Zlr. 96. Adomttments-Kedingungen: «bonnements-Prel» piänumeranbo: Vierleljährl. 3,30 Sit., monatt. l.IOMt., wöchexllich 28 Plg. frei ins HauZ. Siiuelne Numm-r S Pfg. SonnlagZ- Nummer mir»luNricrier SsnmazZ- Beilage„Die Neue Well" lO Pfg. Polls 'Eboimement; 1,10 Marl pro Blanai, Singelragen in bei Post-Zeil»ngS- Preizliste für lSVS unler Dr. 7S7S. Unter lkreuzbanb für Teulfchlanb und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für baS übrige Auiland 3 Marl pro Monat. Erscheint laglich»ulier Wontags. Vevlinev Volksblatt. 19. Jahrg. Me Inferlioils-AMyl betrügt für die sechsgespaltene Kalonet» zetle ober deren Raum 40 Psg., für politische und gewerts chastliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knseigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in dsrExpebition abgegeben werden. Die Srpcditton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abends, an Sonn- und gestia�en bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Abreise i »Porialbrniokrat Berlin" C�ntralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Kedalttivu: sw. 19, Beulh-Sleasze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Freitag, den£5. April 190£. Expedition: sw. 19, Venth-Stvake 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 5181. Kritische Nachlese zur belgischen Wahlrechtseampagne. ii. h Unser Brüsseler Mitarbeiter schreibt»ns ferner: Der K a m p f p l a Ii, der, lvcn» auch nicht schwarz auf weiß borhanden, so doch allgemein als feststehend angesehen lind als der geeignetste anerkannt wurde, war folgender: Ausdehnung de Gemein de Wahlrechts-Debatte bis z u r I n a n g r i f »ahme der Diskussion der VerfassnngSrevision Fe st halte n der Budgets bis zu einem befriedigen den Abschluß. AIS bestes Mittel zur Durchsetzung dieses strategischen Planes ward vornehmlich die Obstruktion betrachtet, die Nachdruck erhalten sollte durch die Bewegiuig der Straße. Reichte all' das nicht aus, dann sollte der Generalstreik als das äußerste Mittel angeivandt werden. Daß der Generalstreik jedoch ivirklich zur Anwendung gelange» könne, dachten die führenden Genossen wohl kaum. Die Freundschaft der Liberalen schien durch die gc machten Konzessionen(Franen- Wahlrecht und proportionelle Vertretung) genügend gesichert, und der Regierung und der klerikalen Majorität gegenüber hoffte man auf die durch die Präzedenzfälle der früheren Wahlrechts- Reformen an den Tag gelangte Nach gicbigkcit. Wir bezeichnete» schon mehrfach das Aus-der-Hand-geben des Budgets als den größten und folgenschwersten der zahlreichen be gangenen Fehler. Wir nannten den Tag der Voticrnng der Kredite den Anfang des Niederganges der Bewegung. Nur drei Evcntuali täten können als Gründe für die Passivität d e r Opposition dezw. der S o c i a l i st e n im entscheidenden Moment in Betracht kommen: Entlveder die Verhinderung der Kredite Ivar n n- möglich, oder es wurde dieser keine Bedetitung beigemessen oder aber die Opposition»ahm an, die Regierung werde nach V o t i e r u n g der Kredite ihren Forderungen entgegenkommen. Mittel und Wege, die Votierung der Kredite zu verhindern, gab er nun mehr als genug. Selbst nachdem die Liberalen durch Neujea» hatten erklären lassen, daß sie nicht geneigt seien, d i e Votierung der Budgets zu verhindern und damit die Regierung zu entwaffnen, lag für die S o c i a l i st e n n o ch k e i n Grund vor, von dem durch die Verhältnisse gegebenen, vor- gesehenen Plan abznlveichen. Der llmfall der Liberalen redncicrte allerdings die Opposition auf rund 40 Mann(32 Socialisten und 8 Progressisten), ivas aber die Möglichkeit und die Aussicht auf ein Gelingen der Obstruktion noch um keinen Deut verringerte. denn das Reglement der Kammer erlaubt sogar einer noch geringeren Zahl, die geschäftsordnungsmäßige Obstruktion wirksam zu betreiben, also in diesem Falle die Votierung der Kredite— neuu Posten mit rund 1225 Millionen Frauken— bis lnugstens Anfang Mai hinauszuschieben. Länger hätte die Regierung nicht im Widerstand verharren können, weil die Kammern vor der Maiivahl geschlossen werden müssen und die früher bewilligte» 5/ia des Budgets nur bis Anfang April reichten. Ueber die Bedeutung der Bewilligung der Kredite konnten unsre Genossen in der Kammer aber auch nicht in» Zivcifel sein, und sie waren es auch jedenfalls nicht, was die Rede» Vauderveldcs gelegentlich des Antrages der Regierung, die Diskussion der Revision bis nach der Bewilligimg zu vertagen, hinlänglich beweisen. Wir stehen also thatsächlich vor einem lllätsel. Das ivas alle Welt erwartete, was auch die klerikale Presse oft gefürchtet hatte, g e s ch a h n i ch t. Die Socialisten machten keine Miene, den durchtriebenen taktischen Zug der Klerikalen, die Budgets vor Inangriffnahme der Revision zu votieren, zum Scheitern zu bringen. So bleibt nur noch eine Möglichkeit, die Stellung der Socialisten zu erklären: die Kammeropposition war so optimistisch, auf ein freiwilliges Entgegenkomme» der Regierung zu rechnen. Und in der That liefern die in jenen Tage» außerhalb der Kammer gehaltenen Reden für diesen naiven Optimismus mehr als den Schein eines Beweises. So seltsam diese Annahme ist, so Ivahrscheinlich ist sie auch. Denn die optimistische Verblendung, die wir in den letzten Woche» hier zur Schau haben tragen sehen, läßt uns nicht an einer solchen Auffassung zweifeln. Auf jeden Fall war es ein bedauerlicher Optimismus, von einer Regierung anzunehmen, daß sie sich selbst die seidene Schnur um den Hals lege. Wie erklärt sich nun wenigstens diese Zuversichtlichkeit? Die so arg betrogenen Hoffnungen wurden vor allem durch folgende Faktoren erzeugt: durch die Zustimmung der Liberalen aller Schattierungen zur Revision, die Fortschritte der socialistischen Propaganda im Heere und in Flandern, und schließlich durch die Nachgiebigkeit der Regierung und des Königs bei frühere n Kämpfen. Erst als die Revisions« freundlichkeit der Vertreter der liberalen Bourgeoisie sich bei der ersten eiiistlichen Probe schon in Dunst aufgelöst hatte und die Re- gierung, statt die gehoffte Nachgiebigkeit zu zeigen, mit Säbel und Finte agierte, wurde der Optimismus zivar nicht gedämpft, ivohl aber nach einer andern Richtung geleitet. Die schönen Illusionen, die die Liberalen und die Negierung— das Heer hatte keine Gelegenheit gefunden, die auf cS gefetzten Erwartungen zu bestätigen— so schnöde vernichtet hatten, wurden jetzt auf den König übertragen. Welche Folge diese Wendung haben mußte und in der That auch hatte, bedarf hier keiner weitläufigen Er- örlerung. Jedenfalls hätten sich unsre Genoffen über die Folgen einer so wundersamen Strategie nicht im Zweifel sein dürfe». So ivaren denn die Parlamentarieie von ihrem eigentlichen Kampfterrain, das zu verlassen ursprünglich niemand gedacht hatte, inivcrsehcns abgedrängt worden. Sie sahen nun keinen andern Ausweg mehr, als die Anwendung der ökonomischen Waffe— den Generalstreik. Die Proletarier und ihre Abgeordneten begegneten sich in diesem Gedanken. Mit beispielloser Begeisterung und Einmütigkeit erhob sich das belgische Proletariat in so imposanter Zahl, daß selbst die leitenden Kreise der Bewegung den Ercigniffen der nächsten Tage mit Bangen entgegensahen. Der Ernst der Lage wurde allen mit einem Male klar angesichts dieser 300000 Streikenden. Der ökonomische Kampf war auf die Dauer nicht durch- zuführen, die Fortsetzung des Ausstandes hätte zum Bürger- krieg führen müssen. Diese Eventualität hatte aber nicht innerhalb der Kalkulationen der Leiter des WahlrcchtskampfcS gelegen, die auch diesmal auf einen raschen, unblutigen Sieg gerechnet hatten. Die wohl hier und da in der Hitze des Gefechts ausgcstohcncn Drohungen sollten nnr die Einschüchterung des Gegners bezwecke», nicht eine letzte blutige Entscheidung vorbereiten. Eines solchen Einsatzes erschien das Kampfobjekt, das dem Proletariat ja trotz- alledem in Kürze als Siegesprcis zufallen muß. nicht wert. Es gab also nur die eine Lösung des vor- läufigen Waffenstillstandes, die Mahnung, die Arbeit wieder aufziinehnieii. lind— das muß gesagt werden— die Art, wie das belgische Proletariat in raschem Verständnis der Lage dieser neuen Parole Folge leistete, muß jedem Zuschauer vor der Disciplin der belgischen Genossen die höchste Bewunderung abnötigen. Und ein Resultat hat der Generalstreik doch gehabt: er hat der Welt gc- zeigt, über w e l ch e s H e e r entschlossener und geschulter Kämpfer die S o c ia l d ein o k r a ti e in Belgien verfügt. April. Volikiksze MvkevUM. Berlin, den 24 Der Reichstag führte am Tonnerstag die erste Lesung des Gesetzes über die Kinderarbeit zu Ende und vermies die Vorlage an eine Kam niission von 2t Mitgliedern. Die Debatte bcivegte sich im wesentlichen auf zwei Gebieten. Sie galt den Zuständen in der S p i e l iv a r e n- I n d u st r i e des meininger Oberlandes und der ländlichen Kinderarbeit. Die Agrarier überboten sich heute in der Kunst, idyllische Bilder von der Kinderbeschäftigung auf dem Lande zu ent- werfen. Graf B c r u st o r f f- Lauenburg von der Reichs- Partei eröffnete den Reigen sind behauptete, daß die länd- liche Arbeit von bester Wirkung für die körperliche Entwicklung der Kinder sei. Der elsässische Pfarrer Röllinger lobte die Vorzüge einer Thätigkeit in Gottes freier Natur. Herr Rettich, der glorreiche Vorsitzende der Zolltarif-Kommission, behauptete schlankweg, daß Schule und landwirtschaftliche Kinder- arbeit zusammengehöre und bestritt dem Reich die Kompetenz zu Eingriffen in diesem Gebiete. Der Pole v. Jazdzewski lobte die Sittlichkeit auf dem Lande und Herr G a m p ent- nippte sich als bukolischer Sänger, um die Reize des Hüte- dienst es zu feiern. Die Palme aber in der Verherrlichung der Kinderausbeutung auf dem Lande errang Herr Stöcker. Er sprach mit der Salbung seines Berufes von der inneren Freude an der Arbeit, die die Kinder beim Kartoffelbuddcln empfinden und das Schälen der Eichenlohe nannte er geradezu ein Familienfest. So fanden sich diese poetischen Gemüter mit den harten Thatsachen ab, die von der andren Seite angeführt wurden. Der freisinnige Abg. Dr. Müller- Meiningen und vor allem unser Genosse Reißhaus, dem in seiner Polemik mit den Agrariern noch Genosse Dr. H e r z f e l d an die Seite trat, schilderten die wirklichen Zustände, wie sie bei der Landarbeit der Kinder herrschen. So wurde festgestellt, daß Branntwein an die Kinder verabreicht wird, daß achtjährige Kinder zehn Stunden lang auf dem Felde arbeiten müssen und daß sie nach der Rübenarbcit dumm, tumpffinuig und völlig entkräftet in die Schule zurückkehren. Mit vollem Recht nannte es Genosse Reißhaus eine Kapitu- lation der Regierung vor den Agrariern, wenn die ländliche Kinderarbeit als Kräutlein Rührmichnichtan in der Vorlage behandelt werde. Der Raubbau, der im meininger Oberland mit der Kinderarbeit getrieben wird, wurde von den beiden Rednern der Linken ebenso eingehend wie die Wirkung der Kinderarbeit auf dem Lande geschildert. Grauenhafte Zahlen waren es, die Dr. Müller-Meiningen anführte, und es ist wirklich unbegreiflich, wie er, angesichts der von ihm selbst berichteten Thatsachen, nicht zu dem logischen Schluß kommen konnte, daß nnr das gänzliche Verbot der Kinder- arbeit die einzige richtige Maßnahme ist. Er fürchtet ich vor diesem Sprung ins Dunkle, wie er es nannte. Genosse R e i ß h a u s forderte das Verbot der Kinderarbeit unter 14 Jahren und schlug vor, die Kontrolle über die Zustände in der Hausindustrie nicht nur den Gewerbe- Inspektoren und den Lehrern zu übertrage», sondern auch Reichs-Schnlärzte mit dieser Aufgabe zu betrauen. An der Debatte über die Sonueberger Spielwaren- Industrie be- teiligte sich auch der meiningische Äaatsniinister v. Heim, ein alter Herr, dessen Worte leider sich fast ganz in einen Turnvater Jahn- Bart verloren. Nur so viel war zu entnehmen, daß der Herr Minister sehr viel Wesens von einem Plan der meininger Regierung machte, gemeinsame Arbeitslokale in den Städten der Spielwaren-Jndustrie zu errichten, um so die Arbeiten aus dem Hause herauszulegen und besser kontrollieren zu können. Am Freitag steht die 3. Lesung der Seemanns-Ordnung und des Schaumweinsteuer-Gesetzes auf der Tagesordnung. Bergarbeiterfrage» im Abgeordnetenhause. Das Abgeordnetenhaus ist jetzt glücklich so weit gekommen, daß es, um überhaupt den Etat' noch bis Sonnabend durch- beraten zu können, Abendsitzungen zu Hilfe nehmen muß. Von den noch ausstehenden Etats erledigte es am Donnerstag die der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung und de» des Handelsministeriums: mit der Be- ratung des Etats des M i n i st e r i u m s des Innern wurde begonnen, aber die Debatte bis zum Abend vertagt. Der Etat der Berg-, Hütten- und Salinen- Verwaltung gab den Hochschutzzöllnern Arendt(fmk.) und Graf Kunitz(k.) wieder einmal Gelegenheit, von der Tribüne des Abgeordnetenhauses herab die Regierung für die Einführung eines Zolls auf Kupfer scharf zu machen, ein Verlangen, das der Abg. Jörns(natl.) heftig bekämpfte. Wenn fort und fort Angelegenheiten des Reiches im Land- tage erörtert werden, darf man sich allerdings über die ver- spätete Fertigstellung des Etats nicht wiindeni. Die Lage der Bergarbeiter besprachen die Abgeordneten Dr. Hirsch(frs. Vp.) und Stütze l(E.). Abg. Dr. Hirsch tadelte eS, daß im Oberbergamtsbczirk Dortmund die Schichten verlängert sind unter gleichzeitiger Entlassung einer Anzahl von Arbeitern, und beklagte die oft brutale Be- Handlung der Arbeiter durch die Steiger. Ebenso sprach er seine entschiedene Mißbilligung über die Lohnreduktionen sowie darüber ans, daß niit Vorliebe ausländische Arbeiter an- genonnnen würden, obwohl genug deutsche Arbeiter zur Verv fügung ständen. Aehnlich lauteten die Klagen des Abg. Stoetze! aus dem Rnhrkohlengobiet, wo die Kohlen- industriellen die Schichten von 8 auf 10 Stunden verlängert und die Löhne herabgesetzt haben. Redner wies ans die unter den dortigen Bergarbeitern hervorgerufene Beunruhiguna hin und riet der Regierung zum Einschreiten; man müsse auf die Wünsche der Bergarbeiter mehr Rückficht nehmen und vor allein dafür sorgen, daß die' Beamten die Arbeiter nicht mehr so wegwerfend und roh behandeln. Diese Behandlung sei bekanntlich auch in weit höherem Maße als die Lohnfrage die Ursache des großen Streiks im sttuhrrevier gewesen. Wenn schon so friedliche Männer, wie der Harmonie-Apostcl Hirsch und der fromme Stötzel, derartige Beschwerden vorbringen, so ist das ein Beweis dafür, wie trostlos die Verhältnisse der Bergarbeiter sind. Und auf diese berechtigten Klagen weiß der Ressortminister Möller so gut wie nichts zu erwidern: er hat von den Verhältnissen nnr aus den Zeitungen Kenntnis. Amtliche Berichte hat er zwar eingefordert, aber sie sind ihm noch nicht zugegangen. Die Kohlenbarone können beruhigt sein; unter Herrn Möllers Ministerium werden die Staatsbetriebe sicherlich keine Musteranstalteu werden. Bei der Beratung des Etats des M i n i st e r i u m s des Innern erklärte der Minister Frhr. v. Hammer- st e i n wiederum auf eine Anfrage des Abg. Dr. Hirsch. daß er die Regierungen angewiesen habe, den Spielraiun, den die Gesetze den Behörden bei der Beauffichtiguua von Bersammlnngeu und Vereinen gebe», möglichst weit zu ziehe». Leider unterließ er es, mitzuteilen, ob er vielleicht zwei verschiedene Anweisungen hat, eine für die Ueberwachung socialdemokratischer Vereine, eine zweite für die Ueberivachung von Vereinen, die„auf dem Boden der heutigen Wirtschaftsordnung" stehen. Ebensowenig ließ er sich zu einer näheren Mitteilung über seinen Erlaß herab, der den Behörden rät, Uebertretungen des Z 133 der Gewerbe- Ordnung als Erpressung aufzufassen. Auf die Beschwerden des Abg. Hirsch über die Zustände im Kohlenrevier antwortete Minister Möller: Ueber die vom Abg. Dr. Hirsch berührten Verhältnisse im Ober- bergamtsbezirk Dortmund bin ich im Augenblick nicht in d e r Lage, s p e c i e l l e Auskunft zu geben. Ich gebe aber dem Vorredner darin vollkommen recht, daß bei der dortigen Arbciterbevölkermig, in der es einmal soviel Anfregmig gegeben hat, mit möglichster Vorsicht verfahren werden nmff Die Hauptschwierigleit liegt gegenwärtig darin, daß die Löhne sich speciell im Dvrtmiiiider Bezirk nicht in der Höhe. in der sie bestanden haben, haben erhalten lassen. Das ist aber ein ganz naturgemäßer Wirtschaft- l i ch e r Vorgang. Die Löhne sind jedoch diesmal in erheblich geringerem Maße zurückgegangen als bei früheren ähn- lichcn Krisen. Auch ist es eine erfreuliche Signatur der jetzigen Krise, daß die Zahl der Arbeitslosen während derselben erheblich ge- ringer ist als in früheren Periode» des Niederganges. Dabei habe» hervorragend die nivellierenden Einflüsse der'Staatsverwaltung mitgewirkt. Die Lohnpolitik der Staatsverwaltung geht voii dem Grundsatz ans, daß große Lohiischwaiiliingeir das Verderbliche für die große Mehrzahl der Arbeiterfamilien sind.(Sehr richtig! rechts.) Pcriodtsche Bezüge extrem hoher Löhne sind kein Glück für die Arbeiterfamilie». Bei der Staatsverwaltung sind denn auch die Lohnschwaiikuiigen bei den jetzigen Rcduktivnc» weit geringer gewesen, als in der West- sälischen Privatindustrie. Ein Teil der Differenz zwischen den Löhnen von einst und jetzt ist auf den Wegfall der Ueberstunden zurück- zuführen. Beim Ministerium des Innern bringt Abg. Dr. Hirsch(frs. Vp.> die bekannte Verfügung dcZ Ministers beS Inner» zur Sprache,»vonach gegen Arbeiter, die andre durch Drohungen zum Beitritt zu ihren Organisationen zu veranlassen suchen, der Erprcssnngs-Paragraph des Strafgesetzbuches angewendet werde» soll. Diese Vcrftiguiigen des Justizministers und des Ministers des Innern bedeuten den schwersten Angriff auf das KoalitionS« recht der Arbeiter. Es ist tief zu beklagen, daß hier die Erpressung, also ein sehr bedenkliches Delikt, in Zusammenhang mit denr Koalitionsrecht gebracht werden soll. Auf allen Gebieten des prenszischen StaatSniinistcriumS wird immer mehr Front gemacht gegen das KoalitionSrccht der Arbeiter. Gegen Arbeitgeber aber wird nicht mit derartigen Verfügungen vorgegangen. Trotz der Socialpolitik des Reiches wächst die Erbitterung und Unzufriedenheit unter den Arbeitern forttvährend. Durchallemöglilhen Chiknnen sucht man den Arbeiterkonlitioneu das Leben schwer zu machen. Redner führt einen Fall an. in dem eine Versammlung eincS Gcwcrkl'creinS in Benthe», obgleich sie angemeldet war, verboten ivurde, weil der Saal zu klein und keine Notthür vorhanden sei. Beim Bunde der Landwirte hat man von solchen Schwierigkeiten noch nichts gehört, da dürfen sogar Frauen an einem bevorzugten Platze de» Ver- sannulnngeu beiwohnen. Dagegen wird es den Frauen au alle mögliche Weise erschwert,' sich an de» Koalitionsbestrcbunge» der Arbeiter zu beteilige». Die Arbeiter warten mit Ungeduld darauf, daß sie, entsprechend der Socialpolitik de? Deutschen Reiches, endlich eine andre Behandlung erfahren. Ich ersuche den Minister a»f das dringendste um Abstellung solcher kleinlichen Maßnahmen.(Beifall links.) Minister deS Innern Frhr. t>. Hammerstcin: Was die Klagen des Vorredners über einen Erlaß, den der Justizminister an die Staatsanwaltschaften gerichtet hat, anlangt, io bin ich dafür nicht zuständig.(Abg. Dr. Hirsch ruft: Ihr Erlaß, Herr Minister I> Mein Erlaß in dieser Beziehuiig ist weiter nichts als eine Mitteilung an die Polizeibehörden von' dem, was das Justizministerium an die Staatsanwaltschaften verfügt hat.— Die Grenzen in der Be- aufsichtigung von Versammlimgen und Vereinen bin ich bestrebt möglichst weit zu ziehen. Ich habe in diesen» Sinne auch eine Ver- fügung erlassen. Die einzelnen, von dein Vorredner augeführten Fälle sind mir total unbekannt. » Deutsches Weich. Zolltarifkommission. Mit der Beratung des Zolls für B e t t f e d e r n— Tarifposition 145— begann die Donncrstags-Sitzung der Zolltarif- konimission, mit der Vertagung der Beratung über die Zollbehand- lung des Ricinusöls schloß sie. Ein Bettfedcrzoll ist eine B e- g ü ir st i g u n g deS A»Islands, da Deutschland auf Einfuhr von Federn angewiesen ist. In de», Zoll liegt auch ein eigentümlicher Schutz des Schmutzes, falls rohe in derselben Höhe ivie gereinigte Federn verzollt werden. Die Vorlage hat dennoch die bis- lang bestandene Scheidung zivischcn rohen»»d gereinigten Feder» wegen der zolltechnischcn Schwierigkeit, Schmutz z» erkennen, auf- gehoben, und will sich zur Forderung der Z o l I f r e i h e i t. »velche die Socialdcmokraten verfochten, nicht bekennen. Der einheitlich für Feder» und Schmutz geforderte Zoll, dessen Wider- siunigkeit treffend Molkenbuhr darlegte, ivurde von der Kommission gebilligt. Auch bei den Positionen 146(Schmuckfedern), 147(Vogel- bälge) fand der Regiermigszollvorschlag Annahme. ' Eine angenehme Ueberraschung ini Zolltarif bieten die Nrn. 148 bis 150. Für diese Positionen(Federkiele, Borsten, Felle, Häute. tierische Rohstoffe) fordert die Regierung(abgesehen von einem Zwanzigmarkzoll für Schreibtafelschwämme) Zollfreiheit. Die Kommission stimmte dem debattelos zu, nachdem von Waugenheim die Erklärung abgegeben hatte, er wolle anregen, ob Felle sich nicht zu einem Kani'pfzoll eignen. Er erhielt keine Antwort und sah gleich darauf seine Felle fortschwimme». Nach dieser kleinen Zollfreiheits-Oase führte die Mehrheit die Kommission wieder in dicken Zollsand: das Mehl, Granpen, GrieS foivie sonstige Müllerei- Erzeugnisse»vurdcn von der Mehrheit mit dem noch weit über die Regierungsvorschläge hinaus- gehenden Satz von 48,73 M. pro Doppelcentner belegt. Dadurch »st abermals eins der nottvendigsten, unentbehrlichen Lebens- »nittel e»or>n verteuert. Von der Bindung dicserWnchersätze durch Miudestzölle sah die Mehrheit ab, weil, ivie der Abg. Herold meinte, Mindestsätze bisher so großen Schwierigkeiten begegnet und für Mehl nicht durchaus notwendig seien. Wie freundlich: allmählich schwenkt die Mehrheit ganz in die RegierungS-Zollliiüe ein. Bei der Beratung über Nr». 164 und 165(Fette, Oele, u. a. auch Raps- und Holzöl und Ricinus) ivurde Vertagung beschlossen. Die„Freistunigc Zeitung" setzt ihre bereit? in, 18. Jahr- gang geübte Berdrehungskunst fort. Auf unsre Feststellung, daß die belgischen Liberale», so unzuverlässig sie immer»varen. die Demonstrationen und den Generalstreik— aus denen die.Frei- sinnige Zeitung" den Socialdemokraten schivere Vorivürfe gemacht hat— gebilligt, ja unterstützt haben, antwortet das Blatt setzt mit der verblüffenden Neuigkeit, die Liberalen hätte»-- die G e- w a l t t h ä t i g k e i t e n mißbilligt.„Das ist völlig unser Stand- Punkt," fügt die„Freisinnige Zeitung" hinzu. Es lohnt sich nicht, diese Verlogenheit deS Riibterschen Organs iveiter aufzudecken. Es ivird weiter verdrehen und sälschcu und wird flugs für die gestern verdammten„Demonstrationen und General- streik" heute„Gewaltlhätigleiten" unterschieben. Damit aber das Blatt Gelegenheit hat, auch in der folgenden Nummer nock ein bißchen sein Glück zu korrigieren, erinnern wir es daran, daß die belgischen Liberalen ausdrücklich dem socialistischen Proletariat den Dank für seine b e>v u n d e r n n g s iv ü r d i g e H a l t n n g ans- gesprochen haben. Mag die..Freisinnige Zeitung" sürderhni ans Arbeitcrhaß selbst über den Schein- und Augenblickssieg— einer klerikalen Herrschaft jubeln! ihre Partei bringt es ja auch fertig, da, wo sie den Ausschlag giebt, einem Brotwuchercr statt einen» Socialdemokraten(Meine II) zum Siege zu verhelfen. Für künftige Beschimpfungen des belgischen Proletariats empfehlen wir übrigens dem Blatt Eugen Richters den edlen Wortschatz der katholischen„Märkischen V o l k s z e i t n n g die von„ s o c i a- I i st i s ch e m Pöbel" und„ s o c i a l i st i j ch e m Gesindel" spricht.— Offiziöser Hohn über de» Zolltarif. Die für den Zolltarif der Regierung eintretende„Miinchcner Allgemeine Zeitimg" belustigt sich darüber, daß der Diederich Hahn in der Zollkoinmission den hohen Milch« imd Butterzoll mit den hohen Preisen der Fiitlerinittel zu begründen suchte. Das offiziös bediente Blatt bemerkt dazu: '„Als praktische Leute wissen sie gleich zwei Auswege: Ihr bisheriger Vertreter in der Kommission, der Abgeordnete Freiherr v. Waugenheim, erklärte kurz und bündig, er halte eine Be- grüiidung überhaupt nicht für nötig, und der neue KonimisfionS- bündler Herr Hahn begründet flotl darauf los: Wir brauchen hohe Milchzölle', weil wir hohe Futterpreise haben, und wir brauchen hohe F n t t e r z ö l t e. n m die Futterpreise zu heben! Bei einer so klaren Be- grüiidung kann sich der Abgeordnete Hahn nicht wundem, wenn uion lacht." Sehr richtig. Tie„Müncheiicr Allgemeine Zeitung" übersieht nur, baß genau dieselbe Begriiiidmig auch den Entwurf der R e- gieriing und die Zollpolitik des Grasen Posadowslq auszeichnet, über die zu lachen also jetzt selbst ein offiziöses Organ gestattet k Po» GottcS Nnguade»! Die auffällige Respektlosigkeit, mit der die giitgesimite und byzantinisch redende Presse den toten Heinrich XXII. von Reutz ä. L. behandelt hat, erklärt sich nicht etiva daraus, weil er in seinen krankcn Tagen Kinder zu Prügeln be- gnadigt hat— glücklich die Völker, deren Fürsten nichts Schlimmeres begangen hätten!— sondern weil er offenbar teilweise ganz ver- ii ü listige Ansichten gehabt hat. So schreibt ein Pfarrer Schulze im„Deutschen Fiirstenbnch" dem Fürsten folgende Aenßerung zu: „Ich bin ein deutscher Fürst, man weise mir nach, daß ich im geringsten gegen die Reichsverfassung und gegen die mit dem Reiche geschlossenen Verträge gehandelt habe. Aber ich will nicht auf Koiinnando Hurra schreie» und Flaggen herausstecken. Ich wahre mir das Recht selbständiger Entschcidimg in jedem einzelnen Falle!" So etwa? kann natürlich die patriotische Presse nicht hören: Auf Kommando Hurra schreien ist ja längst erste Bürgerpflicht. Uebrigens soll Fürst Heinrich XVI. jüngere Linie die R e- g e n t s ch a s t über Reuß ältere Linie angenomme» habe». Dann wird auch Reuß ältere Linie»national" werden und Hurra rufen!— Heilig ist die Grfindeskaverei. Die Petitionskommission deS Reichstages verhandelte am Mittwoch über eine ans bürgerlichen Frauenkreisen eingegangene Petition, welche eine Besserung der Gesindeverhältniffe durch die Gesetzgcbuug erstrebt. Die Petenten verlangen: Aufhebung der Gesindc-Ordinuig; Errichtimg von Gewerbe- gerichten und obligatorischen Fortbildungsschule» sowie Ausdehnung der Kranken- und llnfallversicherungs-Gesetze auf die im Gesindedienst beschäftigten Personen. Von den socialdemokratischen Mitglieder» der Kommission Ivurden die Forderungen der Petenten kräftigst unter- stützt und beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Berück- sichtigmig zu überlveiscu. Der Referent Abg. Dr. Beck(E.) be- antragte lleberweisung an den Reichskanzler als Material, Abg. Hcgelmaier(k.) Uebergang zur Tagesordnung. Leider wurde der letztgenannte Antrag angenonnnen. Für den socialdemokratischen Antrag stimmten nur die socialdcmokratischeu Mitglieder der Kommission. Obstruktion kündigt die„Deutsche Tageszeitung" für die Beratung der Brüsseler Z ii ck e r k o n v e n t i o n und die Abänderung der Z u ck e r st c u e r im Reichstag an. Es sei, sagt das Agraricrblatt, nicht daran zu denke», daß die be- treffenden Gesetzentwürfe vor Pfiiigstc» erledigt werden können i die- selben seien eben„so ungeheuer wichtig, daß wir einer überhasteten Beratung allen nur denkbaren W i d e r st a» d entgegensetzen würden." Vielleicht fordern die Agrarier, daß eine Kommission zur Be- ratimg dieser Gesetze de» Sommer hindurch tagt und lvegcn ihrer „besonderen Inanspruchnahme" Enlschädigmigsgclder erhalte. Im nächste» Winler könnte danii die von der„Deutschen Tageszeitung" geforderte gründliche Beratung die günstige Wirkung haben, daß die Beratniig des Zolltarifs um'einige Monate hinausgeschoben wird. Also, immer tapfer voran mit der' agrarischen Obstricktion!— Majestatöbelcidiguugö-Prozcst. Aus Halle wird berichtet: De» sousiigcu Gepflogenheiten enlgcgcn wurde am Dienstag ei» Majestätsbcleidigungs-Prozeß öffentlich verhandelt. Der Staats- aiilvalt hatte wohl den Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragt, aber der Vorsitzende des Gerichts, Geheimrat C r ö n e r t, erklärte, daß gar kein Grund vorliege, nicht öffentlich zu verhandeln. Angeklagt war der Stallschweizer Adolf C h r i st in a n» ans der Schweiz, der gelegentlich eines Gesprächs mit den Knechten Emmerich und Lehner auf einem Gute in Pretsch in Beziehung auf den deutsche» Kaiser beleidigende Acußernilge» gethan haben sollte. Etwa 14 Tage später bekam der Angeklagte in einem Restaurant mit Emmerich Streit, da letzterer bei dem Billardspicl gemogelt haben sollte. Der Angeklagte sagte, mit einem Betrüger spiele ich nicht, und Emmerich entgegnete:„Seinurstill, sonst zeige ich Dich wegen Mnjestäts- beleidignng an," ivelche Drohung er auch dann ausführte. Der Vor- sitzende hielt dem Zeugen Emmerich vor. daß die Anzeige ivie ein Rache- Akt aussehe; denn ivcnn er sich über die Aenßerung des Angeklagte» geärgert hätte, dann hätte er doch sofort nach dem erste» Vorgang Anzeige erstatten können. Zenge Emmerich stellte das in Abrede und der Angeklagte bemerkte, daßer gegen Emmerich nun Anzeige wegen Meineids erstatten müsse. Der bisher unbestrafte Angeklagte ivurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, während der Staatsanwalt 4 Monat beantragt hatte. Er behauptet inischnldig zu sein und bedauert durch die Sache auch seine Arbeit verloren zu haben. Jusland. Gelbliche Stiiiimzcttcl. -st- Wien. 22. April. ES ist wahrhaftig nicht leicht, den Lesern die ganze Niederträchtig- keit des letzten Streiches, de» der Wiener Magistrat in Sachen der Wahlen der Handlungsgehilfen verübt hat, zm» Bewußt- sein zu bringen. Denn bei allem Mißtraue» gegen die Bureankratic der kapitalistische» Gesellschaft ist der Bürger des modernen Rechts- staates doch geneigt, an ei» gewisses Vcraiitivortlichkeitsgefühl der Behörden zu glauben: er sieht sie falsche Entscheidungen fällen, er hält sie auch für sähig. das Recht mit Bewußtsein zu beuge», aber er meint, daß sie z» Jrrtinner» und zu Rechtsverletznngc» doch einen Vorivand brauche», ohne eine gewisse fonnale Deckung sie zu begehen nicht wagen werde». Dieser Entscheidung des Magistrats fehlt aber nicht allein das Rechtsgefühl, sonder» auch das Schamgefühl: der „Grund" mit den gelblichen Stimmzetteln ist so nichlig, daß eS genau 'o ist. als ob der Magistrat entschiede» hätte, die Stimme» für Pick werden kassiert, weil Stimmen für einen Socialdemokraten nicht gültig sind. Was würde man zu einer Wahlkonimissio» sagen, die Stimmzettel kassieren würde, die bei einer ReichstagSwahl abgegeben werden, weil die weiße Farbe einen Stich ins Gelbliche hatte? Denn mehr als einen leise» Stich hatte das Papier der socialdemokratischen Stimmzettel nicht: das Papier des„Vorlvärts" ist, gegen sie gc- halten, tief gelb. Aber das Beispiel stimmt gar nicht, denn die weiße Farbe ist für die ReichstagSwahl vorgeschrieben mid die Ver- Wendung nicht Iveiher Stimmzettel ausdrücklich mit der Ungültigkeits- erklärnng bedroht. Das Statut der Gehilfenvertretimg— das Gesetz selbst hält diese Wahlen für so unwichtig, daß es über den ganzen Wahlakt auch nicht einmal eine Andeutung enthält— bestimmt lediglich, daß die Wahl iniltels Stiiiinizetteln vorzunehmen ist und daß„zum Zwecke der leichtere» Durch- ii h r u ii g des L k r u t i n i u m S Form und Farbe der Stimm- zettel in der Wahlausschreibiing zu bestimmeu sind". Es ist also klar, daß die Stimmen auch dann ihre Gültigkeit nicht verloren hätte», ivenn die Stimmzettel grasgrün geivcse» wären: Denn dadurch iväre höchstens das Skrntinieren der Stimmzettel erschwert, aber doch nicht die in der Abstimmling liegende Willensäußerung der Wähler beirrt worden. Wozu noch zu bemerken ist, daß die Uiigültigkeiiserklärmig nicht bei dem Skmtininm. sondern eine Woche nach der Verkündigung des Wahlergebnisses erfolgte, womit doch beiviesc» ist, daß selbst jeder Zweckmäßigkeitsgrund durch die„gelbliche" Farbe nicht beeinträchtigt worden ist. Rebstdem ist festzustellen, daß die Stimm- zettel von der Behörde, die de» Wahlakt leitete und das ihr durch die Geiverbe- Ordmiiig eingeräumte Aufsichtsrccht also doch übte und aufbrauchte, den ganze» Tag anstandslos angenommen worden waren, beim Skrutininm von der Wahlkommisfion ausdrücklich als gültig erklärt ivurden und in der Verkündung des Wahlresultatö als gültige Stimmen verzeichnet worden sind! Daß mit der iveißen Farbe nicht etne besondere Gcheimerklärimg der Wahl bezweckt wird, geht daraus hervor, daß bei früheren Wahlen grüne Stimm» zettel bestimmt worden sind, und ivenu e? auch plötzlich mir eine iveiße Farbe geben solle: daß die Nnancen� in grün sehr mannig- altjg sind, werden auch die Farbenblinde» des christlichsocialen Magistrats nicht zu bestreiten tvagen. Bon welcher Seite immer man diese ungeheiierlichc Entscheidung auch anschaut: immer erscheint die Rechtslage so absolut klar, das; sie von der Behörde nicht mißverftandeit weiden konnte. Der Magistrat hat sich nicht geirrt, er hat auch nicht etwas parteiisch entschieden, was nur im geringsten zweifelhaft gewesen wäre, sondern er hat mit vollenr B e Iv u ß t s e i n einen frivolen Rechts- brnch verübt. Und das ist es, ivas diesem christlichsocialen Streich das typische Gepräge giebt. Daß die Entscheidung aus- gehoben werden wird, steht außer Zweifel; sobald ein Mensch an die Sache herantritt, der nicht eine lvillcnlose Maschine des Liwger ist, kann das klare Recht der Socialdemokraten nicht verkannt werden. Es ist auch gewiß, daß sich der Magistrat darüber klar war, daß sein Banditcustrcich nicht länger dauern kann, als die Rekursfiist ivährt, daß er nicht gehofft hat, den Christlichsocialen die Mandate zu erhalten. Aber das ist ja eben das eigentliche dieser bchördlickcii Missethat: daß dieser Raub deshalb gleichsam am hellen Tage verübt wird, weil ihn Herr Lucgcr im Interesse seiner politischen Taktik braucht und ivünscht! Die Wahl der Hmidlungsgehilfeii bietet so ein unvergleichliches Beispiel von dem, was alles in O e st r e i ch möglich ist, giebt Aufschluß über die grenzenlose Verlotternng, die durch die Wiener Klerikalen über Stadt und Land gebracht worden ist. Die Socialdemokraten hatten bekanntlich schon im Jahre 1398 gesiegt. Die Wahl tvurde von dein Luegerschen Magistrat unter den nichtigen Borlvänden kassiert; die staatlichen Behörden, die feige Statthalterei und der berüchtigte Handelsiniiiisters des Kabinetts Thun, liehen aus politischer Opportunität dem christlichsocialen Geivaltstreich ihre Unterstützung. Der durchgefallene Herr Axinanii ivurde„provisorisch" eingesetzt, aber dieses Provisoriinn dauerte volle vier Jahre: ein Jahr länger als die gesetzliche Wahlperiode! Dann kam die Lumperei mit der Sistierung der be- gonneiicii Wahl im November vorigen Jahres, und nun schließt diese Kette von Vergelvaltignngeii, Mißbränchen und politischen Gefälligkeiten mit der Kassierung der social- demokratischen Stiiiniien ab. Bei der Wahl am 6. April hatten erhaltzriil: die Socialdemokraten 5623 Stimmen, die Christlichsocialen 4282 Stimmen. Bon den socialdemokratischen Stiininen wlirden iilin 4784 als ungültig kassiert und die uiiterlegciicn Christlichsocialen sind„somit" mit einer geivaltigcn Mehrheit „gewählt" I Kassiert, weil die Stimmzettel, deren Farbe ausschließlich zur Erleichterung des Skmtiiiiinns bestimmt ward, einen Stich inS Gelbliche hatten, oder, wie die Entscheidung des Magistrats in der Verlegenheit des schlechten Gewissens sagt, weil ihre Fvrbe mit der Wahlailsschreibiilig„in Widerspruch stand"! Kassiert, trotzdem sie von den aus Beamten des Magistrats gebildeten Wahl- konimission«!! anstandslos übernommen und von dem iiiagistratlichen Leiter der Wahl ausdrücklich als gültig anerkannt worden sind! Eine solche Entscheidung ist die Moral einer Räuberbande, und an ihr köniien die ausländischen Genossen ermessen, mit welch' Gesindel sich die Wiener Socialdemokraten herumschlagen muffen l Ausdehnung der Bauernaufstände. Dem„Berliner Tageblatt" wird ans Petersburg gemeldet: „Im G o u v e r Ii e ni e ii t P o l t a Iv a nehmen die V a u e r n r e v o l t e ii z u, die durch Eingreifen von Militär unterdrückt iverdcn. Die Ballern brennen alles nieder und zerstören die Güter. So wurde unter anderm außer der Besitzung „Karlowka" des Herzogs von Mecklenburg noch 63 Güter verivüsict. Sobald das Militär erscheint, leisten sie keinen Widerstand. Nach Abzug des Militärs aber beginnt aufs neue das Brennen, Sengen und V e r w ü st e n. Sollte die chronische Hungersnot die Bauern doch noch nicht völlig entnervt habrn?—_ Russische PrefibestcchnitgSversuche. Es wird nnS ans Rußland geschrieben: „Daß die russische Regierung nicht aufgehört hat, auf die Reinmig Westeuropas, sei es durch direkte Bestechung oder gut bezahlte Aniioncen einzuwirken, ist kein Geheinmis. ES scheint aber, daß ihre Bemühungen in dieser Hinsicht in letzter Zeit Ivenigcr erfolgreich gewesen sind, als in den siebziger Jahre». Man kann den Schmerz der Regierimg begreifen, daß trotz aller Maßnahmen, die Grenzen abzusperren, die Presse Europas alles in allem über den Gang der Ereignisse doch gut informiert ist. Jetzt, wo die öffentliche Meinung mehr als je mit diesen Er- eigniffeit beschäftigt ist, werden die Bestechimgsbersuche wohl mit Energie erneuert. Charakteristisch hierfür ist die Nachricht, die der Partei der Socialisten- Revolutionäre aus Wien zu- geht. Sicheren Informationen nach soll gleich am Tage nach dem Altentat auf Ssipjagin bei den Chefredacteuren der„Rene n Freie» Presse" und des„Neuen Wiener Tageblatts" ein Agent des russischen Botschafters, des Grafen Kapnist, er- schienen sein und sie gebeten haben, in den Spalten ihrer Blätter, Ivenu möglich nur die Telegramme und Nachrichten aus Rußland zu bringen, die ihiie» von der rnssischen Telegraphenagentiir zu- gehen. Weiter eröffnete der Agent, daß Graf Kapnist die Redaktionen ersuche, ganz besonders von dem Abdruck von Nach- richten über die Bcivegung in der Armee, die Berhastung von Offizieren und den Prozeß gegen den Verräter Grimm Abstand zu nehmen." Es bleibt abzuwarten, was die genannten Blätter auf diese Mittcilnng zu sagen haben werden. Aber es ist publizistische Pflicht der Wiener Blätter, Klarheit über den Sachverhalt zu geben. Wir wissen, daß die„Nene Freie Presse" jedenfalls bezüglich des AttenlatS auf Ssipjagin den russischen Wünschen nicht nach- gekommen ist. Belgien. Der Papst gratuliert den Volköschlächtern. Am Dienstag empfing der Papst eine Deputation der belgischen katho- l i s ch e n I o» r n a I i st e», die ihm ei» Geschenk von 121 330 Fr. brachten. Er beglückwünschte sie zur Festigkeit ihrer Majo- r i t ä t und der Regierung, Ivomit sie die Vorschläge der Socialisten bekänipft und die Unordnung i ni Lande unterdrückt habe. Der„Peuple" schreibt dazu:„Das Oberhaupt der katholischen Kirche billige also Schießen und Morden und verleugne das Wort Christi: Du soll st nicht töten.— TaS Verfahren gegen den Abgeorduetrn SmeetS ist ein- gestellt. Sineels. der socialistislbe Abgeordnete für Liiitich. war be» kamitlich angctlagt lvegcn Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten: die klerikale Mehrheit des Parlaments hatte bereits der Staatsanwalt- schaft die Autorisation zu seiner Verfolgung erteilt.— Italien. Die Wirkungc» der Agrar-StreikS. Die»Lociete degli»gricoltori"(Landwirtschaftliche Gesellschaft) hat eine Enquete darüber angestellt, welche Wirkungen die Agrar- streiks gehabt haben, die Streiks, die sicki i» den letzten Monaten immer mehr ausgedehnt hatten, speciell im Maiiluanischen, in Polesina, Emilia und im Ferrarestschen. Ans der Enquete. a»f die hauptsächlich die Besitzer geanl- wartet haben, erhellt, daß der Grund zu den Streiks rein öko- » o in i s ch e r N a I n r war und auf den äußerst niedrigen Tage- löhne», der zu überlriebcn langen Arbeitszeit. auf dem Fehlen specieller und einigermaßen gerechter Verträge usw. beruhte. AlS unmittelbare Konsequenzen führt die Enquete an: „In den von der Agitation am meisten betroffenen Gegenden ist man eifrig bestrebt, künstliche Wiese» an Stelle des Getreides, des Reises, ja sogar des Hanfes anzulegen,»in auf diese Weise eiueu geringeren Bedarf an Handarbeit zu erzielen, da diese letztere'zu teuer gelvordeu ist. Einige agrarische Verbesserungen (g. B. neue Tcigelöhnerhauser) sind erhalten geblieben, andre Ver- besserungen sind in Aussicht gestellt worden. Eine allgemeine Ein- fnlnung lnndivirtschaftlicher Maschinen, speeiell solcher, die man für größere Feldarbeiten dringenden Charakters anwendet, ist in Aussicht genommen worden, und zivar sollen diese Maschinen ebenfalls dazu dienen, die zu teuer geivordene Handarbeit zu ersetzen und eine weitere Verteuerung derselben zu bekämpfen. Fast alle Arbeiten, die nicht absolut notlvendig waren, sind unterlassen worden. Das Kapital zeigt Furcht vor landwirtschaftlicher Anlage und zieht sich vom Grund und Boden in die Banken, auch gegen geringen Zinsfuß. zurück." In einigen lombardischen Gegenden, wo die Fordeningen der Landarbeiter gemäßigter waren, gaben sie den Anstoß zu Fortschritten in der Bestellung. Die Landbesitzer beklagen sich endlich lebhaft über die Toleranz der Regierung und fordern Maßregeln gegen die Streiker. Die Enquete zeigt ein zweifellos tendenziös gefärbtes Bild, was bei dem ökonomischen Charakter der Auskunftgebenden ja nicht anders sein kann. Die politische Folge der Streikbeivegnng und der kapitalistischen Gegcnbeivegnng der Landbesitzer wird die sein, daß die Besitzer für die' reaktionäre Opposition stimmen werden, während die Land- arbeiter naturgemäß auf die Seite der demokratischen, speeiell der socialistischen Linken gedrängt werden, bei der allein sie Unterstützung gefunden und auch ferner zu erwarten haben.— Tie«noralische Neinigmig SiiditalienS. Man schreibt uns aus Rom: Auf die von den Soeialisten gemachten Enthüllungen und An- Ilagen über die Camorra, ivelche sicki in den Gemeinden des Südens eingenistet haben, folgen jetzt Prozesse und Verurteilungen. In Neapel sind zwei Pächter und zwei Agenten der Gemeinde, ivelche unter der verflosiene» Administration Kouzessionsreate begangen hatten, zu je 14 Monaten Gefängnis verurteilt ivorden. Der E x- K a s s i e r e r des M a g i st r a t s von Neapel ist zu 3 Jahren verurteilt worden, Grund: Betrügereien, begangen zum Schaden der Gemeinde bei Gelegenheit der Leichenfeierlichkeilcn für König Humbert. Zwei Stadträte, ein Buchhalter und ein Inspektor sind vor die Gerichte gezogen worden, um sich wegen VergreifenS an K a s s e n g e I d e r n und Betruges, begangen zum Schaden der Gemeinde, zu verantworte». Im M a i wird in Neapel der große Prozeß gegen die Hauptbonzen der Magistrats-Camorra, Casale, Summond zc., k.. seinen Anfang nehmen, ivelche alle zusammen schon infolge der Anklage» der Soeialisten in der Enquete Saredo zusammen mit den bereits Verurteilten gebrandmarkt worden sind. So sind auch in Molise, in Jsernia der Abgeordnete Veneziale, Casale und andre, ekMfalls von de» Soeialisten angellagt, vor Gericht gezogen worden.— England. Der Krieg und die Steuerpolitik. Die ungehenreii Summen, welche der langjährige Krieg mit Transbaal verschlingt, treibt die englische Regierung je länger je mehr in eine Zoll- und Steuer- Politik, welche die Unzufriedenheit weiter Bevölkernngskreise hervor- ruft. Nebe» dem Zoll auf Mehl und Getreide ruft vor allem auch die Steuer auf Checks böses Blut hervor. Dieselbe ist um 1 Pennh pro Check erhöht, wodurch in erster Linie die kleinen Geschäftsleute, welche der Bequemlichkeit halber alles in Checks zu zahlen pflege», hart betroffen werden; sollen doch nach Mitteilungen der.Times" in England gegen 3 Milliarden Pfund in Checks eirkulieren. Eine Versammlung von Bankiers, Kaufleuten, Geschäftsinhabern aller Art in London nahm eine energische Protestresolution gegen die Checksteuer an.— Schweden. Eine Interpellation gegen das brutale Vorgehen der Polizei hat der liberale Abgeordnete H e d i» am Dienstag in der Ziveiten Kammer eingebracht. Es wird darin folgende Frage an den Staatsminister gerichtet:.Ist die Regierung gewillt, so schnell wie möglich Borschriften für das Verhalten der Polizei zu er- lassen, die� dazu diene», die Bemühungen von Privatpersonen, bei den ftir die nächste Zeit zu erwartenden Demonstrationen die Ordnung aufrecht zu erhalten, zu n n t e r st ü tz e n und z u erleichtern a n st a t t sie zu erschweren?" In der Bc- gründung ivird ausgeführt, daß die demonstrierenden Arbeiter keinen Anteil an der Veranstaltung der Unruhen ain Sonntag hätten. „Säbel schwingen gegen die ersten Glieder eines langen Zuges, die unividerstehlich vorwärts gedrängt werden durch die unabsehbare Menge der Nachfolgenden", sagt der Juterpellaut,.Säbel schwingen, iveil sie nicht das Unmögliche möglich mache» und die Masse» des langen Zuges zurückdrängen, das ivird wohl von einem solchen Unverstand zeugen, daß, wie ivohl bekannt sei» dürfte, nicht weniger unter dem nicht demonstrierenden Teil der Bevölkerung der Hauptstadt als unter den Demonstranten selbst die Meinung sehr verbreitet ist. die in dem Benehmen der Polizeichefs die Absicht, einen gewalt- s a m e n Konflikt herbeizuführen, vermutete,«nd diese Absicht um so wahrscheinlicher findet, als ja gerade dadurch, daß man es unterließ, mitzuteilen, ivelche Straßen und Plätze für die Demonstranten gesperrt sein sollten, diese dazu verlockt ivnrdcu, dem vorbereiteten Säbelgefecht entgegenzugehen." � Australien. Militaristische Neigungen. In einem Bericht an die Re- gierung, in dem die Frage der Landesverteidigung behandelt Ivird, sagt der Kommandierende der australischen Tnippeii General Hutton, die Garnisontrnppen bezifferten sich auf 1b 470 Mann und die Feld- truppeil auf 14101 Mann, er schlage vor, die letzteren auf eine Stärke von 28 748 Mann zu bringen: er bemerke, daß, wen» auch eine Expedition von einer feindlichen Basis im Osten oder in Europa ans ihren Zweck nicht erreichen könne, ehe die britische Flotte besiegt sei, es trotzdem von Bedeutung sei, sich gegen Ikeberfälle zu schützen, die unternommen werden könnte»,»m Entschädigung�- summen zu erpressen, den Handel zu zerstören oder sich Kohlen zu verschaffen; deshalb müsse man für die Sicherheit der Flottenbasen sorgen.—_ Zpsrs ÄttrenkÄrif<�es« Die Branntwetusteuer-Kommission dcö Reichstags trat am Mitilvochabend in die zweite Lesung des Entwurfs ein. Zunächst wird ein Antrag der Abgg. Müller-Fulda und Speck sC.) verhandelt, im Artikel II§ 2a sRegelmäßigeS Verfahre») zu bestiinmen, daß bei Brennereien, die in einem oder mehreren der fünf Jahre das Kontingent überhaupt nicht oder nicht vollständig herstellen, für diese Jahre gleichwohl die volle Koutingentsmenge als hergestellt augeuommen wird, wenn wenigstens in einem(bisheriger Kom- missionsbeschlutz: in zweien; bestehendes Gesetz: in dreien) der fünf Jahre das Kontingent vollständig hergestellt worden ist. Dieser Autrag wird angenommen. 8 26 des geltenden Gesetzes bestimmt im ersten Absatz:«Falls die auf Grund der Vorschriften unter a. b und c in Rechnung zu stellenden Alkoholmengen 150 000 Liter übersteigen, werde» sie um ein Zwanzigstel, jedoch nicht unter den Betrag von 150 000 Liter herabgesetzt." Die Abgg. Müller- Fulda und Speck/e Proz. gleichkonmrt. Die„Shipping Gazette" will wissen, daß die zwei großen deutschen Gesellschaften finanziell noch nicht in die Verbindung eingetreten seien, daß sie aber in vollständiger Uebereiustimmung mit den englischen»nd amerikanischen Gesell- schafte» handeln würden. Die Politik des Herr» Morgan könne aber nur die sein, früher oder später eine vollständige Berschmekzung sämtlicher Gesellschaften herbeizuführen. Im übrigen seien viele Details noch nicht geregelt und würden erst später bekannt gemacht werden. Eine bulgarische Slnleihe in Höhe von 100 Millionen Mark ist in Petersburg mit dem Minister Danew und den Vertretern Pariser Banken vereinbart. Die russische Reichsbank wird 10 Millionen als Kommauditär des Syndikats übernehmen. Sicher- gestellt für die Verzinsung sind die Einkünfte der Tabakbanderole und die Stempelsteuer. Schon vor Monaten waren Verhandlungen im Gange, um die Finanznot der bulgarische» Regierung zu be- seitigen. Damals lehnte die Sobranje die Sicherstellung der Anleihe gegen die Schaffung eines Tabakmonopols ab. Inzwischen war der Regierung von Rußland Hilfe gekommen und sie konnte die am 1. Februar fälligen Coupons zahlen. Wie weit die finanzielle Kalamität gestiegen war, trat bei den Differenzen mit der Oesireichischen Länderbant deutlich hervor. Die Bank hatte kurzer Hand die von der bulgarischen Regierung bei ihr verpfändeten Anlcihe-Obligationcn verkauft, um sich schadlos gegen noch nicht gedeckte Zinsen zu halten. Die neue Anleihe enthebt die bulgarische Regierung nur der dringendsten Verpflichtung und die russische Freundschaft bemüht sich zunächst nur deshalb so eifrig, um die 4 Millionen Vorschuß in Sicherheit zu bringen; dazu bedarf sie wiederum der Hilfsbereit- schatt der französischen Finanziers. Der glatte Absatz der russischen Anleihe scheint in Petersburg ein überlegenes Gefühl kreditstcheren Rufes erzeugt zu haben, von dem auch die Freundschaft auf der Balkauhalbinsel profitiert.__ Nommunalvs. Siadiberordnetc»- Versauiinlnng. 17. Sitzung vom Donnerstag, de» 24. April 1802, nachmittags 5 ll H r. Ter Borsteher Dr. L a n g e r h a u S eröffnet die Sitzung gegen >/26 Uhr mit einem Nachruf für den verstorbenen Prediger Schmeidler. Nachdem Stadtv. Friederici zum dritten Beisitzer gewählt ist, muß für den zweiten Beisitzer- Stellvertreter Ersatz gewählt werden. Stadtv. Singer schlägt den Stadtv. Borgmann vor und vom Stadtv. Friederici wird Stadtv. Liebeuow tu Vorschlag gebracht. Die Wahl wird iu der nächsten Sitzung vorgenommen werden. Der Antrag des Stadtv. Nathan wegen uuentgeltlichcr Gewährung der Kur und Verpflegung in städtischen Krankenhäusern an die iu Berlin wohnenden, mit ansteckende» Krankheiten behafteten Personen ist von dem niedergesetzten Ausschüsse in jeder Forni abgelehnt worden. Der Referent Stadtv. Wallach beantragt, über den Antrag Nathan zur Tagesordnung überzugehen. Stadtv. Hei mann(Soc.): Wir werden gegen den Nebergang zur Tagesordnung stimmen. Wir stehen nach wie vor ans dem Boden unsres vor einigen Monaten eingebrachten Antrages, der nach der socialen Seite de» einzigen Weg zeigt, um ans der heutigen Misere herauszukommen. Gegenwärtig verlieren jährlich 4000 Bürger ihr'.Wahlrecht, welche der Anstaltspflege bedürftig sind und in Krankenhäuser gehen, aber den strengen Anforderungen des Magistrats und des Obcr-Verwaltnngsgerichts hinsichtlich derZahlungS- pflicht nicht entsprechen können. Sie werden zu Bürgern ziveiten Grades degradiert, iveil sie ihr Wahlrecht einbüßen. Aber wir meinen auch, daß die Kommune säivn ans hygienische» Rücksichten den Zugang zu den Krankenhäusern so viel wie möglich erleichtern sollte. Soll die Ärankenhauspflege Ivirklich das bcdentsamste Element für die öffent- licho Gesundheitspflege sei», wie der Senior der Versammlung Herr Neumann ausgeführt hat, so muß in den Krankenhäuser» auch gc- »ngend Platz sei» und es muß nnentgeltliche Anstaltspfleae bestehen. Daß die materiellen Mittel für diese Zivecke im Verhältnis zur Wichtigkeit der Sache unerheblich sind, ist schon früher ausgeführt ivorden. Die städtische Pflicht, für die Gesundheit der Bürger zu sorgen, mutz völlig von der Verpflichtung zur Unterstützung Hilfsbedürftiger losgelöst iverden.(Sehr richtig!) Wir freuen uns, daß der Antrag Nathan nnsrem Antrag entsprungen ist, daß also wenigstens ein Teil der Versammlung nnsrem Bestreben Sympathie entgegen- gebracht hat. Wir bringen zwar misre» Antrag gegenwärtig nicht wieder ein, behalten uns aber vor, das zu uns geeignet scheinender Zeit zu thun. Die Entivickclniig der Dinge wird im Sinne unsres Antrages voranschreite».(Beifall.) Abg. Nathan: Ich verstehe, wenn mann, wie Herr Heimann, a» alten Anträgen festhält, aber nicht, wenn man tvie die Freunde des Herrn Nathan kaum 14 Tage, nachdem die Versa»»»- Inng einen solchen Antrag abgelehnt hat. gleichsam als Strafarbeit ihr einen älmlichen Antrag vorlegt, anstatt erst einige Zeit vergehen zu lassen. Wir iverden niemals einer Maßregel zustimmen, welche auch dem Reichsten die»»entgeltliche Krankenhanspflege durch die Stadt gewährt. Das Wahlrecht wolle» wir keinem nehme» durch die Krankenhansbehandlnng, ivir haben in dieser Beziehung alles gethan, was gethan iverden konnte. Ich bitte den Magistrat iviederholt um eine sorgfältige Statistik der einzelnen Fälle, damit auf Grund derselben in nnsrem Sinne an den Landtag petitioniert werde» kann. Der Antrag Nathan involvierte auch für den Reichsten nnentgeltliche Krankenhanspflege und griff nur einzelne Kranlheiten heraus. Herr Nathan hat so gethan, als ob uns Liberale bloß eine gewisse Verbohrtheit gegen seinen Antrag einnimmt.(Sehr richtig I) Das ist ganz falsch. Was der verminderte Antrag Nathan will, besteht schon jetzt, der Antrag würde aber andrerseits die Erhaltung des Wahlrechts absolut nicht gewährleisten. Ich protestiere entschieden dagegen, daß Herr Nathan im Namen des Litonlisniiis spricht. Wir iverden nicht etwa ans Popnlaritäts- hascherei für einen Antrag stimmen, der ganz inhaltlos ist.(Leb- haftcr Beifall und Zischen.) Stadtv. SanitätSrat Nenmann spricht sich gegen de» Antrag Nathan ans und geht in seinen Betrachtmigen über die Kinder- sterblichkeit auch ans die nenesle polizeiliche Milchverordnnng ein. Die Vermehrung der städtischen Krankenhäuser bezeichnet er als dringende Notivcndigkeit, man sollte sich einmal in gemischter De- pulalion darüber niiterhalten. Stadtv. Nathan hat sich nicht angemaßt, im Namen des Liberalismus zu spreche», sondern hat nur im eigne» Namen ge- sproche». Es sei unrichtig, daß der Antrag Nathan an den Ver- Hältnissen gar nichts ändere. Er ändere sie in dem ivichtigen Punkt, daß er die Geldfrage ans der Welt schaffe. Die Mehrheit erschivert es durch steigende Unruhe dem Redner sehr, sich verständlich zu machen. Stadtv. Profeffor Laiidanvar und mit den Augen rollte, weil der Rittmeister einem jungen Dragoner befahl, das Pferd, welches Marten nicht rcileu konnte, ihm eine Stunde laug vorzureiten. Er, Zeuge, müsse aller- diugs sagen, daß dies nicht ganz korrekt>v a r. Der Rittmeister hätte einen Unteroffizier kommandiere» müssen, um Martens Pferd vorzureiten, nicht aber einen von der Mannschaft. Der Rittmeister habe gegen die Familie Marten überhaupt eine g e iv i s s e A b» e i g u» g gehabt, da er, wie er ihm erzählte, mit dem Wachtmeister Marten Ivegcn der großen Verlotterung der Schwadron heftige Auftritte hatte, so daß letzterer sich schließlich zur 3. Eskadron habe versetzen lasse». Der Rittmeister habe auch den entfernte» Verdacht gehabt, daß daS mehrmalige Schieße» auf seine Wohnung in Stallnpönen von der Familie Marten ausgegangen sei. Obivohl der Rittmeister mit Marten dienstlich sehr zufrieden gewesen sei, habe er einmal gesagt, Marten sei ihm unheimlich, so daß er ihn nivglichst ivcit weg ivünsche. Dies sei wohl die Ursache gewesen, daß Marten nach Berlin au die Telegraphenschule geschickt worden sei. Gleich nach dem Morde sei genau festgestellt worden, wer Dienst gehabt und wer dienstfrei gewesen sei. Einen bestimmten Verdacht gegen irgend jemand könne er nicht äußern. Die von der Kaserne der vierte» Eskadron nach der Reitbahn führenden Fußspuren im Schnee seien infolge von Thon oder Regen verwischt gewesen. Angeklagter Marten dem erst, er sei als Knabe von einem Baume gefallen und leide seit dieser Zeit an N e r v e» z u ck u u g e n. Er frage den Obersten. iveun ihm dies bekannt geivesen iväre, ob er alsdann dieselbe Auffassung von dem Augeurolle» haben würde. Oberst v. Winterfeld bemerkt:„Wenn mir das be- kaunt gewesen wäre, dann hätte ich vielleicht eine andre Auffassung gehabt, es steht aber fest, daß Marten bei jeder Kleinigkeit in große Aufregung geriet." Gefreiter S t u m b r i e s bekundet, als er am Sonnabend vor dem Morde auf Befehl des Rittmeisters dem Marten das Pferd vorreiten mußte, sei dieser sehr ärgerlich gewesen. Am selben Tage habe Marten zu ihm gesagt, er iverde heute abend das Pferd noch reiten, der Hund müsse heute noch Farbe bekennen. K r i e g s g e r i ch t s r a t Lüdecke und Militär- gerichtsschreiber Hoffmann aus Jnsterburg bekunden überein- stimmend, Barauowski habe ihnen einen sehr glaub- ivürdigen Eindruck gemacht; das mit diesem aufgenommene Protokoll sei ohne Mitwirkung des Rittmeisters Ewers zu stände gekommen. R i t t in e i st e r Ewers bemerkt, er wolle die Behauptung nicht aufrecht erhalten, daß er speciell bei dem Protokoll mitgelvirkt habe; jedenfalls habe er dem Kriegsgerichtsrat Lüdecke gesagt, Barauowski habe i h m anfänglich eine andere Erzählung gemacht.— Kriegsgerichi'srat Lüdccke und Militärgerichtsschreiber Hoffmann bemerken, daß sie sich daran nicht erinnern können.— Auf Antrag des Ver- teidigers Horn wird die Arbeiterfrau Eckert als Zeugin vernommen. Diese bekundet, am Nachmittag des 21. Januar 1901 gegen 5 Uhr sei sie mit ihrem zehnjährigen Sohn die Dragonerstraße entlang gegangen, da habe sie plötzlich einen st a r k c n Schuß gehört; in demselben Augenblick habe sie drei Civilpersonen aus der Kasernenpforte herauskommen sehen. Auf Antrag des Vorsitzenden, Oberstlieuteuant Herhudt von Rhode», wird beschlossen, den zehnjährigen Sohn herbeizuholen und mit den Zeugen eine Orts- b e s i ch t i g u n g vorzunehmen.— Der Verhandlungsleiter reilt mit, der Hausdiener Hinz habe der Polizei in Schöneberg erklärt, er wisse von gar nichts, sei zur Zeit des Mordes nicht in Gumbinnen geivesen>!»d habe seine Erzählungen in der Trunken- heit gemacht.— Inzwischen meldet sich der A m t s b o t e Borg- m a n n mit der Erklärung, der Händler Johann Holder in Schluß- kehinen, ein früherer Artillerist, habe vor vielen Zeugen erklärt, daß er den Rittmeister erschossen habe und Marten und Hickel voll- ständig unschuldig seien. Es wird beschlossen. Holder zu laden. — Danach werden die Dragoner B a r t u l e i t und Weber ver- uommen, welche kurz vor dem Morde Marten auf dem ersten Korridor in der Nähe des Karabiners getroffen haben, mit dem der tödliche Schuß abgegeben wurde. Gegen 2>/« Uhr tvird die Ver- Handlung auf 5�/s Uhr nachmittags vertagt. In der Nachmittagssitziuig bekundet Unteroffizier B a st, er habe bei der 4. Schwadron, als dieselbe noch in Stallnpönen lag. gedient. Rittmeister V.Krosigk habe ihn schlecht behandelt; er habe sich deshalb mehrfach beschwert. Wachtnieister Marten habe ihm anfänglich geraten, seine Beschwerden zurückzuziehen, er habe aber auf seinem Recht bestanden. Der frühere Dragoner-Unter- offizier, jetzige Schutzmann E i s e n b e r g aus Berlin, bekundet auf Befragen, er sei Schieß-Unteroffizier gewesen Rittmeister v. Krosigt habe ihm befohlen, dafür zu sorgen, daß während der Reitübungen in der Reitbahn stets Revolver mit Platz- Patronen seien. Jeder Reitlehrer hatte Platzpatronen. Der Ritt- meister wollte, daß viel geschossen wurde. Ans Befragen des Verteidigers R e ch t s a ir>v a l t Horn, ob es wahr sei, daß, als General v. Alten am 25. Januar bei Hickel nach scharfen Patronen suchte, aber keine fand, er— Effenberg— gesagt habe, es sei ein Glück, daß bei ihm nicht Haussuchung gehalten sei. Eisen- berg erwidert, er könne sich daran nicht erinnern. Eine Anzahl Dragoner erzählen, daß ihnen Skopek am Abend des Mordes Veraiuworilicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Kür den Inseratenteil erzählt habe, er habe, als er von der Schmiede in den Krümper- stall ging, an der Bandenthür zwei Laute mit steifen Mützen stehen sehen. Bei der vorgenommenen Ortsbesichtigung erklärte die Zeugin Frau Eckert, sie habe eines Sonnabends einen Schuß gehört und Leute aus dem Äaseriicuthor laufen sehen. Zwei Civilpersonen, die heute Abend bei Hellem Mondeuschein aus dem Kasernenthor in die Lazarettstraße liefen, konnte die Zeugin aber von der Stelle, wo sie da- mals gestanden haben will, nicht sehen. Der Gerichtshofbegabsich dann in die Reitbahn. Skopek mußte sich im Krümperstall an der Stelle, wo er gestanden hatte, als geschossen wurde, aufstellen und zwei Unter- offiziere hinter der Bandenthür. Wachtnieister Schulz schoß in der Reitbahn, die Unteroffiziere liefen hinaus, Skopek kam aus dem Krümpcrstall, konnte aber die Unteroffiziere nicht mehr sehen. Sodaim mußte sich Hickel hinter die Baudenthür stellen und sich einen dunkelbraunen Schnurrbart austeckcn. Barauowski bezeichnete diesen als schwarz. Es fanden dann noch eingehende Vernehmungen auf dem Korridor der Kaserne der vierten Schwadron statt. Morgen vormittag 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. GVivevKstsMftlüfzes. Unternehmertum nnd Maifeier. Unsrem Königsberger Bruderblatt ist folgendes Schriftstück auf den Redaktionstisch ge- flattert: Berlin, den 2. April 1902. Vertraulich. J.-Nr. Betrifft Maifeier' An den Verband der Metallin dustriellen für O st- und W e st p r e u ß c n. Infolge des Beschlusses in der Ausschußsitzung vom 25. Sep- tember 1899 haben wir die Verpflichtung übernommen, Sie zu bitten, den Mitgliedern Ihre? Verbandes rechtzeitig die Benach- richtigung zukommen zu lassen, daß die Feier des I. Mai in unsren Betrieben nicht geduldet wird, und daß die Feiernden als Streikende zu betrachten sind. Demgemäß wollen Sie Vor- stehendes Ihren Mitgliedern mitteilen, damit in sämtlichen Be- trieben ein einheitliches Vorgehen ermöglicht wird. Hochachtungsvoll Gesaintverbmid der deutschen Metallmdustricllen. H. S ch i in f f, Vorsitzender. lieber die Bestrebungen des Verbandes der Metnllindiistriellen teilt uns ja das Schriftstück nichts Neues mit; daß die Herren Kühncmänner die Maifeier nicht mögen, wissen wir. Daß die Herren aber nun genötigt sind, ihre Kollegen in O st- und W e st- Preußen mobil zu machen, beweist, daß die Maifeier-Jdee trotz der krainpfhaften Bekämpfung durch die Herren Metall- industriellen Fortschritte auch in Gegenden gemacht hat, die in Bezug auf die Arbeiterbewegung bis jetzt immer zu den rückständigsten gezählt wurden. Deutsches Reich. 44 Holzarbeiter der Firma I. u. H. Gchlscn in G I ü ck st a d t find wegen drohender Lohnabzüge in einen Abtvehrstreik getreten. Tic Webcrbcwcgiing im sächsischen Vogtlande nimmt ihren Fortgang, In R e i ch e n b a ch traten am Dienstag 75 Weber und Weberinnen bei der Firma I. Beutler in den Sticik, nachdem im Laufe des TagcS eine Kommission von 6 Webern und 3 Weberinnen ziveimal ergebnislos bei den beiden Chefs vorstellig getvorden tvar. Die Textilarbeiter bei den Firmen Heinrich und Gustav Schönfeld in Crimmitschau sind ausgesperrt. Die Firmen suchen Arbeitswillige, deswegen bitten die Ausgesperrten die Textilarbeiter aller Orten, ihnen die Solidarität zu wahren. Der Streik der Arbeiter in der Schuhfabrik von Liidcc u. Co., Würzen in Sachsen, dauert unverändert fort. Zuzug ist streng fernzuhalten. Ausland. In der Nicholsoufchcn Maschinenfabrik zu Budapest sind die Kesselschmiede und Hüttenbau-Arbeiter infolge von Lohndifferenzen in den Streik getreten. Falls bis Sonnabend keine Einigung erzielt wird, beabsichtigen sämtliche Arbeiter der Fabrik, sich dem Streik an- zuschließen. Die Wcbcranssperrnng in Cnischcde dauert unverändert 'ort. Die Unternehmer suchen in verschiedenen Blättern unter rosigster Schilderung der Arbeitsverhältnisse nach geübten und im- geübten Arbeitskräften. Einen auch nur einigermaßen ansreichcuden Ersatz haben sie jedoch nicht gefunden. Die ca. 2500 Ausgesperrten sind einig und entschlosscii, nicht einzeln, sondern nur auf Grund eines gegenseitigen llebercinkommcuS die Arbeit wieder aufzunehmen. Allgemeine Banarbeitee-AuSspeernng in Siidschwedcn. Der südliche Kreis von„Schivcdens Baumeister-Bereinigung" hat am 21. April beschlossen, an allen ihrem Kreise angehörenden Orten ihre Arbeiter anszusperreu. Die Aussperrung, die ihre Ursache in dem Konflikt in Malinö hat, soll, wenn bis dahin die zur Zeit vorliegenden Differenzen nicht beigelegt sind, Mitte Mai in Kraft treten.— Die Baunntcruchmer in Quedlinburg stellen denjenigen Maurern, welche infolge des Streiks abreisen wollen, folgende „Abgaugs-Zeugnisse" aus: Arbeitgeber-Verbaud des Maurer- und Zimmerergewerbes der Kreise: Ascheröleben. Quedlinburg, Halbcrstadt Stadt, Halbcrstadt Land, Oschersleben, Wernigerode, Blankenburg. Entlassungsschein. Der Maurer..........' aus Quedlinburg hat vom 7. Februar 1902 bis zum 15. April 1902 vci dem Unterzeichneten in Arbeit gestanden, ist auf sciuen Wunsch entlassen, um in den Manrerstreik einzutreten. War Mitglied der Maurer-Krankcn- lasse. Quedlinburg, den 15. April 1902. Ccmentbaugeschäft u. Lager sämtl. Banmaterialen von W i l h'e l in L e h in a n n, Maurermeister, Quedlinburg a. H. Der Ztveck einer solchen Handlungsweise ist klar: Die Unter- nehmer beabsichtigen damit, den Abreisenden Steine in den Weg zu legen. Glücklicherweise wird der Ztveck nicht erreicht. Von 110 in den Ausstand getretenen Maurern haben bereits über 50 auswärts Arbeit gefunden; auch sonst steht die Sache der Ausständigen günstig. Wegen der Eiitlassungsschcinc wollen die Betroffenen gerichtlich gegen die in Frage kommenden Arbeitgeber vorgehen. In Bologna sind 3000 Maurer in den Streik eingetreten, weil die Unternehmer sich weigerten, mit ihnen Ivegen der Ausstellung eines Tarifs in Unterhandlung zu treten. VsvlÄmtnlungen. Eine Versammlung für die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Palmen- und Markartbongnet-Fabrikation tagte am 15. d. M. in den Arminhallcn. Frau Paula Thiede sprach über Mißstände und Ausbeutung der Arbeiterschaft in Industrie für künstliche Blumen nnd legte dar, wie nötig die Organisation sei, um diesen Uebelstäudcn culgegentreten zu köimcn. Von der Firma R»pp u. Hecht war nur ein Vertreter des Chefs, jedoch kein Arbeiter und keine Arbeiterin erschienen; dieser, ein Herr Weiß, sagte, er habe die Arbeiter noch eingeladen, ni i t ihm zu kommen, nun es beiveise die Abwesenheit der Leute, daß alles gut sei und niemand Grund zur Unzufriedenheit bei der Firma habe. Darauf erwiderten frühere Ar- beiter und Arbeiterinnen von Rupp u. Hecht, daß dort durchaus nicht fo rosige Zustände seien, wohl aber sei es die Furcht vor Maßregelung, welche die Leute abhalte, zu kommen; die Erinnerung daran, daß ünf Arbeiter, welche namens der Kollegen im vorigen Jahr bei dem Chef wegen Lohnerhöhung vorstellig wurden, aufs Pflaster flogen, sei es wohl, die sie vorsichtig mache. Anständiger Lohn sei nur bei verantwortlich: Tb- Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiii größter Schufterei zu erlangen. Eine Plätterin war pro Woche aus 6 Mark gekommen und die jungen 14— löjährigen Mädchen bekämen einen Gehalt von 15—20 M. pro Monat. Herr Weiß verließ darauf die Versammlung, welche die Diskussion noch rege weiter führte. Der Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- N«d Krawattenbranche hielt seine Versammlung bei Schulz. Grcnadierstr. 33, ab. In derselben sprach Waldeck Ma nasse über:„Der 1. Mai und seine Bedeutung". Von einer Diskussion wurde abgesehen, da dieselbe die Wirkung des Vortrags nur abschwächen konnte. Sodann verlas der Kassierer den Vierteljahrcsbericht, welcher eine Einnahme von 2154,66 und eine Ausgabe von 1061,36 aufwies. Es blieb mithin ein lleberschuß von 1093,30 M. Ueber die Frage: Wie feiern wir den ersten Mai? entspann sich eine längere Diskussion, an welcher sich T r i n k s, Frau Hanold.Erie', Ziempke und Stanofsky beteiligten. Es wurde beschlossen, keine eigne Versammlung ab- zuhalten, sondern sich an der Versammlung der Bekleidungsindustrie zu beteiligen. Unter Verschiedenem wurde der Antrag Stanofsky: jedes arbeitende Mitglied zahlt einen freiwilligen' Beitrag von 25 Pf., angenommen. Die Droschkenkutscher vollzogen in öffentlicher Versammlung in den Apollo-Sälen die Neuwahl der Agitationskommission. Den Bericht der abtretenden Kommission erstattete Becker. Nach diesem hat dieselbe neun Sitzungen abgehalten, welche hauptsächlich der Besprechung der Regelung des Klebeshstems zum Streikfonds, der Maifeier, der Stellungnahme zu den Streiks der Glas- arbeiter, Schuhmacher und Tabakarbeiter, der Arbeitslosen- zählung, der geplanten Lohnreducicrung der Fuhrherren und andren wichtigen Angelegenheiten gewidmet waren. In die neue Agitationskommission wurden Becker, O. Müller. Helm, Frauke, B a h r s ch, Freund, Kant. A. Schulze, Köhlert, Pawelski, Seile, Ka scher und Bau- m a n n, zu Revisoren Westphal, Ulrichs und Feurig gewählt. Der von Becker sodann gestellte Antrag:„Die Ver- sammlung wolle beschließen, daß der Bestand des Sircikfonds dem Verein der Berliner Droschkenkutscher überwiesen wird. Jedoch muß der Streikfonds getrennt vom Vermögen des Vereins verwaltet werden und' dürfen Gelder ans dem Streikfonds nur zur Agitation und zur Slreikuntcrstützung verwendet werden", wurde widerspruchslos angenommen. Der Antrag auf Ermäßigung des ivöchentlichcn Beitrags zum Streikfonds wurde dagegen abgelehnt und der bisherige Satz von 10 Pf. pro Woche beibehalten. Nachdem im weiteren die Aufgaben dcrHofvertrauenSmänner zur Erörterung gelangt waren, stellte Köhler den Antrag, den l. Mai im ansgedehntcsten Maße durch Arbeitsruhe zu feiern. Maimnrken drucken zu lassen und dieselben nach Kräften umzusetzen, um dem Agitationsfonds neue Mittel zuzuführen. Die Bersammlnug beschloß, den l. Mai in größt- möglicher Weise durch Arbeitsruhe zu feiern sowie Maimarkcn drucken zu lassen und in Umsatz zu bringen. Diejenigen Droschkenkutscher, welche am 1. Mai nicht in der Lage sein sMten, die Arbeit ruhen zu lassen, wurden verpflichtet, einen Teil ihres Tagesverdienstes an den Streikfonds abzuführen. FricdrichShagc».„Unter dem Socialistengcsetz" lautete das Thema, über welches Rcichstags-Abgeordneter Bernstein im hiesigen Arbeiter-Bildungsvcreiu am 19. d. Mts. referierte. Er schilderte den Mitgliedern in launiger und ernster Weise die Thätig- kcit und die Gefahren während des Socialistengcsetzes; wie dann endlich nach großer Mühe der„Socialdcinokrnt" eine Auflage von 4000 erreicht hatte und er nach London an Engel s berichten konnte, daß jetzt das Blatt ohne Unterstützung weiterbestehen könnte. Engels schrieb voller Freude, daß dies kaum glaublich.wäre und so ctivas die Geschichte noch nicht kannte. Die Eiuschinuggelnng der 4000 Exemplare in Käse und Kuchen erklärte er für Märchen; diese Anzahl repräsentierte schon eine große Kiste, die man nur in dunklen Nächten über die Grenze gebracht. Er wies auch nach, daß die Partei in ihren Forderungen keineswegs zurückgegangen ist, sondern weit eher revolutionärer wird. Unter anderm führte er auch die beiden letzten Reden von Johann Most an; die vorletzte behandelte das Arbeiter- schntzgesetz fzchnstündige Arbeitszeit) und die letzte Rede tvar über Stempelung von Gold- und Silberlegierung, also Dinge, über die wir heute längst hinaus sind. Reicher Beifall lohnte den Redner und widerlegte somit seine anfänglich gehegte Befürchtung, daß das Thema»ich: mehr zeitgemäß iväre.— Nachdem noch für die Gc- nosfen in Belgien vorläufig 20 M. bewilligt worden, machte Sonn en bürg auf die am 1. Mai stattfindende Versamnilung bei Lerche(Rundteil) aufmerksam, in welcher Frau Ihrer referieren tvird._ Letzke und Depeplsxen. Frankfurt a. M.. 24. April. sW. T. B.) Der„Frankfurter Zeitung wird aus Bern gemeldet: Der Bundesrat hat den italienischen Anarchisten Morands aus Vidigulfo sPavia) wegen anarchistischer Propaganda aus der Schweiz ausgewiesen nnd über den Simplou nach Italien bringen lassen. Moraudi hatte sich, mit einem italienischen Auslaudspasse versehen, im Kanton Wallis aufgehalten. Brüssel, 24. April.(B. H.) Auf der Tagesordnung des am 4. Mai hier tagenden außerordentliche» Tocialistcnkongreffes stehen die Beratungen über das allgemeine und gleiche Stimmrecht, ie über die am 25. Mai stattfindenden Wahlen. Rom, 24. April. iW. T. B. Senat. Bei Beratung der Jntcr- pcllationen über die innere Politik des Kabinetts rechtfertigt der Minister des Innern G i o l i t t i in längerer Rede das Verhalten der Regierung gegenüber der Arbeiterbe tvegung und vergleicht dabei die Vorgänge in Belgien und Rußland mit denen in Italien. Den Anarchisten gegenüber lhue die Regierung voll ihre Pflicht, das bewiesen die getroffenen Maßnahmen. Was die Bewegung unter dem Personal der Eisenbahnen betreffe, so habe sich die Regierung das Ziel gesetzt. Die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten nnd zugleich diesem Personal Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Streiks in öffeut- lichen Betrieben könnten von keiner Regierung gutgeheißen werden. Wollte man, wie ein Redner gewünscht hatte, die Arbciterliguen auf- lösen, so wäre dazu ein Gesetz nötig, und man müßte auch gegen die viel stärkeren und gefährlicheren klerikalen Vereinigungen vor- gehen. Der Minister schloß seine nnt lebhaftem Beifall aufgcnonimeiie Rede, indem er hervorhob, daß unter der Führung seiner populären und liberalen Monarchie das Land sich in wahrem Fortschritt befinde. London, 23. April. Ja, sie werden es später, wenn sie sich einer gesundheitsschädlichen Beschäftigung hin- geben. Zum Schluß bestreitet Redner, daß im Kreise Sonneberg menschemlnivürdige Zustände herrschen. Abg. Nöllinger(Elf.): Mit besonderer Genugthuung wird der Entwurf in Elsaß-Lothringen begrüßt, und es ist erfreulich, daß die Vertreter der verschiedensten Parteien sich so günstig über die Vor-. läge ausgesprochen haben, die auch im Interesse der geistlichen Bildung i»id Erziehung der Kinder notwendig ist. Es ist richtig, wenn die Vorlage einen Unterschied zwischen eignen und fremden Kinder« macht. Ter Staat soll nicht in ungerechter und verletzender Weise in die inneren Familienverhältnisse eingreisen. Die Kontrolle durch die Polizei- Organe ist nicht angebracht. Die ländliche Kinderarbeit ist anders zu beurteilen als die gewerb- liche. Es ist doch ein Unterschied, ob man in Gottes freier Natur lebt oder in dumpfiger Werkstatt. Wir stimmen der Ucberlveisimg der Vorlage an eine Kommission von 2l Mitgliedern zit. Abg. Gamp(Rp.): Eine Reihe von Irrtümern in der Be- urteilung landwirtschaftlicher Verhältnisse, die den socialdem akratische n Rednern und Herrn Zwick unter- laufen sind, zwingen mich das Wort zu ergreifen. Ich habe niemals die � Ziele und Zwecke der Volksschule beeinträchtigen wollen, wie Herr Wurm behauptete. Im Gegenteil, ich habe auf den Zustand in Schleswig- Holstein mit Anerkennung hingewiesen, wo die Knaben und Mädchen bis zum 16. Lebensjahre die Volksschule besuchen und nur vom 13. Lebensjahre an im Sommer zu leichten landwirtschaft- lichen Arbeiten dispensiert werden dürfen. Auch habe ich befürwortet, daß die Ferien der Volksschule möglichst in die Zeit verlegt werden, wo die Kinder zu landwirtschaftlichen Arbeiten gebraucht werden. Von einer Schädigung der Gesundheit der Kinder durch die Arbeit auf dem Lande kann keine Rede sein. Nach der Volkszählung von 1895 stellt Ostpreußen mit zwei Millionen Einwohnern 13 350 Rekruten, Brandenburg mit 4Vz Millionen Einwohnern nur circa 17 000. (Hört I chöri! rechts.) Die Großgrundbesitzer haben mit der Kinderarbeit überhaupt nichts zu thun. Wenn Sie(zu den Socialdemokraten) das nicht wissen, beweist das nur Ihre Unkenntnis auf landwirtschaftlichem Gebiete.(Sehr richtig! rechts. Zurufe bei den Socialdemokraten: W i r haben j a d a s G n t n o ch n i ch t!)— Ja ich weiß nicht, ob das Gerücht auf Wahrheit beruht, wona.., die Socialdemokratie den Betrag, den die Mitglieder in der Zolltarifkonimission als Diäten bekomnien, zum Ankauf eines Gutes benutzen wollen.(Große Heiterkeit.i Ich würde das für sehr nützlich halten. Mein Gut stelle ich Ihne» nach wie vor zur Verfiignng. Nur muß es einer von Ihnen selb st bewirtschaften, sonst erreichen wir ja nicht den beab- sichtigten Erfolg, daß Sie klüger werden.(Große Heiterkeit rechts, Rufe bei den Socialdemokraten: Nur her damitl) Ja, meine Herren, in der Tasche habe ich es natürlich nicht,(Große Heiterkeit.) aber Sic sollen es bekouimen, jeder Zeit, ein Mann» ei» Wort.(Erneute große Heiterkeit.) Es giebt große Bezirke, wo kein Großgrundbesitzer ein Kind beschäftigt. Es kommt nur vor. daß zur Zeit der Kartoffelernte die Arbeiter ihre Kinder mitnehmen, ohne aber dazu ver- pflichtet zu sein. Was das R ü b e n z i e h e n anlangt, so weiß ich, daß in einzelnen Orten sich die Kinder geradezu nach dieser Arbeit reißen.— Die H ü t e k i n d e r sind beim Kleingrnnd- befitz ganz unentbehrlich. Außerdem ist ihre Arbeit mit der Be- schäflignng in Fabriken gar nicht zu vergleichen. Bei mir haben einige' Kinder Gänse zn hüten. Sie amüsieren sich bei dieser Arbeit sehr gut und ihre Gesundheit wird durch die frische Luft nur gefördert. Die Knaben lesen Geschichten von Gustav Meritz aus meiner Volksbibliothek, die Mädchen stricken. Daß die älteren Hütemädchen sich jedem rückhaltlos preisgeben, ist eine frivole Verleumdung. Die Mädchen sind ja nur bis zum 12. Jahre beim Hüten beschäftigt. Ebenso frivol und gemein ist die Behauptung, die Herr Dr. Zwick citiert hat, daß die Aufseher der K i ii d e r auf den Domänen nicht sitt- I i ch zuverlässig sind.(Zuruf deS Abgeordneten Reißhaus.) Sie sind doch nicht Herr Zwick! Und Herr Zwick hat es auch nur citiert aus dem Buche eines Lehrers.—(Redner blättert in seinen Notizen.)— Da« ist der Agahd— na»atttrkich.> (Große Heiterkeit.) Er kennt vielleicht einen Fall, aber ein« derartige Generalisierung ist absolut unzulässig. Daß die sittlichen Verhältnisse nicht überall gut sind, will ich zn- geben. Aber in der Stadt sieht es ebenso schlimm aus. (Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Nun, dann fangen Sie doch an, wo es am notwendigsten ist. Die Landwirtschaft ist nicht in der Lage, die Lasten zu tragen, die mit der Beseitigung der Kinderarbeit verbunden sind. In der Frauenarbeit herrschen i auf dem Lande fast ideale Zustände. Warum lachen Sie,< Herr Abg. N e i ß h a u S, liegen die Verhältnisse so oder nicht— sehen Sie, Sie müssen eS zugeben. Die Angriffe auf die Land- Wirtschaft waren also durchaus unberechtigt.— Dem Grafen Posa- dowSky kann ich schließlich in seiner Lobrede auf die Volksschullehrer nur beistimmen. Wir kommen mit unsren Lehrern sehr gut aus. (Bravo I rechts.) Abg. Rettich(k.): Ich will gegenüber dem Abg. Wurm mir feststellen, daß in ganz Mecklenburg Kinder zum Rüben- ziehen nicht herangezogen werden. Zugegeben ist, daß die Beurlaubung der Schulkinder zum Hütedienst ei» U e b e l- st a n d ist. Er wird aber nicht so leicht zu beseitigen fei». WaS die Einbeziehung der ländlichen Kinderarbeit in das Gesetz anbetrifft, so bestreite ich, daß das Reich überhaupt kompetent ist, diese Frage von sich aus zu regeln. (Bravo! rechts.) Abg. Dr. v. Jazdzewski(Pole): Wir begrüßen die Vorlage als einen ciftciilichcii Fortichritt. Bei uns wird die Beschäftigung der Kinder nur erlaubt, wenn dazu die Geiiehmiguna des Schulinspektors eingeholt ist. Die sittliche» Verhältnisse auf dem Lande stehen unendlich höher, wie in den großen Städten. Das Züchtigungsrecht wird bei uns auf eine so unrecht- mäßige Weise' in der Schule ausgeübt, daß die Kinder auch auf diesem Gebiete Schutz verlangen. Dieser Schutz wird ihnen von feiten der Staatsanwälte und Gerichte nicht gewährt.— Mit der Ueberweisting an eine Kommission sind wir einverstandeii. Abg. Dr. Stölkee(wildk.): Fast von allen Parteien wird der Gesetzentwurf als ein Fortschritt begrüßt. Die unpassenden An- griffe einzelner Redner und das Geschrei von Wuchertarif gehört nicht Hierher. Die Tuberkulose hängt mit der Kinderarbeit am wenigsten zusammen. Die Tuberkulose wird vielmehr durch schlechte Wohnung und ii n g ü n st i g e s Klima begünstigt.(Zuruf bei den Socialdemokraten: s ch I e ch t e E r n ä h r n n g!> Gewiß, aber die beiden andren Momente sind mehr ausschlaggebend. In England, wo die Bauspeknlation nicht so überhand genommen hat, sind die Arbeiter viel gesünder. Aber von Häuser w u ch e r hört man bei uns fast nickts.(Widerspruch bei den Social- demokraten.) Jedenfalls viel weniger als vom Brolwucher.— Herr Reißhaus stellte es als Verdienst der Socialdemokratie hin, daß sie bereits 1877 das Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren gefordert hat. Ich halte es nicht für verdienstlich. Unmögliches zu fordern, das sieht mehr nach Agitation aus.(Unruhe links, sehr richtig rechts.) Ich verstehe nicht, warum man jetzt die H e i in a rb e i t verbieten will, wo in den Schulen der Haiidfertigkeitsunterricht eingeführt wird.(Abg. Bebel: Das ist ein g r o ß e r II n t e r s ch i e d!) Ich mache bei diesem Entwurf einen Unterschied zwischen gewerb- licher und landwirtschaftlicher Kinderarbeit. Auf dem Gebiete der gewerblichen Kinderarbeit sind die Uebelstände sehr groß, bei der landwirtschaftlichen Kinderarbeit aber sind sie nur h* e r und da vorhanden. ES ist noch»jcht der Beweis gefiihrt, daß auch auf dem Laude ein Notstand vorhanden ist. Ich ivac eine Zeitlang Kreisschnl- Inspektor in einer Rübenzucker- Gegend habe aber von e i» c in s o I ch e n N o t st a n d n i ch t s g c- in eckt.(Lachen bei den Socialdcmokr.) Das hätte doch zu meiner Kenntnis kvnnneji»»'issen! Sie(zn den Socialdemokratcn) wissen nicht, wie diese ländliche Arbeit mit dein ländlichen Familienleben znsannnenhnngt, nnd wie einesteils zivar die Not, dann aber auch die F r e n d c an der Arbeit dazu führt, die Kinder in die Arbeit e i n z n st e l l e n.(llimihe bei den Social» demokraten.) Die Herren haben gar keine Ahnung davon, welche Freude es z, B. für die Landkinder ist, Kartoffeln„anSzu- mache n(Zuruf bei den Socialdemokratcn,) Gctvist, vom Morgen bis zum Abend! Da macht man ein Feuer an, nnd dann werden die frischen Kartoffeln gebraten. (Anruf bei den Socialdcinokraten: Sie haben das nicht gesehen!) Gewiff habe ich das gesehen.(Zuruf bei den Social» d e in o k r a t c n: Aber nicht mitgemacht!j Gewif; komme» auch Falle vor, wo die Schulkinder unter der landwirtschaftlichen Arbeit körperlich nnd geistig leiden. Es sind aber die Großbetriebe in der Landivirtschaft lange nicht so auf die Kinderarbeit angewiesen, wie die kleineren und mittleren Betriebe, die keine erwachsenen Kräfte niehr bezahlen können. Bloße Enqueten von Lehrern, so tüchtig sie sein mögen, geniigen nicht, um uns ein klares Bild der Verhältnisse zu geben. � Der schwierigste Punkt ist die Kontrolle. Es besteht dabei die Gefahr, daß die Kinder zu D e n u» z i a t i o n e n gegen ihre Eltern verleitet werden. Wenn man die Lehrer an der Inspektion teilnehmen lassen will, so sollte man dieser Beteiligung eine gesetzliche Grundlage geben, damit die Lehrer nicht dem Ödinm ausgesetzt sind, daß sie ans freien Stücke» die Leute ausspionieren und anzeigen. Ich möchte bitten, daß man diese schwierige gesetzliche Materie ohue Vorurteil und ohne Gehässigkeit auffasse. Es ist das erste Mal. das wir in dieser Weise in die heiligsten Rechte der Familie eingreifen.(Beifall rechts,) Abg, Müller-Rndolstadt(natl,): Wer die großartig entwickelte Hausindustrie des Meininger Oberlandes kennt, ivciß, daß dort auch ganz besondere M i ß st ä n d e b e st e h e n. Diese Haus- industrie, die in Sonncberg den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht hat, erstreckt sich auch auf zahlreiche kleine Dörfer, Gewiß ist mancher tüchtige Glasbläser aus dieser Hausindustrie hervor- gegangen, aber sie hat dow mit der Zeit recht große Miß- st ä n d e gezeitigt. Das Gesetz wird jedenfalls uusrer Industrie nur Nutzen bringen.(Bravo!) Abg, NeisihanS(Soc,): Herr Stöcker warf uns Uebertreibungcn vor. Meine früheren AuSführnugen über die Sonncbergcr Spiclivarcn-Judustrie sind aber vollständig von dem Beanftragten der S o u n c b e r g e r Handelskammer bestätigt worden. Die Verhältnisse dort sind eben so traurig, daß sie gar nicht übertrieben werden köiiuen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokratcn.) Herr Stöckcr nieinte, der Wuchertarif habe mit dieser Sache nichts zu thnn. Bc- greift Herr Stöckcr denn nicht, daß. ivenu den Eltern der Brot- korb höher gehängt wird, sie gezwungen werden, ihre Kinder noch mehr zur Mitarbeit heranzuziehen?(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten,) Herr Stöckcr warf»ns vor, wir hätten kein Gefühl für das idyllische Leben auf dem Lande. Eine gewisse Gefühls dnselei ist uns ja allerdings abhanden'gckoinmcn, dafür baben wir aber ein sehr starkes Mitgefühl mit de» Kinder», die unter solchen Mißständen zu leiden haben, Herr Gamp erzählte uns ja von einem solchen Idyll, wie auf seinem Gut die Gänse hütenden Knaben Bücher lese». Ich möchte diese lesenden Hirtenknaben und-Mädchen einmal sehen; die würden bei erster Gelegenheit davongejagt werden,vie sie in Mecklenburg durch die Landcsgesetzgebnug ermöglicht worden sind, entgegengearbeitet lverde.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg, Stöckcr(wildk.) polemisiert gegen den Abg. Rcißhaus. In der landivirtschaftlichen Kinderarbeit gäbe es gewisse Notstände; diese seien aber nicht so groß, daß sie allgemein empfunden sind. Das schlinimste, was geschehen könne, sei, von Einzelfällen auf allgemeine Zustände zu schließen, Hiermit schließt die Diskussion. Der Gesetzentwurf geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr(3, Zestmg der Scemanns-Ordnnng und des Schaumwein- steuer-Gesetzes.) Schluß 53/i Uhr,_ Die Zolltarif- Kommission setzte am Donnerstag die am Tage vorher abgebrochene Diskussion über die Positionen 145— 147(Bcttfcdcrn, Vogelbälgc) fort. Die Socialdemokratcn beantragen Zollfrcihcit. G 0 t h e i n(frs. Vg.) beantragt für B e t t f e d e r n. roh— Zollfreiheit, „ gereinigl oder zugerichtet einen Zollsatz von 50 Pf, Molkenbnhr(Soc.) beniängclt, daß gereinigte Bettfedern mit demselben Zollsatze belastet seien wie ungereiiiigte. Das heiße doch die Fcderreiiiigiings- Anstaitcn des Auslandes protegieren gegenüber der heimischen Bcttfcdcrn- Industrie. Das einzig richtige sei Zoll frciheit. Gothcin(frs. Vg.): Wolle man nicht den Schlaf besteuern (Heiterkeit), so möge man Betlfedern zollfrei lassen, Ministerialdirektor Wcrmnth macht vertranlichc Mitteilungen, Paasche(natl.) steht grundsätzlich auf dem Standpunkt von Molkenbnhr und Gothcin, will aber ans handelspolitischen Er wägungen für die Vorlage eintreten in der Erwartung, daß vci de» Handelsverträgen sich für alle Bettscdcrn Z 0 l l f r e i h e i t ergeben werde, Müllcr-Sagan(fr, Vp.) beantragt für Vogelbälge im Interesse des Schutzes der heimischen Singvögel Zollfreiheit. Unter Ablehining aller Anträge werden die Sätze der Regie- rnngS-Vorlage angcnoiuinc». Position 160 legt auf Mehl, gebrannt oder geröstet: aus Gc- treibe, niit Ausnahme von Hafer, ans Malz, ans Reis oder Hülsen- früchten einen Zollsatz von 13,50 M,(bisher 10,50 M,), aus Hafer einen solchen von 16 M,(bisher 10,50 M.) Position 162 sieht für Graupe», GricS und Grütze aus Getreide. auch RrtsgricS einen Zoll von 16 M, vor(bisher 10,50 M,). Position 163 setzt für sonstige Müllcrci-Erzcngnissc: ans Getreide mit Ansuahme von Hafer einen Zoll von 13,50 M,(bisher 10,50 M>. aus Hafer einen solchen von 16 M.(bisher 10,50 M.) fest, Eine Ainnerkunq zu diesen drei Positionen bestimmt, daß der Bundesrat befugt ist, für bestimmte Grenzstrecken im Fall eines örtlichen Bedürfnisses die zollfreie Einfuhr von Müllerei-Erzeugnissen — mit Ausnahme von Reisgries und von gewalztem Reis— in Mengen von nicht mehr als 3 Kilogramm, nicht mit der Post ein- gehend, für Bewohner des Grcnzbezirks nachzulassen. Hierzu beantragen: 1. Herold(C,), v, Kardorff(Rp,), Dr, Paasche(natl.) und Graf v. Schwerin- Läwitz(k.) sKoinpromißautragj für alle drei Positionen unterschiedslos einen Zollsatz von 18,75 M. Au- iiicrkimg wie Regierungsvorlage, 2, Gothen,(frs, Vg.) für Mehl, Gries, Grütze aus Getreide mit Ausnahme von Hafer das Zweieinviertelfache dcS WcizenzollS: aus Reis einen Zollsatz von 10,50 M.; aus Hülsenfrüchten das Zweieinhalbfache des Zolls auf Hülsen- fruchte; für Graupen aus Getreide das Zweieinhalbfache des Gersten- zolls: für sonstige Müllerei-Erzeiignisse: aus Getreide, mit Ausnahme von Hafer, daS Zlveieinviertclfache des Zolls auf Rohmaterial; aus Hafer das Dreifache des Haferzolls. 3. Antrick u, Gen,(Soc.) Zollfreiheit. Eventuell die Anmerkung wie folgt zu fassen: Mühlenfabrikate(mit Ausnahme von gewalztem Reis oder von Reisgries) in Mengen von nicht mehr als 3 Kilogramm für Be- wohner des Grenzbczirks, vorbehaltlich einer im Fall eines Miß- brauch? örtlich anzuordnenden Aufhebung oder Beschränkung der Begünstigung, bleiben zollfrei, Herold(C.): Um das Zustandekommen des Zolltarifs nicht noch durch Aufwerfen weiterer Streitfragen zu erschweren, verzichte er darauf, für die Produkte der Müllerei diejenigen Mindestzölle zu fordern, die aus der Relation zu den Mindestsätzen für Getreide sich ergeben würden. Fischer-Sachsen(Soc.) verteidigt den Antrag auf Zollfreiheit. Die geforderte Erhöhung der Mehlzölle beweise, daß es auch bei den Kornzöllen auf eine Berteueruna des Brotmehls abgesehen sei, was von den Agrariern wahrheiiswidrig bestritten werde. Gothcin(fr. Vg) iveist auf die ungünstige Lage der Mühlen- industrie hin, die ihren Grund in dem Sinken des MahllohncS habe. Durch Schutzzölle sei da nicht zu helfen, denn die Müllerei sei in so viel Betriebe zersplittert, daß eine Ausnutzung des Schutzes durch 5lartellieriiiig ausgeschlossen sei. Die Notlage der Müllerei rühre von der Unterbindung der Mehlausfuhr her. Geheimrat Johannes bekämpft die vom Abg. Gothein be- antragte Erhöhung des Zolles vom handelspolitischen Gesichts- punkte aus. Ministerialdirektor Wcrmnth giebt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß der Abg, Gothein für Mehl indirekt das von ihm sonst bekämpfte System der Minimalzölle einführen wolle, Gamp(Rp.) hofft, daß Abg. Gothein seiner Liebe für Mindest- zölle auch weiter treu bleiben werde. Gothein(frs, Vg.) ändert seinen Antrag dahin ab, daß er unterschiedslos bis auf Hafer die Relation 2�/10 und für Hafer die Relation 2yli einsetzt. Den Voiwnrf, er wolle Mindestzölle ein- fuhren, müsse er zurückweisen: ihm komme es nur auf ein festes Verhältnis zwischen Fabrikat und Rohstoff an. Hierauf wird ein Schlußautrag angenommen. Die Sätze des A n t r a g e s Herold werden angenommen. Die Positionen 164/5(Fette, Oele) werden zusammen beraten. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Stadthagc»(Soc.): Der allgemeine Grundsatz, daß Rohstoffe, die in Deutschland nicht erzeugt werden können, zollfrei bleiben müssen, ivird hier verletzt. Die hier genannten Oele dienen für viele Industrien als Rohstoffe. Die Oelcinfuhr ist zurückgegangen, Die Ausfuhr dagegen ist sehr groß. Es liegt kein Gmud vor, die Sätze, tvie es in der Regierinigsvorlage geschieht, von 9M, auf 12 M, zu erhöhen, Bauiuwollsaincn-Oel wird im Zoll erhöht, weil Speisefett erhöht ist, Baumtvollsamen-Oel wird aber nur zum geringen Teil zu Speisen gebraucht, der größte Teil des eingeführten Baiimwollsamen-OelS wird zur Seifcnfabrikation gebraucht. Holzöl. welches aus China eingeführt wird, kann in Deutschland nicht ge- wonnen werden, ist aber bei der Lackfabrikation unentbehrlich. Gothcin(frs, Vg.) begründet seinen Antrag, den Zoll auf Rapsöl und Rüböl statt auf 12 M, auf SM,, auf Baumwollsamen-Oel statt auf 12,50 M. auf 10 M. und auf andres fettcS Oel statt auf 10 M. auf 9 M. zu bemessen. Die Weiterberatung wird auf Freitag 9 Uhr vertagt. Schrifte»»-Eingattg. Eiseiilndnsirle, Zolltarif lind Ausiciihaudel. Ein praktischer Bei- trag zur Wirtschaftspolitik nach Jnformattoncii auS Industrie- und Export- kreisen von Dr, der StaatSwiffcusch, Engen Moritz, Berlin 1M2, Franz Siemenroth, Die aincrikanische Gefahr von Dr, Thomas L e n f ch a u, Berlin 1902. Franz Sieiiieurolh, Robert Seidel, der Achtstundentag, zweite Auflage und eine Maisest- Postkarte, Verlag von Nich. Lipiuski, Leipzig, Langestr, 27, SÄtttiriiiinöübcrllch« vorn 24. April lilUL. morgen« 8»Hr. Biene», Prognose für Freitag, den 25. April Il>»S. Mild, jedoch vielfach wolkig bei schwachen südöstlichen Winde«: erheblichen Niederschläge. I -2 11 11 keine JeMer HchMtiter-Verblinh. <2kIr»I>I»toIIe Berlin.) Heute, Freitagabend 8V2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Eiigel-Ufer Nr, 15: Sitzung der Orts-Verwaltnng. AAiiiis! Einsetzer. AMm! Sonntag, 27. April, vormitt. 10 tthr, im GetorrkschaftShanS, Engel-Nfer 15, Saal Nr, VUI,: IDeiVammlmta."HW Tages-Ordnung'. 1 Stellungiiahnie zum 1, Mai. 2. Verschiedenes, Bio KontroIIliomnilasloii. Achtung! ,♦! Achtung! 82/13 MF" Drechsler. Sonnabend, 26. April, abends S1/-»Hr. im Gcwerkschaftshanö, Zimmer 10: Sitzung der Kon»mission. Sonntag, 27. April, vorm. 0>/s Uhr, im GctverkschaftöhauS, Engel-Ufer 15. Saal V; �3r Branclieii-Versaininlang der Jaloufle-Arbetter und-Arbeiterinnen. Tages-Ordnnng: _ 1. Die Maifeier, 2. Branchenangelegenheiteii, AM- ES wird hiermit jedem in der Branche beschäftigten Arbeiter, sowie jeder Arbeiterin zur Pflicht gemacht, in dieser Versamiiitililg zu er- scheinen,_ Die Branchcnvertrctung. Central Krankenkasse der Manrer „Gruildstein zur Eiuigkeit". Sonntag, de» 27. April, vormittags 10 Uhr, Jnsclstr. 10: DM" Vevssiinnlniig"HW Tages-Ordnung: 1. Kassen- und Revisionsbericht vom ersten Quartal, 2, Neuwahl dcS Kassierers, S, Kassenangelegenheiten, DM- Mitgliedsbuch legitimiert, Die OrtSTerwaltana. 149/3* Am Sonntag, den 27. April, mittags 12Vi Uhr, bei Schnlz, Grenadierstrabc 33: OeffentlicheBerfammlnug. Alle Kollegen, welche eine Neu-Organisatio» erstreben, sind hierzu ein- geladen, Referent und Tagesordnung wird in der Bcrsammliing bekannt egebe»,_[21576]_ Der Elnlicrufer. rui Cirkus Renz-Konzert-Tunnel Karlutraatte. Wochentags 7 Uhr, Nur erstklassige Dlreklion: Sonntags 5 Uhr, Spsclslttzätzsn. J. 31. II litt. Jeden Sonnabend nach der Voratellung; Tunz ohne Nachzahlung für Hüte auszugeben, man erhält auch zu billigen Preise» gute Sachen, wenn man die richtige Bezugs- quelle keimt,[35192* Knabenfll2hUteO,75— 3 M. HerrenfllzhUte, weich 1,75—5,25„ steif 2,00-5,25. Cyllnderhüte 4,00-12,00, Chapeaux claquea 7,00-10,00„ im Enizelverkauf bei Arnold& Eggert Hiit-EngroS-Geschäft Waldeinarftr. 44, Part,, Kein L/aden. A. Hartin's Restaurant Werder a./H., Kugelweg 58. Empfehle den geehrten Vereinen, Klubs und Parteigenossen bei Aus- fliigeu nach hier meine Lokalitäten zur sreunoliche» Berücksichtigung, Täglich:«»»'«»«e« Drei, estrloil-Knnzert.— Speisen und vorzügliche Frnchiweine zu civilen Prerseu, 3g9öL� Zu freundlichem Besuch ladet ergebenst ein A. Bartio. Vcrn-altnngsstclle Berlin. Sonntas, den 27. April, Im Getvcrkscliaftnliause, Engel-Ufer 13(erosHcr Saal) Wilhelm Busch- Abend Elchtbüdcr-Vortrafir, gehalten vom Kollegen Villi, Rex, Anfang Punkt 7 Uhr, Eintritt einschlichlich Tanz 25 Pf, Billets sind bei den Kollegen Otto Meyer, Engel-Ufer 15(Bureau) und E, T r a u t v e t t e r, Krautstr, 28, HI, zu haben, Der Vorstand. Ceilteal-SMktn- n. Sterbe- Kujse der Tischler ic. u. andrer gewerblicher Arbeiter, (E, H.-K, Hamburg Nr, 3) Verwaltung Berti» v, Moabit, Sonntag, den 27. April, vormittags 10 Uhr in A Krens Brauerei, Tiivmftr. 25/26 182/3 MltMtt-Btchmlttililg. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quartal, 2. Kasseuaiigelegenheiten, Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Die Ortsverivaltniig. *>> fleiren-Vorfti*3" Carl BrnckliofT, Fried richstr, 10, über:„Die sogciiauiiten unheilbaren Mäunerleideu" Freitag, den 25, April, abends i/.OUHr, imMarkgrafcii-Kasiiio, Martgraseustrabe 83, Nur für Herren! Eintritt srci!_[2144b Chnvlotkettbuvtt. JI. Sclimcrbere[38112* Wilmeradorfer-Straase 127, Uhrmacher und Woldarbeiter. Grobes Lager von Uhren und tjioldivueen zu äubcrst billigen Preisen, Optlache Arlikel. Ohrlöcher werden schmerzlos gestochen Sonntag früh l/27»hr Kottbiiser Brücke Mittenwalde, Teupitz, Wendisch-Buchholz, zurück überKönigs-Wuftcrhaiisen. Gcsamtfahrt 118 Kilometer, Mittags V.« tthr Schtcsische Brücke Eichwaldc(Mendt).— Aehtunzr! Montag, den 28» Abends SV,»hr findet in den Uornssia-SUlcn, Arterstr. 6 7 eilte koiiibiiiierlc Belsammlung statt zwecks Neiwominierimg der Kan- didaten zum Bundestag nnd Wahl der Wahlkommisston, Es ist Ehren- Pflicht der Mitglieder, zu dieser Ber- sammluiig zu erscheinen! 11/7 iviiillöiiidökz.?ziilsklzl!ll«zkeii-fz>>rlll J I-NNIVV, Tübingen. päpier-)feft„Hxcelsipr 80 Ütui-A. aO— 150 mm Mk. 5,90 fi-anco Nachnahme.• Fahrräder rrstkl,, auher- ordentl, billig, gesahr, spottd, a, Teilz Ska- lttzcrstr. 125 »»SM» Für dr» Jnlinlt der Inserate «deriiiliinit die Redaktion dein Piibliknm gegenüber keinerlei _ Bei antwortnng._ Thenkev. Freitag, den 25. Sl p r i I. vpernhanS. Der Waffenschinied.— Phantasten iin Bremer Rats- kellen Aiifang 7>/z IIHi� Tchnnspiclhanö. König Heinrich der Vierte. Anfang?>/, Uhr. Neues Opern- Theater tKrollf. Da Navamliss.— Galathee. Anfang 7i/2 Uhr. Schiller. Die Romantischen. Hier- auf: Hexenfang. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang 7'/, Uhr. verliner. Der bestrafte Bnidermord oder: Prinz Hamlet ans Däne- mark. Anfang 71/, Uhr. Lessing. Dnse-Gastspicl. Francesca da Rimini, Anfang 7'/, Uhr. Weste». Lilli Lehmann- Gastspiel. Figaros Hochzeit. Alis. 7'/, Uhr Residenz. Einquartierung. Ansang 7V- Uhr Neues. Gastspiel des Pariser Ensembles vom Thentre du Palais Royal. Ill'arnour. An sang 71/2 Uhr. Central. Das süße Mädel. Anfang 7t/2 Uhr. Thalia. Sein« Kleine. Ansang 71/2 Uhr. Nellc-Zllliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7-/2 Uhr. Luisen. Bei Neumanns. Unsre Männer. Ansang l1/, Uhr. Carl Weist. Hannemann vom Viehhof und der kleine Cohn. Ansang 8 Uhr. Friedrich-WilhelmsiädtischeS. Don Carlos, Infant von Spanien Ansang 71/2 Uhr. SeeessionSbuhnc. Detlev Lilien crons Viuiles Brettl. Ansang 8 Uhr. E. p. Wolzogens Buntes Theater (Uebcrbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall n»d Ranch. Serenissimus Zwischenspiele.— Striudbcrg Cyllns. Anfang L'/z Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstestung Ansang 8 Uhr. Eharivari. Täglich Vorstellung Aufang 8 Uhr. ivletropot. Unsre Don Juans Anfang 8 Uhr. »Ipollo. Lysistrata. Specialitäten Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialllälett-Vorslcllnng Eine Nacht im Ballhaus. An sang 8 Uhr. Casino-Thcatcr. Berlin ans Stelzen Specinlitäten- Vorstellung. An sang 8 Uhr. Reichohalle». Stcttiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten VorsteNiing. Anfang nachmittags b Uhr. Passage> Panopttknin. Special!- tntcn-Borstcllllng. llrania. Tanbenstr. 18/4».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal. Ansang 8 Uhr: Dr. v. Weickhmann: Die Eingeborenen von Paraguay- Brasilien. Jnpalidenstraste 57/6%. Täglich: Sternwarte._ SWtrÄMtt (Wallner-Theatcr). Freitagabend 8 Uhr: Zum 1. Mal: vl« Ito»mntl»cI>vi». Vers- Lustspiel in 3 Aufzügen von Edmund Rostand. Deutsch von Ludwig Fulda. Hieraus: Hexvnk'a.ns. Lustspiel in 1 Aufzug v. Hans Hopfen. Sonnabendabend 8 Uhr: ldt« Romantischen. Hieraus: Hexenfang. E 0 n n t a g n a ch m i t t a g 3 Uhr: Williclm Teil. Sonntagabend 8 Uhr: Hein liCopolil._ Urania. Tauben-Strasee 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal um 8 Uhr: Dr. v. Weickhmann: Die Eingeborenen von Pargauay- Brasilien. CkMal-TMer. Heilte zum 127. Mal, 7»/, Uhr: Das sützo Aliidel. Operette in 3 Akten von Landsberg und Stein. Musik von Reinhardt. Morgen nnd folgende Tage?>/, Uhr: Das suste Mädel. Sonntag, 27. April,»achmttt. 3 Uhr, halbe Preise: Der Bettelstudcnt. c :ti! Grosse Frankfnrterstr. 13£. Zum erstenmal: ltte Rinder der Armen. Sociales Volksstü-k in 4 Akten von Ernest v. Jurco. Mit autorisierter Benutzung des Sensationswcrles C Antono-Traversis J fanciulli. In Scene gesetzt v. Alex. Tyrkowski. Anfang 8 Uhr: Sonnabendnachni. 4 Uhr: Kinder- Korstellung. Max uud Mortis. Abends: Hamiemann vorn Viehhof Uhd der kleine Cohn. Sonniagnachmittag. 3 Uhr: Ter Hntlenbcsitser.— Abends 8 Uhr: Tie Kinder der Arme». Bei günstiger Witterung im Sommer- garten: Gr. Specialitdtenvorstellung, Theater und Konzert.— Ans. 4 Uhr. Sciiaii nnd Ranch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Freitag, den 25. April, ab. Sl/2 Uhr Gastspiel von Einanuel Reicher. ßemiissimus-Zwistbenspiele u. a. Castans Paoopticnm Frledrlch-Strasse 165. Zwergin i Kindel (einzig in ihrer Art auf dem Erdenrund!!) M Der Boerenkrieg (Botha, De Wet, Delarey, Krüger.)| Leheude Pliotograpliien. Unnl humor.-muslkal. Quintett! HCU. Klrchmcyer. letropol-Tlieater Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph Anna Müller-Linke Fritzi Georgette Frid-Frid Unsre Don Juans Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Musik von Franz Roth, Adolf Perron und Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Morgen und folgende Tage: Unsre Don Juans. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Thalia-Theater. Dresdeucrstraste 72/73. Täglich. Anfang 7>/z Uhr: Täglich Seine Kleine. Am 28. April:.InMliimu der 100. AiifTührnng;. Am 30. April: Abschieds-Vorstellnng und Benefiz für Guido Thlelicher. Am l. Mai: Gastspiel der Schllerseer. Der KcrrscotlNchnitzcr von Aiiiiiicrgan. Der Sommer- Garten ist in oberbayrischer Art dekoriert. Palast-Theater (früher Feeu-Palast) Bnrgstr. 2%. Direktion Richard Winliler. Riese n-G astspicl. Programm; Anftreten der grösttcn Schau- nnniniern der Melt. Mit ungehe»ereut HeiterkeitS- Erfolge allabendlich: Der grosse SehlnKvr l S'/a Uhr Ss/z Uhr Fliio Nacht im Ballhaus. Schwank in 4 Akten von Kneisel. tlöntllng, Küster: Dir. Rieh. Vlnklsr.j lteilborn, Pfarrer: Roh. DIU. Lotte, Köchin: Franziska Kentier. Zlnfang präcise 7 Uhr. UMP Entree 30 Pf. Schlich dieser Saison: A», 30. April IVO«. An diesem Tage haben sämt- lichc Ehren- und Freikarten zum letzten Male Gültigkeit. Beile-Äiiiaiiee-Tilealer. Die Dame aas Trontiille. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worm«. Mizzl Birkner. Rosa Karton, Hierauf:..Cr". Pariser Lebensbild in l Akt. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Elfrlede (Aschenbrödel). Lustspiel v. R. Bencik. Iiotth««er«tr. 4 11, Jeden Donnerstag, onntag und Montag: »»N'i»»»»� Nordstiltsche Täilger Nach jeder Soiree: Ta»aEkrHn:r,chcii. Wochentags Vereinsbillets gültig»nd Tanz frei. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Emilie Carola, preisgekrönte Wiener Schönheit. Gusta? Bonne, Humorist, mit sein. Schlager: Berlin sei ruhig, schrei hurra! Der kleine Cohn, der kleine Cohn, Der kleine Colin Ist da! 16 eratklassige Nummern. 1. Wahlkreis. Sonntag, 27. April, mittags 12 Uhr, im Palast-Theater(fr. Feenpalast), Bnrgstrafie 22: OskfsntlicliS Versammlung, 1. Vortrag der Genossin Rustland". 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwarten Tage Clara Zetkin O r d n un g über:„Die revolutionären Kämpfe in Belgien und 208/5» Die Tertranenulciitc. III. Kerl. Reichstags Mahikrels (Offen.) Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, in Louis Kellers Festsälen, Koppenstraße Nr. 29: AnUTi siu'v In m in ftuirt Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtigen Kämpfe des russischen nnd belgischen Proletariats. Referentin: Frau Clara Zetkin. 2. Diskussion. 214/10* Die Tertranenslcnte. Centrlil-MM kt Zimtm DeiitslhlM. Zahlstelle» Berlins und der Vororte. Am Sonntag, den 27. April 11*02, vormittags 10 Uhr, in den„Arm i n ha l l e n", Kommandantenftraste Nr. 20: Zweite Ine is e ra I ve rsa m m 1 im£'. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal 1902 und des örtlichen Fonds. 2. Berichterstattung der Achtzehner- Kommission über die Verhandlungen des noch zurüikgestellten strittigen Punktes. 3. Bericht des Delegierten der Gcwerkschaftskoinmisston. 4. Verbandsangeiegenheitcu. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir, dasi die Mitglieder recht zahlreich und pünktlich erscheine». _ Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Apoilo- Theater. Um 8 Uhr: Acht ausgezeichnete Specialitäten. Um» Uhr; Lysistrata Luftbaii elt„Gritjolatis". Kasseneröffnung 7 Uhr. Casino- Theater Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Noch kurze Zeit. Das brillante April-Programm. 9�2: „Bttlitt mif Steljttt". 31 in 1. Mai kommt Leonhardy Haskel. W. Hoaolis Theater. Brnnnenstrake 16. Manuela oder: Das« biise Friinlein. Schauspiel in 5 Akt. v. Rnd. Kneisel. Sonnabend: l,cnorc. Reichshalle n. Täglich: Stettiner Sänger, Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. m Freitag, den 25. April, abds. B/z Uhr <>!ro«»e VorNtcll a"u g. MlomltSiC. Orig.-Pantomime des Cirkns Busch. iirtkfgsi'len. M Heute: � Das gläirada Ballett und 10 8pccialitiitcii. An der Spandauer Brllcke 3, Grösst.VcrgnUgungslokal Berlins Internationale Konzerte von 5 Künstler-Kai»ellen. Im 6. u. 7. Bogen erstklassige Theater- und Specialitäten-Vorstellung Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Biirgerl. Diner, 5 Gänge. Tägl. Matinee von 13—2 Uhr. Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 17/13* Bant- und Harnloldca. 10-2, 5-7. 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Der Kollege Schisier war ein änbers! rühriges und thätiges Mitglied der Organisation und hat sich um die Ausbreitung unsres Verbandes sehr verdient gc- macht. Ehre seinem Andenken! D ie Beerdigung findet statt am Sonntag, den 27. d. M., früh 10 Uhr, aus dem jüdischen Friedhof Weitzcnsce. Rege Beteiligung erwartet 114/0 Die Lrtsverwaltnng. 'jr»des-.A.n»eixe. Am 23. d. M. entschlief»ad> kurze» schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grostatcr und Onkel, der Monteur- Gustav Dietrich im 64. Lebensjahre. 215208 Dia trauernden Hinterbliebenen.| Die Beerdigung findet am «onntag, den 27. d. M., nach- mittags 4'/- Uhr von der Leichen- Halle des Himmelfahrts-Fricd- Hofes in Nieder-Schönhausen ans statt. . r W Die tveltbekanute Bettfedern-Fabrik a!»stavLustig,«erliu».,Pri»,»'. (tiajsc 46, ntrttnbü gegen Nachnabme garant.nenr Bettsedern d. Psd. kt> Ps.. chinesische haibdaunen d.Pjd.M.ILö, dessere e>«ldd»»nen d. Pid. verjugliche Donnen d. Psd. 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April Ill.'S. vormittags. «ur du-(Dciumut»der 232 Ml. jiu» de» dilteffeildcn Aümmer» in Ki ammcr» beigefügt. (Oljut Scmahr.) 231 89 691 906 10 80[1000] 96 1112[10001 77 212 817 33 531 71 600 91 713 814 966 97 2128 41 237 312 b/ü 970 3037 296 378 407 9 515 4197 218 310 39 431 43[500] 86 95[5001 622 5141 241 42 337 53 90 431 50 545 657 65[1000] 773 907 41 75 6024 214 52(10001 090 75o 944 7014 91 191 388 464[1000] 80 537 82[30001 612 824 40 57 921 96 8160 66 204 46 605 56 75 778 844 46 9188 397 442 93 548 650 . 10274 404 47 654 714 878[500] 11029 32 78 82 131 268[ 50 001 383 651 779 88 89 834 63 98 917 47 67 112029 71 215 53 360 420 91 536 40 660 11090] 706 920 33 113126 97 241 395 415 22 514 664 728 854 14163 78 9b 301 404 13 56 691 700 73 975 15650 460 568 601 .16128[ 500] 30 223 32 38[500] 51 56 318 44 457 506 662 1500) 17020 1500] 26 Hb 249 98 472 576 86 697 751 891 »00[1000] 18109 323 30 93 428 92 99 565 739 1 9039 149 62 202[5001 22[5001 72 474 952 20001 199 359 63 444 47 638 11000] 979 21185 237 49 454 506 75 619 76 877 2 2139 64 309 75 454 517 66 688 776 877 99 2 3059[5001 84 814 75 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5000 Ml, 557 Jll 3000 Ml, 726 Jll 1000 Sit, 1161 ja 500 iKt II.Ziehnng 4. Klasse 206. Kgl. Preith. Lotterie. Ziehung vom 24. ilpril 1902, nachmittags. Nur die Gewinne über 232 Ml. find den belrejMi«» Nummern i» Klammern beigefügt (Ohne Gewähr.) 169 289(5001 416 33[1000] 61 548[500] 778 1060 249 429 31 83 596 765[500] 852 72 2051 108 34 214 30 324 60 616 81 769 918 94 3213 44 334 442 544 [3000] 48 802 32 954 74 4 042 73 149 216 85 381 406 520 90 625 67 5167[5001 76 302 537 626 712 29 85 948 62 6t54 178 207 26 300 32 731 60 804 18 66 927 7065 171 246 342 44 422 508[30001 602 8256 448 637 897 9049 173 15000] 329 96 426 529 92 842 949 83 10047 140[500] 308 408 88[500] 675 779[1000] 853 63 80 1500] 11091 198 202 556(500) 75 825 28 980 15001 12005 226 384 447 505 671[3000] 919 13121 280[30001 619 843 52 86 934 1 4159 630 57 732 1 5090 107 74 79 285 409 UÜOO] 749 913 14 21 16062 188 95[500] 294 314 62 419 817 31 99 933 83 17168 356 99 423 78 562[500] 910 1 8015 62 91 118 71 211[500] 17 310 29[500] 503[1000] 612 19028 [lOOO] 160 68 329 557 628 805[1000] 86 20132 210 331 60 64 77 674 781 810 2 1 059 172 (10 000) 426[500] 34(500) 50 87 615 80 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Wer sich über diese nichioseste Grausamkeit untrer Zeit unterrichien will, verlange die Flug- blätter des Weltbundes gegen Bivi- sektion, welche unentgelilich versendet werden vom Berliner Tierschutz- verein, Löniggrätzersiraste 108. Uni gütigen Abdruck wird gebeten. Ifilb» Brockhauslexikon und alle andren Bücher kauft, beleiht Antiquariat Kochstraste 66, L Amt VI, 3397. Briefmarke»»- Sammlungen, Nei- nere, kauft Gorfolke, Greifeuhagener- straste 74, II, abends 6 Uhr ab.[561» Pfandscheine, Bücher tauft Leih- Haus Elsassersirabe 59 I. 143/3» Metallbrnch aller Art kaust Bro- derick, Oppelnerstrabe 16.__ 527' RechtSburea» Fabisch, Andreas- straste dreiimdsechzig. Rechtshilfe, Eingabcngesuche, Ratcrteilmig.[210Sb» �Bcreinszimmer noch einige Tage zu vergeben. 60 Personen. Kurth, Lausitzerftraste 46. 528» BundeSgesangverei« wird zum Frühkonzcrt(1. Feiertag) zur Mit- Wirkung gesucht. Keine Unkosten, Meldungen bis 28. April. Gustav Köpinck, Weidenweg 53 II. 21-0b Wer Stoff hat? Ferttge Herren- anzüge mit Futtersachen 15 Mark. Wagner, Schneidenneister, Frank- furterstraste 59, III._ 21496* 75 Pfennig« i Steu-rberufuiig, Eingabengesuche, Raterteilung. Aller- billigst Schankfachen. Militärsachen, Kaufverträge, Zahlungsbefehle, Ge- richtsklag-n. Wulkow. Skalitzer- straste 141. 2161b Bereinszimmer, ungeniert, für jeden Verein, Lübbenerstraste 11, an der Skalitzerstrahe._ 529* Rechtsbitrea». Prozebbeistand, Ein- gabengefuche, Raterteilung Brunnen- straste vierzig._ 21646 Kunftesche Kautabacksabrik, Kleinwerther. Den geehrten Wieder- Verkäufern die Mitteilung, daß von jetzt ab Aufträge bei direkter Be- stclliing— ohne Bermittelung eines Reisenden— 10 Prozent billiger effekiuiert werden. Die General- Vertretung, August Runge, Cigarrcn- Handlung, Berlin, Zionskirchstraste 54. Mädchen, 11 Jahr, suche Pflege- stelle, zu erfragen Ramlcrstraste 4, III, Wittmann bei Gutewort.[5143 VermietunxeiLj Wohnungen. 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Diese sind jedoch dadurch abgewendet, dast die Behörden den Veranstaltern der Mai- feierlichkcitcn unaufgefordert die Mitteilung zugchen liesten, dast keine Landestrauer eintrete und somit der Abhaltung der geplanten Fest- lichkeiten nichts im Wege stehe.— Der letzte der älteren Neusten zeigt also noch im Tode seine Abneigung gegen preußische Ein richtungen. Der Fcstzng in Fürth war vom Magistrat genehmigt worden; das Bezirksamt hat sich statt dessen der Ruhe des Bürgertums an- genommen und hat den Zug verboten. OpifiziuS begnadigt. Auf Grund der Bestininningen betreffend die bedingte Begnadigung wurde der frühere badische Landtags- Abgeordnete Opifizins dieser Tage ans dem Gefängnis entlassen, nachdem er zwei Drittel seiner dreimonatlichen Gefängnisstrafe ver- büßt hat. Stegmiiller, der frühere badische Landtags-Abgeordnete, nach dem das bekannte Wort geprägt wurde, ist dieser Tage wieder Mit- glied des soeialdemokratischen Wahlvereins in Lörrach geworden. Sociales. Zur BundeSratö-Vcrordnung für das GastwirtSgewerbe sind jetzt seitens der preustischen Ministerien des Innern imd des Handels„Anweisungen" an die Verivaltungsbehörden erlassen worden. Die Verordnung setzt für die Gehilfen uiid Lehrlinge über 16 Jahre eine Ruhezeit von 8 Stunden fest, für die unter 16 Jahren eine solche von g Stunden. Gleichzeitig ist den Polizeibehörden das Recht eingeräumt. auch für die Gehilfen über 16 Jahre die neunstündige Ruhezeit für den ihr unterstehenden Bezirk einzuführen. In der ministeriellen Anweisung»verde» nun die Polizeibehörden von Orten über 50 600 Eniwohncm aufgefordert, alsbald den Erlast von oben bezeichneten Bestiinuinngen zu erwägen; bis 1. Oktober soll dem Ministeriinn Bericht er- stattet iverden, ob die neunstündige Ruhezeit eingeführt wird oder Ivelche Umstände etiva zur Abstandnahme von dieser Maßregel geführt haben. Mit vollem Recht wird in der Ministerialverordtmng darauf hingeiviesen. dast sich die Einführung der neunstündigen Ruhezeit in den größeren Städten schon desivcge» rechtfertige,»veil dort die Angestellten in der Regel eincii langen Weg nach und von der Arbeitsstätte zurückzulegen haben. Da diese Einsicht bei der Regierung vorhanden ist, so muß man sich nur wundern,»varnm nicht gleich diesbezügliche Bestiinmungen mit in der Verordnung Ausnahme gesimden haben, anstatt die Einführung in daS Ermessen der Polizeibehörden zu legen; ivoinit»vir»aiürlich nicht sage» wollen, dast in den Kleinstädten die achtstündige Ruhezeit genügte. Räch der Verordnung»var ferner den höheren Verivaltnngs- bchörden das Recht eingeränint, in Saisonplätzen aus die Daner von drei Monaten den Gastivirten die Einschränkung der Ruhezeit auf sieben Stunden pro Tag zu gcivähren. Der Miiiistcrialcrlaß giebt den höheren Verivalti»ngs'bchördeii die Anweisung, diese Ansnahnic- bestiinmungen nur in kleinen abgelegenen, nanlentlich Gcbirgsknrortcn, tvo die Beschaffung von Aushilfskräften Schwierigkeiten niachc, Platz greifen zu lassen. Im übrigen behält sich die Regierung das Recht vor, vorläufig in allen diesen Fälle» selbst die letzte Entscheidung zu treffen; es sind ihr also alle derartigen Gesuche zu unterbreiten. Mit dieser Bestimmuiia zeigt die Regierung, dast ihr»vohl nachträg- lich selbst Bedenken ausgestiegen find Über die merkivürdige Art von Socialreform, die sie betreibt, indem sie den Gastivirten' daS Recht einräumt, ihre Angestellten auf die Dauer von 3 Monaten 17 Stunden täglich schinden zu dürfen. Die weiteren Bestimninngen regeln die Kontrolle über die Durchführung der Verordnimg. Diese liegt den Ortspolizcibehörde» ob. ivelche mindestens einmal pro Jahr eine Revision jedes einzelnen Betriebes vorzunehmeil haben. Aiisterordentlichc Revisionen sind nach Bedürfnis, namentlich wenn Verdacht vorhanden ist. dast die Ver- ordnnng umgangen wird, vorzniiehmen. Die Polizeibehörde» haben das Resultat ihrer Revisionen in eine Liste einzutragen, die auf Verlangen dein zuständige» Gcwerbe-Aufsichtsbcamten zur Einsicht vorzulegen ist. Nehmen die Gewerbe- Anfsichtsbeamten Mangel m der Kontrolle seitens der Polizeibehörden wahr, so haben diese ihrer vorgesetzten Behörde davon Anzeige zu erstatten. Rechtsungültige Arbciterschuti-Verorduuug. Gelegentlich eines Strafverfahrens gegen den Ziegeleibesitzer Slipniann hat der Strafsenat des Kammcrgerichts eine Regiernngs- Polizeiverordiiung für rechtsungültig erklärt, die b e s o n d c'r s im Interesse der Gesundheit der Ziegelarbeiter an die Ziegeleibesitzer geivisse Aiifordernngen bezüglich der Beschaffen- heit und der Einrichtung der Anfcnthalts- und Schlafränmc der Arbeiter sowohl im Ziegcleibetriebe selber, als auch in den Arbeiterwohnhäusern stellt. Präsident Groschuff führte in der sehr tvichtigen Urteilsbegründung aus: S o iv e i t die Verordnung die mit dem Betriebe verbundenen AnfenthaltSräume betreffe, finde sie zivar ihre rechtliche Stütze in den Arbeiterschntz- Vorschriften der Gewerbe-Ordnung unter den§§ 120a bis e, sei aber soweit deshalb rechts»ingültig, iveil nicht vor dem Erlast der Verordnung gemäß§ 12öo" der Vorstand der Ziegelei Berufsgenoffenschast gutachtlich gehört ivordcn sei. Denn wenn§ 120e fordere, dast dem Vorstande der in Betracht kommenden Berufsgenossenschaft vor dem Erlast einer Polizeiverordnung im Sinne dieses Paragraphen Gelegenheit zu einer gutachtlichen Aeuste- rung zu geben sei, dam, sei das z w i» g e n d e s Recht, und die Richtbefolgung dieser Vorschrift ziehe die Ungültigkeit einer der- artigen Arbeiterschutz-Verordnung nach sich. Gleichfalls rechts- unwirksam sei der Iveitere Teil der Verordnung, der sich auf die Räume im Arbeiter- Wohn Hanse, also mit dem Betriebe nicht direkt zusammenhängende Räume beziehe. Weil es sich hier nicht um Vorschriften zum Schutze der Arbeiter und zur Erhaltung der guten Sitten und des AnstandeS beim Betriebe, sondern um solche Vorschriften für Släume außerhalb des Betriebes handele, könntcn höchstens die allgen» einen Befugnisse der Polizei geniäß § 10 II 17 d e s Allgemeinen L a» d r e ch t s sie rechtfertigen. Das sei aber nicht der Fall. Allerdings seien' die meisten Bestiinmungen der Verordnung in ihren» zweiten Teil zum Schutze der Gesundheit der Arbeiter erlassen, es sei aber nicht ersichtlich, dast sie bczivccktcn, die Arbeiter gegen drohende, nicht anders zu beseitigende Gefahren zu schützen, Es seien also lediglich Vorschriften der W o h l s a h r t s p o l i z e i. Dieser stehe aber arrf Grnnd der allgeincinen polizeilichen Aufgaben gemäß§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts ein Verordnnngsrecht nicht zu, sondern nur der Ordnungs- und Sicherheits- Polizei, Somit entbehre auch der ziveite Teil der Verordnung der Rechtsgültigkeit.__ Uufallverfichcrnng für Staatsbeamte. Das prenstische Gesetz über die Fürsorge für Beamte bei Betriebsunfällen soll abgeändert werden. Das bisherige Gesetz von» 18. Juni 1887 entspricht nach der Abänderung des Uiifallversicherungs- Gesetzes diesen» nicht mehr und um diese Uebereinstimmuiig ivieder herbeizuführen, ist de», Land- tage eine entsprechende Regierungsvorlage zugegangen. Ein schmählicher Schmuggel mit Kindern tvird nach nnsrem Königsberger Partei-Organ zum Fr iihjahr an der russischen Grenze getrieben. Die Löhne, welche für deutsche Kinder gezahlt werden müssen, die zun» Hüten verivcndet werdci», sind deutschen Besitzern noch zu hoch. Außerdem giebt es bei den heimischen Kindern inmiche Unbequemlichkeiten,»venu sie zum Religionsunterricht gehe» müsse». Gar zu sehr ansgebeutct nnd geschundeu dürfen solche Hüte linder auch nicht werden, iveil sich meistens Augehörige um dieselben kümmern. Dagegen sind Kinder ans Rußland wesentlich billigernnd dam» kann über sie ganz frei verfügt werden. Da die rnssische Regierung aber Schivierigkeite» macht, wenn Kinder außer Landes gehen,»Verden die Kinder über die Grenze geschmuggelt und zivar geschieht das, indem sie in Säcke oder in Fuhren mit Heu oder Stroh gesteckt werden. Das ist im höchsten Grade gefährlich, da die rnssischen Grenzbcamtcn häufig die Ladung »nit dem Spiest durchstechen. Im vorigen Jahre tvnrde ein in einer Strohfuhre steckender Bursche am Schenkel durch einen Stich mit der Pike verletzt. Auch in diesen» Jahre ist der Kinderschmuggel im Gange.—„Wir sind der Meinung", schreibt»mscr Königsbcrger Brudcrblatt,„dast die preußischen Behörden diesem Kiiiderhandel ein Ende machen»nüsscn, Man dulde den Aufenthalt der unr zuu» Zweck schlimmster Aus niitzimg herübergcschmnggcltcii Kinder nicht. Die Menschlichkeit gebietet das. Es ist anzunehme», dast die Kinder, ivelche jetzt über die Grenze kommen, es in Rnstlnnd nicht besser, sondern vielleicht noch schlechter haben. Dafür tragen die prenstische» Behörden aber dann nicht die Verauiworlnng." Jntcriiationalcr Kongreß für die Prophylaxe nnd Be- Handlung der Gclvcrbekrankhciten zu Mailand 11104. Unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. Malach ia de Cristoforis ist in Mailand ei» Komitee von Acrzten, Chemikern nnd Ingenieure» zusammengetreten, um gelegentlich der Feier der Eröffnnng der Simplonbahn, einem der grostartigstcn Werke incnschlicher Arbeit, 1. einen internationale» Kongreß zur Ivissenschaftlichen Erforschung, zur Verhütung und Behandlung der Gewerbekrankheiteu, 2. eine Ausstellung für Gewerbchygicne zu organisiere». Atts dev Isvnnrttbcivrüttttg. Frauenarbeit in London. Gleichzeitig mit der letzte» Volkszählung wurden zum erstenmal für die Grafschaft London Erhebungen angestellt über den Umfang der Frauenarbeit. Es iviirdc unterschieden zwischen Unverheirateten nnd Verheirateten»nid Witiven, Die Zahl der in London gewerblich thntigen ivciblichen Personen über 10 Jahre beträgt 1 024 368, davon waren 033 754 unverheiratet, 000 614 verheiratet bcziv. Witiven Bon besonderer Wichtigkeit sind die Uiitersuchnngeil be- ziiglich der Heimarbeit der Frauen, ivelche ebenfalls zuni ersten»»«! vöigenommen wurde». Dabei stellte sich heraus, dast ein sehr großer Teil der Arbeiterinnen in der Heim arbeit beschäftigt ist. In der Plätterei nnd Wäscherei sind 20 158 Unverheiratete und 27 204 Verheiratete bez. Witiven be- schäftigt; davon i» der Heimarbeit 13,0 bez. 28 Proz. In der Putz macherei beträgt der Prozentsatz der in der Heimarbeit Beschäftigten 0.0 bez. 42,7; in der Schneiderei 16,7 bez. 30.5; in der Näherei 26,6 bez. 64,5; m der Hemdenfabrikation 21,0 bez. 53,8; in der Schuh- industrie 16,7 bez. 52,3; in der Papierindustrie 4,7 bez. 34,9; in der Bürsten-, Pinsel- usw. Industrie 19,3 bez. 59,2. Am»leisten sind die Franen beschäftigt als Wäscherinnen, Schneiderinnen, Näherinnen im Handclsgcivcrbe und als Dienstboten, Eine Tabelle, ivelche die geivcrblich thätigen Franen nach Altersklassen rubriciert, zeigt, dast die Redensarten von dem Beruf der Frau in der Familie und am„hei- mischen Herd" in» wirklichen Leben keinerlei Bedeutung habe», denn es befanden sich unter den Frauen von» 25. bis� zu»» 35. Lebensjahr 165 519 Unverheiratete, in der Altersklasse von» 35. bis zum 45. Lebensjahre»varen es noch 66 012»nid von 45 bis 53 Jahren lvarei, innncr noch 34 374 alleinstehende Franen vorhanden, die ihr Brot selbst verdienen innstlen. Berliner Partei-Angelegenheiten. Ten Mitglieder»» des Soeialdemokratischen Wahlvereins des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises(Schönhauser V o r st a d t) zur Nachricht, dast die G e» e r a l v e r s a n» m l u n g am Fmlag, pünktlich abends 8>/s Uhr, im Berliner P r a t e r, Kastaiiien-Allee 7/9, stattfindet. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Ncuwnhl des 2. Vorsitzenden. 3. Vereiusangelegenheiten. 4. Vortrag des Genosse» JuliuS Kaliski über„Bürgertun»»md Socialreform". 5. Diskussion. Im Wahlkreise Tcltow-Pcrökow-Storkow-Eharlottenburg hat eine kombinierte Vorstandssitzung der Wahlvereine einstimmig be schlössen, den Parteigenossen für die nächste Reichstagswahl die Wiederaufstellung des bisherigen Vertreters des Kreises, Fritz Zubeil, als ReichStagS-Kandidaten zu empfehlen. Uokttlss. Auö der Stadtverordneten-Verfammlung. Die Stadtverordneten-Versanimliing hat in ihrer gestrigen Sitzung den vor zivei Monaten von den» Stadtverordneten Dr. Nathan gestellten Antrag, betreffend die G e w ä h r»l n g »in entgeltlicher Krn n ke n ha»is-Ver pfleg nng bei an st ecken de n Krankheiten, abgelehnt. In der ausgedehnten nnd zeitweise sehr erregten Debatte wurde die Frage.obdieindemAntrag vorgeschlagene Maßregel notwendig und durchführbar ist, noch einmal erörtert. Der Ausschutz, dem der Antrag zur Prüfung überwiesen worden war, Ivar zu dem Ergebnis gelangt, der Vorschlag sei»in- durchführbar. Der Berichterstatter des Ansschnsses, Stadtv. Wallach, empfahl Ablehnung, iveil„ganz uferlose Geld- ausgaben" davon szn erwarten seien. Namens der social- demokratischen Fraktion legte Genosse H e i m a n n den grnnd- sätzlichen Standpunkt dar, den die Fraktion zu der Frage der unentgeltlichen Ärankenhaus.Verpfleguiig nach wie vor einnimmt. Er trat für den Antrag Nathan ein, weil dieser wenigstens eine» kleinen Ausschnitt ans dem weitergehenden, vor längerer Zeit von der social- demokratischen Fraktion eingebrachten Antrag bildet. HerrNathan, der als zweiter Redner zum Worte kam, glaubte an das Ehrgefühl der Kommunalbehörden appellieren zu können, aber er hatte damit in ein richtiges Wespennest gestochen. Herr Cassel fiel über ihn her und versuchte, die Angriffe, die Herr Nathan gegen die Liberalen Casselscher Couleur gerichtet hatte, zurückzuweisen. Dieser Zusammenstoß zwischen den beide» Richtungen des in der Berliner Stadtverordneteii-Versammlnng vertretenen Freisinns war von einer ganz ungewöhnlichen Heftigkeit, Im tveiteren Verlauf der Debatte schlug der Stadtv. Neuiiiann vor, mit den» Magistrat i» einer gemischten Deputation über die Verbesserung des K r a n k e n h a u s- W e s e n s der Stadt zu beraten. Die An- regung dürfte schwerlich auf fruchtbaren Boden fallen. Nach der Versichening derer um Cassel ist ja in unsrem städtischen Kranken- Haus-Wcseii überhaupt nichts verbefferungsbedürftig. Nachher rief der Stadtv, Landau durch eine rednerische Eiitgleisung— es ist nicht die erste, die diesem Herrn in den erst drei Monaten seiner Thätigkeit in der Stadtverordneten-Versammliing passiert ist— einen Sturm der Entrüstung hervor. Der Herr beklagte sich, daß, wie es mit dem vorliegenden Antrage geschehen sei,' Laien sich in medizinische Fragen hineinmengen! Die Abstimmung ergab eine Mehrheit für den Vorschlag des Ausschusses, den Antrag Nathan abzulehnen, Der Kommunallibcralismus hat sich mit diesen, Beschlust wieder ein würdiges Denkmal gesetzt. Die Frage der unentgeltlichen Krankeiihausvcrpflegung ist hiermit natürlich nicht endgültig erledigt. Sie wird, wie Genosse Heimann ankündigte, sehr bald von neuem an die Stadtverordneten-Versamnilung herantreten und so lange immer wiederkehren, bis sie eine befriedigende Lösung ge- sturden hat._ Die diesjährige„Maifest-Zcitnng" gelangt hent zur Aus- gäbe. Neben dem Hcnckelschen Leitgedicht und der einführenden Mai-Betrachtung bringt die„Maifesi-Zeitung" agitatorisch-belehrende Artikel, so über„Das religiöse Moment der Maifeier", und gute novellistische und poetische Beiträge. Besonders ausgezeichnet ist das diesjährige Festblatt durch zahlreichen, zum Teil bedeutenden Bilder- schmuck; vor allem giebt daS große Doppelblatt„Mai-Freiheit" einen originellen und packenden Ausdruck des Mainwtivs. Das reichhaltige, künstlerisch hochstehende Blatt wird bei den Partei- genossen zweifelsohne die beste Aufnahme finden. Selbstthätige Feuermelder. Zur Erhöhung des Feiierschntzes für Gebäude, die, wie Theater, Warenhäuser usw., einer größeren Brandgefahr ausgesetzt find und in denen die Ansammlnng einer größeren Zahl von Menschen ganz besondere Vorsichtsmastregeln be- dingt, empfiehlt es sich, selbstthätig wirkende Feuermelder anzubringen, die durch die Hitze des entstehenden Brandes ein Alarmsignal geben. Derartige Melder müssen selbstverständlich in gröstererZahl über das zu schützende Gebäude verteilt sein, damit die von den» Brande auf- steigende.heiße Luft, Rauch und Qualm in kürzester Zeit an einen Melder gelangt und dadurch die Alarmvorrichlnug nnflöst. Die Vor- richtniig mnst also billig und einfach sein, trotzdem aber zuverlässig. Ein solcher besteht ans einer kurzen,»nit Flüssigkeit gefüllten Glas- Patrone ähnlich einem Thermometer, die in einen kleinen Holzsockel eingeschlossen ivird und in dieser Lage eincii federnden Kontakt je nach der Schaltungsart geöffnet oder geschlossen hält. Diese Patrone ist derart abgcstimnit. daß ihre Flüssigkeit bei einer gewissen, beliebig zu wählenden Temperatur das Cagillarrohr ganz ausfüllt. Steigt nun die umgebende Temperatur noch weiter um einige Grad, so sprengt die Flüssigkeit die Glaskugel des Thermometers und die Feder des Kontakts, die bisher von dieser Kugel zurückgehalten wurde, schlägt nach unten, wobei der Kontakt geschlossen oder geöffnet wird. Dadurch wird der Stromkreis geschlossen und das Alarm- signal hervorgerufen. Es ist vorgesehen worden, die Ver- bindung mit einer Feuerwache auf bestimmte Zeit, z. B, auf die Nacht zu beschränken, wobei die Ilmschaltung der Anlage auf Feuer- wache oder Hauswache selbstthätig durch einen mit einer Uhr ver- bnndeiien Zeitschalter geschieht. Die Milchceutralc und die Wahrheit. Während in den letzten Tagen in beiden Parlamenten der Milchkrieg im Mittel- Punkt der Debatte stand, hatten sich auch die Berliner Gerichte mit den» Streste der Berliner Milchhändler gegen die Milchcentrale zu beschäftigen. Sowohl im Reichstag bei der Verhandlung über den Milchzoli, tvie im Abgcordnetenhaiise wurde des Prozesses Er- wähnuiig gcthan, der gegen die Milchcentrale wegen n n-' lauteren Wettbeluerbs auf Grnnd ihrer Behauptung, daß der Berliner Milchhandel auf unreeller Geschäfishandhabung beruhe, angestrengt worden ist. Gerade gestern fand vor dem Landgericht (Kammer für Handelssachen) der entscheidende Beiveistermin statt, in welcher die Milchcentrale die Wahrheit ihrer Behauptungen über den Berliner Milchhandel darthnn sollte. Die Parteien hatten sich über die Wahl des zu vernehmenden Sachverständigen geeinigt und als solchen den langjährigen Polizeichcmikcr und Leiter der Nahrungs- mittel-Untersuchungen, Gerichtscheniiker Dr. B i s ch o f f, benannt. Dieser hatte ein antzerordentlich eingehendes schriftliches Gutachten eingereicht, welches die Verhältnisse der Berliner Milchversorgung unier Beifügung eines großen Zahlenmaterials aus den amt- licheu Untersuchungen, sowohl der Vollmilch wie der Halbmilch er- läuterte. Der Sachverständige gab auf Grund dieses Materials sein Gut- achten gegen die Behaiiptungen der beklagten Milchcentrale ad nnd faßte dasselbe an, Schlnß'dahin zusammen:„Es müsse aus allen seinen Beobachtungen als widersprechend bezeichnet werden, daß in Berlin, wie von der Milchcentrale behauptet ivnrde, Halbmilch, aus gleiche» Teilen Vollmilch und Magermilch bestehend. von» Milchhandel zu gleichen Preisen wie Vollmilch in den Verkehr gebracht werde". Ans den amtlichen Zahlen stellte der Sachverständige wörtlich fest, dast die durchschmttliche Vollmilch Berlins, von hiesigen Milchhändlern ohne AuS- wähl verkauft, den Anforderungen an Vollmilch im ganzen Umfange entspreche und daher die entgegeastehende Behauptung der Centrale entweder auf nicht de» Thatsachen entsprechende Vonirteile hin ver- breitet werde, oder aber sich auf nichtamtliche und irrtümliche Fest- stellungen stütze. Auf Grund dieser Beweisaufnahme wird der nächste Vcrhandlniigstermin am 14. Mai vor demselben Gerichtshöfe stattfinden. Nicht weniger als SS Opfer hat der äußere Eisenbahndienst im letzten Halbjahr allein im Direktionsbezirk Berlin gefordert. Es sind Beamte und Arbeiter, die ihren Tod oder schtocre Ver- letzinigen erlitten haben. Neun der Unfälle trugen sich beim Ueberschreitcn ec. der Gleise, neun beim Ans- springen z c. auf Eisenbahn-Fahrzeuge zu. Von diesen 18 Unfällen endeten neun mit dem Tode des Ver- unglückten. Unter den letzteren befinden sich mehrere Lokoniotiv- ftihrcr und Rangiermeister, ein Zugführer:c. Von den übrigen vier Unfällen war nur einer tödlich. Die Milch-Centralc in der Schillingstraste niacht jetzt ihrem besten Abnehmer,„Klingel-Bolle", starke Konkurrenz. Sie versucht es wenigstens. Nach dem Muster der Bolleschcn Wagen hat die Centrale sür Milchvcrwertnng eine größere Zahl von sogenannten „Milchwagen" bauen lassen, die in den Straßen von Berlin und den Vororten umherfahren. Ganz nach Bolleschem System wird die „Ringmilch" auf den Höfen und Straßen feilgehalten und aus- geklingelt. Die Wagen sind weist angestrichen und unterscheiden sich inir durch die Firmtnailfschrift von den Bolleschcn Milchwagen. Für die nächste Zeit wird eine sogenannte Mi l ch s ch w e»i m e in A»»S- icht gestellt; auf einzelnen' hiesigen Bahnhöfen ist der Preis der Milch' in Fässern schon hernntergegangen. Eine Zitiiahme der Selbstmorde in Berlin hat das letzte Jahr gebracht. Als Selbstmord wurden hier im Jahre 19Y1 nach einer Zusammenstellung des Berliner Statistischen Amtes 525 Todes- alle gemeldet. Dagegen ivaren in den zehn vorhergehenden Jahren von 1000 zurück bis 1891 nur 434, 457, 462, 495, 494,� 446, 496, 489, 482, 474 Selbstmorde zur Meldung gekommen. Wenn nur daS Jahr 1900 zur Vergleichung herangezogen wird, dann erscheint die Zunahme aus 1901 sehr bedeutend(1901 nni reichlich 20 Proz. mehr als 1900). ES muß jedoch in Betracht gezogen werden, dast bis 1000 die Zahl der Selbstmorde in Berlin mehrere Jahre hindurch im Rückgange gewesen war und dast das Jahr 1000 als das letzte in dieser Reihe durch eine ganz ungewöhnlich niedrige Zahl von Selbstmorden sich auszeichnet. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl Berlins wapen die Selbstmorde im Jahre 1901 zwar erheblich häufiger als in den Jahren 1898, 1809, 1900, aber nicht häufiger als in der Mitte oder am Anfang der 90er Jahre. Nnbändiger Hast gegen den Arbeiterschntz kennzeichnet be- onderS die Berliner Fuhr Herren. Zahlreiche Strafmandate gegen Fnhrherren wegen Nichtbeachtung der mit 1. d, M. in Kraft gc- tretenen Polizeiverordiiung, welche das Anbringen von Bremsen und f e st e n Kutschersitzen verlangt, sind Polizei- licherseits ergangen, Die Betroffenen haben in allen Fällen Einspruch erhoben und richterliche Entscheid u n g beantragt. In Fnhrherreiikreisen rechnet man nämlich darauf, daß die Polizei- Verordnung für rechtsungültig erklärt werden wird, weil fie nicht den Bestimmungen des K t20e der Reichs-Gewerbe-Ordnung gemast crlnsscn wurde. Andrerseits brachte den Fnhrherrcn daS in derselben Sache ergangene Immediatgesuch an den K a i s e nicht den erhofften Erfolg. Der Vorstand' der Berliner Fuhrhcrreir Innung erhielt vom Polizeipräsidenten folgenden vom V. d. Ms. datierten Bescheid:„Die Jmmediatvorstellung vom 31. Januar d. I. ist auf allerhöchsten Befehl dem Herrn Minister des Innern und von diesem mir zur Verfügung zugegangen Nachdem der Vorstand aus die Vorstellung vom 31. Oktober v. I durch Erlast des Herrn Ministers des Innern vom 20. Dezember v. I. abschläglich beschieden worden ist und da in der Jmmediatvorstellung neue Gesichtspunkte nicht vorgebracht wurden, hat für mich keine Veranlassung vorgelegen, dem wiederholt gestellten Antrage, den Zeitpunkt des Jnkräfttrctens der Polizeiverordnung vom 17. Mai 1301 um ein Jahr hinauszuschieben, nochmals näher zu treten. Ebenso wenig habe ich mich vernnlastt gesehen, zur Ausführung der Wer- ordnnng ein förmliches Regulativ �n erlassen. So weit es not- wendig' und zweckmüstig erschienen ist, sind in dieser Beziehung die Exekntivorgane mit entsprechenden Anweisungen versehen worden I. A.: Dumrnlh.' Ter Schade», der durch den Einsturz des eisernen Saal dachcs beim Neubau des Ccntral-Arbeitsnachweises in der Gormann straste/Rü ele r st ra ste entstanden ist, belänft sich auf über l 00 000 M. Bisher ist festgestellt, dast die Ursache des Einsturzes nicht i» der Schwäche des Mauerwerkes zu suchen ist. Die Mauern habe» nicht nachgegeben und sich auch nicht gesenkt. Die Hochbahn ist bekanntlich das modernste Verkehrsmittel Berlins; in einem Punkte erinnert sie aber noch lebhaft an der- gangene Tage. Während nänilich bei den Vororts- und Strasten- bahnen die Ä n s g a b e v o n M o n a t s k a r t e» seit langem gang und gäbe ist, harrt dies Einrichtung bei der Hochbahn noch der Ein führung. Besonders die Arbeiter und kleinen Leute empfinden den Mangel der bequemen und nicht zu kostspieligen Abonnements als einen Uebclstand. Viele von ihnen wohnen und arbeiten in der Nähe der Hochbahn. Sollen diese nun morgens, mittags und abends jede Einzelfahrt tarifmästig bezahlen, so wird ihnen die Tages- ausgäbe für die Beförderung von und nach dem Arbeitsplatze selbsl verständlich viel zu teuer. Falls sogar mehrere Mitglieder einer Familie täglich einigemale die Hochbahn benutzen wollen, so steigert sich deren Ausgabe an Fahrgeld so erheblich, dast sie in Anbetracht ihres kargen Verdienstes wohl oder übel auf daS uengeschaffene, schnelle Beförderungsmittel verzichten müsieti. Soll die Hochbahn wirklich allen Einwohner» im Tagesvcrkehr zu gute kommen und nicht etwa nur zur anSschliestlichen Bequemlichkeit der besser sitnierten Kreise dienen, dann wäre es auch erforderlich, dast die Hochbahn-Verwaltimg den gewist berechtigten Wünschen des hierin Frage kommenden Teils der Arbeiterschaft baldigst Rechunng trägt und die allerwärts üblichen Abonnements ebenfalls einführt. Die Rentabilität der Hochbahn würde dadurch sicher nicht ungünstig bceinflnstt werden. Der Börsenpreis der Fehldrnckmarkcn DkTI'ZCIIES EEICH beträgt nach de» neuesten Notirungen 1,S0 M. bis 2 M., da die Nachfrage augenblicklich ein wenig nachgelassen hat. Ver- kauft werden die Fehldrnckniarkcn sogar mit drei Mark das Stück, der ganze Bogen, der eine solche Marke enthält, kostet sechs Mark. In Händlerkrcisen ist nia» der Meinung, dast die Fchldrnckmarke sehr bald bedeutende Preissteigeruiigen erfahren«verde. Das groste Markenhaus Senf veranschlagt die zu erlvarteude Kurssteigenmg bis auf 60 M. Geprägte Postkarten. In jüngster Zeit kursierte das Gerücht, dast Postkarte» mit eingeprägten Bildern von der Post nicht mehr befördert oder mit Strafporto nachtaxicrt würden. Um dieser Angelegenheit auf den Grund zu gehen, hat die Braun- schiveiger Firma Oskar Ohm u»ter Einsendung einer derartigen Karte sich an das R e i ch s- P o st a m t Berlin gewandt und folgenden Bescheid erhalten:»Die' Zeitungsnachricht, dast Postkarten mit eingeprägten Bildern verboten seien, ist falsch. Thatsächlich werde» nur solche Postkarten beanstandet, bei denen die Prägung an den für die Adresse und den B e stim in u u g S o r t, sowie für das Aufkleben der Marke bestimmten Stellen der Vorderseite hervortritt. Die vorgelegte Karte(Bortfelder Bauer) ist zulässig. Fälle der Beanstandung»vollen Sie den zuständigen Postbehördcn zur weiteren Verfolgung mitteilen." Bei einem Einbruch wurde in der Nacht zum Donnerstag ein mehrfach vorbestrafter Dieb Gottlieb Lucas abgefastt, als er in der Gesellenstube des Bäckern, eisters Rast in der Oppelnerstraste 4v gerade alles, was er bekommen konnte, zum Mitnehmen verpackt hatte. Der Meister überraschte ihn, nah», iih» fest und übergab ihn der Polizei. Panik bei einem Brande entstand Mittwochabend 11>/s Uhr in der früheren Franzer-Knscrne, Nene Fricdrichstr. 6/8. Der alte Gebäudekomplex beherbergt eine Unzahl kleiner Mieter, ansterdcm aber auch Tischlereien. Polsterwerkstättcn usw. I» der im ersten Stock des rechten Seitenflügels befindlichen Polstere! der Firma Wollmer Nachfolger war da? Feuer aus nicht cnnittclter Ursache ansgekonimc». hatte an den dort lagernde» Rohmaterialien reiche Nahrung gefunden und in kurzer Zeit die Korridore und einzelnen Räume bis zum Dachgcschost total verqualnit. Die i», ersten Schlaf liegenden Mieter wurden durch Feuerrufe aufgeschreckt und dachten»nr daran, das Leben der Ihrigen i» Sicherheit zu bringen. Notdürftig bekleidet, stürzten Bäter und Mütter mit ihren Kindern die Treppen hinab. Mehrfach war aber der Ausweg ab- geschnitten, so daß die Bedrängten sich wieder in ihre Wohnungen zurückziehen muhten, um die Ankunft der Feuerwehr abzuwarten. Kleine Kinder litten entsetzlich unter der Verqualinung. Die Feuerwehr sorgte dann für Beruhigung der Geängstigtcn und löschte den Brand mit zwei Rohren ab. Die Tapezierwerlstätte brannte vollständig aus. Schon wieder hat daö Fehlen eines festen Kutschersitzes einen schweren Unfall herbeigeführt. Der Kutscher der Berliiier Firma H ü b n e r a»S der Gr.'Frankfnrterstraste brawte gestern nach- mittag Polstermaterinlicn zu einem Tapezierer nach FriedrichSfclde. Bei der Einfahrt in den Hofraun, stürzte infolge eines Rucke» der Kutscher von den, hochbelndenen Wagen kopfüber auf das Pflaster. Ehe das Fuhrwerk zun. Stehen kam, war der Bedauernswerte am Arm überfahren. Mit schwere» Kopsverletznngen Ivlirde der Verunglückte nach den, Krankenhause am Fricdrichshatn gebracht. Der Grosi-Schlächtcrmeister Gustav Jänicke, dessen Ver- Haftung wir mitteilten, ist wieder auf freren Fust gesetzt worden, da der Untersuchungsrichter daS Belastliiigsmaterial nicht s; für genügend hält und Fluchtverdacht und die Gefahr der Ver- dunkelung nicht vorliege. Mit seinem Fahrrad unter einen elektrischen Wagen geraten ist Donn-rSlagmorgeii um 7 Uhr der 28 Jahre alte Lackierer Gustav Ma'dler auS der RheiiiSbergerstr. 68. Er zog sich Ver letznngeii am Kopfe, am Gesicht und an beiden Uiilerschenkeln und nmstte die Hilfe der RettungIwache in der Kastanien-Allee Anspruch nehmen. In unsrer Expedition hat sich eine Sammelliste(Nr. 1376) für die belgische» Genossen vorgefnlldeil. Schwere Ausschreitungen sind in der Nacht zu gestern an mehreren Stellen der Stadt vorgekommen. Der Schiffer Karl R ö in f e l d ans M a r i e n w e r d e r, der hierher gekommen war, um sich anhcuen, zu lassen, ging spät abends mit zwei Arbeiter» das Nordufer entlang. Pennbrüder, die dort auf den Hcutühnen zu übernachten pflege», rempelte» die Leute an. Als die An- oeqrlffeiien sich wehrten, sainmeltcn sich 20 bis 30 Strolche an. die mit Bootshaken, Heugabeln und Knüppeln über die drei Männer herfielen und sie furchtbar zurichteten. Zlvei Schutzmänner, die auf das Geschrei der Ueberfallenen herbeieilten, mustten von der Wache Hilfe holen. Während einige Beamte die Ver- loundeten nach der Eharitä brachten, suchte ein starke? Kom« mando nach de», entflohenen Gesindel die Kähne ab und brachte 26 Burschen auf die Wache. Römfcld ist der Schädel z e r« trümmert; er ist so schwer verletzt, dast er den Tag kaum über- leben wird. Auch die beiden andren Männer liege» so schiver da- nieder, dast sie nicht vernehmungsfähig sind.— Noch unaufgeklärt ist ein U e b e r f a l l in der Nähe des Marine- Panoramas. Hier fanden Passanten ein etwa 22 Jahre altes Mädchen das de» Eindruck eines Strastenmädchcns macht, hilflos liegen Es hat am Kopf und andren Körperteilen schtvere Ver- lctzungen, die von Messerstichen herzurühren scheinen Die Verlvnndete, die ebenfalls nach der Charit« gebracht Ivurde. konnte nur noch mitteilen, dast sie von einem Kerl und eine», Frauenzimmer überfallen worden sei. Dann verlor sie die Besinnung. Wer sie ist, tveist man„och nicht.— Schli»,», ging es in der Bruiinenstraste her. Dort machte eine Gesellschaft von acht Personen, darunter der Matrose Schröder, einen solchen Lärm, dast der Schutzmann T e i ch e r t ihnen Ruhe gebot. Als er seine Aufforderung wiederholte und mit Sistierung drohte, st i e st ein Mädchen ihn vor die Brust. Zugleich packte ihn der Matrose von hinten. Als Teichcrt z» Fall kam. bearbeitete ihn die ganze Gesellschaft mit den Fäusten und versuchte, ihm den Säbel zu entreisten. Einige Angreifer brachten ihm mehrere Stiche bei Schröder entrih ihn, de» Helm und schlug ihn ihm umgekehrt auf den Kopf. Seinen Säbel aber hielt der Beamte fest, und nachdem es ihm gelungen war, ivieder ans die Beine zu kommen, machte er von ihm kräftig Gebrauch, llm sich schlagend. ivarTeichert mit seine» Gegnern bis zu dem Hanse Briinncnstr. 49 gekommen, Ivo sich i» einer Wirt- schaft noch Gäste befanden, darunter mehrere Strastenbahn schaffner. Diese eilte» Teichert. der wieder zu Fall gekommen war, zu Hilfe. Nun ergriffen seine Gegner die Flucht. Eine Schutzmanns Patrouille verfolgte den Matrose».' Er aber rief ebenso wi» seine Verfolger„Halt ihn I" Daher glaubte» andre Beamte, dast er mit zu den Verfolger» gehöre, und liehen ihn durch. An der Schwedter- straste sprang er über den Zaun des Exerzierplatzes. Schliestlich ivurde er aber doch gestellt und der Kasernenwache des Garde-Fiisilier- reginienls übergebe», die ihn heute in das Militär-llntersuchungS- gefängnis ablieferte. Von de» Civilisten wurden zwei ergriffe», als 'ie sich verbinden liesten. Teichcrt mnstle sich von einem Heil- gehilfen verbinden lasse». Seine Verletznngeu sind nicht lebenS- gefährlich. Vermißt wird seit dem 12. März der 16 Jahre alte Lackierer- lehrling Max Stephan. Der Vermistte ist von kleiner, schwäch- licher Gestalt; er trug eine schwarze Hose, graues Jackett und Pelzmütze. Am rechten Arm befindet sich eine gröstere Brandnarbe. Diejenigen, die über den Verbleib Mitteilung machen können, werden gebeten, sich an Mauer, Adalbertstr. 19, vor» 3 Treppe», zu wenden. Radrennbahn Fricdenan. Die Direktion des Sportparks ist zu dem Entschlnst gekomme», das 76 Kilometer- Rciiiicn Sonntag als Vorgabefahren zu», A, istrag bringe» zu lassen. Als Maluiann äuigicrt Dickentman». der n» Ryscr 2 Rmidc», an Sievers 4, au alzmann 6 und a» Heiny sogar 10 Runden bewilligen»»»stte. In Rücksicht ans die von Rhser im Training gefahrene» Zeiten und anf die Unterstützung desselben durch gleichwernge Motore sollte der Holländcr tüchtig zu thuu haben, um einen Kilometer Vorsprung einzuholen. Im Hörsaal der llraiiia in der Tanbenstrahe wird heute Herr T>r v. Weickhmann seinen bereits angektindigieii Bortrag„Elne Reise zu den Indianern im Inner» von Paraguay in>d Brasilien" halten. Im wtlseiischafiliche» Theater wird der Vortrag„FrühUngStage an der Riviera" noch heute und morgen zur Wiederholung gelange»; am Sonntag wird zu», erstenmale der Vortrag„Die deutsche Ostsceküste von den Waiiderdüneii bis zum Alseiistmd" gegeben werden. R»S de» Rachbnrorlen. AnS Grüna» schreibt man„»S: Sellsnme Säncksale sind den Wahlproteste» bereitet, die ge�en die Giltigkeit der Wahl des als Gcmeindcvcrtreter anerkannten vpepilenrs Fuhrhcrrn Neuen- d o r f gerichtet waren. Die bürgerlichen Opponciitc» kamen in bester Kampfstiiilmuiig an, aber mit eine», Male stellte es sich heraus, dast wie anf Koinmando etliche der Herren von der Rechten sich entfernt und so die Gemeindevertretnug beschlnstnnfähig ge- macht hatten. Warum dieser Ausstand? Es ivar zunächst schon bei der letzten Wahl garnicht»ölig. eine» Angcscst'ciicn zu wählen; dann aber hatte man sowohl de», liberalen FondSinnkler Schmidt als auch»nisrei» Genossen Wustrow die Wahlfähigkeit aberkannt, weil ihnen die Eigenschaft als Hauseigentümer fehle» sollte. Ob die Mehrheit mm hofft, bis zur nächste» Sitzung genügend Gründe zur Rechtfertig, mg ihres Verhaltens gesammelt zu haben? Es darf nicht Wunder nehme», dast ei» Bertreicr der dritten Abteilung das von, Gemeindevorstchcr in jedem Einzelfall e»t- schuldigte Ausbleiben der Leute von der Rechten als„Mache" bc- zeichnete. Gegen die Leiter des Charlottenburger Kredit- und Spar- verein» hat der ReickiSglöckner Joachim G e h l s e n bei der Staats- anwaltsckmft des Landgerichts II eine Strafanzeige erstattet. An- griffe auf dicscn Verein spielen in der Verurteilung Gehlicns eine Rolle. Jetzt behauptet Gehlsen, dast die Leute schon seit dem Jahre 1897 zu Unrecht Dividende verteilt mid Tantiemen bezogen hätte». Die Anzeige geht ferner dahin, daß der Verein nicht mehr im stände sei, den Sparern ihre Guthaben ausznzahle». Gerichts-Veikunq. Schwere Anklagen gegen Schutzleute hatte der Tischlergeselle Gustav Stramm in einer Strafanzeige erHobe», die ihm eine An- klage wegen Widerstands und wissentlich falscher An- s ch» l d i' g u„ g zugezogen hat. Bei der gestrige» Verhandlung vorder 7. Strastammer des Landgerichts l hielt er alle diese Anschnldi- guiigen in vollem Umfaiige aufrecht. Der Angeklagte, der seiner Zeit ohne Arbeit Ivar. hatte an. Abend des 13. September an der Ecke der Bnlolv« und Alvenslebeiislrast� mit zlvei weiblichen Per- föne» einen lärmenden Auftritt, in desic» Folge er durch ei»«,, uniformierten»nd ciiic» nicht uniformierten Schutzmann zur Wache gebracht ivurde. Er ist seiner Zeit aus Anlast dieses Vorfalles wegen rnhcstörende» Lärms zu 3 Tagen Haft verurteilt worden. Seine Sistierung zur Wache war erfolgt, weil den Schutzleuten von einer der beteiligten weiblichen Personen gesagt worden war, dast sie von dem Angeklagten durch beleidigende Aeusteruugen belästigt worden sei. Nach den Angaben der Schutzleute hat er der Anfforderuiig, zur Wache zu folgen, keine� Folge geleistet, hat sich widersetzt und die Bcamtci, in ordinärer Weise be- schimpft; er soll dann mehrer« Freunde aufgefordert haben, ihn zu befreien und schließlich hat er nur mit der gröstten Mühe»ach der Wach« transportiert werde» kömien.— Am Tage nach diesem Vor- soll hat er eine geharnischte Beschwerde über die Schutzleute, die ihn sisticrt und die' Schutzleute deS 63. Polizeireviers, deren Strafverfolgung er beantragte, beim Polizeipräsidium eingereicht. Er be- hanptete darin, dast er ohne jede Angabe eines Grundes von den, betr. Schutzmann auf der Straste sofort am Halse gepackt worden sei. Dieser habe ihn unter Assistenz des zweiten Beamten nntcr Knüffe» und Püffen vor sich her gestosten, ohne dast er sich habe wehren können. Als er dann hingefallen sei, habe er sofort einen Tritt erhalten und sei so gewaltsam zur Wacke befördert worden. Auf der Wache selbst sei er auf» ärgste mißhandelt worden. Als man ihn gewaltsamerweiie die Treppe hinausschob, sei er hingestürzt und habe einen Fußtritt gegen die Oberlippe erhalte», so dast dies« dick anschwoll und ,hm groste Schmerzen verursachte. AlS man ihn in die Zelle gebracht, habe ihn der Schutzmann am Halse ergriffen und mit dem Kopf gegen den Ofen gestoßen, er sei dann wiederholt von Schutzleuten, die in die Zelle kamen, misthandelt worden und zwar hätten diese die Säbel« scheiden und Gummischläuche zun, Schlagen benutzt, sie hätten ihn an den Füsten gepackt, so dast Körper und Kopf an dem Boden schleifte und als er wieder hoch gekommen, habe er wieder Hiebe mit dem Gummifchlanch erhalten, so daß sein Körper an verschiedenen Stellen Strieme» zeigte. Der Angeklagte hat sich nach seiner Entlassung von der Wache von eine», Arzte ein Attest ausstellen lassen, demzufolge er mit einer aiifgeschivollenen Oberlippe behastet lvar und an verschiedenen Stellen des Körpers Hautabschürfungen, Beulen und auch einige Strieme» zeigte. Er behauptete, dast alle seine An- gaben der volle» Wahrheit entsprächen und wandte sich lviederholt sehr erregt gegen die durchaus abweichenden Bekundungen der Schutzleute. Seine Behauptungen erhielten in einzelnen Punkten eine Stütze durch die Darstellung, welche seine Freunde von den Vorgängen vor und nach der Sistiening gaben. Im Gegensatze zu ihnen trat ein nninteressierter Zeuge ans, welcher bekundete, dast der Angeklagte den Schutzleuten de» erheblichsten Widerstand entgegengesetzt habe und nur mit nnsterster Kraftanstrengmig vorwärts gebracht werden koinite. Dieser Widerstand sei auch im Hause der Wache fortgesetzt worden, Ivo der Angeklagte den transportierenden Schutzleuten fehr viel zu schaffen gemacht habe. Ein Haupteiitlastungszenge des An- geklagten ivar ein junger Mann, der an dem kritischen Abend dessen Zelleimachbar gewesen. Er behauptete anf das bestimmteste, daß der Angeklagte vor Schmerze» gebrüllt und daß er deutlich daS Klatsche» der ans den Körper des Angeklagten nieder sausenden Schläge gehört habe. Seine Aussage wurdet proto lolliert. Tie sämtlichen an jenem Abende anf der Wache im Dienst gewesenen Schutzleute bestritten nntcr ihrem Eide, sich in der be- haupteten Art gegen den Angeklagten vergangen zu haben. Aller- dingS habe er gebrüllt, es sei aber das Brüllen der Wut und der Skändalsucht gewesen. Sie hätten gegen de» Angeklagte» nur die Gewalt angewandt, die nötig lvar, um seinen kräsiigen Widerstand zu überwinden und die Verletzung, die der Arzt konstatiert, könne und müsse sich der Angeklagte in dem selbstverschuldeten Hand- gemenge beim Transport und auf der Treppe zur Wache, bei». Hin- fallen' ans der Treppe zc. zugezogen haben. Jede absichtliche Mist- Handlung wurde von den Schutzleuten entschieden i» Abrede gestellt. Der Staatsanwalt hielt es für erwiesen, dast der Angeklagte, der sich de» Beamten so energisch ividersctzt, gegen diese bewustterivcise fälschlich so schwere Anschuldigungen erhoben habe. Er beantragte gegen ihn eine Gesamtstrafe von ein Jahr einen Monat Gefängnis. Der Gerichtshof verurteilte ihn nur wegen Wider- st a i, d e s zu drei Monaten Gefängnis. Bezüglich der falschen Anschuldigung hielt der Gerichtshof' nicht für erwiesen, daß sie wider besseres Wissen erfolgt sei. Er erwog dabei, dast der Angeklagte an dem kritischen Abend etivas angetrimke» war»»d in dem Handgemenge, in welches er mit den Schutzleuten geriet. möglicherweise die Verletzungen, die er sich dabei zugezogen und die die Schutzleute nicht verschuldet haben, für absichtliche Misthandlmigei, angesehen habe» mag. am VevJÄ imulmtflem Kousniiigenofscuschaft für Berlin und Umgegend. Nachdem 16. Juni ISOt die Verwaltung der Konsumvereine„Berlin- Ripdorf",„Berlin-Nord",„Berlin-Snd",„Schöneberg",„Charlotten- bürg",„Friedrichshagen".„Adlevshof"»nd„Weistensee" sich Prineipiell für eine Cenlralisation sämtlicher Vereine erklärt hatte», beschlossen die am Sonntag, den 6. April 1902 im Gewerkschaftshause tagende» Verwaltungen, dast zum 1. Juli zunächst die Vereine„Nord",„Süd" und„Schöneberg" sich znsainiiiciischliestei, sollen unter dem Namen Koilsmngenosscnschast für Berlin und Umgegend"; die übrigen Vereine werden dann sobald wie möglich folgen. Alle Vereine auf einmal znsamiuenziischliesten würde aus praktischen Gründen schon nicht thunlich sein. Diese drei Vereine haben in 13 Verkaufsstellen i», Monat März dieses JahreS einen Umsatz von ca. 67 000 Mark gehabt. Britz. AuS der Generalbersammluna deS Wahlvereins zu Britz ist»litzuteile», dast in, verflossenen Vierteljahre 8 Vorstaiidssitzungcn. 3 Vercinsversammluiigen und 3 Volksversammlnngei, stattgefuiidc,, habe». Ter Verein zählt 63 Mitglieder; davon wohnen in Britz 46, in Nixdorf 18. Vertreten sind folgende Berufe: 9 Fabrikarbeiter. 6 Tischler, 6 Möbclpolicrcr, 6 Maurer, 4 Dechsler, 4 Restanrateure, I Metallarbeiter, 2 Kutscher. 2 Vergoldcr, 2 Steinsetzer, 2 Formen- techer, 1 Schuhmacher. 1 Schneider, 1 Unternehmer, 1 Kaufmann, . Goldarbeiter, 1 Ackerpächtcr, 1 Mechaniker, 1 Buchdrucker, l Schriftgiestcr, 1 Lagerhalter, 1 Cigarrciimacher. 1 Zimmer- nlaim, 1 Heizer. 1 Putzer. 1 Schlosser, 1 Kiste,, Macher. Gärtner. 1 Erdarbeiter, t Hausdiener. An Einnahm«« find 91,65 M., an Ansgabc» 84.87 M. z» verzeichne». Als Bibliothckor wnrde Restanrateur Fr. Weniger, Werderstr. 27, gewählt und lnnn dort der Bücher,»„tausch jederzeit erfolgen. Als Delegierte zur Geiicralvcrsninmlnng deS Central-WahlvereinS wurden Hendel, � a„ d»i a n ,,»nd Köhler gewählt. Während in früheren Jahren die Maifeier durch Abe»d-Versa»,mlungen oder Abend- Unterhalt, u, gen gefeiert worden ist. wurde diesmal beschlossen, an, Bonuitlag in der Rosciisecterrasse eine öffentliche Versamin- l u n g und nachmittags in Kaps Lokal ein Vergnügen stattfinden z» lassen. Stchtnug, Zöpfer k Wie i» der Mittwolb-Runimer deS„vorwärts" durch Amimiee bekannt gegeben, findet Freitag, den LS. d. M., abends S Uhr, in, Saal 7 deS Gcwcrktchnftshaweö eine Berfaninilung derBau-VertraiienS- lentk und BezirlSIetter sintt. Wir uiachc» nochmals darauf aufmerksam, daß in Anbetracht der Wichtigkeit der zur Besprechung stehenden Angelegen- hetle» jeder Bau vertreten fein muh. Briefkasten der Redaktion. des Dt« j»> tsilschc Sprechliiinde findet töglich mit NuSunhnie Sonnabend» von«Vi bis'.»>/, IIb, abend» Itatt. Kenler. Thalia mit den, Ton auf der zweiten Etlbe ist die Muse deS Schauwiels, Thalia mit dem Ton auf der ersten Silbe«ine der drei Grazien. ES heißt also Thalia-Thcater. Starrkopf. Ungebräuchlich und ganz unanwendvar. A.<«.'Zl. Tie Verpstegung eines Kindes tm KIiidcr-Kraiikenhaufe in der R-tnickendorferstraße kostet einschließlich ärztlicher Behandlung 2 Mark täglich. C. B.. Blumenstr. 33. Der Bormund hat daS Buch nach Ihrer erreichte» Volljährigkeit herauszugeben. Wenden Sie stch eventuell an daS Amtsgericht.- 100. Stirbt der Mieter, so ist sowohl der Erbe wie der Vermieter berechtigt, das MlitöverhätUns bis am dritten Tage deS auf den Tod folgeiiden Quartals zinn QuartalS''chluß zn kündtgen—«.!».. Eharlottenburg. In der Regel nein. Wiederholen Ste die Antrage unter Ergänzung nach folgenden Richtungen: Wann ist der Tod«rtolat v Wo? Lebt der Witwer? Wo hatte er und wann geheiratet?— H-Ä- Ja. - Anna II. 44. 1. Doch. 2. Die Kafle ist im Unrecht. Beschweren Ste sich bei der Gewerbedeputalion, Stralauerstr. 3,1»— M. Lö» Britz. Ja. -(f. B. 100. Verpflichtet ist die Krantenkasse nicht, wohl aber kann sie einem von Ihne» gestellten Antrage stattgeben— M. B. 1840. 1. Tie Zahl der Gutachten ist nicht vorgeschrieben. Eins kann htnrcichen. 2.»nd I. DaS Gericht kann das Gutachten eines beamteten ArztcS verlangen. 4. und b. Der«»trag auf Zlnfhebung der Sntmllndigung ist zunächst an daS BorvlNNdlchaftSgericht zu richten. Gegen deffe» aA»h»e»den Beschluß steht dem Entmündtgte», gegen den zustimmenden der Staatsanwaltschaft die«lag« zu. Die erster««tage ist durch eine» beim Landgericht zugelasienei, Ainvalt einzureichr».— Q. F. Der Vertrag ist mangels gerichtlicher oder notarieller Farm ungaltig, es sei den», die Anslosiung hat territs statt- oesnnden.- HaS. 102. Wenden Sie sich«» irgend ein vegetarisches Rcftauraiit.—(£. S.4. 1. Lehnen Sic das Hinkommen ad. Ste ksnii te n freilich zum Erscheine» gezwungen werde». 2. Lehnen Sie jede Untrrichrtst entschieden ab. Zu einer solchen köniic» gezwungen werden. -«v. 1001. I. Das Kind das Ihre S�u 7 Monate nach ihrer ersici, Scheidung geboren bat, ist solang- Kind des erile» Maimes und nicht Ihr Kind, bis sei» Vater aus Unehelichkeitserklarung mit Erfolg geklagt hat. 2. Wegen des Erztehungsrechts tan» jeder sich an das Auitsgericht wenden. - F. Carl. Ja- Sr. 75. Der Erfolg einer Klage ist ein zwetsel- hafter. DaS Gericht kann der Bekundung Ihrer Frau Glauben schenken. kann aber auch die Sache sür unausgeklän erachten.— A. H. 8470. Net». -». B. 37. Nur wem! der Vertrag notariell oder genchtti» geschlossen tsi. ist er gültig.- B»»'der-«osart. Leider kann die Juvalidilnts- Versicherungsanstalt nicht gezwungen werden, zwecks Erhaltung der Erwerbs- säbigkcit aufgewendete Kurtostcn zu ersetzen.- I. BS. Der alS Armen- anmalt bestellte Anwalt erhält weder vom Staat noch von der Stadt eine Entschädigung- L. Nieder-Schönetveide. Die«läge hat Ersolg. Verantwortlicher Redacteur-. Carl Lei» in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.