Nr. 80. Abom»mtnts-Sedingnngen: Vbonnemenl»-Pret» pränumerando: Vterteljährl. 3,30 Ml,, monail. 1,10 Sil., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Ein, eins Numm»r 5 Pfg. Sonntags« Nummer mir inutitictiec Sonntag!» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Äbonnement: 1,10 Mark pro Munal, Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für Ivos unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Autland 3 Mark pro Monat. 19. Isthrg. Die Instrtlons-CcVllyr beträgt für die fechSgefpaltens Koloneb« »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewsrkf chaftliche Vereins» und Verfammlungs- Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Ansrigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Eonn- und Festtagen btSLUhr vormttlagS geöffnet. Erscheml täglich«Uli er Zvoulng«. Vevlinev Volksbl�kk. Telegramm-Adreffer „iSorinldemolir-rl Verlin» Csntrawrgan der socialdemokratischen V�rtei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Vench-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Expedition: sw. 19, Benkh- Sketche 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Professor Wagners „Agrar- und Jndnstriestaat I. Die Erhaltung des Agrarstaats. Seit die Großindustrie sich in raschem Fortschritt anZdehnt und der feudale Großgrundbesitz seine einstige Bedeutung im deutschen Wirtschafts-Hanshalt und damit die Basis seiner politischen Macht- stellung schwinden sieht, beschäftigt auch die Frage die zünftige Nationalökonomie, ob die Eutlvicklung Deutschlands z»m Industriestaat zu fördern oder zu hemmen sei. In den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhnnderts, als noch durch- weg die Preise der landwirtschaftlichen Produkte, vor allem des Getreides, fast stetig stiegen und die deutsche Land- Wirtschaft in England noch einen guten Absatzmarkt fand, hatte allerdings der feudale Besitz. Ivie neidisch er auch die Expansion des mobilen Kapitals betrachtete, wenig Anlaß, mit der wirtschaftlichen Entwicklungsrichtiliig unzufrieden zu sein; denn mit dem Preise der Agrarprodukte stiegen auch die Boden- und Pachtpreise; letztere beispielsweise in den östlichen Provinzen Preußens von 1849—1879 um über 159 Proz. Und auch als dann durch die Koalition zwischen dem Großgrundbesitz und der Großindustrie die Bismarcksche Zoll-Aera folgte, beobachtete vorerst, trotz der zunehuienden Klagen über die Aufsaugung der Landarbeiter durch die Industrie, die ngrarkanservative Presse eine gewisse Zurückhaltung bei der Bcurtcilimg des wirtschaftliche» Entwicklungsganges, da sie sich zur Durchsetzung ihrer Zollforderiingen auf die Hilfe' der schütz- zöllnerischen Großindustrie angewiesen sah, und diese sich auch zur Unterstützung bereitfinden ließ. Schärfer trat die Frage auf, ob der Jndnstriestaat das Ziel sein solle, als die Grotzindtlstrie, um sich ihren Absatz nach den Vertrags- läudern zu erhalten und zu sichern, für die Caprivischen Handels- Verträge stimmte. Der feudale Grundbesitz schrie über Verrat und Znriicksctzling und fand alsbald, daß nicht nur die mit dem Abschluß der Handelsverträge eingeschlagene Handels politische Richtung, sondern die fortschreitende Jndnstriealisieriing Deutschlands überhaupt eine ernste„nationale Gefahr" herauf- beschwöre. Und ivie selbstverständlich, folgten dieser Parteierkenntnis die Vertreter konservativer Wirtschaftsanschnunngen auf den Volks- wirtschaftlichen Lehrstühlen. Sie. die einst, so lange der Großgrund. besitz noch vorteilhaft nach England exportierte, englische Freihandels- theoretik dociert halten, entdeckte» nun auch, daß Detilschland sich ans schiefer Ebene befinde. Unter ihnen Professor Adolf Wagner, der im September 1894 in einem Artikel der„Znkliiift" eine'Rückführung „der deutschen Bolls Wirtschaft ans der falschen Bahn des exportierenden Industriestaats" forderte. Nene Anregung erhielten diese Bedenken nach der Veröffent» lichnng der Ergebnisse der 1895 er Gewerbe- und Berufszählnng. die einen bedeutende» Rückgang der landwirtschafilichen Bevölkerung gegenüber der industrielle» nachwies. Besonders entfachte Pro- fessor� Oldenberg durch seilte Warnung vor den Gefahren des Industriestaats ans dem Leipziger evangclisch-socialen Kongreß im Jahre 1897 eine lange Kontroverse, an der sich, durch die inzwischen ansgebrochenen Kämpfe lim die Fortsetzung der Handelsvertrags- Politik hervorgelockt, nach und nach so ziemlich die meiste» Professoren der Volkswirtschaft an deutschen Universitätc» beteiligten. Erwähnt seien nur Dietzel, Brentano, Diehl, Wolf. v. Mayr usw. Auch Wagner fehlt darnnter natürlich nicht. Schon auf dein erwähnten Leipziger Kongreß trat er Oldenbergs Warnungsruf bei und ließ weiter mehrere Artikel und Vorträge über das gleiche Thema folgen, die, von Professor Brentano heftig angegriffen, jh» in eine lange Polemik mit diesem verwickelten. Von Wagners Seite wurde der Streit in der„Täglichen Rundschau" geführt'. Die von ihm für diese geschriebenen Aufsätze gab dann wesentlich erweitert Wagner im Angnst vorigen Jahres in Broschüreiifarm heran?. Jetzt ist von dieser Schrift die zweite Auflage erschienen— eine völlige Neubearbeitung, die nicht nur viele Erweiterungen— daS sechste flofiitcl ist z. B. ganz neu hinzugefügt— enthält, sondern auch der Erörternng einen mehr principicllcn Charakter zu geben sucht. Ein Erelgms für die argrarische Presse, die. voran daS Bundes- Jntelligenzblatt, die„Deutsche Tageszeitung", diese neueste „wlssenschaftliche" Begründung ihrer Zollforderungen niit lauten Reklame-Tamtam-Schlägen begrüßt. Auf ihren eigentlichen Inhalt zurückgeführt, das heißt der patriotisch-ethischen Einkleidung entledigt, heißt die Frage„Agrar- oder Industriestaat" nichts andres als: Soll die Entwicklung Deutschlands zum Industriestaat aufgehalten werden, damit der Grostgrimdbcsttz feine wirtschaftliche Bedentung n»d damit seine politische Machtstellung in Preusten-Deutschlaud behält? In dieser Weise faßt denn auch, wenn sie offen ist. die agrar-konservative Presse, vornehmlich die„Krenz-Ztg.". die Sache auf. Wer in den letzten Jahren ihre Leistungen verfolgte, stieß immer wieder ans den Gedankengang: der feudale Grundbesitz ninß er- halten iverden j er ist der Träger der allpreußischeii Politik, die Stütze von Thron, Altar und Militarismus. Und wie einst der englische Freihändler Bowring erklärte:„Der Freihandel, das ist Jesus Christus", so erklärt das feudale Blatt:„Die Nichtbewillignng höherer Agrarzölle, das ist der Nuin des Grundadels, die Vernichtung des konservativen Elements in uusrer Politik— das ist die Revolution!" Indes ist solche Offenheit auf akademischen Lehrstühlen nicht be- liebt. Allenfalls Ivird noch von der Erhaltimg der konservativen Kräfte des Staatslebens oder der Verhinderung einer Stärkung der destruktiven Elemente(der Socialdemokratiei gesprochen; gewöhnlich aber wird die Frage auf ein„wissenschaftliches Niveau" erhoben. d. h. es werden, statt der eigentlichen Motive allerlei ethisch-patriotisch- hygienisch-kulturelle Gründe in den Vordergrund geschoben: Sittlich keitsbedenken, die Erhaltung der Volks- und Wehrkraft, die Abhängige keit vom Anslande, sogar auch die Poesie des Landlebens k. Auch Wagner hält es für angebracht, nicht offen damit herauszurücken, warum es sich, im Grunde genommen, handelt. In der Hauptsache ivill er aus folgenden drei Gründen die indiistrielle Entwickelung gehemmt sehen: 1. Die einseitige industrielle Beschäftigung führt zur„Verengerung der Anschauungen", zu einseitig körperlich- geistiger Ausbildung,»des Fehlens aller Vorteile der Universalität". 2. Die Erhaltung„einer absolut und relativ bedeuienden heimischen ländliche» grundbesitzenden und Lnndlvirtschnft treibenden Bevölkerttiig" ist„eine unbedingte Voraussetzung des Wohles lind der dauernden wirtschaftlichen und socialen, wie physischen, ethischen, kulturellen lind politischen Gesundheit und Sicherung der ganzen Nation". 3. Die Erhaltung der Wehrkraft bedingt die Erhaltung einer zahlreichen Landbevölkennig. Eine Wiederholung alter abgestandener Gründe, nur etwas alademisch dekoriert; dennoch ztvingt, da Herr Professor Wagner diese Sätze für so einleuchtend hält, daß er sie»nr iminer wieder variiert und jeglichen Beweis darüber vergißt, ihr Inhalt zur Entgegnung. Daß eine Verschiedeiiortigkeit der Prodiiktion vorteilhaft für das nationale Leben ist, niag schon sein; aber inwiefern wird denn diese Verschiedeiiortigkeit durch iveitere Fortschritte ans der Bahn zum Industriestaat aufgehoben? Von einer Elimination der Landwirtschaft aus dem denlschen Wirtschaftsleben kann keine Rede sein; selbst das hochindustrielle England hat seine bcdelltende Landwirtschaft. Das Argument Wagners hat gcnan nur so lange Veiveiskraft, als man mit ihm slillschweigeiid»nterstellt, daß das frühere oder jetzige Größeiiverhältiiis der Landwirtschaft zur Industrie in Deutschland das allein richtige ist. Nimmt man dagegen a», daß dieses Verhältnis auch ein minder günstiges für die Lnndlvirlschaft sein kann. ohne daß der Anschaunngs- kreis verengert oder die Universalität gestört wird, oder nimmt nian gar an, daß das Eindringen der I n d n st r i e in die preußischen O st p r o v i n z e n für deren Anschanmigskreis und llniversalität recht nützlich sein dürfte so ist das Wagnersche Argument völlig hinfällig. Und für die Nichtigkeit solcher Annahme sprechen gute Gründe; denn es nnterliegt keinem Zlveifel, auf welcher Seite wir, wenn wir die industriell fortgeschrittensten Länder mit den Agrarstaaten vergleichen, die größere„Verengerung der An- schauungen" und den größeren Mangel an»Universalität" finden. Wie Professor Wagner sich hier als Gegner der neuerdings ent- deckten„voralissctzlmgsloseu Wissenschaft" erweist. so bietet er auch im zweiten Argument als„voranssetzimgsvoller" National- ökonom nichts als unbewiesene leere Voraussetzungen. Unbesehen? unterstellt er auch hier, daß eine„absolut und relativ bedeutende heimische ländliche grundbesitzende und Land- ivirtschaft treibende Bevölkerung" vorteilhaft für die physische, ethische, kulturelle Gesundheit zc. ist, ohne auch nur im geringsten zu unter- suchen, iuwieweit und inwiefern diese Unterstützung zutrifft, ob z. B. nicht der von ihm angenomniene vorteilhaste Einfluß von der Bildung dieser Bevölkerung, von ihrer Lebenshaltilng, von der Ver- teilnng des Grundbesitzes usw. abhängt. Daß jede grund- besitzende ländliche Bevölkerung, z. B. auch die russische Bauernschaft, diese» günstigen ethischen und kulturelle» Einfluß ausübt, wird wohl Professor Wagner cbensoivenig behaupten wollen, ivie daß es für diesen Eiiiflnß gleichgültig ist, ob der Grundbesitz aus Latifundien besteht mit einem ärmlichen Arbeiterbestand, der zum Teil ans fremdländischen Wanderarbeitern ergänzt loird, oder aus kleinen nnd mittelgroßen Bauerngütern. Solche Untersuchung könnte aber gerade für den angeblichen hohen ethischen und kulturellen Einfluß des ostelbischen Latifmidienbesitzes nicht allzu günstig ausfallen, nnd so begnügt sich denn auch Professor Wagner hier toieder damit, einfach zu unterstellen, die Erhaltnng der grundbesitzenden ländlichen Bevölkerung in dem Umfang und der Zusammensetzung, ivie sie in Preußen- Deutschland besteht, sei erforderlich für die ethische, kulturelle, politische Gesundheit. Denn kann eine solche Gesundheit auch bei einem solchen Verhältnis der landwirtschaftlichen zur industriellen Bevölkerung vorhanden sein, wie es in England, in Holland oder den Rheinlanden besteht, so ist nicht einzusehen, warum nicht auch in andre Gebiete die Industrie in gleichem Maße vordringen darf. Dasselbe gilt von dem dritten Argument, der Erhaltung der Wehrkraft. Daß immer eine ländliche Bevölkerung, was physische Leistungsfähigkeit anbetrifft, einen Vorzug vor der industriellen bat. kann nicht behauptet werden. Es genügt in dieser Hinsicht ein bloßer Blick auf die körperliche Qualität der Bevölkerung industrieller nnd ackerbautreibender Länder, z. B. Eng- lands nnd Irlands. Auch in Deutschland finden ivir z. B., daß bei der Rekrntenanshebung in Schleswig-Holstein in den Jahren 1898/99 nur 56,3 Proz., in Pommern 58,7 tauglich befunden tourden, im industriellen Elsaß dagegen 63,5 Proz. und in Westfalen mit seinem Bergbau und seiner Eisenindustrie immerhin noch 54,3 Proz. Die Art der industriellen Thätigkeit, Ernährung, Arbeitsdancr, Lebens- gewohnheiten spielen dabei eine große Rolle; und wenn in einzelnen ndustriellen Gegenden die Einloirkung der dortigen Industrien auf den Gesundheitszustand eine ungünstige ist, ergiebt sich daraus nicht die Erhaltnng des Agrarstaates, sondern die Durchführung hygienischer Maßregeln. Doch selbst zugegeben, alle VoranSsetznngen Wagners wären richtig; es sei thatsächlich die Erhaltung der agrarstaatlichen Ver« Hältnisse erwünscht, so bleiben immer noch die Fragen: Vermag die deutsche Landloirtschaft auch für die stetig zunehmende Vebölkerung— und mit einer solchen muß auch nach Professor Wagner gerechnet werden— zu ernähren, ferner, inivieweit ist Deutschland entsprechend seiner geographischen Lage, Bodenbeschaffenheit, seiner bisherigen tvirtschaftlichen Eutlvicklung auf die industrielle Bethätigung angewiesen, drittens, in welchem Verhältnis stehen die Hernmiings- maßregeln zu dem zu erwartenden schließlichen Effekt und schließlich und hauptsächlich: ivie würde diese Maßregel auf das deutsche Wirtschaftsleben zltriicklvirken? Für Professor Wagners existieren diese Fragen nicht, wenigstens beachtet er sie kaum; nur was den letzten Punkt betrifft, versucht er so etwas ivie eine Begründung. Im Jahre 1999, so meint er S. 43. habe die Einfuhr an Getreide, Schmalz u. dergl. sowie an frischen: Fleisch nur 9,7 Proz. der Gesamt-Wareneinfuhr betragen. Nähme man nun selbst an, diese Einfuhr höre ganz auf, nnd zugleich erlitte auch die Ausfuhr einen entsprochenden Rückgang, so wäre das doch nur eine Abnahme des Außenhandels um ungefähr 19 Proz. Eine solche Abnahme scheint für Herrn Professor Wagner nicht bedenklich zu sein. Wir möchten ihm ein andres Exempel entgegen- stellen. Nach der Prodilktionsstatistik betrug in 1897 der Wert der land- und forstwirtschaftlichen Produktion 7986 Millionen Mark; der Wert der von Professor Wagner berechneten Einfilhr(543 Millionen Mark) macht demnach von dieser Summe noch nicht 7 Proz. aus. Was würde wohl Prof. Wagner sagen, wenn jemand daraus folgerte:„Ach was schreien die Agrarier; es handelt sich ja nur um eine Beeinträchtigung ihrer Produktion um 7 Proz.!" Sicherlich würde er sagen, das sei eine vollswirtschaftlich unzulässige, einfältige Nechmmg. Ganz richtig. Aber die von ihm aufgestellte Rechmmg ist genau ebenso einfältig. Und wenn wenigstens noch die Aussicht auf eine langdanernde Erhaltung der agrarstaatlichen Ziistände bestände. Aber daran ist nach Professor Wagner nicht zu denken; nur eine Berlangsamung der iiidiistriellen Euttvickelung nnd der Bevölkerungsziinahme läßt sich erreichen, vielleicht, wie er S. 12 meint, eine Verlangsamung der Bevölkertmgsverinehmng um 15—29 Proz. Doch nehmen wir an, der Bevölkerimgszltwachs ivie die indiistrielle Entwickelung würden gar künstlich um 39—49 Proz. verlangsamt, was würde die Folge sein? Wir ivllrden dann die Bevölkernngs- nnd industrielle Stufe. die wir sonst beispielsweise 1915 erreicht haben würden, erst 1929 oder 1922 erreichen; aber haben lo erden wir, wie auch Wagner meint, den I n d u st i e st a a t mit seinen ethischen, politischen kulturellen und so n st igen „Gefahren" doch. Und um diese Verzögerung zu gewinne», soll, wie Herr Professor Wagner später aus- führt, das Volk die von den Agrariern gestellten Zoll- forderunge» sich aufladen, die Wagner selbst als„Opfer" be- zeichnet? Für die Agrarier mag es ja ganz rentabel sein, wenn zum Zloeck solcher Hinausschiebung des Resultats, sie hohe Zölle und Preise für ihre Produkte zugestanden erhalten; ob sich die Uebernahme der ihr dadurch eiitstehenden Lasten auch für die Arbeiterklasse lohnt, ist jedenfalls eine ganz andre Frage. Es ist einseitigste Parteiwissenschaft, die Wagner bietet— nicht in dein Sinne, als suche er wider besseres Wissen seine Erkenntnisse den Parteiforderungen anzupassen, sondern insofern, als für ihn Basis nnd Zweck, d. h. die Erhaltung des ostelbischen Großgrund- besitzes in seiner wirtschaftlichen und politischen Machtstellung, einfach von vornherein gegeben sind nnd er von diesem Standpunkt aus manche Seiten des Problems gar nicht sieht oder Fragen als absolut nebensächlich behandelt, die von einem andern Standpunkt ans sofort die größte Bedeutung gewinnen. Noch deutlicher zeigt sich dies in den Abschnitten seiner Schrift über die Bevölkernngs- frage in ihrem Verhältnis zur Agrarfrage. Doch deren Diskussion erfordert einen zweiten Artikel. Volikifirtze Mebovfiiszf. Borli», den 5. April. Die Politik der Bestechung. Die katholische„Kölnische Volks-Ztg." bringt folgende Mitteilung: „Der„Berliner Lokal-Anzeiger" berichtet, daß nach Durch- bringung der ersten Flottenvorlage von 1898 dem Abg. Lieber die Wahl gestellt worden sei zivischen einem Obcrpräsidinm, einem StaatSsckretärposte» und einem Ministerportefenille, und daß ihm auch ein hoher Orden angeboten worden sei. Diese Nachricht i st richtig. Dr. Lieder hat in derselben Selbstlosigkeit, welche ihn jene Angebote aus- schlagen ließ, von diesen Angeboten auch nur ganz wenigen ver- trauten Freunden Mitteilung gemacht, und auch diesen nnr unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Jetzt aber, nach seinem Tode, zumal wo der„Berliner Lokal-Anzeiger" van andrer Seite in die Lage gesetzt worden ist, diese Thatsache zu veröffentlichen, liegt kein Grund mehr vor, hinter dein Berge zu halten. Das katho- lische Volk und die Centrumsportci werden es dem Ver- storbenen hoch anrechne» miissen, daß er eine hohe Stelle im Staatsdienste ansschlng, welche ihn, in Anbetracht seiner sehr zahlreichen Familie aus persönlichen Rücksichten nur er- tviiuscht seilt konnte, ebenso hoch, Ivie sie es dem Abg. Windthorst angerechnet, haben, daß er die sehr hoch dotierte Stellung eines Verwalters des fürstlich Thurn- und Taxisschen Vermögens ans- schlug. Beide Männer haben dabei in musterhafter Weise die Interessen ihrer guten Sache und ihre Aufgabe im öffentlichen Leben höher gewertet wie persönliche Vorteile der ber- lockendsten Art. Für Dr. Lieber kam vom Standpunkte seiner persönlichen Neigung in erster Linie das Angebot eines Ober- Präsidiums i» Betracht. Es handelte sich um das Oberpräsidinm seiner Heimatprovinz Hessen-Nassau. Der damali-ie Ober- Präsident Brandenburg war in Nnsficht genoinnicn als Präsident der Ober-Rechnungskanimer. Die so eröffnete Vakanz sollte be- nutzt werden, um das Operpäsidinm in Kassel für Dr. Lieber frei zu machen. Dr. Lieber blieb aber, was er war: ein einfacher Privatmann. Wenn ein so uncigenniiiiiger und selbstloser Mtann bei seiner politischen Thätigkeit Vertrauen erwartete und verlangte, so wird nian zugeben müssen, daß sein eigenes Verhalten ihm dazu ein volles Recht gab." Es ist weit mit dem Centrum gekommen, bah selbst ein im allgemeine» ans Anstand haltendes Blatt wie die„Kölnische Volks- Zeitung" diese Enthüllung ohne ein Wort der Kritik bringt, ja, in aller Harmlosigkeit auS diesem für Lieber und seine Regierungs- freunde höchst kompromittierenden Vorkommnis dem Verstorbenen ein Ruhmesblatt zu flechten sucht. Obwohl die Erzählung der„Köln. Volksztg." mit solcher Sicher- hcit auftritt, müssen wir sie immer noch für eine grobe und plumpe Erfindung halten. Denn sie würde nichts andres bedeuten, als daß das Mitglied der damaligen Regierung, das dem Dr. Lieber jenes Ansinnen stellte, dem Mann die s ch iv e r st e Beleidigung zu- gefügt hätte, die denkbar ist. Wenn Herr Dr. Lieber Beamter gewesen und jene„Ans- zeichnnng" angenommen hätte, so tvürde der Vorgang durch de» Paragraphen des Strafgesetzbuches charakterisiert werden, der lautet: „Ein Beamter, welcher für eine in sein Amt einschlagende, an sich nicht pflichtwidrige Handlung Geschenke oder andre Vorteile an- n i m in t. fordert oder sich versprechen läßt, wird mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten be- straft." Man kann höchstens noch im Zweifel fein, ob nicht die Be- willigung der Flottenvorlage eine pflichtwidrige Handlung darstellt, in welchem Falle Zuchthausstrafen vorgesehen sind. Man überlege sich die damaligen Vorgänge! Ursprünglich war das Centrum gegen die Marinevorlage, schon deshalb, ivcil sie das Etatsrecht des Reichstags aufhob. Noch bei der ersten Lesung sprach Lieber— allerdings in seiner doppelbödigen Weise, durch die er das Cenirum diskreditierte— im wesentlichen gegen die Vorlage. Dann vollzog sich unter seiner Leitung der schmähliche Nmfall der «regierenden" Partei. Wenn unter solchen llmständen es ein Re- gierimgsmitglicd geivagt habe» sollte, dem Centrumsführer jene Be- lohnnng anzubieten, so Iväre das mehr als blofi eine grobe Takt- losigkeit gewesen, das wäre die Einführung des panamistische» Systems schlimmster Art in den deutschen Parlamentarismus gc- wesen. Herr Lieber aber hätte die verdammte Pflicht gehabt, laut und öffentlich gegen die ihm angcsonnene Beleidigung zu protestieren. Er hat geschlviegen, also mich die Geschichte entweder nicht ivahr sein oder Herrn Lieber mangelte das erforderliche Feingefühl. Wenn nun aber gar das führende Centrumsblatt den Abg. Lieber wegen seiner Uncigcnnützigkeit mit vollen Backen preist, so zeigt das. wie anspruchslos daS Ccntrum getvorden ist. Bestand denn für Lieber überhaupt die Möglichkeit. daS Ansinnen zu acceptieren? Er wäre dann dem katholischen Volk, das ohnehin durch den Plötz- lichen Marinismus seiner Führer verstimmt war. doch nur noch als «in gekaufter Verräter erschienen, und seine Rolle iväre in dem«ngenblick ausgespielt gewesen; ja auch daS Centrnn, selbst wäre schwer kompromittiert worden. Herr Lieber hat mit der Ablehnung also nur etwa? Selbst- verständliches gethan, daS keinerlei Lob verdient. Im Gegenteil. er hat tadelnswert gehandelt, weil er die unwürdigen Machinationen eines Regierungsmitgliedes nicht der Oeffentlichkeit bekannt gab. TS giebt kein schärferes Anzeichen für den Verfall des EentnnnS als jene beleidigende Zuniutmig, die seinem Führer gegenüber ge- wagt wurde, die nur noch übertroffen wird durch die Harmlosigkeit, mit der daS CentrumSorgan jetzt aus der selbstverstälidlicheli Abweislmg eine Heldenthat zu inachen sucht. Wir glauben, wie gesagt, nicht recht an die Wahrheit der Ge- schichte. Jedenfalls hätte die Regierung allen Anlast, sich darüber zu äußern; denn es ist für sie nichts weniger als schmeichelhaft, wenn man ihr derartige Manöver nachsagt. Solche Politik der Be- lohnnng für parlamentarisches Wohlverhalten ist noch»nendlich schlimmer und verderblicher als jene verfassnngZividrige Bestrafung der landrätlichen Kanalrebellen wegen ihrer parlamentarischen Opposition.—_ Die sittliche Erziehung des Kriege». An die läppische Behauptung gelvisser Militärs, daß der Krieg eine versittlicheude Wirkung ausübe, da? Pflichtgefühl lveeke»slv., glaubt im Ernste kein denkender Mensch. Das Wate» im Blut, die Hintansetzung des eignen Lebens und das skrupellose Opfern des fremde» Lebens, kann gar nicht anders als abstunipfeiid, verrohend auf die menschliche Psyche wirken. Wer dai Gegenteil behauptet. müßte logischerweise auch den Standpunkt vertreten, daß das Schlächter- Handwerk die idealsten Tierfreunde erziehe. Der Krieg ist bestialisch. verhärtend, verrohend, nnd alle Hinnanistermig des Krieges besteht höchsten« darin, daß den durch den Krieg entfesselten tierischen In- stinkten durch die moderne Gefechtsiveise und eine straffere DiScipliv der Zügel angelegt lvird. Alle die Kriege, bei denen diese HemmiingSniomente znnr Teil wegfallen, sind indes nach Ivie vor die Hochschule der nackten Bestialität. In erster Linie also mehr oder minder alle Kolonialkriege, bei denen die bei Kriegen zwischen zivilisierten Nationen beobachteten Kriegskonvcntioncn nicht b e- o b a ch t e t lverden, bei denen das Pardoiigebcu verpönt ist und die Vernichirmg de« Gegners mit allen Mitteln als erlaubt gilt. Die Geschichte der Kolonialkriege des 19. Jahrhunderts strotzt denn auch von de« grauenhaftesten Brntalitäten. lieber die Krieg- führmig in Südafrika sind ebenfalls haarsträubeilde Dinge be- richtet worden. Ans der andren Seite hat man sich dann freilich wieder bemüht, die Kriegsführnng sowohl der Boeren wie der Engländer als außerordentlich.humane" darzustellen. Da hierZengen gegeilZengen stehen, ist die Wahrheit schwer zu ermitteln, so sehr man auch aus psychologischen Gründen der Anffassimg zuneigen»inß, daß der Krieg in bedenklicher Weise de» Charakter eines Kolonialkrieges tragen dürfte. Für diese letztere Anffassimg sprechen entschieden die entsetz- lichen Enthüllungen, die über die geradezu viehische» Excesse einer Anzahl englischer, resp. australischer Offi- ziere bekannt getvorden sind. Ilebcr die von diesen Offizieren verübten Massenmorde giebt, nach dem„Berliner Tageblatt", der «Morning Leader" u. o. folgende Einzelheitcn: „Nach kurzer Zeit rückte der größte Teil des Regiments unter Kapitän...»» die Buschveldgegeud, Major Linehan blieb in Pielersbnrg zurück. Die Bevölkerung ist natürlich dünn gesäet; wer dort ein Verbrechen begeht, läuft kaum Gefahr, entdeckt zu lverden, und Lieuteiiailt Hancock, der ohne Ziveifel der Urheber dieser scheußlichen Verbrechen war. betrachtete diese Gegend als ein ihm zusagendes Arbeitsfeld. In P i e t e r s b n r g war das Be- nehmeii der Offiziere tadellos gelvesen. die Gordoii-Hochländer waren ja auch dort nnd außerdem vielleicht noch 20P Weiße; aber bald nachdem die Buschgegend betreten lvar, entdeckte Kapitän Robinson imd die Leute der �.-Schwadron, daß sich unter den übrigen Offizieren eigentümliche Elemente befanden. Kapitän... pflegte die Schivarzen abzu- schießen wie Kaninchen. Hier ein Beispiel. Einmal unter- hielt er sich nsit einem Kameraden— ein Schwarzer stand in der Nähe. Als der Kapitän ihn bemerkte, zog er seine» Revolver und schoß ihn ohne jeden Grund tot steckte den Revolver wieder ein nnd schiv atzte weiter, als wenn nichts vorgefallen wäre. Die Eingeborenen nannten ihn„Balnala", womit der Znln„Töten" oder„Morden" bezeichnet. Die Mannschaften bemerkten auch, daß ivenn Kapitän... oder Lieuteiiailt Hancock Groll gegen einen Soldaten hegten, sie diesen beauftragten, ans der rechten Flanke zu patrouillieren, und von diesem Gang kehrte der Betreffende selten zurück. Er mag natürlich von einem Löwen getötet worden sein oder von einem Boeren erschossen, jedenfalls wurden zuweilen Schüsse gehört; doch man hatte sich seine eignen Ansichten über solche Vorfälle gebildet, und wenn Leute der X-Schwadron ans die rechte Flanke kommandiert wurden, ivaren sie so vorsichtig, ein paar Kameraden initzuuehlne» und sehr genau Kapitän... und Lieutenant Hancock zu beobachten." Es folgt dann noch die eingehende Darstellung der Er- nrordung der zehn Boeren und des deutsche» Missionars, den man ans Furcht vor Entlarvung einfach nieder- knallte. Der verlvundete„Boy" deS Missionärs entkam und erstattete dem deutschen Konsul Bericht über den Mord, worauf dieser die endliche Festnahme nnd Bestrafung der Massenmörder in Ofsiziersuiiiform vcranlaßte. Wäre der Missioilarsmord nicht erfolgt, hätte der deutsche Konsul nicht eingreifen müssen, so übten die Offiziere möglicherweise, ja wahrscheinlich, noch heute ihr Mordhaudwerk weiter, um nach Bcendigung des Krieges als ver- diente, ordengeschmückie Veteranen eiitlaffc» zu lverden I Demr>va§ im Buschvcldt passierte, hätte die KricgSleituug schwerlich erfahren, und in der Garnison spielien die Bluthunde ja die tadellose» G c n t l e»> c» I Genau so, wie die russischen Offiziere, die in Tientsin mit ihrem Leiter so hunnenmäßig hausten, Frauen»lordetcn und Säuglinge aufspießten, beim Verkehr mit den deutschen Offizieren die„reizenden Kameraden" herauskehrten. Das ist eben die sittliche Erziehung deS Krieges. Bessere Naturen büßen bei Ausübimg deS blutigen Handwerks nur ihre „Sentimentalität" ein, schlecht veranlagte, aber unter normale» Verhältnissen äußerlich immerhin„tadellose" Individuen entarten zu Besiien.— AuS Plynlonth telegraphiert man: Die a» Bord des Dampfers„Dlinca" auS Südafrika ein- getroffenen Offiziere erklärten, im ganzen seien 31 Anklagen gegen an st raiische Offiziere eingereicht worden, darunter nicht weniger als sieben wegen der Ermordung von Frauen nnd Kindern. Wie mag die Soldateska gehaust haben!— Deutsches Weich. Das Deutscht«»» des deutsche» Reichskanzlers. Gerade setzt, Ivo in Nordjchlesivig Leme a n s g e>v i e s e n lverden, die seit viele» Jahren als deutsche Unterthane» gegollen haben, wo für jeden mibe- qneme» NordschleSiviger die StaatSzugehörigkcit an dem dünne» Faden juristischer Finessen hängt, ist es nicht nninteressant. auch eilimal das Dentschtiim unsrcs' höckislen Neichsbeaiiiten nachzuprüfen, mit dessen Uebereiiistinunullg eine so peinliclie nationale Musterling i» Nordschlesivig vorgenommen wird. Und da ergicbt sich denn, daß »och der Vater unsres teuren NcichSkanzlcrs Däne, der Sohn eines dänischen Beamten lvar und erst 1873 die deutsche ReichSziigc- Hörigkeit erlangte. Richtete doch Bernhard Ernst von Bülow, der Vater deS Reichs- kanzlerS am 10. Oktober 1873 folgenden Brief an Bismarck: Eure Durchlaucht wollen mir gestatlen, der osfiziellen Meldung meines D i e n stau t r i t t s vor allem die Bitte hillzilznfügeli, mir das Vertrauen zu bewahren, dem ich diese Stellung und das volle H e i m a t S r e ch t im Deutschen Reiche danke. Herr v. Balan hat mich in diesen Tagen sehr zuvorkommend nnd sehr iiistniktiv in den Gang nnd die Pflichten der laiisenden' Geschäfte eingeführt,— die Tage sind mir aber besonders deshalb nützlich lind lieb geworden, weil ich in der Werkstatt sofort Hand nnd Geist de» Werkmeisters in Aktion fand und in deren belebender und erleuchtender Erkelliitnis meinen Weg schon finden werde. Freilich gehörte ja auch der Vorgänger des LteichSkanzlers. ohcnlohc. einem internationale» Geschlecht an, allein Onkel hlodwig hat auch niemals eine so überhitzte GermanisieruiigSpolitik betrieben, wie Bernhard Bülow junior gegenüber den.Polen nnd seinen früheren Volksgenossen, den Dänen.— Einen agrarischen Erfolg nennt eS die„Deutsche T a g c s z c i l u n g". daß Herr von Oldenburg mit ganze» fünf Stimmen Mehrheit der Notwendigkeit entzogen ist, sich i» Elbing mit dem Socialdemokraten in der Stichmahl zu messen. Aber so recht ivill ihr diese Probewahl doch nicht gefallen; denn sie schließt hier ihre Betrachtung schweratmend mit dem beklommenen Satz: Die„nächstjährigen altgemeiiien Wahlen... lverden s ch w e r sein, es lvird ein Kampf lverden,>v i e er vielleicht noch nie dagewesen i st, aber iveml wir fest und a n s• recht bleiben, wenn wir uns nicht verblüffen lassen, wenn wir tüchiig nnd nachhaltig arbeiten, dann ist trotz des Brotwncher- rlimnielS der Sieg in den ländlichen Kreisen nnS—, und zwar im besonderen Sinne: uns,— sicher. DaS lvird man ja erleben. Die konservative„Elbinger Zeitung" meint, daß der Bündler keinen Anbiß habe, auf seinen Erfolg allzu siolz zu sei*. Uebrigeus hat sich das Wolsfsche Telegraphenbiirean in der Freude, den Sieg Oldenburgs mitteilen zu können, einer Jrreführnng ichnldig gemacht. Es bezeichnet sein Telearamm als amtliches Wahl- ergebnes. Das ist natürlich falsch. Es konnte mir ein v o r- läufiges Resultat sein; denn»ach dem Wahlreglement lvird daS amtliche Wahlresultat erst am vierten Tage nach deni Wahl- lcrniine znsammciigestcllt. Ein kleiner Rechenfehler>» der vor- läufige» Zählung kann genüge», um Herrn v. Oldenburg doch in die Stichlvahl zu bringen.— Agrarische Arithmetik. Wir habe» schon wiederholt darauf hingelvicsen. daß die Agrarier nicht ii»r eine eigene Moral und Logik haben. sondern auch eine besondre agrarische Arithmetik pflegen, die mit der üblichen Nechenkmist nichts Genieinsames hat. Auf eine besonders eigenartige Regniig deS deutschen L a» d- wirtschaftSratS in seiner Deulschrift zm» Fleischschaugesctz macht das von nnS in einem Leitartikel gelvürdigte Buch:„Der deutsche Bauer»»d die Getreidezölle"(Verlag G. Fischer in Jenas aufmerksam. Im Gegensätze zu nainhaften Statistikern, ivelche den dlirchschnitilichen Fleischverbranch in Deutschland aus nur 2S Kilograinm für de» Kopf jährlich geschötzl haben,„berechnet" der LandwirtschaftSrat die Fleischproduktion ans 38,8 Kilograinm. Die Erklännig mag sich in folgender Nechnimg finden: Ans Seite 114 der Denkschrift wird für das Jahr 1397 das Lobendgelvicht für Schweine unter 1 Jahr mit 65 Kilogramm, für Schweine über 1 Jahr mit IIS Kilogramm angegeben. Ailf Seite 119 cbendaselbst wird der„Berechllung" der Fleisch- Produktion ein Schlachtgewicht für Schweine unter 1 Jahr mit 8V Kilo- gramm, für Schlveine über 1 Jahr mit 125 Kilogramm zu Grunde gelegt. Hiernach würden also die Schlveine unter 1 Jahr ausgeschlachtet 15 Kilogramm, die Schweine über 1 Jahr ausgeschlachtet 6 Kilogramm schwerer sein als im lebenden Zustande. Ans diesem Wege kann man allerdings zu 38,80 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung gelangen. Hoffen wir, daß die„ohne die Zölle' zum Ba»krott gezwungenen Junker nicht etwa aus de» Einfall komnien. den ehrliche» bürgerlichen Beruf eines Buchhalters zu wählen; sie würden bald mit dem Straf- gesetz in Konflikt kommen.— Die Borsäure. Wie sich jetzt herausstellt, hat die Reichs- rcgierung es geflissenilich darauf abgesehen, luchtagrarische Sachverständige_ von einem wissenschaftlichen Gutachten über die an- gebliche Gesiindheitsschädlichkeit der Borsäure fernzuhalten. Die„Vossische Zeitung" teilt über dies unglaubliche Ver- fahren mit: Die Einzelregiermigcn waren ersucht worden, ihren Vertretern im Bundesrat die erforderliche Jnstrilkiion für die Abstimmnilg über das Verbot bis Ende Februar zugeben zu lassen. Am 7. Februar lvurde von einigen Jntcresscnten eine Eingabe an den Bundesrat gerichtet, die darauf hinwies, daß in allernächster Zeit ein Gutachten de» Geheimrats Prof. Liebreich im Druck erscheinen werde, das die angebliche Gesundheitsschädlich- keit der Borsäure als Flcischkonservierüngsmittel auf Grund ein- gehender Versuche widerlege. In der Eingabe wurde deshalb gebeten, die Entscheidung über die Vorlage noch einige Zeit hinaus- zuschieben. Der Erfolg war, daß die Einzelrcgierungcn tele- graphisch ersucht lvnrden, die Abgabe ihre»' BotuinS zu b e- schleunigen, daß die A b st i m m n n g im Bundesrat thatsächlich bereits am 16. Februar erfolgte und das Verbot der KonserbierungSmittel unterm 13. Februar im„Reichs- Anzeiger" veröffentlicht wurde. Die agrarische Politik der Regiernng kann eben, namentlich wenn sie mit Gesniidheitsrllcksichteil" arbeitet, vor keiner ernsten Kritik bestehen!" Die AnSweisung rnsstscher Studenten ans Preußen ivird jetzt vom Polizeipräsidium zu Berlin amtlich publiziert. Es ist eine staltlichc Liste von 26 Studierende» der kgl. Technischen Hochschule, der Universität und der lmidlvirtschnftlichcn Hochschule. Zehn der Ausgewiesenen gehören polnischen Adels- Geschlechtern an; nur wenige von ihnen stehen in dem eigentlichen Stndentenaltcr (20—23 Jahre), die meisten sind schon zu den„höbcren Semestern" zu rechnen, sie zählen schon 26 bezlv. 23 Lebensjahre. Bei 14 der Aiisweisuiigsvmnerke befindet sich der Zusatz:«Die Ans- lv e i s il» g s- V e r f ü g n n g konnte wegen vorheriger Abreise d e m G e n a n n t e» n i ch t b e h ä n d» g t iv e r d c n." Wie bereits gemeldet, sind die ans Warschau bezw. Plock gebürligcn drei Stiidcnteil der Technik W c r n i ck. Zinigryder und T y i z t a inzwischen von den russischen Behörden verhaftet worden. Außerdem sind noch zwei ,S t u d e n t i n» e n" ansgeivicsen worden, nämlich die„lcdige Dr. phil. Adele Silber st ein, geboren am 9. Februar 1874 zu Warschau", nnd die„Schülerin Regina Oxn er, geboren am 6. August 1884 zu Warschau". Auch diesen„lästigen Ans- ländcrinncn" hat die Answeisungs- Verfügung wegen vorheriger Abreise nicht ausgehändigt werden können. Endlich gesellen sich zu de» russischen noch vier ö st reichische Staatsangehörige. »ämlich die Studenten Bolcslaw D r o b n e r ans Krakau. Rudolf Gärtner ans Rzcczow, Wojcicch S l i w i n s k i aus Krakau und Kasimir v. OrzecholvSki ans Slobodka. Das Schicksal des ersteren teilte auch ein Verivaiidter desselben, der 20jährige Kaufmann Staiiislans D r o b n e r. So hätte deml die wackere Fürsorge der preußischen Polizei nicht nur den preußischen, sondern auch den russischen Staat vor den schivarzen Umstnrzplänen der grobpolnischen Verschwörer gerettet I— Ein Opfer seelsorgerischen Pflichteifers. Versetzt wird, wie »vir der.Sachs. Arbeiter-Zeitung" entnebmen, ans Beschluß des LandeSkonsistorininS der Divisionspfarrer Dr. pstil. Kühn a» die Kirche zu Weigsdorf. Herr Kühn ist durch die scharfe, gegen die Offiziere gerichtete Predigt und den Prozeß, den diese im Gefolge hatle, iveiteren Kreisen bekannt geivorden. Wir haben wiederholt ausführlich über die Sache berichtet. Herr Kühn hatte schon mehr- malS um eine Versetzung nachgesucht; jetzt hat man nun seinem Wunsche entsprochen. Die Predigt deS DivisionSgeistlichen richtete sich bekanntlich gegen das sittliche Gehaben einer Anzahl Offiziere, das dein Ideal christ» sicher Keuschheit wenig entsprach. Die gntgemeinte Mahnung zur Askese erregte bei den Offiziere», die ihre Autorität den Maimschafteil gegenüber gefährdet glaubten, einen derartigen Sturm der Entrüstung und zog ihi» so malitiöse Bemerkungen zu, daß der pflichteifrige Pastor e» für geraten hielt, den Ort seines übelaufgenommcneil Seelsorger-Eifers so rasch als möglich zu verlassen. Sein löblicher Johanil'eScifer wird ihm nunmehr, da er nnr»och Civilisten Büß- predigten halten lvird, keine Uilamiehmlichkeiten mehr zuziehen.— CalibanifcheS. Der Specialist für Witzlosigkeit, der die be- sondere Eitelkeit a» den„Tag" legt, sich Caliban zu nennen, fügt dem Scherlschen Ueberbrettl folgenden Spaß zinj Arbeiter n n d Wissenschaft. Zwei Zeitnmis- Notizen. „Für den verstorbenen Führer der Socialdemokraten, Lieb- knecht, ist am ersten Osterfeicrtage von seinen Parteigenossen ans dem städtische» Ccntralfriedhofe in Friedrichsfelde bei sehr un- günstigem Wetter ein Denkmal enthüllt Ivorde». Eine Wand aus dunklem Granit zeigt im Erzrelief die Göttin Athene als Ver- treterin der Wissenschast, wie fie einem Arbeiter den Lorbeer reicht." II. „Es find nicht nur GcsnnbheitSrücksichten, die Professor Dr. Trust Abbe veranlaßt haben, von Jena wegzuziehen, sondern auch Meimmgsverschicdenheiten mit einem Teil seiner Arbeiter. Wie bestimmt verlautet, hat eine Deputation von Arbeiten! Herrn Professor Abbe Vorstellungen gemacht über die Belvilllgnng vo» 300 000 M. für den Uiiiversitäts- Neubau hier durch die Karl Zeiß-Stiftmig. Dies soll de» Stifter der Karl Zeiß-Stiftung, der in hochherziger, uneigennützigster Weise für seine Arbeiter gesorgt hat. gekränkt haben." Fand Caliban den Witz so furchtbar fein, daß er sich nicht ent- schließe» konnte, ihn zu unterdrücken, obwohl er inzwischen doch erfahren haben»mß, daß die Wisseiischaftsfeindschaft der Abbeschen Arbeiter ausschließlich in der Verlogenheit bürgerlichen Blätter bestand?— Der Drcschgraf Piickler ist ans dem Heer ausgeschieden. Cr lvar Visher..Obcrlieuteiiant der Landwehr-Kavallerie zweiten Ans- gebot«"; jetzt ist ihm der„Abschied bewilligt" worden. Die höhere Oifiziersehrc hat er also»im nicht mehr, und viel- leicht verzichtet er mm auch ilifolgcdcsscn darauf, dem ihn dem Gericht vorführenden Beamten eine Ladmig Schrot in den Bauch zu schießen. Vorläufig weilt allerdings der deutsche Held in der Schweiz.— Anö dem Kafcrnenlcbc». Man schreibt uns: Am Mittwoch beschäftigte sich das Ober-Kriegsgericht zu Frankfurt a. M. nochmals iiiit der interessanten Prügelgeschichte des Lieutenants v. Waldhansen vom 13. Hnsarcnregiment. In väterlicher Liebe und Fürsorge hatte bekanntlich der Herr Lieutenant seinen Burschen Höhler, der jetzt Reservist ist, übergelegt und durchgehauen. Schließlich wurde den, Burschen die Durchprügelei aber zu dumm und er bat seinen Eskadrvnchef unter Darlegung des Sachverhalts um Zurückversetzuug i» die Front. Seinem Ersuchen lvurde auch Folge geleistet und gleichzeuig eine Untersilchung gegen den betreffenden Offizier ein- geleitet. Der Herr Lieutenant leugnete natürlich den ganzen Sa chverhalt, das Verfahren gegen ihn lvurde eingestellt und gegen Höhler An- klage lvegen übler' Nachrede erhoben. Vor dem Kriegsgericht gelang aber Höhler der Beweis der Wahrheit, und das Gericht mußte ihn freisprechen. Gegen das Urteil legte der Gcrichtsherr Berufung ein nnd so wurde der Fall nochmals niit einer Reihe»euer Zeugen ver- handelt, natürlich wieder unter völliger Ausschließung der Oeffenl- lichkeit. Die Beiveisanfnahine scheint sich aber wiederum günstig für den Angeklagten gestaltet zu haben, denn lvährend der Vertreter der Au- klage zivei' Monate Gefangilis gegen Höhler beantragte, erkannte das Ober-KriegSgericht ans Veriverfnng der Berufung, bestätigte also das freisprechende Urteil, lvas einer Veriirteiluiig des LientenantS von Waldhauien gleichkonnilt. Der Herr Liciitenaut verließ denn auch sehr gedrückt de» Gerichlssaal. Der Verhandlniig wohnlen Generalmajor v. Tippclslirch nnd Geh. Kriegsrat Wolf bei.— Eine exorbitante Strafe verhängte da« Kriegsgericht der 8. Division in Halle gegen den Musketier Hermann Esche von der 8. Compagnie des 153. Jnfanteriereginients in Altenburg. Esche U'or fniher Dienstknccht unb trat Im Oktober 18S8 in den Militär dienst, an den er sich absolut nicht gewöhnen»vollte. Er ist bereits il>veimal wegen Fahnenflucht mit insgesamt zwei Jahren und j�wei Monaten Gefängnis bestraft. Am Montag, den 6. Januar. kam er betrunken von einem Tanzvergnügen zurück und lie zum drittenmale davon. Als er zur Besinnung kam, wußte er erst. ivas er gethmi hatte. Aus Furcht vor der nunmehr zu erlvartenden Zuchthausstrafe faßte er den Entschlnh, nach Holland zu gehen. Um nicht erkannt zu werden, entwendete er in Schelchivitz, Ivo er früher gedient hatte, Äleidungsstücke und seine Militärsachen versteckte er auf einem Heuboden. Schließlich that ihm die Desertion leid nnd er meldete sich der Polizei in Bornburg. Das Gericht verurteilte den Augeklagten zu fünf Jahren acht Monaten Zucht Haus, vier Jahren Ehrverlust und Entfernung aus dem Heere.— Cecil RhodcS nlS Aitsftmd. Englnnd. Protektor der Wissenschaft und dcS WeltsriedenS. Aus Loudo» wird gemeldet: Das Testament Cecil Nhode�' setzt 40 Millionen Mark für Erziehuugszwccke auf der englischen Universität Oxford aus Es nehmen an diesem Legat die britischen Kolonien mit sechzig Stipendien für drei Jahre zu je tXXX) M. teil, wobei nanientlich Südafrika begünstigt ist. 102 Stipendien fallen an die Bereinigten Staaten Nordamerika?, für jeden Staat zwei, ebcir faüs zu je 6000 M. und fünfzehn Stipendien werden für Deutschland bestinmit zu je öOOO M. Die deutsche Stiftung ist durch ein in Südafrika gemachtes Kodizill festgesetzt, worin es heißt Nachdem der deutsche Kaiser den englischen Unterricht in de» höheren deutschen Schulen zwangsweise eingeführt hat, bestimme ich fünf zehn Stipendien auch der Universität Oxford und zwar fünf in jedem der ersten drei Jahre nach meinem Tode zu 250 Pfund für drei Jahre für Studenten deutscher Geburt, die durch den d e n t s ch e n K a i s e r zu e r n e n n e n s i n d, damit dadurch ein gutes Einverständnis zwischen England, Deutschland und An, erika erzielt wird, das den Frieden der Welt sichert, da erzieherisch Beziehungen das stärkste Band bilden. Man braucht den südafrikanischen Napoleon dieser Stiftung wegen nicht mit einem Mal als Wohlthätcr der Menschheit zu bc- trachten. Rhodeö ivar unverheiratet, wahrscheinlich auch ohne nähere oder wenigstens ihm näher stehende Verwandte, so daß er einen Teil seines Geldes schließlich nicht besser als zu den, von ihn, testamcn- tarisch festgelegten Zwecke zu verwenden wußte. Andrerseits braucht man die Motivierung, die Verteilung der Stipendien solle dem Welt frieden dienen, nicht für eine Phrase des Testators zu hallen Realpoliliker und Kraftmenschen seines Schlages Pflegen vielmehr gewöhnlich ettvas hochfliegend Phantastisches' in ihrem Wesen zu haben.— Rnstlnud. Kundgebungen. Wie die Nachrichten, die ja nur auf Umwege» In die Centren wie Petersburg und Moskau einlaufen können, zeigen, haben in den ersten Märzwochc» fast in allen größeren Städten des Reiches regierungsfeindliche Kundgebuiige» stattgefunden. lieber Petersburg und Odessa haben wir schon berichtet. eS sei noch erwähnt, daß nicht minder gelungene Demonstraiioncn auch in R o st o w a. D. und in I e k a t e r i n o s l a w der Nc gierung zu schaffen gegebe» habe». Am 4. März waren in Jekaterinoslaw zahlreiche Flugblätter verbreitet, die die politische Lage erörterten und die Bevölkerung aufforderten, mit dem bestehenden System endlich einmal Abrechnung zu halten. Am ander» Tage um 7 Uhr abends versammelten sich im Stadtpark etiva 2000 Personen und zogen unter revolutionäre» Rufen und Liedern durch die Stadt. Im Zuge wurden auch mehrere Fahnen getragen, die wie es schien, der Polizei besonders viel Sorge machten. Sie bot alle Kräfte auf, u», diese den Demoustraute» zu entreißen. In Haft genommen wurden SO Studierende der örtlichen Bergakademie und viele Arbeiter. Auch hier haben die vevolutionäre» Organisationen wohl nur sehr wenig gelitten, denn einige Tage später erschienen neue Flugblätter. In Rostow beteiligten sich an der Domonstration etiva SOO Personen. Auch hier wurde» mehrere rote Fahncu getragen. In der Theaterstraße wurde der Zug von Kosaken und Gendarmen an- gehalten, zu einem Zusammenstoß kam es aber nicht. In Riga wurden in der Nacht vom 3. auf den 6. März fast in allen Fabriken revolutionäre Proklamationen verbreitet. Unter zeichnet sind sie von dem Komitee der vereinigten Arbeiter-Organt sationen Rigas und sind in vier verschiedenen Sprachen zur Ber teilung gekommen. An, S. März wurde in dem Volkshausc»ach de», Schluß der Theatervorstellung von den Galerien Aufrufe hemnter geworfen. Auch hier ist die allgemeine Stimmung eine solche, daß die Regierung schon rechtzeitig Vorkehrungen treffen will, um die Be- weguug im Keime zu ersticken. Die Kosakenabteilungen sind ver- stärkt Ivorden. Die blutigen Ereignisse, die sich hier im Jahre 1899 abspielten und die ei» Beweis dafür waren, wie stark in der hiesigen Bevölkerung die regierungsfeindliche» Strömungen sind, lassen den ganzen Ernst der Lage erkennen. Die Organisationen haben die drei Jahre in aller Stille an dem weiteren Ausbau ihrer Kräfte ver- wendet und sich vorsichtig im Hintergrund gehalten. Die verbreiteten Aufrufe beweisen, daß sie nun den Zeitpunkt für gekommen erachten, in den Gang der Dinge mit aller Kraft einzugreifm. Asien. Mandschnreivertrag. Aus Petersburg wird gemeldet. China habe den drei haiiptbeteiligtcn Mächte» England. Japan und den Vereinigten Staaten den Wortlant des niandschnrischen Abkommens unterbreitet. Sänitliche Mächte hätten den Vertrag, welcher spätestens in acht Tagen unterzeichnet werden soll, gebilligt Zwei socialistische Kongresse. London, 2. April. Von, 29. März bis zu,» 1. April hielten die beiden socialistische» Organisationen Englands ihre Jahreskougrcsse ab. Die Social- demokratische Föderation sS. D. F.) tagte in Blackbum, die Nu- abhängige Arbeiterpartei lJudepeudent Labour Party:= I. L. P.) i» Liverpool. Dank den socialistischeii Kandidaturen bei den Ersatz- wählen in Lanark, Dewöbury und Wakefield, die die öffentliche Auf- merksamkeit auf sich lenkten, war die englische Presse gezwungen, sich Heuer niit den Verhaiidlunge» der socialistischeu Kongresse näher zu beschäftigen. Der I. L. P. wurde mehr Beachtung geschenkt, da sie von der Presse als eine ziemlich vernünftige Arbeiterpartei betrachtet wird, während die S. D. F. als hoffnungslos revolutionär gilt, mit der vorläufig nicht z» rechnen sei. Extrem, wie diese Meinung ist, so hat sie doch ein Körnchen Wahrheit in sich. Läßt sich die Leitimg der S. D. F. von den Iveuigen Fanatikern beeinflussen und gestaltet sie demgemäß ihre Taktik, so wird die Organisation an, Jmpossibilisnius sterben. Aber auch die I. L. P. hat ibre Fanatiker: die Kompromißler im, jeden Preis und die Hcrocnanbeter. Mit dieser Taktik würde die I. L. P. i», Schmutz des Liberalismus untergehen. Die Rettung beider Organisationen liegt in einer Einigung. Leider hat die I. L. P. sich vorläufig gegen eine Einigung ausgesprochen.— Der Kongreß der S. D. F. wies 31 Delegierte auf. In den letzten sechs Monaten hatte die Organisation eine Einnahme von 648 Pfd. Sterl und eine Ausgabe von 440 Pfd. Sterl. Außerdem wurde» die Wahlkosten für die Kandidatur Queich(Deivsbury) aufgebracht, die sich auf 413 Pfd. Sterl. beliefen. Der Kongreß nahm u. a. folgende Beschlüsse an: 1.„Der Kongreß der S. D. F. in Blackbnrn sendet seine brüderlichen Größe an den Kongreß der I. L. P. in Liverpool und spricht die Hoffnung ans. daß die Verhandlunge» der beiden Organisationen zu einer Konsolidierung � der klassenbewußten Socialisten Englands führen mögen." Dieser Beschluß wurde niit 54 gegen 22 angenommen. 2..In Erwägung, daß seit den Lordentscheiden sich innerhalb der Gewerkschaften eine wachsende Tendenz bemerkbar macht, in die politische Aktion einzutreten, so fordert der Kongreß die Mit glieder der S. D. F. auf. sich den Trades-Unions anzuschließen. um die politische Aktion im socialistischen Sinne zu beeinflussen Ungeachtet der Thatsache, daß wir in der Vergesellschaftung der Produktionsmittel das Ziel, in dem bewußte», unaufhörliche» Klassew kämpf das Mittel der Arbeiterbefreiung sehen, bestätigen wir auch fernerhin die freundliche Haltung der S. D. F. den Trades-Unions gegenüber und erblicken in ihnen Verbindungen von Arbeitern im Kampfe gegen daS Kapital. Obwohl wir Alliancen mit TradcS Uniaps ablehnen, die uns auf Kandidaten und Programme ver- pflichten könnten, die unsrer Ueberzeugung zuwider sind, empfehle» wir die Pflege guter Beziehungen zwischen Socialisten und Trabes- Unioniste» und versichern die Unions unsrer Sympathien in ihre», Kampfe für bessere Lebensbedingungen und unsre herzliche Mit- arbeiterschaft, sobald sie bereit sind, im socialistischen Sinne vor- zugehen..." o Dieser Antrag wurde vom Genoffen Queich im Namen der Parteileitung eingebracht und verteidigt; er Ivurde mit 70 gegen 7 Stimmen angenommen. Ein Gegenantrag auf Gründung von besonderen s o c i a l i st> s ch e n G e tv e r k s ch a f t e wurde mit 71 gegen 10 Stimmen abgelehnt. 3.„Der Kongreß verurteilt die entstehende antisemitische Be wegnng, die sich als eine Agitation gegen die Fremdeneinwanderung bemerkbar macht. Er protestiert gegen jeden Versuch, daS Asylrecht einzuschränken." Angenommen mit 69 gegen 4 Stimmen. Einstimmig beschlossen wurde die Aufstellung von mindestens vier Kandidaten der S. D. F. bei den nächste» Hauptwahlcn. Schließlich Ivurde ein Antrag, der socialrevolutionären Be wegung Rußlands die Sympathie der S. D. F. auszusprechen, ein stimmig angenommeit— DerKongreß der J. L. P. wurde von 109 Delegierten beschickt. Ein Finanzbericht wurde der Oeffentlichkeit nicht übergeben. Der Vorsitzende Mr. Bruc Glasier gab eine Uebersicht über die politischen Vorgänge des abgelnufenen Jahres und sagte u. a,:„Zu den Verlusten in Süd afrika kommt noch die Invasion dcS amerikanischen Kapitals. De» in- dustriellen Niedergang will man den Gewerkschaften zuschieben, aber diese Anklage ist grundlos. Eine der erfreulichsten Erscheniungen des sociale» Fortschritts ist die Eutwickelung der nuinicipalen und stnatlichcn llnter nehmungen. Die Thatsache, daß England sich socialisiert»nd gleiche zeitig den theoretischen Socinlismns verleugnet, beweist, daß der Socialismus ein Teil des LcbcnSprozcsses geworden ist. Wir be wundern mehr als je die Aufopferungsfähigkeit und den Mut Kei H a r d i e S und wir sind entschlossen, ihm treu zn bleiben. Durch das Wirken der I. L. P. sind„Arbeiter" und„Socialisten" beinahe synonyme Begriffe geworden und im kurzen werden sie unauflöslich fein." Resolutionen wurden angenommen: 1. gegen die neue Schul vorläge, die die besonders' gewählte Schulkonimission(School Boards) beseitigt; 2. gegen den südafrikanischen Krieg, die Konzen tratiouslager, die Annexion der beiden Republiken; 3. gegen die Wiedereinführnng dcS SchntzzollsystemS; 4. für die Ausdehnung des Gesetzes betr. Ärbeiterunfälle; S. für die Mmncipalifiernng der Schaukhänser. Ein Antrag auf eine Einigung derJ. L. P. mit de S. D. F. wurde mit 69 gegen 40 S t i m m e n verworfen. I» seinen, Bericht über die parlamentarische Thätigkeit sagte Keir Hardie:„Es giebt keine besondere Arbeitergruppe im Parlament. Manche Arbciterabgeordnete wollen eine solche nicht haben. Die Folge ist, daß keine Verbindung zwischen Gewerk- schaften und Arbeitervertretern besteht; ferner, daß die Kampffähigkeit der letzteren eine schwache ist." In Bezug auf Indien meinte der Redner, daß die Lage der indischen Bauern eine immer schlechtere wird. Es wäre überhaupt besser für Indien, lven» es von England in den Besitz Rußlands überginge. BegriißungStelegramme sind eingelaufen vom Internationalen Socialistischen Bureau in Brüssel und von den belgischen Genossen die der I. L. P. für ihren anti-imperialistischen Kampf den Dank aussprechen. Mit einer Synipathickundgebiing für die socialrevolntionäre Bewegung Rußlands, sowie mit einer Aufforderung an die Trades llnionisten, für eine unabhängige Arbeitervertrctnng zu sorgen, schloß der 10. Kongreß der I. L. P.— Der Boereu- Krieg. Die neueste englische Schlappe. Wie ei» Telegramm des„Renterschen BureauS" ans Pretoria nieldet, verloren die Boeren in den» Gefecht unter Delarey bei Drickuil am 31. März 137 Getötete und Verwundete.(??) Nach der amtliche» Liste betragen die englischen Verluste in den, Gefecht mit Delarey: 3 Offiziere getötet, 16 verwundet, 24 Mann getötet, 131 verwundet. Gemeindewahlen. Die Hamburger Genosse» rücke» der Bürger schaft immer energiichcr auf den Leib. Bei der Nachwahl im 20. Bcv zirk erhielt der gewählte bürgerliche Kandidat 246 Stimme», nnser Genosse Blume 225 Stimme» und ein dritter Kandidat 180 Stimmen. Da einfache Mehrheit gilt, hat also der Gewählte nur noch 20 Stimmen Vorsprung vor unser», Kandidaten. Die Gegner haben bedeutend an Stimmen verloren, Ivir 141 gewonnen. In P ö m m e I t e in der Provinz Sachsen wurden zwei Partei genoffen i» den Gemeinderat gewählt, ferner einer i» Röblitz bei Glaucha». In H a i n h o l z bei Elmshorn wurde in de» Geineindc- rat ei» Parteigenosse gewählt nnd einer in den Schulvorstand. Die Parteigenosse» dcS Wahlkreises Mlihlhauscn Lange» alza haben sich eine straffe Krcisorganisatio» geschaffen, indem sie auf ihrer Osterkonferenz ein ciitsprechcndcs Statut beschlossen. Berichtigung. Genosse Riemami in Chemnitz ersucht uns be richtigend mitzuteilen, daß er nicht gesagt habe, die Dresdener betrieben alles zu poniadig, sondern S i n d e r», a n n sei ihm z» Pomadig. Solange er nicht die Gewähr habe, daß Sinderinann nicht wieder gewählt werde, könne er den Dresdenern das Centralkoinitce nicht wieder überlassen. polilriliches, Gerichtliches usw. — Orffentliche Bcrsammlnng oder BcreinSversammlnng? Der Genosse P a s s e h l in W o l g a st erhielt eine Strafverfttgung, in der es heißt: „Sie habe» am 13. März 1902 niit Umgehung des auf Grund des§ 8b Abs. 2 deS BercinSgesetzeS vom 11. März 1850 ergangenen polizeilichen Verbotes eine als öffentliche Bersaininlung bezeichnete Versniiimlung des„Socialbemokratischen Wahlvereiiis" abgehalten und geleitet. Ivelcher, obwohl politische Gegenstände sGedächtniSrede über die Bedentuiig der Märzrevolutio»— Märzfeier) erörtert worden tnd. Frnnensperloiien beigewohnt haben." Passehl soll deswegen 15 Mark Strafe zahlen. Man sollte doch an« der Verfügung ersehen können, ob eine öffentliche oder«ine VereinSversaminlung abgehalten worden ist. Klus Fuduptvie und Handel. Der Schleusenzoll au der Charlottenburger Schleuse gab Anlaß zu einer Versammlung von Schiffahrts-Jiilcressenten, die am Sonnabend in den Arminhallen tagte. In der Versammlung tvurde ausgeführt, daß die Werderschen Obstzüchter unter diesem Zoll be- sonders schwer zu leiden haben. Die Charlottenburger Schleuse sei schon von jeher ein erhebliches Hindernis für den Obsttransport von Werder nach Berlin gewesen. Immerhin sei die Benutzung während des Tages kostenfrei gewesen. Infolge einer Bekanntmachung vom Juli 1900 werde seit dem 1. Januar 1901 ein Zoll an der Charlotten- burgcr Schlense erhoben, und zwar unter Berufung ans den Zolltarif von 1871, der einen Zoll von höchstens 7 M. für ein beladencs Fahr- zeug zuläßt. Entgegen dieser Bestimmung werde aber von einen, einzigen Obstkahn ein Zoll von 22 M. am Tage, 33 M. bei Nacht. und 11 M. bei der Rückfahrt des leeren Kahnes gefordert. Diese »»verhältnismäßig hohe Abgabe treffe die ohnehin nicht besonders tvohlhabciiden Werderschen Obstzüchtcr um deSivillen ganz besonders hart, Iveil die Tragfähigkeit der Fahrzeuge beim Obsttransport etwa zu einem Drittel, oft nur zu einen, Zehntel bis einen, Zwanzigstel ansgcnntzt werden könne. Während des verflossenen Jahres habe die Genosseiischaft der Werderschen Obstzüchter rund 5000 M., die Rade- berger Exportbrauerei 7000, die Firma Siemens u. HalSke 3000 M. Schleusenzoll zu zahlen gehabt. Auffallend sei eS, daß fünf Spedi- teurstrinen, welche de» Wassertransport für staatliche Werkstätten besorgen, vom Schleiisenzoll befreit sind.— Weiter wurde ausgeführt, daß verschiedene Eingaben der Jittercsseilten an den für den Schleusen- zoll zuständigen Eisenbahnminister keinen Erfolg gehabt haben. Die Erhebung einer höheren al� der im Zolltarif zugelaffenen Abgabe werbe seitens der Behörde damit begründet, daß es sich nicht nur um einen Schleusenzoll,' sondern auch um eine Abgabe für die Benutzung des FlnßlaufeS handle. Die Interessenten dagegen berufen sich darauf, daß Artikel 54 der ReichSverfassiing die Erhebung von Abgaben für die Veiiiltzmig öffentlicher Flußläiife verbietet, und Artikel 100 und 102 der preußischen Verfassung ausdrücklich sagen, daß Steuern und Abgaben uux auf Grund eines Gesetzes erhoben werden dürfen. Die Versammlung beschloß, sich wegen des Schlensenzolles niit einer Petition an den Minister und an den preußischen Landtag eventuell auch an den Bmidesrnt und den Reichstag zu wenden. Landtags- Abgeordneter Pastor Schall, der zur Versammlung eingeladen und erschienen war, sagte seine Unterstützung der Wünsche der Jntcreffcnten zn. Hoch- nnd Untergrnndbahn. Die Generalversammlung der Aktionäre bcichloß, zum Ausbau der Bahn bis zum Charlottenburger Knie daS Altieukapital um 10 Millionen Mark zu erhöhen. Wie berichtet wurde, betrug die Diirchschnittseinnahme in erster Zeit 4500 bis 6000 M.. in letzter Zeit 10 000 bis 12 000 M. pro Tag. SyudikatSgründungen in der Eisenindustrie. Die„Kölnische Zeitung" meldet: Die in jüngster Zeit von Berlin ans verbreiteten Nachrichten über die angeblich unn, ittelbar bevorstehende Begründung eineS allgemeinen Wälzwerkverbandes sind, wie wir erfahren, darauf zurückzuführen, daß von Oberschlesien ans die Anregung ergangen ist, die einzelnen Gruppen möchten untereinander gegenseitig ihre Absatzgebiete abgrenzen und de» Ver- kauf durch eine gemeinsame Centralstelle vornehmen lassen. Hierüber findet heute eine Vorbesprechung der rheinisch- westfälischen Werke statt, an welcher indes nur die größeren teil- nehmen. Eine zweite, ebenfalls von Oberschlesicn ansgegangeiie Anregmig geht dahin, die verschiedenen Verbände für Träger, Drahte, Feinbleche»sw. in einer einheitlichen Organisation zu- sammenznflissen. Ueber beide Vorschläge wird im Laufe der nächsten Woche in Berlin zivischen den verschiedenen Gruppen verhandelt iverden. Die Gründung eineS allgemeinen Stahlwerkverbandes ist vorläufig ausgegeben worden. Berlin und Umgegend. Achtung, Holzarbeiter! Trotz der Beschlüsse des Verbandes haben in der letzten Woche organisierte Kollegen den Arbeitsnachweis der Jniiiing besucht; wie sie sagten, auS Neugierde. Die Verwaltung sah sich gezwungen, diesen Kollege» die Arbeitslosen« llnterstiitzuiig zu versage». Wir ersuchen deshalb die Kollegen, den JnnungSnachweis auf alle Fälle zu meiden. und ztvar nach den Verbandsbeschlüssen so lange, bis die llnternehmer sich bereit er- klären, niit uns über den Nachweis zu verhandeln. Weiter machen wir die Kollegen darauf aufmerksa»,. daß Woche für Woche die 50 Pf.-Marken geklebt werden müssen, da nur dam, die Arbeitslosen- Unterstützung au die Kollegen gezahlt werde» kann. Die Verwaltung hat allwöclieiitlich Dutzende voiiFälleii zu erledige», in denen dieKollegeu erst die 50 Pfennig-Marken kleben wollte», als sie arbeitslos gc- worden waren. Die Gciicralversamiiiluiig hat beschlossen, in solchen Fällen keine ArbeitSlosen-Unterstützmig zu zahlen. Die Kollegen er- suchen ivir, bei Vermeidung des Verlustes der Unterstützung sotvohl, als auch im Interesse«nsreS berechtigten Vorgehens gegen die Kon- troülartcn der Innung, die Extramarken pünktlich zu entnehinen. Es ist aber auch notwendig, daß die indifferenten Kollegen, welche keiner Organisation angehören und den Unternehmernachweis be- suchen, darüber aufgeklärt werden, daß durch ihre Uiiterstützung des UiltcrnchniernnchweiseS sie sich selbst nnd ihre Kollegen schädigen. Jeder Kollege, der ans sich selbst noch etwas hält, sollte sich den an- maßende» Bestiinniungen de« Unternehmernachweises entziehen. Sämtliche Kollegen»lüssen ein Interesse daran haben, diesen, Treiben der Unternehmer Widerstand zu leisten. ES wird unS bei esten, Zusammenhalt aller sicher gelingen, den Herren«ttvaS social- politische Einsicht beizubringen. Daß die Herren Unternehmer fühlen, wie sie i» die Defensive gedrängt werden, beweist das sicher von ihnen gewünschte groß« Polizei-Aufgebot vor ihrem Nach- weis. Uniformierte und Civilbcainte stehen auf der Wacht. Wir ind freilich der Ansicht, daß die Polizei nicht nur zum Schutz von Uiiternehmercinrichtungen da sein soll, sondern auch die in diese», Fall so loyalen Bestrebnnge» der breiten Schicht der Arbeiter zu unterstützen verpflichtet wäre. Jedenfalls muß den organisierten Arbeiter» der den Unternehmer» zn teil werdende Schutz durch die Polizeibehörde ein Ansporn sein, ihre vollberechtigten Wünsche um so entschiedener zur Geltung zu bringen. Die OrtLverwaltung. Milsikiiistrumcntcn-Arbcitcr insbesondere Klavier-, Klaviatur- und H a r n, o» i n»,« arbeiter in Preußen, Sachsen und Thüringen! Ein großer Teil der deutschen Arbeiter bemüht sich innerhalb der Arbeiterbewegung seine materielle und ideelle Stellung zn heben, iiian versucht Klarheit zu gewinnen über die Mittel mid Wege, welche zur Beseiligmig der socialen Mißstände führen. Nur»nsre BernfskoNege», die Arbeiter der deutschen Musik- i n st r u m e» t« n- I n d n st r i e, sind der Organisation fern- geblieben, das ZusainmeiigehörtgkcitSgefühl ist leider mir in sehr geringe», Maße vorhanden. Es ist geradezu beschämend, wem, wir in den Städten und Orten, wo unsre Judnstrie dominierend ist, oft- inals nicht daS geringste Jntercffe für die Organisation vorfinde». Unbeteiligte möge» annehmen, in nnserm Berufe seien die Ver- Hältnisse gesunde, ja beiieidenSiverte, doch die Thatsache,, lehren etwas andres. Stuiidenlöhiie in der Provinz von 18, ja höchstens 25 Pf. ür Klavierarbeiter, noch bedeutend geringere in der Holz- nnd Bleck- tnitrumenlen-Jndustrie. oft eine überlange Arbeitszeit, verbniche» mit einer mcnschenunivürdigen Behandlung seitens der Uitternchmer 'ind nicht selten. Schon des öftere» haben sich Arbeiterzeitungen mit Betrieben obenstehender Art beschäftigt, allein die Folgerungen haben die Arbeiter leider bis heute»och nicht gezogen. Dazu kommt och die Krise, deren Folgen Arbeitslosigkeit, BctriebSeinsckränkungci, nnd Lohnkürzungen aller Art sind. In Anbetracht dieser Situation würden wir eS für ein Verbreche» halten, ivenn wir es unterließen, an die deutsche Kollegen- 'chaft z„ appellieren. Die Aaitatio» Sko m Mission deS Fachvereins der M u s i k i i, st r u n, e n t e n- A r b c i t e r Berlins macht Euch den Vorschlag(inn die Arbeit für den Anfang zn erleichtern, wenden wir uns zimäckst an die norddeutschen preußischen, sächsischen nnd' thüringischen Kollegen), eine von unS zu Pfingsten einbernfene Kon- 'erenz zahlreich zu beschicke». Diese soll zunächst eine allgemeine Annäherung der deutschen Kollegen bewirken. Eine gegenseitige Aus- sprciche ,»id Schilderung der Verhältnisse Ivird dciS Vertrauen stärken. dann wird es ein leichtes sein, eine Vereinigung zu bilden/ die nus alle umschließt, ohne jeden einzelnen Bezirk in seiner Selbständigkeit und Selbstbestimmung zu beeinträchtigen. In der Erwartung, daß unsere Vernfsgenossen unser Vorhaben unterstützen und sich zahlreich an der Konferenz beteiligen, zeichnet mit kollcgialischem Gruß Die Agitationskommission des Fachvereins der Musikin st rumeiiten-Arbeiter Berlins u u d II m g e g e n d. I. A.: A. 5k l e i n l e i n. Berlin 80.. Wienerstr. 57». Alle weitere Korrespondenz ist an obige Adresse zu richten. Arbeitcr-Zeitungcn werden uin Abdruck gebeten.' Achtung, Kernmacher! Die Firma Ludwig Löwe sucht in anslvärtigen Blättern(Düsseldorf, Chemnitz, Duisburg, Mannheim! Kernmacher. Wir ersuchen dringend, den Zuzug fernzuhalten.— Arbeiterfreundliche Blätter werden um Nachdruck gebeten. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik bei Altmann Marienfelde, dauert unverändert fort. Zuzug ist unter allen Um ständen fernzuhalten.— Wir bitten arbeiterfreundliche Blätter um Nachdruck. Deutsche» Reich. Der Centralverband der Maurer weist in seiner Abrechnung für das Jahr 1901 eine Gcsaniteinnahme von 1 248 644.05 M. auf. der eine Ausgabe von S94 958,64 M. gegenübersteht. Die Ausgabe übersteigt die des Vorjahres um 250 487,42 M. Diese Mehrausgabe entfällt in der Hauptsache: auf Streiks 111612,61 M., Sterbe- Unterstützung 13 840 M., Neisc-Unterstütziing 14 228,10 M.. Prozente der Zweigvereiue 77 968,58 M. Das Vcrbandsvermogen ist gestiegen :»» 155 753,87 M. und beträgt 1 004 525,25 M. An der Steigerung ist beteiligt die Hauptkasse mit 98 244,72 M,, das übrige entfällt a» die Kassen der Zweigvereiue und Gaue. Die Mitgliederzahl ist gegen das Vorjahr um 2095 kleiner. Sie betrug im Jahres durchschnitt: 1300 32 964, im Jahre 1901 80 869. Die Friedensliebe der Arbeiter bekundet sich wieder einmal bei der von Zaune gebrochenen Aussperrung, welche die Innung „Bauhütte" in Kiel insccnierte. Wie uns unser Kieler Korrespondent telepraphisch nütteilt, beschlossen gestern abend sowohl die Maurer wie die Zimmerer e i n st i m m i g, der Anregung des Gewerbe- gerichts-Vorsitzenden Folge zu leisten und— obgleich die Sache für sie durchaus günstig steht— das E i n i g u n g s a m t anzurufen. Anders die Herren Jnnungsmeisterl Diese wiesen die diesbezügliche Aufforderung des Herr» GewerbegcrichtS- Vorsitzende» zurück und bewiesen damit, daß es ihnen nicht auf eine friedliche Beilegung des Konflikts ankommt, sondern daß sie denselben auf die Spitze treiben und die Gesellen niederzwinge» wollen. Zu diesem Zivecke haben sie denn auch ein neues„Ulli- matum" gestellt. Sie fordern Abschluß eines Vertrages aufs ü n f Jahre und haben den Gesellen bis zum Mittivoch Frist gestellt. Haben die Gesellen sich bis zum Mittwoch nicht gesügt, so drohen sie. Fremden in Massen nach Kiel zu ziehen und die einheimischen Bauarbeiter für de» Sommer auszusperren!— Die Solidarität der Bauarbeiter allerorten wird dafür sorgen, daß den Herren ihr Geniestreich gründlich versalzen wird. Ei» Gutenbcrgbündler. Der Schriftsetzer Hoppe, welcher i» der„Hallcschen Zeitung", wo die Verbaudsbuchdrucker die Arbeit niedergelegt haben, Streikbrecherdicnste leistete, hat diese Thätigkeit nr- plötzlich unterbrechen müssen. Obgleich er zu den für den Staat„be- sonders nützlichen Elementen" gehört, ivurde er von der Polizei ver- haftet, weil er einem Wirt, bei dem er verkehrte, 150 M. und wichtige Familienpapiere gestohlen hatte. Hoppe ivar Gutenbcrg- bündler und ist extra von Magdeburg nach Halle übergesiedelt, um die„Hallesche Ztg." nicht in der Klemme stecken zu lassen, in die sie die Verbandsbuchdrucker gebracht hatten. Die Steinarbeiter bei der Firma Hüser in B r a u n s ch w e i g streiken noch immer. Im Streik sind 16 Mann, darunter 12 Familien- Väter mit 4V Kindern. Es Iverden nun 35 Stcinhaner nach Königslutter gesucht. Da Herr Hüser gelegentlich derartige Anspielungen machte, ist anzunehmen, daß dort Streikarbeit für die Firma Hüser angefertigt werden soll.— Auch von Königslutter ist demnach Zuzug von Steinarbeitcrn fernzuhalten. In der Fafsonzieherei der Finna Post zu Köln- Ehrenfeld legten ca. 90 Arbeiter Ivege» einer bis zu 60 Prozent gehenden Accordrednktion und Einführung des KolonuensystemS die Arbeit nieder. Da mit den erschienenen Arbeitern der Betrieb nicht aufrecht erhalten werde» konnte, stellte die Firma denselben ein. Die Malergehilfen von Apolda sind in einen Abwehrstreik getreten, Iveil die Malermeister den im vorigen Jahre vereinbarten Lohntarif, der eine zehnstündige Arbeitszeit und einen Miudestlohn von 33 Pf. pro Stunde garantierte, gekündigt haben. Der Streik der Schuhmacher bei der Firma Lüder u. Co. in Würzen dauert unverändert fort. Bei den Einigungsverhand- lungen, die sich zerschlugen, bat die Firma erklärt, sie ivolle ihre Arbeit andertvärts herstelle» lassen. Alle Arbeiter der Schuhindustrie werden darauf hiugeiviesen; zugleich werden dieselben ersucht, den Zuzug streng fernzuhalten. Die Aussperrung der Weber bei der Firma Schönfeld in Crimmitschau ist zu Gunsten der Arbeiter beendet. In der Möbelfabrik von Reutlinger zu Karlsruhe haben alle Arbeiter bis auf einen die Arbeit niedergelegt. Ursache ist eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Zur Schneideranösperrung in München wird gemeldet daß sich leider eine Anzahl von Böhmen gefunden haben, die den Ausgesperrten in den Rücken fielen. Freilich sind es junge, kaum der Lehre entwachsene Bürschchen, die zum Glück nicht viel Schaden anrichten können.— In einer von über 500 böhmischen Arbeitern besuchten öffentlichen Versammlung forderte Redacteur R o s ch a l aus Prag in czechischer Sprache auf, alle Landsleute, die zur Zeit als Streikbrecher thntig sind, zur Niederlegung der Arbeit zu beivcgen. Heute(Sonntag) sollen 60 000 Flugblätter an die Ein- ivohuerschnft von München verbreitet werden, welche diese über die Machenschaften der Herren Jnnuugsineister aufklären sollen. Ausland. Lohn- und Streikbewegungen in der Schweiz. In Zürich sind am 1. April die Tapezierer, 60 Mann stark, in den Streik getreten. In acht Geschäften arbeiten bereits 16 Gehilfen zu den neuen Bedingungen.— In St. Julpico(Kauton Neuenburg) haben die Arbeiter in de» Ceinentsteinbrüchen ivege» Lohnreduktion die Arbeit eingestellt.— In Basel streiken die Schuhmacher- gehilfe n in der Werkstätte Wiest, weil derselbe den von ihm sonst anerkannten Tarif nicht uuterzeichnen ivill. In S t. Gallen und Genf stehen die Schuhmachergehilfen in Lohnbewegungen.— Ter S ch n e i d e r st r e i k in Zürich dauert fort, desgleichen streiken die Schneider in Frauenfeld und Winterthur, am letzteren Orte wegen Uebernahme von Streikbrecherarbeit für Zürich durch ein größeres Geschäft._ Berliner Partei-Angelegenheiten. ReichStags-Abgeordueter Bebel wird am Donnerstag in einer bei Lips am Friedrichshain stattfindenden Volksversammlung über„Die politische und ökonomische Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert" einen Vortrag halten. Um zahlreichen Besuch bitten Die Vertrauensleute des 5. Wahlkreises. Der Wahlvereiu für de» 4. Berliner Wahlkreis(Osten) hält am Dienstagabend Wt Uhr Große Frankfurlerstr. 117 seine Generalversammlung ab mit nachfolgender Tagesordnung. 1. Bc- richt des Vorstandes und der Revisoren. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren. 3. Vortrag des Genosse» Adolf Hoffmann über:„Wohin steuern wir?" 4. Verschiedenes. Johaunisthal. Am Dienstagabend 3 Uhr, findet im Lokal des Genossen Merlins. Roonstr. 2, die Generalversammlung statt. Tages- ordnung: 1. Bericht des Vorstandes; 2. Wahl eines Kassierers; 3. Vereins-Angelcgenhciten. Um regen Besuch ersucht Der Vorstand. Schöneberg. Die Parteigenossen werden nochmals auf die heute stattfindende Flugblatt-Verbreitung hingewiesen. Die einzelnen Lokale sind in der Freitagnummer angegeben. Für den 7. Bezirk ist irrtümlich ein falsches Lokal angegeben, es soll nicht heißen Horn, Hohenfriedbergstr. 11. sondern: Ulm» Hohen- friedbergstr. 25. Dienstag, den 8. April, bei Obst: Versammlung deSWahl- Vereins. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Ledebour:„Die politische Lage." Die Mitglieder werden ersucht, zum Besuch dieser Versammlung recht rege zu agitieren. WaS hat die Naturwissenschaft zur Arancnfrage zu sagen? Ueber dieS Thema spricht Dr. Steiner Mitttvochabend in einer bei O b st, Meiningerstr. 8, stattfindenden Versammlung des Vereins der Frauen und Mädchen Schönebergs. Schmargendorf. Dienstagabend tz'/z Uhr hält der Wahl verein seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Lichtenberg- Friedrichsberg- WilhclmSbcrg. Montagabend SVa Uhr sind die Bezirkskassierer in den 12 Bezirkslokalen zur Empfangnahme der Beiträge zum Wahlverein Bezirk Lichtenberg antvescud. Die zur Teilnahme an der G e w e r b e g e r i ch t s w a h l ani 21. April notwendigen Legitimations scheine gelangen dort zur Ausgabe, ebenfalls die Billets zur Maifeier! Wahlverei» Bezirk Pankow. Dienstag, den 8. April, abends 8'/s Uhr, Vereinsversammlung be! Großkurt. Berliner- straße 27, wissenschaftlicher Vortrag des Herrn v. Kropfs- Pankow über:„Funkentelegraphie und die neuesten Forschungen an' diesem Gebiet."_ Gerichts �FZeitunÄ. Bedenke» gegen einige Entscheidungen des Reichsgerichts drückte gestern der Vorsitzende der IV. Strafkammer des Land- gerichts I. bei der Verhandlung eines Straffalles aus, der allerdings recht charakteristisch war. Angeklagt waren der pensionierte geprüfte Heizer bei der Anhalter Bahn Hinze und dessen Ehefrau wegen wiederholten Ladendicbstahls bezw. Hehlerei. H. hatte am 6. März das Wertheiinsche Geschäft in der Leipzigerstraße besucht; er trug eine größere Ledcrtasche in der Hand und eine Dctektivin, die ihn beobachtete, glaubte ivahrgenonimcn zu haben, daß er einen ausgelegten Gegenstand in diese Tasche hineincskamotierte. Der Angeklagte suchte, ais er sich beobachtet fühlte, durch die Reihe» des kaufenden Publikums zu entkommen, er Ivurde jedoch fest- gehalten und visitiert. Da fand man dann in der Tasche eine ganze Anzahl größerer und kleinerer Gegenstände, die dem Wcrtheiinschen Geschäft entnommen waren. Er gab auch zu, diese aus Vergeßlich kcit in die Tasche gesteckt zu haben. Als bei ihm'Haussuchung abgehalten ivurde, stellte sich seine Wohnung als eine Art Filiale des Werthcimschen Geschäfts dar.) Bei einer großen Reihe von Gegenständen der allcrvcrschicdenste» Art, Bedarfsartikel, Nippes, ganzen Kartons mit Seife, Zimmerschmuck ec. konnte festgestellt werden, daß sie ans dem Wertheimschcu Geschäft her- stammten. Die Auklagcbchörde nahm an, daß alle diese Gcgciistäude, zu deren Anschaffung dem Angeklagten die Mittel fehlten, von ihm gestohlen seien. Die angeklagte Ehefrau behauptete dagegen, daß sie die Gegenstände in der festen Meinung in Empfang genommen, daß er sie ehrlich erworben habe. Im gestrigen Termin blieb die Frau bei dieser Behauptung, während aus dem Ehe manne überhaupt nichts herauszubringen war; er erklärte auf alle Fragen des Vorsitzenden, daß er sich auf nichts besinnen könne. Die Erklärung hierfür gab der Sach verständige Or. meck. Bohnstedt, welcher bekundete, daß der Au geklagte Ivegen hervortretender g e i st i g c r Abnormität f. Z. pensioniert, sei» Geisteszustand vom Prof. Dr. Mendel und in der Naisern de sante untersucht worden sei und kein Zweifel ob- Ivalte, daß bei ihm eine unheilbare Paranoia vorliege. Auf Grund dieses Gutachtens mußte der Gerichtshof nach§ 51 des Strafgesetz- buchs zur Freisprechung des Angeklagten kommen, längere Be- ratung widmete er aber der Frage, wie die Frau strafrechtlich zu be- handeln sei. Wie der Vorsitzende hervorhob, hatte der Gerichtshof nicht den geringsten Zweifel, daß die Frau den unredlichen Erwerb der Sachen vollkommen gekannt habe, er mußte sie aber dennoch freisprechen, weil nach mehrfachen Reichsgerichts-Erkenntuissen, die dem Gerichtshof bedenklich erscheinen, der Fortfall der Hauptlhat auf Grund des 8 51 auch die Ilumöglichkeit einer Bestrafung wegen Be- güustiguug, Hehlerei ec. zur Folge babe und anderseits nicht alle Thatbeslandsmerkmale gegeben seien, um die Frau etwa wegen Unterschlagung verurteilen zu können. Eigentümlichen Gründe» hatte der D r o s ch k e n fu h rh e rr l--., welcher gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l stand, seine Freisprechung zu verdanken. Er war des Vergehens zegcu§ des K r a n k e n v e r s i ch e r u n g s- G e s e tz e s be- 'chnldigt, welcher denjenigen mit Strafe bedroht, der von den Löhnen seiner Arbeiter die Beiträge für die Krankenkasse„einbehält", ohne sie an die Krankenkasse' abzuliefern. Der Angeschuldigte räumte dies ein, führte aber zu seiner Entschuldigung an, daß er bisher nicht zu einer Abrechnung mit seinen Dro schkcukutscheru gekommen sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 50 M. Geldstrafe. Der Verteidiger Rechtsauwalt Sonueufeld führte dagegen folgendes aus: Tic Lohnverhältuisse beim Droschken- Fuhrwesen lägen so eigenartig, daß nicht der Fubrherr den Kutscher, sondern der Kutscher den Fnhrherrn bezahle. Nehme zum Beispiel ein Kutscher an eineni Tage 6 M. ein, so behalte er davon zunächst 1,60 M. als festen Lohn für sich. Ferner komme ihm der vierte Teil der Einnahme, also wiederum 1,50 M. zu. Die übrig bleibenden 3 M. erhalte der Fuhrherr. Dieser erhalte auch den 6 M über- schießenden Betrag. der am 1. jeden Monats mit dem Kutscher verrechnet und wobei auch das Krankeukaffengeld in Abzug gebracht werden solle. Daß der Angeklagte diese Abrechnung vermieden habe, ei eine Nachlässigkeit, aber man könne nickt behaupten, daß er die Beiträge von dem Lohn der Kutscher„eiubehalten" babe. AuS diesem juristiscken Grunde müsse die Freisprechung erfolgen. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte auf Freisprechung. Die Droschkenkutscher werden also in Zukunft darauf zu achten haben, daß pünktlich allmonatlich die Abrechnung erfolgt. Eine öffentliche Versammlung der Berliner Gewerbe- gerichtS- Beisitzer fand am 27. März slalt. Der Referent Herr Privatdocent Sradtrat I a st r o w- Charlottenburg referierte über „Die Proportionalwahlen zum Gewerbegerichte". Der Vortragende giebt zunächst einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Verhältniswahlen in den einzelnen europäischen Ländern von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. In Deutschland ei die Verhältniswahl eine politische Forderung der äußersten Demokratie, d. h. der Socialdemokratie und außerdem nur noch der württembergischeu Volkspartei. Bei der An- Wendung der Verhältniswahl auf die Gewerbegerichte aber habe sich Anhängerschaft und Gegnerschaft gänzlich unigestaltet. AuS- gegangen sei der Gedanke von dem Bestrebe», die Besetzung aller Sitze mit den Kandidaten einer Partei(nämlich der Socialdemo- kratie) zu verhindern. Bei dem ersten Versucke, der vor drei Jahren in Frankfurt a. M. gemacht wurde, habe sich die Socialdemokratie gegen diese Erfüllung ihres eignen Programmpunktes gesträubt, während andrerseits auch die Regiming den Kampf mit diesem Mittel nicht fortführen ivollte, da eS einen demokratischen Anstrich hatte. Die sehr geschraubten Versuche, die Verhältniswahl für gesetzwidrig zu erklären, da sie nicht„direkt und geheim" sei, sind nun durch die Gewerbcgerichts-Novelle abgeschnitten, indem diese die Anwendung ausdrücklich für zulässig erklärt. Im Reichstage haben die socialdemokratischen Redner den Stand- punkt eingenommen, daß sie die Verhältniswahl billigen würden, wenn sie vorgeschrieben würde, lveun sie aber nur g e- stattet würdet so werde das Ergebnis sein, daß die Gemeinde- Vertretungen sie dort einführen würden, wo sie der Socialdemokratie schädlich, aber ablehnen, wo sie ihr nützlich sein könnte. Nach Erlaß des Gesetzes jedoch habe die Socialdemokratie sich an verschiedenen Orten verschieden gestellt, ihre Gegner ebenfalls. Der Redner sprach sich dahin aus. daß die früher aufgestellten Behauptungen, als ob in den Gewerbegerichten parteiisch Recht gesprochen würde, mehr und mehr verstummt seien; wer die Geweibegerichte genau bcobachlet habe, wisse das Gegenteil. Allein im Interesse der Ver- meidung eines schlechten Scheines liege es, daß die Richterbank nicht ausschließlick von einer Partei besetzt, sondern die Sitze unter Mehrheit und Minderheit verhältuis- mäßig verteilt würden. Der Einwand der großen Konipliziert- heit treffe nicht zu. In Nr. 4 des„Gewerbegerichts" ist ein ebenso kurzer wie einfacher und leichtverständlicher Entwurf abgedruckt. Es sei endlich unrichtig, daß die Socialdemokratie ein Juteresse an der Verhinderung habe. I» Bezug auf die Recht- sprechung nicht, weil sie sich ja selbst gegen den Vorwurf parteiischer Rechtsprechung verwahrt; in Bezug auf Einigungsämter jetzt nicht mehr, weil das EinigungSamt gar nicht mehr vom Gewerbegerickt. sondern von den streitenden Teilen zusammengesetzt wird; endlich auch nicht in Bezug auf Gutachten, weil hier nach Lage der Gesetzgebung selbst die geschloffcnen Arbeilerstimmen keine Aussicht haben, ein Gulachten zu stände zu bringen.(Beifall.) In der Debatte sprachen mehrere Redner im Sinne des Referenten, einige dagegen. Unter anderm führte Mass in i auS: Wenn wir die Verhältniswahl wollen, dann verlangen wir dieselbe in erster Linie auf politischem Gebiet; solange dieselbe aber dort nicht eingeführt wird, so lange verzickten bezw. sind wir gegen dieselbe auch für die Gewerbegerickte. Allgemein wurde hervorgehoben, daß die weit verbreitete Ansicht, das Gelverbegericht Berlin habe sich zu Gunsten der Verhällniswahl ausgesprochen, unrichtig sei. Diese Mitteilung sei durch die„Sociale Praxis" verbreitet worden, obgleich nichts iveiter vorlag als die Meinungsäußerung einiger Vorsitzenden; eine Berichtigung sei verweigert worden. Gegenwärtig cirluliert unter den Bei- sitzern ein Antrag auf Einberufung des Ausschusses zum Zwecke der Erklärung gegen die Verhältniswahl, der auck von Anhängern unterschrieben wird, damit es zu einer ordnungsmäßigen Aussprache des Ausschusses komme. Darauf referierte Frau Ihrer über„das Wahlrecht der Frauen". Rednerin schildert die Rechtlosigkeit der Frau in wirtschaftlicher Bc- ziehung. Obwohl die Frau in der Industrie und in dem gesamten Erwerbsleben thätig sei wie der Mann, sei sie dennoch ansgeschlossen, sich an jenen Institutionen zu beteiligen. Ivo es gelte, ihre Rechte zu vertreten. Mit eineni Wort, die Frau ist politisch wie wirtschaftlich rechtlos. In Frankfurt a. M. war den Frauen das Wahlrecht gegeben. In zahllosen Petitionen und sonstigen Eingaben haben sich die Frauen an maßgebende Stellen gewandt und die Rechtlosigkeit der Frauen klargestellt. Alles vergebens. Man hatte geglaubt, daß bei der Revision der Gcwerbegcrichts-Novelle die Frauen berück- sichtigt würden. Doch auch diesmal sind die Frauen leer ans- gegangen; obgleich Taufende von Frauen in der Industrie thätig sind, hat mau ihnen das Wahlrecht nicht gegeben. Es muß mit Nachdruck seitens der Gewerkschaften eine energische Agitation ent- faltet wexdcn, um den Frauen das Wahlrecht erringen zu helfen. Reduerin empfiehlt folgenden Vorschlag: Der Magistrat wird er- sucht, bei der nächsten Wahl im Ortsstatut den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu geben.(Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt; dem Vorschlag der Refereutin wurde zugestimmt. (Ainnerk. der Sled. Wir werde» auf die oben erörterte Frage noch zurückkommen.) Tie letzte Versauinilnng dcö CentralticrbandcS der Civil- mnsiker beschästigte sich hauptsächlich mit der Beilegung des Kon- fliktcs, welcher zwischen der Arbeiterschaft und dem obigen Verband — hervorgerufen durch den Maifeier-Tarif, der an Wochentagen am 1. Mai Feierlaglohn fordert— seit Jahren besteht. Um diesen Konflikt beizulegen, wurde nachfolgende Resolution vom Vorstauoc eingebracht und von der Versammlung ohne Gegenstimme an- genommen: In Erwägung, daß die Ortsverwaltung Berlin des Ccutralverbandes der Civilmusiker Deutschlands den Maifeier- Tarif nicht aufrecht erhalten kann, beschließt die heute tagende Versammlung, den Maiseier- Tarif aufzuheben. Die Versammlung appelliert an das Solidaritätsgefühl der organisierte» Arbeiter, die Ortsverwaltimg Berlin des Centralvcrbands der Civil- musiker Deutschlands mit ihrem Stellennachweis anerkennen zu wolle», und vor allen Dingen keine Lehrlingskapellen zu beschäftigen. Ferner empfiehlt die Versammlung einen Tarifausschnß, bestehend aus 6 Parteigenossen(worunter 3 Gewerkschafter) und 6 Musikern, welcher gleichzeitig bei Streitigkeiten als Schiedsgericht fungiert. Die Versanmiluug ist der Ansicht, daß der bestehende Konflikt auf diese Weise am leichtesten zu beseitigen ist. Nach Erledigung verschiedener interner Angelegenheiten wurde die Versammlung mit einem drei- fachen Hoch auf den Centralverband geschlossen. Tie Gold-»nd Silbcrarbeitcr hielten am 25. März ihre MoualSversammliuig im DreSdeuer Garten ab. Herr P. M. Grempe referierte über:„Welche Vorteile bringen uns die Fortschritte der Beleuchtungstechnik." Der sehr iutcressaiitc Vortrag wurde mit leb- haftem Beifall aufgenommen. Hilter Verbaudsaugelegeuheiten er- suchte Brückner die Vertraueuslente, ihm ihre Wohnuiigs- Veränderungen mitzuteilen. Er wies dann auf die Maifeier hin und brachte die von der Generalversammlung gefaßte Maifeier- Resolution in Erinnerung. Eine demnächst stattfindende Vertrauens- mäuuer-Sitzuug wird sich des näheren mit der Maifeier befassen. In Betreff der Arbeitsloseu-Unterstützung ist eine Aeuderung dahin eingetreten, daß auch die Mitglieder, welche längere Zeit aussetzen, ebenfalls die Unterstützung erhalten. UVtzke und DepeMeu. Wege» Verrats»lilitärischcr Geheimnisse verhaftet. � Frankfurt a. M.» 6. April.(B. H.) Die.Franks. Zeitung" meldet aus Straßburg: Eil! Sergeant des zweiten bayerischen Fußartillerie-Regimeuts wurde in Metz verhaftet. Der Verhaftete wll sich des Verrats militärischer Geheimnisse schuldig gemacht habe»._ Bäcker- AnSstaud. Fülme» 5, April.(28. T. 25.) Die Bäckergehilfen sind nunmehr in den Ausstand getreten._ Königsberg i. Pr.» 5. April.(W. T. B.) Bei dem Abbruch eines Hauses am Kaiser Wilhelm-Platz wurden durch den Einsturz einer Decke eine Frau schiver. zwei andre leicht verletzt. Frankfurt a. M.» 5. April.(23. H.) Der„Franks. Zeitung" wird aus Diedcnhofcn berichtet: Lieutenant Weder vom 135. In- anterie-Regiinent erschoß heute morgen 7 Uhr in seiner Wohmiug eine junge Dame und dann sich selbst. Mannheim» 5. Slpril.(28. T. 25.) Wie die„Neue Badische Landcsztg." meldet, ist die Lederfabrik Hartmeyer in Neckarsteinach mit nahezu 800 000 M. Berbiudlichkeiten zahlungsunfähig geworden. Beteiligt seien hauptsächlich süddeutsche Firmen. Ein Münchener Fell- lieferaut, dessen Forderungen 200 000 Mark betragen, hat sich ans Kunimer über den drohenden Verlust ertränkt. Glasgow, 5. April.(W. T. B.) Bei einem heute stattgehabten Fußball-Wettspicl zwischen Engländern und Schotten durchbrachen die Zuschauer die Barriere. Hierbei wurden drei Personen getötet und 50 verletzt. Von letzteren sollen 15 schwere Verletzungen er- litten haben. Moskau, 5. April.(W. T. B.) Gestern Abend trat ein Mar in das Empfangszinmicr des Ober-Polizeimeisters Trcpow m wünschte denselben persönlich zu sprechen. Der dienstthnende Beaiw Zareniba sagte dem Petenten, daß er während der EmpfaugSst»nd> wiederkommen möge. Der Bittsteller warf sich nunmehr mit g? z ü ck t e m Dolch auf Zaremba, wurde aber entwaffnet und v e? haftet. Der Verhaftete heißt Michalewski. Leraniworilicher Redacleur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Verlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin Hierzu 3 Beilagen». llnierhaliungsblakt Sr. 80. 19. I-hrga-z.|5fjj(|(|f Die städtische Verkehrsdepntation bat Sonnabend unter Vorsitz des Ober-BürgermeisterS in drei- siiindiner Sitzung foljiendc Beschlüsse gefaxt: Der Magistrot der Stadt Brieg regt ans Anlaß lokaler Ber- halinisse an, eine Petition an den Landtag zn richten wegen Ab- ändcrtmg des preußische» Eisenbahngesetzes vom 3. November 1838 und Schaffung einer unabhängigen Instanz zur Entscheidung in Fragen öffentlichen Interesses' gegenüber der Stants-Eisenbahn- Verwaltung. In der Diskussion wird allseitig als ein zn beseitigender Mißstand bezeichnet, daß der E' s e n b a h n m i» l st e r in letzter Instanz die Entscheidung über Beschiverdcn gegen den Etsenbahnfiskus trifft, also Nichter in eigner Sache ist. Auf Antrag des Stadt- verordneten Singer tvird beschlossen, den Magistrat zn ersuchen, diese Frage ans die Tagesordnung der nächsten Versammlung des preußischen Stndtetnges zu bringen, und die im Städtetag' ver- einigten Städte hiervon zu benachrichtigen, damit das Material ge« sammelt dem nächste» Städtetag als Grundlage für die Beratung der Frage vorgelegt werden kann. Der Großen Berliner Straßenbahn war die ge- plante Erivciternng der Abfahrtstellen- Anlage in der Madaistratze »Itter der Bedingung unbeschränkter Mitbenutzung ihrer dort liegenden Geleise gestattet worden. Die Gesellschaft will nur die Mitbenutzung auf 400 Meter, d. h. die vertragsmäßige Mitbenntznngsstrecke, zu- gestehen. Die Deputation beschließt, die Genehmigmig zu erteilen, begrenzt jedoch die Zustimmung nur auf die für jetzt geplante Er- Weiterung notivendige Straßenstrecke. Die Verhandlungen über die Schaffung einer Gemeinschaft der wegeunterhaltungspslichtigen Gemeinden Berlin, Charlotten- bürg und Schvncberg zur Wahrung des Erlverbsrechtes des Siemens u. Halskeschen Hoch- und Untergrund- b a h n- Unternehmens, haben zu einem die drei Gemeinden be- friedigcnden Resultat geführt, wovon die Deputation Kenntnis nimmt und den Magistrat um Zustiminuiig ersucht. Der Borschlag zu Einrichtungen, die ermöglichen, daß die an den Straßeubahn-Haltestcllen Wartenden der Reihenfolge nach bc- fördert werden, wird in Rücksicht auf die dadurch entstehenden Schwierigkeiten abgelehnt und beschlossen, darauf hinzuwirken, daß dk Anzahl der auf einen Wage» wartenden Personen durch eine Zettverkürzung der Wagcnfolge verringert würde. Ter Große» Straßenbahn war bei der Genehmigung einer Schleifenmilage� am Görlitzer Bahnhof die Bedingung auferlegt worden, die Beseitigung der beim Bahnhos befindlichen Ausstcllnngs- geleise vorzunchmen. Die Gesellschaft ersucht, von dieser Bedingung Abstand zu nehmen. Die Deputation hält ihren Beschluß auf- recht, da nach ihrer Ansicht die Anfstellnngsgeleise für leere Wagen bei Anlage der Schleife nicht mehr notwendig sind. Eine Anregung des Verbandes der Fuhrwerksbesitzer Berlins und Umgegend, wonach die Straßenbahnwagen mit einer Signalvorrichtung versehen werden sollen, welche beim Einbiegen in eine andre Straß« die Fahrrichtnng anzeigt, tvird der Großen Straßenbahngesellschast zur Aenßerung überwiesen. Die Deputation behält sich die Befchlußsaffiing bis nach Eingang der Antwort vor. Die Große Straßenbahn legt einen auf Veranlassung des Polizei- Präsidenten anfgestcNten Entwurf für die Einrichtung eines Schleifen- bctriebcs(d. h. Ausschluß von Haltestellen) aus dem S p i t t e l« markt vor. Die Deputation lehnt den Entwurf bezw. den Plan ab. weil der Fußgänger- und Fuhrwcrksvcrkehr, durch die unaufhörliche ohne Unterbrechung stattfindende Folge der Straßenbahnwagen in hohem Maße beeinträchtigt und fast unmöglich geniacht würdet Ans Anlaß der Ablehnung der U e d« r q u e r u n g der Straße Unter den L i n d e n im Straßemnvemi hatte die Deputation eine Anzahl Projekte ausarbeite» lassen, welche die Unterführung ins Auge faßten. In Rücksicht ans die technischen Schivierigleiten, die sehr hohen Kosten, j« nach dem Projekt 4—8 Millionen Mark und vor allem auf die immer noch nicht erteilte polizeiliche Genehmigmig für die schon vor langer Zeit beantragten städtischen Straßenbahn- liiiien, beschloß die Deputation auf den Antrag des Stadtverordneten Singer die Projekte nicht weiter zu bearbeiten und der Frage der Llndenqueruiig erst wieder näher zu treten, iveim der Bescheid des PolizeiprSsidiunis wegen der Genehmigung der ftädtischcrseits beantragten Straßenbahnlinien eingegangen ist. Stadtbaurat Krause legte den Entwurf zur Anlage eines Hafens am Stralauer A n g e r vor. Die Kosten sind ans 6 400 000 M., ivorunter 2 400 000 M. für Grnnderiverb, veranschlagt. Der Entivurf fand nach seiner technischen Seite hin den vollsten Beifall der Depiltatio». Zur weiteren Bearbeitung deS Planes, vor dessen Jnaiigriffnahme Verhandlmigen mit der Strompolizeibehörde, dem EisenbähnfiSknS, den Aeltesten der Kaufmannschaft, sowie Berechnungen über den voraussichtlichen Um- schlags- und Lageruiigsverkehr, als Unterlage für die Beschlußfassung der städtischen Behörde» notivendig sind, ivurde eine Kommission, bestehend aus den Stadträten Krause, Böhm, Gericke, den Stadt- verordneten Dinse, Heilmann, Singer, und dem Magistratsassessor Alb erti eingesetzt._ Lokales. Ein Spiegelbikd ber gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage bietet der eben erschienene Geschäftsbericht der Berliuer„Volkt- Kaffee- und Speisehalle u- Gesellschaft" für das Jahr 1901. Die Gesellschaft, die seit 13 Jahren durch Verabreichung kräftiger Nahrung zu verhältnismäßig billigem Preise den, Miß. brauch geistiger Getränke entgegenzuwilken sich bemüht, hat in ihren drei Speischälle» im letzten Jahre nicht mir eine A b n a h in e der Besucherzahl, sondern auch einen erheblichen Minder-Ver- brauch von Speisen und Getränken gehabt. Ueber die Zahl der Gäste kann keine bestimmte Angabe gemacht werden, da eine direkte Zählung nicht erfolgt. Dagegen ivird die Menge der verlauften Speise» und Getränke selbstverständlich genau festgestellt. Als Mittagcffcn wurden im Jahre 1900 89 321 Portionen z» 80 Pf. und 323 286 Portionen zu 20 Pf. verzehrt. im Jahre 1901 dagegen nur 8ö 792 Portionen zu 30 Pf. und 304 43S zu 20 Pf. Dafür stieg der Verbrauch der Suppen zn 5 Pf. von 71309 auf 72 679. der Suppen zu 10 Pf. smit Brot) von 21 347 auf 31 938. Z» Abend ivurden allerdings die teuren Portione» zu 30 Pf. erheblich niehr als im vorhergehenden Jahre begehrt; ihre Zahl erhöhte sich von 3473 auf 5881.' Desto stärker vcrimiidericii sich aber die Abeiidportioiien für 25 und für 20 Pf., jene von 99 205 ans 81 990. diese bo» 43 586 auf 31 682. Andrerseits stieg der Verbrauch der Abeiidportioiien für 10 Pf. von 86 675 auf 86 740, derjenigen für 15 Pf. von 73 100 auf 80 873. Gelochte Eier wurden im Jahre 1900 noch 143 038 verzehrt. im Jahre 1901 nur 126 538. Stärker als sonst begehrtjivaren niari- »icrte Heringe. Der Verbrauch stieg hier von 20 143 auf 24 088, während der Verbrauch andrer marinierter Fische, vermutlich der bessere», von 6613 ans 5782 zurückging. Der Wurstvcrbrauch stieg vo» 7912 Stückchen zu 10 Pf. auf 8726, aber von den tencreii Würstchen, deren Verbraiich sich im vorletzten Jahre ans 4889 Paar gestellt hatte, ivnrden im letzten Jahre»nr noch 4561 Paar verkauft.� Zurückgegaiigen ist auch der Verbrauch von Butter »nd Käse. vo» 11 535 Portionen ans 10 002 und von 10 076 Portionen auf 8487. Belegte Stnllen zu 10 Pf. ivnrden »ichr verlangt, im vorletzten Jahre 174 574. im letzten 189 257. Der Verkauf bestrichener Schrippen zu 5 Pf. ging von 262 399 auf 255 192 zurück, dagegen stieg der Verkauf trockener Schrippen z» 2'/3 Pf. von 133 278 aus 153 740. Die nicht-alkoholischen Getränke wurde» teils mehr teils weniger als sonst verlangt. Der Kaffee- üfii Joroirts" Irrüii« verbrauch stieg von 703 837 Tassen auf 712 740, während Kakao von 250 350 Tassen auf 248 717 und Schokolade vo» 3854 auf 2511 zurückgiilg. Milch ging zurück von 17 370 Glas ans 14 325, saure Milch von 5315 Poriionen ans 4236, aber der Buiterinilchverbrnnch stieg von 7790 Glas ans 14 833. Auch Limonade hatte eine Verbranchsstcigcrnng von 15 843 Flaschen auf 17 032, ebenso Fleischbrühe'(die wohl in der Ziegel nicht als Ersatz für Suppe, sondern als warmes Getränk begehrt wurde) von 4405 Tasse» ans 4439. Stark ziirückgegangen ist der Bicrkonsiini, von 19 588 Glas a 10 Pf. auf 16 359, von 201036 Glas a 5 Pf. ans 158 913, vo» 11688 kleinen Weißen auf 9227. Dasselbe Schicksal hatte der angeblich harmlosere Apfellvein, desicn Verbrauch sich von 10 419 Glas auf 7850 vermüiderle. Eine bedeutende Ein» schränkung erfuhr auch der Tabakkonsinn. Es verringerte sich der Verkauf der Cigarren zu 5 Pf. von 89 653 auf 72 988, z» S'/s Pf. von 23 766 auf 20 613, der Cigarettcn zu 2 Pf. von 53846 ans 36624, zu 1 Pf. von 92 628 ans 83 334. Der Vorstand der Gesellschaft hebt angesichts dieser Zahlen in seinem Bericht ausdrücklich hervor, daß„das abgelaufene 13. Betriebs« jähr die Depression widerspiegelt, ivelche das>v i r t s ch a f t- lich e Leben beherrschte". Er sieht in der Veriilinderuiig des Verbrauchs„ein Zeichen dafür, daß sich die G ä st e, den schlechteren E r>v e r b S v e r h ä l t n i s s e» Rechnung tragend, mit kleineren Portionen bescheide»". Wir können hinziifügen. daß diese Erfahrung nicht bloß von der Speisehallen- Gesellschaft gemacht Ivordc» ist. Aach die Besitzer privater Speisewirtschafte», die ans Arbeiterpnblikiini aiigeiviesen sind, klage» über starke Vcrdiensiansfälle, und die Inhaber vieler Ladengeschäfte ans der Nahrimgsnitttelbranche, die Schlächter, Materialwarenhändler, Grüukramhändler usiv., stiinmen in diese Klage ein. Sie alle ivissen sehr genau, was von der Versicherung bürgerlicher Blätter sowie des Berliner Magistrats, daß im letzte» Jahre ein ungeivöhnlich starker Arbeitsmangel nicht geherrscht habe, zu halten ist._ An die Säugerwelt in der Arbeiterschaft richtet sich ein vom geschäftsführenden AuSschnß der Liedergemeinschaft der Arbeiter-Sänger-Vereinigungen Deutschlands veröffentlichter Aufrii folgenden Wortlauts: Arbeiter-Sängerl Wie auf politischem und gewerlschaft- lichcm Gebiet die Arbeiter ihre eigne Organisation bilden, durch die sie sich die ihnen gebührende Macht erringen, so auch ans dem Gebiete des Gesanges. Die L i e d e r g e m e i n s ch a f t der Ar- beiter-Sänger-Vereinigungen Deutschlands hat die früher zersplilterteii n»d daher wirkungslosen Kräfte der Arbeiter- Sängerbünde und Vereine zu einer notciigemcinschafilichei! Orgaiii- sation vereinigt, die ihnen das Arbeiterlied gab, das ihre Hoffimngcn, ihre Freude lind Leid zum Ausdruck bringt. Daß diese nur zu oft im schroffsten Widerspruch zn denen der bürgerlichen Welt stehe», ivelch' denkender Arbeiter weiß und liest das nicht heute auch? Und doch sind»och zahlreiche Sänger vorhanden, die sich von dem alten Schlendnan nicht losreiße» lind, aiistatt auch im Licde sich zur Freiheit zu bekcmien, deren Gegnern Gefolgschaft leisten. Hier Wandel zu schaffen, dazu erheben wir unsro mahnende Stimine. Wohl bestehen bereits in ca. 525 Ortschaften Deutschlands Arbeiter-Gejangvereine, ivelche einci» Arbeitcr-Säiigerbnnd und durch ihn der„Liedergenieinschaft" angehören, aber nach fehlen iiianche Städte und Wahlkreise, bei denen mit Bestimmtheit vorausgesetzt werden kann, daß saiigeSkuiidige Anhänger volhandeii lind zu finden sind. Mögen diese sich in Arbeiter-Gsiaugvereincn organisieren, ivelche bestrebt sind, das freie Lied im Dienste der Aiifklärung zn pflege» iind die Feste der kämpfenden Arbeiterschaft zn verschönern. Mit Erfolg hat sich die.Liedergenieinschaft" in den zehn Jahren ihres Besteheiis bemüht, durch Preisausschreiben wie durch direkte Aufträge den Liederschatz zn vervollkomiinien. Dichter und Komponisten, die Ihr mit uns fühlt mid denkt, helft uns das begoniieiie Werk weiterführen! Gebet dem Volke die Kunst, die zu seinem Herzen sprechen kann, weil sie aus seinei» Empfinden ge- boren ist. Der„Liedergemeiuschaft zc." gehören zur Zeit 32 Ar- beiter-Sängerbiilide an, bestehend ans 970 Vereine» mit einer Ge- samt-Mitgliederzahl von ca. 40 000 Sänger». Nach den Beschllissc» deS letzten Delegiertentages ist eine Gau-Eiiiteilmig für die zur Gemeinschaft gehörenden Arbeitcr-Säiiger-Vercinigmigen vorgenonlnien worden, um den cinzel»e» Vereinen es zu ermögliche», dem in ihrem Gau domizilierenden Arbeiter-Sängerbund sich anschließen zu können. Beitritt zur Liedergemeiuschaft kann jederzeit erfolgen, von Ver- einigungen sowohl als auch von Einzelvemiieil. Von letzteren jedoch nur, wenn nach geographischer Lage ihres Domizils ein Anschluß an einen zur Gemeinschaft gehörenden Sängerbund ausgeschlossen ist. — Eintrittsgeld und Beitrag wird nicht erhoben. Die zur Ausgabe konnnenden Lieder(im Jahre vier) iverden zum Selbstkostenpreise (in der Regel pro Quartett und Partitur 10 Pf.) an die Mitglied- schaft verabfolgt. Arbeiter- Sänger! Schließt Euch einer Sänger-Vereiiiiguiig an, welche der„Liedergemeiuschaft der Arbeiter-Säiiger-Vereinigmigen Deutschlands" angehört I Anfragen und Beitrittserklärmige», solvie Einseiidmigen vo» Kompositionen nnd Dichtmige» sind zu richten an den Obmann des Ausschusses, Otto Rasche, Berlin 8.0., Mariaiilienplatz 5. Ein Bierteltansend Berliner Gemeindeschnlen. Der Bc- ginn des Soiimierhalbjahrs bringt die Eröffnimg mehrerer»eiier Gemeilideschnlen, darunter der 260 ten. so daß die Zahl der Gemeinde- schulen Berlins mm ein volles Bierteltausend beträgt. Zur Erreichung dieser Zahl hat es einer 75jährigen Entivickelung des Berliner Volks- schnlwesenS bedurft. Die im Jahre 1826 begonnene Nenordiiiing deS städtischen SchiilivesenS von Berlin kam ebenso den niedere» ivie de» höheren Schulen z» gute. Sie führte zu einer plamiiSßigen Ver- inehruiig der öffentlichen Elcmciitarschiilen, die damals i» Berlin lediglich Arinenschnlen waren. Das ganze Stadtgebiet ivurde in 14 Schiilkreise eingeteilt, deren jeder eine Ariiicnschule erhalten sollte. Bis 1839 ivurde die Zahl der Schulen auf 12 gebracht, dann folgte eine 8jährige Pause, und erst 1847 ivarc» die anfänglich geplanten 14 Schulen vollzählig vorhanden. Nach einer ncueil Pause vo» 11 Jahre» begann 1858 mit der Vollcndniig der 15. Schule eine rasche Vermehrung der städtischen Eleiiientarschuleii. Die 25. Schule wurde 1363 eröffnet, in deniselben Jahr, in dem durch Einsührung der Bezeichming„Genieiiideschiile" mich äußerlich bekundet wurde, daß inzwischen das Berliner VolkSschulwesen sich über die 'rühere„Koinminial- Armenschiile" hiiinnseniwickelt hatte. Die Eröffnung der 50. Schule erfolgte im Jahre 1869, das durch de» Beschluß der städtischen Bchördcii, vom 1. Januar 1870 ab für die Genieiiideschiile» das Schulgeld allgemein aufzuheben, beinerkenswert ist. Das Jahr 1873, das den Gcnicindeschuleii Berlins einen neuen Lehrplan und das Scchsklasscn-Systein gab, sah die Zahl der Schulen auf 75 wachsen. Die 100. Schule wurde eröffnet im Jahre 1878, in dem die bisherigen„Hanptlehrer" i» „Rektoren" verwandelt wurden. Ans 150 stieg die Zahl der Schulen im Jahre 1885, ans 200 im Jahre 1893, aber damals war in der Verniehriliig der Schulen bereits eine Verlaiigsammig eingetreten. Die Eröffiimig der 250. Schule fällt wieder in ein für die E»t- Wickelung des Berliner Volksschulwesens bedeutsames Jahr, das die Einführung des neuen LehrplanS bringen wird- Zomtllg, 6 April 1902, Plötzlich gestorben ist der bekannte W c! u h ä n d l e r O S Iv a l d N i c r. Das Nicrsche Geschäft wurde am 1. d. M. in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung imigewandelt. Nachdem durch einen Jnsiizrat in der Krmiscnstrautze die Verträge abgeschlossen waren, sand Freitag die Uebergabe des Gcschnfls an die Gesellschaft statt. Nicr, der im 60. Lebensjahre stand, überlcble die Iliiiwaiidlimg nicht einen Tag. In der Nacht zu gestern hörte seine Wirtschafterin — er lebte von seiner Frau getrennt nnd wohnte in der Linien- straße 130— ihn schwer röcheln. Nachdem inan die verriegelte Thür mit Gelualt geöffnet hatte, fand man den bisher grsnnden Mniin schwer krank im Bette liegen. Ein Arzt ließ ihn mit einem Koppschen Wagen noch in der Nacht in ein KrankeiiganS bringen. Hier starb er schon bald nach der Aufnahme. DieAcrzt'e konstatierten einen Herzschlag. Nier war vorher schon längere Zeit herzleidcnd nnd klagte oft über Schlaflosigkeit, zn deren Hebung er auch schon M o r p'h i niii p n l v e r genoiiimen hatte. Kurz vor sciiiem Tode war er noch bis 12 Uhr in Gesellschaft von Freiiiiden geivisen. Ein Brief des KöuigSbcrger Galle, iniörders Beck, der sich, ivie gcincldel, durch Selbstmord in der Nähe von Frankfurt a. M. der irdischen Gerechtigkeit entzogen hatte, ist jetzt an die Redaktion der KönigSbergcr Hartniigschen Zeitimg gelangt. Beck hat den Brief kurze Zeit vor seinem geivaltsamcn Tode verfaßt. Daö merkwürdige Schreiben ist datiert vom 2. April 1902, abends 10 Uhr, und bereits in der Nachtstunde von 10 bis 11 Uhr ans dem Frankfurter Post- aint 1 abgcstenipclt. Der Brief ist mit ettvaS flüchtiger, aber sicherer Hand mit Bleistift geschrieben. Auf der Rückseite des Eonvcrts sieht der Name und augenblickliche Aiifciithalisort des Absenders, dahinter deutlich erkennbar drei Kreuze. Beck theilt in dem Schreiben mit. er habe einen genaueren Bericht über die Ver- anlassnng seiner Thai nnd über deren Einzelheiten an die Königs- berger Slaatsainvalischaft abgehen lassen. Vollständig unerfindlich sei'eS ihm, weshalb Frau Meerbach in Pankow inhaftiert worden sei. Alle Schuld an dem Unglück trage allein seine Frau; er empfinde im letzten Augenblick keinerlei Gewissensbisse darüber, daß er sie getötet habe.„In einer Stunde", so heißt es am Ende des Briefes, iverde ich mich erschießen; beim Erhalten dieser Zeilen dürfte eS Ihnen schon bekannt sein." Ein«nentdeckteS Verbrechen? Beim Abbruch des HauseS Roßstraße 6 wurden bereits vor einigen Tagen unter dem gemauerten Fußboden eines Kellergewölbes einzelne M c n s ch e n k n o ch e n ge- fimdeii. Heute vormittag wurden ferner die Knochenreste einer Frau nnd eines Kindes, zwei Hnndeschädel, die Sohle eines Franenstiefels nnd der Beschlag einer Säbelscheide gefunden. Der Fußboden über den Funden war von ungeübter Hand zugemauert. Möglicherweise liegt ein vor Jahrzehnten begangenes Verbrechen bor.—'Jetzt ist auch mit dem Abbruch des Hauses Roßslaße 9/10 endlich begonnen worden. Es ist dies das letzte Haus der genannten Straße, dessen Riederlegung behufs Feststellung neuer Banfliichtlinien ans der Südseite erforderlich war. Die Häuser ll bis 14 sind schon vor zwei Jahren abgebrochen worden. In der Angelegenheit des„reuigen SünderS", der unS, wie wir letzten Somitag mitteilten, eine Gcldfimime zugesandt hat, machen die„Dresd. Nachr.", ein kleines, anscheinend ans Sensation versessenes Blatt, sich den Scherz, es so darzustellen, als ob der „Vorwärts" bei dieser Gelegenheit daraus versessen sei, der deutsche» Justiz eins anzuhängen und ihr zu unterschieben, daß sie den wegen llnieischlagiing eines Wertbriefes mit 25 150 M. Inhalt bestraften K ä st ii e r seiner Zeit unschuldig ins Gefängnis gebracht habe. Gegen die deutsche Justiz läßt sich bekanntlich sehr viel sagen, aber thöricht wäre eS, gerade bei dieser Gelegenheit auf sie loszuhacken. Und wie ivcnig uns bei der Veröffcntlichiing des Falles Kästner solches in den Sinn gekommen ist. lehrt die Thatsache, daß am selben Tage, als der Brief uns zuging, also am Ostcrsoiinabend, das gesamte Material der Sache von uns der S t a a t s a n iv a I t s ch a s t überwiesen worden ist. Als thcttsächliche Richtigstellung bringt das er- ivähnie Blättche» die Meldung, daß Kästner nicht, wie der von imS veröffentlichte Brief meldet, im Jahre 138j7, sondern bereits 1879 verurteilt worden ist. Ei» schwerer Unfall trug sich am Freitag in den Berg- ntannschen Eleklricitätsivcrken in der HemiigSdorfcrstraßc zn. Ueber dem Arbeitsplatze des Schlossers Johann Brciikvpf aus der Briimicn- straße 96 a stand eine Flasche mit Schwefelsäure. Diese mutz wohl nicht richtig aufgestellt gewesen sein, fiel um und zerbrach. Die Schwefelsäure floß ans nnd lief Brettkopf über da? Gesicht, so daß er schwer verbrannt einem Krankenhanse zugeführt werden mußte. Gegen de» ehemaligen Direktor der Prenstische» Hypothekenbank Ednard Sonden ist dem Vernehmen nach neben dem Hanpiveifahren Nim auch noch ein Vorverfahren wegen be- trügerischen Bankerotts eingeleitet ivordcn. Die Voniittersuchniig wird wieder vom Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Dr. Müller geführt.— Der Termin zur Hauptverhandlmig gegen Sauden und Genossen tvird voraussichtlich in der ziveitcn Hälfte des Monats Juni stattfinden; jedenfalls iverden die Vorbcreiliingeii dahin ge- troffen, daß die Verhandlnng bis zmn Beginn der Gcrichtsferien be- endet sein ivird. Dem berhaftete» Blmnenmcdinin Fra» Rothe wird in spiritistischen Kreisen noch immer lebhafte Sympathie entgegen- gebracht. Neuerdings ist dem Verteidiger RcchtsamvaltJDr. Schwmdt ein ausführliches Gittachien des Professors a. D. Sellin zu- gegangen, in welchem dieser ans Gnmd eigner Experimente und Bcobachtimgeii eingehend darlegt, daß die medininistische Kraft der Frau Rothe keine erschwindelte, sondern eine iinbesircitbare sei. Rechtsanwalt Dr. S ch>v i u d t hat auf Grund dieses GittachtenS jetzt den Antrag auf Hastcntlassmig der Fran Rothe wiederholt. Der Selbstmord cincö Knaben in der F o r st e r st r a ß e erregt bei den Nachbarn große Aufregung. Der Knabe Fritz Siebert, Sohn eines SpeditioiistittscherS, war in der letzten Zeit der Ferien meist sich selbst überlassen, da die Mutter im Krankeiihaiise liegt und eine ältere Schwester im Geschäft thätig ist. So kam es, daß der früher sehr gut geartete Knabe allmählich verwilderte. Gestern abend fand ihn seine von der Arbeit zurückkehrende Schwester erhängt vor. In der Umgegend wurde viel von einem Auftritt mit einem Lehrer ans der Nachbarschaft gesprochen, dessen Sohn er verprügelt haben ollte, und der ihm deshalb, wie es hieß, zur Rede gestellt hatte; auch sollte ihni gedroht worden sein, ninii iverde dafür sorgen, daß er in ZlvangSerziehnng käme. Nach eingezogenen Erkniidigimgeu trifft das nicht zu. Allerdings ist Furcht vor Strafe wohl der Au- laß zu der That gewesen; auch der Polizeibcricht teilt mit, der juftge Siebcrt solle einem Mitschüler eine Mark entwendet haben nnd habe iiiin die Folgen gefürchtet. Herr Otto HonS v. Wcnckstrrn. Unsre Leser eiitstnnen sich vielleicht noch der Mitte Dezember vorigen Jahres von uns ge- brachten Meldung, wonach ein Herr v. Wenckstern allerhand Schwindeleien verübt und n. a. seinen Hauswirt Ratuiski in der Ebcrsstr. 91 zu Schönebcrg erheblich betrogen habe. Herr v. Wenck- stern hatte damals die Kühnheit, in einer prcßgesctzlichen Berichtigung alles zu bestreiten nnd die gebrachte Meldung anf einen Rache-Akt des Hauswirts zurückzuführen. Der Wert dieser Berichtigung erhellt daraus, daß Wenckstern dieser Tage wegen einer ganzen Anzahl Schwindeleien zu acht Monaten Gefängnis verurteilt Ivordcn ist. In der Gerichtsverhandliing kam ans Licht, daß der Betrüger bereits früher wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten erltttcn hat. Ein schwerer Nngliickssall ereignete sich gestern vormittag in der pneiliiialischcil Mälzerei der Aktie nbranerei Hohen- S ch ö n h a u s e n. Der Arbeiter T y r o k war in einer Höhe von ungefähr 5— 6 Metern auf einer Leiter stehend damit beschäftigt, einen eisernen Pfeiler zu reinigen, in dessen Nähe sich eine Transinissionswell« IicfiuM. Da»mn e? uiitcriasseii hatte, die Transmission während der Zeit, als Tyrol in deren Nähe arbeitete, zum Stillstand zu brincren wurde der Arbeiter auf eine bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise von der Welle ersaht und fürchterlich zugerichtet. Ein in demselben Siauiil befindlicher Kollege des Tyrol hörte dessen Leiter unifallen, Als er hinzusprang, sah er gerade»och, wie die Welle den Körper des' Unglücklichen mit sich herumritz. Im gleichen Augenblick fiel der Verletzte, nachdem ihm die Kleider vollständig vom Leibe gerissen waren, vor die Fütze seines Kollegen, Aerztliche Hilfe ivar bald zur Stelle. Ei» Krankenivagen der Unfall stationen brachte den Schiververletzte»»ach dem Auguste Victoria- Krankenhaus in Weitzeusec, Dortselbst liegt er hoffnungslos danieder, Es konnte zur Zeit»och nicht festgestellt werden, welche Verletzungen der Verunglückte davongetragen hat. Sclbstinordvcrsiich eincö Soldaten auf offener Straffe. Gestern abend um Vit Uhr wurden die Passanle» der D o r k- st r a tz e durch eine laute Schutzdetonation erschreckt. Auf der Mittel- Promenade der Dorkstratze hatte ein Soldat sich durch einen Revolver- schütz zu töten versucht. Der Lebensmüde, der Infanterist Busch von der 3, Compagnie des 14, Jufantcrie-Regimcnts in Grandenz, hatte sich in die Brust geschossen und stürzte blutüberströmt zu Boden. Der Waffenrock des Soldaten hatte Feuer gefangen, das rasch zu Hilfe geeilte Passanten löschten. Nachdem dem schiververletzte» Infanteristen von einem Arzt ein Notverband angelegt worden ivar, wurde er mittels Rettungswagens nach dem Garnisonlazarett gebracht, Die Ursache des Selbstmordversuches dürfte in der Angst vor den Folgen einer Urlaubsnberschreilnng liegen, er wurde bereits wegen Fahnenflucht verfolgt. Casino-Theatcr. Man sagt dem Berliner nach, datz er an- sprnchsvoll sei, datz niemand ihm etwas recht machen könne. Es mag sein, datz solche Nachrede für das Tiergarten-Viertel ihre Berechtigung hat i ans die Leute aber, die sich in kleinbürgerlichen Verhältnissen schlecht und recht ernähren und abends ihr harmloses Amüsement haben wollen, trifft sie sicher nicht zu. Wer den Berliner in seiner drolligen Genügsamkeit beobachten will, der möge das Casiuo-Thcater besuchen und dort Umschau halten über das. was vor und auf der Bühne vorgeht. Mit nicht geringer Geschicklichkeit ivcitz die Direktion ihrem Publikum zu Gefallen zu leben. Ein bitzchen fiir's Herz und Gemüt zunächst, in einem Einakter hübsch zurecht gelegt. ES ist billige, aber wirksame Kost; bald mutz ein braver Arbeiter unter der Niedertracht seines dcunnziationslustigen HauSlvirtS leiden, bald spürt ein Dicustmädchcn die Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit der vornehmen Leute. So ein Stück bringt die Damen und Herren im Zuschauer- räum in Stimmung und lätzt sie im Zwischenakt über Weltcnlauf und Menschenschicksal sinnige Meditationen anstinime». Desto freudiger Ivird nun nach solcher melancholischen Wcihestimniung über die Gaben der zehnten Muse quittiert. Ob Fräulein Antonie das Lied von der Wurstinarie singt, ob Herr Cabarct seine in Liebe dressierten Hunde loslätzt, ob die unvergleichlichen Grotesque-Komiker Senor und Bsrard den Rixdorfcr tanzen— das Publikum ist dank bar und nutzer sich vor Vergnügen. Der Hanplspatz kommt aber am Schlutz, Ivo in dem Stücke„Berlin auf Stelzen" sich eine ganze Anzahl Artisten ein Rendezvous geben und ein Ulk den andern übertrumpft, ja am Schlutz der Komiker quer über den Zu- schancrraum durch die Luft fliegt. Das schlägt ein und man kann darauf Ivetten, datz abends Uhr elf kein Publikum zufriedener nach Hanse geht als das der Lolhringcrstratzc. Eine Ausstellung neuzeitlicher Drucksachen veranstaltet die Berliner Typographische Gesellschaft in der Zeit vom 6. bis 20. April im Berliner Buchgewcrbesaalc, Friedrichstr, 239. Dieselbe wird am Sonntag, den 6. April, vormittags 1/3ll Uhr, eröffnet und bleibt an diesem Tage bis 3 Uhr nachmittags geöffnet. Der Eintritt ist frei. Antzerdem bleibt die Ansstellung allgemein zugänglich am Dienstag. 8. und IS, April, von 5-9 Uhr abends, am Donnerstag, 10, und 17. April, von-/Sil— 2 Uhr mittags, am Freitag, 11. und 18. April, von S— 9 Uhr abends, am Sonntag, 13. April, geschlossen, am Sonntag, 20, Alwil, Vsll— 3 Uhr(Schlutz der Ausstellung). Dritte städtische Fortbildungsschule für Jünglinge, Hinter der Garnisonkirche 2. Die am Freitag, den 11. April, abends 7 Uhr beginnende Oberstufe in der Stenographie Stolze-Schrey bietet jungen Leuten, die den Anfängernnterricht beendet haben. Gelegen- heit zur weiteren Fortbildung in der Stenographie. Anmeldungen nimmt Rektor Drehniaun abends zwischen 7 und 9 Uhr im Schul- Hanse entgegen. In der 8. städtischen Fortbildungsschule fnr Jünglinge wird Freitagabend von 7—9 Uhr unentgeltlich Unterricht in neuester Geschichte mit besonderer Betonung der Gesetzesknnde»nd Kultur- und Sittengeschichte erteilt. Jlluglinge und Herreu, welche an dein Kursus teilzunehmen beabsichtigen, wollen sich bei Herrn Rektor Klebe, Putbuserstr, 23, an- melden. Der Sportpark Friedenau hält seine ersten dieSjährlgen Rennen am heutigen Sonntag ab. Die Rennen beginnen nachmittags 3 Uhr mit den Zwischenläufen und dem Endlauf des groben Frühjahrsv reifes, denen sich verschiedene andre Flieger-Konkurrenzeu anschließen. Die neuen groben neunpferdige» Führungsmotore von Robl und Dickentmann, die in dem 50 Kilometer-Rennen zusammentreffen, werden heute zum erstenmal in Aktion treten, Feurrbericht. Freitagabend S-/s Uhr wurde die Wehr nach der Friedrichstr. 194 gerufen, wo im Keller ein Papierlager Feuer ge- fangen hatte. Eine starke Rauchentwickluna erschwerte die Lösch- arbeiten sehr. Wenn auch die Gefahr innerhalb einer halbe» Stunde beseitigt werden konnte, so dauerten die AnfräimuliigSarbeiten doch fast zivei Stunden, Auch am Grünen Weg 28 mutzte vorher ein Kellerbrand beseitigt werden, der in der Hauptsache Lumpe» ein- äscherte. In der Nacht zum Sonnabend gingen am Koppenplatz 2 Wirtschaftsgegenständc, Schinken, Speckseiten ec. in Flammen auf. Bei den Löschversuche» zog sich der Inhaber Brandwunden im Ge- ficht und an den Händen zu; auch wurden der Futzboden und die Balkenlage stark beschädigt. Früh 3 Uhr waren in der Gitschiner- stratze 82 Kisten und Sägespäne in Brand geraten. Küchenbrände beschäftigten die Wehr sin der Rügenerstr. 23 und Nauiihustr. 54 a. Außerdem liefen noch Alarmierungen von der Kaiserin Angnsta- Allee 23 und Graunstr. 29 ei», die indes nur unbedeutende Anlässe betrafen._ AnS den Skachbaporten. Der Konsumverein Charlottenburg hat. wie uns geschrieben wird, in seiner letzten Generalversammlung, welche am Karfreitag- nachmittag stattfand, einige wesentliche Statutenänderungen beschlossen. Der Zweck der Genossenschaft wurde dahin erweitert, datz sie auch Herstellung von Waren in eignen genossenschaftlichen Betrieben in den Kreis ihrer Aufgaben zieht. Autzerdein wurde die Verfassimg der Genossenschast etwas demokratischer gestaltet; wenn ein Mitglied «inen Antrag auf der Generalversammlung zur Beratung bringe» will, so brauchte er bisher dazu die Unterschrift des zehnten Teiles der Mitglieder. Sobald eine Genossenschaft einigermaßen wächst, ist es durch diese Bestimmung den Mitgliedern geradezu unmöglich gemacht, einen Antrag zu stellen. Die General-Versammluug hat auf Antrag der Verivaliuug diese Bestimmung gestrichen und fest- gesetzt, daß die Unterschrift von nur fünf Mitgliedern unter einen Antrag für eine General-Versammlung erforderlich ist. Ein weiterer Beschlutz setzt fest, datz in Zukunft jedes Mitglied nur mit einem Geschäftsanteil an der Genoffenschaft be- teiligt sein darf. Praktisch ist dieser Beschlutz unerheblich, weil auch bisher kein Mitglied mehr Geschäftsanteile erlvorben hat. Es ist aber von principieller Wichtigkeit, diese Praxis statutarisch festzulegen; es widerspricht durchaus dem geuossciischaftlichen Geist. das nötwendige Betriebskapital anders als durch die planmätzige Beteiligung der Genossen aufzubringen. Im Notfall soll man Geld gegen Zinsen leihen; aber die verschleierte Form, in Gestalt sehr vieler Geschäftsanteile fremdes Kapital zu beteiligen, ist entschieden zu mihbilligen. Im Verfolg dieses Gedankens beseitigte die Generalversammlung auch die Verzinsung der Geschäftsanteile, die allerdings auch bisher, da verschiedene Geschäftsanteile nicht existierten, ohne praktische Be- deutling war. Bemerkenswert ist noch der lobenswerte Beschlutz, die Dividenden Jägerei nicht zu üppig ins Kraut schietzen zu lasse»; das bisherige Statut schrieb vor,-/s Prozent des Reingewinnes einem Fonds für Bildnngs- und andre gemeinnützige Zwecke zuzuführen; dieser Betrag ist auf 5 Prozent des Reingewinnes erhöht worden. Geschäftlich entwickelt sich die Genossenschaft günstig. Von» 15. Oktober, dem Beginn des Geschäftsjahres, bis zum 31, März war im Vorjahre iii dem einzigen Lager der Geuosseiischaft ein Umsatz von 23 100 M. erzielt worden. In diesem Jahre existieren drei Lager, und in dem gleichen Zeitrauni beträgt der Umsatz im Lager I 31 570 M., im Lager II 18 800 M., im Lager III(am 16. Januar eröffnet) 7725 M., zusammen also rund 58 100 M. Auch die Mitgliederzahl ist in erfreulichem Steigen begriffen. Im Vorjahre stieg sie von 320 ans 640; seit dem 15. Oktober ist sie weiter gewachsen, so datz die Zahl 900 bald überschritte» Iverden ivird. Freilich könnte das Wachstum bei der starken Arbeiter- bevölkcrung Charlottenbnrgs ein sehr viel rascheres sein. Spandan berichtet man Nils: Veranlatzt durch die Masse nkündigu n gen und Entlassungen von Arbeitern der hiesigen Staatsbetriebe, welche eine antzerordentlich starke Jnanspruch- »ahme der Armenpflege befürchten lätzt, da bei der gegenwärtigen Situation auf ein alsbaldiges Unterkommen in der Privatindnstrie für die zur Entlassung kommenden Staatsarbeiter gar nicht gerechnet iverden kann, haben die socialdcmokratischen Stadtverordneten für die nächste Sitzung deS Stadtparlaments den Antrag eingebracht, sofort die für dieses Jahr projektierten Pflaster- und sonstigen Bauarbeiten in Angriff z» nehmen, und ferner bei der Heeresverwaltung Schritte zu thun, datz weitere Masjenentlassiingen eventuell durch entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit unter- bleiben! Die sociale Rückständigkeit des Arbeitgebers„Staat" erscheint hier in dem allcrbedenklichsten Lichte, nnd in dcr That kursieren über den etwa beabsichtigten Zweck dieses wunderbaren Verhaltens der ver- aniwortlichen militärischen Behörden innerhalb der hiesigen Arbeiter- schaft die sonderbarsten Gerüchte. Mit gleicher Rücksichislosigkeit würde sich selbst ein Glaskönig Heyl oder ein Krupp Über seine sociale Verantwortlichkeit gegenüber Hunderten Arbeiterexistenzen hinivegznsctzen wagen. In einer Zeit, Ivo namentlich in der Metall- indnstrie ringsum große Arbeitslosigkeit herrscht, nimmt der„Muster- Arbeitgeber Staat" fortgesetzt Massevkündigungen vor, die allein in der G e s ch ü tz g i e tz e r e i die Zahl 400. d. i. nahezu den vierten Teil aller dort beschäftigten Arbeiter, erreichen. In den übrigen Instituten stehen ebenfalls noch weitere Kündigungen bevor; die ersten Entlassungen wurden am ver- gangenen Sonnabend vorgenommen und' zwar entlietz die Pulverfabrik allein ca. 80 Arbeiter. Von der Kündigung sind in der Gcschützgietzerei Leute sogar betroffen worden, die schon bis zu 12 Jahren in Staatsbetrieben thätig sind. Und dabei wäre eS für den Staat ein Leichtes, durch die von jedem einsichtigen Menschen geforderte entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit den vielen Hundert gekündigten Arbeitern auch weiter noch eine Arbeitsgelegenheit zu gewähren. Warum die Heeresverwalinng diesen Ausweg nicht beschreiten will, darüber dürfte Herr v. Gotzlcr jedenfalls sehr bald dem Reichstage Aufschluß zu geben haben. A»S Rixdorf. In einer qualvollen Lage lvurde gestern abend der Tischler Karl Tieslcr in seiner Knesebeckstr. 44 belegenen Wohnung aufgefnndc». T., ein 62jährigcr Mann, ist unverheiratet und wohnt für sich allein. Seit einigen Tagen schon hatten ihn die Hansbcivohner vermißt nnd da seine Wohnung auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, schritt man gestern abend dazu, die- selbe geivaltsam zu öffne». Den Eintretenden bot sich ein schreck- liches Bild dar. Tiesler lag.»»fähig, sich zu rühren oder zu sprechen, vor seinem Bett auf dem Fußboden und ivar bereits ganz ent- kräftet. Ein hinzugernfener Arzt konstatierte, datz T. von einem S ch l a g n n s a I l betroffen worden sei nnd wahrscheinlich schon mehrere Tage in hilfloser Lage dagelegen habe. Der Bedauerns- werte wurde nach dem städtischen Krankenhanse gebracht.— Wegen fortgesetzter roher M i tz h a n d l u n g e n ihres kleinen Stiefsohnes wurde die verehelichte Angnste P f» n d t ans Britz vom hiesigen Schöffengericht zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt.— 3(ii6 Britz. Ein Ger ü st e i» st u r z ereignete sich am Freitag- nachmittag in der hiesigen Chansseestratze. Auf dem Wegnerschcn Fabrikgrundstück war behufs Reparatur eines eisernen Schornsteins ein hohes Gerüst aufgestellt worden, welches der Sturm umwarf. Bretter nnd Balken brachen ivie Streichhölzer. Ein Teil des Gerüstes fiel auf das Dach eines Wohnhauses und richtete dort erheblichen Schaden an. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Lichtcilbcrg. In der Sitzung der Etatskommission machte der Gemeindevorsteher Mitteilung über die E i n g e m e i n d u n g s- frage. Danach sind die bisherigen Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat mehr informatorischer Nalnr gewesen. Nach einer demnächst durch die Mitglieder der Konnnission des Magistrats vorzunehmenden Ortsbesichtigniig sollen die Verhandinngen unter eventueller Zuziehung einiger Gcineindevertreter fortgesetzt werden. Die Bedeutung der Verhandlnng liegt zunächst in dem Umstände, datz von einer t e i l w e i s e n Einverleibung nicht mehr die Rede ist. Unsre Genossen kündigten für die nächste Sitzung der Gemeinde- Vertretung die Einbringung einer Resolution an. wonach der Gemeindevorstand ersucht werden soll, das Projekt der Stadt- w e r d u n g unabhängig von den Einvcrleibungsvcrhnndlnngeii zu fördern. Der Voranschlag zum IH a u s h a l t s p I a» pro 1902/3 wurde festgestellt und die Zuschläge zur E i u k o m m e n st e n e r auf 125 Proz.(wie im Vorjahre), die Zuschläge zur Grund- nnd Gebändesteuer(Grundivertstencr) auf 250 Proz.(2-/s vom Tausend gegen 3 im Vorjahr) normiert nnd beschlossen, der am Donnerstag stattfindenden Sitzung der Gemeindevertretung diese Sätze zur An- »ahme zu empfehlen. Lichtenberg. Die G e w e r b e g e r i ch t s w a h l e n sind nun- mehr erstmalig ausgeschrieben worden. Sie finden statt am Montag, den 21. April, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends. Als Wahllokale wurden bestimmt: Erster Kommnnalwahl- Bezirk: Restaurant Paul Schwarz. Dorfstratze; zweiter Bezirk: Restaurant H.Gürsch(Kronprinzen-Garten), Frankfurter Ehanssee 86; dritter Bezirk: Restaurant E. Höflich(Schivarzcr Adler), Frankfurter Chaussee 120; vierter Bezirk: Gemeindeschule. Kronprinzenstratze. An der Wahl, für die auf Grund des Ortsstatuts(Z 9) keine Listen aufgestellt sind, nehmen teil die am Orte wohnenden oder am Tage der Wahl am Orte arbeitende» Personen, auf welche der Titel 7 der Gewerbe-Ordinnig zutrifft. Die Wähler müssen 25 Jahre alt sein und dürfen nicht bei einein Meister arbeiten, der Mitglied einer solchen Innung ist, für die ein Schiedsgericht(ZZ 81b, 91 u. 91b der Gewerbe-Ordnuiig) besteht. Also auch diejenigen sind Wähler, die hier erst zugezogen oder in Arbeit getreten sind, da die Bestimmungen über eine Aufenthaltsdauer weg- gefallen sind. Amtliche Wahllegitimationen sind im Rathanse(Ein- ivohner-Meldeamt) abzunehmen oder durch die Bezirksführer deS Wahlvcreins, sowie auch durch die.Vorwärts"-Spedition, Frank- furtcr Allee 197, zu beziehein_ Samariterkursiis für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen, Montag, abends 8'/, Uhr, im Bereinslokal, Dresdcnerstr. 45: Ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorfitzenden. 2. Bericht des Kassierers und der Revisoren. 3. Anträge. 4. Neuwahl des Vorstandes. S. Verschiedenes. Das Erscheinen eines jeden Mitgliedes ist geboten. Sämtliche Bibliothekbücher sind abzugeben. Verband deutscher Barbiere, Friseure«.(Bezirk SO). Montag, den 7. d. M., abends 10 Uhr, im Restaurant Dalg, Skalitzersir. 94b: Ber- sammlung._ Vermifrstkes. Bauunglück. In Rötha drückte, wie das„Leipziger Tageblatt" meldet, plötzlich auftretender heftiger Sturm den Giebel einer im Bau begriffenen Feldscheune ein. Der Giebel durchschlug das Dach der Baubude, in welcher die Arbeiter Schutz vor dem Sturm gesucht hatten. Ein Maurerlehrling wurde ge- tötet, ein Maurer und zwei Arbeiter schwer ver- letzt.—_ WttteriingSiibcrsicht vom 5. April 1U02, morgen» 8 Uhr. £ 3 g Wetter 4 wolkenl — bedeckt 1 bedeckt -19 11 6 «veiter. Prognose für Sonntag, de»«. April IVOS. Zunächst ziemlich heiter nachts sehr kühl, am Tage etwas wärmer«et lebhaften südlichen Winden; später neue Trübung und etwas Regen. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Tie fiiriftlsche Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme de» Soniiabends von?'/- bis t)l/j»br abends statt. R. B. 100. Ja aber er erhält nur eine, nämlich die HSHere Rente ausgezahlt.— Teniniinerstr. 4. Schlechler Geschäftsgang ist kein Grund zur vorzeitigen Kstndiguiig. Der Wirt ist leider im Recht.— 2 Wettende. Nein.— ttz. S. 82. Wenden Sie sich an das Vezirkskommando.— S. 100. t. Das sür die Reparaturen Bezahlte können Sie abziehen. 2. Ja. 3. Da gicbt es keine Grenze nach unten.— H. P. Hinterbliebencn- reme wird an die Witwen und Kinder, Unsallrentner nur dann gezahlt, wenn der Tod in ursächlichem Zusammenhang mit dem Unsall steht. — Richard. Das Eingebrachte Ihrer Frau haftet nicht für Ihre Schulden. Zweckmäbig ist es, Sie schlieben vor der Heirat einen Ehevertrag ab, in dem das von Ihrer Braut Einznbringeiide ausdrücklich ausgcsührt und als deren Eigentum anerkannt wird, der serner Abreden enthält, wie das Bei- spiel eines Ebevertrages, daö Sie S. 225 Nr. 22 deS dem„Arbeiterrecht" bei- gesngte» Führers sindeii. Der Vertrag ist gerichtlich oder notariell zu ichlieben. Alsdann ist die Einiragnng der in dem Ehevertrag enthaltenen Abreden in das GntcrrechtS-Register beim Amtsgericht zu beantragen. — Böhmi». Sie mübten ein Naluralisationsgesuch— falls Sie in Berlin wohnen, an den Polizeipräsideiiteii, sonst an den Regierungspräsidenten— richten. Dies Gesuch kann abgelehnt werden, die Ablehnung ist aber in Ihrem Fall nicht wahrscheinlich. Die Naturalisation kostet 50 Mark. — G. M. Nach dem Reichspreßgesetz muß der Verleger einer periodischen Druckschrift von jeder Nunmier, sobald die Austeilung oder Versendung be- ginnt, ein Exemplar gegen eine ihm sofort zu erteilende Bescheinigung a» die Polizeibcbvrde des Ausgabe-Orts unentgeltlich abliefern. Diese Abgabe» Pflicht findet keine Anwendung auf Drnckschriften, welche ausschließlich Zwecken der Wisseiischast, der Kunst, des Gewerbes oder der Industrie dienen.— M. M., Rottbnserdauim 38. Wenn der Betreffende oder das Institut einen Zahlungsbefehl gegen Sie erheben sollte, so erheben Sie gegen diesen Widerspruch nnd zahlen dann, also in etwa einem Monat, oder laffen es auf eine Klage ankommen. Der Ausfall der Klage ist aber ein ungewiffer. Todes- Anzeige. Allen Verwandte», Freunden, Be- kannten die schmerzliche Nachricht, daß mein lieber guter Mann, unser Sohn, Bruder. Schwager und Onkel, derTöpser llonnanit Eiohlci* am Donnerstag, den 4. d. M., nach schweren Leiden in seinem 41. Lebens- jähre sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an die trauernde Witwe 4.»»» Eiclilcr. Die Beerdigung findet Dienstag, den 8. April, nachm. il/s Uhr, auf dem Neuen Jakobi- Kirchhof, Hermann- strabe, statt._ 17426 i iii inwwwa—■amaa Verein herWmerer Berlins und Umstegend. TorteB-An&elce. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Kamerad ]£sitI Brase am 4. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. Aprtl, nachmiitagS 4 Uhr, von der Liebenwalderftraße 39 aus nach dem Nazareth- Kirchhof, Dalldorser Chauffee, statt. 257/8 Der Vorstand. Refidenz> Theater. Alle Abende: Einquartierung. Nächsten Sonntagnachmittag: Nora.— Central-Dheater: Alle Abende: DaS süße Mädel. Nächsten Sonntagnachmittag: Die Puppe.— Thalia-Dheater. Alle Abende: Seine Kleine.— SecesfionsDheater. Alle Abende: Detlev v. Liliencrons Buntes Brettl.— Schall«nd Ranch. Alle Abende: Seremssimns-Zwischenspiele. Diesen und nächsten Sonntqg: Vorstellung vor Serenissimus.— Carl Weiff-Theater. Alle Abende: Hainiemann vom Viehhof und der kleine Cohn.— llrania. Alle Abende: Frühlingstage an der Rivicra.- Apollo-Dheater. Alle Abende: Spccialitäten.—«afino-Dhcater. Alle Abende: Specialitäten. Berlin aus Stelzen. Achtung: IST Achtung: 4. Wahlkreis(Süd-Ost). Mittwoch, den S. April, abends 8 Uhr, im Lokal„Urania Wrangelstratzk 10; DolKs-Uersammwng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Rcickstags-Abgeordneten I�eUvdor»? über:«Die politische Lage". 2. Diskussion. 214/9 Zahlreichen Besuch erwarten vi« Vertraaensleatv. SonaldemoKratlscher Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. (Osten.) Dienstag» 8. April, abends 8 Uhr, Gr. Frankfurterstr. 117 Genersl-VerlÄmmlung Tages-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes und der Revisoren. 2. Neuwahl des Vor- standes und der Revisoren. 3. Vortrag des Genossen Adolf Hossmann über:«Wohin steuern wir? 4 Verschiedenes. 242/16* WM" Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreichen Besuch ersucht Oei»'Vorstand. UolKs Uerfamutlmm im 3.BMlerReiDtllgs!Whlkreise am Doilllersillg, Äen 10. April, 8� Uhr gbends, in �ipp» vnsuenei(k'nieeti'ivlisksin). Tages-Ordnung: 1. Die poNtlsche und ölonomische Entwickelung Deutschlands im 19. Jahrhundert. Referent, Genofle SteichstagS-Abgeordneter- August Bebel. 2. DiSkusston. 3. Oeffentliche Partei-Angelegenheiten. 45/6 Zahlreichen Besuch erwarten Ol« Vcrtrauenslente. SocialdemoKratischer Wahlvereiu für deu 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. �DicnStag, den 8. April, abends 8'/2 Uhr VevkÄtnmlung im„Berliner Prater", Kastanien-Llllee Nr. 7—8 Tages-Ordnung: I. Vortrag deS Stadtverordneten Genossen Itrnns über:„Das Berliner Schulwesen". 2. Diskussion. 3 Verschiedenes. 247/4' Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. DV Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zahlstelle von Behrens, Fehrbellinerstr. 85 nach Ehorinerftr. 62 bei W. Jlnzyck verlegt ist Schöneberg. Tocialdemokrat. Wahlvereiu. Dienstag, den 8. April, abends 8 Uhr. tm Obstschen Saale, Meiningerstr. 8- SP V erelns- V ersammlung. Tages-Ordnung: t„Die politische Lage". Referent: Reichstags-Abgeordneter Georg Ledebour. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten.. 15/7 Zahlreichen Besuch erwartet_ Per Vorstand. Verein für Fram und Mättn der Arbeiterklasse. Montag:, den 7. April, abends 8>/, Uhr, in den Armlnhallcn, Kommandantenstrasse 20: Vortrag des SchriftsteHers H. Ströbel über Heinrich Heine. Gäste willkommen. [55/7] Oer Vorstand. Wim, Frlliieil unii Wche»! Dienstag, de» 8. April, abends 8 Uhr, im Klubhaus, Schöneberg, Kauptstrahe 3-6: Gr. öffeiitl. N>l»kii-4Iklsmii»»»g fiir alle Frauen und Mädchen, welche in deu ReiuiguugS Instituten beschäftigt find, ferner alle ZeitnngS-„nd Früh stücts- Austrägeriuncu, Garderoben- und Waschfrauen, Auf Wärterinnen und Ausbesseriniie». Tagesordnung: 287/6 I. Vortrag über:„Die Stellung der Frau i» der Jiidiistric." Rescrentin: Genossin Frau Hedrvie Kiesel. 2. Diskussion. 3. Die Lohn- und Arbeitsverhallnisse im„Berliner Lokal-Anzeiger" und in den Resorm-Rcinigungs-Jnstituteii. 4. Anträge und Verschiedenes. Die wichtige Tagesordnung läßt einen vollzähligen Besuch der Ver- sammlnng erwarten. Die Einberuferin. Lrts- Krankenkasse der Vergolder und Berufsgen. Montag, den 14. April 1662. abends 8 llhr. im Gcwerkschnftslianse(Saal V), Engel-Ufer Nr. 15, wozu die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arveitnchnier ergebenst ein- geladen werden. 271/16 Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht und Erteilung der Entlastung. 2. Festsetzung deS Gehalts für den zweiten Kassenbeamten 3. Neuwahl desselben vom 1. Juli 1902. 4. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes(Arbeitnehmer). 5. Stcuwahl der Krankenbcfucher. 6. Abänderung des beschlossenen StawiS. 7. Verschiedenes. ÜV SW Der Zutritt ist nur Delegierten gestattet.-tMU"Tau Per Vorstand. Th. Jahn, II. Vorsitzender. I. A v m a r» n, Schriftführer. KB. Das Kassenlvkal ist werktäglich nur von 3 bis 1 Uhr geöffnet. Verciil Berliner Dienstherrschnsten nnil Dlenstangtslellten. Heute Sonntag, den 6. April, abends 8 llhr. bei«arrs-biUrrloli, Steglitzerstrahe 35: Unierhaltnngs- Abend mit Tanz. Vorher Vortrag von Frau Regine Deutsch über: „ Menschenehre— üitandesehre Danach Aufführung: Ein NnffeelUakfltz. Gäste, Damen und Herren, herzlich willkommen. Eintritt 25 Pf. Tanz frei. 237/15. Das Komitee, Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. 16/4 Sonntag, den IS. April, vorm. 11 Uhr, im Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain: Uebungsstnnde. »> Kdcht, Vaikerfrtthllng, LJedeslast Bundeskarte legitimiert. Geübt werden: Friihllngsstfirnic, Empor z' und Grass an den 91al.— Im Nebensaale vormittags 10 Uhr: �.11SSOd.11SS--Zil211I1A. TageS-Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Wahl des BundeS-Dirigenten, der Revisoren und Controleure. 3 Maifeier. 4. Sängeifest. 5. Verschiedenes. ATB. Da die oben angegebenen Lieder zum 1. Mai gesungen werden, aber auher dieser Stunde weiter keine grobe Uebungsstunde stattsindet, so ist es unbedingt notwendig, daß jeder Sänger erscheint. 16/5 Per Vorstand. Dienstag, deu 8. April, abends 8»/, Uhr, WllüV|lkll, bei C. Behrendt, Mantenfselstraße 95: Veriraueusmänuer- Versammlung. Tagesordnung: Bericht der KoutroNkomiuisnon, der Junungs-Arbeits- Nachweis; Werkstattaugelegenheiien; Verschiedenes. Hierzu sind die Kollegen der Werkstätten von Seibel, Zeughofstr. 9; Seidel jun., Köpnickcrstr. 175; Hossmann, Köpnickerstr. 175; Eggert, Köpnickcrstr. 175; Berger, Eisenbahnsir. 13; H i n k e l, Wienerstr. 57a; K n r z n e r, Reichcnbergerstr. 114; Sommer, Reichen- bergerstr. 114, und T e n n e r. Wienerstr. 44, besonders eingeladen. j81/16 Bereinigung der Maler. Filiale Berlin I. Dienstag, den 8. April, abeuds 3 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal I, Engel-Ufcr Nr. 15: - Mligiieder-Uersnniniinng. Tages-Ordnuug: 1. Kaffeubericht. 2. Wahl der Bezirkssührer. 3. Bereins-Angclegenheiten UM" Mitgliedsbuch legitimiert. 121/6 Um pünktliches Erscheinen ersucht Tie Ortöverwaltung. Verband der Tapezierer, Sektion der Kleber Mittwoch, deu 9. April, abends S'/a lstwt..... Mitglieder- Versammlung bei Simonis, Beuthstrahe 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Pavldsolin über: „Die oberen Zehntausend und die unteren Millionen" 2. Diskussion. 3. Veretnsangelcgenheiien. 101/2 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet DI» Sektlonsleltung. Achtmig! Lackierer. Achtung! DieuStag. den 8. April, abends SV. llhr, im Engel-llfer 1»: .Gewerkschaftshanse' General-Versalnullnng. Tages-Ordnung: 1 Vortrag. 2 Abrechnung vom 1. Quartal. 3. Stellungnahme zum 1. Mal. 4. Verschiedeues. SV Unser Stiftungsfest findet am Sonnabend, den 12. April, im Schützenhause, Linieustr. 5, statt. 107/5 Zahlreichen Besuch erwartet Ple Ortsverwaltnng. NB. Billets zum Stiftungsfest sind im Veriehrslolal, Grünstr. 20, bei Weihnacht; Linde, Siebersir. 17 I; Guiard, Löwestr. 14 II; Panosch, Rosiockerftr. 14, zu haben. 107/5 iiiostruiiiBntGnarb<fir-FaclMiiiii. Montag, den 7. April d. I., abends 8'/, Uhr, bei Granmann, Naunynstraße 27; Delegierten-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mal. 2. Werkstatt- Angelegenheiten. 141/10 Bei der wichtige» Tages-Ordnung ist eS dringend notwendig, dast sämtliche Fabriken vertreten sind. Per Vorstaad. Üeiltrallierbllni» der Handels Transport- und Berkehrs- arbeiter Dentsisilands. Berivaltungsstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: „GewerkschaftShauS". Eugrl-llfer IS II, Zimmer Ik. Telephon Amt 7, 3348. Hans- und Geschäftsdiener, Packer nnd Packerinnen! Mittwoch, den 9. April 1992. abends 8'/- Uhr: Große Utlsliininiiliig mit Miien in den Arminhalle», Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen AdoltKoirmana über:»Dir logischen Gesundbeter nnd ihre»»logischen Gegner." 2. Diskussion. 67/7 3. Geschästliches und Aufnahme neuer Mitglieder. Bei der interessanten Tagesordnung erwartet einen zahlreichen Besuch _ Dir Tektionsleitung. Berliner Konsum-Verein. (e) Centi al-Verwaltmig: Krantstr. 7. E) Abteilung I. Lnisenstadt. Michaelkirchplatz 4. Abteilung 11, Osten Krauistraße 7. Zorndorferstraße 59. Petersburgerstrabe 4a. Abteilung Frankfurter Chaussee 48/49. Verkaafsstellen: Abteilung III, Moabit. Rostockerstrabe 21. Beusselstrabe 56. Emdenerstrabe 45. Abteilung IV, NummelSburg. Türrschmidtstrabe 6. V, Lichtenberg. Mainzerstrabe 4. Eintrittsgeld 20 Pf. Abteilung VI, Stralau. Stralauer Allee 17 k. Geschäftsanteil 10 Mark. Moabit. Abteilung III, Mittwoch, de« 9. April 1992. abends 9 Uhr. Beuffclstraftr Nr. 9- Abteilungs-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 3. Neuwahl derselben. 2. Bericht der AbteilungSleiwng. 4. Verschiedenes. 106/14 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Abtetlungsleitnng. Presskohlenpreise kdeutend hmbgesejt. Briquettbruch von 70 Pfennige per Centner an. 143/15» IValtker A Kluse, GreifSwalderstr. 224. Orts- Krankenkasse für das Gewerbe der Verfertigung von Musik- instrnmenten. Das Kassenlokal befindet sich von Montag, den 7. April 1902 ab Rhcinöbcrgerstr. SÄ vorn I Tr. bei Nlcdarck kiaglor. 271/15 Kassenstunden werktäglich von 5 bis 8 Uhr abends. Per Vorstand. Nur fiir Frauen! Am Dienstag, den 8 April abends 8l/z Uhr, findet in Berlin N., Badstraße Nr. 58, in Zimmermanns Sälen, ei» grober Vortrag des Herrn Ern/st Kollier über: 17496 Barr n. Thiitigkeit i>er Zetlgiiugsorgollt statt, erläutert durch große Lichtbilder. Eintritt für Gäste(Frauen». Mädchen reiferen Alters) 20 Pf. Es ladet ergebenst ein Niltirrheilvereill Chorlotteil- bm'g-Btrlill. Geschäftsstelle für Berlin N.: Brunnenstrabe 104 bei Andrltzkl. Freunde» eines wirklich guten! und sehr wohlbekömmlichen Traubciuveins empfehle garantier!\ »nberfäischten 1899er Rotwein. Derselbe kostet inFässern v. 30L.ail S8 Pf. per Liter u. in Kisten von 12 Fl. au 60 Ps pr. Fl. von ca.-/.Litr. einschl. Glas. 2Flasch. u. Preisl. versende pr. Post. I Zahlreiche Anerkennungen.[100/3» Carl Th. Oehmen, Coblenz a. Rh 311 1 Weinbergsbcsitzer u. Weinhdlg. 30 Mark hochfeine Sommerpaletots. 30 Mark hocheleganie Herrenanzüge. 12 Mark hochelegante Beinkleider. Anfertignng nur nach Niast. 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Verschiedenes. 172/10 SV Ohne Organisationsbuch kein Stimmrecht."TUE Um pünktliches und zahlreiches Erschenien ersucht Der Bcrtrauellsuialln. VarM dar Graveure und Cisaleura Pentschlands. Filiale BFRLIN. Dienstag, den 8. April, abends 8>/2 Ubr, im Dresdener Garten. Dresdenerstrabe 45:_ 74/3 Tersaniinlnng."WD Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genosse» W a l d e ck M a n a s s e:„Wie sich die Mensche» ihre Götter schufen." 2. Diskussion. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht der Mitglieder, zahlreich nnd pünktlich zu erscheinen._ Die Ortsleitnng. ÜPP" Aufruf! Arbeiter-Skatvereine bezw. Klubs, welche sich einem auf Grundlage der modernen Arbeiterbewegung stehenden Arbeiter-Skatbnnd für Berlin und Umgebung anschließen wolle», werden ersucht, ihre Adressen behufs Empfangnahme näherer Mitteilungen an den Unterzeichneten einzusenden. i7S5d Adolf Berold, Berlin SO., WOemritM 64. BA€R SOHN i Chausseestrasse 24a-26 f| Bröckenstrasse 11 Ii Gr. 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Außer den Betrieben mit ausschließlicher Ver- Wendung von Arbeiterinnen, z. B. den bisher nicht besichtigten Konfektionsgeschäften im iveitesten Sinne, ist ihr noch die Ue'ber- wachung der Cigarrenfabriken übertragen worden. Es wird bemerkt, daß sie rasch das Vertrauen der Arbeiterinnen gewonnen hat. Der Berkehr mit den Arbeiterinnen lasse allerdings noch zu wünschen iibrig, es fehle ihnen nocki an Interesse für die Dinge, die außerhalb ihres persönlichen Gesichtskreises liegen, tvci'ler aber auch an Energie, die Scheu vor dem Nichtalthergebrachtcn zu überivinden; so genieren sie sich vielfach noch, die Sprechstunde oder den Vortrag der Beamtin zu besuchen. Andrerseits wurde zugegeben, daß man bei den Revisionen in den Fabriken sein Anliegen nicht vorbringen köune:«Da steht der Herr und Meister immer da- hinter". Wo die Fabrikinspektion aber Gelegenheit gehabt, zufällig und inoffiziell mit den Arbeiterinnen zu verkehren, seien sie mit Ver- trauen entgegengekommen. Nach wie vor müsse aber der Nachdruck darauf gelegt werden, auch die Arbeiterinnen zum Besuch der Sprech- stunden heranzuziehen und sie auf den geordneten und dienstlichen Verkehr zu verweisen. Die Schwierigkeiten seien um so größer, als im Laude von einer Organisation der Arbeiterinnen' kaum die Rede sein könne und daher jegliche Mittelsperson zwischen ihnen und der Fabrikinspektion fehle.' Der Mangel auch nur eines Ansatzes zur Organisation sei um so mehr zu bedauern, als dadurch auch ein wertvolles, erzieherisches Moment verloren gehe. Ans dem statistischen Material des Berichts ist niitzuteilen, daß die Zahl der Anlagen, in denen jugendliche Arbeiter- beschäftigt wurden, 3187 gegen 3321 im Vorjahr beträgt, die Zahl der jugendlichen Arbeiter 16 511 gegen 17 460 im Jahre 1900. Junge Leute von 14 bis 16 Jähren wurden 16 096(16 995) beschäftigt; davon waren 8750 männlichen und 7346 weiblichen Geschlechts. Die Zahl der Arbeiterinnen betrug 58 477— 30,70 Proz. der Gcsamtarbciterschaft, Arbeiterinnen über 16 Jahre waren 50 815 in 2087 Anlagen beschäftigt, von denen 15 224 verheiratet waren. Auf die Versklavung lassen Angaben schließe», die der Fabrikinspektion aus Pforzheim gemacht wurden, wonach die Geburt unehelicher Kinder angemeldet wurden, deren Mutter eine Arbeiterin, deren Vater' der Arbeitgeber des Mädchens war._ Zum VereinSrecht der Frauen. Dem focialdemokratifchen Verein in Hannover lvar es verwehrt worden, Frauen zu seiner Vereinsvcrsammlnng zuzulassen. Die Beschwerde dagegen, schon beim Polizeipräsidenten erfolglos, wurde jetzt auch vom Regierungspräsidenten zurückgewiesen. Für den Jnbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Tlirntvv. Sonntag, den S. April. Freie Volksbühne. Berliner Theater. 7. und 8. Ab- teilung: Wilhelm Tell. Ansang ä'/i Uhr. Operndans. Fra Diavolo.— Phantasien im Bremer Rats- keller. Anfang 71/2 Uhr. Mittags 12 Uhr: Matinee. Montag:. Die Meistersinger von Nürnberg. Schauspielhaus. Frau Anne. An- fang 7V- Uhr. Montag: Maria Stuart. Neues Opern- Theater(Kroll). Das große Licht. Ans. 7-/2 Uhr. Montag: Geschloffen. Schiller. Der Probekandidat. An- fang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Hexenfang. Hieraus: Der Mensch in der Bestie. Deutsches. Der Weg zum Licht. Anfang 7>/, Uhr. Nachm. 2l/z Uhr: Die Jüdin von Toledo. Montag: Es lebe das Leben. Berliner. Alt-Hcidelberg. Anfang 7:/. Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lrssing. lieber den Waffern. Anfang 7-/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. SÄestc». Hans Helling. Anfang 7V2 Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Zar und Zimmermann. Montag(Schüler- Borstellung): Der Freischütz. Residenz. Einquartiemng. Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Verliebt. Montag: Einquärtierung. Strncs. Goldstsche. Anfang Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Veilchen fresser. Montag: Goldfische. Secessionsbühne. Detlev Lllken- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. . Montag: Dieselbe Vorstellung. E. p. WolzogenS Buntes Theater (Uebervrettl). Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall n»d Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Anfang 8 1/2 Uhr. Nachmittags 31/2 Uhr: Vorstellung vor SerrnissimiiS. Montag:«-erenisflmus- Zwischenspiele. Central. DaS süße Mädel. Anfang 7-/- Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der Bettel- sludent. Montag: Das süße Mädel. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7V- Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der Herr im Hause. Montag: Seine Kleine. Lnisen. Gebrüder Bock. Anfang 7-/- Uhr. Nachniitags 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Gebrüder. Bock, Carl BScih. Hannemann vom Viehhof und: Der kleine Cohn. Anfang 7l/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Das Käthchcn von Heilbronn. Montag: Hannemann vom Vieh- hos und: Der kleine Cohn. Arirdrich-Wilhelnistädtische«. Die Maschinenbauer von Berlin. Ansang 7-/2 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Romeo und Julia. Montag: Die Grille. Belle-Sllliance. Die Dame aus Tronville. Hierauf: Er. Anfang 7V- Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Montag- Die Dame aus Tronville. Hierauf: Er. Orpheus. SpecialitäteN'Vorstellimg. Anfang 8 Uhr. Chnrivari. Täglich Vorstellung. Anfang 7-/2 Uhr. Wietropol. Die wahre Liebe ist das nicht. Spccialitäten-Vorstellung. Anfang 71/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. lilpollo. Lyststrata. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Lorstellung. Passage- Panoptikum. Speciali- täten-Vorstellung. Palast. Specialitälcn-Vorstellnng Eine Nacht im Ballhaus. An- sang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casiuo-Theater. Berlin auf Stelzen. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 7'/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Muttersegen. Montag: Berlin auf Reisen.— Specialitäten- Borstellung. vieichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr- Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 3 Uhr. llrania. Tanbenstr. 48/ti».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnvalidenstrasje S7/6Ä. Täglich: Sternwarte. (Wallner-Xheatcr). 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Dresdenerstrafte 7«/73. Heute und folgende Tage 7>/z Uhr: Seine Kleine. Gr.AuSst.-Poffem. Ges. u.Tanz in 3 Akt. Guido Thielscher, Fritz Helmerding, Hans Junkennann, Herbert Paul- Müller, Paula Worin a. G., Gerda Walde, Leonore Boje, ElscWannovins. „lladw Sie viebt äen kleinen Cohn geseh'n?" Heute nachmittag 3 Uhr, kleine Preise. Ter Herr im Hanse. Mml-Mkös Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Zum 7. Mal: Die wahre Liebe ist das nicht. Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Bildern von Horst u. Stein. bearbeitet von Julius Freund, Musü von Victor Holländer. Anfang G/z Uhr. Bauchen überall gestattet. Morgen und die folgenden Tage; Die wahre Liebe ist das nicht. Belle-Alliance-Theater. Heute nachm. 3 Uhr bei kl. Preisen: Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends 71/2 Uhr und folgende Tage: Die Dlline m Trouviile. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Km» Zondemiann. Ferd. Worms. MizzI Birkner. Rosa Marten. Hierauf:„Er". Pariser Lebensbild in t Akt. Allele Hartwig a.G. Leopold Thurner a G. 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Wegen groben Andrangs bitte recht zeitig zu bestellen. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlm. Für den Juieratcuteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck. und V Verlag von Slkar Padiu» in Berlui. öt. so. ig. MM». 3. Keilllge Ses„ptmürtf§n\mi McksM« 1902. Elfte kenerMrslMmlnng des Verblllldts her Ltderttbeitee TeutsshlllilhS. An das Referat über„Tarifverträge" schloß sich eine eingehende Dlsknsfiori die sich nicistk im Rahnien des Referats bewegte. Be- sonders werden anch von Beißweng er die in den letzten Jahren in der Organisation abgeschlossenen Ver- träge mit dem Unternehmertrini besprochen und darauf hingewiesen, daß die Erfahrung schon in kurzer Zeit in den wenigen Fällen gc» Icbrt habe, daß bei diesbezüglichen Abschlüssen die größte Vorsicht obwalten mutz und ans eine kurze Kündigungsfrist der Verträge Rücksicht zu nehmen ist. Ganz besonders aber sei nach der Eigenart des Berufs stets eine niöglichst genaue und präcisc Festsetzung der Accordarbeiten zu beachten, und wo das sich nicht gut thnn lasse, niüsse man sich entschieden die nötige Ellenbogenfreiheit vorbehalten, um nicht etwa die Arbeiter im einigen Handeln trennen zu lassen. Die Solidarität der Gcrberci-Arbcitcr mit den Zurichtern und um» gelehrt sei dringend geboten und dürfe nicht beeinträchtigt werde». Eine in diesen» Sinne gehaltene Resolution fand einstimmige An- nähme. Es folgt nun ein Referat über„Agitation". Der Referent M a h l e r» Hamburg führt aus: Ein ivichtiges Werbemittel sei die soeben angenommene Arbeitsloscn-linterftützimg. lleberhanpt spiele das Uiiterstützmigsivesen eine große Rolle in der Agitation. Be- fonderes Hauptgelvicht müsse auf die»nündliche Agitation gelegt werden, erst in zweiter Linie auf die Agitation durch die Presse Diese könne jedoch erst weiter ausgebaut werden, ivenn die An- stellung eines zweiten besoldeten Beamten erfolgt sei. Der bisherige Redacleur. der zugleich auch VerbandSvorsitzeudcr und Kassierer sei, iväre zu überlastet. Von der Anstellung eines zweiten Beamten sei wesentlich die Agitation für die nächste Zeit abhängig. In der Diskussion hierüber tvurde allgemein anerkannt, daß auf dem Gebiete der Agitation mehr Kraft entwickelt werden müsse. Die Agitation unter den angelernten Arbeite»-» in den Lohgcrbcrciei» sei zivar besonders schwer und man werde auch»licht ans allzu große Erfolge in kurzer Zeit rechnen können: das könne und dürfe nicht abhalten, dennoch die Agitation mit aller Energie und Ausdauer zu betreiben, um,»venn auch langsan». so doch' sicher Licht in die FiusteniiS jener Gegenden zu tragen, und die Unorganisierten dem Verbände zuzuführen. Nunmehr kommt man zur Statutenberatung. Hervorzuheben sii»d ans der Fülle der angeiimmnenei» Anträge, daß das Eintritts» gcld in allen Fällen ans SO Pf. und der wöchentliche Beitrag ans 35 Pfennige festgesetzt wurden. Das Recht des Ausschusses tvurde wesentlich beschnitten, da eS sich, wie ans den Verhandlungen hervorging, bei Streiks als zn weitgehend erwiesen hatte. Für de» praktischen Teil der Arbeitslosen- Unterstützung erstattete Bock- Altona im Auftrage der Kominisston Bericht. Alle Vorschläge der Koinmiision wurden glnttivcg angenommen, nur der,»vclchcr die Bezngsberechtignng bestimmte, wurde abgelehnt. Daraufhin»nachte Beißivenger folgenden fast einsiimniig nngenommenen Vorschlags Die Unterstützungen Iverden gewährt; Am Orte: Im» erhalb eines Jahres: Nach 52 wöcheutl. Mitgliedsdauer 3« Tage pro Tag 1,00 M. oder 36 M. .104.. M 1,25„„ 45„ . 156.. 36„,„ 1,50„ ,, 54„ „ 260„„ 36„„. l,7o„„ 63„ A u f der Reise: Nach 52wöchentl. Mitgliedsdauer 60 Tage . 104.. 60„ . 156„. 60„„ . 260„„ 60„ Der Beitrag von 35 Pf. ist vom 1. Juli 1002 zu erheben und die Arbeitsloseniniterstützung in obigen» Sinne tritt am 1. Juli 1903 in Kraft. Bis dahin gelten die seitherigen Bezugsbedingungen. Beim Beginn der Bezugsbedingungen»vird den Mitglieder» die Hälfte ihrer alten Mitgliedschaft in Anrechnung gebracht. Außerdem ivnrde beschlossen, daß Gemaßrcgelte und auch solche Kollegen, für die nach Lage der örtlichen Verhältnisse eine Aussicht auf Arbeit an» Orte nicht gegeben ist, falls sie in der ersten Woche der Arbeitslosigkeit ans die Reise gehen, die Tagegelder der niedrigsten Klasse ans der Reise und deren Faniilie zu Haus vier Wochen a Woche eine Orts» Unterstützung beziehen können nach der Höhe der Klasse, welcher sie nach der Dauer der Mitgliedschaft angehören. Diese Familien- Unterstützung soll bei der Höhe der Gesamtniiterstützung pro Jahr nicht in Anrechnung koinnien. Einige noch fehlende AnsfiihrmigS- bcstinnnnngcn wurden den» Vorstande zur Bearbeitung überwiesen; ebenso die Gegenseitigkeitsbedingnngen für die ausländischen Kollege». AllSgelcrnte. Geniaßregclte oder durch Streik arbeitslos gelvordene Mitglieder können durch Bestimmtnig des Centraivorstandes bereits nach 26>vöchentlichcr Mitgliedsdaucr die Tagegelder der niedrigsten I Klasse beziehen. Eine» Reservefonds anzusammeln, der die Höhe pro Tag 0.60 M. . 0.75„ .. 0.00„ 1,05 von 5—6 M. pro Kopf der gesamte» Mitgliedschaft ergiebt, wird dem Vorstand aufgegeben. Bei den Uinzügen wird noch eine neue Bestimmung getroffen,»vonach freiwillige Uinzüge von drei Jahr zu drei Jahr bis zn 30 M. entschädigt werden sollen. Anch wird eine Untelstützling für Stcrbefälle beschlossen; dieselbe soll 25 M. betrage»». Gewährt»vird sie solchen Mitgliedern, die drei Jahre ohne Unterbrechung in» Verband sind. Stirbt einen» solchen Mitgliede die Fron, wird die Unterstützung ebenfalls gewährt. Bei ledigen Kollegen könne» die Angehörigen den Betrag erhalten. Ein Antrag, diese Unter- slütznng anf 50 M. resp. 75 M. zu beniessen, Ivnrde abgelehnt mit dem Hinivcis, erst die finanzielle Gestaltung der Kasse bis zur nächsten Generalversamnilnng abzuwarten. Der Sitz des Verbandes bleibt Berlin, der des Ausschusses in Haniburg-Altona. Als erster Vorsitzender wird H. Bcißwenger, Berlin, einstiumiig wiedergewählt. Für den anzustellenden ziveiten Beamten kommen von»nehreren Vorschlägen die Kollegen G. Kenn- gott, Eßlingen, und H. Mahler, Altona, in die engere Wahl. Mahler »vird mit 13 Stimmen getvahlt, während Kenngott 7 Stimmen erhält. Das Anfangsgehalt Ivird anf 1800 M. festgesetzt. Von drei zu 3 Jahren soll das Gehalt um 100 M. und zwar bis zn 2100 M. steigen. Dein ersten Boomten»verde» von seine» 0 Dienstjahrcn sechs in sofortige Anrcchn"»»g gebracht»ud ihm ein Gehalt von 2000 M. bewilligt. Ebc a ivird den Beamten ei» Urlaub von 14 Tage» in, Jahre bclvilligt. Zum Stuttgarter Gewerkschaftskongreß werden G. Kenngott, Eßlingen, und H. Beißivenger, Berlin, bestimmt. Ein Antrag, eine Feststellung aller Blut- und Milzbrand- Vergiftungen in der nächsten Geschäftsperiode des Vorstandes für in Gerbereien und Lederfärbereien beschäftigte Arbeiter vorzunehmen. »vird beschlossen. Desgleichen Ivird eine e»» e r g i s ch e P r o t e st- resolutio» gegen die beabsichtigte Einführung von Zöllen auf G e r b st o f f e angenommen. Ein Antrag, den ersten Mai im Sinne des Beschlusses des Ge» werkschaftSkongrefseS zu feiern, wird angcnonnnen. Als noch einige innere geschäftliche Angelegenheiten ihre Erlediginig gefunden,»»»acht der Vorsitzende„nf den Lohnkampf der Kollegen in Erlangen auf- merksan»»md spricht die Hoffnung ans, daß dieser berechtigte Kampf der Arbeiter in Bälde zn Gunsten der Arbeiter erledigt sein möge. Nachdem er anch den Magdeburger Kollegen für die freundliche Ans- »ahme und Bewirtung der Delegierten gedankt, schließt er die Geileralversaumlliuig, in der zuversichtliche» Hoffnung, daß die vollendeten Arbeite» zur ferneren Entlvicklnng des Verbandes bei- trage» mögen, mit cincin dreimaligen Hoch auf die Organisation. »Jeäe Bame spart GeldU Nach beendeter EngroS- Saiso» verkaufe.Einzeln- um zu räumen I Posten Sommer-Jacketts m.li.tchucSeWenTutt.flroh.illp Stickerelkraoen„Neuheit"�'•» „Wert bU SO nark" 1 Posten Binsen Eaton „Modell-Jaeketts" Xenheitcn � �«"SO ,,Wert bis 60 Mark" 1 Posten Sacco-Palctots m.u.oHneSeldenfutt.,ai(iQ.Q in 8tlckerelkng.,inaa. Länn 0' 0 „Wert bis 75 Mark" Kinder- nnd Backfisch-Paletots 3 bis 10 Mark. I Posten Kostüme, Blusen und I Eaton Jacketts, 1» YN MI i Rock u. Jacke aetUtt.lU 6U III. I Post. 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