Nr. Vi». Aboimtments-Kedingunzen: Abonnement»-Prei» pränumerando i vterteljährl. SL0 Mb, monatl. I.lvMk.. wöchentlich SS PIg. frei in« Hau». «tiuelne Numm-r& PIg. Sonntag»- Nummer mi» tauliilcriec Eonntagi» Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post- Pbonnement: 1,1V Mark pro Mona», «ingetragen in der Post- Zeitung»- PretZlilte für 1808 unter Er. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige«u»l-nd 3 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Die Jnsertlons-WMy» beträgt für die sechzgespaltene Kolonei» «eile oder deren Maum io Psg., für politische und gewerlschaltliche Verein»- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. ..Kleine Anteigen" sedei Wort 3 Pfg. (nur da» erst- Wort fett). Znserate für die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in derErpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist a» Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und FesuaKen bi» S Uhr vormittag» geösfnet. Erscheint täglich«usjer Montag». Devlinev Volksblertk. Telegramm- Adrefsez „Sorialdemvstrai Aerlin» Centralorgan der sorialdemokratischen Partei Deutschlands. RedalMon: SV7. 19, Venth.Strahe 2. Aerusprecher: Zimt 1, Rr. 1508. Das Reich«nd die Arbeitslosigkeit. In der Zeit des schlimmsten Arbeitslosigkeitselends dieses Winters hatten die kapitalistischen Blätter für die hungernden Massen nur den einen Trost: die Arbeitslosigkeit sei die Folge einer vorübergehenden Depression; das Frühjahr werde eine allgemeine Belebung der Geschäfte und damit auch Arbeit und Brot für die hungernden Massen bringen. Diese Presse variierte damit nur die Redensarten, mit welchen der Minister der Reichs-Socialreform, Graf Posadowsky� unsre Notstands-Jnterpellation ini Reichstage glaubte ab thun zu können: Redensarten, mit denen er einen tiefer gehenden allgemeinen Notstand infolge der Arbeitslosigkeit ableugnete, ein reichsgesetzliches Vorgehen gegen die Arbeits losigkeit in Forni von Versicherung und Arbeitsvernnttelung für unmöglich erklärte und selbst für eine bloße Zählung der Arbeitslosen unübersteigliche Hindernisse sah. Nun ist das Frühjahr da, aber die durchgreifende Besserung der Marktlage und damit der Produktion ist ausgeblieben. Wohl ist in einzelnen Zweigen der Pro duktion eine Besserung eingetreten, aber allgemein und durchgreifend ist sie nicht. Mag man immerhin die kleine Besserung zugeben, so muß man doch vor der Ueberschätznng derselben warnen. Nie hat sich der Mangel einer amtlichen Stelle, von der aus die Lage des Arbeitsmarktes beständig kontrolliert wird, drückender fühlbar gemacht wie gerade in der gegenwärtigen Zeit. Ist in einzelnen Industriezweigen, die das Hauptproduktionsgebiet eines Platzes ausmachen, eine Besserung eingetreten, so tritt leicht der Fehler ein, diese Besserung für allgemein zu halten, während in andren Produktionszweigen dieGeschäfte noch ebenso daniederliegen wie vordem. Der beste Beweis der geringen Hoffnungen, die man auf eine baldige allgemeine Besserung setzt, ist die andauernd lustlose Haltung der Börsen, die nur geringfügige Knrsveränderimgen notieren. Auch die Thatsache, daß das Rohcisen-Syndikat eine weitere ProduktionSeiiischränkung von 30 Proz. eintreten läßt, daß die Hüttenwerke des Siegener Bezirks ihre Hochöfen auf einige Wochen dämpfen, daß die Siegener Hütte ihren Betrieb bereits gänzlich eingestellt hat. weisen nicht ans eine Besserung der Lage. In fast allen Zweigen des Handels getverbes ist die Lage sehr schlecht und derBerliner„5ko>ifertiouär" brachte Ende März einen Notschrei über das„glänzende Elend hinter blitzenden Spiegelscheiben", womit auch zu treffend das Daniederliegen des Handelsgeschäfts gekcnn- zeichnet ist. Unter solchen Umständen bleibt die Frage der B e � k ä m p f u n g der Arbeitslosigkeit für die Reichs� gesetzgebung aktuell und es ist unsre Aufgabe, mit Euergte darauf zu dringen, daß die Reichs-Socialreform sich ihrer Pflicht bewußt werde, das Elend des infolge der Wirtschafts- krise arbeitslosen Proletariats zu mindern, für die aber wieder in Arbeit Getretenen die Wiederkehr langer Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit zu verhüten. Gerade wir scheiden uns darin von den bürgerlichen Socialpolitikern, daß wir die gänzliche Beseitigung der Arbeits losigkeit, so lange das kapitalistische Produktionssystem besteht, für eine Unmöglichkeit halten. Erst die Umwandlung der kapitalistischen Produktionsanarchie in die geregelte, für und durch die Gesellschaft betriebene socialistische Produktionsweise schafft die Möglichkeit, der Warenerzeugung jene Ruhe und Stetigkeit zu geben, die die plötzlichen kapitalistischen Wirt- schaftskrisen nicht kennt und damit auch die Existenz des Arbeiters sichert. Dessen ungeachtet betrachten wir eS als die Hauptaufgabe der Socialpolitik des kapitalistischen Staates, nach Möglichkeit die Arbeiterklasse vor den Wechselfällen der kapitalistischen Produktionsweise zu schützen. Das kann der Staat und das Reich, sofern sie Anspruch darauf erheben, ernsthaft Social- Politik zu treiben. Die Reichsgesetzgebung kann durch die Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit, durch die Organi- sation des Arbeitsmarktes, durch das hilfsbereite Eintreten gut!eil des Elendes beseitigen, Wirtschaftskrise für das Proletariat für die Arbeitslosen ein welches jede kapitalistische im Gefolge hat. Aber Reich und Staat mit verschränkten Armen zu wärmere sehen der Entwicklung der Dinge Man ist befriedigt, daß die Jahreszeit nun die großen Städte von den Arbeits- losen etwas entblößen wird, daß die Arbeitslosen, von der vagen Hoffnung getrieben, anderwärts Beschäftigung zu erhalten, sich dem großen Wanderstrom des Land- straßen- Proletariats anschließen werden. In diesem Sinne hat der preußische Polizeiminister unlängst seine Ver- fügung erlassen, die Nerpflegstationen in stand zu halten, um den Strom der Arbeitslosen auf gewisse Straßen, zwecks besserer polizeilicher Ueberwachung. zu beschränken. Aber von einer Absicht des Reichs oder der Staaten, vorbeugende Maß- nahmen gegen die Wiederkehr solchen Massenelends, wie es der nun verflossene Winter gebracht hatte, zu treffen, hört man nichts. Der Sommer wird hingehen, ohne daß die er- hoffte durchgreifende Besserung des Wirtschaftslebens eintritt, der nächste Winter bringt eine noch größere Arbeitslosigkeit und ei» noch schrecklicheres Elend—- aber Hilfe bringt die Reicks-Socialpolitik den Arbeitslosen nicht. Wie könnte es auch anders sein bei einer Socialpolitik, deren Minister im Reichstage sich beispielsweise gegen Ein- sührung einer Arbeitslosigkeits-Versicherung mit dem Einwände wehrte, es liege bei derselben die Gefahr vor, daß der Fleißige durch die Arbeitsscheuen ausgebeutet werde I Er muß sich hierin selbst von dem Stadtkämmerer der Stadt Breslau be schämen lassen, der in seinem Bericht über die Geldausgaben für öffentliche Notstandsarbeiten, zu welchen sich erfahrnngs gemäß meist solche Proletarier melden und verwendet werden� die lange Zeit außer Arbeit sind, sagte: die Arbeitsleistung dieser Arbeiter habe bedeutend mehr betragen, als in normalen Zeiten bei gleicher Arbeiterzahl. Das sei vor allein den Leuten gesagt, die fortwährend die Arbeitslosen als Arbeitsscheue betrachteten.— Während so die praktische Erfahrung die Redensart von den„Arbeitsscheuen" aö absurdum führt, ist die„Arbeitsscheu" für die Reichs Socialpolitik noch immer ein Grund, die notwendigsten gesetz geberischen Schritte gegen die Arbeitslosigkeit zu unterlassen So läßt die Rcichs-Socialpolitik die Dinge eben laufe» wie jene kapitalistischen Spekulanten, die von einem Tal zum andren ans die Besserung hoffen, die nicht eintreten wi Denn selbst eine solche Besserung schafft noch keineswegs Arbeitsmöglichkeit für alle die überschüssigen Arbeitskräfte Wie groß dieses Arbeitsangebot ist, zeigt ja das Thätigkeits ergebnis der allgemeinen deutschen Arbeitsnachioeise wenigstens oberflächlich. Ihre Schlnßzahlcn über die Thätigkeit im Jahre 1901' stellen fest, daß in jenem Jahre ans je 100 offene Stellen durchschnittlich 168,8 Arbeit suchende vorhanden waren, gegen 117,7 im Vorjahre Für männliche Personen stellt sich das Verhältnis noch ungünstiger, da hier auf 100 offene Stellen 203,9 Arbeit' suchende, gegen 134,5 im Vorjahre entfielen. Diese Zahlen zeigen eine ganz bedeutende Verschlechterung des Arbeits Marktes und es ist nicht daran zu denken, daß die stockende kapitalistische Produktionsweise, selbst wenn die vergebens er hoffte durchgreifende Besserung einträte, diesen überschüssigen Arbeitskräften sobald dauernde Arbeitsgelegenheit verschoffto Es würde aber schon eine ivescntliche Hilfe sein, wenn das Reich in der gegenwärtigen Zeit an die Regelung des Arbeits Marktes heranträte und den Bewegungen auf demselben seine Ansmerksamkeit zuwendete: wenn das Reich durch gutes Bei- spiel Staat und Gemeinden dahin beeinflußte, daß sie durch vorbeugende Maßnahmen der Wiederkehr der schlimmsten Not dieses Winters steuerten. Doch predigt die Socialdemokratie dabei mir tauben Ohren. Die vornehmste Aufgabe des Ministers der„Reichs Socialreform" ist gegenwärtig, den Brotwucherern wenigstens einen Teil ihrer Beute in Sicherheit bringen zu helfen. Und was wiegt gegenüber dem Interesse der Zollwucherer das Elend der von der Krise getroffenen Arbeitermassen? MrbevMzk. Berlin, den 4. April. Die Elbinger ReichStagSwuhl. Die RcIch«!a>iS-Eisvtz>vahlc» der letzten Zeit beträfe»— mit NuZueihme der BreSlinicr— zufällig lauter Kreise ttberiviegend ländlichen CharnltcrS. Hier toiintcu also die Agrarier die Probe aufs Exempel machen und die Begeisterung der ländliche» Wähler für die Wnchcrzöllc an den Thatsache» demonstrieren. Wenn sie in diesen ländlichen Kreisen, ihren angestammten Domänen, nicht glänzend abschnitte», Ivo sollten sie sonst Erfolge hosfcn, zumal sie auch in diese» Kreisen die Wahlbeeinflnssinigs Maschinerie»ach Herzenslust handhaben konnten! Diese Kreise böte» für die Agrarier die denkbar giinstigstc Znsammensctznng. dennoch haben sie bei all diesen Probeivahle» für die nächsten allgemcincn Wahle» keinerlei Seide gesponnen, geschweige daß sie agrarische Triumphe gefeiert hätten. Zwar ist der konservative Kandidat wieder als Sieger miS dein Wahlkainpf hervorgegangen, aber arg zerschnnde». Mit ganze» 1 5 S t i in in e n Majorität ist der Bündler von Oldenbiirg ge- wählt. Das amtliche Wahlrcsuktat gicbt folgende Zahlen: Marie»bnrg. 4. April.(Amtliches Wahlresnltat.) Beider gestrigen Reichstags- Ersatzwahl im Wahlkreise Elbing- Marienbnrg wurde v. Oldenburg(kons.) mit ö20ö von 18 398 abgegebenen Stimmen gewählt. König(Soc.) erhielt 4980. Probst gagermann (Centrmn) 2588, Kindler(steif.) 1252, Wagner(natl.) 416 Stimme»: zersplittert waren 8 Stimmen. 1898 siegte der koiiscrvaiive Kandidat in der Hauptlvahl mit 9346 Stimmen, er ist also jetzt in der Stiiinnenzahl zurück gegangen. Auch die ivncherfreiindlichcii Klerikalen und Natioiialliberalen habe» verloren, während miste Genossen fast 500 Stimmen, die Freisinnigen 700 Slimmen— bei geringerer Wahlbeteiligung mehr aufbrachten. 1893 erhielten die Brotivncherparteien der scharfen nnd der„gemäßigten" Richtung 13 428 Stimmen, die Gegner der solle 4984. Diesmal erzielten die Zöllner nur 12 216 Stimmen, aben also 1200 verloren. Hingegen ivurden für die Anti- Zöllner 6182 Stimme» abgegeben, sie gewannen mithin fast 1200 Stimmen. Man begreift, daß cS miter diesen Umständen der„Post" bang um« Herz geworden ist. Sie bläst heftig zum Sammeln: Man solle sich ja nur über den Zolltarif verständigen nnd um GotteS willen den Brotwucher nicht zur Wahlparole werden lassen. Der Sammelrnf der„Post" ivird nichts helfen. Das deutsche Bolk wird unter alle» Umständeil die Gelegenheit erhalten, über de» Zollwucher zu richten.—__ Die Vcrhaudlnngc» über den Zolltarif. —st— Wien» 3. April. Trotz aller Dementis— oder viel- leicht: wegen ihrer— unterliegt es keinem Zweifel, daß die Verhandlungen über den E n t w n r f eines neuen autonome n ZolltarifeS an einem toten Punkt gelangt sind. Die ungarischen Minister find seit Montag in Wien— um mit der östreichischen und der„gemeinsamen' Stegierimg den gemeinsamen Voranschlag fest- zustellen, der der am 6. Mai znsanimentreteiidcn Delegation vor- Expedition: 19, Voulh-KtvMe 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. gelegt werden soll. Diese Arbeit ist gestern erledigt worden und in einem heute unter Vorsitz des Kaisers abgehaltenen Kronrat erhielt der Vorschlag die endgültig« Genehmigung. Herr V. Szcll bleibt aber»och einen Tag in Wien, um, wie eS in der offiziösen Verlautbarmig heißt. der Finalifiernng des ZolltarisentwurfeS die Wege zu ebne». Damit hat e« aber noch gute Wege. Die von den beiden Fachkommtsstonen absolvierte zweite Lesung des Entwurfes soll Differenzen bei mehr als hundert Positionen ergeben haben, ltnd obwohl die beiden Ministerpräsidenten seither schon zweimal zusammengekommen sind, so ist es bisher noch nicht gelungen, den Fachlommissioncn für die dritte Lesung die not- wendigen Instruktionen zu erteilen. Es niacht durchaus den Ein- druck, daß die heutige Verhandlnng eigentlich dem Zwecke dienen soll, vor der Oeffentlichkcit die bisherige Ergebiiislosigkeit der Ver« handlnnge» zu verschleiern. Aber die„Finalisierimg" deS Zolltarife« in den Parlamenten begegnet noch einer besonderen, durch die vierjährige Parlamentskrise in Oestreich hervorgerufenen Schwierigkeit. Der Abschluß von Handels« vertragen von seitc» Oestreich-Nngarns setzt nämlich nicht bloß die gesetz- liche Feststellung eines neuen Zolltarife« voraus, sondern auch den Abschluß eines Zoll- und H a n d e ls b ttn d n iss e s zwischen Oestreich und Ungar». Bekanntlich existiert zur Zeit ein solche» nicht; die Zollgomciiisamkeit beruht nur auf einseitigen, die Reeiprocität im andren Staate voraussetzenden Verfügungen jede« Landes: diese Verfügung ist in Ungarn ein Gesetz, in Oestreich eine kaiserliche Verordnung, die der Genehmigung des ReichSratS unter« liegt, die sie aber bisher nicht gefunden hat. Diese für Nicht- östrcicher wirklich recht unverständliche Form tvnr deshalb notwendig, tveil ein B ü n d n i s»ach der uugarischen Verfasinug nur mit einem Oestreich geschlossen werde» kann, in dem„volle VerfassmigSniäßig« leit" herrscht, also mir durch ei» Gesetz bctvirkt iverde» kann, nicht aber durch eine§ 14-Vcrord»iii>g, die weisigsteiis die Ungar» als „volle VerfassnngSniäßigkcit" aiiziicrkcnncn sich nicht geneigt gezeigt hatten. Nun bestimmt aber das erwähnte iiiigarischc Gesetz, daß der gegenwärtige Zustand bis zii>nJahrclg03 durch ein regelrechtes Bündnis zu ersetzen sei, widrigeiifaNS— das ist min der Punkt, an welchem die üstreichischeu Wirren eine internationale Bedeutung er» halten— die iiciicn Handelsverträge nicht über da« Jahr 1907, dem Ablauf der durch, die einseitige» Verfügungen de» Jahres 18VS festgesetzten Gemeinsamkeit de« Zollgebietes von Oestreich und Ungarn, abgeschlossen lverden dürfen. Würde es also auch ge- liiigen, den neuen Zolltarif in den beiden Parlamenten bis Ende deS Jahres fertig zu stelle»— in Wirklichkeit steht noch die Einigung der Regierungen aus. von der durch die eivig kritisch« Lage des östreichischen Abgeordnetenhauses bewirkten Schwierigkeit jeder größeren gesetzgeberischen?lktion in diesem unberechenbarsten aller Parlamente nicht zu reden— so wäre damit der Abschluß von HmidolSvcrträgcii noch immer nicht möglich geworden. Denn auf vierjährige Handelsverträge würde sich»iemaud eiitlasseu, und ohne die Vcrtvaiidlung des bisherigen Verhältniffes zivischen Oestreich und Ungarn in ein gesetzliches Zoll- nnd Handels- büudnis ist der Abschluß längerer Verträge»«möglich. Wenigstens nach de» Bestimmungen des ungarische» Gesetzes, das eben den Zweck hat, der Z o l l t r e n n u n g vorzuarbeiten. Obwohl die Verhaiidlnngen der Herren Kocrber und Szell das tiefste Geheimnis deckt, so erachten wir eS dennoch als sicher, daß der kritische Punkt der Uiitcrhandlimgen ganz eigentlich das neue Zoll- und HmidelSbündiiiS ist. Da der neue Zolltarif unter allen Umständen ein peinlich genauer Abklatsch des deutscheu HmigertarifeS sein wird, so können die Differenzen nur das Maß des Schutzzolles betreffe»: aber derlei quantitative Differenzen sind leicht zu überbrücken. Wesentlich anders steht die Sache mit dem Bertrag zwischen den beiden Staaten selbst, denn hier spielen ideologische Momente hinein, bei denen»achzngebe» jedem Teile fast mimögtich ist. Herr v. Kocrber hat nämlich den Krieg gegen Ungarn i» so pointierter Weise angekündigt, so selbstbewußt erklärt, daß er nur einen Ausgleich schließen werde, der auch für Oestreich vorteilhaft ist, daß er aus dem Kampf um den neue» Handelsvertrag— den zlvische» Oestreich und Ungarn— ohne Erfolg nicht heimkommen darf; er würde sonst seine Stellung iu Oestreich aufs äußerste gefährden. Nu» steht aber die Sache mit dem„Ausgleich", der ja ein Komplex sehr mannigfaltiger Dinge ist, so. daß mit Ausnahme eben des neuen Zoll- und HaiidelsbündnisseS alles schon entschieden ist, Eroberungen sich also nur an diese m Punkte machen lassen. Für Herrn v o n S z e l l ist es aber wieder eine Lebensfrage, das zu behaupten, wa« sein Vorgänger, der mit solchem Eclat weggeschickte Banffy, errungen hat, er wird also wohl wenig bereit sein, svon der Beute, die Ungar» in dem letzten Ausgleichslrieg gemacht hat, nur Herr» von Koerber zuliebe etivas herauszugeben. Mit andren Worten: Die Ungarn wünsche» einfach die Veränderung der Form de» bisherigen Verhältnisses, die gesetzliche Codlfizicrimg der derzeitigen einseitigen Verfügtinge», wogegen die Oesweicher die Revision des materiellen Inhalts jener Ver- ügungcil anstreben. Die Differenz dieser zwei Standpunkte ist eS, die die Verhandlung so schleppend gestaltet, und daß diese Differenz nicht allein zwischen den Rcgienmge», sondern auch zwischen den beiden Parlamenten bis Ende dieses JahreS ausgeglichen iverde» könnte, daß also bis 1908 der iieue Zolltarif u n d daS neue Zoll- und HandelSbündniS zu stände kommen könnten, das ist nach der politffchcii Situation in beiden Landern völlig ausgeschlossen. Man kann also versichern, so viel man mag. beteuern, daß der Faden der Werhandlunge» niemals abgerissen ist und wcitcrgcsponueu ivird: da? Ende Ivird doch sei», daß Oestreich-Ungarn teine Handelsverträge stillschtveigend verlängern ivird und daß der komffche „Zustand" der Reeiprocität auch im nächsten Jahre das dünne Band bilden ivird, da? Oestreich nnd Ungarn zusaimnenhält. So lange. bis ein stärkeres geknüpft tvird oder eS ganz reißt.— Deutsches Weich. Die„unerschütterliche Grundlage" der NcgierungS-Zoll- xoliiik soll der jetzige Entwurf bleiben und keinesfalls soll über die zugestandenen Miniinalzölle hinanßgegaiigen Iverden— dieS ist, wie die„Münch. Neuest. Nachr." gestern verkündete», das„befriedigende Ergebnis" der Besprechung deS Grafen P o s a d o lv s k t> mit den Herren von der batzrischen Regierung. Die Mitteilung deS Müuchener Blattes wird heut in der„Norddeutschen Allg. Zeitung" an erster Stelle wiedergegeben und damit hoch- offiziös abgestempelt. Wenn trotzdem einem Berliner Blatt ans Müncheu versichert wird, Graf Posadolvsky sei nach München ge- kommen mit dem Angebot, dem Kompromißantrag der Zolltarif- komniissionsmehrheit entgegenznkommen, so mag die Glaublviirdigkeit dieser Nachricht dahingestellt bleiben; jedenfalls erscheinen durch die Stellungnahme der bayrischen Regierung die überagrarischen Hoff- nnngen vollends gescheitert und es wird der Wuchermchrhcit nichts übrig bleiben, als den letzten Schritt im Uebergang zur Regierungsvorlage zu thun. Vorläufig verharren allerdings eine Anzahl von Blättern der Zvllparteien noch bei ihrer Forderung, daß die Regierung Entgegen- kommen belveisen müsse, nachdem die Parteien ihr„so weit" eilt- gegengekommen seien. So schreibt die„Köln. Volksztg.": „Es wird der Mehrheit natürlich nicht einfallen, die Regie- rnngen um das Entgegenkomme» kniefällig zu bitten. Wenn sie nicht einzusehen vermögen, daß die Verständignng in ihrem und im allgemeinen Interesse liegt, so mögen sie die Folgen d c r W e i g c r n» g tragen. Die Mehrheit hat ihre Schuldigkeit gethan, indem sie die Hand zur Verständigung bot. Wird sie zurückgestoßen, so hat sie das Weitere nicht zu ver- antworten." Graf Posadolvsky ist am Freitag nach Stuttgart weitergereist, Ivo man in der Zollfrage sicherlich nicht anders denkt als in München. Auch in Kobnrg soll sich Graf PosadowSky noch an- genieldet haben, um daselbst eine Besprechung mit den Ministern der Thüringischen Staaten zn haben.— - „Undankbare Arbeiter." Mit welchem Haß Professor Abbe, der durch wissenschaftlich- technische Leistungen, wie durch socialpolitisches Verständnis und Wirken gleich bedeutende Leiter der Zeiß-Werkstätten in Jena, von feiten der Arbeitgeber verfolgt wird, zeigte sich deutlich aus Anlaß des letzte» Verbandstages der Industriellen auf dem Gebiet der Feinmechanik. In glänzendem Referat hatte dort Prof. Abbe die Arbeiter- Verhältnisse und ihre Fortbildung besprochen— in der Diskussion erhob sich ein Redner nach dein andern, um in beleidigende» Ans- drücken für den Vortragende» gegen dessen Ausführungen zn wettern. Mußte doch der Vorsitzende, Prof. Krüß-Hambnrg, die Verhandlungen niit den Worten schließen, noch nie sei wohl auf ein so gediegenes Referat eine so erbärmliche Diskussion erfolgt. In den letzten Tagen ist wieder ein perfider Versuch unter- nommen worden, die so segensreichen Einrichtungen der Carl Zeiß- stiftnng— so lautet der jetzige Name des Abbcschen Niiteriiehineils — als unhaltbar hinzustellen; eS sollte der Glaube geweckt werden, daß der Begründer jeiiesjWerkeS. der sich seines auf Millionen zu bewertenden Mitbesitzes an und seines freien Bestimmungsrechtes über ertrag- reiche gewerbliche Unteriiehinnngen bei Lebzeiten entäußert hat, um ihnen weiter nur als Beamter, als„Senior der Geschäfts- leitnng" zn dienen,— daß dieser Mann durch die unvernünftige Begehrlichkeit der von ihm so wesentlich geförderte» Arbeiter zum Rücktritt von seiner leitenden Stellung, zum Ucbersiedeln aus der Stadt seines langjährigen Wirkens gebracht worden sei. Die nationalliberal-lonseruative„Jenaer Zeitung" gab viel zu diesem Manöver her. Ohne sich durch eine einfache Anfrage von der Wahrheit jsoder Univahrheit des ihr Mitgeteilten zn nberzengen, brachte sie, wie schon gestern kurz erlvähnt, in der Karfreitagnnmmer — damit die Berichtigung erst nach längerer Zeit erfolgen'lvnne— folgendes: „Schon seit einiger Zeit ging das Gerücht, Herr Professor Abbe wolle von der Leitung der Firma E. Zeiß zurücktreten und nach der Schweiz übersiedeln, wo er sich in Lugano ei» Hans zu bauen und seinen dauernden Aufenthalt zu nehmen gedenke. Wir nahmen Anstand, davon Mitteilung zn machen, weil damit noch andre Versionen verbniiden waren, wie z. B. eine Deputation Arbeiter des Zeißschen Betriebes habe Herrn Professor Abbe Vor- wnrf darüber gemacht, daß ans der C. Zeih-Stistnng 500 000 M. zu einem Ilniversitäts-Nenban geschenkt worden sind, habe ferner ver- langt, daß in den Verwaltungsansschnß derselben neben fünf Mit- gliedern der Leitung des Geschäfts sieben Arbeiter zu wählen seien, er. Das alles habe Herrn Professor Abbe so gekränkt, daß er sich entschlofjen habe, de» für spätere Zeit vorbehaltenen Schritt schon jetzt z n thun und von d e r L c i t n n g des Geschäfts ganz zurückzutreten. Wir erwähnen diese Gerüchte, weil sie in den letzten Tage» mit großer Bc- stimmtheit auftrete»; jedenfalls ist es Thatsache, daß Herr Professor Abbe bereits zn dauerndem Aufenthalt abgereist ist nnd die Leitung des Geschäfts in andre Hände gelegt hat." In der„Erfurter Tribüne" veröffentlicht nun Genosse Leber, der Vorsitzende des ArbeiteranSschnsses der Firma Zeiß, ein« Er- klärimg, in der er nach scharfer Geißelung der„Jenaer Zeitung" folgendes Thatsächliche berichtet: „Borigen Herbst wurde in einer kombinierten Mitgliederversammlung der Metallarbeiter über Arbeiteransschüsse ein Vor- trag gehalten nnd in der Diskussion wurde betont, daß auch der Arbeiterausschuß der Firma Zeiß erweiternde Rechte bekommen müßte. DieseAngelegenheit hatte schon damals alle Scharfmacher- blätter' vom Schlage der„Jenaer Zeitung" veranlaßt, die Sache ins Gegenteil nmzulügcn. Zu Anfang dieses Jahres dann hielt Herr Profesior Abbe eine» Vortrag über die fünfjährige Thätigkeit des Arbeiteransschusscs nnd ging des näheren auf die gerügten Mängel ein. Die Geschäftsleitnng beauftragte nun den Ausschuß, einen GeschäftsordnnngS-E»tw»rf auszuarbeiten, wonach in Ziilunft der Ausschuß handeln solle. Dies geschah! In einer zlveiten Sitzung wurde wiederum dazu Stellung genommen, nnd eine Kommission von sieben Personen gewählt, die das aufgestellte Material genauer zu prüfen hatte und dann mit der Geschäfisleitung gemeinsam verhandeln solle. Diese Arbeit erledigte die Kommission. Dann wurde in einer zweistündigen Sitzung, wobei die Geschäftsleitnng vollzählig ver- treten, mit der Kommission verhandelt. lind wir können erkläre», daß, was unter den jetzigen Verhältnissen, d. h. solveit das Stiftungsstatut eine Mitwirkung des ArbeiterauSschnsieS zuläßt, ermöglicht werden konnte, wurde von seilen der Geschäftsleitung v o l l st ä n d i g anerkannt, nur einige zu lveit gehende Forderungen mußten vorläufig zurückgestellt werden. Die Verhandlungen wurden von beiden Seiten mit großer Sorgfalt und Sachlichkeit geführt, ohne auch nur irgend lvie in Differenzen zu geraten. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Professor Abbe bezw. die Geschäftsleitnng freute sich, daß die Kommission als Vertreter der Arbeiterschaft solch regen Anteil am Geschästsleben zeigte. Es tvnrde ferner gewünscht, daß die Kommission, wo sie irgend Fehler und Mängel erblickte, jederzeitmit der Geschäftsleitung darüber verhandeln könne. Und was nun die Beivilligung der Gelderzuni Univcrsitäts- Reubau zc. anlangt, ist kein Wort von dem wahr, waS die«J. Z." schreibt. Getviß hat die Arbeiterschaft verlangt, bei Bewilligung von Geldern, die außerhalb des Geschäfts verwendet, auch ihre Wünsche geltend zn machen, dies lvurde aber bereitwillig von der Geschäftsleitung zugegeben. Außerdem erklärte die Geschäftsleitnng noch aus Wunsch der Arbeiterschaft, eine Zn- sammenstellung der in den letzten 5 Jahren außerhalb deS Geschäfts verwendeten Gelder der Arbeiterschaft zu unter- breiten. Kurzum, es gab keine Differenzen. Und wenn mm gar die„I. Z." schreibt, Professor Abbe fühlte sich gekränkt und sei darum von der Leitung zurückgetreten, so weiß nian nicht recht, soll mau die Verlogenheit oder die Naivetät der„I. Z." mehr bewundern. Professor Abbe ist drei Tage nach� der fraglichen Sitzung abgereist, um sich wie alle Jahre im Süden von seinen Strapazen'zn erholen; ob er nun dieses Jahr zn seiner Er- holung längerer Zeit bedarf, mutz dahingestellt sein. Aber Thatsache ist, daß von einem Zurücktreten aus der Geschäftsleitung keine Rede sein kann. Und in letzter Linie ein Zurücktreten wegen Kränkiuig von seiten der Arbeiterschaft. Jedenfalls wird Professor Abbe allen Scharf- machern zum Trotz, soweit es feine Gesundheit erlaubt, zur Weiter- eutwicklnng der C Zeiß-Stiftnug auch in Zukunst beitragen. Ob er in Jena oder Lugano lveilt, er bleibt trotzdem in engerer Fühlung mit den andren Herren der GefchäftSleikung und werden irgend welche Veränderungen ohne seine Zustimmniig niemals er- ledigt werden." Da die bürgerliche Presse— voran„freisinnige" Blätter wie die „ V o s s i s ch e Z e i I u» g", die inzwischen die behaupteten That- fachen, aber nicht ihre Beurteilung widerrufen hat— überall mir breitem Behagen vom Ausscheiden des Professors Abbe ans seinem bisherigen Wirkungskreis berichtet hat, niiter seelenvollen Betrachtungen a la Jacobi über die„Undankbarkeit der Arbeiter", nnd eine ganze Reihe von Blätter» die gegen- teiligen Veröffentlichungen der Provinzblätter möglicherweise „übersehen", haben wir die Erklärung wiedergegeben, deren Ztichtig- Icit auch das„Jenaer Volksblatt" auf Grund genauer In- formationen bei der Firma bestätigt. Wir glauben, das wird genügen, um das Triumphgehenl der Scharfmacher über den„kläglichen Änsgang" der„nnfinnigen Jenenser Arbeitcrpolitik" vorläufig verstummen zu lassen. An weiteren Versuchen, die dortigen Verhältnisse in schlechtem Licht erscheinen zn lassen, ivird es nicht fehlen. Sache der Arbeiter- schaft wird es sein, auf ihre Feinde und„Freunde" auch in dieser Beziehung ein wachsames Auge zu haben. Wen drückt die Zolllast? Die Agrarier flunkern noch immer gern: das Ausland trägt den Zoll! Aber eine Zuschrift an die �.Rat.-Ztg." erzählt:„Bei einer gelegentlichen Anwesenheit in St o n st a n z fand ich in einer Konstanzer Zeitung und in einer Thurgauer die B r o t t a y e» der beiden Gebiete. Ich rechnete mir die Brotpreise des Schwarzbrots in beiden Gebieten heraus und fand zufällig, daß das schweizer Brot»im Z'/e Pfennig pro Pfund billiger iv a r als das Konstanzer. Zugleich erfuhr ich. daß die Arbeiter ans K o n st a n z all- abendlich ihre 3 Pfund Brot aus ihrer Arbeitsstelle in der Schweiz zollfrei mitbrächte». Ich ging die halbe Stuiidc bis zur Zollstätte, und da trafen abends die Arbeiter mit ihren 3 Pfund Brot im isack ein und führten es frei nach Konstanz. Das macht also täglich lO'/s Pfg. Erspariiis aufs Brot oder im Jahr an Brotzoll M. Wer würde eine solche Steuer zn Gunfleii der Groß- grundbcsitzer wohl ciiicm Arbeiter direkt onserlcgeii. lind nun gar von ö M. pro Cciitner oder jährlich 73 M. für den'Arbeiter!" Vom Ecutriims-Zwist. Ans Düsseldorf wird nus geschrieben: Die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" und ihr nach der ganze Chorus der kleinen CeiitrumSblättcr bringen von der. Woche um Woche heftiger werdenden Fehde deS Düsseldorfer„Christlichen Haus- schatzcs" und der p l a n m ä ß i g e n Agitation des christlichen Preß- Vereins gegen die Brotwiicher-Christcii kein Wart. Das ist das ivohlcrwogeiic Manöver der Düpierinig der Ceutrumswähler! Der„Christliche Hansjchatz"' aber fährt weiter fort, seine Brotwnchcr-Parteigcnossen an den Pranger zu stellen? In seiner Osteriiiiinmer schreibt er n. a.: „Wir stellen nimmehr fest: Unter jenen Dreiliiidvierzigern (der Erklärmig deS Haiiptvorstaiidcs der Düsseldorfer CentruinS- parte») find 28 Angehörige höherer Stände, Rechtsanwälte, Kauf- lente oder Rentner, S Landivirte. d. h. Gutsbesitzer und 5 Hand- lverlsnieister. Von den Arbeitern i st nur einer darunter, der natürlich so ivenig Verständnis für die sociale Frage besitzt, daß er noch nicht einmal organisiert i st. Wo sind denn nun die Delegierte» der Düsseldorfer Arbeiter- organisationeii im Haupiyorstaude der CentniniSpartei?... ES ist offenbar eine bittere Verhöhunlig der gesamte« Arbeiterschaft, iveim man dieselbe mit schönen Worteii über thatsächliche Verhältnisse hinivegziitäuscheii sucht.... Wie die Landwirtschaft im Hailptvorstand der Düsseldorfer CentruuiSpartei vertreten ist, darüber kann nian ebenfalls ans der „Erklärung" jener 43 Eiferer für hohe Getreide- nnd Fleischzölle interessante Schlüsse ziehen. Nehme« ivir z. B. imsrcn rein länd- lichen Ort Hamm mit feinem hochcntivickclteii Garten- und Feld- bau. Dieser Ort ist durch zivci Naniini vertreten, von dciicn der eine ein„Tchmiedculcistcr", der andre aber ein„Jniinobilie»- Agent" ist.... Dieser Mann, ebenso ivie sei» Partner, sind allerdings kostbare Borkänipfcr für die Getreide- nnd Fleischzölle, welch letztere de» klcilie» Bauern von Hainni samt nnd sonders, de» Belvohnerii des ganzen Ortes, ohne jede Alls- nähme, nicht bloß keinen Nutzen, sonder» schwere» Wirtschaft- lichen Schaden zufügen müsse». Diese ganze Maffe der kleinen Laudlente von Hamm hat also ebenfalls weder Sitz noch Stimuie im Hanptvorstande der CentrnmSpartei. Tie ganze Schar der kleine» Pauen, ist ohne jeden Ein- flnff ans die Parteileitung und deshalb werden ihre Jnter- essen geradezu verlciignct. Man betrachtet die Arbeiterschaft und die Maffe der ileincii Leute auf dem Lande nngciisckieinlich bloß als Stimmvieh, mit dem man sonst nicht weiter zu rechnen braucht. Das übrige machen die hohe» Herren unter sich ab." Dieselbe Nilinmer des„Christlichen HausschatzeS" bringt einen Artikel a n s d e r F e d c r eines organisierten christlichen Arbeiters. Da heißt es: Will nian der Landwirlschast helfen, so kann dem ohnehin schon durch Steuern belasteten Arbeiter nicht zngemiitet werden, eine» Teil seines sauerverdiciiteii Lohnes den Großgrrindbesitzeru noch in den Schoß zu legen. Möge» diejenigen die eveuiuelleii Zölle trage», denen von der Natur das Glück beschieden ist, als Kind eines mehrfachen MilliouenbesitzerS das Licht der Welt zu erblicken.— Man inuß staunen, wie schnell misre Führer— ihre Gesinnung geändert haben, daß sie ihre früheren Aiiichamingen mit Füßen trete», indem sie jetzt für eine Erhöhung der Zölle eiiilrelcu, um einer kleinen Schar Großgrimdbesitzer, die es doch am welligsten bc- dürfen, das Kapital noch zu mehren. Denn das sind wir iiuS bewußt: Ter Kleinbauer hat kciur» Niitzeu davon, nnd der Pächter eineS GntrS am allerwenigste». Mit dem Vorgehen nnfres Ab- geordneten, Herrn Kirsch, i» dieser Sache, können wir uns ebciisowciiig einverstaildeii erklären. Warum hat er nicht die Gesinnnng des größten Brotkonsiliiicnten. der Arbeiter, in Erfahrung zu bringen gesucht und deren Wünsche entgegen geuommen, anstatt in geheimer Sitzung unter Bessergestellten über die Zölle zu beratschlagen? Wir müffen dies sörmlich als Mißbrauch ansehen. Wir Arbeiter haben auf alle Fälle das größte Koutiiigent Stimmen zn seinem günstigen Wahlresnltat abgegeben. Gerade dadurch, daß Herr Kirsch in uiisrer schlechten Geschäftökoiijunktiir ein Schwärmer für die Zölle geworden ist, hat er unser Vertrauen miffbrancht, und das werden wir nicht vcrgesic». Der christliche Arbeiter geißelt dann die verlogenen Redensarten, mit denen das Centrun» da? Proletariat für feine Zolliviichcr-Politik zu gelviiine» sucht, so wenn nian den Arbeitern vorgaukle: „Geht der Zoll durch, dann verdienen die Arbeiter viel, oder das Auslalid trägt den Zoll u. dergl. Luftichlösser. Nusre christ- lichcn Arbeiter find aber schon so helle geworden, daß sie den Hliinbllg verstehen. In einem dritten Artikel„Alte Versprechungen" wird dem führenden Cciitrnnisorgan„Gerinania" ein Artikel boin 5. No- vember 1899(Nr. LöS. viertes Blatt) wie folgt nachgedruckt: „Ohne eine angängige und gründliche Erörterung der Kosten und der Decknngsfrage(des 1899 er FlotteiibauplanS R), wie sie ein solider deutscher Hausvater bei jeder großen Ausgabe für den Hanshalt aufstellt, ist jede weitere Erörternng über die Flotten- frage einem Bniien von Lustschlösiern vergleichbar. Das mit weil über zwei Milliarden vcrschnldcle Deutsche Reich noch weiter mit Milliarden voiiSchttlden zn belasten, müffcii wir ebenso ablcbncn.wie wir»Iiis gegen den Gedanken sträube», die Koste» der Verdoppelung einer Kriegsflotte durch eine Protvertcncrnug gerade den ärmere» Klaffen der Vrvölkerung abzunehmen. Ein solcher Gedanke kann vielleicht aus--- Mährrn kommen, oder im Kaslaiiienwäldchen eingesogen worden sein; einem deutschen Gcmüte muß es die Scham inö Gesicht treibe», diesem Gedanken auch nur Nanm zu gebe»."— So die„Germania" 1809. Das nagelt der„Christliche Haus- schätz" mit Fettdruck fest nnd ruft: „Heutzutage müßte ivohl manchem deutschen Gemüte die Scham ins Gesicht getrieben werden, denn damals haben wir trotz aller vorhergehenden Beteuernngeii die Flottenvermehrnng mit den Milliardeu-Schulden erhalten, und heute, volle zwei Jahre später folgt die Brotverteuermig munter nach, und— die„Germania" verteuert mit!" Wft&ei,„Köln. Volksztg.'.„Germania" und die sonstigen Centrnmsblätter auch das veröffentlichen?— Ansläuder sind es... Die sächsische Regierung, zn jeglicher Reaktion bereit, hat eine nene schroffe Maßnahme gegen ausländische Studenten, die auf der Bergakademie in Freibcrg stndicren wollen, verhängt. Ausländische Stndente»— es handelt sich fast ausschließlich mn Rnssen— sollen künftig nicht mehr auf Grund des Reifezeugnisses eines russischen GymnasinulS zur Bergakademie zugelassen werden, sondern sollen den Nachweis erbringen, daß sie bereits au einer russischen Hochschule studiert haben. Ans diese Art hofft mau die russische Jugend, die nicht in Regierinigstreue, weder in zarischcr noch in sächsicher, zu ersterbe» pflegt, etwas mehr fern- zuhalten. Daß die Verfiigimg des sächsischen Ministcrimns nicht auf ausschließlich ivissenschaftlichcn Rücksichten beruht, beweist die That- sachc, daß für deutsche Staatsangehörige, die das Reifezeugnis eines russischen Gyinnafiums erbringen, eine Ansnahniebehaiidliing vorgesehen bleibt.— Tie„Krenz-Zeitiing" nimmt, wir vermuten, mit tiefem Schmerz, davon Notiz, daß Genossin Luxemburg die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, also nicht über die Grenze geschafft werden kann. Das Blatt ersucht uns. unsrerseits zn berichtigen, daß in der Redaktion der„Kreuz-Zeilung" keine Rusfen thätig sind. Wir dürfe» wohl diese Behauptung so auffaffeii, daß ihre Redaltions- Rnssen— es sind niisres Wissens Dentsch-Rnffen— die Naturalisation erworben haben. Zn einer Eiitschnldignng wegen ihrer gemeinen Denunziation versteht sich das Kreuz-Blatt natürlich nicht.— Ausland. Frankreich. Die Wahlvorbereitiiiigcn sind im vollen Gange, am eifrigsten ist die Regiermig. Diese hat Cirknlare an die Präfekten versandt, in welchen sie die üblichen Anweisungen über das Wahlverfahrcn giebt. Dagegen würde sich kaum etwas einwenden lassen, sonderbar aber mntet es an, wenn Waldeck-Rousseau fäintliche Präfekten des Landes nach Paris entbietet, um mit ihnen die Lage des Wahl- kanipfes im allgemeineil und in ihren specielleq Kreisen zn beraten. Dieser Präfektenenipfang seitens des Ministers hat dieser Tage be« gouncii und loird voraussichtlich 3—4 Tage in Anspruch nehmen.— Rücktritt dcö Kabinetts Wolbeck- Rouffeau. Nach der „Alirore" beabsichtigt der Ministerpräsident Waldeck-Rousseau nicht, wie seit längerer Zeit gerüchtweise verlautet, nach den Wahlen. sondern»och vor den Wahlen mit dem gesamten Kabinett zurnckziitreten.—_ AttentatSfabelei. PariS, 4. April. Eine Nole der„Agence HavaS" besagt: Einige italienische»nd französische Blätter hatten in den letzten Tage» gemeldet, das italienische Konsulat in Nizza habe ein g e g e n d e n K ö» i g von En g l a» d gerichtetes anarchistisches Komplott entdeckt, ivelches für de» Fall, dnß der König nach Cailncs käme, zur Anssührung gelangen sollte, und die italienische Polizei habe eine entsprechende Milteilung»ach London gelange» lasse». Dieses Gerücht cnlbchrt j e d e r B e g rü» d u n g.— Euglaud. Tic englische Arbcitcr-Gcsctzgebung. Da? iiiteruational« socialisiischc Sekretariat zu Brüssel hat an die socialistischen Parteien und socialistischen Abgeordneten aller Länder die Aufforderung gc- richtet, ihm alle Arbcitergesetze einzusende»,»im so eine Sammlung sämtlicher Arbeiterschntzgcsetze herstellen zu können. Daraus hat die Unabhängige Arbeiterpartei Englaiide geantwortet, daß sie diesem Verlangen kniiiii nachkommen kvime. Seit 1839 seien etwa 500 Par- lameiits- nnd RegieningSflkte erlassen worden, die sich auf die Arbeit beziehen. Darunter seien bcstunmt 300, die kanin durch Rechts- gelehrte richtig interpretiert werden könnten. Eine abgeschlossene Arbeilcrschiltz-Gcsctzgebiing existiere nicht, das bestehende Recht sei »nr zn stände geloninien durch Einzclbestimniiiiigeii, Verordiningen, Beschlüsse hoher Gerichtshöfe nsiv.— Tcinemark. Ter Verkauf der westindischen Insel». Vor etwa einem Monat teilte.Socialdeinokiatcn" mit. daß der eine der beiden Agenten, die für den Verkauf der Inseln thätig waren, Niels G r ö n, nnu von den AntiverkaufS-Männern an- geworben worden fei und nach Amerika abgereist sei, um dort gegen den Verkauf zu ivirlen. Jetzt ist dein R e p r ä s e n t a n t e n h a n S zu Washington der Geheimbericht des Agenten Christmas an das frühere dänische Ministeriiml Sehnsted, betreffend die Bestechungen amerikanischer Ab« geordneter, vorgelegt ivorden und auf Antrag des Abgeordneten Richardson eine Koinmission zur Untersilchung der Angelegenheit gewählt ivorden. Ein Privattelegramm der Kopenhagcner„National- litende" meldet nun, daß es Niels Grön war, der Mr. Richardson den Bericht gab, worauf dieser seine Forderung einer Uiilersiichlingskominissioii gründete nnd daß Grön jetzt thatsächlich gegen de» Jnselhandel agitiert. Ein weiteres Telegrainin meldet derselben konservativen Zeitung: „Die Affaire Christmas ist ein Versuch seitens gewisser New Dorker nnd B o st o n e r Kapitalisten, die endgültige Ralifikalioii des KanfkontrakteS zn verhindern. Diese Kapitalisten, die ein K o ni ni i ss i o n s s a l a i r bei der dänisch- amerikanischen TranSakliou zn erzielen strebten, benutzten vor zwei Jahren Niels Giön als ihren Agenten. Da aber die Regierung sich weigerte, mit Grön zu verhandeln, siichien die amerikanischen Kapitalisten den Verkauf zu verhindern nnd veranlaßten deswegen Mr. Richardson zn jenem Vorgehen, das nun die Einsetzung einer Koinmission zur Folge hatte. Der Zweck i st. Dänemark zur Aufschiebung der endgültigen Ratifikation deS Traktats zu bringe n."— Bekanntlich hat das dänische LandSlhing bisher sein möglichstes gethan.„m in dieser Hinsicht den Wünschen dieser anierikaiiischcii Kapitalisten Rechnung zn tragen. „ S o c i a l d e m o k r a t e n". weilt daraus hin, daß eS daS konservative„Vort Land" und die„Nalioiialtidende" waren, die zuerst den Geheimbericht Christmas' veröffentlichte», nnd erklärt: „Der Bericht inuß entlveder dem Ministerin»! gestohlen oder von einen» der abgegangenen Minister den Konservativen zum Gebrauch anSgeliefert worden sein.— Die Sache ist so ernst gc- ivorden. daß die Frage wegen Hochver räterei erhoben werden muß. Es niiiß aufgeklärt iverden, iv elcher von den kon- servativen M i n i st e r n C h r i st»i a s' B e r i ch t den Berka n f g e g» c r n in d i c H ä n d e gespielt hat, um damit dem amerikanischen Volksvertreter, der ihn dazu gebraucht. seiner Regierung Hindernisse zn bereiten und die Abgeordneten abzuschrecken von der Gnthcißnng des Kaufes...."— Rußland. Ncdoluiloulire Demonstratio» i» Odessa. Einige Tage nach rct grandiose» Deinonstration in Petersburg fand eine ähnliche auch in O d e f s a statt. Die Polizei hatte alle Vorkehrungen zu dem "�age der Bauerli-Einanzipation getroffen, in der Meinung, die Organisationen hätten die Demonstration für diesen Tag angesetzt, Uran hatte sie aber durch falsche DenuuZiationeu genasfiihrt. Sic uahnr lvlassenhauSsuchungen und Verhaftungen vor, bei denen es ihr H'tchl gelang, Flugblätter und einige für die Dcniorrstration vor- bereiteten Fahnen zu konfiszieren, die leitenden Komitees der Bc- 'vegnng blieben aber nnverschrt,»ind als am Sonnabend, den d>. März, nur 12 Uhr mittags plötzlich die Deribasffche Slras-e sich mit groffen Mcnschenniengcn zn füllen begann. da innffte die Polizei einschen, das; ihre Bemühnngcn so sriichtios gc- dlieben waren. Die Zahl der Demonstranten wird ans(iGOV geschätzt. Die ganze Demonstratio» wurde von den drei ürtlichcn Gruppen, dem Komitee der socialdemokratischen Partei, dem Komitee der rcvolntionären Socialdemokratie des Südens und dem Komitee der socialistischcii Revolutionäre geleitet. Die De- monstranten sangen revolutionäre Lieder und entfalteten mehrere Fahnen. Alle Magazine waren geschlossen. Zur Niederwerfung der Dcmrmitrario» waren Polizisten, Kosakeir und Feuerwehr erschienen, die unter der Leitung des Generals Schnivalow standen.„Ich werde das ganze Ereignis," schreibt ein Augenzeuge,„nie aus meiner Seele auslöschen können. Ich sehe die Unzahl von Kosaken»nid Polizisten, die hin und her jagen,»lu» jeden und alle zn zertreten und niederzuschlagen, ich sehe Blnispure» überall und die pfeifenden Knute». In meinen Ohren klingt unaufhörlich die schrille Stimme Schuwalows:..HautI" Ich sehe den General, wie er beim Anblick einer Fahne mit der Jnschrist„Freiheit" in wahnsinniger Ltzrtt aufschreit:„Schlagt tot die Freiheit!" Bor den Augen der tausendlvpfigen Menge wurden wehrlose Menschen grausain ver- stümmclt. In den Polizeiwachtstuben wnrden die Brutalitäten fortgesetzt. denn hier sah es niemand. Hier zog man den Verhafteten Säcke über den Kopf, warf sie auf die Erde'nnd schlug, schlug... Man erzählt Scenen, die an die Zeiten der Inquisition erinnerten. Aus einer andere» Quelle können wir berichte»:„In den Arrest- ftuben geschahen schreckliche Dinge; die Unglücklichen. die in die Hände der Polizei gefallen waren. wurden beschimpft nud ge- schlagen. Sie mußte» die ekelhaftesten Schimpfworte ertragen, und wollten sie es nicht, schlug man sie ohne Gnade. Einige, die jetzt freigekommen sind. sind buchstäblich verstümmelt. Sie erzählen über fast nnglanbliche Roheiten der Polizei. Der Pristaiv des Boulevardwachtpostens hat einen der Arretierten geschlagen und an den Haaren gezerrt, wobei, er ihm einen ganzen Büschel Haare ausgerissen hat. Um nun die Spuren der Mißhandlung zu ver- liichtc», hat man dein Arretierten de» ganzen Kopf einfach abgeschoren. Nach der Demonstration wurden die Verhafniiigen fortgesetzt, was avcr die aufgeregte Stimmung noch mehr erhitzt hat. Iii der Stadt finden immer neue Flugblätter und Aufrufe Verbreitung, was zeigt, daß die Organisationen an Schlagfertigkeit nicht das geringste ein- gebüßt haben.—_ Der Boeren Krieg. Die Friedruöverhaudlungc». „Daily Mail" berichtet ans Brüssel, Dr. LeydS habe erklärt, die von der„Daily Mail veröffentlichten Friedensbediugnngen seien die der englischen Regierung. Die B o e r e n könnten sie aber nicht annehme», weil sie nicht die U» a b h ä u g i g k e i t ent- hielten. Die Konferenz der Boerendelegiertcu mit dem Präsidenten Krüger ivcrde hierüber endgültig Klarheit schaffen. Aus Brüssel wird ferner berichtet, das Ergebnis der bei Dr. LeydS stnttgesnndenen Boercnkonfcr enz gestatte die Mitteilung. daß die E i n st e 1 1 n ii g der Feindseligkeiten noch nicht in Aussicht g e st e l l t werden könne. da die englische Regierung es noch. innner ablehne, die Unabhängig- k e i t s f r a g e a n z u e r k e.n u e n. Die Boereudelegierten erklären, die englische Regierung verlange die Ucbergabc der Boercn, bevor sie mit Schall' Bürger in Unterhandlung trete. Diesem Ver- langen iverde jedoch keine Folge gegeben, so lauge Eng- land nicht eine Grundlage aufgestellt haben ivcrde. ivclche «ine Garantie dafür sei. daß die Unterhandlungen Aussicht auf Erfolg haben. Auch über die Frage der Uiiabhängigkcit herrsche dieselbe Ansicht. Die Boercn könnten in dieser Hinsicht von ihrer Forderung nicht abgehen. Während die letzten Telegramme ans Südafrika berichten, daß «» Schalk Bürger inid andren Mitgliedern der Transvaal- rtaiernng endlich gelungen sei, mit Steijn in Verbiiidung zu treten, wird andrerseits behauptet, Steijn habe sich zn De Wct begeben, um nnt demselben eine Unterredung zn haben. De Wet besitze großen Einfluß auf Krüger. Angebliche Boereuverluste. Der letzte Wochenbericht Lord Kitchcners bezifferte den Abgang der Boerenstreitkräste auf 276 Manu bezw. auf 23 Tote. 3 Ver- wundete, 201_Gefaiigei>e, 49 freiwillig die Waffen streckende Boeren, sowie auf 217 Gewehre, 15 50!) Patronen, 37 Wagen und 160 Pferde. In den ersten drei Monaten dieses Jahres betrugen die Boercn- Verluste: Januar 1386, Februar 1724, März 1969, insgesamt 5079 Mann. Aiigesichls solcher Verluste lohnte e» sich doch eigentlich gar nicht für die Engländer, erst noch in Friedensverhandlungen ein- zutreten, da man ja in einen' halben Jahre sämtliche noch iin Felde stehenden Boeren gefangen genommen haben müßte. Die Verlust- listen müssen also ihren Haken haben. Neue erbitterte Kämpfe. Ein Telegramm Lord Kitchcners besagt, General Walter Kitchener melde ihm ans Driclnil fWest-TraiiSvaal), er habe am 3l. März eine Aufkläruiigstruppe nach dem Hartfliiß gesandt. Die Truppe sei bald auf die Spuren feindlicher Geschütze gestoßen und habe die Boeren während der Nacht ackt Meilen iveit durch den Busch ver- folgt. Als sie sich dann auf ebenem Terrain entwickeln wollte, stürmten Verstärkimgeii. ivelche die Boeren inzwischen erhalte» hatten, gegen die Flanke» der Truppe. Letztere ivar genötigt, eine Verteidigungsitellnng einzunehmeit und verschanzte sich eiligst. Es entspann sich nunmehr ein erbitterter Kampf. Schließlich wurden die Boeren auf allen Seiten zurückgeworfen. Dclarey und Kenip bemühten sich vergeblich, die Boeren, welche 1500 Mann zählten, zn überreden, de» Angriff zu erneuen,. Sie hatten zn stark.gelitten imd z o g e n s i ch nach Nordwest e n und S ü den zurück. Auch d i e e n g l i s ch e n V e r l u st e sind sehr grast. Eine eng- lische Abteilung leistete so laiige Widerstand, bis alle Mann gefallen oder verwundet waren. Ocftreichifche„Rcntralität". Die Wiener„Arbeiter-Zeitnng" meldet: Die englische Re- gicrung hatte 30 000 Pferdegeschirre bei der Firma Wolfiicr in Reupest bestellt. Als die Fabrik zum Termin nicht alles liefern konnte, stellte ihr die Budapest«« Militärbehörde das Fehlende nnS ihre» Depots leihweise zur Verfügung! Das ist ein Beitrag zu der berühmte» Neutralität Oestreich-Ungarns! Für den Wahlkreis Grcifswald-Grimmrn wurde in einer Wahltreislonserenz der Genosse A. Hanisch aus Stettin alS Reichstags- kaudidat aufgestellt. Der achte Kongreß der niederländischen Socialdemokratie tagte in den Osterfeiertagen zn Groningen und wurde am Sonntag- vormittag von dem Parteivorsitzeiiden Henri Polak eröffnet. Anwesend waren 113 Delegierte mit 125 Mandaten. Das Bureau des Kongresses wurde, wie üblich, durch den Parieivorstand gebildet. Nachdem die Debatlen über den Jahresbericht und den Kassenbericht sworans das Wesentlichste bereits inNr. 57 des„Vorwärts" wiedergegeben wurde) beeudet waren, ging der Kongreß zn der um- striltensten Frage, zuder„S ch u lf ra g e" über. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Partei für oder gegen die staatliche Unterstützung der privaten Schulen, die sich zu einem großen Teil in Händen der Geistlichkeit befinden, cintrclen soll. ab die Partei nicht ganz entschieden die r e l i g i ö s- n e n t r a l e,„allgemein verpflichtende S t a a t s s ch n l e" fordern solle, diese Frage hat bereit» eine sehr umfangreiche Diskussion in der Partcipresse hervorgerufen. Dem Parteitag lagen hierzu eiiva zehn verschiedene, teil» recht anssührliche Nesoliitionen vor, die von den betreffenden Delegierten nacheinander begründet und erläutert ivurden. Dann folgte eine all- gemeine Diskussion, die sich bis zum Schluß des ersten Berhandlnngs- Inges hinzog. Sie führte zn der Wahl einer Kommission, bestehend ans den Genossen Troelstra. Gortcr. Bijkerk. Geertsma, Vliegcn. Schapcr und Mendels, die sich über eine Itesolulion einigen oder, wenn das nicht möglich sein sollte, dem Kongreß zwei Resolntioncn zur Entscheidung vorlege» sollten. Tie Kommission loählte da» letztere; drei ihrer Mitglieder legten eine Resolution vor. lvorin die entschiedene Verweigerung jeglicher Uiiterstiitznng an die privaten Schule» verlangt wird, die übrigen vier die folgende Resolution, die dann am Moniagnachnültag von dem Kongreß mit 72 gegen 33 Stimmen bei 18 Stimmenthaltungen angenommen wurde: „Der K o n g r e ß d e r S o c i a I d e m o k r a t i s ch c n A r b e i t e r- Partei stellt an den Staat die Forderung, dafür zu sorgen, daß überall allgemein verpflichtender, kostenloser, genügender Elementar- Unterricht erteilt wird; erachlet deshalb die Hebung de» Niveaus der unteren Schule für notwendig, mit Bezahlung aller Unkosten und sachkundiger Aufsicht durch den Staat; koiistatiert, daß ein großer Teil der arbeitenden Klasse in Nieder- land für seine Kinder religiösen Unterricht verlangt, und erachtet es für nicht wünschenswert, ihm darin entgegenzuwirken, da die Social- dcmotratie die Einigkeit der Arbeiterklasse gegenüber gläubigen und ungläubigen Kapitalisten auf wirtschaftlichein Gebiete nicht wegen lheologischer Streitigkeiten beeinträchtigen darf; stellt an die besondere Schule dieselben iiiatcricllen Forderungen wie an die öffentliche, auch hinsichtlich der Position der Lehrer, deren Selbständigkeit durch den Staat garantiert werden m u tz, ebcnio wie die Freiheit der Eltern in der Wahl der Schule, und erklärt sich mir bei vollständiger Erfüllung dieser Bedingungen für Maßregel», die die Gleichstellimg der besondere» Schulen mit der öffentlichen im Auge haben."— In der Sitzung vom Montagvormittag wurden imtcr andern, folgende Beschlüsse gefaßt: Die Parteikasse übernimmt die Kosten für das In- f o r m a t i o n§- Bureau der G e m e i u d e r a t S- Mit- g l i c d e r; der Kongreß macht c» den socialdemokratischen Gcmcinderats- Mitgliedern zur Pflicht, Mitglied der Organi- sation der Gemcinderats- Mitglieder z» sc!». Hinsichtlich eines Antrags, dem„Socialdemokratischen Studien- klub" eine jährliche Unterstützung von 100 Gulden zu gcivähreu, sowie hiiisichilich verschiedener Anträge auf finanzielle Uiiterstiitznng lokaler Propaganda nnd der Anstellmig provnizialer Propagandisten und Organisatoren wurde beschlossen', dem Partei- vorstand freie Hand zn lasse».— Zu», Punkt„Frauenarbeit" referierte H e I s d i n g e n über die von dem Minister Knyper beabsichtigte Ver- s ch l e ch t e r u u g der gesetzlichen S ch» tz b e st i m m» n g e u durch AiiSdehiiung der für Frauen in den Fischräuchereien zulässigen Arbeitszeit bis 12 resp. 2 Uhr nachts. Ohne Diskussion wurde hierzu die folgende Resolution nutcr lautem Beifall angenommeu: „Der Kongreß der Socialdcmolratischen Arbeiterpartei, gehalten zu Gromngcii am 30. nnd 31. März 1902, der Kenntnis genommen hat von den durchgeführten nnd bcantragici, Maßregeln de» Ministers des Innern, betreffend die Arbeit der Frauen und Kinder. durch den Beschluß v o in 28. November 1901(damals verlängerte Dr. Knyper die den Herings, änchereien gewährte Ver- giinstigimg, Frauen bis 10 Uhr abends zu beschäftigen, auf weitere fünf Jahre) und durch den eingebrachten Gesetzentivurf zur Ab- änderung des Artikels 5 des ÄrbcitsgcsctzcS, dahingehend, die Nachtarbeit von Frauen über 16 Jahre beim Herings- spießen fortan zuzulassen, sieht die) vorgeschlagene Abänderimg dieses Gesetze» als ein reaktionäres Vorhabe» zur Abschwäcknuig der Schutzmaßregeln für Frauen und Kinder an, spricht seine Mißbilligung darüber au» und hofft, daß das Parlament die Absicht zur Verschlechterung dcstGesetzes vereiteln wird. Zur M a i b e w c g» n g wurde ans Antrag des Paricivorstandcs beschlossen, daß am ersten Mai mit der Agitation für den Acht- swndentag so viel wie möglich die Agitation für das allgemeine Wahlrecht verbunden werden soll.— Als Haupt- rcdactenr von„ H e t Boll" wurde T r o e l st r a einstimmig ivicdcrgeivählt.— In den P a r t e i v o r st a n d wurden geivählt: Troelstra, Schapcr. H c l s d i» g c n und Frau H. Roland- H o l st. Den letzten Punkt der Tagesordiinng bildete die„Parka m e n- t a r i s ch e Aktion". Hierzu verlangte jcdocki niemand das Wort. Die Thätigkcit der Kammennitglieder wurde allseitig gutgeheißen. Nachdem noch der Delegierte T i j h o f für die Unterstützung der streikenden Weber in Enschede. und Da Levita für die den Diamant- arbeiten gewährte finanzielle und moralische Uiiterstützinig der Partei den Dank ausgesprochen hatten, wurde der Kongreß vom'Vorsitzenden mit dem Hinweis darauf, daß die Verimitinigen und Hoffmingen der Gegner, es werde zn tiefgehenden Streitigkeiten kommen, sich nicht erfüllt hätten und die Partei fest und geeinigt dasteht. Unter Ab- siiignng des Frciheitslicdes ging der Kongreß auSeiiiaiider. Ungarischer socialdeinokratischer Parteitag. Der Kongreß der unga'rläudischen Socialdemokratie fand über die Osterfeicrtage in Budapest statt. Der Berich: der Parteileitung konstatiert eine Erstarkmig der Partei, die sich vor allem in einem günstigen KassenauSlvciS bemerkbar macht. Die Partei hat auch zur Verbreitung ihrer Principie» an der letzten Wahlbeivegung teilgenommen, diese so ausnützend, das; sie in mindestens 300 Orten Versammlungen abhielt, Ivo es bis dahin überhaupt keine Vcrsamm- lungeii gab. Außerdem ivurden 350 000 Wahlflugblälter. sowie die Broschüre„Die Socialdcmokraten kommen I" in 100 000 Eremplaren verbreitet. Die Bewegung der Feldarbcitcr hat sich trotz großer Arbeitslosigkeit gefestigt; auch die Zahl der gewerkschaftlich organi- sierten uidustnelleu Arbeiter ist trotz der furchtbaren Krise um»n- gefähr 1000 Köpfe gestiegen. Die behördlichen Verfolgungen und Chikanc» waren natürlich nicht gering. Der inneren Er- sta, kniig der Partei entsprechend ist auch die Verbrei- tung der Parteipresje größer geworden. Die„Volksstimme" und die„Nepszava" wurden vergrößert. Es erscheint jetzt auch ein Wochenblatt in serbischer Sprache. Änßerdei» erscheinen noch in Preßbürg, Temesvar und Fünfkirchen politische Parteiblätter. Die Zahl der Fachblätter hat sich um eines vermehrt und beträgt acht. Auch der ,.Nepszava"-Kalei!dcr erzielte einen großen Erfolg. Dein Kongresse waren Begrüßungsschreiben des Brüsiclcr social- demokratische» Bureau», der deutsche» und östrcichischcii Bruder- Parteien, der unabhängigen Arbeiterpartei Englands usiv. zuge- gangen. Die Verhandlungen waren im Gegensatze zu früher ruhig und sachlich. Ein lvichtiger Punkt der Tagesordnung war die Stellungnahme zur Wirtschaftspolitik des Landes. Referem Dr. G o l d n e r führte dazu ans. daß eö im Interesse des uugarischeii Parteitage» liege, seine Stellung zu der Wirtschnfts- Politik des Landes klar zu bezeichnen. Die bürgerlichen Politiker sind für oder gegen die Zollgemeiusamkeit mit Oeslrcich, je nachdem sich die betreffende Klasse hiervon eine Erhöhung oder ein Sinken ihrer Profite verspricht. Scheinbar hat dieser Zwist bürgerlicher Parteien äirdie Arbeiterschaft kein Interesse. Wenn aber ein Socialdemokrat eben- 'alls für das selbständige Zollgebiet eintritt, so ist dies etwas ganz andres, als wenn die Unabhangigkeilspartei die» thnt; denn diese will um den Preis von Schutzzölle», welche die Konsumenten tragen müssen, den Profit der Kapitalisteuklaffe erhöhen. Wir betrachten dagegen die wirtschaftliche Selbständigkeit Ungarns mir als Mittel zum Zlveck, verabscheuen alle Schutzzölle und sind nur für sogenannte Erziehuugszölle, um die industrielle Entlvicklnng des Landes zu de- schleunigen. Von der Entwicklmig der kapitalistischen Produktion ist ein Steigen der Arbeitslöhne zu erwarte». Die Großindustrie de- dingt Konzentration der Arbeiierinassen, ohne die eine Agitation nicht möglich ist. Allerdings sind Vorbedingungen zur Entwicklniig der Industrie: Hebung der Bildung und Konsumtionssnhigkcit des Volke», politische Rechte und Arbeitcrschntz-Gcsetzc. Auch dürfen siäi die Erziehungszölle nicht zn Schutzzöllen answachscn, spndem müsjeii beizeiten abgeschafft werden. Durch Eintreten für Erziehungszölle werden wir mich dem priucihiellcn Standpunkt, der alle indiretten Stenern verwirft, nicht untren, noch auch durch die Forderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit gegen da» Princip der Jnternationalität. Wir fordern ja das Selbstbestimmungsrecht für alle Körperschaften und Organismen, um so mehr für den Staat. Die Eiiitvicklung der Jiidiisirie wird auch auf die Landarbcitcr-Beivegnng vo» Nutzen sein. (Beifall.) Auch der letzte Parteitag der östreichischen Social- demolralie hat in seiner Resolution die Erziehnngszölle nicht verabscheut. Korreferent G a r a in i wendet sich gegen diese Ansführnngen: Wirtschaftliche und großindnstrielle Entlvicklnng sind nicht dasselbe. Goldiiers Beschlußantrag enthält Nichtiges und Falsches; er scheint nachträglich Argumente für das selbständige Zollgebiet gesucht zu haben.' An und für sich ist die Förderung der industrielle» Ent- ivicklmig nicht im Interesse der Arbeiterschaft gelegen. Es giebt mich Kultur' in Ländern ohne Großindustrie nnd umgekehrt, wofür er Beispiele anführt. Schweden ist kulturell hochentwickelt und dennoch Agriklillnrstaat. Die Socialdemokratie hat bisher noch in keinem Lande Jndifftriesördernngs- Politik getrieben, das war Sache der bürgerlichen Klaffen. Die künstliche Züchtung der Großindustrie ist eine veriverfliche Selbsttänschnng. Durch Zölle läßt sich aber die Industrie auch gar nicht schaffen. Goldner hat selbst zugegeben, daß auch die Erziehuugszölle vom Volke ge- tragen werden. Wir haben keine Ursache, nach diesen Lehren und Ergebnissen uns für Zölle welcher Art iminer zn begeistern. Das selbständige Zollgebiet Ungarns mit Zollschranken hat auch nichts mit der' Unabhängigkeit' und Demokratie zu thun. Kautskys Beschlußantrag vom' Wiener Parteitag paßt gar nicht hierher. Zölle und Arbeiterschlitz vertragen sich schlecht miteinander. Zwischen Schntz- lind. Erziehmigszoll besteht nur in der Theorie ein Unterschied, aber in der Praxis' bestände ein solcher in Ungarn nicht; die Wirkung ist die gleiche. Mit der Phrase von der wirtschaftlichen Unabhängigkeit wird das ungarische Volk seit Jahrzehnten von den bürgerlichen Politikern irregesiihrt. Die Abschließt»� nach außen bedeutet gesteigerte Änsbentiing nnd Schröpfimg der Arbeiterschaft durch die inländischen Kapitalisten. Da» kulturell so rückständige, zu», Widerstand unfähige Proletariat Ungarns darf man der kapitalistischen Profitwut nicht noch mehr ausliefern. Das Land muß von allen Fessel» befreit und die freie Entfaltung seiner wirtschaftlichen Kräfte ermöglicht werden. Er biltet, den Beschlnßaiitrag Dr. Goldners abzulehnen und empfiehlt seine Resolution zur Annahnie.(Lebhafter Beifall.) lieber die Debatte und die Bcschlnßfaffnng zu dieser Frage liegt noch kein Bericht vor. Es wurde dann ein Komitee zur Beratung eines neuen Partei- Programms eingesetzt, das ans de» Genossen Bokauyi, Csizmadia, Goldncr, Garami, Großmam, und Weltner besteht. Es ivurden noch mehrere Resolutionen zn Gunsten des allge- meincii Wahlrechts nnd der Abänderung der Arbciterschutz- Gesetze aiigenoinme». Für den Fall der Nichtcrfiillnng dieser Forderungen wird mit dem Generalstreik gedroht. In die Parteileitung wurden mit großer Stimmenmehrheit ge- wählt: Dcsidcr Bokanyi. Alexander Cjizniadin, Alexander Garbai. Ernst Garami. Dr. Adolf Goldncr, Wax Großmann. Jakob Israel, Geza Malaschitz, Georg Porth, Andreas Saly, Jakob Weltner; zu Controkeuren: Georg Gogolya, Geza KoväcS und Karl Petrök. Die soeialistische Partei der Vereinigten Staaten gieb; dem iiiteriiationalen Sekretariat zn Brüssel einen Bericht über den jetzigen Stand der Beivegüug. Daraus entnehmen mir, daß zur Zeit 150 Gruppen der vereinigten Partei angeschlossen sind. Ans dem Kongreß zu St. Loni» am 24. bis 26. Januar waren dreizehn Staaten vertreten. Als besoldeter Sekretär ist Greenbaum angestellt. Zur Zeit wird eine lebhafte Agitation betrieben, im, die Organisation zn festigen; drei fest angestellte Agitatoren sind fortgesetzt unter- weg?.'_ Aus Indttstviv«nd HAttdel. DaS Coakssyndikat beziffert»ach vo, läufigen Feststellungen de» Minderabsatz an Coak» im ersten Vierteljahr 1902 auf 550 000 Toinien gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahre». Daß dieses Manko im Laufe des Jahres durch größere» Absatz wieder eingeholt werden könnte, erscheint vollkommen ausgeschlossen. Milte Gtiltl'ülvtrslmmlllilil iles Vereins AMer SWiniirfKr. M ii Ii ch c n, den 3. April 1902. Nach weiterer reger Disknisio» beschäftigte sich Simon mit den gegen den Vorstand gerichteten Vorwürfe». Der Vorstand sei überzeugt, daß er nichts gethan habe, was zum Schaden der Organi- sation gewesen wäre. Das Cirknlar in betreff der Maifeier hielt der Vorstand mit Rücksicht ans die allgemeine Geschäftslage für not- tuendig. Auch mit dem Cirknlar bezüglich der Urabstimmung über die Arbeitslosen-Uiiterstützinig ivollte der Vorstand iinrAnfklärimg schaffen. Bezüglich der Beschickung ver Provinzial-Konfercnzen durch den Vorstand steht derselbe ans dem Standpunkt, daß. so iveit möglich, der Vorstand Fühlung mit den Konferenzen nnd Agilatioiiskommissioneii haben muß. Kassierer R e n ß, beschäftigt sich ebenfalls mit den ein- zelnen Rednern nnd gab in Bezug ans den Kassenbericht die geiviinschte Auskimft. Ein Antrag der Konferenz Br an d en b u r g, dem Vorstand eine Rüge zu erteilen, wurde abgelehnt und dem Gesamtvorstand c i n st i m m i g D e ch a r g e erleilt. Angenommen wurde der Antrag Weißenfels: den anläßlich der Differenz über Auszahlung von Wvchiieriniien-Uiiterstütznng der Zahlstelle Wcißcnfcls ziigeschricbeiien Kassenbestand auf den wirklichen Betrag herabzusetzen. Zum dritten Punkt der TageSordunng: Eiiisiihrimg der obligatorischen A r b e i t S l o s e u- n n d K r a n k e i« n n t e r st ü tz u n g wurden K ö U e als Referent, N o w a g- SIranßberg als Korreferent bc- stimmt. Kölle begründete in 2'/estii»diger Rede die Anträge des Vor- standcS. Zunächst habe man z» prüfen, ob die obligatorische Ein- ftihrmig möglich, ob wir im stände sind, die Beiträge aufzubringen, und ob mit diesen Beiträgen ancki die Kosten bestritten werden können. Nach einer vom Kassierer Sicnß ausgearbeiteten Statistik lvürde die Eiuftihniilg der Arbcitslose»ii»terst!itz>iiig allerdings ein Defizits bringen, dieses würde aber gehoben, da die nach§ 2 und 8 des Statuts gezahlten Uiiterstütziingeii in Wegfall kämen und in der Arbeitslosennnterstiitziiiig inbegriffen sind. Nun wird seitens der Berliner Kollegen gesagt, daß es Pflicht des Staates sei, für die Arbeitslosen zn sorgen. Aber ans die staatliche Fürsorge töuiie man die Arbeitslosen auf die Dauer nicht vertröste». Würde der Staat die Versichcrinig gegen Arbeitslosigkeit in die Hand nehmen, so dürste die Aiisführimg mehr im Interesse der Unternehiner als dem der Arbeiter ausfallen, ivcil beispielsweise bei Streik» den Arbeitern zugemutet werden könnte, im Strcikgcbiet Arbeit anzunehmen. Rflni fürchtet durch die Ein- 'ührnng der Arbeitslosen- Versicherimg eine Schwächung der Organisation. Als vor sieben Jahren im Metallnrbeiter-Verbaud zum erstenmal die Frage der Arbeitslosen-Unterstützmig angeschnitten wurde, hatten die Gegner den Kamps mit denselben Argumenten und teilweise in derselben Schärfe geführt wie bei uns. lind was sei in Wirklichkeit eingetroffen? Bei Einführung der ArlicitSloscn-llnl crstütziiiig tvaren im Metallarbeiter-Vcrband 85 017 Mitglieder, ein Jahr später waren es 100762. Dabei wurden die Ilnlerstiitzimgssniinneii sehr reichlich aufgebracht und ein beträchtlicher Ueberschuß erzielt. Die Behauptung, daß die Schuhmacher 30 Pf. nicht leisten könnten, sei nicht wahr; eZ müsse nur ein quter Wille und eine Ivirtschaftliche Ueberzeuqun-i vorhanden sein. Redner ist überzeugt, dab die Ein- führung der ArbeitSlosen-Unterstützung heute schon möglich sei, ohne daß die Organisation, ivie behauptet, sich verbluten würde. Wen» man gegen die Arbeitslosen-Uuterstiitzung sei, müßte man konsequenter- weise auch gc.qen die Reisc-Nntcrstützung sein.(Sehr richtig I) Warum soll man den jüngeren Kollegen eine Unterstützung geiuährc» und den älteren eine solche verweigern? Redner befürwortet zum Schluß die Anträge dcS Borstandes und ersucht um deren Annahme im Interesse der Organisation. sBcifall.) Der Korreferent N o w a g- Strausberg will die vom Referenten für die Notwendigkeit und Vorteile einer Arbeitslosen-Unterstütznng vorgetragenen Gründe nicht gelten lassen. Auf der letzten General- veriamiulung wurde die fakultative Arbeitslosen- und Krankeu-Unter- stützung eingeführt, aber es habe sich der größte Teil der Mitglieder nicht daran beteiligt. Auch das Resultat der Urabstimmung zeige, trotz der Beeinflussung durch den Vorstand, daß die Majorität gegen die obligat-irische Einführung sei. Man sollte doch glauben, daß der Vorstand diese Majorität achtet und die Frage nicht wieder aufrollte. Die erzielten Erfolge iin Metallarbeitcr-Vrrbaud seien denn doch andre. Er habe den Jahresbericht der Berliner Filiale zur Hand, wonach die Ein- führung der Arbcitslosen-Untcrstützung der dortigen Zahlstelle ein Defizit von 9000 M. gebracht habe; und dies in einer einzigen Zahl- stelle! Dabei müsse in Betracht gezogen werden, daß die Metall- arbeiter dort einen gut organisierten Arbeitsnachweis haben und es in der Hand haben, Arbeitslose»uterzubringen. Bei den Schuh- machen» fliegen bekanntlich die organisierten Kollegen am ehesten aufs Pflaster. Wie liegen die Verhältnisse bei den' Organisationen der Bildhauer, Kupferschmiede, Handschuhmacher? Die Kupferschmiede mußten an» 1. April die Unterstützung um 16 Proz. reduzieren, um eine Verringerulig des Vcreinsvermögens hintanznhalten, die Bild- Hauer mußten die Beiträge um 20 Pf. erhöhen. Die Textilarbeiter hatten drirch die Erhöhung der Beiträge einen Verlust von 12 000 Mit- gliedern, das nämliche würde bei uns eintreten, iveil in der Schuh- industrie die nämlichen niederen Löhne bezahlt iverden und die Mit- gliedcr höhere Beiträge nicht leistci» können. Dabei komme iveiter in Betracht, daß bei uns noch Hausindustrie vorhanden und die Schoßarbeiter zu den Saisonarbeitern gehören. Redner fürchtet durch die Einführung eine Zersplittening und Spaltung und be- antragt die Ablehnung der Vorstandsanträge. Die Anträge zeitigten eine lebhafte Diskussion und sind nicht weniger als 48 Delegierte in die Rednerliste eingetragen. GemevKfrfjAfkltiJieK. Berlin und Umgegend. Vtt die orgauistcrte Arbeiterschaft. Bekanntlich ist, um der organisierten Arbeiterschaft ein Mittel zur Kontrolle darüber in die Hand zu geben, Ivo die Forderungen der Barbiere bewilligt sind, von den organisierten Barbiergehilfen die gelbe Kontrollkarte ein- geführt worden. Wir ersuchen die Arbeiterschaft, bei Inanspruchnahme von Barbieren regelmäßig nach der Kontrollkarte zu fragen.(Die erste Woche im April muß gestempelt sein.) Gleichzeitig teilen wir mit, daß bei Herrn Trott, Puttbuserstr. 19, der Tarif bezahlt wird und sich Herr Trott verpflichtet hat, nur Ge- Hilfen vom Arbeitsnachweis der organisierten Bnrbiergehilfen zu nehmen. Gegenteilige Gerüchte beruhen daher auf Irrtum. Die Agitationskommission. I. A. Otto G l a m p e. Deutsches Reich. Der Verband der Holzarbeiter hat in der Urabstimmung, an der sich von den ca. 70 000 Mitgliedern 48 901 beteiligten, die Einführung der A r b e i t s l o s e»- N n t e r st ü tz u n g beschlossen. Für die Einführung stimmten 24 86S Mitglieder, dagegen 24 036. Für eine Beitragserhöhung von 26 auf 36 Pf. pro Woche votierten 12169, für 40 Pf. II86S Mitglieder. Die näheren Bestimmungen über die ArbeitSlosen-Unterstützuug hat der Verbandstag. der am 4. Mai nach Mainz einberufen ist, zu treffen. Die Magdeburger Bauuntcrnchmer haben die Absicht, ihren Arbeitern einen herabgesetzten Lohutarif aufzudrängen, der ohne jede Mitwirkung der Arbeiter einfach von den Unternehmern diktiert werden soll. Eine große Versammlung der Bauhandwerker, an der 3000 Personen teilnahmen, hat dieses Ansinnen einstimmig zurück- gewiesen; vorläufig wird man die Vcrmittcluug des GewerbegerichtS anrufen, ehe weitere Schritte unternommen werden. In Kiel hat nach einem uns zugehenden Priuattelegramm der Borsitzcnde des GewerbegerichtS an den Vorstand der Innung »Bauhütte" sowohl wie an den GesellenauSschuß daS Ersuchen ge- richtet, im Interesse des socialen Friedens das Gewerbegericht als Einigungsauit anzurufen.— Der Streik der Steinarbeiter dortfelbst ist durch gütliche Vereinbarung beigelegt.— Die Forderungen der Schuhmacher sind von 60 Arbeitgebern mit 03 Gesellen bewilligt; im Streik stehen noch 70 Gesellem Die Arbeiter der städtische» Gaswerk« in Krefeld, welche fast sämtlich dem Centralverband der Gemeindearbeiter angehören, haben bei der Stadtverwaltung eine Anzahl Forderungen eingereicht. Sie verlangen statt deS bisherigen 12stü»digen Arbeitstages einen solchen von 8 Stunden, und einen Ausangslohn von durchschnittlich 4 M. pro Schicht. Dieser Lohn soll von 2 zu 2 Jahre» steigen bis zum Höchstgehalt von 0 M. Feiertage sollen auch bezahlt werden. Außerdem verlangen sie die Einführung einer Invalidenversicherung für alle seit mindestens 6 Jahre» im Dienste der Stadt stehenden Arbeiter. Auch solle» die Arbeiter, welche länger als 16 Jahren in Diensten der Stadt sind, pensiousberechtigt sein. Gleichfalls soll eine Witwen- und Waiseuuutersmtzuug gewährt werden. Zum Schluß verlangen die Arbeiter alljährlich einen kleinen Urlaub. Eine Ant- wort ist de» Arbeitern noch nicht zu teil geworden, dieselbe» sind aber gesonnen, unter allen Umständen auf ihren Forderunge» zu bestehen. Die Aussperrung der Bau-Arbeiter in Halberstadt ist durch eine Verständigung zwischen Unternehmern und Arbeitern bei- gelegt. Der Lohn beträgt in Zukunft für Maurer und Zinimerer 40—43 Pf. pro Stunde, für Bau-HilfSarbeiter 30—38 Pf; für 1903 ist eine geringe Erhöhung vorgesehen, die bei den Höchstlöhnen einen Pfennig pro Stunde beträgt.— Für die Vereinbarung stimmten 240, dagegen 49 Arbeitnehmer. Der.fliegende Gerichtsstand" gegen ein Fachorgan. Das Schöffengericht in Weimar verurteilte den Redacteur der.Fach- zeituug für Schneider", H. Stührner-Hamburg, wegen Be- leidigung deS Hoflieferanten Reuter in Weimar zu 30 M. Geldstrafe. Die Notiz hatte behauptet, daß die Werkstätten des Herrn Hof- lieferanten nicht den Anforderungen der Gcsuudheitslehre entsprächen. Der Beweis für die Wahrheit der behaupteten Thatsachcn gelang dem Angeklagten; das Gericht sah aber i» dem Hinweis auf das .feine" Atelier des Klägers und in der Bemerkung,.er sehe ja sonst so auf Aeußcrlichkciteu"� formelle Beleidigungen. Der Sctdenwebrrstreik in Rheinselden dauert fort. Die am Streik beteiligten Mitglieder des katholischen Arbeitervereins erhalten jetzt, nachdem vorher schon die Unterstützung von Woche zu Woche gekürzt worden war. von ihrer christlichen Organisation gar nichts mehr. Di« freien Gewerkschaften werden nun den davon be- troffenen Arbeitern die gleiche Unterstützung wie den übrigen Streikenden bezahlen. Diese Unfähigkeit der christlichen Orga- ntsation im Kampfe gegen das Uiiternehmertum hat zur Folge gehabt, daß drei christliche Arbeiter zu Streikbrechern tvurden.— Der Streik hat auch Anlaß zu einem Gaunerstreich gegeben, dem der Direktor der Firma Baumami, Streuli u. Comp, zum Opfer fiel. Auf dem Comptoir der Firma erschien ein Mann, der erklärte, daß in Freibnrg und Basel 20 Seidcnlveber bereit wären, Streikbrecher- dienste zu leisten, nur mangele es denselben an Reisegeld. Die Firma schoß eine beträchtliche Summe vor. Aber darauf hatte eS der.Bcrmittler" nur abgesehen; weder ihn, noch das Geld, noch Arbeitslvillige sah daS Empfangskomitee, als es sehnsüchtig wartend auf dem Bahnhof Zug nach Zlig abwartete._ ' Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Ausland. Die WeberanSsprrrung in Enschede. Die Finna Van Heek hält noch immer mit größter Hartnäckigkeit an der Lohnherabsetzung fest. Die ausständigen Deckenweber haben sich auf Vorschlag der LeruiittelungSkomnnssion damit eiustaudeu erklärt, daß 4/io der angekündigten Lohnreduktionen eingeführt werden, wenn dann zwölf Monate lang keine weiteren Reduktionen eintreten. Die Firma aber hat das abgelehnt und verlaugt, daß 60 Proz. ihrer Lohnreduktiouen sofort in Kraft trete» und mit dem 5. Januar 1903 der von ihr aufgestellte Tarif. Die Deckenweber haben sich mm mit dem crsteren einverstaude» erklärt, lehnten aber letzteres entschieden ab. In Roubaix(Frankreich) ist es in einer Spinnerei zum Streik gekommen, weil die Unternehmer sich dem Gesetz Millerand-Eolliard, nach welchem vom 1. April ab die Arbeitszeit in gemischten Betrieben lO4/, Stunden betragen soll, nicht fügen wollen. Sie behaupten, demselben nicht zu unterstehen. Aus dein gleichen Grunde dürfte es noch in einer Reihe andrer Betriebe zu Streitigkeiten kommen. Socinsrs. Zur Durchfiihrnng deS GewerbegerichtS- Gesetzes. In der Rcichstngsdcbatte über den Erlaß des preußischen HaiidelsministerS zum GcwerbegerichtS-Gesetze hatte Graf Posadotvsky auf einen neuen Erlaß des Handelsministers verwiesen, der die entstandenen Besorgnisse zerstreuen sollte. Der neue Erlaß scheint in der That einzulenken Es heißt in diesem, vom 8. März datierten Erlaß, daß von alle» beteiligten Behörden die volle und uneingeschränkte Durchführung des Gesetzes erwartet werde. Bei den laut gewordenen Befürch- hingen sei übersehen worden, daß der Inhalt der OrtSstahiten. durch die die Errichtung der Gewerbegerichte erfolgt, nicht von dem Be- lieben der Gemeinden abhängt, daß diese' Statuten vielmehr der Genehmigung der Bezirksausschüsse miterliegen und von diesen, in zweiter Instanz von den Provinzialräten, nicht etwa nur auf ihre formale Uebereinstimmmig mit den gesetzlichen Vorschriften, sondern auch daraufhin zu prüfen sind, ob die getroffenen Bestimmungen den praktischen Bedürfnissen der Gemeinden und den Absichten dcS Gesetzes entsprechen. Der Minister glaubte voraussetzen zu dürfen. daß statutarische Anordnungen, die diese Gesichtspunkte außer acht lassen, die Genehmigung der Beschlußbehörden nicht finden, daß letztere namentlich für Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnen» ein sachlich oder örtlich beschränktes Gewerbegericht nur dann gut- heißen werden, wenn die getroffenen Bestimmungen durch über- wiegende Zweckmäßigkeitsgründe gerechtfertigt erscheinen. Kommt i» Fällen dieser Art ein Gelverbegericht nicht zu stände, so würde die Vorschrift des Gesetzes Platz greifen, wonach die Eentralbehörde alsdann die zur Errichtung des Gerichts erforderlichen Anordnungen zu treffen hat. Beruhigender wäre es allerdings noch, wenn der erste Erlaß formell aufgehoben und die nötigen Anweisinigen in unanfechtbarer Form erteilt worden wären._ Nns dev Frnnenbeivegttng. Gewerkschaftliche Franenorganisation. Zur Propaganda für den gewerkschaftlichen Frauenverein findet am 8. April, abendS 8 Uhr. im Klubhaufe in Schöneberg, Hauptstraße 6/0, eine öffent- liche Fraueii-Versaminlimg statt. Die Genossin Hedtvig Kiesel spricht über die Stellung der Frau in der Industrie. Daun sollen die Lohn- nnd Arbeitsverhältnisse im„Berliner Lokalanzeiger" und in den Reform-Reiiiignngsinstituten besprochen werden. Eingelade» sind alle Frau«"»nd Mädchen, welche in den Reiniguiigsinstitute» beschäftigt sind, ferner alle Zeihings- und FrühstückS-Austräqerinnen, Garderoben- und Waschfrauen. Anfwärterinnen und AnSbefferinnen. Der unmaßgebliche Minister. Auf Grund der Erklärung des preußischen Minister« deS Innern. Haninierstein, daß Frauen als Zuhörcrinnen an den Bersammlunge» politischer Vereine teilnehmen dürfen, wenn ihnen ein besonderer Raum reserviert»verde, hatte auch der socialdemokratische Verein in Zeitz die Frauen zu einer Bersanimlnna eingeladen. Sie saßen in einem Nebenzimmer, das durch eine Thür mit dem VersainmlmigS- rrnime verbunden war. Der überwachende Beamte verlangte die Schließung der Thür und um der Auflösung der Versammlung vorzubeugen, entfernten sich die Frauen. Auf die erhobene Beschwerde antwortete der Oberbürgenneister Arnold: „Auf Ihre Eingabe eröffnen wir Ihnen hiermit, daß nach§ 8 des Gesetzes vom 11. März 1850 nnd der sich hieran anschticßenden Rechtsprechung Frauenspersonen den Versammlungen und Sitzungen politischer Vereine nicht beiivohnen dürfen. Dieses Beiwohne» findet auch statt und ist als solche? an- zunehmen,»venn die Frauen in einem aiistoßeiidc» Zimmer mit offener Thür sich aufhalten, so daß sie naturgemäß die VerHand» lunge» i» dem Rainne, in ivelchem der Berein tagt, hören können und müssen. Von einem eine hiervon abweichende Auffassung rechtfertigenden Ministerialerlaß oder einer dementsprechenden für u n S maßgebenden Deklaration des Gesetzes ist uns nicht« bekannt. Der Polizei-Wachtmeister Kabifch hat daher die Entfernung der Frauen bezichnnasweise da« Schließen der Thür mit Recht verlangt." Was der Mimster an verantwortlicher Stelle gesagt hat, das ist für die ihm untergebenen Polizeibehörden nicht maßgebend. ES ist sehr intereffant zu sehen, wie selbständig und unabhängig unsere Polizeibehörden sind; daß wir cS gerade find, die unter dieser Selbständigkeit zn leiden haben, spielt' natürlich keine Rolle. Schöne Fortschritte macht die Organisation der Tabak- arbeiterinnen in Stern berg in Oe st reich. Bor wenigen Jahren noch konnten die Vorgesetzien schalten nnd walten nach Willkür, heute müssen sie mit dem Fachverein der Tabakarbeiterinnen rechnen, dessen Leiwng es versteht, mit Takt und Umsicht die Jnter- effen der Arbeiterinnen zu»vahrcn. Am besten zeigte sich dies bei den Wahlen des Borstands der BetriebS-Kronkeiikafse; früher wurden die Kandidaten einfach von der Fabrikleitung nominiert, nach der Meinung der Arbeiterinnen»vurde nicht gefragt. Jetzt ist es anders geworden. Bei der letzten Wahl ist eine Deputation der Arbeite- rinnen zur Fabrikleitung gegangen und hat die rechtzeitige, ordnungsgemäße Bekanntgabe der Wahlen verlangt. Zuerst Ver» blüffnng." dann Ausflüchie der Beamten; schließlich aber mußte dein Willen der Arbeiterinnen Rechnung getragen iverden. Am Wahltage haben die organifierten Geiiossiimen mit überwiegender Majorität gesiegt. Den gleichen Erfolg habe» die Genossinnen bei den Wahlen für die Uiifallverstchermig cirmigen. Die Tabalarbeitennncn EternbergS sind beispielgebend für die gesamten Tabakarbeiterimiew OestreichS. Frauenarbeit in Frankreich. Wie überall, so hat auch in der franzöfischen Industrie die Frau in steigendem Maße Berivendnng gefunden. In der.Revue blanche" veröffentlicht Henry Dagan eine Arbeit über die gewerbliche Be- chäftignng der Frauen. Dieser Artikel enthält u. a. auch eine Statistik über die Frauenarbeit in Frankreich in den Jahren 1840—46 und eine solche ans den Jahren 1891-93. Danach betnig der Prozentsatz der im Jahr« 1840—46 in der Koiifitüren-Fabritation be- schästigten Frauen erst 8 Proz. deS Gesamtpersonals; 1891—93 waren es 50 Proz. In der Konserven-Jndustrie stieg die Zahl der beschäftigten Frauen i» demselben Zeitraum von 37 ans 77 Proz. In den Spinnereien von 20 ans 60 Proz., in der Hutfabrikation von 48 auf 70 Proz., in der Seidciiiiidustrie von 33 auf 80 Proz.. in der GlaSwaren- industrie von 17 auf 30 Proz. Selbst in die schweren Berufe der Steinindustrie nnd Erdarbeiten hat die Franc»- und Kinderarbeit Eingang gefmiden; so waren z. B. in der Marmorindustrie im Jahre 1846 Frauen»nd Kinder überhaupt noch nicht beschäftigt, heute stellen sie 24 Proz. der beschäftigten Personen. Von 309 377 gewerblichen Betrieben, die im Jahre 1393 gezählt wurde», beschästigten 69 039 ausschließlich weibliche Personen»nid 106 747 beschäftigten Männer nnd Frauen.— Zerlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Ttz. Glocke in Verli«. Drul Nerpammlungen. Der Verein zur Wahrnng der Jntereffen der Maurer hielt am 20. März in den Borussia-Sälen, Äckerstr. 0/7, eine öffent- liche Bersammluiig mit Frauen ab. Vor Eintritt in die Tagesord- iilmg ehrte die Versammlung daS Hinscheiden des verstorbenen Kollegen Otto K ü n z e l in der üblichen Weise. Alsdann hielt Ge- nosse Waldeck-Manaffe einen Vortrag über: Auferstehung. Nach der Diskussion, die sich an den beifällig aufgenommenen Vortrag knüpfte, gab der Vorsitzende Gehl bekannt, daß sich der Vorstand dahin einig geworden sei, die Sammelkarte für 1901 bis zum 19. April dieses Jahres mit dem Schlnßstempcl zu versehen. Die Versamm- lung trat dem bei. Im weiteren teilte Gehl mit, daß der Polier Schubert im Baugeschnst Loose, Bambergerstraße. Bau Uhland- und Grünthalerstraße-Ecke. den bekannten Arbeitsvenniltler in der Brüder- straße 16 unterstützt. Redner warnt die Arbeitslosen davor, sich das' Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Der Verbund des Massage-. Bade-«nd Krankenpflege- Personals hielt am 2. April in den Johanmiissälen seine monatliche Mitglieder-Versanmilmig ab. Ans dem Geschäftsbericht ist hervor- zuHeben, daß die Mitgliederzahl von 72 am 1. November vorigen Jahres schon ans über 140 gestiegen ist. Die Lokalkasse schloß mit einem Ueberschuß von 90 M. ab. ES wurde beschlossen, daß der MassageknrsuS fiir Vcrbnndsmitglicder am 1. Mai beginnen soll. Ferner wurde ein Antrag angenommen, Fragebogen auszulegen.! um so einen genauen Ueberblick über die Zustände in den Bade- anstalten zn gewinnen.» Moralisch gerichtet! AnS Spandau wird uns geschrieben: WaS niemand so leicht fertig bekam, Herr Pauli, der Reichstags- Abgeordnete unsrcs Kreises brachte eS mit einem Schlage feriig: die Spandauer Staatsarbeiter fast sämtlich aufzurütteln und zum Nachdenken über ihre Lage zu bringen. Unsre Genoffen hatten, als Antwort auf die ungeheuerlichen Verdächtigungen»md Beleidigungen, welche sich Herr Pauli in bekannter Versaimnlimg besonders gegenüber»msren Genossen Z u b e i l und K u n e r t leistete, zwei Volksversammlungen zur gleichen Stunde— das erste Mal in der Geschichte der Spandauer Arbeiterbewegung— einberufen und trotz des überaus schmutzigen Wetters waren beide Versammlnngssäle stark überfüllt; etwa 1300 Personen, vorwiegend Staatsarbeiter mochten in beiden Versammlungen an- wcsend gewesen sein. Herr Pauli. der brieflich und durch Säulenanschlag in Potsdam zum Besuch der Versammlung ein- geladen worden war, bewies, wie vorauszusehen, seinen Heldeiiumt durch sein«usbleiben; er gab dafür schriftlich folgende.Eni- schuldigling": ,1. Ist das gewählte Thema ein solches, daß ich sagen muß, Herr gubeil will die Dinge auf den Kops stellen. 2. Habe ich der„Wahrheit gemäß" l!) in der Versammlung vom 20. v. M. berichtet und meine.Ansichten" daran geknüpft, ich habe nicht ein einziges Wort von dem Gesagten z n r ü ck z u n e h in e n. 3. Nach dem Betragen, welches Herr Zubeil und Genossen in der Vcrsamiiilung vom 20. v. M. öffentlich zu zeigen für gut befunden haben, habe ich gar keine Beraiilassiing, mich mit Herrn Znbcil in eine Debatte einzulassen." In Teßnows BolkSgarten referierte Geiwffe Zubeil. im Wehe- scheu Saal an Stelle des unpäßlichen Abgeordneten Kunert der Genosse W i e s c n t h a l. Beide Referenten zerlegten nntcr großem Beifall der Bersammelten Stück für Stück die Paulischen Be- haliptlingcn aus der Versammlnng am 20. vorigen Monat«. Beide Referenten forderten die Versammelten auf, bei der nächsten Wahl der.parlamentarischen" Thätigkeit dcS Herren Pauli ein Ende zu bereiten, und dafür einen Socinldemokraten, in der Person des Rechtsanwalts Dr. Liebknecht in den Reichstag zu entsenden. Folgende Resolution gelangte in beiden Versammlungen, nach kurzer Di«- kiission, einhellig zur Annahme: .Die pp. Volksversaminlnng weist die völlig aus der Lust ge- griffenen Verdächtigungen»md Beleidigungen, welche sich der Abg. Paul»- PvlSdam gegenüber der socialdemokraiischc» Reichstags- Fraktion und deren bewährten Mitgliedern Kunert und Zubeil in der»öffentlichen" Versammlung vom 20. März herausgenommen hat. mit aller Entrüstuiig zurück und spricht vielmehr den ange- griffenen Abgeordneten»hre vollste Anerkennung für ihr zum Teil anch erfolgreiche«,»varmes Eintrclen zu Gunsten der in den mili- tärischen Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter au«. Die Ver- sannnelten sprechen Herr» Pauli, der sich bei den verschiedensten Ge- legenheitcn als rücksichtsloser Gegner der vorwärts strebenden Arbeiter erwiesen bat, nmdwcg das Recht ab, sich selbst als den.berufenen Vertreter der StaatSarbciter" zu bezeichnen. Dieses Recht, falls es überhaupt jemals bestanden, hat Herr Pauli längst verwirkt, durch die Art. wie er alle von socialdemokra- tischcr Seite im Reichstage vorgebrachten Beschwerden ans den hiesigen Staatsbetrieben direkt bekämpft und in Kotzu ziehen versucht hat. Die Versainmelte» geloben, iiliii- mehr alles daran zn setzen, daß der Wahlkreis Spandau- Potsdam- Osthavelland bei der nächsten Reichstagswahl keinen z>v e i t e n Pauli mehr, sondern einen Socialdemokraten in den Reichstag sendet, bei dem allein auch die Spandauer Staats- arbeiter vor bitteren Enttänschimgen sicher sein könne»!" Ein hartes aber gerechtes Urteil; der Vater der„Pestbeule"»st damit von den Arbeitern Spandaus gerichtet I 3u ve»r Gemeind»en»tthlen. Treptow-Baumschulcnweg. Die auf„höhere Anordnung" verschobene Stichwahl findet am Dienstag, den 15. April, im Restaurant ParadieSgartci» von 4—8 Uhr statt. Es liegt nur an »ms. alles daran zu setzen, um dies Mandat den bürgerliche» Parteien z» entreißen. Morgen. Sonntag, früh findet eine Flugblatt« Verbreitung statt. Treffpunkt bei Staffcld, Baumschulenstr. 84. Die Spandauer Genoffen habe» gestern den zehnten Stadt- verordnete» in das Stadthaus entsandt. Bei der gestrigen Ersatz» Wahl erhielt unser Kandidat, der Maschinenschlosser Paul Schmidt 668 Stimme», sein bürgerlicher Gegner nur 120 Stimmen; außer- dem der Reichstag«- Abgeordnete Tischlermeister Pauli 1 Stimme. Gegen die letzte Hauptwahl war die Wahlbeteiligung spcciell selten» der Gegner eine laue. Hoffentlich sind dieselben nunmehr von ihrem Wahn geheilt, in der dritten Abteilung Mandate zu erringen. Uetzte Nttchvichkett und Drpefcheu. Boeren-Mörder. London, 4. April.(W. T. B.) Zu der Ermordung von Bocren diirib australische Offiziere erklärt eine Mitteilung de» Kriegs« Ministeriums nnter Darlegung der bekannten Thalsachen, daß infolge einer eingeleiteten Untersuchmig fünf Offiziere im Januar 1902 in Pietersburg kriegsgerichtlich abgeurteilt wurden, die als Urheber resp. Teilnehmer' an zwölf Morden für schuldig befunden wurden. Die Lieutenants Handcock nnd Morant wurden des Mordes für schuldig befunden»md zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden bestätigt und vollstreckt. Dieselben Offiziere wurde» auch der Ermordimg des Geistlichen Hesse beschuldigt. Ob« gleich starker Verdacht vorlag, daß Handcock, von Morant aufgereizt, die That begangen habe, wurden die Beweise nicht für hinreichend erachtet, um eine Berurleilmig zu rcchtsertige». Bndapest, 4. April. steigernng; aber nicht, ivcil sich Anzeichen für eine Besserung deS Kohlenabsatzes ergeben, sondern weil es gerüchtiveise hieß. die Aktien dieses Bergwerks sollten an der Pariser Börse eingeführt werden, während andre von einer bevorstehenden Verstaatlichung oder Erwerbung durch den Norddeutschen Lloyd wissen wollten. Besser wie die Montanwerte wußten Bahn- und Bankaktien ihren Kursstand zu behaupten. Immerhin erlitten auch letztere mehr- fach kleine Abschläge, darunter speciell die Aktien der Berliner und der Dresdener Bank soivie die Berliner Haudclsantcile. So weit ein lebhafteres Interesse hervortrat, richtete eS sich fast ausichließlich auf die neue niisische Staatsanleihe. War schon nach allem Boranfgegangenen auf eine sehr bedeutende Ueberzeichnnng zu rechnen, so ist doch diese noch weit stärker a»S- gefallen, als kürzlich bei der Auflegung der IIS Millionen Mark dreiprozeutiger RcichSanleihen. Wurde diese mir 60mal über« zeichnet, so sind für die 393 Millionen Mark betragende russische Anleihe über 30 Milliarden Mark gezeichnet worden. Für die Güte der russischen Finanzen ist damit nichts eriviesen. Der jetzige Geld« stand ist der Begebung besonders günstig und zudem ist ailzunehme», daß viele, die bei der Subskription auf die letzte Reichsnnlcihe und die »e»cn preußischen Kousols nur einen geringen Teil ihres Geldes in diesen Papieren anzulegen vermochten, diesmal in Anbetracht der zu erivartenden hohen Beteiligung besonders hohe Beträge gezeichnet haben, vielleicht nicht selten daS Fünfzig« oder Hundertfache von dem, was sie anzulegen beabsichtigen. Herr Wille und die russische Regiening tverden natürlich trotz- dem in dieser llcbcrzeichnung ein der russischen Finanzlage erteiltes Vertranensvotmu erblicken und in diesem Sinne die ihnen zur Ver- fügung stehende Presse arbeiten lassen. Ja. es scheint sogar, als wenn von russischer Seite direkt ein derartige« Resultat der Snb« skription beabsichtigt und nur zu dem Zweck der Kurs so relativ niedrig normiert ivorden ist. um eine» starke» Anreiz zu schaffen. Vielleicht wird auch, und ztvar erscheint das als recht ivahrscheinlich. von dem russischen Finanzminister beabsichtigt, bald eine neue Anleihe folge» zu lassen. Brauchen kann sie Rußland schon und die deutscheRegie- rung wird, wie sie gegen Uebcrnahmc der jetzigen Anleihe durch deutsche Baukkonsortien nichts einznivenden gehabt hat. auch zu einer iveitcren Anleihe gern ihre Ziistiinmung geben, wenn die russische Regierung gnädigst verspricht, sich bei den kommenden Zollverhandliingen nicht allzu ablehnend gegen die Wünsche deS ostelbischen Agrariertums zu verhalte». Eine» geringen Kursrückgang halten i» der letzte» Woche auch die Aktien des Norddeutschen Lloyd zu verzeichnen, da der Jahres- bcricht lmgünstiger ansgcfaNcn ist. als von manchen Seiten erwartet worden zu sein scheint. Die Gesellschaft verteilt zwar Ivie die Hamburg« Amerika- Linie 6 Proz. Dividende: aber lvic ihre Abrechnung zeigt, die, nebenbei bemerkt, viel ivcnigcr specialisicrt und durchsichtiger ist, als jene der Hamburger Linie, wird dieses Resultat nur durch beträchtlich niedrigere Zuweisungen an die verschiedenen Reservefonds erreicht. Die Dotation des Versicherungsfonds des Norddeutschen Lloyd ist zwar beträchtlich höher als im voraufgegaugencn Jahr: sie beträgt 2 Millionen Mark gegen S2S 299 M.; doch erweist sich diese lieber- Weisung in Anbetracht der vielen Havarien von Schiffen, an deren Ver« sichcrung die Gesellschaft beteiligt tvar, kciiicsivegS als besonders hoch. Dagegen ist die Ueberivcisung an den Reservefonds um 249 470 M. niedriger als ini vorigen Jahr, und der Ucbertrag auf das ErneuernngSconto, das das letzte Mal mit 2 4S2 920 M. dotiert wurde, ist diesmal ganz fortgeblieben. Was die Schiffahrtskonferenz anbetrifft, so äußert sich der Be- richt ähnlich, wie der Vorsitzende der Generalversammlung der Hamburg- Amerika« Linie.„Verhandlmige»,'' heißt es in dem Bcricht des Lloyd,.die wir in Gemeinschaft mit der Hamburg« Aincrika-Linie mit uns befreundeten englischen und amerikanischen Dampfschiffahrtslinien geführt haben, bc« rechtigen zu der Erwartung, daß wir auf Grund eines vorläufig getroffenen Abkommens zu einem Zusammenschließen der verschiedenen Linie» gelangen werden, welches, unter Schaffung einer g e w i s s e n I n t e r e s s e n g e m e i n s ch a f t, die Einhaltung konstanter Fracht- und Passage-Raten im nord- atlantische» Verkehr für einen längeren Zeitraum ermöglichen und gleichzeitig die einzelnen Gesellschaften in ihrem bisherigen Geschäftsgebiete vor neuer Konkurrenz der übrigen Gesellschaften schützen ivird.' Schon verschiedentlich und erst wieder im letzten Bericht wurde betont, daß es sich unbedingt noch um mehr handeln muß, nämlich um.Vergünstigungen für die Morganschen Bahnen, Erleichterungen für den Export bestimmter amerikanischer Produkte(speciell natürlich deS Stahltrusts), Errichtung von irgend ivclchen den amerikanischen Bedürfnissen dienenden Zweig- linien.' Jetzt wird diese Annahme durch eine Korrespondenz der .Köln. Ztg." bestätigt, in der einer ihrer Mitarbeiter den Inhalt einer Unterredung iviedergiebt. die er mit Schivab, dem Präfidenten deS Stahltrusts hatte; eine Mitteilung, die um so interessanter ist, als sie deutlich zeigt, daß auch die Leitung der.United StateS Steel Eorporation' mit dem Hereinbruch einer Krise der omerikanischeu Eisenindustrie rechnet. Der Interviewer fragte: .Wie verhält es sich, wenn man den AuSdrnck gebrauchen darf, mit Ihrer sonstigen auswärtigen Politik? ES ist mir hier erzählt worden, daß an der Spitze des Stahl-TrnstS lauter in geschäftlichem Sinne konservative Männer ständen, denen es in erster Linie um Befriedigung des Bedarfs des eignen Landes zu lohnenden, aber nicht übertriebenen Preissätzcn zu thun sei." Darauf antwortete Schwab: .Das hindert nicht. daß wir entschlossen sind, unser» U eberschuß(our surplus) in Europa und andern nichtamerikanischen Ländern an den Markt zn bringen. England wird hinsichtlich der Herstellungskosten nicht mit uns wetteifern können. Wegen der Leichtigkeit, ivomit dort die Zollsätze geändert und erhöht werden können, ist sehr wenig in Frankreich zn machen und auch wohl in Ocstreich." Und Deutschland? «Vielleicht werden Sie sich zu schützen wissen. Ich will nicht sagen, daß es uns gelingen wird, in Ihrem eignen Lande zn Ihnen hereinzukommen. Aber Ivir tverden Ihnen Ihre ganze Eiscnansfuhr abschneiden(ent off your entire export), zunächst nach Ostasien, dann auch auf andren Gebieten." Nachdeni Schwab dann noch hinzugefügt, daß der St a h ltrn st auch den russischen Markt für sich zn gewinnen dächte, fragte der Interviewer iveiter: »Ihre Darlegung ist von England ausgegangen, auf das Sie ganz besonders zn rechnen scheinen. Darf ich fragen, ob die Morganschen Ankäufe ganzer Dampferlinien mit diesen Ihren weit- reichenden Plänen in irgend welcher Verbindung stehen?" »Ja. sie stehen damit in Verbindung." .Nun wird aber hier in New Uork behauptet, daß einesteils die derzeitige gute Geschäftslage Amerikas und anderntcils eine Reihe von andren Gründen eS ratsam erscheinen ließen, vor allem dem Binnenmarkt Ihre Anfmerksamkeit znzuwcndcn." .Richtig ist. daß Ivir wegen des eigenen starken Bedarfs zunächst an Anssnhr gar nicht denken können. Es ist Ihne» bekannt, daß wir in der allerletzten Zeit sogar ziemlich viel Roh- Material ans Deutschland bezogen haben. Das ist aber bloß vorübergehend. S ch l e ch t c r e Z e i t e n lv e r d c n mit N a t u r n o t>v c n d i g k e i t n a ch f o l g e n." Der Interviewer fragte allerdings mir, ob die Morganschen Dampfer-Ankänfe Mit den Exportplänen des StahltrustS in Ver- bindung stehen. Es braucht aber wohl kaum der Hinznfügnng, daß weiin. wie der Bericht des Lloyd sich ausdrückt, zivischen den Morganschen Danipferlinien und den beiden großen deutschen Reedereien„eine gewisse Interessengemeinschaft" hergestellt wird. auch die beiden deutschen Gesellschaften ihre Beihilfe zur Durch führnng der Absichten des StahltrustS werden leihen müssen. Während in den Vereinigten Staaten sich von neuem der Wider» spnich gegen die Preispolitik der Trusts regt und eine heftige Agitation gegen den Chicagoer Flcischlrnst eingesetzt hat, plant der .Eentralverband deutscher Industrieller" eine Berciiiiginig aller Syndikate, Kartelle und industriellen Verbände zur Sicherung der gemeinsamen Exploitntionsiiiteresscn und Abwehr etwaiger gegen ihre Monopolherrschaft gerichteten Angriffe. Das Schweinburgsch Organ. daS diese Nachricht bringt, führt dazu erläuternd miS: »Daß diese neue Wirtschaftsrcform, welcher ein festgegründeteS Heimntrccht in dem heutigen WeltwirtschaflSsystem zukonunt. sich nicht ohne iveitercS von der Tafel der Zeit wegwischen läßt, und daß ihre Vertreter auch gar nicht gesonnen sind sie sich ans irgend welchem Wege v e r k ü m m er» zu lassen, sollte zcdcm klar sei», der von unserem nationalen Wirtschaftsleben mehr sieht als die Oberfläche. Ricinand kann heute mehr an das SyndikatSlvescn die Hand lege». ohne unsrc gesamte nationale Produktion aufs allcrempfin'dlichste zu treffen, und in maßgebenden Kreisen hat sich diese Auffassung längst zn ihrem Rechte verholfen. DaS Direktorium de« Central« Verbandes deutscher I n d u st r i e l l e r hat sich schon vor geraumer Zeit auf Grund einer umfangreichen Denkschrift ein gehend niit der Sache beschäftigt und bereits in einem Rund' schreiben vom 17. Februar 1902 bei allen bcdentcnderen deutschen Syndikaten angefragt, ob sie geneigt tvären, sich an einer Konferenz zur Beratung der Frage zn beteiligen. Nachdem auch nicht eine einzige Absage erfolgte, sondern sich in vielen Kreisen die leb hafte Znstiininnng äußerte, ist als Tag der Konferenz der 9. April festgesetzt worden, und ist eine diesbezügliche Einladung ergangen." Als hochlchntzzöllnerischeS BnndeS-Leibblatt dieser patriotischen Vereinigimg dürsten die„Berl. Neuesten Nachr." zu empfehlen sein. _ Tat. ZtoKAlvSs Die Unglücksfälle im Hochbahn- Betriebe betreffend wird von einer der Direktion nahestehenden Seite folgende BeriihigungS. notiz verbreitet: Die Entgleisungen der Hochbahn- Züge in den Umsatzweichen am Zoologischen Garten und am Halleschen Thor habe» auch die Aufsichtsbehörden beschäftigt, denen die BetriebSlcilung über das Ergebnis der Nntcrinchuug hat Bcricht er« statten müssen. Nach Ansicht der eiseiibahutcchnischcn Sachverständigen bieten beide Unfälle in einem noch jungen Bahnbetriebe durchaus nichts Absonderliches, auch gestalten sie in keiner Weise einen Rück schluß auf die Betriebssicherheit des UiiteruehnicnS. In beiden Fällen handelte eS sich um Leerzüge, welche beim Rangieren dadurch vcr- unglückten, daß, während sie über die Umsctzweiche fuhren, diese unigestellt wurde. Bei dem ersten Unfall trug der Blockwärter die Schuld, bei dem zweiten der Motorführer, der gegen ein falsche« Signal fuhr. Mit Rücksicht auf die große Beunruhigung, welche die beiden Unfälle in Laienkreise». besonders in der Provinz, hervor- gerufen haben— der.Hamburger Gcneral-Anzeigcr" z. B. schreibt. daß selbst die Straßciipassauten in beständiger Gefahr schwebten. durch herabstürzende Hochbahn wagen getötet zn werdcnl — ist auch die Frage eingehend erwogen ivorden, ob die etwaige Entgleisung eines besetzte» Hochbahn zuges ernstere Folgen haben könne. Dabei war vorweg der Fall einer Entgleisung in den Umietzweichen auszuscheiden, die ja nur in Ausnahmefällen beim Rangieren umgestellt werden, im regelmäßigen Betriebe aber stets fest verriegelt bleiben. Würde sonst eine Entgleisung(tvclche infolge der besonderen Konstruktion der Schienen und Räder eigeut« lich ausgeschlossen erscheint) eintreten, so wäre ein Weiterrolleu deS ZugeS deshalb nicht möglich, weil die Hochbahuwagcn mit Vorbedacht so gebaut sind, daß ihre Tragekonstruktion fast bis auf die Schienen- köpfe herabreicht, d i e W a g e n k a st e n also beim Entgleisen sofort a u f d e n S ch i e n e n aufsitzen und die Räder in der Luft schweben würden. Daß ei» solcher, gewissermaßen räderloser Zug sich nicht weit wird fortbewegen können, leuchtet ein. ebenso, daß er nicht auf die Straße hinabstürzen kann, Ivie ein Schwebebahn- wagen, der keinen festen Bahnkörper unter sich hat. Jnwieiveit diese Darstellungen im einzelnen zutreffen, das zu beurteilen ist ja schwer möglich. Hoffentlich bestätigt eS sich, daß man auf der Hochbahn nicht unsicherer fährt als etwa auf der Stadtbahn. Ei« tragische» Geschick. Ueber die Erkrankung des Stadtrats K a u f f m a n n schreibt die.Berliner Zeitung": .Es ist leider sehr wenig Hoffnung vorhanden, daß Knuffmann von dem schweren Nervenleiden, daS ihn befallen hat. wieder ge« uesen wird. Daß er jemals seine BernfSgeschäste wieder werde aufnehmen können, erscheint so gut wie ausgeschlossen. Der SchickialSschlag, der daS Kauffmaimsche Haus betroffen hat. ist um so härter, als auch die Gattin KauffmannS. eine Tochter deS verstorbeneu Stadtverordneten Morche, sich seit Jahren in einer Heilanstalt befindet. Seit der Zeit, wo ihn dieses Nualück traf, war Kaufst, lann der stille, ernste Mann, als den ihn seine Frennde kennen, aber nichts ließ etwa vermuten, daß In ihm der Keim zn einer schweren Erkrankung des Nervensystems lag, wen« auch in letzter Zeit feine äußere Erscheinung auf eine» leidenden Zustand schließen ließ." Man darf auch wohl annehmen, daß die kommunalpolitischen Ereignisse der letzten Zeit auf die Erkrankung deS Herrn Kanffmann nicht ohne Einfluß geblieben sind. Die Behandlung, die den, Nuglücklichen von oben her zu teil wurde, da« unkollegiale und kränkende Verhalten seiner Kollege», die dafür sorgte», daß nicht ihm die Geschäfte des Beigeordneten vertretiingSweise übertragen würde», das Drangen seiner politischen„Frennde", auf das Bürger- mcisteramt Verzicht zu leisten— alles dies muß den Gemütszustand deS überarbeiteten Mannes schwer beeinflußt haben. Erwähnt sei hier noch eine Meldung von andrer Seite: Eine Korrespondenz, die sich giitcr Verbiiidnngen mit Ma« gistratSkreisen erfreuen soll, während in unterrichteten Kreisen nichts davon bekannt ist, brachte gestern Mitteilungen über Stadtrat Kauffmann. die den Thatsacheu nicht entsprechen. Zn- nächst ist eS vollständig ersunden, daß Stadtrat Kauffmann«in allernächster Zeit auf die Wiederwahl offiziell Verzicht leisten werde". Am Montag noch äußerte sich der Erkrankte zu dieser von einem„Lokal- Anzeiger" gebrachten Reportermeldung:«Die Leutchen hören das Gras wachsen; ich denke gar nicht daran, bei dem jetzigen Stand der Sache ans meiner bisher beobachteten Reserve hervorzutreten. Für mich liegt gar kein Anlaß dazu vor. Ich kann auch warten". Die von einer andern Seite verbreitete Nachricht, daß das Befinden deS Stadtrats Kanffmann hoffunngsloS sei, entbehrt jeder Begründung. Das Gegenteil ist der Fall. So lauge übrigens Kauffmaiin krank ist, kann an eine Erledigung der Bürgermeister» frage ernstlich nicht gedacht werden. Hiernach scheint es ja, als ob Aussicht auf Heilung der Krankheit vorhanden wäre. Stadtrat Gustav Kanffmann empfing am Freitag Besuche. Sei» Befinden war, wie aus dem Rathause gemeldet wird, zufrieden« stellend und man hofft seine baldige Genesung in Aussicht stellen zu dürfen. A«S der gestrige» MagistratSsitznng. Der Magistrat be« schäftigte sich eingehend mit den vom Stadtbanrat Hoffmann aus- gearbcitelen Entwürfen für ein in Buch neu zn erbauendes Hospital. Es wurde beschlossen, zunächst mir Pfleaeränme für 400—500 Hospitaliten auf drei Gebäude verteilt, zu erbauen, wobei aber außerdem centrale Verwallnugs- und Oekvuomie-Einrichtuiigcn für ein Hospital von 1500 Personen vorgesehen werden sollen. Innerhalb des vorgeseheucn Rahmens sollen später je nach»In- tretendem Bedarf allmählich weitere Pflegehäuser für je 160 Personen htiizugebant werde». Die Koste» der Gesamtanlage werden sich auf rund 6 Millionen Mark belaufen. Von der Erbauung de« Hospital» in der Fröbelstraße wurde, nachdem wichtige Bedenken gegen eine solche Anstalt erhoben worden waren, definitiv abgesehen. Mit dem Bau in Buch soll nach erfolgter Zustimmung der Stadtverordneten sobald als möglich begonnen werde«. DaS Verbot des AnSfpeicnS soll nach einem Erlaffe de» Ministers der öffentlichen Arbeiten jetzt in den sämtlichen Direktions- bezirken der Staatsbahuen und möglichst auch im Betriebe der Privatbahnen durchgeführt werden. In den Wartesälen, Vorfluren, auf den Bahnsteigen ec. der Staatsbahn-Stationen wird deshalb ring Aiifforderuug nachffolgeiide» Inhalts an das Publikum gerichtet werden:„ Z n r F ö r d e r u n g der ö f f e n t l i ch e n G e f n n d- h e i t s p f l e g c wird dringend ersucht, in den BahnhofSräumen, aus den Bahnsteigen, Treppen und in den Wagen das AnSspeien zn unterlassen. Königl. Eisenbahn- Direktion..." Um dic>er gefährlichen Unsitte weiter zu steuern, sollen an geeigneten Plätzen. auf den Fluren, sowie in den Warteräumeu Spucknäpfe anfgesiellt werden. Der Minister ersucht zugleich die Eiseubahn-Kommissare. den Verwaltungen der ihnen imterstellten Privatbahnen das gleiche Vorgehen zu empfehlen. Trotz mehrfacher Hinweise iiber die Elnfi'ihrnng der neuen Postwertzeichen und den Gebrauch oder Umtausch der alten Wert- zeichen herrscht allgemein noch so viel Unkenntnis über diese an sich so einfache Sache, daß wir noch folgender Bekanntniachnng des. Reichspostamte«. die ja nichts Neues enthält, Raum geben wollen: „Im ReichSpostgebiet und in Württemberg werde» jetzt nur noch Postwertzeichen mit der Inschrift„Deutsches Reich" ausgegeben. Die bisherigen Reichspost- und württembergische» Postwertzeichen sind mit Ende März außer Kurs gesetzt worden; doch haben die Pvstanstalten Anweisung erhalten, Sendungen mit alten Postwertzeichen bis auf weiteres nicht in der Beförderung aufzuhalten und auch nicht mit Nach- taxe zu belegen. Jininerhin liegt es im Interesse des Publikums, möglichst die richtigen(neuen) Postwertzeichen zu verwenden. Die in den Händen des Publikums noch vorhaiidcnen alten Postwertzeichen werden bis Ende Juni d. I. an den Postschaltern und von den Landbrieslrägern gegen neue Postwertzeichen umgetauscht." De« Stadträten und höheren Beamten der städtischen Vcr- ivaltuiig werden täglich von Privatpersonen dienstliche Sachen, be- sondere Gesuche und Anfragen in die Wohnungen gesandt. Diese Sendungen haben einen solchen Unifaug angenommen, daß Ver- zögeningen unvermeidlich sind. ES wird deshalb darauf Hingelviesen, daß alle dienstlichen Eingaben, Gesuche und Anfrageii nicht an die M a g i st r a t s m i t g l i e d e r, sondern in allen Fällen an die betreffenden zuständigen Verwaltungsstellen zn richten sind, weil es andernfalls in Behinderungsfällen, bei Krankheiten. Benrlaiibungen, Reisen usw. nicht ausgeschlossen ist, daß diese Briefe längere Zeit unerledigt bleiben. Die Vergrößerung des Viehhofs abgelehnt. ES schwebten, wie bekannt, Verhandliingen wegen Vergrößerung des städtischen Schlacht- und Viehhofsgeländes mit dem Fürsten Henckel von Donnersmarck. In der gestrigen Magistrntssitziing wurde die Angelegenheit eingehend erörtert, schließlich lehnte es daS Kollegium ab, in die Verhandlungen einzutreten. Es scheint, daß die Majorität sowohl die Bedürfnissrage als auch die 14 Millionen betragende Prcisforderung abfällig beurteilt. Zwischen dein EiseubahnfiöknS, dem ReichZmilitäifisknS und der Stadtgemeinde Schöneberg soll ein Vertrag über die Herstellung einer unter der Anhalter, Dresdener und Militärbahn im Zuge der neuen Schöneberg- Tempelhofer VerbindnngSslraße zn erbauenden Unterführung abgeschlossen werden. Die Stadtverordneten- Versammliiiig in Schöneberg hat bereits früher den von der königl. Eisenbahnverwaltmig verlangten Beitrag von 120 000 M. zu den Kosten dieser Untersühriing bewilligt und auch der Festsetzung des Bcbanungs- und Fluchtlimenplanes für die neue Schönebcrg-Tcnipel- hofer Verbiiidnngsstraße und das Gelände zwischen dieser und der Berliner Ringbahn zugestimmt. Der Erlös ans dem Verkauf von Beitragsmarken der LaiideS-BersicheriingSanstnlt Berlin, der Ende vorigen Jahres zurück» gegangen war, ist in den letzten drei Monaten wieder gestiegen. Im Jannar d. I. wurden 626 000 M. und im Februar 542 400 M. eingenommen, d. h. rund 12 000 M. mehr als 1901. Die neue AbfahrtöhaNe deS Stettincr Bahnhofs soll be- reits zu den Pfingstfeiertagen dem öffentlichen Verkehr übergeben werden, wenngleich die vollkommene Fertigstellung deS Reiibaucs kaum vor Ende dieses JahreS zu erwarten ist. Die iicne» Warte- äle, die ans das eleganteste eingerichtet werden, werden noch vor Beginn der Reisezeit dem Berkehr üdergeben. Roch einmal die Gerhart Hanptmannstraste in RnmmelS« bnrg. Zn der Nachricht, das Ministerium deS Innern habe der Gemeindevertretung des Vorortes Rumnielsburg die Genehmigung versagt, eine neuangelegte Straße nach dem Dichter Gerhart Honpt- «tarnt zu benennen, bemerkt die..Köln. Ztg.": Wir haben an maß gebender Stelle Erkundigungen eingezogen und festgestellt, daß diese Lliisstrenung unbegründet ist. Im Ministerium der Innern ist ein Gesuch der Geineinde Rnmmclsbnrg, Straßen nach berühmten Zeitgenosse» beiienneii zn dürfen, überhaupt nicht eingelaufen, ge schweige denn abschlägig beschieden worden. Unsres Erachtcns ist die„Köln. Ztg." i» diesem Falle nicht zn treffend unterrichtet worden. Die in Betracht kommende Meldung hat übrigens nicht, wie von verschiedenen Blättern irrtümlich ge meldet ivurde, eine Lokalkorrespondenz, sondern der„Vorwärts' zuerst gebracht»nd zwar am Ostersonntag. Unser Korrespondent in Rummelsbnrg berichtete über die Geineinderatssitzniig des Ortes und meldete unter andcrm: .... Der Herr Vorsitzende gab dann noch bekannt, daß be absichtigt war, die Straße 14 in Voxhageii Gcrhart Hauptmann straße z» neuncn, daß aber vom Ministerium di Genehmigung hierzu versagt wurde. Dies vcr anlaßte einen Vertreter zn dem nicht üblen Vorschlag, die Straße Major Laufstraßc zn taufen. Man kann nun doch nicht gut annehmen, daß der Gemeinde borsteher der Vertretung einen Bären aufgebunden hat und daher wird es bei der Richtigkeit des Verbots der Gcrhart Hauptmann straße wohl sein Bcivendcn haben müssen. Es wäre ja auch uu natürlich, wenn die in kleinen Dingen immer große preußische Rc gierung einem modernen Dichter und nun gar dem Dichter der Weber die Ehre gegönnt hätte, die ihm Rnmmelsburg zu teil werden lassen wollte.— Nach einer Entscheidung der Abteilung für Jnvaliditäts- und Altersversichcrungssachen(Magistrat) sind Klavierlehrerin neu versicherungspflichtig. Es hastet jeder Arbeitgeber als Gesamt- schuldner für die vollen Wochenbeilräge, auch dann, ivcnn mehrere Arbeitgeber in Frage kommen. Es muß sich also jeder Arbeitgeber überzeugen, ob Marken verwandt worden sind, eventuell sind solche zu kleben, um sich vor Schaden z» bewahren, denn die Versicherungsanstalt kann jeden Arbeitgeber, ganz gleich, ob er der erste oder der letzte in der Woche ist, regreßpflichtig'machen. Das Poltzeipräsidiuni teilt mit: Auf dem Straßcndannn vor dem Hanse Markgrafeustraße 87/88, wurde am 25, März, abends gegen vVe Uhr, ein Paket in grauer Leinwand, gez.„H. K. 8060 — nicht haken— Posen", das Wachstuch enthielt,' gefunden. Der Eigentümer kann sich zur Empfangnahme iin Zimmer 36 des Polizeipräsidiums in den VormittagSslnnden melden. Ei» falscher Forstassistcnt ivurde gestern nach Bcrübung vieler Schlvindeleien von der Kriininalpolizei festgenommen. Ein Mann. der sich Forstassistent Rolke nannte, als Forst- Rechnungsführer in Ungarn angestellt zn sein vorgab und die Uniform der höheren preußischen Forstbeamten trug, machte bei Waffen- und Mnnitions- fabrikcn Einkäufe, ließ sich die Sachen nach seiner angeblichen Wohnung schicken und verschwand damit, ohne sie zu bezahlen. Das ging so lange gut, bis endlich eine Waffenhandlung rechtzeitig miß trauisch wurde. Rolke halle eine schöne Doppelflinte getauft, die ihm zugesandt werde» sollte. Der Geschäftsmann schärfte aber seiiicni Hausdiener ein, sie ohne Bezahlung nicht ans der Hand zu geben. Als er nun kein Geld erhielt, nahm der Diener die Flinte wieder mit. Dieses Verhalten eines höheren Forstbeamten machte den Waffenhändlcr stutzig. Erst jetzt fiel es ihm auch auf, daß ein ungraischer Forstmann preußische Uniform trage. Die Kriurinab Polizei, der er seine» Argivohn mitteilte, nah», den Mann gleich fest und erkannte bald, daß sie einen großen Schwindler gefangen hatte. Der angebliche Rolle, dessen Name noch nicht ganz feststeht und der gelernter Förster sc!» will, bat auch noch andre Geschäfts- leute geprellt. So liebte er es. sich schöne Tafelatifsätzc nach Jagdmotiven zu erschwiiideln und sofort zn verkaufe». Auf diese Weise verschaffte er sich seinen Lebensunterhalt,»nd er lebte die ganze Zeit über, die er sich in Berlin aufhielt, nicht schlecht. Ein jtautions- und Kolportage-Tchivindlcr wird von der Kriminalpolizei gesucht. Ein mehrfach bestrafter Mensch, Namens Paul Behrend, der in der Elsasserstr. 27 wohnte,- suchte durch An- zeigen Reisende, denen er neben angenehmer Beschäftigung einen gnlen Verdienst in Ausficht stellte. Die Leute meldeten sich Haufen- weise, angenommen aber wurden nur die, die eine Kaution hinter- legen konnten. Behrend. der sein Institut„Ethica" nannte, schickte seine Reisenden nach allen Himmelsrichiungen ans. Sic sannnelten Bestellinigen auf mehrere Werke, ivie„Kaiser Friedrich III.".„Unter dem roten Kreuz in Transvaal".„Deutsches Hilfskomitee für Ostasien'. deren Bertrieb ivohlthätigcii Zwecken dienen sollte. A»S diesem Grunde fanden die Reisenden auch vielfach Zeichner, die die bedcn- tenden Preise, 12 bis 14 M., vertrauensvoll an die„Ethica" in Berlin oder an ihre Ziveigniederlassungen in ander» Großstädten schickten, die bezahlten Werke aber nie zu sehe» bekamen. Als Anzeigen eingingen, ivar Behrend, der Publikum und Buchhändler zu gleicher Zeit beschwindelte, mit dem Geldc derZcichncr und Kautionen der Reisenden bereits verschwunden. Jetzt wird er steckbrieflich vcr- folgt. Seine Frau hat der Schwindler mit einem Kinde in der Wohnung in der Elsasserstr. 27 mittellos zurückgelassen. Mit Hinterlassung einer grossen Schuldenlast ist seit 1-1 Tagen der Känsmann Gustav Lanzke verschtviinden. der Krenzberg- straße 23 ivohnte, Ritterstr. 53 ei» Kommissions- und Agenturgeschäft für Papier und Pappen betrieb»nd noch den Generalvertricb für eine Ccllnloidfabrik hatte. Wie festgestellt ist, huldigte der Ver- schivniidenc kostspieligen Passionen. Bor etlva 14 Tagen kündigte er seinen Angestellten an, daß er eine Geschäftsreise nach Breslau unternehme. Er kehrte nicht zurück, statt dessen lief von Paris aus an einen Angestellten ei» Brief ein, in welchem der Flüchtige Mitteilung von seinem schlechten Ver- niögensstaiide machte n»d anheimgab, das Konkursverfahren an» zuinelden. Letzteres geschah und der vom Gericht bestellte Konkurs- verwaller fand in dem Geschäftspulte Anfzeichnungen, ans denen hervorging, daß Lanzke die Flucht ua» langer Hand vorbereitet hatte. Unter den Geschädigten befindet sich ein Geschäftsmann, der über 50 000 M. verliert. Wie hoch sich die Gesanitschnldciilast bclänft. ist noch nicht ermittelt. Gestern ist das Konkursverfahren über das Ver- möge» des Flüchtigen eröffnet ivorden. Uebcr„die Gefahren für das Herz durch Sport und Mode� sprach auf Veranlassung des Deutsche» Vereins für Volks- Hygiene Herr Prof. Dr. M. Mendelssohn. Er betonte, für das Herz sei das Radfahren am gefährlichsten, Iveil die dadurch hervor- gerufenen Schädigungen meist unbemerkt zn stände kämen. ES sei unerläßlich, ein'jedes Herz in Bezug ans seine Leistungsfähigkeit beim Radfahren genau z» prüfen. Die schiverste» Schädigungen und selbst plötzliche Todesfälle während des Radfahrens seien in nicht unbeträchtlicher Zahl beobachtet Ivorden. Viele Radler suchen Steigungen besonders schnell zu nehmen und stellen dadurch a» das Herz erhöhte Farderungen. Jeder müßte sich über das, ivas er seinem Herzen zutraue» darf, genau unter- richten. Dem Radfahren am nächsten steht das Bergsteige» l sodann folgen Danerschwimmen, Wettlailfe», Rudern und Reiten. Vom Sport ging der Redner ans die Mode über und erörterte die bekannten schiveren Schädigungen, die durch das Korsett nnd die Sckmürkleider veruriacht iverden. Zum Schluß meinte er dabei pessimistisch, alle »och so me» scheufreundliche», vernünftigen Vorschläge von Damen. Aerzlen nnd Künstlern, die Mode zu ändern und gesunde, die Schönheit des Körpers nicht entstellende Tracht anzulegen, würden in: großen Ganzen leider gegen die Mode nichts nützen und vcr- hallen, ivie die Worte des Predigers in der Wüste. Noch nicht ausgeklärt sind zwei Einbrüche, die in den letzten Tagen in Charlattenburg verübt wurden. In eine Wohnung des Hause's Augsbnrgerstr. 49 drangen Diebe mit Nachschlüsseln ein und stahlen namentlich Goldsachcn, darunter eine alte doppelknpselige goldene Damennhr mit langer goldener Schiebckette, ein Paar Granatohrringe mit goldenen Kugeln und ein einzelner Ohrring mit Granatkrenz. Am Wilhelmsplatz Nr. 2 erbeuteten sie u. a. ein Sparkassenbuch über 1000 M. und für 3000 M. verschiedenartige italieinsche Wertpapiere. Bermistt wird seit dem vergangeneil Dienstag der Tischler- meifter Hermann Koppe aus der Brandenburgstr. 19. ein gut ge- stellter Mann, der in nervöser Ucbemizung schon mehrmals versuchte, Hand an sich zn legen. Er äußerte die Absicht, nach Rahnsdorf zu gehen und sich dort das Leben zu nehmen. Man hat nun die Gegend abgesucht, ohne den Vermißten zu finden. Kopve ist ein kleiner untersetzter Mann von 60 Jahren. Sein Haar und Schmirbart sind etwas ergraut. Er trägt einen blancii lleberzicher, einen grancii Jackcttanzng, ciiicn schwarzen Hut und Gnmmiziigstiefcl. Ein schlechtes Geschäft machten Einbrecher, die heute früh dem bekannten Hartlvigschcn Wcißbieransschaiik in der Friedrickstr. 112 einen Besuch abstatteten. Nachdem der Geschäftsinhaber, Gastwirt Schüler, seine Privatwohnung aufgesucht und auch die Kasse dorthin mitgenommen halte, brachen sie mit Hilfe von Nachschlüsseln und Dietrichen in den Keller und durch die Fallklappe in die Schank- räume ein. Hier versuchten sie. die Marlirkasse zn erbrechen, was ihnen aber nicht gelang. Da sie nicht wagten, die ganze Kasse mitzunehmen, so mußten sie sich mit zwei Anzügen, einem Stock und einer Uhr, die einem Kellner nnd einem Hausdiener gehören, begnügen und entfernten sich wieder, nachdem sie sich noch aus einem Cognak- faß. das sie anzapften, gestärlt hatten. Eine Einbrecherbande, die mit Borliebe durch die Mauern ging und es besonders auf Warenhäuser abgesehen hatte, wurde gestern morgen um 2 Uhr ans frischer Thal ertappt nnd festgenommen. Das Kaufhaus von Wolff an der Ecke der Garten- und Invaliden- straße, das schon früher einmal heimgesucht wurde, war wieder»!» das Ziel der Diebe. Vier Mann waren in den Eingang an der Gartcnstraßc hineingelangt und machten sich hier daran, die Mauer zn durchbrechen. Der Geschäftsinhaber wurde jedoch durch ein Läutewerk, das die Einbrecher durch ihre Arbeiten in Bcivcgnng setzten, geweckt, ging durch einen andren Ausgang hinaus und holte die Polizei. Diese unistellte daS Hans, so daß niemand entkommen konnte nnd faßte die vier Einbrecher bei der Arbeit ap. Das Haupt der Bande ist ein Mann, dessen Namen man nach nicht genau weiß. Er nennt sich Adolf Heinicke, ist aber schon unter dem Namen JlalittoivSki, ivie er sich in Stettin nannte, bestraft. In der Vcrbrcchcrlvelt heißt er„Heimchen". Mit seincin wahren Namen hält er vermutlich zurück, weil er viel auf dem Kerbholz hat. Die übrigen Mitglieder der Bande sind ein gewisser Bartels nnd zwei Gebrüder Knoche. Diese Gesellschaft hat hier 15 und in Stettin 3 Warenhanseinbrüche verübt. Die Beute schafften die Einbrecher mit Dreirädern und Handwagen weg, die sie den Warenhäusern ebenfalls stahlen und nach dem Gebrauch an entlegenen Stellen stehen ließen. Zum Verkauf ihrer Waren fuhren sie östcr nach Stettin und benutzten gleich die Gelegenheit, anch dort einzubrechen. In Charlottenburg hat Heinicke anch unter dem Namen Salomon Diebesbcute versetzt. Das Paffagcthcater hat diesen Monat ein Programm von überraschender Vielseitigkeit zusammengestellt: vor allen Dingen zeichnen sich einige Künstlerinnen darin ans. Ein Fräulein Carola ist als„preisgekrönte Schönheit" von Karlsbad her verschrieben worden: die Dame kann sich rühmen, daß sie außer dieser nicht zu unterschätzenden Eigenschaft noch eine hübsche und gesibnlte Stimme. sowie anch eine gute Darstcllnngsgabc besitzt nnd so nach jeder Richtung hin für die Bühne befähigt ist. Eine gewandte Sonlnctte ist Frl. Elli del Bianca, ein Lied ans dein„Süßen Mädel" wurde van ihr flott»nd frisch gesungen. In der Tanzkunst zeichneten sich die Spanierinnen Estrellas ans. Unter den Leistungen ans akrobatischem Gebiet ist vor allen der.Melangeakt" der Gesellschaft Plötz-Larellas zu nennen, diese Künstler produzieren sich in Leistungen allerersten Ranges. Tüchtige Kunstradfahrer sehen wir in der ans einem Herrn und einer Dame bestehenden Gesellschaft Kasta und als Humoristen ind die Herren Bonns und Mödlinger forsch ans dem Platze. Theater. Im S ch i l l c r- T h e a t c r ist die BesePing der Haupt- rollen in dem am Montag, de» 7. April, zum ersten m>i l zur Anssührinig kommenden dreiaktigen Schwank„Der M e Ii i ch in der Bestie" von Lothar Schmidt folgende: Heinrich Reu> er: Albert Steinrück; Ernestine: Agnes Werner� Hedwig: Frida Brock; Clemens: Hans Kuhnert; Gottlieb Lodenbeil: Alfred Schmasow; Moritz Siebenfcld: Max Kirichner; Äaschube: Emst Wchlau; Schnackenterg: Otlo Rembe; Gruhleuiann: Oskar Sabo; Ulricke Hampcl: Emma Griebe; flathinka: Margarete Waizmaini. Eingeleitet wird dieser Abend mit Hans von Hopfens einaktigem Lustspiel „ H e x en f a n g', in dem die Damen: Mattiiiger, Brock, Wala und die Herren: Liiidikoff und Sabo beschäftigt sind.— Central-Theater: Am Sonntagnachmittag 3 Uhr wird zu halben Preisen„Der B e t t e l st u d e n t" gegeben, mit den ersten Kräften befetzt, und zwar: Sicgm. Kunstadt. Therese Delma, Carl Schulz, Louise Albes, Ernst Willert, Grete Castellv. Emil Albes Abends?>/: Uhr findet die 110 Vorstellung von„Das s ü b e M ä d e l" statt. SI,iS den Stachbarvrte». Waidmannslust. Sonntag, den 6. April, nachmitiags 4 Uhr. hält der Wahlverein im Schiveizerhänschen bei Kuhn eine Versannn- liuig ab, in welcher Genosse Georg Wagner über:„Der Kampf ums Dasein und seine Folgen für die Familie" sprechen ivird. Die Nibelungen in Dichtung und Musik bilden das Programm des nächste» Charlottenburger K u n st a b e n d s am Sonn- tag. den 6. April, abends?>/„ Uhr. im Kaiser Friedrich-Saal am Savigny-Platz. A»S Friedri ch Hebbels Nibelmigenwerl iverden einige dramatische Scenen und ans Wilhelm Jordans Nibelungen- Epos einige Gesänge rcciticrt iverden. Siichard Wagner, der durch eine Nibelungcniverke das Interesse für diese großartige National- dichtnng aufs neue eriveckt hat, ivird einen großen Raum in dem Programm einnehmen. Es werden durch die bekannte Wagner- Sängerin Frl. Emmi Reinhardt und Ernst B u r st i n g h a n s vom Stadt-Theater in Lübeck) größere Bruchstücke ans„Rhein- g o l d".„Siegfried".„Walküre" und„Göttcrdämnre- rung" gesungen iverden. Den einleiteudeii Bortrag hält Dr. Citri Walter G o l d s ch in i d t ans Breslau. � Billcts a 50 nnd 30 Pf. in den Charlottenburger Buchhandlungen nnd beim Schuldicner er- hältlich. Grünau. Auf die Berichtigung des Gastwirts Gustav Liudenhayn im„Vorwärts" vom 2. April geben nnsre Genofsen 'olgendes bekannt: Wir halten die gegen ÄnLeithayn erhobenen Angriffe aufrecht, ahne das geringste davon zuriickzmiehinen. Sollte Herrn Lindenhayn fein Gedächtnis ii» Stich gelassen haben, so möge es hierdurch etwas aufgefrischt werden. Herr Lindenhayn führte in der Sitzung des BürgervercinS wörilich ans, daß er der Social- demokratie früher nahe gestanden habe, daß er aber, da sie ihn wirtschaftlich ruiniert hätte, jetzt zu andrer Ueberzengung gekoimnen ei. Der socio ldemokratische Kandidat mache sich einen Sport daraus, ihn zu Grunde zu rickitc». und einen solchen Mann könne er nicht ivählcn. Wenn Herr Lindenhayn fcnirr in seiner Berichii- gung anführt, daß er von uns nicht aufgefordert worden wäre, in unserer öffentlichen Verfanmilung zn erscheinen, so weisen wir ihn a» den Genossen Pfeil, der ihm auch i» dieser Beziehung behilflich ein ivird. fein Gedächtnis ein bißchen zu belebe». Ferner giebt Herr Lindenhayn im zweiten Teil seiner Berichtigung z», daß er die von uns angeführten Angriffe auf die Partei thalsächlich erhoben bat. denn'er erklärt sich bereit, sie in einer demnächst statlffudciiden öffentlichen Versammlung unter Beweis zu stellen. Wir würden mit Freuden begrüße», wenn Herr Lindenhayn i» einer Ver- annnlnng erscheinen würde. Beim Rixdorfer Gewerbegericht gingen im Geschäftsjahr 1901 a» Klagen 357 ein. Erledigt wiirdell durch Vergleich 53, durch Klage- rücknahme 95, durch Anerkenntnis 11, durch BersänniniSirrteil 45, durch Endnrteil 122, Im sogenannte» Vergleichstcrmin. der ohne Beisitzer ftalft»dct„ wurde fast die Hälfte aller Klagen erledigt. In 348 Fällen klagten Arbeilnchnier gegen Arbeitgeber, in 8 Fällen Arbeilgeber gegen Arbeitnehmer, und in einem Fall ein Arbeiter gegen einen andern Arbeiter desselben Arbeitgebers. Der Streit- wert betrug bis zn 20 M. in 154 Fällen, über 20 bis 50 M. in 112 Fällen, über 50 bis 100 M. in 75 Fällen nnd über 100 M. in 16 Füllen.— Es fanden 27 Sitzungen mit Beisitzern statt, so daß jeder der 48 Beisitzer durchschnittlich zlveimal im Jahre amtierte. Sühnetermine(Termine ohne Beisitzer) tvnrden 57 abgehakten.— Als Einigungsamt ist das Gewerbegericht noch nicht in Thätigkeit getreten; zur Abgabe von Gutachten a» Staatsbehörden fand es eben» falls keine Gelegenheit. Ans Rixdorf. Ein Einbruch wurde in der hiesigen evan- gelischen Kirche verübt. Der Thäter erbrach drei Sammelbüchsen nnd leerte dieselben. Es dürften ihm 45— 50 Dl. in die Hände ge- fallen sein. Bisher fehlt von dem Diebe jede Spur.— Sehr skeptisch stand die Kriminalpolizei zunächst einer Anzeige gegenüber, nach welcher die in der Steinmetzstraße wohnhafte Ehefrau des Eisenbahn- Betriobssekretärs Esch in der Mittagsstunde in der Warthe- und Emscrjtraße, nahe dem Tcinpelhofer Felde, von zwei mibckaiiiitcn Männern überfallen und be- r a n b t worden sei» ivollte. Fetzt sind aber Kinder, die in der Nähe spielten, ermittelt ivorden, ivelche die Darstellung der Frau in allen Stücke» bestätigen. Auf die Er- greifniig der Thäter ist eine Belohnuiig von 100 M. festgesetzt worden.— Auf dein Wege zivischc» Rixdorf und Britz imirden abends inehrcrc junge Männer von fünf unbekannten Personell ohne jede Bcrankaffung überfallen nnd mit Messern bearbeitet. Der Arbeiter Olto Schilling. Bergstr. 62 wohnhaft, erhielt dabei mehrere lebensgefährliche Messerstiche in den Kopf und liegt daher schwer krank danieder. Leider ist es noch nicht gelungen, die Messer- Helden zli ennittelii. Vom städtischen Arbeitsnachweis in Rixdorf wurden im Monat März von 112 Arbeitgebern insgesamt 173 Personen zur Beschäftigung verlangt. Diefelven setzten sich zusammen ans 32 Handwerkern. 96 nngelernten Arbeitern, 17 Dienstmädchen, 14 Fabrikarbeitcrimien, 4 inigelernten Arbeiterinnen, 2 Lebrlingen und 8 jugendlichen Arbeitern unter 16 Jahren.— Beschäftigung suchten 412 Personen, und zlvar: 72 Handwerker, 282 inigelernte Arbeiter, 25 jugendliche Arbeiter. 11 Dienstmädchen, 15 Fabrik- arbeiterinnen und 7 ungelernte Arbeiterinuen. Von diesen erhielten 164 Personen Beschäftignng nachgewiesen, nämlich 32 Handwerker, 96 ungelernte Arbeiter, 8 jugendliche Arbeiter, 10 Diciistinädchen, 14 Fabrikarbeiterinnen und 4 ungelernte Arbeiterinnen. Der Fern- sprcchcr wurde 136 mal benutzt. Der Raubmörder Ritter iväre beinahe der Lynchjustiz ver- fallen, als die Transporteure ans Spandau mit ihm in Seehanscn (Altniark) eintrafen. Die Nachricht von seiner Ankunft hatte sich wie ein Lanffener in der Stadt verbreitet und die ganze Bevölkerung war in größter Aufregung, da sie lebhasten Anteil an dem Geschick des Kailfniailiis Riiiige in dein benachbarten Wahrenbcrg nimmt. Eine nach Tausenden zählende Schar wartete am Bahnhof, als die Transporteure niit dem gefesselten Verbrecher dein Zng ciltstiegcn: laute Berivünfchnngcil ivnrden gegen den Räuber allsgesprochen, deb hochelegante Kleidnng, Cyliiiderhilt und Lackschuhe tnig. Nur schivcr koiinte die erbitterte Menge von Thätlichkcite» gegen den Verbrecher zurückgehalten iverden. Der Raübinörder hat in der Altniark seit einiger Zeit Vorstellungeil als Entfesseliiiigskünslker gegeben, wobei sein Complice bei dem Raub- Mordversuch sein Gehilfe war. Runge hat es nur einem glücklichen Zufall zn danken, daß er am Leben geblieben ist. Die beiden Raub- gesellen hatten ihn zu Boden geschlagen und mit einem Strick um den Hals so lange gewürgt, bis er lein Lebenszeichen mehr von sich gab. Da aber kein Licht'im Laden brannte, konnten sie nicht fest- stellen, ob er tot war. Ein schwerer ttuglüctsfall, dem bereits ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist, ereignete sich in der vergangenen Nacht in Steglitz. Tort war vor'einigen Tagen eine Dame mit ihren beiden Nichten in das Hans Düppclstraße 30 eingezogen nnd hatte die Wohnnug mit einer Gascinrichtmig verseheii lajfcn. Als mm heute vormittag nach 10 Uhr der Frnhstücksbeutel nach an der Klinke der Wohnniigsthür hing, lvurdeN die Nachbarn anfinerksaiii, und da auf wiederholtes Klopfen niemand öffnete, wurde die Thür durch einen Schlosser anfgeinacht. Den Eintretenden bot sich ein schrecklicher Anblick dar, denn die drei Dame» lagen,- von dem Gas, das wäh- rend der Nacht ansaeströmt war, betäubt am Boden. Während die Tante nnd die eine Nichte ivieder zum Bewußtsein gebracht iverden konnte», l.iebe--. die Wiederbelebungsversuche bei der andren Nichte erfolglos._ Wohl selten hat ei» Angeklagter dem Gericht so viele Umstände nnd Schlvicrigkeiten bereitet, ivie der ans Ungar» stammende Barbier Joseph K a m a r z i ii, tvelcher gestern der vierten Strafkai», ner deS Landgerichts I ans der UnlerfuchungShafl vorgeführt wurde. Kamarzi». der bereits viernial ivegen Taschcndiebstahls vorbestraft ist, wurde im April ivicdernm bei eineni Taschcndiebstahl ertappt. Da er eine schivere Strafe zu gewärtigen hotte, gefiel er sich darin, den Irr» sinnige» zu spielen. Er führte seine Rolle mit großem Geschick durch. Als er zinn erstenmal zur Hanptverhandlung vorgeführt ivurde. behauptete er. er sei der Präsident Mac Kinlch nnd kürzlich aus Amerika nach Berlin gekommen. Als der Vorsitzende ihm erklärte, daß Mc Kinley inzwischen verstorben sei. blieb der Angeklagte dabei, daß er dennoch der Genannte sei, er sei von den Toten wieder auferstanden. Der Angeklagte hatte bei den letzten Diebstählen noch einen Complice» gehabt, gegen den ebenfalls verhandelt werde» sollte. Dieser belustigte' sick, über das Gebahren des Angeklagten, den er bis dahin als einen vernünftige» Menschen kennen gelernt hatte. Da mit dem Angeklagten ober»ickilS anzufaiigen war, mußte der Termin vertagt nnd zu einem späteren ein Arzt als Sachverständiger geladen iverden. Auch beim falgenden Terniiii blieb Kaniarzin bei seiner blödsninigen Behauptung und benahm sich derart, daß er bei dem Sachverständigen Ziveisel erregte und dieser vorschlug, ihn sechs Wochen lang auf seinen Geisteszustand in der Charit« untersuchen zu lassen. Dem Antrage mußte Folge gegeben werden. Als Kaniarzin gestern iviedernnr vorgeführt wurde, legte er ein andres Benehmen an den Tag. Er thal, als ginge ihn die ganze Sache nichts an»»d war zu keiner Antwort zu bewegen. Der Sachverständige begulachlcte. daß Kaniarzin Komödie spiele, mir einmal, als er gegen einen Aufseher thätlich geworden war, könne er sich in einen» vorübergehend uiizurechnniigsfähigeii Zustande befunden haben. Durch die Beweis» ansnahiiie ivurde festgestellt, daß Kaniarzin im April vorige» Jahres mit einem bereits abgeurteilten Coniplicen auf dein Potsdamer Bahnhof eine schivere Handtasche gestohlen hatte, die ei» Reisender neben sich auf den Fußboden gestellt hatte, während er sich am Schalter die Fahrkarte lösle. Als die beiden Spitzbube» mit ihrer Beute durch die Leipzigerstraße ginge», bot sich ihnen Gelegenheit, vor einem Schanfenster eine» Taschendiebstahl auszuführeil. Sic konnten der Verstichnng nicht ividerstehen: sie hatten gerade ein Portemonnaie mit 48 M. Inhalt erbeutet, als sie von einem Knuniinlbcamten, der sie beobachtet hatte, ergriffen wurde». Der Koffer wurde ihiicn auch wieder abgeiiomnie». Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zn z iv e i Jahren Gefängnis und zweijährigem Chrverlust wegen der Diebstähle und zu einer Woche Haft wegen des thällichen Angriffs gegen den Beamte»: die letztere Strafe wurde durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. V e vlÄ mm In n n* AdlerShof. Der Socialdemokratische Wahlverein von Adlershof hielt am 20. März seine regelmäßige Vereiilsversainiiitmig bei«checr in Köpenick ab. I» einem ausgezeichneten Bortrag sprach Rechts- anwalt Victor Frankel über' die Bedeutung des 18. Marz. Um die Wirkung des Vortrags nicht abzuschwächen, lunrdc von einer Diskussion abgesehen. Da bei der letzten Gemeindevertreter-Wahl mehrere Genossen nicht zur Wahl waren, so ivurde beschlossen, für die Znknnfl diejenigen Mitglieder. welche ohne genügende Eni- schuldigimg der Wahl fernbleiben, aus dein Wahlverein aus- zuschließen Es wurde noch ein Antrag angenommen, die diesjährige Maifeier, da uns kein Saal in Rdlershöf zur Verfügung steht, in Köpenick bei Seidel abzuhalten. freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den s. Aprir, vormittags M/« Nhr, in der Aula der 69. Gemeindefchule, Kl. Franksurterstr. 6: SZerlainmlnng.„Freireligiöse Vorlesung". Um 103/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Fräulein Ida Altmann:„Frühlingsgöttcr". Gäste. Damen und Herren, sehr wiNkounnen. Montag, den 7. April, abends 8V2 Uhr pirnltlich, im unteren Saale des„Englischen Gartens", A 5e r a n d e r st r a st c 2? c: Beschliehend« Versammlung(Wahlen). Weihe Quittung legitimiert.* Verein der Bnchdrulter und Tchriftgiester für Rixdorf- Brin. Sonntag, den 6. April, nachniittogs 1 Uhr, im Restaurant Wille, Hermaunstr. 213(Ecke Zägerstrahc): V c r e i n s- V c r s a m m l u n g. Dugesoldnuug: l. BereiliswitteUnngen. 2. Lolaljrage. 3. Verschiedenes. Da mit dem 1. April d. I. neue Vereinbarungen urit den Vereinsärzten in Kraft traten, werden die Mitglieder ersucht, die neuen Verträge in dieser Versammlung in Empfang zu nehmen. Vevmifttztes. Die Mareoni-Gesellschaft macht bekannt, dah sie ihre Rechte Und Patente für die Vereiiiigten Staaten von Nordamerika einer omerikaitischen Gesellschaft, die über ein Kapital von(3 150 000 Dollar verfügt, verkauft hat. Die Mareoni-Gesellschaft erhält von ihrem amerikanischen Tochternnternehmen 250 000 Dollar in dar sowie .ferner einen Posten Aktien, der ihr maßgebende» Einfluß alif das Unternehme» sichert. Weitere Summen erhält sie für die von ihr in den Bereinigten Staaten errichteten Stationen. Breslau, 4. April. Heute früh wurde der Mörder Schulckc, der in der Nacht zum 13. September vorigen Jahres seinen frühere» Arbeitskollegen Wiesner erschlage»»nd beraubt hatte, im Hofe des Untersnchnngs-Gefnngnisscs hicrselbst mit dem Beile hin- gerichtet.' JUchoe, 4. April. Wie die„Jtzeh. Nachr." ans Tömnng melden, stellte sich der AmtSvorstcher Höltlk im Kreise Eiderstedt der Staatsanwaltschaft wegen Unterschlagung von 100 000 M. Leipzig» 4. April. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision von Goncz und Genossen gegen das von dem Thorner Gerichte am 12. September v. I. in dem Prozesse gegen 60 polnische Gym- nasiastcn wegen Geheimbündelei gefällte Urteil. Leipzig, 4. April. Wie das„Leipziger Tageblatt" ans Oetzsch bei Leipzig meldete, verschüttete eine unter der Gcivalt eines orkan- ähnliche» Sturmes einstürzende Gartenmauer drei Kinder, von denen eines tot, die beiden andern erheblich verletzt unter den Trümmern hervorgezogen wurden. Stuttgart, 4. April. Ter Professor der Philosophie an der Tübinger Universität. Dr. Edmund vou Pfleidem, ist, wie der „Schiwibische Merkur" meldet, gestern in Tübingen gestorben. Aschabad sTranskaspicn), 1. April. Ans den Eisenbahnstationen Dschcbclia und Jaginan wurde um 0 Uhr 18 Minuten abends drei Sekunden lang ein unterirdisches Getöse gehört, das Boden- s ch>u a» k u n g e n begleiteten. Gebäude wurden nicht beschädigt, auch Menschen verunglückten nicht. Manila, 2. April. Pne Cholera greift mit steigender Heftig- kcit um sich. Bis zum 31. März waren 72 Todesfälle und eine große Anzahl Erkrankungen festgestellt. Berichte ans dem Innern des Landes»icldc», daß sich die Seuche über weite Gebiete erstreckt, Die Behörden üben die strengste Quarantäne, wodurch der gesamte Verkehr schwer beeinträchtigt wirb. Briefkasten der Redaktion. Chiffre(Nähgar» KO). Leider nein. V. W. 27. 1. Ja. 2. Sie haben sich burcki daS von Ihnen bc- schrievene Verfahren nicht strafbar gemackit.— Zl. R. 100. Ja.— Jung. 1. und 2. Ja 3. Nein. 4. Ist das pcriöiilidic Erscheinen nugcordnct oder der Privaibeklagte vom Erscheinen im Termin nicht entbunden, so kann der ausgebliebene Privatbeklagte verhaftet oder zum nächsten Termin sisticrt werden.— Lunipaei. 1. Die Unterhallspslicht des außereheliche» Vaters richtet sich nach den Verhältnissen der Mutter. Der Vater hat nicht mir einen Beitrag zu leisten, sondern den vollen Unterhalt. Daher sind etwa 24 M. monatlich angemessen. Die Gerichte, noch an die Beitragspflicht gewöhnt, erkennen häufig aus niedrigere Beträge. 2. Ja. 3. Nein: Sie lämieu aber einen dahingehenden Anspruch im Termin erheben. Der Richter kamt ilmi stgltgebc».— W. M. 1. Zu spät. 2. Leider nein. — I. iö. Das niedrigste steuerpflichtige Eiuloritmen ist silr die Staats- steiler das von 900 M., für die Komunmalsieuern kann ein Eiiikammen von 060 bis 900 M. mit einer 4 M-Steuer belegt werden. Die Berliner Stadtvcrordneten-Bersamuilung hat den Antrag, diese Vieruiark-Steuer außer Hebung zu setzt», abgelehnt, aber den Magistrat aiisgesordert, im nächsten Jahre(April 1903 bis April 1904) diese Steuer in Fortfall zu bringen. — S. S. Ton». Sie töinien sich der össentlickeii Klage als Nebenkläger aiischließeli. Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sie im„Arbeiterrccht" S. 405.— Sticber 08. 1. Ja. 2. Ja. Sic tönnen von den andern Efgelitumeni Rückerstattillig verlangen. 3. Haben Sie bercils bezahlt, so können Sic Rückerstattung' verlangen. 4. Opsergcld, Ostergcld, Kanon und dergleichen sind Bezeichnungen für Gebühren, die vom Hauseigentümer an die Kirche zu zahlen sind. 3.. 6., 7.: Nein. 8. Diese Reute ist ans Grund der Urkmide vom Jahre 18D4 aus dem jetzt Ihnen gehörigen Grundstück eingetragen._ Wjtter«»gSiibcrsichl vom 4. April 1!)02. morgen» 8 Nyr. BSelirr-Prognose für Sonnabend, den S. April l!»<»8. Ziemlich kühl, zeitweise heiler, jedoch sehr unbeständig mit Regen oder Graupelschauern uiid frischen nordwestlichen Winden. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publik»»! gegenüber keinerlei Vcrgntwortiiiig. Tljentev. Sonnabend, den S. April. Opernhaus. Mignon. Allkaug 7i/| Ilhr. Gchguipiclhnns. WallensteinS Tod. Anfang 7>/z Uhr. Pienes Ovcrü- Theater s(Kro»). Geschlossen. Schiller. Nathan der Weise. An- snng 8 Uhr. Tenischcs. Der Weg zum Licht. Ansang 70, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Aiifäna ?(■. Uhr. Leiiing. JohanniSfeuer. Aiikang 7'/, Uhr. Westen. Der Zigeunerbaron. Ansang 7'/- llhr. Mesidcnz. Einquartierung. Anfang 7-/, llbr. Arnes. Goldfische. Ansang"l/, Uhr. Seecssionsbnhiie. Detlev Lilien- erons VunleS Breill. Anlang 8 ltfir. fS. v. Wolzogeus Buntes Theater (Ucberbrctll).. Ansang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Snfaag 80, Uhr. Central. DaS süße Mädel. Ansang 70, llhr. Thalin. Seine Kleine. Ansang 71/, llbr. Luise». Gebrüder Bock. Aukang 71/, llhr. Carl'Weiss. Hannemai»» vom Viehhof und: Der kleine Cohn. Ansang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Mar und Moritz. Nriedrtch Wilhelmsläblisches. Die Maichineubaiier von Berlin. Ansang 7>/z Uhr. Brlle-Allianee. Die Dame aus Tronville. Hieraus: Er. Anfang 70, Uhr. Orpheus. Speeialitäsen-VorsteNuiig. Ansang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorflellnng. Anfang 8 Uhr. Meiropol. Die wahre Liebe ist das nicht. Speeialitälen-Varstellung. Ansang 8 llhr. Apollo. Lusistrata. Specialitäten- Vvrftcllniig. Ansang 8 llhr. Passage- Panoptiki»». Speeiall- lälen-Vvrftellnng. Palast. Spceiallläleu-Vorstellniig. Dt« Veilchensee. Ansang 8 Uhr. Eastno-Theater. Berlin ans Stelzen. Specialitäten- LorsteUung. Anfang 8 Uhr. R> ichshnllr». Steltiner Sänger. Ansang 8 llhr. Passage- Theater. Specialitäten- VorsteNung. Ansang nachiufttags 5 Uhr. Urania. Taiibenslr. 48/4.0.(Im Theaterjaal.) Abends 8 Uhr: Anihlnigstage an der Riviera. Nachmiltags 4 Uhr zu lleinen Preisen: Von den Alpen zum Bestiv. Jnvnlidenstrasse 57 0". Täglich: Sternwarte._ WllttÄMter tWattner Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Xittliun Dramatisches Gedicht in b Auszügen von Gotth. Ephr. Lessing. S 0» u t a g n a ch m i t t a g 3 Uhr: Doli. Sonntagabend 8 Uhr: Dv»' t'i-ukrlcitiittittttt. Montagabend 8 U h r: Zum erstenmale: tsexent'snlr. Hieraus: Der Rl?»-«>k tn He«t4«. Thalia-Theater. Tresdenrrslrasie 7Ä/73. Heute und folgende Tage V/2 Uhr: Seine Kleine. Gr. Ausst.-Possem. Ges. u.Tanz in 3 Akt Guido Thielichcr, Fritz Helnierding, Hans Junkermalili, Herbert Paul- uiüfier, Paula Worin a. G., Gerda Walde, Leonore Boje, ElseWaiinoviiis. „«»HR Sle nlcirt den kleinen Cohn geeeh'n?" Sonutagnachmillag 3 Uhr, Heine Preise. Der Herr im Hause. Urania. Tauben-Strasse 48 49. Im Theater um 8 Uhr; Frühlingstage an der Riviera. Nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen: Von den Alpen zum Vesuv. Castans Panopticn Frledrlch-Slrasse 165. Zwergin Kinde (einzig 111 ihrer Art auf dem Erdenrund!!) ver Koei'kiilci'ieg ikoth», ve Vet, velarey, ArUger.) bellende FhetoArapliien. Iloil? bumor.-muslkal. tzulntett neu: Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentag« 5, Ende 11 Uhr. Sensal ions-Programm der April-Novitäten, Kniilie Carola, preisgekrönte Wiener Schönheit. Hiigo MOdlinser der originelle Humorist. Hie« Kütrelluo Spanische Tänzerinnen. 16 neue erstkl, Nummern! lüetropol-Ilifiater Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Zum 6. M.J; Die wahre Liebe ist das nicht. Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Bildern von Horst u. Stein. bearbeitet von Julius Freund, Musik von Victor Holländer. Anfang 8 Uhr. Hauchen überall gestattet. Morgen und die folgenden Tage: Die wahre Liebe ist das nicht. Apollo-Theater. Zum 6. Mal:"WG Lysistrata Ausstattungs- Operette von Paul Lincke. Im 2. Akt: Das berühmte Luftballett „Cvrrijrolatls". Ferner: Sneut-Mpecialitilten. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang der Specialitäten 8 Uhr. Beginn der Operette O Uhr. Deutsclie Konzerttiallen. An der Spsndauer Brücke 3. Grösst.Vergnügungslokal Berlins Internalionale Konzerte von 5 Künstler-Kapellen. Im 6. u. 7. Bogen erstklassige Theater- und Specialitäten-Vorstellung Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Bärgerl. Diner, S Gänge. Tägl. Ifatinee von>2-2 Uhr. c aii Weiss-Theater. Groste Frankfiirierstr. 134. Nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Kleine Preise. Max und Mvrin. Abends 8 Uhr: Hliililtiilililll vom Mhhos und: Ter kietuc Cohn. Große Berliner Ausstattungsposse mit Ges. iu b Bildern van Ernst Ritterfcld. Musik von Albert Wichcr. Somitaguachmittag 3 Uhr: Kleine Preise. Parkett 60 Pf. Tos Käthchen von Heikbron». Abends 5 Uhr: Hannemaun u. der kleine Cohn. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Central-TIikaltt. Heute, 7'/, Uhr, zum 109. Mal: Dss MHv Wliidol. Operette m 3 Akte» von Landsberg und Stein. Musik vou Reinhardt. Morgen und folgende Tage?>/, Uhr: Das siiste Mädel. Sonntagiiachm. 3 Uhr: Der Bettelsiudcut. Lasino-'nieater Lothringerftr. 37. Gastspiel Antonie Agoston in „Berliil ans Stelzen"!k. Urkomisch! Sensatioiiell! Somitagnachm. 4 Uhr:„Mutier- fegen". Anfaiig Wocheut. 8, Sonntags 7»/, Uhr. kalaLt-Ttleater (früher Freu- Palast) Biirgiir. LS. Direkt ion R. Winkler 11. W. Frübel, Ungewöhnliches Riefen-Programm. SVa Uhr. 8V, llhr. Der große Schlager! tine Zlaoht im Ballhaus. Schwank in 4 Akten von Kneisel. Hunkling, Küster; Dir. Rieh. Winkler. Leo Aarruit in ihren Phänomen Kunstleistungen Emmeline Hochberg;, Original. Neu!.Amor. Neu! Spiel- und Gesangs-Terzett. A n a y 0. Danz- Phantasie. Zum erstenmal« in Berlin. Ausserdem nurNummem I. Ranges Rnfang präciie 8 Uhr. — Cntree 50 Pf.-Wg Sansisiouci KoitbuHerolr. 4«, Jeden DounerStag, Sonnlag und Montag: 11«, kr»»-»»», Norddeutsche Siiuller V«■ Ii!\ cu! Der Kesselflicker. Charakterbild mit Gesang. Nach seder«oirec: Dan«lrrllo»c h cn. Wochentags Bereinsbillets gültig und Tanz frei. Reiohshallen, Tügillch: Sletlincr Sänger. Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Dr. Simmel, Prluanstr. 41. Specialarzt für 17/13* Haut- und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Grosse Fänge! s**>>W Schellfische in allen Grössen.. 20—30 Pf. pro Pfd. f|-l.|«„(zum Kochen und Braten______ UQ ftU zu empfehlen) ohne 20—22 Pf.,„ Kopf und im Anschnitt Seelachs 20 Pf., im Anschnitt 25—27 Pf. fl« Bratflundern(3 Pfd. 55 Pf.) 20 Pf.„. Rotzangen 35-40 Pf., Schollen 40 Pf., Steinbutten, Seezungen ebenfalls bmig! Lebende Hummer 3 Mk. pro Pfund. FeinsteHelgoländer Nordsee Austern Dtzd.90 Pf. Geräucherte Seefische. Schellfische(schöner als Bückling«) 30 35 Pf.proPf d. Flundern 70— Pf., Roche(Ersatz für Stör) 60 Pf., Seelachs SO Pf. pro Pfund. Dentsche Dampfflsclierei-Gesellschaft jjilUI UmüC Hauptfiliale Berlin C. 22. Bahnhof Itiirse, Bogen 9—10. II. Filiale: X.Unebnrseratrasse, Ecke Paulstrasse. III.„ Prlnzenstrasse 30. IV.„ H adaist». XX, tm Schleslschen Bahnhof. Jobs. Skopczyk Generalvertreter. f3798L* Cirkus Renz-Konzert-Tunnel Kai-lsti-asse. Nur erstklasfige Specialitäten. J Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung Wochentags 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr. Direklio»: H. H ii t t. Schali und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonnabend, 5. April, abds. S'.�Uhr: Gastspiel von Emauael Reicher, Gertrud Eysoldt. Serenissiinns-Zwisclienspiele Zum erstenmal: Bonbouroche. Tragische Posse in 2 Akten von G. Courteline. Liebesträume, Bauernkumedi. 'Belle-Älüance-Tlieater. Heute zum 106. Mal: Die Dame ans Tronville. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Alt. Emll Sandermann. Ferd. Worms. Mlzzi Birkner. Rosa Marten. fieimtf;„Cr". Pariser Lcbcns- in I Akt. AdeleHartunga.ll.teopaldlhurner a G. Soimtagnadniiittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. W. Noacks Theater. Vrilnlitzliftraße i<>. Der Düttenbesitzer. Schauspiel in 5 Akten vou Erich Ricck. Heute: T ansstcrönzelien. Sonntag: Der Goldonkel. Sonnabend,->. April, abcuds 7'/-, Uhr: Große Vorstellung: Hlonitilcc. Orig.-Pantomiine des Cirkus Bulch. Die Prinz Hcinrich-Fiihrt nach Amerika. iNIIIl r Vereine u. Gesellschaften für halbe»»d ganze Tage. Zu er- fragen bei Hudolf Hortcdcl, Mühlenstraße 69. 37a1L� 1. Stlppehobls Reßaiirailt KUpcnick, Schönerlinderstr. ö. Arbeiter- Verkehrslokal. Für gute Speisen u. Getränke ist bestens gesorgt. - Hochschule. STencs Projernnim(Beginn niiehste Wochei; Prof. Dr. Kunze:„Schopenhauers Philosophie". 8 Vorträge. Donnerstagabend. Philipp htpandosv:„Ibsens Gesellschaftsdramen". 5 Vorträge. Dienstagabend. Adele Schreiber:„Zar modernen Frauenbewegung". 4 Vorträge. Dienstagabend. Dr. Theodor Schüler:„Krankenpflege mit praktischen Uebungen". 5 Vorträge. Montagabend. Frlta Stahl:„Die Kunst von Pergämon(mit Besuch des neuen Museums). Freitagabend. HÖrgebUhr(lüi Damen und Herren) für jeden Cyklus 2,00 Mark. (Für den ersten Cyklus„Schopenhauers Philosophie" (8 Vorträge) 4,00 Mark.) 17/14* liehrnnsfalt: Steslifzcrstr. 8 a. Aungabestelleu: Berl. West-Buchhandlung Kantorowicz, Fotgdamerstr. 135; Buchhandlung Otto Freund. Kleiststr. 21; Pianofortefabrik L. Hermann u. Co., Neue Promenade 5; Challiers Musikliandlung(E. Bock), Beuthstr. 10. Auf schriftliche oder telephonische Bestellung(Amt IX, No. 7022) an die zuerst genannte Stelle Igusendnng der Karten ohne Preiserhöhung. Von dort werden auch N�" ausführliche Programme kostenlos zugesandt!"MG Eigene Confection. Elegante ostümröcke enorm billig in Tuch, Zibeliue, Kammgani nud Cheviot, v M, 7 M.. 10 M, 13 M„ 15 M.,(Seiden du m u s 1 35 M., Alpacca 4.50 M., ti M., bis 50 M-, weiss Cheviot und Piciue 5, 5, 7-15 M. •taketklsiilsi* elegante Fa�ons in Zibeliue, Nevcrsibel. Cheviot, Covrreoat und Homespun 15 M., 30 M.. 35 M. ISoIei'okSvi«!«!* Saccokleider BlusenkEeitSer lebte Reuheit 13 M., 15 M., 18 M, Seide n biuse n 6,B0 M.. 8 M., 10 M., 15 M. Blusenhemde» 1,75 M.. 3,50 M. Golfcapes« m,, s M.. 10 m Schwarze, glatte u. bestickte vapes und Kragen 10 M., 13 M, 15 M. iaketS| Sackpaletots, moderne I azons in vorzüglichem Sitz und tadel- loser Verarbeitung 10 M, 13 M.. 15 M, 30 M. BERLIN. Kommandautcu-Straßc, Crke Lindenstraße. NlaaasanferRigung. Naehfiseh- Saccos u. JaketS 10 M. vis sciilisitö» vmsii- Anzüge. Herreligarderove in neu. sowie speciell 3847L� Monaisgarderobe von Kavalieren zurückgelegt. Sachen, fast neu, für jede Figur passend, sind in größter Ausivahl zu staunend billigen Preisen steis zu haben. J. Wand, Pmjtiljir. 17, Ccke Wasserthorsiraße. 3808Ö1 ardinen Neuheiten. SccessionS- und Jugendstil, circa 250 Muster. Katalog(450 Jllnstrat) gratis uiiii sranco. Emil Lefevre, 158. , prall. Zahnarzt, Orunienstr. 51 neb. A. Weitheim 9—6, Sonnt. 9—12. Mitgl. U. Auge- hörigen von Kraiikentaficn werden de- sondere Vergünstigung, gewährt." Straild-Restailrailt« ani Müggelsee zwisch. Mliggelschlob». Aiisslchtstllrm. Einpfehle Fabriken. Vereinen und Karparationen für Sommervergiiügen u. Ausflüge mein gvoßarlig gelegenes Lokal. Saal für ca. 3000 Personen, Hallen, genügende tztebenräume. Pc- lustigungen aller Art. Coulante Preise. 3513L* Rl. De»ekr/, Uhr, Hermaunftr. 197: NW"' Versaiiiinlniig. WW TageS-Ordnung: 1. Borstag. 2. Diskussion. 3. Wahl. 4. Verschiedenes. MM- Die Kollegen von Rixdors werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Die Auszahlung de» Kranken- und Arbeitslosiiizusd>usseö erfolgt jeden Montagabend 7—8 Uhr, Blumenflr. 38. Heut« abend 8—10 werden in allen Zahlstellen Beiträge entgegengenommen. 145/15 _ Der Vorstand. SüF Former nnd Kemaclier. Müüüi Montag, de» 7. April er., abends 8'/» Uhr: Crosse Yorsammlong der Former nnd Kenaclinr sowie aller in Eisengießereien beschäftigten Arbeiter im»kolberger Salon«, Kolbergerstrafte 23. TageS-Ordnung: I. Berichterstattung über die von seilen der Firma ludwlg Löwe er, folgte Aussperrung ihrer Kernmacher. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. Kollegen! Der wichtigen Tagesordnung halber ist eS Pflicht, daß alle Mann in der Versammlung erscheinen. Die Bertrauenslente und Mitglieder der erweiterten Orts- Verwaltung werde» ersucht Adressenveränderttnge» a»zugebe«. U3/10 Die Ortsverwaitnng. Sortalüfwolirot. Ipiliitimio-Ilrrfin für den Nrichst.-MHIdr.SttMiid-xrmdmg-Wge». Sonntag, de» 0. April, Vorm. 1« Uhr, bei R a m l o w, Schönhauser Allee 135: General- Versammlung. Der wichtigen Tagesordnung wegen bittet um pünktliches Erscheine» Der Vorstand. I. A.: R. Schaum, Brehmeftr. 57, III. Wo? ist ein schöner Ausenthalt, schön zu Fiiß, Rad u» Kremser zu erreichen? Beim alten Freund an Kremser zu erreichen Bichels Werder. I immer bestens geiorgt! : Kiekt Beim alten Freund aul - Für giite Küche usw. Bnsik: Klektrisch. [37768" Staunen erregend ist der tadellose Sitz, die gute und saubere Arbeit, so- ' wie die chice Form meiner Fabrikate, welche nicht zu vergleichen sind mit der überwiegend ge- j botenen Schleuder- Konfektion, sondern voll- {ständigen Ersatz itir Maassarbeit bieten. Streng feste PreEse.— einreihige Form, mit verdeckter Knopfleiste, Bückennaht und Schlitz, von Covcrt-Coat oder Cheviot in allen modernen Farben, teilweise auf Seide gearbeitet, elegant und tadellos sitzend, 18, 20, 22, 50, 25, 30, 35, 40 u- 45 Hovalnplrc**Stterresten Coden ohne Aermel, mit ll(llClUv.aa voller, vorn ganz abgefütterter Pelerine und Taillenriegel, 8, 80, 10, 50, 12, 15, 18, 29, 25, 30"• 35 Wasserdichte Gummimänlel, w: riertem Futter u. Gummi-Zwischen- gg u. Zg Mk hZdsahrCr �lllOgC Mk. läge, olive, marengo oder schwarz, in Jackett- oder Faltenj oppen-Form|5, 17, 80, 20, 25 u- M �4 � g Berlin SQ., Oranienatr. 168. W-VAA'*• � Potsdam, Nauenerstr. 23. Beraulwortlicher Redaeteur: Karl Leib tu Berlin. Für deu Juseralentetk verautwortltch: Tb. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing tu Berlin. »-»» z DM i»ks.FlMiilts'' Kalim DÄsM Litterttrifrsze NnnvfchttU. Nchllle Lorla: Die Sociologie. Ihre Aufgaben, ihre Schule» und ihre Fortschritt e. Vortrcijte, fl6' holten au der Universität Podno. Autorisierte, von, Vcrfnsser durchjtesehcne deutsche Uebersetzung vo» Dr. Clemens Heiß. Jeuo ISVt. Gustnv Fischer. 112 S.' 8°. Preis 1 Morl. In seinem Vortvort bemerkt Lorio, ankniipfend an Professor Lrxis' Aeußerung o»f dem im vorvorigen Jahr z» Paris abgehaltenen LooZrös iuteroatiovol 6s l easeiAnsmeiit des sciences sociales, daß sich zur Zeit die Socivlogie in Deutschland noch im Zustand eines Halbschlafes befindet. Der Vorwurf hat leider eine geivisse Berechtigung. Obgleich die dentsche Geschichtsphilosophie, deutsche urgeschichtliche, ethnologische, rechtshistorische und national- ökonomische Forschungen einen gute» Teil zu dem Unterbau beigetragen haben, auf den« die heutige Gesellschafts- Wissenschaft in die Hohe strebt, spielt sie doch in Deutsch- land eine untergeordnetere Nolle als in England, Frankreich, Italien und jenseils des Oceans. Deshalb ist die Uebertragung der in der obigen Schrift zusammengefaßte» Vorträge Lorias über die Grundbegriffe der Sociologie ins Dentsche an und für sich ein dankeusivertes Uebernehme», und zlvar in» so mehr, als sie im Gegensatz zu den meisten der im letzten Jahrzehnt erschienenen französischen„Introdirctions" leichtverständlich gehalten sind, ganz abgesehen davon, daß die französischen Schriften dieser Art zumeist nicht eigentliche Einfühnmgen in das Gcsamtgebict der Sociologie, sondern in die besonderen Theorien und Anschauungen bestimmter Schulen sind. Leider nur ist die Lcichtverständlichkeit und Anschaulichkeit der Loriaschen Schrift in recht vielen ihrer Partien durch Ober- flächlichkcit erkauft. Es steht mit ihr, wie mit so manchen natur- ivisscuschnftlichen Popularisationcn, die es, um dem Leser geistige Anstrengungen zu ersparen, unternehmen, ihn gewissennaßen auf feuilletonistischen Wegen in schivierige Gebiete eindringe» zu lassen. Nicht nur werden— was bei solchen Versuchen meist sich als un- vermeidlich eriveist und in gewissem Maße entschuldbar sei» mag— die schwierigere» Fragen einfach zurückgeschoben, sondern es Iverden auch die zur Erörterung herangezogenen Probleme oft in schiefer Stellung gezeigt, indem der lieben Einfachheit wegen von ihren schwerer verständlichen Eigenheiten, die aber nicht selten gerade die charakteristischen' sind, abstrahiert wird, so daß statt des eigentlichen Problems nur ein Torso zur Demonstration gelangt. Indes würde es verkehrt sein. Lorias schiefe Problem« und Fragestellung nur auf sein PopuIarisieruugSbeslrebcn zurückführen zu wollen. Wie für seine Stndeutcn und Leser, vulgarisiert er die Theorien und Probleme auch für seinen eignen Bedarf, d. h. stutzt sie sich, indeni er ihre Subtilitäten ignoriert, für seinen Wissenschaft- lichen Hausgebranch zurecht. Und dazu kommt weiter, daß es um seine Kcuntmsse in der Ethnologie, die nach Letourneaus richtigem Ausspruch der Sociologie als Basis zu dienen hat, denn doch ziem- lich unzulänglich bestellt ist. Im ersten Vortrag behandelt Loria zunächst die Aufgaben der Sociologie und sucht dann in den folgenden Vorlesungen einen kurzen Ueberblick zu bieten über die fociologischc» Lehren auf pshchologischer Grundlage(Saint- Simonismns und Comtescher Positivismus) und auf biologischer Grundlage(Spencerismus), über die biologisch- ebolutionistischen Theorien Wcismanns, Ammons, KiddS. über die Sociologie auf wirtschaftlicher Grundlage(Marxsche Geschichtslheorie) und schließlich über die sogenannte �vergleichende Sociologie", genauer über die Anwendung der vergleichend-historisch- ethnologischen Methode ans die Betrachtung socialer Erscheinungen. Daran reiht sich als Krönung seiner theoretischen Ausführungen und zugleich als Veranschaulichnng der Methode, die bei der Diskussion socialer Erscheinungen zu befolgen ist, eine kurze Schilderung der neueren.sociologischen Untersuchungen über die Familie". Schon gleich in dem ersten dieser Kapitel zeigt sich der Fehler Lorias, alle Schwierigkeiten kurzerhand zurückzuschieben, alle genauen Definitionen und Präcisierungcn, auch Ivo sie durchaus uöiig sind, zu vermeiden und sie durch unbestimmte rhetorische Wortbil'der zu ersetzen. So erklärt er, nachdem er auseinandergesetzt bat, daß immer zuerst der Mensch„encyllopndisch" denkt und erst später zur Analyse und Spccialisatiou gelangt, für die Aufgabe der Sociologie: „Es handelt sich also in der That nicht mehr darum, die ver- schiedensten socialen Erscheinungen in eine», einzigen clvigen und übersinnlichen Princip zusammenzufassen; es handelt sich darum, die einheitliche Zelle zu entdecken, in der die verschiedenen socialen Er« schcinunge» ihre» Ursprung haben, die einfache und ursprüngliche einheitliche Erscheinung wieder aufzufinden, von der die verschiedensten sociale» Thalsacheu nur die Entwicklung und weitere Vervollkommnung bilden-, endlich alle diese Thalsacheu ans einen gemeiusameu beherrschenden Grundgedanken zurückzuführen." Und weiterhin heißt es: „Jetzt hat die Sociologie die Aufgabe, die Ergebnisse der ver- schiedenen socialen Wissenschaften zu systematisieren und zu ordnen, indeni sie sie auf einen geineinsamen Nenner zurückführt und ihre »otlvendige Abstammung von einer einheitlichen Gruppe von Ursachen oder erzeugenden Erscheinungen ausklärt." WaS heißt es. die Ergebnisse der socialen Wissenschaften auf einen gemeinsamen Nenner zurückzuführen, was, die einheitliche Zelle zu entdecken, in der die verschiedenen socialen Erscheinungen ihren Ursprung haben? Sociologeu iverden diese Sätze sehr verschieden verstehe», dem noch völlig mit sociologischen Fragen uubekainitc» Laien aber müssen sie wie böhmische Dörfer vorkommen. Will Loria sagen, daß alle socialen Erscheinungen sich ans eine einzige ursprüng- liche Erscheiiilnig, alle Anschauungen auf einen gemeinsamen Ur- gedanken zurückführen lassen? Das tväre eine Absurdität, Oder soll nur damit gesagt sein, daß»lanche heutigen socialen Erscheinungen sich aus früheren nach verschiedenen Nichluiigen hin fortentwickelt. daß also»immigfache Differenzierungen stattgefunden haben und diese bis auf ihren Ausgangspunkt zurückznverfolgen sind? Fast scheint dafür der im lctzlcu Citat gebrauchte Ausdruck„Gruppe von Ursachen oder erzeugenden Erscheiiiungeli"(die beiden letzten dieser Wörter konimen wohl auf das Conto' des Uebersetzers?) zu sprechen. Damit aber ergiebt sich, um nur eine unter vielen herauszugreifen, sofort die andre Frage: Wird durch den Gedankenkeim beziehiiiigsweise den Charakter der socialen Ur-Erscheinnng zugleich die iveitere Entivicklnugs- respektive Differenzieruiigsrichtiiiig bestimmt, wie zum Beispiel ans einem Samenkorn bestinnnter Art nur eine Pflanze bestimmter Art entsteht, oder wirke» andre,»»abhängige Faktoren auf die Richtung und den Charakter der Differenzierungsrcsultate ein, eventuell, was sind das für Faktoren usw.? Davon ist bei Loria nichts zu finden. Mit dem Hintveis darauf, daß die Sociologie die verschiedenen sociale» Erscheinungen auf «tivaS Eiiiheillichcs zurückzuführen hat, hält er ihre Aufgabe für ge- »lügend, fkizzirt und geht zur Schilderung der verschiedenen sociolo- gischen Schulen über. Es hieße einei, unberechtigten Anspruch erheben, von Loria zu verlangen, daß er in einigen wenigen Vorlesungen eine einigermaßen erschöpfende Charakteristik der sociologischen Hauptrichtungen liefere, Nur die wichtigsten Theorien können Berücksichtigung finden; doch kann auch in dieser Hinsicht Loria der Vorwurf nicht erspart iverden, daß er an Aeußerlichem haftet: eine Thatsache, die schon darin zum Ausdruck kommt, daß er die methodologische Seite der betreffenden Lehren kaum streift. Und ebenso zeigt sich verschiedentlich recht derb« die Loriasche Eigenheit, zum Zwecke der besseren Beran- schaulichniig die Theorien zu vergröbern, sie auf Kosten ihres geistigen Gehalts ins Grob- Verständliche zu übertragen. Dafür nur ein Beispiel. Bekanntlich ist Comte der Ansicht, daß die Gedankenwelt des Einzelneu bestimmt tvird durch das geistige Leben der Gesell- schaft. Die Anschauungen des Jndividuunts gelten ihm gewisser- maßen nur als Niederschlag der Anschauungen deS socialen Komplexes; daher ist ihm auch die geistige Gemeinschaft das für die sociologische Untersnchiing allein Gegebene, das Judividulini(das geistige, nicht daS körperliche)»ur eine Abstraktion, ivcshalb denn änch das Geistesleben des Einzelnen nur sociologisch, d, h, in seiner Abhäugigkeit vom geistigen Leben der Gesellschaft, erfaßt werden kann. Was macht daraus Loria? Er sagt:„Die Gesellschaft und sie allein ist»ach Cointe ein würdiges»nd angemessenes Objekt der neuen Wissenschaft; um die Gefellschaft allein dürfen sich die Forschungen des gewissenhaften Sociologeu drehen; und er wird von Anfang an erinahnt, von jeder Untersuchung abzusehen, die die Familie oder selbst das Individuum betrifft. Comte kommt dazu, zu behaiipten, daß das Individuum nicht existiert, daß es eine Abstraklioii ist und daß allein die Gesellschaft Wirklichkeit ist. Dies ist, ich brauche eS kaum zu sagen, ein offenbarer Unsinn; denn ein Individuum ist ein Wesen, dessen Existenz jeder feststellen kann, den» ivir auf der Straße begegnen, das»vir grüßen, den» wir die Hand schütteln können, während die Gesellschaft hinwiederum eine metaphysische Schöpfung ist, der nie jeuraud begegnet ist oder die Hand gedrückt hat". Cointe spricht vom geistigen Individuum. Loria identificiert dieses mit dem körperlichen, und belveist dann den„Unsinn" der Comteschen Behauptung, das geistige Leben des Einzelnen sei durch das seines Milieus bestimnit, durch die Entdeckung, daß ninn dem körperlichen Jndividrium auf der Straße begegnen und ihm die Hand drücken könne, der Gesellschaft hingegen nicht, Daß eine halbe Seite später Herr Loria ganz im Sinne der Naivetät des achtzehnten Jahrhunderts die Gesellschaft einfach als „eine Summe von Jiidimdueu" definiert, fei nur nebenbei hervor- gehoben. Doch eine eigentliche Kritik des Loria'schen UeberblickS über die sociologischen Schulen würde zu weit führen; es ließen sich sonst dem obigen Mißverständnis noch eine hübsche Zahl gleichartiger Korrektur-Lcistlingen des Herrn Loria an die Seite stellen. Nur das Kapitel über„die Sociologie auf ivirtschaftlicher Grundlage" kann nicht übergangen iverden. Entdecker der„ökonomischen Grundlage der sociale» Phänomene" find, ivie Herr Lorin seinen von ihm in das Gebiet der Sociologie eingeführten Studenten berichtet, Marx- und Engels, aber sie sind auch nichts iveiter; der wissen- schaftliche Begründer ihrer Theorie ist—— Herr Professor Achille Loria. In ihrer„Inferiorität" haben nämlich die Häupter der neuen sociologischen Schule eine logische Recht- fertigung ihrer Thesen iinlerlafsen, so daß Herr Loria sich geztvunge» fah, sie nachzuliefern. Dafür ist seine logische Nechtfertigung, cnt- sprechend dem Sprichivort: Was lauge währt, wird gut, auch desto gründlicher ausgefallen. Sie besteht darin, daß er erstens um- ständlich versichert, das ökonomische Faktum sei ein ausschließlich menschliches, bei den Tieren fehlten die ökonomischen Beziehungen des Tausches, des Profits, der Rente, des Lohnes; zweitens, das ökonomische Fakt«»» gehe chronologisch allen andren socialen Phänomenen voraus, denn der Mensch müsse sich vor allem erst die nöligen Subsistenzniittel verschaffen, ehe er daran denken könne, Gesetze zu schaffe» k.; und drittens fände man in allen historischen Zeitaltern eine Spaltung in Klassen, und die Existenz eiuer Klasse, die lebt ohne z» arbeiten, könne nur das Refilltat eines großartigen ökonomischen Prozesses sein. Damit ist nach Lorias Meinung das an der wissenschaftlichen Begründung der Marxsche» Geschichtstheorie Fehlende nachgeliefert. Sicherlich eine gloriose Leistung! Wie wenig Loria übrigens Marx verstanden hat, belvcist er dadurch, daß er in dem Zurückgreifen der ersten in den amerikaiiischen Kolonien sich niederlassenden europäischen Ansiedler auf in Europa überlebte ivirtschaftliche BctriebSformcn und in der damit ver- bnndenen Rückkehr zu primitiven Stechtsinftitntionen eine Widerlegung aller bisherigen EntivickluugStheoretik von Comte und Buckle bis auf Marx und Kidd erblickt. Den», meint er S. 93:„Wie kann mau in der That das Theorem von Comte und Buckle billigen, daß die sociale» Phänomene ein Produkt der intellektnelleu Entwicklung feien; oder dem Gedanken Hegels, daß die Geschichte die evolutive Entfaltung der Idee sei; oder das Aphorisina Lassalles, daß der mciischliche Geist ein Werden in der Gcfchichte sei; wie kann man dem Gedanken von Marx beistimmen, daß die Entwicklung der materiellen Produklivkräfte durch sich selbst die fortschreitende Reife der socialen Fornren erzeugt; oder den- jeingcu Kidds, der in der Entwicklung der religiösen Idee den Hebel den Forischritts sieht,— wenn es' bewiesen ist, daß eine neue Menschheit, stark durch ihre intellckluelle, technische, religiöse Erb- schaft, die von Hunderten von früheren Geuerationen aufgehäuft wurde, sich gezwungen ficht, die ökonomischen und sociale» Be- ziehuugen der Urzeit anzunehnien, durch das einzige Faktum, daß sie sich in einem freien Lande ansiedelt, gleichwie die Menschheit der Urzeit?" Loria belveist mit dein Ausspruch nur. daß er gar nicht ver- standen hat, lvas Marx unter der Entlvickelung der Produktivkräfte und der Produktionsiveise versteht; denn er verwechselt erster« ein- fach mit der Technik, die doch nur einer ihrer konstituiveir Teile ist, und zivar nicht mit der angeivandtc» Technik, sondern»nit dem technischen Wissen, denn zur Anwendung in der Produktion gelangt dieses Wissen in dein von ihn» erwähuten Fall ja nicht. Konsequent weiter verfolgt, führt allerdings das von Loria er> vrterte Faktum zu einer der bisher wenig beachtete», unansgcbauten, nichtsdestoweiiiger aber wichtigen Seiten der Marxschen GeschichtS- theorie, uämlich zur Frage, wieweit die Erwerbung technischer Fähig- keit und des iveitereu ihre Anwendung in der Produktion des Lebensunterhalts von den verschiedenartigen Naturbedinguiigen ab« hängt und in ivelcher Weise andrerseits wieder die in der Produktion angewandte Technik den Einfluß dieser Bedingungen verändert.� Für die Beurteilung deS socialen EntwickluiigSganges, speciell seiner früheren Stadien, ist diese Frage von hoher Bedeutung; aber eS ist kenuzeichuend für Loria als Sociologeu. daß er zu ihrer Erkenntnis gar nicht gelangt, sondern einfach die sogenannten„territorialen Be- diuguugeu" als.»otwendigen Faktor der socialen Verfassung" neben den ökouomischen Faktor stellt. Bedauerlich bleibt, daß Lorias kleine Schrift trotz ihrer an- zuerkennenden leichtverständlichen Darstellung den berechtigten An- sprüchen an eine Arbeit, die in das Gebiet der Sociologie einzuführen beabsichtigt, so wenig geirügt, dem» eine solche Schrift ist, wenn man so sagen darf, ein lvisseuschaft- liches Erfordernis. Daß eine folche Arbeit die schlmerigere» Probleme nicht in den Vordergrund zu rücken hat, sondern ihre Diskussion für später zurückstellen mutz, ist selbstverständlich, aber soweit die Theorien der verschiedenen Schulen kritisiert und die sich ergebenden Probleme erörtert Iverden, muß sie der Leser ganz und in ihrer Eigenart, mit ihren Subtilitäten, vorgesetzt erhalten; eine Vereinfachung. die ans entstellende Vcrgröberung hinausläuft, ist völlig zwecklos; sie führt von vornherein auf Irrwege. L. C. Timm, Johannes, Arbeitersekreiär in München, Aus dem Eni« >v i ck e l u u g s g a n g der deutschen G e w e r k s ch a s t s- bewegung. Erweiterter Vortrag, gehalten im socinlwisseuschaft- lichen Sludenlenverein in München, Mit einen» Nachwort von Dr, L. Sinzheimer über die Stellung der oberen Klassen und der Wissenschaft zu den G e lv e r k- fchaften. München 1902. Ernst Reinhardt. 49 SS. 8°. Die kleine Schrift bietet eine gute, kurze llebersicht über den Entwickelungsgang der deutschen Geiverkschaften. Die individuelle Färbung des Vortrages ist beibehalten und macht dadurch das Schristchcn lesbarer.' Einige in der Form störend wirkende Kleinig« keilen hätten bei einer etiva gründlichere» Korrektur ausgefeilt iverden könne». Nur wenige thatsächliche llurichtigkeiten finden sich, so zum Beispiel wenn gesagt wird, daß das Socialistengesetz am I.Okt. 1873 in Kraft trat. Das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bcstrebungcn der Socialdemokralie datiert vom 21. Oktober, auch das so oft in unsrer Parteipresse irrtümlich gegen die Fortschrittspartei angeführte Citat:„Entfesfeln sie die Bestici» nicht", findet sich in der Schrift wieder. Trotz dieser kleinen Mängel stellt sie trefflich die Bedeutung unsrer Gewerkschaften dar, sie bildet auch einen inter« essanten Beitrag zu der Diskussion über die Neutralität in der Gewerkschnftsbeivegiing. Da der Vortrag vor Studenten gehalten ivnrde, wollen wir ausdrücklich feststellen, daß der Redner mit keinem Worte Konzessioneu an die Anfchauungen der Zuhörer gemacht hat. So iuteressaiit die sich anschließenden Bcincrkungen des� Münchener Privatdoccutcn Sinzheimer sind, so fordern sie naturgemäß bei voller Anerkennung des vielen Nichtigen, das sie enthalten, mehrfach unserir Widerspruch heraus. Nachdem der Redner seiner Mciinnig Ausdruck gab, daß die Gewerkschaften zunächst Mittel zur Erziehung der ihnen angehörenden Arbeiter aus egoistischen Individuen zu Menschen; die vom Geineiuschaftsgeist durchdrungen sind, seien, betont er, daß dieser Geist ein andrer fei, wie das von der politischen Arbeiterbeiveguug anerzogene und verlangte Solidaritätsgefühl. Weitgehende Schlüsse zieht er beb dieser Gelegenheit aus der Hamburger Accordmaurer- Differenz. Sinzheimer glaubt, daß die Socialdemokratie nur bei Wahlen oder bei momcutanen Demoustratioue» Solidaritätsgefühle erwecke, daß! sie aber sonst die Masse gleichgültig lasse. Da er wohl wenig f Gelegenheit gehabt, Massenbeobachtnngcn bei Arbeitern z» machen, so tvird er auch nicht wissen, daß viele Zehn- tausende vo» Arbeitern in allen ihren Handlungen beeinflußt sind von dem Geiste der Partei, der sie erfüllt, der vielen nnzweifel« hast das ersetzt, WaS den» ehrlich religiösen Manne sein Glaube ist. Damit soll nicht geleugnet werden, daß ein richtiger Gewerkschaftler alltäglich in sciiicr Bcrufsthätigkeit und in de»» Verkehre mit seinen Kameraden auch außerhalb der Betriebsstätte Gelegenheit und Anlaß hat, sich die gewerkschaftlichen Gnindsätze vor Augen zu halten, und sie, ohne daß er darauf vorbereitet wird, plötzlich in die Wirk« lichkeit übersetzen niuß. Der politisch intcrcssierte Arbeiter wird aber gleichfalls bei politischen Erörterungen, im Verkehr ,niit Freunden und Gegnern, bei der Lektüre seiner Zeitung, ivenn auch in niiuderein Maße, zur Bethätignng seiner Parteigrnndsätze ver- anlaßt. Auch die politische Partei hat ihre dem Fcruerstchcuden nnbekannte inaunlgfache Kleinarbeit, bei der sich Selbstlosigkeit, aufopferndes Strebe», Wirksamkeit ohne Dank i» hohem Maße eut« falten kann. Es ist demnach falsch,»ur der Gcwerlschafts« bcivegung nicht aber der politischen Bewegung der Arbeiter- große erzieherische Wirkungen zuzumessen. Die Opfer, die ein Streik einer großen Anzahl Arbeitern auferlegt, wird niemand unterschätzen wollen, ebenso wenig die Gefahren des Streikposten- stcheus und ähnliche Thätigkeiten bei Lohukäuipfen. Aber diese An- erkenn, ing, die einen» bürgerlichen Socialpolitiker nicht so schwer fällt, darf doch nicht blind machen für die großen Opfer, die der politischen Bewegiiilg gebracht werde». Hier sind es nicht nur Opfer an Geld, die unsren Gegnern ja so sehr imponieren, sondern noch viel schwerere Opfer. Das eine Wort„Socialistengesetz", der Hinweis auf unsre Agitation in Ostpreußen, die Straflistcn der Partei zeigen doch klärlich. welch gewaltige Opferfähigkeit von der Socialdemokratie ausgelöst ivurde. Siuzheinier stellt auch den gewerkschaftlichen Führer weit über den politischen.„Giebt es gegenwärtig irgend einen Augen- blick von fo schiverwiegender Verantwortlichkeit in dem Leben eines polilifcheu Führers, wie der Augenblick, in dem für oder gegen eiiim Streik entschieden»verden oder eine aufgeregte Menge zur Wieder« aufuahiue der Arbeit nach eine»» erfolglosen Streik aufgefordert werde» soll." Ohne irgend wie die Vera»tivortli6>keit des Gewerkschaftsführers, die ja nicht immer mit seinem Verautwortlichkeits- gefühl zilsammenfällt, auch nur im mindesten zu unterschätzen, so müssen»vir doch diesen Sätzen Siuzheimers widersprechen. Ent- schcidnngen über die künftige Taktik, über die Haltung der größten deutschen Partei in schivcbcnden politischen Streitfragen sind von so ungeheurer Bedeutung für das Schicksal des Landes, für die ge- saiiite Arbeiterklasse, greifen oft so tief in den Lebensinhalt der Massen, daß man das Veraiitwortlichkeitsgefühl der politischen Führer nur unterschätzen kann, wen» man der Politik voll- ständig ferne steht. Desto eher können wir dem Verfasser beistimmen, wo er auf festem Grund und Bode» steht, wo er von den Aufgaben der dcskriplivcu Nationalökonomie spricht. Er ivünscht eine regere Beschäftigung in den Verhältnissen der Fabrikarbeiter- Bevölkerung, er stellt mit Recht als eine dankbare Aufgabe dar. die Arbeitsstreitigkeiten zu schildern, und daraus die eutsprechcuden Lehren für die Durchführung von gewerkschaftlichen Känipfe» z>« ziehen. Er bedauert, daß die großen Kämpfe zwischen Kapital und Arbeiter ihren Geschichtsschreiber»och nicht gefunden haben. Wenn er einen Appell au die studierende Jugend richtet, daß sie künftig als Richter und VcrwaltungSbeamte Wind und Soiiiie zwischen Unter« uehmerii und Arbeitern nicht ungleich verteilen, wem» er sie auf- fordert, sich mit socialen» Geiste zu erfüllen, Verständnis für die Gewerkschaften zu verbreiten, so wissen wir nur zu gut, daß dieser Ruf verhallen wird wie ähnliche Aufforderungen wohknieinender Leute. Das Klassenintcresse, das'Strebertum hat schon in nun, che, 30 jährigen Mann das bißche» Idealismus aus der Stndenteuzcit bis au� de» letzten Rest getilgt. Die Platter, die Brentano. die Schultz«- Gävernitz, Steiubach und wie sie alle heißen, die über den socialen Frieden und über die Pflichten des Besitzes gepredigt haben, sie ivaren und blieben Prediger in der Wüste; ihnen schließt sich nun Sinzheimer an.-X- Tie Lage der deutsche» Buchbinder. Anfang» März ver- öffentlichte der Vorstand des deutschen BuchbinderverbaudeS ein umfangreiches Buch„Statistische Erhebungen in den Bnchbiiidercie», und verwandten Berufen Deutschlands". Veröffentlichungen dieser Art, wie sie ähnlich nur vom Schneider« und Steinarbciterverband i» letzter Zeit erschiene» sind, beweisen in hohem Maße die geistige Regsamkeit und Leistungsfähigkeit unsrer gelverkschaftlicheu Organ»- sationei». Aber mehr als das ist bcachtensivert die Selbstkritik, die die Buchbinderstatistik auSzeichuct. In einer für jeden, der sich i»it Arbeiterstatistik befaßt, sehr lehrreichen Einleiliuig werden die Mängel der Erhebliiig klar dargelegt. Hoffentlich ergiebt sich hieraus der Nutze» für alle diejenigen, die später Fragebogen für unsre Geiverkschaften z» entwer�ci» haben. Trotz der Mängel der Frage- stellung und der Beantwortung enthält das Buch viele Ivertvolle Jnforinatioiieii über die Lage im Buchbindergewerbe und in den ver«. wnndteii Industrien. 226 Orte, darunter fast alle wichtigen füv diese Jndustriegruppe, habe» Material eiiigeliesert. 44 277 Persotz.eu waren in diesen 226 Orten in der Buchbinderei thätig. Während die ÄZerufszählimg lioni Jt>hre 1895 für dns gesainte Deutsche Reich für Buchbinderei und Rurtonna�efabrikatio» 46 280Personen anhiebt. Wohl mit Recht nimmt der Bearbeiter der vorlicqenden Statistik a», daß von 1895 bis 1969 die Zahl der in der Buchbinderei beschäftigten Personen, vornehmlich die Zahl der Arbeiterinnen ganz gewaltig gestiegen ist. Das interessante Resultat der Statistik ist die Fest- Stellung, daß in den Orten mit kürzerer Arbeitszeit die höheren Löhne vorkommen. So sind z. B. in Gau VI, der Hamburg, Lübeck, die beiden Mecklenburg und die Regiermigsbezirke Stade und Lüne- bürg umfaßt, neun Orte mit einer wöchentlichen Arbeitszeit bis 5-l Stunde» und.vier Orte mit einer solchen von 54—57 Stunden verzeichnet, die Löhne stehen dabei nur in 2 Orten unter 13 M., in 18 Orten zwischen 18 und 21 M., in 3 Orten zwischen 21 und 24 M. pro Woche, dagegen liegen im Gau XII, der das Königreich Sachsen umfaßt. 11 Orte mit über 60 stündiger Arbeitszeit und mir ein Ort mit 54stündiger Arbeitszeit. In 10 Orten sind aber die Löhne niedriger wie 18 Mark, nur in 4 Orten betragen sie 18—21 Mark. Diese Vergleiche könnten noch mehrfach fortgesetzt tverde». Für den Erfolg der Buch- binderbcwegung spricht aber, daß bereits in 36 Orten/ darunter den bedeutendsten für das Gelverbe, wie Berlin, Leipzig, Stuttgart, Ham- bürg, Altona, Hannover usw. die ortsübliche oder durchschnittliche Arbeits- zeit 54 Stunden pro Woche beträgt. In zehn Orten ist der durch- schnittliche Wochenlohn über 24 M., in 35 Orten 21— 24 M. 54 Orte haben noch über 60 Stunden wöchentliche Arbeitszeit, 88 Orte 57— 60 Stunden. Es giebt dementsprechend mich 45 Orte mit einem durchschnittlichen oder ortsüblichen Wochcnlohn von tveniger wie 18 Wl. und 95 Orte mit Löhne» von 18—21 M. Von den Großstädten haben 10 eine Wochen-Arbeitszeit mit 54 Stunden, 7 bis 57 Stunden und 12 bis 60 Stunden. In den mittleren oder kleineren Städten haben vier Arbeitszeiten mit 54 Stunden, ebensoviele über 60 Stunden, zehn 54— 57 Stunden und acht 57— 60 Stunden. Jedenfalls beweist das Ergebnis der Statistik, daß die Buch- binder-Organisation eine Reihe sehr erheblicher Erfolge verzeichnen kann, mit dem Wachstum der Organisation sind die Vorteile der- selben für die Arbeiter ersichtlich geworden.— Schriften-Eiugang. Gesetzes- und Staatenknnde für das Königreich Preußen. Ent- haltend Reichs- und LandeSgesctze. In dem Wortlaut der Gesetze bearbeitet von Heinrich Weigand. Berlin W. 46. Verlag von Carl Meyer.(Gustav Prior.) Preis geb. 2,50 M. I. Rctzinkc. Die Seele des Menschen. Aus Natur- und GeisteSwelt. Leipzig, B. G. Teubuer, 1902. Preis gebd. 1.25 M. Das Zilknnftskleid der Frau. Praktische Ratschläge zur Selbst- anfertigung von Rcforuikleidcrn. Herausgegeben von Jeannie Watt. Berlin- Leipzig. W. Vorbach u. Co. Preis 1 M. Tie Reichs-Einkommensteuer. Möglichkeit und Notwendigkeit einer solchen. Studie von A. Ulrich. Dessau 1902(Anhaltische Verlagsanstalt.) Schlesiens Industrie unter dem Einflüsse der Caprivifche» Handels- Politik 1889— 1SV0 von Arthur Friedrich. Münchencr volkswirtschaftliche Studien, 46 Stück. Stuttgart und Berlin 1902.(I. Cotta Nachf.) Die Industrie der Rheinprovinz 1889—1900. Ein Beitrag zur Frage der Handelspolitik und der Kartelle von Theodor V o g e l st e i n. Münchener volkswirtschaftliche Studien, 47 Stück. Stuttgart und Berlin 1902.(I. S. Cotta Nachf.) Tie BSohnungsfrnge von Dr. Eugen Jäger, Mitglied des Reichstages und der bayrischen Kaimner der Abgeordneten. 1. Band. 1902. Verlag der„Germania", Aktiengesellschaft für Verlag und Druckerei in Berlin. Preis 5 M. Naumann. Fr. Nendeutsche Wirtschaftspolitik. Berlin 1902.(Verlag der„Hilfe".)- Preis 1 M. Das Zlrbeitshecr. Ein Zukunftsbild der staatlichen Beseitigung der Arbeitslosigkeit von C o n st a n t i n L i e b i ch. Berlin. 1902. Wiegandt u. Grieben. Preis 1 M. Die Amerikauisterung der Welt, Von W. T. Stead. Berlin 1902. (Vita. Deutsches Berlagshaus.) Gesundbete», Medizin und Okkultismus. Von Or. rneck. Albert Moll in Berlin. Hermann Walthcrs Verlagsbuchhandlung. Berlin SW., Äonnnandantcnstr. 14. Preis 1 M. Leo Tolstoi. Bon Prof. Dr. Thomas Achelis. Gase u. Tetzlaff, Verlagsbuchbandlnng, Berlin. Preis 50 Pf. Wohnuiigsfragc und sociale Frage. Von H. C. V. Harz. Altona. Verlag von Gebr. Harz. 50 Pf. Der Zlchtstniidciitag. Von Robert Seidel. Leipzig. Verlag von Richard Lipinski. 10 Pf. Op voor de» Zlchturendag. Aus dem Deutfchen des Adolf Braun übersetzt von Emma Hetz. Brochurenhandel S. D. A. P. De Genestetstraat 16. Amsterdam. 7i/, Cent. Social< Christeudom. Von P. I. Troelflra. Brochurenhandel S. D. A. P. De Genestetstraat 16. Amsterdam. 5 Cent. Rcsorn» des Parlainc»tari«in»s. Von Ernst Vicwr Zenker. Wien 1902. Verlag der„Wage". Preis 0,85 M. Periistcin, Eduard. Die heulige Einkommensbewegung und die Auf- gäbe der Volkswirtschaft. 1902. Verlag der„Socialistischen Monatshefte", Berlin W. 35. Preis 0,50 M. Tie Duellgegiicrsctzaft von C. v. Rüts, Mitglied des leitenden Ausschuffes der Antiduell-Liga. Berlin, Verlag von Schall u. Rentel. Preis 1 M. Der deutsche Bauer und die Getreidezölle. Verlag von Gustav Fischer, Jena. Preis 3 M. Agrar- und Judustricstaat. Die Kehrseite des Industriestaates und die Rechtfertigung agrarischen Zollschutzes. Ziveite, umgearbeitete und ver- mehrte Auflage. Verlag von Gustav Fischer, Jena. Preis 3 M. Glektrokultur. Erhöhung der Ernte-Erträge aller Kulturpflanzen durch elektrische Behandluug. Von Dr. Selüu Lemströui, Professor der Physik an der Universität Helstngfors. Uebersetzt von Dr. Otto Prings- heim. Berlin, Verlag W. Junk. Preis 2 M. Sauimlnug vo» Schriften zur Ranalfragc. Nr Ii Die deutschen Heere und die französischen Schissadrtsstraßen im Kriege 1870/711 Hannover, Verlag der Hosbuchdruckerei Gebr. Jänccke. Wcv ein CleuiTen-Geticliaft erölTnon will, wende sich zuvor an Adolf Adler, Belforterstrasse 35. Verkauf nur an Clgarren-Handler und Grossisten.(23811,' Ziehung 17. u.(8. April 1902 Königeberger Geld-Lotterie 6241 Geldgewinne Mark 200000 1 Gew. 50 000 1 xu 20000 1 10000 1 n 5000 n 3 000 2 n 2 000 4 n 1000 10 n 500 40 n 300 60 zu 200- 120 n 100 200 n 50 300 n 30= 500 n 20- 1000 n 10 4000» 6= 50 OOOi, 20 000.. 10000» 5 000» 3000» 4000» 4000» 5000,. 12000» 12 000» 12 000» 10 000.. 9000» 10000» 10000» 24 000,. Begründung des Geschttfts 1878. Schulmeister en gros Schneidermeister cn detail Dresdoirerpkv. 4, Mk»uztkPkvk»Het4S, am Kotthuser Thor. Schöneberg'. Sommerpaletots von Mk. 13, so an Selnklelder..... von Mr. 5°« Gehrock-Anzüge 27. Jünglings-Attzüge.,. 12„ Rock-Anzüge»» SS. Knaben-Anzüge.... 3.. Jackett-Anzüge.... Kerufskleidnng für jedes Gewerbe. .Ä.QkSrÜAunN nach Maass in elegantester Ausführung unter rueiner persönlichen Leitung. S703L* Grosse Answalil in deutsclien, englisctien n. taösisclion Stoffen. � Loose& 3 Merk, Porto und Liste 80 Pfg. extra, empfiehlt und ver- ■endet auch anter Nachnahme Carl Heintze Berlin W., Unter den Linden 3. 1 Steg-Krawatte hält 4 andre aus können von jeder Hausfrau jahrelang erneuert werden, sind hochelegant uild sitzen vorzüglich. Vollste Satisfaktion bei garantiert ausschließlich neuesten Dessins in le. Seide. Für jede Kragen- form a 2 M. A. llcllanger, «ondelftr. Z. Köln. 3736L* Suche einen Lieferanten für k-�und Seiunock. (Stfr. bei Roblnskl, Lützowstraße 63. Streng feste Preise. BESTE NAHRUNG FQR gesunde& darmkranke Kindep Kindermehl Hemilhütc von 1,50 an £mIIu Kiiabenhnte„ 0,75„ Größtes Lager in Strohhüten von den einfachsten bis zu den feinsten GenreS 8elilrn»e zu außergewöhnlich billigen Preisen. Mützen. Krawatten. f3724L* an» Gerfioldt. rÄi W-Mliel-Mnlt »•«H.Nolle,>)iiiiillirMc.lO, empfiehlt ihr reichhaltiges Lager voll- stäudigerWohnungseinrichtungen sowie einzelner Möbel. Teilzahl, gestattet. Kindenvag., Sport-, Kasten-, Leiter- u. Ziegenbockwagen, Eiserne Bettstellen u. Kran- keuwagcn für Er- wachsen« u. Kinder. Preise bill. Auch Teilzahlg. Sl. W.Schulz N. Brunnenst. 95 a.Bhf.Gcsundbr. Fernsp. III, 1767 % Für die neue Wohnung empfehlen wir seltene Gelegen Ii eitskiinfe von eingetroffenen Xcuiieiten, welche zu ausserordentlich billigen Preisen zum schleunigen Verkauf stellen, und zwar: Elegante Salon u. WolHizimtRer-Teppiclie, Porlieren, Gardinen und Slores, Tisch-, Divan-, Schlaf' und Steppdecken, sowie eine grosse Anzahl vorzüglicher SOfaSlOffC, auch Beste— zu Bezügen ausreichend— für die Hälfte des regulären Wertes. Teppichhaus Udler& Co., Königstr. ao— ÄI, dicht am Rathaus. an Houterisl Cacaa Leicht löslich Leichtverdaulich f Sckückwitz Jiiinfa: Nernmiiil Neter.»«äÄ->». H Empfehle mein allbekanntes, herrlich an Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen. > Ausspannung und Dampferstege. Kegelbahnen, große KaffeeMche. Gute Küche und bestgepflegte Biere zu soliden Preisen. f3577L- "....................■■■ III».....—■■■III.......■IIIIIII W.:?ä.?S~A Kleine Anzeigen. y 16 Buchstaben Bahlen doppelt, ML �2» Anzeigen in den AnuaAmeetellen für Berlin bis 11 Uhr, für die Vororte bis I Uhr, in der Bauplexpedition Beuthslr.3 bis 4 Uhr antjenoHimen, Töie � rden an Jm A Verkäufe. Sichere Existenz. Gilt gehendes, seit acht Jahren bestehendes Restan- rationsgeschäst niit zahlreichen Arbeits- nachweisen, Zahlstellen usw. wegen andrer Unternehmungen zu verkaufen. Auskunft erteilt Eichelhardt, Cigarren- geschäft, Rochstraße 15. 167gb* Baustellen ohne Bauzwang, ge- fundesle Lage, Ostbahn- Vorort, Ouadratrute 12 Mark, verkauft Haus- Verwaltung, Brunnenstrabe 151.* Vorjährige elegante Herrenhosen aus feinsten Stoffen 9— 12 Mark. Berkauf Sonnabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21, II._ 1030St* Bettfedern. Pfund von 45 Pf an, echt chinesische Mandarinendaunen Pfund 1,90. Fabriklager Landsberger- Allee 37, L_ 1Q99K* Teppiche, gute Qualität, kleine Webfehler, alle Größen, spottbillig. Fritz Stoehr, Münzstraße 17._* Teppiche!(fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Werteö im Teppichlager Brünn, HackefcherM arkt 4, Bahnhof Börse. II 1/7« Teppiche, Betten, Steppdecken, Gardinen, Remoutoiruhre», Regula- toren, spottbillig, Leihhaus Neander- straße 6. Teilzahlungen gestattet, j» Möbel, mehrere Zimmer, müssen sofort verkauft werden: Vertiko, Muschclschranl 26,00, Taschensosa 45,00, Säulentrumeau 35,00, Muschcl- ganiitur 75, 00(gekostet 210,00), Muschelspiegel 10,00, Muschelbettstellen, Säulenschränke, Büffett, Bücherspind, Tische, Rohrstühle 3.00, Teppiche, Oelgemälde, Paneelsosa, mehrercs, Gartenstraße 148 I links. tl37r Nähmaschine», preiswerteste Bezugsquelle, ohne Anzahlung, Woche 1,00, Lieferung nach allen Stadtteilen sofort. Postkarte genügt. Lands- bergerstraße„82". Köpnickerstraße Nr. 60/61._ tS'J* Möbelniagazin liefert Möbel, Teppiche, Gardinen ans Teilzahlung unter sehr coulanten Bedingungen. Abzahlungen auf Jahre hinaus ver- teilt. Meyer, Jnvalidenstraße 38, an der Chausseestrabe._ 165411* Möbelspeicher Sebastianstraße 81, Römer. Auch Teilzahlung. 1650b* Stühleverkauf, billig, Stuhllager Haack, Kottbuserstraße 4._ 1675b* GardineiihanSGrvbeFrauksurtcr- straße 9, parterre._'t37* Nähinaschiuen, spottbillig. Pfandleihe Alexandrinenstraße 73. 17/12* Gaskocher k Ziveiloch-Gaskocher! 3,00, Geschlossene Gaskocher! 5,00, Gas-Bratofcn! 7,00, Gas-Plätteise»! Gas-Bügelapparat! billig! Wohlauer, Wallner-Theaterstraße zweiunddreißig. Bilder in modernen Rahmen(nur gute Ware) spottbillig Danziger- straße 13, vorn I._ 1715b Milchgeschäft, altes, mit eigner riugfreier Pachtung verkäuflich Boeckhstraße 12._ 17046 Zengrabmen, Hobel, Sägen. Schraubzwingen, I Sofatisch verkauft Becker, Lothrnigerstrabe 47, IV. Tchlafsofa mit Auszug Lange- straße 93/94, Quergebäude parterre, Klonis, Tapezierer._ 17056 Kleines Geschäft mit Haus- venvaltung billig. Auch Abzahlung oder Packir. Pauling, Königsbcrger- straße 14._ 1702b Eigarrcngeschäst, 600, Miete 800 mit Wohnung, zu verkaufen Schwcdter- straße 18. 751 Herrenanzüge, Paletots, elegante Ausführung. geringe Teilzahlung. Kurzberg, Landsbergerstraße 13. s* Steppdecke» billigst Fabrik Große Franksurterstraße 9, parterre.-f37» Fahrräder, verfallene, kolossale Auswahl, größtes Räderlager Berlins. Feinseine Marlenräder, großartig er- halten, spottbillig. Ungebrauchte Fahr- räder gediegenster Herkunft, voll- kommenste Technik, konkurrenzlos, billig. Aber keine Muiupltzrädcr,„neu" für 60— 70 Mark. Leihhaus, Neue Schönhauserstrahe 11. 116/2 Tuntel Mahagoni- Kleiderspind, Vertiko, Bücherregale verkauft Porath, Wilhelmstrabe 13) 1700b Fahrräder, Nähmaschinen, Möbel, beschafft man sich am bestell durch die Berliner Einkaufs- Genossenschaft Marsilinsstraße 19. Reparatur-Werk- stelle, Leihanstalt.+99* Vermischte inzeigen. Nechtsbnrea» Fabifch, AudreaS- straße dreiuudsechzig. Rechtshilfe, Eingabengesuche, Raterteilung. 1662b Nnfallsachen. Klagen, Eingaben, Reklamationen. Putzger. Steglitzer- straße 65._ 16926* Anfertigung eleganter; Herrengarderobe. Teilzahlung gestattet. Marcus, Holzmarltstraße. zwciuud- sechzig._ 16696* Köpenick. Meine Kranzbinderei und Schul-Buchhaudlung befindet sich jetzt Kietzerstraße 43, Eingang Jäger- sttaße. A. Nico!__ 1686* Pfandscheine, Bücher lauft Leih- hauS Elsasserstraße 59 I. 143/3* Metallbruch aller Art kaust Bro- derick, Oppelnerstraße 16. 1-27* Kostenfreie zahnärztliche BeHand- lung, Zahnziehen. Zahnärztliche Poli- kliuik, Chausseestraße la. 1029S* Bivisektio»! Wer sich über diese r»d>loseste Grausamkeit unsrer Zeil unterrichten will, verlange die Flug- blätter des Weltbundes gegen Bivi- sektion, welche unentgeltlich versendet werde» vom Tierschutzverei» Berlin, Aöniggrätzerstrabe l08. Daselbst können auch Referenten für Vorträge in Arbeitervereinen über Vivisektion be- stellt werden. Um gütige» Abdruck wird gebeten. 161h* Die Beleidigung gegen den Tischler- mcister E. Hoffmann nehme ich zurück und erkläre denselben für einen Ehren- mann. R. Nehring._ 17016* Vereinsziiiimev, Restauration. Kaufeldt, Markusstraße 47. 1706b* Lesehalle eröffnet, Chausseestraße 12l. Lesen S Pfg. 1710b* Steuerberiisung! Ehcschcidungs-, Unsallsachen! Raterteilung! Rechts- fachen! Stellunggesuche! Linien- straße 36. Sonntags, wochentags! Gnadcngefnche. Strafanfschnb, Jnvalideusacheu, Alimentensachen, Eingabe», Klagen. Rechtsbureau Neue Schönhauserstraße lfi(auch Sonntags). Vermietunxen. Zlnun«r. Hofwohnnng, großes Zimmer, Küche, sofort oennietbar, 20. Stephan- straße 57. Verwalter. 143/8 Schlafstellen. Sofort freundliche Schlafstelle Petrisiraße 10, III. 1714b Knetsgesuche. Ruhiger junger Mann lucht ein- fach möbliertes Zimmer oder möb- lierte Sdflafstelle bei anständigen Leuten, sofort. Nähe Schillingsbrücke, Sdflestscher Bahnhos. Offerten L. 11.00 Postamt 16. 1716b �rbeitsmarkt. Stelleugesuche. Bolkssänger- Gesellschaft DreSdenerstraße 107/8. Gent, 1657b Blinder StuHlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden zu de» billigste» Preisen geflorüte», werden abgeholt nnd nuentgeltlich zurück- geliefert. Adresse: Ptulackstraße 27, A. Gläser.' Stellenangebote. Znsauimensetzer verlangt G.WieS- ner, Reichenbergerstraße 63a. t27 Tüchtige Farbigmacher verlangt Gummersbach, Krautstraße 39. flll Eiuballierer auf Gold leiste» so- fort gesucht. Da Kutscher zur Uebnng, Kutfckierstelle verbeten. Ballierstelle danu dauernd. Holz- leistenfabrik Chausseestraße 82. 1709b Rahmriimacher verlangt Brückner, Ritterstraße 48. 1707b Volkssäiiger-Gesellschaft dowsku. Sickingenfllaße 4. Lewan- t83» Frau zum Kartosselschälen gesucht. Oranienftraße 64, I. 1708b Jacketts. Arbeiterinne» im Hause verlangt Lausitzersttaße 23 I. 1712b Plätterinne» auf Oberhemden im Hause verlangen Leinberger u. Grave»- Horst, Mäschefabrik, Greifswalder- stra ßeJ3._ 143/5* 50 Handnäherinnen verlangt Moll, Gürtelslraße 8. 1689b* Im Zlrbeiismartt durch besondere» Druck hervorgehobene Slnzeige» tosten 40 Pf. pro Zeile S Gerüstbauer für Leitergerüste, erfahren nnd znverlässtg. werden sofort gesucht. Stundenlohn 50 Pf. Reisegeld wird bei guter Leistung später vergütet. Zengnisse erwünscht» 18/1* E. Schlüter, Kiel. Achtung! Achtung! Modelltischler! Von der Union, Ulektrlcltilts- Oescllsohaft. IWoahit, sowie von der Firma Uudwig I.öwe. Maschiuenba», Uckert, Fabrik landtoirtschaftlicher Maschinen. Friedrichsberg,»nd Schrepp, Berliner Modellfabrik, Kastanie u- ANec,daeI>n>a-t»,Eiseugietzerei, verlängerte Huttenftraße, sind säntt- liche Modelltischler ausgesperrt. Den Modelltischlereien Kur�hul», Orailieilstr. 25, IHetrlch. Chausseestraße 52, und tiiarbe, Wasserthor straße 30, Adam llej l, Gornranu straße 24, sind Austräge aus de» „Union" zugegangen. Zuzug fernhalten! Leranllvortlicher Redacleur: Carl Leid in Berlin Vür den Inseratenteil veranttvortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin