Mr. 97. Abonnements-Kedingunge»: SlbonnemenlS- Prei» pränumerando! «ierteljährl. 3,30 Ml., monall. l.ioMl., wöchentlich LS Pfg. frei ins Hau». Siiuelne Numm»i S PIg. EonnlagS- Slunimer mir mimcuri-c eonniagZ« LZeilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Ulbonneinent: l,1v Marl pro Mona«, Singslragen in der Post- ZeilungS- Preisliste für l»02 unier Vir. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. Arsch, i»k täglich auster Montag». Vevlinev Volksblerkf. 19. Jahrs. Die Inftrtions-GMyr beträgt für dt« fechSgefpaltene Kolons» zeile oder deren Raum so Pfg., für politifcheund gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. ,, Nietue Ansrigeii" jedes Wort 3 Pfg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS i Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Sxpcdttion ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» s Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adreffe> «<»riald»u>»krar Verlin- Centmlorgan der socittldemokratiMen Narter DeutsMands. Nrdalttivil: sw; 19, Vvutlz.Skrasje 2. Kernsprccher: Klint I Nr. 1508. Sommbeud, den Ä9 April Expedttion: 8�.19, Vontlj-Skvalje 9. Fernsprecheri Amt I. Nr. 5lSI. Der französische Soeialismns in der Wahlbewegnttg. Paris, 23. April. Die allstemeine Wahlsituation habe ich in einem früheren Artikel skizziert. Die besondere Sitliation des französischen Socialismus in den Kammerwahlen ist von zwei Thatsachcn beherrscht: der Millcrandschen Ministerschast und der damit verknüpftcit socialistischen Spaltinist. Es springt in die Augen, daß die Verfälschung des Socialismus zu Wahlzivecken jetzt eine stärkere und häßlichere Ausdehnung ge- ivouncn hat denn je, selbst als 1833, da der Socialisnius als neue Partei zuerst die Blicke der Wähler masse aus sich lenkte. Damals waren es— neben den früheren Boulangistcn— nur die Links- radikalen, die den„socialistischen" Nebentitel sich beilegten, um den Wirkungen des Panama-Skandals zn entgehen, der auch die Radi- kalen beschmutzt hatte. Jetzt aber wird das Beilvort.socialistisch' auf den Wahlplakaten der Demagogen und Mandatsjäger aller möglichen Schattiernngen entehrt. Ganz besonders natürlich in Paris. Hier giebt es zahlreiche Wahlkreise, in denen ein wirklicher Socialist, ein Radikaler und ein Nationalist von einem„socialislisch- republikanischen Komitee empfohlen iverdeu. Man darf sagen, daß die Gründe, iveshalb Marx und Engels in ihrem.Manifest' sich Kommunisten und nicht Socialisten nannten, in Frankreich wieder volle Geltung erlangt haben: wie in den vierziger Jahres des vorigen Jahrhunderts hat das Wort Socialismus für die große Masse seinen eigentlichen Inhalt total verloren. Die seit 18S3 gemachten Versuche, die Grenzen des proletarischen Socialismus in den Augen der Masse zu marlieren, sind durch die neueste Partei-Entwicklung wieder rückgängig gemacht worden. Zwar kann es in Frankreich unter keinen Umständen gelingen, die Mandats- jäger zu verhindern, sich eine socialistische Maske anzulegen, ebenso wenig wie die Republikaner den immer mehr um sich greifenden Mißbrauch des republikanische» Titels durch ausgesprochene Monarchisten verhindern können. Aber der Schaden des Maskenspiels, dessen verwirrende und täuschende Wirkung auf die Wähler, könnte gewiß auf ein Mindestmaß reduciert werden, wenn eben die Masse gcivöhnt wäre, wie in allen Ländern mit einer geeinigten socialistischen Partei, die socialistischen Ideen und Kandidaten von der eine» und einigen Partei untrennbar zu sehen. In den gegenwärtigen Wahlen ist nun aber diese letztere Be- dingung am wenigsten erfüllt. Es giebt jetzt vier oder fünf Arten socialistischer Kandidaten: neben den Kandidaten der„Revolutionär- Socialistischen Einigkeit sGnesdisten und Blanguisten) und der „Föderativen Einigkeit'(Jonrdsisten) giebt es Kandidaten der „Revolutionär-Socialistischcn Arbeiterpartei'(Allemauisten— nur in Paris und Umgebung), der zu keiner der drei Organisationen gc- hörenden Föderationen(in einigen Departements) und eine Anzahl .unabhängiger' von ebensolchen lokalen Wahlkomitees aufgestellter Kandidaten. Dabei war die Spaltung unter den Socialisten noch nie so scharf, so klaffend, so feindselig wie heute. In de» mehr oder minder aussichtsreichen Wahlkreisen bildet eine einzige socialistische Kandidatur eine seltene Ausnahme. Im Gegensatz zu 18S3 giebt es socialistische Doppelkandidaturen auch in den Kreisen bisheriger socialistischer Deputierter... Was den Charakter der socialistischen Wahlcampagne betrifft, so muß man natürlich die beide»„Einigkeiten" auseinanderhalten. Die aus dem Tours-Kongreß hervorgegangene Partei ist weit entfernt davon, den Wahlkampf im proletarischen Sinne ans« zufechten. Nachdem ihre Kammerfraktion sich als ein bloßes An- häugsel der bürgerlichen Demokratie bcthätigt hat. setzen ihre Kandidaten dieselbe Taktik mindestens in allen den Kreisen fort, Ivo ein Wahlcrfolg winkt und der Erfolg so oder ander? von der Haltung der bürgerlichen Radikalen bezlv. der kleinbürgerlichen Wähler abhängt. Die bekannte Stellungnahme des TourS-Kongresses zn den Wahlbündnissen hat ja de» lokalen Organisationen völlig freie Hand gelassen. So hat man im Tarn(Jauräs' Departement) gleich im Beginn der Wahlcampagne ein Kartell mit den Radikalen abgeschlossen, kraft dessen die Socialisten neben Jaiirs«(Carmanx) nur noch einen einzigen Kandidaten aufstellen. Die übrigen vier Kreise fielen den Radikalen zu, darunter auch solche, in denen früher Tausende socia- listischer Stimmen abgegeben wurden. Dafür haben die Radikalen offiziell beschlossen, gleich im ersten Wahlgang für Jaurös ein- zutreten. Ebenso wurde auch anderwärts auf die selbständige Aktion Verzicht geleistet au! Rücksicht auf die bisherigen radikalen Abgeordneten. Hand in Hand damit geht die Vertuschung des proletarische» Charakters der Wahlagitation. sobald es der Wahlerfolg erheischt. In den mit kleinbürgerlichen Elementen stark durchsetzte» Pariser Kreisen verschwindet in den Plakaten und Reden der ministeriell- socialistischen Kandidaten mitunter restlos der proletarische Inhalt des SocinliSmnS. Dafür werden um so eucrgischcr die „Jnteressen des Kleinhandels' betont. Der Pariser Abg. Rouanet läßt sich seine Sorge für die besagte» Interessen von den Krämern bescheinigen. Derselbe hatte übrigens ieine Campagne eröffnet mit einem in seinem Kreis unter Waldeck- Ronsseaus Vorsitz gehaltenen Vortrag über den Kampf gegen die Tuberkulose. Der. possibilistische Kandidat Heppenheimer wird offiziell auch vom„Republikanischen Komitee für Handel und Industrie' empfohlen. Der Pariser Abg. Viviaui. der persönlich am Tours, Kongreß teilnahm, affichiert nicht etwa daS Programm von Tours wie es der Kongreß beschlossen hatte, sondem ein selbstgebackenes »och ungleich mehr abgeschwächtes Programm. Hier einige Stellen ans demselben:„Das Werk der socialistischen bereiten und für die Gegenwart die großen Jnteressen des Vaterlandes zn verfechten, alle Rcfonnen, selbst die geringsten, zu beschleunigen, endlich die Republik gegen die Frechheit der klerikalen und nationalistischen Reaktion zn verteidigen...' Weiter wird von der.Notwendigkeit' gesprochen,„nach einer fried- lichen Lösung der socialen Frage zu suchen."... Es gelte,„die Demokratie vom Joche der Plntokratie zu befreien' und zu diesem Zwecke„dem Volke das Eigentum, diese obere Garantie der Freiheit", zurückzugeben", daher„zunächst die Verkehrs- nnd Kredit- mittel zu nationalisieren und dann als unvermeidliche Folge auch die großen Produktionsmittel, die bereits ein Werkzeug der poli- tischen und socialen Unterdrückung in den Händen der Geldaristo kratie sind____" Schließlich wird kurz die„internationale Verständigung der Arbeiter" erwähnt unter Hinznfügnng, daß die Socialisten„sich von den Pflichten des Patriotismus nicht lossagen und bereit sind Frankreich zu verteidigen...' Nirgends im Programm ein Wort vom proletarischen Klassenkampf! Und auch das Neformprogramm von Tours hat Viviani durch eine Zusammenstellung der üblichen linksradikalen Forderungen ersetzt Am gründlichsten aber hat die Vertuschung und Verfälschung des Socialismus wohl der ministeriell-socialistische Pariser Abg. Charles GraS besorgt. In seinem Wahlplnkat figuriert der Socialismus überhaupt nur im Titel seines„iocialistisch-republikanischeu Komitees', und seine gleichnamigen„Principien" erschöpfen sich in der Verteidigung der„Forderungen der Demokratie, der Rechte der Arbeiter, der so berechtigten Interessen der Kleinhändler, der Oberhoheit der Civilgelvalt, des republikanischen Unterrichts..." Ferner zählt er an• seine Verdienste um die Stadtviertel und die Eimvohner seines Wahlkreises� „In der Mairie habe ich(als Adjunkt) Eure Familien entstehen, in den weltlichen Schulen habe ich Eure Kinder auftvachsen sehen Zum Schluß ruft er seine Wähler zur„Einigung" auf,„um der menschlichen Vernunft gegen den Beichtstuhl und der französischen Revolution(von 17831) gegen jegliche Reaktion zum Siege zu verhelfen". Noch eins. Neben dem genannten Komitee stellt er an die Spitze die—„republikanische Konzentration" I Man sieht, Viviani und Gras haben sich über den Beschluß des TonrS-Kongrcsscs hinweggesetzt, der die Partcikandidaten verpflichtet, daS Programm als Wahlplakat anzuschlagen, trotzdem sie dadurch da? Stecht verwirken, der Kammerfraktion der Partei beizutreten. Ja, sie bekennen sich überhaupt auch dem Namen»ach auf dem Titel ihrer Plakate zur Partei nicht. Und sie sind nicht die einzigen, — von Millerand schon ganz zu schweigen. Wie viel Kandidaten dem Kongreßbeschluß gefolgt find, Ivird man später erfahren. DaS„Jntersöderale Komitee"(früheres Generalkomitee) hat den Kandidaten 40 000 von Partei lvegen her- gestellte Programm-Affichen zur Verfügung gestellt. Ueber den Charakter der Wahlaktion der„Revolutionär socialistischen Einigkeit" giebt zunächst Aufschluß die vom Centralrat beschlossene Principienerklärung, die von allen Kandidaten als Wahl Plakat zu verivenden ist: „Die socialistische Partei Frankreichs, eine Fraktion dcS organisierten internationalen Proletariats, erstrebt die Befreiung der Arbeit und der Gesellschaft auf folgenden Grundlagen: „Internationale Verständigung und Aktion der Arbeiter; politische und ökonomische Organisation deS Proletariats in einer Klassenpartei zum Zwecke der Eroberung der Macht und der Bcrgescllschaftlichung der Prodnktions- nnd Austauschmittel, d. h. der Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft in eine kollektivistische oder koni munistische. „Im Gegensatz zu denen, die den Triumph dieser neuen Gesell- schaft ins Unendliche verschieben, behauptet sie. daß ihre materiellen oder ökonomischen Elemente bereits heute vorhanden sind und daß, um dieselben ins Werk zu setzen. n»r noch die menschlichen Elemente fehlen, d.h. die Aktion eines bewußten und organisierten Proletariats, die ebenfalls bereits heute möglich ist. „Eine Partei der Revolution und folglich der Opposition zum Bourgeoisstaat, darf sie unter keinen Uniständen,— wenn es auch ihre Pflicht ist, alle Steformen zu entreißen, die geeignet sind, die Kampfbedingungen der Arbeiterklasse zu verbessern,— durch die B* teiligung an der Centralgewalt, durch das Votum der Budgets durch Bündnisse mit den bürgerlichen Parteien irgend ein Mittel liefern, das die Herrschaft der feindlichen Klasse verlängern könnte Außerdem hat die„Französische Arbeiterpartei"(Guesdisten) zwei längere Wahlmanifeste erlassen, deren eines spcciell für die Gegenden bestimmt ist, die noch keine socialistische Organisation haben— es enthält eine populäre Darlegung des Socialisnius, der Bedeutung des Wahlkampfes für die Arbeiter, Kleinbauern und Kleinbürger, soivie eine Kritik der Bourgeoisparteien. Der eigentliche Partei aufrnf wendet sich insbesondere gegen den MinisterialiSmus und dann gegen die gegenivärtig im Kampfe liegenden Fraktionen der Bourgeoisie, das Lager der„Verteidiger des Vaterlands" nnd daS der„Verteidiger der Republik":„Ueberlaffet diese feindlichen Brüder deS endenden Kapitalismus ihrer gleichen Ohnmacht und kommet masseuhast zur revolntionär-socia- listischen Einigkeit, kommet zur sranzösischen Arbeiterpartei, die auf Euch rechnet, um aus den, nächsten Wahlsieg eine entscheidende Etappe auf dem Wege zur befreienden Revolution zu machen I' Die„Revolut.-soc. Einigkeit" hat nicht iveniger als in 570 Wahlkreisen(unter 531) in sämtlichen Departements, mit AuS- nahine der Insel Korsika. Kandidaten aufgestellt. Durch diese gewaltige Anstrengung haben die Gnesdisten ihren Roubaix- Beschluß durchgeführt. Sie haben allein 503 Kandidaten aufgestellt, 47 Kandidaten entfallen auf die Blanquisten und 15 auf sonstige revolutionäre Socialisten, die der Einigkeit noch nicht beigetreten, aber von ihr unterstützt Parkst bestelst darin, M die Zukunft eine gerechte Gesellschaft vorzu-l werden. Es handelt sich natürlich im wesentlichen um Zähl- kandidaturen, die aber propagandistische und organisatorische Früchte bringen werden. An bisherigen Mandaten zählte die antiministcrieNe Fraktion 13, die ministerielle 30. In diesen Wahlen dürften überhaupt die Stichwahlen sehr zahlreich sein. Giebt es doch für ganz Frankreich 2430 Kandidaten, darunter 334 für die 50 Sitze des Seine-Departements, macht durch- schnittlich fast 7 Kandidaten für jeden Sitz im Seine-Departement und 4 für jeden Sitz in der Provinz. Die socialistischen Stich- wählen dürften aber relativ besonders zahlreich sein infolge der Doppelkandidaturcn._ VolMfche MebvMchk. Berlin, de» 25. April. Ein Segmcilt-Vcrsammlnugsrecht für Franc»! Wir haben der Oeffentlichkeit Kunde davon zu gebe», daß in Preußen ein Fortschritt auf dem Gebiete des Vercinsrechts zu vcr- zeichnen ist. Man wird es nicht glauben, aber es ist thatsächlich erreicht, daß Frauen hinfort a l s Z n h ö r e r i n n e n au V e r e i n s v e r s a in m I u» g e n teilnehmen dürfen— wenigstens im Gebiete des Berliner Polizeipräsidenten. Aus den bekannten, nachher teilweise eingeschränkten Er« kläningen des Ministers Hamnicrstcin im Abgeordnctciihnuse, daß Frauen in einem„besonderen Segment" an Versainmliingen teilnehmen dürften, hat die Socialdemokratie sofort in der Presse nnd in der Praxis energisch die Konsegnenzen gezogen. WaS den Frauen der Agrarier zilgestanden war, mußte auch den Proletarierinncn erlaubt sein, sofern die verfassniigsinäßige Gleichheit vor dem Gesetze nicht zur leeren Phrase werden sollte. Unsre Ausdauer ist denn auch von Erfolg gekrönt worden. Anfänglich wiesen die Polizeibeamten noch die Frauen von den Tribünen. Jetzt aber hat daS Berliner Polizeipräsidiuni auf eine Beschwerde die Erklärungen des Ministers ausdrücklich acceptiert. Ani 18. März wurde eine Versammlung dcS Wahlvcreins des IV. Berliner KrciscS(Südost) aufgelöst, weil die auf der Tribüne anwesenden Frauen der Weisung des Beamten, die Versammlmig zu verlassen, nicht Folge leisteten. Genosse Karl Liebknecht legte namens des Einberiifers der Versammlung, Gen. Paul Hoff- mann, Beschwerde ein, auf die untcr dem 23. April 1802 folgende Antwort vom Polizeipräsidenten einlief: Die von Eurer Hochwohlgeborcn namens Ihres Mandanten, Maurers Paul Hoffmaiin eingelegte Beschwerde vom 27. v. M. in Vereinsangelegenheiten sehe ich als erledigt an, nachdem inzwischen die überwachende» Polizctbcauitcn angewiesen worden sind, in polizeilich überwachten VcreinSversaminlnngen von der Be- fngniS, die Eutferiiiiug der Frauen zn verlangen, dann keinen Gebrauch z» machen, wen» diese«nr alö Zn- schauertnnen und nicht als Tcilnrhmcriune» erschienen sind, und diese ihre Eigenschaft anch durch ihr Verweilen in von dem eigentliche» BersammlungSranni räumlich getrennte» Plätze» änfferlich hervortritt. In Vertretung Fricdheim. Das ist ein kleiner Erfolg, aber ein Erfolg! Dem Bund der Land» Wirte wird einst als einziges historisches Verdienst die Anerkennung gezollt werden, daß er„bahnbrechend" im Versammlungsrecht der Frauen vorangegangen ist. Hoffen wir, daß bei der nächsten CircnS- versamnilung des Bundes sich die Frauen nicht nur mit den Männern.vermischen', sondern auch rednerisch an den Vcr- Handlungen beteiligen. Dann wird der Polizeipräsident sicherlich auch für die proletarischen Frauen die Scgment-Schranke und das Schweigegebot fallen lassen, sofern sich nicht inzwischen die Reichs- regierung entschließt, endlich das völlig sinnlos gewordene Vereins- recht gesetzlich zu niodernisicren und anch den Frauen statt deS Segments-Versammlungsrechts die uneingeschränkte Frei- h e i t gewährt, in Versammlungen nnd Vereinen am öffentlichen Leben wirksam teilzunehmen.— Die Seemanns-Ordnung in dritter Lesung. Der Reichstag begann am Freiwg die dritte Lesung der Seemanns-Orduung mit einer ziemlich ausgedehnten General- debatte. Zur Verteidigung der Reederinteresscn fand sich ein Quartett zusammen aus den Abgeordneten Stockmann. Semler, Frese und Lenzniann. Diese vier zeichnen verant- wortlich für eine Reihe von Anttägen, die weitere Ver- schlechterungen der Vorlage für die Seelente bezwecken. Herr Lenzmann hat es allerdings vorgezogen, eine„dringende Reise" anzutreten. So konnte der Widerspruch ," in dem er sich zu dem Gros seiner Fraktion befindet. wenigstens nicht augenfällig werden. Die übrig gebliebenen drei: die Herren Frese, Semler und Stockniann erhoben in der Generaldebatte ein großes Lamento über die schwere Belastung der Reeder durch die Vorlage. Unsere Genossen S ch w a r tz und Metzger lösten die doppelte Aufgabe, die 'ie hatten: den Verschlechterungsversuchen Widerstand zu leisten und gleichzeitig den Nachweis zu liefern, daß auch die Beschlüsse zweiter Lesung durchaus nicht den berechtigten Wünschen der Seeleute entsprechen, niit großem Geschick. Es stnd fünf Punkte in den Beschlüssen zweiter Lesung, die bc- onderes Bedenken erregen müssen. Zunächst die Zusammensetzung der SeemannSäniter, dann !>ie Durchführung der Sonntagsruhe, ferner die Uebertragbar- keit der Disciplinargelvalt des Kapitäns auf die Schiffsofftziere. die Verweigerung eines wirksamen Koalitionsrechts unter Ablehnung des Obmannssystems für die Seeleute und schließlich die ungenügende Fürsorge für die Sicherheit der Mannschaft weil es�an den notwendigen Vorschriften über die Untersuchung jedes Schiffs Nor der Ausfahrt auf seine Seetüchtigkeit und Tragfähigkeit fehlt. Während sich der Antisemit Kaab nusren Ausführungen im wesentlichen anschloß, suchte der (ientrnmsrcdner Kirsch den socialen Fortschritt der in der Vorlage gemacht wird, besonders hervorzukehren. Er erklärte dabei, daß es nur die Rücksicht auf die ausländische Konkurrenz ist, die seine Partei zur Ablehnung verschiedener social- demokratischer Anträge veranlaßt hat. In der folgenden Specialberatung gelang es unsrer Partei, nicht unwesentliche Verbesserungen durchzusetzen. So wurde beschlossen, daß dem Schiffsmaun in der dienstfreien Zeit die Erlaubnis zum Verlassen des Schiffes nur aus dringenden Gründen verweigert werden darf, ferner wurde die in der zweiten Lesung beschlossene Einschränkung gestrichen, wonach diese Bestimmung erst nach Beendigung der Schiffsreise gelten soll. Ebenso gelang es weiter, das Seeklarmachen am Wochentag und am So nntag als lieber- stundeuarbcit zu charakterisiere». Am Sonnabend wird die Beratung fortgesetzt. Präsident Graf Balle st rem teilte mit, daß der nächste Gegenstand nach Erledigung der Schauniweiusteuer, der den Reichstag be- schäftigen werde, die Diätenvorlage für die Zoll- kommission sein würde, und ersuchte unter großer Heiterkeit die Parteiführer, für die Heranziehung der nötigen Kräfte Sorge zu tragen.—_ Das Abgeordnetenhans hat mit Hilfe einer Abendsitzung nun endlich den Etat in dritter Lesung zu Ende beraten. Wenn nichts dazwischen kommt, wird das Herrenhaus in der ersten Woche des Mai seine Zustimmung zu den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses erteilen, so daß der Etat glücklich um den 8. Mai herum ver- abschiedet werden kann. Dabei ist der Landtag durchaus nicht ungewöhnlich spät einberufen worden; auch hat er so gut wie keine andre positive Arbeit bis jetzt geleistet. Diese That fache nmß festgenagelt werden angesichts der fortgesetzten An griffe der bürgerlichen Parteien auf die Socialdemokraten, die angeblich die Arbeiten des Reichstags durch unnütze Reden übermäßig verschleppen. Der Schluß der EtatSberatuug bot nichts, was der Er wähuung wert ist. Die Debatte war lediglich eine Wieder holung von Einzelheiten, die in der zweiten Lesung schon mehr als genug breitgetreten waren. Am Sonnabend wird sich das Abgeordnetenhaus von seinen Strapazen ausruhen, um am Montag die zweite Lesung der Sekundärbahn-Vorlage zu beginnen.— Schwarze Socialpolitik in der Praxis. Die durch das klerikale Regiment verschuldeten Brutali' täten und Metzeleien in Belgien lenken verstärkt die Auf nicrksamkeit auf. die Arbeitsverhältnisse in dem Lande des Pfaffenregiments. Die Äonstatierung der Thatsache, daß in Belgien die Arbeiter am allerschlnnmsten ausgebeutet werden, ist den deutschen Klerikalen sehr unbequem, sie suchen dem deutschen Arbeiter das zu verschleiern, indem sie renommieren, in Deutschland sei gerade die klerikale Partei der treibende Faktor für die Socialpolitik gewesen. Gegenüber diesem Schwindel ist es angezeigt, darauf him zuweisen, daß auch in Deutschland gerade dort, wo ultra montane Größen das Scepter als Großindustrielle führen— in Oberschlesien— die Arbeitsverhältnisse am traurigsten sind. Dort herrscht nicht nur die längste Arbeitszeit, werden die niedrigsten Löhne gezahlt, dort verschmäht man es auch nicht, Frauen in der Grube und Hütte auszubeuten. Nach den jetzt vorliegenden Berichten der Berg- und Hüttenwerke in Oberschlesicn für das Jahr 1901 wurden beschäftigt im 4. Quartal. P überhaupt e r s o n e n davon männliche weibliche In Steinkohlen und Erzgruben 95 785 87 794 7 9vt „ Eisen- und Stahlindustrie�) 24 946 23 505 1 441 „ Zink- und Bleihiittcn 3C.. 10 471 8 963 1 508 „ Coaks- u. Cindcrfabrikotion 3 231__ 2 781_ 450 134 433 123 043 11390 Summa *) ohne Ncbenbctriebe. Von der Gesamtzahl der Beschäftigten gehören 8,47 Proz. dem weiblichen Geschlecht an. Und die Frauen und Töchter deS Volkes werden hier in Betrieben beschäftigt, die als die gesundheitsschädlichsten für den weiblichen Organismus be- zeichnet werden können. Wo findet man in Deutschland ähn- Ii che Verhältnisse? Und wie der Bildungsciser der Ultramontanen sich be- thätigt, das zeigen die Volksschul- Verhältnisse in dem mit Centrumsgrafen gesegneten Oberschlesien. Eine Zusammen- ftellung darüber crgiebt folgendes Resultat: Zahl der Schüler Lehrkräfte Benthe» Stadt..... 135 Land Königshütte Stadt Kalloivitz„ Sora»„ Gleiwiy„ Tost-Gieiwitz Kreis Kattowitz Land..... 364 Rlibnick Stadl..... 13 Tarnowitz Kreis.... 149 Zarbze„.... 264 Je 81 Kinder werden von 333 163 57 12 108 193 "Uut 8 120 60,14 25 200 75,37 11016 65,54 3 930 68,94 870 72,50 8 073 74,75 15 014 77,79 29 987 82,38 1 066 82,00 12 374 83,04 23 019 87,19 einer Lehrperson unterrichtet! Ein ultramontanes Kulturbild, das vervollständigt wird durch die Auspowerung der Frauen(die nach ultra- montaner Behauptung ins Haus gehören) in Gruben und Hütten.— Oberschlesien, die Centrumsdomänc, ist das Belgien Deutschlands: würden die Klerikalen vollends das Heft in die Hände bekommen, dann würde ganz Deutschland zu einem Oberschlesien. � Deutsches Hteich. Zolltarifkommisfion. Infolge der bevorstehenden Beratung über die Ergebnisse der Brüsseler Zuckerkonferenz wurden am Freitag in der 49. Sitzung der Tariftommisfion die Positionen 174 und 175(Zucker und Stärke- zucke r) zurückgestellt. Die zur Beratung gelangten Gegen- stände. Position 164 bis 183, betrafen fette Oele. pflanzliche Fette. Stärke und S t ä r k e e r z e u g n i s s e. uiid Getränke(Liqneure. Branntwein, Weine, Most, Obstivcin). Durchweg wurden die von der Regierung vorgeschlagenen Sätze an- genommen. Rur bei der Position eingekochter Mo st von T r a u V«» winde auf Antrag Blankenhorn der Zollsatz von 60 auf 80 M. erhöht. Sämtliche Anträge auf Aufhebung oder Herabsetzung der Zölle wurden abgelehnt. Zu Beginn der Sitzung überraschte der Abg. v. Wangenheim durch einen selbst bei ihm auffallenden Antrag und eine noch eigentümlichere Begründung. Bei den fetten Oclen hat die Regierungsvorlage eine Erhöhung bei Raps- und Riib- Oel (von 9 auf 12 M.) uud bei Baunuvollfainen- Oel(von 10 auf 12,50 M.) vorgeschlagen. Bei den meisten andern fetten Oelcn (Bucheckern-, Oliven-, Lavat-, Sulfur- und Ricinus- Oel) sind im Entwurf die Sätze des bestehenden allgemeineil Tarifs beibehalten; der Zoll auf Holzöl soll von 9 auf 4 Mark herabgesetzt werden. Der Vorsitzende des Blindes der Landwirte beantragte" nun, die vor- geschlagenen Erhöhungen auf 18 M. zu steigern, die Zölle auf Buchcckeruöl, Olivenöl und Ricinusöl gleichfalls auf den Satz von 18 M. zu bringen und die vorgeschlagene Erniedrigung des Zolls auf Holzöl abzulehnen. Diese Oele sind unentbehrliche Roh- stoffe großer Industrien, so der Lack-, der Seifen-, der Kattnndruck- Industrie. Ein Zoll vcricnert also, ohne irgend welchen Nutzen der Landwirtschaft zu bringen, die Produktionskosten der deutschen Industrie auf Kosten des Auslands. Folgerichtig wäre eine Beseitigung dieser Zölle, das wünsche» auch die beteiligten Industrien. Tie Regierungsmotive sind dieser Notivcndig- keit nicht gefolgt, nur bei dem für die Lackindnstrie ivesenllichen chinesischen Holzöl haben sie durch die Zollermäßignng einen kleinen Schritt zum Vernünftigen gethan. Herr v. Wangen he im blieb hartnäckig bei dem Unvernünftigen und dessen Ausbau. Begründete er sonst Anträge fast lediglich mit der stereotypen Wendung:„ich kann bei der Begründung kurz sein, der Antrag spricht für sich selbst, die interessierten Kreise wollen das und die müssen wisse», was ihnen frommt," so paßte diese Begründung gar zu schlecht. Herr v. Wangenheim fand eine andre. Er führte, von dem Grrnidsatz ausgehend„Schutzzoll schützt", an: Nehmen Sie meinen Antrag an, nm die beteiligten Industrien zu schützen und im Interesse der Arbeiter, deren notivendige Bedarfsartikel durch den Zoll verteuert werden. Das war denn selbst der Mehrheit doch ei» zu starkes Stück. Der Antrag Wangenheim fiel in allen seinen Teilen. Von den Zollerhöhungs-Beschlüssen ist noch die Erhöhung des Zolls auf grüne oder trockene Stärke von 12,50) aus 16 M.. auf Stärkegnmmi, Kleister, Kleber usw. von 12,50 ans 18 M, hervor- znheben. Zur Position Zucker haben die socialdemolratischen Dtit- glieder Zollfrciheit und als eventuell folgendes beantragt: 1.„So- lange deutscher Zucker für das Ausland'villiger verkaust wird als für das Inland: frei. 2. Milchzucker: frei."— Gesinde-Esse» i» Mecklenburg. Die Leuteköchin Thomm zu Poorftorf bei Neubnkow hatte sich vor der Rostockcr Strafkammer zu verantworten wegen„Dienst- vergehen", begange» durch„grobe Ungebühr" gegen eine Frau v. Lcvctzow, die Gattin ihres Dienstherren, des Ritterguts- b e s i tz e r s Alexander v, L e V c tz o w, und eine Schwester der Fron. Es handelt sich um zwei polizeiliche Strofverfügungen, die vom Schöffengericht bestätigt wurden und nun ans Berufung der Köchin der Prüfung der Strafkammer unterlagen, Die Verhandlung ergab ein anschauliches Bild von mecklcn- burgischen Zuständen, Die Angeklagte soll das Verbrechen an der gnädigen Frau dadurch verübt haben, daß sie Fleisch, das den Leuten vorgesetzt ivar, in unpassenden Worten als untauglich zurückgewiesen habe. Die Angeklagte erklärte— nach einem Bericht nnsreS Rostocker Partei-Organs—, sie habe am 1. April den Dienst als Lcntcköchin verlassen, weil Herr v. Levetzow s i e geschlagen habe: sie sei seit 24. Oktober v. I. in Poorstorf in Stellung gewesen; anfangs habe sie nichts auszusetzen gehabt; aber das Verhältnis habe sich geändert, als sie mit den: Inspektor einen Wortwechsel gehabt habe;' der Inspektor sei ihr mir u n anständigen Redensarten und Zumutungen zu nahe ge« treten; sie habe ihre Mädcheuchre eutschiodei: gewahrt und den Inspektor einen„dummen Beugel" genannt. Herr v. Levetzow, der hiervon erfahren, habe beim Polizeiamt einen Strafbeichl wegen grober Ungebühr gegen sie erlvirkt; sie habe gerichtliche Eni- schcidnn'g beantragt und sei von: Schöffengericht in Renbukow frei- gesprochen. Seitdem sei es ihr so vorgekommen, als ob sie in Poorstorf seitens der Herrschaft schlecht behandelt werde. Kurz vor Weihnachten sei eine Sau bei der Geburt von Ferkeln so schwer erkrankt, daß deren Tod unvermeidlich gewesen wäre. Es sei Befehl gegeben, die Sau zu schlachten. Es habe sich herausgestellt, daß Leber und Lunge in schlechtem Znstand waren; sie hätten so übel gerochen, daß Frau von Levetzow befahl, diese Sachen aus der Plättstnbe zu schaffen, in der bei Schlächtereien diese Flcischteile sonst verarbeitet würden. Die Fleischieile der Sau seien, nachdem dieselben aus Vergeßlichkeit 8 Tage in einem Kellerraum unverarbeitet gehangen, bis ans einen Genickbraten, der den Leuten hätte am Weihnachtstage vorgesetzt werden sollen, teils eingepökelt, teils sauer eingekocht. Das Fleisch habe, als es ein- gekocht ward, eine auffallende Färbung gehabt und übel gerochen. Die Leute hätten weder von dem Braten, noch von dem sauren Fleisch gegessen; dasselbe habe einen mnfflichen Geschmack gehabt, und ein Arbeiter, der davon ast, habe bald darauf sich erbrechen müsse«; sie selbst sei nach dem Genuß erkrankt und zwar, wie sie glaube, infolge der ungesiuiden Beschaffenheit des Fleisches. Eines Tages stellte es sich heraus, daß das sauer eingekochte Fleisch, das grün aussah, mit Haaren bewachsen war. Fräulein Görs, die Schwester der Frau von L., welche die erkrankte Wirtschafterin vertrat, warf die Stücke, die an: schlimmsten aussahen. in den Aschkasten und stellte den Topf aus der: Herd, damit das Gelee lvcich würde. Alsdann wurde von diesem Fleisch den Leuten wieder vorgesetzt; keiner aß aber davon und ich schüttete daS unberührt gebliebene Fleisch in die Tranktonne. An einem Sonntagabend fragte die Wirtschafterin Fräulein Görs, die sah, daß das Fleisch unberührt aus der Lentestube kam, ob sie den Leuten andres Fleisch geben solle; das Fräulein nahm ein Stück von den: Fleisch, nm es dem Herrn zn zeigen. Alsbald kam Frau v. Levetzow in die Küche und rief:„Was,' das Fleisch ist tadellos und das wollen die Leute nicht essen; die verflnchtc Bande soll was erleben; das will immer ein großes istück Fleisch haben und nichts ist gut genug; aber daran ist bloß die Köchin schuld, die wiegelt die Leute aus und redet ihnen allerhand vor." Ich erwiderte: Nein, die lassen sich von mir nichts vorreden, sie haben schon oft das Fleisch zurückgewiesen, dies ist nicht das erste Mal, daß sie schlechtes Fleisch bekommen� Von den Zettgen wurde die Darstellung bestätigt. Die gnädige Frau versuchte zu leugne», wurde aber überführt. DaS Gericht er- kannte denn auch— Genosse Herzfeld, der Neichstags-Abgeordnete für Rostock, verteidigte die Angeklagte— auf Freisprechung im Fall der„Ungebühr" gegen Frau v. Levetzow. Für einen zweiten Fall wurde sie zu 4 M. Geldstrafe verurteilt. Der Prozeß zeigt u. a. auch, aus wie triftigen Gründen sich öiner Zeit die Junker dagegen gewehrt haben, daß aucki die Hans- Schlachtungen dem Fleischschaugesetz unterstellt würden. Wenn es sich um a m e r i k a n i s ch e s Fleisch handelt, empfinden sie sogar die Bor- Sur« als gesiindhcitsverwüstend. Ihren: eignen Gesinde setzen sie aber krankes, ekelhaftes Fleisch vor, daS freilich von nationalen Schweinen herstammt.—_ Die Reichstags-Ersatzwahl in Eclle-Gishorn-Pcine. Durch den Tod des welfischen Abgeordneten Frhrn. v. Hammer- lein machte sich für obengenannten Wahlkreis eine Ersatzwahl not- wendig. Dieselbe fand am Donnerstag statt. ES erhielten: e h l(natü 7276, v.d. Decken(Weife) 6039, Thielhorn(Soc.) 5888 und B ö d e ck e r(Bund d. L.) 4661 Stimmen. In: Jahre 1898 bewarben sich nicht weniger als sechs Kandidaten um das Mandat. Es erhielten Stimmen: Der Konservative 1158, Nationalliberale 7749, Freisinnige Vereinigung 2192, Welse 5521, Socialdemokrat 5033 und der Antisemit 901. In der Stich- wähl zlvischen dem Nationalliberalen und Weifen siegte letzterer mit 13 717 gegen den Nationalliberalen, auf welchen 9391 Stimmen ent- fielen. Völlig ausgefallen sind diesmal— neben der Freisinnigen Vcr- einigung— der Konservative und der Antisemit, deren Stimmen— zusammen 2059— dem B ü n d le r zufielen. Die übrigen bünd lerischen Stimmen waren 1893 dem nationalliberalen Kompromiß« kandidaten zugefallen, dem sie diesmal entzogen wurden. Daß die Nationalliberalen trotz der Absonderung der Landwirtschaftsbnndlcr ziemlich ihre alte Stimmenznhl wieder erhielten, erklärt sich ans dem Umstände, daß diesmal die Freisinnige Vereinigung für'sie stimmte. Den größten Fortschritt— 855 Stimmen mehr— hat die S o c i a l d e:n o k r a t i e zu verzeichnen; der Welse gewann 518 Stiinmen.—_ lieber die Gärnng im Rnhrrcvirr berichtet die ArbeitLnmrkt-Korrespondenz: Wichtiger noch als die Massenversammlungen sind in dieser Be- ziehnng d:e lleineren Zusammenkülifte, in denen sich auserlesene sachkundige Bergleute aussprachen. Am Montag, den 20. April fanden in Bochum zwei Versammlungen bergmännischer Arbcitcrvertreter statt, die in beredter Weise Zeugnis ab- legen über die vorhandene Gereiztheit der Belegschaften. Die» Versammlung der A r b e i t e r b e i s i tz e r a m B e r g- Getverbegericht beschäftigte sich hauptsächlich mit der zechen- festigen Auslegung der Arbeitsordnung und ihrer Unterstützung durch die Rechtsprechung. Gewöhnlich würden plötzliche Ent- lassungen auf Grund des Z 5 vorgenommen, der im Sinnc der Gewerbe-Ordnnng abgefaßt ist. An: Berg-Gewerbegerich: käme man damit nicht durch, und daher beriefen sich die Zechen hier mit Erfolg ans die ZZ 22 und 23 die für imbedentende„Vergehen"(z. B, mehrfaches Liefern„unreiner" Kohlen) plötzliche Entlassung androhten. Es wurde behauptet, gerade zur Zeit geschähen sehr viele durchaus willkürliche sofortige Ent- lassnugen. In der zweiten Versammlung waren es über 200 51>: a P p s ch afts ä l t e st e. die, obgleich sie in gewerkschafl- licher Hinsicht gespalten, doch einstimmig protestierten gegen die Absichten der Werksbesitzer, die jetzige Zeit zu einer wefeut- lichc» Verschlechterung der Kassensiatnte» zu benutzen. U. a. wird beabsichtigt, die Erlangung der Jnvalidenpension zu erschweren, das Erziehniigsgeld für Kinder von llnfallinvalidei: zn beseitigen, Herabsetzung der Unfallinvaliden-Rente usw. Diese Verhandlungen, in denen sich fachkundige Vertreter der Bergarbeiter ohne Unterschied der politischen Richtung übereinstimmend aussprachen, bilden den Hintergrund zu jeiicn Massenversammlungen der Bergarbeiter, die von Tausenden besuch: werden und in denen allerdings die Wogen höher gehen. Auch das Grnbenorgan, die„ R h e i n: s ch- W e st s. Zeitung", beschäftigt sich niit den Vorgängen und kommt zu dem tröstlichen Ergebnis, daß die gegenwärtige Regierung nichts thnn werde. u:n den bedrängten Arbeitern zu Hilfe zu kommen. Das Blatt hält es für selbstverständlich, daß die Eingabe des Bergarbeiter-Verbandcs ihren Zweck verfehlen werde, „da der heutige HandelSunuister nicht Berlepsch, sonder» Möller heißt, und dieser die Verhältnisse im Ruhrrevier von der praktischen Seite kennt, während jener ihnen lediglich a:n grünen Tische nahe gekommen war. Damals bei dem sogenannten „großen" Streik griff ja die Staatsgewalt unter der Aegide des Herrn v. Berlepsch ein.... Als ausgeschlossen aber muß eS gelten. daß Herr Möller Neigung verspüren sollte, in die Fußstapfen seines frciherrlichen Vorgängers zn treten." Das glauben wir' auch. Ein Minister wie Herr Möller, dessen socialpolitische Einsicht in dem Satze gipfelt, daß daS größte Unglück für den Arbeiter-- hohe Löhne seien— gegen extrem hohe Gewinne der Unternehmer hat et nichts einzuwenden—. wird niemals Beschwerden von Arbeitern als berechtigt anerkennen. Die überslblvänglich gepriesene Socialpolitik des neuen Kurses ist eben seit 1890 auf den Möller gekoinmen. Tie Znckcrkonvention und der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Zucker st euer-GesetzeS ist bereits beim Bundesrat eingegangen. Die Entwürfe dürften also auch sehr bald an den Reichstag gelangen, wo die agrarische Obstruktion ihrer wartet.— Die Folgen der Abentenrerpolitik. Ueber.Unsichere Z u st ä n d e i n K a m e r u n" schreibt die„Post": „Kamerun ist das Schutzgebiet, aus dem immer neue über- raschende Nachrichten kommen, und wo die größte Unruhe herrscht. Der Kommandeur der Schntztrnppe, Oberstlientcnant Pavel, hat hierher berichtet, daß er nach Garna am Beim- zu ziehen beabsichtige. Schon über fünf Monate ist er mit seiner Expedition niiterwegS, und anstatt daß er nach der Küste zurückkehren kann, wird er zn immer weiteren Zügen veranlaßt. Anfangs November bis in den Dezember hinein hatte er K ä n: p f e mit den Bangwa, Bafnt und Bandeng zn bestehen, dort errichtete er zur Befestigung nnsrcr Herrschaft eine Station zu Bandeina. Tann lehnten sich die Eingeborenen in B a n y o auf und offenbar sind b e u n r n h i g e n d e N a ch r i ch t e n bei ihm aus den: Benns-Gebie'te eingegangen. Darum hat er es wohl für nötig befunden, den: O b e'rl i e« t e n a n t Dominik ni i t seiner schwachen Truppe zu Hilfe zu eilen. Auch weiter»ach Osten hin in Ngaundaro ist unsre Herrschaft noch nicht b e f e st i g t____ Dabei bleibt aber die JiUcresscnsphäre von: Bennö bis zum Tschadsee ganz außer Betracht. W e l cd e Auf- gaben uns dort noch bevorstehen, läßt sich gar nicht übersehe n." Warum hat man denn durch die absolut überflüssigen Expeditione:: all diese Unruhen erst erregt?!— Der Großherzog von Baden, der kein so..reichsfeindlicher" Fürst ist wie der selige Herrscher von Reuß ä. L., feiert gegenwärtig daS 50jährige Regiernngsjnbiläuin. Die Zeitiuigen verwenden viele Spalten darauf, das Begebnis zu würdigen. An: bemerkenswertesten erscheint unS, daß aus diesem Anlaß den Professoren von Heidelberg und Freiburg Uuisorme», will sagen A m t s tT a ch t e n verliehen worden sind, was für die Wissenschaft nicht ohne Bedeutung vlcive» kann und den Geist der Ordnung stärken muß. Außerdem hielt Gras B ü l o w, der Reichskanzler, eine längere Ansprache, in der er deS Fürsten„Gottvertrauen, Tapferkeit, Weisheit und Pflichttreue" sowie seine Verdienste um die deutsche Einheit feierte.— Karlsruhe, 24. April.(Eig. Ber.) Die socialdemokratische Frallion wurde im Auftrag des Großherzogs vom Hof- marschallamt mit einer Einladung zum Jubiläinns-Festmahle bei Hof beehrt, die ans die Person des Fraktionschefs Drcesbach ausgestellt ist. Mit der ihr eigenen Höflichkeit lehnte es die Social- demokratie ab, zn den 120 zur.Hoftafel zugezogenen Ans- erlesenen" eine Vertretung zu stellen; die Vorbereitungen zur Mai- fcier würden— von allem abgesehen— zun: Verweilen in Palästen keine Zeit gestatten. Den: badischcn B e a n: i e nst a:: d verhalf auch die social- demokratische Kammerfraklion durch Zustinnnung zur W o h n u u g s- geld-Novelle, welche dem Princip der progressiv nach nuten ansteigenden Zulage gerecht wird, zur Erfüllung eines langgehegten Wunsches. Die unteren Beamten sind teilweise in die Lage gesetzt, ihr Wohnungsbedürfnis durch diese neueste Zulage' ganz zu decken. Der socialdemokratische Abgeordnete Geck einvfahl der Regierung, in: Bundesrat dafür einzutreten, daß auch die Reicks- beamten in derselben Weise mit Wohnungsgeld versehen werten. Finanzminister v. B u ch e n b e r g e r zerstörte die Hoffnung der badischen Beaintenschafr ans baldige Revision des Gehaltstarises; in der nächsten Legislaturperiode lönne keinesfalls davon die Rede sein wegen der uiigünstigen Finanzlage. Das also ist für die Beamten die Folge der Marinepolitik und des Ehinasieges.— Freundnachbarliche Liebenswürdigkeiten. Aus Baden wird uns geichrieben: In der Zweiten Kannner des Landtages kamen dieser Tage die Mogeleien zur Sprache, die sich die Direktion der Pf alz bah neu seit vielen Jahre» zum Nachteil der Badsicken Hiseubahuverwaltung hatte zu Schulden kommen lassen. Entgegen dem präcisen Uebereinkommen mit der letzteren hat die Pfalzbahn- direklion in Ludwiflshafen einer flrofeen Mannheimer Speditionsfirma seit 2V Jahren Arbeits- und Lagerhaus- gebühren z n r>> ck e r st a t t e t, um die Firma zu veranlassen, ihre für die Schweiz bestimmten Frachtstücke über die pfälzischen statt über die badischen Bahnen zu lenken. An jährlich etwa 1000 Wagen, die von Mannheim nach Basel gingen, fielen für die badische Bahn pro Jahr rund 80 000 M. ans, das heifit, in 20 Jahren- etiva 1600 000 M. Für das Bewnfitsein der pfälzischen Bahnvcrwaltnng von dem unlauteren Charakter dieses Transportgeschäsles spricht die Thatsache, dafi die Firma veranlafit wurde, die jährlich zwischen 3—9000 M. betragenden Nückvergütungcn nicht zu buchen. Erst durch den Konkurs der Firma kamen diese Manipulationen ans Tageslicht. Der Vertreter der bndischc» Regierung mnfite in der Kammer diesen Sachverhalt zugeben und teilte dabei noch nnt, dafi ans eine Beschwerde der badischen Eisenbahn- Verwaltung hin die b a y r i s ch e R e g i e r u n g der Pfalzbahn für die Zukunft ein ähnliches Verhalten verboten habe und nunmehr durch einen Kommissar die Verwaltung der Pfalzbahnen daraufhin überwache» lasse, dafi sie ihre Verträge Halle.— Das sind für den Ritter von L a v a I e, der sich nnsrem Parteigenossen Ehrhardt gegen- über in der Pfalzbahndcbattc des bayrischen Landtages erst vor kurzem noch aufs hohe Rofi setzte, sehr peinliche Enthüllungen. AUSCtMi). Tie Lebciiöinittclzölle im schweizerische» Natioualrat. B e r n. 22. April. l i ch entfernt, damit sie nicht in die Hände der Polizei fielen. Auch in den Hänsern, in die die Kugeln eindrangen, wurden nichrere Personen getötet und verwundet, unter ihnen auch Fmucn und Kinder. Fast die Hälfte der Getroffenen sind keine Arbeiter, sondern Personen, die zufällig an dem Ort sich befanden. Heute hat der Ge n eralkom mandant des Armeebezirks den, Gou- v e r n e u r Drajagin für fein energisches und zielbewußtes Vor- gehen seinen Dank ausgesprochen! Ter neue Unterrichtsniiuistcr. Der„Regierungsbote" meldet die Ernennung des Gehilfen des Ministers für Volksaufklärung, Sänger, zum Verweser dieses M i n i st e r i u n, s. Demselben Blatt zufolge ist der Gehilfe dos Ministeriums für Volksaufkläruug, Mcschtschaninow, auf eignes Er- suchen unter Belassung in der Würde des Senators von seinem Posten enthoben worden.— In der Redaktion der lettischen Tageszeitung„Deenas Lapa" in Riga nahm der Chef der livläiidischen Gendarmerie, ProforowSki, eine Durchsuchung vor. Zu gleicher Zeit wurden in verschiedenen Bevölkerungsklassen der Stadt etwa 50 Personen ver- haftet.— Schwede». HedinS Interpellation gegen die Polizeibrutalitäten wurde von der Zlveiten Kämmer mit 131 gegen 73 Stimmen abgelehnt. Während der Rede Hedins wurden starke Neinrufe laut. Eine Reservation gegen den Mehrheitsbeschluß wurde von 38 Abgeordneten unterzeichnet. B r a n t i n g erklärte:„Ich lege Protest ein gegen einen Beschluß, womit die Äanuncr bewiesen hat, dafi sie die Tribüne versperren will, von der die Wahrheit über die brutalen Angriffe der Polizei Stockholms auf friedliche Demonstranten am weitesten gehört werden kann!" Nachdem die Interpellation abgelehnt wurde, haben die Stockholmer Mitglieder der Zweiten Kammer sich direkt an den Staats», inister gewandt, im, ihm die Ansichten vorzutragen, die die Bevölkerung der Hauptstadt über die Vorgänge vom Sonntag hegt, und ihn aufzufordern, mitzuwirken, um einem derartigen Auftreten der Polizei vorzubeugen.— lieber das Verhalten der Kämmermehrheit schreibt„Social- demokraten" u. a:„Kann diese Abstimnumg als ein Wahrzeichen 'ür die Behandlung der Wahlrechtsfrage im Reichstag aufgefaßt werden— und Andeutungen dafür sind vorhanden—, dann ist die Situation wirklich düsterer, als selbst die am meisten Pessimistischen sich vorstellen konnten."— Asien. Der ausgeplünderte Kaiserpalast. Das„Bureau Laffan" meldet vom 22. April aus Peking: Der Hof empfing die hohen Beamten von Peking im Jagdpark- Palast, der vorläufig mit großen Mengen geliehener Möbel ausgestattet worden ist, da die ursprüngliche Einrichtung bei den Plünderungen weggenommen wurde.— Ter Aufstand in Süd-China. Wutschan. 22. April.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Hier eingegangenen Nachrichten zu- folge stiefien chinesische Truppen auf dein Marsch nach Nan-ning auf eine große Schar von Aufständischen, welche an den Abhängen der Wntschanghügel lagerten. Es fand ein heftiges Gefecht statt. Die chinesischen Truppen brachten zwei Maximgeschütze und zwei Zwölfpfünder in Stellung und zwangen die Aufständischen, sich zn zerstreuen. Der Führer der Anfständischen Hung Bnng Seng wurde vermundet und gefangen genommen. Drei Tage später jedoch nahm eine starke Abteilung Aufständischer zwei Ortschaften in der Um- gebnng von Nan-ning ein und errichtete daselbst ihr Hauptquartier.— Der Boeren- Krieg. In London ist das Gerücht verbreitet, der Präsident deS QranjestaateS Steijn habe, anstatt zu seinem Kommando zurück- zukehren, sich im Einverständnis mit Lord Kitchener und den Boercnführcru nach Europa begeben» um mit dem Präsidenten Krüger zu beraten. Das Gerücht will weiter wissen, daß Steijn sich bereits auf See befinde. In»nterrichteteu Kreisen schenkt man jedoch diesem Gerüchte wenig Glauben.— Im Nnterhause stellte am Freitag D i l l o n die Frage an den K r i e g s n, i n i st e r, ob er noch immer nicht entschlossen sei, den Boeren eine» Waffenstillstand zu gestatten, nachdem die ver- schiedcnen Boercnkvmmandantcii über die Friedensverhandlungen beraten hätten. B r o d r i ck antwortete verneinend. Lord Londonderry erklärte gestern in einer Rede, Lonis Botha habe den Boeren mitgeteilt, daß ihre Unabhängigkeit von den Engländer» nicinals anerkannt würde. Ans Klerksdorp wird berichtet: D e l a r e y und Schalk Burg er habe» die Stadt verlassen, um sich zu ihren K o mm an dos z u begeben.— ZAÄvlamentsvisÄzes. Die Branntweinstener-Konimission dcö Reichstags setzte am Donnerstagabend die zweite Lesung der Vorlage fort. Abg. M ü 1 1 e r- Fulda(C.) beantragt in das Gesetz folgenden § 17a einzuschalten:„Vom 1. Oktober 1903 ab darf der nicht aus Roggen, Weizen oder Gerste hergestellte, oder der Materialsteucr unterworfene Branntwein, sofern er der Verbranchsabgabe unterliegt, nur in gereinigtem Zustande in den freien Verkehr gebracht werden. Den Grad und die Art der Reinigung bestimmt der Bundesrat. Dem Reichstag sind diese Be- stiin mungen, sofern er versammelt ist, sofort, andernfalls bei dessen nächstem Znsammentreten vorzulegen. Dieselben sind außer Kraft zu setzen, soweit der Reichstag dies verlangt." Zur Begründung weist Abg. Mllller-Fnldn anf die Verhandlungen von 1887 hin, wobei sich die ganz ü b e r w i e g e n d c M e h r h e i t des Reichstags, auch Gamp, Windthorst und Miqucl für den R c i n i g u n g s z w a n g erklärt hätten. Nachdem ninn aber die enormen Ein- nahmen ans der Vranntweinsteuer gesichert hatte, habe man da? Beschönignngsmittcl der Entfnsclnng fallen lassen.— Gehcimrnt Korcubcr iveist darauf hin, dafi den RcinignngSzwaiig derselbe Reichstag 1891 aufgehoben habe, der ihn eingeführt habe. Das spreche gegen den Reinigungszwang.— Abg. Dr. Müller- Sagau(frs. Vp.) fordert, dafi der zum Genuß hergestellte Brannt- wein vor allem der Gesundheit nicht schädlich sein darf.— Unterstaatssekretär v. Fischer: Die Ergebnisse der achtjährigen Untersuchungen seien ausreichend. Mehr könne die Regierung nicht geben, als was das damalige Gutachten enthalte.— Abg. Wurm(Soc.) spricht sich für Klarstellung des Sachverhalts aus und u n t e r st ii tz t den Antrag Speck. Anf Antrag Speck wird die Beratung über diesen Gegenstand schließlich vertagt. Nach§ 41 I der Kommissionsbeschlüsse sollen Brennereien, die nach dem 1. Oktober 1901 betriebssähig geworden sind, nur dann als landwirtschaftliche Brennereien gelten, wenn die für die Brennereien erforderlichen Rohstoffe an Kartoffeln und Getreide, mit Ausnahme von Roggen, Weizen»nd Gerste, in der Hauptsache von den Besitzern der Brennereien selbst gewonnen werden. Hier lvird auf Antrag Dietrich(k.) unter de» Ansnahmen noch Hafer mit aufgenonnnen und auf Antrag Müller- Fulda(C.) der Termin in de» l. Juli 1902 umgeändert. Der letzte Absatz deS § 41, I, wonach diese Beschränkungen anf neue Brennereien finden. die die Verträge über den Ba» des BrenncreigcbäudeS vor dem 1. Januar 1902 rechtsverbindlich abgeschlossen haben, lvird g e- strichen. 8 41, V, bestimmt nach den KonimissionSbeschliissen, daß eine Rückvergütung der Maischbottich- oder Branntiveinmateria!» Steuer außer für gewerbliche Zwecke auch für Brantwein zu erfolgen hat, der in öffentlichen Krankenanstalten oder wissciischaftlichen Anstalten, oder zu Putz-, Heizungs-, Koch- oder BelenchtungSzivecken verwendet wird. Das„hat" in diesem Satze lvird anf Antrag M ü l l c r- Fulda(C.) durch „kann" ersetzt. Im tz 42 lila(Z n schlüge zur V e r- brauch sab gäbe an Stelle d c r M a i f ch b o t t i ch st e» e r) lvird auf Antrag Müllcr-Fnlda die Skala für die Monate der Hefen- erzcugung lvie folgt abgeändeft: für Brennereien, die nicht mehr als 100 Hektoliter jährlich erzengen, Zuschlag für das Liter 14 Pf. (statt 16 Pf.); für Brennereien mit einer Erzeugung bis 150 Hektoliter 15 Pf.(statt 18 Pf); für Brcnnereic» mit einer Erzeugung bis 300 Hekto- liter 16 Pf.(statt 20 Pf.) für Brennereien mit einer Erzeugung bis 500 Hektoliter 17 Pf.(statt 20 Pf.). Angenoinme» wurden außerdem noch einige redaktionelle Acnde- rungen. Gegen Schluß der Sitzung erklärt Abg. Seinler(natl.): Die gestrige Mitteilung des Nuter-StaatssekretärS v. Fischer, es handle sich nicht um ein Notgesctz, zivingc ihn, seinen alten Antrag wieder nnfznnchmen, der für diejenige» Brennereien, die Kartoffeln, MaiS, Melasse oder Branerei-Abfälle verarbeiten, oder Hefe im Lüftungsverfahren erzeugen, eine Brennstencr von 15 M. für cdes Hektoliter vorschlägt und dem Bundesrat es überläßt, die brennslenerfreie Branntweinmenge erstmalig nach bestimmten Grund- sätzen festzusetzen und im Bedarfsfall zu erhöhen oder herabzusetzen. — Unterstaatssekretär v. Fischer: Ans sachlichen Gründen müsse er den ihm seiner Tendenz nach sehr sympathischen Antrag Semler ablehnen.— Abg. Müllcr-Fulda(C.) macht darauf aufinerksam, dafi zum 1. Oktober d. I. 1 iviillion Hektoliter Branntwein, die keine B r c n» ft e u e r getragen haben, eine P r ä n, i c erhalte» werden. Schon um dieses Mißverhältnis zu beseitigen, würde er, von andren Gründen abgesehen, für den Antrag Semler stimmen, ivenn dieser die Ber- schiedcnartigkeit der Verhältnisse in den einzelnen Bundesstaaten berücksichtigen würde. Das sei aber nicht der Fall. Abg. Wurm(Soc.) ist gegen den Antrag Semler, derben Triilkbranntweiil noch mehr verteuere. Für die eine Million Hekto- liter könne die Reichskasse keine Präniie zahle», da sie keine Brenn- steiler vereinnahmt habe. Vorschüsse könne sie doch nicht geben (Widerspruch; Ruf: Das hat die Regierung ja schon zugesagt!), doch nicht auf Einnahmen geben, deren Höhe im voraus gar nicht zu 'chätzen sei.. Abg. Dr. Semler zieht schließlich seinen Antrag zurück. NÄVtei-Msuszvidiken. Eine Versammlung der Karlsruher Parteigenoffenschaft nahm eiilstimmig eine Resolution an. worin bedauert lvird, daß die badische Kammerfraktion den Stnatsvertrag bezüglich der Ver- waltung der Main-Ncckarbahn nicht abgelehnt hat. Ein Umzug zur Maifeier ist den Genossen in Q u e d l i n b u r g genehmigt lvorde». Totcnlistc der Partei. In Velten starb der Lagerhalter Gustav Paul im Alter von 38 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles. In dem Verstorbenen, der die Veltener Genösse» auch im Gemeinde, at vertrat, verlieren diese eine» ihrer besten Mit- kämpfcr, der schon seit vielen Jahren tapfer für die Interessen der Arbeiterklasse eintrat. Alle die ihn kannte», iverden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Maifeier in der Schweiz. In Zürich ist, lvie immer, der 1. Mai für die Arbeiterschaft ein Feiertag, an de», auch die Schulen geschlossen sind. In Winterthnr wird die Sekundärschule am Nach- mittag geschlossen, die Primarschule giebt gegen schriftliche Anzeige jedem Schüler den Nachmittag frei. In mehreren kleinen Industrie- dörfer» lvird der ganze oder halbe Tag freigegeben. In Schaffhauscn lvird der Arbeiterschaft wiederum im Fall ungünstiger Witterung die Kirche überlassen. Socialdemokratisch« Wahlerfolge in der Schweiz. Bei den Kantonsratswahlen im Kanton Thnrgan hat die socialdemokratische Partei zwei Sitze errungen. Poliiriliches, Gerichkltches nsw. — Durch daö Verteile» focialdemokratischer Druckschriften an einem Soimtaftvorniittag sollten vier Parteigenosse» aus Elbing die in allen Provinzen erlassene Verfrommnngsverordnung übertreten haben, wonach an Sonntagen alle ö f f e n t l i ch b e in e r l- bare» Arbeiten verboten sind. Das Schöffengericht Elbing verurteilte sie zu Geldstrafen von je 20 M. event. je 5 Tagen Hast. indem es annahm, die Angeklagten hätten eine öffentlich bemerkbare Arbeits im Sinne der Perordnung ausgeführt. Das Landgericht hob indessen dies Urteil auf und sprach alle vier An- geklagten mit folgender Begnindiing frei: Die Beweisaufnahme habe ergeben, das; die Angeklagten allerdings am Sonntag zur Zeit des Hauptgvttesdicnstcs Einladungen zu einer Bauarbeiter- Bersammlung und socialdemokratische Kalender in zolldickc» Packen teils in der Hand, teils unter dem Arm. von Hans zu Haus ge- tragen und in den Häusern an die Einwohner verteilt hätten. Diese Thätigkeit sei aber keine öffentlich bemerkbare Arbeit im Sinne der zum Schutz der Süßeren Heilighaltung der Sonn- und Feiertage er- lassenen Verordnung, denn sie habe sich nicht als eine mit einer gewissen Anstrengung verbundene Thätigkeit bemerkbar ge- macht.— Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Revision ein, der Strafsenat des Kammergerichts v e r iv a r f jedoch das Rechtsmittel mit folgender Begründung: Oeffentlich bemerkbare Arbeiten im Sinne der Verordnungen, die dem Schutze der äußeren Heilighaltimg der Sonntage dienen, seien solche Beschäftigungen, die äußerlich in die Erscheinung träten, mit einer gewissen Anstrengung verbunden seien und nicht lediglich des Vergnügens wegen unternommen würden. Ob nun im gegebenen Fall das Austragen und Verteilen von Druckschriften öffentlich be- nierkbar und mit einer Anstrengung verbunden sei. unterliege im wesentlichen der thatsächlichen Beurteilung. Da es hier daS Landgericht verneint habe, rechtfertige sich die Freisprechung. Gemevltsiszttfkliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Schleifer? Die Berufskollegen werden darauf auf- Merksam gemacht, daß bei der Firma Bauer u. Hasselbach in Hain- bürg der Streik fortdauert. Gegenwärtig bemüht sich hier ein Agent, Streikbrecher anzuwerben; tvir empfehlen, auf diese Offerten nicht einzugehen. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Metallarbeiter. Deiiifche» Strich. Bauarbeiterbewegnug. In Kiel schweben zwecks Beilegung der Aussperrung Verhandlungen, die von deni Vorsitzenden des socialwisscnschaftlichen Vereins, Professor Titius, angebahnt sind. Die Innung bleibt, was Lohnhöhe, Arbeitszeit und Vertragsdauer anlangt, auf ihrem Standpunkt bestehen, läßt aber den ß 2 ihres Vertrages fallen. Dieser Paragraph faßt den vereinbarten Lohn als Durchschnittslohn auf' und bestimmt, daß. falls irgend ein Meister, der der Innung fernsteht. einen niedrigeren Lohn zahlt, die Innung von dem Vertrage jederzeit zurücktreten kann. Damit wird natürlich jeder Vertrag illusorisch gemacht. Im übrigen enthält der neue Vertrag Bestimmnngen über Sonntags-, Ueber-, Nacht-, Wasserarbeit usw., die gleichfalls ein Entgegenkommen der Innung bedeuten. Die Arbeiter wünschten bezüglich der Lohn- frage die Aufnahme folgender Bestimmungen: Der Vertrag bat Gültig- kcit vom Tage des Abschlusses bis zum 31. März 1905. Besteht jedoch die Innung Bauhütte auf eineni fünfjährigen Vertrag, dann sind Arbeits- zeit und Lohnforderungen folgendermaßen zu regeln: Der Lohn be- trägt bis zum 31. März I90& 60 Pf. Von da ab bis zum 31. März 1906 neunstündige Arbeitszeit und 63 Pf. Stundenloh» und von da ab bis zum 31. März 1907 6S Pf. Lohn. Der Arbeitgeberbund in B r i e g versendet an dte Manrermeister Schlesiens.schwarze Listen", in denen diese aufgefordert werden, keinen der in Brieg Streikenden in Arbeit zu nehmen und die bereits eingestellten Maurer wieder zu entlassen. Die Herren fürchten offen- dar nicht die„schwerste Strafe", die nach einem bekannten Wort den treffen soll, der andre an freiwilligem Arbeit hindert. Der Banunternehmer- Verband in S t u t t g a r t hat auf die Forderungen der Gesellen rnndweg ablehnend geantwortet. Trotz ihrer Entrüstung über die Zurückweisung jeder Unterhandlung wollen die Arbeiter versuchen, eine Einigung auf friedlichem Wege zu erreichen und beschlossen deshalb, das Gcwcrbegericht als EinignngSamt anzurufen.• 3« der Tuchweberei von Gräfe u. Köppe in M o y S bei Görlitz befinden sich sämtliche Weber und Nopperinnen im Streik. Die Forderung des Zehn-Stnndentages gab Herrn Köppe Vec- anlassung, sich an Stelle seiner alten Weber nach neuen Arbeitern umzusehen; die Leute warteten aber nicht, bis sie ersetzt waren.— Die Fabrik wird jetzt vorzüglich bewacht, indem in der Nähe der- selben außer den Streikenden auch der Mvyser Gemeindevorsteher und d er Gcndannerie-Wachtmeister Posten stehen. Bis jetzt bewacht dieses große Aufgebot von beiden Seiten nur einen einzige» Streikbrecher. Der Abwehrstreik der Schreiner Und Lackierer in Neu- Isenburg steht nach ivie vor günstig für die Arbeiter. Abermals hat sich eine Firma bereit erklärt, den alten Lohntarif wieder anzuerkennen; eine andre Firma hat infolge de? Streiks den Konkurs angesagt. Zur Textilarbeiter-Bewcglmg im sächsischen Vogtlande wird gemeldet, daß die Arbeiter der Firma Beutlcr in Neichen- dach das Gelverbegericht als Einijzungsamt angerufen haben.— In Crimmitschau erklärten die ausgesperrten Arbeiter der Firma Schönfeld sich bereit, sich einem Schiedsspruch des Einigungs- amteS zu untertverfen; Herr Schönfeld lehnte seinerseits dies ab. Dagegen glaubt Herr Schönfeld daS Gewerbegericht sich nach einer andren Richtung hin nutzbar machen zu können, indem er gegen eine Reihe seiner Arbeiter Klagen wegen Kontraktbruchs anhängig machte. Ausland. Dte Aussperrung der dänischen Hafenarbeiter nnd See- lente. Der Ausschuß der„Dänischen Arbeitgeber-Vereinigung" hat sich am Montag mit dem Hafenarbeiter- Konflikt beschäftigt und be- schloffen, sich nicht in den Streit zu mischen. Man darf das als indirekte Mißbilligung des Vorgehens der Reeder ansehen, das insofern mit den Principien der Arbeitgeber-Vereinigung im Wider- spruche steht, als diese statutengemäß Verträge mit den Arbeiter- organisationen zu stände zu bringen sucht und damit diese anerkennt, während die Reeder sie zu vernichten trachten.— Es tritt übrigens bei diesem Konflikt wiederum die Thatsache sehr deutlich zu Tage, daß in Dänemark daS Koalitionsrccht der Arbeiter nicht nur staatlich anerkannt ist. sondern auch in weiten Kreisen des Bürgertums respektiert wird. Das Vorgehen der Reeder wird selbst von'konservativen Blättern wie„Nationaltidendc" nnd„Vort Land" mißbilligt.— In H e l s i n g b o r g haben sich die schwedischen tafenarbeiter geweigert, den dänischen Dampfer„Helena" mit ohle» zu versehen. Der Dampfer mußte unverrichteter Sache wieder abfahren.— Der Stand dcS englischen ArbeitSmarkteS hat sich, nach den Berichten des Handelsministcrimns vom März, fast in allen wich- tigeren Industriezweigen gehoben, so daß die Beschäftigung bei- nahe dieselbe Höhe erreicht hat. wie in der gleichen Periode des vorigen Jahres. Der geringe Beschäftigungsgrad, der noch in der Maschinen- nnd Schiffsbäu-Jndustrie obwaltet, wird ausgeglichen durch eine Erhöhung der Arbeitsgelegenheit in der Roheisen-, Zinnplatten- und einigen andern Industrien. In den 224 Trades-Unions mit einer durchschnittlichen Mitglied- schaft von SSI 270. welche dem Handelsamt Berichte einsandten. wurden im Monat März 20 241 oder 3.7 Proz. als arbeitslos gemeldet' die respektivcn Zahlen Ivarcn für Monat Februar 4.3 Proz. und für März 1901: 3.6 Proz. Der Durchschnitt der für den Monat März angemeldeten Arbeitslosen in den letzten 10 Jahren von 1892—1901 betrug 4.5 Prozent. Weniger günstig liegen jedoch die Dinge bezüglich der Lohnhöhe. Bon einer Veränderung der Lohnhöhe wurden im März 198 499 Per- sonen betroffen: das Nettoresnltal war eine Herabsetzung des Lohnes Lerantivortlicher Redacteuri Carl Leid in Berlin. von 1 Shilling 4V2Pence s1,3S M.> pro Kopf und Woche. Im vorher- gehenden Monat erlitten III 000 Arbeiter eine Herabsetzung von 3 Pence pro Kopf nnd Woche und im März 1901 war das Netto- resultat für 196 000 eine Herabsetzung um Penny pro Kopf und Woche. So äußert sich die Krise in England schon seit Monaten in der Herabsetzung der Löhne für Hunderttausende von Arbeitern. Den größten Prozentsatz aller im Bcrichtsmonat von Lohnherabsetznngen betroffenen Arbeiter stellte» die Bergleute von Northumberland und Süd-Wales mit 177 000 Mann. SociKlvs. Ueber die Verhältniswahl bei den deutschen Gewerbe- gerichtc» hat die Archivverwaltung des Verbandes deutscher Ge- werbcgerichte eine Umfrage veranstaltet. Die Frage, ob bei den Bcisitzerwahlen die Mehrheit entscheiden müsse, oder ob eZ zulässig sei. auch der Minderheit eine gewisse Vertretung ein- zuräumen sVerhältniswahl), war früher streitig. Durch die Gcwerbegerichts-Novelle ist sie in letztcrem Sinne entichiedcn worden. Mit der Einfügung der Verhältniswahl in das Ortsstatut sind nunmehr München und Frankfurt a. M. vorangegangen. Ihnen sind drei kleinere Gewerbegerichle nachgefolgt: Göppingen, Bocholt und Glauchau lAnitshauptniannschaft). In Aussicht genommen ist ferner die Verhältniswahl in Süddentschland an drei größeren Plätzen: Ulm. Mannheim und Darmstadt; in Norddcntsckiland hingegen bis jetzt nur in Mittelstädten: Hagen i. W., Delmenhorst, Gelsenkirchen, Linden vor Hannover und Potsdam. In Liegnitz haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer übereinstimmend dafür ausgesprochen. In einer großen Reihe von Städten wird einstweilen noch das Erscheinen des Nachtrages zum Musterstatut abgewartet, der im Auftrage des preußischen Handels- Ministers die Verhältnistvahl bebandeln soll. Abwehr der Revolution. In L o ck st e d t sSchleSwig-Holstei») hatte die Gemeindevertretung vor einigen Monaten beschlossen, allen Schülern die Schulbücher ans Gemeindemitleln zu liefern. Darauf hat der Krcisausschnß in Pinneberg eine Verordnung vom 24. August 1814 entdeckt, nach der es verboten ist. den Schülern ge- druckte Bücher unentgeltlich zu liefern. Der Genieinderatsbeschlnß wurde also kassiert. Es sollen nur an unbemittelte Sckiüler Bücher geliefert werden dürfen und die dann als Annenmiterstützuiig gelten. Die Gemeindevertretung wird sich bei dem Beschlüsse des Kreis- ausschusses nicht beruhigen. Rückgang der Schlachtungen, Steigerung der Preise, das wird jetzt fortwährend aus olle» Städten gemeldet. Auch in Königsberg sind im letzten Jahre 10 800 Schweine weniger ge- schlachtet worden wie im Jahre vorher. Diese starke Ver- ringerung des Konsums wird auch den Fleischern fühlbar und deshalb hat die dortige Fleischcrinnnng an die städti- schen Behörden das Ersuchen' gerichtet, diese' möchten bei der zuständigen Stelle um zeitivcise Oeffmmg der russischen Grenze petitionieren. In der Eingabe wird treffend dargelegt, daß gerade der Rückgang in dem Angebot von Schweine» nnd die dadurch herbeigeführte Steigerung der Schweinefleisch< Preise die Aermsten am stärksten treffe, Iveil Schweinefleisch das einzige Fleisch der Armen sei. Es wird auch darauf hingewiesen, daß das Fleischbeschau-Gesetz eine iveilere Verringerung der Zufuhr und damit ein ivcitercs Steigen der Preise bedeute. Dem könne nur durch wenigstens zeit- weilige Oeffnung der russischen Grenze abgeholfen werden. Der Landcöverein prcnsjischcr VolkSschnllehrerinncn hält vom 18. bis 21. Mai in Halle seine 4. Generalversammlung ab. Neben den geschäftlichen Angelegenheiten werden folgende Gegen- stände öffentlich behandelt tvcrden: 1. Die Ausgestaltung dec Haus- baltungs- Unterrichts und die Fortbildungsschule; M. Nouvel, Breslau. 2. Was kann die Volksschule zur Bekämpfung deS Alkoho- lismus thun? Adelheid Tinzmann, Striegau. 3 Warum ist die Einheitsschule eine sociale, nationale und pädagogische Notwendig- keil? Marie Lischneivska, Spandau. Das AlteröprnsionS-Gesctz von Ncu-Seelaud von. 1. November 1898 sichert bekanntlich allen 65 Jahre alten Personen beiderlei Geschlechts eine Pension von 360 M. pro Jahr zu. Be- dingnng ist. daß der Rentenempfänger 25 Jahre in der Kolonie ivohnhaft ist Seine zeitiveilige Abwesenheit darf vier Jahre nicht überschreiten; sein Aufenthalt in der Kolonie muß in diesem Falle doch volle 25 Jahre betragen. Ausgenommen sind ferner solche Personen, deren Besitz mehr als 5400 M. bewertet ist, oder die mit ihrer Frau zusammen ein Netlo-Einkonnnen von 1660 M. im Jahre haben. Bei einzelnen Personen hört die Bczngsberechtigung auf, wenn das Einkommen mehr als 1040 M. betragt. Eine weitere Einschränkung ist folgende: für je 20 M. Einkommen über 680 M. oder über 800 M. Kapital hinaus werden 20 M. von der Pension in Abzug gebracht. Im März 1901 waren 12 405 Pensionäre vorhanden, welche pro Jahr die Summe von insgesamt 4 239 300 M. bezogen. Die Kosten der Alterspension übersteigen wesentlich die bei In- krafttrctcn des Gesetzes aufgestellten Berechnungen. Dies hat seinen Grund in folgenden, recht' interessanten Umständen: Die Maoris, die llreinwobner von Ncn-Secland, deren Vertreter ebenfalls im Parlament sitzen, halfen das Gesetz mit durchbringen. DaS Gesetz war kaum in Kraft getreten, als die schlancn MaoriS eine große Anzahl Pensionäre aus ihren Reihen präsentierten. Die Weißen waren erstaunt, so viel alte Lente unter den Ureinwohnern zu schen, konnten aber nichts machen, da sich das Alter bei diesen nur schwer feststellen läßt; die Maoris wissen selten, welches Jahr sie ge- boren sind._ Der Krosigk Prozetz. Gumbinucn, 25. April. Heute wird zunächst nochmals die Arbeiterfrau Eckert vernommen. Sie sagt aus, daß sie ihre gestern mitgeteilte Wahrnehmung am Montag gemacht habe. Auf die Vorhaltung des Verhnndlungsleiters, daß sie dock gestern bestimmt gesagt habe, es sei am Sonnabend gewesen, bemerkt die Zeugin, daß sie dies wahrscheinlich verwechselt habe. Es wird alsdann der Unteroffizier Grigat des längeren über seinen Aufenthalt am Mordtage ver- nommen. Er sagt aus, als er zum erstenmale in der Reitbahn tvar, habe er geglaubt, daß der Rittmeister sich selbst erschossen habe. Auf den Ruf des ObcrlicntenantS v. Hoffmann:„Ist denn kein Arzt da?" sei er in die Kantine gegangen, um einen Arzt oder Lazarettgehilfen zu suchen; er habe aber dort keinen gefunden. In der Kantine habe er zu den dort sitzenden Unieröffizieren gesagt:„Wißt ihr schon? Der Alte hat sich erschaffen." Erst als er in die Reitbahn zurückkam, habe er erfahren, daß der Rittmeister mit einem Karabiner erschossen worden sei. Hickel sagt darauf dem Zeugen ins Gesicht, daß, als er ihn traf, der Zeuge zu ihm sagte:„Haben Sie schon gehört, daß der Alte erschossen worden ist?" Er habe auch dem Wachtmeister Bnkpesch gratuliert. Grigat ruft aus: D a s i st g e- logen. Der Vorsitzende sagt zn Grigat, daß er daS Wort „gelogen" nicht gebrauchen dürfe. Verteidiger Rechtsanwalt Horn beantragt, den Zeugen Grigat nicht zn vereidigen, da der- selbe der That dringend verdächtig sei. Nach längerer Auseinander- setznng zwischen dem Vertreter der Anklage nnd dem Verteidiger wird beschloffen, Grigat zn vereidigen, da ein gesetzlicher Grund zur Nichtvereidigung nicht vorbanden sei. ES wird danach beschlossen, auf die Vernehmung dcS Händlers Heinrich Holder, von dem gestern mitgeteilt wurde, daß er sich selbst des MordeS beschuldigte, zu verzichten. Wachtmeister a. D. B u k pe s ch sagt auS, daß er sich nicht erinnere, mit Grigat in der Reitbahn ein Wort über den Mord gesprochen zu haben, noch auch, daß dieser ihm gratuliert habe; tvenn eS geschehen wäre, müßte er es wissen. Hierauf tritt eine Pause ein. Die Eltern des Angeklagten Marten erhalten die Erlaubnis in de» Saal einzutreten; Marten fällt beiden um den Hals und iveint.— Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird die Frau des Wachtmeisters Marten vernommen. Sie bekundet in der Hauptsache, nachdem ihr Sohn sich das Tele- graphenbnch geholt batte. habe es noch lange gedauert, bis die Kafernenuhr 5 Uhr schlug. Fräulein Simon eit, die frühere Braut des Angeklagte» Marten, bekundet, sie sei am Sonnabend vor Für de« Lnseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und T dem Morde mit Marten ausgegangen und habe an diesem nichts Auffälliges wahrgenommen. Marten habe sich auch niemals im- günstig über den Rittmeister geäußert.— Danach wird der Provia nta m ts-ArbeiterEckert vernonmien. Er sagt ans, am Abend des Mordes habe er seiner Frau von dem Morde erzählt; am andren Tage hätten seine Frau und sein zehn- jähriger Sohn die gestern ausgesagten Wahrnehmungen berichlet. Auf Befragen, warum er davon nicht eher Anzeige gemacht habe, bemerkt der Zeuge, seine Tochter in Berlin sei gestorben, seine Frau sei erkrankt, deshalb habe er an die Sache weiter nicht mehr gedacht. Wenn er es selbst gesehen oder gehört hätte, würde er es angezeigt haben. Der Vertreter der Anklage beantragt, das Eckertsche Ehepaar wegen Ungl'aub Würdigkeit nicht zu vereidigen. Die Verteidiger tvider- sprechen dem Antrage. Sie betonen, selbst Ivcnn die Wahrnehmung am Montag gemacht wäre, sei dieselbe sehr er- heblich. Verteidiger Rechtsanwalt Horn überreicht einen Brief des hiesigen Polizeikoni missarS Marbeck, worin dieser mitteilt er habe auf dem heutigen Wochenmarkt er- fahren, daß ein Knecht namens Gustav S cki l u p p in Aveningken vor dem hiesigen Kreis-Krankenhause am Mordtage nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr eine ähnliche Wahrnehmung' gemacht habe wie Frau Eckert. Die Verteidigung beantragt, den Schlupp als Zeugen zu vernehmen. Der Gerichtshof beschließt, die Vereidigung des Ehepaares Eckert vorläufig auszusetzen und zunächst AnSknnft über den Leumund desselben einzuziehen.— Nach unwesentlichen weitere» Vernehmungen wird die Verhandlung von 2 Uhr auf nach- mittag 5 Uhr vertagt. In der N a ch m i t t a g s- S i tz u n g wird in sehr eingehender Weise Viceivachtmeister B u n k u s als Zeuge vernommen. Dieser giebt auf Befragen deS Verteidigers Rechtsanwalt Horn zu, daß er gehört habe, die alte Frau Schlemminger und Frau Schilat hätten ihn als mordverdächtig beschuldigt; er habe aber diesen Aeußernngen keine Bedeutung beigelegt; hätte die Frau Schilat ihm diese Beschuldigung ins' Gesicht gesagt, so würde er sofort Anzeige erstattet haben. Frau Schlemminger soll zu ihm gesagt haben: Auf dem Regimenlsbureau sehen wir uns wieder; sie soll auf dem Rcgimentsbnreau zu Protokoll ver- nommen worden sein. Das Protokoll sei aber verbrannt worden. Der Zeuge bemerkt, von all dem sei ihm nichts bekannt. Der Ver- treter der Anklage bemerkt, er habe sich überzeugt, daß Frau Schlemminger eine etwas geistig schwache Frau sei. Der Ver- teidigerHorn beantragte die Vereidigung des Zeugen auszusetzen, bis die Glaubwürdigkeit der Frau Schlemminger festgestellt sei. Der Gerichtshof beschließt demgemäß. Es wird danach nochmals Oberlieutcnant v. H o f f m a n n vernommen. Derselbe bekundet, daß Marten ein sehr tüchtiger Soldat und sehr frischer Unteroffizier war. Auch Rittmeister v. Krosigk habe Marten, als Weihnachten 1900 seine Rekrntenabteilung vorgestellt wurde, sehr gelobt. Hickel sei ein guter Qnartiermeister, aber ein schlechter Reiter, es sei deshalb ancki einige Wale getadelt worden, dies sei aber nicht auffäliges ge- wesen. Hickel stellt danch an den Oberlientenant v. Hoffmann die Frage, ob es wahr sei, daß er, als er die Schwadron auf dem Korridor antreten ließ, gesagt habe, der Verdacht bleibe auf den Unter- offizieren; wenn daö Verbrechen nicht entdeckt wird, tvird Seine Majestät ixdenfalls mit den schärfsten Maßregeln ein- greifen, Se. Majestät wird jedenfalls alle Unteroffiziere entlassen nnd das Unterossiziercorps auflösen. Oberlieutenant v. Hoff- m a n n giebt zu, eine ähnliche Erklärung abgegeben zu haben, aber er habe von Sr. Majestät nicht gesprochen. Hickel bleibt bei seiner Behauptung und beruft sich auf den Wachtmeister Schulz. Der V e r h a n d l u n g S I e i t e r erklärt, er niüsse dies als nicht zur Sache gehörig ablehnen. Der Vertreter der Anklage protestiert ebenfalls dagegen, die Person Seiner Majestät in die Verhandlung zu ziehen. Der Verteidiger Horn beantragt einen Gerichtsbeschluß, Die von Hickel behauptete Aenße- rnng müsse auf die zumeist verheirateten Unteroffiziere nicht ohne Wirkung geblieben sein und womöglich zur Be- lastung der Angeklagten beigetragen haben. Der Gerichtshof be« hält sich einen Beschluß vor. Von einer hiesigen Schenk- mamsell ist mitgeteilt tvorden, daß ein Soldat erzählt habe, sein Bruder habe am Mordtage ähnliche Wahrnehmungen, wie der heute vormittag genannte Kuecht Schlupp gemacht, als er sich zu jener Zeit im hiesigen Kreis-Krankenhause befand. ES wird nochmals eine Besichtigung der Stelle vorgenommen. Urtzte Lteilzvirfiken und Depesrhen. RcichötagS-Ersatzwahl in Saarbrücken. Ueber die gestern erfolgte Ersatzivahl erhalten wir folgendes Telegranim: Saarbrücken, 23. April, 10 Uhr abends.(W. T. B.) Bei der heutigen R e i ch s t a g« w a h l im Kreise Saarbrücken erhielt, nach bisheriger Feststellung B oltz snatl.) 17 756, Dr. Muth sE.) 14 085, S p a n i o l(Soe.) 812 Stimmen. Demnach währe der Nationalliberale Boltz gewählt. Der Wahlkreis ist seit 1874 fester Bestand der National« liberalen. Im Jahre 1898 wurde er aber arg bedrängt vom Centrnm. ES wurden abgegeben für: Boltz snatl.) 11094, Euler(C.) 10 806, Dr. Meyer snatl.) 2198 und für den Socialdeniokraten Emmel 710 Stinnnen. In der Stichlvahl siegte der Nationalliberale Boltz mit 16 249 Stimmen gegen den Centrumsmann Euler, der 13 562 St. erhielt. Die Wahl Boltz' war infolge vorgekommener Unregelmäßig- keilen für ungültig erklärt wordein_ Senat. Rom, 25. April.(ÜB. T. B.) Die Beratung der Interpellation über die innere Politik deS Kabinetts wird fortgesetzt. Gegenüber dem General Pelloux, tvelchcr gegen diePolitik deS Kabinetts pricht, weist Minister des Innern Giolitti nach, daß daS Dekret, fwelcheS die Verwendung von Militär für den Eisenbahndienst anordnete, gesetzmäßig war. Ministerpräsident Zanardelli hebt her- vor, der Ausstand werde nicht mehr alS ein Verbrechen betrachtet, sondern Recht anerkannt. Der Ausstand sei ein charakteristisches Merkmal der Jetztzeit und auch Italien habe sich ihm nicht ent« ziehen können. Die Ausschreitungen einiger Reservisten seien zwar tadelnswert, aber sehr übertrieben tvorden, die Disciplin »verde in der Armee stets aufrecht erhalten werden. Zanardelli weist dann ebenfalls nach, daß das Dekret be- treffend die Verwendung von Militär für den Eisenbahndienst gesetzmäßig war. Das HauS lehnt hierauf in geheimer Ab« st i m m u n g mit 81 gegen 7S Stimme» die von Gnerrini verlangte, von der Regierung aber zurückgewiesene einfache TngeS- ordnung ab. worauf die Sitzung geschloffen wird. Unterhaus. London, 26. April.(W. T. B.) In Erwiderung auf eine An- frage bezüglich der Auflösung der provisorischen R e- g i e r u n g in T i e n t s i e n erklärt Unterstaatssekretär des Aeußern Eranborne. der englische Gesandte in Peking habe gemeldet, das dortige diplomatische Corps werde wahrscheinlich nicht vor 8 bis 10 Tagen in der Lage sein, seine Ansicht über die Vorschläge der kommandierenden Offiziere in Tientsin zu äußern. Hannover, 26. April. sB. H.) Aus Groß-Burgwedel wird gemeldet: Ein Luftmord ist hier an der 11jährigen Tochter des Imkers H a n e p o p verübt worden. Das Mädchen winde schon mehrere Tage vermißt und am Donnerstag früh als Leiche in der Erde verscharrt in der Nähe des dem Vater gehörenden Bienen- Hauses aufgefunden. Der Mörder hatte das Mädchen dahin gelockt, ei» Verbrechen an demselben verübt und darauf ihm den Schädel gespalten. Als des Mordes verdächtig ist der im Dorfe bedienstete ISjährige Knecht Adolf Holz gestern verhaftet tvorden. rlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 8 Beilagen. st. 97. i9. i. KMge Ses„Vmörls" KerltM WlllsblR SM«. 2K M.902. LdeilszskÄg» 174. Sijzuni; vom Freitaxt, den 2Z. April 1902, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Graf Posado Ivsly. Präsident Graf Vollcstrcm teilt mit, daß vom Großherzog von Baden ein Danktclegramm für die Glückwünsche des Reichstags eingegangen ist. Ans der Tagesordnung steht die dritte Beratung der S e e m a n n s o.r d n u n g. In der Gcncraldisknisioii erhält zunächst das Wort Abg. Frese(frs. Vg.s: Ich hoffe, daß es uns nach den langen Beratungen gelingen wird, den Entwurf als fertiges Ganze zu lier- abschiede». Für die Necdercicn freilich bedeutet er teilweise einen Sprung ins Dunkle, besonders die kleinen Oftseereedereicn werden schwer daran zu tragen haben. Im Interesse der Vorteile aber, die der Entwurf fiir die Arbeiter bringt, werden die Arbeitgeber gern die neuen Lasten tragen. Unbedingt erforderlich ist nur die Aufrechtcrhaltung der Disciplin, diese liegt auch im Interesse der Sicherheit der Passagiere. Der Matrose will doch auch später Kapitän werden, es wird ihm aber niemals gelingen, die Ordnung auf dem Schiffe aufrecht zu erhalten, wenn er nicht selbst als Matrose Gehorsam gelernt hat. Tie Disciplin und Wahrung der Autorität an Bord ist die VoranSsetznng für die günstige Entwicklung imsrer deutschen Reedereien. Die Angriffe, welche gegen diese in der zweiten Lesung erhoben worden sind, enlbchrlc» jeder Berechtigung. Herr Sckwartz hat das Unglück der„Elbe" auf den geraden Steven zurück- geführt. Diese geraden Steven sind aber jeht fast auf allen modernen Schiffen vorhanden und die Erfahrung hat gelehrt, daß die weit vorgebauten Steven beim Einlaufen in die Reede häufig zu Kollisionen der Schiffe führen. Was die Frage der Tiefladelinie »nd der Deckladung anlangt, so sollten wir erst die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten, die der Germanische Llopd gegenwärtig ans Veranlassung der Sccbcrnfsgenosscnschaft vornimmt. Eine Ueber- slüürznng in dieser Frage ist auf keinen Fall angebracht. Abg. Metzger sSoc.): Auf dem nautischen V e r e i n s t a g e von 1899 sagte einer der Herren Nnntiker: Wir werden schon dafür sorgen, daß die n ä ch st e Seemannsordnung noch n i ch t ans rotem Papier gedruckt wird. In diesen Worten drückte sich das M a ch t b e w n ß t s e i n der Reeder aus. Der Mann hat ja auch recht behalten, das Papier, auf dem die Sceinannsordnnng gedruckt wird, ist kaum rosa angehaucht. Bezeichnend für die Haltung der Regierung gegenüber den Reedern ist auch folgender Porgang. Ein Regicriingskommissar hatte eine Um- frageangestcllt bei verschiedenen Schiffskapitäucn, ob sie die Ei n süh run g der Schiffsladclinie und ähnliche Bestimmungen für angebracht hielten. Als die Reeder dies erfuhren, schlugen sie Lärm, und als die Sache aus dem nächsten Nautischen Vereinstag zur Sprache kam, wich die Regierung mutig zurück und gab den Regierungskommissar insofern preis, als sie erklärte, die Umfrage wäre nur eine Prtvatlicbhabcrei des betreffenden Herrn gewesen. Was die Seemannsordnung selbst anlangt, so stehen wir den Beschlüssen zweiler Lesung mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Eine Reihe unsrer Vcrbessernngsanträge sind abgelehnt. Die jetzige Zusammensetzung des S e e ni a n n s a ni t e s genügt u n s n i ch t, die S o n n t a g s r n h e ist außerordentlich durch- löchert, und wenn jetzt noch' gar ein wieder eingebrachter Antrag des Herrn Frese angenommen wird, daß das S e e- klar mache n innerhalb der Sonntagsruhe vor- g e n o in m e n werden kann, so können wir einen Strich durch de» ganzen TouutagSrnhc-Paragraplien mache». Selbst Herr»tonteradmiral Schmidt ist nicht im stände gewesen, uns eine präcise Definition des Begriffs Seeklarmachcn zu geben. Jeder Schiffer faßt eben das Wort anders ans. Ein Kardinalpnnkt ist tveiter die Uebertragbarkcit der Disciplin arge w alt des Kapitäns auf die Schiffsoffiziere. Diese ist entgegen nnsren Anträgen beibehalten worden. Herr Frese hat auf die Disciplin das Hauptgewicht gelegt. Wir haben uns niemals gegen die Disciplin an Bord gewandt, wenn aber fortgesetzt Misthaudliingeu an Bord vorkommen, ohne daß der Kapitän etwas davon weiß, kann von wirklicher Disciplin und Manneszucht keine Rede sein. Die Verweigerung des KoalitionörechtS au die Seeleute und die Nichteinführung des ObinannsystemS sind weiter Gründe, die uns den vorliegenden Entwurf nicht mit besonderer Freude betrachten lassen.— Nach alledem slchcn wir der Vorlage sehr kühl gegenüber und cö wird uns erst nach Beendigung der dritten Lesung möglich sein, eine definitive Stellung zu dem' Ent- wnrf zu gewinnen. An dem Untergang der„Elbe den Herr Frese in seiner Rede berührt hat, Warnach meiner Ansicht hauptsächlich die schlechte Wache und ungenügende Bemannung schuld. Um ähnlichen Unfällen vorzubeugen, stellten wir in der zweiten Lesung den Antrag. daß jedes Schiff vor der Ausfahrt in Bezug auf seine Seetüchtigkeit und Tragfähigkeit untersucht werden soll. Dieser Antrag wurde abgelehnt mit der Begründnng, daß er nicht durchführbar sei. Dabei besteht in Sachse» für die Vinucnschiffahrt eine Vcrordniing in diesem Sinne schon sei einem Menschrualter und ist sehr wohl durchführbar. Die deutschen Reeder sind nur in der Bezichnng allen andren voran, daß sie die niedrigsten Löhne zahlen. Löhne von 69 Mark im Monat sind keine Ausnahme. lHört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wir werden nicht aufhören, für die Seeleute, einen genügenden Schutz zu fordern, und die Regiernng wird sich wohl oder übel schließlich dazu bequemen müssen. Wie die vorliegende Seemanns- Ordnung nur dem Drängen ni e i n e r Partei entsprungen ist, wird die Regierung auch dem Drängen nach einer Besse- r u n g d i e s e r V o r l a g e nachgeben müsse n.(Bravo! bei den Socialdemokraten. i Konteradmiral Schmidt: Herr Metzger hat gesagt, ich hätte keine Definition des Wortes„seeklar" geben können. Demgegenüber verweise ich ans die Verhandlungen in der Kommission, wo icb mich genau darüber ansgejproche» habe, was unter„seeklar" zu verstehe» ist. Mit Bezug ans eine gelegentliche Aenßernng des Abg. Kirsch in der zweiten Leimig stelle ich ausdrücklich fest, daß ich gesagt habe, daß alle Schiffe sehr wohl seetüchtig sein können. Mit alten Schiffen meine j-b Schiffe von über 39 Jahre. Wollten wir alle Schiffe über 39 Jahre ausrangieren, so könnten wir mehr als den vierten Teil unsrer Seeschiffe als Brenn- bolz verkaufen.(Hört! hört! bei den Socialdeinokrateii.) Meine Angaben stützen sich auf das amtliche(statistische Material. Räch demselben haben wir im ganzen 2279 Schiffe, davon 57S über»« Jahre. Ein solches Verhältnis besteht aber nicht nur bei uns, sondern auch>» andren Länder».— Herr Metzger sagte weiter, die behördliche Nntersnchung der Schiffe ans Seetüchtigkeit usw. sei in Sachsen schon seit 39 Jahren eingeführt. Ja, wenn die Verhällnisse ans der See so einfach lägen wie ans der Elbe, würde der socialdemokratische Antrag leicht durchführbar sein. Heute ist er es aber nicht. Abg. Dr. Semler(natl.): Herr Metzger behauptete, seine Partei hätte sich»ie gegen die Disciplin an Bord gewandt. Das zeigt nur, wie verschieden die Ansichten über Disciplin find. Wir halten er mit der Disciplin für ganz nnvercinbar. wenn ein S ch i f f s m a n n mit dem Kapitän dar Übersoll rechten können, ob eine bestimmte Arbeit notwendig ist oder nicht, wie das. ein socialdeinokratischcr Antrag wollte.— Die Vorlage enthält eine ganze Reihe von Verbesserungen für die Seeleute, welche direkt eine niat'ericlle Belastung der Reeder bedeuten. Uni den Anschein zu vermeiden, als ginge mir das pekuniäre Interesse der Reeder über den socialen Frieden, habe ich darauf verzichtet, eine Reihe von An- trägen einzubringen. Ich hoffe, daß auch die Socialdemokraten auf allzu einseitige Vertretung der Arbeiterinteressen verzichten werden. (Bravo! bei den Natl.) Abg. Bargmann Abg. Stockmann(Rp.): Es muß darauf geachtet werden, daß die' Lasten der socialeii Fürsorge fiir die kleinen Reedereien nicht zu schwer werden und daß weiter die Disciplin unter allen llniständeii gewahrt wird. Anträge der Socialdemokraten aber wie derjenige auf Einsetzung eines Schiffsrates, den der Kapitän in Fällen dringender Gefahr befragen muß, dienen geradezu zur Untergrabung der Disciplin.(Widerspruch bei den Social- demokraten.) Bei alledem stellen sich die Socialdemokraten als einzig berufene Vertreter der Seeleute, ja sogar der Kapitäne hin. Bc- rnfsmäßige Scelenie wollen indes sehr wenig von der Socialdemo- kratie wissen.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Ihnen hängen nur die sogenannten Hilfslente, Heizer, Kohlenträgcr usw. an. Damit schließt die GeneraldiSkussio n. In der S p e c i a I d i s k n s s i o n werden die 1—3 debattelos a n g e n o in in e n. Z 4 handelt von der Besetzung der S e e m a n n s ä m t e r. Nach den Beschlüssen zweiter Lesung sollen sie ans cineui Vorsitzenden und zwei schiffahrtSknndigeii Beisitzern bestehen, von welchen der eine, falls das Verfahren sich gegen einen Schiffsinann richtet, den Kreisen der scebcfahreiien Schiffslcute zu entnehmeir ist. Die Abgg. Alb recht und Genossen beantragen, die Worte „falls das Verfahren sich gegen einen Schiffsniann richtet" zu streichen und folgenden Absatz hinzuzufügen: Die Besitzer verwalten ihr Amt als Ehrenamt und erholten nach näherer Beslininiung der Landesregierungen Ersatz für bare Ans- lagen außerdem einen Pauschalbetrag für Zeitverlust oder Ersatz für den ihnen entgangenen Arbeitsverdienst. Abg. Dr. Herzfeld(Soc.): Unser Antrag ist fast wörtlich ans dein Jnvaliditätsgesetz entnomnieii. Es erscheint fast selbstverständlich, daß die Beisitzer einen Ersatz für die ihnen er- wacbseiicn Kosten erhalten. Weiter beanlragen wir, daß einer der Beisitzer unter allen Umstände» aus den Kreisen der Scclente genommen wird. Die Strafen, die die Seemannsämter bei Ver- gehuiigen der Kapitäne oder auch der Reeder selbst verhängen, sind vielfach so gering, daß die Reeder ein Jntcresse daran Häven, die Vorschriften zu übertreten. Ans allen diesen Gründen ist unser Antrag gerechtfertigt und ich bitte Sie, denselben anznnehnien. Abg. Dr. Semler(natl.) beantragt, über den letzten Satz des 8 4„von welchen der eine" usw. besondere Abstiiniming. Seine Freunde würden gegen diesen Satz stiniinen. Staatssekretär Graf PosadowSky bittet ebenfalls, diesen Be- schlutz der zweiten Lesung wieder zu beseitigen. Es wird hier ein ganz neuer Grundsatz in das Strafgesetz eingeführt, der Grundsatz der Klassenjustiz. Dein köinien die verbündeten Regierungen nicht zustimmen. Abg. Dr. Spahn(C.) bittet, es bei dem Kommissionsbcschlnsse zu belassen. Redner bestreitet des weiteren, in der zweiten Lesung sich gegen die Einrichtung der Gemerbegcrichte gewandt zu haben. In der Abstiniinung werden hierauf die Anträge Albrecht ab- gelehnt.' Der Antrag Semler gegen die Stimmen der Social- demokraten und Freisinnigen angenommen.(Vom Centrum wird die Abstinunnng solich verstanden. Abg. Spahn konstatiert dies nach vollzogener Abstimmung. Bei einem späteren Paragraphen soll der Fehler wieder gut gemacht werden.) Die§8 5— 31 werden debattelos erledigt. 8 32 sagt in Absatz 3, daß einem Schiffsmann in seiner dienst- freien Zeit nach Beendigung der Rückreise die Erlaubnis zum Ver- lassen des Schiffes nickt verweigert werden darf, wenn nicht triftige Grunde vorliegen. Ist ihm die Erlaubnis erteilt, so muß er zur sestgcietzten Zeit zurücklehren. Ein Antrag A l b r e ch t(Soc.) u. Gen. will„nach Beendigung der Rückreise" streichen, statt„triftige Gründe",«dringende Gründe" setzen und am Schluß hinzufügen:„wird sie verweigert. soHat der Kapitän die Gründe in das Schiffstagebuch einzutragen". Abg. Metzger(Soc.) begründet'den Antrag. Der Antrag ans Streichung der Worte„nach Beendigung der Reise" wird angenonimeii. die übrigen Abänderungen werden abgelehnt. 8 33 charakterisiert in Absatz 3 als Ueberstunden-Arbeit eine über zehn, resp. in den Tropen über acht Stunden dauernde Arbeit, soweit sie nicht zur Bedienung der an Bord befindlichen Personen zum Secklarmachen oder zur Sicherung des Schiffes in Gcfahx dient. Die Abgg. Alb recht(Soc.) u.Gen. wollen diese Einschränkung streichen. Abg. Schwartz-Lübeck(Soc.): Auch den Schiffsleuten, die zur B e d i e n u n g und Sicherung des Schiffes angestellt sind, muß der Vorteil des U e b e r st u n d e n l o h n e s zu teil werden. Es liegt gar keine Veranlassung vor, diese Leute aus- zuschließen, zumal der Dienst ein sehr anstrengender ist. Daß dadurch den großen Gesellschaften eine erhevliche Mehrausgabe erwächst, mutz allerdings zugegeben werden, aber diese Gesellschaften sind wohl im stände, die Mehrkosten zu tragen. Abg. Dr. Seniler(natl.) beantragt, die Worte„zum Seeklar- machen" aufrecht zu erhalten und die Beratung des 8 3S hier bei 8 33 mit vorzunehmen,„der Sonn- und Festtagsar'vcit verbietet, soweit sie nicht zur Verpflegung der an Bord befindlichen Personen oder zur Sicherung des Schiffes notwendig oder in dringender Gefahr er- forderlich ist." Ein Antrag Seniler zu diesem Paragraphen will hinter „Personen" einfügen„zum Secklarmachoii des Schiffes". Abg. Cahensly(C.): Es sollte gesetzlich festgelegt werden, daß die großen transatlantischen Dampfer an Sonntagen nicht ans- fahren dürfen. Gegen diese Bestimmung hat sich aber so großer Widerstand geltend gemacht, besonders mit Rücksicht auf die ausländische Konkurrenz, daß die Bestinimimg in zweiter Lesung gestrichen wurde. Ich will nur zu meiner Freude kon- stalieren, daß die Hambnrg-Amerikaliiiie nunmehr von selbst ihre Dampfer, die bisher am Sonntag ausfuhren, am Sonnabend ab- gehen läßt. Abg. Metzger(Soc.) bittet dringend um Ablehnung des Antrages S e m l e r zu 8 35. Wir haben schon in der Generaldiskussion darauf hingewiesen, daß die Sonntagsruhe für die Seeleute geradezu illusorisch gemacht würde, wenn die Arbeit des Seeklarmachcns am Sonntag als gewöhnliche Arbeit vorgenommen werden darf. Staatssekretär Graf PosadowSky: Wenn die Hamburg-Amerika- Linie ihre Seedampfer jetzt nicht mehr am Sonntag abgehen läßt, so hat das ganz andre Gründe, als Herr Cahensly meinte. Die Gesellschaft hat beschlossen, ihre Dampfer jetzt nicht mehr im scchswöchcntlichcn, sondern fünstvöchcntlichem Turnus abgehen zu lassen. Dabei mußte aus bestimmten Gründen als Expeditionstag in New Jork der D i e n s t a g gewählt werden und dies hatte wieder zur Folge, daß die Dampfer von Hamburg am Freitag oder Sonnabend abgehen mußten. Die Gesellschaft ist aber noch sehr im Zweifel darüber, ob sie im stände sein wird, diese Nenernng aufrecht z» erhalten. Abg. Frese(frs. Vg.) polemisiert gegen die Ausfühnnigen des Abg. Metzger. Das Seeklarmachen gehört unmittelbar zur Thätiglcit des Scciiianns. Ich möchte Sie bitten, die Worte,„zum Seeklarmachen" aufrecht zu erhalten. Ein materielles Interesse der Reeder liegt hier nicht vor. Abg. v. Snvigny(C.): Ich kann Sie nur bitten, dem Vor- schlag des Kollegen Frese nicht zu folgen und das Wort„Seeklar- machen" zu streichen. Abg. Molkciibnhr(Soc.): Herr Frese bestritt, daß der Wegfall der Worte«zum Seeklarniachkn" für die Reeder eine niaterielle Be- lasimig bedeutet. In der That aber soll doch festgesetzt werden, daß auch die Arbeit des S e e I l a r ni a ch e n s am Sonntag a l s Ucbcrstnndcn-Arbctt zu vergüten i st. Gehcimrat v. Joiiqniörcs:. Ich stelle fest, daß nrkr die Unklarheit darüber, was unter Sccklarmachc» zu verstehen ist—, ob nur cmige wenige vorbereitende Llrbeiten vor der Abfahrt des Schiffes oder weitergehende Arbeiten— die Herren vom Centrum veranlaßt, die Worte„zum Sceklarinachen" zu veanstanden. Ich konstatiere drin- nach, daß, mag die Abstimmung ausfallen wie sie will, eS nicht die Absicht des Reichstages sein kann, daß der Schiffsmann für die zuerst genannten wenigen vorbereitenden Arbeiten nnuiittclbar vor Abfahrt des Schiffes Ucberstundcnlohn beanspruchen kann. Damit schließt die Diskussion. Inder Abftiminnng werden die Worte„zum Seeklar- machen" im§ 33 gegen die Stimmen der Konservativen. Nationallibcralcn nnd der freisinnige» Vereinigung gestrichen. Der Antrag S e m m l e r zum 8 35 wird daraus zurückgezogen. Unter Ablehnung der Anträge Albrecht werden die 88 33 und 35 in der so veränderten Fassung zweiter Lesung angenomnicn. 8 84 wird unverändert angenommen' 8 36 verbietet die Sonntagsarbcit ans dem Schiffe, wenn sie nicht dringend n o t w e n i g i st. Die Abgg. A l b r c ch t(Soc.) und Genossen wollen diese Einschränkung streichen. Abg. Dr. Hcrzfeld(Soc.): In der Schiffahrt ist die Sonntagörnhc fast unbekannt. Der Reichstag hat deshalb die Pflicht, auf diesem Gebiete einznschroitcii und dem See- mann auf See wenigstens einige Erholung zu gönnen. Unser Antrag ist das Geringsic. was inan fordern kann, wenn man dem Schiffsniann überhaupt eine Sonntagsrnhe gewähren will. Der Begriff„dringend notwendig" ist ein so kautschukartigcr Begriff, daß er nicht im Gesetz stehen bleiben darf. Abg. Kirsch(C) beantragt, statt„dringend notwendig" zn sagen,„in dringenden Fällen". In der Abstimmniig wird der Antrag Kirsch angenommen, dagegen der Antrag A I b r e ch t abgelehnt und der so ver- änderte 8 36 nach den Beschlüssen' der zweiten Lesung an- g e n o m m e n. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung ans Sonnabend 1 Uhr. Präsident Graf Ballestrem: Ich möchte Ihnen mitteilen, daß ich die Absicht habe, am Montag die erste Lesung des Gesetzentwurfs wegen der Diäten an die Zoll- t a r i f- K o m ni i s s i o ii auf die Tagesordnung zu setzen. Die Herren, dencu daran liegt, mögen dann für die Hcranzichnng der nötigen Kräfte sorgen.(Heiterkeit.) Schluß 6 Uhr. Die Zolltarif- Kommission fuhr am Freitag sin der am Donnerstag abgebrochenen Debatte, über die Positionen 164 nnd 165(Oel) fort. Die Socialdemokraten beantragten Zöllfreiheit. Gothein(frs. Vg.) beantragt, den Zoll auf Rapsöl und Rnböl statt auf 12 M. ans 9 M., ans Banmwollensamöl statt ans 12,59 ans 19 M. und ans andres fettes Oel statt ans 19 M. auf 9 M. zn beniessen. Frhr. v. Wangcnhcim(k.) beantragt für alle Ocle in Fässern einen Zollsatz von 18 M., in andern Behältnissen von 24 M. Nur für Lavat- nnd Snlfnröl sieht der Antrag einen Zoll von 2 M,. für Holzöl einen solchen von 9 M. vor. Redner führt ans: Diese Er- höhung sei notwendig, schon um die Zollsätze im richtigen Ver- hältnis zu den früher für Rohstoffe bcschlosieiicn Zollerhöhungen zu halten, Ministerialdirektor Wcrmnth betont, daß die von der Koni- niission beschlosienen Zollsätze auf Rohstoffe kleine Erhöhung derZölle für fette Oele bedingen. Stadthagrn: Mit der Begründnng, welche die Regierung gegeben hat, kann Wangcnheini seine Sätze, wenn auch nicht begründen, so doch entschuldigen. Die sogenannte Begründnng der Vorlage zieht immer weitere Konsequenzen. Man mutz schließlich alje Industrie� zolle erhöhen, weil mnn bei den Iandwirtsck>aftlichen Zöllen den An- fang gemacht hat. Die Regierung behauptet, weil tierisches Speise- fett erhöht ist. muh auch Pflanzenfett erhöht werden. Das nicht cfe- bare Pflanzenöl nuifj verteuert werden, weil das eßbare verteuert ist. Dadurch klommt man zum Scifenzoll, zur Erhöhung der Jiiduslrieprodukte, wo Ocl gebraucht wird. Man fragt aber nicht, wo die Konsumenten schließlich das Geld zum Bezahlen hernehmen sollen. Die Säße der Regicrnngövorlage tvcrden angenommen. Position lK7 legt auf Muslatbutter. Lorbceröl in Fässern einen Zollsatz von SM., in andren Behältnissen einen solchen von 20 M. wie bisher. Zu Positionen 168 ff., Baumwollstcarin, Palmlernöl usw.. beantragt Gothei»(frs. Vg.) für Baumwollstearin einen Zoll von 10 M., denaturiert einen solchen von 2 M. Stadtliagen(Soe.) tritt für Zollfrciheit ein. Müller-Sagan(frs. Vp.j beantragt die Wiederherstellung des bisherigen Vertragszvlls von 3 M. für Oelsäure im Interesse der heiniischen Textilindustrie. Gehcimrat Wolffram bekämpft diesen Antrag mit vertraulichen handelspolitischen Mitteilungen. Die Rcgicrungöporlagc wird angenommen. Zu Positionen 171—173(Stärke. S t ä r t e g u m m i, K l e i st e r Und sonstige Klebe st offe, Sago. Saleppuloer) beantragt Gothcin(frs. Bg.) für alle drei Positionen einen Zollsatz von 12.50 M. Geh. Regiernngsrat van der Borght betont, daß die Zoll- erhvhung lediglich bedingt sei durch die Heraufsetznng der Zölle sür Mnllcrci-Erzcugnisse. Müller-Sagan(frs. Vp.) erklärt sich gegen den Zoll aus Sago im Interesse der Kinderernährung. Geheiurrat Blan und Untcrstaatssckrctär v. Fischer verteidigen die Sätze der Vorlage. Hierauf werden die Satze der Regierungsvorlage an- genommen. Die Verhandlnng über die Position 174(Zncker) wird ans Wunsch des Schatzsekretärs Ficht», v. Thielniann bis nach Er- ledignng der n« nächster Woche dem Reichstag zugehenden Vorlage über die Zuckerstcner zurückgestellt. Die Positionen 176 und 177 ivcrdc» gemeinsam verhandelt. Position 176 legt ans Branntwein aller Art, einschließlich des SB e i n g e i st s. Arrak, Rum. C o g n a c. Mischungen von Weingeist mit Aether und Lösungen von Acthcr in Weingeist in Fässern: Liqucur einen Zollsatz von 240 M., anderen Branntwein einen solchen von 160 M. Position 177 legt auf die iu 176 genannten Getränke in anderen Behältnissen einen Zoll von 240 M.; sämtlich ivie bisher. v. Aardorff(Rp.): England zahle, obwohl freihändlerisch, eine so Hobe Erportprämie, daß sogar sein Kornbranntwein mit unsrem Kartoffelsprit konkurrieren könne. Die Regierung möge wegen Abschaffung dieser Exportprämie Verhandlungen anknüpfen. Geyer(Soc.j: Wir haben keine Anträge gestellt, iveil jetzt eine Novelle zum Branntwcinstcner-Gesetz beraten wird. Vor einigen Jahren hat man unter dem Vorwand, die Luxusgetränke zu vcr- teuern zur Deckung der Kosten für die Flottenvorlagc, den Rum ver- teuert, den die Seeleute und Hafenarbeiter zu ihrem Grog gc- brauchen. Wir tverdeu in der zivcitcn Lesung, wenn das Schicksal der Branntweinnovclle entschieden ist, Anträge auf Herabsetzung des Zolls stellen. . Gothcin(frs. Bg.) bezweifelt, daß England seine Exportprämien abschaffen werde, so lange wir unsre behalten. Hierauf werden die Sätze der Regierungsvorlage an- genommen. Die Positionen 179 bis 183 werden gemeinsam verhandelt. Sie setzen für folgende Getränke die Höhe des Zolles fest: bisherig. Zoll Position 179 sür S ch a u m w e i n.... 120 M. 120 M. » andren Wein..... 48, 48. Most von Trauben. Wein- most aller Art..... 60, 60., Wcintrüb.'..... 24, wie Wein. Weine mit Heilmittelzusätzen in Fässern....... 24„ 24 M. in andren Behältnissen.. 48„ 48, Obstwein, Maltonwei». Milchwein, Meth, Kefyr, Kumys, 180 181 182 183 Dr. Blaukcuhorusnatl.s, L«rz0N. 1«d,n Sonnabend nach der Voratellung: Tanz ohne Nachzahlung Direktion: J. 91. II U t t. 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Sonntagabend 8 Uhr: Hein lieopold. Montagabend 8 Uhr: Xntha.,, der Weine. Ctntral-TIiraler. Heute 71/2 Uhr, zum 127. Mal: Dtts fülle Aliidel. Operette in 3 Akten von Landsberg und Stein, Musik von Reinhardt, Morgen und folgende Tage 7 Vi Uhr: Das s liste Mädel. Sonntag, 27, April, nachmitt, 3 Uhr, halbe Preise: Der Bettelstudent. Abends 7-/,Uhr: DaS stifte Mädel. Seile'Wüsace-Thester. Die Dam(iii9 Trouville. Schwank uiit Gesang n. Tanz in 3 Akt, tmll Sondermanna. G. Ferd. Worms. Mlzzl Birkner. Rosa Marlon. Hierauf:„Er", Pariser LebcnL- bild in 1 Akt, Sonnlagnachmittag 3 Uhr: lllkrlede (Aschenbrödel). Lustspiel v, R. Beneck, Urama. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Frühlingstage an der Riviera. Castis Panoptlcum Friedrieb Strasse 165. Zwergin � Kinde (einzig in ihrer Art auf dem Erdenrund!!) M Der Boerenkrieg (Botha, DeWet, Delarey, Krüger.) Lebende Photographien. npnt humor-musikal. Quintett nCU, Kirchiucycr. c arl Weiss-Theater. Graste Frankslirlerstr. IllÄ. 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Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr, Emilie Carola. preisgekrönte Wiener Schönheit Gustav Bomig, Humorist, mit sein. Schlager: Berlin sei ruhig, schrei hurra! Der kleine Cohn, der kleine Cohn, Der kleine Cohn ist da I 16 erstklassige Nummern. ipoiio- Theater. Um 8 Uhr: Acht ausgezeichnete Specialitäten. Um 9 Uhr: Lysistrata LÄÄ.„Grigolalis". Kasseneröffnung 7 Uhr. Casino- Theater Lothringer str. 37. Täglich 8 Uhr, Noch kurze Zeit, Das brillante April-Programm, G/z: „Min aus Stelzen". Am 1. Niai kommt Eeouhanty Haskel. W. Knacks Theater. Briinneiistiabe 10. Lenove. Vaterländisches Schauspiel m. Gesang in 3 Abteilungen von Carl 0, Holtet, Heute: Tsri2lcrstQ20lL0ii Sonntag::L«noi-o. Begründung; des Geschäfts 1878. 1 Reichshallen. Täglich: StcltiiierSäiigci'. Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr, AI' irl Sonnabend, 26, April, abds, 7Vz Uhr Grussc Vorstellung. Klondike. Orig-Pantomime des CirlnS Busch. Deutsclie Konzertlwllen. 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Kgl.Pi eich- Lotterie. Zi'bunz vom 25.«pril 1902, nachmittags. Kur di»»ewinne»der 232 Ml find de» delriäento« Nummer» tu Klammer» beigefügt (Ohne Gewähr.) 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An der Vörie herrscht dagegen noch immer melancholische Aprilstimmung, ja die Situation sieht noch trübseliger aus, als in letzter Woche; denn die Spannung, mit der man noch vor acht bis zehn Tagen»ach dem südafrikanischen Kriegsschauplatz ausschaute und auf das Eintreffe» baldiger Friedcnsnachrichlen von dorther hoffte, hat mehr nnd nichr der Ansicht Platz gemacht, das; es vorerst doch wohl»och nichts mit dem baldigen Friedensschluß ist. Und noch eine andre schöne Seifenblase ist zerplatzt: der Generalstreik in Belgien ist schon nach wenigen Tagen durch einen Beschluß des Gcneralrats der belgische» Abeiterpnrtci wieder beendet worden. In stiller Hoffiinngsfreudigkcit rechnete schon so niancher liberale Besitzer rheinischer Montnniverte darauf, daß es zu einem große» Ausstand in den belgische» Kohlenrevieren kommen solle, der nicht nur die belgische Konkurrenz lahmlege». sonder» auch zu einer stärkeren Busfuhr deutscher Kohlen nach Belgien führen würde, damit die rhcinisch-ivcstsälischcn Zechen ihren Lagerbestand erleichterten— nun ist auch diese schöne Hoffnung zu Wasser geworden. Und da sich sonst in vergangener Woche recht wenig auf der Wcltbiihne ereignete, ivas als Stutze für eine Steigerung der Kurse hätte dienen können, wurde die Haltung noch schwächer als in voriger Woche. Vielleicht hätten unter andren Vcrhältniffen die Nachrichten über de» unter Morgans Direktion zu stände gekommenen Schisfahrtspool eine» Anlaß zu einer kleinen vcrgnügten Hausse geboten: aber ganz abgesehen davon, daß vorläufig»och die widerspruchsvollen Meldungen nicht erkennen lassen, wie es um das Verhältnis der deutschen Linien zum Pool bestellt ist, fehlt es so völlig an der nötigen Teilnahme des Publiknms, ohne die— Iveuigstens zur Zeit— eine derartige Börsenoperation keine Aussicht auf Erfolg bietet, daß von der Spekulation nicht mal ein Versuch nach dieser Richtung hin unter- nomnieu wurde. Die Paketfahrt-Aktien blieben fast unberührt und selbst die Aktien dcS Norddeutschen Lloyd vermochten ihren Kursstand nur um etwa ein Prozent z» erhöhen. DaS Publikum hat eben so völlig die Beteiligungslust verloren, daß es einstweilen von Dividendenpapiercn kaum noch etivaö wissen will und höchstens noch für solche Werte Neigung zeigt, die neben de» Kurschancen eine feste Verzinsung bieten.' Bei dieser Geschäftsunlust. die durch den vcmrinderten Börsen besuch infolge der jüdischen Festtage sich noch schärfer geltend machte konnte natürlich die Meldung aus Brüssel von dem Ende des Generalstreiks nur abschwächend auf die Kurse der Kohlenakticn wirken, umsomehr, als die in der Versammlung des Rheinisch-West- fälischen Kohlensyndikats über die Geschäftssituation gefallenen Acuße- rungen und der AuSivcis der„Hibernia" wenig geeignet waren, die Stimmung zu heben, trotz der von der„Köln. Ztg." aus den, Ruhr- bezirk berichteten Versandziinahme an Kohlen, CoakS und Briquctts in der zweiten Aprilwoche. Die Kursabschivächungc», die hierdurch die Kohlenaktien erlitten haben, belaufen sich bei verschiedenen der leitenden Werte auf niedrere Prozente und gleichen die Steigerungen, die in voriger Woche diese Werte auf Grund der Brüsseler Streik- ineldnilgeii zu erzielen vermochten, mehr als reichlich aus. Auch Hüttennktien wurden durch den Rückgang in Mitleidenschaft gezogen und haben in dieser Woche weitere Abstriche von 2 bis 3 Prozent erlitten. Recht still Ivar der Bankenmarkt, doch konnten die Bankaktien im ganzen ihren Kurs ziemlich behaupten. Einen Rückgang er- fuhren am Dienstag östreichische Kreditaktien, infolge Budapester Abgaben, vermocbten sich aber am folgenden Tage, da von Wie» größere Dcckungskäufe gemeldet wurden, wieder ziemlich zn erholen. Auch Bahnaktien lagen still bei einigermaßen fester Tendenz. Schwankend, doch im ganzen aufsteigend ivarcn Kanada-Pacific- Aktien im-Anschlnst an die Machenschaften auf den, amerikanischen Eisenbahnmnikt. deren Resultat auf eine Eriveitcrung des Einflusses der großen Macher hinausläuft. Die Hauptergebnisse des deutschen Außenhandels im 1. Quartal 1902 find schon in der Donnerstag-Numnier kurz mitgeteilt worden. Da die Zn- nnd Abnahme der ein- und ausgeführten Waren aber recht charakteristisch für den gegenwärtigen Stand der Krise ist. dürste ein etwas näheres Eingehen anf die Veränderungen gegen- Über dem Vorjahr nicht unangebracht sein. Dem Gewicht nach stellte sich die Ein- und Ausfuhr: Einfuhr Ausfuhr in Tonnen(lOOOKg.) in Tonnen(1000 Kg.) Erstes Quartal 1902... 8 448 901 7 4L2 344 1901... 8 901 872 7 234 414 1900... 8 380 549 7 843 651 Dem Werte nach betrugen Ein- und AuSfiihr: Einfuhr in Millionen Mark Erstes Quartal 1902... 1370,2 1901...>299.4 1900... 1483.7 Starke Zunahmen zeigen auf gegen das Vorjahr bei de» Einfuhr- werten: Edelmetalle mit rund 19 Mill. M., Getreide mit 24Mill. M.. Materialwaren mit 12 Mill. M., Wolle mit 44 Mill. M. Größere Einbußen erlitten Eisen mit 6 Mill. M., Flachs mit 6 Mill. M., Holz mit 8 Mill. M., Instrumente und Maschinen mit 5 Mill. M. WaS die Ausfuhr anbetrifft, so iveiscn besonders folgende Warengruppen eine Zunahme in, Vergleich zum Vorjahr auf: Eisen »nd Eisenwaren mit 24 Mill. M.. Baumwollwaren mit 5 Mill. M., Drognen-, Apotheker-»nd Farbwaren mit 9 Mill. M.. Matcrialivaren mit 15 Mill. M. Abgenommen hat der Wert der Ausfuhr bei Ge- treibe»m ö Mill. M., bei Justrumenten und Maschinen um 6 Mill. M.; ferner erlitte» einen erhebliche» Ausfall: Erze. Erden, Edelmetalle, Kohlen, Wolle. Die Rohzncker-AuSfuhrwerte haben zwar wegen der starken Mehr- ausfuhr»ach England gegen daS Vorjahr trotz des weiteren starken Rückgangs der Ausfuhr nach den vereinigte» Staaten erheblich zuge- nomine», sie sind aber sgegen 1900 fast 4 Millionen Mark geringer. Dagegen hat die Weißzuckc'r-Ausfuhr gegen die beiden Vorjahre um 8 und II Millionen Mark zugenommen. England bezog mehr als b/s der gesamten Weißzncker-AnSfuhr. Die Ein- und Ausfuhriverte find bis auf diejenigen für Getreide nnd Mehl nach den für 1901 ermittelten Werten berechnet. Die Zahlen zeigen, daß die Ursachen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres eine Verschiebung der Sin-»nd Ausfuhr gegen- über dem Jahre 1900 betvirklcn. weiter andauern; das heißt, daß die Krise Export und Import in gleicher Weise weiter beeinflußt. Zugenommen hat, wie im vorigen Jahre, bedingt durch das im- günstige Erutc-Ergebniö, die Gelreide-Eiiifuhr, und ebenso infolge der verstärkten Abstoß, mg von Waren nach Gebieten, von denen ein entsprechend verstärkter Export nach Deutschland nicht erfolgte, die Edclnietall-Einfnhr. Dagegen hat weiter abgenonimcn die Einfuhr von Eisen und Holz, da sowohl die Eisen- als die Holzindustrie am härtesten von der Krise betroffen sind und auf dem einheimischen Markt sich die Nachfrage nach ihren Erzeugnissen beträchtlich ver- »lindert hat; ferner die Einfuhr von Maschinen, weil neue Fabriken uiiv. nur vereinzelt angelegt werden. Vielmehr seyt die Eisenindustrie, wie die außerordentlich starke Exportzuuahme von 24 Millionen Mark in drei Monaten deutlich zeigt, ihre Anstrengung fort, die vorhandenen Vorräte nach den, Auslände abzustoßen: et» Bemühen, das aber nicht in allen Branchen gleichmäßig Erfolg hat. Die Fabrikation von feineren Eisenwaren ist an diesem vermehrten Export nicht beteiligt, und die. Ausfuhr in Millionen Mark 1109,5 1072.9 1198,5 Maschinenindustrie sieht nicht nur ihren Absatz im Jnlande, sondern auch nach dem Auslade vermindert, da die Länder,»ach denen sie voriviegend exportiert, Rußland und Ocstreich, selbst unter einer schweren Krise leiden. In der deutschen wie in der englischen Handelspreffe wollen die Erörterungen über den von Morgan gegründeten Schiffahrtspool kein Ende nehmen, und hastig folgt eine seltsame Nachricht der andre». Bald heißt cS, es handle sich nur um eine einfache Konvention, dann meldet ein andres Blatt, es sei ein Trust geplant, der die wichtigsten englischen Linien mit den Morganschcn Linien verbinde. dann wieder soll die Cunard-Linie mit der' französischen Compaziiie gönsrale transatlantique ein Konkurrenzunternehmen bilden wollen, darauf berichtigt wieder eine andre Zeitung, die Cunard-Linie gehöre ebenfalls zum Trust, aber die französische Linie wolle sich nicht an- schließen usw. Es ist recht seltsam,>vie sich aus der unschuldigen einfachen Vereinbarung über die Höhe der Frachtsätze, von der zuerst die liberale Presse zu berichten wußte, nach und nach eine allgemeine Verständigung über Fracht-»nd Passagier- preise sowie über Abfahrtszeiten,' dann eine„Interessengemeinschaft" und nun schließlich ein recht kurioses Trust-Ungehencr entivickelt hat, denn anf eine Trustbildung läuft die ganze Sache hinaus. Soweit sich beurteilen läßt, soll nämlich ein großer Trust gebildet werde», der folgende Linien umfaßt: Erstens die vier von Morgan kontrollierten Linien, also die Leyland-Linie. die Donnuian-Liuie, die Atlantic Trausport-Liuie i»id die Ainericau-Linic, ferner die bisher unabhängige englische White Star-Liuie, die Red Star-Linie, die Allan-Linic, die Cunard-Linie und die Holland— An, erika-Linie(Nederl. Amerik. Stoom-Maatsck.). Nach dem„New Aork Herald" soll daS Kapital 200 Millionen Dollar betrage» nnd außer de» Aktienkapitalien der verschiedenen Gesellschaften den größten Teil der im Umlauf befindlichen Obligationen umfassen. Dagegen soll sich nach den „TinicS" das Gesanitkapital nur auf 170 Millionen Dollar belaufen, nämlich auf 60 Millionen Dollar Aktien, auf 60 Millionen Dollar garantierte 6prozentige Prioritäten und auf 50 Millionen Dollar 4>/sprozcntige Hypothekarobligationen. Dieses Kapital soll jedoch nur vorläufig erhoben werden, für später ist eine weitere Begebung geplant, so' daß auch nach der Mitteilung der„Times" sich das Kapital auf ungefähr 200 Millionen Dollar stellt. Die Hamburg Ainerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd bleiben außerhalb des Trusts, treten aber zu ihm in eine Art Kartellverhältnis, d. h. unter werfen sich den vereinbarten Abmachungen. Es bestätigt sich also, was an dieser Stelle verschiedentlich auS- geführt ist, daß es sich um viel mehr handeln müsse, als um ein bloßes Abkommen über Fracht« nnd Passagicrprcise. Dennoch, ob- gleich ihre früheren Mitteilungen sich als völlig unvcrläßlich er- wiese» haben, fährt die auS den betreffenden Reederkreise» inspirirte Presse fort, die Trustbildnng als etivas Unverfängliches hinzustellen und nebenbei die Direktionen des Norddeutschen Lloyd ivie der Hamburg-Anierika-Linie zu loben, daß sie so patriotisch gewesen sind. die Ehre der deutschen Flagge zu wahren, sich ihre Selbständigkeit zu erhalten«. Das ist nichts als ein anf Täuschung des Publikums berechnetes Geschwätz. Auch die englischen Linien behalten ihre Verwaltung und fahren weiter unter englischer Flagge, einmal weil sie dazu infolge der mit der englischen Re- giercnig eingegangenen Subventiousverträge gezlvnngen sind, und zweitens ivcil das amerikanische Schiffahrtsgesctz die amerikanische Registrierung außerordentlich erschwert. Deshalb fährt sogar die zuerst von Morgan angekaufte Leyland-Linie, obgleich sie völliges Eigentum des Morqan-Syndikats geivorden ist, noch immer unter englischer Flagge. Zudem aber, was heißt Selbständigkeit? Haben die beiden deutschen Linien die gemeinfam festgesetzten Normen über Frachten, Passagierpreise, Fahrtermine, anzulaufende Häfen usw anerkannt beziv. sich diesen unterivorfen, so sind sie eben nicht mehr selbständig. Ob sie direkt dem Trust beitreten oder nur zu ihm in ein Kartcllvcrhältnis treten, ist im ganzen ziemlich nebensächlich. Weit mehr interessiert Industrie und Handel, wie die Abmachungen laute», speciell ob die Frachtfestsctzungen derart sind, daß sie den deutschen Export nach drüben erschiveren, umgekehrt aber die amerikanische Ausfuhr gewisserArtikel (z. B. Eisen- nnd S t a h l>v a r e n) nach Europa und speciell nach Deutschland erleichtern, und ob ferner die Eiulegung solcher neuer Linien geplant ist, die den besonderen Exportinteresse» Amerikas in fremden Gebieten dienen, den deutschen Ausfuhrhandel nach jenen Gebieten aber schädigen. Eine Antlvort hierauf wäre jedenfalls nützlicher, als das Gerede über die patriotische Haltung beider Reedereien. _ Tat. Nns Fttdttptvio und?Z«ndel. Die Mistwirtschast in der Königin Marienhiittc. Die herrschende wirtschaftliche Krise hat auch die Königin M a r i e n h ü t t e, Aktiengesellschaft zn Cainsdorf bei Z w i ck a n l S. in ihren Grundfesten erschüttert. I» der am Donnerstag in Dresden abgehaltene» Generalversannnlung kam eS z» heftigen Scene» zivischen dem Aufsichtsrat der Gesellschaft und den kleinen schwer geschädigte» Aktionären, als deren Sprecher Rechtsanwalt G l ii ck s m a»»- Berlin auftrat. Die leidenschaftlichen Anklagen der Handvoll Kleinkapitalisten prallte» aber wirkungslos an dem groß- kapitalistischen Granitfels ab. Vereinigte doch von den 1300 auf der Generalversanimlung vertretenen Stimmen der Vertreter de« Bank- Hauses Bleicbrvder allein 839 auf seine Person. Daß die Anklagen der Opposition nicht ganz aus der Luft gegriffen waren, gaben der mit kühler Ruhe präsidierende Kommerzienrat Fritz K ü h n e m a n n und Generaldirektor F r e y t a g ohne weitere« zu. AuS dem Geschäftsbericht des KommerzienratS K ü h n e m a n n ist zu entnehnien, daß auf der Hütte im 2., 3. und 4. Vierteljahr 1901 ein Arbeitsmangel nnd gleichzeitig ein Preissturz mit einer Heftig- keit eingetreten sei, wie er kaum jemals vergekommen. Der Verkehr stockte zeitweilig völlig; die gekauften Walzwerkserzeugnisse wurden nicht abgerufen. Dagegen verlangten die Werke, welche Rohmaterialien u liefern hatten, deren Abnahme. Infolgedessen vergrößerten ich die Vorräte der Hütte beständig, während der Wert sank. Die Notlage der Hütte zwang zu dem Beschluß, daß auf jede Aktie von 600 M.: 100 M. in bar zuzuzahlen und eine mit 4'/» Proz. verzinsliche Obligation von 150 M. zu übernehmen sei. Widerstrebenden wären die Aktien im Ver- hältnis von 2: 1 zusammen zu legen. Arbeiter waren 1901 be- 'chäftigt auf den Hiittemverken 2038 und auf den Gruben 116. Für ie wurden verausgabt 2 105 000 M. Der Gesamtumsatz bclief sich auf 7 007 000 M.'g c g en 12 212 743 M. im Vorjahre. Als der Vorsitzende die wichtigen Zahlen der Verlust-, Wechsel- conten usw. ganz rasch herunter liest, kommt es zn einem Zusammen- toß mit den Aktionären. Dr. R e i ß: Ich bitte, langsam zu lesen. K ü h n e in a n n: Ich lese langsam genug. Dr. Reiß: Aber nicht o langsam, daß wir mitschreiben können. K ii h n e m a n n: Das st mir egal l(Großer Lärm.— Rufe: Aber unS nicht! Um unser 'chöueS Geld handelt eS sich!) Rechtsanwalt Glücks mann stellt den Antrag auf nochmalige Verlesung der Zahlen. Trotz halbstündiger Geschäftsordnungsdebatte läßt sich Komm.-Rat Kühnemann hierauf nicht ein. Generaldirektor Fr e y t o g giebt den techniichcn Bericht: 1877 wurde die Königin Marienhütte gegründet und befaßte sich im wesentlichen mit Herstellung von Eisenbahnmaterial. 1895 baute die bayrische Maximilians-Hütte dicht bei Zwickau«in Konkurrenzwerk: die Maxhütte. Seit dieser Zeit datieren dir Schwierig- eiten der Königin Marien Hütte. Rechtsanwalt GlückSmann bringt nunmehr fein Material gegen die Verwaltnng vor: Die Bestellung des Herrn Freytag zum Gencraldirektor habe Kopfschütteln venirsacht, da er vorher das Jakobiwerk in Meißen fast zu Grunde gerichtet habe. Als er fort- gegangen sei, wäre das Werk lvieder gesundet. Herr Freytag härte die Finanzklemme der Hütte durch seine Bauwut mitveranlaßt. Gleich bei seinem Antritt habe er seine Dienstwohnung mit einenr Kostenaufwand von 18 000 M. umgebaut. Schon nach 3 Jahren ließ er sich bereits eine neue Wohnung einrichten, was wieder 39 000 M. verschlang. Er schaffte neue Maschinen an, ohne sie zu ver- ivenden. Er errichtete überflüssige provisorische Modellschuppcn für 5—6000 M. Die Modelle ließ Freytag zerschlagen und das Holz für 3—4 M. das Kubikmeter verkaufen, obgleich nachher für die Beamten Brennholz zum Preise von 7—8 Mark gekauft lvurde. Die Brückettbauiverkstatt habe 167 400 M. gekostet. Das Bnrcangebäude wurde fünfmal umgebaut. Unter Freytag habe sich das technische Beamtcnpcrsonal verfünffacht. Durch falsche Disponiernng der Bauten sei viel Geld verbaut ivorden.(Zuruf: Daher unsre Pleite!) Die Um« bauten der Rohrgießcrei habe Freytag ohne Genehmigung des Auf- sichtsrates vorgenommen. Bei einer Aufsichtsrats-Revisio» wurde sogar alles Neue durch alte Bretter verschlagen und abgedeckt.(Zu- ruf: Das müßte man dcni Staatsanwalt anzeigen!) 1899 hätte» die Unkosten bei einem Umsätze von 10 Millionen nur 185 000 M. betragen, während sie jetzt, 1901, bei einem Umsatz von nur 7 Mil« lionen Mark auf 477 000 M. gestiegen seien. Bei den Bureau-Unibaiiten wäre» die einzelnen Bauraten andren Etats zugeschrieben.(Zuruf: Falsche Buchungen I) Kommerzienrat K ü h» e ni a n n erklärte diese Ausführungen überwiegend für Klatsch. Er sitze seit 18 Jahren im Verwaltungsrat und Ivürde schon seines guten Namens ivcgen solche Mißstände nicht dulden. Allmonatlich fänden durch vereidigte Bücherrevisoren Prüfungen statt, wobei solche Buchungen herauskomme» müßten. Brand erklärt, der Wert der Hütte(7 Millionen) sei um eine Million sicherlich zu hoch angegeben. Die Generalunkosten habe man künstlich zu verringern gesucht, indem man, entgegen dem früheren Brauch, die Arbciterversicherungs- Kosten abzog. Auf der letzten Seite betragen die Gcneralunkostcn 348 000 M. Einige Seiten vorher 477 000 M.(Zuruf: Verschlcicrnng I> Der Wechselbestand ist zu hoch berechnet mit 162 000 M. ES figurieren dort auch lvertlose Papiere. Vorsitzender: Nennen Sie doch Namen. Rechtsanwalt Glücks- m a» n: ES handelt sich um das RahmSdorfer Braunkohlen, Bergwerk, daS weder liefern noch Konventionalstrafe zahlen konnte. Der Wechsel wurde auf 2 Jahre prolongiert. Man versuchte ihn diskontieren zu lasse»; er wurde aber zurückgewiesen. Als der AufstchtSrat die letztere Angabe nicht gelten lassen will. ruft Dr. Reiß: Im November hat die BereiuSbank den Wechsel zurückgewiesen. Das zufriedene Gesicht des Komm.-Rats K ü h n e m a n n erregt den Unwillen eines Aktionärs, der entrüstet bemerkt, von dem Gesicht desVorsitzenden glänze dieSchadenfrende über die B e r l u st e der kleinen Kapitalisten. Man solle die kleinen Aktionäre nicht fortwährend reizen. Er sei ei» ausgemergelter Aktionär und habe schon bei der Leipziger Bank verloren. Rechtsanwalt Glücks mann beantragt die Einsetzung einer fiinfgliederigen Revisionskommission und für den Fall der Nicht- annähme dcS Antrages: die Absetzung des Generaldirektors Freytag. Beide Anträge werden mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Gegen diese sämtlichen Beschlüsse erhob die Opposition Wider- spruch. Durch Zuwahl des Herrn Schulte- Hcrkcndorf-DreSden wurde die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder von 5 auf 6 erhöht. AnttsrmitischcS Riinkespicl. Auf der jüngst abgehaltenen Generalversammlung des Spar- und VorschußvcreinS in Liqu. kam es bei der Wahl der Liquidatore», wie der„Sächsischen Arbeiterztg." nachträglich bekannt ivird, zu cineni heftigen Zusammenstoß zwi>chen der bisherigen Liquidationskommission und der Mitgliedcropposition. Letztere machte den bisherigen Liquidatoren den Vorivurf, die Ab- Wickelung der Geschäfte zu lässig zu betreiben. Man ließ durch- blicken, daß in den hohen Bezügen der Liquidatoren der Anreiz liege, die Liquidation zu verschleppen. Jedes Mitglied der Liquidationskommission erhält für jede Sitzung zwanzig Mark Entschädigung, der Vorsitzende vierzig Mark. In drei Jahren habe die Kommission, ivie man ihr vorivarf, 44 000 M. Honorar(!) bezogen. Für das Kominissionsinitglied stelle sich die Jahreseinnahme auf 2400 M., für die Vorsitzenden anf 4800 M. Die Opposition präsentierte nun bei der Neuwahl der LiquidationS- kommission als Liquidator Schnldirektor a. D. Schmidt, der ver- sprachen hatte, den Posten ehrenamtlich zn versehen. Gewisse Mitglieder derLiquidationSkonimission hatten abervon langerHand Vorbereitungen getroffen, um gerade diese Kandidatur zu hintertreiben. Der bekannte Äntisemitcnführer Glöß erhob sich und erklärte, Herr Schmidt könne nicht Liquidator werden. Er schulde dem Vereine 10 000 M. Zum Beweise hielt er eine Anzahl Wechsel in die Höhe. Diese Enthüllung venirsachte ein großes Hallo, in dem der Protest des Herrn Schmidt verhallte. Direktor Schmidt hob in seinem Protest nnsres ErachtenS mit Recht hervor, daß diese Wechsel auf die Spar- und Vorschußbank liefen und mit deni Spar- und Vorschußvcrcin also nichts zu thun hätten. Herr Schmidt wurde nicht gewählt. Später stellte sich heraus— was die iveitcre Oesientlichkeit inter- essieren dürfte—, daß der Stadtverordnete Glöß die Wechsel mit 16 Proz. aufgekauft hatte. Er war aber nicht gesonnen, die Wechsel zu diesem Kurs an Herrn Schmidt zurückzugeben. Er verlangte, daß diese zum Teil bereits fälligen Wechsel voll eingelöst würden. Den Uebcrschuß sollte angeblich der Verein erhalten. Herr Schmidt gewann den Eindruck, daß man darauf ausgehe, ihn zu strangulieren. Am letzten Mittwoch wurde die Angelegenheit dem Vorstand der Reformpartei unterbreitet. Herrn Glöß wurde nahegelegt, die Wechsel zn 15 Proz. an Herrn Schmidt zurückzugeben. Hingegen sollte Herr Schmidt anf jede Verwertung der Angelegenheit in der Oeffentlichkeit verzichten. Ob das Kompromiß angenommen wurde, entzieht sich nnsrer Kenntnis. Herr Glöß ist der antisemitische Bilderbogeu-Fabrikant._ Mus dev Fvolucnbewrgttttg. Einen sehr interessanten Abend bot am Montag, den 21. April der„Verein für Frauen nnd Mädchen der Arbeiter« klasse" seinen Mitgliedern. Herr Dr. Hans OSborn sprach über das Thema:„Wie sollen wir Knnst genießen?" Während fast jeder Mensch, so führte der Vortragende auS, die Musik gefühlsmäßig anf sich wirken lasse, verhalten sich die meisten von uns der bildenden Knust gegenüber weit gleichgültiger und fremder. Dennoch ist die Mehrzahl der Menschen von Natur durchschnittlich gerade so gut für die Ausübung und den Genuß der bildenden Künste veranlagt wie für die Musik. Aber Schule und Erziehung legren bisher leider nur allzu wenig Wert auf die Pflege künstlerischen SchauenS und Genieße»?. So verstehen heute die wenigsten, sich in die Betrachtung eines Kunst- Werkes zn versenken, sich von dem Künstler in die Scelenstiimnuttg tauchen zn lassen, die ihn selbst während seines Schaffens bewegte. Statt einfach zu genießen, glaubt man immer urteilen und kritisicren zu miissen. Diese Kritik des Nichtlüustlers am Künstler verkennt aber meist völlig den Sinn und das Entstehen eines Kunstwerks. Der Künstler sieht mit andren Augen als der gewöhnliche Mensch. Farben, Formen und Stimmungen stelle» sich ihm feiner und reicher dar nnd in feiner Schöpfung spiegelt sich dann das Bild, da« seine Phantasie au« den Dingen gewonnen. Vor diesen Gestalten schöpferischer Kiinstler- Phantasie sollte man Ehrfurcht haben auch da. wo sie einer nüchterner gesehenen Wirklichkeit nicht zu entsprechen scheinen. Ja. die Kunst kann zuweilen den Blick der Menschen für die Schöttheitc» der Wirklichkeit erst schärfen und erziehen und dadurch Welt und Leben reicher erscheinen lassen. So haben sich z. B. so manchem die intimen Reize nnsrer schlichten Flachlnndschasten erst durch die Kunst moderner Landschaftsmalerei erschlossen. Um seinen Hörerinnen an einem bestimmten Beispiel zeigen zu rönnen, w i e man ein Kunstwerk anschauen solle, hatte Herr Dr> Osborn an alle Anwesenden ein Heftchen mit Reproduktionen des Holbeinschen Totentanzes verteilen lassen, die im Auftrage der Gesellschaft Hantburger Kuustfreunde hergestellt worden sind. In höchst fesselnder Weise verstand er es, auf die Schönheiten der ein- zelnen Bilder hinziiweisen und dadurch die Eigenart Holbeinscher Darstellung in knappen Zügen zu entwickeln. Mit größtem Interesse folgten die Anlvesenden seinen Ausführungen. Im Anschluß an den Vortrag teilte die Vorsitzende mit, daß der Kunstverlag von Avenarius dem Verein 60 seiner Kunstblatter sRe- Produktionen von Meisterwerken der Malerei) zum Geschenk gemacht habe, die den Mitgliedern zur Besichtigung zur Verfügung stehe». In eiuer gut besuchten Fraucn-Vcrsammlniig in Rixdor sprach am Sonnlag Frau Zeetze über das Thema:„Warum müssen sich die Frauen der socialdemokratischen Bewegung anschließen?" Die Bortragende legte ihren Ausführungen das Programm der socialdemokratischen Partei zu Grunde nnd behandelte sehr ein- gehend die Punkte: Religion ist Privatsache, obliga- t o r i s ch e r U n t e r r i ch t i n d e n V o l k s s ch n l c n und freie Lehrmittel. Rednerin brachte dabei örtliche Mißstände zur Sprache. Es ist in diesem halben Jahre vorgekommen, daß, nachdem sich die Kinder die Schulbücher für die dritte Klasse angeschafft hatten, dieselben am vierten Tage nach dem Schulanfang umgeschult wurden nnd daß nun in der andren Schnle in der dritten Klasse ein Teil der schon an- geschaffte» Bücher wertlos geworden sind. Handelt c-5 sich auch in diesem Fall pro Kind nur um 60 Pf., meinte die Rednerin, so ist es doch schon für alleinstehende Frauen nnd Leute mit vielen Kindern eine schwere Belastung. Man könnte wohl verlangen, daß wenigstens an einem Orte das Lehrmaterial ein einheitliches wäre. Der Vortrag wurde sehr beifällig aufgenommen. In der Dis- knssion sprachen die Genossen Raschle und Hcnnig im Sinne der Rednerin. Berliner Partei-Nngelegenheiten. Erster Wahlkreis. Morgen Sonntag spricht Genossin Klara Zetkin mittags 12 Uhr im Palasttheatcr, Burgstr. 22, über die revolutionären Kämpfe in Belgien und Rußland. Vierter Reichstags- Wahlkreis(Osten). Montagabend 8 Uhr findet in Kellers Festsälcn, Koppcnstr. 29, eine Volks- Versammlung statt, in der Frau Klara Zetkin über die Kämpfe des russischen und belgischen Proletariats sprechen wird. Die Vertrauensleute. Wcißenfee. Die Genossen werden ersucht, sich zu der am 4. Mai stattfindenden Urania- V o r st e l l u n g zeitig mit Billets (Stück 50 Pf.) zu versehen. Aufgeführt wird: Von den Alpen zum Vesuv. Die Vorstellung beginnt nachmittags 4 Uhr. Niederschöncwcidc. Heute abend 8V2 Uhr hält der Wahl- verein bei Franz, Grünaiierstr. 5, seine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Berichte und die Wahl zweier Vorstandsmitglieder. Hermsdorf. Sonnabendabend 8'/s Uhr hält der W a h Iv e r e i n Waidmannslnst nnd Umgegend im Lokal von Herr» Schulze, Berliner- slraße in Hermsdorf, einen Zahlabend ab. UokAles. Tic städtischen Arbeiterausschusse. Aus gewerkschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben: Die in städtischen Betrieben gebildeten Arbeiterausschüsse sind in ihrer setzigen Gestalt leider nicht im stände, ihre Funktion zweckmäßig auszuüben und den Arbeitern zu nütze». Wo in aller Welt darf man erwarten, daß Ausschußmitglieder unter der Leitung ihres Vor- gesetzten, des Betriebsleiters, gegen dessen Anordnungen und Maßnahmen sich die Beschwerde» der Arbeiter wenden, sich' so rückhaltlos aussprechen, wie es geschehe» müßte, um ein ebenso an- schauliches wie objektives Bild von der Berechtigung der Forderungen zu gewinnen. Selbst der sachlichste Mensch wird in der Hülle eines Vorgesetzten von der Kritik seiner Handlungen unangenehm berührt und die Folgeir hat der Kritiker zu tragen. Ist dieser, was leider häufig der Fall, nicht in der Lage, jene Kritik in wohlgesetzte Formen zu kleiden, so sind seine Tage im Betriebe gezählt und der geringste Anlaß genügt, um den Mann abzuschieben. Aber auch dann, ivenn der Vorgesetzte die größte Rück- ficht üben würde, wird er durch den in seinem Betriebe herrschenden Bmeankratismus ungünstig beeinflußt. Er kommt mit den Arbeitern äußerst tvenig in Berührung, kennt die mitunter geradezu eigentüm- lichen Auslegungen seiner Berfügnngen bei den unteren Beamten, die aber ivieder Vorgesetzte der Arbeiter sind, nicht genau»»d wird dmch deren Wiedergabc der Wünsche und Forderungen der Arbeiter häufig einseitig unterrichtet. Die Folge ist, daß die Mitglieder des AllSschnsseS das richtige Vertrauen verlieren und nur schablonenmäßig ihre Funktionen ausüben; sie haben iveder Lust»och Willen, die Forderungen ihrer Kollegen mit Nachdruck zu vertreten, nnd der die wahre Ursache nicht begreifende Betriebsleiter hält jene Zmückhallmig für ein günstiges Zeichen der Zustände im Betriebe. Aber auch das Tagen der Ausschüsse unterliegt nicht der Häufig- krit der sich ergebenden Mißstände nnd Forderungen, sondern dcni Willen eines Einzelnen, und zivar wiederum des Betriebsleiters. So heißt es in den Bestimmmigen für die Ansschnsie der Berliner Wasserwerke:„Verhandlungen der Ausschüsse finden nach Bedürfnis st a t l. Darüber, ob ein Bedürfnis besteht, habe» die Betriebsleiter zu entscheide Also über das Bedürfnis nach Verkürzung der Arbeitszeit, der Erhöhung des Lohnes, der Abstellung dieses oder jenes Mißstandes, den die Arbeiter als lästig empfinden, entscheidet derselbe Mann, der die hier beanstandeten Verhältnisse eingeführt oder seiner Anschauung entsprechend übernommen hat. Der Arbeiter muß es sich gefallen lassen, ob und ivann der Betriebsleiter entscheidet, ob es für den Arbeiter ein Bedürfnis ist, seine Gesundheit zu schützen, seine Familie besser zu ernähren oder nicht. Eine weitere, den ganzen Wert dieses JnslitnlS trefflich charakterisierende Bestimmung besagt, daß die Anträge, Wünsche und Beschwerden allgemeiner Natur sein müssen, und nicht lediglich die Angelegenheiten Einzelner betreffen dürfen. Dieser Passus bildet denn auch die vollkommene Gelegenheit für die BetriebSstellen, die meisten Beschwerden der Arbeiter über ihre Ans- seher usw. unter dem Diklum des Persönlichen abzuiveisen. Ist einem Arbeiter das größte Unrecht geschehen, geschieht dies von den betreffenden Personen den anderen Arbeitern gegenüber auch. so sind sie nicht berechtigt, die Männer ihres Vertrauens den Direktor um Abhilfe ersuchen zu lassen. da dies ja„rein persönliche" Angelegenheiten find. Daher die Ztoangslage der Arbeiter, sich mit solchen Beschwerden an die O e s f e n l l i ch l e i t zu tuenden, was dem Ansehen des Magistrats nicht dienlich ist. Der Einwand, der Ehcf des Betriebes, als der beste Kenner deS Erreichbaren, müßte zu solchen Beratungen zugezogen werden, soll nicht verkannt werden. Es kann dies geschehen, ohne daß er als Leiter des Ausschusses seinen direkten Einfluß aus die Art and Weise der Abstimmung ausüben kann, indem seine Meinung über wichtige principielle Forderungen eingeholl wird. Beherzigenswert erscheint hier die Forderung des bekannten Fabrikbesitzers Fr-ese:„Nicht gering werden jedesmal die Bedenken sein, mit Altgeivohntem brechen und auf alle Herrscherrechte verzichten zu müssen. Die Vorteile, die durch dieseS Opfer erreicht werde», sind aber zu augenscheinlich. Die zweckmäßigere Ausgestaltinig deS Arbeitervcrtrags, die bessere Kontrolle der Beamten, das in der Selbstverwallmig erwachende Interesse und Verständnis der Angestellten für die Wohlkahrts- einrichinngen sind für jeden Betrieb Lorteile, die das gebrachte Opfer rechtfertigen. Auf keine andre Weise ist die Aufklärung von Mißverständnissen zwischen Unternehmer und Arbeiter, eine de- ständige Fühlung mit der Arbeiterschaft und die Anbahnung freund- licher Beziehungen vom Menschen zu Menschen so zu erreichen, Ivie durch einen gut organisierten Arbeiterausschutz." Die Stadt Berlin selbst aber vergicbt sich nicht das geringste, wenn fie recht bald den reaftionären Standpunkt des„allein zn Be- stimmenden" verläßt, ivenn sie die bestehenden Ausschüsse derart organisiert, daß ihre Lebensfähigkeit und— ivorauf es hauptsächlich ankommt— ihre Nützlichkeit außer Zweifel steht und so den Beweis erbringt, daß sie ihrer socialen Aufgaben gewachsen ist. Der Apothekming gesprengt! Tie Verfügung des Ober- Präsidenten, wonach die Zulassung aller Berliner Apotheken zu Kässenliefcrnngen aussichtslos ist. hat bereits ihre Wirkung gethan. Die Wedelsche Apotheke in Schvneberg ist ans dem Ring ausgeschieden und hat mit der Schönebergcr Ortskasse einen Ber- trag geschlossen, dessen Abmachungen auch für alle übrigen der Centralkoimnission angeschlosseneii Kassen gelten. Danach gewährt diese Apotheke 20 Prozent Rezeptnrrnbatt. liefert Handverkaufs- Artikel zu den Preisen der Frölichschen Liste, berechnet auf Specialitäten 30 Prozent Aufschlag anstatt der amtlichen 60 Prozent, nnd liefert den Kassen Eisentiuktur, russischen Spiritus und Santalkapselii zn gleichen Preisen wie die Potsdamer Hofapotheke. Es werden in Fabriken und Droguerien im Westen und Südwesten Rezept- Sammelstellen mit täglich mehr- maliger Abholung eingerichtet nnd die Arzneien den Kranken kosten- frei ins Hans geliefert, so daß bei nicht eiligen Bestellungen die Mitglieder an Rezepten ihren Kassen 20 Prozent ersparen können.— Es dürfte nicht lange danern, bis auch andre Apotheker gleiche Be- dingnngen acccptieren! Ter kirchliche Central-Friedhof. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung der am 29. zusaninientretendcn Stadsynode wird die geplante Anlegung eines C e» t r a l- K i r ch h 0 f s bei Stahnsdorf sein. Das vo» der Stahnsdorfer Terrain-Gesellschaft zn eriverbende Grimdstück hat eine Gesamtgröße von 156 Hektar. 90 Ar, 33 Quadratmeter, der Ankaufspreis stellt sich auf 1 044 000 M. Das Grundstück soll zunächst zur Errichtung eines gemeinsamen Kirchhofs für die Kirchengemeinden der Diöcese FriedrichS-Werder II Verwendung finden. Es wird nördlich durch die unregulierte so- genannte Teltowerstraße, westlich durch die k. Parforcc-Heide. südlich durch die Gemarkung Gütergotz und östlich durch die neu angelegte Chanssee Stahnsdorf-Gütergotz. bezw. Stahnsdorfer Baneniländcreicn begrenzt und ettva in der Mitte von der Tcltow-Potsdamer Chaussee durchschnitte». Der geschäftsführende Ausschuß der Stadtiynode empfiehlt die Vorlage mit folgenden Schlußworten:„Wir stehen in einer Zeit, in der bezüglich des Beerdignngswesens der Großstadt sich große Ilniivandlmigeii vollziehen müsse». Noch hat in Berlin die Kirche das Recht nnd die Pflicht, für das Begräbnisivescii zu sorgen. Zeigen ivir uns»nsrer Aufgabe gewachsen, damit nicht auch bei uns einmal ans Mangel an Initiative kirchlicherscits die Kom- munalgemeinde» Weisung nnd Recht erhalten, ihrerseits die Kirchhofs- frage»c» zn regeln und' das kirchliche Juteresse dann zn kurz komme." Das kirchliche Interesse ist namentlich in der Friedhofsfrage sehr materieller Natur. Eiscnbaffnschcrereieu. Ein kranker Arbeiter schreibt uns: Seit dem 1. April besteht bekanntlich die Verordnung, daß Mitglieder von Krankenkassen, welche von diesen nach Bädern oder Erholungsorten gesandt iverden. Fahrpreis-Er- mäßigung genießen. Ich verschafite mir mm vom Vorstand meiner Kasse eine Bescheinigung, in der bestätigt wird, daß ich mich ans Kosten der Kasse 6 Wochen auswärts erholen soll. Als ich nun a»f Grund dieses Ausweises am Anhalter Bahnhof ein Billct forderte, verweigerte mir der Schalterbeamte ei» solches mit dem Bemerke», daß die Bescheinigung der Kasse nicht genüge, sondern ein polizeiliches A t t e st notwendig sei. Auf meine Frage, Ivo ich mir in dieser Sache weitere AuSknnft holen könne, erhielt ich die Antwort, was ich denn noch weiter wissen iv 0 l l e, mir sei ja alles gejagt worden. Nach vielem Hin und Her schickte man mich zum Stationsvorsteher für die Billctausgabe. wo ich denselben Bescheid erhielt wie vorher. Ein andrer Beamter meinte sogar, daß von der An- st a l t, die mich in Pflege nehmen solle, eine Bescheinigung darüber notlvendig sei, daß ich mich dort zn ermäßigte» Preisen aufhalten könne. Ans meinen Einivand. daß ich nicht in eine Anstalt. sondern zn Privatleuten reise, wurde mir dann der Bescheid, daß niir in solchem Falle überhaupt keine Fahr- Preisermäßigung zustehe. Damit ließ man mich stehen. Nachdem ich so erfahren hatte, daß man auf dem Anhalter Bahnhof nicht im stände war, mir in meiner doch gewiß nicht sehr verwickelten Sache Auskunft zn geben, ging ich zum A m t l i ch c n Ncisrbureau am Poisdamer Bahnhos. Ivo man mir bereit- willig und ohne Umschweife erklärte, daß mein Ausweis vom Kassen- vorstand vollauf genüge. Vielleicht sorgt die Eisenbahn« behörde dafür, daß die Beamten auf den Bahnhöfen entsprechend unterrichtet werden. Ter 8 6l6 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs nnd die königliche Porzellanmannfaktur. Zu den Betrieben, welche den Rechts- ansprnch gemäß§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ausschließen und an Stelle desselben die freiwillige„Wohlthäligkeit" setzen, gehört auch die königliche P 0 r z e l l a n m a n u s a k l n r. In einem Nach- trag zu ihrer Arbeitsordnung wird bestimmt, daß einen Rechts- ansprnch auf Vergütigung nicht habe, wer für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch eine» in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistnng verhindert werde. Die Direktion werde aber nach wie vor ohne jede Recktsverbiiidlichkeit der Mannfaktur Vergütungen auch bei solche» Dienstverhindcrungen nach freiem Ermessen und festen Grundsätzen— selbst denjenigen Lentcn gewähren, welche im Stückverdienst stehen und daher von dieser Wohlthat ausgeschlossen waren. Wie verlautet, soll es sich bei dieser Bestinnmiiig»», eine vorläufige Regelung handeln. Man erwartet eine generelle Regelung der Materie des§ 616 bezüglich sämtlicher Staatsbetriebe. Am Montag, den 12. Mai d. I., findet im Kaiserhof in Berliii die schon angeklindigte Konferenz von Gemeinde- Vertretern der deutschen Städte bchnfs Stellung- nähme zum Z 0 l l t a r i f- E n t W» r f statt. Die Verhandlungen beginnen um 1! Uhr mit dem Vortrage eines Parlanientariers. der a» den Beratimgen der Zolltarif-Kommissioil hervorragenden Anteil genommen hat. Der Oberbürgermeister einer süddeutschen Stadt wird als Korreferent einen zweiten Vortrag hallen, an dem sich dann die Beratnnge» anschließen werden. Einladungen sind an zahlreiche Vertreter deutscher Städte ergangen, auch liegen schon Anineldmigeit in großer Zahl vor. Nachträgliche�Meldungeu iverden noch entgegengenommen und sind an Herrn sladtrat Ka lisch, Berlin C., zu rich'.en. Ueber die Ergebnisse eiuer Theatervorstelliing für Schulkinder veröffentlicht die„Pädagogische Zeitung" einen Bericht, der manches enthält, was die Beachtung weiterer Kreise verdient. Es handelt fich um eine der„Tell"- Aufführungen, die für Kinder der Berliner Gemeindeichulen veranstaltet worden sind. Ein Lehrer ließ seine Schüler am Tage nach dem Besuch des Theaters in der Klaffe ihre Gedanken über die Aufführnng zu Papier bringen, ohne ihnen über das Was und das Wie etwas zu sagen. In den gelieferten Arbeits» wurde» besonders die Rütliscene, die Apfelschußicene und AttinghausenS Tod als wirkungsvoll geschildert. Ans einen der Knaben hatte Attinghausens Unterredung mit Rndenz und Tells Rückkehr zu den Seinen einen tiefen' Eindruck gemacht. Einer meinte, die Schweizer bättcn dreinschlagen sollen, als Geßler den Tell abführen ließ. Die Mehrzahl der Knaben machte Bemerkungen über Dekorationen und Kostüme. Ein Schüler hob hervor, daß die Kostüme der Tracht des 14. Jahrhunderts entsprachen, ein andrer pries das Kunstvolle und Natürliche der Dekorationen. Ei» \2V2 Jahre alter Knabe, der zum erstenmal im Theater gewesen war, schrieb:„Es geht ein eigenartiges Gefühl durch die Brust eines Nenlings, welches man nickit beschreiben kann. Als wir das Theater verließen, hatte ich den Wunsch, ein ebenso willensstarler Mann zu werden, wie Tell." Der Mut des Knaben Walther halte die Bewlindennig vieler erweckt. Von Rndenz wurde gerühmt, daß er sich seiner Landslente annimmt, Geßler wurde wegen seiner Grau- samkeit getadelt. Ein angehender Kritiker schrieb:„Tell verhielt sich hinter dem Hollunderftranch etwas zu laut, sodaß ihn Geßler hätte bemerlen müssen. Sonst war die Aufführnng sehr gut." Ein andrer meinte. Geßler sei zu„kasperhaft" gekleidet gewesen, auch habe der Felsen gewackelt. Ein Dritter bcinängelte, daß nicht 8. sondern 7 barmherzige Brüder gesimgeii hatte»; in jeder Stimme müßten 2 Sänger sein. Einen tragischen Tod erlilt, wie uns die Ortsvcrwaltnng des Metallarbeiter-Verbandes mitteilt, der Klempner S cb i f f e r aus Ungar». Ani letzten Sonnabend stürzte das Baugerüst ein, auf welchem Schiffer arbeitete, und der unglückliche junge Mann starb an den Folge» des Unfalls. Schiffer war ein äußerst rühriges»nd thätigcs Mitglied der Organisation mid hat sich um die Ansbreitülig des Verbandes sehr verdient gemacht. Sein Andenken wird bei den Berufskollegen in Ehren bleibe». Die Beerdigung findet statt ain Sonntag, de» 27. d. M., früh 10 Uhr, auf dem jüdischen Friedhof in Weitzcnsce. Ein kleines Abenteuer, an das er wohl noch einige Zeit denken wird, erlebte in der Nacht zum Freitag in Berlin ein Nenlncr aus Westfalen. Der Mann, der hier in einem Hotel wohnte, ivollte sich auch einmal Berlin bei Nacht ansehen. Dabei bekam er. ob- wohl er als trinkfester Sohn der roten Erde einen guten Stiefel vertrage» kann, schließlich'doch etwas zu viel. In vorgerückter Stiinmnng geriet er min in die Nähe des Alcxanderplatzcs noch in ein Lokal, dessen Stammpnblikunl solche Gäste besonders willkommen sind. Mit Vergnügen folgte er einer Gesellschaft von drei„Herren", die er hier kenne» lernte. Weniger angenehm aber war das Erwachen am nächsten Morgen. Als der Wesifale sich nämlich in einer Lauben- kolonie hinter dem Friedrichshain wiederfand, war er um seine Bar- schaft vo» 290 M. nnd die goldene Uhr mit Kette leichter. Seine Stimmung bob sich aber ivieder, als bald daraus die Kriminal- Polizei schon in der Lage war, ihm den größten Teil des Geldes nnd die Uhr mit Kette iviederzngeben nnd ihm drei seiner liebenS- würdigen nächtlichen Führer noch einmal vorznstellen. Das war so gekommen: Die neuen Bekannten aus jenem Lokal, die wohnungs- losen Arbeiter Max Schaltyseck, August Mncha, Anton Kössack nnd ein vierter, den man noch nicht kennt, verschleppten den Rentier durch den Friedrichshain»ach der Laubenkolonie an der Bötzoivstraße, betteten ihn dort so sanft, als der Erdboden es erlaubte, nahmen sich, als er bald darauf eingeschlafen war, seiner Barschaft und der Uhr an, warfen ihm die geleerte Brieftasche an den Kopf, um zu sehen, ob er mich noch fest schlafe, und gingen dann wieder der Stadt zn, um sich einen vergnügten Tag zu machen. Daraus wurde nun ftei- lich nichts. Denn ein Mann, den sein Weg zu später Stunde noch durch den Fricdrichshai» führte, und ein Laubenbesitzer hatten, selbst unbemerkt, die Gesellschaft gesehen. Da sie erkannten, daß der eine Herr, der nnheimlich„torkelte", eigentlich nicht zu seinen Begleitern paßie, so warm sie neugierig, was die wohl mit ihm anfangen würde», und sahen nun wie die Reise endete. Unbemerkt folgten sie den vier Männern nach der Stadt zurück, bis sie Schutzleute trafen und mit deren Hilfe drei von ihnelr, die genannten „Arbeiter", fcstnchinen lomiten, während der vierte durch den Hain entfloh. Einer wäre beinahe noch entwischt. Er floh in ein Hans der Straße am Friedrichshain, ein Schutzmann fand ihn aber in einem Winkel auf dem Hansboden wieder nnd holte ihn heraus. Der gefledderte Rentier war unterdessen durch einen gc- snnden Schlaf in der kühlen frische» Luft schon eltvas ernüchtert. aber doch ein wenig erstaunt, als man ihn weckte. Das Widersehen mit seinen Zechgcnosscn auf dem Alexanderplatz machte ihm weniger Freude, als die Rettung von Barschaft nnd Uhr, denn ohne diese wäre ihm der Heimweg ivohl etwas ungemütlich geworden. Ei» Einbrecher- und Hehlerneft ist von der Kriminalpoltzei in der Landsbergerstraße anSgenonnnen worden. Hier betrieb im Hosgebände im zweiten Stock ein Ehepaar E n g e l m a n n seit Jahren eine S ch I ä ch t e r h e r b e r g e, in der sich nach und nach allerhand Gesindel neben wirklichen Schlächtergesellen einfand. Die ganze„Herberge" besteht aus einem einzigen Raum mit einem große» runden Tisch in der Mitte und Bettkasten ringshernn, an den Wänden. Da den Eiigelmaims das Herbergsgeschäft nicht genug einbrachte, so ließen sie sicd mit Einbrecher» nnd Dieben ein, die bei ihnen Unterschlups fanden, wenn die Polizei ihnen auf den Ferse» war. So wurden sie all- mählich Haupthehlcr, die mit ztvei Unterhehlern arbeiteten, einem gewissen Schürdt und Lehmann, und doch das Geschäft kaum be- wältigen konnten. Ost sammelten sich große Bestände aus Waren- Häusern an. Dann mußte wegen Mangels an Raum um jeden Preis ausverkauft Iverden, durch Schürdt und Lehmann„dircft an Privat- kundschaft" oder wieder an andre Hehler. Die Kriniinalpolizei hatte sich schon seit einiger Zeit die Leute, die in der Herberge verkehrten. etwas genancr angesehen nnd darunter auch drei Männer gefunden, die ihr als bestrafte Einbrecher schon bekannt waren, die frühere» Schlächtergesellen Sehrend und Handschuck und den ehemaligen Hausdiener Pauli. Beamte beobachteten nun das Treiben unaus- gesetzt, bis wieder einmal ein großer Transport wegen Ueberfüllung des Lagers erfolgen sollte. Als dann ein Möbelwagen vollgepackt war und gerade abfahren wollte, schwang sich ein Kriminalbeamte!: auf den Bock, während andre das Ehcvaar Engelmann und dessen ganze Kniidschaft in die Mitte»ahnien. Unter einein großen Meiffchen- auflauf ging es erst nach der Reuierivache i» der Büschingstraße und dann unter Bedeckung von nniformierteu Schutzleuten nach dein Polizei- präsidiinn. Als man hier ablud, fand man auf dein Wagen so ziemlich alles, was in einem Warenhause zu haben ist. außer Trikotagen nnd Seidenstoffen auch Schinken und Würste und alle möglichen andern mehr oder weniger nützliche» Sache». Nach Sortierung des Lagers konnte festgestellt werden, daß ein großer Teil der Sachen von Einbrechen» und Dieben in hiesigen Waren- hänsern gestohlen worden ist; für einen andern Teil aber haben sich die Eigentlinier noch nicht gefnndc». Die ganze Eiitbrcchcr- nnd Hchlergesellschaft wurde nach Moabit in Untersuchungshaft gebracht. Eiu Einbruch in ein Uhren-, Gold- nnd Silberwarengeschäst ist in der Nacht zum Freitag in Hannover verübt worden. Die Diebe erbeuteten für 4000 M. Waren und sind vermutlich nach Berlin gekommen, um sie hier air de» Mann zu bringe». TaS Opfer eines Unfalls ist der 50 Jahre alte Vergolder August Otto ans der Memelerstraße 17 geworden. Abends von einem Ausgange zurückkehrend, stürzte er. wahrscheinlich infolge� eitles Schwindelanfalles, von der Haustreppe und zog sich einen Schädel- vrnch z», der nach kurzer Zeil zum Tode führte. Einen»»gewöhnlichei, Selbstmordversuch machte Donnerstag- abend ein»»bekannter Mann im Tiergarten. Zn dein Pförtner des Hanfes Ticrgartenstr. 17, der sich seinem Grundstück gegenüber ans eine Promenadenbank gesetzt hatte, gesellte sich ein Mann von etwa 30 Jahren, der seinem'Aenßern nach dem Mittelstand anzugehören scheint, und plauderte mir ihm nver dieics oder jenes. Gegen Uhr zog er plötzlich einen Revolver ans der Tasche und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Schwer verwmidet nnd besinnungslos wurde er von dem Pförtner lind einem Schiitzniaml nach einem Krankenhans gebracht Hier ist er noch nicht wieder zu sich ge- kommen. Der Unbekaimte hat eine» dunklen Schnurrbart und trägt einen dmiklei, Anzug. Ttirch eine» Sturz aus dem Fenster tödlich vernn glückt ist am Donnerstagabend das 6 �ahre alte Töchierchen Klara deS Schuldieners Sprenger von der 246. Gemeindeschnle an der Ecke der Beusselslraße»ud der Straße«lt-Moabit. Das Mädchen fiel aus einein Fenster deS ziveiten Stockes an der Bensseistraße ans den Hof hinab und blieb mit einer Schädelverletzung auf dem Pflaster liegen. Der Vater brachte eS schleunigst nach der Unfall« station in der Huttenstratze, wo ihm der Arzt einen Verband an- legte. Aber schon nach kurzer Zeit verschied es. Wodurch der Unfall verursacht wurde und ob jemand ein Verschulden trifft, bedarf noch der Untersuchung. Die Leiche wurde von der Nevierpolizei zur ge- richtsärzlichen Oeffuung beschlagnahmt. Die Todesursache scheint eine Gehirnerschütterung zu sein. Unterschleife bei der städtischen Spar?affe sind gestern in der Hauptsparkasse entdeckt worden. Die Höhe der ver- untrenten Summe beträgt etwa 28 000 M. Der Unterschleife hat ein Beamter der Sparkasse, der Buchhalter W., sich schuldig gemacht. Ucber den Vorgang wird gemeldet: Seit zehn Jahren zählte zu den Beamten der städtischen Spar- lasse der Buchhalter Paul W. In der letzten Zeit herrschte indes gegen ihn in den leitenden Kreisen der Kasse eine gewisse Un- zufriedcnhcit, die schliesslich dazu führte, dass W. einem andren Zweige der städtischen Verwaltung überiviesen wurde, und so war er seit Mai v. I. in den Bureaus der städtischen Gaswerke thätig. Ein Misstrauen gegen seine Ehrlichkeit hatte schon deshalb nicht bestanden, weil er Gelder weder anzunehmen noch auszuzahle» hatte. Sein Amt war nur, im Verkehr mit dem Publikum die ein- bezw. ausgezahlten Beträge in die Sparkassen- biicher einzutragen und dementsprechend die Conten der betreffenden Sparer zu führen. Und dennoch ist es ihm gelungen, mehrere Jahre hindurch mittels betrügerischer Manipulationen sich Geld zu ver- schaffen und sein Vergehen zu verdecken. Er konnte dies allerdings uur durch eine» Helfershelfer, und mit diesem hatte er ein Shstem vereinbart, das sich kurz wie folgt skizzieren lässt: W.s Vertrauensmann hatte auf den Namen N. N. drei Mark eingezahlt. Daraus machte er im Sparkassenbuch 300 Mark riiid trug dementsprechend in das Konto des N. N. dieselbe Summe ein.' Durch diese Fälschung deckten sich Buch und Konto,»nd erschien nun der Helfershelfer und wollte etwa 100 Mark abheben, so stand dem nichts im Wege. Für die grossen Abschlüsse nah», er dann neue Wcrschleierungcn vor, so dass am Ende des Geschäftsjahres alles in bester Ordnung schien. Als nun W. im Mai vorigen Jahres aus der Bnchhalterei der Sparkasse versetzt ivurde, hörten natürlich die Schiebungen auf, und ei» andrer erhielt die bisher von ihm geführten Konten, von denen je öö 000 von vier Beamten zu bearbeiten sind. So kam der Abschluh des letzten Geschäftsjahres heran, und dieser Ab schluh wollte nicht stimmen. Es währte nicht lange, und es war heraus, dass die Differenz bei den Conten liegen müsse, denen W vorstände» hatte. Bald ivurde es auch klar, dass die Differenz be trügerischen Buchungen entstammte, und so gelangte man hinter die Manöver des ungetreuen Beamte». Eine iveitere Verfolgung über den Ursprung der Differenz und eine darauf gerichtete Revision der früheren Abschlüsse ergab, dass W. mit dielen Ünterichleife» vor etwa sechs Jahren begonnen habe» musste. Mit wem er hierbei im Bunde gestanden, ist noch nicht cnnitlelt. Fest steht nur, dass er selbst kein Sparkassenbuch hatte und dass er mit seinem Namen dabei nicht operierte. Tie von dem in Altona verhafteten Einbrecher Jeanrcnand gemachte» Angaben, dass er einen Teil seiner DiebeSbeute in seiner in Berlin befindlichen Wohnung versteckt habe, sind nach den Feststellungen der hiesigen Polizeibehörde unzutreffend. Der Dieb hat in Berlin nie eine eigne Wohnung besessen; dagegen ist cS nicht unmöglich, dass er eine» Lagerraum gemietet hat, in welchem ein Teil der Dicbcsbcute verborgen gehalten wird. Jean- renaud bat bis zu seiner vor andcrhalb Jahren erfolgten Heirat mit einer Kellnerin nur Siblafslellen innegehabt. Nach seiner Verheiratung bcsass er keine eigne Wohnung, sondern ivohnte als Ehambregnrnist in der Alexander- und Alte» Jakobslrasse und dann in Charlotten- dura, wo" er in der Sesenheimerstrasse ein Lokal mit Damen- bcdicnung unterhielt. Im Februar mietete er sich ein in einem Keller belegenes Zimmer in der Solntsstrasse und fuhr ani 1. März mit seiner Frau nach Hamburg. Die Behauptung dcS I., dass er Complicen nicht besitze und alle Einbrüche allein verübt habe. ist unzutreffend. Zweifellos gehört er einer grösseren Diebesbande an. bei welcher der Ver- haftete jedenfalls die Rolle eines Hehlers und Verkanfsvermittlers gespielt hat. Nach den bisherigen Ermittelungen der Kriminalpolizei hat I. den Vertrieb der gestohlenen Ware» teils in seinem Lokal in der Sesenhciincrstrahe, teils durch Hausieren in Berlin bewirkt. I» seinem Laden in Altona sind für ca. 40 000 M. Goldwaren auf- gcfunde» worden, die zum Teil aus in Berlin und Unigebinig ver- übten Diebstählen, zum Teil aber auch aus Einbrüchen in grossen Proviiizstndten herrühren, bei welchen der Verhaftete aber nicht aktiv inilgewirlt habe» kann. Tie Untersuchung gegen den Erfinder Ganöwindt, dessen Haftcnllassuug. wie bereits mitgeteilt, vom Landgericht II abgelehnt worden ist. richtet sich neuerdings auch auf weitere Delikte. Es ist jetzt die Beschuldigung erhoben worden, dass Eanswindt bei der Vorführung seiner Erfindungen vor Interessenten sich betrügerischer Manipulatione» habe zu Schulden kommen lassen, um die Bedeutung und den Wert der Motore höher anzuschlagen. So wird behauptet, dass Gnnswindt bei der Vorführung seines Flugapparates das Steigen dadurch bewirkt habe, dass er die die Flügel tragende Stange niit einem Drahtseil in Verbindung brachte und so den Apparat, ohne dass die Zuschauer den Betrug merken konnten, hob. Es haben be- reits in dieser Sache Zeugenvernehmungen vor dem Untersuchungs- richter stattgcsnnden. Ganswindt bestreitet entschieden, derartige Be- trügereicn verübt zu haben. Arbeitslosigkeit hat den 49 Jahre alten Arbeiter Franz Ba- schinsti aus der Oppelnerstrasse 34 in den Tod getrieben. Seil un- gesähr einer Woche vermisst, wurde er gestern an der Stralauer Allee als Leiche ans der Spree gelandet. Ladendiebc. Zwei am 23. d. M. festgenommenen gewerbsmässigen Ladendieben sind eine Anzahl Ansichts-Postkarten ob- genommen, die ohne Zweifel aus Diebstählen herrühren. Bestohlene werden ersucht, sich im Zimmer 97 des Polizeipräsidiums in den Vormittagsstmiden zu melden. «trasiensperruiig. Der Marheinele-Platz von der Schleierina cher- bis zur Mittenwalderslrassc wird behufs Umpflastermig vom 25. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ter Verein für HauSwirtschaftS-GenoffenschaftSwesen hält Montag, den 2h. b. Mts.. abends 8 Uhr, in den Armiiihallen, Kommandantenstr. 20. eine Sitznng ab. Tagesordnung: Unsre bisherige Thntiglett n»d unsre weiteren Pläne. Gäste sind willkommen. Auslagen, den Verein betressend. sind zu richten au die Vorsitzende Frau Lily Braun. Uhlandstr. 159. In der Jttdustric-Auöstellung. Berlin Lnisenhos. Dresdener- strasse 34/35, findet die Verküiidigung des preisrichterlichen Urteils heute, Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, statt. Es gelangen im- gesähr 20 Ehrenpleise. 58 goldene und etwa 80 silberne Medaillen zur Verteilung. Zur 28. MastViehauSstellung, die am 30. April und 1. Mai aus dem städtischen Viehhof stattfindet, sind von 125 Aussteller» 1083 Tiere angemeldet worden. Die Schau wird somit etwas kleiner als im Vorjahr, wo 143 Züchter und Mäsler 1101 Tiere vorführten. Die Provinzen Brandenburg, Pommern und Posen sind durch je 25 bis 27 Aussteller vertreten, von den Übrigen prcnssjschen Provinzen haben sonst nur noch West- und Ostpreussen. Sachsen, Schlesien und Schleslvig-Holstein die Schau beschickt. 28 AnSsleller kommen ans sonstige deutsche Bundesstaaten. Die angemeldeten»083 Tiere rnt- fallen ans 813 Nunimer». da sowohl Schweine ivie Schafe zumeist iu Lose» vereinigt werden. Ausgeschlachtetes Mastgeflügel wollen 7 Aussteller vorführen. 39 Firmen endlich haben Maschinen. Geräte und verschiedene Bedarfsartikel angemeldet. Fcucrbericht. In der letzten Nacht wurde die Wehr nach der Gräfcstrasse 05 gerufen, wo in einer Wohnung Gardinen und Kleidungsstücke in Brand geraten waren. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Königstrasse 58 in einer Küche ein Feuer abzulöschen, das den Fussboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Ein grösserer Wohnungsbrand beschäftigte die Wehr in der FlenSburgerstrasse 5 längere Zeit. Hier war abends kurz nach 11 Uhr in einem Schlaf- zimmer Feuer ausgekommen. das in der Hauptsache Möbel, Kleidungsstücke und Portieren beschädigte. Ausserdem liefen in der Zwischenzeit noch Alarmierungen von der Kaiser Wilhelmstrasse 18, Schliemannstrasse 16 und Prenzlauer Allee 113 ein. In allen Fällen handelte es sich indes nur um kleinere Brände, deren Ablöschung bald erfolgen konnte. AnS de» Nachbnrorkeu. Die Stadtverordneten- Versammlung von Rixdorf musste in ihrer Sitzung vom 24. April eine Reihe schöner Ansprachen über sich ergehen lassen. Zunächst beglückivünschte der Stadtverordneten- Vorsteher Sander den Ersten Bürgermeister Boddin zu der Verleihung des Titels Oberbürgermeister, welche allerhöchste Anerkennung iu der ge- samten Bevölkerung Rixdorfs Freude und Genugthuung hervorgerufen habe. Dann wurde die Einführung der wiedergewählten unbesoldeten Stadträte Thicmann, Ziegra und Lcyke unter freundlichen Worten vollzogen. Und schliesslich führte Herr Boddin den an Stelle des so unrühmlich ausgeschiedenen Herrn Granier gewählten b c- soldcten Stadtrat Weinreich ein, der zuletzt Magistrats- Assessor in Stettin war. Nachdem ihn der Bürgermeister verpflichtet und ihm für sein neues Amt Glück und Segen gewünscht hatte, hielt ihm Stadtverordneten-Vorsteher Sander in längeren Ausführungen die Erwartungen vor, die die Versammlung bezüglich seines Wirkens hegt. Darauf versprach Herr Weinreich, alles, was in seinen Kräften stehe, zum Wohle der Stadt zu thnn. Ohne Debatte nahm die Versammlung ein Urlaubsgesuch des Stadtverordneten Dachdecker Keller(Soc.) entgegen, der wegen eines ihm ärztlicherseits attestierten Nervenleidens bis zum Herbst von der Amtsthätigkeit suspendiert zu sein wünscht.— Der unbesoldete Stadtrat Poppe, dessen Wahl die Regierung bestätigt hat, kann erst später eingeführt werden, da er auf einer Reise er- krankt ist. Da Direktor Poppe bislang Stadtverordneter war, muss eine Neutvahl stattfinden. Die Versammlung wählte die Mitglieder des Wahlvorstands.— Mit der vom Magistrat und Bandeputatiön vor- geschlagenenAbänderung der Baufluchtlinien für den Platz VI» und der Festsetzung von solchen für den Herrfurthplatz, erklärte sich die Vcrsamm- lnng einverstanden, ebenso mit dem Statut, betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Lehrer der höheren Lehranstalten zu Rixdorf. Es ist ein so- genanntes Anstaltsstatut. Der Wortlaut stimmt im wesentlichen mit dem der in andren Städten erlassenen gleichartigen Statuten an.— Die Stellung des Stadthauptkassen- Ren- bauten ist neu zu besetzen. Die Versammlung beschloss auf Borschlag des Magistrats, folgende Anstellnngsbedingungen für die Stelle festzusetzen: Der Bewerber tnuss den Anforderungen genügen, die in Rixdorf an einen Magistratssekretär gestellt lverden. Er mutz mit den allgemeinen Grundsätzen des Bank- und Rechiiungs- wescns vertraut sein und bereits eine ähnliche Kassenstellung ver- waltet haben und hat 10 000 M. Kaution zu stellen. Das Anfangs- geholt wird auf jährlich 4200 M., steigend vvn 3 zu 3 Jahren lim je 300 M. bis zum Höchstbetrage von 5100 M.. sestgesctzt. An Fehl- geld werden 200 M. gewährt.— ES ivurde» dann noch verschiedene Wahlen vorgenoimiieii. In den Stcnerausschnss wird ausser drei andren Herren Stadtv. Karl Hennig(Soc.) gewähli. Neu-Wcisicnsce. Am Montag fand hier die Einführung der neugewählteii Geuieindeverordiieteli ins Dorfparlamcut statt. Von nnsrer Seite sollten die Genossen Seifert, Kasielke und Garz eingereiht werden. Jedoch hatten wir die Rechiiung ohne den— Vorsteher gemacht, denn er gab bekannt, die Wahl unsres Genossen Garz müsse für u n g ü It'i g erklärt werden, da er die Qualifikation als Hausbesitzer nicht besitze. T a N b m a N n (Soc.) machte in.längerer Rede den Herren klar, dass die Land- gemeiiide-Orduuiig nach klarem Wortlaut es gestatte, dass nach § 46 ein mit Vollmacht verscheucs Gemciiidcm'ilglied das Recht zmn Wählen hat und nach 8 52 auch wählbar ist, zumal die Voll macht von seiner eignen Tochter gegeben ist. Hiergegen wurde als Beweis der Oberverwaltungs-Enlscheid in Sachen Frcywald-Pankow bervorgekraint, der jedoch auf diesen Fall gar keinen Bezug hat. Die Abstimmung ergab die Ungültigkeitserklärung der Wahl. Beschwerde ist bereits eingelegt.— Ein Antrag der G e s u n d h e i t S- l o m Mission, 2000 Broschüren betr. die Verhütung von on- steckenden Krankheiten gratis unter die ärmere Bevölkerung zu ver- teilen, ivurde der Kosten wegen abgelehnt. Hier kann man auch jagen: Von Kultur keine Spur. Zu der Anzeige, die Gehlsen gegen die Leiter des Charlotten- burger Spar- und Krcditvcreins bei der Staatsanwaltschast des Landgerichts II gemacht hat, wird ans den Kreisen der jetzigen Gcnosscnschaftsleitnng versichert. dass Gehlsens Behanptnng. der Verein sei nicht mehr im stände, den Sparern ihr Guthaben ans- zuzahlen, den Thntjachen durchaus nicht entspreche. Auch das Publikum betrachte die Sanierung als eine durchgreifende und richtige Massnahme. Das gehe auch daraus hervor, dass sich alle Geschäfte, Abhebungen und Einzahlungen von Spargeldern und Depositen, in gewohnter ruhiger Weise abwickelten. Zur Dividendenverieilung im letzten Jahre habe der Genossenschaftsanwalt Dr. Crüger in der Generalversammlung mitgeteilt, dass man die definitiven Verluste erst in den letzten Wochen festgestellt habe. Bei den letzten Bilanz- anfstellnngen der letzte» Jahre, die unter seiner Teilnahme erfolgt seien, habe um so weniger eine Abschreibung erfolgen können, als die altgemeine Ansicht dahin gegaiige»isei. dass die fraglichen Geschäfte bei ruhiger Abwickelung einen Verlust für den Verein nicht herbei- führen wiirden. Die Trennung der genieinfainen OttS-Kraiikeiikasse für Zchiiucbcrg und Friedenau und die Gründung einer eignen Orts- Krankenkasse für Friedenau ist auf Antrag des Gemeiiidevorstandes vvn Friedenau vom Bezirksausschusse verfügt worden. In dem betreffenden Schriftstück wird u. o. ausgeführt:„Die Ausscheidung der zur Gemeiude Friedenau gehörigen versicherungspflichtigen Mit- gliedcr aus der gemeinsamen Oris-Kraukenkasse ivird in der Er- ivägung verfügt, dass grundsätzlich eine OrtS-Krankenkassc für je eine Gemeinde zu errichten ist. sowie dass nach dem Ausscheiden der zur Gemeinde Friedenau gehörigen versicherungspflichtigen Mitglieder und bei Gründung einer selbständigen OrtS-Krankenkasse in Friedenau im Hinblick auf die grosse Anzahl der Versicherungspflichtigen(in Schöneberg ca. 10 100' in Friedenau ca. 1050) an der Betriebs- fähiglcit beider Orts-Kranlenkassen nicht wird gezweifelt werden könne»." Aus Wilmersdorf. Ein K o m m u n a l p r o g r a m m von beträchtlichem Umfange stellte der Geineindevorstcher in der Sitznng des Orisparlaments am Donnerstag ans. In dieser Sitzung wurden die neuen Mitglieder, nänilich drei Schöffen und zwöls Gemeinde- verordnete eingeführt! unter letzteren befinden sich auch unsere Parteigenossen Hilpert und Schröder. Der Umstand, dass die Vertretung in ihrer neuen Gestalt zum ersten Male tagte, gab dem Geineindevoxsteher Veraiilassnng, daranMchiuzniueise», dass znnächsr die Stadtwerdung und der Austritt»oiis dem Kreisverbandc erstrebt werden müsse: des weiteren seien zu erledigen das Millionenprojekt der Ranalijationsverbesjernng, der ebenso notwendige Bau eines Krankenhauses, sowie Verbesjerimgeu im Schulwesen, im Strassenbahnverlehr, und im Postiveien. Dje Stadtwerdung nahm die Geineiiidevertretung gleich in die Hand, indem sie einstimmig einen auf Annahme der Städte- Ordnung und Anstritt aus dem Kreisverband gerichteten Bcschlnss fasste. Die früheren gleichlautenden Beschlüsse hat die Re- gierung nicht allzu günstig ausgenommen: und auch jetzt ivird es schwere Mühe und ein schweres Stück Geld kosten, aus den Wilmersdorf geradezu lächerlich austeheuden Fesseln der Dorfverfassung herauszubekommen. In dem einen Jahre vom 1. April 1901 bis zum 1. April 1902 ist die Einwohnerschaft des Ortes von 32 554 auf 37 288 an- gewachsen: diese Vermehrung fällt fast ausschliesslich auf die an Charlottenburg und Schöneberg grenzende Gegend nördlich der Günzelstrasse, im„Rheingau" südlich des Bahuhöfes Schmargendorf ist die Einwohnerzahl sogar von 723 auf 696 zurückgegangen. Mit der Arbeit in den verschiedenen Kommissionen sind nnsre Parteigenossen entsprechend bedacht worden. N a t u s ch gehört an der Kommission für das Fenerlöschivesen, der Grimdeigentums- Deputation, der Hochbau- und der Finanz- Deputation, Hilpert der Einquartienmgs-Kominission, der BelenchtinigS-Koinmission und der Parkdeputation, Schröder dem Kassen- Kuratorium, der Wahlprüfnngs- Kommission, der Tiefbau- und der Kanalisations- Deputation. Der Redacteur Dr. Klein a»S Gross-Lichterfelde, über dessen Verhaftung wegen Meineides mehrfach berichtet wurde, ist auf den Autrag seiner Verteidiger Justizrat Cassel und Rechtsanwalt Löwen- stein ohne Kantioii aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Hauptvcrhandlung gegen ihn ist auf den 9. Mai angesetzt worden. OrdnungSkampf in Spandau. Die Stadtverordneten-Ver- sainnilung von Spandau hat in einer sehr stürmischen Sitzung die schon erwähnte Aendermig der Geschäftsordnung gegen die Stimmen der socialdcmolratischcn Mitglieder aiigeirominen, tvonach eine namentliche Abstimmung nur durch Bcschlnss der Mehrheit herbei- geführt werden kann. Die socialistischen Stadtvcrorductcn verliesscn darauf den Saal.— Ob die bürgerlichen Elemente von dieser Ver- gewaltigniig im Ernst einen Vorteil erhoffen? Gcvidjts-JeMmg. Gesängnis strafe für ein Kind. Wie notwendig es ist, dass das strafinündige Alter hinausgesetzt ivird, zeigte sich gestern von neuem in einer Gerichtsverhandlung. Der 12jährige Schüler Max Steffen, der also soeben das ftrasniüiidige Alter erreicht Hai". ausserdem in körperlicher Beziehung zurückgeblieben ist, stand unter der Anklage des Raubes vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts l. In der Mittagstimde des 31. Januar ging der Augeklagte mit seinem 6jährigen Bruder durch die Pnllasstrasse.' ES begegnete ihnen die 6jährige Gertrud Bcrgcr, die von ihrer Mutterzum Ein- holen fortgeschickt worden mar und nun zurückkehrte. In der Rechte» trug sie ein Täschchen, die Linke hielt sie fest geschlossen. Der Angeklagte zog sofort den Schlnh, dass sie in der linken Hand das heraus- bekommene Geld berge; er verständigte sich sofort mit seinem kleineu Bruder, wie sie sich in den Besitz des Geldes setzen konnten. Sic folgten dem Kinde. Als dieses in ein benachbartes Haus gehen und die Thür öffnen wollte, kam der sechsjährige ihm zuvor und versperrte ihm den Weg. Nun packte der Angeklagte die geschlossene Hand des Kindes. öffnete sie mit Gewalt und eignete sich die 40 Pf. an, die sie enthielt. Von der Beute warf er seinem kleinen Bruder ein Zehnpfennigstiick zu und ergrisi mit dem übrigen Geld die Flucht. Er wurde verfolgt und ergriffen. Der Gerichtshof glaubte diesen Streich eines dummen Jungen mit e i n e in M o ii a r Gefängnis ahnden zu müssen. Dass der Knabe, der damit für sein ganzes Leben gebrandmarkt ist, gebessert ans dein Gefängnis zurückkehrt, werden nur wenige Menschen glauben. Das„Tiildcu" einer öffeiitlichcu Taiizlnstbarkeit in der Provinz Brandenburg ist nicht strafbar. Im Lokal des Gast- wirts Jurte zu Klein-Madlow halten einzelne Gäste im Laufe eines Sonntagnachmittags Klavier gespielt und andre hatten die Gc- legcuheit zu einem Tänzchen benutzt. Jurke wurde deshalb in zweiter Instanz auf Grund der braudenburgischeu Oberpräsidiak- Verordnung von 1892, ivouach zur Veranstaltung einer Lffent« lichen Taiizlnstbarkeit eine polizeiliche Erlaubnis erforderlich ist, zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Landgericht führt- unter anderiii n»S. dass I. selbst dann strafbar sei, wenn er die Taiizlnstbarkeit, für die die Erlaubnis weder nach- gesucht noch erteilt war, auch nur geduldet habe.— Der Strafsenat des Kammergerichts gab der Revision des Angeklagten statt und sprach ihn mit folgender Bcgründiiiig frei: Nach den Fest- stelliiiigcn des Landgerichts habe Angeklagter die Taiizlnstbarkeit, die allerdings als öffentliche anzusehen sei. mir geduldet, nicht aber sie veranstaltet, da er keine Massregeln getroffen habe, welche bestimmt und geeignet geivesen seien, die Abhältnng der Lustbarkeit zu ermöglichen. Nack, der angezogenen, für die Provinz Branden- bürg erlassenen Präsidialvcrordnnng könne er aber wegen d e S D u l d e» s der Lustbarkeit n i ch t b e st r a f t werden. Ungültige RegicrnngSverordnnug. Der Regierungspräsident zu Köln a. Rh. hatte z n in S ch u tz e der landschaftlichen Schönheiten des Siebengebirgcs, sowie um die T o u r i st e n zc. v o r B e l ä st i g u n g e n zu bewahren, eine. Polizeiverordming für den Bezirk des Siebengebirges erlassen, deren einzelne Vorschriften auf ein Verbot der Steinbruch- betriebe im S i e b e n g e b i r g e hinauslaufen.— Der Steinbruchsbesitzer Nelles, der einen Steinbruch am Peters- berge hat und nacki der geiiaiinteii Verordumig verfahren sollte, klagte im BerwaltnngSstreitverfahren. DaS Obcr- Berwaltnugsgericht entschied zu seinen Gunsten und erklärte die Verordnung für rechtsungültig, weil 8 lO II, 17 des All- gemeinen LoudrechtS der Polizei nur dos Recht verleihe, daS Publikum vor Gefahre» zu bewahren, nicht aber das Reckst, es gegen Belästigungen zu schützen oder sein Interesse an ungestörtem Geiiuss landschaftlicher Schönheiten wahrziiiichiiicii. Briefkasten der Kedaktivn. Tie lnistsiisrbr Sprechsmude findet täglich mit Ausiiahme de« So», mbeiid» von 7V, bis iN/, Uhr abend» statt. N. 100. Wende» Sie sich an de» Verband der Handels- und Trans- port-Arbciter. Gcwcrtjchastshaus. Tcfiau. Schreiben Sie»inier Adresse R..., New Nork. Das genügt vollständig. R. V. Die Steuer(Staatssteucr) beträgt bei einem Einkommen von 900 bis 1050 Mark.... 6 Marl „ 1050.. 1200„.... 9„ „ 1200„ 1350„.... 12, „ 1350„ 1500„.... 16„ . 1500„ 1650..... 21„ „ 1650„ 1800..... 26„ ,. 1800„ 2100„.... 31„ Die Gemeinde erhebt Zuschläge zu dieser StaatSsteuer; in Berlin be. tragt der Zuschlag 100 Proz., also bei einem Einkommen von 1000 M. noch 6 M. Gemcindesteiier. Wiener. Wir künnc» Ihnen auch lein Mittel dagegen angeben. B. X. 35. Ja.— Weistensee. 1. und 2. UnS nickst bekamst. 3. Ja. es ist davon abzuraten.- G. Sch. 3«. Tratte ist Wechsel.- Koppeustr.«0. In der Regel nein. EtwaS andres ist es. wenn a»s der früheren Praxis das Gegenteil erhellt.— Photo. 1—3. Ja, doch besteist hierüber Streit.— Si. 2. Ja; Sie können aber bei der Geiverbedeviltattoil Beschwerde erheben. Witteruiigsübersicht vom S5. April 100S. morgenS 8 Uhr. i Wetter |il i ö 1«?- Stationen 1 wollig 3 bedeckt 1 wolkig 1 Regen —heiter .5- lg a i= lO�Haparanda 773 226 10, Petersburg! 767 N II, Cork I3,slberdeen 10, Paris 761 Q 765 NNO 2 wolkig 1 hlb.bed 5 bedeckt 1 wolkeiil I Wetter Prognose für Sonnabend, den 26. April 1902. Ziemlich trübe, am Tage etwas kühler mit leichten Regenfällen schwachen nördlichen Winden. Berliner Wetterbureau. as HJ, -8 iT und Konntag, den 27. April 1902, vormittags 11 Uhr, im pScii Saale des Gewerkschaftshanses, Eugelaser Is:' llöffmtj. Vck8-Vel'8WMlWg. Tagesordnung: Wie entbinden wir uns von den MietLlasten. Referent: Reichstags- Abgeordneter Pens. 2. Diskussion. 28S/g Um zahlreichen Besuch bittet Der Einberufer. Wlonkag» dvn S8. Apvil» avends von 7—8 Mhv, finden im Lokale Lleuo NhilharmolNie, Köpnickerstr. 99, die Wahlen zum FmmnüS-SrTjiedsgevilhk für das Baugewerbe statt. Die Kandidatenliste der organisierten Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter ist folgende: Beisitzer. Beisitzer-Stellvertreter. a) Maurer Albert Krug, Droiitheiuierstr 1o. Adolf Scholz, Schönlelnstr. 20. d) Zlliaiiierer Paul Tappert. Narochialstr. 22. Wilh. Siegmauu, Heidcufcldsw. 3. o) Arbeiter Karl Kaudale, PeterSburgerstr. 2. Oskar Sprenger, Skalitzerstr. bS. a.) Maurer. Christian Neunia»», Linarstr. 1. August Lange, Swinemünderstr. SS. d) Silinuierer. Albert Pickenhage». Boxhagenerstr. 13. Wilhelm BergelS, Dieffenbachstr. 32. o) Arbeiter. Wilhelm Hain, Fnedenstr. bO. Franz Laiigner, Weidemveg 46. Krosse källge! Schellfische 1°-II-a CrSssen.. 20-30 Pf. pro Pfd. (zum Kochen und Braten•»«»«p Cabliau 20-25«... Seelachs 20-22 PI., Anschnitt 27-30 Pf.„. Bratflundern(3 Pfd. 55 Pf.) 20-25 PI.„. Rotzungen 40-45 Pf., Schollen 40 Pf., Knnrrhahn 25 Pf. Steinbutten, Seezungen ewaiu wiiig! Lebende Hummer 3 Mk. pro Pfund. Geräucherte Seefische. SChellfiSChe(schöner als Bücklinge) 35 Pf. pro Pfd. Flandern 70—75 Pf., Roche(Ersatz für Stör) 00 Pf., Seelachs 45 Pf. pro Pfund. Deutsche Dampfflscherei-Gesellschaft Am 25. April, morgen? 2 Uhr, starb nach langen, schweren Lechen mein lieber Mann und mein guter Batcr, der Schrift- f*« Carl Heinlze. 21896] Anna Heintze und Sohn. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. April/ nachmittags 5 Uhr, von der Le>chcuhalle des latholischen Kirchhofes ans in Südende statt. „Hordsee" KB. Wahlberechtigt sind alle bei JnnungSmitglicdern beschäftigte Personen, die das 25. Lebensjahr vollendet und feit mindestens einem Jahre in Berlin wohnhaft oder beschäftigt sind. AlS Legitimation gilt ein vom Arbeitgeber ausgestellter Schein, welcher mit Namensunterschrift oder Stempel des Arbeitgebers, sowie dem Namen deö Arbeiters versehen sein muh. Außerdem hat jeder Wähler sein Krankenkaflenbuch als Legitimation mitzubringen. ArbeitSgenosseu! Die bis heute im Jnuungs-Schiedsgericht übliche Rechtsprechnug gebietet, daß stch die organisierten Arbeiter, soweit sie bei Jnnungsmeisteru arbeiten, an der Wahl beteiligen. Wir fordern daher alle in Frage kommenden wahlberechtigten Gcnoffeu auf, sich in den Besitz der Legitimation zu setzen und pünktlich am Montagabend zur Stelle zu fein. Jeder Wähler erhält beim Eintritt inö Wahllolal einen Stimmzettel zugestellt. Die Uorstände der cetttralvrganisierten Maurer» Zimmerer«ttd Kavhilfsardelter. _ I. A.: Karl Panscr. Hermann Kube. Oskar Böttcher. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 28. April IVOS, abendS 8V2 Uhr: ¥ efsaisatnliB m gesa 1. Admiralstrasse 18c. Tagesordnung: 1. Das BaugciiossenschaftSwesen. Ref.: Kollege 8 tranin,. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. S TAchtenbere, Friedrich Karlstrahe Rr. 71. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen W. Altschke. 2. Verhandsangelegenhett. 3. Verschiedenes. 145/19 a i. vormittags 10 llhr. Frankfurterstrafte 117: IM" i"> c v f n in tu l u n ix"DW Pflicht eineS jeden Kollegen ist es, daselbst zu erscheinen und sein Mit- gliedsbuch an der Kontrolle behufs Abstempelung vorzuzeigen. Uer Vorstand. Verwaltnngsstelle Berlin. Sonntag, den 27. April, Im Gewcrkscbaftahause, Engel-Ufer 15(grosser Saal) Wilhelm Busch-Abend Elchtblldcr- Vortrag, gehalten vom Sollegen>V»h. Rex. Anfang Punkt 7 Uhr. Eintritt einschließlich Tanz 25 Ps. Btllets find bei den Kollegen Otto Meyer, Engel-Ufer 15(Bureau) und E. Trautvetter, Krautstr. 28, m, zu haben. GSftr wtllkommrn! I»er Vorstand. MW.! BananschlSger! Am Sonntag, de» 27. April, mittags 12'/« Uhr, bei Schulz, Grenadierstraße 33: Oeffentliche Versammlung. Alle Kollegen, welche eine Neu-Organisation erstreben, sind hierzu ein- geladen. Referent und Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt Ber Einberufer. gegeben. [21576] Hauptflliale Berlin C. 22. Bahnhof BBrse, Bogen 9—10, II. Filiale: Ettneburgerstrasse, Ecke Paulstrasse, III.„ Prinzenstrassc SO. TV.„ Madalstr. 22, Im Schleslschen Bahnhof. Johs. Skorczyk Generalvertreter.[40020] DeutschJetailarbeiter-Verbaiitl Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Eugel-llfer 15, Ziuimcr 1—5. Ferusprecher: Amt VII, 353. Sonntag, den 27. April 1002, vormittags 10 Uhr: Morgensprache der Schraubendreher bei Wetzcl, Wraugelstrafte 136. 114/7 Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtöUcrwaltuug. AmDounerstag, den 24. April, starb»ach schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer fori Heintze geb. am 12. 8, 54 zu Berlin. Ein treues Andenken werden ihm belvahren 2132b Berlin, 25. April 1302 Dia Kollegen derNordd. Buchdr. Danksagung. Alle» Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen u. Kolleginncii der Eiektricitäts-Gesell- schaft, Alkerstraße, sowie den Partei- genossen des 0. Wahlkreises für die rege Anteilnahme bei der Beerdigung des Metallschleisers[4004L Theodor SchOn, sagen wir unser» tiesgefühlteste» Dank. Die trnnerndcu Hiuterbliebenen. I. A.: Carl Koch. Grosse Industrie-Ausstellung BERLIN 1902 für Gast- n. Hanswirtschaft, Kochkunst, Erfindungen und Neuheiten 21/s vom 12. bis inkl. 27. April im Ltnisenhof, Dresdenerstrasse 34-35, Entree 50 Pf. Heute, Sonnabend: Terkttndlgnng des Resultates des Preisgerichts. Reisszeuge und einzelne Teile derselben findet man nur in ganz vorzüglicher Auswahl, gediegener Ausführung und zu billigsten Preisen in dem Special- Geschäft für Präclslons-Optlk Ernst RIek, inh. Carl Buttendorff, Berlin V., Weinbergs weg 15 b, zweites Geschäft vom Bosenthaler Thor. Orts- Krankenkasse für daS Werbe htrVnsertigWM Msikiilstrumateil. Sonntag, den 4. Mai, vorm. 9Vj Uhr, im Restaurant Sdiulz, Grenadierstr. 33: Gknerai-zierslimmlulig sämtlicher Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertreter. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1301. 2. Bericht des Ztechnungs-Ansichufles. 3. Wahl resp Bestätigung des neue» Rendailten. 4. Verschiedenes. 272/17_ Ter Vor stand. Keiltrlil-Krliilken- u. Tterbe- Kasse der Tischler «. andrer getocrbltcher Arbeiter. (Oertllche Verwaltung Berlin B). Sountag, 27. April, vorm. 91/, llhr, im Aewerkschaftshaus, Saal III: Mitglieber-Versaiililituilg. Tagesordnung: I. Abrechnung vom 1. Quartal 1302. 2. Versrbicdeue Kassenangelegenbeiten. 'Mitgl-edsbuch legittmiert.-TWZ I»le tdrtsverrvaltuug. Epitzc Preuss Bellcnlllancestrasse 74a, <»cke Bergmaunstraft«. empfiehlt Freunden und Bekannten sein Restaurant in der Nähe des Bc- zirkskommandos. 38750» Bitte genau auf Firma u. HauinummerlSb achten. Bcisszenge f. Schiller z. M. 1,25, 2,00, 3,00, 4,00 bis 8,00, für Techniker z. M. 6,00, 6,00, 8,00, 10,00, 12,00, 15,00, 20,00 bis 40,00. Koetenloae Untersuchung dar Augen und genaues Anpassen der Brillen oder Plncenez nach Kopf- oder Nasenform.— Brillen v. M. 1,00, Pincenez von M. 1,25 an. Lekainltinchnlg. Etwaige Glaubiger des am 1. April d. I. aufgelösten Wlrtsebafts- vcrcins S>chUncbcrg werden hierdurch ausgesardert, ihre Forde- riingcii bis zum 3. Mai d. I. bei dem Geschäftsführer P. Brunn, Scböncverg, Mcilumentenstraße 22, 'rfiHftfirfi celteud zu mache». 2l7öb war fast noch nie so billig wie letzt: Sie erbalteu bei mir Kaffee nach ueiiesle.» pateiltierteu Ver> fahre» geröstet zu -iO II. 90 Pf. pro Pfd. Meine Mischungen u 1,00, 1,20 u. 1,40 Nark finde» in allen r>auShaIlu»geu Au- �.lang, was der stets wartziettd« rtr>n>u»l beweist. 2171b» E. Ij. HcrtKsch, Blxdorf, Bergstrafte 10. Zähne M. 2 an beliebige Teilzahlung.[ Olga Jacobson, Jnvalidenstr. 145. ZUehaur au» 6. Mal 1902. Stettinep Jubiläums- Pferde-T.otterle 15 Egnipagen, co,np,el Hauptcswluns s cos __ beepauut und zusammen lOOBelt-nWagenpferde 25 Damonfahrrädop 40 HerpenfahppSdop 160 goldene Medaillen 5000 Paar«ilb. EselQffal na. 5313 Gew. Werth Mark 200,000 Orig.-Loose i 1 U, 11 Loose---- 10 M., Porto u. Gewisnliste 20 Pfir. empfiehlt Carl Heintze ifün W.. 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