Ur. 88. Abmnttmtitts-Kedingungen: «bonnementZ-Prti« pränumerando: Vierteljährl. S,N Mk., monall. I.IVMr., wöchentlich 28 Psg. frei inS Haui. Eiinelne Numw'I 5 Psg. EonntagS- Nuinmer mir ili»nr>cr>-r Sonntag?- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitung?» Preisliste für 1S02 unter Er. 7878. Unter«reuzband sur Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sur da« übrige Autland S Marl pro Monat. 19. Inlsfg. Fit Insertwns-Gcvstyr beträgt sür die sschtgefpaltene Kolonet» »eile oder deren Raum iO Psg., für politische und gewerlschaftliche Vereinsund OersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Knseigen" jede! Wort S Psg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittag? tnderErpeditionabgegebcn werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen biS SUHr vormittags geöffnet. «rfcheiiik täglich nutzer Moukng». Verlinev Volksbl�kk. Telegramm, Ddreste: »Sorialdemokrat vcrlin» Centralorgan der socialdemokratischen Martei Deutschlands. Redslition: SW. 19, Veukh-SkrMe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Mittwoch, den 16. April 1»03. Expedition: sw. 19, Veutli-Slealte 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. KlSI. Der russische Polizeiminister erschossen. Aus Petersburst wird vom Dienstag gemeldet: Heute nachmittag 1 Uhr wurde in der Vorhalle des Reichsrats- gebändes auf den Minister des Innern ein Mordanschlag verübt. Der Thäter berührte mit der Waffe fast die Person des Ministers; letzterer verschied um 2 Uhr. Das russische Schcrgen-Regiment hat also ein neues Opfer gekostet, diesmal freilich war es der Hauptverantwortliche für die skandalöse Polizeiwirtschast, der P o l i z e i m i n i st e r S s i p j a g i n selbst, den ein rächender Schuß der Revollition niedergestreckt hat. Ein tragisches Verhängnis: Während grade in diesen letzten Tagen die russische Regierlingspresse, jedenfalls von dem Minister des Innern selbst inspiriert, nicht müde wlirde, zu versichern, daß die russischen Unruhen gar nicht so schlimm seien, daß vielmehr die ausländische Presse allerhand übertriebenen Gerüchten Raum gebe, ereilte den sichtbaren Hauptträger des Knutenregimcnts die rächende Kugel: das schlagendste Dementi der Revolution gegenüber den verlogenen Dementis der russischen Regiernng. Ssipjagin war, ehe er Polizeiministcr wurde, Jägermeister. Der Ressortwechsel bewies, daß er auch die Jagd auf Menschenwild mit der Leidenschaft des passionierten Jägers auszuüben verstand. Der Haß des von ihm mit nanienloser Grausamkeit verfolgten politischen Freiwildes konzentrierte sich begreiflicherweise in erster Linie auf seine Person. Nun hat ihn wie so viele andere Geißeln der geknechteten und geknutetcn Nachbarnation das Geschick ereilt. Ob die That politische Erfolge haben wird? Der russische Absolutismus hat bisher eine außerordentliche Zähigkeit bewiesen. Der jetzige Zar erklärte 1895, ein Jahr nach seinem Ncgierungs- antritt, die Hoffnungen auf eine Verfassung für unsinnige Schwärmereien. In der Hand des Zaren liegt es, die Formen des künftigen politischen Kampfes zu bestiminen. «• » Petersburg, 15. April,(ffi. T. B.) Der Mörder des Ministers Ssipjagin giebt an, B a l s ch a n e f f zu heißen. Er be- hauptet, als Student der Universität Kiew bei den vorjährigen Unruhen gemaßregelt und dadurch zu einem Racheakt gegen den Minister bestimmt ivordcn zu fein. Bei der Verhaftung leistete er keinen Widerstand. Ssipjagin wurde aus nächster Nähe zweiinal tödlich getroffen. Der Mörder näherte sich dem Minister in der Uniform eines russischen Adjutanten mit dein Bemerken, er habe im Auftrage des Großfürsten Sergius ein Schriftstück zu überbringen. Während der Minister danach griff, gab der Mörder fünf Revolverschüsse auf ihn. ab. Ssipjagin starb nach- mittags um Uhr._ Der Generalstreik in Belgien. Brüssel, 15. April, 7 Uhr 53 Min. abendS. v u n d o t und die Fensterscheiben ain Polizei- bnremi zertriiminert wurde». Die Polizei giiuz darauf mit blanker Waffe vor und qab blinde Schüsse ab. Endlich wurde die Menge, welche Wurfgeschosse gegen die Polizei schleuderte, zurück- gedrängt, wobei 1» Berhaftnngen vorgenommen wurden. Später traf noch Gendarmerie ein, ivelche mit aufgepflanztem Bajonett vorging und die Menge, welche alle Laternen mt dem Wege zerschlug, in die benachbarten Straßen trieb. Auch hier dürften sich die Vorgänge genau so abgespielt haben, wie in Brüssel, wo die Ex c esse von unkontrollierbaren Elementen und Spitzel» verübt wurden, bannt der Polizei Gelegenheit zu ihren blindwütenden Attacken gebend.— In H o n d e n g wurde ein Soldat, welcher aufrührerische Rufe ausgestoßen hatte. Zu sieben Monaten Militär gefängnis verurteilt. Eine Konferenz der Liberale». Brüssel, 15. April. sW. T. B.) Die Mitglieder der liberalen Linken hielten hente vormittag eine Sitzung ab, um über Mittel zu beraten, die Ruhe auf gesetzlichem Wege wieder herzustellen. Es fand eine sehr lebhafte Debatte statt, doch wurde kein Beschluß ge- faßj. Am Nachmittag soll eine neue Versaniinlung stattfinden.'— Die Zugänge zur Ncprnscntnntenkaminer werden von der Bürger- garde beivacht. Am Vorabend. Ilnser nach Brüssel entsandter Korrespondent schreibt unS noch: Brüssel, 15. April. Die Situation in Belgien ist in diesem Augenblick so unübersichtlich, daß niemand weiß und sagen kann, welches der Ausgang der Revisionsbewegung sein wird. Die Regierung ivird vielleicht noch im letzte» Augenblick nachgeben, wie sie auch bei der Einführung des Pluralwahlrechts gethan hat, wo sie noch eine Stunde vor der entscheidenden Abstimmung beteuerte, die Annahme des Vorschlags sei umnöglich; oder sie wird die Kammer auflösen und, auf ihren Wahlmcchanismus und die nicht zu unterschätzende Macht der Priester bauend, an das„Volk" appellieren, ein Entschluß, der unter den gegebenen Umständen einen halben Sieg der Socialisten bedeuten würde: oder sie wird es endlich auf den wirklichen Bürgerkrieg an- kommen lassen. Was sich bisher an Ereignissen abgespielt hat, Ware» nur. Vorläufer einer Revolution, konvulsivische Zuckungen eines lange und hart gepeinigten Volkes, aber keine planmäßigen Versuche, das herrschende Regime zu stürzen. Die socialistische Partei als solche hat mit diesen Dingen absolut nichts zu thun: das muß man immer festhalten. Aber das kann sich allerdings bald ändern. Der Generalstreik, der für Mittwoch beschlossen worden ist und ganz unzweifelhaft von der Arbeiterschaft mit größter Energie durchgefochten werden wird, bringt erst die Massen der zielbewußten Arbeiterschaft auf die Straße, der sie sich bisher ferngehalten hatte. Daß es dann leicht zu e r n st e n Konflikten kommen kann, liegt auf der Hand. Zugleich wird aber dadurch auch die industrielle Bourgeoisie dort angepackt, Ivo sie„sterblich" ist. nämlich am Geschäft und am Geldbeutel. Das hält sie nicht lange ans, denn fchon jetzt ist in ihren Reihen die Mißstimmung groß, ivcil der unaufhörliche Dienst in der Bürgerlvehr die größten Nachteile mit sich bringt: die Comptoirs der Banken, die Bureaus der Ingenieure, die Laden- tische der großen Magazine sind halbe Tage lang verödet, weil die jungen Männer in der putzigen Uniform der Garcks civique Wachdienst machen müssen. Die wirtschaftlichen Instinkte der Bourgeoisie sind in solchen Augenblicken immer stärker als ihre politischen. Und dabei ist ja auch der liberale Teil der Bourgeoisie politisch auf feiten der Revisionisten, verabscheut deshalb alle gelvaltsamen Unter- drückungsversnche und denkt nicht daran, in Bürgerschlachten Helden- thaten zu verrichten. Daß bei den Liberalen nicht derselbe Enthusiasmus für das allgemeine Wahlrecht herrscht, wie bei den Arbeiter», darf übrigens gerechterweise nicht wundernehmen, da die Liberalen offenbar Verluste durch einen Wechsel des Systems haben werden. Dafür sich besonders zu begeistern, setzt einen hohen Grad von Selbstlosigkeit voraus! Der Generalstreik lvird also die Entscheidung bringen.. In Brüssel ist er Montag mit dem Streik sämtlicher Schuhmacher— unter Billigung der Unternehmer!— glücklich begonnen worden: ebenso in Charleroi— die Bewegung ist im Zuge und nicht mehr aufzuhalten._ politische Mebeeycht. Berlin. den 15. April. Der Reichstag nahm Dienstag seine Arbeiten nach den Osterferien wieder auf. Präsident Graf B a l l e st r e m begrüßte die Erschienenen — es waren ihrer nicht zu viel— und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie neugestärkt sich eifrig an den Arbeiten be- teiligen würden. Tann widmete er dem verstorbenen Ab- geordneten Lieber einen längeren Nachruf, den das Haus stehend mit anhörte. Die sorgfältig vorbereitete Gedächtnis- rede rühmte den Verstorbenen, als wenn er zu den ganz Großen gehört hätte. Den sachlichen Inhalt der Beratungen bildete in der Hauptsache ein Paragraph der Seemannsordnung, der wichtige is 54, der die Fürsorge für den erkrankten und verletzten Schiffsmann regelt. Unsre Genossen griffen lebhaft in die Diskussion ein. Stadthagen, Molkenbuhr, Herz- seid und S ch w a r tz(Lübeck) verteidigten unsre Anträge, die die Reeder stärker zur socialen Verpflichtung, für den er- krankten Seemann zu sorgen, heranziehen wollten. Das Centrum hatte einen Teil unsrer Anregungen aufgenommen und es gelang, diese wenigstens durchzusetzen. Mittwoch wird die Beratung fortgesetzt.— Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus hat in der Abendsitzung vom Montag und in der Sitzung vom Dienstag die Berahrng des Etats der Eisenbahnverwaltung erheblich gefördert und nicht nur das Ordinarium, sondern auch den größten Teil des Extraordinariums erledigt. Aus der Debatte ist die tadelnde Kritik des Abg. Schulz- Bochum(natl.) über die Fürsorge der Eisenbahnverwaltung auf dem Gebiete des Wohnungswesens zu erwähnen. Bekanntlich kann sich die Verwaltung gar nicht gc- nugsam ihrer Unterstützung des Wohnungsbaues für die Arbeiter und unteren Beamten rühmen. Der nationalliberale Redner wies nun zahlenmäßig nach, daß die Regierung in dieser Hinsicht von den Privatbetrieben weit übcrtroffen wird und daß das, was sie bisher gethan hat. im Verhältnis zu dem großen Beamtenpcrsonal herzlich wenig ist. Diesem Urteil schloß sich auch Abg. F u n k(frs. Vp.) an. der im übrigen mit Recht die Schattenseiten des Baues von Arbeiter- Wohnungen durch die Arbeitgeber selbst hervorhob und statt dessen die Gewährung eines höheren Wohnuugsgeldzuschusses empfahl. Der Minister v. Thielen suchte sich durch einige Redensarten über die ihm unangenehme Kritik hinwegzusetzen. Ebensolvenig wie die Vorwürfe des Abg. Schultz gelang es ihm, die der Abg. Dr. Hirsch(frs. Vp.) und Dr. G o l d- s ch ni i d t(frs. Vp.) zu entkräften. Elfterer tadelte das System der Zwangsärzte bei den Eisenbahn-Krankcnkasscn, während letzterer nochmals den Thielens chen Sparerlaß be- sprach, die Abschaffung der Accordarbeit forderte und den Fiskalismus geißelte, der gegen die Eisenbahuarbeiter be- obachtet wird. Der Eisenbahnetat soll erst am Donnerstag zu Ende be- raten werden. Am Mittwoch stehen mit Rücksicht auf den Finanzminister die zu seinem Ressort gehörenden Etats auf der Tagesordnung._ Erfolge de» deutschen WnchertarifS. An» London wird uns vom 13. d. M. geschrieben: Wäre die englische Diplomatie nicht so hoffnungslos festgelegt, so hätten wir bereits einen anglo-russischen Handelsvertrag. Denn die Russen geben sich alle Mühe, einen solchen abzuschließen. Der deutsche Zolltarif drängt sie dazu. Vor einigen Monate» wurde an dieser Stelle über die Anwesenheit einer russischen Handelsdelegation in London berichtet. Vor etwa vier Wochen befand sich der englische Abgeordnete Mr. Horner in Peters- bürg, wo ihn der Finanzministcr Witte freundlich empfing und ihm erklärte, die Mißverständnisse zwischen England und Rußland ließen sich leicht beseitigen, wenn England c5 mir wolle. Und gestern tagte im Mansimi-House lAmtswohnung des Oberbürgermeisters) unter dem Schutze der russischen Gesandtschaft eine V e r s a nr in- l u n g von englischen und russischen Kanfleuten und Delegierten, die sich mit der Förderung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern beschäftigten. Der Lord Mayor führte den Vorsitz und Für Stscherbatow, der Vorsitzende der kaiserlichen Ackerbau-Gcsellscha in Moskau, Ivar der Hauptredner. Unterstützt wurde er vom russi- schen Finanzagenten Tatischtscheff. Der Fürst erklärte, er spreche im Namen von 90 Prozent der russischen Bevölkerung und im Namen der Regierung, die alle einen leb- haften Handelsverkehr mit England wünschten, um den deutschen Handel von de» rnssischc» Märkten zn der- drängen. Rußland brauche jährlich für 250 Millionen Pfd. Sterl. Fabrikwaren; davon werden für 200 Millionen im Lande produziert. Wäre mm England geneigt, die Einfuhr von russischen Ackerbau- Produkten zu begünstigen, so würden zwölf Millionen russische Banernfamilien schon dafür sorgen, daß Englands Fabrik- waren sichdenrussischenMarkt eroberten. England solle sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Rußland sei im raschen Wachsen begriffen und werde in zwanzig Jahren einen der größten Absatzmärkte der Welt für Fabrikate bilden. Nach einer Diskussion, an der sich Oberstlientcnant Lessen und die Abgeordneten Norman, Horner, Morgan und Sir A. Nollit be- teiligten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung anerkennt die Bedeutung entwickelter Handelsbeziehungen zwischen England und Nußland. Um diese zu fördern, schlägt sie vor: die Errichtung von Lokalkomitees in den verschiedenen Ackerbaucentren Rußlands, die mit dem Haupt- komitee in London in Verbindung stehen sollen, um England über die Warennachfrage zu informieren. Die Versammlung hofft, daß die russische Regierung es sich angelegen sein lassen werde, die Entwicklung dieser Handelsbeziehungen zu erleichtern." Schaf- und Schtveinezölle. Das überagrarische Spiel dauerte auch in der Dienstags- Sitzung der Zolltarifkommission fort. Gefordert wurden Zölle in einer Höhe, die auch eine hochagrarische Regierung für unannehmbar erklären mußte und erklärt hat. Gefordert wurden Mindestzölle, mit denen ein Handels- vertrag unmöglich ist, da sie einen prohibitiven Charakter tragen. Auch da, wo von einem nationalen Schutz elbst vom Staudpunkt eines begeisterten Schutzzöllners keine Rede fein kann, weil die Ausfuhr bei weitem eine minimale Einfuhr übersteigt, ebenso in den Fällen, in denen die Zölle des Tarifs nicht einmal als Kompensationsobjekte in Betracht kommen, verlangt die Kompromißmehrheit hohe, unendlich hohe Zölle. DaS zeigte sich besonders wieder bei der Debatte über die Schaf- z ö l l e. Bei den Schafen fallen sämtliche Momente fort, die sonst für Viehzölle geltend gemacht sind. Die Ausfuhr ist seit den vierziger Fähren aus verschiedenen, in der landwirt- chaftlichen Entwicklung beruhenden Gründen zurückgegangen. Die Abnahme der Schafe, insbesondere der Wollschafe, ist eine ständige. Die Stückzahl betrug noch in den sechziger Jahren mehr als 28 Millionen, bei der Viehzählung von 1873 betrug die Zahl weniger als 25, im Jahre 1883 etwas über 19, im Jahre 1892: 13Vs, im Jahre 1897 nur noch 103/4 Millionen. Die Ausfuhr ist dementsprechend gefallen, beträgt aber immernoch mehr als das 150fache der Einfuhr, die von noch über 12(XX) im Jahre 1892 im letzten Jahre nicht einmal mehr IlXX) Stück betrug und fast lediglich der Zucht dient, Thut alles nichts. Weit höhere Zölle als die bestehenden und Mindestzölle wurden verlangt und trotz oder weil selbst, die Regierung diese Forderung für unannehmbar erklärt hatte, den Schafen auferlegt. Das gleiche Schicksal erlitt das Schwein trotz aller Vorhaltungen durch den Staatssekretär v. Posadowsky. Der Landwirtschaftsminister v. P o d b i e l s ki verteidigt in der ihm eignen krausen Weise die Grenzsperre und die Regierungsvorlage, ließ aber so wenig eine Be> kämpfuug der agrarischen Anträge sich angelegen sein, daß das etwas boshafte Ersuchen an ihn gestellt wurde, doch den Teil seiner Rede, in der er sich gegen diese Anträge gewendet hatte, zu Protokoll zu geben. Zum Schluß der Sitzung polterte der Abg. H e i m für sich und seine bajuvarischenParteifreunde darüber.daß dieRegierungcn die überzöllnerischen Anträge nicht annehmen wollen. Seine An- ficht, es sei am geratensten, die Verhandlungen abzubrechen, scheint aber bei der Mehrzahl seiner Parteistcunde keine Gegenliebe zu finden. Die Mogler um Spahn Ivissen offen- bar, wozu es gut sein mag, das scheinbar lächerliche Spiel bis zum Ueberdruß fortzuführen. Am Mittwoch soll das Federvieh, in erster Linie die Gänse verzollt werden; diese Arbeit soll schon um 9 Uhr morgeus beginnen. Deutsches Weich. Kollege Hoheit. Der Fall, daß ein leibhaftiger deutscher Herzog und dazu noch ein naher Verwandter des deutschen Kaisers einen Zeitungsartikel schreibt, dürfte nicht alle Tage vorkommen. Die Unvertrantheit mit dem Beruf der„Hungerkandidaten" und„Schmierfinken" brachte es denn wohl auch mit sich, daß Herzog Ernst Günther von SchlcS« wig-Holstein, der Bruder der deutschen Kaiserin, dabei gleich derart dem Gesetz zu nahe kam. daß er sich in einer Vernehmung auf den§ 54 der Strasprozeß-Ordnimg beziehen mußte, der solche Personen in ihrer Eigenschaft als Zeugen sibiitzt, die durch Beantwortung einer Frage sich selbst oder einen Angehörigen der Gefahr einer strafrecht- lichen Verfolgung aussetzen würden. Es handelt sich um den vielhesprochene» Rechtsstreit der Gesell- schaftcrin der verstorbenen Prinzessin Amalie von Schleswig- Holstein, Fräulein Anna M i l e w s k y, in welchem am 10. dieses Monats die Bernchmung des Herzogs E r» st G ü n t h c r z u S ch l e s w i g- H o l st e i n als Zeugen stattfand. Die Bernehnuittg sollte ursprünglich ans Requisition des hiesigen Amtsgerichts auf dem Gerichtstage in Primkenau durch das Amtsgericht Sprottau erfolgen. Der Herzog erklärte sich jedoch hierzu nicht bereit und beantragte, da er a I s M i t g l i e d eines souveränen Hauses zu betrachten sei, gestützt aus eine Kabinetisorder von 1393, seine Vernehmung gemäß§71 Straf- Prozeßordming in seiner Wohnung zu Schloß Primkenau. Dem An- trag gab das Amtsgericht Sprottau statt und die Bernchminig wurde im Schloß vorgenommen. Sie wurde geleitet vom Amtsrichter Feist ans Sprottau, als Vertreter der Klägerin war mit Einwilligimg des Herzogs Herr Rechtsanwalt Dr. Lnbszynski zugegen. Es handelte sich bei der Vernehmung um die Frage, ob ein in einer hiesigen Zeitung erschienener, gegen die Klägerin gerichteter Artikel tion dem Herzog herrühre, wie die Redaktion der Zeitung behauptet hatte, und ob der Inhalt des Artikels auf Wahrheit be- ruhe. lieber die erste Frage. ob der Artikel von ihm veranlaßt sei, lehnte dep Herzog unter Berufung anf Z 54 der Strafprozeß- Ordnung eine Auskunft ab. Nach Z 54 kau» jeder Zeuge die Auskunft auf solche Frage» ver- weigern, deren Beaiitwortnng ihm selbst oder einem Angehörigen die Gefahr st r a f g e r i ch t l i ch e r Verfolgung zuziehen würde. Der Inhalt des Artikels wurde von dem Herzog als der Wahrheit entsprechend im allgemeinen bestäligt. Bezüglich der Vereidigung erklärte der Zeuge ebenfalls, daß er als Mitglied eines regierenden Hauses den Eid' nur durch ttnterzcichninig der EidcS- forme! ableiste. Rechtsanwalt Dr. Lnbszynski beantragte initcr diesen Umständen die Vereidigung auszusetzen, bis die Frage, ob der Herzog als Mitglied eines ehemals souveränen Hauses gemäß der Käbinettsorder von 1893 die Rechte aus Z 71 der Straf-Prozeß-Ordninig genieße, durch da? Berliner Gericht entschieden sei. Die Vereidigung wurde in der Weise vorgenommen, daß der Herzog die niedergeschriebene Eides- sormel unterschriftlich vollzog. Es wird nunmehr die interessante und staatsrechtlich bedeutsame Frage über die Gültigkeit dieser Art der Beeidigung von den hiesigen Gerichten geprüft werden müssen:_ Auch die Zukunft der Parlaincntaricr liegt auf dem Wasser! Zn der Miiiisterjchaft L i e b e r s schreibt das katholische „Wiesbadener Volksblatt" weiter: „Wir können bestimmt versichern, daß die Dr. Lieber nach Dnrchbringnng der Flottenvorlage gemachlen Angebote von aller- höchster Stelle gekomnien sind, und daß der Kaiser Herrn Dr. Lieber, nachdem dieser alle Staatsämter abgelehnt hat, sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift zum Ge- schenk gemacht hat." Wird schon stimmen!— Zweierlei Chinabcnte. Dieser Tage berichteten wir im lo- kalen Teile des„Vorwärts" das Folgende: Dem ehenialigen Bäcker K i e n o w, der als Pfcrdebnrsche die Expedition nach China mitgemacht hatte, ist ei» chinesischer Götze vcrhängnißvoll geworden. Der„Köln. Ztg." wird von hier geschrieben: Kienow hielt sich nach der Rückkehr ans China in Berlin auf, ohne zu arbeiten. Als ihm schließlich das Geld ansging, wollte er einen mitgebrachten Götzen versetzen. Ein Trödler, dem er ihn anbot, schöpfte ans dem hohen Werte (1200 Mk.) der 15 Ccntimeter hohen, massiv goldenen, stehenden Figur Verdacht und holte die Polizei. Dieser erzähte Kienow, er habe den Götzen von einem russischen Soldaten für 40 M. gekauft; daß er einen so hohen Goldwert besitze, habe er gar nicht geahnt. Trotz dieser Versicherung wurde er unter dem Verdacht, die Figur gestohlen zu haben, in Haft genommen. Diese Nachricht ist sehr merkwürdig, fast unglaublich. Es würde doch sicherlich die Kaiserin-Tante von China in ihren tiefsten Empfin- düngen verletzen, wen» man derart mit deutschen Soldaten ver- iühre, die sich die Mühe genommen haben, chinesische Kuustschätze nach Deutschland zu bringen. Zn gleicher Zeit lesen wir in den Blättern: Mit der Auf- t e I l u n g der a st r o n o m i s ch e n Instrumente der Pekinger Sternwarte vor dem Renen Orangcriegebäude beim Park von Sanssouci ist begonnen worden. Zum Standort wurde das Bassin der vor dem Denkmal König Friedrich Wilhelms IV. belegenen Fontaine gewählt. Sosttc mau nicht auch für den chinesischen Götzen einen würdigen Standort ermitteln' können und dem verdienten Spender eine an- gemessene Belohnung zu teil werden lassen?— Gegen die übcebrschcidcne Socialreform des Posadowsky- Kurses ivendet sich der soeben erschienene Bericht des Arbeitgeber- Verbandes für Hainbnrg-Altona. Er verspottet die„kritiklose Ver- besscrungssucht socinlrcformerischcr Spcliilantcn" und er warnt im „Namen der Männer der Praxis" vor den Gefahren,„mit denen das Verlangen nach einein überhasteten T e ni p o in der Fort- ührnng der Socialreform das Gesamtwohl bedroht." Gemeint ist selbstverständlich nur das„Gesamtwohl" der Scharf- inacher-Kapitalisten, die nur eine Socialreform gutheißen: die der Zuchthausvorlagel— Preußische BildnngSftäite». Nach dem„Memeler Dampfb." hat der„Ketlwerger Schnlpalast" in diesen Tagen geschlossen werden müssen, weil die westliche Wand teilweise— e i n g e st ü r z t ist. Für die Zeit der Genesung deS kranken Lehrers Cantins in der Schule in Wittanten ist vom 1. April ab von der Regierung ein Vertreter bestellt worden. Nach 3Vi Monaten erhalten die Kinder der Schulgeineinde endlich wieder einen täglichen, geregelten Unterricht. Was brauchen die ostelbischen Landarbeiter auch Bildung? Das„vergiftet" sie nur? WaS das Volk wissen muß— ist eine Gefahr für die öffent- liche Ordnung und Sicherheit. Das Volk muß— nichts wissen! Diese filnfchniiung ist, so wird uns ans Sachsen-Weimar geschrieben. inisren Genossen nun einmal amilich mitgeteilt worden in einem Versammlnngsverbot. Am 12. April sollte in Ober- weimar der Abg. Bandert Über das Thenia:„Was das Volk wissen nmß!" spreche», aber der Herr Bürgermeister Kreßler verbot diese Versammlung mit der Vcgründimg, daß nach dieser Tages- ordining eine Geßrhr sür die öffentliche Ordnnng und Sicherheit bestehe.— GemcinderatS wählen in Elsaß-Lothringe». Aus Straß- b u r g wird uns geschrieben: Durch Erlaß des Ministeriums ist der Termin für die Wahlen zur Ernenernng der Gcmcinderäte in Elsaß- Lothringen anf den 15. Juni festgesetzt worden. Es find� dies die zweiten allgemeinen Gemeiiideratsivahlen, die unter der Herrschaft der neuen, mit dem 1. April 1896 in Kraft getretenen Geincinde- Ordnnng, einem Werke des damaligen UnterstaatssekrelärS von Koller, stattfinden werden. Sie erfolgen auf Grund de» allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlrechts, das jedoch an' eine mindestens zweijährige Ansässigkeit in der Gemeinde gebunden ist. Der Wahltag ist gesetzmäßig ein Sonntag. In Straßbnrg wird sich voranSsichtiiäi die Vereinigung der ge- samten bürgerlichen Parteien, wie sie bereits bei den vor einigen Mo- naten stnttgchaben teilweise» Ersatzwahlen zum Gemeinderat erfolgt war, wiederholen. Ihr Zweck ist die völlige Verdrängung der jetzt noch durch zwei Mann vertretenen Socialdemokratie aus der G„- meinde-Berwaltmig. In M ü l h a u s e n erstrebt eine demokraiisch- ocialistische Koalilion die Beseitigimg des bisherigen klerikal- reaktionären, in letzter Zeit durch eine ganze Reihe Skandaläffaireu kompromittierten Stadtregiments a». Colmar wird zn zeigen haben, ob es bei den Hanptwahlen im stände ist, den bereits bei den vorjährigen Ersatzwahlen erfolgreich unternommenen Kamps gegen den klerikalen Einfluß anf dem Rathause zu einem guten Ende zu führen.— Badische Fürstcnfricr. Man schreibt uns ans B a d en: Kurze Zeit vor dem RcgienmgSjnbilänm des Großherzogs beschäftigte sich loct'cn die II. Kammer mit der Nedcrrcichung einer Adresse an den Land csfürsten. Wid-cr Erwarte» geschah dies nicht i» der Oefscntlichkcit des Plenums, sonder» hinter den Coulisscn. Die diirgertichcn Fraktionen setzten voraus, da ji die Socialdemo- traten der Kannner ihre Zustimmung zur politischen Bcräucherung des Thrones versagen würden, und empfingen durch eine Anfrage die Bestätigung ihrer Anffassmig. Nun wurde ihnen aber ein Aergernis nicht erspart; denn die Hoffnung der bürgerlichen Parteien, dag die socialdemokratische Fraktion bei der Tages- Ordnung.Adrestbercitnug" durch Fernbleiben von der Kammer auf einen Widerspruch verzichten wikrdc, erfüllt sich nicht. Unsere Genosse» beauftragten ihren Vertreter im Scuiorenrat niit der Er- klärnng, dast durch eine Abstinimuug im Plenum der Widerspruch der socialdemolratischcn Fraktion zum Ausdruck zu bringen sei und das; in einer von gegnerischer Seite etwa geivünschten Debatte die Gründe des socialdemvkratischcn Widerspruchs gellend gemacht würden. Es erfolgte dann die Vorlage eines im Tone bhzantinischcr Devotion gchaltciicn AdrcsteutwurfeS an die Fraktionen, worauf die Svcialdcmolratcu iin Scuiorcukonvent Widerspruch erhoben gegen die kollektivistische Unterzeichnung für die Gesa m m t- deit der zivcitcn Kammer und eine Bezeichnung forderten, die der abweichenden Anschauung der Minorität gerecht lvird. Dem Verlangen wurde nicht stattgegeben und somit wird der Grosthcrzog von Baden getäuscht und zur irrigen Auf- fasstwg gebracht, dast die ganze Volksvertretung widerspruchslos die badischc Politik der letzten fünfzig Jahre für das Muster einer weisen, gerechten und»»parteiischen Regierung erklärt, dast die politisch reife Arbeiterschaft Badens keine Empfindnng dafür habe, wie ihre gesetzlich berechtigte Organisation und Vertretung nuch nach dem Fall des Socialistengesetzes der Vatcrlaudsfcindschaft beschuldigt wurde in Festreden vor Kricgervcrcinen landauf und landab. Die Flucht der Ndrestberatung aus der Oeffentlich- kcit der Kammer in das geheime Kouventikcl der Fraktions- Delegation ist sicher ein charakteristisches Moment in der politischen Beurteilung der badische» Jubiläumsfeier der Bourgeoisie, welche sie grostcntcils auf Kosten der Arbeiterschaft vornimmt und auf Kosten der Wahrheit, die man von jeher den Fürsten vor- einhielt.— Liberale Konsegiienz. AnS Nürnberg lvird uns geschrieben: Dieser Tage hatte sich der Magistrat mit der berühmten AachenerPetition zu beschäftigen, die an de» Reichstag gehen soll und Stellung nimmt gegen die Beschlüsse der Zolltarifkonnnissio», betr. Aushebung aller städtischen indirekte» Stenern. Was that der„liberable" Nürnberger Magistrat? Er stimnite eiumiilig der Aachener Resolution zu, d. h. die Herren desavouierten ihre Parteifreunde in der Zollkommission. Unser Nürnberger Parteiblatt nahm darauf die konsequenten Herren beim Ohr und das Unglniiblichc geschah: als sich das Gemeinde- kollegium mit der Petition zu befassen hatte, da gaben die 32 freisinnige» Mitglieder eine echt- nationalliberale Erllänmg ab. Sic resolvierten:' „Mit Rücksicht ans den Beschluh des Stadtmagistrats, sich der Petition der Aachener Gemeindevertretung gegen die geplante Ein- führung eines Verbots städtischer Aufschläge auf Nahrnugsiuittel auznfchlietzcu, erklären nachstehende Mitglieder des Gemeinde- kollegiumS als grundsätzliche Gegner von Aufschlägen auf Nahrungsmittel, dnst sie gewillt sind, an die Aufhebung der in der Stadt Nürnberg bestehenden Aufschläge auf Nahrungsmittel dann heranzutreten, wenn durch eine Aenderiing unsres Steuersystems »ach der Art des in Preuhen bestehenden die Möglichkeit geschaffen lvird, den durch die Aufhebung der städtischen Aufschläge auf NahnmgSinittel entstehenden Ausfall an städtischen Einnahmen anders zu decken als durch eine Erhöhung der städtische» Umlagen, welche für viele, namentlich auch kleinere Stenerzahlcr, von sehr schlimmen Folgen begleitet sei» würde.' Das beistt: ja, wrr sind gegen die Petition, wenn uslv. Aber! Wen» die Forderimg der Zolltarif-Kommission Gesetz lvcrden sollte, dann dürfte eine Stenerrcfonn in absehbarer Zeit gcwih sein. Wenn es also den„liberalen' Nürnberger Herren ernsthaft darin» zu thu» wäre, die niedrigsten Steuern in den Gemeinden zu beseitigen, dann hätten sie platttveg die Aachener Resolution ablehnen und sich vrincipicll mit dem Bcschlust der Zolltarif-Kommission einverstanden erklären müssen. Das lväre konsequent geivesen, aber Konsequenz und Liberalismus, ivic reimt sich das zusammen!— Gin eingeweihtes CrntniniSzeuguiS. Der aus dem ultra- montanen„Bayrischen Kurier' herausgedrängte Dr. Franz K lasen veröffentlicht einige anmutige Erinnerungen anö seinen Erlebnissen bei den Schivarzen. Er berichtet nicht nur von einigen höchst weit- lich anmutenden Finanzmanövern, bei denen„Jud" und„Preist" zur Schaffung des Centralorgans des bayrischen Centrums ent- scheidend mitgeivirkt haben, sondern er fällt auch über die bayrische Ceutrnmspolilit ein vernichtendes Urteil. Man höre: „Ich stelle mir etwas andres unter der Aufgabe der bayrischen Centnimspartei vor, als was ihre Führer leisten; sowohl in religiöser, wie kultureller,>vie in ivirlschaftlichcr, ivie in politischer Hinsicht und in Hinsicht der eingehaltenen äußern Form. Wollte ich init letzterer beginnen, so müßte ich in auf die Mastkrüge und Stuhlbeine, auf das Johle» und Zucken hiuiveisen, wodurch vor ganz kurzer Zeit eine Versammlung im Müuchener Kindl-Keller gesprengt wurde. Herr Abgeordneter und Domkapitular Dr. Ziimncr» wird durch hundert Dementis die Thatiacke nicht aus der Welt schaffen, daß er dem St. Antonius- verein Unterricht im Sprengen gegeben hat. Wir verspielen des- halb so viel Einfluß, weil mau die zeitgeniästen Urbane» Formen bei unS entbehrt, iveil wir politisch und gescllschaftlick nicht als gereift angesehen iverdcn und weilnuS— als katholische Parteil— zudem sooftder Mangel an Wahrhaftigkeit vorgeivorfe» lvird... Der Geist des 20. Jahrhunderts heißt Kultur... Aber nun würden ivir doch demjenigen einen Thaler schenken. der uns au« der ganzen bayrischen Ccutrumsfraltion auch nur eine der katholisch-knltnrcllen Beivegnng günstige Bemerkung Über- bringen könnte." Die..Germania" haben diese Ansplandereien natürlich sehr ge- kränkt. Weist aber nichts zu erividern.— Ausland. Kornzoll in England. Das neue englische Budget bringt, ivie wir gestern bereits berichtete», nuch einen Einfuhrzoll für Getreide und Mehl. Derselbe soll für i Doppelccutuer Korn ca. 61 Pf., für 1 Doppelcentner Mehl ca. 86 Pf. betragen. Der Schatz- kanzler Hicks Beach führte ans, dieser Zoll bedeute keinen Schutzzoll, habe doch ein ähnlicher Zoll auch »och lange nach der Aufhebung der Korngesctze bestauben; er glaube auch nicht, daß dieser Zoll den BrolpreiS beeinflussen werde. Der Zoll ist� nur ein Glied i» einer Reihe von Eiiiiiahmevennehrtings-Vorschläge» der Regiernng, die nötig geworden sind durch das ungeheure Defizit infolge des südafrikanischen Krieges. Nack längerer Debatte im Unterhaus, in ivelcher mehrere Liberale und Iren gegen den Kornzoll, eine Anzahl konservativer Redner aber für denselben sprachen, nahm das Unterhaus mit 264 gegen 135 Stimmen den Korn- und Mehlzoll an. Die Debatte über die übrigen Vorschläge der Regierung wurde ans Dienstag vertagt. Die neuen Zölle sind bereits provisorisch in Kraft gesetzt worden. Die deutsche Brot wucherpresse bricht in hellen Jubel ons, daß die Gegner des neue» denlscken Zolltarifs das Un- gemach erlebe» müsse», ivie England, der � Mnsterstaat der Zollfreiheit, mm auch den Wucherpfad � einschlägt. Der Jubel ist io thöricht als möglich, denn selbst die deutsche Wucher- presse lvird wissen, daß die Einführung der Schutzzoll- und Sperr» volilik in England gerade auch für Deutschland die unangenehmsten Folgen haben müßte.. � Vorläufig wird allerdings eine Schutz- tind Sperrpolitit in Eng- land durch die jetzige» Zollmaßuahme»»och nicht betrieben. Diese ist nur aus Finanzgriindcn entstanden. Dieses Unglück für England ist nuch eine Folge des heillosen Krieges in Südafrika. Es ist eine seltsame Aeußerung der lauten Boerenfreinidschaft, die in den konservativen Zeitungen geübt wird, weiin sie einer Maßregel zu- jauchzen, die nur dazu bestimmt ist, die Mittel zur Bocren-llnter- drücknng herbeizuschaffen. England muß die Schmach, die es in Südafrika begeht, nicht nur mit der Verurteilung durch alle civilisicrten Menschen, sondern nun auch durch die völlige Zerrüttung seiner Finanzen, durch die Abkehr von seiner bisherigen weisen Handelspolitik, durch die Neu- einsührnng des Zolls büßen, de» nach langen schweren Kämpfen beseitigt zu haben sein hoher Ruhmestitel war.— Schweiz. Glänzende Wahl ScherrerS. Zürich. 14. April. sEig. Ber.) Die Ersatzivahl in den RegierungSrat im Konton St. Gallen führte diesmal zu einem Wahlkampf, wie er i» der Schweiz noch kaum dagcivcscn ist. Die Liberalen tvandten alle Mittel der Hcnmter- reistung und Verleumdung des Gcgenlaudidaten wie der Ver- gewaltigung der Gegner in der Ägitation an. Demokratische Flugblätlervcrteiler tvurden von liberalen Dorfmatadore» blutig geschlagen, anderen wurden die Flugblätter abgenommen und diese iodaini zerrissen und ähnliche Heldcuthatcn mehr verübt. Trotz alledem oder vielleicht gerade deswegen ist unser Genoffe Schcrrer mit der glänzenden Stimmenzahl von 28 093 gegen 20 620 in de» Regienmgsrat gewählt worden, der damit eine»cne und tüchtige Kraft wie auch einen würdigen Nachfolger auf den Platz Curti's erhält. Ilnscrm Genossen Scherrcr gratuliere» wir zu seiner glänzenden Wahl in de» Rcgiermigsrat. Bergelvaltigniig der Minderheiten. Bern. 12. April.(Eig. Ber.) Die herrschende radikale Partei ist unverbesserlich, ihre Herrschaft ist unersättlich. Sie hat gegenüber den drei MinderhcitSpartcic», den Ultramoiitauc», den Libernlkouservative» und der social- politischen Gruppe, der auch die vier Socialdcmokratcn au- gehören, mit ca. 80 auf 147 Abgeordnete die unbestrittene Mehrheit, um so mehr, als die Mindcrheitspartcicn äußerst selten gegen die radikale Partei eine Phalanx bilden, vielmehr, je nachdem, die eine oder andre derselben auf ihrer Seite steht und mitnuter ja auch einstimmige Beschlüsse gefaßt werden, allein es fällt ihr trotzdem nicht im Traume ein, auch mir das geringste Entgegenkommen gegenüber den Minoritäten zu bezeugen. Seit Jahren klagen die Minderhcitspartcicn über die Unterdrückung und Verkürzung in ihrer Vertretung durch die herrschende» Radikalen und ans dieser Sitnation heraus war seiner Zeit auch das Initiativ- begehren betreffend die Pcoportionalwahl des Natioualrates ent- standen, das aber, wie erinnerlich, in der Volksabstimmung verivorfen wurde. Die Radikalen bekämpften das Jnitiativbcgchrcn damals unter andcnn auch mit der verlogenen Phrase von dem ihrerseits geübten„frcitvilligen Proporz' und von„ihrer Gcrcchtigkcitsliebe'. Jetzt hätten sie mm Gelegenheit, davon einen praktischen Beweis zu geben, indem eine N c n e i n t e i l u n g der National- ra t s- W a h l k r e i s e stattfindet, allein ein solches Entgegen- kommen fällt ihnen gar nicht ein. im Gegenteil sind sie bestrebt, die MinderheitSparleien noch weiter in ihrer Ver- tretnng zn kürzen. Am krnffestcn tritt diese Unverschäinihcit zu Tage bezüglich deS Kantons Zürich. In diesem Kanton zählt nnsre Partei ein Drittel der Stimmen, sie hat aber gegenwärtig auf 17 Vertreter im Nntionalrat statt 6 bis 6»nr 1. Infolge der Vcnnehrnng der Bevölkerung erhält nun der Kanton Zürich 6 Vertreter mehr, er erhält also im Herbst 22 Nationalräte; allein der Nationalrat bat bisher alle Anträge, welche auf eine derartige Ein- tcilung der Wahlkreise abzielen, daß der socialdemokrali'chen Parlei eine bessere Vertretung als bisher gesichert würde, abgelehnt und so neuerdings bewiesen, daß der„freilvillige Proporz", die gerechte Vertretung im Munde der Radikalen eine elende Heuchelei ist. Die Vergewaltigung der MinderheitSparteien, insbesondere der socialdemokratischen Partei, dauert also fori, soll verewigt werden und da wäre es wirklich nicht wunderbar, wenn hier und da der Gedanke an Revolniion, an eine gewaltsame Aenderiing der migerechten imd mierträglichcii Zustände anftanchen würde. Die Radikalen des Kantons Tessin sind durch ihre ans gleichen Ursachen und zu gleichem Zwecke im September 1680 inscenierte Revolution, die auch erfolgreich war, ei» sehr nach- ahm ens wertes Vorbild.— Roch hat der Ständcrat das Wahlgesetz zu beraten, allein da auch er eine radikale Mehrheit hat, so lvird daran kaum eine wesentlich verbessernde Aenderiing vorgenommen werden. Frankreich. Anö der Streikbewegung. Paris. 11. April.(Eig. Ber.) Der Lohnkampf infolge der Verkürzung der Arbeitszeit auf lO'/j Stmiden gewinnt noch immer an Ansdchmmg, wenn auch in Einzelfällen Rückschläge eingetreten sind. So haben in Reims die Arbeiter einer kleinen Fabrik (130) Mann) den Streik erfolglos eingestellt. Sonst kämpfen dort die Wollwcber mit migcschivächter Energie. Das Generalstreik- Komitee bat sich um Unrerstützima an alle centralen GewerkichnftS- Organisationen gewendet. Der IinkSradikale Genieinderat nnleistützt die Streikenden in der Form von Naturallaniveisnngc», die vom kommimnle» WohlthätigkeilSbnreau ausgelicsert werden. Die Listen der bedürftigen Familien werden von den Streikenden selbst auf- gestellt. Außerdem veranstaltet das Streikkomitee Kollekte» vo» Hans zn Hans bei den Personen, die— Ivie die Bekaniitmachnng des Komitees sagt—„sich für die Arbeiter interessieren oder von ihiicn leben". In Ronbaix und Tonrroing hat sich der Sireik ans mehrere neue Betriebe miSgedehnt. I» L i m o g e s ist die Zahl der Aiisständigen auf 2000 angclvachsen. In der Gegend von A» b e n a s (Ardsche) ist der Streit' der Seidenwcberinue» ein nahezu all- gemeiner. Dort aber ist die Regiernng dem Unternehiiierlum zu Hilfe gekommen nickt nur durch den polizeiliche»„Schutz der Arbeits- freiheil". Der Präfckt hat außerdem an alle Bürgermeister depeschiert, daß die Lohnerhöhung.vernünftigeriveise" nicht mit der Arbeitszeitverkürzung ziisanimciifalleii töune mit Rücksicht auf die Krise i» der Seidenindustrie. In C r a»- G e v r i e r(Obersavohen), Ivo 400 Weberinnen seit acht Tagen streiken und drei Einigmigsveisiiche gescheitert sind, hat der Unternehnier einfach die Fabrik geschlossen, nachdem sein Vorschlag,„provisorisch" für zivei weitere Monate den Elfstundentag beizubehalten, abgelehnt worden war. In Sarlat lDordogne) hat ein Kautschnk-Fabrikant kiirzerhand den Betrieb nach Paris ver- legt imd die Maschinen bereits hierher spedieren lassen. Am traurigsten aber ist der Protest der Maschinenbauer von Golbey lVogcsen) gegen die Arbeitszeit- Verkürzung. In ihrer Petition an den Bürgermeister zu Händen des Haiidelsmiuisters verlaiigeu sie die sofortige„Uuter- brechinig" der Anwendung des Gesetzes, da'die Direktion der Metallwerke außer stände wäre. den Lohn zu erhöhen — wegen der„ausländischen Konkurrenz". Umsomehr, als vor zivei Jahren die Arbeitszeit bereits»ni eine Stiindc gekürzt worden sei»nter Aufrechterhaltung deS alten Lohnes. Zugleich verlangen die Arbeiter, die solches Vertrauen der Versicherungeii der Unternehmer entgegenbriiigeii, eine Revision des Gesetzes, gegen deffen Aniveiidmig sie„mit der größten Energie protestieren". Ferner haben sie mit Mehrheit beschlossen, daß die Lehrlinge entlassen werden sollen, damit ivciter 11 Stunden gearbeitet iverdcn dürfe. Das Beispiel der Arbeiter des rückständigen Vogescnwinkcls hat offenbar den Unternehmern im O i l e- Departement den Mut ge- gebe», ihrerseits mit Protesten gegen das Gesetz anfzntrelc». Sie veranstalten in ein paar Orten Protestversammliiimgen, zn denen sie Arbeiter und Unternehmer aller Industrien einladen. Sie pro- testieren natürlich im Namen der.Arbeitsfreiheit", der.französischen Industrie" und der.arbeiten Familienväter im besonderen"... Kolonialfrcudr». Im französischen Kongo, im blühenden Ge« biete des SanghaflusicS sind die Eingeborcncii ansständisch. Sie weigerten sich, die ihnen verhaßte Kopfsteuer, tvclche 2 Fr. beträgt imd mangels Münze in Kautschuk bezahlt werden muß, zu zahlen. Die Besatzmig, tvclche ausgeschickt ivnrde, die Steuer ciiizutreiben, ivnrde von ihnen überfallen und mit Verlust zurückgeschlagen. Von der Aiisdehnung des französischen Kongogebietes giebt der Besitz eines der 40 Konzessionäre, ivelcher 9 Millioiieii Hektar Land verwaltet, ein ungesährcs Bild. Der„Temps" tadelt die Regieruiig, daß sie in de» Sandivusten um den Tschadsce Militär miterhält, ivelchcs jährlich 3—4 Millioiieii mmütz verschlingt und das blühende Shanghagcbiet. welches jetzt in voller Ausbeutung begriffen, ohne genügenden Schutz läßt.— England. Politische Konfnsio». London, 12. April.(Eig. Ber.) Folgende zivei Aeußerungen von Arbeiter- und Socialistensührern zeigen die in England herrschende Unklarheit über socialistische Politik. In einer Bersammlung in Ashton-in-Makerfield sagte Mr. S a m WoodS,'der Sekretär des Parlamentarischen Komitees: «Seitdem ich im Wahlkreis Newton zum Kandidaten auf- gestellt bin, hatte ich einen Briesivechsel mit dem Sekretär der Unabhängigen Arbeiterpartei(I. L. P.), aber ich konnte ihm eben- soivenig Versprechnngen machen ivie der konservativen oder libe- ralen Partei. Ich stand mit dem SocialiSmiis in keiner Ver- bindnng, und so lange das Ziel und die Taktik des SocialismuS dieselben bleiben wie jetzt,»verde ich kein Socialdcmokrnr werden."— Als Antwort ans das von dem Kongreß der Socialdemo- kratischen Föderation(S. D. F.) an die I. L.P. gerichtete Begrüßungs- schreiben erhielt der Sekretär der S. D. F. folgende Mitteilung: „Ihr Telegramm wnrbe von den Delegierten der I. L. P. mit sehr lebhafter Befriedigung entgegengenommen. Ich bin bx- auftragt, Ihnen die Grüße zu erwidern. Vor Schluß uusrcs Kongresses ivnrde eine Resolution angenommen, die sich zu Gunsten der d e m o k r a t i s ch e n Einheit ausspricht, Ivelche— wie wir hoffen— ziini Zusammcngchcu aller Scklioncu der Arbeiter und Socialisten führen wird."— Der Boeren- Krieg. Friedensverhandlungen. Die„TimeS" sind der Ansicht, daß die A n t w o r t B a l f o nr s ans die Interpellation Campbell BannermanS im Unterhanse nicht dazu angethnn sei, die Hoffming ans den baldigen Abschluß des Friedens zu stärken. „Daily Mail" berichtet ans Johannesburg: Die Boerendelegierten konferierten gestern in Pretoria mit Milner und Kitchen er und begannen somit in offizieller Weife die FrtedenSvcrhandlnngc». Die Vorschläge der Boere» werde» von Bli(liier an Chamberlain übermittelt. Am Montag habe bereits Ehämberlai» ein wichtiges Telegramm erhalten, welches heute dem Ministerrat»»terbr'citet lvird. In offiziösen Kreisen glaubt man, daß die Ereignisse sich jetzt schnell folge» werden. „Daily Telegraph" meldet anS Brüssel, Dr. L e y d s habe in einem Interview erklärt, jede H o f f n n n g, daß der Friede abgeschlossen werde, ni Ii s s e aufgegeben werden, weil Milner keine BefngniS habe, die Unabhängigkeit zn gewähren. Die Reise der Boerendelegierteil nach Pretoria habe mir den Zweck, verschiedene untergeordneie Fragen mit Kitchencr zu regeln. Die letzte Verlustliste, welche vom KriegSnmt veröffentlicht wurde, berichtet über ein Eisenbahn-Unglück bei Machey, das am 12. d. Mls. stnttgcfmidcii hat, und bei welchem 13 Soldaten getötet imd viele verwundet worden sind. Dieselben gehörten der berittenen neilseeländischc» Jnfanlcric an._ Parteilittcratur. Anläßlich der Maifeier hat die Buch- h a» d l n il g Vorwärts soeben in Lichtdruck eine künstlerisch»n- gemein lief einpfmidciie imd wirksame Mai- Postkarte„Mai- Freiheit" erscheine» lassen: eine Idealfigur, den Arbeiter» die Pforten des Gefängnisses öffnend, in tvclches ein Strom von Licht flutet. Die Buchhandlung Vorwärts ersucht die Partei- presse, die s ä u m i g e n Besteller der„Maifest-Zeitmig" daran erinnern zn wolle», daß sie umgehend ihre Bestellung aufgeben wollen, wen» die Genossen»och rechtzeitig i» de» Besitz der.Maifest« Zeitung" kommen wolle». Uusrcn Partclgcnoffeu tn Fürth ist für den 1. Mai ein Festzug genehmigt ivordc», trotzdem der Bürgermeister Kutzer die Hhdra der Revolution citierte. Der Herr Bürgermeister kann sicher sei», daß Fürth am 2. Mai»och ans dem alten Fleck stehen wird. Ter Kantoualverband der Zürcherische» Grütlt- n»d Arbcitcrveretnv hat am Sonntag in setner in Stöhn am Zürichsee abgehaltenen FrühjahrS-Delegiertenversaminlimg den letzten Schritt zur Socialdemokratie vollzogen, nachdem er grmidiätzlich und auch thatsächlich schon seit Jahre» auf socialdemokratischei» Boden stand. Ter Verband, der mit seinen 44 Sektionen»nd 2700 Mitgliedern sich über de» ganzen Kanton Zürich ausbreitet, erhält»»»mehr nach der einstimmig erfolgten Aunahnie der neue» Statuten den Namen„Socialdemokratische Partei d e S Kantons Zürich", die zugleich ein Glied der schweizeiischen soeialdemokratischcn Partei bildet. Sehr erfreulich ist, ivie dt« Land« seklionen dabei mit im Vordergründe marschieren nnd so beiveiscn, daß der jocialdemokratische Gedanke auch ans dem Lande immer mehr Bode» faßt. In der Versaniinlilua legte Genosse Regicrnngs- Präsident E r>1 st über seine bisherige Thäiigkeit im RegicrungS- rate einen Rechenichaftsbericht ab, der mit Beifall aufgenommen ivnrde. Für die am 27. April stattfindenden Ernenerungsivahlen wird Genosse Ernst wiederum alS focialdeniokratlschcr Kandidat ans- gestellt. Ferner solle» überall. wo Aussicht aus Erfolg besteht, socialdemokratische Kandidaten für die KantouSratSwahke» aufgestellt werden. Unsre Genossen rechnen auf eine Verdoppelung ihrer gegen- wärtige» 14 KantonsratSsitze. Schließlich ivnrde nach einem eingehenden Referat von Genossen Flach- Winterthnr über den Zolltarif einstimmig eine Protest- resolutiv» angenomnie»._ Aus Judustvie und KZuudrl. Tic Konstituierung der Handelskammer vollzog sich am Montag miter Leitung des preußischen HaiidelsministerS. Zinn ersten Vorsitzenden wurde einstinnnig Geheimer Konimerziciirat Herz gewählt, der zugleich auch das Amt eines ersten Vorsitzenden im Kollegium der Aeltcstcn der Berliner Kaiifmanuschaft inne hat. Man gedenkt auf diese Weise Konflikte zwischen beiden Korporationen möglichst z» vermeide». Von der dritten Ablcilmig beanspruchte ma» die dritte Präfideiiteiistelle zu besetzen. Die Majorität entschied sich jedoch für Herren Heck in a»» nnd v o» M e» d e l s s o h n. so daß die Börse das Präsidinni ausschließlich in Besitz hat. Der Minister reklamierte die amtliche Aufgabe für die HandelSkaiiimer, aber es sei widersinnig, so fügte er Hinz». ihr die Bcanfsichtigimg der Börse zn übertragen, bevor sich die Kammer nicht eingelebt habe.— Damit durste» die Tage des Aeltestcii-Kollegiiims gezahlt sein. Brauiikohlen-Syndikat im Lansitzer Bezirk. Wie rnif der, Generalversaninilmig Dtreklor Wermiiighoff von„Eintracht" Bral»i!ohlentverke und Brikettfnbriken in Berlin, den Aktionären mit- teilte, bestehen seit longem Versuche in der Lausitz, ein Syndikat für die Braunkohlenwerke zu stände zu bringen, Ueber die Aussichten des Unternehmens sagt Direktor Werininghoff folgendes: Nachdem nunmehr alle besseren Felder in feste Hände über- gegangen seien und sich die Produktion in der Lausitz in den letzten drei Jahren um 280 000 Doppelwaggons auf 375 000 Doppelwaggons vermehrt habe, halte er die Bildung eines Syndikats im Interesse einer dauernden Kräftigung des Industriezweiges für durchaus geboten. Das Syndikat bedürfe indessen einer richtigen Leitung. Eine einseitige Interessenvertretung genüge nicht, vielmehr müßten die von der Braunkohlen- Industrie im allgemeinen in der letzten Vergangenheit gemachten Fehler, das heißt die zu rasche Entwicklung und die zu starke Ausnutzung der Konjunktur, wieder gut gemacht iverden, Der Absatz der Lausitzer Produktion müsse demnächst auf streitige Ge- biete, wie Sachse» und das Grenzgebiet der schlesischen Steinkohle ausgedehnt.werden. Da in diesen Gebieten nur zu wesentlich billigeren Preisen zu verkaufen ist, so würde es die Aufgabe des Syndikats sein, hier den Ausgleich herbeizuführen, ohne den einzelnen Werken zu große Opfer zuzumuten. Wenn auch das andre führende Werke in der Laufitz, die Grube Ilse, seinen sdes Redners) Standpunkt nicht teile, so hege er doch die Hoffnung, daß es seiner objektiv vermittelnden Persönlichkeit auf die Dauer doch gelingen wird, eine Einigung zu stände zu bringen. Es sei ihm gelungen, den früheren Geschäftsführer des westfälischen Kohlensyndiknts z» diesem Zweck zu engagieren und verspreche er sich von dessen Tüchtigkeit den größten Erfolg. In Westfalen hätte es dreizehnjähriger VerHand- lungen bedurft, bevor das Syndikat sich bilden konnte. Des Redners Ansicht nach werde sich in 1—2 Jahren ein Ausgleich zwischen Pro- duktion und Absatz vollziehen. Er iverde seine Bemühungen un- eutivegt fortsetzen, um die abseits stehenden, einer Vereinigung ab holden Werke zum Beitritt zu veranlassen. Die Hannoversche Straffenbah», deren finanzielle Kalamitäten bekannt sind, hat plötzlich die ersehnte Hilfe bekommen. Der Regierungspräsident hat nämlich entgegen der Auffassung der städtischen Behörden angeordnet, daß der bisherige Accumulätoren- betrieb aufgehoben wird und binnen Jahresfrist die Oberleitung ein- geführt werden muß. Das Eingreifen der Regierung wird von der Gesellschaft nicht übel empfunden werden, denn die Umwandlung des Accumulätoren bctriebes in eine Oberleitung war vom finanziellen Standpunkt ans der sehnlichste Wunsch der Straßenbahndirekrion und ihrer Financiers; was die städtische Verwaltung nicht einsehen wollte, war der Regierung vorbehalten zu thun. Die Anorduuug bedeutet für die Gesellschaft einen Gewi»» und enthebt sie der Differenzen mit den städtische» Behörden. Unser Partei-Organ in Hannover be- merkt zu der Angelegenheit: „Die Stadtverwaltung will, was man ihr nicht verargen kann, den Beschwerdeweg an die obere Instanz betreten und es eventuell auch auf ein Verwaltungsstreit-Verfahren ankommen lassen. Es handelt sich hier principiell darum, ob die Stadtverwaltung trotz bündiger Vertragsabmachungen durch ein Dekret der Regierung ge- zivungen iverden kann, der vertragsmäßig gesicherten Rechte verlustig zu gehen. Interessant bei der Sache ist noch, daß das Polizeipräsidium auf feiten der Stadtverwaltung steht. In einem Schreiben an de» Magistrat erklärt das Polizei- Präsidium, daß es allen Versuchen der Straßenbahn, angeblich polizeiliche Unzuträglichkeiten als Vorspann für die wirtschaftlichen Interessen ihrer Aktionäre zu benutzen, den energischten Widerstand entgegensetzen werde, da seiner Ueberzengung nach die Gründe für die beabsichtigte Aufhebung des Accumulatorenbetriebcs lediglich finanzieller Natur seien. Diese Anschauung dürfte allgemein die vor- herrschende sein." Der Millioncn-Trnst der Zwickauer Kohlenbarone ist mm auch formell zum Abschluß gekommen. Man hat sich in mehreren Sitzungen weniger über die Art, wie das Publikum am un- auffälligsten zu schröpfen, als vielmehr über den— Namen des Trusts gestritten. Von den 30 Gruben sind dem Syndikat 23 beigetreten. Leiter des Förder- und Verkaufsverbandes ist B e r g r a t S ch n e i d o r, Ueberraschen mutz es, daß die Vereinigung den Preis für Industrie- kohle um 2—3 M. und für Hansbrandkohle um ö— 8 M. pro Doppelwaggon herabgesetzt hat. Man will sich bei den Konsumenten gut einführen, uns scheint aber hier ein kleines Geschäftsmanöver vorzuliegen. Der flüchtige Direktor der Accumnlatorenwerke in Frank furt a. M,, Massenbach, ist bei Boppard a. Rh. als Leiche, überfahren auf dein Bahnkörper aufgefunden. Streikbrechern für Kiel wird in großem Umfange und offenbar mit bedeutenden Mitteln betrieben. In Gera erschien sogar ein Streik brecher-Agent in der Expedition unsres dortigen Partei-Organs, um ein Inserat aufzugeben, in dem Streikbrecher gesucht werden. Selbst verständlich wurde demselben gezeigt, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. Die streikenden Schneider in Flensburg haben auf Anregung des Gewerbegerichts-Vorsitzenden beschlossen, das Gewerbegcricht als Einignngsamt anzurufen. Die Stuttgarter Maler beschloffen, den Prinzipalen ihre Forderungen zur Beantwortung bis zum 30, April zu unterbreiten Die Malergehilfen Canstatts schloffen sich ihnen an und machten die Forderungen der Stuttgarter Kollegen zu den ihrigen, da die Lebensverhältnisse in Canstätt sich in nichts von denen in Stuttgart unterscheiden. Ausland. Die in Ronbaix und Tourcoing ausgebrochen«» Streiks gelegentlich der Einführung des gesetzlichen 10Vs Stundentages sind in ihrer großen Mehrheit beendet und die Arbeiter wieder zu den Arbeitsstätten zurückgekehrt. Bekanntlich haben die Arbeitgeber wohl den lOVe Stundentag eingeführt, aber entsprechende Lohn� abzüge machen wollen. Die Arbeiter haben in ihrer großen Mehr zahl, besonders wo sie gut organisiert waren, die Maßnahmen der vom socialen Verständnis so wenig angekränkelten Unternehmer zu nichts gemacht, aber nicht überall ist dies gelungen. Mus dev IfcmienlreuruAmrg. Der Verein Schönebcrgcr Frauen und Mädchen hielt am borigen Mittwoch seine regelniäßige Vereinsversamnilnng in Obst's Festsälen ab, in welcher Herr Dr. Steiner einen sehr lehrreichen und interessanten Vortrag hielt über:„Was hat die Naturwissenschaft zur Fraucufrage zu sagen?" Reicher Beifall lohnte dem Redner. Unter Vereinsangelegenheiten niachre die Vorsitzende bekannt, daß das zum IS. April geplante Frühlingsfcst nicht stattfinden könnte. Nach einem Aufruf, sich recht rege dem Verein anzuschließen, erfolgte Schluß der Versammlung. GeivevKMAftlitfjeS. Berlin und Umgegend. Die Kleber(Tapezierer) haben beschlossen, zum Zweck besserer Agitation eine Bezirkseinteilung vorzunehmen. Ferner wollen sie bei der Gewerkschastskommissiois beantragen, zn den Beratungen der Baugruppe einen Vertreter der Kleber-Sektion des Tapezierer-Ver- bandes zuzulassen. Die Lohnvcrhältnisse bei der Firma Schwanitz, Gummi- fabrik in Berlin bezw. Groß-Lichterfelde haben sich seit der Uniwand- lnng in eine Aktiengesellschaft erheblich verschlechtert. Bisher erhielt jeder Arbeiter oder' jede Arbeiterin bei lOjähriger Thätigkeit in der Fabrik eine Prämie von 300, bei 2öjähriger eine solche von 500 M. In der nächsten Zeit würden 3 Arbeiter der genannten Fabrik An- sprach auf die Prämie von 300 M. haben, der Direktor hat jedoch geäußert, daß es„nichts giebt," Ein Arbeiter, der bereits vor längerer Zeit die Prämie für lOjührige Thätigkeit erhalten sollte, hat dieserhalb beim Gewerbegericht Klage gegen die Fabrikdirektion er- hoben. Früher gab es in der genannten Fabrik unter dem Eigentümer Schwanitz zn Pfingsten eine Extravergütung von 10 M. für jeden Arbeiter beziehungsweise Arbeiterin und Bezahlung der drei Feiertage. Diese Vergütung wurde ans 7 M, 50 Pf. reduziert und soll nunmehr gänzlich wegfallen. Diese Kürzungen an Arbeits- verdienst sind wahrscheinlich nur die Einleitung für eine noch weiter- geplante Lohureduktion. Dabei hat die Fabrik keineswegs unter der allgemeinen wirtschaftlichen Depression zu leide»; ihre Aktionäre er- halten in diesem Jahre 9 Proz, Dividende gegen 8 Proz. vom Vor- jähr. Dafür ist man aber desto eifriger am Werk, das ohnehin schon geringe Einkommen der in diesem gesundheitsschädlichen Be- triebe' beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen noch mehr zn beschneiden. Deutsches Reich. Zur Bauarbeiter-Aussperrimg in Kiel wird gemeldet, daß die Innung den Bauhilfsarbeitern ihre Forderungen in der That unter der Bedingung bewilligt habe, daß sie mit jedem Gesellen, also auch mit etwa zugereisten Streikbrechern, zusammen- arbeiten,— Von den ausgesperrten Zimmerern ist schon eine be- trächtliche Anzahl abgereist.' Am Ende der vorigen Woche waren noch 256 Zimmerer zu unterstützen und zwar 219 verheiratete mit 473 Kindern und 37 ledige. Bewilligt haben bis jetzt 12 Betriebe mit 70 verheirateten und 16 ledigen Zimmerern.— Die Suche nach Der Einflnff der socialen Verhältnisse auf die(Joburten und Sterbefälle ist vielfach von den Socialpolitikern Hervorgehoben Einen sehr beachtlichen Beitrag für diese Annahme liefert A. Ruppin in den„Jahrbüchern für Skatiönalökonomie und Statistik". Der Ver- fasser untersucht das Verhältnis der Gebnrts- und Sterbeziffern der jüdischen Bevölkerimg zu der übrigen. Es stellt sich dabei heraus, daß prozentual zur Gesamtbevölkeruug die Zahl der Juden seit 1861 in Preußen zurückgegangen sind. Im Jahre 1861 kamen in Preußen auf 10 000 der Gesamtbevölkeruug 138 Juden, in der Folgezeit fällt die Zahl bis auf 114 im Jahre 1900. Aehnlich ist das Verhältnis für ganz Deutschland. Der Rückgang entsteht durch die fortgesetzt niedriger lverdende Geburtenziffer. Während im Durchschnitt der Jahre 1820— 1806 auf 1000 Juden jährlich 37,20 Geburten und im Jahrfünft 1872/82 jährlich noch 30,32 Geburten kamen, ist diese Ziffer im Jahrfünft 1893/97 auf 22,25 zurückgegangen, wogegen sie bei den Christen 38,15, also fast das doppelte, betrug! Ruppin bemerkt hierzu: „Die innersten Gründe dieses überaus auffälligen Geburten- rückganges lassen sich mit völliger Sicherheit natürlich nicht er- schließen; sie sind vielleicht am ersten noch auf den im 19. Jahr- hundert stark gewachsenen Wohlstand der jüdischen Bevölkerung zurückzuführen, der ja, Ivie das Beispiel Frankreichs zeigt, das Zweikinder-System oder zum mindesten eine Einschränkung der Kinderzahl zur Folge hat, wie umgekehrt das rapide Wachstum der armen polnischen Bevölkerung der Provinz Posen beweist, daß schlechte materielle Lage mit großer ehelicher Fruchtbarkeit Hand in Hand gehen können. Die jüdischen Familien mit 12, 15 und noch mehr Kindern, die vor 30—50 Jahren noch durchaus keine Seltenheit waren, find heute fast gänzlich verschwunden." Auch in der Anzahl der jüdischen Eheschließungen ist seit den 70er Jahren des 19, Jahrhunderts ein bemerkbarer Rückgang ein- getreten. Die Anzahl der jüdischen Eheschließungen des Jahres 1876 ist, obwohl sich seit dem Jahre 1889 wieder eine langsame Steigerung wahrnehmen läßt, bis zum Jahre 1899 nicht wieder erreicht worden, während die christlichen Eheschließungen von 227 923 im Jahre 1875 auf 284 335 im Jahre 1899 gestiegen sind. Die Folge ist, daß auf 1000 christliche Eheschließungen im Jahrfünft 1875/1879 11,42, im Jahrfünft 1895/1899 aber nur noch 9,49 jüdische Eheschließungen entfallen. In der Sterblichkeitsziffer ergeben sich ganz überraschend günstige Resultate. Schon im Jahrfünft 1878/82 stand die jüdische Be- völkerung mit einer Mortalität von 17,53 pro Mille günstiger da als die Christen mit 25,23 pro Mille. Im Jahrfünft 1893/97 ist dann die Sterbe- ziffcr der Juden iveiter auf die außerordentlich kleine Zahl von 14,73 pro Mille herabgesunken, eine Zahl, die als Mortalitätsziffer der Gesamtbevölkerung heute von keinem Staat der Welt erreicht wird und als Ideal der Hygiene angestrebt werden könnte. Allerdings ist infolge allgemeiner Verbesserung der Gesundheitspflege von feiten des Staats und der Gemeinden und infolge höhere» Ltauäarä ok liks auch die Sterblichkeit bei den Christen von 25,23 im Jahrfünft 1878/82 auf 21,84 im Jahrfünft 1893/97 herabgegangen, bleibt aber hinter der jüdischen Mortalitätsziffer von 14,73 pro Mille immer noch ganz erheblich zurück. Nncutgcltlichkcit der Lehrmittel tu der Schweiz. Der Kanton Zürich hat in den letzten fünf Jahren für die unentgeltliche Abgabe der Lehrmittel und Schreibmaterialien sowie der Arbeits- stoffe für den Handarbeits-Unterricht der Mädchen in der Primär- und Sekundär-(Real-) Schule folgende Ausgaben gemacht: Primarschule Sekundärschule Franken Franken . 51790 23 465 . 52104 24 988 . 59 860 27 323 . 68 047 33156 . 93 374 32 015 der Ausgaben in den letzte» neue Schulgesetz, Lehrmittel zc. für den ganzen Kanton bis dahin es den Gemeinden freigestellt tvar, dieselbe einzuführen oder auch nicht. Außer dem Kanton Zürich haben noch zahlreiche andre Kantone die Unentgeltlichkeit der Lehnnittel und hat so die Schweiz durch jahrelange praktische Erfahrung den Beweis geleistet, daß neben der Unentgeltlichkeit des Unterrichts auch die Unentgeltlich- keit der Lehrmittel von Gemeinde und Staat getragen und so das Volk entlastet werden kann. 1897.... 1898.»», 1899.... 1900.... 1901.... Die Steigerung veranlaßt durch das Jährlich Franken 75 255 77 092 87 183 101 203 125 389 zwei Jahren ist das die Unentgeltlichkeit der obligatorisch macht, tvährend Vevsttntmlungvn. Der Centralverband der Töpfer hielt am Freitag, den 11. April, eine stark besuchte Generalversammlung ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der ver- storbenen Mitglieder Kaufmann, Morgen st er n und E i ch l e r in der üblichen Weise.— Der Kassenbericht ergab eine Einnahme inkl. des Bestandes von, vorigen Quartal von 6966,85 M. und eine Ausgabe von 6077,50 M. Dem Kassierer wurde auf Antrag der Revisoren Decharge erteilt.— Nach dem Bericht über die Urabstimmung betreffs Einführung der Arbeitslosen- Unterstiitznug sind von 1480 ausgegebenen Karten 883 eingegangen, von denen 502 für und 381 gegen die Einführung lauteten, da aber von vornherein eine Dreiviertel- Majorität vor- gesehen war, so gilt dieselbe als abgelehnt. Dagegen nahm die Versammlung gegen wenige Stimmen einen Antrag an, wonach vom Sonnabend, den 3, Mai ab jeder Kollege 25 Pf, zum Lokalfonds zn zahlen hat, um denselben zu erhöhen, damit später die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung vorgenommen werden kann,— Zur Maifeier wird folgender Antrag einstimmig angenommen: Der erste Mai wird nach wie vor durch absolute Ärbeitsruhe gefeiert. Falls Aussperrungen in größerem Umfang vorkommen sollten, wird der Vorstand beauftragt, sofort eine Versammlung einzuberufen, um mit Gegenmaßnahmen zn ant- warten." Unter Gewerkschafllichen, wurden die Zustände in der Firma Haschte bez. Katz einer Kritik unterzogen und beschloß die Versammlung, über dieselbe resp. den Bau Windscheitstrnße(Char- lottenbnrgi die Sperre zu verhängen. Nach einer lebhaften Debatte über die Mißstände, die durch das Arbeitsuchen entstehen, ivnrde folgende Resolution angenommen:„Die Versammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis von der verschleppenden Taktik der Innung hinsichtlich des paritätischen Arbeitsnachweises. Die Berliner Töpfer erwarten, daß die Innung baldigst zu den von feite» des Gesellen- Ausschusses eingereichte» Arbeitsnachiveis-Statnten Stellung nimmt und auf Grund dessen in gemeinschaftlicher Sitzung verhandelt. Sollte die Innung in keiner Weise diesem berechtigten Wunsche, der beiden Teilen zum Nutzen gereichen wird, Rechnung tragen, so sehen sich die Ofensetzer genötigt, in Zukunft das Umschauen durch Beschluß zu verhindern und nur durch den Gesellen-Arbeitsnachweis die Arbeit zn ver- mittein,"— Den in früheren Versammlungen ausgeschlossenen Kollegen Schnell, Hafenpusch und Scheitner wurde der Wiedereintritt in die Organisation versagt. Der Verband deutscher Gastwirtsgehilfeu hielt am 4. April in de» Arminhallen, Kommandantenstr. 20, eine außerordentliche General-Bersammlung ab, um den Bericht der Delegierten vom Verbandstag in Mainz entgegenzunehmen. Und um ferner die Wahl zur Hauptverwaltung zu vollziehen. Nachdem der Vorsitzende Thomas einen kurzen Rückblick auf den Empfang und die Veranstaltungen der Mainzer Ortsverwaltung geworfen, giebt Kraushaar einen ans- führlichen Bericht über die Verhandlungen, Ans Antrag Ströh- l i n g e r wird beschlosie», von einer Diskussion über die Verhandlungen vorläufig Abstand zu nehmen, sowie die Wahl zur Hauptverwaltung zurückzusetzen, dagegen aber eine Aussprache über die Verbreitung sowie den Inhalt der Denkschrift W e g e n e r S vorzunehmen. Die Denkschrift Wegeners kommt zur Verlesung. Auf Grund der vorgeschrittenen Tageszeit mußten die Verhandlungen abgebrochen werden, und beschäftigten sich noch zwei Versammlungen am 8. und 11. April mit der Denkschrift Wegeners. Damit ein ausführliches Protokoll über die Verhandlungen gebracht werden konnte, bestimmte man, alle drei Schriftführer in Funktion treten zn lassen. P 0 e tz s ch, der den Posten des Verbandsvorsitzenden und Redactenrl einnimmt und auf dem Vcrbandstage auch wiedergeivählt wurde, verwahrt sich in 2Vsstüiidigcii Ausführungen auf das energischte gegen den Inhalt der Denkschrift. S t r ö h l i n g e r, der als Bericht- erstatter des„V 0 r w ä r t s" und zweiter Vorsitzender der Kranken- kafse in der Denkschrift angegriffen wird, erklärt, daß diese Schrift wohl jeden andern Namen verdient, bloß den einer Denkschrift nicht. Er erwarte, daß man sich über seine Person genügend ausspricht. Wenn das in der Schrift behauptete zutreffe, so sei er nicht wert, Mitglied der Organisation, viel weniger aber Kassierer derselben zn sein. In die Debatte greifen noch ein Zeiske, Kranshaar, Roth, Braun, Gebeier usw.. die sich mit de» Ansführnngen P 0 e tz s ch s und Ströhlingers einverstanden erklären. Gegen die Ausführungen der beiden, sowie im Sinne der Denkschrift war ein Schreiben des Mitgliedes Hellmann eingegangen, W egener, der in ziemlich langen Ausführungen seine Schrift zn vertreten suchte, jedoch zugab, in vielen Punkten sich geirrt zn haben, blieb bei seinen Behauptungen bestehen. Mit 57 gegen 29 Stimmen fand folgende Resolution Annahme:„Die heutige(dritte) Versammlung der OrtS- Verwaltung Berlin in der Angelegenheit Wegen er kontra Hauptverwaltung erklärt, daß sie mit der sogenannten Denkschrift" von Wegener für den 2. Verbandstag nicht einverstauden ist. Nach ausführlicher Debatte hat Wegener zügeben müssen, sich in den ni e i st e n Punkten„ a u g e b l i ch" geirrt und die B e- teiligten tvider besseres Wissen in der Oefsent- l i ch k e i t herabgesetzt zu haben. Die Versammlung rügt des- halb die leichtfertige Handlung des Kollegen Wegener auf das energischte und spricht über die Art der Verbreitung der Druckschrift ihre entschiedene Mißbilligung aus. Die Ver- sammlung erwartet, daß für die Folge von feiten einzelner Mit- glieder Gleichartiges zur Schädigung des Verbandes nicht wieder unternommen wird; vielmehr erwartet die Versammlung, daß die Verbandskollcgen dafür Sorge tragen, daß der den Berliner Dele- gierten auf dem Berbandstage gewordene Auftrag: n a ch v e st e» Kräften für Ausbau der Organisation und Stärkung des Verbandes durch ihr Vorgehen beizutragen, verivirklicht wird," Der Abstimmung emhiellen sich die alten Mitglieder der Hauptverwaltung. Eine gewerkschaftliche Fraucuvcrsannnlung tagte am Montag in Rhrens Brauerei in Moabit und befaßte sich mit den Lohn- nudArbeitSverhältuissenderZeitungs trägerinncn des„Berliner Lokal-Anzeigers". Von den Zeitungs- sranen ans Moabit, die besonders eingeladen waren, waren leider nur wenige erschienen, die meisten halten sich wohl durch ein Ver- bot des Filialenvorstehers abhalten lassen. Um auch diejenigen zu verscheuchen, die trotzdem kamen, hatten sich mehrere Filialenangestellte zur Versammlung eingefunden und sich einen Platz gewählt, von wo sie jeden Ankömmling genau in Augenschein nehmen konnten, was denn auch die Wirkung hatte, daß einige Frauen, wie die Referentin Frau ' ube'la mitteilte, unter dem Ausruf:„Ach, da ist ja unser Herr!" die Flucht ergriffen. Frau G u b e l a schilderte, gestützt auf ein reiches Material, die traurigen Arbeitsbedingungen der Zeitungs- trägerinnen des„Lokal-Anzeigers" und die Kinderausbeutnng, die eine Folge der schlechten Bezahlung der anstrengenden Arbeit ist. Auch die Behandlung, die den Frauen oft von den Filialvorstehern zn teil wird, soll viel zn wünschen übrig lassen. Ganz besonders auffallend erscheint es, daß die Frauen Extrablätter des„Lokal-Anzciger" gratis austragen und bereits morgens 4 Uhr hierfür zur Stelle sein müssen. Die Referentin forderte mehrmals die anwesenden Vertreter der Filialen auf, sich über die gerügten Mißstände zu äußern, und diese Anfsordernng wurde in der Diskussion wiederholt ausgesprochen, trotzdem nieldete sich keiner von ihnen zum Wort. In der Diskussion wurden gegnerische Meinungen nicht laut. Unter lebhaftem Beifall erklärte Frau G n b e l a, daß die Organi- ation trotz aller Hindernisse, die ihr in den Weg gelegt iverden, für die Verbesserung der Verhältnisse ganz energisch eintreten wird. Entlassungen, die vielleicht wegen des Besuchs der Versammlung erfolgen, sollen sofort dem Vorstand des Gewerkschaftlichen Fraucn- vereins gemeldet werden. Urtzke Utalchviäsksn smd Dopeschcn. Zum Gcuernlstreik. Brüssel, 15. April,(W. T. B,) Der A n s st a n d dehnt sich hier weiter aus. Im Laufe des Nachmittags kam es zu mehreren Zusammenstößen zwischen Ausständigen und Polizei, wobei sechs Verhaftungen vorgenommen wurden. Auch aus den Provinzen ein» laufende Nachrichten melden, daß der A u s st a n d sich weiter ausdehnt. Die klerikalen Deputierten von Antwerpcu beschlossen, heute nicht nach Antwerpen zurückzukehren, um zu vermeiden, daß es bei ihrer Rückkehr daselbst zu Kundgebungen käme. Italien und die Schweiz. Bern, 15. April.(W. T. B) Der Bundesrat ließ heute der Bundesversainmlnng eine Botschaft betreffend den Abbruch der diplo- matischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien zugehen- Die Botschaft führt die bereits bekannten Thatsache» auf und schließt folgender» maßen: Wir bedauern aufrichtig, daß die diplomatischen Be- ziehnngen zwischen unsrem Lande und dem Nachbatstaate, mit dem uns alle Freundschaft und gemeinsame Interesse» verbinden, abgebrochen sind, aber wir sind überzeugt, daß der Abbruch der Be- ziehnngen in keiner Weise durch unsre Schuld veranlaßt worden ist. Veraiuivonlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin, Für den Inseratenteil verantivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck mid Verlag von MaxBading in Berlin Kassel, 15. April.(W, T. B.) Wie die„Kasseler Allgemeine Zeitung" meldet, wurden heute in dein Dorfe Rengersfeld auf der Hohen Rhön sechs Anwesen mit 20 Gebäuden durch Fencr zerstört. Stuttgart, 15. April.(B. H.) Heute vormittag Ivnrde die Botenfrau Hein ans Piranch auf dem Wege nach Degerloch j,» Walde ermordet. Es liegt anscheinend ein Rachc-?lkt vor. Hierzu 3 Beilage,» 11. Ilntcrhaltuugsblatt. fc»»-»■»»% i. Itilnjjt iifs JorniBtte" fetlintt IMM>°»,«« Nri�zskÄg» 105. Sitzung v o in Dienstag, den 15. April 1902, nachmittags 2 U h r. Am BnndeSratStisch: Graf P o s a d o iv sk y, Präsident Graf Ballcstrem: Ich eröffne die Sitzung, begriihe Sic nach der Osterpause aufs herzlichste und hoffe, daß die Herren Kollegen nach der längeren Erholung recht eifrig an den Arbeiten des Reichstags teilnehmen werden.(Bravo!) Meine Herren I Der Reichstag hat eines schincrzlichen Verlustes zu gedenken.(Die Abgeordneten haben sich voir den Plätzen erhoben.) Am 31. vorigen Monats starb in Camberg, in seiner Heimat, unser .Kollege Dr. Ernst Maria Lieber. Was der Verstorbene mit seinen ibm von Gott verliehenen großen Gaben in der Arbeit fiir das Wohl und die Größe des Vaterlandes geleistet hat, lebt in unsrer Erinnerung dankbar fort. Meine Herren! Sie haben sich zum An- denken an den Verstorbenen von den Plätzen erhoben: ich kon- statiere das. Ins Haus neu eingetreten ist der Abg. Eduard Bernstein(Soc.) Auf der Tagesordnung steht die Weiterberatung der See- m a n n s o r d n u n g in ziveiter Lesung. Die Beratung beginnt bei Z 54: F ü r s o r g e f ii r den er- krankten oder verletzten Schiffs mann. Der Reeder hat die Kosten der Verpflegung und Heilbehandlung zu tragen a) bis zu 3 Monaten, ivenn der Schiffsmann wegen der Krank- heit die Reise nicht antritt, d) wenn er die Reise angetreten hat. bis zu 3 Monaten nach dem Verlassen des Schiffes in einem europäische» Hafen mit Ansnahme der Häfen der Türkei, des Schwarzen und des Asowschen Meeres, und bis zu 9 Monaten nach dem Verlasse» des Schisses in einem außereuropäischen oder türkischen Hafen. Im weiteren bestimmt der Paragraph, daß der Reeder berechtigt ist, die Verpflegung und Heilbe- Handlung in einer Krankenanstalt vornehmen zu lassen. Erkrankt ein Schiffsmann außerhalb des Reichs- gcbicts. so kann er nach einein deutschen Hafen in eine Krankenanstalt überführt werden. Weigert er sich, so kann das Secinannsamt die Ermächtigung geben. Findet die Ueber- führimg nach einem deutschen Hafen statt, so hat der Reeder für die Kosten der Behandlung während dreier Monate nach der Auf. »ahme im Krankenhause einzustehen. Entzieht sich der Schiffsmann der Hcilbehandlnng ohne berechtigten Grund, dann verliert er den Anspruch auf kostenfreie Verpflegung und Heil- bchandlnng. Die Socialdeniokraten beantragen, die Verpflichtung des Reeders, für den kranken Seemann zu sorgen, statt auf 3 Monate auf 20 Wochen auszudehnen in allen Fällen, wo die Borlage 3 Monate Vorsicht. Tritt der Seemann die Reise an und kehrt mit dem Schiffe zurück, dessen Rückreise jedoch nicht in einem deutschen Hafen endet, so soll der Reeder bis zum Ablauf von sechs Monaten seit der Rück- kehr des Schiffes im Fall der Krankheit für den Schiffsmann sorgen. Für die gleiche Frist soll der Reeder verpflichtet sein, wenn der Schiffsmann während der Reise am Lande zurückgelassen werde» mußte. Im Fall einer Verletzung soll die Verpflichtung des Reeders erst mit denr Zeitpunkte aufhören, mit dem die Berufsgenosseuschast die Fürsorge für den Verletzten überniinmt. Weiter soll dem Schiffs- mann das Recht gegeben werde», seinen Transport nach einem deutschen Hafen im Fall einer Krankheit durch seine Weigerung zu verhindern. Entzieht sich ein Schiffsmann ohne berechtigten Grund der Heilbehandlung, so soll er den Anspruch auf kostenfrcie Verpflegung und Heilbehandlung verlieren, sofern er auf die Folgen hingewiesen und dem Secinannsamt nachgewiesen luird, daß der Schiffsmann durch sein Verhalten die Heilung ver- eitelt oder wesentlich erschwert hat. Die Abgg. Kirsch und v. Savigny(C.) beantragen eine Fassung dieses Paragraphen, wonach der Reeder die Kosten für den er- krankten Schiffsmann bereits zu tragen hat, sobald dieser angemustert ist. Ferner soll die AuSnahmebestiimnung für die türkischen Häfen, be- sciligt und nur unterschieden ivcrden'zivischcn deutschen und andren Häfen. Am crstcren Fall hat der Reeder für drei, im andren Fall für sechs Monate für den erkrankten Schiffsmann zu sorgen. Der Ver- Inst des Anspruchs auf kostenfreie Verpflegung und Heilbehandlung soll noch davon abhängen, daß der Schiffsmann, der sich einer ärzt- lich angeordnete» Behandlung entzieht, hierdurch die Heilung nach ärztlichem Gutachten vereitelt oder ivesentlich erschwert hat. Abg. Cahcnsly(C.) iminscht nur die Beseitigung der AuS- nahinebestinunung für die türkischen Häfen. Abg. Dr. Arendt(Rp.) beantragt, die Verpflichtung für den Reeder zu streichen, eine» kranken«i-eeniann nach einem deutschen Hafen zu überführen. Er soll ihn auch in der Krankenanstalt eines außerdeutschcn Hafens unterbringen können. Abg. Stadthagc»(Soc.) begründet die Anträge Albrecht und tritt der Behauptung entgegen, als wenn in ihnen citvas Ungeheuer- licheS verlangt würde. Die Schiffsleute haben eine» besonders ge- fährlichen Beruf und es ist daher dringend notwendig, daß für sie nicht nur drei Monate, sondern 26 Wochen im Fall der Erkrankung gesorgt werde. Ich bitte Sie dringend um Annahme unsres Antrages. Abg. Kirsch(C): Bei der letzte» Beratung hatten die Herren Socialdcniokratc» Anträge zu diesem Paragraphen gestellt, die ein Abbrechen der Beratung erforderlich»rächte», damit sich die Parteien über dieselben schlüssig machen konnten. Wir haben damit die Wichtigkeit der Materie anerkannt, und nunmehr unsrerseits Anträge eingebracht, die zum Teil den Wünschen, die Herr Hcrzfeld damals vorbrachte, entgegenkommen. Ich bitte Sie nunmehr, diese An- träge anzunehmen. Was den neuen Antrag Albrccht anlangt, so sind ivir bereit, für den Absatz desselben zu stimmen, der bestimmt. daß die Verpflichtung des Reeders mit dem Zeitpunkt aufhört, mit dem die VerusSgcnossenschast die Fürsorge sür den Verletzten über- nimmt. Abg. Molkcnbuhr(Soc.) Die Bestimmung der Kommission unter 1 und 2a, bedeutet direkt eine Verschlechterung für die Seelente. Früher hatten sie fast allgemein Anspruch auf eine önionatliche Für- sorge, während hier die Heilbehandlung nur 3 Monate danern soll, wenn der Schiffsmann die Reise nicht antritt oder das Schiff i» einem europäischen Hafen verlasse» muß. Dabei würden sich die Ausgaben fiir die Reeder bei Verlängerung der Frist auf 6 Monate inn nur 8 Proz. steigern, also in» einen ganz minimalen Betrag, während sür die betreffenden Seeleute die Ausdehnung der Heil- bchandlnng anf ein halbes Jahr von größter Bedeutung sein kann. (Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Abg. Kirsch(C.) hat den von ihm vorhin für annehmbar er- klärten Absatz aus dem Antrag Albrecht als besonderes A ni e n d c in e n t zur Konmiissionssassnnq eingebracht. Abg. Hcrzscld(Soc.) beantragt, daß die Zustimmung des See- manncs zu seiner Ucbcrfiihning in eine deutsche Krankenanstalt außer durch das SecinannS-Amt auch durch den behandelnden Arzt ersetzt Iverdcn kann. Unterstaatssekretär Rothe: Die Vorlage enthält doch ivesent- lichc Verbesserungen für die Seeleute gegenüber dein bisherigen Zustand, so sollen z. B. jetzt im Falle der Ueberweisung i» eine Krankenanstalt die Angehörigen ei» Viertel der Heuer ausbezahlt erhalten, während sie jetzt nichts erhalten. Eine Lücke zwischen Krankennnterstützung und Unfallfürsorge besieht für die Seeleute nicht. Dazu kommt, daß der Seemann für seine Krankenpflege nichts zahlt, der Reeder zahlt die ganzen Kosten. Aus diesen Er- Ivägungcn heraus bitte ich Sie. die Anträge Albrccht abzulehnen und empfehle die Anträge Kirsch, soweit sie über die Kommissions- fassung hinaus die Reeder belasten. Gcheimrat v. Joliquiörcs bittet im Antrag Kirsch die Worte „ärztlich angeordneten" zu streichen, da viele Schiffe keinen besonderen Arzt mit sich führen, und besonders im Falle von Geschlechts- krankheiten die Seeleute sich der Heilbehandlung zu ihrem Schaden entziehen könnten. Abg. Bargniait»(frs. Vp., anf der Tribüne fast unverständlich) scheint sich für den socialdemokratischen Antrag auszusprechen. Abg. Lcnzman»(frs. Vp.): Es handelt sich hier nicht um eine politische Materie, sondern um rein praktische Fragen. Ich bin mit den Socialdemokraten der Meinung, daß man hier die Gelegen- heit benutzen muß, die Lücke zwischen der Kranken- und Invaliden- Unterstützung auszufüllen. Mit der Streichung der Worte„ärztlich angeordneten" im Antrag Kirsch, wie sie Herr v. Jonqnieres wünschte, bin ich einverstanden. Für noch wichtiger halte ich die Streichung der gleich darauf folgenden Worte �nach ärztlichem Gutachten". Die Entscheidung der Frage, ob der Schiffsmann die Heilung vereitelt oder wesentlich erschwert hat, muß dem betreffenden Richter überlassen werden. Zur Ueberführung des Kranken in die Heimat mutz nach meiner Meinung die Einwilligung des Betreffenden und die Zustimmung des behandelnden Arztes vorliegen. Ist der Kranke nicht im stände, die Einwilligung zu erteilen, so muß das Urteil des Arztes durch dasjenige des betreffenden See-Amtes ergänzt werden. Abg. Herzfcld(Soc.): Der Ausschluß derjenigen Schiffslente von der sechsmonatlichen Behandlung, die in einem europäischen Hafen zurückgelassen werden, bedeutet in Wirklichkeit den Ausschluß des weitaus größten Teils aller S e e l e u t e von dem Anspruch auf sechsmonatliche Heilbehandlung. Graf Posadowsky hat sich noch in diesem Jahre selbst auf dem Standpuukl gestellt, daß die Lücke ztvischen Kranken- und Unfallftirsorge ausgefüllt werden müsse. Hier, wo es sich um die Beziehungen der reichen Reeder zu armen Matrosen handelt, liegt am allerwenigsten Grund vor, diese Lücke unausgefnllt zu lassen. Hier kommt besonders die T u be r kn lo s e in Betracht, die man geradezu als Berufskrankheit der Seeleute bezeichnen kann. Aber auch die geschlechtlichen Krank- heilen fordern eine mindestens LOivöcheutliche Bchandliingsdauer. Ihre Einbeziehung liegt ebenso wie im eignen Interesse der Kranken auch im Interesse der Passagiere und der übrigen Schiffsmannschaft, die, wenn die gcschlechtskranken Schiffslente nicht unterstützt würden, einer weiteren Verbreitung der Krankheit ausgesetzt werden. Was den eventuellen Verlust des Anspruches auf kostenfreie Behandlung angeht, so muß ich natürlich bitten, in erster Linie sür unsren Antrag zu stimmen i sollte die Mehrheit für diesen nicht zu haben sein, so können ivir in zweiter Linie für den Antrag Kirsch eintreten. Abg. Schtvartz-Lübeck(Soc.) bittet um Annahme des Antrages Kirsch, der die Heilbchaudlung auch eintreten lassen will, wenn der Schiffsmann„nach der Anmusterung" erkrankt. Sobald der See- mann angemeldet ist, ist er ein Teil des Schiffes und der Reeder verpflichtet, für ihn zn sorgen. Abg. Stockinann(Rp.): Wir lvcrden für den Antrag Kirsch stimmen, daß die Verpflichtung der Reeder aufhört, sobald die Berufs- genosscuschaft die Fürsorge für den Verletzten überninmit. Die An- träge Albrecht sind für uns inianiichnibar. Mit den Anträgen Kirsch sind wir im allgemeinen einverstanden. Abg. Kirsch(C.) verteidigt nochmals seinen Antrag gegen die erhobenen Einwendungen. Abg. v. Savigny(C.) bittet um Annahme der Anträge Kirsch. Damit schließt die Diskussion. In der Abstimmung werden die Anträge Kirsch angenommen, von den Anträgen A l b r e ch t wird nur der von dein Abg. i r s ch aufgenommene Absatz:„Im Falle einer Verletzung hört die Ver- pflichtung des Reeders mit dein Zeitpunkte anf, mit dem die Berufs- geuoffenschaft die Fürsorge für den Verletzten übernimmt", an- genommen, sowie das Amendement Herzfeld, wonach die Weigerung des ini Auslände erkrankten Seemanns, in ein deutsches Krankenhaus überführt zu werden, ersetzt werden kann nicht mir durch das betreffende Scemanusamt, sondern auch durch die Anordnung des behandelnden Arztes. Mit diesen Acudcrungcn wird der 8 34 in der Kommissions- fassnng angenommen; desgleichen debattclos§ 55, der die Rück- beförderung des in einem deutschen Hafen geheuerten Schiffsinannes für den Fall regelt, daß der Hafen der Ausreise außerhalb des Deutschen Reichs liegt. Hierauf wird die Weiterberatnng auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. Schluß 5'/- Uhr. Zolltarif- Kommission Ehe die Kommission am Dienstag i» die Tagesordnung eintrat, wendete sich der württembergische Ministerialdirektor Schneider gegen die in einer früheren Sitzung vorn Abg. v. Kardorff auf- gestellte Behauptung, daß in Württemberg mehr Branntwein getrunken werde als in allen andren Bnndesstaate». Zwar sei die Zahlenangabe, daß pro Kopf 5 Liter auf Württemberg kommen, richtig: sie beziehe sich aber nicht auf hundertprozentigen Spiritus wie sonst im Reiche, sondern nur auf vierzig prozentigen für Württemberg.(Große Heiterkeit.) v. Kardorff habe diesen Unterschied über- sehen. Bei gleichartiger Reduktivii des Alkoholverbrauches auf 100 Proz. Gehalt entfalle in Württemberg nur ein Quantum von noch nicht ganz 2 Liter auf den Kopf der Bevölkerung pro Jahr. Die Beratungen werden hierauf fortgesetzt bei Position 103 (Schafe). Hierzu beantragen die Abgg. Gainp, Herold(Kompromiß- antrag) einen Zollsatz von 18 Mark für 1 Doppelcentner und M i n d e st z o l l(20 Proz.). Miillcr-Sagan(frs. Bp.) beantragt einen Zollsatz von 1 Mark für 1 Slück. Die Socialdemokraten beantragen Zostfreihcit. Stadthagc»(Soc.): Bei«chafen überiviegt die Ausfuhr die Einfuhr. Der Grund, der für die Zollerhöhnng der anderen Vieh- arten angeführt ist, fällt hier sort. Die Ausfuhr ist zurückgegangen, aber auch die Schafzucht geht zurück. Es weiden jedoch noch immer mehr Schafe gezüchtet, als der deutsche Markt aufnimmt. Bei der Schafzucht sei hauptsächlich der Großgrundbesitz beteiligt. Die Schafzucht nehme dort ab, wo man von der extensiven zur intensiven Wirtschaft übergehe. Will man die Schafzucht künstlich heben. so heißt das nichts andres, als ein Zurückdrängen der intensiven Wirtschaft. Graf Schwer»,- Löwitz/z Uhr. Berliner. Alt-Heidclberg. Anfang 7>/, Übe. Lessing. Dnse-Gastspiel. oittä. inortn. Ansang 7>/, Uhr. rSeslen. Fra Diavolo. Anfang ?>/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Neue Bühne: Die Hochstabler. gicsidci,�. Einqnartiernng. Ansang 7'/- Uhr. öicueci. La dame de chez Maxim. Ansang 7Vj Uhr. lkentral. Das sühc Mädel. Anfang 7>/z Uhr. Brllc-Sllliniice. Die Dame ans Tronvillc. Hierauf: Er. Ansang 7-/2 Uhr. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7-/, Uhr. Luisen. Die Jungfrau von Orleans. Anfang 7>/, Ubr. Varl Weiss. Hauneinaiin vom Viehhof und: Der lleinc Cohn. Anfang 3 Uhr.» Friedrich-WilhelinslädlischeS. Berlin, wie es weint und lacht. Ansang 7-/z Uhr. SecessionSdiiline. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. E. v. Wolzogenö Buntes Theater (Ucbcrbrettl). Anfang 3 Uhr. Schall und Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Anfang 8-/, Ubr. Orpheus. Spccialitätcii-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Chnrivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Metropvl. Die wahre Liebe ist das nicht. Spccialitntcn-Vorstcllung. Ansang 8 Uhr. Slpollo. Lysisttata. Specialitäten- BorsteNung. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptiknin. Speciali- täten-Vorstellniig. Palast. Specinlitätcn-Vorstellung. Eine Nacht im BallhauS. An- fang 8 Uhr. Casino-Thcatcr. Berlin ans Stelzen. Specialitätcn- VorsteNung. An- sang 8 Uhr. Reichshnllen. Stcttiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitälen- Vorstellung. Ansang nachmittags ö Uhr. Urania. Tanhenslr. 48/t».(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Jnvalibenstrasle l»7/tiS. Täglich: Sternwarte._ Castans Panopticn Frledrlcli-Strasse 165. Zwergin Ä Kinde (einzig m ihrer Art auf dem Erdenrund!!) N 0er Boerenkrieg (Botha, De Wet, Delarey, Krüger.) Lebende Photograi»liien. Uqh( humor-musikal. Quintett nvU. Kirchmcycr. Schilltl-Thtlitel (WaNner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Meli» BolkSstück in 3 Akten von Adolf L'Arronge. Donnerstag abend 8 Uhr: Zb'»tlum der Weise. Freitagabend 8 Uhr: Flein Leopold._ c arl Weiss-Theater. Grosse Fraiikfnrlerstr. 132. Täglich: Hgllilemim lioiit Pikhhos und: Der kleine Cohn. Grobe Berliner Ausstattungspoife mit Ges. in 5 Bildern von Ernst Ritterfcld. Mustk von Albert Wicher. Ansang 8 Uhr: Sonnabendnachm. 4 Uhr: Zlschcn- brödel. Sonntagnachm. 3 Uhr: GSnseliesel. Kl. Preise. Parkett 60 Pf._ Beile-illiance-Theater. Heute zum 112. Mal: Die Dame ans Tranville. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Bmil 8onciermann. Ferd. IVorme. Mlzzi Birkner. Rosa Marten. Hieraus:„Er". Pariser Lebenö- bild in 1 Akt. Ansang 7>/z Uhr.» Morgen: Die- clbe Vorstellung._ Mtral-Watkr. Heute zum 119. Mal: 7-/2 Uhr. 7-/2 Uhr. Dns s«izv Mlndel. Operette in 3 Akten von Landsberg und Stein. Musik von Reinhardt. Morgen und folgende Tage 7-/2 Uhr: Das süsse Mädel. Sonntagnachmiitag 3 Uhr, in erster Beschung: Der Zigeniierbaron. Abends 7-/, Uhr: Dassüfse Mädel Casino- Theater Lothringerstr. 37. Gastspiel Antonie Agoston in „Berlin ans Stelzen" k. Urkomisch! Sensationell! Anfang Wochent. 8, Sonntags 7>/zUhr. Sanntagnachm. 4 Uhr: Dienstbotc. Specialitäten.— Weihnachten. Thalia- Titeater. Dresdenerslrafse 78/73. Täglich. Anfang 7-/z Uhr: Täglich. Seine Kleine. Gr.Ausst.-Posse m. Ges. u.Tanz in 3 Akt. Im 2. Akt:„Hab'n Sie nicht den kleinen Cohn geseh'n?" Am 30. April: Abschieds-Vorstellung und Benefiz sür Guido Ihlelscher. Am l. Mai: Gastspiel der Sohllerseer. Sehaii nilti Kaaeh (Kisiuss'riisurs?) Unter den linden 44. Mittwoch, 15. April, ahds. 8-/2 Uhr, Gastspiel von Emanuel Reicher. Strindberg-Cyklns. Sercnissimns-Zwischenspiele Mittwochabend 7-/, Uhr: liiondiire. Orig.-Pantomime des Cirkus Busch, sowie großartige Specialitäten. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Passage-Theater Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Emilie Carola, prelsgekrBnte Wiener Schönheit. Gustav Bonne, | Humorist, mit sein. Schlager: Berlin sei ruhig, schrei hurra! Der kleine Cohn, der kleine Cohn, Der kleine Colin ist da! 16 erstklassige Nummern. Reichshallen. M TUgüch: Stcttiner Sänger. Ansang Wochen!. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. IllGtniiioI-Ms Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Anna Müller-Linke Fritzi Georgette Frid-Frid Zum 2. Mal: Unsre Don Juans Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Musik von Franz Roth, Adolf Ferron und Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schnitz. Morgen und folgende Tage: Unsre Don Juans. CS Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Palast-Theater (früher Feen-Palast) Vurgslr. 22. Dircltion Richard Winkler. I Das grösste Programm derSalaon Dazu täglich; Gastssiicle der grofsleii Schau- minimerii der Welt. 8V, Uhr 81/, Uhr Unsagbarer Beifall!! Ipollo- Theater. Um 8 Uhr: dell' Oro« Hill u. Huli Olga Viarda» Kinematoskop Elsa Malta. Um 9 Uhr: Lysistrata Ausstattungs- Operette von Paul T.incke lSÄ.„Crigolalis". Kassoneröffnung 7 Uhr. An der Spandaner Brücke 3. | Grösst.Vergnllgungslokal Berlins I inteniationale Konzerte 1 j von 5 Künstler-Kaiicllcn. [ Im 6. u. 7. Bogen erstklassige f Theater- und ISpcdalUäten-VovstellnngJ Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Bürgerl. Diaer, 5 Gänge. I Tilg!. iHatiiicc von 12— 2 Uhr. 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Geschäfissührer, Kassierer. + Herren-Vortrag+ Carl Hruckhorr, Fricdrichstr. 10, über:„Die sogenannten unheilbaren Männerlcidcn" Mittwoch, 1«. April, abends 8l/z Uhr, im Mcsspalast, Alexandrinenstr. 110.[1952b Nur für Herren! Eintritt frei! Teiizahlnng monatlich 10 SOI. liefert elegante Herren-Garderobe r nach Mass, auch bar Kasse allerbilligste Preise. Fert. Garderobe stets vorrätig. l°MDromf!.,A,7�';'i. (I. Etage) Ecke Dresdenerstrassc. Lieferanten für Blnsrfreie Milch 20/6 und zwar nach wie vor iintürliclie Vollinilcli, werden den Hausfrauen und Milchkoneumenten Berlins und der Vororte stets soi'ort nachgewiesen durch das Bureau der lilchhändler-Vereine Ucrlin O., Uiiinienstrassc 10. ——— Telephon Amt 7. No. 4481.———— Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 16. April, abends 8V2 Uhr: MW" General- Versammlung"W in den Borussia- Sälen, Ackerstrasic 6/7. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 1. Quartal 1902. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht Per Vorstand. NB. Diejenigen Kollege», die noch keinen Schlussstempel in die vorjährige Sammelkarte habe», macheu wir daraus aufmerksam, dass laut Versammlungsbeschluss nur bis zum 1». April die Sammelkarte mit dem Schlub- stcnipcl versehen wird. D. O. Vereine u. Gesellschaften für halbe und ganze Tage. Zu er- fragen bei Iludoil Uarteflei, Mühlenstrasse 67a. 37512* m Oleirtfif Anstalt Grüner Weg 3 sind 4iL|ül|l: alte Stiefel lehr billig. OGGGGGGGGGMOOOGOGGOst Habe eine Filiale meines altvenoinmicrten Geschäfts In der OräßiGllSlr. 154 e�öfTnets 1 Wurst! Speck! Landschinken! S S Ö ii a Pfd. Ostiireuss. Landschinken........ 95 ff- � Delikatess-Schinken ohne Knochen.. 1.10Mk. G Hallesche Zwiebelwurst........ 55 k- G Braunschweiger Zwiebelwurst..... 05» 2 Feine Leberwurst........... 75« x Ponnnersche Landleberwurst...... 00- § Thür. Rotwurst............ 55. K Fieiscbwurst.......... 95„ G Ponnnersche Land-Fieiscbwurst.,.. 90. 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Ii« dl« Vewnnl« Über 232'-litt- iini beu teuesjeiidea liiiiumer» in ftlauintern beigejügt, (Ohne Gewähr.) 254 438 621 620 41 49 758 801 948 59 1006 32 822 33 9ö 208 309 35 81 87 403 25 728 87 891 957 1500] *000 47 53 124 329 80 93 445 585 619 30 99 854 70 90 «000] 979 3022 156 60 284 725 45(3000) 838 60 4058 91 216 410 668 643 5008 60 293 433 844 95 981 *>125 206 335 96 665 83 698 779 89 926 52 74 7035 165 M9 234 43 504 8128 31 52 236 344 400 873 964 67 71 92a6 398 475 641 84 651 886 10088[5001 145 206 77 81 94 448[500] 91 537 634 56 720 877 926 1500] 11035 107[15 000] 220 43 311 445 699 901 12012 31 78 146 446 531 601 50 81 818 20 1 3040 315 724 844 59 99 913 32 14104 7 242 52 341 561 72 694 745 67 838 979 1 5004 97 229 «8 439 649 890 1 6009 41 85 347 404 597 603 26 34 il7055 113 94 302 61 430 39 84[500] 633 705 879 913 ■18010 11 228 71 318 68 449 13000] 58 509 645 47 95 832 9o0 1 9096 314 480 783 97 815 20375 419 564 79 873 946 2 1022 399 496 521 40 62 663 714 73 76 98 920 2 2015 75 219[3000] 360 «6 l50V] 443 11000] 574 749 900 69(5001 23107 204 7( 500) 32 338 41 43(600] 70 76 402 18 40(1000] 92 tf8 61 788 834 977 24126 293(10001 438 48 571 60» 78 742 873 939 2 5028 48 71 198 229 68 395 475 «0 13000] 744 98 822 79 84 939(1000] Z6002 75 ■194( 500) 357 438 76 564 657 62 758 976[500] 77 86 27054 276 543 650 712 67 2 8085 160 228 64 426 676 790 8,3 923 29128 229 379 407 55 509 97 619 855 985 30280 347 85 534 666 706 95 980 31105 282 91 336 67 94 404 52 510 13 17 68 732 3 2136 224 417 514 «6 754 827 3 3054(30001 145 46 275 305 91 440 54 to» 734(1000] 92 803 86 3 4062 333 445[500] 530 69 729 82 844 3 5058 150 59 355 648 95 710 90 806 947 •36012 43 115 341 493 528 687 969 71 93 ÜOOO] 37016 *59 97[30001 503 711 86 822 97 3 8009 104 55 272 13000) 889 39118 291 490 714(5001 47 929 40616 892 958 4 1068 93 440 697 709 901 97 42007 139[1000] 89 495 608 32 711 14 901 97 4 3294 468 675 781 900 81 44223 42 86 377 602 824 78 45177 226 73 608 46115 57 77 256 381 639 805 44 81 975 4 7024 182 222 360 4 8023 277 307 527[500] 879 48005 49 74 148 298 330 49 684 797 30010 145 273[500] 372 465 673 723 39[500] 920 <5 1217 441 91 586 1500] 840 65 905 31 32 52134 80 '210 317 566 676 718 5 3045 169 240 333 434 64 634 SO <50°) 97 728 935 5 4021(3000] 84 151 754(500] 93 906 5 5057 205 20(500J 81 406 55 543 763 926 5 6147 207 14 27 40 42 1500] 300 571 604 855 72 83 904 35 57084 168 73 395 428 49 596 042 907 5 8136 98 245 67 91 378 456 590 LIOOO) 685 5 9050 339 53 866 .«0090 91 268 396 550 644 769[500] 854 76 973 6 1286 435 6 2063 141 51 283 322 423 505 8 78 609 28 731 82(500) 85 838 0 3053 109 338 546 618 735 64130 242 313 75 78 440 50 65055 601 67 726 830 72 66096 119 291 337 83 92 466 535 52 702 65 809 50 923 28 73 67015 219 43( 3000) 361 95 449 62 501 700 829 57 61 »42 6 8073 219 45 361 470 519 657(500J 748 893 989 «9104 12 243 99 518 76 637 851'85 70073 788 910 39 75 7 1084 385 928 7 2028 54 218 53 65 86 341 50 88 538 637 722 85 898 7 3097 ■129 62(30001 81 98 288 300 75 589 650 55 800 4 922 93 74295 382 425 55 96 635 75 936 7 5245 56(5001 379 616 17 679[600] 723 86 94 888 7 6085 90 645 46 713 «97 919 7 7 059 116 262 422 647 742(500J 838 910 78113 232 349 99 418-[500] 529 42 658 860 70036 80 «85 781 818 56 942 80167 356 428[3001 527-822 955 86 81123 232 »4 373 85 445 60 666 918 8 2098 295 325 68 482 568 78 88 618 84 820 903. 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Zichnng 4. Klasse 206. Kgl. Preich. Lotterie. Ziehung»om 15. April 1902,»achmiiiegS. 0!ur die Gewinn» über 232 Mi. sind beu belresseudc» Nummern in Klammern beizesügt. (Ohne Gewähr.) 55 405 503 794 990 1039 67 76(10601 105 56S 605 26 56 963 2088 90 204 45 534[1000] 680 919 24 300(1. 63 67 234 353 84 427 511 716 61 835 995 4053 74 211 75 315 542 823 65 5102 5 26 92 130001 213 91 544 056 92 759 846 910 11 6029 107(30001 31 210 84(5001 85 344 50 485 519 59 7012 87 496 506 41 619 84 807(30001 94 8167 285 342 589 632 775 827 47 924(10001 60 63 9312 464 567 692 754 84 91 985 10021 65 82 156 78 367 436 53 686 1 1043 85 100 84 290 353 492 604 77 1 2041 161 235 56 75 317 42 601 69 13288 321 33(5001 508 42 642 85 1 4103 219 326 [3000] 36 428 612 706 38 833 978 1 5016 26 45 343 66 618 61 16109 66 69 562 618 717 71 811(5061 990 17224 532[30001 794 948 54 87 1 8210 35 39[500] 41 338 49 812 75 953 81 83 1 9397 430 552 94 720 819 75 20027 125 242 314 526 83 88 890 21175 301 88 814 90 901 3 2 2292 385 593 633 735 873 2 3071(5001 188 366 781 825 32[30001 78 2 4058 112 91 245 496 789 828 948 2 5491 665 67 761 830 963 2 6248 306 456 573 603 884 984 97 2 7042(30001 193 305 90 431 82 558 (5001 613 750 818 29 2 8253(1000) 350 402 83 97 514 677 95 756 830 95 29112 208 71 302 503 614 27 81 716 42 832 931 30136 41 517 645 803 86 96 31174(10001 467 642 748 870[1000] 32037 55 113 38 454 612 86 867 93 3 3072 131 98 273 97 314 81 99 557 655[1000] 720 822 922 30 31 99 3 4046 118 253 631 34 37 41 62 75 606 908 20 43 71 3 5087 120 386 437 591(5601 660 77 880 945 36134 228 332 635 713 68(5061 84 913 14 37037 74 107 26 273 384 618 739 827 98 953 3 8224 88 308 26 538 61 92 98 693 759 86 890 39128 293 509 51 0 4 0021 504 15 646(5001 61 65 78 727 851 909 4 1012 312 16 476 573 615 920 96 4 2031 153 280 11000] 620 79 755 4 3043 81 450 543 662 89 835 44160 232 483 644 722 813 45127 461 787 920 39 56 97 4 6032 107 421 573 675 930 4 7034 93 160 64[30001 264 84 379 471 72 97(1000) 504 756 4 8313 52 56 426[5001 520 21 56 702 85 801 99 4 9032 129 62 88 99 246 300 54 55 76 510 74(30001 83 877 92 50068 267 98 407[500] 639 87(1000) 5 1012 265 417 63 60 550[5001 633(10001 715 41 56 5 2324 503 68(5001 685 908 75 92 99(5001 53053 65 71 79 147 226 72 J500] 366 474 584 647 90 766 952 5 4006(10001 27 298 1468 557 769 811 913 40 55198 234 308 468 602 796 917 82 5 6025 205 29(500) 418 685 91 777 835 57328 417[3000] 96 640 785 5 8011 110 13 592 625 762 827 38 64 961 59003 145 226 323 83[500] 523 55 706 819 40 979 «0010 102 29 34 67 441 79 560 839 976 61082 273 [10001 313 85 747 6 2067 301 48 475 536 836 6 3401 1500) 88 602 59 73 827[500] 993 6 4065 97 180 470 629 43 64 6 5019 83 260 399 409 13 81 89 96 509 679 96 758 918 61 65 6 6055(5001 224« Das Unwetter vom Montag. Der Schnde», de» das Unwetter anxierichtet hat. beziffert sich auf mehrere Millionen Mark. Es sind nicht nur zahllose Steller und Erdgeschobränme überschwemmt und die in denselben aufgespeicherten große» Warenvorräte verdorben oder beschädigt worden, sondern auch höher gelegene Räume, in denen Fenster nicht verschlossen waren, sind arg mitgenommen worden. In vielen Wohnnngcn ist das Wasser von den Balkons aus ein- gedrungen. hat Teppiche, die Deckenverschalung, Möbel und andres stark beschädigt. In einem Falle berechnet ein Mieter seinen Schaden auf über 6000 M. Im Centrnm von Berlin, besonders in der Oberwallstraße, Spandanerstraße und Niederwall- straße sind Mannfakturwaren- Läger im Werte von mehr als einer Million Mark durch Wasser beschädigt worden. Auch der Schaden an den öffentlichen Gebäuden, Anlagen, Straßen, Dämmen und Böschungen ist groß. Von welchem Umfange die Ueberschweinmungen gewesen sind, kann daraus ersehen werden, daß neun Dampfspritzen der Berliner Feuerwehr nicht nur den ganzen Tag, sondern auch ivährend der vorletzten Nacht und gestern nur mit einer kurzen Unterbrechung zur Ablösung der total erschöpften Bedienung tbätig gewesen sind. Die Leistung dieser Maschinen ist enonn, sie fördern zusammen 9000 Liter Wasser in der Sekunde. Bemerkenswert ist noch, daß auch viele Brunnen durch das eingedrungene Wasser unbenutzbar ge- worden sind und in der Uferstraße 6 und an andern Orten Brunnen eingestürzt sind. Hart betroffen sind vielfach Bäckereien und Schläch- tereien, ihnen sind die Vorräte in den Kellern verdorben, auch viele Äolonialwarenhändler gehören zu den Geschädigten. Es frägt sich unter diesen Umständen, ob es nicht angebracht ist, daß die Kommune wenigstens den Aermsten, die durch das unvorher- gesehene Unglück ihr bißchen Habe verloren haben, durch eine be- sondere Unterstützung unter die Arme greift. Schnelle Hilfe thut not und von der vielgerühmten Privatwohlthätigkeit weiß man, wie un- zureichend sie ist. Auch heute ist noch nicht im entferntesten der Schaden zu über- sehen, den das Unwetter in Berlin angerichtet hat, doch dürfte er sich auf viele Millionen von Mark belaufen. Soweit bis jetzt festgestellt ist, sind über 400 Wirtschafts-Einrichtungen in Kellerwohnungen vollständig demoliert und große Warenlager ver- nichtet. Die in den Kellern aufbewahrten Vorräte größerer Geschäfts- Häuser, ivie bei Jaffa, Rosenthalerstraße, Schneider u. Co. am Rosen.thaler Thor, Gebr. Wolf, Jnvalidenstraße, usw. sind total un- brauchbar geworden. In der Brnnnenstraße konnten eine Anzahl ini Souterrain belegene Geschäfte gestern und heute nicht geöffnet werden, weil die gesamte Einrichtung mit de» Lagerbeständen vollständig verdorben ist. Natürlich war es gestern nicht nichr möglich, allenthalben die Kellerränme vom Wasser zu befreien, trotzdem die Fenerwehrsiiannschaftcn von 4 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts nicht zur Stühe kamen, uiid so sind denn am heutigen Tage nach den vorliegenden Meldungen noch circa 200 Keller ansznpuinpen. Nickt in Betracht gezogen sind die vielen Hunderte, welche Privathilfe gestern nicht mehr erhielten und heute noch solche in Anspruch nehmen muffen. Auch der Bahnkörper der Stettiner Bahn im Humboldthain stand gestern morgen noch circa 30 Ccntimeter tief unter Wasser. Eine im Wasser treibende Leiche gab Veranlassung zu dem Gerücht, daß ein Mann in seiner Wohnung ertrunken sei. Dies ist jedoch glücklicherweise nicht der Fall. Der Eigentümer der Kellerwohnung Dalldorferstr. 1. ein Arbeiter P., lvar vor mehreren Tagen gestorben und seine Leiche in einer Cammer eingesargt aufgebahrt worden. Infolge des plötzlichen Eindringens des Wassers vermochten sich die Angehörigen des Verstorbene» nur mit großer Mühe zu rette», konnten jedoch die Leiche nicht mehr in Sicherheit brnigen. Der Sarg wurde zertrümmert und der Tote aus demselben hinausgeschleudert. Erst am späten Nachmittag gelang es, die Leiche aus den Fluten herauszuziehen. Tie Feuerwehr hatte auch gestern abend noch immer ununterbrochen mit der Be- seitignng von überschwemmten Näume» zu thnn. In dcrNicderwallstraße stand das Wasser gestern noch IV! Meter hoch in einigen Kellereien. Die städtische Straßenreinignng hat am Dienstag 1600 Arbeiter beschäftigt. Die Vorlvürfe, die hier und da von einzelnen Leuten erhoben worden sind, iveil die Gullys verstopft sein sollten, beruhen auf Unkenntnis. Die Gullys waren nicht verstopft. Sie konnten nur kein Wasser mehr anfnehnie», iveil die Kanalisationsröhren das viele Wasser nicht fassen konnten. D i c A r b e i t e r von d c r K a n a- lisation haben ihre Pflicht und Schuldigkeit gethan, sie haben geholfen, wo sie konnten und alles Mögliche aufgeboten, um das Wasser zu beseitigen.— Bcmerkensivert ist noch, daß die Feuerwehr in der Neue» Königstr. 35 eine Wöchnerin mit dem Säugling ans einem überschwemmten Keller in Sicherheit ge- bracht hat. Vieh ist eine Menge ums Leben gekommen. Außer Kcnnnchen, besonders Schweine und Hühnerl sogar ein Pferd ist unter der Uebersührnng der Stettincr Eisenbahn in der Gartenstraße in, Wasser umgekommen. Vor einem Wagen gespannt, stürzte es dort und verendete im Wasser, weil es nicht gleich wieder hochkommen konnte. Die Wiederherstellnngsarbeiteii auf der Stettiner Bahn, welche die Direktion nach ihrer Bekanntmachung innerhalb 24 Stunden zu bewältigen gedachte, dürften doch mehrere Tage in Anspruch nehmen.- Man hoffte das auf den Geleisen stehende Wasser bis zum gestrigen Dienstagabend zu beseitigen, alsdann kann erst mit der Entfernung der auf den Geleisen befind- ilichen Erdmassen begonnen werden. Dies nimmt jedoch mindestens eine zwölfstündige Thätigkeit in Anspruch, da Erd- rutschungen auf einer Strecke von insgesamt 200 Meter stattgefunden haben. Auch auf dem Bahnhof Gesundbrunnen selbst sind die Schienen unterspült, so daß sich die Schwellen mit. den Geleisen vollständig frei schwebend befinden. Am Donnerstag früh hofft man dann eine Untersuchung der Strecke' sowie der Fundamente der Brücke vornehmen zu können, so daß im Laufe deS Donnerstag oder am Freitag wenigstens der Betrieb der Stettiner Bahn wieder bis zur Jnvalidenstraße geführt werden kann. Auch die Post ist durch diese Bahn-Verk-hrsänderungen in Mitleiden- schaft gezogen. Briefe, Geldsendungen sowie Eil- und Wertpakete werden durch Post- Omnibusse nach dem Bahnhof Gesundbrunnen geschafft und dort verladen. Der gesamte Päckereiverkehr der Stettiner Bahn aber wird über die Ostbahn und derjenige der Nordbahn über die Lehrter- und Hamburger Bahn ver- laden und so auf indirektem Wege nach dem Bestimmungsorte befördert. Hierdurch erfahren die Paketsendungen allerdings' Ver- spätungen in der Zustellung von 12—24 Stunden. Der Betrieb der Nordbahn wird am Freitag oder Sonnabend wieder bis zum Fernbahnhof resp. Vorortbahnhof der Stettiner Bahn durchgeführt werden. Mit demselben Termin wird dann auch der Vollbetrieb auf der Kremmener Bahn wieder aufgenommen. An der Wieder- Herstellung des Nordring-Körpers wird ebenfalls mit Eifer ge- arbeitet.__ Berliner Partei-Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Freitag, abends 8V! Uhr. findet im Hsti andenburger Haus, Mohrenstr. 47, die Generalversamm- Istna des Wahlvereins statt. Auf der Tages-Ordnnng steht zunächst: Kassenbericht und Wahl des Vorstandes. Ferner wird der Genosse Rechtsanwalt Dr. Broh einen Vortrag halten:„Der Boerenkrieg— ein Mene tekel der kapitalistischen Kultur". I» Reinickendorf findet heute abend 8Vs Uhr bei Meinhart, Hauptstr. 51, die Versammlung des Wahlvereins statt. Der Wahlverein für Trcptow-Baumschulenweg hält heut» abend 3V! Uhr im Restaurant M i ch l e r Vereinsversmnmlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1.„Rückblicke auf die verflossenen Gemeindevertreterwahlen". 2. Kassenbericht. 3. Vercinsangelegenheit und Verschiedenes. RnmmelSbnrg. Der hiesige Wahlverein hält heute. Mittivoch, abends 8 Uhr. im Lokal von Schumann, Neue Prinz Albertstr. 70/71, seine Generalversammlung ab. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute Mittwoch, abends 8'/! Uhr, findet eine Volksversammlung in Höflichs Lokal, Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 120, statt. Auf der Tages-Ordnnng steht ein Vortrag des Genossen Fritz Kunert, sowie die Besprechung des Urteils' des Bezirks-Ansschusses in Potsdam, die Kassierung' von 4 Mandaten unsrer Genossen in der Gemeindevertretung betreffend. Mit dieser Versammlung soll der Kampf, den die Genossen um das Rote Haus seit Jahr und Tag führen müssen, wieder eröffnet werden._ Lokales. Der Hanshaltungs-Untcrricht in de» Berliner Gemeinde- schulen. In der diesjährigen Generalversammlung des„Vereins für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend" berichtete der 1. Vorsitzende Herr Reichstags- Abgeordneter Dr. Zwick über die Lehrlingsunterbringnng im verflossenen Jahre, die reckt erfreuliche Fortschritte gemacht habe; von 1100 gemeldeten Meisterstcllen sind bei 700 Lchrliugsmeldungen 500 Stellen besetzt worden. Weniger erfreulich liegen dagegen die Verhältnisse bei dem vom Verein unterhaltenen Haushaltniigs-Unterricht, der sich in 4 Schul- Küchen ans 121 Gemeindeschule» mit 526 Schülerinnen erstreckt. Der Magistrat von Berlin zahlt bisher eine Subvention von 3050 M. jährlich, da aber die Ausgaben pro Jahr beinahe 9000 M. betrugen, war der Fortbetrieb der Schulen nur durch bedeutende Schenkungen eines unbekannten Wohlthäters möglich. Ter Verein hatte nun an de» Magistrat den Antrag gestellt, den Beitrag zu erhöhen, ist aber abschläglich bcschieden worden, und hat sich deshalb genötigt gesehen, einen von einem Mitglied gestellten Antrag anzunehmen, der dahin geht: Die Generalversammlung beschließt in Anbetracht der finanziellen Verhältnisse des Vereins den.Magistrat zu ersuchen, den Haushaltungs-Unterricht an Volksschnl-Schülcrinncn vom 1. April n. I. ab in eigne Verwaltung zu nehmen. Ferner sichl sich der Verein genötigt, da die ihm zur Verfügung stehenden Mittel absolut nicht ausreichen, am 1. Oktober l. I. fünf hanswirtschnftliche Kurse aufzulösen. Unter dem Ausdruck leb haften Bedauerns, daß eine anerkannt segensreiche Einrichtung der- artig beschränkt werden muß, nimmt die Versammlung den Antrag einstimmig an. Die Haltung des Magistrats hat wohl keinen andern Sinn, als daß er mit dem Plan umgeht, den K o ch ü n t e r r i ch t in allen Berliner Gcmeindeschnlcn obligatorisch einzuführen und so das Wirken des erwähnten Vereins in diesem Pnnktc gegenstands los zu macheu. Man darf wohl erwarten, daß der Stadtverordneten Versammlung bald eine Vorlage zugeht, welche allen Mißdeutungen über die dem Verein gegenüber eingenommene Haltung die Spitze bietet. Ueber dnö neue Volks- Theater im Stadtteil Norde» ver- breite sich am Montagabend im Saale der Norddeutschen Brauerei vor einer Versammlung von Damen und Herren der Direktor vom Schiller-Theater, Dr. Löwenfeld, in einem längeren Vortrage. Herr Löwcnfeld nahm Gelegenheit, zunächst die Zwecke, Ziele und Organ! iation des Schiller-Theaters klarzustellen und auf den bisher gehabten Erfolg hinzuweisen. Angesichts dieses Erfolges hätte der Gedanke nahe gelegen, sich nach einem weiteren Kunstinstitute umzusehen. Ein solches sei in dem Fricdrich-Wilhelmftädtischcn Theater in der Chaussee straße gefunden worden, welches vom 1. September d. I. ab von der Schiller- Theater- Gesellschaft übernommen werde und genau nach den Principien des Theaters im Osten geleitet werden solle. Gleich diesem solle auch das neue Volksthcatcr den Namen Schiller- Thealer führen. In der Absicht der Theaterleitnng liege es, beide Theater zu verbinden und, um ihren Abonnenten möglichst viel zn bieten, in dem einen die Oper, in dem andern das Schauspiel zu pflegen. An einem Erfolg sei im Norden, wo das Bedürfnis nach einem guten Volksthcnter so groß sei und die Abonnenten sozusagen wild wachsen, nicht zu zweifeln. Die Ziele der Gesellschaft seien .noch weiter gesteckt und beschränkten sich nicht auf den Osten und Norden. Das vorgesteckte Ziel sei vielmehr, in allen Stadtteilen Berlins ein Schiller- Theater zu errichten. Allerdings werde man besonnen genug sein. auf diesem Wege sehr langsam fortzuschreiten. Am 20. d. M. werde mit einer großen Agitation für das Schiller-Theater dl begonnen werden. Es würden zu diesem Zwecke hunderttausend Cirkulare nut beigefügten Bestellkarten für Abonnements an die Einwohnerschaft zur Versendung gelangen. Bezüglich der Plätze werde keine Bevorzugung stattfinden, hier gelte das alte Wort: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die be- reits'in der Versammlung zur Ausgabe gelangenden Bestellkarten waren sofort vergriffen und ausgefüllt. Zur Verlegung der EngroS-Markthalle. Man schreibt unS: Nach den Berichten ans der Stadtverordneten-Versammlung über die Verlegung des Engros-Marktverkehrs nach der äußersten Peripherie der Stadt, die allen Beteiligten vom größten Nachteil sein würde, scheint es den städtischen Behörden ganz und gar entgangen zu sein, daß sich im Osten Berlins ein seit langen Jahren brach liegendes riesiges Gebäude und zwar der alte O st b a h n h o f befindet. Dieses Gebäude niit seinen wenig frequentierten sehr breiten Zufahrtsstraßen eignet sich, event. unter Hinzunahmc des Ostbahnparkes vorzüglich zum Engros-Marktverkehr. Bahnanschlüsse sind vorhanden; das Gebäude selbst ist durch Anbau von großen Hallen und Anlage von Kühl« räumen mit verhältnismäßig geringen Kosten für die fraglichen Zwecke herzurichten. Wenn auch der Fiskus, welcher Eigentümer der gesamten Terrains ist. bei einer früheren Gelegenheit den Verkauf abgelehnt hat, weil für den Fall einer Mobilmachung nach Osten der Bahnhof zu schnellerer Verladung der Truppen gebraucht wird, so dürften doch unsre städtischen Behörden es keineswegs unversucht lassen, angesichts der unerschütterlichen Friedensliebe der beteiligten Regierungen neue, und hoffentlich erfolgreiche Schritte zur Erwerbung der be- sagten Baulichkeiten und Gelände zu thun. Die äußerst günstigen Eisenbahn- und Stratzcnbahnverbindungen, überhaupt die ganze günstige Lage des Bahnhofes im volkreichen Osten der Stadt lassen die von den Obst- und Gemüse-Engroshändlern und andren Interessenten in Scene gesetzte Protestbewegung gegen die Verlegung nach dem Ringbahnhof Landsberger Allee als durchaus berechtigt erscheinen. Der Stadtverordnete»- Ausschuß zur Vorberatung der Magistratsvorlage über den Neubau des Waisenhauses hat' beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung folgenden Beschlußantrag zur Annahme zu empfehlen:„Die Versammlung genehmigt den besonderen Entwurf und den mit 1 389 000 M. ab- schließenden Kostenanschlag zum Neubau des Waisenhauses auf den Grundstücken Alte Jakobstr. 33—35 unter der Bedingung, daß nur die Unterknnfts- und die Räunie, deren schnelle Erleuchtung im Nachtbetriebe oder bei etwaiger Feuersgefahr notwendijz ist, elektrisch beleuchtet, alle andern Räume dagegen mit Gasglühlichtbeleuchtung versehen werden. Die Aufstellung des Geygerfche» Stieres im Huniboldthain ist erfolgt. Das marmorne Bildwerk hat mitten im Teiche auf einem kleinen Hügel Aufstellung gefunden. Der Stier steht aufrecht auf einem Sockel, der wieder auf' einem Steinblock ruht. Der Teich erfährt eine gewisse Ausdehnung, um wieder die durch das Monument verringerte Wasserfläche zu erlangen. Die ganze Umgebung wird gärtnerisch ausgeschmückt. Der Stier, bekanntlich ein Werk des Bild- Hauers Nikolaus Geyger, war in Paris ausgestellt und wurde von der Stadtverwaltung für 44500 M. erworben. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich Montagabend 10 Uhr vor dem Hause Jnvalidenstr. 132. Hier wurde mittels einer Loko- mobile das bei dem starken Gewitter in den Keller eingedrungene Wasser ausgepumpt.-Während nun Hunderte von Neugierigen der Arbeit zusahen, löste sich plötzlich das gußeiserne Schwungrad von der Lokomobile, flog auf das Trottoir und zersprang. Durch die umherfliegenden Eisenstücke wurden einem 17 jährige» Manne und der 20jährigen Arbeiterin Emma Stern schwere Ver- letznngen beigebracht. Der elftere erlitt eine Schädclspaltung, dem Mädchen wurde die eine Wange fast vollständig abgerissen. Beide erhielten auf der Unfallstation in der Eichendorfstraße Notverbände und wurden dann nach der Charito befördert. Leichter verletzt wurden die Lithographenlehrlinge Franz Stechow und Albert Falken- berg sowie der Polizei-Wachtineister vom siebenten Reviere. Ein Fall, der in den Annale» der Berliner Feuerwehr noch nicht dagewesen ist, hat sich Montag in der Mllllerstraße er- eignet. Dort brach in leinem Hause vormittags Feuer aus. Es brannte das Dachgebälk. Die Feuerwehr wurde alanniert. Die Hausbewohner warten sehnsüchtig auf deren Ankunft, doch die Feuerwehr läßt sich nicht sehen. Es blieb schließlich njchts anderes übrig, als das Feuer selbst zu löschen, was mit Hilfe des strömenden Regens denn auch gelang. Wie sich nun her- ausgestellt hat, war die Feuermeldung auf der Wache eingegangen. Da aber sämtliche Feuerwachen vollständig von Mannschaften ent- blößt waren und noch Hunderte von solchen Meldungen vorlagen, so konnte keine Hilfe gegeben werden. Zwei Straßcnbahn-Uufälle ereigneten sich am Montag durch die Unvorsichtigkeit zweier Passagiere. Der in Schöneberg,' Bahn- straße 9, wohnende Kaufmann Rost bestieg gegen Vs9 Uhr abends an der Treptower Chaussee einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen. Hierbei stürzte er vom Trittbrett ab und erlitt schwere Verletzungen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.— Um Vz12 Uhr nachts sprang die Lebuserstraße 3 wohnende Frau Bürger von dem fahrenden Motorwagen 1713 an der Ecke der Andreas- und Frankfurterstraße ab, geriet unter den Schntzrahmen des Anhängcwagens und wurde schwer ver- letzt. Die Unglückliche wurde nach dem Kraukenhause Friedrichshain gebracht. Durch Säbelhiebe verletzt wurde der Arbeiter Wilhelm S a l z w e d e I. der gestern nacht in der Brnnnenstraße wegen Miß- Handlung des Schachtmcisters Johann Wagner festgenommen werden sollte. Er widersetzte sich dem Schutzmann und griff ihn thätlich an, so daß der Beamte ihn durch mehrere Säbelhiebe über den Kopf zu weiterem Widerstände unfähig machen mußte. Nach Anlegung eines Verbandes wurde Salzwcdel nach der Universitätsklinik gebracht. Die Untcrschlagimgc» deS Pastors Disselhof und seine Verhaftung, von der wir bereits Mitteilung gemacht haben, haben das Städtchen Trebbin und Umgegend in große Aufregung ver- setzt. Disselhof war in der Berliner Lcbewelt, in der er das unter- schlage»? Geld durchbrachte, eine wohlbekannte Persönlichkeit. Er stammt ans einer sehr angesehenen Berliner Pfarrerfnmilie; sein Vater amtierte lange Jahre an der hiesigen Jakobikirche als Geist- sicher und hat sich in weiten Kreisen durch sein bekanntes Volks- sied„Nun ade, du mein lieb Heimatland" einen Namen geniacht. Sein jetzt verhafteter Sohn besuchte das hiesige Leibniz-Gymnasinm und niachte dort anfangs der achtziger Jahre sein Abiturienten- examen; er machte äußerlich einen sehr unansehnlichen Eindruck. Festgenommen wurde in der Nacht znm Dienstag ein Handsimgsgehilse Jnlins M n s h o l d, einer jener gefährlichen Burschem die sich nachts in Frauenkleidern auf der Straße herum- treiben, um Männer anzulocken. Mushold, der in der Schadow- straße ergriffen wurde, einem Schutzmann heftigen Widerstand leistete und ihm mit seinem Zuhälter drohte, ist wegen Erpressung schon mehrfach bestraft. Ten Tod im Wasser fand der Berliner Hofuhrmacher Jupitz aus der Leipzigerstr. 9. Man fand seine Leiche im Wasser der Havel hinter der Tarnow-Halbinsel bei Potsdam früh um 8 Uhr. Der Tod mußte nach dem Befunde kurz vorher eingetreten sein. Jupitz hatte noch am Tage vorher einen Förster in der Nähe von Polsdanr besucht und ist wahrscheinlich infolge eines Schlaganfalls ins Wasser gestürzt.- Bis zur gerichtlichen Feststellung der Todesursache wurde die Leiche bedeckt und unter Bewachung gestellt. Wo ist der Knabe? Eine geisteskranke Frau R o s e m a n n aus Friedrichsbcrg hatte ihren 3 Jahre alten Sohn in den Kinder- wagen gesetzt und lvar mit ihm weggesahren. Als sie nicht zurück- kehrte, benachrichtigte ihr Mann die Polizei, die sofort Ermittelungen nach ihrem Verbleib anstellte. Am Montag wurde nun die Frau in Steglitz aufgegriffen, aber ohne den Kinderwagen mit dem Knaben.' Auf die Frage, wo sie ihren Sohn gelassen habe, erklärte sie be- Harriich, sie habe ihn im Walde im Wagen stehen lassen. Alle Nach« forschnngen nach dem Knaben sind jedoch ergebnislos geblieben. Es fragt sich daher, ob der Aermste noch irgendwo uncrmittelt im Walde steht oder ob ihn vielleicht jemand gefunden und mitgenommen hat. � Der Knabe trägt eine braune Jacke und Hose und schwarze Strümpfe und Schuhe. Der Kinderwagen ist ein grüner, mit Wachsleinwand ausgeschlagcner Korbwagen. Fcnerbericht. Ein großes Schadenfeuer in dem Kanfhause S. Bendit in der Klosterstr. 84/85 beschäftigte die Wehr Dienstag früh niehrere Stunden. Kurz nach 4 Uhr wurde der Portier durch das Klirren von Fensterscheiben aus dem Schlafe geweckt. Das im ersten Stock belegene Seiden- und Wollcnwarcn-Lager von Bendit stand in Flammen, deren Hitze die großen Glasscheiben auf den Hof geschleudert hatte. Als die herbeigerufene Wehr erschien, brannte, nicht nur die«ach der Hofseite belegene Warenabteilung im vollen Umfange, sondern die Flammen hatten auch bereits die' Vorräte des Vordcr'ranms erfaßt und drohten außerdem auf angrenzende Waren- lager überzuspringen. Die Wehr griff mit drei Rohren an und lokalisierte das Feuer innerhalb einer Stunde. Große Post»» Seiden- und Wollenstoffe, sowie fertige Konfcktions- stücke wurden eingeäschert. Was nicht verbrannte, ist durch Wasser entwertet worden, so daß sich der verursachte Schaden auf viele Tausende von Mark erstreckt. Die Aufränmungs- arbeiten dauerten indes bis gegen 8 Uhr. Ueber die Entstehungs- Ursache ist bis jetzt noch nichts ennittelt. Wäre das Feuer einen Tag früher zum Ausbruch gekommen, hätte— nach Ansicht des die Löschung leitenden Brandoffiziers— man es ruhig brennen lassen müssen, da dann keine Löschziige disponibel geivesen wären.— Dienstagmittag kurz nach 1 Uhr wurde die Wehr nach Unter den. Linden 48 gerufen, wo in einer im ersten Stock belegenen Wohnung Kleidungsstücke und Gardinen in Brand geraten waren. Ein Schornsteinbrand mußte Montag gegen Abend Plan« Ufer 40 beobachtet werden. Unfug am öffentlichen Feuermelder wurde abends 10 Uhr in der Elßholzsträße verübt. Leider konnte, wie gewöhnlich/ der Thäter nicht gefaßt werden. Außerdem liefen noch Feuer- Meldungen von der Linienstraße 1 und Laudtvehrstraße 41 ein. Freie Fortbildungskurse für Arbeiter werden von der social- wissenschaftlichen Abteilung der Wildenschaft der Technischen' Hochschule im Sommer in Charlottenburg wiederum veranstaltet werden. In erster Reihe sind die Kurse für ältere Arbeiter bestimmt, denen es nicht möglich ist, Fortbildungsschulen zu besuchen. Vor- kenutniffe werden im allgemeinen nicht vorausgesetzt, auch wird auf die Zusammensetzung des Hörerkrcises die möglichste Rücksicht ge- nommen werden. Jeder Kursus umfaßt eine zusammenhäugeude Reihe von etwa 10 Vorträgen, die wöchentlich einmal abends von 8V«— stattfinden und an die sich stets Hebungen anschließen; außerdem werden zwei besondere Ucbungsabende' stattfinden. Es finden folgende Kurse statt: 1. DoppclknrsuS Deutsch: a) für Anfänger, b) für Fort- geschrittcncre. 2. Doppelkursus Rechnen. 3. Algebra �Buchstaben- rechnen). 4. Elektricitätslehre. Zur Deckung der Kosten wird in der zweiten Unterrichtsstunde ein Beitrag von 60 Pf. für die Teilnahme an einem Kursus erhoben, für jeden Iveiteren Kursus je 26 Pf. Der Beginn erfolgt Ende April. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an Herrn Ingenieur W. Wagner,' Westend, Mazi'enallee 17. A»S de» Nachbarorte». Trcptow-Baninfchnlciiweg. Die gestrige Gemeindevertreter- Stichwahl bot wieder das übliche Bild. Der vereinigte Mischmasch trat wieder mit 70 Forenscn an. Unser Parteigenosse Karow erhielt 280 Stimmen, der konservative Gärtnereibefitzer Nickel 316 Stimmen. Bei der Hauptwahl am lS. März erhielten Karow sSoc.) 266 Stimmen, Nickel(f.) 220 und Schirmcr sfrs.) 06 Stinunen. RuinmclSbnrg. In der letzten Gcmeinderatssitzung fand zu- nächst die Einführung der ncugeivählten Vertreter statt, mit nielchen Genosse Gebauer als der zweite Socialdemokrat in das Dorfparlament eingezogen ist. Bei den Ergänznngslvahlen zu den verschiedene» Kommissionen wurde Genosse Ritter in die Armen- kommissio» und die Finanzdeputation und Genosse Gebauer in das Kuratorium der Fortbildungsschule gewählt. Die Straßen- Pflasterungen in Boxhagen gaben zu Ausstellungen An- laß; es soll ein uniformierter Aufseher angestellt werden, welcher die sachgemäßen Ausführungen der' Arbeiten zu überwachen hat.' Auch die erst vor kurzem mit erheb- lichen lKosten gepflasterte Prinz Albertstraße ist schon schadhaft. Als Ursache der Beschädigungen werden von Sachverständige» die eingebauten Pferdebahnschienen angegeben; diese Darstellung gab zu einer erregten Auseinandersetzung zwischen Genossen Ritter und Herrn Königshagen einerseits sowie Herrn Oertel andrerseits Anlaß. Der Herr Vorsteher wies darauf hin, daß die Schienen in Er- tvartung einer zu errichtenden Bahnverbiudung mit Berlin gelegt worden seien, daß aber alle Projekte bis jetzt gescheitert sind. Auch von der geplanten ö st l i ch e n Vorortbahn sei nichts mehr zu hören, er habe trotz wiederholter Anfragen vo n der Gesellschaft noch keine Antivort erhalten. Für die k a t h o- lische Volksschule, deren Schülerznhl 260 beträgt, wird die weitere Anstellung einer Lehrerin beschlossen. Von dem' hier neu zu errichtenden Magerviehhof liegen Skizzen und Zeichnungen vor; der Viehhof soll allen Anforderungen entsprechen; auch ist das Unter- nehmen finanziell gesichert, da Berlin entsprechende Beihilfe zugesichert hat. Der Besuch der höheren Mädchenschule ist auf 48 Schülerinnen gestiegen; sie steht finanziell günstig da, doch soll der Zuschuß der Gemeinde in Höhe von 1600 M. für dieses Jahr noch gezahlt werden. RuS Spandau schreibt man u»S: Für dieses Jahr hat unsere Stadtgemeinde die Nenpflasterung einer Reihe von Straßen geplant, deren Kosten, entsprechend der in den letzten Jahren gezahlten Preisen, auf etwa 200 000 M. veranschlagt worden waren. Bei der öffentlichen Ausschreibung dieser Arbeiten ergab sich nun das über- raschende Resultat, daß sämtliche Angebote um 80 bis 160 Proz. über den Voranschlag hinausgingen. Offensichtlich hat es die Stadt hier mit einem von den Steinsetzer-Unter- nehmern geschlossenen Ring zu thun, der den Zweck verfolgt, dem Stadtsäckel statt der veranschlagten 200 000 M. das D oppelte abzunehmen. Die Gemütsmenschen haben sich aber arg verrechnet, denn es besteht in den maßgebenden Kreisen sehr stark die Neigung, die Steiusetzarbeiten nun in st ä d t i s ch e r Regie auszuführen. Im Interesse der seit Monaten arbeitslosen Stein- sctzer und der infolge von Entlassungen aus den Staatsbetrieben er- heblich zahlreicher gewordenen Arbeitslosen überhaupt ist eine so- fortige Inangriffnahme der Pflasterarbciten sehr dringend zu wünschen. Bei der Regie-Arbeit dürften sich zudem für den Stadtsäckcl erheb- liche Ersparnisse ergeben. Wertpapiere im Betrage von SKOOV M. wurden, wahrscheinlich von Berliner Einbrechern, am Sonntagabend dem Lederhändlcr Babing in Brandenburg a./H. gestohlen. Unter den Papieren befinden sich Bukarester Rumänische 4 proz. Rente. Ar- gentinier, Mexikaner, Chinesische 4�sproz., Rumänische Schatz- anweisimgen, Buenos-Aires-Wien, Hamburger Pfandbriefe, 2 Gntts »ranns-Maschincn-Akticn. 3 Howaliswerke' und 2 Berliner Holz� Comptoir- Aktien. 636 M. bares Geld erbeuteten die Diebe gleichfalls._ Ge richks Leitung» Wadeiikriimpfe, Kopfschinilrn und Gicht.„Ach Jotte doch. ach Jotte doch, ivat iS't for'it Schicksal, det ick als ehrbare Frau von zweeunsechzig Jahre noch in so'ne Umstände kommen nintz!� So jamnierte eine kleine vierschrötige Person, die Wittve Caroline B., als sie sich stöhnend im Anklageramn niederließ und dabei mit dem Taschentuch über das rote Gesicht mit den listig zivinkernden Auge» fuhr. Der Vorsitzende ermahnte sie zur Ruhe, da sie bisher un- bestraft sei, werde die Sache so schlimm nicht werden. Die Angeklagte war des Betruges angeklagt. Vors.: Sie befassen sich ivohl mit Kartcillegen und Kurieren von allen niöglichenKrankheiten?— Angekl.: Von alle möglichen»ich, aber wenn et sich um Wadcukrämpfe, Koppjicht — nee, wollte ick sagen, Koppschinnen un Jichl handelt, die kann keen studierter Doktor heilen, ick jloobe, da hätte selbst Virchow mit zu dhun. Wenn denn so eener zu nur kommt u» jammert mir ivat vor, warum sollte ick denn nich so ville Herz haben, ihm zu helfen?— Vors.: Woher haben Sie denn Ihre Kenntnisse?— A u g e k l.: Herr Jerichtshof, ick spreche nich jerue darüber, aber wenn ick hier stehe, muß ick et dhmi. Wat mein Jroßvater war. der war Scharfrichter- gchilfe irr Neuruppin, un dem hat eemnal een doppelter Verbrecher beim Klang der Annensünderglocke det JeheimniS, wie Waden- trämpfe. Köppschiuncn und Ficht zu kurieren sind, verraten. Et soll een Barbier jewesen sind, der villet uf'n Jewissen hatte. Als er jefragt ivurde, ob er vor seinem Tode noch eenen Wunsch hätte, soll er jesagt haben: Jawohl, er möchte blas een cenzitet Mal noch den Staatsauwalt rasieren. Sie habe» ihm det aber abjeschlajen, denn der Staatsanwalt wollte nich.— Vors.: Kurieren Sie nicht bloß durch Sympathie?— Angekl.: Merschtendeels, dem, Wadenkrämpfc, Koppschinneu un Jicht sind uf andre Art nicht los zu werden.— Vors.: Was verordnen Sie denn zum Beispiel gegen Wadenlrämpfe?— A» g e k l.: Da helfen bloß Hausmittel. Wenn jerade zunehmender Mondschein is un eener kriegt nachts de» Wadenkrampf, denn muß er sich siebenmal in die linke Hand spucken un damit die rechte Wade iiireiben, wenn da der Krampf i» is, hat er ihn aber in der linken Wade, denn»inß er sich in die rechte Hand spucken. Det Mittel hilft immer, wenn er Ausdäner hat. Is aber abiiehmetider Mondschein, denn muß wieder en änderet Mittel angewendet wer'n, da hilft bloß, det man eenen kalten Hansschlüssel nimmt u» damit det Been inreibt.— Vors.: Das sind allerdings harmlose Mittel. Und>vaS wenden Sie gegen Kopfschiimen an?— Angekl.: Det is een sehre dauerhaftet Leiden un wie ick det fortbringe, det verrate ick eijentlich nich jerne, de»» et is for uns so'ne Art Fannlienjeheimnis.— Vors.: Wenn wir aber beurteile» sollen, ob ein Betrug vorliegt, müssen wir es wissen.— Angekl.: Denn will ick det man lieber preisjeben. Also iejen Schinnen mit AuSjana der Haare wende ick„Umgeweudten Napoliuin" jlln�osntum nsspolitanum) an. Ick kann dreiste be- haupten. det det immer hilft, muß aber ooch bei abnehmenden Mond gebraucht wer'n. Jedenfalls is et besser als all die Villen dh-ire» Mittel, die in die Zeitungen anjepriesen wer'n.— Vors.: Nu» kommen>vir zu Ihrer Behandlnng von Gichtkranken, lvobei sie den ärgsten Schlvindel getrieben haben sollen.— Angekl.: O, bitte sehr, det is jar keeii Schlvindel. et siebt ville Hunderte von Menschen. welche dem Verbrecher, dem ollen braven Scharfrichtergehilfen. meinem Vater un ooch mir dankbar sind können. Aber det Mittel verrate ick nich, ick habe doch nich nötig, meine janze Existenz hier bor der Oeffentlichkeit Preis zu jeden, denn von det bisken Armenjeld, wat man kriegt, davon kann man nich leben. — Vors.: Wenn Sie nicht wollen, brauchen Sie gar nichts zu sagen, wir haben ja die Zeugen hier. Was haben Sie sich denn von Ihren Patienten bezahlen lassen?— Angekl.: Det war verschieden, für Wadenkrämpfe fünfzig Fennije, sor Koppschinnen ooch fmifzig Fennije und for Jicht eene Mark. Wenn eener alle drei Krankheiten hadde, denn dhat ick det for zusammen eene Mark fünfzig. — Präs.: Was bedeutet denn dieser kleine Zettel hier mit dein sonderbaren Gedicht, den Sie jedem Kunden einhändigten:„Der Tod steht auf. Verläßt sein Grab, Vergießt seine Thränc» Und stirbt wieder ab."— Angekl.: Den Spruch muß jeder, der die Jicht bat, in Jummipapier wickeln un uf'n bloßen Leibe drage». Vors.: Und glauben Sie denn wirklich, daß Ihre Mittel Wirk'niig haben?— Angekl.: Hoher Gerichtshof, da habe ick so ville Zeijeii zu, det sie hier nich in'n Saal rinjehen. Thatsächlich tritt ein älterer Mann als Zeuge auf, den die An» geklagte von der Gicht kuriert haben soll. Er b'ckiuidet, daß sie ihm bei Beginn der Kur sechs Kastanien gegeben habe, von denen er sich vier Wochen lang weder bei Tag noch bei Nacht habe trenne» dürfen, es sei dann Besserling eingetreten und schließlich Heilimg erfolgt. Ein andrer Zeuge will gnten Erfolg mit der von der An- geklagten verordneten Kopfsalbe erzielt haben. Der Gerichtshof konnte nicht zu der Ueberzeugniig kommen, daß die Angeklagte be- wüßter Weise getäuscht habe, und sprach sie deshalb frei. VevsaumrUmgim. Der Berliner Arbcitcrvcrtreter-Bcrein hielt am Donnerstag seine Monatsversammlung im Geiverkschaftshans ab, in welcher D ä h n e und Kranz einen Bericht über die Thätigkeit der Arbeiter- Vertreter in den Schiedsgerichten erstatteten. Aus den Berichten ging hervor, daß der heutigen Bcrsainmlnng eine gemeinsame Aussprache unter den Schiedsgerichts- Beisitzern vorangegangen war. Die Mcinnngcn, die dopt laut geworden, gaben dem Redner Veranlassung, an der'Geschäftspraxis der Schiedsgerichte, die sich im Lauf der Zeit zum Nachteil der Verletzten herausgebildet hat, Kritik zu üben. Zur Illustration wurde angeführt, daß die Arbeiter- Versorgung eine Zusmiimenstellmig für Entschädigungen der vcr- schiedenen Gliedmaßen der Verletzten herausgegeben hat, und diese Tabelle haben sich einige Borsitzende zu eigen gemacht und benntze» sie als Grundläge ftir die Höhe der Festsetzung und Berechnung der Rente. Dies ist unzulässig. Der Richter soll nach freiem Erinessen entscheiden. Daher kommt eS auch, daß viele Urteile inangelhaft begründet seien, sie verdienen mit Recht den Vorwurf einer mechanischen Handhabung des Entsckiädigimgs- Verfahrens. Früher seien die Entscheidungen den Beisitzern zur unterschriftlichen Vollziehung nbersnndt worden und konnte» not- wendige Ergänzungen in der Begründung vorgenommen iverden, jetzt komme vielfach nur die Auffassung des Vorsitzenden zur Geltung, denn nach der kaiserlichen Verordnung ist die eigen- händige Unterschrift der Beisitzer nicht mehr vorgesehen. Ferner wird vielfach dem ß 6g Abs. 3 des Gcwerbe-Unfall-Bcrsichernngsgesetzes nicht die gebührende Bcachtnng geschenkt und muß oftmals erst vom Reichs-Versichernngscimt das GiNnchte» des behandelnden Arztes ge- fordert werden. Zu bemängeln sei ferner, daß einzelne Vorsitzende mit Vorliebe Vergleiche unter den Parteien zu stände bringen, die für die Verletzten' die größten Nachteile zur Folge haben' können. Ein Ivciterer Ucbclstand ist, daß den Verletzte» für das Teilnehmen an Termineil nur eine Reise-Entschädigung gc- lvährt Ivird, während ihnen eine Entschädigung für e»t- gangencn Arbeitsverdienst nicht gewährt wird. Es müßte auch von Amts wegen angeordnet werden, daß den Beisitzern die ein- schlägigen Gesetze geliefert Ivürdcn, damit sie sich niit den gesctz- lichen Bestimmnngen vertraut mache» können. Jetzt liege die Sache aber so. daß selbst in der Bibliothek des Schiedsgerichts nur je ein Exemplar vorhanden zu sein scheint, denn es ist vorgekommen, daß eine Sitzung habe auf eine Viertelstunde unterbrochen iverden müssen, weil das Jnvalidcngesetz nicht beschafft werden konnte. Auch an Neuerungen seitens der neu amtierenden Vorsitzenden fehlt es nicht; z. B. läßt Herr Assessor Franke nicht den Gerichtshof sich zur Beratung zurückziehen, sondern die Verletzten müssen das Sitzungs- zimmer während der Beratung verlassen. Die Beisitzer wünschen dringend, daß die angeführten Mißstände durch die Vorsitzenden der Schiedsgerichte eine baldige Abhilfe erfahren. Unter Verschiedenem berichten KurgaS, D o m a I s k i und Ulbricht, die zum Teil als Gäste amveseud Ware», über die Zu stände in der Lungenheilstätte des„Noten Kreuz" am Graboivsec, die sie als frühere Pfleglinge keimen gelernt haben. Beschwerden seien während ihres Anfenthalts in der Anstalt wiederholt geführt worden, und zlvar an das Kuratorium des„Roten Kreuzes", d» leiteiidc» Arzt und au die Laiidesversichermigs-Aiisialt Berlin. ohne daß bis zu ihrer Entlassnng ans der Änstalt Abhilfe geschafft ivordcn wäre. Die Beschwerden stützten sich ans folgende That fache»: 1. bei der Beförderung der Pfleglinge von Oranicnbnrg nach der Anstalt sind sie gegen Kälte, Wind und Niederschläge nicht geschützt; 2. werde» die Kleider von den die Anstalt Verlassenden a» die Neuaufgenoinmen schmutzig übergebe»; 3. die leicht Erkrankten verlangen von den Schiverkranken getrennt untergebracht zu iverden; 4. die Baderäuuie sind zu klein, iveil sie nur für 16 Personen gleich- zeitig Badegelegenheit bieten, während ei» Bedürfnis zimi Bade» für 26— 30 Pfleglinge vorhanden ist; die Unterbringung der Pfleglinge zu Wiiilerzeit in der Baracke ist ungecignet. weil die zur Heizung veriveiidcteii Kohlen viel D n n st und Staub verursachen und dadurch nachteilig auf die Gesundheit wirken; 6. die Liegehalle» sind im Winter Mir dann zu benutzen, wenn der Regen vo» den Hallen abgehalten Ivird; 7. ist ein großer Mangel an Spucknäpfe» vorhanden; 3. Aendernng in der Beköstigung. Gerade über diese wird bittere Klage gefühlt. Es darf wohl angenommen werden, daß der Vor- stand der Berliner LandeSversicheriings-Anstalt dieser Angelegenheit näher treten wird. S i n« a n o iv s k i erklärt, daß die an den Vor- stand gerichtete Bcschiverde im Original a» den leitenden Arzt in Grnbol'vsee gesandt ivorden sei, eine Beantwortung sei erfolgt und werde sich jedenfalls die nächste Vorsta»dssitzu»g damit beschäftigen. Die hiesige Mitgliedschaft deS CentralvercinS der Bnreau- Rngestellte» hielt am 8. April bei Bauer, Rosenthalerstr. 57, ihre Generalversannnliing ab. Z a d d a ch gab i» kurzen Zügen einen Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes. D e r e d d e r I er- stattete den Kassenbericht über das verflossene Geschäftsjahr. Nach- dem verschiedene Mitglieder wegen Nichtzahlung von Beiträge» aus- geschlossen waren, erfolgte die Wahl des Gesamtvorstandes. Das Resultat war folgendes:' Vorsitzender wurde O h s e, stellvertretender Vorsitzender Deredder II, Kassierer Deredder I, stell- vertretender Kassierer Fischer, Schriftführer Wasser, stell- vertretender Schriftführer Schüler, Beisitzer Lehmann, Revisoren: Gutkind, oa» Geldern und Schnapp. In den Centraivorstand wurden gewählt F r i t s ch e und N e n m a n n. in den Aiisschuß O h s e. Nachdem noch verschiedene Angelegenheiten erörtert und u. a. der Beschluß gefaßt worden war, zum Maisonds einen Beitrag von mindestens 60 Pf. pro Miiglied zu leisten, erfolgte Schluß der Versammlung. Der socialdeniokratische Agitationsverein für den Reichs- tagS-WahlkrciS Stralsuud-Franzburg-Rügcn hielt am Sonntag. den 6. April, feine Gciieralversaminlung ab. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 70.29 M., eine Ausgabe von 4.66 M.. bleibt ein Bestand von 66,64 M. Geivählt wurden als Kassierer R. Schaum, als Beisitzer Max Putz mann, als Revisor Paul Putzmann. An Material wurden ca. 116 Kilo verschickt. tLcntralverband der Handlungsgehilfe» und Gehilfinnen. Mittwoch abends 9 Uhr„Anninhallen", Kominandantenstr. 20, Mitgliederversammlung. 1. Lesehalle. 2. Verbandlichcs. Centralverband der Konditoren und vcrivandten BernfSgenoffen. Heute, Mittwoch, den 16. April, abends sy2 Uhr, bei Bauer, Rosenthaler- ftrafje 57: Bericht der VerbandstagS-Delegierten. Vrieskasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit Zluöuahlne des Ionuabends vo» 7Vz bis'.tt/2 Uhr abends statt. Unbekannt. Anonyme Zuschriften beachten wir nicht. I. T. Tchöneberg. Die Zusammensetzung der Füllmasse der für praktische Zwecke in den Handel gebrachten Trockenclemeiite wird meiss ge� heim gebalten. Von den zu Messungen benutzten Normalelemenien nenne ich das Clarksche; in demselben befinden sich über festem Zinkaiiialgam Krystalle von Zinksulfat; darüber wird eine breiartige Paste geyrefit, die durch Zusammen reiben von Quccksillicroxydnlsiilfat, etwas metallischem Quecksilber und Zinlsnlsatkrystallen mit einer konzentrierten Lösung von Zinksulfat hergestellt wird. In diese Paste taucht anialgamierteS Platin. Sie sehen schon hieraus, dafe Kohle nicht unbedingt notwendig ist; an ihrer Stelle ist hier Platin benutzt. Aber auch das Zint kann durch ein andres Metall ersetzt werden; in dem sogenannten Weston- oder Ca dm tum- Element tritt z. B. an Stelle des Zinks überall das Metall Caduiiin», im übrigen ist eö ebenso zusammengesetzt wie das Clcrksche Element. Dieses hat bei Ziniinerteinperatiir eine elektromotorische Kraft von 1,43 Voll, die des Cadminmelementes beträgt nur t,0S Volt. R. H. Weder Strafbar keit des Jungen, noch Haftbarkeit der Mutter liegt vor.— F. B. i» F. Ein Strafantrag wäre luitzlos. Die Voraus- setziingcn des betreffenden Paragraphen liegen nicht vor. Klagen Sie aber aus Zahlung der volle» Alimente.— X. U. 700. Ehebruch wird mir dann(uiit Gefängnis von einem Tage bis sechs Monaten) bestrast, wen» die Ehe wegen dieses Ehebruchs getrennt ist und der beleidigte Ehegatte Strafantrag innerhalb drei Monaten nach Scheidung der Ehe stellt. Be- straft wird der ehebrecherische Ehegatte und der andre, gleichviel ob er vcr- heimlet ist oder nicht, wenn er wnhte, daß die Ehe besteht. Nach Ablauf von 5 Jahren feit dem Ehebruch tritt infolge Verjährung Bestrafung nicht mehr ein.— Sl. Z. 100. Wenn Sie eine Beleidigungsklage alisteNeii�wotten, fo müssen Sie, falls der Beleidiger in einer andren Gemeinde als Sie wohnt, zunächst zu einem Sühneversuch laden und dann— innerhalb 3 Monaten, nachdem Sie Kenntnis von der Beleidigung erhiellen— Klage beim Amts- gcrjcht anstrengen. Ein Beispiel sür solche Klagen finden Sie S. 425 des in den öffentlichen Lesehallen anslicgcndcii Arbeiterrechts.— Hans 70. 1. Der MietSstempel beträgt für die Zeit vom 1. Januar bis 1. Januar 56 Pfennig. Sie werden sür die Zeit vom 1. April bis 1. April gezahlt haben? Da beträgt er in Ihrem Fall 1 Mark. 2. Wenden Sie sich an den Wirt und klagen Sie eventuell, falls Abhilfe nicht erfolgt.— I. H. 0. Wenden Sie sich direkt all den Magistrat.— Basfi» i. Brandes. Zur Erlangung der Altersrente hat Ihr Vater zu wenig geklebt. JnvalldenreiNe kann er beanspruchen, wenn seine Arbeitsmöglichkelt ans Va dessen gesintteil ist, waS in jener Gegend Arbeiter zu verdienen pflegen. Ihr Bater soll den Antrag auf Jnvalidenreute direkt an den Landrat richten.— F. W. Nein. - Rixd. 1894. I. Nein. 2. Ja. 3. Warten Sie ab.— G. H. 137. Nein.— L. P. 700. 1. Wenden Sie sich an das Bezirkskommando- 2. Wrchlcl sind keine lin Konkurs bevorrechteten Forderungen.— K. 100. Wenn Ihr Sohn sich die Quetschung in einem uufaNversicherungspflichtigen Betnebe zugezogen hat und infolgedessen vermindert erwerbsfähig ist, so hat er Anspnich ans Reute vom Ablauf der 13. Woche nach dem Unfall ab. Der Antrag ist an die Berussgenofieiischait zu richten.- L. L. IS. Wenden Sie sich an die mexikanische Gesandschafts-Kanzlei, Friedrich Wilhelmslraste 3.— P. 50. 3. 1. Nein. 2. Der Betreffende kann beim Amtsgericht Freigabe deS Beschlaguahmten beantragen.— W. E. 1. Ja. 2. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Angabe, wo der erste Wohnsitz der Eheleute war mid wann und wo der Tod emtrat.— Schöiicberg. Nein. — T. A. 109. Ja, in voller Höhe.— F. K. 1. Wenn kein Testament errichtet wird, ja.— NySdorf 26. Solcher Verkauf wäre anfechtbar und deshalb nutzlos. Wegen der Alimente für die Ehefrau ist der Lohn tu voller Höhe pfändbar. Welche Alimentenhöhe erforderlich ist, hängt von richterlichenl Eriiiesseli ab.— H. M. 1876. Sie kömien Ihre Frau als Zeugin benennen. Wem mehr Glauben gelchcnlt wird, lägt sich nicht voraussagen, der Anslall der Klage ist daher ungewiß. — Vorwärts. Sie können nur entweder Ihre Forderung eillklagcn und daim die Sachen auf Grund des Urteils verauktionieren lasse» oder die Sachen nach Androhiliig des Verkaufs öffentlich versteigern lassen. Das Nähere finden Sie S. 156 und 447 des Arbeitcrrechts. Die in Pfand ge- iioinmencn Sachen werden nicht durch Zeitablauf(Verjährung) Eigentinn des Psandinhabers. Pfandscheine verfallen lassen ist nicht strafbar, aber meist unklug. Von Dritten erhobenen Ansprüchen brauchen Sie nur gegen Zahlung deS Pfandbettages entsprecheil.— Namenlos. In der Regel ist der Vater zur Bezahlung der Schulden seines Sohnes nicht verpflichtet. Teilen Sie Ihren Fall genauer mit.— P. B.> Oranienstrafte. Nein. — Rathenow. 1. Sie müssen Ihren Anwalt falsch verstanden haben. Unter Verwandtschaft nciliit man den Kreis derienigcn Personen, die durch eine durch Abstamunnig vermittelte Gemeiniamkeit des Bluts uiit- ciiiauder verbunden sind. Das Ersetz unterscheidet Personen, die in gerader Linie verwandt sind, und Personen, die in der Seiteulwie verwandt sind. In gerader Linie verwandt sind Personen, deren eine von der andcm ab- stammt. Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von der- selben dritten Person abstaimncn. sind in der Seilenlinie verwandt. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten. Es sind demnach Kinder, Enkel usw. mit Eltern, Grosteltcru in gerader Linie verwandt, und zwar die Kinder mit ihren Eltern im ersten Grade verwandt, die Enkel mit ihren Grobcltcrn im zweiten usw. Verwandte in der Settenlinie sind Geschwister, Onkel, Neffen usw. Tante und Neffe sind im dritten Grade verwandt. Verschwägert sind die Verwandten eines Ehegatten mit dem andern Ehegatte». Die Linie und der Grad der Schwägcrschast bestimmt sich nach der Linie und dem Grade der sie vermitteliiden Per- wandtschast. Demnach sind Schwiegervater und Schwiegertochter im ersten Grade der geraden Linie verschwägert. Zeugnisverweigerungs- berechtigt find die Verwandten nnd Verschwägerten gerader Liine, ferner die Verwandten der Seitenttiiie bis zum dritten Grade und die in der Seitenlinie bis zum zweiten Grade Verschwägerten, also Ettcrn. Grob- elteru, Kinder, Enkel, Stieflindcr, Stiefeltern, Geschwister, Neffen, Nichten, Schwager, Schwägerin, Onkel, Tante. Ihre Frau ist mit Ihnen nicht ver- Wandt oder verschwägert, soildern verheiratet und ebenso wie eine Braut zeugnisverweigermigsberechtigt. 2. In süns Jahren. G. D.«6. nicht anstöfeig ist. Briefkasten der Expedition. Wir nehmen Inserate und Beilagen auf, deren Inhalt HtttMerniiflStibcrsicht vo», 15. April 1902, morgen» 8 Uhr. aS Sinns iWlkenl 778 W l|iuo(feiii 750 NNW 2 heiter 2�«olkig de» 1«. April ,9»2 755SO S f' Ii SZ — i3 — 3 7 «velier.Prognolc für Mittwoch... Trocken und ziemlich heiter, nachts sehr lühl, am Tage wärmer, lebhaften südöstlichen Winden. Berliner Wetterb» reo n. 14. bei' Todes-Anzeige, Am 13. d. M., abends 7 Uhr, ver- schied nach langen Leiden der kestoursteur kerd. Klähne im 59. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Die trnncrnde» Hinterbliebene». Familie Kliihne, Skalitzerstr. 132. Die Beerdigung findet am DönnerS- tag, den 17. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhofes, Hermalnistrabe(Ripdorf), aus statt. 1L47b Miulil der Mschinisitn imi) Heizer. O r t s v e r w a l t» n g Berlin Am 12. d. M. verstarb das Mitglied MIKelm Pohl. Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 16. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Fried- Hofes der Friedens- Gemeinde In Nieder-schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/8 Tie Verwaltung. Allen Verwandten, Fremiden und Bekannten die traurige Nachricht, dag mein lieber, guter Mann, unser Sohn, der Schriftgtefier 1S5Sb Adolf Lohr im 46. Lebensjahr nach langem, schwerem Leiden sanft cntschlaie» ist. vis ttokdetellbtsn ttintordUsbsno». Die Beerdigung findet Donnerstag by2 Uhr von der Leichenhalle des Freireligiösen Frtedhoses, Pappel- Allee, aus statt. Da» kam Kims. Für die vielen Beivetse herzlicher Teilnahme und Kranzspende» bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen nieinen herzlichen Dank. 1951b Max Rittreh. Köpsniiclc. UaMknagiing. Für die rege Beteilistung Begräbnis meines lieben und unsres liebe» Bruders so.. allen, besonders dem Tun „Eiche" umem herzlichsten Dank. 19566 Familie HotTmann. Verantwortlicher Redacteur- Carl Leid in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.