Ztr. 92. Aboimemeitt»- Kedingimgen: SbonneminlZ-Prei» pränumerando: Bterteljährl. 3,30 MI,, monatl, l.lOMI., wöchentlich 28 Psg. frei in» Hau». Sinz-lne Numm'r 5 Psg. Sonntag»- Nummer Mi»>ll»nrteri«r Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt-!0 Psg, Post- Vbonnemenl: l.lv Mark pro Monat. eingetragen in der Post- Zeitung«» PretZltfte für 1908 unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige«u»land 3 Mark pro Monat. 19. Jahrg. Dt« Jnsertioils-GebMfl beträgt für die fechggefpaltene Kolonet» zeile oder deren Raum 40 Pfg,, für polittfcheund gewerkschaslliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort ser»>. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derEzvedition abgegeben werden. Tie Srpcdilton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag» geöffnet. Erscheint»«glich«uffer Montag». Devlinev Volksbl�tt. Telegramm- Adresse- „Borialdrinokrat»rrlin» Centrawrgan der socialdemokratischen Kartei Deutschlands. Vedalition: 19. Veukh-Strahe 2. Fernsprecher: Amt l. Nr. 1608. Sonntag, den 29. April 1992. Expedition: sw. 19, Vonch-Stragr 8. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Rüstet das Maifest! An allen Orten trifft gegenwärtig das Proletariat seine Vor- bereitungen, um seine Maidemo n st ration auch in diesem Jahre würdig zu begehen. Und wie alljährlich, so versucht auch jetzt wieder das Unternehmertum, durch ein drohendes Schwingen der Hungerpeitsche die Arbeiter von der Teilnahme an der Demonstration für die Klassenforderungen des Proletariats zurückzu halten. Es sind immer dieselben Mittel der Brutalität. Der„Bund der Arbeitgeber-Verbände Berlins" war die erste Stümmlings-Organisation, welche in diesem Jahre mit der Drohung auf dem Plane erschien, daß Arbeiter, die am 1. Mai ohne stichhaltige Gründe von der Arbeit fern- bleiben, zu entlassen sind und in denjenigen Betrieben, wo sie bis her gearbeitet hatten, nicht vor dem ö. Mai wieder angenommen werden, dagegen bei andern Arbeitgebern nicht vor dein 15. Mai Arbeit erhalten dürfen. Andre deutsche Untemehmerverbände werden mit gleichen Drohungen folgen, ohne datz sie damit auf die Ar beiterklasse Eindruck machen. Denn diese Drohungen des kapitalistischen Ausbeutertumssind die regelmäßig wiederkehrende Einleitung zu unsrcr Maifeier geworden. Sie zeigen die ganze Anntaßung des Unternehmer tunis, welches im Arbeiter einen modernen Hörigen sieht und die brutale Herrenmoral vertritt, datz der Arbeiter, iveil er seine Arbeits kraft zur kapitalistischen Auswucherung verkauft hat. niln auch alle freie Verfügung über sich verloren habe, sich willenlos den Interessen und Begierden der Ausbeuter unterordnen müsse. Aber die iRuhe und das Selbstbewutztsein, mit welchem all jährlich das Proletariat an die Vorbereitung seiner Demonstration herangeht, sind ein Zeugnis dafür, wie wenig die Drohungen des Unternehmertums fruchten. Die Maifeier wurzelt fest in den Massen und selbst uiisre Gegner haben längst die Hoffnuiig auf- gegeben, den Weltfeiertag der Arbeit ivicder still begraben zu sehen, So entspringen ihre Drohungen nur dem ohinnächtigen Hätz. Wenn in diesen Tagen die Arbeiterklaffe an die Organisation ihrer Maifeier herangeht, so ist sie sich bewutzt, datz es gerade in der gegenwärtigen Zeit eine Notwendigkeit ist, gegenüber der kapita listischen Welt das Banner der proletarischen und socialistischen Kulturforderungen, wie sie in unsrer Mairesolution niedergelegt sind, zu.entrollen. Gerade in dieser Zeit zeigen sich ja die schreck- lichen Folgen der kapitalistischen Produktionsanarchie einem jeden, der sehen will. Die Arbeitslosigkeit dieses Winters hat die Existenz tausender Arbeiterfamilien erschüttert und ein Elend hervorgerufen, welches in wirksamer Weise zu lindern die herrschende Gesellschaft, Reich, Staat und Gemeinde, sich vollkommen unfähig erlviesen haben. Dabei ist die Arbeitslosigkeit nicht überwunden. In unseren Grotz- städten, in Oberschlesien, in Westfalen, im Rheinlande hat die teil- weise zugenommen und die Berichte vom Arbeitsniarkt lauten so trostlos wie je. Aber der Staat und das Unternehmertum erkennen die Pflicht nicht an, vorzusorgen und Mittel und Wege zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu suchen. So besteht die Gefahr, datz das Elend im nächsten Winter noch größer werde» wird, tvenn nicht diese Wirtschaftskrise ein plötzliches Ende findet. Um so höhere Bedeutung hat in solcher Zeit, da vom Reichs- minister für Socialreform bis zum letzten Unleruehmer die Herr- schende Klasse die Hände thatloS in den Schoß legt, die proletarische Demonstration für die Verkürzung der täglichen Arbeits« zeit und den gesetzlichen Achtstundentag. Mit der Durchführung dieser Forderung würde sowohl gegenwärtig einein Teile der Arbeitslosen in den noch gut beschäftigten Jndustrieziveigen Arbeit verschafft, wie für die kommende Zeit eines neuen Auf- schwungs der tolle Wucher mit der Arbeitskraft deS Proletariats verhindert. Längst hat die organisierte Arbeiterschaft erkannt, daß die Verkürzung der Arbeitszeit das beste Kampfmittel gegen die Arbeitslosigkeit ist und io muß dafür gesorgt werden, daß an diesem ersten Mai die proletarische Forderung der herrschenden Klaffe kräftig in die Ohren schallt. Dasselbe trifft zu auf unsre Forderung einer internationalen Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Wie ist der ganze nach den Erlassen von 18S0 anscheinend so thalkräftig begonnene Arbeiterschutz allmählich in Schneckenschritt oder in gänzlichen Still- stand verfallen. Auch in diesem Jahre hörte man bei der Etat. beratung im Reichstage wieder die Klagen der Arbeiterklasse über die Mangelhaftigkeit' der Gewerbe-Inspektion, über den geringen Schutz des erwachsenen Arbeiters und über die Art wie dieses bißchen Arbeiterschlitz noch fortgesetzt auf dem Wege der Verordnungen, bald zu Gunsten dieses bald jenes Unten, ehmcrtumS durchlöchert wird. Die offen zur Schau getragene Unlust der durch das Unter- nehmertum beeinflußten bürgerlichen Parteien, die eigensüchtige Klassenpolitik verhindern jeden großen Schritt und lassen neue arbeiter- schutzgesetzliche Maßnahmen nur langsam und in unzulänglicher Form entstehen So ist zumal in Hinsicht auf die Abschaffung der gewerblichen Nachtarbeit, für welche das Proletariat am 1. Mai demonstriert, nur das Notwendigste zum Schutze der Frauen und Kinder geschehen, während der erwachsene Proletarier schutzlos all' den schlimmen Körper, Geist und Familie zerrüttenden Folgen der Nachtarbeit ausgesetzt ist. Die Mangelhaftigkeit des Acbeiterinnenschutzes zwingt zu energischer Demonstration gerade auch für diese Forderung. Man braucht nur zu verweisen auf die Resultate der Erhebungen der Gewerbe-Aufsichtsbcamten über die Fabrikarbeit verheirateter Frauen, um zu erkennen, von welcher hohen Bedeutung der Arbeiteriuneuschutz gerade für die Arbeiterfamilie ist. Dasselbe trifft zu auf die Forderung der Verbots der K i n d e r a c b e i t für Kinder unter 14 Jahren. Zwar ist als Folge des Drängens der Arbeiter ein Gesetzentwurf neuerdings im Reichstage eingebracht worden, aber es ist auch nur ein Werk der„Wenn und Aber". Der Entwurf bringt nicht das geforderte V e r bot, sondern nur eine„Regelung" der Erwerbsarbeit der Kinder, die praktisch nur einen geringen Nutzen haben tvird. So ist in allem der reichsgesetzliche Arbeiterschutz zaghaft und uneutschloffen und von einem ängstlichen Rücksichtuchmen auf die Wünsche des Ausbeutertums, das die Seele des Klassenstaates ist. Der Ruf: Für den reichsgesetzlichen Arbeiter schütz! muß des- halb die Arbeiterklasse am 1. Mai milliouenfältig erschallen lassen. An die Vorbereitung der Maidemonstration geht die Arbeiter- klaffe allenthalben mit um so größerem Eifer, weil die Forderungen der Demonstranten das Rückgrat aller Arbeiterorganisationen sind, Die Maidemonstration belebt alljährlich auch die OrganisationS thätigkeit, die ans ihr neuen Agitatiousstoff sammelt. So langsam der Schncckenschritt der ReichS-Socialreform ist, so haben, seit der ersten Maifeier, die Arbeiterorganisationen durch ihre eigne Kraft ganz bedeutende Erfolge namentlich in Bezug auf die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit erzielt, die sie dem Unternehmer abgetrotzt haben. Dabei war die Maidemonstration das treibende Moment, die den Forderungen zumal des Arbeiterschutzes und der Verkürzung der Arbeitszeit in der ganzen Welt eine ungeheure Popu- larität gegeben haben. So mögen denn die Arbeiter Deutschlands durch ihre Vordereitungeu dafür sorgen, daß in diesem Jahre die Maidemonstration einen be sonders geivaltigcn und erhebenden Charakter trage. Sie vereinigen sich mit dem Proletariat aller Länder nicht bloß zum Protest gegen das kapitalistische System, sondern auch gegen seine VcglciV erscheiiiungen: den völkerverwüstenden Militarismus, den menscheninordcnden Krieg! Während die herrschende Ausbeuter- klaffe in unersättlicher Habgier die Grenzen sperren will, um Brot und Fleisch der hungerudeu Masse noch mehr verteuern zu können reichen sich die Maiden, onstranten über alle Grenzen hiniveg ihre Hände zu dem internationalen Kulturbunde des Proletariats! Und deshalb mögen die Arbeiter aller Orten für eine würdige Feier des 1. Mai sorgen. Der 18. April in Brüssel. Unsrer nach Brüssel entsandter Korrespondent schreibt Ulis: Der 18. April ist ein Feiertag für die Belgier: Heute vor neun Jahren(1893) haben sie das Plural-Wahlshste», erobert, habe» sie die erste Etappe auf dem Wege zun, allgemeinen Wahlrecht zurück- gelegt. Von da ab datiert die Beivegmig, die heute an dem ent- scheidenden Wendepunkt angelangt ist. Und ivar der 13. April 1393 ein Tag des Sieges für das bel- gische Volk— der 13. April 1902 war es nicht minder. Getviß hat die auf Grund eines den Willen des Volkes fälschenden Wahlrechts erkürte Mehrheit der Kammer dem gerechten Wunsche des Volkes die Zustimmung versagt, getviß hat die so kurzsichtige wie ver- brecherische Regierung den Bitten und Drohinigen der Volksfreunde ihr fanatisches„Nein" entgegengestellt: aber die Sache des Volkes hat doch triumphiert! Aufrecht stehe» die Kämpfer für das allgemciue Wahlrecht, ungebeugt verlassen sie das parlamentarische Schlachtfeld. ihrer Sache sicher. Den schäbigen Pyrrhussieg Iverden die brutalen Klerikalen nicht auskosten könne», sie, die wie begoffene Pudel hinansschlichcn, als das Votum der Kainmcr mit einem ein- stimmigen Rufe:»Vivo Io sufFraZo univorsol!"„ES lebe das allgemeine Wahlrecht I" auf der gesamten Linken begrüßt wurde. Seit der Erklärung des Ministers de Smet, der nichts ist als die Wetterfahne auf den, Turme der Klerikalen, rechnete man mit diese», Ausgange: niemand konnte also überrascht sei», und doch ivar der Eindruck ungeheuer! Aber nirgends eine betrübte oder verzagte Miene,»ein, die helle Siegeszuversicht auf allen Gesichtern, die Menge mehr„och begeistert als sonst und, bei aller excniplarischen Ruhe, fest entschlossen, auszuharren. Eine solche Menge ist un- besieglich, eine solche Bewegung unaufhaltsam. WaS die Klerikalen heute dem Volke auf seine Bitten versagt haben, werden sie morgen dem Sieger-Volk als Preis des Kampfes überlassen müssen. Die 84 Abgeordneten der Klerikalen, zum Teil Leute, die man»och nie in der Kammer gesehen hatte, sind gezeichnet für ihr Lebe» I Der wohlverdiente Haß und die bittere Verachtung deS Volle» folgt ihnen, wie ihr Schatten. Zum erstenmal nach dem schlechten Wetter der letzten Tage blaute auf Brüssel ein heller Frühlingshimmel hernieder. Die Straßen waren von feien, de» Arbeitern erfüllt, die sich schon früh in Trupps zur Maison du penple begaben, Ivo vormittags die socia- Nstischen Abgeordneten, der Generalrat und die Vertreter sämtlicher belgischer Gewerkschaften über die Lage Rat Pflogen. Der Tele- graph hat schon gemeldet, daß die Entscheidung einstimmig für die Fortsetzung des GencralstreikS gefallen ist: das ist kein voreiliger Beschluß, keine„Stimmungsmache", sondern das Ergebnis einer sorgsamen Prüfung der Verhältnisse, basiert auf genauester Kenntnis deS Willens der Arbeiterschaft und ihrer Mittel. Dieser Generalstreik soll wenigstens so lange fortgesetzt werden, bis die K a m n, e r a u f l ö s u n g erreicht worden ist. Ein Wahlkainpf mit der Parole:„Allgemeines Wahlrecht" bedeutet einen halben Sieg, oder auch de» ganzen— wie man will. Dieser gesetzliche Kampf mit den tärksten Waffen deS Proletariats bedarf deshalb dringend der Unter- tützung der gesamten klaffenbewußten Arbeiterschaft. Er ist nicht vorüber, soiidern er beginnt erst jetzt. Schon um 12 Uhr hatte die Bürgerwehr, weit über die gewöhn- licke neutrale Zone hinausgreifend, die Umgebung der Kammer, des Königspnlastes und der Ministerien abgesperrt; nicht einmal harmlose Dienstmädchen, die mit dem Korbe von, Markte kamen, durften allein passieren, sondern wurden von martialischen„Kriegern" unter Schäkern und Kichern eskortiert. Auch in der überfüllten Kam», er war die militärische Wache durch Bürgerwehr ersetzt worden. Unser Genosse D e m b l o n war der erste Redner; er sprach treffliche Worte, die aber in dem Lärm privater Unterhaltungen zeitweise unterzugehen drohten. Dann kam der Genosse Smets, der Organisator von Lüttich. ein ehemaliger Arbeiter aus den großen Cockerillschen Werken zu Seraing, ein hochbegabter und umtiger Mann; mit»»gebändigter Leidenschaftlichkeit las er den Klerikalen den Text, die ihre Privatgespräche aufgaben und unter den Peitschenhieben dieser Rednerenergie nicht zu mucken wagten. Und dann A n s e e l e. Dieser herrliche Mensch, der unter unser» dcntschen Führern wohl am meisten an Grillenbergcr erinnert, hatte einen der größten rednerischen Erfolge, die die belgische Kammer, wie nia» sagt, bisher gesehen hat. Nicht als ob er gehofft hätte, die stumpfsinnig- brutale Masse der Reaktionäre in Bewegung zu bringen und ihr ei» andres Votum abzuringen, er begann vielmehr gleich mit dem Zugeständnis, daß die parlamentarische Schlacht für die Revisionisten verloren sei. Dann aber bewies er mit souveräner Meisterschaft, daß die Sieger die Besiegte», die Bc- siegten die Sieger seien. Mit durchdringender Kraft, durchloht von heiligsten, Feuer, ging er mit den Klerikalen ins Gericht und fuhr mit dem Wettcrstrahl echtesten Manneszorns auf sie ein.„Seit Jahren habt Ihr die Arbeiter in Gläubige und Ungläubige ge« schieden: aber Eure Abstimmung von heute vereinigt sie alle, alle! Wir, die Freidenker und Ungläubigen kämpfen Schulter ai, Schulter mit den katholischen Arbeitern, die Ihr rechtlos macht, Iveil sie arm, weil sie Nichts-als-Arbeiter sind. Hier in der Kammer seid Ihr geschwollen von unbändigem Siegcrstolz, aber draußen im Lande ist es vorbei mit Eurer Macht. Meint Ihr, die katholischen Arbeiter wissen nicht, daß Ihr nichts seid als die Beschützer der Geldsäcke der Neichen? Meint Ihr, sie hätten kein Gefühl für das schreiende Unrecht, das Ihr ihnen zufügt, Ihr, die die Gebote der Religion auf den Lippen führt und dem Haß die Stätte bereitet habt im Herzen? Ihr Heuchler, Ihr Feiglinge. Ihr Nichtswürdige», führt mich in das schivärzeste Nest, dorthin, wo Ihr die Bauern a», meisten fanatisiert habt, und ich werde kommen, ich ganz allein gegen Euch alle, und ich werde siegen! Ich werde Euch die Maske vom Gesicht reißen und Euch dem Volke zeigen, nicht wie Ihr erscheinen möchtet, sondern wie Ihr seid!... Hier vor mir habe ich ein Telegramm aus Alost(kleine Stadt zwischen Brüssel und Gent); 3500 Arbeiter streiken dort. Alost ist eine Hochburg des Klerikalismus, wo man uns noch vor kurzem mit Prügeln bedroht hat; und heute— heute stehen Eure geduldigen Schafe in unsren Reihen, heute reichen sie uns die Bruderhand! So in Alost, so überall I" Anscele ist ein Meister des Wortes; keine Rede, in der er nicht ein Schlagwort prägt. Aber heute hat er sein bestes in einein Zwischenrufe gegebe»; er schilderte das Elend der Arbeiterklasse in Belgien, ihre Armut und ihre erzwungene Unbildung. Da rief ihm ei»er von der Rechten zu:„Was reden Sie da von der Armut! In Gent haben die Arbeiter den Palast des„Voonüt", ihre Säle, ihre Apotheken"... Darauf Ansecle mit schneller Wendung:„Und in fünf Jahren werden wir Euch die Kathedrale abkaufen!" Noch kein Menschenalter ist vergangen, da begann Ansecle die socialdemokratischc Arbeiterbewegung mit noch elf andern in Fluß zu bringen—„die zwölf Apostel ohne JudaS"—, und heute ist die Bewegung so groß geworden, daß sie das ganze Land beherrscht; sollte da nicht Siegeszuversicht die Herzen dieser Männer schwellen lassen? Sollte da nicht unerschütterlicher Mut sie beseelen? Sie haben die geschlossene Masse hinter sich; und was für eine Maffe! Nur mit den Ausdrücken aufrichtigster Bcwuiidcnlng kann man von dieser Hingabe, von dieser DiSciplin, von dieser Energie des belgischen Proletariats sprechen. Die ganze internationale Arbeiter- schaft kann stolz sein auf diese Kampfcstruppe!— Nach Anseele sprach der Führer der Klerikalen, Woeste, der bestgehaßte Mann dieses Volkes und derjenige, der diesen Haß am meisten verdient hat. Dieser jesuitische Heuchler schleuderte dem ar- beitenden Volke neue Provokationen ins Gesicht: Niemals, so sagte er, geben wir Euch das allgemeine Wahlrecht; wenn wir zu einer Revision schreiten, dann nur im entgegengesetzten Sinne. Das in diesem Augenblick! Diese Leute spielen fürwahr ein hohes Spiel. Während ich diese Zeilen auf der Redaktion des„Penple" in fliegender Hast aufs Papier werfe, kommen die Meldungen von blutigen Zusammenstößeni» erzkatholischen Städten. Wieder Tote, deren lut auf das Haupt der Klerikalen kommt! Dort, wo die Organisationen Kraft und Einflnß haben, dort ist Ruhe; aber draußen in den Sitzen der Volksvcrdnmnier und Volksverräter macht der Ingrimm der Verkauften sich Luft, und die Gendarmen warten nur auf die Gelegenheit, um das erwachende Volk blutig niederwerfen zu können. Unsre Abgeordneten, die zuni Teil seit Tagen nicht aus den Kleider» gekommen find, verwenden den Rest ihrer Kräfte auf die Anfrechterhaltung der Ordnung. Aber sie können nicht überall sein. Die Klerikalen tränen sich gar nicht niehr in ihre Heimat, sondern sind bis auf einige in Brüssel geblieben. Der Kammerpräsident Schollaert hatte noch am Nachmittage renommiert, er fürchte sich nicht, nach seinem Wahlkreis Löwe» znrückznkehren; er hat aber doch den be- kannten besseren Teil der Tapferkeit erwählt— derweil in Löwen die Gendarmen mit unerhörter Brutalität in die Mafien feuerten. Nein, hier ist nichts verloren. Und wenn für den Augenblick nichts erreicht werden würde, der Socialismns hat neue Scharen von Anhängern gewonnen; unsre Sache marschiert! Es lebe das allgemeine Wahlrecht! Ein Strrifzng durch die Prodiuz. — m. Brüssel, 18. April. Die Stille vor der Entscheidung, die man für Doimcrstagnachmittag in der Kammer erwartete, benutzte ich zu einem neuen Streifzuge durch die Provinz, diesmal durch I Wannkerrige Ostflandern. Denn die Provinz ist jetzt wichtiger als die Haupt- w»'"" stadt, in der die planloseu Emeuteu der Unorgaiüstertep ver- schwundeu sind, der Generalstreik aber bei der ganzen Art ihrer Industrie keine starke Veränderung des Gesamtbildes herbei- führe» kann. Als wir, der bayrische Landtags-Abgeordnere Genosse Dr. Haller und ich, am frühen Morgen des Donnerstags zu unserer Wanderung aufbrachen, hatte endlich der fürchterliche Regen der letzten Tage einem besseren Frühlingswetter Platz gemacht! der Eilzug trug uns rasch nach Gent, dem belgischen Nürnberg, da? bisher in der General- streilbewegnng noch gar keine Rolle gespielt hat. Der Sekretär der Metallarbeiter, Genosse Leclcrq, hatte gerade auf dem Marktplatz eine Vranchenversammlung abgehalten und setzte uns mit den knappen Worten eines vielbeschäftigten Mannes auseinander, dah die Gewerkschaften Gents aus Rücksicht auf die schtveren Opfer, die die industrielle Krise von der dortigen Arbeiterschaft gefordert hat— die Mehrzahl arbeitete auch jetzt nur vier Tage in der Woche— solange wie irgend möglich vom Generalstreik ab- geraten hätten; aber nunmehr sei die Zeit gekomme». auch die Genter Kernmannschaften ins Gefecht zu führen. Da die Entscheidung erst am Abend fallen sollte, so blieb uns der Tag für andre Be- obachtnngen. Der liebenswürdige Chefredactenr des„Boornit", Genosse Bogaerts, lud uns ein, den Demonstrationen am Abend beizuwohnen; wir besuchten in eiliger Wanderung die großartigen Magazine des„Voornit", des oft beschriebenen Volkshause» von Gent, und fuhren dann nach einem der Sitze des belgischen KlerikaliSmuS nach Brügge. „Brügge de Schoone", das schöne Brügge, hieß diese Stadt im Mittelalter, als der Reichtum ihrer Bürger den Glanz von Könige thronen verdunkelte: widrige Nntnrverhältnisse, die Versandung der Küste, haben der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt schon früh den Todesstoß gegeben und aus der Meerbcherrscherin eine elende Provinzialstadt gemacht, in der die herrlichen Bauten früherer Zeiten das Elend von heute nur noch schärfer hervortreten lassen es ist, als ob ein schwerkranker, abgezehrter Mensch einhergeht, dem die zu weitgewordenen Kleider nm die magere» Glieder schlottern Eine einzige Bemerkung ans dem Bädcker mag de» Stand derDinge kenn zeichne»: es heißt da:„Die Zahl der Einwohner, die sich in der Blütezeit auf 200 000 beließ ist jetzt auf ca. 50 000 gcsinikcn darunter an 11000 Arme" I 11 000, mehr als der fünfte Teil der gesamten Einwohnerschaft, sind auf öffentliche und private Wohlthätigkeit angetvicsen, um nur ihr kärgliches Dasein zu fristen! Und in Brügge herrscht der Katholizismus unbeschränkt! Da können wir ihn an der Arbeit sehen: Ueberall auf der Straße trifft man die satten, fetten Priester, die frommen Frauen aus den Stiftungen watscheln in ihren schwarzen Gewänder» einher wie gestopfte Mastgänse, alle mit jenem dimnnpfiffigen Gesichts ansdruck, als ob von ihrer Anwesenheit das Heil der Welt abhiuge: an jedem Thorr der Stadt die Bettler, in Lumpen gehüllt, erbarnmngS würdige Gestalte»! Zehn Schritte von den hochragenden Kirchen beginnen die Quartiere des Elends; Straßen, die nwn nicht ivieder vergessen kann, wenn man sich einmal durch ihren quälenden Gestank durchgearbeitet hat, Häuschen, so groß wie eine etwas stattlich ans gefallene Hundehütte, bergen ganze Familien in wirrem Durch einander, die offenen Thiiren lassen das Auge bis in die tiefsten Tiefen menschlichen Elends sehen; die Bevölkerung jämmerlich ge kleidet, besonders der Nachwuchs in elenden Lumpen. Und, was das Schlimmste ist, jedes zweite Hans, buchstäblich jedes zweite Haus, eine B r a n n t w e i n s ch e n k e. Was die Priester nicht vollenden konnten, das besorgte ihr treuer Bundesgenosse, der Schnaps. Hier in Brügge hätte der Katholicismns ein Feld ge habt, hier hätte er mit iverkthätiger Hilfe eine niedergehende Bc völkerung wieder aufrichten können; und ivas hat er gcthan' Nichts, nur die Korruption noch beschleunigt, den Verfall noch wider licher gemacht. Die„tote Stadt" heißt Brügge heute: auf den die Frauen, die auf den Fluren der schlanken Händen kostbare Spitzen und resigniert drein und schauen englischer Globetrotter mit seinem die Gassen rasselt, wie wenn ein Ein BcinhanS eingedrungen wäre. Die Priester Hauptstraßen wächst GraS, Bürgerhäuser mit feinen klöppeln, schauen niiide kaum auf, wenn ein Automobil durch brecher in ein und den Schnaps, sie findet man in Belgien immer zu sanune», und wo sie ungestört am Werke sind, da bringen sie de» Tot, den Verfall. Hoch ragt der Velfried, der gewaltige Stadtturm. das Wahrzeichen bürgerlicher Macht, gen Himmel, heute nur eine Schandsäule für die nltramontane Wirtschaft. Wir atmeten aus, als der Eilzug uns ans der Totenstadt wieder zum Leben führte. Zurück nach G e n t l Inzwischen war es fast Abend geivorden. Auf dem Bahnhofsplatz harrte schon eine fast un- absehbare Menge von Proletariern auf den Brüsseler Zug, mit den, A n s e e l e ans der Kammer zurückkehren sollte. Immer mehr Menschen, immer neue Scharen von Demonstranten, in wahrhaft großartiger Rnhe und Ordnung. Plötzlich eine Beivegung, Hüte und Mützen fliegen in die Lust, ein stürmischer Freudenschrei Anseele wird von seinem Volke, seinen Mitkämpfern, die ihn lieben wie einen Vater, begrüßt. Mit Blitzesschnelle formiert sich der Zug, die Polizei zieht sich schnell zurück, Zehntausende begleiten Anseele zu einem Ricsensaale, in dem sich Kopf an Kopf die Menge gruppiert, so viel ihrer eben hineingehen. Ich habe stürmische Wahlbewegnngcn in Deutschland, Oestreich und Frankreich, Massen- Versammlungen in Italien gesehen, aber eine solche Intensität der Bewegung»och nie und nirgends. Anseele setzt in wenigen, raschen Worten, die bald von Leidenschaft getragen, bald von herzlichem Humor durchtränkt sind, die Situation auseinander:„Die ver- brecherische katholische Regierung will nicht nachgeben: wollt Ihr Euch uuterwerfen?" Nein!— ein einziges Nein, wie das Brausen deS Meere«. Plötzlich Totenstille rings im Saale, alles nimmt Hüte und Mützen ab. Der Vorsitzende stimmt die Marseillaise an. mit Macht setzt die Maffe ein. Dann gehen die organisierten Arbeiter in ihre Branchenver- sammlnngen, die unorganisierten, deren Zug lawinenartig anschwillt. ziehen auf de» Marktplatz, wo BogaertS, auf einem Stuhl stehend in tiefer Dunkelheit Worte der Emmtigung und Ermahnung an das Volk richtet. Inzwischen haben die Gewerkschaften den Generalstreik beschlossen: alles in lebhafter, siegessicherer Bewegung. DaS ist Gent, das ist die Arbeit der Socialdemokrateu: sie hat das unterdrückte Volk wieder freigemacht. ihm Selbst- bewnßtsein und Verantwortlichkeitsgefühl gegeben, eS der Menschlichkeit zurückerobert. In Gent giebt es keine Armen keine Bettler,— wenn eS auch nicht im Baedeker steht. Di« Genossenschaft sorgt dafür, daß niemand Hungers stirbt. Hier ist Leben, Bewegung, vorwärts, vorwärts drängt das Volk! Durch die stinkenden Gaffen von Brügge sollte man den König führen, damit er den Pestgernch des Elends atme, und dann nach Gent, damit ihm klar wird, was der SocialismuS schafft. Und nach ihm die ganze Bourgeoisie, die klerikalen Volkszertreter, die den toten ChristuS vom Kreuz herabgeholt haben, damit er als Schildwache vor den Geldschränken der Reichen stehe. Ucbcr ein Meeting im VolkShause, baS am Freitagavend stattfand. läßt sich die„Frankfurter Zeitung" folgenden anschaulichen Bericht telegraphieren: Ter große Saal des Volkshauses füllt sich in wenigen Minute» bis auf den letzten Platz. Ein Meeting improvisiert sich. Lekeu der sprachbegabte Redacteur des„Peuple" präsidiert. Der Reihe nach sprechen' der Abgeordnete SmeetS, Senator Grimard, Profestor Hector Denis und Band ervelde. Alle mahnen zur Fortsetzung des Generalstreiks, um den König zur Kammerauflösung zu zwingen. für die die gesamte Linke eintrete. Denis sagt: Alle moralischen Energien sind mit dem Arbeiterstand, dem ich seit 40 Jahren diene. Alle wahren Freunde der Ordnung find auf u n s r e r Seile. Die Gelvalt der Mehrzahl hat in der Kammer gesiegt, die moralische Gewalt wird uns den Sieg verschaffen.(Stürmischer Beifall.) Vandervelde hält, niit kolossalem Jubel begrüßt, folgende Rede: Warum diese Begeisterung, Freunde? Wir sind ja besiegt! (Allgemeines Gelächter.) Einer ans der Menge ruft: Wir»vollen auf der Straße siegen! Nein! schreit Vandervelde, niemals war eine Revolution legitimer als die unsrige, aber sie ist aussichtslos. Die Zeit, wo das Proletariat mit Gelvalt Forderungen durchsetzen könne, sei einerseits vorüber, andrerseits noch nicht gekommen. Das Gebot: Dn sollst nicht töten! habe noch nicht die ganze Armee durch- drungcn. Mit ihren schlechten Revolvern vernröchten die Arbeiter nichts gegen die Soldaten und Gendarmen. Die Arbeiterpartei»volle nicht ihre besten Truppen hinschlachten lasten. Sie bleive inderLegalilät und»verde gerade dadurch ihre Feinde veniichlen. Das Wort stehe jetzt dein König zu. Er werde zeigen, ob er ein Kartenkönig sei oder Schieds- lichter zlvischcn den Parteien. Das Volk rufe dem König zu: Hunger haben»vir freilich, aber noch mehr Hunger nach Gerechtig- keit. Unter unbeschreiblicher Bcgeisternng trennen sich Tauiende, ohne daß Zusainmenstöße init den unten inzlvifcheu eingetroffene» starken Truppen der Bürgergarde erfolgen. Rene Metzeleien. Unser �.-Korrespondent telegraphiert u»S aus Löwen vom Sonnabend: In L ö lv e n veranstaltete gestern die Bürgergarde bei einer absolut friedlichen Demonstration vor dem Hanse des Kaminerpräsidenten in der Riie Marais ein empörendes Blutbad. Sie gab mehrere Salve» ans die in der fünf Meter breiten Straße zlvischen zlvci hohen Kloster»»aucrn sich stauende Menge ab. Vier Personen wurden sofort getötet, fünfzehn vcrivnndet. Fünf Opfer find jetzt in» VolkshaiiS aufgebahrt. DaS Lölvener Proletariat defiliert»int Kränzen n»it der Inschrift: „Uiisren im Kanrpfe für das Wahlrecht gefallenen Mitstreitern" vor de», Leute»» vorüber. In, Krankenbanse liegen andre Opfer, die die Schußwunde»»neist im Gesicht tragen. Morgen 8 Uhr findet das Begräbnis statt. Hier streiken 6000 Ar- bciter. Auch in Brügge wurde eine Attacke gegen Demonstranten »nteriioininei». Zehn derselben wurden vcrivnndet. Ncber das Massacre in Löivcn meldet das„W. T. B.": I» Lölven fanden gesteri» abend»vicdcrholt blutige Zusammen- stöße statt. Mehrere Tausend Demonstranten durchzogen die Straße» und versiichlen, sich vor die Wohnung des Kaninierpräfideiiten Schollaerl zu begeben. Die Biirgerivchr versperrte de» Weg. aber die Knndgeber, deren Haltung eine sehr drohende war. drangen immer»veiter vor. Als die Knndgeber nur noch 20 Schritte von der Biirgerivchr entfernt waren»md trotz aller Ansiorderniigcu der Ictzlcm» nicht Iveichen wollte», k o n> in a n d i e r t e der leitende Offizier: „Feuer!" Eine Salve krachte nnd 20 Personen fielen, von denen sieben als Leichen aufgehoben wurden. Die übrigen»varcn zumeist schiver verletzt. Ein junger Mann ist von sieben Kugeln durchbohrt»vorden. Zu einen» ziveiten große» Z n s a m m e»» st o ß zlvischcn Denionslranten und Bürgerivehr kam es»n der Nähe der Kaserne in der Tirlcinont- straße zu Löwen. Hier gab die Bürgerivehr gleichfalls eine Salve av, Ivodurch eine Perjon getötet und 13 ver- »v u» d e t»v n r d e»». Dieselben wurde» in das Volkshans gebracht. Die Aufregung über die Vorgänge ist ungeheuer, un» Mitternacht war die Ruhe jedoch wieder hergestellt. Adressen au den König. Antwerpen, 19. April.(B. H) Der hiesige Gemeinderat beschloß die Absendmig einer Adresse an den König, in welcher der- selbe»im Auflösung d e r K a n»»» c r ersucht»vird. V e r v i e r s. 19. April.(B. H.) Hier»vnrde ein von 273 De- legierten der 23 000 Arbeiter VervicrS nnlerzeichnetes Telegramm an den König abgesandt,»vorn» der Monarch ersucht wird, seine Minister a n zu»v eisen, de» Arbeitern baldigst Geuugthuung zu geben. Dr. I. Z. 39,—. A. K. 33 3,—. Derein beutscher Schuhmacher 100,— E. Heckendorfss Bnchdnickerei 2,75. H. s. 0,50. Hocckert, Schtruistock- Fabrit 7,50. Personal der Buchdrnckerci R., Z. u. Co., Holzmarkt- straye 10,35. Arbeiter und Aibeiteniinen der Pianomechanik-Fabrit von Wicseuer 7,20. Personal der Buchbinderei Georg Klennn, Waldemarstrahe, 20,—. Buchdrucker« Siegfried Scholcm(aufeer zwei Gutenbergbündlern) 3,50. S. it. H., L. 1, 30,25. Gillenberg 49,35. Don de» Arbeitern von Albert Salmon, Jakobstr. 10, 8.20. A. Qu., Böckhsirabe, I,-. Gistbriider der Firma A. B. Citroen 2.55. Möbelfabril von Karl Nötbling 10,05. Bau- tli»ip»erei der Firma Moritz Schultz 4,—. Hnt-»md Mützenarbeiter von G. A. Hoffmann 21,10. Kall, der Fima Dreiler 8,—. Stockfabril. Ritterstrabe 59, 10,—. Roter«childerinaler 2,—. Pianosortesabrik Laurinat 13,15. Don den Tapezieren» d. Firma Flatmv u. Priemer, Charlottenstr. 18, 10,—. Dom internationalen Stammtisch, Rixdorf 4,00. Do» den Buchdrucker» der Werkabteilung Max Babing 15,—. Personal der Buchdruckcrei Lichtivitz 7,20. Zielbemnhte a. d. Pianomechailiksabril Greifswalderstrabe 11,25. 3 Wäschezuschneider, Rosenkratze 2,50. Miibelpolierer der GeuoffenschaftS- Tilchlerei Ostend 7,55. Tischler u Polierer v. AUchner u Hagen 15,90. Pianofabrik v. Hirschfeld d. Th. Schmidt, Eiseiibahnsttahc 16,90. Buch- druckerei von Otto Elsncr 36,60. Wcrlstatt H. Hirschtvald, Leipziger- stratze 3,50. Mittlersche Druckerei 45,30. Kartonsabnt Dresdener- strotze, Haiiemann u. Kaneiiianu 10,20. Don den Derbands- Mitgliedern der Buchdrnckerci Guulher u. Sohn 10,00. Eifeleure, Finna A. M. 5,35. Solidarität- 10,—. L. S. 1,—. Arbeiter und Arbeiterinnen d. Buchbinderei M. Babing 5,—. Klantiere v Haulchild 2,25. H. Guse—,50. BerbandSkollege» W. Moser 19,10. Buchdrnckerci Drewitz 12,50. Kollegen der Firma Schebeck 4,50. Buchdruckerei I. Bohlte 3,—. Personal d. Buchdriickerei C. Jaliiszewski 18,85. Arbeiter der Siock- fabrik Ludwig u. Co. 7,30. Tischlerei Köthel 5,60. Personal der Buch- druckerei G. N. 15,80. Buchdruckcrei Sittenseld 48,65. Manoli, Cigarciieii- niacher 22,35. Janina, Cignretienulacher 7,50. Carl TibnrSki 3,—. Tiichl. Ostend 18,75. Buchdriickerei von Rosenbaum u. Hart 4,—. Mechaniker S u H. 88 13,20. Setzer und Maschinenmeister der Buchdruckcrei Wiihelma 5,80. Jürgens, Gelchastsbüchersabrik 5,—. Fröhlia, I,—. Noier Buchhalter 3,—. A Lenzen 0,50. H. Kattowitz 2,—. C Wächter 1,—. Cohn 3,—, Accidenzabieilmig vo» R. Masse, l. Rate lö.-. Geiverkschnftsmitglied A. Sch. 1.-. Dr. R. F. 100,-. I. K. 1,-. O Sch. 0,50. Acht Kollegen der Firma Langenbruch 4,75. Bon den Arbeiter»» der Firma Manaffe, Wallsir 17/18 11,55. Ohnesorge 2,—. Wäschezuschneider von I. Jacobi, Schilliiigstratze 6,25. Verwaltimgspersoiial der OrtSkaffe für das Buchdruckgetvcrbe 8,50. Gietzer und Grave»»? Blnmcnstr. 76 10,10. Schnstlilhographen der Firma W Hagelberg 5,—. Arbeiter der Firma Hauer, Bau Spindler, 23,35. Arbeiter der Pianofabrik Siötzel. Geriler u. Co. 6,50. Ofensetzer der Firma Speck 17,50. Arbeiter der Firma Meister u. Asche 6,—. Stammtisch T. I,—. W. G. 2,—. Lainpensabrik Kindennann 30,—. Snvoy-Magazin 7,—. Schividüiisky i». Co. 10, 80. Familie£>., Stargarderftr. 3a, 1,50. Metallarbeiter der Firma C- F. Schulze u. Co. 13,—. Ocsterle 1,50. Klempner, Friedrich- stratze, 5,—. Ch. 150,—. Pianosabiak Prill u. Co 13,10. Bnchdtuckerci Harrivitz 7,75. Werkstatt W. Elzes?,40. Summa 1891,40. Bereits quittiert 482,55 JiiSgesami 2373,95. beilvandte Anhängsel Frankfurt a. M., 19. April.(B. H.) Wie dem Brüsseler K o r r e s p o n d e n t e» der. F r a»» k s n r t e r- Z e i t u» g" von sehr glaubivurdiger Seite versichert wird, hätte die Regierung vorige Woche die Absicht gehabt, die socialistifche» Abgeordneten verhafte» zulassen. Der Brüsseler Obcr-Staatsanwalt hätte aber die Mithilfe entschieden abgelehnt. Wie der Korrespondent erfährt, envog die s o c i a Ii st i s ch e Fraktion gestern, ob sie einen offiziellen Schritt beim König thnn soll, die Mehrheit sprach sich aber dagegen aus. AuS den, Bürgerstnnde fließen reichliche Mittel zum General- streik der Arbeiter. Die Genier Industriellen haben unter sich eine Streikkollekte eröffnet. Nachrichten von Fabriken, die ihren streikenden Arbeitern den halben Lohn zahlen, sind nicht mebr vereinzelt. Die Leipziger Socialisten sandte» KXX) M. Vandervelde erklärte, daß er die Obstruktion gegen das Budget gegenivärlig für inopportun halte. Er erwarte mehr Erfolg von der Bewegung in» Lande und ziveisle keinen Angenvlick an dem endlichen Siege des allgemeinen Stimm- rechts. 4» SanlnS und Paulu». Unser nach Belgien entsandter Korrespondent schreibt unS: ES war vor sechs Jahren, als Anseele einmal, dem Rufe einiger ver- einzclter Genossen folgend, in ein»veltabgelegenes und durchaus klerikal gesonnenes Dorf ging, uin dort die erste focialdemokratifche Ver- ammlung abzuhalten. Der Saal des Wirtshauses Ivar überfüllt, die Menge offenbar sehr feindlich gesinnt. AIS Anseele eine Weile gesprochen hatte, ertönten ans einer Ecke des Saales allerhand ge- hässige Zivischenrnfe. Unser Freund übersah die ganze Gefahr der Situation und war rasch entschlossen, den„Stier bei den Hörnen» zu packen"! Er setzte den Stuhl, der ihm als Tribüne dienen mußte, mitten unter feine Opponenten und sagte, er wolle gern auf eben Zwischennif eingehen, sie sollten nur nihig und offen sagen, vas sie»vissen»vollte». Diese Ruhe imponierte den Bauern sehr; ie. die geschivoren hatten, den ßj-f- Socialdemokraten nicht zu Worte kommen zu lassen, hörten ihm jetzt aufmerlsain zu und spendeten ihm sogar Beifall, als er feine Rede beendet hatte. Hin das Freie zu geivinne»,»nnßte Anseele eine kleine steile Treppe hinabsteigen; in diesem Augenblicke stürzte sich von hinten einer der Bauern auf ihn mit dem Rufe:„Ich will den» Hunde mein Messer in den Rücken rennen I" Doch mit Blitzesschnelle warf sich ein andrer Bauer dazlvischen, nnd trat de», Attentäter mit gezücktem Messer entgegen.— Anseele hat sich nicht ivieder um diesen erbitterten Feind geiünimert: aber jetzt ist da« ganze Dörfchen gut social- demokratisch, und unter denen, die einen Beitrog zur Streikkasse ge- leistet haben, befindet sich jener ehemals so fanatische Baiier, der aus«inein klerikalen SanlnS zum socialdemokratischen Paulus ge- »vorden ist._ Zur llnterftWng dtS KenerslstreikS in Belgieit gingen bei der Expedition deS„Vorwärts" folgende Beiträge ein: Anton 1,—. I. Pfarr 3,—. Verein socialdnnokratischer Schank- und Gastwirte durch Köpenick 500,—. G R 3,—. A. Kn., Berlin 2,—. Rote Bankbeamte durch H. ges. 13,—. Ungenannt 1,50. Zwei Mitglieder der Gewerkschaft der Buchdrucker im„Borwärts" 6,—. Reumann 1,—. Eure Kraft verleihe Euch den Sieg 100,—. Schaf 3,—. Familie Götz 3,—. polikischc Tleberycht. Berlin, den 19. April. Der Reichstag am Sonnabend fast die ganze Sitzung darauf, die zur Seemannsordnung.— eine Resolution und zwei Nebengesetze— zu erledigen. Ueber diese Resolutioil entspann sich eine sehr uinfangreiche Debatte. Die Sache war es auch wert. In der Resolution wird die Regierung aufgefordert, ein Aussichtsamt zu schaffen, daß die See- tüchtigkeit, den Tiefgang, die Beniannung und Verproviantierimg der Kauffahrteischiffe zu prüfen hat. Ueber die Frage der Ladelinie ist man sich nicht einig. Herr L e n z m a n n von der freisinnigen Volkspartei war zwar sehr ent- rüstet, daß nian ihn einen Freund der Reeder genannt habe, aber auch heute suchte er der baldigen Ein- führnng der Ladelinie Steine in den Weg zu wälzen. Er forderte, daß ein besonderes Gesetz über den Tiefgang und die Ladelinie der Kauffahrteischiffe erlassen würde und zwar auf Grund der praktischen Erfahrungen der Handelsmarine, die nach ihm zur Zeit noch nicht vorliegen. Das heißt aber nicht andres, als diesen wichtigen Fortschritt auf die lange Bank schieben. Herr Lenzmann mußte denn auch erleben, daß sich der Reichsparteiler S t o ckm a n n auf seine Seite stellte, Genosse Schwartz trat sachkundig und' energisch für die Resolution der Kammer ein. Er erinnerte daran, daß in zwölf Jahren nicht weniger als IM deutsche Schiffe verschollen sind, und führte diesen Verlust ans die übermäßige Belastung der Schiffe, auf die mangelnde Seetüchtigkeit und geringe Bcinannung zurück. Der Regierungsvertreter Konter-Admiral Schmidt wandte sich mit sehr fadenscheinigen Gründen gegen unsern Ge- nossen und bestritt, daß es überhaupt zur Zeit möglich sei, eine Tiefladelinie festzustellen. Der Anti- seniit Raab war so boshaft, den Konteradmiral an das bekannte Telegramm desKaisers an die Hamburg- Amerikalinie zu erinnern: das die Einführung der Tief- ladelinie durch diese Gesellschaft als sociale That be- grüßt hat. Daraufhin fiel Herr Schmidt um. Prompt nahm er in der Hauptsache alles zurück, was er vorhin gesagt hatte, und erklärte, daß er sich gar nicht gegen die Ladelinie als solche, sondern nur gegen ihre rein theorc- tische Festsetzung ausgesprochen hatte. Zu einer Absttmmuiig über die Resolution kam es noch nicht. Es ist üblich, diese Abstimmungen auf die dritte Lesung zu verschieben, und zu- dem war das Haus außerordentlich schlecht besetzt, daß bei Beginn der Sitzung nicht einmal die M Abgeordneten vorhanden waren, die zur Unterstützung einer Resolution(es handelte sich um den Antrag Lenzmann) erforderlich sind. Zum Schluß wurde auf Antrag Singers noch die Resoln- tion zur lex R i n t e le n erledigt. Herr Rintelen war gc- zw»»igen, seinem Kinde selbst die Grabrede zu halten. Er hat eingesehen, daß bei der vorgeschrittenen Session an eine Er- ledigung seines Gesetzentwurfs nicht zu denken ist. nnd so empfahl er den von der Kommission gefundenen Ausweg, die Regierung solle ersucht werden, thunlichst bald die Berufung in Strafsachen wiedereinzuführen. Herr Nieberding sagte dann auch bestimmt zu: er machte nur die übliche Reserve: mit Rücksicht auf diejenigen Bundes- staaten. die grundsätzlich gegen die Wiedereinführung der Berufung sind. Montag: Gesetz über die Servisklaffen und Gesetz über den fliegenden Gerichtsstand der Presse.— Abgeordnetenhans. Das Abgeordnetenhaus beriet am Sonnabend auSschlicß- lich kleine Vorlagen und Petitionen. Von den Vor- lagen wurde die betreffend Aendcrnng der Vorschriften über den Kompetenzkonflikt zwischen den Gerichten und den Verwaltungsbehörden an die Justizkommission. die gegen die Verunstaltung landschaftlich hervor- ragender Gegenden zur nochinaligen Beratung an die Kominission verwiesen. Unter den Petittonen befände»» sich eine ganze Reihe, die von Lehrern und Lehrerinnen aus- gingen und sich auf das Lehrerbcsoldungs-Gesetz bezogen. Es handelt sich in säst allen Fällen uin den Wunsch der Anrechnung des Privat- Schuldienstes ans das Dienst- alter und einer Aenderung des§ 11 deS Lehrerbesoldnngs- Gcsetzes, der von der Anrechnung der Jahre des Prwatschnl- dienstcs auf das Besoldungsdienstalter handelt. Es scheint, nach der Fülle der Pettttouen zu urteilen, als ob das Lehrer- besoldungs-Gesetz, von dein die verstorbenen Minister v. Miqnel und Bosse nicht genug Aufhebens machen konnten, doch große Härten aufweist. Die meisten dieser Petitionen wurden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Am Montag beginnt die dritte Lesung des EtatS.— Englische Reaktion. London, 17. April.(Eig. Der.) Es wäre zu wünsche», daß diejenigen der deutschen Genossen, die von dem progressiven Geist Englands die Herstellung deS socialen Friedens erwarten, jetzt die leitende englische Presse lesen möchten. Nicht einen Funken von Sympathie' hat sie fiir den belgischen Freiheitskampf. Nicht ein Wort, das von eine», Ver- ständnis für die Lage in Rnstland zeugen würde. Im Gegenteile. Die ganze englische Presse spricht von de» Belgiern als von einem„wob" sPövel) und von„rioters" sMcnterern). Erst der Wiener Korrespondent der„Times" muß das englische Publikum über die Vcdenlung der russischen Dcnionstra- tioncn unterrichten. Die Schuld an dieser Verbohrtheit der englischen Bourgeoisie trägt die englische Arbeiterllasse. England ist das einzige europäische Land, wo die Stimme der Arbeiter nicht gebärt wird. ES gicbt keinen proletarischen Faktor in der öfsentliihc» Meinung Englands. Der neuseeländische Premierminister Mr. S c d d o», der als cnglischer Arbeiter seine Laufbahn begann, ist gegenwärtig einer der bittersten Bocrenfeinde, die die Friedensunlerhandlungen untergraben. «Keinen Faden von Unabhängigkeit, keinen Fuß freien Bodens für die Boeren!" telegraphierte er vorgestern ans Neuseeland, als er sich nach Afrika und England zur Krviiung einschiffte. Im»Socialisten- staate" Neuseeland werden sämtliche B o e r e n f r e u n d e a u S Amt und Ehren gejagt. Aber die englischen' Arbeiter werden die Reaktion z» fühlen be- kommen. Dafür sorgt die wirtschaftliche Entivickelnng. Die Presse veröffentlicht soeben einen P r o t e st von nicht weniger als 87 der bedeutendsten Unternehmervcrbände Großbritanniens gegen die Ne- giernng, weil sie bei der bekannten Beratung der Acht stunden- Bill für Bergarbeiter nicht einen ihrer Redner gegen die Bill in den Kampf gesandt hatte. Lord S a l i s b n r y, an de» der Protest gerichtet ist, wird da einfach wie ein Kommis behandelt. Das Dokomcnt ist ei» Zeichen der Zeil,— ein bitterer Kampf- nufruf gegen Arbeiterschntz und gegen Trades-Unionismus. Der Protest lautet: .Wir, die unterzeichneten Arbeitgeber und Vertreter von Unter- Nehmerverbänden, können uns nicht enthalte», unser Bedauern darüber auszusprechen, daß kein Mitglied der Regierung gegen die Bcrgarbeiterbill am 5. März aufgetreten ist. Wir sind geneigt, daraus den Schluß zu ziehen, daß die Regierung keine klare Politik über diese vitalste aller Fragen hat— über die Frage der Regulierung der Arbeitsstunden für erwachsene Arbeiter. «Wir freuten uns, daß die Regierung sich gegen die Einmischung in die Freiheit der L a d e n a n g e st e l I t e n aussprach und daß die Bill betreffend frühzeitigen Ladenschluß abgelehnt wurde. Das ivar nötig. Sonst kehren wir in mittelalterliche Zustande zurück... «Wir müsscn Eurer Lordschaft zivci Punkte nntcrbreilen: Erstens, daß wir im Wettbewerb mit Amerika unterliegen werde», wenn die Regierung sich in die Freiheit der Arbeit mischt... Ziveitcns, daß die Regierung und das Parlament die Tendenz hoben, die Gc- wcrkschaftlrr den Nichtgewerkschaftlern vorzuziehe». Diese beiden G rnppc» stehen sich wie 1 zu 9, d. h. die große Mehrheit der englischen Arbeiter wünschen, daß ihre Freiheit gegen jeden staat- lichen Eingriff geivahrt wird,— daß man ihre Arbeitsstunden und ihren Arbeitslohn den freien Vereinbarungen überläßt!... „Wir wenden uns an Eure Lordschaft', da wir wisse», daß Sie die persönliche Freiheit als das schätzbarste aller nienschlichen Güter betrachten." DaZ ist die englische Scharfmacherei. In England wird sie im Namen der Freiheit, in Deutschland im Namen der Ordnung unter- nommen. Warten wir ab, wie die Antwort der Trabes- llnionistcn lauten tvird.- # » Deutsches Fieich. Biindlerrache. Weil die Regierung und die Hochzöllner der Industrie nicht alle biindlerischen Forderungen erfüllt haben, forder» die Bnndler nun zur Rache an der Centralverbands-Jndustrie heraus. Die„Agrar-Korrespondenz" des Herrn Klapper droht: «Wir haben also nrit der Thatsache zu rechnen, daß der Land- Wirtschaft der für eine gleichberechtigte Konkurrenz mit der In- dustrie erforderliche ivirtsame Zollschutz definitiv versagt bleiben wird. Aus dieser Erkenntnis folgt siir uns die»iinbweiSlichc logische Konsequenz, nunmehr den zweiten, eingangs erwähnten Weg zu beschreiten, das heißt: die notivendige Parität zwischen Industrie und Landwirtschaft durch eine starke HerabfeNnng der industriellen Schutzzölle herbeizuführen." Die„Deutsche Tageszeitung" giebt den Artikel der«Agrar- Korrespondenz" an leitender Stelle wieder und es fragt sich nur. ob für diesen Vorschlag in der Zollkonmiission des Reichstages außer dem einen bündlerischcn Mitgliede auch die übrigen konservativen Herren eintreten werden. Wäre dies der Fall, so kann die hoch- schntzzöllnerische Großindustrie erleben, daß ihre Zölle durch eine Lercinignng von rechts und links gekürzt werden. Freilich würde auch diese reizvolle Episode nur ein Provisorium in der Zollkommissions- Komödie bilden.— Zollwnchcr-Ttätc». In parlamentarischen Kreisen wird, wie die„Freis. Ztg." mitteilt, die Nachricht bestätigt, daß, nachdem die Mehrheit der EentrumSfraktio» zugestimmt hat, sich mit Kommissions- Diäten zu begnügen, eine solche Vorlage der Regierung schon in der kommenden Woche zu erivarten ist.— Russische Zollantwort. Wie ein Artikel in Bürgels „Industrie- und HandclSblatt" ausführt, ist man zur Zeit im russischen Finanzministerium an der Arbeit, einen neuen Zolltarif auszuarbeiten, dessen auf den deutschen Export zugeschnittene Specialisicrung den deutschen Zoll- tarif in de» Schatten stellt. Die Sätze des neuen russischen Tarifcs sollen derartig erhöht sein, daß selbst den an Superlativen gewöhnten russischen Beamten die Haare zu Berge stehen. Auf gut deutsch gesagt heißt es, daß wir zwar einen Zoll- krieg mit Rußland nicht zu befürchten, aber cincu sehr nngnustigeu Handelsvertrag zu erwarten haben.— Zollwahlangst. Die«Berliner Neuesten Nachrichten" warnen wiederholt vor einer Reichstagswahl unter der Losung des Zolltarifs nnd raten deshalb zur möglichsten Beschleunigung der jetzigen Be- ralUngen; denn, so sagt das Blatt,«alle Anzeiche», mich bei den letzten Nachwahlen, denten darauf hin, daß unter der Wählerschaft nicht nur der demokratische Radikalismus, sondern auch der Einfluß derjenigen Parteien, welche die Interessen der städtischen und der industriellen Bevölkerung wahrzunehmen erklären, in stetem Wachstum begriffen ist".— Ter Fliest von Neust älterer Linie, Heinrich XXII,, ist, wie uns ans Greiz telegraphiert wird, am Soiinabcudna'chmittag g e- st o r b e». Er ist bll Jahre alt geworden. Der Tod dieses Landesherr» erinnert daran, daß Reuß älterer Linie derjenige deutsche Staat gclvesen ist, der allein im Bundesrat oppositionell gestimmt hat. Der Fürst hat sich weder mit den Hohen- zollern noch mit Bismarck ausgesöhnt; er hat die dynastische Rc« volution von 18Ü6 nie vertounden. So kam es, daß der reußische Vertreter im BimdcSrat das Verdienst beanspruchen kann, gegen die niederträchtigen Gesetze der reaktionären Gewaltpolitik gestimmt zu haben. Reuß war z. B. die einzige Stimme, die gegen das Socialistengesctz abgegeben wurde. In letzterer Zeit erregte der Fürst unliebsames Aufsehe» durch seine, wohl auf geistige Erkrankung zurückzuführende Gewohnheit, gerichtlich bestrafte Kinder zu.höchsteigeuhändigein" Prügeln zu be- gnadigen. Heinrich XXll. hinterläßt nur einen Sohn, der aber geisteskrank und nicht regierungsfähig ist. Das Fürsteniümcheu geht nun wahr- scheinlich an die jüngere Linie über, die durchaus die preußisch- nationale Nonnalgesiinning hat. Es wurde auch davon gesprochen. daß man den Thron dem'.Ast" Reuß-Köstritz überlassen solle, und nian hat dafür den hübschen Grund geltend gemacht, daß diese Hein- riche in nicht sehr günstigen VermögcnSvcrhältnissen sich befinden, dasür sich aber eines' desto' reicheren Familienlebens erfreuen!— Der Kaiser ist bei Krupp eingetroffen. Grund: Schießübungen. Voraussichtliche Folge: Nene Arlillerievorlage I— Nu» gerade nicht l Die„ K r c n z- Z e i t u n g" widmet den „Verleumdungen" der„Kölnische» Zeitimg" über den Homburger Bahnhof eine erbitterte Betrachtung, in der es heißt: „In unsrem politischen LebenZgehören glücklicherlveise solche ver- leimrderische Verdächtigungen des Gegners zu den Seltenheiten. Der konservativen Fraktion kann man keinen schlimmeren Vorlmirf machen, als den, daß sie ohne sachliche Gründe, nur ans Opposition gegen die Person des Monarchen, eine Regierungsvorlage bekämpfe! Ein solcher Vorwurf ivürde schon jeden andren Abgeordneten der geiviffenlosesten Pflichtwidrigkeit beschuldigen; der konservative Abgeordnete muß darin auch den Vorwurf der bewußten Ver- leugnung seiner eigenen Grundsätze erkennen. Zwar enlbindct eine perlönliche Willensäußerung des Monarchen den konservativen Ab- geordneten nicht von der Pflicht, jede seinem Be- s ch I u ß unterworfene Angelegenheit sachlich auf das gewissenhafteste zu prüfen; ließe er sich aber— ein Fall, der in der Praxis nn- möglich ist— lediglich durch die bekannt gegebene Meinung des Monarchen, und wäre sie auch ganz privater Natur, zu einer opposiiioncllen Stellmignahme verleiten, so wäre er nicht mehr würdig, sich konservativ zu nennen, nnd die Fraktion würde ihm dies unziveidentig zu Gemüte führen. Hier aber wird dem anerkannten Führer der Fraktion nnd dieser selbst der Verrat an den eignen Principien vorgeworfen." Hammerstein hätte diese edle Entrüstung nicht ernsthafter von sich geben können, diese Entrüstung, die Florchen Gaß einst zu dem ewigen Wort veranlaßte:«Komödianten seid Ihr ja alle!" Freilich, die Junker sind gute, zielbewußte Komödianten.— Amtliche Arbcitömarktiibersicht Nach Erknndigmigen der „Hart. Ztg." soll seitens des Statistischen Amtes eine Bericht- erstattnug über den Arbeitsmarkt beabsichtigt sei». Dies« Bericht- erstattung ist als eine der Aufgabe» der neuen socialstatistischen Ab- leilung des Slatistischen Amtes schon von langer Hand vorbereitet von dein Präsidenten dieses Amtes, Dr. Wilhelmi, der die Abteilung vorläufig selbst übernommen hat. Man wird auch ein eigenes Organ für diese Veröffentlichungen schaffen, elwa wie es die englische „Labonr Gazette" ist.— Summarische Kolonialjnstiz ans dem Bismarck-Archipel. In P a p a r a t a v a auf Reupomme r» ist nach einem Berliner Lokalblatt am 3. d. M. die Frau des Ansiedlers Wolfs in i l ihrem Säugling in ihrem Hause von den E i ii g e d o r e n e n durch A x t h i e b e ermordet worden, während Wolff sich vom Hanse entfernt hatte. Fräulein Coe, die zu Besuch bei Wolff weilte, floh in die Küche, wo der Koch sich die Eingeborenen durch Drohungen fern hielt. Nach Abzug der Mörder rettete sich Fräulein Coe durch den Busch nach der MissionSsiation Takabnr. Die Verfolgung des schuldigen Stammes wurde sofort energisch betrieben. Alle Pflanzungen des Distrikts wurden zerstört und daö Paparatava- Gelände von den Eingeborenen gesnuberl. Ans feiten der Ei»geborenen würden e t'w a 30 Leute getötet und zehn gefangen g e n o ni Ni e n. Die Polizeitrnppe halte keine Verl» st e.— Ei» der Majestätöbrleidignng angeklagter Majestät?- gläubiger. Aus Elberfeld wird uns gcichrieven: Von der Anklage, den 5laiser Franz Joseph von Oe st reich beleidigt zu haben, wurde der VerlagSbuchhändler »nd Bnchdnickcrcibesitzcr Bruno Wieiiianu in Barmen am 17. April von der 1. Strafkammer des Elberfeldcr Landgerichts frei- gesprochen. Wiemann. ein konservativ-orthodoxer Reaklionär, Herausgeber des amtlichen Pnblikationsorgans der Stadt Barmen, batte im Mai v. I. eine anonym verfaßte Broschüre mit dem Titel «Kaiser Franz Joseph I. von Ocstreich und die Jesniten" heraus- gegeben, und in Oestreich mittels eines Flugblatts, welches den Inhalt der Broschüre kurz andeutete, angekündigt. In der betreffenden Broschüre wurde unter Anführung von Beispielen be- Kmiptet, daß die Jesuiten sich das schwere Augenleiden deS Kaisers derartig zu nutze machten, daß infolgedessen in Oestreich n i ch l d e r K a i s e r, sondern d i e I e s n i t e n regierten. Die Broschüre ivurde in Oestreich verboten und von dein Geschäfts- träger der östreichischen Aegicrnng in Berlin Strafantrag gestellt. Nach dein Verbot der Broschüre sandte W. eine solche direkt an den Kaiser mit der Bitte, dieselbe zu lesen nnd seiner Privatbibliothck einzuverleiben. Die Verhandlung fand bereits am 10. April statt. Die UrteUSverkündigung wurde auf den 17. April vertagt. Der Erste Staatsanwalt Jonen fand die Beleidigung darin, daß man den Kaiser als eine Person hinstelle, die' in den Händen dritter Personen, der Jesuiten, ein willenloses Werkzeug sei. Das frei- sprechende Erlemitnis beruht in der Hauptsache' ans der Erivngniig, daß in der Broschüre nicht der Kaiser, sondern die Jesuiten an- gegriffen würden, außerdem werde darin von der Person des Monarchen nur in der ehrfürchtigsten Weise gesprochen, so daß von der Absicht einer Beleidigung nichts erwiesen sei.— Dieser Prozeß dürfte auch nianckicii derjenigen, die sich einbilden, Köiiigstrene und Pairiotisinns in Erbpacht gciioiniiie» zu haben, die Thorheit des Maiestätsbelcidigungsparagraphcn vor Augen führen.— Druckfehler- Berichtigung. In dem gestrigen Leitartikel ist im vierten Absatz von unten„Wünsche der K r o n e" snicht„Börse") zu lesen.— Ausland. Die revolutionäre Bewegung in Rußland. Zu einem Baucrnanfstand ist es nach einer Meldung nnsret Leipziger Bruderorgans im Kreise B o r o w S k, Gouvernement Worvnesch, gekommen. Mehrere tausend Bauern erhoben sich und schlugen eine Jnfanterie-Abteilung in die Flucht. Von Charkow ist Kavallerie gegen sie abgeschickt worden. Charakteristischer noch als diese Baiierurevolte ist für die Gärung in Rußland die Verbreitung revolutionärer Ideen in dem Heere. Man schreibt uns darüber: Die revolutionäre Bewegung in Rußland zählt unter ihren Kämpfern auch eine ganze Reihe von Männern ans dem Militär. Angefangen von dem Dekabristenanfstaiid im Jahre 182ö bis heutigen Tages hat die Teilnahme auS OffizierSlreisen an dem Freiheitskampf nicht aufgehört. Besonders stark war diese in den 70er Jahren, mit der eingetretene» Stille in der Bewegung in den 90er Jahren schienen auch alle Beziehungen zwischen diesen und dem revolutionären Rußland unterbrochen zu sein. Die letzten Ereignisse haben gezeigt, daß zwischen beiden sich eine neue An- Näherung anbahnt. Ueber die Stimmung in dem Offiziers- korpS des Leibkosaken» Regiments in Petersburg, die die Regierung davon Abstand zu nehmen zwang, das Regiment gegen die Demonstration zu verwenden, haben wir schon berichtet. Neuesten, aus sicheren Quellen stammenden In- orniationen nach, haben auch die Offiziere des S e nr e n o>v s ch e n Regiments gleichfalls ihren Unwillen über die Verwendung bei Niederkniittelnng von wehrlosen Menschen geäußert. Das Kiewer Komitee der revolutionär- socialistisckien Partei erfährt nunmehr, daß auch die Offiziere der Kiewer Garnison 'ich dem Protest angeschlossen haben. Sie richteten an den Kommaii- bauten des Militärbezirks das Gesuch, sie von der Erfüllung von Polizeipflichten bei Straßeiikniidgebniigen zu befreien, da die Garnison durch solche Juaiispriichnahmc demoralisiert werde. In Sebastopol hat man unter den Matrosen derKriegs- flotte eine organisierte revolutionäre Propa- g a n d a entdeckt. Die Gendarmerie bemühte sich lange Zeit, der Ansgangsstelle, der Propaganda ans die Spur zu kommen. Die Matrosen lasen fleißig die Schrift Tolstois„Der Brief an einen Feldwebel" und andre verbotene Broschüren, die Behörden wußten das und fuhren fast aus der Haut; überall in den Kasernen, ans den Schissen nahm man Durchsuchungen vor, die Soldatm wurden fast jeden Tag einer Leibesvisitation niiterivorfen, alles blieb frucht- los. Ein reiner Zufall war eS, daß in der Stabskanzlei einer der Stabsjchr eiber beim Drucken einer Pro- k I a in a t i o n c r iv i s ch t wurde. In den Räumlichkeiten des Stabes wurde nun eine gründliche Revision vorgeiionnnen, bei der eine Menge revolutionärer Broschüren und Flugblätter zum Vorschein kamen. Die Fäden, die hier entdeckt wurden, ermöglichten noch, zwei andre Ver- stecke ausznhebm; es wurden mehrere verbotene Schriften auf einem der Kriegsschiffe und in der Kanzlei der 34. Equipage aufgefunden. In der Äffaire sollen auch einige Offiziere venvickelt sein. Nachträglich teil: noch die Petersburger Organifatton nrit, daß während der Demonstration am 16. März an der katholischen Kirche unter den Demonstraiiten auch ein Offizier gewesen ist. Augenzeugen bestätige» dies, sie haben gesehen, wie er von den Polizisten ge- schlagen und in das Gefängnis übergeführt worden ist.— Italien. Bmu'teilnng der diplomatischen Händelsucht mit der Schweiz. Das schnoddrige Vorgehen der Herren Silvesirelli nnd Priiietti gegen die Schweiz hat in Italien keineswegs besondere Bewnuderiing gefmiden. Im Gegenteil, selbst der Regierung nahe stehende Blätter stellen sich unumwunden ans die Seite der Schweiz und erklären, daß diese nach dem Gesetze gar nicht umhin gekonnt habe, die anmaßende Ignoranz des Herrn Silvesirelli zurückzuweisen. So schreibt die moiiarctiistisch-liverale„Stampa": Nach der Bcröffcntlichniig der Attenstücke müsse man gestehen, daß Silvesirelli und Prinetti einen kolossalen und un- verzeihliche n Irrt um begangen haben. Silvesirelli habe Tragweite des Begehrens des jchlveizcrischen Bundesrats auf Zu- fichming des Gegeiircchts nichts zu würdigen verstanden. Diese ganze Äffaire beweise, wie gefährlich eS für Italien sei, im Ans- land Vertreter und zu Hanse Minister zu haben, welche d i e Gesetzgebung des Auslandes nicht kennen. Der Korrespondent schließt, die Veröffentlichung des Griinbuchs sei gleich- bedcnlcnd mit der ganz bcstiininten nnd ausdrücklichen Veriirteiliing des GcbahrcnS Silvestrellis und Prinettis.®o schmerzlich es sei, zu diesem Schluß gelangen zu miissen, müsse doch die Wahrheit gesagt werden, damit nicht dem italienischen Volke Sand in die Augen gestreut werde. Und im«Giornals delPopolo" (Genna) heißt es: Der Zwischenfall sei auf i t a li e n i s ch e r Seite aus Ignoranz und A ii in ci ß n n g hervorgegangen und man dürfe dem italienischen Volke die Wahrheit, die für seine Diplomatie so wenig schmeichelhaft sei, n i ch t v e r h e h l e n.— Dänemark. Zum Bcrkanf der dänischen Antillen. Der vom LandSthing zur Borbcratung der Vorlage über die Avtretnng der in dänischem Besitze befindlichen Westindischen Inseln an die Vereinigten Staaten eingesetzte Ausschuß hat am Sonnabend Bericht erstattet. Die Mehr- heit hat sich dafür entschieden, die Zustimmung zu dem AbtretnngS- vertrage nicht zu versagen, falls sich bei einer Abstiinmung unter den Beivohneni der Inseln unzweifelhaft eine der Abtretung günstige Slimiiinng zeigt.— Asien. Bon der Erhebung in China. Ans Kanton wird gemeldet: Die A n f st ä n d i s ch c n b e l a g e r n N a n n i n g; cS geht das Gerücht, d i e Stadt sei bereits in i h r e n H ä u d e u. Die Telcgraphcndrähte zwischen Nnnning und Wntschon sind zer- schnitte».—> Amerika. Zum NcntralitätSbrnch gegen die Boere». Der Boeren- freund van Vliffingni wendet sich in einem offenen Schreiben an den Präsidenten R o o s e v e l d t mit ausführlicher Be« g r ü n d u n g gegen die englischen Pferde- und M a u l t i e r a n k ä n f e in den Vereinigten Staaten, die er fiir eine Verletzung des Vertrags von Washington erklärt. Der Schreiber sagt, er habe mehrere Monate darauf verwandt, um das Material zu sammel». Der Brief fordert den Präsideiitcii auf. der Angelegenheit schleunigst ernsteste A u f m e r l j a i» k e i t zu schenken. Der Boeren- Krieg. Berschiedene Lesarten über den Stand der FeiedenSunter- Handlungen. Ein Amsterdamer Telegramm meldet: Hiesige unterrichtete Boerenkreisc versichern ans daS bcstiinmtcste, daß die B e r h a ii d I ii n g e n t h a t s ä ch l i ch gescheitert sind i n- folge der Haltung der englischen Regierung, die in der Frage der Unabhängigkeit sowie allgemeiner Amnestie Konzessionen nicht machen wollte. ES steht bestiinuit zu erwarten, daß die Verhaiidlinigcn zwischen englischen und Boerenvertretern nach 3 W o ch e n nicht wieder aufgenommen werde n. Mit der Abreise der Boerenführer können die Berhand- lnngen als gescheitert bctrachict werden, da die Führer bei der Armee sowie beim Volk gegenüber den Forderinige» Englands in obigen beiden Fragen cntschlossriien energischen Widerstand finden werden. London, 19. April.(Laffan- Meldung.) Obgleich zwischen Großbritannien und den Boeren kein formeller Waffe»- st i l l st a ii d uiiterzeichnct worden ist. werden dein Vernehmen nach die Feindseligkeiten doch praktisch zeitweilig eingestellt werden, wobei dafür Sorge getragen wird, die Boeren an einer Verbesserung ihrer militärischen Stellung zu ver- hindern. Mau hat hier das Gefühl, daß es unzulässig sein würde, die Boeren aiizngrcifcii, während sie sich mit der Vcraiistaltnng von Zusaiiinieiiküiiflcn zur Erörterung von FriedenSbedinginigen oder Wahlen von Delegierten für diesen Zweck beschäftigen. Englisches Kesseltreiben. Da?.Rentersche Bureau" meldet ans KlerkSdorp den 16. d. M.: Die ans dem Westen zurückkehreiiden britischen Truppen formierten sich i» einer 46 Meilen langen Linie quer über den vom Baalflnß und von der Blockhanslinie am Schoonsprint gebitdeten Winkel; sie säuberten das von diesen drei Seiten cingeschlossene Gebiet vom Feinde und nahmen dabei 64 Boeren gefangen. Der Krosigk-Prozeß. Ans G n in b i n n e n ivird vom Soniinbend teldgraphisch berichtet: Im Gcrichissaale ist eine große Tafel ausgestellt, ans welcher die gesamte in Betracht kommende Oertlichkeit anfgezeichnet ist. Ge- laden sind für heute etwa 40 Zeugen, unter ihnen Kriniinalkomnnssar v. Beckmann und Kriiniiialichutzinaiin Richter cuis Berlin und der HanplbelastiingSzeuge. frühere Dragoner, Schmied S k o p c k, letzterer, sowie der frühere Wachtmeister der 4. Eskadron Blickpesch und noch mehrere andre frühere Dragoner sind in Civillleidmig erschiene». Oberstabsarzt Dr. G ob e l- Gumbinne», Stabsarzt v. H a s c l b e r g- Berlin und Büchsenmacher B e rg fe l d- Gumbinne» wohne» der Verhandlung als Sachverständige bei. Die gestern wegen der Lokalbesichtigung unterbrochene Lemehmnng Martens wird heute fort- gesetzt. Bei einem Teile derselben ivird ans Antrag der Staats- aiilvallschaft der Angeklagte H i cke l aus dem Saale ent- kernt. Marten erzählt auf Befragen des Leiters der Verhandlung� Obcr-Kriegsgenchtsrat Scheer, in ausführlicher Weise, was er am 21. Januar 1901 gethan. Er hätte auf dem Korridor der Kaserne Geräusch gehört und deshalb geglaubt, daß es eben einige Drückeberger sein würden, zumal die Unter- offiziere sämtlich beim Reitdienst waren. Die erste Nachricht das; der Rittmeister erschossen sei, habe ihm der Dragoner Stumbries gegeben. Er habe diesen beim Arm genommen und gesagt:„M e n s ch, Sie sind wohl verrückt."' Gleich darau sei er zum Reitdienst gegangen, bei diesem habe ihn Vicewachtmeister Schultz gefragt, ob er schon wisse, daß der Rittmeister sich erschossen habe oder erschossen worden sei. Er habe darauf erwidert:„Ist es denn wahr?" Darauf sei er in den Rekrutenstall gegangen. Dort habe ihn der Unteroffizier Bunkns ebenfalls gefragt, ob er schon wisse, daß der RitNncister sich erschossen habe. Er habe wiederum gefragt:„Ist' denn wahr?" Er habe es eben nicht glauben können.' da' er-wußte daß Rittmeister v. Krosigk sehr vorsichtig sei. Gleich darauf habe Oberlieutenant v. Hofniaun den Befehl gegeben, den Stall abzusperren und mit lauter Stimme gesagt:„Es ist ein großes Verbrechen geschehen: Der Rittmeister' ist in der Reitbahn erschossen. Jeder der etwas weiß, soll sich melden." Von diesen; Augenblicke an habe er erst geglaubt, daß der Rittlneister erschossen sei. Er habe gegen niemand Verdacht gehabt. Es sei richtig, daß er bei der Vernehmung vor dem Kriegsgerichtsrat' Lüdecke ge sagt habe, er hätte deshalb mehrfach gefragt: Ist es denn wahr?, iveil er sich nicht verdächtig machen wollte. Der Kriegs gerichtsrat habe so viel gefragt, daß er dies schließlich als Er klärungsgrund gab. Die Vernehmung der beiden Angeklagten war um Mittag beendet. Es wurde hierauf eine Pause bis 3V2 Uhr nachmittags gemacht. In der Nachmittagssitzung wurde mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Oberlieutenant v. H o f m a n n beknndei der Befehl, diejenigen, die nicht in der Reitbahn waren, sollten sich rechts und die andren nach links aufstellen, wurde so laut gegeben, daß derselbe weder überhört. noch mißverstanden iverden konnte. Trotzdem habe sich Marten links aufgestellt Lieutenant Lorenz sagte aus, am Sonnabend vor dem Morde sei gegen 4 Uhr nachmittags die Bandenthür der Reitbahn, während in dieser Reitübungen stattfanden, geöffnet worden. Der Rittmeister sei darüber sehr ungehalten gewesen und habe die betreffende Person feststellen lassen wollen. Letztere sei aber sogleich verschwunden gewesen. Die Bandenthür sei oftmals ans Neugierde geöffnet worden. Es sei dies kein seltenes Vorkommnis gewesen Oberstabsarzt D r. G o e b e l und Stabsarzt Dr. Hasselberg beknudeten übereinstimmend, die Kugel sei dem Rittmeister von vorn in die Brust gedrungen und zum Rücken herausgekommen. Es sei den; Rittmeister ein großes Gefäß in der Nähe des Herzbeutels und die große Lungenschlagader zerrisse;;. Das Geschoß war ein klein- kalibriges und mußte unbedingt tödlich wirken. Auf Anfrage des Verteidigers Burchnrd bekundet Dr. G o e b e l noch in dem Gehirn des erschossenen Rittmeisters seien Wucherungen und in der weichen Hirnhaut Flüssigkeit vorgefunden. Einen Schluß auf den Charakter lasse aber der Gchirnbefund nicht zu. Gegen 53/i Uhr wird die Verhandlung auf Moutagvornnttag 9 Uhr vertagt._ NÄvkei-MAÄMichtew Ein socialiftischer Ortsschulze! In D i e t h a r z(Herzogtum Gotha) wurde nach einem uns zugehenden P r i v a t t e l e g r a n; in der Genosse Wolf als Schulze gewählt.— Wir wünschen der etwa 700 Einwohner zählenden Gemeinde alles Glück zn dieser ver- nünftigen Wahl, die zweifellos zum weiteren Gedeihe» des schön gelegenen Ortes vieles beitragen wird. Polltische Maifestschriftcn. Vor einigen Tagen wurde das polnische Arbeiter-Liederbuch auf Veranlassung der Staatsanwalt- schaft in den Räumen der„Gazeta Robotnieza" in Knttowitz be schlagnahint. Die polnische socialde;nokralische Partei hat»;»; zum 1. Mai ein neues Liederbuch herausgegeben. Be- stellungen auf das Liederbuch(Einzelpreis 30 Pf.)— das sich zur weitesten Verbreitung eignet— werden von der„Gazeta Robotnieza", Kattowitz, Veatcstr. 46, entgegengenommen. Außerdem haben die polnischen Genossen ein Mai-Flngblatt herausgegeben, das zur Massenverbreitung bestimmt ist. Das Flugblatt ist äußerst populär abgefaßt. Die A g i t a t i o n s k o m;n i s s i o n e n und Vertrauensleute in den Gegenden, in denen polnische Arbeiter- wohnhaft find, werden hiermit auf das Flugblatt anfinerksan; gemacht. Bestellungen sind zu richten an Joseph Sobck, Z a l e n z e bei Kattowitz. Die Parteipresse wird um Nachdruck gebeten. Gemeindewahl-Programm für Bayern. Ans München wird uns geschrieben: Die socialdemokratische Landtagsfraktion veröffentlicht als Landesvorstand für Bayern, einem Auftrage des letzten Landes-Parteitages entsprechend, den Entwurf eines Gemeiudewahl-Programms und stellt diesen den Genoffen in; Lande zur Diskussion. Der Entwurf hat, den bayrischen Verhältnissen entsprechend, zwei Gruppen von Forderungen aufgestellt nnd verlangt. I. Vom Staat: 1. Aendernng der Gemeinde- Ordnungen im Sinne einer wirklichen Geiueindeautononne. Einen einheitlichen Vertretnngskörper mit 3jähriger(statt 6 jähriger) Mandats- dauer und Gesamterneuerung(statt der jetzigen TurnnSerneuerung). 2. Eine gründliche Steuerreform, progressive Einkounncn- und Vermögenssteuer. von der die Genwinden prozentual ihre Umlagen erheben. Gemeindliche Steuern auf den Grundwertzuwachs nnd den Bauplatzwert, sowie Verbot aller Steuern auf Lebensmittel. 3. Schaffung eineSVolksschulgese'tzes. Religiös neutrale Einheitsschule mit Schulzwang bis zum 14.(statt wie bisher bis zun; 13.) Lebensjahre. 4. Erlaß eines Wohnungsgesetzes mit Erweiterung des Enteignungsrechtes der Gemeinden. 5. Erlaß eines Gesetzes über Gesundheitspflege mnd fortschreitende Ueberführuug des Heilwesens in den öffent- tichen Betrieb. 6. Ueber nähme der Armenpflege auf die Kreise. Ferner wird gefordert: II. Von der Gemeinde: 1. Vereinigung des Heimat- und Bürgerrechts mit gebührenfreier Ver- leihung nach zweijährigem Aufenthalt. 2. Vornahme der Gemeindewalen an Sonn- und Feiertagen. 3. Wahl der Gemein dc-Beanrten durch die Gemeinde- Vertreter und Anstellung auf Dienstvcrtrag. 4. Die Kosten des Gemein de-Haushalts sind durch Zuschläge zn den direkten Steuern aufzubringen, ö. Die öffentlichen Zwecken dienenden A n st a I t e n sind von den Geincinden zn betreiben. 6. Fürsorge für gesunde und billige Nahrungsmittel. 7. Thatkräftige Gesundheitspflege und unentgeltliche Leichen- bestattung. 8.' Wirksame Beaufsichtigung der Wohnungen, der Bauthätigkeit und der Bodenpreisbewegung. Umfangreiche Grunderwerbung und Verpachtung von Bauland durch die Gemeinde. 9. Einführung der religiös-nentralen Einheitsschule(Sinniltanschnle). 10. Humane Ausgestaltung der Annen- und Wniseiipflegc. 11. Socialpolitische Fürsorge für die bei den Genwinden angestellten Arbeiter und Bediensteten. 12. Errichtung von Arbeitsämtern und Fürsorge zur Verhinderung der Arbeitslosigkeit und Milderung von »eren Folgen. Puliletlirfies, Verichtlnlles usw. Durch Lieder, die die Socialdemokratie verherrliche», werden öffentliche Angelegenheiten nicht„erörtert oder beraten". Wegen Vergehens gegen die KZ 1 und 12 des Vereinsgesetzes war der Parteigenosse Mmnn; als Vorsitzender des Arbeiter- Gesangvereins„Eintracht" zu Ohlau in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von IS M. v e r u r t e i l t worden, weil er ohne v o r h e r i g e A n m e l d u n g bei der Polizei eine Ver- sammlung des Gesangvereins veranstaltet habe, die die Erörterung nnd Beratung öffentlicher Angelegenheiten bezweckte. Die gleiche Strafe traf den Gastwirt Behde, der de» Raum zu der Versammlung hergegeben hatte. Die Erörtenmg öffentlicher Anflelegenheiten erblickte das Landgericht Brieg in dem Abfingen! deS Lwdes„Weckruf". ES führte aus: Der größte Teil der Mitglieder deS Vereins„Eintracht" be- stehe aus Socialdemokratcn. Hieraus sei zu schließen, daß„Ein- tracht" nicht nur ein Gesangverein) sondem auch ein politischer Verein sei, welcher die Ziele der Socialdemokratie fördern wolle. Ob dies durch Reden oder Gesangsvorträge ge� schehe, sei gleichgültig. Das in der fraglichen Bersamm lung gesungene Lied„Weckruf" behandele nun die Lage der Proletarier, rufe sie auf, einig zu sein, nnd verheiße ihnen die Befreiung von der Knechtschaft.' Die Proletarier sollten für die Ziele der Socialdemokratie begeistert werden. Da somit eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten vorliege, so hätte die Versammlung des Vereins polizeilich' gemeldet werden nrüssen. Die Angeklagten legten Revision ein, welche Rechtsanwalt Dr. Liebknecht vor dem Kammergericht vertrat. Der Anwalt erklärte die Schlüsse des Landgerichts für durchaus fehlerha und führte u. a. des Näheren aus, daß von einer Erörterung öffentlicher Angelegenheiten durch das Absingen des Liedes gar nicht die Rede sein könne. Der Strafsenat des KanmtergerichtS folgte dem Antrage des Dr. Liebknecht und sprach die beiden Angeklagten ohne weiteres frei. Begründend wurde ausgeführt: Das Landgericht habe den Begri der„Erörterung" und der„Beratung" verkannt. Dieser Begri setze voraus, daß eine bestimmte Sache, im vorliegenden Falle eine b e st i m m t e öffentliche Angelegenheit, nach ihrem G r u n und Wesen untersucht, a u's ein andergesetzt, aus einandergelegt werde. Das sei b e i m Einüben u n Singen von Liedern«ie der Fall, selb st wenn ihr Tendenz auf eine Verherrlichung der Social demokratie hinauslaufe. ZI des VereinSgesetzes könne danach hier überhaupt nicht angewendet werden, ivcshalb eine Zurückverweisnng der Sache an die Vorinstanz(die der Ober staatsanwalt verlangte) sich erübrige und gleich auf Freisprechung zu erkennen sei._ GemevltMznftliches. Berlin und Umgegend. Achtung. Kürschner— Zurichter! Da bis jetzt jeder Vergleich mit den Arbeitgebern gescheitert ist, dauert der Streik der Zurichter unverändert fort, und ist darum der Zuzug nach Berlin streng zu meiden. Der Vertrauensmann. Achtung, Dachdecker! Die Differenzen der Kollegen bei der Firma N e u n; e i st e r sind zur Zufriedenheit der Beteiligten bei gelegt. Die Sperre ist daher mit dem heutigen Tage ausgehoben. Die A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n. Achtung, Täschner? In der Taschenfabrik von L. Markiewicz, Rittersir. 76. haben die Täschner und Nieter wegen Lohndiffereuzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Lohnkommission der Täschner. Die Wahle» zum Gclvcrbcgericht in Lichtenberg finde» am Montag, den 21. April, in der Zeit vom vormittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr statt. An der Wahl nehmen alle Arbeiter teil, die in Lichtenberg wohnen oder arbeiten. 25 Jahre alt sind nnd nicht bei einem Meister arbeiten, der Mitglied einer Jimniig ist. für die ein Schicds gcricht gemäß ZZ 91 und 91b der Gewerbe- Ordnung besteht; für die Arbeiter im Schlächter-, Bäcker- und Schornsteinfeger-Geiverbe besteht wohl eine Innung, aber kein Schiedsgericht, die Arbeiter dieser Gewerbe wählen also mit. Eine Zeitdauer, die die Wähler an; Orte wohnen oder arbeiten müssen, b e st e h t n i ch t. Jeder, der an; Wahltage in; Genreinde- Bezirk Lichtenberg, Friedrichs berg W i l h e l u; s b e r g wohnt o d e r a r b e i t c t u n d s i ch d a r- über l e g i t i in; e r t, besitzt das Wahlrecht. Wir erlvartcn von der Arbeiterschaft, daß sie vollzählig zur Wahl erscheint. Deutsches tlkeich. Der Schuhmacherstreik in Kiel dauert fort. Es sei dies ausdrücklich betont, weil sich eine Anzahl von Berliner Säiuhninchcrii durch die falsche Angabe, daß die Differenzen beigelegt seien, znr Reise nach Kiel bewegen ließen. Als zwei streikende Schuhmacher die Leute auf den; Bahnhof in Kiel über die wahre Sachlage auf klären wollten, wurden die beiden auf Veranlassung der Meister verhaftet. Die Manrer und Bauarbeiter in Brieg haben auf sämt- lichen Bauten die Arbeit niedergelegt. Die Leute forder» die Wiedereinführung eines 30 Pfennia-StinidenlohneS, der ihnen durch 'ortgcsctzte Lohnrcduklionen verkürzt wurde. Zwölf Wärter nnd einige Wärterinnen der Jrren-Anstalt F r i e d r i ch s v e r g- Hamburg haben wegen unwürdiger Bchandlung die Arbeit niedergelegt. I» der Möbelfabrik Otto in Fürth haben 114 Tischler die Arbeit wegen Lohndlfferenzen niedergelegt. Ein Arbeitswilliger Namens W i ch n e r reist umher nnd sucht Streikbrecher. Ausland. Durch de» Hafcnarbeiterstrcik i» Kopcuhagc» sind zur Zeit ca. 20 Schiffe an der Ausfahrt verhindert.— Die Hafenarbcitcr verlangen eine Erhöhung des Stundenlohns von 40 auf 50 Oere und eine dementsprechende Erhöhung der Accordlöhne.„Dat orenade Dampskibselskab" hat bisher eine gewisse Sonder- lellnng in Bezug auf die Lohniarife eingenommen und chlccht'ere Löhne bezahlt als die Kohleniniportenre.— Unter den von dem Ausstand betroffenen Schiffen ist auch der neue Amerikadanipfer„Oskar II".— Am Donnerstag hatte die Gesellschaft 100 Mann auf dem städtischen Arbeitsnachweis engagiert; als die Leute aber erfuhren, daß sie die von den Hafenarbeitern niedergelegte Arbeit verrichten sollten, erklärten sie einstimniig, daß sie keine Streikbrecher sein wollten, nnd gingen ihrer Wcge. Jetzt hat nach einer Meldung des Wolffschen BnreanS die dänische Tanipfschiff-Reederci-Vereinigulig beschlossen, alle organi- 'ierten Seeleute, Heizer und Hafenarbeiter anszusperren. Durch die Arbeitsstockung, welche dadurch in allen dänischen Häfen eiir- getreten ist. werden 6200 Arbeiter betroffen, weitere 2000 Arbeiler werden indirekt arbeitslos._ Sorinlrs. Seine Fürsorge für dir Ciscnbahnarbeiter bekundet der ächsische Staat durch folgende Bekainitinachnng, die im Lauf der Woche allen Staatsbahnarbeitern i» Sachsen ausgehändigt worden ist: Bekanntmachung, betreffend vorübergehende Abkürzung der Arbeitszeit in den Werkstätten der königl. sächsischen StaatScisenbahnen. Der schon geraume Zeit bestehende und voraussichtlich noch länger anhaltende Mangel ausreichender Beschäslignng für die Werkstätten der StaatSeisenbahnen bedingt. da auf eine Eni- laffnng von Arbeitern wegen Mangels an Beschäftigung nicht zurück- gekommen werden soll, vorübergehend eine Verkürzung der«gel- mäßigen zehnstündigen Arbeitszeit unter entsprechender Verkürzung des Lohnes beim Arbeiten im Zeitlohn. Nach vorherigem Einvernchmen mit den; Arbeitsausschuß der Werlstätten soll deshalb zunächst von Sonnabend, den 26. April an erstmalig bis auf weiteres in allen Werlstätlen der Staarsciscn- bahnen am Soniiabeiidnachinittag in der Regel nicht gearbeitet werden; ausnahmsweises Arbeiten am Sonnabend- nachmittag hat ohne Uebe r st un den- Vergütung zu erfolgen. Diese, sämtlichen Arbeitern der Werkstätten auszuhändigende Bekanntmachung ist von diesen binnen zwei Tagen, vom Tage des Empfanges an gerechnet, mit Unterschrift der Erklärung am Fuße der Bekanntmachung an den Beamten der Werkstatt zurück- zugeben, der die Verteilung der Bekanntmachung bewirkte. Nichtabgabe der Bekanntmachung oder Abgabe der nicht unter- schriebcnen Bekanntmachung lvird als Ausdruck der Absicht an- gesehen und behandelt werden, daß sich der betreffende Arbeiter der im allgemeinen Interesse der Arbeiterschaft getroffenen Maß- regel nicht zu fügen beabsichtigt. Dresden, 16. April 1902. Königliche Gencraldirektion der sächsischen Staaiseisenbahnen. v. Kirbach. Das also ist das Resultat der Konferenz, die in Dresden stattgefunden hat! Der sächsische Staat hält sich in seiner„Arbeiter- fürsorge" streng an die kapitalistischen Gepflogenheiten. Er verkürzt die Arbeitszeit, wodurch er in die Lage versetzt wird, seinen geübten Stamm von Arbeitern auch für kommende bessere Zeiten zu erhalten, er verkürzt sie auf K o st e n der Arbeiter! Den Arbeitern, die dadurch in ihrem Einkommen geschmälert sind, wird aber trotzden; zugemutet, am Sonnabend„aus- nahmsweise Arbeiten" ohne Ueber stunden- Vergütung zu machen. Freilich braucht sich ja nieniand damit einverstanden zu erklären, niemand braucht die„Bekanntmachung" zu unterschreiben. Ader dann wird angenommen, daß er sich„nicht fügt", und wer sich „nicht fügt", für den wird man sicher allerdings nicht ange- kündigte Maßregeln haben, die den willigen Leuten über kurz oder lang wieder zu voller Arbeitszeit verhelfen. Der Staat schlägt dabei zwei Fliegen mit einer Klappe: Er erfüllt seine„socialen Pflichten" und wird dabei die„Unzufriedenen" los. Gevichks �Jerkung. Der Landfriedensbrnch-Prozcsi der Steinarbcitcr von Gommern und Umgegend vor dem Schwurgericht in Magdeburg endete mit der Frei- sprechung der sieben Angeklagten Berger, August Gebhardt, Lissa!, M i e s z i n s k i, M ö h r i n g, Runzel und W ä ch t l e r. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde Rinkowski wegen schweren Aufrnhrö zu 10 Monate» Gefängnis, Witte, Wilhelm Gebhardt, Gollin und K o ch n e r wegen einfachen Aufruhrs die ersten beiden zn je S Monate», die letzteren beiden zu je 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Allen Verurteilten mit Ausnahme von Gollin wurden 5 Monate von der Untersilchiingshaft angerechnet. Letzterer befindet sich noch wegen Meineids in Untersuchung. Eine Anklage wegen fortgesetzter Erpressung führte gestern den Steiiidruckcr Oskar Keßler und dessen Ehefrau Emma Keßler vor die vierte Strafkammer des Landgerichts I. Keßler ist wegen der verschiedcnslcn Strafthatcn über zwanzignial, die Ehe- frau wegen sittenpolizeilichcr Uebertretungen und Kuppelei nicht weniger als scchsuiidsechziginal vorbestraft worden. Das würdige Paar hat sich an; 19. März d. I. im Uutcrsnchnngsgefängniffe trauen lassen. Die Ehefrau K. war seit Jahren dem Morphiumgenuß er- geben. Die Acrzte weigerten sich, ihr das gefährliche Mittel zu ver- schreiben. Auf ihr Ersuchen ließ der ihr bekannte Drogncnhändler Gott- schall sich bewegen, ihr Morphium zn verabfolgen. Von dieser Zeit an gab Gotlschalk ihr in iiiimcr kürzeren Zwischenräumen Morphium. Die Keßler sröhnie mm den; Genüsse in so übertriebener Weise, daß sie im September v. I. das Krankenhans am Friedrichshain aufsuchen mußte. Der sie behandelnde Arzt ermittelte bald die KrankhcitS- nrsache und drang nun in die Patientin, ihm denjenigen zu nennen, der ihr so große Mengen Morphium verabfolgt habe. Der Arzt soll hinzngefiigt haben:„Der Mann gehört ins Zuchthaus!" Bald darauf erhielt Gottschalk von Frau Keßler auS dem kranken- Hanse ein Schreibe», worin sie ihm anzeigte, daß er sie durch Vrrabfolgung des Morphiums körperlich zu Grunde gerichtet habe. Sie habe bisher den Namen des Morphinni-Liefcranten, der nach Ausspruch des Arztes ins Zuchthans gehöre, verschwiegen. Nach einigen Tagen erschien der Ehcinai»; Keßler bei Gotlschalk, ließ ver« leckte Andeutungen fallen und erbat sich ein Darlehen von 100 M., welches ihm von dem gcäiigstigtcn Goltschalk anstandslos gewährt wnrde. Es verlief mir kurze Zeit, da erschien Keßler wieder und erbat sich diesmal ein Darlchn von 300M. Auch dieser Betrag wnrde ihn; gciväbrt. Gottschalk hatte in»; Ruhe, bis die Angeklagte Keßler ans dem Krankenhanse entlassen wurde. Diese ging noch energischer vor. als ihr Ehemann. Sie verlangte 200 M. unter der Androhinig, daß sie ihn sonst ins Zuchthaus bringen würde. Gottschalk gab das Geld her. Die Ehefrau K. zog die Schraube dann stärker an. Sie ver- langte und erhielt nach nnd nach Beträge von 250, 150 und 300 M. Endlich trat die Angeklagte mit einer Forderung in Höhe von 900 M. an ihn heran. Der Bedrohte sah ein, daß eine Schraube ohne Ende gegen ihn zur Anwendung gebracht ivürde. Er hatte che» Erpressern gegen 1300 Mark geopfert und zog eS nun vor, der Kriminalpolizei Anzeige zu machen, worauf das Ehepaar in Haft gciioninien wurde. Beide Angeklagte waren im ivescntlichcn geständig, die Ehefrau K. behauptete nur, daß der Zeuge Gotlschalk ihr das Morphium zum erstenmale angeboten habe. Sie habe in seinem Geschäft einen kleinen Einkauf gemacht, wobei sie ein ärztliches Reccpt in der Hand gehalten habe, das sie nach der Apotheke tragen wollte. Gotlschalk habe sich das Reccpt zeigen lassen und geäußert:„Das Zeug kann ich Ihnen auch mache»." Von dieser Zeit ab sei sie zu ihm gegangen.— Gegen Gottschalk kann ivcgc» der von ihm begangenen Uebertretung nicht mehr vor- gegangen werden, da in dieser Beziehung Verjährung eingetreten ist» Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten je ein Jahr Gefängnis, während der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, ausführte, daß die Ehefrau nicht so strafbar sei als ihr Ehemann. Der Gerichtshof sah beide Angeklagte gleich an und verurteilte die- selben z» je anderthalb Jahren Gefängnis und drei- ährigen Ehrverlust. Wcgrn unlauteren Wettbewerbes hatte sich gesten; der Kauf- mann Philipp Elend vor dem hiesigen Schöffengericht zu verant- Worten. Der Angeklagte ist der Besitzer eines Warenhauses in der Rcittickeudoifeistraße und ist am 11. Januar von einem Brande betroffen worden, der in einem Schaufenster ausgebrochen war und einen nicht nnerheblichen Schaden angerichtet hatte. Er ver- anstaltete später einen Ausverkauf und kündigte diese» dadurch an. daß er an jedes seiner acht Schaufenster 16 große rote� Zettel mit der Ankündigung„Großer Brand- Ausverkauf" klebte. Der Ausverkauf dehnte sich mehrere Wochen auS nnd das Plakat erhielt später dadurch eine Bereicherung, daß unter die obige» Worte in kleinen Buchstaben gesetzt wurde:„und andrer Sachen".' Auch in Annoncen wurde der Ausverkauf von„Brandsachen auS den Bränden vom 11. Januar und 6. Februar" angekündigt und kolossal billige Preise für Herrenanzüge angepriesen. Der Angeklagte gab zu. daß es nur einmal bei ihm gebrannt und der Brand von; 6. Februar ganz Ivo anders staltgefuuden habe, während er selbst) nur Sachen aus diese»; Brande anfgeknnft habe. Die Geschäftslenter der Umgegend fühlten sich durch das Verfahren des Angeklagten ge- chädigt, thaten sich zusaimnen nnd veranlaßten gegen ihn das Ver- ahren wegen Vergehens gegen§ 4 des Gesetzes wider den un- lauteren Wettbewerb, indem sie behaupteten, daß er durch' Angabe falscher Thatsachen den Anschein eines ganz be- 'anders günstigen Angebots erregt und einzelne Waren, die er als vom Brande beschädigt angepriesen, vor dem Brande gar nicht geführt, sondern sich erst danach angcsckinfft habe. Ter Angeklagte bestritt entschieden, falsche Thatsachen behauptet zu haben. Auf Grund einer umfangreichen BeweiSanfnabiiie bean- tragte der Staatsanwalt 500 M. Geldstrafe und schlug vor, die Publikation in der Weise anznordneii, daß das Urteil in gleich auf- älligen Plakaten an die Schaufenster des Angeklagten geklebt werden möge. Der Gerichtshof verurteilte den Augeklagten zu 1000 M. Geldstrafe eveut. 100 Tagen Gefängnis und ordnete die Ver- öffentlichmig deS Urteils durch die Zeitung an. Zletzkv MAihviMen und Vepefcho»,« Poln, 19. April.(B. H.) Der hiesigen meteorologischen Station wurde heute früh 3 Uhr 36 Min. ein starkes Erdbeben von vornehmlich oft westlicher Richtung signalisiert. Das Maximum der Bewegung wurde 7 Uhr 15 Min. beobachtet.� Die Entfernung des Epiceutruius wird auf 10000 Kilometer geschätzt. 'Leraniworilicher R-dacteur: Carl Leid-n Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich:»h.«locke w Berlin. Druck und Verlag von Max Bad,, ig in Berlin Hierzu 5 Beilage»«. IluterhaltmigSblatt. % i!. a 3.1.,..,. i, KW des Jmnirts" Ktlinet Klbliliitl-.«w.»>«. MeictzskÄg» !L9. Sitzung vom Sonnabend, den 19. April 1902. nachmittags 1 N h r. Am BundeZratStisch: Graf Posado lvsky. Die zweite Beratung derSeemanns-Ordnung wird fortgesetzt bei der Beratung einer von der Kommission vor- gelegten Resolution. Die Resolution ersucht die Regierung, mit ttzunlichster De- schlcnuigimg einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Frage einer behördlichen Aufsicht über Seetüchtigkeit, Tiefgang, Benrannnng und Verproviantieruug von Kauffahrteischiffen geregelt, für Abstellung etivaigcr Mängel Sorge getragen und zu diesem Zlvcck eine der Oberaufsicht des Reichs unterstehende Instanz bestimmt wird. Abg. Lenzmann(frs. Vp.) beantragt das Wort Tiefgang zu streichen und dafür einen Absatz anzufügen, in welchem ein Gesetz über den Tiefgang und die Ladeliuie der Schiffe verlangt wird, dem die praktischen Erfahrungen der Handelsmarine über Tiefgang und Ladelinie zu Grunde zu legen sind. Präsident Graf Pallestrem: Der Antrag bedarf noch der Unter- stützuug von 30 Mitgliedern dieses Hauses, Aus leicht ersichtlichen Gründen werde ich die Frage der Unterstützung erst später stellen. (Große Heiterkeit; es sind nur 27 Abgeordnete im Saale anwesend.) Abg. Lcnzinium(frs. Bp.): Man' sagt den Reedern nach, daß sie ans Profitsncht sich gegen die Festsetzung der Ladelinie wehren. Die Reeder, die der.Vorwärts" geschmackvoll meine persönlichen Freunde nennt, obgleich ich keine einzige Aktie irgend einer Reederei besitze und obgleich die paar Reeder, die ich kenne, sich sehr bedanken werden, mich zu ihrem Parteigenoffen zu rechnen— die Reeder haben allerdings das größte Interesse daran, daß die überaus schwierige Frage der Festsetzung der Ladeliuie nicht überhastet auf Grund theoretischer Berechnungen geregelt wird. Zunächst niüssen genügende Erfahrungen gesammelt werden) solche liegen für Deutschland noch nicht vor, da erst seit zwei Jahren der Tiefgang der Schiffe der Kontrolle der Sec-Bernfsgenossenschaft unterliegt. Häufig werden die Schiffe gerade dadurch gefährdet, daß eine bcstiinnue Ticfladclinie nicht erreicht wird. Ich bitte Sie daher, meinem Antrage stattzugeben. Abg. Stockmann(Rp.) schließt sich den Ausführungen des Vor- rcdncrS an. In England ist man init dein dort gegebenen Gesetz durchaus nicht allgemein zufrieden. Abg. Schwartz-Lubeck(Soc.): Ans einer Veröffentlichung der See-Bernfsgenossenschaft über die verschollenen Schiffe geht hervor, daß in'den 12 Jahren 1888—1900 183 Schiffe verschollen sind. Das macht pro Jahr 13,3 Schiffe. Da hat die Gesetzgebung alle Ursache, hier Remcdnr zu schaffen. In der Schrift der Sec-Bernfsgenossenschaft heißt es fast immer:.Der Grund des Unfalls ist nicht ans- z u k l ä r e n gewesen". I» vielen Fällen wird gesagt:.lieber die Seetüchtigkeit des Schiffes war nichts zu ermitteln (Hört! hört! bei den Socialdcmokraten.) Manchnial giebt die Sec- Berufsgenossenschaft auch an. ivahrscheinlich war das Schiff zu schtvcr beladen, so war dies z. B. der Fall bei dem mit Walzeisc» belasteten Hamburger Zweimaster„Gloria". Eine Aufsicht über die Belastung der den Hase» verlassenden Schiffe wäre also dringend notivendig. Vor allem müßte die Dcckbclastnng ganz verboten werden, zum mindesten im Frühjahr und Herbst. Sehr wichtig ist auch die Aufsicht über Seetüchtigkeit und Bemannung der auslaufenden Schiffe. Eine 38 Jahre alte Rostocker Bark wurde für seetüchtig erklärt, nur iveil sie vom Germanischen Lloyd noch klassifiziert ivar. Das ist selbst der See-Bernfsgenossenschaft zu stark. Ein andres Schiff wurde noch für seetüchtig gehalten, trotzdem es bereits seit 12 Jahren nicht mehr klassifiziert war. Im Jahre 1332 machte der Untergang des Fünfmasters„Maria Rickmers" großes Aufsehen. Das Schiff war erst in demselben Jahre fertig gebaut und befand sich auf der ersten Reise. Englische Blätter schrieben damals, man hätte das Schiff im Sturm „laufen lassen" müssen, das heißt, man war nicht im stände, die Segel rinznzichc». Das ist auch nicht zu verwundern, denn die ganze Besatzung dieses Fünfmasters bc- stand einschließlich des Kapitäns und der Offiziere ans 3V Mann.(Hört I hört! b. d. Soc.)— Warum ist ferner die .Elbe" seiner Zeit zu Grunde gegangen? Eines teils an der Schwäche des Schiffes dann aber und vor allem an dem große»senkrechten Steven. Diese senkrechten Steven sind einfach eine Nachäffung der Kriegemarine durch die Handelsmarine und haben nur zur Folge, daß bei einem Zusammcnstost die Schiffe von oben bis nntrn anSeinauderbersten. So konnte auch die„Elbe" durch den senkrechten Steven eines verhältnismäßig kleinen Dampfers zu Grunde gerichtet Iverdcu. Schließlich ist natürlich auch eine Aufsicht über die V e r- provia utieru» g der Schiffe dringend notwendig. Ich bitte Sie daher, die Resolution unverändert an zu- u e h m e n.(Bravo! bei den Socialdeinokratcn.) Abg. Raab(Ant.): Da ein principieller Gegensatz gegen die Resolution bisher nicht laut geworden ist, hoffe ich ans ihre einmütige Annahme. Den Zusatzantrag Lenzmann halte ich für überflüssig. Es dürfte kein alltäglicher Borgang sein, daß ein Mann der Fort- fchrittSpartei der Regierung den Vorwurf machen will, daß sie gar z» rasch arbeite. Ich hoffe, daß wir recht bald dem Vorbilde Englands nachfolgen werden. Dort ist jetzt außer der Ti e f l n d e li ni e auch die L e i ch t l a d e li»i e fest- gesetzt, also die Lücke ausgefüllt, die Herr Lcnzmann erwähnte. In der deutschen Handelsmarine hat die Fahrsicherheit auch nicht gerade zugenommen, was die Steigerung der Versicherungsprämien beweist. WaS heute den Seeleuten zugemutet wird, kann man aus einem Versammlungsbericht des Vereins der Kapitäne ersehen. Danach erklärte ein Kapitän einem Agenten gegenüber:.Wir können nichts niehr laden, denn wir haben bereits den Punkt über- schritten, bis zu welchem wir laden dürfen." Darauf hat ihm der Vertreter der Firma gesagt:„Wir packen den Kasten voll bis znm Ersaufen!" lind wirklich wurden in das Schiff noch Waren eingeladen! Die Hauptschuld an der Neberladung trage» also nicht die Kapitäne, sondern die Reeder. Der Kapitän steht dem Reeder völlig wehrlos gegenüber, da der Reeder ihn einfach durch einen anderen ersetzt, wenn er nicht seinen Wünschen in jeder Beziehung nachkomnit. I» unsrer Hand liegt so nianchcs Seemannöleben. Sorgen Ivir dafür, daß wir uns niemals schuldig fühlen müssen, wenn einmal wieder ein schweres Unheil unsre deutsche Schiffsmannschaft betreffen sollte.(Bravo!) Kapitän zur See Konter-Adniiral Schmidt: In der Kommission wurde behauptet, daß in Deutschland doppelt so viel Schiffe wegen zu großer Belastung untergehen, als in England. Ich habe die Schifssnnfälle bis 1376 zurückverfolgt und die Ergebnisse veröffent- licht. Diese Ergebnisse stimmen mit den Angaben der Herren Schtvartz und Raab nicht überein. Das ist auch nicht wunderbar, da diese Herren einzelne Jahre herausgegriffen haben, während man bei jeder Statistik eine ganze Reihe von Jahren betrachten muß.— Das Alter der Schiffe kommt, weiß Gott, sür die llnfallSgefahr recht wenig in Betracht. Es gehen auch ganz neue Schiffe zu Grunde(Lachen bei den Socialdcmokraten). Gewiß kommt es auch vor, daß nicht mehr klassificierte Schiffe auf See gehen, das ist aber ebenso, wie wenn Sie, meine Herren, sich ein morsches Boot nehmen und damit auf dem Müggelsee verunglücken, oder wenn irgend jemand auf einer Jacht ausfährt, der nicht segeln kann. sich noch niehrere Personen mitnimmt und dann kentert.(Lachen bei den Socialdcmokraten.) Ueber das Verbot der Decksladung würden die Seeleute nur die Achseln zucken. Eine solche Belastung dient häufig geradezu zur Sicherimg des Schiffe». Die Zahl der Schiffs- Unfälle ist in England nach Ein- führung der Tiefladelinie nicht zurückgegangen. Den Reedern werden durch die Tiefladclinie an sich keine Lasten auferlegt, sie fürchten nur eine falsche Ticfladclinie. Die Bestimmung der Tieflade- linie für ein Schiff ist äußerst schwer. Heute will' ja freilich jeder sachverständig sein, der einmal über See gefahren ist. Ich würde es sogar vermessen finden, wenn ein Kapitän erklärte, e r könne die T i e f l a d e l i n i e für sein Schiff bestimmen. Ich selbst habe mich Jahre lang mit der Materie beschäftigt, ohne im stände zu sein, die Tiefladelinie eines Schiffes anzugeben. Gewiß kann ich eine Tiefladelinie bestimmen, aber die ist dann auch danach. (Große Heiterkeit.) Staatssekretär Graf Posadowöky: Alle Bestrebungen, den See- mann gegen Unfälle zu schützen, finden bei der Regierung die wärmste Unterstützung. Das Organ, dem diese Aufgabe obliegt', ist die See- Bernssgenosscnschaft, die auch bereits eine große Reihe von Vor- schriften zum Schutze der Seeleute erlassen hat. Außerdem soll in Zukunft ein Schiffsban-Technikcr ini Reichs-Versicherungsamt an- gestellt werden, der dann auch die Thätigkeit der Scc-Bcrufsgenossen- schaft zu überwachen haben wird. Die Schaffung einer besonderen Aufsichtsbehörde, wie sie die Resolution verlangt,'dürfte neben diesen Organen wohl überflüssig sein. Eine Geneigtheit der verbündeten Regierungen zur Schaffung einer derartigen neuen Behörde kann ich in diesem Augenblick nicht in Aussicht stellen. Abg. Kirsch(C.) erklärt sich für die Kommissionsfaffung mit dem Amendement Stockmann. Abg. Lcnzmann(frs. Vp.): Der Antrag des Herrn Stockmann ist mit dem nieinigen nicht identisch. Ich wünsche eine andre Be- Handlung der Frage der Tieflndclinic als der übrigen in der Re- solution erwähnten Fragen, daher muß ich bei meinem Antrag bleiben. Abg. Schwarz-Liibcck(Soc.): Das von mir vorgetragene Material stammt, wie schon bemerkt, ans der Denkschrift der See-Berufsgenossen schaft und erstreckt sich über einen Z e i t r a u in' v o n zwölf Monate n. Ich verstehe nicht, wie Herr Konter-Admiral Schmidt mir daraus einen Vorwurf machen kann. Umgekehrt könnte ich ihm vorwerfen, daß e r mit einem ganz unkontrolierbaren Material operiert, das aus Zeitschriften stammt.— Die Decklast ist ohne genügende Verschanzung sür die Seeleute der reine Mord. Sie müssen fortwährend über die Ladung klettern und werden bei schwerem Wetter dabei leicht über Bord gespült.— Ich bitte Sie also noch- inalS, die Resolution unverändert anzunehmen. Abg. Raab(Ant.): Es ist auffallend, welch verschiedene Au- sichten in Marinekrcisen über den Wert der Tiefladelinie herrschen. Der Herr Konteradmiral Schmidt hat sich enlschieden gegen die Tiefladeliuie ausgesprochen, er meinte sogar, verschiedene Unglücksfälle der englischen Schiffe seien direkt auf die Festsetzung der Schifssladclinie zurückzusühren, eine andre Stelle aber, die sich gewiß nicht die S a ch v e r st ä n d i g k e i t in Marinefragen abstreiten lassen wird, hat sich in ganz entgegen- gesetztem Sinne geäussert. Ich brauche nur an das Telegramm an die Hamburg-Amertka-Linie zu erinnern, das die Einführung der Tiefladelinie bei dieser Gesellschaft als sociale That begrüßte.' Ich hoffe, daß im Sinne dieses von sehr hoher Stelle ausgegangenen Telegramms die allgcincine Einführung der Tiefladclinie bei uns bald erfolgen wird. Kapitän zur See, Konteradmiral Schmidt: Ich habe mich nicht gegen die Tiesladclinie als solche gewendet, sondern habe nur gegen eine solche gesprochen, die auf reiner Theorie aufgebaut ist. Wer meine Schrift gelesen hat, wird daraus meine» Wunsch erkannt haben, daß wir möglichst bald zu einer M i n d e st- T i e f l a d e I i n i e kommen. Daß ich mich gegen die Tiefladelinie als solche gewendet habe, hat nur der herausgehört, der mich als Feind seiner Be- strebungen betrachtet. Damit schließt die Diskussion. Die Abstimmung über die Resolution und die Anträge wird bis zur dritten Lesung aufgeschoben. Es folgt die Beratung der Ergänzungsgesetze zur Seemannsordnung. Der Gesetzentwurf betr. die Verpflichtung der Kauffahrteischiffe zur Mitnahme heimzuschaffcnder Seeleute wird in zweiter Lesung debattelos genehmigt. Ebenso werden die Gesetze betr. die Stellenvermittlung für S ch i s f S l e u t e und betr. Abänderung f e e r e ch t l i ch e r Vorschriften des Handelsgesetzbuchs debattelos erledigt unter Annahme einiger Anträge, die lediglich Kon- seqnenzen der zur SecmnnnS-Ordnung angenommenen AbänderimgS- anträge sind. Auf Antrag Singer beschließt das HauS jetzt noch den an einer spätere» Stelle der Tagesordnung stehenden Punkt, die Er- lcdignng der sogenannten I o x R i n t e l e n in Angriff zu nehmen. Zur Verhandlung komnit also die von den Kommissionsmitglieder» der lex Rintclcn beantragte Resolution, die sogenannte lex Rintclcn für erledigt zii halten und die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, in dem die Wieder- cinsiihiung der Berufung in Strafsachen einhalten ist. Abg. Dr. Rinteleii. Gastspiel der französischen Opern- gcsellschalt. Faust. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Geschlossen. Schiller. Die Räuber. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Revisor. Montag: Mein Leopold. Deutsches. Liebelei. Hierauf: Der grüne Kakadu. Ansang 7V2 Uhr. Nachm. 2V- Uhr! Rosenmontag. Montag: Es lebe das Leben. verliuer. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Uhr. Montag! Dieselbe Borstellung. Lcssing. Die Zwillingsschwester. An- sang?»/, Uhr. Montag: Duse- Gastspiel. Oasa vatsrna(Heimat). Westen. Don Juan. Anfang 7V, Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Der Freischütz. Montag(Schüler- Vorstellung): Wiener Blut. Residenz. Einquartierung. Anfang 7-/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaftvagen- Controleur. Montag: Einquartierung. Neues. Gastspiel des Pariser Ensembles vom Thoatre du Palais Royal. Laers Leonce. Anfang 7Va Uhr. Montag: I.s Dindoa. Central. Das sühe Mädel. Anfang TV, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: DaS(fifee Mädel. Thalia. Seme Kleine. Anfang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Belle-tztlliance. Die Dame auS Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Bei Neumanns. Unsre Männer. Ansang 7V, Uhr. Nachmitags 3 Uhr: Romeo und Julia. MlMtaa: Liese Gruben«. Carl Weist. Hannemann vom Viehhof und: Der kleine Cohn. Ansang 8 Uhr. Nachm 3 Uhr: Gänseliefel. Montag: Hannemann vom Viehhof und: Der kleine Cohn. Friedrich-Wilhelmstadtlsches. Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 7V, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Don Carlos Infant von Spanien. Montag: Berlin, wie es weint und lacht. SeccssionSdühue. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. ». v. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall und Rauch. Serenissimus- Zwifchenspicle. Ansang 8'/, Uhr. Nachmittags 3»/, Uhr: Vorstellung vor Serenissimus. Montag: Serenissimus- Zwischen- spiele. OrpheuS. Specialitäten-Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Ehnrivart. Täglich Borstellung. Ansang 7V, Uhr. ivtetropol. Unsre Don Juans. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stpollo. Lyfiflrata. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Specuililäten-Vorftenung. Eine Nacht im Ballhaus. An- sang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casina-Thratcr. Berlin ans Stelzen. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 7»/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Dienstbote. Specialitäten. Weihnachten. Montag: Berlin auf Stelzen.— Specialitäten- Vorstellung. NrichShnIle». Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang nachmittags Passage- Panoptikum. Speciali- lätcn-VorsteNnng. Urania. Tanbcns'r. 48/4».(3m Theatersaal.) Abends» Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnvatidenstrasse aT/tiS. Täglich: Sternwarte._ ftui Weiss-Theater. Grosse Frankfnrterstr. 132. Täglich; Hamttmann vom MM und: Der kleine Eohn. Graste Berliner Ausstattungspoffe mit Ges. in b Bildern von Eriist Ritterseld. Musik von Albert Wicher. Ansang 8 Uhr: Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gänseliefel. Romantisches Schauspiel von C. Pauli. Nach dem berühmten Roman von Nataly von Eichstruth. Kl. Preise. Parkett 80 Pf. Montag u. folg. Tage llonnoinann und vor Kloin« Cohn. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: SW liCtztcr Sonntag.*96 Frühlingstage an der Riviera. Castans Panopticii Frledrich-Strasse 165. 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Tägl. Matinee von la-a Uhr. Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag» den 27. April» vormittags präcise 10 Uhr: Mailieder- Probe. Die Vereine gehen in dieselben Lokale zur Probe, wo sie am 1. Mai singen. Die Sänger werden nochmals darauf hingewiesen, vollzählig zu erscheinen. Bundeskarte legitimiert. 18/6 Der Vorntand. Am 15. April entschlief nach kurzen' schweren Leiden mein lieber Mann, unser Vater und Sohn ?fll)dvll(w. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. April, 12 Uhr, von der Leichen- Halle des Heiligen Kreuz-Kirchhoss in Mariendorf aus statt. 2085b Die trauernden Hinterbliebenen. WIIMtliter (Wallner-Theater). Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Revisor. Lustspiel in 5 Akten v. Nikolay Gogol. Deutsch v. E. v. SchabelSky. Sonntagabend 8 Uhr: Die Rtlover. Ein Schauspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. Montagabend 8 Uhr: Melo Lieopold. Dienstagabend 8 Uhr: Der Probekandidat. Crnttal-TlMter. Heute zum 123. Mal: IVi Uhr. 7'/, Uhr. DAS fiMv mätvl. Operette in 3 Akten von Landsberg und Stein. Musik von Reinhardt. Sonntagnachmittag 3 Uhr in erster Besetzung: Der Zigeunerbaron. Operette in 3 Akten von Schnitzer. Musik von Johann Straub. Morgen und solgende Tage 7l/j Uhr: Das süsse Mädel. TMia-Tkeatkr. Dresdenerstrasse 72/73. Täglich. Anfang 7>/z Uhr: Täglich. Seilte Kleine. Gr.Ansst.-Posse m. Ges. u.Tanz in 3 Akt. Im 2. Akt:„Hab'n Sie nicht den kleinen Cohn geseh'n?" Am 30. April: Abschieds-Vorstellung und Benefiz für Cuido Thlelscher, Ami Mai: Gastspiel der Schiierseer. Am 1. Mai Rrörrnnng des vollständig renovierten Sommer- Gartens. Belle-Alllance- Theater. Heute zum HC Mal: Die Daine um Trsuville. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Alt Bmii Sondermann. Ford, Worms Mizzl Birkner. Bosa Marlon. Hierauf: ,,(£t". Pariser Lebensbild in 1 Akt. Ansang T'/z Uhr. Morgen: Die selbe Vorstellung._ Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonntag, 20 April, nachm. 3Vj Uhr bei über die Hälfte ormässigten Preisen: Vorstellnng vor Serenissimus Abends 8 Uhr Gastspiel von Emanuel Reicher. Sercuissimus-Zwisclieuspicle u. a. Montag, 21. April: Strlndbcrg- Cyclns u. a. Puhlmanns Vattdeville-Tlieater. Inhaber: Wilhelm Fröbel. 6chönhauser-silee 148. Heute Sonntag: Großer Hall. UffT''Voninxelge! Am 18. Mai(1. Pfingstfeiertag): Eröffnung der Sommer-Spielzeit unter der neuen Firma: Frühels„Allerlei-Theater. Auftreten des erstklassigen Schauspiel- und Specialitäten- Personals. Alles Nähere spätere Anzeigen. Den geehrten Bereinen, Gesell- schafte», Versammlungen tc. stehen meine gesamten Räume zu soliden Bedingungen jederzeit zur Verfügung. Ist74b Wilhelm Fröbel. Apollo-Theater. Um 7Vj Uhr: dell' Oro« Hill u. Hull Gebrüder Wille Olga Viarda« Kinematoskop Elsa Malta. Um 8 Vi Uhr: Lysistrata Ausstattrings- Operette von Paul lilncke Luftbauett„GrlgolM". _ Kasseneröffnung 6 Uhr. Casino- Theater Lothringerstr. 37. 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Die Beerdigung findet Sonntag den 20. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Schöncberger Kirchhofes ans statt. Die Drtsverwaltuug. Mlmmlttlitlttr. XodcS-Zlnzcigc. Den Kollegen zur Kenntnis, dab unser Kollege 172/12 Erani Satorius am Freitag, den 18. d.M., nach schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. d. M., nachm. 3 Uhr, vom Krankenhaus FriedrichShain nach Lichtenberg statt. Der BertrauenSman». Todes-Anzeige. Unser langjähr ges Mitglied, der Stcinarbeiter Franz Satorius ist am 18. d. M nach langem Leiden verstorben. 1 4/4 Die Beerdigung findet am Montag, den 21. d. M., nachm. 3 Uhr, vom Krankenhaus FriedrichShain auS»ach dem Kirchhof in Lichtenberg, Krngstege, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand des socialdcm. WahlvercinS in Lichtenberg, Orts-Rrankenkasse der Sattler zu Berlin. Donnerstag, den 17. April, verstarb das Mitglied (Werlstatt H. Werthmann). Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. dS., nachm. 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Schöncberger Kirch- hoss aus statt. I. A.: C. Assmann. Vereinszimmer, auch passend zur Zahlste"e, zu ver- geben Franksurter Allee 65, Eck« Licbigstr. Dshar Rctsch. Urania WrangcIstrasMC IQ 11. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäule». Empschle mein Lokal zu Fest- lichkeilen und Versammlungen. 3840L» V. F. Vi alter. Duss' Salon und Stehbierhalle, Gr. Frankfnrtcrstr. 83. Jeden Sonntag, DienStag, Donners- tag, Freitag: Ball. Empfehle meinen Saal nebst Garten an Vereine zu Festlichkeiten an Sonnabenden. 3837L» Otto Theo), 3 Säle Sonnabends und Sonntags In» April frei. 38611.» Alexanderstr.«7e. Die scliönsten Herren- Anzüge. Herrengarderobe in neu. sowie spcciell 3883L» Monatsgarderobe von Kavalieren zurückgelegte Sachen, fast neu. für jede Figur passend, sind in gröbter Auswahl zu staunend billigen Preisen stets zu haben. 1. Wand, SriiKnb. 17, Ecke Wasscrthorftralie. 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Der Architekt hat aus Anlast der Einwendungen des Kaisers gegen den geplanten Märchenbrunnen und auf Beschlust der Kunst- dcputation ein neues Projekt entworfen und der Deputation vor- gelegt. Das neue Projekt giebt den monumentalen Charakter fast gänzlich auf und stellt sich'als eine aus mehreren Gruppen bestehende Anlage dar, welche vor zwei künstlich herzustellenden Teichen gelegen, die verschiedenen Gestalten der deutschen Märchen zeigen. In der sich an die Erläuterungen des Referenten knüpfenden Diskussion lvurde übereinstimmend— auch von den Befürwortern der Umänderung der Märchenbrunnen-Anlage— die Ansicht ausgesprochen, dast das' Projekt für die Ausschmückung eines Parkeingangs nicht als geeignet betrachtet werden könne. Das Projekt— so wurde ausgeführt— lasse den monumentalen Eindruck vermiffen und würde eine unbedeutende Wirkung haben, die daS schöne Unternehmen erheblich beeinträchtigen müsse. Nach längerer Erörterung, die vereinzelt bedingte Zustimmung, meist jedoch Bekämpfung des Projekts zeitigte, einigte sich die Deputation auf Antrag des Stadtv. Singer dahin, die Weiter- beratung der ganzen Angelegenheit bis zum Oktober zu ver- tagen! Unter andernr wurde»och beschlossen, in Erwägung zu ziehen, ob nicht an Stelle des bisher üblichen Diplome bei Jubiläen usw. künstlerisch ansgeftthrte Plaketten überreicht werden sollen. Die im Gipsmodell angekaufte Gruppe von Professor Calandrelli„Mutter dem Kinde Unterricht erteilend", soll in einem städtischen Gebäude Aufstellung finden. Eine Eingabe, um Erneuerung des E i s e» g i t t e r s auf dem Leipziger Platz, wurde der Park- und Gartenverivaltung überlviesen. Für die Ausschmückung des Trauzinrmers in dem Standes- amt an der Fischerbrücke wurden auf Antrag des Stadtbaurats Hoffmann 32000 M. bewilligt. i Der verstorbene Professor Schauer hat der Stadt eine An- zahl Gemälde unter der Bedingung hinterlasse», dast seine Bilder im Rathause aufgehängt werden. Die Dcputation beschlost, die Gemälde zunächst durch eine kleine Kommission besichtigen zu lassen, ehe eine Entscheidung über die Annahnre getroffen wird. Der Turnverein„Friesen" beantragt, im Viktoriapark eine Büste von Friedrich Friesen— dem Milgründer der deutschen Turnerei — aufstellen zu lassen. Die Deputation beschloß, den Antrag ab- z u l e h n e n._ Die städtische Verkebrsdeputation beschloß gestern, den An- trag des Dampfschiffsbesitzers Tismer auf Genehmigung einer Ab- fahrtsstelle am Brandenburger Ufer unter der Bedingung zu ge- nehmigen, dast der Pächter einen Vastiiiidi.qe» Verkehr auch an Wochentagen einrichtet. Eine längere Diskussion entspann sich über den von der Großen Berliner, der Westlichen und Südlichen Vororts- und der Berlin- Charlottenburger Strastenbahn-Gesellschaft gestellten Antrag, am 1. Mai d. I. einen von den bisherigen Bestiminungen erheblich ab- weichenden Fahrplan in Kraft treten zu lassen. Es handelt sich darum, ganz allgemein eine Verlangsamung der Wagenfolge und zwar auf TVa Minuten einzuführen. Außerdem verlangen die Gesellschaften die Einrichtung einer Kurve in der Wichmannstraste zum Zweck dcS Eintritts der Charlottenburger Stratzenbahn in Berliner Gebiet, und schließlich soll genehmigt lverden, dast auf Linien, die über Berliner Weichbild hinausgehen, für die Fahrt 1ö Pf. erhoben lverden dürfen. Die Diskussion ergab namentlich von seilen des Baurats Krause und des Stadtv. S i n'g e r energischen Widerspruch gegen die von der für Tarif- und Fahrplan- Angelegenheiten eingesetzten Sub- kommission befürworteten Forderungen der vereinigten Straßenbahn- Gesellschaften. Es wurde darauf hingewiesen, daß der Zehnpfcnnig- Tarif durch Genehmigung der Anträge durchlöchert und dast die Verlangsamnug der Wagenfolge Vcrkehrscrschwerungen herbeiführen werde. Der Umstand, dast verschiedene Linien auf denselben Strecken verkehren sollen, müsse zur Verteuerung führen, weil, wenn der Passagier die im Interesse schnelleren Fortkommens benutzten Wagen einer andren Linie ivieder verlassen muß, er aufs neue 10 Pf. zu zahlen hat, wenn er den späteren Wagen der von ihm zur Er- reichung seines Ziels gewählten Linie benutzt. Die Opposition gegen den Vorschlag der Silbkommission forderte, sowohl die langsamere Wagenfolge als auch die Durch- brechnng des 10 Pf. Tarifs abzulehnen. Von feiten der Befürlvorter der Borschläge wurden teils juristische teils Zweckmästigkeitsgründe geltend gemacht und namentlich darauf Hingelviesen, dast die Abmachungen wegen der Tariferhöhung nur auf kurze Zeit— bis zum 1. Mai 1903— getroffen lverden sollen, und dast später die Verkehrsdeputation ivieder freie Hand er- hielte. Bei der Abstimmung wurden die Anträge der Subkommission nlit lvescntlicher Majorität angenommen und damit die Wünsche der vereinigten Strastenbahn-Gesellschasten erfüllt. Die Beratung der Anlegung eines Fördertunnels am Landwehr- kanal zum Kraftwerk der elektrischen Hochbahn unterhalb des Tempel- hofer Ufers wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Aus der Fvuuvubetuvgnng. Eilte voll Fra»«c» gut besuchte Versammlung tagte am Montag. den 14. d. M. in C h a r I o t t e n b u r g. W a l d e ck M a n a s s e hielt einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen interessanten Vortrag über:„Die Frauen und der Friede." In seinem Schlußwort legte er den Frauen den WeA der BildungS- vereine klar und forderte zum zahlreichen Beitritt in dieselben auf. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 21. April, abends We Uhr, in den Arminhallen, Kommnndantenstr. 20: Vortrag des Hernr Dr. Max OSb o rn über das Thema:„Wie man Kunstwerke betrachten soll".(Mit De- monstrationen.) Gäste willkommen. WlttmmilSiiberslch» vom 19. April 1002, niorgenS 8 Uhr. Stationen LS g i| C 2 S« Sivlnenide Hainbnrg Verlt» ftraiits./M Millich.» Wie» J 769 NNW 7690 769 SO 766 NO 7650 768jSlill Wettet as C-- äll §0 1 wölke»! 2l bedeckt Lwolkenl Stationen SB |e le aS Haparanda PeterSbura Cork Aberdee» Paris 762 764 760 S SO SSO Wetter heiter bedeckt wolkig wölken! ■jf C» »ll i a» -1 4 10 9 2 heiter b bedeckt 11 Parts 76s!Still - bedeckt «veller. Prognose für Sonntag, de» 20. April i»»2. Trocken und vorwiegend heiter, nachts noch kühl, um Mittag warm bei utahigen südöstlichen Winden. erliner Wetterb»reau. Es nnterllegt keinem Zweifel, Damen- Leder. 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Tages-Ordnung: Bericht und Abrechuung vom letzten Quartal; Vortrag deS Genossen Robert Schmidt:.Unfre dcmulratifchen Forderungen"; Diskussion SerschiedeucS. 24c EMT' Mitgliedsbuch legitimiert."MG Um zahlreiches Erscheinen ersucht Dvr Vorstand. SocialdemokraMer Wahlverein für den L Kerl. Reichstags-Wahldreis lSSdeß). Dienstag, den LS. April er., abcndS S llhr: General-Versammlung in„Sanaaouci", Kottbnferstr. 4a: Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes mid Rechnungslegung. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. B o r t r a g deS Acnossen ve. I,«o Arona siber: »Wie beteiligen wir uns an der prensjischen Lanbtagswahl*. 4. Diskussioir. b. VereinSangelegenheiten. 242/18» Zahlreichen Besuch erwartet vor Toratnnd. Socialdemokratischer Mahlverein für den 6. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Dienötag, den SS. April» abcndS 8Vs Uhr: WW Versammlung�"Wi in Schmidts GcsellschaftShauS, Gartenstrasje tS. Tagcs-Ordnuug: 4. Vortrag deS ReichslagS- Abgeordneten HIooa über den neuesten Gesetzeuttvurf betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 247/b Zahlreichen Besuch erwartet vor Toratand. SMT* Bei der großen Bedeutung, welche dieser Bortrag auch für die Frauen hat, sind letztere besonders eingeladen und werden für dieselben die Galerien reserviert. D. D. ;r wanivra für den sechsten Berliner Reichstags-Wahlkreis (Scliöiiliauscr Vorstadt). Am Dienötag, den SS. April, abendö 8V2 Uhr, im Berliner Prater, Kastanien-Allee Nr. 7— v: General-Bersammlung. Tages-Ordnung: l. Bericht deS Vorstandes, deS Kassierers und der Revisoren. 2. Neu- wähl des 2. Vorsitzenden. 3. Vereinsangelegenheite». 4. Bortrag des Ge- nassen Jnllna Knllakl über:„Bürgertum und Socialreforrn". 5. Diskussion. Die Versammlung wird pünltlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Um rege Beteiligung ersucht 247/5 Der Borstaud. I. A.: carl dlor,. OeutschJetallarbeitei'-Verband Tcrwaltnneaatelle Itcrlln. Bureau: Engel-llfer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt TII, 353. Montag, de» LI April cr., abends 7 Uhr: UersammBung aller in Der MWmche beschäftigten Ciirtler, Drücker, Aleiilnner, Hilfsarbeiter nud Arbeiterinnen in den„Annln-IIallon", Kommandantenstrafte Nr. so. Tages-Ordnung: II4/2 1..»Die Entstehung des Handwerks". Referent: Reichstags- Abgeordneter Roaonow. 2. Diskusston. 3. BerbandSangelegenheiten. Kollegen, agitiert für regen Besuch! Die Versammlung wird Pünktlich eröffnet. Montag, den LI. April 1002, abends 8V- Uhr Im Son'orkaoliartslinna, vnxol- tiror To. 15, Saal IT Ileinhinieste Veitrauensmänner-Konferenz der gesaitttett Vertrauensleute Berlins. Tages- Ordnung: 1. StelliiiignaHnle zum Gcwerkschastskongr-ß. 2. Ausstellung von Kau- didaten zur Wahl eines Delegierten zum Kongreß. JS8 muß jede Werkstatt vertreten sein. Mitgliedsbuch nud Einladungskarte legitimiert."ME _ nie Ortaverwnltnnc. Vergolder! Nttbllvd der im Vergoldergernerbe beschöMstev Arbeiter«vd Arbeiterinnen Zeutschiands. (Filiale Berlin.) Montag, de» Li. April, abends priic. 7 llhr, in den ArminhnNe», Kommandantenftr. Lv(groster Saal): Mitglieder-Bersammlnng. TogeS-Orbnuug: 1. Bericht deS Delegierten zur Berliner AewerkschaftS-Kommisffon und Neuwahl desselben. 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1902. 3. Verschiedenes. 4. Vortrag des Herrn Melzer über:„Alte und neue Weltwunder." Zu- fammeiistellmig und Vorführung sämtlicher Niesenbaute», von den ältesten bis zur Neuzeit.(Mit Ltchtbtldenl.) 22S/10 Diese Versammlung wird wegen der reichhaltigen Tagesordnung niinktllch um 7 Uhr eröffnet, und erwartet einen zahlreichen Besuch, auch der Frauen_ Der vorstand. Achtung. Nutzer! Mittwoch, de» 33. April, abends 7 Uhr, findet un Lokal vanor, Nosenthalerstnhr 87, eine 133/10 oputievken�Viovfiannnlung ie sie Kollegen, dafür Sorge zu t«�eit,T daß seber Bau, Vustd Deutscher Holzarbeiter-Verband. Dtenötag. SS. April, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShauS, Sngel-Ufer IS, Saal S: Blanchen-tiersainininng der Parkett-Bndenlepr. TageS-Ordnung: 1. Unfre Lohnbewegung früher und setzt. Vortrag deS Reichstags� Abgeordneten Fritz Znbeil. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch wird gebeten. Mittwoch, den SS. April. adendS 8'/- Uhr, üt der„Urania", Wrangelstr. 12: Bsanchen-taniig..Jasikinstsnnientenasheites T a g e s- O r d u u n g: 1. Bortrag über:„Das Volk der Denker in der Zwangsjacke." Referent: Stadtverordneter Ad. Hoffman». 2. Diskussion. 3. Stellungnahure zum 1. Mai. 4. Verschiedenes. Am«««! stock- 11. Ceiloloidarheiter. AM«««! Mittwoch, den SS. April, abendö 8 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: NevsQmnrlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen vr. Stolnor über:„Das Innere der Erde." 2. Diskussion. 3. Maiseier. 4. Werkstellenangelegenheiten. b. Ver- schiedenes. 73/10 vlo Kommtaalon. Achtung! Achtung! Ctittral- Verband der Dauarbeiter vontaohlanda. Zkahlatollon vorlln» n. Umixoeond. Mittwoch, den L3. April, abends 8 Uhr. in Colins Festsälen, BentHstraste 19—30: Gvoye VevfÄtNtnlung aller znm Lohngebiet Berlins gehörigen BerbandS-Zahlstellru. T a ge S 0 r d n u 11 g: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegen- heiteu. 32/20 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet vlo l.oliiikoiiimisslon. Patt. Ich ersuche die Kolleg, außen wie iiiiien, vertreten ist. Tenmnnn. Miisitiustriimtlitell-Arbelter. Fachvereiu. Montag, den LI. April, abends sr/z Uhr, bei Granmann. Naimyiistr. 27: Genera! Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1902. 2. Slbrechnniig von der Urania- Vorstellung. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Vereinsangelegenheiteii. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. vor Toratand. Verbllllb a-r kreveme..Wetlre (TUlalo vorllnj. Dienstag, den 83. April, abends 8Vz Uhr. im Dresdener Garten, DreSdenerstraße Nr. 4ö: General-Bersammlnug. TageS-Ordnnng: 1. Geschäftliches. 2. Vorstands- und Kassenbericht, Bericht der Biblis- thekare. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Wir ersuchen die Kollegen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 74/ö_ vlo OrtsvcrwaUnng. Uertmud der Sattler. (Ortsverwaltung Berlin.) Burean: GewerkschaftShauS, Engel-llfer 15, Zimmer 30. Dienstag, den 33. April, abends 8V- Uhr. in de» Arminhallen. Kammandantenstraste 30: NBftgBieiBs»»- Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag des ReichStagS- Abgeordneten Genoffen I. Aner. 2. DiS- kiisston. 3. Unsre Stellung zum 1. Mai. 4. Stelliingiiahme zur Brandenburger Agitationskonimission. 5. Verschiedenes. 150/15 Um zahlreiches und pünttliches Erscheinen ersucht vlo OrtsTerwaltang. Vkttiit dkiiMer Muhmiuber. Mittwoch, S». April, abends 8'/« Uhr, im Englischen Garte», Alexanderstr. 27«: m-\ TageS-Ordnung: 1. Der Streit in der Schubwaren-Fabrik von G 0 l d st e i n. 2. Bericht der Delegierten von der Müuchener Geiieral-Bersaiiimlung. 3. Verschiedenes. 169/11 Wir ersuchen die Mitglieder, sich recht zahlreich an dieser Bersamiiilmig zu beteiligen. vlo Ortaverwaltwng. Portefeuiller! Verband der Portefeuiller (Zahlstolle Berlin). Mittwoch, den 33. April er., abends 8V1 Uhr. in Granmanns Festsäle», Naunyustrahe 37: GenevAl VersamJNlung. Tagesordnung: 1. Bericht der OrtSverwaltung, der AgitationS- mid ArVeitsuachweiS- Kouimifsioii. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. BerbandSangelegenhetlen und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt notwendig. 109/4_ vlo Ortsverwnltnng. Central Krankenkasse der Manrer „Grundstein zur Etltigkett". Sonntag, de»»7. April, vormittag» 10 Uhr, Jnsrlstr. 10: £>€t?rmimtUtni| Tages-Ordnung: 1. Kassen- und RevtstonSbericht vom ersten Quartal. 2. Neuwahl des Mitgliedsbuch legitimiert. vlo OrtSTorwaltiinc. Kassierers. 149/3* 3. Kaffkiiangelegeiihetteu. Freie Vereinigung der Bielglaser und Crasmaler etc. Dienstag, den SS. April IVO», abend» 8'/« Uhr: Gsnerttl- Verlsminlung t,» den ArminhaNe«, Kommandantenftr.»0. 73/1 Um recht zahlreiche» Besuch bittet Der Borstand. Verein lür Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Monkag, den 21. April, abends S'/j Uhr, tm Saale der Armlnhallen, Kommandantenstraße 20: Vortrag des Herrn Dr. BAax Osborn; „Wie man Kunstmerle betrachten fall." �at�»".'»"' Gäste willkommen. 55/8 vor Torstand. ) Kürschner. MW Mcntag, den 21. d. M„ abends 8'/« Uhr: Große öffentliche Versammlung der in der Körschlierei beschaftiliten Arbeiter»nb Arbeiteriaaell im Englischen Garten, Alexanderstraste 37 0. Tages- Ordnung: 1. Stellungnahme und Beratmig über Anträge zum internationalen Kongreß der Kürschner. 2. Wahl eines Delegierten zu demselbru. 3. Stellungnahme zur Maifeier. 4. Verschiedeues. 102/L Um zahlreiches Erscheinen ersuckt_ Der Vertnuiemmann. Centralmbanb ber Maarer tr. Xnhlstollo Qhnrlottonhnrx. Dienstag, den 83. April 1003, abends« llhr. int Lokale von A. Bauer, Berlinerstrahe 86 a: Antzerordentl. Mitgliederversammlnlsg. Tages-Ordnung: 1T1I—" 1. Bortrag des Kollegen Wllh. Frltzsch über:„Die heutigen Zustände auf den Bauten und wie find dieselben zu bessern. 2. Diskussion. 3. Bericht aus den Bertretersitzungen. 4. Gewerkschaftliches. Der überaus wichtigen Tagesordnung wegen ist es moralische Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erschemen. 139/6 Deshalb erwartet recht regen Besuch Tie örtliche Berwaltnng. I. A.: Fr. Busse. Wahlverein Lichtenberg. DieuStag, SS. April, abends 8'/» Uhr, General- Versammlung im Lokale von Höflich. Franlfurter Chaussee 120. Tages-Ordnung: 1. Aufstellung von Kandidaten zur Gemeindevertreter-Wahl. 2. Berichte des Borslandes, des Kassierers und der Blbliothtlkomuiission, 3. Neuwahl resp. Ergänzullgswahleii nach s 9 des Statuts. 4. Verewsangelegeiiheitcn._ 14/3 10$" Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt!"TWU Zahlreichen Besuch erivartet_ Per Vorstand. Schöneberg. Socialdemokrat. Wahlverein. Dienötag, den SÄ. April, abcndS 8 Uhr: General»Versammlung in Obstscheu Lokale, Mciningerstrasse 8. Tages-Ordnung: 1. Kassen- und Revisionsbericht. 2. Bericht der Bihliothekare. 3. Be- richt des Parteispeditcurs. 4. lZesaintabrechnuiig der Stadtverordneten- wählen. 5. VereinSangelegeiiheiteii. 15/8 In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist ein zahlreiches Er- scheinen der Mitglieder notwendig._ vor Vorstand. Montag, den 81. d. M.. abends 8'/- Uhr. bei Cohn, Benthstr. 19: Große öffentliche Tagesordnung: Die Einführung des Bcschcinigiingsbuches von der Innung, die Antwort derselben auf den edigereichten Minimal-Lohii- tattf mid wie stellen sich die Kollegen dazu. 169/12 Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Einberufer. Arbelter-Slliimlttt-Mllile. Sonnlierkurfus 190£. Morgen, Montag, abendS 9 Uhr, beginnt ein nener KnrsuS in unfrer Centtale iin Restaurant„Dresdener Garten", Dresdener- straße 45. Vortrag über Zweck und Ziele d«S Vereins und Anatomie (Bau des menschlichen Körpers). 261/6 Eintrittsgeld 25 Pf., monatlicher Beitrag 25 Pf. D« Besuch der ersten Stunde ist frei und verpflichtet zu nichts. Auskunst erteilt der Vorsitzende W. Meyer, Veruauerstr. 78.— In der Filiale beginnt der Kursus am Montag, den 28. April._ vor Torstnnd. Berliner Konsum- Verein. (e)_ Central-VerwaUnng: Kvautstr. 7._ S) Verkaufsstellen: Abteilung I. Luisenstadt. Mtckiaelkirchplatz 4. Abteilung U, Osten. Krautstraße 7. Zoriidorserstraße 58. PctcrSblirgerstraße 4s..________ Abteilung V, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 48/49. Mainzerstraße 4. Abteilung VI, Stralau. Stralauer Allee 17 k, Eintrittsgeld 20 Pf._ Geschäftsanteil 10 Mark. Abteilung III, Moabit. Rostockerstraße 21. Beusselstraße 56. Emdenerstraße 45. Abteilung IV, SlnmmelSbnrg. Türrschinidtstraße 6. Franko Festsäie Sebaslianstr. 39, an der Alten Jakobstrasse. Grosse und kleine � � ca. 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Antrag auf Beitragserhöhung und Bericht der Statutenberatnngs- kommission eveut. Anträge ans Statntciiänderung. 3. Verschiedenes. Berlin, dm 18. April 1902. 2009b Der Vorstand. Erh, Schlenker, Borsitzender. Beschwerden, zu deren Erledigung die Einsicht der Kasseualten ersorder- lich ist, sind bis z»i» 25. April schrift- sich im Kasscnlokal einzureichen. Dan- nild Erwerbs genoffevschast „vomiitls". Eingetragene Genosieuschaft mit be- schränktcr Hastpflicht. Im Geschäftsjahre 190l sind der Gciiosicnschaft Aktive» und Passiven nicht entstanden, da die geschäftliche Thätlglcit derselben und die Ein- zahluilgeii der Genossen erst niit dem 1. Januar 1902 begouncn haben. Eingetreten oder ausgeschieden ist 1901 kein Genosse. Die Zahl der Genossen betrug am 31. Dezember 1901: S7. Die Haftsiimine der Genossr» beträgt 8820 M. Stralau, 15. April 1902.[2022D Otto Urban. Julius Victor. Zimmerpoliere Berlins und Umgegend werden eingeladen, am Sanntag, den 20. d., vorm. 10 Uhr, im»Gewerkschafts- Hause". Engel-Ufer IS, Saal Vlll, Scitenss. II, zu erscheinen betreffs Gründung eines Vereins. Zutritt nur Poliere. Ter Veanftragte. „Liekira" Kcandcrstrasse 4. Aufnahmen zu den Abendkursen für Monteure, Werkmeister. Techniker. Laboratorium noch bis Donnerstag, 25. April, gestattet. Prospekt gratis. Ich habe mich O. Seydelstr. 7 (am Spittelmnrkt) als Specialarzt für Hals- und Nasentrankheltc» niedergelassen. Hr. Ärlhur Meyer, Fernspr. Amt L 8303. Ich habe mich O. Seydelstr. 7 M Augeuarzt niedergelassen. Dr. Hup Feilchenfeld, Fernspr. Amt I. 8368. JoliaiiiiistUal. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonntag:«rosser»all. Kaktcokklcbc.KsgsIbslin. Ausspannung Saal für Vereine u. 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Klasse 206. Kai. Preith. Lotterie. Ziehimg Dom 19. Aprit 10ua, DormitlagS, < Nur die leieioiniie üvcr 232 iHt. lind den beiressende» �.. Aummrrn i« Klammern beigesügt. 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Ziehung 4. Klasse 206. Kgl. Prenss. Lotterie. ijtehmig oem IS. Apiii 1902,»achmillogs. Nur die Gewinne über 232 Ml sind den beirejseiide» Nummer» in Klammern beigestigl (Ohne Gewähr.) 36 213 28 83 97 319 1127 43 48 95 360 406 511 64 777 837 89[1000] 913 52(5001 2058 208 3029 49 148 256 377[1000] 415 48 94 829 99 4185 651 842 5006 137 250 307 496 507 67 88 638 839 67 924 25 6098 135 310 435 529 657 91 749 886 S05 7231 392 691 98 697 770 8101 36 228 384 499 528 721 9018[500] 45 129 35[3000] 78 201 376[1000] 416 59 629 768 846 76 914 47 10032 508 61 65 66 613 733 42 93 898 907 11167 423 33 586 1500) 613 23 715 75 81[500] 820 22 73 982 •12048 105 80 296 308 65 87 655 739 860 956 1 3011 108 274 441 60 567 702 840 986 1 4313 17 430 622[500] 730 922 1 5009 85 130 53 333 497 588 90 746 67 896 967 16184 285 89 97 600 1 767 821 36 70 1 7022 446 59 554 654 68[5000] 736 857 984 1 8086 94 331 35 74 (10001 459 571 85 799 806 40 927 1 9074 235 402 85 561 636 41 81 795[1000] 864 967 99 20035 05 159 215 571 837 74 930 40[500] 90 2 1056 354 70 744 2 2097 133 48 260 63 334 514 614 808 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97 985 2 2 4066[1000] 72 215 [500] 74 789 90 835 I« Gewinnrade»erilieieu: 1 Gewinn zu 500000 Ml, l zu 2001)00 Mk., 2 zu 150 000 Ml, 2 ,»»OuO Ml. 2 zu 50 vöa Ml, 1 zu 50 000»».. 13 zu 15 000 Mk, 25 zu lu oao Ml. 51 ,11 5090 m, 772 j, SM Ml, 1033 zu 1999 Mk 1W zu 500 «eroniniorllicher Redacleur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«lock« in Berlin. Druck und Berlaa VON Mar Badina in Berlin. �——.............-..... � �" »., 02, 19. z.„,..o 3 KkllM üks ,|itiirts" Sftlintt WIlsM Ä.�20,„«1-02, Der Rechtsstnild der englischen Gewerkschaften nnd der Rechtsspruch von Kardiss. DaS in Cardiff in Sachen der Allgemeinen britischen Tagelöhner- Geiverlschast gefällte Urteil, über welches der.Vorwärts" bereits kurz berichtet hat(vergll die Nummer vom Sonntag, den 13. April. Hauptblatt) ist von größerer Bedeutung als es auf den ersten Blick erscheint. Zunächst sei richtig gestellt, daß nur eluer der Angeklagten, und zwar der Generalsekretär der Gewerkschaft Schadenersatz an den Kläger verurteilt wurde. Der BczirkSsekretär wurde ebenso wie die Gewerkschaft selbst freigesprochen. Ferner sei wiederholt, ivas in der Notiz bereits betont ist, daß sei fiir der Richter in seinem Urteil ausflihrte, die Gewerkschaft Handlungen ihrer Beamten, die nicht in ihrem Statut vorgesehen stiid, nicht verantwortlich zu machen. Es liegt auf der Hand, daß wenn dies Erkenntnis Rechtskraft behält, die Gewerkschaften vor vielen Verfolgungen bewahrt bleiben werden, von welchen sie auf Grund der Erkenntnisse im Taff Thal Eisenbahner-Prozeß. im Prozeß des irischen Schlächtcr-Verbandes(Guiun lvider Lcatham) bedroht schienen. Da aber keine Gelverlschaft ihre Beamten, die in ihrem Interesse gehandelt haben, bei einer Verurteilung im Stich lassen wird, wäre diese Unterscheidung zwischen statutengemäßen und eigen- mächtigen Handlungen elfterer immer erst ein halber Schutz gegen Veeinträchtigungen des Gewerkschaftskampfes durch Klagen auf Schadenersatz für verursachte Arbeits- zc. Verluste. Daher ist von mindestens ebenso großer Bedeutung wie die vor- hergehende eine zweite Unterscheidung, die der Richter im Erkenntnis traf. Er erklärte nämlich, daß wenn die Handlung, fiir die er die Verurteilung aussprach, und»ach dem maßgebenden Erkenntnis im Fall Guinn wider Leatham aussprechen mußte, behufs Bcschiitzung der Gewerkschaft in ihrem Kampf für Verbesserung der Lage ihrer Mit- glieder geschehen wäre, sie nicht bestraft werde» dürfe. Mit andren Worten, er ivandte ans den Fall den Grundsatz der Wahrung lw rechtigter Interessen an und erklärte, so lange es sich um die Ziveck des wirklichen Gewerlschaftskampfes— Verbesserung oder Sicher stellung der Arbeitsbedingnngen— handelt, ist der Gewerkschafts- beamte nicht zu bestrafen, wenn er die Mitglieder der Gewerkschaft veranlaßt, nicht mit Leuten zusammenzuarbeiten, die sie dabei hemmen oder schädigen, nnd dicS den Unternehmern anzeigt. Im vorliegenden Fall hat es sich um keinen solchen Kampf, sondern m» Maßregelung eines einzelneu Menschen gehandelt, der der Gewerkschaft Geld schuldete nnd dafür durch Weigerung, mit ihm zusammen zu arbeiten, in die Lage gebraibt worden war, nirgends mehr Arbeit zu finden. Im Fall Guinn wider Leatham. wo es sich ebenfalls um solchen Wahlbohkott gehandelt hatte, war das Vorgehen der betreffenden Gewerkschaft selbst von links stehenden Gewcrk- schaftlern streng verurteilt ivorden. Sehr begreiflich. Denn so scharfe Waffen wie der Boykott müssen für ernsthafte Kämpfe reserviert bleiben, statt bei jeder Kleinigkeit angewandt zu werden, Ivo es sich Ivomöglich mir um persönliche Häkeleien handelt. Es kann natürlich keinem organisierten Arbeiter verboten werden, das Zu- sammenarbeiten mit Leuten abzulehnen, die sich gegen ihre Organisation schwer vergangen haben und sich weigern, ihr Vorgehen gutzumachen. Aber eine wohlgeleitete Gewerkschaft wird solche, aus der Natur der Sache sich ergebende Ablehnungen von Personen dem Takt ihrer Mitglieder überlassen und eine Aktion im größeren Stil nur da einleiten, wo es sich»in unmittelbare Interesse» allgemeiner Natur handelt. Wie dem aber sei, jedenfalls hat daS Urteil von Cardiff die Situation der Gewerkschaften in keiner Weise verschlechtert, sondern im Gegenteil dadurch, daß eS die Haftbarkeit der Gewcrk- schaften für ihre Beamten streng auf die Handlungen begrenzt, zu denen diese von der Gewerkschaft ausdrückliches Mandat haben, und den Gewerkschaften das Recht vorbehält, in Kämpfen um Arbeitsbedingungen oder in Hinblick auf solche das Zusammenarbeiten mit Streikbrechern und dergleichen zu verweigern, jeden Mißbrauch der jüngsten Erkenntnisse zu Schmälertingen des Koalitionsrechteb perhorrescicrt. So fassen auch die englischen Zeitungen das Urteil auf, und dies festzustellen scheint mir um so ivichtiger, als es ja an Versuchen nicht fehlt, es für scharfmacherische Zwecke auszunutzen. Die heftig umstrittene Frage, ob die Gewerkschaften als juristische Korporationen zu betrachten sind, hat der überaus scharsstnmgc Richter von Cardiff— Walto» ist fei» Name— ausdrücklich dahin entschieden, daß, so lange die Gewerkschaften sich innerhalb der Zwecke halten, die im Trade Union Act vorgesehen sind, sie nicht als Korporationen im Sinne des Gesetzes anzusehen sind. Erst durch Handlungen, die darüber hinausgehen, also nicht mehr dem Ziveck der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der gegenseiligen Unterstützung dienen, machen sie sich gegebenenfalls z» juristischen Ein Prophet. Vor ein paar Monaten ließ ein erfindungsreicher englischer Romanschriftsteller ein Buch erscheinen, das in höchst farbenreicher Anschaulichkeit die Eroberung der Erde durch die Marsbewohner schildert. Dieser Nonian wird sicherlich auch in Deutschland viele Verehrer finden. Denn was er enthält, ist nichts andres als der ins Phantastische übersteigerte Ausdruck einer GefnhlSrichtnng, die die Politik aller kapitalistisch regierten Staaten, besonders aber die Politik deS deutschen Zickzacklurses beherrscht. Was haben wir in Deutschland nicht alles an Gefahren mit- gemacht! Wir hatten die innere Gefahr der vaterlandslosen Gesellen, die die preußische Kultur zu vernichten drohte. Tann hatten wir die rnssische Gefahr und sahen Europa bis nach Gibraltar von Rosakenstiefeln zertreten. Wir hatten die englische Gefahr nnd mußten zum Schutze des höchlichst bedrohten Hamburg die große Flotte haben. Es kam die ostasiatische Gefahr, vor der die Völker Europas ihre heiligsten Güter wahrten. Nicht zn vergessen die polnische Gefahr, die wir glücklich durch die Verprügelung einiger Schulkinder im Keime erstickten. Auch die dänische Gefahr de- rettete uns schwere Negierungssorgen. So sind wir immer mit zwei bis drei Gefahren versorgt. Wir schlvitzen unaufhörlich kalten Angstschweiß, Pfeifen, um nns Mut zu machen und vor allein: wir rüsten, sperren ab, lehren vor, treffen Maßregeln und lassen uns uusre untcrthänige Ucberzeugung, so wohlgcrüstet zu sein, ein gutes Stück Geld kosten. Dieses ewige Gcfahrcngeschrei, die schwere Neurasthenie unsrer inneren und auswärtigen RegiernngSpolitik ist keine beiläufige Er scheinung i sie ist nicht auf Deutschland allein beschränkt, wenn sie hi mich vielleicht hier am deutlichsten in Erscheinung tritt. ES ist der Verfolgungswahn deS Kapitalprofits, der sich hier offenbart, die natürliche nnd notwendige Dekadenz einer raffgierigen Weltpolitik, die, selbst auf Raub bedacht, sich schließlich überall von Räubern be- droht fühlt. Es ist das schöne Ding, das der redegewandte französische Minister des Aeußeren, Herr Dclcaffs, mit so nnnber- troffener Treffsicherheit als die— Solidarität der Menschlichkeit bezeichnet hat. Wir sind demnach sorgfältig darauf vorbereitet, ein neues ins Deutsche übertragene Buch des englischen Schriflstellers Herrn T. W. S t e a d.'das sich„Die Anicrikanisierung der Welt" beutelt, in richtiger Stimmung zu genießen. Es ist nicht einzusehen, warum der Uebersetzer den sprachlich nicht besonders schönen Ausdruck: Amerikani- sierung der Welt hätte vermeiden sollen, nachdem dieselbe unglückliche Welt bereits nnzähligcmale von seinen Kollegen czechisiert. polonisicrt, russifiziert, magyarifiert, germanisiert und anglisiert worden ist. Der Verfasser selbst ist einer jener vielgenannten AllcrweltS- jourualifte», die um 8 Uhr morgens bei Cecil RhodeS ihren Körperschaften und nehmen damit die Haftbarkeit solcher auf sich. Principiell ist das unanfechtbar und schafft ein Anrufungserkeuntiiis, das den Gewerkschaften gute Dienste leisten wird. Lck. B. Kille TtlltW öber die Wohllwljiiltllijse erlmtttl: Mitglieder hat die Berliner OrtSk ranken lasse für den Gewerdebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker durch ihre Krankencontrolenre aufnehmen lassen. Die Ergebnisse der Er- Hebung, bearbeitet vom Kasscnrendanten Albert Kohn, sind nicht bloß kennzeichnend für die Berliner Wohnungsverhältnisse im allgemeinen, sondern für die traurige.Lage der im Handelsgewerbe thätigen Personen im besonderen. Die Erhebung wurde angestellt von Ende Januar bis Mitte März 1801. Die auszufüllenden Fragebogen waren unter Mit- Wirkung des Dr. R. Friedeberg veifaßt, der auch den Kranken- controleuren die notwendigen Anweisungen gab. In zahl- r e i ch e n F ä I l e n waren d i e W o h n u n g e n s o schlecht, daß die Patienten sofort einem Kranken hause überwiesen werden mutzten, da in ihren B e- h a u s u u g e n e i n e H e i l u Ii g oder auch n u r B e s s e r u n g des Leidens ausgeschlossen erschien. Von den 636 mäiinlichen sind 482 weiblichen Kranken, deren Ver- Hältnisse ermittelt wurden, wohnten 18 in Räninen, die ohne F e n st e r waren, i» 488 Füllen hatten die Räume nur ein, in 618 Fällen zwei und mehr Fenster. Bei 137 Kranken hatte der Krankenraiini eine Größe zwischen 6—10 Quadratmeter, bei 272 eine Größe von 10— 1ö Quadratmeter, bei 330 eine Größe von IS bis 20 Quadratmeter und so weiter. Berücksichtigt man, daß von den im letzten Jahrzehnt entstandenen Vaiigenossenschaften, 12,18 Ouadratmetcr als Mindestgröße der Bodenfläche für die k l e i u st e n Stuben und Kammern angenomnicn wurde, so kann man sich ein Bild machen, wie notdürftig die Wohnräume sind, welche die Statistik festgestellt hat, nachdem der Hansrat untergebracht ist. Noch inigün'stiger gestaltet sich daS Bild bei Betrachtung der Lage der Räiime.' 1S6 Kranke lagen in Kellerräimien, 66 in Dachräumen, 145 in Parterrezimmern, 164 im 1., 208 im 2., 190 im 3., 205 im 4. Stockwerk. Fast die Hälfte der Räume, 41.75 Pcoz.. waren keine drei Meter hoch, einige Kammern waren so niedrig, „daß ein Mann kaum aufrecht darin stehen kann". Wie mag es da mit der einzuatmenden Luft bestellt sein! Und diese Räume müssen nun die Kranken auch noch mit andern Bewohnern, Fainilicnangehörigeii usw., teilen. Nur 141 Patienten bewohnten den Kraiikenranm allein, 268 teilten ihn mit noch einer, 293 mit 2, 181 mit 3, 136 mit 4, 108 mit 5—7 und mehr Personen. Die Lauflrauinvcrhältnisse waren ganz unzulänglich. Hygieniker wie Nowak und Rübner nehmen als Mindcst-Luftranm für eine Person 20 Knbiknietcr a». Aber 64,78 Proz. erkrankter Männer und 63,62 Proz. erkrankter Frauen hatten, wie die Statistik feststellt, diesen Luftraum nicht; in einer ganzen Reihe von Fällen hatten die Kranke» unter 6, ja mehrfach sogar unter 3 Kubikmeter Luftraum I Von den in Schlafstellen oder möbliert wohnenden Personen litten 24,33 Proz. männliche und 20 Proz. weibliche an Erkrankung der'Lunge, 15,31 Proz. männliche und 21,67 Proz. weibliche an Er- lranknngcn der übrigen Atniungsorgaiie, 3,81 Proz. männliche und 1,66 Proz. weibliche an Erkrauknngen des Nervensystenis, 60.45 Proz. männliche und 56,67 Proz. weibliche an sonstigen Krankheiten. Besonders schlimm ist es mit den Schlafrünmen bestellt. Nur wenige Personen(4,70 Proz. verheiratete und 21,64 Proz. ledige) haben einen eignen Schlafranin. Die übrigen teilen ihn mit andren Personen. Bei den L n n g e n kr a n k e n wird dies besonders schlimni. Nur 5,88 Proz. haben einen eignen Schlafranin, während 23,86 Proz. Lungenkranke mit 1 Person. 31 70 Proz. mit 2, 16,34 Proz. mit 3, 14,38 Proz. mit 4, 2,34 Proz. mit 5, 3,27 Proz. mit 6. 1,63 Proz. mit 7 und mehr Personen ein gemeinschaftliches Schlafzimmer teilen. In wie verderblicher Weise müssen die Kranken auf ihre Umgebung wirken und umgekehrt. Die Erhebimg hat auch Feststellungen gemacht über Heizung nnd Licht in den Wohnungen. Bei dem erstereu kommt die ganze Misdre des Schlafstellcnuiiwesens zum Ausdruck. Während von den in Familie lebenden Patienten 2,29 Proz. männliche und 3,70 Proz. weib- liche in nicht heizbaren Räumen hausten, leiden darunter von den in Schlafstellen oder möbliert wohnenden Leuten 11,71 Proz. männ- liche und 18,33 Proz. weibliche. Welche Summe von Elend blickt nns ans diesen Zahlen entgegen und wie ist cS möglich, daß ein kranker Mensch in solchen Räumen wieder gesunden kann. Bezüglich deS Lichtes stellt die Statistik fest, daß 20,55 Proz. der augenkranken Männer, 20,63 Proz. der augenkranken Frauen in dunklen Rännien wohnen und daß dasselbe bei 23,6? Proz. der übrigen erkrankten Männer und bei 24.53 Proz. der übrigen er- krankten Frauen zutrifft, daß 19 K r a n k e in Höhlen Hansen, Kaffee trinken, um 10 Uhr bei Rooseveldt ein Butterbrot essen, dann um l Uhr bei P r i n e t t i zn Mittag speisen, uin nach einigen Stunden bei cinciii andern berühmten Freunde in China oder auf dem Monde ihr Abendbrot einzunehmen. Es ist klar, daß die Well die Veiöffcntlichnngen eines so außerordentlichen ManncS mit höchst- gespannter Aufmerksamkeit verfolgen muß. Herr T. W. Stead„amerikanisiert" in acht anfeinauderfolgciidcn Kapiteln Deutschland, Irland, Südafrika, Weslindien, Neufundland und Kanada, Asien, Australien, Central- und Süd-Nmerika. Er amerikanisiert die Politik, die Religion, die Litteratnr, die Kunst, die Wissenschaft, die Rknsik, die Diplomatie in weiteren füus Kapiteln, um schließlich unter Anrufung G l a d st o n e S die fromme Bitte zu erheben, daß„uns der Himmel vor dem Uebel bewahren und es geben möge, daß die größte irdische Macht der christlichen Kultur gleichzeitig die strahlendste und beste werde". Um soviel Schaum zn schlagen, war wohl auch ein Stückchen Seife nötig, obgleich es damit mitunter recht ärmlich bestellt ist. So läßt Herr Stead in Ermangelung eines Besseren die Amerikanisicrung Deutschlands durch die— Socialdemokratie besorgen. Nachdem er nämlich den Deutsch-Aiiierikanern das just nicht ent- ehrende, aber für die Entreprcncure der Prinzcnreise vielleicht ein wenig schmerzliche Zcngnis ausgestellt hat, sie seien„Anhänger Deutschlands, aber nicht Anhänger d e S Kaisers", sie seien„überzeugte Republikaner" und steuerten„sehr viel mehr in das Fahrwasser der Demokraten, als in das der Junker", fährt er wörtlich fort:„Es wäre ein interessantes Studinm, festzu« stellen, wie weit die socialdemokra tische Bewegung in Deutschland von geheimen Quellen jenseits des Oceans gespeist wird." Sein Buch ist also politische Offenbarung und Detektivroman zugleich I I» Ostindien sind es die amerikanischen Missionare, die die Amerikanificriing vorbereiten, in Westindicn ist es der amerikanische Znckermarkt. In Korea ist der amerikanische Trolly(kleiner Wagen) bereits in die Hauptstadt eingedrungen, und mit dem Trolly kamen andere amerikanische Erzengnisse, welche wahrscheinlich ebenso- viel(!) Einfluß auf die Entwicklung des Landes haben werden. In Irland wird die nationale Unabhängigkeitsbewegung zu einer An- glicdcrimg an die Vereinigten Staaten führen. Angesichts dieser überwältigenden Mannigfaltigkeit, von der hier nur kleine Proben gegeben werden können, und in der— daS mag offen zugegeben werden— mitunter, wenn auch tief verborgen, ein Körnchen Sinn steckt, wäre man fast versucht, ein Loblied auf die deutsche Gründlichkeit anzustimmen, die ein ähnliches Unternehmen wie das des Herrn Stead wohl mit der Erledigung der Frage ein- geleitet hätte: Was ist Amerikanisieren? Herr Stead gebraucht dieses Wort bald für die Verschmelzung fremder Stämme iiiit der amerikanischen Nation, bald für die Angliederiiiig fremder Staaten an den anierikaiiischen Staatskörper. Dann wieder wird jedes Eindringen socialer Ideen ebenso wie die Einfuhr amerikanischen die überhaupt keine Fenster haben, daß darunter 3,60 Proz. der in Schlafstelle oder möbliert wohnenden männlichen und 3,33 Eroz. der gleichen weiblichen Personen sich befinden, so illustriert dies so recht die Gefährlichkeit dieser Zustände. In den meisten Fällen benutzt der Kranke gemeinschaftlich mit anderen Personen dasselbe Klosett. Mit Recht erblickt die Erhebung in dieser Thatsache eine ungeheure Gefahr für die Be- V ö l k e r n n g! Diese schlimmen Feststellungen werden noch ergänzt durch die „Bemerlungen" der Contcoleure. Von einem 32jährigen Patienten wird nntgeteilt:„In der Küche steht ein Bett, das für die ganze Familie, vier Personen, ausreichen muß." Von einem 45jährigen Patienten in der Vritzerstraße:„Die Wohnung ist sehr feucht, wenn das über derselben liegende Klosett verstopft ist, wird es durchgestoßen und der ganze Schmutz fließt in die Wohnung." In der Prinzenstraße haust ein 62jährigcr Patient in einem Keller,„welcher dunkel, feucht und dumpfig ist, der Fußboden ist mit Ziegelsteinen belegt und der Raum zu schlecht als Lagerraum". Eine 57jährige Lnngenkianke lag in« einer Stube, die zum größten Teil von einem Webstuhl ausgefüllt wird und dunkel und ungesund ist, das Lager befindet sich auf dem Fußboden vor dem Ofen. Eine ZSjährige Frau in der Maiitenffelstraße: Kranke wohnt bei fremden Leuten, weil sie keine Wohnung bekommen hat und schläft auf einem dunklen Korridor, ihre zwei Kinder müssen zusammen in einem Kinderwagen schlafen" usw. Die Statistik entrollt ein düsteres Kapitel von deutschen Volks« zuständen und man erkennt, welch ein Bild deS Elends sich vor inisrcn Augen erst aufrollen würde, wenn auch andre Krankenkassen in ähnlicher Art voriehen wollten nnd so wertvolles socialpolitisches Material beibringen tzvollten, wie eS diese Berliner Kasse gcthan hat. As Riirnbttger Rrbeittrsektttarillt hat soeben seinen 7. Jahresbericht herausgegeben. Wie die früheren Berichte dieses ältesten deutsche» Arbeitersekrctariats, so erhält auch der neueste Bericht wieder eine Fülle hochinteressanten Materials. Welche Bedeutung dieses Institut erlangt hat, geht wohl am dentlichsten aus den Nachweisen über die Frequenz hervor. Im ersten Jahre seines Bestehens, 1834/95, wurde das Sekretariat von 6833, im abgekanfenen Jahre 1901 von 16 539 Personen aufgesucht. Die Anskunfterteilmig erstreckte sich über unglaublich zahlreiche Gebiete. Im Bericht werden hundert verschiedene Rubriken auf- geführt! Den Löwenanteil beanspruchte, wie allcrwärts, die Unfallversicherung. Nicht weniger als 3722 mal wupde das Sekretariat dieserhalb in Anspruch genommen. Am nächst häufigsten waren die Anfragen wegen Mietsdifferenzen: 1579 Fälle. Recht interessant ist, was der Bericht über die Nürnberger Gewerkschaftsbewegung berichtet. Alle 57 in Nürnberg vertretenen Organisationen sind dem Kartell angeschlossen. Am meisten hatten unter der Krise die Metallarbeiter zu leiden. So wurde» z. B. in dem weltberühmten Werke von Schlickert noch 1900 ca. 6600 Arbeiter beschäftigt, 1901 bei verkürzter Arbeitszeit wohl u»r noch halb so viel! Schlimnie Verhältnisse herrschten bei den Feingoldschlägern. Die Arbeitszeit ist auf 4—5 Stunden herab- gesetzt, und die Zahl der Arbeitslosen ist sehr groß. Das Gewerkschaftskartell veranlaßte die am 19. Jan. vorgenomniciie A r b e i t s I o s e n z ä h I u n g. Dabei waren 900 organisierte Arbeiter als Zähler thätig. Gezählt wurden in Nürnberg am 18. Jan. 1902 4920 Arbeit?- lose, 4230 männliche und 690 weibliche. Außer durch diese Arbeitslosenzähung hat sich das Gewerkschafts- kartell noch auf einem andern Gebiete sehr verdient gemacht: durch die V e r in i t t e l u n g von Kohlen an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter. Den Anstoß hierzu gab die eiiorme Kohleiitcucrnng im Winter 1900/1901. Innerhalb sieben Monaten vermittelte das Kartell für circa 14 000 Mark Vreninnaterialicii und zwar in» 10 bis 20 Pf. billiger pro Centner als er im sonstigen Handel verkauft wurde. Im letzten Winter hatte das Kartell mit einem Großhändler Abschlüsse auf Liefe- ruiig von mindestens 20 000 C e n t n e r Kohlen gemacht und zwar unter der Bedingung, daß der Centner stets um 15— 25 Pf.(je nach der Sorte) billiger geliefert werden iiinß, wie im sonstigen Handel. Der Jahresbericht gicbt dann noch Kunde von der Entwicklung des VolkshanS-Vanvereins, über die Nengründung eineö Konsuln» Vereins, über die Thätigkeit des Gewerbegerickits und des städtischen Arbeitsnachweises. Weiter werden stattgefundene Erhebungen im Mühlengewcrbe in Bayern besprochen. Der Bericht des Nürnberger Arbeitersekrctariats ist ein getreues Spiegelbild der Nürnberger Arbeiterverhältnisse. Wer sich immer noch nicht klar darüber ist, welche Bedenlung die Arbeitersekretariate fiir die Arbeiterbewegung haben, der nehme den Nürnberger Bericht zur Hand und lese. Schweinefleisches als Amerikanisierung bezeichnet. Amerikanisch wird jede demokratische Strömung, jede nationale UnabhängigkeitS- bewegiuig. Amerikanisch ist jeder Fortschritt der Technik, jede Entwicklung zum Kapitalismus. Amerikanisch wird die europäische Knust durch der Astor und Rockefeller Mäccnatentuni. Amerikanisch wird aber auch die europäische Reaktion, die durch die Töchter der sünfzehiitcn Avenue vor dem wirtschaftlichen Verkrache» gerettet wird. Kurzum, es kann auf der Welt nichts passieren, ivaS nicht nach T. W. Stead amerikanisch wäre. Sieht man aber näher zn, so wird man auf daS Lob der deutschen Gründlichkeit bescheiden verzichten müsse». Denn erstens käme Herr Stead mit seinen Patentansprüchen auf die Entdeckung der amerikanischen Gefahr in Deutschland viel zn spät, zlveitens aber ist in der deutschen Presse die englische, russische, chinesische Gefahr mit der gleichen Systemlosigkeit bewiesen worden. Man wird sich nur a» die uenlichen Weisheiten der offiziösen„Berliner Korrespondenz" über die Polonisierungsgefahr erinnern müssen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, daß wir mit derselben Schwatzschiveifigkeit und Nebel- heimerei über uusre Jsiermigen an Jfizieruuge» reden, als eS Herrn Stead mit seiner Ainerikanii'.ruiig beliebt. Sicht mau von cincii' kleinen Enthüllungsgeschichtchen ans Süd» afrika, das gleich nachgetragen werden soll, und ein paar hübsche» feuilletonistischen Wendungen ab, so bleibt weiter nichts übrig, als ein Gemengsei von sehr Wissens- nnd beherzigenswerten Selbst. Verständlichkeiten mit phantastischen Möglichkeitsrechuuiigcn und recht willkürlichen Uebcrmalungen der Landkarte. Niemand zweifelt an der Macht der Vereinigten Staaten, an der Größe ihrer Ausfuhr. der Gewalt ihres kapitalistischen UnternehninngSgeisteS, der Kraft ihrer denivkratischeii Einrichtungen. Aber eö wäre kindisch, gleich ans Aufgefresscnwerden zu denken, weil der andre so gute Zähne hat. Meiischcnflcisch ist nicht jedem bekömmlich, und große in ihrem »ativualen Wesen hartgewordene Völker sind vollends unverdauliche Bissen. Herr Stead will keinem wehe thun und will sich auch beileibe nicht auf irgend einem Punkte der Welt die Möglichkeit abschneiden, einen seiner berühmten Freunde zu interviewe». Er entrichtet darum jedem, bevor er ihn journalistisch in den Rachen deS mnerilanischc» Alligators cskamotiert, den besonderen Tribut seiner Höflichkeit. So schildert er Wilhelm II. als den heldeuhaflen Verteidiger jener. verfallenen Schlösser", um deren Abhaiideiiicin G v e i'h e Amerika so beneidete, gewissermaßen als den letzten Ritter der alten Welt:„Der Mittelpunkt des Widerstandes gegen amerikanische Prin» cipien in Europa ist Berlin, und der Führer gegen alle A m e r i k a u i s i e r ii ii g ist der Kaiser von Deutsch- lau d".— Als er das erste Mal den Zaren besuchte, setzte er ihm sein Lieblingsthema auseinander und bemühte sich, den Zaren zur Unteistützung in der heiligen Sache d c S A u t i- A in« r i k a« n i s in u s zu gewiimeu."»Trotz seiner scheinbaren Impulsivität Nsvlatnenkavifztzes« . Die Braiintweinsteuer-Kominission dcS Reichstags nahm am Donncrstagabend den Absatz 2 des§ 43»(Aufeerordentliche Brennsteuer) nach einem Antrage G a ni p- D i e t r t ch. der an Stelle des gestern nicht erledigten Antrags Dietrich- v. Brackhausen getreten ivar, wie folgt an: „In landwirtschaftlichen Brennereien wird a u tz e r d e m für jedes in der Zeit vom 1ö. Jnni bis 15. September hergestellte Hektoliter reinen Alkohols eine B r e n n st e u e r von 3 M. erhoben. Die Steuer fällt weg, insoweit für den Branntwein Zuschlag von 16 M., 18 M. oder 20 M. zu entrichten ist. In Brennereien, die in der Zeit vom 16. Jnni bis 15. September der Maischbottichsteuer unterliege», findet eine Ermäßigung statt, und zwar:») sofeni während dieser Zeit an einem Tage durchschnittlich mehr als 1050, aber nicht über 1500 Liter Bottichraun« dcmaischt werden, auf 1 M.. b) sofern während dieser Zeit an einem Tage durchschnittlich mehr als 1500, aber nicht über 3000 Liter Bottichraum bemaischt werden, auf 2M. § 43d wurde in der Fassung des geltenden Gesetzesjangenommen, ebenso§ 43ä. § 43o— Export- und Denatliriernngs-Präinie— Wurde ans Antrag Mnller-Fulda in folgender Fassung angenommen: „Ans der nach H 43a zu erhebenden Brcnnsiener sind innerhalb des Betriebsjahres 1S02/1N03 diejenigen Beträge an die Reichskasse zu erstatten, welche dieselbe im Rechnungsjahr« 1901 über die Gesamt- einnähme aus der Brennsteuer hinaus an Vergünstigungen gewährt hat. Alsdann ist, soweit die aus der Brennsteuer eingegangenen Mittel es gestatten, in denjenigen Fällen, in ivelchen bei der Ausfuhr von Branntwein, sowie von Fabrikaten, zu deren Herstellung Branntwein Verlvendet worden ist, nach dem Auslände ein Erlaß oder eine Ver- gütung der Branntwein-Verbrauchsabgabe eintritt, der Betrag von 6 M.,— in der Zeit vom 1. Oktober 1902 bis 1. Januar 1903 4M. und vom 1. Januar bis 1. April 1903 5 M.— für jedes Hektoliter reinen Alkohols zu erstatten, desgleichen für den zur Essigbercitung und zu andren steuerfreien Zwecke» verwendeten Brannlwei», sowie für den- jenigen Branntwein, welcher vollständig denaturiert worden ist." Die übrigen noch ausstehenden Paragraphen des Gesetzes wurden mit geringe» Aendernngen angenommen. Bei den Strafbestiinmungen werden im Z 23 auf Antrag Dietrich die Worte„auf Hast" gestrichen, so daß nach richterlichen, Ermessen mit Berücksichtigung oller Umstände der Zuwiderhandlung und der voransgeaangenen Fälle der Vcrbrauchsnbgaben-Defrnndation nur auf Geldstrafe im doppelten Betrage der für den ersten Rückfall angedrohten Geldstrafe und nicht mehr auf Haft erkannt werden kann. ES wird beschlossen, das abgeänderte Gesetz am 1. Oktober 1902 in Kraft treten zu lassen und seine Dauer bis zum 1. Oktober 1908 festzusetzen. Damit ist die erste Lesung erledigt. Nächste Sitzung: Mittwoch. Die AmeitlilsteR iit Berlin, Charlottenburg null TGneberg. Ueber die Höhe der Armeiilaste» in Berlin, Charlottenburg und Schöneberg bringe» die„Anitlichen Nachrichte» der Charlottenburger Lrmeiiverwaltnng" einen ausführlichen Bericht, der in seinem wescnt- liche» Inhalt iveitercn Kreisen bekannt zu werden verdient. Der Bericht führt zunächst diejenigen Momente an, die für die Höhe der Armenausgaben entscheidend sind. In erster Reihe kommt hier in Betracht die Z n s a m m e n s e tz u n g der Bevölkerung, daneben die Preise der Lebensmittel und die Woh- nju n g S p re i s e. Höhere Mietspreise zwingen die Armen- Verwaltung, da jeder Arme eine Wohnung haben»mß und die Mittel zu ihrer Bezahlung. lveim er sie nicht selbst erwerben kann, in Form der Unterstiitziing von der Annen- Verwaltung erhalten muß. zu sehr erhöhten Anfwendungen, ohne daß thatsächlich der Arme irgend etwas mehr erhielte. Dazu treten örtliche Verschiedenheiten bezüglich einzelner Ausgaben sin Berlin z. B. 100 000 freie Verpflegnngstage in der Charit«), und endlich kommt, namentlich bei der Armenkrankenpflege, die verschiedene Berechnnngsart der Kosten in Betracht, je nachdem man beim Vorhandensein städtischer Anstalten Kosten gor nicht oder nur Pansch- summen für den Tag, oder endlich die vollen anteiligen Gesamt- kosten der Anstalt nach Maßgabe der Zahl der Armcn-VerpfleqnngS- tage einstellt. Betrachtet man nun von diese» GesichtSpnnkten aus die Armen- etatS der genannten drei Städte, so ist zunächst hervorzuheben, daß Charlotte n bürg in Bezug auf die WohnungS- preise an der Spitze aller deutschen Städte marschiert. Nach einer Znsammenstcllnng des statistischen Amtes in Mannheim betrug der Durchschnittspreis aller Wohnungen am 2. Dezember 1895 in Charlottenbnrg 612 M., Berlin 532 M., Frankfurt 515 M.. Hamburg 489 M., Mannheim 469 M., besitzt der Kaiser eine bewundernswerte Ausdauer in der Ver- folgung seiner Ziele." Indessen ist Herrn Stcad die Sache gründlich schief gegangen. In dem Augenblicke, in dem er mit der deutschen Uebersetzung seines Buches herausplatzt, klingt noch in der offiziösen Presse der deutsch- amerikanische Veibrüdernngsjnbel nach. Wenn Herr Stead durch seine voreilige Festlegung sdentsche Jonrnalisteu hat die Erfahrung längst zurückhaltender gemacht) sich in seiner Andienzfähigkeit ge schädigt habe» sollte, so wird thm sein Verleger doch die koros majeure, die zwingende Gewalt unvorhergesehener Ereignisse zu gute halten müssen. Im übrigen- irrt Herr Stead, wenn er im deutschen Kaiser die einzige bewegende Kraft unsrer auswärtigen Politik erblickt. Das, was er die„amerikanischen Einflüsse" nennt, das demokratiscke Selbstbewußtsein des Volkes, ist immerhin soweit erwacht, daß gegen seinen Willen keine wirkliche wichtige Aktion mit Aussicht auf Erfolg unternommen werden könnte. Je weiter aber diese Entwickelung voranschreitet, desto mehr wird gerade durch sie die Unabhängigkeit der deutschen Nation gesichert. *• DaS kleine Enthnllimgsgeschichtchen de? Herrn Stead ist aber folgendes. Cecil Rodes habe' die Verschwörung D r. I a m e- s o n s, von der der südafrikanische Krieg datiert, keineswegs aus Haß gegen die Boeren und die Wirtschaft Paul Krügers ins Werk gesetzt, sondern sein Hauptzweck sei gewesen, sich der in Transvaal lebenden Ausländer(llitlander) und ihrer Loyalität gegen daS britische Reich zu versichern,„um dadurch das von ihm am'meisten gefnrchtete Er- eignis, nämlich die Errichtung dessen, was er eine amerikanische Republik in Transvaal nannte, zu verhindern."„Mr. Rhades war durch seine vertraulichen Berichterstatter zu dem Glauben gebracht worden, daß die Uitlander nicht länger willens wären, die Autorität der Boeren anzuerkennen. Dabei wurden die Führer nur um einen Grad weniger feindlich gegen England hingestellt als gegen den Präsidenten Krüger: und zwar ans' dem Grunde, weil Mr.' RhodeS und die hohen Behörden ihnen nie Uiilerstützung im Kampfe gegen den Krügerismns geleistet halten." So hat es wenigstens Rhades Herrn Stead selbst erzählt. Aus diesen Gründen soll Chaniberlain sein Einverständnis mit der Verschwörung davon abhängig gemacht haben, daß Dr. Jameson unter britischer Flagge kämpfe. Gerade dadurch aber sei der Hand- streich mißlungen. Denn zur selben Zeit hätte die Botschaft Clcvelands über die venezolanische Frage bei allen Amerikanern das anti-britische Gefühl bis zur Fieberhitze erhöht und die amerikanischen Mitverschworeucn in Johannesburg hätten sich geweigert, an einer Erhebung zu Englands Ginisten teilzunehmen. Der Wahnsinn der englischen Politik in Südafrika wird durch diese ini wesentlichen übrigens nicht ganz»eucii Mitteilungen kraß beleuchtet. Denn danach fängt mit der Niederwerfung der Boeren die südafrikanische Frage für England erst recht an. Stead ist davon überzeugt, daß die goldsuchenden Uitlander, wenn auch ans andren Gründen, mit der gleichen Zähigkeit wie die Boeren für das Recht der Selbstregiernng eintreten werden. Herr Stead sieht natürlich auch in diesem Bprgang ein Stück.Amerikanifierung der Welt". Dresden 390 M.. Leipzig 370 M.. Magdeburg 323 M.. Breslau 300 M. Für die für die Armenbevolkerung hauptsächlich in Betracht kommenden kleinen Wohnungen von 1 und 2 Zimmern liegt ebensolches chergleilüeiideS Material nicht vor; in Charlottendurg betrug am 1. Dezember 1900 der Durchschnittspreis für Wohniingen mit einem heizbaren Raum 297 M., für solche mit 2 heizbaren Räumen 448 M. Diese Zahlen sind ungeheuer hoch«ud dürften kaum irgendwo erreicht werden. Für die eigentliche Armenbevölkerung hat eine Aufnahme vom 1. November 1900 zwar niedrigere Zahlen ergeben, aber auch sie sind so hoch, daß der Preis der Wohnungen von einem Zimmer noch höher ist als der bei einer etwa gleichzeitigen Aufnahme in dem sicher teuren Hamburg ermittelte Durchschnitlspreis aller fauch der größeren) von nnlerstützten Personen bewohnten Wohnungen. Inzwischen sind aber in Charlottenbnrg die Preise, wie die an bisher 372 Wohnungen von unterstützten Personen fort- geführte Statistik ergicbt, außerordentlich gestiegen: Der Durch- schnittspreis der Armeuwohnungcn beträgt danach 19.60 M. für ein- zimmerige und 31,27 M. für zweizimmerige Wohniingen monatlich. Bei einem Vergleich der Ausgaben der Arnicnverwaltimg für Berlin und Charlottenbnrg muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß die Zusanmiensetzung der Bevölkerung beider Städten ungefähr die gleiche ist. Nach der Steuereinschätzung des Jahres 1900 waren in Charloltenburg 56 Proz. aller HanShallungsvorstäiide und Einzel- stehenden wegen eines Einkommens von weniger als 900 M. steuerfrei, während 73 Proz., also fast drei Viertel der gesamten Bevölkerung weniger als 1200 M. Einkommen besaßen. Sie alle kommen mehr oder weniger in die Lage, die Hilfe der Arnieuverwaltimg in An- spruch zu nehmen, sobald Krankheit, Todesfälle, Arbeitslosigkeit usw. in den Familien eintreten. Eine Bevölkerung, von der mehr als die Hälfte weniger als 900 M. und fast drei Viertel weniger als 1200 M. Einkommen haben, wird man, vom Standpunkt der Armen- Verwaltung betrackitct, sicher als sehr ungünstig zusammengesetzt de- zeichnen müssen. Trotzdem sind die Aufwendungen für die Armenpflege in Charlottenburg verhältnismäßig geringer als in den meisten andren Städten. Die Zusammensetzung der Bevölkerung von Berlin weicht nach den Einschätzuiigszahlen mir um ganz wenige Prozente zu Ungunsten von Berlin von der in Charlottenbnrg ab.' Nach dem Etatscntwurf für 1902 sind aber die gleichartigen Ausgaben— ohne Berechnung der Kosten in den städtischen Krankenhäusern, solvie ohne die Kosten der Siechcnhäuser, des Obdachs und des Arbeitshauses— auf nicht weniger als 11 133 805 Mark veranschlagt; sie betragen, ans den Kopf der Bevölkerung gcrcckmct, fast doppelt so viel als in Charlottenburg. Noch günstiger für Charlottenbnrg ist das Verhältnis bei den eigentlichen Unterstützungen. Nach den Zahlen von 1899/1900 entfallen hierbei auf den Kopf' der Bevölkerung in Berlin 3,83 M.. in Charlottenbnrg mir 1,47 M. Die Leistungen im cinzelneii Falle bleiben dabei hinter denen von Berlin in keiner Weise zurück. Wesentlich ungünstiger für Berlin und Charlotteiibura stellt sich ein Vergleich mit dem benachbarten Schöneberg, dessen Etats- entwurf für 1902 einschließlich rund 53 000 M. Zuschuß zu den Kosten des Kreis- Krankenhauses in Lichtcrfelde mit nur rund 257 000 M., nach Abzug der 53 000 M. also mit 204 000 M. bei etwa 100 000 Einwohnern abschließt. Die Gründe dieser auffällig niedrigen Anfwendungen lassen sich ohne Schwierigkeit aus dem Vcrwaltnngsberickit ersehen. Nach dein Bc- richt für 1899 wären damals von 22 307 Censiten nur 7000, d. h. nur 31 Proz.(gegen 56 Proz. im Jahre 1900 in Charlottenbnrg) steuerfrei wegen eines Einkoimncns von weniger als 900 M., und nur 13 252(einschließlich der 7000), d. h. nur 59 Proz.(gegen 73 Proz. in Charlottenbnrg) von weniger als 1200 M. Einkommen veranlagt. Schöneberg hat somit eine für die Armenverwaltung so g ü n st ig z u s a in m e n gesetzte Bevölkerung, wie man sie kaum irgendwo sonst antreffen wird. Wie wenig diese Bevölkerung in der That die Hilfe der Annenverwaltung in An- spruch genommen hat, zeigen deutlich die Zahlen des VerwaltnngS- berichtS. Bei damals 79000 Einwohnern sind inSgesaintnur 528 Personen laufend und 350 mit Sonderiinterstütziingen unterstützt worden, und die Zahl der in Kostpflege und Anstaltspflege gegebenen Kinder hat nur 162 betragen. Als Armenärzte waren nur 3 Acrzte tbätig, die znsanimen mir 419 Personen behandelt haben. Auch jetzt. bei 100 000 Einivohuer», sind»nr 4 Armenärzte angestellt, während z. B. i» Charlottenbnrg 1900 von 12 Aerzten 3431 Personen bc- handelt wurden. Dazu kommt, daß zur Beseitigung der Obdach- losigkeit und WohnnngSiiot anscheinend überhaupt keine Ans- Wendlingen in den Schöncberger Etat eingestellt sind. Jeden- falls walten in Schöneberg so eigenartige Verhältnisse ob. daß sein Armen-Etat mit dem keiner andren deutschen Stadt in Vergleich gc- stellt werden kann. Nicht ohne Interesse ist aber sicher auch eine Untersuchung, auf ivelchen Prozentsatz des gesamten Etats der Stadt sich die Ausgaben der Armenverwaltuug belaufen. Die Ausgabeu deS Extra-Ordinarinms müssen dabei naturgemäß ausscheiden. Legt man die Zahlen des OrdinariumS zn Grunde, so ergeben sich für 1902 ohne Kranken- Häuser u. dgl. folgend« rimde Ziffern: Berlin: Etat 112800000 M. Armenctat 11 338805 M.. also 9,9 Proz. dcS Gesamtetats. Schöneberg: Etat 3 831 159 M. Armenetat 204 000 M.. also 5.4 Proz. des Gesamtetats. Charlottenburg: Etat 12 438 000 M. Armenetat 660 000 M.. also 4.4 Proz. des GcsamtetatS. Charlottenburg wendete also im Vergleich zn seinem Gcsamt- etat nicht nur weniger als halb so viel wie Berlin, sondern noch 1 Proz. weniger als Schöneberg für die Armenpflege auf. Für das abgelaufene Jahr 1901 erhöht sich die auf den Kopf der Be- völkeru'ng entfallende Ziffer der Armenlast durch die eingetretene Wohnungsnot und Mictssteigerung sowie durch den Einfluß der Ver- Hältnisse' auf dem ArbeitSmarkte etwas, trotzdem wird sie auch fernerhin im Vergleich mit andren Groß- und Mittelstädten als niedrig bezeichnet werden. Die hier wiedergegebenen, auf offiziellen Daten beruhenden Zahlen dürften für jeden, der unsre wirtschaftlichen Verhältnisse mit Aufmerksamkeit verfolgr. von hohem Interesse sein; sie zeigen, wo die bessernde Hand in unsrer Armenpflege anzulegen ist, sie lehren aber vor allem, daß es lein geeigneteres Mittel zur Minderung der Arnrenlasten gicbt, als vorbeugend zu wirken. Wenn sich auch das Versinken weiter Schichten der Bcvölkermig in völlige Armut innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnmig nicht verhüten läßt, so ist es doch sehr wohl möglich, durch Be- seitigung der Ursache», vor allem durch rechtzeitige Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Obdachlvsigleit und durch energische Bekämpfung der Pläne der Brot- und Fleischwnchercr die Ausgabe» für die öffentliche Armenpflege erheblich herabzusetzen, ohne dabei denen, die wirklich der Hilfe bedürftig sind, diefe Hilfe zu entziehen._ Wie entrechtet mn hie Wöhlerschllst? Die Landgemeinde-Ordnung von 1892. nach der in den sieben östlichen Provinzen des preußischen MnsterstaateS gewählt wird, ist au sich schon eine Siiirichtnng, welche der großen Masse der Bevölkerung die Wahrnehmung ihrer Interessen unendlich er« schwert. Die Klassenwahl als solche und dazu noch die Vorschrift, daß zwei Drittel der Gemeindevertrcter Hausbesitzer sein müssen. führt dahin, daß die Besitzenden, denen das Wohl und Wehe der Nichtbesitzenden von Herzen gleichgültig ist. stets die er- drückende Mehrheit für sich haben und daß durchweg neun Zehntel der Bevölkerung froh sein können, wenn es ihnen gelingt, zwei oder drei Interpreten ihrer Leiden und Beschwerden in die Gemeinde- körperschaft zu entiendcn. Bei der Stärke unsrer Partei war es ja ganz selbstverständlich, daß die Bevölkerung� zumeist Social- d e m o k r a t e n damit bedachte, die spärlichen Rechte, die ihr das aller Gerechtigkeit ins Gesicht schlagende Gesetz ließ, nach Kräften wahrzunehmen. Ebenso jelbstverständ- lich war es auch, daß die Anwesenheit selbst der wenigen Socialdemokraten in den Gemeindekörperschafteii den herrschenden Klassen ein Greuel ivar. und oft genug hat die ge- samt« Beamtenhierarchie vom Minister bis zum Amtsvorsteher herab ihr Hirn an den Gedanken verschwendet, wie etwa das Bollwerk des Besitzes künstlich verstärkt, das Vordringen der Socialdemolratie mehr noch als bisher verhindert werden könnte. Einem solchen Streben auf menschenmöglichste Entrechtung der Nichtbesitzenden ist das O b e r- V e r w a l t u n g s g e r i ch t jetzt entgegengekommen. Diese Körperschaft, der die Reaktion in Preußen ja schon so manches nervenstärkende Urteil verdankt, hat in einem Erkenntnis vom 11. März dieses Jahres den Vertretern des Besitzes ein Mittel an die Hand gegeben, welches ihnen unter Umständen ermöglicht, in der Gemeindevertretung ganz unter sich zn bleiben und die Mafle der Bevölkerung völlig unvertreten zu lassen. Wir drucken das Urteil, das einer Klage unsrer Parteigenossen in A l t- G l i e n i ck e sein Dasein verdankt, hier ab. Es lautet: „Die am 2. März 1901 vollzogene Wahl des Klägers zum Gcmeindeverordneten in der Lanogeineinde Alt-Glienicke ist von der Gemeindevertretung und nach Erhebung der Klage auch durch die Entscheidung des Kreisausschusscs des Kreises Teltow und des Bezirksausichiisjes zu Potsdam für ungültig erklärt worden, ivcil die 3. Abteilung der Wähler, in der Kläger bei einer Ergänzung-:- wähl die Mehrzahl der Stimincii auf sich vereinigt hatte, geniäß KZ 52 und 54 der Landgeincindc- Ordnung vom 3. Juli 189l nur Angesessene habe ivählen dürfen, während der Kläger unstreitig kein Angesessener ist. Der Kläger behauptet in seiner Revision, daß die Annahme des Bezirksausschusses, die dritte Abteilung habe»nr Angesessene wählen dürfen, rechtlich unzutreffend sei und insoweit das Berufungs- urteil ebenso wie die ersirichlerliche Entscheidung auf unrichtiger Auslegung des Z 52 a. a. O. beruhe. Hierfür uiacht er geltend: Da die Gemeindevertretung in Alt-Glienicke einschließlich des Gemeindevorstehers und des Schöffen 16 Mitglieder zähle, dürften 5 von diesen nach Z 52 a. a. O. Nichtangesessene sein. Gegenüber seiner Ausführung, daß der nicht mit Grundbesitz angesessene Gemeindevorsteher auf diese Zahl nicht in Anrechninig komme, da sie nur die zu ivählenden G e m e i n d e v e r o r d n e t e n betreffe, habe der Bezirksausschuß anerkannt, dasöNichlangcsessene Gemeinde- verordnete sein dürften, sofern hierdurch der Grundsatz des Z 52, daß mindestens �/s der 16 Mitglieder zählenden Gemeinde- Vertretung Angesessene sein müssen, nicht verletzt werde. Nun habe aber die Gemeindevertretung in Alt-Glienicke vor der Ergänzungswahl am 2. März 1901 nur 2 Nichtangesessene(ein- schließlich des Gemeindevorstehers) und 14 Angesessene gezählt. Es hätten daher 5 Nichtangesessene, mithin in der dritten Abteilung 2 Nichlangeiessene gewählt werden können. Da dieser Abteilung, abgesehen von dem Kläger, nur e i n Nichtangesessener angehöre, fo sei die Wahl des Klägers gültig. Diese NechtsauSf'ührung des Klägers ist irrig. Der erlvähnte Ausspruch des Bezirksausschusses betrifft nur die Frage, wieviel Nichtangcscssene im ganzen Mitglieder der Gemeinde- Vertretung sein dürfen, aber nicht die weitere, hier in Betracht kommende Frage, wieviel von der Gesamtzahl dcr Nichlangesessenen von jeder einzelnen Wählerabtcilung gewählt werden dürfen. War es zulässig, daß die Gemeindevertretung in Alt-Glinicke fünf nicht angesessene Mitglieder enthielt und befand sich unter ihren durch'das Gesetz b e r u f e u e n Mitgliedern, dem Gemeinde- Vorsteher und den Schöffen(Z 49 Abs. 3 der Landgemeinde-Ordnung) bereits ein Nichtangesessener, so durften von den gewählten Mitgliedern, den Gemeindeverordncten, wie der Bezirksausschuß zutreffend angenommen hat. nur noch vier die Eigenschaft von Nichtangcsessencn besitzen. Von diesen entfiel auf die 3. Wähler- abteilnug nach Z 52 Abs. 2 a. a. O. eine r. Hier war aber bereits bei einer früheren Wahl ein nicht ansässiger Gemeinde- verordneter. Kubisch, gewählt worden, der unstreitig auch zur Zeit der Ergänzmigswahl vom 2. März 1901 der Gemeindevertretung angehörte und auch damals keinen Grundbesitz in der Gemeinde hatte. Demgemäß durfte nun ein weiterer nicht ansässiger von der 3. Abteilung nicht gewählt werden. Waren in den beiden ersten Abteilungen mehr Ansässige gewählt als vor- geschrieben ist, so vermehrt sich doch dadurch nicht die Zahl dcx Nichtangesesseneii, die von der 3. Abteilung gewählt werden durfte». Die Wähl des nichtansässigeu Klägers durch diese Abteilung war daher ungültig. Der llmsiand. daß der Gemeindevorsteher bei der Bekannt- machung des Wahltermins mitgeteilt hatte, von den beiden durch die 3. Abteilnug zu wählenden Gemeindeverordneten müsse der eine ein Angesessener sein, konnte nicht die Gültigkeit der Wahl eines Nichtangesesseneii bewirken. Allerdings nmßte diese Mitteilung von den Wählern dahin aufgefaßt werden, daß die Wahl eines Nichtangesessenen zulässig sei. Sie lief dem Gesetz zuwider und war geeignet, die Wähler der dritten Abteilung bei der Ausübung ihres Wahlrechts irre zu führen. Wie der Gemeindevorsteher gemäß Z 51 der Landgemciiide-Ordnung die Anzahl der in jedem Wahlbezirk zn wählenden Gemeindeverordneten festzusetzen hat, so hat er auch auf Grund des Z 52 Abs. 2 daselbst festzusetzen, ob und wie viel Nichtangesessene jede Wählerabteil ung zu Genieindeverordneten wählen darf. Eine dem Gesetz nicht entsprechende Festsetzung dieser Zahl kann die Wählbarkeit eines Nichtangesessenen, der bei richtiger Festsetzung nicht gewählt werden durfte, nicht zur Folge haben, sondern stellt vielmehr einen wesent- lichen Mangel des Verfahrens dar. in welchem seine Wahl erfolgt ist. Sie konnte daher nur einen weiteren Grund für die Uli- gültigkcit der Wahl des Klägers abgeben. Nach diesem Urteil braucht eine Gemeindekörperschaft nur skrupellos genug zu sein, folgendes zu thnn: Sie wählt grundsätzlich N i ch t e i n g e s e s s e n e zu Schöffen, was ja namentlich in den durchaus' städtischen Vororten Berlins nicht die geringsten Schwierigkeiten macht. Daß der Amtsvorsteher als ein ans der Büreaukratie hervorgegangener Beamter Hauseigen- tümer ist. kommt ja an sich selten vor. Eine Gemeiudeköiperschast. die danach z. B. aus 12 Vertretern, 3 Schöffen und dem Amts- Vorsteher sich zusammensetzt, dürfte nach dem Gesetz fünf Nichteingcsessene zu Mitgliedern haben, von denen zwei der dritten Wählerktasse an- gehören müßten. Jetzt aber,»ach der Rechtsprechung des Ober- VerwaltimgsgcrichtS. zählten die drei Schöffen und der Amtsvorsteher schon zu den Nichteingesessenen und es bliebe nur noch ein einziger dieser Kategorie zu wählen übrig, der offenbar der zweiten Wählerklasse zugeschlagen würde. Der Besitz, also vielleicht ein Zwanzigstel der Bevölkerung, wäre ganz unter sich und die Übrigen 95 Proz. der Einwohnerschaft könnten sich auf den Kopf stellen und brächten eS nicht fertig, auch mir jemals einen Mann ihres Ver- tranenS ins Gemeindehaus zn entsenden. So befreit das Ober- Verwaltnngsgericht die Wohlgesinnten vor den Socialdemokratie. Ist es nach solcher That noch notwendig, der Meinmig. welche das Volk vom preußischen Staat und von der preußischen Rechtsprechung hegt, den ihr zukommenden drastischen Ausdruck zu geben? Vevssmmlnngcn. Der socialdeniokratische Verein für den 3. RcichStagö- Wahlkreis hielt am Dienstag in Leydeckers Salon eine öffeuiliche Versammlung ab, an der auch eine Anzahl Frauen> teilnahm. Ge- nosse K a li s k i sprach über:, Das Märchen vom socialen V e r st ä n d n i s unseres Bürgertums." Der interessante Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Diskussion fand nicht statt. Unter Vereinsangelegenheiten wurden ans Anregung von Rod. Schmidt die Borgänge in der Preßkonnnission zur Sprache gebracht. Friedländer erklärte hierzu, daß die Vertreter des 5., zwei Vertreter des 6. Wahlkreises und ein Vertreter des Wahl- krcises Teltow- Beeskow- Charlottenburg die Sitzung der Preß- kommission verlassen haben. um gegen den stalutenwidrigcn Znstand, daß von der Schönhauser Vorstadt ein besonderer Vertreter, und somit statt zwei Delegierter, drei vom 6. Wahlkreise an- wescnd seien, zn protestieren. Auf die Einwendungen dagegen Hütte der Parleivorstand erwidert, man solle sich so lange mit dem gegen- wältige» Verhältnis zufrieden geben, als die Eiiiignngsverhandlniigcn im 6. Kreise schwebten. Nachdem nun aber diese Verhandlungen ge- scheitert seien, hätte der Vorstand auf erneute Anfrage wiederum eine ausweichende Antwort gegeben. Ter Redner verweist im fiBrifien{wnitf, bofe bte Sache in ber demnächst ftattfinbcnbcn Generalversammlung zur Sprache kommen wird.— S ch in i d t ist mit der Taktik, die die Vertreter des fünften Kreises in der Prehkommission eingeschlagen haben, nicht einverstanden und hält solche Demonstrationen für nbcrstüssig. Sie seien nur dann anznivendc», wenn kein andrer Weg mehr übrig sei. Der Parteivorstand hätte erklärt, das; neue Berhandlnngen gepflogen tvürden. ES liege kein Interesse vor, den Streit auf die Spitze zu treiben. Uebrigeus ist der Redner auch der Meinung, daß, wenn die Sache den Conlrolcuren vorgelegt werde, diese den gegen- wärtigcn Znstand auch für statntenwidrig erklären müßten.— L i e p m a»l n führt ans, daß die Taktik der Vertreter in der Preß- konunission im Vorstand des Wahlvereins ernstlich erivoge» Ivorden sei. Es müsse vermieden werden, daß die Berliner Organisations-Streitig- leiten vor den Parteitag gezogen würden. Für die Genossen iin 5. Wahlkreise halten diese Streitigkeiten nur theoretisches Interesse, da sich hier die Minderheit den Beschlüssen der Mehrheit vollständig gefügt hätte. Z>»n Schluß machte der Vorsitzende auf die Maifeier im Schlveizergartcn aufmerksam und forderte zum Anschluß an den Wahlvercin auf. Die Metallarbeiter von Moabit hatten sich am Mittwoch sehr zahlreich eingefunden zu einer öffentlichen Versaininlmig, welche die Verbandsleitung nach der Kronenbranerei einberufen hatte. P a>v l o w i t sch besprach das Prämiensystem, diese in einigen Be- trieben der Metallindustrie eingeführte raffinierte Form der Ans- bentnng. Er legte dar, daß dieses System für die Arbeiter große Nachteile hat, und daß der Einführung desselben energischer Wider- stand entgegengesetzt werden müsse. Cohen berichtete über den Verlauf des Streiks bei der Firma A I t>» a n n, der wegen Einführung � des Präinicnsystems entstanden ist. Er verwies darauf, daß die Streikenden mit musterhafter Ausdauer im Kampfe verharren und die Firma sich vergebens nach ausreichendem Ersatz für die Streikenden bemühe. Ebenso sei es mit dem Ausstand der Kernmacher in der Low eschen Fabrik. Auch hier sei es nicht gelungen und werde nicht gelingen, brauchbare Kernmacher an Slellc der Streikenden zu erhalten. Die Versammlung nahm schließ- lich eine Resolution an, in der sie erklärt, daß die Streiks bei Alt- mann und bei Löwe ein Kampf sind gegen die Bestrebungen der Kühnemänner, die Nachteile der schlechten Konjunktur auf die Arbeiter abzuwälzen, rmd daß dieser berechtigte Kampf von allen Kollegen nach Kräften unterstützt werden soll. I» der Generalversainntluilg der Fliesenleger berichtete der Vorstand, daß es nach wiederholten vergeblichen Versuchen endlich gelungen sei. mit den Unternehmern wieder Verhandlungen wegen Festlegung eines Lohntarifs anzubahnen. Der Vorsitzende des Arbeitgeberbundes K u ß I e r. der die Vermittelnng übernommen, hat erklärt, daß die Mehrzahl der betreffenden Unternehmer die Er- klärinig abgegeben har, daß sie die Lvhnkonunission des Vereins der Fliesenleger als solche ivieder anerkennt, aber dabei ausdrücklich hervorgehoben, daß sie Aendernngen ihres Tarifs nicht zugeben werden und gegebenenfalls die Verhandinngen sofort abbrechen werde». Im Lohn- tarif der Arbeiter sind dicHanplvunkte:„t. Miiiimalslundenlohn 77VsPf. bei neunstündiger Arbeitszeit. Für Arbeitnehmer, die länger als vier Jahre in der Branche thälig sind, beträgt der Stundenlohn 80 Pf. Punkt 2. Tie Arbeitszeit beginnt um 7 Uhr morgens und endet unr 6 Uhr abends zc. Punkt ö. Bei Arbeite», Ivclche außerhalb des Vorortverkehrs auszuführen sind, wird außer Fahrgeld- Vcr- gütung ein Betrag von 3 M. gezahlt; falls Kost und Logis ge- währt wird, verringert sich der Zuschlag von 3 M. auf 73 Pf. Punkte. Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit sind mög- lichst zu vermeide». Wenn Ueberstunden gemacht werden müssen, so ist für dieselben bis 9 Uhr abends ein Zuschlag von 20 Proz., für Nachtarbeiten von 9 Uhr abends bis Uhr morgens sowie für Somitagsarbcitcn ein solcher von 100 Proz, zu zahlen. Punkt 8. Accord wird nicht gearbeitet und darf im Falle der Verweigerung der Arbeitnehmer nicht entlassen werden. Ferner ist ans jeder Baustelle ein verschließbarer Raum zur Unterbringung der Kleider und des HandiverkszeugS herzustellen; wo solcher nicht vor- Händen ist, haftet der Arbeitgeber für die etiva gestohlenen Sachen. P>i n k t 9. Zur Schlichtung der ans dein Arbeitsverhältnis etwa cntstchcuden Streitigkeiten, zur Vermeidung von Streiks und Aus- sperrnngen wird eine Kommission von je vier Arbeitnehmern und Arbeitgebern unter Vorsitz eines Gewerbcrichters gebildet.... Punkt 1 1. Der Vergleich gilt bis zum 1. März 1908 und läuft ein Jahr weiter, wenn nicht vier Wochen vor Ablauf eine Kündigung erfolgt." Der Vorstand führt nun weiter aus, daß im Sinne eines VersammlnngSbeschlnffes bereits das Einiguugsamt des Berliner Gcwerbcgerichts angerufen ist und Verhandlungen voraussichtlich dem- nächst stallfinden tverdcn.— lieber die Maifeier entivickelt sich eine lebhafte Debatte. Der Vorstand ist für eine selbständige Feier, die Geiverkschaft�der Fliesenleger könne sich eine solche leisten. Nachdem noch unter ander» Anträgen ein Antrag auf v o l l st ä n d i g e Arbeitsrnhe als zu weitgehend abgelehnt ist, wird beschlossen, den 1. Mai wie bisher ohne Anschluß an eine andre Organisation zu feiern. Schon vorher sollen Flugblätter, die Maifeier betreffend, an alle Fliesenleger verteilt werden. Ter Fachbereiu der Tischler Berlins und der Umgegend hielt am 13. April seine Generalversammlung ab. Den Borstands- bencht für die Zeit vom t. Januar bis 31. März erstattete Hiirtler. Differenzen wäre» in 17 Werkstätten zu erledigen. Rechtsschutz erhielten 3 Mitglieder. Aufgenoinmen wurden 48, n»d wegen Streik- brnch zwei Mitglieder gestrichen. Ter Kassenbericht ergab nebst Bestand vom letzten Quartal eine Einnahme von 1665.33 M. und eine Ausgabe von 1171,13 M. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt: Die Ersatzwahlen zeitigten folgendes Resultat: 2. Vor- sitzender, Schulz; 1. Schriftfiihrer, Schappelt: 1. Kassierer, A. Klinisch; 2. � Kassierer. Zinke; Revisor, Trebsch. Zu BeitragSsanimlern ivürden ernannt: Ullrich. Jnsterburgerstraße; Fränzol, Pallisaden- strnße; Prenß, Manteusfelstraße; Dreher, Grünanerstraße. In die Algitalionskommission kamen neu hinzu Guhl, Fräuzel, Riehl und Silraiiß, Zur Maifeier gelangte folgender Antrag ohne Tis- bussion einstimmig zur Annahme:„Der 1. Mai wird nach wie vor durch absolute Arbeitsrnhe gefeiert; die Kollegen haben 'zwecks Kontrolle ihr Mitgliedsbuch in die bei Granmann, Naunyn- ' straße 27, stattfindenden Versamnilniig mitzubringen." Jedes für den Verein thätige Mitglied erhält von jetzt ab pro Sitzungsabend 30 Pf. Entschädigung; Ärbeitsversäumnis wird mit •'60 Pf. pro Stunde vergütigt. Bei Uiiterstntzimgsgesnchen ist der Vorstand ermächtigt, in aller- notwendigsten Fällen Unterstützungen zu gewähren; jedoch sind die betr. � Mitglieder verpflichtet, dieselbe» in der vom Vorstand bestimmte» Zeit' wieder zu retourniere». Nachdem noch einige interne An- st gelegenheiten ihre Erledigung gefunden, folgte Schluß der Ber- fannnlung. S Ter Vcreiu deutscher Schuhmacher hielt am 16. d. M. im ?: Englischen Garten, Alexanders�. 27. eine Generalversammlung ab, p um den Geschäfts- und Kassenbericht vom 1. Quartal 1902 entgen- zunehmen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung j den verstorbene» Kollege» Neinhold W i t t w e r durch Erheben von t den Plätzen. Sodann erstattete B e n e d i x Bericht über die bei der < Firma Goldstcin luisgebrochenen Differenzen. Der Kassenbericht { crgiebt eine Einnahme von 2340,80 M. für die Hanpt- s knise und 2774.31 M. für die Lokalkasse inklnsive des ; libertragenden ÄasjeiibestandeS. Der Hauptkasse nbersandt resp. für , dieselbe verausgabt wurden 1383.10 M. Der am Ort befindliche Kafsenbestand der Zahlstelle beträgt 1640.63 M. Nach dem Bericht I ist die Einnahme gegen die früheren Quartale um ca. 300 M. zurück- ; geblieben, was in der Hauptsache ans die bis Ende Februar an- ' dauernde starke Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Durch die- selbe ist auch daS Ergebnis der Agitation ungünstig beeinflußt ivorden. Die Versanunlung stimmt einem Antrag der Vcr- tranensniänncr zu. durch welchen der Ortsverwaltung die Genehmigung erteilt wird, auf die Dauer voist drei Monaten zur Erledigung der Verwaltungsgeschäfte eine Hilfskraft heranzu« ziehen. Die Kosten hierzu sollen jedoch nicht den Betrag der zu i—........ ""•■•""•"•" 7""-•:.....'— 7"------•••-• Verwaltungsausgaben bestimmten Summe überschreiten. Es soll dadurch bezweckt werden, daß eine planmäßige Agitation unter den Heimarbeitern betrieben werden kann. Da der bisherige erste Bc- vollmächtigte, um eine bessere Einteilung der Verwaltungsgeschäfte zu ermöglichen, sein Amt niedergelegt hätte, wurde an Stelle des- selben G r u n o w gewählt.' Ter Verband aller in der Stickerei'- Branche beschäftigten Personen hielt am 16. April seine Generalversammlung ab. Nach- dem der Vorsitzende Prillwitz den Geschäftsbericht, in welchem der- selbe den Anwesenden die Entwickeliingsgeschichte des Verbandes darlegte, gegeben hatte, verlas der Kassierer Bolzmann de» Kassen- bericht, ans welchem hervorging. daß der Verband im erste» Jahre seines Bestehens eine Einnahme von 1163.10 M. und eine Ausgabe von 631.01 M. hatte, so daß der Bestand am 13. April er. 312,09 M. beträgt. Nachdem der Delegierte Massuthe seinen Bericht gegeben hatte, wurde zur Vorstandswahl gc- schritten, ivelche folgendes Ergebnis hatte: 1. Vorsitzender Prillwitz, 2. Vorsitzende Frl. Simon, 1. Kassierer Bolzmann, 2. Kassierer Werner, 1. Schriftführer Klees, 2. Schrislführer Albrecht, Beisitzerin Frl. Block. Zn Revisoren wurden gewählt Masslithc, Glücks und Zuck, zum Delegierten Massuthe. Betreffs der Maifeier wurde bc- knmit gegeben, daß der Verband sich an der Versammlung der Bekleidnnasinbnstrie beteiligt. Treffpunkt morgens 9 Uhr bei Rohdc, Wallstr. 32-38. Eine zahlreich besuchte Versanimlinig der Töpferträger tagte Montogatieiid Rosenthalerstr. 57,»m den Bericht der Lohn- koinmission über die nochmaligen Verhandlungen mit der Berliner Tvpser-Jmiung über den neuen Lohntarif entgegenzunehmen. � Der VertranenSmaii» berichtete, daß die Jnrnnig nunmehr einen eignen speeialisierten Accordtarif— in Lohn soll überhauvt nicht gearbeitet werden— dem der Arbeiter gegenübergestellt hat und zur Durch- fllhrung zu bringen gedenkt. Nach Kenntnisnahme lehnten die Ber- sammelten diesen Meistertarif einstimmig ab, stellten in längerer Bcratiiiig einen modifizierten Tarif ans und beauftragten die Konnnission, diesen der Jminng mit dem Bemerken zuzustellen, daß die Töpferträger an diesem unbedingt festhalten weroe».— Außerdem wlirdc einstimmig beschlossen, den 1. Mai durch vollständige Arbeitsrnhe zn begehen. Die deutsche Mctallarbeiter-Grwrrkschast hielt am Sonntag, den 13. April im Englischen Garten eine beschließende Mitglieder- Versamnilniig ab. Vor Eintritt in die Verhaiidlmigen ehrte» die Versammelten das Andenken des veifftorbenen Mitgliedes Stolz I in der üblichen Weise. Dann referierte D a n n e n b e r g c r zum t. Punkt: Stellungnahme zum 1. Mai. Redner empfahl folgende Resolution zur Amiahme: Als die würdigste Feier des erste» Mai betrachtet die heutige Mitgliederversammlung die allgemeine Arbeits- ruhe; die Verwaltung macht es den Mitgliedern daher zur Pflicht, für Rlihenlasicn der Arbeit an diesem Tage nach Möglichkeit cinzu- treten. Die Resolution wurde angenoinincn, desgleichen folgender Antrag: Für die einzelnen Betriebe sind Werkstattversammlungen ab- zuhalten; ivenn der im Betriebe Beschäftigten beschließen, den ersten Mai zu feiern, hat die Arbeit an diesem Tage zn ruhen; Mitglieder, die durch Ikinstände ver- hindert find, die Arbeit ruhen zu lassen, haben ihrem Verdienst entsprechend die von der Organisation herausgegebenen Maimarken zu entnehmen, als Mindestsatz ivird jedoch eine Marke bestimmt. Darauf erstattete O r i w o h I Bericht vom Kartell. Nach der Dis- knssion über denselben wurden geivählt: Schon he im als De- legierter, M anhold als Stellvertreter. Zinn Punkt: die Schäd- lichkeit des Prämiensystcms— der Streik bei Altmann u. Co., sprach W i e s ii e r. Die Versammelten drückten de» Ansständigc» ihre Sympathien ans. Ein zn diesem Punkt eingclanfener Antrag Ivnrde der Verwaltung zur näheren Berücksichtigung überwiesen. Hierauf wurden die Streikbrecher aus der Organisation ausgeschlossen. Als Vertreter in der Geschäftskominissioii wurde Dannenberg er gewählt. Unter Geiverlschaitlichcm ivnrde gewimscht, sich auch unsrerseits an den socialpolitischen Wahlen zc.' zu beteiligen, und sollen die Dclcgiericn im Kartell ebenfalls dahin wirken. Nachdem noch einige geschäftliche Mitteilimge» gemacht, erfolgte Schluß der gut besuchten Versammlimg. Der Jntcrcssenvcrein der Kistcnmacher beschloß in einer an, 14. d. Mts. abgehaltencii, gut besuchte» aiißerordentlichen General- versammlnng, den 1. Mai durch Ruhenlasse» der Arbeit zu feiern. Ferner ivnrde beschlosicii, den Streik bei der Firma Lemke aufrecht zn erhalten; dagegen die Sperre über die Fabrik von Göke aufzu- hebe». Da nicht alle Vcrsammlungsbcrichte im„Vorivärts" Auf- nähme finden können, so wurde dem Antrage des Vorstandes, für jede in Betracht kommende Wcrkstcllc ein Exemplar des Organs„Die Einigkeit" eiiiziiführen, zugestimmt. Die Arbeitcr-Bildnngsschnlc hielt am lt. April ihre vierte Generalvcrsaiinnlnng für das Geschäftsjahr 1901/1902 im Geivcrk- schaftshause ab. Der Vorsitzende Launiis gab den Vorstandsbericht. Redner benierkt«, daßtrotzdcrniigüiistigcnGeschäftslage gerade imletztcn Quartal der Besuch der drei Kurse ein sehr guter gewesen sei, so daß die Schulausgaben nicht nur durch die Beiträge vollständig gedeckt ivurden, sondern sich noch ein Ueberschuß von 193.30 ergab. Anders stehe es mit den sonstigen Vereiiisciniiahnicn. Hier habe sich beim Besuch ber festlichen Veranstaltungen der ivirtschastliche Druck, unter dem gegenwärtig die Arbeiterschaft leidet, empfindlich fühl- bar gemacht. Da im verflossenen Jahre bedeutende Auf- Wendungen für die Bibliothek, Nenanschaffung eines Bücher- schrankcs,«in größerer Beitrag zum Liebknecht- Denkmal gemacht wurden, sei eine größere Mehrausgabe entstanden, welche der Vorstand hoffe, im nächsten Geschäftsjahre, wo derartige außer- gewöhnliche Ausgaben nicht in Aussicht ständen, ivieder einzubringen. Es fanden iin letzten Quartal drei Iliiterrichtsknrse statt. Eingeschrieben ivare» 447 Mitglieder t33 Danicn und 394 Herren), von ihnen be- suchten einen Kursus 231, zivei R u r s e 34, alle drei K n r s e 12. während 170 an keinem der Knrsc teilnahmen.— Auf die einzelnen Fächer verteilte sich der Besuch in folgender Weise: I. Geschichte: Eingeschrieben 116<29 Damen, 87 Herren); durch- schnittlichcr Besuch 76. II. N a t i o n a l ö k o n o in i e: Einge- schrieben 121(1 Dame, 120 Herren); durchschnittlicher Besuch 78. HI. Rede Übung: Eingeschrieben 98<5 Damen, 93 Herren); durch- schnitlicher Besuch 33 Personen.— Organisiert waren von den Teil- »ehineni. soiveit dies aus ihren Angaben hervorging: nur politisch 14, nur geiverkschafilich 133, volitiich und gewerkschaftlich 113. Nach dem Kassenbericht betrugen pro Jannar-März 1902 die Einnahmen 1144,20 M.. die Ausgaben 835,45 M.; der Bestand pro 31. März 1902 betrögt 2917.18 M. Dem Bericht über die Bibliothek folgte sodann eine ausführliche Darlegung der Herren Dr. Steiner und Georg Bernhard über die Erfahningcn beim Unterricht. Allgemein ivnrde das Interesse an dem Unterrichtsstoff seitens der Zuhörer lobend hervorgehoben. In der Diskussion über den Vorstandsbericht wurden verschiedene Wünsche über Ausgestaltung lind Erweiterung des Geschichtsunterrichts. der Redeiibuiig. der Einführnng von Natnrerkenntnis, die zum Herbst in Aussicht gestellt wird, und dergleichen mehr berührt. Bei der nun stattfindenden Vorftandswahl ergiebt sich folgendes Resultat: Lamnis, 1. Vorsitzender; Balzcr, 2. Vorsitzender; Königs, 1. Kassierer; Elsner, 2. Kassierer; Frl. Ecker, 1. Schriftführer; Krumnow, 2. Schriftführer; Engel, Bibliothekar; Reumann und Rothe, Revisoren. Der Vorsitzende gab bekannt, daß er auf seine Anfrage an die Mnseeiiverivaltiiiig betreffend den gemeinsanien Besuch der Kunst- sammlunge» unter Leitung eines Fachmannes, jetzt nach drei Monaten»och ohne Anttvort sei. Es ivird beschlossen, noch einmal anzufragen nnter Bernfnng auf andre Vereine, denen eine solche Erlaubnis berestivilligst erteilt wurde. Ter Ztveigvereiu Berlin des CentralverbandS deutscher Braner hielt seine MonatSversauinilung für April am 13. d. M. in den Arminhallen ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte man das Andenken an den verstorbenen Kollegen H e i d r i ch in der üblichen Weise. Dann hielt Dr. Rud. Steiner einen mit lebhaftem Beifall aufgenomnienen Vortraa über„Das Innere der Erde". Hierauf gab der Vorsitzende Aufklärung über die Wahlen zum Getvcrkschafts- Kongreß und ivurden als Kandidaten hierzu nominiert: Bauer- Hannover, Weiderer- München und Staake- Hamburg; als Ersatzleute Richter- Berlin. L e i t h n e r- Nürnberg und B ö ke n k r ö g e r- Bremen. Die Wahl ist eine UrWahl und iverden die Stiinmzettcl durch die Vcrtranenslente ausgegeben. Zur Beratung von UnfallverhütungS- Vorschriften derBrnucre'i- nndMälzerei-BerufSgenosscnschaft wurdenals Vertreter für Berlin in Vorschlag gebracht: Bauer, Richter und Wirt, als Ersatzleute M l e tz k o, H e y d e r. W u n d e r l i cki, K n c ch t e l. H i r s e l a n d und Cordts; für die Provinz Brandenburg: Niete r und Zech, als Ersatzleute W i n k l e r. Stein bau er, Böhm und K ü h». Unter„Verschiedenes" brachte Vogel die Beschwerde gegen die Leitung des Niugarbeitsnachweises vor, daß seinem Verlangen ans lEinsctznng eines Schiedsgerichts wegen mehrmaligen ungerechtfertigten Znrückivcisciis sciicns mehrerer Brauereien nicht stattgegeben tvcrde. Der Verein der Rohrer hielt am Sonntag, den 13. April. eine öffentliche Versanimlinig im„Englische» Garte» ab. W a l d e ck Maua s s e hielt einen mit großem Beifall anfgenommenen Vortrag über:„Der Kampf»ins Dasein." Es wurden die augenblicklich bc- stehenden Mißstände lebhaft kritisiert und folgende Resolution an- genommen:„Die heutige öffentliche Versammlung der Rohrer ver- pflichtet sich, die unhaltbaren Zustände, die zur Zeit im Beruf herrschen, ganz entschieden zurückzuweisen, sowie eine rege Agitation zn entfalten, um die noch der Organisation fernstehenden Kollegen dem Verein zuzuführen." Die Versaininlnng beschließt, den 1. Mai durch Arbeitsrnhe zn feiern und an der Grnppcnvcrsainiiilung wie im Vorjahre teilzunehmen. Der Arbeiter-Sängerbiind hielt am Sonntag, den 13. April. in der Brauerei Fricdrichshain eine Ansschiißsitznng ab. Aufgenommen in den Bund ivurden die Bercinc:„Holzbearbcitungs- M a s ch i n e n a r b e i t e r",„ F r e n n d s ch a f t" und„ M(inner- ch o r der Schneider Berlins".— Als Bnndcsdirigent ist B l o b e l cinftinnnig ivicdcrgcivählt worden.— Die Vertreter der Vereine:„'Fortschritt",'.Nord wacht" und„ O r a n i e n- b» r g e r Vorstadt" fniigicren als Revisoren.— Von den Con- trolenren verwalte» sechs ihr Amt ivefter, es kommt iiur noch einer in Betracht; geivählt wird der Vertreter vom Verein„Edcliveiß".— Betreffs der Maifeier sind sämtliche Vereine den einzelnen Lokalen zugeteilt, wo eine Feier stattfindet, und es ist nun die ernste Pflicht der Sänger, ihre Schuldigkeit zn thnn.— In der Angelegenheit des Sängerfestes ist vom Ausschuß der Beschluß gefaßt ivorden, dasselbe am 10. Angnst in Mentes Volksgartc», Lichtenberg, stattfinden zu lassen. Charlottcnbnrg. Die Charlottenlnirger GciverkschaftSkonunission nahm in ihrer letzten Sitzung Stellung zum 1. Mai. Die Versammlungen sollen in sämtlichen Sälen des neuen Volkshanscs stattfinden, und ivird eine Maiinarke gratis verabfolgt. Des weiteren wurde beichlosien, daß jede Gewerkschaft pro Mitglied 15 Pf. zu den Un- kosten der Geiverbcgerichtswahlcn beitragen muß. Eine längere Debatte rief die Stellniignahme zum städtischen Arbeits- Nachweis hervor. Es ivnrde eine Resolution angenoniineu, in der festgelegt ivnrde, wie sich die Arbeitnehmer- Deputierten z» verhalten haben, ivenn die Forderungen, die in der vorher- gehenden Sitzung der Kommission aufgestellt wurden, vom Arbeits- iiachlveis- Kuratorium abgelehnt werden. Zur Ausarbeitung der Statistik der Arbeilsloscn-Zählnng beschloß die Versaininlnng 30 M. beizutragen. Der Vertreter der Schnhinacher ersuchte die Gcwcrk- schnftcn um moralische llilterstützung in der bevorstehenden Lohn- belvegung der Schuhmacher. Uin dieselbe Unterstützung ersuchen die Handels- und Transportarbeiter zn einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlnng. Dem vorjährigen Ausschuß ivurden 30 M. Entschädig»»!, bewilligt. Hiervon sollen 20 M. dem Obmann, 30 M. de» übrigen 4 Ausschußmitgliedern zufallen. Es fehlten die Holz- arbeiter und Steinarbeiter. Treptow- Banmschnlcnweg.„Die Verschiebung der Stich- Wahl und werden religiöse Gcffihle durch die Ausübung staats- bürgerlicher Rechte beeinträchtigt", lautete in einer gut besuchten Versanimlinig, die am 7. d. M. hier tagte, das Thema, über welches Genosse C a r o w referierte. Unter lebhaftem Beifall der Ver- samnilung führte der Referent etwa folgendes aus: Die Stichwahl ivnrde durch ciiistiminigcn Beschluß des Wahlvorstandes— die Beisitzer sind zwei Parteigenossen— auf Sonnabend den 29. März festgesetzt. Gegen diesen Termin setzten nun die Gegner alle Hebel in Belvegung und erreichten auch durch'„höhere Anordnnng" sivie die Bekanntmachung des Amtsvorstehers lautete) eine Verschiebung des Wahlaktes. Die Gründe, die herhalten nnißten, um eine Verschiebung der Wahl zu rechtfertigen, sind gar sonderbarer Art, sie lauteten»»gefähr: Da die Wahl sich voraus- sichtlicheriveise bis spät abends nnsdehnen würde, und der 29. gerade Osterheiligabend ist, so ist anznnehmen, daß die religiösen Gefühle der Wähler beeinträchtigt werden. Den Gegner» ivar es also ge- Iniiaeii. den für uns günstigen Stichivahl-Termin zu vereiteln. Die blasse Furcht, daß„der Friede und die vornehme Ruhe in den Ge- meindcrats- Sitzungen gestört iiierde, wenn ein Socialdemokrat gewählt wird", ivie der„Treptower Anzeiger" in seiner Karfreitags- Nnimncr schreibt, läßt die Herren derartige Sprünge machen. Unter deni 3. Punkt der Tagesordnung„die gehässige Schreibiveise des angeblich unparteiischen„Treptoiver Anzeigers" und lvodnrch ist Reniednr zn schaffen" forderte Genosse Krebs die Anwesenden aus. soviel in ihren Kräften steht, gegen dieses Blatt zu agitieren, welches unparteiisch sein ivill, aber' jede Gelegenheit benützt, die social- demokratische Partei am Ort zu bekämpfen, und mitunter in einer Art, welche nicht von großer Wahrheitsliebe zeugt. Wcisteusee. sGeneralversammlnng des socialdcmokratischcn Wahlvercins.) Nach dem Kassenbericht betrag die Einnahme im letzten Quartal 357,23, die Ausgabe 323,67 M. An den Kreis- vertrauenSmann ivurden 39,72 M. abgeführt. Die Mitgliederznhl beträgt 503. Zu Revisoren ivurden Esch dach, Gartz und Penckert geivählt. Die Stellungnahme zum 1. Mai rief eine lebhafte Debatte hervor. Hierbei wurde das Verhalten des Ab- geordneten sowie des Kreisvertraneiisniannes in Betreff eines KreiS- festes im Gewerkschaftshanse am 1. Mai getadelt und dem Ver- trauensmann die Wahl von zwei Delegierten zur Veranstaltung des Festes abgeschlagen._ Schriften-Emgang. Dr. W. H. Gilbert. Diabctis-Kiiche Berlin, Verlag der„MedtzU Nischen Woche". 72 Seiten. Kinderarbett und Gesetz gegen die AuSmitzung kindlicher Arbeitskraft in Dculschland.(Unter Berücksichtigung der Gesetzgebung des Auslände« und der Besch-iftigniig der Kinder in der Landwirtschaft.) Von Konrad A g a h d. Jena 1902.(Gustav Fischer.) Preis 2.40. Der Krieg in Südafrika, seine Ursache und Führung. Von A. Conan Doyle. 200 Seiten. Verlag von Sniith, Elder u. Co., Watcrtoo-Place 13, London 83V., 1902. Die Ursachen und Bekäi»pf»»g des BerbrechenS. Bon Professor Cesare Lonibroso. Autorisierte Uebersetzung von Dr. Hans Kurella und Dr. E. Jeiitsch. Berlin 1902(Hugo Berniühlers Verlag). Preis 8 M. Verein Reichs Woh»ii»gSgesett. Bericht über das 4. Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 1901. Verlag der Äcschäjtsstellc Brönner- straße 14, Frankfurt a. M. Der italienische SocialiSmns anf dem Lande. Von Robert Mlchets (Marburg). Frantfurt a. M. 19Y2(Neuer Frankfurter Verlag). Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit AnSnahme deS Sonnabends von 7'/, bis'.»>/, Uhr abends statt. Lorrain. Unfähig zum Schöffenamt ist, wer durch Gerichtserkenntnis das Recht verloren hat oder gegen den ein strasrechtliches Verfahren schwebt, das den Verlnst der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge habe» kann; endlich Personen, die der freien Verfügung über ihr Vermögen verlustig erklärt worden sind. G. W. S. Wir können den Beitritt nicht empfehlen. Oei- Olam unserer Steine i»t von keiner künstllehen Rückseite»bhänaij. »le beeie €«1 1 a t i«u der Weit SMP* Ansschneiden! Vorzeiger diese« bat 4 Mark � a'/ Ermässigung bei\ f /Bestellung von 20 Mk\� an, unter 20 Mark nur O/ 2 Mark. u V.—*4 VSUT W Ii%. W> Beblin, lausitzer Platz 2.1, Bestrenommlert und wohlbekanntl Künstliche Zähne. Tadellose Ausführung, von 3 Mark an. 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Zäiine-2 Ml. an Nlomden nach Wabl in Silber, Kupfer, Emaille') von � MU Z«H»!itHen«As Seit 1894 mit grossem Erfolg nur Atrlill8..PriMsir.M.' Ecke WassertHorstraße, Verantwortlicher Redacteur:«4(1 Leid in Berlin. Sür"den'Inseratenteil verantwortlich; TH. Älocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. pm _L;«t ilt. 93. 19. ZahtMg. 4 KilM des Jotmätla" greift WMÄ-«»»-«»«l>>« Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 18. April 1302. Aprilwetter! Meist Mi und trübe, naßkalte zu pessimistischen Betrachtungen stinunende Witterung, hin und wieder Regenschauer und nur vereinzelt ein durch das dunkle Gewölk hervorbrechender lachender Sonnenstrahl. Der Wittcrnngsbericht gilt mich von der Börse. Dnrchtveg frostige Znriirkhaltnng, derselbe Mangel'anUnternehmnngslust, der in der vorausgegangenen Berichtswoche die Börse beherrschte. Nur vorübergehend bricht, zrr optimistischerer Anffassnng anregend, in der Gestalt günstigerer Londoner Nachrichten über de» Stand der Friedensverhandlungen etwas Heller Sonnenschein durchs Gewölk. uin bald darauf ivieder von verstimmenden Nachrichten über un- befriedigende Geschäftsabschlüsse, matte Haltungen fremder Börsen uslv. abgelöst zn werden. Die anscheinende Besserung der Friedensaussichten am Sonn- abend voriger Woche beivirlte bei geringen Umsätzen ein leichtes An- ziehen der Kurse verschiedener Montanivertc. Und ebenso zeigte die Börse am Montag anfangs eine feste Haltung. Auf dem Montan- Aktienmarkte zogen sogar die Kohlenaktien auf die Streiknachrichten, die einen vermehrte» Absatz deutscher Kohlenzechen nach Belgien in Aussicht stellen, erneut etwas n», wenn auch im ganzen nur etwa um IProz. Doch schon im weitern Verlauf Ivnrde dieHaltung eineschwächcre, und die Dienstag-Börse zeigte bereits ivieder. auf die Steuer- ankündigniigs-Rede dcS englischen Schatzsekretärs Hicks Beach hin, die alte Znrnckhaltinig, so daß für eine Reihe der ivichtigstcn Bank-, Bahn- und Montanwerte keine Eröffnnngsknrse festgesetzt ivcrden konnten: eine Geschäftsunlust. die später, als der Telegraph Rück- gänge der Konsolkurse ans London meldete, noch stieg und zu ver- schiedencn, wenn auch nur geringen Kursabschlägen führte. Vorgestern. am Mittwoch, eröffnete die Vörie ebenfalls ivieder mit schivacher Tendenz, die jedoch infolge ncncr Meldungen über Zunahme der Arbeits- einstellungen in den belgischen Kohlengruben sich nachträglich be- festigt. Ein erneutes Anziehen der Kurse der Kohlenaktien, besonders Gelsenkirchcncr und Hibernia, begann, doch nicht lange, schon gegen Schluß flaute die Stimipung merklich ab: und auch gestern dauerte, da London schivächere Haltung des Miucnmarktes meldete, die pessimistischere Ansfassnng an. Verschiedene Montanivcrte erlitten Abschläge von 1 bis 2 Proz. Heilte brachten günstige Nachrichte» aiis England über die Friedensverhandlungen wieder etwas Soiinc»- stbein, der zu kleine» Kursaufbcsserungen auf dem Bank- und Montan- aktienmarkt Anlaß bot. Ein fortwährendes Auf und Ab, dessen Endergebnis sich für die Berichtsivoche dahin zusamincnfasse» läßt, daß im' ivescntlichen alles auf dem alten Stand bleibt. Die Kurse auf dem Balm- und Bankenmarkt habe» sich im ganzen behauptet, und auch der Montan- markt zeigt»ur� geringe Veränderungen; sind Kohlcnaktien etwas gestiegen, so weisen andrerseits Hnttciiaktien kleine Abschläge auf. Die Krise in der Eisenindustrie hat mancherlei Angaben über Pen Rückgang der Eiscnprodnktivn, die Zunahme der Ausfuhr:c. gebracht; über die Ab- und Zunahme des Eisenverbrauchs während der letzten Jahre in Deutschland selbst fehlte eS jedoch an genauen Berechnungen. Interessante Milteilungen Über diesen Konsnm, sowie über die Produktionsmenge, die Anzahl der beschäftigten Arbeiter usw. bringt eine jüngst von Dr. Bcntzsch ver- össentlichte Arbeit. Danach erreichte in 1300 der inländische Eisenverbrauch Deutschlands 131,7 Kilogramm pro Kopf der Bevölkenmg, ist aber ini vorigen Jahr auf 89.2 Kilogramm gesunken, das heißt noch unter dem Dnrckisckniittsnivcau des Jahr- zehnts 1891 bis 1300 zurückgeblieben. Die Folge dieses Minder- Verbrauchs war trotz der verringerten Produktion die bekannte Steige- rung der Ausfuhr, die, was Fabrikate anbetrifft, von 1363 ö92 Tonnen in 1300 auf 1323 070 Toiuieu in 1901 wuchs. Eine Ergänzung erfährt dieser Nachweis des enormen Konsnm- rückganges im letzten Jahr durch den letzthin in der Hauptvcrsamm- lung des Vereins deutscher Maschinenbau-Anstalten erstatteten Geschäftsbericht. Er konstatiert, daß der deutsche Maschinenbau im vergangenen Jahr durch den allgemeinen geschäftlichen Niedergang stark in' Mit- leidenschast gezogen worden sei. Die Bestellungen'seien so stark zurückgegangen, daß, um nur den Betrieb aufrecht zu erhalten, im- lohnende, ja selbst verlustbringende Arbeiten hätten mit ausgeführt werden müssen; dennoch wäre trotz Beschränkung der Arbeitszeit und des Einlegens von Feierschichten vielfach eine Verminderung der Anzahl der beschäftigten Arbeiter erfolgt.„Die Masch!, lentniSfuhr', heißt es dann weiter,«hat im verflossenen Jahr nach lang- jähriger ununterbrochener Steigerung einen wenn auch nicht be- deutenden Rückgang zu verzeichnen gehabt: sie betrug rund 220000 Tonnen gegen rund 240 000 Tonnen im Jahre 1300. Dem gegenüber steht allerdings auch ein Rückgang der Maschineneinfuhr von 30000 Tonnen, so daß die Bilanz unfres Außenhandels in Maschinen sich gegen daß Vorjahr um 10 000 Tonnen zu Gunsten nnfrer Ausfuhr verbessert hat. Der Hauptabnehmer für deutsche Maschinen war wieder wie seit langen Jahren Rußland, das 18 Prozent nnsrer ge- samten MaschinenauSfnhr abnahm. Dann folgen Oestreich-Ungarn mit 11 Proz., Frankreich mit 10.6 pCt. und Italien mit 7 Proz. Wie die Maschineneinfuhr in Deutschland überhaupt, so ist auch diejenige aus den Vereinigten Staaten im verflosseneu Jahre zurück- gegangen. Dagegen ist deren prozentualer Anteil' gestiegen und zniar in der Hauptsache auf Kosten Englands, denn Amerikas An- teil belief sich im verflossenen Jahre auf 33 Proz. gegen 27 Proz. im Jahre 1300. während gleichzeitig der Anteil Großbritanniens von 43 Proz. auf 35 Proz. zurückging. Das rheinisch-westfälische Kohlenshndikat fährt nach bekannter Ilnternehmerpraxis fort, die zn einem Ivcseutlichen Teil durch seine eigene Profttwirtschaft verschuldete ungünstige Geschäftslage zur Herabdrückung der Arbeitslöhne und der Arbeitsbedingungen zu benutze», teils durch direkte Reducierung der Löhne, teils durch Jnangriflnahme weniger ergiebiger Flötze und daraufhin vor- genommener Abzüge, teils durch Stellung erhöhter Anforderung an die Arbeitsleistung. Wie verlautet, wird sogar beabsichtigt, die Schichtdauer auf 10 Stunden zu verlängern. Daß diese Syndikats- Arbciterfllrsorge die ohnehin durch Einlegung von Feierschichten in ihrer Lebenshaltung herabgedrückte Arbeiterschaft erbittert, ist selbst- verständlich— vielleicht kömmt aber gerade diese Erbitterung den Zechenbesitzern und-Direktionen nicht ungelegen, denn da sich die Aussichten für vermehrten vorteilhasten Absatz noch immer nicht bessern, dürfte es den Herren gar nicht so unlieb sein, wenn die Arbeiter sich zu einem Streik hinreißen liesten. Vor- räte sind noch überreichlich vorhanden, die Preise ließen sich bei längerem Andauern des Streiks leicht durch zlvcckeutsprechcnde Manöver hochtreiben, und außerdem könnte man den streikenden Arbeitern unter den gegenwärtigen Verhältnissen die härtesten Be- dingungen bei einer Wiederaufnahme der Arbeit stellen. ' Die Vernnitung. daß es aus eine Strcikprovokation abgesehen ist, gewinnt um'so größere Wahrscheinlichkeit, Ivenn man be- trachtet, in welcher perfiden Weise seit einiger Zeit in der Zechenpresse und den ihr geistig verivandten Blättern über die Abnahme der Leistungsfähigkeit der Arbeiter, ihre steigenden An- spräche und die Agitation ihrer Verbände geklagt wird. Mne neueste Leistung dieser Art bietet die„Köln. Ztg." in einem augenscheinlich aus Syndikatskreiseu stammenden Artikel. Bei Beurteilung der «hauptsächlich künstlich hervorgerufenen Vclvegung" der Bergarbeiter, heißt es darin, dürfe man nicht übersehen, daß ihre Verbände in der Zeit der ivirtschaftlichen Hochbewegimg erheblichen Abbruch erlitten hätten. Nachdem nun die wirtschaftliche Lage einen Umschwung er- fahren hätte, schürten die Verbände die Unzufriedenheit' und sanimelten die Elemente wieder, die sich von ihnen abgeivandt hätten. Daß nach Ermäßigung der Kohlenpreise vom 1. April ab auch L o h ii c r in ä ß i g u n g e n Platz greifen müßten, wäre unvermeidlich. Alle Zechen seien gezwungen, dahin zu wirken, daß die Lei st n n g der Arbeiter ivieder gehoben werde und eine Ermäßigimg der Selbstkosten eintrete. Arbeiterkündigungen seien nur selten vorgekommen. Von der Einsicht der Bergarbeiter sei zu hoffen, daß ihre augenblickliche, unter Ausnntzung der wirtschaftlichen Gesamtlage mehr oder weniger künstlich gesteigerte Erregung alsbald wieder einer ruhigeren Beurteilung der Lage weichen werde. Eine allerliebste Preßleistung, um welche die„Kölnische Ztg." zu beneiden das anerkannte Zecheublatt, die„Rhein.- Wests. Ztg.", alle Ursache hat. Erst provoziert man durch Lohnabzüge und alle möglichen Chikanerien die Arbeiter, dann beschuldigt man ihre Ver- bände der Aufreizung, und schließlich appelliert nian mit gönner- haftcm Wohlwollen an die bessere Einsicht der Arbeiter und empfiehlt ihnen, nur ja hübsch ruhig zu bleiben. Das erste Heft des Jahrganges 1302 der«Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches" bringt eine Znsamnienstellung des Bestandes der deutschen Handelsflotte am 1. Januar 1901 und ihrer Eniwicklimg, die gerade jetzt, wo die Vereinigten Staaten von Amerika sich anschicken, durch hohe Subventionen eine große ein- heiiniscke Flotte bcranznziehen. Anspruch auf Beachtung hat. Nach dieser Zählung bestand am 1. Januar 1901 die gesamte deutsche Kauffahrleiflottc, ausschließlich der Schiffe unter 50 Kubilmetcr oder 17,6 Reg.-Tous, aus 3883 Schiffen mit einem Raumgehalt von 2 826 400 Brutto- Reg.- Tons. Verfolgt man die Entwicklung dieser Flotte in den letzten sechs Jahren, ergeben sich nachstehende Ziffern: Anzahl der Schiffe Ranmgehalt 1836. 3632 1 969 238 Vrutto-Reg.-Tous 1897. 3678 2 069 948 1838. 3633 2 189 503 1893. 3713 2 317 563 1900. 3759 2 495 389 1901. 3883 2 826 400 Unterschieden nach Segel- und Dampfschiffen stellte sich der Bestand der Kauffahrteiflotte: Segel- n. Schleppschiffe Dampfschiffe Anzahl Brntto-Tons Anzahl Vrutto-Tons 1896.. 2524 650178 1068 1319 060 1897.. 2552 632030 1126 1 427 318 1898.. 2522 623 660 1171 1 565 848 1839.. 2430 642 936 1223 1 674 567 1300.. 2466 63 l 865 1293 1 863 524 1301.. 2493 640 510 1330 2185 890 Die Tabelle zeigt das stetige Anwachsen des Nanmgchaltes der Dampfer gegenüber dem der Segelschiffe; 1896 kamen von der Ge- sanit-Tonnage der Kansfahrleiflotte noch 33 Proz. auf Segel- und Schleppschiffe. 67 Proz. auf Dampsschiffe, 190 l entfielen auf erstere nur noch 22.7 Proz., auf Dampfer dagegen 77,3 Hroz. Der bei weitem größte Teil der deutschen Scchandelsflotte gehört natürlich Hamburg und Bremen: über 80 Proz. des ganzen Raningehalts kommen ans sie und zwar auf Hamburg ca. 51 Proz., auf Bremen ca. 30 Proz. Untei schieden nach Segel- und Dampf- schiffen stellt sich der Anteil der größeren deutschen Häfen an der Kauffahrteiflotte: 40 Proz. 31.. Dampferflolte Hamburg..... 54 Proz. Bremen...... 28„ Flensburg..... 4« Stettin...... 3„ Kicl....... 2« Danzig...... I„ Geestcniüudc.... 1„ Alle andren Hafenstädte, tvie Lübeck, Schlcslvig, Oldenburg, Scglerflotte Hamburg..... Bremen...... Elsfleth...... 7 Brake...... 4 Rostock...... 3 Emden...... 2 Stralsund usw. erreichen, weder Seglerflotte anbelangt, 1 Proz. Ivas die Dampfer-, noch ivas die Dat. ktilcralotl'Diiiilliiilgeil slsilveijttischer Gtiiitttilliasts- Verbinräe. An den Ostcrtagen hielt der Schweizer. Lithographen- b u n d in Winterthnr seine 13. Delegiertcnversammlung ab, an der sämtliche 11 Seltioncii durch 19 Delegierte vertreten waren. Der Bund zählt 310 Mitglieder, die einen Wochenbeitrag von 1 Fr. leisten. DasGesamtverniögcn dcsVerbandesbetrügt14591 Fr. DerVerbandstag beschloß die Gründung einer Invaliden-»nd Zuschnßkasse für ausgesteuerte kranke Mitglieder. Die gemeinschaftliche Aufstellung eines Lehrlings- rcgulativs mit den Prinzipalen, wonach aus 4 Gehilfen 1 Lehrling kommen und mehr als 5 Lehrlinge nicht eingestellt werden solle», ist dem Abschluß nahe. AIS Vorort wurde Basel bestätigt.— Der Verband der Parkettboden leger hält seine Delegierten- Versammlung in Bern ab, an der besonders über das SubinissionS- Wesen diskutiert wurde. ES sollen öffentliche Arbeiten nur an solche Geschäfte vergeben werden, die mit den organisierten Parkettbodenlegcru in Tarifgemeiiischaft stehen. Weiter wurde beschlossen, die Reduktion der täglichen Arbeitszeit ans 9 Stunden im Sommer und auf 8 Stunden ini Winter anzustreben. Als Vorort ist wiederum Zürich bestimmt worden.— Der Verbandstag der Schneider fand in Bern statt und war von 27 Delegierten als Vertretern von ca. 1000 Mitgliedern besucht. ES wurde die Karenzzeit für Reise- Unterstützung von 3 auf 6 Monate erhöht und ferner beschloffcn, auf die Abschaffung deS sogenannten„llnischauenS" hinznwirkcn, wie mich die Mitwirkung im LehrlingSwcsen oiizustreben. Bei Snbiiiissions- arbeiten soll der getverkschaftliche Lohntarif beachtet werden. Dem iiitcrnationaleii Sckmeideriekretarial wurde pro 1302 ein Jahres- beitrug von 50 Fr. beivilligt.— Die K ü f c r versammelten sich in Basel. Der Verband zählt in 10 Sektionen 250 Mitglieder, 9 Sektionen Ivaren auf dem Vcrbandstag durch 12 Delegierte vertreten. Das Verbandsverniögen beträgt 1063 Fr. Beschlossen wurde die Anstrebuiig eines Jndustrieverbandes für die Nahrungsmittel- brauche. Die Gründung einer Krankenkasse, zu der sich später eine Arbcitslosenkasse gesellen soll, die Vornahme statistischer Erhebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der schiveizerischcn Küfer- gehilfen. Als Vorort wurde Genf bestätigt.— Der Verbands- tag der Schuhmacher ivnrde am 6. und 7. April in Winterthnr abgehalten und war derselbe von 16 Delegierten ans 11 Sektionen besucht. Der Verband zählt in 13 Sektionen 453 Mitglieder, er hat gegen 1900 ca. 100 Mitglieder verloren. Das Verbandsvermögen beträgt 2837 Fr. Im Princip erklärte sich die Bersanimlnng für die Unnvandlung der fakultativen Kranken- Znschußkasse in eine obligatorische. Auch für die obligatorische Arbeitslosen- Unterstützung erklärte sich die Versammlung im Princip und soll sie sofort eingeführt werden, sobald der Bund an die geiverkschaft- liche Arbeitsloseii-Unterstützung Subventionen bewilligt. Einstimmige Annahme fand eine Protestresolution gegen die von den schweizeri- scheu Agrariern aufgestellten ungchenerl'ichcu Zollforderungen. Be- schlössen wurde ferner der Wiederanschluß an den GewerkschaftSbund und sodann als Vorort Zürich bestätigt. Die schlveizerischen Getverkschnften haben in den letzten Wochen eine große Summe geistiger Arbeit mit der Erledigung ihrer Ver- bandsangelegenheiten geleistet, möchte nur daraus auch eine kräftige Förderung und Erstarkung der gesamten Gewerkschafts- belvegung resultieren._' ©evidjfcö-Beif rntfls Darf man eine Bibel oder ein Gesangbuch an Sonn- und Feiertagen öffentlich- sichtbar tragen, ohne sich st r a f b a r zu machen? Diese Frage wird am 22. d. M. indirekt durch das Land- gcricht zu K o t t b u S entslbieden iverden. Die bekannte Ober- präsidial-Vcrordnuug vom 4. Juli 1898 bedroht alle an Sonn- oder Feiertagen vorgenomnieittN Arbeiten mit Strafe, die«öffentlich bemerkbar sind, sofern sie geeignet sind, die äußere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage zu beeinträchtigen". Diese Vor- schrift hat den Gerichten viel Arbeit verursacht. Das Kammer» gericht hat das Tragen eines Gewehrs, das Schießen mit einem solchen für keine solche die Verfromnuing störende„Arbeit" erachtet. Hingegen hat es geschwankt bei der Bcantwortinig der Frage:.«Ist das Tragen von Kalendern, Flugblätlern u. dergl. eine die äußere Heilighallnng störende Arbeit?" Das Kaininergericht.hat diese Frage nicht ebenjo grundsätzlich wie die Arbeit des Gelvehr- tragens und Schießens mit einem Gelvehr verneint, aber doch ili den Fällen ans Freisprechung erkannt oder die Freisprechung nahe gelegi, in denen die Pakete ohne eine gewisse Anstrengung der Kräfte und verhüllt getragen waren. Da solche Eiitscheidiingeii den iinteren Gerichten einen weiten Spielraum lassen, mehrte sich die Zahl un- berechtigter Anklagen gegen Kalender- und Flngblattverbreiter, Eine dieser Anklagen soll znmgrinidsätzlichenAnStrag gebracht werden. Siebe- trifft die Genossen Brün er, Kock und Ka l i s ch zu Finsterwalde. Diesen wird zur Last gelegt,„am 3. November 1901 den„Märkischen Landbotc» für 1902"' unter der Eimvohnerschast von Clettlvitz bei Sciislenbcrg verbreitet zn haben". Das Scnfteiiberger Amtsgericht hat die Genossen des Zuwiderhniidclns gegen die oben erlvähnte Soiilltogsheiligimg-Verordnnng für schuldig erachtet und mit je 15 M. Geldstrafe belegt. Das Amtsgericht stellt fest, daß die Misse-. thäter in der über 300 Einwohner zählenden Ortschaft von HanS zn Hans gegangen sind und in jeder Wohnung einen Kalender nieder» gelegt haben. Nun ist das Niederlegen von Kalendern i n Wohnungen nach Z 43 der Gewerbe-Ordnimg gestaltet. Das Gehen von Hans zn Hans ist keine Arbeit. Bleibt übrig das Tragen der Kalender. Ein Kalender wiegt 16 Granim: jeder hat höchstens 40 Stück, das ist 624 Gramm, also l'/i Pfund gelragen. Ist das eine Last, die„oh>e eine gewisse Anstrengung der Kräfte" von einem Erwachsenen gc- tragen werden kann'? Verneint auch das Kottbufer Landgericht diese Frage, so dürste danach sich auch jedermann strafbar»lachen, der eine meist sogar über ein Kilograimn schlvcre Bibel a in S o n n- tag offensichtlich trägt. Solch' wundervolle Blüten am Vaiiin der Berfronnnuiigsverordiiiing zeitigt der Samen juristischer Interpretation. Oder will die Dame Justiz nur ihre Reverenz vor der inhaltlichen Schivere socialdcmokratischer Lektüre bezeugen? Sorinlo Mersztspflego. Tic AnSgleichSquittnng. Die Kartonarbeiterin W. be- ansprnchte durch Klage beim Gewerbegericht von der Firma O s n n g n. Co. 8,84 M. rückständigen Lohn. Der Firineiiinhaber machte dagegen vor der vcrhaiideliiden Kammer VIII geltend, die Klägerin habe ohne Kündigung die Arbeit verlassen wollen, ivoinit er mir unter der Bedingung habe einverstanden sein können, daß sie ans ihren Lohn verzichte. Die Klägerin habe dann auch folgenden Revers, den Beklagter vorlegt, iiiiterschrieben: „Ich lege die Arbeit nieder, verzichte aber auf jeden Anspruch an die Firma." Die Klägerin behauptete demgegenüber, Herr Osang habe ihr den Zeltet vorgelegt und auf eine Frage, ivas sie damit solle, geantwortet: Bloß nnterschreiben. Da habe sie denn ohne weiteres unterschrieben, in der Mciiiiing, es handle sich nur um die Kiiiidiglingsfrist. Der Vertreter der Klägerin hob noch herbor, daß Klägerin vom Chef«freches Frauenzimmer" sc. titulierl worden sei, also einen Grund gehabt habe, die Arbeit ohne vor- gängige Kündigung niederzulegen. Die Annahme eines Verzichts ans den Lohn wäre deshalb ganz unlogisch.— Gewerbe« richter Dr. Meier verwies den Beistand und die Klägerin ans den Wortlaut des Reverses, der jeden Anspruch ausschließe. Der Be- llagie zahlte schließlich den Loh» freiwillig. Gewcrberichtcr Dr. Meier teilte darauf mit, daß Klägerin im andern Falle ab- g e iv i c s e n worden wäre, da der Revers ganz deutlich einen Ver» zicht auf jeden Anspruch, also auch auf d e u L o h n enthalte. Wenn die Gründe der Klägerin maßgebend sein sollten, dann wären alle derartigen Reverse ungültig. Hunderte von Fällen kämen vor das Gewerbegericht, wo die Arbeiter sagten, sie hätten die Bedeutung der Nnterschrift nicht ver- st a ii d e n, sie hältcn etwa- andres angenommen usw. Darauf könne nichts gegeben werden oder man müsse geradezu eine absicht- lichc Täuschung oder die Anlvendnng p h y s i s w c n Zwanges zur Erzieluug der Unterschrift nachweisen können. Wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin meine, im Recht zn sein, dann dürfe sie aber nichts derartiges unterschreiben. Vor allem sei aber Jedermann verpflichtet, sich ein solches Schriftstück erst einmal genau durchzulesen, che er seine Unterschrift gebe. Der Anspruch au die Faniilicnrcnte wurde unter recht sonderbarer Begründung vom hiesigen Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung der Frau G. bestritten. Der Mann der Klägerin war im Betrieb der Straßenbahn verunglückt. Es stellte sich später infolge des Unfalls eine Geisteskrankheit ein, die die lieber- fiihrnug des Kranken in eine Heilanstalt notivendig machte. Die Vernfsgcnoffenschaft erklärte sich erst nach langem Sträuben zur Leistung der Rente bereit und zahlt gegenwärtig an den Manu die Vollrente in Höhe von 68 M. monatlich. Die Frau mit ihren zwei Kindern bekomint mm ans Anweisung des Vormimdschaftsgerichts von dem Pfleger de? Kranken monatlich 10 M.: 24 M. wurden für den Geisteskranke» vom Pfleger gespart. Wie diese Anweisung vom Vornmndschnftsgcricht ergehen kann, ist uns imerfindlich. De» Rest der Vollrente, 34 M., beau- iprucht die Heilanstalt. Der Vertreter der Klägerin, GcwerlschaftS- sckrctär K ö r st c u, der erst nach vielen Einwendniigen vom Vor- sitzenden T ü b b e n zugelassen winde, beantragte die Zahlung der Rente in Höhe der Hinterbliebeneimittc, wie es daS Gesetz in solchem Falle vorschreibt. Sondcrbarcrweisc entichicd das Gericht im Sinne der Bcrufsgenoffenschaft mit der Begründung, daß die Unterbringiiiig des Kranken in die Heilanstalt nicht zum Zwecke der Heilung geschah, sondern ans Anweisung der Behörde zur Pflege n u d Sicher- h e i t deS Kranken. Von einer Heilung, denn diese habe die Be- rufsgcnossciischaft nur zu überiiehmen, sei keine Rede, da es sich hier »in einen unheilbaren Geisteskranken handelt. Hoffentlich wird das Reichs-Versichern ii gsamt dieser ganz imhallbaren Deduktion .licht beitreten und der Klägerin zu ihrem Recht verhelfen. DaS Schlimme ist nur, daß solche Prozesse sich über ein Jahr lang hin- ziehen, und die Anspruchsberechtigtcn in die bitleiste Not geraten. Unberechtigte Lösung dcö LchrvcrhältnisseS. Gegen den Lithographen Ernst, der seinen Lehrling T. schon zinn fünflen Male nach Hause geschickt hatte, klagte der Bruder und Vormund des jungen Mannes aus Fortsetzung des Lehrperhältnisses. Der Beklagte glaubte, nicht mehr mit dem Lehrling arbeiten zu können, weil er ihn in seiner Ehre verletzt habe und ungehorsam gewesen sei. Die Kammer VIII deS Gelverbegerichts vernahm den 20jähngen Gehilfen des Beklagten. der diesen in seiner Abivcsenheit vertritt, als Zeugen. Das allgemeine, im einzelnen nicht näher begründete Urteil des Zeugen ging dahin, daß T. sowohl ihm(dem jugendlichen«Vertreter" des Chefs) als auch Herrn Ernst gegenüber wiederholt„inifolgsom" gc- Wesen sei. Ungefähr fünfmal in zwei Jahren habe der Chef den Lehrling nach Hanse geschickt, weil er mit ihm«imzufrieden" war. DaS letzte Mal habe der Kläger sich gegen einen Vorwurf Ernst's, den der Zeuge nicht gehört hat,' verantwortet, indem er„vor sich hin' gebruinmt" habe. Ein„nngcbührlicheZ „Benehmen" findet der Zeuge darin, daß T. trotz dreimaliger Aiisforderrug, das Atelier zu verlassen und nach Hause zu gehen, nicht gegangen sei. Weiter vermochte der Zeuge nur noch die Thatsache zu bekniiden, daß der Lehrling einmal dazwischen sprach, als Herr Ernst mit Kunde» verhandelt habe. Der Gerichtshof inttec' dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. Meier verurteilte den Be- klagten, das Lchrverhällnis fortzusetzen, indem er annahm, daß ein Grund zur Lösimg des Lehrvertrages nicht erwiesen sei. Was die Verhandlung ergeben habe, genüge auf keinen Fall, die Lösung zu rechtfertigen. Prämiiert mit nur goldenen Medaillen. Berlin. Brüssel. Höchst: beachtenswert! Beste Herren- und Knaben-Garderoben der Gegenwart in reichster Auswahl und in allen Grössen. gp Billigste und anerkannt reelle Einkaufsqnelle Berlins. Die Preise sind streng fest und an Jedem Gegenstand dentlich In Zahlen vermerkt. Prämiiert mit nur goldenen Medaillen. Paris. Leipzig [3621L* loh verpflichte mich, jeden Artikel in besserer Ausführung und bedeutend billiger au liefern als die sogenannten Ausverkäufe und Reklamegeschäfte. 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Wie sich Einzelpersonen zu liionsumgenossenschaften zusonnnenschlievcn, n>n in erster Linie die Vorteile zu-renieszen, die der Einkniif in gröberem Maßstab mit sich bringt, so haben sich in den Ländern mit ausgebildetem KonsunigenosscnschaftSwesen tuieder die einzelnen Konsumgenossenschaften zu einer großen Genossen- schaft zusamniengeschlossen, die den gemeinsamen Einkauf in möglichst grobem Ilmfang besorgt. In Grotzbritannien bestehen zivci solche GrobeinkanfS-Gcnosicnschaftcn, je eine für Schottland und England: die englische mit Hauptsitz in Manchester, hatte laut Bericht des englischen Handelsamtes an das Parlament im Jahre lAXZ einen llmsatz von mehr als 320 Millionen Mark, die schottische mit Sitz in Glasgow einen solchen von mehr 109 Millionen Mark. Beide haben auf Grund ihres Riescnabsatzcs Produktions- Werkstätten in verschiedenen Zweigen errichtet, beide unterhalten zahlreiche Läger im In- und Ausland.— Die englische Grobeinkanfs- Gcscllschaft führte im Jahre ISOO direkt für 66 Millionen Mark Waren ein, ja sie besitzt zur Vermittelung eines Teiles des Ueber« scevcrkehrS sieben eigne Dampfer. Die Begründung der englischen Grobeinkaufs- Gesellschaft fällt in das Jahr 1863, der' schot- tischen 1863. Viel jünger als diese britischen Unternehmnngen ist die Grob- rinkaufs- Gesellschaft deutscher Konsumvereine mit ihrem Sitz in Hamburg. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1864 zurück. Mit dem Auf- leben des genossenschaftlichen Gedankens in immer tveitercu Kreise des Proletariats hat sie in der letzten Zeit einen bedeutenden Aufschwung ge- nommen; Wies der vorjährige Jahresbericht einen Umsatz von noch nicht ganz 8 Millionen Mark nach, so ist der diesjährige nach dem soeben erschienenen Bericht(8. Geschäftsjahr) über 15 Millionen hinaus- gegangen.(15 137 761 M. gegen 7 656 335— eine Steigerung von 66 Proz.) Erwägt man, daß die englische Grobeinkaufs-Gescllschaft im 8. Jahre ihres Bestehens(1876) einen Umsatz von nicht ganz 13,6 Millionen Mark hatte, d. h. 1,5 Millionen iveniger als die deutsche im Jahre 1661, so scheint die Hoffnung nicht unberechtigt, daß die deutsche GeiiossenschaftSbeivegung, deren Blüte ja die Grob- ciiikanfs-Gescllschaft ist, der englischen nachwachsen wird. Sehr interessant find die Bemerkungen des vorliegenden Berichts über die Wirkung des wirtschaftlichen Rückganges im Berichtsjahre. Die Bermindernna des Einkommens der Arbeiterschaft, in ihrer Wirkung verschärft durch das Hochhalten der Preise der not- Ivendige» Lebensmittel und Bedarfsartikel durch Kartelle und Syndikate sowie durch Grenzsperren insbesondere gegen Bich und Fleisch, habe» immer weitere Kreise den Konsnmgenossen- schaften zugeführt, so daß fast alle Vereine ein bedeutendes Wachsluiu an Mitgliedern zu verzeichnen haben und eine außer- geivöhnlich große Zahl»euer Genossenschaften ins Leben trat. Und in richtiger Erkenntnis, daß der Anschluß an die Grobcinkanfs- Gesellschaft nur ein toeiterer Schritt in gleicher Richtung ist, haben zahlreiche neue Vereine ihren Anschluß vollzogen, schon angeschlossene ihn enger gestaltet. Auf der andern Seite ist der Ümsatz der einzelnen Konsumvereine nicht im Verhältnis der Mitgliederzahl gestiegen— die Mitglieder mußten sich einschränken, die Warenentnahme des Einzelnen ging zurück bei gestiegenem Gesamtumsatz. Um die Beziehungen zwischen der Großeinkaufs-Gcscllschaft und den einzelnen Vereinen, sowie den Einkaufsvcreinigungen möglichst innig zu gestalten, ist Deutschland zur Zeit in vier Abteilungen ge- teilt, in denen zur Zeit je ein Vertreter thätig ist. der die einzelnen Vereine in rraelmüßigen Zwischenräume» drei- bis viennal jährlich besucht. Abt. I umfaßt das Gebiet von Nordwestdentschland, Hannover, Braunschweig, den Harz und Rheinland»>nd Westfalen. Abt. II. Süd- dcntschlaitd, Rein- und Maingau und Provinz Hessen-Nassau. Abt. III. Königreich und Provinz Sachsen, Anhalt und Thüringen, nördl. Bayern, Abt. IV. Brandenburg, Pommern, Lausitz und Schlesien. Beabsichtigt ist zunächst, von I Rheinland und Westfalen, von III Sachsen, Anhalt und Thüringen abzulösen und zu zwei selbständigen Abteilungen zu ge- stalten. Im Anschlnß an die Abteilungen solle» den Wünschen der Konsumvereine entsprechend Jnlandsläger(wie in England) ein- gerichtet werden. Für Abteilung II besteht ein solches bescheidenen llmsanges in Mannheim, für Abteilnng IV eiiiS in Berlin, Spcncr- strnße 23, für Eisenbahn- wie Wasservcrkehr gleich günstig gelegen, dessen Besichtigung sich für die Genossen empfiehlt. Mitglieder der Großeinkaufs-Gesellschaft sind bisher 188 Vereine, deren Anteile vom Mindestbetrag(566 M.) bis zu 36 666 M. (Schedctvitzer Konsumverein) betragen. Anher mit diesen 183 Ver- einen stand die Großeinkanfs-Gesellschaft noch mit 737 Vereinen in Geschäftsverbindung, von denen eine größere Zahl vermutlich bald ihren Eintritt in die Großeinkaufs-Gesellschaft vollziehen wird. Für die Mitglieder beträgt die Rückvergütung auf die gemachten Ein- känfe aus dem Gewinn das Doppelte, wie für die'NichtMitglieder (in diesem Jahr 4 pro Tausend gegen 2 pro Tausend). Von den Kousumgenossenfchasten, die nicht Mitglieder der Groß- einkansS-Gesellschaft Waren, bezogen nur' ivenige mehr als 16 Proz. ihres Jahresumsatzes von der Großeinkaufs-Gesellschaft. Von den Mitgliedern bezogen 56 Proz. und mehr 15 Vereine, unter ihnen erfreulicherweise alle von Berlin und Umgebung, mit Ausnahme des „Berliner Konsumvereins"(Stcinschiieidersche Richtung), der nur 3 Prozent seines Umsatzes von der Großeinkaufs-Gesellschaft entnahm. Das Personal der Großeinkaufs-Gesellschaft besteht zur Zeit anS 78 Personen: das Höchstgehalt von 6666 M. erhält ein Geschäfts- führer: die Gehälter der 52 Kommis liegen zwischen 2666 und 1266 M., welch letzteres 22 Kommis beziehen. DaS geringste Gehalt beziehen, abgesehen von dem einen Lehrling, 3 Boten mit je 22 M. Wochenloh», während 4 Boten 23, 26 und 28 M. erhalten. Auf die Schulung des Personals wird großes Gewicht gelegt; so wurden Vortragsabende veranstaltet mit den Thcmaten:„Die Bederitnng der Konsum- vereine und deren Verhältnis zur Großeinkaufs-Gesellschaft",„Waren- und Handelsgcographie auf genossenschaftlicher Grundlage",„Rechte und Pflichten des genossenschaftlichen Beamten und Arbeiters". Das Studium des Geschäftsberichts bietetnochmaiichcsJutereffante, dessen Anführung hier zu viel Raum beanspruchen würde. Auch aus dem hier Gebrachten wird der Leser den Eindruck gewinnen, daß die Großeinkaufs- Gesellschaft ein Unternehmen ist, das für weite prole- tarische Kreise segensreich wirkt und dessen Blühen nach Kräften ge- fördert werden muß. Namentlich wäre eS zu wünschen, daß das seit kurzem von der Schriftlcitung der Großeinkaufs- Gesellschaft herausgegebene„Franc»- Gcnossens'chaftSblatt" eine recht weite Ver- breitung fände._ Waö der Petroleumtrust in Deutschland verdient! Die Standard Oil Company besitzt in Deutschland zwei Filialen: die Mannheim-Bremer Pctrolcum-Akticngesellschaft und die Deutsch- amerikanische Petroleumgesellschaft, die den Vertrieb im Großen be- sorgen. Nach. der Bilanz vom vorigen Jahre hatte die Mannheim» Bremer Gesellschaft einen Reingewinn von 1 336 394 M. und verteilte 44,5 Proz. Dividende. Die Dentsch-amerikanische Petroleum« gesellschaft berichtet über einen Reingewinn von 3 469 217 St., der einer Verzinsung des Aktienkapitals von 83 Proz. gleichkommt. Der internationale SchiffahrtStrust. Die Leiter der großen Schiffahrts-Gesellschaften sind gegenwärtig wieder in London zu Verhandlungen zusammengetreten. Nach einer Mitteilung des„Daily Telegraph" haben die White Star-Linie, die Dominion-Linie. die Leylnnd-Linie, die American Linie, die Atlantic Transport Linie, die Red Star Linie, die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd ein Abkommen geschlossen, welches ein Handinhandarbcitcn der Gesellschaften ermöglicht, namentlich zu denr Zlveck, die Bctriebsabgabcn zu ermäßigen. Jede Gesellschaft behält ihre Selbständigkeit und ihre Nationalität. DaS Abkommen sieht ferner die gleiche Einteilung des Passagier» BefördernngSdienstes für den Winter wie für de» Sommer vor. Die„Times" schreiben, das Abkommen zwischen den tranS- atlantischen Dampferlinien sei nahezu abgeschlossen, jedoch beteiligten sich der Norddeutsche Lloy und die Hamburg- Amerika- Linie nicht aktuell an denr Zusammenschluß, wenngleich ein befriedigendes Ilebereinkoininen mit ihnen abgeschlossen sei. Die Hanptförderer der Kombination, mit welcher große amerikanische Eisenbahnen Hand i n H a n d gehen, seien Pirrie von der White Star-Linie und Pierpont Morgan als Vertreter der amerikanischen Kompagnien gewesen. Deutsche Metallarbeiter-Gewerkschaft. Sonntagnachmttlag 5 Uhr in Raabes Festsälen, Kolbergerstr. 23: Monatsversammlung mit Frauen. Waldeck Manasse spricht über:„Der Weg der Völker vom Glauben zum Denken." Kleber(Tapezierer)! Die am 2Z. d. M. fällige Seltious-Versamm- lung fällt aus und werden die Kleber(Mitglieder des Verbandes) ersucht, die ani 28. d. M. im Gcwerkschastshaus stattfindende kombinierte Vcrsamm- lung zu besuchen. Gcntral-Kranken- und Stcrbekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin 4. Montag, den 21. April, abends 8 Uhr, Lausitzerplatz 8, Mitgliederversammlung.___ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 71/, bis i)1/, Uhr abends statt. R. M. 38. 1. Während Lebzeiten Ihrer Mutter könnten Sie ledig» lich gerichtliche Regulierung beantragen. 2. Nach dem Tode können Sie den Nachlaß an sich nehmen. 3. Ob gewisse Abmachungen u n gültig sind, läßt sich erst sagen, wenn der Wortlaut vorliegt.— W. P. N. 38. 1. und 2. Nein. In der Regel wird auf vorherlgen schriftlichen Antrag allmonatlich einmal ein Besuch im Gcföugnis gestattet. 3. Schwerlich.— P. KS. 1. und 2. Beide gehören keiner Krankenversicherung an. 3. Wenn er älter als 16 Jahre ist, ja.— Steinmetz. Gehen Sie mit Ihren und Ihrer Braut Geburtsattest und Ihren Milttärpapieren zum Standes- beamtcn und melden das Aufgebot an.— Otto 1S3. Die Konzession kann Ihnen versagt werden.— R. Z. 1V». Ja. Klagen Sie eventuell aus Aushebung des Vertrages wegen gesundheitsgefährdender Beschaffenheit der Wohnung.—®. F. 1000. 1. und 2. Nein.— E. B. SO. Nein. — 88. N 100. Das Traktement ist»npsändbar.— P. E. 31. Ihr Vertrag läuft weiter, wenn das Haus freihändig verkauft ist. Nur ist an Stelle des alten der neue Eigeutünier getreten.— O. B. 1. Nein. 2. Ja, die Klage ist heim Gewerbegericht anzustellen.— O. D. 1-t. 1. Ja. 2. Abweisend.— A. Z. 1. Wenden Sie sich an eine Brauerei.— A. B. Ja.— Tinz. Ja,§ 616 B. G.-B.—<£. S. Leider nein.— O. D. 3. Wenn Ihr Bertrag nicht entgegenstehende Vorschristeir enthält: nein.— U. Z. S. 1. Ja. 2. Nein.- Hans 70. Eine Mark; je 60 Pf. haben Sie für die Zeit Oktober/Januar und Januar/Oktober gezahlt. Wird der Bertrag verlängert, so ist für das 4. Quartal nicht mehr zu zahlen.— E. P. 70.— Bei der Heirat anerkennen Sie bei dem Standesbeamten Ihre Vaterschaft und beantragen Umschreibung auf Ihren Namen. Das Kind führt dann nur Ihren Namen.— Moabit 37. Ihre Schwägerin lami die Sacken fortnchnien oder auf Herausgabe beim Amtsgericht klage».— B. I. 7., Aescnlap: Nein.— Ginnia. 1. Der Ches hat den Lohn zu zahlen. 2. Nein: wenden Sie sich au den Gewerbe-Inspektor. 3. Die Kranlenkasse hat Recht.— R. N. R. Beantragen Sie beim Polizei» prästdinm die Veteranenrente auf Grund des Gesetzes vom 22. Mai 1396.— A. W. 1.-3. Nein. 4. Pfändung und Ladung zur Leistung des Offenbanmgs- eidcs. CImi!85ee8lrs88e 24a-25 zwischen Invalidenstrasse und Friedrich- Wilhelmstädt. Theater Brilekenstrasse 11 zwischen jannowitzbrücke und Köpnickerstr.(Boke Eungestr.) Gp. Frankfurlerslr. 20 Fesle Preise Baar-Verkanf Fabrikation n. Maass-Anlertignng guter Herren- n. Knaben-Bekleidung Kar gute Waaren Billigste Preise Lieferanten an die preuttische Armes, Waarenhäuser, Carderoben- Geschäfte. SPECIAL-HAUS GROSSTEN MAASSSTABES Lieferanten an ausländische Gesellschaften. Vereine und Inatitute. 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