Nr. 85. Adoimements- Bedingungen: SbonnemenlS-Prei» prSmimerando: yierteljährl- 330 Me, monatl. I.WMe. wöchentlich 28 Psz. frei int Haus. Siiuelne Nummer b Pfg. Sonntags- Nummer mir illnNrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Singetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1V02 unter Et. 7S78. Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Sr scheint täglich«uster Montag«. W! Vevlinev VolKsblakk. Die Insertions-GMyr beträgt für die sechsgcspaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gcwerks chastliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Anfeilten" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in dcrExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormttlags gcössnu. Telegramm- Adresser „Sorialdemostrat V erlitt" C�ntvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Nvdalltion: 3�. 19, Veukh- Strafe 2. Ferusprecher: Slmt I Nr. 1508. Sonnabend, den 1£. April 1002. Expedition: SW. 19, Veuth-Stvake 3. Fernsprecher! Slmt I, Nr. 5181. Gniktung. Im Monat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Anch bei Metz, A. Sch. 20,—. Mona, durch den Vertrauens- nimm H. Th. 2000,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Kreis 200,—(darunter Ueberschutz vom„Wahren Jacob" durch Schröder 3,—. Ueberschutz vom Apfelsiiienfest der Pcmialgrupbe 6,—, fauler Budiker, Hasenheide 5,—, Ueberschuh von 30Osterzcitungen durch Kallies 1.S0.> t. Kreis Südost 1000,—(darunter Neumann u. Vonar, Lausitz« Platz 20,—, Polierpatten von Spinn 5,—, Maskenball vom Klub der Harmlosen 6,—, Ueberschutz der Kranzspende vom 18. März von den Arbeitern der Firma Beermann 17,45). 4. Kreis, Ost 1000, (darunter Genossen des 100. Stadtbezirks 8,—, Kranzüberschusz der Arbeiter von Hülsebeck u. Kroll 0,70, Bau- und Erdarbeiter ö,—, Tischlerei Fischer, Wcidenlveg 20,—, Kranzüberschub von den Arbeitern der Firma Pintsch 19,45, Referat von G. Bernhard 0,—). 5. Kreis 150,—. 0. Kreis, Schönhauser Vorstadt 700,—(darunter R. M. 2,—, A. B. Mister 1,—, alter Parteigenosse Schönhauser Allee 10,—, Einsegnung Engel 1,—, Restaurant Schönhauser Allee 50 1,30). Berlin, diverse Beiträge: R. K. 50,—. R., für gelesene Korrekturen 4,—. Ein Wnrzclnagetier 5,—. Von den Arbeitern der Möbelfabrik I. Groschkns 8,05. Vortrag bei den Posamentierern, überlvicsen von Bernhard 5,—. Für einen Vortrag in Oranienburg durch Hase 0,—. Dr. L. A. 50,—. Fabrik Bechstein, Grünauer- und Johannisstr., Uebersch. von der Kranzspende für die Märzgefallenen 31,20. Eigarreufabrik R. Schulze, Friedrichsfelderstr. 21, 11,—. Von den Kollegen der Firma R. Krüger austcr einigen 8,70. Uebersch. der Kranzspende am 18. März von den organisierten Arbeitern der Schullheiß-Brauerei, Abt. II, 3,—. Uebersch. der Kranzspende für die Märzgefallenen von den Arbeitern der Möbelfabrik von GroschkuS 4,90. Sch— r, von der Heydtstr., 10,—. Kranzübersch. von den Arbeitern der Wcrkzeug-Fabrik R. Weber u. Co., Groste Frank- furterftraste, 0,55. Bortrag dcS Rechtsanwalts Fr. im Verband der Graveure und Ciseleure 0,—. Kontobuch-Arbeiter vom Wedding 5,—. Märzkranzüberschub von den Arbeitern der Firma A. Borsig, Tegel, 152,95. Für einen Vortrag von Bernhard bei den Bureau-Ängestcllten 0.—. A. V. 50,-. P. S. 50.—. A. G.. „Lorwärts"-Honorar 5,40. Arbeiter der Neuen Berl. Genossenschafts Bäckerei 24,—. Jule, Ltitterstr. 85, 1. Quartal 19,90. Musik von „Norden", Husfitenstr. 40, durch H. Münder 3,—. Onkel 10,—. Bleisteg I,—. Ueberschutz der Kranzspende Magnalia, Dorkstr. 59, 5,—. Jahresbeitrag für 1902 von M. G. 12,—. G. R. 3,—. I. M. 2.—. Ueberschnß der Kranzspende von den Arbeitern der Firma Fritz Werner 8,—. Ueberschnß vom Märzkranz von den Arveitcrn der Firma Butzke u. Co. 8,55. W., den 17./3. 2,50. Mitglieder der U.-Dr. 3,35. Von 2 Mitgliedern der Gelverschaft der Buchdrucker im „Vorivärs" 5,—. Von den Mitgliedern des Verbandes deutscher Buchdrucker im„Vorwärts" 120,—.„Grand Schivarz" 5,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Buckibinderei von Babing 10,—. St. 50,- Breslau, socialdemokratischer Verein 50,—. Buxtehude, von den Alten durch Weber 3,—. Bern 50.—. Bremen, von den Partei genossen 300,—. Chemnitz, 10. sächsischer Wahlkreis 500,—. Crimmitschau 150,—(darunter Doppclschafkvpf 0,50. d. A. C. 10,—, G. 1.—). Dresden- N., socialdemokratischer Verein, 4. sächsischer Reichstags-Wahlkreis 400,—. Dresden, Merker 5,—. Elsterberg, von einer Revision durch R. 4,—. Falkenberg(Oberschlesien) 2,—. Frankenberg i. S.. von den Sortierern und Cigarren- arbeitern der Tabakarbeitcr- Genossenschaft(Filiale Franlenberg) 150,—. Frankfurt a. M., durch den Vertrauensmann 500,—. Gießen, E. K.. 1. Quartal 1902 30,—. Gotha, durch den Ver- traueuSmami 30,—. Haniburg, vom Sängerbund Hamburg- Altona und Umgcg., 1. Rate, durch den 1. Vors. E. N. in Barmbeck 500,— Hastedt bei Bremen, von Parteigenossen 10.—. Hamburg. 2. Wahl- kreis 2000,—. Hartha, ein Teil des Ueberschusscs der Reichstags wähl im 10. sächsischen Reichstags- Wahlkreis 100,—. Hohenstein Ernstthal, Volksverein, 1. Quartal 1902 5.—. Hamburg, im Monat März in der Expedition des„Echo" eingegangen 112,85. Hannover 1000,—. Jena. 1. Vierteljahr 1902 30,—. Königsberg i. Pr. Parleibeitrag der Genossen 100,—. Lößnitz, Kindtaufe im Schützenhaus 4,—. München, Waldläufer 5,—. Merane, von den Parteigenossen im 17. sächsischen Wahlkreis 25,—. Nürnberg-Altdorf, socialdcmokr. Verein 20,—. Nürnberg. Marcel 2,—, Oberlangeubielau i. Schl., von den Arbeitern aus deni Eulengcbirge 100,—. Oelsnitz i. V., vom Arbeiterverein 50,—. Offenbarb a. M., voni Landeskomitce des Großherzogtums Hessen 700,—. Piragen, A. P,, Qnartalsbeitr. 1.30. Reichcnbach i. Schl., v. sociald. Wahlv. 5.—. Nixdorf, ges. Thomasstr. 1,—. Straßbnrg i. E., Allvater 5,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Stuttgart, H. L. 6,—. Stettin, Wahlkreis 300,—. Solingen, durch den Kreisvertranensmann vom Volks- verein Ohligs, Filiale Merscheid 25,—, desgl. Höhscheid 10,—, desgl. Solingen 10,—, Sa. 45,—. St. Tönis, W. T. 23,15. Billingen, zwei bußfertige Parteigenossen 2,—. Württemberg 100,—. Berlin, den 10. April 1902. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Kreuzbergstr. 30. Die Kämpfe in Belgien. Die Lage in Belgien hat im Laufe des gestrigen Tage? noch einen viel ernsteren Charakter angenommen. In der Hauptstadt des Landes ist es im Lause des gestrigen Abends und der Nacht zu wahren Straßcnkämpfen gekommen: Barrikaden sind errichtet, Schüsse gewechselt und förmliche Schlachten geliefert worden, bei denen es mehrere Tote und eine ganze Anzahl von Verwundeten gegeben hat. Am Morgen ist lvieder Ruhe eingetreten, allein es ist kaum daran zu zweifeln, daß sich am heutigen Abend die Straßenscenen, vielleicht sogar in noch ernsterer Form, wiederholen werden, falls nicht die Regierung ihre provozierende Haltung auf- giebt. Der Bürgermeister von Brüssel hat alle„Zu- s a m m e n r o t t u n g c n d. h. alle Straßendemonstrationen ver- boten. Da sich aber' das sein Wahlrecht heischende Volk schwerlich ab- halten lassen wird, durch erneute Umzüge dem trotzende», auf die Macht derBajonctte pochenden Klcrikalismus seinen unbeugsame» Willen kuiidznthun, werden erneute Zusammenstöße unvernieidlich sein. Hoffentlich begreifen die klerikalen Machthaber, daß das frivole Blutvergießen unabsehbare Folgen haben kann, um noch rechtzeitig der Schneidigkeit der Polizei Zügel anzulegen. Denn wenn das Volk, das bis jetzt nur den Polizeiattacken Widerstand entgegen setzte, erst soweit getrieben würde, seine ganze Kraft zu entfalten und durch Barrikadenscylachten sein Wahlrecht zu erkämpfen, so dürfte die Polizeimacht schwerlich ausreichen, der Bewegung Herr zu werden. Ob aber in diesem äußersten Fall die Truppen bereit wären, auf Vater und Mutter zu schießen, das ist noch sehr fraglich. Wohl aber wäre es möglich, daß ein Teil der von den klerikalen Volksuntcrdrückern aufgebotenen bewaffneten Macht mit dem niederzukartätschenden„inneren Feind" fraternisierte. Es scheint denn auch, als ob es das bis jetzt aufgebotene Militär im Gegensatz zu der schießfertigen Polizeimacht vermieden habe, seine Brüder zu attackieren. Nur diese Zurückhaltung der Truppen erklärt es, daß die Manifestanten der Provinz, gegen die zur Unterstützung bereits unterlegener Gendarmerie Kavallerie geführt ivurde, sich mit Hochrufen auf die Republik und— die Armee zerstreuten. Die Truppen andrer Staaten würden sich einer solchen Situation gegenüber die Gelegenheit zum Einhanen schwerlich haben entgehen lassen. Unsre„Germania" hofft allerdings, daß es der brutalen Gewalt Politik der Regierung gelinge, die Wahlrechisbcwcgung blutig zu ersticken, selbst wenn Unschuldige mit den„Schuldigen" büßen müßten. Das ultramontane Blatt lebt auch der Zuversicht, daß dann die Klerikalen die Revision der Verfassung verwerfen könnten, daß also das traurige Regiment der Volksverdnmmer und Volksaiksbeuter auf absehbare Zeit gesichert sei. Sie behauptet, daß die„öffentliche Meinung" gegen die„Unruhen" sei, und daß alle„ordnungsliebenden Männer" es der Regierung danken würden, wenn sie die unruhcsliftenden„In- dividuen" blutig niederzwänge. Das führende deutsche Centrnmsblatt befindet sich da in einem hol.den Wahne. Wenn die Mehrheit dcS belgischen Volkes auf der Seite des Klerikalismus stünde, so könnten die reaktionären Wahlrechtscigner ja getrost das geforderte gleiche Wahlrecht bewilligen. Aber gerade, iveil der Klerikalismus nur zu gut weiß, daß er nur dem Pluralsystem seine Herrschaft dankt, wehrt er sich ja so heftig gegen die Vcrfassnngsrcvision. Es ist deshalb auch eine liberale Illusion, wenn der Links Liberale L o r a n d jetzt, wie die„Franks. Ztg." mitteilt, der Masse abrät, ihre Demonstrationen fortzusetzen, und dafür eintritt, daß das Parlament aufgelöst und ein Plebiscit über die Forderung des gleich e n Wahlrechts veranstaltet tverde. Die Regierung denkt nicht daran, das Parlament aufzulösen. Und selbst tvenn sie es thäte: würden die unter dem heutigen P l u r a l s y st e m zustande gekommenen Neuivahlen den Wahlrechtsfreunden das Heft in die Hand geben? Es ist auch thöricht, gleich Lorand darüber zu spintisieren, ob das Volk, da es sich jetzt nicht um die Abwendung einer reaktiv- n ä r e n W a h l v e r s ch l e ch t e r n n g, sondern um die Erringnng eines demokratischen Wahlsystems handelt, das Recht hat, aggressiv vorzugehen. Das Volk hat kraft des demokratischen PrincipS das Recht, das gleiche Wahlrecht zu verlangen. UeberdieS hat es anch gar nicht nötig, zur Offensive überzugehen. Es bc- ansprncht lediglich das Recht der Demonstrations- fre ih eit. Sucht man ihm diese gesetzwidrig zu rauben, so handelt es mir in der Defensive, wenn es sich gegen Polizei-Attacken zur Wehr setzt. � Barrikadenkampf in Brüssel. Brüssel, 11. April.(W. T. B.) Nach der Versammlung vor dem Volkshause durchzogen g e st e r n abend große Scharen die Stadt nach allen Richtungen hin. Ein Trupp, welcher in den Vorort Schaerbeek zu gelangen suchte, ivurde von der Bürgergarde mit gefälltem Bajonett daran gehindert. Auf der Place Rouppe fand ein Zusammenstoß der Menge mit der Polizei statt, wobei mehrere Reuolverschüsse ge- wechselt und einige Verhaftungen vorgenommen wurden. Auch bei der Avenue Louise kam es zu Thätlichkeiten, wobei mehrere Personen Verletzungen erlitten. Die Polizei trieb die Menge auseinander, welche sich vor der Synagoge wieder sammelte' und abermals zerstreut wurde. An vielen Häusern im Ceiitruni der Stadt, unter andern» am Palast des Senators Grafen Merode, wurden sänitliche Scheibe» zertrümmert. Besonders heftig lvar ein Zusamnienstoß in der Rue des Minimes in der Nähe deS Bolkshauses und vor demselben, wo von beiden Seiten niehr als 100 Schüsse fielen und die Menge und Polizei handgemein w u r d e n. Ueber 30 Vertvundcte, unter ihnen Frauen und Kinder, wurden in dem in ein Lazarett umgewandelten Volkshanse unter- gebracht, andre wurden in Krankenhäuser oder auf die Polizei- bureans geschafft. Als die Menge die Straße zu ver- barrika'dieren suchte. machte die Gendarmerie vom Bajonett Gebrauch, wobei sie mit S t e i n w ü r f e n empfangen wurde. Um Mitternacht schien das Stadtviertel, in welchem das Bolkshaus liegt, in voller Revolution zu sein. Man hatte dort die Schienen der Straßenbahn losgelöst und eine Barrikade vor dem Volkshause errichtet. Nach wiederholten Bc- inühungen gelang eS der Polizei, die Straßen und das Volkshans. in welches sich viele geflüchtet hatten, zu säubern. Um 1 Uhr früh schien die Ruhe wiederhergestellt zu sein. Brüffel, 10. April.(K. P. B.). Die ganze Nacht hindurch dauerten in Brüssel selbst die Zusammenstöße mit Polizei und Gen- darmerie fort. Vor dem Volkshause hatten spät abends die o c i a l d e ni o k r a t i s ch e n Abgeordneten in einem großen Meeting unter freiem Himmel die Bevölkerung dringend ur Ruhe ermahnt und aufgefordert, sich jeder Provokation zu enthalten und Znsammenstöße mit der Polizei und Gendarmerie, mehr noch mit den Truppen, möglichst zu verniciden, und ebenso die neutrale Zone, bekanntlich diejenige, in welcher das Palais des Königs und die Ministerien sowie Parlament und Senat liegen, zu meiden. Nach Schluß des Meetings bildeten sich fünf g r o ß e Z ü g e. welche sich in ver- schiedenen Richtungen durch die Stadt in Bewegung setzten, überall zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts manifestierend. Bald bildeten sich kleinere Trupps, die Hochrufe auf die Republik ausbrachten und deren Demonstrationen einen lärmenderen Charakter annahnien. Die Polizei, stets von Gendarmerie unterstützt, griff jedes- mal ein, sperrte die betreffenden Straßen und versuchte, die ihr entgegenkommenden Manifestantenzüge zu sprengen. In vielen Fällen wurden auf beiden Seiten R e v o I v e r s ch ü s s e ausgetauscht, und eine große Anzahl von Verwundungen war die Folge. Die Polizei ging von vornherein rücksichtslos vor und versuchte überall die ihr bekannteste» Männer in den resp. Zügen z» verhaften, was die Volksmenge ihrerseits ebenso energisch zu verhindern versuchte. Trotzdem wurden viele Verhaftete eingeliefert. Sehr bald drangen die Main- festanten auch in die neutrale Zone der oberen Stadt ein i in der Rne Royale und deren Nebenstraßen und Plätzen kam es schließlich zu den lebhaftesten Kämpfen. Der Palast des Königs und das Parlament waren indessen in weitem Kreise abgesperrt, und samt- liche Zugänge zu denselben durch �Bürgcrgarden besetzt.— Nach vorläufigen Feststellungen sind 60 schwere Ver- w n n d u n g e n bei den heutigen Unruhen vorgekommen. Ein P o l i z i st und z w e i S o c i a l i st e n sind ihren Wunde» erlegen. Die gesamte Garnison ist konsigniert. Brüssel, 11. April.(W. T. B.) Zur Verstärkung der hiesigen Besatzung sind zwei Bataillone Infanterie, eine Compaguie Genietruppen und ein Regiment Kavallerie ein- gerückt. In jeder Kaserne ist ein Bataillon kousigniert. Die Truppen erhielten 2 Pakete scharfe und 2 Pakete Platzpatronen. Auch die Gendarmerie ist verstärkt worden. Die gesamte B ü r g e r g a r d e ist ziisammengernfen worden und hat die strengsten Weisungen zur Unterdrückung der Ruhestörungen erhalten.—' Zusmnmcnstöße in der Provinz. Brüssel, 11. April.(W. T. B.) In B r a c q u e g n i e S(V a s s i n du C e n t r e) kam es heute früh zu einem heftigen Zu- s.aminenstoß zwischen mehreren Tausend A u s ständijgen und Ge.ndarmen. Elftere schleuderten Steine gegen die Geiidarmen, welche mit Revolverschüsseu antworteten. Es kam zu einem vollständigen Gefecht; die Gendarmen mußten sich zurückziehe n. Eine Eskadron L a n c i e r s eilte zu ihrer Hilfe herbei und zerstreute die Ausständigen, welche unter Hoch- rufen auf die Armee und das allgemeine Stimmrecht den Platz räumten. Lüttich, 10. April.(W. T. B.) Heute abend fand eine große s o c i a l i st i s ch e Kundgebung statt. Große Menschenmengen durchzogen die Straßen und veranstalteten unter freiem Himmel Bcrsainmluugen» bei welchen Reden gehalten und der a l l g e in eine Ausstand für nächsten Dienstag augeraten wurde. Die Polizei, welche einschritt, wurde mit Steintvürfen empfangen. Bei dem jusanimenstoß wurden zwei Polizisten und mehrere Teilnehmer an er Kundgebung verwundet. St. Nicolas, 11. April.(W. T. B.) Etwa tausend Personen zogen gestern abend durch die Straßen der Stadt, um sich nach einem socialistischen VersammlimgSlolal zu begeben. Die ~ e ii d a r in e r i e zerstreute die Menge n n d nahm mehrere Verhaftungen vor. AnStvcisungcn von Anöländcrn. In V e r v i e r S verfügte die Polizei die Ausweisung von 3 Fremden, welche sich an den Kundgebungen beteiligt hatten. Unter denselben befinden sich 2 Deutsche,' 1 Schweizer, 4 Franzosen und 1 Pole. Kuiidgcbnng des Geueralrats. Brüssel, 11. April.(W. T. B) Der„Peuple" veröffentlicht eine von» Generalrat der Arbeiterpartei unterzeichnete Kundgebung au die Bevölkerung, welche sich für eine Revision der Verfassung und für das allgemeine Stimmrecht ausspricht. In einer gestern ab- gehaltenen Sitzung des genannten Generalrates erklärte sich die Mehr- heit für den Geueralausstand.— In der Provinz hat das Manifest des Generalrates der Arbeiterpartei, nach der Meldung der„K. P. V.", große Be- geisterung unter den Arbeitermasscn erregt, die namentlich in den vlämischen Bezirken mit Ungeduld auf das Signal zum all- gemeinen A u s st a n d warteten. Obwohl dieser erst Montag beginnen soll, legten schon gestern viele Tau sende die Arbeit nieder, und in weiten Distrikten war der Ausstand der Bergleute und der Eisenarbeiter schon gestern ein allgemeiner. La Lonviöre, 11. April.(B. H.) Die Zahl der ausständigen Gruben- und Metallarbeiter im ganzen Becken beläuft sich gegenwärtig auf ca. 20 000 Mann. Die Streikenden durch- ziehen fortgesetzt in Gruppen die Gegend und versuchen, die noch Arbeitenden zu bewegen, in den Ausstand zu treten. Sturm in der Kammer. Die DonnerStagS-Sitzung der K a m m e r, welche eigentlich über das Budget der Staatsschulden abstimmen sollte, war bisher gänzlich von hin- und herfliegenden Schmähungen uud Schinipfworten ausgefüllt. Als Woeste sich dem Ministerpräsidenten näherte, um mit ihm zu sprechen, begannen die Socialisten gegen ihn zu demonstrieren. Woeste, sehr bleich, kreuzte die Arme und sah seinen Gegnern fest ins Auge. Der doktrinär- liberale H u i s in a» S protestierte gegen dieses Benehmen der Socialisten, ivurde aber von Anseele heftig zurückgewiesen. Die Socialisten. so meinte dieser, kennten felbst die Gesetze kollegialer Höflichkeit. Der klerikale Delveke rief, ihn hätten vorgestern die Socialisten beinahe in Antwerpen ermordet, dennoch ziehe er fast die Socialisten den Liberalen vor, weil sie offen feien, während die Liberalen in der jetzigen Situation iin Trüben fischen wollten. Darauf furchtbarer Tumult; Schimpfwortc wie.Hund",„Jesuit",„Spitzel" fallen. Die Sitzung dauert fort. Im weiteren Verlauf der Sitzung machen die Klerikalen ihre öcialiftische» Kollege» für die bisherigen blutigen Straßenauftritte verantwortlich. Die Socialisten lehnen die V e'r a n t- w o r t u n g für die kommenden Ereignisse ab, das Maß der Geduld sei erschöpft. Der Socialist Vandervelde beteuert die friedlichen Absichten der Socialisten und erklärt sich bcrcit, mit Kollegen znm Könisi zu gehen, um ihn zn beschwören, durch sein Eingreifen den Bürgerkrieg zu verhindern. Auch am Freitag kam es in der Kainmer zu heftigen Scencn. Das Wolffsche Depeschenbureau berichtet darüber: Mi ni st erPräsident deSinet deNaeyer spricht über die gestrigen Ereignisse und führt einen von den socialistischcn Deputierten an die Bevölkerung gerichteten Aufruf an, der zeige, das; man de» Kampf selbst noch fortsetzen wolle, nachdem' die Entscheidung des Parlanients bezüglich der VcrfassungSrevisiou gefalle» sciil Iverde. In dem Aufrufe heihe eS, die Regierung müsse abdanken und die Revolution triumphieren das beste Mittel sei, die Bewilligung der provisorischen Kredite dnrch Obstruktion zu verhindern. Ein solches Manöver, fährt der Ministerpräsident fort, dürfe nicht geduldet werden, er bitte die Kammer, über die Kredite morgen zu beraten. Der Negierung liege daran, daß die Verhandlung über die Verfassungsrcvision, entgegen den Behanptungensder Socialisten, statt- finde. In diesem Augenblick kommt es zu heftigen A u S- einandersetzungen zwischen den S o c i a l i st e n und den andren Parteien. Hnbin und Cavrot, Socialisten. sind nahe daran, mit dem Klerikale» Hoyos handgemein zn werden; ihren Kollegen gelingt es, die Streitenden zu trennen. Klvischcn Liberalen und Socialisten ciitspinnt sich ein heftiger Wort st reit über das zur Verteidigung des all- gemeinen S t i ni ni r c ch t s abgeschlossene Uebereinkommen. D e m b l o n. S o c i a l i st, ruft:«Wir sind von den Liberalen verraten!" Dnfrane, liberal, beantragt Schlich der Debatte; Smeets, Socinlist, bekämpft den Antrag. Der Präsident bringt den Antrag zur Abstimmung; der Antrag wird angenommen. H»i b i n, S o c i a l i st, stürzt hierauf auf den Präsidcntentisch zu und schreit:„Dieb I Je su i tI" Unter hestigeni Lärni und Streit auf allen Seiten des Hauses wird die Sitzung geschlossen. Kampf in La Lonviöre. La Louvtöre, 11. April.(W. T. B.) Als heute nachmittag 4000 Ausständige auf der Station Hondeng-Gocgnieö die in den umliegenden Kohlengruben beschäftigten vlämischen Arbeiter erwarten ivollten, suchte die Gendarmerie die Ausgänge des Bahnhofs abzii- sperren. Da die Ausständigen Widerstand leisteten, gingen die Gendarmen gegen die Meugc vor. Sie wurden Niit Stein- würfen empfange n. ES fielen auf beiden Seite» Schüsse, wobei ein Polizist verwundet wurde. Eine Ab- tcilung Jäger zu Pferde räumte sodann den Platz. Als der Zug miit den vlämischen Arbeitern eingetroffen war, wieder- holten sich obige Scencn in verstärktem Mäste. Es gelang den Gen- darmen und Jägern, die Ecken, der auf den Bahnhof mündenden Strasze» zu besetzen. Dabei kam es jedoch abermals zu Zusammenstoßen. Von beiden Seiten fielen Schüsse. Zahlreiche Verwundete wurden in die benachbarte» Häuser geschafft. Ein junges Mädchen wurde durch einen Schuß aus einem Karabiner getötet.— Brüssel» 11. April. sW. T. B.) V o lka ert, der Sekretär der Vereinigung„La Jeane Garde Socinliste", dem man die Mitschuld an den Unruhen zuschreibt, sollte heute vormittag einem Verhör unterzogen werden, er war jedoch auf den Rat seiner Freunde vorher in das Ausland abgereist._ politische Mebevllchk. «erlitt, de» 11. April. «Viehzölle. Der Viehbestand ninimt zu, die Einfuhr ab, neuere technische Fortschritte erleichtern die Aufzucht und die Preise steigen. Also ist ein Schutzzoll auf Vieh überflüssig, schädigt die Konsumenten und die Landwirtschaft, erschwert das Zustande- kommen eines Handelsvertrages. Mithin müßten die Viehzöllc aufgehoben werden. Die Regierungsvorlage hat, ihrer Unlogik vollkommen entsprechend, statt dessen Zollerhöhung um das ZV, bis 3fache vorgeschlagen. Die von uns bereits mitgeteilten Anträge der Hochzöllner gehen ja noch weit über dies Mindestmaß der Vorlage hinaus und verlangen gar Mindestzölle. Die Regierungsvertreter bemühten sich darzulegen, daß mit solchen, Forderungen unmöglich Handelsverträge zu stände kommen können. Posadowsky erklärte recht elegisch, daß er nach der Donnerstagsabstimmung über den Ouebrachozollsatz mit 120 Proz. des Wertes für ein Rohprodukt Mißtrauen gegen seine UeberzeugungSkunst geschöpft habe. Er bat dringend, die Mehrheit solle an dem rohen Marmorblock des Entwurfs doch nicht so viel herumhallen, daß die Bildsäule schließlich in die Brüche gehe. Nützte alles nichts. Die Mehrheit ließ durch Spahn durchblicken, daß man ja in der zweiten Lesung oder im Plenum noch handeln könne. Aber vorab müsse das Centrum auf das sündige Viehfleisch einen Mindestzoll und einen unbändig hohen Unterhaiidlungs- zoll legen. Die Pferdezollsätze der Ueberzöllner gelangten zur Annahme. Eine etwas liebenswürdigere Behandlung erfuhren die Maulesel und Maultiere, diese Bastarde von Pferd und Esel. Die Mehrheit wollte von diesen geduldigen Last- tieren, deren Tugenden, leidige Lage und Unschädlichkeit— es werden jährlich noch nicht 500 eingeführt— mit etwas boshaften Scitenhieben die Socialdemokraten klarlegten, keinen höheren Zoll als die Regierung, aber doch einen Zoll. Als dann aber die Esel, deren Zollgepäck dnrch die Regierungsvorlage von 10 auf 5 Mark herab gesetzt ist, vor � den Richterstuhl der Mehrheit geführt wurden, da schmolz die Zollwut. Esel, dachte die Mehrheit, können wir nicht genug in Deutschland haben— Esel haben wir schon viel zu viel allhier, meinte die Minderheit. Diese widersprechenden Argumente führten zu dem ein st immigen Beschluß: der Esel soll zollfrei sein. Das Rindvieh wurde mit um so unerträglicheren Zöllen bepackt. Die Geschäftsleitung dcS Vorsitzenden führte wieder ein- mal zu einem Zusammenstoß mit der Minderheit. Während Bebel eindringlich und sachlich die Gemeinschädlichkeit der Rindviehzölle darlegte, unterhielt v. W a n g e n h e i m sich in so unanständig lauter Weise, daß der Redner und die andren Kommissionsmitglieder außerordentlich belästigt wurden. Rettich vermochte keine Ruhe zu schaffen. Erst eine scharfe Rüge dieser Unfähigkeit durch die socialdemokratischen und freisinnigen Konimissionsmitglieder führte Herrn v. Wangen- heim zu Gemüte, daß er sich weder im Stall noch mit dem Vorsitzenden, seinem Untergebenen, in der Hierarchie des Bundes der Landwirte allein befinde. Nach achtstündiger Beratung wurde das Rindvieh verlassen. Den ausführlichen Bericht finden die Leser in der ersten Beilage. Die nächste Position(Schafe) gelangt am 15. April, morgens 10 Uhr, zur Verhandlung.— Eisenbahnfragen. Der dritte Tag der Generaldebatte des Abgeordneten- Hauses über den E i s e n b a h n- E t a t brachte nur wenig bemerkenswerte Reden; die meisten Redner hielten es für angebracht, anstatt allgemeine Betrachtungen über das preußische Eisenbahntvesen anzustellen, Specialwünsche ihres Wahlkreises vorzubringen, gleich als ob noch die Sekundär- bahnvorlage zur Beratung stände. Der Beachtung wert waren nur die Reden der Ab- geordneten Dr. C r ü g e r(frst Vp.), Frhr. v. Zedlitz(fk.) und v. G r a b s k i(Pole). Abg. Dr. C r ü g e r sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Negierung den Abschluß der Handelsverträge auf die lange Bank schieben zu wollen scheine. Das gebe trübe Aussichten für die Zukunft unsres Handels und unsrer Industrie und damit auch für die Eisen- bahnen. Der freisinnige Redner kritisierte des weiteren in ab- fälliger Weise die rückständige Berkehrspolitik der Konservativen und richtete an den Minister die Frage, wie es mit der Einlösung seines Wortes stehe, daß der Kanal doch ge- baut werde. Eine Antwort auf diese Frage wurde ihm nicht zu teil. Eine eigenartige Logik entivickelte Abg. Frhr. V. Z e d l i tz, indem er die Gegner des Wucherzolls als die eigentlichen Feinde der Handelsvertragspolitik hinstellte. Handelsverträge, meinte er, seien ohne erhöhten Zollschutz für die Landwirtschaft nicht möglich; wer diesen Zollschutz nicht wolle, sei daher ein Gegner der Handelsverträge. Ein echt Zedlitzscher Schluß, der auf der Linken schallendes Gelächter hervorrief. Ernster als die Zcdlitzsche Rede ist die des polnischen Abgeordneten von Grabski zu nehmen, der nachwies, mit welch kleinlichen Mitteln die Eisenbahn- Verwaltung den Gcrnranisierungs-Bestrebungen Vorschub zu leisten bemüht ist. Polnischen Arbeitern ist bei Strafe sofortiger Entlassung ver- boten, sich während des Dienstes in ihrer Muttersprache zu unter- halten; auf den Speisekarten der Speisewagen werden die polnischen Namen ausgemerzt, polnische Zeitungen sind vom Bahnhofsvcrkauf ausgeschlossen, Gepäckträger, die polnisch an- gernfen werden, dürfen nicht antworten. Herr v. Thielen war nicht im stände, die Richtigkeit der Angaben des polni- schen Redners zu bestreiten, er zog sich daher durch einige allgemeine Phrasen über die polnische Gefahr aus der Affaire, indem er— natürlich unter lebhaftem Beifall der Mehrheit des Hauses— es so darzustellen suchte, als ob die Verkehrssicherheit derartige Maßnahmen notwendig mache. Da ist es eigentlich wunderbar, daß trotzdem so viel Eisenbahn- Unfälle zu verzeichnen sind. Am Sonnabend wird die Beratung fortgesetzt.— •« * Deutsches Weich. Regelung der Kinderarbeit. Der vom Bundesrat genchmigle Gesetzentwurf betreffend die Regelung der Kinderarbeit>vud nunmehr im Wortlaut veröffentlicht. Er zerfällt in der Hauptsache i» zwei Teile, dem, der die Arbeit fremder Kinder regelt und dem der Vorschriften über die Be- schäflignng eigner Kinder enthält. Fremde Kinder sollen künftig auf Bauten in Ziegeleien, Brüchen und Gruben sotvie einer Anzahl namhaft gemachter Betriebe, die bisher eine Beschränkung der Kinderarbeit nicht unterworfen waren, nicht beschäftigt werde». Unter Kinder im Sinne des Gesetzes versteht man solche liiiter 13 Jahren, soweit sie nicht zum Besuch der Schule bis zun, 14. Jahre verpflichtet find. Verbote» ist die Beschäftigung bei Schanftellmigen, soweit nicht ein höheres künstlerisches Interesse ob- waltet. Im Betriebe von Gastwirtschaften dürfen Kinder unter 12 Jahren nicht beschäftigt Ivcrden. Zum Austragen von Waren und zu Botengängen für bestimmte Betriebe dürfen Kinder unter 10 Jahre» nicht besckwftigt werden. Kinder über 10 Jahr dürfen 4 Stunde» täglich solchem Erwerb nachgehen. Für die ersten 5 Jahre sind Ausnahmen zulässig. Am Sonntage darf die Be- sthäftiginig 2 Stmidc»»ickit überschreiten, sotveit sie Nicht in be- bestimmten Gewerbebetrieben überhaupt verboten ist. Die Be- schäflignng der Kinder muß vom Gclvcrbc-Unternehmer der Polizei- bchvrde angezeigt ivcrden und sollen die Kinder ähnlich den Arbeits- büchcrn Arbeitskarte» erhalten. Die Beschäftigung eigner Kinder ist in solchen Betrieben ver« boten, die Maschine»ei»richtnngcn anfweiscn. Im Handelsgcwerbe und in BerkchrSgeiverbcn dürfen eigne Kinder unter zehn Jahre» überhaupt nicht, eigne Kinder über zehn Jahre nicht in der Zeit zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens beschäftigt iverde». — Eigne Kinder unter zlvölf Jahre» dürfen in der Wohnung oder Werkstätte des Paters, Pflegevaters für Dritte nicht beschäftigt Iverde».— Au Sonn- und Festtagen dürfen auch eigne Kinder im Betriebe von Werkstätten und im Handelsgewerbe nicht beschäftigt werden. Die Beschäftigung eigner Kinder im Betriebe von Gast« und von Schnnkwirlschafteu ist gestattet.— Durch Polizei-Verordnungen der zum Erlasse solcher berechligten Bebördcn kann die Beschäftignng beschränkt iverden. Auch kann die Beschäftigung von Knaben unter zwölf Jahren und die Beschäftigung von Mädchen bei der Bedienung der Gäste verboten iverde». Im übrigen ist die Ausführung von Botengängen und A»S- tragen von Waren den eignen Kindern gestattet. Eine kritische Be- sprechung des Gesetzentwurfs behalten wir uns vor. Graf Biilow ist am Freitag von seiner Ostcrrcise heimgekehrt. Die wohlerzogene Presse Berlins— und die wohlerzogensten Blätter sind die liberale»— empfangen den Helden mit jubelndem Dank für die großen Thaten, die er tvie in Venedig so mm auch in Wien vollbracht habe. Die Reise des Grafen Bülow hat ivahrhafte Wunder bewirkt. Alle Wolken sind verscheucht mid der politische Himmel lacht so heiter wie mir Held Biilotv selbst zn lächeln versteht. Der Dreibund ist wieder einmal neu gesichert. Die bestrickende Liebenswürdigkeit des Grafen Bülow hat alle Schwierigkeiten beseitigt und alles wieder ist in bester Ordnung. Noch mehr, die liberale Presse hat in ihrem Fabel» auch den trefflichen Haudelspolilikcr wieder ge- fluiden. Graf Bülow, so grübelt sie tiefsinuig, wird in Wien nicht den Zollkneg ankündigt haben, vielmehr hat er erklärt, bei Wahrung aller deutschen Interessen werde man sich doch gelviß über neue Handelsverträge einigen. Eine andre Lesart allerdings besagt, daß Graf Büloiv sich die ekligen Handels- und Zollgeschäfte überhaupt abgeschüttelt habe; er soll ge- äußert haben:„Ach Gott, diese Dinge bleiben jetzt auf der langen Bank: wer soll den» au Haudelsvertrags-Berhandlungen denken, das ist doch alles auf ein Jahr hinausgeschoben!" Das Wort ist vielleicht wahr und würde darauf deuten, daß die Rcichsregierung— mit oder ohne neuen Tarif— erst nach den nächsten Wahlen dem Reichstag Handelsverträge vorlegen wird. In jedem Falle aber hat Graf Bülow Großes bewirkt; er köniite gar nichts von politischer Be- deutimg in Wie» besprochen hoben, seine Presse würde ihn feiernd empfangen. Man muß es verstehen, sich eine Presse zu machen. Graf Büloiv hat cS verstanden. Daher ist Graf Bülow ein großer, ein sehr großer Staatsmann!— In der Kauffmann-Augelegenheit trete» jetzt die freisinnigen Mannen wieder den Rückzug an. Ei»»nßgliickler Schurkenstreich I Der Syndikus Dove, der Lieblina des Tagcblatt-Freisiuns, ist talt- voll gemig, um die Gemeinschaft mit den Kanffmaiin-Hetzern sehr entschieden zurückzuweisen. Er ohrfeigt das Mosie-Organ mit einem Briefe, in dem er erklärt, daß er auf jede Kandidatur für de» Bürgernieisterposten verzichte. Das„Berliner Tageblatt" aber läßt sich nicht aus der Fassung bringen. Es ist jetzt auch über die Ent- sagmig Doves tief gerührt. Wenn übrigens das„Berliner Tage- blatt" die Mitteilung in das Reich der Fabel verweise» will, es habe dem Schreiben Kauffmmms ein Brief des behandelnden Arztes beigelcgen, in dem er andeutet, daß der Kauffmaimsche Verzicht sä sota gelegt werden sollte, so stelle» ivir fest, daß in der Thal eine solche orientierende Mitteilung des ArzteS erfolgt ist. Als wir gestern das elende Veihalte» des Kommunal- freisinils geißelte», haben wir an Eugen Richter nicht gedacht. Jetzt erfahren wir mit einiger Verwunderung, daß sich der Fraktions- geivaltige getroffen gefühlt hat; sonst würde die„Freisinnige Ztg." nicht aufgeregt schimpfen, daß der„Vorivärts" niemals frecher und lügenhafter geschivindelt hat; zwischen Kauffmonn und seinen Parteifreunden, insbesondere dem Abg. Richter habe nie- mals eine MeimingSverschicdcnhcil hinsichtlich des Verhaltens Kaufs- inanns bestanden. Wir haben, tvie gesagt, nicht die Leitung der freisinnigen Volks- Partei, sondern den Berliner Kominunalfreistim im Singt gehabt. Wenn dennoch die„Freisinnige Zeitung" jetzt mit so unflätigen Vor- würfen über uns herfällt, weil wir den freisinnige» Kaufsmann berteidigt haben, so erklären wir das aus dem schleckten Gewissen des Blattes, das keinen Finger gerührt hat, um für seinen Freund einzutreten, als man ihn nicht würdig befand, die Geschäfle des zweiten Bürgermeister' zu übernehmen. Die verspätete Einsicht, daß diese Zurückhaltung nicht löblich gewesen sei, berechtigt aber das Blatt nicht dazu, uns grundlos zn beschimpfen. Der Geist dcS Dr. Bosse. Der im vorigen Jahre verstorbene preußische Minister Dr. Bosse, der die deutsche Geistesfrcihcit in Trinksprüchen feierte und den Privatdocentcnknebel erfand, spiegelt sick nicht uncharaktcristisch in Briefe», die er a» den Herausgeber der „Grenzboten" gerichtet hatte»»d die jetzt zum Teil veröffentlicht iverde». U. a. hat er sich darin über die S o c i a l d e m o 1 r a t i e ein Ivcnig ausgesprochen. Er schrieb: „Offiziös ist man augenblicklich sehr zahm gegen die Socialdemokratie und fährt sänftiglich mit diesem Knaben Absalom. Nach meiner Empfindung viel zu s a n f t. Für die Handelsverträge stimmt d i e B a n d e nachher doch nicht, und je sanfter die Offiziösen sind, desto Unver- schämter und gemeiner hetzt der Vorivärts..." Gesinmmg glcicherivcise wie Sprache ziert den Minister gegen den Geist. Daß ihm der„Vorwärts" höchst unangenehm war, erfreut uns noch jetzt bestätigt zu scheu. � Kritik eines Richterspruchs auf der Kanzel. Daß ein Prediger auf der Kanzel ein socialdemokratisches Blatt in Schutz nimmt gegen ein richterlickcs Urteil— dieser Fall dürfte wohl bisher noch nicht vorgekommen sein. Die„Brandenburger Zeitung" war wegen ihres WeihnachtS- artikels zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt ivorden. Das Gericht hatte— unerfiiidlicherweise— in dem Artikel eine Gotteslästerung entdeckt. In seiner letzten Sonntagspredigt hat nun der Branden- burger Pfarrer Grane über das Urteil folgende Ausführungen ge- macht, die er selbst im Wortlaut veröffentlicht: „----- Und dann dürfen ivir uns auch nicht umndern über den jämmerlichen Znstand der Verachtung, in dem sich die Goneinschnst dcS Glaubens, die christliche Kircke, heute vielfach befindet. Sie ist nach der Meinung der Meisten fast nur noch dazu da, dnrch ihre Gottesdienste einige Stimmungen zu erwecken, dem Staate zufrieden« Bürger zu erziehen und bei passenden Gelegenheiten feierlich Ja und Amen zu sagen. Diese bei Freund und Feind herrschende Religio»«- anffassung ist grell beleuchtet ivorden durch einen Prozeß, der sich neulich in unserer Stadl abgespielt hat. Die hiesige social- demokratische Zeitung halte Weihnachten einen Artllel gebracht, der in scharfer, schommgöloscr Weise Religion und Kirche kritisierte. Es mußte einent Christen gewiß weh thun, diesen Artikel zu lesen. Und doch war dieser Artikel bei aller Ver- st ä n d» i§ l o s i g k e i t für unseren Glaube» in seiner Art ein guter Artikel. Den» er war bis auf einige Phrasen, die sick aber in allen Zeitungen finden, warm empfunden und vorr Begeisterung für wahre, echte Menschlichkeit getragen. So macklc er anck i» seiner Kritik Hait vor der Person uniercS Heilandes, für den er Worte ehrfürchtiger Belvnndcrmig hatte. Für diesen Artikel ist der verantwortiichc Redactenr zu einer Gefängnisstrafe von ztvei Wochen verurteilt ivorden. Ich kenne ihn nicht, auch nicht seine Richter, Ich bin llbcrzengt, daß der Gerichtshof»ach bestem Wisse» und Genüsse» geurteilt hat und vielleicht bei dem Wortlaut der Gesetze nicht leicht anders entscheiden konnte. Aber ich gestehe, daß ick bei solcke» Vorgänge» immer ein Gefühl tiefer Scham empfinde, Ist ivirklich unsre Kirche so schivach und unsrc Uebcrzengnng so schlecht begründet und morsch, daß sie richterlichen Sckutzes be- darf?.,. Vertragen wir so Iveuig, daß man uns kritisiert? Das ist eine Meinuiig, der auch der Gegner die Achtung nicht versagen wird.— Die Polenvorlaqe» von der gestern gemeldet wurde, soll nur ein harmloses Ding sein und mit de» Nnterdrückungsbestrebungen nichts zu thnn haben. Es handelt sich nur, so erfährt man aus dein Bureau des Abgeordnetenhauses, um eine Neuregelung der Vertretung der Städte in i>er Provinz Posen zu de» Kreistagen.— Gegen die Schlack; tsteucr hat die in Fulda stattgehabte außer- ordentliche Delegiertenversnmmlmig deS Deutschen Fleischcrvcrbandes Stellung genommen und einstimmig folgenden Antrag zum Beschlutz erhoben:„Die in Fulda versammelten Vertreter der Fleischer- innuiige» derjenigen Städte, welche Oktroi oder indirekte Fleisch- steuern erheben, beauftragen de» Vorstand des Deutschen Fleischer- Verbandes als Vertreter aller deutschen Jimungen, a» die maß- gebende» Stellen, vor allem an die Reichsregierung, de» Reichstag und den Bundesrat die Vorstellung zu richte», daß die indirekten Kommlinalabgabe» auf Fleisch und die Erzeugiiisse aus Fleisch bei der Einführung des neuen Zolltarifcs in Wegsall kommen»Nd ztvar durch Rcichsgcsetzgebung." Die begründete Petition, zu deren AnS- arbeiiung eine Kommission niedergesetzt wurde, soll auch den bo- treffenden StaMvcrwalluiigc», Einzcllaiidlage» und LaiideSbchörden übermittelt werden.— CeulrnuiS-Sorgen. Die„Kölnische VolkSzeiflmg" fürchtet sich nun doch vor den Folge» der arbeiterverräterische» Centrumspolitik. Das Ccntrnin, namentlich im Rheinland, Iverde sich auf einen Austnrni der Socialdemokratie von ungewöhnlicher Heftig- lest bei den nächsten Wahlen-gefaßt machen»nüssen. Und sie nist ihren Gläubigen zu: „Möge man sich rechtzeitig ans das einrichten, tvaS im nächsten Jahre komme» wird, möge man die Organisation revidieren, sie überall auf die breiteste Basis stellen und vorhandene Schäden ausbesser», möge man die Einheitlichkeit und Geschloffenheit pflegen und alles Trennende zurücktreten lassen, möge>na» im latholischen Lager alles vermeiden, was geeignet ist, die einzelnen Eeiverbsstände gegeneinander zn verhetze», und vor allein ans Experimente verzichten, welche den Keil der Zwietracht in die christlichen Arbeiterkreise treiben muffen. Wer Auge» hat zn sehen, der sehe!" So viel an n»S liegt, werden wir versuchen, die bange» Be- flirchtmigcn des Centrumsorgans z» rcchtfcrligen. Die Befreiung von» Centrumsjoch ist eine der ivicktigste». vielleicht die lvichtigste iunerpolüische Aufgabe der nächste» Zeit, die lvir zu erfüllen haben. Das Cciiirnin bedingt und ermöglicht jene furchtbare Stagnation, die auf der deutscheu Politik seit Jahren lastet.— Ter Treschgraf Pückler ist trotz all seiner Verrücktheit klug gewese», auf sein, germanisches Heldentum zn verzichte», die Gläubigen der„Stnalsbürger-Zcitung" treulos im Stich zn lasten lind das Weite zu suchen.' Denn er weiß Ivohl, ivas er zu er- warte» hat. Wie der„Zeit" berichtet wird, hat er ein geradezu gemein- gefährliches Vergehen sich z» Sckulde» kommen lassen. Die Zer- slörmig der Feldbahn, lvegen deren er sich zu vcrantivorten hat, ist miler den erscmvcrcndste» Umständen vor sich gegangen. Es handelt sich um eine Bahn, die von dem t&nte Skeyden des Rittmeisters Metscher über das Land des Grafen nach der Oder i Ahrt. Herr Metscher zahlt für die Benutzung des qräfliche» Bodens eine Packt, die in Anbetracht der Geringtvertiflkeit des Landes recht hoch flcnaimt werden inutz. Ter Vertrag läuft seit einer Reihe von Jahren und enthält die Bestimmung, daß er. wenn er nicht vor dem 1. Juli gekündigt wird, von da auf ein Jahr als verlängert gilt. Jnr Herbst vorigen JahreS wollte Graf Pückler ohne jeden Grund plötzlich den Vertrag aufgehoben haben. Herr Metscher wies jedoch dies Ansinnen als vertragswidrig zurück. Darauf beauftragte Graf Pückler seine Arbeiter, die Bahn zu zerstören. Die Arbeiter, vernünftiger als ihr Herr, liehen sich jedoch, als sie an den Schauplatz ibrer Thatigkeit gekommen waren, von den Metscherschen Leuten eines Besseren belehren und zogen unvcrrichteter Dinge ab. Gra Pückler aber bcharrte bei seinem Entschluß. Er befahl seinem Inspektor. nachts die Zerstörung vorzunehmen. Es geschah. Die Schienen wurden an der Stelle aufgerissen, ivosichdieBahn in ziemlich starkemFallnachder Oder hin senkt. Am nächste» Morgen in der Dämmerung fuhr eine Reihe von Arbeitern Metschcrs— die Rnben wurden gerade nach der Oder verladen— auf der Feldbahn. Einer davon fröstelte und erklärte, er Iverde lieber, um sich zu erwärmen, rasch vorweg gehen. Kaum ivar er eine Strecke gegangen, so bemerkte er die aufgerissenen Schienen. Mit Mühe und Not gelang eS ihm, d i e andren noch rechtzeitig zu ivarnen, so daß der Transport vor der verhängnisvollen Stelle stoppte. So»st iväre bei der Steilheit der Passage ein unübersehbares Unglück nicht abzu- wenden g e>» e s e n.— A«S der Kaserne. Vor dem Breslau er Kriegsgericht der elften Division unter Vorsitz des Majors N e i m a n n ivar am Sonnabend angeklagt der S e l b st v e r st ü m m e l n» g der Kürassier Z a h e l vom Leib-Kürassier-Regiment I in Breslau. Der Kürassier Ivird durch die Anklage beschuldigt, sich zum Militär- dienst untauglich gemacht zu haben, dah er sich das Nagel- glied des linken Daumens abschoß. Der Angeklagte will nicht mit Absicht sich verslümmelt haben, er wollte s i ch das Leben nehmen, da wie er angicbt, die.S ch» i ck e r e t" nicht mehr aushalten konnte. Namentlich von dem W a ch t ni e i st e r Marx sei er i ni m e r f o r t m i h h a n d e l t iv o r d e n, so einmal mit Ohrfeigen, ein andermal mit der F a n st. Die Untersuchung gegen den Wachtmeister hat nichts er- geben. Der Kürassier bleibt aber bei seiner Behauptung, dah er sich habe durch einen Schuß in den Mund töten wolle», weil der W a ch t m e i st e r ihn chikanierte. Als er im Korridor, Ivo der Karabiner stand, habe abdrücken wollen, sei er durch Tritte gestört worden, er wollte den Karabiner schnell hinstellen, dabei ging der Schuß los und verletzte ihn. Der Angeklagte war früher beim Trompetercorps, wurde aber wegen Nachlässigkeit ent- fcrnt. Er giebt noch an. auch von Kameraden' schlecht behandelt worden zu sein. Seine Schwester, eine Frau Mai. beeidet, er sei einmal auf ein Pferd ohne Sattel und Decke gesetzt w o r d e n und mußte m i t einem Besen in derHand im Hof um her reiten. Der Angeklagte ist von seiner Jugend nerve«leidend und wird oft von epileptischen Gehirn kränipfen befallen, die sein Willensverniögrn beeinträchtige». Der Vertreter der Anklage beantragt ein Jahr sechs Monate Gef ä'n g n i s und Versetzung i» die zweite Klasse des Soldatenftandes. Rechtsanwalt B i ck meint, es könne nur Selbstmordversuch vorliegen. Er be- antrage ev. Freisprechung oder Erhebung weiterer Beweismittel. Da» Kriegsgericht sah ein von ligust als vorliegend an und erkannte auf Freisprechung.— In der badischen Kammer, so wird uns aus Karlsruhe ge- schrieben, wnrde nach zweitägiger lebhafter Debatte der Staats- vertrag über die gemeinschaftliche Verwaltung der M a i n- N e ck a r b a h n, der nahezu 60 Jahre alt ist. aufgehoben und durch einen neuen ersetzt, bei welchem Baden dr �'Verwaltung an die preußisch-hessische Eiscnbahngcnieinschaft mit-�cni Sitze m Mainz abtritt und sich mit der Besetzung einer MitglndSstelle begnügt. Die dudische Regtcning behält das Recht der„Znsttmllmng zur Feststellung des Personeufahrplanes für die auf badischcm Gebiet liegenden Strecken." Steift dort zuständig für die Tarife im Personen« und Güterverkehr, kann auch das Kilometerheft einführen. Auch werden ihr„die Etats- vorschlage zur Geltendmachung etwaiger Bedenken mitgeteilt." Für die Verwaltung der Bahn gelten kiinftig die zwischen Preuße» und Hessen 1886 für ihtc Gemeinschaft vereinbarte» Ver- waltungS- und Etatsgrundsätze. Baden erhält von der Eisenbahn- strecke seines Gebietes die VerkehrScinnabnie» nebst einem als Ersatz für alle sonstigen Verkehrseinnahnien bestimmten Zuschlag, er be- rechnet sich prozentual»ach den jährliche» Betriebseiunahinen. De» oppositionellen Standpunkt vertraten die Abgg. Eich- Horn sSoc.) und Frühanf ssrs.); sie verwahrte» sich gegen die Preisgabe der badischen Rechte und gegen die Förde- rung der Expansionsgelüste der preußischen Eisenbahnvcrwaltung. Der Abgeordnete Fe nd rich(Soc.) brachte durch seine AuS- sührungen für die Annahme des Staatsvertrages, der mehr Vorteile als Nachteile enthalte, die überraschende Erscheinung, daß die Soclaldemoiratie sich gespalten hat. Er polemisierte gegen Eich- Horn und Frühauf und erklärte, die VerkehrSpolitik sei für die Social- demokratie nichts PrincipielleS, sondern nur eine taktische Frage. Er beruft sich darauf, daß Bebel auf dem Mainzer Parteitag diese» Standpunkt einnahm. Di« Abstinimung ergab 8 Stimmen gegen den Staatövertrag: die Mehrheit der Socialdemokraten stimnitc dafür, Eichhorn und Geck stinmiten mit den Demokraten und Freisinnige» dagegen.— Württembrrgtschcö Pvlköschulgcsev. AuS Stuttgart, 10. April, wird uns geschrieben: Die ivürttcmbergische Regierung hat dem Landtag einen Gesetzentwurf vorgelegt, welcher einig« Be- ftimmuugen des Bolksschul-GesetzcS vom Jahre 1836 vorschlägt. Das Gesetz hat den Zweck, die Gcknlberatungeu, die durch Pcttionen der Lehrer iu Aussicht stehen, wesentlich einzuschrnuke»,' es hält an der KoufessionSschnle und an der Ortsanfsicht durch Geisiliche fest, die BezirkSschulnufsicht iu größeren Bezirke» soll jetzr auch au Fachleute übertragen werden können. Bei einer Zahl von mehr als 70 Schülern sollen erst 2, bei über 160 Schülern 3 und bei über 240 Schülern 4 Lehrer augestellt werden. Der Ent- wurf wird von der gesamten Presse ungünstig aufgcuommen. Dem Ccutriim geht er in der Frage der Bezirlsschulaufsicht zu weit, die Sociatdcmokratie lehnt th» als zu uickitssagend ab. Der L a n d t a g soll am 6. oder 8. Mai zusammentreten, um zuerst Eiseubahufragen, die Eiseubahu-Tarisreform, die erste Lesung des Bolksschulgesctzes und nach Pfingsten die Stcuergesetze zu beraie». Der Stuttgarter Gcmcinderat hat heute den Aulrag des Ge- Nossen Würz augenomiiie», für die A n st e l l u u g von Schul- ärzten 8000 M. in den städtischen Etat einznstelleu. Ausraild. Märzrnstürme in Rustland. Auch Rußland hat nun seine Märzenstürme. Der 11. März dcS vorige» Jahres und der diesjährige 16. sind Marksteine iu der Ge- schichte des Socialismus iu Rußland. Die Ideen sind zur That geivordeu und dort, Ivo sich der Zarismus am besten zu verteidige» tvußte, iu einer Stadt, die mehr Spione und Gendarmen beherbergt als Menschen, da entfaltete sich stolz die Fahne des Aufruhrs. Der Newski-Prospekt, auf dem sonst nur Staatskaleschen rollen und die Stützen des Thrones sich heimisch fühlen, erdröhnte unter den eisernen Sandalen der heramiaheiiden neuen Zeit. Tausende waren es, die dort voriges Jahr erschienen, um sich um das rote Banner zu scharen, Zehntansende waren es in diesem Jahre. Ueberall merkte man den Fortschritt. Dort. Ivo das vorige Jahr noch unsicheres Tasten nnd Suchen zeigte, sah man in diesem Jahre schon die leitende Hand der Organisation. Ueber das vorige Jahr fehlen noch bis heutigen Tages zusammenfassende Berichte, dagegen haben wir diesmal schon ausführliche Schilderungen über die Borgänge. Die Organisationen sind gleich nach den Ereignisse» an die Sammlung von Material gegangen, das Aufschluß geben könnte, was bei einer nächsten Ge- legenheit zu beachten wäre. Das Material ist auch schon teilweise bearbeitet und giebt ein klares Bild über die Geschehnisse. Wir greifen hier einiges aus ihm heraus. Die ganze Woche vor der Demonstration war die.Kampfes- Vereinigung zur Befreiung der Arbeiterklasse" zusammen mit den OrganisationSkomitecS der höheren Lehranstalten damit beschäftigt,«ine Unzahl von Proklamationen zu verbreiten, die die Notwendigkeit des politischen Protestes erörterten und die Einwohner- schaft zu einer Demonstration aufforderten. Die Polizei ergriff Bor- beuguiigsmabregeln: Am Vorabend de» 16. März verbannte sie ans Petersburg alle relegierten Studenten, unternahm Haussuchungen nnd Verhaftungen und ließ am 16. März Arbeiter in die Stadt überhaupt nicht herein. Alles das nützte aber nichts. Schon um 11 Uhr war der Prospekt von der Sadolvaja bis zu der Admiralität voll von einem ungewöhnlichen Publikum. Statt eines reichlich gekleideten Somitagspnblikuins, das sich zu dieser Zeit auf dem Prospekt aufhält, bewegten sich hier jetzt langsam Arbeitermnssen und Studenten. Man sah auch viele aus der Litteratemvelt, Künstler und eine große Anzahl von Offizieren. Die Stelle, an der die Demonstration beginnen sollte, war nicht bekannt gegeben, um der Polizei nicht die Möglichkeit zu geben, die Kund- gebimg gleich am Anfange zu vereiteln. Die berittene Gendarmerie erschien um'/s 12 und nahm an der Kasankathedrale Aufstellung; die Demonstranten bewegten sich friedlich auf und nieder. Endlich glaubte die Polizei den Moment gekommen, um einzuschreiten; man versuchte das Publikum in die Seitengassen zu dränge». In diesem Augenblick wurde am Gostimiij Dwor eine rote Fahne entfaltet und Stimmen er- schallten: Rieder mit dem Absolutismus l ES lebe die politische Freiheit! Eine Abteilung der Gendarmerie zog blank und warf sich dort hin, eine andre raste von dem Michailoivschen Platz her. Die Masse stürzte zu dem Gostimiij Dwor und überall hoben sich rote Fahnen empor mit der Aufschrift: Nieder mit dem Absolutismus, und die Rufe: Hoch die politische Freiheit! fanden in der Menge tausend- fache» Wiederhall. Hinter der Kathedrale tauchte eine neue Abteilimg von Gciidarmcn hervor, von allen Seiten her strömten Polizisten zu Fuß und zn Pferde und ganze Massen der Dworuiks. Sie fiele» alle über das»»bewaffnete Volk her und schlugen nach rechts und links, die Gendarme» mit ihren Säbeln, die Polizisten mit Knute» und Fäusten. In demselben Augenblick, wo an einer Stelle der Säbel und die Knute wüteten, hörte man an einer andren ivicder immer und immer neue Stimme»: Nieder mit den, Absolutismus! Ich stand, berichtet einer der Teiliiehmcr dem Organisationskomitee, in dem Augenblick, an dem Gostimiij Divor, wo die Rufe ertönten: Nieder mit dem Absoliltismns! Dorthin auf der Kasanbrücke stürzten sich die Gendarme» und begannen auf die Menge ,nit blanker Waste einzuschlagen. ES war ein furchtbares Bild. Der Galopp der Pferde, die vertierten Gesichter der Polizisten, das Geräusch der Waffen, das allein hätte icho» einen in Angst ver- setze» können. Wir flüchteten bis zu dem Michailoivschen Platz, von hier vertrieb uns eine Abteilung Gendarmerie, die von dem Gostimiij Dwor zurückkehrt«. Der größte Teil wurde vor der katholischen Kirche zusammengetrieben. DaS Pnbtikllm drängte sich an die Wand und versuchte den Säbelhieben auszuivcichcn. Ich sah, wie ei» Teil der Demoiistranten auf der gegenüber- liegenden Seite an der Wand buchstäblich niedergemetzelt iviirden. Einer nach dem andern wurde ans dem kleinen Häuflein, das dort Schutz suchte, einzelne Personen mit blutigem Gesicht und zerrisse»«» Kleidern, herausgezerrt. Lo» hier trieb ma» uus wieder i» die Richtung zu dem Gostimiij Divor. Hier war ei» furchtbares Gedränge. Es gelang mir, auf den Fußsteig vordem Gostiimij Divor zn kommen, da war es etwas' freier und das Piiblilum begann sich hier aiiznlaniineln, doch man trieb uns weiter und wir gelniigten schließlich so an die Ecke der Sadolvaja. Hier nahm die Polizei»iehrere Ver- Haftungen vor. Ich versuchte ivieder ans den Prospekt zn kommen, doch der Zugang zu ihm war von allen Seiten versperrt. Auch i» einer Droschke lieh man mich nicht durch. Ans dem Prospekt war der Verkehr vollftäudlg miterbrochc». Ich stand an dem StadlhauS, berichtet ein andrer. Auf der Portalireppe dcS KreditverelnS entfaltete ein Student des Technologischen Instituts eine rote Fahne. Die Gendarmerie flog die Treppe hiiiauf. um die Fahne zu entreiße», voran ei» Geiidarmeric-Ossizicr. der aber starke Säiläge bekam. In diesem Moment stürzten neue Gendarmerie- Abteilungen heran und schlugen mit blanker Waffe drein. Viele von de» Anivesenden hatten blutige Gestchtn. Ich fiel unter etilem starken Schlag hin. AIS icb wieder zum Bewußtsein kam, lag neben mir ein Kamerad. Mit vieler Mühe gelang eS mir, ihn anS dem Geivühl zu entfernen und nach Hanse zu bringen. Unter der Führung eines junge» Offiziers, heißt e« in einem andern Bericht, kehrte eine Abteilung Gendannerte von dem Stadt- hause zurück. A» der zahnärztlichen Schule stieß sie auf einen Haufen Demonstranten«Nd der Offizier trteilte de» Befehl, sie zu um- zingeln.„Hier haut diesen!" kommandierte der Offizier und mehrere Personen wurde» so ans der Stelle bis zur Bewußtlosigkeit gc- chlage». Als der Offizier tn der Menge etilen Einjährigen bemerkte, ritt er zu diesem hinzu, faßte ihn am Hals«, schleuderte ihn den Polizisten zu mit de» Worten:»Fort von hier, Du hast hier uichtS zu suchen l" Ei» Augenzeuge teilt mit:»Ich sah die folgende Scene: Als au dem Stadthanse die Rufe ertönten:„Hoch die Freiheit!", eilte dorthin«in Trupp Gendarme». Die dort Bcrsannnelten wurden fast zermalmt. Nur wenigen gelang eS, sich zu rette». Ein Student der Universität, mit blutigem Kopfe und ohne Mütze, versuchte sich mit seinem Baschlik zu schützen, er drängte sich schließlich anch durch auf die andre Seite des Prospekts, ein Geudarm lief ihm aber»ach und schlug ihn mit der Knute nieder. Ich eilte zu Hilfe, der Un- glückliche fiel mit Blut übergössen nnd bewußtlos in meine Arme. Mit Hilf» de« übrigen Publikums brachten wir ihn in eine Apotheke. Zivei Anginzeugen haben gesehen, wie die Dwoniiks einen Studenten dem Gehilfen des StadtgouverneurS Frisch, der a» dem Gostiimij Divor stand, zuführten. Die Brutalitäten der Divorntks rührte» selbst Frisch. Als diese nicht aufhörten den Unglücklichen zu chlage», sagte er:»Meine Herren, eS wird genügen." Schadet nichts, antwortete darauf einer der DwornikS, er erträgt es noch." Die Demoustratio» ist in Petersburg»och immer das Tagesgespräch und in unzähligen Flugblätter» werden die Grencl ge- bllhrend beleuchtet. Trotzdem die Presse schweigen muß, wird es in Rußland ivohl keinen Menschen mehr geben, der nicht wüßte, ivas vorgeht.— Italien. Der Bund der ttalicnische» Landardeiter. Bei einer Sitzung des Gcneralrnls des Landarveiterbmides, welche dieser Tage in Bologna statlfand. gab der Gciieral'elretär Bergani interessante Aufschlüsse über den Stand dieser bedeutsamsten Landärbeiterbeivegnng. Am 24.. November zur Zeit des Landarbeiter-KvngresseS zn Boiogna bestanden 704 Organisationen mit 144188 Mitgliedern, heute, so berichtete der Generalsekretär, sind 87V mit 183 030 Mitgliedern dem Bunde angeschlossen. Das niacht in 4 Monaten eine Zunahme von 271 OrtSvereinen mit 40 858 neuen Mitgliedern. Zwei Mitglieder des Generalrats wurden beauftragt, die Projekte betreffend die ländliche» Schiedsgerichte zu studieren, einen Entwurf auszuarbeiten und ihn der Regimnig mit einem Memorandum zu unterbreiten. Ferner wurden folgende Beschlüsse und Resolutionen gefaßt: Die Arbelt in den Reisseldern ist als eine gcsimdheiisschädliche anzusehen. �(Artikel IV des Gesetzes über die Frauen- nnd Kinderarbeit.) Die Arbeit in den Reisfeldern darf frühestens eine Stunde nach Sonnenaufgang begonnen werden und nicht länger denn sieben Stunden währ«». Die Schlafstätten der ReiSfeldarbeiter sind i» die Nähe der Arbeits- stätten zu legen, sauber und luftig zn halten und ist in denselben eine Trennnilg der Geschlechter durchzuführen. Der Generalrat wird beauftragt, sich mit der italienischen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Verbindung zu setzen, um mit dieser zusammen durch Aiisllärung, Verbrcttilna von Broschüren usiv. eine Verringerung der Malariakrankheit herbeizilführen. Berta»! ivird beauftragt. Unter- suchmigen über die Gesundheitsverhältnisse und die wirtschaftliche Lage der Arbeiter in de» Reisfeldern von Lomellina und Piemont anzustellen. Die socialistische Fraktion wird mif die Bedeutung der Landarbeiter- Bewegung aufmerksam gemacht und ersucht, derselben wenigstens stets einen Dcpnlierteii zur Verfügung zu stellen.— Dänemark. Ter Verkauf der westindischen Inseln. Im Landsthing kam es am Montag zur Abstimmung über den Antrag des früheren Ministers Eftrup, den Verkauf der Inseln abzulehnen. Der Antrag wurde mft 38 gegen 28 Stimmen verworfen. Darauf stellten die Konservativen den Antrag, eine Kommission zu ivählen, die erivägen soll, unter ivelchen Formen eine eventuelle Bolksabstimmimg ans den Inseln vorgenommen werden sollte. Die Liberalen verlangten dann eine kurze Unterbrechuim der Veihaiidliiiigen und konferierten darauf erst mit dem Minister Deuntzer. Dieser erklärte, daß die Regierung sich einer Volks- abstimimmg nicht entgegenstellen ivolle, wenn das Landsthing eine solche zur Bedingung dcS Verkaufs mache.— Das Landsthing setzte dann seine geheimen Sitzungen fort.— Wie aus der konservativen Presse hervorgeht, ivolle»' die Konservativen nicht eine Volks- abstimmung, wie sie 1367 stattfand, sondern eine Abstimmung der H ö ch st b e st e u e r t e n auf den Inseln herbeiführe».— Nnstlnnd. Gärung«nter den Offizieren. Allgemein fiel es ans, daß bei der letzten Demonstratio» in Petersburg gegen die Denlonstranten keine Kosaken verwendet wurden. Wie sich die Sache jetzt aufklärt, hat es die Regierung für ratsam gcfmiden, davon Abstand zu nehmen, weil die Offiziere ihren Uuivillen ausgedrückt haben, daß sie Polizcidienste erfülle» müssen. Schon im vorigen Jahr haben sich die Offiziere unwillig gezeigt und nach der Metzelei a» der Kasan-Kaihcdrale am 11. März erklärt, sie lvünschte» von der Erfüllung polizeilicher Dienste entbimden zu werden. Damals sind zwei Offiziere des Lcib-KosakciiregimentS aus Petersburg entfernt worden und die Regierung hat geglaubt, daß nun wieder alles nach ihren Wünschen gehen iverde. Wie Nim das Organisationskomitee der Petersburger Studierenden ganz bestimmt iveiß, haben die Offiziere mit ihrem Kommandanten an der Spitze Mitte Februar, als die erste» Gerüchte über sich vorbereiieude Denionftratioiien auftauchten, an de» Minister des Jnneni sich mit der Eingabe gelvandt, daß sie, falls ma» sie zur Niedcrivcrfling der Demonstration verweiidcii werde, sie sich dem Befehl ohne iveiteres ivohl fügen iverde», denn das Gesetz zivinge sie dazu, daß sie aber dann ihren Abschied einreichen. Das hat die Regierung nachdenklich gestimmt und sie will, ivie es scheint, vor- läufig von der Verlvendung vo» den Leibkvsakentrnppen bei Straßen- knndgebungen Abstand nehmen. Die„Anstifter" deS Protestes sollen vom Kriegsgericht abgeurteilt werden.— ZPä rket- It Kchlviriitew Zur Maifeier wird weiter gemeldet, daß das großherzoglich oldenburgische Amt Jever den Mai-llmzng in Bant genehmigte. Nur das Milsiihrc» roter Fahnen im Zuge und daö Hinausstecken von solche» wurde incht gestattet.— Oldenburg scheint deinnach weiiiger wacklig als Preußen zn stehen. Sine SInflösnngorpidenite scheint gegenwärtig über Halle hereingebrochen z» sein. Mit„Zittern nnd Zagen" gehen unsre Ge- nosscn zur Versammlung, um nachher, wen» sich die Polizei die Sache eine Weile mit angesehen hat, sagen zn können:„Wir sind ivieder anfgclösl". Am DoinierStagabend ging es auch dem social- demokratischeil Verein an den Krage». Nachdem der Abgeordnete Fritz K n n e r t über den sog. Toleranzantrag deS Centrunls einen mit Beifall anfgeiionimene» Vortrag gehalten hatte, ivnrde über die Konsumvereins- Bestrebungen gesprochen. Plötzlich erhebt sich der überwachende Beamte, setzt den Hel»» auf, sagt: es ist 12 Uhr, und lost die Bersanimliing wegen Eintritts der Polizeistunde auf. Was den Beamten, der einen angestrengte» Dienst zu habe» scheint iiiid müde und abgespannt geivesen sei» mag, zu dem Schritt getrieben hat. wiffcli wn nicht. DaS wissen wir aber, daß schon wiederholt entschieden ist: Vereinsversammlungen sind nicht an die Polizeistunde gebunden. Nus Fndu??vie und Hmkdel. AnS dem oberfchlesische» Jndustriebezirk ivird»»» ge- schricve»; Was schon der Löhnimastermtn Mitte März zeigte, hat sich inzioisckicn bestätigt: Die vielfach angekündigte Beffcrung der Arbcitcrverhältnisse ist in Obeschlesten nicht eillgetreten. In der Eisen- indnstrie ist es beim alten geblieben, in der Kohlenindnftrie ist eS schlechter geivorden; anch auf de» Erzbergiverkcil, die bisher von der Krise so gut wie überhaupt nicht betroffen ivurden, hat sich die Arbeiterlage verschlechtert. Entgegen den in die Tageszeitungen gebrachten Nachrichten bestehen die Vor- Minderung' der Schichten und die Kürzungen der Löhne ans de» Eisenhlilteinverken fort, beide zusammen bewirken Lohnkürzimgcn bis zu 80 Proz. Die Lohnkürzimgen ivcrdcu fast durchgängig ohne A n k Ü u d i g u» g ins Werk gesetzt, ivas naturgemäß zu masseiihasteii Streitigkeiten führt. Zwar läßt sich der einheimische Arbeiter, der oberschlesische Pole, aus Angst vor Entlassung, ohne die Stütze einer Organisation,»och sehr oft den unangekündigten Lohnabzug gefallen, nicht aber der gelernte dcnische Arbeiter, ja, anch der Ungar. Italiener und Galizier nicht. Die Jnlienhütte machte üble Erfahrungen mit 80 Italienern, denen sie 4,80 M. Tagelohn versprochen hatte, aber»nr 2,80 M. zahlen wollte; sie mußte einem energilchen Ansturm der Italiener stillschiveigeiid nachgeben und 4,80 M. zahlen. Auf Eintrachtshütte, einem zur Vereinigten Königs- und Laurahütte gehörigen Werke, ist eine Lohn- kürzung in der Form vorgenommen ivorden, daß allen Arbeitcrii, die Unfallrente beziehe», die Kürzung um den Betrag der Rente a ii g e k Ii ii d i g t wurde. Auf den Kohlengruben Ivird der Arbcitenvechsel größer und Maßregelungen unbeliebter, sowie zu wenig leistender Arbeiter nehmen zu. Die Löhne für erwachsene Arbeiter sind gelegentlich ans 1,28 M. gesnnke», Häuer müssen Schlopperarbeit lind sonstige Schichtlohn-Arbeit übernehme», wenn sie nicht die Arbeit aufgeben ivolle». Die ruhige Hinnahme spiegelt das Bild der gedrückten Lage auf dem oberschlesijchen Arbeitsinarkte nur allzudeutlich wieder. Die Avbeitrrfürsorqe der Grubenbarone. Im Ruhrrevier erregt es berechtigtes Aufsehen, daß eine Zeche bei Hamborn, genannt ivird die Zeche D e u t s ch e r Kaiser II, die dem Familienbesitz der reich begüterten Thyssen gehört, südlmgarisckie Arbeiter eingestellt hat, nachdem vorher einheimische Ärbeilcr entlasse» waren. Damit nicht gcinig, ivird aus andren Bezirken gemeldet, daß man mit der Absicht umgehe, den Z e h n st u n d e n- tag einzuführen: auf der Zeche„Holland" bei Wattenscheid ist damit der Ansaiig gemacht. Wie nnsre Leser aus dem heutigen Bericht ans Oberschlesien ersehe», ist dort ganz dieselbe Maiiipnlation vorgenommen; schon vor acht Tagen tviese» wir auf die Vorkommnisse hin, die sich seitdem fortgesetzt wiederholt haben. Auch dort werden einheimische Arbeiter ans einigen Gruben eutlnssen und Ausländer herangezogen. Das Widersinnige solcher Maßnahmen in der Zeit großer Ueberfüllnng des Arbeitsmarktes leuchtet anch den bürgerlichen Blättern ein, die sonst Ulientivegt zu den Interessen der Zechenbarone hielte». Uns bcstäiiqen solche Vorkommnisse nur, daß es in der Notnr der kapitalistischen Ausbeutunji licnt, ohne jedes Gefühl der Verantwortlichkeit für die sociale La�e der Arbeiter nur vom Stand- punkte des nutzbringenden Gewinns den Betrieb zu leiten und zu führen. Auf uns haben die Phrasen der nationalen Politik, die den Vertretern der Hochfinanz so geläufig sind, nie Eindruck ge- macht, sie waren nur ein Schivindelmanöver und noch dazu ein sehr dummes, weil die eigentlichen Absichten so grell hervortreten. Was fragt man in jenen Kreisen danach, ob Tausend« von Arbeitern im Elend sich befinden, wenn daraus gesteigerte Gewinne entspringen. Ausnützung der Arbeitskraft der Lohnsklaven bis aufs äuszerste, das sichert auch in Zeiten der Krise den Profit. Warum sollen die Aktionäre, die Direktoren, die Aufsichtsräte, die Grofikapitalisten. au ihrem Einkommen entbehren; haben sie die Macht dazu, dann wälzen sie dem Proletariat die Lasten zu und entrüsten sich schliesslich über die Begehrlichkeit der Arbeiter, die diesem Drucke widerstreben. Darüber geben sich die Arbeiter keinen Täuschungen hin. Ivos sie von jener Seite zu erwarten haben. Die bürgerlichen Blätter befürchten, dass bei der starken Er- regung, die diese unerhörte Provokation bei den Arbeiter» hervor- rufen muss, es zu einem Streik konnnen konnte. Sicherlich wäre die Auflehnung der Arbeiter gegen ihre Peiniger nie berechtigte gewesen als gerade jetzt, aber es mutz leider gesagt tverden, auch aussichtslos im Erfolg. Der Streik käme den Grubcnbaronen zur rechten Zeit, um ihre Lagerbestände aufzuräumen, und die Betriebs- einschränkung würde nur von Nutzen für den Kohlenmarkt sein. Das werden die Arbeiter auch einsehen müssen und»och mehr, ivie not- wendig der organisierte Widerstand gegen solche rücksichtslose Be- Handlung ist, wie sie jetzt den Bergarbeitern zu teil wird. In der Organisation kann die Abrechnung vorbereitet werden, der geeignete Zeitpunkt wird sich finden. GeivevKMMfkttrTjes. Berlin n»d Umgegend. Die Nrbcitslosigkcit unter den Berliner Steinsetzern be- schäftigte dieser Tage eine von etwa 20V Steinsetzern besuchte Ver- sammlung. Ei» aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag, um die Arbeitslosigkeit zu übersehen, mögen doch einmal die an- wesenden Arbeitslosen aufstehen, hatte eine geradezu unheimliche Wirkung. Gut zwei Drittel aller Anwesenden er- hoben sich von den Plätzen. Es wäre das Resultat wohl noch eiu schlimmeres gewesen, wenn sich nicht so viele Arbeitslose» genierten, zur Versammlung zu kommen, weil sie vielleicht nicht den Groschen zu einen: Glas Bier hatten oder weil das bisschen Sonn- tagsstaat versetzt ist. Die Konsequenz dieses Resultats war die Wahl eiuer Deputation an den Oberbürgermeister. Derselben gehörten die Steinsetzer Karl Arlt, Franz Kersten, Otto Häckelbusch, C. Kuck, Markgraf und H a a k an. Die Deputation begab sich in Ausführung ihres Auftrages zun: Stadtobcrhaupt und wurde auch empfangen. Der Herr Ober- bürgermeister wurde mit dem Auftrag der Deputation bekannt gc- «nacht und erlaubte sich dieselbe durch ihren Wortführer, dem Herrn Oberbürgermeister folgende Vorschläge zu machen, deren Erfüllung nach der Meinung der Steinsetzer die schlinunste Arbeitslosigkeit be- seitigen würde. In erster Linie sollten die Bauinspektionen sofort «nit Reparatur respektive Neu- und UmPflasterungen beginnen. Ferner sollten alle die Arbeiten, welche etwa an die Meister schon in Subnüssion vergeben sind, sofort in Angriff genönimen lverden und ferner wurde gewünscht, der Magistrat möge seinen Einfluß dahin geltend machen, dass am Ort ansässige Steinsetzer von den Meistern z n e r st eingestellt ivürdcn. Ferner«nöge der Magistrat auf dem neu zu errichtenden Steindcpot so viel Ivie möglich arbcits- lose Steinsetzer mit der Herstellung der notwendig werdenden Zu- fahrtstrasscn ze. betrauen. Der Herr Oberbürgernieistcr versprach, so viel in seinen Kräften stände, den Wünschen der Steinsetzer Folge zu geben. Der Herr Oberbürgermeister stellte u. a. an die Depmation die Frage, ob die Steinsetzer eventuell gewillt seien, bei Her- stellnng des geplanten Scherbe nberges«nit Hand anzulegen. Die Kommission bejahte dies« Frage; die arbeitslosen Steinsetzer Ivürden den Vorwurf der Arbeitsscheu nicht auf sich laden und auch diese Arbeit auf sich nehmen, wenn in ihr Fach einschlagende nicht vorhanden wäre.— Mögen die Hoffnungen, die der Herr Oberbürgermeister unter den arbeitslose» Steinarbcitern erweckte, nicht zu Schanden werden I Znr Frage des Sonimerurlaubs für städtische Arbeiter. Die von den in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeitern seit langem gestellte Forderung auf Gewährung eines kleinen S o m n: c r- Urlaubs hat im Sommer des vorigen Jahres den: Berliner Magistrat Veranlassung gegeben, eine Kommission einzusetzen, welche sich mit dieser Frage' beschäftigen sollte. Der Sommer will nun bald wieder Einkehr halten, von den Beratungen ist aber bisher noch nicht das geringste in die Oeffentlichkcit gedrungen. Die beteiligte» Arbeiter befürchten daher nicht mit Iliirccht, dass, ans dem bis- herigen Gang der Verhandlungen zu schlicsscn. die Fertig- stellnng eines bezüglichen Planes sich bis zum Nimmer- mehrleinstng verzögern und sie ivohl nie in den Genuß einer derartigen Erholung gelangen«verde». Um aber endlich einmal darüber Klarheit zu erlange», wie es mit der oft be- tonten Fürsorge des Magistrats in Wirklichkeit aussieht, soll in einer zur nächsten Woche einberufenen Versammlung gegen dieses Ge- bahren protestiert und die Abseudnng einer entsprechenden Resolution an den Magistrat beschlossen werden. Tentschcö Reich. Eiu Streikprozrst, der zu ganz horrenden Verurteilungen führte, hat sich dieser Tage in Breslau abgespielt. Dort standen vor der Strafkammer 4 Maurer und 1 Zimmermann. die beschnldigt waren der Bedrohung, des Vergehens gegen die per- sönliche Freiheit, der Beleidigung und des Vergehens gegen§ 1S3 der Gewerbe-Ordnung. Alle diese Verbrechen solle«: sie an„Arbeits- willigen" begangen haben. Drei der Angeklagten mußten freigesprochen werden, weil sie nichts weiter gethan, als die Arbeitswilligen in sachlicher Weise an ihre Pflicht erinnert oder als Verbandsfunktionäre mit den: Iluteruehmer verhandelr hatten. WaS ihnen hätte blühen können, wenn sie dabei auch nur das leiseste unvorsichtige Wort gebraucht hätten, mag man aus dem Urteil gegen die beiden übrigen ersehen. Der Maurer Ernst H a a s e, der sich seine Pantinen aus der Bau- Hude holen wollte und sich auf Aufforderung nicht sofort von dem Bangrnndstück entfernte,«veil er der weit verbreiteten Meinung »var, er müsse d r e i::: a l aufgefordert werden, tvnrde«vegcn Hausfriedensbruchs zu ztvci Monaten GcfäuguiS verur- teilt. Der Maurer Joseph M a ch a t e wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, obgleich in einem Fall swegen Nötigung) Freisprechung erfolgen mußte. Machate hatte mit den Streik- brechen: unterhandeln wollen,«var aber von diesen mit Kaffee be- gössen, mit einer Latte bedroht und mit einem Ziegelstein gelvorfen «vordcn: darauf ließ Machate sich hinreißen, seine Angreifer mit Ausdrücken wie: Verfluchte Lunchen, Ihr seid nicht wert, angespuckt zu werden, zu regalieren. Wenn Machate dafür mit 6 Monaten Gefängnis bestraft«vurde, tvelche Strafe verdienen dann seine Au- greiser? Und«velche Strafe verdient der technische Mitarbeiter des Unternehmers, der den Streikenden zurief: wem j e i n L e b e n liebsei. dersolle sich«vegscherei«: er habeetlvas in der Tasche? Welche Strafe verdienen diese Leute und «velche werden sie b e k o in n: e n? Bei den GetverbcgerichtS-Wahlen in Duisburg eroberten die freien Gewerkschaften in zwei Bezirken drei Mandate der Arbeitnehmerklasse. Insgesamt sind jetzt fünf Mandate, die Hälfte der Arbeiwehmer-Beisitzer, Vertreter der freien Gewerkschaften. Die Tapezierer in R o st o ck erlangten durch Verhandlungen mit der Innung an Stelle der geforderten LohnerKöhnng von 10 Proz. Verauiwomicher Resacleur: Earl Leid in eine solche von 6 Proz., sowie die Festsetzung eines Minimallohnes von 21 M. bei Lohn- und 24 M. bei Accordarbeit. Znr Schneiderbewegnng. Im Vollzuge eines Beschlusses, der auf dem süddeutschen Schiieideuneister-Kongreß, der am Montag in M ü«: Ä e n tagte, gefaßt wurde, beehrte der Vorsitzende des Arbeit- geber-Verbandes in: Schneidergelverbe den Hauptvorstand des Ver- bandes der Schneider und Schneiderinnen in Stuttgart mit einen: Drohbrief, in dem der gesamten Gehilfenschaft des deutschen Schneidergewerbes die schärfste Maß- regelnng angekündigt wird, insofern in München bis Sonnabend den 12. April der Ausstand nichtbeendet ist. Die Ausgesperrten befaßten sich in einer Versammlung mit diesem Brandbrief, den der Haupt- vorstand sogleich nach München gesandt hat, und waren einstimmig der Meinung, der Arbeitgebcrverband solle thun, was er nicht lassen kann. Streik und Aussperrung können nach Ansicht der Ausgesperrten bis Sonnabend sehr wohl beendet sein, insofern die Führer in: Arbeitgeber-Verband die von den Gehilfen dar- gebotene Hand annehmen und das Gelverbegericht als E i n i g n n g s a m t anerkennen. Die Ausgesperrte:: haben auch nichts dagegen einzuwenden, wenn sich der Arbeitgeber-Verband an de«: Hauptvorstaud nach Stuttgart wendet und diesen un: Ver- Mittelung angeht, da dieser als vertragschließende Partei den Tarif- vertrag in: Juli 1899 dock mit uilterzeichnet hat. Die Drohung niit Gewaltmnßregeli: läßt die Ausgesperrten jedoch kalt.— In Ludwigs- Hafen wählte eine von über 300 Schneiden: besuchte Versammlung eine Lohnkommission, die beauftragt wurde, den Vorsitzende«: des Geiverbegerichts, Herrn Dr. Brannagel, zu ersuchen, die Ge- schästsinhabcr vor das Einigungsamt zu laden, um mit denselben die Vereinbarung und linterhandluiig der festzulegende«: Tarife vor- zunehmen. Sollten sie es jedoch nicht für nolwendig erachten, dort zu erscheinen, so«vird die Lohnkomluission verpflichtet, die weitere» Schritte mit dem Konsumverein, svivie mit den: Gewerkschaflskartell einzuleiten, um die Bolflotticrung dieser Geschäfte seitens der organi- sierten Arbeiterschaft zur Beratung und Durchführung zu veranlassen. Aus dcv �rAurubewe�uttg. Im Bmin für Franc«: und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am Montag der Schriftsteller H. Ströbel einen sehr interessauten Vortrag über H. Heine.— Sonntag, den 13. April, abends 7 Uhr, findet in den Arminhallen, Koniiiimidniitcnstr. 20, ein geselliges Beisammensein niit Tanz statt. Um zahlreichen Besuch der Mitglieder und Gäste«vird gebeten.— Der nächste Vortragsabend ist am 21. April. Herr Dr. Max O s b o r n hat das Referat übernommen. Eine große Dienstboten- Vcrsainnilnng, in der auch viele HauSfrauc» anwesend waren, beschäftigte sich am Donnerstagabend in den Augnsta Victoria-Sälen mit den„gesetzlichen For- der un gen der Dien st böte n". In anschaulicher Weise schilderte Frau Regieruugsrat Marquardt die Ulihaltbarkeit der allen Gesinde- Ordnung vom Jahre 1810, die noch heute zu Recht bestehe. Abgesehen davon, daß in Preußen 18, in Deutschland 39 verschiedene Gesinde« Ordiningen in Kraft seien. Ivärcn auch Paragraphen zum Beispiel in der für Berlin gültigen Gesinde- Ordnung vorhanden, die höchst sonderbar, lvenu nicht komisch ivirken müßten. Der tz 77 bestimme beispielsweise, daß der Dienstbote sich wegen Beschimpfungen nicht an ei» Gericht weuden dürfe und daß er Züchtigungen zu dulden habe, so lange dadurch keine Gefahr für Leben und Gesundheit entstehe: ein andrer, daß Geschenke erst nach einen: Jahre völliger Bravheit Eigentum der Empfängeriii lverden sollen. Auch sei es nicht angängig, daß für Streitigkeiten die Polizei das Gericht bilde, der Dienstbote sei ebenso Arbeilcr,«vie ein in gelverblichen Berufen beschäftigter und gehöre daher vors Gelvcrbegericht. Ein zweiter Uebelstand sei das Fehlen einer gründlichen Vorbildung für den Tieiistbolenstand. Es bilde das mit einen Grund, warum die Tochter eines Geheimrats lieber Lehrerin als Erzieherin, diejenige eines Kaufmanns lieber Verkäuferin als Stütze der Hausfrau, die Arbeitertochter lieber Fabrikmädcheu als Dienstmädchen würde. Scharf ging die Rednern: mit dem Dienstbiich ins Gericht und führle eine Reihe von Fällen an, in denen ein einziges schlechtes Zeugnis, das das sonst tüchtige Mädchen von einer ivcnig toleranten Hausfrau erhält, das Mädchen auf die schlechte Bahn getrieben hat. Ein Dienstniädchen müsse zwei Jahre«varten, bis es«vieder ein makelloses weißes Buch erhalte, während eine Proslitnierte jederzeit, falls sie erkläre, sie«volle sich bessern, in de» Besitz eines solchen komme. Des weiteren schilderte die Redner»: die Art, wie für kranke Dienstboten gesorgt sei,«velche Schädignugen ihrer Gesundheit durch schlechte Wohnräuine erfolgten, nur 34 Proz. aller Wohnräume in Berlin cutsprechcn den polizeilichen Vorschriften, 44 Proz. aller Mädchen schlafen noch auf den durch die Baupolizei-Vorschrift ver- botenen Hängeböden. Nach längerer Diskttssion, in welcher auch dix Aufhebung des„Gestndebelohnnligsfouds der SradtBerlin" gefordert wurde, beschloß die Versammlung folgende Resolution:„Die am 10. April 1902 in den Angusta Victoria-Sälen tagende öffentliche Ver- saminluiig,«velche von Hunderten von Hausfrauen und Dienenden besucht ist, ersucht einen hohen Reichstag baldigst folgende Forderungen gesetzgeberisch in Angriff nehmen zu wollen: 1. Aufhebung der Gesinde- Ordiinnge» und Uiltcrstellnng der HnnsangefteNlci: unter die Gewerbe- Ordnung, 2. Slblichtnng der aus dem Dienstverhältnis sich ergebenden Slreitig- feiten durch die Gewerbegerichte, 3. Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen mit anschließendem Haushaltungs-Ullterricht und 4. Einziehung der HausangesieNteu in das Reichs-Kranlen- und Unfall-Versicherungsgesetz."_ Wevilszks-Äeikttng. Um die Redefreiheit in den Gcmeindevertrctcr-Sitznnge» drehte sich eine Verhandlung, welche gestern vor der vierten Straf- kammer am Landgericht II stattfand. Der Gastwirt jFritz K u l i n a, der Gemeiudevertreter in Tegel ist, war ivegen Beleidigung des Amts- und Gemeindevorstehers Brunoiv von Tegel zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt«vorden und hatte dagegen Berufung ein- gelegt. Ein Beamter der Gemeinde-Gasansialt war beschuldigt worden, bei der Liefcrimg von Coaks an Sckinle«: und andre kommunale Institute, sowie beim Verkauf von Coaks an Privat- leute niit falschen: Masse gemessen zu haben. Das Hcktolitermaß, «velches beim Messen verivandt wurde, soll einen doppelten oder aber mindestens weit über den untersten Rand in das Innere des Maßes hincingerückten Boden gehabt haben, mit dessen Hilfe stets geringeres Matz geliefert«vnrde. Ein AmtSdiener, der nachgemessen hatte und äch selbst für betrogen bielt, hatte Anzeige beim Amtsvorsteher er- stattet, der dieselbe später an die königliche Staatsanwaltschaft ab- gegeben hat. Die Untersuchniig hat sich sehr lange hingezogen, bat aber mit der Einstellung des Verfahrens geendigt, weil 'iir den angeblichen Betrug ein sicherer Beweis nicht geführt lverden konnte, da der betreffende Gasnnstallsbeamte das kritische Maß rechtzeitig hatte verschwinden lassen, oder wie be- hauptet«vird, schleunigst verbrannt hatte. Nachdem nach erfolgter Anzeige fünf Monate vclstrichen waren und die ganze Einwohner« schaft darüber erregt«vurde, daß die Sache keinen Fortgang erhielt, interpellierte Genieindevertrcter Kulina den Amtsvorstehcr in der Sitzung vom 23. September darüber, was aus der Sache geworden "ei. Der Amtsvorstehcr erwiderte, daß er die Sache an die Staats- anwaltschaft abgegeben, aber bisher noch keinen Bescheid erhalten habe. Hier hat der Angeklagte den Zwischenruf gemacht:„Weil Sic die Sache wohlweislich haben liegen lassen!" In diesem Ztujschen- ruf wurde der Borlvurf einer Pflichtverletzung:»:d damit eine Beleidigung gefunden, welche das Schöffengericht als eine sehr schwere ansah. Der Staatsanwalt neigte sich der Ansicht des� Schöffen- gerächtes zu und beantragte Verwerfung der Berufung. Judessc» stellte sich der Gerichtshof auf den Standpunkt des Verteidigers Dr. Werthauer und führle in der Urteilsbegründung aus, daß es zwar nicht wahr sei, daß der Amtsvorsteher die Sache habe liegen lassen, der Angeklagte sei aber, der Meinung, daß dies geschehen sei. Als Gemeiudevertreter hatte er das Recht, seine Meinung zuäussern,«lud d i e s e r M e i n u n g durfte Zerlin. Für den Jllseratelitcil verantwortlich: Th. Glorte m Ber.in. Dr» et ums o m e h r sein, als ja thaisallich hast de- treffende C o a k s m a ß spurlos v e r s ch to n v d->««st. Was die Form des Zwischenrufes anlange, so sei gar ntcht zn er- keimen, welche andern Worte der Angellagte für seinen Zuruf wähle:: sollte, mit dem er seine Meinung sagen wollte. Jedenfalls sei aus der Form nicht die Absicht der Beleidigung zu erkennen. Der An- geklagte sei daher freizusprechen. Eine Ausschreitung gegenüber einem ArbertStvilligen Ivnrde dem Arbeiter Friedrich P a r t e n b e i»: e r zur Last gelegt. der sich wegen versuchter Nötigung, Körperverletzung. Beleidigung und wegen Werfens mit Steinen auf Menschen vor der ersten Straf- kammer am Landgericht II zu verantworteli hatte. Der Angeklagte arbeitete im Herbst vorigen Jahres an der Chaussee zwischen Grünau und Zenthen. Im Oktober stellten sämtliche Arbeiter die Arbeit ein, weil� ihnen eine Erhöhung des Stnndenlohlics von 35 auf 40 Pfennig nicht bewilligt wurde. Auch der Arbeiter I a b l o w s k i schloß sich' anfänglich den Slreikenden an, nahm aber bald die Arbeit wieder auf. Am 28. Oktober lanerte Partenheimer dem Jablowski an der Arbeitsstätte auf und rief ihm zu:„Du verfl. Pollack I Erst wolltest Du mitthiin und jetzt arbeitest Du! Das werde ich Dir anstreichen! Du Spitzbube! Du Lump!" Dabei ergriff er einen großen Stein und warf diesen nach Jablowski. Er traf denselben am Schienbein und verletzte ihn nicht unerheblich. Seinen Zweck, den I. von der Arbeit abzuhalten, hat er aber nicht erreicht, denn I. hat weiter gearbeitet. Der Gerichtshof hielt den Angeklagten im vollen Umfange der Anklage für schuldig und fand in dem Verhalten desselben einen„groben Terrorismus", der niit drei Monaten Gefängnis zu ahnden sei. Wegen mehrfacher systematischer ErpressnnqSbcrsnche gegen den Grafen Fritz Hohenau in Dresden standen im April d. I. fünf Personen vor Gericht. Es handelte sich um Vorgänge, die das Licht der Oeffentlichkeil zu scheuen hatten. Die beiden Haupt- angeklagten wurden zu je 2 Jahren 6 Monaten Gefaiiguis, die übrigen Angeklagten zu milderen Strafen verurteilt. Für den zu 6 Monaten Gefängnis verurteilten Schankwirt Herinaim Füll- graf hat jetzt Rechtsanwalt Walther Bahn die Wiederaufnahme des Verfahrens wegen Geisteskrankheit des Verurteilten beantragt. Der Antrag beruft sich ans vorliegende Gutachten des Mcdizinalrats Dr. Lepp'mann, des Sanitäts'rats Dr. Edel nnd andrer Aerzte für Gemütskranke. Seitens des Staatsanwalts ist Medizinalrat Dr. M i t t e>i z w e: g damit betraut worden, den Geisteszustand des Angeklagteii zn untersuchen. Gegen das im Prozeß gegen die Gründer und Auffichisräte der« H e l i o s- A k t i e i: g e s e 1 1 s ch a f t" ergaiigene Urteil hatten der Kausmann Julins Heiiiickc, der Rentier August Richter und der Rechtsanwalt Dr. Laase die Wiederaufnahme des Verfahrens be- antragt und sich auf eine Lteihe neuer Thatsachen gestütz«, die gc- eignet seien, ihre Schuldlosigkeit zu erweisen. 7. Die erste Sirafkauimcr hat jetzt das Wiederaufnahnie-Verfahieu abgelehnt und dies damit begründet, daß die augeblich neuen Thatsachen schon in der Haupt- Verhandlung erörtert worden seien. Gegen den ablehueude» Beschluß der Strafkammer habe«: die Justizräte Kleinholz, Dr. Staub und Bahn Beschwerde beim Kammergericht erhoben. Ei» Skandalprozeß gegen sechs Angehörige der goldeucn Jugend wird i» A 11 g s b:: r g lebhaft besprochen. Einige jugendliche Sprossen der Adels- und Geldaristokratie hntlen in ihrem Stamm- lokal sich ei: der Kellnerin in höchst«msittlicherweise vergangen. Vier der Angeklagten sind dafür am 9. April zu je 450 M. Geld- strafe verurteilt worden: der Staatsanwalt halte gegen jede» drei Monate Gefängnis beantragt. Zwei Main: ivurden freigesprochen. Ter Boeren- Krieg. e»;, FricdcnSunterhandlnngen. A11S Klerk�orp wird vom Mittwoch gemeldet: Heute gegen 11 Uhr morgens l..men imtcr der Parlamentärflagge Vorposten mit der Meldung, Stcij», Dctvct und Tclarry wünschten in die S!.n d t zn kommen. Ein Offizier wurde mit einer Eskorte ausgesandt uud gegen Mittag langten die drei Bocreuführer zu Wagen mit ihre» Stäben an. Die Vertreter des Oranje-Freistaats erhielten Quartiere in der alten Stadt, während Delarey sich mit den Ver- treten« von Transvaal»ach der neuen Stadt begab. Die Vertreter beider Staaten lverden aiigenicsscn bewacht. Die Verbindung zivische» den beiden Regierungen wurde gestattet. Für die Zusammeu- kunft ist zwischen den beide» Stadtteilen ein Zelt errichtet«vorden. „Daily Mail" berichtet aus Pretoria: Die einzige Be- dingung, auf die England einen besonderen Wert bei Beratung der Friedeusbedingmigen legt, ist die Rufgabe der Unabhängigkeit solvie die Auslieferung der Waffe». Die übrigen Frage» lverden Gegenstai»d einer leichten Verständigung sein. Das Blatt fügt hinzu,«venu die Boeren diesmal aufrichtig feie», und es sei kein Grund vorhanden, daran zu ziveifel», so sei uicht jede Hoffnimg auf Erfolg der Verhandlungen verloren. Der Optimismus dieses Blattes«vird von anderen Organen geteilt. Die ministeriellen Blätter sind dagegen«venigcr optimistisch.„Daily Telegraph" lenkt die Aufmerksamkeit auf die Erklärimge» BalfonrS. „Daily Expreß" drückt die Hoffnung aus, daß die Unterhandlunge» zu eiiiein Ergebnis führen möchten. Ulitcrhanö. Brodrick erklärt, der Regierung liege zur Zeit keine Mitteilung über Friedeiisbedinglingen von den Boerenführcri: vor. O'Kelly fragt, ob Kitchener ermächtigt worden sei. irgendwelche andre Bediiiguiigcil als unbedingte Uebergabe anzubieten. Brodrick erwidert, er sei nicht in der Lage, irgend eine Mitteilung zu macdcn. Black fragt an. ob ivähreud der Abwesenheit der Boeren- konimalldaiitcn von ihren Truppe» Waffenstillstand sein werde. Brodrick antwortet, es würde sicher kein WaffcnjtiNstand stattfinden. Amsterdam, Ii. April. sB. H.) Nach heute hier eingetroffenen Depescben ans Südafrika beschlossen die in Klerksdorp eingetrossencii Boerenführer De Wct, Steiji: und Delarey, in Friedensverhandlungen eiiizntreten. falls England vorher ein Kabel zur direkten V e r st ä n d i g n:« g mit Krüger hergebe. Zfchte«nd Depolrszen. Brüssel, ll. April.(Privatdepesche des„Vorwärts") Zu der im Volkshaufc stattgefundeliei: Versaiumlmig wurden die Zugänge abgesperrt. Sämmtliche Redner niahntei: eindringlichst zur Ruhe. Aniamiiilllngcn von mehr als zehn Personen sind seitens des Bürger- Meisters verboten, trotzdem sind alle Straßen überfüllt und finden verschiedentlich Scharmützel statt. Die ganze Eivilgarde ist einberufe::. Die Gendarmen wurden in die Flucht geschlagen. 2 Tote, 34 Ver- wundcte. Der soeialistische Gemeiuderath Hallet wurde wegen Dienst- Verweigerung verhaftet, Rosenberg, 11. April. Unter den Verdachte, den Drechsler- Meister Grabowszi vergifte: zu haben, wurde der 03 jährige Lehrer Hoffmann verhaftet und in das LandgerichtSgefängnis zu Elbing überführt. Brüx, 11. April.(38. T. B.) Die behördliche Kammiisio». wclcbe den Jnpitrrschacht besichtigte, hat nach sorgfältiger Prüfung' der Verhältnisse die Oessnung des Schachtes bctvilligt, der bisher hermetisch verschlösse» war. Man glaiiat, in diesen Tage» an die Bergung der Leiche» gehen zu köiiueii. Kronstadt, 11. April.(W. T. B.) Ter Eisbrecher„Jermak", über dessen Ausbleiben man sich beunruhigte, ist heute hier eiu- getroffen. Er hat»>ierzig Fischer mit mehreren Pferden, die auf einer Eisscholle in: Meere unihertriebeu. gerettet. London, 11. April...«„ 1000-2500„„ 150, ...... 2000 M. das Stück 300. Zoll tragen. In einer Anmerkung heißt es:..Nach näherer Be- stimmung des Bundesrats dürfen Pferde, welche zu Znchtzwecken vom Staat oder mit staatlicher Genehmigung eingesührt werden, im Aller bis zu 2 Jahren zu 10 M., von mehr als 2 Jahren zu einem Zollsatz von 20 M. das Stück abgelassen werden." Bisher wurde für Pferde unterschiedslos in jedem Alter 20 M. Zoll erhoben, der sich für die VertragSstaaten für Pferde bis zu 2 Jahren auf 10 M. ermäßigte. Müller-Sagau sfrs. Vp.) und Genossen beantragen, die bis- hcrigcn Vertragssätze in den Tarif einznstelle»; also Pferde bis zu 2 Jahre» mit 10 M., über 2 Jahren mit 20 lvk. Zoll zu belegen. Die Socialdemokraten beantragen völlige Zollfrcihcit� Gamp tRp.) und Genossen(K o m p r o m i ß a n t r a g> ver- langen, daß Pferde im Werte bis zu.. 1000 M. mit 90 M., „„ von mehr als 1000—2500 M.„ 180 M. und ..... 2500 M., 360„ Zoll belegt werden. Eine Anmerkung besagt:„Nach näherer Be- stimmung des Bundesrats dürfen Pferde, welche zu Zuchtzwecken vom Staate oder mit staatlicher Genehmigung eingeführt iverden, im Alter bis zu 2 Jahren zum Zollsatze von 10 M., im Alter von mehr als 2 Jahren zum Zollsatze von 20 M. für ein Stück abgelassen werden. Pferde im Werte bis 300 M. das Stück und mit weniger als 1,40 Meter Stockmaß dürfen zum Zollsatze von 30 M. für ein Stück abgelassen werden." Eine weitere Aumerluug besagt: Die obigen Zölle sollen durch vertragsmäßige Abmachungen nicht um mehr als 2V Proz. er- mäßigt werden. Graf Schwerin-Löivitz(kons.) befürwortet de» Kompromiß- antrag. Der Kompromißantrag sei notivendig, um die Landes- Pferdezucht gegen die ausländische Konkurrenz zu schützen und der Armee die Bcrsorgnng mit heimischen Renionten offen zn halten. Müller-Saaan(frs. Vp.) erivartet von der Regierung, daß sie ihrerseits zu dieser Frage klare Stellung nehme. Das System der Wertzölle sei für Pferde schon deshalb nicht durchführbar, ivcil das einzelne Tier im Laufe seiner Entwicklung ganz erheblich schlvanke. Durch Schutzzölle werde die heimische Pferdezucht nicht veranlaßt werden, von ihrer durch die Aenderung der gesamten landivirtschaft- lichen ProduktionSiveije bedingten Hinneigung z»i» kalten Schlag abzugehen. Äntriek(Soc.): Die agrarischen Antragsteller hätten es deutlich ausgedrückt, daß sie eine Verteuerung des Viehs uin die volle Höhe des. beantragte» Zolls wollten. Sie sagten zlvar. daß sie Handelsverträge wünsche», beantragten aber Zollsätze, bei denen jeder Vertrag unmöglich sei. Ein Wertzoll erscheine ihm gar nicht durchführbar. Er glaube nicht, daß die Grenz-Tierärzte den Wert der Pferde abtaxieren könnte»: die Pferdezüchter im Lande hätte» ja einen Vorteil von de» höhen Zöllen, der kleine Bauer, die Droschkenfuhrleut», Kleinhändler, die schon durch die Verteuerung der Futterpreise schiver getroffen werden, werden aber durch die Zölle anfs schwerste geschädigt. Preußischer Landlvirtschaftsnlinister v. Podbiclski vertritt die Ansicht, daß eine sorgsame Aufzucht von Pferden gerade bei den kleinen Landwirten zu finden sei. Diese hätten besonderes Interesse an dem Schutz der Pferdezucht. Die Anfzuchtkosten für Stemontc- pfcrde würden vielfach auch nicht annähernd gedeckt. Eine rentable Remonlezncht aber müsse für Kriegszwecke erhalten werden; das sei ein vitales Interesse des Reiches. Im übrigen spricht sich der Minister gegen eine Bindung der Vichzolle aus. Der Tarif sei ei» Ganzes; die Regierung»verde auch ohne solche Bindung auf ein ent- sprechendes Verhältnis zivischen Korn- und Viehzöllen halten. Pachuickc(frs. Bg.) bekämpft die»veitere Erhöhung des Pferde- zollS»üt*Riicksicht auf die Schwierigkeit der Wertfeststellung, auf die ohnedies eingetretene Zunahme der Pferdezucht und auf die Pferde- knnfer. Die Anträge der Agrarier seien nur eingebracht ivorden, weil die Bündler den Bauern unerfüllbare Versprechungen geinacht haben. Redner fragt zum Schluß nach dem Ziveck»nd dem Ergebnis der letzten Rundreise des Grafen P o s a d o>v S k y. Herold(T.) bestreitet, daß seitens der Agrarier den Landwirte» Versprechungen geinacht»vorde» seien. Es»verde nicht beabsichtigt, eine Preissteigerung für Pferde>md Rindvieh zn erzielen, sondern mir die Produktion vom Ausland inS Inland zu verlegen. Die Kompensationsobjekt« für Handelsverträge müßten in Jndnstriezöllen und nicht in Agrarzöllen gefunden»verde», da die Handelsverträge doch im industriellen Interesse geschlossen ivürdcn. Deshalb müßten auch dieVichzölle gleich den Kornzöllen gebunden»verde». Weitere Sindlingen würde» seitens deö Centrniliö nicht verlangt werden. Staatssekretär Graf Posadowöky erklärt, er ergreife mir mit bangem Zagen daS Wort,»veil er nach den Erfahrungen der gestrigen Sitzung Mißtrauen in die Ueberzeugungskraft seiner Äussührungeii setzen»nüsse. Entgegen seinen driligenden Ausführungen habe di Mehrheit gestern für ein unei»tbehrliches Rohprodukt(Qucbracho xine Zollerhöhnng von 120 Prozent der Wertes beschlossen. Trotz dem»volle er seine Pflicht erfüllen. Niemand»verde daran zweifeln. daß er ernstlich»vünsche, iin Interesse der Landivirtschaft, Jndustri und arbeitenden Bevölkennig das handelspolitische Verhältnis zu andren Staaten auf eine neue Grundlage zu stellen. Das könne aber nur unter der Boraussetzung geschehen, daß der llehergang in die neuen Verhältnisse ohne eine Erschütternng«nsrcr handclövolitischc» Verhältnisse zu andre»» Staate» vor sich gehe. DaS entgegengesetzte Resultat»vürde für Deutschland ein sehr ernstes sein. Er müsse die Angriffe, die auf Grund dieser An- schanungci» etiva gegen ihn gerichtet»vürden. ans sich iiehinci» und als Aeamlcr seine Pflicht thnn, ohne nach Lob oder Tadel zn fragen. Allgemeine Wahrheiten könnten nicht oft genug ivicdcrholt »Verden, und darum betone er nochmals, daß ein Doppcltarif uuter Umstäiidei» eil» sehr gutes handelspolitisches Jnstrinnent sein könne, aber„iir unter der Voraussetzung, daß die Miiiinialsätze " i ch t z„ hoch gegriffen»verde»». Die Nachteile, die für Frankreich aus den» System des Doppcltarifs entstanden seien, hätten nicht an dem System gelegen, sondern an den viel z» hohen Minimalfätzeu. Solche Minimalsähe, wie sie hier bei den Viehzöllen gefordert würden, seien»nit Handelsverträge» nicht vereinbar. Die andern Staaten»vürde» sich sofort alle i» die Position des Gegners setze». Aus dieser Basis könnten Verhandlungen nicht zu einen» Resultat führeu. Redner geht dann auf den Pfcrdezoll ein und führt aus. daß die Staffelung noch relativ die beste Art der Zollfestietznng sei. Sie setze allerdings große Sachkenntnis und außerordentliche Gewissen- hastigkeit der Beamten voraus. Schließlich betont der Staatssekretär, daß der Zolltarif-Entlvurf nur eine erste Skizze sein solle. Von dem ersten Marmorblock. de» man roh forine, müsse noch sehr viel Material herunter- geschlagen lverdelt. Wenn jetzt nur eine kose Ueberarbeitung des Materials vorgenomincn»verde, so habe das den Fehler, daß Fernere und auch Näherstehende schon jetzt Mißfallen an dein Werke cnlpfindeil und ei» Vorurteil gegen die erste Skizze enlstche, während bei der zweiten Lesung und im Plcimm voraussichtlich eine wundervolle Bildsäule herauskoinmeu würde.(Lachen links.) Er könne»ur den Freunden der Zollvorlagc rate», etwas energischer für die endgültige Gestaltung deö Entwurfs vor- zuarbeiten und von dem System der Miudestzölle abzugehen. Was seine Rnudreise betreffe, so lönnten die Herren glauben, daß es keine reine Vergiiüguiigsrelje geivesen sei. Aber es gebe Dinge,»vo sich die Regierung nicht in die Akten sehen lassen könne, auch wein» für sie kein Nedaktionsgeheinniis bestehe. Klose(C.) Iveist zur Enipfehlung des KoniproinißautrageS darauf hii», daß auch der Kleinbauer Pferde züchte und deshalb Nutzen von den erhöhten Zöllen habe. Nachdem Antrick(Soc.) noch eininal der Antrag Gamp lvie die Sätze der Regierungsvorlage bekänipft hat, lvird die Disklissioi» gc- schlösse». Der Antrag Ga»»P«nd Genossen wird mit großer Mehrheit augeuomme». Mit der aus de» Vertretern der beide» konservativen Parteien ui»d des Centrnms gebildeten Mehrheit stimmten die beiden National- liberalen Abgeordneten Sieg und Horn(GoSIar),»vährcnd die z>vci»veitere» Nationallibcralcn Paaschs und B e»» n» e r mit der Minderheit stinnntcn. Es folgt Position 100(Maulesel, Maultiere). Die Regie- nmgSvorlage sieht statt des bisherigen Zolls vo» 10 M. pro Stück eiiien solchen von 30 M. vor. Die Socialdeiiiokratcu beantragen Zollfreiheit. Stadthagen(Soc.) begründet den Antrag und verbreitet sich Über den Unterschied zivischen Eguus binnus und Equus mulus. Das Maultier sei ein sehr nützliches Tier und finde immer»»»ehr Verivendiiiig. DaS Maultier ist schon deshalb sehr nützlich, ivcil es sehr alt lvird. Es erreicht ei» Durchschnittsalter von 40 Jahre». Mau führt an. daß der Zoll für Maulesel erhöht iverden inliß,»veil ailch der Pferdezoll erhöh» ist. Da sollte man aber konsequent sein und bei diesen» Mischtiere die bcabsichligte Ermäßigung für Esel»nit berücksichtigen.(Heiterkeit.) M» n i st e r i a l d» r e k t o r WeriNNth stellt fest, daß vo» Maiik- tiere» nur 142 Slück im Werte von 21 300 M. im Vorjahre eingeführt»vordcn sind. Unter Ablchinmg des socialdeinokräiischei» Antrages wird der Satz der Regierungsvorlage angeiioinnicl». Position 101 legi ans Esel einen Zoll von 5 M.; bisher zoll- frei. Zollfrei sollen Sungfohlcn bleibe», welche der Mutter folgen. Zlutrick(Soc.) begründet einen Antrag aiss Zollfreiheil. Der'Antrag aiifZollfrcihcit wird cinstiniinig angenouimc»— für Esel! Hierauf tritt die Mittagspause ein. N a ch in» t t a g s- S i tz u>» g. Zu Position 102(Rindvieh) liegt der gestern»nitgetciltc agrarische Komproiuiffantrag vor. Müllcr-Sagan(frs. Vp.) beantragt folgende Sätze: für B i» I l e n(Stiere) und Kühe 9 M. für 1 Stück . Jungvieh...... 5„„1„ „Kälber........:!„„ 1„ „ Ochsen...'..... 20„, 1„ Die Socialdciiiokrate» beantrage» völlige Zollfrcihcit. Herold(C.) begründet den Kompromißantrag. Wirksamer als der Schutzzoll sei die Sperre: diese erfolge aber nur aus sanitären Gründen.(Lebhafte Unruhe und Widerspruch links.) Nachdem für die Gelreidczölle eine Mindestgrenze gebundc» sei, müsse»»»bedingt auch die M i n d e st g r e n z e für Vieh gebunden werden. Wem» die Regierung dem Reichstag nicht entgegenko»»«« bei der Bearbeitung des PosadoivSkyschcn Marmor- blocks, dann glaube er, Redner, nicht, daß eine schöne Bildsäule zu st a u d c k o in m e u»verde. Bebel(Soc.): Für die Erhöhnng der Gctrcidezöllc hat»na» geltend gemacht, daß die Getreidepreise znrückgegaiigeu sind und nicht mehr die ProduktiouSkosteu decken. Die Fleiichpresse sind nicht allein nicht zurückgegangen, sondern gestiegen. Das lvird auch i» den Motiven der Vorlage zugegeben. Mai» hält aber mit der Angabc der bestimmten Zahlen beim Jahre 1890 an. Würde man die letzten Jahre mit berücksichtigt haben, dann hätte man eine gcivaltige Steigerung der Preise feststellen iiiüsicn. Der Viehstapcl ist im denkbar günstigsten Zustand, das geben auch die Agrarier z». Aber man verlangt immer höhere Zölle. Sind die Ver- hältnisse ungünstig. daini verlangt man hohe» Zoll zur Hebung der Verhältnisse, sind die Verhältnisse aber günstig, dann muß erst recht eine Erhöhimg der Zölle eintreten,»in den Zustand zu erhalten. Die Begriliiduiig sührt eine Anzahl statistischer Zahlen an, die»vohl für Herabsetzung, aber liicht für Steigerung des Zolles sprechen. Seit Einsührung der Handels- Verträge hat nicht allein eine Steigerung der Stückzahl, sondern auch eine erhebliche Steigerung des WfttcS stattgefunden. Hier tritt aber klar zn Tage, daß hier die Kleinbnncr» stark beteiligt sind. Den Kleiubauexn, denen«ia>i angeblich helfen will, sucht man hier einen kleinen Ersatz dafür zn geben, waS ma» ihnen durch die Zölle auf Fnttcrnlittel abgcuoinnien hat. Die Abgg. Herold» Graf Schwerin und Wangcnhciin Plaudern so lant miteinander, daß die Worte des RrdncrS nicht mehr zu verstehen sind. Da der Vorsitzende Rettich nicht dagegen einschreitet,»vird er von der Linke» a» seine Pflicht gemahnt. Er verbittet sich diese Kritik. Rettich und Stadthagc» führen heftige Auseinaudersetziiiigen in» lautesten Tone. Schließlich tritt Ruhe ein und der Redner tan» fortfahren.) Der Fleischkonsum ist»in Süden und Westen höher als in» Osten. Der Wohlstand steigert den Flcischkonsmn. Die jetzt ansgebrochcne Krise»vird schon einen Rückgang des Fleischkonsums bringen, der»»» so stärker sein»vird, je länger die Krise dauert. Das Schreien nach Preissteigerung durch Zölle ist zlvar ein bequemes, aber Verhängnis- volles Mittel. Die künstliche Preissteigerung kann für die Landnnrt- schaft verhängnisvoll»verde», da dadurch ein Koiisinnrückgang entsieht. Würden die vorgeschlagenen Zölle angenommen, dann»vürde eine solche Steigerung der Preise eintreten, so daß viele Arbeiter von» Flciichkonsmn ausgoschlossen würden. Man»vill hier den» Arbeiter viel mehr nehmen, als man ihm durch die ganze Versicherungsgesetz- gebung giebt. Die Sperrung der Grenzen ist erfolgt, oblvohl iin Auslände iveniger Seuchen sind wie i» Deutschland. Die Seuchen sind mir Vonvand. Die Behauptung der Anhänger der Zollerhöhung, daß sie Handelsverträge Ivollen, ist nicht ernst zn nehmen. Man schädigt die deutsche Industrie auf das schlvcistc. England und Amerika sind unjre gesährltchsteu Konkurrenten. Dort haben die Arbeiter bessere Löhne und niedrigere Lebensmittelpreife. Diese ungünstige Lage soll nun noch verschärft iverden durch Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel. Deutschland kann in vielen Gegenden nicht daS Fleisch liefern, was nötig ist. München, die einzige Groß- stadt in einem weiten Agrarbezirk,»st ans den Bezug von ans- ländischem Schlachtvieh angewicseu. Der Gesundheitszustand des deutschen Viehes ist nicht so günstig, lvie e» hnigcstcllt»vird. In Sachsen sind bei der Fleischbeschau in einen» Jahre 55 581 tuberkulöse Stück Rindvieh ermittelt. Ebenfalls ist festgestellt, daß die Tuberkulose nnter dem Rindvieh rapid steigt. I» Bayern wurde vom Minister des Innern festgestellt, daß in sechs Jahren nicmals Seuchen aus Oeslreich, aber mehrfach auö Preußen eiugeschlcppt sind. Laiidlvirtjchaftsiiliiiister PodbiclSki: Die voin Abg. Bebel au- erkannte Besjcriiug der heimischen Viehbestände hat Millionen von heimischen» Kavitnl erfordert. Dieses Kapital dürfe man nun doch nicht preisgeben durch Eröffnung des freien Wettbeiverbs mit de»» Vieh des Auslandes. Für das lebende Vieh bckonnnt heute die deutsche Landivirtschaft keine höhercnPrcise als früher. Durch dic Schlachthänser, die sich mit 8 Proz. verzinsen dürfen, sei das Fleisch verteuert ivorden. Er sei gern bereit, mit Bebel»mck Bayern zn reisen, dort»verde er sehen, lvie es mit den Vichsenchcn stehe. Je größer der Stall, desto größer die Gefahr der Jnieltion mit Tuberkulose. Unter der Wirkung der Sperre sei die Maul- und Klauenseuche ans ein Minimnn» ge- schwunden. Eine der vornchinste» Pflichtet» der landivirtschaftlichcn Berivaltung sei, die Seuchen zu bekämpfen. Die Regierungsvorlage schaffe die Grundlage für eine Sicherung des heimischc» Vichstandes, ohne den Abschluß von Handelsverträgen zn erschivcrcn. Miiller-Meiniiigcn(frs. Vp.): Deutschland ist das Land mit den höchsten Fleischprcisc»» und nun soll es auch den höchsten Viehzoll haben. Wenn behauptet lvird, daß die Höhe der Preise mir durch den Kleinhandel herbeigeführt lvird, so giebt es hierfür keine Be- lvcise. Die Familie in Berlin»vird durch den Fleischzoll der Nc- gicrmigsvorlagc mit 28 Mark pro Jahr belastet, durch den vom Abgeordneten Gamp beantragten Zoll mit 39 Mark. Der kleine Bauer hat nur Schaden von der Erhöhnng der Viehpreise und der Preise der Futtcrinittel. Auch die Olnalität des deutschen Fleisches genügt nicht innner. Gerade in Bayern haben»vir fremde Einfuhr nötig. Mit solchen Sätzen»st ein Handelsvertrag mit Oestrcich-lliigäru immvglich. Lnrz(C.) ivill den Grenzbewohnern für die Dauer die Ver- gülistiguiig erhalten, Zugochsen zum Zollsatz von 30 M. einzuführen, und beantragt deshalb, in der zweiten Anmerkung die Worte „während der erste» 6 Jahre der Geltung des Tarifs" zn streichen. Spahn iE.) bestreitet, daß durch die Vichzöllc eine Steigerung der Fleischprcisc herbeigeführt werde. Bezüglich der Bindung ist er evcnt. in der ziocilcn Lesung dafür zn haben, statt 20 Proz. 25 Proz. Spannung zu gebe». Staatssekretär Graf Posado. vsky: In de» jahrelangen Debatten über die Zollfrage sei von agrarischer Seite stets ans die Hebung der Viehivirtschaft als erstrebcnSlvcrtes Ziel hingewiesen ivorden. Da min die ausländischen Frachtspescu gesnnkel», die FlcischauSfuhren des Auslandes, besonders Amerikas und Dänemarks, fortlvährend gestiegen seien, könnten die bisherigen Zollsätze nicht mehr als ausreichend für den Schutz der heimischen Viehivirtschaft gelten. Deutschlands Viehstand steige, so daß es seinen Flcischbcdarf bald ans eigenem decken könne. Um eine normale Gestaltung der heimischc» Vieh-»md Fleischpreise zu erziele», müssen»vir solche Vichzölle habe», die die Kon- kurrenz der Länder ausschließen, in denen wegen der Gunst des Klimas, der Billigkeit des Arbeitslohnes ec. eine billigere Vich- prodnklion möglich sei. �Dic Regierungsvorlage gehe an die äiiffcrste Grenz,: des Schutzes der heimischen Viehivirtschaft. Weiter könne sich die Regierung nicht drängen lassen. Die Herren Gamp und Genossen fordern zu viel. Während die NegicruiizfSvorlage mit ihrem Stückzoll für Kühe k. je 4,28 bis 4,01 Mark für den Doppelcenlncr einstelle, fordern die Herren 14,50 Mark für den Doppeleentner als Mulilualzoll. Die Bildsäule dürfe nur an cinci» Fuße, sie dürfe nicht an beiden Füßen gcbmiden iverden. Staatssekretär des Auswärtige» F r h r. v. Nicht- Hofen bekämpft de» Antrag Gamp mit vertraulichen Mitteilungen. Ans mehr Miudestzölle könne sich die Regierung nicht einlassen. Handelsverträge mit solchen Mlndesizöllcn seien nninvglich. Bayrischer Ministerialrat Ritter v. Geiger: Die Grenzorte könnten das östreichische Vieh nicht entbehre». Die armen Bauen» aber würden die von Gamp geforderten Sätze nicht zahlen könneii. Müller- Sagau(frs. Vp.) beantragt»umnehr für Ochsen einen Zollsatz von 25,50 M., für Zugochsen einen solchen von 20 M. Gainp(Rp.) spielt Podbielski gegen Nichthofei» ans. WaS an Zollschntz nötig sei sü> die Viehivirtschaft, könne nicht zum Kompcnsalionsobjekt gemacht werden. Dazu s c» e>» I n d u st r i e- zolle genug da. Sonst wäre ja die ganze Rede PodbielSkiS uuverftäudlich.(Zwischcuruf: DaS Wae sie übe» Haupt! Stürmische Heiterkeit.) Der Landwirtschaft müsse durch viel höhere Zölle, ivic in der Vorlage, geholfen»verde», denn sie habe in Deutsch- land so hohe sociale Lasten zu tragen,.»vie in keinem andren Laude, bis zu 25 Proz. iviirde auch er bei der Bindnug der Re- gicrnng schließlich e»tgcg«l>ko»»mcil. Weiter uicht; lieber»vürde er bei den Kvrnzölleu nachgeben. Staatssekretär Frhr. v. Richthofcn: Herr Gamp»viiudere sich, daß die Negicrmig sich so ablehnend verhalte. Dieses Wunder»» ici aber sehr wenig begründet, dem» er müsse bedenken, daß er die Zölle ailf das sieben- bis eisfache der geltenden Sätze erhöhe. Mit gebundener Marschroute lönne die Negierung keine Handels- llcrlrngSvcrhandlmigci» führen. Müller- Sagau(frs. Vp.) bedauert, daß Minister v. Podbielski die Auffassung,»velche er heute vertreten habe, daß durch Vereinigung von Vieh in' großen Ställen die Verbreitung von Viehseuchen er- leichtert»verde, nicht schon bei Beratung der Vorlage ivegei» des Mngcrvichhofes in» preiißischen Abgeordnetcnhaiisc zur Geltung gc- bracht hat. Der Magerviehhof»verde zu einer Centrale für Vieh- verseuchnng iveiden. Der Hiiuveis Podbielslis nnf die Statistik der Viehseuchen entbehre jeder Beweiskraft zu Guuften der Mchsperre, da unter Wirkung der Vichsperreu die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche ihren HLHcpmikt erst allmählich erreicht habe. Die»veitere Disstlssi«» lvird durch einen Schlußantrag ab- geschnitten. Der Antrag Gamp lvird mit dem Amendement Lurz auge»io»n»ie»i. Dafür stimmen die Vertreter der beiden tou- servakibe» Parteien, des CeutrinnZ, der Antisemit und der Nalional- liberalc Abg. Sieg. Nächste Sitzung: D i e n S t a g 10 Uhr. StWil-RtstMMt zwilch. MüggeUchiotz n.«ussichtsturm. 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Morgen: Dieselbe Vorstellung._ letropol-HieatBr Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Zum 13. Mal: Die wahre Liebe ist das nicht. Grosse Possemit Gesang u. Tanz in 4 Bildern von Horst u. Stein, bearbeitet von Julius Freund, Musik von Victdr Holländer. Anfang 8 Uhr. Eauchen überall gestattet. Morgen und die folgenden Tage; Die wahre Liebe ist das nicht. Palast-Theater| (früher Kren-Palast) Pnrgslr. 2:4. Direktion R. Winkler n. W. Fröbel.! Das Riesen-April• Programm! Täglich«astisplclc: von Schlagern I. Ranges. 8'/- Uhr SVi Uhr Der groste Sacherfolg k Line Nacht im Ballhaus. Schwank in 4 Akten von Kneiiei. Hünfllng, Küster: Dir. Rieh. Winkler.l Lest Darras, einzig dastehend.I Anald. Zum I.Male in Berlin.! Ada Mareen:„Im Boudoir".! A ,»«»-, Gesangs- u.Tanz-Terzett.s Cinineline Höchberg, Soubreiten-Dwa. Anfang präeise 8 Uhr. Entree SV Pf. ZlQttba»cr»tr. 4 a, Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoikinamia Norddelltslhe Säuget Nach jeder Soiree: Tanuhräav.chen. 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April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle dcö Friedens- Kirchhofes Nordendc bei Nieder-Schön- Hausen aus statt. Ler Vor-tan-l. Am». d. Mts., 1 Uhr morgens, starb bei fchioerer Entbindung nebst Kind nieine liebe Frau, unsre gute Tochter, Schwester und Schwägerin Mihe Schmidt, geb. Harm«. Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 2I/j Uhr von der Leichen- Halle des Köpenicker Friedhofs aus statt. DicS zur Anzeige allen Verwandten und Bekannten. 39tX>L Obcr-Schöncweide, Wilhelminenhof- strahe 32. Ter tiefbetriibte Gatte Ueri«. Sietinildt nebst Mutter, Geschwistern u. Schwager. Slf m Mittwoch, den 9. April, starb '**■ nach kurzer Krankheit meine liebe Frau 1843b Anna Nittrey. geb. HVe«/- Uhr, von der Leichenhalle des Tcmpelhoser Neuen Gemeinde-Kirchhofs, Britzer- weg aus, statt. ZI»» Xlttrey nebst Kindern. Idunksagang. Für die ficbevolle Teilnahme bei der Beerdigung unjrcs lieben Sohnes und Bruders tVIIIielm Heinrich sagen wir allen, besonders den Kollegen und dem Chef Herrn Bechstein unlren herzlichsten Dank. 18686 Die trauernden Eltern u Geschwister. Maler, Lackierer, Anstreicher Montag, den 14. April, Kerlins und der Uororte. abends 8�- Uhr, im grohen Saale Hauses", Engel-Ufer la: des„Gewerkschafts- ZM"€Jr©issc Versaiuinlnng;.-WA T a a e S-Ordnung: Der Lohntarif und das Slntwortfchreibe» der Berliner Maler-Jnnung. Um pünktliches Erscheinen ersucht vi« Ortsverwaltnng der Verelnljnng der Maler. NB. Zur Verbreitung der vom Vorstand herausgegebenen Agitationsbroschüre find alle Haus- und Hilss- kassterer sowie überhaupt die organisterten Kollegen verpflichtet, sich Souutag, den 13. Avril. morgens 8 Uhr, in nachstehenden Lokalen einzufinden: Rosln, Ruppinerstr. 42; Ilamlow, Schönhauser-Allce 135; IVelnberg, Andreas- stratze 34; lolksdork, Görlitzerstr. 58; 8tramm, Nitterstr. 123; Wesse, Nostizstr. 50; Behrend, Blumenthalstr. 5; Funke, Havelbergerstr. 17; Hokfrnann, Paiewalkerstr. 3. 124/8 Orts- Krankenkasse der Stellmacher. Sonntag. 2V. April, vormittags 9l/z Uhr, bei Herrn A'Uin»««, Bruniieustr. 188: Ordentliche General-Versammlnng Tagesordnung: 1. Abnahme der Rechnung des Jahres 1901 und Bericht der Rem- soren. 2. Neuwahl des Nendanten und Gehaltssrage. 3.. Abänderung über den von der Aussichtsbehörde beanstandeten Beichlnsz über die Er- höhung der Kassenbeiträge für Mit glicdcrklafle 2. 4. Verschiedene Kassen- angelegenheitcn. 1844b Ter Borstand. I. A.: F. I o s e w s k i, Vorsitzender. Orte-RrsnllentaHe für das ii( zu Berlin. Sonnabend, den 19. April er., abends 8l/j Uhr, im Gewerkschafts haus, Engel-User 15, Qiicrgebäude, Saal 3: Ordentliche Generalversammlung ■ ämtllcher Bclcglerten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Re visorcn und Abnahme der Jahres rcchnung. 3. Kaflenangelegenheitcn. Um pünktliches und zahlreidies Er- scheinen ersucht 271/19 Berlin, den 11, April 1902. Ber Vortttand. E Davidshönser, Vors., EIisabethstr.14. H. Hertz, Schristf., Sebastianstr. 31. Verband deutscher Barbiere. Zriseure und Verrückenmacher. (Vsvelgvereln Berll n.) im Cjewcrkschaftsihaa Sonntag, de» 13. April, Engel-Ufer 16: Sehaulrisieren mit darauf folgendem Ball ■e(Saal V), 287/18 Anfang 7 Chr. der 4. Damenfrisier.Fachschule. Billetm 50 IT. Da« Komitee. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Sonntag, 13. April, vormitt. 10 Uhr, im GcwerkschastShauS, Engel-Ufer 15, großer Saal: Versammlung her Rohrleger, Klemoner, Lanschloiser u. vcrlv.Btrnsögeli. Tages- Ordnung: 1. Der Bauarbeiterschutz in Preuhen und die preubische Regierung. Referent Genofle I-lnk. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. gUT' Kollege»! Die Bundesregierungen, mit Ausnahme Preußens, sind gegenwärtig an der Arbeit, durch llmgestaltuiig der Landcs-Baiipolizei- gesetze sid) aus dem Gebiet des Arbeiterschutzes zu bethätigen. Es ist not- wendig, auch die preubische Regierung zu einem Borgehen ans diesem Ge- biet zu veranlassen, und das soll geschehen durch Absendung einer Petition, über die wir in obiger Versavimlung diskutieren wollen. Es ist deshalb dringend notwendig, daß alle Mann zur Stelle sind, um dem Vorgehen den nötigen Nachdruck zu geben._ Sonntag, den 13. April, vormittags Wrangelstr, 136: 10 Uhr, bei Wetzet, Morgensprache der Schranbeitdreher. Zahlreichen Besuch envarlet 113/15 Die Ortsverwaltuug. Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 13. April, vorm. 91,.«Hr. im„Englischen Garten". Aleranderstr. 27 c: Beschließende Mttglieder-Versnmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Bericht der Kartell-Tclegiertrn und Neuwahl derselben, 3. Die Schädlichkeit des Prämien-Systems.— Der Streik bei Altmann u. Co. 4. Gewerlschastlicheö. 280/5 Erscheinen Pflicht.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zuttitt.-WS Sonntag, den 20. April, nachm. 5«Hr. in„RaabeS Festsiilen", Kolvcrgersir. 23: Monats-Versammlung mit Trauen. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Dr. Rudolf stelner über„Marx und seine Lehren". Nach dem Vortrag: S0F~ Geselliges Beisammensein mit Tanz.-7» Rege Beteiligung erwartet Ble Ortsverwaltung. Militärschneider. �»1 Heute, Sonnabend, den 12. April, abends 8V2 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. Ä0: öffentliche Bersnmmlnng. Tages-Ordnung: Das Ergebnis der am Mittwoch vor dem Gewerbegericht stattgefundene» Konscrenz und unsre Stellungnahme dazu. 162/9 Es ist Pflicht der Mtlitärjchneider, vollzählig und pünktlich zu erscheine». Ber Einher,, fer. Sonntag, den 13. April, abends 5 Uhr, im Lokal des Herrn Baldnin Franke(„Apollo Säle"). Sebastianstr. 39; Große öffentliche gemerdschaftllche Männer- und Iranen-Versammlnng. T a g e s- O r d n n» g: 1. Vortrag des Magnetiseurs und NaturarzteS Herrn Rudolf Geist. 2. Ueber Ncdite, Pflichten und Leiden der Frau in der Ehe. 3. Diskussion. 4. Wahl einer Vertraucnsperson. 5. Verschiedenes. 287/26 Nach der Versammlung: M?" Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zur Deckung der«»losten Entree 30 Pf. inkl. Garderobe. Um den gewerkschaftlichen Frauen etwas Gcunbreiches und Zusammen- schliebendes zu bieten, wird um des wichtigen Varl rages halber um zahlreiches Erscheinen der Männer und Frauen gebelcn. Ble Elnhernferln. AMmis! Etuisarbeiler. AM«»»! Montag, 14. April, abend S ö'/a Uhr, in den Arminhallc», Kommandantenstr. 20: VvQttllLLeltVevsokNtttluzrg. TageS-Ordnung: 1. Die Bedeutung der Genosieiischafte» für die Arbeiter. Refcrenl: Kollege Brückner. 2. Stellungnahme zur Maifeier. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen, auch der Frauen erwartet 23/15 Ter Bertrauensmann. Fach verein d. Tischler Sonntag, den 13. April, vorm. 10 Uhr, tut Restaurant ZölS, Köpnickerstr. 137:_ General Versammlttttg."WW Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2 Vorstandsberid)t. 3. Ersatzwahlen. 4. Anträge. 5. Verschiedenes Milgliedöbnch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 186/10 Der Borstand. Bilderrahmenmacher. Sonntag, den 13. April, dorm. 1» Uhr. im„Gewerkichaftshanse Engel-llfer 15(Saal III): �Branclien■ V erHamininiig. Tages. Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Hildebrandt aus lohannesdurg über:„Der lüdafrikauifche Krieg und sei» Einflub aus den deulschen Arbeilsniarlt". 2. Stellungnahme zur Maiieier. 82/1 Nach der Versammlung findet eine Besichtigung des GewerlschastShaufes statt. Zahlreichen Beiuch erivartet Der Ohmann. Vm alistiiieiiter Arbeiter».Arbeiterinnen Berlins. Tonntag. de» 13. April, abends 0«Hr. in den..Arminhallen". Zkoniuiaubantenstr. 20(Hinterer Saal): ßM""MI Die Beziehuuge» des Alkohols z» den Geistesstilrnngc». Referent: Genofle vr. 0 lullusburger-Schlachtensee. 287/19 Nachdem äiM>- Gelelligcs Beisammensein.-WS Um zahlreichen Besuch bittet Ber Vorstand. Wo? ist ein schöner Aufenthalt, schön zu Fuß, Rad und Kremser zu erreichen? Bein: alten Freund ans Flehelswenler.— Für gute Küche«sw. ist immer bestens gesorgt! 137762* : F.lekti' 1- CM'MrbM kr f tuirer iL Zahlstelle Friedrichsberg. Sonntag, den 13. April, vormittags 9Vz«Hr. Mtglieder-Versammlung im Lokal des Herrn Höflich, Frankfurter Chaussee 120. ' Tages-Ordnung: 1. Abrechlinng vom 1. Quartal, 2. Bericht aus der Vertretersitzung und LandeSkonsercnz, 3. Verschiedenes, 139/2 Guten Besuch erwartet Der Borstand. Allgemeine für die vttciiliqteil Utiuerbeklmk Charlottenburgs. Wir laden hierdurch die-Telegierten zu einer ordentllcheu General-- Versammlung auf Sonntag. den 20. April d. I., vormittags 9:/z«hr, nach dem Saale des Bolls- Hauses in Charlottenburg, Rosinen- straße 3, ein mit der. Vagesordnnug: 1. Besprechung über das Geschäfts- ergebnis im Jahre 1901; 2. Bericht der Rechnungsrevisoren; 3. Antrag des Kassenvorstandes aus Entlastung; 4. Autrag des Kassenvorstandes auf Statiitenänderiliig, betreffend die Ailsdchnuiig der Kassenlelsningen. Die Delegierten erhalten aufferdem eine schriftliche Elilladiuig nebst dem gedruckten Jahresbericht. Die fchrist- liche Eifiladiiiig gilt als Legitimation zur Teilnahllle an der General- Versammlung, doch baden dlcjrnlge» keinen Zutritt, deren Mandat erloschen ist, weil entweder die Kassenzugehörig- keit nicht»ichr vorhanden ist vder vorübergehend unterbrochen war. Charlottenburg, bell 4. April 1902. Ter Kaffenvorstand. 271/8 Wilhelm Sabor. ÄsbunLll.u.iS./tpriilgOZ XLnigsdol'goi' Ssill> l.oUeki« 6241 Geldgewinne Mari 200000 1 Gew. 50 000-- 50 000a. 20 ODO-- 20 000.. 10 000-- 10 000.. 5 000= 5 000.. 3 000= 2 000= 1000= 500= 300 XQ Xll Xll xn xu Xll 1 1 1 1 2 4 10 40 60 120 200x« 300 xll 500 xll 1000 4000 m Xll Xll Xll 3 000» 4000.. 4000.. 5 000.. 12 000.. 200= 12 000, 100= 12 000.. 50= 10 000.. 30= 9000.. 20= 10 050.. 10= 10 000» 6= 24 000.. Loose ir 3 Mark, Porto und Liste 30 Pfg. extra, empfiehlt und trer- sendet such unter Nachnahme Carl Berlin W., Heintze Unter den Linden 3. Dr. Simrael, Priazenstr. 41. Specialarzt für 17/13* Haut- und lliirnlcidcn. 10—2, 5—7. Soniltags 10—12. 2—4. iasi 38082* ardinen Neuheiten, Secesuonö- und Jugendslil, circa 250 Muster. Katalog(450 Jllustrat) gratis uud franco. Berlin 8.. ICO Oranicnstr. 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Die durch die stinnnungsvollen Jahres- absckluh-Verlündigiingcn der Finanzautoritäen entfachte und durch die Berichte eines Teiles der Handelspreise über Verbandsbildungen, Preisheraufsetznngen und Ordre-Einlänfe verstärkte Zuversicht, daß der Tiefpunkt der Kriscischon im September vorigen Jahres überschritte» sei und es demnach kein Abwärts, sondern nur noch ein Aufwärts geben könne, weicht mehr und mehr einer skeptischen Auffassung der industriellen Lage, und wenn auch noch immer recht viele nicht an die Möglichkeit einer amerikanischen Krise und eines durch sie dem deutschen Eisengeschäft drohenden erneuten Rückschlages glauben wolle», macht sich doch das Gefühl einer gc- wissen Unsicherheit geltend über das. was kommt: ein Gefühl, zu dem die schwankende, im ganzen aber doch ziemlich matte Haltung der fremden Börsen nicht wenig beiträgt. Kaum waren selbst für beste Jndustricpapiere in den letzten Tagen Gebote zu finden, und mehrfach konnten auch für leitende Werte erste Kurse nicht festgestellt werden. Vielleicht wäre es besser, wenn an Stelle der Geschäftsstille, dem Hangen und Bangen, das ja nicht nur den Verkehr an der Börse lähmt, sondern auch auf die industrielle Unternehmungslust im Lande hemmend zurückivirkt, ein energischer Kurssturz trete, nach dessen Verlauf sich dann wieder eine neue Bahn für geschäftliche Operationen öffnete. Aber einem solchen größeren Kursfall stemmt sich soivohl die Hochfinanz, die bei der Durchführung der von ihr in Angriff genommenen mannigfachen Finanzgeschäfte derartige Störungen nicht gebrauchen kann, als auch das Jntcresic der großen Jndustriegesellschaften entgegen, die möglichst die Kurse zu halten suche». Und da es andrerseits fast gänzlich an Nachfrage fehlt, denn auch die Koutermine ist in den Wochen des forcierten Vorwärts- stürnicns durch die Haussc-Spekulation dermaßen überrannt worden, daß von ihrer Seite größere Deckungskäufe ausbleiben, so ist natür« lich das Endergebnis eine allgemeine Stagnation. Am schärfsten drückte auch in der vergangenen Woche wieder die Geschäftsunlust auf den Montanmarkt, der zudem noch durch die Meldung aus dem Ruhrrcvier deprimiert wurde, daß verschiedene der dem Kohlensyudikat angeschlossenen Zechen nur in dem Fall im Syndikat verbleiben wollen, wenn die heute»och außerhalb des- selben stehende» Zechen ebenfalls beitreten, sowie durch die Nachricht, das Hasper Eisenwerk und der Härder Bergwcrksvcrein würden leine Dividenden ausschütten. Abgesehen von de» Aktien dieser beiden Unternehmungen haben am Montag, Dienstag und Mittwoch au leitenden Werten vornehmlich Consolidation, Bochumcr Gußstahl, Gelsenkirchener Gußstahl, Laurahütte, Bismarckhütte, Hibernia und Harpcner Bergbau ansehnliche Kurscinbußen erlitte», die durch die gestrigen und heutigen Äursbesserungen, zu denen Herrn v. ThiclcuS scllsam-gcdankenticfe Rede am Mittivoch im Abgcordnetenhause und die Befestigung der Londoner Börse infolge neuer Fricdcnsnach- richten den Anlaß boten, nur zum Teil wieder ausgeglichen worden sind. Daß der Herr Minister alle Bankredite, die nach seiner Angabe an> 1. April ungefähr eine halbe Milliarde Mark betrugen, inöglichst auszunutzen gedenkt und alsbald überall mit Eisenbahn-Bau- ansführuugen beginnen lassen will, werden ihm weder die Börse. noch die Eisenindustriellen verdenken, zumal wenn er bereit ist, Ictzlere» profitable Preise einzuräumen. Und mehr auf diese realere Perspektive, als auf die ministerielle Prophezeiung, daß die Wirt- frlmstliche Depression bald zu Ende sein werde, ist denn auch das gestrige Anziehen der Montanwerte znrückzusühre», denn Herr v. Thielen hat, wie seine Eisenbahnetats- Aufstellung belveift, wenig von der Fähigkeit des Voransschens abbekommen; hat er doch für das abgelaufene Jahr die Einnahmen um SS Millionen Mark höher angeschlagen, als sie nach vorläufiger Berechnung betrage». Vielleicht ist es gerade diese seine specielle Urteilsfähigkeit, die ihn in der betreffenden Sitzung zu seinem höhnischen Ausfall gegen die Propheten bestimmt hat, „die schon im Anfang des Jahres 1901 von einer großen Krisis gesprochen habe n�. Jedenfalls rechnet der Herr Minister zu diesen Schivarzschern auch den„Vorwärts", der nicht erst 1991, sondern schon 1899 und besonders in seiner Uebersicht über das Wirtschaftsjahr 1899 anfangs Januar 1909 von den Anzeichen der bevorstehenden Krise spricht. Solche nüchterne Beurteilung mag dem optimistischen Gemüt des Herr» v. Thiele» iveuig zusagen, sie hat aber den Borteil, daß sie durch die folgenden Zeiten bestätigt worden ist. gerade wie für die Berechtigung unsrer abfälligen Kritik der Kurstreibereien im Januar und Anfang Februar die jetzige Börsenmisöre den Beweis liefert. Noch geringer ivie auf dem Montamnarkt waren— relativ genommen— in letzter Woche die Umsätze auf dem Bahnen-, Banken- und Schiffahrtsaktiemnarkt i aber während Bahn- und Schiffahrts- altien ihren Kursstand im ganzen zu behaupte» vermochten, haben zum Teil die Aktien der großen Kreditbanken, vornehmlich die Berliner Handels« und die Diskonto- Kommandit- Anteile, mehr- prozentige Kursabstriche erlitten. Auch deutsche und ausländische Fonds lagen zumeist recht still. Die Umsätze auf diesem Gebiete beschränkten sich fast ausschließlich auf die neue russische Anleihe. Während in Deutschland die Berichte aus Idcm rheinisch- westfälischen Kohlen- und Eisenrevier immer trüber klingen— zum Teil handelt es sich übrigens zweifellos um Uebertreibungen zur Erreichung irgend welcher noch nicht klar zu durchschauender Zwecke, besonders haben die neuerlichen Lamentationen des Zechen- blatts, der„Rhein.- Wests. Ztg.", ein recht verdächtiges Aussehen— von ireiwilliger Erhöhung der Förderungseinschränkung, Anshäuftlng der Lagervorräte, Einlegung weiterer' Feierschichten', Lohnhcrab- sctzimgen usw. berichtet wird und die Hoffnungen auf eine» größeren Absatz von Eisen- Baumaterialien sich bisher wenig realisiert haben, da sich nur erst in ivenigen Großstädten, am meisten noch in Berlin, das Bangeschäft wieder zu regen beginnt, nimmt in den Vereinigten Staaten von Amerika nach den Angabxn der dortigen Fachpresse die „Eisen- und Stahlnot" noch immer zu. Wie es heißt, sind die ameri- konischen Stahlfabriken nicht im stände, das für den Umbau der New Iorker Endbahnhöfe der New Dorker Centralbahn erforderliche Stahl-Baumaterial rechtzeitig zu liefern, so daß wahrscheinlich die Bahngesellschaft sich dazu gezwungen sehen wird, einen größeren Teil dieser Materialien im Ausland zu bestellen. Und vom„Jron Age" wird der Ankauf von 399 999 Tonnen Besscmcr Roheisen durch den Stahltrust gemeldet; scnier sollen von verschiedenen Walzwerken Stahlankäufe im Auslande gemocht sein. Zugleich wird, obgleich Schivab in seiner im vorigen Wochenbericht erwähnten Unterredung mit dem Korrespondenten der»Köln. Ztg." als eine der wichtigste» Aufgaben des Stahltrustes erklärte, die Eisenpreise nicht iveiter emporschnellen zu lassen, von neuen Preiserhöhungen für Guß- und Baueiscn. sowie für Eisenband berichtet. Danach könnte es scheinen, als sei vorerst noch an eine Krise in der amerikanischen Eisenindustrie nicht zu denken, aber ganz abgesehen davon, daß noch stets vor dem Ausbruch einer Krise die wirtschaftliche Situation als besonders günstig geschildert wurde, kommt bei den amerikanischen Verhältnissen in Betracht, daß dort die Masse der Bestellungen noch weniger als Anzeichen des„Bedarfs" gelten kann, wie anderswo. Entgegen der noch vor zwei, drei Jahren vielfach geäußerten Ansicht, die Be- griindung großer Trusts bedeute eine Anpassung der Produktion an den Vedarfi die Ermöglichnng einer besseren Uebersicht über den Markt, hat vielmehr das Trustwesen zu einer völligen Ber- wirrung der Marktverhältnisse geführt. Schon beim Aus- bruch der gegenwärtigen Krise in Deutschland stellte sich heraus, daß die Syndikats« und Ringbildungen nicht nur durch ihre willkürlichen Preisfestsetzungen und speciell durch den Druck auf ihre Abnehmer, ihre Bestellungen jahrelang vor den Licscrungsterminen aufzugeben, die Uebersicht über den Markt noch mehr erschwert und zur Äusstapelung großer Vorräte Veranlassung gegeben hatten, sondern, daß auch ihr Drängen auf Abnahme der ihnen früher in Auftrag gegebenen Mengen nach dein Umschlag der Konjunktur eine schnelle Anpassung der Produktion an die Marktlage verhinderte.? Noch verzlvickter aber liegen die Verhältnisse in Amerika. Die Leiter der bestellenden Trusts und Gesellschaften sind nicht selten auch zugleich die Leiter der liefernden Trusts und Gesellschaften und haben als solche ein Interesse daran, möglichst viele verschiedenartige Arbeiten ausführen zu lassen und die Liefe- rungen möglichst auszudehnen, denn je günstiger sich der Gewinn- Überschuß der liefernden Gesellschaft stellt, je höher stellt sich auch ihr Anteil. Die Folge ist eine künstlich forcierte Geschäftigkeit, eine immer weiter treibende Steigerung der Bestellungen über den Bedarf hinaus. Wohin dieses„Wirtschaften" schließlich führe» muß, ist kaum ftaglich; aber, ivie die Geschichte der Krise» lehrt, bedarf es zur Bewirkung des Umschlages eines plötzlichen, das wirtschaftliche Leben erschütternden Anstoßes, und obgleich es in den letzten Monaten schien, als zöge ein Gclvitter herauf, klärte sich der ivirtschaftliche Himmel immer wieder auf. Jetzt zeigen sich wieder Gewitterwolke»: der Goldexport nach Europa setzt wieder ein, die Bankreserve hat beträchtlich abgenommen, die Geld- anspannung steigt und hat zur Erhöhung des Diskonts auf 7 Proz. geführt, und dazu kommt, daß die gegenwärtige unsichere Situation an der Effekten- wie auch an der Baunnvollbörse zur Juscenierung großer Haussemanöver benutzt wird. Wird sich wieder der Horizont aufklären?_ Tat Berliner Partei-Angelegenheiten. Reinickendorf. Am Mittwochabend Zl/s Uhr findet die ordent- liche Mitgliederversammlung für diesen Monat bei Mcinhardt, Hauptstr. S1 statt. Am Sonntag finden die Zahltage im Westen bei Kluge und Engel, im Osten in der Tanne/ bei Händel und Klähn, für Wilhclmsruhe bei Apel von 19—12 Uhr vor- mittags statt. Die Parteigenossen werden die Gelegenheit wahr- nehmen, ihre Pflicht der Partei gegenüber zn erfüllen. Treptow-Baninschnlenweg. Wie bekannt, findet die Stich- wähl am nächsten Dienstag von 3—3 Uhr im Paradiesgarten statt. Arbeiter, Parteigenossen, macht Freunde, Bekannte und Arbeits- kollege», besonders die, welche verzogen sind, hierauf aufmerksam. Scheut nicht das Opfer, ivelches die Beteiligung an der Wahl er- fordert, denn Jahre werden voraussichtlich vergehen, che wieder eine Wahl stattfindet. Tretet am Dienstag Mann für Mann an den Wahltisch und stimmt für den Kandidaten der fteialdemokratischen Arbeiterpartei F. Karow. Morgen Sonntag findet eine Flug- b la t t v e r b re i tun g statt. Treffpunkt früh 8 Uhr bei Slaffeld, Baumschulenstr. 84. Rnutmelsburg. Mittwochabend 8% Uhr findet bei Schumann Kietz. Neue Prinz Nlbcrtstraße 79/71, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Näheres siehe Annonce in der Sonntags- Nummer. UokAle-s. Tie Berliner Volksküchen haben im letzten Jahre die Wirkungen der in Berlin herrschenden Arbeitslosigkeit nicht ivcniger alS andre Unternehmungen ähnlicher Art zu spüren bekommen. Die Zahl der in den Voiks- lüchen verkauften Portionen, die schon seit längerer Zeit im Rück- gange war, hat sich noch weiter verringert. Im Jahre 1999 waren 1 141 216 Portionen verkauft worden, im Jahre 1991 ivurden nur noch 1 991 346 Portionen verkauft. Die Abcndportionen stiegen von 392 S13 auf 347 SS2, aber die Mittagsportioncn gingen von 833 793 auf 743 794 herunter. Im allgemeinen sind eS die teureren Portionen, die im letzten Jahre seltener als im vorhergehenden ver- langt ivurden. zumal da für diese gegen Schluß des vorletzten Jahres noch der Preis erhöht worden war. Zu Mittag waren im Jahre 1999 noch 152 424 Portionen zu 25 Pf. bczw. vom 1. Oktober 1999 ab zn dem erhöhten Preise von 39 Pf. verkauft worden. Im Jahre 1991 verminderte sich der Absatz der Portionen zu 39 Pf. ans 112 329. Von den Mittagsportionen zu 15 Pf. bczw. vom 1. Oktober 1999 ab zu dem erhöhten Preise von 29 Pf. halten die Volksküchen im Jahre 1999 noch 392 514 Stück verkaufen können. Das Jahr 1991 brachte hier einen Rückgang auf 288 661. Zugenommen hat dafür der Verbrauch der billigeren Portionen zu 19, 5 und 3 Pf. Bei den Abendspeisuiigcu stieg der Verkauf der Portionen zu 15 Pf. von 71 781 auf 78 418, während die Portionen zn 19 Pf. von 67 596 auf 59 262 zurückgingen. Die billigeren Abendportiouen zu 6, 5 und 3 Pf. hatten durchweg eine bedeutende Zunahme. Der Vorstand des Volksküchen-VercinS geht in seinem Jahresbericht für 1991 auf die Ursachen dieser Verschiebungen mit keinem Worte ein. Dagegen verbreitet er sich wieder ausführlich über die noch immer fort- dauernden Schwierigkeiten, die den Volksküchen aus der herrschenden Wohnnngsteuerung erwachsen sind. An dem einträglichen Geschäfte des Mietesteigcrns hat sich diesmal auch der Eisenbahn- fiskus beteiligt, der dem Verein für die Volksküche unter„Bahnhof Börse" jetzt pro Jahr 399 M. Miete mehr als bisher abnimmt. Von den Küchen, die in den letzten Jahre» meist wegen der uncrschwing- lichen Höhe der Mieten geschlossen werden mußten, hat vorläufig noch keine wieder eröffnet werden können. Seit nun fünf Jahren ist namentlich der ganze Norden der Stadt ohne Volksküche. Gegen- wärtig bestehen mir noch acht Volksküchen, halb so viel wie vor fünf Jahren.— In Zeiten der Wohmmgsteuerung und der Arbcitslosig- keit, wie wir sie jetzt haben, zeigt sich recht deutlich, daß die Auf- gäbe, der ärmeren Bevölkerung die Beschaffung billiger Nahrung zu ermöglichen, von den Volksküchen nur innerhalb sehr enger Grenzen gelöst werden kann. Die Berliner Volksküchen haben wiederholt versagt, sobald infolge von Mietesteigerungeu die Betriebs- kosten zu groß oder infolge von allgemeiner Arbeitslosigkeit die Einnahmen zu gering wurden._ Die brave„StaatSbnrger-Zeitnng" klagt über Mangel an Socialpolitik in der Berliner Stadtverwaltung und kommt dabei auch auf die städtischen V o l k s- B a d e- A n st a l t e n und deren Eintrittspreise zu sprechen. Sie erwähnt eine vor längerer Zeit den städtischen Behörden zugegangene Petition um Herabsetzung der Eintrittspreise und glaubt die Gelegenheit ivieder einmal zu einer Anrempelung des„Vorwärts" benutzen zu können. Jene Bitte um billigere Bäder ging aus von den— Besitzern und Pächtern privater B a d e- A n st a l t e n. Dieser Umstand, der für die Beurteilung der Absichten der Petenten von Bedeutung ist, wird von der„Staatsbürger-Zeitung" vorsichtig ver- schwiegem Tie Herren hatten mit Schrecken bemerkt, wie die Berliner Bevölkerung sich immer mehr von den privaten Vnde-Anstalten abwandte und in die städtischen Vade-Anstalten lief. Um der Ver- Minderung ihres Kundenkreises Einhalt zu gebieten, verfielen sie nicht etwa auf den Ausweg, ihre eigenen Anstalten in hygienischer Beziehung auf die Höhe der städtischen Anstalten zu bringen oder ihre Eintrittspreise durch entsprechende Ermäßigung denen der städtischen Anstalten gleichzumachen, sondern sie verlangten, daß die Stadt in ihren Anstalten noch weiter mit den Preisen heruntergehe. Dieser Wunsch verdient an sich vollsten Beifall und Unterstützung, aber man wird uns zugeben, daß das Verfahren der Bade- Anstalts- Inhaber eigentlich das genaue Gegenteil von dem ist, was man sonst aus wirtschaftlichen Konkurrenz- kämpfen kennt. Die„Staatsbürger- Zeitung" stellt mm die Sache so dar, daß ihre Leser den Eindruck gewinnen müssen, der „Vorwärts" habe zu jener Petition die„Befürchtung" geäußert, die städtischen Volks-Bade-Austalten würden bei mäßigeren Preisen zu Arinenbädern herabsinken. Selbstverständlich haben wir damals nur den Standpunkt der B a d e- A n st a l t s- I n h a b e r dargelegt und haben gezeigt, daß diese sich bei ihren eigenartigen Vcrbilli'gungsbestrebungen von der stille» Hoffnung leiten lassen, die städtischen Bade-Austalten würden bei billigeren Preisen in den Ruf von Armenbädern kommen und dann von vielen gemieden werden. Ein Kommentar zn denr V e r d r e h u n g s t u n st st ü ck, das sich das Blättchen da geleistet hat, ist überflüssig! Städtischer BnrcankratismnS. Zu ulisren gestrigen Meldungen über die Arbciterbehandlungen in der G a s a n st a l t Danzigerstraße teilt uns das socialdemokratische Mitglied der GaSdeputation folgendes mit: Der Platzmacher Steffen war nicht berechtigt, an die Arveiter der Gasanstalt das Ansinnen zu stellen, daß sie, um den vier- wöchentlichen Zuschuß zum Krankengeld zu erhalten, sich mit einer Bitte an den Direktor zu wenden hätten; sie brauchten viel- mehr nur mündlich eine» Antrag zu stelle». Herr Stadtrat Na ms lau als Decernent hat ausdrücklich erklärt, daß ein solcher Antrag durchaus keine Demütigung der Arbeiter in sich schließen soll. Die Landcs-Vcrsichcrungöanstalt Berlin eröffnet Mitte April eine Heilstätte für männliche geschlechtskranke Personen in Lichtenberg, Dorfstr. 62/69. Der Vorstand der Landes-Velsicherungsanstalt wendet sich an die Aerzte und die Kranken- kasien mit dem Ersuchen, die Anstalt bei ihrer neuen Einrichtung zu unterstützen. Er verweist auf die Bedeutung, die eine Anstalt wie die neue Lichtenberger für die Volksgesundheit und die Arbeiter- wohlsahrt hat. An die Aerzte richtet der Vorstand die Auf- forderung, sie möchten dahin wirken, daß Kranke in geeigneten Fällen um die Aufnahme in die Heilstätte nachsuchen. Sache der Krankenkassen wird es sein, die Ueberweisung von Kranken in die Lichtenbergcr Heilanstalt dadurch zu fördern, daß sie diesen Kranken diejenigen' Unterstützungen gewähren, die sie nach ihren Satzungen ihnen zugestehen dürfen.' Noch wichtiger aber wäre es. wenn in den Kassensatzungen alle jene Sonderbcstimmungen gestrichen würden, die sich zum Schaden der Kranken bestimmter Art noch vielfach in den Grundsätzen von Krankenkassen finden. Alle Sachkundige» sind darin einig, daß derlei Sonderbestimmungen, als schädlich für die Kassen und ungerecht vom allgemeinen Standpunkte, durchaus zu verwerfen sind. Voraussichtlich wirkt das Vorgehen der Landes-Versicherungsanstalt auch nach dieser Richtung günstig. Vorläufig berücksichtigt aber der Vorstand noch die zeitige'Sachlage, insofern er die Krankenkassen für die der Lichten- berger Anstalt überwiesenen Kranken nur so weit in Anspruch nimmt, wie ihre Satzungen dies erlauben. Im einzelnen wird über die Aufnahme folgendes vermerkt: 1. Für die Aufnahme geeignet sind akute Geschlechtserkranknngen jeder Art. 2. Der Antrag, betreffend Aufnahme in die Heilstätte, ist au den Vorstand der Landes- Versicherungsanstalt Berlin zu richten. Der Vorstand wird über den Antrag nach Einholung eines vertrauensärztlichen Gutachtens ent- scheiden; 3. Während der Dauer des Heilverfahrens in der Heilstätte wird Familienunterstützung gezahlt; 4. Die Krankenkassen sind zu Ersatzleistungen an die Landes- Versicherungsanstalt nur in den Grenzen ihrer satzungsmäßigen Kassenlcistungen verpflichtet. Ist also der Kranke ausgesteuert, so findet das Heilverfahren lediglich auf Kosten der Versicherungsanstalt statt. Wenn ferner die Kranken- kasse satzungsmäßig für Geschlechtskranke Krankengeld nicht. gc- wahrt, so findet ebenfalls eine Ersatzleistung der Krankenkasse nicht statt. Anträge auf Aufnahme in die Heilstätte können sofort beim Vorstande der Landes- Versicherungsanstalt(Klosterstr. 41) gestellt werden. Der Magistrat hat gestern beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung den Gastwirt R. He'rrmann in der Liebenwalder- straße, als Pächter der Viehhofs- Restanration vorzuschlagen. Hcrrmann war einer der Meistbietende» Submittenten. Der Verein„Triton" beabsichtigt im Monat September d. I. eine große Ausstellung von Aquarien und Terrarien hier zu ver- anstNltcn. Er richtet an den Magistrat die Bitte, ihm aus städtischen Mitteln eine Summe zur Verteilung von Prämien an die Aussteller zu gewähren. Der Magistrat hat beschlossen, bei der Stadt- verordneten-Versammlnng die Bewilligung von 300 M. zu dein ge- nannten Zweck zu beantragen. Der Erlast zur Anöübnng des FangcS von Hunden auf Grund der durch die Handcfperre gegebenen Bestimmungen ist gestern dem Deutschen Ticrschntz-Verein übennittelt worden; er tritt am heutigen Tage in Kraft. Die gestern erfolgte Bekanutmachung sollte für das Publikum nur als Warnung dienen. Es sei ganz besonders darauf hingewiesen, daß Gastwirte ihre Hunde in den für das Publikum bestimmten Räumen nur angekettet belassen dürfen. Ebenso dürfen Gäste etwa mitgenommene Hunde im Lokal nicht frei umherlaufen lassen. In Uebertretungsfällen werden, auch wenn eine Anzeige seitens des Publikums bei der Polizei erstattet wird, die Tiere ohne weiteres getötet. Hof- rmd Wachhunde dürfen auf den zu bewachenden Plätzen auch nachts nur dann ungcfesselt umherlaufen, wenn der für die Bewachung bestimmte Platz(Hof) nicht unbedingt von den Bewohnern betreten werden muß. Es hat vielfach Ueberraschung hervorgerufen, daß die Dauer der Hundesperrc bis zum 24. Juni, also ans nicht 2>/s Monate fest- gesetzt ist. In Wirklichkeit dauert die Sperre genau bis zum Schluß des dritten Monats nach der Jnternierung des Hundes, der zu dieser Maßregel Veranlassung gegeben. Der Artistenpudcl wurde am 24. März in die Tierarzneischule eingeliefert und ist somit am 24. Juni die dreimonatliche Quarantäne-Frist, innerhalb welcher etwaige Nacherkrankungen von Hunden vorkommen können, ab- gelaufen. Ein verkanntes Genie. Die AuSkunfisstelle der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur teilt uns über den Selbstmord eines unglücklichen Mannes folgendes mit: Ueber den Selbstmord eines früheren Schrciblehrers B.. welcher sich heute vormittag im Hause Unter den Linden 16 zutrug, berichtet in seiner heutigen Abendausgabe der„Berliner Lokal-Anzciger". Wir sehe» uns ver- anlaßt, zu den dortigen Mitteilungen hiermit einige Berichtigungen zu geben. B., mit dessen schwieriger Lage wir miS seit einigen Wochen beschäftigten, wurde von uns auf Grund sowohl persönlicher Eindrücke als eingehendster Ermittelungen ikicht für einen Schwindler gehalten, sondern für das Opfer einer fixen Idee, au der er seit Jahren litt. Er glaubte, ein unfehlbares Mittel zur Heilung des Schreibkrampfes erfunden zu haben, und setzte/ unter Aufgabe seines Berufes als In- geuienr, seit einer Reihe von Jahren alles daran, um seine Erfindung zur Durchführung zubringen, obgleich diese von sachverständiger Seite als wertlos bezeichnet wurde und sich auch bisher in keiner Weise be- währt hatte. An verschiedene Wohlfahrtseiurichtungen und Persönlich« leiten hatte er sich gewendet und auch vielfach Hilfe gefunden, allerdings nicht die, welche er erbat und welche in der Gewährung größerer Geld- mittel auf Durchführung seiner Erfindung bestehen sollte. In der letzten Zeit wurde durch uns versucht, ihn durch Vermittlung von entsprechender Beschäftignug und materieller Unterstützung und durch wohlwollende persönliche Fürsorge in geordnete Verhältnisse zu bringen. Es gelang leider nicht. Der geladene Revolver, de» er seit längerer Zeit bei sich führte und mit dem er wiederholt auch an andren Stellen sich zu erschießen gedroht hatte, wenn seine Wünsche nicht erfüllt wurden, diente ihm heute wirklich dazu, seinem Leben cm Ende zu machen. Grostfeuer kam gestern früh um 6�/4 Uhr in der Wienerstr. 44 in der Cclluloidkammfabrik von Karl D ö b b e l i n aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch und gewann. in kurzer Zeit eine solche Ausdehnung, daß innerhalb weniger, Minuten nichr mit die Kaminfabrik, sondern auch die Möbelfabriken und Coinptoire von Riegel n. Co., B. Hartmann mit den Werlstätten in Flammen standen. Ein Ouergebäude mit vielen Betrieben der Holzindustrie bildete ein förmliches Flcimmcinnecr. Als die Fenerlvchr tclephonisch von dem Brande benachrichtigt wurde, brannte es im II. Stock des Quer- gcbüudcs, das keinerlei Wohnungen enthält. Als zwei Lvschzüge au der Brandstelle erschienen, battcn die Flammen schon das dritte Ge- schoß erfaßt. Der leitende Offizier, Brändinspektor Dransfeld, ließ sofort„Mittelfeuer" an alle Wachen melden, worauf in kurzer Zeit 11 Lvschzüge zur Stelle waren. Branddirektor Giersberg übernahm die Leitung und ließ soivohl von der Reichen- bergerstraße, als auch von der Wicnerstraßc aus mit allen verfüg- baren Kräften vorgehen und mit den Dampfspritzen, die zum Teil auch in der Liegnitzcrstraße aufgestellt waren, aus ein Dutzend Schlauchleitungen Wasser geben. Das Feuer war schon zu weit vorgeschritten und hatte an den Vorräten an Celluloid, Benzin, Kamphor und Nutzhölzern gleich reiche Nahrung gefunden, um in kurzer Zeit gelöscht werden zn können. Das dritte und vierte Stock- werk brannte schon nach einer halben Stunde vollständig; etwas später stürzte das Dach zusammen und durchschlug nichrere Etagen. Zum Glück war diese Gefahr rechtzeitig bemerkt worden,' so daß niemand dabei verletzt worden ist. Um 8 Uhr brannte auch schon daS erste Stockwerk, trotzdem das Fabrikgebäude massiv und neu erbaut ist. Um S Uhr stand von dem große» Gebäude nur noch ein fünf Stock hoher massiver Fabrikschornstcin, die östliche und westliche Gicbelivand. Die östliche Gicbclwand ragte frei bis zum Gesims in die Luft empor. Da bei dem starken Ost- winde mit den» Einsturz dieses Giebels gerechnet werden mußte, sperrte die Polizei, die in großer Stärke unter dem Kommando des Polizei-Obersten Krause zur Stelle war, den angrenzenden Bauplatz ab. Auf die Meldung von dem großen Feuer war auch früh der Geh. Ober- Regierungsrat Friedheim für den erkrankten Polizei- Präsidenten an der Brandstelle erschienen. Das Quergebäude war gegen Mittag total ausgebrannt. Es muß noch als ein großes Glück bezeichnet werden, daß das Feuer zu so früher Stunde, wo die meisten Werkstätten noch nicht besetzt waren, ausgekommen ist. Als die Arbeiter zur Arbeit kamen, standen ihre Arbeitsstätte» schon in Flammen. Der Schaden läßt sich heute noch nicht annähernd übersehen, dürfte aber ein. halbe Million Marl übersteigen; da die Abgebraunten sämtlich versichert sind, wird der Verlust für sie nicht allzu groß sein. Leider sind zahlreiche Arbeiter beschästigungslos ge- worden, hoffentlich aber nur kurze Zeit. Eine Meldung vom Abend besagt»och: An der Brand- st e l l e, die fortwährend trotz des schlechten Wetters von einer großen Menschenmenge umlagert wird, ist die Feuerwehr noch unausgesetzt mit �>vei Löschzügen thätig. Die Aufräumuugsarbeiten gestalten sich sehr schwierig, weil mit dem Einsturz der Umfassungsmauern ge- rechnet werden muß. Die Hitze hat dem Mörtel die Bindekraft ge- nommen und das massive Mauerwerk gelockert. Sie war so enorm, daß die stärksten eisernen I-Träger sich gebogen habe» und einige schwächere wie Spiralen aussehen. Der' Brand hat wieder einmal bewiesen, daß die moderne Bauweise mit eisernen Trägern und gewölbten Decken einem großen Fcner nicht standhalten. Inner- halb einer halben Stunde war der stolze, vollständig massive Bau ein Trümmerhaufen. Bausachverständige möge» sich die Brand- stelle einmal ansehen, dann werden sie kopfschüttelnd zugestehe» müssen, daß Holzbalken, besonders eichene, iveit sicherer sind als diese von Eisen, die nur dazu beitragen, die Einsturzgefahr bei großer Hitze zu erhöhen. Die Brandstelle, auf der es bald hier, bald dort von neuem aufflammt, bildet ein wildes Chaos von krummgebogenen eisernen Trägern und Mauerresten, vermischt mit Asche, Schutt und halbverbrannten Dachbalken. Die Feuerwehr lvird abends abrücken und eine Brandwache zurücklassen. Der vor kurzem in das hiesige Untersuchungsgefängnis über- geführte Frhr. v. R o t h k i r ch und Panlhen wird des Betruges bezw. der Unterschlagung beschuldigt. Er war bekanntlich seiner Zeit in Zürich verhaftet worden, weil er in den Verdacht geraten war. in Gemeinschaft mit seiner Geliebten eine Mordthat begangen zu habe». Das hierauf bezügliche Verfahren ist vom schweizerischen Bundes- gericht eingestellt ivorde», Frhr. v. Rothkirch ist aber nach Deutsch- land ausgeliefert worden, iveil er von der hiesigen Staatsanwaltschaft wegen der oben genannten Vergehen in Anspruch genommen wird. Rechtsamvalt Dr. Alfr. B a l l i e n hat für ihn einen umfangreichen EntlastuiigSbeweis angetreten. Ein Ucberfall ist auf die Verkäuferin deS Kaffeegeschäfts von Klose in der Königsbergerstraße 31 gestern morgen verübt worden. Ueber den Vorfall wird berichtet: Gegen 10 Uhr vormittags betrat den genannte» Laden ein junger Mensch, der angab, vom Wirt des Hauses beauftragt zu sein, einige kleine Reparaturen an der Holz- Verkleidung in dem an den Laden anstoßenden hinteren Ziinmer vorzunehmen. Die Verkäuferin Frl. Birry ließ den Mann ohne Argwohn i» jenen Raum, in dem er sich allein zu schaffe» machte. Einige Augenblicke später glaubte sie einmal dort nachsehe» zu müsse». Als sie in die vom Laden nur durch eine einfache Thür getrennte Stnbe eintrat, ergriff sie der Fremde von hinten, warf sie zu Boden, suchte sie am Schreien durch Zusammenpressen des Mundes zu hindern und würgte sie am Halse so heftig, daß dem Mädchen der Schaum vor den Mund trat. Nun schien er den Versuch zu machen, sie ihrer Barschaft und Wertsachen zu berauben, bemerkte aber im selben Augenblick, daß ein Käufer den Laden betrat. Er ließ schnell von seinem Opfer ab und suchte den Ausgang auf die Straße zu gclvinnen, fiel aber beim Renconter mit dem sich ihm entgegenstürzenden Käufer zur Erde und konnte so festgenommen iverden. Nun ivollen andre Personen beobachtet haben, daß ein junger Mann, der vor der Thüre stand, im Augenblick der Wer- Haftung jenes Geivaltsmcnschen in verdächtiger Weise die Flucht ergriffen habe. Die Überfallene Verkäuferin, die nur leichte Ver- lctzungen am Halse davongetragen hat, ist infolge der ausgestaiidencii Schrecken krank geworden. Der Botanische Garte»(W, Potsdamerstr. 75) ist, wie uns amtlich mitgeteilt wird, erst am Sonntag, den 20. April d. I., nachmittags von 2—7 Uhr für das Publikum geöffnet. Schuldlos verurteilt? Der 35 Jahre alte, ans Wohlau ge- bärtige Musiker Gustav Wirbel aus der Straße ain Ostbahnhof 13 geriet im September vorigen Jahres in einer Gastwirtschaft in Streit und soll dabei einem' gewissen Schnell mehrere Ohrfeigen ge- geben haben. Wegen Körperverletzung angeklagt und z» zwölf Tagen Gefängnis verurteilt, beteuerte er immer noch seine Unschnld. Während er gestern spielte, kam die Aufforderung zum Strafantritt, der heute erfolge» sollte. Als Wirbel um 12'/« Uhr nachts nach Hause kam und sie fand, beklagte er sich wieder, daß er unschuldig ver- urteilt sei. Während seine Frau mit den drei Kindern, von denen das älteste noch nicht 6 Jahre ist, im Bett lag, setzte er sich hin und schrieb folgenden Brief:„Da ich von diesem geehrten Gerichtshof verurteilt bin, wo Herr Gastwirt Schilling und der andre Zeuge ausgesagt, daß ich keine Schuld habe, schließe ich mein Leben. Lieber tot als im Gefängnis." Dann nahm er sein Rasier- mcsser und schnitt sich den Hals ab. Zn spät nahm Frau Wirbel das Beginnen ihres Mannes wahr. Als die Hausgenossen, die sie dann durch ihre Hilferufe iveckte, mit einem Arzte kamen, war er an Verblutung schon gestorben. Die Revierpolizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Strasiensperrnng. Die Parallelstraße der Königgrätzerstraße auf der Strecke von der Lennöstraße bis zum Brandenburger Thor wird behufs Erneuerung des Asphaltbelagcs vom 14. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrtverke und Reiter gesperrt, ebenso die Große Jnngfernbrücke und die Friedrichsgracht von der Scharren- bis zur Epreestrahe. Die Krenzottcr» habe» sich in den letzten Jahren in den Waldungen des Havellandes ganz bedeutend vermehrt; zur Ausrottung dieser gefährlichen Schlangenart hat der Kreisansschuß für das Osthavel- land eine Prämie von 75 Pf. für jede gelötete Kreuzotter ausgesetzt. Die Prämien werde» von den Aintsvorftehern und den städtischen Polizeiverwallungen gezahlt, denen der Nachweis der erfolgten Tötung durch Vorlegung der ganzen Kreuzotter oder des nicht zu kurz abzuschneidenden Kopfes zu erbringen ist. Ei» Bauunfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Neu- bau Alte Jakobstr. 144. Die Arbeiter find dort damit beschäftigt, die Cementdecke zu wölben; hierbei muß der Arbeiter S t e r f fehl getreten sein, denn er fiel von der zlveiten Etage bis in das Parterre- geschoß, wo er mit schiveren innercn und äußeren Verletzungen anf- gefunden wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes durch einen sofort herbeigerufenen Arzt wurde der Verunglückte nach einer Klinik gebracht. Drei Straffenbahn-Unfälle haben am gestrigen Nachmittag im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn stattgefunden. Der 25jährige Schlächter Oskar Peez, Rcichenbergerstr. 23, versuchte an der Anklamer- und Brunnenstraße unmittelbar vor dem heran- nahenden Straßenbahnwagen 2008 der Linie Kreuzbcrg— Gesundbrunnen mit einem Geschöftsdreirad die Geleise zu kreuzen. Er bog dabei in einer kurzen Kurve in die Brunncnstraße ein, wobei er das Gleichgewicht verlor, das Rad schlug um, und der junge Mann wurde gegen die Vordcrplattform des Straßenbahnwagens geschlendert. Ob- wohl dieser sofort zum Stehen gebracht wurde, geriet Peez doch vor die Schutzvorrichtung und erlitt eine Kopfivnnde und Quetschnngen der linken Schulter. Er wurde nach dem Lazarus-Krankenhausc' gebracht. Gesten, abend gegen �/47 Uhr lief der Arbeiter Ernst Scheller, Rostockcrsir. 22, der sich anscheinend in angetrunkenem Znstande befand, seitlich gegen die Vorderplattform des Motorlvagens 2377 der Linie Plötzensce— Spittclinarkt. Der Unvorsichtige wurde bei dem Anprall zur Seite geschleudert und erlitt eine Kopfverletzung.— Einen ernsteren Verlauf nahm ein Unglücksfall, welcher gestern abend um Vz9 Uhr in der Schönhauser Allee stattfand. Der Handelsmann Emil Groß, Rheinsbergerstraße 53 wohnhaft, versuchte mit seinem einspännigen Transportwagen, von der Franscckistraße kommend, die Schönhauser Allee zu kreuzen, während ein Straßcnbahnzug der Linie Britz— Schönhauser Allee daher kam. Ob- wohl sich der'Motorwagen bereits in unmittelbarer Nähe befand und der Fahrer Warnungssignal gab, trieb Groß sein Pferd noch an, um der Elektrischen zuvorzukommen. So war ein Zusammen- stoß unvermeidlich. Das Pferd wurde von der Vorderplattform erfaßt, geriet unter dieselbe und war auf der Stelle tot. Groß, wie auch der auf seinem Wagen befindliche Mitfahrer Paul Kannegiescr, die sich beide in angetrunkenem Znstande befanden, stürzten auf den Fahrdamm. Kanucgieser erlitt Verletzungen im Gesicht und am rechten Oberschenkel, während Groß mit leichten Kontusionen davon- kam. Sie erhielten die erste Hilfe auf der Unfallstation in der Schönhauser Allee. Der Hoscnknopf als Verräter. In der Nacht zum Mittwoch wurde die Buchhandlung von Marquardt in der Jerusalemer- straße S erbrochen. Die Einbrecher erbeuteten in einer Kassette ei» Checkbuch auf die Deutsche Bank und 270 Mark bares Geld. Die Kriminalpolizei fand bei der Untersuchung des Thatortes zunächst als einzigen Anhaltspunkt nur einen Hosenknopf. Die lvciteren Ernnttelungen lenkten den Verdacht auf den Hausdiener Klein und den Boten Engelmann, der früher als Geschäfts-Radfahrer bei Marquardt angestellt ivar. Engel- mann Ivar am Dienstagabend in der Vcrlagshandlung gewesen nnd hatte angefragt, ob er nicht wieder Beschäftigung er- halten könne. Cr und Klein mutzten bei dieser Gelegenheit gesehen haben, daß der Geschäftsinhaber entgegen seiner Gepflogenheit die Kasselte nicht i» seine Privatwohnung mitnahm, sondern im Geschäftsraum in einen Schrank stellte. ES wurde weiter festgestellt, daß Klein am Dienstagabend ansnahnisweise die Rollläden herunler- gclassen hatte. Die Verdächrigen bestritten jede Schuld und be- haupteten, in jener Nacht um 2 Uhr, als der Einbruch verübt wurde, in einer ganz andern Gegend gewesen zu sein. Demgegenüber wurde ihnen bewiesen, daß sie sich bis kurz vor der Zeit des Einbruchs in einer Schankwirtschaft in der Nähe der Buchhandlung aufgehalten hatten. Dazu kam, daß an den Beinkleidern Engelmanns gerade so ein Knopf fehlte, wie ihn die Kriminalpolizei gefunden hatte. Engelmann, der nicht wußte, daß man den Knopf schon besaß, wollte sich genau erinnern, daß er ihn zu Hause abgerissen und auf eine Kommode gelegt habe. Man that ihm auch den Gefalle», die ganze Wohnung abzusuchen, fand aber keine» Knopf von derselben Art, Klein und Engelmann wurden beide festgenommen, obwohl sie immer noch leugneten. Im Untersnchnngsgefängnis legten sie gestern ein Geständnis ab. Das Checkbuch hatten sie durch die Post an eine Filiale der Deutschen Bank gesandt, das Geld geteilt und die Kassette auf dem Tempelhofcr Felde weggeworfen. Ein chinesischer Götze ist dem ehemaligen Bäcker K i e n o w, der als Pfcrdebnrsche die Expedition nach Ostasien mitmachte, ver- hängnisvoll geworden. Kicnow hielt sich nach der Rückkehr ans China in Berlin auf, ohne zu arbeiten. Als ihm schließlich das Geld ausging, wollte er einen Götzen versetzen. Der Trödler iu der Tieck- straße. dem er ihn anbot, schöpfte aus dem hohen Werte<1200 M.) der 15 Ccnlimetcr hohen massiv goldenen Figur Verdacht und holte die Polizei. Dieser erzählte Kienow, daß er den Götzen, eine stehende Figur, von einem russischen Soldaten für 40 M. gekauft. Daß sie einen so hohen Geldwert habe, habe er gar nicht geahnt. Trotz dieser Versicherung wurde er unter dem Verdacht, die aus dem Kaiscrpalast in Peking stammende Figur gestohlen zu haben, in Haft genommen. Ei» Schaufrisieren veranstaltet am Sonntagabend 7 Uhr der Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perrückemuachcr im Ge- Werkschaftshause, Saal 5. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pf. Slnf der Radrennbahu Kurfürftendamm(Bahnhof CharlottenSurg) werden am Sonntag, den 13. April, nachmittags 3 Uhr, fast alle die Fahrer, welche ihr Trainingsquartier auf dieser Bahn nnd im Sporchark Friedenau aufgeschlagen und in der abgelaufenen Woche tüchtig gearbeitet haben, in verschiedenen Reimen vereinigt werden. Es finden außer zwei Halbdauer- fahrten über Iii und 20 Kilometer mit Motorführung für Steher u. n. folgende Flieger-Konkurrenzen statt: Hauptfahrcn, Prämien-, Ermnnterungs- und Tandein-Fahre». An Besuch wird es der Direktion nicht fehlen, da die Eintrittspreise nur auf 1 M. und öl) Pf. bemesseu sind. Bon, Reichshallen-Theatcr. Ferdinand Meyscl. der Dirigent der S t e t t i n e r Säuger, hat von dem Eigentümer Herrn Dr. Schlief das ganze Gebäude der Reickshallen auf 10 Jahre in Generalpacht genommen. Das ganze Gebäude wird einer Renovation unterworfe» werden, welche der Architekt und Baumeister Herr Wilhelm Seyring ausführen wird. Treptoni-Steniwarte. Von heute b!S zur Mondfinsleniis wirb jetzt jeden Tag abends der Mond auf der T r e p t o>v- S t e r» w a r t e den Besuchern gezeigt. Sornitngnachmittag ö Uhr spricht Direktor Archenhold über„die bevorstehende Mondfinstemts" nnd abends 7 Uhr über„den Mond tn feiner Bedentnng für die Schisfahrt." Feuerbericht. In der Nacht zum Freitag wurde die Wehr nach der Straße Am Krögel 1 gerufen, um hier einen Brand abzulöschen, der de» Fußboden, die Schaaldccke nnd die Balkenlage ergriffen halte. Donnerstagabend kurz nach 8 Uhr lief eine Fenermeldung von der Klopstockstr. 25 ein. Hier ivar in der im ersten Stockiverk belegenen Wohnung des Kaufmanns Stein ein größeres Feuer ans- gekommen. Plättbretter, Kleidungsstücke, Wäsche, Jinmoblien zc. wurden ein Raub der Flamme» und bedurfte es längerer Arbeit,»in das Fcner zu löschen. Kurz darauf erfolgte eine Alarmiennig nach der Ecke der Schönhauser Allee und Franseckistraße. Hier war ein Pferd unter einen elektrischen Straßenbahnwagen geraten. das dann von der Wehr wieder hervorgeholt wurde.— Kleidungsstücke nnd Gardinen hatten abends 11i/s Uhr in der Pclersb'urgersiraße 63 Feuer gefangen, während gleichzeitig am Georgenkirchplatz 12 Guiiimischläuche in einer Gasbläscrei m Brand geraten waren. Außerdem hatte die Wehr noch Alarmierungen von der Admiralstraße 31 nnd nach dem Victoria Luiseplatz 4 zu verzeichnen, die aber nur unbedeutende Brände betrafen. �_ AuS de» Stachbapurien. AuS Schöneberg wird uns geschrieben: Einen unerwarteten Ausgang hat die dieser Tage vor dem Bezirksausschuß zu Potsdam verhandelte Klage unsrer Parteigenossen gegen die Ungültigkeits- erklärung des Stadtverordneten-Mandates des Genossen G n st a v Däumig genommen. Bekanntlich wurde Däumig im 4. Bezirk' gegen den Stadtverordneten Steinsetzmeister Schlinck mit großer Mehrheit gewählt. Die für Däninig abgegebenen Stimmen sind indes von der Wahlprüftmgskonnnissi'on für ungültig erklärt worden, da er nicht in der angenehmen Lage war, Hausbesitzer zu sein und mir ein solcher, nach der Magistrnts-Bekanntmachung, gewählt werden konnte. Der Bezirksausschuß hat nun zwar die Wahl unsres Parteigenossen ebenfalls als ungültig angesehen, aber auch zu gleicher Zeit erkannt, daß die Proklamation seines Gegenkandidaten zum Stadtverordneten seitens des Kollegiums zu unrecht erfolgt sei, also auch für ungültig zn erklären sei. Sollte gegen diese» Beschluß das Ober-Verivaltiiiigsgericht nicht angerufen werden, so dürften die Tage des Seniors Schlinck als Siadtvater gezählt sein. Hatte doch gerade Schlinck mit aller Kraft danach gestrebt, wieder ins„Parlament" zu gelangen, trotzdem nur der kleinste Teil der Wähler für ihn gcstinimt hatte, und nachdem er schon bei der ersten Wahl im November gegen unsern Genosse» O b st uliterlegen war. „Und wenn ich nur mit einer Stimme gcivählt würde, nähme ich das Mandat an", hatte der Herr noch im Wahlprüfungs- Ausschuß erklärt. Die Eutfestignng Spandaus. Es wird uns geschrieben: Ein „Hangen und Bangen in schwebender Pein" ist es, zu dem die Ein- wohnerschaft Spandaus von der Heeresverivaltung verurteilt zn sein scheint. Denn die Verhandlungen zwischen ihr und den Beauftragten der Stadt über die Entfestiglmg gehen nicht mit der Befchlennignng von statte», die im Jntercff'e einer baldigen Gesundung der Finanz- Verhältnisse Spandans zu wünschen wäre. Wie verlautet, stellt der MilitärfiskuS ganz unverständlich hohe Forderungen an die Stadt, er soll zur Zeit eine bare Entschädigung von sechs Millionen Mark verlangen, eine Summe, welche die schon jetzt unerträglich hohen Stenern(im vorigen Jahre 200Proz. Gemeinde- steuer-Zuschlag) nur noch mehr in die Höhe treiben müßten, um über- Haupt die Verzinsung der Anleihe zu ermöglichen. Die Eni- festigung Spandaus läßt sich nicht mehr von der Hand weisen, die moderne Kriegstechnick ist Über die veraltete Art der Landesverteidigung durch Fcstungsbauten längst hinweg. Das verhehlt sich die Heeresverwaltung am allerwenigsten; warum also diese unbegreifliche nnd ungerechtfertigte Verzögerimg. und warum denn solche exorbitanten Forderungen? Die Fortifikation läßt ja selbst bereits Teile der Festung abtragen nnd Teile des Fcftnngsgrabens zuschütten: ein Beweis, daß die Entfestigung überhaupt' nur noch eine Frage der Zeit ist. Jede unbegründete Ver- zögerung ist von verderblichen Folgen für die in ihrer Entwicklung völlig eingeengte Stadt. Ter städtische ArbritSuachtvciö zu RIxdorf veröffentlicht jetzt seinen Jahresbericht pro 1901. In diesem Jahre wandten sich die Arbeitgeber mit insgesamt 1221 Gesuchen um Nach- weis von Arbeitskräften an das städtische Bureau, während sich dort 6317 Personen wegen Vcrmittelung von Arbeit meldeten, und zwar 4469 männliche, 423 iveibliche und 425 Personen unter 16 Jahren. Arbeit nachgewiesen wurde insgesamt 1852 Personen. Die Stelle ciucö Gemeindevorstehers in Zehlendorf ist in der Gcmcindcvertreter-Sitzung am gestrigen Freitagabend durch die erfolgte Wahl des Herrn Dr. zur. Koster. zur Zeit Bürgermeister in Hndersleben, Schleswig-Holstein, neu besetzt worden. Der Gewählte ist 42 Jahre alt, war nach Erledigung beider juristtscher Staats- Prüfungen als kommissarischer Richter undfVerwaltungsbeamter zwölf Jahre'im oldenburgischeu Staatsdienst beschäftigt und ist seit dem Jahre 1895 Bügermeister in Hadersleben. Adlcrshof. Man schreibt UNS: Die Gemeindewähler der dritten Klasse stehen wieder vor einer G e m e i n d e v e r t r e t e r- Wahl. Es handelt sich diesmal um eine Ersatzwahl für den frei- sinnigen Vertreter, Herrn Lehrer Protze. Gegen die vor etlva einem Jahre erfolgte Wahl dieses Herrn wurde, noch unter dem Regime des verstorbenen Amtsvorstehers V. Oppen, feiner Zeit Protest erhoben mit der Motivierung, daß Schullehrer nach den Bestimmungen der Landgemeinde- Ordnung nicht in den Gemeinde- rat gewählt werden dürfen; Herr Protze war offenbar denen, die sich in dem„Glänze" des Amtsvorstehers v. Oppen sonnten, zu liberal. Ohne Rücksicht darauf, daß in Preußen in verschiedenen Stadt- und Landgemeinden Schullehrer in den Vertretungen sitzen, wurde der Protest erhoben; die Protestler fühlten sich berufen, einen Präcedenzfall zu schaffen. Die Gemeindevertretung beschloß, gegen diesen Protest den Klagcweg zn beschreiten und ein letztinstanzliches Urteil herbei- zuführe». In allen Instanzen wurde jedoch im Sinn der Protestler entschieden, und die Gemeinde mit ihrer Klage abgewiesen. Herr Protze scheidet nunmehr aus dem Gemeinderat ans, und somit findet am Montag, de» 14. April er., nachmittags von 4—7 Uhr im Genieindebureau(alte Schule) Ersatzwahl statt. Seiner Zeit stand»ns, da es sich um die Wahl eines An- lässigen handelte, kein geeigneter Parteigenosse sznr Verfügung. Die Verhältnisse haben sich jedoch geändert, unti wir koimten in der letzten Wahlvcrcinsvcrsamnilung eine» Kandidaten präsentieren, der den Bedingungen der Laiidgemeiiide-Ordnung entspricht. Es ist der Lederarbeiter Genosse Karl Kretschmcr, der auch einstimmig zum Kau, didaten aufgestellt wurde. Es ist nun Pflicht der Parteigenosse», zahlreich zur Wahl zu erscheinen und für die Wahl unsreS Kandi» datcn zn agitieren. Am Sonntag früh um 8 Uhr werden die Wahlauffordcrungen ausgetragen; hilfsbereite Genossen wollen sich bei L ö w e n t h a l, Hackenbergstraße 3, frühzeitig ein- finden. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung ernannte am Donnerstag sine Kommission, die in die Abrechnung über den seit vier Jahren fertigen Rath ans bau endlich Klarheit bringen soll. Die Ge- nossen Treue und Z i»i m e r m a n n sollen dabei behilflich sein.— Zum Vorsitzende» des Ge Werbegerichts wurde Herr Amts- und Gemeindevorsteher Ziethen und zu Stellvertretern die Herren Sterilstem, Kloster und Glaschke, letztere beiden gegen die Stimmen der Socialdemokraten, gewählt.— Die H u» d c- st e u e r-Ordnung wurde dem Verlangen des Kreis- anSschusses entsprechend abgeändert; die Steuer beträgt mm 16 M. per Jahr. Abgeändert wurde auch der Bertrag mit dem Jnstizfiskns über die Erbauung des Amtsgerichts, so weit die späteren Ankaufsbedingungen tn Betracht kommen. Mit dem Bau soll in Kürze begonnen werden.— Die socialdemokratischen Ge- meindcverordneten begründeten eine Resolution, worin der Ge- meindevorstand ersucht wird.- in Bezug auf die Fräste der Stadt- werdung Lichtenbergs nichts unversucht zu lassen, damit die Sache in etwas lebhafteres Tempo komme. Im besonderen wurde betont, daß die Verhandlungen, die in nencrer Zeit mit Berlin gepflogen werden, das erste Projekt durchaus nicht kreuzen dürfen. Im Verlauf der Debatte gab der Gemeindevorsteher Kenntnis von einem Schreiben deS Landrats, wonach an der Hand der beiden letzten Hanshaltspläne die eingereichte Denkschrift ergänzt Iverden soll; ebenso soll sie über die Wirtschaftslage der Einwohner nnd über die vorhandenen öffentlichen Einrichtungen Bericht geben. Sodann soll erwogen iverden. ob Lichtenberg die finanziellen Opfer, die die städtischen Einrichtungen erfordern, tragen kann; dazu gehört auch die Verzinsung der dein Kreise Niederbarnim zu zahlenden Ab- finduiigSsumme im Betrage von 668 000 Mark. Der Kommission, die über die AbfiildiingSsumme mit dem Landrat eventuell ver- handeln wird, gehört imter andern» auch Genosse Grauer an. Auch irnirde eine besondre Koinmission geivählt, die gemeinschaftliöh mit dem Gemeindevorstand die Verhandlungen mit Berlin über die Ein- verleib ungsfrage führen soll. Diese Sache wird»ach einem Bericht des Vorsitzenden sehr ernstlich betrieben; der Kommission ge- hören u. a. die Genossen Weißssuck nnd Graner an.— Ferner wurde als im öffentlichen Interesse liegend die Regulierung der drei großen Siraßenzüge Gürtel st raße', Pfarr- und E l d e n a e r str a ß e beschlossen, obivohl der Genieinde zugemntet wird, von den ungefähr 420 000 M. betragenden Kosten 215 000 M. aus Mitteln der Steuer- zahler zu Gmisteü einer Handvoll Hausbesitzer beizutragen. Eine Scharlachepidcmie ist in Groß-Schönebeck ausgebrochen. Infolgedessen ist für den Umfang des Gcmeindebezirks Groß- Schönebeck die allgemeine Nnzeigepflicht angeordnet worden. Alle Familicnhänpter, Haus- und Gastwirte sowie Medizinalpcrsonen sind bei Vermeidung der gesetzlich angedrohten Strafen verpflichtet, von den in ihren Familien, ihren Häusern und Wirtschafte» sowie in ihrer Praxis vorkommenden Fällen dieser Krankheit nuindlich oder schriftlich dem Anitsvorstcher sofort Mitteilung zu machen. T Herker. NeiieS Theater. Gastspiel des Pariser Ensembles,— Das Neue Theater scheinen die Lorbeer» des Nesidenz- Theaters nicht schlafen z» lassen. Nach„Cornlie u, Co." und„Chaniparay's beiden" sollen nun eine Woche lang Pariser Schwanke iin Urtext, frisch von der Quelle weg, dort zum Ausschank kommen. A» zahlungsfähigen Liebhabern des Genres ist ja im deutschen Vater- land kein Mangel, und so mag sich diese neue Spekulation vielleicht in klingende Münze umsetzen. Der erste Abend jedenfalls fand ein vollbesetztes Haus und ein höchst animiertes Publikum. Zumal der zweite Akt von Georges Feydeau's„LeDindou" ent- fesselte Lachstürme von ungewöhnlicher Intensität, Die Posse, die an Ungenierthcit auch das in Pariser Schwänken sonst gewöhnliche Mast noch um ein Erkleckliches überbietet, ge- hört, ähnlich wie„Champarays Leiden", der Gattung der Klingclstncke an. Die Klingelci ist komischer Hnnpteffekt, Unter die Kissen eines Hoteldivans, der symbolistisch noch ein andres Möbel vorzustellen hat, sind von einem verfolgnngs- süchtigen Liebhaber zwei elektrische Läutewerke versteckt, die, sobald die Ruhesuchenden sich niederlassen, in fieberhafte Thätigkeit geraten, Statt der Schuldigen fällt ein argloser Provinzial- Major mit seiner mächtig korpulenten, zur Zeit durch ein fatales Unwohlsein sehr elegisch-weinerlich gestimmten Gattin, die noch dazu, um mitten in dem Klingelaufrnhr mhig einschlafen zu können, von dem nienschen- freundlichen Dichter mit hoffnungsloser Taubheit ausgestattet ist, dem Plane zum Opfer. Und zwischendurch tobt dann noch eine ivahn- witzige Hetzjagd andrer Verwechselungen, deren inneren Zusammenhang kein menschlicher Verstand zu durchdringen vermag. FndeS das flotte Spiel brachte, was sich dem wilden Durcheinander des höheren und höchsten Blödsinns an Komik abgewinne», liest, mit ganz verblüffend sicherem Geschick heraus. Man weist am nächsten Tage nicht, wie mau, als ein vernünftiges Menschenwesen und Krone der Schöpfung, hat lachen können, aber— man hat gelacht. Thatsachen sind nicht aus der Welt zu schaffen. Nach Schluß der Koniödie trat Paulus auf. der„König der Chantans", wie ihn der Theaterzettel in schöner Bescheidenheit bc- tituliert. Daß er sich übrigens auf Gassenhauer trefflich verstehe, wird ihm niemand abstreiten ivollen. Seine Stimme ist angenehm! und er hat eine Art, den Rhythmus zu markieren, ihm mit'Arm' und Beinen nachzuhelfen, durch Augenzwinkern und amüsante Grimafieu Siim und Nebensinn der Verse breit zu unterstreiche», die so recht dafür geschaffen sind, das typische Publikum der Variöles zu entzücken, ihm Text und Melodie der Lieder in das Gedächtnis ein- zupaukeu. Man begriff es, zumal als er nach allerhand Schnurren zum Schluß eines seiner alten Soldatenstücke„revenant ck« la revue'- anstimmte, sehr wohl, wie zur Zeit des Boulangerschivindels tristen Angedenkens Paulus als chauvinistischer Reklamesänger des „tapfereu Generals" es zu solch unerhörter Straßenpopnlnrität hat bringen können.—_ dt. VevsÄttttniungen. Die Berliner Gewerkschaftökommisfio» hielt am Donnerstag im Gewerkschaftshause eine Versammluug ab und befaßte sich zunächst niit den, Rechenschaftsbericht.' der den Delegierleu gedruckt vorliegt. K ö r st c n gicbt hierzu bezüglich des Kassenberichtes mehrere Erläuterungen, Die Lederarbeiter wären als eine Organisation aufgeführt worden; hier werde eine Trennung gewünscht, so daß die Lohgerber in Zukunft besonders aufgeführt werden sollten. Bei den Glasarbeitern sei ein Posten von 20 000 Mark aus England sowohl unter Eingängen von Vereiueu als auch unter Ausgaben gebucht. Für ein Darlehn der Buchdrucker an die Glasarbeiter<10 000 M.) habe die Gewcrkschaftskommissiou seiner Zeit Garantie übernommen, nachdem sich nun aber die Buch- drncker verpflichtet hätten, das Geld de» Glasarbeitern auf läugere Zeit zu überlassen, ninimt die Geivcrkschaftskonimission an. ihrer Verpflichtung überhoben zu sein. Die Mehrausgaben für Aushilfe im Bureau seien durch die Arbeitsloscu-Zählung verursacht. Der Redner hebt ferner hervor, daß einige kleinere Gewerkschaften mit Geldniitteln für Agitation uutersiüht worden sind,— Darauf spricht Link zu dem allgemeinen Teil des Rechenschaftsberichts, Hervorzuheben sei, daß die schlechte Konjunktur der Mitgliedcrzahl keinen Abbruch gethan habe. Der Rückgang gegen das Vorjahr be- trage thatsächlich nur 500. da im vorjährigen Bericht irrtümlich 300 Zmmierer mitgerechnet seien, die dem Kartell angeschlossen seien. Dem Wunsch des„Vorwärts", die Kassenverhällnisse der einzelnen Gewerkschaften tabellarisch geordnet wiederzugeben, tonnte nicht ent- spräche» werden, da die Gewerkschaften das Material hierfür nicht eingeliefert hätten.— An diese Ausführungen schließt sich eine lebhaste Debatte. Robert Schmidt wllnscht im Kassenbericht eine mehr über- sichtliche Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben und ftägt an. ob das statistische Material der Arbeitslosen- Zählung der Reichs- und Landesregierung und der Stndtvertretnng zur Ver- fngnng gestellt worden sei. und mit welchem Erfolg, Warum das Begleitschreiben an diese Behörde» den Delegierten nicht vorgelegt worden sei? Hinsichtlich der Berichte über die einzelnen Getverk- schaftc» sei es sehr ivünschenSlvert, daß eine spccialisiertc Aufstellung über ihre Kassenverhältnisse, z. B, auch über die Ausgaben für die einzehiett Unterstützungszweige, für Verwallnng»sw.. gegeben werden, und zivar nicht nur von nnscn, Gewerkschaften, sondern wenn möglich auch von den Hirsch-Dnnckerschen nnd christlichen Gewerkschaften. Es müßten vierteljährlich Fragebogen zu diesen, Zweck an die Vorstände ausgegeben werden und dann müsse mit allen Mitteln versucht werden, das Material einzuhringe»,— Tischendörfer spricht sich sehr anerkennend über die Thätigkeit der Sekretäre aus und wünscht, daß es den Arbeitern klar gemacht werde, welche umfangreiche Arbeit auf de», Bureau der Getverk- schastskoimnission geleistet wird. Die Kasseiiaufstellniig genügt dem Redner nicht. Das Verrechne» mit Darlehen gäbe ein»»klares Bild, An den Berichten über die Thätigkeit der Gewerkschaften übt der Redner in verschiedener Hinsicht Kritik. Der Bericht müsse ein mehr schematischer sei»: man solle mehr die nackten Zahlen sprechen lassen. Die Berichterstattung der Generalkommission sei in der Beziehung eine bessere. Ferner kritisierte der Redner die Einleitung über„Streiks und Lohnbewegungen" nnd mehrere seiner Meiining nach unpassende Wendungen und unrichtige Darstellungen. Die persönliche Polemik müsse anS dem Bericht fern bleiben, Er wünsche nicht, daß Personen, wie Dr. Freund in so persönlich verletzender Weise behandelt werden. Brückner(Buchbinder) teilt mit, daß an einer Stelle i», Bericht die Mitgliederzahl seiner Organisation, die 3420 beträgt, nicht richtig angegeben sei.— K ö r st e n erlvidcrt auf die verschiedenen Ein- Wendungen und erklärt, daß die Listen häufig sehr verspätet ab- gerechnet würden, wodurch die Rechnnngslegnng erschwert iverde. Den geäußerten Wünsche» soll möglichst Rechnung getragen werden. Die Berichte von den Geiverkschaften sind verspätet eingegangen, wodurch auch die Fertigstellung des„Rechenschaftsberichts" verzögert ivurde. Das Material der Arbeitslosenzählnng ist an die erwähnten Adressen befördert worden, eine Antwort ist jedoch von keiner Seile erfolgt. Nur der Oberbürgermeister hat auf die Beschwerde gegen die Firma Nauck u, Hartmann wegen der Verweigerung des Säulen- anschlages, die Arbeitslose» zähl uiig betreffend, eine Antwort erteilt und zwar erklärt er das Verhalten der Firma für berechtigt und bezieht sich dabei anf eine Verfügung von 1854. Die Angriffe gegen Dr. Freund seien durchaus berechtigt und auch lvohlüberlegt. Derselbe Dr. Freund, der, wenn auch in gewundenen Sätzen, erklärt habe, daß das durch die Arbeits- losen-ZähIung geivonnene Material nichts tauge, benutze das Material des Gewerkschaftsbureaus für seine Arbeiten,— Des weiteren führt' S ch u I z k i(Vertreter der HandelShilfSarbeiter) Beschwerde darüber, daß die Forderungen der Kassenbeamten ignoriert werden,— Frau Thiele(Buchdruckerei-HilsSarbeiterin) führt aus, daß die Mit- gliederzahl ihrcrOrganisationnicht richtig angegeben sei und 535 betrage. Web er(Schuhmacher) wünscht, daß die Gelder, die bei Lohnbeivegnnge» für eine Gewerkschaft aufgebracht werden, dieser auch voll zur Verfügung gestellt werden. Seine Organisation hätte übrigens de» verlorenen Streik gut überivniide» und kein Mitglied dadurch ein- gebüßt.— Cohen(Metallarbeiter) weist jenem Verlangen gegen- über auf die von der Gewerkschaftskommission gefaßte Resolution hin, wonach die nachträglich eingehenden Gelder in der Kasse ver- bleiben. Ferner wendet sich der Redner gegen die Unsitte, daß von den Krankenkassenbeamten häufig Ueberstunden gemacht werden. Besonders ist dieser Uebelstand bei der Ortstrankenkasie der Kaufleute eingerissen. Link erwiderte zunächst auf die an der Einlei lnng geübte Kritik, Er halte die darin aufgestellten Bchauptnngen aufrecht. Man könne er ja freilich nicht allen recht machen. Die einzelne» harten Worte seien durchaus berechtigt. Das Begleitschreiben an die Be- Hörden zu den, Material der Arbeitslosen-Zählnng iverde im nächst- jährigen Bericht veröffentlicht werden, da tS nicht mehr in dieses Geschäftsjahr falle. Der Redner wendet sich des weiteren gegen die Ansführungen Webers bezüglich der Einbehaltnng überschüssiger Gelder. Die Kommission inüsie einen Fonds zur Versügnng habe»; das Ver- fahren entspricht den gefaßten Beschlüssen.— Nachdem S ch n l z k i noch erklärt hatte, daß nicht die Kassenbeamten, sonder» die Ver- ivaltungen schuld seien, wenn Ueberstunden gemacht würde», wird die Diskussion geschlossen und den Sekretäre« einstimmig Dcchargc erteilt. Darauf stellt Streitner im Namen des Ausschusses den Antrag, das Gehalt der Sekretäre um je 200 M. pro Jahr zu erhöhen. M a t t h e S(Holzarbeiter) Ivendet sich gegen die sofortige Erledigung des Aiitrags und will ihn zuvor seiner Gewerkschaft vor« legen. S ch„ l z t i-beantragt ein Anfangsgehalt von 2000 M, für die Sekretäre,„ach zwei Jahren um 200 M, steigend,»ach 5 Jahren 2400 M. JahreSgehalt zu zahlen,— Wiese nthal beantragt, daß dem Sekretär,' der die Kasse ftihrt, außer der vom Ausschuß be- antragten Gehaltserhöhung 100 M, Mankogeld gezahlt iverde. Für de» Ansschntznntrag sprechen Massini, Jahns und Ritter. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit a n g e n o in m e n; ebenso der Antrag Wiesenthal. Der Antrag Schulzki wird abgelehnt. Anf Antrag, des Ausschusses wird das Regulativ der Gewerkschaftskommission dahin abgeändert, daß es nicht mehr heißt, die Berichterstattung und die sich daran schließende Wahl des AnsschnsseS soll alljährlich im Januar, sonder»„im ersten Quartal stattfanden."— Hierauf wird zur Wahl des Aus- s ch u s s e s übergegangen. Ein Antrag Cohen, den Sekretären Stinnnrecht im Ausschuß zu verleihen, ruft eine längere Disknssio» hervor, die Entscheidung darüber wird jedoch ausgesetzt. In den Ausschus ivurden gewählt: Busse, Zeiske, Börner, Slreitner. Kube, Kunze und Wiesenthal. Als Revisoren: Brückner(Buchbinder), Jäck und Tesche. Bezüglich der Stellungnahme zur Maifeier wird be- schlössen, die Ausarbeitung der Resolution sowie die weiteren Maß- »ahmen dem Ausschuß zu überlassen.— Schulzki teilt noch mit, daß die Stellungnahme gegen die Firma Wertheim nicht resnltatlos verlaufen ist und die Organisation jetzt dort anerkannt wird.— Nicht anwesend waren die Delegierten der Weißgerber, Ver- golder, Rabitzpiitzer, Lackierer, Maschinisten, Asphaltcure und Bäcker, Justiz gegen Proletariat lautete daS Thema eines Vortrage«, den Dr, Karl Liebknecht am Sonntag in einer sehr stark be- suchten Volksversammlung bei Ballsckniiieder in der Badstraßc hielt, An einer Reihe neuerer gerichtlicher Urteile zeigte der Redner, daß nicht Gerechtigkeit, sondern Klassenjustiz die freilich sich selbst zer- setzende Grundlage des heutige» KlassenstaateS ist. Die Richter, die doch auch Mcnscheil sind, und als solche unbewußt beeinflußt werden von den Anschauungen und Vorurteilen der Gcsellschafis- klassc, ans der sie hervorgegangen sind, können sich eben deshalb nicht hiiicinvetsctzen iii die Denkweise und die Empfindungen der socialdemokralischen Arbeiter, des klaffenbeivußten Proletariats, Was dem Proletariat groß und ideal gilt, erscheint dem Richter gar oft„gemeingefährlich";- was der Arbeiterschaft gemeingefährlich scheint, gilt dem Richter gar oft als„staatserhaltend". So kommen jene Urteile zu stände, die wir als Ausfluß der Klassenjustiz bc- zeichnen, ohne daß wir dabei an bewußte Rechtsbeugung dächten, Unter dem Einfluß der in bürgerlichen Kreisen herrschenden, von der reaktionären Presse mit Vorbedacht genährten Anschauung, daß die Socialdemokratie die llmsturzpartci, die Zerstörerin der Ordnung sei. sind die Richter nur zu leicht geneigt, den Socialdemokratcn an sich ohne iveiteres mancher Delikte für besonders fähig zu halten und viele Delikte, weil» sie von Socialdemokratcn begangen werden, als besonders gemeingefährlich anzusehen. So erklärt es sich, daß Strafthaten, die in Znsammenhang stehen mit der politischen und geiverkschaftlichen Arbeitcrbeivegung, in Deutschland ungemein schwer bestraft zu werden Pflegen. Der Redner erlänterie seine Ansführungen an verschiedenen Verurteilungen wegen Streik« vergehe»: Der Streikbrecher genießt einen gerichtlichen Schutz, der dem deS Monarchen nnd der Kirche nahezu gleichkommt. Der Cbinaprozeß des„Vorwärts", die Landfricdcnsbrnch- Prozesse in Löbtau und Köslin, die Meineidsprozesse in Güstroiv, die bekannten Ober-VerlvaltungSgerichtS-Erkcnntnisse, die Erpreffnngs- Prozesse gegen Arbeiters die nicht mit Unorganisierten zu- sammcn arbeiten ivollte», und andre die Klassenjustiz kenn- zeichnende Urteile fanden ihre Beleuchtung. Redner betonte be- sonders, die auch im Reichstag von unsrer Seite vertretene Ansicht. daß der Erpressnngsparagraph in einem Nürnberger Fall in ähn- sicher Weise, wie sonst gegen Arbeiter, gegen einen Unternehmer an- gewendet sei, beruhe auf Irrtum; dieser Unternehmerfall habe ganz anders gelegen. Liebknecht schloß seinen zweieinhalbstündigen Vortrag niit dem Hinweis, daß der Grundsatz: Gerechtigkeit ist die Grundlage des Staates, erst mit Beseitigung der Klassen Wahrheit werden könne.— Der Vorsitzende B i t t o r f schloß die Bersamnikung mit der Aufforderung zuni Anschluß an die politische und gcivcrk- schaftliche Organisation. Kreircligiöse Gcnieiude. Sonntag, den 13. April, vorinittagL ■S'/t II fit, in der Aula der KS, Gemcindcschule, Kl, F r a n k f u r t e r st r. 6: Versammlung.„Freireligiöse Borlesung". Um IM/, Uhr vormittags eben- daselbst: Vortrag des Herm Proscssor Dr, Albert Gehrk«:„Die Wert- lchätzuug menschlicher Grobe".— Gäste, Damen und Herren, sehr will- lomuien._ Vevmipltzkes« Bestien. Manila, 8. April. Flüchtige Verbrecher überfielen bei Sorsogon anf Samar 5 Konstabier und töteten drei bo» ihnen unter furchtbaren Martern, nachdem sie ihnen vorher die Augen herausgedrückt hatten. Die Cholera. Aus Manila wird gemeldet, daß die Gesamt- zahl der Todesfälle in Mauila 140 beträgt. Ein plötzliches Auf- treten der Seuche wird aus Hagenoy berichtet, von Ivo 51 Fälle der Krcmlheit gemeldet werden. Vereinskalender. Arbeiter> Sängerbund Berlins und der Umgegend. Erster Vor- fitzender Julius Meyer, Fichtestrabe 27. Erster Kassierer Seikrit' Fidicinstrabe 16. Alle Aendcmngen in, VereinSlalenber sind zu richten an Friedrich Korturn, Lausitzerstr. 33. Sonnabend, abends 9—11 Uhr: Ucbungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder.— „Sanges- Echo", Krüger, Naunynstr. 6,—„Immergrün", Tegel, Rentner, Spandauerstr, 15.—„Vorwärts VII", Rummelsburg, Beutling, Goethe- und Kantstr.-Eckc.—„Weibe Rose II", Weibensee, Sorrer, Strabburgstr. 56.— „Eintracht I", Teltow, Dertz, Zehlendorserstr. 6.—„Sänaerlust", Lucken- walde, Schulze, Beelitzerstr, 84.—„Einigkeit II", Reinickendorf„West", Bethwc«, Wtttesttabe,—„Echo II", MarkgraspieSke bei Fürstcinvalde, Grasnick,—„Gemischter Chor", Luckenwalde, Gerhart, Haag 5,—„Glück zu", Löria, Pankstr. 3Lci.—„Freie Sänger", Oranienburg- Sandhause», Müller(Waldhaus). Arbeiter-Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Bereinskalender Nnd zu richten an Albert Liebetrau, Berlin, Putbuscrstr, 44, 4 Tr Sonnabend:„Havana II", Nowawes-Ncucndorf, Bernhardt, Priefler- strabe 31,-„Glück Aus", Rüdersdorf- Kalkberge, Greve, Heinitzstr, 19.— „Kuba", Spichalle, Bredowstr, 2,—„Pappel", Dahmke, Bnchholzerstr. 5,- „Havana I", Ripdorf, Pflug, Juliusstr, 59.—„Blauer Dnmps", Doye, Müllerstraße 32a.—„Komnnme", Koloniestrabe 147.—„Einigkeit Iii", Hentze, Hcrzselde, Hauptstrabe 46,-„Euter Tabak", Kupsch, Teltow, Hoher Steinweg 41,—„Gemütlichleit V", Mier, Henickendorf, Kirchplatz,— „Klub 1900", Kreutzstr, 10.-„Angler I", Zuleger, Zimmerstr, 60,-„Gc- miitsichkeit VI", Gleitze, Charlottenburg, Krmnmestrabe 69,—„Guter Zug", Eberowalderstr, 3,—„Pfälzer", Hofsmann, Swinemüuderstr, 47,—„Einig- keil IV,", Gärisch, Neu- Zittau,—„Einigkeit V", Waschkuhl, Weiben- burgerstr. 48,-„Weichseldust I", Pappel-Allee 34,—„Fortuna", Ruders- darf, Stolpbrück,—„Berolina", Teltow, Hoher Steiiiweg4l(alle 14 Tage). —„Grüne Rose", Friedenstr, 91,-„Dornröschen", Fennstr, 5,-„Henkel- töppien", Dunckerstr. 83,—„Wilde Rose". Neu-Weibettsce, Lichtenberger- strab« 15. Central-Rancherdund. Zuschriften sind an Kleist, Ripdorf, JiiliuS- strabe 26, zu richten. Sonnabend:„Lange Pfeife", Ripdorf, Knesebeck- strab« 20,—„Glück aus", Ripdorf. Ringbahnstr. 24,-„Frohstnn", Kiiesebeckstrabe, bei Sparenberg,-„Kurze Pfeife", Ripdorf, Mainzerstr, 4. -„Ohne Zwang", Ripdorf, Kncsebeckstr. 11«,-„Alt-Gemütlichleit", Köp- nickerstr, 61. Arbeiter. Tiirnerbnnd. Sonnabend: Turnv,„Fichte", Berlin, abds, 8-10 Uhr: 1. Männer- Abt, Friedenstr, 37.- 3, Mänuer-Abt, Boeckhstr, 17/20.- 7, Männer-Abt. Rcichenvcrgerstr, 131-132,- 8, Männer- Abt, Höchstestr, 36/37,- 2, Lehrlings- Abi Skalitzer- strabe 55-56,- 4, LehrlingS-Afit, Siemensstr, 20(Moabit),- 5. Lerl.-Abt. Ackerstr. 67.—„Freie Turnerschaft Johannisthal" abds, 9—10 Uhr Seilst- tcfien,— Turnerschaft d, B.„Nereus"(gegründet 1882), 1, Lehrlings- Abteilung 8-10 Uhr abds. Maiitcuffeistr. 7,-„Arb.-Tuniv," in Adlershof, Padden-Villa, Rudowcr Chauflee, Männer-Abt., Mittwochs Lehrlings-Abt, Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Sonnabend. Sport- verein„Herkules", Wattstr. 3,.„„ Zwanglose Zusainmenkünfte mit Damen im Restaurant des Gcwerkschastshauses. Sonnabend: Buchbinder. Deutscher socialdemokratischer Leseklub in Paris. 82 rns Notre-Darne de jfazareth, 3 e arrond. Brassorie des 3 Suisses. Jeden Sonnabend öffentliche Versanimlung; reiche Bibliothek, Zeitungen, französischer Unterricht, London. Der eiuzige socialdemokratische Verein Londons, der alte von Karl Marx und Friedrich Engels 1846 uiitbegründete Koni- uiunistische Arbelter-Bildungsverein befindet ftch nach wie vor 49 Tottenham Street, Tottenham Court Rd,, W, London. Alle Aiisragen in gewerkschaft- sichen und parleigenössischen Angelegenheiten sind an vorstehende Adresse unter Bezeichnung:„An den 1. Sekretär" zn Händen.des Bcreiiisvorstands, AU Verein Vorwärts, Johannesburg(Transvaal). Vereinslokal Prvgreb-Bierhalle, Corner of Marshall and Small Street, 'Deutscher Arbeiterverein Arüsfel. Verkehrs- und Vereinslokal: Slaison du peuple. Arbeiter- Radfahrerbund„Solidarität". Gau 9(Prob, Branden- bürg). All- Zuschrificii und Anfragen, den Bund betreffend, sind zu rchte» an den Gauvorsitzciideii Karl Fischer, Berlin XIV,, Waldstrabe 8. Ton»- abend:„Waldtsgrün", jeden Sonnabend vor dem 1, und 15,, Brunnen- strabe 107._ Briefkasten der Redaktion. Tie j« ristische Sprrchsinnde slndet täglich mii Ansnahme bei Sonnabends von 7'/- bis»dr abends statt.'z SS. 35. I. Ein Längengrad ans dem Aeguator beträgt genau 15 geographische Meilen; denn die Meile ist desiniert als der 15, Teil der Länge des Aeguatorgrades, Um die Länge eines Grades anf einem andren Breitenkreis zu finden, ist 15 Meilen mit einer von der Breite abhängigen Zahl, dem sogenannten Cosinus der Breite, zu multiplizieren, Berlin liegt unter 52° 30' 17" nördlicher Breite, der Cosinus hiervon ist 0,6087, mithin beträgt in unsrer Breite die Länge eines Grades 15 X 0,6087— 9,1305 Meilen. Der Cosinus von 70° ist 0,3420; mithin beträgt unterm 70, Breitengrad die Grobe eines Längengrades 15 X 0,3420— 5,1300 Meilen, Auf einer ebenen Weltkarte müssen die Längengrade in hohen Breiten ebenso grob aussallen, als in niederen, also zu grob. Mithin giebt es auf einer solchen Karte keinen einheitlichen Mabstab für alle Zonen, sondern die untcr bohen Breiten gelegenen Gebiete erscheinen gegenüber den äquatonalen Gegenden verbreitert, Fr. H. 1. Sic müssen zu angemcffener Zeit die WohnlMg besichtigen lasten. Als angemessen würde im Streitsall etwa die Zeit von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr nadimittags vom Gericht erachtet werden, 2, Die Klage hat leine Aussicht auf Erfolg,— Dicustiiiädche». Ist nichts andres ver- cinbart, so beträgt die Kündigungsfrtsi für das Gesinde 6 Woche» zum Ouartalsersten.- C. T. 105. 1. und 2. Nein, Teile» Sie dem sonder- baren Verlag unfrankiert mit, dab er sich die ohne Ihre Bestellung Ihnen zugesendeten Schriften innerhalb 24 Stünde» abholen lasten soll, widrigen- falls Sie sich vorbehalte», ihn ans Anerkeiinung dahin zn verklagen, dab Sie nicht abonniert hoben rnid ans der Zusendung der Schriften ihm nichts schulden. Notwendig ist die Klage nicht,— Treuer Aboniient. 1, Das gebt nicht, das wäre strafbare Urknndensälschung, 2. Das Gericht ernennt den Vormund, die Mutter kann jemand vorschlagen, — P. G. S. Nein,— I» Druck. 1. Nein, 2. Spätestens am 364. Tage, 3. Brcitcstr, 24. 4. Ja,-<5, W. 33. Ein einfacher Schuldschein genügt, eine Beglaubigung der Unterschrist ist zweckmäbig, aber verursacht Kosten, - A. V. 75. Leider nein,- O. B. Das ist nicht erforderlich. Die Rechte stehen im Gerichtsvcrsaffiingsgesetz, Als Schöffe hoben Sie lediglich nach dcstem Gcwiffe» zu urteilen. Die Ansicht des Norsitzendcii darf»ach keiner Richtung hin Sie beeinflusse», Ihre Ansicht gilt genau soviel wie die des Vorsitzciidcn, Von Wesentsichkeit für den Laienrichter bleibt stets zn Piusen: hat der Angeklagte zweiscllvs das Bewnbtlein der Rechtswidrigkcit gehabt'? Ist- diese Frage auck nur zweifelhast, so ist eine Ber- nrtetlnng ein moralisches Verbrechen,— A. I. Charlottenburg. Nein. — Pank»nd W. Jede Revter-Sanitätsio mm isston i n Berlin besteht ans dem Vorstande des betreffenden Polizeireviers, sowie aus ärztliche» und sonstigen Mtlgliederir, welche Einwohner des Reviers setn müssen und aus Vorschlag des vom Polizeipräsidenten gewählten Vor- sitzenden der Kommission durch die Stadtverordiieten-Versainmiimg erwählt werde». Die Mitgliederzahl soll in der Regel 15 nicht überschreiten. Die Revier- Sanitätskommissionen solle» von Cholera- Erlrankungen und„von ander- wcitlgcn bedrohlichen Krailkheitsansbriichcn" innerhalb ihres Bezirks benach- richtigt werden. Nach der voiizcilichen Thättgkeitsanlcitnng vom 16, Sep- tember 1893 ist neben dem Geslnidheitszustaude der Einwohner der Reviere in erster Reibe der sanitäre Ziisland der WoHllHöuier und deren Reinlichkeit der Gegenstand, anf luelchen sich die Thätigkeit der Revier- Sanitätskommtssion zu lenken hat. Eine besondere Anfnierksamkeit ist den Klosetts»nd Ausgüssen zu widme», In sanalisierte» Häuser» bedürfen schadhaft gewordene Vorrichtungen, inidichte Leitungen, vcrstopste Leitnngs- teile der Berücksichtigung,, In Häusern, welche noch Grubenklosetts haben, in Fabriken nnd ans Neubauten ist auf eine genügende Zahl von Abtritten (auf 15, höchstens 20 Interessenten je 1) zu halten. Den Konnnisfloiien liegt auch die Anzeige verdächtiger Brunnen, eine Einwirkung auf die not- »vendige Reinlichkeit beim Verlaut von Nahrungsmitteln«nißerhalb der Markthallen, Anzeigen über Unsaiiberkeiteu auch aus Knoche»-»nd Lumpen- geschästeu nnd ähnliche Mißstände an die Sanitätstommiision ob,— — 91. W. V. 187. Wenn für Entbindmig nnd Verpflegung einschließlich der Fürsorge für das Kind 40 Mark vereinbart sind, so ist diese Abrede gültig. Eine Nachforderung der Hebamme ist unberechtigt. Ebensowenig bat sie ei» Recht, die Sachen des Kindes zurückzubehalten. Klagen Sie beim Amtsgericht aus Herausgabe der Sache»,— F. W. W. Kann Ihr Vetter beweise», daß er arbeitSunsähig oder von der Leistung von Diensten dispensiert war, so würde eine Klage seinerseits Aussicht aus Erfolg haben, sonst nicht,— Testa nie»teri oll strecke r. Liegt kein Testament vor, so sind in Ihrem Fall nicht allein Sie und Ihr Bruder, sondern Ihr Onkel zur Hallte und zur andern Hälfte Sie beide Erben, Die Erbe» können den Nachlaß in Besitz nehmen und auf Herausgabe gegen andre klagen, können auch Siegelung beim Amtsgericht beantragen,— W. M. 05. Nein. LvitternngSübersicht vom 11. April IVOS. morgenS 0»Hr. Wetter-Prognose für Sonnabend, de» IL. April l»OL. Ziemlich trübe und regnerisch bei mäßige» nordöstlichen Winden, etweS wärmerer Nacht und wenig veränderter Tagestemperatur. Berliner Wetterbureau Durch Feuer, Wasser u. 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