Ar. 88. Abomumeitts Kedingungill: ttbonnementt-$c(i< pränumerando: «ierteljährl. 330 SDlf., monatl. 140«JH., wächenttich 28 Psg. ttel in» Hau». Simelne Numw-r 5 Psg. Eonntag»- Nummer mt»>u»Nr>eri-r SonniagZ- Beilage„Die Neue Welt" lO Psg. Post- Abonnement: l.lv Marl pro Mona,. Eingetragen in der Post- Zeitung»« Preiiltste für 1908 unter Et. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für da» übrig« lllutland g Marl pro Mona,. «rschelu» Ugltch«uster»oukig». 19. Jahrg. Die Insertions-Gebayt beträgt für die sechsgespaltene Koloneu »eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerls chaftliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ansrigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer mästen bis 1 Uhr nachmittags in derSxpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis s Uhr vormittags geöstner. Devltnev Volksbl�kt. Csntralorgan der so rialdemokratischen Partei Deutschlands. Telegramm- Adreste» »Porialdemoktat verlin'» LedaUtwn: SW. 19, Veukh-Slraste 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Mittwoch, de»». April 100!!. Gepeditton: 3W. 19. Venlh-SIrsfte 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 5181« Schutzlose Landwirtschaft! Man schreibt uns: Unter dem Titel„TyLklands Toldpolitik" hat der dänische Freihändler„Peschcke K ö e d t ein Buch herausgegeben, worin er die deutsche Zollpolitik, die frechen Zollforderungen unsrer Junker, sowie das System der Schutz- zölle überhaupt, einer sehr eingehenden Kritik unterwirft. Das für Deutschland interessanteste Kapitel des Buches ist dasjenige, das von der günstigen Entwicklung handelt, die die Landwirtschaft Dänemarks genommen hat, ohne irgend welchen Schutzzoll zu genießen. „Vor lOO Jahren", sagt der Verfasser, stand Dänemark noch auf der niedrigsten Vermögensstufe unter den ärmsten Nationen Europas. Das Klima ist rauh und unbeständig, mit einem kurzen, launischen Sommer. Der Boden war und ist zum Teil noch in vielen Gegenden sehr mager und es hat große und langdauernde Arbeit gekostet, ihn zu verbessern. In den meisten Hinsichten arbeiten die Landleute andrer Länder unter glücklichen klimatischen Bedingungen. Dazu litt der dänische Bauer bis in den Anfang des vorigen Jahr- Hunderts unter den Folgen einer sich durch viele Geschlechter fortsetzenden Mißregicrung. Und wenn man n u n Dänemarks thatkräftige Landbevölkerung sieht, mit der stolzen Haltung, dem frischen Blick und dein klaren stolzen Verständnis für ihre gesellschaftliche Stellung, dann scheint es, als sei eine völlige sociale Umwälzung erfolgt." Der Verfasser schildert dann, wie nach Abschaffung aller an Adel, Titel und Rang geknüpften Vorrechte durch die Verfassung von 1849 sich der Volkscharakter auf der ganzen Linie ge- hoben hat, so daß nun viele Bauern als Menschen auf einer viel höheren Bildungsstufe stehen als ein großer Teil jener Adeliger, die früher als Herrscher, Nichter und Tagediebe mit Mißachtung auf die arbeitende Bevölkerung herabblickten. Das Wort Goethes:„Wer ist das würdigste Glied des Staats?— Ein wackerer Bürger, unter jeglicher Form bleibt er der edelste Stoff",„diese Auffassung," sagt Peschcke Köedt,„hat in Däne- mark viel tiefere Wurzeln geschlagen, als in des großen deutschen Dichters eignem Vaterland. Man kennt auch in Dänemark nicht die deutsche Vergötterung des Offizierstandes und der Universitätsbildung". Wie die landivirtschaftliche Produktion und der Export der Produkte sich in Dänemark infolge der Zollfreiheit so überaus günstig entwickeln konnten, das wird uns in einer Anzahl statistischer Tabellen vorgeführt. Dänemarks Ansfnhrüberschuß von Eiern betrug: 1895 8 Millionen Suese(1 Snes— WSliick) Wert 8 Mill. Kr. ISVS 10.„„ 10„„ 1897 12„ 13„„ 1898 13„16.„ 1899 15...„ 18.„ 1900 17,„„-„„ Schweden führte 1 888 unter deutscher und französischer Einwirkung das jetzt noch herrschende pro- t e k t i o n i st i s ch e System ein und damit einen Maiszoll von 2,50 Kr. per 100 Kilogramm und später würde infolge des Notschreies der Landwirtschaft der Zoll auf 3,70 Kr. er- höht. Bei einem Maispreis von 8—10 Kr. netto per 100 Kilogramm wird dieses Rohprodukt um 33—45 Proz. verteuert. Schwedens Eierexport sank nahezu auf den Nullpunkt und betrug 1896 0,8, 1897 0,3, 18980.4, 1899 nur noch 0,2 Millionen Snese(a 20 Stück).— Ein bekannter dänischer Landwirt, Biggo Ulrik, pflegte zu sagen: „Denkt daran, daß ein Zoll von nur 1 Oerepe r Pfund Mais einer jährlichen Mehrausgabe von 40 Oere perHuhn entspricht(ein Huhn verzehrt im Jahre durchschnittlich 40 Pfund Mais), und daß ein Zoll von 2 Kronen pro Centner auf jeden kleinen Betrieb mit 50 Hühnern eine jährliche Steuer von 40 Kronen legen würd e." Unsre deutschen Agrarier wollen bekanntlich den Mais mit einem Zoll von 5 Mark pro 100 Kilogramm belegen. Dänemark braucht sich also in Zukunft nicht auf diesem Gebiet vor der deutschen Konkurrenz zu fürchten. Haript- sächlich kommt die Eierproduktion Dänemarks auch den Klein- dauern und Häuslern zu gute. Der Export wird auf genossenschaftlichem Wege besorgt. Die dänischen Landivirte haben viele Hundert Kreise gebildet, innerhalb welcher die Eier nach bestimmten Regeln eingesammelt�werden. Jedes Ei wird gestempelt, so daß man in der Central-Saminelstelle, wo die Eier sortiert und Nuttels elektrischen Lichts untersucht werden, den Ursprungsort jedes Eies feststellen kann. Die Ausfuhr von Speck betrug 1887 nur 32 Millionen Pfund, stieg aber dann bedeutend und betrug: 1890 56 Millionen Pfund im Werte von 23 Millionen Kronen. 1891 65„„„ 26 1895 102„ 38 1896 142. 42 1897 120„ 54 1899 144„. 54„ 1900 127„. 59 Man muß sich beständig vor Augen halten, daß es sich hier um ein kleines Land von ca. 2Vs Mill. Einwohnern handelt. Wenn die Behauptungen der Schutzzöllner zutreffend wären, dann müßte die Landwirtschaft dieses kleinen Landes schon längst durch die mächtige Konkurrenz des Auslandes erdrückt worden sein. Schweden hat unter seinem„Zoll- schütz" nicht allein feinen Export von Speck ruiniert, sondern sieht sich auch genötigt dieses Nahrungsmittel in steigender Menge einzuführen, trotzdem die natürlichen Bedingungen für die Schweinezucht dort mindestens so gut sind wie in Dänemark. Der Ausfuhr Überschuß von Speck betrug in Schweden 1893 noch 6 Millionen Pfund; 1899 aber war ein Einfuhr- Überschuß von 18,2 Millionen Pfund. 1900 ein solcher von 19,1 Millionen Pstlnd zu verzeichnen. Wie in'Dänemark ein Maiszollvon 5 M. wirken würde, zeigt folgende Berechnung: Die Mais- einftihr betrug dort 1900 408 Millionen Kilogramm(im Werte von 32,7 Millionen Kronen). Der Zoll von 3 M. auf je 100 Kilogramm würde eine jährliche Mehrausgabe v o n 20 400 000 M. notwendig machen, die, da der Mais fast ausschließlich als Futtermittel verwandt wird. die Konkurrenzfähigkeit der Landwirte in ungeheurem Maße beein- trächtigen würde. Der Fleischexport Dänemarks stieg in den letzten 5 Jahren des vorigen Jahrhunderts wie folgt: 1896 15 Millionen Pfund Wert 3,8 Millionen Kronen I 1897 19„„„ 4,2 1898 38„ 10.3 1899 49..„ 13.8 1900 43.. ,. 12.9 Der Hauptausfuhr-Artikel ist jedoch die Butter und hiervon wurden exportiert: 1896 102 Millionen Pfund Wert 93 Millionen Kronen 1897 106„ 97„ 1898 121„„ 109„ 1899 122„„„ 119„ 1900 123„ 120 Die dänische Landwirtschaft exportiert viele Warensorten, die Hauptartikel inländischen Ursprungs sind die folgeilden: und der Wert der Ausfuhr betrug 1900: Bnlter... 120 Millionen Kronen Speck.... 59„„ Eier.... 18„„ Pferde... 13,4„„ Fleisch.... 12,9„ Hornvieh., 8,4__«_ Summa. 231,7 Millionen Kronen. Bei diesen großen Fortschritten in der Viehzucht ist jedoch der Ackerbau keineswegs zurückgegangen. Der Wert von Dänemarks Ernte belief sich: 1883 auf 272 Millionen Kronen. 1897: 320, 1898: 328, 1899: 318, 1900 auf 320 Millionen Kronen, wobei der Wert des Strohes, der sich auf 33—65 Kronen in den ver- schiedenen Jahren belief, nicht mitgerechnet ist. Das zum Acker- bau angewandte Areal weist folgenden Zuwachs auf: 1375—78... 2 837 539 Tonne» Land, 1885—87... 3053603„, 1888—90... 3117 971 1891—93... 3190 584 1894—96... 3270282 (l4/5 dänische Tonnen Land— 1 Hektar). Der Ertrag der Ernte an Getreide, Wurzelfrüchten und Heu weist seit den 70 Jahren eine beständige Steigerung auf und betrug: Getreide Wurzclfrüchte Heu Tonnen Tonnen sa 1000 kg) 253(n 1000 Pfd.) 1875/78... 19 610 863 6 371 492 2111 526 189193... 22 786 503 82 749 363 2 330 560 1894'96... 23 773 357 40 903 969 2 905 484 Diese Zahlen zeigen, daß der Ackerbau unter der Zollfreiheit nicht vernachlässigt wurde, sondern, daß der dänische Bauernstand vielmehr auch auf diesen: Gebiete der Landwirtschaft eine bedeutende Fortschritts- arbeit geleistet hat. „Der Niedergang in den Getreidepreisen, der in den späteren Jahren in Deutschland so starke Klagen hervorrief. wurde", sagt Peschcke Köedt,„in Dänemark zu einem viel früheren Zeitpunkt ernstlich in Erwägung gezogen. Hier war man schon in den 80er Jahren klar darüber, daß jeder Versuch, hinsichtlich der Versorgung des Weltmarktes mit Getreide mit den überseeischen Ländern zu konkurrieren, hoffnungslos war. Darum ging man zu dem intensiven Betrieb über, zu der sogenannten industriellen Landwirtschaft, in der Getreide als Rohmaterial verwendet wird. Der dänische Konsnleut Böggild gab kürzlich folgenden, außerordentlich interessanten Aufschluß über die Verhältnisse, unter denen die dänische Landwirtschaft jetzt im Vergleich zu 1871 arbeitet. Roggen ist in Dänemark sdas wichtigste Brotgetreide. Im Jahre 1871 gehörten 17 Pfund Butter dazu, um den Preis einer Tonne Roggen aufzuwiegen, jetzt aber reichen 10 Pfund Butter dazu aus. Gleichzeitig damit, daß Dänemark Butter in so großen Quantitäten exportierte, daß unser kleines Land seit vielen Jahren mehr Butter nach England ge- san dt hat als alle andren europäischen Länder zusammen, hat man folgende Quantitäten Roggen im Auslände gekauft: 1897: 130, 1898: 163, 1899: 173, 1900: 182 Millionen Pfund. Diese Zahlen zeigen, welchen kolossalen Ver- lust eine durch Zollschutz forcierte Roggen- kultur der dänischen Landwirtschaft gebracht haben würd e."— Zu der günstigen Entlvicklung der dänischen Landwirtschast hat neben der Zoll- f r e i h e i t auch die genossenschaftliche Be- wegung viel beigetragen.„Anstatt, daß früher jeder kleine Landmann seine Butter selbst herstellte und verkaufte, seine Schweine selbst schlachtete,'seine Eier selbst verhandelte, wird die Milch nun an die„Anteilsmeiereien" geliefert, die in einer Anzahl von 1000—1100 über das ganze Land verbreitet sind. Hier wird die Butter unter sachkundiger Leitung mit der größten Reinlichkeit und der äußersten Oekonomie im Betriebe hergestellt. Die Anteils- schlächtereien nehmen die Schweine entgegen, schlachten sie und exportieren das Fleisch. Die Eier werden in der bereits erwähnten Weise versandt. Die Lieferungen jedes einzelnen Landmannes werden einer dauernden Kontrolle unterworfen. Jeder einzelne Landmann ist daran interessiert, daß jede technische Verbesserung, jeder Fortschritt in der Produktionsweise so schnell wie möglich allen seinen Berufsgenossen bekannt wird, damit der gemeinsame Gewinn um so größer werde. Während die Kaufleute aus Konkurrenz- rücksichten ihre Geschäftsführung verheimlichen, ist die unter dem Anteilssystem arbeitende Landwirtschast an der möglichst größten Oeffentlichkeit interessiert. Nun kann man einwenden, daß das Anteilssystem auch in den zollbeschützten Ländern bekannt ist. Aber in diesen wird man niemals die unter der Zollfreiheit ent- wickelte Feinfühligkeit für die Verände- rungen ans dem Weltmarkt erreichen. Hinter einer hohen Zollnrauer erschlafft die Energie, selbst wenn eine intelligente Minderheit mit voller Kraft arbeitet. Hat man, wie in Deutschland, die Landwirte daran ge- wöhnt, ihr Heil im Zoll zu erblicken, dann ist es leicht verständlich, daß die Pro- d u z e n t e n inmier niehrZoll verlangen, wenn der Druck stärker wird. Dahingegen ist eine Landwirtschaft, die vor offenen Thüren arbeitet, darauf angewiesen, durch fort- gesetzte Verbesserungen und Ersparnngen im Betrieb ihre Unkosten zu vermindern und trotz der niederen Preise ihre Bilanz auszugleichen. Das ist der gesunde Weg, den man in Dänemark gegangen ist."— Weiterhin wendet sich Peschcke Köedt gegen die jüngst im deutschen Buchhandel erschienene Schrift des Dr. Graf Holstein-Ledreborg„Aus den landwirt- schaftlichen Zu st än den in Dänemar k."„Der Verfasser", sagt er,„hätte sich doch, ehe er die ausländische Litteratur mit den Resultaten seiner Untersuchungen bereicherte, etwas besser in seinem eignen Heimatland umsehen sollen. Er würde dann erfahren haben, daß Tausende dänischer Hochschul-Bauern nicht allein Männer, sondern auch Frauen, mit einem weit klareren Ver st ändnis der Verhältnisse der dänischen Landwirtschaft ausgerüstet sind, als den Ansichten, die sich der junge Graf nach einseitiger ausländischer Einwirkung und unter.41mg. mater« irreführender Leitung gebildet hat." Daß die Behauptungen, die Professor R u h l a n d in dem Vorwort zu jener Erstlings- arbeit seines Schülers aufstellt! die dänische Landwirtschaft zeuge vielleicht in noch höherem Grade als die Englands von dem unausweich baren Bankrott der frei- händlerischen Agrarpolitik, die dänischen Bauern seien unter der Einwirkung des Radikalismus und Socialismus auf gerade- zu unkluge n a t i o n a l ö k o n o mi s ch e Wege ge- l ei t e t w o r d en, durchaus unzutreffend sind. ist bereits durch das oben angeführte Zahlenmaterial bewiesen worden. Die Erfolge der dänischen Landwirtschaft �würden wahrscheinlich noch bedeutender sein, wenn den Landwirten nicht durch die unvernünftigen industriellen Schutzzölle ein großer Teil der unentbehrlichsten Gebrauchsgegenstände unverschämt verteuert würde. Vor einigen Jahren wurden die Landleute auf den südlichen Inseln Dänemarks von einer Infektion der Protektionistischen', Bewegung aus Deutschland heimgesucht. Ein jütländischer Gutsbesitzer trat dieser Strömung entgegen und in weniger als 14 Tagen wurde folgende Adresse an den dänischen König und Reichstag von über 30000 däni- scheu Bauern unterschrieben: „-W i r dänischen Bauern wünschen keinen Zoll auf Getreide und Futtermittel. Wir wünschen keinen Schutz auf K o st e n andrer und>v o 1 1 e n nicht die Lebensmittel fite unser Volk verteuern. Wir wollen mit allen in unsrer Macht liegenden Mitteln jeder Behinderung des freien Warenumsatzes mit dem Ausland durch Zollschranken unS widersetzen. Aber wir forder» Gleich- berechtignng mit der Industrie für uns und unsre Arbeiter durch Aushebung oder Herabsetzung dcS Schutzes, der ans unsre Kosten der Industrie durch de» jetzt geltenden Zolltarif gewährt wird." „Sicherlich zeugt diese Resolution der dänischen Bauern von einem Adel und einer Hoheit des Gedankengange», daß es zu wünschen wäre, wenn Stantsniänner, Universitäts- lehrer, Politiker. Fabrikanten. Handwerker und Bauern in allen Ländern davon Kenntnis erhielten. Welch ein Unter- schied zwischen den berechtigten Forderungen der dänischen Bauern und der niedrigen Zollbettelei, deren Be- fürworter in andren Ländern durch drückende Kopfsteuern auf ihre Mitbürger ihre eignen und ihrer Standcsgenossen Sonder- interessen mit einer oft brutalen B e i s e i t e s e tz u n g aller andren Rücksichten zu fördern suchen," sagt Peschcke Köedt.— Zolltarif-Kommission Weintrauben, Wein, Nüsse, Aepfel, Birnen, Quitten, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren und andres Obst stand auf der Speisekarte der nach den Osterferien wieder versammelten Kommission für Erhaltung des Junkerstandes. Die Mehrheit probte diese Tafelgenüsse und meinte, die Kultur habe ihre Tafel nur für die Wohlhabenden gedeckt. Sie beeilte sich deshalb, durch hohe Zölle gleichmäßig der Möglichkeit entgegenzutreten, daß minder Wohlhabende den den Zöllnern dringend antinationaler Umtriebe der- dächtigen Reichskanzler von dem Verdacht zu reinigen, daß er seine Reise zur Schädigung Deutschlands benutzt habe: bindende Zusagen habe er sicher nicht gemacht. Um 5Vs Uhr vertagte sich die Kommission, um am folgenden Tage den Kampf gegen getrocknetes und gedörrtes Obst(Tarifposition 47) zu führen. Die von der Kommission beschlossenen Sätze würden die Konsumenten, die Produzenten, den Handel und den Fort- schritt auf dem Gebiete der Agrikultur erheblich schädigen. Die Debatte wurde durch Schlußanträge der Mehrheit abgeschnitten. gwijchendurch suchte der Staatssekretär v. Posodowsky bst zu wohlfeilen Preisen zu erhalten, und den glücklichen Be fitzern großer Landstrecken hohe Einkünfte zu garantieren. Diesem kulturwidrigen Streben kommt die Regierungsvorlage schon weit entgegen. Die Kommission ging teilweise noch über deren Sätze hinaus. Leider sträubte sie sich, überall den Vorschlägen des Freiherrn v. Wangenheim zu folgen, der beispielsweise für Aprikosen und Pfirsische einen Zollsatz von tivv M., d. h. 500 Proz. des Wertes, vorschlug. Leide sagen wir, weil der Aberwitz der Ziele der Agrarier nich besser als durch derartige tolle Anträge augenfällig gemach! werden kann. Die Zollkommission nahm DienZtag nach zweiwöchentlicher Pau ihre Beratungen wieder auf. Com Bundesrat war Graf Posodowsky und Fchr. y. Thieluuum anwesend. Bei Beginn der Sitzung machte Borsitzender Rettich de» Vorschlag, bis zum Zusammentritt des Plenums die Sitzungen vormittags 10 Uhr zu beginnen und niit einer einstündigen Mittagspause bis in den Nachmittag hinein fort zusetzen. Dieser Vorschlag wurde widerspruchslos angenommen. Begonnen wurde mit der Beratung über Position 44.(Wein traubcu, Weinbeeren.) Di« Vorlage sieht einen Zollsatz von 15 M. für frische Weintrauben, von 24 M. für gemostete, gegorene und für Weinmaische vor. Blankcnhorn(natl.) beantragt, die Diskussion über Position 44 mit der Diskussion über Position 178(Wein und frischer Most) zu verbinden. Stadthagen(Soc.) widerspricht mit der Begründung, daß die Kommission sich an das Skelett des Entwurfes halten müsse. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) befürwortet den Antrag Blanken- Horn, da eine Trennung innerlich verwandter Materien nicht an- gängig erscheine. Hierauf wird der A n t r a g B l a n k e n h o r n mit allen gegen die Stimmen der Socialdemokraten angenommen. Position 178 legt auf Wein und frischen Most von Trauben in Fäsiern oder Kesselwagen bei einem Weingeistgehalte von nicht mehr als 14 Gelvichtsteilen in 100 einen Zollchon'24 M., von mehr als 14, aber nicht mehr als 20 Gewichtsteilen in 100 einen Zoll von 30 M., von niehr-als 20 Gewichtsteilen in 100 einen Zoll von 160 M., sämtlich wie bisher. Zu Position 44 beantragt Dr. Miillcr-Sagan(frs. Vp.) folgende Anmerkung:«Weintrauben, mit der Post in Sendungen von 6 Kilo- grnmm Rohgewicht und weniger eingehend, bleiben zollfrei", und zu Position 178 folgenden Zusatz: Unter Ueberwachung der Verwendung werden rote Verschnittweine zu 50 Proz., Weine zur Cognac- bereitung zu lO�/z Proz. des Zollsatzes abgelassen. Antrick(Soc.) und Genossen beantragen: Weintrauben, gemostet, gegoren. Weinmaische zollfrei zu lassen) Blankenhorn(»all.) beantragt einen Zollsatz von 20 M. Frhr. v. Wangeuheim(kons.) beantragt für Weintrauben, frisch vom 1. Juni bis 31. Oktober 20 M., vom 1. November bis 30. Mai 150 M., Weintrauben gemostet, gegoren. Weiumaische 30 M. Zoll. Nachdem Blankenhorn(natl.) über die Petitionen referiert hatte, vertritt v. Wangeuheim(k.) seinen Antrag.«Von einer näheren Be- grllndung glaube er absehen zu können, weil n n s r e Wein- dauern sich einmütig für die von ihm geforderten Zollsätze erklärt hätten." Am meisten werde die Zollfrei'heit der in 5 Kilo-Paketen eingehenden Weintrauben sowie die Zollbegünstigmig der Verschnitt- weine beanstandet. Miiller-Sagan(fr. Vp.) bestreitet, daß unsre Weinbauern der Ansicht Wangenheims seien. Im Rheingau denke man über die Zollsätze für Trauben ganz anders als der Bund der Landlvirte. Bor allem lege man Wert darauf, den deutschen Rotwein, welcher an sich nicht marktfähig ist, durch Beimischung fremder Trauben oder durch Verschnitt mit fremdem Wein in Farbe und Geschmack dem Bedarf des Marktes entsprechend zu gestalten. Durch die zollfreie Einfuhr von Trauben in 5 Kilo-Paketen werde dem Bedarf des Publikum« entsprochen, ohne daß die heimische Erzeugung dadurch geschädigt werde. Antrick(Soc.): Die Regierung hat mit der Vorlage den Wünschen der Weinagrarier entsprochen. Die Preise für gute deutsche Rotweine sind gesttegen. Die Besitzer guter Lagen wollen höhere Preise, aber die kleinen Weinbauern, die ihr Produkt nur in Ver- bindung mit ausländischen Trauben verlverten können, werden durch den Zoll geschädigt. Die Traubenkuren werden immer mehr au- gewendet und gelten bei vielen Krankheiten als einziges Heilmittel. Diese Kuren solle man nicht zu eiueni Privilegium für die Reichen machen. Das ganze Volk hat ein Interesse daran, daß alles gethau wird, um die Volksgesuudheit zu heben. Verwerflich ist die Staffelung des Zollsatzes nach Weingeistgehalt. Die teuersten Bordeaulveiue bleiben unter der Grenze von 20 Prozent, während die dilligen italienischen Weine darüber hinausgehen. Der Satz von 160 Mark richtet sich also direkt gegen Italien und begünstigt Fraukreich. Italien ist«in Land, mit welchem wir Handelsverträge haben müßten. Die Forderungen Wangenheims lägen nur in, Interesse der großen Weinproduzenten. Die kleinen Weinbauern, welche geringere Weine produzieren, seien vielfach auf den Verschnitt angewiesen. Wallenbor»(C.) Ivendet sich gegen die Ausführungen von Müller-Sagan und Antrick. Dr. Crüger(frs. Vp.): Zn einer Zollerhöhung für frische Trauben liege gar keine Veranlassung vor. Trauben dürsten auf keinen Fall ein Luxusartikel iverde». Unterstaatssekretär v. Fischer verteidigt die Sätze der Novelle und erklärt, datz als frische Traube alles gelten solle, was noch sämtliche Teile Kämme, Bälge usw. enthalte; alles andre sei als Most oder Maische zu verzollen. Ob später bei Handelsverträgen die Vergüustigmtg der 5 Kilo-Pakete geivährt werden soll, wird erst bei den Verhandlungen über die Handelsverträge zu untersuchen fein. Es ist ja möglich, daß die Postpakete wieder freigegeben werden, aber in den Zolltarif darf man solche Zollfreiheit nicht hilleinsetzen. Der Antrag Blankenhorn für geraspelte Trauben 30 M. zu nehmen, bringt eine so hohe Belastung, daß die Einsiihr dieser Trauben unmöglich wird. Blankenhorn(natl.): Die Sätze des Tapifes sind so, daß die Weinbaneril damit zufrieden sein können, aber man muß verhindern, daß diese Sätze durch Handelsverträge wieder herabgesetzt werden. Es müssen deshalb höhere Sätze eingestellt werden, damit man bei Handelsverträge» auf die jetzt genannten Tarifsätze zurückgehen kann. Den Staatssekretär bitte er um Auskunft, ob es war sei. daß Graf Biiloiv in Venedig mit Prinetti bereits bindende Abmachungen bezüglich des Handels Vertrages getroffen habe. Mein Antrag will der Regierung also ein Kampfmittel an die Hand geben. Wenn man nicht höhere Zollsätze in den Tarif ein- stellt, dann können gar keine Handelsverträge zu stände kommen. (Ruf links: Nur keine Pfcrde-Handclövcrträge! Heiterkeit.) Unterstaatssekretär v. Fischer ergänzt seine frühereu Aus- führuugen dahin, daß eine Unterscheidung zwischen Tafeltrauben und Keltertrauben tarifarisch nicht durchführbar sei. Staatssekretär Graf PosadowSky b e st r e i t e t, daß in der Unterhaltung des Grafen Bülow mit Minister Prinetti irgendwelche bindende Zugeständnisse in Bezug auf den Handelsvertrag in Frage gekommen seien. Graf Bülow habe keine Zusagen gemacht, sondeni nur Fühlung genommen. Bindende Zugeständnisse könnten erst in Frage kommen, wenn der Tarif eudgültig ausgestaltet sei. Uebrigens habe der deutsche Weinbau in seiner Fläch e'ntcht abgenommen unter der Wirkung der Handelsverträge. Das gerade Gegenteil sei der F a I l. Der Mchreingang von Verschnittwein sei daher mir auf den Umstand zurückzuführen, daß der Weingennß im Reichsgebiet«popu- larisiert' sei. Deutschlands Rotweinban könne nicht künstlich durch einen Erzieh, ingSzoll auf den deutschen Rotiveiugeschmack gehoben werden. Durch Verfchuittweine könne der" deutsche Rotwein verkäuflicher gemacht Iverdeu. Es sei politisch im höchsten Maße verkehrt, in den Tarif Sätze ein- stellen, die über die Bedürfnisse der eignen Volksivirtschoft erheb- hinausgingen. Durch solche enorme autonome Tarissätze, wie sie in einzelnen Anträgen begehrt würden, stelle sich das Deutsche Reich nach außen hin in ein schiefes Licht. ES entstehe der Verdacht, als seien die autonomen Tarissätze übcrhanpt nicht ernst z« nehmen. Aber auch iunerpolitisch seien übertriebene Zoll- sätze höchst bedenklich, dem, sie erweckten in den Kreisen der Jnter- essenten das Mißtrauen, als ob die Regierung sich die Vertretung der heimischen Erzeugung nicht genügend angelegen sein lasse, wenn sie zu niedrigeren Zollsätzen nachher Verträge schlösse. Die Zollsätze für Tafeltrauben, welche beantragt seien, verstiegen sich ja bis zu einer Höhe von 500 Proz. des Wertes. Da eine solche Zollhöhe nimmer», ehr erreicht werden könne, würde cS nachher heißen:„Es kreißen die Berge und geboren wird eine lächerliche Maus". Graf Könitz(k.) erklärt, ihm sei das ganze Nivean des Tarifs e I z u n i e d r i g. Er lasse zu wenig Spielraum für Konzessionen Darunter werde natürlich die heimische Erzeugung zu leide» haben weil die Konzessionen sich alsdann auf Gebiete erstreckten, von denen sie ausgeschlossen bleiben müßten. WaS BlankenhornS Amiahme anbetreffe bezüglich der Ab- niach,»igen zwischen dem Grafen Bülow und Prinetti, so sei sie doch nicht unsubstantiiert, wie sie Graf Posadoivsky darzustellen beliebt habe. Ii» Hintergründe stehe doch die Erklärung, die Staatssekretär Frhr. v. Richlhofen bei den Verhandlungen über die Zollsätze auf frisches Geinüse abgegeben habe. Ein Antrag aiif Schluß der Diskussion wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. Daun trat die einstiindige Mittagspause ein. ** • NachmittagS-Sitznng. Nach weiteren Ausführungen von Müller- Sagau und B l a n k e» h o r„ wird die Debatte geschlossen. In der Abstimmung wird der Antrag W a„ g e» h e i m (20 Mark auf frische Trauben) abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt wird ein inzwischen eingegangener Antrag Crüger(frs. Vp.). Tafeltranbcn mit 4 Mark, ändre Tranbe» mit 10 Mark Zoll zu belegen. Der Antrag Wallenborn, Zoll von 20 M. ans Trauben ohne Unterscheidung ob Tafel- oder Keltcrtraubcn, wird angenommen. Der Antrag Dr. Müller-Sagan(fis. Vp.), durch eine Aiunerkung die 5 Kilo-Pakete mit Trauben zollfrei zu lasse», lvird abgelehnt. Der Aulrag Wangeuheim(Zoll von 30 M. für Weintraube,,, gemostet, gegoren, Weiumaische) wird ebenfalls abgelehnt mit 13 gegen 12 Stimmen. Die Regierungsvorlage wird angenommen mit folgender Anmerkung des Abg. B la„ k e>, h o r»(natl.):«Als Wcinniaische alle eingestampften oder eingekapselten Wciutraubeu anzusehen und zu verzollen, auch wenn eine Gärung'»och nicht oder nur teilivcise eingetreten ist." ' Es folgt Posiiion 43(Nüsse). Die NegicrungSvorlage sieht wie bisher einen Zoll von 4 M. vor. Bebel(Soc.) weist daraus hin, daß, obivohl in Deutschland der Nußbau in großem Umfange betrieben iverdeu könnte, die Ernte in Nüssen bei uns in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen ist. Der Grund sei wohl darin zu suche», daß der Nußbaum wert- volles Holz liefert. Das Nußbaumholz»verde zu Gewehrschäftcu verarbeitet. Mit den gesteigerte» Ansprüchen der Armee sei die Nachfrage nach Nußbaumholz so gestiegen, daß in einzelne» Gegenden eine förmliche D e v a st> e r u n g stattgefuiiden und dieser uu- streitig schönste Baum Deutschlands fast ausgerottet sei. Die Position 45(Nüsse) wird uu verändert nach der Regierungsvorlage angenommen. Posilion 46 betrifft andres frisches Obst, das bisher zollfrei lvar. Aepfel, Birnen, Quitten sollen unverpackt, aber nur in Säcken zollfrei bleibe», ebenso Hagebutten und Schlehen. I» andrer Verpackimg sollen Aepfel, Birne,,, Quitten 6 M. Zoll tragen. Für Aprikosen und Pfirsiche, verde» 8 M. Zoll, für Pflaumen aller Art. Kirschen, Weichsel», Wispelt, 2 M. Zoll, für Erdbeeren 15 M. festgesetzt, während Himbeeren, Johannisbeere», Stachelbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Preiselbeeren und sonstige Beeren zollfrei bleiben sollen. v. Wangenheim(k.) beantragt, unverpackte Aepfel, Birnen, Quitten nur bo», 1. Oktober bis 16. November zollfrei zu lassen, vom 16. November aber bis zum 30. September mit ciac», Zoll von 2,50 M. zu belege». Verpackt sollen diese Obstartcu 20 M. Zoll trägem Für Aprikosen und Pfirsiche soll vom 1. März bis 31.' Juli ein Zoll von 200 M.. i» den übrige» Monaten von 25 M. erhoben werden. Pflaume» aller Art �sollen 6 M., Hagebutten, Schlehe» usw. 3 L)k., Erdbeeren vom 1. März bis 30. Juni 100 M. vom 1. Juli bis Ende Februar 20 M. Himbeere», Johannisbeeren 10 M., Stachelbeeren und die übrigen Beerenarlcn 5 M. Zoll tragen. Graf Ii. Oriola beantragt für Aepfel, Birnen. Quitten, mi- verpackt in Schiffs- oder Wagenladungen ohne Fristbestimmung 2,50 M., eventuell bei Verwendung für Äpfelwein- und Birneumost vom 1. Oktober bis 15. November 1.50 M. Es wird beschlösse», die Zziskussion auch auf Position 47 ans- zudchnen, die die Sätze für getrocknetes Ob st(bisherige r Zoll 4 Mark) festsetzt: Für Aepfel und Birnen auf 8 M., für Aprikosen und Pfirsicbe 10 M., für Pflaumen, unverpackt oder nur in Fässern oder Säcken, bei mindestens 80 Kilogramm Rohgewicht 5 M.. für Pflaumen in andrer Verpackung 10' M. und für anderes getrocknetes Obst 6 M. Antrick(Soc.) berichtet über die Petitionen. Frhr. v. Wangeuheim(k.) begründet feinen Antrag, indem er darauf hinweist, daß der heimische Obstbau unter dein Wettbewerb der ausländischen Einsiihr schwer zu leide» habe. Graf Oriola(natl.) weist darauf hin, daß an Stelle deS exten- siven Obstbaues mehr und mehr der intensive getreten sei. Redner legt deS näheren dar, wie der hessische Obstbauer allmälig sich z» einer höheren Obsterzeugung emporgearbeitet hätte und wünscht durch Schutz dieser Betriebe der heimischen Obstkultur weitere Für- derung angedeihen zu lasiem Württembergischer Ministerialdirektor v. Schneider bekämpft vom Standpunkt der württembergischc,, Obstprodnktion und Obst- konsnmtion aufdas nachdrücklichste die Anträge v. Wangenbein, und Graf Oriola. DerObstmost sei schwäbisches Nationälgetränk, das dem Volke aus keinen Fall verteuert werden dürfe, wem, nicht große Unzufriedenheit in die vreite» Masse» hineingetragen werden solle. Der Obstbau stehe in Schwaben in hoher Blüte. Die Zahl der Obstbäume nehme von Jahr zu Jahr zu. Trotzdem könnte aber dastLand seinen Be- darf an Mostobst selbst nicht decken. Schon wegen des Schwankens der Ernte-Erträge bedürfe es vielmehr frenider Zufuhr. Wenn in schlechten Jahren das Ausland nicht ans- helfe, sei die Mosterzeugung überhaupt nicht im bisherigen I Umfang aufrecht zu erhalten. Im Durchschnitt verbraucht Württem- berg 460 000 Doppeleentner ausländisches Obst. Da zu einem Hekto- liier Most ungefähr 150 Kilo Obst nötig sind, lvürde ein Zoll von 2,50 M. den Hektoliter um 3,75 M. verteuern. Ein solch exorbi- tanter Obstzoll sei daher für Württemberg unannehmbar. Sämtliche schlväbischcn Obstinteressentcn, auch aus den Kreisen der Land- Wirtschaft hätten sich einmütig gegen jeden Obstzoll erklärt. Es sei zu beachten, daß der Mostgemiß dem Schnapsgemiß mit Erfolg den Boden streitig macht. Die rauhe Alb sei durch den Most de», Schnaps abgerungen lvordeu. Geheimrat van der Borght erklärt, auch außerhalb Württeni- bergs beständen gegen die Beschränkung der Zollfreiheit des Mostobstes die ernstesten Bedenken. Der sächsische Kulturrat habe den gleichen Standpunkt vertreten wie der würtlembergische Landwirtschafts- verband. In Säcken komme auch das Obst des armen Mannes über die Grenze. Das Obst in Säcken dürfte deshalb nicht durch Schutz- zölle belastet werden. Schon ein Zollsatz von 2,50 Mark bedeute in manchen Jahren eine Mcrtbelasiimg von 70 Proz. Bebel(Soc.): Unsre Obsteinführ ist gestiegen, weil unsre Land- Wirtschaft die Obstkultur in miverantloortlicher Weise vernachlässigt hat. Wenn es in letzter Zeit auch etwas besser geworden ist. so Iverdeu wir doch unsren Obstbedarf„och auf Jahre hinaus nicht allein decken lviiiicn. Es fehlt an einem hinreichen Austausch zwischen obst- reicheunud obstarmeu Gegenden; dazu könnte» billige Frachten und Kanäle helfen. Deutschland sollte hier vo» den Erfolgen der anierikailischen Obstkultur lernen. Der 6 Marlzoll für verpackte Aepfel richie sich hauptsächlich gegen Amerika, dessen Obst in Deutschland oft zu Preisen zu haben war, die auch Arbeiter bezahlen konnte». Die deutsche Landwirtschaft sollte rationeller wirtschaften lernen und Obstverkanfs- Genossenschaften bilden. Das würde ihr mehr helfen, als der Zoll! Der Zoll für verpacktes Obst könne der dcntscheii Reederei sehr schaden, denn die amerikanischen Exporteure könnten statt der Hamburger und Bremer Schisse holländische und belgische Schiffe benutzen. Von Belgien oder Holland könne das Obst dam, in Säcken oder lose in Schiffen»ach Deutschland ein- geführt werden. Auch der Beerenbau könne bei rationellem Betriebe gute Erträge liefern. Versuche haben ergeben, daß mit Beeren ein Reinertrag' von 2000 M. pro Hektar zu erzielen ist. v. Kardorff(Rp.) bestreitet, daß die Obstkultur daniederliege. Sonst seien die Socialdemokraten doch Gegner aller Genosseuschaficn. (Widerspruch links) Die Behauptung, daß der Mostgeuuß dem Schiiapsgeuuß Abbruch thue, treffe für Württemberg keineslvcgs zu. Württemberg habe die durstigste Vevölkerniig im Reiche. Molkcubnhv(Soc) bestreitet, daß die Socialdemokraten Gegner der Genossenschaften seien. Das gerade Gegenteil treffe zu. Sie wollten nur nicht Gciiosscuschaftcn, welche die Allgemeinheit aus- beuten. Redner legt sodani, dar, wie ersprießlich der Obstgcnuß für die Gesundheit sei, auch insofern, als er dem Alkohol entgegen- wirke. Durch de» Apfelfaßzoll werde in Amerika große Vcr- stimmnng erregt werden, die die angeblichen Erfolge der Reise des Prinzen Heinrich wieder aufheben würde. Nachdem der Vorsitzende Rettich mitgeteilt hat, daß ein Antrag auf Schluß der Debatte eiiigelaufen sei, giebt er bekannt, daß Herold(C)»ock einen weitere» Antrag zur Sache eingebracht habe. Derselbe will a»f Erdbeeren einen Zollsatz von 20 M., auf Himbeeren 2C. eine» solchen von 5 M. legen. Gegen die Einbringung dieses Antrages lvird von der Liiileu protestiert. Die Debatte lvird geschlossen. Frhr. v. Wangeiihri», zieht seine Anträge zu dem Zollsatz von Aepfel, Birne» und Quitten zu Gimsten der Anträge Oriola zurück. In acht Abstim»,»ngen wird schließlich unter Ablehnung aller andren Anträge zu«Aepfel, Birne» und Quitten' beschlossen, nur außerhalb der Zeit vom 1. Oktober bis 15. November, für welche Zollfrciheit herrscht, eine» Zollsatz von 2,50 M. zu erheben für unverpackte Aepsel, Birnen, Quitten in Schiffs- oder Wagen- ladungeii. Für verpackte Aepfel, Birnen und Quitten wird auf Antrag R e m'b o l d t ein Zollsatz von 10 M. festgesetzt.— Der Autrag W a n g e n h e i m. auf Aprikosen und Pfirsiche einen Zoll von 200 M. zu lege», lvird abgelehnt und»ach der Vorlage ein Satz' von 8 M, beschlossen. Für Pflaumen. Kirschen, Weichsel», Miipeln wird auf Antrag Waugeuhein, der Satz der Vorlage vo» 2 auf 6 M- erhöht. Für Hagebutten und«chlehen lvird entgegen den, Antrag Wangenhei»,, einen Zoll von 3 M. einzusetzen.'mich der Vorlage Zollfreiheit bewilligt. Als der Vorsitzende Rettich nunmehr über den verspätet ein- gegangenen Antrag Herold abstimmen lassen ivill, erhebt sich Widerspruch, der zu einer längeren Geschäftsordnungs-Debatte führt. Ihr Ergebnis ist. daß über die einzelnen Teile des für Beeren- obst gestellten Antrags Wangenheim getrennt abgestimmt wird. Die im Antrag Wangeuheim enthaltenen Fristbestimmungen werden abge- lehnt, für Erdbeeren wird ein Zollsatz bo» 20 M. anstatt der von Wangen- hei», beantragten 100 M. festgesetzt. In ähnlicher Weise wird der Zoll für Himbeeren. Johannisbeeren, Preiselbeeren auf 5 M. fest- gesetzt, im Gegensatz zur Regierungsvorlage, die Zollfreiheit ge- währt hatte. Hierauf vertagt sich die Kommission, nachdem sie beschlossen. am Somiabend keine Sitzung abzuhalten, auf Mitttvoch 10 Uhr. *.' Der Abg. Wallenborn(C) hatte geschäftSordnungsmäßig eine Einladung zu einer Probe deutschenRotweinS ergehen lassen, die einen Teil der Kommisstonsmitglieder noch länger zusammenhielt I_ KwlMfche Aebevllchk. Bcrltn. den 8. April. Der Weltgcncralissimnö a. D. feiert seinen siebzigsten Geburtstag. In Haunover fand bereits Montagabend ein Festmahl statt, das die Behörden der Stadt Haimover zu Ehren des Jubilars veranstaltet hatten. Wälder- see hielt bei dieser Gelegenheit natürlich auch wieder eine Rede, aus der eine Stelle Erwähnung verdient, in der der ehemalige Oberst« kommandierende in China seine dort über daS chinesische Voll ge- sammelten Erfahrungen mit anerkennenswerter Offenhest zum besten giebt. Die Stelle lautete: „Ich habe mit alle» großen Nationen der Welt privatim und amtlich in Beziehmig gestanden, habe auch mit diesem wunder- baren Volt der E h i n e s e n, da?» i e ,» a n d recht verstanden hat, amtlich und privatim verkehren können, und dorm,, war ich auch nach Kräften bemüht, eS zn studieren und kennen zu lernen. Aber ich bin mit der Ueberzeugung geschieden, daß ich darin nicht weit gekommen b i»,'und mit der ferneren Ueberzengiing, daß alle sogenannten Kenner Chinas China gar nicht kennen." ES ist ja sehr löblich, daß Waldersee sich in China auch ethnologischen Studien gewidmet hat, was man eigentlich bei seiner eifrigen militärisch-organisatorischcn Thätigkeit und seinem Interesse für den Kavalierssport— Waldersee war ja Ehrenvorsitzender deS in Peking etablierten internationalei, Reim- und Sportklubs— gar nicht hätte glauben sollen. Es mag ihm auch gern geglaubt werden, daß seine Studie» ein so unbefriedigend negatives Resultat gehabt haben, wenn es auch nicht klar ist, ob an dieser Erfolglosigkeit eine verfehlte Methode des Studiums schuld ist. Wenn aber Waldersee beim Verlassen Chinas noch keine blasse Ahnung von den, eigentlichen Charakter des chinesischen Volkes und seinen staatlichen und ökonomischen Einrichtmigen besaß, so ist cS doppelt bewundernswürdig, mit welchem Schneid er unmittelbar nach seiner Ankunft an die Lösung eines so schwierigen Problems heranging, wie es die Herstellung geordneter Zustände in dem revolutionär aufgewühlten Laude darstellte I Nicht nur, daß er die Boxeijagden in ein völliges System brachte: wäre es nach seine», Willen gegange», so lvürde er seine Expeditionen weit über die Grenzen der Provi>, z P e t s ch i l i hinaus ausgedehnt und das ganze, ihm doch so total rätselhafte Riesen- reich in Aufruhr gebracht haben. Denn war auch der letzte Vorstoß von Pootingfu miS geilen die chinesische Mauer unmittelbar vor dem Fricdensschlub auf eine Berliner Antveisunl, hin erfolgt, so ist doch jetzt sogar in einer offiziellen Schrift über den Chinafeldzng das Eingeständnis gemacht worden, daß Waldersees abenteuerliche Absicht, eine Exvedition gegen Singanfu zu unternehmen, thatsächlich bestanden hat und nur an dem Wider stände der übrigen Mächte gescheitert ist! Vielleicht hat freilich Waldersee auch diesen abenteuerlichen Zug hauptsächlich im Interesse seines China» Studiums unternehmen wollen. Ein Glück nur, daß ihm diese Studienreise vereitelt wurde. Die China-Stndien Waldcrsecs sind uns sowieso schon kostspielig genug geworden.—_ Unentwegter Kuhhandel. Die„Deutsche Tageszeitung" wiederholt, datz es den Agrariern gar nicht einfalle, schön jetzt die Zollarbeit aufzugeben. Vielmehr' werde man den.nnannehm- baren" Entwurf der Regierung ruhig weiterberaten. Erst nach der ersten Beratung des gesamte» Tarifs werde die Entscheidung fallen. Man will also bis zum letzten Augenblick an dem Erfolg der Knhhandclspolitil arbeiten. Die Nnterhaltnng soll aber durch einige„kritische Tage" gewürzt werden. So kündigt das Blatt an: „Den nächsten besonders kritischen Punkt tverden die Vieh- z ö I I e bilden. Hier kann und wird es vielleicht zu einer grund- sätzlicben Aussprache kommen, und von dieser Aussprache kann nianches, vielleicht vieles abhängen. Sollten die verbündeten Regierungen auf dem offiziös verkündeten Standpunkte stehen bleiben, daß ausreichende M i n d e st z ö ll e für Vieh unbedingt a b z n I e h n« n seien, so dürfte das Urteil über den Tarif ge- sprachen sein; er hat dann keine A rr s s i ch t auf An- »ah m c." Das klingt alles höchst trotzig. Aber man kuhhandelt nicht so ausführlich, wenn nian die Kuh nicht schlietzlich doch haben will.— Die Ferienreise PosadowskyS ist offenbar nur eine Gastspiel- fahrt gewesen, auf der der Staatssekretär in allen Residenzen mit de» verschiedenen einheimischen regierenden Theater-Ensenibles als berühmter„M a u e r w e i l e r" die große Heldentragödie„U»- annehmbar" gemimt hat. So soll auch die„U n a n n e h m b a r k e i t' der Anträge Heim auf Verwendung der Z o l l- M e h r e r t r ä g ni s s e für Arbeiter- Witwe n Pensionen festgestellt sein. Das glauben wir gern. Die Regierung braucht die Zollertrnge für Militär und Flotte. Und das Centrum hat selbst niemals an den Humbug geglaubt, durch den sie die Arbeiter über den Zoll- Wucher zu täuschen hoffte.— Lieber, von dem die Offiziösen jetzt behaupten, daß die Ge- schichte von seiner Ministerschafl nur eine Einbildung seiner Eitelkeit gewesen sei, hat sich in der That allezeit sehr wichtig genommen. Das geht auch daraus hervor, daß er Memoiren hinlerlasseu hat. Vielleicht giebt sie das Centrnm unter dem Titel:„Aus der Praxis des Kuhhandels" heraus.— Die Elbinger Wahlrechnung scheint nicht zu stimmen. Nach den amtlichen Ziffern hat der konservative Kandidat d Stimmen über die absolute Mehrheit erhalten. Nun sind aber 62 Stimmen für ungültig erklärt worden. Die Kommission zur Feststellimg des Wahlergebnisses in Marienburg hat, wie die„Freisinnige Zeitung" berichtet. � ihre Befugnisse überschritten, indem sie eine Nach- Prüfung dieser Stimmzettel vornahm. Sie hat dabei 9 Stimmzettel für den socialdemokratischen Kondidaten und einen für den national- liberalen Kandidaten für gültig erklärt, aber wie es scheint, bei der Addierung der Stimmen diese Stimmen nicht in Anrechnung ge- bracht. Geschieht letzteres, so würde der konservative Stau- didat gerade die absolute Mehrheit erlangt haben, llnzweifel- Haft aber find noch andere Stimmzettel gültig, die von den Wahl« vorständen für ungültig erNärt worden sind. So sind Zettel für ungültig erklärt worden, weil auf denselben nur der Name„König" (des socialdemokratischen Kandidaten) steht, nicht„Kaufmann König", und ebenso ein Zettel, auf dem nur der Name„Wagner" stand. Dagegen sind gültig erklärt worden Zettel, auf denen der Name »V. Oldenburg" stand. Danach würde der Reichstag die Wahl für ungültig erklären.— Zum Scharfmacher- Schwindel iiber die Zcist- Stiftung wird uns aus Jena telegraphiert: Eine imposante, im größten Saale Jenas stattgefundene Versammlung der gesaniten Arbeiter- schaft der Firma Karl Zeiß protestierte energisch gegen die in der jüngsten Zeit von der bürgerlichen Presse verbreiteten Verdächtigungen der Zeißschcn Arbeiterschaft und erklärte sich solidarisch mit ihrem bewährten Vorkämpfer auf wirtschaftlichem und socialem Gebiete, dem Leiter der Karl Zeiß-Stistnng, Professor Abbe.— Polenverfolgnng. Auf Grund des§130 des Strafgesetzbuchs (Aufreizung zum Klassenhaß) wurde der Redacteur Brejski vom Bochumer klerikalen„Wiarus Polski" zu 50 M. Geldstrafe ver- urteilt. Die„Aufreizung" soll in den von Brejski verbreiteten alt- bekannten polnischen Nationallieder» enthalten sein. In feiner Verteidigungsrede sagte B., konscqnenterweise müsse man auch „W i l h e lm Teil" und„Die Jungfrau von Orleans" konfiScieren, da auch sie zur Vaterlandsliebe und zum Kampf gegen die Fremdherrschaft„aufreizen".— Hinter verschlossenen Thttren. DerLieutenantGrübel von der in Germersheim garnisonierenden Abteilung deS 2. Train- bataillonS(bayerisches) hatte sich vor dem Kriegsgericht der 4. Division in Wiirzburg wegen Mißhandlung Untergebener zu verantworten. Die Verhandlung fand, da eine„Gefährdung des dienstlichen Jnter- esses" befürchtet wurde, hinter verschlossenen Thören statt. Durch die Beweisausiiahme wurden mehrereFälle von Soldaten- Mißhandlungen erwiesen. Das Kriegsgericht verurteilte infolge dessen den Lieutenant zu einer Strafe von z w e i u n d- vierzig Tagen Stube narre st. Die Oeffentlichkeit blieb auch während der Verkündigung der Urteils- begrün du n g ausgeschlossen. Ausland. Das kommende Budget. London, 5. April.(Eig. Ber.) Nächsten Montag, den 7. April, schließen die Osterferien ob, Woraus das Parlament wohl zu einer seiner wichtigsten SitznngS- Perioden znftimmentreten wird. Die Wichtigkeit dieser Sitzungs- Periode besteht in der Einbringung und Beratung des Budgets für daS Finanzjahr 1902/3, das einen enischeidenden Schritt zum Schntzzoll-Systein und somit einen Weiidepunkt in der Wirtschasts- gcschichte Englands bedeute» kann. In politischen Kreisen wird mit einer solchen Möglichkeit ivohl gerechnet. Der Ausgabenvoranschlag ist bereits seit drei Wockien vollständig bekannt. Die einzelnen Positionen sind dem Parlamente im Lauf der letzte» drei Monate ziigegaiigen. lind da die Eiiinnbinc» ans Grund des letzten, am 31. März abgeschlossenen Finanzjahres 1901/2 berechnet werden, so läßt sich das kommende Budget jetzt mit ziemlicher Genauigkeit feststellen. Folgende Tabelle zeigt den AnSgabenvoranschlag, verglichen mit dem des Vorjahres, wobei auch Zunahme(-si) und Abnahme(—) gegeben sind: Im Konsolidierten Fonds sind eingeschlossen die Bewilligungen s gelvalt", die mit der„Achtung vor der Gewissensfreiheit", der für die Zinse» der Staatsschuld, für die Zivilliste und für die Justiz verlvaltnng. Ans dem herabgesetzten Voranschlag für den südafrikanischen Krieg geht herbor, daß die Regiernng den Frieden etwa gegen daS Ende des laufenden JahreS erwartet. Was die ordentlichen Ausgaben betrifft, so zeigt sich, daß beinahe die Hälfte derselben auf Armee»nid Flotte entfällt. Das Wachsen dieser Ausgaben(für Kriegszwecke) vollzog sich in den letzten vierzig Jahren folgcndcnnaßen: Im Finanzjahre 1861/1862 betrugen sie 28 168 911 Pfd. Sterl., 1871/1872: 25 762 066, 1881/1882: 28 166 038, 1891/1892: 31750 000, 1901—1902: 60 561000 Pfd. Sterl. Und wie Sir Robert Gissen kürzlich in der Statistischen Gesellschaft aus- führte, müsse England sich auf eine ordentliche Armee- und Flotten- ausgäbe von circa 80 Millionen Pfund Sterling jährlich gefaßt machen.— Diesem Ausgaben-Voranschlage von rund 170 Millionen steht gegenüber eine Einnahme von rund 143 Millionen. Das Budget 1901/2 konnte ursprünglich nur auf eine Einnahme von nmd 132 Millionen rechnen. Aber die Erhöhung der Einkommensteller, die Einführung einer Zuckerstener ,i»d des Kohlenexportzolles ergebe» ungefähr 11 Millionen. Die Einnahmen im letzten Finanzjahre, verglichen mit denen im Jahre 1900/1 stellen sich wie folgt: ir>niA> 3»- oder Abnahme lÖül/a gegen 1900/1901 i» Pfund Sterling Zölle �. 30 993 000+ 4 731000 Accise(Spiritnosen)... 31 600 000—1500000 Erbschaftssteuer..... 14 200 000+ 1220 000 Einkominensteuer.... 34800000-j- 7 880 000 Stempel....... 7 800 000— 25 000 Boden- und Hansstencr.. 2 500 000+ 25 000 Post......... 14 300 000+ 500 000 Telegraphen...... 3490 000+ 40000 Domänen....... 475 000— 45 000 Snez-Kanal-Aktie»».. 869 633+ 39 558 Verschiedenes,.... 1 990 366— 252 243 Armee(ordentliche) . Krieg.. Flotte.... Staatsdienst.. Steuerverwaltnng Post..... Telegraphen.. Pakctdienst.. Konsolidierter Fond Insgesamt.. Insgesamt. 142 997 999+12 513 315 Verglichen mit dem Steuersystem dc§ europäischen Kontinents ist das Stenersystem Englands geradezu ein Muster eines pro- qressiven Staates. Mit Ausnahme der Accise und mancher Zölle fällt die Hauptlast der Brsteuernng rnif die besitzenden Klassen Besonders merkwürdig ist die Entwicklung der E»ikon»me»steuer. Sie wurde temporär von Pitt im Jahre 1798 eingeführt, um Geldmittel zum Kampfe gegen Napoleon zu schaffe». Nach Schluß des Krieges wurde sie im Jahre 1816 abgeschafft. Im Jahre 1842 wurde sie von Peel als Einleitung der FreihnndelSära ivicder eingeführt und blieb seitdem als fester Bestandteil deS Etats. Im Finanzjahre 1842'43 brachte die Einkoinmeiifteiier 5 405 161 Pfd. Sterl.; 1852/63: 5 670 030; 1862/63: 10 731673 1872/73: 6 964 353; 1882/83; 12 758 661; 1892/93: 13 489 300 1902/03: 34 800 000 Pfd. Sterl. Die Entwicklung der Erbschafts steuer datierr ans dem letzten Jahrzehnt und ist im großen ganzen daß Werk des liberalen Staaisniamics Sir William H a r e o u r t Aber auch die Spur DisraeliS ist in den Einnahmen bemerkbar Auf seine Veranlasimig winden in den siebziger Jahren die Suez Kanal-Aktieii angekauft, die im letzten Jahre dem Staate einen Profit von rund 17,5 Millionen Mark einbrachten.— Das kommende Budget zeigt also eine Ausgabe von rund 170 Millionen nnd eine Einnahme von nmd 143 Mill. Pfd. Sterl. Der Schatzkanzler Sir Michael Hicks-Beach wird demnach für die Deckung eines Defizits von 26 bis 27 Millionen zu sorgen habe» Neue Einnahmequellen dürften im Rahme» des herrschenden Finanz fystems nicht leicht zu entdecken sein. Die Krise bat ihren Höhe pmikt überschritten. Noch im vorigen Jahre erklärte der Schatzkanzler, daß „die Grenze einer profitablen Besteiicrimg der Spirituosen erreicht sei." Tiefgreifende Aendcrungcii im Zuckerzoll wurden durch die Beschlüsse der Brüsseler Konferenz unmöglich gemacht. An eine Er höhnng der Elnkonmien- und Erbschaftssteuer ist nicht zu denken. Hierzu komnit. daß der Voranschlag der Kriegsausgaben keineswegs als definitiv betrachtet werden kann. Dem Schatzkanzler stehen alio nur zwei Wege offen: entweder eine Anleihe oder einen entscheideiiden Angriff auf den Freihandel vorschlagen. Einflußreiche Finaiizschriftsteller wie Giffen und sein Anhang in den„TinieS",„Economie Journal":c. plädieren für einen Zoll auf Getreide, Thee und Holz. Nur wenige Blätter haben sich dagegen ausgesprochen. So z. B. der gladftonianische„Speaker dessen Einfluß ein ganz minimaler ist. während die Monatsrevuen den Schutzzoll teils verteidigen, teils als ein notwendiges Hebel bc klagen. Demnach ivürde der Schatzkanzler mit einem Schutzzollbndget auf einen ernsten parlamentarischen Widerstand kaum stoßen. Soweit hat der Imperialismus die englische Nation gebracht. Erst jetzt werden die Tendenzen der letzten Jahre zu festen Thatsachen, die sich dem öffentlichen Leben immer stärker aufdrängen. Die Wiederaufnahme des Schutzzolls ist nur eine Frage der Zeit. Daraus erklärt sich die Spannung, mit der mau diesmal die Fmanzbill erwartet. Wird sie einen Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte Englands bedeuten? Wird Sir Michael Hicks-Beach den Mut haben, der imperialistischen Politik eine imperialistische Finanz zu geben? Die Antwort auf diese Fragen wird in den nächsten Tagen erfolgen.— London, 8. April.„Daily Chron." meldet, daß die Zoll- behördcn gestern, offenbar im Hinblick auf Maßnahmen, die das bevorstehende Budget vorschlagen werde, begonnen haben, den undeklarierter Waren in die verweigern. Die Zurückweisung von ö l a S habe in den Hafenstädten im Norden hervorgerufen, und man sehe dort Zölle auf Oel und Bauholz als unvermeidlich an. Die Liverpooler«Daily Post" berichtet, daß in analoger Weise die dortigen Behörden die freie Einfuhr von Zucker nach den Nieder lagen ausgehoben haben, nnd daß dieS zu Gerüchten von bevor stehender Erhöhung der Zuckerzölle geführt habe.— London, 8. April.(W. T. B.) Eine heute an die Zollbehörden in allen Häfen gerichtete besondere Verfügung untersagt die Erteilung der'gewöhnlichen Eiiifiihrerlanbnis für alle Schiffe, ivelche mit zollfreien Waren einlaufen. Die Berfügnng betrifft nicht allein Baubolz, sondern alle Waren, welche jetzt zollfrei sind. Man vermutet, daß der Zweck dieser Verfügung ist, die Geheimhaltung der Pläne deS SchatzlanzlcrS zu sichern. Oestreich-Nngarn. Die prcusiischcn PoleuaiiSweisilngc». Wien, 8. April. In der heutigen Sitzung des Abgeordneten� Hauses beantwortete der Ministerpräsident die Interpellation Jnworski über die Aiisweisimg polnischer Studenten von preußischen UiiteriilkitSaiistalteli dahin, daß vor einiger Zeit 34 junge Leute, zumeist Hörer der Berliner Universität und der Technischen Hoch- schule in Charlottenbiirg. durch eine Polizeiversiignng ans Preußen deShnll, auSgeivi-scn wurden, weil sie crivieseiicrmaste» unerlnul'ten Berbindiniaeii angehörten. Von den AnSgewieseneil waren übrigens nur fünf östreichncbc Unterlhanen. Es war also bei dieser Sachlage ein Anlaß zur Einleitnng irgend welcher weiteren Schritte nicht ge- geben.— Frankreich, Da?„Programm-- der Progrefsisten. Paris, 6. April.(Eig. Ber.) DaS Programm der Progrefsisten— so nennt der in dieser Beziehung kompetente„TempS" den soeben veröffentlichten mit 63 Unterschriften versehenen Wahlmifmf der melinistischen Senats- fraktion. WaS enthält nun dieser adäquate Ausdruck der politische» Gesinnung der französischen republikanischen oder„muß- rcpubli- konischen" Bourgeoisie? Eine Kriegserklärung an den Kollektivismus im Namen der„Freiheiten, die uns die Revolution von 1789 vermacht hat"; eine Phrase über die„Oberhoheit der Civil- freien Eingang Niederlagen zu Butter, Oel und< große Erregung heuchlerischen Parole deS Klerikalismus, verkoppelt wird; � die Ab- lchnimg von Arbeiterschntzgefetzen naniens des„Rechts auf Arbeit" nnd der Interessen der Arbeiter selbst; als einzige Socialreform die „Eriiiuiiternng" der freiwilligen Gegenseitigkeits-, Solidaritäts- nnd Uiiterstütznngswcrke; eine Heiligerklärung des Pribateigeiitnms, der „Frucht angehäufter Arbeit"; da. Streben nach Aiinäheruiig und gegenseitigem Vertrauen zwischen Kapital nnd Arbeit; als einzige Reform den Wunsch nach einer gerechteren Stenervcrteilnng, die aber von jedem„inquisitorischen" Vorgehen frei bleiben muß, d. h. keine Steuerreform, keine Einkommensteuer sein darf; eine vorsichtig ver- hüllte Verwerfung jeder Verkürzung der militärischen Dienstzeit; die Sicherung des klerikal-realtionären Einflusses in der Armee unter dem Stichwort:„Fernhaltiing der Armee von allen politischen Ein- flüssen"; endlich als Krönung des Ganzen den Wunsch,„alle Franzosen in einer gemeinsamen Religion vereinigt zu sehen: der Liebe zum Vaterlande". Das ist alles. Und mit diesem Programm hofft der bitterernste „Temps" auf einen Wahlcrfolg seiner Parteil Aber freilich weiß daS leitende Bourgeois-Organ sehr genau, daß die einzelnen melinistischen Kandidaten sich hüten werden, jene verbohrte Doktrin einer niedergehenden Klasse den Wählern ganz nackt anzubieten. So haben sich bereits in Paris einige melinistische Wahlkomitees sogar den Titel--«s o c i a I i st i s ch' beigelegt! Mit Ausnahme der reichen und reichsten Stadtviertel, geht es eben in Paris ohne den „socialistischen" Nebentitel im Wahlkampf schlechterdings nicht. Ein melinistifcheS Korrefpoiidenzblatt jammert zwar über diesen Unfug der„Mode", tröstet sich aber wieder mit dem Gedanken, daß ja M e l i n e in seiner neulichcn Wahlrede den„Socialismns guter Art" zuerst nnd sehr klar definiert hätte als den„Socialisinus" der gelben Gewerkschaften. In diesem gutartigen Sinne dürfe man sich also immerhin auch als BourqeoiSkandidat einen Socialisten nennen. Der Wahlaufruf der melinistischen Senatsfraktion ist noch von Interesse als ein neuer Beweis für die große Tragweite, die dem Wahlkampf besonders von den Reaktionsparteien beigemeffcn wird. Auch die Senatoren halten es für nötig, in diese Wahlen kollektiv einzugreifen. Nim wird die ministerielle SenatSmehrhcit ihrerseits ein Gegeiunaiiifest erlassen.—_ Wahlkainpf-Sxzesse. In(Thoren ton entstand bei einer Wahlversammlung eine große Schlägerei zwischen Republikanern und Nationalisten. Der frühere Abgeordnete Gandy, dessen Frau und Kinder der Bersanimlung ebenfalls beiwohnten, wurde schwer ver- wnndet, ebenso erlitten die Frau sowie die beiden Kinder so schwere Berletznngen, daß sie nach dem Hospital gebracht werden mußten. Der Kampf dauert- über eine Stunde; im ganzen wurden 30 Personen mehr oder minder schwer verwundet. Belgien. Die socialistischen Frauen«ud der Militarismus. Der Bund der socialistischen Frauen hat ein Manifest an die Soldaten erlassen, das in Tausenden von Exemplaren in den Kasernen ver- breitet worden ist. In demselben werden die Soldaten aufgefordert. gemäß dem Bibelwort„Du sollst nicht töten" die Waffe nicht gegen ihre Brüder zu erheben. Es sind— so heißt es im Manifest— Eure Eltern, Eure Mütter, Schwestern, Bräute, die so zu Euch sprechen. Im Fall bei dem gegenwärtigen Kampfe um die Er- liiignng des allgemeinen gleichen Wahlrechts die Soldaten dazu kommandiert würden, die Reaktion und die Regiernng zu verteidigen und gegen das Volk vorzugehen, so sollen sie diesem Befehl nicht folgen.„Au dem Tage, wo ein ganzes Volk, müde, noch ferner die Ungerechtigkeit zu erdulden, das allgemeine, gleiche und einfache -Wahlrecht,' dieses hervorragende Mittel der Befreiung der Arbeiter- klaffe, verlangen wird, werdet Ihr alle ans dieselbe Seite treten: Für die Unterdrückten gegen die Unterdrücker!"— Brüssel, 8. April. D e p u t i e r t e n l n in m e r. Beim Beginn der Sitzung schlägt der Ministerpräsident Graf de Sinei de Naeher vor. in der nächsten Woche den Antrag ans Revision der Verfassung zu beraten. Im Namen der Linksliberalen schließt sich Hnysm'ans dem Vorschlag des Ministerpräsidenten an, der dann einstimmig angenommen wirb. Man nimmt an. daß der entgegenkommende Standpunkt der Regiernng auf die Initiative des K ö n i g s zurückzuführen ist, welcher einen Ausgleich in der Wahl- rechtsfrage wünscht.'— Ein Bombcnattcntat soll am Montagabend ans die Brüsseler Nationalbank gemacht worden sein. Der Schaden, den die mit „doimerähnlichem Krache»" explodierende„Bombe"� angerichtet hat, ist jedoch ganz unbeträchtlich gewesen. Die bisherige Untersnchimg soll resnltatlos verlnufeii sein, man hat bisher nicht einmal Bruch- stücke der„Maschine" anfgefnnden. Wahrscheinlich handelt es sich um das Abbrennen eines harmlosen Fenerwerkskörpers durch einen Spitzel, um die Regierung gegen die Wahlrechts-Denionstranten scharf zu machen. Ein nicht' ganz ungefährliches Spiel mit dem Feuer!— K»chland. Ans de» Ober-Polizeimeister von Moökan soll abermals, zum drittenmal feit wenigen Tagen, ein Atteiitatsversuch gemacht worden sein, diesmal von einem Studenten. Der mit einem Dolch bewaffnete Student, der während einer Straßenfahrt das Attentat unternahm, verwundete jedoch nur einen in der Begleitung des Ober-Polizeimeisters befindlichen Polizet-Offizier. Die' Erbitterung gegen den Polizeischergen muß eine außerordentliche sein.— I» einer Kaserne im Gouvernement Siedlce haben die Militär- behördcn auf Grund einer Denniiziation gehanssncht und bei einigen russischen Soldaten socialistische Broschüren gefunden. Die Untersuchung ist im Gange. Nähere Berichte fehlen. Ninerika. Niederlage der venezolanischen RegsernngStrnpPen. Nach einer Meidimg des„Neutersche» Bureaus" ans Willemstad haben die venezolanischeii Regierniigstruppen am 3. ds. bei Carnpano und am 4. d. bei El Pilar schwere Niederlagen erlitten; in crsterem Gefecht habe General Escalante 350 Mann verloren.— Unruhen auf Jamaika. Auf der in britischem Besitze befind- lichen Insel Jamaika ist es nach einer Rentermeldung an der Bucht von Btontego zu ernsten Ruhestörungen gekommen. Durch die von der Polizei abgegebenen Schüsse wurden eine Person gerötet und drei verwundet; ans sciten der Polizei wurden neun- zehn, darunter der Geiicralinspektor, schwer verwundet. Die Regierung hat Polizei- und Militärmannichaften sowie den Kreuzer „Tribüne" nach Montego entsandt.— Die Riilkkehr König Leopolds nach Brüssel. Zu der am Dienstag erfolgten Rückkehr des Königs, die»n't den wichtigsten politischen Entscheidungen ziisaminenfällt, brachte das socialdcinokratische Organ„Le Peu'ple"(„Das Volk") folgende» Artikel, de» wir als Material zur Beurteilung der Taktik, ivelche die belgische Soeialdemokratie in ihren gegenwärtigen bedeutsamen Känipfen befolgt, auch den deutschen Lesern vorlegen: „Leopold II. kehrt ans Biarritz zurück zur gleichen Zeit, da daS Parlament wieder zilsammeutritt. Wir, die wir keine Freunde der Monarchie sind und nicht im Verdacht höfischer Schmeichelei stehen, wir zögern nicht, den greise» König zu deglückwünschen, daß er es als Pflicht erkannte, auf seinem Posten zu sein, da gegenüber dem nnstimigen Widerstand der Regiernng und der wachsenden Erregung des Volkes der Moment gekommen ist, daß ein Mensch sich erhebt und das Wort des Friedens, der Weisheit und der Gerechtigkeit aus- spricht l Die Socialisten sind nnd bleiben Rcpiiblikancr— jedoch würde jenes Wort durch den geschickten und klugen Monarchen verkündigt werden, so beschwert es uns nicht aiizncrkeniicii, daß dadurch mehr Methan würde für die Veivahrmig der Monarchie als durch alle die priulkenden Loyalitätsbezeli.qun-ien und patriotischen Schaiistellun�cn, die man seit einiger Zeit zur Wieder- auffrischiing des Wesens der Dynastie aufführt I Wir habe» es hundertmal gesagt, dah>vir weit mehr Be- deutung der Lösung den Reformen beimessen, die der Arbeiterklasse am Herzen liegen, als irgend welche Formfrogen und wären es selbst Frage» der Regierungsform. Wir sind gleich Reisenden, die in einer unbekannten Stadt absteige» und mehr besorgt sind um die Güte des Unterkommens als um das Wappenschild ihres Hotels. Es giebt konservative, reaktionäre und imperialistische Republiken; Republiken, die nichts waren und vielleicht auch heute nichts sind als Oligarchien der Finanz oder der Geistlichkeit; warum sollte man nicht in dieser Zeit der Uebergänge und der Verträge(tnmsitions et transactions) eine konstitutionelle Monarchie für möglich halten, die sich einer weitherzigen und fruchtbaren demokratischen Politik aufrichtig anpaßt und sich von jedem Versuch, die Vorwärtseutwickelung aufzuhalten, fern hält? DaS Experiment wäre in Belgien um so leichter, als unter dem allgemeinen Stimmrecht in Verbindung mit der Proportional- Wahl ohne Zweifel die Socialisten im Parlament wie im Lande noch eine Minderheit bleiben iverden für einen Zeitraum, den sie mit gröberem Eifer und gröberem Erfolg als je, unter dem Schutz besserer Gesetze, für ihr noch unvollendetes Werk der Organisation und Erziehung nützen iverden. In dieser Zeit wird die liberale Partei, deren Herrschaft mau beendet glaubte und deren sociale Mission vielleicht beginnt, die' Anf- gäbe der Regierung auf sich nehmen müssen. Gelangt so daS Land zu einem liberal-progressistischen Kabinett, das sich auf alle Gruppen der Linken, einschlieblich der Socialisten. stütze» würde.— wie sollte zivischen einem solchen Kabinett und der kon- stitutionellen Monarchie irgendwelcher unversöhnlicher Gegensatz bestehen? Gewiß, dies alles ist reine Hypothese, doch verdienen diese Bc- trachtungen die Erwägung an hoher Stelle. Vor allem gilt es den Frieden zu retten und endlich die Ge- rcchtigkeit zu verwirklichen I Entweder hat der Klerikalismus wirklich die Mehrheit im Lande, dann hat er die VerfasinngSrevision nicht zu fürchte»; oder er hat die Mehrheit nicht, dann hat er nicht das Recht, die Herrschast zu usurpieren. Der König kehrt zurück mit der Rückkehr des Parlaments,— darf man erwarten, dah Leopold II. in dieser entscheidenden Stunde eine wahrhaft königliche, insbesondere wahrhaft politische Initiative ergreifen wird, die— es wäre kleinlich, es zu leugnen — ihm den lchuellen Wiedergewinn der Volkstümlichkeit eintragen würde? Wir haben geglaubt, diese Frage stellen zu sollen in der be- rcchtigten Absicht, alle Verantivortlichkeiten klarzustellen." Es schiene uns kein günstiges Zeichen für die Aussichten des großen und betvundernsiverten Kampfes, den die belgische Social- demokratie führt, wenn er von den Wirkungen dieses BegrütznngS- artikels für König Leopold abhängig wäre. Wir glauben zuversichtlich, uiisre Bruderpartci in Belgien wird wie hisher so jetzt und in Zukunft auch ohne Appell an die Weisheit Leopolds II. ihre Siege erringen I—_ Pst vf ei"Hl sidj v i ilj f en. Miifec Straskouto Im Monat März wurde» gegen Parteigenossen an Strafen verhängt insgesamt 2 Jahre, 7 Monate und 2 Tage Gefängnis und 2232 M. Geldstrafe. Zlrbeitersekrctariate. Nachstehend veröffentlichen wir die Adressen der zur Zeit in Deutschland errichtete» Arbeitersekretariate. Die Veröffentlichung soll periodisch erfolgen; jedesmal bei Beginn eines neuen Ouartals. Wir ersuchen die Interessenten, uns in der Vervollständigung de? Verzeichnisses zu unterstützen und von einer Adressenänderung uns rechtzeitig Kenntnis geben zu wollen. Arbeitersekretariäte bestehen in: A l t e n b u r g sS.-A.), Unterm Schlosse 1, Altona. Große Bergstr. 204 I. Berlin 80.. Engel-Üfcr 15. Beuthen sO.-S.), Schicbhausstr. 6. Bremen, Ostcrthorstr. 23 1. Breslau, Messergasse 18/19 1. D a r ni st a d t, Elis'abethstr. 31. Dortmund, 1. Kampstr. 73 l. Frankfurt a. M.. Am Schwimmbad 8/10. Freiburg i. SB., Engelbergerstr. 9 I. Gera, Hospitalstr. 21 I. Gotha, Erfurterslraße(altes Gerichtsgcbnude.) Halle a. S., Geiststr. 21. Hamburg, Gänsemarkt 36 II. H a n ir o v e r, Leinestr. 17. H i l d e s h e i m, Judenstr. 5. Iserlohn, Karrenstr. 2. Jena, Saalbahnstr. 3. Kiel, Gnsstr. 24 part. Köln a. Rh., Poststr. 50. Landeshut i. Schl.,„Gasthof zur Sonne", l. Lübeck. Johannisstr. 46, part. Mannheim, L. 3, 10. M ü h l h e i m a. Main, Wiesenstr. 3. München, Baaderstr. 1 I. Nürnberg, Egydienplatz 22. Posen, Breitenstr. 21. S t r i e g a u, Ziganstraße. Stuttgart, Eßlingerstr. 17/19. Tuttlingen, Schaffhäuserstr. 24. Waldenburg- Altwasser. W o l g a st, Kröniviekstr. 4, part. links. W ü r z b u r g. Tcxtorstr. 12. Berlin, den 3. April 1902. Der Parteivorstand. Kreuzbergstr. 30. Klus Fudttlkvie und HZundel. Ter amerikanische Petrolemntrnst bekommt durch eine gröbere Niederlassung der Pure Oil Company in Stettin eine scharfe Konkurrenz. Wie die„Ostsee-Zeituug" meldet, hat die Pure Oil Company von der Stadt Stettin ein gröberes Terrain am Dunzig« Parnitz-Kanal auf vorläufig fünfundzwanzig Jahre gepachtet, nn, daselbst einen Lagerplatz für Spetraleuni einzurilbten. Man ist in den Kreisen der städtische» Behörden diesem Pachtangebot um so lieber entgegengekommen, als man sagte, daß mit einer Niederlassung der genannten Gesellschaft in Stettin den Monopolbestrebungen der Standard Oil Company beziehentlich ihrer deutschen Zweiggesellschaft wirksam werde entgegengearbeitet werden. Man war und ist zu dieser Hoffnung um so mehr be- rcchtigt. als die Pure Oil Company eine durchaus leistungsfähige, unabhängige Gesellschaft ist. die nicht nur über ei» großes Aktienkapital, sondern auch über eigne Quellen- und Röhren- leitungen und ausreichendes Dampfer- und Kahnmaterial ver- fügt, daS überdies auch mit Rücksicht anf die neue Stettiner Niederlassung ständig vermehrt und ausgebaut wird. Wie wir wissen, sind die vorbereitenden Verhandlungen mit den in Be- tracht kommenden Behörden abgeschlossen und die Genehmigung zum Ausbau des Lagerplatzes uiid zur Errichtung von Tanks ist bereits erteilt. Die Arbeiten auf dem Lagerplatz der Pure Oil Co. sollen derart gefördert werden, daß der Betrieb noch bestimmt zum Beginn der diesjährigen Petroleum-Campagne eröffnet werden kann. ES ist geplant, zunächst drei Tank» von wesentlich größeren Ab« Bermnvvriltcher Redacteur:«arl Leid tn Berlin. Mr de» Snseratenteil Messungen, als sie bisher hier erbaut sind, zu errichten. Der Lager- platz erhält direkten eignen Bahnanschluß und ist außerdem so ge- legen, daß eine Abfuhr zur Stadt auf kürzerem Wege, als von dem alten Lagerplatze aus, möglich ist. Stralauer Glashütte, Aktiengesellschaft. Wie der Geschäfts- bericht für 1901 mitteilt, wurde das Ergebnis durch den im Juli ausgebrochenen Ausstand der Flaschen macher ungünstig beeinflußt, da die Hütten dadurch 10 Wochen lang außer Betrieb gesetzt werden mußten. Hergestellt wurden 20 856 045(i. V. 22852996), abgesetzt 20 074 821(23 903 332) Flaschen und 5 218 646(7 051 505) Verschlüsse. Von dem Flaschenabsatz treffen auf Berlin 10,3(11.2) Millionen Stück. Die Anlagetverte erhielten Zugänge im Gesamt- betrag von 97 001 M.. denen Abschreibungen von 75 411 M. <72 033 M.) gegenüberstehen. Nach deren Abzug verbleibt ein Rein- gewinn von 107 030 M.(114 353 M.), der folgende Verwendung findet: 9000 M.(wie i. V.) gesetzliche Rücklage,' 9000 M. Sonder- rücklnge(10 000 M. Sicherheitsbestand), Gewinnanteil des AufsichtS- rats 1103 M.<3258 M.). 7'� Proz.(8Proz) Dividende auf 1.2 Mill. Mark Aktienkapital und 9250 M.(11 323 M.) Vortrag. Di« Aus- sichten für das laufende Geschäftsjahr werden alS befriedigend be- zeichnet, da zahlreiche Aufträge vorliegen. GemerK schttfilitfies. Berlin und Umgegend. Eine große Berfammlung der Tischlermeister und Holz- indust' icllen beschloß, diejenigen Arbeiter, die am 1. Mai feiern, zwei Tage auszusperren. Entlassene sollen vor dem 12. Mai in andren Betrieben nicht eingestellt werden. Obermeister R a h a r d t hält die Entivicklnug des Arbeitsnachweises als eine überaus günstige, die Meister würden die Anfrechlerhaltung desselben ohne jede Kon- zcssio» a» den Holzarbeiter-Verband durchsetzen. Es wird behauptet, daß in der kurzen Zeit des Bestehens 3900 Arbeitern Beschäftigung nachgewiesen wäre. Wir haben an den Zahlen berechtigte Zweifel, denn ein so starker Wechsel im Tifchlercibctrieb klingt ganz unwahr- scheinlich. Zudem kann der Holzarbeiter-Verbaud gerade jetzt eine zunehmende Benutzung seines Arbeitsnachweises seitens der Unter- nehmer konstatieren. Es steht auch damit nicht in» Einklang, daß der Redner über ungenügende Durchführung der Entlassnngs- scheine klagt und den nichtfolgsamen Meistern droht, daß die Innung st r e n g e r e Maßregeln gegen sie er- greifen wird. Das Renommee des Arbeitsnachweises hat unter der polizeilichen Bewachung schon stark eingebüßt. und gerade die tüchtigen Arbeiter fühlen das schmachvolle eines solchen Instituts, dem sie sich nicht wie Prostituierte unter Kontrolle stellen ivollen. Die übrigen Arbeitssuchenden mögen der Huld des Herrn Rahardt und der polizeilichen Fürsorge überlassen bleiben. Zum Schluß der Versammlung protestierte man nach einem Referat des Holzhäudlers B r y gegen die Holzzölle. Die Firma Löwe auf der Suche nach Streikbrechern. Da eS der Wcltfirma Ludtvig Löwe bisher nicht möglich war, auch nur einigermaßen Ersatz für die streikenden Kernmacher zu finden, versucht sie jetzt außerhalb Berlins ihr Heil. In einer Reihe von Provinzblättecn wird inseriert:„Ludwig L ö Iv e. Berlin, s u ch t K e r n m a ch e r". Mit welchem Erfolge das geschieht, geht daraus hervor, daß bis heute drei wirkliche Kernmacher im Betrieb sind. Eine Anzahl Karten und Briefe, die die Firma Ludwig Löwe an die sich mcldcudeu Kernmacher geschickt hat, liege» uns vor; die Firma macht den Streikbrechern in diesen Schreiben wörtlich folgendes Auerbieten:„W ir bemerken, daß die Kerne, solveit es möglich ist, in Accord hergestellt>v erden sollen; Lohn zahlen Ivirje nach den Leistungen bis zu 50 P f. p r o S t u n d e, anfangs probeweise 40 P f. pro Stunde." Soweit der Brief. Und nun frage» wir. was sind die Ursache» des Streiks? Die Kernmacher wollten ihren alten Lohn, der 40—47 Pf. pro Stunde betrug, bei- behalten. Aber das gab es nicht, daö durfte nicht sein, und heute ist die Firma gezwungen, um überhaupt nur Kernmacher zu bekommen, 3 Pf. höher mit dem Augebot zu gehen, als der best- bezahlte der alten Kernmacher erhalten hat. Die alten Leute, die gezeigt hatten, daß sie leistiuigSfähig sind, sollten im Lohn auf 35 Pf. pro Stunde gesetzt iverden, und fremden Kräfte», von denen man nicht weiß, was sie leisten, bietet man einen Lohn nicht unter 40 Pf. bis zu 50 Pf. pro Stunde. Daraus geht zur Genüge hervor, daß eS nicht etwa die Rücksicht auf die Konkurrenz ist, die die Firma veranlaßte, Abzüge zu machen, sondern es war eine Maßregel, durch ivelche die Kernmacher be- straft werden sollten für die„Frechheit", gegen eine Aiiordnuiig der Betriebsleitung zu protestieren. Nim, Ivir glauben, die Former werdet! sich nicht nach Berlin locke» lassen, denn die Handlungstveise der Firma ist selbst die beste Warnung. Deutsches Reich. Die Ban-Arbciter-Auösperrliiig in Kiel scheint von de» Herren Jnnungsmeisterii schon langer Hand vorbereitet zu sei». Ei» Beweis dafür ist, daß die Herren offenbar schon vorher Ersatz- kräfte für die auszusperrendeii Leute gesucht haben. Schon am Sonnabend trafen etwa 30 o b e r s ch l e s i s ch e Maurer in Kiel ein. Dieselben waren höchst erstannt, als sie erfuhren, daß ihre Kieler Kollegen sich in der AnSsperrung befinden. Einige der Angekonimcnen zeigten deshalb nicht übel Lust, so- fort ihre Solidarität zu bethätigen. Es lvar jedoch etwa ein Dutzend Meister auf dem Bahnhof anwesend, die den Leuten keinen Raum gaben. Mit Hilfe einer großen Anzahl Schlitzleute wurden die Importierte», links und rechts von Meistern und Schutzleute» eskortiert, nach dem Jmlungshause gebracht. Trotz der späten Abend- stunde hatte sich in den Straßen eine große Menschemneuge an- gesammelt, die den sonderbaren Zug mit dem größlen Erstaunen be- trachtete. Als einer der Leute eiumal nicht schnell genug mitging, wurde er von einem Schutzmann am Arm gepackt und weiter geschoben. DaS war dem Mann denn doch zu viel. Er warf seinen Koffer hin und folgte seinen freien Kollegen. Mit ihm gingen dann noch vier Mann nach dem VerkehrSlokal der Ausgesperrten. Im JmiungShause wurden die Zugereisten gespeist. Uebernachten mußten sie auf dem Fußboden. Im Laufe des Sonntags hat sich der größere Teil der- selben den Ausgesperrten angeschlossen.— Die Aussperrung zieht auch noch andre Berufe in Mitleidenschaft. In dem Kieler Vorort Gaarden verlangte der Zimmermeister Hagedorn von den bei ihm beschäftigten Tischlern, sie sollte» die Arbeit der anSgesperrtcu Zimmerer verrichten. AlS sie sich dessen weigerten, wurden sie kurzer Hand entlassen.— Es ist jd ringend not>v endig, jeden Zuzug von Bauarbeiter» nach Kiel fernzuhalten! Die AuSsPeriling der Zimmerer in Goldberg(Mecklen- bürg) dauert noch immer fort. Neulich war es dem Ziuimeniieister Krüger gelungen, auswärts sechs Zimmerer aufzugabeln. Nachdem dieselben von der Sachlage uuterrichtet waren, verzichteten sie auf die Aufnahme der Arbeit. Ten Steiuarbcitcr» in Striegau ist von den Unternehmern angekündigt worden, daß vom 14, April ab eine zehnprozcntige Lohn- rednktion eintritt. Bei den Pflastersteinen beträgt die Reduktion sogar 17 Prozent. Dadurch sind alle Errungenschaften des 98 er Streiks jetzt wieder verschwunden. Acht Böttcher der Firma Tnchmann n. Sohn in Dessau sind gemaßregelt worden, weil sie sich in einem Briefe an die Firma gegen Fortsall deS bisher gezahlten Aufschlage« für lleberstnndcn er- klarte».— Böttcher werden ersucht, die obige Firma zu meiden. verantwortlich: Th. Glocke üi Berlin. Druck und Verlag von Mar Badin Der Streik i« der Faoonzicherei der Firma Post in Köln- Ehrenfeld ist beendet. Die Fordernngeii der Arbeiter sind bewilligt worden. Ausland. Der Wcberstreik in Enschede dauert fort. Neuerdings kommt die Polizei den Unternehmeni zu Hilfe, indem sie alle Ansammlungen von mehr als drei Personen auf den Straße verbietet, um eventuell einen Anlaß zum Einschreiten zu finden, Die Feinbäcker Stockholms haben vor einigen Wochen den Arbeitgebern einen Einwurf zu einem neuen Uebereinkommen vor- gelegt und um Antwort bis 1. April ersucht. Bis Ende voriger Woche war noch keine Antwort eingetroffen. Vermutlich wollen die Meister erst den Ausgang des Konflikts in G ö t e b o r g ab- warten.— D i e Abteilung Gefle des schwedischen Bäckerverbandes hat das mit den Meistern geschloffene Ueber- einkommen auf den 1. Mai gekündigt, um eine Verbesserung der Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit durchzusetzen.— Vevssttninlungon. Eine Baildcpnticrtcu- Versammlung der Maurer tagte gestern im Gewerkschaftshause. In sehr entschiedener Weise wurden die eingerissenen Mißstände auf den Bauten gegeißelt und die Kollegen aufgefordert, mehr wie bisher für die Interessen der Organisation einzutreten. Zur Annahme gelangte folgende Resolution: Die Versammlung der Baudeputierten steht auf dem Stand- Punkt, daß es an der Zeit ist, das Interesse der Kollegen an der Organisation von neuem zu wecken. Die Verbandsleitimg wird beauftragt, eine größere Agitation in die Wege zu leiten, nach welcher den langjährigen Beschlüssen unsrer Organisation gemäß 1. eine schärfere Kontrolle unter den arbeitenden Kollegen anf den Bauten ausgeübt wird, und 2. Maßnahme» getroffen werden, um die eingerissenen Mißstände auf de» Bauten zu beseitigen. Die Versaninilnng sieht in dem solidarischen Zusammenhalt der Kollegen auf der Baustelle die einzige Gewähr für Einführung einer vernunftgemäßen Arbeitsmethode, sowie für die Beseitigung der Mißstände. Die Verallgemeinerung und Verbesserung des Bau- depulierten-Systems ist die dringendste Pflicht der Kollegen und ver- pflichtet sich die Versammlung, dafür zu wirken, daß anf allen Bauten Deputierte gcivählt Iverden, welche in ruhiger und sachlicher Form für die volle Junehaltung der Arbeitsbedingungen eintreten, alle eingerissenen Mißstände der Verbandsleitimg melden und die Anleitung zu einer zweckentsprechenden Agitation zu geben haben. Wrifiensee. Heute im„Prälaten" allgemeine Gewerkschaftsversamin- lnng, Fritz Z ii i e i l spricht über„Krisen und deren Folgen für die Ar- bcitcr". Ebenso werden in dieser Versammlung die Kandidaten zum Ge- werbcgericht aufgestellt._ Der Boeren- Krieg. KricgSamlliche Vertuschung. In Londoner liberalen Kreisen wird behauptet, daß die englische Niederlage bei Bosch manSkop bedeutender gewesen ist als amtlich zugestanden wird. Die Bocrenkolonne unter dem Kommnndauten Albert habe 50 englische Dragoner und Husaren gefangen genommen, dieselben aber nach Abnahme ihrer Waffen und Mnuilion wieder frei gelassen. Kriegsopfer. Die Londoner Morgenblättcr veröffentlichen eine Statistik, wo- nach die Engländer seit Beginn des Krieges LS 336 Offiziere und Mannschaften an Toten in Südafrika verloren haben. Amerikanische Neutralität. Washington, 8. April.(Laffan Meldung.) Die Regierung wird aufgefordert werden, eine Untersuchung über das englische Militärdepot in Lathrop am Missouri anzustellen. Von dem Depot aus, in dem 10 englische Offiziere und 21 Soldaten stationiert sind, wurden 55 830 Pferde und 10 949 Maultiere nach Südafrika verschifft. Der Ingenieur Brown, der nach Süd- afrika entsandt wurde, um die Lage der von den Engländern angeworbeiien amerikanischen Maultiertreiber zu untersuchen, teilt mit, eine überraschend große Anzahl der Leute sei von New Orleans au» mit unterzeichneten Kontrakten für den Dienst in der englischen Armee abgereist. Er fügt hinzu, es sei gewiß, daß die Engländer bei Port Chalmctte ein Rckrntierungslager unterhalten.— Detzte Uladiefililett und Depeflszen. Ei»«euujähriger Mörder? Dreödr», 8. April.(Privat-Depesche deS„Vorwärts".) Ein »cnnjährigcr Knabe wurde verhaftet, weil die Polizei annimmt, er habe sieben Kinder im Laufe der letzten Monate in die Elbe ge- stoßen, Ivo sie ertranken._ Unterhaus. London, 8. April,(W. T, B.) Macveagh fragt an, ob die deutsche Regierung irgendwelche Mitteilungen an das Auswärtige Amt oder an Kitcheuer in betreff der angeblichen Ermordung des deutschen Missionars Hesse gerichtet habe. llnterstantssekrctär Cranborne elvidert, an daS AnSlvärtige Amt sei keine solche Milteilung gelangt, und dem Staatssekretär des Krieges liege keine Information vor. daß eine derartige Milteilung dem General Kitcheuer gemacht worden wäre. Gepfändete Tramway-Gesellschaft. Belgrad, 8. April.(W. T. B.) Die belgische Tramway- Gesellschaft, die gleichzeitig die elektrische Beleuchtung versieht. hat sich einer Zolliibcrlretniig schuldig gemacht und wurde zu 11 000 Fr. Geldstrafe verurteilt. Da diese innerhalb der Zahlungsfrist nicht entrichtet wurde. wurden gestern die Pferde der Gesellschaft, gegen die schon seit geraumer Zeit Klagen er« bobeu werden, auf exekutivem Wege mit Beschlag belegt, worauf die Gesellschaft den Pferdebahnverkchr einstellte. ES verkehren daher seit gestern nur die elektrischen Wagen. Steinan(Kreis Schlüchtern), 8. April.(W. T. B.)(Amtlich« Meldung,) Am Montag, den 7. April, abends gegen 11 Uhr,, entgleiste infolge FedcibrurheS eine Achse am Tender des O-ZugeS l unmittelbar nachdem der Zug den Bahnhof Steinau durchfahren hatte. Der Zug wurde zum Stehen gebracht, nach Steinau zurück- gezogen, und fuhr dann anf dem andren Geleise mit l'/s Stund» Verspätung weiter. Personen wurden nicht verletzt, auch entstand nur geringer Schaden am Gelcis. Frankfurt a. M., 8. April.(B, H.) Die.Franks. Ztg," meldet ans Luxemburg: Der Minister Eyschen erklärte heute in der Kammer, der Großherzog habe ivegen seines hohen Alters nuh schonungsbedürftigen Znftandes den Erbgroßherzog Wilhelm zni» Statthalter eruanut. Leipzig, 8. April.(W, T. B.) DaS Reichsgericht verwarf heute die Revision des Staatsanwalis gegen das Urteil deS Land- gerichls II Berlin vom 19. Dezember 1901, durch welches Graf Walter Piickler- Kl. Tschirne von der Anklage der Aufreizmig zu Gewaltthätigkeiten gegen die Inden freigesprochen war. Bamberg, de» 3, April. In der Nähe von Spcyersdorf fand man anf freiem Felde die Leichen zweier jungen Männer. Wie sich auS den Papieren der Toten ergab, sind es die im Alter von 16 resp. 18 Jahren stehenden Brüder Eichhorn a»S Kaserndorf, die sich dem Anscheine nach vergiftet habe». DaS Motiv der That ist im- bekannt. Madrid, 8. April.(93. H) In ganz Mittel-Spanien wüten heftige Stürme, die großen Schaden aurichten. In Rosa AlsazeS schlug der Blitz an zwei Stellen ein, wodvrch eine Person getötet Wurde. Auf dem Gnadiana ging in der Näh« von Badajoz ein Fahr- zeug unter. Zehn Leichen sind bereits geborgen. In der Nähe von, Cartagena Wurden infolge eines Erdrutsche» in einer Grube vier Arbeiter getötet._,,■■_ 1 m Berlin Hierzu 1 Beilage u. ttnterhaltiingSblatt. 5t�i9. mnm. Ketillge Ses„WUlirts AeMtt AMsdlM M'wch. 9 Apr., ma. Berliner Partei-Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Der«Berliner Spar- und Bau- d e r e i n' feiert an, Sonnabend, den 19. April 1902, in der Philharmonie. Bcrnburgerstr. 22/23, das zehnte Stiftungsfest. Da dieses Lokal der Arbeiterschaft zu Versamm- l u n g e n nicht zur Verfügung steht, so meide man st r e n g dieses Vergnügen und weise die angebotenen Karten unter obigem Hinweis zurück. Die Lokalkominission. Vierter Wahlkreis(Südost). Genosse Rcichstags-Abgeord- neter Ledebour spricht heute abend in der Urania, Wrangel- strasje 10 über„Die politische Lage". Zahlreicher Besuch dieser Ver- sammlung wird erwartet. Spandau. Ueber„Die Technik der Landtags- Wahlen" spricht morgen(Donnerstag) abend Genosse Dr. A r ö n§ in der Gencralversainmlnng des socialdcmokratischcn Arbeiternereins im Weheschcn Lokal hicrselvst. Dieses Thema ist in Rücksicht ans die uns im nächsten Jahre beborstehendcn LandtagSwahlen sehr zeit- gemäß und darf deshalb wohl auf einen recht starken Besuch gerechnet werden._ Tokstles. Die Venuhung des städtische» FaniilicnobdachS kn den ersten Tagen diesen Monats war erheblich geringer als zu Anfang Oktober vorigen Jahres. Am 31. März dieses Jahres be- herbergte daS Familienobdach 422 Personen. Davon gingen am Morgen des 1. April 286 Personen, die Wohnungen gefunden hatten. ab. Im Laufe des TageS kamen wieder 216 Personen hinzu, so daß daS Familienobdach am 2. April früh 352 Personen beherbergte. Diese Zahl stieg am 3. April auf 393, sie hat sich bis jetzt auf der gleichen Höhe gehalten. An Beihilfe zur Miete für Beschaffung von Wohnungen sind an obdachlose Familien am 1.»nd 2. April 1423,25 M. ausgezahlt worden, ans die einzelnen Fannlicn entfielen Beträge von 15—25, in einigen Fällen bis 36 M. Nach dem vor- jährigen Oktobcrnmzug war die Benutzung des Familienobdachs, wie schon gesagt, erheblich stärker. Sie erreichte ihren höchsten Stand am 6. Oktober mit 795 Personen. Die geringere Benutzung nach dem letzten Umzngstermin ist gewiß ein erfreulicher llmstaud, aber es wäre ganz unbegründet, wenn man daraus schließen wollte, daß die Wohnungsnot nahezu beseitigt sei. Mag sich auch der Mangel an kleinen Wohnungen nicht mehr in so hohem Grade bemerkbar machen wie vor einem Jahr, so besteht doch innner noch eine Wohnungsnot insofern, als die Mietspreise gerade für die kleinsten und elendesten Wohnräume ungeheuer in die Höhe geschraubt find,»nd selbst zum 1. April dieses Jahres noch in sehr viele» Fällen weitere Steigerungen erfahren haben. Wenn auch die Zahl der obdachlosen Familien geringer geworden ist, so lastet doch das llebel der Wohnungsnot nach wie vor auf den Berliner Arbeitern. Es ist notwendig, dies wieder einmal zu sagen, um die städtischen Behörden daran zu erinnern, daß es ihre sociale Pflicht ist, dem Wohnnngselcnd z» steuern. Die Abteilung für nächtlich Obdachlose im städtischen Asyl pflegte sonst iin April bedeutend niedriger zu sein wie in den Wintermonaten. In diesem Jahre hat sich aber eine Abnahm« der Besucherzahl des nächtlichen Obdachs noch nicht bemerkbar gemacht. Daraus kann man wohl mit Recht schließe», daß die Arbeitslosigkeit immer noch eine» sehr hohen Grad hat, und daß die Zunahme der Arbeitsgelegenheit, die sonst im Frühjahr einzutreten pflegt, in diesem Jahre eine recht geringe sein muß. Recht schlecht informiert zeigen sich nicht selten die Herren am M a g i st r a t S t i s ch. wen» sie in der Stadtvcrordneten-Versamnilnng Rede und Antlvort zu stehen haben. Ein neuer Fall dieser Art wird jetzt wieder in amüsanter Weise festgestellt. Am 6. März wurde in der Stadt- verordneten-Versammlung bei der Beratung der Entwürfe zu einigen Bauten für die neue städtische Irren an st alt i» Buch von unsrem Genossen Stadtverordneten Borgmann auf die Differenzen hingewiesen, die zwischen einem' die städtischen Bauten in Buch ausführenden Uiilcrnehmcr und seine» Arbeitern entstanden waren. Der betreffende Bauunternehmer hatte bei Fest- setzung der Arbeitszeit anfangs k e i» e r I e i R ü ck s i ch t auf den Eisenbahn-Fahrplan genommen, so daß die in Berlin wohnenden Arberter am Morgen schon eine Stunde vor Beginn der Arbeit in Buch eintreffe» mußten und am Abend manchmal erst fünf Viertelstunden nach Schluß der Arbeit wieder abfahren konnten. Er hat auch die Lohn- und Arbeitsbedingungen, die im Baugewerbe zivischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter für Berlin vereinbart sind,> dort draußen nicht inne gehalten, obwohl die Bauten in Buch größtenteils mit Berliner Arbeitern ausgeführt werden. Borgmann rügte damals, daß die von ihm und dem Stadtverordneten Genossen Bruns auf Veranlassung der Arbeiterorganisation wiederholt ge- machten Versuche, die Bauverwaltnng zu entsprechenden Maßiiahnie» zu bewegen, bis dahin erfolglos geblieben seien. Auch in jener Stadtverordneten- Sitzung wollte der Vorsitzende der Hochbau- abteilung der Bauverwaltung, Stadtrat NamSlau, nichts davon hören, daß, wie ein socialdemokratischer Antrag forderte, bei Vergebung der iveiteren Arbeiten z» den JrrenhauSbauten in Buch die Unternehmer vom Magistrat verpflichtet würden, die zivischen den Organisationen für Berlin vereinbarten Lohn- und Arbeitsbedingungen inne zu halten. Herr NamSlau meinte, nicht Rücksichtslosigkeit der Unter- nehmer, die Begehrlichkeit der immer höheren Lohn fordernden Arbeiter habe die vorgekommenen Differenzen veranlaßt. Borgmann hielt ihm vor, daß die Berliner Bauarbeiter nur mit großem Aufivand an Zeit und Geld nach ihrer Arbeitsstätte in Buch gelangen können, daß sie mithin dort niindcstcns nicht schlechter als in Berlin bezahlt werden dürften. Die Stadt zahle ja ihren in Buch beschäftigten Baubeamten sogar noch einen bc- soilderen Zuschuß. Darauf erividerte Herr Namslan:„Die Arbeiter, die von Berlin nach Buch gehen, thun das völlig frei- willig.(Zuruf: Ja, riesig freiwillig!) Meine Herren, glauben Sie den», daß draußen keine Arbeiter e x i st i e r e n, in Bernau, in Biesenthal, in der ganze» llnigebung von Buch? usw." Tarauf wurde der Antrag gegen die Stimmen' der socialdemokratisckie» Fraktion und iveniger Freisinniger abgelehnt. An jene Worte des Herrn Namslau erinnert uns jetzt die Nachricht, daß das neue st ä d t i s ch e Hospital, dessen Bau ge- plant tvird, nicht als Erwcitcnmgsbau des Hospitals in der Fröbel- straße ausgeführt, sondern daß»ach einem soeben vom Magistrat ge- faßten Beschluß ein Hospital in B n ck, errichtet werden soll. Bei der Erörterung der Gründe, die im Magistrat für und Wider diesen Vor- schlag geltend gemacht Ivordcn sind, hat auch die Kostenfrage eine Rolle gespielt. Stadtbaurat Hosfmann hat, wie ein hiesiges Blatt mit- teilt, de» Nachweis geführt, daß der Bau in Buch nicht biNiger tvird als in Berlin. Auch sei dort die B e s ch a ffn n g der Arbeits- kräfte in genügender Anzahl aus den Nachbar- orten nicht möglich.„Nicht möglich?!" Als der Magistrat durch de» Stadtrat NamSlau sich gegen eine von socialdemokratischer Seite im Interesse der Arbeiter gestellte Forderung rvandte, da hieß es ja, daß es da draußen a» Arbeitern nicht fehle! ES ist in der That erheiternd, wie hier wieder ciunial ein M a g i st r a ts m it- glied durch das andre öffentlich widerlegt wird. Dieses Schauspiel ist ja längst nicht mehr neu, aber es ist trotzdem immer ivieder interessant. Wir empfehlen es der Beachtung aller, die «S angeht. Im Ausschuß zur Vorberatung des Antrags Dr. Nathan wurden am Dienstagabend sämtliche Anträge abgelehnt. Dr. Nathan ivollte die Unentgelt'lichkeit auf die beiden ansteckenden Krankheiten Scharlach und Diphterie beschränkt wissen. Dr. Bütoiv forderte die Zustimmung des städtischen Vertrauensarztes. Die Anträge wurden gegen die StinUnen der Antragsteller und der socialdemokratischen Mitglieder, die die Anträge als einen sehr bescheidenen Anlauf zur llneutgeltlichkcit der Krankenhanspflege bezeichneten, abgelehnt. Anerkannt lvurde auch von andrer Seite, daß die Kinderkranke»- hauspflege viel zu Ivünschc» übrig läßt, daß insbesondere der baldige Neubau von Krankenhäusern wünschenswert ist. Zur Frage ders Uufallversichernug deS Treibe» pcrsouals am städtische» Vieh- und Schlachthof, über die am Donnerstag von der Stadtverordneten-Versainmlung Beschluß gefaßt werden soll, liefert der von uns gemeldete schivere Unfall eines' Ober- treib ers(Verletzung durch einen scheu gewordenen Bnllen) zu passendster Zeit einen beachtenswerten Beitrag. Dieser llnfall zeigt, wie sehr der städtischen Verwaltung daran liegen muß, daß auch diese Ärbeiter. die zwar nicht init der Stadt, sondern mit den Vieh- Händlern und den Viehkommissionären zu thun haben, die aber durch ihre Thäligkeit doch auch zu dem städtischen Betrieb ständig in einer gewissen,»venigstcns indirekten Beziehung stehen, möglichst sämtlich gegen Unfall versichert werden. Die Schwierigkeiten, die hierbei bestehen, sollen nicht verkannt werden, aber sie find nicht unüberivindlich. Die städtischen Behörden haben diese Frage schon seit einige» Jahren erörtert. Zwei Jahre hintereinander hat die Stadtvcrordneten-Versammlung durch eine bei der Etatsbcratung beschlossenen Resolution den Magistrat ersucht, die Vichhofsvcrlvaltung anzuweisen, kein Treiberpersonal zuzulafsc», daß nicht gegen Unfall versichert ist. Inzwischen ist, nachdem die Flcischcrci-Vernfsgenossen- schaft auf Anfrage der Viehhossverlvaltung die Obertreiber für selbständige, also nicht versicherungspflichtige Gewerbetreibende erklärt hatte, auf eine dagegen gerichtete Beschwerde der städtischen Gewerbe- Deputation vom Reichs- BersicherungSamt entschieden worden, daß die Obcrtreiber in der That selbständige Gewerbetreibende und daher nicht versicherungspflichtig feie».. DaS sonstige Treiberpersonal aber werde erst von den Obertreibern an- genommen und für eigne Rechnung beschäftigt, sei also von diesen zu versichern. Auf Grund dieser Entscheidung hat der Magistrat der Stadtvcrordncteu-Versannnluug zu verstehen gegeben, daß er in der Sache nichts ivcitcr thnn wolle. Dem Stadtverordneten-Ansschuß, der sich in den letzten Wochen mit der Angelegenheit beschäftigt hat, ist von der Viehhofs-Verwaltung versichert worden, daß auf dem Ber- liner Viehmarkt trotz des starken Auftriebs von Bullen Unfälle höchst selten seien. Ein tödlicher llnfall sei seit 20 Jahren nicht vorgekommen— eine Mitteilung, die dahin zu ergänzen ist, daß erst im Jahre 1895 zivar nicht ein Treiber, aber ein Pferdebahnlutscher, der auf dem Schlachthof gekochtes Fleisch kaufen Ivollte, durch einen Ochsen über- rannt und getötet worden ist. Der Ausschuß ist in seiner Beschluß- fassung dem von socialdemokratischer Seite gestellten Antrag bei- getreten, durch den der Magistrat ersucht wird, mit den Vieh- konnuissionären zu vereinbaren, daß diejenigen Obcrtreiber und Treiber, die der rcichsgesetzlichen Unfallversichernngspflicht nicht unterliegen, ans Kosten der Viehkommissionäre anderweit versichert werden. Der Antrag wird der Versammlung vom Ausschuß zur Annahme empfohlen. Ans der außerordentlichen MagistratSsitzuug vom Dienstag. Der Magistrat beschloß, den deutschen Juristen, die im September d. I. zu einer Tagung hier znsainmeu komme», einen festlichen Empfang zu bereiten und bei der Stadtverordneteu-Bersammliuig um die Be- willigung der Mittel nachzusuchen. Das Kollegium erklärte sich nach einein Vortrage des Stadtrats Na»isla» mit dem Beschluß der Gasdeputation, den Königsplatz durch elektrische Bogenlampen zu be- leuchten, einverstanden, und wird der Stadtverordneten-Versammlung eine Vorlage machen. Ferner wurden noch verschiedene Unter- stiitzungssachen, Anträge von Vereinen auf Beihilfen ec, erledigt. Daö neue„Notbuch" deS Magistrats, nämlich die„Personal- Nachweisung der Berliner Geineindcvcrwaltnng zc." für 1902 ist soeben erschienen.' Es präsentiert sich diesmal als ein stattlicher Band von 536 Seiten, in welchem das Namcnsverzcichnis allein 138 Seiten (gegen 131 im Vorjahre) einnimmt. Schon auf den ersten Blättern sehen wir zu unsrer Freude, daß der Magistrat mit den Forlschritten der Neuzeit fortschreitet, denn bei den Adressen der Mitglieder der städtischen Behörden finden wir diesmal die Postbezirke genau angegeben. Im Verzeichnis der Stadträte sind die Namen B a i'l und Me u blink gestrichen, dafür aber die Namen Gehricke, Kalisch und Dr. Voigt hinzugekommen. Die Liste der Ehrenbürger, deren die Rcichshanptstadt fünf zählt, ist unverändert geblieben. Die Zahl der Stadt- ä l t e st e n hat sich um ein teures Haupt vermehrt. Stadtbaurat R o s p a t t ist verstorben, Prof. Dr. F ii r st e n a u und Stadrat B a i l sind hinzugekommen, so daß Frau Berolina mit sieben Stadtältcsten in das neue Jahihundcrt gestiegen ist. Die Corona der Magistrats-Assessoren ist von 21 ans 26 gestiegen, juristische aber auch schon wieder unrichtig, da es noch die verstorbenen Stadt- verordneten K l u t h und S e i b e r t aufzählt. Von den einzelnen Abschnitten, die eine erhebliche Vermehrung erfahren haben, sei nur das Verzeichnis der Genieindeschulen erwähnt, deren das„Notbuch" jetzt 255 aufzählt, also 14 mehr als im Vorjahre. Die Stadtverordiieteu-Vcrsammlnng hat sich in ihrer Sitzung am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, u. a. mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung zu befassen: Wahl je eines Mitgliedes in den Ausschuß für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten, in die Arbeits- ha»S-Berwaltung, in die Grundeigentums-Deptttation, in das Kiira- torium der Dictrichs-Thorä-Stiftung, in die Gesindc-BelohnungZ- Deputation und in die Kanalisations-Dcpntation.— Verichtcrstattinig über die Vorlage betr. die Unfallversicherung des Treiberpersonals am städtischen Vieh- und Schlachthof.— Wahl deS dritte» Beisitzers.— Vorlagen, betreffend: den Erlaß eines«O r t S st a t u t s, betr. die Anstellung der Gemeinde« b c a m t e n", die Nimahine de" Vermächtnisses des verstorbenen Musikverlegers Fritz Simrock für die Zwecke der Stiftung„Kinder- chyl"._ den dem Gcmcindcblatt beigelegten und den Mitgliedern des Reichstages, sowie den BevoNinnchtigten des Bundesrats übersandten Auszug aus dem stenographischen Bericht über die VerHand- lungen'hinsichtlich der im Reichstage gegen die städtische Kranken- h a u s- V e rw a l t n n g erhobenen Anschuldigungen,— die Teilung der Stadtbezirke 167, 179b. 180», 131». 246b und 293— den Ankauf von Terrain für den En gros markt der Markthallen und den Schlachthof.— den spccicllen Entwurf zur Errichtung zweier JuscktiouSbaracken auf dem Grundstück der Anstalt Wuhlgarten,— den Abschluß eines Vertrages zwischen der Stadtgeincinde Berlin und der Gntsherrschaft für den Gutsbezirl Plötzensee über Ausdehnung des GasrohruetzeS der Berliner städtischen Gaswerke auf den Gutsbezirk Plötzensce,— den Abschluß eines Vertrages mit der Gemeinde Treptow wegen Auf- nähme der Abwässer aus dem Gemcindegebiet Treptow in eineS der Druckrohre der Kanalisation� von Berlin— und die Entschädigung für das Grundstück Potsdamerstraße 24/ Schöneberger Ufer 26 aus Anlaß der durch den Umbau der Potsdamer Brücke bedingten Höher- legung der Potsdamerstratze und des Schöneberger Ufers.— Berichterstattung über die Vorlage betreffend die Uebertragnng der Druck« Herstellung des G e m e i» d e b l a t t eS und der damit in Ver- bindung stehenden Drucksachen an die Firma Wilh. Grcve(Inhaber Max Pasch) auf die Dauer von drei Jahren. Die Verhandlung gegc» die früheren Leiter der Spiel- Hagen-Vanke» wird, wie wir aus juristischen Kreisen hören, die zuständige Strafkammer wochenlang beschäftigen, ohne daß jedoch ein größerer Zeugenapparat erforderlich wäre. Vorläufig sind nur zwei Zeugen und zwei kaufmännische Sachverständige namhaft ge- macht. Die Beweismittel werden also wesentlich in dem sachlichen Material, in den vorliegenden Gutachten, Bilanzen, Briefen und andren Urkunden gesucht. Die in der Reichsdruckerei hergestellte Anklageschrift hat einen bedeutenden Umfang. Das dicke, in einem blauen festen Deckel ruhende Faszikel mutet fast an wie ein dem Parlamente vorgelegter„Gesetzentwurf". Mit einem solchen hat das scharfsinnige Opus auch die klare, systeinatische Darstellung gemein, die ganz Ivie ein Gesetz mit einem„allgemeinen Teil" beginnt. Ein Druckfehler hat sich in dem in unsrer Dicnstagsnnmmer enthaltenen Bericht über die Sitzung des Kuratoriums des Arbeits- Hauses und des Obdachs eingeschlichen.'Nicht auf dem Boden- raun»- sondern im Bade raunr soll ein Desiufektionsapparat er- richtet werden. Eine Benziuexplosion fand gestern nachmittag um 6 Uhr auf dem Anhalter Gülcrbahnhvfe stait, glücklicherweise ohne daß bei diesem Unfall Menschenleben gefährdet wurden. Ein Güterzug wurde nach der Laderampe rangiert. In dem Zuge befand sich ein eiserner Chemikalienwagen, welcher mit verschiedenen chemischen Stoffen, u. a. auch mit zwei großen Ballons Benzin gefüllt war. Einer der Ballons ninß wohl undicht geworden sein, so daß ihm Benzingase entwichen, die sich plötzlich auf unerklärliche Weise ent- zündeten. In wenigen Sekunden bildete der ganze Wagen ein einziges Flamineinneer, und die Gefahr war eine um so größere, als sich in unmittelbarer Nähe der Brandstätte Kohlen usw. befanden. Trotz der Gefahr, niit welcher eine Annäherung an den broimcndcn Wagen verbunden war, sprangen mehrere Bahn- beanite hinzu und koppelten den Chemikalienwagen ab, der nunmehr nach einem toten Geleise geschafft werden koimie. Kaum hier an- gelangt, explodierte auch der zweite Ballon Benzin, dessen brennender Inhalt sich zuni Teil über die Geleise ergoß. Erst nach einer halben Stunde konnte sich das Personal der Brandstätte so weit nähern, daß durch Aufschütten von Sand der Brand erstickt werden konnte. Zum Milchkrlcge. Den hiesigen Milchpächtern waren zum 1. April insgesamt 14 000 Liter Milch aus der Umgebung Berlins gekündigt worden, von denen jedoch 8000 Liter durch neue zum Ab- schluß gekommene Verträge sofort gedeckt wurden, während der Rest von 6060 Litern ebenfalls auf Grund von Verträgen aus der weiteren llnigebung Verlins beschafft werden muß. Die Gesamt- zufuhr ist hinreichend, um den infolge des Kampfes zurückgegangenen Bedarf in Berlin vollständig zu decken, so daß ein Milchmangel in diesem Sommer vollständig' ausgeschlossen ist. Fundsachen. Das Polizeipräsidiinn teilt mit: Berlin, 8. April 1902. Jni Fundbureaii des Polizeipräsidiums befinden sich wieder diverse, verspätet zur Abgabe gelangte Suchen, n. a. ein vor ungefähr Jahresfrist gefundener größerer Geld- betrag, zwei goldene Damen- Ilhren. von denen eine An- fang Februar dieses Jahres auf dem Gesundbrunnen, die andre bereits im September oder Oktober vorigen Jahres in Berlin W. gefunden worden sind. Beide Uhren sind init Monogramm versehen. Ferner befinden sich zwei Vrillantringe ebendaselbst in Verwahrung, die beide in hiesigen Restaurants gesunden worden sind und zwar ein Ring mit mehreren Steinen anfangs des vorigen JahrcS, der andre mit einem Stein im Januar dieses Jahres.' Die Eigentümer der Sachen können sich an Wochentagen zwischen 9 und l llhr im Fundbureau deS Polizeipräsidiums, Eingang II, Zimmer 79, melden. Gleichzeitig wird wiederholt darauf hingewiesen, daß Anzeigen über gefundene Sachen unverzüglich bei der Polizeibehörde zu erstatten sind. Dieselben werden im Fundbureau selbst oder in sämtlichen Polizei- Revieren entgegengenommen, woselbst den Findern eventuell auch die gesetzlichen Bestimmungen bekannt gegeben werden. Durch Erstattung der Fund- Anzeige bei Privat- instituten entzieht sich der Finder nicht der Verpflichtung zur polizeilichen Meldung; eine solche gilt der Behörde gegenüber als nicht erstattet, weshalb in jeden! Unterlassungsfälle, wie dies in letzter Zeit wiederholt geschehen, die Schuldigen wegen Fundunterschlagung zur Verantwortung gezogen werden. Drei Straßenbahnuufäfle werden vom gestrigen Tage ge- meldet: Der 59 Jahre alte Streckenwärter Max Riemer aus der Wallstraße 39 streute an der Marschnllbrücke Sand und überhörte trotz Klingelns des Führers und der Zurufe andrer Leute das Heran- nahen eines RingbahnwagenS. Er geriet unter die vordere Platt« form und wurde am Kopfe so schwer verletzt, daß ihn ein Schutz- mann nach der Charitö bringen mußte.— Besser kam ein Kind davon, das von einem Kahn im Humboldthafen nach der Straße ge- gangen war. vom Bürgersteig auf den Fahrdannn geriet und von einem Straßenbahnwagen ein Stück Weges geschleift wurde. Es er» litt' nur leichte Verletzungen und konnte mit seiner Mutter, einer Schiffersfran, wieder heimgehen, nachdem es in der Charitö einen Verband erhalten hatte.— Ganz unversehrt blieb eine Frau, die am Rosenthaler Thor unter die Plattform eines RingbahnwagenS geriet. Als man nach langem Mühen den Wagen hoch genug gehoben hatte, sprang sie auf und lief davon. Der Skclettfnnd in der Roßstraße hat keine Aufklärung ge- funden. Die an der Fundstelle der Knochenteile fortgesetzten Nach- grabungen verblieben resnltatlos und ebensowenig konnte ans de» ältere» Pölizeiaktcn daS Verschwinden einer Frau mit einem Kind unter Verhältniffcn, welche auf ein Verbrechen schließen lassen, er- sehen werden. Da unter den obwaltenden Umständen übrigens feststeht. daß selbst im Fall cincS Mordes bereits die Verjährungsfrist abgelanfen und eine Wahrscheinlichkeit, daß der etwaige Mörder noch aiii Leben, nicht gegeben ist, so hat die Kriminalpolizei das Ermittc- lungsverfahren in dieser Angelegenheit eingestellt. Mit 7K Jahren! Auf dem Kntschbock vom Tode überrascht wurde vorgestern, Montagnachmittag der 76 Jahre alte Wagenführer der städtischen Straßenreinigung Friedrich Schneider aus der Christbnrg- straße 32. Der alte Mann erkrankte vor dein Hause Schönhauser Allee 177 plötzlich so schwer, daß inan ihn vom Wagen heben und auf den Hausflur betten niutzte. Als ein Arzt kam. war er schon tot. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden von Mutter und Kind gefunden, über das vor einiger Zeit berichtet wurde. Die Bierkutscherfrau Luise Mntuszewsli, die früher mit ihrem Manne und dem zweijährigen Töchter Agnes in der Pallisadcnslraße 64 wohnte, hatte von ihrem Manne viel zu leiden, so daß sie ihn ver- ließ und die Scheidungsklage anstrengte. Trotzdem verfolgte und mißhandelte sie ihr Mann beständig. Seit dem 1. März war sie mit dem Kinde verschwunden. Gestern wurde das Mädchen von einem Beamten der Strompolizei an der Friedrichsbrücke als Leiche ans der Spree gelandet. Ohne Zweifel hat die bis jetzt noch nicht gefundene Mutter es in das nasse Grab mitgenommen. Ueber den Wert der kaufmäunischen Fortbildungsschule» wird Genosse K a l i s k i heute abend 9 Uhr in den„Arminhallen" einen Vortrag halten. Damen und Herren sind als Gäste will- kommen. Klara Viebig wird am Donnerstag im Verein„Berliner Presse"«ine bisher noch ungedruckte Eiselgeschichtc..DaS Kind und das Venn" und eine ebenfalls noch ungedruckte Humoreske„Ein Jdnll, Bild auS ber Provinz Posen", zum erstenmal vorleien. Auch Anna Ritter, Bfe erst kürzlich von schwerer Krankheit genesen ist, wird an diesem AVend eine Reihe von Gedichten zum Vortrag bringen, die in Berlin noch unbe- kannt sind. Der Vortrag begiinit pünktlich um 8 Uhr im groben Saale deö ArchitektenhauseS. Eintrittskarten sind zu baben in den Buchhandlungen von Anielang, PotSdainerstr. 126; Lazarus, Friedrichstr. 66; Speyer n. Peters, Unter den Linden 43; Monte, Potsdamerstr. 13 und im Berliner Preffellub, Chgrlottenstr. 37 sFahrstuhl). Feuerbcricht. Ein gröszercr Dachstuhlbrand kam Montagabend "1* in der Waldcniarstr. 68 zum Ausbruch. Da Mittelfeuer gemeldet war, rückten fünf Löschzüge an. von denen jedoch mir eine Dampfspritze mit zwei Schlauchleitungen in Thätigkeit trat. Da mehrere Bodenkammern und ein erheblicher Teil des DachstuhlL eingeäschert wurden, so ist der verursachte Schaden erheblich. Zwei Stunden später gingen Ackerstr. 90 Kleidungsstücke und Gardinen in Flammen auf. Ilm 10 Uhr wurden infolge mehrmaliger Meldung vier Löschziige nach der Wasserthorstr. Li gerufen, doch handelte es sich hier lediglich um einen Schornsteinbrand. Zur selben Zeit erfolgte eine Alorniimmg nach Ncu-Kölln am Wasser, wo an- geblich auf einem Spreekahne Feuer ausgekommen sein sollte, was jedoch nnzutreffend war. Dienstag früh gegen 6 Uhr wurde die Wehr nach der Stnllschreiberstr. S9 gerufen. Hier hatte sie in der Räh- Maschinenfabrik von Böttcher ein Feuer abzulöschen, da? den Fuß- boden und die Balkenlage ergriffen hatte. Ueber zwei Stmiden hatte sie nu» hier zu thun, um das Gebälk frei zu legen. ShiS den Nachbarorlen. RnS Rixdorf. Der neugewählte besoldete Stadtrat Weinrich aus Stettin hat gestern seine hiesige Stellung angetreten.— Im städtischen Krankenhause verstorben ist der Tischler Karl T i e S l e r aus der Knesebeckstr. 44, der, wie wir berichteten, von einem Schlag- anfall gerührt worden war und mehrere Tage in seiner Jung- gesellenwohnung hilflos auf dem Fußboden gelegen hatte. Schöneberg. In der letzten Stadtverordneten-Srtzung haben die bürgerlichen Vertreter wieder einmal ein großes Ver ständnis für focialpolitische Fragen enthüllt. Auf der Tages ordnung stand unter anderm eine Petition des Vereins deutscher Kaufleute um den Erlaß eines Orts st a t u t S. worin die Arbeit von Angestellten in Fabriken. Eiigro&. Speditions- und Bankgeschäften, sowie in sämtlichen Bureauräunien an Sonn- und Festtagen für den Stadtkreis Schvneberg gänzlich untersagt wird. Hierzu hatten unsre Vertreter folgenden Antrag gestellt:„Die Stadtverordneten-Bersamnilung möge den Magistrat ersuchen, wegen Erlaß eines gemeinsamen Örtsstatnts für Berlin und seine Bororte bezüglich des Verbotes der Sonntags arbeit für alle Angestellten und Arbeiter mit de» ii Frage kommenden Gemeinde- Verwaltungen in Verhandlung zu treten." Statt nun sachlich auf den von unsrem Parteigenossen P a n s e r begründeten Antrag einzugehen, versuchten sich die Gegner mit allerhand Winkelzügen darüber hinwegzuhelfen. Stadtverordneter v. Frankenberg erklärte u. a., daß ivir schon viel zu viel Sonntags ruhe hätten. Hierauf wurde unsren Genossen die lveitere Besprechung durch Schluß der Debatte abgeschnitten und die Petition mitsamt »nsrem Antrage gegen die Stimmen unsrer Vertreter und des Stndtv. Dr. Richter, der die Sache dem Magistrat zur Erwägung überwiesen wissen wollte, bei 51 Amvesenden abgelehnt. Die Absender der Petition können sich bei den bürgerlichen Stadt verordneten für ihre Fürsorge bedanken. Eine unverhältnisinäßi'g lange Debatte entspann sich bei der Besprechung des Antrages L u l a y und Genossen über Anstellung eines Stenographen. Der hohen Kosten ivegen— zusammen mit der Drucklegung dürften sich die Kosten auf gut 8000 M. belaufen— wurde auch dieser Antrag abgelehnt. Im Laufe deS Frühjahrs sollen folgende Straßen neu gepflastert werden, wozu die erforderlichen Kosten im Gesamtbetrage von 232 000 M. bereits in den Etat eingestellt sind: Maxstratze. Warbarossastraße(zwischen dem fertigen Teile und der Goltzstraßef Gothaer-, Wartburg-, Apostel Paulus-, Belziger- und Eisenachcr straße. Mit Ausnahme der Barbarossastraße werden sämtliche genannte Straßen asphaltiert. Sodann genehmigte die Versamnilung»och den Abschluß eines Vertrages mit dem Eisenbahn- und Militärfiskus wegen einer unter der Anhalter, Dresdener- und Militärbahn im Zuge der neue» Schöneberg-Tempelhofer Verbindungsstraße zu erbauenden Unter f ü h r u n g. Lichtenberg. Der Kommunal-Wahlkanipf, der nun seit Jahr und Tag sich hier abspielt, ist gestern durch den Bezirksausschuß in Potsdam zum vorläufigen Abschluß gekommen. Vier Mandate unsrer Parteigenossen und zwar die von Weißfluck, Kette, Wedemeyer und Grauer find für ungültig erklärt worden. Der unter freisinniger Führring stehende Bürgerverein hat die Klage deS Angestellten der Anilinfabrik Rummelsburg, Meißner, zu der seinigen gemacht und nun ein obsiegendes Erkenntnis erstritten. Ein neues Ruhmes blatt unsrer„Liberalen" l Der Bezirksausschuß hat mit der ersten Instanz dahin erkannt, daß der Gemeinde- Vorstand beim Ausschreiben der Wahl insofern gefehlt hat, als von ihm nicht angegeben wurde, in welchem der vier Kommunal-Wahlbezirke „Angesessene" zu wähle» seien. Genosse Grauer, der die Berufungs klüger vertrat, erreichte aber, daß das Klage-Objekt von 8000 M.. wie es der Kreisansschuß festgesetzt hatte, auf 4000 M. ermäßigt wurde und nicht, wie vorher, zu gleichen Teilen auf die vier Beu geladenen verteilt, sondern dem beklagten Gcineindevorsteher ausi erlegt wurde und somit außer Ansatz bleibt. Auf die Verhandlung selbst, der auch der Regierungspräsident beiwohnte, werden wir, wenn daS Erkenntnis vorliegt, näher eingehen. Zu dem Weberschcn Ehedrama in Stahnsdorf, bei welchem der frühere Gastwirt Franz Weber seine Gattin mit vier Schüssen verwundete und sich selbst erschoß, sendet uns jetzt der Kc-Berichterstattcr eine längere Mitteilung, in der er seine damaligen Angaben berichtigt. Wir haben letztere, weil unbeglaubigt, zum Teil gar nicht berücksichtigt und nur die, welche die That zu erklären schienen, als Gerüchte unsren Leser» mitgeteilt. Als solche sind nun auch diese erwiesen, denn der Berichterstatter schreibt jetzt: Die An- gaben über Liebschaften der Frau sind auf eine schrcr beispiellose Klatschfertigkeit übel gesinnter Dorfbewohner zurückzuführen, denen die au Bildung und Umgangsformen überlegene junge Frau, zumal diese sich jeder Anfreundung möglichst entzog, ein Dorn im Auge war. Aus Spandan schreibt man uns: Sehr übertrieben war die Mitteilung einer Korrespondenz über den„K r a w a 1 1" in Spandau. Am Sonnabendabend hatten sich auf dem Budeuplatz zu Spandau eine Anzahl junger Burschen zusammengefunden, welche allerhand Allotria trieben; bald hatte sich eine Anzahl Neugieriger, die nirgends zu fehlen Pflegen, eingefunden, und der ganze Hanfe, höchstens 200 Personen/ zog nun johlend und singend über den Markt an der Polizeiwache vorbei nach dem Kaiser Friedrich-Denkmal, wo ein patriotisches Lied gesungen wurde. Die wenigen Nachtwächter und der herbeieilende Nachtwachtmeister Weigt vermochten nichts ans- zurichten, letzterer soll durch einen Steinwurf unerheblich an einem Bein verletzt worden sein. Erst als ein mit seiner Frau die Straße passierender Offizier von den Burschen belästigt wurde, requirierte dieser eine Militärpatrouille, welche im Berein mit den Wächtern die Menge zerstreute. Daß die Polizei selbst diesen Vorgang für nichts andres hielt als einen„Auf- lauf", dürste' wohl daraus hervorgehen, daß zunächst sämtliche Sistierte nach Feststellung der Personalien sofort wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Erst als der verhaftete Hauptkrakehler R ü st e r das Skandalieren fortsetzte, wurde er zum zweitenmal siftiert und am andern Tage dem Amtsgericht zugeführt. Unwahr ist auch die Meldung, es seien viele„Arbeitslose" unter den Lärmmachern gewesen und eS seien Rufe gefallen:„Wir wollen Arbeit." Daß Steine gegen die Thüre der Polizeiwache geschleudert sein sollen, davon wissen' hier lvohl die beteiligten Beamten selbst , licht das mindeste. Im ganzen mag die Zahl der Krakehler vielleicht 80—50 betragen haben. Ausdehnung der Orts-Brieftaxe. Der Geltungsbereich der OrtS-Brieftaxe auf Nachbar-Postorte erfährt soeben eine Reihe von wichtigen Erweittznmgen. Im Berliner Bezirk wird die gemeinsame Orts-Brieftaxe Groß-Berlins auf Britz anSgedehnt, das bisher»ur mit Rixdorf gemeinsame Orts-Brieftaxe hatte. Britz bei Berlin, wie der Vorort postalisch genannt wird, hat jetzt gemeinsame Orts-Brieftaxe mit folgenden Orten: Baumschulcuweg. Berlin. Charlottenburg, Friedenau. Friedrichsberg. Grunelvald, Halen- seo. Lichtenberg, Neu- Lichtenberg, Neu- Weißensee, Nieder- Schönhausen. Pankow, Plötzensee, Reinickendorf Ost und West Riiinmelsburg, Schmargeudorf. Schöneberg, Treptotv, Westend. Wilmersdorf und selbstverständlich Rixdorf. Gleichzeitig wird die Ausdehnung der gemeinsamen Orts-Brieftaxe auf G r o ß-'L i ch t e r- f e I d e und S ü d e n d e, die noch nicht bekannt gegeben war, in das Verzeichnis der Nachbarpostorte aufgenommen. ES ist wohl nur ein Versehen, welches bald gut gemacht wird. daß nicht anch Steglitz mit in die Orts-Brieftaxe einbezogen ist. Sorislvs. I» Erregung der Unzufrledeuhelt können die ttnternehmer jetzt anscheinend gar nicht gciiug thun. So ist z. B. im Allgemeinen Knappschaftsverein der Umville der Arbeiter groß wegen der schädigenden Reformen, welche dort die Werksvert'reter durchzusetzen wissen-, dabei wird sogar das Reichsgericht„korrigiert!" Durch Urteil dieses Gerichts ist festgelegt, daß Unfallinvaliden das Kinder- geld auf die Unfallrente nicht in Anrechiinng gebracht werden darf. Älliimehr erhielten die betr. Unfallinvaliden von der BerufSgenossen- schaft die Mitteilung, die KnappschaftSkasie verlange Ucberwcisiing nicht mir der Invalidenrente, sondern auck, des Kindergeldes. Falls die Betreffenden mit der Ueberweisung fich nicht einverstanden erklären. wird die Berilfsgenoffenschaft die Beträge bei der RegierungSknffe deponieren. Zu der Aufrechnung des Kindergeldes hat die Knapp- schaftskasse, wie bereits bemerkt, gar kein Recht und wahrscheinlich würde die Berufsgenoffenschaft das Verlangen, das Kindergeld in Abzug zu bringe», auch ignorieren, wenn die Jnkerefsen nicht so nahe ziisamnienlägen. Wie verlautet, will die Knappschnftskasse nur denjenigen Invaliden das Kindergcld auszahlen, welche das er- wähnte Urteil erstritten haben, im weiteren aber in jedem einzelne» Falle es auf eine Entscheidung ankommen lassen. Sollte sich dies bewahrheiten, dann dürfte es doch Sache der Aussichtsbehörde sein, der Chikanierung der armen Invaliden und der Berfchlvendung von Knappschaftsgcldern für Prozesse vorzubeugen! Aus der Fvsuenbeivegnng. Für die„christlichen Mädchenheime" wird vielfach in bürger- lichen Blättern Reklame gemacht und alleiiistchcnden Mädchen empfohlen, dieselben aufzusuchen. Eine Arbeiterin, die sich durch diese Reklame verleiten ließ, ein solches Heim aufzusuchen, schildert mm in»nsrem Greizer Parteiblatt die wahren Verhällniffe in demselben: Die Mädchen werden von der Außenwelt fast gänzlich abgeschlossen und haben eine sehr strenge Hans- ordnung, deren Uebertretung keines der Mädchen wagen darf. Die Mädchen habe» aber auch unter einer unmäßig lange n ?l r b e i t s z e i t zu leiden. Sie haben nämlich den ganzen Tag in der Fabrik zu arbeiten und der Unterricht i» der Hans- Wirtschaft, Handarbeiten je. wird erst nach B e e n d i g n» g der Arbeitszeit erteilt. Der„Unterricht" besteht aber i ii der Verrichtung häuslicher Arbeiten(!), so daß nngefähr eine Arbeitszeit von 17 bis 18 Stunden täglich herauskomint. Jedes Mädchen, welches Lust verspürt, diesen Lockungen zu folgen, wird ebenfalls gut thun, gerade wie bei jeder andren Dienst- vermittelung, sich über die Verhälttiisse erst eingehend zu informiren, ehe es auf den Leim hüpft. Gevufzks�Ieikimg. Ohne Gewissen scheint der frühere Eisenbahu-Assisteut Friedrich Wilhelm W e st p h a l zu sein, welcher gestern wegen einer ganzen Reihe verschiedener Vergehen und Verbrechen vor der ersten Straf- karnmer des Landgerichts I stand. Der Angeklagte war nach Be- endigung seiner Dienstzeit einig« Jahre Kanzlist in Magdeburg und ging im Jahre 1894 zum Eiscnbahndicnst über. In Magdeburg hatte er ein junges Mädchen kennen gelernt, welches eine Mitgift von beinahe 50 000 M. in die Ehe brachte. Dies lvurde für den Angeklagten ein Unglück. Er ließ sich in allerlei zweifelhafte, wucherische Geldgeschäfte ein init dem Erfolge, daß er nach einigen Jahre» daL Geld seiner Ehefrau verloren hatte. Diese Geschäfte gaben auch die Bepaulassung, daß der Angeklagte im September 1899 endgültig aus dem Eiseubahiidienste entlassen wurde. Er hatte seine Ehe- frnü stets sehr schlecht behandelt und sich in lockerer Gesellschaft beivegt. der er große Opfer brachte. Sie mußte schließlich als Arbeiterin in einer Zuckerfabrik in der Nähe ihrer Heimat ihren Unterhalt ver- dienen und Hai von ihre», sauer verdienten Lohn noch ihren Mann unterstützt, der sich beschäftigungslos in Berlin aufhielt. Es gelangten Briefe von ihr an ihren Ehemann zur Verlesung, worin sie ihm in krassester Form die ganze Niedrigkeit seiner Gesinnung und die Gemeiw heit seines Charakters vor Augen hielt. In den Jahren 1900 und 1901 hatte der Angeklagte sich durch Heiratsschwindel über Wasser gehalten und dadurch ein flottes Leben geführt. In der gestrigen VerHand lung. die vom LandgerichtSdireklor v. W i n t e rf e l d t geleitet wurde und in welcher Staatsanwalt Elle» dt die Anklage vertrat, wurden zunächst die Heiratsschwindeleien erörtert. Sechs Mädchen beziv. Witwen traten gegen de» Angeklagten auf. die von ihm in der schamlosesten Weise ausgebeutet ivorden ivaren. Sie hatten ihn teils durch HeiratSamloncen, teils gelegentlich auf der Straße oder in Lokalen kennen gelernt. Ohne dazu befugt zu fein, bewegte sich Westphal nach wie vor in Uniform. Er erklärte stets, daß er noch inr Dienste und unverheiratet oder Witwer sei, versprach den weiblichen Personen schon beim ersten Zu- ammcntreffen die Ehe und verstand es dadurch, sie zu jedem Opfer zu bewegen. Aus feiner früheren„gntcn"Zeit befaß er noch Schuld- 'cheine und wertlose Dokumente, mit denen er den bethörten „Bräuten" Sand in die Augen zu streuen lviißte, er ivollte HauS- befitzer fein und beträchtliche Guthaben bei der Bank besitzen. Durch alle diese Vorspiegelungen wußte der Angeklagte seine Opfer zu be- wegen, ihm ihre Ersparnisse anzuvertrauen. die er in der leichtsinnigsten Weise verjubelte. Eine Postschaffliers-Witive prellte er um 324 Mark, einige junge Mädchen opferte» hm weit höhere Beträge. In' einem Falle vertraute ihm ein Mädchen ihr Sparkaffenbnch an und erteilte ihm die Erlaubnis, darauf 100 Mark abzuheben. Der Angeklagte hob den ganzen Betrag ab und beging dabei eine Urkundeufälschung, indem er mit dem Namen der Inhaberin quittierte. Als die Betrogeue Anzeige erstattete, verfaßte der Angeklagte ein Schriftstück, worin die Zeugin an Eidesstatt versicherte, daß der Inhalt ihrer Anzeige nicht der Wahrheit entspreche und sie dem Angeklagte» einen Vorwurf nicht machen könne. Sie erklärte auch, daß sie dies beschwöre» wolle. Die Zeugin weigerte sich, dies wahrheitswidrige Schriftstück zu uiiterzcicbnen/ Außer diesen Strafthalen sollte der Angeklagte sich in vielen Fällen des Betruges durch Kreditschwindeleien schuldig gemacht Häven. Die zusammen ergaunerten Beträge beliefe» sich auf Taufende. Der Angeklagte verfuhr nach dem Priucip:»Li kecisti nega", er stellte jede ihm zur Last gelegte Strafthat in Abrede und ließ es auf die umfangreiche BeiveiSaufnahnie ankommen. Der vielen Zeugen ivegen mußte die Verhandlung im kleinen Schwur- gerichtssaal stattfiüdeu. Unerschöpflich war der Angeklagte in neue» Erfindungen, wenn es sich darum handelte. Darlehne zu erschwiiideln. Bald hatte er soeben ein Haus gekaust und zur Zahlung der Kosten ehlte ihm ein kleiner Betrag, bald war er Kriminalbeamter, der schleunigst nach Breslau müsse, um einen zu verhaften und gerade nicht mit genügenden Reisemitteln verschen sei usw. Zumeist waren Restaurateure die Geschädigten. Als der Angeklagte erfuhr, daß er von der Behörde gesucht wurde, zog er unter fremden Namen von Hotel zu Hotel und verschwand dann heimlich, ohne zu bezahlen. l Lährend Westphal sich im UntersuckMiigSgefängnis befand, versuchte Der Staatsauwalt beantragte eine Gesamtstrafe von vier I a h r en Znchthatis, 10jährigen Ehrverlust und 900 M. Geldstrafe oder noch 60 Tage Zuchthaus. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus, 900 M. Geld- strafe und 10jährigeu Ehrverlust. AllS Müncheir wird berichtet: Im Oktober v. I. hatte der Stationsvorsteher Stadler in Foruediiig bei München Nachtdienst. Der Zugführer Braun des um Mitternacht einfahrenden Güter- zuges fand niemand vom Dienstpersonal vor und die Bureauthür verschlossen. Er nahm notivendige Rangiennanöver vor, um einen Wagen abzustoßen, und klopfte dann an die Bnreanthür. um den vermeintlich schlafenden Stationsvorsteher zu wecken und seine Papiere behufs Weiterfahrt ausfertigen zu laffen. Da krachte aus dem Inneren des Dienstbnreans ein Schuß und Braun sank durchs Herz getroffen tot zusammen. Nun öffnete Stadler, der durch die Thür geschaffen hatte, und war sehr bestürzt über das von ihm angerichtete Ilnheil. Zu seiner Entschuldigung gab er an, er sei ivegen eines auf ihn vor 14 Tagen nachts im Dienstburcau ver- übten erfolglos verlaufenen Ueberfalles erregt gewesen, habe deshalb ein geladenes Gewehr zu seinem Schutz mit in das Dienst- zimmer genommen, das Klopfen an der Thür für einen neuen N e b e r'f a l l gehalten und in der Verwirrung geschossen. Stadler stand deshalb heute vor dem Landgericht unter der Anklage der fahrlässigen Tötung, lvurde jedoch freigesprochen. Er ver- teidigte sich, wie vorstehend angegeben wurde, will aber nicht ge- schlafen haben, als der Zug einfuhr. Vereinskalender. Oeffeutlichc Bibliothek und Lesehalle zur unentgeltliche» Be- Nutzung für jedermann, Alexandrinenstr. 26, Gartenhaus. Geöffnet werk- täglich von ü'/z bis 10 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen von 9 bis 1 und 3 bis 6 Nhr. Reichhaltige Bibliothek und 430 Zeitungen und Zeit- schrikten jeder Art und Richtung. Arbeitcr-Säugerbund Berlins uiid der Ilmgegend. Ersier Vor- sitzender Julius Meyer, Fichtesttaße 27. Erster Kassierer: Seikrtt, Fidirin- straße 16. Alle Aenderuugen im Vereinskalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Lausiserstr. 33. Mittwoch. Nebiingsstunde abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern.—„Liedcsfreiheit I", Andreas- straße 26.—„Norddeutsche Schleife", Lippke, Melchiorstr. 15.—„Liederlnst I" ("1866), Wollschläger. Adalbertstr. 21.—„Deutsche Eiche I", Zimmennann, Grünerweg 29.—„Allegro". Wetzel. Wrangelstr. 136.—„Gleichheit", Ramlow, Schönhauser Allee 135.—„Schneeglöckchen I", Ripdorf, Köpke, Hermann- und Karlsgartcustraben- Ecke.—„Hoffnung I", Brandenburg a. H., Wutheuow, Wredowstr. 17.—„Britz" in Britz, Barkentien, Bürgerslr. 4.—„Maicngniß", Cbarlottenburg, Battsch, Seesenhcimerslr. 11.—„Heimatllänge", Köpenick, Meyer, Rosenstr. 101.—„Wacht auf I", Jungmann, Weißenburger- straße 47.—„Treu und Fest", Kinast, Zorndorferstr. 9.—„Zaget nicht", Steglitz, Kramer, Marksteinstr. 1.—„Liederlust II", Ohm, Turmstr. 69.—„Weltenruf", Bauer, Rosenthalerstr. 57.—„Enterbten", Bliimel, Putbusefttr. 22.—„Linde I", Reitnann, Wollinerstr. 44.— „Fnedrichshagener Sängerchor", Friedrichshagen, Conrad, Fttedttchstr. 158.— „Frisch auf H", Bornini j. M., Krüger, Parlstr. 5.—„Treherscher Gesangverein" Schumann, Tilsiterstr. 85.—„Freundschaft", Happe, Sttalauer Platz 1001' —„Zimmerer", Friedrichsberg, Zipfer, Frankfurter Allee 181.—„Melodia ll",. Kranz. Dunckerstr. 8.—„Fortschritt", Fürstenhof, Köpnickerstr. 137/138.— „Freie Sänger", Ripdorf, Cramcr, Hennannstr. 199.—„Geselligkeit", Charlottenburg, Wernicke, Bismarckstr. 34.—„Domrose", Kauffeld, Markusstraße 47.—„Hoffnung II", Spandan, Räbke, Nenmeister- straße 5.—„Sattler", Adalbertstraße 62.—„Rote Rose", Brinkmann, Prinzen-Allee 21.—„Süd-West", Flick, Simeonstr. 23. —„Klub Saiigcsttene", Brandenburg a. H.. Centralberberge, Wollenweber- straße 3.—„Rote Nelke I", Schöneberg. Krüger. Grunewaldstr. IlO.— „Lied hoch", Ad. Ncnmann, Brunnensrr. 150.—„Gewerkschaft der Moler", Lipschütz, Brückcnstr. 2.—„Kottbuser Harmonie", Möhttng, Admiralslr. 18c. —„Keramik", Charlotlenburg, Prestel, Osnabrückcrstr. 1.—„Vorwärts VH", RmmnelSburg, Beutling, Kant- und Goethestratzen-Ecke.—„Vvrwätts III", Fricdrichsfelde, Fritz Haberland, Wilhelmslr. 38.—„JriS", Balzer, Gttinauerstr. 14.—„Sangerkranz", Äiesle, Schillingstr. 36.—„Wach auf!" Frz. Buchholz, Rest. Kähne.—„Liedeölust III", Bntsche, Krantstr. 36.— Unverzagt", Snlzwedelerstr. 16.—„Mclodia I", Stemmetzstr. 113.— „Karlshorst", Karlshorst, Tresckow-Allee 75.—„Liberts", Lausitzer Platz 8. —„Maiblume", Luckenwalde. Gelrni, Friedrichstraße. Arbeiter Ranchcrbimd Berlins und der Umgegend. Aeuderungen im Vereinskalender sind zu richten an Albett Licbctrau, Puttbuserstrabe44, IV. Mittwoch:„Arkona", Armer Konrad. Reichenbergerstr. 16.—„Waldes- grün", Kunze, Fvrsterstr. 36.—„Frei Weg", Schöneberg, Hoppe, Merse- lmrgerslr. 7.—„Fidele Raucher", Ripdorf, Spickemiann, Hobrcchtstr. 14.— „Intelligenz", Liebisch, Manteuffelslr. 66.—„Fidele Brüder", Friedrichsselde, Lohse, Luiscnstr. 20.—„Frohsinns-Heimat", Schößler, Stromstr. 28.— Deutscher Michel", Pankvio, Kaiser Friedrichstr. 12, Klingenberg.—„Die Dampfenden", Schick, Manteuffelstr. 74.—„Fliederduft I", Presel, Zorn- dorferstr. 36.—„Kein Ton", Villwock, Kastanien-Allee 11.—„Koniblume", Nitschke, Gneisenaustr. 56.—„Alter-Staunn", Franke, Gräsestr. 41.— Lcbensblüte", Ebeliug, Grüner Weg 120.—„Rote Nelke", Neu-Weißensee, ASmus, Scdanstr. 35 6.—„Ohne Furcht", Schmidt, Wieuerstr. 44.— „Einfach", Link, Wrangelstr. 86.—„Kolumbus S.-O." Gaida, Oppelner- straße 19.—„Veilchenduft", Hundt. Hussitenstraße 24.—„Verzaget nie", Schvneberg, Kälbc, Sedanstr.76.—„Pseisendeckel", Fruchtstr.69.—„Bulgarien", Kowsky, Koppenstr. 56.—„Lange Pfeife", Friedrichsberg, Schilling, Mainzer- straße o.—„Fidelibus", Zorndorferstr. 41.—„Rosenblüte", Weidenweg 78. —„Qualmbrnder", Rummelsburg, Kantstraße 14.—„Gemütlichkeit II SO", Kurth, Wrangelstr. 104.—„Weichselvlatt" frankfurter Allee 174.—„Gemütlichkeit II", Gratzig, Wrangelstr. 22.— „Morgenrot", Koßmell, Fttedensliaße 52.—„Consequent", Seifert, Cuvry- straße 2.—„Sieben roocht", Adlershof. Wwe. Kuhle, Kronprinzenstraße.— „Wlühlicht II", Mapstr. 13.—„Frohe Stunde", Kerpen, Elbingerftr. 15.— „Lustig", Jnvalidenstraße 5.—„Phönix", Schöneberg, Hauptstr. 97.— „Siediaff", Fourmond, Neu-Weißensee, Scdanstr. 13.—„Sumatra", Richter, Lübbenerstraße 11.—„Blauer Ring", Springer, Charlotteuburg, Schiller- straße 38/39.—„Rote Rose" Krüger, Slalitzerstt. 22.—„Palmeria", Hussitcnstr. 17.—„Aroma", Reinickendorf, GeseNschafistr. 20.—„Pankow", Pankow, Kaiser Friedrichstraße.—„Blauer Ring", Charlottenburg, Schillcr- ftraße 38/39.—„Bruderbund", Lauscher Platz 10.—„Sommerkahl", FriedrichSbcrg, Gürtel- und Scharnweberstraßen Ecke. Gesang-- Turn-»nd gesellige Vereine. Mittwoch: Theater- verein„Tell", Zorndorferstr. 57.— Dramatische Vereinigung„Zukunft", Köniassäle, Eing. Wadzeckstraße.—«Verein der Aquariensreunde", Pücklcr- und Mnskauerstraßen-Ecke.— Rower-Klub„Orkan", Wieuerstr. 7.— Zither- verein„Tirol", Oranienstr. 183.— Mandolinenklub„Bella Sorent", Ouitzowstr. 131.— Orchesterverein„Forte", Falckcnsteinstt. 38.— Pfropfen- verein„Nord-Ost", Elbingerftr. 9.—„Heureka", Verein zur Förderung der Sprechsertigkeit stotternder, Zimmerstr. 25, Restaurant Diefenbach.— »Nyrnphaea alba", Verein für Aquarieu- und Terrarienkunde, Mittwoch nach dem 1. und 15., Köpnickerstr. 80/81. Arbeiter-Turnerbuud. Mittwoch und Sonnabend: Turnverein frieden str. 37. lieichenbergcr- Fichte", Berlin, abds. von 3— 10 Uhr: 1. Männer-Abt. 3. Männer- Abt. Bö.khstraße 17/20. 7. Männer- Abt. straße 131/132. 8. Männer- Abt. Höchsteftr. 36/37. 2. Lehrling«- Äbt. Skalitzerstr. 55/56. 4. Lehrlings- Abt. Siemensstr. 20(Moabit). 5. Lehr- lings-Abt. Ackerstr. 67. Arbeiter-Schwimmervnnd. Anfragen sind zu richten an E. Bratke, Pankstr. 21. Mittwoch:„Nord", Ucbungsstunde abends 7V, Uhr im Admiralsgartenbad, Friedrichstraße.—„Welle", städtische Badeanstalt, Schillwgsbnicke.—„Germania", am ersten Mittwoch im Monat Ber- samuilung bei Schccr, Köpenick, WilhelmSgarten. Lese- und TiskuticrklubS. Mittwoch. Socialistenklub„Vorwärts", Cbristiania, Olaf KyeS Plads Nr. 8, Cafö Keffer. Jeden Mittwoch: Dis- iuffion. Arbeiter-Radfahrerbnnd.Solidarität". Gau 9(Prov. Brandenburg). Alle Zuschriften und Anfragen den Bund betreffend sind zu richten an den Gau-Borfitzendcn Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8. Mittwoch: „Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 1. uno 15., Waldstr. 8.— „Courier 1900", jeden Mittwoch vor dem 1. und 15., Schönhauser Allee 28. „Stern I", Sickingenftr. 8.—„Voran II", jeden Mittwoch vor dem 1. Landsberger Allee 40/41.—„Hermsdors", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15.,«erlinerstr. 21.—„Frohes Ziel", jeden zweiten Mittwoch, Wilbelmsruh, bei Apel.—«Glück auf", Friedrichsberg, Gürtelstr. 22.—„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 8. und 22., Köpenick, Schönerlinderstr. 5.—„Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Alt-Glienicke, bei Saß.—„Blitz", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Rudow, bei Krüger. Central> Raucherbund. Zuschriften sind an Kleist, Rixdorf, Juliiis- straße 26, zu richten. Mittwoch:„Vonoärts", Ripdorf, Prinz Handjery- straße 70.—„Gemütlichkeit", Ripdorf, Lefsingstr. 17.—„Fnedenseiche", Ripdorf, Mühlenstr. 18.—„Fidele Raucher", Ripdorf, Heruiannstr. 34.— „Gemütlichkeit", Schöneberg. Gmncwaldstraße 117.—„Blau Luft", Steglitz, Düppeistr. 32.—„Helgoland", Steglitz, Marksteinstr. 1.—„Edelweiß", Friedenau, Rheinstr. 1.—„Blaue Wolke", Wilmersdorf, Pfalzburgerftr. 66. —„Abfall", Willersdorf, Uhland- und Güntzelstraßen-Ecke.—„Transvaal", Schöneberg, Sedaustraße 60.—„Fidele Raucher H", Rixdorf, Hermann-, er einen Aufseher zu bereden, ihm heimlich zwei Briefe zu besorgen, Prinz Handjerystraßen-Ecke.—„Ambalema", Ripdorf, Prinz Handjerystt. 69. wofür er ihm eine reiche Geldbelohnung in Aussicht stellte. I—„Gefundheitsps-ise", Rixdorf, Steinmetzstr. 24. WtttkrniiaöLberficht vom S. April I»VS. niorneiiS« llhr. LS jLg Etationen Z-. Elvilieilldr H>>i,»0»rg N.ilt» �rantf/M� Mlinchi'U Ztjieu Wetter tss c � ä il g« « Stationen 7ö8NO 782:97518 2 wolkig 3 Haparanda 765i9tStS 3ivoltig 4- Petrröbiirjj 783� 3Slkn>ec 2 Sorl 76KN 2 hlb bed� 3 Aberdee» 787:W 2wolkenl 1 Paris 788$! W 2'iüülfeul 6! »Vetter- Prognose für Mittwoch, den 9. April ltiüL. Kühl und veränderlich, vielfach wollig mit geringen Niederschlägen und mäßigen uordwesttichen Winden. Berliner Wetterbureau. S- e f 784NNW 782 Still 7S8SSO Wetter «SK S% »» i» «s, Swolkenl wolkig Regen üheiter -1b -9 8 Eingegangene Drnckschriften. „Den Junkern gewidmet!" So lautet die Zlusschrift auf der soeben erschienenen Nummer des„Wahren Jakob" der Nr. 8 seines 19. Jahr- ganges. Sämtliche Illustrationen und Textbeiträge dienen dem Kampf g e g e n Zl g r a r i e r t u m u n d Z o l l w u ch e r, so daß die Nmiimer ein wirkungsvolles Agitationsmittel für die Zollcanipagne darstellt. Das farbige Titelbild„Picknick in Ostelbien" weist in satirischer Zuspitzung anf den Gegensatz zwischen dem Kleinbauerntum und der ostelbischen Junlerschaft hin; das farbige Rückbild„Zustände in Deutschland nach Beseitigung der Handelsverträge" zeigt die Zunahme der Auswanderung als Folge des Niederganges der Industrie. Auf dem schwarzen Vollbild„Deutsche Heimatspolitik" wird das HSrigkeitsverhältnis verspottet, in welches sich Bülow dem Agranerium gegenüber begeben hat. Wir erwähnen sodann noch die Bilder„Neueste Attraktionen von Bornum und Bailley",„Michel und die Agrarratte", sowie die Gedichte„Raubritter",„Znckerschmerzen", „Die beiden Gracchen" und die satirische Skizze„Ein Kostümfest in der Wilhelmstrabe. Infolge des reichen Inhalts der zehn Seiten starken Nummer können wir unsren Lesern Me Anschaffung derselben nur empfehle«. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Kritik des radikalen SocialismnS. Studie von Pastor Böttger Lauenburg-Elb«. Lübeck(Gebr. Borchers).— Preis 20 Pf. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von?>/- bis VV- llhr abends statt. Achtjähriger Abonnent. Eine Kapitalabfindung an Stelle der Unfall- renten findet in 3 Fällen statt. DieS sind folaeiide: 1. Verheiratet sich eine Witwe wieder, so erhält sie 80 Proz. des JahreSarbeitsverdienstes als Ab- findung. 2. Ein Ausländ«, der seinen Wohnsitz im Deutschen Reich anf- gieit, ist aus seinen Antrag mit dem dreifachen JahreSbctrag abzufinden. 3. Beträgt die Rente eincS Deutsche« nur 18 Proz. oder weniger, so kann nach Anhörung der unteren Verwaltungsbehörden die Berufs- genossenschaft den EutschädtgungSberechtigten auf feinen Antrag durch eine enfprechende Kapitalszahlung abfinden. Gegen den dann ergehenden Bescheid ist Berufung zulässig, der Antrag auf Ab- finduiiq kann bis zur Berkündung der Enischeidung des Schieds- gerichis zurückgcnonnnen werden. Der Verzug eines rentenberechtigte» Deutichen in das Ausland ist kein Grund zur Abfindung. Vielmehr be- zieht der Betreffende seine Renle auch im AitSland. Er mub jedoch feinen Aufentholt der Lemfsgenoffenschajt mitteilen und den seitens des Reich?- Bersichernngsamts erloffenen Vorschriften nachkommen. DaS Reichs- VersicherungSamt hat in ferner Verordnung vom 8. Juli 1901 angeordnet, dah ein derart berechtigter Inländer(spätestens in Ihrem Amerikarcise-Falle in 9 Monaten nach Antritt der Reise) seinen Ausenthatt der Benrfsgenossen- ichast so mitzuteilen hat, daß Postsendungen unter der angegebenen Adresse an ihn bestellbar sind. Ebenso ist von jedem Wechsel des Aufenthalts, und zwar innerhalb 6 Monaten, Mitteilung zu machen. Auf Erfordern der Berufsgenossen- schaft mub sich ferner der im Ausland befindliche Rentenempfänger bei der von der Berufsgen offenschaft anzugebenden deutschen Behörde persönlich vorstellen. — R. St. 100. 1. Ja. 2. Durch die Rcvierpolizei. 2. Ebenda. 4. In 2 Jahren mindestetis 40; welche Lohnklaffe ist gleich.— H. G. 100. Wenden Sie sich mit Ihrem Antrag an den Magistrat.— Witz 22. 1. Die Betrievssteuer ist für den Betrieb der Gastwirtschast, Schank- wirkschaft. sowie de? Kleinhandels mit Branntwein oder Spiritus allsährllch zu entrichten. Sie betragt für die von einer Geiverbesteuer befreiten Be- triebe 10 M., für die Klasse IV 18, Klaffe III 25, Klasse II 80, Klasse I 100 M. 2. Der Gewerbesteuer unierliegen die fteheuden Gewerbe. Von der Gewerbesteuer befreit sind die Gewerbe, deren Anlage oder Be- triebskapital unter 3000 M. und deren Jahreseinkommen unter 1800 M. beträgt. Die steuerpflichttgen Gewerbe werden in 4 Klaffen geteilt. Klaffe IV umfabt die Betriebe, deren Jahrescinlommen 1800 bis unier 4000 M. betrögt oder deren Anlage- irnd Betriebskapital 3000 bis einschlicblich 30 000 Mark beträgt. Diese Klasse zahlt 4 bis 38 M. Bei Klasse III sind die rntsprechenden Zahlen: 4 b!S 20000, 30 bis 180 000, 32 bis 192, bei Klaffe II: 20 bis 80 0000, 150 000 bis 1 Million, 158-480. In Berlin werden 180 Proz. Gewerbesteuer erhoben, also wenn der Steuersatz 8 M. beträgt: 12 M. — W. R. 29. Jo; alle haste» dem Eigentümer für das Ganze, können aber gegeneinander Regreff nehmen.— Alter Abonnent, O. Schmidt. 39. V. Die Mutter mühte sich an die Gemeinde wenden, in der sie den Uuterftützuusswobnfftz erlangt hat. In der Regel ist das die Gemeinde, in welcher die Berechtigte zwei Jahre lang ohne Unterstützulig gelebt hat.— tSmuii I. 2. 1. und 2. Nein. 3. 24 Stunden. 4. Sofort mit erreichter Groffjährigkeit.— H. N. 1. Ja. 2. Nein, falls die Wohnung dem Bc- treffenden bleibt.— Alter Abonnent. 1. und 2. Wenn der Schuldner im OffenbarungZeides-Termin nicht erscheint, kann der Glönbiger einen Hastbeschl erwirken. 3. Etwa 40 Mark. 4. Ein Gerichtsvollzieher hat die Verhaftung vorzunehmen. 5. Nein. Sie können im Inventar zusetzen: etwa Vergessenes werde ich noch mitteilen.— W. W. 999. 1. Ja. 2. Nein. — H. SR. Quedlinburg. Ja. ES kaiin aber beim Ausbleiben des Be- klagten in einem Ehescheidungsprozeffe erst im zweiten Termin verhandelt werden.— A. Sch. 18. Sie müssen gegen die Äemeinde-Einkommeu- steuer-Veranlagung reklamieren. Sehen Sie aber erst das Schreiben daraushin durch, ob nicht ein Irrtum Ihrerseits vorliegt.— B. T. 100. Welche von beiden Versicherungsanstalten die ungeheuerliche Lodderei aus- geübt hat, labt sich nicht erkennen. Beschweren Sie sich über das Gebaren sowohl der Brandenburger tvie der Berlwer Anstalt beim'Reiche- Versicherungsamt.— M. H. 7. Klagen Sie beim Amisgericht aus Zahlung gegen Herausgabe der Blnfe.— C. A. Nein. C. I. Lichtenberg. Wir fühlen keinerlei Beruf, die von Ihnen begangene Unziemlichkeit in Schutz zu uehiiien. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Zterantwortniig. Tl, rekter. Mittwoch, den 9. April. Opernhaus. Der Wald.— Der Barbier von Bagdad. Anfang 7-/2 Uhr. Schauspielhaus. Das grobe Licht. Anfang 7-/, Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll). Geschloffen. Schiller. Der Mensch in der Bestie. Hierauf: Hexcnfang. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang 7V,2 Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 71/2 Uhr. Lesslug. Ueber den Wassern. Anfang 7'/i Uhr. Westen. Der Bampyr. Anfang 7-/. Uhr. Refiden». Einquarliening. Anfang 71/2 Uhr. Pienes. Goldfische. Anfang 7>/2 Uhr. SecesfionSbühn«. Detlev Lilien- cronS BnnteS Brettl. Anfang 8 Uhr. ®. v. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall»nd Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Anfang 8>/, Uhr. Ventral. DaS süsse Mädel. Anfang ?'/, Uhr. Thalia, Seine Kleine. Anfang ?»/, Uhr. Luisen. Die Jungfrau von Orleans. Ansang 7>/z Uhr. Varl Weih. Hannemann vom Viehhof und: Der kleine Cohn. Anfang 8 Uhr. Vrledrich-WilhelmsiädiischeS. Di« Grille. Anfang 7-/2 Uhr. BeNe-Allinnce. Die Danie anS Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7V, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Metropol. Die wahre Liebe ist daS nicht. Specialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. «Polio. Lyfistrata. Specialitäten- Vorstellung. A» fang 8 Uhr. Paffage< Panoptiknm. Speciali- tkieii-Vorstellnng. Palast. Tpecialitäten-Vorstellimg. Eine Nacht im Ballhaus. An- sang 8 Uhr. Easino-Thcnter. Berlin anfStelzen. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Meichshallen. Steltiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Speclaliläten- VorslcNniig. Anfang nachmittags 5 Uhr. llrania. Tandeufir. 48/10.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Juvatidenstrasje 57/02. Täglich: Stcrnwarle._ SWtt'AMtt (Wallner-Thcater). Mittwochabend 8 Uhr: Der sncu»cl> In der Beatle. Schwank in 3«Neu von Lothar Schmidt. Hieraus: Hexenftinx;. Lustspiel w 1 Aufzug von Hans Hopfen. Donnerstagabend 8 Uhr: Katlisi» der Welse. CkMal-TlMtkr. Heute, Mittwoch, abends 7l/z Uhr, zum 113. Mal: Dss Mliidel. Operette in 3 Alten von Landsberg und Stein. Musik von Reinhardt. Morgen und folgende Tage V/t Uhr: Das süsse Mädel. Sonntagnachmittag 3 Uhr, zum 209. Mal: Die Puppe. Abends 7>/2 Uhr, zum 117. Mal: Das süjse Mädel. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, 9. April, abends Uhr: Gastspiel von Emanuel Reicher. Serenissimus-Zwisclieiispiele U. 0- Urania. Tauben-Strasse 43/49. Im Theater um 8 Uhr: Frflhlingststge an der Riviera. Castans Paipticn Frledrich-Strasse 165. Zwergin ,ZL Kinde (einzig in ihrer Art auf dem Erdenrund!!) Der Boerenkrieg (Botha, DeWet, Delarey, Krüfler.)| Leliende Photographien. djglj! humor.-mutlkal. Quintett[ Kirchincyer. RlGtropol-TliGstGr Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Zum 10. Mal: Die wahre Liebe ist das nicht. Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Bildern von Horst u. Stein. bearbeitet von Julius Freund, Musik von Victor Holländer. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Morgen und die folgenden Tage: Die wahre Liebe ist das nicht. Thalia- Theater. Dresdenersirafie 72/73. Heute und folgende Tage?>/, Uhr: Seine Kleine. Gr.Ansst.-Poffc m. Ges. u.Tanz in 3 Akt. Guido Thielscher, Fritz Helmerding, Hans JNlikerniann, Herbert Paul- müller, Paula Worin a. G., Gerda Walde, LeonoreBoje.ElseWannovius. „llab'n 5le nicht den kleinen Cohn geseh'n?" Sonntagnochmittag 3 Uhr, N. Preise: Der liebe Onkel. Belle-Alllauee-Thealer. Heute zum 105. Mal: Die Iftinc ans Trmille. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Kmil Sondermann. tzerd. Worin». Mlzzl Birkner. Rosa Karton. Hieraus:„Er". Pariser Lebensbild in I Akt. Idole Hartwig a.C. Leopold Thurner a G. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Die- selbe Vorstellung. c arl Weiss-Theater. «OvofiC Frniiksiirterslr. 132. Abends 8 Uhr: §aniicH!fliiii vom Viehhos und: Ter kleine Cohn. Grobe Berliner Ausstattuiigsposs« mit Ges. in 8 Bildern von Ernst Ritterfeld. Musik von Albert Wicher. Sonnabend: Letzte Kindervorstellg., nachm. 4 Uhr: Der Rattenfänger von Hameln. Sonntagnachm. 3 Uhr. Zum 1. Mal: Gänseliesel. Kl. Preise. ParkettbvPf. Reickskallvu. TUglich: Stettiner Sänger Ansalig Wochent. 8Uhr Sonntags 7 Uhr. ipollo- Theater. Anfang 8 Uhrl: Um 9 Uhr: Um 9 Uhr: Lysd Sit rata Ausstattungs- Operette von Paul Lincke mit dem Luftballett „Orlgolatls". Femer: Elsa Mlalta und 8 erstkl. Specialitäten. Kzsseneröffnung 7 Uhr. Casino- Theater Lothringerstr. 37. Gastspiel Antonie Agoston in „Berlin iiii[ Stelzen" k. Urkomisch! Sensationell! Sonntagnachm. 4 Uhr:„Mutter- fege»-'. Anfang Wochent. 8, Sonnta gS 71/2 Uhr. Dalast-Theater (früher Feen-Palast) Biirgstr. 22. �Direktion R. Winkler 11. W. Frübel Das RJessn-Aprll- Programm! C a e 1 1 c h OastRplele von Schlagern I. Ranges. SV, Uhr 81/2 Uhr Der große Lacherfolg! im Nacht im Ballhaus. Schwank in 4 Akten von Kneilel. Hänfling, Küster: Dir. Ricb.Winkier. lies,»aei-as, einzig dastehend. Anaftl. Zinn 1. Male in Berlin. Ada Mareen:„Im Boudoir". A mor, Gcsan gs- u.Tanz-Terzett EmmcUnc Höchberg, Soubretten-Diva. Aufnng präcise H llhr. jAM- Eiitree 3« Pf."-VE Passage-Tlieater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Emilie Carola, preisgekrönte Wiener Schönheit. Hugo Mödlinger, der originelle Humorist mit seinem Sehlager: Mit der Hand, mit dem Daumen und vier Fingern an der Zahl. 16 neue erstkl. Nuramern! I W. Noaclis Theater. Brnnnenstrasse in Eine Tochter des Südens. Schauspiel in 8 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Donnerstag: Der HilttenbesitEcr. �ansiSoiBci Koltbnseratr. 4 a, Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: Hulkmaii»» Norddeutsche SSM Xen! Ken! Der Kesselflicker. Charakterbild mit Gesang. Nach jeder Soiree: Xuiizkriinzcben. Wochentags BereinsbilletS gültig und Tanz frei._ irk Mittwoch, 9. April, abends 7»/, Uhr: Klondike. Orig.-Pantomime des CirkuS Busch. Die Prinz Heinrich-Fahrtnach Amerika. m Grosse Fänge! Seefische Mg! Schellfische in allen Grössen•. 20—30 Pf. pro Pfd. ..(zum Kochen und Braten MM CAD HO«ehr� empfehlen) ohne Pf... taiausiwu jj0pf und im Anschnitt Seelachs 20 PI., im Anschnitt 25—27 PI.»» Bratflundern(8 Pfd. 55 Pf.) 20 Pf.„„ Rotzungen 35-40 Pf., Schollen 40 Pf., Steinbutten, Seezungen ebenfalls bimg! 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Sonntag, den 13. d. M., abends 7r/, Uhr, im GewerksthaftshauS, Saal III: Gemütliches Beisammen- sein mit Damen. Isivlb Fritz Preuss BelleallianceBtrasse 74a, Ecke Bergiuannstrasse. einpstchlt Freunden und Bekannten sein Restaurant in der Nähe deS Bc- zirkslommaudoS. 3875!dr teppdecken v rf® lauft mau am ��befteu utib[)i(ü(]fteii nur direkt in der Fabrik II. 8trohiiiai»/, Butter, V» Honig M. S,3o. Mes franco. 1807b J. Ii. Scbneler, Buczacz No 8, 3 Säle Sonnabends und Sonntags im April frei. 3SülU« Alcxanderftr. 27e. Zähne M. Ä an beliebige Teilzahlung. f« Olga Jacobson, 145 Jnvalidenstr, Möbel. Bürgerliche Wohnungseinrichtungen tn guter Ausführung zu bill. Preisen. Auch Teilzahlung, 3S30A Iv-j Lolldsbergerstroßt IVZ. vsrdjnen, korüeren. Tisehdecken, Divandecken, Läuferzeugen, �teppdecken ----- enorm billig.----- S. Abraham, Spandantr. 36/39 — am Molkenmarkt.— Todes-Nachrlcht. Sonntag, den 6. April, morgens 8-/- Uhr, entschlief nach kurzem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater und Sohn, der Buchdrucker Ernst Hörte im Alter von 43 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. April, nochmittogs 6 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Zchlendorf ouS statt. 65/10 Am Sonntag, den 6. April er., starb nach kurzer Krankheit unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Ernst Möa»ke im Alter von 43 Jahren. Sein ehrenhafter, kollegialer Charakter sicher» auch ihm ein bleibendes Andenken bei den Kollegen der Rordd. Buchdrnckcrci. Typograplila. Am Sonntag, den 6. April, der- schied nnverhofft nnscr lieber Sanges- brnder und Kollege Ernst Hörte. Ei» bleibendes Andenken ist ihm bei den Mitgliedern gesichert. Zohlreiche Beleiligniig bei der Be- erdigung erwartet 65/9 Der Borstand. ■ Treffpunkt 5 Uhr Waunsee-Bahnhof. Allgemeine Kranken- n. Sterbe- kafse der Drechsler lt. der. Berufsg. E. H. 86. Hninbnrg. Verwallungsstelis Berlin B. Am 6. d. M. verstarb nach langer Krankheit uiiscr Mitglied 287/1? Fanl Lehmann. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 10. d. M., nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Rixdorfer Friedhofs tRudowerstrossc) aus statt. I. A,: Der Bevollmächtigte. DeutsAn Doliarbtttn-Vertliiid. Den Mitglieder» zur Nachricht, dass der Kollege, Siockarbcitcr 81/18 Psnl Lehmann am 6. Avril verstorben ist, Die Beerdigung findet am Don- »erstogiiachiuittog um 4 Uhr von der Leichenhalle des Rixdorfer Kirchhofs. Rudoivcrstrabe, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht IMc OrtavcrwaUnnR. Tockes-Anzelge. Am 7. April entschlies saust nach furzen, aber schweren Leiden uusre innigsigeliebte Tochter fölsr»!«. Die Beerdigung findet am DonnerS' tag, den 10. April, nachmittags 4 Uhr ans dem St. Andrcaskirchhof tu Wil- Helmsberg statt. Uni stilles Beileid bittend zeigen wir dies allen Herren Kollegen, Freunden und Bekannten hierdurch an. 4,onls Henning, Rcndant, nebst Frau. Allen Verwandten, Freunden und Belauitten die traurige Nachricht, dass meine liebe Frau Mathilde Bohr geb. Rank am Montag früh 4 Ubr plötzlich am Herzschlag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag,»achiniltags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS EmnianS-Friedhofes aus statt. 38840 Um stilles Beileid bittet Eduard Bohr, Reichenbergerstr. 107. Zu kaufen gesucht 1„Xcuc Zelt" 1898/09 gut erhalten.• Bnchhandlnng Vorwärts. » Metallarbeiter! Am Mittwoch, den S. April 1902, abends 8'/- Uhr: 2 öffentl. MetallarbeiSer-Uersammlnngen. Für den Norden:! Für deu Osten: im 8«k«l.Lolbcrgcr Zaio»".«nznWe 21. lim«Jini„Lönigsbank". 8t«S(«mifiartetflr. 117. Tages-Ordnung in beiden Versammlungen: „Der Streik bei.Alfaimim und die neueste Heldenthat der Kiihnemättner". Zahlreiche» Besuch erwartet sll Z/Iis_$«(giuberufer: Collen, mm iwaurer. asr Mittwoch, 9. April, abends 8v- Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: Ach öfeiitüde MliUtl-Verslüiiinliiilg. TageS-Orbnungl Welche Stellung gedenken die Maurer Berlins und der Vororte gegenüber den jetzt vorhandenen Mißständen ans den Bauten einzunehmen? Ctnlfo.iött Srt tt» St�Fav<>7? � od..v.....m.......«.. __ Kollegen, da in dieser Versammlung event. Beschlüsse es eines jeden Pflicht, in dieser Versanimlung zu erscheinen. Ceiltl'lillierlilllii! iier 1(inm* u. 3 öffentliche Versammlungen mit Franen. Für ScKo»iel»vi*g nm Mittwoch, de» S. April, abends gVs Uhr. im Klubhaus, Hanptstr. S/6. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Nawrheilkundigen Herrn über:„Zügelloser Kapitalismus, sociales Elend und als Folge Krankheit." L. Dislnsfion. 3. Verschiedenes. Für ani Sonntag, den 13. April, nachmittags 6 Uhr, im Lokal des Herrn Heinrich, Biüchcrstr. 61. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frl. Altmanu über:„Im Wechsel der Zeiten." 2. Diskussion. Nachdem:«emtttUcIic» Uelsammensein, verbunden mit ymuoristischcn Vorträge» und Tanz. Wir ersuchen um zahlreichen Besuch. 1Zg/1 __ I. A.: K. Pariser. von weittragender Bedeutung gefaßt werden, ist I. A.: Jiillas Öehl. Krankenkasse der Maler Filiale I. 17.(E. H. 71.) V vi'jsamRlrirmK' am Freitag, den II. April, abends S Uhr, im Kassenlokal. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Kassenangelegenheiten. 12Z/2 Die Verwaltung. Bereiuszimmer, Restauration. Kaufeldt, Markusstraße 47.__ 1700Ö* Dr. Simme), Prinzenstr. 41. Specialarzt für 17/13* Hanl- rand Hurnleldcii. 10-2, 6-7. Sonntags 10-12, 2-4. 30 Rfiark hochfeine Tomuierpaletots. SO Mark hochelegante Herreuanzüge. IS Mark hochelegante Beinkleider. Anfertigung»ur nach Mass. � � Guter Stoff, tadelloser Sitz. 137901,* jür halbe und ganze Tage. Zu er- ■m m r ej. I* m fragen bel Rudolf Hartcflel. 14 Krauftkltslraffr 14, Mühlenstraße 67 a. 37S1L� 1 Dr., Tel.-Anit I Nr. 3708. I Tr.>»»--»««W»»».»»»»»»»»»»»«, VöibDil SA M-, Land-, Hilfsarlielter und-Arbeiterinnen Dentsciiiands (Zahlstelle Berlin.) Am TonucrStag, den 1«. April, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn B. Naabe, Kolbergerstr. SS: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollege» Brnns über:„Arbeitslosen-Unterstützung". 2. Diskussion. 3. Wahl des Delegierten zum Gewerkschaftskongreß. 4. Ver- bandsangelegcnheiten und Verschiedenes. 64/7 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist ein zahlreiches Er- scheinen der Mitglieder notwendig. Die Ortsverwaltung. Vereins». Gesellschaften Reisszeuge und einzelne Teile derselben findet man nur in ganz vorzüglicher Auswahl, gediegener Ausführung und zu billigsten Preisen in dem Special■Geschäft für Präclsions-Optlk von Carl Iilnist Itiek, rnh. Carl Buttendorff, Berlin K.. Weinbergsweg 15b, zweites Geschäft vom Rosenthaler Thor allgemeine Versammlung der blillgwerblilhe« Arbeiter Derliils statt.(Bauarbeiter, Dachdecker, Glaser, Einsetzer, Maler. Maurer. Zimnierer, Stuccateure, Töpfer und Steinbildhauer.) Es wird ge- beten, daß die Organisationen an diesem Tage keine Versammlungen abhalten. Wir bitten diese Versammlung zahlreich von obengenannten Personen zu besuchen. 124/7 Im Auftrage: v. I-inIr, Engel-Ufer IS.' Wer ein Cigarren-Ciesebüft crUflhcn will, w ende sich ssnvor an Adolf Adler, Belforterstrassc 25. Verkauf nnr an Clgarren-Hündler und Grossisten.[2381L* Bitte genaueuf Firma u. Hau3nummerl5b achten. Reisszcuge f. Schüler z. M. 1,25, 2,00, 3,00, 4,00 bis 8,00, für Techniker z, M. 5,00, 6,00, 8,00, 10,00, 12,00, 15,00, 20,00 bis 40,00. Kostenlose Untersuchung der Augen und genaues Anpassen der Brillen oder Pincenez nach Kopf- oder Nasenform.— Brillen v. M. 1,00, PlncencsE von M. 1,25 an. Uolks Nersammlnng im 5. Berlim ReiMMMreise am MittMjs, heil 10. April, n Njr kbeM, in Lipps Brauerei(Friedrichshain). TageS-Ordnung: 1. Die politische und ökononiische Entwickelung Deutschlands im 19. Jahrhundert. Referent: Genosse Rcichstags-Abgeordnetcr August Eedsl. 2. Diskussion. 3. Oeffentliche Partci-Angelegenheiten. 45/6 Zahlreichen Besuch erwarten Ble Vcrtrauenslentc. Holzarbeiter! Mittwoch, den 9. April, vormittags 10 Uhr, im grostc» Saal des GewerkschaftShanfeS, Engel-Ufer 13: Yersamiiilung der arbeitslosen Holzarbeiter SV sämtlicher Branchen."VA Tages-Ordnung: Was vezwelkc» die Tischlermeisier und HolzindnstrieNcn Berlins mit dem neuerrichtetc» Arbeitsnachweis? Kollegen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung muß jeden Arbeitslosen verpflichten, in dieser Versammlung zu erscheinen. 81/19 Der Einberufer: H. Maass. Central-V erband der Handluflgsgebilfen und-Sohilfiiineii Bentschlands.—(Bezirk Berlin.) Mittwoch, 9. April, abends 9 Uhr, in den„Rrminhallcn", Kommandanteiistr. 29: ISP" ¥erisamnilnng,'�i imifmäniilfdit Zortdllduiigs- Schule hnuiis! Referent Kollege Anl. Kallski, Gäste, Damm und Herren, sind willkommen- 1770b Der Bevollmächtigte: W. Frledländor, Elsasserstr. 25, II. Ktmarbetterschutz. Am TienStag, den 15. d. Mts., abends Punkt 8 Uhr, findet im GewerkschaftShauS eine Jedes Mir Wort: Hr Wort fett. I y 16 BucStsicbe 3 Pfennig. _ Nur das ersli Wort fett, Worte mit mehr als /iucSistaöen zählen doppell. fCIeln© ßnzeigen. � in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr att genommen, iste � rden M lin M Verkäufe. Koloniallnaren, Obst-, Gcmüse- gefchäst billig verkäuflich. Näheres Friedenau, Räuncbergstrnße 7, Rn d ot 00 Waldparzellc», nahe am Se?, hnndertjähriger Hochwald, Quadrat- rnte 12 Mark, verkaust bei kleiner Anzahlung Pflaumbaum, Henusdorf, Lindenstraße 15. 1101K* OlardineiihausWroßeFranksiirlcr- strabe 9, parterre. 137* Vorjährige elegante Herren-Anzüge und Sommerpaletots aus feinsten Stoffen 25— 49 Mark. Verkauf Soii»- abend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 2t, II. Nähmaschine», ohne Anzahlung, Wache 1,99, Lieferung nach allen Stadtteilen sofort. Postkarte genügt. Landsbergerstraße„82". Köpnicker- strabe 69/61. 189' Pianiiio, Schwerfiten, wenig gebraucht, sofort, billig verkäuflich. 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Gebrüder Altenbergs Färberei, Neu-Weißensee, LanghansstraßeA_ 1127* Lilempner-Lehrlwg verlangt Lehr- terstraße 41. 1782b* Schriftmaler verlangt Niederwall- straße 15._ 18126 Geübte Kammmacher finde» dauernde Arbeit auf feinen Celluloid- Haarschmuck bei hohem Lohn. Sofort verlnngt. Näheres bei Fritz Dauziger, Alerandrwenstraße 22 a, abends zwischen 5-7�_ 17986 Ciseleurlehrling verlangt Gozdziewski, Stallschreibnstraße 57, Onergebäude IV._ 17976 Geübte Kreisraspler verlangt Stock- fabrik Niiterstraße 59._ 17956 El» Diirchliäher, der mit zwickt, außerm Hause verlangt. Piinier, An der Stadtbahn 41. Farbigmacher finden daneriide und lohnende Beschäftigung. Gold- leistensabrik B. Groß, Leipzig-Re»d»itz Obere Münsterstrahe 1—3. 1195S» Mamsells aus Staubpaletots, die sauber steppen, verlangt Schulze, Görlitzersiraße 41. 1899b* Mädchenjackett-Arbetterwiieil ver- langt Schmidt, Prinz Eugenstraße 16. Schneiderin sucht Beschäftigimg im, außerm Hause. E. Kroll, Schleier- macherstraße 14, Hof parlerre. 1799b Arbeiterin. bessere Knaben- Jacken-, Blusen-, ReverS-Anzüge, auch Lehrmädrficil. Weser, Usedoinsttaße 7, Quergebäude III._ 18106 Tüchtige Bliiseilarbcilerw verlangt Mond, Strelitzerstraße 62, Quer- gebäude I_ 1140 Geübte Blusenarbeiterw im Hause. Bogt, Weidemveg 14 III._ 1102 Mamsells auf Jacketts verlangt Bruch, Brunueilsttaße 139, 2 Treppen links. 17546* Maschinennäherinneu im Hause Schröder, Pankow, Kaiser Friedrich- straße 67. 17466» Kartonarbeitcrin, geübte, sucht Anders Nachfolger, Adalbertstraß« 7. Im ArbeitSmarkt durch besonderen Drink hervorgehoben« Anzeige» kosten 40 Ps. pro Zeil« Es wird nicrter ein fähiger und routi- Werkführer für eine Leisten- und Rahmenfabrik in Galizieu gesucht. Offerten unter P. 3 an die Expedition dieses Blattes. 1788b* Mige ScIlriMer suchen Otto Grnnd& Co., Firmenschilder-Fabrik, Wassergasse 3. Achtung! Achtung! Modelltischler! Von der Union, Elcktricltttts- Gescllschaft, Moabit, sowie von der Finna Undwlg I.Uwe, Maschinenba», Eckert, Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen. Friedrichsberg. und Bchcepp, Berliner Modcllfabrik. Kastanien, Allee, dachnunm, Eiseugiessere», verlängerte Huttenstraße, sind(Sinti liche Modelltischler ausgesperrt. Den Modelltischlereien Knrzhol», Oranienstr. 25, Oletrlcli, Chansseestrabe 52, und Garbe, Walserthov- straße 39, Adnn, Be>-1, Gormanu- straße 24, sind Austräge aus der „Union" zugegangen. Zuzug ferulialteu! AAliiig!Wtilt!iallitt,Holz- utlh Mslsjinttillrbtittt! In der Kistenfabrik von I-enike, Lindenstraße, haben die Kollegen wegen Maßregelung des Vertraueusman>,eS die Arbeit niedergelegt. 193/11 Zuzug fern zu halte». vlo Lohnkommission. Verantwortlich» Redacteur: Carl Leid w Berlin. Für deu Jnserateuteil verautwortlich: Th.«locke m Berli». Druck und Verlag vou Mar Babing w B-rlw.