Nr. 64. Adoimement»• Ktdingungen: Abonnement»- Preis pränumerando: Vierteljährb S.30 Ml., monatl. 1,10 MI., loöchentltch SS Pfg. sret in» Hau». Simelne Nummer 6 Plg. Sonnlag». ?!ummer mir iNusiricriec Sonntag«. Vellage„T ie Neue Welt* 10 Psg. Posl- Vlbonncinent; 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- Zettung». Preisliste für ISO» unter»r. 7878. Unter Kreuzband tili Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrig« Ausland s Marl pro Mona». 19. Jahrg. FU JnserttlMs-SMy» beträgt für die iechSgespallene»ioloneie »eile oder deren Rauni 40 Psg., für polittsche und gewerkschaftlich! Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseilten" jede« Wort» Psg. (nur das erste Wort fett). Inserat« für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derlrxpedilion abgegeben werden. Die Srpcdttton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn, und SefttaM bis s Uhr vormittag» geijsfnst. Erich, i»l täglich«ustir Monlag», Devlinev Volksblslk. Telegramm-Abreste-. «Porialdemostrat Lrrlitl" Cientralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedalltwn: 8�.19, Veullz-Slrahe 2. Aeritsbrecheri Stint I, Nr. 1508. Sonntag, den 10. März 100£. Expedilion: SW. 19, Vench-Slrasle 3. Xernsprechrri Sluit I, Sir. 5121. Die Arbeit der Zolltarif- Kommission und ihre Folgen. Nach wocheiilangen, vielfach sehr erliste» Beratungen hat die Zolltarif-Komnlission eine Pause in ihren Arbeiten eintreten lassen, inn sie am S. April wieder aufzunehmen. Buher dem Zolltarif- Gesetz hat sie von den 046 Positionen des Tarifs nur 43 in erster Lesung erledigt. Wann ihre Arbeit zu Ende kommt, entzieht sich jeder Berechnung, denn der ersten Lesung soll eine zweite folgen, durch welche man eine Verständigung mit den Regierungen herbei- führen will. Könnte man annehmen, dasi die Majorität der Kommission nicht Komödie spielt, so lietze sich schon heute sagen, eine Verständigung ist unmöglich. Die Kommission hat an den angenommenen 43 Positionen, mit Ausnahme weniger, sehr erhebliche Zollerhöhnngcn vorgenommen, und zwar am meisten bei den entscheidenden Positionen, die für die Abschlietznng von Handelsverträgen mit den HauptvertragS- staaten— Rußland. Oestreich-Ungarn und Italien— von entscheidender Bedeutung sind. Sind schon die Tarifsätze der Regierungsvorlage solche, daß günstige Handelsverträge für Deutschland ausgeschlossen sind, so machen die Beschlüsse der Kommission den Abschluß von Handelsverträgen überhaupt unmöglich. Darüber haben auch die Erklärungen der Regierungsvertreter, insbesondere des Grafen v. PosadoivSky und des Staatssekretärs v. Richthofen keinen Zweifel gelassen. Dafür bekamen beide von der schutzzöllncrifchen Mehrheit zu hören, ivas Graf Bülow in der Generaldebatte über den Tarifenlwurf der oppositionellen Minderheit glaubte an den Kopf werfen zu dürfen: sie handelten nickt im Interesse der einheimischen Produktion, sondern im Interesse des Auslandes, gewissermaßen als dessen Agenten. Die Re- gierungen ernten jetzt nur, was sie gesäet haben. Die Majorität der Kommission ist von der Zolltarautel gestochen. Vernunftgründe versagen. Ihr einziges Ziel ist. Zollsätze aufzustellen, die alle Lebensbedürfnisse ohne Ausnahme, ob sie nun das Inland, ivenn auch in ungenügender Menge, erzeugt, oder ob sie nur im Ausland erzeugt werden können, in einer Weise in den Preisen steigern, daß sie weite Schichten der Bevölkerung aufs aller- schwerste belasten und in ihrer Lebenshaltung herabdrücken. Der agrarische Egoismus feiert seine wildesten Orgien. Und in demselben Geiste, in dein die Mehrheit der Koni- Mission bisher gearbeitet hat, wird sie weiter arbeiten, ivenn sie in ihren.Beratungen nach Ostern an die Positionen Obst. Kolonialwaren, Erzeugnisse der Forstwirtschaft. Tiere und tierische Erzeugnisse, Produkte der landwirtschaftlichen Nebengewerbe:c. herantritt. Die Kommissionsmehrheit gehorcht in ihren Beschlüssen dem Druck, den die Schar der mehr oder weniger verschuldeten Junker und der nach höheren Preisen ihrer Produkte verlangenden Bauern auf sie ausübt. Der Bund der Landwirte, in dem das agrarische Ealilinariertum den Ton angiebt, drückt mit entschlossener Rück- sichtslosigkeit auf die Parteien, welche den»Schutz der Land- Wirtschaft* betreiben. Für die Bündler hat alle Politik nur das einzige Ziel: hohe Kornpreise, hohe Viehpreise, hohe Preise auf alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse l Was der gesamten nicht-junkerlichen Bevölkerung, was dem ganzen Reiche tödliches Verderben bringen muß, das ist ihre Hoffnung. Wie sie die Kanalvorlage zu Fall gebracht haben, so wollen sie das Zu- standekommen von Handelsverträgen vereiteln. Sie wollen das Chaos der Zollkriege, in deren Wirren sie ihre Bereicherung erwarten. In der Gier nach einigen Hungerjahren übersehen sie blind, daß sie schließlich den Ast absägen, auf dem sie selbst sitzen. Den» mit der Lahmlegung der industriellen Produktion, der Hemmung von Handel und Verkehr und dem Empor- schnellen der Lebensmittelpreise bei sinkenden Löhnen und vermindertem Einkommen der städtischen Bcvölkening raubt die Landwirtschaft sich selbst die Konsumenten, ohne die alle Agrarzölle der Welt ihr nichts nützen können. C e n t r u m und Konservative erscheinen zur Ohnmacht verurteilt von den Diktaten und der brutalen Agitation der Katilinarier des Bundes der Landwirte. Die Konservativen sind völlig durch- setzt von diesen Elementen. Das Centrum sah sich vor die Frage gestellt, ob es mit den Bauern oder mit den Arbeitern gehen solle; es hat sich für die Bauern entschieden. Die Arbeiter hofft eS, dank der Ver- duninningSarbeit, die es in jahrzehntelanger kirchlicher und politischer Agitation verübt hat, in der Mehrheit noch an sich zu fesseln. Die Banern aber, die rabiat auf ihren selbstsüchtigen Forderungen beharren und die das Bündlertum, im Fall der Preisgabe ihrer Forderungen durch das Tentrum, zum Abfall von den schwarzen Fahnen auf- wiegelt, zwingen diese Partei, die noch dazu unter ungeschicktester Führung leidet, zum Gehorsam; ihren Wünschen soll sich das Centrum fügen, ihre Wünsch« zu erfüllen ist e» eifrig bemüht. MiiHilfe der Bauern hofft das Centrnm seine bisherige Stellung in der Hauptsache zu behaupten, auch bei künstigen Wahlen. Wie wird sich dergoll st reit lveiterge st alten? Wie will sich die Regierung, durch eigne Schuld jämmerlich eingekeilt zwischen Zollopposition und Agrariem, aus der verzweifelten Lage befreien? llninöglich können die verbündeten Negierungen über ihre Bor- läge hinaus den Agrariern irgendlwe erheblich entgegenkommen. Sie können de» erhöhten Zollsätzen, welche die KomniissionSmehrheit für die wichtigsten Positionen des Tarifs eingesetzt hat. nicht ihre Zustimmung geben, ohne jede Aussicht auf die Möglichkeit des Ab- schlnsseS von Handelsverträgen preiszugeben. Bielmehr muß jeder weitere Beschluß der Kommission die Kluft erweitern, die sich zwischen den beiden feindlichen Freunden aufgethan hat. Dann bleiben zwei Möglichkeiten. Entweder setzen die Zollparteien die KommissionsberatungeNi ob mit ob ohne Diäten, in der bisherigen Art fort, um vor der »schreienden Landwirtschaft* ihren Eifer zu erweisen, um aber schließlich in der zweiten Lesung den Rückzug auf die Regierungs- Vorlage anzutreten. Die Aeußernngen de« Abg. Spahn in der letzten Sitzung der Kommission sowie das Verhalten des konservativen Zoll- führcrs Schwerin-Löwitz lassen erkennen, daß dieses der wahrschein- lichste Gang der Dinge sein wird. Dann wird für die Socialdemokratie im Reichstag erst der eigentliche Kampf gegen die Zollvorlage der Regierung beginnen, den ihr bisher die Agrarier zum guten Teil abgenommen haben. Dann wird sich die Regierung überzeugen müssen, daß sie ihren Tarif, ganz zu schweigen von dem KüiidigungSterniin am Schluß dieses Jahres, auch nicht im letzten Abschnitt der laufenden Legislaturperiode fertig bringen kann. Dann bekommen wir Wahlen unter der Parole des Tarifs. Oder aber die Regierung erkennt die Unmöglichkeit einer Einigung mit den agrarische» Parteien, spart sich das fruchtlose Spiel und— zieht ihre Vorlage zurück. Das wäre das Klügste, was sie nach all ihren Jrrgängcn thun könnte. Dan» kann sie mit dem Auslande über neue Verträge beraten und fertige Handelsverträge dem Reichstage vorlegen. Da das nicht schon im nächsten Winter möglich sein wird, so wird die Regierung — nach vorläufiger Verlängerung der jetzigen Verträge— die neuen Abniachinigen in der neuen Legislaturperiode vorlegen. Damit wären die zollpolitischen Entscheidungen außerordentlich ver- einfacht. Wie sich nun die Zollanseinandersetzung entwickeln mag, das ist sicher: die K o in in i s s i o n arbeitet für nichts! Giebt man ihr Diäten, wozu die Zollopposition nicht die Hand biete» wird, so wären diese Diäten der einzige positive Ertrag der ganzen Zoll- bemühung; die Einstreichung dieser Diäten durch die Zollwucher- Parteien würde das heillose Wucherwerk mit vollendeter Lächerlich- keit krönen. Ferner aber steht schon heute unerschütterlich fest, daß die deutsche» Wähler Gelegenheit erhalte» werden, ihr Votum über die Zollfrage zu sprechen. Mit dieser Thatsache hat insbesondere die Soeialdemo- kratie zu rechnen. Für die Z o l l- N« u w a h l e n vorzubereiten, ist jetzt nnsre unmittelbarste Aufgabe, zu deren befriedigenden Lösung kein Tag versäumt werden darf. Die Befestigung und Ausdehnung der Organisation in den ein- zelnen Wahlkreisen, die Sammlung von Geldmitteln, die A u f st e l l u n g von Kandidaten, wo solche noch nicht vorhanden sind, muß mit allem Nachdruck betrieben werden I Es wird gelten, einen Wahlkampf zu führen. wie bisher die Partei noch keinen zu führe»? hatte. Die Brot- und Lebens- mittclwucher-Partcicn werden alles aufbieten, um sich im neuen Reichstag die Mehrheit zu sichern. DaS muss» koste cS ivaS«S wolle, verhindert werden. Die Wahlparole ist die beste, die wir uns wünschen können. Es handelt sich um die Brot-, um die Lebensinteressen der großen Volksmehrheit, die es zu verteidigen gilt gegen die Raub- und Bcutepolitik der Junker und Jmikergenossen. Verteuerte Lebensmittel und verringerte Arbeitsgelegenheit, d. h. Entbehrungen. Not, Elend in Millionen Familien, die schon in der Gegenwart schwer zu kämpfen, zu leiden und zu sorgen haben, wären die Wirkungen der agrarischen Wucherpolitik. Ihr mit allen zu Gebote stehende» Kräften entgegenzuwirken ist SclbsterhaltiiiigS- Pflicht de« gesamten Proletariats! pottkifche Mebevflchk» Berlin, de» 15. März. Abgeordnetenha«s. Das Abgeordnetenhaus hat am Freitagabend und am Sonnabend die Debatte über das Elementar- Unter- richtswesen fortgesetzt, ohne daß dabei neue Gesichts- punkte zur Sprache gekommen wären. In der Hauptsache bildet die ganze Erörterung nur eine Unterhaltung zwischen dem Centrum und den Polen auf der einen und der Regie- rung auf der andern Seite. Abg. Dr. D i t t r i ch(C.) be- tonte wiederum, daß der Volksschule ihr konfessioneller Charakter erhalten bleiben müsse, und bedauerte die Zunahme der Simultanschulen, da diese die nationalen und konfessionellen Gegensätze nur verschärfe. Abg. Dasbach(C.) wieder- holte seine Beschwerden über unparitätische Behandlung der Katholiken, und die Abgg. Dr. Chlapowski(Pole) und G l o w e tz k i(C.) kristsierteu in abfälliger Weise die Schul- Politik der Regierung in Oberschlesien, worauf nach ihrer Meinung das starke Anwachsen der Socialdeniokratie zurück- zuführen ist. Sobald der Religionsunterricht in der Mutter- spräche erteilt wird, glauben die Herren, wird es mit den Fortschritten der Socialdeniokratie in Schlesien zu Ende sein. Wir wollen ihnen diesen Glauben nicht rauben. In die Zurückweisung der Klagen des Centrums und der Polen teilten sich die Minister S t u d t und der Ministerial- direktor Dr. K u e g l e r. Bei weiteren Etatstitcln verbreiteten sich die Abgeordneten über die Frage der Schulaufstcht, die nach der Ansicht der konscrvativ-klerikalen Mehrheit durch Geistliche im Nebenamt ausgeübt werden soll. Abg. I d e r h o f f(fk.) forderte die baldige Regelung der Schulunterhalstmgspflickt und der Schulpflicht, und Abg. Schmidt- Warburg(C.) sprach sein Bedauern über die Landflucht der Lehrer aus. Montag: Fortsetzung der Beratung des Kultusetats. Wem der Staat hilft! Die grauenhafte Arbeitslosigkeit, unter der das Proletariat gegenwärtig schwer leidet, hat den preußischen Staat bisher nicht veranlaßt, auch nur einen Pfennig auszugeben, um durch direkte Hilfeleistung den Notstand zu lindern. Bisher hat keine Arbeiter- Organisation für ihre Unterstützungskosten irgend«ine staatliche (auch keine kommunale) Beihilfe erhalten. Anders verfährt der preußische Staat, wenn es gilt, den oft« clbischen Agrarier» zu helfen. Es ist jetzt die»Denkschrift über die aus Anlaß des landwirtschaftliche» Not» st an des in den östlichen Landesteilen ausgeführte Hilfsaktion* veröffentlicht ivorden. Im Borjahr war ein Teil der Wintersaat im Osten mißraten. Darauf hat der Staat bis jetzt 8.6 Millionen Mark für diese Zwecke verausgabt, und zwar 4,5 Millionen für die Provinz Posen, 4 Millionen für West prenßen. den Rest für Schlesien und die Kreise Johannesburg und Ncidenburg. Unterstützt wurden 69161 Landwirte unter 166 Hektar mit einem Gesamtbetrag von S 704 666 M. und 692 Landwirte über 166 Hektar mit 852 156 M. Wir sind die letzten, die eS nicht für die Pflicht des Staate? halten, unverschilldet in Not Geratene zu unterstütze». Empörend aber und im höchsten Grade aufreizend mutz es wirken, wenn derselbe Staat, der nichts übrig hat für arbeitslose Proletarier, die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft, es über sich gewinnt, wohlhabende Leute—»nd zu denen gehören Besitzer von 166 Hektar Landes und mehr— sofort aus öffentlichen Mitteln zu uiiterstützen. wenn ihnen durch Ungunst die Ernte ein bißchen vermindert wird. Wie weit von den Landwirten unter 166 Hektar Landes auch die größeren Besitzer subventioniert wurden, davon läßt sich aus der Denkschrift kein genaues Bild gebe», weil die Berechnung zwar nach den Größenklassen(unter 5 Hektar, 5— 26 Hektar, 26— 166 Hektar) spectnlisiert ist. nicht aber angegeben wird, wie viel Besitzer in den einzelnen Klassen Beihilfen empfingen; so läßt sich die UnterstiitzungS- quole pro Kopf»ach den verschiedenen Größenllasscn nicht berechnen. Wie sich in den Gesamtzahlen die Subventionen auf Klein-, Mittel- und Großbetrieb verteilten, das möge als Stichprobe die Provinz Pose» zeigen. Es erhielten an: Saatgut.... Futtermittel S t r e u m i t t e l D ü n g e ni i t t e l unter 5 lia 245 547 M. 76 686» 18 529» 32 546„ 26-166 ha 879 436 M. 258 461„ 23 719„ 189 306, über 166 ha 219 666 M 148 656» 3 886, 161945» 5-26 ha 877 675 M. 251 276 38 627 174 980 Es ergiebt sich daraus, daß nur ein kleiner Bruchteil der Summen auf die Landproletarier, die unter 5 Hektar besitzen, entfallen ist. während der Löwenanteil den mittleren und großen Besitzern zu gute gekommen ist. Und doch werden»atur- gemäß die Zwergbaucr» am schwersten von Mißernten betroffen; sie sind auch am ivehrlosesten. Wie wenig die einzelnen Kleinbauern erhalten haben müssen, erkennt nian, wenn man berücksichtigt, daß auch in der Provinz Posen die Parzellenbesitzer die große Mehrheit ausmachen. Es giebt in der Provinz Posen 125 963 Besitzer unter 2 Hektar, 64 863 Besitzer von 2 bis 26 Hektar. 12 638 von 26 bis 166 Hektar. 2665 über 166 Hektar. Also auch bei dieser agrarischen NotstandSnktion sind die Bedürftigsten am schlechtesten behandelt worden. Die aibcitSloscn Jndnstric-Arbetter aber wissen nun. was sie z» thnn habe», um StaatShilfe zu erlangen. Sic brauchen nur Rittergüter vv» 1.'e Proz. als znfriedenstcllciid bezeichnete, da erhob sich lautes Murren i» den Reihen der„kleinen Leute", die der Pecsoiienzahl nach die Mehrheit, dem Aktienkapital nach aber eine nnbedentenbt Minderheit bildeten. Als der Redner gar die Vermutung aussprach, die Dividende � könne im läiifenden Jahre noch weiter sinken, da erhob sich das Murren der Unzufriedenheit zu einem Lärm des Unwillens. Als echter mid rechter Aktionär, dem der Profit über alles geht, machte der Redner Vorschläge, ivie eine fettere Dividende zu erziele» sei. Vor allem müsse dafür gesorgt weiden, daß der Verkehr durch die Leipzigerstraße— diese vor- zügliche Einnahmequelle der Gesellschaft— der Straßenbahn erhalten bleibe. Dagegen sollten die Behörden nach dem Wunsche des Red- ners den Omnibusverkehr, und womöglich auch den Verkehr der Geschäftswagen und Droschken aus der Leipzigerstrnße verbanne», denn die Hauptsache sei doch die Straßenbahn.— Diese Verkchrseiiischränknngen zu Gunsten einer einzigen Gesellschaft gingen selbst einem so gewiegten Vertreter der geschäft- lichen Interessen der Straßenbahn, wie es der Direktor Micke ist. zu weit. Er sagte, es müsse anerkannt werden, daß die Behörden die Straßenbahn möglichst berücksichtigen. So radikale Anträge wie: „Omnibusse raus ans der Leipzigerstraße" könnten leicht becrNtwortet werden mit der Parole!„Straßenbahn raus!" Die ätigstlichen Gemüter der Rentner und sonstiger„kleinen Lenke" beruhigte Herr Micke mit der Zustchenmg., daß das lanfcnde Jahr boran'ssichtlich wieder bessere Erträge bringen werde. Die Venninderiiyg derselben im abgelailfencn Jähre sei auf die Umwandelmig in de» elektrischen Betrieb zurückzuführen.— Unter großem Beifall kritisierte ein Aktionär, Herr Markwald, die außerordentlich höhen Bezüge der Direktions- und Aiifsichtsraismitglieder. Die Eiiiilahmen dieser Herren, sagte der Redner, werden immer größer, nnsre Dividende aber wird immer kleiner. Wenn der AnisichtSrat die statutenmäßig festgesetzten 20 Sitzungen im Jahre wirklich abhält, dann bekommt jedes Mitglied des Aufsichtsrats für jede Sitzimg 500 M. Die Leistung steht jedenfalls in gar keinem Verhältnis zu dieser hohen Bezahlung. Die Frauen, welche die Wagenlampen zu reinigen haben, bekommen pro Stunde 10— 15 Pf. Bei'so niedrigem Lohn kömieu sie ihre Arbeit nicht ordentlich verrichten, nnd die Lampen brennen deshalb oft dnnkel. Vielleicht legt der Aufsichtsrat von seinen hohen Tantiemen diesen Frauen etwas zu.--- Während solchergestalt der Streit zwischen Dividendcnjäqern und Tantiemen- schkucker» tobte, warfen zwei Vorstandsmitglieder des Ccntral-Ver- bandeS der Handels- und Verkehrsarbeiter. Kaßler und Schultzll ciniac meiie Momente in die Debatte. Kaßler betonte, daß kleine Nachlässigkeiten der Schaffner ini Dienst, wie sie von einem Vorredner angesührt, wurde», auf die Ueberanstreiigung und den schweren Dienst dieser Angestellten zurückgeführt tverdeii müssen.(Widerspruch.) Weiter bemerkte der Redner, im Geschäfts- bericht müsse wohl ein Druckfehler enthalten sein. Da sei die Rede von erhöhten Gehältern nnd Lohnen. Die Lobnsiiinme ,ei wohl im ganzen höher �geworden, ireil 300 Wagen und 400 Personen neu eingestellt tvnrdc», aber von einer Lohnerhöhmig für den Einzelnen sei gar keine Rede. Ebensowenig sei das Personal durch.die Neu- cinstcllimgen entlastet.worden. Ter Redner rügte ferner die Zuwendung einer Subvention von 3000 M. an den Verein der Straßenbahn- Angestellten(bekannt nnlcr dem Namen„Ascher- Verein"), sowie die Htiftinig einer Fahne nnd eines Mnsikchors für denselben.— Direktor Micke' erklärte hierauf, was jedem Kenner der Verhältnisse längst bekannt war, daß der genannte Verein im Interesse der Gesellschaft die Uuterstütziliig erhalten habe. Fahne nnd Musik, das fei mm mal der Kitt für solche Vereine, und wenn damit den Jiitercsscii der Gesellschaft gedient werde, dann seien doch 3000 M. nur eine Lappalie.— Diese Ausführungen fanden natürlich den iiiigeteilten Beifall der Aktionäre. Ungeheure» Widerspruch erregte es dagegen, als S ch u l tz k i nochmals auf die Uiiterstiitzung deS� Vereins zu sprechen kam und dabei betonte, das Wesentliche an dieser Angelegenheit sei der Umstand, daß die Mitglieder dem sogenannten„Ascher-Verem" nicht ganz freiwillig, sondern unter dem Gefühl eines gewissen Druckes beitreten. Redner forderte die uneingeschränkte Vereinigungs- freiheit für die Angestellten, die zum Gedeihen des Unter- iiehmens ebenso viel beitragen wie die Verwaltung.(Großer Lärm.) Ans dem Geschästsbericht ist nicht ersichtlich, wie hoch die Tantiemen der Direktoren und die der Beamten sind. Schuktzli ersucht um bestimmte Beantwortung der Frage, wie die Tantiemen ans die betreffenden Personen verteilt werden. Diese Frage fand glich bei der Mehrheit der Aktionäre lebhaften Anklang, aber der Leiter der Versammlung, Kommerziellrat Arnhold, drückte sich vor deren Beantwortung, indem er sagte Die Verteilung der Tantieme erfolgt ans Grund der Verträge nnd des Statuts nach bestem Ermessen der Direktion.— Obgleich man von mehreren Seiten rief: DieZahlen wollen wir wissen!, erfolgte keine weitere Antwort. Nicht besser erging es dem Aktionär Markwald, der die bestimmte Frage stellte: Wie hoch sind die Gehälter der Direktoren? Hierauf antwortete Herr Arnhold ebenfalls ausweichend: Meine Herren, wenn ich über die Gehälter AnSkimft gebe» würde, so würden sie erstaunt sein über die bescheidene Höhe derselben. Aber ich lehne die Ans- kinift ab. denn die Festsetzimg der Gehälter der Direktion ist Sacke des Aufsichtsratcs.— Außer' denen, die nuck hinter den Conlissen Bescheid wisse», ivar niemandmit dieser Antwort zufrieden. Man flüsterte sich gegenseitig zu, daß das„bescheidene" Gehalt des Direktors Micke außer den nicht minder„bescheidenen" Tantiemen 100 000 M. jährlich betragen soll.— Mit dieser Episode war die Debatte beendigt.— Die vorgeschlagene Dividende von Vh Proz. wurde bewilligt, nnd die Herren in der Direktion und im AnfsichtSrat haben wieder ein Jahr Ruhe vor den Ausstellungen nnzufriedencr Aktionäre. Die Haudelskaimnerwahlen für die I. nnd IL Abteilung sind gestern. Soimabcndnachmittag beendet worden. In der ersten W ä h l e r a b t e i l» n g, in welcher nur eine Wahlliste vorlag, wurden einstimmig die Herren Geh. Kommerzienrat Eduard Arnhold, Koinmerzienrat Ernst Behrens, Karl Fürstenberg, Geh. Kommerziell- rat Wilhelm Herz, Kommerzienrat Wilhelm Kopetzky, Kommerziell- rat Isidor Loewe, Franz von Mendelssohn, Geh. Banrnt Emil Rathenau,. Justizrat Dr. Jacob Riester, Ludwig. Roland- Lücke. Rechtsanwalt Dr. Arthur Salomonsohn und Generalkonsul Dr. Paul Schwabach mit 43 Stimmen gewählt. Von den Gewählten gehören 7 Herren der Börse an, während 5 als Vertreter des Groß- Handels und der Großindustrie zu bezeichnen sind.' Bei der II. Wnhtabteiliuig drang mit einer einzigen Ans- nähme die Liste durch, ivelche der Verein der Berliner Kaufleute nnd Judnftrieller im Verein mit den übrigen hiesigen kaufmännischen Vereinen aufgestellt hatte. Es wurden gewählt: Kanfmaim Leopold Badt(in Firma Hermann Jacobh) mit 591. Hoflieferant Paul Ganse(in Firma Gebr. Ganse) mit 360. General- dircktor Friedr. Goldschmidt(Aktien-Braneyci Friedrichshöhe vorm. Patzenhofcr) iintS33, Banklser A IfredLölvenberg(in Firma G.Löwenberg ii. Co.) mit 588, Kommerzienrat Ferdinand Manheimer(in Firma V.Man- heimer) mit 610, Zeitmigsvcrlcger Rudolf Mosse(in Firma Rudolf Masse) mit 363. Kaufmann Anton Ohler mit 569, Kommerzienrat Louis Raveiiö(in Firma Jacob Ravenö Söhne n. Co.) mit 385, Kanfmaim Emil Salomon(in Firma Emil Salonion jr.) mit 592, Kanfmaim James Simon(in Firma Gebr. Simon) mit 615 und Kaufmaml Siegfried Sobernheim(i. Fa. Gebr. Sobernheim) mit 595 Stimme». Außerdem findet um das 12. Mandat Stichwahl statt zwischen Fabrikbesitzer Paul Heckinami, der 277 Stimmen erhielt, und dem Aelteste» der Kaufmannschaft, Herrn Bankdirektor Siegmund Weyll, ans den sich 264 Stimmen vereinigten. GemevkMNftliches. Berlin nnd Umgegend. Die Straffenbahn-Angestclltcn sollen nach Mitteilungen in bürgerlichen Blätter» das Bedürfnis empfinden, einen christlichen Straßenbahiier-Verband zu gründen, dem auch schon 200 Mitglieder angehören. Die Griiiidmig ist keine neue, sondern eine nach dem Streik van gewisser Seite protegierte, die bis heute ein stilles be- schauliches Dasein führte. Der Verband der Handels- nnd Transportarbeiter verspürt auch durchaus keinen Mitgkiedernbzng ans dieser Konkurrenz, wie dieselbe Notiz behanplet, sondern das Gegenteil ist eingetreten; in letzter Zeit wächst erfreulicherweise die Mitgliederzahl der Straßeiibahncr, so daß i» Bälde eine eigne Verwaltung für die Straßenbahner in der Vcrbands-Zahlstelle eingerichtet wird. Daß es Leute giebt, die ein Interesse daran haben, die Straßen- bahncr von der Organisation abzuhalten, ist erklärlich, aber es zeugt von einer Schwäche der Widersacher, wenn sie nichts andres gegen den Verband der Handels- und Transportarbeiter anzuführen wissen, als daß er socinldemolratisch sei. Im Verband wird keiner weder nach seiner Religion, noch nach seiner politische» Ueberzengnng gefragt, nur das Bestreben, die Lage der Angestellten im Straßen- bahnbetrieb zu bessern, ist niaßgebend für die Stellimg des Ver- bandes. lind daß er auf diesem Gebiete seine Aufgabe erfülli hat, dafür stehen ihm die Thatsachen zur Seite. Ter Verband der Lagerhalter nnd Lagerhalterinne» Dentschlaitdö(Sitz Leipzig) hält heute und morgen im GeWerk- schaftshause zu Berlin seine 7. ordentliche Generalversamm- lung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Bericht des Ausschnsses. 4. Bericht des Preß- komitees. 5. Anstellung eines VerbandssekretärS 6. Wahl des Vorstandes. 7. Wahl � der Revisoren.. 8. Anträge der Mitglieder.— Diese Gelieralversammlnng ist die erste, weläze ans Delegierten zu- sammengesetzt ist, während vorher jedes Mitglied des Verbandes auf eigne Kosten zmn Besuche derselben berechtigt war. ES besteht die Hofsmuig, daß die �n fassenden Beschlüsse von weittragender Be- deutlmg für die gesamte Genossrnschaftsbewegnug sei» werden. Achtung, Schuhmacher? I» der mechanischen Schuhwaren- sabrik von Gold stein, Köpiiickerstraße 55. sind Differenzen aus- gebrochen. Wir ersuchen, den Zuzug bis'ans weiteres fernzuhalten. Ortsverwaltimg des Vereins deutscher Schuhmacher. Deutsches Reich. Infolge der Tarifbewrgnng hat der Verband deutscher Buch- drucker in der Zeit vom 1. Jamiar bis 8. März 1017 neue Mit- g l i e d e r gewonnen. Wegen Nichtanerkennung des Tarifs haben i» Witten- b e r g 9 Setzer und Drucker des„Tageblatt" ihr Arbeitsverhältnis gekündigt. Die BergwerkSbarone schwinge» die Gciszcl. DaZ an- igekimdigte geiiieinsanic Vorgehen der Ilntcrnehiner betr. Lohnfragc scheint perfekt gcivorde» zu sein. Auf Zeche„Herkules" bei Essen »uurde den Bergarbeiter» auf Anordnung des Besitzers bereits aiu s4. März eine zum 1. April i» Liraft tretende Lohnreduklion— Proz. auf Gedinge und 20— 4V Pfg. auf Schichtlvhne— angekündigt. Die vorzeitige Ankündigung ist wahrscheinlich erfolgt, um die Arbeiter zu veranlassen, am 15. März ihre Ilündignng ei» zureichen. Daun hätte die Verwaltung die Leute nicht aufs Pflaster geworfen und wäre sie doch los. Nach der Penode märchenhafter Geivinne— für die Unternehmer soll jetzt für die Arbeiter eine Jammer- und Huugerzeit anbrechen. Die Divideudeuschluckcr fühlen sich als Herren der Situation. Die Zahl der Arbeitslosen im Verbände deutscher Gewer?- vereine betrug nach einer am 15. Februar d. I. vorgenommenen Zählung 2140. Beteiligt hatten sich an der Zählung 56 951 Mit- glieder, so daß 3,1 Proz. als arbeitslos ermittelt sind.' Die Arbeits- losen waren bis zum Zählungstermin in» ganzen 14126 Wochen arbeitslos. Die Statistik ergiebt gegen die vorige Zählung, die am 15. November v. I. stattfand, eine Zuiiahme der Arbeitslosigkeit um das Doppelte. An» 15. Noveinber»vurdcn 1163 Arbeitslose er- mittelt, die 6457 Wochen arbeitslos waren. Ei» Kongreß der christlichen Gewerkschaften wird am 29. Juni und die folgenden Tage in München stattfinden. Die Tagesordnung lautet folgendclmaßen: I. Bericht des Ansschusses über die Eutlvickluiig der Beweg»l»g; (Neferent: A. Brust-Altenessen.) �11. Das Genossenschaftswesen;(Rcferciit: I. Pesch-Krefeld.) Schutz der gewerblich thätigcn Frauen und jugendlichen Arbeiter: lReferent: C. M. Schiffer-Krefeld.) Organisation der laudivirtschaftlichen Arbeiter;(Referent: I. Gicsberts-M.-Gladbach.) V. Die Förderung der Geistesbildung der Arbeiter; (Referent: P. Gieslcr- Frciburg i. Br) An den Kongreß anschließend»vird die Generalversammlung des Gesamtverbandes stattfinden. Es kriselt in den christlichen Gewerkschaften und wird der Kongreß schwere Arbeit haben. um alles wieder in das Lot zu bringen. Dem, nutzer dem christlichen Metallarbeiter- Verband, welcher seine Delegierten schon nicht nichr zu den Sitzungen sendet, ist jetzt auch in dem christlichen Zieglerverband eine Spaltnng ausgebrochen. Und das hat der Zolltarif gethan. Der Ausschuß des Gcsamtverbandes hat beschlossen, dem Zieglerverbnnd in seincin Kampfe gegen die Zoll- gegner in seinen Reihen beizustehen. Weiter ivill man.»im Ersatz für die abspringenden Organisationen zu haben, den Bund der Fleischergesellen zu Berlin als neugegriindete christliche Organisation zu dein Kongreß einladen. Ausland. Der Picketing-Prozeß von Blackbnru, über den seiner Zeit im„Vorwärts" ausfiihrlich berichtet ivurde, endete mit einem' Ber- gleich, indem die Gciverkschaft der Spinner sich verpflichtete, 46/, Uhr in den Arminhallen, Kornmandantenstr. 20; Vortrag. Uetzke rtnrfivirfttcit und DepeMen. Ministerium Zanardelli erhält das Vertra«e»stiotu»l. Rom, 15. März.(W. T. B.) Die Deputiertenkanmier nimmt die Be« sprcchnng über die Regierniigserklännig iviedcr aiif. Der Minister-Prä- sident Zanardelli erklärt, das Ministerium habe die normale Thätigkeit des Parlaments wiederhergestellt, es habe die Finanzreform durchgesetzt, welche das Brot der Armen verbilligt habe. Der Minister schildert sodann die Lage, in welcher sich das Land befand, als das gegenwärtige Kabinett an das Ruder kam und die friedenstiftende Wirksanikeit desselben. (Bravo!) Was die Ausstände betreffe, so war sein Angcnmerk darauf gerichtet, beklagenswerte Zusammenstöße zu vermeiden. Bezüglich der Frage des Personals der Eisenbahnen und der Einstellung von Militär in den Dienst erklärt der Redner, die Einstellung des Militärs sei offiziell vorher angekündigt nnd erst in Anwendung gc- kommen, als die Regierung die Gewißheit hatte, daß der Ausstand unmittelbar bevorstehe. Im weiteren Verlans seiner Rede verteidigt der Minister- Präsident die schon von Giolitti dargelegte innere Politik und schließt: Er rufe mit ruhigem Gewissen das Votnni der Kammer an.(Leb- hafte Zustimmung nnd anhaltender Beifall ans der Linken.) Redner wird von einer großen Zahl Abgeordneter beglückwünscht. Nunmehr wird über die von den Rednern eingebrachten Tages« ordnnngen abgestimmt. Zanardelli erklärt folgende Tagesordnung G o r i o annehnien zu wollen; die Kommer nimmt die Er- kläriingen der Rcgiermig zur Kenntnis und geht zur Tages- ordnung über. Costa erklärt im Nanicn der S o c i a I i st e n. sie würden für das Kabinett stimmen. Hierauf wird über die Tagesordnung Gorio namentlich abgestimmt. Sie wird mit 250 gegen 158 Stimmen bei 45 Stimmenthaltungen angenommen. Darauf vertagt sich das Haus._ Csougrnd(Ungarn), 15. März.(W. T. B.) Infolge heftigen Auftretens des Scharlachfiebers sind hier sämtliche Schulen geschlofseii Ivorden. Bisher kamen 124 Erkrankungen vor, von welchen 50 einen tödlichen Ausgang hatten. Rom, 15. März.(W. T. B.) Heute ist ein Dekret ver- öffentlicht, durch welches das zum E i s e n b a h n d i e n st verwandte Militär verabschiedet wird. Veramwottlicher Redocteur:«arl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich:»h.«locke in Berlin. Druck und Verla» von Mar Badtn» in Berlu» Hierzu 4 Beilage«». UnterhaltnngSblatt. ?t. ei. i9.?°hWn, i. Keilllge hes„Jonirfe" berliner Dlksblstt. Lm.iGi6.Mi ,902. Eine Kritik der Arbeitölosen-Ttktistik der GewerWasts- koiniiiisslon bringt die„Vossische Zeitung". Wenn die Besprechung mich den Anschein einer sochlichen Kritik erwecken soll, so ist doch dos Bestreben des Kritikers, die Bedeutung der genannten Statistik unter allen Ulustände» herabzusetzen, unveikennbar. Mindestens sollte man doch erwarten, das; jemand von einer Arbeit, die zu kritisieren er sich be- rufen fiihlt, mehr kennt, als nur den Schlns;. Dem Mitarbeiter der „Vvssijcheu Zeitung" ist aber von der Arbeitslosen-Statistik nichts weiter bekannt als unsrc letzten Veröffentlichungen. Da schlägt der gute Mann nun seinen kritischen Haken ein und erzählt seinen Lesern ohne Bedenken: Bei der Veröffentlichung der Ergebnisse der Arbeitslosenzählung sei völlig unbekannt geblieben, welche An- Weisungen den Zählern erteilt worden sind, wie die Zählkarten lauteten, wie und von wem sie zusammengestellt sind, wie ihre Richtig keit kontrolliert ist. Hätte der Mann, der dies in der„Vossische» Zeitung" schrieb. sich nin die Sache, die er besprechen will, bekümmert, dann hätte er diese Ausstellungen nicht machen können, denn alles, was in dieser Hinsicht zu wissen not thiit. ist im„Vorwärts" längst veröffentlicht worden. Teils geschah dies schon vor, teils während der Zählung. Run wird gesagt— und diesen Einwand erhebt auch jetzt wieder die„Vossische Zeitung"— es sei keine Gewähr gegeben für richtige Ausjüllnng der Karten, und es habe keine Nachprüfung der aus- gcsüllteu Zählkarten stattgefunden.— Was diesen Einwand betrifft so kann eine Behörde bei Erhebung der Statistik auch nickit anders verfahren, wie es hier geschehen. Auch die Behörden lassen alle Zählkarten, deren Fragen klar beantwortet sind, als richtig gellen. Eine Nachfrage halten Behörden nur bezüglich solcherZählkarten. deren Fragen »mverständlich oder unvollkommen beantwortet sind. Solche Karten sind bei unsrer Zählung natürlich auch zahlreich eingelaufen, sie sind aber, da eine Nachkontrolle nicht statlfinden konnte, selbstverständlich völlig ausgeschieden und überhaupt nicht mit- gezählt worden. Durch die peinliche Ausscheidung aller nicht ganz klaren und zweiselsfreien Antworten sind sicher viele. die in die Statistik hineiiigchören. daraus fern geblieben. Nim zu den Ausstellungen, die die„Vossische Zeitung" an de» Zähtrcsnltaten selbst macht. Sie meint, datz alle die, welche schon mehrere Monate arbeitslos sind, nicht zn denen gehören, deren Ar- deitslosigkcil eine Folge der Geschäftskrise ist. Aber warum denn nicht? In» Oktober vorigen Jahres machte sich die Krise bereits so allgemein bcnicrkbar, das; niemand mehr wagte, sie zu leugnen. Der Geschäftsgang und die damit verbundenen Arbeiterentlassungen dauern ober schon viel länger an. Man kann deshalb sehr ivohl anuchiuen, das; eine Arbeitslosigkeit von 4—5 Monaten— vom Baugewerbe vielleicht abgesehen— eine Folge der Krisis ist. Die- jcnigc», die länger als 5 Monate arbeitslos sind, können doch eben- falls— wenigstens zum Teil— Opfer der Krisis sein. Uebrigens machen die länger als 5 Monate Arbeitslosen nur etwa den zehnten Teil der Gesamtzahl aus, sie ändern also das Gesamtbild nicht erheblich. Bezüglich der verkürzte Zeit Arbeitenden sagt die„Vossische Zeitung"; Man forscht vergeblich danach, was hier als Normal- Arbeitszeit, die verkürzt sein soll, gilt.— Es ist selbstverständlich. daß als verkürzte Arbeitszeit diejenige gilt, welche nicht so lang ist, als die in dein betreffenden Gewerbe oder Betriebe unter normalen Verhältnissen, übliche. Um diesen Unterschied festzustellen, lautete auch die Frage: „Arbeiten Sie infolge von Arbeitsnrangel verkürzte Zeit? In unsrer Besprechung der Statistik haben tvir übrigens die Bau- arbeiter niit ein bis ztvci Stunden täglicher Arbeilszeilvcrlürzung ausgeschieden, weil wir nicht ganz sicher Ware», ob dieselben einen Unterschied gemacht hatten zwischen der durch den Winter bedingten und der durch Arbeitsmangel verursachten Verkürzung. Außer dem Kritiker, mit dem ivir uns bisher beschäftigte», nimmt auch Dr. Freund in der.Vossischen Zeitung" das Wort, um gegen die Arbeitslosenzählung der Gewerkschastskommission zu polemisiere». Herr Freund hat im vergangenen Herbst, als wir zu einer Schätzung von 50 000 Arbeitslosen in Berlin kamen, die Zahl derselben auf 35 000 geschätzt. Seine Ausführungen, die er jetzt in der„Voss. Ztg." macht, laufen in der Hauptsache auf den Nachweis hinaus, daß seine Schätzung das richtige getroffen hat. Herr Dr. Freund sagt, cS giebt in Berlin rund 35 000 Invaliden und Kranke. Die Statistik der Geiverkschaftskontmiisio»»nnfnßt aber nur 16 164 Invaliden und Kranke, folglich werden sich die übrigen 19 000 ivohl als Arbeitslose eingezeichnet haben. Ziehen wir diese von der Gc- snmtzahl der Arbeitslosen ab, dann kommen wir annähernd zn der von mir angegebenen Zahl. So sagt Herr Dr. Freund. Seine An- nähme ist aber durchaus nicht stichhaltig. Viele Karten sind bei der Auszählung ausgeschieden worden, weil sich die Befragten als Renten- empfänger bezeichneten, ohne Angaben über Arbeitslosigkeit zu macheu. Ter ganze, von Herrn Dr. Freund so eifrig gesuchte Rest der Rcutenempfänger ist also nicht unter den Arbeitslosen oufgenonimcu. Herr Dr. Freund sagt:„Alle diese Reuten- empfänger, wenn sie keine Arbeit habe»— und das ivird in kritischen Zeiten, i» denen die Konkurrenz vollwertiger Arbeits- kräste zu groß ist, regelnräßig der Fall sei»— betrachten sich als „arbeitslos" und wolle» auch zu den„Arbeitslosen" gerechnet sein, iviewohl sie thatsächlich für die ArbeitSlosen-Statistik nicht in Betracht kommen." Das ist in der Thal ein sonderbarer Standpunkt. Die Staats- Rentcuempsänger sind doch darauf angclvieien, zu arbeiten, soweit es in ihren Kräften steht, denn die Reute, obwohl sie zum Verhungern zu hoch ist, reicht zum Sattcssen nicht aus. Richtig ist ja, daß die Leute wegen ihrer geschwächten Arbeitskraft in Zeiten der Krise zuerst an die Luft gesetzt zu werden pflegen. Aber sind sie darum nicht ebeuso Opfer der Krise, wie der Arbeiter im Vollbesitz seiner Kraft, der keine Arbeit findet? Sind diese Leute, die auf die Verwertung ihrer Arbeitskraft— wenn auch einer beschränkten— angeiviesc'n sind, nicht arbeitslos gleich de» andren Arbeitern? Wir verstehen es nicht, warum diese Arbeitslosen bei der Arbeitslosen-Statistik nicht in Betracht kommen sollen. Nach der Freundschen Logik dürfte man wohl arbeitslose Gewerkschaftsmitglieder, wenn sie«rbcitslofcn- Unterstützung bekommen— die noch dazu erheblich höher ist, ivic die Staatsreuteü— auch nicht zu den Arbeitslosen zählen? Zudem können ivir Herrn Freund die weitere Aufklärung geben, daß bei der Arbeitslosen, zähwug alle K r a u k e n h ä u s e r, Hospitäler und das S i e cki e u h a u s mit ihren Insassen außer B e- r c cki n n» g k a m e n. Allein die Äraukenauslalten zählen in Berlin 7529 Betten, die zu einen» großen Teil von Arbeitern belegt fein dürften. Man sieht, Herr Dr. Freund sucht mit durchaus untanglichen Mitteln den Wert der vorliegenden Statistik zn verkleinern und seine Anuahmc richtig zn halten. Schließlich tischt Herr Dr. Freund auch bei dieser Gelegenheit wieder seine neueste Eutdcckung auf, daß die Social- demokralic die Arbeiterbewegung diskreditiert. Die Bestätigung dieserEnt- dcckuttg findet er in der Thatsache. daß wir die Arbeilslosenstatistik nicht als eine interessante und unverbindliche Spielerei betrachtet, sondern die ebenso naheliegenden lvie notwendigen Folge» aus ihr gezogen und die Linderung des aufgedeckten Elends seitens der maßgebenden Stellen gefordert haben.„Auch an der Arbeitslosenzählung der Gewerkschaft hing das Bleigcivicht der Socialdcmokratie", ruft Herr Freund am Schluß seines Artikels aus.— Wir können Herrn Dr. Freund versichern: Die Arbeiter tvissen ganz genau, daß, wenn die Socialdcmokratie nicht die Arbeiter- iuteresscn energisch und mit Erfolg vertreten hätte und noch stets vertreten würde, daß dann die„Arbeitcrfrcuude" vom Schlage des Herrn Freund ihr Herz noch nicht entdeckt hätten. Eben deshalb, weil die Arbeiterbewegung mit dem„Bleigewicht der Socialdemo- kratie" und durch dieselbe vorwärts gekommen, suchen sich die sanftep federleichten Socialpolitiker a la Freund an die Arbeiterbelvegung zu hängen, um sie im Fortschritt zu ihrem Ziel aufzuhalten. Aller- dings ein nutzloses Bemühen. ' Bei alle» Kritiken, die seither an der Arbeitslosenzählung geübt wurden, ist ein Umstand bemerkenswert, nämlich der: Alle Kritiker haben immer nur versucht, von den Zahlen der gänzlich Arbeitslosen etwas abzuhandeln, in der Hoffnung, dadurch die schlimmen Folgen der Krise weniger traurig erscheinen zu lassen. Dagegen ist man fast achtlos vorübergegangen an dem nicht minder bedeutenden Teil der Statistik: der Ermittelung des llmfanges der teiltvciscn Arbeitslosig- keit. Und doch stellt dieser Teil der Erhebungen in Verbindung mit dem andern erst die herrschende Not in ihrer ganzen Größe dar Was will es den» sagen, wenn die Zahl der Arbeitslosen wirklich um einige Tausend kleiner sein sollte, als ermittelt— wir glaube» eher das Gegenteil— das Elend bleibt, namentlich wenn man die teiliveise Arbeitslosigkeit mit in Betracht zieht, noch immer so groß, daß jeder wahre Arbeiterfreund, jeder Menschenfreund alle Hebel in Bctvegung setzen müßte, um eine Linderung der Not herbei- zuführen. Unser Partcigenoffe Felix WitkowSki ist gestern nach jahrelangem Siechtum an der Luugenschivindsucht gestorben. Wer lvar Witkowski? wird heute mancher fragen. Wer nicht in der Expedition uusres Blattes verkehrte, nllwo unser Freund seit über einem Jahrzehnt angestellt war, wußte nichts von der Existenz dieses Parteigenossen. Seit Jahren ein stiller, schwer- kranker Mann, trat er kaum an die Oeffentlichkeit und unterhielt nur mit einigen alten Landsleuten ans seiner Heimat Polen eine freundschaftliche Verbindung. Und doch war einst der Name WitkowSki in vieler Parteigenoffen Munde. Es lvar zur Zeit von Deutschlands tiefster Schmach, im Jahre 1887, als das Socialistengesetz lausende und abertauseudc braver Arbeiter um ihrer Ueberzeugung willen ächtete, als nach dem Willen des Spitzelmiuisters Puttkamer die Socialdcmokratie aber mals mit den Mitteln des Schufterle vernichtet werden sollte. Der vor einigen Monaten im Wahnsinn zu Grunde gegangene Krinnnalschutzmann Naporra schlich sich damals unter der Maske eines Freundes und Parteigenossen zn Witkowski und dessen Leidensgefährten Janiszewsli, Merkowski nnd anderen; er verteilte socialdcmokratische Flugblätter und suchte sich auch sonst als eifriger Anhänger der Socialdemokratie unter den polnische» Parteigenossen bemerkbar zu machen. Eines Tages zog die Polizei die Schlinge zusammen: zahlreiche polnische Social- demokraten wurden auf Naporras Anzeige hin verhaftet. Trotz allem war das Beweismaterial der Behörde so minderwertig, daß es einer einjährigen Untersuchungshaft bedurfte, um den großen Poscner Socialistenprozeß, in welchem am 30. Januar 1888 im ganzen auf etwa 16 Jahre Gefängnis erkannt ivurde, ins Werk zn setzen. Unser Witkowski wurde, nachdem er ein Jahr in Untersuchungshaft zugebracht hatte, wegen geheimer Verbindung und Verbreitung des„Züricher Socialdemokrat" ec. zu 21/a Jahren Gefängnis verurteilt. Für die damalige Polizeiinoral ist der Umgang Naporras mit Witkowski besonders beachtenswert. Als zu Weihnachten 1886 Witkowski mit seinem Bruder nach Posen reiste, um seine betagte Mutter zu besuchen, da umarmte nnd küßte ihn Naporra beim Abschied auf dem Schlesischeu Bahnhof. Ein Kuß, der nur in dem Kuß des Judas Jscharioth ein Analogon hat! Und damit nicht genug. Er redete ihm zu:„Sieh' nur zu. daß Du in die Bewegung in Posen mehr Leben bringst I Eine harmlose Bemerkung! kann man sagen. Gewiß: aber der königlich preußische Kriminalschutzinann Naporra steckte dem Sociab demokraten Witkowski auch heimlich zwischen Nock und Ueberzieher einen Karton in die Brust, in dem sich bei der spätere» Oeffming auf der Fahrt verbotene Flugblätter und verschiedene Nummern des Züricher„Socialdemokrat" befanden I Naporra stand nach vollbrachter That bei den Stützen des Rc- giments Bismarck-Pnttkamer in hohem Ansehen. „Alles, was gegen Naporra vorgebracht ist, ist ebensoviel wert als der Hauch auf einem Spiegel, als der Reif, der der Morgenröte vorangeht." Mit diesen kühnen Worte» feierte der Staatsanwalt Martins den amtlichen Lockspitzel als Ehrenmann und Staatsretter. Als Witkowski das Gefängnis verlassen hatte, war er ein kranker, gebrochener Mann. Hinter Kerkermauern hatte der Schwind suchtskcim sich in ihm festgesetzt, nnd keine ärztliche Hilfe vermochte dem Unglücklichen die Gesundheit wiederzugeben. Wochen- und monatelang fesselte ihn das Siechtum seit Jahren ans Krankenlager, auch der Aufenthalt in Heilstätten und Luftkurorten vermochte das Leiden nicht zu lindern. Nun ist auch unser Freund nach hartem Kampf dahingegangen, noch in» Tode eine wuchtige Anklage gegen die Politik der Gewalt und der Hinterlist, mit der ein Bismarck im tollen Wahn den Riese» ocialdemokratie zu erwürgen wähnte. Mtkoivski ist 45 Jahre alt geworden. Seit 1891 war er uns in der Expedition, soweit sein Gesundheitsznstand dies zuließ, ein treuer Helfer. Eine Witwe und zwei unerzogene Kinder trauern an seinem Sarge. Die Beerdigung findet Moutagnachmittag 4 Uhr vom Traner- hause, Warschaucrstr. 87, ans nach dem Städtischen Friedhof in Friedrichsfelde statt. Berliner Partei-Angelegenheiten. Achtung! Sechster Wahlkreis. Am Dienstagabend 8 Uhr ändcn in» sechsten Wahlkreis vier große Volksversammlungen statt mit der Tagesordnung:„Der 18. März nnd das Proletariat." (Näheres im Annoncenteil.) Die Vertraueirsleute. Die Parteigenossen der Schönhanscr Vorstadt werden daraus aufmerksam gemacht, daß am Dienstagabend 8V2 Uhr im„Berliner Prater", Kastanicnallee 7—9, eine Volksversammlung stattfindet, in der Reichstags-Abgeordncter E. Wurm über„den 18. März und seine Bedeutung" sprechen wird. Zur Einleitung sind Gesaugsvorträge vorgesehen. Die Parteigenosse» werden ersucht, für regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Sechster Wahlkreis. Am Donnerstag hält im„Eis- k e l I e r", Chausieestr. 83, der Wahlverein des sechsten Kreises eine außerordentliche Generellversammlung ab, in welcher zu Einigungs- Vorschlägen gegenüber den Genossen der Schönhauser Vorstadt Stellung genommen werden soll. Schöneberg. Am Dienstag, den 18. März, findet bei Obst. Meiniugerstr. 8, eine Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag' des Genossen Fritz Znbeil: „Was leh'rt nnS der 18. März". Die Frauen sind ganz besonders zu dieser Versammlung eingeladen Wil>nersdorf. Am Montag, den 17. März, in der Zeit von 12—3 und 6—9 Uhr finden hier die Wahlen zum Gewerbe- g e r i ch t statt. Es wählt der 1. Bezirk Alter Ort, Luisenpark, Wilhelins-Aue 112, 2. Bezirk Haleusce, Kurfürstenpark, der 3. Bezirk nördlich der Güntzelstraße. Kaiser-Allee 7, 4. Bezirk Wilmersdorf- Friedenau, Ringbahnslr. 11, Restaurant Kunkel. An den Genossen, welche im Ort ihre Arbeitsstelle haben, geht die Mahnung, sich mit Legitimation zu versehe», nin ihre Wahl auch hier ausüben zu können. Legitimationen auf den Polizeireviere». Wähler ist, wer 25 Jahre ist und im Ort»vohut. Tegel. Dienstag findet hier in den Trappschen Festsälen. Bahnhofstr. 1, eine Volksversammlung statt. Geuosfe Wiescnthal spricht über:„Die Bedeutung des 18. März für die arbeitende Bc- völkerung". Außerdem steht' nusre Gemeindevertreter-Wahl aus der Tagesordnung. Die Wahlberechtigten»verde»» noch ganz besonders zu dieser Versammlung cingeladen. Köpenilk. Ueber die Bedeutung des 18. März ivird Stadtv. O b st- Schöueberg in einer am Dienstag bei Raths, Schützenhaus, stattfindenden Volksversammlung für Männer»ind Frauen einen Vortrag halte»». Johannisthal. Dienstagabend 8 Uhr findet in Raus Park- restanrant, Parkstr. 12/13, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung:„lieber die Bedentimg des 13. März für das Proletariat."' Referentin: Frau Kiesel. UoltÄles. An die Ansteckungen von Kindern im Elisabeth-Kinder- Hospital erinnert ein Fall, der sich kürzlich im st ä d t i s ch e n Krankenhanse in, F r i e d r i ch s h a i n zugetragen hat. I» dieser Anstalt ist die vierjährige Tochter des Schloffers H. fünf Wochen»vegen Keuchhusten behandelt worden. Anfangs März»vnrde das Kind als geheilt den Eltern übergeben, die es nunniehr»ach Hause mitnahmen. Am zweiten Tage»ach der Entlassung des Kiirdes aus dem Krankenhauic merkte die Mutter, daß ihrem Töchterchen etwas fehle» iniisie. Bei näherem Nachsehen stellte sich heraus, daß das Kind an einem Aus flu ß litt, und daß infolge diese? Ausflusses auch die Haut a» de» Schenkeln wund gefressen war. Die Eltern gaben ihr Töchterchen sofort in die Behandlung eines Privatarztes, nnd das Kind ist zur Zeit noch nicht völlig wieder hergestellt. Den Um- ständen nach kann sich die Kleine das bezeichnete Leiden nur durch A» st e ck u n g im K r a» k e n h a u s e. wo sie in, Pavillon Xll untergebracht war, geholt haben. DaS giebt auch die Direktion des Krankenhauses als'möglich zu, denn sie antwortete auf eine Be- schwcrde, die der Vater des kranksn Kindes erhob:„Wir sind nach eignen Erinittelnngen, und nachdem wir de» dirigierenden Arzt Herrn Professor König, de» Assistenzarzt Herr» Dr. Friedländer und die Oberschwester des betreffende» Pavillons gehört, zn der Meinung gelangt, daß allerdings der Ausfluß bei Ihrer Tochter, nachdem erst nach ihrer Entlassung die Anfänge desselben(Flecken in der Bett- Wäsche) bemerkt worden, sehr wohl im Pavillon XII entstanden sein kann. Ob das durch körperliche Berührung mit den» Knaben H.. r., der zu ihr in einem unbeivachtcn Augenblick ins Bett gekommen, oder auf eine andre Weise geschehe», haben wir trotz aller Nachforschungen leider nicht feststellen können. Daß in Bezug auf Reinlichkeitspflege das Möglichste geschieht, kann kaum bezweifelt lverden." Daß das Kind im Krankcnhanse angesteckt»uorden ist, scheint hiernach»»icht nichr ziveifelhaft zu sein. Recht eigentümlich mutet aber die Erklärung an, welche die Direktion für die Ansteckung zu geben sucht. Sie hält die Uebertragung der Krankheit durch einen siebenjährigen Knaben, der gleichfalls als Patient im Pavillon Xll lag. für möglich. Hat nun dieser Knabe an der fraglichen Krankheit gelitten, dann erscheint es schon sehr bedenklich, daß ein mit einer so ansteckenden Krankheit behaftetes Kind niit andren Kindern in demselben Rann, untergebracht»vird, Ivo doch die Gefahr einer Ansteckung durch mancherlei Umstände gegeben ist. Wenn sich aber eine solche Zusainiiienlegnng nicht vermeiden lassen sollte, dann müßte doch unbedingt dafür gesorgt lverden, daß eine Berührung der Kranken unter einander ausgeschlossen ist. In dieser Hinsicht scheint es jedoch an der erforderliiben Sorgfalt gefehlt zu haben. In einem Krankensaal, Ivo die Möglichkeit gegeben ist, daß ein Kind eine gefährliche Krankheit durch Berührung auf ein anderes überträgt, darf ein unbewachter Augenblick überhaupt nickit vorkonnneu. Nun hält es die Direktion des Krankenhauses nicht für ansgeschlosseu, daß die betreffende Krankheit auch auf andre Weise als durch Berührung mit dem Knaben H.. r. entstanden sein kann. Soll man hiernach annehmen, daß es im Pavillon Xll des Krankenhauses am Friedrichs- Hain noch andre Aiisteckuugsniöglichkeiten giebt. die die Direltio» trotz aller Nachforschungen nicht feststellen konnte? Welches auch die Ursache der Ansteckung sei» möge, soviel steht fest, daß im vorliegenden Falle eine unailgenehme Krankheit auf ei» Kind übertragen worden ist. Wenn das geschehen konnte, so giebt es dafür keine andre Erklärung, als daß die Aufsicht und Pflege der kranken Kinder nicht mit der notwendigen Sorgfalt ausgeübt worden ist. Weiter lehrt der hier besprochene Fall, daß es in den städtischenKranken- Häusern doch nicht in jeder Hinsicht so vortrefflich bestellt ist. wie die Vertreter uusres Konmiunalsrcisiuns in der Sladtverordneteu-Ver- sainmliing und kürzlich in, Reichstage glauben machen ivollten. Bon der Direktion des Krankenhauses in» Friedrichshain darf»vohl er- wartet werden, daß sie alles aufbietet, um die Wiederholung solcher Fälle wie der hier besprochene unmöglich z» machen. Wir wollen hoffen, daß diese Ansteckung die einzige sei, die im Krankeuhause im Fricdrichshain vorgekommen ist, und daß hier nicht etwa Verhältnisse vorliegen, die denen im Elisabeth-Kiuder-Hospital gleiche». Der Obcrpräsidciit der Provinz Brandenburg hat den, Magistrat folgenden Erlaß wegen der Aeuderuug des OrtSstatuts für die Berliner Kanalisation übermittelt.„Die Herren Minister haben mich ermächtigt, die Genehmigung zum Erlaß der mittels Berichtes von» 27. Juni v. I. vorgelegten Ordnung über den An» schluß an die Kanalisation und'die Erhebung von KanalisationS- gebühren zunächst auf die Dauer v 0 n 5 I a h r en zu erteilen. Die Genehmigung jedocb von einer anderweitigen Fassung der Statuteubestimniung in§ 1 abhängig gemacht.' In der ucue» Ordnung ist abweichend von dem geltenden Ortsstatut nirgends die Polizciverordiiung vom 14. /7. 1874 erlvähnt, auf der die Vcr- pflichtuug der Grundstücks-Eigeutümer zum Anschluß ihrer Grund- stücke an die städtischen Kaualisations- Anlagen beruht. Wenn- gleich ein Hinweis auf die Polizeiverorduuug nicht unbedingt erforderlich erscheint, so wird doch eine' Fassung vcr- mieden werden müssen, welche, wie die Fassung im Z 1 der Ordnung, den Anschein erweckt, lals ob der Anschlußzwaug durch die Ordnung begründet»vird.(gez.) v. Bethniaim-Hollweg. Der Magistrat hat, obgleich au zuständiger Stelle die Absich» besteht, diese alte Polizei- Verordnung in einzelnen Punkten abzuändern und dann die an- gezogenen Paragraphen nicht mehr passen würden, der Forderung entsprochen und die§Z 1, 2, 5 und 6 entsprechend geändert. Die Stadtverordueten-Versaiiimliing wird ersucht, sich mit dieser neuen Fassung einvcistaiiden zu erklären. Im übrigen soll die Fassung unverändert bleiben. Der Magistrat beabsichtigt die in der Königstraße belegenen tädtischen G r u n d st ü ck e zu veräußern. Ein Kaufmann H. Hoff« niann hat für die beiden Grundstücke Königstr. 9/10 rund 1 200000 M. geboten, d. h. rund 940 M. pro Quadrat, neter. Die Grundstücke haben eine Größe von etiva 1277 Quadratmeter. Die Anzahlung soll 200 000 M. betragen und das Restkaufgcld zn 4 Proz. als erste Hypothek eingetragen werden. Die Magistratsvorlage, betreffend die Regulierung des früher Borsigschen Geländes in Moabit, ist jetzt fertig gestellt und Ivird der Stadtverordneteii-Versaiilmlung unge» säumt zugehen. Der Magistrat ist darin über die Beschlüsse d e r B a u d e p u t a t i o n hinausgegangen, indem er die Aktien- gesellschaft„Neu-Bellevue" zur Annahme von Bedingungen veranlaßt hat, deren eine(Herstellung und BePflanzung der Mittelpromenade in der Straße Alt-Moabit, gegenüber dem Kleinen Tiergarte») allein einen Kostenaufwand von l 30 000 M. verursacht. Da in dieser Gegend von Moabit die Errichtung einer Gemeinde-Doppel- schule dringend erforderlich erscheint, so hat sich die Gesellschaft ferner verpflichten müssen, der Stadtgemeinde binnen Jahresfrist au ihrem Terrain ein Schulgrundstück zu dem früher bereits festgesetzte» Preise frei zu halten. In der gestrige» Sitzung deS städtischen EtatSanSschnsscs wurde beim Etat für die städtischen W a s s e r>v e r k e mitgeteilt, daß in Tegel die Hälfte des Wassers, rund 45 000 Kubikmeter täglich, nicht mehr aus dem See, sondern aus Tiefbrunnen gewonnen wird; weitere Tiefbrunnen sind im Bau begriffen, so daß in naher Zeit sämtliches Wasser nur aus Tiefbrunnen gefördert wird. Bei der Beratung des Etats für die städtischen Markthallen wurde die Frage der R a t t e n v e r t i I g u n g angeschnitten. Man beabsichtigt diesen Plagegeistern mit allen Mitteln auf den Leib zu rücken und sie zu vertilgen. Die Beratung des Hochbau-Etats zeitigte eine längere Erörterung. Zunächst kam der S ch e r b e n b e r g auf dem „Äiehuiverder" an der Oberspree an die Reihe. Die Anlage dieses Berges ist genehmigt, doch stehen noch mehrere Gutachten voni Reichs-Gesuudheitsamt u. a. aus. Bor allen Dingen aber fehlt das Geld zu dieser Anlage. Von verschiedenen Seiten wurde bemängelt daß die_ städtischen höheren Baubeamten mit Arbeiten für Private überlastet wären. Mit großer Mehrheit wurde folgender Autrag des Stadtverordneten Wallach u. Gen. angenommen:«Die Versammlung ersucht den Magistrat, den bei der Stadt angestellten Technikern jede Privatbauthäti gleit zu untersagen." Eine Protestversammlung gegen die Errichtung eineS Mager Viehhofs in Friedrichsfelde fand gester» abend im Börscnsaalc des Central-Vichhofs statt. In derselbe» sprach Reichs und Landtags-Abgcordueter Dr. Crüger, lvelcher ausführte, daß in der geplanten Errichtung des Friedrichsfelder Mager-Viehhofs trotz gegenteiliger Versicherungen die Gefahr einer Centralisation der Mager-Viehmärkte der Provinz Brandenburg und hierdurch nicht nur eine Benachteiligung der kleinen Landwirte, sondern auch eine Verteuerung des Mager« und des Schlachtviehs herbeigeführt würde. Nach einer längeren Diskussion, an welcher sich vorlviegcnd Rummelsburger Bürger beteiligten, nahm die Versaminlnng mit allen gegen eine Stimme folgende Resolution an: „Die am 14. März 1902 im Börsensaale des städtischen Central- Viehhofes von niehreren hundert Einwohnern Berlins und Jnter- essenten besuchte öffentliche Versammlung protestiert gegen die im preußischen Landtage in zweiter Lesung mit geringer Majorität be- schlossene Bewilligung von Staatsinittel» im Beträge von 2,6 Mill. Mark zur Errichtung eines Magerviehhofes in Fciedrichsfelde an die Deutsche Vieh-Verivertungsgenossenschaft. Die Versanimlimg ersucht die Staatsregierung, dein von der Gemeinde Runimelsburg ohne staatliche Beihilfe geplanten Viehhof, zu welchem schon Terrain angekauft ist, die behördliche Genehmigung zu erteilen, wenn sich die Gemeinde Rnnunclsburg verpflichtet, den veteriuar-polizeilichen Vor- schriften zu genügen. Die Aerztckammcr für die Provinz Brandenburg und . den Stadtkreis Berlin hielt gestern eine Sitzung ab, in der der Vorsitzende Gcheimrat Becher nach geschäftlichen Mitteilungen zunächst den Bericht über die Thätigkeit des ärztlichen Ehrengerichts für das Jahr 1901 erstattete. Es sind danach l5 Sitzungen abgehalten und 110 Sachen bearbeitet worden. Erledigt wurden im ganzen 86 Sachen. Anzeigen waren eingelaufen: von Behörden 2l, von Aerzten 63, aus dem Publikum 17 und anonym 9. Zur Verurteilung führten nur fünf Fälle, 43 blieben schwebend. Gegen die Z e i t u n g s- A n n o n c e u r e ist vorgegangen worden, doch hat das umständliche Verfahren noch nicht' beendet werden könne». Es folgt dann der Kassenbericht des Sanitätsrats Saatz für das Jahr 1901. Interessant hieraus ist, daß im ver- gangenen Jahre für U n ter st ützungsz wecke und zur Stiftung und Fnndierung der ärztlichen Uitterstiitznngskasse der Aerztekammer 59 000 Mark verwendet sind. Die Kosten des Ehrengerichts betrugen 2386,89 M., denen nur 102,46 M. vereinnahmte Strafgelder gegenüberstehen. Die Kosten für die einzelnen Sitzungen der Aerztekammer betrugen ca. 1000 M. Hierauf folgt der Bericht über den Etat für 1902. In diesen sind für die Berliner Mitglieder des Ehrengerichts Tagegelder in Höhe von 676 M. eingestellt, so daß die Kosten für das Ehrengericht auf 3062 M. normiert find. Für die Unterstütznngskasse der Aerztekammer sind 5000 M. eingestellt. Böse Folgen hat ein Unfall gehabt, den der 49 Jahre alte Tafeldecker Gustav Garbe vor einem Jahre in der Gastwirtschaft „Zur Lichtcnberger Terrasse" in Lichtenberg erlitt. Bei dem Ver- suche, das versagende elektrische Licht in Ordnung zu bringen, erhielt er von eineni Maschinenrad einen Schlag an den Kopf. Er klagte seitdem über Kopfschmerzen und wurde iiefstnnig. Eine Klage mit der Unfallversicherung verschlimnierte das Nebel. Vorgestern erhängte er sich in seiner Wohnung, als seine Frau, mit der er in kinderloser Ehe lebte, ausgegangen>var. Welche Marken die Frühstücks-Austräger zu kleben haben, war lange strittig. Die Versicherungsanstalt Berlin hatte entschieden, daß dem Verdienst entsprechend 14 Pfennig-Marken zu verivenden seien. Beim Umtausch der Karten ivar dagegen vielen Meister», namentlich in Moabit, von Polizeibeamten bedeutet worden, daß 20 Pfennig-Marken zu kleben seien. Um den Unznträglichkeiten, die hieraus entstanden, ein Ende zu machen, wandte sich der Vorsitzende der Orts-Krankenkasse für das Bäckergeiverbe, Bäckermeister W. Hahn, an den Polizeipräsidenten V.' Windheim. Dieser erklärte gleich der Bersicherimgsailstalt 14 Pfennig-Marken für genügend und teilte Meister Hahn init, daß die Polizeibeamten entsprechend belehrt worden seien. Seit dem t7. Februar ist die Frau Marie Fedeler auS her Adolfstraßc 16, Hof I. verschwunden. Die Unglückliche ist nerven- krank und tiefsinnig; geboren ist sie ani 21. April 1863 zu Nieborze bei Bomst. Sie trägt blondes Haar und ist von mittlerer Statur. Bekleidet war sie mit einem grauen Morgenrock und schwarzein Zackett; beim Fortgehen trug sie eine gehäkelte Markttasche. Wer etwas über den Verbleib der Frau weiß, wird gebeten, dem nächsten Polizeibureau oder dem Ehemann Nachricht zukommen zu lassen. Daö Ende der Trinkeri». Zu Gerüchten von einem Morde gab gestern nachmittag ei» Leichenfund in dem Hanse Gerichtstr. 42 Veranlassung. Hier ivohnte seit dem 1. April v. I. im Erdgeschoß des Seitenflügels eine am 19. Dezember 1852 zu Schivetz geborene Schnhinacherfran Josefa Stenzler geb. Schilinsla. Ihr Mann hatte sie vor sechs Jahren verlassen, weil sie dem Trünke ergeben war. Nebe» ihr wohnte auf demselben Flur ans der einen Seite das Schuhmacher Böhmesche Ehepaar, und ans der andren eine Witwe Vehr mit ihrem 37 Jahre alten Sohn, den Arbeiter Emil Behr, der mit Frau Stenzler ein Verhältnis unter- hielt. Dieser ist seit mehreren Wochen an der Influenza bett- lägerig krank. Frau Stenzler, die Armemmterftützung erhielt, trank seitdem»och mehr als gewöhnlich und ergab sich heimlich noch der Prostitution. In der Stacht zum Sonnabend voriger Woche hörten die beiderseitigen Nachbarn die Frau in ihrer Wohnung lärmen. Sie war bctninken und phantasierte. Emil Behr stand ans und ging zur ihr hinein, zankte mit ihr wegen ihres Lärmens, konnte Sie aber nicht beruhigen. Unwillig verließ er sie mit dem Bemerken, >aß er nichts mehr von ihr wissen wolle. Frau Stenzler ließ sich nun die folgenden Tage nicht mehr sehen oder hören. Als sich gestern naclimittag Frau Böhme einmal nach ihr umsah, fand sie sie »» ihrer Stube tot aus. Die Frau kniete vor dem Bett vor einem Kruzifix. Die Brust lag auf der Bettkante und war dadurch eingedrückt, der Kops lag auf dem Bett, Da ein Verbrechen nicht von vornherein ausgeschlosfen erschien, wurde die Kriminalpolizei gerufen. Der hinzugezogene Arzt konnte jedoch Spuren irgend welcher Gewaltthat nicht feststellen. Die Leiche Wurde schließlich' nach dem Schauhause gebracht, um gerichtsärztlich geoffnek zu werden. Nach der ganzen Sachlage ist anzunehmen, daß die Frau nach übermäßigem Alkoholgenuß vom Herzschlag getroffen wurde, während sie, vor' dem Kruzifix kniend, ihr Nachtgebet sprach, was sie jeden Abend that, wenn sie auch noch so betrunken war. Sehr viclscitig war eine Einbrccherbande, die jetzt von der Kriminalpolizei festgenommen worden ist. Eine Frau Anna Mahnekopf, die auf dem Grundstück Warschanerstr. 31 einen Handel mit altem Eisen und dergl. betreibt, hatte seit sechs Jahre» ihren Bräutigam, einen Italiener Zoldau, zum Geschäftsführer. Der Uni- satz war ganz gut, Zoldau wünschte sich aber für feine Person noch einige Nebeneinnahmen und setzte sich daher mit den Einbrechern Ott, Bamnnnn und Franke in Verbindung. Diese stahlen, wo sie nur konnten, in Wohnungen, Läden, Kantinen, auf Holz- und Kohlen Plätzen usiv. Verhängnisvoll wurden ihnen Messingdiebstähle auf dem Ostbahnhof. Hier schlichen sie sich sogar während des Rangierens in die Wagen ein-, schraubten die Messing griffe und andre Mctallteile ab und stahlen so große Mengen, daß sie sie auf eigens zu diesem Zweck gestohleuem Handwagen wegschaffen mußten. Bei den Nachforschungen nach dem Verbleib dieser Sachen führte eine Spur nach der Mahnekopfsche» Prodnktenhandlung, in der man denn auch einen Teil des gestohlenen Gutes fand. Die iveiteren Ermittelungen ergaben, daß die Baude, an deren Spitze Ott stand, die Diebstähle ausgeführt hatte. Außer dem Italiener»nd den drei Genannten wurden noch ein gewisser Ganzert und Morczinski eingesperrt, die von den andern der Mit thäterschaft beschuldigt worden. Frau Mahuekopf wurde nach ihrem Verhör durch die Kriminalpolizei wieder auf freien Fuß gesetzt. ZOOO Mark Belohnung werden von der Frankfurter Trans- Port-, Unfall- und Glas-Versicherungsgesellschaft für die Herbei- schaffung der der Firma Rosenthal Nachf., Königstraße 60, ge stohlenen Goldwaren zugesichert. Für die Festnahme der Diebe hat die Gesellschaft 300 Mark Belohmmg ausgesetzt. Einen seltsamen Tod fand gestern die neunjährige Tochter des in der Jimnanuelkirchstraße wohnenden Lackierers D. Als die Mutter von einem kurzen Ausgange heimkehrte, fand sie ihr Töchterchen, das ivegen eines leichten Uinvohlseins das Bett hütete mit einer Schnur»m den Hals sterbend vor. Die von einem Arzt sofort angestellten Belebmigsversuchc waren ohne Erfolg. Das im Bett liegende Kind hatte mit einer Büchse gespielt, die sich an einer am Bettpfosten befestigten Schnur befand, und ist vermutlich bei dem Versuche, das herabgefallene Spielzeug aiifziiheben, aus dem Bett gestürzt. Dabei wurde die um ihren Hals geratene Schnur so fest gezogen, daß das Kind erstickte. Von einem Fouragewagen überfahre» und schwer verletzt wurde vorgestern, Freitagnachmittag, die vierjährige Karoline Haller. die bei den: Zimmermann Giecke in der Zoriidorferstr. 38 in Pflege ist. Das Kind geriet vor dem Hause der Pflegeeltern unter einen Wagen des 2. Garde-Regiments, der vom städtischen Schlachthof Fleisch geholt hatte. Es zog sich außer ander» Verletzungen einen Bruch des linlen Oberschenkels zu und mußte von der Rettungs- wache I in der Frankfurter Allee mit einer Droschke nach dein Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Im Museum für deutsche Volkstrachten sind zwei Karriedelstäbe mit der ganzen AuSritsinng von bunten Bändern, Brezeln, Pfamieknchen und Bildern ausgestellt, mit welchen die Kinder in einigen Städten der Mark zu Fastnacht von Haus zu Haus gehen und dort unter Hersagung altertümlicher Lieder Brezeln und andre Geschenke erhalten. Dieser alter- ttimliche Brauch Ist schon in der Marl sehr selten geworden, in Treuenbritzen wird er heute noch beobachtet. Arbcitcr-Bildnngsschnle. Heute abend im großen Saale des Gewerkschaftshauses. Engel-Ufer 15: Dichter- Abend(Sociale Dichter). Eröffnung 6. Uhr. Frühzeitiges Erscheinen notwendig, um Störungen beim Beginn zu vermeiden. Billets nehme man möglichst in de» Verkaufsstellen, um Andrang an der Kasse zu vermeide». Wir lade» nochmals zu recht zahlreichem Besuch ein. Auf dem StiftnugSfcst des sechste» Wahlvereins im Palast- Theater(Fccnpalast) ist ein Ring mit blauem Stein, lvelcher wiederum mit 12 weißen Steinen eingefaßt ist, verloren gegangen. Der Ring ist ein Familien-Erostück und wird hauptsächlich aus letzterem Grunde der etwaige Finder gebeten, denselben gegen Bc- lvhnung bei Emil Dieke, Ackerstr. 123, abzugeben. Fenerbericht. Sonnabendabend kurz vor 6 Uhr wurde infolge dreimaliger Meldung die gesamte 4. Compagnie»ach der Rostocker- stratze 42 gerufen. Hier war auf noch nicht ermittelte Weise in einem Keller Feuer ausgekommen, das schnell um sich griff. Die Feuer- wehr hatte daher über eine Stunde aus mehreren Schlauchlestimgcn tüchtig Wasser zugebe», um den Brand auf den Keller zu beschränken. Nachmittags 2 Uhr lief eine Alarmiernng von der Köpenickerstraße 8 ein. Hier war hinter dem Hanse schon früh 6 Uhr ein mit Sand beladcner Kahn leck geworden. Anfangs versuchte» nun die Besitzer, das einströmende Wasser selbst eilig auszupumpen und das Leck zu verstopfen. Dies gelang ihnen jedoch nicht und der Kahn fing an unterzusinken. Da Ivurde die Feuerwehr alar- iniert. Diese punipte dann stundenlang mit einer Dampf- spritze Wasser ans, bevor es ihr gelang, den Kahn wieder zu heben und das Leck zu verstopfen. Kurz darauf kam in der Fehr- bellinerstr. 5 in einer Wohiinng ei» größeres Feuer aus. Die Wehr hatte hier längere Zeit mit einem Rohr Wasser zu geben, um die Flammen zn ersticken. In der Hauptsache sind Möbel, Wäsche und Kleidnngsstncke eingeäschert worden. Früh gegen 2 Uhr brach in der Baruimstr. 2 ans noch nicht ermittelte Weise in einer Tischlerei Feuer aus. Auch hier bedurfte es längerer Arbeit, um den Brand, der an Holzvorräten reiche Nahrung gefunden hatte, zu beseitigen. Vormittags 7V2 mußte in der Alexanderstr. 41 ein Schornsteinbrand beobachtet werden, während in der Elsasserstr. 27 in einer Küche ein Feuer abgelöscht werden mußte, das den Fußboden und die Balken- Inge ergriffen hatte._ Allst de« Acicsibcirorir«. Schulreform i» Charlottcnburg. Französischen Sprach- Unterricht in den Gemeindeschnlen beabsichtigt der Magistrat von Cbarlotlenbnrg einzurichten. Es sollen die würdigsten und be- fähigten Schüler der drei obere» Klassen an den iieueinznrichtenden Kursen teilnehmen und bis zu fünf Schüler ans jeder Klaffe zu dem unentgeltlichen Unterricht zugelassen iverden. Der Unterricht wird in schulfreie» Nachmittagsstnnden erteilt. Durch diese Einrichtung wird den befähigten Schülern ein etwaiger Uebergang auf die Real« schulen wesentlich erleichert. Falls sich dieser französische Unterricht an den Charlottenburger Gciiieindeschuleii bewähren sollte, soll später auch der Unterricht in der englische» Sprache aufgenommen werden. Der HmiShaltungsimterricht. der bisher an einzelnen Schulen Charlotten- burgs erteilt wurde, soll nach einem Antrage des Magistrats bei den Stadtverordneten in allen Gemrindeschuleii eingeführt werden. Ferner ist die Errichtung eines Mädchen-Reformgymnasiums be- schloffen worden. Die Eröffnung soll sobald wie möglich erfolgen. Die neue höhere Lehranstalt für Mädchen wird in dem städtischen Gebäude Nürnbergerstr. 63 untergebracht. Die Schülerinnen sollen nut der Reise für' Tertia, also mit 12 bis 13 Jahren aufgenommen werden. Die neue Anstalt beginnt mir Untcrtenia und geht in sechs Klassen bis Oberprima. Die höheren Klaffen werden nach Bedarf eingerichtet.— Wo bleibt dä Berlin? Neu-Wcisicusce. Die Beratungen der Kommission für die Er- richtung eines Ge Werbegerichts scheinen durch die AuS- führimgen des Genossen Z u b e i l im Reichstag ein etwas schnelleres Tempo anzunehmen. Die Komniission bat gestern nach mehr- stündiger Sitzung einen Teil des Statutes für daS Gewerbegericht fertig gestellt. Ans Veranlassung unsreS Vertreters in der Kommission. des Genossen G e r st e n b e r g e r, wurde, entsprechend einem Antrage von Gärtnergehilfen, folgender Passiis in das Statut aufgenommen: Die in gewerbsmäßig betriebenen Kunst-»Nd Ziergärtnereien thätigcn Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter unterstehen als gewerbliche Arbeiter im Sinne des Titel? der Gewerbe-Ordnung der Zuständigkeit des Gewerbe- gerichts." Nach dem entworfeiien Statut werden 24 Beisitzer vorgesehen, die auf 3 Jahre gewählt werden. Der Bund evangelischer Arbeitervereine, sowie der katholische Arbeiterverein(Windthorst-Bund) hatten gleichlautende Anträge auf Einführung der Proportional- (Verhältnis-) Wahlen zum Gewervegericht gestellt. Die Kommission hat diese Anträge gegen die S t i in m e u n s r e s Vertreters abgelehnt. Von letzterem wurde darauf hingewiesen. daß diese Vereine nur immer dort mit diesen Anträgen hervortreten, wo sie in der Minderheit sind, haben diese Vereine die Mehr- hcit hinter sich, so haben sie den Sinn für Gerechtigkeit, den diese in ihren Anträgen so sehr betonen, verloren, trotzdem aber werde er ans Princip für diese Anträge stimmen. Die andren Mitglieder der Konnnission lehnten die Anträge hauptsächlich mit Rücksicht auf die Umständlichkeit des Wahlverfahrens ab. Die Eni- schädigung ivurde für jede Sitzung, die länger als einen halben Tag dauert, auf fünf Mark festgesetzt. Bei der Beratung darüber, ob das ganze Gerichtsverfahren unentgeltlich sein oder die Kosten von de» Beklagten wieder eingezogen werden sollen, gerieten diejlflitgliedcr der Komiiiission dermaßen in Widerspruch, daß die Sitzung ab- gebrochen und die weitere Verhandlung verlagt wurde.— Auf der Tagesordnung der Gemeindevertreter- Sitzung am Dienstag steht u. A. ein Antrag auf Aufnahme einer 3 prozcntigeu Gemeindeanleihe von 4�/2 Millionen Mark durch Ausgabe von Anleihescheinen zur Deckung verschiedener Vedürfiiissc und Rück- zahlnng der jetzigen Anleihen. Aus Fricdrichöhagcn Ivird uns geschrieben: Die Gemeinde- Vertretung genehmigte in der am Freitag abgehaltenen Sitzung ein- stimmig den Haushalts-Etat für das laufende Rechmmgsjahr in Einnahme und Ausgabe mit 305 000 M. Genosse B a r t h als Referent der Etntsvorberatnngs-Kommission hob in seinem auS- stthrlichen Bericht hervor, daß endlich für die Pserdebahn-Angestellten und Wegc-Arbeitcr eine Lohnaufbesserung zu verzeichnen sei. In der darauffolgenden Debatte legte Genosse S o n n e n b n r g dem Gcmeiiidevorst'aiid ans Herz, nachdem die Gehalts« und Pensionsverhältnisse des Genieindeborstehers soivohl wie die der übrigen Gcmeindebeamten zur Zufriedenheit geregelt seien, ininniehr auch der Gemeinde-Arbeiter zu ge- denken. Auch diese müssen nach einer bestimmten Dienstzeit pensionsberechtigt auf Lebenszeit äuge st e l l t werden und nicht in einem jeden Tag kündbaren Dienstverhältins bleiben. Weiter bedauerte Redner, daß der Geineindevorstand seiner Zeit den Antrag betr. Errichtung eines Ge Werbegerichts der Kosten wegen kurzer Hand abgelehnt habe, ohne denselben der Vertretung ziir Beratung nnd Beschlußfassnng vorzulegen. Es sei der Gemeinde dringend der Anschluß an das Köpnicker Geivcrbe- gerickit zu enipfehleii. Ferner ersuchte unser Genosse den Gemeinde- vorstand, die Herstellung von Drucksachen nur solchen Firmen zu übertragen, die den deutschen Biichdruckertarif anerkennen. Der hiesige Buchdruckereibesitzer Kunzke habe trotz Aufforderung des Tarifamts sich zur Anerkennung des Tarifs noch nicht bereit er- klärt. Zum Schluß erklärte Redner, principiell die Bier- und L n st b a r k e i t s st e» e r abzulehnen.— Die Genossen Barth und A l b r e ch t schlössen sich diesen Ailsführnngen in ergänzender Weise an.— Der Gemeindevorsteher trat in längerer Rede unsren Ge- nossen entgegen. Er erachtete die Errichtung eines Gewerbegerichts bei der gegenwärtigen Einwohnerzahl nicht für eine Notwendigkeit; die Festmistelluiig und Pcusioiiiernng der Gcnieindc-Arbeiter sei reif- lich zu überlegen; die Vergebung der Drucksachen erfolge ans Lokal- patriotisinns nur an Ortsangehörigc und habe die Gemeinde kein Recht, sich um die Privatsachen einzelner Geschäftsleute zn kümmern. — Ein Schlußaiitrag. gegen den sich Genosse S o n u e n b n r g ein» dringlich wandte, wurde ängeiiomme» und dadurch uusren Genossen daS gebührende Schlußwort unmöglich gemacht. Friedruau. Eine eigne Art von Arbeiter- f K r s o r g e bethäiigt die Polizeibehörde«usreS Ortes, indem sie durch eine Verordnung bestinimt hat, daß an Tagen, an welchen bei Sonnenaufgang 2 Grad Kälte herrschen, den ganzen Tag die Bau arbeit zu unterbleiben hat. Was diese'Polizeiborschrift bei der gegenwärtigen Not- läge der Arbeiterschaft im allgemeinen für die ge- sa'iiilen Bauarbeiter bedeutet, darüber scheint sich der Herr Amtsvorsteher keine Kopffchmerzen zu machen. Mau weiß in diesem Falle natürlich nicht, was man mehr bewundern soll: die polizeiliche Fürsorge oder die resignierte Ergebenheit der Bau« arbciter und Bauunternehmer. Weshalb beschweren sich die Arbeiter nicht an zuständiger Stelle. um die offenbar auf Verkennnng der Tbatsnchen bernhernde Verfügung ans der Welt zu schaffen? Weshalb schweigen die Baulöwen, die doch allezeit gegen„ihre" Arbeiter'so schneidig vorgehen? Nach Auffassung der Polizeibehörden andrer Orte ist es nur unzulässig, bei einer Temperatur von 2 Grad Kälte z» arbeiten, weil nach sachverständigem Urteil bei dieser Temperatur der Mörtel nicht mehr bindet, und hiergegen wird man vernünftigerweise nichts einwenden können. Aber die Arbeit für den ganzen Tag zu untersagen, wenn bei Sonnenaufgang 2 Grad Kälte herrschen, während tagsüber das Thermometer 5— 6 Grad Wärme zeigt, das ist denn doch zu viel Weisheit selbst für die Polizei eines Vorortes der Well- 'tndt Berlin._ Govilszks- Leitung. „Freuden eineS ArbeitervertrcterS" könnte man das Bild nennen, das sich in einer Verhaudlimg des Schöffengerichts II zu Berlin vom 14. März gegen den Maurer Fritz Busse entrollte. Der Angeklagte ist Mitglied der durch den Vertrag des Central- Verbandes der Maurer mit den Baugeschäfte» geschaffenen A ch t z eh n e r- K o m in i ss i o n. Als ein Maurerpolier Maaß einen Maurer Starck entlassen hatte, weil dieser die Jnnehaltung der Vertrags- mäßigen Mittagspause verlangte, kam Busse auf den Bau, um sich nach dem Thatbestarid zn erkundigen und wenn möglich die Differenz bei- zulegen. Der Polier Maaß erklärte sehr schroff, daß er Busse keine Auskunft geben wolle, nnd forderte ihn auf. den Bau zu verlassen. Obgleich Busse alsbald ging, wurde er doch wegen Haus- �ri'edensbruchs augeklagt. In der Hauptverhandliing trat Maaß sehr großartig auf und erklärte, daß er s e l b st für die June» Haltung des Vertrages sorg- und ihn die Achtzehncr-Kominffsion nichts anginge, daß er auch den Busse nicht gekannt hätte, nnd daß„da jeder kommen könnte". Er mußte aber auf Vorhalt zu- geben, daß er dem Busse gar nicht nach seiner Legitimationskarte, die dieser sofort vorzulegen bereit gewesen wäre, gefragt hatte. lieber die Hauptsache, ob Busse nach der Aufforderung, zn gehen,»och ans deni Bau verweilt hätte, wußte er aus eigner Wissenschaft nickits an- zugeben; er wollte nur gehört haben, daß dieser noch auf einige Minuten in die Manrerbnde gegangen sei. Zwei Zeugen bestätigten, daß Busse im Vorbeigehen lediglich die in der Bude anwesenden Kollegen gefragt hätte, ob sie Starck für gemaßregelt hielten, und daß er sich keine zwei Minuten aufgehalten hätte. Der Staatsanwalt beantragte 50 M. Geldstrafe, weil Busse auf dem Bau gar nichts zu suchen gehabt hätte, worauf der Verteidiger Rechtsanwalt Heine bemerkte, daß das Betragen des Maaß darauf hinauslaufe. Unfrieden zu stiften, und daß, wenn Busse verurteilt iverde, einem wirklich die Lust vergehen könnte, in gemeinnütziger Weise au der Beseitigung von Streitigkeiten mitzuwirken. Das Gericht sprach Busse frei, weil er nicht unbefugt längere Zeit verweilt hätte. In der Angelegenheit der Freisprechung deS Herrn G. D i e d e (nicht Adolf), Jnbabers eines hiesigen Deteltiv- Instituts, SW., Wilhclmstr. 3, II, bittet uns dieser um Aufnahme folgender Zeilen: Der wegen des Schreibens der unflätige» anonymen Post- i arten au Frau B. zu einem Monat Gefängnis verurteilte Militär- anwärter(nicht Militärinvalide) F. Knop hat niemals bei Frau B. gewohnt, war dieser überhaupt nicht bekannt, kann also auch niemals mit ihr in Unfrieden auseinander gegangen sein. An dieser Fcststellnng liegt Herrn Diede im Interesse der Frau B. ganz nachdrücklich, da sie infolge der betreffenden Zeitungsberichte in einen ihr über alles unangenehmen Verdacht geraten ist. Auch hat man Herrn Diede weder Knop noch einen andren als inulmaßlichen Thäter genannt, sondern Knop ist erst nach vieler Mühe als solcher von Herrn Diede eruiert worden. Ferner erhielt dieser den Auftrag nicht im Herbst v. I., sondern schon im Jahre 1900, auch nicht von Frau B., sondern von deren Ehemann. Briefkasten der Redaktion. Tie jiuiftilrfie Tt>>echsi"»dc findet tätlich mit ZluZiinhuie des So»»abc»dS von 7'/- bis i>>/, llbr nbeiids statt. Bennewitz. 1. Ja. 2. Die Rückzahlung einer Armemmtcrstiitzung, Kraiikenhauslosten und dergleichen verschafft nicht das eininal verloren ge- gangene Wahlrecht. Es ist deshalb und ans andren Gründen wiederholt davon abgeraten, solche Kosten zurückzuerstatten, zumal eS mindestens zweifelhaft ist, ob eine Pflicht zur Rückerstattung in Preusjen besteht. Die Wahlrechtsentziehung erfolgt um ein Jahr. Ist jemand z. B. bis zum 30. Juni 1901 im Kraukenhause gewesen, so ist er— gleichviel, ob er in- zwischen gezahlt hat oder nicht— vom Z0. Jmn 1S02 ab wahlberechtigt. Z. In Unfallsachen giebt es kein Armenrecht. Kleeis. Adreffe: Berlin N., Lothringerstr. 67. A. W.. alter Abonnent. 1. Ein Formular zu einer Klage auf Abnahme bestellter Stiefel finden Sie S. 229 Nr. 3b des dem„Brbeitcrrecht" beigefügten Führers Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. 2. Etwa 10 Mark.— M. W. 1. Ja. Breitestr. 24, Magistrat; Abteilung für Jnvalidenverstchenmg. 2. Der sogenannte Unfallzn schuh ist nicht in allen Fällen zu zahlen. Es Verkält stch damit so: beträgt das Kranken- geld weniger als zwei Drittel des bei der Berechnung desselben zu Grunde gelegten, also im allgemeinen des ortsüblichen Tagelobns, so ist vom Be- ginn der fünften Woche ab das Krankengeld bis auf diese zwei Drittel zu erhöhen. Beträgt das Krankengeld aber zwei Drittel oder mehr, so ist ein Uufallznschuß nicht zu zahlen.— O. S. 100. Wie viel Gegenstände un- vkändbar find, ist von Fall zu Fall nach Lage der Sache, ins- besondere der Gröbe der Familie zu entscheiden. In der Siegel wird ein verschliehbares Spind als unpfändbar erachtet. CO. I. 0. 1. Wenn ein Versicherungspflichtiger erkrankt und als Folge der Krankheit Erwerbsunfähigkeit zu besorgen ist, so kann die Verstcherungs- anstatt ein Heilverfahren eintreten lassen. Sie kann auch dem Erkrankten Aufnahme in einem Krankenhause oder in einer Anstalt für Genesende ge- währen. Gegen den Willen des Erkrankten ist aber die Unterbringung für Genesende nur zulässig, wenn der Erkrankte weder verheiratet ist noch eine eigne Haushaltung hat, noch Mitglied der Haushaltung seiner Familie ist. Entzieht stch der Erkrankte den von der Verficherungsanstalt getroffenen Mah- nahmen, so verliert er den Anspruch auf Invalidenrente, wenn er stch diesen Mahnahmen ohne gesetzlichen oder sonst triftigen Grund entzogen hat, wenn er ferner auf die Möglichkeit der Entziehung hingewiesen ist, und endlich nachgewiesen ist, dah die Erwerbsunfähigkeit durch sein Berhalten veranlaht ist. In der Regel empfiehlt stch, den Ausenthalt in einer Heilanstalt au- zunehmen. Während des Heilverfahrens ist als Angehörlgen-Untcrstutzung für bis dahin Kaffcnpflichtige die Hälfte, für andre nur ein Viertel des Krankengeldes zu zahlen.— G. 10. Sie find im Recht. — 5 Pfg. Saalkaffc. Privatkassen, Vereine, welche eine Unterstützung für Krankheiten, Arbeitslostgkeiten, Mietsbedräiignis»fw., gewähren wollen, sogenannte Zuschuhkassen, bedürfe» einer polizeilichen Genehmigung, wenn sie sich als Berflcherungsverein konstruieren. DaS wird am besten dadurch vermieden, dah ein klagbares Recht auf Unterstützung in« Statut ausge- schloffen und dle Organisation der Kasse so eingerichtet wird, dah sie ans breitester demokratischer Grundlage steht. Der Vorstand erhält lediglich eine Instruktion, nach welchen Grundsätzen er im Einzelsalle vorgehen solle. Gegen jeden VorstandSbeschluß wird Beschwerde an die Geucralversamnilung oder eine andre gröbere Versammlung zugelassen.— K. M. 78. Wenn Sie trotz wiederholter Warnung an dieser und anderen Stellen des„Vorwärts-� nicht durch eingeschriebenen Brief aus der Kasse E. H. 126 ausgetreten sind, müssen Sie zahlen.— K. D. 1. Sie sind Handlungsgehilfe. Kündignngs- frist 6 Wochen zum Onartalsersten. AmtSgcrichtszuständigleit. 2. Nein. — Ii. H. M. 1. Die Höh« der Invaliden- und Altersrente richtet sich nach der Anzahl und Höhe der Klebemarken. Das Näher« finden Sie im „Arbciterreckit", das in de» öffentlichen Lesehallen auslicgt. 2. 206 Marken müssen geklebt sei, um einen Anspruch für den Fall der Invalidität zu erwerben. 3. Die Verkäuferin ist klcbepflichtig. Sic kann den Antrag stellen, den' Chef zum Nachklebcn slir die letzten zwei Jahr zn veranlassen. Auch kann die Juvaliditätsanstalt, Breiiestr. 24, den Chef in OrduuugSstrafe nehmen.— O. M. 000. 1. Das muh er auf Befragen angeben. 2. und 3. Wenn der Betreffende einer Zwangskasse und einer HilsSkasse angehört, so behält er seinen Anspruch gegen die Hilfskasse.—!! Zahlen Sie nichts zurück und klagen Sie event. den einbehaltenen Teil Ihres Geyalts beim Amisgericht ein. Ein Anwalt ist für Amtsgerichtsklngen nicht erforderlich. — O. L. 0. Sie haften weiter aus dem Mictsvertrag.—(S,®. Aiarien- slraste. 1. Fortbildungsschule. 2. Diese Schule wird gelobt.— 91. S. 4. Der Wirt braucht Sie nicht vorzeitig vom Vertrage zu entbinden. Sic thun daher besser, sich mit ihm zw einige». WitkernngSiiverstcht vom IS. März 1003, morgens 8 Nhr. Weiter-Prognose für Sonntag, den 18. März 1003. Zunächst wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich starken westlichen Winden, später aufklarend und etwas kühler. Berliner W e t t e r b u r c a u. Residciiz-Theater. Von Sonntag bis Freitag: Ein galanter Richter. Wiener in Paris. Sonnabend: Einquartierung. Nächsten Sonntag- nachmittag: Die Camelicndame.— Neues Theater. Alle Abende: Champeratzs Leiden. Diesen und nächsten Sonutagnachnnttag: Der Veilchen- sresfer.— Thalia-Theater. Alle Abend«: Seine Kleine.— Urania. Alle Abende: Frühlingstage an der Riviera.— Rencs königliches Opern- ~ llo- Th Theater. Heute Specialitäten. Abend: Mih Hobbs. Nächsten Sonntag: Das grobe Licht.— Apo eater. Alle Abende: Don Juan in der Hölle. Todes-Anzeige. Am Freitagabend?>/- Uhr starb unser alter bewährter Parteigenosse Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause, Warschauerstrahe 87, aus nach dem Städtischen Friedhof in Friedrichs- feldc statt. 214/6 Die Pertrnucnölriite d. 4. Berk. Wahlkreises, Osten. Socialdeinokra tischer Wahlverein f. d. 4. Lei l Reichstags- Wahlkreis (Osten) 242/13 Todes-Anzeige. Am Freitag, den 14. März, starb nach langem, schwerem Leiden unser langjähriges und treues Mitglied, her Expedient i Felix WitMi. Ehre seinem A n d e n k e itl Die Beerdigung findet am Montag, den 17. d. M., nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause, Warschauerstr. 87, nach dem Städt. Friedhofe' in Friedrichs- feldc statt. Ose Voi-otand. Socialdeniokralischer Wahlverein für den 4. Berl. Reichstags-Wahlkreis. Sttdost. Den Genossen zur Nachricht, daß das Mitglied, der Tischler ftnünsnlj Breschke, Görlitzerstr. 57, am 14. d. Mts. an Lungenschwindsucht verstorben ist. 242/12 Die Beerdigung findet am 17., nachmittags 4 Uhr, vom Krankenhause am Urban aus auf deni Emmaus- Kirchhof statt. Rege Beteiligung erwartet Öee Vorstand. Deutscher Dchurbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler am 14. März verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag- nachmittag um 4 Uhr von der Leichen- Halle des Krankenhauses Am Urban nach dem Emuiaus-Kirchhof aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/ l 9 Die Ortsverwaltnug. I iSocialdeinokratischer Wahlverein für den 6. Berl. Reichstags- Wahlkreis. (SchUnhnnser Vorstadt.) Am 13. d. M. verstarb nach langem Leiden unser Mitglied 1246 /llliesl Henning. Ehre seinem Andeiike» Die Beerdigung findet heute, Sonn- tag, den 16. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle der Zionsgemeinde, Nieder-Schönhausen, aus statt. Um zahlreiche Beteiliguug ersucht _ Ter Borstand. y <»4 ring« hiermit die traurige Nachricht, � daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter und Tochter lionlse Nelin geb. Krause am Donnerstag, den 13. März ver- starben ist. 1172b Die Beerdigung findet Sountag- nachmittag S Uhr von Woltersdorfer Schleuse, Werderstr. 34 aus statt. Die trauernden Hinterblirdenen. Ulli! Blumen v* empfiehlt(10776 F. Jacobilz, SoMlstr. 46.1 Central-Verein aller in der Hatbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Emil Menze am 12. März gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. d. M., nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Augustn- Hospitals, Scharnborststraße, nach dem'Gnaden- Kirchhof, Barfußstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 294/2 Der Borstand. .Arn 14, d. M., mittags 1 Uhr, verstarb plötzlich am Herzschlag unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Franz Bahr im 43. Lebensjahre. Sein echt kollegiales Wesen wird ihm bei uns ein dauerndes Andenken bewahren. Berlin, 15. März 1902. Personal der Firma Ullstein& Co. Die Beerdigung findet am Montag, den 17, März, nachmittags S1/, Uhr, von der Leichenhalle des Luther- Kirchofs in Marienfelde- Lankwitz aus statt. 3669L Verband deutscher Ast- wirtsßthilsen. vall»»g Berlin.) Den Kollegen hiermit die trau- rige Nachricht, daß unser Mitglied flelnliolil Garbe plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 17. März,»ach- mittags 3 Uhr, vom Traner- hause, FriedrichSbergerstraße 10, ans statt. 63/1 Um rege Beteiligung bittet Der Borstand. Ccntral-Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer(E. II.) Lrisvertvaltung Berlin VI. Todes-Anzeige. Am Mittwoch, den 12. d. M, starb das Mitglied Heinrich Detweiler im 49. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 16. d. M., uächmIttagS 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Grthsemnne- kirchhoss in Nieder-Schönhausen ans statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1247 Die Qrtsverwaltnng. »il�ach unendlich langen Leiden starb am 15. März meine liebe Frau und Mutter 1258b Ltissbetk Maslewski geb. Z e i d l e r. Die Beerdigung findet DienStag, den 18. März, nachmittags 3 Uhr, vom LazaruS-Krankeiihause aus statt. Die trauernden Hiuterbliebenen. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, auch den Lehrern und Schülern der Fachschule der Barbiere und Friseure der Freien Vereinigung Berlin sagen wir für die Beweis« herzlichster Teil- nähme bei der Beerdigung unfreS lieben Neffen und Enkels psul Kock nnsren besten Dank. 1256b Die Hinterbliebenen. Sovisillemoltl'stiseliei' Wahl« Verein zu Rixdorf. Nachruf! Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Weber IUI im 62. Lebenslahre an der Proletarier- kraukheit am 11. d. M. verstorben ist. Ehre s e t n e in A u d e n k e n!- 232/4 Der Borstand. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahm« und Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten ManneS und unsres guten Vaters Kmil Puhl sagen wir allen Ver- wandten, Freunden und Bekannten, insonderheit dem Herrn Chef Arthur Jakoby, i. Fa. G. L. Brederecke, für das ehrende Geleit, den Kollegen, de» Arbeitern und den Arbeiterinnen der Firma, ferner dem Verein des Textil- arbeiter-Verbnudes, dem Bezirtsverein des 4. Deutschen Werkmeister- Ver- baudes unsre» innigste» Dank. sll97b Mari« Pohl geb. Dietrich nebst Kindern. Danksagung. Für die überaus zahlreiche Be- teilignug bei der Beerdigung meiueS lieben Mannes, deS Kassen-Nendanteu Irin StamHnger und für die so großartigen Kranz- spenden sage allen Beteiligten aus diesem Wege meinen herz- lichsten Dank. 36K8L Mmlllc Stundinger. Orts- Krankrukass e der Cigarreumacher, Cigarren- sortierer nnd deren gewerbl. Hilfsarbeiter zn Berlin. General-Versammluug Mittwoch, den 2«. März 1902, abendS 8 Uhr, im Restanrant Falkenberg, Rofenthaker- straße 11/12. Tages- Ordnung: Konstttuierung des Vorstandes. Vor- legung der Jahresrechnung. Bericht der Revistous- Kommission. Bericht und Besprechung über den Erfolg der erhöhten Beiträge. Anträge. Berichte. 1220.Oer Vorstund Orts-Krankenkasse für daS BiHnilkWttbe zn Berlin. Ordentliciie General-Vramlüng am Tountag, den 3». März 1003, vormittags 109, Uhr in Cohns Festsälen, Itentlistrnssc 30. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung pro 1901 durch den Rendanten. 2. Bericht des Rechnungsausjchusses bezw. Decharge-Erieiluug. 3. Verschiedenes. 1217b Per Vorstand. J. Blenz, Otto Wonltzkl, Vorsitzender._ Schriftführer. + Herren-Vortrag° I» Donnerstag, den 20. März, abends 81/, Uhr, in Zühlles gestfälen, Dennewitzstraße 13, und Freitag, den 21. März, abends V-9 Uhr, in der Kroneu-Brauerei, Alt-Moabit 47—49. Uuri BruckhofT, Friedrichstr. 10, über:„Die sogenannten unheilbaren Männerleiden!" 1227 Nur für Herren! Eintritt frei! Gem-Wallnn?. Die SlnSzahlnng der Gewinn- Anteile für 1901 nach§ 54 der Be- triebsordnung wird am Mittwoch, den 30. März er., nachmittags 5 llhr, erfolgen und es werden die im ab- gelaufenen Jahre von mir beschäf- tigte» Arbeiter zu der der Auszahlung voraugehenden Versammlung der Fabrikmitglider eingeladen. Berlin, 15. März 1902. öeinrieli kreese. Teilzahlung monatlich 10 M. liefert elegante Hermi-Gsnlei'ode »ach Maß, auch-bar Kasse allerbilligste Peeise. Fert. Garderobe stets vorrätig. Tompopowski, p®t"�Vt"u85.eit MöSseB S619L* Gelltral-Btrsiiiiimlmlg der WdalfM„Victoria" E. G. m b. S. am Freitag, den 38. März 1003, vormittags 9 Uhr, im GefchästSlokal Krantstrafte 53. Tages-Ordnuug: I. Abrechnung vom Geschäftsjahre 1901 und Jahresbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes und Aufsichtsrates. 3. Verschiedenes. 1257 Vom 22. März ab liegt die Ab- rechnung für 1901 im Geschäfts- lokale ans. I»«r Vorstand. H i n s ch e. Schulze. Bürgerliche Wohnungs• Einrichtungen. Grosses Lager.» Billige Preise. 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Er ist mit der Gcschäftsthätigkeit sehr zufrieden und' lvcibt auf ver- schiedene Punkte hin, die der Belvegung dienlich wären. Ferner kritisiert er die OrganisationSverhältuisse in Berlin. Durch die ver- schiedenen Souderorganisationen tragen die Kollegen, die aus der Provinz in Berlin arbeiten, Mißmut unter die Kollegen hinaus, und es wäre endlich Zeit, daß hierzu etivnS gethan wird. Auch warnt er die Kollegen vor Errichtung von Gewerkschaftshäusern, da selbige von den Arbeitern nicht gehalten werde» könne», und iibcrläßt es der Entivicklung der Arbeiterbewegung, wie sich die Lokalfrage von selbst regeln wird. Zur Sitnation im(Baugewerbe, unsre Stellung bei Neuforderungen solvie Lohnreduzicrnngen und Agjtation, Gau-Organisation und Ganregulativ referiert S i l b e rs ch mi d t. ES hatte sich im Vor- jähre eine mittelmäßige Beschäftigung bemerkbar gemacht. Nur in Berlin herrschte im Frühjahr große Arbeitslosigkeit, dasselbe trifft für alle größeren Städte zu. Im Herbst Ivar die Banperiode in Berlin etlvas günstiger. In diesem Jahre tvird die Banthätigkeit keine ganz schlechte sein. Das Neichsanit des Innern hat zwölf Millionen beivilligt; größere Postbauten und Kommnnalbauten lvcrden in Angriff genommen werden. Es haben 54 Orte Lohnforderungen für dieses Jahr gestellt: in sechs Orten ist es schon zu Verträgen gekommen. Ein ruhiges, besonnenes Vorgehen ist bei Lohnbcivegungcn die größte Hauptsache. Lohnreduziernngen dürfen wir nns auf keinen Fall gefallen lassen. Die Beratung der Anträge nahm eine große Zeit in Anspruch. am meisten die Frage der Ein- heitsmarke. Bömelburg bringt eine Resolution ein. in Ivclcher eS heißt: „Als die beste Art der Agitation, um die noch nicht organisierten Kollegen für den Verband zn geivinnen, hält die Konferenz die Hans- agitalion. Die Konferenz verpflichtet daher die Zweigvereine, eine Hausagitation einzuleiten und so lange zu betreiben, wie eS die Verhältnisse notwendig machen." Das Ganregulativ und Gauorganisalion werden, wie sie vor- gelegt sind, einstimmig angenommen. Gewählt wurden m den Gauvorstand Silberschmidt als Vorsitzender, W. Schulz als Kassierer, ferner Fritsch, F. Schulz und Nieke. Als Revisoren Wolf, O. Lehmann(Nixdorf), K ö b e(Potsdam). Das Amt der KreiS-VertranenSmänner ist von nun an erloschen. Dem Vorstand bleibt es überlasse», nach Bedarf Konferenzen ein- zuberufen. DaS Protokoll soll gedruckt in genügenden Exemplaren dem Zweigvcreinen zugesandt werden. Zum Schluß der Verhniid- lungen angelangt, spricht Kollege Silberschmidt seinen Dank für den guten Verlauf derselben aus. Zum Schluß tvurde noch folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß alle Maßnahmen der Staatsregierung in Preußen bis zur Zeit den Interessen eines wahrnehmbaren VauarbeiterfchutzeS und den Forderungen der Arbeiter nicht entsprechen; in weiterer Er- wägnng, daß bei dem Mangel einer hinreichenden amtlichen Ueber- wachung der Bauausführungen auch die geringen Schutzbestimmungen nicht zur Geltung kommen können, erklärt die heute im Lokal des Berliner Gewerkschaftshauses, Engel-Nfer 15, tagende Landeskonferenz der Maurer der Provinz Branden- borg dem Vorgehen der Vertraucnspersonen der baugeiverblichen Arbeiter zn Berlin nur der von denselben dem Hause der Abgeord- neten am 27. Februar dieses Jahres übergebeuen Petition ihre Zu- stimmung und volle Unterstützung. Die Versammlung erwartet, daß das hohe Haus der Abgeordneten die königliche StantSregierung auf- fordert, in allernächster Zeit ein auf einheitlicher Grundlage auf- gebautes LandeS-Vauarbeiterschutz-Gesetz nach den in der Petition begründeten.Vorschlägen zur Reform der Unfallverhütung" zur Durchführung zu bringen. Mit einem brausenden Hoch auf die deutsche Maurerbewegitng erfolgte Schluß der Konferenz. Für de» Jubnlt der Inserate überninimt die Redattion dem Publik, mi ftrueiiiibcr keinerlei Bei aiitwortmig. Cljcnfcf. Sonntag, den 1K. März. Freie Volksbühne. L-ssing- Theater. 12. Abteilung: Haus Rosenhageu. Anfang 2� Uhr. Berliner Theater. 1. und 2. Abteilung: Wilhelm Tell. Anfang 2V, Uhr. Opernhaus. Figaros Hochzeit. An- lang 71/, Uhr. Montag: La Traviata(Bioletta). Phantasien im Bremer Rats- keller. Schauspielhans. Das große Licht. Ansang?>/, Uhr. Montag i Der Widerspenstigen Zähmung.— Die Komödie der Irrungen. Neues Oper»> Theater tKroll). Miß Hobbs Anfang 7>/, Uhr. Montag: Geschlossen. Srbiller. Heimat. Anfang« Uhr. Narkim. 3 Uhr: Die Braut von Messina oder: Die feindlichen Brüder. Montag: Familie Fourchambault. ldcntsrlieS. kloclesia triurnphans. Volksanfklärung. P»ß. Anfang 7'/, Uhr. Nachm. 2>/, Uhr: Die Weber. Montag: Es lebe das Leben. Berliner. Alt-Heidclberg. Anfang 7>/z Uhr. Montag: Dieselbe Voiftellung. Lrssing. Ueber den Wassern. An- sang 7>/, Uhr. Montag: Dje Fee Capric«. B-este». Gasparone. Ans.?>/, Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Die weiße Dame. Montag(Schüler- Vorstellimg): Undine. »tesidenz. Ein galanter Richter. Hierzu: Die Wiener in Paris. Aiiiang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues. Champerays Leiden. An- fang?>/, llhr. Nachm. 3 Uhr: Der Veilchen- sresser. Montag: ChamperayS Leiden. SeeefsiviiSbühne. Detlev Lilien- crons Bnuics Brettl. Ansang 8 Uhr. Moiuag: Dieselbe Vorstellung. E. v. Wolzogens Bnutes Theater (Ucberbrettl). Anfang 3 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellmig. Schall und Nauch. Serenissimus- Zwischenspiele. Ans. S>/, Uhr. Nachmittags 3*/, Uhr: Vorstellung zu ermäßigten Preisen. Montag: Serenissimus- Zwischen- spiele. Drianvil. Coralie». Co. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. ventral. DaS süße Mädel. Anfang 7>/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: DaS süße Mädel. Thalia. Seine Kleine. Anfang ?»/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Trilby Montag: Seine Kleine. Luise». Der Pfarrer von Kirchseld. Ansang 7-/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Dorf und Stadt. Montag: Der Pfarrer von Kirch- feld. Carl BS eist. DaS Käthchen von Heilbronn. A»sa»g 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. Montag: DaS Jungfernstist. Krtedrich-WilhelmsiäbttschäS. Der Betielfmdent. Ans.?>/, Uhr. Nachmittag» S Uhr: Der Ober- steiger Montag: Der Zigeunerbaron. Brllc-Sllliancc. Die Dame auS Tivnville. Hierauf: Er. Anfang 7V. Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Orpheus. Spectalttäteu-Vorstettnng. Antang« Uhr. Ehartpart. Täglich Vorstellung. Anfang 7V, Uhr. g)!, tiopsl.'nc feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- fang?>/, Uhr Montag: Dieselbe Vorstellung. Zlpallo. Do» Juan in der Hölle. Specialitäten- Vorstellung. An- song 71/, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Passage- Panapttkuin. Speciali- lätep-Vorstellnng. Patast. Speclaliläien-VorfleNnng. Die Veilchens«. Ansang S Uhr. tkasino- Theater. Ihre Familie. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 7i/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Lieder des Musikanten. Montag: Ihre Familie. Speciali- täten-VorsteNung. Reichshnllen. Stettlner Sänger. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 3 Uhr. Urania. Tanbenstr. 48/4t».(Im Thcatcrsaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jiivaltdenstrasje«»7/le Frau den Andorn.~ SorcnlNMinius- iewisohcnspiele.— Bauern- kumedi, Abscniedssouper._ Belle-Aiiiance-Theater. Die hm aus Trmille. Sd>tra»k in. Gesang n. Tanz in 3 Akten. EmifSondermanna.G. Fcrd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marion. Hieraus: Ev. Adel« Hartwig u. Leopold Thurner a.G. Ans. 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorst. Kottbuscrstr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag nnd Donnerstag: Borr»1 n■■ 11 a MiKiitidjf Säuger Nach jeder Soiree: Vansslrranzcboii. J Sonntag, den 16. März: ! Der Kesselflicker. I Charakterbild mit Gesang in l?llt. ! Palmsonntag:..Der Goldbauer" mit dem Berliner Schauspiel-Verein. niGtropol-Mr Thomas, Bender, Josephi. Mit vollständig neuer prachtvoller Ausstattung: Letzte Sonntags-Aufführung. 'DD feine Nummer! Burleske Ausstaltnngsposse mit Gesang und Tanz in 1 Vorspiel und 4 Bildern von Julius Freund. Im 4. Bilde: Fraucliens Geburtstagstisch. Anfang i/,8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Vom Palmsonntag, den 23. März, bis incl. Ostersonntag, 30. März, finden die letzten 7 Aufführungen der Ausstattungsposse 'Ne feine Nummer im Theater des Westens statt. Während dieser Zeit im Metropol-Theater Ensemble-Gastspiel des Opern-Theater d.Westens B'Andradc, UothinUbl, Bibertl als Gäste. Reichshalle n. TUffllch: Stettiner Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr SonntagS 7 Uhr. Sonntag, 16. März: 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr: Ben-Uaor I.aiidpnrtien. Abends 71/, Uhr: Klondlke. In beiden Vorst.: Die Prinz Heinrich- Fahrt nach Amerika. Uß'sms Wrangelatraaae 10/11. Jeden Sonntag! Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäule». Empfehle mein Lokal zu Fest- lichk-tten und Versammlungen. 318«!* C. F. Walter. Casino-Theater. Sonntagnachm. 4 Uhr:„Lieder --- Pk...... Lothringerstr. 37, gnachm. 4 des Musikanten". um 9 uhr- zhre guniille von Engels und Stinde. Mit bedeutende» Cditen. Vorher das großartige Specialitäten< Programm. Ansang Wochent. 8 Uhr, Sonnt.?'/, Uhr. W. Nucks Theater. -irunnenstrahe 16. Schtttzeulis l. Posse mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow. Musik v. G. Steffens. Heute: Lsiiztci'äBzotisii. Montag; In der Heimat. Palast-Theater (früher Kecu-Palast) Vnrgstr. 22. Direktion B. Winklar». W. FrBbel Das erfolgreiche Bpeclalltäten- März- Programm! Heute neue Kinistkräfte. Bringe» musizierende Hnnde. Jbevdor llppart, der moderne amüsante Humorist. Bonctt u. Willy, Matal», am Lqra-Appar. Dazu: Um 8-/, Uhr: Die Beilchenfee. Vollsstfnk mit Gesang in 2 Akten von W. Äericke. Anfang 7 Uhr. Ermäh. Preise. Entree 39 Pf. Parterre 69 Pf. AlliamlUva Walluertbeatcr-HtriAMse 15 Jeden Sonntag nnd Dienstag: Grosser Exira-Vall bei doppelt be- fetztem großen Orchester. Anfang b Uhr. A. Kameltat. Gesellschaftshans Swiuentünderstr. 42. Tägl. Theater- 11. Spectalitäten« Varst-llniig. Jeden Sanntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Vereine, onlnnt zu vergeben. j3l8gL» W7KnlgttsRtstaiirailt, Vcreinslolal, N a u n y n st r a h e 6. Sonntags: Familicu-Abend. B»»»' Salon und Stehbierhalle, Gr. Frankfnrterstr. 85. Jeden Sonntag, DienStag, Donners- tag, Freitag: Ball. Empfehle meinen Saal nebst Garten an Vereine zu f cstlichkeilen an Sonnabenden. 898L*__ Otto Theel. Jo Ii a nnistlial. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonntag: Groaaer Ball. KaffeekUohe.Kegelbahn.Ausapannung. Saal für Vereine u. Versammlungen. Vereine! 1. 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Entree 39 Ps. vle Blrektlo«: Weimann» Volkmcrarten. BiNets sind im Vorverkauf beim Genossen Brinkmann, Bad- straße 56, zu haben.__ 1243 Wo amüsiert man sich grossartlg? In Schnegelaberg» Featsälen Inhaber: Hax Scliindler Hanenbelile 21 und JnlinMtrnseie 8. Heute: M?- YSrolzev Vstll'MHL verbunden mit«igarren-, Bonbon-Regen und diverse» Ueberraschiinge». Entree: BUtwoebn frei, Sonntag;« 15 Pf. Täglich: Speclalltiiten-VorMtellnni;'. Entree frei. 23258* Bnx Schindler. Graumann8 Festsäle(frOher Renz] Naunyn-Strasse 27. eisoL* Empsehle meine Säle, 999 Personen fassend(auch mit Bühne), zu allen Festlichleiten und Bersamiulnngen.— Sonnabende nnd Sonntage im Zlpril und Mai noch frei und au Vereine zn vergeben. Gustav Grauinann. Zollilnbeni!, der U, Miirz, frei geworden! Girlnis Renz-Konzert-Tunnel KarlatraHtto. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige SonntagS 5 Uhr. S p«(3 1 a 1 1 1. ü Ii SU. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung; Tanz ohne Nachzahlung Direktion: J. M. Hütt. , 3. DienStag, den 18. März, abends 8V., Uhr, im Schweizer Garten(am Königsthor): Uolks-Uers ammwng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Hosenorv. 2. Diskussion 3. Oeffentliche Parteiangelcgenheiten. � 24S/S ldtv Verti'sireiisleiite. AA««g! ß. Wahlkreis. Minug finden Am Dienstag, den 18. März IVOS, abends 8 Uhr, 4 grosse öffentliche' Volks-Versammlungen in folgenden Lokalen statt: Ahrends Brauerei. Turmstr. 25/26.— Referent: Stadtv. Ferdinand Ewald. Wedding u. Oranienburger Vorstadt: bei Raabc, Kolberger- strafie 23.— Referent: Redacteur H. Dtröbel. Cesnndbrnnnen». itosentbaler Vorstadt: bei Zimmer- man». Badstrabe 58.— Referent: Abg. W. Pfannknch. 8el»«»nbanser Vorstadt: bei Wernau. Schwedterstraße 23.— Referent: Rechtsanwalt I. Herzfeld. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: Dev 18. März it. das VvolekÄvlÄk. Zahlreichen Besuch erwarten 219/» Die Vertrauensleute. Üttztimg! Sechster Wahlkreis Nchtung! r Vorstadt). Am Dienstag, den 18. März, abends 8�s Uhr, im Berliner Prater, Kastauien-Rllee 7/9: Nolks-Uersammwng Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Der 18. März und seine Bedeutung". Referent Reichistags-Abgeordnetcr Eniannel Wurm. 2. Diskussion.[1245 Zur Einleitung der Versammlung Gesangs-Borträge.— Um lreichen Besuch ersucht _ Oer Vertranensmann: Karl Wünsch. zahlreicl Sotialdemokratischer Wahlverein für den L Der!. Keichstags-Wahlkrels(Siimft). DienStag, den 18. März, abends 8 Uhr, in der M u s* n t a, Wrangelstraße Nr. 1 0: SS?" Devsennutluttg."NW Tages-Ordnung: 242/14 I. Vortrag des Genossen Iiot?.Ite über:„Des Märzes Ideen", 2. Diskussion. 3. VereiiiSangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstand. SolialdemolirMllier Mlmem für de« 6. ietliii« Reichsfagg-Walillillls. Am Donnerstag, den SO. März, abetldS 8Vs Uhr, im„Eiskeller", Chausseestr. 88: sü Tages-Ordnung: I. Bericht über die Einigimgsverhandlmige» mit den Genossen der Schönhauser Vorstadt. 2. Beratung und Bcschlustfassung über diesbeziig- liche Anträge. 247/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Deutscliei' Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin.(Bezirk Hnnnnelsbnrg). Dienstag, den 18, d. M., abends SV, Uhr Vezirkrs- Versammlung im Lokal des Herrn Bcuiling. Kant- u. Goetheslraßen- Ecke. 86/26 Oie Ortsvcrwaltnng. Modell- und Fahriiitischler sowie Melldrechsler. Mittwoch, den 19. März 1962 Vennstienneesermmlung im Wedding-Park. Müllerstraste 178. Tages-Ordnung: 1. Der Stand der Aussperrung und weitere Stellungnahme dazu. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Kollegen von der Maschinenfabrik Cyklop werden auf- gefordert, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Oer Obmann. AM««! WMoMep. AAms! Mittwoch, den 19. März 1962, abends 8 Uhr_ WM" V ersosnmlimg'"Wv im Gcwcrkschaftshause. Engel-Ufcr 15. ' Tages-Ordnung: ■ 1. Wahl zweier Kommissions-Mitglieder und eines Beitragssammlers. 2. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Verbamisbuch vorzeigen. Die Kollegen von der Firma Leibe& Co. werden besonders eiir> geladen._ Der Obmann. Kan- und Cellnloidhaarseliiick-Arbeiter. Montag, den 17. März 1902 i Gewerkschaftshausc, Engel-Efcr Xr. 15, Saal V Branchen-Versammlung. Minna! IV. Wahlkreis• Osten. Mtnngi Dienstag, den 18. März, abends S1� Uhr, im„Böhmischen Brauhaus", Landsberger-Allee 11/13: Uolks-Mersammlung. Tages- Ordnung: 1...Der 18. März und seine Bedeutung für das Proletariat". Referent: Stadtverordneter Genosse Bngo Heimann. 2. Diskussion.. 214/5* Um zahlreichen Besuch ersuchen_ Oie Vertranensleute. Mm, GmerkMeil! Bureaus f. Gewerkschafteu. Kranken- lassen, mit sep. Eingang, f. billig zu verm. Dragonerstr. 15.[1151b* 3 Säle Sonnabends und Sonntags im April irei. 36611.* Alexanderstr. S7e. Ciiarlottei�liurg Dienstag, de» 18. März, abends 8'/z Uhr, in der „Gambriuus-Brauerei", WaNstr. 94 Uolks- UersammUmg Tages-Ordnung: Die Kedeotong des 18. Marx. 262/8 Oer Einbernfer. Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei Streich. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Stlbstidige Möhehölierer Vevlins u. Llmgvgvnd. Am Montag, de» 17. März, abends 8 Uhr, findet im Lokal bei Herrn Klein, LausiNerplah 8, eine Oeffentliche Versammlung statt mit der Tages-Ordnung:„Welche Vorteile bietet uns die Organisation der heutigen Geschäftslage gegenüber?" Der wichtigen Gewerkschaststntereffen halber ersuchen wir alle noch fem- stehenden Kollege» um zahlreichen Besuch. Mit kollegialischem Grnst 237/4 Der Berein selbständiger Möbelpolierer Berlins. SdiHneberg. Socialdemokrat. Wahlverein. Dienstag, 18. d.M.. abends 8 Uhr. im Ob st scheu Lokal. Meiningerstr. 8 AM" Neri'sttintlnng."WZ Tages-Ordnung: 1. Was lehrt uns der 18. März? Referent: Eritz Znbeil. 2. Diskussion. 3, Vercinsangelegenheiteii. 15/5 Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen, noers sind auch die Frauen als ZuHörerinnen eingeladen. beson! Oer Vorstand. Veseio für Frauen nnd Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, beu 17. März, abends 8'/s Uhr, in de» Armin- hallen, Kommandantenstr. SO, Vortrag i»eö Herr» Dr. Ratkoivski„Di° Em-hrung des gesunde» und kranken Mensche». 55/6 Gäste stets willkommen. Oer Vorstand. irbeiter-Bildungs-Sehule. Heute Sonntag, 16. März 1902: Dichter-'Äbend (Sociale Dichter) Iii) grossen Saale des Gewerkschaftshanses Engel-Efcr 15. (Siehe Programm in der Donnerstag-Nummer.) Billets a 50 Pf. inkl. Programm und Garderobe sind zu haben bei Horsch, Engel-Ufer 15, Gottfr. Schulz, am Kottbuser Platz, Vogel, Demminerstr. 32, Krause, Müllerstr. 7a, und an der Kasse. Eröffnung 6 Uhr. Nachher: TsilZs Eauchcn nicht gestattet. Die Saalthüren bleiben während der Vorträgs geschlossen. Montag, den 17. März, abends präcise SVa Uhr, im „Englischen Garten", Alexanderstr. 37 c Grosse itfentlicbe Schuhmacher-Versammlung. Tages-Ordnung: I. Die Durchführung des Miinmal-Lohntarifes und die Mißstände in dem Arbeitsvermittelungswescu. 2. Diskuision. 3. Die Einführung des Kontrollbuchcs seitens der Innung. 4. Verschiedenes. 169/6 Zahlreichen Besuch erwartet Oer Einbernfer. Ceutralverbaati der Maurer lt. in (ILweigverein Berlin.) Bontag, den 17. Itiirz, ubends S'/a Ehr, den Arminhallen, Koniinandantcnstntsse 20: Oeffentliche Versammlung aller bei der JV-irma L u g i» o beschäftigten Arbeiter (Plattenscher, Puher der Lugino-Wände und Hilfsarbeiter). T a g es o r d u u ii g: Stellungnahme zu den Lohn- und Arbeits- verhältnisscu der Firma L u g i n o. NU. Da diese Versammlung im Einverständnis des größten Teiles der in Frage konimeiideii Branche« cinberilsen ist, und dieselbe Beschlüsse weittragendster Bedeuiung fassen wird, so ist es dringende Psticht, daß alle Beschäftigte» der Firma in dieser Versammluiig erscheinen. ZBjf- Wir richten die Bitte an alle organisierte» Bau- Handwerker und Hilfsarbeiter, dah sie die in Frage kommenden bei der Firma Lugino Beschäftigten auf diese Zliiuonce aufmerksam machen. Oie Verbaiulsieitnng der Maurer. 137/15__ I. A: ft a rl P a n s e r._ Ceulrolverlionl! her iuurer it. Sektion NLibitzputzev. Mittwoch, den iv. März, abends 8'/- Uhr. in den Arminhallen, Kommaiidautcnstrahe Lv: AltlKlIvlIvK' T a g e s- Q r d n u n g: 1. Bericht über die Vcrhaiidliuigen mit den Unternehmern. 2. Verbands- angelegcnhciten. 3. Verschiedenes. 252b Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Central-Yerband der Elektruonteure und Bernfsgenossen Ocntsclilands.(Sektion Berlin.) Mitglieder-Versammlung Donnerstag, de» 20. März, abends 8'/s Uhr, im Lokale des Herrn Nümann, Bruunenstr. 188. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Abrechnung vom SttsMiigsfest. 3. Bericht der ArbeitsiiachweiS-Kommission. 4. Bericht des Bibliothekars. 5. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Gleichzeitig machen wir bekannt, daß die Zahlstelle Rixdors von Pohl, Hermannstr. 255 nach der Wißniannstr. 16 beim Genoffen G. Graf ver- legt ist. 58/3 Der Borstand. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vertraltnngsstelle Berlin. Bureau: Enget-ttfer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 553. Bontag, den 17. Bärz 1002, abends 03/t Uhr: Versammlung sämtlicher bei der B. M. A.-G. vorm. Schwartzkopff beschäftigten Kollegen im Lokale des Herrn Bledei, Nene Mühle. Tages-Ordnung: 1. Die Ausführungen des Herrn Baumeister W i t t h ö f t in der lebten Versammlung, und was bleibt den Arbeitern nun weiter zu ihn» übrig? 2. Diskussion. 112/17 Kollegen! Da die letzte Versammlung wegen der vorgerückten Zeit nicht zu Ende geführt werden konnte, ersuchen wir unsre Kollegen, wieder so zahlreich zu erscheinen.— Der Herr Baumeister ist freundlichst zu dieser Beriammlnng eingeladen. Mit kollegialem Gruß Oie Ortsvcrwaltnng. UergoRder. Berbauh her m Vergolhergernerhe beschiistigte» Arbeiter »»!> Arbeiterinnen Dentslhlllvbs.»iliale»«0... Montag, den 17. März 1902, abends präcise 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. SO(groher Saal): Mitglieder- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Die Differenzen Bei der Firma Methlow u. Co. und Siellunz- nähme dazu. 2. Verschiedenes. In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden, zu erscheinen._ 225/9_ Der Vorstand. Verband der Graveure u.Cis8leure Deutschlands.(Filiale Berlin.) Dicnötag, 18. März, abends 8'/2 Uhr, im Dresdener Garte», DreSdenerstr. 15:_ Mitglieder-Versammlung. Um TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Viktor Fränkl:„Zum 18. März". 2. Diskussion. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. 75 7 Es ist unbedingte Pflicht der Kollegen, in dieser Versammlung zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Ofe Ortsverwaltnng. Mu sikiustrumente»- Arbeiter Fnchverein. Montag, 17. März, abends 8Vs Uhr, bei Grauman«, Naunhnstr. 27: Tages-Ordn nng: 1. Vortrag des Schriftstellers M. Schütte über.: Die Bedeutung des 18. März. 2. Diskussion. 3. Antrag des Vorstands auf Ergänzung deS§ 4 des Statuts.(Verhaltiingsiiiaßregeln bei Streiks und deren Unterstützung.) 4. Vereiiisaiigelegenheiten. 141/9 Fun Aoarbtnna l Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung wird Erscheinen gut JöulUJliIHlj. jedem Kollegen zur Pflicht gemacht. BHIete zu der am Sonntag, den 23. März, stnttfiiidcnden „U r a n i a- B o r st e l l u n g" sind noch beim Kassierer H e n s e l zu haben, Zur Aufführung gelangt„Frühlingstage an der Riviera». Oer Vorstand. Centrai-Krankenkasse der Maurer etc. „Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, den 23. März, vorm. 10 Uhr, im„Gewerkschaftshanse", Engel-Ufer 15; AilMrdtliMe Mitglledn-Vnsmmlmig. Tag es- Ordnung: 1. Protest gegen die Wahl des Kassierers eventl, Neuwahl. 2. Das Verhältnis der freien Hilfskassen zum Verband Hamburg. 3. Kassen- angelegeiiheiten. 149.2 Mitgliedsbuch legitimiert. Oie örtl. Verwaltung. Paul Hofkmann. Urtzkv Eiiiladttttg!~WW 1. Delegterten-Versammlung (Gcnossciischaftsrat) am Sonntag, den SS. März er., vormittags präcise 10 Uhr, im Grwerkschaftshanse(Saal 8), Engel-User 15. Tages-Ordnung: 1. Koustituienmg der Delegierteii-Versauimluiig und Wahl des ständigen Bureaus des Genvsseiischaftsrats. 2. Wahl des Verwaltuugörats. 3. Wahl von Koiiimisfloiieu. Vollzähliges Erscheinen der Delegierten unumgänglich notwendig. 166/7 Der Vorstand. NR Nach Schluß der Delegierten-Versammlung konstituiert sich der BerwaltungSrat und wählt seinen Vorstand sowie event. Komiiiissioiicii. Aliitmig! Radfahrer! Aliitun» i Rm Dienstag, den 18. März, abends 8 Uhr, bei Schultheiß, Alexanderstr. 23: Monats-VorsrnnmUmg. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Ausstellung unfrei; Nähmaschinen. schiedenes und Aufnahme»euer Mitglieder. 3. Ver- TÜ8� Die Preise unserer Fahrräder, die wir nur in allerbester Qualität mit Glockeulager und Pateiit-Doppelglockeulagcr führen, find 125 und 145 M.,\V. K. 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Vortrag; Welche Vorteile bringen die technischen Borteile für die Wohnungsbeleuchtung. Referent: Ingenieur Grempe. 2. Diskussion. 3. Bekanntgabe des Resultats der Nrabstimmung. 4. Wahl der Beitrags- säuimler. 5. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 109/3 Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Verein sotialdemokratischer Gast- und Schanüwirte Verlins nnd Umgegend. Zur Niederlegung unires Kranzes treffen sich die Kollegen am Diens- tag, den 18. März, vorm. 9 Uhr, bei Haseloff, Landsbergerftr. 8. 09/6 Vor Voi'»taiz»l. I. A.: FonlinuiKl Enal«!. Montag, 17. März, 8'/2 Uhr, im großen Saale des Herrn Keller, Koppeiistraße Äv: Größer iistelitlilher �orlrag hber! 1..'.Anrwälzungeu auf dem Gebiete der Heilmethode»", Ref.: W. R. Schclblor, Pros, für Massage und Magnetismus an der Hochschule zu Paris. 2. Freie Aussprache. 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Ist damit mich das nicht zu rechtfertigende Urteil des Gothaer Gerichts, durch welches Fischer zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, beseitigt, so bleibt doch die Frage bestehen, wie es denn überhaupt zu ehier Verurteilung des geistig auornialen Mannes kommen konnte. Nach den Gutachten der beiden Sachverständigen hätte man Freisprechung erwarten müssen. Uuiversitätsprofessor Dr. BinSwangcr aus Jena beurteilte den Angeklagten u. a. wie folgt: Er hat den Angeklagten sechs Wochen in der Irrenanstalt beobachtet. Seine Mutter war schwer epileptisch; er selbst war ein sehr schwächliches Kind. Was den Zustand des Augeklagte» bei Verübung der That selbst betrifft, so sei derselbe vermöge seiner Entwicklung zu de» krankhaft veranlagten Individuen zu rechnen. Er gehört meiner Ansicht nach zu der Kategorie der in geistiger und gemütlicher Beziehung minder- wertigeu Menschen, zu der Kategorie jeuer Menschen, die sich längere Zeit geistig normal bewegen, bis sie ein plötzliches Ereignis in den Abgrund der Geisteslrankheit stürzt. Der Sachverständige kommt zu derselben tleberzeugung, tvic er sich schon in der ersten Verhandlung ausgesprochen hat, daß die freie Willens- bestimnuing bei dem Angeklagten zur Zeit der Ausübung der That nicht vollkommen ausgeschlossen geivcsrn ist. Man müsse sich fragen, ob da eine krankhafte Affelterregung vorbanden war, wodurch alle sittliche», hemmenden Vorstellungen gegenüber dem Antrieb zur That ausgeschaltet waren. Das müsse er verneinen. Die philosophische Bildung des Angeklagten war eine wahnhafte, wenn sie auch unklar Ivar. Meiner Ansicht»ach war auch das Verhältnis des Angeklagten zu der Martha Amberg ein lvahnhaftes. Das Vorhandensein von Sinnestäuschung ist auch behauptet Ivorden. Also zur Zeit der That tvar der Angeschuldigte in einem krankhaften, überreizten Znsland, der seine Ursache in der eigenartigen pathologischen Beschaffenheit des jungen Mannes bildet. Ich kann aber nur wiederholen, das; sein Znstand nicht so war, daff die Willensbestimmung im Sinne des § 51 des Strafgesetzbuches ausgeschlossen war..Der hier zu ent- fcheidende Fall ist einer der schwierigsten Fälle, die auf der Grenze der geistigen Zurechnungsfähigkeit und der Geisteskrankheit sich bewegen.' Aber ich muff doch sagen, der Arzt ist nicht unfehlbar, es giebl keine absolute Krankheit, die Natur arbeitet nicht nach der Schablone. Was die Fähigkeit der Ueberlegung bei der Tötung der Martha Arnberg anbetrifft, so glaube er, daß dem Angeklagten die Ueberlegting im Moment der That gefehlt hat. Präs.: Zur Zeit halten Sie aber de» Angeklagten für zu- rechnnngSfähig?— Sachverständiger Prof. B i n S w a n g e r: Augen- blicklich ja.— Erster Staatsanwalt: Sie halten den Angeklagten also zur Zeit der That für zurechnungsfähig?— S a ch v.: Das kann ich unmöglich sage», da es nach dem Stande der Gesetzgebung eine geminderte ZnrechnnngSfähigkeit nicht giebt. Ich kann nicht sagen, dntz der Anghslagte bei Verübung der That zurechnungsfähig gewesen ist, aber ich kann auch nicht sagen, datz er nnzurechnungs- fähig tvar. Meiner Ansicht nach liegt ein ncm liquet vor.— Präs.: Sie halten den Angeklagten also für vermindert unzurechnungsfähig?— S a ch v.: Ja. So viel ich iveiff, sind einzelne Sachverständig» sogar so weit gegangen, den Grad der Willenseinschräuknug solcher Leute nach Prozentsätzen zu berechnen. — Bert.: Entspringt die zögernde Autwort des Sachverständigen über die Znrechnungssähigkcit des Angeklagten nicht einem Ztvie- spalt, der sich zwifchen Juristen und Psychiatern herausgestellt hat, und giebt es nicht unter den Psychiatern eine Nichtnug, welche schon seit Jahren für die Aufnahme der MiuderzurechnungZfähigkeit in unsrem Strafgesetzbuch anstrebt?—©adj verst.: Ja, es giebt eine solche Richtung. Ich gehöre selbst zu den Psychologen, welche in dem Fehlen des Begriffs der Mindcrzurcchnungsfähigkcit eine Lücke in unsrer Strafgesctzgcbnng erblicken. Herr Oberarzt Ganzer, der zweite Sachverständige, drückte sich noch viel klarer aus. Bei dem Angeklagten zeigte sich in erster Linie die schwere erb- liche Belnstnng. Dazu kam die Hemmung der geistigen und körper- lichcn Entwicklung durch die festgestellte englische Krankheit und die Gehirnhvhlcn-Wafscrsncht. Bei dem Angeklagten ist auch eine stockende, schleppende Sprache auffällig. Hervorzuheben ist aber auch die eigentümliche Reaktion, die der Alkohol bei dem Angeklagten hervorruft. Die frühzeitige Beschäftigung mit Philosophie hat auch sicherlich eine geistige Hemmung belverkstelligt. Der Angeklagte hat sich zur Zeit der That in einem Zustand krank- hafter Störung befunden, welcher seine freie Willensbildung aus- schloff. Wenn das Gesetz die verminderte Zurcchnungsfähigkeit auf- genommen hätte, so läge dieser Fall doch nicht so, baff er hier für verminderte Zurechnungsfähigkcit eintreten würde, da seiner Ansicht nach völlige Unzurechnungsfähigkeit zweifellos vorliege. Es haben sich bei dem Angeklaglen Schädlichkeiten angehäuft, die schliefflich auch noch eine Steigerung erlitten haben. Hier ist ein krankhafter Mensch. auf den nicht nur geistige, sondern auch körperliche Einflüsse ein- gewirkt haben, diese haben ihn in einen Affekt gebracht, und in diesem Affekt ivar die freie Willeusstinnnung getrübt und der Affekt ist einer geistigen Störung völlig gleich zu stellen. Obgleich der Angeklagte nicht planlos, sondern vielmehr planvoll vorging, und auch fähig war zu überlegen, was er that, so war er doch nicht im stände, Gegenvorstellungen zu fassen, und stand bei Begehung der That unter dem Einfluff einer geistigen Störung. Es fehlt an Anhaltspunkten dafür, daff der Angeklagte im gegenwärtigen Augen- blick geistig gestört sei. Sogar der Staatsanwalt war nach dieser Beurteilung des Angeklagten von Zweifeln gepackt. Die Schuldfrage wurde auf Mord gestellt und dazu die Unter- frage, ob bei der Begehung der That die Ueberlegung ausgeschlossen war. Im Falle der Bejahung der Schuldfrage dahin, daff die That ohne Ueberlegung ausgeführt sei, wird auf Antrag des Verteidigers Christ noch die dritte Frage nach mildernden Umständen gestellt. Es tritt dann eine Pause von einer viertel Stunde ein, nach der die Plaidoyers beginnen sollen. Der Staatsanwalt glaubt, daff die Geschworenen bei Bejahung der Schuldfrage in Bezug auf die Untersrage der mildernden Umstände in Erwägung zu ziehen hätten, daff der Angeklagte auffer sich war und daff er. wie die Sachverständige» bekunden, ei» geistig minderwertiger Mensch ist. In Frage käme dann noch, ob der§ 51 des Strafgesetzbuches, der von der geistige» Störung handelt, hier in Kraft treten soll. Die Gutachten der beiden Sachverständigeu weichen hier von einander ab. Die Geschworncu ständen also vor einer schwierigen Frage. Der Angeklagte sei nicht nornlalwertig, das sei von beiden Sachverständigen gleichmäffig zugegeben worden. Es liege nahe, daff aus der Gehirn- krankheit des Angeklagten ein geistiger Defekt zurückgeblieben sei. Ucberall sähe man bei dem Geisteszustand des Angeklagten ein Abiveichen von der Norm,.es fehle ihm das innere Gleichgewicht und eine Disharmonie liegt bei dem Menschen vor. Der Staatsanwalt kommt nach Vorführung aller in Betracht kommenden Momente zu dem Schluff, daff dem Gutachten des Sachverständigen Ganzer zuzustimmen sei. Er jchliefft: Ich bin also der Meinung, daff Sie die Frage 1 verneinen müssen. Wie es bei allein möglich war, daff die Geschworenen zu einein Spruch auf schuldig des' Totschlags kommen konnten, bleibt un- f a ff b a r.'_ Ans dev Frnurnbezncgttttg. Gegen den Militarismus haben die Genossinnen Wiens eine groffe Denionftration veranstaltet, wozu ihnen die gräßlichen Cr- eignisse in Trieft den äußeren Anlaß boten. Sie veranstalteten drei gleichzeitige Versammlungen, in denen Frauen referierten. Die Vor- sammlungen waren aufferordentlich stark besucht. In allen dreien wurde nach den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vorträgen eine Resolution angenommen, die die Abschaffung des stehenden Heeres und Ersetzung desselben durch die allgcmeiue Volksbeivaffnung gefordert wird. Es wird in der Resolution besonders hervorgehoben, daß das stehende Heer eine Gefahr für die Volksrcchte ist. Francnstndinm. I» der philosophischen Fakultät der Universität Jena können Frauen und Mädchen, wie nunmehr endgültig entschieden ist, zum Studium, zu Uebungen und Arbeiten als Hörerinnen zu- gelassen werden. Bedingung ist, daff sie deutsche Reichsangchörige sind inid das Abgangszengnis eines deutschenLehreriunen-Seminars besitzen. Ob die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich die Frauen geeigneter macht zum Universitätsstudinm wie die Zugehörigkeit zu einem andern Staat, möchte ziveifelhaft erscheinen. Als„komische Geschichte" trägt die„National-Zeitung" nach einem französischen Blatte folgendes vor: Eine sehr hübsche junge Engländerin, sehr elegant gekleidet, steht mit ihrer Kammerfrau vor dem Fensterchen des Postschalters und kauft Briefmarken. Sie hat ein Päckchen Briefe in der Hand, die sie frankieren will. Langsam und vorsichtig löst sie eine Marke von dem Streifen, dreht sicki der Zofe zu und befiehlt: Füll out your ton gas!*) Und die Kammerfrau, steif und gehorsam, sireckt ihre fiirchter- lich lange Zunge aus dem Mund, auf der die Eugtänderiu dann die Briefmarke anfeuchtet, um sie auf den Brief zu kleben. Füll out your tongue again! lautet das zweite Kommando. Uitd so strich die englische Herrin»och fünf- oder sechsmal auf der lebendigen Befeuchtniigsmaschine hin und her, bis alle Briefe erledigt waren. Eine empörende Roheit, die zugleich ein treffliches Sittenbild ist, komisch zu finden, ist auch ein Kennzeichen dafür, wie wenig wahre Herzensbildung in de» Kreisen zu finden ist. die bei uns „Besitz und Bildung" repräsentieren. *) Steck' die Zunge heraus. Eingegangene Druckschriften. „Ter Arbeitsmarkt", HakbmonatSschrift der Centralstelle für Arbeits- markt-Berichtc(Heransgeber Dr. I. Jastrow), Bertin, Verlag von Georg Reimer. Di« als Organ des„Verbandes deutscher Arbettönachivetse" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 12 des 5. Jahraänges unter auderm: Amtlich« Arbeitslosen-Meldungen in Stuttgart.— Altgemeines: Rundschau über die Lage des ArbettSmarltes.— Krankcnkaffei, zahlen in statistischen Monatsberichten.— Markenerlös 1900/1801.— Situationsberichtc aus eiiizeluen Gewerben.— Staatliche Arbeiter(Lohn Verhältiii sse in den Be- trieben der Reichs-Marinevcrwaltung).— Statistisches Monatsmaterial: Wetterbericht.— Arbeitsnachweise.— Krankenkasse».— Streikverzeichnis für Deutschland, Oestreich-Ungar», Schweiz.— Verwaltung der Arbeits- nachweise: Oeffentliche ArbeitSnachweifc in Riliilaiid.— Beilage: Mitgliederliste des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise nebst zahlenmäßigen Angaben über Februar 1902. Friihjahrs-Paletot II ii o r in billiges Sondep-Angebot. Reinwollene vorzügliche Coating- Waare in den schönsten und hochmodernen Farben. Dieser Posten ist dem elegantesten und solidesten Herrn zu empfehlen. 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