Ur. 67. Adoimemtlits-Kedingungen: Abonnements-Preii pränumerando: VierMjährl. 3,30 Mb, inonatl. 1,10 SJ!t., wöchentlich 28 PIg. frei ins Haus. Timelns Numm»r 5 Pfg. Sonntags- Nummer mir ill»nr>-r«»c Sonntag!» Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Mona«. Singetragen tn der Post- Zettungt» Preisliste für IVOS unter Er. 7878. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrig««u»land 8 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Ate Inftrtions-Gevllifl beträgt für die fechSgefpaltene Kolmiei« zeile oder deren Raum iO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anseigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jede! Wort S Pfg. (nur da! erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS i Uhr nachmittag! tn derSrpeditionabgsgebe» werden. Dt« Erpcditton ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormlltagS geöffnet. Erscheint täglich»uster Zvouleg«. Devlinev Volksbl�kk. Telegramm-Adresse: „Porlaldrmokrnt Berlin- Osntrawrgcrn der socirrldemokratischen Partei Deutschlands. Redsltlion: 19. Beuklz-Skrasle 2, Fernsprecher: Slint I Nr. IS08. Dontterstag, den Ä9. März R99Ä. .Expedttivn: sw. 19, Benllz-Skraste 3. Fernsprecher: Zlmt I, Nr. 5181. Die Prinzenreise. New D o rk, 11. März. Prinz Heinrich tritt die Heimreise an; es ist daher angemessen, ein Resümee der Thatsachen, die sich darauf beziehen, zu geben. Die Meldung, daß der Bruder des deutschen Kaisers diese Republik be- suchen werde, traf gerade in die Zeit, als die europäischen Staaten, allen voran England und Deutschland, sich aufs eifrigste bemühten. ihreu Politikern vorzudemonstrieren, daß sie zur Zeit des spanischen Krieges die besten Freunde der Union gewesen. Es ist hier nicht nötig, auf die Einzelheiten dieser Affaire, bei ivelcher schließlich England als der stark blamierte Teil hervorging, näher einzugehen. Nur zwei Bemerkungen seien hier erlaubt; erstens, daß man hier sicherlich ganz genau wußte, wie man in dieser Beziehung mit England und Deutschland daran war, daß man es aber mit Rücksicht auf England, das man ja mal gelegentlich brauchen könnte, nicht wissen iv o llte; zweitens aber, daß dieser Wetteifer, sich als„gut Freund" der Union aufzuspielen, hier mit grenzenlosem Hohn aufgenommen wurde. Die illustrierten Blätter— und fast die ganze Presse ist ja hier jetzt illustriert— brachten Abbildungen, welche für Europa, besonders aber für Deutschland und England, wahrlich nicht schmeichelhaft waren. Der„Judge", ein echt amerikanisches Witzblatt von intensiv nativistischer Färbung, brachte eine große farbige Illustration, welche den deutschen Kaiser, tief vor Noosevelt sich verneigend, darstellte. Letzterer, in Khaki-Uniform, blickt erstaunt lächelnd ans den Kaiser, der, ein großes Bouquet in der Hand, für alle gegen die Bereinigten Staaten seitens Deutschlands begangenen Sünden Abbitte leistet: von der Affaire in der Bai von Manila bis auf die angeblichen süd- amerikanischen Aspirationen des Deutschen Reiches. Int Hintergrund kommt„John Bull" angestürzt und schreit schon von weitem, daß Noosevelt dem Deutschen nicht glauben solle. Ganz im Geiste dieser Illustration waren eine große Anzahl andrer in andren Preßorganen, Irnich editoriell mit den nötigen Kommentaren versehen, gehalten. ' Es sei»och hinzugefügt, daß dein Kenner der Verhältnisse dieses Buhlen um Onkel Sanis Fre>l»dschaft fast komisch erscheint. Der wirtschaftliche Kampf zlvischen den betreffenden Ländern wird selbstverständlich dadurch nicht im mindesten berührt. Und was de» Wert eines Bündnisses mit den Vereinigten Staaten im Falle kriegerischer Verwicklungen betrifft, so ist derselbe ein sehr ziveifelhafter. Gerade der spanische Krieg hat das bewiesen. So gewiß Amerika in der Defensive uubezwinglich sein würde, ebenso sicher würde es einem europäischen Verbündeten nur eine sehr geringe Unterstützung leihen können. Ob ferner nicht, angesichts so vieler Thatsachen, welche in den letzten Jahren von dem rücksichtslos egoistischen und hinterlistigen Charakter der imperialistischen Politik Amerikas so gewichtiges Zeugnis ablegen, vorkonimendenfalls sich Dinge ereignen könnten, welche dem Titel des„perfiden Albion" einen mehr als eben- bärtigen Konkurrenten geben würden, soll nur angedeutet werden. Indes— alles das nur nebenbei. In dem Augenblick, als die Nachricht von dem beabsichtigten Besuch des Prinzen hier eintraf, setzten sich zwei Bevölkerungsschichteu sofort in Positur, um ihn entsprechend zu empfangen. Da waren zunächst alle offiziellen Kreise, vom Präsidenten bis herab zum Bürgermeister eines kleinen Städtchens, welches hoffte, daß der priuzliche Eisenbahn- zug dort fünf Minuten halten würde. Alles dies, und zwar je höher hinauf, um so mehr, war im Charakter dessen, was vor ein paar Tagen ein berühmter Kanzelredner, Dr. Parkhnrst, so treffend „strategische Gastfreundschaft" genannt hat. Dann aber— und die meinten es ehrlich,— kamen die deutschen Spießbürger anmarschiert, um in allen möglichen Formen dem Bruder ihres— trotz Amerika!— angestammten Kaisers und Königs zu huldigen Als Staffage dazu gib sich das neugierige, allem was einer„8bcm"(Schaustück) gleichkommt, aufgeregt und enthnsiastisch zujubelnde Volk her. Wenn nun noch hinzugefügt wird, daß die milliardenreiche Snob- Aristokratie, dieselbe, ivelche sich für ihre Töchter in Europa Fürsten- und Herzogtitel zu beliebigen Preisen einkauft, spcciell in Nctv Jork den Prinzen für sich privatim einschlachtete, so hat man ein Gesaint- bild der verschiedene» Elemente, welche in dieser Prinzenreise eine Rolle spielten. Vielleicht wird noch jemand auf Harvard, auf diese Blüte der amerikanischen Universitäten und deren Altion hinweisen und um Aufklärung bitten. Auch das gehörte zu den osfiziellen Veran- staltnngen, freilich mit dem Unterschiede, daß die Huldigung, welche dem Prinzen dort dargebracht wurde, durch stil- und schivungvolle Reden, dercirJnhalt zum größten Teil unwahr oder mindestens über- trieben war, motiviert ivurde. Wenn nun in alledem der republikanische Geist vermißt wird, der„Männerstolz vor Königsthronen", der selbst bei einer solchen Gelegenheit den Begrüßungen eines prinzlichen Gastes eine entsprechende Würde und Haltung verleihen sollte, so beruht ein solcher Einwand auf vollständiger Verkenntlitg der historischen Eni- tvicklnng des Landes und des Charakters des Volkes. Vor allen Dingen sind die Amerikaner überhaupt keine p r i u c ip i e ll en Republikaner. Es würde zu weit führen, dies hier näher auszuführen. Aber es mag erlaubt sein, darauf hinzuweisen, daß Schreiber dieses schon in früheren Korrespondenzen ausgesprochen hat, wie dem amerikanischen Volke im allgemeinen jedes Verständnis für die unantastbaren Bor- bedingnngen eines republikanischen Geincintvesens durchaus fehlt, und wie es nur auf die Gelegenheit ankounut. um in dieser Be- ziehung hier Wunderdinge zu erleben. Die Prinzenreise ist nun eines derselben. Wenn man von dem, was man so gewöhnlich„Volk" nennt, absieht und die Haltung der mehr oder minder klasseiibewußtcn Arbeiter-Organisationen während des Prinzenempfanges betrachtet, so muß man dieselbe als eine im allgemeinen durch- aus ablehneude bezeichnen. Einzelne, lvie der St. Louis „Trade- und Labor Council", faßten sogar geharnischte Resolutionen, in welchen sie die behördlichen Speichelleckereien verdamniten. In der Legislatur des Staates Massachusetts waren es die Vertreter der „Socialist Party"(LociaMsmocratio Party): Carey und Mc Cartney, welche in der Versammlung, in der die Sprecher des Repräsentanten Hauses und des Senats bevollmächtigt wurden, den Prinzen bei seinem Eintreffen in Boston offiziell zu empfangen, ihren energischen Protest einlegten. Diese Proteste unterschieden sich von den im Kongreß seitens zweier Demokraten, welche nachher noch von ihren eignen Parteigenossen desavouiert wurden, erhobene hauptsächlich darin, daß sie sich nicht in allgemeine» Phrasen ergingen, sondern den Kern der Sache im socialistischen Sinne bloßlegten. Besonders Ivar es Carey, der in dieser Beziehung Eindruck machte. An den bedenklichen Satz des Prinzen anknüpfend, tvelchen dieser in seiner Antwort auf die Ansprache des Mayors von New Dork in der City Hall äußerte, daß er(der Prinz) sich wohl beimißt sei, wie die Stadt New Jork für viele seiner Lands- leute zu einem Asyl geworden, sagt Carey u. a.: „Prinz Heinrich soll gesagt haben, New Dork sei dcr Zuflnchts- Hafen vieler Deutschen— jawohl! Die Vereinigten Staaten sind für Tausende von Deutschen, welche ans ihrer Heimat ins Exil getrieben wurden, ivcil sie für Redefreiheit, politische und industrielle Freiheit kämpften, ein Znfluchtshafcn geworden. „... Prinz Heinrich vertritt nicht das deutsche Volk, welches in seiner große» Mehrheit ans Arbeitern besteht. Wenn er durch den Willen des deutschen Volkes zu uns gesandt wäre, würde ich ihn gern willkommen heißen; aber, er vertritt ein System, welches die Menschheit in zwei feindliche Lager teilt... „Als Teilnehmer an jener internationalen Bewegung, welche die Solidarität der ganzen Menschheit bezweckt, würde ich den Vertreter irgend eines Volkes begrüße», aber einen Vertreter des kapitalistische» Imperialismus kann ich nur.. Ich gebe den Text der Worte Careys nur zum Teil, da die deutsche Presse nicht in der Lage sein ivird, denselben vollständig wiederzugeben. Daß trotzdem der offizielle Empfang gegen die zwei Stimmen der Socialisten beschlossen wurde, ist selbstverständlich. Der Telegraph hat Ihnen eine solche Fülle von Einzelheiten übermittelt, daß es nur nötig ist, kurz auf folgendes hinzuweisen: Der Prinz hat natürlich vom Lande nur das gesehen, was man ihm zu sehen erlaubte, vom Volke und dessen Leben gar nichts. Niemals wohl ist ein Mensch auf einer Reise so vollständig und in jedem Augenblick in de» Händen einer ganzen Armee von Geheimpolizisten gewesen, wie Prinz Heinrich in Anterika. Das sogenannte Preß« Bankelt war eine große„N. D. Staatszcitungs"- Reklame- Affaire. Eingeladen und erschienen waren u. a. alle Anzeigen-Agenten, bis herunter zu ziemlich lumpigen; denn diese Herren spielen hier für die Zeitungen eine entscheidende Rolle. Selbstverständlich konnten alle die schönen Reden, die dort gehalten wurde», nicht verhindern, daß die Hetze gegen Deutschland in der betreffenden Presse, speciell in den principiell deutschfeindlichen Blättern„Herald",„Sun" und„Times" noch während der Anwesenheit des Prinzen in Amerika wieder einsetzte. Der Prinz persönlich hat bei allen, mit denen er zusammenkam, den Eindruck eines— wie die Zeitungen sich ausdrücken—„good fellow"(guten Kerls) und liebenswürdigen Mannes gemacht. In ein paar Wochen wird auch der Eindruck sich in seiner etwaigen Wirkung verflüchtigt haben, und nichts wird bleiben, als die Erinnerung an die Erscheinung eines Meteors. �olikifche Mebovflchk. Berlin, den 19. März. Preußischer Landtag. Das Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch endlich die zweite Beratung des Kultus-Etats beendet. In der fort- gesetzten Debatte über das Medizinalwesen machte Abg. v. S a v i g n y(C.) den beherzigenswerten Vorschlag, daß die Kreisärzte ihre Thätigkeit auch auf das Gebiet der Wohnuugshygiene ausdehnen möchten. Abg. Glatze!(natl.) besprach eingehend das Verhältnis der Aerzte zu den Kranken- kassen, das seiner Ansicht nach zu Unzuträglichkeiten geführt hat. Die Honorierung der Aerzte sei viel zu gering. Auch sei es schon vorgekommen, daß Krankenkassen sich in den Dienst politischer Bestrebungen gestellt haben. Redner regte an, den Kreisärzten eine autoritative Stellung gegenüber den Krankenkassen zu geben. Seinen Vorstoß gegen die Krankenkassen durch Thatsachenmaterial zu begründen hielt er für überflüssig. Eine Autwort seitens der Regierung wurde ihm nicht zu teil und auch aus dem Hause erwiderte ihm niemand. Nach Erledigung des Kultusetats begann die erste Be- ratung der Sekundärbahn-Vorlage, die wie all- jährlich zu lebhaften Klagen über die scheinbare Be- vorzugung des Westens vor dem Osten, über die zu große Sparsanikeitspolitik in Bezug auf Eisenbahnbauten, über die zu hohen Leistungen für den Grunderwerb, die den Kreisen auferlegt werden, in denen Bahnen ge- baut werden, und über die Verweigerung von Kon- zessionen zu Bahnbauten an Private Veranlassung gab.-Der Minister v. Thielen wies diese Klagen als unbegründet zurück. Im übrigen brachten die Redner nur lokale Wünsche vor, mit Ausnahme des Grafen K a n i tz(k.), der der Regierung heftige Vorwürfe darüber machte, daß sie den Ankauf der ostpreußischen Südbahn für den Staat trotz der infolge der niedrigen Dividenden für sie günstigen Gelegenheit verabsäumt hat. Das Herrenhaus, das nach einer Pause von mehr als zwei Monaten wieder zusammentrat, erledigte in schneller Reihenfolge in nur 2 Stunden mehr als ein Dutzend Gesetzentwürfe, die sämtlich, den Anträgen der Berichterstatter entsprechend, ohne Debatte zur Annahme gelangten. Am Donnerstag wird im Abgeordnetenhause die Sekundär- bahn-Vorlage weiter beraten. Auf der Taaesordiiuna des Herrenhauses stehen u. a. der Antrag des(Nrafen Mirbach auf Herabsetzung des Mdeikommitzstempels und die Vor- läge betr. den Erwerb von Bergwerkseigentum für den Staat.—_ Die Riffe im CentrumSturm. Wir hotten vorgestern darauf hingewiesen, daß der rheinisch- katholische Bauernverein sich durch einen förmlichen Vertrag dem Bund der Landwirte ausgeliefert hat. Die 7,50 Mark- Christen wollen von den 6 Mark- Christen des Centrnins nichts mehr wissen. Während das Centrnm dermaßen von rechts durch seinen bäuerlichen Anhang hart bedrängt wird, nimnit von links der Kampf der zum Bewußtsein ihrer Interessen erwachenden katholischen Arbeiter gegen das Brotwncher-Centrnm seinen Fortgang, Hierüber wird uns aus Düsseldorf geschrieben: Der Kampf der beiden Centrnms-Richtnngen— hie für den Brotwnchcr— hie gegen den Brotwncher— verschärft sich von Woche zu Woche. Wurde dieser Kampf bisher auch mehr hinter den Conlissen ansgefochtcn, und suchten die Brotwncherchristen von diesem Kampf ihrer Parteigenossen gegen sie möglichst wenig an die Oeffentlichkeit dringen zu lassen, so hat der„Vorwärts" die im Vertuschen und Abwiegeln geübten Führer der Brotwucherchristen vor die Arena gezwungen. Beide Richtungen sage» sich mit Recht, daß dieser K a in p f e i n K a in p f a n f Leben u n d S t e r b e n ist: eine dieser Richtungen mutz erliegen, das sehen beide jetzt ein, und an ein Zusammenschweißen denken sie nicht mehr, können und tvollen auch nicht daran denken. Wir sind nicht so optimistisch, zu glauben, der Centmmsturm bräche etwa in kürzester Zeit zusammen: aber was da am N i e d e r r h e i n vor sich geht, das ist eine schroffe Spaltung der CentruinSchristen. Künftig werden bei den Reichstags wählen,— wenigstens am Nicderrhcin— die beiden C e n t r n in s r i ch t u n g e n nicht mehr zusammen marschieren. Das wird jetzt offen ausgesprochen. Die Killst zwischen diesen beiden Richtungen wurde hervorgerufen durch den weltgeschichtlichen Kampf, den die Hungrigen g e g e n d i e S a t t e n überhaupt kämpfen. Der hungernde Proletar im Centrumslager ist endlich zu der Einsicht gc- kommen, daß das Christentum der Satten ein Scheinchristentum ist.derge- kncchtete Lohnsklave, der da als getreuer Nachläufer der reichen und mächtigen Centrnmsgrafen, der CentrnmSbarone, Centrumsjuristen, Ccntrumsrentuer und auch Centrnmsgeistlichen bis jetzt die Devise dieser Herrschaften„Für Wahrheit, Freiheit und Recht" geduldig hochgehalten hat, der beginnt zu der Einsicht zu gelangen, daß diese reichen und mächtigen Centrumsherren ihre nnd ihrer Klasse, der Reichen, Geschäfte besorgen, den Proletar aber ausbeuten und knechten. Der Klassengegensatz tritt jetzt so scharf hervor, daß die Herren, die in Brotwncher gegen das Volk mache», die Spaltung im CentrninS- lager, die sie feit Jahren zu vertuschen sich abgemüht haben, jetzt offen zugeben und sich nun an den Strohhalm einer öffentlichen „Erklärung" klammern, daß jene Ccntrnmsrichtung der Anti-Brot- Wucherer, daß die Centrumsproletarier, welche die agrarisch- kapitalistische Politik der wohlhabenden Ccntrnmschristen nicht mehr nnterstütze»— nicht mehr zu ihren Reihen gehören. Die Leser sind unterrichtet von den Vorgängen im Lager des Düsseldorfer Centrums. Jüngst gaben einige„Arbeiterführer" des dortigen christlichen Arbeitervereins eine„Erklärung" ab, daß der Riß Thatsache sei, daß aber die„abtrünnigen" Anti-Brot- Wucherer aus ihren Reihen„nun" nichts mehr mit ihnen gemein hätten. Die„Abtrünnigen" autivorteten aber mit nicht mißzuverstehenden Worten, der Kampf nahm noch größere Schärfe an und jetzt ficht sich der H a u p t v o r st a n d der C e» t r u m s p a r t e i f ü r den Stadt- und Landkreis Düsseldorf gezwungen, eine ähn- liche„Erklärung" öffentlich im ultramontanen„Düsseldorfer Volksblatt" abzugeben. Erst also mir der christliche Arbeiterverein, jetzt die ganze CentrumSpartei. Aber die Anti-Brotwnchcr-Richtung weiß auch aufdiesen offenkundigen Verzweiflungsakt ihrer bisherigen Parteigenosse» mit herzerfrischender Deutlichkeit zu antworten. Man höre nur: „Das„Düsseldorfer V o l k s b l a t t", schreibt der ch r i st l i ch e„H a u s s ch a tz" zu Düsseldorf. veröffentlicht in seiner letzten Nummer 72 eine„Erklärung" einiger streitbaren Düsseldorfer Herren, die uns k ö st l i ch amüsiert h a t.— Zunächst amüsiert uns darin, wie die Herren sich aufS hohe Pferd setzen. um abzuurteilen, wer zur Centrums- Partei gehört oder nicht. Darüber sind dieselben durchaus i» k o m p e t e n t. Führer, die ihreu Wählerkreis ans bloße öOOV Stimmen haben ihren Gegnern gleich werden lassen, und in der Zwischenzeit so gut wie nichts geihan haben, um das Centruin hier zu stärken, von denen man mit einem Wort fast nirgends weiß, daß dieselben Parteiführer sind, sollten doch ei» wenig be- scheiden— urteilen.— Außerdem haben diese Herren s e l b st den Ceutrums-Standpunkt verlassen... Als ganz besonders bedauerliche Thatsache aber möchten wir nur feststellen: Die 451 Iluterzeichner der sogenannten„Erklärung" haben offenbar nicht die geringste Fiihlnng init dem arbeitenden Volke in Stadt und Land.(Die beiden Düffel« dorfer Centruiiiöabgcordnetcn. die Juristen Kirsch nnd Schmitz trifft dieser Vorwurf des christkatholischen Blattes mit, denn sie beide haben die in Rede stehende„Erklärung" mit unter- zeichnet. Red.) Es sind denn auch lediglich Rcchtauwalte, Amtsrichter, große GntSbestlzer und dergleichen oder Rentner, welche, wie sie selbst sagen,„die notleidende Landwirtschaft durch EewähruiiI von Zöllen zum Schutze gegen die cillmnhliche Kon- kurrenz des Auslandes vor dein Untergänge bewahre» beinüht sind." Warum treten diese Sicchtsainvalte, Amtsrichter, Gutsbesitzer ec. ec. denn nicht für den Schutz der Erzengnisse der kleinen Bauern ein? Warum cutrüstc» sie sich nicht über de» Steuerdruck, de» diese armen Bauer«» zu trage» haben? Warum helfe» sie nicht, die Lage der aruien, gedrückte», ländliche,, Arbeiter crtriiglichcr zu gestalten? Warum heisit cö immer nur für die großen Getreidebaucr» und Bichzüchtcr? Die Herren haben die Traditionen des CentrnmS verlasse» und schlagen... de» Anschaunnscn unsreS der- ewigten CentrumsführerS Windthorst geradezu ins Gesicht, welcher im deutschen Reichstag am 13. Dezember 1337 erklärte: .... daß eine Vermehrung des Zolles um 2 M.(von 3 ans 5 M.) ganz anherordentlich einwirken wird, und meine Furcht ist»»r die, daß sie zu sehr eintvirken wird und wirklich eine Berteucrnug deS BrotcS herbeiführen könnte. Wenn das wäre, wenn eine erhebliche Vermehrung des Preises deS Brotes entstände, so würde ich sehr ängstlich sein, denn eS würde dadurch eine Grundlage für Beschwerden oder A g i- t a t i o n e n gegeben werden, die in gegenwärtiger Zeit zu vermeiden jeder die dringendste Ursache hat." „Was würde Windthorst erst zu eiucm Gctrcidczolle bo» 7,50 Mark gesagt habe»! Wo waren die Herren Rechtsanwälte, Amtsrichter, Rentner:c. er. er., als kürzlich der Bund der Landwirte im PanlnshmiS zu Düsseldorf das Centrnm und den katholischen Volksverein beschimpfte, und die Interessen der christlichen Arbeiter-- schaft mit frechem Spott und Hohn abthat? Da haben sie diese Abwehr den christlichen Arbeitern und armen Leuten anS deni Volk überlassen. Wenn diese„Führer" nur dabei sei» wollen, wo eS sich um die wirtschaftlichen Interesse» der Großen und Junker handelt, so bedanken wir nuö schönstens für diese Führer... Wir sagen nur cinS: Diese.Führer" wogen eS, die Interessen deS arbeitenden Volkes in der gröblichsten Weise zu vernachlässigen. Kein einziger Arbeiter steht denn auch unter dieser Erklärung. VolkSintcrefsen vertragen sich eben nicht mit Jnnkerintercsic». Hier scheiden sich die Geister. Will man den Kampf, wir nehmen ihn auf. Bei Philippi sehen wir uns Ivieder!" So stehen die Dinge am katholischen Riederrhein. Der„christ- liche Hansschatz" und seine christlichen Arbeiter sehen ein, daß das glorreiche Eeiitrnm und die beiden Düsseldorfer Ccntninis-Ab- geordneten Schmitz und Kirsch„Gimpel fangen wollen,»m die kleinen Leute über die Gcmeinschädlickikcit der Gctreidezöllc hinwegzutäuschen." Das betont der„Hausschatz" in derselben oben erwähnten Nummer wörtlich in einem zweiten scharfen Artikel gegen die Brotwiicher-Christen, und dann schreibt er: „Die volksfeindliche Politik deS„Bolksblatteö" arbeitet der Socialdcmokratie direkt in die Hände, und führt mit im- sehlbarer Sicherheit dahin.«nsren Wahlkreis schon bei der nächsten Wahl der Socialdemokratie anSznlirfern." Los vom Centrnin— das ist die Losung dieser katholischen Arbeiter. Freilich es ist eine halbe und unklare Losung. Man will ein neues, bessres Centnim,— eine Utopie. Denn das Centrnm im Banne seiner agrarischen Gefolgschaft kann nicht anders sein, wie es nun einmal ist. Die katholischen Arbeiter werden erst dann vom Centrum wirk- lich loskommen, wenn sie den Trennungsschnitt ganz und vollständig ausführen und zur Partei des organisierten Proletariats kommen. Zwischen Centrnm und Socialdemokratie läßt sich keine besondere katholische Arbeiterbewegung schaffe», die Macht erringen und die Interessen ihrer Anhänger wirksam vertreten könnte.— lieber die Wahl in Rastenbnrg- Gerdanen liegt folgendes weitere Telegramni des.Wolffschen Depeschen- bnrcnns" vor: Nach den bisherigen Feststellungen haben v. Nantter(k SS16 Stimmen. Dnltz(frs.) 4805 und Cbhardt(Soc.) 3618 Stinnnen erhalten. Die acht noch fehlenden ländlichen Wahlbezirke werden voraussichtlich an dein Ergebnis der Wahl v. Rantters nichts ändern. Danach haben bis jetzt zugenommen die Konservativen um 415, die Freisinnigen um 1960 und die S o c i a l d e m o- k r a t e n um 355 Stimmen. Die auti- agrarische» Parteien haben also um 2315 Stimnien zugenommen, die Konservativen mir um 415 Stimmen! E i n neues Menetekel für die Brot Wucherer! Der Jubel der gegnerischen Presse, daß die Socialdemokratie keine Fort- schritte gemacht habe, war verfrüht. Wir haben neue Wähler gewonnen, und zwar zum größten Teil auf dem Lande. Das Ergebnis der Wahl in den 9 Städten des Kreises ist sehr erfreulich und be- kündet ein erhebliches Wachsen der Opposition gegen die Lebens- mittelvcrtenerung. Es sind in den 9 Städten zusammen diesmal 4225 Stimmen abgegeben worden gegen 3124 im Jahre 1898. Dabei sind die konservativen Stimmen von 912 auf 302 zurück- gegangen. Die Zahl der freisinnigen Stimmen dagegen hat sich verdoppelt und ist,' hier von 1138 auf 2276 gestiegen. Die Socialdemokratie� hat einen Stimmenzuwachs von 1074 auf 1147 aufzuweisen. 300 Stimnien haben wir also auf dem Lande mehr ge- Wonnen! Ein Resultat, das uns nmsomehr befriedigen kann, iveim man die kolossalen Anstrengungen der beiden andren Parteien und die Hindernisse bedenkt, die unsrer Agitation bereitet wurden. Man schreibt nnS darüber noch aus Königsberg: Noch nie ist ein ostprenßischer Wahlkreis so aufgewühlt worden wie dieser. Freisinnige sowohl wie Konservative haben die riesig sie Wahlagitation betrieben. Die Wähler sind mit Flugblättern und Stimmzetteln förmlich überschüttet worden. Die Konservativen verbreiteten vier Flugblätter, deren Haupt- inhalt aber bezeichnenderweise gegen die Socialdemokratie ge- richtet war, außerdem wurden eine ganze Anzahl der be- kannten H ü I l e s ch e n Flugschriften in großen Massen an die Landleute verteilt. Auch die Freisinnigen haben mindestens vier Flugblätter verbreitet. Auch darin werden die Socinldemokraten als wütende Feinde des Reiches und des Vaterlandes geschildert. Der EigeiitumSfanatiSinnS der Landbevölkerung wurde durch die kühnsten Schilderungen im Stile der Eugen Richterschen„Irrlehren" angestachelt. Die freisinnigen Neichslags-Abgeordneten Wicmer, Kopsch, Demmig, der Landtags- Abgeordnete Dr. Krieger und mehrere Agitatoren haben Dutzende von Versammlungen abgehalten, in denen gleich« mäßig auf Konservative und Socialdemokraten losgepankt tvnrde. Belnstigend wirkte, wie die Freisinnigen fortgesetzt bemüht waren, sich als die regierungs freundliche Partei aufzuspielen, während sie den agrarischen Kandidaten in lebhaften Farben als G e g n e r der Regierung schilderten. Ohne jede Spur von Ruhmredigkeit kann behauptet werden, daß die Socialdemokratie den Kreis erobern würde, wenn sie in gleicher Weise ivie eine der beiden andern Parteien hätte die Agitation betreiben können. Von unsrer Seite konnte sehr wenig ge- s ch e h e n. Es ist thatsächlich nicht möglich gelvese», anch nur eine einzige Berscnnmlung i« dem Wahlkreise abzuhalten. In einigen der ersten Versammlungen, die von den Freisinnigen abgehalten wurden, sprachen Genossen, doch wurde der Versuch nicht tviederholt, weil unser„Rednern nicht g e nü g e n d Rede- zeit zugestanden Ivurde. Man ließ sie ein Weilchen sprechen, dann leisteten sich ein paar darauf anscheinend dressierte Freisinnige die gelvagtesten Verdrehungen der Ausführungen der Socialdemo- kraten und eine nochmalige Erwiderung der Socialdemo- kraten wurde nicht zugelassen. Trocken bemerkte einmal der Vorsitzende, die Versammlung sei nicht dazu arrangiert, damit die Socialdemokraten darin für sich Agitation treiben könnten. Die ganze Agitation, die für den socialdemokralischcn Kandidaten betrieben wurde, besteht in der Verbreitung zweier Flugblätter, von denen daS zweite am letzten Sonntag verteilt wurde. Zu guterlctzt hatten die Agrarier ihre ganze Hoffnnng auf den Knüttel gesetzt. Während bei der Mehrheit der Landbevölkernng die geradezu tvahnwitzigcn Hetzereien der agrarischen Flugblätter gegen die Social- demokraten keine Neigung zu Gewallthätigkeiten hervorriefen, waren in einzelnen Fällen die unaufgeklärten Leute ganz ans Rand und Band gebracht. Wiederholt wurde unseren Genossen drohend entgegen- getreten, so daß sie manche Güter unverrichteter Sache verlassen mußten. Knüppel wurden in verschiedenen Fällen drohend ge- schwuugen. Direkt und schwer mißhandelt wurden Flugblatt- Verteiler auf der Begüterung des Herrn T o t e n h ö f e r. Unser KönigSbcrger Partei-Organ meldet darüber: „Die Leitung bei dem brutalen Ueberfall auf wehrlose Leute hat der vornehme Herr Ritte rgntsbesitz er ausgeübt, der schon bei früheren Gelegenheiten sich gegen Socialdemokraten lieber- griffe herausnahm. DieSmalwirdihmdieNeignng znrVergeivaltignng politisch anders Denkender verleidet werden. Zwei Genossen kamen. nachdem sie bereits eineAnzahIOrtschaften ungehindert initFlugblättern belegt hatten, gegen Vsö Uhr nachmittags ans dem Vorwerk Linde an und belegte» auch dieses. Als sich Sie beiden Genossen im letzten Hause befanden, sauste ein Fuhrlverk heran, auf welchem sich vier mit starken Stöcken bewaffnete Personen befanden. Diese vier Personen kamen in daS Hans und einer derselben fuhr sie mit den Worten an:„Was wollen Sie hier, machen Sie, daß Sie raus kommen." Ein Genosse erklärte:„ES ist dieses doch nicht Ihr Haus, wie können Sie uns hier hinausweisen?„Die laut geschrieeneAntwort lautete: Hier bin ich Besitzer. Das Vorwerk gehört Herrn Totenhöfer. Die beiden Genosse» hatten sich vorher von dcn Be- wohnern des Hauses einen Trunk Wasser geben lassen. Dem Genoffe», der das Gefäß noch in der Hand hatte, ivurde dasselbe fort- gerissen und er mit dem Wasser begossen. Darauf wurden nnsre Verteiler ans dem Hanse gestoßen und die vier Angreifer schlugen mit Stöcken und Fäusten nach denselben. Auf der Landstraße stürzten sich die Ordnungshelden auf unsre Parteigenossen, rissen ihnen die Kleider ans und raubten ihnen den Rest von Flugblättern aus der Tasche. Dazu wurden die Ueberfallcnen mit Schimpfwortcn, wie:«Bezahlte Lumpen".„Hunde",„Socialdemokraten sind keine Menschen" und dergleichen überhäuft. Den Patronen wird klar gemächt werden, daß man nicht ohne weiteres Leute überfallen n»d berauben kann." Nach alledem können wir mit nnsrem Erfolg vollauf zufrieden sein!—_ Die Unruhen in Petersburg. Die Demonstration in Petersburg, von der wir gestern berichteten, stellt sich nach neueren Nachrichten als noch weit bedentsmncr und in ihren Folgen furchtbarer heraus. Der Londoner„Dailh Expreß" berichtet darüber ans Petersburg: „Seit einigen Tagen waren Flugblätter in Petersburg aus- gestreut worden, durch die das Volk aufgefordert wurde, sich am Sonntag vor der Kasan-Kathedrale zu versammeln. Am Sonntag- morgen war der ganze große Platz von berittener Gendarmerie und Truppen besetzt, die während der Nacht eingerückt waren, um die Versaimnlnng zu verhindern. Weitere Truppen waren bereit gestellt, um zu verhindern, daß die Arbeiter von Schlüsselbnrg und andern Fabrikcentren ans den Platz kamen. Das Militäraufgebot auf dem Newski-Prospekt war groß- artig. Dabei waren noch viele Truppen in öffentlichen Gebäude» und Seitenstraßen verdeckt aufgestellt. Trotz aller dieser Vorsichts- maßregeln versammelte sich eine große Anzahl von Studenten in den Seitenstraßen des Newski-Prospckts und marschierte von dort mit roten Fahne», nach der katholischen Kirche. Ungeheure Volksmengen, die von allen Seiten zuströmten, sammelten sich auf dem Platze. Es waren zumeist Arbeiter. Kavnllerie-Abteilnngen sprengten zwischen die Menge und drängten die Leute in die Seitenstraßen. Die Kosaken gebrauchten bei dieser Gelegenheit ihre mit Metallspitze» verschencii Knuten. Eine berittene Truppe umzingelte einen Haufen Studenten und Stndentinnen und griff dann, mit der blanken Waffe hauend und stechend und die Leute nieder- reitend, die Nmzingclteii an. Viele hundert Studenten Ivurde» verwundet und dann in die Keller der Hotels und Lädcn in der Nachbarschaft getvorfe», wo man sie ohne ärztliche Hilfe und Nahrmigsmittel bis zum Abend eingesperrt hielt. Am Abend wurden sie zur P o I i z e i st n t i o n gebracht. Unterdessen Ivar vor der Stadthalle ein heftiger Kampf entbrannt. Hier hatten sich etwa ZOOtt Arbeiter unter Führung von Studenten versammelt. Die Gendarmen und Kosaken griffen inimer wieder mit Säbel und Knute an und wurde» ihrerseits mit einem Stein- Hagel empfangen. Viele Polizisten wurden vcr- tv n n d e t und ein Offizier getötet. Von den Zu- schauern wurden ebenfalls vielever letzt. 230 Studenten. unter denen sich mehrere Studentinnen befanden, wurde» ver- haftet. Gegen 1 Uhr war der Newski-Prospekt geräumt. aber kleine Menschcnmassen machten den Behörden in den Seitenstraßen immer noch zu schaffen." Man wird weitere Nachrichten abwarten müssen, um zu prüfen, ob sich diese außerordentlichen Meldungen des Londoner Blattes, das gern übertreibt, allenthalben bestätigen. Das„Wolffsche Telcgraphen-Bnrcan" meldet noch: Petersburg, 19. März. Ans einer heute veröffentlichten amtlichen Bekanntinachiing über die bereits gemeldeten Straßen- unruhen vom 16. d. M. ist nachzutragen, daß die Ruhestörer rote Flaggen mit aufrührerischen Inschriften enlfallctcu. Wegen Uebertretung von polizeilichen Bestimmungen über Straßen- ansammlnngen hat der Stadthauptmann 87 Personen, unter ihnen 45 Studierende, mit dreimonatiger Haft bestraft, vnabhäiigig von dieser Strafe wird gegen die Rädelsführer ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden. Mag anch die Tragweite der jetzigen Bewegung noch nicht völlig zu überblicken sein, das steht fest: Petersburg stand am Sonntag im Zeichen der Volkserhebung. Die Scherge» des Zarismus können die Knute schwingen und die Gefängnisse füllen,— aber ihr Feind st nicht mehr der schwache Einzelne, sondern die Masse und die Klasse der todesmutigen Revolution.— »» * Deutsches Weich. Zollferien. In der Presse der Wncherparteien wird während der jetzigen serien eifrig disputiert, was nach Ostern geschehen solle. Die konservativen Blätter spiegeln die Uneinigkeit und 11 n e n t s ch l o s s e n h e i t ihrer Partei über die einzuschlagende Taktik wieder. In der„Kreuz-Zeitung" kann man in ein und der- selben Nummer Artikel finden, die zur Versöhnung mit der Regierung mahnen, und solche, die sich erbittert gegen die Regierung richten. An den beiden Gegenpolen des Meinungsstreites stehen die„Schles. Ztg." und da« Berliner Bündlerblatt. Die„Schles. Ztg." wendet sich also gegen die ZollkommisstonSmehrheit und damit gegen ihre eignen Parteifreunde: „Die Verfehltheit der Zollreform-Aktion hat nicht begonnen mit der Regierungsvorlage und deren Vorbereitung, sondern mit der von der Mehrheit d e r K o m m i s s i o n befolgten Methode. Das formale Recht, die NegiernngSvorlage in aller Freiheit zn kritisieren, zu bekämpfen sogar und umzugestalten, be- streitet ihr kein Mensch: aber w e n» s i e aufrichtig e n t- schlössen war, mit der Reform zum Ziele zn gelangen, s o hatte sie d i e P f l i ch t, sich selbst diejenigen Schranken aufzuerlegen, ohne deren Einhaltung das Ziel nicht zu erreichen ist. Jedermann weiß, daß ein Zolltarif nur das Werk eines Kompromisses sein kann. Jedermann Iveiß nicht minder, daß die Vorlage der verbündeten Regierungen ein solches Kompromiß bereits darstellt, und zwar ein erst nach langer und schtverer Mühe zu stände gekommenes Kompromiß. Da verstand sich, zumal unter den eigenartigen siaalsrecht- lichen Verhältnissen unsrcs Reichsgebildes, von selbst, daß. w e r überhaupt einen neuen Tarif wollte, sich im wesentlichen auf den Boden dieses K o m p r o- Misses st e l l e n mußte. Das behauptet die Kommissions- Mehrheit anch zu thnn, sie verlangt nur für sich das Recht, sich in den ersten, noch ganz unverbindlichen Stadien der Beratung zu- nächst einmal ein von Kompromißschrankcn nicht beengtes Bild ihrer Wünsche und„Ideale" zu entwerfen. Das könnte vielleicht als eine ziemlich harmlose Beschäftigung erscheinen, wenn nicht eine unersetzliche Zeit dadurch vergeudet und durch die Preßberichte über die Kommissionsvcrhandlimgen im Auslände unrichtige und für unsre Interessen schädliche Vorstellungen erzeugt würden." Das konservative Organ fordert dann von den konservativen Zollkoinmissions-Mitglicdern gründliche Abkehr von ihrer bisherigen Methode, ivenn nicht die letzte Aussicht für die Zollreform vcr- schwinden solle. Aehnlich stellt sich der„Rcichsbote". Er wünscht, daß„nach den Osterfericn dem grausamen Spiel ein energisches Ende ge- macht werde". Und er denkt sich in seinem frommen Geiniite dieses energische Ende also: „Die Kommissionsmehrheit hat als letzten Versuch den Koni- promißantrag eingebracht. Wird derselbe von der Regierung end- gültig kategorisch abgelehnt, so bleibt der Mehrheit nichts übrig, als dadurch wenigstens eine Veschlechternng der Vorlage zu verhüten, daß die Zölle auf landkvirtschaftliche Maschinen herabgesetzt werden. Das ist dann der allerletzte Versuch. und man hofft, daß man wenigstens diesen Vorschlag als Ausgleich für die Zustimmung z u den Getreide- zöllen der Vorlage annehmen wird. Hiermit wird sich die Kommission gleich nach den Ferien beschäftigen müssen, um nicht noch mehr Zeit zu versäumen. Diesen Vorschlag kann die Sie- giernng doch wohl nicht anch noch ablehnen; nimmt sie ihn aber an, dann muß der übrige Teil der Vorlage en bloe angenominei, und eine gleiche Annahme dem Reichstage empfohlen werden. Nur so ist eö möglich, die Vorlage zu retten, und daß daS geschehen muß, kann für keinen ernst- haften Politiker zweifelhaft sein." Der Herr„Reichsbote" zeigt einen Radikalismus, den man einem sanft-christlichen Gemüt kaum hätte zutrauen sollen. Nur die Wncherpartcicn sollen einig werden, indem sie gegen die Herab- etznng der Zölle auf landwirtschaftliche Maschinen die RegierungS« vorläge annehmen,— damit sei alles erledigt. Man nehme in der Kommission die gesamte Vorlage en bloc an, ebenso im Plenum, und die Sache ist fertig. Wir begreifen nicht, warum der „Reichsbote" nicht in derselben Art auch die Durchführung des gesamten sonstigen konservativ-ultramontanen Wunschzettels vorschlägt I Der„Rcichsbote" scheint mir vergessen zu haben, daß vielleicht nicht alle seine konservativen Freunde den en bloc-llmsturz der Reichstags- Geschäftsordnung gutheißen und mitmachen werden. Wir wollen nicht von denen reden, die sich die Frage vorlegen könnten, wie die Zollopposition einen Vergewalti- gungoversnch der Wncherparteien beantworten würde. Aber der„Rcichsbote" sollte nicht gänzlich außer acht lassen, daß in seiner eignen Partei Politiker sind, die erklärt haben: Lieber Freihandel als die Regierungsvorlage I Er sollte auch nicht gänzlich außer acht lassen, wie die konservative„Deutsche Tageszeitung" über das „Kompromißwcrk" denkt. Die„Deutsche Tageszeitimg" erklärte ain Mittwochabend, die Anträge der ZollkommissionS-Mchrheit bedeuten bereits zn große Konzessionen an die Regierung; noch weiter zu gehen, wäre nicht Verständigung, sondern Unterwerfung, für die sie„niemals und unter keinen Umständen zn haben sein werde". Die„Deutsche Tageszeitung" spricht ferner die Ansicht aus, daß der Versuch, die Kommission auf die Regierungsvorlage„zurückzubringen", nur dazu führen werde, daß sich die Mehrheit in eine Minderheit verivandclte, da ein Teil der Mehrheit diesen Versuch nicht miünachen werde. Die Frommen vom„Reickisboten" müssen noch einige Mühe anftvendcn, bis sie ihre Wuchcrnachbarn in der christlichen Ent- sagung bis zur en bloc- Annahme der Regierungsvorlage fördern werden. Tie Geheimbeziehnngen deö Bnudeö der Landwirte zum katholischen Rheinischen Banernvcrein regen die„Germania" sichtlich auf. Sie treibt dabei dasselbe Spiel, ivas das Centralorgan des Centrums schon im„Falle Bauer" versucht hat. DaS Blatt stellt sich, als ob es an unsre Mitteilungen nicht glauben könne, hebt dann aber selbst die Verdachtsmomente hervor, die„allerdings" auf- fällig seien. Schließlich fordert die„Germania" die Herren Bauer und Schreiner auf. die Angelegenheit gerichtlich klarzustellen. Die „Germania" thnt sehr naiv. Sie hat Herrn Bauer schon wiederholt diese Klage dringend ans Herz gelegt, aber Herr Bauer denkt— wie die Kölner Prozesse bewiese» haben— gar nicht daran, die Be- ziehungen zwischen dem BundeSagenten im Centrnm und dem Bunde klarzulegen; er hat im Gegenteil nach- drticklich eine solche Klarstellung verhindert. Die„Deutsche Tageszeitung" begnügt sich denn auch, im Interesse des Bundes der Landwirte über die fatale Mitteilung mit matten Scherzen hinwegzukommen. Der Bund der Landwirte liegt eben nicht nur seine goldenen Eier in fremde Nester, sondern er verleugnet sie obendrein. Wie sehr die„Germania" im Grunde überzeugt ist, daß unsre Mitteilungen der thatsächlichen Wahrheit entsprechen, geht auch aus Folgendem hervor. Wir hatten als den Unterhändler von bünd- lcriicher Seite Herrn Limbonrg genannt. Dazu schreibt nun die „Germania": „Ob Herr Limbonrg nach dem Beispiel seines Vaters liberal oder für seine Person mehr konservativ sein mag, kommt dabei nicht in Betracht. Jedenfalls ist der jetzige Vorsitzende des Bundes der Landwirte in der Rhcinprovinz, Herr Limbonrg- Bitbnrg, kein CentrnmS m a n». Daß er gleichwohl von Centruniswähler»— denn anders ist es im katholischen Rheinland nicht möglich— in den Reichstag und Landtag gewählt werden möchte, wollen wir keineswegs bezweifeln; es ist uns sogar von sehr genauen Kennern von Land und Leuten in der Rheinprovinz versichert worden, daß der Ehrgeiz nach einem v o m C e n t r u in u n a b h ä n g i g e n R e i ch S t a g s- Mandat für eine kleine Anzahl rheinischer Gutsbesitzer die Haupt- triebfeder ihrer Agitation für Ausbreitung des Bundes der Land- wirte in der Rheinprovinz sei. So viel ist aber gewiß, daß Herr Redactenr Schreiner dem Herrn Limbonrg- Bitbnrg als einem Nichtccntrnmsinanne die Unterstützung in einem CentrnmS- Wahlkreise nicht zugesichert haben k a n n. Ueber die Aufstellung jeder Kandidaiur in einen, CentrnmS- Wahlkreise hat nicht eine einzelne Person, sondern der Orflnnisntio» der CcntrwnZpartci 1 entsprechend dns C e n t r u m s- W o h l k r e i s k o n> i t e e zu be- sti, innen, und dann haben die C e n t r u in S>v ä h I e r nnt ihre» Stimme» die Entscheidung zu treffen." Es ist leicht zu erkennen, wie windig die selbsttröstende Schlich- folgcrung der„Germanin" ist. Sicher kann kein Nicht-Centrninler ohne das Centrnm aufgestellt werden. Alwi: erstlich wird sich ein inandatslüsterner Landivirtsbiindler ohne viel Mühe, lvenii's verlangt tvird, als Centruinsinann kostninieren, und zweitens bedarf das Eentrunl ulindestenS im gleichen Maße des mit dein Bunde der Land- ivirte verbundenen Bauernvereins wie der Bund der Landivirtc des Eenirnms. Es ist ja schon sehr charakteristisch— auch die„Germania" hebt das hervor— daß der Redacteur der„Rheinischen BolkSstimme", d. h. eines anerkannten CentrinnLorgans, Herr Schreiner, vor Gericht den Bund der Landivirtc mit großem Wohlwollen behandelt hat, in deinselben Augenblick, da das offizielle Centrum den Bund der Landwirte erbittert bekämpft.— Kaltwasscrstrahl gegen die Cognacbegeistcriing SchöncrerS. Die„Nord. Alla. Ztg." schreibt:„Fürst Bismarck hat stets daran festgehalten, daß>vir uns nicht in die inneren Angelegenheiten andrer Staaten einmischen solle», und das; die Achtung der Dynastien einen wesentlichen Bestandteil guter internationaler Politik bildet. Dies gilt in besonderem Maße für das Verhältnis des Deutschen Reiches zu der verbündeten östreichisch- ungarischen Monarchie, sowie in Bezug auf die beiden eng befreundeten Herrscherhäuser Hohenzoller» und Habsburg, und zwar heute ganz ebenso tvie zur Zeit Kaiser Wilhelms des Großen und seines große» Kanzlers. Der Abgeordnete Schönerer hat gegen diese bewährte» Grundsätze mit dem Schlnßsai feiner Rede gröblich verstoßen und der Wirkung nach, was auch seine Absicht gewesen sein mag, mir seinen czechischen Gegnern und andren zersetzenden Elementen Vorschub geleistet."— l». Hollcbcu, der deutsche Gesandte in Washington, dessen Name durch den Witte- Skandal angenblicklich viel genannt ivird, hat den Roten A d l e r« O r d e n erster Klasse»> i t E i ch e u l a u b verliehen erhalten. Auch Admirnl D i e d e r i ch s, der Held des M a n i l l a- K o n f I i k t s, ist seiner Zeitdurch eine Ordensverleihung ausgezeichnet worden.— Ein Opfer der Kolonialschiicidigkcit. Ans Kamerun wird berichtet: Oberlieutenant Nolte, ein verdienter und in kolonialen Kreisen geschätzter Offizier, der schon seit dem Anglist 1896 der Schntztrnppe angehört, ist von Schwarzen g e- tötet worden. Nähere Mitteilungen über seinen Tod liegen zur Stunde noch nicht vor. Die Ursache der That wird durch folgende Litanei nationalliberaler, also k o I o n i a I b e g e i st e r t e r Blätter angedeutet:„Der neue Verlust der kleinen Schlitztruppe nach den vielen Opfern des letzten Jahres erinnert aber wieder daran, wie teuer der zukünftige Segen unsrer Kolonien erkauft wird. Specicll in Kamerun wird es noch sehr viel Auf- Wendlingen an Geld. Arbeit und vielleicht auch noch an Blut bedürfen, bis dort befriedigendere Verhältnisse geschaffen sind. Leider haben gerade in Kamerun, Ivo bei der Beschaffenheit der Eingeborenen ein doppelt vorsichtiges, cinwandsfreies Verhalten der ansässigen Europäer dringend geboten wäre, einige i» wichtigen wirtschaftlichen Stellungen befindliche Deutsche in letzter Zeit diese Vorsicht gänzlich vernlissen lassen und sich in schwerer Weise gegen die Eingeborenen vergangen. Ei» Teil der Schnldigen ist bereits, nach der Heimat überführt, zu entsprechend schtvcren Strafen vcr- urteilt worden. Ein iv eiterer, höchst nn erquicklicher Prozeß st cht noch bevor." Der Verfasser der Denkschrift zur ZiichthanS- Vorlage, Geheunrat Gruner, ist an Stelle des verstorbenen Woedlke zum Präsidenten des Reichsamts für Privatversichernng ernannt Ivordc». Damit ist auch er seiner socialpolitische» Thätigkeit enthoben.— Der Kaiser und der ZllkoholiSumS. Im Namen des Kaisers teilt Herr v. LiicanuS den, den Alkoholismus bekämpfenden„Verein für Gasthaus-Reform" mit. daß er„alle Bestrebungen, tvelchc auf die Einschränkung des Alkoholgennsses mid die Aufklärung des Pnbliklmis über die sittlich mid wirtschaftlich schädlichen Folgen desselben gerichtet sind", unterstütze. Von Zeit zu Zeit lesen ivir im„Lokal-Anzeiger" die endlosen „Speiscfotgcn", die bei Hosfcsten und militärischen Liebesinalen serviert werden; zu jedem Gang wird dabei eine andre Wcinsorte dargereicht, die sämtlich keineswegs alkoholfrei sind. Das ivird nun Ivohl anders lverden!— Eine neue Parteigriindnng. Der Alldeutsche Dr. Friedrich Hange versucht, um eiiie>n dringenden Bedürfnis abzuhelfen, eine neue Partei zu gründen, für die auch die zlvei nötigste» Hauptsachen bereits vorhanden sind: der Gründer und der Name. Die Partei der Zilkniift soll heißen:„Der nationale Reichs-Wahlvcrband." Auch ivarnni diese Partei lverden muß, erfahren wir ans einem Aufruf Langes, in dein also zu lesen ist: „Fragt man heute die Abgeordneten der verschiedenen »ationalen Parteien:„Fürchten Sie nicht anch. daß bei der nächsten Reichstagstvahl die Socialdemokratie»lindeste»« 20 neue Sitze gewiunen wird dann bckonunt man in den meisten Fällen die Antwart:«Zwanzig nur? Sagen Sic dreißig, vierzig, dann kann es eher stinnnen I" lind fragt man iveiter:«Was gedenkt Ihre Partei dagegen zu thn»?". so ist die Antwort ein Achselzucken oder die Gegen- frage:„Glauben Sie. daS hindern zu können?" Beide Antworten bcdenten den Verzicht und die Vcrzlveiflnng. Vorwürfe und Mahnungen— davon sind wir überzeugt— köniieilZaii dieser Stimmung nichts mehr ändern... Hier kann nur ein politisches Vorgehe» helfen. Politik machen heißt aber Macht organisieren, und diese Macht zur Absicht gebranchen. Für den Nationalen Rcichs-Wahlverband angeivandt, be- deutet dieses Rezept: Möge der ansehnliche Beginn Vcr- trauen zur Fortsetzung geben, mögen in jedem Orte des Reiches die Nationalgesinnten, unbeschadet ihrer sonstigen Partei- Zugehörigkeit, sich zu einem Nationalen R-ichS-Wahlvcrei» ziijammenschließen und so in jedem Wahlkreise eine Macht schaffen, um sie zum Schutze für Kaiser, Reich und BolkStin», zur Förderung nationaler Wahlen, zur Abivehr national- schädlicher Parteien zu gebrauchen!" Es wird demzufolge eine All- und Ucberpartei werden, eine Samniliing sämtlicher Parteien— gegen die Social- deinokratie. Mit Wodan, für König und Vaterland lverden die alldeutschen Allparteien gegen uns zn Felde ziehen. Großer Wodan— lvir zittern vor Dir!— Dchnh vor Schutzleute«! Ans Königsberg wird lills ge- schrieben: Königsberg ist die Stadt der Schutzulnnns-Exzcsse. In letzter Zeit haben dort gegen ein Dutzend Schutzleute die Anklage- dank betretcn müssen, um sich tvegen zum Teil uugeinein brutaler Mißhandlung von Arrestanten zn Verantivorten. In nicht ganz einem Jahre sind u. a. verurteilt: ein Schiltzmaim zn 6 Monaten 1 Woche Gesäiigiüs, ei» andrer zn 4 Monaten Gefängnis. ein dritter zu 6 Monateli Gefängnis, ein vierter erhielt 2 Monate Gesängnis, wieder ein andrer 8'Monate Gefängnis, dann lvurden zwei Schutzleute zu 7 rcsp. 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Weitere Beriirteiliingen werden folgen. I» einer der GcrichtSverhalidlnilgen erklärte ein als Zeuge vernommener Polizeisekretär, daß so viele Leute kämen, um sich über Mißhaudlunge» durch Schntzleute zu beschwere», daß er sich ans die einzelnen Fälle nicht be- fluncu könne. Außer Arbeitern sind anch Kauflenle, Studenten, Jugenienre znsauimengehanen worden. I» einer Verhaudlung, die fast zwei Tage in Anspruch nahm, sind jetzt ivieder drei Schntzleutc auf tininal verurteilt; einer erhielt 5 Monate, die beiden andren je 4 Monate Gesängnis, zweie» wurde die Befähigung zur Bekleidnng eines öffent- lichcii Amtes auf ein Jahr abgesprochen. Die Schützer deS Publiknnis halten an einem Tage cincn Studenten mißhandelt. Derselbe erhielt erst mehrere Schläge inö Genick und als er dazu nicht ruhig Ivar, wurde er an Kopf und F ü ß e n gepackt, ins Wachtlokal g e- schleift und dort durch mit großer Wucht auf Kopf und Rücken geführte Schläge mißhandelt. In einer andren Nacht ist ein Bangewerbeschüler widerrechtlich arretiert und auf derWachtflube durch einen Genickstoß an dieWand geschleudert. In einem dritten Fall wurde ein Kutschcr auf der Wache'fürchterlich zugerichtet. Wie Hagel s e i e n die Schläge auf ihn niedergeprasselt, sagte der Mann vor Gericht ans. Der stark blutende Mann lvurde dann zum Wachtlokal hinausgeworfen. Weil er ans der Straße um Hilfe rief, wurde er nochmals festgenommen und zum Polizeipräsidium gebracht. Auf dein Transport dorthin erhielt er S t ö ß e mit der Faust und mit Füße n. An der Wache des Polizeipräsidiums wurde der Mann aberuialS geprügelt. Dieser Mann tvnrde von den Schntzlenicn noch ivegcn Widerstand gegen die Staatsgeivalt angezeigt und auch vom Schöffen- gericht auf die Aussagen der Beamten hin verurteilt. Die Strafknmnier sprach ihn frei. Die Schntzlente haben damals eidlich in Abrede gestellt, den Kutscher mißhandelt zn haben. Außerordentlich bemerlensivert ist, daß ein Polizeikommissar einem der verurteilten Schutzleute das ZeugiuS ausstellte, derselbe sei früher nicht euergisch genug gewesen. Die Angelegenheit kam am Montag in der KönigSberger Stadt- verordneten-Versnlnmlung zur Sprache. Gen. A o s k e wies auf die polizeilichen Mißstände hin. Die Bersammkung beschloß mit großer Majorität den Magistrat zu ersuchen, beim Polizeipräsidium gegen diese Mißstände vorstellig zu lverden. Ferner beschloß die Versainmlimg, den Magistrat zu ersuchen, vom Polizeipräsidinm die Anschnffling eines nienschen- würdigen Renttentenwagens zu veranlassen, da der jetzig im Gebranch befindliche ein vom Erdboden gerechnet ca. 1 Meter hoher Kasten ist, der mit einem Sarge die größte Achnlichkeit hat.—- Tie Folgen der neuesten GcrnianisierungSpolitik in Nord- Schleswig. Kiel, 16. März. Eine schöne Suppe haben sich die Gennanisatoren in Nordschleswig eingebrockt. Bekanntlich sind vor der Rcichstags-Ersatzivahl für' Hadcrsleben- Sonderbnrg ca. 600 dänisch gesinnte Wähler plötzlich für Dänen erklärt lind aus den Wählerlisten gestrichen worden. Die Behörden stützten sich dabei aU eine kürzlich gefällie Entscheidung des Ober-VerwaltuiigsgerichtS, der zufolge diejenigen Nordschlcswiger, die»ach dein Wiener Frieden für Dänemark optiert, ihre Option aber rückgängig gemacht hatten für den Fall, daß sie i» Dänemark Änfenthalt genommen hatten, als Dänen z» betrachten seien. Die Rcgiernng in Schleswig legte daranfhin am Vorabend der Wahl die Aiifenthaltsklaiisel des Ober-VcrlvaltnngsgerichtS so ans, daß sie den Widerruf der Option auch dann für lvirknngSlos erklärte, weil» die Belreffenden bloß drei oder vier Tage»ach ihrer Option sich jenscits der KönigSan aufgehalten hatten. Alle diese Leute hatten Jahrzehnte lang für preußische Staatsbürger gegolten und als solche von ihren staatsbürgerlichen Rechten Gebrauch gemacht. Sie haben bislang anstandslos sich an sämtlichen Wahlen beteiligt— zu Unrecht, wie jetzt plötzlich die BeHürde erklärt. Für die Landtags- iiiid Reichötagsivahlen hat ihre frühere Beteiligung iveiter keine staatsrechtliche Konscqllcnzeli, da für die betreffenden Mandate ihre Stinnnen nicht ausschlaggebend gewesen sind. Aber so manche Ge- meiiidevertreterwahl n»d' damit die Beschlüsse solcher Korporatione» würden bei sgcnaner Prüfung nachträglich für ungültig erklärt werde» müsse». Ferner haben viele dieser Leiite— eS handelt sich fast durchweg»in sogenannte angesehene Personen— als Gcnleindcvorstehcr fungiert. Sind sie in Wahrheit Däne» ge- ivesen, so ist ihre Wahl und sind damit ihre Amtshaiidliiiigcn nnge- setzlich gewesen, was vor allem für etivaige ftandesbeanitliche Fiinktioncn von großer Tragweite ist. Es handelt sich bei diese» Erwäginigen durchaus nicht nm staatsrechtliche Doktorsragen. Eine solche Konsequenz der ans das Ober-Venvnltiiiigsgerichts-Urleil gestützten goiivcnicmeiitalcn Wnhlpolitik tvird voraussichtlich in aller- nächster Zeit den Behörden böse Scherereien»lachen. Einige dieser Über Nacht zn Dänen gestcnipeltcn Nordschlcswiger sind»äinlich anch G c s ch Iv o r» c gewesen. Nach einer Eiilscheidiing des Reichs- gerichts siiid aber Schwurgerichts-Urteile, bei denen A n s l a n d e r mitgewirkt haben, nichtig. Alle Urteile also, bei denen jene Exprenßeu als Gcschivorne beteiligt waren, milffe» nachträglich kassiert werden. Ein solcher Fall wird bereits von der dänisch- gesinnten Presse lebhaft veiilitiert. In Slyngstccn bei Apenrade ist dieser Tage plötzlich der Hnfner und Genieindevorsteher Franz Hinrichten als Däne erklärt worden. Ann war Hinrichsen z» der am Freilag in Fke»Sb»rg beendeten Schwiirgcnchts-Scssio» als Gcschworner cinbcrnscn nnd anch in zwei Vcrhaiidlnngen ansgclost worden. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß. wenn es bei der Dänisicrnng des ManneS bleibt, in beiden Sachen i»i Wieder- aufiinhmcvcrfnhrcn nochinals verhandelt werden innß. Die dänische Presse ivird sich gewiß Mühe geben, noch mehr solcher zn kassierender Schivnrgcrichtsnrteile ausfindig zn machen und Anträge auf Wieder- aufnähme des Verfahrens veranlassen. So haben zunächst die Gc- richte den zweifelhaften Vorteil des allerncilesten GerminiisiernngS- trikS,»nd wenn sich auch der übrigen staatsrcchtticheil Probleme, die die ivahltaktische Vcrwertnng der Ober- VerivaltnngSgerichts- Ent- scheidimg im Gefolge hat, ein der Regierung nicht wohlgestniitcr Sachverständiger anniimnt, kann dort oben an der KönigSan ein chöner juristischer Hexensabbat seinen Ausgaiig nehmen.— Ungültige Stadtvcrordlicten-Wahlen. Einen beinerkenslverten Entscheid fällle das O b e r- V e r iv n l t u n g s g e r i ch t: Beiden Erfurter Stadtverordneten-Wahlen vom Jahre 1900 nnterlage» in der dritten Abteilrnig die Socialdemokratc». Es Ivnrdeii in der Hanplwahl gewählt die Herren JakobSkölteretzmäßigen Einspruch. Es sprach Rex deshalb auch jedes K l a g e r e ch t gegen die Stichwahle» a b. Sie gelten darum, bis auf d i e K o t t s. die ja von andrer (bürgerlicher) Seite noch besonders nnd z Iv a r richtig angefochten Ivorden war, für überhaupt nicht a u g e föchte».— Weihrauch-Vergiftnug! Der Bremer Maler-Dichter F i t g e r— noch in den achtziger Jahren tvegen seiner radikal tendenziösen Dichtlingcn bei allen Fromme» und Gutgesinnten verpönt— ist infolge der K u n st- rede des Kaisers traurig gealtert. Er veröffentlicht aus diesem Zlistaiid heraus in der. W e s e r- Z e i t u n g"„An des d e u t s ch e n K a i s e r s M a j e st ä t" u. a. folgende Verse: „O Herr, wirst dein Poeten Du verzeih», Wenn er sich vordrängt ans des Volkes Reih'n, Sich wagt an Deinen Thron nnd tief bewegt Den Zoll des Dankes Dir zn Füßen legt? Die Schönheit tvard gequält in langer Nacht, Von Kobold- n»d Alranngeziicht verlacht, Und schaudernd floh sie. jenem Tiiniicr gleich, Der zugeschaut, als sich das Totenreich Mit klapperndem Gebein im Tanz ergetzt; Sie floh zum Turin empor, von Grnil'n gehetzt, Stieg über Stiegen; aber kletternd ruckt Der Spuk ihr nach und zieht nnd zerrt und zuckt, Sie sieht ihr Ende dränn, des Leichensteins Gewärtig— doch da dröhnt ein mächtig Eins Vom Glockeiistiihl, u»d das Gerippe füllt Zu Staub, zn nichts am Fuß des TurmS zerschellt. Herr, solch' erlösend„Eins" erscholl Dein Wort „tZnos ego!" Und die Fratze» taumeln fort. „Weit uud breit Folgen aufatiiiciid wie vom Alp befreit Künstler nlid Laien jubelnd Schar»in Schar Dir zn der c iv i g e n S ch ö n h e i t H o ch a l t a r; Weit a»fgethan steht ihres Tempels Thor, Des Opfer flainint, der W e i h r a n ch quillt e m p o r." Weihranchsdünste gehöre» zn den giftigen Gasen, deren An- iveiiduiig die Polizei verbieten sollte. Wenn Arthur Fitgcr von der akuten Vergiftung durch WeihrauchSgase ivieder hergestellt ist, mag er zur Erholung seine in den achtziger Jahren erschiciieue, von der Ceiisnr verbotene Tragödie„Von Gottes Gnaden" lesen.— Drulkfehlcr- Berichtigung. Der Artikel, MillerandS Thätigkeit" enthält eine Reihe von Druckfehlern, die der Ver- fasser zn korrigieren ersucht. Es soll ivegfallen in der ersten Spalte, 6. Zeile von oben:„als". In der 16. Zeile von oben ist statt„da er" zn lesen: d er. Der zivcite Abschnitt in der ersten Spalte soll folgendermaßen beginiien: „Vom Standpunkte des Staatsrechtes fällt in der Thätigkeit des HandelSiniilisters auf..." In der ersten Zeile deS ziveiten Absatzes der ziveiten Spalte haben die ersten Worte zu lauten: „Dieser Achlstiindeiitag bildet auch..." Attskanv. Huudrpcitsche uud Revolver im östrcichischcu RcichSrat. Slandalscencii. wie sie der a» Skandalsceiie» aller Art wahrhaftig nicht arnie östreichische Reichsrat noch nicht erlebt hat, trugen sich am Dienstag nnd Mittwoch zu. Die Affaire»ahni folgenden Verlauf: Der Führer der Alldeutschen, Abg. Schönerer, führte ans: „Der erste Hauptsatz unsreS GrnndprogrammS ivar bisher, ist»nd wird in Znkniist für nns maßgebend sein: Wir strebe» ei» solches b u n d e g r e ch t l i ch e s Verhältnis der deutsch-östreichischen Länder, der ehemalige» deutschen BiindcSländer mit dem Deutschen Reiche an, das die ErhaUinig nnsrcs Volkstums dauernd sichert. Wir bekänipfe» daher jede Regierung, die diesem unfrei» Ziele entgcgeiilvirkt. Wir müssen daher auch dieser Regierung die Be- ivilligmig des StaatSvoralischlagcs verweigern. Wenn es richtig ist, daß sich der sehr geehrte Herr Präsident veranlaßt gesehen hat, in den letzten Tagen dem Abg. Dr. Eiscnkolb einen OrdiinngSruf zu erteilen, tveil er in besonders ancrkenucndcr Weise das deutsche Geschlecht der Hohcnzollern hier genannt hat, so veranlaßt mich das, in inciiiciii Namen»nd nn Nninen der Alldeutschen hier meine Rede z» schließen: Hoch nnd Heil den Hohenzoller nl Die Alldentichcn brechen in ein offenbar verabredetes Heil- nnd Beifallgeschrei ans. Rufe bei den Alldcntschen: Heil den H v h e n z oller»! Lebhafte Entriistnngs- und Psulrnfo rechts. Große Bewegmig. Präsident: Ich»niß den Herrn Abg. Schönerer für den Schlußpassus seiner Rede,>v elcher die Gefühle eines jeden Patrioten verletzen muß. zur Ordnung rufe». (Beifall.— Erneute stürmische Heilrufe bei den Alldeutschen.) Abg. Stein(Alldeutscher): H n r r a die Hohenzoller»! (Lärm.— Anhaltende Bewegung. Rufe im Centn»»: Pfui I Hinaus mit ihnen!) Nach einigem Radau spielte sich dami folgende liebliche Sccne ab: Abg. Dyk(zu Stein): Sie gemeiner Kerl! Sic gehöre» nicht hierher I Abg. Stein(zu Dyk): Die Gemeinheit fällt auf Sie zmückl (Großer Lärm bei den Czccheii.) Abg. D y k(zu Stein): Sie sind ei» recht- und ehrloses I n d i v i d u u in!(Lärm.) Sie ehrloses Jiidi- v i d Ii n m l Das Schimpf-Duell sollte»ach der Absicht deS Abg. Stein in einer KabalicrSkeilerei mit Pistolen fortsetzen. Stein ließ Dr. Dyk durch die Abgeordneten Schalk nnd Bcrger fordern. Als Dr. Dyk es ablehnte, mit den Sekundanten zu verhandeln, rempelte Steil» den D r. D y k i m K o r r i d o r a» nnd stellte ihn zur Rede, weshalb er ihn einen ehrlosen Lninpcn genannt habe. Dr. Dyk enviderte. das sei seine persönliche Anschauung, er gebe weder Geinigthnniig noch Aufkläning; darauf schrie Stein:„Sie j i n d e i» ehrloser Kneifer", rannte in den SitzmigSsaal lind rief ivährend der Rede deS Abgeordneten Erler über die Hoch- schule» wiederholt:„Der Abgeordnete Dr. Dyk ist ein ehrloser Schifft»nid Kneifer, den ich nächstens mit der Hundepeitsche traktleren iverde!" Dieser Seenc folgte ei» großer Spektakel. Und Herr Stein bielt wirklich Wort, ivcnigstciis erschien er in der R e i ch s r a t S- S i tz n n g a in M i t t iv v ch t h a t s ä ch I i ch in i t e i n e r H n n d e p e i t s ch e bewaffnet und erklärte, den czechischen Abgeordneten Dyk damit durchpeitschen zu >v o l l e n. Der Abgeordnete Dyk ließ sich daraus einen Revolver holen, und s ch iv» r, daß er donjeiiigeii niederschießen würde, der ihn mit der Hnndepeitsch« berührte. Während man tnin im Hause selbst scbr lninilfmerkfam der Debatte über das Schnlivesen iolgte, organisierten die Parteien iir den Wandelgängen einen Sicherheitsdienst,»m de» Herrn mit der Himdepeitsche und de» mit dem Revolver anSeinanderzi, halten.— Schweden. Der WichlrechtS-Entwnrf der Regierung ist eine in jeder Hinsicht unzulängliche Scheinreform und fordert nicht nur die Arbeiterklosse zum energischen Widerstand heraus, sondern erscheint mich allen Freunden einer ivirklichen Reform des Wahlrechts innerhalb des Bürgertums als vollkommen unannehmbar. Die Vorlage ist als ei» direkter Bruch der Versprechungen anzusehen, die die Regierung hinsichtlich des Wahlrechts bei der Beratung der Militärreform gemacht hat. Es genügt der Regierung nicht, dasi sie dem Volke statt des verlangten allgemeinen Wahlrechts eine Reform anbietet, die nicht über den Kreis der Kommunal- wahlberechtigten hinausgeht, sondern es iverden auch noch eine Anzahl Einschränkungen gemacht, die die geringe Erweiterung des politische» Wahlrechts zum Teil wieder aufheben. So soll das Wahlrecht davon abhängig gemacht iverden, daß sowohl die Staats- als auch die Gemeindesteuern ivährend der letzten zwei Jahre richtig bezahlt sind, und des weiteren v e r- lieren Wehrpflichtige, die ihre Waffenüdungen nicht mitgemacht haben, das Wahlrecht. Ferner wird' den verheirateten Wählern, sowie solchen, die das vierzigste Lebensjahr überschritten haben, doppelt so viel politisches Verständnis beigemessen, als den übrigen, und sie haben destvegen zwei Stimmen abzugeben. Städte. die mehrere Abgeordnete zu wählen haben, sollen in Wahlkreise eingeteilt werden, von denen jeder für sich seinen Abgeordneten wählt, ivas bis jetzt nicht der Fall ist. Hierdurch will man verhindern, dasi in den Städten die demokratische oder socinldemokratische Mehrheit eine größere Zahl von Neichstagssitzen gewinnt. Den Häuslern, die kein Kominnnal-Wahlrecht haben, das Reichstags-Wahlrecht zu geben, hält die Regierung auch nicht für angebracht; sie sollen warten, bis sie einmal in den Koininnnen stimmberechtigt iverden. Im Parlament sprachen sich sämttiche Redner, mit Ausnahme der Rcgiernngsvertretcr, gegen die Vorlage aus. In der z>v e i t c n K a ni m e r führte B r a n t i n g n. a. aiis, daß durch diese Vorlage den Stimmrechtslosen der Fhedehandschnh ins Gesicht geschlendert«verde. Wie ein roter Draht gehe durch die Motivierung (die die Regierung der Vorlage beigefügt bat) die Auffassung, daß die Massen, die vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, tvilde Tiere seien, die man nicht ans die Wiesen lassen dürfe, Ivo die Lämmer weiden.— Der Justizministcr suchte den Entwurf zn verteidigen.— Die liberale S a m m I u n g s p a r t e i hat beschlossen, einen Entwurf zur Wahlrechtsreform auszuarbeiten, auf derselben Grund- läge beruhend als der Regiernngsentwurf, aber ohne die hierin vor- gesehenen Einschränkungen.— Waffeniibilng und Gcwissensbedcnken. Sämtliche» Ab- tcilnngschcfs des Heeres ist eine den Beschlüssen des Reichstags cnt- sprechende königliche Verordnung zugestellt worden, wonach solche Wehrpflichtige, die wegen Gewissensskrupcln sich weigern, Waffen- dienst zn thnn, hiervon befreit werden, nachdem durch genaue llnterfnchnng festgestellt worden ist. daß die Betreffenden nicht simulieren. Sie sollen dann zu andren passenden Dienstleistungen im Heere verwandt werden. Frankreich. Verlängerung der Legislaturperiode auf sechs Jahre. Das Kabinett Waldeck- Ronssem» hat»mnittelbar vor den Wahlen noch einen neuen schweren reaktionären Akt nnternonnncn, es hat durch einen regierungsfreundlichen Radikalen den Antrag ein- bringen lassen, die Legislaturperiode von vier ans sechs Jahre zu verlängern. Der in aller Stille vorbereitete, über- raschend geführte Coup hat den gewünschten Erfolg gehabt. Nachdem der ll n t e r r i ch t s m i n i st e r L e y g u e s sich namens der Regierung für den Antrag erklärt hatte,»vurde derselbe, trotz der Bekämpfung durch Pelletan und Viviani, die die Vorlage als anti- demokratisch bezeichneten, mit 298 gegen 237 Stimmen angenommen. Augenscheinlich hat das Kabinett durch diesen Coup ein für sich günstiges Wahlresultat vorbereiten wollen. Den Dank der Reaktionäre hat es sich in der That redlich verdient. Ueber de» antidemokratischen Charakter der Legislatnrverlänge- nnig braucht kein Wort verloren zu iverden. Für Frankreichs korrumpierten Parlamentarismus fehlte diese Vorschubleistung charakter- losen politischen Strebertums gerade noch!— England. Anglo-dentsche Bcziehungcu. London, IS. März. Die Rede des Freiherrn v. NichtHofen im preußischen Ab- fleordnetei, Hause hat auf die öffentliche Meinung Englands selbst- verständlich einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Sie kam zur rechten Zeit, inmitten der Hiobspost aus Südafrika. Die Niederlage ivar ztvar nicht schlimmer als die früheren Niederlagen, doch unter- schied sie sich dadurch, daß sie auch die Gefangennahme eines Lords zur Folge hatte. Nur darin lag das tragische Moment für das englische Publikum, und nicht in der Zusammcnschießnng der armen Tommies und der Boerenrcnegaten. Denn die Berlustlisten erhalten eine ganze Reihe von Boerennamen. Man kann den deutschen Genossen nicht oft genug sagen, daß die Engländer trotz aller derno- kratischen Phrasen durchaus aristokratisch gesinnt sind. In der Febrliarnnmmer der amerikanischen„Review of Reviews" schreibt ihr Redacteur Dr. Albert Shaw:„Die Knie des Engländers werden buchstäblich schwach in Gegenwart eines Lords." Das ist ohne Zweifel richtig. Wäre Methuen ein gewöhnlicher Offizier und kein Lord, so hätte er schon längst das Schicksal Gatacres und Bnllers geteilt. Aber Methuen ist ein Liebling des Hofes und der„socist,)?" (der guten Gesellschaft). Sein taktisches Genie soll sich im Jahre 1897 glänzend bewährt haben, als er anläßlich des ölljährigen Regierungs- jubilänmS der Königin Victoria die Prozession in London arrangierte. An diesen Verdiensten durste auch ein Roberts nicht rütteln. Die Verwundung und Gefangennahme Methuens hat deshalb England tief bewegt. In dieser trüben Stimmung kam die Rede Richthofens tvie eine Herzstärkung. Nicht minder zeitgemäß kam das bei Dr. John Edelheim er- schienene Buch von Friedrich Hertz über«Recht und Unrecht im Boerenkriege", das in der litterarischen Beilage der„Times" gestern besprochen wurde. Der Rccensent freut sich über die Unparteilichkeit des Verfassers und hebt besonders die Stelle hervor, die die Annck- tiernng der beiden Republiken rechtfertigt. Der Ton der englischen Presse gegenüber Deutschland ist über- Haupt ein ruhiger und freundlicher geworden. Das schließt natürlich den Fortgang der gewöhnlichen diplomatischen Rivalitäten nicht aus. Gegenüber Biilows Versicherung im deutschen Reichstage, daß die Deutschen keine Vorrechte und besondere» Vorteile in Schmitung suchen, bringen heute die„Times" folgende Nachricht aus Peking: „. Nach Artikel 4 des deutsch- chinesischen Vertrages vom 6. März 1898 ist China verpflichtet, bei der kominerziellc» und industrielle» Entwicklung von Schantnng den deutsche» Kapitaliste» den Vorzug zu geben." Die Pekinger Nachricht beruht auf der offiziellen Veröffentlichung der Verträge Chinas mit auswärtigen Staaten.— Die Wakeficlder Ersatzivahl. London, 17. März. Das Aktionsprogramm Philipp S n o w d e n s ist im socialistischen Sinne gehalten. Der Kandidat schreibt an seine Wähler:„Politisch bin ich ein Demokrat, wirtschaftlich ein Kollektivist." Er verspricht zu wirken für die Nationalisierung des Grund und Bodens, der Bergwerke und der Eisenbahnen; für Alterspensionen, bessere Behausung und de» Achtstundentag; schließlich für das allgemeine Wahlrecht sowie für irische Homerule.— Bei den letzten Hanpttvahlen(1909)>var Snowden der Kandidat der Unabhängigen Arbeiterpartei und der Socinldemokratischen Föderation in Blackbur»; er vereinigte damals auf sich die respektable Stiminenzahl von 7096. Auch in Wakcfield wird Snowden von de» Socialdemokraten unter- stützt, ebenso von den Gewerkschaften und den Liberalen. Der Berg- �Lerainworlltcher Redacteur: Carl Leid w Berlin. Kür den Juseratenliil arbeiter-Vertreter B. Pickard schrieb ihm folgenden charakteristischen Brief:„Da die liberale Partei von der Aufstellung eines Gegen- kandidaten abgesehen hat, so liegt kein Grund für inich vor, Ihnen entgegenzutreten. Die Partei wird Sie unterstützen, nicht»vegen der Principien, die Sie vertreten, sondern»veil alles gethan iverden muß. dem Konservativen eine Niederlage zn bereiten." Dieses Schreiben ist lehrreich. Es zeigt,»vas die gepriesenen Bergarbeiter-Kandidaturen z» bedeuten haben. Wohl aus denselben Gründen»vird Snowden auch von John B u r n s und G. Barnes(dem Generalsekretär der Engineers) unterstützt. Er hat demnach die Unterstützung der Socialislen, Gc- werkschaflen, Radikalen, Iren und Liberalen. Sein konservativer Gegenkandidat ist Mr. Brotherton.— Die Militärschraube i« England.„Daily Erpreß" berichtet, daß das neue Budget für 20 Millionen Pfund<400 Millionen Mark) neue Steuer» erfordern werde, und zwar soll u. a. der Ertrag der Einkommensteuer»im 5 Millionen und der der Petroleum- steuer um drei Millionen erhöht iverden. Eine Laffan-Meldung berichtet ferner: Der bekannte Statistiker Giffen behauptet in einer Vorlesung über die finanzielle Lage Englands, es bestehe Grund für die Annahme, daß eine bedeutende dauernde Steigerung der Aufwendungen Englands, besonders siir R ü st n n g s z w e ck e, eintreten werde. Er sagt, England müsse für die Zukunft in einer Weife Rüstungen treffen, als ob es größere» Gefahren ausgesetzt sei, als irgend ein Fcstlandsstaat. Die ganze Lage Englands habe nach innen und außen eine völlige Umwälzung erfahren. Das Land müsse in Bezug auf die militärischen R ü st u n g e n dieselben Erfahrungen durchmachen, wie seine Nach- bar» ans dem Festland. Er betrachte es als sicher, daß England in Zukunft genötigt sein werde, 80 Millionen Pfund Ster- l i n g(1600 Millionen Mark) jährlich für das Heer auszugeben, und man könne es noch als einen Glücksznfall ansehen, wenn die dafür aufzuwendende Summe unter 100 Millionen Pfund Sterling bleibe. Der Imperialismus beginnt gar bittere Früchte für England zu tragen I— R«ftla»d. Landesverrat und Völkcrrechtöbriich. Der russische Oberst G r i in in und zahlreiche Offiziere, darunter sogar Generale, sind in den letzten Tagen wegen Landesverrats verhaftet worden. Mit welchem Eifer man die Äffaire behandelt, geht aus der Meldung Lemberger Blätter hervor, wonach am Montag die russische Gendarmerie in das Gebäude des deutschen und ö st r e i ch i s ch e n Konsulats eingedrungen sei und Haussuchungen vorgenommen habe, die mit der Spionagen- affaire des Obersten Grimm zusammenhängen. Gleich darauf hätten sich die russischen Behörden bei den maßgebenden Stellen in Berlin und Wien entschuldigt. Generalgonverncnr Tschortkow werde als Opfer dieser Verletzung des internationalen Rechtes fallen. Weiter enthüllt „PrzedSwit", daß bei der Spionage-Affaire es sich um eine ni i l i- t ä r i s ch e Verschwörung im a n s g e d e h n t e st e n Maße handelt, an der schon viele Jahre die her vorragend st en Generale beteiligt seien, so daß man den Obersten Grimm unter ihnen als einen„kleinen Mann" bezeichnen könne. Als Hauptschuldiger werde der knrländische General B j e st r a m bezeichnet. Ob Deutschland und Oestreich diese neueste Völkerrechts- Verletzung Rußlands durch die Preisgabe eines vermutlich vor- geschobenen Beamten für gesühnt erachten werden?— Rußland und die Pforte. Der russische Botschafter in Konstantinopel Sinoivjcw hat dem Iildiz-KioSk die Erklärung ab- gegeben,„daß die Pforte es zu verantworten haben werde, falls die christliche Bevölkerung weiteren Wutausbrüchen der Albancsen ausgesetzt bleibe". Hierzu wird uns geschrieben: Der Bau der deutschen Bagdad-Vnhn und das Liebäugeln der deutschen Diplomatie mit der Pforte hat hier mehr verstimmt, wie man im Auslände annimmt. Sehr charakteristisch sind die Ansführnngen der offiziösen„Nowoje Wrernjn", die als Kommentar zu der Erklärung des russischen Bot- schastcrs dienen solle». Sie sind zweifellos, wie dies bereits ans der Ent- schiedcnheit des Tones, in dem sie gehalten sind, hervorgeht. inspiriert und verdienen bereits insofern Interesse. Im Uildiz müsse man dessen eingedenk sein, daß die Erfüllung der Forderung des nissischen Botschafters keine Zanderpolitik zulasse, so beginnt die „Now. Wremja", Nnßland sei nicht Deutschland, Oestreich oder England, sondern eben Rußland, dein der erste Platz am Bosporus gehöre. Hoffe die Pforte nur nicht, diesmal durch ein internationales KoinmissionSpförtchen durchzuschlüpfen. Auf dergleichen Konzert- Unternehmungen werde sich Rußland nicht mehr einlassen. „Im nahen wie im fernen Osten sollen alle, die es angeht, wissen, daß wir unsre eigne Politik treiben, die... jenen Aufgaben entspricht, deren Erfüllung uns von der Geschichte auf- erlegt ist"(das heißt dein Zusammenhange nach, im Sinne: eine Eroberungspolitik im Orient; vor allein auf dein Balkan). I» diesem Sinne müsse die Forderung Sinowjews respektiert iverden und Rußland habe als Beschützer der slavischen Völkerschaften die Mittet, auf die iiiiverzügliche Erfüllung seiner betreffenden Forde- rnngen zu bestehen.„Vermöge die Türkei die gegen die C h r i st e n entfesselten„ B e st i e n" nicht zur V e r- nnnft zu bringen, fo»verde Riitzland es thun müssen!"—_ z!>Ärlkttnenkc»vifrfzes. Von der Koniniunalkoinniission deö Herrenhauses wurde die dem Hause zugegangene Vorlage betreffend die Besoldung der G e in e i n d e s ch ö f f e n(Novelle zur Landgcmeindc-Ordnnng.) unverändert a n g e n o m m e». Der Boeren- Krieg. Die Mission Wolseleys. AnS London»vird gemeldet: In ministeriellen Kreisen»vird nun- mehr zugeslandcn, daß es sich bei der Reise Wolseleys nach Süd- afrika n»n eine>v i ch t i g c Mission handle. Angeblich soll derselbe den Friedensschluß herbeiführen oder,»venu dies noch nicht möglich sein sollte, einen neuen durchgreifenden Feldzugsplan feststellen. Weiter verlautet, daß sich die Re- gicrung mit dem Gedanken trage, den Mitgliedern der Boeren- Mission freies Geleit nach Südafrika zuzngestcheii, damit dieselben beim eventuellen Fricdensabschlnß behilflich seien. Die Erkrankung Cecil Rhades. Nach einer Meldung ans Kapstadt ist der Znstand Cecil Rhades andauernd schlecht. Die Königin von England sandle folgendes Telegramm an ihn ab:„Ich erfahre mit großem Bedauern Ihre schwere Krankheit und bitte Gott, Ihnen die Gesundheit»vicder zu schenken." Der König und Lord Nosebery sandten ebenfalls Telegramme. Lord Kitchener telegraphierte, man solle ihn täglich iiber den Gesundheitszustand informieren. Man glaubt allgemein, daß die Auflösung Cecil Rhades bevorstehe. Sn dirn GetneittdetvÄlhlrn. Treptolv-Vounischulciiweg. Unsre gestrige Gerneindevertreter- Wahl bot wieder das übliche Bild. Als die persönlich erschienene» Wähler ihre Stiiuiucn abgegeben hatten,»var niiser Kandidat, Genosse Karow, mit ca. 100 Stimmen absoluter Mehrheit den beiden gegnerischen Kandidaten vorauf. Nach Abgabe der Papierftiinmen für den konservativen Kandidaten Nickel ergab sich folgendes Resultat: Genosse Karo w 260. Nickel 220 und Schinner 65 Stinunen. Mithin Stichwahl zwischen Karolv und Nickel. Wilmersdorf. Die Stich>v ah len zur Gemeindevertretung sind für die in Betracht kommende dritte Abteilung auf den 26. und 27. März angesetzt. Bekanntlich hatte die Hauptwahl das Resultat, verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Vadiu daß unsre Parteigenossen Hilpert, Schröder und Meyer im ersten Wahlgange gewählt»vnrden; die auf Meyer gefallenen Stimmen wurden von der Mehrheit des WahlvorstandeS aber für ungültig erklärt, weil das Wahlrecht dieses Kandidaten ruhen sollte. Gegen diesen Beschlutz haben unsre Partei- genossen Protest eingelegt, da es nach ihrer Ansicht dem Wahlvorstand nicht zusteht, sich um die Wählbarkeit der ausgestellten Kandidaten zu kümmern; diese Befugnis kommt nur der Gemeinde- Vertretung zn. Bei der Stichwahl werden die bürgerlichen Parteien unter sich fein, unsere Parteigenossen üben W a h l e n t h a l t u n g. Welche Konseqnenzen der Beschluß des Wahlvorstandes hatte, ergiebt sich daraus, daß einer der Slichwahlkandidaten bei der Haupt- wähl 145, ein anderer gar nur 13 Stimmen erhielt, Ivährend auf unseren Parteigenossen Meyer 729 Stimmen fielen. Bei der G e w e r b e g e r i ch t s w a h l der Arbeitnehmer er- hielten unsre Parteigenossen im I. Bezirk 257 Stimmen, im 2. Be- zirk 42, im 3. Bezirk 76 und im 4, Bezirk 51 Stimmen. Gegen- kandidaten»varen nicht ausgestellt. Johannisthal. Heilte, Donnerstagnachmittag von 4 bis 7 Uhr findet in» Lokal von Heimlich, früher Lenze. Friedrichstr. 61, die Ergänzungswahl für die 3. Abteilung zur Gemeindevertretung statt. Von der Arbeiterschaft ist der Gastwirt Hermann M e r t i n s aufgestellt. Die Gegner beabsichtigen, diesmal sich ernsthaft an der Wahl zu beteiligen und haben in dem Kolonistcii Wilhelm Bausemer einen Gegenkandidaten aufgestellt. Es wird nun versucht, den abhängigen Teil der Wählerschaft zur Stimmabgabe für diesen Gegenkandidaten zu veranlassen und somit dürfte die Wahlbeteiligung eine bedeutend größere sein als vor zwei Jahren. Pflicht der Genossen ist es. alles anfzubieten, damit nnser Kandidat den Sieg davontrage. Scheue keiner den gc- ringen Zeitverlust und verlasse sich nicht darauf, daß er ja doch ge- wählt wird. Die Vorkommnisse in der Gemeindevertretung, nament- lieh in letzter Zeit, müssen für die Arbeiter ein Ansporn sein, dafür zu sorgen, daß unser Kandidat Hermann McrlinS mit großer Majorität gewählt werde. AdlerShof. Heute abend 8'/e Uhr Versammlung des Wahl- Vereins im Lokal von Scheer in K ö.p e n i ck. Es spricht Genosse Rechtsanwalt Victor F r ä n k l über den 18. März und seine Be- deutnng für das Volk. In»»veiteren steht die Besprechung der bc- vorstehenden Gemeinderats wähl und die Aufstellung eines Kandidaten auf der Tagesordnung. Dalldorf und Borsigtvaldc. Die Wahlzeit ist. trotzdem»vir beantragt haben, sie bis abends»im 8 Uhr anszndehnen, ans eine für die arbeitende Bevölkerung ungünstige Zeit festgelegt worden. Die Wahl findet heute von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im Lokale des Herrn K r a u s e in Dalldorf. Hanptstr. 23. für die genannten Orte statt. Parteigenossen, laßt Euch durch die ungünstige Mahlzeit nicht von der Wahl abhalten, sondern erscheint Mann für Mann an der Wahlurne; zeigt dem Gegner, daß Ihr gewillt seid. Eure Interessen selber zu vertreten und agitiert für unsre Kandidaten Sckilosscr John Adam und Klempner Emil E ck a r d t. Sorgt dafür, daß sie mit großer Majorität gctvählt iverden. Vorwärts zum Sieg! In Drewitz bei Potsdam wurde gestern der von unsre» Genossen aufgestellte Maurer Dürre nnt 26 gegen 14 gegnerische Stimmen zum Gerneindevertreter gelvählt. Zfckzke LlttlhviMett und Dcpesrhen. Der Zwcibund und der euglisch-japauischc Vertrag. Paris, 19. März. Die„Agence Havas" veröffentlicht folgende Note: Die diplomatische» Vertreter Frankreichs und Rußlands haben heute den M i n i st e r n d e r a u s w ä r t i g e n A n g e l e g e n- heiten der Mächte, Ivelche das Protokoll von Peking an» 7. September 1901 unterzeichnet haben, folgende Erklnrnng mitgeteilt: Die verbündeten Regierungen von Frankreich und Rußland, denen der englisch-japanische Vertrag vom 30. Januar 1902 mitgeteilt worden ist— ein Vertrag, der ab- geschlossen»vurde,»im den Statusqno und den allgemeinen Frieden im äußersten Orient zn sichern und die Unabhängigkeit Chinas und Koreas, die für den Handel und die Industrie aller Nationen offen bleiben sollen, aufrechtzuerhalten— waren völlig befriedigt, in diesem Vertrage die ivcscntlichen Grundsätze vorzufinden, die sie selbst zu»viedcrholten Malen � erklärt haben aufzustellen und»velche die Grundlage ihrer Politik bleiben. Die beiden Regiernngen sind der Ansicht, daß die Re- spcktierung dieser Grmidsätze zugleich eine Garantie ist für ihre speziellen Interessen im äußersten Orient. Gleichwohl gezwungen, ihrerseits den Fall ins Auge zn fassen. Ivo eine aggressive Aktion der bctheiligten Mächte oder neue Wirren in China, Ivelcye die Integrität und die freie Entwickelnng dieser Macht in Frage stellen, zu einer Drohung für ihre Interessen iverden könnten, behalten sich die beiden verbündeten Regierungen vor, eventuell auf Mittel bedacht zn sein, uin sich einen Schutz zu sichern. Franenstiininrccht abgelehnt. Brüffrl, 19. März, 5,15 nachmittags. Die Repräsentantcn- kammer verwarf das Stimmrecht für die Frau in der Stadt soivohl als ancki in der Provinz mit 56 gegen 24 Stimmen; 53 hatten sich der Abstimmung enthalten._ Kabinrtts-KrisiS. Belgrad, 19. März. ä f t s l ä d e n zu schließen als K n n d g c b n n g gegen die Konkurrenz der K o n s u ni v e r e i n e. London, 19, März.v teiuperamcutvoll und fesselnd in großen Zügen die historischen Ereignisse und die Verhältnisse, die zur Revolution führten, die Vorgänge vom 18, März selbst, ivies auf die daran folgende Reaktion hin und legte klar, warum bie Ideale jeuer Zeit nicht erreicht wurden und unter den damaligen Ver- hältuisscn mit den angewandten Mitteln nicht' erreicht werden konnten. Der Redner schloß mit dem Hinweis auf den gesetzlichen, ruhigen Kampf des modernen Proletariats, das durch Organisation, durch energische, unablässige Agitation sicher und im. aufhaltsam vorwärts schreitet auf der Bahn, die zur Befreiung des Volkes führt und führen muß»— Begeisterter Beifall zeugte von der trefflichen Wirkung, die der Vortrag auf die Anwesenden ausübte, Erhebende Gesangsvorträge der Freien Liedertafel gaben der Feier einen würdigen Abschluß.— Im s c ch st e ii Wahlkreise fanden nicht weniger als fünf Vcrscchnulnngen statt. Im Kolbcrger Salon hatten sich zahlreich die Parteigenossen und Genossimien des Wcddings versammelt, um daS Andenken der Vorkämpfer der Freiheit würdig zu feiern. Nachdem der stimmungs volle Eiiilcitungsgesang verklungen war. nahm Redacteur H. S t r v b e l das Wort. Er legte die Ursachen der Revolution von 1848 dar und schilderte die hauplsächlichstcii Ereignisse des tollen Jahres, wobei er die Lügen kennzeichnete, durch die versucht worden ist. den Sieg des Volkes zu verkleinern und dieses selbst zu verunglimpfen. Seinen Ausführungen, die er mit Hinweisen auf die Aufgaben des niodernen socialistischen Proletariats schloß, stinimten die Versammelten begeistert zu. Der große Saal von Ahrens Braiierei war von den M o a b i t e r Genossen bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier feierte Stadtv. E Iv a l d in schwungvoller Rede die Bedeutnug des Tages. Nach dem er sich über die Kämpfe von 1348 und über die Pariser Kommune von 1870 ausführlich geäußert hatte, zeigte er, ivie die ebenfalls nach Freiheit. Gleichheit und Gerechtigkeit strebende moderne Arbeiterschaft drangsaliert und chikaniert werde. Unter lebhaftester Znstimnnmg geißelte er das System, das den Judaskuß des Naporra möglich gemacht und neben vielen andren nnsrcn braven, damals kräftigen und gesunden Witkoivski dein Siechtum, den, Tode in die Arme getrieben hat. Redner schloß mit Liebknechts Worten: Dem 18. März von Berlin und Paris werde ein neuer Völkerfrühling, der Menschheit Frühling, folgen. Die deutsche Socialdemokratie er- warte ihn und bereite ihn vor, indem sie sich selbst vorbereite! lGroßer Beifall.) Mit Gesang, Ivie sie begonnen, endete die Ver sammlung. In der Versammlung auf dem Gesundbrunnen, die bei Zimmermann in der Badstraße tagte, hielt P f a n n ku ch das Referat. In eingehender Weise legte er den zahlreich erschienenen Zuhörern die Ursachen und den Verlauf des Freiheitskampfes dar. Mit lefr hnftcm Beifall nahm die gut besuchte Versammlung den wirkungs vollen Vortrag entgegen. In Wernaus Saal in der Schwedterstraße fand eine Ver sammlung für die Genossen der R o s e n t h a I e r V o r st a d t statt. Hier hielt Reichstags- Abgeordneter H e r z f e I d den Vortrag. Nach einer Erörterung der Revolutionsgeschichte zeigte der Redner, daß die Zeiten des Barrikadenkampfes, wo eine eilt- schlossene Minderheit die Mehrheit mit fortreißt in den Kanipf, vor- bei seien, und daß die Ziele der Socialdemokratie erreicht werden. indem diese sich durch den Gebrauch des allgemeinen Wahlrechts die Mehrheit und damit den Sieg erringt. Durch ungeteilten Beifall zeigten die in großer Zahl Versammelten ihr EinverständuiS mit dem Referenten. Eine Versammlung für die Schönhauser V o r st a d t hatte Genosie Wünsch nach dem Berliner Prater berufen. Der Andrang war hier so stark, daß der vollbesetzte Saal schon vor Beginn der Versammlung durch die Polizei abgesperrt ivurde. Den Vortrag hielt ReichStags-Abgeordnetcr W u r in. In seiner mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede ivürdigte er die Bedeutung des TageS. Er zeigte, daß daS Proletariat höhere und erhabenere Ziele verfolgt Ivie die bürgerlichen Revolutionäre der Bergaiigeuheit, und daß die Fortschritte, ivelche die Socialdemokratie seither gemacht hat, für den Sieg ihrer Ideale bürgt. In der Gambrinus- Brauerei zu Charlottenburg hatten sich gegen 300 Genossen und Genossinueu eingefunden. Fanny I m l c entrollte in fast zweistündigem Vortrage ein Bild der März- kämpfe von 1848 und der Kommune von 1871. Mit gespannter Auf- mcrksamkeit folgten die Zuhörer den beredten und begeisternden AnS- führungen und spendeten der Rednerin am Schluß tosenden Beifall. Mit einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie schloß Scharnberg die würdig verlaufene Versammlung. Der socialdemokratischo�Wahlvcrein für Schön eberg feierte den 18. März in seiner Mitglieder- Versanunlung bei Obst. Vor Eintritt in die Tagesordnung ordnete der Polizcibeamte die Entfernung der zahlreich erschienenen Frauen an. Nach längerem Protest des Vorsitzenden wurde dem Verlangen der Behörde stattgegeben. Die Versammlung revanchierte sich durch Hinausweisen eines Kriminalbeamten. Nunmehr erhielt Reichstags-Abgeordneter Zubeil daS Wort zu feinen. Vortrage:„Was lehrt uns der 13. März?" In der Einleitung geißelte derselbe scharf das Vorgehen der Polizeibehörden, wenn es sich um Versamm- lnngen der Socialdemokratie bandelt, gegenüber de» Versammlungen andrer politischer Bereine.— Uebergeheud zu seinem Vortrage führte der Referent ans, daß der Monat März nicht nur für die Natur, sondern auch für die politische Bewegung der Frühlingsinonat sei. Mit einem kräftigen Appell an die Anwesenden, für die Ziele der Socialdemokratie zu agitieren, schloß der interessante, von lebhaftem Beifall begleitete Vortrag.— Mit einem brausenden Hoch auf die internationale, völkerbefreiende Socialdemokratie schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. In W e i ß e n s e e hielt Waldeck Manasse vor einer imposanten Versammlung im„Prälaten" eine der Bedeutung des TageS angemessene Rede. Er schilderte die Entlvicklung der modernen Gesellschaft von der französischen Revolution an bis jetzt, wies auf die Hanptmomente der achtundvierziger Beivegnng hin und gedachte der 102 Opfer des Kampfes in Berlin. Dem bekaunten Ausspruch: „DeZ Königs Wille ist das oberste Gesetz' hielt er entgegen:„Des Volkes Recht, des Volkes Wohl ist Gesetz I" Die Feier wurde durch deij Vortrag mehrerer Lieder verschönt. Gemeindewahlc«. Socialdemokratische Gemeinderatsmitglieder wurden gewählt in Atzendorf und Z w i t s ch ö n a in der Provinz Sachsen und in G o l d l a u t e r in Thüringen. Für den Reichstags- Wahlkreis Frankfurt- LebuS wurde der Genosse Dr. Heinrich Braun aus Berlin als Kandidat aufgestellt. Die Ausstellung erfolgte am Sonntag durch einstimmigen Beschluß der Kreiskonferenz, nachdem der bisherige Kandidat, Genosse M e tz n e r- Berlin, die Erklärung hatte abgeben lasten, daß er nicht wieder kandidieren könne. Die socialdcmokratischen Vereine Hamburgs haben in den letzten zwei Jahren eine ganz erfreuliche Mitgliederzunahme zu ver zeichnen. Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1809: 11864, 1900: I2SS1 und 1901: 13 774. Trotzdem ist die Zahl gering gegenüber der Zahl unsrcr Wahlstimmen, die bei der letzten' Wahl 82 129 betrugen. Das„Hamburger Echo" hat allein in der Stadt Hamburg 23 457 Abonnenten. Totenliste der Partei. In Niedersedlitz bei Dresden starb ganz plötzlich am Herzschlage der Lagerhalter Hermann L ö b e l. Der Verstorbene, der früher Metallarbeiter Ivar, hat sich um die Partei in Sachsen sehr verdient gemacht. Zur Zeit des Socialistcngesetzes war er in Chemnitz und stand dort in den vordersten Reihen der kämpfenden Genossen. Dann hat er jähre lang dem Vorstande des socialdemokratischen Vereins für den 6. sächsischen ReichstagS-Wahlkreiscs angehört und hat für die Be festigung und Ailsbreitirng der Organisation in diesem Kreise viel geleistet'. Die dortigen Genossen werden ihm ein treues Andenken bewahre». „BornholmS Gocial-Demokrat" ist der Raine des jüngsten Organs misrer dänischen Bruderpartei, dessen erste Nummer am Freitag voriger Woche erschienen ist. Es ivar ein langgehegter Wunsch der Arbeiter und kleinen Leute auf Bornholm, ein eignes socialdemokratisches Parteiorgan zu besitzen. DaS Blatt wird ge druckt und herausgegeben in Rönne. Die focialdemokrattsche Presse Schwedens hat ebenfalls einen Zuwachs erhalten. Das neue Organ erscheint unter dem Titel „A r b e ta r b l a d et" in Gefle, vorläufig wöchentlich einmal und ist für diese Stadt sowie für die»inliegenden Landschaften bestimmt. Wie ivir der uns zugegangenen, reichhaltigen Probe nnmmer entnehmen, zählt die„Gefle Arbeiterkonmmne'! die focial- demokratische Organisation der Stadl, 1173 Mitglieder, darunter 41 iveibliche, und da auch die Gewerkschaften sehr iveit vorgeschritten sind, kann man wohl annehme»«, daß das Blatt große Verbreitung findet.— Politelllcho», Vepichkliihes usw. — Anstiftnug zur Arbeit. Wie gestern schon berichtet, wurde» in Breslau vier Parteigenosse» wegen Fliigblattvcrbreitung des Sonntags zu Geldstrafen verurteilt und gleicherweise der Genosse Schütz wegen Anstiftnug dazu. Sie sollen öffentlich bemerkbare Arbeit geleistet und dadurch gegen die bekannte Vcrfrommungs verordming verstoßen habe». Während des Gottesdienstes haben sie nicht verbreitet, auch auf der Straße haben sie nicht verbreitet und der Staatsamvalt halte infolgedessen selber Freisprechung be- antragt. Das Gericht kam aber trotzdem zu einer Ver- urteilnng, denn, so sagte es. es sei jedenfalls auffällig, wenn mehrere Leute aus der Großstadt ans das Dorf kommen und dort Ivie Hausierer von Haus zu Haus gehen. Die Kinder und auch Erwachsene würden ausinerksam und sehen oder laufen den be treffenden Personen nach. Aber auch eine Arbeit sei hier geleistet worden. Denn schon die Thatsache, daß die Betreffenden im Partei Interesse die eigne Sonntagsruhe geopfert hätten und den Weg nach Nädlitz unternommen haben, stelle eine Arbeitsleistung dar. Der Mitangeschuldigte Schütz sei folgedesscn der Anstiftung zn dieser Arbeitsleistung ebenfalls schuldig und es mußte wie geschehen er- kannt werden. Diese Art, den Thatbestand der Arbettsleiftimg festzustellen, er- öffnet ganz neue Perspektiven für die Nechlsprechimg, da sie den Be griff der Arbeitsleistung aus dem Gebiete objektiver Merkmals bestimnnmg in das der subjektiven Empfindung verlegt. Die Zurück legmig eines WegeS am Sonntag kann natürlich nicht das objektive Merkmal einer Arbeitsleistung sein, da sonst jeder Spaziergänger des Sonntags eine Arbeit leistete. Danach kann man dann umgekehrt St-ineklopfcii nicht als Arbeit bezeichnen, wenn eS jemand zn seinem Vergnügen thut._ Aus Fnduflvio und Hsudel. Die Ausdchnuug der Großbanken, über die wir vor kurzem berichteten, macht weitere Fortschritte. Die Darmstädter Bank, die durch die Angliedcrnng der BreSIaner Disconto-Bank ihre» Geschäfts verkehr nach Norddcutschland besonders durch Uebernahme der Berliner Filiale der BreSlauer Discontobank erheblich ausdehnte, steht im Begriff, eine Fusion mit der Bank für Süddeiitschland einzugehen. Die Bank für Süddeiitschland, mit dem Sitz in D a r in st a d t, hat ein Aktienkapital von 15 672 300 M. und besaß das Privileg einer Zettelbank. Durch die Bant gesetz- Novelle ist die Thätigkeit der Bank sehr beengt, so daß man schon mit einer Liquidation rechnete. Die Aktien der Bank, die nach der letzten Bilanz auf 112 Proz. geschätzt wurden, werden durch Umtausch gegen Aktien der Darmstädter Bank, die 142 Proz. tehen, mit ungefähr 113 Proz. übernommen. Die Darinstädter vank gewinnt dabei ein hohes Agio und ihr fließen die Baarmittcl Ür das mit der Breslauer Bank abgeschlossene Geschäft zu. Die Darinstädter Bank mnß durch diese Traiisatlioncii ihr Aktienkapital um ungefähr 30 Millionen erhöhen und sie tritt damit an zweiter Stelle der Gioßbauken, indem sie mir noch von der Deutschen Bank überflügelt wird. Damit dürste der Zusammenschluß zn Großbanken noch nicht beendet sein, denn es wird bereits über eine Fusion der Berliner Bank mit der Berliner Handelsgesellschaft berichtet, ohne daß aller- dings bisher Bestiinnites bekannt wäre. Soviel ist sicher, die Eni- Wicklung der Großbanken macht Riesenfortschritte. Die Meckleuburg-Strelitzsche Hypothekenbank hat sich trotz der Sanieningsaktion aus ihrer bedrängten Situation noch nicht herausarbeiten können. Der Jahresbericht für das Jahr 1901 schließt mit einem Verlust von 4 770000 M. Die Anlage im Hypotheken- gcschäft beträgt 27 400 000 M. Für die Unterlagshypothekeii von 26 520 000 M. haften nur 5 350 000 M. bebaute Grundstücke, der Rest ist in der Umgegend von Berlin in Baustellen angelegt. Die Direktion glaubt, so lange keine Veränderungen im jetzigen Status eintreten, ans Grund sorgfältiger Ausstellung auf höhere Eingänge als rund 440 000 Mark zunächst nicht rechnen zu können. Da an Pfaiidbriefzinsen 311 694 M. zn verausgaben, für die Verwnltungs- kosten aber 140 000 M. erforderlich sind, zusammen also 451 694 M. und weitere Nealisiernngen ertragloser Objekte. augenblicklich nicht bevorstehen, so läßt sich der Zeilpunkt, zn welchem eine Erhöhung der Psandbrief-Zinsquote möglich sein Ivird, noch nicht übersehen. Zur Krise. Die Metallarbeiter in Halle beschloffen jüngst' in einer Berjamnilimg. an den Vorsitzende» des Verbandes der Metall- industriellen das Ersuchen zu richten, ältere Leute bei den weiteren Eiitlassmigcn zu verschonen! sollte noch größerer Arbeitsmangel ein- treten, dann möge die Arbeitszeit cntsprechciid verkürzt werden. Der rüher« Direktor der Halleschen Maschinenfabrik und Eisengteßerci, K o m m e r z i e n r a t Riedel, der an den von der Regierung veranstalteten„Erhebungen" über die Arbeitslosigkeit und die Ver- ammlung der Bürgermeister, Gemcindcräte, Regierungspräsidenten»c. teilnahm, entgegnete darauf schriftlich: „BiS jetzt habe die Entlassung von zum eigentlichen alten Stamm gehörigen Arbeitern umgangen' werden können. Dagegen herrsche aber die größte Sorge wegen de" zweiten Halb- jahrcs dieses Jahres. Dauert die Krisi's. unter der jetzt die Zucker- fabriken leiden, und die durch die Brüsseler Konferenz noch verschärft zu werden droht, länger an. so tvird die Hallesche Maschinen- fabrik, so traurig dies ist, auch zur Entlassung alter tüchtiger Arbeiter schreiten müssen." Arbeitcrentlassungcn auf den Rnhrzechc». Wie mitgeteilt wird, sind am 16. März 2000 Bergarbeiter gekündigt. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Ein Agent für Arbeitsvrrmittelung im Bangewrrbe treibt seit einiger Zeit sein Untvesen. Da bei der gegenwärtig ungünstigen Geschäftslage Leute, die ans der Not nichtbeschäftigter Arbeiter sich eine Einnahmequelle verschaffen wollen, leider nur zu leichtes Spiel haben, so möchten wir vor diesem Herrn ganz besonders warnen. Die Geschäftspraktiken des Vermittlers sind folgende: In einer Annonce, die in mehreren Zeitungen erschien, wurden Poliere, die sich einen Nebenverdienst erschaffen«vollen, aufgefordert, sich unter einer Chiffre zu melden. Die Reflektanten erhielten dann eine hektographierte Zuschrift, in der ihnen mitgeteilt wurde, daß sie für jeden Arbeiter, den sie durch Vcrmittelnng des Bureaus an- stellen, 60 Pf. erhalten. Unterzeichnet ist die Zuschrift: Wilhelm Neinhold Zimmermann, Maurer- und Zimmer- meister, Brüd erstr. 15. Bald darauf erschienen dann in den Zeitungen wieder Annoncen, nach tvelchen Maurer und Zimmerer unter obiger Adresse verlangt wurde». Die Arbeiter, die sich meldeten, fanden in der Brüderstraße. 15 ein kleines Zimmer mit einigen dürftigen Bureau- Utensilien. Von einer Arbeitsvermittlung hat bisher niemand etwas erfahren, der Leiter selbst ist schwer ausfindbar, auch konnte bisher über feine gegen- wärtige, noch vergangene Erwcrbsthätigkeit Gutes nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Bekanntgabe des Geschäftsgebahrens dieses Agenten dürfte geniigen, um die Arbeiter zu veranlassen, auf diese Arbeitsvermittlung zu verzichten. Deutsche» Reich. Der VerbandStag des Verbände» deutscher Gastwirts- gehilfeu, der am 18. März in Mainz zusammentrat, war von 30 Delegierten ans 18 Ortsverwaltiingen beschickt. Außerdem sind anwesend von der Hanptverwaltnng Poetzsch, S t r öjh l i» g e r und Mörschel, von der Generalkominission: S a b a t h- Hamburg. Dem gedruckt vorliegenden Bericht, von dem Ivir bereits einen Anszirg gc- geben' haben, fügt Poetzsch einiges bei; den Kassenbericht qi'cbt Ströhlinger. Die Diskussion über diese beiden Punkte füllen den ganzen Tag ans. Schließlich wird, nachdem Reiter- Hamburg den Bericht des Ausschusses erstattet hat, der Hauptverwaltung, dem Hauptkassterer und dem Ausschuß die Dcchargc erteilt. Die vom Verband der Lederarbeiter lWeißgerber, Färber zc.) vorgenomniene Urabstimnmng über die Einführung der Arbertslosen- Unterstützung ergab die Annahme derselben mit 2551 gegen 1416 Stimmen. Zur Bctvegnug der Schneider. Wie in München steht auch in N ü r n b e r g' eine Aiissperrmig der Schneider bevor. Die Arbeiter der Firma Z o e l t s ch fFiliale eines Münchener Geschäfts) haben n»f das Ersuchen der Münchener Ausgesperrten hin einstimmig beschlossen, am Donnerstag früh die Arbeit niederzulegen, wenn bis Mittwoch- abend in München der Tarif nicht unterzeichnet ist. Es besteht nämlich der Verdacht, daß in diesem Zweiggeschäft Münchener Arbeiten angefertigt werden. Eine Schneider- Versanmilmig hat den Beschluß gebilligt. Der Vorsitzende des Arbeitgeber- Verbandes hat nun der Kommission auf Anfrage erklärt, daß im Falle der Arbeitsniederlegung bei genannter Firma auch die übrigen Mitglieder des Verbandes ihre sämtlichen Arbeiter aussperren würden.— Die Schneider in Mannheim beschlossen-die Arbeitsniederlegung. Alle Unterhandlungen sollen nur durch die Lohnkonimission geführt werden.— In U l in ist die Lohnbewegung, nachdem sämtliche Firmen eine, wenn auch nicht der Höhe der Fordernngen entsprechende Anfbessernnggelvährten, vollständig beendigt.— In Reichenbach im Vogtlande belvilligten sämtliche Schneidcrgeschäfte ihren Arbeitern zum Teil bedeutende Lohnziilagcn. — I» H a l b e r st a d t sind die Differenzen mit der Firma Cohn- heim beseitigt.— In FI e n s b n r g haben noch mehrere Meister bewilligt. Nachdem etwa 20 Gesellen abgereist sind, beträgt die Zahl der Streikenden 54. Darunter sind 45 Verheiratete mit 95 Kinder». — I» H» s u m ist es zum Streik gekonimen, nachdem die Meister die Forderungen der Gesellen abgelehnt haben. Schneider thuu gut, bei Arbeitsangeboten durch Zeitungs- Amioiiceii stets geuane Erkundigungen einzuziehen, da vielfach durch Inserate Streikbrecher gesucht werden. Die Forderungen der Schuhmacher in K i e l haben 20 Meister mit 36 Gesellen anerkannt. Die Maurer«ud Zimmerer von Quedlinburg haben ihren Arbeitgebern die Forderung von 35 Pf. Stiindcnlohii unterbreitet; die Bangewerks-Jnnnng hat diese bescheidene Forderung abgelehnt.— Es muß abgewartet werden, ivie sich die Arbeiter dieser Zurück- Weisung gegenüber verhalten werden, Sechzig Erdarbeiter, die in dem Sandloche zn Brackwede beschäftigt sind, haben die Arbeit niedergelegt. Die Arbeiter, sämtlich Schlcsier, forderten einen Stundenlohn von 35 Pf. für jetzt 30 Pf. Der Unternchmrr bot ihnen statt dessen eine— Verlängening der Arbeitszeit von 10 auf 12 Stunden täglich. Dafür dankten die Arbeiter denn doch und legten, obgleich sie sämtlich nnorgauisiert sind, die Arbeit nieder. 30—35 Holländer arbeiteten weiter. Die- selben arbeiten in Accord und erhalten für 6 Kubiknictcr Sand 70 Pf. Im de» Abwchrstreik sind in Isenburg weitere 19 Maler und Lackierer getrete», Iveil auch die Firmen, bei denen sie beschäftigt waren, Tarisiürzimgeii vornahmen. Die Gesamtzahl der AnSständigen beläust sich nun ans 52 Verheiratete und 30 Ledige. Die wenigen RanSreißcr werden abends durch die Polizei in die Wohnung eines verheirateten Arbeitswilligen geleitet und untergebracht.— Die Situation ist für die Ausständigen günstig, falls Zuzug fernbleibt. Achtung, Schuhmacher! Infolge Lohnreduktionen wurde von der Firma Arthur Kunze in Oschatz bei Leipzig, nachdem eine Koni- Mission von sechs Arbeitern mit dem Chef keine Einigung erzielte. allen Slückarbeitern gekündigt.— Zuzug nach Oschatz ist deshalb zu vermeiden. Die Weber der Firma C. F. Dürr in R e i ch e n b a ch im Vogtlande haben die Arbeit eingestellt. Sie fordern die Entlassung eines mißliebigen Arbeiters. Die Steiumetzcn bei der Firma Hüscr in Brau«schweig treikten, weil sie bei den Accordsätzen der Firma nicht aiiskommen öiniten. Dieses Verbreche» zeigt der Unternehmer andern Steinmctz- rinneit in einer schwarz e n Liste an, die 16 Namen von Streikenden enthält. Anölaud. lW)0 jüdische Schneider und Schneiderinnen in Lemberg änd in den Streik getreten. Die Meister wollten die Arbeitszeit von 11 auf 12 Stunden erhöhen. Die Arbeiter sollen ferner auf die Istägige Kündignngszeit verzichten, anderseits verpflichtet sei», alle angefangenen Arbeiten zn beendigen. Sociales. Der Banarbeiterschntz in Preußen. J» der l>on uns bereits erlvähnten erneuten Petition der Bon nrbeitcr an den prenszischen Landtag wird ein einhcilliches Landes- gesetz niit Vorschriften zuin Schutze der Bauarbeiter gefordert. Die bisher erlassene» Polizeivorschriften sind nicht nur an sich Mangel- Haft und ungenügend, sondern erfassen auch nur eine» kleinen Teil des Landes. Auch die grundsätzlichen Vorschriften der Gewerbe Ordnung, deS Strafgesetzbuches. des Unfallversicherungs Gesetzes biete» den baugewerblichen Arbeitern keinen genügenden Schutz. Die von den Berufsgenossenschaften erlassenen Unfall- verhiitnngS-Borschrtften bleiben auf dem Papiere stehen, weil die Berufsgenossenschaften zu ihrer Durchführnng nichts thnn. So hat die Nordöstliche Bnugewerks-Bernfsgenossenschaft mit 177 47S Ver� sicherten ganze sechs Beauftragte zur Ueberwachung der Unfall� Verhütung, die Hannoversche und Schlesisch-Posensche Berufsgenossen' schaft hat überhaupt keinen Beauftragten und für ganz Preichen hatten die Baugeiverks- Berufsgenossenschaften insgesamt 29 Be- auftragte. Deshalb sind auch die Ausgaben für diesen Zweck ganz geringfügig und daraus erklärt es sich, wenn die Vorschriften über die Unfallverhütung so gut wie gar nicht beachtet werde». In, Soinmer 1000 haben die Vertrauensleute der Bauarbeiter in 109 preiiszische» Orten auf 2301 Bauten, von denen 1198 in Händen von Jnnungsmeistern waren, Erhebungen angestellt. Dabei ergab sich, daß nur auf 993 dieser Bauten die Unfallverhiitiings-Vorschriften ausgehängt waren. Daraus erklären sich dann die erschreckend hohen Zahlen der Verletzten, die bei der Nordöstliche» Baugewcrks-Berufs- gcnossenschaft im Jahre 1900 über 45 auf 1000 Versicherte betrugen. Die Petition verlangt deshalb mit Recht nicht bloß gesetzliche Schutzvorschriften, sondern auch genügende Kontroll- Vorschriften und Heranziehung der Arbeiter zu der Kontrolle. Eine ausführliche Behandlung erfahren auch die Berufs- krankheite» und die zu dere» Bekämpfung nötigen sanitären Vor- schriften. Für die zu erlassenden Vorschriften werden ausführliche Vor- schlage gemacht. Es wäre dringend zu wünschen, daß das Abgeordnetenhaus den berechtigten Forderungen der mehr als 800000 Arbeiter endlich Beachtung schenkte. Bei der Arbeitslose»- Zählung, die von den Gewerkschaften m Brandenburg vorgenoinineu wurde, ergab sich, daß 783 männliche und 42 weibliche Arbeitslose vorhanden Ivaren. Davon waren 534 verheiratet und hatten 1057 Kinder unter 16 Jahren. Fast ein Drittel der Arbeitslosen, nämlich 240, waren zwei bis drei Monate arbeitslos. Mit verkürzter Zeit arbeiteten 161 Personen. Eine RcgiernngSdorlage über die WohnmigSfKrsorge für Minderbemittelte ist der zweiten hessischen Kammer zu- gegangen. In dieser Vorlage ist vorgesehen, daß zum Bau kleinerer Wohnungen die Geineinden bei der Landeskreditkn,se Darlehen auf- nehmen können bis ziun vollen Betrag der Kosten für den Eriverb des Baugeländes sowre der Bauansführung. Für bedürftige Ge- meiiide» soll ausnahmsweise der Zinsfuß für die in den ersten zehn Jahren nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zu gewährende» Dar- leljcii auf die gleiche Zeitdauer auf'/e Proz. ermäßigt ivcrden können. Der Fehlbetrag au Ztusen soll als staatlicher Zuschuß zur Förderung des Wohnungswesens alljährlich im Hanptvoranschlag besonders vor- gesehen werden. Auch können diese Darleh» an'Gemeinden, die nicht selbst zum Bau kleiner- Wohnungen schreiten. ab- gegeben iverden, wenn sie für gemeinnützige, rechtsfähigen Vereinigungen verlangt werden, die sich die Erbauung von Wohnnngen für Minderbemittelte zur Aufgabe gestellt haben. Wird ans Grund dieser Vorlage die mietsweise Benutzung der Mehrzahl von gesund- hcitsschädlichen Wohnungen in einen, Hause untersagt und der Hauseigentümer kommt dem Verlange» auf Umbau oder Nieder- legung des betreffenden Hauses nicht nach, dann ist die Gemeinde zur Enteignung des Hauses nebst Geländes ztvecks Herstellung von Wohnungen für Minderbemittelte befugt. Weiter sieht die Vorlage eine L a n d e s- W o h n u n g s i n s p e k t i o n vor. welcher die Auf- gäbe zufallen soll, im Zusainmenwirken mit staatlichen und kommunalen Behörden vorhandene Mißstände ini Wohnungswesen Minder- bemittelter festzustellen und sie dann in Gemeinschaft mit dem hessischen Centralverein für Errichtung biNiger Wohnungen sowie den gemeinnützigen Bauvereinen zu beseitigen. Liegt Armeiiniiterstütznng vor, wen» der Ortsarme, t- verband zn Gunsten cincS Hilfsbedürftige» eingreift, dem eine Nnfallrente zusteht, für den fie aber noch nicht erstritten ist? Diese Frage ist in ständiger Praxis vom Bundesamt für das Heiinatsiveseu und vom preußischen Ober-Verivaltungsgericht bejaht. Dieser Anschauung hat sich in jüngster Zeit auch das sachsische Ober- Verwaltungsgericht aus Anlaß einer Klage zwischen Löbtau und Dresden angeschlossen. Die Krcishauptmannschaft hatte als Ver- waltungsgericht umgekehrt ciilschicden. In dem sächsischen Fall hatte Löbtau dem Verletzten eine Ilnterstützung in der Höhe gezahlt, die nachher dem Verletzten als Rente zugesprochen wurde. Die Ilnter- stiitzung Ivurdc hernach durch Beschlagnahme der später erstrittenen Rente von Löbtau eingezogen. Dennoch verliert der Verletzte sein Wahlrecht, weil das ihm vom OrtSarmenverbande Gezahlte als Armenunterstütznng gilt. Auf diese ungeheuerliche Eni- rechtung durch Bummelei der B e r u f s g e» o s s e n s ch a f t e n ist im Reichstage wiederholt hingewiesen worden. Die Mehrheit lehnte aber einen Antrag ab, der dies durch Einführung vorläufig vollstreckbarer Entscheidungen der Schiedsgerichte, die innerhalb der ersten 13 Wochen nach dem Unfall ergehen sollten, vermeiden wollte. Die Vorschrift des§ 77 des Krankcnversichcrungs-Gcsetzcs, nach der Unterstützungen, die nach Maßgabe des Krankenvcrsichcrlings-Gesctzes durch Krankenkassen ersetzt sind, nicht als öffentliche Arnienunterstützung anzusehen sind, gilt in gleicher Weise nicht für Unfallrenten. Sie ist auch unzulänglich, weil solche Unterstützungen nach einer freilich umstrittenen Entscheidung des Bundesamts für das Heiinatsiveseu erst dann den Charakter als öffentliche Arineminterstiitzung verdienen, ivenn sie thatsächlich ersetzt worden sind. Die Motive zum Kranken- versicherungs-Gesetz nahmen an, daß solche Unterstützungen selbst- verständlich nicht als Armenunterstiitzungen gelten können. Der Rdchstag fügte vorsichtshalber den§ 77 des Krankenversichernngs- Gesetzes ein, unterließ aber eine gleiche oder iveitergehende Vorschrift beim Uufallversicheruilgs- Gesetz. Derartigen' Unter- stützungen den Charakter öffentlicher Arme n Unterstützungen zu nehmen, wäre dringend erforderlich. Unfallversicherung. In Luxemburg ist man mit der Schaffung eines Unfall- Versichcrungs-Gesetzes beschäftigt. Das Projekt, ivelches der Kammer des Großhcrzogtums vorliegt, ist im großen und ganzen dem deutschen Unfallversichcrnngs-Gesctz nachgebildet. Das Princip ist die obligatorische Bersirberungspflicht aller Arbeitgeber für alle bei der Arbeit sich ereignenden Unfälle unter Ausschluß der Fälle, die auf die Vorsätzlichkeit des Verunglückten zurückzuführen sind. Die Liberalen erklärten, daß sie für die obligatorische Versicherung ein- treten iverden, die Klerikalen jedoch brachten einen längeren Antrag ein, der die„Freiheit des Arbeitgebers" geschützt wissen wollte. Der Antrag wurde gegen 3 Stimmen und 4 Stimmenthaltiliigeii dissentierender liberaler Maiichestermäiiner abgelehnt. Schviften-Emgang. lieber Wandlungen in der Bolksernähruiig. Von vr. med. Alfred Grotj ah» in Berlin. Leipzig. Duncker 61 Humblot. 1,60 M. Katcchisnins der Unfallgesetigebiing. Von Fritz Halstenberg. Düsseldors. Verlag des Ausbreitungs-Verbandes der deutschen Gcwerk- vereine. Vriefllasten der Redaktion. Tie Inilstlsche TPrechsinndc findet täglich mit Zlnstiahmc des Sonnabends von?>/, bis 9'/, Uhr abcndS statt. Ostern. Uiiberauiit. <2. 3. 666. Das ist unmöglich. Bei der Heirat können Sie Ihr Kind aiierkcime». Es erhält dann Ihren Namen.— U- Z 999. Ein auf Reklamation Entlassener kann betraten. Wenn er die Unterstützimg gegen seine Mutter vernachlässigt, so kann er zur Abdienuug des Restes eingezogeii werden.— Paul H. Sie lönnten eineii Versuch machen, gegen die Kasse, nicht gegen den Chef bei der Gewcrbedcputation zu klagen. Der Erfolg ist indes ein höchst zweifelhafter, weil mindestens seit dem 1. März Ihr Aibcitsverhälluis gelöst ist.— Th> Kl., Swiiiciiinndcrstrasie. Ja. — Arthur PH. Sie brauchen nur die Einwilligung Ihrer Mutter.— Stern. I. Es heifet: mir frieren die Ohren. II. 1. Nachträgliche Genehmigung. 2. Antrag, der von Mitglieder» des Reichstags ausgeht. 3. Fortschritte. 4. Verhältniswahl. Ueber alle Fremdwörter giebt Jhnen ein Fremdwörterbuch, z. B. das von Liebknecht, Auskunft. Solche Bücher liegen in jeder öffentlichen Bibliothek aus.— G. S. 78. Dafür giebt eö keine Frist. Sie können nur entweder die Sachen öffentlich nach voraus- gegangener Androhung, des Verkaufs durch einen Gerichtsvollzieher ver- sieigeni lassen oder erst klagen und dann pfänden lasse».— A. P. Leider ist die Firma im Recht. Würden Sie es auf eine Klage ankommen lasten, so würden Sic verlieren. Versuchen Sie eine Einigung.— 31. W. Bestimmte Sätze find für Abfindimgen von llnfallreiiten bis 1b Proz. nicht vorgeschrieben. Der Verletzte kann nur auf seinen Antrag abgefunden werden, kann gegen den Entscheid der Bernfsgenossenschaft Berufung ein- legen und seinen Antrag bis zur Entlcheidiiug durch das Scbieds- gericht zurückziehen.— W. M. Eharlottenbiirg. 1. Ja. 2. Nein. — R. Wciidcii Sie sich an die Buchhandlung von Lederer, Berlin, Kur- straffe 37.- B. 3l. 1. 6-9 Mark. 2. Nein.- K. 5 u. 6. 1. Der Vater hat kein Recht, Ihr nach dem 31. Dezember 1899 geborenes Kind von Jhnen zu verlangen, sondern hat bis zum zurückgelegten 16. Lebensjahr des Kindes Alimente zu zahlen. 2. Einspruch gegen die Heirat Ihres früheren Verhältnisses können Sie nicht erheben, sondern nur auf Zahlung der Sechswochcnkosten und der Alimente klagen. 3. Ja.— T. 29. 1. DaS ist von Fall zu Fall, nach Maßgabe der erteilten Bauerlaubnis und des Gebrauchsabnahme-Scheins zu entscheiden. Erkundigungen können Sie nur bei der Polizei einholen. 2. Nein.— 74. Sch. M. 1. Die Selbstversicherer können eine Marke kleben, welche sie wollen; Ihr Bater ist also im Recht. 2. Von Ihres Bruders Nachlaß können die für ihn gezahlten Armeugelder nur für die Zeit abgezogen werden, in der er nicht hilfs- bedürftig war, aber Almosen erhalten hat.— K. T. 100. Vom 1. April. — 31. W. I. Da der Rechtsweg nicht ausgeschloffen ist, ist er gangbar. Zweifel könnten durch die Bestimmung in§ 17 Absatz 1 der Statuten entsteh eu. Jedoch dürste der Ansicht der Vorzug zu geben sein, daß durch diese Vorschrift der Rechtsweg nicht ausgeschlossen ist.— A. K. Das sind geringe körperliche Fehler, die voraussichtlich nur zu zweimaliger Zurück- stelluiig führen werden.— Reinickendorf 22a. Der Abzug vom Lohn ist unznlässig. DaS Jhnen Vorbehaltene können Sie beim Gewerbe- gericht einklagen.— C. P. 23. Nein; in der Regel wird aber ein solches gezahlt.— 100. Fünfzig Pfennige.— W. Nein. — H. 2.i Charlottenbiirg. Auch der fruchtlos exekutierte Schuldner kann über sein Vermögen frei verfügen. Seine Verfügungen sind nur dann strafbar und ungültig, wenn sie zwecks Benachteiligung des Gläubigers, zum Beispiel zum Schein, schenkungsweise und dergleichen vorgenommen sind.— F. B. 37. Wenden Sie sich direkt an einen der Anwalte. Ihr Anspruch erscheint aussichtslos.— M. B. 1. Wegen geringfügiger körperlicher Fehler aus ein Jahr zunickgestellt. Sie können noch genommen werden. 2. Leider ist die Frau im Recht.— Streitfrage. 31. F. 100,: Nein.— H. S. 30. Ein Minderjähriger kann für volljährig erklärt werden, wenn er das 18. Lebensjahr vollendet hat. Erforderlich ist. daß der Minderjährige und sein Bater oder, falls dieser nicht mehr lebt, seine Mutter in die Volljährigkeitserklärung einwilligen. Der Antrag ist an das Amtsgericht zu richten. Dies kann dem Antrag auch mit Rücksicht aus eine abzuschließende Heirat stattgeben.— K. T. W. I. Am 1. Januar 1904. 2. und 3.: Ja. — Jakobi«. Mit solchem Anspruch würden Sie nur dann durchdringen, wenn das Amtsgericht auf Antrag Ihrer Schwester gestattet, dem Eltern- hause fernzubleiben.— M. 9)1. 100. Der Ehescheidungsklage muß ein Sühncverfahren beim Amtsgericht vorangehen. Ist das Sühneverfahren fruchtlos geblieben, so können sie bei Ihrem Armenvorsteher eine Bescheini- gung darüber beantragen, daß sie zur Kostentragung unvermögend sind. Diese Bescheinigung und das Sühneattest reichen Sie dann beim Land- gericht ein, legen dar, aus welchen Gründen Sie klagen wollen iind bcantragen Bewilligung des Armenrechts. Dann wenden Sie sich behufs Klage-AnsteNiing an den Jhnen beigeordneten Anwalt.— N. O. Ja. — 3l. H. 1. Meldung ist nicht erforderlich, aber zulässig. 2. Nein. 3. Nein. — 18 jähriger Abonnent. 1. Etwa 24 Mark. 2. Giebt es nicht. 3. Nein. 4. Ja. Aus S. 36— 50 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers können Sie Ihre Pflichten erfahren. Das Buch liegt in de» öffentlichen Lesehallen aus.— Max Weift. 1. Vor erfolgter Eintragung in das Handelsregister besteht die Gesellschaft mit beschränkter Haftung nicht. Ist dennoch vorher im Namen der Gesellschaft gehandelt worden, so hasten die Handelnden persönlich und solidarisch. 2. Der Betrieb ist wie jedes andere Äe- werbe zur Steuer anzumelden. 3. Sie hasten für den durch ihren Kleineu angerichteten Schaden i» vollem Umfange. Ob mehr als ein ärztlicher Besuch ersorderlich war, können wir nicht entscheiden. KvitleriingS Übersicht vom 19. Ältärz 1902. morgen» 8 Uhr. Stationen ?willemde Hamburg B.riin gwliks/M. Münch u Wien s- c 2 i 9 Wetter 761 WSW 761 SW 763 W 764 SW 765 SO 765 W ,! J 2. bedeckt 2 bedeckt 1 bedeckt 2 wolkig 2heitcr 1 wollig Hs s Sö w Stationen 6 Haparanda 6 Petersburg 8 Cork 7 Aberdeen 0 Paris 8 aS s>- 755 SSO 759 NNW 762WSW 763N Wetter 2 molkig heiter wölken! wolkenl »Vetter-Prognose für Donnerstag, den 20. März>902. Etivas kühler, veränderlich, vorwiegend trübe mit Regensällen ziemlich stlschen westlichen Winden. Berliner Wetterburea (*S --7, Ii Wi -12 -17 4 und u. Kür de» Inhalt der Inserate übmiiiiimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bernntwortnng. Donnerstag, den 20. März. Opernhans. Margarete. Anfang 7l/z Uhr. Schauspielhaus. König Richard der Dritte. Anfang 7'/, Ahr. ReneS Opern. Theater(KroN). Geschloffen. Schiller. Der Probekandtdat. An- fniig 8 Uhr. Tentschcs.]3cclesia triumphans. BolkSanfklärung. Ans.?>/, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Uhr. Lcssiiig. Nora. Ansang 7>/, Uhr. Westen. Wiener Blut. Anfang 7'/- Uhr. Residenz. Verliebt. Vorher: Die Wiener in Paris. Ans. 71/, Uhr. ReneS. Champerays Leiden. An- sang 7'/, Uhr. Seeessionsbühne. Detlev Lilien- crons Bunles Brettl. Anfang 8 Uhr. ®. v. WolzogeuS Buntes Theater (Ucberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Strindberg- Cyklus. Ans. 8i/, Uhr. Trianon. Coralie n. Co. Anfang 8 Nhr. Central. Das süße Mädel. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7i/, Uhr. Lnise». Die Juiigftan von Orleans. Anfang 7»/, Uhr. Carl üveift. Gasparone. Anfang 7-/, Ubr. Friedrich Wilhelrnstädiische». Die Fledermaus. Ansang 7»/, Nhr. 3>k>lc-3tsiiance. Die Dame aus Trouville. Hierauf; Er. Anfang 7i/, Uhr. Orpheus. Specialitäte»-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charibari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. fvietropol. siie seine Nummer. Specialiiäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr APosio. Don Juan in der Hölle. Specialiläien- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- iäien-Vorpellung. Palast. Specialiiälrn-Vorstellung. Die Veilchensee. Ansang 8 Uhr. Eafino- Theater. Ihre Familie. Specialiläien- Vorstellung. An- sang 8 Uhr. Retchshallc». Sieitiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Varstellnng. Anfang nachmittags 5 Uhr. Urania. Tnubenstr. 48/49.(Im Theatersaal.) Abends 8 llhr; Frühlingstage au der Riviera. Jnvalidcnstrafte 37/62. Täglich: Sternwarte. Schllltr-TIitlitei' fWaNner-Theatcr). Donnerstagabend 8 Uhr: Id«? Probekuntlitlat. Schauspiel in 4 Anfz. v. Max Dreher. Freitagabend 8 Uhr: I46»lx Harlekin. Sonnabendabend 8 Uhr: __ Her Jongleur. Central-TWtkr. Heute abend?>/, Uhr zum 93. Male: Däs füge Mliidel. Operette in 3 Akte» von H. Reinbardi. Gröfttcr Erfolg seit Geisha k Hauptschlager: DaS Lieb vom süßen Madel. Launische Dame, Glück ist dein Name. Berlinchen, du bist so niedlich. Theaterftück-Refrain-Conplet. Englisches Parodic-Duett. Morgen und folgende Tage: Das süfte Mädel. Sonntag, 23. März, nachm. 3 Uhr, zum 794. Male; Hie Geiftha.- AbendS 7i/, Uhr: DaS füstc Mädel. c arl Weiss-Theater. Grofte Frantfurterstr. 132. Gasparone. Operette in 3 Akten von Karl Millöck-r. Anfang 8 Uhr. Freitag u. Sonnabend; Gasparone. Somiabenduachni. 4 Uhr: Prinz Diamant. Sonntagnachin. 3 Uhr fteinc Preise: Das Käthchen von Hrilbrouii. AbendS 7>/, Uhr: llnsre Marine, oder: Er muft aufs Land. W. Noacks Theater. Briinnenfiraße 16. Schützenlis l. Posse mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow. Musil v. G. Steffens. Heute: IsvAtcränziotisii. Freitag: In der Heimat. Urania. Tauben-SLrasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Casfans Panopticnm Frledrich-Strasse 165. Zwergin m-t-m ihrem Kindß eine bisher in der Welt nicht dagewesene Sehenswürdigkeit Mutter 80 omjTooht. 50cmgross 32 Jahre alt. 9 Jahre alt.> Passage-Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Der kleine Cohn ist da! Burleske in einem Akt. Oer Bajazzo und sein Kind Iß er»tkla«8lge Iß 'o SpeciniitHten'0 Apollo-Theater. Die grogHartlgen 10 Specialitäten. Der KoMmog-raph: Prinz Heinrich in Amerika. Femer: Kasseneiöfi'nung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Beile-Aliiance-Theater. Die Dlim miS Jroiiuiilc. Schwank m. Gesang u Tanz in 3 Akten. Emst Sondermann a. G Fcrd. Worms Mizzi Birkner. Rosa Maria». Hierauf: Er. Adele Hartwig n. Leopold Thurucr a.G. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Schuldig. IHktniiilii-IIifislGs Thomas, Bender, Josephi. 'im Anfang 8 Uhr. Rauchen ü b esr a 1 1 gestattet. Vom Palmsonntag, den 23. März, bis inkl. Ostersonntag, 30. März, finden die letzten 7 Aufführungen der Ausstattungsposse 'Ne feine Nummer im Theater des Westens statt. Während dieser Zeit im Metropol-Theater Ensemble-Gastspiel desBpern-Theaterd.Westens D'Aiidradc, KotJiiuUhl, Diberti als Gäste. Casino- Theater Lothringerftr. 37. Trotz des glänz, einzig dasteh. Er- solges nur bis Ende dieses Monats Um 8-/. Uhr- Ihre Jamilie. Anfang Woche,». 8 Uhr,Soi»ii.7l/z Uhr. Deutsclie Konzerthallen. An der Spindauer Brilcks 3. GrSsat.Vergnngungslokal Berlins Inteinalionalft Konzerte u. SpecialitateB-Vorstellung Tägl, Anstich des„Urbock" Bockbier-Jubel u.Trubel Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bfirgerl. Diner, 5 Giiuge. Tägl. Hatiaee von 13—3 Uhr.. I Trianon-Thealer. Georgenstrasse, 2 Hinuten vom Bahnhof FriedHchitr. Zum 115. Male: Coralie A Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. 22. Direktion B. VVInlder u W. FrBbel Das erfolgreiche Speclalltäten- März- Programm! Heute neue Kuustkräsie. Bringe, musizierende Hunde. Theodor Uppart, der moderne amüsante Humorist. Bonett„. Vilty, Matad. am Lyra-Appar. Dazu: Um 8»/« Uhr: Die Veilcheufee. Bolksstück mit Gelang in 2 Akten von W. Gericke. Ansang 8 Uhr. Entree 39 Pf. Billet-Vorverkaus v. 11—1 Uhr. Mittwyeli, den 2, April: Schluss d. diesjährig. Saison. CirkusAlb.Schttmann Donnerstag, 20. März 1902, abends pviic. 7'/, Uhr: AM- Klitc-Abend.' Mhj Gala- Prograuim und Austrete» sämtlicher neu engag. Specialitäten. U. a.: Sensationelle Novität NM-? She?-ME Das lebende Rätsel. Ein Stündchen in der Geistenoclt. Neu! Darstellung der 4 Elemente mit wunderbaren Licht-Effelten. Neu! DerAuiertkaner Hr. ehester mit seiner phänomenalen Dyticle-Todesfahrt aus einer Höhe von 36 Meter. I.'ootiyers luminense. Frl. Bora Schumann. Zum Schluß: In Feuer und Flammen. Puch. nall Das neueste hoch- [liaN Drtll. interessante ameri- laiiische SportSspigl, ausgeführt von 12 Amerikanerimicn und 10 Herren. Zum Schluß die gr. AnSstattniias- Pantomime vom Hof- Ballettmeister A. Siems ar Mephisto* E. von Woizogens Dantes Theater(Ueberbrettl) Ktfpnickerstr. 68. Heute abend 8 Uhr u.».;„Bataillone- topf"(Offiziers-Humoreske).— „Nora-Parodie", Satirisches Schat- tenbänkel.— BosenaBradsky u. Oskar Straass, Marccll _ Salzer etc._ Scliail und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Donnerstag, den 20. März 1902, abends 8'/, Uhr: Slrindberg-Cycius. Eman. Reicher. RosaBertens. m Donnerstag, 20. März, abds. 7»/, Uhr: Große Borstellung: Klondike. Orig-Pantomime des Cirkus Busch. Die Prinz Heinrich-Fahrinach Amerika Sanssoiici Kottbnseratr. 4 a. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: II o rr m a n n■ MMMt Sänger Nach jeder Soiree: TaazkriUizebea. Neu! Neu! Sonntag, den 23. März: Ber Kesselflicker. Charakterbild mit Gesang in 1 Akt Palmsonntag:..Der Goldbauer" mit dem Berliner Schaueplel-Vereln, Reichs hallen. Tätlich: Stettiner Sänger. Allsaug Woche, it. 8 Uhr SoniitagS 7 Uhr. ""Sonnabend! Ausnahme- Preise für Perser imit. 1 Teppiche von 3,75 28,50 Mk. 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Um recht zahlreiche Beteiligung bitten 237/8 Die Eissberufer. I. A.: Wiesenei*. Centrawerlmnd der Maurer etc. (Zahlstelle Berlin.) Am Freitag, den 21. März, abends S'/s Uhr, im„Gewerkschaftshaus", Eugel-Ufer 15: mtgl ieeker-¥ ei'isamiul h n g'MJ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Robert Schmidt über:»Das Handwerker-Geseh*. 2. Beschlubfassung über die Anschaffung einer Bibliothek. 3. Berbandsangelegenheiten. 137/6 Regen Besuch erwartet_ Ple Verbandslcltnng._ Ctiltral-Krankell- n. Sterbe» WberbenWllMgeilbom (E. H.) Ortsvorsvesltunx RerUo O. Todes- Anzeige. Arn Montag, den 17. d. M., per- starb unser langjähriges Mitglied, der Steliniacher «Josqiii Schindler, nach langer Krankheit im 45. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 20. d. Mts., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des PiuS-Kirchhofes in WilhelmSberg ans statt. Um rege Beteiligung ivird gebeten. 1307b Die OrtSverwaltnng. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dahDieus- tag früh l'/j Uhr mein lieber guter Mann, der Restauraieur Auyust Tripke an seinem 51. Geburtstage sankt entschlafen ist. 1305b Berlin. 18. März 1002. Die trauernde Witlve RothUdc Tripke. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 21. März von der Leichen- Halle des St. Hedwigs-Kirchhofs, Lonisenstr. 8, aus statt. So-M n Invaliden- t> l; Fahrräder (Äranfcn- sebstsahrer) mit Hand-, oder Motorbetrieb, für Fuffgelähinte jeder Art, fenier Krankensahrffühle für Zimmer und Straffe, fabriziert als Speeialität: Louis Krause. Fahrräderfabrik, l.elprlg-0ohlls 24. Katalog gratts. Grobes Lager. Cirkus keuü-Bouaert-'kuuoel It»rt»tr»«!»e. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. S pe c 1 a 1 i t ft t en. J. M. H«tt. Jeden Sannabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung Ausverkauf tvegen Astfgoibe des UÄdengesehiifts Alle Waren im Preise ganz erheblich herabgesetzt. 3447L* V. Wurzel& Co., Köpnickerstr. 160 Freie Volllsbüline. Sonntag:, den 33. Milrz: 2] 1 Uhr Im Berliner Theater: 8. und 4. Abteilnng: h Wilhelm Telü. Es ist Pflicht der Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. 228/13 Bei Voratnnd. I, A.: G. Winkler, Crosse Fäng-e! zM- Seefische billig! Schellfische m allen Grössen.. 20—25 Pf. pro Pfd. Cablian(zum Kochen und Braten) 20— 23 Pf.„„ derselbe ohne Kopf im Anschnitt 25—28 Pf.■« Seelachs 20-22 Pf., im Anschnitt 30 Pf. Bratflundern(3 Pfd. 65 Pf.) 25 Pf. Rotzungen 45-50 Pf.; Schollen 35-40 Pf. Knurrhahn 25-30 PI. pro Pfd. Ccrttncherte Seeflache; Schellflaclic, schöner als Bücklinge, 30—35 Pf. pro Pfd. Flundern 55— OO Pf., Koche(Ersatz für Stör) 50-60 Pf. Seelacba 50 Pf., Knurrliahn SO Pf. pro Pfd. Marinierte Seefleche; Bratzchellflsiche in Blechdosen zu! 17 Pfd. 8 Pfd. 4 Pfd. und ca. N/j Pfd. M. 2,25 M. 1,30 M. 0,50 Flachkotclettez, gebr. und mariniert, in Blechdosen zu: HPfd. M. 3,50 10 Pfd. M. 2,25 Bratschollen 8 Pfd. 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Allgemeine Steibelcssse iiir lllilnner viiil brauen 7.u lieriln. Sonntag, den 23. März, vorm. 10 Uhr, im Neffanraut„Noackö Fcslsäle", Brunueustr. 1V: Brdentilehe Ceml-Venmliiiig. Tagesordnung: 1. Bericht de? Borstaudes über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2 Bericht der Revisoren. 3. Antrag des Mit- gliedcs Herrn A. Klos; betr. Ab- änderiing des§ 7 Absatz 2. 4. Wahl von drei Borstandsinitgliederii und drei Revisoren. 5. Bcrschicdencs. Das Legitiinalionsbiich resp. letzte Quittuiig der Sterbekaffe legitimiert. 13v6b Brr Vorstand. W. Röwer, Vorsitzender, Elfasserstr. 5. Ceutral-VttdM.zimmm Dtiitschliliihs. Zahlstelle Berlin. Bez. VIII. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Mitglied llsfiiiäiili Jäniclie am Montag, den 17. März, gestorben ist. Die Beerdigiliig findet heute nachmittag 2 Uhr von der Leichen- halle des Bartholomäus-Kirchhofs i» Weiffensee, Falkeuberger Chansse«, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstaud. Daliksagniig. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme und die überaus reichen Kranzspenden bei der Be- stattung unserer lieben Tochter lind Schwester JFficla sagen wir allen Beteiligten unseren tiefgesühlteu Dank. Familie Zllbrccht. köfsöll-VilflsU+ Carl BrnckliofT, Friedlichste. 10, über;„Die sogenannten unheilbaren Männerleiden!" Donnerstag, den 2V. März, abends 8V2 Uhr, in Zühlkes Festsälen, Deiilicwitzsiiaffc 13. Nur siir'Herren! Eintritt frei! Lokal-Berband der Sttteeateure Berlins und lliugegcud. Am Freitag, den 21. März, abends 8 Uhr, in BrttinS Solo»(Inhaber Dietrich), Brunnenstr. 34: OefleolLYersamiiiliii. Tagesordnung: 1. Urfadie der Gründung. 2. Wahl deS BorstaiibeS. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht 1313b__ BerJElnberafer. Maifestkoiuitees, Kolpvrt. schöne, prakt. sviaifestzeich. Prob. grat. Schneider, Paradiesstr. 5, Nürnberg. SoliaideuidilraMtr Muhivtrein fnr den 6. Derliutr Reichstdgs-Wuiiiiireis. Am Doiinerötag, de» Ä6. März, abends 8'/» Uhr, im„Eiskeller", Chaus'eestr. 88: Tages-Ordnung: 1. Bericht über die EinigiuigSverhandlungen mit den Genossen ber Schönhaiiser Vorstadt. 2. Beratung und Beschlufffassiiiig über dieSbezüg- liche Antrage. 247/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Borstaud. KWU- Den Genossen der Schönhauser Vorstadt machen wir bekannt, daff sidi dort folgende Zahlstellen befinden: Aagnsti», Schönhauser Allee 74; Otto. Tresckowstraffe 22; Behrens, Fehrbellinerstraffe 86, Ecke Chorinerstraffe. Ärbeiter-Bildungs- Schale. Sonntag, den 23. März er., abends 7 Uhr, im Königstadt-Casino(Raddatz), Holznsarktstr, 72: Vortrag des Eochtsanwalts Victor Frünkl „Aus der Geschichte der Geiiemiyericbte". Nachher: ClemUtllches Beisammensein. Eintritt 20 Pfennig._[4/13] Garderobe frei. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zaliistclle Berlin. Sonntag, den 23. März, vormittags 10 Uhr, im Palast- Theater, Bnrgstrnsje Nr. 22: TageS-Ordnung: 1. Delegierten-Stichwahl zum Verbandstag. 2. Anträge zum Der- bandstag. 3. Bericht über die Situation bezüglich des JiinungsiiachweiseS. 4. Anträge und Verbandsaiigelegenheiten. 81/5 MS" Eintritt nur mit Mitgliedsbuch.-WM Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. _ Ble Ortsvcrwaltnngf. Patentanwalt Dammann, Moritzplatz 57. Auskunft biS abends neun. s3Sv5L� + Männer-Vortrag Ja Freitag. 21., abds. 8V2, Andreasstr. 21. Gäste 20 Pf. W Mimcht iiiiS Vtrbrtchtit im gtschlchtlicheil Triebe VOIII prakt. Naturheilkiindigen«l'undrnann. Naturheilverein„Reform", Geschäftsstelle und Kuranstalt Köpenickerftr. 72, 11—2, 6—8. Warenhaus A.Wertheim Leipzigerstr. 132—135(Versand-Abteilung). RosenUwIerstr. 27—29,— Oranieistr. 52—55. 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Verantwortlicher Rcdacteur: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin ?>. e?. ig. mm. 2. Keilllßt Ses„Mmarts" Kttlm Wldsllllltk. S-Ntt-W. s» Wz>992. UoKales. Die Einführung der obligatorischen Fortbildnngsschnlc� tvie sie der bekannte Antrag der socialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten fordert, hat unter den Freisinnigen der Stadtverordneten- Versannnlung doch iminer noch manchen Gegner, der seinen Widerstand bis zum äußersten fort znsetzen entschlosien ist. Der Antrag war bereits Anfang Febrnar eingebracht ivorden, seine Beratung wurde aber von einer Sitzung auf die andre verschoben und dann auf Vorschlag der„Alten Linken schließlich bis nach Beendigung der Etatsberatung zurückgestellt, so daß sie zeitigstens in der Woche nach Ostern erfolgen kann. Der Redner der„Alten Linken" begründete diesen Vorschlag mit der Wichtigkeit des Gegenstandes, die„eine eingehende Beratung und Prüfung" notivendig. mache. Einzelne seiner Fraktions freunde dürften aber für die Vertagung noch ihre aparten Gründe gehabt haben. Es mag sie bedrückt haben, daß der socialdcmo kratische Antrag, der sa seit 1831 wiederholt eingebracht worden ist. diesmal voraussichtlich bei weitem nicht mehr so viel Widerstand wie früher finden wird, und daß jetzt mit einiger Wahrscheinlichkeit ans seine endliche Annahme zu rechnen ist. Um zu retten, was etwa»och zu retten ist, wird nun die Zwischenzeit zu dem Versuch benutzt, in den freisinnigen Bezirksvereinen gegen die obligatorische Fortbild nngssch nie Stimmung zu machen. Was dabei zur Bekämpfung dieser Forderung vorgebracht wird. das sind natürlich nur die alten abgebrauchten, durch die Erfahrungen andrer Städte längst widerlegten Einlvendungen. Die kommunalen Freisinnsleuchten finden aber— das muß als bemerkenswert hervor� gehoben werden— mit dieser gegen die obligatorische Fortbildnugs schule gerichteten Agitation jetzt bei ihren eignen Parteigenossen s e h viel weniger Gegenliebe als in früheren Jahren. Der schlaue Plan, noch in letzter Stunde die Bczirksvereine mobil zu mache» und durch sie einen Druck auf den einen oder den andren der freisinnigen Stadtverordneten auszuüben, ivird da doch ivohl zu Wasser werden. Die Einsicht, daß der Fortbildnngsschulzwang nicht länger zn umgehen ist. hat sich selbst in der kleinbürgerlich-rNckständigen Gesellschaftsschicht, aus der sich der Mitgliederbestand der freisinnigen Bezirksvereine rekrutiert, in der letzten Zeit immer mehr Bahn ge brochen. Man fängt ivieder an, sich daran zu erinnern, daß die obligatorische Fortbildungsschule eigentlich„eine alte liberale Forderung" ist. Wenn der in der Berliner Kommune herrschende Freisimr diese seine„eigne" Forderung— dem Drängen der Social- demokratie nachgebend— endlich erfüllt haben wird, dann werden wir wahrscheinlich zu hören bekommen, daß es einzig und allein der Freisinn ist, dem Berlin die Einführung der obligatorischen Ford bildungsschule und den dadurch bewirkten Aufschwung des Fort- bildungsschullvesens zu danken hat. Die gesamten Anleiheschulden der Stadt Berlin betrage» 378 Millionen Mark, davon sind bis jetzt rund 81 Millionen Mark getilgt worden, so daß Ende dieses Monats eine Anleiheschuld von rund 297 Millionen Mark vorhanden war, die auf Ausgaben für die Kanalisation, die Rieselfelder, die städtische» Markthallen, die Gas- und Wasscrlverke, den Central-Bich- und Schlachthof und andre städtische Unternehmungen, wie für den llrbnnhafcn. die Herstellung fester Brücken, daS Dienftgebände des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz, die Irren- und Krankenhäuser, für das Damm. mühlengebäude und die öffentlichen Straßen, z. B. Kaiser Wilhelm straße beruhen. Der EtatsauSfchuß der Stadtverordneten-Versammlnng lehnte in seiner gestern abgehaltene» Sitzung den Antrag der' social- demokratischen Fraktion, die Einkoinmensteuerstufe für Einkommen von 639—-900 M. nicht zu erheben, ab. Ein Eventualantrag der social demokratischen Mitglieder des Ausschusses, den Magistrat aufzufordern, vom Etatsjahrc 1993 ab diese Stufe nicht zu erheben wurde gleichfalls abgelehnt. Der neue Schul-Lchrplan soll nach hiesige» Blättermeldungen vom Kultusminister nicht genehmigt Ivorden sein. An zuständiger Stelle ist, wie magistratsofsiziös niitgeteilt wird, hiervon noch jiichts bekannt. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, daß der Minister den von seinen Räten ausgearbeiteten und von ihm schon gebilligten Plan nachträglich nicht genehmigen wird; es Ivird sich vermutlich'nur um einige unwesentliche redaktionelle Aendernngen oder um eine andre Bezeichnung der oberen la-KIasse handeln.' DaS neue Miill-Bcseitiguugsverfahrc» der Gesellschaft „Pnritas" wurde gestern, Mittlboch, in den Geschästsränn;en der letzteren einem Kreise geladener Personen vorgeführt. Tie„Pnritas" hat sich die Aufgabe gestellt, die Frage der Müllabfuhr, tvie der Müllbeseitigmig nicht nur vom sanitären, sondern auch vom ästheti schcn Standpunkte aus zu lösen. Ihre patentierten Einrichtungen bestehen darin, daß in einem metallenen Standgefäße ein großer Sack ans imprägniertem Stoff aufgehängt ist, in dessen Innern sich ein viereckiger Mctalleinsatz ohne Boden und Deckel befindet, der in Verbindung mit der eisernen Bodenplatte einen feuer- und Wasser- sicheren Aufbewahrungsraum bildet. Bei der Abholung der Säcke werden diese durch einen eisernen Deckel geschlossen und beanspruche» nun ans dem sehr sinnreich toiistruicrten Transportwagen wenig mehr Raum und Gewicht, als durch ihren Inhalt bedingt ist. Es leuchtet ein, daß dadurch an unnützer Last gespart und Rau'mverschwcnduiig ver- mieden wird, da bei der jetzigen Müllabfuhr die schweren Kästen mitgeschleppt iverden müsse», gleichviel, ob dieselbe» ganz oder»nr terliveise gefüllt sind. Das Hauptgewicht ist aber zweifellos auf die durchaus saubere Art dieses staubfreien Systems zn legen, das eine nur einmalige Entleerung der Säcke, nämlich in der von Berlin 25 Kilometer entfernten M ü l l- A u f b e r e i t n n g s a n st a I t er- fordert. Die letztere erläuterte Ingenieur M a s ch k e an einem größeren Modell. Der Betrieb ist so gedacht, daß der mittels Eisen- bahn in den Originalsäckcn herausgeschaffte Müll in die»och branchbaren und die wertlosen Bestandteile getrennt und nach erfolgter Desinfektion teils für industrielle, teils für landwirtschaftliche .Zwecke verwendet wird. Die Säcke werden natürlich nach der Ent- leernng gereinigt, ebenso sollen die ans den Höfen befindlichen Standgefäße durch besondere Angestellte stets sauber gehalten werden. Bon den Eisenbahnern. Man schreibt uns: Für die Arbeiter der Eiscnbahn-Werkftättcn ist jetzt soeben eine neue Verfügung über die Feier von Kaisers Geburtstag erlassen ivorden: In den Vorjahren waren die Werkstätten an dem Geburtstage des Monarchen den ganzen Tag geschlossen und die Arbeiter bekamen eine kleine Lohnentschädigung dafür. Das neue Verdikt besagt nun, daß der Geburtstag des Kaisers nur noch nachmittags gefeiert wird; von einer Vergütignng der freien Zeit ist aber nichts angegeben, und so haben auch in diesem Jahre die Arbeiter für den freien Nachmittag keine Lohn entschädig nng erhalten. Die Hanptwerkstatt Tempelhos hatte durch vorherigen Anschlag den Arbeitern noch versprochen, den freien Nachmittag an Kaisers Geburts- tag in Lohn zn vergüten. Sind die Eisenbahn- Arbeiter nicht schon gerade genug geschädigt worden durch in letzter Zeit statt- gehabte Lohn- Ncdnzierimgen'? Nichtsdestoweniger pocht man schon wieder anfs neue an den Freigcbigkeitssinn der Arbeiter, indem an sie ein Aufruf erlassen ist, beiz»- steuern zur Gründung eines Franenfonds für erwerbsunfähige Tochter des Beamten und Arbeiters. Dieser Aufruf spricht von dem „schweren Kampf ums Dasein", denen diese erwerbsunfähigen Töchter ausgesetzt sind. Aber ans Anlaß des„schweren Kampfes"'der Werk- stätten-Arbeitcr, die täglich zehn Stunden an diesem vor Schmutz und Schmiere strotzenden Betriebsmaterial hernmarbeiten, verfaßt man keinen ergreifenden Aufruf, der die Aufbesserung der Löhne die Kürzimg der Arbeitszeit bezweckte. Es sei noch bemerkt, daß am Schluß des Aufrufs in warmen Worten des vergangenen burtstages Seiner so„wohlwollenden, arbeiter freundlichen" Excel lenz v. Thielen gedacht wird. Das Befinden deS Professors Rudolf Birchow ist sehr zufriedenstellend. Der Patient kann schon ohne jede Hilfe im Zimmer umhergehen und zeigt bei befriedigender Nachtruhe und Schlaf leidlich guten Appetit. Die Heilimg hat sehr gute Fortschritte gemacht. Als ein Mißstand wird es empfunden, daß sich der Verkehr des Publikums auf den Standesämtern nicht gleichmäßig an' die einzelnen Geschäftsstunden verteilt. Ein großer Teil des Pnbli kums hat die Gewohnheit, das Standcsanit in der letzten Stunde aufzusuchen in der Meinimg, daß die Abfertigung dann rascher er folge. Hierdurch erwachsen erhebliche Unznträgli'chkeiten nicht nur für die Geschäftsführung, sondern auch für die Beteiligten selbst, die auf ihre Abfertigung recht lange warten müffcn. Es wird den Bc tciligten empfohlen, de» Gang zum Standesamt nicht bis zur letzte» GcschäftSstunde aufzuschieben. Die Gcschäftsstnnden der Standes- ämter sind gegenwärtig an den Wochentagen auf die Zeit von 9 bis 2 Uhr, an den Sonntagen nur zur Anmeldung von Sterbefällen au 11—1 Uhr festgesetzt. Durch die Explosion einer Granate wurde gestern Nach mittag in der Dalldorferstr. 6 großes Unheil angerichtet. Zwei Personen erhielten dabei lebensgefährliche Verletzungen, so daß sie mittels Krankenwagens nach der Charite gebracht werden mußten. In dem Keller des bezeichneten Hauses wohnt der Maurer H o l l n a ck mit Frau und vier Kindern. Die Frau betreibt ein Prodnktengeschäft und handelt auch mit alten Eisenwaren. Unter einem Posten Eisen, dessen Herkunft noch nicht feststeht, befand sich nun auch eine etwa 1ö Pfund schwere Granate, ein sogenanntcr Blindgänger, der jedenfalls von einem Artillerieschießplatz stamnit. Von dem gefährlichen Charakter des Geschosses nicht unterrichtet, machte sich nun Frau Hollnack daran, auf dem Küchenherde den Bleimantel der Granate abzuschmelzen. Während sie unmittelbar neben dem Herde saß und Kartoffeln schälte, explodierte das Geschoß unter ge waltiger Detonation. Der Kochherd wurde aiiseinandergcrissen und seine Teile flogen nach allen Richtungen. Das ganze Hans zitterte und selbst in den obersten Stockwerke» stürzten Möbelstücke über- einander. Die erschreckten Hausbewohner fanden Frau Hollnack blutüberströmt am Boden liegen. Ihre ganze linke Gesichtshälfte war entsetzlich zerfleischt. Auch ihr Iljähriger Sohn Ernst, der sich im Augenblicke der Explosion in der Küche befand, hatte schwer Verletzungen am Kopfe und an den Armen davongetragen. Beide wurden auf Veranlassung der Polizei nach der Charits gebracht Die Mutter ist noch nicht vernehmungsfähig. Zwei kleine Kinder, die sich in dem hinter der Küche liegenden Schlafranm befanden kamen ohne Verletzungen davon. DaS explodierte Geschoß ist von der Polizei beschlagnahmt worden. ES halte glücklicherweise seine Kraft hauptsächlich nach nuten cntlvickelt und ein tiefes Loch durch den Herd in den Fußboden geschlagen. Die geretteten Kinder hat die Portierfrau des HanseS einstweilen in Pflege nehmen müssen, bis die Polizei für ihre Unterbringung gesorgt hat, da der Vater anscheinend dazu nicht in der Lage ist. Wegen des GattenmordversncheS nahm gestern. Mittwoch. der Untcrsttchungsrichter auf dem Grundstück Kransnickstr. 24 eine eingehende Besichtigung der Schellingschen Gast- und Wohnräume vor. Frau Schelling wurde deshalb von zwei Kriminalbeamten mit einer Droschke aus dem UntcrsiichnngSgcfängiiis geholt, um ihre Behauptungen an Ort und Stelle zu erläutern und ihrem Mann gegenübergestellt zn werden. Sie bestritt auch jetzt wieder, die Absicht gehabt oder den Versuch gcniacht zn haben, ihren Mann zn töten. Dieser bat sie, die Wahrheit zu sagen. Wenn jemand sie zu dem Mordversuch verleitet habe, so werde er ihr alles verzeihen wenn sie die Wahrheit bekenne. Die Frau blieb aber dabei, daß niemand sie beeinflußt und daß sie nichts gegen das Leben ihres Mannes unternommen habe. Dagegen beschuldigt sie ihn, sie miß handelt zn haben, und deshalb habe sie ihn verlassen wollen, Schilling seinerseits stellt jede Mißhandlung in Abrede und andre haben auch nichts wahrgenonimen. Auffallend war, daß Schilling ohne vorherige Betäubung nicht erwacht sein sollte, als seine Fran Wäsche und dergleichen aus dem Schlafzimmer und sogar ans ihrem Bett herausholte. Da trat mm die Frau bei der Ortsbesichtigimg mit einer neuen Behauptung auf. Sie sagt jetzt, sie habe alle Sachen schon am Sonnabend aus den Spinden herausgeholt, zusammengepackt und im Gastzimmer zum Mitnehmen verborgen. Um hierzu eine Gelegenheit zn haben, habe sie ihre» Mann zum Einkansen nacki der Markthalle geschickt. Nim behauptet aber Schilling und beweist durch Zeugen, daß er am Sonnabend seine Wirtschaft gar nicht verlassen hat. Es würde aber auch kaum möglich sein, die Sachen in der Gaststube zn ver- bergen. Die Beschuldigte schilderte dann weiter, wie sie vorgegangen sei. Nur das Deckbett habe sie müssen liegen lasscin damit ihr Mann nichts merke. Als er dann geschlafen habe, sei sie rasch noch einmal in die Schiasstube gegangen, um auch das Deckbett noch zn holen. Die Schlüssel zu den Spinden habe sie ans Berechnung mitgenommen. Sie habe sich gedacht, wenn ihr Mann ihr Verschwinden merkt, so werde sein erster Gedanke den Sparkassenbüchern gelten. Wenn er die nicht finde, so werde er auf die Sparkasse laufen, um das Abheben des Geldes zu verhindern. Fehlten die Schlüssel, so verlor er Zeit, indem er erst durch einen Schlosser mußte öffnen lassen. Diese Rechnung war richtig, nur daß Schilling nicht erst am Montag früh, tvie seine Frau angenommen haben will, erwachte, sondern schon nach einer Stunde von seinem Hunde geweckt wurde. Wenn aber Frau Schilling sürchlete, daß ihr Mann ihr bei der Sparkasse zuvorkommen»verde, so ist eS doch merkwürdig, daß sie nicht gleich am Montag morgen "o bald als möglich das Geld abhob, ja überhaupt gar nicht den Versuch machte, es zn bekonmien. Ein Glück für Schilling ist es gewesen, daß der Ventilator seiner Gaststube aufstand. So konnte eine Menge Gas abströmen, das sonst im Schlafzimmer geblieben wäre, und eS erklärt sich auch, daß es zu keiner Explosion kam, obwohl eine, Petroleumlampe brannte. Daß die Erplosion auch dann ausblieb, als Schilling später eine Gasflamme anzündete, ist auch nicht auffallend. Er hatte da schon daS Fenster geöffnet und eine Weile gesessen, um sich zu erholen. Die Widerstandskraft des Mannes zn brechen, dazu genügte auch schon eine geringere Gasmenge, da Schilling sich in seinem früheren Beruf als Maler eine Bleivergiftung zugezogen.und sein Nerven- systcm zerrüttet hat. Die Ortsbesichtignng dauerte bis 2Vs Uhr. Dann wurde Frau Schilling von den Kriminalbeamten mit der Droschke nach Moabit zurückgebracht. An der Gastwirtschaft hatte 'ich eine große Menschenmenge angesammelt. Zur bcffere» Einsicht ist die 23jährige Schlossersfran Martha H i n tz e gelangt, die, wie vor einigen Tagen berichtet, die Wohnung ihres Gatten mit ihrem zweijährigen Söhnchen verlassen hatte, an- geblich um sich und ihr Kind zu vergiften. Ein Brief der Ver- chwiindenen ist bei dem Gatten eingelaufen, in dem sie schreibt, Hintze solle sein Geld lieber für andre Dinge, als für Aufrufe ans- geben. Er möge sich keine Hoffnung machen, daß sie zu ihm zurück- kehren Iverde, aber sich auch nicht einbilden, daß sie seinetwegen in den Tod gehen werde. Trotz aller Nachforschungen ist es bis. jetzt dem Gatten nicht gelungen, iden Aufenthalt der Fran zu ermitteln. Er nimmt an, daß sie sich, da sie eine geschickte Aquarellmalerin ist, mit ihrem Kinde durch Malen ernährt. Zll dem Sclbstinord«nd Mordversuch in der Arndt- straße Ivird weiter mitgeteilt, daß der 74 Jahre alte pensionierte Schntzmami Ernst Krenz die furchtbare That in einem Anfalle geistiger Umnachtung verübt habe. Seine Schwiegertochter, die 32jährige Frau Krenz, hatte niemals die Annäherungsversuche des alten Mannes ernst genommen. Er war seit 18 Jahren pensioniert und lebte bis vor einem halben Jahre noch zusammen mit seiner Fran, die im Oktober vorigen Jahres starb. Krenz war 17»/« Jahre lang in Militärdiensten und gehörte mehr als 18 Jahre der Berliner Schntzmannschaft an. Was das Befinden der schwerverletzten Fran Krenz anbetrifft, so steht zu hoffen, daß sie am Leben erhalten bleiben wird. Die beiden ersten Schüsse hatten sie gestreift und nn- erhebliche Abschürfungen verursacht. Die Entfetiinng der dritten Kugel, die die schwere Verwnndnng herbeiführte, wird, sobald der Zustand der sehr angegriffenen Patientin es gestattet, durch operativen Eingriff versucht werden. Totgefahren wurde Dienstagnachmittag an der Ecke Königs- und.Kloslerstraße der 73jährige Dienstmann Erdmann Voigt. Der alte Mann wollte den Straßendannn überschreiten, als ihn ein Omnibus umwarf und überfuhr. Er erlitt mehrere Arm- und Bein- briiche und wurde halbtot nach einem Krankenhanse gebracht, wo er bald darauf verstarb. In einem Anfall von Gcistesgestörtheit versuchte sich der 29 Jahre alte Tischler Oskar Märting ans der Wörtherstr. 27 zu erschießen. Der Mann, der verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von 1 und 5 Jahren ist, Ivar im Septeniber und Oktober fünf Wochen in der Irrenanstalt Herzberge und wurde auf Wunsch der Frau als gebessert entlassen. Bis zum vergangenen Sonnabend arbeitete er ganz ruhig in einer Bantischlcrei. Dann hörte er auf und zeigte alle Spuren des Verfolgungswahnsiiins. Während seine Frau mit den Kindern bei Verwandten in der Prenzlauer Allee war, schoß sich der Kranke mit einem Teschin in die Brust. Ein Arzt ließ ihn gestern in eine Anstalt bringen. Anläßlich des Ausscheidens des in» Bureau des„Verbandes der städtischen Arbeiter" beschäftigten Gewerkschnftsbeamten E. Damm sind Gerüchte ciitstandcn, die jener Ansscheidnng irgend welche unlautere Motive unterschieben. Dem gegenüber wird uns von berufener Seite mitgeteilt, daß der Anstritt Damms, der sich inzwischen wieder eingefniiden hat, ein freiwilliger war und durchaus ordnungsmäßig vor sich gegangen ist. Oeffcntliche Hygiene-Vorträge der C e n t r a l k o m m i s s i o n der Krankenkasse n. Das Thema der heutigen Vorträge lautet: Hals, Nase und Ohr. Der Besuch ist jedermann dringend anzuraten.— Die Vorträge finden statt heute Donnerstag, den 29. März, in den Schulaulcn Tilsitcrstr. 4/5, Schönhauser Allee 166. Gneisenanstr. 7, Stephanstr. 27 und Schöneberg, Fcnrigstr. 62/63. Vortragende sind die Herren Doktoren A. Schönfcldt, Alfred Bruck, Gustav Lennhoff, Georg Rosenthnl und Max Maschke. Beginn präcise 8»/s Uhr abends.' Zutritt für jedermann unentgeltlich ohne Legitimation. Das Casino-Theatcr in der Lothringerstraße müht sich redlich, mehr und mehr das„Volksstück" zu Pflegen. Jetzt hat diese Bühne eine alte Geschichte von Julius S t i n d e„Ihre Familie" neu aufgeputzt. Das Stück ist geschrieben worden zn einer Zeit, Ivo man von allem, was die moderne Bühne ausmacht, noch keine Ahnung hatte; die austretenden Personen sind die bekannten Typen, die dermaleinst jeder Lutzspicl- Fabrikant aus Lager hielt. Traten sie rein als Spaßmacher auf, so hieß das Stück ein Schwank, lvar der Handlung ein Schutz Rührseligkeit beigemengt, so hatte man es mit einem Volksstnck zu thnn.' Ist„Ihre Familie" nun auch die verkörperte Anspruchslosigkeit, so interessiert daran doch eine Gestalt, von der man sagen kann, daß sie dem Leben abgelauscht ist. Es ist dies der alte ehrliche Krüger, der Mann, der sorgsam jeder Arbeit ans dem Wege geht, sich als Faulpelz und Trnnkeiibold von! seinen Kindern durchschleppen läßt und jeden, der ihm in den Weg kommt, eine Ladung Moralphrasen ins Gesicht wirft. Diese Gestalt wurde von Herrn W. Richter ganz prächtig dar- gestellt. Was sonst die Handlung betrifft, so baut sie sich als wundervolles Märchen auf; ein unendlich tugendhafter Baron ist in eine unendlich tugendhafte Ballettdame verliebt. Das Paar heiratet ich und wird von der adclstolzen Mutter verstoßen. Dann niuß der eure Gatte in den chinesischen Krieg, wird totgesagt und kehrt 'chließlich unvermutet in die Arme der verelendeten Gattin und der viedcrversöhntc» Mutter zurück. lDie Damen H i n z e r und B c h l e, iowie die Herren Mendt, Lütte und Berg verhalfen dem Sliick mit Eifer zu Ansehen. Die im Berliner Zlquarinm vorhandenen beiden Exemplare einer zum erstenuiale hier vertretenen afrikanischen Giftschlange lassen nach der eben überstandenen Häutung ihr wirkliches Farbcukleid erkennen und es ist nicht zu viel gesagt, wenn man sie zu den farbenschönsten Reptilien zählen muß. Die Farbentöne und Zeichnungen erzeugen eins der prächtigsten Teppichmuster und es ist doppelt bedau.eruswert, daß in einer solchen be-. strickenden Hülle ein so heimtückisches Wesen sich birgt. Die Farben- nbivechsliiugeu und Abgrenzungen lassen sich kaum mit Worten wiedergeben. Der Grundton ist ein tiefes Kastanienbraun; aus der Rückcnmitte hin läuft ein Zeichcnstreifen. der abwechselnd aus saiiduhrföruiigeu dunkelbranuen, rot und- gelblich eingefaßten Flecken und großen länglich viereckigen, fleischrötltchen Feldern besteht; nach dcn Seiten hin ist dieser Mittelstreifen eingefaßt von einer guirlandenartig sich lvindcuden hellen Längsbinde, und die Seiten selbst erscheinen init großen rundlich-viereckigen rlKlichen, von gelblich-weißein Oncrband durch- zogcnen Flecken und intt hellbraunen, Heller gesäumten Dreiecken gezeichnet; in dieses Häuptinuster fügen sich Makel, Tüpfel und Ocellcn mancherlei Art ein. Diese Art Puffotter sBitis) erhebt sich also hinsichtlich der Farben- schönhcit weit über die gewöhnliche, ebenfalls hübsch gezeichnete Puffotter, welche früher ausschließlich im Berliner Aquarium vorhanden war. Fcncrbcricht. Mittwoch früh gegen 6 Uhr wurde die Mehr nach der Landsbergerstr. 15 gerufen, um einen Brand in einer Wasch- küche abzulöschen, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Dienstagabend kurz nach 19 Uhr mußte in der Kleinen Alexanderstr. 12/13 ein Kellerbrand beseitigt iverden, während in der Skalitzerstr. 194 in einer Wohnung durch Umfallen einer Petroleum- lampc Möbel und Kleidnngsstücke Feuer gefangen hatten. Nach- mittags waren in der Prinzenstr. 89 Hobclspähne vor einem Ofen in Brand geraten. Aus der Kanonierstr. 17 wurde später ein Schal- deckenbrand in einem Keller gemeldet. Außerdem hatte die?Lehr noch im Laufe des gestrigen Tages Alarniiernngen von der Dresdener- traße 76, Schiffbäner-Damm'39, Mühlenstr. 41 und Weberstr. 1/2 zu verzeichnen. In allen Fällen handelte es sich jedoch nur um un- bedeutende Anlässe._ Attö den Nachbarorte». Schöneberg. Die S t a d t v e r o r d n e t e n- S i tz n n g am Montag hatte sich diesmal nur niit wenigen wichtigen Gegenständen zu beschäftigen, nachdem endlich in der letzten außerordentlichen Sitzung am Freitag der Etat fertiggestellt war. Zniiächst erfolgte die Einführung des im vierten Bezirk in der Ergänzungswahl ge- wählten Stadtverordneten Genossen Karl P a n s e r, der vom Vor- teher mit der üblichen Ansprache verpflichtet wurde; die Zahl nnsrer Vertreter im Kollegium ist somit auf fünf gestiegen. Sodann wurde die Vorlage des Magistrats betreffend Verbreiterung der A k a z i e n st r a tz e, Ecke der Hauptstraße, woselbst schon viele Unzuträglichkeiten und Unfälle hervorgerufen wurden, nach einem An- gebot der Hewaldschcn Erben gegen Entschädigung von 19 999 M. angenommen. Zur Regulierung des abzutretenden Teils des Grund- tücks wurden 15 999 M. bewilligt. Der Etat für 1992 schließt ab mit 8 563 591 M.; davon entfallen auf de» Etat der allgenieinen Verwaltung 39 992 M. Einnahme, 891 839 M. Ausgabe. Kapital und Schuldenetat 7859 M.<838 939 M.). Grnndslencretat 12 649(4648 M.}, Steueretat 3 982 689 M (216 250 M). Schnletat 185 760 M.(824 475 M.). Armenelat 67 675 M <257 520 2)1,). DeSinfektionS-tat 1500 M.(4200 Bnuctat 178986 5K.(390682 SR),©trnfecn« mid VerkehrZctal 227 761 M,<234 187) Bcrschvneriiiigsetnt 805 SN,(42 998 SV?,), Feiierlöschetat 2750 M. (116193), Friedhofsetat 24830 SV?,(10073 SV?,), Etat der auberordcntlichen Eiimahiiie» nnd Ausgaben 4 732 432 SV?, Bein, F c u e r l v f ch- Etat hatten»nsre Genossen beantragt, die fiir einen Dirigenten des Gesangschors der Fcuerlvehrinannschnften eingestellten 100 SR zu streichen, da fiir solche Zwecke Gelder von der Kommune nicht herzugeben seien, Sv?it demselben Recht könnten dann auch andre Kategorien der städtischen Beamten oder Arbeiter eine solckie Vev gilnstigung beanspruchen. Etwas andres wäre es, wenn es sich um Erhöhung der Lohnverhältnisse der Feuerwehrmannschaften handele, Natürlich wurde unter den üblichen Phrasen der Autrag gegen unsre 5 Stimmen abgelehnt. Lichtenberg. Auch für unser„Dorf" ist nun der Boranschlag zun, Haushalts- Etat den zunächst beteiligten Gemcindc-Vcr treter» zugestellt worden und zwar mit der Einladung, diese» in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen(Donnerstag und Freitag) zur Verabschiedung zu bringen. Der Voranschlag schließt in seiner ordent- lichen Einnahme und Ausgabe mit 1 225 000 2>?. gegen 1 010 000 TO, im Vorjahre ab. Die außerordentlichen Einnahmen und Ausgaben be laufen sich auf 700000 SR; daneben gehen die Special-EtatS. Für eine Verwaltung auf Grund der Landgemeinde-Ordnung mit nur einem verantwortlichen Beamten allerdings gewaltige Zahlen. Das Ortsstatnt zum Gewerbegericht hat nunmehr endlich die Genehmigung des Bezirksausschusses erhalten. Bezeichnend ist es. daß es erst einer geharnischten Resolution deS socialdemokratischen Wahlvercins bedurfte, um die Möglichkeit zu schaffen, das am 4, März genehmigte Statut am 18. März an die Gcmeinde-Ber waltung gelangen zu lassen. Fricdrichöhage». Das Gewerkschaftskartcll von Friedrichs Hagen veranstaltet am Sonntagabend 7