Nr. 66. Aboimemtitts Kedinzungt«: «bonnemenli-Preii pränumerando: vierteliährl. Z.ZV Ml., monatl. l.lOMl., möchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. (Situetne Jlummt 5 Pfg. Sonntags, Nummer mir il>»nr>erl«r Sonntags- Beilage„Di- Neue Welt" lv Pkg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Mona«. «ingetragen in der Post- Zeitungi» Preisliste für IVOS unter Dr. 7V7S. Unter llreuzband für Deutschland und Oesterrelch- Ungarn 2 Marl, für dal iibrlge SuSland S Marl pro Monat. 19. Jahrg. Die Instrtions.GMy» beträgt für die fechsgefpaltene Kolonet» zetle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Knieigen" jedes Wort 5 Pjg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS s Uhr nachmittags in dsrExpedition abgegeben werden. Die Expcdtlton ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi» S Uhr vormittags geöffnet. «rschelnl»»glich«uster Montag«. Vevlinev Volksblatt. Telegramm-Adreste: „«»rialdemostral Berlin" C�ntrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Ardaktion: 19, Veuttz-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I Nr. lS08. Mittwoch, de» Ii». Marz 1»0£. Expedition: sw. 19, Venth-Sleahe 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. klLt. Das Anwachse« der Revolution in Nutzland. AuS Rußland wird uns geschrieben: Während der letzten Monate ist die oppositionelle Bewegung ans den Hochschulen auf die Straße gedrungen und wir sehen dieselben Ereignisse anheben, wie im Frühjahr des vorigen Jahres. Die Kritik, die in den Protestversammlungen an den heuchlerischen Ver- sprechungen des Kultusministers geübt wurde, hat Aufklärung in die weitesten Kreise getragen. Den von den verschiedenen Organisationeu herausgegebenen Flugschriften, der regen littcrarischen und agitatorischen Arbeit der studentischen Vertranenskomitees, sowie der energischen Teilnahme der organisierten Arbeiter ist eS zu danken, daß die Schachzüge der Regierung aufgedeckt und ihre wahren Ab sichten ans Licht gezogen worden sind. Es schien sehr fraglich, ob der dreijährige, mit so viel Opfern verbundene Kampf wieder mit frischer Kraft anfgenominen werden könnte, ob sich die gelichteten Reihen der Streiter durch neuen Zustrom verstärken würden. Als kurz vor Weihnachten die Regierung ihren letzten Beschwichtigungsversuch, die„zeitweilige» Regeln', die den Zweck hatten, die Jugend durch einige Bettel- brocken zu ködern, unternahm, da hörte man manchen Ziveifel, ob eS der konsequenten, alle Kompromisse ablehnenden Opposition gelingen werde, auch fortan sich die führende Stellung zu erhalten. Wird eS, so fragte nian sich, unter den jetzigen Umständen der Regie rung nicht leicht gelingen, der Bewegung einmal wieder auf lange Jahre den GaranS zu machen, wird diese Politik, in der sich Bc schivichtigungsversuche mit Brutalitäten paaren, nicht wieder einmal Erfolge erzielen und die Kirchhofsruhe herbeiführen? Mit bangen Gefühlen stand man diesen Fragen gegenüber; die Lösung ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Am 11. und 12. De« zember fanden in den Hauptstraßen Eh a r k o w s, ivie ich früher mitgeteilt habe, größere Deinonstratione» statt, welche die Regierung zwangen, das Versprechen betreffs der Legalisierung der studentischen Organisationen einzulösen. Das. was aber noch vor ein oder zwei Jahren auf die Bewegung hätte benihigend ein« wirken können, daS blieb jetzt ohne die geringste Wirkung. Die„Zeitweiligen Regeln' über die Organisation der Studierenden erweckten keineswegs das Zutrauen, welches die Regierung wünschte, sondern brachten nur vermehrte Erregung. Die Studentenschaft sieht in ihnen mit Recht nur neue Fallstricke.„Wir wissen, daß die„zeit wcilige» Regeln' in der Universitätssphäre keine Besserung gebracht haben, heißt es in einer Proklamation des Kijewer Centralkomitees der vereinigten Organisationen. Wir bleiben bei der Ansicht, daß ein normaler Gang des Universitätslebens nur bei einer vollständigen Autonomie der Hochschule möglich ist. Das unter polizeiliche Aufsicht gestellte Organisationsrecht ist nichts andres als vervollkommnete Spitzelei'.„Die Regierung spekuliert auf unsre politische Unerfahrenheit— heißt es in einer über das ganze Zarenreich verbreiteten Flugschrift; wir können es nicht zulassen, daß der Stein der Regierung als unser Brot gelten soll. Wir gehen in den Kampf gegen die List der Regierung, die in nnsre kamerad« schaftliche Milte Demoralisation und Desorganisation bringen will. Wir gehen ans keine Komproniisse ein. Die drei Jahre des Kampfes haben uns gestählt. Es ist uns klar geworden, daß wir unser Recht nur im unaufhörlichen Streit erringen werden.' Das Resultat der«Reform' ist also, daß man sich überall vor ihr bekreuzt. Das in der Petersburger Universität bereits gewählte Komitee der Kiirsältestcn ist wieder zurückgetreten. Das Technologische Institut in Petersburg hat mit 1000 Stimmen Mehrheit die Regiernngs« reform abgelehnt, das Elektrotechnische und das Institut des Forst- ivesenS fast einstimmig. Auf einer Versammlung der Petersburger Univcrsitätsbesnchcr am 18. Februar fand sie die schärfste Kritik und endgültige Ablehnung mit 1063 Stimmen gegen 5. Die gleiche Haltimg nimmt auch das Lehrpersonal ein. DaS Profesiorenkollegium des Kijewer PolytechniknniS hat die Zurückwcisuiig der trügerischen Reform in einer besonderen Druckschrift au die Regierung begründet. Das Pädagogische Personal der Petersburger Universität, darunter Pro- fcssoren ivie Chrolson, Borchmann, Baron Rosen, Braun, Grimm, Schtanotv und andre bezeichneten die Reform auch für die Professoren als unannehmbar, weil ihnen durch dieselbe „polizeiliche Pflichten' anferlegt werden und weil sie in sich keine polizeikommissarischcii Talente verspüren. Weiter wies dieses Kollegium die Regierung daraus hin, daß„die Studentenunruhe»' nicht nur ans Uiiiversitätssragcn erwachsen sind, sondern auch aus allgemeinen Umständen, die durch keine Acndernng in dem Statut der Universitäten beseitigt werden können. Das Kollegium schloß sein Antlvortschreiben an die Regierung ans die Zusendung des neuen OrganisationsstatutL mit dem Worte des berühmten rnssische» Chirurgen Pirogow, daß die Hochschulen Rußlands den empfindsamen Barometer des geistigen Zu- staiides der russischen Gesellschaft bilden. Dieser Pirogotv hat bereits Anfang der Sver Jahre den Gedanken alisgcsprocheir, der jetzt in der Be- wcgung zum Durchbrach gekomm n ist und der die„Studenten- Unruhen' zu einer alle oppositi»ellen Volksschichten umfassenden regicrnngsfeindlicheu Bcthätigunr. gestaltet, den Gedanken, den er als Antivort auf die Anpreisung der englischen UniversitätSautonomie als besten Beruhigungsmittels aussprach:„Sie vergessen, daß in England außerdem auch die Habeas corpus-Acte(Schutz der persönlichen Freiheit) existiert." Der Gedanke, daß an eine Freiheit der Wissenschaft so lange nicht zu denke» ist, als das ganze dcspotislhc Regime bestehen bleibt, hat in der letzten Zeit in der Beivegmrg d i e Oberhand gewonnen. Dies ist das Resultat der langen studentischen Kämpfe; man begann als reine Akndemikerbeivcgung, dann kam mau der politischen Arbeitcrbelvegnng stets näher und nach längeren Schlvankungen ist jetzt eine auf Umwandlung des ganzen be st ehenden Systems hinlvirkende Opposition entstanden. Das sind die Früchte, die die Regierung durch ihre ver- brecherische Politik gezeitigt hat. Die Teilnehmer der Bewegung wollen auch diesen ihren Charakter gar nicht verheimlich e n. Und inchr noch: Sie proklamieren offen den gewaltsamen Widerstand gegen die brutalen Kosakenthate» der Regierung, denen sie nicht länger mit leeren Händen gegenüberstehen wollen. Die russische Intelligenz und die russischen Arbeiter sehen keinen andren Ausweg mehr als die Waffel Ende Dezember Ivurde bekanntlich die„verstärkte Ueberivachung' fast auf das ganze europäische Rußland ausgedehnt und damit die Bevölkerung vollständig der Polizeiwillkür überliefert. In Jekaterinoslaw und am 15. Februar in Kijew kam es infolgedessen zu gewalt- samen Zusammenstößen zlvischen Demonstranten und Polizei Nach der Säuberung der Universitätsräume am 22. Februar in Moskau wurden dort Schlageisen, Messer, Eisenstäbe, Revolver ge> funden, die darauf hinwiesen, daß die Studenten an ernsthafte Verteidigung gedacht hatten. Auch bei den auf der Straße verhafteten Arbeitern, Beamten, Aerzten und Personen verschiedener andrer Berufe sind Waffen gefunden worden. In den Parteiblättern verschiedenster Richtungen wird die Frage erwogen, durch welche Mittel den Polizei lichen und militärischen Wüterichen auf den Straßen am erfolgreichsten entgegenzutreten sei. Es sind Vorschläge von Militärpersonen, die niit der Bewegung sympathisieren, über die Berwendmig von Stacheldraht gemacht worden und die Organisationen sind enistlich an die Lösung der Frage getreten, ivie man sich auf der Straße vor den Gewaltthätigkeiten der zarischen Treiber schützen kann. Die Regierung hat die Sache der Revolution in den letzten drei Jahren ungemein gefördert. Auf Schritt und Tritt kam ihre Z e r< fahre nheit offen zu Tage. Sie hat kaum noch einen Ansiveg� die schwellende Flut wächst ihr über den Kopf. Wir könnten hier Dutzende von Belegen hierfür anführen. Wie es heißt, will die Regierung zur Massendeportation»ach Ost-Sibirien ihre Zuflucht nehmen, doch ist es nicht zu bezweifeln, daß sie, wie eS mit dem Kasermermigsiikas ivar, auch auf diese Maßregel Verzicht zu leisten gezwungen sei» wird. Immer sicherer bildet sich in Rußland die Ansicht anS, daß das russische Leben noch niemals eine so kraftvolle Opposition gehabt hat ivie jetzt, der gegenüber die Regierung kein wirklich rettendes Mittel findet. *« » Im Anschluß an die obige Darstellung unsreS russischen Freundes geben wir folgende telegraphischen Nachrichten, die jene Darstellung der gegenwärtigen Lage in Rußland durchaus bestätigen: D e m o n st r a t i o» in Petersburg. Petersburg, 17. März. Gestern mittag sonderten sich ans der Mcnge deS auf dem Newski-Prospekt spazicrcngehenden Publikums eine Anzahl Personen anS, die unter Geschrei Flaggen entfalteten und bei der katholischen Kirche Straßenkund- gebnuge» zu veranstalten versuchten. Die Flaggenträger wurden sofort v e r h a f t i e r t und der Auflauf wurde zerstreut. Im ganzen wurden etwa 1nit der Regierung und der Hofgesellschaft! Tötet nicht Eure Brüder und Schwestern I... Wir glaube» an Euch. Wir glauben, daß Eure Herzen nicht dem Formalismus ergeben sind, daß Eure Ehrlichkeit dem Offiziers-Standesübermut nicht gewichen ist I Auf Wiedersehen I Wir in den ersten Reihen der Protestierenden, Ihr in den ersten Reihen der Heere, die gegen uns entsandt werden,— � aber nicht zum Austausch von Schlägen, nicht zum Brnderkampf, sondern zum brüderlichen Händedruck und dem gemeinsamen Ruf: Nieder mit der Hofclique l Nieder mit dem reaktionären Ministerium! Hoch das Rußland deS Volkes!' Voltkifche Mebevflchk. Berlin, den 18. März. Das Abgeordnetenhaus at am Montagabend und am DienLtag die Kapitel vom iultusetat, Kunst und Wissenschaft, Technisches, Unterrichts- Wesen solvie Kultus und Unterricht gemeinsam zu Ende be- raten und ist hierauf in die Beratung des Kapitels Medizinal Wesen getreten. Hierbei besprachen mehrere Redner die Wirkung des Gesetzes betr. die D i e n st st e l l u n g des Kreisarztes vom Jahre 1899 und baten die Medizinalverwaltung um Beseitigung gewisser dadurch ent- standener Härten, besonders bei denPensionierungsvcrhältnissen der nicht voll besoldeten Kreisärzte. Solvohl der Centrums- Abgeordnete Dr. Rügenberg, als der Nationalliberale Dr. Martens sprachen die Meinung aus, daß die Ent- willung dahin führen werde, mehr und mehr nur voll besoldete Kreisarztstellen zu schaffen. Die alte Forderung der Loslösung der Medizinal- a b t e i l u n g vom Kultusministerium und ihre Angliederung an das Ministerium des Innern wurde von dem Abg. Dr. Langerhans(frs. Bp.) erhoben. Er fand indessen diesmal ebensowenig Gegenliebe dafür beim Kultusminister wie in früheren Jahren. Herr S t u d t erklärte, daß zwar Verhandlungen darüber zwischen dem Kultusministerium und dem des Innern stattgefunden haben, daß diese aber beim Amtsantritt des Herrn v. Hammerstein wieder abgebrochen sind. Es wird also vorläufig alles beim alten bleiben. Ebensowenig Aussicht auf Verwirklichung hat die Durchführung der obligatorischen Leichenschau, die Herr Studt hauptsächlich aus finanziellen Gründen für undurchführbar hält. Dagegen sind vorbereitende Maßnahmen für eine Reform des Hebamnienwesens im Gange. Auch der Kurpfuscherei will die Regierung energisch zu Leibe rücken. Die Kreisärzte sind streng angewiesen, das Kur- Pfuschertum zu überwachen, und der Jnstizminister hat auch an die Staatsanwälte entsprechende Anweisungen ergehen lassen. Es wird erwogen, ob nicht wegen Unzuverlässigkeit eine Entziehung des Gewerbebetriebes möglich ist, und namentlich wird neuerdings auf Grund.des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vorgegangen. Am meisten wirksam ist allerdings, wie der Regierungskommissar hervor- hob, eine fortgesetzte Aufklärung des Volkes. Am M i t t w o ch soll der Kultusetat zu Ende beraten werden. Dann begint die erste Lesung der Sekundärbahn- Vorlage. Auch das Herrenhaus tritt am Mittwoch zusammen. Ueber die Ausweisung der Frauen anS der Versanimlung des Wahlvereins des dritten Reichstags- Wahlkreises an« 26. Februar hat der Vorstand des Wahlvereins beim Polizeipräsidium Beschwerde geführt und hat darauf folgende Autwort erhalten: „Die eingelegte Beschwerde vom 5. d. M. in VereinSangelegen- heiten weise ich als unbegründet zurück. Das Verhalten des über- wachenden Polizeibeamten entspricht vollständig der für diese Dtcnstthätigkeit erteilte» Instruktion zur Ausführung der Be- stimmungen des Vereinsgesetzes.' Also es besteht eine.Instruktion', wonach die Frauen auch nicht als ZuHörerinnen anwesend sein dürfen. Bei der Versammlung des Bundes der Landwirte hat man— soviel steht fest— diese Instruktion nicht befolgt. Aber nicht nur dies, sondem wie der Minister v. Haimnerstein am 24. Februar im preußischen Landtag mit- geteilt hat, ist man im Polizeipräsidium sogar der Ansicht, daß Frauen als ZuHörerinnen anwesend sein können, wenn sie sich an den Verhandinngen nicht beteiligen. Wie ist mit dieser Ansicht die„Instruktion" vereinbar, die dem dritten Wahlvereine gegenüber angewendet worden ist? Oder sollte es verschiedene In- struktionen für Versammlungen des Bundes der Landwirte und für jocialdemokratische Versammlungen gebe»?— Oder sollte vielleicht Herr v. Hammerstei», um die Begünstigung des Bundes der Land« Wirte zu beschönigen. Rcchtsgrundsätze aufgestellt haben, die dem Polizeipräsidium selbst unbekannt sind?— * Am Dienstagabend hielt der socialdemokratische Wahlverein des 4. Berliner Wahlkreises in der„Urania", Wrangelstraße, eine Versammlung ab mit der Tagesordnung:„Die Ideen des März". Zu derselben waren auch Frauen als ZuHörerinnen in der An- zahl von 30—40 erschienen. Die Versammlung war überaus zahlreich besucht. Gleich nach Eröffnung der Versammlnng durch Genossen Paul Hofmami forderte der überwachende Beamte die Ent« fernung der Frauen. Hofmann wies auf die Ansführnngen des M i n i st e r s v. Ha m m e r st e i n hin, der die Anwesenheit von Frauen bei den politischen Vereinsveranstaltungen des Bundes der Landwirte im Cirkus Busch ausdrücklich gebilligt habe; danach müsse dieses Recht auch andren Parteien zustehen. Es sei Vorkehrung getroffen, daß die Frauen in einem„besonderen Segment" des Ver- sammlungSsaales verbleiben. Der Polizeibeamte erklärte trotz dieser Hinweise auf die Anordnungen seines höchsten Vorgesetzten die Anwesen- heit der graue» als unzulässig und drohte mit Auflösung der Versamm- Iimn. Der Vorsitzende erwiderte, daß ein Recht zur ZurMweismig nicht bestehe nnd dnh er keinenfalls die Frauen hinnnswcisen werde. Darauf löste der Beamte d i e V e r s a m in I n n g a u f; die Ver- sammelte» fliiine" unter dein Gesang der Marsaillaise auseinander und versuchten das Rätsel zu lösen, warum der preiitzische Rechtsstaat das für die„Urania" als ungesetzlich verbietet, was im„Cirlus Busch" als gesetzlich erlaubt wird. Der diplomatische Skandal, der durch Wittes Enthüllungen hervorgerufen worden ist, scheint den von uns erwarteten Verlauf nehmen zu sollen. Die amerikanische Regierung ist bemüht, die Asfaire, die, wie es in einem Artikel der New gorker„Sun" heißt,«völlig zur Unzeit" gekommen ist. aus Höflichkeit gegen de» Prinzen Heinrich und den Kaiser, die so ein- dringlich um Amerikas Freundschaft geworben, nach Möglichkeit zu vertuschen. Ein Teil der amerikanischen Presse freilich, und zwar die am meisten gelesene„gelbe" Presse, schlachtet die Enthüllungen mit Behagen aus. Ziemlich zutreffend dürfte die Darstellung sein, die der Kor- respondent des„Manchester Guardian" von der Lage giebt: „Es heißt, ein Zwischenträger habe sich seine Kenntnis von Hollebens Unvorsichtigkeit zu Nutzen gemacht, um Geld aus ihm zu pressen, und als dann Hollebcn nichts mehr bezahlen Ivollte, übergab der Erpresser seine Dokumente dem Geheimdienst der amerikanische» Regierung. Ferner heißt es, die Beweise für Hollebens Schuld seien Roosevelt und Hay vorgelegt. Diese hätten beschlossen, die Sache zu v e r t u s ch e n ,' bis des Prinzen Besuch vorüber sei, und dann dem Kaiser Zeit zu lassen, daß er Holleben abberuft. Meine Erkmrdigungen, schreibt der Korrespondent Iveiter, haben mich überzeugt, daß diese Behauptungen wenigstens einige Grundlagen habe». Ich höre, daß ein deutscher Bankier besondere Anstrengmigen ge» macht hat. die Regierung zu veranlasse», langsam vorzugehen und zu gestatte», daß Holleben scheinbar freiwillig oder aus Gesundheitsrücksichten zurücktritt." Wenn der Korrespondent des„Berl. Tagebl." den Umstand, daß b. Holleben weder in, Jahre ISlX)»och jetzt gegen die angeblichen Verbreiter der Enthüllungen Klage erhoben hat, damit erklärt, daß das eine«zu hohe Würdigung des Blödsinns wäre", so ist das den» doch eine Erklärung, die um so weniger zu überzeugen ist, als sonst deutsche Behörden und Diplomaten' bei dem lächerlichsten Anlaß Staatsanivalte und Gerichte in Bewegung zu setzen pflegen. � Die Potsdamer Duellrede. Gegen das Urteil der Potsdamer Strafkammer in Sachen der angeblichen Acußerungen des Kaisers über das Duell im Offizicrstande hat der zu zlvci Monaten Gefängnis verurteilte Rcdacteur P. Groll Revision eingelegt, während sich die zu 500 bezw. 300 M. Geldstrafe verurteilten Mitangeklagten Buch- drnckereibesitzer Stein»nd Geh. RechnungSrat Steinbach, ebenso wie die Staatsanwaltschaft bei dem Urteil beruhigt haben. WaS den Gewährsmann Steinbachs anlangt, so bekundete in der Ber- Handlung der Versichcrnngskassierer Oclhardt eidlich, daß Steinbach gesagt hatte:„Mein Sohn Hans und der Regierungsassessor Röden- deck ivaren sehr aufgeregt über die Aeußerungen des Kaisers I" Man ist übrigens allgemem der Ansicht, daß durch die Verhandlung der wirkliche Thatbestand keineslvegs aufgeklärt sei.— Der Drachenorde». Wir lesen:„Es verdient hervorgehoben zu werden, daß»ach desinitiver Beilegung des chinesischen Konflikts der K a i s e r v o» China zum erstcnmale wieder einen Offizier der deutschen Marine dekoriert hat. Kapitänlicntenant Puttfarcken wurde durch die Verleihung der 2. Klasse 2. Stufe des chinesischen Ordens vom doppelten Drachen ausgezeichnet. Kapitänlieutenant Puttfarcken ist jetzt erster Offizier des Küst'enpanzers „Hagen". Vor kurzem war in der deutschen Regierungspresse alles Chinesische ein Gegenstand derbstes Spottes. Und welchen Ulk erlaubte man sich im Kaiserpalast mit den heiligen Jnsignien des Gottesgnadentums des Reiches der Mitte! Und jetzt ist das Zeichen des Drachens ivieder ein ehrfurchterlveckendes Symbol, wert auf der McinjieSbriist deutscher Krieger getragen zu werden.— Ei» nener Gcrmanisierungs-Ukas. Aus Posen wird ge- meldet: S ä ni t l i ch e sp o I n i s ch e V e r e i n e der Provinz Posen sind von der Regierung angewiesen Ivorden, vom 1. April ab alle Verhandlungen in deutscher Sprache zu führen. Ein derartiger gesetzlich nicht zu rechtfertigender UkaS kann natürlich nur dazu beitragen, die Erbitterung der Polen aufs äußerste zu reize». Das Gefühl der Polen, daß ihnen ungesetzlich Gewalt angcthan wird, wird durch eine Entscheidung des Ober-Verwaltnngs- gerichts genährt, die den Polen in den polnischen Provinzen ans- drücklich das Recht'zugesteht, sich in ihren Versammlungen ihrer nationalen Sprache zu bediene».— Eine Interpellation über daS Versammln, igSrccht ist mit Unterstützung des Centrums vom Abg. Taltin im Abgeordnetenhansc eingebracht worden:„Ist es der königlichen Staatsregierung bekannt, daß an, 2. März 1902 zu R y b n i k eine Versammlinig christlicher Arbeiter, deren Mutter- nnd Umgangssprache die polnische ist, auf polizeiliche Anordnung ans den, Grunde aufgelöst worden ist, weil die Verhandlnngen in polnischer Sprache geführt werden sollten? Welche Maßnahmen gedenkt die königliche Staatsregiernng zu ergreifen, um derartigen Zuwiderhandlungen gegen Verfassung und Gesetz künftighin vorzubeugen?"— Mecklenburgische Schnlzustände. In der.Rostocker Zeitung" findet sich folgendes Inserat: Die Domaniallehrer des Amtes T. zuR. waren zum 13. d.M. geladen, um ihr Schulgeld in Empfang zu nehmen. Der Amts- vermalter von Mi. warf einen Bleistift mit einem Messer ans den Tisch und sprach zu den bereits erschienenen Lehrern:„Schärf mal einer den Bleistift vor!" Ich erlaube mir die Frage, ob wir heute 1702 oder 1902 schreiben. X. Wir könne» die Frage des Inserenten leicht beantworten: In der gesegneten Heimat des Grafen Bülow ist man bisher nicht so revolutionär geivese», über das Jahr 1702 hinauszukonunen.— Ei» Diätenkonflikt in Sachsen. Die Zweit« sächsische Kammer hatte am Dienstag wieder eiinnal einen Konflikt; diesmal nicht mit der Regierung, sondern mit der Ersten Kammer. Bisher er- hielten die auswärtigen Abgeordneten der Ziveiten Kammer pro Tag 12 M. Diäten, die in Dresden wohnenden Abgeordneten nichts. Die Zweite Kammer beschloß nun vor einigen Monate», den in Dresden wohnenden Kammermitglieder» 0 M. Diäten zu gewähren. Dieser Beschluß sollte rückwirkende Kraft haben. Die Erste Kammer lehnte jedoch diesen Antrag ab. Gestern befaßte sich die Zweite Kammer abermals mit der Sache und beschloß einstimmig, auf dem Beschluß bestehen zu bleiben.—_ Sächsische Ostcrgabe. Aus Dresden wird uns geschrieben: Ein eignes Osterei ist dem sächsischen Volke beschert worden, a» dem eS seine Freude haben dürfte. Es ist das schlimmste eingetreten. was den sächsischen Steuerzahler treffen konnte. Die Regierung wird nunmehr entgegen allen Hosfunngen doch noch in diesem Jahre einen Svprozcntigcn Steucrznfchlag erheben. Die Steuerzahler, die bereits ihre Stenerzcttel erhalten habe», werden jetzt noch«inen Stenerzettel bekommen, der sie verpflichtet, einen weitere» Stencrbetrag in Höhe der Hälfte der auf dem ersten Steucrzettel vermerkten Summe zu bezahlen. Vergcgemvärtigen wir uns die Lage. Die sächsische Kammer- Mehrheit war zwar vor einigen Jahren sofort bereit, den Arbeiten, das Wahlrecht zu nehme», gegen eine Heilung der Staatsfinanzen sträubte sie sich aber mit Händen und Füßen. Der Einnahme- Ausfall wurde immer größer. Für die kommende Finanzperiode fehlten der Regierung bereits 38l/s Millionen Mark. Die Regierung erklärte, sie werde nunmehr auf Grund des Artikels 5 des Gesetzes vom 3. Juli 1873(direkte Steuern betreffend) den Fehl- betrag lediglich durch Zuschläge zur Einkommensteuer decken. Hier- bor fürchteten sich aber die Konservativen und Nationalliberalen. Im Schweiße ihres Angesichts peitschte die Zlveite Kammer eine organische Steuerreform durch. Die Gerichtskosten ivurden um 2ö Proz. erhöht. Eine Vermögenssteuer wurde angenommen. Nebenbei sorgten die Agrarier auch noch für sich uud beschlossen die Aufhebung der Grundsteuer. Als Gegenleistung für diesen Fleiß versprach die Regierung, sich nur mit einem 2ö prozentigen Steuerznschlag zu begnügen. Die Zweite Kammer vcranlaßte auch, um sich den Anschein der Arbeitcrfreundlichkeit zu geben, daß die Einkommen bis 800 M. von dem Steuerzuschlag verschont bleiben sollten. So schien die konservativ- nationalliberale Zweite Kammer noch im letzten Augenblick das von ihr verursachte Uebel verhütet zu habe», aber die Herren hatten die Rechnung ohne die Erste Kammer gemacht. Diese schlverreichen Herren fanden, daß sie bei dem fünfzig- prozentigen Stenerzuschlag bester tveg kämen und verabschiedete» die Stenerreforn» nicht. Die Erste Kammer kann sonst sehr fix arbeiten. Zur Annahme des Gesetzes über die Wahlrechtsentrcchtnng der Arbeiter brauchte sie nur eine halbstiindige Beratung. Die Steuer- reform, die seit November auf der Tagcs-Ordnung steht, haben sie aber noch immer nicht Zeit gefunden zu erledigen. Daraufhin hat die Regierung erklärt, sie müsse jetzt infolge' der vorgerückten Zeit zu den, SOvrozentigen Stenerzuschlag zurückgreifen. Der Zuschlag, der einer Kriegskontridntion verziveifelt ähnlich sieht, trifft auch die Einkommen bis zu 400 M. herab. Eine Tabelle möge zeigen, wie viel Staatseinkommen-Stener» der entrechtete Arbeiter jetzt in Sachsen im Vergleich zu den preußischen und östreichischen Arbeitern zu zahlen hat. Jährliche» Einkommen Sachsen Preußen Oestrcich über Die sächsischen Arbeiter werden so allmählich in eine Stimmung getrieben, die bei den nächsten Reichstagswahlen sich nicht zur Freude der Regierung und der Regiernngsparteien�enlladen dürfte.— Ausland. AnSartung der chinesische» Uurnhen. Das Reutersche Bnrean meldet ans Hongkong: Nachrichten aus K w a» g s i zufolge dehnt sich der Aufstand mit Schnelligkeit ans die drei Provinzen K w a n g s i, K iv a n g t u n g und I n n n a n aus. General Ma, der mit Truppen von Canton abgesandt wurde, kam mit den Aufständischen bei Fangtscheng ins Gefecht. Die Schlacht dauerte zwei Tage. General Ma ivar schließlich gezwungen, sich zurückzuziehen. Die Ans- ständischen nahmen Fangtscheng uud errichteten dort ihr Hauptquartier. Die Mandarinen ivurden entweder von ihnen getötet oder gefangen genommen und die Stadt wurde geplündert.— I» einem Briefe ans Tienpek, welches SO Meilen von Kwangtschou liegt, wird gemeldet, daß dort ans Furcht vor den Aufständischen alle Geschäfte stocken. General S u, der bei Licntschno und General Ma, der bei K i a u t s ch o u steht, Ivarten beide auf Verstärkungen und möchten ihre Streitkräfte vereinigen, aber die A u s st ä n d i- s ch e n halten alle dazwischen liegenden Gebirgspässe besetzt, um die Vereinigung der Truppen zu verhindern und den aus dem Innern des Landes kommenden Proviant wegznnchme». Zahl- reiche kaiserliche Truppen schließen sich den Auf- st ä n d i s ch e n an, um an der Plünderung teilzunehmen und höheren Sold zu erlange». An der Spitze der Anfstättdischen steht Hungming, ein Verivandter von Huiigsutschwen, dem bekannten ehemaligen Führer der TaipingS.— Schweiz. Zürich, 17. März.(Eig. Ber.) Die gestrige Volks- a b st i m m u n g im Kanton Zürich hat das vorausgesehene nnd er- hoffte Resultat ergeben: Die Wirte-Jnitiative wurde mit 42 997 gegen 10 022 Stimmen verworfen und so de» spekulativen Wirten wohl für lange Zeit ihr dreistes Monopolgelüste»icdergeschlagc». Die ver- blendeten Abstinenzler, die den Wirten Handlangerdienste, wen» auch ans uneigennützigen Gründe», leisteten, mögen sich die er- haltene derbe Lektion f!ir die Zukunft eine heilsame Lehre sein lassen. DaS Bankgesetz fand mit 37 42S gegen 14 290 Stimmen Annahme, die unserm Genossen Ernst als ein finanzministeriellcr Erfolg gebucht werden darf. Der Verfassmigsartikcl, zu dessen Verwerfung die über- mütige, herrschsüchtige und vergewaltigende Mehrheit des Kantons- rats unsre Partei provoziert hatte, ist mit 23 080 gegen 22 387 Stimmen verworfen und somit den Herren eindringlich und demonstrativ gezeigt Ivorden, daß ihre Macht am Referendum zer- chellt. Es bleibt nun beim Alte» und tritt nun die Ver- mehrnng der Zahl der Kantonsratsmitglieder von 203 auf 243 ein. llnsre Partei hat gegenwärtig 14 Ver- treter im Kantonsrat oder 7 Proz. der Mitglieder; von der auf den 27. April angesetzten Neuwahl erwarten wir eine Ver- doppelung dieser Zahl, also ca. 30, wodurch unsre Vertretung auf 12 Proz. steige» würde.— Im Nationalrats- Wahlkreis Dielsdorf hat der Arbeiter« und Bauerukandidat Pfarrer Schnupp 343S Stimmen erhalte», während sein agrarischer Gegenkandidat, der Bäckermeister, Mchlhändler. Landlvirt und Postmeister Hanser mit 4543 Stimmen regte.— Eine von 300 Mann besuchte Delegiertenversammlung der socialistischcn nnd deniokratischen Partei des Kantons St. Gallen beschloß einstimmig, den Genofsen Scherrer als Kandidaten ür die durch Herrn Curtis Rücktritt notwendig gewordene Ersatzwahl in den RegicrungSrat aufzustellen. Advokat Scherrer steht, worauf wir aufmerksam gemacht nvurden, der Socialdemokratie nicht bloß nahe, sondern er gehört unsrer Partei direkt an. Bei den eigen- artigen Parteiverhältnissen in, Kanton St. Gallen sind solche Irrtümer geradezu unvenneidlich.— Belgien. Zur Wahlrechtöbrwcgnng. Am Montag fand in Lüttich eine Monftre-Kundgebung für das allgemeine und gleiche Stimmrecht statt, an welcher über 10 000 Personen teilnahmen. Italien. Rene Grnppcnbildung. In einer Versammlung der Depu- tierten aus den Provinzen Ferrara. Rovigo, Modena. Bologna, Parma und Piacenza wurde die politische Lage in Beziehung ans die agrarische Bewegung in genannten Provinzen besprochen und eine Interessengruppe gebildet. Die neue Gruppe nahm eine Tages- ordmmg gegen die Regierung an und beaufiraflte den Abgeordnete» Panzacchi, sie der Kammer zu unterbreiten. Die Bildung der parla- mentarischen Laudbesitzergruppe der Abgeordneten der Provinzen, wo das Landproletariat sich zu nicht mißachtenden Organisationen znsammengethan und wo augenblicklich umfangreiche Landarbeiter- Streiks im Gange sind, ist wohl mehr als ein Zufall. Die Art der Gruppierung, die Gruppierung nach wirtschastlichen Interessen, ist neu für Italien, da da« italienische Parlament bisher nur in politische Gruppen geteilt war.— Spanien. lieber die spanische Ministerkrise wird gemeldet: Für wahr- scheinlch gilt die folgende Ministerliste: Sagasta, Präsident, der Herzog w Almodovar� Aenßere». Moret, Inneres, General Weylcr, Kriegs der Herzog v. Veragna, Marine, EanalejaS, Ackerbau, Romanones, Unterricht. Noch unbestimmt ist die Besetzung der Portefeuilles der Finanzen und der Justiz. Angesichts der Schwierig- keilen einer Regelung der Personenfrage und der daran? ent- springenden Befürchtungen bezüglich der Ausführung des Programms erklärte Canalejas von vornherein, er werde in dem Augenblick, wo das Kabinett sich darin schwach zeige» sollte, wieder zurücktrete», Von andrer Seite verlautet dazu, daß Capdepon das Jnstizportefeuille erhalte. Das Finanzportefeuille sei Puigcerver angeboten, der es aber abgelehnt hat.—_ Der Boeren- Krieg. Englands Notlage. „Daily Mail" erfährt, die britischen Behörde» über- mittelte» D e l a r e h ihren Dank für die freundliche Behandlung Lord MethuenS. Das Kriegsamt werde demnächst seine Anerkenmmg der ritterlichen Handlung in besondrer Weise zum Ausdruck bringen, aber die Freigeb ung eines gefangenen Boeren- führers von hohem Rang sei nicht beabsichtigt. Die Boeren haben auch mit ihren vorhandenen Strategen genug. Methnen beschwert sich. Die„Times" Vcrvsfeiitlichen einen Brief Methnens an einen seiner Freunde, worin Melbuen sich darüber beklagt, daß ihm das Kommando über den größten Teil seiner Truppen entzogen worden war. Der Liebling der englischen Aristokratie mag sich trösten. Seine Feldherrnbegabuiig hat auch so England Maiinschaften genug ge- kostet._ Ein veitrag zur Revolutionsgeschichte. In der Nr. 24 des XX. Jahrganges der„Neuen Zeit" liefert Franz Mehring einige Beiträge zur Erkenntnis des Wirkens des Kommunistenbnndes in der deutfchen Revolution. Er ist in der Lage,»ngednickte Aufzeichnungen von zwei thätigen Mitgliedern dcß Kommunistenbundes, Wilhelm Wölfs nnd Stephan Born, mitzuteilen, idie nicht nur einen Blick thnn lassen in das Wirken der Bundesmitglieder, sondern auch den Beweis liefern, daß sich die Kommmiislen damals schon recht klar waren über die Lage der Dinge. Ans Wolffs Anfzeichnungen werden nur Bruchstücke mitgeteilt. Er schreibt Mitte April 1848: „Wie in Berlin so auch hier(Breslau) entschiedene, ja oft wütende Feindschaft nnd Erbitterung zwischen Bourgeoisie und Proletariat. ... Jetzt hat die Bourgeoisie einen großen Teil des Sieges für sich konfisciert und andrerseits ist hier in Schlesien— wie freilich in andren Provinze» auch— die Reaktion der Grmidaristokratie und der Bureaukratie nebst Anhängsel» furchtbar thätig. Wegen der Wahlen wird kein Mittel»»benutzt gelassen. Hätte man direkte Wahlen, so könnte nian alle» diesen Machinationen an einem Tage und in einer Versammlung ein Ende»lachen. Jetzt aber werden wir eine ganz abscheuliche, teils reaktionäre, teils moderiert- konstitutionelle Majorität bei den schlesische» Wahlen heraus- bekommen." Ans Berlin berichtet am 11. Mai 1348 Stephan Born an Marx: „Hier existieren vier Zeitungen. Die Vossische und die Spenersche keimst Du; sie sind immer noch diefelben. Die Zeitungshalle versuchte eS, gleich nach der Revolution mit dem Radikalismus hervorzutreten, hat deshalb viel Abo»- nenten verloren nnd wird sich wahrscheinlich nicht lange halten können. Eine neue Zeitimg, von Rntenberg redigiert. die„National- Zeitung", wird sich wohl auch schwerlich halten können. Sie kokettiert mit allen Parteien nnd ist ein sehr mattes Bourgeoisblatt mit philantropischem Beirat. Alle vier Zeitungen stehen meinen Artikeln offen. An Zeitschriften giebt es hier: 1. Die„Volksstimine", für Arbeiter sehr fade, wird bald sterben. 2. Die„Arbeiterzeitung"(mit einem Rcdaktiouskomitee aus dem Handwerkerverein), eine Trompete, in die jeder hineinblasen kann, weshalb ich aus der Redaktion scheide. Steht auch noch nicht ans sicheren Füßen. 3. Der„Volksfrenud" von Schlöffet, gewöhnlich derb, hin und wieder pathetisch grobianisch, in ökonomischen Fragen unwissend, socialistifch- kommunistisch, ans- regend und deshalb von Proletarier» gelesen. Der Re- dacteur ist jetzt in Haft. Es giebt noch einige Blätter, die eben gar nicht der Rede wert sind. Vom 1. Juni ab erscheint unter meiner Redaktion eine Arbciterzeitschrift: Das Boll. Ich habe hier eine sehr ausgebreitete Bekanntschaft und rechne deshalb auf guten Erfolg. Die Parteien fangen allmählich an. sich klar zu werden: sie sondern sich immer mehr und bald wird jeder wissen, wem er an- gehört Der konstitutionelle Klub(Bankiers. Gcheimräte, Professoren, Juden, Kurszettel, Gesetzlichkeit. Skandale, Klatsch, Berliner Gcistreichtum, das ist sein Inhalt) wird immer lederner, besonders seit den Wahlen, bei denen er voll- ständig durchgefallen ist. Der politische Klub Jung. Meyer. Schlöffet Saß, Studenten, Marats und Robespierres, der Stein des Anstoßes für alle Philister) scheint jetzt mit der radikalen Partei a» Bcdentnng zu gewinnen. Der Socialismus ist in allen Ständen (mit Ausnahme der Berliner Weißbierbürger) in voller Blüte. Die Philanthropie macht Entdeckungen, wie man den Leuten das Geld abnehmen kann, um es an die Armen zu verteilen usw. Das Proletariat ist durch und durch revolutionär. Ich halte deshalb, wo es nur möglich ist, von unnützen Krawallen ab, organisiere aber überall die zerstreute» Kräfte zu einer starken Macht. Ich stehe hier so ziemlich an der Spitze der Arbeiterbewegung. Die Bourgeois haben Vertrauen zu meinem Vcrwaltmi'gstalent, sie sehen nicht, daß ich die Arbeiter verbinde und nur dahin wirke, daß kein blinder Lärm geschlagen werde; sie haben gegen eine beabsichtigte Ausweisung Partei genommen. Ich bin hier Borsitzender eines quasi Arbcrterparlaments von Abgeordneten aus sehr vielen Gcwerken nnd Fabriken. Der Handelsininister hat sich mit uns in Verbindung gesetzt Der Mann weiß gar nicht, was er thun soll. Er tappt umher wie ei» Blinder. Neber de» Bund als solchen, wie er hier besteht, kann ich jetzt nichts berichten. Es hat noch niemand Zeit gehabt, ihn in der früheren Weise fest zu organisieren. Er ist aufgelöst, überall und nirgends...." Für den ReichStagSwahlkreiS Stuttgart stellte eine stark besuchte Kreiskoiiferenz am Sonntag de» Genossen Karl Hilden- b ra n d, Landtags-Avgcordneter und Redactenr der„Tagwacht", als Kandidaten zur nächsten Reichstogswahl auf. Der Kreis wird zur Zeit von, Genoffen Kloß vertreten. Dieser erklärte jedoch ans der Konferenz, daß seine ganze Kraft im Landtag« »nd im Gemeinderate in Anspruch genommen sei und daß er des- halb kein Rcichstags-Mandat wieder nbernehmcn könne. Stuttgart, das im Jahre 1898 jjm» erstenmal von uns erobert wurde, gehört zu den Kreisen, die in langer, zäher Arbeit, unterstützt durch die wirtschaftliche Entwicklung, allmählich von uns erkämpft wurden und die darum die Gewähr bieten, daß sie bei rühriger Arbeit nicht wieder verloren gehen. Unser Karlsruher Parteiblatt, der. Volksfrenud", kann mit- teilen, daß er seit der Gcmcinderatswahl schon 91 Abonnenten in Karlsruhe gewonnen hat. DaS ist auch ein Beweis des neuen Geistes, der' die Arbeiter Karlsruhes ergriffen hat»nd der die Gewähr bietet für»ene Erfolge in naher Znknnst. Parteipreffe. In den Kreisen der Offenbacher Parteigenossen wird schon seit längerer Zeit die Frage der Nebernahme de? dortigen Parteiblattes in Partciregi« erörtert. Am Sonntag hat sich eine Kreiskoiiferenz drS Wahlkreises Offenbach-Diebnrg mit der Angelegenheit beschäftigt. Nach eingehender Beratung wurde gegen S Stimmen folgender Beschluß gefaßi: „Die Parteigenossen übernehmen au dein von der nächsten Frübjahrs-Äreiskonferenz festzusetzende» Termin den Verlag des „Offenbacher Abendblattes" in Parteiregie nnd übertragen den Druck desselben unter noch zu vereinbarenden' Bedingungen für die Dauer von 10 Jahren dem Genossen Ulrich mit der Mabgabe, dab die Parteigenosse» für den Fall, dag sie innerhalb 10 Jahren eine ander- »vcite Herstellinig des Blattes dnrchzuführeir beabsichtigen sollten, die Druckerei des Genossen Ulrich käuflich erwerben zu einem zu ver- oinbarenden Preis, über dessen Hohe nötigenfalls ein Schiedsrichter ans parteigenössischen Fachmännerkreisen zu entscheiden hat." Ein Antrag, bei dieser Gelegenheit die drei hessischen Partei blätter—„Osienbacher Abendblatt",„Mainzer Volks-Zeitung" und „Mitteldeutsche Sonntags-Zeitnng"— zu verschmelzen, wurde wieder zurückgezogen. Die. M a inzer Volks-Zeitung"ist von der dreispaltigen zur vierspaltigen Einteilung übergegangen. Zugleich wird sie jetzt mehrmals in der Woche stärker erscheinen wie bisher. Die RevolutionSfeier dcö Wiener Proletariats. Was für uns der 18. März, ist für die Arbeiter Wiens der 13. die Feier wurde am Sonntag abgehalten. Sie war abermals, Ivie bisher, eine gewaltige Demonstration gegen die kläglichen politischen Zustände der Gegenwart. Die„Wiener Arbeiter- Zeitung" schreibt darüber: „Der gestrige Masscnzug zum Grabe der Märzgefallenen bot ein« Ueberraschnng. Dah es den Wiener Arbeitern ein Bedürfnis und eine Gewohnheit geworden ist, alljährlich einmal zum Grabe der Märtyrer der Freiheit zu wallfahre», wußte man, daß aber dieser gewohnheitsmäßige Pietötsakt auch nach der großen Jubiläums- dcmoustration von 1898»och innner eines besonderen Aufschwunges fähig ist, das war die Ueberraschnng des gestrigen Tages. Es zeigte sich gestern, daß auch das Gclvohnheitsinäßige die Begeisterung der Wiener Arbeiterschaft nicht lähmen kann, und' daß die propagandlstische Kraft selbst einer alljährlich wiederkehrenden Fcierunerschöpflichsein kann. Wenigstens S0000WiencrArbeiternah»icnheueram Demonstrationszuge teil, mindestens um ein Drittel niehr als iin vorigen Jahre. Allerdings gab es Heuer»och einen besonderen Antrieb, Pietät für die März- gefallenen zu üben— die Demonstration galt diesmal nicht allein den Wiener Märzgefallenen von 1848, sondern auch den Triester Fcbruargefallenen von 1902. Der brennende Schmerz, den die noch frischen Wunden dem Proletariat verursachen, gab der ganzen gestrigen Feier ihren besonderen Inhalt. Der Märzgang ist sonst inimer auch die Frühlingsfeicr des Wiener Proletariats; diesmal war sie es nicht. Der Kranz, den die Triester Abgesandten zum Grabe der Märzgefallenen trugen, bekundete, daß wir noch immer mitten im Winter des östreichischen Elends leben." Pollieiliches, Gcrichtliches usw. Acht Monate Gefänguis. Der Genosse Haenisch in Dortniuud, Redacteur unsres dortigen Parteiblnltes, soll die erste Strafkammer des Landgerichts Dortmund beleidigt haben durch Zeitungsartikel, die niit den Prozessen gegen Bredenbcch ziisammcir hängen. Von der beleidigten Kamnier unter Vorsitz des beleidigten Richters wurde Haenisch, ivie uns ein Privattelegramm meldet, ani Dienstag zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. — Wegen Beleidigung des Göftnitzer Schnlvorstandeö wurde der frühere veranttvortliche Redacteur der„Altenburger Volks- zeitung", Genosse Kühn in Schmölln, zu 60 M. Geldstrafe ver urteilt. Aus Fndupfcio und Huudvl. Uebcr de» Beschäftigungsgrad in der rheinisch-wcstfälischen Eisenindustrie wird von sachkundiger Seite geschrieben: Bei den Aufträgen, von denen in letzter Zeit berichtet wurde, wird übersehen, daß in den letzten Jahren die Werke in ihrer Leistungsfähigkeit zu früher unbekannte» Höhen gesteigert worden find und daß dies auf die Technik de§ Betriebes eine» ganz bestimmten Einfluß übt. Bei einer Leistungsfähigkeit von 1100 Tonnen in 24 Stunden, tuie sie Gutehoffnungshütte und Deutscher Kaiser bei Bruckhausen auftveisen, aber auch schon bei 800 sHösch, Schalker Hütten, Ltheinhansen, Krupp u.a.) bedarf eS riesiger Bestellungen, um andauernd den Betrieb voll aufrecht zu erhalten. Meisleus sind bis jetzt nur verhälsnisinäßjg kleine Specialanfträge eingelaufen. Diese bedingen ei» häufiges Umlegen der Walzen, es konmit vor, daß auf einer Walzenstraße täglich mehrmals andre Fertig- Profile eingelegt»Verden. Diese Arbeit ist zeitraubend und verteuert die Selbstkosten. In vielen Walztverken stellt man seit Monaten meist nur Drahtknüppel und Billets auf Vorrat her; Ivohl gehen hin»nid wieder größere Posten ab, aber es darf nicht vergesse»»verde», lvas die Werke bei kontinuierlichem Betrieb(Doppelschichtcn a 12 Stunden) eigentlich zu leisten vermögen. Uns wird mitgeteilt, daß jetzt»vicder häufig die vorrätigen Knüppel gegen ihre' Bestimmung auf der Schroltschere zerschnitten und zu Schtveißpäcken in den Fein- und Blechivalziverken verlvendet»Verden. Vor Jahr und Tag wäre daS undenkbar gelvesen. ES hat so den Anschein, als seien die Walzcustraßcn beschäftigt für besondere Auf- träge, in Wahrheit ist es aber häufig nur Verlegeuheitsarbeit. Man ist sogar darauf gekommen, fehlerlose Knüppel und Billets, auch Träger und sonstiges Fayoneiscn auf der Schrottschere zu zerschneiden inid sie als„Altmaterial" in den Handel zu bringen, um so die enormen Lagerbcstände zu räumen; solches ist von der Union- Dorlmnud gemeldet worden, ohne dcmeutiert zn»verde». Bei der Bcnrteilnng der»virklichen Verhältnisse in unsrer Eisenindustrie darf eben nicht vergessen»verde»», daß die meisten Werke nicht ivissen, wohin mit den bergehohen Vorräten an Roh- eisen und Halbfabrikaten. Bevor diese nicht abgestoßen si»>d, kann von einer Besserung in der Eisenindustrie eigentlich keine Rede sei». Di« in letzter Zeit hier und da vorgenoinmenen Preiserhöhungen seitens der Verbände der Eisen- und Stahlindustriellen sind uicht ohne»veitereS als Anzeichen von Besserung z» beivertcn, da diese Preise sehr häufig nur auf dem Papier stehen. Die Händler schließen nicht ab, sondern verhalten sich beharrlich passiv, da sie ein weiteres Herabgehen der Preise erivarten. Der Rückgang ver- auloßte die Werke, auch ihren Arbeiterstaud z,i veriniitdern; daß alle Eisen- oder Stahliverke kleinere oder größere Arbeiterentlassnnge» im Lauf des letzten Halbjahres vorgeuomnicn haben, ist bekannt. Ar- beiteraniiahmen aber finden auch heute»och nicht statt, abgesehen von vereinzelten Ausnahmen. Auf der Kruppscheu Fabrik i»! Essen verminderte sich seit dein Jahre 1900 die Arbeitcrzahl von 24 000 auf jetzt 22 000. Hörder Verein, Union, GutehoffnnNgS- Hütte. Schalker Werke u. a. große und kleine Werke eiitließen namhaft- Arbeitermengen. Die Löhne sind seit der Hochkonjunktur teiltveise bis zu 50 Proz. gesunken! 2,50—3,00 M. täglich verdienen heute Eisen- und Stahlarbeiter, die 1900 einen Aecordlohn von 6 und mehr Mark erhielten. Die Geschäftsleute treten niit ihren Klagen über um sich greifendes Borgen und Schnldenniachen der Hüttenarbeiter schon an die Leffentlichkeit. Wohl»vandern viele Hüttenarbeiter jetzt zurück in ihre ostclbischc Heimat, doch ist dieser Abzug bei der»ach Hnnderitallsenden zählende» Arbciterzahl nicht fühlbar._ Löhne der Bergarbeiter in Prensie» ini Jahre 1901. Die amtliche Statistik ergiebt für das Jahr 1901 einen erheblichen Rückgang der Bergarbeiter-Löhne. Die Gesaint-Lohnsunnue ist von 519096 284 M. in, Jahre 1900 ans 509511 119 M. im Jahre 1901 gesunken. Der Durchschnitts- Jahreslohn auf einen Arbeiter betrug in» Jahre 1901 in Oberichlesien 872 M. sin» Vorjahre 877 M.). in Nieder- schlesien 871 M.<910 M.>, im Oberbergamtsbezirk Dortinund-OSnabrück 1224 M.<1332 M.>, in Saarbrücken 1042 M.<1044 M). in Aachen 1182 M.<1194 M.). im Oberbergamtsbezirk Halle 928 M.<931 M.), Salzbergbau Halle 1155 M.<1142 M.j. inr Mausfelder Erzbergbau 1001 M.<1013 M.), inr Oberharz 878 M.<685 M.), in Siegen- Nassau 904 M.<998 M.), im rechtsrheinischen Erzbergbau 813 M, <870 M.). im liiiksrheiuischen Erzbergbau 722 M.<728 M.) Die Löhne sind nach Abzug der Versichernngsbeiträge und nnter Ausschluß der Löhne für Beamte und Aufseher berechnet. Für die Arbeiter des Oberharzes, die die niedrigsten Löhne auftveisen, konnnt für das Jahr 1900 ciiic Brotkorgzulage von 11 Pf. pro Schicht»nid für das Jahr 1901 10 Pf. als Lohn- Aufschlag in Berechnung. Das ergiebt für das Jahr 1900»och 33 M. und im Jahre 1901 30 M.. die der Lohnsumine zuzuzählen »väreii, so daß trotzdem die» i e d r i g st e Entlohnung auf den fiskalische i» Gruben des Oberharzes zu verzeichne» ist, ivie überhaupt der fiskalische Bergbau in der Entlohnung seiner Arbeiter noch immer von dem Privatbelricb im Dortmunder Revier geschlagen»vird. Für die preußische Arbciterfürsorge kein gutes Zeiche»!,»»ildernd kann höchstens in Betracht gezogen»verde»», daß die Lohnrückgänge in den staatlichen Betrieben nicht so erheblich sind, als im Privatbetrieb, einige Bezirke sogar kleine Erhöhungen aufiveisen. Dagegen hat aberderStaatim Kohlenbergbaunichtunterderiingünstigen Gcschaftskonjnnktur zu leiden, da er als eigiler Abnchincr feinem Betrieb einen geregelten Absatz garantiert, und i>n Salzbergbau besteht eine enge Verbindung»nit dem Kartell. Ueberraschend ist, daß die Belegschaft eine erhebliche Steigerung auflveist. Im Jahre 1900 zählte man 447 887 Arbeiter, 1901 stieg die Zahl auf 482 568. Auch das vierte Quartal»vcist trotz der ge steigerten Arbeitseinschränkung keine» Rückgang in der Belegschaft auf, sondern abermals eine Erhöhung von 11 739 Mann. Es ist also an- zunehmen, daß sich die Betriebe mit geringeren Arbeitsleistnnge» ei» zuschränken suchten, thatsächlich»vurdcn denn auch erst in diesem Jahre große Arbeitercutlassnngen gemeldet. Bedeutend ungünstiger gestalten sich aber die ErlverbZverhäll nisse für den Bergarbeiter,»ven»»vir das vierte Quartal in seiuem Ergebnis über die Lohnhöhe für sich bewachten. Hier ist der S ch i ch t bo h n ohne Ausnahme in allen Gruppen des BcrgiverkS betricbes abermals gegen den Jahresdurchschnitt zurückgegangen, und zivnr trete» Schwniikungen bis zn 13 Pf. auf. DaS Ergebnis liefert »vieder den BeiveiS, Ivie der Kapitalisnins bestrebt ist, die Folgen der schlechten Konjunktur niif die gewiß sehr dürftig bezahlten Arbeiter abzuschieben, die Dividende niutz gerettet»Verden, tveiin auch der Arbeiter dabei zu Grunde geht. Die Attsfnhrvergiiiigung ist. wie der Halbzeug-Vcrband den Werken mitteilt, auf 10 M. pro Tonne festgesetzt. Die Ausfuhr vergülung»vird gclvährt auf die nachiveislich bis zuin 30. Juni gethätigtcn Verkäufe nach dem Ausland, soivcit dieselben bis zum 30. September 1902 zur Erledigung kommen, und zivar bis zur Höhe von 33V» Prozent der im ziveiten Jahresviertel von den Werken des Halbze»ig-Verbandes bezogenen Mengen»veichen Flufr eifens. Die Bcnussichtigung und Festsetzung der bonifikations Pflichtigen Mengen erfolgt ausschließlich durch die Verkaufsstelle, und die Ausfuhrvergütung»vird nur auf solche Mengen geivährt,»velche die Werke zu ihren» eignen Gebrauch bezichen; auf Halbzeugende» »vird eine Vergütung nicht geivährt. Bedingung ist, daß die Ab- nehmer»nit außerhalb des Halbzeug-Vcrbandcs stehenden Werken nicht in Verbindung treten. Auslvärtige Anleihe»». Auch answärtige Staaten benutzte» die günstige Lage des Geldmarktes, im» ihren Anleihebcdarf zn decken. Zi'niächst' ist es Rußland, das uns gleich mit einem Betrage von 393 Millionen Mark beglückt. Seine Geldbedürftigkeit ist ein altes Uebel, dem das gegenivärtige Regiine»vobl nie eine Heilnug bringen»vird. Der große Pump stellt die Quittung dar für den Chinafeldzng und soll entsprechend der Tilgung der chinesischen Entschädignngsschnld in 39 Jahren zurückgezahlt»verde». Die Garantie ist von derselben Güte als der Schuldner. Auffallend ist es. daß die Franzose», die besonderen Freunde der Russen, dies- mal von der Aufdringlichkeit verschont bleiben, und nur die Deutscheu und die Holländer der ziveifelhaften Ehre teilhaftig»Verden. Sollte den guten Freunden noch eitvas Besonderes beschicden sein? Nicht minder hoffnungsvoll ist eine griechische Anleihe von 35 Millionen Mark für den Ausbau einer Bahnlinie, die zur Auflage angekündigt»vird._ GewevsrMzttfkliches. Berlin«nd Unigegend. Die Einführung einer Arbeitsordnung beabsichtigt der Verein der Wasch- und Plätta n st alts-Jn Haber V e r l i» s und der U»n g e g e» d. In seiner Generalversammlung gelaugte der Entivurf zu einer solchen zur Vorlage und Beratung. Derselbe sah drei Paragraphen vor,»velche besagten, daß Accord- arbeit nur zn vorher festzusetzenden Preise» stattzufinden habe, daß Lohnarbeit nur nach vereinbarten Preisen bezahlt»verde»» und daß eine Kündigungsfrist für beide Teile, Arbeitgeber und Personal, ausgeschlossen sein soll. Während die ersten beiden Punkte keinen Widerspruch fanden,»vnrde» gegen die Ausschließung jeder Kündignngs- frist vielfache Bedenken erhoben. Da die Ansichten nicht völlig zur Klärung g«la»lgten,»vnrde die Beschlnßfasstuig über die Arbeits- ordnung vertagt. DenischeS Reich. Aufruf! Da die Masscnanssperrnng der Weber in Greiz am 7. März I. I. ihr Ende erreicht hat, hält es die unterzeichnete Konnnission für ihre Pflicht, so bald als niöglich abzurechnen. Alle Kollegen,»velche noch im Besitz von S a m in e l l i st e n des G e>v e r k s ch a f t s k a r t e I l s Greiz sein sollte», gleichviel ob etivas darauf gezeichnet ist oder nicht, werden gebeten, dieselben bis zum 20. März an den Kassierer ' o t t h i l f R e i ß m a n u, Restaurant zur«Scharfen Eck", Greiz, gelangen zu lassen. Alle Arbeiierblätter»Verden um Abdruck gebeten. Die Centrnl-Lohnkommission. _ I. 81.: Oswald Heidel. Di« Stiliibnngrn deS derzeitigen„Correspondcni"-Re- dactcnrS unterlagen am Sonnabend in Leipzig der Begutachtung des Schöffengerichts. Drei Mitglieder der Bnchdrnckcr-Geivcrkschaft hatten gegen denselben Klage»vegen Beleidigung erhoben. Ein Flugblatt, das— von der Getverkschaft heransgegcben— den Kon- likt' in der„Leipziger VolkSzeitnng" behandelte,»var in»„Cor- refpondent" der Buchdrucker als das„Flugblatt der Pinkertons" bezeichnet»vorden, die Gelverkschaft»vnrde Pinkerton-Geiverk- 'chaft, die Mitglieder derselben»vurden PinkertonS ge- »aunt. Weiter hieß eZ, die Pinkcrtons hätten geschtvoren, ans der Bahn principiellen Streikbrcchertinns auszuharren. Den in diesen, Znsaminenhange»mverständlichen Rainen„Pinkertons" hatte R e x h ä n s e r geivählt,»veil er in der für de» Redacteur eines Slrbciterblattes allerdings sonderbaren mißverständlichen Auffafsimg lebt, nlit Pinkertons bezeichne mair in Amerika— Streikbrecher. Die Verhandlung hatte viermal vertagt»verde» müssen,»veil Rexhänser derselben immer»vegen Krankheit ferngeblieben»var; auch vor den» -Friedensrichter war er nicht erschienen,»veil er nicht länger mit den Klägern in einem Räume»veilcn»vollte, als er dazu gezivnngen »vürde. Das Urteil lautete»vegen der fonnellen Beleidigungen auf 25 M. Geldstrafe.— Hoffentlich ist damit die Angelegenheit erledigt und das»vcnig erbauliche Schauspiel einer Klage vo» Arbeitern gegen Arbeiter findet damit seinen Abschluß. Die Stnccatenre in Dresden wollen, nachdem die Unter- Handlungen mit der Innung resiiltatloS verlaufen sind, den alte» Tarif mit kleinen Abänderungen den Meistern einzeln vorlege». Bei den Meistern, welche den Tarif bis zum 25. März nicht unter- chrieben haben, soll am 1. April die Arbeit niedergelegt»Verden.— Alle Sluccatenre»vcrden gebeten, Dresden bis zur Regelung der Verhältnisse zn meiden. Der Ausstand bei Adam Schmidt in Saalfeld dauert fort. Vier von den„Arbeitsivilligen", zivei Böttcher, ein Tischler»nid ein Drechsler, sind»vicder abgereist. Die Hartnäckigkeit des Herrn chmidt»vird zur Folge haben, daß er»eine alten Arbeiter ganz verliert. Von de» Böttchern sind schon 5 Mann abgereist, 3 andere haben in andern Betrieben Beschäftigung erhalten. Ausland. Die Bächer-Anöspcrriulg in Göteborg. Das VerhandlnngS- komitee hat an» Freitag»viederum eine Sitzung abgehalten. Der Landeshauptmann Lagerbring legte einen Vermittelnngsvorschlag vor. der, nachden» beide Parteien darüber diskutiert halten, von den Vertretern der Arbeiter a n g e» o m»n e n. von den Unter- nehniern aber abgelehnt»vurde. Die Untcrnehnier»»achten darauf einen Vorschlag, der von den Arbeitern für unannehntb ar erkläi't»vnrde. Somit ist die Sitzung rcsultatlos verlaufen.— Der 13. nationale Kougresi der französischen Eisenbahner findet in Paris in den Tagen vom 20. bis 23. März inkl. statt. Die Tagesordnlmg ist eine sehr reichhaltige und zählt nicht weniger als 20 Punkte, nnter denen die Uebernahme der Eisenbahnen durch bei» Staat, die Erhöhung der Vcrbandsbeiträge und die Schaffung einer eignen Verbäudsdruckerci die»vichtigsten sind. Sociales. Beschränkung der Lchrlingshaltnng. Der Vorstand des Bundes deutscher Korbmacher-Innungen ist be- auftragt»vorden, alle dein Bunde angehörigcn Innungen auf- znford'ern, bei den zuständigen Behörde» dahin vorstellig zu»verde», daß der seiner Zeit von» Verbandstage gefaßte Beschluß, daß ein Meister nicht nichr wie drei Lehrlinge'zu gleicher Zeit halten dürfe, für die Innungen obligatorisch»verde. Veranlassung hierzu bot die Weigerung eines Meisters, diesem Beschlüsse iiachzulonnncu, da der- selbe keine Gesetzeskraft habe. DaS Gesetz Millerand- CoMard,»velcheS die Arbeitszeit in den Fabriken regelt, tritt mit dem 1. 8Ipril in seine zlveite Phase. Bekanntlich setzte das Gesetz,»velcheS am 30, März 1900 erlassen »vurde, die Arbeitszeit in den Fabriken für die ersten zivei Jahre ans II, die darauf folgenden zivei Jahre ans 10>/s„nd nach Ablauf dieser Frist ans 10 Stunde» fest. Das zlveite Stadiinn tritt mm am 1. April d. I. ein. Der Handelsministcr hat es nicht für über- flüssig erachtet, trotzdem die Thatsache den interessierten Industriellen genügend bekannt sein dürfte, es durch specielles Cirknlar nochmals zur Kenntnis derselben zu bringen. Anderweitige offizielle Beröffent- lichnngen werden außerdem erfolgen. Aus dov Fikmicu&euieiumg. Der Kampf gegen das Koalitionörccht der Frauen. In einer Mitgliederversaiiunluiig der Filiale des Deutschen Textilarbeiter-Vcrbandes in Miinchen-Gladbach verlangte der Polizei- konimissar die Entfernung der»vciblichen Mitglieder. Diesen» Ver- langen leistete der Vorsitzende keine Folge; daraufhin löste der Kon»- missar, trotzdem er auf das Ungesetzliche seines Handelns aufmerksam gemacht»vurde, die Vcrsanmiluiig auf. Gegen das Vorgehen des KomnnffarS ist Beschwerde erhoben»vorden. Die Polizeibehörde in M.-Gladbach halte im vorigen Jahre dieselbe Filiale als einen politischen Verein erklärt und dem Vorstände verboten,»veibliche Personen als Mitglieder aufzmiehinen. Es ka»» zur Klage und die Polizeibehörde»vnrde in allen Instanzen abgclviesen.' Angesichts dieser Thatsache ist das Vorgehen des Ä'oniiuissars um so auffälliger »nd ein lenchtender Beiveis für den gesetzlichen Sinn»nid die Gesetzeskcnntnis der Polizei._ Tapfere Proletaricrinuci». Die Sägelverksbesitzer des Sundvalls-Distriktcs in Schiveden hatten ihre Arbeiter gezivnngen, einen Kontrakt zu unterschreibe», durch den sie sich verpflichicte», keiner Organisation anzugehören. Nun haben sich an ihrer Sintt ihre Ehefrauen orgaiiisiert,»im so ein Ab>vehr»>iiticl gegen die innncr»»»verschämter»verdenden Lohn- reduktionen, die man ihren Männern bietet, zu bilden.— 3« von Gvmeittdewahlrn. Die Gcincindctvahlcn in RownweS zeitigten daS erfreuliche Ergebnis, daß unsre Genossen Hoffmann, Wagner und Hinze »nit 458 Stinnne» geivählt»vnrden, während die Gegner 113—116 Stimmen aufbrachten. I» FricdrichSfelde fehlten»nisren Genossen n»r»venige Stimmen an der Majorität. Während unsre Genossen P i n s e l e r und Kehr 351 bezlv. 349 Stinnnen erhielte», brachten die Gegner 357 beziv. 358 Stiuunen auf. Unsre Genossen»vollen die Wahl an- fechten. In Velten»vurde gestern Genosse Rudolf V ran er in die Geineindevertretmig geivählt. Unser Genosse erhielt 336 Stinnnen, ein Gegner»var nicht aufgestellt. Treptotv-Banmschulenwcg. Heute. Mittivochiiachinittag 4 bis 8 Uhr, findet im Paradiesgarten in Treptolv die Gemeindevertrctcr- »vahl für die III. Ableilung statt. Kandidat der Arbeiter ist der Tischler Franz Karo»v. Versäume kein Parteigenosse, sich recht- zeitig zur Wahl einzufinden. Die Ergebnisse der Ersatzivahken im vergangenen Herbst haben gezeigt, daß das Resultat der Wahl von einigen Stimmen beeinflußt»verde» kann. Die fällige Vereins- versaunnliing fällt der Wahl halber ans. A«S Groß- Lichteiffclde schreibt man uns: Unter der Spitz- marke:„In ihrer»Vahren Gestalt hat sich die Socialdcniokratie.. brachte an» Sonntag der hiesige sogenannte„Gemeinnützige", ein Blättchen geivöhnlichster Sorte, ein Geschreibsel gegen einige hiesige Parteigenossen, die de»„Kaiserhof" z» einer Konimunalivähler- Versannnlung in Aussicht genommen»md zu diesem Zivecke mit dem Oekonomen Götze Rücksprache gepflogen hatten, lieber diese Unter- redung bringt der„Gemeinnützige" einen Bericht, in den» eS unter andern» heißt:„8Ils ihi»en— de» Bevollinächtigtcn der Partei— aber von dein Inhaber des Lokals, Herrn Götze,»velcher, nebenbei gesagt, Mitglied des hier bestehenden Militärvercins „Knineradschaft" ist, bedeutet»vnrde, daß er sich znr Her« gäbe seines Lokales nicht verstehe» könne,»veil er sich dadurch gegen die Satzungen des Vereins auflehnen»viirde, sich nach einem andren Lokal»naznsehen, da beruhigten sich die Herren niit dieser Erklärung keiiiesivegS, sondern kündigten dem vollkonnnen in 'einem Rechte befindlichen Mann« an, daß infolgedessen kein Arbeiter mehr seine Räume betreten»vürde. Das geschah aber nicht etiva in angemessenem Tone, sondern unter so roben und»viderivärtigen Redeiveiidlingen, daß die an- ivcscnden Gäste es vorzogen, das Feld zu räumen, und Herr Götze »och geraume Zeit nachher vor 8lufregnng außer stände»oar,»vie 'onst seine Obliegenheit als Wirt zu erfüllen." Diese ganze Geschichte ist erlogen. Schon die Namen der beiden Parteigenossen Wenzel und Marquardt sind Bürgschaft genug, daß die Berhandlinigen in durchaus anständiger Weise geführt »vurden. Und das ist um so selbstverständlicher, als der Wirt des Lokals vorher ztveinial in die Wohnung deS e nossen Wenzel schickte»nd sagen ließ, daß er seinen Saal zn Bersamnilungen znr Verfügung stellen»volle. Genosse Wenzel begab sich alsdann zn Götze und dieser st e l l t e seinen Saal z»» einer öffentlichen K o n» m u n a l»v ä h I e r- B c r s a n» m I n n g an, 1 2. M ä r z bereit. Ain 4. März erhielt dann Genosse Wetzker, der mit der Sache gar nichts zn th»n hatte, folgendes Schreiben: Gr. Lichterfelde, den 4./III. 02. Hern» Wetzker! Betreffs meiner Bcspregung mit Ihnen kau» ich leider nicht nachkommen. Wie Sic bekannt ist. bin ich ang blos Pächter Hier, ich habe»nit der Brauerei Rücksprache genonnnen, ich»vollte es gern, aber ich kann ja nichts niagc»,»veil die Brauerei es nicht zngiebt also lehne ich die Versammlung die an» 12. d. M. slalt- »»»den sollte hiermit ab. Und zeigen Ergebenst Joh. Götze Kaiscrhof hier O st. 8l»f diesen Brief hin begaben sich die Genossen Wenzel und Marquardt znr Brauerei, Ivo ihnen von den Inhaber»» derselben erklärt»vnrde, daß sie von der Sache gar nichts»mißten und keinen Anlaß hätten, den Saal zu ve»iveigcr>«.— Der Saalinhaber Götze ließ nun ans Vorhalt durchblicken, daß er infolge des auf ihn geübten Druckes seitens der Gegner und deren Werlzeuge vercuilnßt sei. sein Wort zu brechen; er erbat sich noch Bedenkzeit bis zum nächsten Tage»achniittags �/z3 Uhr; um die Zeit erkundigte sich Genosse Wenzel � von Berlin aus tclephonisch nach dem Entschluß des Wirtes, der sich nunmehr endgültig tveigerte. sein fest gegebenes Versprechen zu erfiillcn. Damit fällt das ganze Lügengebäude des Lichterfeldcr Polizei blättchens vollständig in sich zusamnie». Klein-Schöncbcck und Fichtenau. An, Donnerstag den 20. M ä r z, nachmittags von 2— 4 Uhr, findet im Saale des Herrn Wolf in Klein- Schönebeck die Ge meindewnhl der dritten Wähle rklasse statt. Unser Kandidat ist Genosse Maurer G u st a v Schulz. Die Wähler der genannten Ortschaften werden ersucht, troh der ungünstige» Wahlzeit einmütig zu erscheinen, dann wird der Sieg auch unser sein Friedrichöhagen. Der G e m e i» d e w a h l k a m p f ist beendet Das Resultat ist:„Der vierte S o c i a l d e», o kr a t häl seinen Einzug in das Dorfparlament". Die Gegner hatten große Anstrengungen gen, acht;„fein und lieblich ist es. iven» Brüder einträchtig bei einander Ivohnen", waren sie geschlossen gegen „die nicht auf dem Boden des Gesetzes stehende Partei" auf marschiert. Die Herren vom Hans- und Grnndbesitzerverein, vom Neuen und Alten Ortsverein, von, Gastivirtsverein hatten ihre Interessen- Gegensätze und sonstigen politischen Meinungs Verschiedenheiten vergessen im Kampfe gegen die nnbot mäßigen Roten. Konservative, Antisemiten. Nationalliberale. Freisinnige, ja sogar„Demokraten" waren sich einig in der Parole:„Hinaus mit den Socialdemokraten ans dem Rathaus" Aber die Disciplin der Arbeiterschaft hatte die Hoffnungen der Gegner arg zu Schanden gemacht. Imposant war der socialdcmo kratische Stimmenzuwachs. Das wird ein Ansporn sein, nicht zu ruhen, bis auch das fünfte und letzte Mandat der dritten Klasse von den Socialdemokraten besetzt ist. AuS Friedenau wird uns zu den Gemeiudewahlei, geschrieben daß man aus ivohlerlvogencn Gründen diesmal von einer Be- thätigung abgesehen hatte. Steglitz und Friedenau bilden zusammen einen Wahlvercin. Da an beiden Orten der Partei keine allzu zahlreichen Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, so hatten die Mit glieder beschlossen, ihre ganze Kraft auf Steglitz zu konzentrieren wo ihr Wirken ja auch, wie der Sieg nnsres Kandidaten Schellhase mid die bei den Wahlen errungene hohe Stimmenzahl zeigte, von einem über Erivarten günstigen Erfolg gekrönt war. In Friedenau hätte auch eine»och so rege Agitation kein günstiges Ergebnis gehabt, da nur verhältnismäßig wenige Arbeiter am Orte wohnen Ui» einer Zersplitterung der Agitationskräfte vorzubeugen, beschlosien die Parteigenossen daher, sich an diesem Orte überhaupt nicht an den Gemeindeivahlen zu beteiligen, so daß die Meldung von einer Zähl kandidatur auf einem Jrrtun, beruht. Jin übrigen werden die Partei- genossen dafür sorgen, daß trotz des ungünstigen Bodens auch in Friedenau nnsre Bewegung fortschreite. Spandau. Die Ersatzivahl für den verstorbenen Stadt verordneten Magers sder dritten Abteilung) ist vom Magistrat auf Freitag, de» 4. April d. I., und ztvar in der Zeit von 10—-l Uhr und 5—7 Uhr festgesetzt worden. Diejenigen Wähler, deren Name mit einem der Anfangsbuchstaben A bis H beginnt, Ivählen im Saale von Müggenburg, Fischerstr. 9, I bis R Ivählt in der Palme, Ritterstr. 12, und S bis Z in, Roten Adler, Potsdamerstr. 6. Vevfattttnlungvn. Eine Herren-Maß- und Maß-Koufektionöschnrider-Vcr saiumlung tagte am Montag in Hübncrs Gescllschaftssäien, Chanssee' straße, und befaßte sich mit den Lohn- u n d A r b e i t s b e d i»- gungen in den drittklassigen Geschäfte» und mit den gegen Ivärtigen Vorgängen im Schneider- g e w e r b e. Der Referent Ritter schilderte eingehend, wie durch die eigentümlichen und verschiedenartigen Produktionsverhältnisse ini Schneidergclverbe eine so schrankenlose Ausbeutung möglich Ivird, und wie durch den Mangel an Organisation die Arbeiter nicht im stände sind, einen bestimmenden Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse auszuüben. Ein besonderes Uebcl bildet die sogenannte Maß- Konfektionsarbeit, die einerseits dazu dient, die ctlvas besseren Verhältnisse der Matzschneider zu untergraben, ohne den Könfektionsarbcitern dauernde Vorteile zu bringen, durch die andrerseits das kaufende Publikum übervorteilt ivird und die in dieser Hinsicht als unlauterer Wettbewerb anzusehen ist. Des weiteren geht der Redner auf die Bezahlung in den Ge- schäftcn für minderqualifizierte Arbeit ei» und tveist darauf hin, daß es thöricht ist, wenn die Arbeiter die Lohnhcrabsetzungen durch immer größere Ausdehnung ihrer Arbeitszeit auszugleichen suche», anstatt sich unter einander zu verständigen und sich zu organisieren. Dann geht der Referent auf die gegenwärtigen Lohnbewegungen in» Schneide, gewerbe ein und schildert besonders den bisherigen Verlauf des Miinchcner Streiks. Nach einer vorliegenden Mitteilung'z» urteilen, wird bei den Berliner Firmen Cohn u. Sohns F a b i s ch u. Laban d, Gottschalk Söhne und Elsbach Streikarbeit gemacht. Es muß»nt aller Kraft danach gestrebt werden, daß die Anfertigung von Streikarbeit verhindert wird. Dort, wo Nachweis- bar solche Arbeit hergestellt wird, muß eventuell in den Streik ge- treten werde».— In der Diskussion wurden eine Anzahl Geschäfte genannt, wo besonders schlechte Verhältnisse bestehen, wobei auch die Firma B a e r Sohn erwähnt wurde. Täterow teilte zwei Fälle plötzlicher Entlassung mit, die offenbar nicht mit guten Gründen motiviert werden konnten. Der eine Fall betrifft einen Arbeiter, der 10 Jahre bei C o h n u. S o h n thätig war, der andre einen Arbeiter, der im Geschäft von Weltmann Nachfolger thätig war. In diesem Geschäft besteht auch die Ein- richtung, daß die Arbeiten, die immer nachmittags 5 Uhr aus- gegeben werden, bis zum andren Tag zur selben Zeit fertig sein müssen, wodurch die Arbeiter gezwungen werden, Tag und Nacht zu arbeiten.— Am Schluß der Versammlung wurde mehrmals darauf hingewiesen, daß eine Beseitigung der vielen Uebelstände nur durch eine feste Organisation zu erreichen ist. Eine öffentliche Schuhmacher- Versammlnng, die am Montag im„Englischen Garten" tagte, sollte, wie der Referent H e r r m a n n sagte, die Antwort der Innung entgegennehmen auf das Ersuchen des GeselleiiauSschusses. in Verhandlungen einzutrete» luegcn der Durchführung des revidierten Minimnltarifs. Die Innung habe bis jetzt noch nicht geantwortet, ob sie für die Durch- sührung ist und ob sie überhaupt zu Verhandlungen bereit ist. So lange über die Haltung der Arbeitgeber nichts bekannt sei, müßten sich die Arbeitnehmer darauf einrichten, nötigenfalls durch Arbcitsuicderlegnng die Durchführung des Tarifs zu erzwingen. Sollte es zu einer Vereinbarung kommen, dann müsse sich die Innung verpflichten, durch ihren Arbeitsnachweis Stellen nur zu tarifmäßigen Bedingungen zu besetzen. Weiter führte der Referent aus, die Innung habe ein Bescheinigungsbuch eingeführt, welches die Arbeitsbedingungen enthält, die jeder Ärbeitnehnier unterschreibe» solle. Es ist dies ein Äontrvllbuch»ach Art des vor einiger Zeit von der Tischler-Jnnung vorgelegten. Das jetzt im Schnhmachergewerbc eingeführte Kontrollbuch enthalte unter andren, den ungesetzlichen Passus, daß für fehlerhafte Arbeiten Schadensersatz vom Lob» ab- gezogen werden solle. Dieser Passus mache das Kontrollbnch für die Arbeitnehmer unannehmbar. Gegen die sonstigen Bcstimmnnge» ließe sich nicht viel einwenden. Der Referent schlug vor. wo das Köntrollbuch vorgelegt wird, solle die Unterschrift verweigert weiden. Die Ortsverwaltung des Verbandes soll bei der Innung vorstellig werden, um die Streichung der bezeichneten ungesetzlichen Ve- stinnnung zu erwirken.— Nach eingehender Debatte stimmte die Versnnuulung durch Annahme einer entsprechenden Resolution dem Vorschlage Herrmanns zu. Eine Klcbcrversnmmlung, die von beiden Organisationen einberufen war, tagte am Sonntag bei Jannaschk, Jnselstraße. Strasser berichtete über den Erfolg des Streiks. Be- willigt haben bis jetzt 79 Firmen, nicht bewilligt haben 20 Firme», größtenteils solche, die schon lange als schlechte Zahler bekannt sind. 254 Kleber arbeiten zu den neuen Bedingungen, während sich 13 noch im Streik befinden. Der Redner bezeichnet die Resultate des Streiks als verhältnismäßig gute und empfiehlt namens der Lohn- kon, Mission der Kleber und der Scktionsleitung der Kleber des Verbandes, den allgemeinen Streik für beendet' zu erklären, ohne daß dadurch der Kampf gegen die Firme», die nicht bewilligt haben, ausgegeben werden soll. Dem entsprechend wurde nach längerer Diskussion folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung der Kleber Berlins und Umgegend beschließt, da der größte Teil der in Frage kommenden Unternehmer, und zwar die maßgebendsten, den Tarif für Klcberarbeit anerkannt und unter- schrieben hat, den allgemeinen Streik zu beenden.- Dagegen bleiben die Firme», bei denen Forderungen gestellt wurden, von denselben aber nicht durch Unterschrift anerkannt sind, so lange gesperrt, bis sie den Tarif unterschriebe» haben.— Die Versammlung erklärt serner, daß bei keinem Unternehmer unter den Tarifpreisen ge arbeitet werden darf; die Kollege» sind verpflichtet, sofort, wenn Äb ziige und Tarifdurchbrcchunge» versucht werden, dem Vorstand ihrer Organisation Mitteilung zu machen und jede Konsequenz zu ziehen. Ueber weitere Maßnahmen wird in öffentlichen Kleberversammlunge» beschlossen werden. Unbedingt ist jeder Kleber verpflichtet, für Stärkung und Ausbau der Organisation einzutreten." Der deutsche Metallarbeiter-Berbaud nah», in einer überaus stark besuchten außerordentliche» Generalversammlung, die am Sonn tag bei Buggcnhagen stattfand, Stellung zur diesjährige» Maifeier. Nach einem kurzen Referat Cohens bekundete die Versammlung ihre Stellung durch Annahme folgender Nesvlution:„1. In alle» Betrieben, wo �/s'der dortselbst beschäftigten Arbeiter vollberechtigte Mitglieder einer Organisation sind, sind dieselben verpflichtet, durch je eine Abstimnumg einen Beschluß über die Arbeitsruhe am I.Mai herbei zuführen. Entscheidet sich die Majorität für Arbeitsrnhe, so hat sich die Minorität diesem Beschluß zu füge». Der Ortsverwaltung ist spätestens 10 Tage vor dem 1. Mai von dem Beschluß Kenntnis z» geben. 2. Eine Beschlußfassung über die Arbeitsruhe am 1. Mai darf in keiner Gruppen- oder allgemeinen Versammlung gefaßt werden. 3. Aussperrungen und Maßregelnngen wegen der Arbeits ruhe am 1. Mai dürfen nicht mit Forderungen unsrerseits beant ivortet werden. 4. Bei Aussperrungen oder Maßregelungen wegen der Arbeitsruhe an, 1. Mai erhalten die davon betroffenen Mitglieder der Verwaltungsstelle Berlin Maß regelungs-Unterstütznng gemäß§ 3 des Ortsstatuts." Im zweiten Punkt der Tagesordnung: Wahl eines Bibliothekars, wurde von fast allen Rednern die Notwendigkeit eines ständigen besoldeten Bibliothekars anerkannt und wurde hierauf als solcher Lonis Müller, früherer Rcdactenr der Fachschrift der Former„Glück auf", per Acclamntion einstimmig gewählt. Einem Antrage Schintzlcr gemäß, eine besondre Bibliotbekskommission zu wählen, wurde statt- gegeben und wurden in dieselbe Louis Müller, Schintzler, P ä tz e l, M e Ii g l e r und W o l f r a m gewählt. Zum Schluß gab Cohen noch bekannt, daß die beschäftigten Kollegen in der Automobilfabrik zu Maricufelde, 250 an der Zahl, wegen Reducierung der Löhne in den Ausstand getreten sind, und bittet, dieselben in jeder Weise moralisch zu unterstützen. Die außerordentliche Gcneralversninnilnug des Verbandes der Möbelpolicrcr beschloß, die Filiale» voilBerlin und Umgegend in eine einzige Filiale zusainmenzulegen. Die Borstandswahl hatte folgendes Resultat: Vorsitzender G. Schulz, Kassierer M. Stor- dach, Schriftführer Otto Müller n. Als Bezirksleiter wurde» gewählt: für Osten B a, e» t h i n, SO. Schreiber, Norden Faust,,, ann, Nixdorf Begcritz, Friedrichsberg Giebel, Weißensee Schulz; in den Ausschuß S i l o f f, A m e l u n g sei,. Voltz, Leander und D ö r i ch t. Alsdann berichtet Schulz über den Streik in der Möbelfabrik Eiche, wo den Kollegen 1,50 M. pro Woche in Abzug gebracht war. Durch das geschlossene Auftreten der dort beschäftigte» Polierer konnte die Sache zu ihren Gunsten bei- gelegt werden. Ferner wurden die Ausgesperrten der Uniongesellschaft als gemaßregelt betrachtet. Die Vereinigung der Maler, Lackierer ic. hielt am 13. März eine gemeinsame Versammlung der Filialen von Berlin, Charlotten- bürg und Rixdorf ab, in der der Bericht vom Provinzialtag ent- gegen genommen wurde. Berichterstatter war Jakobeit; seine Ausstihrnngen wurden von B n s ch o l d und Klotz ergänzt. Vor der Wahl der Agitationskommission appelliert H ö f s an die Ber- ammlnng, auch' einen Lackierer in dieselbe zu wähle», jedoch ver- gebens. In die Kommission wurden Mie tz, R e b el und H o r» gewählt. Schöneberg. Zum vergangene» Donnerstag hatte die Kommission der vereinigten hiesigen Orts-Krankenkafscn eine öffentliche Versammlung einberufen, um Aufklärung zu schaffe» und Stellung zu nehmen in Sachen des L i ch t e r f e l d e r K r c i s- K r a n k e n- Hauses. Welche Bedeutung diese Angelegenheit in den beteiligte» Kreisen angenommen hatte, beiveist der Unistand, daß das geräumige O b st s ch e Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Auch de» größten Teil der Schöneberger Aerzte»nd eine große Anzahl Mit- flieder des Naturheilvercins sah man vertreten. vr. med. Röder- Schöneberg streifte auf Grund des vorhandenen Materials und an der Hand von Berichten und Statistiken über die genannte Anstalt die Erfolge der Bchandlungs- weile und stellte diesen gegenüber diejenigen in andern Kranken- Häusern, spcciell die hohe Sterblichkeit an Diphterie-Erkranknnge» im Kreis-Krankenhause, die vielleicht nnt durch das Fehlen einer chirurgischen Station verursacht wird. Gerade die arbeitende Be- völkerung habe ein Interesse daran, daß eine in jeder Bezichimg vertrauenerweckende BeHandlungsweise seitens des Leiters der Anstalt, Professor S ch w e ni n g e r, den Patienten gegenüber Platz greife.— Von verschiedenen Seiten wurden dann noch einige die Mißstände beleuchtende krasse Beispiele vorgeführt, die ja auch schon den Weg in die Oeffentlichkeit gefunden haben. Leider nahm die folgende Diskussion einen Charakter an, der den eigentlichen Zweck der Versammlung verwischte und nur zu einer Polemik mit den Anhängern der Naturheilmethode führte, so daß eine Resolution, die das Gebahrcn des Leiters der Anstalt ver- urteilte und sich mit der von der Stadtverordneten- Versammlung beschlossenen Sperrung des vertragsmäßig zu leistenden Beitrages von 52 300 M. einverstanden erklärte, nicht mehr zur Abstimmung gelangte. Die Besprechung der Angelegenheit soll vielmehr in einer nächsten Versammlnng fortgesetzt werden. Köpenick. Am Dienstag, de» 11. März hielt der hiesige social- demokratische Wahlverein eine Versammlnng im Lokal deS Herrn Ludwig, Marienftraße, ab. Mar Kiesel- Berlin referierte über Die Welt- und Heimatspolitik des Reichskanzlers". Die gntbesnchte Versammlung folgte nnt großer Anfmcrksainkcit den Ansführmigen des Redners, welcher den Zickzack-Knrs unsrer Wcltpolitik einer scharfen Kritik unterzog. Waidinannölust. An, Sonntag tagte hier eine Volks-Ver- ämmlung. Genossin Ida Altmann sprach über:„Die Be- dcutnng des 18. März für die arbeitende Bevölkerung." Lang- anhaltender Beifall lohnte am Schluß die Reduerin für ihre» trefflichen Vortrag. Unter Verschiedenes wurden die Anwesenden auf die noch stattfindenden Gemcindewahlcu in Dalldorf und Borsigwalde, sowie in Tegel aufmerksam gemacht und aus« gefordert, noch recht fleißig bis zu den Wahlen zu agitieren, da die Gegner sich vereinigt haben, um auch diesmal zu verhüten, daß socialdemokratische Vertreter in die Gemeindevertretung hinein- kommen. Die Versammlnng wurde mit einen, dreifachen Hoch auf die internationale Socialdemokratie geschlossen. Eeutral-Verbaiid der Haiidliingsgehilfe» und Gehilfinnen Teutschlands.(Bezirk Berlin.) Mittwochabend 9 Uhr in den Armin- hallen, Kommandantenftrabe 20, Vortrag des Rechtsanwalts Victor Frankel: Hexenwahn." Gäste find willkommen. Vittevaristszes. Von der„Komiimiialeu Praxis", Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gemeindesocialismus lherausgcgeben von Dr. Albert Südekum, Verlag von Kaden u. Co. in Dresden) ist die Nr. 6 des zweiten Jahrgangs erschienen. Ans dem Inhalt heben wir hervor: Praktische socialdemokratische Konimnnakpolitik.— Zun, Berliner Konflikt.— Die Kommunalabgaben auf Lebensmittel.�— Kommunales Wahlrecht.— Konimnnalwnhlen.— Arbeiterverhältniffe.— Die Gemeinden und die Arbeitslosigkeit.— Wohnnngslvesen.— Die Kommunaltvahl.reform" in Magdeburg.— Rundschau. Die„Kommunale Praxis" erscheint am 1. und an, 15. jeden Monats.— Preis vierteljährlich I M. Sämtliche Postanstalten(Postzeitungsliste Nr. 4116), Zeitungsspeditionen und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Der Verlag bittet uns noch um Veröffentlichung des Folgenden': Der e r st e Jahrgang der„Kommunalen Praxis" ist seit längerer Zeit schon vollständig vergriffen. Da aber immer noch Nachbestellungen und Anfragen einlaufen, so würde der Verlag einen vollständigen Neudruck besorgen lassen, wenn durch genügende Voraus- b e st e l l» n g e n eine Deckung der Kosten zu erwarten stände. Interessenten werden deshalb gebeten, Bestellungen möglichst bald an den Verlag von Kaden u. Co., Dresden. Zwingerstr. 22. zu richten. Den socialdemolratischen Vereinsbibliotheken, Gemeinde- Vertretern, Agitationskoiiimissionen usw. bietet sich hier die Gelegen- hcit, ein sehr reichhaltiges und dauernd wertvolles Material zu den Frage» der Gemeindepolitik zu erwerben. Die Partei- und Gewerkschaflsprcsse wird im Juteresse der Sache um Nachdruck dieser Notiz ersucht. Reichstagswahl in Rastenburg- Gerdanen. Ueber den Ausfall der gestrigen Wahl erhalten wir folgendes Telegramm: Gerdaue», 18. März.v a l t u n g Berlins vorhandenen, von socialdem akratischer Seite aufgedeckten Mißstände zu bemänteln, für die Lobhudler der Berliner„Muster- Verwaltung" ein so böscS Ende genominen wie in diesem Obdach- streit.—_ Die Stadtverordneten- Versammlung hat in ihrer Sitzung am Donnerstag, nachinittags S Uhr, u. a. folgende Gegenstände der Tagesordnung zu erledigen: Wahl des 3. Beisitzers.— Fortsetzung der Berichterstattung des EtatsauSschnsscs über die nachstehend bezeichneten Etats für das Etatsjahr 1902 und zwar: Krankenhans Moabit, Krankenhaus an» Urban, Krankenhaus Gitschinerstraße. Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhans, Irren« und Jdiotenanstalt in Dalldorf, Irrenanstalt Herzberge in Lichtenberg, Anstalt für Epileptische„Wnhlgarten" bei Biesdorf, Badc-Anstalten, Desinfektions- anstalt in der Rcichcnbergerstraße, Heimstätten für Genesende und verschiedene Einrichtungen für die öffentliche Gesundheitspflege.— Berichterstattung über die Vorlagen betreffend das Ortssta'tnt II vom 7./19. März 1877 und die Erhebung von Beiträge» in Gemäß- heit des§ 9 des Kommnnalabgaben-GesetzcS vom 14. Juli 1893.- Vorlagen: betreffend: die Errichtung eines Hauses für 64 sieche Männer bei der Irrenanstalt Hcrzberge in Lichtenberg.— die lieber- nahine der„Rudolf Bacb-Stiftung" in die städtische Verwaltung,— den Erlverb eines Grundstücks zun, Zwecke der Anlage von Brunnen für das Wasserwerk Tegel,— Fortsetzung der Berichterstattung deS Etats-Rnsschusses über die nachstehend bezeichneten Etats für das Etatsjahr 1902, und zwar: Waffenpflege im engeren Sinne, sowie Fürsorge für eingesegnete Waisen,— Unterbringung ver- wabtloster Kinder,— Park- und Gartenverivaltung.— nicht zu», Personal- Besoldungsetat gehörige Stellen,— Verivaltung der �Pureau-Dienstgebäude und der außerhalb derselben belegene» Bureaus,—'Geschäftsbedürfnisse und Prozeßkosten.— Dienst- Pensionen, Witwenpensionen und Waisengelder, sowie außerordentlich MittmH. 19. Ml! 1902, bewilligte Pensionen, Unterstützungen uud Erziehungsgelder, Strafen- reiniguiig uud Bespreugung, Abladewesen, Geineinde-Friedhöfe, Civil- standsämter, Kanalisationslverke und Rieselfelder, Hauptkasse der städtischen Werke, Viehnrarkt, Schlachthof. Fleischschan auf den, Schlacht- hose, Wassertverke, Markthallen, Hochbau und Straßenbeleuchtung.— Vorlagen, betreffend die Aenderuug des Ortsstatuts für die Kana- l i s a t i o n von Berlin— die Anlegung von Straßen auf de», Ge- läude der Aktien-Gesellschaft N e u- B e ll e v u e zwischen der Strom- straße, der Straße Alt-Moabit. der Straße 30. der Levetzowstraße und der Spree, sowie einer Fußgänger- Sprcebrücke(Abt. VII des Bebauungsplaues) uud die Ausführung von Neubauten auf den städtischen/Rieselfeldern. Ungültige StadtratSwahl. Die an, vorigen Donnerstag vollzogene Wahl des Baukdirektors Louis Jordan-Charlotteuburg znm unbesoldeten Stadtrat von Berlin soll, wie an, Dienstag- abend in der Fraktion der Alte» Linken ausgeführt wurde, gesetzlich ungültig sein. Nach der Städte-Ordnung kann nur ein Bürger von Berlin zu», unbesoldeten Stadtrat erwählt werden. Jordan ist aber nicht Bürger von Berlin und wohnt in Charlotten- bürg, während vorgeschrieben ist, daß die unbesoldeten Stadträte am Orte ihrer Wahl wohnen müssen. Es bleibt der Stadtverordneten-Versammlung, da eine nach- trägliche Verleihung des Bürgerrechts nicht zulässig ist, Iveiter nichts übrig, als auf Antrag des Gewählten ihm das Bürgerrecht zu verleihen und dem Magistrat zu ersuchen, diesem Be- schluß beizutreten. Geschieht dies, dann kaun die Wahl vorgenommen werden, vorausgesetzt, daß dann auch Herr Jordans schon in Berlin wohiit. DaS Kuratorium des städtischen Ceutral-BIchhofS beschäf- tigte sich gestern(Dienstag) eingehend mit der Frage der neuen Ans- schreibung, betr. die pachtweise Vergebung der Viehhofs-Restauration und beschloß, die Prüfung der eingegangenen Offerten einer S u b- kommiffion z» übertragen. Dieselbe wurde sofort gewählt uud soll in der auf nächsten Montag anberaumten Sitzung Bericht er- statten. Gegen den Burcnuvorsteher, welcher bei der frühere» Aus- schreibung die Bietungskautioueu, augeblich infolge einer telephonischcn Aniveisung, vorzeitig hat zurückzahlen lassen, ist ein Ermittlung 3« verfahren eingeleitet worden. Der zwischen Bolle und Ring geschlossene Vertrag kau, gestern in einer Versammlung der Milchcentrale zur Sprache. Die „Voss. Ztg." bringt unter andern, folgende Mitteilungen über die Verhaudlüugc»: Nachdem Herr Ring sich vergewissert hatte, daß zu der Versammlung nur Eingeladene erschienen waren, stellte sich heraus, daß von den Aufgerufenen nur ein Viertel erschienen lvar. Allem Anschein nach waren nur solche Genossen uud Genossen- schaften geladen worden, die mit der Finna C. Bolle bis zun, 1. April noch einen Vertrag haben. Herr Ring führte sodann aus: Der Zweck der VersaUnnlung sei, den Genossen mitzuteilen, daß es den, Vorstand der Centrale geliuigen sei, niit der Firma C. Bolle einen Vertrag abzuschließen, der unter den gegenwärtigen Umständen als günstig bezeichnet werden könne. Zunächst seider bekannte Bollesche Milchliefernngs-Vertrag in zwei Punkten wenrgflens zu Gunsten der Produzenten geändert worden. Der Fettgehalt v o n 3 P r o z. sei auf 2,7 P r o z. h e r a b g e s e tz t w o r d e». Herr Bolle zahle nun für den Liter Milch Xi}/2 P f. frei Berlin, und 2 Pf. solle er an die Centrale zahle», Der letzte Satz klang sehr matt, so daß er von den meisten über- hört ivorden ist. Der Vertrag dauere bis 1. Oktober 1903, also IVe Jahre. Herr Ring ermahnte dann festzuhalte», da sonst wieder die Zeit kommen werde, in der sie wie früher 7 bis 8 Pf. für die Milch bekommen würden. Herr von Alveusleben lobte den Vorstand für das erfreuliche Resultat, welches durch diese Abmachungen erreicht worden sei. Einige Genossen fragten aber ganz beherzt an, wie e§ denn mit den, halben Liter stehe, das die Bolleschen Kannen mehr halten, wer dieses halbe Liter bezahle, wer die Gefäße reinige, und wer die Fracht bezahle. Herr Ring teilte jedoch nur mit, daß Herr Bolle gester» die erste Milch, und zwar 10 000 Liter erhalten habe. Die Centrale müsse der Firma C. Bolle die TrauSportgefäße leihe». Ferner sagt Ring, daß alle gegenteiligen Mitteilungen in den Berliner Zeitungen unwahr seien, nur die„Deutsche Tageszeitung" habe die Wahrheit berichtet. Sodann stellt ei» Genosse die Frage, ob die Genossen jetzt auch an die Milchhändler zu denselben Be- dingungen verpachte» könnten. Das bejahte Horr Ring. Darüber, wie die Centrale die 2 Pf. mit Bolle verrechne, Aufschluß zu geben, fand Herr Ring nicht für nötig. Zun» Schluß der Versammlung teilte Herr Ring init, daß am 1. April die neue P o l i z e i v e r o r d n u n g in Kraft trete, in der an Stelle der Vollmilch d i e M a r k t m i l ch tritt. Er bemerkte, daß die„armen" Milchhändler allerdings den Zeitpunkt der Verordnung hinausgeschoben wissen wollten, weil sie jetzt kein Geld' hätten, um die notwendige» Veränderungen, die die neue Verordnung bedingt, auszuführen, aber ihr Ein- spruch habe nichts genützt. Mit dem Hinweis darauf, daß die Genossen bis Donnerstag früh ihr Einverständnis zu dem Bolleschen Vertrag geben müssen, schloß Herr Ring die Versammlung. Was die„Verrechnung" zwischen der Centrale und der Meierei Bolle anbelangt, so weiß das erwähnte Blatt, daß Herr Bolle seine Molkerei der Centrale zur Verarbeitung ihrer überschüssigen Milch zur Verfügung stellt und daß er dafür der Verpflichtung enthoben ivird, sür jedes Liter Ringmilch 2 Pf. an die Centrale abzuführen. Herr Bolle hat demnach ein gutes, sehr gutes Geschäft gcniacht. Aber auch die Centrale kann zufrieden sein, da sie 30000 Liter abstößt und ihre Molkerei in der Schillingstraße entlastcu kann. Ohne das Entgegen- kommen Volles wäre ihr Zusammenbruch wohl nur noch eine Frage weniger Tage gewesen. Sehr schön ist die Harmonie zwischen dem LandwirtschaftS- minister v. Podbielski und Herrn Ring in der Angelegenheit der Milchverordnuug. Kein Mensch außer Herrn Ring wußte bis dahin, daß die neuen, der Milch- Centrale günstigen Polizeibcstimmungeii. welche znm Schaden des Publikums den Fettgehalt der Milch herab- setzen, zur Wirklichkeit werden sollen. Den Staat gerettet hat an, Montag wieder einmal die für- sorgliche Polizei. Als anläßlich der Beerdigung des Genossen B r e s ch k e der Trauerkondukt in die Hermannstraße in Nixdorf kam, verlangte die Polizei, die in der Stärke von 3—10 Beamten er- schienen war, von den Kranzträgern kategorisch die Entfernung der roten Schleifen. Dem Verlangen mußte, um weitere Störungen zu vermeiden, schließlich stattgegeben werden. Peinlich achtete die Polizei auf de», weiteren Wege darauf, daß auch kein Zipfel der staatSgefährlichcn roten Schleife aus den Taschen der Kranzträger hervorlugte. So etwas errege„Aergernis". Bei wem wohl? Mordversuch und Selbstmord. Im Hause Arndtstraße 16 ist gestern eine B l u t t h a t verübt worden und der Thäter hat sich gleich darauf selbst unigebracht. I» dem Hause wohnte im Erd- geschoß seit längerer Zeit der 74 Jahre alte verwitwete pensionierte K r i m i n a l s ch u tz m a n n Kreuz mit seinen, Sohne, einem Post- chaffner, der seit Oktober vorigen Jahres verheiratet ist. Der Sohn hatte sich nach dem Tode der Mutter vor zwei Jahren verheiratet, und die junge Frau führte den beiden Männern die Wirtschaft. Der Schlviege, vater aber war zn liebenswürdig gegen seine zweiund- zwanzigjährige lebenslustige Schwiegertochter und belästigte sie wahrscheinlich auch mit ungehörigen Zunuitungen. Daher gab es oft Reibereien. Der junge Kreuz gab sich alle Mühe, das Verhältnis zu bessern. Das fchic» ihm in der letzten Zeit auch ge- lunge» zu sei». Zum 1. April hatte die Familie eine größere Wohnung gemietet. Gestern früh kam es aber plötzlich zur Katastrophe. Nachdem der junge Kreuz in Dienst gegangen war. Korten HciilS-,enossen in der Wohnung einen Wortwechsel. Bald darauf kam die jimge Frau heraus, ihr Schwiegervater zog sie aber wieder herein mit den Worten:„Komm nur, mein Tvchterchen. ich thue Dir nichts!" Kaum ivar die Thür wieder geschlossen, da fielen im Zimmer z w e i S ch ii s s e. Im selden Augenblick öffnete sich ein Fenster. undFrauKreuz st ü r z t e s i ch' b l u t e n d n n d u m Hilfe rufend auf die Strasje. Hier brach sie zusammen. Wahrend Hausgenossen, Maler, die auf dem Grundstück arbeiteten, und Leute von der Straffe sich ihrer annahmen, schloff der alte Kreuz Thüren und Fenster und tötete sich durch einen Revolverschuff in die rechte Schläfe. Frau Kreuz wurde zu ihrer Flnrnachbarin getragen. Aerzte, die man herbeirief, stellten zwei Schutz, vnnde» fest. Der Schwiegervater war ihr nach dem Fenster zu gefolgt und hatte ihr eine Kugel unter die rechte Achselhöhle»nd eine ziveite in den Rücken gejagt. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde die Schwerverwiuidete nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Die Leiche des alten Mannes brachte man nach dem Schauhailse. Der junge Kreuz befand sich während des Drama« auf seiner Dienststelle. Der„Bmikie,;" Opitz, der noch innner sein Strafconto zu begleichen hat, wird allem Anscheine nach strafrechtlich nicht zur Wer- antwortnng gezogen werden können. Bei dem ersten gegen ihn an- stehenden Hanptverhandlnngstermi» wurde bekanntlich beschloffen, Opitz zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer öffentlichen Anstalt zu überiveisen. Diese Beobachtung hat in Herzbcrge stattgefunden. Das nunmehr vorliegende ärztliche Gutachten geht dahin, daff Opitz zur Zeit sich im Zustände der Geistesstörung befinde und aller Wahrscheinlichkeit sich auch schon zur Zeit der Strafthaten in einen. Zustande befunden habe, der nach 8 bl des Strafgesetzbuches seine' Strafbarkeit auSschlietzt. Die Untersuchung deS Gatten-MordtzersucheS in der KrauSnick straffe ist jetzt zu einem gewissen Abfchlnff gekommen. DaS bisherige Ergebnis ist, daff man Frau Schilling in Unters nchungs- Haft gesetzt, Faust, Frau Schneider und deren Sohn, die gestern verhaftet worden lvare», dagegen wieder freigelassen hat. Em Arzt hat bei Schilling eine Gasvergiftimg festgestellt. Seine Frau be- streitet aber nach wie vor, den Gashahn geöffnet zu haben, spricht vielmehr die Vermutung aus, daff ihr Mann es selbst gethan habe, um sie zu verdächtige». Faust kann nicht leugnen, daff er mit Frau Schneider und ihrem Sohne Frau Schilling beim„Rücken" geholfen hat, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben stellt er jedoch in Abrede. Durch ein Läutewerk ist in der vergangenen Nacht ein Einbrecher gefangen worden. Der mehrfach bestraste frühere Möbel- Polierer Scidlitz hatte einer Butterhandlung in der Winsstratze 64 einen Besuch zugedacht, übersah aber beim Rekognoszieren das Läutewerk, das vom Laden nach der Wohnung führt. Als er daher einbrach, wurde der Geschäftsinhaber sofort geweckt und überraschte ihn bei der Arbeit. Der Verbrecher floh zwar die Treppe hinauf niid versteckte sich in einem Nebenraum, wurde aber bald heraus geholt und der Polizei übergeben. Diese Läutewerke haben sich in der letzten Zeit schon öfter bewährt� nur müssen sie so angelegt sein, daff man sie nicht gleich sieht. Mit einer gefälschten Sammelliste geht eine unbekannte Frauensperson in Schöncberg umher. Sie nimmt Beiträge für das Waisen-Erziehungshaus in Plötzeusee entgegen, um ihr« eigne Tasche zu füllen. Daff sie Erfolg hat, beweisen Anzeigen von geprellten Leuten. Die Schwindlerin ist etwa 21 Jahre alt, 1,63 Meter groff. dunkelblond, schlank und blaff. Sie trägt einen Kneifer, ein dunkles Jackett und Kleid und eine» schwarzen Hut und tritt sehr dreist auf. Bon seinem eigne» Wage» überfahren wurde gestern, Dienstagvonnittag um 10 Ilhr in der Schillerstraffe zu Charlotten- bürg der Milchhändler Wilhelm Schöpe aus der Krummestraffe 24. als er absprang, um sein durchgehendes Pferd, ein junges Tier, das er fich zur Aushilfe geliehen hatte, anzuhalten. Der Verunglückte erlitt schwere Verletzungen am Oberschenkel. Das davonjagende Pferd wurde dadurch angehalten, daff ihm ein Bierfahrer seinen Wagen guer in den Weg stellte. Daö Polizeipräsidium teilt mit: In der Nacht zum 10. d. M. gegen l1/» Uhr, sprang die Ehefrau K. am Planuser in der Nähe des Urbanhafens, nach voraufgegangenem Wortwechsel mit ihrem Geliebten, in selbstmörderifchcr Absicht in den Landivehrkanal und ertrank. Der Vorgang soll von mehreren Passanten, die zur Zeit Rettungsversuche angestellt haben, beobachtet worden sein. Personen, die zu dieser Angelegenheit Angaben machen können, werden er- sucht, sich in den Vormittagsstunden im Polizeivräsidium Zimmer 334 zu melden oder zu J.-N. 2T7S IV/16 02 Nachricht zu geben. Feuerbericht. Nach zweitägiger vollständiger Ruhe hatte die Feuerwehr im Laufe des gestrigen Tages wieder zahlreiche Alar- mierungen zu verzeichnen. Dienstag früh 8 Uhr Ivnrde sie»ach der Alten Jakobstr. 146 gerufen, Ivo in einer Wohnung des ersten Stock- Werks Watte, Betten und Kleidungsstücke Feuer gefangen hatten. Bei den Löschversnchen zog sich eine Frau Lahns Brandwunden an beiden Hände» und im Gesicht zu, die ihr von den Samaritern der Feuerwehr verbunden wurden. Kurz nach 10 Uhr war in der Bellcrmannstr. 81 durch Ueberkochen von Fett in einer Bäckerei Feuer entstanden, das indes im Keime erstickt werden konnte. Ein ähnlicher Brand rief die Wehr Montag gegen Abend nach der Behrenstr. 26 a, Lützowstr. 40 muffte ein gröfferer Wohnungs- brand abgelöscht werden, der in der Hauptsache Möbel, Immobilien und Kleidungsstücke beschädigte. In der Alten Jakobstr. 139 muhte Dienstag nachmittag ein Brand abgelöscht werden, der den Fnffboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Betten, Gardinen und Kleidungsstücke gingen in der Turmstratze 74 imd Fchrbellinerftratze 4 in Flammen auf. Aufferdem erfolgten noch Feuermeldnngen von der WilSuackerstraffe 16, Nene Jakobstraffe 12, Tilsiterstratze 88 und Ackerstraffe 68. In alle» Fällen handelte es sich jedoch nur um unbedeutende Brände, deren Ablöschung in kurzer Zeit erfolgen konnte._ SlnS de» Nnchbarorien. Die RIxdorfer Stadtverordneten-BersammUmg vollzog am Montag in einer anfferordcntlichen Sitzung die Beratung und Fest- stellung des Etats für das Rechnungsjahr 1302. Die Verhandlung ging ziemlich glatt von statten. Nur wenige Positionen führten zu kürzeren Debatten. So verlangte N o st e r, daff für das Setzen von Denkmälern, für das Pflanzen von Sträucher» ic. auf den Gemeindefriedhöfen Abgaben erhoben würden. Der Antrag wurde ab- gelehnt. Beim Etat der höheren Schule wandte sich Stadt- verordneter Dr. S i l b e r st e i n(Soc.) gegen die g l e i ch m ä ff i g e Erhöhung des Schulgeldes für die Realschule und das Proghinnasinm von 80 auf 100 M. Die Eltern, die ihre Kinder das Gymnasinm besuchen licffen, könnten mehr zahlen. In Berlin begnüge man sich mit einem Schulgeld von 80 M. für die Rcalschnle. Bürgermeister Voigt trat dem Redner entgegen, während Stadlv. Belff beipflichtete. Die Mehrheit beschloff nach derMagistratsvorlage.— DieBeihilfe für die freiwillige Feuerwehr wird von 6000 ans 7000 M. erhöht.— Eine Anfrage des Stadtv. Conrad, betreffend den SchulbcitragSstreit gegen die Stadt Berlin, wurde dahin beantwortet, daff anfangs April vor dem BezirksanSschuff Termin anstehe. Bürgermeister Voigt teilte dazu mit, daff der Kultusminister die Regierung veranlatzt habe, die Stadtgemeinde Rixdorf anzuweisen, ihre Ansprüche gegen Berlin mit aller Entschiedenheit zu vertreten.— Unter Armen-, Waisen- und Krankenpflege werde» vorgesehen 1850 M. an den Verein Lenzheim für 40 Freistelle» in der Sonimerpflegestätte zu Schreiberhau, 350 M. au den Verein Brandenburger Kinder- Heilstätte in Kolberg für sechs Feistellen, 1000 M. an den Freiwilligen Erziehungsbeirat zur Einrichtung von Ferienkolonien. Stadtv. N o st e r beantragt, die letzten 1000 M. zu streichen. Dieser Antrag wird abgelehnt. Es bleibt bei de» 1000 M.— Unter„Erwerb von Grundstücken" werden ISO 000 M. an Kaufgeld und Nebenkosten für ein zum Bau einer städtischen Krankeuanstalt zu er- werbendes Grundstück eingestellt.— Stadtv. Ost ermann(Soc.) schildert die primitiven Berhältnisse in der Rixdorser Kranken- anstatt, die geradezu polizeiwidrig seien, und ersucht den Magistrat, den Neubau beschleunigen zu wollen. Erster Bürgermeister B o d d i n meinte, die Notlvenbigkeit eines gröfferen Krankenhauses für Rixdorf werde ohne weiteres anerkannt. Die Stadtgemeiude allein könne aber den damit ver- knüpften finanziellen Anforderungen nicht genügen. Der Magistrat wolle dem RegimmgSpräfidenten die Dinge klarlegen und ihn bitten, seinen Einfluß höheren Orts dahin geltend zu machen, daß in Rix- dorf ein Staatsiustitut errichtet werde, zu dem die Gemeinde bei- steuern solle.— Stadtv. Conrad(Soc.) bezweifelte, daff sich der Staat dazu herbeilassen werde, und meinte, die Gemeinde solle sich aus sich verlassen und die Angelegenheit beschleunigen. Aus seinen Erfahrungen als Kassenbeamter teilte Redner verschiedene Thatsacheu mit, die erweisen, mit welcher Schwierigkeit die Unter bringuug von Rixdorfer Kranken verbunden ist.— Der Etat balauziert nach der endgültigen Feststellung mit 2 341000 M. Der Steucrplan wird wie folgt festgesetzt: Gemeinbe-Eiukommen- stener 150 Prozent, Gemeinde-Grundsteuer 251 Prozent. Gemeinde Gewerbesteuer 200 Prozent. Die Betriebssteuer ist im Etat auf 3500 M., die Lustbarkeitsstcuer auf 8000 M., die Bierstcuer auf 56 000 M., die Hundesteuer auf 31 000 M. veranschlagt. Eiucu schauerlichen Selbstmord verübte am Montagabend der Hermamiplatz 7 wohnhafte 37 Jahre alte Schlosser Wilhelm Holzapfel, indem er sich aus seiner im vierten Stock belegencu Wohnung auf die Straffe stürzte. Mit gebrochenen Gliedmaffeu und schweren inneren Verletzungen wurde H. aufgehoben und nach dem Britzer Kreis-KrankenhauS geschafft. Auf dem Transport dahin ver- starb er jedoch. H. lebte mit seiner Frau in kinderloser Ehe. Seit 8 Tagen hatte er, nachdem er 4 Monate arbeitslos gewesen, wieder Arbeit, doch war ihm der Verdienst zu gering. Dies wirkte dennaffen auf seinen Gennitszustand. daß er beschloff, seinem Leben ein Ende zu mache». Gleichsalls wegen zu geringen Verdienstes vergiftete sich Man tag-Vormittag der in der Treptower Anilinfabrik beschäftigte Arbeiter S t a n i tz t i, Erkstr. 1 in Rixdorf wohnhaft. St. war krank gewesen und erhielt daher eine leichtere Arbeit, bei welcher er nicht so viel verdiente als früher. AuS Verzweiflung hierüber vergiftete er sich mit Salzsäure. Er starb bald darauf in seiner Wohnung. Durch daS Eis deS Müggelsees, das sich am Sonntag bei dem sehr heftigen Südwestwinde in Bewegung setzte, ist dem Besitzer des bekannten„Straudschloff" ein empfindlickier Schaden zugefügt worden. Die etwa hundert Meter lauge Dampferbrücke am See ist von sich auftürmenden Eisschollen zerstört worden. Mehrere Personen, die auf der Brücke standen, vermochten nur mit knapper Not ihr Leben zu retten.— Bei Schmöckwitz wurde ein groffer Kahn durch Eisschollen so beschädigt, daff er nur mit schnell herbeigerufener ftemder Hilfe gerettet werden konnte. Gevirfiks-Jeikung. Eine Rixdorfer Stadtverordnetenwahl vor drm Ober- BerwaltungSgrricht. Wichtige Rechtsfragen wurden wieder in einem Prozeß aufgerollt, den gestern das Ober- P erwaltungs- geeicht zu Ungunsten des s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Klägers entschieden hat. Am 18. Dezember 1900 war bei einer Stadtverordneten- Ersatzwahl in einem Wahlbezirke Rixdorfs ei» a n S b e s i tz e r zu wählen. Die Sociakdcmokraten hatten den ischlermeister Schneider als Kandidaten aUkgestellt. Als mittags bekannt wurde, Schneider solle nicht als HWisbesitzer bezw. Rieß- brancher anerkannt werden, vereinigten sich die Stimmen der später erscheinenden Wähler ans den Kanfmann Kublmey. Es erhielten Schneider 109 Stimmen, K u h l m e y 102 Stinimen, der büraer- liche Kandidat Steiiisctzmcister Wickel 6 Stimmen und der Schlosser- mcister Donner 3 Stimmen. Der Wahlvorstand vertagte nun nach der Wahl die Feststellung des Resultats auf den andren Vor- mittag, um erst die Wählbarkeit Schneiders imd KuhlmeyS festzustellen, und erklärte dann Herrn Wickel mit seinen 6 S t i m m e n für gewählt, indem er die für Schneider und für Knhlmey abgegebenen Stimmen als ungültige Stimmen nicht mitzählte, weil jene beiden Kandidaten nicht vollgültige Hausbesitzer oder Iiieffbrau-iier im Sinne des§ 16 der Städte-Ordmmg seien.— Der Parteigenosse Pohl legte Einspruch ein und klagte, als die Stadtverordneten-Versammlung die Wahl Wickels für gültig erklärte. Der Bezirlsausschuff gab der Klage statt und erklärte Wickels Wahl für ungültig, weil dem Wahlvorstand eine Nachprüfung der passiven Wählbarkeit deS Kandidaten nicht zustehe lind er deshalb auch die Stimmen für Schneider und Knhlmey auf keinen Fall hätte für ungültig erklären dürfen. Er hätte vorliegend eine Stichwahl ausschreiben und es später der Stadtverord- n e t e n- V e r s n m m l u ii g überlassen müssen, sich über die Gültig- keit der Wahl selber schlüssig zu mache». Gestern beschäftigte sich nun das Ober-Verwaltuiigsgericht mit der Berufung der Stadtverordneten-Versammlung. Diese war durch BNrgenueister Voigt, der Kläger, Schriftsetzer Pohl, durch Rechts- an w alt Wolfgnng Heine vertreten. Beide Vertreter legten des längeren ihre» gegensätzlichen Staudpunkt, auch bezüglich der HauZbesttzerqnalität von Schneider und Knhlmey dar. Der zweite Senat unter dem Vorsitz des Herrn v. Roou hob die Vorentscheidung auf und erklärte die W a h l Wickels mit folgender Begründung für gültig: Die Feststellung des Wahlresultates durch den Wahlvorstand am Tage nach der Wahl sei nicht gesetzwidrig. Auch nehme der Senat an, daff der Wahlvorstand, da er das Ergebnis festzustellen habe, nicht nur das Recht haben müsse, sich die Wähler anzusehen. sondern auch das, die Wählbarkeit der Kandidaten nachzuprüfen und das Ergebnis dieser Nachprüfung zu berücksichtigen. Im andren Falle könnten gültige Wahlen mit Leichtigkeit verhindert werden und das könne das Gesetz nicht gewollt haben. Sei in einem Wahlbezirk nur ein Stadtverordneter zu wählen und müsse dieser ei»„Hausbesitzer"(Eigentümer. Nieffbraucher-c.) sein, dann sei jeder, der i» diesem Wahlgauge einen N i ch t- Hausbesitzer wählt, so zu bchaudeln. als wenn er komme und sage: Ich wähle gar n i ch t I Seine Stimme sei un- gültig und nicht mitzuzählen. Somit komme eS hier darauf an. ob Schneider mit seinen 103 Stinimen und ob Knhlmey mit seinen 102 Stimmen Hauseigentümer bezw. Nieffbraucher im Sinne deS 8 der Städte-Ordming feien. Schneider. bei dem das Nieffbranchrecht am Hause seiner Frau be- hauptet werde, könne deshalb nicht als Nieffbraucher anerkannt werden, weil sei» Nieffbranchrecht am Wahltage noch nicht in das Grmidbiich eingetragen gewesen und deshalb nicht dinglich im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs gewesen Mei. Bedenklicher fei die Sache bei Kuhlmey. Ihm gehörten 17 Achtzehntel und feiner Frau nur 1 Achtzehntel des Hanfes. Dazu werde vom Vertreter des Klägers noch behauptet, daff Kuhlmey an dem letzten Achtzehntel das Niesbranchrecht zustehe. Das Gericht nehme nun aber doch an, daff, s e I b st w e u n K. d a s Nieffbranchrecht an dem letzten, ihm nicht ge- hörigen Achtzehntel des HanseS zustände, er trotz 'einer 17Achtzeh n telHausbefitz nicht Hausbesitzer nach 8 16 der Städteordnnng sei. Der Gerichtshof bleibe bei seiner früher in einer andren Rixdorfer Sache ausgesprochene» Ansicht, daff der geforderte Hansbesttz ein Recht am Ganzen sei, und ei» Recht am Ganzen müsse auch der Rießbrancher im Sinne desselben Paragraphen haben. Eigentum und Rietz brauch eien nun so verschieden von einander, daff man sie nicht addieren könne, um«in volles Eigentnmsrecht heraus zu bekommen. Das Gesetz verlange einen„Eigentümer am Ganzen" oder einen„Nieffbraucher am Ganzen." Es feien deshalb nicht nur Schneiders 103 Stimmen, sondern auch Kühl- meys 102 Stimmen mit Recht nicht g ez ä h l t worden und Wickel mit 6 von 3 gültigen Stimme» für gewählt zu er- achten, Eine Anklage wegen Störung des Gottesdienstes gelängte gestern vor der 2. Strastaminer deö Landgerichts I gegen den ISjährigen Schüler Hermann Böhm zur Verhandlung. Am Abend de» vorjährigen BufftageS fand in der Kapelle auf dem Rudolfsplatze Gottesdienst statt, dem nach Echluff d-Sselben um Uhr daS Abendmahl folgt«. Diese Handlung hatte soeben be- gönnen, als die Thür, die den direkten Zugang von der Straffe bis zum Orgelchor bildet, geöffnet wurde. Es klangen einige Accorde einer Mmidhamionika in die Kirche hinein und dann rief eine Stimme rohe Worte in die Kapelle hinein. Oben neben der Orgel befand sich eine ganze Anzahl Gemeindeschüler, welche zu singen hatte. Der an der Treppe zunächst sitzende Schüler Lange konnte von dort aus den Eingang überblicken, er will den An- gellagten mit Bestimmtheit erkannt haben, die Treppe hinabgceilt sein und noch gesehen haben, wie der die Straffe hinabeilende An- geklagte um die Ecke bog. Lange blieb auch im Termine bei dieser Behauptung und betonte, daff ein Irrtum seinerseits ausgeschloffen sei. Andre Schüler traten auf, welche bekimdctcn, daß sie den An- geklagten zwar nicht gesehen, aber an seiner Stimme erkannt hätten. Der Angeklagte Böhm beteuerte unter Thränen, daff ihm Unrecht geschähe. Er sei während des Bnfftagsabends bei seiner Mutter in der Stube gewesen und habe die Straffe gar nicht betreten. Seine Mutter, eine Frau, die einen glaubwürdigen Eindruck machte, be- kündete, daff ihr Sohn thatsächlich die Stube nicht verlassen habe, sie sei bereit, dies zu beeiden. Staatsanwalt Braut hielt es nicht für ausgeschlossen, daß der Zeuge Lange sich irre, auch das angebliche Wiedererkennen seitens der übrigen jugendlichen Zeugen au der Stimme könne unmöglich von Gewicht sein. Cr beantrage deshalb ein freisprechendes Urteil. Der Verteidiger ZIcchtsaiiwalt Leopold Solomon trat dem Antrage des Staatsanwalts bei und der Gerichtshof erkannte denigemäg. Auf Mnrkthaklcnklotsch beruhte eine Anklage wegen Gottes- l ä st e r n n g, welche gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I gegen die Wild» und Geflügelhändlerin E in m a Damm verhandelt wurde. Die Angeklagte, welche einen Stand in der Moabiter Markthalle inne hat, scheint eine wenig verträgliche Natur zu sein. Sehr häufig kommt es zwischen ihr und ihren Geichäflsiiachbarimien zu PrivatbeleidigungS-Klagen. Von einem solchen Terniin kamen die Parteien auch am Mittag des 13. Sep- teniber vorige» Jahres. Nach der Markthalle zurückgekehrt, wurde dort der Fall noch einmal erörtert. Die An- geklagte soll dabei ihrer Gegnerin, nachdem diese gesagt hatte:„So lange es einen Gott im Himmel giebt, giebt es auch Gerechtigkeit" in einer Weise erwidert haben, die eine lSotteslästerung eizthielt. Die Angeklagte, welche vom Rechtsanwalt Bunge verteidigt wurde, be- hanptete, daff die LelastmigSzengi» ihr das Wort im Munde um- gedreht habe. Vom lieben Gott sei keine Rede gewesen, ihre Gegnerin habe gesagt:„Mein Wort gilt!" und darauf habe die Angeklagte die beanstandete Aeuherung gethan. Die Aussage» der Zengimicn, lauter Markthallenfranen, lauteten widersprechend, einige hatten die Aeufferung so aufgefafft wie die Angeklagle, andre wie die Belastungszeugin. Der Staatsanwalt kam zu einer für die Angeklagte ungünstigen Auffassung und beantragte gegen dieselbe zwei Wochen Gefängnis, der Verteidiger plädierte für Freisprechung. Der Gerichtshof erkannte im letzteren Sinne. Die Verhandlung gegen den Kaufmann Beruhard Fröhlich in Sachen der Gründung der„Jndustrie-Altien-Gesellschaft Lichten- berg" wird voraussichtlich schon am Mittwoch zu Ende gehen, da auf die Verlesung der Aussage» von 50 konnniffarisch vernommenen Zeugen verzichtet wurde. Der Verteidiger erkannte das. was diese Zeugen über ihre Geschäftsverbindung mit dem Angeklagten und den Ilmfang der von ihnen erteilten Aufträge sagen sollten, als wahr an. — Durch die Verhandlung ist übrigens ei» soeben erst fertig gt- stelltcs neues Sitznugszinmier eingeweiht worden. Es liegt abseils von den übrigen Sälen der Strafkammer im zweiten Stockwerk, wo die Staatsanwaltschaft ihre Geschäftsräume hat. Der Sitzungssaal, der in seiner ganzen Ansstattmig vorteilhaft von den übrigen ab- sticht, ist dazu bestimmt, künftig die neu zu bildende 10. Straf- kamnier aufzunehmen._ Wetter-Prognose kür Mittwoch, den lg. März 13»!!. Ziemlich warm, zeitweise aufllarend, vorwiegend trübe mit etwas Regen«nd lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wetterkureau. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Svrechltiinde findet täglich mit Ausnahme deS 2on»abe»ds vo» 7i/, bis»>/- Ubr„bendS statt. Alter A. 1. New. 2. Niemand. 3. Keine. Moabit 1000. Erkundigen Sie sich in einer sachminnlsch geleiteten Handlung danach oder bei einem Ormtholoacii. Leila. Geeignete Mittel können nur ärztlich empfohlen werde». 0. ü. Adalbcrtstr. 99, Has I. Alles nähere ersahren Sie dort. K. M. I. Ja. 2. Nein. Nicht das Doktorexamen, sondern das Staats- eramen befähigt zur Ausübung der Praxis. Den Doktortitrl braucht ei» Arzt leineswegs zu erwerben. Ebenso steht es mit andre» gelehrten Bt- rufen: auch da ist der Doktortitel eben nur Titel. Universitätslehrer mlinen diese» Titel erworben haben.— JMM«» II I Türntrv. Mittwoch, den I9> März. vperiihans. Carmen. Ansang 7V- Uhr. Schanst'ielhans. Faust. Aiifana 7 llbr. NeueS Oper»< Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Der Prossekandidat. An- sang 8 Uhr. Deutsches. Es leve das Lessen. Anfang 7Vz Uhr.° Berliner. Alt-Heidelsserg. Anfang 7Vz Ussr. Lefslna. Vesser den Wassern. An- iang?>/, Uhr. Weste». GaSvarone. Ans.?>/, Uhr. Neslheng. E!n galanter Richter. Borher: Die Wiener in Paris. Anfang 71/, Uhr. Neues. Champerays Leiden. An- sang 71/3 Uhr. SeccffloiiSOichiic. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Nbr." E. v. Wolzogens Büntes Theater (Ucsserssrettl). Anfang 8 Ussr. Schall und Ranch. Strindberg- Cyklus. Ans. 8i/z Ussr. Trianon. Coralie n. Co. Anfang 8 Uhr. Ventral. Das süße Mädel. Anfang 7'/- Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Ussr. Luisen. Der Barbier von Sevilla. 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Sonntagnachm. 3 Uhr kleine Preise: Das Käthchen von Heilbroii«. Abends 7i/, Uhr: Unsre Marine, oder: Er mnst aufs Land. Apollo-Theater. Die geossartlgen 10 Specialitäten. Der Kosmograph: Prinz Heinrich in Amerika. Ferner: Kassoneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Beile-Mliance-Theater. Die Dlme lltiö Troiiville. chwanl m. Gesang u. Tanz in 3 Alten. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Morton. Hierauf: Er. 1,1 Adele Hartwig u. Leopold Thuruer a.G> Sonntagnachmittag 3 Uhr: Schuldig. ?Ala8t-Theater (friiher Fecii-Palast) Biirgstr. LÄ. Direktion kl. Wlnkler». W. Fröbel Das erfolgreiche SpecUlltäten- März- Programm! Heute neue Kunst kräfte. Bringe» musizierende• Hunde. Theodor Lippart, der moderne amüsante Humorist. Bonett u. Willy, Matad. am Lyra-Appar. Dazu: Um 3V, Uhr: Die Beilchenfee. Volksstürk mit Gesang in 2 Akten] von W. Gericke. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Billet-Vorverlauf v. 11— 1 Uhr. Mittwoch, den 2. April: Schluss d. diesjährig. Saison. 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Tagesordnung: l. Abnahme deS Geschäftssserichts pro 1991. 2. Bericht der Revisoren. 3. Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern lArbeitnehmer). 4. Beschlußfassung über anderweite Höhe der Beiträge und Sterbegelder nach den vom Herrn Oberpräsidenten für die Mitglieder unsrer Kasse neufestgesetzten Durch- schnittstagelöhnen. ä. Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. 371/4 Der Vorstand. I. 81.: Conrad Storch, Borsitzender. Möbel. Bürgerliche Wohnungseinriditungl in guter Ausführung zu bill. Preise Auch Teilzahlung. 3631 lltö LaMtMßraßt 103. cu cii. 3630L Teilzahlung monatlich 10 M. liefert elegante Herren KarUerohe nach Maß, auch bar Kasse allervilligste Preise. Fert. Garderobe stets vorrätig. lwMromii. 30 Mark Hochfeine Toiunierpaletots. 30 Mark Hochelegante Herrenanzüge. 12 Mark hochelegante Beinkleider. Sliifertiguiig nur nach Mast. Guter Stoff, tadelloser Sitz.[36161; 14 Krausellstraße 14, X Tr.. Tel..A»it X Nr. 3708. I Xr. 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Besprechung über die gegenwärtigen Arbeits- und Lohnverhältnisse in der Brauche. 2. Wahl von Mitgliedern zur Werkstait-Koutrollkommisston. Es ist Pflicht eines jeden in der Branche arbeitenden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 81/4 Die Dezlrkz-Dhinttaaer. Verein AiaidemohraWer Gast- liiili Schaithmiftk Berlins und Nmgegcnd. Freitag, den Sl. März, iiachmittasts 5l/si Uhr, beim Kollegen Werna», Schwedtcrstraße 33/24: AT" V ersBiumlnngs Htß T a g e s- O r d n u ii g: 1. Fortsetzung des Vortrages des Genossen»»hell über:.Hopfen- und Malzzoll" 2. Diskussion. 3. Aiifnahmeii. 4, Die Flaschenpsand- Frage. 5. Bereiiisangelegenheiten. WP- Um zahlreichen Besuch ersucht 69/7_ Der Vorstand. I. St.: Ferdinand Ewald. Berein der Bau-Anschläger Berlins und UmgegeilÄ. Am Donnerstag, den 30. März 1VV3, abends 7'/» Uhr» im Gcwcrkfchaftshnns, Engcl-Nfcr 15, Saal 7: MtMilenMe UkOmitilmtg. Tages-Ordnung: X. Fortsetzung der Tageöordmuig vom Sonntag, den 2. März. einsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedskarte legitimiert: 2. V-» 33/7 Achtllüg, Geiverkslhesttil! Bureaus f. Gewerkschaften, Kranken- kassen, mit fcp. Eingang, s. billig zu verm. Dragonerstr. X5.(1161b* Am Donnerstag, den 30. März er., abendö 8'/s Uhr, spricht Natnrarzt AXnx c!kiiitX2: in Berlin?ss.. Swiiiemüiiderstraste Nr. 42(Btihner) über: »M- Nervosität-WU (Schlaflosigkeit, nervöse Kopfschmerzen, nervöse Magen- und Herzleiden»sw.) und ihre naturgeiiiäste Behandlung und Heilung. Eintritt sür Gäste 29 Pf. Es ladet ergebenst ein 287/7 Der Vorstand des Natnrhcilvereins Chnrlottenbnrg-Berliii. Geschäftsstelle für Berlin ssk.: Brunnenstraße 104 bei A» d r i tz k i. Wo amüsiert man sich, srrossartie:? In Schnegelsbergs Festsälen Inhaber: Max t§e]iin(ller Hascnheide 31 und Jahnstrasse 8. Heute: Ovotzev Veill-MM verbunden mit Eigarren-, Bonbon-Regen und diversen s Ueberraschungcn. Entree: Mltt«'«ehs krel, Honntags 15 PI. Täglich: Speclalitttten-Vorstellnng. Entree frei, s ~ hlniT" 2325L* Max Schindler. 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