestreckte Hand" von Amerika„mit festein männlichem und freundschaftlichem Griffe" erfaßt worden sei. Die gleichfalls sehr verbindliche Antwort des Präsidenten dankt dein Kaiser„im Namen des amerkanischen Volkes" für das, ivas er für Amerika„gethan" und außerdem„persönlich für die huldvolle Foriii," in der er seine„ C ö u r t o i s i e" criviesen habe.— Ein sensationelles Nachspiel zu der Prinzenreise läßt sich die„Berliner Zeitung" durch eignes Kabeltelegranun aus New Jork melden: New D o r k, 12. März. Hiesige Abendblätter kündigen die Dem i s s i o n des deutschen Botschafters v. H o l l e b e n an. Jedenfalls drohen Skandale! es seien geheime Briefe in die Hände der amerikanischen Regierung gefallen. Eine anderweite Bestätigung dieser immerhin sehr über- taschend klingenden Nachricht liegt bis jetzt nicht vor.— Ein Agent dcö Bundes der Landwirte im Centrnm. Aus Bonn, 12. März, wird uns berichtet: Das Schöffengericht in Bonn hat am 3. Dezember die Genossen Grübet von der„Münchener Post" und Mcerfcld von der„Rheinischen Zeitung" wegen Beleidigung des Schriftstellers Hermann Bauer, früheren Redacteurs der centrums-agrarischen„Rheinischen Volks- stimme" und jetzigen Herausgebers der„Agrar- und Socialpolitischcn Korrespondenz", zu je 300 M. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wurde gefunden in eine i von der„Münchcner Post" im Juli vorige» Jahres veröffentlichten und von der„Rheinischen Zeitung" über- uommenen Artikel. Darin war Herrn Bauer nachgesagt: Er habe vor etwa sechs Jahren, als die„Rheinische Volksstimme" ihr Personal vermindern mußte. deni damaligen Rcdactenr der„Rheinischen Zeitung", dem gestorbenen Genossen Karl Hirsch. w i rk u u g s v o l l e A r t i k e l gegen d a s C e n t r u in angeboten, sei aber abgewiesen worden. Trotz des Annäherungsversuches sei er ein treuer Sohn deS Centrums geblieben. Als allerdings die Ver- süchung in Gestalt des Bundes der Landlvirte an ihn herantrat, sei Bauers Stellung zum Centrum etwas eigentümlicher Art geworden: er kämpfe im Centrum als Agent des Bundes gegen das' Centrum. Die von den Verurteilte» eingelegte Berufung kam heute vor der Bonner Strafkammer zur Verhandlung. Vor Eintritt in die Verhandlung bestritt Rechtsamvalt E. S ch r a m»> e n(Köln) bc- züglich deS Beklagten Gruber die örtliche Zuständigkeit. Der Per- treter Bauers bemerkte zunächst: Die Klage beziehe sich nur auf den Teil des Artikels, der behaupte, daß B. der socialdemokratischcn Zeitung Artikel gegen das Centrum angeboten habe. B. sei stets Centrumsmann geweseil und sei es auch heute noch. Der Vertreter der beklagten Rcdacteure habe in der vorigen Instanz das Ver- hältnis Bauers zum Bund der Landwirte in die Erörterung ziehen wollen. Demgegenüber erkläre er, daß er über diese Angelegenheit jede Diöknssiou ablehne, da dieser Teil des Artikels nicht in- kriininiert sei. Rechtsanwalt Schräm m e n: Das Urteil erster Instanz bc- gründet die Höhe der Strafe dainit, daß dem Beleidigten gewisser- maßen journalistische Ehrlosigkeit nachgesagt sei. Es soll nachgewiesen ivcrdeu, daß Bauer, lrotzdcm er Mitglied der Centrumspartei ist. dem Bund, der in scharfer Gegnerschaft zum Centrum steht, gegen Bezahlung Dienste leistet, daß er also der politischen Charakterschwäche fähig ist. Zeuge Gilsbach. Verleger der„Rheinischen Zeitung", bc- kündet: Vor fünf oder sechs Jahren kam zu mir ein Herr, stellte sich als Redactcur der„Rheinischen Volksstimme" vor und erbot sich. auch für unser Blatt zu schreiben. Ich wies ihn au den damaligen Chefredactenr Karl. Hirsch. Als der Herr weg war, sagte unser jetzt verstorbener Berichterstatter Michels: Das sei ja der Rcdactenr der .Lthcinischcn Volksstimme" gewesen; auf seinen Eid könne er nach so langer Zeit die Identität nicht behaupten. Zfeuge H o frich t er: Ich war damals mit Herrn Hirsch Re- dacteur der„Rheinischen Zeitung". Ende 1805 oder Anfang 1896 kain ein Herr zu uns, um de» Chefredactenr zu sprechen. Ich verließ den Rauui, da ich in der Setzerei zu thuu hatte. Als ich zurück kam. war der Herr weg. Hirsch sagte mir. es sei Bauer, der Redactenr der„Rheinischen Volksstimme" gewesen, der sich als Mitarbeiter an- geboten habe. Er habe ihn aber abgewiesen. Einige Wochen später habe Hirsch ihm dann nochmals gesagt, daß Bauer sich jetzt noch einmal brieflich angeboten habe. Der Kläger. Bauer bestreitet entschieden, das Haus der „Rheinischen Zeitung" je betreten zu haben. Rechtsanwalt Schrammen: Bauer hat als Chcfrcdacteur der „Rheinischen Volksstimme" das Krefelder Centrmnsblatt„Nieder- rheinische Volkszeitung" stets aufs schärfste bekämpft. Unmittelbar nach seinem Austritt aus der„Volksstimme" habe Bauer sich aber an den Verleger dieses Blattes gewandt und ihm seine Dienste und Artikel gegen den Besitzer der„Volksstimme", Freiherr» v. Los, angeboten. Zeuge Otto, Verleger des genannten BlatteS: Der Kampf zwischen Bauers und meinem Blatt war sehr scharf. Als Bauer ans der„Rheinischen Volksstimme" austrat, kam er zu mir und suchte Anschluß an die Centrumspreise. Ich begegnete Bauer»atur- gemäß mit Mißtrane». Bauer erklärte, daß er in der Centrums- presse agrarische Tendenzen nicht verfolgen werde, aber daß er mir Material aus dem Lager der„Rheinischen Volksstimme" angeboten hätte, kann ich nicbt sagen. Rechtsanwalt S ch r a m in c u: Bauer Ivar zunächst Redactcur der„Koblenzer Volkszeitnng", eines CentrumSblattes: dann ging er zu der agrarischen„Volksstimme", dann bot er sich wieder der Ccntrnmspresse an! und nachdem mau ihn dort nicht haben wollte, hat er sich jetzt wieder auf die agrarische Seite geschlagen. Zeuge Schreiner, Redacteur der„Rheinischen Volksstimme": In, allgemeinen sei B. mit der Centrumspartei einverstanden, nicht aber mit der Haltung in agrarischen Fragen. In Volkswirt- schaftlicher Beziehung" habe er mit dem Bund der Landwirte die nämlichen Ziele. Jedoch seien sie dagegen, daß der Bund hier au den Rhein komme, wo der Baucruvereiu der ältere sei und die land- wirtschaftlichen Interessen ausreichend vertrete. Am Rhein müsse man mit dem Centrum rechnen. Rechtsanwalt S ch r a m m c u beantragt die Aushebung des schöffengerichtlichen Urteils. Durch die Aussagen Gilsbachs und Hofrichters sei der Beweis der Wahrheil erbracht. Nach dem, was die Verhandlung ergeben habe, sei kein Zweifel, daß Bauer einer solchen Handlung sähig sei. Der Bund und das Centrnm ständen sich zur Zeit äußerst feind- lich gegenüber. Trotzdem sei Bauer heimlich für den Bund thätig! Bauer klage nur wegen des einen Teils des Artikels, weil Karl Hirsch tot sei; wegen der ebenso schlimmen Beschuldigung be- züglich seiner Stellung zum Bund klage er nicht— weil hier lebende Zeugen auftreten ivürdcu, um sein subventioniertes Ver- hältnis zum Bund zu bestätigen. Die„Kreuz-Zeitnng" habe gegenüber der Mitteilung deS „Vorwärts" über Bauer' erklärt: es heiße einen Ehrenmann aufs s ch i m p f l i ch st e beleidigen, wenn ihm in solcher Weise nachgesagt werde, daß er vom Bund der Landwirte Diäten beziehe. Vom„Vorwärts" sei Bauer aufgefordert worden, ihn zu verklagen. Bauer aber habe erklärt, der„Vorwärts" könne ihn nicht beleidigen. Herr Bauer erwidere also nicht auf Beschuldigungen, die nach der Ansicht von Blättern aller Parteien schimpflich seien. Ter Vertreter des Klägers, Bauer, Rechtsanwalt Schmidt, meint: Der Beweis der Wahrheit sei vollständig gescheitert. Auf die Behauptungen bezüglich des Bundes zu antworten, habe B. keine» Grund, weil es nicht ehrenwidrig sei. wenn B. auch für den Bund der Landwirte für Geld Artikel schreibe. Es liege keine Veranlassung vor, hier Interna in die Ceffentlichkeit zu bringen. Nach sehr kurzer Beratung wurde die Berufung ver- warfen. Auch der Einwand der örtlichen Unzuständigkeit wurde zurückgewiesen. Nach der Auskunft der Postverwaltung wurde damals die„ M ü n ch e n e r Post" i u eine in Exemplar in Bonn gehalten. Der Bezieher war nicht Bauer selbst. Aber, so sagt die Urteilsbegründung: auch wenn Bauer das Exemplar gehalten habe, so sei ohne weiteres anziinehmen. daß dieses in der Redaktion, der Familie oder in der Freundschaft gelesen wurde. Die dem Privatklägcr Bauer nachgesagten Thotsachen seien geeignet, ihn im höchsten Maße zu beleidigen und verächtlich zu machen. Einen über allen Zweifel erhabenen Beweis halte das Gericht nicht für erbracht. Es halte die Aussagen der Zeugen für vollständig glaubwürdig. Aber die Identität Bauers mit dem Besucher sei nicht erwiesen. Eine Verwechslung fei nicht ausgeschlossen. In dem Charakterbild, das sich heute ergeben, liege kein Beweis, daß Bauer einer so großen Charakterlosigkeit fähig sei. AttSlrtuD. Der Kampf um das allgemeine gleiche Wahlrecht. Brüssel, den 19. März 1992. sEig. Bcr.) Die Vereinigung aller oppositionellen Parteien zur Erkämpfnng des gleichen Wahl- rechts, die seit Jahren vergeblich angestrebt, ist diese Woche zur Thatsache geworden. Dies gilt nicht nur für die Kammergruppen, sondern auch besonders für die Wähler. Die Manifestationen, die jetzt, zu Hunderten stattfinden, vereinigen liberale Bourgeois, christ- lichc Demokraten und Socialisten. Die Stadt Gent, das belgische Manchester, machte hierin de» Anfang. Dann sind Antwerpen. Alost usw. gefolgt, sind die Stadt Brüssel wird am 17. März eine Riesenmanifestatiou zu Gunsten des allgemeine» Wahlrechts haben, an der alle oppositionelle Parteien teilnehmen. Die treibende Kraft dieser Vereinigung sind die Wähler. Als die verschiedenen Fraktionen der Kammer nur erst zögernd sich mit dem Gedanken eines festeren Zusammenschlusses vertraut machten, vereinigten sich schon die Wähler zu gemeinsamem Vor- gehen. Die Präsidenten der vier.liberalen Vereine Antwerpens, die von gemeinsamen Demonstrationen nichts wissen wollten, wurden von ihren Mitgiedern desavouiert. Auch mit dem ncuaufgetauchtcn Zwcislimmcn-Systcm. das de» doktrinären HymanS zum Vater hat, scheint eS sein Bewenden zu haben. Daß die socialistische Partei, bczw. deren Vorstand dagegen protestierte, lag auf der Hand. Aber auch die progressistische und doktrinäre Presse ist von diesem neuen System wenig erbaut. Sic sagt sehr richtig, daß dadurch die Wahlrechtsfragc keineswegs definitiv gelöst werde. ES würde nur eine Verlängerung dieses, das ganze Land in Aufregung haltenden Wahlrechtskampfcs bedeuten, was vor allem zu vermeiden sei. Von den Socialisten bis zu den Doktrinären herrscht nur ein Gedanke: Das Land von der klerikalen Herrschaft zu befreien, unter der cS seit 18 Jahren leidet. Die Klerikalen verdanken ihre Stellung nur dem Betrug und der Uneinigkeit der fortschrittlich gc- sinnten Elemente, keineswegs dem Umstand,- daß sie die Mehrzahl der Bürger hinter sich gchabt hättcn, denn bei der letzten Wahl <1999) wurde» Stimmen abgegeben für die Klerikalen 993 445. für die Liberalen nnd Progrcssistc» 498 799, für die Socialisten 46! 295, für die christlichen Demokraten 61 217, diverse 33 658. Demnach verfügt die Oppvsilion über 1921311 Stimmen, während die Klerikalen mir 993 445 Stimineii hinter sich haben. Zieht man noch in Betracht, daß die Klerikalen von dcni Plural- lystcm am meisten profitieren, so wird der Vorjprimg der Opposition »och größer. Bei richtiger Anlvendmig der Proporti opellcil Vertretung müßten gemäß der Stimmenzahl die Opposition 77 Sitze und die Klerikale» 75 Sitze erhalten, während in Wirklichkeit die crsteren nur 68 nnd die letzteren 84 besitzen. Soll der belgische Staatskarrcn wieder flott gemacht werden, denn thatsächlich ist er festgefahren, so kann dies nur dadurch geschehen, daß eine andre Partei, gleichviel welche, das Ruder ergreift. An eine Socialgesetzgebimg ist seit langem nicht mehr gemocht worden. Das Gesetz, das Hnz ardspiel' betreffend z. B., läuft seit zehn Jahren vom Senat zur Kammer und umgekehrt, ohne daß eine endgültige Lösimg erzielt worden wäre. Seit Jahrzehnten ist die Reorganisation des öffentlichen G e s u n d h c i t s d i e n st c S:c. der Gegenstand mehrerer Entlvürfe, die in den Mappen der Ministerien schlafen. Das Uiifallvcrsicherungs-Gcsctz ist seit 1389 auf der Tagesordnung, und die� belgischen Arbeiter können sich glücklich schätzen, wenn es in dieser Session noch zur Er- ledigmig kommt. Ferner fehlt ein geregeltes Schulgesetz (obligatorischer Schulbesuch)»sw. Der Wahlrechts-Diskussion sind nun schon 14 Sitzungen gewidmet, und noch ist das Ende nicht abzusehe», denn von den' 69 eingezeichneten Rednern haben nur erst zwei Dutzend gesprochen. Geht es i» dem bisher beliebten Tempo weiter, so wird die ganze Zeit bis zu den Wahle»(Mai) damit ausgefüllt. Das ist jedoäi nnwahr- scbeinlich: denn bevor die Kammer anseiiiander geht, müssen»och elf Budgets, der Antrag ans Revision der Verfassung(allgenieines Wahlrecht) nnd ein andres Gesetz erledigt werden, der Jntcr- pcllationeil, Zwischenfälle usw. sei gar nicht zu gedenken. Eigentlich steht zetzt»ur die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für die Gemeinde n» d Provinz auf der Tages- ordnung. Aber dieses ist aus der Debatte fast ausgeschieden. Rur das allgemeine Wahlrecht für die Legislatur beziv. die Rebision der Lerfassinig wird noch diskutiert,' trotzdem cS die Linke letztere erst nach Erschöpfung dieser Debatte zu beantragen gedenkt. Dmlenmrk. Für de» Verkauf der westindische» Inseln hat sich das Folkething am Dienstag in geheimer Sitzimg mit großer Mehrheit erklärt. Nur 3 Abgeordnete stimmten dagegen. 19 Abgeordnete, die eine vorherige Abstimmung der Bevölkerung der Inseln wünschten, verzichteten angesichts der großen Majorität der Gegner auf Ein- bringung eines diesbezüglichen Antrages.— Jetzt wird die An- gclegenhcit in öffentlicher Reichstags- Sitzung verhandelt werde».— England. Irische Kundgebungen für die Voeren haben i» vielen Städten nnd Ortschaften Irlands stattgefunden. Bei diesen den Sieg Dclareys über Methuen demonstrativ feiernden Kundgebungen soll es zu Ausschreitungen gelommen sein, bei denen englische Bewohner schwer mißhandelt ivnrden. Schon vor einigen Tagen sind englische Truppen, die eigentlich für Südafrika bestimmt wäre», nach Irland gesandt worden. Dagegen soll»ach der Meldung eines Berliner Blattes der König Eduard VII aiigesichts der „revolutionären Haltung" der irischen Bevölkerung auf seine g c- plante Reise nach Irland verzichtet haben. Die Absage des KönigSbesncheS könne möglicherweise die E i n l e i t u r g zu einer antiirischen Regier n ii gskampagne werden.— Amerika. Amerikanische und nissische Reibungen. Das„Bureau Laffan" meldet anS New Jork: Der Konmiandenr des amerikanischen Kanonenbootes„Vicksbnrg", dessen Matrosen vor einiger Zeit in N i n ts chw a ng Z u s a in m enst ö tz e mit russischen Mann- ch a f t e n holten, hat jetzt dem Staatsdepartement über die An- gelegenheit, die weitere Reibungen zwischen Angehörigen beider Staaten im Gefolge hatte, Bericht erstattet. Mit Hinsicht daraus dürfte das Staatsdepartement wahrscheinlich die russische Regierung um Erklärungen ersuchen. Wie verlautet, erregt das weitere Ver- bleiben der Russen in Niutschwang das Mißfallen der Ver- einigten Staaten, deren Borstellungen in Petersburg auch ein Ersuchen um Zurückziehung der Russen von' dem Platze zum Gegenstände haben dürften. Vommunsles. Etabtversrdncten- Versammlung. 1l. S i tz n n g v o rn D o n n e r s t a g, den 13. März 1992, nachmittags 5 Uhr. Die Versammlung beginnt sofort die Specialbcratniig deS TtadthanshaltS Etats für 1992. lieber die Verhandlungen des Etatsausschusses, bcir. die Special- etats G r u n d st ü ck c, Mietsgrund st ü ck e außerhalb der Stadt, K a I k st e i n b r u ch zu Rüdersdorf, Berechtigungen. P o l i z e i k o st e n, Feuerlöschwesen. F l e i s ch s ch a n für das von außerhalb eingeführte Fleisch, berichtet Stadtv. Frieders ei. Der für diese Fleischschau bestehende Gcbührcntarif soll auch für 1992 in Kraft bleiben. Vom Stadtv. Wallach(A. L.) wird der Antrag gestellt, die sämtlichen Gehaltszulagen, die der EtatSeiitivnrf vorsieht, ab- znlehnen und außer den turnusmäßigen Zulagen die Gehälter nur nach den bisherigen Sätzen zn bewilligen. Nach der letzten Gehalts- anfbesserung könne die Versammlung nicht schon wieder, am wenigsten aber gelegentlich der Etntsberatung für einzelne Kategorien Er- höhungcn bewilligen. Für dieselben bedürfe es besondrer Magistrats- vorlagen. Der Antrag, der für sämtliche SpecialclatS präjndizierlich ist, wird ohne weitere Erörterung angenommen, im übrigen die vorstchend erwähnten Etats genehmigt. Ilm 6 Uhr findet die Wahl eines nn besoldeten Stadt- r a t s an Stelle des zum besoldeten Stadtrat gewählten Herrn Müiisterberg statt. Gewählt wird Rentier Jordan- Charlotten- bürg mit 59 von 63 Stimmen; 39 Zettel sind unbeschrieben! Referent für die Special- Etats der Gymnasien, Real- G y mn a si e», O b e r- R e als ch u lc n, R c a l s ch nl e n, höhere Mädchenschulen, G e m e i n d e s ch u l e n, Taubstummen- nnd B l i ii d e n a ii st a l t e ii. sowie des F o r t b i I d u u g s- und gewerblichen U n t e r r i ch t s lv e s e n s ist Stadtv. Wallach. Die Zahl der ordentlichen Lehrerinnen an den höheren Mädchen- schulen soll nach dem Etat um 8 vermehrt werden. Der Ausschuß will dem Magistrat anheimgeben, die Frage, ob nicht die Wissenschaft' lichen Abhandliiiigcu in den Schulprogrammen wegfallen könnten, in Erwägung zu ziehen. Zum Etat der Gcmcindcschulen waren zwei R e s o l n t i o n e n beantragt worden: I. De» Magistrat zu ersuchen, Borkehrniigen zn treffen, wodurch die Ueberfülluiig der Genieindeichnlklnsseii vermieden wird, so daß jedes Kind auch einen Platz in der Klasse erhält. 2. Den Magistrat zn ersuchen. Eiiirichtnngei» zn treffen, daß in allen Gcmeiiideschulen die Ueberkleidcr der Kinder außerhalb der Klaffenrämne aufbewahrt worden könne». Der Ausschuß hat beide Resolutionen abgelehnt. Stadtv. Vorgman»i der Instrumente sind natürlich erheblich, aber da Sic alle so begeistert von dem Gesänge in den Volksschulen sind, werden Sie doch gewiß auch die Mittel bewilligen, um den Gesang noch schöner zu mächen.' Wclni die Kinder nach zwei verschiedenen Pensen unterrichtet werde», kann das Lehrziel nicht erreicht werden. Auch eine Schule in der Schönhauser Allee hat lauge Zeit eine solche Klasse gehabt. Stadtschulrat Bertram hat diese Einrichtung ausdrücklich als eine gute bezeichnet. Stadtschulrat Gcrstenbcrg: Herr Bertram hat die Ansicht der alten Pädagogen vertreten, daß jeder. Schüler da-s Pensum zweimal durchzumachen hat. Diese Ansicht teile ich nicht. Wenn an zwei Stellen dieser Fehler gemacht ist, bei 259 Schulen in 2 Klassen, so wird er abgestellt werden. Daß alles, was in den Schülerbibliothekcn vorhanden ist, werllos sein soll, kann ich nicht zugeben. Stadtv. Haner(A. L.) bestätigt die gute Meinung der Mehrheit über die außerordentlichen Leiftiingen der Volksschule im Gesänge. (Beifall.) Stadtv. Glatzel(Fr. Fr.) ist ebenfalls erstaunt gewesen über die Höhe der gesanglichen Leistungen. Die Höhe derselbe» würde nicht mehr erreicht iverden, wenn mit Klnvierbegleitimg gesungen würde. Mit den gemischten Klassen sei die Sache so gefährlich nicht, Ivie das Beispiel der höheren Anstalten zeige. Stadtv. Rosenow(N. L.): Ich bedanre', daß über die Reinignug der Schulen noch immer kein Beschluß des Magistrats zu stände gc- kommen ist; erfordert denn die Prüfung dieser Frage Jahr und Tag? Hat der Magistrat schon Berichte von den Schulärzten be- kommen? Stadtv. Hoffmauu(Soc.): Als ich im vorige» Jahre eine Geige ür 9 M. für unbrauchbar erklärte, pflichtete mir Herr Gerstenberg bei. Die Geigen für die Realschulen kosten 59 M.. das ist doch Verschwendimg, wen» 9 M. für die Gemundeschulen genügen. Für 9 M. ist keine brauchbare Geige zn liefern, das ist die Meinung der Lehrer selbst. Für die Lehrerbibliotheken der Nealschnlen werden 600 5K. gegeben, macht 5000 M. in 10 Jahren: für die Gemciiideschule» beträgt der Zuschnh 20 gegen bisher 15 M. pro Klaffe. Stehe» jedem Nektar nach der Zahl seiner Klassen die ?0 M. auch znr Verfügung? Zunächst werden wohl die neuen Schulen ausgestattet. Die Schülerbibliotheken zu revidieren ist doch gewiß eine der bescheidensten Forderungen. Nahezu �/z unfrei' Echülerbibliothcken, besonders der älteren Schulen. ist un- brauchbar, die Rektoren schämen sich, die Bücher au§- zugeben. Kleinigkeiten zu bewilligen. nutzt nichts; der alte Kram muß ausrangiert und durch eine einmalige Summe die Bibliotheken würdig ausgestattet werden. Einige Rektoren haben mit den Eltern Verbindungen angeknüpft durch' Veranstaltung von Schulfestlichkeiten n. dergl.; die entbehren die Instrumente sehr schmerzlich. Für die Reinigung der Volksschulen muß endlich einmal etivas Gründliches geschehen. Stadtrat Selberg: Die Versuche bezüglich der Reinigung werden unausgesetzt fortgeführt. In den letzten Jahren ist wöchent- lich dreimal naß aufgewischt und auch der Staub entfernt worden ebenso sind Wände und Decken abgestaubt worden. Die Stadt- verordneten und Biirgerdcputicrtcn müssen die Rektoren auch ordent- lich in dieser Beziehung kontrollieren. Die Heranziehung eines Reinignngsinstituts ergab merkwürdige Resultate. Zuerst ging es vortrefflich, dann ließen die Leistungen nach und zuletzt engagierte das Institut unsre Scheuerfrauen, und die Reinigung war gerade so schlecht als vorher. Die dänische Regierung hat vor einiger Zeit unsre Schulen studiert und uns neuerdings gerade um Auskunst über unsre Reinigungsmethode ersucht, da die Schulen so außerordentlich sauber gewesen seien. Stadtv. Borgmann: Bei einer kürzlichen Besichtigung einer Schule wegen der Lichtverhältnisse an einem Sonntagvormittag wurden die Klassen völlig im Schmutz vorgefunden. Der Schul- diener sagte, diese Klassen kämen erst morgen heran; an der andren Seite, dort, wo die Herren erlvartet wurden,' war alles rein. So wird cS Ivohl auch bei dem Empfange der Dänen zugegangen sein.(Heiter- keit.) Einrichtungen, wie die gennschten Klassen, werden aus Ersparnis- rücksichten insceniert l Das ist ja gerade unsre Klage, denn für die höheren Schulen sind die Mittel vorhanden. Die Klagen über die schlechten gesanglichen Lehrmittel kommen uns von den Lehrern und Rektoren selbst(Widerspruch); zu Ihnen kommen sie nicht, weil sie bei Ihnen kein Gehör finden.(Erneuter Widerspruch.) Unsre Parteigenossen sind die Herren gewiß nicht. Stadtschulrat Gerstenberg: Selbst diese gutgläubig auf- genommenen Mitteilungen bedürfen zuweilen einer Kritik; vor allem muß man sich vor Verallgemeinerungen hüte». Die höheren Ausgaben für die Bibliotheken der höheren Schulen werden zum großen Teile für wissenschaftliche Zeitschriften aus- gegeben; daS kommt doch für die Gemeindeschulen nicht in Betracht. Die Bibliotheken werden wir durch die Hausknratoren revidieren lassen. Die Berichte der Schulärzte sind eingegangen, aber die Schulinspektoren haben auch»och ihre Gutachten abzugeben. Die Versammlung hat selbst einen Termin für diesen Versuch gesetzt. Stadtv. Hoffmann kommt auf die Frage des Kaufzwangs für Schulprämie» zunick, der kür Gemeindeschulen noch heute bestehe. Pro Klasse der Realschule werden 142, für die Gemeindeschule nur 4S M. für Lehrmittel belvilligt, für den Realschüler 4 M., für den Gemeindeschüler 87 Pf. Die Erhöhung um 33Vz Proz. von 15 auf 20 Mt hat doch nicht groß ivas zu bedeuten. Ich frage»och- mals, ob jeder Rektor die 20 M. pro Klasse ausbezahlt bekommt oder ob nicht erst die neuen Schulen davon ausgestattet werden. Stadtv. Cassel(A. L.) hält für nötig, den ungeheuerlichen Ueber- treibungen entgegenzutreten, die darin gipfeln, daß die Stadt kein Geld für die Gemeindeschule habe und die Volks- Schule ihr Stiefkind sei. Seit 1894 seien die Gehälter um min- destens zwei Millionen erhöht. und es sei unwahr, zu behaupte». daß die Stadt nicht mit größtem Interesse und höchster Sorgfalt das Interesse der Gemeindeschule pflege. Herr Borgmann reite auf den zwei gemischten Klassen herum; in den 50er und 60cr Jahren hätten wir alle in derselben Weise den Unterricht genossen und wären doch nicht alle zu Dümmlingen geworden. Die Herabsetzung der Schülerzahl in den Gemeindeschulklassen auf die Zahl der Schüler in den Klassen der höheren Schulen sei absolut un- möglich. Schulrat Gerstenberg: Für die neuen Bibliotheken ist ein be sonderer Fonds im Etat ausgeworfen. Die Erhöhung für die andren Schulen ist nicht von 15 auf 20, sondern, wie ich berichtigen mutz, von 35 auf 40 M. erfolgt. Stadtv. Borgmann: Ich habe den Nachweis des Vorhanden seins gemischter Klassen geführt, weil mir der Oberbürgermeister dies bestritt. Es giebt auch noch weitere solcher Klassen. Herr Cassel führt uns die Steigerung der Ausgaben vor, ohne des Wachsens der Bevölkerung und der Schülerkopfzahl zu gedenken. Das Gemeinde- schulkind kostet 5» M. pro Jahr, bei den höheren Schulen kommt auf den Kopf 129 M.. der Zuschuß pro Kopf der Gemeinde- schüler ist in 10 Jahren um S, der höheren dagegen um 35 M. gestiegen I Nachdem nochmals Stadtschulrat Gerftenberg und Stadtv. Cassel gesprochen haben, macht Stadtv. H o f f m a n n darauf auf- merksam, wie herrlich iveit wir seit einen« Jahre fortgeschritten sind. Die Neunmark- Geigen sind jetzt vorzüglich und der Kaufzwanz für Prämien bei bestimmten Buchhandlungen besteht ruhig fort. Damit schließt die Diskussion. Die Resolution betreffend die Revision der Bibliotheken wird abgelehnt. Stadtv. Liebenow erstattet das Referat über die Etats: Armenwesen, Siechenan st alten. Friedrich Wil- Helms- Hospital. Arbeitshaus in Rummelsburg, Städtisches Obdach, Desinfektions- Anstalt, H i l f S st a t i o n für Geschlechtskranke. Die vom Magistrat vorgeschlagene Erhöhung der Besoldung der Armenärzte(deren Zahl um drei vermehrt werden soll) von 1200 resp. 1500 Mark auf 1600 Mark hat die Ausschußmehrheit abgelehnt und 22 500 Mark an den Ausgaben abgesetzt. Zum Etat der Siechen- «anstalten ist eine auf baldigste Erbauung eines neuen SiecheuhauseS gerichtete Resolution abgelehnt, dagegen eine andre angenonimen worden, wodurch der Magistrat zur Reorganisation des ärztlichen Dienstes in den Siecheuanftalten und dem Hospital aufgesordert werden soll. Vorstehende Resolution wird angenommen. Stadtv. Hoffma»» regt von neuem die Verlegung der HilfS- station an; die Aussicht darauf rücke anscheinend in immer weitere Ferne. Der Antrag Hoffmann auf Verlegung der Hilfsstation wird abgelehnt. Referent für die Etats der Kranken-, Irren-, Idioten-, Bade-Anstalten und H e i m st ä t t e n ist Stadtv. U l l st e i n. Stadtv. Dr. Freudenberg(Soc.): Nach den ausgiebigen Er- örtenmgeu der Krankcnhausverhältniffe im Reichstage versage ich ich mir heute eine Diskussion größeren Stils. Auch bezüglich der Ueberfüllung hat der Magistrat zugegeben, daß die An- spräche an unsre Krankenhäuser aufs höchste gespannt sind und das Tempo im Krankenhausbau nunmehr einge- schlagen iverden soll, welches wir stets für notwendig erklärt haben. Ich weise jetzt nur auf den großen Mangel an Säuglings- betten hin. Bei der TyphnS-Epidemie von 1880 war die Verwaltung von Moabit gezlvungen, die Leichtkranken aus Strohsäcken unterzubringen, und diese Epidemie lieferte bloß etlva 150 Kranke. Heut« sind wir Epidemien gegenüber noch weniger gerüstet. Den im Ausschuß abgelehnten Antrag, die Dienstzeit des Wärterpersonals auf nicht über zehn Stunden und den Lohn nicht unter 3,50 M. z» normiere», nehmen wir hiermit ivieder auf. Der Gegenantrag Kämpf, der die stärkere Heranziehung von Krankenschwestern empfiehlt, kann daS Bedürfnis nicht decken. Ueber meinen Genossen Antrick hat man sich weidlich entrüstet, aber um die zu lange Arbeitszeit der Wärter ist man herumgegangen wie die Katze um den heißen Brei. Der Verwaltungsdirektor Merker aus Moabit hat selbst berichtet, daß der Wnrtcrdicnst zulvcilen 13 bis 14 Stunden beträgt. Nach derselben Autorität erfordert der Wärterdienst eine ganz besondere Anstrengung und Leistungsfähigkeit, sodaß' der tägliche Dienst 10 Stunden nicht überschreiten dürfe. Das in Aussicht gestellte Ruhegehalt für die Wärter wird nur einer ganz winzigen Minderheit zu gute kommen. weil fast gar keine Wärter über 10 Jahre in unsren Krankenhäusern bleiben. Ebenso steht es mit der Hinterbliebeucnversorgung, denn die aller- nieisten Wärter können überhaupt nicht heirate». Die Eni- rüstung des Stadtrats Weigert über die Singersche Behanptnng, daß ein Arzt auf 1000—1200 Kranke könne, war doch wohl nicht so ganz echt, denn im städtischen Siechenhaus kommt noch auf 600 Kranke nur ein Arzt. Thatsächlich kommt ein Arzt auf etlva 280 Kranke und auch nur deshalb, iveil man den Oberarzt den Chefärzten hinzurechnet. Herr Louis Sachs hat so viel kommunale und sonstige Aemter, daß er als Kurator von Moabit wirklich nicht allen Anfordernngen nachkommen kann. Mau sollte auch für die Krankenhäuser besondere Kommissionen schaffen. Stadtrat Weigert: Für die Sänlinge zu sorgen, ist die schwierigste Aufgabe der Krankenhpusverivaltung. Für Epl demien brauchen Ivir keine stationären Krankenhäuser. In den letze» Jahren sind die Löhne des Wärtcrpersonals erheblich auf gebessert worden. Auch die Victoriaschwestern bekommen jährlich nur 360 M. Die Zahl der Wärter kann nicht weiter vermehrt werden. schon jetzt kommt auf 6 Kranke 1 Wärter. Der Oberarzt ist kein gehobener Assistenzarzt, sondern ein selbständig leitender Arzt. Stadtrat Straßmann: In der Waisenhaus-Verwaltung wird bei dem bevorstehenden Umbau auch eine geräumige Säuglings station geschaffen iverden, auch Polikliniken für Säuglinge nach Pariser Muster iverden geplant. Stadtv. Kämpfworilicher Redacteur- Earl Leid in Berlm. Mr den Snieratenteil verantwortlich:»h.«locke in Berlin. Druck und Verlag von MaxBadittg in Berlin Hierzu 2 Beilage«». Unterhaltmigsblatt. ilr.62. 19. Srs.Amörls" ßttliiift öoltelilntl««»»«•» Veichskag. 13. März 1902 Frhr. von 164. Sitzung Dom Donnerstag, den nachmittags i Uhr. Am VnndeZratstisch: Nieberding, Äraetke, Thixlm a» n. Die dritte E t a t s b e r a t u n g wird beim Etat der Reichs I u st i z v c r w a I t u ng fortgesetzt. At>g. Basscrman»(natl.): Nach Zeilnngsiiachrichtcn soll ein Gesetzeutwnrf zur Bcseitigniig des fliegenden Gerichtsstandes dem Bundesrat zugegangen sein. Ich würde es mit Freuden bc grüben, wenn diese Vorlage nach Ostern an das Hans gelangen würde, damit diese Materie endlich den Wünschen des Reichstages gemäh geregelt wird. In der Frage des Schutzes der B a u h a n d w e r k e r liegen zur Zeit mehrere Entwürfe vor Der prentzische Justizminister hat nun im Abgeordnetenhause die Aeubernng gcthan, dag zlvcifellos die Banthätigleit durch eine solche Borlage eingeschränkt werden würde, und daß es daher bc- denllich wäre, bei der gegenivärtigen wirtschaftlichen Lage mit einem solchen Gesetz die Arbeitsgelegenheit zu vermindern. Ich iviirde es sehr bedauern, wenn auf Grund dieser Aeubernng die Regelung der Sicherung der Baufordernngen, die dringend notwendig ist, wieder ans die lauge Bank geschoben iviirde.— Redner wünscht weiter Bcrtretnng der Handivcrkerkammern bei den Kammern für Handels- fachen. Staatssekretär Nieberding: Ich kann bestätigen, daß der Eni- Wurf zur Beseitigung des fliegenden Gerichtsstandes dem Bundesrat zugegangen ist und bald nach Ostern an daS Haus gelangen wird lBravo!) Die Besorgnis des Herrn Vorredners in Bezug auf die Borlage zum Schutze der Bauhandwcrker ist unbegründet, die Vor- arbeiten sind iveiter ini Gange und die Vorlage lvird, so bald es möglich ist, an das hohe Haus kommen. Wenn dieser Zeitpunkt eintritt, kann ich freilich auch heute noch nicht sagen. Abg. Biising snatl.): Ich beschränke mich auf die kurze Er- klärnug, dab die beiden veröfsentlichten Entwürfe zrun Schutze der Bauhandwerker nusern Anforderungen nicht entspreche». Wir werden die Sache bei Gelegenheit eines Initiativantrages ausführlich bc- spreche». Abg. Tr. v. DzienibowSki-Pomian(Pole) führt Klage darüber, dab auf Anordnung deS Regicrnugspräsidenten in Breslau dort allgemein die polnischen Namen überhaupt nicht oder nicht mit den spccifisch polnischen Zeichen in die Standesamts- Register ein- getragen werden. Ich bedauere diesen Kampf gegen Namcn, solche Anordnungen können nur die Bevölkerung empören und aufregen. Lediglich durch solche Maßnahmen iverdcn die Agitationen in das Land getragen. lBeisall bei den Polen.) Abg. Beckh-Coburg(frs. Vp.) bittet gleichfalls um möglichste Beschleunigung der Vorlage zum Schutz der Bauhandwerker, die jetzigen Entwürfe bieten keine geeignete Grundlage zur Regelung dieser Materie. Daß der fliegende Gerichtsstand beseitigt werden soll, ist sehr zu begrüßen. Allerdings steht die Vorlage dieses Ent- Wurfs im Widerspruch zu der Erklärung des Herrn Staatssekretärs, daß Materien, zu denen Initiativanträge vorliegen, bis zur Er- Icdiguug derselben von der Regierung nicht geregelt werden. Staatssekretär Nieberding: Ein Widerspruch gegen meine Er- klärnug liegt nicht vor, denn in diesem Fall hat der Reichstag in ciner Resolution seiner Absicht Ausdruck gegeben, daß eine Vorlage in dieser Sache an das Haus gelange. Abg. Liebermann t>. Sonnenberg kommt auf die Behanptnng des Amtsrichters G e r l a ch zurück, der dem jüdischen Eide eine besondere Glaubwürdigkeit.zuerkannt hatte. Die Statistik beiveise aber, daß die Juden im Verhältnis fast doppelt so hänsig wegen wissentlichen und fahrlässigen Meineides bestraft werden wie die Christen. Ein Rabbiner Dr. Münz hat einen offenen Brief an mich gerichtet, der sich gegen das angebliche Märchen vom Ritualmord wendet und die Glaubwürdigkeit des jüdischen Eides hervorhebt. Durch die S t a t i st i k werden seine Angaben widerlegt. Bemerkensivcrt ist nur, dab selbst ein L a n d r a t sich bemüßigt gesehen hat, dieses Schriftchen seinen Kreiseingesessenen im Kreis blatt besonders ivarm zu empfehlen. Wenn ich der Vorgesetzte dieses Landrats wäre, dann würde ich wohltvollend annehmen, seine Nerven hätten durch Ueberarbcitung gelitten, und ihm einen längeren Erholungsurlaub bewilligen. Damit schließt die Diskussion. Der Etat des Reichs-Jnstiz amts wird beivilligt; desgleichen debattelos der Etat des Reichs- Schatzamts. Beim Etat deS Reichs-Eisenbahnamts wendet sich Abg. Hicber snatl.) gcjjcn den Vorschlag des Abg. Müller Meiningen ans der zweiten Lesung auf eine süddeutsche Eiseubah» gemeiuschaft. Das Ziel müßte vielmehr eine allgemeine Reiche Eisenbahngeineinschaft sein. Abg. Dr. Oertcl- Sachsen(k.): Es ist viel von einem preußisch- sächsischen Eisenbahn krieg gesprochen. Ein solcher Krieg besteht in der That, freilich bewegt er sich in den allerhöflichstcn Formen freundschaftlicher Vereinbarungen. Die Wirkung dieser Verhältnisse ist aber in der That den Wirkungen eines Krieges recht ähnlich. Der Güterverkehr muß oft große Umwege machen. Ein sächsischer Nationalliberaler hat in der zweiten sächsischen Ständekamnier die Aeußcruug gcthan, die jetzigen Zustände erinnerten an die Zeiten des heiligen römischen Reichs. Er hat durch diese Acnßcrung selbst die Glocke des Prä- sidente» in Bewegung gesetzt, Ivos in jener Kammer seit einiger Zeit nicht mehr vorgekommen ist.(Heiterkeit rechts.) Vcrgegen- wärtigcn Sie sich die ganze Schtvere des Vorganges. Sachsen sind höflich, Nationallibcrale sind milde, höfliche Leute.(Heiterkeit.) Wenn also ein sächsischer National- liberaler(Große Heiterkeit) ein solches Urteil fällt, so müssen die Dinge in der That schlinnn stehen. Ein Wettbewerb zwischen den ver- schiedene» einzclstaatlichen Eiscnbahnverwaltungen widerspricht dem § 44 der Verfassung und die Reichs-Eisenbahnverwaltung hätte alle Ursache, dagegen einzuschreiten. Tie preußische Regierung aber thäte gut in Wahrnehmung ihres alte» Wahlspruches surim euiqne das suurn weniger und das cuique Sachsen gegenüber etwas mehr .zu pflegen.(Heiterkeit.) Präsident im RcichS-Eisenbahnamt Dr. Schulz: Herrn Oertel kann ich nur insoweit recht geben, als es mit Artikel 44 der Verfassung allerdings in Widerspruch stehen würde, ivenn die deutschen Eisenbahn Verwaltungen untereinander Kon- k u r r e n z k ä m p f e führen wollten, tvie man das in Nordamerika beobachtet hat. Ein mäßiger loyaler Wcttbciverb wird aber durch die Verfassung nicht ausgeschlossen, sonst hätte man ja seiner Zeit eine Finanzgcmeinschaft unter den deutschen Eisendahnen bcrstellcn müssen. Sächsischer Bundesratsbcvollmächtigter Graf Hohenthal erklärt. daß er von seinen früheren Ausführungen über diese Materie nichts zurückzunehmen habe. Abg. Dr. Haffe(natl.) wünscht eine Tarifermäßignng von 50 Proz. für die Musterkoffer der reisenden Kaufleute Deutschlands. Abg. Gras Stolberg'Wernigerode lk.): Ich Ivill nur konstatieren, daß, so viel mir bekannt ist, von keiner Seite in Preußen der Gedanke erwogen wird. andre Staaten zum Eintritt in eine Reichs- Eisenbahngemeinslliaft mit Preußen aufzufordern. Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Wie der Herr Vorredner schon bemerkte. ist der Gedanke einer Reichs-Eisenbahn- gemeiuschaft zur Zeit v o l l k o in m e» utopisch, es wird daher nichts übrig bleiben, als wenigstens dem Gedanken der s ü d- d e u t s ch e n E i s e n b a h n g e in e i n s ch a f t näher zu treten. Abg. Singer(Soc.): Ich bin der Meinung, daß der Zwang der Verhältnisse dahin führen ivird, daß wir in der That Reichs- eifenbahnen bekommen. Die Eiseubahngemeinschaften. die jetzt in der Luft schweben, sind nur ein Hindernis sür dieses große Ziel, dessen Erreichung im Interesse des Verkehrs durchaus not- wendig ist.— Vor allem aber wollte ich mich gegen die Fordcrnug deS Herrn Abg. Hasse wenden. Wir wünschen Berbilliguiig der Personen- iiiih Gütertarife, aber für alle, und nicht Aus- nahmen sür besondre Fälle, llcbrigcns winde auch die Tarif- crmäßiguug für Müsterkofser weit weniger den Reisenden selbst, als ihren Ausiraggebern zu gute kommen. Schließlich läge also die geforderte Berbilliguiig lediglich im Interesse des Kapitals und dagegen müssen wir uns entschieden wenden.(Bravo! bei den Socialdemokrateir.) Damit schließt die Diskussion. Der Etat des Reichs-Eisenbahnamts wird bewilligt. Ebenso debattelos der Etat der ReichSschnld, des Rechunngshofs, des Allgemeinen Pensionsfonds. Es folgt der Etat des R e i ch s- I n v a l i d e n f o n d s. ReichsiSchatzsekretär Thiclmann erklärt das Einverständnis der verbündeten Regierungen mit der vom Reichstag in der zweiten Lesung in einer Resolution, geforderten E r h ö b n n g des Bei h i I f e f 0 n d S a n Veteranen von 6,2 auf 7,5 Millionen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Es ist bedauerlich, daß der Herr Staatssekretär eine solche entgegenkommende Erklärung nicht bereits bei Gelegenheit meiner Interpellation abgegeben habe. Jin übrigen sind ilnsre Wünsche noch nicht erfüllt; das Gesetz, welches die Beihilfen regelt, wird in der gegenwärtigen Form nicht aufrecht erhallen werden könne», sondern in der Richtung des Antrags Riß ler geändert werden müssen. Abg. Graf Oriola(natl.): Ich hatte die Sllisicht, nach der Er- kläcung des Herrn Staatssekretärs formell die Erhöhung des Titels von 6,2 auf 7,5 Millionen zu beantragen, da aber ans diese Weise der Reichstag noch einen Tag länger hier ziisaminengehalten.werde» müßte, spreche ich die Erwartung aus, daß die Sache in einem Nach- t r a g s e t a t geregelt wird. Staatssekretär v. Richthofe» sagt zu, daß nach Ostern ein solcher Nnchtragsetat vorgelegt loerde» wird. Der Etat wird hierauf bewilligt. Es folgt der Etat der R e i ch s- P o st- und Telegraphen Verwaltung.> Abg. Singer(Soc.): Ich hatte erwartet, daß eine Erklärung vom Regiernngstisch bc züglich der vom Reichstag in der zweiten Lesung angenommenen Resolution auf E i n st e l l u n g von weiteren 1066 Post-. a j s i st e n t e n- S t e l I c» in den Etat erfolgen würde. Da das nicht geschehen ist, behalte ich mir weitere Aussührnngen darüber für später vor. Nach den Mitteilungen in der Presse soll ja der Wunsch des Reichstags nicht erfüllt werden, jondem eine Erhöhung der Tagegelder für die diätarisch beschäftigten Beamten ein- treten. Dieser AüStveg würde mir sehr wenig glücklich erscheinen, weil die Sicherheit, die in der Anstellung liegt, dadurch>dcn be- treffenden Beamten doch nicht gewährt würde. An den Herrn Staats- sekrctär habe ich dann die Bitte zu richten, daß die Bauten mit Rücksicht ans die gegenwärtige wirtschaftliche Krise möglichst beschleunigt werden. Mir ist berichtet worden, daß in Stettin der Bau eines.' großen Postgebändes am Paradeplatz lest langer Zeit still liegt. Es Iväre aber doch gerade Pflicht einer öffentlichen Ver- ivaltung, mit Rücksicht auf den Arbcitsmangcl nnt gutem Beispiel in der Bauthätigkeit voranzugehen. Weiter habe ich schon gegenüber dem früheren Herrn Staatssekretär des Reichs- Postamts erklärt, daß wir es nicht sür richtig halten, wenn die unteren Postbeamten durch ihre Vorgesetzten zu Saminluugeii irgend welcher Art aufgefordert werden.. Unter dem Deckmant.cl der Freiwilligkeit wird hier einfach ein Zwang ausgeübt. Es liegt mir aber jetzt wieder ein Erlaß des Ober- Postdfrektors von Posen vor, durch den die Vorsteher der Postämter aufgefordert werden, Sammlungen für ein Bismarck-Dcnkmal in Posen einziileiteii. Wir müssen uns aufs sldärfste dagegen wenden, daß die Amtsgewalt zu solchen Partei- politischen Zwecken mißbraucht wird. Wenn die Beamten socialdemokratischen Bestrebungen nachgehen, so werden sie disciplinarisch bestraft und man sagt, Beamte haben sich um Politik nicht zu kümmern. Hier aber werden Samm- lungen veranstaltet zu einem unzweifelhaft politischen Zwecke. Ich bitte den Herrn Staatssekretär, die Erklärung ab- zugeben, daß er durch eine Generalverfügung den nachgeordneten Instanzen es ein für allemal untersagen wird, solche Sammlungen bei den Unterbeaniten zu veranstalten. Schließlich habe ich noch eine Angelegenheit vorzubringen, von der ich lebhaft wünschte, daß.ich sie nicht vorzubringen brauchte. Es handelt sich um die Damen, die in den Vorrämneii vor den Schaltern mit dem Verkauf von Postwertzeichen be- ichäftigt sind. Diese Damen erhalten einen Loh» von 2 M. pvo Tag, also etwa 60 M. monatlich. Ihr Dienst ist kein leichter, sie haben oft ll auch 10 Stunden Dienst— dabei ist der Dienst ein verantwortiingSvoller und der Anfenthalt in den meist überfüllten Räumen der Gesundheit wenig förderlich. Nim soll eine Verfügung ergangen sein, wonach diesen Damen in Zukunft der Sonntag nicht mehr bezahlt wird. Ich bitte den Herrn Staatssekretär dringend, diese Verfügung, ivenn sie ergangen sein sollte, rückgängig zu machen. In der Privatindustrie bezahlt jeder anständige Arbeitgeber die Sonntage mit, da sollte auch die Neichspostverwaltung das als das Minimum dessen betrachten, was sie zu thun verpflichtet ist. (Sehr richtig! bei den Svc.). 1.! Staatssekretär Kraetke: Im Anschluß an die Debatten bei der zweiten Lesung habe ich das hohe Hans zu bitten, es bei dem Etat- ansatz bezüglich der Assistenten zu belassen. Wir glauben, daß gegenwärtig bei der Lage der Verhältnisse mit der Einsetzung von 3000 Stellen dem Bedürfnis genügt ist und ich er neuere meinen Vorschlag, daß denjenigen Assistenten, welche länger als 6 Jahre im Diätariat sind, die Diäten von 4 M. ä»f 4,50 und von 4,50 M. ans 5 M. erhöht werden sollen. Ans diese Weise erreichen diese Diätare das Gehalt der festangestellten Beamten zuzüglich des geringsten Wohnnngsgeld-Zuschusscs/ Bei dem künf- tigcn Etat soll Vorsorge getroffen Iverdcn. daß möglichst viele Assistenten zur Anstellung kommen.— Was die Anregungen des Herrn Singer anlangt, so habe ich am 3. Jaimar eine Veisüguitg erlassen, daß mit Rücksicht-auf- die ungünstige ivirtsckiaftlichc Lage vor allem der Arbeiter begonnene Bauten t h n n l i ch st f o r t- zuführen und neu vorgesehene spätestens am t. April' in Angriff zu nehmen sind. Der Fall in Stettin ist inir nicht bekannt, ich werde nachforschen lossen, worauf das Einstellen des Baues zurückzuführen ist.— Bezüglich des Falles in Posen ist dem Vorredner ja bekannt, daß die R e i ch s- P o st v e r w a l t n n g solche S a Mm l i, n g e li nicht billigt.— Für die Damen in den Schalter- Vorräumen'wai: ursprünglich nur stimdcnweise Beschäftigung vorgesehen. Sollte es richtig sein, daß ihre Arbeit 8, S ja 10 Stunden dauert und ihre volle Kraft in Anspruch nimmt. so wird allerdings eine Erhöhung des Lohnes eintreten oder ihnen der Sonntag bezahlt werden niiisien. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielmann: Ich kann erkläre». daß meinerseits dem zugestimmt werden wird, daß die Zahl der etatsniätzige» Postassisteiitci! im nächsten Rechnungsjahr derart erhöht wird, daß eine baldige Verminderung der Diätarzeit auf 5 Jahrs erreicht wird. Das war ja der springende Punkt. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.):'Die vom Regierungstisch ab- gegebenen Erklärungen bedeuten ja unzweifelhaft einen Fortschritt gegenüber dem gegenwärtigen Znstand. Freitich ganz kommt die Erhöhung der Diäten unsrer Forderung doch nicht nach, es müßte noch eine weitere Erhöhung um 75 Pf. erfolgen. Auf keinen Fall aber ersetzt die Erhöhung der Diäten die etatsmäßige Anstellung, die Unsicherheit der Existenz; Abg. Werner(Ant.) plaidicrt für eine bessere Besoldung der in den Postanstalte» der größeren Städte angestellte» Marten- Verkäuferinnen. Staatssekretär des Reichs-Postamts Kractkc: Eine Erhöhung der Diäten um 75 Pf. ist nicht angängig. Abg. Schmidt-Frankfurt(Soc.) kommt noch einmal auf den Fall Kraus ans der ziveilen Lesung zurück. Redner verwahrt sich dagegen, das; dieser Kraus, der als Querulant hervortrat, dabei unter L e i t n n g eines socialdem akratisch en Arztes Schneider handelte. Wenn auch anzunehmen ist, daß jeder ver- nünftige Mensch Socialdeinvkrat ist(Große Heiterkeit), so ist mir von dem Dr. Schneider dies nicht bekannt. Herr Schneider hat nur in einigen Gewerkschafts-Versaiiimluiigen Vorträge über hygienische Fragen gehalten; ans diesem Grunde kann man ihn dach nicht als Socialdeinvkraten bezeichnen. Das Ihn» Gelehrte ans allen Parteien. Ich bleibe dabei, daß die zivangs- weife Pensionierung des Kraus zu Unrecht erfolgt ist.(Bravo! bei den Socialdeniokraten.) Abg. Gröberg. Dr, v. Dziembowski-Pomian(Pole): Nach den Bcstim- mmigen des Postgelctzes dürfen Briefe von der Postverwaltnng nur geöffnet werden, wenn der Adressat nicht zu er- Mitteln ist. In Posen werden aber den klaren Bestimmungen ent- gegen Briefe mit p o l n i s ch e n A d r e s s e n geöffnet, die zweifellos leicht bestellbar waren. So war ein Brief an den katholischen Probst in ciner kleinen Stadt, den jedes Kind dort kennt, als nickt bestellbar geöffnet, weil ans der Adresse stand Herrn..... X, Wegen dieses X, der landläufigen Bezeichnmig für den katholischen Geistliche», loar der Brief nicht bestellbar. In einem weiteren Falle wurde ei» Brief nicht bestellt, weil der Adressat nicht an dem Ort der Adresse seinen Wohnsitz habe. Dann müßte ja auch ein Brief an den Abg. Dr. v. Dzicinbowski, Reichstag, nach Posen zurückgehen und dort geöffnet werden, den» die Beamten würden mit Recht sagen, der Abg. v. Dziembowski- Pomian wohnt doch nicht im Reichstag.(Große Heiterkeit.) Redner führt noch eine Reihe weiterer Fälle an. Staatssekretär Kractkc: Ob in den einzelnen Fällen mit Recht oder Unrecht Briefe nicht bestellt worden sind, kann ich hier natürlich nicht unterscheiden. Die Herren thäten besser, ehe sie hier Anklage erheben, Beschwerde beim Reichs-Postamt einzulegen und die Antwort abzuwarten. In einigen Fällen haben wir bereits ent- schieden: Diese Peinlichkeit war nicht angebracht. Versehen kommen gewiß vor und wir stehen durchaus nicht auf dem Standpunkt, daß alles richtig ist, was die Beamten thun. Es werden aber tanscnde von Briefen eingeliefert, auf denen eine große Menge polnischer Namen und Bezeichnungen verzeichnet ist. Derartige Rätsel zu lösen sind die Beamten nicht verpflichtet. Wir sind eine deutsche Verwaltung.(Bravo! rechts.) Meine Bcamtcii sind nicht verpflichtet, polnisch zu lernen, die polnische Geographie kenne ich auch nicht.(Bravo! rechts.) Im Interesse der polnischen Bevölterung empfehle ich Ihnen, diese Herausforderungen nickt weiter zu treiben, ich kann Ihnen versichern, daß ich Ihnen auf diesem Wege nicht folgen werde.(Bravv! rechts.) Abg. v. Glcbocki(Pole) kvnstatiert, daß seit Jahrzehnten die Pvstbcanitcn die polnischen Briefadrcssen haben lesen könne», die sie jetzt ans e i n in a I nicht zu v e r st e h e n b e- Haupte». Wenn die Regierung in ihrer jetzigen Behandlung der Pole» fortfahre, werde sie eine Agitation hervorrufen, vor der si« eimnal werde Halt machen müssen. Staatssekretär des Rcichs-PostamteS Kraetke: Der Vorwurf der Verletzung des Briefgeheimnisses ist von dem Vorredner nicht aufrecht erhalten worden. Auch die UebersetzungSstellen sind von ihm nicht ols schädlich bezeichnet worden.(Widerspruch des Abg. v. Glcbocki.) Die Postordimiig giebt der Posiverwaltung das Recht, zu verlangen, daß ihr solche Rätsel nicht aufgegeben werden, wie es oft in den polnischen Adressen geschieht. Abg. Dr. Sattler(natl.) polemisiert gegen die früheren AuS- führuiigcu des Abg. v. Koniieroivski über die Verhältnisse in den galizischen Volksschulen und hält seine Behauptungen in allen Punkten aufrecht. Abg. Dr. b. DzieuibowSki-Poniian(Pole): Ich kann dem Herrn Staatssekretär versichern, daß jeder Postbote die Adressen der von mir angeführten Briefe sofort entziffert. Abep � die Postboten haben mit versichert, daß sie bestraft werden, wenn sie Briefe, die etwas Polnisches enthalten, nicht an d sie U e b e r s e tz u n g s- stelle abliefern. Staatssekretär Kraetke: Es ist unrichtig, daß Briefe mit polni« che» Adressen anders behandelt werden als Briefe mit deutschen Adressen. Ich wiederhole, die Herren mögen die einzelnen Fälle der Reichs-Postverwaltung unterbreiten. Ist der Be- cheid zu ihren Uiiguiisten ansgefallen, dann ist es Zeit, die Fälle hier vorzubringen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. V. KomierowSki(Pole) und Dr. Sattler(natl.) schließt die Diskussion. Die Resolution Gröber wird gegen die Stimmen des Tentrnins abgelehnt. Der Etat der ReichS-Postverwaltnng wird bewilligt. Ebenso debattelos der Etat der Verwaltung der Eisenbahnen. Es folgt der Etat der Zölle und V e r b r a u ch s st e n e r n. Beim Kapitel Zuck erst eu er fragt Abg. Richter(frs. Vp.) an. wann die Brüsseler Zucke r« k o n v en t i o n dem Reichstag vorgelegt werden solle. In den Zeitungen hatte die Nachricht gestanden,' dies solle erst im Herbst geschehen. Ich kann mir das nicht denken, da eine rasche Erledigung der Angelegenheit doch dringend wünschenswert ist. Reichs-Schatzselretar Frhr. d. Thielmann: Die Anfrage deZ Herrn Vorredners kann ich heute nicht beantworten, da Beschlüsse der Regierungen in dieser Beziehung noch nicht gefaßt sind. Der Etat wird bewilligt. Ebenso debaltelos die Etats der Reichs-Stempelabgaben, der Erpedition nach Ost- a s i e n, des B a n k Iv e s e n s sowie dos Etatgesetz. Desgleichen wird der Etat in der Gesamtabstinimung gegen die Stinimen der Socinldemokraten angenommen. Die Resolution Grober(C.) gegen das Duell wird hierauf gegen die Stimmen des C e n t r u m s abgelehnt. Abg. Dr. Miiller-Sagan, griff dieselbe wiederum in schärfster Weise die Armcnverwaltung an. Als neuer Gesichtspunkt ist zu erwähnen. daß die Vortragende für Errichtung von Findel- Häusern eintrat, weil die Armenverwaltung für die unehelichen Kinder keinerlei Fürsorge übernimnit. Gegen letztere Ausführungen wandte sich in der Diskussion Frl. Bader, welche meinte, daß die Errichtung von Findelhäusern in socialer Beziehung einen Rückschritt bedeute. Die Socialdemokratcn fordern, daß die Komnnme in ausreichender Weise für bedürftige Kinder, ob ehelich oder unehelich geboren, sorgen müsse. Die un- eheliche Mutter braucht nicht in einem Findelhause ihr Kind zur Nummer herabsinken zu lassen, sondern muß wie jede andre Mutter mit ihrem Kind in Fühlung bleiben können. Der Stadtverordnete Hinze gab der Vortragenden zn. daß die Armenpflege noch viel zu wünschen übrig lasse, daß aber neuer- dings ein Weg zur Besserung eingeschlagen werden solle. Nach der neuen Anweisung, betreffend die Verwaltung der offenen Armen- pflege, sollen vom 1. April ab bei Einzelpersonen bis 25 M., bei kinderlosen Ehepaaren bis 35 M. und bei Familien mit Kindern bis 40 Nk. gezahlt werden. Fordeningen, die über diese Summen hinausgehen, bedürfen der Genehmigung der Änncndirektion, oder wo ein Armenkreis eingerichtet ist, der Kreisversammlung. Es soll auch nicht unbedingt, wie bisher, mit dem niedrigsten Satz von 6 M. begonnen, sondern je nach Notlage darüber entschieden werden. Im Sinne der Referentin berichtete Genosse PastoriuS feine trüben Erfahrungen auf dem Gebiete der Arnienpflege. Er glaubte seiner socialdemvkratischen und aniikirchlichen Gesinnung wegen eine besonders schlechte Behaiidlnng von feiten des Annen- Vorstehers erfahren zu haben. Der Stadtverordnete Liebknecht führte aus:„Wenn sich die Verhältnisse in Bezug auf die Armeupflege etwas bessern, so sei da» hauptsächlich auf das Drängen uud die rege Agitation der Social« dcmokratie zurückzuführen. Wir fassen die Armenpflege nur als kleine Refonn im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft auf. Jedes Arbeiterschntzgcsetz, welches die Lage der arbeitenden Klaffen verbessert und damit die Armut vermindert, ist wert- voller als jede Anneniinterstiitzung. Da wir angeblich aber die Annenpflege noch nicht entbehren können, ist es Pflicht der Partei- genossen, sich zahlreich zur Mitarbeit bei der Armeukommijfion zu melden, wo cS stets an Arbeitskräften in unsrem Sinne mangelt. Stadtv. Hinze fügt noch hinzu, daß auch die Frauen in der Annen- kommission mitarbeiten dürften und müßten. Genosse Hartwig, welcher Mitglied der Armenkommission ist, meint, daß die Kommissionsmitglieder sehr tvohl in der Lage wären, auf die Anncnvorsteher einzuwirken, in seiner Kommission wären nie Ucbergriffe vorgekommen. Es ist mir gelungen, am 11. März das Licht der Welt zu erblicken. Allen Genossen und Freunden herzlichen Grub. 1X386 Kurt Sirnrnel, Sohn d. Wilhelm Simmel und der Frau Anna geb. Stemfeld, Flensburgerstr. II. Verband der Graveure und CIseleure. (Filiale Berlin.) Den Mitgliedern zur traurigen Nachricht, daß am 11. März unser Kollege 74/2 Ernst Stahnke, Ciseleur, verschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 14. März, nachm. Z>/, Uhr, von der Halle deS neuen JohanntSkirchhofes bei Plötzen- see aus statt. Um zahlreiche Be- tetligung bittet Die Orteverwaltung. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, besonders dem 4. Wahlverein Ost, für die zahlreiche Teilnahme und Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Zimmerers Berniann LInm sagen wir untren herzlichsten Dank. Witwe Bertila IAhh, Tochter und Schwiegersohn. Freitag, de» 14. März, abends S'/z Uhr. in Sanssouci. Koilbuser- straste 4a: ItbZb Deimstrations-Yoitrag. tB. Müller, stlahicheilf Gr. Franksurierftr. 37,_ über die Heilbarkeit der Lungenschwindsucht, der Tuberkulose und Kredskrankheiten. Damen und Herren freien Zutritt, l Breill der Aiiiiiierer Berliks imii Umgegend. Sonntag, de» 16. März, vormittag» 10 Uhr, in Cohn» Festsälen, Beuthstr. SO: IW j9Iitg(lieder-¥erisammlnng('�Bi TageS-Ordnung: 1. BerelnSangelegenheiten. 2. Wahl der Delegierten zur 4. Konferenz. 3. Bortrag des Genossen Kallski über:„Nach 1848". 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. 267/6 BtF" Es ist Pflicht aller Mitglieder, w dieser Versammlung zu erscheinen. __ Per Vor» tan tl. I. A.: Albert JuppenlaU. Vereine! 1. Lsterseitttilg: Saal frei geworden. 10846* Klubhans,"TÄ"«"'?? Cafe Schurig Töpfertrager Kerlms und Umgegend. Am Sonntag, den 16. März, vormittaa» 10 Uhr, im Lokal Rofenthalerstraffe 57(Hof): Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: I. Berichterstattimg über die Sitzung mit dem JnnungSvorstand der Töpfermeister betreffs deS Tarifs. 2. Berichterstattung von der am 3. März stattgefundenen Konferenz. 3. Der Arbeitsnachweis und dessen Nutzen. 4. Die Zustände in unsrem Berus und wie ist da Abhilfe zu schaffen? S. Vereinsangelegenheiten. 287/3 Pflicht eines jeden Kollegen ist, wegen dieser wichtigen Tagesordnung zu erscheinen. Per Vertraaen»»ta«t». Valal-«all Bauverein„Selbstlia" au Berlin (Eingctr. Genossenschaft mit beschr. Haswflicht). Am Sonnabend, den SO. März, abend» SVä Nhr, im Lokal de» Herrn O. Frosch, GotzkowSkystraßc Nr. 36: Ordentliche Generalversammlung« Tages-Ordnuiig: 1. Geschäftsbericht des Borstands für 1901. 2. Bilanz von 1301. 3. Anträge. 10«/6[ Der Borstand: Richard Rehbein. Wilhelm Röder. Wilhelm Brand,| Mitglieder-Versammlung der Bretterträger n. BreUneider Berlins u. Umgeg. au, Sonntag, den 16. März, vorm. lOVa Uhr, im KönigstSdtischen Kafino, Holzmarktstrahe 74. TageS-Ordnung: 1. Die Maifeier-Frage. 2. Wie stellen sich die Kollegen zur Lohnforderung und Verkürzung der Arbeitszeit? 3. Verschiedenes. Die Kollegen der Firma Schul» 4 Cöeternltz sind ganz besonders ein- geladen. 13/3 Per Verstand. DtuWtt MMbkittt-VeMld. Heute, Freitagabend 81/, Nhr, im Geioerkschaftshaus, Engel-Ufer Nr. 15: Sitzimg der Orts- Verwaltung. ElznulottenNuvii. IM. Sichnierltcrc:(31402* Wllmersdorfec-Straitse 137, Uhrmacher und Goldnrbciier. Grobes Lager von llltren und tiolilu-arcn zu äuberst billigen Preisen. Optleche Artikel. Ohrlöcher werden schmerzlos gestochen Allstilltg, Geiotrkschllsttll! Bureaus s. Gewerkschaften, Kranken- lassen, mit sep. Eingang, f. billig zu verm. Dragonerstr. 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Freitag, den 14. März. -Opernhaus. Der Waffenschmied. Vergißmeiniücht. Ans.?>/, Uhr. Schauspielhaus. Letztes Gastspiel des Herrn Coauelin aink mit der vallsthndigen Gesellschaft des Thsstre de la Parte Tt Martin. L,s Bourseois Gentilhomme. Anfang 71/, Uhr. Neues Oper»- Theater tNroll). Die Jungfrau von Orleans. Anfang?>/, Uhr. Schiller. Der Probekandidat. An- fang 8 Uhr. Itcntsches. Lebendige Stunden. Ansang 7>/z Uhr. Berliner. Sudans Satiren. Ansang 7>/z Uhr. Lessing. Ucber den Waffern. An- fang 7>/z Uhr. Residenz. Ein galanter Nichter. Borher: Verbotene Frucht. An- sang 7>/z Uhr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- sang 7>/z Uhr. SecessioiiSbüftne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. V. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrctll). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissiuins- Zwischenspiele. Ans. 8t/z Uhr. Drianon. Eoralic u. Co.' Anfang 8 Uhr. lkentral. Das süße Mädel. Ansang 7-/- Uhr. � Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Uhr. Weste». Der Kuh. Im Brunnrn. Ansang 7»/, Uhr. 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Schauspiel in 4 Auf.z. v. Aiax Dreyer. Sonnabendabend 8 Uhr: vor Probekamüdat. So un tag nachmittag 8 Uhr: vi« Braut von fflcnsina. Sonntagabend 8 Uhr: Heimat. Thalia-Theater. Dresdenerstraste 78/73. Abends 71/j Uhr: Seine Kleine. Grohe Ausstatlungsposse mit Gesang und Tanz in 8 Akten. Paula Worm a. G.. Guido Thielscher, Gerda Walde. Hclnicrding. Paulmstller. Boje. Wannovins.„Hsd'n Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?" Sonntag. Ib. März, nachm. 8 Uhr, kleine Preise: Trilby. Schauspiel i» 5 Alten. c arl Weiss-Theater. Central Tlieilter. Abends 7»A Uhr: Vss süHe Mlsvel. Operette in 8 Akten von H. Reinhardt. Morgen und folgende Tage: DaS fühe Mädel. Sonntag, de» lb. März, nachmittags -3 Uhr, halbe Preise: MM- Die chielnba."TWE Operette in 8 Akten von Sidney Jones. Abends: Das snsie Mädel. Grosse Franksnrtersir. I3Ä. Abends 8 Uhr: Benefiz für Frl. t.Isi plasecka. Dlis Kllthchkn voil Heilbroltu. Romantisches Nitterschanspiel von Heinrich v. Kleist. Morgen nachmittag 4 Uhr: Klein Däumling. Abends 8 Uhr: Grobe FestvorsteUnng. Zum 80. Male: Das Jnngfernstift. Sonntagnachniittag 3 Uhr bei kleinen Preisen: Othello. der Mohr po» Benedig. Abends 7>/z Uhr: Das Käthchen von Heil- brönn. leTrflpoi-TMGr Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer pracht- vollei- Ausstattung; Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Frühlingstage an der Riviera lavalidenstr. 57/0.8. L Sternwarte. Castans Panopticom Friedrlch-Strasse 165. Voranzeige!!.s 2vergm wi ihrem Xlülle eins hishsr in der �Vslr nicht! dagervsssnsSsherrsrvürdiglceit Mut ter 80 cmiTocht. öOom gross j 32 Jahr alt.| 9 Jahr alt. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Heute, den 14. März, abds. SVjtJhr: Gastspiel von Eman. Reicher. Die kleine Fite.— Geschichten vom toten Rabbi.— SerenisMiniiis- ZsviMchcnspicle.— Bauern- kumedi.— Abschiedssouper. 06 Ausslattungsposse mit md Tanz in 1 Vorspiel Burleske Gesang und und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Frauchens(ielmrtstagslisch Anfang 8 Uhr. 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Passage-Theater, j Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr Der kleine Cohn ist dal Burleske in einem Akt. Der Bajazzo und sein Kind j 16 erstklassige Iß 10 Specialitäten t" SaiBiSSoiici Kotthuserstr. 4 n. Jeden Sonnlag, Montag und DoiinerStag: Ii o rr m» ii ii s NMeMt TSitger Nad> jeder Soiree: Tanzkränzchen. Sonntag, den 18. März: Der Keeselflioker. Charakterbild mit Gesang in 1 Akt. Palmsonntag:„Der Goldbauer" mit dem Berliner Schauspiel-Verein. Belle-illiance-Theater. Die Jam aus Trottville. Schmauk m. Gesang u. Tauz in 3 Akten Emil Sondermanna G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marion. c fiPt* Lebensbild in vieraiif: i U« Adele Hartwig». Leopold Tburnera G. Auf. 7l/z Uhr Morgen: Dieselbe Borsl. W. Neacks Theater. Brnniionstrabe 18. In der Heimat. Schauspiel in 5 Akten von Charlotte Birch-Pfeifier. Sonnabend: Beine Vorstellnng. Freiing, den 14. März, abends 7>/z Uhr: Gr. Borftelluug. KlonUlke, Orig.- Pantomimc des Cirlus Busch und die neuengagierteu Specialitäten. 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Um gütigen Abdruck wird gebeten.______ 181b* Mehcrlcxikou, Brockhaus und alle andren Bücher kaust, beleiht Hauneimmn, Kochstrab« 58, 1. Amt VI, 3397_ 1037K* Umsonst Zahnziehen. Brunnenstrabe 42. Jährlich 9000 verschiedene Paiieuteu. Dr. dental surgerz- Stichlet._ 4416 Anfertigung eleganter Herren- gardcrodc. Teilzahlung gestattet. Marcus, Kleine Frankfurterstrabe zwanzig._ 1098b Saal mit grober Theaterbuhne und Garten verschiedene Sonnabende srei. Grobe Franlsurterftrabe 74. 1. Mai frei._ 953b* Stenerbernfuiig! Ehesch eidungs, Jnterventions-, Unfallsachen/ Stellen- gesuche, Raterteilungen! Linien- straße 38._ 139/14 73 Pfennige! Steuerberufung, Ewgabengesuchc, Rateneitnng. Aller- dilligst Schanksarben, Miiitarsachen, Kauivcrträge, Zahlungsbesehle, Ge- richtstlagen. Wulkow, Skalitzer- straße 141. 1149b Junge Schneiderin kann sich ver- vollkommnen. Borsdorf, Modistin, Pücklerstrabe I. J24 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Stithlfled/ier bittet unt Arbeit. 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Für de» Jnserataueil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing m Berlin. Hr. 62. i9. mm. 2. Klilige des Jonirts" Kttlim WMM Ftttt-S. tt Mörz 1962. Berliner Partei-Angelegenheiten. Die nächste Lokal- Liste erscheint am Sonntag, den 28. März. Wir ersnchcn daher die Mitglieder der Lokal- k o in in i s s i o n v o n B e r l i n n n d Umgegend, Aenderungen und Nenanfiiahmen bis spätestens Freitag, den 14. März, ein- senden zn wollen: für„ T e l t o w- B e eskow" an den Genossen Hermann S ch I i e b i h in Britz, Jahnstr. 2; für„Nieder- Barnim" an den Genossen O t t o N i e b e in Fricdrichsfelde, Victoriastr. 4; für„ P o t s d a m- O st- H a v e 1 1 a n d" an den Genossen Albert Neue in Spanda«, Jagowstraste 9; für „D i v e rse O rt e" an den Genossen Gustav Stein in Wriezen a. O., Frankfurterstr. 32, sowie für Berlin an den Genossen Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66, 8, 14, Die Genossen werden ersucht, hier- von Kenntnis zu nehmen und die Einsendungen umgehend zu machen, spätere Einsendungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Gleichzeitig teilen wir den Genossen noch mit, dah alle An- fragen und Znsendungen nur an den Genossen Wilhelm Hinz, Berlin 8. 14, P r i n z e n st r. 66, zu richten sind und nicht an die Redaktion des„Vorwärts". Die Parteiblätter der obigen Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokalkommission. WaidmannSlust. Am Sonntag ist eine Volksversammlung bei A. Kuhn. Die Genossin Ida Altmann spricht über»Die Bedeutung des 13. März für die arbeitende Bevölkerung". Wilmersdorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am Sonnabendabend eine Fl u gblattvert eilung zur Gewerbe- gerichts-Wahl stattfindet. Wir ersuchen um rege Beteiligung Desgleichen findet am Soniitagnachmittag 3 Uhr in Wittes Volks garten. Berlinerstr, 40, eine Volksversammlung zur Gclverbe gerichts-Wahl statt. Der Referent wird in dieser Versammlung bekannt gegeben. Außerdem erinnern ivir an die L e g i t i m a t i o n s s che i n e zur Wahl am Mo»tag, den 17.. welche' in allen Polizet revieren ausliegen und ersuchen die Genossen, sich rechtzeitig um die selben zu bemühen. Sprache, die einen drastischen wie verschiedenem Maße die Uokttles. AuS der Stadtverordneten-Verfammlung. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde die zweite Lesung des Sladthaushalts-Etats für 1902 begonnen und gleich ein tüchtiges Stück gefördert. Im ganzen wurden 21 Einzcletats erledigt— von 31, die auf der TageS� ordnung standen. Zu einer Debatte kam es nur bei wenigen Etats aber die Verhandlungen zogen sich trotzdem wieder bis in die elfte Stunde hin. Bei den S ch u l- E t a ts brachten von nnsrer Seite Borg mann und Hoffmann eine Reihe von Mißständen im Gemeinde schnlwesen zur �- Beweis dafür lieferten, mit Gemeindeschulen und die höheren Lehranstalten gemessen werden, sobald der Kostenpunkt in Frage konnnt. Der Magistrat, vertreten durch Stadtschulrat Gerstenbcrg, und feine Helfer aus den Reihen der Freisinnigen ergingen sich in den üblichen Lobpreisungen des Berliner Völksschulwesens. Herr Gerstenberg mußte indes wenigstens das eine zugeben, daß der von Borgman» gerügte Mißstand der Vereinigung verschieden vor- gebildeter Kinder zn gemeinsamem Unterrichtsthatsächlich in einzelnen Fällen besteht. Eine Bemerkung Hoffmanns über die ftiefkind mäßige Behandlung, die die Volksschule in Berlin erfährt, rief schließlich noch Herrn Cassel aus den Plan, und man bekam nun noch einmal gründlich zu hören,„wie viel Berlin für seine Gemeinde schulen gethan hat". Die Herren fanden an dem Gcmeindeschnlivesen so sehr alles in bester Ordnung, daß sie selbst den von socialdemo- kratischer Seite gestellten Antrag auf Revision der Schiller- und Lehrerbibliothekcn schlank ablehnten. Beim Armen Wesen gab der O b d a ch- E t a t nnsrem Genossen Hoffmann Veranlassnug, auf die Mißstände in der Hilfsstation für Geschlechtskranke hinzuweisen und hierbei kurz die Vorkommnisse zu streifen, durch die das städtische Obdach im vorigen Herbst so unliebsam von sich reden gemacht hat. Vom Magistrat, für den Stadtrat F i s ch b e ck sprach. wurde zugegeben, daß die Ausstelluiigen, die von socialdeinokralischcr Seite an den Einrichtungen des Obdachs gemacht worden sind, für die Verwaltung ein Anlaß zu entsprechenden A b h i I f s- maßregeln gewesen sind. Wir können mit dieser Erklärung voll zufrieden sein. Beim Gesundheitswesen beschäftigte sich Genoffe Doktor F r e u d« n b e r g in eiuer eindrucksvollen Rede mit dem Mangel an Krankenanstalten, besonders an Anstalten für Säug linge, begründete dann einen socialdemokratischen Antrag. der für das Wartepersonal eine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse fordert, und beleuchtete zuletzt noch den Mangel an Aerztepersonal. Nachdem der Magistrat durch den Mund der Stadträte Weigert und Straßmann geantwortet und Stadt- verordneter Kämpf für die„Alte Linke" einen Antrag auf weitere Ausdehnung der Schwesternpflege begründet hatte, stimmte der unvermeidliche Cassel auch hier seinen Hymnus auf die Großartigkeit und Musterhaftigkeit der Berliner Kommunalvcrwaltung an. Das Ergebnis der Debatte war die Annahme des Antrags Känipf und die Ablehnung des socialdemokratischen Antrags. Gcfnndbcterei vierter Klaffe. Nicht nur in den vornehmen Quartieren des Westens blüht der Sport des Gesundbetens. Wie die Zuläuferiiincn jener Damen, die aus dem Kartenlege» ein auch in den schlechtesten Zeiten profitables Gelverbe machen, sich aus den besser gestellten wie aus den hart um des Lebens Not kämpfenden Bevölkernngsschichten zusaminenfinden, so hat auch die metaphysisch« Heilmethode unter Arm und Reich ihre Gläubigen. Neben den mit allem Komfort der Neuzeit ausgestalteten Absteigequartieren der auch am ärgsten Unsinn klanimernden Verzweiflung finden wir G e s u n d b e t u n g s- Institute, in denen es nach Schwarzbrot riecht und arme Arbeiterfrauen von ihren Gebrechen Heilung suchen. In unserm Vorort Pankow ist eine solche Heilstätte. Ein älterer Mann, ivohl in de» Sechzigern, bedient dort seine Knud- schafl, ES sind überwiegend Frauen, die zu ihm kommen, aber auch Männer scheuen weder den Weg, noch die Blamage. Unser Gebetsheiler nennt sich ein.Gotteskind" und waltet seines Berufs mit einem Eifer, der namentlich dem weiblichen Geschlecht bestens behagl. Seine Procednren verlaufen durchweg folgendermaßen: Der alte Herr stellt zu Beginn ein gründliches Jnqnisitorium über die Art des Leidens mit der Patientin an. läßt sich die Natnr der Schmerzen schildern und kommt dann mit der Belehrung, daß die meisten Krankheiten durch den Leichtsinn verschuldet seien, tvomit vor allem die Frauen sich Erkältungen zufügten. Dan» kommt etwas sehr Ueberraschcndes. Ob Männlein ob Weiblein, ohne Gnade muß ein jeder, der vom GolteSkind geheilt fein will, sich entkleiden und zwar derart, daß der Wunderthäter mit der rechten Hand in der Gegend des Magens, mit der linken auf dem Rijcken de» bloßen Körper be- rühren kann. DaS ist gewiß mancher Frau und manchem jungen Mädchen bedenklich, aber wer diese Ceremouie überstanden hat. vcr- sichert, daß sie so dezent vor sich gegangen sei, ivie es die Umstände nur gestatteten. Während solches geschieht, sagt unser Heilkünstler E e b e t s f o r m e l n her, die von der Patientin nachgesprochen werden müssen. Dann redet der wunderbare Heilige mit einem Verwandten oder guten Freund, der in ihm haust, aber so leise, daß selbst das ge spannt lauschende Ohr der neugierigen Kranken nichts Deutliches vcr- nehmen kann. Diese Prozeduren dauern etwa 20 Minuten. Hiera»' läßt der alte Herr die Hände vom Leibe der Leidenden und bc- schäftigt sich im besonderen noch mit dem kranken Körperteil. Dann folgt ein D a n k g e b c t an den Herrn Jesus Christus. Hiermit ist die Heilung aber noch nicht zu Ende. Die Kranke muß sich ai>- einen Stuhl setzen und das Gotteskind streicht mit den Händen den Körper entlang. Bei dieser Arbeit niuß der Krankheits stoff an den Hände» des WnnderthätcrS haften geblieben sein, denn er macht am Ende eine Geberde, als ob er irgend etivas Un angenehmes auf den Boden würfe. Dreimal wiederholt sich diese Manipulation. Dann wird die Kranke in die Küche des Gottcskindes geleitet, alllvo sie eine Tasse„Thee", der stark nach Baldriantropfen schmeckt, zu sich nehmen muß. Zum Schluß kommt der metallische Nachgeschmack. Eine bestimmte Taxe hat unser Menschenfreund nicht, doch ist er mit einer Mark etwa zufrieden. Im Norden Berlins und in den nördlichen Vororten ist der billige Gesundbeter in Pankow iveit und breit bekannt und der starke Zulauf, den er hat, legt Zeugnis davon ab, daß in unserem Zeitalter der socialen Gegensätze wenigstens ein Band Arin und Reich, Vornehm und Gering eng umschließt: das des Aber g l a u b e n s. Wie soll auch Aufklärung unter Leute kommen, deren einzige Lektüre die volksverdmnmend unparteiische Presse bildet, die jeder ernsthaften Lektüre scheu aus dem Wege gehen? Auch die Gesund beterei vierter Klasse lehrt, ein wie großes Agitationsfcld unsere» Parteigenossen und Genossinnen noch in nächster Nachbarschaft un- beackert liegt._ In der gestrigen Sitzung des Etats-NusschussrS unter dem Vorsitz des Stadtverordneten-Vorstehers Dr. Langerhans ivurde der Special-Etat 38 sPersonal-Besoldung) an den Magistrat zurückvcrtviescn behufs Aenderungen derjenigen Positionen, die Gehaltserhöhungen gegen die bisherigen Normativ bcstimmunge» enthalten. Die fernere Beratung dieses Etats ist bis zum Eingang eines neuen Etats' vertagt. Bei der Etatsberatmig der Gcschästsbedürfnisse, die genehmigt wurden, ist der Antrag auf Einsührung von E r k e n n u n g s- marken für die Stadtverordneten, ähnlich den der Polizeibeaiiiten, zurückgewiesen worden. Die Beratung des Etats für die städtische Waisenpflege gab zu einer Erörterung über die K i n d e r st e r b l i ch- keit Veranlassung. Es ivurde mitgeteilt, daß die Sterblichkeit im Kinderasyl auf 10 Proz. zurückgegangen ist, also erheblich geringer ist als in der Säugliiigsstation, wo sie etwa 33 Proz. betragen soll. Beim Feuerwehr- Etat tvurdi das Anfangsgehalt der Feuermänner auf 1200 M. erhöht, das Höchst gehalt auf 1600 M., zu erreicben in 14 Jahren vom Dieusteintritt ab in vier Steigungen. Die Spritzenmänner sollen ebenfalls 1200 M. und nach 20 Dienstjahren 1300 M. erhalten; es sind nur 34 Spritzeiimänner vorhanden und neue nicht mehr eingestellt. Das Anfangsgehalt der Ober-Fenermänner Ivird auf 1600' M. und das Höchstgehalt auf 2000 M. festgesetzt, zn erreichen nach zwölfjähriger Dienstzeit. Zum Milchkrieg erhalte» wir vom Syndikus dcS Deutschen Milchpälbter-Verbaudes, Herrn Rechtsanwalt Dr. Lndtvig Flatau eine Zuschrift, in der die Richtigkeit verschiedener angeblich von Herrn Bolle aufgestellten Behauptungen, bestritten wird. Es ist unrichtig, so schreibt Herr Dr. Flatau. daß die Vertreter des Milch- Handels Herrn Bolle gegenüber erklärt haben, es fchlten zum 1. April dem Milchhandel 130 000 Liter Milch. Im Gcgeir teil wurde auch nach dem Bekanntgeben des Separat sricdens von den Milchhändlern betont, daß gerade sie selbst für die Zeit nach dein 1. April Milch genng hätten, um den Bedarf ihrer Knuden zu befriedigen. Der trostlose Zustand der Milchccutrale, den die Meierei Bolle noch zuletzt hervor- hob, ist der beste Beweis dagegen, daß ein Qnanlnm von 130 000 Litern dem Milchhandel in Berlin fehle, zumal uingekehrt mit dem I. April ei» beträchtlicher Zufluß neuer ringfreier' Milch bevorsteht und selbstredend nach der Kapitulation d e r Centrale vor Herr n Bolle kein Mi'tglied der M i l ch c e ii t r a l e an d e n P r e i S von 1 3 Ve Pfennig gebunden ist. Nachdem die Milchcentrale dem selbst in den Kreisen ihrer Genossen bestgehaßten Herr» Bolle die Milch zum Preise von weniger als 12 Pf. verpachtet hat—, was als zweifellose Thal 'ache hingestellt werden darf—, hat sie ein- für nllenial darauf ver zichtet, mit Konventionalstrafen gegen irgend eines ihrer Mitglieder durchzudringen, das jetzt den Preis der Milchhändler acceptiert und reihändig verpachtet. Diese für die Milchcentrale verhängnisvolle Konsequenz des Separatfriedens mit Herrn Bolle ist der eigentliche Grund, weshalb das Abkomincn gerade vor den Milchproduzenten abredegemäß geheim gehalten iverdcn sollte. Die Vertreter der Meierei Botle haben deshalb noch am Montag an die Vertreter der Milchhändler die— unter de» gegenwärtigen Uniständen allerdings rührende Bitte gerichtet, dieselben niöchten über den Vertrag mit Ring Slillschiveigen bewahren: die Meierei Bolle betrachte sich»och immer als Verbündete des freien MilchhnndcIS. Schließlich sei betont, daß vor dem Milchkrieg das traurige Bündnis der Meierei Bolle unter Ehrenwort geschloffen worden ist.— So Herr Rechtsanwalt Dr. Flatau. Die MagistratSkoinmissio», die nnt geeignet erscheinenden B äugen osse n schafte n wegen Gewähnmg von Beihilfe» im Sinne des Stadtverorduetcn-Beschlusscs vom 22. März v. I. ver- Handel» und dem Magistrat entsprechende Vorlagen iiber Maßnahmen zub Linderung der Wohnungsnot unterbreiten soll, hat gestern unter dem Vorsitz' des Ober-Bürgermeisters Kirschner beschlossen, dem Gemeinnützigen Verein zum Bau billiger Wohnungen Hypotheken gegen geringen Zinsfuß zu getvähre». Tic»cucn Briefmarken. Zu der Einfühnnig der neuen Ein- heitsbriefmarken am I.April hat das ReichS-Postamt soeben umfang- reiche Einzelbestimmungen erlasse», von denen die folgenden von allgemeinem Jntercsse sind. Die Ausgabe der neuen Wertzeichen und der Untausch gegen alte beginnt an» 20. März früh. Vor dem 20. März sollen die Wertzeichen nicht in die Hände des Pnbliknms geraten. Das Publikum ivird in den Tagen vom 20. biS 31. März beim Einkaufen von Wertzeichen darauf aufmerksam gemacht, daß die Marken nur bis zum 31. gelten. Umgetauscht werden auch die Marken von 1839 und von Württemberg. Für Forinnlare. die von Privaten hergestellt und mit Frankostempel versehen sind, worden Freimarke» ausgegeben. Die am I.April den Briefkasten entnommenen Sendungen mit alten Wertzeichen iverden ohne Nachtaxe befördert. Im übrigen werden die Sendungen, die vor dem 1. April mit neuen Wertzeichen oder nach dem 31. März mit alten frankiert sind, nach Möglichkeit an die Absender zurückgegeben, damit sie die Sendungen mit den richtigen Wertzeichen versehen können. Wo dies ohne Ver- zögerung nicht geschehen kann, so sollen auch die mit unrichtigen Briesinarken versehenen Sendungen bis auf iv eitere« ohne Nachtaxe befördert werden. Besonders gilt dies von Sendungen, die im Briefkasten gefnuden iverdcn. Die Bestimmungs- Postaiist'altcn händigen die falsch frankierten Sendungen ohne Räch- taxe aus. Es ist nicht recht einzusehen, wozu solche Verklansulierungen otwendig sind. Ma» lasse dock die jetzigen Marken noch eine Weile, die ja nicht allzu lang ausgedehnt zu iverdcn braucht, Geltung behalten. ZeitungSbestellung. Wir machen u»sre Leser darauf aufmerksam, daß Zeitungsbestellungen und Abonnements- gelder von den Briefträgern entgegengenommen werden. Die Quittungen der Briefträger erkennt die Post als rechtsgültig an. Auch könne» Zeitungen ganz formlos schriftlich bestellt werde». Man schreibt auf einen einfachen Zettel:„Ich bestelle die sgetvünschte) Zeitung und bitte um Abholung des Geldes durch den Briefträger." sUnterschrift). Diesen Zettel kann man ohne Umschlag und ohne Briefmarke in den nächsten besten Briefkasten werfen; die Post besorgt dann das Weitere. Entbehriingslohn. Hiesigen Blättern wird herichtet: Der Lieutenant a. D. Röder in Lichtenberg, tvelcher als Amtsvorsteher mit der Bekämpfung der Socialdemokratcn und Freisinnigen wenig Glück hatte, ist ohne Zweifel ein sehr glücklicher Spekulant. Er hatte vor Jahren das Rittergut Lichtenberg und bäuerlichen Grund- besitz in der Nähe des Ritterguts für billiges Geld erivorbe». Im Durchschnitt dürfte er den Morgen des Ritterguts, welches circa 1000 Morgen groß tvar, mit 7—300 M. bezahlt haben; von bäuer- lichen Besitzungen hat er außerdem noch über 100 Morgen für circa 750 M. pro Morgen aufgekauft. Röder hat mehrere neue Straßen auf seinem Terrain angelegt und bereits für mehrere Millionen Mark Land verkauft. Er verlängt und erhält pro Rute in letzter Zeit schon 500 bis 1000 M. Während' er den Morgen Land mit 700—800 M. bezahlt hat, bekommt er mithin dafür nach Anlegung einer Straße 70 000 bis 80 000 M. Den Winter bringt Röder' mit seiner ganzen Familie meistens im Süden zu, tvährend er im Sommer nach seinem Rittergut zurückkehrt.— Hätte früher Berlin das Rittergut Lichten- berg, tvelches öffentlich für ca. 950 000 Mark versteigert ivordcn war, erworben, so hätte die Hauptstadt ein glänzendes Geschäft gemacht. Ucbcr die Beschäftigungözcit im Handelsgewerbe an den Öfter- und Pfingstfeiertagen erläßt der Polizeipräsident für die Stadtkreise Berlin, Charlotteuburg und Nixdorf folgende Be- kamitmachmig: I. Am ersten Oster- und Pfingstfeiertage d. I. dürfen im Handelsgewerbe, soweit der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen stattfindet, Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter nur nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen beschäftigt iverden: a) im Handel mit Milch, mit Back- und Konditorivaren, solvie mit Konfitüren von 5 bis 10 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags; b) im Handel mit Fleischwaren von 5 bis 10 Uhr vormittags; c) im Handel mit Kolonial- und Borkostwaren, mit Brennmaterialien, mit Bier und Wein, Tabak und Cigarren von 8 bis 10 Uhr vormittags; d) im Handel mit Blumen von 7 bis 10 Uhr vormittags und 12 bis 2 Uhr nachmittags; e) im Handel mit Druckschristen auf den Bahn- Höfen von 7>/s bis 10 Uhr vormittags; f) in der Zeitungsspedition von 4 bis 9 Uhr vormittags. II. Am zweiten Oster- und Pfingst- feiertags finden lediglich die allgemeinen Vorschriften über di? Sonntagsruhe im Handelsgclverbe Anwendung. Die elektrische Hoch- und Untergrundbahn hat am Dienstag, dem ersten Tage des Betriebes auf der ganzen bis jetzt ausgebauten Strecke, nach vorläufiger Feststellung 54 000 Personen befördert, ein Ergebnis, das noch den zweiten Sonntag nach der Eröffnung der Oststrecke Übertrifft. Damals Ivurden einige wenige mehr als 53 000 Personen befördert. Die BetricbSeinnahme der ganzen Bahn betrug am letzten Dienstag über 6600 M.— Die erste Untergrund- BahnhofSivirtschaft in Berlin tvird die Haltestelle Potsdamer' Platz erhalten. Acsthctik dcS UcbcrbrettlS. Der„lustige Ehemann" Koppel. der am Wolzogenfche» Theater angestellt war, hatte vielfach Reibereien nnt dem Geschäftsführer Muskat und verließ daS Ucbcr- brcttl zu derselben Zeit, als ihm Strauß und die Bratzky untreu wurden. Während diese infolge eines gerichtlichen Urteils schließlich zurückkehrten, blieb Herr Koppel dauernd fern. Herr v. Wolzogen, der in jenen Tagen wohl etivas gereizt sein mochte, schrieb damals an den Sänger einen Brief, der nnt wenig freundlichen Worten also begann:„Mein Herr! Der infame Bubenstreich, zu welchem Sie sich, wie ich ivohl richtig vermute, nicht ohne Beeinflnssung durch Ihren ehrenwerten Freund Strauß haben hinreißen lassen, streicht Sie ans der Liste der a n- ständigen Menschen. Ich werde nicht verfehlen, meine» sämtlichen Mitgliedern von Ihrem gemeinen Vorgehen Mitteilung z» machen, und Sie sind für meine Danien und Herren solvie für mich gesellschaftlich tot." Dieser Einleitung folgten Auseinandersetzungen über den Abgang Koppels und die Ankündigung der Klage. Herr v. Wolzogen teilte aber auch von der Bühne herab dem Publikum mit. ivas ihm mit dem Sänger passiert sei. Die Zuschauer waren verschiedener Meinung; die einen klatschten und die andren zischten. Herrn Koppel aber patzt dieser Uebcrton nicht. Während Herr Strauß die Klage, die er durch Rechtsanwalt Dr. Hugo Marcus« anstrengen wollte, fallen ließ, als er zum Ueberbrettl zurückkehrte, citiert er Herrn v. Wolzogen vor den Richter. Heute, Freitag, vormittag wird die Beleidignngs» klage vor dem Schöffengericht zu Moabit im Zimmer 76 ver- handelt. Schwer verunglMt ist durch einen Zufall der Schlosser Otto Henning auf dem Wege an dem Neubau Knrfürstcndainm 197 vorbei. Ein Arbeiter, der im vierten Stock den Schckee vom Gerüst cgtc, faßte einen Mauerstein mit lind dieser fiel Henning gerade ans den Kopf und zertrümmerte ihm den Schädel. Der Verunglückte liegt im Charlottenburger Krankenhause schwer danieder. Drei Mitglieder eiuer Falschuiiinzcrbande sind vorgestern abend gegen 8 Uhr nach stundenlanger Verfolgung in der Linkstraße estgenoinmen worden. Der Kriininalschntzinann B.. welcher vor- gestern nachmittag in Steglitz weilte, bemerkte in der Schloßstraße drei Männer, von denen zwei von Zeit zu Zeit in Geschäften ver- schwanden, während der dritte beobachtend auf der Straße blieb. Der Beamte glaubte anfänglich, daß es sich um Bettler handle, 'ah jedoch, daß sie Gegenstände kauften und sich ihrer auf der Straße in unauffälliger Weise entledigten. Hierdurch kam er auf die Vermutung, daß die Burschen Falsch- münzer seien und den Vertrieb der Falsifikate bewirkten. Er ver- 'olgte die drei durch Wilmersdorf und Friedenau bis Schöneberg, wo sie gegen Uhr abends einen Straßenbahnwagen nach der Linkstraßc bestiegen. Zwei der Männer begaben sich in das Innere des Wagens, während der dritte auf der hinteren Plattform stehen blieb. Der Beamte nahm nun auf dem Vorderperron Aufstellung und rief am Nollendorfplatz unbemerkt einen uniformierten Schutz- mann zu Hilfe, der nun ebenfalls den Vorderperron bestieg. Die Verbrecher, die sich unter einander in russischer Sprache unterhielten, niachtcn im Straßenbahnivagen Kasse und verteilten das Geld in verschiedene Taschen ihrer Kleidung. Bei der Ankunft an der Endstation in der Linkstraße trennten sich die drei. Der eine begab sich in eine Klempnerei, der zweite in eine Nestanration, wäh- rend der dritte auf der Straße„Schmiere" stand. Der Schutzmann 'olgte dann dem ersten Falschmünzer in daS Klempnergeschäft und verhaftete ihn dort, während seine beiden Komplice», die von dem Kriniinalbeamteu beobachtet wurden, die Flucht ergriffen. Sie kamen jedoch nicht weit; vor dem Hanse Linkstr. 3 konnte ihre Festnahme vorgenommen werden. Es wurden bei ihnen eine größere Anzahl von 'alschen Markstücken vorgefunden. Straficnspcrrnng. Die Beruauerstraße von der Brunnenstraße ausschließlich Kreuzdamm bis zur Strelitzerstraße einschließlich des Kreuzdanimes wird behufs Uinpflasternng vom 17. d. M. ab bis ans weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Wielesstraße zwischen der Bremer- und Emdcnerstraße am 17. und 18. d. M. Beute im Werte von 50—<,0 0 M. haben Diebe ge- macht, die in letzter Nacht dem Uhren- und Juwelierladen von L. M. R o s e n t h a l Nachfolger in der Kvnigstr. 50 einen Besuch abstatteten. Sie sind vom Hofe ans nach Zertrümmerung eines Fensters in den Keller hinabgestiegen, haben dort Kisten über einander gestellt und die Decke nach dem Laden hin angebohrt. Im Laden haben sie dann mit großer Sachkenntnis unter den vor- haudene» Juwelen, Ringen, Kette» und Uhren ausgewählt. Gegen- stände von größerem Umfange, Pokale, Kelche und dergleichen ber schmähten sie, ebenso Silber- und Nickelwaren, Selbst goldene Uhren, die ans dem igifferblatte die Photographie de? Kaisers Friedrich und Bismarcks trugen, blieben unberührt, weil sie leicht �nr Entdeckung führen könnten. Der Wert der gestohlenen Gegen- stände kann zlvar erst nach aufgenommener Inventur genau'fest gestellt werden, wird aber schon jetzt auf SO— SO OOS M, geschätzt Von den Dieben fehlt noch jede Spur. Zum UmzngStermin teilt das Polizeipräsidium mit: Mit Bezug auf die Polizeiverordnung vom 26, März 1870, betreffend die Unizugstermine beim Wohnnngstvechscl s„JntclligenzbIatt" Nr. 74 vom Jahre 1870), wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der am 1, April d, I, beginnende Umzug bei kleinen, höchstens ans zwei Zimmer» mit Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen am 2, April, mittags 12 Uhr, bei großen, niehr als vier Wohnzimmern«nifassenden Wohnungen am 3, April, mittags 12 Uhr, beendet sein muß. Vor dem Hause Burgstr. S5/2S wurde am Donnerstag die Leiche eines neugeborenen Mädchens gelandet und nach dem Schau banse gebracht. Ob das Kind gelebt hat und�, eines gewaltsamen Todes gestorben ist, bedarf noch der Feststellung. lieber einen versuchte» KindrSmord in der Bülowstraße SS ivird mitgeteilt, daß ei» drei Monate altes Pflegekind, das der Ar- beitcr Otto Lichr zu ersticken versuchte, dem Waisenhause übergebe» worden ist. Es ist das Kind eines Mädchens, init dem Frau Li ehr früher in einer Gastwirtschaft zusammen diente. L„ ein Mann von 34 Jahren, der nur gelegentlich auf Kohlenplätzen arbeitet und dem Trünke ergeben ist, ärgerte sich darüber, daß seine Frau das Kind in Pflege genommen hatte, und wollte es beiseite schaffen. Seine Frau Hatto es gestern einer Nachbarin V. übergeben, nIS sie ausgehe» mußte. Als nun L, nach Hanse kam, sollte er die Wartung übernehmen, da Frau V, eine» Gang zu machen hatte. Diese Ge- legenheit wollte er benutzen, um das Kind umzubringen, indem er es in Lumpen einwickelte, es ins Bett legte und sich drauf setzte! Zum Glück kam Frau V. noch rechtzeitig zurück und holte einen Schutzmann, der den verbrecherischen Patron verhaftete. Mit Oleum vergiftet hat sich Mittwochnachmittag die öS Jahre alte Arbeiterfrau Katharine Nüster. Sie lebt seit einem Jahre von ihrem Manne getrennt und mußte daher selbst für ihren llnterhalt sorgen. Vor zwei Monaten wurde sie arbeitslos, und bald kam sie so sehr herunter, daß sie niemand mehr beschäftigen mochte. Gestern verließ sie ihre in der Langestraße belegene Wohnung, verschaffte sich Oleum und trank davon. In der Laudsberger-Allee wurde sie von der Polizei aufgefunden und schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht. Seltene Pfandscheine sind einem 33 Jahre alten Rcinhold Tredopp avgenonuncn worden, der in der Kantstr. 19 ergriffen wurde, als er niit einem entkommenen Helfershelfer dabei war, de» Schaukasten eines Goldivarenhändlers zu leeren. Beide Scheine sind zu Alexandria ausgestellt, der eine am 14, April 1899 auf den Namen Asendoprulo, der zweite auf Ashoudopouls am 23. Mai desselben Jahres. Es wäre auch für die Kriminalpolizei von Charlottenburg interessant zu erfahren, wie wohl der Einbrecher zu den Pfand- scheinen gekomme» sein mag. Auskunft kann vielleicht deren Eigen- tümer geben. Zu der Nufhcbnng eiucr Mädchcnhändlcrbaude, über die wir berichteten, wird noch folgendes mitgeteilt: Der„Cigarctten- machet" Neisach Wiuckler ist noch nicht ermittelt. Es lvird vermüict, daß er sich unter einem falschen Namen in Warschau'aufhält, Seine Schleppen», Chaie Freilich, die festgenommen lvurde, ist ein Frauen- ziinmer, das in Warschau unter Kontrolle stand. Zum Teil holte sie ihre Opfer auch aus diesen Kreisen. Das Mädchen, das sie zuletzt hierher schleppte, eine 22jährigc Liba Nicbow, ist bis zur Beendigung des Prozesses von der Polizei in einem hiesigen Heim mitergebrncht tvorden. Die Unglückliche ist vollständig mittellos. Die Schlepperin überredete sie, mitzukommen, wie sie ging und stand. Da die Ricbolv hoffte, so viel zu verdienen, daß sie auch ihrer armen Mutter etwas zukommen lassen könnte, trat sie die Reise an. Die Schlepper!», die mit ihrem Reichtum geprahlt hatte, besaß in der That 12 000 M. Winckler selbst hielt sich auch wiederholt in Warschan ans, um sich die„Ware" anzusehen. Seine Schwester, die mit ihm flüchtig war, wurde festgenonimeu. als sie noch cinnial nach der Wohnung in der Schönhauser Allee ISO zurückkehrte. Frau Winckler, die ebenfalls der Teilnahme an dein schändlichen Handel verdächtig ist, hat man mit Rücksicht ans ihre vier kleinen Kinder ans freiem Fuß gelassen. Durch nächtliche Schießerei verübte der polizeilich gesuchte wohinmgslose Schlächtergeselle Emil Leps heute»acht in der Gormannstraße eine» schlimmen Unfug. Durch einen Schutzmann verfolgt, lief Leps durch die Lothringerstraße nach dem Prenzlauer Thor zu, als ihm der durch das Notsignal des verfolgenden Beamten herbeigerufene Schutzmann Franke entgegentrat. Auf diesen feuerte Leps einen Schrolschuß ab und verletzte ihn bedeutend im Gesicht. Der Beamte fand im Kranlcnhäuse am Friedrichshain Aufnahme. Leps, der noch zwei Schüsse abfeuerte, ohne jedoch zu treffen, lvurde in der Straßburgerstraße festgenommen. Städtische Taubstuuiuieuschule. Im„Gemeindcblatt" macht die Schuldeputation bekannt, daß Eltern und Vormünder tailbstummer schulpflichtiger und»och nicht eingeschulter Kinder diese zinit bevor- stehenden Sounncrsemester bis spätestens 1. April cr. bei dem Direktor Gutzmann, Markusstraße 49, anzumelden haben.— Die städtische Taubstummenschule hat gegenwärtig IS Klassen usit einer Vor klaffe, in ivelcher kleine taubstuinme Kinder unter 6 Jahren Aufnahme finden und von erfahrene» Lehrkräften für den Schul- Unterricht vorgebildet werden.— Mit der Schule ist auch eine Fortbildungsschule sür Taubstumme verbunden, die de» Zweck hat, den erwachsenen Taubstummen die in der Schule erlangte Befähigung, mit Hörenden in der Lantsprache zu verkehren, durch regelmäßige Uebnugen im Sprechen und Ablesen zu erhalten, sowie ihre Schulbildung zu sichern, zu ergänzen irnd mit dem praktischen Leben in engere Beziehung zu bringen. Der Unterricht ist unentgeltlich. Zur Zeit zählt die FortbildungSschnle 6 Klasse»: 4 für Jünglinge, von denen eine von Geselle» und Gehilsen besucht lvird, und 2 Klassen für junge Mädchen. Anmeldungen zum bevor- stehenden Sommersemester nimmt der Leiter der Fortbildungsschule, Direktor Gutzmann, MarkuSftr. 49, täglich entgegen. Feuerbericht. Domicrstagvormittag 7 Uhr lvurde die Wehr nach der Großen Frankfiirterstr. 53 gerufen, wo im ersten Stock des Vorderhauses ein Brand abzulöschen ivar, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Mittwochabend gegen 7 Uhr kam in der Büschingstr. 16 in einer Küche ein größeres Feuer auS, das in der Hauptsache Möbel, Kleidungsstücke und den Fuß- boden einäscherte. Auch ein Hund kam in den Flammen um. Die Wehr hatte längere Zeil mit einem Rohre Wasser zu geben, nn, den Brand ans die Küche zu beschränken. Gegen Mitternacht waren in der Wadzcckstr. 13 in einem Konserven- lager Kisten, Holzlvolle und Regale in Brand geraten. Auch hier bedurfte es längerer Arbeit, um die Flammen zu ersticken. Außerdem hatte die Wehr noch Alannierungen von der Rhkcstr. 9 und Stralaucr Platz 8/9 zu verzeichnen. In beiden Fällen handelte es sich indes nur um kleinere Wohnungsbrände, die Wäsche, Gardinen und Kleidungsstücke beschädigten, aber in kurzer Zeit abgelöscht werden konnten. Bon den Ausgaben entfallen 175 000 M.---25 Proz. auf BerwaltungS kosten(Gehälter, Bureau- und polizeiliche Um kosten), 191 000'M.— 27i/i Proz. auf Verzinsung und Tilgung der Ecineiiideschulden, 26 200 M.— 3,7 Proz. auf K o st e n der ö f f e n t I i ch e n Armenpflege, 56.800 M.— 8 Proz. auf Unterhaltung und Beleuchtung der Straßen und 222 464 M.— 31,7 Proz. auf Schub und Unterrichtsanstalten. Der Geineindezuschuß beträgt für Real schule und Gymnasium 86 431 M.— rund 8 2 M. pro Kopf des Schülers, für die G c m e i n d c s ch u l e 131 179 M — 63M. pro Kopf des Schülers. Für das G e iv c r b e a e r i ch t sind 1000 M. eingesetzt, außerdem ist beabsichtigt, cnt sprechend den von sodaldeiiiokratischer Seite erfolgten Anregungen die st ä n d i g e B r a» d>v a ch e zu verstärken, zunächst sind aber nur für weitere 2 Mann 1041 M. mehr eingestellt. Gevidiks-Ävitimg. Ter Inhaber eines Privat-DetcktiviustitutS, Adolf Diebe, stand gestern unter der Anklage der U r k n n d c n f ä l s ch u n g vor der zweiten Strafkammer dcS Landgerichts I. Im Herbste vorigen Jahres erschien bei dem Angeklagte» die Hausbesitzerin Frau B. legte ihm eine große Anzahl anonymer Postkarten beleidigenden Inhalts vor und beauftragte ihn, den Schreiber der Karte» zu. ermitteln. Sie erklärte dabei, daß sie den Militärinvalidcn Knop, der bei ihr gewohnt habe und im Unfriede» von ihr geschieden sei, für den'Thäter halte. Diedc folgte znnächst dieser Spur und nahm zu einer List seine Zuflucht, um in den Besitz eines Schriftstückes zu gelangen, welches anerkanntermaßen von Knop gc- schrieben Ivar. Er bot demselben eine Stellung als Dctektivbeamter in. seinem Institut an und forderte ihn auf, seine Bewerbung nebst eugnisscn einzusenden, wenn er auf eine solche Stellung reflektiere. ZerAngellagle nannte sich in seiner Zuschrift„Dietrich" und verlangte unter dieser Adresse postlagernd Antwort. Knop ging in die Falle. Sei» Antwortschreiben diente als Belastiingsniaterial gegen ihn in der Strafsache wegen Beleidigung. Die Sachverständigen begutachteten daß der Schreiber der beleidigenden Postkarten mit demjenigen des Antwortschreibens an den angeblichen Dietrich identisch sei. Knop wurde darauf wegen Beleidigung zu eine,» Monat Gefängnis verurteilt. Im Ter», ine kan, zur Sprache, daß Diede sich einen falschen Namen beigelegt hatte, ans Antrag Knops wurde gegen denselben Anklage wegen' Urkundenfälschung erhoben. Er wurde gestern vom Rechtsanwalt Leonh. Friedmann verteidigt, der eine Karte vorlas, die dem Anscheine nach auch von der Hand des Zeugen Knop herrührte und folgenden Wortlaut hatte:„O Detektiv, Detektiv, die Sache geht jetzt'wirklich schief. Der Meier und der Dominik, die drehe» Dir den Galgenstrick, o Dietcrich, o Dielerich. Dir geht es noch mal fürchterlich!" Der Zeuge Knop erklärte unter 'einem Eide, daß er nicht der Verfasser dieser Karte sei. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten schon deshalb nicht für trafbar, weil ihm das Rechtswidrige seines Thuns nicht bewußt gewesen sei und der Verteidiger führte des weiteren ans, daß der Angeklagte sich eines falsche» Nameus bedienen mußte, um zu verhüten, daß der Zeuge, von den, er doch gerade etwas Schriftliches in Händen haben wollte, seine Bewerbung iiicht mündlich in? Bnrean vortragen würde. Die Polizei bediene 'ich oft ähnlicher Mittel,»», eine» Thäter zu belasten, aber niemals ei darin eine Urkundenfälschung gefunden worden. Der Gerichtshof trat diesen Ausführungen bei und sprach den Angeklagten frei. VevZÄmttUttttgvn. Aus de» Nnchbavorle». Steglitz. Der Voranschlag der Gemeinde pro 1902 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 700 000 M. gegen 682 000 M. des Vorjahres ab. Der Einkommenstener-Zuschlag von 100 Proz. soll 222 300 M. bringen, 19 300 M. mehr als 1901. Die Grundsteuer, 2,20 M. pro Tausend vom gemeinen Wert, bringt 209 000 M., ein Mehr von 15 400 M. gegen 1901. wobei der Gesamttvert der Grundstücke ans 95 Millionen, 7 Millionen höher als im Vorjahre angenommen ist. 1331/» Proz. der Gewerbesteuer sind mit 13 600 M. eingesetzt. Der socialdcmokratischc Wahlverci» für den 3. Berliner Wahlkreis hielt am 11. März bei Feuerstein eine Versammlung ab. welcher Genosse K a l i s k i über:„Die Legende von, sociale» Verständnis des Bürgertums" referierte. Redner wandte sich gegen die von einigen socialistische» Theoretiker» vertretene Auffassung, daß eine dauernde Besserung der Lebenshaltung der Arbeiter vor sich gehe und sich das sociale Verständnis des Bürgertums erweitert habe. Er stellte sich hierbei im wesentlichen auf de» Standpunkt KautskyS. Während des Ivirtsckaftlichen Aufschwungs hätte» nur ver- eiiizelte Schichte» der Arbeiterschaft ihre Lage verbessern können und linier der Wucht der augenblicklichc» wirtschaftlichen Krise sei überall ein Rückgang eingetreten. Jahrelanger Kämpfe in besserer Zeit werde es bedürfen, bevor der Schaden etNigcrmaßcu wieder gut gemacht sei. Und durch Lohnrednklionen, Verlängerung der Arbcits- zcitec. beweise das Nntcrnehmertu», sein angebliches sociales Verständnis. Einzelne Ideologen zählten überhaupt nicht mit. Wem, in den Zeiten wirtschaftlichen AufichwungS kleine Lobnerhöhnngeii nnd Kürzungen der Arbeitszeit im Wege gütlicher Vereinbar»»«! zu stände gekommen. wenn Arbeitgeber-Organisationc» mit den Verbänden der Arbeiter verhandelte» nnd Verträge schlössen, dann sei dies nicht auf ver- mchrtcs sociales Verständnis, sondern lediglich ans eine geschäftliche Kalkulation der Unternehmer zurückzuführen. Man habe sich nur gc- fragt, ob man bei einen, Kampfe oder bei einem Vertragsichluß unter den gegebenen Verhältnisse mehr gewinnen oder verlieren werde. Im weiteren zeigte Redner an vielen Beispielen, daß die bürgerlichen politische» Parteien, der Freisinn eingeschlossen, sich nicht mir nicht demokratisieren, sondern immer reallionärcr würden. Redner kan, zu den, Schluß, daß in den nächsten Jahren die rein politische Arbeiterbewegung dnS Ilcbergcwicht habe» werde.(Leb- haftcr Beifall) Zur Diskussion meldete sich niemand. Im socialdrmokratischen Verein für de» fiiufle» Bcrliucr Reichötags-WahlkreiS hielt Reichstags- Abgeordneter P f a i,» k u ch vor einer gut besuchten Versaunnlniig in Leydcckers Salon einen Vortrag über:„Die Thättgkeit der Social- deniokratie in» Stadtverordneten- Kollegium". Einleitend führte der Redner aus, daß die socialdemokrntische Fraktion im Stadtverordncten-Kollegium bei ihrer gegenwärtigen Kopfzahl schon einen ziemlich weitgehenden Einfluß ausübe. Die bisherige glänzende Entwicklung der Socinldemokralie biete eine Gewähr für weitere Fortschritte. Nicht allein die dritte Avteilung müsse voll crol>ert werden, es sei ancki nicht»nniöglich, in der zweiten Abteilung Sitze zu gewinnen. Ilm aber die Principieu innrer Partei wirklich zur Gcllnng zu bringen, sei es notwendig, daß das geistige Niveau der Bevölkerung weiter gehoben werde, wozu ein guter Schnlnnter- richt erforderlich sei. Ter Referent giebt dann des weiteren eine intercssaitte kritische Darstellung Über die Verhältnisse, die ans den verschiedenen Gebieten der städtischen Verwaltung herrschen, im Schulwesen, in der Annenpflege, der Krankenpflege usw., zeigt, was durch den socialdcmokralischci, Einfluß erreicht wurde, welche weiteren Forderungen zu stellen sind, und spricht seine Ueperzeugniig dahin ans, daß Zähigkeit und Beharrlichkeit auch in dieser Hinsicht zum Ziele führen müsse. DaS A und das O aber sei. daß der Einfluß der Partei in Staat, Gemeinde und Reich imnier mehr gestärkt, misre Vertretung vcnnehrt werde.— Dem mit regem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine kurze Diskussion, in der D a v i d s ö h n ans den großartigen Wahlsieg in Bremer- Häven hinweist.— Zur Aufnahme hatten sich 21 Genossen gemeldet. Die Kleber hielten am Mittwoch bei I a n n a s ch I. Jnselstraße, eine öffentliche Versaninilniig ab. um zu den Maßnahme» der Innung Stellung zu nehmen. Wie berichte, wurde, hqbp» die Unter- nehmer nunmehr die schon längst geplanten besonderen Maßregeln gegenüber den Arbeitern beschlosscu und angeblich zur Abwehr des Kleberstrciks und der in Aussicht stehenden ollgemeiiieii Lohn- bewegung der Tapezierer Vereinbarungen getroffen, wonach bei einer Koiiveiitioiialstrafe von 50 bis 1000 M. die Forde- riingen der Arbeiter nicht anerkannt werden dürsten. In einein Eirlular an die JnmingSmitglieder wird der Streit als frivol und als eine von den Arbeitern willkürlich insceuierte Machtprobe be- zeichnet. Die Unternehmer werden darin aufgefordert, die Forde- ruiigen der Arbeiter abzulehiicu und die eveut. bereits gegebene Unterschrift, de» Kleber-Tarif aiizuerkemien, zinückzuziehcii. Wie wir bereits berichteten, ist zu diesen, Zweck auch eine Koinmisfion ein- gesetzt worden, die mit ihrer Thättgkeit bisher allerdings recht ioenig Erfolg erzielt hat. Es haben zwar einige Unter- nehmer ihre Unterschrifteii zurückgezogen, aber bis auf einen nur solche, die mittlerweile mit der von ihnen übernommenen Arbeit fertig geworden sind und von denen zu erwarten ist, daß sie bei.»euer Arbeit den Tarif wieder anerkennen und froh sein werden, wenn sie die notwendigen Arbeitskräfte erhalten. Nach diesen, En- knlar haben die vereinigten Jmiungsmäniier nicht mir beschlossen, die„frivolen Forderungen" der Arbeiter znrilckzuweijen, sondern sich auch verpflichtet, gegenseitig durch Ueberweisnng von Arbeitskräften zu iinterstützen. Trotz des bestehenden paritätischen Arbeitsnachweises sind von den Unternclmieri, sogenannte Meldestellen eingerichtet, von wo aus die braven„Ar- beitswilligcn" vermittelt werden sollen. � Außer den bereits erwähnten Maßnahmen soll nach berühmtem Muster auch noch die Aufstellung„schwarzer Listen" beabsichtigt sein und es wird ver- mittet, daß sich solche Listen bereits im Umlauf befinden, um die Einstellung der avssässigen Arbeiter zu verhindern. Auch an die Knud- schaft ist seitens der Unternehmer ein Cirknkar versandt worden, in den, dieselbe mit dem Hinweis auf die Lohnbewegung ersucht wird, in der Zeit vom 10. März bis 15. April mir die allerdniigendsten Arbeiten zu verlangen lmd alle übrige» hinanszuschieben.— Das ganzo Gebahren der Unternehmer kann wirklich nur den Zweck haben, eine Verschlechtennig derLohu- nnd Arbeitsbedingungen herüeizuführcn; denn thatsächlich handelt es sich nicht„m frivole Forderungen, wie von den vereinigten Uiiteriiehiiiern behauptet ivird, sondern lediglich lim die allgemeine Durchführnng der stüher bereits als berechtigt an- erkaiintcii Lohn- und Arbeitsbedingungen. Daß die Jmmng die Ver- läiigernng des bisherigen Vertragsverhältnisses abgelehnt hat, bc- weist ja zur Genüge, worauf es ihr ankommt; sie will geregelte Lohn- Verhältnisse uuinöglich mache», und den Unlernchmern das Recht ein- räuiiicii, gegenüber den Arbeitern ganz nach Willkür zu verfahren. Der Stand des Streiks dcr5ilcber ist, lvie berichtet werden konnte, ein günstiger. AiiderBewegnng haben sich bisher insgesamt 331 Kleber beteiligt,'wovon bereits 245 bei 75 Firmen, welche unterschriftlich bewilligten, zu den neuen Bedingmigeii arbeiten. Streikende sind ab- züglich' der Kranken, Arbeitslosen, Abgereisten usw.. eigentlich nur noch 42 vorhanden. 20 Unternehnier haben bis jetzt noch nicht beivilligt, bezw. die Bewilligung zurückgezogen. Nach einer längeren Dis- kuffion, in der das Verhalten der Unternehmer einer lebhafte» Kritik unterzogen und zur strikten D»rchführii»g der aufgestellten Forde- rungen aufgefordert wurde, lvurde ciustiniiilig beschlossen, den Streik so lange fortzuführen, bis säintliche in Frage kommenden Unter- nehmer den Tarif anerkannt haben. Eine öffentliche Tischler-Bersammlung, die ani Mittwoch in Vrochiioivs Saal in der Weverstraße tagte und von, Fachverein der Tischler ciiiberufen war, um Stellung zu nehmen gegen den Arbeits- Nachweis und die EntlasilingSscheine im Tischlergewerbe, beschloß einstiimnig: Die Entlassungsscheine sind zurückzuweisen und der ailfgezivin'igeile Arbeitsnachweis ist nicht zu benutzen. Tie HolzbcnrbcitnngSmnschinett-Arbcitcr hielten au, 10. ds. eine außerordentliche Generalversammlung in, Gewerkschaftshause ab, im, zu de», von den Holziiidustriellen„iid der Jmmng errichteten Arbeitsnachweis und den Entlassungsscheinen Stcllniig zu»eh, neu. Die Vcrsanimluiig ivar so stark besucht, daß der große Saal all die Äinvcsendcu kaum zu fasseli vermochte. Der Vorsitzende Sauerzapf beleuchtete die gegenwärtige Situation nach jeder Richtung hin und unterzog das provokatorische Vorgehen der Unternehmer eiiier lcbhasten Kritik und vmvicS dann auf die letzte VertraiicuLmäiincr-Versamnttiilig, wo säintliche Werkstellen vertrete» waren, die sowohl die Benutzung des Arbeitsnachweises als auch die Annahme der Entlassungsscheine abgelehnt hat. Dieser Versammlung sei es»im vorbchaltcn. cndgültige Stellung hierzu zu nehmen. Der Vorstand ist der Meinung, daß das System der EiitlasiungSscheiii- uuier allen Umständen bekämpft werde» niiisse, nnd zwar schon des- halb, weil dasselbe, wenn erst eingeführt, sehr schwer ivieder beseitigt werde» könne. Auch dürfe kein organisierter Kollege die so- genannte Koutroll-Stotio» in der Alcxandcrstraße besuchen, o daß dem Arbeitsnachweis die besten Kräfte fern bleiben und die Unternehmer schließlich gezwungen werde», die Benutzung des Nach- weises aufzugeben. Sodann berichtete der Redner, daß»ach Angabe der„Jachzett'niig der Holziiidlistrielleu" der Arbeitsnachweis in der Woche vom 28.' Februar bis 6. März von durchschnittlich 289 Per- souen täglich frequentiert Ivordcii sei, daß sich in dieser Zeit 410 Per- öne» einschreiben ließen und angeblich 527 Arbeiter durch die Ver- »litteluiig des Nachweises eingestellt worden sind. In der ehr lebhaften Diskussioii. in der alle Gesichtspunkte recht ein- gehend erörtert und die ans den Beschlüsicn resnltiereiidcn Konsequenzen besprochen wurden, waren sich alle Redner darüber einig, daß die Unternehmer nicht etwa de» Arbeitsmarkt regeln, sondern lediglich die uiigüiiftige Konjunktnr benutzen ivollem »in mit Hilfe dieser Einrichtung nach de», Muster der Kiihnemäinie» die Arbeiterschaft daucrud liiederzuhalteii. Recht interessante Mitteilungen konnten mehrere Redner von den in Arbeit geschickte« Maschinenarbeitern machen. Es haben sich schon verschiedene Unter- nehmer recht imßlicvig ausgesprochen über die schwache Leistung, iowie auch Ungeschicktheit der Personen, welche ihnen von hrem Nachweis vermittelt werden. Soiveit bis jetzt in Erfahrnng gebracht werden konnte, haben sich größtenteils nur recht minderwertige Maschiiieiiarbeiter ciiischreiben lassen. Es gelangte schließlich' einftinimig eine Resolution zur An« nähme, in der die Versammlung nicht nur die Annahme der entwürdigende» Entlasiungsscheinc ablehnt, sondern sich auch ver- pflichtet.' die Benutzung deS Arbeitsnachweises der Holzindustricllci, zu»leiden. Es wurde dann noch beschlossci,, die durch den Befchlnß betroffene», sowie sämtliche jetzt arbeitslosen Mitglieder bis auf weiteres zu nnterstiitzen. Außerdem soll bis ans weiteres ein Extrabeitrag von 50 Pf. pro Woche erhoben werden. Die Höhe der Unterstützung zu bemessen, lvurde den» Vorstände überlassen. I ä n ck gab danil noch bekannt, daß trotz der großen Zahl von Arbeitslosen es die Firmen Gehlhoff. Reichenbergerstraße. nnd Zahn. Elisqbeth-Nfer, dcimoch fertig bringen, llebersttlnden machen zu lassen. Nachdem noch einige Angelegenheiten erledigt warcii, erfolgte Schluß der Versammlung. In der Humanistisch«» Geiiieiiide, Ntederwqllstr. 12, ili ber Aula der FnedrichWerdericheii Ober- Ncalschule, bält äur Sonntag, vari». lOh, Uhr, Herr Dr. Rudolf P e>l z i g den lechslen Vortrag des Eyklns: Bilder aus der Religioiisgelchichte: 6. Zauderer und Weiffaziing. Damen und Herren haben freien Zutritt. Vermipltztes« Ei» schwerer Ilusall ereignete sich, wie a>iS Tapimi gemeldet ivird, in der VerinchSstatio» K l c i n h o f- T a p i a u bei der Probe mit Milcherhitzern. Einer der Apparate, dessen Inhalt von 30 Litern Milch bereits ans 95 Grad erhitzt war. platzte. Der im Raliine anweiende Leiter des cheniischen Laboratoriums, Dr. Pry- lewski. der Molkereiverwalter Gösch, ein Monteur, ein Jngeiiienr nnd- ein jüngerer Beamter wurde» durch die umhergeschleudeiten Trüiinncr nnd de» siedenden Inhalt schwer v e r l e tz t. Dr. Pry- leivsti liegt hoffinuigSlos iui Tapiauer Kranlenhanse danieder, auch der Znstand der übrigen Verletzten ist sehr bedenklich. Zwanzig Mann ertrunken. Wie ans New Vork gedrahtet wird, ist der Dampfer„Providence". der auf dem Mississipi regelmäßige Fahrten zwischen Bickshiirg nnd dem Palmyra-See macht. Mittwoch früh während einer Boe, als er in den See einfuhr, ge- kentert; zwanzig Personen, darunter zwei Fahrgäste, sind e r t r u ii k e n._ Vrieskrlsten der Redakkiim. Die jnristilche Sp>rchst»»de findet täglich mit Zlilsiiahme des Soiiiiabends von in, bis»V- Uhr abends statt. E.K. Als freie Hilfskafse nennen wir Ihnen für Arbeiter jeglichen Berufs die Allgeiucine Tifchler-Krankenlaffe, Borsitzender Fröhlich, Rosiockerstr. 48, für Arbeiterinnen die Offcnbacher Krankenkasse, Bor- sitzender W. Hinz, Pniizcnsu. 66. Zwei Streitende. Deutsches Reich 540 658 Quadratkilometer; O. Fr. 132 000 Oiiadratkilonieter. Beqiiüvortung der juristischen Fragen in nächster Nummer._____ iKelter, Prognose für Freitag, de» 14. März liHiü. Gelinder bei»lärigen südlichen Winden, zunehmender Bewölkung und geringen Niederschläge n. Beiantwottlichcr Siedacteur: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Ich.«locke w Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin