Nr. 69. id and p • Abonnements Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Wierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit tllustrierter Sonntagss Beilage, Die Neue Welt" 10 Pig. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Mona.. Eingetragen in der Post- Zeitungss Preisliste für 1902 unter Dr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts da u Berliner Volksblatt. 19. Jahrg. te Insertions- Gebüge beträgt für die fechsgespaltene Kolonets geile oder beren Raum 40 Bfg., für politische und gewertschaftliche Bereinss und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pig. ..Kleine Anzeigen" jebes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Bently- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Industriezölle, Kartelle, Krise. Kaum an einem Gebietsteile des Deutschen Reiches wird man den Zusammenhang von Industriezöllen, Startellpolitik und Krifen- Erscheinung so flar erkennen wie in Rheinland und Westfalen. Hier haben wir hochindustrielle Gebiete, er= " Sonnabend, den 22. März 1902. 5 Expedition: SW. 19, Bently- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. 108 auf 140 2. tritt, aber neben diesem Marktpreis gilt noch der Vertrags- Beispiele aus jüngster Zeit: Die linksrheinische Gruppe des preis, dem. ein großer Teil der deutschen Industrie, darunter Vereines deutscher Eisengießereien erhöhte nach den vielleicht die wichtigsten Werke, unterworfen sind, der die Produktions- nicht einmal vollständigen Zusammenstellungen Bogelsteins in möglichkeit und den Wettbewerb erschwert, und damit die der Zeit vom 22. Dezember 1897 bis zum 21. August 1900 Krise verschärft, den Unternehmungsgeist ertötet. ihre Grundpreise zehnmal um ingesamt 140 M. pro Zonne, Aber auch in den Zeiten der Prosperitätsperiode wirken die dazu noch einmal die Stückpreise. Der Walzwerk- Verband zeigte die bon der Natur durch außerordentliche Boden hohen Kartellpreise im Inlande neben den Unterbietungen im ähnliche Preisschwankungen. So betrugen die Preise im soschäße begünstigt sind; vorzügliche Verkehrsmittel Auslande ungünstig für unsre Industrie. Das Coatssyndikat genannten gemeinschaftlichen Gebiete bis zum Juli 1889 147,50. leichtern die Verkaufsmöglichkeit, die Produktionsstätten sind in Bochum hat bei dem Inlandpreis von 13 bis 14 Mart franto Empfangsstation, stiegen bis 210 M. im Jahre 1890 ebensowenig vom Meere als von den Landesgrenzen entfernt. gestattet, die Preise im Auslande noch unter 11,50 Mark zu und stiegen noch im gleichen Jahre auf 140 M. Bandeisen Ver- wurde von den vereinigten rheinisch- westfälischen BandeisenIn diesem Gebiete, in dem die moderne Großindustrie Deutſch ſetzen, es hat seinen Mitgliedern gegenüber die übernommen, sie beim Absatz ins Aus- walzwerken bis zum Februar 1897 zu 136 M. abgegeben. lands fich zuerst kräftig entwickelte, haben auch die Kartelle Pflichtung Land für eine Differenz zwischen dem Verkaufspreise Jm März 1900 wurden 195 M. bezahlt. Das deutsche festen Boden gefaßt, haben sie die wirtschaftliche Macht in einer Weise konzentriert, wie dies sonst in Deutschland nicht um diesen Satz von 11,50 Mark schadlos zu halten. Nach Trägerkartell steigerte von 1899 auf 1900 seine Preise von Schweißeisen- Kesselbleche stiegen in einem üblich ist. Hier konnte die Probe aufs Erempel gemacht werden, Belgien wurde zu gleicher Zeit aus Deutschland um 12 M. wie weit die Lehren der bürgerlichen Nationalökonomen begründet verkauft. Im ersten Vierteljahr 1891 betrug der Durchschnitts Jahr von 170 bis 260 m., nachher von 135 bis 220 M. sind, daß die Kartelle innerhalb der kapitalistischen Wirtschafts- erlös für alle Sorten Coats bei deutschen Werken 17,50, Feinblech stieg im Jahre 1889 ununterbrochen von 155 bis bei böhmischen 18,50 M., bei überseeischen Plägen 15 M., 250 M., Walzdraht vom Mai 1898 bis Dezember 1900 von ordnung an Stelle der Anarchie der modernen Produktion in Lothringen, Luxemburg, Belgien und Frankreich 12,50 M. 123 auf 185 M. Diefe Beispiele ließen sich noch lange fortgeordnete Verhältnisse sezen könnten, daß sie im stande wären, die Krisen aus der Welt zu schaffen, daß somit dank der Stahl und Eisen", das Organ der Eiſenindustriellen, flagte fezen; sie beweisen die allergrößte Willfür in der Festsetzung Sartelle eine Reihe von Angriffen der Socialdemokraten auf der Coatspreis um 25 Proz. niedriger gestellt würde. Wie und dies geschieht von den ganz gleichen Unternehmern, einige Jahre später, daß den ausländischen Hochofenwerken der Preise, die rücksichtsloseste Ausnügung der Konjunktur. die kapitalistische Wirtschaftsordnung als unbegründet erwiesen werden. Wie hat sich nun diese Theorie in der Praxis bewährt? felbft bis in die neueste Zeit hinein das Coatssyndikat die die Beter und Mordio schreien über jede Forderung heimische Produktion fördert, ergiebt die vom Amtsgerichte der Arbeiter, bon denselben Unternehmern, die in Es giebt hier nur eine Antwort, daß dies gar nicht der Fall war. Gottesberg festgestellte Thatsache, daß das westphälische patriarchalischer Fürsorge für die Arbeiter die gewerkschaftliche Ein Schüler Brentanos, Theodor Vogelstein, hat in einer jüngst Coatssyndikat der erschienenen Schrift:„ Die Industrie der Rheinproving 1888 bis schaft, der Prager Eisenindustrie- Gesellschaft und östreichischen Alpinen Montangesell- Organisation mit moralisch verwerflichen Mitteln nicht aufschaft, der Prager der kommen lassen wollen. Dieselben Unternehmer, deren Wort1900, ein Beitrag zur Frage der Handelspolitik und der Böhmischen Montangesellschaft laut Briefen vom März führer der Fehr. v. Stumm war und deren socialpolitisches Ideal Kartelle"*), den den Lehren seines Meisters widersprechenden 1898 und Juli des gleichen Jahres Hochofencoats zu die Zuchthausvorlage war, betonten stets, daß sie die Herren im Nachweis erbracht, daß die rheinischen Startelle nichts gethan 8,10 M. per Tonne bis Ende 1902 verkauft hat, während eignen Hause sein wollten, sie sind mehr geworden als das, haben, um die Krise zu verhindern, daß sie dieselbe im Gegen die deutschen Werke zur gleichen Zeit 17 M. bezahlen mußten! fie find die Herren aller der Industrien geworden, die durch teil befördert haben, und, so können wir hinzufügen, daß sie bei Eintritt der Strise dieselbe verschärft haben. So Solche Beispiele nationaler Wirtschaftspolitik finden sich auch den Bezug von Rohprodukten und Hilfsstoffen von ihnen ab. wiederholt sich in der gegenwärtigen Strise das Bild der sonst in dem Buche von Vogelstein reichlich. Im März und hängig geworden find. Dieselben Unternehmer, die jede Kartelle in der vorangegangenen Krisenperiode. Daß die April des Jahres 1901 wurden von den Träger- Walzwerken, die im Lohnbewegung bekämpfen, weil sie angeblich eine sichere Startelle in den Jahren 1889-1890 mit irgend welchem 92,50 M., au 89 M., ja noch niedriger bethätigt, während der werbung bei Submissionen ausschließt, well sie die Werffortsetzung deutschen Trägerkartell organisiert sind, Auslandsabschlüsse zu Kalkulation, eine Einhaltung von Lieferfristen, eine erfolgreiche BeErfolg den Versuch gemacht hätten, mäßigend auf Inlandspreis 120 und nachher 110 M. betrug. Auch das gefährdet, haben die Stetigkeit der Produktion durch die an Produktion und Preisbildung einzuwirken, fann nicht Dillinger Grobblech- Syndikat, an dem Freiherr v. Stumm Beispielen geschilderten Preis diftate weit mehr gefährdet, als behauptet werden, so muß dann auch in den folgenden Jahren des Niederganges mit Arbeiter- nicht unbeteiligt gewesen sein soll, verkaufte Bleche im Be- die Forderungen organisierter Arbeiter dies je thaten. Nicht entlassungen vorgegangen werden, ein rapides Sinken zirke der Saarbrückener Handelskammer um 5-10 M. pro einmal durch langfristige Verträge haben sich die Startelle geder Preise bis auf einen direkt zum Teil Verlust Tonne teurer, als die gleiche Ware aus der gleichen bunden gefühlt; für das Jahr 1900, knapp vor dem Ausbruch bringenden Standpunkt konnte nicht hintangehalten werden. Fabrik in Basel zu haben war. Ende 1901, 4 Jahre nach der Krise, erzwang das Coatssyndikat die Annullierung Auch in den der gegenwärtigen Krise vorangegangenen Jahren dieser Feststellung, wurden diese Waren im Auslande min der Verträge, um diejenigen, die auf Grund billiger haben das westfälische Kohlen. wie das Coatssyndikat sich um bestens um 30 m. niedriger verkauft. Im Februar 1901 vertragsmäßig gesicherter Coatspreise ihre Produktion ge die den Kartellen zugeschriebene Aufgabe eine ruhige Ent- verkauften die Werke des Halbzeugverbandes im Inland um regelt hatten, zur Abnahme von Coats zu bedeutend höheren die den Kartellen zugeschriebene Aufgabe eine ruhige Ent- 150 m., was sie nach dem Auslande um 105 m. verkauften. Breisen zu zwingen. Man hielt die Abnehmer von Kohlen, widlung zu fördern, in keiner Weise bekümmert. Wenn die Abnehmer dieser Syndikate nicht einmal die in Diese Beispiele werden genügen! Sie beweisen, daß durch Eisen und deren Produkten so knapp wie möglich, man lieg den Verträgen festgesetzten Preise bei bei der Kalkulation diese Startellpolitik der deutsche Weiterverarbeiter nur sehr die Industrie in ständiger Sorge leben, daß ihr die Materialien ihrer Verkäufe als sicher hinnehmen konnten, so ist schwer exportieren kann, da ja sein ausländischer Konkurrent zur Produktion nicht dauernd zugehen könnten. So wurde dank schwer zu sagen, welche Lage überhaupt noch ungewisser sein mit billigeren deutschen Rohmaterialien und Hilfsstoffen der vielgerühmten Startellpolitit der Kauf auf Spekulation auch in diesen Warenhandel eingeführt. Hierin liegt auch eine tönnte. Maßlose Preissteigerungen, die notwendig zu einer arbeiten fann als der heimische Fabritant. Es entwickelte sich eine merkwürdige Prämienpolitik, das der Ursachen der gegenwärtigen Strise. Sie mußte eintreten, Krisis führen mußten, wurden von den Kartellen veranlaßt, diese Preise wurden so lange als möglich aufrecht erhalten, selbe System, das der Staat zu seinem größten Schaden und sobald die kleinste Ursache zur Beunruhigung vorhanden war, ja auf den Schein der langfristigen Verträge wurde im schroffen nicht zum dauernden Nutzen der Zuckerindustrie dieser gegenüber sobald nur Zweifel an weiteren Preissteigerungen entstanden. Gegensatze zu der Martilage im Innern, wie auf dem Welt- angewandt hat, dasselbe wenden die privaten Kartelle den aus. Im Frühjahr 1900 herrschte noch ein wahrer Eisenhunger, markte bestanden, die Kartelle haben sich somit als das führenden Verarbeitern des deutschen Eisens und Stahls gegenüber wenige Monate darauf waren die Vorräte auf den Werken wichtigste Hindernis einer Gesundung der Industrie erwiesen. an. So erhalten z. B. die Mitglieder des Grobblechverbandes zu gewaltig angeschwollen, Einschränkungen im Betriebe wahren Die Startelle haben den deutschen Verbrauchern, die in ihren Auslandslieferungen, die zu niedrigeren Preisen als unvermeidbar, schwollen doch die Vorräte immer mehr an. Noch können wir nicht die Wirkungen der Krise auf die dustriellen wie den Privaten, dank der Protektionspolitik weit nach dem Inland erfolgen, einen Beitrag vom Kohlen-, Rohhöhere Preise als ihren ausländischen Konkurrenten ab- eisen- und Halbzeugverband und geben selbst wieder den Lage der Arbeiter, auf ihren Beschäftigungsgrad und ihre Weiterverarbeitern ihrer Produkte, die natürlich auch billiger Lohnhöhe feststeller, aber es stehen uns Daten aus der Ueber das Verhältnis von Inlands- und Auslandspreis exportieren, eine Ausfuhr- Unterstügung. Derartige Ausfuhr vorangegangenen Krise zur Verfügung. Auch sie beweisen, daß feien folgende Beispiele gegeben. Die Tonne Gießerei- Roheisen Unterstützungen finden sich bei Roheisen, bei Halb die Kartelle feine Stetigkeit in die Arbeiterverhältnisse hineinSomit ergiebt bringen. So beschäftigten z. B. die Eisenerzgruben in der foftete Ende 1894 und Mitte 1895 18,50-19 m. mehr als in eug, bei Walzdraht, Drahtstiften u. f. w. England, anfangs und Mitte 1896 war diese Differenz 18,50 bis sich, daß alle diese Waren deutscher Herkunft im Auslande Rheinprovinz im Jahre 1895 2774 Arbeiter weniger 19,75 M. Anfangs 1897 19 M., Mitte des Jahres 19-20 M., von billiger zu erhalten sind als im Inlande dank der Kartelle, als im Jahre 1890, in der Rheinprovinz( ohne den Regierungsdank der Protektionspolitik oder, um ein gemeinsames Wort bezirk Düsseldorf) wurden in der Roheisenproduktion 1891 da ab mit einigen Unterbrechungen steigend bis zu einer für beide Erscheinungen zu geben, dank der so viel ge- 1112 Arbeiter weniger beschäftigt als im Jahre 1890, und in Differenz von 47,50 M. am 7. Januar 1901. Was diese Der deutsche den Schweißeisen- und Flußeifen Werken im Jahre 1893 Differenz bedeutet, zeigt der englische Preis von 50,50 m. rühmten nationalen Wirtschaftspolitik". und der deutsche Preis von 98 M. Fast doppelt soviel als Ronsument zahlt die Kosten der Bevorzugung des Aus- 1134 Arbeiter weniger als 1890. Im Dortmunder Revier war landes wie die Riefenprofite der kartellierten Industrien. Aber im Jahre 1893 der Jahresverdienst der Kohlenbergwerksder Weltmarktpreis betrug, mußte der deutsche Verbraucher den geaichten Vertretern nationaler Wirtschaftspolitik bezahlen. nicht bloß der direkte Konsument von Kohle und Eisen, ganz Arbeiter um 140 M. geringer als im Jahre 1891, im SaarWährend vom 9. Juli 1900 bis zum 7. Januar 1901 die zu schweigen von den andern kartellierten Industrien, ist ein brüder Revier war im Jahre 1894 der Jahresverdienst um Tonne Gießereiroheisen in England von 68,35 m. auf 50,50 m. Opfer der Preispolitik der Kartelle, jeder Bewohner unsres 216 M. geringer als 1891, im Aachener Revier im Jahre wich, beharrt in dieser Periode der deutsche Preis auf 98 M. wir alle mit an dem verteuerten Eisen- und Kohlenkonsum Mit dem Märchen, daß die Kartelle beruhigend und wich, beharrt in dieser Periode der deutsche Preis auf 98 M. Landes ist es, denn durch Steuer und Eisenbahntarife tragen 1893 um 106 m. geringer als 1891. Die Differenz zwischen englischen und deutschen Preisen er der Eisenbahnen, des Heeres und der Marine. In den Groß- ordnend in die kapitalistische Produktionsweise eingreifen werden, flärt sich in normalen Zeiten, also etwa bis Ende 1898, aus klärt sich in normalen Zeiten, also etwa bis Ende 1898, aus städten, wo das Eisen immer mehr zu Bauzwecken verwendet wird, räumen diese Zahlen in der gründlichsten Weise auf. Wer die der. Differenz von Fracht und Zoll; in den Zeiten der Höchst bilden die gesteigerten Eisen tonjunktur in den letzten Jahren vor Ausbruch der Krise bilden die gesteigerten Eisen und Kohlenpreise eine der Trustbildungen in den Vereinigten Staaten von Amerita konjunktur in den letzten Jahren vor Ausbruch der Krise Ursachen zur Verteuerung der Mietspreise. Endlich ist jeder kennt, wer gleichzeitig die rasch aufeinander folgenden Krisen stieg diese Differenz englischen und deutschen Preises weit mann Konsument von Heizmaterial, dessen Preise bis auf den in diesem Wirtschaftsgebiete verfolgt hat, der mußte überhaupt über Fracht und Zollkosten, die sich um 19 M. bewegten, Torf und das Anzündeholz beeinflußt werden durch die Preis- erstaunt sein, daß sich die Theorie von der Krisenversicherung auf 24,50 m., 29,65 M., 47,50 M. Hier ist die Erklärung zu bildung des größten Heizmaterials- Produzenten des rheinisch- durch Kartellbildung einnisten konnte. Nur der Eifer, den suchen in den langfristigen Lieferungsverträgen zu hohen westfälischen Kohlensyndikats. Wie wenig die deutsche Socialismus zu widerlegen, nur das Streben, Aufgaben, die Preisen, denen die gesamte deutsche Industrie fich zu fügen Reichsregierung diese Politik erschwert, geht aus der Preis- dem Socialismus vorbehalten sind, in unsrer Gesellschaft als hatte, so daß im nationalen Wirtschaftsgebiet ohne jede innere bildung der fiskalischen Kohlengruben hervor, die sich voll erfüllbar hinzustellen, konnte diese Theorie aufkommen lassen. Berechtigung die Preise auf ihrer gewaltigen Höhe verblieben, während sie auf dem Weltmarkt zurückwichen. Dieses Bild ständig den Sagungen des Kohlensyndikats anbequemen und Sie ist vor unsern Augen zusammengebrochen. Zusammendes Patriotismus, dieses Glanzstück„ nationaler Wirtschafts- nicht einmal den Versuch machten, preisregulierend zu wirken. gebrochen ist aber auch gleichzeitig die Gloriole der nationalen Eine der Ursachen der gegenwärtigen Strife, zum Wirtschaftspolitik, die in ihrem System des Abschlusses vom politit" kann man ebenso beim Vergleich der Weltmarkt- und gezwungen. der deutschen Kartell- Preise von Thomaseisen, Stabeisen, mindeſten aber eine der Ursachen, die das Wiederaufleben Auslande das Heil für alle Glieder der Gesellschaft sah. Das Stahlschienen usw. usw. beobachten. Natürlich lassen sich der Geschäfte erschweren, ist die Unsicherheit über die wüste Treiben der Startelle, die billigere Produktion des AusStahlschienen usw. usw. beobachten. Natürlich lassen sich fünftigen Handelsbeziehungen mit dem Auslande. Unfre auf landes mit Hilfe deutschen Rohmaterials, die stete Unsicherheit die hohen Preise im Inlande als allgemeine Marktpreise den Export angewiesene Industrien bedürfen der Stetigkeit ihrer in unfrer Industrie, die hohen Rohmaterialpreise auch noch nur so lange halten, als kein Ueberangebot in Erscheinung Grundlagen, nichts hemnit die Entfaltung der Produktionskräfte in den Zeiten der Krise, die Fesselung des Unternehmungs*) Münchener vollswirtschaftliche Studien, herausgegeben von mehr als die Unsicherheit über die Zukunft. Man hat den geistes, und damit die lange Dauer der Krise, wurden be Lujo Brentano und Walther Log, Stuttgart und Berlin 1902. Startellen die Eigenschaft angedichtet, daß sie für die Stetigkeit fördert durch die Industriezölle und die Sicherung der Macht der Industrie hervorragende Garantien bieten. Hierfür einige der Kartelle durch dieselben. Xund 112 S. 8% So zeigt jeder Einblick in die Geschichte der letzten 10 Jahre, daß trotz all der glänzenden Erfolge der Unter- nehmer innerhalb der Prosperitätsperiode die Grundlagen unsrer Industrie ungesunde sind, daß es im Interesse des deutschen Volkes liegt, den künftigen Zolltarif im Interesse der Gesundung unsrer Wirtschaft auf ganz neue Grundlagen auf- zubauen. Es gilt heute mehr als nur den Kampf gegen die Nimmersatten Agrarier; nüt der gleichen Schärfe sind die- jenigen Bestrebungen zu bekänipfen, die unter dem Banner der nationalen Wirtschaftspolitik dem deutschen Volke als das größte Heil angepriesen werden, während sie sich als die größte Gefahr herausstellten.— Volikifche MebevNcht. Berlin, den 21. März. Prenhischer Landtag. Das Abgeordnetenhaus hat am Freitag die Sekundär- bahn-Vorlage an die Budgetkommission verwiesen und ist so- dann in die Ferien gegangen. Im Hause waren nur 20—30 Redner anwesend, gerade so viel, wie noch für ihre Wahlkreise neue Kleinbahnen zu empfehlen hatten. Die erste Sitzung nach den Ferien ist bereits auf den 9. April anberaumt. Es soll dann mit der zweiten Lesung des Etats der Eisen- bahn-Verwaltung begonnen werden. Das Herrenhans war fleißig, wie immer. Es nahm eine Reihe von Vorlagen an, von denen jedoch nur die betr. die Ueberweisung weiterer D o t a t i o n s r c n t e n an die Provinzialverbände der Erwähnung wert ist. Bei der Beratung tam es zu einem Konflikt mit der Regierung. Nach der Vor- lc�ge sollen nämlich die Dotationen zur Unterstützung von lerjtungsschwachen Kreisen und Gemeinden verwandt werden. die Agrarier des Herrenhauses aber verlangen unter Führung des ehemaligen Rcichstagspräsidenten Dr. v. L e V e tz o w, daß ar.ch die Gutsbezirke aus dem allgemeinen Staats- beute l Unterstützungen erhalten. Gutsbesitzer, die drei Jahre hindurch nichts aus ihrem Gut herausgewirtschaftet haben, sollen als lcistungsunfähig gelten und auf Kosten der Gesamt- heit»rnterhalten werden. Natürlich gilt diese Unterstützung nicht etwa als Armenunterstützung, die den Verlust des Wahlrechts nach sich zieht, im Gegenteil, die„notleidenden" Gutsbesitzer genießen nach wie vor alle Vorzüge der Pluto- kratischen Wahlgesetze. Obwohl der Finanzministcr rund heraus erklärte, daß die Regierung dem Antrag v. Levetzow nicht zustimmen könne und obwohl er im Interesse des Zu- standekommens des Gesetzes um seine Ablehnung bat, wurde diese Vorlage dem Antrag Levetzow entsprechend abgeändert; sie muß infolgedessen wieder an das Abgeordnetenhaus zurück. Unter den Petitionen, mit denen sich das Haus be- faßte, befanden sich auch zwei, die durch den Fall Bredenbeck veranlaßt waren. Namens des Vereins „Berliner Presse" erhob Dr. Klitschcr, und namens des Ver- eins schlcsischer Journalisten und Schriftsteller Dr. Oehlke lund Ludwig Sittenfeld Protest gegen die Behandlung unsres wegen Berufsvergehen verurteilten Genossen. Das Haus ging, dem Antrag der Kommission entsprechend, über die Petitionen zur Tagesordnung über, mit Rücksicht darauf, daß Vorsorge gegen die Wiederkehr ähnlicher Vor- kommnisse getroffen sei. Wie der Berichterstatter Dr. Jtten- b a ch betonte, ist das Verfahren gegen Bredenbeck nicht dadurch beeinflußt worden, daß er socialdemokratischer Redacteur ist. Aber wenn man einen Redacteur nicht schlechter behandle, so dürfe man ihn auch nicht besser behandeln als andre Verurteilte. Die Kommission scheint hiernach, ebenso- wenig wie das Plenum des Hauses, begriffen zu haben, worauf es den Petenten ankommt. Auch am Sonnabend hält das Herrenhaus noch eine Sitzung ab, in der kleinere Vorlagen erledigt werden sollen.— Die Annexion TientsinS durch die Khaki-Mächte scheint auf Jahre hinaus beschloffene Sache zu sein. Man erinnert sich, daß gerade England gegen die Vertrags- widrige, einen skandalösen BölkerrechtSliruch darstellende Annexion der Hauptstadt der Provinz Tschili protestierte und daß es Deutsch- l a n d in heftiger Weise angriff, weil gerade diese Macht die Räumung der Stadt durch allerhand Querzüge hinaus- zuschieben suchte. Inzwischen muß sich in England ein Umschwung der Stimmung vollzogen haben. Schon das letzte Reuter-Telegramm über die Verhandlungen der diplomatischen Vertreter der Mächte in China ließsetwas derartiges vermuten, schrieb es doch dem deutschen Gesandten die Aeutzerung zu, daß Deutschland in die Räumung TientsinS willige,„sobald die Verhältnisse eine solche Möglichkeit gestatteten", ohne an dieser kautschukartigen Zeit- bestimmung oder an dem sonstigen Verhalten Deutschlands oder einer andren Macht die geringste Kritik zu übe». Und in der Erklärung, die der englische Unterstaatssekretär C r a n b o r n e in der Donnerstags- Sitzung des Unterhauses auf die Anfrage des Konservativen Abg. Walker gab, ist von einem Wunsche Englands, die Vcrtvaltung TientsinS möglichst bald an China zurückgegeben zu sehen, vollends keine Rede mehr. Cranborne erklärte vielnrehr, es sei nicht möglich. Tientsin zu räumen, bis die V o r k e h r u n g e n für die m i l i t ä r i s ch e Besetzung TschiliS weiter vorgeschritten seien. Alle Mächte hätten den Wunsch, Tientsin zu räumen, sobald die Truppen- zahl auf den seiner Zeit bestinimten Satz ermäßigt werden könne. Er glaube, das werde innerhalb der uächstcn licide» Jahre möglich sein. Auf angeblich circa zivei Jahre hinaus wollen also die Khaki- mächte noch vertragswidrig die Hauptstadt Tschili in ihrer Ver- lualtung behalten, dort Steuern erheben, kurzum, die Halb- niillionenstadt als annektiertes Gebiet behandeln! Die Khakimächte wollen somit den unerhörten Völkerrechtsbruch sozusagen verewigen! Denn daß man in zwei Jahren die Truppen in der Provinz reduziert haben wird, wird kein Mensch glauben.— Neue Verwicklungen i» China. Aus Hongkong kommt folgender alarmierender Reuter- Bericht: Meldungen ans Kanton besagen, der Vicekönig habe Telegramme auS Lnngtschon an der Grenze von Tongking erhalten, ivonach sämtliche Truppen des Marschalls Su z u den Aufständischen übergegangen seien. Wenn das wahr ist, so erhalte» letztere einen Znlvachs von 20000 auf europäische Art bewaffneten und ausgebildeten Leuten,� die im stände sind, jede Truppe, welche die Kaiserlichen noch i n s Feld stellen können, z n schlagen. Der Bericht sagt iveiter, daS Land sei zlveifellos reif für den Aufstand. Fortwährend kämen Plündeningen vor und die Trockenheit verhindere die Aussaat von FrühjahrSreiS. Die Landarbeiter ernährten sich daher jetzt durch Räubereien. Wahrscheinlich stehe eine Hungersnot bevor. Gut unter- richtete Leute seien der Ansicht, daß ein Auf st and drohe, ähnlich der Taiping- Rebellion. Man sieht, der große China- Krenzzng hat, statt auf China beruhigend zu wirken, neuen Revolutionen nur vorgearbeitet. Die Provinzen, die sich im Anfftand befinde», sind allerdings nur die südlich belegenen Kwangtung. Kwangsi und Dünnan. Die ineisten der Khakimächte wären an den dortigen Zuständen nicht interessiert, wenn nicht die Gefahr drohte, daß die im Süden ssegreiche Erhebung auch auf die mittleren und nördlichen Provinzen übergreifen könnte. Aber selbst wenn diese Wahrscheinlich- keit nicht eintreten sollte, würde jedenfalls Frankreich, dessen Chinabesitz durch die Erschütterungen in Mitleidenschaft gezogen iverden dürfte, schlverlich die Gelegenheit vorübergehen lassen, in Südchina ähnlich vorzugehen, wie Rußland in der Mandschurei. Wozu hätte denn Frankreich seinen Ostasicn-Vertrag mit Rußland abgeschlossen, wenn es nicht unter dem Schutz dieser Alliance seineu Erobernngsplänen nachgehen könnte. Beliebt es aber Frankreich, sich in die südchinesischen Händel hineinznmengen, so müßten vertragsmäßig England und Japan intervenieren, die ja für Chinas Integrität einzustehen so feierlich gelobt haben. Tragen diese beiden Mächte jedoch Bedenken, Frankreichs Pläne zu durchkreuzen, so wird ein neues Wettrennen um chinesische Gcbietserwer- bringen auf der ganzen Linie beginnen. Die Ein- mütigkeit, mit der man sich in T i e n t s i n festzusetzen bereit erklärt hat, eröffnet allerliebste Perspektiven!— Wie Rußland über den Ztveck des neuen Zlveibnndes'und die Mandschureifrage denkt, verraten deutlich genug die Anslassnngen der russischen Pressen.„S w e t" erklärt rund heraus, Rußland könne jetzt seine Stellung in derMandschnrei als fest ge- sichert ansehen.„Nowojc W r e m j a" äußert sich weniger offenherzig, aber immerhin deutlich genug:„Die Mächte des französisch-russischen Bundes seien genötigt gewesen, das durch den englisch- japanischen Vertrag gestörte Gleichgewicht der Mächte im Stillen Ocean wiederherzustellen. Die Erklärung verkünde nichts Neues, werde aber gleichtvohl durch ihren ernsten, festen Ton den gewünschten Eindruck machen. Das Blatt besont ferner die Unerschütterlichkeit des ZweibnndeS und die volle Solidarität im Vorgehen Rußlands und Frankreichs in Ostasien. Die in der Erklärung ausgesprochene Politik der freien Hand ent- spreche am besten der Stellung und den Interessen Rußlands im fernen Osten." Von der Räumung der Mandschurei sagt das Blatt kein Wort! Daß die russische Regierung selbst nicht kurz und bündig erklärt, daß von einer Zurückgabe der Mandschurei an China keine Rede sein könne, sondern noch allerlei Winkclzüge macht, darf über ihre wahren Absichten nicht hinwegtäuschen. Derartige Kriegslisten sind nun ein- mal eine Eigentümlichkeit der russischen Diplomatie, und nicht nur der russischen. Hat doch England Aegypten in ganz der gleichen Weise annektiert, wie jetzt Rußland die Mandschurei. Auch die Versicherungen, die D e l c a s s ö am Donnerstag im Senat abgegeben hat, verdienen mit aller Skepsis aufgenommen zu werden. Wenn er erklärte, Frankreichs Interessen seien eng ver- knüpft mit der Unabhängigkeit Chinas, die„offene Thür" sei von ihm— Redner— schon lange vor 1899 gefordert worden, und die Anwendung dieses Grundsatzes, auf welche England und Japan hinzielten, müsse auch Gegenstand der Vorsorge aller Mächte sein, so sind das nur wohlfeile Redensarten, mit denen ein Minister des Auswärtigen eben neugierige Interpellanten abzuspeisen pflegt. Das von so viel selbstlosen Beschützern protegierte China hat jedenfalls alle Ursache, in den Stoßseufzer auszubrechen: Gott schütze mich vor meinen Freunden!— »» » Deutsches Hieich. Der Zollstreit. In den Zöllnerkreisen gehen die Auseinandersetzungen fort, ob man auf der Erhöhung der Regierungsvorlage mit Nachdruck be- stehen oder ob man der Vorlage entgegenkommen solle. Die„Deutsche TageSztg." ist erfreut, daß nicht nur im preußischen Abgeordneten- hanS, sondern auch in den Landtagen von Hessen und Sachsen ein neuer Vorstoß gegen die„unzureichenden Zölle' unter- nommen werden soll. In Sachsen allerdings wollen die Konservativen ihre Zollaktion nicht in der wuchtigeren Form einer besonderen Jnter- pellation oder eines Antrags besorgen, sondern sich ans eine Aeußeung ihrer Wünsche bei Gelegenheit der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beschränken. Dagegen mühen sich die eigentlichen„SammInngZ'-Blätter, zur Mäßigung der agrarischen Ucbcrforderungen zu mahnen. Diese Blätter eifern besonders gegen die Verderblichkeit der überagrarischen Taktik, die dazu führen müsse, daß die Reichstagslvahlen unter der Parole des Zollwuchers nusgefochten werden würden, was gerade den Zollfreunden nicht günstig sein könne. So äußern sich die „Berliner Neuesten Nachrichten" in einer Besprechung über die letzten Ersatzivahlen mit einiger Offenherzigkeit, die sich aus dem Wunsche erklärt, die Ueberzöllncr zu schrecken: „Wir glauben, daß thatsächlich der Triuniph von Freisinn und Socialdemokratie, ihr Feldgeschrci gegen Erhöhung der Lebens- miltelzölle habe ihre Stimmenzahl erhöht und ihnen zu Erfolgen vcrholfen, nicht ganz unberechtigt i st. Es ist klar, daß die maßlos übertriebenen Schreckbilder und Verhetzungen wegen des angeblichen„Brotivnchers", wegen der Verteuerung der not- ivendigsten Lebensmittel und der„Aussangnng" der Sinnen sc. auf die W ä h l e r m a s s e n nicht ohne Eindruck bleiben, und daß andrerseits agrarische Ueber- forder ungen nach derselben Richtung schädlich wirken müssen. Auch greift die Erkenntnis immer mehr um sich, daß, falls der Zoll- tarif nicht vor den Neuwahlen im Jahre 1903 erledigt wird, sondern die Zollfrage als Angelpunkt der allgemeinen Wahl- bcwcgnng dient, davon nur die e x t r e m e n und radikalen Parteien links und rechts Gewinn ziehen, alle Miltelparteien aber sotvie überhaupt die gedeihliche Gestaltung unsrer gesamten inneren Politik Schaden nehmen werden." Es ist nicht nötig, bei dieser Gelegenheit mit dem Organ der Panzerplatten-Jndustrie zu disputieren über„angeblichen Brot- wucher" und derlei Versuche, offene Thatsachen fortzulügen. ES ge- nügt festzustellen, wie groß die Aug st vorReichStags- Neuwahlen bei den Herrschaften ist. Ganz ähnlich wie die„Berliner Neuesten Nachrichten' stellt sich die„Post": Sie wünscht geradezu, daß„die für die Zeit nach der Ostervertagung in Aussicht genonmiene Demonstration im preußischen Abgeordnetenhause unterbleiden" möge, da„von ihr nur eine Ver- längerung und eine Verschärfung des Streits zu erivarten" sei. Und in einer Betrachtung über den Ausfall der Wahl in B r e s l a u sagt die. P o st": „Wir stehen nicht an zu bedauern, daß die uns am nächsten stehenden Parteigruppe» nicht eine größere Zahl von Stimmen auf sich zusammen zu bringen vermochte», als thatsächlich der Fall gewesen ist. Wir schieben aber die Schuld zum wesent- I i ch e n Teil ans die Wahlparole und ziehen deshalb auch aus dem neuen Wahlergebnis, ebenso wie ans dem vom 18. März den Schluß, daß es vom Ucbel sein würde, wenn die Zoll- frage in die allgemeinen Wahlen käme." Die Zollopposition hat stets betont, daß der neue Zoll« tarif dem Votum der deutschen Wähler unterbreitet werden müsse. Hiergegen führten stets die Zöllner den freilich höchst lächerlichen Vorivand ins Feld, nnsre Forderung sei hinfällig, Iveil die Zollfrage schon bei der Wahl von 1398 zur Entscheidung gestanden habe. Die oben citicrten Zugeständnisse der Zollerhöhungs-Blätter beweisen durchschlagend die Berechtigung unsrer Forderung. Die Zöllner fürchten das Urteil der Wähler. Wir fordern es!— Die gottlose Selbstsucht. Die katholisckie„Märkische Volks- zeitnng" widmet dein Zollkanipf den folgenden Spruch: „Diese heftigen, der christlichen Nächstenliebe sicher niKt entsprechenden Erörterungen find gewiß zn bedanern. Sie sind ein warnendes Beispiel, wohin es führt, wenn man den Boden der ausgleicki enden Gerechtigkeit verläßt, nur an sich, an die eignen Interessen denkt, und nicht danach fragt, ob auch andre Teile des Gemeinwesens der Voraussetzung einer ansköninilicben Existenz sich erfreuen. Die Geschichte aller Zeiten lehrt, daß die durch den Eigennutz und die Selbstsucht der Mensche»» hervor- gerufenen wirtschaftlichen Kämpfe die häßlichsten und ge« hässtgstc» sind, iveil dabei die unedelsten Eigenschaften zu Tage treten." Ist das Centruin plötzlich umgefallen? Redet es jetzt der golt- losen Selbstsucht der Agrarier ins Gewisse», die den Proletariern ihr tägliches Brot verteuern»vollen? Ach»ei»! Die Christlichkeit des CentrumS ist jetzt so Iveii vor- geschritten, daß es die Selbstsucht der Arbeiter schilt, die durchaus nicht den Zolltribnt an die Junker entrichten»vollen. Das Centrun» flucht dem Eigennutz der Ausgedeuteten, die den Wucherern in ans- gleichender Gerechtigkeit eine»» noch erhöhten Zoll oersagen. RettcS Christentum!— Kirchs und Schule. An Stelle des liberalen Kügler soll der bisherige Direktor der kirchlichen Abteilung iin Kultnsministeriun» Dr. Schivarzkopff zum Leiter des preußischen Volks- s ch u l w e s e n s ausersehen sein. Damit ivird die Schul-Rcaktion noch mehr zunehmen, und der kirchliche Geist, der jede Aufklärung und Bildung haßt, zur Freude der klerikalen und konservativen Schulfeinde, die preußischen Volks« schulen vollends beherrschen.— Militärische Geschichtsforschuug und Offiziercorps. Den, verstorbenen Hauptmann Fritz Hönig widmet der Kommandeur des Jnfauteric-Regiments Nr. 47 folgenden originellen, auch stilistisch interessanten Nachruf: „Nach seinem Abgang von» Regiment als Schriftsteller thätig, hat er zivar tviederholt nicht in llebereinstinnnnng mit de» An- sichten des Offiziercorps seine Meinung zur Geltung gebracht; jedoch wird das Regiment ihn als alten Kriegskameraden wegen seiner treuen Anhänglichkeit und seiner unzweifelhaft(!) geistigen Bedeutung nicht vergessen." Nach der Ansicht des Herrn RegiinentScommandeurs hätte der bekannte Militärschriftstellcr also besser gethan, seine Werke den, Offiziercorps des RegiinentS, dem er vor diversen Jahrzehnten einmal angehört, vor ihrer Publikation erst zur Censur vorzulegen. Vielleicht hat es der Oberst auch deshalb für gut befunden, in dem Nachruf die ablveichende Meinung des Offizicrcorps hervor- znheben, um deniselben Duellforderungen der Anvenvnndten der von den» Verstorbenen kritisierten Heerführer zn ersparen.— Nachwehen von der Gelseukirchncr Typhusepidemie. In der Generalversammlung der Aktionäre des Gclsenkirchner Wasser- iverks, am Mittwoch, kam es bei den Erörterungen über die Typhusepidemie zu einigen kleinen dranratischcn Scene». Die Epidemie ist zweifellos auf die Zuftihrung»infiltrierten Wassers zurückzuführen. Die Verwaltung des Wasserwerks hat die That- fache, daß»infiltriertes Wasser der Leitung zugeführt wurde, ver- heimlicht,— bis die Entdeckung durch Professor Koch unvermeidlich erschien. Ob daS eingeleitete Strafverfahren zn einer Ver- urteilung der Schuldigen führt, kann trotzdem noch stark be- zweifelt werden, jedenfalls Ivird man die ganze Verantwortung auf den früheren Direktor des Wasserwerks— auch ein„Schmidt"— zu schieben versuchen, und dieser Schuldige befindet sich tvohl und munter im Auslände! Den Aktionäre»! ivird der Staatsamvalt ja auch nicht an den Kragen gehen, sie steckten pflichtichiildigst ihre Dividenden ein— 12, 13 und 14 Proz. in den letzten Jahren— und kümmerten weiter sich um nichts. Etwas mehr Angst scheint man vor den Regreßansprüchen zn haben I Wohl als Präventiv- »Nittel, um Klagen vorzubeugen, beschloß die Verwaltung des Wasserwerks, an die beteiligten Gemeinden 250 000 M. auszuzahlen, Nach Erstattung des Geschäftsberichtes ersuchte der Vorsitzende, auf eine Erörterung der Thphusangelegenheit nicht einzugehen — die Schenkung sei lediglich ans menschlichen Gefühlen erfolgt. Aber einer der Aktionäre ovponierte: wenn die Vcrivaltinig srei sei von Schuld, dann sei es auch nicht notwendig, ein Geschenk von einer Viertelmillion Mark hinauszuwerfen. Schließlich kam die Verivaltung mit dem Geständnis heraus, man sei immcrhin so vorsichtig gewesen. — trotz des Bewußtseins der Schuldlosigkeit l— sich bei der Schenkung vorbehalten zu haben, daß, falls eine Verurteilung er- folge, die 250 000 Mark in Anrechnung gebracht würden. Das nutzte indes alles nichts; gegen die Entlastung des Aufsichtsrats und des Borstandes stimniten drei Aktionäre mit 193 Slimiuen, die ihren Protest zu Protokoll nehmen ließen. Bemerkt sei»och, daß die Verivaltung eine Schuld u. a. mit der Motivierung bestritt, daß f a st sämtliche Wasserwerke des Bezirks»in- filtriertes Wasser verwendet hätten! Ob die übrigen Wasserwerke diese Bcschuldignng ruhig hinnehmen iverden?— Die Wahlrechtsreform iu Bade»». Ans Karlsruhe wird »ms vom 20. März geschrieben: Bereits drei socialistische Redner, die Genossen Dreesbach. Geiß und Eichhorn, hat die Debatte der Ziveiten Kammer über den Etat des Ministeriums des Innern, die nun schon sechs Tage dauert, mit längeren Ausführungen ins Treffen geführt,»nid den» neuen Minister des Innern, Herrn Schenkel, dürfte nunmehr auch der letzte Zivcifcl daran genommen sein, daß nnsre Fraktion seiner schlauen Taktik einer aberuialige» Verschleppung der wichtigsten Frage, die augenblicklich uiiser Parlament beschäftigt, der Einführung des direkten L a n d t a g s- W a h I r e ch t s, den entschiedenste» Widerstand entgegenzusetzen enlschlosien ist. Man hat es nachgerade auf allen Seiten des Hauses iatt, sich von der Regierung noch länger durch vage Versprechungen hinziehen zu lassen, und vorgestern hat sogar der Centrumsführer Wacker, der„Löive von Zähringen", den» Minister Schenkel ivicder eimnal seine Krallen gezeigt, nachdem er ihn bisher, in der stillen Hoffnung auf baldige Konzessionen kirchen- politischer Natur, nur mit Sainmetpfötchcn angefaßt hatte. Ja, selbst die N a t i o» a l l i b e r a I e n drängen jetzt mit Entschiedenheit auf die energische Inangriffnahme der Wahlrefort» und find offenbar entschlossen, die in ihren Wahlprogrammen gegebenen Versprechungen nunmehr auch einzulösen. Die Erklärungen der Regierung lauteten in der Wahl- reformfrage bisher immer noch dunkel ausweichend. Nur so viel steht nach den Aenßernngen des Ministers Schenkel fest, daß ste nicht geivillt ist, den, Volke neben dem direkte» auch das gleiche und unverfälschte Wahlrecht zu geivähren. Ans den„Knutelen", die seiner Zeit Herr Eisenlohr noch orderte, um einem„Mißbrauch des radikalen MasfenwahlrechlS" vorzubeugen, sind heute„geivisse Begrenzungen" geivorden, ohne die die Regierung ihre Zustinnniilig zum direkten Wahlrecht nicht geben zu können vorgiebt. Zn näheren Erlänterunge» dieses Begriffs und einer genauen Fixiernng des Punktes, bis zu dem sie deui Volte entgegenkommen will, hat sich die Regierung bisher noch nicht herbei- gelassen, und gerade dieser Umstand nährt den Verdacht, daß sie rS darauf absieht, auch diese» Landtag, dessen Verhandlungen durch den Jubiläumsnnnmel zu Ende nächste» Monats ohnehin eine längere llnterbrechung erleiden, noch vorübergehen zu lasse», ohne eine Lösung der Wahlrechtsfrage herbeizuführen.— Ausland. In der Boerendebatte deS Unterhauses, ufar die wir bereits gestern im Depeschenteil berichtet haben, erklärte Herr Chamberlnin. daß die Zahl der jetzt noch im Felde stehenden Äoeren ans 9000 geschätzt werde. Chamberlnin weist cS also besser, alü der Kricgsminsster Brodrick, der noch vor wenigen Tagen erklärte, dast die Erfahrungen ihn darüber belehrt hätten, dast es zu gewagt sei, eine Schätzung der noch im Felde stehenden Boere» vorzunehmen, da man etwas Bestimmtes doch nicht wissen löiine. Der Kolonial- minister ist also genauer unterrichtet, als der Kriegsininister, obwohl er seine Informationen ivahrschcinlich erst von dem vorsichtigen Kollegen bezogen haben wird. Herr Chamberlai» erklärte ferner, dast er durchaus optimistisch in die Zukunft schaue. Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte H a r c o u r t, er werfe der Regierung nicht vor. dast sie das Land täusche, die R e- gier ung habe sich aber selber getäuscht. Lloyd George(liberal) und andre setzten die Beratung fort, die stellen- lveise einen hitzigen Charakter annimmt. Lloyd George sagt, Eng- Imid habe während des Krieges 18 Niederlagen erlitten, d i e schliuimer waren als Btajuba. Cnyser(kons.) unterbricht mit den Worten, darüber freuten sich die Boerenfreunde ja. fZnstimmung au den Bänken der Ministeriellen.) Kriegs mini st er Brodrick führte aus, in den Operationen sei ein groher Fortschritt erzielt worden. Der Haupt ividcrst and in dem O r a n j e st a a t sei gebrochen und D e Weis Truppen nach allen Richtungen zersprengt. In der K a p k o l o n i e lägen die Operationen mehr in der Hand der Polizei, als dast sie militärischen Charakter trügen, auch in Ost- Transvaal seien groheFortschritte erzielt worden. Wahr sei ja allerdings, dast von D e l a r e y, einem der besten Boeren- generale, eine lebhafte Thätigkeit entfaltet werde, aber im allgemeinen habe der Lauf, der Dinge dahin geführt, den Boeren einen grosten Teil ihrer Streitkräfte und die Organisation ihrer Lebeiismittelzufuhr zu nehmen in einem Umfange, der bei weitem das Mast der Erwartungen übertreffe. England habe infolge- dessen nur mit einer kleineren Zahl des Feindes zu rechnen. Die Ausführungen B r o d r i ck s werden kaum dazu beigetragen haben, den Chamberlainschen Optimismus dem Hanse mitzutheilen. Dafür, dast De W e t s Truppen zersprengt sind, liegen keinerlei Beweise vor. Wäre die Erklärung aber nicht nur eine ganz un- beglaubigte Behauptung des Kriegsministers, sondern eine Thatsache, so läge auch ihr kein irgendivie tröstlicher Sachverhalt zu Grunde, da die„versprengten", das heistt freiwillig in kleine Trupps sich auflösenden Boerenmannschaften sich noch jederzeit wieder zu einem größere» aklionsfähigen Corps zusammen- gefunden haben, lieber die grosten Erfolge in Ost- Transvaal ist ebenfalls nur dem Kriegsmiuister etwas bekannt geworden, was umso wundersamer ist, als doch das Kriegsamt Siegesnachrichten der Oeffentlichkeit bisher nicht vorzuenthalten pflegte. Dast man in der Kapkolonie hauptsächlich nur noch Polizeimannschaften gegen die Boeren verwendet, ist wahrscheinlich nur dem Mangel an Truppen, nicht der Geringfügigkeit der dort noch vorhandenen Boerenkräfte zuzuschreiben, wurde doch die Stärke des BoerenkommandoS, das vor einigen Tagen in Nord-West-Transvaal zwei große englische Convois wegnahm, auf 1500—2500 Mann beziffert I Frankreich. Tie sechsjährige Legislaturperiode. Wenn wir in Rußland eine Konstitution neu eingeführt hätte» und dieses Land würde in der llngewohnthcit parlamentarischer Gebräuche so vorgehen, wie das Ministerium der republikanischen Verteidigung in Frankreich in Sachen der Verlängerung der Legislaturperiode, man ivürde nicht weniger Kopfschütteln dafür haben. Seit langer Zeit ist die Wahlgesetz- Kommission in Thätigkeit, um' über wenige wichtige Dinge. ivie die Verlängerung der Legislatur- Periode, lange Debatten zu führen. Feierlich erscheint der Minister- Präsident Waldeck-Rousseau zu wiederholten Malen bei ihr, um ihr Direktiven zu geben, aber kein Sterbenswörtchen verlautet über die Verlängerung der Legislaturperiode von vier auf 6 Jahre. Dafür erscheint bei den Plenum- Beratungen der Abgeordnete Pourquery de Voisserin plötzlich ans der Coulisse, hinter der die Regierung die unsichtbaren Fäden zieht, und überrumpelt die erstaunte Kammer mit einem Amendement, welches in lakonischer Kürze lautet: Die Abgeordneten iverdeii auf sechs Jahre gewählt. Die Kammer erneuert sich ungeteilt. Es giebt wohl keinen schlagenderen Beweis für daS böse Gewissen der Regierung, als daß sie diese so bedeutsame Maßregel der öffentlichen Diskussion entzog. Das einzige Argument, welches ernsthaft von der Regierung i»S Feld geführt wird, ist, daß die Kammer ersprießlicher bei der sechsjährigen Legislaturperiode arbeiten kann. „Das erste Jahr", sagt Mr. LehgueS,„ist für nützliche Arbeit verloren, denn es dient der Organisation der Kammer. DaS letzte Jahr wird schon durch lange Wahlreden, die die Abgeordneten den Wählern schuldig zu sein glauben, ausgefüllt." Vergeblich bemühte sich der Socialist Vaillant, die bestehende Legislaturperiode aufrechtzuerhalten, vergeblich wenn auch die glänzenden Reden Vivianis und PelletanS. Der Socialist Allemane versuchte durch einen präjudiziellen Antrag durchzusetzen, daß sich die Wahlkommissio» nochmals mit dem Ameudeinent befasse. Der An- trag wurde mit 420 gegen 104 Stimmen abgelehnt. Ebenso wurde ein Antrag Vaillants niit 374 gegen 172 Stimme» abgelehnt, lvelcher bezweckte, daß der zweite Teil des Amendcnients Pourquery Idahin abgeändert werde, daß die Erneuerung der Kammer nicht integral, sondern partiell, lvie beim Senat, sein folle.— Die deutsch-französischen Beziehungen vor dem Senat. Senator G o t t e r o n interpellierte im Senat Delcasss mit einigen Fragen über dentsch-französische Beziehungen. Der Minister des Aeußenr bcjchiverte sich über diese Abweichimg voni parlamentarischen Herkommen und leugnete bestimmt, dast Deutschland vor drei Jahren Frank- reich ein Abkommen zum Schutz der portugiesischen Besitzungen in Ostafrika. angeboten, Frankreich es abgelehnt und Deutschland es dann mit Eng- land abgeschlossen ha be/.G o t t e r o»: Trotz Ihrer Versicherung wird es mir schwer, zu glauben, dast sich zwischen den beiden Regierungen nichts begeben hat.— Delcassö: Sie haben mich nicht vorher verständigt, daß Sie die Frage an mich richten lvollen.— Gotteron: Ich halte aufrecht, daß zwischen Deutschland und Frankreich Ver- Handlungen stattgefunden haben, die niemals bekannt geworden sind. Redner' beruft sich auf eine Acusterung Lord Cranbornes, die das Zugeständnis einschließt, daß ein englisch-deutscher Geheimvertrag für Ostafrika besteht und fährt fort:„Dieser Gcheimvcrtrag drückt mit seiner ganzen Wucht auf die Transvaal-An gelegen- heilen, und er hat den Gesinnungswechsel des Kaisers Wilhelm gegen die Boere» herbeigeführt. Wäre Deutschlands Einladung von Frankreich angenommen worden, so wäre F a s ch o d a unmöglich ge- wese»."— Niederlande. Gegen die Begiilistigung der Secleuverkäufer, die mit alle» Mitteln der Täuschung und des Betrugs im Auslande Soldaten für die niederländische Kolonialarmee anwerben, interpellierte am 18. März der socialdeniokratische Abgeordnete S ch a p e r in der zweiten Kammer. Er erinnerte daran, daß im Januar dieses Jahres in Zürich und in Bern solche Werber verhaftet wurden. Das war gerade in deu Tagen, wo der Minister Dr. Knyper in Sache» des schändlichen Kriegs in Südafrika als Friedensvermittler auftrat, und Schaper wies auf die Ironie hin, daß zur selben Zeit für den schändlichen Krieg der Nicderläikoer in Aljeh Soldaten ge- preßt ivurden. Die Werber versprechen ihren Opfern ein herrliches Leben in Indien, ja, bereits in Harderwijk, dem Sammel- platz der Angeworbenen in Holland werde es sehr lustig sein. Der Redner erwähnte die Scheußlichkeiten, die gegen die Eingeborenen in Aljeh verübt wurden, und sprach. die Befürchtung, aus, daß das noch schlimmer werden würde, nun. da auch Chinagänger für daS indische Heer angelvorben seien,„Leute, zurückgekehrt aus dem Hunnen- zug, aus dem Zug. der den Chinese» solchen Schreck einjagen sollte."— Hier wurde der Redner vom Vorsitzenden ersucht, sich auf seine Interpellation zu beschränken. Schaper legte ferner die Umstände dar, unter denen die Angeworbenen transportiert werden. Der Seelenverkäufer reist mit seinen Schlachtopfern an die holländische Grenze, nimmt ihnen die unentbehrlichste» Legitiniationspapiere ab, womöglich auch ihren Koffer, und schickt die Leute direkt an einen berüchtigten Herbergswirt in Harderwijk, der ihnen im voraus Reisegeld geschickt, wofür sie an der Grenze einen Schuldschein unterschreiben müssen. Die Schulden, die sie dann auf jener berüchtigten Herberge bis zu ihrer definitiven Einstellung machen, iverden ihnen vom Handgeld abgezogen und vom Werbe- depot bezahlt. Der Werber erhält als A n b r i n g c g e l d 20 Gulden pro Kops. Der Redner fragt den Minister, ob diese Werber mit dem Gouvernement oder dem kolonialen Werbedepot in rechtlicher Verbindung stehen, oder mit den Vertretern des Reiches im Auslande, und wenn nicht, ob die Regierung geneigt wäre, auch das indirekte Band zwischen ihr und den Seelenverkäufern zu brechen.— Minister B e r g a n s i u s erklärte, daß sich die Zustände gegen früher be- deutend gebessert hätten. Auch die Zahl der Fremden in der indischen Armee sei bedeutend zurückgegangen, von 41 Proz. im Jahre 1876 auf jetzt 18,5 Proz. Früher seien die Desertionen an der Tages- orduung gewesen, 1901 aber im ganzen nur 3 vorgekommen. Auf den eigentlichen Kernpunkt der Anfrage gab der Minister jedoch keine befriedigende Antwort und erklärte nur, daß jenem Herbergswirt die Schuldentilgung nicht vom Werbedepot„garantiert" werde.— Spanien. Neue Gärung. Von neuem regen sich die Arbeiterkreise in Spanien. Die Agentur Paris-Nouvclles verbreitet die Nachricht, daß in Villagarcia, Andalusien, Alicante. Avila und Sevilla große Arbeiterversammlungen stattgefunden haben, wo es sehr erregt zu- ging und die befürchten lassen, daß die Unruhen, wie sie sich jüngst in Barcelona abgespielt haben, sich wiederholen könnten.- An der Versammlung von Villagarcia haben außer den Arbeitern des Ortes Abordnungen des Verbandes der Eisenbahn-Angestellten von Vigo, des Verbandes der Metallarbeiter von Pontevedra, Arbeiter von Villajuan, Carril und andren Jndustrie-Ccntren teilgenommen. In La Galice haben sich sämtliche Arbeiter der Bewegung angeschlossen wie zur Zeit des Generalstreiks in Barcelona. Auch in Andalusien nimnit die Arbeiterbewegung ungeheuer an Ausdehnung zu, die sich auch auf die umliegenden Bezirke ausstreckt. In der Versammlung von Alicante wurde heftig gegen die Willküralte der Unternehmer protestiert, die diese gegen die Arbeiter von Teba Malaga) aus- übten.— Italien. Absichte» Italiens auf Tripolis. Aus Rom wird vom 21. März gemeldet: Hier erhält sich das Gerücht von einer bevor- stehenden Besitzergreifung von Tripolis durch Italien. Die italienischen Behörden sollen bereits Anordnungen getroffen haben, um eine not- wendige Verproviantierung der Truppen zu sichern. In der Uni- gebung des französischen Botschafters soll man erklären, zwischen Frankreich und Italien herrsche diesbezüglich völliges Ein- vernehmen.— England. Tie Militärschranbe. Hinsichtlich des englischen Budgets er- fährt„Daily Expreß", die zivanzig Millionen des erwarteten Fehl- betrages lvürdeu durch neue Steuer» gedeckt werden. Die Steuer würde um zlvei Pence erhöht, Zölle würden auf T h e e und Petroleum gelegt, und der Rest würde durch eine Staats- a n l e i h e gedeckt werden.— Rnstland. Zur Spitzelaffaire des Obersten Grimm erfährt„Echo de Paris", man sei in Paris überzeugt, daß Oberst Grimm nicht bloß den russischen M o b i l m a ch u n g s p l a» und die Grenz- befestigungen, sondern auch das f r a n z ö s i s ch- r n s s i s ch e militärische Abkommen und die darin vereinbarten Feldzugs- Pläne verraten habe.— Asien. Japan alö chinesischer Militär-Jnstrnktor. Nach einem Telegramm der„Times" aus Peking von gestern werden heute 50 ausgewählte chinesische Studenten von Paotingfu nach Japan ab- reisen, um in die Militärschule in Tokio einzutreten.— Aus Shanghai meldet dasselbe Blatt, daß die Verhandlungen wegen der Revision der Verträge mit dem Aus- lande, welche seit der Erkrankung Schengs abgebrochen waren, jetzt ohne ihn ivieder aufgenommen worden sind.— Der Boeren- Krieg. Die Lage im Oranjefreistaat. Die„Times" melden, daß die Boeren im Oranjefreistaat in kleinen Trupps von 300 Mann verteilt sind. Im westlichen Transvaal verfügen sie über Geschütze und genügende Munition, ebenso über ausreichende Transportmittel. Außerdem werden sie von zahlreichen Spionen unterstützt. Cecil Rhodcs. London, 21. März. An Bord eines Dampfers wird, wie aus Kapstadt berichtet ivird, eine Kabine eingerichtet, um Cecil Rhades nach England zu bringen. Trotz der gestern eingetretenen kleinen Besserung stört starkes Fieber seinen Schlaf. Der Gcmeinderat von Kapstadt nahm ein Sympathicvotum an, worin die Erwartung aus- gesprochen wird, daß Cecil Rhades bald genesen möge und sei» Wirken in Südafrika fortsetzen lönne. Sociales. Das Recht des Fabrikinspektors. Um daS Reckt des Fabrikinspcktors, jeden ihm unterstellten Betrieb nach Belieben und ohne Wissen des Unternehmers zu kon- trollieren, hat die Münchener Fabrikinspektion einen ziveijährigen Kampf geführt und nun endlich ihr Recht durchgesetzt. Wir haben mehrmals über den Fall berichtet. Der Assistent des Gewerbe-Juspektors für Oberbayern, Dr. Bergmann, wollte vor etwa zwei Jahren die Schulersche Metallwaren- Fabrik in München revidieren, wurde aber vom Fabrikportier verhindert, die Fabrik durch den den Arbeitern dienenden Eingang zu betreten, vielmehr auf einen durchs Comptoir führenden Eingang' verwiesen. Der Portier handelte dabei im Auftrage des Fabrikleiters, Ingenieur Deisenhofer. Gegen eine Über ihn verhängte Geldstrafe beantragte Deisenhofer gericht- liche Entscheidung. Das Schöffengericht verurteilte ihn gleichfalls. das Landgericht München l sprach ihn frei; das Ober- Landes- gericht hob das freisprechende Urteil auf und verivies die Sache an die Vorinstanz zurück. Landgericht München I sprach abermals frei und Ober-Landesgcricht hob das Urteil wieder auf, übertrug aber nunmehr die Sache dem Landgericht München n. zur nochmaligen Verhandlung. Von diesem Gericht wurde nunmehr'Deifingers Berufung verworfen und das verurteilende Erkenntnis des Schöffen- gerichts bestätigt. Deisinger hat sämtliche Kosten zu tragen. So erfreulich das Urteil ist, so selbstverständlich ist es doch; es wird nur zu einer Besonderheit durch die Schwierigkeit, die es ge- macht hat. ein so selbstverständliches Urteil zu erlangen. Mit Recht hat Dr. Bergmann wie auch der als Sachverständiger vernommene Fabrik- inspeklor Priem mehrfach eindringlich darauf hingeiviesen, daß die Revision der Betriebe in, Interesse der Arbeiter erfolge, daß die Revision nur dann Aussicht biete, etwaige Miststände zu entdecken. wenn der Unternehmer keine Kenntnis habe vom Erscheinen des Revisionsbeamten, dast die Inspektion ihre Aufgabe nur erfüllen könne, ivenn der Beamte nach Belieben zu jeder Zeit und durch jeden Eingang die Fabrik betreten könne. So selbstverständlich das alles scheint, so zeigt doch der vorliegende Fall, daß es Juristen giebt, die das nicht einsehen können. Mit der Arbeitslosigkeit beschäftigte sich der Gcmeinderat in Stuttgart. Auf Antrag' unsrer Genossen beschloß das Kollegium einstimmig die Einsetzung einer ständigen Komniifsion zur Bcobach- tung der Arbeitslosigkeit.' Volköschul- Zustände in Sachsen. In Niederhäßlich, einem großen Bergarbeiter- Dorfe in dem Judustriebezirke„Plaueuscher Grund" bei Dresden,»verde» die 672 Schulkinder von sieben Lehrerst unterrichtet, so daß aus jeden Lehrer nicht tveuiger tvie 96 Schüler kommen. Dem entsprechend sind auch die Aufweudnngcn der Ge? meinde für die Schule sehr niedrig. Sie betragen einschließlich eines Staatsznschnsses von 3550 M. im ganzen 17 079 M, also für jedes Kind wenig mehr>vie 25 M. im Jahre. Schutz für das Koalitionsrccht in Schtvcden. Das Ver- einignngs- und Versamnilnngsrecht gilt seit Allers her als ein s e I b v e r st ä n d l i ch e s und unantastbares Recht der Bevölkerung Schwedens, ivird aber in den letzten Jahre» durch die Gewaltherrschaft kapitalistischer Ausbeuter häufig illusorisch gemacht, und besonders ist es die Norrländische Säge- iv e r k s- G e s e l l s ch a ft, die kein Mittel scheut, um jede Organa- sation ihrer Arbeiter, sei sie gclverkschnftlicher, genossenschaftlicher oder politischer Natur, zu vernichten. Da diese großkapitalistische Gesell- schaft ihr Gebiet immer mehr ausdehnt, und die kleinen Sägewerke aufsaugt, so iverden auch immer größere Ar- beitermassen von ihr abhängig und damit ihres Koalitions- rechtes beraubt. Nun habe»' die norrländische» Arbeiter eine Deputation an die Regierung entsandt unter Führung des Ver- tranensmanues des Sägetverksarbeiter-Vcrbandes, die dieser Tage bei dem Justizministcr und dem Landtvirtschaftsminister vorstellig wurde, nachdem vorher Besprechungen mit de» norrländische» und andren interessierten Reichstags-Abgeordneten, besonders auch mit Hjalmar Branting, stattgefunden hatte». Die Deputation wurde von beiden Ministcrn sehr zuvorkommend empfangen und sie gaben das Versprechen, sich der Sache anzunehmen.— Außerdem ist dem König eine ausführliche Darstellung des Sachverhalts zugestellt ivord'en. Aus Vvv Fvmtvttbrtvvgttttg. Bei Bülow. Die bürgerlichen Frauen haben eine That gethan: sie Ivaren bei Bülow, um ihn für sich zu interessieren. Unter Führung der Anita Äugspurg waren 35 Damen in Audienz beim Herrn Reichs- kanzler und überreichten ihm eine Scbrift folgenden Inhalts: „Die Versainmelten bitten im Namen vieler deutscher Frauen um die Vorlage eines Reichsgesetzes, dahin lautend: Die vcreinsrechtlichen Beschränkungen der Frauen sind in allen deutschen Bundesstaaten aufgehoben. Sie bitten ferner um Aufhebung von Ziffer 6 des Z 361 deS Reichs- Strafgesetzbuches, dessen Wirkung ein unerträgliches Aus- nahmegesctz für alle deutschen Frauen bedeutet! sie bitten endlich: daß durch Reichsgesetz bestimmt iverden möge, daß nach voll- gültig abgelegter Maturitätsprüftmg das iveibliche Geschlecht das gleiche Anrecht auf Jminatrikulation an Hochschulen habe wie da§ männliche; daß bei der in Aussicht gestellte» Reform des Mädchenschul- Wesens in Preußen eine Anzahl sachverständiger Frauen zur Mit- . arbeit herangezogen iverden; daß der privaten Initiative bei Reformversuchen für Mädchen- schulen durch Konzessiousversagnng seitens des Kultusministeriums nicht lange hindernd in den Weg getreten ivird: und daß die Errichtung obligatorischer Fortbildungsschnlcii für Mädchen eingeleitet Iverdc." Selbstverständlich war Graf Bülow außerordentlich liebcnswi'irdig und er erwiderte den Damen, daß er sich der„außcrordeiitlicheü Bedeutung und des großen Ernstes der Franenfrage" bcivustt sei. In, übrigen ist er natürlich„nicht allmächtig"—„die gesetzgebenden Körperschaften"— zu„Anregungen" ivird er gern bereit sein— die Bilduugsfrage ist Sache der Unterrichtsverivaltnng, die sich ab- lehnend verhalte— seines Interesses aber könnten sie sicher sein. Die„Bossische Zeitung" findet die Audienz sehr befriedigend und die Damen finden das vermutlich auch. Und offen gestanden: wir auch. Die Damen haben Herrn Büloiv freundliche Worte gesagt, Herr Bülow hat den Damen freundliche Worte gesagt und in Frieden und Freundschaft hat man sich getrcmn. Was ivill man mehr von einer Audienz! Daß damit für die Förderung der Franenbestrebungen etwa? erreicht ivird, daß damit die politische Gleichberechtigung der Frau um einen Schritt ivciter gerückt tväre, daß damit auch das geringste gewonnen wäre zur Beseitigung nur des kläglichen Doppelspiels in der Behandlung der socialdcmokratischen und der agrarischen Frauen bei den Vereinsversannnliutgen, das uns die jüngsten Tage zeigten — das erwartet man doch nicht ettva? Die �bürgerlichen Damen haben seit einiger Zeit alle»naß- gebenden Stellen mit einer Unzahl Petitionen bombardiert über alle möglichen und unmöglichen Dinge: ihren Besuch bei Herrn v. Bülow betrachten sie vermutlich als die Krönung des Gebäudes ihre Propagandathätigkeit. Wenn die Konflikte der Gegenwart durch ein Bülolv-Lächeln zu löse» wären, wahrlich, es gäbe keine Konflikte mehr; aber wem» Bülow mich eine allmächtige Sonne tväre, der Klassenkampf ist kein Schnee, der vor dem Lächeln der Sonne schmilzt. Die Damen machen sich lächerlich. Im Verein für Franc» und Mädchen der Arbeitcrklaffe hielt am Montag Herr Dr. Ratkoivsky einen sehr lehrreichen Vortrag über die Ernährung des gesunden und kranken Mensche». Die nächste Versammlung findet am 7. April statt, in lvelcher der Schriftsteller H. Ströbcl das Referat übernehmen wird. UittovsviMes. Albrecht H.Prof. Dr.. Handbuch der socialen Wohl- fahrtSpslege in Deutschland. Auf Grund des Materials der Ceutralstelle für Arbeilcrivohlfahrts-Einrichtungen bearbeitet. Xlll., 382 und 496 S., 8 mit III Textabbildungen und einer Mappe niit 87 Tafeln. Berlin 1902, Karl Heymanns Verlag. In diesen, Buche findet sich eng zusammen gedrängt' das Material über die sogeuanntc sociale Wohlfahrtspflege und zwar in dem ersten Teile die Fürsorge für Kinder und Jugend- 'iche, in dem zweite» die Fürsorge für Erwachsene behandelt. hierauf folgen in einem besonderen Bande die Angaben, in denen Statuten, Geschäftsordnungen und dergleichen für einen Teil der im ersten Baude beschriebene» Einrichtungen im Wortlaute abgedruckt find. Alles Mögliche ist hier zusammengetragen, Kuabeu-Haiidarbeit und Kinder-Gottesdienst, Fürsorge für verwahrloste Kinder und Schul- Speise-Anstalten, Vercinsthäligkeit und Arbeiterversicherung, Arbeiter- ekretariate und die Fürsorge für entlassene Gefangene, Wöchnerinnen- pflege und Wohlfahrtseinrichtungen der Unternehmer usw. uslv. Wie wir zu diesen Versuche» stehen, die von der kapitalistische» Gesellschafts- orduung jeden Tag von neuem geschlagenen tiefen Wunden mit Heft- pflästerchcn zu heilen, ohne daß die Opfer befragt werden, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. Wohl aber ist ein Wort am Platze über diese wenig objektive Art des Herausgebers bei Abfassung seines Buches. Wir finden da ein Kapitel über die Arbeiteroraanisntione,., über drei Seiten sind i» diesem Kapitel den christlichen GeWerk- Ichafte» und knapp eine halbe Seite»nsren Gewerkschaften gewidmet. Dieser halben Seite geht dann noch eine andre halbe Seite voraus, auf der der Socialdemolratie einige Liebeusivürdigleitc» gesagt werden, so z. B. daß sie daran schuld sei, daß die Gewerkschaftsbewegung in Deutschsand nicht die Bedeutung habe, wie die englische, dann heißt es weiter:„Auf der andern Seite ist die das Koalitionsrecht der Arbeiter regelnde Gesetzgebung in Deutschland bis vor kurzem einer solchen Entwickelung hinderlich gewesen." Wir wären dem Professor Albrecht sehr dankbar, wenn er uns mitteilen würde, was sich seit kurzem in dieser Hinsicht zn Gunsten der gewerkschaftlichen Organisation geändert hat. Wenn wir mm im Anlagenvaiid nachsehen, so finden ivir wohl ein Verzeichnis der Einrichtungen deS evangelischen Arbeitervereins in Köln, Satzungen des GesamtverbandcS der evangelischen Arbeiter- vereine Deutschlands und ein Statut deS katholischen Arbeitervereins Aachen, aber nichts über die Einrichtnilgen der Gewerkschaften. Den Auskunftsstellen von evangelischen und katholischen Vereinen, von Privaten und Städten wird natürlich auch bedeutend mehr Raum gewidmet, als den Arbcitersekrctariaten, deren Bedeutung für die Arbeiter unverhältnismäßig größer ist, als wie all die andren Ein richtnngcn ähnlicher Art znsanuncngenonnncn. Ungeherier spaßhaft schließt das Kapitel über Schriftcnverbreitung mit dem folgeiiden Satze:„Auch an dein Versuche der Begründung einer Art Arbeiterfachpressc hat es nicht gefehlt; dahin gehört unter anderm ein vom christlichen Zeitschriftenvercin herallsgegcbencs Blatt »Die Eisenbahn", ferner der„Werft- und Hafenbote" und das für die Post-Unterbeainteii bestimmte Blatt„Die neue Post". Es ist klar, daß die Leser, die das nun ivissen, aufs genaueste aufgeklärt sind über die Verhältnisse der deutschen Arbeiterpresse. Weiterer Beiveise für die Objektivität des Herausgebers, der, so viel ivir wissen,»eben dem ebenbürtigen Gchcimrat Post der Leiter der staatlich subventionierten Centralstelle für Arbeitcr-Wohlfahrtseinrichtnngen ist, bedarf es nicht Es sei schließlich noch beincrkt, daß das von uns besprochene Buch auch dein deutsche» Kaiser überreicht ivurde. Dieser hat seine Anerkennung über dasselbe sowie über die Leistungen der Centralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtnugcn im„Neichs-Anzeigcr" aussprechen lassen.— X— P. I. Müller, Moderne Schulbänke. Berlin- Temvelhof, 1902, SchulhauS-Verlag. 28 S. 8°. 0,60 M. Die Schulbankfrage zieht sich, bisher noch immer ungelöst, durch die Geschichte der Schnl-Gesundheitspflcge. An neuen Schulbank- systcinen ist kein Mangel— ihre Zahl geht bereits in die Hunderte— aber eine völlig brauchbare Bank, die nicht nur de» Arzt, sondern auch den Pädagogen uneingeschränkt befriedigt, ist bis jetzt noch nicht erfunden worden. Für rückständige Schulverivaltungen ist das kin willkommcner Anlaß, die Abschaffung der alten, gesundhcit- schädlichen Schulbänke immer noch wieder hinauszuschieben.— Das vorliegende, mit klaren Abbildungen ausgestattete Schriftchen, ein vor der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin gehaltener Vortrag, gicbt einen kurzen, aber gut orientierenden Ueberblick über die wichtigsten Forderungen, die der Arzt an eine gute Schul- dank zu stellen hat, läßt jedoch die Wünsche der Pädagogen fast ganz unberührt. Der Berfasier bespricht einige der zahlreichen Versuche, die dem Schulbanktechniker gestellte Aufgabe zu lösen kommt aber zu dem Schluß:„Eine wirkliche Besserung der mmmig fachen Uebelstände auf dem Gebiete der Schulbankfrage wird aber erst dann eintreten. Ivenn nicht allein der Lehrer und der Schularzt, sondern in höherein Grade noch jeder Vater und jede Mutter davon überzeugt sind, welchen Wert eine den An- forderungen der Hygiene entsprechende Bank für ihr Kind hat." Wir möchten dieses Urteil und die darin liegende Mahnung nicht allein aus die Schulbankfrage beschränkt, sondern auf die Gesamtheit der in unsrem Schnlivese» herrschenden Mißstände, der gesundheitlichen wie der erziehlichen, ausgedehnt sehen. B. VevfÄtnmlttngen. Der Wahlvercin für den sechsten Ncichötagö Wahlkreis hielt am Donnerstag im„Eiskeller" eine außerordentliche General Versammlung ab, die stark besucht war. Der Vorsitzende F r e y> thaler berichtete über die mit den Genossen der Schönhauser Vorstadt gepflogenen Einigungsverhandlungen. Nachdem der Redner die bereits bekannten Vorgänge berührt hatte, welche sich seit der letzten Generalversammlung zugetragen haben, führte er ivejter aus: Im Auftrage des Parteivorstandcs habe sich Genosi« Pfannkuch an den Vereinsvorstand gewandt mit dem Ersuchen. Ber trcter zu ernennen für eine auS Genossen beider Teile bestehende Kommission, Ivelche über die Bedingungen, unter denen die Einigung stattfinden könne, beraten solle. Der Vorstand sei, ebenso wie die Genossen der Schönhauser Vorstadt, dem Ersuchen des Parteivorstandes nachgekommen, und die Kommissions- sitzung habe stattgesiinden. In derselben seien vier verschiedene EinigungSvorschläge gemacht lvorden. Pfannkuch habe vorgeschlagen der Wahlverein der Schönhauser Vorstadt solle sich auflösen, und seine Mitglieder dem alten Wahlverein beitrete». Dann sollten sämtliche Funktionäre des sechsten Kreises ihre Aemter niederlegen und Nenlvahlen vorgenommen werden. Mars habe den Vorschlag gemacht, den Wahlvercin der Schönhauser Vorstadt als selbständigen Verein anzuerkennen, und gemeinsam mit dem alten Wahlverein einen Centralvorstand für beide Vereine einzusetzen. Ein von B o r am a u n gemachter Vorschlag habe die Entscheidung dem Partei tage übertragen wollen, und bis dahin sollte der Zustand, welcher vor der Neu-Organisation bestand, wieder hergestellt werden.— Da die Genossen der Schönhauser Vorstadt die Meinung vertreten, es lasse sich, da die Mehrheit der Mitglieder in keiner der über die Organisalionsfrage entscheidenden Versammlungen anwesend>var, gar nicht feststellen, ob wirklich die Mehrheit der Genossen für die Ncii-Organisatio» sei, so sei im Laufe der Sitzung»och ein vierter Vorschlag gemacht lvorden, der dahin ging: Durch Nrabstim- muug der Mitglieder solle zweifellos festgestellt lverden, ob die Mehrheit für oder gegen die Neu- Organisation sei, und dem so gelvonnenen Abstimmungs- Resultat hätten sich dann beide Teile zu fügen. Für diesen Vorschlag seien auch die Vertreter des diesseitigen Vereins eingetreten, ebenso hätten sie sich im Juteresse des Friedens mit dem Itiick tritt der jetzigen Funktionäre und der Neuwahl derselben einverstanden erklärt. So sehr die auf dieser Seite stehenden Genossen auch von ihrem Recht überzeugt wären, so glaubten sie doch, man solle diese Gelegen- heit nicht vorübergehen lassen, um eine Einigung mit der ander» Seite herbeizuführen: Der Referent empfahl die nachstehende Reso- lntion zur Annahme: I» Erwägung, daß die Einigkeit der Partei und in erster Linie die Einigkeit der einzelucn Kreise die Kraft darstellt, an der alle Angriffe der Gegner von uns abprallen, in fernerer Erwägung, daß der sechste Kreis, der an Umfang und socialdemokratischer Stimmen- zahl größte und stärkste Deutschlands, den andren Kreisen ein Vor- dild an Geschlossenheit und Schlagfertigkeit sein muß, beschließt die heutige Generalversammlung; Obwohl die Mehrheit des sechste» KreiseS fich bereits für die jetzic>e Organisntionsform erklärt hat, doch noch einmal eine Nr- abstimmiuig unter den organisierten Genossen darüber stattfinden zu lassen,' um so unbezweifelbar festzustellen, welche Form der Organisation die Genossen wollen.— Die Parteigenossen erklären, daß sie sich— getreu den Traditionen der Partei— dem Resultat dieses Referendums bedingungslos fügen und das Gleiche von den Genoffen der Schönhauser Vorstadt erwarten.— Ferner erklärt sich die Versammlung mit dem auS der Absicht, die Einignngsbcstrebungcn zu fördern, hervorgegangene» Zugeständnisse der Vertreter des Wahlvereins an die Schönhauser Genossen ein- verstanden, daß nach der stattgefundenen Einigung alle Fmiktionäre deS KreiseS ihre Posten niederlegen, und eine Neuwahl stattfindet, bei welcher in der legalsten Weise die Wünsche der Schönhauser Genossen berücksichtigt lverden sollen. Die Versammlung glaubt damit alles gethan zu haben, Ivas sie zu einer Einigung beizutragen im stände ist, und erwartet von den Genossen der Schönhauser Vorstadt, daß sie die Herbeiführung einer einheitlichen Organisation nicht verzögern oder vereiteln.— Die Versammlung hofft, daß da- mit der Streit erledigt ist und hat die feste Zuversicht, daß die Schönhauser Genossen in Zukunft wieder Schulter an Schulter mit uuS den gemeinfainen Feind bekämpfen im Interesse der Partei und zum Wohle der gesamten Arbeiterschaft. In der Diskussion stießen die Vorschläge deS Referenten zunächst auf heftigen Widerspruch. K r ö h n, G r n n>v a l d und Wurzel erklärten' sich ganz entschieden gegen die vorgeschlagene Form der Einigung. Die Mehrheit des Kreises habe für dieNenorganisation gestimmt und damit sei diese Angelegenheit erledigt. Es könne den Genoffen nicht zugemutet tvcrdech daß sie ihr früheres Votum durch die Vor »ahme einer Urabstimmung revidieren. Der Rücktritt von den Aemtcrn könne nicht gebilligt lverden, weil die Personenfrage in nnsrer Partei keine Rolle spielen dürfe. Die Genossen der Schöm Häuser Vorstadt müßten nach ihrem Uebertritt bis zu den ordenl lichen Neuwahlen warten, um dann ihre Wünsche Hinsichtlich der Be sctzuug der Aemter zum Ausdruck zu bringen. Freuthal erklärte sich gleichfalls gegen Zugestnndnisje an die Genossen der Schönhauser Vorstadt. Für Annahme der Resolution spracheil August in Kiesel, Ernst, D enzer und Gutmann. Sie führten zur Begründung ihres Standpilnktcs unter anderm aus: Die Genossen lvürdeil sich durch Vornahme der Urabstimmung durchaus nichts vergeben. Gerade weil auf dieser Seite das Recht sei, Ivürde» die Genossen klug handeln, wenn sie der andre» Seite so weit als möglich entgegenkämen. Eine Einigung sei doch im Interesse der Partei nötig und kein Mittel dürfe unversucht gelassen lverden, um eine solche herbeizuführen. Die Urabstimmung brauchten die Genossen nicht zu fürchten, denn sie werde nur bestätigen, daß die Mehrheit des Kreises auf dieser Seite steht, und damit sei den Genossen von der andren Seite ein ivesentlicher Einwand gegen die Neuorganisation genommen.— Auf eine Anfrage des Genossen©»dach, in welcher Form die Urabstimmung vor- genommen werden solle, antlvortete der ziveite Vorsitzende Ä r e n d s e e: Erst nachdem auf beiden Seiten die Vornahme der Urabstimmung beschlossen sei, könne die Form derselben festgesetzt werden. Hierüber würden die Mitglieder noch vor der Ur� abstiinmung die erforderliche Aufklärung erhalten. Nach einem Schlußwort Freythalers wurde die Resolution gegen wenige Stmiinen angenommen. Die Rnbitzpntzer waren Mittwochabend in großer Zahl in den Arminhallen versammelt, um den Bericht der Lohnkommission über die Verhaudlunge» mit dem„Verband der Gips-, Cement- und Deckenbaiigeschäfte für Berlin und Bororte" entgegen zu nehmen Wie bekannt, haben die Unternehmer den Tarifvertrag, der am 1. April d. I. abläuft, gekündigt: da die Kündigung jedoch nicht zn rechter Zeit erfolgte, so lehnten die Arbeiter die Kündigung zunächst aus diesem Grunde ab; auch den weiteren Vorschlag der Unte� nchnicr, den Arbeitern ein für a I l e in a l 10 Pf. niehr, als der Minimal-Stundenloh» der Maurer beträgt, zahlen zu wollen, lehnten die Rabitzputzer entschieden ab. Der Porstand teilte nun mit, daß die Unternehmer nunmehr nach langen Verhandlungen die Ver- längerung des Tarifs auf ein Jahr— also bis zum I.April 1903— zugestanden, die Lohnkoininissto» jedoch daran die Bedingung ge� knüpft habe, daß der„Verband der Gips-, Cement- und Deckenbam Geschäfte auch den„Spannern", wenn diese Rauharbciten aus' führen, der tarifmäßige Lohn der„Putzer" gezahlt werde, und daß Accordarbeiten nicht mehr stattfinden. Die Versammlung be schließt nach kurzer Diskussion, die Verlängerung des Tarifs aiizm nehmen, jedoch überall dort, wo in Accord weiter gearbeitet werden soll, i st am nächsten Montag die Arbeit nieder- zulegen. Die Sektion der Zuschneider des Vereins der Wäsche' und Krawatteubranchc hielt am 13. März eine gutbesuchte Ver samnilung bei Schulz in der Grenadierstraße ab. Nachdem der Vor' sitzende Eue die Arbeiten des ersten Jahres seit Bestehen der Sektion in längeren Ausführungen dargelegt hatte, teilte derselbe mit, daß unter der jetzigen schlechten Konjunktur in vielen Fabriken ziemlich hohe Abzüge gemacht werden. Er bittet darum, der Sektionsleitimg sofort von solchen Fällen Mitteilung zu machen, damit eventuell dazu Stellung genommen werden könne. An der Diskussion beteiligten sich K e l l e r, T r i n k S und S t a n o w s k y. ES wurde beschlossen, ununterbrochen für den Verein zu agitieren, um bei einer besseren Konjunktur für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen eintreten zn können. ES wurden dann Eue, Keller, Bieber g. Diel und B e ch l y als Leiter der Sektion gewählt. Lichtenberg. Der Socialdemokratische Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg nahm am 17. d. M. in einer außerordentlichen Generalversammlung die Neuwahl seines gesamten Vorstandes vor. Liesegang rechtfertigte den Rücktritt' des Vorstandes. Eine Resolution, in der der Borstand getadelt werden sollte, fand nur wenige Stimmen und wurden von der sehr stark besuchten Vcrsamni Iniig wiedergewählt als Vorsitzende: L i e s e g a n g und Welk, als Kassierer: W e i ß f l n ck und F I ä t e r an Stelle des eine Wiederwahl ablehnenden Schriftführers Rößler. Mit der Be- kanntgabe des FriedrichSfcldcr Kommunal- Wahlresultats schloß die Versammlung. Freireligiöse Genicinde. Sonntag, den 23. März, vormittags lO'/t Uhr, in Kellers grobem Festsaal, Koppenstr. 29:„Feier der Jugend- Aufnahme"(Konfirmation). Die Festrede hält Herr Dr. Bruno Wille über: .Menschentum". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Lokalverbaud der tKlcktronionteure. Sonnabend, 22. März, abends 9 Uhr, Kleine AndreaSstr. 3: Sitzung mit Vortrag. Tischler-Verei»(E H. 89). Heute abend S1/, Uhr im Lokal deS Herrn Lipke, Melchiorstr. üb: Vortrag des Ingenieurs Herrn Grempe. Zlllgciiieine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter(E.H. 29, Hamburg). Filiale Berlin b. Sonnabend, den 22. März, abends 9 Uhr, bei Globich, Lolhringerstr. S8: Mitglieder-Versauimlung.— Filiale Berlin 6. Sonnabend, den 22. März, abends 9 Uhr, bei Diele, Acker- straße 123: Kafienbericht, Stichwahl und Verschiedenes.— Filiale Char- l o t t e u b u r g. Sonnabend, den 22. Mär, abends S1/, Uhr, bei Leder, Bisniarckstr. 74: Abrechnuug und Stichwahl.— Filiale Rixdorf. Sonn- abend, den 22. März, abends 8»/, Uhr, bei Filicke, Kirchhosftr. 41: Kasten- bericht und Statutenberatting.— Filiale Rummels bürg. Sonnabend, den 22. März, abends 8l/2 Uhr, bei Müller, Türrschmidstr. 37: Kassenbericht und VorstaudSaiiträgc zum Statut. In den Gvtneindeninhlen. Neu-sWeisiensee. Einen glänzenden Sieg errangen unsre Genossen bei den Genieiudewahlen am Freitag: im ersten Bezirk wurden die G ii st a v Seifert und Eduard Kusiclke mit e 368 Stimmen gegen 143 gegnerische Stimmen, im dritten Genosse Adolf Gartz mit 442 Stimmen gelvählt. Die Gegner hatten im dritten Bezirk von Ausstellung eines Kandidaten abgesehen. Das Weißenseer Parlament zählt mm sechs Socialdemokraten als Mit- glieder. Socialdemokratischer Wahlverein Groß- Lichterfcldc. Morgen Sonntag, den 23. März, nachmittags 21/2 Uhr, im Saale des Herrn Richter, Chausseestraße 104: Außerordentliche e u e r a l v e r s a m in l u» g. Tagesordnung; Die bevorstehende Stichwahl im zweiten Koinmuiial-Wahlbezirk. Maifeier.— Die Mitglieder, die mit ihren Beiträgen noch rückständig sind, werden ersucht, dieselben in der Versammlung an den Kassierer zu entrichten. Die Versaminlmig wird piinltlich eröffnet. Der Vorstand. I« Friedrichsfelde findet Mittwoch, 26. März, die Stichwahl zur Gcmeiiidevertretmig statt. Sonntag früh 8 Uhr erfolgt von Bosse auS eine Flugblattverbreitung, zu der jeder Parteigenosse erscheinen möge; außerordentliche HitfSkräfte werden gebraucht. Dienstagabend' 8Vz Uhr spricht Genosse Stadthagen in einer Volksversammlung. RosenthaliRordende-WilhelmSrnh. Die Wahl zur Gemeinde- verirctung fand am Mittwoch, den 19. März, statt. Auf unsren Kaydidateii fielen 46, auf desi gegnerischen 116 Stimmen. Reinilkendorf-Ost. Die am Donnerstag, den 20. d. Mts., im Neubauerschen Saale abgehaltene Kornmmialwähler- Versammlung beschloß, für die Wahl des Ecnosseii Jendreieck als Gemeinde- Vertreter am Dienstag, den 25. d. Mts., einzutreten. Genosse Ohl hielt einen ausgezeichneten Vortrag über Gemeinde- Angelegenheiten im allgemeinen und unter Berücksichtigung Reinickendorfs im be- ondern. Er entwickelte die Forderungen, die die klaffenbewußte Arbeiterschaft an die Gemeindeverwaltung zu stellen hat und schloß mit der Aufforderung an die Parteigenossen, für unsren Kandidaten einzutreten. Der die Versammlung leitende Genosse Ohse orderte die anS bürgerlichen Kreisen erschienenen Herren auf. ich zur Diskussion das Wort ericilen zu lasse»: die Herren wurden aber erst warm, nachdem unsrerseits die Genoffen Schu« macher, Klinkinann und Leonhard das Referat weiter auSgesponnen hatten. Auch der Genosse Schüler griff in die Diskussion ein, und nun endlich meldeten sich bürgerlicherseits die Herren Abraham. Mala», Petzelt und Griebent, welche sämtlich unsre Forderungen für gerechtfertigt hielten und schließlich nach einem Schlußwort des Ge- nossen Ohl nnsrer Resolution. Genossen Jendreicck zu wählen, welche ciiistimmig angenommen wurde, zustimmten. Leider waren einige Genoffen anwesend, die, wie verlautet, miS dem Wahlverein ausscheiden wollen, die sich mit nnsrem Kandidaten nicht einverstanden erklären wollen. Den Genossen kann aber nicht dringend genug auS Herz gelegt werden, daß Ivir vor alle m unser Princip festhalten müssen, unbekümmert um persönliche Anschamiiigen. Pankow. Zu der am Montag. 24. März, im 2. Bezirk stattfindenden Nachwahl zur Gcmcindevcrtretimg erfolgt morgen, Sonntag, früh 8 Uhr eine F l u g b I a t t v e r b r e i t u n g. Die Parteigenossen werden ersucht, sich Mann für Mann bei Hoffmann. Mühlcnstr. 25, einzufinden. Das Nähere über die Wahl wird in der Soinitagsmimmer unsreS Blattes mitgeteilt. Dalldorf-Borsigwalde. Die Wahlen sind zu unfern Gunsten ausgefallen; trotzdem die Gegner geschlossen wählten, errangen unsre Genossen einen glänzenden Sieg. Von 560 Wählern der 3. Klasse hatten 260 ihre Stimme abgegeben. Davon erhielten unsre Genossen Adam und Eckardt 158 Stimmen, Bauer Siedmann 102 und der Rentier Ignatz Grätz 100 Stimmen; 1 Stimme fiel auf einen Herrn Rciiike. Bei der Wahl in der 2. Klaffe erhielt der Er- ziehmigsinspektor Pieper �83 Stimmen, Siedmann 2 Stimmen, für unsren Genossen Eckhardt wurden 3 Stimmen abgegeben. In der 1. Klaffe wurde Bauer Siedmann mit 3 Stimmen gewählt. Tegel. Trotzdem hier ein Angesessener zu wählen war, hatten die Genossen den Nichtangesessenen Maurer M e i n k e aufgestellt. Von 1076 Wählern der 3. Klasse, halten 425 Wähler ihre Stimme abgegeben. Unser Genosse Meinke erhielt 299 Stimmen, der Herr Eigentümer Müller 125, der Herr Bauniitcriiehmer Valentink 1 Stimme. Herzfelde. Den vereinten Anstrengungen des Gemeindevorstehers, der bisherigen Gemeiiidevertreter und der Ziegeleibesitzer ist es noch einmal gelungen, die Gefahr abzuwenden. Die Social- demolratie ist geschlagen; die Vertreter der Ziegeleibesitzer bleiben unter sich. Der„königliche Bergarbeiter" Susdorf, der dem Gemeindevorsteher genehme Kandidat, erhielt 130 Stimmen, der Socialdemokrat Schröder 60 Stimmen. Herzfelde hat also jetzt einen Gemeindevertreter, der erklärte, daß er die Fordermigen uusres Koinnimialwahl-Programms wohl anerkenne, aber in Rücksicht auf seine Stellung Schley, die nicht dafür eintreten könne. Der„liberale" Herr �iegeleibesitzcr unter Führung des Vorsitzenden des Ringes der Zieg'elcibesitzer, die königliche Berginspektion und der Gemeindevorsteher sahen zn, wie die an den Wahltisch herantretenden Leute sich nicht getrauten, den Namen des zu wählenden Kandidaten laut zu neimen. Circa 60 Stimmende wurden nicht zugelassen, tveil sie nicht in der Liste standen usw. Die Majorität stimmte bei Eröffnung für die Entsendung eines Socialdemokraten in das Wahl- bureau; kurzerhand erklärte der Genieindevorsteher, er könne das Resultat nicht feststellen; jeder Einzelne möge an de» Wahltisch treten und seine Sliimne direkt abgeben. Auf diese Weise wurde der Zweck der Ordmingsfreiiiide erreicht. Uvkzke Llschvichkett und Depeschen. Französisches Gclbbnch. Paris, 21. März.(W. T. B.) Das heute veröffentlichte Gelb- buch über die türkische Angelegenheit umfaßt die Zeit vom 24. Juli 1900 bis 14. November 1901. Es enthält 76 Dokumente bezw. zwischen dem Minister des Aenßer» Delcassö, dein Botschafter Constans. dem Botschaftsrat Bapst und dem türkischen Minister des Aeußern Tewfik Pascha gewechselte Depeschen. Die Antwort der deutschen Regierung wegen der Be- setzung von Mytilcne wird in folgender Note des Marquis de NoailleS an Dclcaffs, datiert Berlin, 7. Novemver 1901, mitgeteilt: In Abwesenheit des Staatssekretärs Freihcrrn v. Richthofen sprach ich den Unterstaats- sekretär v. Mühlberg im Auswärtigen Amt und teilte ihm die Eni« 'chlicßimgcn der Regierung der Republik sowie die Beweggründe, welche sie leiteten, mit. Ich lenkte zugleich seine Aufmerksamkeit auf die Rede, welche Sie am Montag in der Deputierten- kammer gehalten haben. Herr v. Mühlberg erwiderte mir. die deutsche Regierung habe, wie sie das schon vcrichiedene Male habe er- kennen lassen, keinerlei unmittelbares Interesse im Mittclmcer; sie habe zu unsren Intentionen alles Vertrauen, fürchte jedoch, daß von gewisser Seite versucht tverde, die Erregung ich zu Nutzen zu machen, welche die Altion nnsrer Flotte in den türkischen Gewässern verursachen könne. Die Berichte deS Freiherr» v. Marschall, sagte mir der Unterstaaissekretär, besagten, das der Sultan im Grunde wünsche, uns Genngthuung zu geben. daß jedoch das Haupthindernis in dersGeldnot deS türkischen Schatzes liege._ Deputiertenkainmer. Paris, 21. März.(23. T. B.) Das Haus berät einen Antrag betreffend A m n e st i e r u n g von Vergehen bei Aus- t ä n d e n und nimmt denselben zunächst an, ebenso wie verschiedene dazu gestellte Unteranträge ivegen Amnestie inng andrer Vergehen, lvährend eine Reihe andrer Zusatzaiiträge, darunter ein solcher zu Gunsten der vom Staatsgerichtshof Vernricilten, abgelehnt werde». In der G e s a in t a b st i m in u» g über den Antrag in der abgeänderten Gestalt wird derselbe, nachdem Minister LeygueS denselben bekäinpst hat. mit 243 gegen 224 Stiimncn gänzlich abgelehnt. Unterhaus. London, 21. März. tW. T. B.) Auf eine Anfrage betreffend den gegenwärtigen Aufstand in China erwidert der Unter- Staatssekretär deS Auswärtigen Eranborne. nach den In- ormationen des britischen Generalkonsuls in Canton hätten die chinesischen Behörden mitgeteilt, der Aufstand sei im Westen von Kwangsi ausgebrochen, wo die Truppen meuterten, weil ihr Sold ausgeblieben' war. Man habe Ursache zu der Amiahine, daß die Bedeutung deS Vorkommnisses erheblich aufgebauscht lvorden sei. Veschränkmig der Einwanderung. London, 21. März.(W. T. B.) Das Amtsblatt macht die Einsetzung eines Ausschusses bekannt, der über Maßnahmen zur Beseitigung der Uebelstände beraten soll, welche der 'rankte n unbeschränkte» Einwanderung von namentlich nach London, zugeschrieben werden. Ausländern, Post-Diebstahl. Straffburg f. Elf., 21. März.(SB. T. 83.) Gestern abend wurden vor dein hiesigen Postamt 11 zivei Beutel gestohlen, der eine enthielt 16000 M. und der andre 20 000 M. Von dem Dieb hat man keine Spur. Räch amtlicher Feststellung enthielt der gestern Abend hier ent- wendete Postsack nicht zwei Beutel mit zusammen 36 000 M.. sondern nur etivas über 3400 Mark. Ter Diebstahl wurde am Bahnhofe in dem Augenblicke, als der Sack vom Postwagen mittels Aufzugs nach dem Bahnsteig befördert war. von. einem zweifellos mit den Verhältnissen genau vertrauten Thätcr ausgeführt. Paris, 21. März.(W. T. B.) Im Einverständnis mit dem Minister Delcasis wird der Deputierte Denis-Cochin am Dienstag an den Minister seine Slnfrage betreffend die russisch-französische Rote richten. Die Anfrage lautet dahin, in welchem Maße die Verantwortlichkeit Frankreichs herangezogen werde» könnte für den Fall, daß die in dem zweiten Teile der Rote vorgesehene Möglichleit eintreten sollte. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlw. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Htcrzn 3 Beilage«. ä.itw i. Itilip i»ts.Jorsärts" Ktllim WsM»»I>« Nsekei-MAchvichten. Abschied vou der Märzfcier nimmt der„Wahre Jakob" in semer letzten Nummer. Er schlickt seinen Märzartikel mit folgende» Worten: „Mit diesen Betrachtungen scheiden wir von der Märzerhebung Don 1848 für immer. Wir haben nun zur Genüge die Erinnerung an jene große Zeit gepflegt und gewerkt. Denn „Was vergangen, kehrt nicht wieder. Aber ging cS leuchtend nieder, Leuchtet's lange noch zurück!" Die Erhebung des dentscheil Volkes von 1848 leuchtet durch die Weltgeschichte. Wir aber wenden uns dem großen Klassenkampf der Gegenwart zu, den Aufgaben der neuen Zeit, die uusre Kräfte er fordern und denen ihr Recht werden muß." Gemeindclvahlcn. In der Umgegend von Halle erobern»nsre Parteigenossen bei den Geincindewahlen fortgesetzt neuen Boden. Zu den gestern bereits gemeldeten Wahlsiegen koinmen heut noch solche hinzu in W ö r m l i tz, Z i p f e n d o r f und Z e ck r i tz. Die Stadtverordnete»- Versammlung in Zeitz erklärte mit 19 Stimmen die letzten Stadtverordneten- Wahlen für ungültig. ES waren 2 Socialdcmokratcn und 2 bürgerliche Vertreter gewählt worden. Die Wahlzeit bei der Hanptivahl soll zu kurz' gewesen sein. Uii|re Genossen wollen alles daran setzen, um alle 4 Mandate zu erobern. ?��.?�'briter«GesangP»tcrn Eintracht i» Eberöwalde hatte den Magistrat ersucht, ihm den ain Wasserfalle gelegene» städtischen Platz zur Abhaltung eines Gesangsfestes zu überlassen. Der Magistrat hatte das abgelehnt und sich auf den Kvsliner Fall berufen, wo der Bürgermeister disciplinarisch bestraft und die Strafe vom Ober-- VerwaltnngSgericht bestätigt ivorden ist, iveil er einen städtischen Saal für eine Veranstaltung von Socialdemokraten hergegeben hatte. Wie der„Volks-Zeitmig" berichtet wird, setzten es nnsre Genossen im Stadtvcrordnetenkollcginni durch, daß mit Mehr- hcit die Hergäbe des Platzes beschlossen wurde. Es fragt sich, wie sich nun der Magistrat verhalten wird, da er einem Beschluß der Stadtverordneten gegenübersteht. Der ansteroidentliche Parteitag der Socialdcmokratie Schwedens, der über die fernere Taktik der Partei hinsichtlich der Wahlrechtsfrage entscheiden soll, ist auf den 10. April einberufen worden. Er wird im großen Saal von Folkcts Hns in Stockholm stattfinden und vornnssichtlich 3 Tage dauern.— Uinuiltelbar vorher, am 7. April wird der Parteivorstand, der sich aus Repräsentanten des ganzen Landes zusammensetzt, zu seiner ordentlichen Jahresversammlung zusammentreten. Socialdemokratische Wahlcrfolge in der Schweiz. In Schafihausen sind am letzten Sonntag die beiden Kandidaten der socialdemokratische» Partei, Blum mit 1296 gegen 624 in den kleinen Stadtrat(Magistrat) und Müller niit 1996 gegen 623 in den großen Stadtrat gewählt worden. Aus Indttpkviv und HZKttdcl. Internationaler Arbeitömarkt. Die leichte Besserung, die das Gepräge deö ArbeitsmarkteS in -England schon während des Monats Januar aufgewiesen halte, dauerte im Februar fort, so daß der Prozentsatz der Arbeitslosen von 4,4 auf 4,3 sinken konnte. Im Gegensatz z» Deutschland ivaren namentlich die Bergleute recht gut beichäfiigt. Weniger gut ist der Beschäftigungsgrad im Eisengeiverbe, Ivo über sinkende Preise der Fertig- fabrikate, gleichzeitig aber über hohe Produktionskosten geklagt wird. Wie in Deutschland werden auch in Engtand die Kohlcirpreise als zu hoch befunden. Während nun aber in Deutschland der Grund der Hobe» Kohlenprcise in der Preispolitik der Syndikate gesucht ivird, sieht man in England die hohen Löhne als das Hindernis des Rück- gnngs der Kohlenvreise au. Da die Grubenbesitzer bei dem Versuch einer Lohnherabsctzmig hartnäckige Ausstände zu befürchten hätten, so sehen sie von solchen Maßregeln um so eher ab, als sie selbst bei den jetzigen Preisen immer noch ihre Rechnung finde». Zeigen England und Deutschland eine Hebung des allgemeinen Be- schäftigniigsgradcS, so ist für Frankreich eine ivcitere Verschlechterung fcstzristellen. Schon von Dezember auf Januar stieg die Zahl der Arbeitslosen von 19 auf 13 Proz.; der Februar schließt mit einer Prozentziffcr von 15. Recht»nbefriedigend ist die Beschäftigung ini Bergbau und im Eifeugewerbe. Tie geringe Nachfrage nach Roh- eisen geht daraus hervor, daß in den Hochofendislrikten ivährend des Februar zahlreiche Oefen außer Betrieb waren. In Oestreich- Ungarn ist eine Veränderung im Gepräge des Arbeitsmarktcs während des Februar nicht eingetreten, nach ivie vor herrscht eine ziemlich allgemeine Stagnation. Die ver- schiedenartige Lage des ArbeitsmarkteS in den europäischen Ländern deutet darauf hin, daß die Konjnnktnrkurve eine ans- gesprochene Tendenz noch nicht verfolgt. Die verschiedenen Ansätze einer Besserung sind durch die überwiegend ungünstige Gestaltung des Bergbaues im März erheblich bedroht. Auch fängt der Beschäfligniigsgrad im Textitgewerbe, das seit Ende des vorigen Jahres günstiger lag. schon wieder an»achznlassen. Seit Mitte März lassen z. B. die englischen Spinner auf Veranlassung der Baumivoll-Spinner-Asiociation zwei Tage in der Woche den Betrieb nihen. Der internationale SchiffahrtStrnst. Ueber das Ergebnis der in New Jork gepflogenen Verhandlungen der Interessenten großer Schiffahrtsgesellschafte» ist bisher das peinlichste Still- schweigen beobachtet, die Beteiligten bemühten sich sichtlich, über ihre Pläne nichts i» die Oeffentlichkeit gelangen zu lasse» lind versuchten die ganze Lereiubaruiig als äußerst harmlos und ilii- bedcuteud hinzustellen. Sicherlich ist sie das nicht, denn grundlos werden solche große Aktione» nicht unternommen, auch lagen Anzeichen genug vor, die es begreiflich erscheinen ließen, die Konkurrenz unter den großen Gesellschaften einzrischränkc». Wie und in welcher Form. das geschehen soll, dar- über giebt jetzt die„Weser- Zeitung" einige Andeutungen, die wohl ans der nahen Beziehung des Blattes zu Reederkreisen herstammen Mögen. Die„Weser-Zeitung" schreibt: „Die Besorgnis, daß, wenn das Abkommen zwischen den Dampfer- Gesellschaften zu stairde kommt, die Frachtrate so hoch bemessen werden könnte, daß misrc Ausfuhr darunter leiden müßte, entfällt von selbst. Wemi die Dampfer- Gesellschaften nach oben hin über einen bestimmien Satz hinansgehen ivollten, so müßten sie damit rechnen, daß ihnen Konknrrenz-Uiiternehinnngen erstehen würden, einer Ucberspnimuiig der Frachtsätze würde dnniit ganz von selbst vorgebeugt werden. Man hat sich einmal verständigt über eine Ab- -grenzring der Interessensphäre» der an dem Abkoninien teilnehmenden Gesellschaften, der in der Hauptsache daö gegenwärtige Thätigkeits- fcld der einzelnen Gesellschaften zu Gnmde gelegt ivorden ist. Es ivird also, wenn das Abkoinme» zu stände kommt, nicht möglich sein, daß die an ihm beteiligten Gesellschaften ihren Betrieb auf Kosten der andern Teilnehmer ansdehiien, etwa in der Weise, daß die deutschen Linien ihre Anlegeftellen z» Ungunsten der andre» ver- mehren oder umgekehrt. Diese Abgrenzung der Interessensphären würde für uusre deutschen Gesellschaften insbesondere dan» von Bedeutung werden, wenn die amerikanische Subventionsbill Gesetzeskraft erlangt hat und damit die Konkurreiizfähigkeit der amerikanischen SchiffahrtS« Gesellschaften bedeutend gesteigert 'sein wird. Der andre, und zivar der Kernpunkt der Abmachungen, ist in de» Verembarrmgen zu suchen, die zur Verbesserung der Fracht- nud Personenrat'cii getroffen worden sind. Dem Verlange», auch die Personenraten auf einen Satz zu bringen, wo Leistung und Gegenleistung in ein besseres Verhältnis zu einander gebracht werden, als es jetzt vorhanden ist, ivird die Berechtigung nicht abgestritten werde» lönnen. Daß andrerseits ans der Neu- regelniig dieser Raten den betreffenden Dampfergescllschaftcn erhebliche, ihnen dariernde Prosperität sichernde Mehreinnahmen zu- fließen werden, liegt auf der Hand. Es wird jetzt viel von der Gefahr einer Amerikanifierung unsrer große» Dampfergesellschaften gesprochen: sie soll dadurch herbeigeführt werden, daß die Aktien dieser Gesellschaften ganz oder zum großen Teile in amerikanischen Besitz übergehen. Auch diese Möglichkeit würde, weilst das Abkommen zu stände kommt, ausgeschlossen werden." Soviel aus der sehr gewundenen Erklärung zu entnehmen ist, handelt es sich»nr um Projekte, die noch keineswegs zum Abschluß gekommen sind. Es ist anzunehmen, daß bei den verschiedene» Interessen es vorläufig über die wichtigste« Punkte»och zu keiner Verstäiidigung gekommen ist. Das Interesse Amerikas scheint uns iveniger darin zu liegen, i» Besitz der deutsche» Gesellschaften z» gelaiigen, als in der Verbilligung der Frachten, wobei die Kosten fremde» Gesellschaften auferlegt werden. Aus dem Grunde ist nur die Beteiligung Morgans, des Leiters des anrerikanischen Stahltrusts, erltarlich stnd sei» Versuch, durch Ankauf deutscher Schiffahrtsaktic» Einfluß auf die Gc- sellschaft zu gewinnen, strebt dem gleichen Ziele zu. Für die Amerikaner ivird die Frage erst brennend mit dem Rückschlag der jetzt Übertriebenen Geschästskoiijuilktur und des deutschen Zolltarifes; deshalb haben sie keine Eile, die Verwirklichung ihrer Pläne jetzt zu forcieren. Die preußische SeehairdlungS-Societät will mit dem Wachse» der Großbanken gleichen Schritt halten und ihr 34 Millionen be- tragendes Aktienkapital erhöhen. Die Bank wurde als Staats- institut ini Jahre 1772 gegründet zur Förderung des Handels und trieb selbst einen starken Warenhandtl, der durch besondere Pribilegicn geschützt war. Nach und nach entivickelte sich das Institut zu einem moderne» Baiikinstitut und vertritt hier die Stelle einer preußischen Staatsbank. Die ProdnkkionS- Einschränkung der Kohlenbergwerke ist vom Syndikat abennals erhöht worden. Nach dem in der Zecbcn bcsitzcr-Versammlung des Kohlcui'yndikats erstattete» Vorstandsbcricht betrug die Mindersörderung im Februar d. I. 21,45 Proz. sim Vor- jähr 8,39 Proz., im Vormonat 18,99 Proz.). Der arbeitstägliche Versand von Kohlen, Cooks, Briketts betrug im selben Monat 14925 Doppelwagen sim Vorjahre 15 399, im Vormonat 13 763). Die Versaniinlnng setzte»»»mehr die Fördercinschränknng für daS zweite Quartal 1992 auf 24 Proz. gegen 29 Proz. im erste» Quartal 1992 fest. Die Folgen dieser Maßnahmen machen sich auf dem Arbeits- markt in erschreckender Weise geltend. Ii» Ruhrgebiet schätzt die „Arbeitsmarkt-Korrespondenz" die am 15. März vollzogene» Kü»- digimge» auf 5—6999. Iii den Kreisen der Zcchcnbesitzer ivird diese Maßnahme damit begründet, daß die bisher geübte Arbeitseinschränkung ein uiigiinstigcs finanzielles Ergebnis für sie hatte. Bei schwächerer Belegschaft wird an Betriebsmitteln gespart. So ivirft denn der kapitalistische Eigennutz Tausende von Arbeitern ans die Landstraße, um die in Arbeit stehenden voll auszubeuten znr Sichcrung des Unternehmerprofits. Die Ausbeutung des Arbeiters ist um so ertragreicher, je schwerer er ins Joch des Kapitalismus ge- spannt wird; so will es die kapitalistische Produktionsweise. GenrevkMAftlikszes. Berlin und Umgegend. Achtung, Barbiergehilfcn! Die Abstempelung der Kontroll- karten stndet täglich zwischen 19—12 Uhr ini Bnrean, Rosenthaler- straße 57, statt. Ebenso Dienstagnachmittng von 2— 4 Uhr. Postsendungen ivolle man nur an W e r» ck e, Rosenthalerstr. 57, adressieren. Die Karten werden nur da ausgestellt, wo die Forderungen der Gehilfen bewilligt sind. Die Ortsverwaltung. Lrere. Herr Schlächtermeister Gabriel, Oppelnerstr. 45, teilt nirS in Bezug auf niisre Veröffentlichung in Nr. 51 des„Vorwärts" mit, daß die von ihm vorgenommene Entlassung eines Gesellen keine M a tz r e g e l u n g sei. sondern daß er zu derselben genötigt war, iveil die Leistungen des betreffenden Gesellen derartige waren, daß äe ihm fortgesetzt Beschiverdcn seitens des Publikums eintrugen und den Verlust von Kundschaft herbeiführte». Ob der betreffende Geselle Vorivärts"-Leser war oder ob er politisch oder gewerkschaftlich orgaiiisrert war, ist Herrn Gabriel nicht bekannt, da er sich darüber nie informiert hat. Deutsche» Reich. Au die deutsche Arbeiterschaft! Die Diamantarbeiter in Amsterdam stehen, wie ans der Zeitung bekannt ist, seit mehreren Woche» schon in einem schweren Kampf, um ihrer Organisation volle Anerkennuiig zu verschaffen. An 3999 Arbeiter sind ausgesperrt. Nun haben gerade diese Arbeiter ihren dentschen Brüdern gegenüber die Solidarität aller Arbeiter anfs glänzendste bethätigt. Im Jahre 1897 ivaren wir gezwungen, mit einem jahrelangen Streik gegen den Versuch der Unternehnier, nnsre Organisation zu sprengen, anzukämpfen. Damals standen uns die Dinmantarbeiter in Amster- dam treu zur Seite und spendeten uns ca. 35 000 M. Streikunter- tiitzuiigSgelder. Jetzt stehen s i e in schwerem Kampfe, und es ist unsre Pflicht, ihnen zu helfen. Leider ist nnsre Organisation infolge unsrer schließlichen Niederlage in jenem Streik und der Ungunst der Geschäftslage in unsrer Branche auf ein ganz kleines Hänstcin zu- ammengcschmolzen. Wir haben nun bereits alles Geld, was wir zur Verfügung haben, ca. 799 M.»ach Amsterdam geschickt. Dies aber ist doch keine Summe, die bei einem solchen Kampf in Betracht kommen kann. Deshalb bleibt uns nichts andres übrig, als daß wir uns an die gesamte deutsche Arbeiter- chaft wenden mit der Bitte: Helft uns die Ehrenschuld, die mit uns auch Euch verpflichtet, jetzt, in der Stunde der Not, für unsre Brüder in Amsterdam abzutragen. Möge jeder organisierte Arbeiter, jede Organisation einen Beitrag leisten, damit wir unsre» Brüdern in Amsterdam zeigen, daß auch die deutsche Arbeiterschaft dem Beispiele, daS sie uns im Jahre 1897 gegeben, nicht Unehre macht, sondern die Pflichten der Solidarilät zu erfüllen weiß. Gaben sind zu senden an Henry Polak, Frnnsche Laan 9, Amsterdam. Diamantschleifer-Verein Hanau. Der PerbandStag de» Verbandes deutscher Gastlvlrtö- gchilfcu verhandelte am zweiten Sitzringstage über Agitation. Es lagen Anträge vor, in welchen die Anstellung besoldeter Bcvoll- mächtigter für die einzelnen Provinzen verlangt werde», andre fordern die Einteilung in Gaue. Die Disliiision ist eine sehr ausgedehnte und wird auch bis Schluß der Sitzung nachmittags 2 Uhr nicht beendet. Die Nachmittagssitzung fällt aus, da die Delegierte» der Einladung der Firma„Knpferberg Gold" folgen, deren Werte zu besichtigen. I» der Vorinittags-Sitznng des dritten Tages ivird die Diskussion über de» Punkt Agitation zu Ende geführt. Alle vorliegenden An- tröge werden abgelshiit. Dagegen findet ei» Antrag Annahme, durch welchen den Ortsvenvaltuiige» eines größeren Bezirks die Möglichkeit gegeben ist, sich enger znsamniciizuschließe», gemeinsame Besprechungen abzuhalten; die Hauptverwaltung hal die Bercchligmig, auf diese» Bezirlstagen vertreten zu sein.— Sodann erfolgt ein Referat Friedrichs- Hamburg über:„A r b e i t s l o s e n- U» t e r« st ü tz u n g". In der Diskussion bringt Z i l l m a n n- Hamburg ein limfassendeS Material von der Ortsvenvaltimg Hamburg bei über den Umfang der Arbeitslosigkeit- der dortigen Ver- bandsmitglieder. Nach kurzer Diskussion ivjrd zur Abstimmung geschritten. Die Anträge, nach ivelchen eine ArbeitSlosen-Unterstütziing zur Einführiiiig gelangen soll, ivcrden znrückgezogc»; ein Antrag, der die arbeitslosen Mitglieder von der Bcitragzahlnng entbinden will, wird abgelehnt. Annahme fand ein Antrag, der die Haupt- bcrivaltnng bcanftrngt, Erhebungen über den Umfang der Arbeits- losigkeit innerhalb des Verbandes anzustellen und dem nächste» Ver- bandstage das Material zu rinterbreiteii. In der Nachmittags-Sitznng wird in die Deratung der Ab- änderinigSanträge zirnr Statut eingetreten. Die Anträge, ivclche darauf hinauslaufen, solchen Personen, welche nicht im stände sind, Lehrzengnisse vorzuweisen, oder solchen, die nebenher i» andren Geiverben thälig sind, die Aufnahme in den Verband z» verweigern, werden teils abgelehnt, teils zririickgezogen oder aber sie finden gar nicht die nötige Unterstiitznng. Dagegen findet ein Antrag Annahme, der den Orlsverivaltungen gestattet, be- sondere Anfnahincbestinninmgen aufziistellc», die aber i» keiner Weise dem Ver-bandsstatut ividersprecheir dürfe»»ud die der Hauptverwaltung zur Bestätigung einzureichen sind. Alle Anträge, welche eine Hinanfsetzrmg der UnterstütziingS- summen bezwcckeil, werden abgelehnt. Annahme findet ein Antrag der Hariptverivaltuiig. durch den als Grniidlage für die Delegierten- wähle» zum Verbandstage nicht die angegebene Mitgliederzahl, sondern die von den Ortsverivaltuiige» wirklich eingezahlten Mitgliedsbeiträge(imd zwar 52 Wochcnbcilräge pro Mitglied und Jahr) zu gelte» haben. ES folgt das Referat S t e 1 1 e» b c r m r t t e l u» g. Nach kurzer Diskussion findet folgende Resolution deS Referenten U l l m a n n- Dresden einstimmige Annahme: Der Verbairdstag erklärt: Die von den Centralbchörden er- lassenen Verfügniige» betr. die Geschäftsführung der Kommissionen sind nicht geeignet, die Schädigung des Vermiltlerimweseiis zu be- seitigc». Trotzdem haben diejenige» OrtSverwaltimgen. denen eine solche Verordnung zur Seite steht, dieselben zu Gunsten der Gehilfen möglichst ausznimtzen.— Im ferneren werden die Ortsverwaltlnigen beauftragt, alles Material stlebertretungen des Erlasses usw.) zu sammeln mid der Haiiptverivaltnng einzusenden. Die Haiiptverwaltruig ivird beauftragt, das Material den Centralbchörden zu unterbreiten und eine Verbessernüg der ein- schlägigen Gesetzgebung zu fördern. Im übrigen erklärt der Verbandstag die vollständig lostcnlosc. rcichsgcsetzlich geregelte Arbeitsvermittlung für das zu erstrebende Ziel. Zu Punkt Geiverkschaftskongreh wird folgender An- trag angenommen, der dem nächste» Gewerkschaftskongreß unterbreitet werden soll: Der Geiverkschaftskongreß möge beschließen: Die Zulassuirgs- bedingungen(Berliner Resolution, Artikel 5, Absatz IV) dahin ab- znäiidcrn: Die Gcivcrkschaste» sind berechtigt, für die ersten 1599 Mit- glicder einen, über 1599—3999 Mitglieder cineir zweiten Delegierten zn wählen. Sodann wird für je 3999 Mitglieder ein iveitcrer Dele- giertcr geivählt. Bei wichtige» Anträgen entscheidet die Zahl der durch die Delegierte» vertretene» Mitglieder. Der Schnciderstreik scheint in Elberfeld einen günstigen Verlauf zu nehmen.— In Nürnberg ist der geplante Streik bei der Filiale der Mlliichcner Finna Zöltsch hiiiansgeschoben, iveil in München noch Verhandliingen gepflogen iverden. Der Streik würde sich auch auf die Filialen der Firma in W ü r z b u r g»nd Landau(Pfalz) erstrecken, da auch die dortigen Schneider sich solidarisch erklärt haden.— In U l m haben einige Meister trotz des vorgeiiommenln friedlichen Ausgleiches eine schwarze Lifte herausgegeben, in welcher die Namen von ca. 29 Gehilfen stehen, die bei' der Bewegung ctivas in den Vordergrund traten. Welche Folgen diese noble Handlungsweise haben ivird, bleibt noch abzu- ivarten. Die Klage de» Tabakarbeitcr-VerbandeS gegen die Polizei in Brannschweig auf Herausgabe der Gelder und Sache», welche bei der Schließung der Braunschweiger Zahlstelle beschlagnahmt wurden, hat das Landgericht in Brannschweig znrückgewicseii, weil der Verband nicht die Rechte einer juristischen Person besitzt. Es ivird nun Sache der Privatpersonen sein, in deren Hände» sich das Vereiiisvermögen befaud, ihrerseits die Klage airzustreiigen. Die Textilarbeiter in R o» u c b u r g(Sachsen-AIteiiburg) haben eine nicht unwesentliche Lohnerhöhnng»nd die zehnstündige Arbeitszeit errungen. Herr Rcxhäuser sendet uns unter Bezugnahme ans den 8 11 des Prcßgesetzes eine Berichtigung, die allerdings den Anforderungen dieses Paragraphen nicht entspricht, der wir aber dennoch eiitiiehmen, daß Herr Rexhäuser die„Pinkertous" nicht als Streikbrecher, sondern als U n t e r n e h m c r- S ch n tz t r» p p e gegen Streikende bezeichnet. Ferner berichtigt Herr Rcxhäuser, daß der Prozeß der Gewerkschaftler gegen ihn wegen seiner Krankheit nicht viermal, oiidern zwei nial vertagt ivorden sei.— Den thatsächliche» Inhalt unsrer Notiz hatten wir der„Leipziger Volkszeitung" entnomine», von der wir annehmen konnten, daß sie über die Sache genau unter- richtet sei. Ueber die ivescirtlichen Anschnldignngen des Berichts gegen Herrn Rexhäuser, seinen Gebrauch beschimpfender Ausdrücke, eine Art, ivie er daS Erscheinen vor dem Friedensrichter zurückivieS, berichtigt die Zuschrift an unS denn auch nichts. Ausland. Allgemeine Aussperrung im Baugewerbe in Amsterdam. Die Unternehmer des Baugeiverbes in Amsterdam haben am Donners- tag eine allgemeine Aussperrung der Maurer sowie der übrigen Bem-Arbeiter vorgenommen, weil die Arbeiter den Vorschlag, die vorliegenden Differenzen durch eine Kommission endgültig entscheiden zu lassen»nd sofort die Arbeit wieder aufzunehmen, verworfen habe». Die Folgen dieser Maßregel haben sich, solveit bis jetzt Mitteilungen vorliegen,»och nicht in besonders großem Maße geltend gemacht. Einige Arbeitgeber sollen weiter arbeiten lassen, und zudem liegt die Bauthätigkeit so danieder, daß überhaupt nicht sehr viele Arbeiter ans Bauten beschäftigt ivaren. Seitens der Organisalionen ivird die Gesamtzahl der Ausgesperrten auf 699 angegeben, und man erwartet, daß keine große Steigernng der Zahl nichr statt- findet. Die BäckeranSfpm-nng in Göteborg. Am Montag hat die Arbeiterschaft Göteborgs in einer großen Versammlung gegen die Beschäftigung der deutschen Streikbrecher protestiert mid beschlösse», diejenigen Bäckereien, die diese Leute beschäftigen, sowie die Gc- schäfte, die Brot aus diesen Bäckercie» verkanfeu, zu boykottieren.— Die Heizer und Trimmer der transatlaiitischcn Gesellschaft in H a v r e sind in den Streik eingetrete», da die SchissahrtS-Gescll- schaften die vor einiger Zeit geniachlen Versprechungen nicht i»nc- gehalten._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechlnnide findet täglich mit AuSiinhme de» Toniiabcnds r>v»?>/, bis iiV, tthr abends statt. I. Sch. Wenden Sie sich an eine Clichefabrik, vielleicht an Otto Below, Ritterstr. 105, Weitcrc Finne» im Äldresibuch, II. Teil. A. F. 11. Ein solcher Ort ist uns nicht bekannt. Becek. 1. Ob„zweckinibig", hängt von den Fähigkeiten des KüideS und der Güte der Schule ab. Wenn es damit seine Ordnung hat, benutze» Sie am besten die eine Schule von unten auf. 2. Es wäre nicht mir recht, sondern sehr recht gehandelt-, freilich kommt eS immer daraus an, ob Sie die Sache wirtlich durchführen können,— sonst lieber Elementarschule- Für de» Julmlt der Inserate übernimmt die Nedaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei PeraiitUiortnng. �Heakev. Sonnabend, den 22. März. Opernhans. S. Sinfonie, Abend der königlichen Kapelle. Anfang 7'/- Uhr. Mittags 12 Uhr: Ocffentliche Hauptprobe. «chanfpielhans. Geschloffen. Nenes Opern- Theater tKroll). Geschlossen. Schiller. Der Jongleur. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Lebendige Stunden. Anfang 7Va Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft. (1. Teil.) Anfang 7V- Uhr. Lessing. Ueber den Wassern. An- fang 7Vj Uhr. Westen. Martha. Anfang 7'/, Uhr. Residenz. Einquartierung. Anfang 7�/. Uhr. Renes. Goldfische. Ansang 7>/, Uhr. Secessionsbtthne. Detlev Lilien- crons Büntes Brettl. Anfang 8 Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Ansang 8 Uhr. Schall»»d Ranch. Strindberg- Cyklus. Ans. 8-/, Uhr. Trianon. Coralie n. Co. Anfang 8 Uhr. Central. Das siiße Mädel. Anfang 7>/z Uhr. Thalia. Sein« Kleine. Ansang 7-/, Uhr. Luisen. Die Jungfrau von Orleans. Anfang 7V3 Uhr. Carl Weif?. Gasparone. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung Prinz Diamant. Friedrich-WilhelmstädtischeS. Die Fledermaus. Anfang 7'/, Uhr Belle-Ztlliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7-/, Uhr. OrpheuS. Specialitäten-Borstellung. Anfang 8 Uhr. Charivart. Täglich Borstellung. Anfang 8 Uhr. Metropol.'ne feine Nummer. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr Npollo. Don Juan in der Hölle. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Passage- Panoptiknin. Special!- täten-VorsteUung. Palast. Specialitäteii-Vorstellung. Die Veilchenfee. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Ihre Familie. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. ReichshaNe». Steltiner Sänger Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Bor�teNuiig. Anfang nachmittags ttrania. Tanbenstr. 48/4V.(Im Theatersaal.) AbendS 8 Uhr: Frühlingstage an der Rwiera. Jnbatidenstrasse 57/62. Täglich: Sternwart«._ Urania Tauben-Straase 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Castans Fanapticnm Friedrtch-Straaae 165. Zwergin mit Kinde ihrem eine bisher in der Welt nicht, dagewesene Sehenswürdigkeit Mutter 80 cralTocht. 50cm gross! 32 Jahre alt. 9 Jahre alt. WllttADttt (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: »er Jongleur. Poffe mit Gesang in 4 Abteilungen von Emil Pohl. Sonntagnachmittag 3 Uhr: ILttnlg Harlekin. Sonntagabend 8 Uhr: Der Herr Senator, Montagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Nathan dar Walas. CentM-TlMter. Heute abend 71/, Uhr zum 95. Male: DttssützeMliidel. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. Größter Erfolg seit Geisha! Hauptschlager: Das Lied vom süßen Mädel. Launische Dame, Glück ist dein Name. Berlinchen, du bist so niedlich. Theaterstüd-Nefrain-Conplet. Ettglisches Parodie-Duett. Morgen, Sonntag, nachm. 3 Uhr, zum 794. Male: Die<3eiF.ka.— Abends 7V, Uhr: Das süße Mädel. 'rimiin>'n»eaier. Dresdenerstraße 78/73. Täglich: Abends 7-/z Uhr: Seine Kleine. Große AusstattungSpoffe mit Gesang und Tanz in 3 Atten. Guido Thielscher, Paula Worm a. G., Gerda Walde, Helmerding, Paulmüller, Bojö, Wannovius.„llad'n Sie nicht den kleinen Lohn gesehen?" Sonntag, 23. März, nachm. 3 Uhr, Nein« Preise: Mathilde. Schau- spiel in 4 Akten. s�srl �Vkj88-fni6at6F. Große Franksurterstr. 132. Nachm. 4 Uhr: Prinz Diamant. Kleine Preise. Abends 8 Uhr: Letzte Aufführung: Gasparone. Operette in 3 Akten von Karl Millöcker. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Hüttenbesißer. Kleine Preise.— Parquet 60 Pf.— Abends 8 Uhr: Unsre Marine, oder: Er muß aufs Land. Montag u. Sonnabend: Geschloffen. Casino-Hieater Lothringerstr. 37. Trotz des glänz, einzig dasteh. Er- solgeS nur bis Ende dieses Monats uutS-/.uhr: Ihre Zamtlie. Sonntaanachmittag 4 Uhr: Lieder des Musttauten. AnWsWochetit. ö UhlKMNt.?'/, Uhr. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Der kleine Colin ist da! Burleske in einem Akt. Oer Bajazzo und sein Kind. Ifi er�tklnasige IC Specialitäten 10 Metropol-Tiieater Thomas, Bender, Josephi. 'im Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Vorn Palmsonntag, den 23, März, bis inkl. Ostersonntag, 30. März, finden die letzten 7 Aufführungen der Ausstattungsposse 'ne feine Nummer im Theater des Westens statt. Wahrend dieser Zeit im Metropol-Theater Ensemble-Gastspiel des Opern-Theater d.Westens D'Andrade, RothiuUhl, Blbertl als Gäste. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Mittwoch, den 2. April: Sclüuss d. diesjährig. Saison. CirkusAlb.SchumanD Tounabend. den ZU. März er., abends präc. �1/� Uhr: Grande Solree High- Life. Auftreten sämtlicher für Berlin vollständig neuen engag. Specialitäten. U. a.: Neu: Villiclt-TrepPtlisiihrf ausgeführt von dem biS jetzt un- übcrtroffetien Amertk. Mr. ehester. In dieser Höhe— 36 Meter— noch nie gezeigt worden. Sensationelle Novität 7 She 7 Darstellung der 4 Elemente. volle Licht-Effekte. Pracht- OllvtH-Oall DaS neueste amen- 1 Kail Dali, kanifche Sportsspiel, ausgeführt von 10 Herren. l.'svD7örs Inminease. Der Ritt durch Feuer und Flammen, ausgeführt von Frl. vor» Schumann. Zum Schluß: Ufephlat«. Sonntag zwei gr. Borstellungen. Sonnabend, 22. März, abds. 7Vj Uhr: Große Vorstellung: Kiondike. Orig.-Pantomime des Eirkus Busch. Die Prmz Hein rich-Fahrt nach Amerika. StaHSlSDUvi Kottbnserrttp. 4 n. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: H o IT ,» a n»» NMeutsche Tanger Nach jeder Soiree: TanakPänueken. Mcn! Xeu! Der Kesselflicker. Charakterbild mit Gesang in 1 Akt. Palmsonntag:„Der Gpldbaurr" mit dem fierUuet Schausplel-Vereln. Belle-illianee- Theater. Die Dame ans Tranviile. Schwank m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. EmilSondermanna. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marion. Hierauf: Er. Lebensbild in Adele Hartwig u. Leopold Thurner a.G. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Schuldig. E. von Wolzogens Bunte» Theater(Ueberbrettl) KOpnickeratp. 68. Heute abend 8 Uhru, a.:„Bataillonstopf"(Offiziers-Humoreske).— „Nora-Parodie", Satirisches Sohat- tenbänkel.— Boxena Bradahy u. Dakar Straasa, Harceil 8alzer, Bokken I,asaon etc. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44, Sonnabend, den 22 März 1902, abends S'/j Uhr: Strlndberg-Cycln» Rosa Bertens, Gertrud Eysoldi, Emannel Reicher. Trianon-Theater. Georgenttrasse, 2 Minuten vom Bahnhof Frfedrlchstr. Zum 117. Male: Coralie& Co. Anfang 8 Uhr. Parkett 2 M. An der Spandauer Brllcka 3. Grösst.VergnUflungslohal Berlins In terna lionale Konzerte n Specialitäten-Vorstellnng Tägl. Anstich des„ürbock" Bockbier-Jubel u.Trubei. Ausschank: Berliner Bock-Brauerei. Bärgerl. Diner, 5 Sänge. Tägl. Hatlnee von 13—3 Uhr. Apollo-Theater. Die grossartlgen 10 Specialitäten. Der Kosmograph: Prinz Heinrich in Amerika. Femer: Kasseneröffhung 7 Uhr. Anfang 8 ig? 1 tlhr. W. Noacks Theater. Brnimeiistraße 16. Mutter und Sohn. m Palast-Theater (früher Feen-Palast) Bnrgstr. ZZ. Direktion R. Winkler it. W. Fröbel Das erfolgreiche Spectalitütan- März- Programm I Heute neue Kunstkräfte. Bringet musizierende Hunde. Theodor Lippart, der moderne amüsante Humorist. Bonett u. Willy, Matad. am Lyra-Appar. Dazu: Um 8% Uhr: Die Veilcheufee. Volksstück mit Gesang in 2 Atten von W. Gericke. Anfang 8 Uhr. Entree SO Pf. Biilet-Vorverlauf 0. 11—1 Uhr. Ltgene Conksctioii. G Elegante mröcke [3572L* enorm hillig in Tuch, Zibeline, Kammgar» und Homespun, « M., 7 M., 10 M., 1Z M., 15 M., Seiden da niaat 25 M., Alpacca 4,50 M, 6 M., bis 30 M., weiss Cheviot und Piquö 3, 5, 7—15 M. Jaketkleider elegante Faxens. Saccokleider Blusenkleider letzte Neuheit in Zibeline, Reversibel. Cheviot, Covercoat uv Homespun 15 M., 20 M., 25 M. Einsegnungskleider 15 M., 18 M, 20 M. 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März, abends 8'/, Uhr, bei Fischer, Waldstr. 8: Ksiiserell; her VertmMeute für Moabit. Sonntag, den 23. März, vormittags 10 Uhr, bei Meißner, Chausseestr. 72 1 Versammlung der Feilenarbeiter. «onnt««, den 23. März, vormittags 10 Uhr, bei Fischer, Krummestraße, Ecke Pestalozzistraße: Bezirksversanttnlnng f. Charlottenbnrg Tageö-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen W u s ch i k. 2. Diskusfion. 3. Verbands- angelegenheiten._ Sonntag, den 23. März, vorn,. 9-/, Uhr, bei Bnggenhagen, Moritzplatz: Versammlung der Rohrleger, Klempner n. Banschloffer Tages- Ordnung: Der Bauarbeiterschutz in Preußen, die Petition der baugewerbltchen Arbeiter vor dem Abgeordnetenhause, und welche Stellung nehmen die Klempner, Rohrleger und Bauschloffcr dem gegenüber ein? Referent: Ge- noffe Link._ Sonntag, den 23. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal II: Versammlung der Silberpolierer. Sonntag, den 23. März, vormittags 10 Uhr, bei Wetzet, Wrangelstr. 136; Morgensprache der Schraubendreher. Sonntag, den 23. März, nachmittags 3 Uhr, bei Mereier. Steinmetzstr. 113: Bezirksversammlung siir Nixdorf. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Schwantjr- Berlin über„Vivisektion und ihre Gefahren für die Arbeiterklaffe". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. JPKT" Gäste wtllkoinnien."Vffi Zahlreichen Besuch in allen diesen Versammlungen erwartet 112/20_ Die Ortsvcrwaltnng. Verband der Möbelpolierer. Montag,-den 24. März, abends 8V« Uhr: V e r* a uim Iii ngcii i. Admiralstrasse 18 o. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskusston. 3. Wahl. 4. Verschiedenes. 2. Lichtenberg} Friedrich Karlstr. 11. Tages-Ordnung: 1. Die Bestrebungen der Tiichler-Jniiung und die Schädigung der Kr- beiter. Referent: Kollege R. Weber. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, die 50 Pf. Extrabeitrag heute abend in den Zahlstellen zu entrichten. Die Auszahlung des KrankenzaschnffeS und der ArbeitSloien-Nnterstützung erfolgt jeden Montag, abends von 7 Uhr an, Blumenstraße 38. 145/13 Der Verstand. Adjtllng! Lackierer! I Unser BerkehrSlokal befindet fich vom Sonntag, den 23. März ab im Restaufant m Weihnacht, Grnnßr. 21. Zahlstunden jeden Sonntagvormittag von 10—12 Uhr. ®<,8 16. StiftUUOöffJt am �aonädend, den 12. April, im 8chiitzcnh)iiis, Liiiicustr. 5, statt. Eintrittskarten sind im Verkehrslokal und bei sämtlichen VerwaltungSmitgliedcm zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet 107/4' Die Qrtsverwaltnng. Orts- Krankenkasse der Hattler und verwandter Gewerbe zu Berlin. Wir bringen hierdurch zur Kenntnis, daß die in letzter General- Ver- saminlung beichloffene Beitragserhöhung unter dem 14. März vom Bezirks- ausschuß genehmigt ist. Di« wöchentlichen Kassendetträge betragen demnach: 1. Für Gehilfen(Gesellen) und großjährige»läunlichc Hilfsarbeiter............. Klaffe I«0 Ps. . für minderjährige männl. Hilfsarseiter über 16 Jahre„ II 48. 3. für weibliche Kassenmilglieder über 16 Jahre...„ III 30„ für männliche Hilfsarbeiter unter 16 Jahren und für Lehrling-............. IV 27, 5. für weibliche Kaffenmitglieder unter 16 Jahren.. V 21, Dlsse Abänderung tritt am Montag, den 34. MKrz er., in Kraft, Berlin, den 21. März 1902. Der Vorstand. 271/5 Gustav Schlllmann, Vorsitzender. Walter Dlttmann, Schriftführer. Jedeühr zu reparieren und reinige» kostet bei mir unter Garantie des Gutgchcns nur 7 lltlt* 50{ff., außer Bruch, kleine Reparaturen billiger. Große» Lagert» Uhren, Goldwaren, Ketten zu erstaunltch billigen Preisen. Dukaten-Trauring. 000 gest., IVs Dukaten 15,50, 2 Dukaten 20,50. Echt Rathenower Brillen 3358L* ür sämtliche Waren schriftliche Garantie. incenez, Operngläser. i. Stolz, Chausseestr. 78, P. Stolz, Badstr. 57. Schmöckwitz Gaslluus zur Palme wwiiiii wwiiHiib Endstation der„8tern"-Dampfer) ZOber: Dermanu Veter. 3». 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Jährlich 9000 verschiedene Patienten. Or. dental surgerz- Fischler.__ 4416 'Vivisektion! Wer sich über diese ruchloseste Grausainkeit mlsrer Zeit unterrichten will, verlange die Flug- dlätter des Weltbundes gegen Vivisektion, welche uiientgeltlich versendet werden vom Tierschutzverein Berlin, Königgrätzerstrafte 108. Daselbst köimen auch Referenten für Vorträge in Arbeitrrbereinen über Vivisektion be- stellt werde». Um gütigen Abdruck wird gebeten. Iklb* Achtung! Jeder Käufer erhält ans 1 Pfund Margarine, Kaffee oder Äakao eiil Geschenkzii Müllerstrafte 12, Ecke Lindoiverstrafte. 1066K* Schlafsofas, alte Möbel kauft Lazarus, StudreaSslr. 57. sl627K» Goldsache», gebiffe kaust strafte 137. Silber, Platin, Zahn- Schmelzerei Bruliiieii- 12996 'Altes Eiieu. Glas iiiid Boden- gerümpel kauft Karl Tobsing, Ripdorf, Reuterstraft« 64. 14/19* Kanarieiiiveivchen, Mehlwllimer kauft Vvgelhandiung Floitwellstr. 6. 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Ulekf eicitüts- Gesellschuft, Boabit, sowie von der Firma l.udwizr Lttwe, 'Maschiilenbau. Eckert, Fabrik landwirtschaftlicher Maschine», Friedrichsberg, und ützehrepp, Berliner Modellfabrik,.Kastanien- Allee, Jachniann, Eifetigieüerei, verlängerte Hutten strafte, sind sämtliche Modelltischler ausgesperrt. Den Modelltischlereien Kurzbolz, Cnmicuflt. 25, Dietrich, Chanssee- strafte 62, und Garbe, Wafferthor- strafte 30, sind Aufträge aus der .Union* zugegangen. Iuzug fernhalten! Verantwortlicher Redacteur: Earl Leid in Berlin, Für den Inseratenteil verantwortlich: Dd. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Mar Badin« m Berti,,. SS. is. Mmt. 2. Ktilllge des„Wmörls" KttllM WldsdlM. S°..«°d-..d.2Z.M!.sv2. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 21. März 1902. Es geht ablvärts. Die im vorigen Wochenbericht charokterisierte Erschloffnng des Börsenverkehrs Hot weiter zugenommen. Fast scheint es, als sollte jene Lethargie zurückkehren, die im Oktober vorigen Jahres die Geschäftsthätigkeit lähmte. Die Umsätze sind anhcrordentlich gering, und zwar auf fast allen Gebieten, auf dem Montanmarkt Ivie auf dem Bahnen- und Bankenmarkt. Mehrfach setzten in der letzten Woche zu Beginn der Börse die Kurse der Kohlen- nnd Hüttenwerke gleich ansehnlich unter den Schlußknrsen des vorausgegangenen' Tages ein nnd erlitten im Verlauf des Verkehrs weitere Abschwächungen Fast alle bedeutenderen SpeknlationSpapiere der Montanindustrie Bismorckhlltte, Bochumer Gichstahl, Konsolidation, Gelsenkirchener Bergwerk. Harpener, Hibernia, Härder, Laurahütte, Schalk« Gruben usw. haben Kursrückgänge von niehreren Prozenten aufzuweisen. Ebenso wenig vermochten auch die Aktien der Hambnrg-Amerikw Linie und des Norddeutschen Lloyd und die meisten Bahnenakticn ihren Kursstand zu behaupten. EtwaS besser stellt sich daS Endergebnis der Woche für den Bankaktienmarkt, der, obgleich auch auf ihn die Gcschäftsstille übergegriffen bat, doch im ganzen eine ziemlich feste Tendenz zeigte; wenigstens sind die Kursnachgaben der Ivichtigeren Bankaktien im Vergleich zu den Montanpapieren gering. Dieser Abwärtsbewegung gegenüber hält denn auch der Widern stand der Haussespekulation nicht niehr in bisheriger Geschlossenheit Stich. Die Befürchtung weiterer Abbröckelungen weckte die Neigung zur Realisierung der laufenden Haiisse-Engagemeiits und führte verschiedentlich zu relativ beträchtlichen Abgaben und Abgabcversuchen. Frägt man, ivelche neuen Thatsachen hervorgetreten sind und den KnrSrückschlag bewirkt haben, dürfte die Antlvort schwer fallen. An eigentlich neuen Gründen fehlt es fast gänzlich, im Gegenteil lassen sich verschiedene anregende Momente aufzählen, die noch vor vier Wochen Anlaß zu lebhaften Kurssteigerungen geboten haben würden: die relativ günstige Haltung der meisten Auslandsbörse», die guten Be- richte des.Jronmonger" über die Lage auf dem amerikanischen Eisenmarkte, weitere Erhöhungen der Eisenpreise seitens' einiger Verbände, die Aussichte» der neuen russischen Anleihen, Gerüchte über bevorstehende neue größere Finanzoperationen usw. Der Grund des Rückschlages ist einfach, daß, gestützt durch die Hochfinanz, die Spekulation im Januar und Februar die Kurse über das der Ge schäftslage entsprechende Niveau hinanSgetrieben hat, und nun, wo die verheißene Besserung des Jndustriemarklcs ausbleibt, daS Privat Publikum sich völlig zurückzieht. Immer deutlicher zeigt sich, waS während des Januar an dieser Stelle inehrfach nachdrücklich hervorgehoben wurde, daß die Lage des Wirtschaftsmarktes keinerlei Anlaß bietet zu derartigen Hansse- treibercien, wie sie sich die Spekulation in den ersten Wochen des neuen Jahres geleistet hat, und daß. soweit in einzelnen industriellen Branchen, z. B. der Eisen« und der Textilindustrie, sich Ansätze zu einer Erholung konstatieren lassen, diese durch die.Kurssteigerungen deS November und Dezember schon reichlich vorweggenommen sind. In einzelnen Industrien hat ja im Vergleich zum Sommer und Herbst vorigen Jahres die Beschäftigung nicht untvesentlich zu- genommen, speciel in der Textilindustrie, die größtenteils überhaupt unter völlig andren Bedingungen wie die Metall-, Stein- und Holzindustrie arbeitet und die im vorigen Jahr nicht nur unter dem allgemeinen Rückschlag, sondern auch unter den Nachwirkungen der enorme» Woll- und namentlich Baumwoll-PreiSschioankungen des Jahres 1900 zu leiden hatte. Die Wirkerei, Spitzenfabrikation und Lcineniiidustrie sowie auch die Woll- und Baumwollspinnereien haben durchweg gut zu thun; und selbst für die Bannnvoll- Weberei besteht, nach den Berichten aus den sächsischen und elsässische» Tcxtilbezirken zu urteile», die Aussicht auf Iveitere Zunahme der Be- schäftigung. Anders in der Eisenindustrie. Die Aufträge auf Lokomotiven und Eiseubahn-Barunaterialien, die vom preußischen Eisenbahn- Ministerium an eine Reihe Fabriken verteilt tvorden sind, sichern zwar diesen vorläufig einigermaßen ausreichende Arbeit, und auch die Fabrikation von Eisenmaterialien für de» Hansbau hat in den letzten Wochen einen beträchtlichen Umfang angenommen; doch handelt es sich hierbei anscheinend um spekulative Vorausbestellnngcn der Händler, und bleibt es daher abzuwarten, ob die jetzige Thätig- keit auch nach dem Wiederbeginn der Bausaison andauern wird. Dagegen fehlt eS den Maschinenfabriken und derKleineisen-Jndustrie größtenteils an genügender Beschäftigimg; und nicht weniger unbefriedigend ist die Lage der Holzindustrie, besonders jenes Teils, der für daS Baugewerbe liefert. Rechnet man dazu die mißliche Lage verschiedener Teile der Steinindustrie und des Kohlenbergbaues, sowohl im Rnhrrevicr als in Oberschlesien— auch im letztgenannte» Gebiet soll vom 1. April ab die Förderung um 20 bis 24 Proz. eingeschränkt werden—, so ergiebt sich wohl im ganzen eine gewisse Bessernng der Marktlage, keineswegs aber irgend welcher Grund zu jener fröhlichen HoffmrngS- seligkeit, mit der an der Jahreswende einige Wetterpropheten der Hochfinanz daS Einsetzen eines neuen industriellen Aufstiegs ver« kündeten; muß doch immer mit in Betracht gezogen werden, daß infolge des Anivachsens der Betriebe und der Steigerung der Produktivkräfte lvährend der Prosperitätsjahre eine Aus dehuung der industriellen Thätigkeit, die 1896 und 1897 noch als eine relativ gute gelten konnte, heute nicht mehr ausreicht. Vorbedingung iveiterer Besserung ist jedoch, daß die Geschäfts läge in den Vereinigten Staaten sich hält, vor allem die amerikanische Eisen- und Stahlindustrie nicht ebenfalls von einer Krise heimgesucht wird, die sie zu einem forcierten Export nach Europa ztvingt. Und in dieser Hinsicht sind die Aussichten keineswegs die besten. Die unsichere Haltung der New Aorker Fondsbörse und die Geldver fteifung wollen drüben nicht weichen. Demgegenüber laute» zwar die Berichte über den Baumwoll- und Eisenmarkt andauernd günstig. Nachdem der drohende Streik der Arbeiter in den Fall Niver-Webcrcien durch Vereinbarung beigelegt tvorden ist, sind in den letzten Tagen die Preise für Rohbaumwolle wiederum gestiegen, und aus Philadelphia und Pittsburgh wird über zunehmende Knappheit von Roheisen be- richtet; indes darf man nicht vergesse», daß auch auf dem deutschen Markt in den ersten Monaten des Jahres 1900 nnd selbst»ach wenigen Wochen vor dem Ende April eintretenden Rückschlag die Klagen über den Eisen- und Kohlenmangel kein Ende nehmen wollten. Wie vorauszusehen war. hat der Streit um die Zollbehandlung deS kubanischen lllohzuckers in den Vereinigten Staaten mit der Ge- Währung einer Zollreduktion geendet. Allerdings die von de» Kubanern und dem amerikanischen Gouverneur General Wood geforderte Er« Mäßigung von mindestens SS'/s Proz. hat keine Annahme gefunden, auch nicht die von Roosevelt, dem Zuckertrust und von den amerika- nische» Kapitalisten, die an kubanischen Werten interessiert sind, befürivorlete Zollvergünstigung von 25 Proz. Zu einem höheren Zugeständnis als zu 20 Proz. hat sich der amerikanische Kongreß doch nicht zu Verllehen vermocht. Für die deutsche Zuckerausfuhr bedeutet dieser Beschluß eine weitere Beschränkung ihres Absatzes nach den Vereinigte» Staaten; woran auch der Wegfall des amerikanischen Prämien-AnsgleichSzolls vom September nächsten JahreS ab kanrn etwas zu ändern vermag. Vor der Erstarknng der Rübenzucker- Industrie in den Vereinigten Staaten— im letzten Jahr betrug die Ausbeute bereits über 5l/i Millionen Centner— der steigenden Hawaiis. Ostindiens ist ohnehin- im letzten «xport Deutschlands beträchlich zurückgegangen. Jahre 1900 der deutsche Export von Rohzucker auf 3S2 29S Tonnen stellte, erreichte er im letzten Jahre nach vor- läufiger Berechnung 113 541 Tonnen. Dafür hat allerdings.der Export von Hutzucker sich etwas vermehrt, er stieg von lö71 auf Konkurrenz Kubas, Jahr der Zucker- Während z. B. im nach der Union sich 4832 Tonnen; doch stellt sich die vorjährige Gesamt-Zuckerausfuhr Deutschlands nach den Bereinigten Staaten»och nicht auf die Hälfte der Ausfuhr des Jahres 1900. Für die Kubaner bedeutet diese Reduktion um 20 Proz.— auch für Tabak und einige andere Artikel solle» nur 20 Proz. zugestanden tverden— in Anbetracht der Höhe der amerikanischen Zollsätze und der Angewiesenheit Kubas auf den Absatz nach den Vereinigten Staaten kann, mehr als ein Tropfen auf heißem Stein; aber die amerikanischen Produzenten verspüren keine Neigung, sich von dem.befreiten" Kuba ernsthafte Konkurrenz machen zu lassen, und noch weniger der Insel wirtschaftliche Selbständigkeit zu ge tvähren und nnt ihr, tvie die Kubaner angeboten haben, einen gegenseitigen Reciprocitätsvertrag mit beiderseitigen Zoll-Ver günstigimge» von 50 Proz. abzuschließen. Kuba soll in seiner Entwicklung behindert und in wirtschaftlicher Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten Verhalten werden, um es für die spätere völlige Annexion zu präparieren. Von der amerikanischen Handelsstatistik wurden vor kurzem be- reits die Zahlen über den amerikanischen Außenhandel im Jahre 1901 veröffentlicht, lvährend die deutschen Berechnungen bekanntlich noch ausstehen. Danach betrug die Warcneinfnhr in die Vereinigten Staaten im vorigen Jahre 880 sin 1900— 829) Mill. Dollar, die Warenausfuhr 1438 sin 1990— 1453) Mill. Dollar. Die Einfuhr hat also um 51 Mill. Dollar zu-, die Ausfuhr um 15 Millionen abgenommen. Bemerkenswert ist dabei, daß die Export abnähme fast ganz auf Fabrikate entfällt, von denen für 46 Millionen Dollar weniger ausgeführt worden sind, als im voraufqegangenen Jahr, während die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produfte um 36 Millionen Dollar gestiegen ist. Der Handel mit Deutschland stellte sich in den drei letzten Jahren Einfuhr 1899... 89,6 Mill. Dollar 1900... 103,5. 1901... 100,0. Die Einfuhr aus Deutschland hat Ausfuhr nach Deutschland um 12,9 über dem Vorjahr verringert. Was die Einfuhr anbetrifft, so sind an diesem Ausfall besonders Textilwaren, Zucker nnd Cenient beteiligt. Dagegen hat der Import ans Deutschland von Häuten und Fellen, Porzellan, Knustwerken, Büchern, Karten sc. zugenommen. Der Rückgang des Exports»ach Deutschland betrifft vornehmlich Mais, deffen Wert sich von 17,3 auf 10,2 Millionen Dollar ver- mindert hat, Kupfer(von 10,9 auf 6,1 Mill. Doll.), Rohbaumwolle nnd Maschinen; während die Ausfuhr von Weizen(von 4,4 auf 15,9 Mill. Doll.) und Schmalz»ach Deutschland erheblich gestiegen ist. _ Tat. Das Eisenbahnunglück bei Altenbeken vor Gericht. (Telegraphischer Bericht.) Paderborn, den 21. März 1902. DaS Eisenbahnunglück bei Altenbeken. daS ans Anlaß seiner furchtbaren Folgen weit über die Grenzen des deutsche» Reiches hinaus allgemeines Entsetzen erregt hat, gelangt heute vor der Strafkammer deS königlichen Landgerichts zur Verhandlung. Das Unglück ereignete sich bekanntlich änr 20. Dezember 1901 mittags zwischen Neuenbeken und Altenbeken. Der 8 Uhr 29 Minuten von Ausfuhr 161,4 Mill. Dollar 197,6 184.7. sich demnach um 3,6, die Millionen Dollar gegen Köln abfahrende H-Zng mußte zwischen Neuenbeken und Altenbeken ctiva 10 Minntcn auf freiem Felde halten, da er ein Pferd, das über die Schienen gelaufen ivar, überfahren hatte und die Weiter- fahrt erst nach Hintvegräiiniung des Pferdekadavers erfolgen konnte. Dicht hinter dem D-Zug kam ein Personenzug. Der Bahnwärter K l e i» h a» s von der Blockstation Schüre nberg soll von dem Bahnwärter Meyer von der Blockstation Keimberg für den Per- soncnzng telegraphisch„freie Fahrt" verlangt haben, obgleich ihm bekannt sein inußte, daß der D-Zug noch nicht durchgefahren war. Infolge des dichten Nebels und heftigen Schneegestöbers koiuite� der Lokomotivführer des Personenzuges den D-Zug nicht sehen. Der Personenzug war mit vier Minuten Verspätung aus Paderborn weg- gefahren; diese wollte er einholen, er fuhr deshalb mit voller Ge- schwindigkeit und prallte auf den dicht vor ihm fahrenden D-Zug hinauf. Der letzte Wagen des D-Zuges wurde vollständig zer- trümmert und die Insassen fast sämtlich getötet oder schwer verletzt. 11 Personen waren sofort tot, 9 schwer und einige 20 leicht verletzt. Aufferdem war ein sehr beträchtlicher Materialschaden eiitstanden. Die Schuld wird min in erster Reihe dem Bahnwärter KleinhanS beigemessen. Dem Bahnwärter Meyer wird zum Vorwurf gemacht, daß er Kleinhans nicht telegraphisch angefragt hat, für welchen Zug er freie Fahrt haben wolle. Dem Zugführer des D-Zuges, Franz Wilhelm August Peters- Berlin, wird zum Vorwurf gemacht, daß er, obwohl er wußte, daß der Perjonenzng dem D-Zug unmittelbar folgte, letzteren nicht durch Ausstellung von Wachen nnt Laternen in der Rückwärtsrichtung und durch Abgabe von Knallsignalen gedeckt habe. Kleinhans, Meyer und Peters haben sich daher wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports sowie wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten. Der vielen Zeugen und Sachverständigen wegen findet die Verhandlung im Sitzungssaale des hiesigen C e n t r a l g e f K n g n i s s e s statt. In diesem Saale werden auch heuer die Schwurgerichtsverhandlungen abgehalten. Den Gerichtshof bilden: Landgerichts-Rat Krönig(Vorsitzender), Landgerichts-Rat Hillenkamp, Landrichter Bachmann. Gerichtsassessor Duhfus und Gerichtsassessor Dr. Heute(Beisitzende). Die königliche Staatsanwaltschaft vertritt der Erste Staatsanwalt Dr. Freeje. Die Verteidigung führen: Rechtsanwalt Auffenberg(Paderborn) für Kleinhans, Rechtsanwalt Everken(Paderborn) für Meyer und Rechts- anwalt Dr. Barnau(Berlin) für Peters. Im Auftrage des Reichs- EisenbahiinintcS wohnt Geheimer Re- gierungsrat v. M i s a n i und im Auftrage deS preußischen Ministers ür öffentliche Arbeiten Geheimer Regierungsrat©chollmanii der Verhandlung bei. Unter den Sachverständigen befindet sich der Direktiousrat der königl. bayrischen und pfälzischen Eisenbahnen, G a y e r(Lndwigshafen a. Rh.). ES meldet sich noch als Verteidiger für Kleinhans der Reichs- tags-Abgeordnete Justizrat L e n z Iii a n n- Hagen. Die Angeklagten. Der Angeklagte PcterS ist ein älterer, ehrtviirdig aussehender Mann mit graumelierteni Vollbart. Seine Brust ist mit niehreren Orden, Kriegsdenkmünzen und der Kaiser Wilhclni-Centenar-Medaille geschmückt. Die beiden andren Angeklagten stehen in noch jngend- lichem Alter. Kleinhans ist 1868, Meyer 1869 gebore». Es sind etwa 50 Zeugen und Sachverständige geladen. Nach Aufruf der Zeuge» und Sachverständigen erklärt der Erste Staatsanwalt, daß auf die Vernehmung des als Sachverständigen geladenen Bau- Inspektors Sailpmanu verzichte. Verteidiger Jnstizrat Lenz m a n n: Ich habe schriftlich de» Antrag gestellt, den Telegraphen-Jnspcktor Gering von der Mecklcn« burgischen Eisenbahn als Sachverständigen zu laden. Dieser Antrag ist abgelehnt worden, nachdem der Herr Erste Staatsanwalt bereits auf die Beweisanfnahme eingegangen ist. Ich wiederhole meinen Antrag auf Ladung des Herrn Gering. Ich thue das schon deshalb, weil der Herr Erste Staatsauwalt über die Persönlichkeit deS Herr» Gering sich erkundigt hat. Ich bestreite dem Herrn Staatsanwalt nicht das Recht, sich über die Persönlichkeit eines Sachverständigen zu unterrichten. Ich tadle nur die Abfassung des Telegramms, in dem es heißt, der Sachverständige müsse schon deshalb abgelehnt werden, weil er sich selbst als Sachverständigen angeboten habe. Wer sagt dem Herrn Ersten Staatsaiuvalt, daß Herr Gering sich selbst gemeldet hat? Hat sich nicht Herr Direktions- rat Gay« auch selbst gemeldet? Ich kenne Herrn Gering aus seiner litterarischen Thätigkeit. Herr Gering wird bekunden, daß dem An- geklagten Kleinhans angesichts der telegraphischen Einrichtungen der Irrtum leicht passieren konnte. Wäre die Pedalsperre eingeführt, so hätte das Unglück nicht passieren können. Er st er Staatsanwalt: Der Staatsanwaltschaft steht selbstverständlich das Recht zu, über vorgeladene Zeugen und Sach- verständige Erkundigungen einzuziehen. Wie der Herr Verteidiger dazu konmit, zu sagen, daß sich auch Herr Direktionsrat Gayer selbst als Sachverständiger angeboten habe, ist mir unerklärlich. Das preußische Ministerium für öffentliche Arbeiten hat Herrn Direktions- rat Gayer als Sachverständigen vorgeschlagen,»m jedcni Vorwurf der Verteidigung vorziibeugen. Ich erkläre mich gegen die Ladung des Herrn Gering, da er, ivie mir berichtet wurde, ein außer- gewöhnlich nervöser Herr ist. Nach einem abermaligen Wortgefecht zwischen Verteidiger und Staatsanwalt äußerte sich der Gerichtsvorsitzcnde dahin: Die seitens des Herrn Ersten Staatsanwalts eingezogenen Erkundigungen sind von einer Ablehiinng des Sachverständigen unabhängig. Der Gerichtshof beschloß nach kurzer Beratung auf die Ver- nehmnng des Bau- Inspektors S a u b m a n n zu verzichten. Im weiteren habe der Gerichtshof die Ladung des Telegraphen- Jnspek- tors Gering abgelehnt, weil über denselben Gegenstand die bereits anwesenden Sachverständigen veruominen werden könnten. SEs Es wird alsdann der Anklagebeschluß verlesen und danach tverden die Angeklagten vernommen. Der Angeklagte Peterö bemerkt auf Befragen des Vorsitzenden: Ich bin seit 1884 Zugführer. Die Unglücksstelle habe ich das zweite Mal befahren. Zwischen Alten- bek'en und Neuenbeken wurde ein Pferd, das auf die Schienen ge- laufen war, überfahren. Die Hinwegräumniig des Pfcrdekadavers hat kauin fünf Minuten gedauert. Alsdann habe ich das Zeichen zur Weiterfahrt gegeben. Der Lokomotivführer sagte aber, daß er »och eine neue Laterne anstecken müsse. Ich habe demselben aber befohlen, weiterzufahren. Das Anbringen der Laterne dürfe den Zug nicht aufhalten. Der Lokomotivführer fuhr aber erst weiter, nachdem er eine neue Laterne angebracht hatte. Dies dauerte kaum zwei Minuten. Ich bin als Zugführer verpflichtet, den Zug von rückwärts zu decken. Sobald der Zug einen längeren Aufenthalt gehabt hätte, wäre ich verpflichtet gewesen, zur nächsten Wärterbnde zu gehen, dort die Abgabe von Knallsignalen zu veranlassen und in der Rückwärtsrichtung Wachen mit Fahnen auszustellen. Da aber der Aufenthalt des D-Zuges nur ei» sehr kurzer war, so hielt ich eine Dccknug nicht für notwendig, zumal ich in Strafe genommen werde, wenn ich unnötig den Zug halten lasse. Vorsitzender: Wußten Sie nicht, daß der Zug 399 dem D-Zug folgte?— Peters: Nein, das war mir nicht bekamit.— Erster Staatsanwalt: Müssen Sie nicht als Zugführer den Fahrplan kennen und einen solchen immer bei sich führen?— Peterö: Jawohl. Ich hatte mir einen Auszug aus dem Fahr- plan gemacht, ich wußte aber augenblicklich nicht, daß der Personenzug uns folgte.— Erster Staatsanwalt: Sind Sie nicht der Vorgesetzte des Lokomotiv- führers, der von Ihnen Befehle entgegenzilnehnien hat? Angekl.: Gewiß, ich gab auch das Zeichen 26, das heißt, die Schaffner sollen ihre Plätze einnehnien, und sofort darauf das Zeichen 27, das heißt„abfahren". Der Lokomotivführer wartete aber noch, bis die Laterne angebracht war. Auf die F�llc deS Verteidigers. Rechtsanwalt Dr. B a r n a n, bemerkt Peters: Ehe er von der Lokomotive an das Ende des Zuges kam. sei der Zug schon in Bewegung gewesen. Es konime noch hinzu, daß sich die Wachen nicht direkt hinter dem Zug. sondern in einer Entfernung von 300 Meter davon aufstellen müßten. Er habe schon mehrfach-zehn Minuten mit dem Zuge auf freiem Felde gelegen, aber trotzdem niemals eine Rückwärtsdeckung vorgenommen.— Der Angeklagte Meyer bemerkt auf Befragen des Vorsitzenden, daß er zunächst Streckenarbeiter war und seit 1890 als Blockwärtcr verwendet worden sei. Am 20. Dezember sei es furchtbar neblig gewesen, so daß man nicht 50 Schritt weit sehen konnte. Er habe deshalb Kuallpatroiien ausgelegt. Er habe von der Blockstation Schürenberg daS Signal „freie Fahrt" erhalten und daher angeuommen, der D-Zug sei bereits durch und die Bahn freigemacht. Gleich darauf kam der Schaffner Wessel und sagte: es ist ein Unglück geschehen, halten Sie den Güterzug zurück. Wäre dies nicht geschehen, dann wäre womöglich der Güterzug auf den Personenzug hinaufgefahren.— Der Angeklagte Kleinhans bemerkt auf Befragen des Vorsitzenden: Er habe schon deS Nebels wegen auf 300 Meter Platzpatronen ausgelegt. Diese mußte er wieder einziehen. Er habe daher das Läutewerk, durch welches sich der Personenzug anmeldete, nicht gehört. Als ihm Meyer das Zeichen gab, ob er noch nicht frei sei, habe er geglaubt, der D-Zug sei durch nnd er wolle für den Personenzug freie Fahrt haben. Er habe daher das Zeichen:„Freie Fahrt" ge- gebe». Gleich nachdem der Personenzug durch war, habe der Schaffner Wessel die Nachricht gebracht, es sei ein Unglück passiert, der Güterzug sei anzuhalten. Der Angeklagte bemerkt weiter, er habe 3—10 Minuten für die Einziehung der Platzpatronen gebraucht. — Der Vorsitzende bemerkt dem Angeklagten, daß er in dieser Beziehung verschiedene Angaben gemacht habe.— Verteidiger Justiz- rat L e n z m a n»: Der Angeklagte hat seine jetzige Bemerknng so- fort Herrn Rechtsanwalt Auffenberg gegenüber gethau. Ich werde eventuell beantragen, Herrn Rechtsanwalt Auffenberg als Zeugen zu vernehmen. Ein neuer Konflikt zwischen Staatsanwalt und Verteidiger. Erster Staatsanwalt: Wenn Herr Rechtsanwalt Auffeu- berg als Zeuge vernommen werden soll, dann muß dieser die Ver- tcidigung niederlegen. Es ist nicht angängig, Zeuge und Verteidiger gleichzeitig zu sein.— Verteidiger Jnstizrat L e n z in a n n: Die Bemerknng des Herrn Ersten Staatsanwalts ist zum mindesten ver- früht. Ich habe die Vernehmung des Herrn Rechtsanwalts Auffenberg noch nicht beantragt.— E r st e r S t a a t s a n w a l t: Ich bemerke darauf, dem Herrn Verteidiger sieht es nicht zu, über die Zeit, zu der ich Ausführungen zu machen habe, Kritik zu üben.— Verteidiger Jnstizrat Lenz mann: Es liegt mir fern, den Herrn Ersten Staatsanwalt zu kritifiren, ich fühle mich aber genötigt, die Bcmcr- kung, der Herr Rechtsanwalt Auffenberg müsse die Verteidigung niederlegen, als verfrüht zu bezeichnen, da ich einen Antrag auf Ver« nehmnng deS Herrn Kollegen Auffenberg noch nicht gestellt habe. Wenn, wie ich hoffe, die Vernchmnng, die durch den Herrn Vor» sitzenden zu erfolgen hat, die nötige Klarheit bringt, dann erübrigt sich die Vernehmling des Herrn Rechtsanwalts' Auffenberg. Im weiteren Verlauf der Vernehniung des Kleinhans giebt dieser auf Befragen des Sachverständigen, Direktionsrat Gayer. zu, daß der Personenzug um 12" bei der Blockstation Schürenberg vorbei- gekommen, gegen 12'i sei er bereits in der Wärterbnde gewesen.— Die Vcrnehninng der Angeklagten war damit beendet. Es wird danach in die Beweisaufnahme eingetreten. Der zunächst ver- nommeue Sachverständige, RegierungS- Baurat Dane- Paderborn, giebt auf Befragen des Vorsitzenden eine längere Erklärung über das Signalwcsen. Verteidiger L e n z m a n n: Herr Regiernngs-Baurnt, ist Ihnen bekannt, daß Kontakte aus fast allen deutschen Bahnen, mir nicht in Preuße» eingeführt sind'#— Negieriings-Baumeistcr Dane: Kontakte sind auch auf preußischen Bahnen, allerdings nicht auf allen eingeführt.— Verteidiger Jnstizrat L e n z m a n n: Ist es richtig, daß früher ein größeres Wärterpersonal auf der Unglücksstätte vor- Händen war?— Regicrungs-Banmeister Dane: Das weiß ich «tcht.— Jnstizrat L e n z m a n n: Ist es richtig, daß am 19. De- zember, also dem Tage vor dem Unglück, als der Kronprinz vorüber- fuhr, das Wärterpcrsonal derartig vermehrt wurde, daß die einzelne» Wärter sich gegenseitig sehen konnten, und zwar soll diese An- orduung nicht getroffen worden sein, weil ein Attentat be- fgxchtet Ivurde, sondern im Interesse der Fahrstcherheit.— Regiernngs-Boumeister Dane: Das ist richtig. Es existiert eine sehr umfangreiche Bestimmung. wonach, sobald allerhöchste Herr» schaften fahren, alle Vorkehrungen zu treffen find, damit nichts passiert, insbesondere, damit nicht etiva ei» Gegenstand aus die Schienen geworfen werden kann.— Der Angeklagte K l c i u h a n s bemerkt, er habe zwei Schranke», die mehrere hundert Meter von seinem Blockhaus entfernt seien, zu bedienen. Eine Schranke sei fiir die Eisenbahnziige, die andre, die öov Meter vom Blockhans entfernt sei, für Personen und Fuhrwerke.— Fnhrknecht N u d o l p h i- Lippspringe und Brauer B» r g d o r f f- Holzminden beschreiben den Vorgang, wie sich das Pferd vom Wagen losgerissen, auf die Schienen gelaufen und überfahren worden sei.— Lokomotivführer Dirks meier- Paderborn: Die Hinwcgschaffnng des Pferdekadavers hat nur wenige Minuten gedauert. Nach dem Hinwegräumen habe Peters gefragt, ob schon alles in Ordnung sei, sodnß er das Signal zur Weiterfahrt geben könne. Er(Zeuge) habe darauf bemerkt, daß er noch eine neue Laterne an- bringen'müsse, dann werde er weiterfahren. Die Anbringung der neuen Laterne habe etiva 2 Minuten gedauert. Der Zug habe im ganzen etwa tl) Minuten Aufenthalt gehabt.— Vorsitzender: Peters soll zu Ihnen gesagt haben, die Laterne geht uns nichts an, Sie niüssen sofort weiterfahren. Daraufhin will Peters das Zeichen 26 und 27 gegeben haben.— Zeuge: Das ist nicht Ivahr. Peters hat nur die Hand in die Höhe gehoben. Ich faßte dies als Befehl zum Weiterfahren ans, ich habe aber sofort ein- getvendet, ich muß erst eine neue Laterne anbringen.— Lokomotivheizer M e ß I e r schließt sich dem vollkommen an.— Packmeister L ö h r i g- Berlin bekundet, er habe die Signale 26 und 27 von dein Zugführer deutlich gehört und sei der Meinung, daß auch der Lokomotivführer Dirksineier das Signal gehört haben müsse.— Die Aussagen der>v eiteren Zeugen über den von Peters angeblich gegebenen Befehl zum Weiterfahren, sind sehr nn- bestinimt. Die meisten Zeugen wollcii das Signal zum Abfahren gehört haben, sie erinnern sich aber nicht, daß Peters dem Lokomotiv- führer Dirksineier gesagt hat:„Tie Laterne geht uns nichts an, es muß sofort iveitergefahren werden I"— Wagcnrevisor B o l d t- Berlin hat infolge des Znsamnieiistoßes einen so Hefligen Schlag auf den Kopf erhalten, daß er noch jetzt krank daniederliegt, und deshalb kommissarisch vernommen iverden mußte. Er hat bekundet: Peters hat, nachdem der Pferdckadaver weggeräumt war, das Signal zur Weiterfahrt gegeben.— Lokomotivführer Schick- Paderborn bekundet dasselbe.— Darauf erscheint als Zeuge Kaufmann Schuhmacher (Berlin). Dieser bekundet: er habe im Speisewagen des Zuges ge- sessen. Plötzlich sei der Zug stehen gebliebe». Er habe zum Fenster hinausgesehen und gefragt, ivns passiert sei: es wurde ihm geant- wortet: es geht sogleich iveiter. Gleich darauf habe er auch das Abfahrtssignal gehört, der Zug sei aber nicht iveiter gefahren, sondern habe noch einige Minuten gestanden. Gleich darauf erfolgte der Zusammenstoß.— Hierauf wird der Zugführer des Personen- zuges 339 H e l m k e als Zeuge vernommen. Dieser bekundet: Der Zug sei mit 4 Minuten Verspätung von Paderborn iveggefahren. Ztvischen Neuenbeken inid Altenbeken hatte er jedoch bereits 2 Minuten wieder eingeholt. Nach erfolgtem Zusammenstoß habe er sein» Uhr niit der des Zugführers Peters verglichen, danach zeigte seine Uhr 12�, die Uhr des Peters 12'b. Er habe danach den Packmeister Wessel zu dem Blockivärter gesandt, uni den Unglücksfall zu melde» und das Fahrzeichen für den nachfolgenden Güterzug einzuziehen. Er sei alsdann auch selbst zu dem Blockwärter gegangen. Pack- meister Wessel schließt sich den Aussagen des Vorzeugen im wesentlichen an. Danach tritt eine Pause bis 3V2 Uhr ein. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung blieb der Zuhörerraum Kopf an Kopf gefüllt. Rechtsanwalt Dr. V a r n a u beantragt, eine amtliche Auskunft darüber einzuholen, daß Peters zum zwcitenmnie die Strecke befahreu hat und, obtvohl seit 21 Jahren Zugführer, noch niemals disciplinarisch bestraft ist.— Der Vorsitzende bemerkt, daß der Gerichtshof dies als wahr annehme.— Dr. B a r n a u er- klärt, daß er danach seinen Antrag zurückziehe.— Auf eine Anfrage des Verteidigers Justizrat L e n z m a n n bemerkt der Angeklagte Klei«Haus, daß er während seiner zwanzigjährigen Amtszeit keinerlei Strafen erhalten habe. Es wird danach' ein Belastungszeuge, der Bahnmeister L i» d r n m- Paderborn als Zeuge aufgerufen. Dieser bekundet: Kleinhaus habe die Blockstatiou zu überwachen, zivei Schranken zu bedienen und die Signalapparate zu reinigen gehabt. Eine Schranke sei nur selten zu bedienen. Wenn nebliges Wetter sei, müsse der Blockwärtcr Knallpatronen legen. Sobald er „freie Bahn" gebe, müsse er sich zurückziehen. Das Einziehen der Knallpatronen könne 5 bis 6 Minuten gedauert haben. Es sei an- zunehmen, daß Kleinhaus sich beeilt habe, in die Wärterbude zurück- zukommen. Wenn Kleiuhaus sofort in die Wärterbude gegangen und gesehen hätte, daß die Ballscheibe heruntergefallen sei, dann hätte er sofort wissen müssen, daß das Vormerk- zeichen gegeben sei.— Verteidiger Justizrat L e n z in a n n: Herr Bahunieister, ich bin entfernt davon, einen Borwurf zu er- heben, ich ivill bloß fragen: Der Dienst ist bei Ihnen sehr stramm? — Zeuge: Jawohl.— Vors.: Sie halten auch streng darauf, daß ein Zug nicht unnötig aufgehalten werde. Jeder unnütze Auf- enthalt wird zu Protokoll genommen?— Zeuge: Jawohl. Es wird den Blockwärtern sogar ein Vorivurf gemacht, wenn sie unnütz eine Verspätung herbeiführen.— Verteidiger Justizrat L e n z m a n n: Ist Ihnen bekannt, daß. wenn die Blocksignale nicht in Ordnung sind, die Blockivärter bemüht sind, diese selbst in Ordnung zu bringen, anstatt daß sie es sofort der Zugstation melden?— Zeuge: Das ist mir nicht bekannt. Der Zeuge bekundet auf ivcitercs Befragen des Verteidigers A u f f e» b e r g.' Kleinhaus habe glänzend sein Examen bestanden und sei einer der tüchtigsten Be- amten.— Schaffner F e l l e r bekundet danach auf Befragen des Vorsitzenden, als der Pferdekadaver weggeschafft war, habe er den Zugführer Peters gesehen, der Befehle' erteilte. Welcher Art diese Befehle wareii, wisse er nicht.— Rottenführer Gelting erklärt, er sei auf der Strecke Schüreubcrg-Keimberg Aushilfs- Blockivärter. Es sei ihm vorgekommen, daß an einem Tage drei Blockstörunge» stattgefunden haben.— Verteidiger Justizrat L e n z m a n n: Wenn Sie das Vormerkzeichen nicht gehört haben, iveil Sie nicht in der Wärterbude waren, aber durch das Heriiiiterfallen der weißen Scheibe das Erinnerungszeichen sahen und durch den Morse- Apparat au- fragten, was los sei; wenn Ihnen darauf der Befehl erteilt ivird, die Strecke frei zu niachen, würden Sie das thun?— Zeuge: Nein! Verteidiger: Weshalb nicht?— Der Zeuge schweigt.— Vorsitzender: Wenn der Zeuge sich die Beantwortung' dieser Frage so lauge überlegt, dann ist anzunehmen, daß er sich auch das Freimachen lange überlegen wird. Stürmisches Gelächter im Zuhörerraum.— Der V o r s i tz e n d e ermahnt das Publikum zur Ruhe.— Verteidiger: Ich gebe mich mit dieser schiveigendcn Antwort zufrieden.— Blockivärter Franz Bracke: Er habe einmal nach Paderborn freie Fahrt gemeldet. Darauf habe er von Pader- vorn die Nachricht erhalten:„Hier ist noch nicht frei". Er habe in- folgedessen allen Blockwärtern das Zeichen gegeben, daß die Strecke noch nicht freigegeben iverden könne.— Auf die Frage des Ver- teidigers, Justizrats Lenzmann erklärt der Zeuge: Bisher sei es bei Vlockstörungen nicht erforderlich gewesen. sich an die Zugstalion zu ivenden. Seit dem Unglücksfall sei aber der strikte Befehl ergangen, bei Blockstörnngen sofort der Zugstation Anzeige zu machen.— Regierungs-Bauincister Dane: Die In- strucktion, Blockstöruugen sofort der Zugstation zu melde», besteht schon sehr lange. Nach dem Uiiglücksfall hat der Herr Minister einen Erlaß veröffeiitlicht, wonach die Instruktion, und zwar nicht bloß auf der betreffenden Strecke, sondern allen preußischen Eisenbahnen eingeschärft ivurde. Dies geschieht nach jeden, Unglücksfall.— Verteidiger Justizrat L e n z m a n n: Damit sich keine Legende bildet, ivill ich ausdrücklich betonen... Vorsitzender, den Verteidiger unterbrechend: De» Ausdruck„Legendeubildnng" iveise ich zurück. Bei einem Gericht bildet sich keine Legende.— Verteidiger Justizrat Lenzmann: Dann will ich sagen: Damit kein Irrtum entsteht� muß hervorgehoben werden, daß die erwähnte Instruktion erst nach dem Unglücksfall gegeben wurde.— Blockwärter Jos. Bracke: Er habe aus Pader- dorn einmal daS Zeichen„freie Fahrt" erhalten. Das Zeichen sei irrtümlich ans Anlaß einer Blockstörung gegeben worden. Hätte er die Strecke nicht frei gemacht, dann wäre er von dem Bahnmeister Liudrum sofort zu Protokoll genommen worden und in jedem Falle hätte er einen Vorwurf erhalten. Es werden alsdann m e h r e r e B l o ck w Öfter über ihre praktischen Erfahrungen betreffs des Blockiveseus vernommen.— Blockwärter G ö ck e, jetzt in Schürcnberg, bekundet, tveun er das Zeichen freie Fahrt erhalte, dann komme er der Aufforderung erst nach, tveun er sich überzeugt habe, daß zwischen Schiireuberg und Keimberg kein Zug sei. Block- ivärter Wolf bekundet, er sei Blockivärter in Keimberg. Innerhalb l'/s Jahren seien IL Blockstörnngen vorgekommen. Block- ivärter Vogt: Kleiuhaus sei ein äußerst pflichtgetrener Blockwärter gewesen. Er habe einmal Veranlassung genommen, Kleinhaus zu' sagen: man muß es Dir lassen. Du läßt die Züge in gewissenhafter Weise vor.— Verteidiger Everk en: Sie sind also überzeugt, daß Meyer auch im gegebenen Falle das Vortveckstgnal gegebeu'hat?— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger Justizrat Lenz- mann: Da auf die Abgabe des Vorwecksignals so großes Getvicht gelegt tvird, scheint es mir, als ob es doch zweifelhaft ist, daß Meyer wirklich das Vorwecksigual gegeben hat. Z e u g e: Gehört habe ich es nicht.— Vcrt eidi g e r:'Dann frage ich den' Herrn Ersten Staats- anwalt, ob er beweisen kann, daß Meyer das Vorwecksigual gegeben hat.— Erster Staatsanwalt: Da niemand weiter in der Wnrterbude war, so kann ich doch unmöglich einen Beweis in dieser Richtung führen. Verteidiger: Es ist mir soeben ein Vorkommnis von der allergrößte» Bedentnng mitgeteilt ivordcn. Im Laufe dieser Woche soll mehrmals, und zwar einmal bei de», selben D-Zuge auf der Strecke Schürenberg— Keimbcrg das Bortveckzeicheic nicht gegeben worden sein.— Blockwärter G ö ck e giebt nach längerem Zaudern die Behauptung des Ver- teidigers alö richtig zu. Erster Staatsanwalt: Es ist mir unklar: was dieses Vorkommnis mit der gegenwärtigen Sache zu thun hat.— Verteidiger: Der Herr Vorsitzende würde mich mit Recbt unterbrochen halien, wenn ich jetzt plädieren wollte. Ich will bloß betonen, daß das von dem Zeugen Göcke bekundete Vorkommnis für die Beurteilung der gegenwäriigen Sache von größter Bedeutung ist. Es wird sodann Telcgrapheumeistcr Bender- Paderborn als Zeuge und Sachverständiger vernommen. Aus den Vorlesungen des Sachverständigen über den Morseapparat geht hervor, daß mehrfach tclegraphisch angefragt würde:„Wo ist der D-Zug?" Geantwortet wurde:„Ich weiß es nicht", ferner:„Der v- Zug kann kommen, wenn auch nicht frei." Der Sachverständige bemerkt: Es kommt heute selten vor, daß ein Weckerwerk versagt. Blockstöruugen kommen selbstverständlich vor, es seien aber seit Jahresfrist keine Block- störungcn zwischen Schürenberg und fteiniberg gemeldet worden. Au die Frage des Verteidigers Justizrat Lenzmann giebt der Zeuge zu, daß nicht alle Blockstöruugen gemeldet werden. Verteidiger Justizrat Lenzmann sieht sich genötigt, wieder- holt den Antrag zu stellen, den Vorsteher des Signalwesens sür das Großherzogtum Mecklenburg. Herrn Telegrnpheu-Jnspektor Herig (nicht Gering, lvie gemeldet) telcgraphisch als Sachverständigen zu laden. Dieser, der seit 2ö Jahren an der Spitze des Signalwesens im Großherzogtum Mecklenburg steht, ivird bekundeu, daß Störungen der Weckerwerke sehr häufig vorkommen. Ich bemerke ausdrücklich, daß laut§ 48 der Straf-Prozeßordnung die großherzogliche Regie- rung Herrn Inspektor Herig die Genehmigung zur Aussage nur verweigern kann, wenn eine Gefährdung der Interessen des Deutscheu Reiches oder des Großherzogtums Mecklenburg z» befürchten ist. Sollte die Großherzogliche Regierung aus diesem Grund die Genehmigung zur Aussage verweigern, so bin ich zufrieden.— Stationsvorsteher Reimer(Altenbeken) bemerkt, der Zugführer sei bei Streckenstörungen verpflichtet, den Zug zu decken. In dem vor- liegenden Fall sei eine Deckung nicht erforderlich gewesen, da die Störung eine nur kurze war.— Verteidiger Rechtsauwalt B a r n a u: Wenn Peters Wachen ausgestellt hätte, wäre er dann nicht verpflichtet gewesen, die Wachen einzuziehen, sobald er fortfahren wollte?— Sachverständiger: Jawohl.— Staatsanwalt: Konnte Peters nicht einen Mann als Wache zurücklassen?— S a ch- verständiger: Nein. Das Zugpersonal gehört zusatliinen. Der Mann mußte auf alle Fälle mit nach Berlin genommen werden.— Verteidiger: Wenn PelerS eine Wache aufgestellt und auf der Strecke zurückgelassen hätte, wäre er alsdann' nicht zu Protokoll genommen worden?— Sachverständiger: Ganz gewiß.— Rcgierungs-Baurat Dane: Ich muß diesen, Gutachten widersprechen. Wenn der Zugführer im Interesse der Betriebssicherheit eine Wache zurückgelassen hätte, dann würde er keinen Vorivurf, sondern eine Belobigung erhalten haben.— Verteidiger Rechtsanwalt B a r n a u: Koinnil es nicht oft vor. daß Züge 15—20 Minuten vor dem Bahn- hose stehen, weil sie keine Einfahrt haben und trotzdem nicht gedeckt werden?— Regieruugs-Baurat Dane: Dann ist der Zugführer verpflichtet, erforderlichenfalls den Zug zu decken. Erforderlichenfalls ist also auch ein Zug zu decken, der in den Bahnhos keine Einfahrt hat. Ich bin jedenfalls der Meinung, daß der Nebel den Zugführer Peters auf alle Fälle hätte veranlassen müssen, den Zug zu decken. Direktionsrat der pfälzischen und bayrischen Eisenvahnen Gayer (Ludivigshafeu) bemerkt: Es sei eine alte Sache, daß, wenn ein Eiscnbahu-Unfall geschehen, immer verschiedene Ursachen zu Grunde läge». Jedenfalls wäre derZugführergeuötigt gewesen, den Zug zu decken. Wenn daS Zugpersonal nicht ausreiche, niüßte eben der Zugführer Hand ans Werk legen. Daß Blockstörnngen stattfinden, gebe er ohne weiteres zu. Es sei zu hoffen, daß in dieser Beziehung bald Besse- rung eintreten werde. Im übrige» seien die Blockiustrumente zwischen Schürenberg und Keimberg tadellos. Die Angeklagten Rleinhans und Meyer haben ebenfalls arg ge- fehlt. Sie sind nur dadurch zu entschuldigen, daß sie sich aii alte Gebräuche gehalten haben. Hätten sie sich an die bestehenden Vor- schriften gehalten, so wäre vielleicht das Unglück nicht vorgekommeu. Auf die Frage des Verteidigers, Rechtsanivalts Dr. Barnau, ob, wenn eine Reihe Berliner Z ugführer bekunden würden, sie würden im vorliegenden Fall ebenso wie PeterS gehandelt haben, er sein Gutachten aufrecht erhalten würde, bemerkt der S a ch- verständige: In diesem Fall könnte man sagen, der Angeklagte habe nach altem Gebrauch gehandelt und deshalb sei der Fall milder zu beurteilen. Die Verfehlung bleibt aber jedenfalls bestehen. Gegen 9 Uhr abends wird die Verhandlung aus Sonnabend- vorniittag 9 Uhr vertagt._ Lokales. Das Charlottenburger BolköhanS. In wenigen Tagen wird das in der Rosineustr. 3 zu Char- lotteuburg. dicht an der Borlinerstraße gelegene Volkshaus eröffnet werden. Seit Jahren haben die Charlottenburger Arbeiter einen heftigen Kampf um die Erringung eines geeigneten Versammlungslokals geführt. Es ist ihnen nicht gelungen. In einer Stadt von fast 206 060 Einwohnern, von denen etwa 16 lX)v bei der letzten Reichstags- Wahl für den socialdemokratischen Kandidateu gestimmt haben. während sich bei den Stadtverordneten-Wahlen im vorigen Monat 5666 Wähler offen zur Socialdemokratie bekannt haben, konnten die bürgerlichen Saalbesitzer nicht dazu bewogen werden, ihre Räume zu Partei- oder Gewerkschaftsversammlungen zur Verfügung zu stellen. Der Widerstand wurde den Wirten dadurch erleichtert, daß es in Charlottenbnrg thatsächlich an größeren Sälen mangelt. So blieb denn den Parteigenossen nichts aiidres übrig, als sich selbst einen Saal zu bauen. Die Genossen Vaake, Görke und Hirsch unternahmen im Auftrage der gewerkschaftlich und politisch organi- sierten Arbeiter die einleitenden Schritte, die nach längeren Vor- Verhandlungen zum Abschluß eines Kontraktes mit dem bekannten Berliner Baumeister C u r t B e r n d t geführt haben. Herr Bemdt errichtete auf Grund deS Kontraktes in der Rofiuenstr. 3 ein den Bedürfnissen der Partei entsprechendes Volkshaus, das die drei genannten Genossen vorläustg in Generalpacht übernommen haben, um es in absehbarer Zeit käuflich zu erwerben. Das Gebäude besteht aus einem Vorderhaus mit daran stoßendem Seitenflügel und dem eigentlichen Saakgebäude, das einen Teil des geräumigen Gartens und Hofes einnimmt. Im Vorderhause und Seitenflügel befinden sich, abgesehen von dem Lokal der Ortskranken- lasse und dem Bureau der Porzellanarbeiter, 13 Wohnungen von 2 bis 4 Zimmern. Die gesamten Parterreräume hat die Aktien- Brauereigesellschnft Patzen hofer gepachtet. Nach der Straße zu liegt eine gemütliche Stehbierhalle, von der eine Thür direkt in de» Garten führt. Im eigentlichen Saalgebäude befindet sich ein behag- liches Restanrant, daneben ein Saal zu 566 Personen und darüber der große, 1666 Personen fassende Saal mit Galerie und zahlreichen Nebenräumen. Im Erdgeschoß sind vier Kegelbahnen errichtet. Außerdem sind einige kleine Säle und Zimmer fiir Vorstands- sitzungen und dergleichen vorhanden. Mit dem Bau des Volkshauses ist ein lange gehegter Wunsch der Charlottenburger Parteigenossen endlich in Erfüllung gegangen und zugleich ein dringendes Bedürfnis befriedigt. Hier finden die Genossen reichliche Gelegenheit, in Versammlungen ihre Angelegen- heiten zu erörtern und der modernen Arbeiterbewegung neue Mit- kämpfer zuzuführen; hier finden sie die Stelle, wo sie als will- kommeue Gäste ihre Feste feiern könne», hier bietet sich ihnen die Möglichkeit, nach des Tages Müh' und Arbeit einige Stunden im Kreise ihrer Familie zu verbringen oder mit Gesinnuttgsgenossen sich über schwebende Tagcsfrageu zu unterhalten. Die Arbeiter brauchen nun nicht mehr ihr Geld bei Leuten zu verzehren, die ihnen als Klasse feindlich gegenüberstehe», und sie werden um so lieber im Volks- Hause verkehren, als sie gewiffermaßen Miteigentümer desselben sind, und als der gesamte Ueberschuß nicht im Interesse eines einzelnen, sondern in dem der Gesamtheit verwendet wird. Nicht leicht ist es gewesen, das Volkshaus zu schaffen; nun gilt es, es zu erhalten nud hoch zu bringen. Das wird nur dann möglich sein, wenn alle klassenbewußten Arbeiter CharlottenburgS ihre Pflicht thun und wirklich in dem Hause verkehren, das auf ihren eignen Wunsch errichtet ist. Ein jeder von ihnen muß eS sich zur Ehre anrechnen, dazu beizutragen, daß das Volkshaus, das Heim der Charlottenburger Arbeiterschaft, dauernd in Blüte steht. Ei» allgemeines Arbeitcr-Sportfest soll Mitte August in einem großen Lokal an der Oberspree abgehalten werden. Wie wir von beteiligter Seite erfahren, sind die Veranstalter des Festes der Ruderklub Vorwärts, der Arbeiter-Schwimmerbund, der Seglerklub Fraternitas und der Arbeiter- Radfahrerverein Berlin. Die genannten Vereine haben bereits einen Garantiefonds für das Fest aufgebracht. Es soll sich bei diesem Fest nicht um eine sportliche Veranstaltung im gewöhnlichen Sinne handeln, sondern eS ist vielmehr beabsichtigt, ein Volksfest zu arrangieren, wobei die Aufführungen der beteiligten Sportvereine den Mittel- Punkt bilden und zur Unterhaltung der Gäste dienen, etwa in ähn- licher Weise, wie dies bei den großen Sonimerfesten des Arbeiter- Sängerbundes der Fall ist. Die Veranstalter des Sportfestes würden es gern sehen, wenn sich noch mehrere Vereine, besonders auch Arbciter-Tunivereine daran beteiligen möchten, damit den Gästen ein möglichst reichhaltiges nud vielseitiges Programm geboten werden kann. Zeit und Ort des Festes werden, sobald Bestimmtes festgesetzt ist. bekannt gemacht. Die das Fest veranstaltenden Vereine glauben schon jetzt das Zustandekommen eines rechten Volksfestes verbürgen zu können. Die Abonnenten unsrcS BlatteS, welche zur Zeit ihre Wohnung wechseln, werden ersucht, ihre neue Adresse rechtzeitig den Spediteueni mitzuteilen. Es liegt dies im Interesse der Abonnenten, da mir bei rechtzeitiger Meldung eine pünktliche Bc- stellung des Blattes möglich ist. Die Parteispediteure nehmen auch Ummeldnngen außerhalb ihres Bezirks entgegen. AnS der M azistratssitznng vom Freitag. Der Vertrag mit dem Unternehmer der städtischen Müllabfuhr nach Spreenhagen läuft mit dem 31. März d. I. ab. Der Magistrat hat beschloslen. den Vertrag bis zum 1. Oktober d. I. zu verlängern, um zunächst die Ergebnisse der Versuche abzuwarten, welche jetzt von der Stadt Charlottenbnrg mit einem neuen MüllverbreunnugSofen angestellt werden sollen, wobei eine vollständige Verbrennung des Mülls erreicht werden soll. Der Magistrat genehmigte die vorgelegten Bauprojekte zur Errichtung von zwei I n f e k t i o n s b a r a ck e u sür Frauen und Kinder in Wuhlgartcn. Die Baukosten sind auf 225 666 M. veräil- schlagt. Ferner ist das Projekt der Errichtimg eines Hospitals für über 66 Jahre alte bedürftige Männer auf dem städiischc» Grund- stück in der Röpnickerstr. 47 vom Magistrat nach den Anträgen der Deputationen genehmigt. Die Belegschaft des Hospitals ist auf 156 Personen vorläufig festgesetzt. Der Kostenanschlag belauft ff; auf 75 666 M. Der Fall Koschemann beschäftigt die Freunde der Gerechtig» keit immer noch unausgesetzt. Bekanntlich ist Koschemann im April 1897 wegen des ihm zur Last gelegten Poslpalet-Atteutats gegen den Polizei- Obersten Krause zu zwölf Jahren Zuchthans verurteilt worden. Räch der Ansicht vieler Personen verbüßt der Unglückliche diese Strafe unschuldig. Jetzt wird in der anarchistischen Wochen- schrift„Neues Leben" folgender Ausruf erlassen:„Diejenigen Per- sonen, welche Mitteilungen zu»lachen vermögen, die sich ans die im April 1897 wegen Mordversuches verhandeile Strafsache gegen den Mechaniker Paul Koschemann beziehen, iverden ersucht, sich an Rechtsamvalt Victor Fränkl, Berlin SW., Anhallstr. 6, zu wenden." DaS ehrrngerichtlichc Acrfahrcn gegen Jnstizrat Dr. Sello, dessen Ursprung aus dem Steruverg-Prozcß herrührt, findet heute nachmittag vor der Anwaltslannner statt. Den Vorsitz wird, nach einem Morgenblatt, Justizrat v. Simsou führen, dein Angeklagten steht Justizrat Kleinholz zur Seite. In sechs Punkten hatte, lvie wir schon»litteilte», der Oberstaatsanwalt Anklage erhoben, die Anlvallskanmier hatte aber in zwei Punkte» die Anklage abgelehnt. Auf die Beschwerde deS OberstaatSaulvakts hat indessen der zuständige Senat des KammergerichtS beschlossen, auch in diesen beiden Punkten die Erhebung der Anklage zu veranlassen. Kinderqnälerei. Gestern nachmittag sammelte sich in der Potsdamerstraße eine Menschenmenge um einen kleinen Knaben an. der stöhnend zusammengebrochen war. Das Kind hatte auf dem Rücken eine fast centnerschwere Last Papier getragen und war, da seine schwachen Kräfte nicht reichten, nach langem Mühen unter seiner Bürde zusammengesunken. Mitleidige Menschen sammelten ein paar Nickel für den armen Knaben, andre sorgten da- irr. daß die schwere Ware dem Käufer, einein Geschäfts- manne in der Potsdamerstraße, richtig überliefert wurde. AIS der Knabe wieder zum Bewußtsein gekonunen war. erzählte er zögernd und unter Schluchzen den Umstehenden, daß er in dem Papiergeichäst von Büttner in der Qrainenburgcrstraße gegen einen Wochenlohn von drei Mark in Stellung sei; es geschehe nicht selten, daß ihn» fiir seine Körperkräfte zu schwere Laste» aufgebürdet würden. Sein Alter gab er auf 13�2 Jahre au. Vorgänge, wie der hier geschilderte, kann man in den Straßen Berlins nicht selten beobachten. Bald wird ein schwaches Kind auf eine Stunde Weges mit einer Last fortgeschickt, von der die Hälfte iir sein Alter schon zu viel ist, bald sieht man so einen Jungen einen chweren Karren durch den Stratzeuschmutz zerren, bald ei» schwer beladeneS Transportdreirad keuchend vorwärts bringen. Bisher hat sich noch keine Behörde um die' Gelvisseulofigkeit gekümmert, mit der die schuldigeii Unternehmer die Gesundheit eines ToMfcn w der Entwicklung befindlichen KindeS oft für das ganze Leben zu Grunde richten. Es niug durchaus nicht schwer sein, einen Arbeitgeber, der oerarr frivol mit der Gesundheit seiner Angestellten umgesprungen i|t, wegen Korperverletzung zu belangen. Es gab ja schon viel ge- agiere Anklagen. Aber auch ohne daß es dazu kommt, sollte man meinen, daß sich zur Verhütung einer derartigen Kinderqnälerei Mittel und Wege finden ließen. Geschäftsverkehr vor Ostern. Nach den Bestimmungen der Pollzeiverordnung vom 18. Juni 1901 dürfen am Palmsoiintaq die ogentlichen Verkaufsstellen bis um L Uhr nachmittags und zwar von ?-> inorgciis an mit AnSnahme der Stunden zwischen 10 und 1� Uhr offen gehalten werden. In der nächsten Woche dürfen am Donnerstag. 27., und Sonnabend. 29. d. M.. die Geschäfte aus- nahmswcise bis um 10 Uhr abends zum Verkauf geöffnet sei». Magistrat kontra Magistrat. Ein eigenartiger rathänslicher Streit beschäftigte dieser Tage die Gewerbedeputation des Magistrats. Sei derselben war eine Klage der B e t r i e b s- K r a n k e n k a s s e der Stadt Berlin gegen die Stadtgemeinde Berlin, vertreten durch die stadtische Schuldeputation, anhängig gemacht worden. Dieser Klage liegt der folgende Thatbestand zu Grunde: Die Schuldiener an den hiesigen Gemeindeschnlen können meist ihr Arbeitspensum incht allein bewältigen und erhalten daher zur Entschädigung der von ihnen angenommene» Hilfskräfte ein' so- genanntes Aversional- Quantum. Bisher hat sich nun die Schulverwaltung gesträubt, für solche Hilfskräfte, die gar nicht m ihrem unmittelbare» Dienste stehen, auch noch die K r a» k e n- k ass e n b e iträ g e zu entrichten; sie»ahm vielmehr an, daß dies Pflicht des Schnldiencrs, als des direkten Arbeitgebers, sei. Aber auch die letzteren ivollteN die Beitragspflicht nicht anerkennen und so sah sich die Betriebskrankeukaffe der Stadt Berlin veranlaßt, einen dieser Streitfälle zur Entscheidung zu bringen. Derselbe betraf die vom Schuldiener M c tz e l, 9. Gemeindeschule in der Hirtenstraße, angenommenen Hilfskräfte. Die Gewerbedeputation stellte fest. daß»ach Entscheidungen der Kammer- und des Ober-Verlvaltungs- gcrichts der llnternchmer stets für beitragspflichtig erachtet worden ist in Ansehuug aller von ihm beschäftigten Kräfte; dies lasse sich nicht allein aus dem Kranken- Versicherungs- gesetze deduzieren, sondern entspreche auch im allgemeinen der vom Gesetzgeber beabsichtigten Erweiterung der socialen Fürsorge. Anders würden sehr zahlreiche Personen, welche ständige Dienste leisten, unberücksichtigt bleiben und de« Segens der Kranken--c. Berstcheniiig verlustig gehen. Die Gewerbe- dcputation hat daher die Stndtgemeinde Berlin kostenpflichtig v e r urteilt, der klägerischen Betriebskrankenkasse für die Hilfs- Iräfte des Schuldieners M. die resticreuden und ferner noch fällig werdende» Krankenkassen-Beiträge auszahlen zu lassen. Gegen diese Entscheidung steht nun der Stadtgemeinde die Beschreitung des ordentlichen Rechtsweges offen, welche aber angesichts dieser Sachlage wohl schwerlich erfolgen dürste. Nach bedentcndcn Unterschlagungen, die»ach den bisherigen Ermittelungen über 100 000 M. betragen, ist der Direktor der „Deutschen Kreditanstalt" in der Leipzigerstraße. Kauf mann Max H. D ü r f e l d t, verhaftet worden, während sei» Socius und Prokurist, Kaufmann Ferdinand Schneider, flüchtig geworden ist. Dürfcldt vertrat hier seit Jahren die Eiseiimöbelfabriken von Schorndorf, Stendal. Kempen und L. C. Arnold. Vor 2 Jahren gründete er selbst eine Eiseinnöbelfabrik i» der Brunnenstr. 162, be- hielt aber die Vertretungen bei. Zugleich errichtete er mit Schneider die Aktiengesellschaft„Deutsche Äreditaustali", die in seiner Eisenmöbelhandlung im zweiten Stock des Hauses Leipzigerstr. III untergebracht wurde. Eine Seite nimmt hier das Lager der Möbelhandlung, die andre deren Comptoir und das Bureau der Kreditanstalt ein. Diese nahm Spargelder an und bewahrte Wert Papiere�, namentlich Hypothekenbriefe und andre Jmmobilicnpapiere aus. Ichucider. der früher mit seiner Mutter zusammen in der Linienftraße ein Guimniwarengeschäft betrieb, unterhielt enge Ver bindungen mit Banspekulnnten. Ob und wie die Fabrikgründung mit der Kreditanstalt und den Unterschlagungen in Verbindung steht, bedarf»och der llutersuchung. Vor einiger Zeit machte eine Karte ohne Unterschrift die Kriminalpolizei darauf aufmerksam, daß bei der Kreditanstalt llugehörigkeite» vorkämen. Obwohl sie ver- mutete, daß die Karte von einem unzufriedenen oder entlassenen Augestellten herrühre, Ividmete sie doch der Anstalt ihre besondere Ausinerksamkeit. Dabei siel znnächst auf, daß Angestellte mit hohen Kautionen gesucht und angenommen wurden. Seit vierzehn Tagen begannen auch die Schwierigkeiten beim Auszahlen der, Einlagen zuzutlehincn. Fast alle Leute, die ihr Guthaben abheben wollten. wurden hingehalten. Während die Privatwohnungen des Direktors und seines Socius und Prokuristen be obachtet wiirden, erschienen gestern vormittag Kriminalbeamte in den Geschäftsräumen»ud beschlagnahniten die Bücher. Die Prüfung und Vergleichung mit den Bestände» ergab die großen Ver- untreuungen, auf Grund deren dann die Verhaftung des Schuldigen erfolgte. Dürfeidt ist am 14. Jnni 1869 zu Mittweida, Kgr. Sachfeu, geboren, verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von 1 und 5 Jahren. Er bewohnte seit dem 1. Oktober 1399 im dritte» Stock des Hauses Planufer 14 eine Wohnung von fünf Zinnnern für 1640 M., lebte auf großem Fuße und hielt zwei Dienstmädchen. Schneider, am 16. Dezember 1870 zu Berlin geboren, ist gleichfalls verheiratet und Vater eines 2'/* jährigen Mädchens. Er hatte im Erdgeschoß des Hauses Hagelsbergerstr. 2S eine bescheidene Wohnung von zlvci Stuben und Küche für 525 M. inne. Cinc von philosophischer Erkenntnis zeugende Entlobnngs- Anzeige bringt die letzte Nummer der Artistik. Humorist P. ver- öffentticht folgende„freudige Familieunachricht": „Meinen verehrten Freunden, Feinde» und Kollegen und vor allen Dingen meinen schönen Kolleginnen die freudige Kunde, daß meine Verlobung mit Fränl.,Elly B., Charakter-Soubrette, zum ziveiten und e n d g ü l t i g l e tz t e n ni a l e gelöst ist! DaS Leben i st z n kurz, um sich z u st r e i t e n. Höchachluugsboll Franz P. Ter glückliche Humorist." Das ist goldene Wahrheit, was Herr P. in der bescheidenen Form eincS Inserats verkündet., Gefahren a»f der Hochbahn. Auf der Hochbahn wurde vorgestern durch die Geistesgegenwart zweier Reisenden ein Unglücksfall verhütet. Wiederholt wurde es schon bemerkt, daß bei Thalfahrten der Hochbahn die Schiebethüren, die häufig nicht genügend geschlossen werden, selbstthätig auffallen. Ein Passagier, der vorgestern Nachmittag auf der Fahrt vom Zoologischen Garten znin Potsdamer Platz be- griffen ivar, lehnte ahnungslos an der Thürkante, als sich plötzlich die Thüre aufschob. Der Reisende verlor das Gleichgewicht und war schon mit dein Oberkörper an der Luft, als zwei andre Fahrgäste feine Hand ergriffen und ihn zurückrisseii. Das Anlehnen au die Thüren muß verhindert iverden, indem den Passagieren 3. Klasse Haltertemen oder Hnltesländer geboten werden, wie es in der 2. Klasse der Fall ist. Apollo. Cunow t- Am vergangene» Dienstag ist, ivie die „Verl. Zig." schreibt, im Alter von v3 Jahren Louis Ciinoiv ans dem Leben geschieden, eine der vielen, fast vergessenen Größen der Berliner Beivegiuig. Clniows Sinme wurde zuerst im Jahre 1879 genannt, als er eine Zeitimg unter dem Namen„Apollo" ins Leben rief. Dieser Apollo verfolgte angeblich als Ziel die sittliche Hebtnig der deutschen Bühne, war aber in Wirklichkeit ein Skandalblatt ärgster Sorte,.das auf die schlechtesten Instinkte der Masse spekulierte. Der Apollo war nach dreijährigem, vergeblichen Bemühen, das deutsche Theater mittels pikanter Briefkasten-Aotizen z» reformieren, sanft ent- schlafen. Herr Cunow hatte aber inzwiiche» versucht, durch Anschlich an Leute ivie Henrici inid Nuppel seine Rechnnng zu finden. Er trat auch als Redner in Bolksversanmilungen qus, verschwand aber bald wieder von der Bildfläche. Ende der achtziger Jahre machte er sich noch einmal als Vorsitzender des deutschen AntisemitenbnndeS bemerkbar, schied dann aber endgültig aus dem politischen Leben an«, um eine Organisation der Binnenschiffer zu schaffen. Als Direktor der Strom- nnd Bimienschiffer-Gesellschaft hat er mancherlei zur Hebung dieses Berufes beigetragen. Hebe»! die Baukosten der Hochbahn spricht sich der soeben ausgegebene Geschäftsbericht der Gesellschaft für elektrische Hoch- nnd Untergrundbahnen in Berlin für 1901 dahin ans, daß die Kosten der Stammstrecke einschließlich aller Enveilernngsbmiteii, Umänderung, mit Wagenpark, Kraftwerk, Betriebsbahnhof, Bauzinsen, Gmnderwerb sicki nach dein gegenwärtigen Stande der Abrechnung auf rund 321/2 Millionen Mark gelaufen. Die Grundcrwerbskosteii betrugen 7 Millionen Mark. Durch Vermietungen werden etlva 4t/2 Millionen verzinst, so daß die Vcrtchrseinnahmen etwa 28 Millionen zu verzinsen haben. Uebcr die Fortführnng der Unter- grnndbahn vom Knie an sagt der Bericht: Die Frage,„ob nach dem Wilhelinsplatz in Charlottenburg oder in gerader Richtung bis zum Sophie-Charloiteplatz. steht im Zusammenhange mit dem neuer- dings ausgetretenen Plane der Verlängerung der Bismarckstraße, der Ueberbrücknng der Ringbahn und der Ausschließung von Westend für eine umfangreiche Bevaunng". Aus der Spree grlattdet wurde ein junges Mädchen, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Arbeiter, die dort auf dem Müllplatz beschäftigt waren, fanden die Leiche auf dem Hinterlande des Grundstücks Stralauer Allee 6 und bargen sie, bis sie nach dem Schauhaus abgeholt wurde. Die Ertrunkene, die etiva 20 Fahre alt gewesen sein mag, hat blondes Haar und trug ein schwarzes längsgestreiftes Kleid mit schivarzein Gürtel, einen rotbraunen und einen roten Unterrock, schivarze wollene Strümpfe, hohe Schnürstiefel und weiße Leibwäsche, das Hemd M. S. 11 ge- zeichnet. Einen Kampf mit Einbrechern hatten Kriminalbeanite in der vergangenen Nacht ans dein Griuidstiick Krmitstraße 17/18 zu bestehen. Dort ivar in einer Treibrienien-Fabrik vor einiger Zeit bei einein Einbruch eine Kassette mit 750 M. gestohlen worden. Der Ein- brechcr hatte dabei auf einem Pult einen Abdruck eines mit Ruß und Schmieröl besudelten Fingers zurückgelassen. Die Unterfuchnng dieses Abdrucks lenkte den Verdacht auf einen Heizer der Fabrik Namens Dittmer. Kriminalbeamte, welche die Fabrik beobachteten, sahen denn mich' in der' vergangenen Nacht Dittmer mit einem Helfershelfer eindringen. Die beiden erbrachen erst ein Pult und machten sich dann an den Geldschrank heran. Nun erschienen die Kriminalbeamten� überwältigte» die Verbrecher, die sich heftig zur Wehr setzten, nnd nahmen sie fest. Beide gestanden ein, auch die Kassette gestohlen zu haben, Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete.sich gestern auf dem Rangierbahichof Äliniimedsbnrg zwischen den Stationen Kietz Rnnimelsburg und Kailshorst. Der Bahnarbeiter Nieder welcher ans der Strecke beschäftigt gewesen war, wollte nach Schluß der Arbeitszeit sich nach der Vororts-Haltestellc Rangierbahnhof, die bekanntlich mir' für Dahnbeantte eingerichtet ist, begeben, um von hier ans mit dem nächsten Vorortszuge nach Berlin zurück zufahren. N. überschritt das östliche Durchfahrtsgeleise, ohne zu beachten, daß puf.dieiem ein vom Schlenschen Bahnhof komiiiender, nach Erkner fahrender Zug heransanste. Ein Rangier beamter, der die gefährdete Lage des Arbeiters erkannte, versuchte diesen durch Zuruf zu warnen, aber zu spät. Im nächsten Augen blick wurde der Unglückliche von der Maschine erfaßt, zu Bvdcn ge- stoßen nnd durch den Aschkasten der Lokomotive initgcschleift. Als es dem Lokoinotivführcr. der sofort Gegendampf gab, endlich gelang, den Zug zum Stehen zu bringen, konnte der Arbeiter nicht mehr sterettet werden. Sein Körper war zermalmt und als Leiche wurde N. initer dem Kasten der Lokomotive hervorgezogen. Der Tote wurde nach der Leichenhalle des Nummelsburger Friedhofs gebracht Die lS. städtische �ortbildilllasschille für die männliche Jugend veranstliltet im Schulsaale Derfflingerstr. 18a eine Ausstellung von Schü lerzeichuuiigen und Modellierarbeiten, die am Freitag, den 28. März und am l. und 2. Ostciieiertage von II bis 4 Nhr von jedermann besichtigt werden kann.— Unentgeltliche Kurse in allen gewerblichen nnd iaufmännischen Fächern beguiucii wieder nach de» Ofterfencn. Für Mechaniker und Elektrotechniker ist eine fachmännisch geleitete Klasse vor- Händen.— Die Aufnahme neuer Schüler erfolgt im Amtszimmer der Fortbildungsschule bei dem Rektor Haumann. Orgelkonzert. Montagabend 7V« Uhr hält Herr Musikdirektor Otto Diencl in der Marienkirche einen Orgelvortrag bei sreiem Entree unter Mitwirkung von Frl. Aertr. Mauksch, Frl. 9otte Dienet, Frl. Gina Götz, Frl. Helene Grünwald, Herrn Carl Rache. Herrn Konrad Huldschinskh, Cellist, und Herrn Schwiesselmnmi. Es ist dies der letzte Abendvortrag; nach Ostern finden die Orgelvvrlräge wieder Mittwochmittags 12'Uhr statt. Treptow Sternwarte. Die V e n u S ist jetzt bereits ZV- Stunden westlich von der Sonne gerückt und jetzt in ihrem größten Mauze. Aus diesem Grunde wird die T re p t o w- S te rn w ort e am Sonntag, den 23. d. M., sckwn'um 10 Uhr vormiltags geöffnet und mit dem großen Fern röhr von 16—2 die Venns, von 2— 8 ein Fixstern, von 8—16 Orion nebel, und der Mond mit kleineren Fernrohren beobachtet. Direktor A r ch e uh ol d spricht um 5 Nhr nachmittags unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder über„'Ein Ausflug in die Stemenwelten", und um 7 Uhr über„Ausfindunst von Stembildern" mit praktischen Uebmigen auf der oberen Plattform. Am S. April findet im Cirkuö Schumann die Abschieds- Vorstellung statt. Die große AnsstnttniigS-Pantomime„Mephisto" wird inorgen, Sonntag, in jeder der beiden Vorstellungen in Scene gehen. Feuerbericht. Freitagmittag wurde die Wehr nach der Schön- hauser Allee 146 gerufen. Hier ivar in einer Wohnung ein größerer Brand ausgekommen, der in der Hauptsache Gardinen, Möbel nnd Kleidungsstücke beschädigte. Früh gegen 7 Uhr mußte m der Polsdametftt'atze 54 in einem Keller ein Feuer ab- gelöscht werden, das die Schaldecke ergriffen hatte. In der Nacht zum Freitag war in der Markgrafenstr. 101 im zweiten Stock des Quer- gebäudcs der Fußboden und ein Korb mit Wäsche in Brand geraten, dessen Ablöschung indes iii kurzer Zeit erfolgen könnte. Ein ähn- licher Brand beschäftigte die Wehr Donnerstagabend 9 Uhr in der Potsdamerstr. 82 g.' Knrz vorher hatten in der Bictoriastr. 20 Gardinen und KleidnngSstücke Feuer gefangen. In der Novalisstr.�? ging der Inhalt eines Schaufensters in Flammen auf, die jedoch bald erstickt werden konnten. Nachmittags mußte i» dcrHirtenstr. 12 ein Wohnnngsbrand beseitigt iverden. Außerdem liefen noch Feuer- Meldungen von J�rnfalemerstr. 53/54 und Artillcriestr. 32 ei», die aber nur kleine Brände betrafen. Au» de» Nackjbarorten. Die Allgemeine OrtS-Krankenkasse in Charlottenburg ist ivie man der„Volks-Ztg." schreibt, in eine eigenartige Lage geraten Seit vier Jahren befind»» sichuhre GeschäftSrännie im Haufe Wilniers- dorferstraße 32, dessen Eigentümer Stadtrat A. Gertz ist; am 1. April d. J. ivollte die Kasse nach den von ihr im ueucrbauten Gewerkschaftshnuse in der Rosinenftraße gemieteten Räume über- siedeln, nachdem Stadtrnt Gertz dem Vorsitzenden der Orts-Kranken- lasse zu wiederholten Malen erklärt hatte, er entbinde die Kasse gern von dem Mietskontrakt, wenn ihm nur die Kosten für gewisse Reparaturen ersetzt Ivürden, was auch zugestanden wurde. Jetzt Plötz- lich in letzter Stunde hat Stadtrat Gertz seine Zusage zurückgezogen nnd verlangt die Zahlung der Miete vis zum 1. April 1903, dem Zeitpunkte, an welchem nach den ursprünglichen Bestiinmuiigeit der Vertrag sein E»de erreicht hätte. Der Vorstand der Orts-Kranken- lasse wird nunntehr eine Bersammlung einberttfen, die sich mit dieser eigenartigen Angelegenheit beschäftigen soll. Man hat auf der Seite der Orts-Kranienkaffc insofern nicht ganz vorsichtig gehandelt, als man sich die mündlich getroffenen Vereinbarnngeii nicht nocki aus- drncklich schriftlich bestätigen ließ; dies erklärt sich jedoch aus der Thatiache, daß Stadtrat Gertz früher selbst Vorsitzender der Orts- Krankenkasse war, also zu der Kasse in den allernächsten Be- ziehmigen stand. Dabei niag noch erwähnt werden, daß Stadtrat Gertz während seiner damaligen Geschäftsführmig den Mietskontrakt mit sich selbst durch den stellvertretenden Vorsitzenden av- schließen ließ, worauf die OrtS-Kraiikknknsse die Räume in seinem Hause bezog. Die Affaire erregte in Charlottenburg das größte Auf- sehen und ivird ivohl auch noch zu einer gerichtlichen Entscheidung führe». Zum Arbeiterelettd auf dem Lande. Die LandivirtschaftS- kammer der Provinz Brandenburg veröffentlicht im„Nieder-Barnimer Kreisblatt" eine.Nachweisung der im Januar zur Kenntnis des Arbeitsamtes der Kammer gelangten„K o n tr a k tb r ü ch e'. � Die schivarze Liste enthält die Namen von drei Familien, einer Arbeiterin und zehn Knechten. Einer Angabe, ivelche besagt, wo der Kontrakt- brnch erfolgt ist, ist die Bezetchiuntg deS derzeitigen Aufenthaltsortes nnd die Mitteilimg über die bereits erfolgte Bestrafung beigegeben. Die Strafen belaufen sich auf 6 M. bis 15 M., bei andren Personen schwebt das Verfahren. Eine Familie Sch. hat Arbeit bei einem Gutspächter in der Nähe des Ortes des Kontrnktbrnches gefunden. Der Gnlspächter wird gleich den„Verbrechern" genannt. Ob durch das Verfahren, auch nach erfolgter Bestrafinig die öffentliche Aechtung und Verfolgung durch Bekaiiiitinachiing der Nationale und des Aufenthaltsortes der„Verbrecher" fortzusetzen, die Landflucht gehemmt wird? Eine andre Frage: Wie steht es denn mit der Liste der kontraktbrüchige» Landwirte?' Die Rixdorfer Stadtverordneten- Versammlung hatte in ihrer letzten ordentlichen Sitzung am Donnerstag als ersten Punkt auf der' Tagesardnnng: Wahl eines besoldeten Stadt» rats. Der Wahlausschuß hat ans der Zahl der 36 Belverbcr zwei ausgewählt, den Bürgernicistcr Dr. Schütze- Stendal und den Magiftratsassessor W e i n r e i ch- Stettin, die er der Versammlung zur Wahl vorschlägt.— Stadtv. Hildebrandt beantragte, die Wahl noch zu vertagen. Er wünschte, daß sich die Herren der gesamten Stadt- verordiietcn-VersammIung vorstellen. Der Antrag wurde angenommen. Am nächsten Mittwoch wird eine neue Sitzung' statksinden, der die Vorstellung der Herren vorangehen wird.— Die Wahl von vier unbesoldeten Stadträten fiel auf die Herren L e h k c, Dr. Poppe, Thiemann und Z i e g r a. Dann erledigte man einige Straßensachen. Die R i ch a r d st r a ß e soll in ihrer Ver- längerung zivi scheu der Schöneweider- und Thüringerstrahe reguliert werden.— Die Aufnahme einer neuen Straße in den Bebaunngs« plan beantragt der Magistrat im Einvernehmen mit der Bau- deputation. Die Vorlage wurde genehmigt. Wittermigsübersich« vom 21. März 1902, morgens S»Hr. Stationen äs Ii s« Swiiiemdk knimdnrg N.'dtii Frankf./M. Münchs, «U i cn ->- c~ s e 749 SW 747 SW 8 Wetter ö s 3& « 3bcdeckt öbedeckt 739 SSW 4 wolkig 7ö1SW; Khlb.bed. 756 SO! 2wnlkig 759 Still— wolkeul Stgtioneii Haparanda Petersburg Cork 12 Aberdeen Parti E - E -- P e 5 2 757 NO 745 NO 743® 750;®® Witter a f. c"» »» g» Wt. 2 hlb.bed 1 Schnee 4heitcr 2 bedeckt -26 -6 4 8 Wetter-Prognose für Sonnabend, de» LS. März INNS. Etwas kühler, veränderlich, vorherrschend wolkig mit Negenfällen und ziemlich srischen südwestlichen Winden. Deutscher Wlzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Tischler KIbert Nliller am 16. März verstorben ist. Die Veerdigtnig findet am Sonn- abend, den 22. März, nachmittag um 5 Uhr, von der Leichenhalle des Cen- tral-Fricdhofcs in FnedrichSfclde ans statt. Um rege Beteiligmig ersucht 81/8 Die Ortsverwaltinig. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engcl-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Todes- Anzeige. Den Kollegen hiermit die traurige Nachricht, daß unser Mitglied Georg Gabriel plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag. den 23. März, nachmittags 3i/z Uhr aus dem Gemeindekirchhos Britz, Rndower- straße 16—29, von der Leichenhalle ans, statt. Um reg? Beteiligung ersucht 113/11 Tic OrtSverwaltnug. Todesanzeige. Am Sonntag, den 16. d. M., starb »ach kurzem Krankenlager unser Kollege der Tischler Nlbert Mütter. Die Beerdigung findet heute, Somiabend, nachmittag 5 Uhr von der Leichen- halle des Central- Friedhofes in Friedrichsfelde statt. lZ42b Um rege Beteiligung bitte» die Kollegen der Werkstatt von A. Seibt. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meincs lieben und gute» Mannes des Zimmerers sie»!-! SioNvin sage ich allen, lnsbesondere den Verbands-Kameraden vom Be- zirk III meine» herzlichen Dank. Die trauernde Witwe 1347b_ Schein._ Ceutrill-Araukeu- u. Steröe- ilCt Tischler u. (E. H.-K. Nr. 3 Hamburg) <0ertUcks Venvaltung Berlin F.) Montag, den 24. März, im Lokal von Wernau, Schwedterstr. 23/24: Mitlllitder-BtrslliiiiZlliing Tagesordnung: 1. Bericht über die General-Ver- saimnlnng der Frauen- Sterbekasse Nr. 26. Die Fraue», welche Mitglieder der Franen-Sterbekasse sind, sind ganz besonders dazu eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung: Achtung! Nachher: 1. Bericht über misre Acrztesrage. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 183/3 Die OrtSverwaltnug. Kinderwag.. Sport-, Kasten-, Leiter- n. Ziegcnbockwageii, Eiserne Bettstellen u Kran- kenwagcii für Er- wachsene u. Küi- der. Preise bill. Auch Teilzahlg. A.W. Schul, dl. 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