Ar. 78. KdomumentL.Zedingungen: Abonnements- Preis prSnumerand«: Plerteljiihrl� 3,30 Ml., monall. 1,1051t., ivöchcntlich 28 Psg. frei int Hau«. Einzelni Nummer ä Psg. Sonnlagt- Niimmer mit iiiufiuctier EsnniazS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Pofl. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, eingetragen in der Post- ZeitungS- PretSliste für l»OL unter Sit. 7878. Unter«reuzban» für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. IS. Jahrs. Die Insertion-.GebLyd betrügt für die sechsgespaltene Koloned zeite oder deren Raum«o Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jede! Wort S Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittag» in derExvedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittag» geöffnet. erfchiinl taglich tucher Zvoulag». Vevlinev Volksblatt. Telegramm- Adresse-. «Pprlaldemokriit»erlia» Centvatorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Ledalttivir: 19, Bentlz-Stratze 2. Kernfprecher! Slint I. Nr. IKO«. Freitag, den 4. April i90£. Exprdiklvn: sw. 19, Bcufli-Sfi'rtßc 3. Kernsprecher! Sinti l Nr. 5121. Baner und Jnnker. Die Befreiung der Bauernschaft aus dem Joche des Feudalismus mag rechtsförnilich noch so vollkommen ge- Wesen sein— wunderbar ist darum nicht, daß sich der Jahr- hunderte alte Druck in der Form geistiger Hörigkeit bis auf den heutigen Tag fortpflanzt. Ja, die rechtliche Gleichstellung ist dem Bauer in diesem Sinne gefährlich ge- worden, daß er sich heute neben dem Feudalherren als ein Landwirt mit gleichen bürgerlichen Rechten und darum — begreiflicher Trugschluß I— auch mit gleichen Jnter- essen fühlt. In einer Zeit, da das wirtschaftliche Interesse immer mehr sür die politischen Parteigruppierungen ausschlag- gebend ist, haben sich die Bauern zu einer selbständigen Wirtschaftspolitik nicht aufzuschwingen vermocht. Sie sind vielmehr im politischen Troß jener' Leute geblieben, deren Großvätern noch das Wort Bauer ein Schimpfwort war, die sich heute aber mit derselben stolzen Betonung Bauern nennen, mit der etwa ein Scharfmacher versichert, auch ein— Arbeiter zu sein. Unter der Führung der Büudler haben sich tansende deutscher Bauern besinnungslos in den Krieg um den höheren Brotzoll gestürzt. Die Verteuerung der notwendigen Lebens mittel schien ihnen das Allheilmittel zu sein, das ihrem Not stände, wo er wirklich vorhanden ist, abhelfen, eingebildete Leiden beseitigen und alle Wünsche befriedigen sollte. Daß irrationelle Betriebsweisen durch schutzzöllnerische Maßnahmen nicht beseitigt werden können, daß die Verteuerung ein- z e l n e r landwirtschaftlicher Produkte ihnen zum großen Teile mehr Schaden als Nutzen brächten, übersahen sie voll ständig. Ihre ganze politische Taktik hält mit dem ererbten Instinkte Haus, daß auch ihnen ein Brosamen der Beute zufallen müßte, wenn die Herren die Schlacht gewinnen sollten. Die Unmäßigkeit der Hochschutzzöllner und, wenn nicht sie, eine entschlossene Opposition wird aller Voraussicht nach die Bauern daran verhindern, ihr politisches Exempel an der Wirklichkeit nachzuprüfen. Den geborenen Führern des Land Volks eröffnet sich damit die lockende Aussicht, noch nach zehn Jahren erzählen zu können, wie herrlich alles geworden wäre. wäre es nur nach ihrem Willen gegangen. Um so wertvoller werden darum Arbeiten von Theoretikern, die den schlüssigen Beweis erbringen, daß eine Erhöhung der Getreidezölle den deutschen Bauern nicht nur keinen Nutzen stiften, sondern sogar schweren Schaden verursachen würden. Eine solche Arbeit eines ungenannten Verfassers ist dieser Tage im Verlage von Gustav Fischer in Jena erschienen.*) Mag auch die Junkcrpresse den Ritter nnt geschlossenem Visier als einen verkappten Bauernfeind denunzieren— man kann nicht zweifeln, daß das wirklich geschehen wird— so berührt doch die Treuherzigkeit seiner Freundschaftsversichcrungen schon deshalb echt, weil sie sich so überaus naiv giebt. Der Anonymus will den Bauernstand aus zwei Gründen erhalten wissen: erstens weil er„eine dem Staatswagen für abschüssige Wege unentbehrliche Bremse" sei und zweitens weil er, wenn es sich„um die nationale Wehrkraft handelt, schwerer als alle übrigen Berufsgruppen des Staates in die Wagschale" falle. Von diesen beiden Beweisgründen für die Not- wendigkeit des Bauernstandes ist der erste nicht für alle Parteien annehmbar, der zweite aber anerkannter- maßen falsch. Der Verfasser erklärt, nach seiner Ansicht „unterliege es keinem Zweifel, daß, wenn die Erhaltung des deutschen Bauern höhere Getreidezölle fordert, diese von der Allgemeinheit getragen werden niüssen". Man wird, wenn man keine besseren Gründe für die Erhaltung des deutschen Bauern hat, auch mit bedingten Zusicherungen etwas vorsichtiger sein müssen. Der Streit darüber erweist sich aber bald als müßig. Denn unser Autor stellt fest: daß sich der deutsche Bauer mehr und mehr von dem Anbau des Brotgetreides abwende, daß dieses Zurückweichen seine tiefberechtigten wirtschaftlichen Gründe habe, daß die Bauernwirtschaft nicht im Körner- bau, sondern in der Viehhaltung ihren besten Stützpunkt besitze, daß also hohe Getreidezölle den Bauer in seiner Rückständigkeit erhielten und dem Großbetriebe ein künstliches Uebergewicht über den Btittel- und Kleinbetrieb sicherten. Während die konservativen Getreidezöllner versichern, daß der Zoll von 7,50 M. zur Erhaltung von Gott, König und Vaterland unumgänglich nottvendig sei, erklärt unser Ge- währsmann die Getreidezölle gerade deshalb für unannehmbar, weil durch sie die Staatsbremse und die nationale Wehrkraft Schoden leiden könnte. Gegen die adeligen Pächter der alleinigen guten Ge- sinnung wird damit eine überaus schwere Anklage erhoben, die mit zahlreichen Beweisen belegt und durch sorgfältig zu- samniengestellte Zahlen bekräftigt wird. Der Bau von Brot- getreide fordert ein verhältnismäßig großes Betriebskapital, die Möglichkeit raschen Absatzes und die Fähigkeit, die Kon- junkturen auszunützen. Der Preis des Lokalmarktes ist von dem- des Weltmarktes nicht allzusehr verschieden, und alle Schwankungen schlagen nur zu Ungunsten des kleinen Ver- käufcrs aus. Nur für jene Halmfrüchte, die wie Futtergerste und Hafer in höherem Maße der lokalen Preisbildung unterliegen, sind die Verhältnisse vom Standpunkte *) Der deutsche Bauer und die Getreidezölle. Jena. Gustav Fischer. 1902. des Verkäufers günstiger. Körnerfrüchte. Zucker- rüben, Raps weisen einen Rückgang des Preises auf, und auch der Tabak- und der Hopfenbau leiden unter schlechten Absatzverhältnisscn. Die Anbaufläche für Weizen, Spelz und Rogen vergrößert sich in den letzten 22 Jahren nur in jenen Reichsteilen, in denen der Großbesitz vorherrscht(wie Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Posen, Mecklenburg- Schwerin, Schlcswig-Holstein, Hannover, Oldenburg) sie vermindert sich im gleichen Zeitraum in jenen Ländern, in denen der mittlere und kleine Betrieb vorherrscht(Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, die Rcichslande). Es zeigt sich demnach, daß nur der Großgrundbesitz seinen Getreidebau ausdehnt, während ihn der Bauer langsam aber stetig einschränkt. Dagegen wendet sich der Bauer mit steigendem Erfolge der V i e h h a l t u n g zu. Sie erfordert eine individualisierende Behandlung, höhere persönliche Arbeitsleistung, aber geringeres Betriebskapital, sie ist in minderem Grade vom Weltmarkts- preise abhängig, ihre Produkte sind jederzeit verkäuflich und erzielen immer höhere Preise. Die Preise für Fleisch und Butter steigen in den letzten vierzig Jahren in Preußen fast ohne Schwankungen um 25—50 Proz. Der Bauer, der sein Brotgetreide nicht zu rentablen Preisen verkaufen kann, verfüttert eS au sein Vieh. Nach den Erhebungen des Deutschen Landwirtschaftsrates steigen die Mengen des Ernte-Ertrages, die auf diese Weise verwertet werden, in gleichem Maße, in dem die Größe des Besitzes abnimmt. So wird der Bauer durch eine notwendige Wirt- schaftliche Entwicklung immer mehr zur Einsicht geführt, daß die Viehhaltung, insbesondere die Rindvieh- und Schweine- zucht, seine beste und sicherste Einnahmequelle ist. Auf diese Weise lost sich die vielgepredigte Harmonie der landwirtschaftlichen Interessen zu einem schreienden Mißklang auf. Der Nutzen, den der Bauer aus hohen Getreidezöllen ziehen kann, wird mit der zunehmenden Konkurrenzunfähigkeit des Kleinbetriebes immer geringer. Wird er durch künstliche Preissteiguugcn der Brotfrucht dazu verleitet, den Körnerbau stärker zu pflegen, so bedeutet das eine rückläufige Bewegung in reiner wirtschaftlicher Enttvickluug. Während der Groß- grundbesitz seine Haupteinnahmen aus Produkten zieht, die wie das Brot nicht leicht entbehrt werden können, deren Konsum also durch eine rapide Preiserhöhung nicht so stark verringert werden kann, daß die Vorteile des Ver- kaufs dadurch wieder aufgehoben werden könnten, so ist das wichtigste Produkt der Vauernwirtschaft in höherem Grade der Einfchränkung des Konsums fähig: die Nachfrage nach Fleisch und Butter geht in dem Maße zurück, in dem größere Summen des Volkseinkommens durch gesteigerte Brotpreise aufgesogen werden. Die amtliche Begründung der Zolltarif- Vorlage liebt es zwar, von der Landwirtschaft als einem Ganzen zu reden, trotzdem kann auch sie das hohe Juteresse, das gerade der kleine und mittlere Betrieb an dem Aufblühen der Viehzucht hat. nicht ganz verkennen. Sie muß fest- stellen. daß der Besitz unter 20 Hektar Umfang auf einer Gesamtfläche von 14 810 M3 Hektar bald doppelt so viel Vieh hält als der größere Besitz auf einer Gesamtfläche von 17 701 638 Hektar. Und sie muß weiter feststellen, daß sich die Viehzucht noch zu einer Zeit gedeihlich zu entfalten vermag, in welcher der Getreidebau unter dem ausländischen Wettbewerb aufs schwerste zu leiden hat. Sie erkennt, daß „die deutsche Landwirtschaft" für die weitere EntWickelung der Viehhaltung vor allem der Sicherung des Absatzes bedürfe. Daß aber diese Sicherung des Absatzes durch Sperr- maßregeln mit gleichzeitiger Dcvastierung des inneren Marktes nicht zu erreichen ist, liegt auf der flachen Hand. Man kann darum dem Verfafler des vorliegenden Buches vollständig recht geben, wenn er die landwirtschaftliche Schutz- Zollpolitik einseitig auf die Interessen des Großgriiudbesitzes zugeschnitten findet. Der agrarische Schutzzoll ist nicht nur ein Flibusticrstreich der„Landwirtschaft" an den industriellen Volksmassen, er ist auch ein kriegerischer Ritt der Jnnker ins Bauernland. Einst that maii's gestiefelt und gespornt; heute thut man's in Frack und Eylinder. Aber noch immer ist es so geblieben, daß der Bauer dem gnädigen und gestrengen Herrn mit seinen Ochsen das Korn in die Tenne fährt. HtalikiKtze Berlin, de» 3. April. Die Erfolge der Priiizenreise nach Amerika lassen sich nun vollständig üb-rsehen. Erstens sind infolge der Reise allerlei Unannehmlichkeiten für den deutschen Votschaster in Washington Ho lieben entstanden. Zweiten» ist der Borsäure-Krieg entstanden und drittens hat sich ein blutiger deutsch-französischer Bruderkainpf zivischen zwei konkurrierenden Scktfabrikanten erhoben. Die.Eiithüllnngen" über Holleben knüpfen sich an den Namen Witte. Man hat den Mann als einen Erpresser abznthun versucht— dennoch sind seine Mitteilungen anscheinend nicht durchiveg erfunden. Wenigstens versichert der New Uorker Korrespondent der„Berliner Zeitnng', daß es sich um dein Papierkorb entnommene Briefe handelt, die„ziemlich entschiedene Urteile über namhafte amerika- tische Persönlichkeiten enthalten, die im Vordergrund des politischen Lebens stehen".> Derselbe Herr v. Holleben spielt auch eine merkivürdige Rolle in dem lnstigen Champagncrkricg. Die Kaiser-Jacht sollte belanntlich mit dem„dentsch-nationalen" Sekt„Rheingold" getauft werden. In Wirklichkeit hat Fräulein Roosevelt eine Flasche französischen Champagner der Firma Moet geopfert. Darüber plaudert jemand im„Tag": „Most schloß mit der SchiffSbau-Gesellschaft einen„Vertrag", sechs Monate vorher, daß mit Mviit getanft werde. Ein solcher Vertrag pflegt auf wechselseitigen Vermögensvorteilen zu ruhen. Vierzehn Tage vor dem Ereignis trat Herr v. Holleben wegen Sekts in Thätigkeit. Holleben hat eine Vorliebe für... deutschen Sclt? Nein. Er fragte nicht an, ob deutscher Sekt benutzt werde, sondern er fragte an: ob„Rhein- gold" von Söhnlein benutzt werden könne. Die bestimmte Marke einer bestimmten Firma? Das tvird nicht stimmen. DaS muß ein Zeitnugsirrtum sein. Knpferberg, Mattheus Müller, Heuckel, haben ebenso großes Anrecht, durch den deutschen Botschafter ver- treten zu werden, wie„Rheingold" von Söhnlein. Nnn hatte der Kaiser, dem die Jacht gehört, keinen besonderen Scktwunsch geäußert. Also wurde mit Movt getauft; der„Ver- trag" trat in Geltung. Jetzt aber fragte Söhulein telegraphisch Herrn v. Holleben, ob denn sein Sekt verwandt sei oder nicht. Und Holleben, der eine tiefe Vorliebe für die Marke„Rheingold" in der Seele herumträgt, telegraphierte zurück, auch jetzt noch,„Rheingold" ist verwandt worden. Das war aber falsch I Holleben war schlecht Unterrichtet! Holleben wußte nichts von dem Separatabkommen zwischen Moet und Townsend. Nun brach der letzte Akt an. MoetS Vertreter kain Donnerstag nach Berlin, wurde vom Ober- Hof- und HanSmarschall Grafen zu Enlenlmrg empfangen,„um Erinnerungszeichen für den Kaiser zu überreichen". Welche EriunernngS- zeichen? Gleichviel! Mvöts Vertreter klagt gegen Söhulein auf ,.. eine Million." Welche diplomatischen Zerwürfnisse und Wirren auL diesem Sekt- kouflikt noch entstehen werden, das ist nicht abzusehen. «* « Politisch wichtig ist der Borsäure-Krieg. In Amerika herrscht eine große Erregung über die deutsche Gesnndheitskomödie. Der erwähnte Korrespondent der„Berliner Zeitung" berichtet über folgende charakteristische Aeußernng eines Amerikaners: „Wir nehmen den Deutsche» gar nicht übel, wenn sie sich verteidigen. Sie sollen fisr ihr« Landwirtschaft, für ihre Industrie thun, ivas sie wollen, aber offen und ehrlich, gleich uns. Sie sollten uns nur keinen Hnmbug vormachen und das„gut tromps-t-on ici?" beachten. Sie sollten uns dreist ins Gesicht rufen:„Kampf!" Den nehmen ivir an. Aber wir ertrage» es nicht, daß man reine VortcilSpolitik hinter dem Hnmbug angeblicher hygienischer Maßregeln versteckt. Sie sollen unser Fleisch verbannen— schön, dagegen sind ivir machtlos und suchen andre Märkte ans. Aver sie sollen es nicht ohne jeden Grund vor der ganzen Welt diskredt- tieren und als gesundheitsschädlich brandmarken. Das i st eine Unwahrheit, das lassen ivir uns nicht gefallen. und in dem Augenblick, da wir Gewißheit erlangen sollten. daß diese Unwahrheit keine unbewnßte wäre, würden wir ver- dämmt energische Gegenschritte thun." Das ist eine Meinung, die man würdigen kann. Deutschland aber übt immer die Treu und Redlichkeit, die es von seinen kuh- handelnden Junkern gelernt hat. Diese ganze Politik des Brot- Wuchers läuft ans den Humbug hinaus, die niedrigste Selbstsucht kleiner Jnteressentengrnppen mit den tönenden Lügen von dem Schutz der nationalen Arbeit zu rechtfertigen. Der Gesnndheits- hnmbug ist freilich der empörendste und verächtlichste unter diesen Kniffen. Ucbrigens scheinen sich die deutschen Offiziösen in der Ver- teidigung des Borsäureverbots der bedenklichsten Mittel zu bedienen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hatte sich darauf berufen, daß auch der Reichs-Gesundheitsrat sich für das Bor- säureverbot ausgesprochen habe. Darauf erlätzt der Verein zur Wahrung der chemischen Interessen Deutschlands die folgende Er- llärmig; „Die scharfe, aber nicht imverdicnte Kritik, welche von hervor- ragenden Vertretern der Wissenschaft au dem Gutachten deS Reichs-GesundheitsamtS über die angebliche Gesund- heitsschädlichkeit der Borsäure bei ihrer Verwendung zur F l e i s ch k o n s e r v i e r u n g geübt wird, scheint die Reichs- regiernng peinlich zu berühren. Sie sucht deshalb die Schuld des Borsänreverbotes auf andre Sämltcrn abzuwälzen und läßt offiziös erklären,„daß auch der Reichs- Grsimdheitörnt, zu dessen Mitgliedern hervorragende Hygienikcr aus den verschiedenen Teilen des Reiches gehören, sich für ein solches Verbot aus- gesprochen hat." Bon zuverlässigster Seite, d. h. von Mitgliedern des Reichs-GrstindhcitSratrS selbst, wird ims mitgeteilt, daß ihnen die Angelegenheit niemals zur Bcgntachtmig vorgelegt worden ist, daß sie von dem Verbot selbst erst durch die Tages- presse Kenntnis erhalten haben, und daß sie sich, falls man sie bc- fragt hätte, mit aller Entschiedenheit gegen die beschlossene Maßregel ausgesprochen haben würden. Die gegenteilige Be- hattptnng der„Nordd. Allg. Ztg." erscheint um so anffallendcr.'alS— wie wir hören— noch vor kurzem einMitglicd desRcichS-GesundheitS- ratcs dem Staatssekretär Grafen Posadoivsky selbst gegenüber direkt sein Befremden darüber ausgesprochen hat, daß iitän diese in der That sehr kompetente Behörde in dieser wichligett Frage vollständig übergangen habe, und daß die in dem Gut- achten des Reichs- Gesnndhcilsnmtes niedergelegten Ansichten in wisienschaftlichen Kreisen durchaus nicht geteilt würden." Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bestreitet diese Mitteilung und behauptet: „Der Reichs- Gesundheitsrat. Ausschuß für ErnährungS- Ivesen und Unterausschuß für Fleischbeschati. hat in der Sitzung vom 12. Oktober v. I.. zu der außer den Mitgliedern der bezeichneten Untcrabteiltiiigen noch weitete ans dem einschlägigen Gebiete besonders erfahrene Atigehörige des Reichs- Gcstindhcits- rates sowie als AuSlunftspersönen Vertreter der Fleischindustrie und der Landwirtschaft zugezogen Waren, die Angelegenheit eingehend beraten und sich mit allen gegen eine Stimme für das Bor- sänreverbot ausgesprochen. Insbesondere haben sämtliche ärztliche Sachverständige, die an der Beratung teilgenommen' haben, den Erlab des Verbotes übereiustiminend befürivortet." Selbst Ivenn das richtig ist, so geht auch aus dieser offiziösen Erklärung hervor, daß nicht der Reichs-Gesundheitsrat als solcher, sondern nur ein A u s s ch u b befragt worden ist. Daß aber der „Unterausschnb für Fleischbeschan" stark agrarisch angehaucht sein mnb, geht zur Genüge aus der ganzen„socialen" Sperrpolitik des Iteiches hervor. Die Amerikaner haben ganz recht, Ivenn sie die etwa befragten Sachverständigen nicht in ihrer Annahme irre machen, dah die Ge- fnndheitsschädlichkeit der Borsäure nur deshalb so gefahrdrohend er- schien, iveil sie eine Handhabe bot, das amerikanische Fleisch aus- zusperren.— In Amerika wird man Vergeltung üben.— Ostasiatische Eifersüchteleien. Das Bureau La ff an bringt ein Telegramm aus Washington über die Auffassung amerikanischer Regierungskreise über die ostasiatische Lage, das beiveist, wie grob das Mibtrauen ist. niit dem die rivalisierenden Staaten sich gegenseitig beobachten. DaS Telegramm lautet: Die Regierung der Vereinigten Staaten be- sitzt Informationen, aus denen direkt der Schluh zu ziehen ist, dab bezüglich Ostasiens der Argwohn und das Akib- trauen der Mächte gegen einander im Wachsen sind. Die Vertreter der europäischen Mächte in Washington haben mit dem Staatssekretär des Auswärtigen, Hay, häufige lange Unterredungen, die sich hauptsächlich mit der Lage in China be- schäftigen. Die Haltung Rußlands in der Mandschurei und auch anderiveitig hat Mißtrauen gegenüber den in der russisch- französischen Note niedergelegten Erklärungen hervor- gerufen. Deutschland ist indes' der unbestimmteste Faktor. Man glaubt, cS fijmpalhificic mit Nnbland, in dem Wunsche, China zu zerstückeln, und das Gerücht. Deutschland iv olle Rußland zur Erlangung der Mandfchnrei be- hilflich sein, wogegen dieses Deutschland bei der Er- langung der vollen Herrschaft in Schau tu ng u n t e r st ü tz e n werde, verursacht hier Beunruhigung. Mit Rücksicht auf die von Deutschland bezüglich seiner Politik der„offenen Thür" in Schantnng abgegebenen Versicherungen ist die Regierimg der Ver- einigten Staaten jedoch außer stände, Nachforschungen über dieses Ge- rücht anzustellen. Man glaubt, Oestreich und Italien würden Deutsch- landZuntcrstützen. Alle Mächte haben indes schriftlich ihre Ucber- einstimmung nnt der Note des Staatssekretärs Hay vom 3. Juli 1900 erklärt und können jetzt nicht, ohne sich der Gefahr ans- zusetzen, die Bereinigten Staaten zu verletzen, das Gegenteil von dem thun, was sie erklärt haben. Man glaubt serner, daß Präsident Roosevclts entschiedene Art der Führung der politischen Geschäfte und das vom Staatssekretär Hay bekundete Interesse an der Integrität Chinas in den ausländischen H a n p t st ä d t e n n i ch t a u tz e r acht gelassen werden und die Wünsche nach territorialer Ausdehnung dämpfen. Eine.Times"-Meldnng a»S Washington erklärt dagegen, daß der amerikanischen Regicriing in Beantwortung der Anfragen b e- friedigende Erklärungen über die deutsche Position in Schaut ung gegeben worden seien. Es sei richtig, daß Deutschland erhebliche industrielle Konzessionen bewilligt worden seien. Doch werde mitgeteilt, daß dieselben nicht exklusiv seien und lein deutsches Monopol schaffen. Das Feld bleibe für den Wettbewerb der ü b r i g e n Nationen offen. Verschiedene Blätter spielen dies„Times"- Telegrannn gegen die Laffan-Meldung ans und meinen, daß nach solchen Erklärungen der deutschen Regierungen jedes Mißtrauen der amerikanischen Re- gierung geschwunden sein müsse. Ileberhanpt sei dn§ Laffan- Telegramm nur ein englischer Schachzug. um Deutschland zum offenen Anschluß an den einen oder andren ostasiatischen Zwcibnnd zu nötigen. Ein andres Blatt glaubt dagegen, daß das Bureau Laffan von einer deutschfeindlichen llntcrströmung der amerikanischen Re- gierung zur Entsendung eines vergifteten Pfeiles benutzt worden sei. Wir lassen gern dahingestellt. ob eine dieser beiden oder etwa noch eine dritte Vermutung zutrifft. So viel ist jedenfalls klar, daß in Ostasien keine Macht der andern traut, daß man in ständiger Besorgnis lebt, daß sich eine internationale Koalition zur Aufteilung der chinesischen Grenz- und Küsten- Provinzen bilden könnte. Ilnd dieser Argwohn kann selbstverständlich auch durch die plausibelste» und beruhigendsten Erklärungen der einzelnen Mächte nicht beseitigt werden. Auch Rußland hat ja oft genug erklärt, daß es die Mandschurei nicht zu annektieren beabsichtige. Nichtsdesto- weniger wurde der englisch- japanische Zweibnnd geschlossen, um Rußland an die Erfüllung seines Versprechens zu mahnen. Worauf Rußland schleunigst mit Frankreich einen ostasiatischen Trutz- und Schutzvertrag abschloß— der Integrität Chinas ivegen! Warum sollte also Amerika den Erklärungen Deutschlands größeres Vertraue» entgegenbringen, als den ebenso feierlichen Beteuerungen der andren Mächte!—_ Englische Offiziere als Nanbinördcr. Der. M o r u i n g L e a d e r" veröffentlicht einen langen fcn- fationellcn Bericht über die von den kürzlich h i n g e r i ch- t e t e n a u st r a l i f ch e n Offizieren in Südafrika b e- g a n g e n e n G r e u e I t h a t e n. Als den schlimmsten Misscthäter schildert der Geivährsmami des Blattes den Hingerichteten Lieutenant Hancock,' ein nicht genannter Hauptmann, der angeklagt war, das Erschießen von Negern als Sport betrieben zu haben, sei jedoch beinahe in demselben Umfange ivie Hancock an zahlreichen Mord- thaten beteiligt. Allem Anschein nach sind den Mördern auch einige Leute von ihrem eignen Corps, dxn Bnshveldt CarbineerS, zum Opfer gefallen. Wie in dem Bericht mitgeteilt wird, Ivurden die Mordthaten in dem Buschland, 200 englische Meilen nördlich von Pietsburg begangen. Als Lieutenant Hancock erfuhr, 10 Boeren, die auf dem Wege nach Pietersburg waren, um sich den Engländern zu ergeben, führten 2V 000 Pfd. Sterl. bei sich, ließ er sie u n t e r>v e g s aufgreifen und vor ein Kriegsgericht stellen, das sie, obgleich sie u n b e'w a f f n e t waren, zum TodedurchErschietzen verurteilte. Die Sergeanten Morrison und Grey wurden mit derAusführung des Ur- teils beauftragt, weigerten sich aber, es zu v o l I st r e ck e n. Das Todesurteil wurde dann durch Mannschaften einer andern Compagnie vollzogen. Die Offiziere durchsuchten darauf das Gepäck der Er- schossenen, waren aber sehr enttäuscht, nur 20000 Pfund Sterling in wertlosem Papiergeld der Transvaal-Republik zu finden. Als Lieutenant Hancock dann erfuhr, daß ein in der Nachbarschaft lebender deutscher Missionar um das Geschehene wußte, begab er sich zu der Missionsstation und erschoß den Missionar a u f d e r S t e l l e. Er versuchte auch den schwarzen Diener des Missionars zu erschießen; es gelang diesem jedoch, sich wenn auch verwundet zu retten. DieKunde von diesen Vorfällen drang zu dem deutschen Konsul, der sich an Lord Kitchener wandte und eine Untersuchung der Angelegenheit verlangte. Nachdem wurde Lieutenant Hancock noch belauscht, Ivie er mit dem erwähnten nicht genannten Hauptmann erörterte, ob es wünschenswert sei, die Sergeanten zu erschießen, die sich geiveigert hatten, das kricgsgcricht- liche Urteil gegen die Boeren zu vollstrecken. Die Sergeanten wurden indes rechtzeitig gewarnt und flohen nach Pietersburg, Lieutenant Hancock ließ darauf den Soldaten, der sie geivarnt hatte erschießen. Sergeanten und Mannschaften berichteten das Vor- gefallene nach PieterSburg. „Daily Mai I" b e st ä t i g t die vorstehende Darstellung und versichert, daß ivenigstens S0 Proz. der sogenannten australischen Compagnien aus den schlimmsten Elementen der Grubenarbeiter von Kimberley zusammengesetzt seien._ Die Friedensverhandlungen. Nach einer Reuter-Meldung aus Pretoria ist es Schalk- Burger und den andern Mitgliedern der Transvaalregierung nunmehr g e- l u n g e ii, sich mit dem Präsidenten des Oranje-Frei- staateS, Steijn, in Verbindung zu setzen. * „Daily Mail" veröffentlicht ein Telegramm aus Pretoria über die begonnenen Friedensverhandlungen. DaS Telegramm ist insofern wichtig, als es in sehr friedlichem Tone gehalten ist, was zum erstenmale bei diesem Blatte der Fall ist. Für die Friedens- Verhandlungen kommen, dieser Drahtmeldung zufolge, nachstehende Punkte in Betracht: l. Das Datum, an welchem den Boeren die Autonomie erteilt wird; 2. die g e n a u e p o l i t i s ch e L a g e der Boeren; 3. die Verbau nungsproklamation; 4. Amnestie; S. Betrag der Entschädigung an die Boeren zum Wiederaufbau der Farmen. Der Korrespondent fügt hinzu, eS fei jetzt die Möglichkeit vorhanden» daß es zu einer Verständigung kommen werde. •• Deutsches Weich. Die PofadowSkti-Rnndreife zu den Regierungen und Fürsten der größeren Bundesstaaten giebt den Zeitungen reichlickie Gelegenheit für allerlei Fabeleien und Vermutungen. Die Presse der Zoll- Parteien erhofft von der Osterfahrt des Staatssekretärs für Wucher- zolle den Erfolg, daß die Regierungen sich verstehen werden, dem „Kompromiß"-A»trag der Zolltarifkommissions-Mehrhcit entgegen- zukommen. Die'„Kölnische Zeitung" dagegen erklärt unter dem Schein offiziöser Wissenschaft, daß der Reichskanzler nicht daran denke, über' die Zollhöhe der Vorlage hinauf- zugehen und daß Graf Posadowsky um andrer wirtschafts- politischer Fragen willen in Dresden, München, Stuttgart vor- spreche. Es lohnt sich nicht, alle die Kommentare zu diesen Mut- maßuiigen auch nur zu streifen. Bald wird die Zolltarif- Kommission wieder zusammentreten und es wird sich zeigen, ob die Regierungen trotz aller feierlichen Erklärungen sich zu einem weiteren Entgegenkommen au die lleberzöllnerei entschlossen haben oder ob Konservative und Centrnm ihren Rückzug weiter fort- setzen wolle». Das letztere bleibt nach der ganzen Lage der Sache das Wahrscheinlichere. Die„Deutsche Tageszeitung" ist denn auch recht besorgt und fürchtet,„unerfreulichen Tagen" entgegenzugehen. Das unerfreulichste ist ihr die sogenannte„Verständigung". Das Zollkriegsblatt des Bundes der Landwirte meint: „Man mißverstehe uns nicht; auch wir sind, wie wir immer und immer wieder hervorgehoben haben, zur Verständigung bereit, aber selbstverständlich nur zu einer Verständigung,' die den Forderungen der Landwirtschaft einigennnßen gerecht wird, nicht zu einer Unterwerfung, die weiter nichts bedeuten würde als die Preisgabe der landwirtschaftlichen Interessen. Schien uns schon, an sich betrachtet, der Kompromiß- Vorschlag der Kommissionsmehrheit iiiiannehmbar, so bedarf es keines weiteren Wortes darüber, daß wir uns einem weiteren Heruntergehen unter diesen Vorschlag mit aller Kraft und Entschiedenheit entgegenstellen würden." Es fragt sich mir,' ob und wie viele konservative KommissionS- Mitglieder bereit sein werden, die„Kraft und Entschiedenheit" des Herrn v. Wangenheim zu verstärken.— Ter Zollprotest der Städte-Vertreter. Eine Korrespondenz teilt mit: „Um zu der Zolltarif-Vorlage Stellung zu nehmen, hatten sich, Ivie schon gemeldet, vor Ostern Mitglieder des Berliner Magistrats, der Stadtverordneten-Versaininlung und bekannte Parlamentarier zu einer Beratung vereinigt. Die Herren kamen überein. Einladungen zur Teilnahme an einer zwischen Ostern und Pfingsten in Berlin abzuhaltenden Konferenz an Mitglieder aller größeren deutschen Kommunalverwaltungen zu versenden. Diese Einladungen sind inzwischen versandt worden; zustimmende Aut- Worten sind schon eingegangen. Da indes von verschiedenen Stellen die Antworten noch ausstehen, so hat bis jetzt noch kein Termin für den Beginn der Konferenz festgesetzt werden können." Nachdem man gänzlich unnötigerweise verzichtet hat, die Ver- treter der Städte als solche zur Znsammenknnft zu laden, und nur Städtevertreter als Privatpersonen herbeiruft, scheint das ganze Unternehmen zu verflauen. Wieder ein Erfolg liberaler Halbheit und feiger Rechnungsträgerei.— Eine„Kreuz- Zcitnngö"- Gemeinheit. Die„Kreuz- Ztg." läßt das Denunzieren nicht, es liegt ihr nun einmal im Blute, seit den Tagen der Ohm und Gödsche schon. Aber seitdem ihr der Hamnicrftein abhanden gekommen ist, übt sie ihr schmutziges Hand- werk mit einer Einfältigkeit, die fast Mitleid erregt. Sie hat nicht einmal mehr das Talent zu einem ordentlichen Schurkenstreich. Die Mitteilnng, daß die Genossin Rosa Luxemburg in die Redaktion der„Leipziger Volkszcitung" getreten ist. veranlaßt die Kreuzspinne des Agrariertnms zu der folgenden elenden Angeberei: „Rosa Luxemburg ist keine denlsche. sondern eine r n s s i s ch e R e i ch s a n g e h ö r i g e. In Rußland wie beiläufig anck in Oestreich ist es gesetzlich nicht gestattel, daß fremde Staaisangehörige als verantwortliche Redactcure zeichnen. Selbstverständliche Voraus- setzung zu derartigen Posten ist die Staatsangehörigkeit. Leider hat die deutsche Gesetzgebung es unterlassen, diese Voraussetzung besonders auszusprechen, und so ist es gekommen, daß immer häufiger in Deutschland als verantwortliche Redactenre fremde Staats- angehörige zeichnen, die sich gegebenenfalls der Verantwortlichkeit leicht entziehen können, indem sie nach ihrer Heimat zurückkehren. Wenn es nicht möglich ist, diesem Mangel des Gesetzes abzuhelfen, so wird man genötigt sein, im Verwaltungswege einzugreifen und diejenigen Redaetenre staatsfeindlicher Blätter, die verant- wortlich zeichnen, ohne deutsche ReichSaugehörige zu fei», des Landes zn verweisen." Die nette Notiz des Blattes mit der feudalen Ehre ist im Eifer dcS Denunzierens gar konfus geraten. Warum beschränkt sie die AuSweisungsfordernng auf verantwortlich zeichnende Re- dacteure? Etwa nur deshalb, weil in ihrer eigenen Redaktion Russen thätig sind? Aber dieser Umstand kann die„Kreuz-Zeitung" doch nicht abhalten; denn sie ruft ja nur gegen„ st a a t s f e i n d- liche" Blätter die Polizei auf. Dann aber zeichnet Genossin Luxemburg gar nicht ver- antwortlich. Die Beweisführung des Blattes trifft also schon deshalb vorbei. Freilich, die VerantwortlichkeitS-Philosophie soll wohl überhaupt nur eine schamhafte Verhüllnng der bübischen Deuunziation erzielen. Im Grunde will das Blatt anregen, daß die Genossin Luxemburg unter allen Umständen über die Grenze geschafft werden soll. Wir bedauern, dem ritterlichen Blatt den Schmerz bereiten zu müssen, daß wir ihm mitteilen: dieser Wunsch kann niemals erfüllt werden, denn er ist verfassungsmäßig unausführbar. Ge- Nossin Luxemburg kann ebenso wenig aus dem Deutschen Reich aus- gewiesen werden' wie Herr Kropatscbeck oder Herr v. Wangenheim; denn unsre Parteigenossin ist-- deutsche Reichsangehörige. Sollte die„Kreuz-Zeitung" nickt doch sckließlich es geraten -n, anständig zu werden, da sie altersschwach ist, um erfolg- reich Gemeinheiten üben zn können 2 Das Fleisch war willig, aber der Geist war schwach.—_ Cecil Rhode? und Wilhelm IT. Ueber die eigenartige Audienz, die Wilhelm II. drei Jahre nach Absendung de? bekannten Telegramms an den Präsidenten Krüger mit dem Urheber des Jameson-ZugeS hatte, läßt sich„Daily Tele- graph" von seinem Berliner Korrespondenten allerlei Einzelheiten berichten. Der Korrespondent erzählt, daß er zwei Tage nach der Audienz von Cecil Rhades empfangen worden sei, doch habe ihn dieser gebeten, von seinen Auslassungen in der Presse keinen Gebrauch zu machen, wie er denn auch gethan habe. �..? Die Richtigkeit dessen, was der Journalist erzählt, ist natürlich absolut unverbürgt; jedenfalls ist die Schilderung der Eigenaitz der beiden Männer nicht übel angepaßt. Der Gewährsmann dos- „Daily Telegr." schreibt unter anderni: Am 10. März 1899 kam Mr. Rhades in Berlin an. Am folgenden Tage wurde er vom Kaiser in einer 40 Minuten dauernden Audienz empfangen. Voll von dem Eindruck dieser Audienz dinierte der Kaiser an demselben Abend bei dem Kanzler Fürsten Hohenlohe... Am darauffolgenden Dienstag gab der englische Botschafter ein Bankett in der englischen Botschaft.... Der Kaiser zeichnete bei dieser Gelegenheit Mr. Rhades durch eine lange Unterhaltung in einer Ecke eines der Salons ans. „War u m habe ich nicht solch einen M i n i st e r?" sagte der Kaiser, nachdem er am Sonuabendnachmittag niit Rhades gesprochen hatte. Sowohl der Herrscher wie der imperia- listische Millionär hatten einen außerordentlich vorteilhaften Ein- druck von einander. Ich fragte, ob er infolge der Ereignisse von 1896 irgend welche Zurückhaltung in Berlin bemerkt habe. Er antwortete:„Gewiß nicht. Jchhabe nichts zu bedauern und bin keinem hier verantwortlich. Der Kaiser war fehr ftenndlich und empfing mich höchst gnädig. Ich habe erreicht, daß man das Abkommen über die Telegraphenlinien unterzeichnete, und ich habe deshalb allen Grund, mit dem Erreichten und mit den Aussichten für meine Eisenbahn zufrieden zu sein." Die außerordentliche Schnelligkeit, mit der Rhades seine Ab- sichten erreichte, zeugt ebensosehr von seiner Energie wie von der impulsiven Art, mit der Wilhelm II. wichtige Angelegenheiten der auswärtigen Politik zn erledigen liebt. Die dem Kaiser zu- geschriebenen Worte:„Warum habe ich nicht solch einen Minister". erscheint uns freilich apogryph. Ein Herrscher, der sein eigener Kanzler sein will, könnte selbständige Kraftnaturen wie Cecil RhodeS schwerlich als Minister gebrauchen.— Internationale Polizcisolidarität. Man schreibt unS: Wir m eldelen vor einigen Tagen, daß— nach einem Bericht des Krakauer „Naprzüd"— die preußische Polizei den russischen Gendarmen alle Protokolle und alles Material, welches sie über die jetzt aus- gewiesenen polnischen Studenten besaß, überlieferte. Jetzt kommt eine Nachricht, welche mit vorstehender Thatsache gewiß im Zusammenhange steht. Die Studenten, welche nach Warschau fuhren, sind sofort nach d e r A n k u n f t v e r h a f t e t worden. In der Nacht von Sonnabend zn Sonntag hat man bei ihnen gehansfncht. Von den Verhafteten können wir die Namen von Wernik, Tyszka und Zmigrhder bekanntgeben. Die Verhaftung kann nur auf Berliner Berichte zurückgeführt werden, da die Verhasteten gar keine Zeit hatten, in Warschau irgend ein„Verbrechen" zu be- gehen. Es wäre interessant, von dem Reichskanzler im Reichslag zu erfahren, ob die preußische Polizei thatsächlich die Rolle eines Ge- Hilfen der russischen Gendarmen spielt.— Soldatcnschindcr. Das Kriegsgericht der 16. Division in Trier verurteilte einen llnteroffizier des Infanterieregiments Nr. 161 zu sieben Monaten Gefängnis und zur Degradation. Er hatte einen Soldaten beim Exerzieren derart ins Gesicht geschlagen, daß dieser die Sehkraft des rechten Auges vollständig verlor. Weiter wurde ihm nachgewiesen, daß er gcwohnheits- mäßig die ihm untergebenen Soldaten anpumpe. Auf die letzteren Vergehnngcn entfallen fünf Monate der Strafe, weil solche Ge- pflogenheiten die DiSciplin untergraben müßten.— Ein Unter- offizier des Fcldarlillcric-Regiments Nr. 44 wurde zu 3 Monaten und 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er fünf ihm untergebene Kanoniere inißhandelt hat.— Ausland. Oestreich-Ungarn. Zolltarif- Besprechungen. Das„Ungarische Telegraphen« Korrespondenz-Bureau" meldet vom Donnerstag ans Wien: Der ungrische Ministerpräsident v. Szell hatte heute vonnittag eine längere llnterredimg mit dem östreichischen Ministerpräsidenten v. Koerbcr, in welcher mehrere beide Staaten interessierende Angelegen- heite» volkswirtschaftlicher Natur besprochen wurden. Diese Beratungen, die heute nicht zu Ende geführt werden konnten, werden demnächst, wahrscheinlich am Ende der nächsten Woche, in Budapest fortgesetzt werden, zu welchem Behnfe der östreichische Ministerpräsident in Budapest eintreffen wird. Nach Beendigung dieser Beratungen werden die beiderseitigen Fachreferenten in möglichst kurzer Zeit niit der dritten Lesung des autonomen Zoll- tarifs beginnen. Die beiden Ministerpräsidenten kamen überein. an die Parlamente das Ersuchen zu stellen, die Quoteudepntationen zu entsenden, welche Ende April zur Beratung zusammentreten dürften.— Frankreich. Die Wahlen in Frankreich. Der Ministerrat hat die Parlamentswahleii auf den 27. April, die Stichwahlen auf den 11. Mai angesetzt.— Die Kammer hat sich bis zum 1. Juni vertagt, mit welchem Datum ihr Mandat abläuft.— Das„Journal officiell" veröffentlicht den Wortlaut des neuen Gesetzes betreffend die Wahl- fälschiuigen. Der einzige Artikel dieses Gesetzes bedroht Personen. die, sei es in einem Bureau der Bürgermeisterei, der Präfektur oder im Wahllokal, vor, während oder nach der Abstimmung es unter- nehmen oder versuchen, das Resultat der Abstimmung zu fälschen. mit Strafen von 6 Tagen bis 2 Monaten Gefängnis und 50 bis 500 Fr. Geldstrafe. Außerdem kann das Gericht auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 2-5 Jahre erkennen. Beamte trifft die doppelte Strafe.— Der Provinzialkoiigreff der Alleuianisten für das Seine- zebiet wurde dieser Tage in Paris abgehalten. Derselbe beschäftigte sich auch mit dem Gesetz Mille rand-Colliard betreffend die Frauen- und Kinderarbeit. Nach diesem Gesetz darf die Arbeitszeit in Betrieben, wo Männer, Frauen und jugendliche ßersoneu zusammen arbeiten, vom 1. April ab nicht länger denn lOVe Stunden pro Tag betragen. Viele Unternehmer haben angekündigt, daß sie sich dem Gesetz nicht fügen werden. Der allema» »istische Kongreß nahm eine Resolution an, in welcher die Arbeiter- Organisationen aufgefordert werden, in solchen Fällen den General- streik zu beschließen.— Belgien. Die tote Hand. Aus Brüssel wird gemeldet: Einer Statistik zufolge bestanden in Belgien am 1. Januar 1902 3000 Klöster mit 40 000 Insasse». Das Vermögen dieser Klöster wird auf 3 Milliarden Frank veranschlagt.— Die arme, verfolgte Kirche!— Italien. Eine Spaltung ist unter den Socialisteu Neapels erfolgt. Einige ehemalige Mitglieder der Partei, die aus der dortigen Organisation ausgeschlossen worden waren, haben eine Sonder- organisation gegründet und geben ein eignes Blatt„Jl Socialijta" heraus.— Türkei. Meuterei eines Bataillons, lieber die Auflehnung eines ganzen türkischen Bataillons erhält die„Frankfurter Zeitung" 'olgende Mitteilung: Das nach Djakovitza gesandte dritte Bataillon des 18. Infanterie- Regiments, bestehend auS 457 Mann war mit seinem OsfiziercorpS unzufrieden. Die Leute nahmen an, daß cS an letzteren lag, ivenn ihnen die Löhnung, auf welche sie Anspruch haben, schon seit langem vor- r�nth alten wurde. Das Bataillon beschloß eines Morgens mit Znriicklnffnng aller Offiziere in sein altes Standquartier nach UeSkucb abzurücken. In vollster Ordnung unter Führung eines iclvstgcivählten Kommandanten marschierte cZ über Pnsrend nach der Eiseubahustation Fei isovilsch, requirierte dort einen Zug und ließ Nch nach Ueskneb desördern. Aus der VaHustation angelommen, wurde es vom Plaßkominandanten begrüßt, indessen weigerten sich die Leute auszusteigen, bis nicht ihre Wünsche erfüllt wären. Nach stundenlangein Parlamentieren wurde ein Einverstäudins erzielt nnd darauf rückten die streikenden Soldaten unter klingendem Spiele in ihre Kaserne ab. Unter den stark mit albanesischcn Elementen vermischten Bataillonen in einem Teile des dritten C o r p S b e r e i ch s sind solche Vorfälle nicht allzu s e l t e n. Sie werden aber stets durch eine friedliche Auseinander- setzuug�i Ordnung gebracht.— e Asien. eZntcrnatiouale Soldatcukeilcrci in Peking. London. j-Hipril. Ans Peking wird berichtet: Während eines Streites snische» Soldaten in einer Wirtschaft wurden vier englische d o l d a t e n von D c ti t s ch c n und Franzosen's ch iv e r verwundet.— Amerika. Washington, 3. April. Staatssekretär Hat) hat im gestrigen Ministerrat die Vorschläge Kolumbiens betreffs Abtretung aller Rechte der Pananiagescllschnft an die Vereinigten Staaten vorgelegt. Hat) teilte mit, daß verschiedene Punkte einer weiteren eingehenden Untersuchung bedürfen.—_ Aus Jndupkvie und Handel. Ter Märkische Zicgelring nimmt eine Aenderung seiner Organisation vor. Bisher übern cchui der Ring die von den Ziegeleien produzierten Steine zu bestimmt festgesetzten Preisen und sorgte für den Vertrieb. Jetzt wird die Verinittelungsstelle in Berlin, die sich Ccntralverkaufscomptoir von Hiiiterinaiiersteinen nennt zu einer Art Kommissionsgeschäft gestaltet. Damit wird das Geschäftsrisiko den Ziegeleien überlassen und nur ein Mindestpreis festgesetzt. Höhere Preise gelangen den Ziegeleien zu Nutzen. Unter den Jnteresseuten ist man über die Entwicklung des Unternehmens geteilter Ansicht. Wohl sind die Preise für Steine in die Höhe gegangen, zugleich aber die Pro- dnklion stark angeregt. Betriebe, die schon aufgegeben waren, bei alten BetriebSmethoden nicht mehr kouklirrenzfähig waren, sind aufs neue zur Fabrikation übergegange». Damit ist der Markt mit Fabrikaten überflutet. Die kleinen Ziegeleien glauben sich auch viel- fach benachteiligt, da bei der Prodnktionsbeteilignng die Großen, die die Leitung im Ringe innehaben, den Kleinen eine geringere Beteiligung zugestanden, so daß bei der Einschränkung der Produktion, ivie ein ..Mißgestimmter" behauptet, die großen Betriebe noch immer mit voller Ausnutzung ihrer Einrichtungen arbeiten konnten,>vas von den vielen kleinen Ziegeleien nicht gesagt werden kann. Anscheinend soll nun eine Prodnktionsleistuug überhaupt nicht mehr bestimmt «Verden; damit wäre natürlich der Anreiz zu einer Ueberprodnktion gegeben, die bei der immerhin nicht sehr günstigen Bankoiijunklur doppelt unangenehm sich bemerkbar machen würde. Erschliestnng neuer Prtroleuinquellen. Nach einem Draht- bericht der„Morning Post" aus Bagdad hat der australische Millionär Darrt) eine Äonzession zur Bearbeitung einer Reihe von Petroleum- quellen im südlichen und südwestlichen Persien erhalten, die sich längs des Kerkah-Thalcs bis nach Bnschir und darüber hinaus erstrecken. "sie Beauftragte» Darcys prüfen jetzt den Plan, ein 360 englische 'eilen langes Rohr von Kasri-Schirin in der Provinz Zohab' nach Mohammerah zu legen. Der Korrespondent der.Morning Post" sagt weiter, Zohab sei ein streitiges Gebiet an der persisch-turkischen Grenze, das niemals abgegrenzt worden sei. Die dortigen Pe- trolciimqucllen sollen sehr gutes Petroleum enthalten, das reiner sei, als das russische. Man glaubt, daß der russischen Pctroleiimindustrie 'N dem Unternehmen Darchs ein scharfer Wettbewerb ertöachscn .verde._ Nommunales. Stadtverordneten- Versainmlnng. 14. Sitzung vom Donnerstag, den 2. April 1302, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung um b'/i Ilhr. In den Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl eines unbesoldeten Stadtrats sind u. a. auch die Stadtvv. Borg- mann nnd Metzner, in denjenigen zur Prüfung der im Etat für g e in e i n n ü tz i g e Vereine und Institute bewilligten Beiträge Stadtvv. Bruns und H e i in a n n gewählt worden. Die obligatorische Fortbildungsschule. Von den Stadtvv. August in nnd Genossen liegt seit dem b. Februar der Antrag vor: den Magistrat zu ersuchen, in Gcmäßheit des§ 120 Abs. 3 der Geiverbc-Ordninig, den Entwurf eines OrtsstatntS vor- zulegen, durch tvelchen den m ä n n l i ch e n A r b e i t e r n unter 18 Jahren d i e Verpflichtung zum Besuch einer Fortbildungsschule auferlegt wird. Stadtv. Bruns(Soc.): Dieser Antrag ist von meinen Freunden Iviederholt gestellt worden. Bei früheren Gelegenheiten wurde regelmäßig Ausschußberatnng beschlossen, welche ebenso regelmäßig mit dem Antrag auf Ablehnung abschloß, so zuletzt noch vor vier Jahren. Inzwischen haben sich die Ansichten bei den Gegnern doch zu Ginisten nnsres Antrages einigermaßen gewendet. Die Gewerbe- Ordnung läßt den Einzelstaaten die Freiheit, den Schulbesuch der Fortvildungsaustalten obligatorisch zu machen. Bayern. Württemberg, Baden, Sachsen, die kleinen mitteldeutschen Staaten haben dem entsprochen, in Preußen ist es nicht geschehen, ivcil Preußen lein Geld für Knlturzwecke hat. Nur in den polnischen Landesteilen hatte man diese obligatorischen Schulen im Germani- sie ruiigs- Interesse eingeführt; ein Erkenntnis des Ober- Bcrivaltungsgerichts zwang aber zur Wiederanfhebung, und es bedurfte erst einer Aenderung der Gesetzgebung, um sie wieder dort einführe»! zu können. Für die obli- gatorische Fortbildungsschule in Berlin sprechen die inannig- fachstcn durchschlagenden Gründe. Die Berliner Volksschule ist gewiß noch verbesserungssähig und verbesserungsbedürftig. Ei» großer Prozentsatz der Schulkinder erreicht das Ziel der' Volks- schule nicht; 18t)9 waren es gegen 40 Prozent aller Schüler. Die weniger Befähigten erreichen das Pensum nicht, ein großer Teil derer, die unter den socialen Verhältnissen zu leiden haben, ebenso- wenig. Gerade jene fast 40 Proz. haben eine weitere AnSbildung und Erziehung nötig. Dazu kommt die völlige Umgestaltung unsrer socialen Verhältnisse. Die heutige Fortbildungsschule funklioniert ja gctviß ganz gut und leistet nach Lage der Dinge, tvaö sie Mitzd kann, namentlich nach der technischen Seite; für die sittliche band-)mig aber leistet sie wenig oder gar nichts. 20 000 Schüler wurKkN sie, aber davon sind nicht weniger als 16 000 in technischen Kursen. Die Organisation der Fortbildniigs- „jchen Berlins ist seit 1873»niverändert geblieben, llnserem frc»age wurde die Kostenfrage als solche nie entgegen- alten, man gab im Gegenteil zu, daß dieser Punkt un- Leblich sei, wenn Zweckinäßigkeit und Notwendigkeit der obliga- torischelt Schule nachgewiesen werden können. Von konservativer Seite hatte man die Notwendigkeit des Kirchenbesuchs gegen die obligatorische Fortbildnngsschule ins Feld geführt. Wir können »ins natürlich diese Auffassung nicht zu eigen mache». Der Magistrat wollte keinen Ztvang,'weil die freie Schule doch eigentlich die höhere Form dieser Schule sei. Im Jahre 1339 ist indes ein Ministerialerlaß ergangen, wonach die Fortbildungsschule nur bei Besuchszivang ihre Aufgabe voll erfüllen kann. Wenn ein Minister mich irren kann. so ist doch dieses Zeugnis nicht ohne Wert. Auch hat der Schrilzivang die Entwicklung der technischen>j>nd t achschulen keineswegs gehindert, wie Sachsen beweist. Ein gro ßer eil der Berliner Innungen hat den Ztvang bereits eingeführt und nirgends wird Klage darüber erhoben. Daß das Niveau der Schule durch den Zwang herabgedrückt würde, können Ivir auch nicht zugeben. Dagegen ist der Besuch der einzelnen Klassen bei dem heutigen System vielfach sehr unregelmäßig. Bildet die Fortbildnngsschule »virklich selbständige Stützen der Gesellschaft heran, wie Herr Bertram meinte, so bieten wir mit unsrem Antrage die Hand, die Zahl dieser Stützen der Gesellschaft zu vermehren. Der letzte Städtetag hat° eine Resolution angenommen,»velche die obligatorische Fortbildungsschule den Gemeinden dringend empfiehlt; die Vertreter Berlins, welche sich dort gegen dieselbe aussprachen, haben eine allzu beneidenswerte Stolle nicht gespielt. Auch Lehrer- vereine haben zahlreich in demselben Sinne Beschluß gefaßt. In den Abendstunden ist ein regelrechter Unterricht nicht möglich; dieser Uebelstand kann nur durch den Schnlzwang beseitigt werden. Der Handwerkerstand befürchtet davon eine Schädigung, aber ohne Grund; und außerdem haben wir auch die Jntcrcsseu der jungen Leute, nicht lediglich die der Handwerksmeister und sonstigen Arbeitgeber zu berücksichtigen,»velche vielleicht fürchten, das un- beschränkte Verfügungsrecht über die Arbeitskräfte der Lehrlinge nnd jugendlichen Arbeiter zu verlieren Der Einwand, daß es kein Mittel gäbe, die Disciplin in diesen Schulen aufrecht zu erhalten, ist hinfällig, überall, Ivo der Schulzwaug durchgeführt ist, sind die besten Er- fahnmgen gemacht Worden. lBcifall.) Stadtv'. Rcimann(A. 2.): Im preußischen Landtag wurde am 7. Februar d. I. den Forlblidiingsschulen allseitig' die größte Sympathie entgegengebracht. Die Tendenz.des Antrages Augnstin ist keine soccialdemokratische. Das eigenste In- teresse der Enttvickelimg und Förderung des' Handivcrks erheischt die stete Weiterbildung dieser öffentlichen Einrichtung. Das Werk des Stadtschnlrats Bertrain steht noch heute so da, daß wir darauf stolz sein köiiiicn.(Beifall.) Berlin hält seine Arme jedem Bilduiigsbedülftigen»veit geöffnet. Das Schulgeld ist ein sehr geringes im Verhältnis zu den gewährten Leistungen. Der Antrag Augnstin legt aber nicht den Wert auf das Unentgeltliche, er will' den Ztvang statt der Freiwilligkeit. Ein solcher Zwang»vürde in die gesamten Schnlverhältnisse Berlins sehr tief eingreifen, und das Bedürfnis auf Grund des 8 120 der Gelvcrbc-Or'dnung ist keineslvegs schon erwiesen. Ausschußberatung ist also nicht zu umgehen.' Ein kleiner Teil meiner Freunde steht»nit mir dem Antrag sympathisch gegenüber; der größere Teil hat große Bedenken, sieht auch nicht ein, warum die obligatorische Schule nicht auch auf die Handelsangestellten, auf die Mädchen zc. ausgedehnt»verde» soll. Wir beantragen deshalb Beratimg in eincni Ausschuß von 15 Mitgliedern. Stadtschulrat Dr. Gerstcnbcrg: Es ist mit den Berliner Fortbilduiigsschnlen Großes geleistet worden; dankbar muß anerkannt werden, was Bertram auf diesem Gebiete geschaffen hat. Eine andre Frage ist. ob sich die Verhältnisse dahin geändert haben, daß eine allgemeine obligatorische Fortbildungsschule eingerichtet werden muß. Unsre Geineindeschule leistet mehr als die in kleineren Orten. Wenn 38 Prozent der Sckmler das Ziel der Geineindeschule nicht erreichen, so wird darin gewiß durch die neue F i der Gcmcindeschnle bald eine Aenderung eintreten, aber gcrad- icse 38 Prozent bilden für die Fortbildungsschule ein großes H ernis. Der Geldpniikt ist dabei nicht die Hauptsache. Statt 20 000 würden 00 000 Schüler unterzubringen sei; die Rosten würden sich verdreifachen. Entscheidend aber sind die Fragen des Raumes»nid her Zeit. Die Geimiiideschnlen können die 00 000 Schüler nicht anfiiehincn, es fehlt schon an Schulbänken. Der Abend»vürde nicht mehr ausreichen, der Nachmittag würde dazu kommen müssen. Die Arbeiter können nicht ohne weiteres nachmittags in die Schule gczlvniigen werden, sie würden einen Teil ihres Lohnes verlieren, deiin wir können die Arbeitgeber nickit zwingen, dem Arbeiter den Nachmittag frei zu geben. Wir müssen die kaufmännische, die gewerbliche und die allgeineine Fvrtbildungsschnle nnterscheiden. Die Kanflentc sind in der großen Mehrheit für die obligatorische Schule, die würde noch am leichtesten einzurichten sein. Anders schon mit der geiverblichcn. Hier ist seit 1897 eine Aenderung eingetreten dtirch die Gesetzgebung; die Innungen richten sich ihre Schulen selbst ein.»nid ztvar obligatorisch. Die Meister kommen uns da entgegen; sie wollen wenigstens zwei Wocheiniachmittagc 2 bis 3 Stunden ihren Lehrlingen freigeben. Zum nächsten Etat werden wir in diesem Punkte Vorschläge machen können. Die all- gemeine Fortbildungsschule durchzuführen halle ich aber nicht für durchführbar. Der Magistrat hat übrigens in der Frage sich noch nicht schlüssig gemacht; in eine Ivohlmollcnde Pnifuna derselben inüssen wir aber einlrelen, und dazu wird im Atisschusse Gelegen- heil sein. Stadtv. Fr. Goldsch»»idt II(A. L.): Die großen Schivierig- leiten, welche der Ausführung des Antrages Augustin eiitgcgenstcben, werden sich bei allieitigem Eiitgegeiikoinmen überwinden lassen. Die jetzigen Fortbildungsschulen verdienen alles Lob. ober sie kraulen an dem furchtbaren Uebel, daß die Schüler müde nnd abgearbeitet an dem Unterricht teilnehmen. Einen Zwang halte ich für»mbedingt notwendig, deiijcnigen, daß jeder sich ein gewisses Maß von Bildung nnd Kenntnissen aneignet. Unsre Volks- schule hat Ungeheueres geleistet, aber den gewaltigen An- fordenmge», welche das Leben an jeden von tms stellt, genügt sie nicht mehr.(Zustimmung.) Auch den besten und aus- gezeichnetsten Schülern der Gemeindeschnlen fehlt eS insbesondere i'iii Deutschen. Im Vergleich zur Geineindeschule in der Provinz steht die Berliner Genieindeschule etwa so da, wie Goethe gegenüber dem Dichter der Texte der Rnppiner Bilderbogen.(Heiterkeit.) Die Gefahr der anierikaiiijchcn Konkurrenz liegt nicht bloß in der Ueberlegenhcit einzelner Industriezweige, sondern darin, daß Amerika über ein ganz andres Arbeitermaterial verfügt. Ich habe bei meinen letzten Reisen in Amerika mich ivunder» müssen, in den Fabriken auch nicht einen einzigen ungebildelen Arbeiter zu finden. Ich einpfchle ja keinciivegS die allgemeine freie Volksschule Amerikas, aber ivir müssen doch die Lücken ausfüllen, welche unsre Vollsschule notgedrungen lassen muß. Das kann auf fakultativem Wege nicht gcichehen. Magdeburg, Hamburg, ganz Sachsen, haben die beste Erfahrung mit der obligatorischen Schule gemacht. Die finan- zielle Frage wird sich ganz von selber lösen. Stadtv. Dave/z Uhr. Gvwevkfiszaftliifzcs. Berlin inifc Umgegend. Die Aiihnemiinuer»nd das EinignngSamt deS Berliner Gewerbegerichts. Die Metallarbeiter, die fich zur Zeit bei den Firmen L n d Iv i g -L ö>v e und A l t m a n n im Streik befinden, haiten sich, ivie schon kurz gemeldet, kurz vor Ostern an das EiiiiginigSmNt gewandt zwecks Beitegung der Differenzen in beiden Betrieben. Beide Betriebe habe« ablehnend geantwortet. Die Firma Löwe mit einem Schreiben, in dem eS n. a. heißt daß die Firma die streikenden Kernmacher als Fremde betrachte dieselben sollen vom Nachweis der Kühnemäimer aber nicht gesperrt iverden, und habe die Firma einen dahingehenden Wunsch in einem Brief unter»» 27. März an den Verband der Berliner Metall- industriellen gelange» lassen. Die Firma sei bereit,»venu sich einzelne der Kernmacher melden, diese eventuell»vicder einzustellen. Es niiiffe aber abgelehnt iverden, mit einer Gruppe von Leuten zu -verhandeln, und werde die Firma deshalb auch zu dem anberaumten Termin nicht erscheinen. Die streikenden Kernmacher haben darauf beschlossen, der Firma die Mitteilung zukommen zu lassen, daß von einem einzeln kommen nicht die Rede sein kann, entweder alle oder keiner! Was die Firma schreibt vom Richtsperren, ist vollständig wertlos. Nach den bisher gemachten Ersahrungen hat die Entscheidung darüber, ob die Arbeiter gesperrt werden oder nicht, nicht die be- treffende Firma in der Hand, sondern die Vertranenskommission des Jndustriellen-Aerbandcs oder, um ganz deutlich zu sein, Herr Kühne- niann mit dem gottähnlichen Herrn Kleffel. Um aber auch i» diesem Fall einen bestimmten Beweis dafür zu haben, sind am Donnerstag früh drei Kernmacher auf dem Arbeitsnachlveis der Kühnemänncr gewesen. Einen Schein gab es nicht, iveil(dies wurde ausdrücklich gesagt) sie Streikende der Finna Ludiv. Löwe sind. Die Kernmacher haben einstimmig beschlossen, im Streik weiter zu verbleiben nnd werden deshalb alle Kernmacher ersucht, die Streikenden weiter durch Fernbleiben von dem Betrieb zu unter- stützen. Die Firma A l t m a n n hat auf das Ersuchen deS Gewerbegerichts ein Schreiben gesandt, in dem es unter anderm heißt, daß die Firma unter Hinlveis auf Z 62 des Gewerbegerichts- Gesetzes leine Veranlassung hat, das EinigungSamt anzurufen und zum Termin nicht erscheinen wird. Die Firma hätte sckion längst notwendig gehabt, mit Rücksicht auf die Verhältnisse des Industriezweiges, den Betrieb einzuschränken. Und da auf Monate hinaus keine Veranlassung zur Vergrößerung der Fabrikation vorliege, sei es ganz zwecklos, über die Möglichkeit der Wiedereinslellung der Streikenden zu verhandeln. Der Richtigkeit' des in diesem Schreiben Angeführten steht ja nun entgegen, daß erstens die Firnia noch sehr gern leistungsfähige Kräfte einstellen würde, wenn sich nur welche fänden. Beiveis: „Die Thätigkeit deS Nachweises in der Gnrtenstraße und außerdem die Bemühungen, von auswärts Dreher k. heranzuziehen. Ziveitens ist es ein Unding, de» Betrieb in jetziger Gestalt aufrecht zu erhalten, denn dann sind etiva doppelt soviel Beamte(Schreiber, Comptoiristen, Buchhalter zc.) als gelernte Arbeiter im Betrieb. Freilich, wo schon soviel eingeschustert ist, kann eS eigentlich auf 100 000 mehr oder weniger nicht ankommen. Die Streikenden haben von dem Schreiben Kenntnis genommen und beschlossen, den Streik fortzuführen. Der Zuzug muß unter allen �Umständen ferngehalten werden.— Wir ersuche» arbeiterfreundliche Blätter um Nachdruck. Zur Maifeier haben die im„Bund der Arbeitgeberverbnnde Berlins" vereinigten Scharfmacher i» ihrer letzte» Generalversammlung Stellung genommen. Die Delegierten der 17 vertretenen Verbände ivaren einstimmig der Ansicht, daß iveder eine ganze, noch eine teil- weise Freigabe des 1. Mai von den Mitgliedern zu gestatten sei. Einstimmig ivurde beschlossen, daß Arbeiter, die am 1. Mai ohne stichhaltige Gründe von der Arbeit fern- b le i b e n, zu entlassen si n d und in denjenigen Betrieben oder Werkstätten, wo sie bisher gearbeitet hatten, nicht vor dem 6. Mai wieder angenommen werden, dagegen bei andren Arbeitgebern nicht vor dem 16. Mai d. I. Arbeit erhalten dürfen. Jedem Verbände steht es frei, diese Frist bis zur Wicdcreinstellung zu verlänger n. Jeder Verband ist verpflichtet, diesen Beschluß seinen Mitgliedern bekannt zu geben und für strenge Durchführung zu sorgen. Achtung, Kleber? Von dieser Woche ab beträgt der Extra beitrag 60 Pf. pro Woche für jeden arbeitenden Kollegen. Die Ab stempelung findet wie bisher statt. Der Schlüßstempel in der Stceiklegirimation wird am Sonnabend, den 6. d. MtS., im Bureau Schützenstr. 18/1S, erteilt. Die verhängten Sperren bleiben nach wie vor bestehen. Der Vorstand des Verein? der Kleber. Crntralverciu für Arbeitsnachweis zu Berlin. Bericht über den Geschäftsbetrieb im Monat März 1002: Eingeschriebene, arbeitsuchende Pers. Von Arbeitgebern verl. Arbeitskräste In Arbeit gebrachte Personen... Arbeiter 1160 627 1316 663 1206 488 Tape- zier er weibl. inS- Pers. gesamt 230 84 260 194 2460 116 47 01 40 237 100 247 2630 188 2212 Deutsches Reich. Die AnSsperrnng der Bauarbeiter in Kiel wird leider fort- dauern. Nachdem schon am Sonnabend die Zimmerer zu dem Vor- gehen der Meister Stellung genommen hatten, beschäftigten sich am Dienstag auch die Maurer mit demselben. Ebenso wie die Zimmerer lehnten auch die Maurer das JnnungSnngebot ab und forderten den Abschluß eines Vertrage? auf drei Jahre, von denen die ersten beiden Jahre ein Stundenlohn von 60 Pf. bei S'/sstündiger, im dritten Jahre ein solcher von 63 Pf. bei Ostündiger Arbeitszeit zu zahlen ist. Das sogen.„Ultimatum" der Innung Iv u r d e einstimmig zurückgewiesen. Auch die Poliere traten auf Wunsch der Meister zusammen, um sich mit der Angelegenheit zu beschästigen. Sie nahmen eine vermittelnde Haltung ein und empfahlen den Meistern durch «ine Kommission von sünf Personen, einen Vertrag auf zwei Jahre bei einem Stundenlohn von 60 Pf. abzuschließen. Die Innung will aber keine Einigung I Ein Telegramm unsreS Kieler Korrespondenten vom 3. April mittags meldet UNS:„Die Innung„Bauhütte" beschloß, die Forderung der Maurer und Zimmerer nicht zu beantworten. Auch sämtlichen Polieren, die auf speciellen Wunsch der Meister zusammengetreten waren, wurde keine Antlvort auf ihren VermittelungSvorschlag gegeben. Alle JnnnngSbaute» ruhen. SOOO Geselle» fi»t> von der AnSsperrnng betroffen.— Am Sonnabend finden aber- mals eine Anzahl Gesellenversammluugen statt. Die Tapezierer, Polsterer nnd Dckoratenre sind zu Düsseldorf in einen Streik eingetreten. Sie fordern den neun- stündigen Arbeitstag.— Zuzug ist feruzuhalte». Beim Brotherr» Krupp wird weiter— gcwohlfahrt. Am Dienstag ivurden die Arbeiter des Martinwerks Ii bei der Löhnung durch die Wirkungen einer Accordreduktion beglückt,— bei einer Kolonne über SO Prozent—, sodaß die Leute bei ztvölfstüudiger Arbeit— die Mahlzeiten müssen bei der Arbeit eingciionmie« werden— 38 Pf. Stundenlohn herausbekamen und das für eine Arbeit, die übermäßige Anforderungen an die physische Arbeitskraft stellt. Die Kolonne der Nachtschicht begab sich zum Betriebsfiihrer und ivurde abgewiesen. Die Leute gingen nach Hause, um am nächsten Morgen nochmals mit dem Betriebsführer zu sprechen, weil mit dem erzielten Lohne nicht auszukommen sei. Aber es kam anders! Der Betriebsführer war für die Leute nicht zu sprechen; er ließ ihnen nur mitteilen, ihre Eutlassungspapiere lägen bereit. So werden günstige Betriebs- ergebnissc' erzielt— damit Krupp auf Capri schöne Wege für— Esel bauen lasse» kann. Achtung» Fabrik-Schuhmacher? Nach Mitteilungen ans Würzen befinden sich dort die Arbeiter der Firma Liidcr u. Comp. wegen bedentender Lohnreduktionen seit acht Tagen im Allöstand. Agenten dieser Firma versuchen gegenwärtig, Arbeitskräfte anzn- werben. Wir warnen hiernnt vor Engagements nach Würzen und ersuchen, den Zuzug streng fernzuhalten. Die Miinchener Schneider nahmen dieser Tage eine geheime Abstimmung über die vom Arbcitgeberverband verlangte bcdingungS- lose Aufnahme der Arbeit bei der Firma Chr. Schwarz& Sohn vor. Von den 307 Ausgesperrten stimmten 306 mit Nein und nur einer mit Ja. Das Resultat der Abstimmung wurde in der Vcr- sammlung, in der es bekannt gegeben wurde, mit großem Beifall begrüßt. Ausland. Die Aussperrung im Baugewerbe zu Amsterdam. Eine allgemeine Versammlung der streikenden und ausgesperrten Bau arbeiter und Maurer beschäftigte sich am Sonnabend mit dein Bor schlag der Konferenz, die kürzlich unter dem Vorsitz des Bürger- m e i st c r s stattgefunden bat, die Disicrenze» einer Kommission zu überiveisen, deren Beschlüsien sich beide Parteien unbedingt unter- iverfen sollten. Die Versammlung erklärte den Vorschlag für u n- annehmbar. In einer Resolution, die angenommen ivurde. ivird dargelegt, daß es gerade die binde n d e n Beschlüsse der Kommission von 1900 waren, die die Maurermeister damals an- erkannten, jetzt aber nicht mehr anerkennnen ivollen. ES ivird verlangt, daß die 1900 festgelegten Tarife, die bis zu der Aussperrung von 07 Proz. der Maurermeister innegehalten wurden, wieder anerkannt werden und daß keine Maßregelungen mehr stattfinden. Die übrigen Streit- Punkte sollen einer gemeinsanren Konnnission überwiesen werden.— Die Unternehmer werden in ihrem Kampf gegen die Arbeiter von den Lieferanten von Baumaterialien in Amsterdam eifrigst unter- stützt durch den Boykott solcher Unternehmer,' die trotz der beschlossenen allgemeinen Aussperrung arbeiten lassen. Die Amsterdamer Lieferanten haben an ihre Kollegen in andren Städten die Aufforderung gerichtet, keine Baumaterialen nach Amsterdam zu liefern. Die Bäckermeister von Christiania kündigten den Lohntarif zum 1. Mai. In einer Versammlung beschlossen daher die Arbeiter. in den Generalausstand zu treten, wenn eine Einigung nicht erzielt werde. Der Streik in Finme, der von den Heizern der„Adria Gesellschaft" auSging, hat sich jetzt auf eine größere Anzahl von Betrieben ausgedehnt. Die Fabriken sind polizeilich und militärisch besetzt._ Versammlungen. Die Lohubcwegung der Militärschueider. Eine Versamm- lung war zu Mittwochabend nach den Arminhallen einberufen, um den Bericht der Kommission über den Stand der Bewegung entgegen- zunehmen und weitere Bcschlüsie zu fassen. Der Referent machte den Anwesenden in ausführlicher Weise klar, aus welchem Grunde die Konferenz der Unternehmer vor dem Geiverbcgericht ergebnislos verlaufen. Er hob hervor, daß die Firnia Robrecht an alle Firmen (etwa 33) gleicher Branche jetzt ein Rundschreiben erlassen habe, worin sie ihr Fernbleiben von der Konferenz(zu der Arbeitervertreter nicht zngelaficn ivurden) mit der Ausrede zu entschuldigen versuche, daß ihr keine Einladung zugegangen sei. Die Firma erklärt in diesem Schreiben, daß ihre Arbeiter nicht Wege» einer Lohnerhöhung vorstellig gelvorden, auch augenscheinlich eine solche gar nicht wünschte». (Ironisches Gelächter der Versammelten.) Siedner erklärt: Thalsache ist es ja. daß die Arbeiter dieser Firma keine Lohnforderungen ge- stellt haben; dieses hat jedoch nur darin seinen Grund, daß die Arbeiter nicht den Mut besessen haben, Forderungen zu stellen. Auf« gäbe der andren Arbeiter müsse es nun sein, ihren Kollegen dieser Firma die Ueberzeugung beizubringen, daß sie sich in ihrem eignen Interesse den andern Militärschncidern anzuschließen haben. Gelverbegerickts- Direktor von Schulz habe erklärt, daß er die Firma Robrecht wegen ihres Fernbleibens von der Kon- ferenz in Strafe nehmen könne, doch wolle er davon absehen. Direktor v. Schulz habe ihm ferner erklärt, daß eine pure Annahme des Tarifs feitens der Unternehmer ausgeschlossen erscheine; die Unternehmer hätten auch erklärt, daß der Tarif zu ivenig Positionen enthalte. �Redner fährt fort, das Verhalten der mehrgenaunten Firma sei um so bedauerlicher, da fast alle Arbeitgeber, selbst das Warenhaus für Armee und Marine" durch seinen Vertreter sich zu Konzessiouen bereit erklärt haben. Die Arbeitcr-Vertreter haben»»n von der gesetzlichen Bestimmung Gebrauch gemacht und sofort den Antrag gestellt. nunmehr sämtliche Arbeitgeber (etwa 33) vor das Gewerbegericht zu laden. Nachdem eine längere Diskussion stattgefilnden, erklärt Redner i» seinem Schlußwort u. a.: Es sei einzelnen Ziveigen der Militäreffckten-Sattler gelungen, über ganz Deutichland eine Tarifgemeinschaft zu vereinbaren; diese? Ziel ebenfalls zu erreichen, müsse daS Streben der Militärschneider sein. (Znstimniung von allen Seiten.) Schließlich wird die Kommission beauftragt, dahin zu wirken, daß die Verhandlungen vor demGeiverbegericht möglich st sofort stattfinden! Sit den Gomeinvvmahlen. Neuer Sieg der Socialdemokratie. In Klein- Schöne« deck und Fichtenau siegte gestern in der Stichwahl zur Gemeindevertretung unser Parteigenosse Maurer Gustav Schultz« mit 36 Stimmen über den bürgerlichen Kandidaten Schlächtermeister Schneider, ivelcher 18 Stimmen erhielt. Mit Schultze zieht der erste Socialdcmokrat i»s Ortsparlament ein. Achtung, Parteigenosse» Spandaus! Heute haben die Wähler der dritten Abteilung die Ersatzwahl eines Stadtverordneten vorzunehmen. Für jede» aufgellärten Arbeiter Spandaus, welcher zumal die kommunalen Zustände unsreS Ortes kennt, besteht deshalb die Pflicht, heute nicht nur selbst sein Wahlrecht anSzuüben, sondern anch alles zu thun, was nur in seiner Kraft liegt, um die zahlreichen Wahlfaulen auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen und sie zur rechtzeitigen Wahlbeteiligung zu ermahnen. Niemand lasse sich durch die scheinbare Ruhe im gegnerischen Lager läuschen, der bekannte Wahl- apparat leistet nnsrcn Gegnern auch ohne besondere Agitation die gewohnte Wahlhilfc. Unser Stolz muß eS darum sein, mit einer er- drückenden Majorität unsrem Kandidaten, dem Maschinenschlosser Paul Schmidt, zum Siege zu verhelfen, um den Gegnern ein für allemal die Lust zu nehinen, daß sie noch weiter Ansprüche auf die Mandate der dritten Abteilung erheben. Die dritte Abteilung mutz den Arbeitern ganz' gehören! Es gilt jetzt, den zehnten Socialdemokraten in das Stadlhans zu senden. Die Wahlzeit dauert heute nur von 10 bis 1 und von 6 bis 7 Uhr I An die in B e r l i n und Bororten arbeitenden Spandauer Genossen ergeht darum die besondere Aufforderung. unter a l I e n U m st ä n d e n noch vor 7 Uhr in ihrem Wahllokal z» sein, um noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen zu können! Gewählt wird in folgenden drei Lokalen: Buchstabe A bis H im Restaurant Müggenburg. Fischerstr. 9 bezw. Liiideustr. 21. „ I» R in der„Palme", Ritterstr. 12. , L. Z im„Roten Adler", kleiner Saal. Legitimation ist mitzubringen. A»S Friedrichöfrlde schreibt nian uns: Wenn wir uns das Gesamtresultat unsrer Gemeiiidewahlen betrachten, so können wir trotz unsrer Niederlage zufrieden sein. In keinem andren Vorort ist wohl der Wahlkampf ein fo harter gelvesen wie hier; nirgends ist wohl mit solchen Machtmitteln gegen die Arbeiterpartei gekämpft worden. Nachtwächter und Gemeindevorsteher, Postbote und Oberpostassisteut, sämtliche Bahnbeainte, sämtliche Gemeinde- schnllehrer, alles stimmte gegen u»S. Die Bürgerlichen ließen sich keinen Beamten entgehen, mochte er bei dieser oder jener Behörde angestellt sei». So ivurde erreicht, daß alles zur Wahl ging und mancher gegen seine Ueberzeugung die Socialdemokratie besiegen half. Und' trotz alledem hatten wir am ersten Tage der Hanptwahl 322 bezw. 327(die Gegner 324—326) Stimmen, am zlveiten Tage 361—340(367—368) Stimme». Bei der Stichwahl hatten wir am ersten Tage 404(die Gegner 436) Stinmien, mehr als die Hälfte der socialdcmokratischen Reichstagsstimmen. Wir haben erreicht, daß den Arbeitern über ihre Gegner die Augen gcvfinet sind, das beweisen die massenhafte» Anmeldungen zum Wahlverein. Besonders verübelten die Gegner es dem Genossen Pinseler, daß er seiner Zeit eS strikte ablehnte, mit einer der bürgerlichen Parteien iKarlShorster oder Friedrichsfelder, welche als bitterste Feinde eineinder verdrängen wollten), einen Kompromiß zu schließen. Er erklärte ihnen öffentlich, entweder au» eigner Kraft alles oder nichts. Gleich nachher verbanden sich die feindlichen Brüder gegen uns. Die Gegner scheinen sich ihres Siege? nicht sehr zu frtüen, nirgends hört man ein Frohlocke». Der Katzenjammer wird nur zn schnell kommen. Der lachende Dritte wird dann die Arbeiterpartei sein. Die Bürgerlichen halten in der Agitation übrigens einen Vorsprung von vier Tagen, um fo viel früher wußte» sie vor der amtlichen Bekamitmachung den Wahltag. Gegen die Wahlen sind unsrerseits begründete Proteste eingelegt ivorden. Erstens ist die Wahl nur fünf Tage vorher amtlich bekannt gemacht(eine Woche ist erforderlich), dann find noch fünf wichtige Protcstpunkle vorhanden._ Die ReWtagsmhl in Elbing-Mmellburt» lieber den Ausfall der gestrigen Ersatzwahl erhalten wir in später Stunde folgendes Telegramm: Elbing, 3. April.(W. T. B.) Bei der heute stattgehabten Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Elbing-Marienburg erhielte� nach den bis abends 0 Uhr vorliegenden Ergebnissen König(Socjf 4315, von Oldenbnrg(k.) 1720, Kindler(frs. Vp.) 1160, Zager-' mannv erden. Es handelt sich um circa 2 Millionen Quadratmeter. Der Charakter der Festung wird durch AußcnfortS gewahrt. München, 3. April.(W. T. B.) DaS Ergebnis der Konferenzen zwischen dem Staatssekretär Grasen PosadoivSky und den hiesigen Minister» bezeichnen die„Münch. Neuesten Nachr." als in jeder Richtung befriedigend, insofern als eine Ueberein- stimniung in allen wichtigen Fragen unserer Zoll« und Finanzpolitik erzielt ivurde. Insbesondere gehöre dahin die Ueberzeugung, daß der in der Zolltarifkommission kundgegebene Standpunkt der Reichs- regierung, keinesfalls über die Minimalzolle für Getreide, wie sie der ReglernngSentivurf vorsehe, hinauszugehen, nach ivie vor als unerschütterliche Grundlage der vom Reichskanzler vertretenen HandelSvertragS-Politik'anzusehen sei, und ferner die Ueber- zeugung von der Notivcndigkeit einer Reform der Börsen- gesetzgebiuig. Bei Besprechung der Finanzlage des Reiches fei der Thatsache Rechnung getragen ivorden, daß eine Reform auf diesem Gebiete erst dann niit Aussicht auf Erfolg werde in Angriff genommen werden können, wenn der neue Zolltarif in endgüliiger Fassung vorliege und feine Wirkung auf die Reichs- Einnahnicn eine zuverlässige Rechnung gestatte. Stockholm, 3. April.(W. T. B.) Der Reichstag erhöhte in gemeiiisamer Abstimmung beider Kammern mit 106 gegen 174 Stiinnie» den Zoll für gefärbtes oder gebleichtes Gewebe aus Leiinvand oder Haus auf 27 Oere für daS Kilogramm. Gjövik(Norwegen), 2. April.(W. T. B.) Heute vormittag brach in einem Gebäude der staatlichen Pulverfabrik in NödfoS Feuer aus. DaS Gebäude wurde durch eine Explosion zerstört. Ein Arbeiter ivurde getötet, vier tödlich und drei« verletzt., London, 3. April. Das„Neutersche Bilreau' erfährt', Name des angeblich von dem auslralischen Lieutenant Hauco Pietcrsbnrg erschossenen deutschen Missionars Hesse gewesen. Das Kriegsgericht habe aber i» diesem Falle ge. die angeschuldigt«» Offiziere auf Freisprechung erkamlt, da sie'»,. Alibi»ackigewiese» hätten. London, 3. April.(W. T. B.) I» einem Kohlenbergwerk» zu Duufermline(Schottland) fand heule eine Explosion statt, durch welche vier Arbeiter getötet ivurden. Liverpool, 2. April.(W. T. B.) Der havarierte Dampfer der Cunard-Linie„Etrurta" ivurde heute nach 17'/etägiger Fahrt in» Schlepptau hier eingebracht. Bucuoö AircS, 2. April. Der Dampfer„AtheuaS" ist am 22. März in der MagalhanS- Straße an einem Felsen gescheitert. Der Kapitän und 10 Maiin sind ertrunken. Hierzu£ Beilage» u. NnterhaltuugSblati. n Verantwortlicher Redocteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin Nr. 78. 19. Illhrganh. l. KkilM iitü Jowrts" fttlratt Mstlitt. Fmlag. 4. April 1902. Elfte Celltrlllverwiillllmlg des Verbaiides der Lederilkbeiter DeuWands. � D i c n s t a g s- S i tz u ii g. Als Vertreter der Generalkommission ist Genosse U m b r e i t eimietiofYiii. Die, Debatte über den Bericht des Vorstandes nnd Ausschusses dreht sich hauptsächlich um den Wilster Streik. In Wilstcr waren 18SS ca. 311 Mann in den Ausstand getreten, weil zwei gcniast- regelte Nollepeu nicht wieder eingestellt waren. Der Vorstand be- Tfjitiflte zunächst diesen Streik nicht, weil er erst eine örtliche Unter- j,.chuiig anstelle» wollte. Die Wilsterancr lvandten sich nun beschwerdeführend an den Verbandsausschub, der den Streik dann auch bestätigte. In der Debatte kritisierte Kock- Elmshorn das Vorgehen des Vorstandes. Der Streik sei gar nicht aussichtslos gctvescn, da die Geschäftslage damals eine gute gewesen war. Auch von Aspcrn- Neumnuster bemängelt, daß die Bestätigung des Streiks von feiten des Vorstandes nicht erfolgt ist. In Wilster habe es sich nicht um die Mabrcgelung zweier Kollegen, sondern um die Vernichtung der Organisation gehandelt. Beiß>v enger- Berlin sucht in längeren Ausführungen das Verhalten des Vorstandes zu entschuldigen. Der Streik durste wegen der Statutenwidrigkeit, die vorlag, nicht bestätigt werden. Man muh die Sachlage nicht nur mit dem Herzen, sondern auch mit dem Vcr- stände beurteilen. Hierauf wird ein Antrag auf Entlastung dcZ Vorstandes a n- g c u o m m e n. Es folgt die Beratung des Punkt„Arbeitslosen-Unter- st ü tz u n g". Das Referat giebt Schnelle- Brandenburg: Schon wiederholt habe die Arbeits- losen-Unterstützuug die Geucralversainmlungen beschäftigt, leider sei sie bisher immer abgelehnt worden. Der ideale Charakter einer Gewerkschaft leidet unter der Arbeitslosen-Unterstützuug keineswegs, das bciveije» die zahlreichen Gewe'kschaften, die heute bereits die Atbeilsloscn-Unlerstlltznug eingeführt haben. Der VorschlagMolken- duhr s in der„Neuen Zeit" aus eine staatliche ArbeitSlosen-Versiche- ruug sei sehr schön, leider heute nicht durchführbar. Deshalb inüßten die Gewerkschaften lindernd und helfend eingreifen. Fi e dler- Arnstadt sKorrcfcrenl): Es gäbe Gewerkschaften, die trotz Einführung der Arbeitsloseu-Unterstützuug zurückgegangen sind, z. B. die englischen Maschinenbauer, die Transportarbeiter usw. Werde die Arbeitsloseii-Unlerstützniig eingeführt, so nehme die Gelverk- schaft den Charakter einer Versicherung an, wie Feuer-, Lebens- zc. Versicherung. Deshalb sei er gegen die Einführung einer solchen Arbeilslosen-Unterstütznng. Nach längerer Debatte wird der Antrag auf Einführung der Arbeitslosen-Untersttttzung in namentlicher Abstimmung mit 16 gegen 4 Stimmen angenommen. Rt i t t w o ch s- S i tz u n g. Nach Erledigung des Punktes Presse tritt die Versammlmig in die Verhandlung des Punktes Tarifverträge ein. Referent ist der Vertreter der Generalkommission U m b r e r t.— Die Tarifverträge sind ein Produkt der festeren Gestaltung der Geiverkschnften nnd der erfolgreicheren Führung ihrer Kämpfe. Sie haben zur Voraussetzung starke Organisationen der Unternehmer nnd der Arbeiter, die sich der schweren Folgen des Streiks bewustt nnd bestrebt sind, die Arbeitsbedingungen durch friedliche Verständigung zu sichern. Indes hänge die Anfrechterhaltnug dieser Verträge sowohl von der Vertragstreue der Unternehmer als auch der Arbeiter unter sich ab. Sic sind rechtlich verfolgbar nur gegenüber den Gegenkontrahenteii, nicht aber gegenüber den Beteiligten der eignen Partei. Es sei nicht zu befürchten, dag Tarifverträge den Klassenkampf der Arbeit ab- schwächen oder die Gewerkschaft in den Hintergrund drängen. Ohne unabhängige Organisationen der Arbeiter bleibt der beste Tarif- vertrag ein Ivertloses Stück Papier, seine Wirksamkeit ruht nur auf einer kampfbereiten Gewerkschaft. Der Referent verweist auf den Beschlnsz des dritten Gewerkschaftskongresses und ersucht, den Verband zu kräftigen, dann iverde das Unternehmertum statt Kämpfe zu pro- vozieren tarifliche Vereinbarungen abschließen. Neuilte GtiltrMechmilllNg des Vereills Deutslher Zchilsimlilher. München, den 2. April 1962. Den Bericht des Ausschusses erstattete Weise- Weifjeiifels. Eine Differenz zwischen dem Vorstand und dem Ausschns; bestand eigentlich nur in der AnSIegnng des Statuts in Bezug auf die Ge- Währung von Wöchneriiinen-Unterstützung. Sache der General- Versammlung lvird eS sein, durch eine klare Fassung des dies- bezüglichen Paragraphen ini Statut jeden Zweifel zu beseitigen. Äiigeiioiiiinen wurde ein Antrag, die Tuttlinger Angelegenheit getrennt vom übrigen Vorstandsbericht zu behandeln. W c tz e l- Tuttlingen wendet sich gegen die AnSfnhrniigcn deS Vorstandes. Die Angriffe auf Bock seien darauf zurückzuführen, daß Bock die Verhandlungen mit den Fabrikanten ohne Zuziehung eines K'ommissionsmitgliedcs geführt habe. Außerdem habe man den Kollegen in Bezug auf die UnterstützungSdaucr Verspechnngen gemacht, die man nicht gehalten habe. Leute, die damals gegen die Abmachungen sprechen wollten, habe man nicht zum Wort kommen lassen und so habe eine Minderheit die Abmachungen gebilligt. Redner giebt zu, daß in der Aufregung Worte gefallen sind, die man bei nüchterner Ueberlegung bereut habe und verspricht, daß die Verlvaltnng der Zahlstelle iii Tuttlingen das möglichste thun werde, die Organisation wieder zu heben. Bock geht ausführlicher auf die Vorgeschichte und die be- gleitenden Umstände der Tuttlinger Aussperrung ein. Die dortigen Kollegen hätten die Macht der' Fabrikanten und der Orgaiiisation unterschätzt. Er habe sich anfangs geweigert, die Verhandlungen mit den Fabrikanten zu führen, nachdem er aber gesehen, daß der Karren vollständig verfahren, habe er sich auf dringendes Ersuchen herbeigelassen, nach Tuttlingen zu reisen. Nach eingehender Be- ratnng mit dem Kollegen Simon seien beide zu der lieber- zcngnng gekommen, daß nichts mehr zu holen war; daher galt es, einen Mittellveg zu finden, im» auf irgend eine Weise wieder herauszukommen. Ans eine seinerseits bei den Fabrikanten gemachte briefliche Vorstellung erklärten sich drei Fabrikanten bereit, mit ihm zu unterhandeln, aber nur mit seiner Person allein. Um nun die Verhandlungen schon im vorhinein nicht scheitern zu lassen, mußte er darauf eingehen. Die Ver- Handlungen hatten drei Stunden in Anspruch' geilommen und wurden auch kleine Zugeständnisse erzielt. Nur auf die sofortige Wiedereinstcllung aller' Ausgesperrten erklärten die Fabrikanten nicht eingehen zu können, doch gaben sie das Versprechen, keine fremden Arbeiter einzustellen nnd bei Bedarf die Ausgesperrten zu berücksichtigen. Daß die Fabrikanten ihr Wort nicht gehalten, dafür dürfe man dock ihn nicht verantwortlich machen. Die Vor- würfe der Tuttlinger häuften sich aber gegen seine Person und man beschuldigte ihn sogar des Verrats i ja man hat sogar im socialdemo- kratischcn Verein den Antrag gestellt, ihn, Bock, für unwürdig zu erklären, das Reichstags-Mandat auszuüben.:? ihrer Gefangen- schaft befreit wurde. Jahrelang hat dieses Weib in der Anstalt und den Gruben gearbeitet, und trotzdem hat man es ohne einen Pfennig Geld entassenl Die Behörden haben auch verfügt, daß nur noch in einer Grube Anstaltsittsassen beschäftigt werden dürfen. Da jedoch auf Grube „Himmelreich" in Frohburg noch immer Anstaltsinsassen beschäftigt werden und das kgl. Bergamt trotz mehrmaliger Anrufung nichts thut, ist die Erregung unter den Bornaischen Bergarbeitern groß, die sich in ihren Interessen geschädigt fühlen durch solche billigen Kameraden. I» niehreren Zusanimenkünften ist der lebhaste Wunsch laut ge- worden, daß sich unsre Vertreter im Reichstage bei der nächsten passenden Gelegenheit der Sache annehmen möchten. Eine öffentliche Bergarbeiter-Versammlung hat sich bereits damit beschäftigt und dem überwachenden Beamten aufgetragen, von allem, was vor- gebracht wurde, seiner Vorgesetzen Behörde besonders Anzeige zn erstatten. Da trotzdem bisher nichts weiter in der Angelegenheit geschehen ist, werden deinnächst weitere Versammlungen veranstaltet werden. Es handelt sich aber nicht nur um die Interessen der durch die ungehörige Konkurrenz geschädigten Bergarbeiter, sondern um einen socialen Mißstand von' viel größerer Bedeutung. Die Zustände in diesen Anstalten müßten allgemein untersucht werden und es müßte der skandalöse Znstand der administrativen Verschickung in die An- stalten durch Gesetz beseitigt werde». Unsre Parteigenossen in den sächsischen Gemeindevertretungen, die ja reckt zahlreich sind, sollten sich der Sache annehmen und durch Aufdeckung der vorgestmdenen Mißstände die Oeffentlichkeit in größerem Maße dafür interessieren. Zustände, wie sie aus Borna bekannt geworden find, werden auch noch in andren Bezirksanstalten zu finden sein. Nus de« Fvttnvnbe»Vegung. Frauenarbeit in Bayern. Die bayrische Fabrikinspektion hat den Bericht für 1S01 früh im Jahre fertig gestellt und verschickt. Nahezu ein Viertel des an- sehnlichen Bandes gilt einer Specialerhebung über das Müller- oewerbe; in dem allgenieinen Teil finden sich neben den aus- sührlichen Tabellen auch allerlei bemerkenswerte Einzelheiten. Auffallend ist gleich zu Anfang die Verringerung der Betriebe um L614 Werkstätten, der Arbeiter beiderlei Geschlechts um 18 746 Per- sonen. Eine Aenderung in Benennung und Zerteilung der Betriebe giebt der Bericht als Grund dieser Erscheinungen. Ueber die weibliche Inspektion lautet das Urteil des Vorgesetzten sehr günstig. Man kann wohl sagen, daß sie sich überall da bewährt hat, wo man sich bemühte, geeignete Persönlichkeiten zu gewinnen und ihrer Thätigkeit nicht Hindernisse in den Weg legt. Die beiden Assistentinnen haben 1138 Revisionen vorgenommen, teils in Fabriken, teils in Handwerksbetrieben, auch 63 hausindustrielle Be- triebe sind besucht und geprüft worden. Daß bei diesen Revisionen 847 Beanstandungen erhoben werden mußten, zeugt nicht eben von sehr gesetzlichen Trieben der Arbeitgeber. Aber freilich— die seltnen und dann noch überaus milden Strafen scheinen die Uebertretung geradezu herauszufordern. Der Werkmeister einer Weberei, der eine Wöchnerin nach 3 Wochen zur Arbeit„zuließ", zahlte 3 M. Strafe. In einer andern Weberei wurde eine Arbeiterin mit Vorwissen des Chefs 17 Tage hintereinander während der Mittagspause beschäftigt; eine andre sogar während 5 Monaten. Die Strafe von 6 M.. die er erlegte, steht in einem so lächerlichen Mißverhältnis zu der langen Uebertretung. daß man sich über wiederholte derariige Vorkommnisse nicht wundern kann. Erst wenn die Strafe größer, viel größer ist als der Profit, den die Uebertretung gewährt, kann man von ihr irgend eine Wirkung erwarten. Die Textilbranche mit 50 983 Arbeitern, darunter 28 917 weibliche, hat trotz schlechter Zeiten Ueberarbeit in Hülle und Fülle. 37 744 Uebcrstundcn, welche sich auf 5937 Frauen in 956 Fabriken verteilen. Eine Firma mit Militärliefcrungen verlangte allein 8187 Ueberstnndcn wegen dringender Arbeit— vielleicht für Chinnkrieger? Eine Feinspinncrei forderte 7200 Uebcrstundcn. Im Gegensatz zn diesen Werken hat eine Weberei die Arbeitszeit um eine halbe Stunde verkürzt und dabei gleiche Arbeitsleistung wie zuvor erzielt. Es scheint sich nach und nach in verschiedenen Gewerben die Ansicht Bahn zu brechen, daß lange Arbeitszeiten nicht immer den Vorzug ver- dienen. In einer Trockenplattcnfabrik wurde statt der zehnstündigen die 8�/sstündige Arbeitszeit unter Beibehaltung der bisherigen Tagelöhne eingeführt, und erzielte vermehrte und verbesserte Arbeits- leistnng. Man denket Anderthalb Stunden gewonnen für Heim und Familie, für Ruhe und Freude— das Ergebnis frische Kräfte, daher eine bessere Leistung. Möckte dock diese zwingende Schluß- fordernng zur Nachahmung reizen, der geschäftlichen Interessen willen sollte die Arbeitszeit verkürzt werden. Aber diese Beispiele sind noch sehr selten, um so häufiger das Gegenteil. Bei Putzmacherinnen, bei Wäsche- und Konfekiionsarbeitcrn häufe» sich die Klagen über Ausbeutung der Arbeitcrinnc» durch un- gebührlich lange Arbeitszeit. Zu faffe» nud zn strafen ist diese Ueberarbeit fast ein, tvcil sie in sogenannten Maßgeschäften stattfindet. Denn als solche gellen sie anck häufig, wenn die direkte Kundenarbeit nur ausj Abänderungen an fertiger Ware besteht. Das lange Sitzen bis tief in die Nacht ruiniert die Gesundheit der jungen Mädchen; der oft sehr weite Heinuvcg mitten in der Nacht bringt ihnen andre, manchmal schlimmere Gefahre». Aber was liegt daran, wenn nur das Geschäft blüht. Finden sich doch immer arme Kinder, die froh sind, wenn sie nur erwerben, und die nicht ahnen können, wie gewissenlos mit ihrer Gesundheit gewirtschaftet wird. Daß sie auch jeden kleinen Schutz ans eigner Tasche bezahlen müssen, kann ihnen die gutgemeinten Maßregeln auchnicht liebermachen. Sohat ztvar dieSonu- tagsarbeit abgenommen, aber in mehreren Fällenist deshalb derMonats- lohn inTagelohn umgerechnet tvorden.nm an demAnsfallderSonntags- arbeit, die ja keinen ganzen Tagelohn vorstellte, noch etwas heraus- zuschlagen. Eine andre Weise, mehr Arbeit zu ergattern, besteht in Vertvischung des Unterschiedes zwischen Arbeiterin und Verkäuferin. Erstere verpflichtet sich in ihrem Kontrakt, an Sonn- und Feiertagen im Laden zn helfen und hier zugleich Veränderungen an Hüten usw. vorzunehmen. Sie ist»im Verkäuferin und als solche genießt sie nicht die Vorrechte des tz 137 der Getverbe- Ordnung. Ein Kaufmann in Augsburg, welcher 30 M. Strafe zahle» sollte, aber dagegen Berufung einlegte, wurde durch alle In- stanzen hindurch abgewiesen, und wird, falls er die Gerichtskosten auch zu zahlen hat, wenigstens einigermaßen fühlbar an die Jnnehaltnng der Gesetze gemahnt. Ob aber 30 M. bei einer längeren derartigen Uebertretung als ausreichende Strafe gelten können, muß stark bezweifelt werden. Am besten wäre es, wenn die Arbeiterinnen selbst genug aufgeklärt würden, um sich derartigen Zumutungen zu widersetzen. Daß sie hierzu viel zn fügsam und dabei'billiger zu haben sind, verschafft ihnen gegenwärtig eine größere Zunahme als den männlichen Arbeitern. Man findet sie sogar bei Baute»! in einem Fall wurde der Ringofen einer Ziegelei von einer Frau bedient. 3 Ziegeleibesitzer und 4 Ziegel- meister sind wegen Beschäftigung von Frauen an den unpassendsten Arbeiten angeklagt, einige davon schon verurteilt worden. Beanstandet wurde auch in 6 Fällen die Wiedereinstellnug von Wöchnerinnen, tvelche erst vor 4 Wochen geboren und kein ärztliches Zeugnis vorgewiesen hatten. Arg genug, daß das ärztliche Zeugnis oft gegeben wird, wenn gerade keine ärztliche Krankheit vor- liegt. Ter Arzt berücksichtigt ihre Notlage und iveiß, daß Hunger und Mangel nicht minder schädlich sind als Ueberanstrengnng. Sehr richtig bemerkt der Jnsvektor:„Eine erfolgreiche Durchführung des Wöchnerinneiischntzes tväre nur möglich, wenn die Krankenkassen die Unterstützungszeit von 4 auf 6 Wochen erhöhen würden." Die Nicht- beachtuug des Schutzes wird durch die bittere Not veranlaßt. Not bricht Eisen— warm» nicht auch die Schutzvorschriften? Geht es doch mit den Schutzvorrichtungen ebenso, wenn sie bei Accordarbeit benutzt werden sollen. In Hadcrn-Sortierränmen unterblieb die dringend notivcndige Reinigung der Arbeitsräume und Tische, weil die Arbeiterinnen den Zeitverlust fürchteten; sie riskieren lieber eine möglichst schwere Krankheit als eine Verminderung ihres geringen Lohnes. Ein neuer Beweis für das alte Wort: Accord- arbeit— Mordarbeit. Nicht anders liegt es übrigens bei andern nütz« lichen Vorkehrungen, wie Ventilation, Waschgelcgenheit, Nanm zum Umkleiden. Tadellose Einrichtungen werden immer gern benntzt. aber die Ventilation darf freilich nicht zu Gliederreißen und zu Zahnschmerzen führen, die Waschbecken müssen sauberund die Toiletteräume nicht zu weit von der Arbeitsstelle entfernt sein und unter Aufsicht stehen, fv daß die aufbewahrten Kleidungsstücke nicht gestohlen werden können. Leider fehlt es gar zu oft an dem Nötigsten. Noch mehr und öfter ist dies leider der Fall bei den Bedürfnisanstalten. Man fordert von der Arbeiterin Anstand und Sitte und verletzt beides gröblich durch die Einrichtungen, die man ihr bietet. Das besondere„S i t t l i ch k e i t s g e b i e t" liefert auch einige unerquickliche Züge. In einer Fabrik hieß es.«in Meister habe sich gegen eine Arbeiterin unsittlich verhalten. Da keine Beweise vor- haiidcn, wurde der Meister, der seine Unschuld beteuerte, in eine andre Abteilung versetzt, das Mädchen, welches nicht selbst geklagt hatte— entlassen. Also auch hier zweierlei Justiz, je nach Würde und Geschlecht. Sehr seltsam berührt ein Fall andrer Art, in welchem der verpflegte Lehrling eines Motorbetriebs in dem Schlaf- räum der Haustochter mit untergebracht war. Daß die Heimarbeit stetig zunimmt, wird ans mehreren Kreisen gemeldet. In Untersranken z. B. werden die Cigarren- fabriken sehr klein angelegt, um mehr Hausarbeiterinnen zu be- schäftigen als.Fabrikarbeiterinnen, wie es bei den alten Betrieben üblich' ist. Die Heimarbeit der Dütenklebcrei wurde von der Assistentin besonders beachtet. Für durchschnittlich 12 Stunden Arbeitszeit giebt es 60 Pf.', ganze 5 Pf. für die Stunde. Bei Ab- lieserung der Ware entsteht oft Zeitverlust, der nachts eingeholt werden muß. Zur Krankenversicherung zahlt der Arbeitgeber einen Beitrag, Invalidenversicherung giebt's nicht, weil— der Ablicserungstermin nicht festgesetzt ist. Laut amtlicher Er- kläruug verhält es sich so. Für die Spitzenklöpplerei, um diese Hausindustrie zu heben und zu fördern, wurde in Stadlern eine Schule errichtet. Wenn man bedenkt, wie jammervoll der Verdienst, wie elend daher das Leben dieser Heimarbeiter ist, bei denen die kleinen Kinder schon ihre Tagesarbeil zu leisten haben, so muß man nur bedauern. daß dieses traurige Gewerbe gepflegt und ermutigt wird, da ihm doch wirksam nickt geholfen werden kann. Die müh- same Handarbeit kann mit der Maschine nur konkurrieren, wenn die Lebenshaltung des Handarbeiters tief unter jener des Fabrik- arbeiters steht, ein Tiefstand, den man aus allen Kräften bekämpfen, nicht aber hochhalten und Pflegen müsse. Einzelne kunstvolle Leistungen werden vielleicht preiswürdig bezahlt, aber das sind Ausnahmen, auf die sich keine Hausindustrie für eine Vevölkernng gründen läßt. Die Errichtung von Arbeiterwohnungen, billig oder kostenlos, für verheiratete Arbeiter gehört hierher, weil dabei auf die Ehefrau gerechnet wird, welche nur schwer und ungern der billigen Wohnung ivieder entsagen wird. Diese sogenannte Wohlfahrts-Einrichtung, in Mittelfranken überaus verbreitet, bedeutet einfach eine Kette am Fuß des Arbeiters mit Familie— und soll auch nichts andres bedeuten. Der Glasarbeiterstreik machte die Probe.auf? Excmpek.. Hunderte von Familien im Winter auf die Straße geworfen— so sieht die Wohlfahrt aus, wenn der Arbeiter sich nicht bedingungslos fügt. Die Frau des Arbeiters muß einsehen lernen, daß hier kein Vorteil, sondern eine Gefahr sich bietet.„WcS Wohnung ich habe, des Lied ich singe", hat mit herzerfrischender Deutlichkeit Graf Hohcnthal im preußischen Herrenhause gesagt, als er den Bau von Arbeiterwohnungen von feiten des Staates empfahl. Und der Privatunternehmer ist'in dieser Beziehung nicht anders, höchstens noch viel willkürlicher. Je unabhängiger der Arbeiter, be» sonders auch der verheiratete dem Arbeitgeber gegenübersteht, desto besser kann sich das Verhältnis zivischen beiden gestalten. Nicht früh genug kann die junge Arbeiterin dies einsehen lernen: dann wird sie auch als Ehefrau'den richtigen Weg finden.'r Eine neue FranenagitationS-Broschnre hat soeben die Buchhandlung Vorwärts herausgegeben: Geistiges Proletariat. Francnfrage und SocialiSmuS. Von K l Zetkin. In dieser zwei Bogen starken Schrift erörtert die k.�3 fasserin in ihrer populären und doch gründlichen Darstellnngswe,/ die für das Bürgertum und die studierten Schichten ans der modernen Frauenbewegung sich ergebenden Probleme, ihre wirtschaftliche» und psychologischen Ursachen und den Weg zur Lösung. Um die Schrift, die nach einem von ihr gehaltenen Bortrage iveitcr ausgearbeitet ist, übersichtlicher zn gestallen, hat Frau Zetkin den Stoff in 5 Abschnitte geteilt: 1. Die wichtigsten Ursachen des Zerfalls der bürgerlichen Familie. 2. Die nioderne Frauenbcivcgmig. 3. Die Stellung der Akademiker zur Frauenbetvegnng. 4. Die Lösung der Konflikte durch den Socialismns. 5. Die Befreiung der Persönlichkeit des Mannes durch den Socialismns, und damit den agitatorischen Wert der Schrift erhöht, die jedenfalls der Frauen- agitation gute Dienste leisten wird. Der Preis beträgt 25 Pf. Mädchenhandel. Nach einem Telegramm des„Berl. Tage- blatts" veröffentlicht die„Nnova Autologia" einen mit Daten be- legten Artikel des italieniichen Diplomaten Marquis Paolucci über den Handel mit italienischen Mädchen. Paolucci veriveist auf die Zustände zu Saudhofen bei Mannheim. Ivo Hunderte toskanischer Mädchen systematisch an Leib und Seele zu Grunde gerichtet tvürde». Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffc. Montag, den 7. April, abends 8>/s Uhr. in den Arminhallen. Kom- mandantenstraße 20: Vortrag des Schriftstellers H. Ströbel über H. Heine. Gäste ivillkommen. Gevilszks--Rettung. Zwei Nachspiele zur Konitzer Mord- Affaire beschäftigten gestern das hiesige Schöffengericht. In dem ersten Fall handelte es sich um eine Privatklage, die Herr Dr. Hirsch Hildesheimer gegen den Verleger der„Staatsbürger- Zeitung", Herrn Wilhelm B r u h n. angestrengt hatte. Die Klage richtete sich ursprünglich in erster Reihe aiich gegen den früheren verantivortlichen Redacteuv der Zeitung. Herrn Bock l er, sie ist aber gegen diesen fallen gelassen tvorden, da er bekanntlich im Auslände ivcilt. Es handelt sich um einen Artikel, der in der„Staatsbürger- Zeitung" erschienen war, nachdem der bekannte Llcchcrchenr Schiller in Könitz tvege» Ver- leitunq zum Meineide verurteilt tvorden war. In dem Artikel wurde' der Privatlläger beschuldigt, daß er gewissermaßen die Central- stelle für alle in Könitz i» die Erscheinung tretende» Machenschaften zur Irreführung der Justiz sei. Der Angeklagte bestritt, irgendwie für die Veröffentlichung des Artikels verantivortlich zn sein, wogegen der Privatkläger behauptete, daß der Artikel unter ausdrücklicher Billigung seitens des Augeklagten erschiene» sei. Er berief sich in dieser Beziehung auf das Zeugnis des jetzt in Wien weilende» Redacteurs Böckler. Der Gerichtshof belchloß, Herrn Böckler kommissarisch in Wien vernehmen zn lassen. Die zweite Privatklage, die von dem Lehrer Weiche! in Könitz und dessen Ehefrau ausging und sich gegen den Privat-Detckliv Gilftav George und dem früheren Chesredactenr der„Berliner Morgenpost". Gottl. Meyer, richtete, dürfte noch manchen Staub aufwirbeln. George war ivähreud der Konitzer Ereignisse daselbst als Privat-Rechercheur thätig. Wie der Vorsitzende gestern durch Befragen des Angeklagten feststellte, ist dieser wiederholt, zu- letzt ivcgeu EigeiitumSverbrechenS mit 12 Jahren Zuchthaus, vorbestraft, er behauptet aber, daß er die Strafe nur zum kleinsten Teile verbüßt habe. Er hat die thatsächlichc» Unterlagen zu einem Artikel gegeben. den die„Berl. Morgeupost" in ihrer Nr. 15 vom 18. Januar v. I. veröffentlicht hat. Darin tvird mit dürren Worten gegen den Lehrer Weichet der Verdacht ausgesprochen, daß er der Mordthat in Könitz nicht ganz fern stehe und in längeren Ansführrmgen ivurde die Begrllndetheit des Ver- dachtcs zu erweisen gesucht,'der schließlich dahin geführt habe, daß sich Herr Weichet einer polizeilichen Haussuchung habe unterwerfen müsse». Der Artikel schilderte den Privatkläger als in schlechtem Rufe stehend und jähzornig, behauptete, daß er seine Frau so schlecht be- handelt habe, daS sie von ihm getrennt lebe und die Scheidnngs- klage eingeleitet habe, daß er als Lazarettgehilfe während seiner Militär-Dienstzcit bei Seciernngen immer ein auffallendes Interesse an den kunstgerechten Schnitten bekundet habe und auch im Besitz von chirurgischen Instrumente» geivesen sei, daß er auf dem Wege zur Schule die Stelle zu passieren habe, Ivo eines TageS plötzlich die Kleidungsstücke des ermordeten Winter gefunden wurden-c. sc. Schließlich wurde die Vermutung ausgesprochen, daß W. wahrschein- lich eines Tages den Gymnasiasten Winter im Zimmer seiner Frau überrascht, ihn gewürgt und die Leiche alsdann zerstückelt habe.— Rechtsanivalt Dr. Hahn- Charlottenburg erklärte für den Privatkläger. daß der Artikel diesen in empörender Weise der öffeut- lichen Verachtung preisgebe und um so strafwürdiger sei. als er ab- sichtlich Wahres mit Falschem verquicke und zn einem dem Privat- klägcr ungünstigen Gesamtbilde aufbausche. Er habe für den Privat- klüger schon gegen eine ganze Reihe von Zeitungen, die den Inhalt des Artikels übernommen hatten, klagbar vorgehen ntüssen, in den meisten Fallen habe sich die Sache dadurch erledigt, daß die Zeitungeit dem Privatkläger eine volle Ehrenerklärung gaben, doch sei dies vorliegend nicht der Fall. Dem gegenüber bot Rechtsanwalt Bobrecker für alle in dem Artikel enthaltenen Behauptungen den Wahrheitsbeweis an. insbesondere auch dafür, daß der Privatkläger thatsächlich der Thäterschaft verdächtig gewesen und deshalb Haus- snchuug bei ihm abgehalten tvorden sei. Er berief sich auf daS Zeugnis des Bürgermeisters von Könitz, ferner der Kriminal- kommiffare Braun und Wehn, sodann auf das Zeugnis des KreisschnlinspektorS R o h d e, des RechtSantvalts Gebauer nud des praktischen Arztes Dr. Müller in Könitz, sotvie auf eine Reihe andrer Personen, die über den Charakter, die Vermögensverhältnisse und den Ruf des PcivatklägerS Auskunft geben sollen. Rechtsanwalt Dr. Hahn erklärte, daß der Privatkläger der Beweiserhebung mit großer Ruhe entgegensehe und beantragte seinerseits noch die Einforderung der Ermittclungsalten in der Wintcrschen Mordsache und die Ver- nehnnma des Kriminalkommissars v. Kracht darüber, daß erst nach dem Erscheinen jenes Artikels ein Ermittelinigsverfahreu gegen den Privatkläger angestellt tvorden sei.— Der Gerichtshof beschloß. sämtliche angebotenen Beweise zu erheben, die Ermittelungsakten einzufordern'und die außerhalb wohnenden Zeugen kommissarisch zu vernehmen. DaS VercinSgesctz gegen deiiionstriercndc Katholiken. Der Gras zu Droste-Vischering und verschiedene andres katholische Bürger von Lüdinghausen waren wegen Uebertretung der Z§ 9, 10 und 17 des Vereinsgesetze» angeklagt tvorden. iveil sie an einem polizeilich nicht genehmigten öffentlichen Aufzuge teilgenommen hätten. Der Graf zu Droste sollte außerdem zu dem Aufzuge aufgefordert haben und gelegentlich desselben oder in einer nicht genehmigte» öffentlichen Versammlung unter» freiem H i m m c l als Redner aufgetreten sein.— Der Strafrichter stellte folgendes fest: Der Pfarrer Wesseling zu Lüdinghausen ivollte iin Juni 1901 unter Hinzuziehung von Jesuiten patres eine Mission abhalten. Der Bischof wurde indeffen durch de Regierungspräsidenten veranlaßt, die Fortsetzung d> Mission z» verbieten, wovon der Pfarrer am 2. Jnui den in der Kirche Versammelte» von der Kanzel herab Mitteilmifl machte. Vor der Kirche teilte dann der Graf zu Droste-Vischering den sich entfernenden Kirchgängern laut niit, daß die Patres»och am selbe» Tage Lüdinghausen verlassen würden. Die fast durchweg katholische Einlvohncrschast des Ortes geriet infolge des Missions- Verbotes in Aufregung und versammelte sich in großer Zahl zur fraglichen Zeit vor dein Pfarrhanse, um die Abfahrt der Jesnitenpatres abzuwarten. Als die Jesuiten das Pfarrhaus verließen, stellte sich Graf Droste-Vischcriiig auf der Straße auf, dankte mit weithin schallender Stimme den Patres für ihre segeus- reiche Thätigkeit in L., bedauerte, daß sie diese hätte unterbreche» niüsseu, und forderte die Menge zu einem dreimaligen Hoch auf, das dann auch ausgebracht wurde. Die Patres, Graf Droste und die mit ibm angeklagten Herren fuhren in sieben Wagen, begleitet von der Menge, voran dl) iveißgekleidete Kinder(„Engelcheu") und Juiigfrancn, nach dem Bahnhof. Die Menge sang zunächst ein geistliches Lied.— Das Landgericht Münster als BernfnngS- instanz verurteilte den Grafen zu einer Geldstrafe von 10V M. und die übrigen Angeklagten zu Geldstrafen von je 13 M. Das K a m m e r g e r i ch t verwarf die Revision des Grafen Drosle-Vischcriug, die Jnstizrat Modler vertrat, mit folgender Ve° aründung: Der Begriff des Aufzugs und der Versammlung unter freiem Himmel iin Sinne des Z 17 des Vereinsgesetzes sei nicht verkannt worden, denn es handle sich hier nicht um das zu- fällige Zusammensein von Menschen, sondern um eine zu einem bestimmten gemeinschaftliche» Ziveck absichtlich vereinigte, also in sich geeinte Menge von Personen, die sich als Glieder eines Ganzen fühlten und danach handelte». Auch Graf Droste- Vischecing sei sich dessen belvußt gewesen. Die alternative Fest- stellung des Vordcrrichters, er habe geredet entweder in der Ver- snnunlnng unter freiem Himmel oder bei dem öffentlichen Auf- znge, sei zulässig, da es sich hierbei nicht um einen ver- schiedeuen Thatbestaud handelte, und übrigens jeder offen t- l i ch e Aufzug sich zugleich zu einer V e r s a m m l u n g u n t e r freiem H i m m e l gestalte, was aus den Motiven zum Gesetz sich ergebe. Wege» Vergehens gegen 8 ttt Nbsah S de» NahrnngS- »littel-Gesehrö war der Landtags-Abgeordnele G r o ß- d e st i l l a t e n r S ch u l z zu Berlin in zlveiter Instanz vom Land- gcricht I zu einer Geldstrafe venirtcilt worden, iveil er wissentlich Nahrungsmittel, welche nachgemacht waren, unter Verschwcigung dieses limslandes verkauft und unter einer zur Täuschung geeigneten Bezeichnung feilgeboten habe. Es handelte sich um„Erdbeer- Limonade� und Maiwein- Extrakt, die der Angeklagte fabriziert und verkauft. Die chemische Untersuchung hatte ergeben, daß die„Erdbcer- Limonade" natürliche Bestandteile der Erdbeere nicht enthält. Ihr Aroma erhält sie durch geringen Zusatz eines aus Erdbeeren gewonnenen Destillats. Bei' der Fabrikation des Maiwein- Extrakts ist Waldmeister überhaupt nicht verwendet worden, sondern ein dem Waldmeister im Aroma ähnelnder Auszug ans der Tonkabohne.— Für den An- geklagten legte Justizrat Cassel Revision ein und niachte geltend, daß von einem Nachmachen im Sinne des Nahrungsmittel-Geseves nicht die Rede sein könne. Das K a m m e r g e r i ch t verwarf indessen die Revision mit folgender Begründung:§ 10 Nummer 2 dc§ Nahrungsmittel-Gesetzes sei ohne Rcchtsirrtum angewendet worden. Die Revision scheitere antdcr thatsächlichen Feststellung, daß die Erbbeerlimonade nicht aus natürlichen Bestandteilen der Erdbeere und der Maiiveiu- Extrakt nicht unter Vertvendnug von Waldnieister, sondern der andrer Substanzen zubereitet sei. Wenn auch nicht um Nahrungsmittel, so handle es sich doch um Gennßmittel, und diese seien„unter einer zur Täuschung geeigneten Bezeichnung" feilgehalten worden, denn von einer„Erdbeerlimouade" und von„Maiwein-Extrakt" könne bei der Znsanmiensetznng der unter dieser Bezeichnung feilgebotenen Produkte nicht geredet werden. Sie hätten nicht das Wesen, sondern mir den äußeren Anschein von Erdbeerlimonade und Maiwein-Extrakt. Ungültige Vcrfrommungövorschrist. Eine Verordnung der Regierung zu Königsberg verbietet den Schau kbetrieb während der Stunden des Hauptgottesdienstes', ausgenommen ist hierbei nur die Bewirtung von Fremden und Kranken. Das Kammergericht als Revisionsinstanz sprach den Gasttvirt Hinz, der gegen jenes Verbot verstoßen hatte, fr ei. Zur Begründung wurde ans- geführt: Der 8 8 Abs. II der Regierungsverordnung sei rechtswidrig und deshalb rechtsungültig. Eine solche Verordnung könne ihre Stütze nur finden in der KabinettSordcr vom 7. Februar 1877, deren Gültigkeit durch Gesetz vom 9. Mai 1892 auf sämtliche Provinze» des Königreichs Preußen ausgedehnt worden sei. Sic ermächtige aber nur zum Erlaß von Verordnungen. die dem Schutze der„äußeren" Hcilighaltung der Sonn- und Feiertage diene». Es sei nun nicht ersichtlich, wieso der S ch a n k- betrieb im allgemeinen geeignet sei. die äußere Heilighaltmig der Sonn- und Feierlage zu stören. Allerdings habe das Kammergericht eine Bestimmung für rechtsgültig erklärt, der den Schankbetricb während der Stunden des Hauptgottesdienstes in B ra n n t w e i n schenken verbiete, weil der überwiegende Genuß des leicht berauschenden B r a n n t- weinS leicht zu Excesien führe, die sich auch außerhalb des Lokale? bemerkbar machte» und sehr wohl die äußere Heilig- Haltung des Sonn- und Feiertages zu stören geeignet wären. Hier aber sei jeder Schankbetrieb, mit zwei Ausnahmen. für die Zeit des Hanptgottesdienslcs verboten worden, und das s c i nicht zulässig, weil damit die Regierung über den Schutz der äußeren Heilighaltung hinausgehe. In der Huniauistischc» Gemeinde, Niedertvallstr. 12, in der Aula der Friedrich- Wcrderichen Ober- Realschule, hält am Sonntag, vormittags lO'/a Uhr, Herr Professor Albert Gehrke einen Vortrag über:„Die Güter des Lebens." Damen und Herren haben freien Zutritt. Zllbrccht Dürer, Knnstgcwerbl. Verein. Heute 9y4 Uhr bei Spielberg, Köpnickerstr. 62: Bortrag des Herrn Prof. Dr. Springer, Direktorial- Assistent der kgl. Museen:„Die alte und neue Gartenbau- In n st."(Mit Lichtbildern.)_ Marktpreise von«erlin am 2. April l»i»2 nach Ermlltlungen des lgl. Polizeipräsidiinns. s-Welzen, gut D.-Llr « miNel, „«erni, -slloggeu. gilt « mittel, . gering »Gerste, gut. .»iittel . gering »j-aser, gm , miiiel . gering Richlstroh, ip-ii Ghbfeii Speisetohnen. Liiilen, ch ab Bahn.» frei Wagen nnd ab Bah». Produtteumarkt vom Z. April. An der Getreides Srse vollzog sich heute eine weitere Erholung. Im LieferniigShandel zogen Weizen»»d Roggen>/, M. an auf höheres Oepretch-Ungarn, wo die unerwartete Geringfügigkeit der Rpriltündigungen stiiiiusierte, soivie auf festes Nord- anierila, wo man mit einer gesteigerte» Exportthätigkeit»ach Europa rechnet. Auch in dein Esteltiv-Geschäst ging es bei fester Tendenz zeitweise etwas lebhafter z». Von hier und auherhalb lagen einige KonsiunorderS vor und das Augebot war ganz unbedeutend. Mehl notiert« wie gestern. Fiitterartiiel lagen ebensalls fest, per Mai wurden Hafer uiid Mais% M. höher bezahlt, die Locvpreise waren gut behauptet. Rüböl wurde ver- nachlässtgt. Am Spirttusmarkte stellte sich 70 er loco 10 Pf. unter gestern aus 33,90 M. Für den Jnlialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publik»», gegenüber keinerlei Verantwortnng. Tüenkev. Freitag, den 4. April. Opernftans. Tainibäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. An- laug 7Vi Uhr. Schon, pielbans. WallensteiiiS Lager. Die Plccoiomiiii. Auf.?>/, Uhr. Neues Oper»> Theater(Kroll». Geschloffen. Schiller. Nathan der Weis«. An- fang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe daS Leben. Anfang?>/, Ubr. Pcrltiier. Die Gioconda. Anfang 7>/z Ubr. Lefsiiig. Die Fe« Eaprtce. Anfang 7'/, Uhr. BSrstcn. HanS Helling. Anfang 7'/, Uhr. Residenz. Einquartierung. Anfang 71/, Ubr. Neues. Goldfische. Aiisang 7>/, Uhr. ScrcssionSbübne. Detlev Lilien- crons Buntes Breitl. Ansang 8 Ubr. E. v. Wolzogens BmiteS Theater (Ueberbrrttl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissiinus- Zwischenspiele. Anfang 8>/, Uhr. Seniral. Das süb« Mädel. Ansang 7'/, Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7-/, Ubr. Luise». Gebrüder Bock. Anfang 7i/, Uhr. Earl Weih. Hannemann vom Viehhof nnd: Der kleine Cohn. Ansang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstädtische». Die Maschinenbaner von Berlin. Anfang 7'/, Uhr. lvrlle-Sllliance. Die Dame aus Troiwille. Hierauf: Er. Anfang 7>/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivari. Täglich Borstellimg. Ansaiig 8 Uhr. ivkrtropol. Die wahre Liebe ist das nicht. Speeialitäten-Vorstellniig. Ansang 8 Uhr. Apollo. Lysistrata. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Poffage> Panoptitni». Specials- läleii-Voistelliing. Palast. Epecialiiälell-Vorstellnug. Die Vetlchensee. Ansang 8 Uhr. Easino- Theater. Ihre Familie. Specialiläten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Reichshalle». Steltiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Pasiage> Thralcr. Specialitäten- Vursteliung. Ansang»achniittags 5 Uhr. «rauia. Tanbeustr.(Im Thealersaal.) AbendS 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. J»valide»iuaije 57/U£. Täglich: Sternwarte._ SWtt'ThtM (Wallncr-Theater). Freitagabend 8 Uhr: Katlia» der Weise. Dramatisches Gedicht in ö Aufzügen von Gotth. Ephr. Lessing. Sonnabendabend 8 Uhr: Ztatimu der Welse. S 0 u u t a g 11 a ch m i t t a g 3 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: I>er Probekandidat. Casino- Theater Lothringersir. 37. Gastspiel Antonie Agaston in „Berlin aus Stelztn" u. Urkomisch! Sensationell! Sonntagnachm. 4 Uhr:„Wiutter- fegen". Anfang Wochent. 8, Sonntags 7»/, Uhr. yraiiia. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Castans Panoptlcom Frledrlch-Strasse 165. Zwergin Ä linde (einaüg in ihrer Art auf dem Erdenrund!!) M llai' Boerenkrieg (Botha, DeWet, Delarey, Krtlger.) Lebende Photo�rai, Ilten. Ii Dil t humor.-musikal. Quintett HCU. Kirchmcyer. Cknttiil TIMer. Heute, 7Vj Uhr, zum 108. Mal: DAS J'iUI«? Miidel. Operette in 3 Akten von LandSberg und Stein. Mustk von Reinhardt. Morgen und folgende Tage 7>/, Uhr: Das süße Mädel. Sonntagnachm. 3 Uhr: Ter Bettelstudent. I'dalia-'rheater. Dresdenerstrasie 78/73. Heute und folgende Tage 7'/, Uhr: Seine Kleine. Gr. Ausst.-Poffe in. Ges. u.Tanz in 3 Akt Guido Thielscher, Fritz Helmerding, Hans Jmikeriiiaim, Herbert Paul- Müller, Paula Worin a. G., Gerda Walde, Leonore Boje, Else WaniioviuS. „Uad'n Sie nlcbt den kleinen Golm gesed'n?" Soniitaguachmittag 3 Uhr, kleine Preise. Ter Herr im Hanse. c aii Weiss-Theater. Große Franksiirterstr. 13a. Haniltmaan com Viehhof und; Ter kleine Cohn. Grobe Berliner Ausstattungspoffe mit Ges. in ö Bildern von Ernst Ritterseld. Musik von Albert Wichcr. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonuabendnachm. 4 Uhr: Max und Morih. Kleine Preise. Soiiutagiiachuuttag 3 Uhr: Das Käthcheu von Heilbronu. Kleine Preise. Parkett 60 Pf. tpoIio-Tiieater. Dnrchschiaercndcr Erfolg der X ovltttt!_ SV Zum 5. Mal: Lysistrata Phantastisch. Operetten-Burleske von Paul Lincke. Im 2. Akt; Das berühmte Luftbaüett „Orlgolatls46. Femer; SneueSppcialitUtcn. Beginn der Specialitäten 7t/3 Uhr. „„ Operette S1/,„ i_l_r Lieichfteit e» Zeitschrift für die Jutcreffen der Arbeiterinnen. Redigiert von Dlnvn Zetkin. Wie btsher so wird die„Gleichheit" auch fernerbln mtt aller Energie nnd Schärfe kämpfen für die volle sociale Besrclung der proletarischen Frauenwelt, wie sie eüizig und allein möglich ist in einer socialistischeu Gesellschaft. Denn nur in einer solchen ver- tchwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschasis- verbältniffen die Ursache jeder gesellschasilicheii Unterdrückung und Unfreiheit; die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Menschen von einem andren Menschen, der Gegensatz zwischen Besttzenden und Nichlbesitzenden, der sociale Gegensatz zwischen Mail» und Frau, zwischen Kopfarbeit und Handarbett. Die„Gleichheit" ist im ReichSpost-Zeitungskatalog für 1902 eingetragen unter Nr. 30S1 und kostet vierteljährltch SS Pfennig ohne Bestellgeld. Probenummcm stehen jederzeit zur Verfügung. Stuttgart. Der Verlag der„Gleichheit". 1 Cirkns Renz-Konzert-Tunnel Karlstraaae. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direklion: Sonntags S Uhr. SpsotalltKtSQ. J. 91. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Voretellung: Tanx ebne Nachzahlung ffletropol-Ilieater Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Zum 5. Mal: Die wahre Liebe ist das nicht. Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern von Horst u. Stein, bearbeitet von Julius Freund, Musik von Victor Holländer. Anfang 8 IThr. Bauchen überall gestattet. Morgen und die folgenden Tage; Die wahre Liebe ist das nicht. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Sensations-Programm der April-Novitäten. Emilie Carola, preisgekrönte Wiener Schönheit. Hugo 9IUdIInger der originelle Humorist. Eeti Estrellas Spanische Tänzerinnen. 16 nene erstkl. Nummern! rettag, 4. April, abends 71/, Uhr; iroste Vorstellung; Klondlke. Orig-Pantomime des Cirkus Busch. Die Prinz Heinrich-Fahrt nach Amerika. An der Spaudauar Brück« 3. Grösit.VergnUgungalokal Berlins Internationale Konzerte von 5 Künstler-Kapellen. Im 6. u. 7. Bogen erstklassige Theater- und Specialitäten-Vorstellung Ausschank der Berliner Book-Brauerei. Bilrgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl, Matinee von 13— 3 Uhr. Beile•Ailiance-Theater. Die Dam ans Troilviile. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Bmii Sondermann. Fard. Worms. Mizti Birkner. Rosa Marten. Hierauf:„Er". Pariser Lebens- bild in 1 Akt. Adelettartung a ß. Leopold Thurner a ß. Sonntagnachmittcig 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfelb. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Freitag, 4. April, abends 8V1 Uhr- Gastspiel von Emannel Reicher. Serenissimus-Zwischenspiele Liehesträume, Bauernkumedi, G ewitter, Abschiedssouper. Palast-Theater (früher Feen-Palast) «nrgstr.«2. Direktion R. Winkler 11. W. FrDbel. Ungewöhnliches Riesen-Programm. 8V, Uhr. 8Vj Uhr. Der grofte Schlager! Eine Nacht im Ballhaus. Schwank in 4 Akten von Kneiiel. «änfllng, Küster: Dir. Rieh. Winkler. Eeo Aarra» iii ihren phäliomen.Siinstleiftungeu Emiuellne Höchberg:, Original. Neu! Amor. Neu! Spiel- und GefangS-Terzett. A n a 1 d. Tanz- Phantasie. Zum erstciiinale in Berlin. Auaeerdem nurNurnrnern I. Ranges Anfang präeise 8 Uhr. —«ntree 50 Pf."7W W. Noacks Theater. Brmmcnstrabe IS. ßiiic Tochter des SiidtuS. Schauspiel in 5 Akte» von Charlotte Birch-Pfeiffer. Sonnabend: Der Hüttenbefitzer. Seefische billig! Schellfische in»»«« crü»«en 20—25—30 Pf. pro prd. Cabliaua »n«! t»oI'oa zu äusterft billige» Preisen. ßptlacbe Artikel. Ohrlöcher werden schmerzlos gestochen. in schöner Ware von 45 Pf. pr. Pfund an, sowie Knochen, Knochensieisch.Gts- deiue ie. täglich frisch in misren Detatlverk.-L.aden Berliner BMirst- lind Fletschwaren-Fabric* Petersburger Möbel. Bürgerliche Wohniliigseinrichtinigen in guter Aiiöfiihning zu bill. Preisen. Auch Teilzahlung. 36302 liiZ Lüilhsbttgtrstrliije 1V. Cnvl Heibig, Heiljithilsc iml) Masstur für sämtliche Krankenkaffeu Berlins 4>llL*i und Uiiigegeud. Uiedomitr. S, Eing. Wattstr. 19, 1, Cenlralverhand der Handels-, Transport- und Verkelirsarbeiter neutschlands. Hierdurch diene zur Kenntnis, dan Unser Mitglied K7/L �kIiWU Mm derstorben ift. Die Beerdigung findet Freitag, den 4. April, nnchmitwgS 4 Uhr, von der Leichenhalle des Eimuaus-Kirchhofes in Nixdorf, Hermannstrabe, aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht _ Tic örtliche Bertvaltung. oeutzeker IlelsIlArbeiter-Verdsvl! Bertunltniigsstelle Berlin. Bureau: EngestUfer IS, Ziminer 1— S. Fernsprecher: Amt VII. 353. Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser ii»obC!eine>>»i am 26. März gestorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 113/0 Die, OrtSverwaltung. Danksagung. , Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden meiner Frau sage ich hiermit im Namen der Verwandten herzlichen Tank.__ Alfred Itättchcr. Sonntagvormittng »>/z Uhr Lchlestsche Brücke nach Treptow tEierhans). F�nsegelung. <»U«te>vlllli»»n>n>en. Vspein kei'Ilnei' kiielilll'lilZll-IVIgslZliiiikWeistki'. ZonntuZs, 6en 6. 6. ML, von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags, in Cohns Festsälen, Benth- Strasse 20: Drucksachen=Ausstellun�. Aufstellung von Faehsclmler-Arbeiten. Einlritt frei! Um rcpen Besuch bittet Dor_Vor8tand. Centrawerdand der Maurer ete. (Zahlstellen Berlin unä vmgegenS.) Wir machen die Verbandsmitglieder daraus aufmerksam, daß die letzte General-Versammlung beschlossen Hat, das Bandeputierlen-Systeur mehr auszubauen als bisher. Der Beschluß lautet: Die Kontrolle über die richtige Beitragsleistung der Verbandsmitglieder ist wie bisher Sache der Agitation aus den Bauten. Jeden ersten Montag im Monat hat aus allen Bauten Berlins und Umgegend eine allgemeine Kontrolle der Verbandsbucher stattzufinden. Die Baudepntierten haben Listen, die Sonnabends in den Verlehrölokalen verausgabt werde», mit Nummer und Namen der Mitglieder auszufüllen und bei diesen allgemeinen Kontrollen die letzte bezahlte Marke einzutragen. Selbstverständlich ist beim Arbeitsantritt der Kollegen Nummer, Name und Zahlung nachzutragen. Wir bitten nun, dem Beschlüsse gemäß zu handeln und aus allen Bauten umgehend einen Baudepntierten zu wählen. Am Dienstag, den 8. April, findet im„Gewerkschnftshanse", Saal 8. eine Ver- sanimlane: der Dcpatiertcn statt. 137/20* Wir erwarten, daß in dieser Versammlung jeder Bau vertreten sein wird. WW _ Die VerbandBlcitwns- I- A.: Karl Pansar. Möbel auf Teilzahlung bei ganz geringer Anzahlung liefert die Möbelsabril A. K r a ii h c, Schütienstr. 2. Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Speeialarzt für 17/13 Hant- und Hnrnleidcu. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Arbeiter-Bildungs-Schule. Freitag, den 11. April, abends SVi Uhr, im„Gewerkschaftshaus", Engel-Ufer 15, Saal 8: General- Versammlung. Taftes-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrer-Kollegiums und der Revisoren. 2. Neuwahl des Vorstandes und zweier Revisoren 3. Anträge. 4. Schul- und Vereinsangelegenheiten. 4/14 IHltgllediibach legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitagabend 8>/z Uhr, iiu GewerkschaftshauS, Engel-Ufer Nr. 15: KItjeuuK der Orts-Verwaltung. AMimg I MM MtlI. AM««! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle 45 von Kottbufer Tamm 33 nach Kottbufer Damm SS bei Zemkut verlegt worden ist. Achtung! Einsetzer. Acht«ns! Sonntag, 6. April, vormittags 10 Uhr, im GewcrkschaftShanS, Engrl-Ufcr IS, Saal 7:_ Tages-Ordnung: 1. Regelung der Unterstützungsfrage ans dem Reservefonds der Ein- fetzer. Referent linrleoivsbz'. 2. Wahl des Vertrauensmann es für Charlottenburg. 3. Branchcnangelegenheite». 75/3 Die liontrollkommlGslon. Tischler-Berein zn Berlin. Sonnabend, den.?. April, abends 8>,'z ilhr, Mrlchiorstrahe 15: 13= Ordentliche General- versanmimig. � Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Vierteljahr. 2. Neuwahl des stellvertretenden Vorsitzenden. 3. Beridit des Bibliothekars. 4. Vereinsangelegeuheiten. Verein der Lauansekläger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 6. April, vorm. lOV- Uhr. im„Gclverkschafishause' n.?afflsp Sounabend. den 5. April, abend» 8Vi Uhr, AinUtlllUlU- wlUllll. bei 91. Buske, Grenadierstrabe 33. Taidttt-p 1t ffnifopnirtrfii'l' Dienstag, den 8. April, abends 8V, Uhr. AfllPft U. JlUprmß�rt im GewerlschastShans, Engel-User l-, Saal 7. UlNil-öv. Sn�klar Sonnabend, de» 5. April, abends SV, Uhr. $lMl(lU(*0?Uillll im GcwerksdiastShans, Engel- User 15, Saal 7. TageS-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom 1. Quartal 1902. 2. Wahl von zwei Mitgliedern zur Tarif-Kommtiston. 3. Ist die Arbeitsloscn-Unierstützuug ein Kampfmittel? 4. DiSkuisson. 5. VersdiiedeneS. tzinolfliinltutt>. ItwiiJnJjtt"ÄäiSÄSÄh'f■ StlrtrtöM- Qrtfflltp Dienstag, de» 8. April, abends 8V, Uhr, zNNNlN" eMUU V l im Äewcrlschastshaus, Engel-User 15, Zimmer 10. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 15(3/14 Die Ortsverwaltnng. Möbel-Fabrik u. Lager kompletter Wobnungs-Einrichtungen zu Fabrikpreisen— Figne IVcrkstStten— empfiehlt Julias Äpelt, Skalitzerstr. 6,~" roano der Maurer Deutselilands Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Sonntag, de» 0. April, vormittags 11 Uhr, im großen Saale ' der Arminhallen, Kommandantenstraße 20: Mitglieder- Bersammluug. Tagis-Ordnnng: I. Abrechnung des Kassierers vom 1. Qnartal 1902 und Abrechining der Unterstützungs-Kouiinission. 2. Beschlußfassnug über die in der össent- lichcn Versammlung augenommenc Resolution. 3. Verbandsangelegeiiheitcn. Guten Besuch erwarter 133/9 Die»rtllebe Verwaltung. I. A.: Herrn. Neumann. Verband der Van-, Erd- und gewerblichen Vilssarbetter ZenWlands. Zahlstelle»erlin III. Sonntag, de» 0. April, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Simmermann, Badstr. 38: Mitglieder-V ersamml nug. Tages-Ordnung: I Zahlstellenlonfereiiz- Bericht und Diskussion. 2. Abrechnung de» Kassierers. 3. Jahresbericht. 4, Neuwahl des gesamten Vorstandes. 5. Wahl der Delegierten zur Provinzial-Konserenz. ,6, Verbandssachen und Bcr- srliicdcnes.— Zahlreiches und pünltliches Erscheinen cnv artet 32/17 Die Drtsverwaltnng. ßauiiandwerker-Kraakenkasse für Berlin und L'nigcgend(Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 118). Sonntag, den 13. April, vormittags Punkt 10 Uhr, im Lokal deS Herrn llolkmaun, Alexanderftr. 27c: Anßerord. General Persammlnng« Tages- O r d» n u g: Abänderung folgender Paragraphen des Statut»: 1. K 8 Absatz 1: Die Erhöhung des Eintrittsgeldes, sowie Absatz 4 im I. Nachtrag die Erhöhung der Beiträge§ 11h und d Herabsetzung der Tauer der Krankeimuterstütziing. 2. Innere Kassenangclegenbeitcn. KM- Mitgliedsbussi legilimiert. Die Versammlimg wird Punkt 10 Uhr eröffnet.— In Anbetracht»er wichtigen Tagesordnung ist ein zahlreiches Erscheinen der Mitglieder dringend erforderlich. 38/14* Der Vorstand. Rabitzspanner und Träger! Sonntag, den 0. April, vormittags 10 Uhr, im Lokale deS Herrn 6. Jannaschfc, Jnfrlftraße 10: Kombinierte Mitglieder-Versammlung ber im Ctiitralverhaiiii orgaitisltt'ttil cnwm u. Träger und der zreien Bereiiligimg der Rlibitzspamitr Berliiis v. Nmgegeiib. Die Tagesordnung wird in der Versainuiluiig bekannt gemacht. Es ist Pflicht der Mitglieder, in dieser Versammlung zu erscheine». 1606b I. A.: Fr. 4(nade. JCIeinG ÄnzGicfGn* W'- W Wort fett, Worte mit mehr als WM Jg Wi. M M AM M M Mm M M M 9 W in de r Buchs taben 2ählen doppelt, �BHhB Mi Am y d Ameiffen �,7'� in den Anna fnnes teilen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Haupt expedition Benthstr.3 bis 4 Uhr angenommen, iStG � rden M M Verkäufe. Bauslelle» ohne Banzwang, gesundeste Lage, Ostbahn- Vorort, Quadratrute 12 Mark, verkaust Hans- vcnvalwng. Bninnenstraße 151." Borjährige elegante Henen-Anzüge und«sommerpaletots aus seiusten Stoffen 25— 40 Mark. Verkauf Sonn- abend und Sonntag. Versandhaus Germania. Unter den Anden 21. II. Tüeiche Herreuhüte, gute Qualität, Stück 95 Psennig. Bessere Sachen enorm billig.. Hutfabrik, Couiptoir Kaiserflraße 2l\, früher Barnimstraße 4 und 5. Sonntags gc- iissuet.__(1088S1* Teppiche, gute Qualität, kleine Webfehler, afle Größen, spottbillig. Fritz Sioehr, Münzstraße 17.* Teppiche!(fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brun». HackescherMartt 4. Babnhos Vörie.__ 111/7* Teppiche, Betten, Steppdecken, Gardinen, Remontoiruhren. Regula- loreii, spottbillig, Leihhaus Neauder- straße 6. � Teilzahlungen gestattet, j* Atilchtiibel nach genauer Polizei- lichcr Vorschnft sowie alle Milcbwirt- schastsgeräte bei Jordan. Kleine wlarlusstraße 28. 1086K» Restauration, billig zu verlausen. straße 10._ krankheitshalber Berlin, Duncker- 115/7» Kauarienhähne und Prima- Zuchtmaterial, straße 154a, IV r._ Weibchen, Köpnicler- 728b Nähmaschineu, preiswerteste Bezugsquelle, ohne Anzahlung. Wache 1,00. Lieferung nach allen Sladtteilen sofort. Postlarte genügt. Lands- bergerstraße„82". Köpni-kerstraße Nr. 60/61._ 589» («ardiiieiihanSGroßeFranksiirier- straße 9, parterre._ 537* Möbelmagazin liefert Möbel. Teppiche, Gardinen aus Teilzahlung unter sehr coulanten Bedingungen. Abzahlungen auf Jahre hinaus ver- teilt. Meyer, Jnvalidenstraße 38, an der Chausieestraße. 1654K» Möbelsuchende kaufen zu Fabrik- preisen ganze Einrichtungen, sowie einzelne Möbel. Säuleiispinden. Muschelspinden 28. großer Triimeau geschliffen mit Stufe 38. Muschcl- bclten mit Federmatratzc 40. Salon- garnituren, Muschel- Plüschsosa 55. Stoffsofa 14. Küchen möbel. Riesige Auswahl. Hirschowitz, Mariannen- straße 7a. 1094K* Möbelspeicher Sebastianstraße 81, Römer. Auch Teilzahlung. 1650b» Ttühleverkanf. billig, Stuhllager Haack, Koitbuserftraße 4._ 1675b* Teppiche mit F arbenfehlern Fabrilnieberlage Grobe Fraiitfurter. straße 9, parlerre�_ t37* Fahrradteile, billigst« Bezugsquelle, Reparaturwerkstatt. Heinzc, Brückenstraße 6h.__ 1059fl* Nähmaschinen, spottbillig. Pfandleihe Aleraudrinenftraße 73. 17/12* KaSkochcr k Zweiloch-Gaskocher 1 3.00, Geschlossene Gaskocher! 5,00, Gas-Bratosen! 7,00, Gas-Plättesseii! Gas-Bügelapparal! billig! Wohlauer, Wallner-Theaterstraße zweiunddreißig. Pianino, Schwechten, wenig ge- braucht, sofort, billig verkäuslich. Rittcrstraße 120 I beim Wirt. 11/12» Malzkraftbier, blutbildend, für Blutarme. Brustkranke. Schwächliche. Gewichtszunahme, bessere Gestchis- färbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark, Vi« Tonne 3,50 crklusive. Nicht Flalchenzahl, Qualität ent- scheidet. Porter- Kellerei Ringler. Bexnauerstraße 119. 116/1 Steppdecken billigst Fabrik Gruße Franfsiirlerstraße S, parlerre. chll?* Musikwerke mit ailsivechseibaren Nolenscheiben, sür Restaura teure'Musik- automatcn, geringe Teilzahlung. Kurzberg, LandSbergerstraße 13. j» Fahrrad spottbillig Alexaiidriiienstraße 73. Psaudleihe, '17/7 Herren-Fahrrad verkaust lraiikhcits- halber Kley, Tischlerei, Nauiiyn- straße 36. 17/20 Vermisedle tvieigev. RechtSburean Fabisch, Andreas- straße dreiiindsechzig. Rechtshilfe, Eiiigabcngcsuche. Ratcrteiluug. 1662b Kostenfreie zahnärztliche Behand- lung, Zahnziehen. Zahnärztliche Pol»- klinik, Ehanffeestraße la. 102911* Aiisertignng eleganter, Herren- garderobe. Teilzahlung gestattet. Marcus, Holzmarktstraße zweiund- sechzig._ 16696* Meyerlexikon. Brockhaus und alle andren Bücher tauft, beleiht Hamiemann, Kochstraße 56, I. Amt VI, 3397. 1037K' Bivisektiou! Wer sich über diese riidilolcste Grausamkeit uiisrer Zeit unterrichle» will, verlange die Flug- blättcr deS Wettbundes gegen Bivi- sektion, welche uneiitgeltlich versendet werden vom Tierlduitzverein Berlin, Kuniggrätzerstraße 108. Daselbst könne» auch Rcscrciiten für Vorträge in Arbeitervereinen über Vivisektion be- stellt werden. Um gütigen Abdruck wird gebeten. 16lh» Leihhaus H. Graft, Beuthstrabe 5. Coulanz. Diskretion. Reellität. Hohe Beleihnng. Zinsermäßigung.* Knnftftopferei von Frau Kokosky, Steininetzstraße 48, Quergedände hoch- parlerre. Pfandscheine. Bücher kauft Leih- Haus Elfafferstraße 59 I. 143/3» MetaNdrnch aller Art kaust Brö- derick, Oppelncrstroße 16._ 1-27» Gent« Gesellschastshaus 1. Mai frei. Dresdeuerstraße 107/8. 1658b* Saal mit großer Tdeatirbühiie und Garten verschiedene Sonnabende frei. Große Frankfurterstraße 74. 1. Mai frei. 953b* Köpenick. Meine Kranzbinderci und Schul-Buchhandlung befindet sich jetzt kietzerstraßc 43, Eingang Jäger- straße. A. Nicol._ 1686» Stcurrbernfung! Ehescheidungs-, Unsallsachen! Raterteilungcn.Stelliiiig- gcsuche! Liuienstraße 36. HZß Unfallsachen. Klagen, Eingaben, Reklamationen. Putzger, Steglitzer- straße 65. 16925* Knaben garderobe fertigt billigst und elegant an„SalonionsÖf", Wab- mannstraße 35. Stoffe werden au genommen. 16915 Stuben tapeziert, Rolle 30, Müller, Prinzen-Allee 67, II. 1695b 75 Pfennige! Stcuerberfffung. Eingabeffgeiiiche. Raterteilung. Aller- billigst. Sdfanksndfen, Militärsachen, kansverträge, Zahlungsbesehle, Ge- ridusklagen. Wnllow, Skalitzer- straße 141. 1694d Arbeitsmarkt. Stellengeauohe. Aufwartestrlle sucht Michulski. Volenerstraße 26 vorn II.'ßlss- "Blinder Stiihlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden zu den billigsten Preisen geflochten, werden abaeholt und unriitgeltlich zurück- geli-sert. Adresse: Muladstraße 27. A. Gläser.* Stellenangebote. Schildermaler, geübte, für Glas, schilder verlangt. Carl Heckert Nachf., Priiizenstraße 32.__ 17/16 Tüchtige Farbigmacher verlangt Gv I dl e isienfabril, Reicheiibergerstr. 88. Männcrgesnngverein sucht tiich- tigen Dirigenten Mittwochs. Offerten Teupel, Ostbahn 3, Lade»."flO- BZcsteiinäherin Kiirzestraße 7. verlangt Fcist, 143/4* Plätteriiinrn auf Oberhemden im Hause verlangen Leinberger u. Graven- Horst, Wäschesabrit, Grrifswalder- straße 13. 143/5» Geübte Kartonarbeiterin verlangt Jahn, Alte Jakobstraße 87/88. sl688b Kleidchen- JnponS- Arbeiter mit Vorlage verlangen Schlesinger u. Sohn, Kaiser Wilhelmstraße 29._ Näherin aus Singer'Maschinell verlangt Müller, Lortzingftraße 41 NI. 50 Handnäherinnen o.rlangtMosf, Gürtelstroße 8. 1689b' Im Arbelismarkt durch besonderen Druck hervorgelfobene Anzeige» koste» 40 Ps. pro Zeil« -stehtung! Achtung! Modelltischler! Von der t'nion. Flektrlcltllts- blesellscbart. Sloabit, sowie nun der Firma laidtvig; I.owa, Maschiaenba,,. Fekert, Fabrik (andwirtschastlicher Maschinen. n-riedrichsberg, und»eln-epp, Ncrltner Modellfabrik, Kastanlen- »Ulee,daeb>„ai>„,Eise»giekerei, verlängerte Huttenstraße, sind sämt- liche Modelltischler ausgesperrt. Den Modelltischlereien Um-xholx, Orauiciistr. 25, Dieti-icli. Ehanffeestraße 52, und Ciiarbe, Wafferthor- straße 30, Adam Heyl, Gonvalm» straße 24, sind Aufträge aus der „Union" zugegangen. Zuzug feruhultcu! Beraniwottlicher Redacteur: Carl Leid i» Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich:»h.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin Pr. 78. 19. ZahrMz. 2. KtilU Ks ,|iiriiiirte" gttliiitt AcksM |Kit»5, 4, April 1902. Ter ttfe ümzreß der„keltm". Paris, 2. April.(Eig. Ber.) Die„qclben' Gclvcrlsebaften, diese»enesle Plaqe der frmizöst- scheu Ardciterbeweguiig, sind bekanntlich in den letzten paar Jahren aufgelomine». Zuerst nnter den Metallarbeitern von Crensot und den Kohlengräbern von Montceau im Gefolge der bekannten groheir Streiks. In beiden Orten tvar es das Unter- nehmertlinr, das durch die von jeher in seinem Dienste stehenden Arbciterspitzel die terrorisierten und rückständigen Elemente .organisieren" lies;, die während des Streiks sich zu Streik- brechcrdiensten hergegeben hatten. An der Wiege der.Gelben", ivic sie von den.roten" Arbeitern benannt ivurdc», standen also der Terrorisinns des Unternehmertums und der Verrat geknechteter Arbeiter an der Sache ihrer Klasse. DaS Beispiel von Crensot und Montceau fand bald Anklang beim Unternehmertum und die lokalen Spitzel der Schneider und Chagot fanden Nachahmer in der Person dunkler Streber, die auf nationaler Stufenleiter zu wirken begannen. Gegenwärtig stehen an der Spitze der socialistenfresserischen Ge- werlschaftcn L a n o i r und B i v t r h, letzterer ein zum Renegaten gewordener revolutionärer Socialist, Führer des grogen Streits im Doubs-Thal. Vor einiger Zeit haben es die beiden bereits zur Gründung einer.unabhängigen Arbeitsbörse" in Paris gebracht, deren.Unabhängigkeit" in der notorischen That- fache sich knndgiebt, daß sie vom Unternehmertum onsgehalten wird. Laiioir brüstet sich chnisch, daß die Existenz seiner Arbeitsbörse ohne jeglklie kommunale Subvention für fünf Jahre gesichert ist. Ter dieser Tage in Paris abgehaltene erste Kongrcb der »Gelben" gestattet einen näheren Einblick in den Charakter dieser Plage. Neben den ncugegrnndcten eigentlich„gelben" Organisationen waren auf dem Kongreß vertreten: 1. die seit langem ein stilles Dasein führenden.christlich-demokratischen" Vereine, eine Schöpfung des klerikal- monarchistischen Grafen d e M u n, 2. die.gemischten" landwirtschaftlichen Syndikate, gemcinschastliche Einkaufs- und gegen- festige HilfSvcreine. in denen die reichen Grundbesitzer das große Wort führen. Alles also, was die Organisationsbestrcbungei! der Arbeiter und der Kleinbauern auf falsche Wege zu drängen und den proletarischen Kampf wirtschaftlich und politisch durch die Spaltung des Proletariats namens dcS„harmonischen" Znsammenarbcitcns der Klassen zu hemmen sucht, alle verblödeten und bewußten, alle freilvilligen und gedungenen Feinde des Socialismns haben sich auf dem .gelben" Kongreß zusammengefunden. Unter den etiva 100 Dele- lsierten befanden sich neben.verschüchterten"(der Ausdruck stammt aus dem Kongreßbericht des. T e m p S") Arbeitern Unlernchmcr und notorische klerikale Agitatoren. ES fehlte auch nicht an einem kalholischen Pfaffen. In Frankreich ist ja keine reaktionäre Be- wegring ohne Beteiligung deS KlerikaliSmus denkbar. Bezeichnend ist aber dessen offenes Auftreten unter den„Gelben". Es kam auch zu einer hier zu Lande auffallenden tirchenfrommen Kund gebnng: am Karfreitag wurden den Delegierten.Fastenspeisen" serviert. Desgleichen tagte der Kongreß nnter dein Schutz der heiligen Barbara, deren gesticktes Bild die über der Tribüne hängende gelbe Fahne zierte, die Fahne der gelben Kohlengräbcr von Valcncieunes. Nach den Angaben L a n o i r s sollen den Kongreß 317 Getverk schaften mit 201 743 Mitgliedern beschickt haben. Außerdem gäbe es noch 210 Gewerkschaften mit 8351 Mitgliedern, die noch nick>t definitiv konstituiert sind und daher zum Kongreß nicht zugelassen werden konnten. Die durch zwei Delegierte ihrer Centralunion vertretenen 1037 landivirtschnftlichen Syndikate haben bescheiden ihre Mitglieder- zahl nicht angegeben. Den zwei Delegierten wurden aber 30 Stimmen zuerkannt. .Keine Politik I'— diese? von selbst gegebene LosmigS- wort der reaktionäre Politik treibenden„Gelben" hatte die Hanpt- mach« von der„unabhängigen Arbeitsbörse", der Veranstalter des Kongresses, nicht verhindert, folgende eminent politische Fragen ans die Tagesordnung zu setze»: die Welt der Arbeit und die politischen Parteien, der KollettiviSmuS. der Internationalismus, der Militär- dienst. Aber es iväre zu schön gewesen... Inzwischen haben sich die übereifrigen Reaklionsknechte eines Besseren besonnen, und Laiioir beantragte namens seiner Kumpane, die verfänglichen Fragen von der Tagesordnung zu streichen. Der Kongreß sagte richtig Ja und Amen dazu, wie später zu allen Resolutionen der Laiioir und Konsorten. Der Rest der Tagesordnung der öffentlichen Sitzungen enthielt A rbeiterschutzfragen, während innere Organisations- fragen in geheimen Sitzungen behandelt wurden. La n vir sprach natürlich g e g e n die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit, ohne dadurch, wie er versicherte, die Interessen der Unternehmer verteidigen zu wollen, denn.die Unternehmer sind stark genug, um sich selbst zu verteidigen..." Indes nmhte er seine bezahlte„Ueberzeugung" preisgeben, da ein„christlich-deniokratischer" Delegierter aus Lille, Vertreter einer Mechaniker-Gewerkichnft und Redacleur des„Lonpls"(„Volk"), des Liller.christlich-demokratischen" OrgauS, sowie andre Delegierte für die gesetzliche Regelung ein- traten. Der Lanoir mußte also, um das Decorum zu wahren, eine verinittelnde Resolution vorschlagen, die auch angenommen wurde. In derselbe» wird die.einförmige" Arbeitszeitberkürzung für ganz Frankreich und alle Berufe verworfen. Die Einrichtung von Arbeitsräten(Arbeiterkammern) wurde ge« billigt als.Grundlage der Organisation der öffentlichen Macht in einer zielbewußten Demokratie"— eine in klerikalen Kreisen spukende Idee der Ersetzung deS allgemeinen Wahlrechts dirrch das nach Berufen gesonderte Wahlrecht. Zugleich protestierte der Kongreß gegen die von M i l l e r a n d eingeführten ArbeitSräte als einen „Gegenstand(Mittel?) der Tyrannei seitens des kollektivistischen Elements gegen die große Mehrheit der Arbeiter". Ebenso wurde der Regierungsentwurf betreffs der Alters- Versicherung verworfen nach einer Rede LanoirS, in welcher Waldeck» Rousseau und Millerand u. n.„zwei für die Arbeiter unheilvolle Menschen" genannt wurden. Per Acclamation votierte der Kongreß einen von Lanoir dargcleglen AltersversichcrungS-Entwurf. Auf Vorschlag des Papierfabrikante» F a i l l i o t. eines von der Regierung abgesetzten nationalistischen MaireS des vierten Pariser Bezirks, votierte man einstimmig daS Pcincip der Gewinn- beteiligung als.Lösung der socialen Frage". Nicht mehr und nicht wenigerl In Erwartung dieser Lösung verlangte noch der Kongreß eine hohe Besteuerung ausländischer Arbeiter und einen Einfuhrzoll auf halbfertige Geivebe. die gegenwärtig zwecks vollendeter Bearbeitung in Frankreich unter der Bedingung der Rückausfuhr zollfrei zugelassen werden. Unnütz zu sagen, daß die kapitalistische Presse aller Schattierungen, vorab die melinislisch-uatioualistische. dem.gelben" Kongreß zu- jubelte. M e l i n e hat sich in seiner letzten Wahlrede sogar zum— .SocialiSmuS" der Gelben bekannt, diesem„Socialisinns guter Art. diesem praktischen SocialismuS. dem einzigen, der wahrhaft die Be- freiung der Arbeiterklasse verwirklichen kann".... Ferner verherrlichte er in derselben Wahlrede den„so imposanten" Kongreß der Gelben, der„ans sie aller Augen lenkt und ihnen allgemeine Sympathien gewinnt dank der Vernünftigkeit und dem praktischen Ernst ihrer Beratungen..." MelincS Lob macht alle weiteren Kommentare überflüssig. ES kann die„Gelben" den klassenbewußten französischen Arbeitern womöglich noch verhaßter machen.� Lanoir genügte aber die nationalistisch-kapitalistische Reklame nicht. Er beniiihte sich noch um den Empfang einer Kongreß- delegation durch den Präsidenten L o u b e t. Das wurde ihm ver- weigert nnter dem Vorwand des �eilmougels— wohl aber nur deswegen, weil daS Ministerium aus dem Kongreß angegriffen wurde. Demi Loubet hatte seinerzeit eine Delegation der neugegründeten «gelben" Arbeitsbörse freundlichst empfange» und sie mit einer richtigen gelb-gewerkfchafllichen Rede begrüßt. Lokales« Die Ttadtvcrordiieten-Vcrsammluiig hat in ihrer gestrigen Sitzung zu dem socialdem akratischen Antrag(Stellung genommen, der die Einführung der o b I i g a- t o r i s ch e n Fortbildungsschule fordert. Obwohl über die principielle Seite der längst spruchreifen Angelegenheit eigentlich kein Wort mehr zu verlieren war, ist noch 3 Stunden lang darum ge- stritten worden, ob der Fortbildungsschulzwang überhaupt notwendig ist oder nicht. Der Beweis, daß ini Interesse der Fortbildung imsrer heranwachsenden Jugend auf den Zwang nicht verzichtet werden kann, wurde vom Genossen Bruns, der unter Vorbringung eines sehr reichhaltigen Materials den Antrag begründete, in bün- diger Weise geliefert. Bruns machte es den Gegnern des Antrages nicht leicht, die mehr und mehr als unhaltbar erkannte Position, die sie so lange eingenommen haben, noch einmal zu verteidigen. Die „Alte Linke", in deren Reihen die verbohrtesten dieser Gegner sitzen, schickte gleich fünf Redner vor. Vier davon, die Stadtverordneten Reimann, Friedr. Goldschmidt, Dave und Berger, gaben die Er- tlärung ab, daß sie dem Antrag wohlwollend gegenüberstehen; aber auch sie hielten es— der eine mehr, der andre weniger— für ratsam, ihre Zustimninng an allerlei Bedingungen zu knüpfen und sie durch manches Bedenken abzuschwächen. Der fünfte verharrte eigensinnig auf dem Standpunkt, daß die obligatorische Fort- bildniiftsschiile bedingungslos abzulehnen sei. Dieser fünfte war der Vorsteher der Versammlung, Herr L a n g e r h a n S. Der alte Herr glaubt den Schritt, den die Stadt Berlin mit der Ein- führung eines FortbildnngSschulzwanges thun würde, nicht verant- Worten zu können l Von der.Fraktion Mommsen" sprach Herr G l a tz e l. von der„Neuen Linken' die Herren P r e u ß und G e m e i n h a r d t zu Gimsten des Antrags. Die freisimiigen Gegner der obligatorischen Fortbildungsschule mußten sich von Gcmeiiihnrdt, dem Öbcrmeister der Concordia-Bäckerinnnng, ebenso wie vorher von Berger. dem Obermeister der Klempnerinnung. darauf hinweisen lassen, daß die Stadt Berlin in dieser Frage ihre Pflicht bisher nicht gethan hat. Es darf hierbei allerdings nicht übersehen werden, daß die Sympathie, die dem Gedanken der obligatorischen Fortbildungsschule von den Arbeitgebern entgegen- gebracht wird, nicht so sehr in einem Interesse für die Arbeiter, als in der Rücksicht auf den eignen Vorteil wurzelt. Die Arbeitgeber sind allmählich zu der Einsicht gelangt, daß eine gewisse Für- sorge für die Fortbildung der jugendlichen Arbeiter ihnen ebenso dient und Gewinn bringt, wie den Arbeitern. Merkwürdig war die Haltung dcS Stadtschulrats G ersten be rg. ES sah fast aus, als habe er die Erbschaft seines Vorgängers, des früheren Stadtschulrats Bertram, angetreten, an dem die Gegner der obli- gatorischcn Fortbildungsschule so lange ihren festesten Rückhalt gehabt haben. Herr Gerstenberg wendete sich hin und her, drehte sich im Kreise und bewährte sich in der Kunst, mit vielen Worten nichts zu sagen. Er hat in der That ein feines Gefühl dafür, wie weit zu gehen die Mehrheit der Versammlung ihm gestattet. Im Herze» ist er sichtlich für die obligatorische Forlbildungsschnle, aber eine bcstiiiiuitc Erklärung darüber vermied er. Singer, der in seinem Schluß- wort das Ergebnis der Debatte bclenchlete, übte scharfe Kritik an dieser zweideutigen Haltung des Magistrats-Vertreters. Der.Alten Linken" hielt er vor, wie wenig Grund sie hat, heute noch den Gedanlen der obligatorischen Fortbildungsschule als eine.alte liberale Forderung" zu bezeichnen. Nach den vielen Wenn» und Aber?, mit denen selbst die Freunde des Antrages, so weit sie der„Alten Linken" angehören, ihre Znstiminungscrklänmgen verbrämt haben, müsse man noch immer an der Annahme deS Antrages zweifeln. Singer betonte den socialen Grundgedanken, auf dem der Antrag ruht, und zeigte, daß auch ein gut Stück SocialiSmuS darin steckt. Wie weit der Freisinn auf der Bahn, die ihm hier gewiesen wird. gehen ivird, das werden bald die Verhandlungen des Ausschusses zeigen, der fich mit der Vorberatung.deS Antrages beschäftigen soll. Armut und EpiritiSmuS. Noch ein weiteres„Medium" ist, so schreibt das„Berl. Tagebl.", unter polizeiliche Beobachtung gestellt worden. Von einer Verhaftung hat man diesmal Abstand gcnonimeii, weil man den Fall wohl milder ansieht. Es ist die in spiritistischen Kreisen bekannte Witwe Petri, nicht minder beliebt als die Rothe, nur fehlte ihr der geschickte Geschäftsführer, der ihre Kunst zur Reife zu bringen verstand. Witwe Petri. obwohl evangelischer Konfession, legte sich dennoch auf die Kunst, Rosenkränze, welche die Bekenner der katholischen Religion zu religiöser Uebniig gebrauchen, ihren Gläubigen als Apporte darzureichen. Auch übermittelte sie Grüße im Grabe ruhender Angehöriger. Bielleicht waren bisweilen auch Bliimen dabei. Die Rosenkränze stamnien ans im Norden der Stadt befindlichen Geschäften, wo sie regelrecht gekauft und bezahlt worden sind— nur auf einen Rosenkranz restierten noch sechzig Psennig, die Frau Petri jetzt wahrscheinlich gedeckt hat. Frau Petri ist eine einfache Frau, die sich und ihre vier Kinder mühselig durch die Welt brachte, ehe sie auf den bequemeren und einträg- sichere» Spiritismus verfiel. Ihre Apporte sind recht geschickt aus- geführt worden. Sie soll in allen Punkten geständig sei» und zu ihrer Entschuldigung angeben, daß sie die Dummheit ihrer Kunden im Interesse ihrer armen Kinder ausgebeutet habe. Vermutlich wird mau mit ihr milder ins Gericht gehen. Ncber Prosclytcnmacherci in Berliner Waisrnhänsern klagt die„Kölnische BolkSzeitnng". Das rheinische Blatt behauptet ganz allgemein, daß in Berliner Waisenanstalteii katholisch getaufte Kinder protestantisch konfinniert würden, und führt zur Erhärtung dessen folgenden Einzelfall an: Der am 22. Dezember 1888 in Berlin geborene Alfred BorkowSki sei in der St. HedwigSkirche getauft und habe von Ostern 1895 bis zu den Sommerserien 1896 die katholische Schule in der Höchstestraße zu Berlin besucht. Nach dem Tode seiner Eltern, die beide als Katholiken starben, sei er dann 1896 in das städtische Waisenhaus zu NnmmelSbiirg bei Berlin gebracht, wo er sich noch heute befindet. In dieser ganzen Zeit hatte er, wie die Direktion de« Waisenhauses selbst zugiebl, katholischen ReligionS- Unterricht nicht genossen, wohl aber protestantischen. Zu Ostern sollte er eingesegnet werden; ist er noch nicht konfirmiert, schreibt die „Kölnische Volkszeitung", so wird daS in der allernSchsten Zeit ge- schehcn; dann wird er zum protestmitischen Lehrer ausgebildet. Der Fall sei um so krasser, als der betreffende Knabe in gesetzwidriger Weise der protestantischen Konfession zugeführt wird, bevor er daS 14. Lebensjahr vollendet hat.— Man thut gut. derartige Meldungen recht gelassen aufzunehmen. Stadtrat Kanffuian» ist, wie an» dem Rathause gemeldet ivird, e r n st l i ch erkrankt nnd hat auf ärztlichen Rat sich in eine Heilanstalt in Schöneberg begeben. Sein Befinden läßt Hoffnung auf baldige Heilung und schnelle Bessenmg zu. Weniger optimistisch lautet eine Meldung der„Verl. Ztg.": Nach einer vorläufigen Er- kundigung, die wir in der Privatwohnnng des Herrn Kauffinann eingezogen haben, stellte sich die Erkrankung gestern morgen gegen 'MO Uhr heraus. Der Hausarzt fuhr mit ihm nach der>laisoa de santö, wo der dortige Arzt ein schweres Leiden konstatiert haben soll. Aus Anlaß der Erkrankung des Stadtrats wird bereits in der Bürgermcisterfrage Stimmung zu machen gesucht. Eine Korrespondenz. die mit Magistratskreisen Fühlung unterhallen soll, läßt sich wie folgt vernehmen: „Die Berliner B ü r g e r m e i st e r f r a g e ist. ivie man in Stadlverordnetenkreisen annimmt, durch die schwere Erkrankimg dcS an Brinkmanns Stelle gewählten, aber nicht bestätigten Stadt- rat« K a u f s m a n n in ein neues Stadium getreten. Eine Aenderung der nunmehr seit Jahr nnd Tag vorherrschenden. unhaltbaren Verhältnisse wurde um so dringender gewünscht, je näher der Sommer mit seinen Beurlaubungen rückt. Durch Verfügung vom 21. Oktober v. I. hatte nun Herr K i r s ch n e r den dienstältesten besoldeten Stadtrat, Herrn Voigt, mit der Stellvertretung betraut. Dieser würde nun auch den Oberbnrger- meister während dessen Beurlaubung zu vertreten haben nnd— da den dienstältesten, unbesoldeten Magistratsmitgliedern diese Geschäftsüberbürdung nicht zugemutet werden kann.— Das Bnrgermeister-Dcccrnat dem nächstdicnställestcn Stadtrat, Geheim- rat F r i e d e l, übertragen werden müssen. Daneben sind denn noch die vielen sonstigen Urlanbs-Stcllvertretnngen zu regeln. All' diese Erwägungen lassen die Notwendigkeit erscheinen, daß es doch geratener sei, für baldige Besetzung der vakanten Büraermeisterstelle Sorge zu tragen, zumal die begründete Hoffnung vorlag, daß Stadtrat Kau ff in annin allernächster Zeit auf eine Wiederwahl offiziell Verzicht l e i st e n werde. In diesem Stadium der An- gelegenheit ist nun noch die bedauerliche Erkrankung des Nicht- bestätigten eingetreten, welche einerseits zwar die Geschäfts- Verteilung augenblicklich noch weiter erschwert, andrerseits aber, selbst wenn sie, wie man hofft, gehoben ist, es selbst den Freunden Kauffmanns nahelegt, ihm dringend von weiterer ArbeitSüberbürdung abzuraten. Das juristische Dccernnt Kanffmanns ist kein leichtes. wir erinnern nur an die höchst lomplicierten Kirchenban-Prozesse der Stadt und daS umfangreiche Werk, welches K. neben seinen sonstigen Arbeiten nach eifrigstem Qnellenstndiimi hergestellt hat. Zunächst beabsichtigt man nun den Verlauf des Hciliiugsprozcsses abzuwarten und dann, nach der zweifellos in Aussicht stehenden Verzichtlcistuiig Kauffinanns, zu einer an der weite»Bürger- m e i st e r w a h l zu schreite n." Nach diesen Verlautbarnngen scheint es so, als ob diefWadel« strümpfler im Kommunalfreisinn es garnicht mehr abwarten können, daß der jetzige, das Gedeihen der Stadt nicht im geringsten beeinträchtigende Zustand ein Ende nehme und daß daher die Erkrankung dcS bis dahin widerhaarigen Herrn Kanffmann als ein Geschenk dcS Himmels aufgefaßt wird. AlleS aus Angst � vor den höheren Regionen. Herr Kanffmann würde mit einem Verzicht gewiß der Krone aus einer großen Verlegenheit helfen, zugleich aber dem bisherigen Ansehen, das seine Partei noch genießen mag, den schwersten Schlag zufügen. DaS alles ist aber jenen Leuten, gegen die die Konservativen Muster von Selbständigkeit und Mannesmut sind, im hohen Grade gleichgültig. Fromme Tänschunge». Die„Germania" schreibt:.Die tag« lichcn Abendandachten in verschiedenen protestantischen Kirchen, für welche die Kaiserin häufig regeS Interesse bekundet hat, bürgern sich hier trotz aller Beniühungen nicht ein. Der Besuch der Abendandachten ist oft so gering, daß manche Gemeindckörperschaften au Einstellung denken. Die Gcmeindcvertretnng der Himmel- f a h r t s k i r ch e hat nach der.Täglichen Rinidschan" bereits be- schloffen, die seit sieben Jahren bestehenden Abendandachten auf« znheben nnd dafür nur jede» Sonnabendabend um 8 Uhr eine etwas längere Wochenschlnßandacht einzurichten. Auch das Offen- halten der Kirchen wahrend des ganzen Tages findet keinen An- klang. DaS wurde früher sogar in der Synode offen erklärt und der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß der Kaiserin, die erst kurz vorher ihre Freude über den Erfolg des Offenhaltens ausgesprochen hatte, offenbar ein falscher Bericht gemacht worden sei. Wer das gewagt hatte und ob die hohe Frau nach- träglich den wahren Sachverhalt erfahren hat, ist nicht be« kannt geworden."» Uns will scheinen, daß man heute nirgendwo mehr darüber im unklaren sei» kann, daß das evangelische Christentum der offiziell« preußischen Richtung ein für allemal seine Bedeutung im Volksleben der Reichs-Hauptstadt verloren hat. Und je mehr ragende„Gottes- Häuser' man baut, je eindringlicher muß diese Thatsache ans Licht treten. Weiter will nnS aber bediinken, daß aufrichtig religiöse Ge- � Hinter kaum Ursache haben, über die nun einmal nicht auS der Welt zu schaffende Erscheinung besonders betrübt zu sein. I» den Lanbenstädtrn in dem Wcichbilde nnd der Um« gebnng Berlins herrscht zur Zeit ein lebhaftes Treiben, da die „Gutsbesitzer" ihr«„Villen" nnd.'Ländereien" für den Frühlings- und Sommerveikehr Herrichten. Die Lauben werden ausgebessert' nnd mit ueiiem Anstrich sowie mit der Fahne versehen, die bekannt«' sich auf keiner Laube fehlen darf nnd das Zeichen dafür ist, daß in der Laubenstadt die Saison begonnen hat. DaS Land wird um- gegraben und so für die Frühjahrsbestellung vorbereitet, die Wege werden geebnet und die vor den Laube» liegendeu Beete neu be- pflanzt.' Allerdings verschwinden die Laubenstädte immer mehr auS dem Weichbilde Berlins, da die sich von Jahr zu Jahr steigernde Banthäligkeit diese Stätten aus der Stadt heraus in die Vororte drängt. Das ehemalige Spritzenhaus Nene Frirdrichstr. S, ein Ueberbleibsel aus der Zeit vor der Uingcstaltung der Berliner Feuer- wehr in eine Berussfenerwchr, soll abgebrochen werden. Es hatte ganz zuletzt noch eine merkwürdige Wnudlimg über sich ergehen lassen müssen. Das langgestreckte, niedrige, stallartige Gebäude war eine Reihe von Jahren hindurch von der städtischen Straßenreinigung als Geräteschuppen benutzt worden. bis es vor mehreren Monaten, nach fertigstellung des neuen StrabenreiniguiigS-Depots im benachbarten öllnischen Park, auch dieser Vestinimung entzogen wurde. Es wurde darauf»och in einen— Laden verwandelt. In daö Einfahrtsthor, durch das einst die Altberliner Feuerspritzen gerollt waren, wurde ein Holz- rahmen mit einer Ladenthür und einem Schaufenster eingesetzt, das Innere aber blieb im wesentlichen unverändert. Unter dem roh zu Tage liegenden Ziegeldach, da« dem Raum als Decke dient, hat seitdem ein sogenannter Bazar von hauswirtschaftlichcn Gegensländen sein Warenlager ausgebreitet, das jetzt, Ivie ein Anschlag verkündet, durch einen„RäninnngSansvcrkanf wegen Abriß" an den Mann ge- bracht werden soll. DaS längst abbruchreife Bauwerk ist vor wenigen Woche» ans dem gemeinschaftlichen Besitz der Stadtgeincinde und der städtischen Feucrsocietät in Privatbesitz übergegangen. Die Ursache des Fehldruckes bei der neuen deutschen Drelpfciinigmarke ist. wie die amtliche Untersuchung ergeben hat, nicht auf einen sogenannten„Architektenschcrz" sondern auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen. Bei der einen Druckplatte war bei der 45. Marke der untere Balken des ersten E in dem Worte „Deutsches" gespalten. Da der Defekt bei der Geringfügigkeit des- selben nicht bemerkt wurde, so brach bei dem weiteren Druck der untere Teil des gespaltenen Balkens ab, während der obere Teil deS- selben stehen blieb. Thatsächlich ist dieser Balken in Form eines ganz feinen, kaum sichtbaren Haarstrichs bei aufmerksamer Beobach- tmig zu erkennen. Es existieren somit zwei versckiiedcne Fehl« drucke nnd zwar in der vom 6. bis zum 11. Januar durch jene Platte hergestellten Auflagt mit dem gespaltenen Doppelbalken und in der vom 13. Januar bis Ultimo Februar fertiggestellten Auf- läge mit dem halbe» Ballen, durch welchen die LeSart Dfntsches Reich veranlaßt worden ist. Von dem ersteren Fehldruck ist nur eine ganz geringe Zahl vorhanden, während von dein letztgenaniiten Fehl- druck 280000 Bogen hergestellt sind. Allerdings sind diese nicht sämmtlich zur Ausgabe gekommen.— Die Meldunge» einiger hiesiger Blätter, nach denen bei der 99. resp. 35. Marke de« Dreipscnnig- bogen« der gleichartige Fehldruck vorhanden sei. sind irrtümlich. Thatsächlich zeigt die Platte mir den einzigen oben geiiannten Deselt. Natürlich ist dieselbe sofort auS dem Betrieb gesetzt. I» der Jüdenstraffe ist mit dem Bau deS zweiten Rat« hauseS begonnen worden. Zunächst werden dort jetzt sämtliche Hänser niedergeriffen. In der Klosterstraße soll sofort nach dem Eintreffen der polizeilichen Bau-Erlaiibnis mit den FuiidameutietungS- arbeite» begoiuien werden. An der„Städtischen höheren Webeschnle". MarkuSstr. 49, beginnen die»enen Unlerrichtslurse der Tagcsabteiluug für Weberei. Musterzeichnen. Wirkerei und Stickerei, Posamentiererei. Kurbel- stickerei und Färberei am Donnerstag, den 10. April er.— Für die Abend- und Sonntagsabteilung beginnt der Unterricht für Weber, Wirker und Stricker,' Musterzeichner' �Weberei, Druckerei und Stickerei, Posamentiererei. Konfektion und Dekoration), Posameuticre und Kurbelsticker, soivie für Färber bereits am Sonntag, den 6. April. Anmeldungen nimmt entgegen und nähere Auskunft erteilt die Direktion der Anstalt. Der Werkmeister Beck» der von Königsberg aus wegen Gattenmordes verfolgt wird, hat sich selbst gerichtet. Ein Tele- gramm aus Frankfurt a. M. vom Donnerstag meldet: Der Gatten- mörder, Werkmeister Gustav Beck aus Königsberg i. Pr. wurde heute in einer hiesigen Anlage erschossen aufgefunden. Beck hat sich in der letzten Zeit in Cannstadt aufgehalten. Seine Spur führte von dort hierher und die hiesige Kriminalpolizei hatte bereits ausfindig ge- macht, daß er in einem hiesigen Gasthausc unter falschem Namen abgestiegen war. Der Unterricht an der l. Handwerkcrschnle, Lindenstr. 97/98, beginnt am 7. April. Anmeldungen von Teilnehmern am Unterricht werden noch bis 4. April, vonö— 8 Uhr abends im Schnlhause entgegengenommen. An der II. Handtverkerschule, Andreasstr. 1/2, beginnt der neue Uvterrichtsknrsus bereits am 6. April. Auskunst erteilt und Anmeldungen nimmt bis 5. April, abends von 6—8 Uhr der Direktor, Herr Tradt, im Schnlhause entgegen. Die Wirtschaftssachc» obdachloser Familien» deren Zahl auch zum Aprilumzug keine geringe sein ivird, können in der Markt halle XII, welche für diesen Zweck eingerichtet ist, untergebracht werden. Die Sachen sind am zweckmäßigsten sofort»ach dieser Markthalle und nicht erst nach dem in der Fröbclstraße belegenen Grundstück des städtischen Obdachs zu schaffen. Die Markthalle XII befindet sich Grünthalerstr. 3. Gesiindbrnniic». Ein Bild des Jammers. In der Knobelsdorffstraße Nr. 54 zu Charlottenburg wohnt, von ihrem Manne getrennt, eine Frau Kaiser mit ihrer 22jährige» Tochter Marie. Ihr Mann Ivar früher Regiments- Schuhmacher, ist aber durch Trunksucht vollständig heruntergekommen. Für den Lebensunterhalt muß die Frau sorgeii. An Armenunterstützung erhält sie 10 M. monatlich, fdas übrige ver dient sie durch Plätte». Früher verdiente die Tochter»och mit; sie war Buchhalterin und hatte ein leidliches Einkommen. Jetzt aber kann sie knuni noch arbeiten. Der Kummer um das Treibe» ihres Vaters und die Sorgen der Mutter untergruben ihre geistige und lörper- liche Gesundheit. Zunehmender Tiefsinn zwang sie schon einmal, auf einige Zeit eine Anstalt aufzusuchen. Vor einigen Tagen ivar der Pater wieder in der Wohunng und verlangte Geld. Als ihm die Tochter, die immer noch au ihm hängt, nichts geben konnte, machte er einen solchen Auftritt, daß sie vor ihm in' einen Laden fliehen mußte. Das war zu viel. Am Mittwochnachmittag bekam die Un- glückliche einen Tobsuchtsanfall, riß sich die Kleider vorn Leibe und zerschlug den ganzen Hausrat, der der Mutter aus besseren Tagen noch übrig geblieben ivar. Die Kranke ivurde nach der Edclschen Anstalt gebracht und die Mutter sitzt nun allein ztvischen den nackten vier Wänden der Küche, die ihre ganze Wohnung bildet. Gegen 200 Menschen liefen zusammen, als das unglückliche Mädchen zu toben und zu lärmen begann, und eine große Kinderschar begleitete johlend den Wagen, der es der Heilanstalt zuführte. TodeS stürz. Der Maurer Karl Jankoivski aus der Kreuzberg- straße 13, wollte gestern, Donnerstagnachmittag, an dem Hause Schwedterstr. 9 den Balkon des vierten StockiverkeS ausbessern, dessen Belog an der unteren Außenseite schlecht geworden war. Um heran- kommen zu können, baute er sich au einem Fenster des dritten Stockes, gerade unter dem Balkon, ein höchst mangelhaftes Gerüst. Auf ein paar Stangen, die er ani Fensterkrenz befestigte, legte er Bretter und ans diese stellte er eine leere Eierkiste. Es dauerte nicht lange, da brach er mit der Kiste zusammen und stürzte mit ihr und den Brettern in die Tiefe hinab. Mit zerschmetterten Gliedmaßen auf dem Biirgersteige liegend, schrie det Unglückliche, ein Mann in den fünfziger' Jahren, noch einigemale ans, dann ivar er tot. Die Leiche wurde durch die Nevierpolizei geborgen, bis man sie nach dem Schauhause abholte. Das Pferd in der Fangvorrichtung. Ein eigenartiger Unfall verursachte gestern nachmittag in der Blumenstraße großes Aufsehen und allgemeine Heiterkeit. Ein mit einem Pferde bespannter Möbel- wagen kam aus der Schillingstraße, und der Führer des Gefährtes- versuchte noch die Straßenbahngeleise zu kreuze», oblvohl ein Motor- wagen der Straßenbahnlinie Ludwigskirchplatz— Königsbergerstraße nur etwa drei Meter von der Krenzungöstelle entfernt heranbrauste. Der Fahrer des Straßenbahnwagens gab sofort Gegeustrom, konnte aber den schwere» Kraftwagen auf so kurze Entfernung unmöglich zum Stehen bringen. Der Vorderperron erfaßte das Pferd, das hierbei in die Fangvorrichtung des Straßenbahmvagens geriet und unverletzt eine Strecke vorwärts geschoben ivnrde. Die Fangvorrichtung ist durch die Aufnahme der schweren Last nicht beschädigt ivorde», wohl aber hat die Vorderplattform des MvtorlvagenS bei dem Anprall einige Beulen davongetragen. Strastenbahumifällc. Die Chronik der SIraßenbahmmfälle hat wieder eine starke Bereicherung erfahren. Bei dem Versuche, eine» durch die Kastanicnallee fahrende» Straßenbahnwagen zu be- steigen, verunglückte der Buchhalter Karl Haak dadurch, daß er mit dem rechten Bein gegen einen dort aufgestellten Laternenpfahl schlug und sich dabei einen schwere» Unterschcnkclbruch zuzog. Nach An- legnng eines Verbandes auf der nahe» SanitätSwache erfolgte die Ueberführung des Schwerverletzten in die Charits.— Auf dem Kaiser Friedrichplatz sprang da-S Dienstmädchen Anna Möde von einein fahrenden Straßenbahmvagen, kam zu Fall und verletzte sich am Hinterkopf.— In der Gitschiuerstraße ivurde der Eisenbahn-Büreau- Assistent Oskar Stauch von einein Straßenbahmvagen umgestoßen »nid an den Hüften und Armen verletzt. Vorübergehende schafften den Ohnmächtigen i» das nahe städtische Krankenhaus, wo er sich bald erholte. Die Verletzungen stellten sich als leicht heraus. Auua Ritter wird den letzlen diesjährigen Vortragsabend des Vereins .Berliner Preise" am Domierstag, den in. April, liiit einer Reihe neuer Dichtungen einleiten. Hieraus wird Klara Biebtg einig« neue noveNisiische Arbeite» zum Vortrag bringen. Eintrittskarten sind zu haben in den Buchhandlungen van Ainelang, Potsdaiiiersir. 138-, Lazarus, Jrtedrichür 66; Spener u. Peters, Unter den Linden 43; Wonte, PotS- damerstr. 13 und im Berliner Pressellub, Unter den Linden 33(Fahrstuhl: Charlottenstr. 37). Slpollo-Theater. Es ist ja etwas Schönes um'die Unsterblichkeit; aber wenn der seelige Herr AristophaueS seine Auferstehung iin Apollo- Theater vorausgeahnt hätte, dann würde er ivegen deS Nachruhms seinem Testament doch wohl ein Kodizill angehängt haben. Der burleske Gedanle, der die„Lysistrate" schuf, ist auch von späteren Dichtern ausgesponnen worden, nach deutscher Auffassung an, humorvollsten und behaglichsten tvohl von Anzeiigruber in den kostbaren„Krenzelschreibern".' Von da bis zu der neuesten Operette des Apollo-Theaters ist allerdings ein grauenhaft iveiter Abstand. Die lustigen Spottbilder, die komischen Verrenkungen, die sich ergeben, Ivc»» das Weib als solches streikt und dem Manne' des Ehestandes heilige Rechtes.weigert, sie dienen im Apollo-Theater dem Zweck, deni oas Hans in der Friedrichstrnße sich einzig hingiebt: der Ausstatiung. der äußere» Prachtentfaltung. Ein Zähneklappeni befüllt einen bei», Anblick der Götter im Exil.' Apoll, der den MarsyaS geschunden hat. ist Patron dieses KunstiiistituiS geworden und muß erleben, daß sein und der Grazien Liebling dort so behandelt Ivird, ivie geschehen. Wir tvollen davor die Augen schließen, wollen uns einreden, es sei ei» andrer, ein geringerer, der im Apollo- Theater herhalten»>uß, und nur auf das dort'Wesentliche, die Ausstattung achten. Für diese i» ihrer bunten und oft überraschend geschinackvollen Entfaltung giebt es überhaupt keinen Ausdruck, da ist alles eitel Wonne und Äugen- Verblendung. � Und wenn uns min am neuen Stück doch eines stärkt und tröstet, s» ist es der Umstand; daß das Land der Grieche» selbst in der Karikatur den Geist des Komponisten Paul Lincke zum Guten beeinflußt zu haben scheint. Seine Musik zur Burleske .L h s i st r a t a" hält sich, so weit als es ihrer Natnr möglich ist, von Plattheiten fern; sie wird populär werden, wie die meisten Melodien diese? berühmtesten und volkstümlichsten aller lebenden Komponisten deutscher Zunge und am Ende doch aus einige Zeit das Niveau des StraßeugesaiigeS angenehmer gestalten. Und dies ist ein Verdienst, das kaum hoch genug belvertet werden kann. Gespielt und gesungen wurde, wie man es im Apollo-Thcatcr gewohnt ist; die Herren L i c b a n, N i e ck und Runge gaben sich so griechisch ivie sie konnten; Herr Kaiser markierte»ut Erfolg den Potsdamer Gardelicutcnnnt, und die Damen Carola, K r ö ch e r t und Matkowska entfaltele» alle ihnen zur Ver- fügnng stehenden Sieizc. Eine angenehme Beigabe zur Operette war noch daS Luftballctt G r i g o l a t i s. das von früher her in Berlin in gutem Andenken steht und sich dessen auch heute würdig zeigt. Dheater. Im Bellealliance-Thcater findet Sonnabend- abend eine Jubiläums- Vorstellung stall und zwar gelangt der lustige Schwank„D i e D a m e aus T r o u v i l I e", i» der dewährteu Besetzung mit Emil Sondermann a. G. und der Einakter„Er" mit Adele Härtung und Leopold Thunier a. G. zur 160. Aufführung.—..Berliner Iii r o b- k o o z e n" betitelt sich die diesmalige Sommer-Novität des Central- Theaters. Bersafit ist die Posje von Alfred Schmasow, der als Kenner feiner Landsleute in dem Stück das Protzeutnm in jatirisch koinischer Art und Weise in Prosa und Gesang behandelt. Der Sportpark Friedenau öfinet am Sonntag, den'6. April, zum erstenmal in diesem Jahre wieder die Pforte». Aus dem Programm stehen als Hauptuuvtmern ein 50 K i l o m e t e r- R c u u e» mit SchriUmachcr», in welchem alle Fahrer von Klafic, wie Robl, Dickentmaun 2C. bestimmt am Start zu erwarte» sind, und die Zwischenläufe und der Endelauf des großen Frühliugsprcises, dessen Bor- und Hofiniingslänfe am Ostermontag am Kursürstcndanu» ausgetragen wurden. Treptow-Sternwarte. Von heilte an bis zum 1. Oktober bleibt die Treptoiv-Sternwartc ivieder lvährcnd des ganzen Sommers bis 12 llhr nachts für die Beobachtung geöffnet. Wer noch den Orionnebel beobachten will, bevor er völlig in den Sonnenstrahlen verschwindet, besuche die Sternwarte bis zu»i 9. d., abends vvu 8 bis 9 Uhr. Nach 9 Uhr ivird in dieser Woche bis zum Erscheinen des Mondes der Sternhaufen im Krebs gezeigt. Feuerbericht. DoiiuerZlagnachmittag 2 Uhr wurde infolge mehr facher Meldung ei» großes Lösdiaufgcbot»ach der Kommandanten straße 18 gerufen. Es Handeltesich jedoch lediglich»m einen kleinen Wohiiniigsbrand, der ohne große Schwierigkeit abgelöscht»verde» konnte. Mittwochabend gegen 10 Uhr mußte in der Münz straße 7 ein Feuer beseitigt werde», das alten Hausrat und Decken erfaßt hatte. In der Novalisstr. 6 ginge» kurz vorher Betten, Kleidungsstücke und Möbel in Flamme» auf, die indes bald erstickt iverdcn koiuitc». Einen Kcllerbrand hatte die Wehr in der Zimiiierstraße 46 abzulöschen. Wegen einer Dampf- kesselexplosiou wurde die Wehr nachmiitags nach der Waßniaun- straße 12 gerufen. Personen sind glücklicherweise nicht verletzt. Abends 6 Uhr hatte in der Brunnenstraße 9 iir einem Laden Pack- Material Feuer gefangen. Bei der Ablöschinig des Brandes zog sich eine Person Brandwunden an den beiden Händen zu. Außerdem hatte die Wehr noch Alarmicrungeu von der Dennninerstraße 31 und Lluieustraße 208 zu verzeichne». In beide» Fällen handelle es sich jedoch nur um unbedeutende Anläffe. TliiS bcii Stnistblttovieii. Schöncberg. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksai» gemacht, daß am Sonntag, den 6. April, von morgens 71/2 Uhr ab, eine Flugblattverbreitung für de» ganze» Ort statt- findet. Treffpl'liikt in folgenden Lokalen: Ständer, Hoheiistaufeu- straße 80, Schilling, Kyffhäuserstr. 16, Krüger, Grunewald- straße 110, Klitsch, Mepseburgersir. 7, Obst, Meiuiugcrstr. 8, Hörle mann, Kaiser Friedrichsir. 8, Horn. Hoheufricdbergstr. 11, Hoffmaun, Gothenstr, 30. Püschel, Gutzkoivstr. 9, Moll, Spouholzstr. 34, Es ist Pflicht eines jede» Genossen, sich au dieser Flugblattverbreitung zu beteiligen. Der Vorstand des Wahlvereins. Die Charlottenburger Stadtverordnetcu- Bersamuiliing beriet am Mittwoch zunächst die Vorlage detreffend den Bau des neuen Krankenhauses am Spaudauer Berg. Der Ausschuß beantragte, den Projekten zuzustimmen, gleichzeitig aber den Magistrat zu ersuchen, darauf Rücksicht zu nehmen, daß bei der Vröffmmg des neuen Krankenhauses der Verpflegungssatz auf niiudesteus 2,50 M. pro Kopf erhöht-wird. Jetzl belrägt der Ver- pflegungssntz für einheiiuiscke Patienten dritter Klasse 2 M. Gegen diesen Vorstoß des Ausschusses waiidte sich Genosse Hirsch, der daraus hinwies, daß die Erhöhung des Verpflegungssatzes im Grunde genommen nichts iveiter bedeute, als die' Abwälzung eines großen Teils der Kvsten aus die iiiindcrbemitlelte Be- völkeruug, noch dazu gerade auf diejenigen Kreise, die schon a» und für sich durch die Krankheit wirtschaftlich schwer bedrückt werden. Auch die Orts-Krankenkasse werde, wenn man den Satz erhöhen wolle, gezwungen sein, die Beiträge zu erhöhen. Die Ärankenhauskostcii. die in Charlottenburg ans den Köpf der Be- völkeruug entfallen, seien verhältnismäßig gering; sie be- trügen gegenivärlig 1,92 M., während sie zum Beispiel i» Altona sich auf 2,54 M., in Magdeburg a»f 2,90 M. beliefe», Redner erklärte, daß seine Partei die geplante Erhöhung mit der- selben Entschiedenheit bekämpfe» werde, wie sie eine ähnliche Vorlage vor zwei Jahren zu Falle gebracht habe. Ohne weitere Debat'le nahm darauf die schwach besetzte Versammlnug mit 29 gegen 11 Stimme» i» namentlicher Abstimmung den AuSschußantrag an. Mit den Socialdemokraten stimmten mir die Liberalen und der tadtv. Apotheker Förstner. Ebenso genehmigte die Versammlung debattelos die Vorlage» betr. die Anstellung der Supernumerare, Hilfs- Vertreter der Standesbeamten und Bnreaudiälare als städtische Beamte zur Vorbereitung, sowie die Erweiterung des Kabeluetzes des städtische» ElektricitätswerleS. Dagegen kam es bei der Vorlage betreffend den Rathaus-Neubau zu einer längeren Debatte, in der ver- schiedeue Redner ihrem Bedauern darüber Ausdruck gaben, daß der Magistrat von dem preisgekrönten Entwurf avgeivicheu fei. Da die Versammlung jedoch in einer Zwangslage, war— für die Fassade in der Lützowstraße ist bereits von dem sür den Bau ursprünglich gedachte» gotisierende» Spitzbogcnstil abgelvichen worden— stimmte iie schließlich der Magistratsvorlage zu.— Der Vorsteher teilte»och mit, daß der im November von der zweiten Abteilung gewählte Herr Cornelius sei» Mandat niedergelegt habe. Die für nächsten Mittwoch augesetzte Sitzung fällt aus. AuS Chnrlotteuburg schreibt ein Berichterstatter: Mit der Unterbringung der 72 Familie», welche am 1. April mit dem M i e t s v e r t r a g e in der Tasche in Charlottenburg obdachlos geworden find, hat sich der Charlottenburger Magistrat nichts iveiiiger als mit Ruhm bedeckt. Seitens der Stadt Charlottenburg ist sür diesen Zweck so gut ivie nichts gethan worden. Als Polizeilieutenant H e n z. der Vorsteher des Schloßstraßen-NevierS, zu dessen Bezirk die Daiickelmannstrahe gehört, und der auch das be- treffende Haus abgesperrt hat, zu dem Stadlrat Samter, dem Vor- fteher der städtische» Anneudircktion. sandle, erklärte dieser, daß die Stadt cttva 15 Familien im städtische» Familieuhanse»nterbringen könne. Als ober die genannte Familienzahl an der angegebene» Stelle an- kam, da wußte der Verwalter nichts davon und die Obdachlosen »mßte» wieder abziehe». Der Neviervorstehcr hat dann seine Schutzleute ans die Wohinmgssuche ausgeschickt und ans diese Weise 60 Familie» untergebracht. Mittlvoch kampierten aber noch 15 Familien im Freie». Auch diese ivürdcn»och Unterkouuncu ge- fuude» haben, da zur Zeit in Charlottenburg absolut kein Mangel an kleine» Wohnungen herrscht, wenn die Leute nicht obstinat ivären und darauf beständen, nnter allen Umständen in die gemietete Wohnung zu gelangen. In der Lichteuberger StadtwerduugSfragc hat nun der Minister des Innern die Gemeindeverwaltung wissen lassen, daß eine Entscheidung noch ausgesetzt werden muß. Das Gesuch der Gemeinde körperschaften sei am 22. Februar an den Landrat deS Kreises, Niederbarnim abgegeben mit der Auffordernng, die gegebeneu Unter lagen(Denkschrift, Haushaltsplan ec.) zu ergänzen. Erst dann werde sich ersehen lasse», ob die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde der- art liegen, daß Lichtenberg die durch die Stadtiverdung bedingten Lasten ans die Dauer tragen könne und dann lvürde der Minister auch erst zur Herbeiführung einer Entscheidung in der Lage sein. In der Bürgerschaft, noch mehr aber in de» Kreisen der Gemeinde- Vertretung ivird dieser„Enlschcid" Vcrwnndcrlmg hervorrufen, noch umsomehr, als man nirgendwo'erwartet, daß der Landrat des Kreises das Projekt irgendwie fördern werde. Die Ziigc�der Wannscebah» werden häufig mit Steinen be- worfen. Der Steglitzer Polizei ist es jetzt gelungen, f ü n f Schul- kiiaben bei diesem Unfug abzufassen. Die Eisenbahn-Station Friedenau halte durch den Fernsprecher gemeldet, daß soeben wieder mehrere Burschen Steine nach einem vorüberfahrenden Zuge ge- worfen hätten. Ein Steglitzer Amtsdiener begab sich darauf zu Rad an die bezeichnete Stelle, wo es ihm auch gelang, fünf Jungen festzunehmen. Der Hanptschuldige ist ein 12jähriger Gemeinde- schüler aus Berlin, der sich zur Zeit bei Verivandten in Steglitz aufhält. Wilmersdorf. Der Obmann der Gewerbegerichts- Beisitzer, Stnccateur Otto G l a d i g o w, wohnt Wilhelmsane 100, Derselbe erteilt AuSknnst in allen Ängelegenhciten des GewerbegerichtS. Ve�tnisltzkes, Roheit. Die„Badische Presse" zu Karlsruhe schreibt in ihrer Nr, 68: Die Leiche des Hingerichtete» NanbinörderSHerberger ist»ach Heidelberg in die dortige Anatomie verbracht worden. Un- mittelbar nach der Hinrichtung war durch vier Nerzie die Sektion der Leiche erfolgt. Der Köpf und die Eingeweide des Hingerichteten würden dann, ivie mitgeteilt ivird, in einem Bleieimer und die übrigen Leichenteile in einer Kiste zwecks Transports nach Heideiberg i» die hiesige Gütcrhalle verbracht. Dabei muß aufs schärfste gerügt werde», daß der Bleiciiner nicht genügend verdeckt und die Kiste geschlossen ivar, so daß jede der aus der Gütcrhalle be- schäftigteu und befindlichen Personen den gräßlichen Anblick der Leichenteile des Raubmörders hatte. Es steht zu erlvarten, daß eine Untersuchung feststelle» wird, wie solche, jedem menschliche» Gefühl Hohn sprechende Art von Leichen- Verschickung sogar seitens behördlich Angestellter sich zutragen konnte. Eingegangene Druckschriften. Im Verlag von I. H. W. Dictz Nacks, in Stuttgart ist soeben er- schienen: der zweite Band der Gesammelten Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels.(Aus dem litterarischen Nachlaß von Karl Marx. Friedrich Engels und Ferdinand Lassalle.) Herausgegeben von Franz Mehring. VIII und 482 Seiten groß Oktav. Preis broschiert M. 6,—, geb. i» engl. Lwd. M. 7,50. Der zweite Band»mfirßt die Zcitperiode von Juli 1844 biS November 1847 lind enthält alles, was Marx und Engels l» der theoretischen Begründung und Entwicklung ihres neu gewonneuen Standpunktes ge- arbeitet und mit andren Richtungen der Zeit durchkämpft habe», bis zum Kourmiuüstischeu Manifest, der klassischen Geburtsurkunde des modernen wissenschaftlichen Kommilnismus. Von dm Gesamtwerk, welches in vier Bänden komplett vorliegen wird, find außer dem oben angezeigten zweiten Bande bereits erschienen: der erste Band, der die Gesammelte» Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels von März 184t bis März 1844 enthält. XII und 432 Seiten groß Oktav. Preis broschiert M. 7,—, geb. i» engl. Lwd. M. 8.50. Keliler der vierte Band: Briese von Ferdinand Lassalle an Karl Marx und Friedrich Engels 1849 bis 1862. XVI und 368 Seiten groß Oktav. Preis broschiert M. 5,—, geb. in engl. Lwd. M. 6,50. Der dritte Band, welcher noch vor Ablauf des ersten Halbjahres 1902 erscheint, wird die Aufsätze von Marx und Engels aus der„Neuen Rheinifche» Zeitung" und deren Revue veröffentlichen, allo die vraktischen Proben ans die Richtigkeit ihrer theoretischen Resultate. Damit ist die erste Periode in der öffentlichen Wirksamkeit sür Marx und Engels abgeschlossen. „Ter Arbeitsmarkt". Halbmonatsschrift der Centralstelle sür Arbeits- markt-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow), Berlin. Verlag von Georg Reiiner. Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 13 de» 5. Jahrganges unter andern»: Die Krise im Kohlenbergbau.— Situationsberichte aus einzelnen Gewerbe». — Statistisches Monatsmaterial: Internationale Stkcilstatistik.— Börsen- kurje.—.Lebensmittelpreise. Konsum: Lebensniittelpreise im März.— Verwältniig der Arbeitsnachweise: Lohiistatistrk am Arbeitsamt Braun- schweig.— Ländliche Meldekarte in Freiburg.— Dienstboten-Bermittelung an össcutlichen Arbeitsnachweisen.— Arbeilslosen-Fürsorge: Arbeitslosigkeit in Franksnrt a. M.— Litterarische Nen-Erscheinunge». „Das Gewcebcgcricht", Monntsschriit des Verbände? Deutscher Ge-. Iverbegerichle. Herausgeber: Dr. Jastrow(Privatdocent, Stadtrat), Charlotten- burg-Berliu, Dr. Flesch(Stadtrat), Franksnrt a. M. Verlag von Georg Reimer in Berlin. Die Jeitschrist enthält in Nr. 7 des 7. Jahrganges außer der Nccht'prechuug in deutschen Gewerbegerichten und Berufungs- gericbten(Hamburg, Stuttgart, Leipzig, Landgericht Kiel, Frankfurt a. M), andren deutschen Gerichten(Amtsgericht Plettmberg) u. a.: Die praktischen Erfolge des kollektive» Arbeitsvertrages. Von Privatdocent Dr. Jastrow. Vevsassmrg und Verfahren: Die obligatorischen Gcwerbegerichte im Reichstage.— Zuständigkeit der rheinischen Gerverbegerichte.— Wahl- convcrts.— Vernichtung der Geioerbegerichtsallen.— Rechtskräftiges Urteil eines uiizustälidigen Gewerbegerichts.— Bon De. jur. Spittel.— EiutgurrgS- äurter: Einigungsämtcr in den Jahresberichten.— Allgemeines: Ber- äudenmg der Prozeßzahl.— Littcrawr: Koehne, Arbeitsordnungen.— Albrecht, Gärtner.— Berbandsaiigelegenheiten: BeitrittserNärunge». Vom neuen Brockhaus ist der sechste Band erschiene». Wegweiser für die Berufswahl. Im Auftrag deS Freiwilligen Erziehungsbeirats für schulentlassene Waisen hcransgegebeir von Prosessor Dr. rnsä. Th. Sommerfeld, E. Jaffs und I. Sauer. 170 S. 8°. Kart. M. 1,50. Verlag der Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg. Briefkasten der Redaktion. de« Tie jliriftischr Speechstunde findet täglich mit Ausnahme Sonnabends vo»?>/, bis 9'/, Kftr abends statt. Nachtwächter. Ja. Sie müßten aber die Benrfung zurücknehmen.— R. P. 100. Verjährung liegt nicht vor. Aus Grund des Zahlungs- besehls kann gepfändet werden.— K. H. lvv. Eine Rente ist nicht steuer- frei.— B. Langestr.«8/89. Vor der Heirat müssen die 200 Marken geklebt sein. Weiterversichernng, also Kleben während der arbeitslosen Zeit, ist zulässig. Nach der Heirat nachgeklebte Marken nützen nichts.— — Scwetow. Bor 8»/, llhr morgens Blumeshof?.— 9VV. Sie müssen ziehen.— Krankenkasse, l Ja. 2. Dienstmädchen gehören in Preußen keiner Zwangs-Kranleniaffe an. Die Herrschast ist verpssichtet, im Fall der Ertraninng die erforderliche Berpfiegung und ärztliche Behandlung bis zur Dauer von 6 Woche», jedoch nickt über die Beendigung der Dienstzeit hinaus, zu gewähren.— O.nst. Der Anspruch gegen die BerufSgenoiseu- schaff verjährt in 2, der gegen den Unternehmer in 3 Jahren. Der Verletzte soll schleunigst seinen Anspruch auf Rente bei dem Bernfsgenossenschafts- Vorstaiid anmelden Wird angenomnccn. es liege kein Unfall vor, io hailet der Unternehmer, falls sich ihm eine Fahrlässigkeit nachweisen läßt. Vgl. S. 16 bis 19 des ersten Nachtrags zum Arbciterrecht uiid S..l79 des Arbeiterrechts. Zimmer. 1. Sie können sich— zweclmäßigenvcise schriftlich und vor dem Termin— der öffentlichen Klage als Nebenkläger anschließen, um in dem Verfahren Buße erhallen zu können. Ein Beispiel für solchen Antrag befindet sich S. 405 Nr. 30 des«rbeitmechts. 2. Nein. 3 DaS ist »löglick, aber es könnte nicht ans Buße erkannt werden. 4. Wird wegen einer öffentlich oder dncch Verbreitung von Schrisicn, Darstellungen oder Abbildungen begangenen Beleidigung auf Strafe erkannt, so ist zugleich dem Beleidigten die Befugnis ziizu'prechen, die Verurteilung auf Kosten des Schuldigen ösienttick belannt zu machen.— F. S. 9. 1. Nein. 2. Nein. Der Beschluß, der die Kosten festsetzt, ist sofort vollstreckbar. Durch den wobl bereits erieillen Pfändungsaustrag waren neue Kosten entstanden. — St. Tz. I. und 2. Ja. 8. Nein. 4. Die Kündigung sür monatlich zahlende Ehambregarnisieii, Schlasleute usw. findet, falls nichts andres vereinbart ist, bis am 15, zum 1.(nicht umgekehrt bis am I. zum Io.) statt. - K. I. 10«. Jahnstr. v. Ja.- W. O.. Rixdorf. 1. Nein. 2. Ja. Weiter- Prognose für Freitag, den 4. April I9IIS. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mit etwas Regen und schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Verantwortlicher Nedacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inserate, iteil verantwortlich: Th. Glocke in Verliu. Druck mid Verlag von Max Babing in Berlin.