?lr. 98. Adomrements• Kedwgungen: Abonnements-Prei» pränumerando: vicrteljährl. SLo Mb, monatl. l.IVMb, wöchentlich LS Psz. frei ins HauS> Siiuelne Numm-r 5 Plg. EonntagS- Nummer Mi» iNuNrieriec Sonntags- Beilage„Di- Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: MO Mark pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung». Preisliste für IVOS unter Sr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Mark, für da» übrige Ausland s Marl pro Mona». Arsch, ink täglich außer»ont-g«. Vevltner Volksblatt. 19. Jahrg. Di« Instrtions-Gebllyl betrügt für die fechSgefpaltene Koloned »eile oder deren Rauin 40 Psg., für polittfcheund gewerlfchaftliche BereinS- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" fedeS Wort S Pfg. (nur dai erste Wort felt>. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittag» geörfnet. Telegramm- Adresse- „Sorialdrmokrak Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Kedaktwn: SW. 19, Beutlz-Strasze 2. Aeriissirecheri Nmt I Nr. 1508. Sonntag, den£7. April I90£. Expeditivn: sw. 19, Vrutlz-Skrage 3. �ietteiaCßikee« Aif* Ofuti? CIDm R 1 O V Arbeiter, Varteigenolsen! Am t. Mai, dem internationalen Feiertag des Proletariats, demonstriert machtvoll für den Schutz und die Befreiung der Arbeit! In dem Jahr der durch die kapitalistische Anarchie erzeugten wirtschaftlichen K r i s i s ist unser Fest ein besonders eindrucksvolles Kampfzeichen Wider die Verwüstungen dieser gesellschaftlichen Ordnung, die die Männer dem Hunger oder der Zerrüttung ausliefert, die Frauen frühzeitig verkümmern läßt, und selbst die sonnige Jugend der Kinder in dem erbarmungslosen Zwang der Erwerbsarbeit zerstört! Erhebt gegenüber dem volksausplündernden Junker aufruhr für ungeheuerliche Zölle das Recht der Armen auf ihr t ä g l i ch Brot! Inmitten des blutigen Konkurrenzkrieges der Nationen, der Militarismus und Marinismus als Waffen führt, verkündet den Weltfrieden der nach gleichen Zielen strebenden Völker! Im stolzen Klaffenkanipf des um die höchsten Güter der Menschheit ringenden Proletariats bekennt den unbeugsamen Willen zur socialeu Erlösung l Gedenket aller Brüder, die für die Freiheit streiten und leiden, insonderheit der russischen Helden und Märtyrer! Am ersten Mai rüstet die Maien-Znknnft! Kritische Nachlese zur belgischen Wahlrechtseampagne. m. Wir veröffentlichen hiermit den Schlußartikel unsres ständigen Brüsseler Korrespondenten: Unsrem letzten Artikel möchten wir als Leitmotiv gleich als Motto voransetzen:„Die Liberalen haben auf die ganze Beivegung einen eminenten Einfluß aus» geübt.' Sie beeinflußten nicht nur die Stellungnahme unsrer Ab- geordneten in der Kammer, sondern auch die Beschlüsse des letzten Parteitages. Jeder Beschluß wurde daraufhin ge- prüft, welchen Eindruck er auf die Liberalen machen könnte. Und wenn sich warnende Stimmen erhoben, erklärte Vandervelde mit überzeugender Bestimmtheit, die Liberalen seien die ehrlichsten rmd begeistertsten Leute der Welt, oder um wörtlich zu citieren:„Die Bourgeoisie im Frack ist fest entschlossen, mit den kvhlengeschwärzten Bergarbeitern Arm in Arm für die Erringung des allgemeinen Wahlrechts bis ans Ende zu marschieren.' Die Delegierten ordneten sich dann nach etlichem Zögern den Anträgen ihres geivandten Führers unter. Sie ließen sich dazu bestimmen, iveil die leitenden Kreise der Belvegung den angeblichen Einfluß der Liberalen bei jeder Gelegenheit aufzubauschen verstanden. Die Liberalen sahen erst durch Erringung des Pluralshsteins ihren Einfluß, der bis dahin fast auf den Nullpunkt gesunken war, wieder steigen. Bei der letzten Wahl gelang es ihnen mit Hilfe der proportionellen Vertretung, auch einer Errungenschaft des Proletariats, ihre Kammersitze auf zivei und ein halbes Dutzend zu erhöhen.— Den Socialisten wie den Klerikalen der Kanmier erschien deshalb die Freundschaft der Liberalen in diesem Kainpfe ungemein wertvoll. Wie die Klerikalen durch kluge, taktische Winkelzüge die Unterstützimg der Liberalen zu erreichen suchten, so versuchten die Socialisten das- selbe durch Falleulassen wichtiger Forderungen. Die Liberalen sind auch in Belgien eine sehr zweifelhafte Gesellschaft. In rein politischen Fragen stellten sie die Fraktion Dreh- scheide dar, und in ökonomischen Fragen schlugen sie sich vielfach, ihrem Bourgeois-Jnstinkt folgend, zu den Klerikalen. Für eine Partei wie die socialdeniokratische, deren hauptsächlichsten Forderungen ans ökonomischem Gebiete liegen, war es gefährlich, mit dieser Bourgeoisie- Vertretung irgendwelche Kompromisse einzugehen. Es hat auch an Kassandrarufen, meistens aus den A r b e i t e r k r e i s e n s e l b st kommend. nicht gefehlt. In den Geiverkschafts- und Partei- Versammlungen wurde oft, leider ohne Erfolg, das„unmoralische Kompromiß' herb kritisiert. Ein Kompromiß in der Wahlrechtsfrage war zudem überflüssig. Die Wahlrechtsbeioegung konnte den Liberalen nur Vorteil bringen. Rur das allgemeine Wahlrecht konnte die Linke stärken und ihre Führer in die Ministersessel heben. Den» nur die Liberalen konnten für die Bildung einer neue» Regierung hauptsächlich in Betracht kommen. Zur ministeriellen Partei geivorden, hätten sie nicht nur das Regierungsruder, sondern auch die Socialisten in der Hand gehabt. Zum mindesten hätte diese neue Konstellation auf die socialistische Taktik einen gewaltigen Einfluß ausüben können. Die Socialisten konnte» in Anbetracht ihrer Minorität in der Kammer an die alleinige Besitznahme der Regierung nicht denken. Die Liberalen hätten also die Ministersessel besetzt und sie mit vielleicht einem oder zwei Socia- listen geteilt. Letztere wären, um des lieben Friedens ivillen, ge- zlvnngen getvesen, viele von ihren aktuellen Forderungen znrückznstellen. Hätten sie das nicht gethan, so hätten die Liberalen jedenfalls nicht gezögert, sich den Klerikalen zu nähern und dann mit diesen zu- sammen gegen die ungestümen Socialistei» vorzugehen. Genug: ihr eignes Interesse hätte eigentlich schon für die Liberale» Grund genug sein müssen, die Beivegung mit allen Kräften zu unterstützen. Allein sie waren e b e n L i b e r a I e! Als die Beivegung ernst zu werden drohte, bekamen sie es mit der Angst. Die Klerikalen besorgten dann mit dem HimveiS auf die Zukunft, Ivo sich die Beivegung auch gegen die Liberalen selbst richten könne, das übrige. DaS hätte für uiisre Abgeordneten, die die Führimg der Beivegung übernommen hatten, Grund genug sein niüssen, den Liberalen den fängst verdienten Fußtritt zu versetzen und den Kampf gegen beide «legner gleichzeitig zu führen, einen Kampf, der ja früher r r später naturnotiv endig doch kommen muß. Allem— und dies ist zum Verständnis der nun rasch aufeinander folgenden Ereignisse von großer Wichtigkeil je mehr die Liberalen sich nach rechts rückwärts konzentrierten und die Regierung unter- stützten, weil sie, wie sie erklärten,„Freunde der Ordnung' seien, desto weniger glaubten die Socialisten sie entbehren zu können. Vandervelde„ b e s ch>v o r" die Liberalen unzählige Male, die Socialisten im Kampfe gegen die staatsstreichlüsterne Regierung nicht allein zu lassen, und erklärte sich schließlich, als alles nichts fruchtete, selbst mit einer gewöhn- l i ch e n Auflösung der Kammer zufrieden ze. So oft die Liberalen den Socialisten mit Anskündigung der Alliance drohten, gaben die letzteren nach. So geschah cS hinter anderm bei der F e st st e l l u n g der Tagesordnung die Revision b et r e ffen d. bei derBertagung derselben nach Votierung der Budgets, bei der Beivilligung d e r K r e d i t e u n d b e i d e r A b st i in m n n g ii b e r d i e R e- Vision s e l b st. Und wer will ihren Einfluß auf die Beendigung des Streiks selbst heute noch bestreiten? Der Zeitpunkt, wo die Entscheidung getroffen werden konnte und mußte, mar vom 10.— 12. April. Hier ivar noch nichts verloren. die Situation ivar klar und die Liberalen hatten bereits genügende Be- iveise ihrer Feigheit gegeben. Die Budgets ivaren noch nicht bewilligt, die Regierung Ivar zur Znrückhaltlnig noch gezivungen, und die ganze Arbeiterschaft stand bereit, das Signal zum Kampf erivartcnd. Mit einer noch nie gesehenen Begeisterung war das belgische Proletariat bereit, alles in die Schanze zu schlagen. Und es hätte seltsam zugehen müssen, mit einer 300 000 köpfigen, von gewaltigster Begeisterung getragenen Armee nicht zu siege»! In diesen für die Entscheidung so Ivichligen Tagen wurde», an- statt energisch zu handeln, große schöne Reden gehalten von der Einigkeit der Bourgeoisie und des Proletariats, von der bevor- stehenden Intervention des Königs usw. Von dem Maison du Penple ertönten aus tansenden Proletarierkehlcn die Rufe:„�.ssop de discours, U laut maintenant agir, nous sommes prets."(„Genug des Redens, jetzt gilt es zu handeln, wir sind bereit.') Die Redner mahnten, ruhig heimwärts zu gehen, die R e v i s i o n sei nahe usiv. So kanr der Sonnabend, der 12. April, heran. Alle Welt fühlte, daß auf dem parlamentarischen Boden der Kampf ver- l o r e n Ivar. daß ctivas Außerordentliches geschehen müsse, um die entscheidende Abstimmung über die Revision selbst zu b e- e i n f l u s s e n. Die Proletarier umstanden zu Tausenden das VolkShans, einer Parole harrend. Ts geschah nichts. Sie wurden von einem Tag auf den andren vertröstet. Die kostbaren Stunden gingen nutzlos vorüber. Keine Organisation war getroffen, die Arbeiter auf bestimmte Plätze zu weisen. Uebcrall begegnete man bei den Arbeitern der Frage: Was t h u n? Da keine Parole gegeben wurde, blieben sie wartend im VolkshauS konzentriert und boten der Regierung die beste Gelegenheit, im H a n d u m- drehen die Elite der Kämpfer zu vernichten. Die Arbeiter, des laugen Wartens müde, ivurden ungeduldig. Sie fühlten: etivas mußte doch geschehe». So fand der Generalstreik allgemeine begeisterte Zustimmnng. Wer nicht mit Blindheit geschlagen Ivar, nmßte ivissen, daß der Generalstreik mit derParole„Ruhiges Abwarten' auf die Revisionsabstimmung an diesem Zeitpunkt keinen Einfluß mehr ausüben konnte. Denn die Regierung hatte zur Zurückhaltung keinen Grund mehr und rüstete sich mit allen Kräften, die Be- wegung zu unterdrücken. Anch den leitenden Kreisen hätte dies nicht verborgen bleiben dürfen. Trotzdem redeten sie dem General- streik das Wort. Die Massen, deren Begeisterung und Kampfes- mut größer ivar als das politische Verständnis, folgten mir zu gern. llnsre Kameraden, denen wir nnsre Besorgnis wegen der Zwecklosig- keit des Generalstreiks in diesem Moment mitteilten, konnten eben nicht begreifen, daß der Kampf schon, noch ehe er begonnen, verlöret, sein sollte. Wie erklärt sich nun das Verhalten der leitenden Personen? Erstens hegten sie einen unbegreiflichen Optimismus in allem, ivaS die Gegner betraf, und zivar von Anfang bis zu Ende, selbst dann noch, als die Revision endgültig abgelehnt war. Dann er- warteten sie von der bloßen E in sch ii ch t e r u n g wahre Wunderdinge. Die leitenden Kreise nahmen ferner an, die Proklamation des Generalstreiks, die Niederlcgung von 100 000 (höher hatte man die Zahl der Streitenden nicht veranschlagt) ge- nüge, die Regierung zum Nachgeben zu zlvingen. Als dann selbst trotz 300 000 Streikender die Regierung die Ablehnung der Revision am 18. April, au. Tage nach Beginn des Streiks, durchsetzte, war man ziemlich enttäuscht, aber vom Optimismus noch keineswegs geheilt. Die schöne» Hoffnungen, die von den Klerikalen vernichtet waren, wurde» nun auf den König übertragen. Am 19. April erschien der Brief des s o ci alisti s ch e n Abgeordneten Delporte an den König und ein Artikel im „Penple" nnt der gleichen Tendenz. Da dieser trotzdem keine Miene machte, die auf ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen, schlug endlich jählings der Optimismus in sein Gegenteil um. Am Sonnabend den 19. April proklamierte man die'Beendigung des Streiks, den man 24 Stunden vorher bis ans Ende fortzusetzen angeraten hatte. So endigte diese eigenartige Bewegung. Es ist wahr: die Partei ist ans allen Kämpfen, anch ans diesem, st ä r k e r hervorgegangen. Die gewaltige einmütige Erhebung und der Opfermut für ihre Sache hat auch die Indifferenten mit Sympathie für nnsre Sache erfüllt. Aber es handelt sich bei jedem Kampf darum, zu siege n. Und gesiegt hat unsre Partei diesmal nicht. Daß sie diesmal den Sieg nicht davongetragen hat, lag nicht an den Soldaten, denn diese standen begeistert zuni Kampfe bereit, sondern an den Führern. ** » In unsrer nächsten Nmnmer werde» wir einen Artikel aus der Feder Vanderveldes über die belgischen Ereignisse veröffent- lichen. Red. d.„Vorwärts". PoXitmi* Mrbccgchk. Berlin, den 26. April. Der Reichstag erledigte Sonnabend die dritte Lesung der Seemanns- ordnung und ihrer Nebengesetze. Die Vornahme der Gesamt- abstinunung mußte aber verschoben werden, weil Singer Widerspruch erhob. Unsre Fraktion will an der Hand der Zusanimenstellung der Beschlüsse der dritten Lesung erst zu einer Entscheidung darüber kmnmen, ob sie zu dem Gesetz Ja oder Nein sagt. Die Verbesseruugeu, die sich in der Sonu- abend-Sitzung für die Seeleute noch herausschlagen ließen, hielten sich in mehr als bescheideneu Grenzen und ihnen stehen nicht unbedeutende Verschlechterungen gegenüber. Von dem kleinlichen Geist, der die Mehrheit beseelte. legte gleich die erste Abstimmung Zeugnis ab. Den Kam- pronüßlern erschien es eine ungeheure Belastung für den Reeder, daß er gezwungen sein soll, bei der Abmusterung auf Wunsch des Seemannes seine Heuer an seine Angehörigen oder an eine Sparkasse zu übersenden und die Portokosten dafür auS der eignen Tasche zu bezahlen. Sie bewirkten, daß diese ungeheuren Wohlthatcn nur den deutschen Seeleuten zu teil werden sollten und die ausländischen ausgeschlossen bleiben. Ebenso weigerte sich die Mehrheit, auf unsren An- trag einzugehen, der dem Seemann ein besonderes Heuerbuch zur Abrechnung unter allen Umständen und nicht erst auf sein Verlangen hin verschaffen ivollte. Auch bei der Frage der Heilbehandlung für den in der Fremde erkrankten See- mann in einem deutschen Krankenhause zeigte sich die rück- ständige Auffassung der Anhänger des Kompromisses. Der nationalliberale Abgeordnete S c m l e r verdächtigte die Aerzte, daß sie ihre materiellen Interessen über die fach- lichen Gründe stellen könnten und suchte so hinter dem Strauch nach, hinter dem ganz andre Leute sitzen. Eilte bedenkliche Verschlechterung war weiter der Beschluß, daß die Angehörigen eines erkrankten Seemanns ein Viertel der Heuer nur dann erhalten sollen, wenn sie bisher überwiegend von ihm ernährt worden sind. Hier holte sich Genosse Molkenbuhr, als er vom christlichen Gemüt des Wortführers der Mehrheit, des Konsistorialrats Stockmann, sprach, einen halben Ordnungsruf. Aufrecht erhalten wurde die Streichung der beiden Para- graphen über das Koalitionsrecht, die den thatsäch- lichen Zustand gesetzlich festlegen wollten. Daß die Mehrheit unsre Anträge ablehnte, die auf eine weitgehende Sicherung des Koalitions- und Versammlungsrechtes der Seeleute hin- zielten, braucht ja nicht Wunder zu uehnien, aber das Centrum ließ sogar seine eignen Anträge aus der ziveiten Lesung des lieben Komproniisses wegen im Stich, die ei» von uns unterstützter freisinniger Autrag wieder allsgenominen hatte. Vergebens war es, daß Molkenbuhr in einer vortrefflichen Rede auf das unbeschränkte Koalitionsrecht der Reeder und die Trusts der großen Schiffahrtsgesellschaften hinwies. In einer interessanten Ge sch ä fts o r d n u n gs de b a ttc, die das erste Wetterleuchten des parlamentarischen Kampfes um den Zolltarif darstellte, kam es bei dem Versuch des Centrums, iin§ III ein Versehen in der Abstimmung wieder gut zu machen, daß ihm beim§ 4 passiert war. Es handelt sich um die Bestimmung, daß ein Beisitzer des Seemanns amtcs dann ein Seemann sein nmß, wenn es sich um eine Klage gegen einen Seemann handelt. Hier machte der Centrumsabgeordnete Kirsch den Versuch, zunächst diese Bestimmung nachträglich noch im Z 4 einzuschalten. Dagegen erhob die Rechte Widerspruch, der geschästsordnnngsmäßig ausreichte. um diesen Versuch zu vereiteln. Nun beantragte Herr Kirsch, diese bei der Abstimmung über§ 4 ab gelehnte Bestimmung in den§ III direkt hineinzuschreiben Sofort regte sich das böse Gewissen der Rechten, daß aw diesem Wege durch die Aufnahme einer bereits abgelehnten Bestimmung bei einem späteren Paragraphen desselben Gesetzes ihren Wuchergelüsten Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden könnten. Herr v. Kardorff jammerte, daß so der Obstruktion eine wirksanie Waffe in die Hand gedrückt werden könne. In der Geschäftsordnung aber ist keine Be stimmung vorhanden, die dieses Verfahren ausschließt. Der Warnungsruf des Herrn v. Knrdorff aber machte auf das Centrum, das denselben Appetit nach Brotzöllen wie die Rechte hat, Eindruck. Herr Kirsch versicherte ängstlich, daß er seinen Vorschlag nur als Ausnahmemaßregel betrachtet haben wollte, und als Singer gegen diese Beschränkung an der Hand der Geschäftsordnung Widerspruch erhob, zog er schleunigst seinen Antrag zurück. Nun aber nahm ihn Singer wieder aus. Während der nationalliberale Vicepräsidcnt B ü s i n g, der gerade den Vorsitz führte, die Geschäftsordnung durchaus im Sinne der Linken auslegte, stellte sich Herr Sattler an die Seite des Herrn von Kardorff. Bei der Schlußabstimmung wurde der von Singer aus genommene Centnimsantrag gegen unsre Stimmen, die der freisinnigen Volkspartei, denen sich drei Centrumsabgeordnete anschlössen, abgelehnt. So bewirkte die Angst des Centrums vor der legalen Benutzung der Geschäftsordnung, die fälschlicherweise Ob struktion genannt wird, daß eine von ihm selbst als not wendig anerkannte Verbesserung für die Seelente unter den Tisch fiel. Die dritte Lesung des S ch a u m w e i n st e u e r- Gesetzes wurde rasch erledigt. Wir stimmten, wie vorher angekündigt war, gegen das ganze Gesetz. Der Montag wird ein großer Tag für das Parlament sein; steht doch neben andren Gesetzen die erste Lesung der D i ä t e n v o r l a g e für die Zolltarif-Kommission auf der Tagesordnung.—_ Der Fall Kanffinann. Man schreibt uns: Als wir am 17. d. Mts. an dieser Stelle die Angriffe der„National-Zeitung" und der.Freisinnigen Zeitung ans unsre Darstellung des Falles Kanffinann abgefertigt hatten, replizierte das Organ des Herrn Eugen Nichter noch einmal mit der liebenswürdigen Bemerkung, der Nedacteur des.Vorwärts", der jenen Fall behandle, gehöre ins Jrrenhans, doch eine Antwort ver- diene sein„irres und wirres Geschreibsel" nicht. Wir acceptierten gern diese geistreiche Quittung des auf seine kapitalistischen Bübereien festgenagelten Blattes, wollen heute jedoch noch feststellen, daß nun- mehr Kauffmann selbst, der in FricdrichSroda von dem Mitarbeiter eines hiesigen Lokalblattes interviewt worden ist, Wort für Wort alles bestätigt, was wir über seine Erkrankung, über seine Jntcrnienmg in die I-lmson äs saute, über die Rechts- Ungültigkeit seines sogenannten„Verzichtes" mitgeteilt hatten So herrlich bewahrheitet sich die Behauptung des wahrheits- liebenden Herrn Eugen Richter, wir nutzten den Umstand aus. daß Kauffmann durch seine Erkrankung verhindert sei, dem„Lügen- gewebe" dcS„Vorwärts" entgegenzutreten. Kauffmann behält sich jetzt selbst Schritte gegen den Arzt vor, der ihn auf eine äugen- blickliche, durch ärztlich verschriebene Opiate erzeugte Benommenheit hin sans fa9on in ein stadtbekanntes Jrrenhans spediert hatte. Wie sehr diese Kurmethode den Beifall des Herrn Eugen Richter findet, zeigt sein edles Bemühen, auch uns ins Irrenhaus zu spedieren, weil wir die dem Kontmunalfreisinn unbequeme Wahrheit über den Fall Kauffmann veröffentlicht haben, doch können w i r uns daran genügen lassen, diesen heiteren Fanatiker kapitalistischer Ränke und Schwank« auszulachen. Der Ernst des Falles Kauffmann wird schon nachkommen, wenn dicS Opfer freisinnigen.Männerstolzes vor Königsthronen" vollkommen wieder hergestellt sein wird. Obwohl die oben erwähnten Aeußerungen KanffmannS unsren Lesern nichts Neues sagen, weil sie nur wiederholen, was der „Vorwärts" bereits mitgeteilt hat, so seien doch einige Stellen ab- gedruckt. Der Besucher hat den Stadtrat Kauffmann in Friedrichsroda „interviewt". Ueber sein Befinden und die Ursachen seiner Erkrankung erzählt Kauffmann: .Sie sehen, eS geht mir hervorragend gut.... Etwas ab« gespannt und müde bin ich allerdings, aber Sie wissen ja, die k o I o s s a l e Arbeitslast, die auf meinen Schultern ruhte, hat mich ettvas marode gemacht. Hinzu kamen der plötzliche Tod meines Vaters und die in letzter Zeit vielfach erörterten, bekannten Vorgänge, die meine Person und«leine iveztehungen zun, Rathanse betrafen. Ein Magenkatarrh, an dem ich seit längerer Zeit litt, hielt mich ans Bett gefesselt. Zur Linderung meiner Schmerzen erhielt ich Opium und in letzter Zeit auch gleichzeitg Morphiumeinspritzungen. Das Zusammenwirken dieser beiden Subssanzeu hatte niich in ein maniakalifcheS Delirium, einen traun, artigen Zustand versetzt. Dieser äußerte sich darin, daß ich oft die Vorstellung hatte, ich sei bereits gestorben. Die mir eigne Logik ließ mich indessen stets sofort erkennen— z. B. durch Befühlen meiner Hände— daß die Annahme meines TodcS lediglich eine Traum- Vorstellung war. Ob nun der durch die unzweifelhafte Ueber- arbcitung geschaffene leidende Zustand, oder ob die durch die mir ungewohnten Dosen von Opium und Morphium hervorgerufenen Wirkungen de» Stellvertreter meines Hausarztes, der mich damals gerade behandelte, veranlaßt haben, mich in die Älsison de sante zu überführen, darüber möchte ich mir als Laie ein Urteil nicht erlariben." Auf eine weitere Frage des Gastes ging dann Kauffmann näher uf diese Frage ein: „Bon einer eigentlichen Geisteskrankheit kann bei mir keines- Wegs die Rede sein, den» wie wäre bei dem Vorhandensein einer solchen eine so rasche Heilung möglich gewesen I Aber ich gebe Ihnen zu. daß die Unterbringung in der Raison de santö ein gewisses Odium in sich birgt, und ich kann Ihnen frei und offen erklären, daß ich die Maßnahmen meines Arzte« geradezu «»»verantwortlich finde. Nur mit einer L i st hat man meine Uebcrführung in die Heilanstalt fertiggebracht. Er besuchte mich am Morgen. bat mich, auS dem Bette auf- zustehen und in seiner Begleitung eine Spazierfahrt zu mache». Die Droschke hielt ohne mein Wissen und ohne meinen Willen— vor der hlaison de santö. Dort sollte ich, wie der Arzt sagte, einige Tage der vollkoinmene» Ruhe und Erholung pflege». Gerade an diese»« Tage hatte ich die mir un- gewohnte Morphiuuieinsprihnng erhalten, die mich in den erwähnten Traumzustand versetzte. Daß die mir angepriesene Ruhe ganz illusorisch war, will ich hier nur nebenbei bemerken. Sie wissen, die Anstalt liegt hart an der sehr belebten Haupt- straße; das Geräusch der elektrischen Straßenbahnei» dringt vom frühen Morgen bis zur späten Nacht in die Räume hinein. Eine wirkliche Ruhe konnte ich hier also nicht finden. Un- verantwortlich erschien mir die Maßnahme des Arztes schon deshalb, weil er mit keinem meiner Verwandte» von der Ueberführung in die Schöneberger Anstalt vorher auch nur ei» Wort gesprochen hatte, trotzdem'ineine Mutter, meine Schlvicger mutier und mein Schwager, der Stadtbaumeister Brauke stets in meiner Umgebung waren. Wenigstens einen von ihnen hätte er vorher befragen können. Auf dieses Moment lege ich ganz be- sonderen Wert. Obgleich ich mich ungern in einen ärztlichen Streit einlasse, will ich doch nach»nciuer Rückkehr in Berlin die Frage zur principicllen Entscheidung bringen: In wieweit ist der Arzt befugt, eigenmächtig ohne Anhörung von Verwandten oder nahen Freunden die Ueberführung seines Patienten in eine Irrenanstalt anzuordnen? Ich werde, dessen können Sie sicher sein, von meinem Arzt Rechenschaft über sein Verhallen fordern. Ich bin fest überzeugt, daß die Unterbringung in irgend einer andren privaten Nervenheilanstalt mir dieselben Dienste gc leistet hätte." Endlich gab auch Kauffmann dankenswerterweise über seinen «Verzicht" rückhaltlose Auskunft: „Allerdings riete»» mir meine Freunde» einen Verzicht ans die Wahl zum Bürgermeister auszusprechen: indessen möchte ich mich jetzt der Ansicht zuneigen, daß ein offizieller Charakter dem Schriftstück nicht beizumessen sei. Wie»»eine spätere End scheidung ausfallen wird, das kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Die ganze Angelegenheit dürfte eine Ver- tagung bis zur Wiederaufnahme meiner amt- lichen'Tbätigkeit, also bis zum Herbst, erfahren. Sehr bezeichnend ist es, daß die liberale Presse, wie „V o s s i s ch e Zeitung" und„Berliner Tageblatt" diese Erklärungen Kauffmanns völlig totschweigen, wie sie auch die gleichen Mitteilungen dcS„Vorwärts" ignorierten.— Die„Freisinnige Zeitung" widmet den Erklärungen Kauffmanns einen ihrer üblichen verstümmelnden„Auszüge", die daS wesentliche zu unterdrücken pflegen. Die mitleidige Seele ist äußerst empört darüber, daß man Kauffmann selbst in Friedrichsroda keine Ruhe lasse. Daß man aber den durch Morphium in einen krankhaften Geisteszustand gebrachten Mann mit einem Verzichts- Ukas überfiel und diesen Verzicht dann jubelnd ausbeutete, das fand daS Organ Eugen Richters ganz in der Ordnung; es ist offenbar ihm sehr schmerzlich, daß Kauffmann wieder so gesund und frei ist, daß er ausspricht, was er hat leiden müssen von seinen Freunden".—_ A«S der Wahlbewegung. Paris, 25. April. fEig. Ber.) Man kennt nun das Wahl- Programm der Radikalen. Das Exekutivkomitee ihrer 1901 gegründeten„republikanischen, radikalen und socialislisch- radikalen Partei" hat endlich gesprochen. Der Charakter dieses Wahlmanifestes kennzeichnet sich am besten dadurch, daß es die Billigung des— Temps" gefunden hat. Es fehlt darin selbst die Forderung der progressiven Einkoinmenstener und erst recht die Trennung der Kirche vom Staat. Dafür wird das Privateigentum als die„Ver- längeruug der menschlichen Persönlichkeit und die Garantie ihrer Freiheit" besungen und aus diesem Gründe die«Vcrmehruirg der Zahl der kleinen Eigentünier" angestrebt durch Reformen, die.das Sparen und die Eriverbung von Kapital erleichtern" sollen. Näheres über diese wunderlichen Reformen erfährt man natürlich nicht. Der Rest des Manifestes ist gegen den Klerikalismus und Nationalismus gerichtet. Die guten Leute begreifen noch immer nicht, daß ihre radikale Ohnmacht, das ewige Nichtcrfüllen ihrer ewigen Versprechungen die Hanptursache der periodisch auftauchenden reaktiouär-demagogischen Gefahr ist. Angesichts der neuesten Jncarnation dieser Gefahr wissen sie wiederum nichts Besseres zu thnn, als ihr Programm den Bourgeois-Republikanern mnndgerecht zu mache», um so eine Neu- Auflage der radikal-opportunistischen.Konzentration« zu ermög- lichen. Der„Tenips", der seinerseits aktive Propaganda für besagte Konzentration macht, darf also füglich mit dem verwaschenen radikalen Programm zufrieden sein. Weniger zufrieden mit den„Konzentratioirsbestrebungen" ist offenbar Millerand, indem dadurch der socialistische MinisterialismuS unmöglich wird. In seinem W a h l p r o g r a m m wendet sich nämlich der Hnndelsininister in scharfe» Ansdrücken gegen die«veraltete Exkommunikation" der socialistische» Partei, d. h. gegen den Ausschluß derselben von der RegiernngSgetvalt. Diese Verteidigung des Anrechts der Socialisten auf ein Ministerporteseuille ist übrigens der einzige grundsätzliche Tiffercnzpunkt zwischen MillerandS socialistisch-republikanischem" Wahlaufruf und de» bürgerlich-radikalcn Aufrufen. Wenn er ferner jede Aenderung seiner Ansichten bezlv. einer Taktik bestreitet, so genügt der Hinweis auf seinen Wahl- aufrnf von 1398, in welchem er immerhin von der Vcrgescllschaftlichnng der großen„monopolisierten" Produktionsmittel und selbst vom„intcr- nationalen Einvernehmen der Arbeiter" sprach. Jetzt tritt bei ihm an Stelle dieses Einvernehmens die Notwendigkeit für die„socialistiche Partei", sich.in erster Linie" mit um.unsre a u s iv ä r t i g e Politik und unsre Alliancei»" zu lümmern, d. h. in klare Sprache übersetzt, für die russische Alliance einzutreten. Der Sonntag Ivird zeigen,>vie viel zielbetvußte socialistische Arbeiter es noch in Millerands Wahlkreis gicbt. Diese werden für den Genossen Chauvin, den gucsdistischen Gegenkandidaten timnien, trotzdem ihm in der letzten Woche von Millerands Anhängerschaft persönliche, ehrabschneiderische Beschuldigungen ztvischeir die Beine geworfen werden. Es sei noch bemerkt, daß Millerand und die Ankläger CharrvinS Verlangen nach einem Ehrengericht abgelehnt haben! Die Gewerkschaften der Post- und Telegraphen-Angestellten und der militärischen Sattler sind in specicllen Plakaten für MillerandS Kandidatur eingetreten wegen der zu ihren Gunsten durchgeführten Refornien. Die Sattler-Getverkschaft.bedauert die allzu sehr vorüber- gehende Ministerschast" Millerands, welche sie also noch lvciter ver- längert sehen möchte. DaS energische Eingreifen der Wirtschaft- l i ch« n O r g a n i s a t i o n e n in den Wahlkainpf bildet überhaupt ein besonderes Kennzeichen dieser Wahlen. Nach den republikanisch- radikalen Äanfleuten und Industriellen, die für antiklerikale und antinationalistische Kandidaten eingetreten, hat die Orgaitisation der klerikal- iiationalistischen Unternehmer zu Gunsten der Kandidaten dieser Richtung eingegriffen, ebenso wie daS Unternehmer- Syirdikat der Pariser Nahrungsmittel-Jndustrie. Die Agrarier haben ein schmnloS-agrarisches Wahlprogramm aufgestellt. Von den großen Arbeiterorganisationen habe» folgende auf ihr specielleS Berufs- Programm die Kandidaten vcrpflildtet: Die GaS-Gewerlschaft, die Handelsangestellten— und die nationale Eiscnbahner-Organisation. Letztere verlangt auch die Verstaatlichung der Eisenbahnen und die Abschaffung deS arbeiterfeindlichen Senats.— Die erste englische Kornzoll- Debatte. London. 24. April.(Eig. Ber.) Bei der parlamentarischen Beratnng über den Kornzoll wurden zwar mehrere lange Reden gehaltei». aber nur eine einzige— die Rede Balfours— erhob sich auf eine gewisse wissenschaftliche Höhe. Der ftibtile» Logik und eleganten Redeweise des konservativen Führers war es um so leichter, den Kornzoll wirkungsvoll zu verteidigen, als es der Opposition an Entschiedenheit und Ernst sichtbar fehlt. DaS ist leicht erklärlich. Der Kornzoll ist die unmittelbare Folge deS Krieges. Der Krieg wurde von der Opposition gebilligt. Und wenn man die Ursache nicht bekäinpft, muß man sich auch die Wirkung gc- fallen lassen. Ferner fehlt eS der ganzen Diskussion an dem Klassen- kampfmoment. Und nur dieses Moment gab der Cobdensche» Agitation ihren revolutionären Schwung. Kein Wort wird aber in England jetzt so peinlich gemieden ivie„Klassenkampf". Im Laufe der Debatte wurde auch die deutsche Social- deniokratie und die englische Arbeiterklasse erivähnt. Der bekannte radikale Abgeordnete Sir Charles Dille wies auf das enorme Wachsen der deutschen Socialdemokratie und auf ihre äußerst lebhafte Freihandelsagitation hin. Dagegen sprach der Führer der Konservativen folgende Worte von der englischen Arbeiterklasse: „Die Arbeiter bilden die große Körperschaft von Wählern in unsrem Lande. In ihren Händen liegt das Schicksal der politischen Parteien und die Herrschaft über die Politik der Nation. Durch enorme Majoritäten haben sie den Lauf der öffent- lichen Ereignisse gebilligt, die den gegeiiwärtigen Zoll nötig machen.(Widerspruch der Opposition.) Diejenigen, die das Recht haben, dagegen zu protestieren, t h a t e n nichts Vergleiche»."' Leider hat Balfour recht. Keiner von den Arbcitcrvcrtrctcr» erhob sich, um de»» Redner der Regierung»virtnngs voll zu widerlegen und im Namen der Trades-NnionS gegen den Krieg und gegen den Zoll zu protestieren. Nur N. Bell, der General- Sekretär der Eisenbahn- Angestellten, wurde von den Liberalen vorgeschoben, um einige Worte zu sagen. Er»nachte eiiicu schüchterne» Versuch, aber seine lvenigen Worte blieben u n v e r st ä n d l i ch. Im englischen Parlä- mente sitzen II Arbeiterabgeordiirtc. Nur 5»ahmen an der Sbstimnumg teil: Joh» Burns, R. Bell, Femvick, Pickacd und Wilson. Sie stimmten mit den Liberalen.— � Aeutsches Weich. Der ReichSfinanz-Jammer. Die jetzt vorliegenden Ausweise über die Erträge der wichiigsteii Reichs-Einnahmeziveige im Etatsjahr 1901 bestätigen die früheren pessimistischen Urteile über die Finanzlage des Reiches. Besonders ergiebt sich bei der Reichs- Stempe lab gäbe ein beträchtlicher Rückgang gegenüber dem EtatSanfchlage;' an diesem Rückgang ist die Börscnsteuer mit 26 Millionen, die Losestener mit 4,7 Millionen Mark beteiligt. Die Einnahmen der Post- und Telegraphenverivaltung bleibe» um 6,6. die der Eiscnbahn-Verivaltuna um 9.9 Millionen gegenüber den Anschlägen zurück. Die Folge dieler Miiidereiimabmcn ist, daß die Einzelstaaten löVe Millionen mehr an das Reich zahlen, als sie von ihm a» Ueberiveisungcn herarisbekommen, während der Etatsanschlag Matrikularbeiträge und Ueberiveisungcn in gleicher Höhe angesetzt hatte. Natürlich würde diese ganze Ungunst der Reichs-Finanzlage nicht entstanden sein, ivem» man in der Ausgabe nicht eine unsinnige Verschivendnng für unsinnige Zivccke betrieben hätte!— Ueber den Geurrnlstreik in Belgien stellt nachträglich der Corres pondent", das Blatt des Herrn R e x h ä u s e r, in der .neutralen" Weise, die es auszeichnet, allerlei Betrachtungen an. Dagegen haben»vir nichts einznivendcn. Auch daß er die deutsche Parteipresse rüffelt, kränk» uns nicht. Die beivundernde Zustimiiinng der—„Freisinnigen Zeitung", die gegen die Ansprüche der Buchdrucker seiner Zeit die schöne Parole ausgab:„Stellen Sic Mädchen ein" und die jetzt den„Corrcspondent" als Autorität in der belgischen Angelegenheit gegen die Partei ausspielt, würde für uns ausreichende Gcnngthuung bedeuten, wenn»vir uns verletzt fühlten. Minder schön ist es. daß er fälschlich behauptet, daß der„Vorwärts"„ohne jede Nachprüsiing die erste Meldung von der Aushebung des Generalstreiks als einen deplacierten April- scherz und als eine steche Verulknng bezeichnet habe." Das ist hoffentlich mr ein»» lv i s s e n t l i ch e s Versehen; denn jene Bemcrlnng des„Vorwärts" bezog sich auf die unsinnige Nachricht des„Wolffschen Biweaus" vom Donnerstag, den 17. April, daß die Arbeit»vicdcr aufgenoinmen lvordcn sei, während die Ans- Hebung des Gcneralftrcils erst am folgenden Sonntag beschlossen und die Arbeit am Montag»vieder anfgenommen ivurde.� Nicht ruhig hingehen lassen aber können wir die folgende hämische Bemerkung deS Artikels: „G a n z gegen seine sonstige Gepflogenheit hat auch der Vorstand der deutschen socialdeiuokratischcn Partei Geldmittel für die belgischen Arbeiter flüssig gemacht, jedenfalls nickt wegen, sondern trotz des Generalstreiks." Wir»vollen»ns hier nicht über den Unterschied eines General- streiks für»virtschastliche und eines solchen für politische Zivecke verbreiten, nickt»mtersncken, ob der politische General- streik in Belgien angesichts der dortigen Verhältniffe nicht doch einen Erfolg bätte erzielen können, aber»vir sind erstaunt, daß ein in einem Arveiterorgan erscheinender Artikel kein Gefühl dafür zu haben cheint, daß es heilige Pflicht ist, kämpfeiide Kameraden auch daun zu unterstützen, wenn nia» ihre Sache für aussichtslos oder ihre Mittel für falsch hielte; die socialdcmokratische Partei hat die Buchdrucker bei ihrem letzten Streik mit viel erheblicheren Mitteln unterstützt, als jetzt die Belgier— und doch bestand da- mals bei der Partei kaum ein Zweifel, daß der Kanipf erfolglos bleiben würde.— Die Lage in» Ruhrkohlengeblet bleibt ernst. Das Unternehmer« tum geht in der brntalslen Weise vor. Nach einer Meldung der„Rhein.- Wests. Arbeiterzeitung" kündigte die Zeche„Deutscher Kaiser" in der letzten Wocke einer Anzahl heimischer Arbeiter und nahm gleickzeilig 2b»»ib der Zolltarif. Wie das Centrum, daS bei der Flottenvorlage seine Avnciaung gegen höhere Stenern auf Lebensmittel sogar in einer Rciolulioi! festlegte und jetzt an der Spitze der Zollwucherer marschiert, so find auch die Welsen seit den vorigen Wahlen Hingefallen; weiiigstenS ist ihr bisheriges Ver- halten in der Zoll-Campague nnsichcr und zweideutig. Um ihr Gc- wissen»nid ihr— Gedächtnis zu schnrsen. erinnert miser Braun- schweig« Parteiorgan daran, daß bei der 1893er Wahl im Göttinger Kreise von den Welsen daS folgende Versprechen gegeben wurde: „Als Gegner unberechtigter indirekter Stenern werden wir ferner allen Zöllen, die eine B e r t e n e ru n g des Brotes»nid sonstiger notwendiger Lebensmittel in sich schließen, unser bcriieinendes Volum entgegensetzen." Danach verbietet sich für die Welsen die Annahme auch des Regieriingsentivlirfs. von den„Koniproiniß"- Anträgen nickt zu rede», sofern die Weifen Wert darauf legen» nicht alS Ivortbrüchig zu erscheiiieii.— Ei» weiser Richter. Die Magdeburger ,, V o l k s st i m in e" erzählt: Direktor Liudemaim von den Metalliverken vorn». I. Aders in der Neustadt Halle einem Maschinisien de» Urlaub, den er zur Regelung einer VormundschastSsacke vor Gericht brauchte, verweigert. Der Maickinist teilte dem VormundschaftSgericht die Gründe seines Nickt- erschcincns mit. Das V o rm u» d i ch a f t S g e r i ch t fackelte nicht lange, sondern eS beauftragte— Herrn Linde mann m t t ddr F ü b r u n a d e r k o m p l i z i e r» e» Sache. Als Herr L. sich darüber bescklvctte, da er schon Hinreickend mit Ehrenämtern be- lastet sei. wurde ihm der kühle Bescheid, daß ihm das neue Ehrenamt übertrage» sei. weil er seinen Arbeiter an der Aus- Übung dieses A in t e ö gehindert habe. Wenn alle Gerichte so eiiisid)tig Recht sprächen!— ReichStagöwahl i„ Saarbrücken. In der ReichstagS-Ersatz. Wahl im Kreise Saarbrücken erhielten Boltz(natl.) 17 9S7. Dr. Muth(C.) 14 393 und Spaniol(Soc.) L26 Stimme». 39 Stimmen»varen zersplittert. Boltz ist somit gelvählt.— Ausland. Amerikanische Hunnen. Das„Bureau Lassa»" meldet aus Manila vom 25. April: Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen General E m i t h wegen der Greuclthaten auf den Philippine» ist er- öffnet worden. Der Verteidiger des Generals gab zwar zu, Smith habe Befehl gegeben,„zu töten, zu brennen und keine Gefangenen auf Samar zu machen, sowie daS ganze Land in eine öde Wildnis z» vcr- wandeln," wobei er als Altersgrenze fiir das Töten Iv Jahre festsetzte, da viele Knaben schon in diesem Alter Waffen trugen. Er beantragte aber trotzdem die Freisprechung des Angeschuldigten und berief sich zur Begründung seiner Forderung darauf, daß General Smith in Ausführung dcS Armeebefehls Nr. tvtt gehandelt habe; ferner führte er Beispiele a»S der Geschichte für ein ähnliches Vorgehen von Truppen- führeru an. Es wäre sehr intereffant zu erfahren, ob diese Beispiele auS dem China-Krenzzng entnommen waren!— Rnffische PrcsjbcstechnngS Versuche. Zur Korrespondenz i» uusrcr vorlrtzleu Rnnuner unter obiger Aufschrift ersucht die Nedaltion des„Neuen Wiener Tageblatt" telegraphisch um Mitteilung der Er- kiäruug. dasj die uns zugegangene Nachricht, soweit sie dieses Blatt betrifft, vonkomnien unrichtig sei. Unser Korrespondent wird gewiß nicht verfehlen, weitere Aufklärungen zu geben,— Schweiz. Annahme deS Zolltarifs. Der Nationalrat beendigte die Beratung des Zolltarif-GefetzeS und nahm dasselbe mit 97 gegen 13 Stimmen au. Das Gesetz geht an den Ständcrat, der eS im Juni beraten wird. Die Session der Bundesversammlung wurde geschlossen; die nächste Session beginnt am 2. Juni.— Belgien. TaS 1Ä. Opfer der Reaktion. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Brüssel: Im Hospital von St. Pierre st a r b heute der beim Kampfe in der Rus Haute s ch w e r verwundete Arbeiter D e m a r c z. Die Gesamtzahl der Toten steigt mithin aus IL. Italien. Der italienisch- schweizerische Konflikt. In der De- p n t i e r t e n k a m m e r erklärte am Sonnabend der Minister des Aenßern Prinetti: Der italienische Gesandte in Bern Silveslreüi hat keineswegs die gerichtliche Verfolgung dcS Blattes „Risveglio" verlangt wegen eines Artikels, in welchem das Gedächtnis deS Königs Humbert beleidigt wird, er hat einfach die Gelegenheit ergriffen, sich nochmals iiber die ganze Haltung des Blattes zu beklagen, welches den Köuigsmord verteidige und Propaganda für denselben mache. Die in Form einer osfizieüen Note gegebene Antwort des Bundesrats auf eine Anfrag«, ivclche gar nicht gestellt war. ist es, was den bedauerlichen Zwischenfall veranlaßt hat. Silvestrelli konnte nicht, ohne sich zu widersprechen, die gerichtliche Verfolgung wegen eines einzige» Zeitungsartikels verlangen und seine Verwunderung darüber war natürlich genug, daß an ihn das Verlangen einer Steziprozität gestellt wurde, welches überflüssig war, da solche durch das italienische Gesetz in der That schon gesichert war. Zwischen diesem bedauerlichen Borfall und der schlechthin ausgesprochenen Forderung, Silvestrelli abzubenisen, die Dr. Carlin an mich gerichtet hat, besteht auf jeden Fall nicht daS richtige Verhältnis. Wir haben das Bewußtsein, daß der Bruch auf keinen Fall durch einen Fehler unsrerseits verselnildet ist. Wir hoffen, daß der Wunsch, der von de» beiden Bericht» erstattern der Kammer in Bern ausgesprochen wurde, sich bald verivirklichen ivird, der Wunsch einer chreuhnftc», befriedigenden Lösimg.— Schweden. Die WahlrechtSbewcguug. Zivccks besserer Aufrcchtcrhaltnng der Ordnung bei den Demonstrationen, die heute, Sonntag, iii Stockholm stattfinden, sind zivischen dein Ober-Statthalter und dem Polizeinicistcr einerseits und den Repräsentantcu der Demonstranten andrerseits Verhandlungen gepflogen worden.— Stockholms Repräsentanten in der zweiten Kammer wurden am Donncrstagvormittag vom Staatsmiuister v. Otter empfangen. H e d i n als Sprecher der Deputation verlas ein Schreiben, worin er die schleimige Erlasjung von Vorschriften zur Verhütung von Polizeiausschrcitmigeu anläßlich der bevorstehende» Demonstrationen verlaugt.—' D er Staatsminister erNärte darauf, er sei überzeugt, daß die Polizei- behörden von dem aufrichtigen Wunsch beseelt seien, im Ein- Verständnis mit den Leitern der Temouslrationcn zu handeln,»md verwies auf die diesbezüglichen Verhandlungen. Sollte es sich jedoch als notivendig erweisen, iveitere besondre Vorsdbrifte» hinsichtlich der Demonstrationen zu erlassen, so iverde das unverzögert geschehe».— Unmittelbar darauf begab sich die Deputation zum Minister des Innern, vor dein ebenfalls das Schreiben verlesen wurde und dem noch weitere Aufklärungen über die Sache mitgeteilt wurden.— Afieu. Zusammenstoff an der Grenze SchautnngS. AllS ChabarowSk wird telegraphiert, daß es im Süden von Tschili an der Greirze von Schautuug bei der Stadt Buan-Tsmig zivischen den Truppen des Vicckönigs Auanschikai und den Bewohnern mehrerer Dörfer, die nur mit Stich- oder Hiebwaffen ausgerüstet waren, zu einem Znsainmeustoß gekommen sei, bei dem Iuanschikai gegen 590 Mann verloren habe. Wr Der Zolldirektor Sir Robert Hart droht, seine Eni- l a s s u n g zu gebe»», da er mit seinen Mitarbeitern u u- zufrieden ist. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um die Kommissare Taylor und Hippisleh, die ihre amtliche Thätigkcit völlig selbständig und ohne Rücksicht auf de» Zolldirektor ausüben. Die chinesischen Tarifkommiffare Scheng und Lu thun ihr möglichstes, uin Sir Robert Hart zu versöhnen. Der Boeren- Krieg. Am Sonnabendabend hielt KriegSmini st er Brodrick in London bei einem Diner eine Rede, in der er sagte, der Friede sei vielleicht in Sicht. Inzwischen sende England aber Mannschaften und Material aris, um den Krieg noch e i n weiteres Jahr oder,»venig nötig, auch zwei fort- zuführe,».____ Klus Indttstrir mtt* Handel. Einen Riesenbetrieb modernster Art stellt die Badische Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh. dar. dessen GeschäflSeigebnisse vom abgelaufenen Jahre eben die Runde durch den Haudelsteil der kapitalistischen Presse macht. Die Badische Anilin- und Sodafabrik arbeitet mit geradezu riesigen Mittel» und getreu dem Princip deS Kapitalismus. daß � alles käuflich ist. hnt sie i» ihrem Betrieb die Wissenschaft in ihre Dienste gestellt. Den Jüngern LiebigS steh» ei» großartig eingerichtetes Laboratormm zur Verfügung; alles, was cincii eifniderische» Geist anzuregen ver- mag. ist gegeben. Die Palente der Fabrik zähle» nach Hunderten, groß- artige Erfindungen»bürden mil Hilfe der zur Verfügung gestellte» Mittel erziel« und glänzende Gewinne sind den» Uiltcriiebuien zugeflossen. Seit Jahren verteilt die Gesellschaft an die 24�27 Proz Dividende. Di« Aktien stehen derzeit auf 382 und auch jetzt komitei, trotz de« im allgemeinen ungünstigen Geschäftsganges Iviederum 24 Proz. verteil, werden. Der Reingewinn beziffert sich auf z e h n Millionen und annähernd hundertzwanzig Tausend Mark. Im Vorjahre betrug er nur 9 629 000 Mark. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter belief sich Ende Dezember vorigen JahreS auf 6490. Nach de» Nachtveisungen für die Bcrufsgenosseiischast waren durchschnittlich 6638 Arbeiter beschäftigt, für die 7 932 386 M. an Arbeitslöhuen bezahlt wurden; macht rund gerechnet auf den Kopf 1195 M. aus. Das mag auf den ersten Augenblick etwas blenden und die Fabrik als eine besonders gute Löhne zahlende erscheinen lassen. Doch bei näherem Zusehen schrumpfen die Zahlen in sich zusammen. In die Arbciterzahl sind auch die zahl- losen Aufseher und Vorarbeiter einbezogen und dann werden durch die Arbeiter noch ganz erkleckliche Uebersch'ichten gearbeitet, die. was hier anerkannt werden soll, besser bezahlt werden als die gewöhnlichen Arbeitsstunden. Anerkannt soll auch werden, daß die Fabrikleitung vieles beiträgt, um die Lage der Arbeiter zu verbessern. Sie hat eine ganze Reihe von Institutionen geschaffen, zu denen eine gesetzliche Verpflichtung für sie nicht vorlag, und wurden hierfür im abgelaufenen Jahre zusammen 441 000 Marl aufgewandt. Doch was wollen diese paar Hunderttausend Mark, die für die Arbeiter aufgewendet wurde», bedeuten gegenüber den von diesen mit Gefahr ihres Lebens und'ihrer Gesundheit erarbeitete» 10 Millionen: Ein Tropfen auf einen heißen Stein. Ans Grund der gesetzlichen Verpflichtungen wurden in runder Snnune 188 000 Mark durch das Unternehmen aufgebracht. Zu den freiwilligen Leistungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtseinrichtuligen gebärt auch ei» Arbeiter- Unterstützungs- fouds, der mit 1778 273 Mark dotirt ist. Der Beamtcn-Pciisious- fonds ist mit 2 543 000 Marl dotiert. Mit welch gewaltigen Summen man in den, Unternehmen rechnet, darüber klären unS nachstcheiide Zahlen ans: ES steht zu Buche: DaS Bau-, Liegcuschafts- und Apparat-Conto, ungerechnet die Ab« schreibungen, mit 09 940 173 M. Das Waren-, Betriebs- und Fabrikations-Coiito beträgt 24 174 243 M. Das Debitorcn-Conto be- ziffert sich auf 14 452 511 M. Das Wcchsclcouto beträgt über 2 Millionen, das Effckteiiconto über 1 Million, das Kassenconto über eine viertel Million. Die Endsumme ergiebt alles in allem ge- nommen eine Zahl, die das Budget' so manches deutschen Vaterläudchens weit sehr Ivcit überragt, nämlich 72 825 383 M. Was die Aussichten für die Zukunft betrifft, so hängt fiir daS fernere Gedeihe» des Werkes viel von den künftige» Handelsverträgen ab. Mit banger Sorge verfolgt deshalb auch die GeschäftSleituug nach ihrem eignen Geständnis die Verhandlungen über den neuen Zoll- tarif. Thatsache ist auch, daß die Gcschäftsleitnng mit der weiteren Vergrößernng dcS Unternehmens noch ivartet. bis daS Schicksal der Handelsverträge entschieden. Werde» diese im Sinne der bisher be- stehende» abgeschlossen, dann wird das Unternehmen wohl eine be- trächtliche Vergrößerung erfahren. Die amerikanischen Geldmagnatcu Planen einen nene» An- griff auf einen deutschen Erwerbszweig. Man beabsichligt, auf die Knlibergwerle Einfluß zu gewinnen. Zu dem Zweck will der chemische Trust in Amerika Aktien»nd Kuxe deutscher Kaliwerks ankaufen. Mit de» außerhalb des Syndikats stehende» lleinc» Werken glaubt man zunächst Erfolg zu haben und sollen dort schon Vereinbar,,»gen zum Abschluß ge- lonnne» sein. Amerika besitzt keine Kalckagcr. weshalb den deutschen Werken dort der Markt ohne Konkurrenz offen stand. Man begrüßt deshalb das Verlangen der Amerikaner, diese für die Land- Wirtschaft wichtigen Salze zu billigen Preisen zu erlangen und ans die Produltion Einfluß zu gcivimien. Sociales. Die KinderiNtSbeutmig in der Landwirtschaft. Der „Schlesivig-bolsteinische» Bolkszeitmig" teilt ein Leser die Er- fabrnnge» mit. die er selber als Schulknabe bei der Landarbeit ge- macht hat. Er erzählt darüher: „Im Winter ivurde um 5 Uhr morgens anfgestanden und an die Arbeit gegangen. Da ivaren 20 bis 25 Stiick Vieh zu füttern »nd zu tränken, Dünger hinauszuschaffen, es mußte inelken ge- Holsen und mit der Milchlane znr Meierei gefahren werden. Taim»mißte in Eile der Kaffee hinnntergrschlnckt tvcidcn, um ja nicht z n spät znr Schule zu k o in n» e». Mittags gab'S wieder Arbeit im Vichstall. Holz und Torf in die Küche zu holen und dann mußte wieder in aller Haft gegessen lvcrdc», den» in einer Stunde mußte ma» wieder i» der Schule sei». Abends nach der «chnlzeit gab's tvieder dieselbe Arbeit wie morgens. Nach dem Abendessen tvurdcn die nicht gerade zu knapp bemessenen Tckiul- aufgaben gemacht, Ivenn überhaupt vor Müdigkeit die Augen noch offen zu halten ivaren. Vom 1. April bis zum 1. November war ich von der Schule dispensiert, brauchte also nur an zwei Bonnittage» der Woche je drei Stunden die Schule zu besuchen. Dafür gab's dann aber auch Arbeit von morgens 4 Uhr bis abends 7—8 Uhr, in der Ernte nicht selten bis 9 und 10 Uhr. Man kau» sich wohl denken, daß bei einer solchen Arbeilslast von Aufmerksamkeit in der Schule keine Rede sei» konnte, und wenn mal ein Kind vom Schlaf iibennaiiiit wurde und einschlief, was doch gewiß nicht wunder nehmen konnte, dann gab'S Schläge vom Lehrer. Alle von der Schule dispensierten Kinder ivaren überhaupt in sämtlichen Fächern sehr zurück, die meisten konnien nur mit Mühe ihren eignen Namen schreiben. Nur die Religion saß einigermaßen fest, denn diese Ivar das Hauptfach im ganzen Unterricht." Auch dem„Hambnrgischen Fremdenblatt" tvird über die A»S- beutung der vom Sommernnterricht dispensierten Schüler berichtet. Sie haben nur 6 Slniiden wöchentlich sogenannte» Repetiernnter- richt, bei dem sie natürlich gar itichts lernen, denn auch zu diesen paar Stunden Unterricht kommen sie bereits übermüdet von der Arbeit. Dieser AnSbeutmig wird aber keine Grenze gesetzt werden; gingen doch dabei die Agrarier zu Grunde! Die OrtS-Krankenkassc» der Stadt Zeitz hatten nach vorauf- gegangener ansführlicher Besprechung den Beschluß gefaßt, sich au- zulöseu, tim sich zu einer allgeineinen Ortölasse zu vereinigen. Die einzelnen Kassen faßten nach vorheriger Vereinbarung ganz gleich- lautende Beschlüsse und reichten diese bei der AnfsichtSbcbörde ein. Der Magistrat von Zeitz hatte aber aus irgend einem»mbetamilen Grunde leine Neigung für die Sache und darum wurden die Beschlüsse der Kassen vom Merjeburger Bezirksausschüsse nicht genehmigt. Die vom Bezirksausschüsse angegebene» Gründe sind rein formaler Natur und gehen ans das Materielle, auf den Wert oder Unwert der Ver- eiiiiguiig der Kassen, mit keinem Worte ei». Dabei wird seit Jahren davon geredet, daß die Kaffe» leistungsfähiger gemacht werden müßten. Wahrscheinlich bietet aber daS bestehende Kranken- versicherungS-Gesetz nicht genug Handhaben znr Sinschränkmig der Selbstverivaltung, die man mit um so mißgünstigeren Augen ansieht, je größer die Kassen sind._ Der Krosigk Prozetz. G»»»biii»e>l, 26. April. In der heutigen Sitzung verlas der Verteidiger RechtSanivalt Horn eiue» ihm auS Berlin zngegangenen, vom 24. April datierten Brief, unterschrieben: Hermann B a r t e l, Unteroffizier derLandivehr. Dieser schreibt, er habe bei der 4. Schwadron gedient. Am 10. Septbr. 1901 sei er in Gilmbinnen gewesen, er sei beiin RestaurationSlokal Kretschmann in der Goldaperstraße vorübergegangen und da habe Kretschmann zu ihm gesagt: „Was meinst Du denn dazu, daß Dein alter Kamerad Marten zum Tode verurteilt ivorden ist?" Ich bemerkte, ich halte den Marten für unschuldig steife Mützen tragen auch noch andre Herren als Unteroffiziere. Kretschmann versetzte:„Alter Junge, Du hast recht. Ich kann nicht genau sagen, ob eS am Abend de» Mordes oder am folgenden Abend war. da hatte«ine Anzahl Dragoner- Offiziere in meinem Lokal mit Damenbedienung ein S e k t g e l a g e. ES wurde u. a. gesagt,„Gott sei Dank! nun ist er tot, also darauf noch eine Pulle!" Unter den Offizieren habe ich die Herren Lieutenants Brandt und Weiß erkannt. Ich könnte noch bedeutend mehr sagen, aber ich will mich geschäftlich nicht schädigen." Der Vertreter der Anklage schlägt vor, über den Brief zur Tagesordnung überzugehen. Verteidiger Rechtsanwalt Horn bemerkt: Im Interesse de»- Herren Offiziere liegt ein bloßer Uebcrgang über diesen Brief nicht. Sind die in diesen Brief auSgesprocheucn ungeheuer- lichen Behauptungen unwahr, dann muß die Bestrafung wegen Beleidigung eintreten. Der Gerichlshof behält sich die Beschluß- fassung hierüber vor. Berteidiger Rechtsanwalt B» r ck h a r d t bc- aiitragt die nochmalige Vernehmung dcS Gefreiten S t n m b r i e S über die Bemerkung:„Der Hund muß heute noch Farbe bekenneli", die Marten auf fein Pferd bezogen haben will. Lieutenant v. Wcdcll bekundet danach, Rittmeister v. Krosigk habe Weiimchten 1900 bei Vorstellung seiner Nekrutcnabteilmig sich sehr lobend über Marten ausgesprochen. Wachtmeister a. D. Marten bekundet, daß der Rittmeistcr v. Krosigk so hohe Aiffordenmgcn an ihn stellte, daß er ihnen nicht gewachsen war. Im übrigen habe ihn der Rittmeister nie be- leidigt. Er habe nach seiner Versetzung mit dem Rittmeister ganz gut gestanden. Letzterer habe sich auch»viederholt lobend über jcinen Sohn geäußert. Rittmeister v. II ck ermann bezeugt, Rittmeister v. Krosigk habe Wachtmeister Marten mehrfach vor versamineltcr Mannschaft in einer Weise behandelt, wie es sich eigentlich einem alten Wachtmeister gegenüber nicht gezieme. Wacht- meister Marten habe sich auch einmal bei ihm, der damals der älteste Offizier in der Schwadron war, über den Rittmeister beklagt. Er habe aber ausdrücklich betont, daß er keine Beschwerde anbringen wollte.. Oberlientcuant v. P o l I n i tz»md Ober- lientenant Johl schließen sich iin allgemeinen den Bekundungen des Vorzeugen an. Der hierauf erscheinende Feldwebel Tollkühn, Aufseher im hiesigen Militärgefängnis, bekundet über die Flucht Martens. Er ivird von dem Angeklagten gefragt, ob es wahr sei, daß er z» Domnig gesagt habe, er stehe mit einem Fuße in» Grabe. Jeder sei sich selbst der Nächste. Wenn er, Domnig, erkläre, Hickel sei nicht zu ihm in den Stall gekommen, sei er sofort frei. Zu Hickel soll Tollkühn gesagt haben: Ihre Frau ist in gesegneten Umständen, ivenn das Kind nur nicht gezeichnet ist. Marten behauptet. Tollkühn habe i h n s ch l i m in e r als ein Stück Vieh behandelt. Tollkühn bestreitet dieS alles. Es wird darauf Frau v. K r o s i g k vernommen; sie sagt aus: Ihr Manu sei mit dem Wachtmeister Marten sehr unzufrieden gewesen. Dieser habe den ersten Erfordernissen»nilitärischer Dis- ciplin nicht entsprochen. Die 4. Schwadron sei überhaupt sehr verlottert gewesen. Ihr Maim habe gegen die Familie Marten eine große Abneigung gehabt. Sie habe das Schießen in ihre Wohnung in Stalliipönen, das Zerschneide»» der Wagen- Polster und' auch die anonyme» Briefe ans die Familie Marten zurückgeführt. Sie habe die Ueberzeugung, daß der Thäter bestimmt in der 4. Schwadron gewesen sei. Wacht- meister Marten habe auch mir oberflächlich gesucht. Mit dem An- geklagte» Marten sei ihr Mann dienstlich zufrieden gewesen. Der Mensch kam ihm aber unheimlich vor, so daß er ihn gern loswerdcnwollte. Deshalb habe er ihn wohl a»ch nach Berlin ans die Telegraphen- sckmle geschickt. Die Frage des V e r t e i d i g e r s H o r u, ob nicht auch schon in Stendal auf die Wohnung ihres MaimeS geschosien worden sei, b e st r e i t e t die Zeugin. Sie habe aller- dings, augenscheinlich von socialdemokratischer Seite(1) auS Stendal anonyme Briefe erhalten. Sie hörten aber bis Juli 1897 auf. Die anderen anonymen Briefe begannen im April 1893. Wachtmeister Marten bestreitet, mit den anonymen Briefen usiv. in Verbindung zu stehen. Ebenso bestreitet er, daß er den Erfordernissen der militärischen Disciplin nicht entsprochen habe. Er sei selbst sehr streng im Dienst geivesen und habe selbst- verständlich seinen Vorgesetzten gegenüber die militärische Disciplin niemals außer acht gelassen. Es sei auch unwahr, daß die 4. Schivadro» verlottert ivar. Rittmeister v. Krosigk sei entgegen- gesetzter Meimiiig gewesen. Rektor Rockicki betnndet, Marten sei kein hervorragend veranlagter, aber ein folgsamer Schüler geweieii. Er sei als Knabe einmal vom Baum gefallen, habe dadurch Nerveuzucknngen bekommen»nd zuckte infolgedessen, besonders wem» er sich über etwas freute, mit den Augen. G c ii e r a l- L i e n t e n a n t a. D. von Alten bezciigt. Hickel habe sich ganz besonders dadurch verdächtig gemacht, daß er ibn,, dem Zeuge», ohne Aufforderung gesagt habe, er habe sich 15—20 Minuten i» der Wohnung seiner Schwiegereltern aufgehalten. Dies habe Frau Marten nicht bestätigt. Der Wer- h a u d l u n g s f ü h r« r bemerkt, Frau Marten habe erklärt. eS sei möglich, daß ihr Sohn und Schwiegersohn, tvenn auch nicht im Wohnzimmer, so doch in einem andern Wohnraum sich aufgehaltcu haben. Am Nachmittag lverden mehrere Zeugen vernommen, welche aussagen, Marten sei, als er ans dem Gefängnis ciitkommei» sei, zu ihnen nach Stallnpönen gekommen, habe um Nachtlager»md Civilklcidcr gebeten und gesagt, er wolle über die russische Grenze gehen. Er'habe Aligst, unschuldig hingerichtet zu werden. Man habe ihm zugeredet, er solle sich freiwillig stellen und schließlich habe er dies aus Ehremvort versprochen. Schuhmachermeister Schneider- Berlin bekundet, der Pionier Loos habe ihm erzählt, sein Bruder, der in der vierten Schwadron in Stallupviicn stand, habe den» Rittmeister die Wagcupolster zerschnitten. L o o S �bestreitet dies entschieden. Zeutze bleibt bei seiner Aussage. Der Gerichtshof beschließt, beide Zeugen zu vereidige». Aus Anregung deS Vorsitzenden, OberstlieutenaiiiS v. Rohden, wird jedoch die Vereidigung noch ausgesetzt. ES Ivird weiter beschlossei», de» Bruder des LooS, dessen Aufenthalt inzwischen bekannt geivorden, als Zeuge» zu laden. G e m e i n d e v o r st e h e r T o u s s a i n t ans Noruischalschen bekundet, daß ib»n über die Eheleute Eckert llichtS Nachteiliges bekannt geworden sei. Knecht S ch l u p p sagt aus, er sei am Mordtage nicht mehr im Krankelihause gewesen, er habe nichts gesehen. Frau Hickel sagt aus, sie habe gehört, der Ritt- meister s»iche eine jüngere Kraft als Wachtmeister; Marten fei ihm zu alt. Ihr Vater sollte deshalb abgehen; da ihr aber be- kamit geivesen sei, daß ihr Vater mit Leib und Seele Soldat war, sd sie aus Kindesliebe zu dem kommniidierenden General nach Königsberg gefahren und habe»m Beisetzung ihres Baters in eine andre Schwadron gebeten. Auf Befragen des Verieidigers Horn bemerkt die Zeugin, daß in ihrer Familie'niemals etwas Nach- teiliges über de» Rittmeister v. Krosigk gesprochen sei. Hierauf wird die Sitzung auf Montag 9 Uhr vertagt. Davkci-'Machvichken. Po» der Maifeier. Die Fcstzüge wurden verboten in München»md in Burg bei Magdeburg. Genehmigt wurde der Festzng durch die Stadt zum erstenmal in Gießen. Ii» zweiten Hainburgischen Wahlkreise beschloß eine Ver- sammtuug in Uebereinstimiiiuiig mit den» Genossen D i e tz, dein langjährigen Vertreter des ÄreiieS im Reichstag, diesem das Mandat atich bei de» nächsten Wahlen wieder zu übertragen. Der Beschluß erfolgte einstiimnig und ohne Debatte. Totenktste der Partei. In Offenbach starb der Holz- arbeitcr Georg Euler. ein alter, treuer Parteigenosse, der sotvohl im Partei- tvie im Gewertschaftsleben eine hervorragende Rolle gespielt hat. Den Holzarbeiter-Verband in Offenbach hat er inchrere Jahre geleitet. Die dortigen Arbeiter werden sein Andenken stets in Ehren halten. Pvliieiliches, Gerittlkliifjes«fw. — Oberschlcsische Polizeizustäudr. Die„Kattowitzer Zeitungschreibt: „Frau Dr. Golde, RedaktionSmitglied der„Gazeta robotnicza", wurde am Bahnhof in MySlowitz von den» dienstthuende» Gendaiinen fcstgenoimnen, da sich bei ihr in einen» Paket etwa 700 anarchistische »md socialistische Flugschriften, teils die Maifeier, teils die Person des Zaren betreffend, vorfanden. Aehnliche Schriften find vor kurzem in der Geschäftsstelle der, Gazeta robvinicza" beschlagnahmt worden,'weshalb Frau Dr. Golde einen Abstecher nach Krakau machte, um sich dort von neuem mit diesem„Kaviar für das polnische Voll" bedeutenden Blättern zu versehen. Diesmal scheiterte ihr Vorhaben an der Wachsamkeit der behördlichen Organe. Sie wurde zur Polizei gebracht, wo man ihre Personalien feststellte und sie dann laufen ließ. Frau D?. Golde ist eine Russin, Namens Kaspari; wegen ihrer sonalistischen und anarchistischen Propaganda waren öfters schon Unter- Handlungen betreffs ihrer Ausweisung im Gange, zumal die russischen Behörden auf ihre Person lauem. Dies erwieS sich jedoch nicht als angängig, da die angeblich in England ge- schloffene Ehe zwischen ihr und einem derzeit noch studierenden Studenten in Charlottenburg als rechtsgültig angesehen wurde, wodurch ihre deutsche Staatsangehörigkeit verbürgt ist." Die Behauptung von den anarchistischen Schriften dürste Schwindel sein, dagegen dürste es wohl stimmen, dasi die ober- schlesische Polizei so mir nichts, dir nichts, die Leute festnimmt und wieder laufen läht. Dah die»Kattowitzer Zeitung" sich nach Scharfmacherart ärger- lich zeigt über die Unausweisbarkeit der Genossin Golde, darf nicht wundernehmen, Nennt sie sich doch ein„parteiloses" Blatt. Das wird aber wohl nichts helfen; wenn es mit der„angeblichen" Ehe nicht stimmte, dann würde man in Oberschlesien gewih nicht zögern, den lauernden russischen Behörden einen kleinen Gefallen zu thun. — Dem Genossen Stiicklen ist es verboten worden, in der Stadt Weimar zu reden, weil er„nach amtlicher Auskunft" als socialdemokratischer Agitator und aufreizender Redner bekannt sei. GetveMschafklirfzes. Deutsche» Reich. Die Zimmerer in Rathenow befinden sich seit 4 Wochen im Streik. Der Kampf ist ein äußerst hartnäckiger, die Arbeitgeber haben bisher jede Verhandlung mit den Streikenden abgelehnt. Für die Zimmerer steht jedoch der Streik sehr günstig, da in diesem Jahre eine gute Bauthätigkeit in Rathenoiv vorhanden ist. Der Sieg wird den Streikenden sicher zufallen, doch ist dringend not- wendig, daß der Zuzug von Slathenow ferngehalten wird. Die Bauarbclter-Ausspcrrung in Kiel dauert trotz der gemachten Einigungsversuche noch fort. Wie der Vorstand der Innung der„Kieler Zeitung" mitteilte, ist die„Bauhütte" nicht gewillt, das Entgegenkommen der Arbeiter anzunehmen. Die Innung strebt sogar eine Verlängerung der jetzt be- stehenden Arbeitszeit an!— Auf dem Bahnhof halten sich zu jedem Zuge reichlich 20 Jnnungsmeister auf, um in der schon einmal ge- schilderten Weise als Gepäckträger der Arbeitswilligen zu fungieren Auf Veranlassung eines Meisters wurden dieser Tage der Vorsitzende der Maurer, P ä t a u, und ein andrer Maurer zur Wache sistiert, weil sie den Versuch machten, einen«Arbeitswilligen" über die Lage der Sache aufzuklären. Als einer der Sistierten verlangte, daß auch der Denunziant mit zur Wache genommen würde, packte man sie an den Nockärmeln und beförderte sie so zur Wache. Die Arbeitswilligen werden in Neubauten untergebracht, wo sie auf Matratzen und Kopf- keilen ordinärster Sorte kampieren. Strafmandate hagelt es, nach der„Leipziger Volkszeitung", bei den streikenden Schuhmachern in Würze n. Vis jetzt sind es derer schon 7, auch notiert sind eine ganze Kolonne, so daß iveitere Strafmandate noch zu erwarten sind. Die einzelnen Verfügungen werden auf die wunderbarste Weise begründet. Eines lautet so: „Laut Anzeige der Firma Lüder u. Co. sind Sie beschuldigt, am 13. d. M. früh gegen 7 Uhr von der Marienstraße vor der Schuh- fabrik von Lüder u. Co. sich aufgestellt, die an den Maschinen beschäftigten Personen beobachtet, angerufen und an- gelacht zu haben, was bei dem Fabrikanten Lüder und dem Werkmeister Stein Aergernis erregt hat. Beweis: Fabrikant Lüder und Werkmeister Stein." Und dafür soll der Betroffene 10 M. Strafe zahlen oder 2 Tage Haft abmachen. Richterliche Entscheidung ist natürlich angerufen. Der WeberauSstand in Crimmitschau ist nun trotz an- fänglichen Sträubens seitens des Herrn Schönfeld doch vor dem Gewerbegericht auf dem Vergleichswege beendet worden. Der Ver- gleich ist ein für die Arbeiter günstiger. Ausland. Die Aussperrung der dänischcu Seeleute und Hafen- arbeiter. Die„dänische Reederei-Vereinigung" beabsichtigt offenbar nichts geringeres als die vollständige Vernichtung der Organisation ihrer Ängestellten und erklärt, daß sie nicht nur in Kopenhagen, sonder» auch in den Provinzhäfen in Zukunft keine organisierten Leute mehr engagieren wolle.— Die konservative Provinzpressc verbreitet folgende Mitteilung:„Die dänische Reedereivereiuignng ist in die große englische Reedervercinigung„The Brittish Shipping Fede- ration" aufgenommen worden und kann also von dort all' die Mannschaft erhalten, die sie wünscht." Das letztere mutz jedcnfglls sehr bc- ziveifelt werden; so viele englische oder internationale Streikbrecher wird jene Federation wohl doch nicht auf Lager haben. Die norwegischen Hafenarbeiter in Christiania haben sich bereits mit ihren dänischen Kollegen solidarisch erklärt. Von dort wird unterm �24. April gemeldet:„Det forenede Damp- skibsclskabs" Dampfer„Oskar II." kam hier heute mittag um\2xi'i Uhr an. Er befindet sich auf der Reise nach New Jork. Da das Schiff wegen der dänischen Aussperrung nicht hinreichend Kohlen eingenomnien hat, sollten hier noch 300 Tonnen verladen werden. Die Kohlenarbeiter, die für diese Arbeit bereits im voraus engagiert waren, sind inzwischen heute in den Streik getreten. Man Hai nun versucht, andre Leute an- zuwerben; die Einladung der Kohlen geht sehr langsam. Die Ab- reise ivird auf morgen verschoben werden müssen."— Kristianianer „Socialdemokraten" berichtet hierzu, daß nachmittags 5 oder 6 deutsche Streikbrecher von der Besatzung des Schiffes damit begonnen haben, einige Körbe Kohlen einzuholen Am Quai' standen viele norwegische Kohlenarbeiter, die wohl gern nach dem harte» Winter etwas verdienen möchten, stch aber doch nicht zu Streikbrecherarbeit gebrauchen lassen.— Bon der der Landwirtschaft nahestehenden dänischen Presse wird jetzt häufig der Ge- danke der Verstaatlichung des Exports erivogen und selbstverständlich steht auch die' socialdeniokratische Presse dem sehr sympathisch gegenüber. Kopenhagener„Socialdemokraten" brachte dieser Tage einen sehr eingehenden Artikel, worin auf die außer- ordentlich' günstigen Erfolge, die man in Australien mit dem staat- lichen Export der landwirtschaftlichen Produkte erzielt, hingewiesen wurde. Eine Verzögerung in der Versendung der dänischen Butter, Eier usw. nach England kann den Landivirten Dänemarks natürlich unermeßlichen Schaden bringen.— Aus der Frsurnvetvegung. Frauen in BereinSversammlungcn. Im Socialdemokratischen Verein in Weißens eis waren Frauen, die als ZuHörerinnen anwesend waren, polizeilich aus dem Saale gewiesen lvorden, und als sie sich in des benachbarte Garderobenzimmer begaben, wurde die Schließung der Verbiudungs- thür gefordert. Auf die gegen das Vorgehen des Beamten ein- gereichte Beschwerde erging folgender Bescheid: „Auf die Eingabe vom 17. d. M. gereicht Ihnen zum Be- scheide, daß der Polizeibeamte befugt war.�am 5. d. M. die Frauen aus dem Versammlungszimmer des Socialdemokratischen Vereins hinanszutveisen, weil jene nach der Lage der Gesamt- umstände nicht als unbeteiligte bloßeZuschauerinnen, sondern als Teilnehmer in der Versammlung anzusehen waren. Dagegen erschien es nicht notwendig, daß die Thür zur Garderobe, in welcher sich später die Frauen befanden, geschlossen wurde. lv eil von dort aus eine Beteiligung nicht mehr zu erwarten lv a r. Allerdings würde eine„Beteiligung"— was für künftige Fälle z» beachte» ist— dann auch aus einem Nebenraume anzunehmen �Verantwortlicher Redacteur:«arl Leid tn Berlin. Für den Snferatentetl fein, wenn die Frauen in irgend einer Weife, z. B. durch Zwischen- rufe oder Bezeugung von Beifall und dergleichen, sich bemerklich machten. Dem Polizeibeamten ist eine entsprechende Eröffnung gemacht worden. Wad'ehn." Das ist also dem Sinne nach dieselbe Entscheidung wie die gestern mitgeteilte des Berliner Polizeipräsidimns. Als bloße Zu- Hörerinnen in einem abgesonderten Räume dürfen Frauen bei den Versammlungen politischer Vereine anwesend sein, auch wenn diese socialdemokratisch sind. Es scheint, als ob Herr v. Hammerstein im Interesse seines An- sehens die Polizeibehörden veranlaßt hat, das durchaus ungefährliche Experiment zu wagen._ Frauenarbeit. In Königsberg werden Frauen auf Friedhöfen zur Herstellung der Gräber benutzt. Sie müssen die tiefen Gruben schaufeln und nach Einsetzung des Sarges wieder zu- schaufeln. Diefe Arbeit erscheint für Frauen nicht nur unangemessen, vielmehr ist das Auswerfen der tiefen Gruben, das ein fort- währendes heftiges Dehnen und Ueber-sich-Iangen mit der schweren, erdgefüllten Schaufel nötig macht, auch entschieden schädlich für den weiblichen Körper._ Gevichks-Teilung. Eine umfangreiche Anklage wegen LandfriedenSbrucheS wurde gestern gegen S Personen vor der 9. Strafkammer des Land- gerichts I. verhandelt. Die Angeklagten, welche zum Teil schon wegen Widerstandes, Körperverletzung, Unterschlagung. Kuppelei und dergleichen vorbestraft, einige sogar sckiou erheblich vorbestraft sind, Ivarcn: 1. Maurergeselle Gustav M u h s; 2. Steinsetzer Otto Kermes; 3. Lackierer Karl Grösel; 4. Arbeiter Hermann Reibold; 6. Arbeiter Max Müller; 6. Näherin Martha Reibold; 7. Arbeiter Paul Schütz mann; 8. Maler Max B u d z i n s k i; 9. Arbeiter Otto Schubert.— Den Vorsitz führte Landgerichts- Rat L e v y s o h n. die Anklage ver- trat Staatsauwalt Reis, die Verteidigung führte Rechts- auwalt Dr. H e i n e n> a u n.— Der turbulente Vorgang, der zur Anklage geführt hat, scheint seine Vorgeschichte in einem Straßenkrawall zu haben, der in der Silvesternacht sich ab- gespielt halte. In jener Nacht hatte eine Rotte Korah in der Grün- thalerstraße groben Unfug ausgeführt und den Schutzmann Zech so arg bedroht, daß dieser von seiner Waffe Gebrauch machen mußte und einen der Ruhestörer, den er mit zur Wache nahm, mit dem Säbel verwundete. Dafür scheint man in der Nacht vom 11. zum 12. Januar Rache haben nehmen wollen und so ist denn in dieser Nacht ein recht bedenklicher Straßenkanipf iuscenicrt worden, bei dem die Parole ausgegeben sein soll, die Wache zu stürmen. Am 11. Januar stand ein Schutzmann Anders gegen 93/4 Uhr abends an der Ecke der Grünthaler- und Bcllermannstraße, als etwa 20 bis 2S junge Leute, die nach dem Gradhandtsche» Tanzlokale gingen, ihm Vorübergehen ihm hänselnd zuriefen:„Guten Abend, Herr Wachtmeister!" Als Anders so that, als ob er nichts hörte. drohten sie ihm:„Du L.... junge. Du dankst nicht'mal? Warte, wir kommen um 12 Uhr wieder!" Bei seiner Ablösung meldete Schutznian» Anders den Vorfall, worauf angeordnet wurde, daß Doppel-Patrouillen gehen sollte». Auf einer solche» Patrouille befanden sich in der Nacht desselben Tages die Schutz- männer Wolfram und Schmidt, als sie von weitem in der Bellermannstraße wüstes Geschrei und Gejohle hörten. Als sie dorthin gingen, kam ihnen ein Hanfe von 80 bis 100 jungen Leuten entgegen, die bei Feierabend das Gradhandtsche Lokal verlassen hatten und singend und lärmend die Bcllermannstraße entlang zogen. Die Schutzleute traten der Menge entgegen und forderten sie mchreremale auf, auseinanderzugehen. Die Menge leistete aber keine Folge, sondern fuhr mit Singe» und Lärmen fort, und als Muhs, der am meisten lärmte, sistiert iverdcn sollte, nahm die Sache einen bedrohlichen Charakter an: Muhs lvidersetzte sich, Wolfram zog den Säbel und ergriff Muhs ain Kragen und aus der Menge ertönte der Ruf:„Jetzt aber los!" Wolfram wurde be- drängt, er ivurde aber vom Schutzmann Schmidt gedeckt, der den Revolver zog und jeden»iederznfchießeii drohte, der sie angreifen würde. Aus der Menge wurden darauf von allen Seiten Steine und Kies auf die Beamten geschleudert, ein Stein traf die Helm- schiene des Wolfram, so daß sie verbeult ivurde. Man machte Ver- suche, den Muhs den Schutzleuten zu entreißen. Wolfram wurde durch zwei weiter hinzueilende Schutzleute von seinen Angreifern befreit. Er versuchte nun, den Arrestanten nach dem nur wenige Schritte entfernten Wachtlokal zu bringen, was ihm aber nur durch die thalkräftige Mithilfe andrerSchutzlcutegelang, daMuhsihmmebrere- mal Stöße vor die Brust versetzte und sich loszureißen versuchte. Einen Schutzmann stieß er so, daß dieser zu Boden stürzte, dem Schutzmann Wolfram suchte er den gezogene» Säbel zu entreißcn. Während dessen tobte und heulte die Menge unter dem Rufe:„Haut ihn! Jetzt geht's los!" Es wurden immer mehr Steine und Sand nach den Beamten geschleudert, die immer wieder vergeblich zum Aus- einandergehen aufforderten. Die Hauptschreier wurden schließlich verhaftet. Vor der Wache wurde das Getümmel immer größer; ein Schutzmann erhielt dabei wieder einen Stoß, so daß ihm der Helm vom Kopfe fiel und er selbst zu Boden stürzte. Die Angeklagten wurden festgenommen. Während draußen die Menge immer noch schrie und tobte, benahm sich ein Teil der Verhafteten auf der Wackie so renitent, daß sie ge- fesselt werden mußten, und Muhs schrie:«Ich schlage das ganze Theater in Klumpen!" Erst»ach geraumer Zeit verlief sich die Menge. Die Angekiagten bestritten durchweg ihre Schuld und behaupteten, daß sie allerdings in der Menge sich befunden haben, aber ohne ihr Verlchttlden von den Schutzlenten ergriffen und ver- haftet worden seien. Auf Grund der eingehenden Beweisaufnahme beantragte Staatsanwalt Reis wegen Aufruhrs bezw. Vergehens gegen§ 116 Str.- G.- B. gegen Muhs zwei Jahre sechs Monate, gegen Kermes ein Jahr sechs Monate, gegen Grösel ein Jahr neun Monate, gegen Müller zwei Jahre Gefängnis, gegen B n d z i n s k i Freisprechung. gegen die übrigen Angeklagten je zwei Monate Gefängnis. — Rechtsanwalt Dr. Heinemann als Verteidiger des Muhs führte aus, daß die Kriterien des Aufruhrs im Sinne des K 115 des Strafgesetzbuchs nicht vorliegen und nur eine Bestrafung wegen Widerstandes erfolgen könne.— Der Gerichtshof verurteilte Muhs und Müller zu je l�/z I a H r e n. Grösel zu 1 Jahre 3 Monaten. Kermes zu 1 Jahre, Schützmann zu 2 Monaten. Martha Reibold zu 1 Monat Gefängnis, das auf die Untersuchungshast angerechnet wurde. Die Angeklagten Schubert, Henn. Reibold und B u d z i n s k i wurden frei- gesprochen. Vom Dreschgrafen. Aus G log au wird gemeldet: Der heutige Verhandlungstermin gegen den Grafen P ü ckl e r- Klein- Tschirne vor der Glogauer Strafkammer mußte abermals aufgehoben werden, da aus der Schweiz ein ärztliches Attest ein- getroffen ist. wonach Graf Pückler sich in einer Kaltwasser- H e i l a n st a l t befindet und durch Krankheit verhindert ist, zur Verhandlung zu erscheinen. Demzufolge wird auch die am 30. d. M. in Berlin anstehende Verhandlung gegen den Grafen Pückler wegen Richterbeleidigung nicht stattfinden können. Versammlungen. Wahlvcreiu für den sechsten Reichstags- Wahlkreis /2 Stunde Lohn abgezogen. Nach dem ausführlichen Referat fand eine kurze Diskussion statt und gelangte dann einstin, mig eine Resolution zur Annahme, aus der die Hauptforderungen der Arbeiter wiedergegeben seien: 1. Die Arbeitszeit ist 9 Stunden, sie beginnt morgens 7 Uhr und währt bis abends 6 Uhr inklusive der 2stündigen Pausen. 2. An den Sonnabenden ist 1 Stunde, an den Sonnabenden vor den hohen Festtagen 2 Stunden früher Feierabend ohne Lohnabzug. Die Auszahlung des Lohnes muß eine Viertelstunde vor Feier- abend beendet sein. 3. Der Lohn beträgt als M i n d e st l o h n für Vorarbeiter 50 Pf., für Stampfer 45 Pf. und für Hilfsarbeiter 40 Pf. pro Stunde. 4. Die Nachtschichten sind mit 50 Proz. Lohnzuschlag zu bezahlen und ist eine Stunde Ruhepause zu gewähre» ohne Lohnabzug. 5. Keine Arbeitsschicht, Tag oder Nacht, darf länger als neun Stunden währen. 6. Das System der Extrakessel fällt fort. 7. Behufs Einstellung von Arbeitern wird ein paritätischer Arbeitsnachweis gegründet, in dessen Verwaltung Arbeitgeber uud Arbeitnehmer zu gleicher Zahl eintreten. 8. Errichtung von Baubuden und Aborte. Diese Resolution wird den Arbeitgebern unterbreitet werden, UM Verhandlungen anzubahnen. Hoffen wir, daß die Unternehmer, die Asphaltgesellschaften den Arbeitern entgegenkommen und durch sachliche Verhandlung die Grundlage zu einem geregelten Arbcitsverhältuis schaffen. Uetzte MathLithken«nd VrpeMen. Baueruunruhcn tu Rußland. Königsberg i. Pr., 26. April.(W. T. B.) Von privater Seite ist hier ans Pelersburg nachstehende Meldung eingegangen: In dein Gouvernement Pultawa und Charkow sind seit längerein ernste Bauernnurnhen ausgebrochen. Außer den Besitzungen des Herzogs von Mecklenburg sollen auch die Besitzungen des Fürsten Kotschubei, des Generals Durnowo und andre arg verwüstet worden sein. Die Bewegung scheint lediglich die Folge eines in den dortigen Gebieten herrschenden Not- standes zu sein. Die Bauer» haben kein oder nicht ge- nügendes Saatgetreide, auch nichts zu leben. Nach zuverlässige» Berichten befinden sich zur Zeit in den Gouvernements Pultawa und Charkow über 13 000 Bauern und Arbeiter in Aufruhr; bedeutende Truppenverstärkungen sind in jene Gebietsteile entsandt worden und der Gencralgouvcrnenr von Kiew Generaladjutant Dragomiroff ist ebenfalls in das Aufruhrgebict ab- gereist, um die militärischen Maßnahmen persönlich zu leiten. Frankfurt a. M., 26. April.(W. T. SB.) Vor der Strafkammer fand beute die Verhandlung gegen den Lokomotivführer Christ und den Heizer Peters wegen Gefährdung des am 6. Dezember in den Wartesaal zweiter Klasse g fahrencn Luxuszuges Ostcnde-Warschau statt. Das Gericht sprach Peters frei, weil die von ihm bediente Handbremse schwer ging, verurteilte aber Christ zu hundert Mark Geldstrafe, weil er unterwegs nicht für genügende Druck- luft gesorgt habe, so daß die Bremsen bei der Einfahrt nicht mehr wirkten. London, 25. April.(W. T. B.) Von den bei dem Eisenbahn- Unfall bei der Untergrundstatio» Hackney Downs verletzten Personen sind drei gestorben; zehn Personen erlitten schwere Ver- letzungen. I in Berlin Hierzu 4 Beilagen nl llttlerhaltuugSblat«. «».»» l. KW Ks Jotiiinrts" Krllnet KllisL'lilt.-<>»<,.»»«>« i'i i iiiiiw mamsmmmammtmummmBmmmmtmmKmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmMtmmmmmmmammmmmmmmmmmKammmmmKmmmmmmmmmmmmmmm NeichskNg. 175. S i h u n g v o m Sonnabend, den 26. April 1662, n a ch in i t t a q s 1 II h r. Am VundeSratStisch: Graf P o s a d o>v S k h. Die dritte Beratung der SeemannS-Ordnung wird fortgesetzt bei§ 42. Nach§ 42 ist das SeemannSamt verpflichtet, die Heuer des Schifssmniincs auf seinen Antrag bei der Abmusterung in Empfang 5» nehmen und an ansivörts wohnende Angehörige desselben an Sparkassen u. dcrgl. gebührenfrei zu übermitteln. Die Rosten der llebernnttelung trägt der öteeder. Die Abg./F r c se u. Ge».(Kompromißantrag) wollen den letzte» Satz durch folgenden ersetzen: „Die durch die Uebermittelinig entstehenden baren Auslagen werden, sofern der Schiffsmann ein Deutscher ist, von dem Reeder getragen." Abg. Metzger(Soc.): Meiner Ansicht nach ist diese Ein- schränknng. dsc der Koinpromißantrag vornehmen will, etwas d» u t l i ch. Wir haben eine ganze Reihe Schiffsleute, die in Nor- wegen und andren Ländern auf deutsche Schiffe gekommen sind und nicht mehr in die Heimat zurückkommen. Warum will man diese Leute von der Wohlthat dieses Paragraphen ausschließen. Ich bitte Sie, den Antrag abzulehnen. Abg. Dr. Semlcr(natl.): Ich finde die in der zweiten Lesung angenommene Fassung des Paragraphen schon so weitgehend, daß ich Sie bitten muß, die Bestimmung zum mindesten auf die deutsche» Seeleute zu beschränken. Der Antrag Frese wird hierauf gegen die Stimmen der Socialdemokratcn angenommen, ebenso§ 42 in der so veränderten Fassung. Die§Z 43. 44 werden debatteloS angenommen.' H 45 bestimmt die Anlegung eines Abrcchnnngsbnches zur Ein- tragmig der Heuer und des verdienten Uebcrstundcnlohncs. Dem Schiffsmann,.der es verlangt", soll noch ein besonderes Heuer- buch übergeben werden, in das außerdem auch jede auf die Heuer geleistete Zahlung einzutragen ist. Ein Antrag A l b r e ch t(Soc.) und Genossen will die Worte .der es verlangt" streichen und bestimmen, daß bei Zahlung in fremder Währung auch der zu Grunde gelegte Kurs in das Heuer- buch einzutragen ist. Abg. Schwartz-Lnbeck(Soc.) Ich bitte Sie, gesetzlich festzulegen, daß j e d c m S e e m a n n ohne lv e i t e r e s ein solches Heuer- buch ausgestellt wird. Sonst werden die Leute in sehr vielen Fällen die Bedeutung, die das Heuerbuch ffiir sie hat, nicht einsehen und die Anlegung deshalb nicht ansdriicllich verlangen. Es ist aber klar, daß die Führung eines solchen Buches viel zur Verhütung späterer Streitig- teiten beitragen wird. Abg. Kirsch(C.): Nach Einführung deS AbrechnnngSbnchcS hakte ich die Anlegung des Heuerbuches ohne besonderes Verlangen des Seemanns für zu weit gehend. Ten zweiten Antrag bitte ich Sic dagegen anznnehmeir. Abg. Seniler(natl.) wendet sich gegen beide Anträge. Der erste Antrag Albrecht wird abgelehnt, der zweite an- genommen. Dafür stimmen außer den Socialdemokraten auch das Eentnmr und ein Teil der Nalionallibcralen, sowie die freisinnige Volkspartei. § 45 wird in der so veränderten Fassung angenommen. Bei§ 46, der von den bei einer Bcrniinderung der Mannschaft ersparten Henergeldern handelt, erklärt Abg. Metzger(Soc.): In der zweiten Lesung haben sich an den Schlußsatz diese? Paragraphen sehr lebhafte Debatten angc- knüpft. Infolge meiner damaligen BnSführnngen sind dann auch außerhalb des Hauses vielfache Angriffe gegen mich gerichtet worden. Tic Direktion der Deutsch-anstralischen Dampfschiffahrts-Gcscllschaft hat eine RcchlfertiaungSschrift an die RcichSregiernng gerichtet, in der sie meine AuSfühnmgen gegen diese Gesellschaft zu widerlegen sucht. Ich habe gegenüber dieser RcchtfcrlignngSschrifl zu erklären, daß ich jedes Wort» das ich gegenüber der D eu ts ch- a u str a- lischt n Dampfschiffahrls-Gesellschaft geäußert habe, aufrecht erhalte. Im übrigen iverde ich mich mit der Gesellschaft in der O e f f e n r l i ch k e i t und in der P r e sse aus- rinandersetzen. § 46 wird unverändert angcnonimen, ebenso ohne Debatte die §8 47-53. § 54 handelt von der Heilbehandlung. Der krank im Auslände zurückgebliebene Schiffsmann kann mit seiner Einwilligung und der des>behandelnden ArzteS oder des ScemanSamtS nach einem deutschen Hafen in eine Krankenanstalt überführt werden. Ist der Schiffsmann außer stände, die Zustimmung zu erteilen oder verweigert er sie ohne berechtigten Grund, so kann sie durch den b e h ä n d e I n- den Arzt und dasjenige SeemannSamt ersetzt werden, in dessen Bezirk der Dchiffsniann sich zur Zeit befindet. Ein Antrag Frese(frs. Vg. n. Gen.)(Kompromiß) will statt „durch den behandelnden Arzt und" sagen„nach Anhörung eines Arztes durch". Abg. Metzger(Zoe.) bittet dringend, den Antrag abzn- lehnen. Es kommt gerade darauf an, daß der behandelnde Arzt, der den Kranken kennt, die Zustimmung zur Ueberführung erteilt. Nach dem Antrag Frese kann der Reeder einfach einen Medizinmann herbeiholen, der die Ueberführung dann für angängig erklärt. Abg. Semler(natl): Die Ausschaltung des behandelude» ArzteS ist hier dringend geboten. Denn dieser hat häufig geradezu ein pekuniäres Jutercsse daran, daß der Kranke nicht nach der Heimat überführt wird. Abg. Kirsch(C.): Ich gehe nicht so weit wie der Vorredner, daß der behandelnde Arzt aus materiellen Gründen die Ueberführung verweigern wird, halte es aber für ausreichend, Iveun überhaupt ein Arzt vom Seemaiinsnmt gehört wird. Abg. Bargmann(frs. Lp.) hält den Antrag Frese für eine Verschlechterung gegenüber der Fassung zweiter Lesung. Abg. Molkcnbuhr'(Soc.): In den meisten Fällen wird sich der crkrantte Seemann im Auslände in ein Krankenhaus begeben und der ihn dort behandelnde Arzt hat k e i n p e k u n i ä r e s I n t e r- esse daran, wen er behandelt, da er mit festem Gehalt an- gestellt ist. Wenn dieser Arzt die Ueberführung des Kranken ver- weigert, so geschieht das jedenfalls anS dem Zweck, weil der G e s u n d h e i t s z u st a n d des Kranken die Ucbersührnng nicht zuläßt. Geheimrat v. JouquiSreS bittet den Antrag Frese an- zunehmen. Der Kompromißantrag wird hierauf angenommen, 8 54 in der so veränderten Fassung genehmigt. 8 55 wird unverändert angenommen. 8 56 regelt den Heuerbezug im Krankheitsfälle für Angehörige. Für die Dauer des Aufenthalts in einer Krankenanstalt gebührt dem Schiffsinann keine Heuer. Nach dem Beschlüsse zweiler Lesung war bestimmt worden, daß. falls der Schiffsmann Angehörige hat, deren Unterhalt er bisher ganz oder teil lv eise anS seinem Hener- verdienst bestritten hat, ein Viertel der Heuer zu zahlen ist. Die Zahlung kann unmittelbar an die Angehörigen erfolgen.(In der Konimiisionsfassnng hatte an Stelle der Worte„ganz oder teilweise" gestanden:„überwiegend".) Dazu liegt ein Antrag Frese(frs. Vg.), Lenzmann (frs. Vp.l, Dr. S c m l e r(natl.). S t o ck ni a n nv o r t e t seinen Antrag. ES würde als ei» betrübendes öiesnltat zu bezeichnen sein, wenn, wie nach dem Beschlüsse ziveiter. Lesung, die bisher das Koalilionsrccht der Seeleute betreffenden Paragraphen gänzlich ans dem Gesetze ge- strichen werden sollten. Abg. Molkenbnhr(Soc.): Wir geben trotz der in der ziveiten Lesung gefaßten Beschliisie die Hoffnung nicht auf, daß in diesem' Gesetz für die Seeleute ein Recht gesetzlich sc st gelegt wird. welches sie gegenwärtig cko facto schon besitzen. Gegen- ivärtig cxistiercii ja derartige Verbote wie für die Landarbeiter für die Seeleute nicht. Bor einigen Tagen stand im.Hamburgischen Korrespondenten" ein von einem Kapitän verfaßter Artikel, der sich recht wütend gegen die Socialdemokraten gebürdete»nd au!« führte, daß' die Seeleute christlich und konservativ seien. Nun. wenn das zutrifft, dann werden ja auch alle die Vereine, die von Seeleuten begründet werden. christlich und konservativ sein. Das>vird uns nicht abhalten, den Seeleuten das positive K o a I i t i o n S r e ch t einzuräumen. Da aber die in Betracht kommenden Vereine wesentlich wirtschaftlicher Natur sein iverden, so scheiden ja alle politischen»nid rcli- giöse» Ansichten dabei ans. In den Reedervereine n, den Orgniiisationen der Reeder, fragt ninn ja auch nicht daiiach, ob der Reeder freisinnig oder konservativ oder nltrnmontan, ob er lutherisch oder katholisch oder jüdisch ist, sondern es handelt sich doch nur um die Ver» l r c t n n g der reinen K I a s s e n i n t e r e s s e n. Nun sind aber gerade die Recdereivereine, spccicll der Hamburger Rcedereiverein, Kampfvereine im eigentlichen Sinne des Wortes. Der Hamburger Rcedereiverein ist Mitglied des Hanibnrg-AItonaer Arbeitgeberverbandes, der fast jede Streitigkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern benutzt, um mit den größten Gewaltmittel» gegen die Arbeiter vorz,»gehen. Es kann daher leicht vorkommen, daß die Seeleute mit einem dieser Rcedcrcivercine in Kamps kommen. Der Hamburg- Altonaer Arbcitgcbcrverbnnd ist außerdem noch Mitglied des CcntralverbandcS deutscher Industrieller. Die Reeder sind also i» ihrem Koalitions- recht in keiner Weise beschränkt. Jhiicu steht jede Form der amtlichen, halbamtlichen oder privaten Jntcresscnvertretnng zu Gebote. Aber auch die Seeleute sind bisher mit Ansiiahme Mccklen- bnrgs— und das erklärt sich ja durch die allgemeine Rückständigkeit Mecklenburgs— keinerlei Beschränkung in dieser Beziehung unter- worfcil gewesen. Man hat außerhalb dieses Landes niemals Koalitionsverbote gegen die Schiffsleute erlassen, wobl aus dem einfachen Grunde, weil diese ziemlich nberflüsstg er- schienen, denn zu größeren Streitigkeiten konnte eS früher, da immer mir ein sehr geringer Teil der Seeleute an Land war, wohl schiverlich kommen. Heute aber haben sich mit dem Wachsen der Reedereibctriebe zu Niesenbctrieben die Verhältnisse geändert. ES giebt in Deutschland Reedereien, die über 10000 Arbeiter beschäftige», diese Leute müssen, wenn sie eine Forderung durchsetze» wollen, organisiert fein. Neuerdings schließe» sich ja die großen Reederei- Aktiengesellschaste» zu iuternationalcn Trusts zusammen, wie wir dies gerade jetzt bei der Danipfschiffs-Vereinignug sehen. Es könnte nun leicht der Fall vorkomme», daß die auf den englischen oder amerikanischen Schiffen dieser Trusts beschäftigten Seeleute oder die in England oder Amerika beheimatete» Seeleute das ausgedehnteste Koalitioiisrccht ausüben können, während für einen andre» Teil derselben Arbcitcrgruppe, der in Deutschland wohnt, das K o a l i t i o n s r e ch t nicht vorhanden ist. Solche Ungleichheiten müssen durch die Gesetzgebung ausgeglichen werden. Ich halte es nun für richtig, mit positiven Bestimmungen vor» zngcheu, weil ja Verbote, die aufzuheben ivären, mitAuSnahme Mecklcn- viirgs nicht existieren. Die Vereine der Seeleute werden ja nur in sehr geringeni Grade Sttcikvereine sein können,»nd zwar deshalb, weil die Seeleute zum große» Teil auf See find. Unser Antrag ivill ja das Koalitionsrccht auch mir für Seeleute gelten lassen, wem» sie sich an Land befinden. Von den Seeleuten befinden sich immer mindestens zwei Drittel auf See. Aber auch von den an Land Befindlichen ist immer ei» großer Teil durch eine Amnusterung gebunden. Dagegen Ivürdcn diese Vereine die Interessen der Seeleute i» andrer Beziehung wirk- sam wahren können; sie würden die Schiffsjungen gegen Ausbeutung schützen könne», indem etwa die Aiisrüstmigsgcgenstände derselben ans geuosseiischaftlichem Wege angekauft werden könnten. Auch würden solche Vereine mit einer A r b e i t s l o s e» n n t e r st ü tz n n g vor« gehen können. Deshalb halten>vir das positive KoalitionSrecht» das ja seiner Zeit vom Centrum für die Beriifsvereine befür- ivortet worden ist, auch für die Seeleute für angebracht. Ich muß auch daran erinnern, daß die Seeleute in anderer Beziehung, besonders was die Strasbestimiimngen angeht, weit ungünstiger gestellt sind als andre Arbeiterkategorien. Hier müßte die Gesetzgebung zum Ausdruck bringen, daß sie die Seeleute nicht als Arbeiter zweiter Klaffe behandeln will. Wir haben in der zweiten Lesung gegen die 88 73 a und 73b gestimmt, weil wir uns sagte», daß durch diese beiden Paragraphen ja eigentlich nichts Neues ge- schaffen würde, aber ivir sind doch etwas stutzig geworden durch die Erwägung, daß ja vielleicht einmal in einer Hansestadt Angriffe auf das KoalitionSrecht der Seelcnte erfolgen könnten, ivie ja auch der bekannte Angriff auf das Streikpostenstehcn in einer Hansestadt— in Lübeck— erfolgt ist. I ch biUe Sic, n n s r c n Antrag anzunehmen.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Der Antrag A l b r e ch t u. Gen. iv i r d gegen die Stimmen der Socialdemokraten und der frei» sinnigen Volkspartei abgelehnt. Der Antrag Bargmann ivird gegen die Stimmen derselbe» Parteien abgelehnt. Die 88 78a und 78b sind also gestrichen. Die§8 70—06 iverden debattelos angenommen. Die 88 07 und 03 setzen Strafen fest für den SchiffSmann, welcher es unternimmt, seine Vorgesetzte» durch Gewalt zur Vornahme einer dienstlichen Verrichtung zu nötige» oder den Borgesetzte» in Ausübung ihrer Dienstbefiignisie mit Gelvalt Wider« stand z» leisten. Die Abgg. A I b r e ch t(Soc.) u. Gen. beantragen statt„welcher es unteruiinmt" zu sagen„welcher... nötigt" resp.„welcher... Widerstand bietet" und au» Schlüsse anzufügen.„der Versuch ist strafbar". Abg. Herzfcld(Soc.): Unser Autrag will dem Paragraphen eine präcisere Fastmig geben. Der Begriff des„Unternehmens" steht nach der Judikatur nicht fest, daher empfiehlt es sich, den That� bestand klar zu formulieren und dam, erst anzufügen, daß auch der Versuch strafbar»st. ribfl- Kirsch(E.) erklärt sich für diesen Antrag. Unter Annahme des Antrages Albrecht werden die§Z 97 und 98 in der so veränderten ftasinng genehmigt. Die Paragraphen bis 110 werden debattelos erledigt. 8 III handelt von den Fällen, in denen das Seemannsamt zu- ständig ist. Im Inlands sollen die Verhandlungen vor dem See- Mannsamt öffentlich sein. Ein Anrrag Albrecht sSoc.) nnd Genossen will, daß auch die Verhandlungen der Seemannsämter im Auslände öffentlich sei» sollen. Der Abg. Kirsch(C.) beantragt in diesen Paragraphen folgende Bestiinmung aufzunehmen und für den Fall der Annahme dieselbe als besonderen Absatz nachträglich in den 8 4 einzuschieben:„von den Beisitzern iiiiiß der eine, falls das Verfahren sich gegen einen Schiffsmann richtet, den Kreisen der seebefahrenen Schiffslcute ent- nomine» iverden." Vicepräsident Biising: Die Abänderung eines in dritter Lesung bereits angenommenen Paragraphen ist nur dann zulässig, ivenn kein Mitglied des Hanfes widerspricht. Ich stelle deshalb die An- frage, ob jemand der Abänderung des K 4 widerspricht.(Die Abgg. v. Levetzow, Kardorff und Rettich erheben Widerspruch.)— Da Widerspruch erhoben ist, ist der Antrag Kirsch, soweit er als Abänderung des 8 4 gestellt ist, unzulässig; er bezieht sich daher nur noch auf den vorliegenden Paragraphen. Abg. Stockmann(Rp.): Wenn der Antrag Kirsch hier an- genommen wird, so bezieht er sich auch auf die Seemannsämter des Auslands, also die Konsulate. Hier einen Seemann zuzuziehen, wenn das Verfahren sich gegen einen Seemann richtet, ist ganz unmöglich. Den Antrag' Albrecht bitte ich Sie gleichfalls ab- zulehnen. Die Gcschäftslokale des Konsuls gelten nach der Sitte des Völkerrechts als sakrosankt, niemand darf sie ohne Erlaubnis des Konsuls betreten. Zudem reichen sie auch nicht für öffentliche Sitzungen aus. Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Antrag Kirsck wäre undurchführbar und daher für die verbündeten Regiernngen un- annehmbar. Zudem würde dadurch, wie ich schon bei der zweiten Lesung betonte, eine Klassenjustiz geschaffen iverden. Abg. Kirsch(C.) bestreitet, daß es sich um eine Klassenjustiz handelt. Bei 8 4 ist, wie allerseits anerkannt wird, durch die falsche Abstimmung meiner Freunde ein Versehen begange» worden. Vicepräsident Biising stellt für diesen Antrag die Unterstützungs- frage. Die Unterstützung reicht ans. Abg. v. Kardorff(Rp.)(zur Geschäftsordnung): Ich muff ent- schieden Widerspruch gegen die Zulassung dieses Antrags erheben. Abg. Singer(Soc.): Es giebt keine B e st i m m u n g in der Geschäftsordnung, die verhindert, dafe in jedem Stadium der Beratung zu einem Paragraphen, dessen Beratung noch nicht abgeschlossen ist, Anträge gestellt werden könne». Ich weist nicht, worauf Herr v. Kardorff seinen Wider- fpruch stützt. Vicepräsident Biising: Die Geschäftsordnung enthält in der That keinen Passus, wonach ein früher abgelehnter Antrag bei einem andren Paragraphen dem Sinne nach nicht wieder ein- gebracht werden kann. Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich glaube nicht, dast mir Herr Singer ein Beispiel anführen kann, in dem Reichstag ähnlich ver- fahren wäre. Jedenfalls würde ein solches Verfahren ein Mittel sein, eine Obstruktion hervorzurufen bei allen Gesetzen, wie sie schlimmer gar nicht gedacht iverden kann. Vicepräsident Biising: Ob und ivelche Konsequenzen sich auS dem Antrag ergeben, kann hier nicht zur Debatte stehen. Abg. Singer(Soc.): Jedes Mitglied des Reichstags hat das Recht, das, ivas durch die Geschäftsordnung nicht verboten ist, vorzuschlagen. Herrn v. Kardorff gegenüber bemerke ich, dast es doch für uns kein Grund sein kann, dast dieser Fall sich zum e r st e n- male ereignet. Ein jedes Ding must doch einnial anfangen! (Lachen rechts.) Ich freue mich, dast der Herr Präsident mit aller Entschiedenheit die Auffassung vertritt, dast der Antrag geschäfts- ordnungsn, ästig zulässig ist. Abg. Kirsch(C.): Die Ansfühnmgcn des Herrn Singer haben mich doch sehr bedenklich gemacht. Ich glaube deutlich genug betont zu haben, dast es sich bei meinem Autrage nur um eine Ausnahme Handel» kann. Wenn aber Herr Singer das als Regel hinstellen will, fo veranlasst mich das, meinen Antrag zurückzuziehen. (Lebhaftes Bravo! rechts. Lärm luils. Abg. Singer(Soc.) ruft: Ich nehme ihn wieder auf k) Abg. Sattler(uatl.): Nachdem Herr Singer den Antrag wieder aufgenommen hat, gestatten Sie mir»och eine Bemerkung. Der Herr Präsident hat durchaus recht, die Zulassung des Antrages widerspricht nicht der G e s ch ä f t s o r d u u» g. Es genügt aber nicht, daß Herr Kirsch nur die Hoffnung ausspricht, dast ein solcher Vorgang sich nicht wiederholt, wir müssen betonen, dast ein solches Verfahren in derZukunft von groster Bedeutung sein kann. Ich hoffe, dast Kirsch nunmehr konsequenteriveise gegen den wieder aufgenommenen Antrag stimmen wird. Abg. Singer(Soc.): Ich mutz energischen Einspruch erhebe» dagegen, dast die Aeutzerung des Herrn Vorredners und sein Wunsch, der Vorgang möge keine Nachfolge haben, irgend welchen höheren Wert haben könnte, als die Meinung einer einzelnen Person. Ich konstatiere, dast durch diese Aeutzerung in keinem Falle daS Recht eines Mitgliedes dieses HauseS, zn irgend einer Zeit die Geschäftsordnung in legaler Weise zu benutze», beeinträchtigt werden kann. Es ist einfach ausgeschlossen, dast etwa später das Haus, gestützt auf die Aeutzerung des Herrn Sattler, in der Lage wäre, eine» Beschlust zu fassen, wonach solche Anträge nicht zulässig sind. Wollen Sie solche Anträge nicht zulasse», dann ander,» Sie die Geschäftsordnung. Solange diese besteht. wird sich der Präsident hoffentlich von solchen Aeusterungen nicht beeinflussen lassen. Damit schlietzt die GeschästsordnnngSdebatte, sowie die sachliche Diskussion. Abg. Herz seid(Soc.) zieht den Antrag Albrecht zurück. Der Antrag Singer(frühere Antrag Kirsch) wird hierauf gegen'die Stimmen der Socialdemokraten, freisinnigen Volkspartei und dreier Centrumsabgeordneter abgelehnt. 8111 unverändert angenommen. 88 112—120 werden debattelos genehmigt. Bei 8 120a ivird ein Antrag v. S a v i g n y(C.) angenommen, wonach auch den Seeleuten der Hochseefischerei-Fahrzeuge. so weit nicht dringende Gründe entgegenstehen, an Sonn- und Festtagen möglichst Gelegenheit zur Teilnahme am Gottesdienst ihrer Kon- fession zu geben ist. 88 120 b— 122 werden debnttelos angenommen. Präsident Graf Ballestrem: Mir ist von verschiedenen Seiten der Wunsch ausgesprochen lvorden, die G e s a m t a b st i m m u n g über die Seemanns-Ordnung bald vorzunehuieu. Heute wäre die Gesamtabstimmung nur zulässig, wenn niemand widerspricht. Abg Singer(Soc.): Meine Freunde legen Wert darauf, datz wir die Beschlüsse dritter Lesung erst noch einmal zusammen- a e st e l l t ü b e r s e h e n. ehe wir eine definitive Entscheidung über unsre Gesamtabstimmung treffen. JcherhebedaherWider- � Die G e s a m t a b st i m m u n g wird daraufhin ausgesetzt. Weiterhin wird die von der Kommisston vorgeschlagene Resolution. welche die baldige Vorlegung eines Gesetzentlvurfcs. betr. eine be- hördliche Aufsicht über Seetüchtigkeit. Tiefgang, Bemannung und Verproviantierung von Kauffahrteischiffen, verlangt, mit einem Amendement Stockmann angenominen. wonach dabei die praktischen Erfahrungen der Handelsmarine über Tiefgang und Ladelinie zu berücksichtigen sind. �.....„ Ein Amendeinent Lenzmann(frs. Vp.). wonach über die Fest- setzung der Tiefladelinie ein besonderer Gesetzeiitwurf vorgelegt werden soll, wird abgelehnt. m i* Die N e b e n g e s e tz e zur Seemanns-Ordnung. die Gesetz- entwürfe betreffend die Verpflichtung der Kauffahrteischiffe zur Mtt- nähme heimzuschaffender Seeleute, betreffend die Stellenvermittelung für Schiffsleute und betreffend Abänderung seerechtlicher Vorschnften des Handelsgesetzbuches werden mit einigen lediglich redaktionellen Aenderungen in dritter Lesung angenommen. Auch über diese Gesetze wird die Gesamtabstimmung ausgesetzt. Es folgt die dritte Beratung des Schaumwein- steuer-Gesetzes. Eine Generaldebatte findet nicht statt. 88 1 und 2 werden debattelos angenommen. Zu 8 3 bittet Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.) um Auskunft darüber, ob die Luxemburger Schaumweinfabrikanten die Steuerzeichen nicht bereits in der Fabrik an den Flaschen anbringen können, so dast sie bei der Einfuhr»ach Deutschland die lästige Kontrolle vermeiden. Unterstaatssekretär v. Fischer: Bis zum Abschlüsse eines Ver- träges mit Lnxenibnrg werden die luxemburgischen Schaumwein- Lieferungen an der Grenze ausgepackt werden müssen, um der Steuer- kontrolle unterzogen zu iverden. Abg. Dr. Crüger(frs. Vp.): Ich möchte bitten, die Vertrags- Verhandlungen mit Luxemburg so zn beschleunigen, datz sie gleichzeitig mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes veröffentlicht werden können. Die deutsche Schanmwein-Fabrikation, die erst in- folge des Zolles auf französische Schaumweine ihren Aufschwung genommen hat, wird durch diese Vorlage schwer getroffen. Das Stenerobjekt ist in der That zu gering, um diese Schädigung einer blühenden nationalen Industrie zu rechtfertigen. Schatzsckretär Frhr. v. Thielmann: Die Verhandlungen mit Luxemberg werden bald beginnen. Ein luxemburgischer Unterhändler wird in der nächsten Zeit in Berlin eintreffen. 8 3 wird bewilligt, ebenso der Rest des Gesetzes. In der Gesamtabstimmung wird das Gesetz gegen die Stimmen der Socialdemokraten und einzelner Nationalliberaler und Mitglieder der freisinnigen Vollspartei angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr:(Gebührenordnung für den Kaiser Wilhelm-Kanal; 1. Lesnng der Diätenvorlage; 2. Lesung des Gesetzes zum fliegenden Gerichtsstand der Presse. 3. Gesamt- abstimmnng über die Seemannsordnung. Schlutz ö'/2 Uhr.__ Berliner Partei-Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Heute, Sonntag, mittags 12 Uhr, spricht Genossin K I a r a Z e t k i n im„Palast-Theater". Burgstr. 22, über: „Die revolutionären Kämpfe in Belgien und Ruh- land". Schmargendorf. Am Montag, den 3. Mai, vormittags von 9—12 Uhr, findet die Ersatzwahl e n- s Gemeinde- verordneten der dritten Abteil«ng statt. Zu wählen ist kin Mieter. Mit allen Mitteln wird versucht, die hier dringend notwendige Opposition von der Gemeinde- Vertretung fernzuhalten. Bei der Ergänzungswahl im März, die vernünftigerweise nachmittags von 4—8 Uhr stattfand, wurden, trotzdem die Wählbarkeit der Kandidaten u. E. feststeht, die ausschlaggebenden Stimmen der Opposition vom Geni ei n bevor st eh er für ungültig erklärt. Jetzt sucht man die Beteiligung an den Wahlen zu erschweren, indem die Wahlzeit so uugünslig wie niöglich festgesetzt wird. Für die Arbeiter inntz das ein Ansporn sein, die beabsichtigte Schwächung der Opposition zu Nichte zu inachen und jetzt mit Hochdruck für die Wahl des Social- demokraten zu agitieren. Die zahlreichen Wahlsaulen müssen auf- gerüttelt werden, damit uns der Sieg zufällt. Schmargendorf. Dienstagabend Uhr hält der Wahlvereiii Warneinünderstr. 6 seine Generalversammlung ab. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. Die BezirkSführer werden ersucht, im genannten Lokal sich Sonntag früh 7 Uhr einzufinden, Die Parteigenossen von Tempclhos richten an die Arbeiter- schaft Berlins die dringende Bitte, sie in der Lokalfrage zu unterstützen und bei Ausflügen nach dem genannten Vorort die ge- sperrten Lokale unter allen Umständen zu meiden. Gesperrt sind G e r t h, Dorfstr. 13, und W i e n i ck e, B e r I i u e r st r. 33; alle übrigen Lokale sind frei. Als Arbciter-Vcrkehrslokalc bringen die Genossen in Erinnerung: L a d e w i g, Dorf- nnd Nenestr.-Ecke; Adel, Germaninstr. 20(Verlängerte Dorfstraste), und Müller, Berlinerstr. 41. I» Britz wird die Maifeier vormittag? mit einer in der Roseuterrasse, Chansseestr. 09. statlfiudeuden Volksversammlung eingeleitet: nachnnttags ist bei KapS, Chansseestr. 18, gemütliches Beisammensein mit Tanz, Lichtenberg. Die Maifeier der Genossen wird in diesem Jahre begangen durch eine Versammlung aller Gewerkschaften in Höflichs„Schwarzem Adler". Frankfurter Chaussee 120, vormittags 10 Uhr. Das Referat hat Frau E. Ihrer- Pankow übernommen. Am Nachmittag finden sich die Parteigenossen in demselben Lokal zu einer Festlichkeit zusammen. Einlastknrten a 20 Pf. sind bei den Be- zirksführern und an der Kasse zu haben. Lichtenberg- WilhelinSbcrg> FriedrichSberg. Drei Volksversammlungen halten die Parteigeiivssen in dieser Woche ab. Montagabend 8V2 Uhr in W i l h e l m s b e r g bei TrikauS. Referent: Dr. B e r n st e i n, Stadtverordneter aus Berlin. Dienstagabend 8�/s Uhr, Frankfurter Chanssee 80. im.Kronpriiizengartei!" des Herrn H. Gürsch. Referent: Sonnenburg, Gcmeindeverordnetcr aus Friedrichshagen. Mittwochabend S>/z Uhr bei Vesper, Landsberger Chaussee, Ecke Röderstratze. Referent: O. G r a n e r- Lichtenberg. Tagesordnung in allen drei Versammlungen: 1. Kommunalsocialis- mus. 2. Die Ersatzwahlen am 2. Mai zur Gemeindevertretung in Lichtenberg. 3. Freie Aussprache. Alle Parteigeuosscii werden dringend ersucht, am Montagabend in den Bezirkslokalen zur F l u g b l a t t v e r b r e i t u n g zn er- scheinen. Fricdrichöfelde. Am Sonntag referiert bei Haberland, Wilhelm- straste, Frau Thiede über die Bedeutung des 1. Mai. Voimles. Pscht! Haben wir einen Notstand in Berlin?— Als diese Frage im Winter in der Berliner Stadtverordneten-Versamm- lung infolge eines von der socialdemokratischen Fraktion ein- gebrachten Antrages erörtert werden mustte, da wurde von den Rednern des Magistrats, dem Oberbürgermeister Kirschner wie dem Stadtrat Fischbeck, der Versuch gemacht, sie mit allerlei ge- wundenen Redensarten abzuthun. Man wagte daS Vorhandensein eines auherordentlichen Notstandes nicht direkt zu bestreiten, aber auch zu einem rückhaltlosen Eingeständnis mochte man sich nicht herbeilassen. Das bedeutungsvolle Schweigen der Mehrheitsfraktionen der Versammlung sagte dem Magistrat, wie er sich zu verhalten habe. Den Notstand unumwunden anzuerkennen und Maßregeln zu seiner Linderung zu ergreifen, das hätte gegen die freisinnigen Wirtichaftsprincipien v e r st 0 ß e n und durfte daher nicht zugelassen werden. Die Stichproben über den Umfang der Arbeitslosigkeit, die von feiten der Arbeiterschaft gemacht worden waren, wurden damals vom Magistrat als unzutreffend bemängelt. Auch als später eine systematische Zählung der Arbeitslosen in ganz Berlin und den Vororten ausgeführt wurde, glaubte man noch Zweifel an der Zuverlässigkeit des Resultates äußern zu sollen. Inzwischen haben nun die wohlthätigen und gemeinnützigen Vereine Berlins, die ja ebenfalls in der Lage sind, sich über Arbeitslosigkeit und Notstand ein Urteil bilden zu können, ihre Jahresabschlüsse gemacht. DaS Ergebnis ist viel- fach sehr ungünstig. Von verschiedenen Seiten wird geklagt. daß die Verschlechterung der ErwerbSverhältniffe und die Zunahme der Arbeitslosigkeit die Thätigkeit in recht fühlbarer Weise beeinflußt habe. Die WohlthätigkeitSvereine haben eine bedeutende Z u!- nähme der Hilfe luchenden gehabt, ohne dast es möglich gewesen wäre, den gesteigerten Anforderungen zu genügen. Und dennoch— wenn öffentlich die Frage aufgeworfen wird, ob wir einen außergewöhnlichen Notstand in Berlin haben, dann legen die „maßgebenden Persönlichkeiten" ängstlich den Finger auf den Mund: „Pscht! Stille doch, stillet Wer wird denn gleich von„N 0 t st a n d" s p r e ch e n I" Das offene Eingeständnis des vollen Umfanges der herrschenden Not ist den bürgerlichen Kreisen eine äußerst peinliche Sache, um die sie sich möglichst herumzudrücken suchen. Um ähnliche Motive scheint es sich bei einem Streit zu handeln, der zwischen einer Reihe von wohlthätigen und geineiimützigen Vereinen und einem neu aus- getauchten Unternehnien entstanden ist, das nach dem Wortlaut der Ankündigung sich gleichfalls in den Dienst der„barmherzigen Menschenliebe" stellen will. In einer neuen Zeitschrift, die den Titel„Helfet einander!" führt und ein„Sammelpunkt für alle Wohlthätigkeits- und Wohlfahrtsbestrebungen" sowie ein „Führer und Ratgeber für Menschenfreunde" werden will, wird zur „schnellen Hilfe am Notwendig st en" aufgefordert, und es wird versucht, einen Weg zu zeigen,' auf dem dieses Ziel zu erreichen sei. Wir enthalten uns jeder näheren Kritik dieses Unternehmens, das anscheinend weder besser noch schlechter als andre bürgerliche Unternehmungen verwandter Art ist. Wenn aber verschiedene Vereine sofort gemeinsam dagegen Front gemacht haben, so drängt sich uns die Vermutung auf, daß eS hier wieder einmal peinlich empfunden worden ist, öffentlich konstatiert zu sehen. daß in Berlin die„schnelle Hilfe am N 0 tw e n d i g st e n" bisher oft zu vermissen gewesen ist. Der Vorsitzende eines größeren Vereins soll seine Beteiligung mit den Worten ab- gelehnt haben:„Das duldet unser Corpsgeist' nicht!" Der„Corps- gcist" duldet nicht, es in alle Welt hinausschreien zu lassen, datz die Vereine für Wohlthätigkeits- und Wohlfahrtspflege trotz ihrer großen Zahl dem Notstand gegenüber bisher nicht viel ausgerichtet haben. Es ist bezeichnend, daß sich auch die städtische Armen- Verwaltung und die städtische Stift nngsdeputation an dem warnenden„Pscht!" beteiligen, das da dem vorlauten Eifer einer Sondergruppe von WohlthätigkeitS-Sportlern zugerufen wird. Was geht die Sache die städtische Verwaltung an? I Dast die Armenverwaltung einem Unternehmen zur schnellen Hilfe am Not- wendigsten„vollständig fernsteht". daS braucht sie nicht erst in feier- licher'Protestkundgebung zu erklären— das glaubt man ihr ohne- dies. Aber den, Leiter des städtischen Armenwesens war es wohl nur darum zu thun, gegen jene indiskrete Bloststellnng der Arnien- pflege wie der Privatwohlthätigkcit Front zu machen, damit man nicht glaube, daß es doch einen Notstand in Berlin giebt. Der Stadtverordneten- Versammlung ist eine Magistrats- vorläge über die Bewilligung eines Darlehns von S00 00V M. an die Ä k t i e n g e s e l l s ch n f t zur Verbesserung der Klein- Wohnungen in Berlin zugegangen. Die Summe soll mit 3'/» Proz. jährlich verzinst und zuzüglich der ersparten Zinsen mit 1 Proz. der ursprünglichen Darlehiisjimime getilgt werden. Ablehnung deö Proportioualsystcms für GewerbcgerichtS- Wahle». Der Ausschust des Berliner Gewerbcgerichts trat gestern unter Vorsitz des Direktors v. Schulz zusammen, um auf Ersuchen des Magistrats über den im neuen Statut festzusetzenden Wahlmodus zn beraten. Den Vcrhaiidlnngen wohnte der Decernent für Ge- wcrbcgcrichtssachen im Rlagistrat Stadtrat Böhm bei. ES handelte sich m erster Linie um das Proportionalsystem und darum. ob Wahllisten aufzustellen sind oder nicht. Der GesamtauSschuß gab einstimmig zunächst sein Gutachten dahin ab, dast zur Zeit für Berlin das Proportional-Wahlshstem nicht einzuführen sei. Der Ausschust einigte sich auf Vorschlag des Vorsitzenden dahin, daß für die Arbeitgeber Wahllisten vom Magistrat aufzustellen seien, während die Arbeitnehnicr ohne Wahllisten, auf Grund einfacher Legitimation wählen sollen. Die Wahl ohne Listen oder die Aufstellnng alphabetischer Listen am Tage der Wahl wäre für die Arbeiter eine graste Erleichterung und ersparten dem Magistrat Arbeit und Geld. Beim jetzigen Wahlshsteni inüsjcn die Arbeiter vielfach die Arbeit ver- sännicn, um sich in die Wählerliste einzeichnen zu lassen, wenn sie ihr Wahlrecht ausüben wollen. Außerdem liegt im heutigen Listen- system auch eine Beschränkung der Wähler, denn nach den Be- stimmungen des neuen Gesetzes kann jeder wählen, der zur Zeit der Wahl im Orte wohnt oder beschäftigt ist. Werden dagegen Listen aufgestellt, und dieses geschieht gewöhnlich im Vierteljahr vor der Wahl, so haben nach der bisherigen Gepflogenheit die im letzten Vierteljahr zugezogenen oder nicht im Ort Arbeitenden kein Wahlrecht. Solches entspricht ober nicht dem neuen Gesetz. Die Arbeitgeber wünschten zu 8 13 des Gewerbegcrichts-Gesetzes eine nähere Angabe über die im Gesetz enthaltene Bestimmung. Als Arbeitgeber gelten diejenigen Gewerbetreibenden, welche mindestens einen Arbeiter zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigen. Man hielt ein halbes Jahr für die geeignete Zeit. Auf Einwendung der Arbeitnehmer, dast dadurch vielen Arbeitgebern, ivelche nur kurze Zeit und saisonweise Arbeiter beschäftigen, das Wahlrecht genommen würde, zogen die Herren ihre Anträge auf Aeuderung zurück, Ferner wurde seitens der Arbeitnehmer gewünscht, im Statut festzujctzcn, daß den Beisitzern die einschlägigen Gesetze mit Kom- mentaren sowie daS erscheinende Pnblikatioiisorgan unentgeltlich be- händigt werden. Die Vieh- und Schlachthofs- Restauration. Der Ausschust der Stadtverordiieten-Veriammlimg zur Beratung des Antrags des Magistrats, die Vieh- und Schlachthofs-Restauration dem Gastwirt Hermanii in der Liebenwalderstraste zu verpachten, trat heute vor- mittag 10 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Es war bekanntlich eine Nackprüsung vorgeschlagen worden mit der Begründung, dast die Verhältnisse des' Höchstbieteuden keine ausreichende Untersuchung erfahren hätten. Nach längerer Beratung beschloß der Ausschust mit großer Mehrheit, der Stadtverordneteii-Versammluiig vorzuschlagen, dem Antrage des Magistrats beizutreten und Herrn Hermaim den Zuschlag zu erteilen. Der Auöban der jetzt nur dem Güterverkehr dienenden Auschlust- bahn Rixdorf— Nieder-Schö n e weide— Johannis- t h a l für den Personenverkehr ist jetzt in Angriff genommen worden. Das kommt besonders dem Westen Berlins zu gute, dem gegen« wärtig jede Gelegenheit fehlt, vom Potsdamer Bahnhof nach Nieder- Schöneweide, Grünau usw. zu gelangen, ohne den Umweg über Treptow zu machen. Ter Verbreiter von Schauergeschichten über die Verhält- nisse im städtischen Obdach und andre Anstalten ist, wie aus dem Rathause gemeldet Ivird, in einem Angestellten eines hiesigen Fenster- reiiiiguugS-Jiislituts amtlich festgestellt. Die betreffende Persönlich« keit, welche früher häufig im Obdach nächtigte und daher die Ver- hältniffe kannte, befindet sich seit längerer Zeil in Haft, ihr ivird auch NanienSsälschung und Betrug zur Last gelegt. Heute ist der lOO. Geburtstag des Berliner Historikers E r 11 st F i d i c i n. Er wurde am 27. April 1802 geboren. Sein Andenken lebt in einer Reihe bedeutsamer Schriften, welche die Ge- schichte der Reichshanptstadt geklärt haben. Es sind die historifch- diplomatischen Beitröge zur Geschichte der Stadt, die Arbeit über die Gründung Berlins, die historische und topographische Darstellung sowie die Berlinische Chronik nebst dem Urkundenbuch. Verdienstvoll ist auch das vielbändige Werk„Die Territorien der Marl Branden- bürg". Fidicin bekleidete in Berlin das Amt des Stadtarchivars; er starb am 19. Dezember 1883. Zu seinen Ehren ist eine Straste im Südwesten der Stadt benannt. Die Fahrpreise der elektrischen Hoch- und Untergrund- bah» sollen beim Inkrafttreten des neuen SommerfahrpIaiieS am 30. April auch für die zweite Klasse eine Ermäßigung er- fahren. Für die Strecke, deren Fahrpreis 15 Pf. in der dritten Klasse beträgt, wurden bisher 25 Pf. erhoben. Statt dessen sollen nur L0 Pf.'erhoben werden. Man wird also in der zweiten Klaff« für 20 Pf. im oITgcnieincn bis zur siebenten Haltestelle fahren können, während die' Stadtbahn schon von der sechsten Station an 30 Pf. erhebt. Tie Snbkonimission dcö Ausschusses zur Vorberatung der Anträge der Stadtvv. Rosenow und Genosse» und Augusiin und Genossen über die Gewährung materieller Mittel an die durch Wolkenbrnch geschädigten Bewohner Berlins, die sich in einer Notlage befinden, wird sich am nächsten Montag über weitere Schritte schlüssig machen. Es sind inzwischen schon zahl- reiche Schäden bei den einzelnen Koinmission-mitglieden, angemeldet worden. In Sachen des Lichtcrfeldcr KreiSkrankeuhauseS will das „Bert. Tagebl." aus angeblich zuverlässiger Quelle erfahren haben, dah Gehennrat v. Bergmann von der Regierung beauftragt worden sei, Ordnung in die ganz unhaltbar gewordenen Verhältnisse jenes in letzter Zeit viel genannten Krankenhauses zu bringen. Die „Nat.-Ztg." stellt demgegenüber fest, dafc Geheimrat v. Bergmann einen derartigen Austrag nicht bekommen hat. Die angedeutete Aufgabe ist lediglich Sache der Regierung zu Potsdam, die be- kanntlich schon durch eine Kommisston, zu der auch ein Medizinalrat aus dem Kiiltusministerium hinzugezogen wurde, eine Revision des Kreiskrankenhauses zu Lichterfelde hat vornehmen lassen. Infolge dieser Revision wurde der Anstaltsleitung aufgegeben, zur Be- Handlung der operativen Fälle einen Fach-Chirurgen anzustellen, der in dem genannten Krankenhause jetzt fehlt. Die Betrügereien in der städtischen Sparkasse. Der ge wesene Buchhalter der städtischen Sparkasse, Paul Werkmeister, der, wie wir berichteten, durch eigenartige Schwindelmanöver die städtische Sparkasse um 28 000 M. geschädigt hat, weilt nicht mehr unter de» Lebenden. Er hat sich in feineni Schlafzimmer durch einen Schuß ins Herz gelötet. Der Knall des Schusses war nicht bemerkt worden und erst als eine der Töchter W/s zufällig in das Schlafzimmer ihres Vaters trat, fand sie ihn mit durchschossener Brust auf dem Teppich hingestreckt. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen. Der Schuß war mitten durchs Herz gegangen und muß den Tod sofort herbeigeführt haben. Strastcusperrnug. Die Cotheniusstraße von der Elbinger- bis zur Thorncrstraße Ivird behufs Asphaltiernng vom 5. k. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Kastanien-Allee von der Schwedterstraße bis zur Schönhauser Allee ohne Kreuzdämme vom 30. d. Mts. ab. Unfug. Am IS. d. M. wurde an der von der Hehdtbnicke eine Kinderleiche aus dem Landwehrkanal herausgefischt Da die Kriminal- Polizei mit der Möglichkeit rechnen niußte, daß das Kind ermordet sein könnte, so bot sie unverzüglich einen großen Apparat auf, um ohne Zeitverfäumnis die Mutter und mutmaßliche Mörderin zu ermitteln. Alle diese Arbeit war jedoch nicht nur erfolglos, sondern wie jetzt die Leichenöffnung gezeigt hat, auch überflüssig. Die Obduktion ergab nämlich, daß man es nicht mit einem gewaltsam getöteten Kinde, sondern mit einer Mißgeburt zu thun hatte, die überhaupt nicht lebensfähig gewesen ist, mit einem Präparat, das lange Zeit in Sviritus gelegen hat, und das dann der Besitzer ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen seines Thuns einfach weg« geworfen hat. Im Streit erstochen wurde in der Nacht zu gestern der 22 Jahre alte, aus Lübbecke in Westfalen gebürtige Musiler Georg Schöneberg, der vor einigen Wochen von Neu- Weißensee nach Berlin umgezogen war. Der junge Mann geriet in Moabit mit drei Männern, die noch nicht festgestellt sind, anscheinend Berufs- genossen, in Streit. Einer seiner Gegner griff auf der Straße zum Messer und stieß es ihm in den Oberschenkel. Schwer verwundet brach Schöneberg vor dem Hause Quitzowstr. 139 auf dem Bürger« steige zusammen und verlor die Besinnung! Seine Gegner ließen ihn hilflos liegen und liefen davon. Ein Gastlvirt aus der Nähe, der ihn fand, holte sofort einen Arzt und benachrichtigte die Polizei. Der Arzt stellte fest, daß der Stich die Hauptschlagader getroffen hatte. Der Verwundete war vom Blutverluste schon stark erschöpft, gab aber noch Lebenszeichen von sich. Nach Anwendung geciguctcr Mittel und Unterbindung der Wunde wollte ihn der Arzt mit einem Koppschen Rettungswagen nach dcni Moabitcr Krankenhause bringen lassen. Der Verletzte starb aber schon auf dem Wege dorthin an Verblutung. Die Leiche wurde beschlagnahmt und später nach dem Schauhause gebracht. Den Thätern ist die Kriminalpolizei auf der Spur. Unfall aus der Stadtbahn. Bei der Station Warschauer Brücke wurden gestern früh 7 Uhr zivei Streckenarbeiter von einem Vorortzug, dessen Annäherung von ihnen nicht rechtzeitig bemerkt war, angefahren. Der Arbeiter Wilhelm König aus Fricdrichsbcrg, der seit 14 Jahren au der Stadtbahn thätig ist..wurde so schwer verletzt, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Der Arbeiter Kurz kam mit leichteren Verletzungen davon. Den Tod auf de» Eisenbahnschiene» suchte und fand Sonn- abendmorgen ein Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht. Kurz vor 9 Uhr warf er sich auf dem Bahnhof Friedrichstraße vor einen Fernzug und ließ sich den Kopf abfahren. Die Bahnhofswache beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Der Selbstmörder, der bürgerliche Kleidung trug, soll ein Post- assistent sein. Feuerbertcht. Aufregung bei einem Brande entstand Sonn- abend früh 7 Uhr in der Schillingstr. 12. Hier war in der Schuh- fabrik von Stein beim Kockcn von verfchiedenen Oelen die Masse übergekocht und hatte im Nu mehrere Räume total verqualmt. Ein Arbeiter der Steinffchen Fabrik zog sich beim Löschen der Flainincn Brandwunden zu, die jedoch nicht lebensgefährlich sind. Die Feuer- wehr trat nur kurze Zeit in Thätigkeit. Der verursachte Schaden ist nicht sehr erheblich. Gleichzeitig ivurde die Wehr nach der Müller- straße 1£>0a gerufen. Hier war aus nicbt ermittelter Ursache Feuer ausgekommen, das in kurzer Zeit Fenster. Thüren, Fußboden ic. ergriffen hatte. Obgleich dieWehr sofort aus zwei Schlauchleitungen Wasser gab, gelaug es ihr doch erst nach einstündiger Löscharbeit, die Gefahr zu beseitigen. Eine Stunde später mußte die Wehr am Opernhanse einen durch Kurzschluß in Brand geratenen Straßcnbahnivagen ab- löschen. Früh gegen 3 Uhr gingen in der Oranienstr. 43 in einer Wohnung Möbel, Betten und Kleidungsstücke iu Flaminen auf. Freitagabend 10 Uhr hatte in der Wörtherstr. 37 ein Posten Heu Feuer gefangen, während in der Borsigstr. 4 Gardinen. Matratzen und Betten ein Raub der Flammen' wurden. Ein kleiner Zimmer- brand beschäftigte die Wehr nachmittags 6 Uhr in der Novalisstr. 4. Außerdem waren im Laufe des Sonnabends noch Alarmierungen von der Altonaerstr. 30 und Alt-Moabit 114 zu verzeichnen, die jedoch auf unbedeutende Anlässe zurückzuführen waren. Die Urania ließ gestern den angekündigten AnsstattungSvortrag „Die deutsche Ostseeküste" zum erstenmale ausführen. In hübscher Darstellung hatte Herr Franz G o e r k e dies Stück Deutsch- land für Ohr und Äuge so angenehm gemacht, wie eS nur in der Urania möglich ist. Eine Unzahl farbiger Lichtbilder, deren Reinheit und Natnrtreue immer neues Staunen weckte, brachte die Ostlee von der Kurischen Nehrung bis zum nördlichen Schlestvig zu Gesicht. Das zerstörende Wirken der Wanderdünen wurde veranschaulicht, die Dörfer, die durch diese unheimliche Naturgewalt vergraben waren, traten ins Auge, und dann ging es weiter über daS Samland, an der Marienburg vorbei nach Danzig und Zoppot. Der ziveite Teil des Vor- träges befaßte sich mit der pommerschen und mecklenburgischen Küste, er zeigte das Badcleben und die herrlichen Buchen- wälder, die gleich einem grünen Kranz die Ostseeküste bis ins Holsteinische hinein durchziehen. Rostock, Wismar, Lübeck, Kiel sowie Sonderburg und Flensburg traten in wirkungsvollen Bildern hervor. Es scheint immer mehr, als ob die Urania sich der früher an- gewandten Kunst des Dekorationsmalers entschlagen und in ihren Vorträgen einzig die Photographie wirken lassen wollte. Die staunenswerte Farbenpracht der Bilder, deren jedes in seiner Art ein Kunstwerk ist, läßt solches Unterfangen begreiflich finden. Kein Maler kann auf der Leinwand die melancholische Schönheit deS Waldes und namentlich die stnrmgcpcitschte See mit solcher Natur- treue wiedergeben, Ivie eS hier die Herren Goerke und Kranz auf der Glasplatte vermochten. Freie Volksbühne. Von dem früheren Vorsitzenden deS Vereins„Freie Volksbühne", Dr. Conrad Schmidt und den aus- geschiedenen Ausschutzmitgliedenr. Frau Dr. Zadel, Herren Vaake und Bloch geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung ei» Schreiben zu, daß sie die Gründe ihres Rücktrittes in der am 29. April in Cohns Festsälen stattfindenden Generalversammlung des Vereins darlege» werden. Arbeitcr-BildnngSschnle, Gewerkschaftshans. Engel-Ufer IS- Der Unterricht in Geschichte findet am Dienstag nicht statt, sondern Mittwoch, den 30. April. Der Unterricht in National- ö k o n o m i e füllt am 1. und 8. Mai anS. Die erste Ersatzstunde findet am Mittivoch, den 7. Mai, statt. Die Teilnehmer wollen gefl. darauf achten._ SlnS de» Viochbarorte». Tie Einverleibung Lichtenbergs in Berlin macht ersichtlich Fortschritte. Beide Körperschaften, deuc» die vorbereitenden Schritte obliegen, widmen sich mit solchem Ernst und Eifer der Sache, daß an einen baldigen praktischen und greifbaren Vorschlag nicht mehr zu zweifeln ist. Die Einverleibuugskommission der Gemeinde- Verwaltung von Lichtenberg beschäftigte sich in einer Sitzung am Freitag mit einem vom Berliner Magistrat als Grundlage zur Ver- Handlung gelieferten Vertrage. Die Verhandlungen werden am Montag im Berliner Rathause fortgeführt. Die Eiuvcrlcibnngs- kommissiou betreibt aber dessenungeachtet das Stadt iverdnn gs- Projekt mit demselben Eifer und es steht so zu erwarten, daß in den nächsten Monaten die Frage, ob Lichtenberg Stadt ivird oder in Berlin einzuverleiben ist, entschieden ivird. Lichtenberg. Zu dein G e m e i u d e tv a h l en, die Freitag von vormittags 11 Uhr bis abends 8 Uhr stattfinden, haben die Parteigenossen ihre Vorarbeiten beendet. Die an andrer Stelle be- kannt gegebenen drei Volksversammlungen werden de» Bericht der bisherigen Vertreter entgegennehmeil und über die vom Social- demokratischen Wahlverein anfgesteNten Kandidaten sich äußern. Die Bürgerlichen betreiben ihre Agitation im geheimen, alles tvaS abhängig ist. und nur auf diese Leute kau» sich unserj„Freisinn" stützen, ivird bearbeitet. Hoffen wir, daß zu Gunsteil der Social- demokraten gewählt wird. denen Lichtenberg doch allein die Thatsache zu verdanken hat, daß Berlin mit dem Orte wegen Ein- vertcibung ernstlich verhandelt. Ohne die Socialdemokraten wäre doch im vergangeneu Jahre bei der Fürst Henckel von Donnersuiarck- scheu Grundstücksaffaire der ausschlaggebende OrtSteil ver— handelt werden! Nicht darauf kommt es an, dieselbe Stimmenzahl auf die bisherigen Vertreter zu vereinigen, sondern de» Gemaßregelten muß die Gemigtbuung werden, daß. sie mit erdrückender Stimmenzahl ge- tväblt, die Machination der nichts weniger als anständigen Gegner abführen können. Kein Wähler darf amZ Freitag am Wahltisch fehlen. Die städtischen Behörden von Eharlottenburg erwägen in neuerer Zeit de» Plan, die Rieselfelder bei Gatow und Karolinenhöhe allmählich eingehen zu lassen und für diesen Ztveck anderweit geeignetere Ländereien zu erwerben. Die Schäden, welche die Abflüsse der Rieselfelder an benachbarten Grnndsliickc» angerichtet haben, erforderten eine» Austvand von Hundcrttaiiscnden und fort- gesetzt hohe Prozeßgebühre». Das ganze Gelände liegt über einem undurchlässigen Thonlagcr, das nicht aufnahmefähig für Abwässer ist. Berliner Theater. Alle Abende(außer Montag und Freitag): Alt- Heidelberg. Montag: Ueder unsre Kraft II. Freitag: Maria Stuart.— Residenz- Theater. Alle Abende: Einquartierung. Nächsten Sonmagnachmittag: Nora.— Neues Theater. Diesen Sonntag, Montag, Dienstag und Sonnabend: M'a.mour. Mittwoch, Donnerstag, Freitag und nächsten Sonntag: ObSri.— Central-Theater. Allabendlich: Das füße Mädel. Nächsten Sonntagnachniittag: Boccaccio.— Thalia-Theater. Von Sonntag bis Mittwoch: Seine Kleiue. Von Donnerstag bis nächsten Sonntag: Gastspiel der Schlierseer: Der HerrgvtAchnitzer von Ammergau.— Belle-Alltauce-Theater» All« Abende: Die Dame aus Trouville. Er Diesen Sonntagnachmiltag: Elfriede.- Seceffions-Theater. Allabendlich: Buittes Brettl.— Urania. Alle Abetlde: Die deutsche ftseetllste.- Apollo-Theater. Alle Abende: Lvüstrata.— SÄintergnrten: Spectalitäten. 3« der Angelegenheit deS Charlottenburger Kredit- und EparvereinS wird noch mitgeteilt, daß Gehlsen an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht II drei Strafanzeigen gerichtet hat, am 16., 21. und 23. d. M. Die Sache ivird vom Staalsanivalt Katz bearbeitet. Dieser hat von Gehlse» bereits ei» umfangreiches Material erhalten und ihn selbst darüber zwei Stunden lang ver- nommen. Gehlsen beantragt auch, die Bücher deS Vereins zu be- schlaguahmen und durch einen gerichtlichen Sachverständigeii prüfen zu lassen. Vom Ordnungskampf im Spandauer Stadtparlament. Aus Spandau wird miS berichtet: lieber die neueste Ruhmesthat der freisiiinig-koiiservativen Mehrheit der hiesige» Stadtväter hat der „Vorwärts" bereits kurz berichtet. Die ganze ohnutächtige Schwäche und die Würdelosigkcit des kommunalen Freisinns offenbart sich in dem allerneuesten Schritt, durch eine entsprechende Aenderung der Geschäftsordming der nuangenehmen socialdemokratischen Kritik, deren Berechtigung man im bürgerlichen Lager nur noch durch eitle Verdrehuiigskunststückchen abzuleugnen' wagt, eine Fcffel anzulegen. Ein Uiirecht mit einem zweiten gut machen heißt diese Art Politik. Uiisren Genossen, welche jetzt zehn Sitze von den 42 im ganzen beherrschen, ist durch das Verhalten der Mehrheit, welche jede Reform einfach ablehnte und die aller- bescheidensten Anträge kurzer Hand n i e d e r st i m m t e, einzig weil— sie von Socialdemokraten ausgingen—, der erbitterte Abwehrkampf direkt aufgezwungen worden. Die unsociale und oft allgemein Auf- sehen erregende Stellmignahme der hiesigen Stadtverordneten-Mehr- heit ist den Lesern des„Vorwärts" ja hinlänglich bekannt. Am Donnerstag nun suchte man unsre Genossen zu überraschen, denn in der Tagesordnung war die betreffende Vorlage nur kurz mit„Aenderung der Geschäftsordnung" bezeichnet. Worin die beabsichtigte Aenderung bestehen sollte, war nicht angegeben. Unsre Genossen waren aber trotzdem gewappnet. Zum größten Verdruß der Herren, welche am liebsten sehen würden, daß die bösen Hechte in dem bürgerlichen Karpfenteich nicht mehr zu mucksen wagen, ruckte der Sprecher der socialdemokratischen Fraktion aber mit dem Entwurf einer neueii Geschäftsordnung rcsp. mit etwa 50 Abändern n gSa n träge ii heraus, welche unser Genosse in mehr als einstüudiger Rede begründete. Die Spaniiiing zwischen beiden Parteien erreichte ihren Höhe- Punkt, als der„liberale" Stadtv. Jenne den Mut fand, den KnebelmigSniitrag des Vorstandes zu verteidigen. Von dem Stadtv. Reinecke flog unfrcm Genossen Scholz daS Wort„Lailsejimge" an den Kopf, eS wurden gegenseitig heftige Worte gewechselt, und als schließlich die Abänderung der Geschäfts- orduniig im Sinne der Mehrheit beschlossen wurde, verließen die socialdemokratischen Stadtverordneten demonstrativ den Sitzungssaal. (!««>i'»lvei'bilnä ä«i' Handels-., Transport- und Verkelirsarlieiter Deutsclil. Hierdurch den Mitgliedern zur Nach- richt. daß unier Kollege verstorben ist.. Die Beerdigung findet Montag, den 23. April, nnchni. 4 Uhr, von der Charits noch dem Charits- Kirchhof, Müllerstraße, Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung kittet Deutscher MetaHarheiter-Verband Aerwnltungsftelle Berlin. Todes- Nttzorge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffcr Friedrich Nschbalh im Alter von 69 Jahre» gestorben ist. E h r e s c i n e in Andenken! Die Beerdigung findet am SoiuNag, den 21. April, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle deS städt. KrantenhauseS Moabit, Birkenstr. 62/68, aus Nack, dem St. Johannis- Kirchhof in Plötzenscc statt. Zahlreiche Beteiltgung erwartet Il4/S Die QrtSvcrlvaltnng. TodcS-Auzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Bildhauer Ktchai-d I.nnc»' nach langen schweren Leiden am Sonn- abend srüh 12 V, Uhr fansteutschlasen ist. Die Beerdigung findet Dienstag- nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle deö Nixdorser Kirchhofs, Rudoivcr- straße, aus statt. 2248b DieS zeigt an die tiefbetrübte Witwe Frau I-iu-xt-, geb. Franke, ncbstKiiid. Rixdorf, Selchowcrstr. 84. I1 o d n i kc. Heute früh TV« Uhr verstarb nach langem schweren Leiden mein treuer Mitarbeiter und Freund, Herr 229Zb Max Crohn. Sein hervorragender Charakter, Fleiß und Treue sichern ihm in meinem Herzen ein uliaus- löschliches Andenken. lUnx Iticlaki. Berlin, den 17. April 1902. Oankaaguiig. Für die aus Anlaß des schweren Verlustes durch plötzlichen Tod meines lieben unvergeßlichen Gatten und Vaters, des Klempners Ott««aei-x«»» mir von allenSeiten entgegengebrachten Beweise der Liebe und Teilnahme sehe ich mich genötigt, aus diesem Wege zu danken, insbesondere dein Herrn Klempnermcister Stand und den Kollegen meines uiwergeßlichen Mannes. 22öüb 01««chwaraeprUtt« Wllwe nebst Kindern. Orts- Krankenkasse für das Töjisergwtl'be p Berlin. Unsre ordentliche Getterttl-Versammlung findet am Mittivoch. de» 30. April 190S. abends 8 Uhr im Saale Gi-enadievstr. 33 statt. Tagesordnung: Legung der Jahresrechnung und Borstaiidsbericht. Verschiedenes. 272/18__ Ter Vorstand. Achtung! Achtang! ■Vereines 39998 Met» Saal und Garten ist noch einige Sonnabende zum7So»n»er- Vergnügungen frei; auch geeignet für Gesangvereine zu NevungS- stunde» Ein masstveS Gartenhans, passend für Vereine, Zahlstellen u. ZlthlctcnklubS aller Art, sowie zwei verdeckte Kegelbahnen zur Benutzung. W'. t4ICin«rt. 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Für die belgischen Parteigenossen sind bei dem Unterzeichneten folgende Beiträge eingegangen: AuS Berlin: L. und H. B. 20,—. Dr. S. 5,—. Dr. St. 10,—. Dr. C. F. 20,-. A. R. SW. 48 20,-. C. Scholz 2,-. I. H. F. N. 3,-. Von den Arbeitern der Werkzeugmaschinen-Fabrik Weber n. Co. 10,—. Von den Beamten der Orts- Krankenkasse der Kanflente ausser einigen 5,—. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Filiale Berlin 1000,—. Metall- arbeiter der Firma Eues, Kreuzbergstrasse 26 8,20. Gesammelt von dem Personal der Galanteriewaren- Fabrik I. Fäisig 18,15. Buchdruckerei von Pass und Garleb 20,—. Gesammelt bei Fenske 4,50. Tischlerei Sauerwein 17,50. Werkstelle Kühne 3,—. Sämtliche Arbeiter des Neubaues Lindenstr. 03 48,30. Von den Arbeiten: bei Leibe u. Co. 10,30. Rauchllub Germania, gesammelt bei einer Geburtstngsseier durch Mewes 4,20. I. H. 50,—. L.— v. 10,—. Die Schneider der Werk- statt Müller, Trescknwstr. 22, 3,—. Gesammelt von den Steindruckern, ausser einigen, Dresdenerstr. 35, 8,50. Fr. Fr. 10,—. Englische Gasanstalt Mariendorf 41,15. Galanteriewarensabrik Fässig 1,—. Nord-West, W. H. bv.—. Schneiderwerkstatt Rauer, Fürbriugerstr. 10, 5,—. Aus andren Orteni Charlottenburg, Dr. St. und Sch. 20,—. Friedrichshagen, G. P., Friedrichstrasse, 5,—. Chemnitz, von den Redacteuren der„Volksstimme" 20,—. Aus den ReichSlandeu 100,—. Helmstedt, vom Wahlverein durch R. 20,—. Wittenberg, Zahlstelle der Porzellanarbeitcr, 10,70. Schwedt a. O., socialdemokratischer Wahlverein 10,—. Breslau, Zahlstelle des Porzellanarbciter-Verbandcs 20,—. Osterode a. Harz, von Arbeitem 30,—. Hamburg- Eimsbüttel, von den Cigarrenarbeitern und Zurichtem der Tabalarbeiter- Genossenschaft 50,—. Kiel, rote Sänger 30,—. Charlottenburg, drei Böttcher ans Potsdam 3,—. Bielefeld, den mutigen Kämpfern, von S. Sch. 2,—. Rötha i. S., von den organisierten Kürschnern 50,—. Emmerich a. Rh., von den organisierten Porzellanarbeitern 5,—. Guben, vom Holzarbeiter- Ver- band, Zahlstelle G. 22,00. Hanau, vom Wahlkreise Hanau-Gelnhausen-Orb 50,—, von den Genossen der Stadt Hanau 100,—, Sa. 150,—. Branden- bürg a. H., m der Redaktion der„Brandenburger Zeitung" eingegangen, 2 Raten Sa. 07,30. Kiel, M. T. 5,—. Eisenach, vom deutschen Metall- arbeiter- Verband Zahlstelle E. 30,—. Bremerhaven, Verband der Maurer Deutschlands, Zweigvercin Br. 3V,—. Hamburg, Cigarren- fabrik I. H. Piza 11,80. Gersdorf(Bezirk Cheninitz), eingezahlt am Stammtisch Krohne v. H. H., E. H., W. B., M. B. 3,50. Görlitz, B., P. a. D. 5,—. Erfurt, Wahllr. Erf.-Schleus.-Ziegenrück 50,—. Wiesbaden, Ä. Sch. 5.—. Dortmund, durch H. Becker 62,—. Steglitz, von den orga- nisierten Zimmerern des Baugeschäfts I. Sinnig 5,30. Nürnberg, St. Sch 10,—. Erlangen, Gewerkschaftslartell durch G. 30,—. Köpenick, vom Gewerk- schaftskartcll durch H. 15,—, Halberstadt, roter Alkoholgegner 1,05. Friedenau, Ses. durch S. Schutz 1,20. Salzungen, 1. Rate der Gen. durch R. W. 12,35. iisleben, durch I. St. 7,—. Bmizlau, das Gewerkschaftskartell 10,—. Alsheim(Rheinh) A H. 3,—. Löderburg, mehrere Genossen 0.—. Pforz- heim, von der Filiale der Graveure 15,—. Bremen, vom Wahlkreis 800,—, Genoffen der Stadt 200,—, Sa. 1000,—. Karlsruhe, im„Bolkssreund" ein- gegangen in 2 Raten Sa. 502,53. Rosswcin i. S., vom Arbeiterverein 20,—. Kesselstadt bei Hanau, vom„Arbciterschutz" durch Fr. N. 10,—. Gotha, durch den Vertrauensmann A. H. 100,—. Hartmannsdorf, Bez. Leipzig, von den Textilarbeitern durch P. B. j20,—. Verden a. Aller, von den Genossen des 0. hannoverschen Wahlkreises 50,—. Jüterbog, vom Wahlverein 20,—. Beuthen(Oberschl.) A. W. 10,—. Temesvar(Ungarn), von den Handschuhmachern 8,53. Aschassenburg, von den Gewerkschaften durch Sch. 25,—. Würzburg, von den organisierten Arbeitern durch L. K. 72,—. Ilmenau, v. socialdemokr. V. V. 20,—, von Lederarbeitern 8,—, Summa 28,—. Braunschweig, Partei und Gewerkschafts- kartcll in zwei Raten Sa. 300,—. Königsberg i. Pr., von einem alten Demokraten 20,-, von Dr. S. Stern 10,-. Dr. S. C. 3.-, Dr. O. F. 3.-. G. P. 3,—.Frau Ida Stern 3,—, Sa. 42,—. Luckenwalde, v.Gewerkschastskartell 50,—. Nauen, von den Tabakarbeitern 15—. Haderleben, Tellersammlung auf dem Ball der Metallarbeiter und Schneider 11,33. Friedberg i. Hessen, von de» Parteigenossen 38,30. Soest i. W., Hutmacher 5,—. Oldenburg(Grossh), durch H. 50,—. Zeitz, Zahlstelle der Textilarbeiter 10,—. Bünde i. W., Arbeiter- Bildungsverein 20,05. Merzig a. d. Saar, rote Nörgler 5,—. Osterwald, von Parteigenossen der Glasfabrik 32,05. Chemnitz, Ortsgruppe der organisierten Handschuhmacher 5,—. Dcrcnburg a. H., gesammelt von den Wcissgerbcrn 5,—. Duisburg, vom Gewerkjchastökartcll 50,—. Steglitz und Umgegend, GewerkschastS-Kommission 57,—. Stendal, vom Ver- band der Vergolder 50,—. Mannheim, durch Pfeissle in 2 Raten Sa. 230,—. Gotha, von den organisierten Tapezierern durch R. H. 5,—. Schöneberg, Skatklub Radau, Blitzzug Beelitz-Berlin 20,—. Lüdenscheid, vom locialdemokr. Wahliicrein 150,—. Bieleseld, durch A. Zenker 15.—, von den organisierten Metallarbeitern 75,—, Sa. 30,—. Guben, von den organisierten Tabalarbeitern 3,85. Scknceberg i. Erzgeb., von der Filiale des Textilarbeiter-Verbandes 10,—. Altcnburg S.-A., Wahlkreis 100,—. Friedland, Bez. Breslau, durch W. Sch. 6,-. Ludwigshafen a. Rh., social- dcmokr. Partei Bayerns, Gau Pfalz 50,—, socialdemolr. Verein Ludwigs- Hafen 50,—, Sa. 100,—. Cheninitz, Gau Erzgeb.-Vogtl. des Buchdrucker- Verbandes durch D. 50,—. Göllesberg, Knapprnverein„Glück Aus" 10,—. Mainz, durch die„Volkszeitung" 130,—. Bromberg, O. K. 3,05. Ottensen, Uebersch. einer Kranzspende v. d. Dietzschen Bude 4,50. Mülhausen i. Els., von einer venvcigcrten Kranzspende von den roten Sängern 10,—. Franken- berg i. S., von den Arbeitern der Tabakarbeiter- Genossenschaft, Filiale Fr. 40.—. M.-Gladbach, vom Wahlverein 15,—. Von den central- organisierten Hutmachcrn in Luckenwalde durch A. M., Altenburg 20,—. Frankfurt a. M., vom Vertrauensmann 183,10. Spandau, Gewerkschasts- kartell 50,—. Solingen, gesammelt von der Redaktion der„Bergischen Arbciterstimme" 38,20. Bochum, vom Centrnlvcrband der Maurer durch W. 30,—. Halle a. von den organisierten Glasern 30,—. In der Ex- pedition des„Vorwärts" eingegangen 3408,20. Indem wir allen Gebern besten Tank sage», schließen wir hiermit die Sammlung. Berlin, den 26, April 1S02. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Kreuzbergstrasse 30. *.* Berichtigung. Betreffend die Schlussqnittung der Expedition bezüglich der Sammlung für die belgische» Genossen muss es heissen: Insgesamt 3408,20 und nicht 3418,26;_ Gericfzks�IeUunq. Persönliche Freiheit in Berlin. Der Arbeiter Ziminermann war vom hiesigen Amtsgericht I wegen versuchter Nötigung, Be- leidigung, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt mit 3 Monaten Gefängnis bestraft werden. Er sollte am 16. Dezember 1901 bei einem Streik der Kistenmnchcr der Fabrik von Götze, obwohl selbst nicht Kistenmacher und am Streik nicht beteiligt, den„Arbeitswilligen" Torfstecher als Streikbrecher, Lump und dergl. tituliert, geschlagen und geäußert haben: „wenn er morgen zur Arbeit komme, werde er von den Kisten» machern seine Wucht kriegen." In der Verhandlung vor der Berufungsinstanz, die am 22. April stattfand, wurde zunächst er« wiesen, daß Törsstechcr, der Denunziant, früher ein eifriges Gelverk- schaftsmitglied gewesen, selbst einmal wegen versuchter Nötigung eines Arbeitswilligen zu drei Monaten Gesängnis verurteilt worden war. und besonders den Angeklagten Zimmermann, der früher nicht organisiert gewesen war, als Streikbrecher wiederholt heftig geschmäht hatte. Zimmerniann hatte sonach nur Vergeltung geübt. Der Widerstand sollte dem Schutzmann Lcidolt gegenüber geleistet sein, der auf Veranlassung Torfstechers in dem Perretschen Lokale, wo die streikenden Arbeiter verkehrten, zur Sisterung Zimmermanns schritt. Die Verhandlung nahm einen überraschenden Verlauf. Leidolt erklärte aus Befragen: er habe einen Versuch, ohne Sistierung die Persönlichkeit Zimmennanns durch Ausweis« papicre und dergleichen festzustellen, um deswillen unterlassen, weil es sich um ein S t r e i k v e r g e h e n gehandelt habe. Es bc« stehe eine Anweisung des Polizeipräsidiums, daß alle Streikfrevler stctS zur Wache zu bringe» feien. Außerdem habe er sich in dem Lokal in einer gefährlichen Situation befunden. Worin die Gefahr der Situation bestanden habe, wußte der Zeuge nicht recht anzugeben. Es waren nämlich nur 4—6 Personen im Gastzimmer, die selbst, als Leidolt— unrechtmäßig— zur gelvaltsamcn Sistierung schritt, nicht einmal auch nur ein Scheltlvort fallen ließen I Der Angeklagte wurde von der Anklage der Nötigung und des Widerstandes freigesprochen; das Vorgehen des Polizeibeamten wurde ausdrücklich als unrechtmäßig bezeichnet. Die-Strafe wegen Beleidigung und Körperverletzung erfuhr eine Herabsetzung auf 30 M. Die Oeffcntlichkeit und vor allem die Arbeiterschaft hat«in dringendes Interesse zu erfahren, ob die von dem Schutzmann Leidolt bezeugte— offenbar schroff gesetzwidrige— Anweisung des Polizeipräsidiums thatsächlich besteht. Wir verlangen Aufklärung, ob die höchste Berliner Rechts- Schutzbehörde sich der behaupteten schweren Verletzung der preußischen Verfassung schuldig gemacht hat. Adlershllf und Umgegend. Donnerstag, den R. Mai, vorm. Q'/a Uhr, bei Herrn Schecr (Wilhelmsgarten) in Köpenick. Nudowcrstr. I: i» uunvlauuiiuuuii« Tages-Ordnung: 1. Di« Bedeutung des l. Mai. Referent Liitfin. 2. Diskusston. 222/7 Die Kollegen aller Branchen werden ersucht, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu laffen und in dieser Versammlung zu erscheinen. _ Die Gewerkschaftökommifsion. Restaurant Nen-Seeland, Stralau, inh.: Ww. sdion&rt. Donnerstag, den 1. Mai 1902: Mai-Feier arrangiert von den Parteigenossen von iltUMMrlslflU'g-StratlUt. Gr. Garten-Konaert.— Turnerische AnlTiilii-iiiigcn von Mitgliedern des Turnvereius»Freie Turllerschaft"-Rnuimelsburg.— Gesangs vortrüge der hiesigen Arbeiter-Gesangvereine. kestneitv gehalten vom Gen. 2)v. Paul Bernstein. Anfang 4 Uhr nachmittags. Billct lä Pf. Beginn deö Tanzes: K Uhr. 222/8 Herren, welche am Tanz teilnehme», zahlen 30 Pf. nach. Um rege Teilnahme bittet_ Ta? Komitee. Bus*' Salon und Stehbierhalle, Gr. Frankfnrterstr. 86. Jeden Sonntag, Dienstag, Donners- tag, Freitag: Ball. Empfehle meine» Saal nebst Garten an Vereine zu Festlichleiten an Sonnabenden 38371!* Otto Theol. Moabiter Gesellsehaftshaus. Berlin, Alt-Moabit 80/81. An alle Freunde und Genossen! richte ich hiermit die ergebene Mitteilung, dass mein grosses, neu renoviertes 2153b ggp Sommer-Etablissement � vom 1. Mal ab wieder eröffnet ist. ES finden alle Sonntage große Monierle mit GpeeiaülSlen Vorstellungen ersten Banges statt und habe ich daS Entree auf den äusserst niedrige» Preis von 10 Pf. pro Person festgesetzt, um auch den Aeruisteu der Armen Gelegenheit zu bieten, sich am Sonntag amüsieren zu können. Ich bitte alle Freunde und Genoffen, mich thatttäftig unterstützen zu wollen. Gleichzeitig teile ich noch mit, dass meine grossen Säle lvr Sommernachtsbälle, Gesell- schaften, Hochzelten und Vereine noch verschiedentlich zu haben sind. Helmuth Peters. e Berliner Bock- Brauerei »ftr. 2/3. Jeden Sonntag: Teinpelhofer Berg. R'�A�arsbi-ItoiazkSA't. i deS Königin Augusta Garde-Grenadier-Reg. Nr. 4 in Uniform.) Antang 5 Uhr. Entree 30 Pf. 33262* Sin HoheuBern-Ziilil: Großer ftoll. pfehle den geehrten Bcreincr Garte» und Säle zur Ab- von Souimerfesten. Auguet Raddatz, Oekonom. W. Vabrlichs Paradies-Garten 131. Schönhauser Allee 131. Angenehmer Familien-Aufenhalt.— Volksbelustigungen aller Art. Kaffecküche von 2 Uhr ab geöffnet. 40252» Jeden Sonntag: Grotzes Konzert. Eintritt frei. Bon Mittwoch, 31, Mal, ab jeden Mittwoch die beliebten Klndarfaata. Berlins. "yr1 1. Wahlkreis: Palast-Theater, Burgstrasse No. 22. 2. Wahlkreis: Bock-Brauerei, Fidiöinstr.2/3, am Tempelhofer Berg. I. Wahlkreis: Neue Welt, Hasenheide. L Wahlkreis(Sud-Ost): Sanssouci, Kottbuserstrasse 4a. 4. Wahlkreis(Ost); Brauerei Friedrichshain(Lipps), am Königsthor. do. Kellers Festsäle. Koppenstrasse 29. 6. Wahlkreis(Schönh. Vorstadt): Puhlmanns Vaudeville- Theater, Schönhanser Allee 148. do. Berliner Prater, Kastanien-Allee 7-9. Nieder-Barnim: Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer No. 15. Lichtenberg- Friedrichsberg: Höflichs„Schwarzer Adler", Frankfarter Chansaee ISO. Ein reichhaltiges Programm, bestehend in: UMn InstriHtal- und Mal-Konzurt, Theater, Lebenden Bildern, turnerischen Aufführungen, Vorträgen ernsten und heiteren Inhalts, Fenerwerk, Tanz u. Klndcrbelnatlgaugen wird die Maifeier in einem wahren Volksfest machen. Der Featgesang wird von den Gesangvereinen des Arbeiter-Sängerbundes ausgeführt. Anfang 4 Uhr.——— Eröffnung der Kaffecküche 2 Uhr. Alles Nähere die Plakate und Billets der einzelneu Wahlkreise. Um recht zahlreiche Beteiligung in allen Kreisen ersuchen Ble Vertraaenaleute Berlin«. «9 oli aiuilstli al. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonntag i Gvo�tter Kall. Kaffeeküche.Kegelbahn. Ausspannung Saal für Vereine».Versammlungen, Möbelfabrik Hellmundt&Co. Holzmarklslrasse No. II No. II Berlin. Fabrikgebäude 1 Treppe. Direkte Einkaufsstelle. Paneel- Ftagoren- Sofa mit Satteltaschen und Q Plüscheinfassg.. Mk.« Dasselbe ohne Etagere.. Mk Familien• Sofa 38-55 Mk. 70.- Kronen-Bettstelle Nussb., fourniert, mit Sprungfeder-Matratze u. Keil- CQ_ kissen....... Mk. 9". Einfacher Mk. 48.—, 54.— Np"b»: 14.-«. 81- Kleiderspind Nussb., fourniert Mk. 45.~ Passend. Vertiko Mk. 45.- Der neue Fracht- Katalog wird fcoetenfi-ei. versandt. Haifeier der socialdemokratischen Parteigenossen des V. und VI. Berliner und des 247/10 G G O O O S NM-kkckU-«MM MIIisKi8K8. V. WakIZCi'eiss Schweizer Garten m MigStjsr VI. Wahlkreis i Ahrends Kranerei» TmiHrch ZZ-Zk Moaditer Gefellschastshans Meters)» M Mllbit 8ll-81 Feldschlößchen, Müllerßrche IjZ Eiskeller» ChllOeftche 88 Kallschmieders Kastanienwaldchen» Bllhßr. 16 Mariendad, MMe 36 Wernau» SijiDcDtcrjitiiic 23-M T elto w-Beesko w s Köpenick: Milhelmsgarten(Scheer) „ Hotel Kaiserhof Schönederg: Obst» Meillingcrßrllße 8 Wilmersdorf: Wittes Voltsgarten, Berlintrsir. 116 bestehend in Konzert, Cesangs-, ttieatraliscli. n. turneriscii. Suffiilrapn. = Festrrvett= Lebenden Bildern- Tanz- Kinderbelnstignngen. Die Gesiwge werden von den Gesangvereinen dcS Arbeiter-SiingerbundcS ausgeführt. Anfang 4 Chr. Die KaiTcckttcbe ist von% Ihr an gcttlTnet. Alles Nähere durch die Plakate und Progrannnciu den einzelne» Wahlkreisen. Volks» Vei'SiSHiinliiHzxvn uovnlitkngo 10 Mhv Kritz: Rosensee-Terrasse, khlllisseeplljje 63-76. Adlershof: Zv Köpenick bei Scheer. Durch abwechfelungsreichrs Arrangement dieser Festlichkeiten glauben wir der Arbeiterschaft in jeder Weise Rechnung getragen zu haben und ersuchen daher um zahlreiche Beteiligung. Tie Komitees. O Ä G Mlonksg» den 38. April» Ndends von 7—8 Tlhr, finden im Lokale Zlene z�lzilhorttrotrie. Köpnickcrstr. 99, die Wahlen zum Innungs-S�ziedsgerichst für das Baugewerbe statt. Die Kandidatenliste der organisierten Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter ist folgende: K e i s i tz e r. Keifitzer-Stellvertreter. b) Manrer Albert Krna, Dronthetmerstr. la. Adolf Scholz. Schönleiustr. 20. d) 2!In»i>«rer Paul Dappert. Parochialstr. 22. Wilh. Siegmann, Heidenfeldstr. 3. c) Arbeiter Karl Kandale. Petersburgerstr. 2. Ostar Sprenger. Slaiitzerstr. öS. s.) Maurer. lkhristia» Nenmaii», Liiiarstr. 1. Angnst Lauge. Swinemünderstr. 88. d) lLtiuinerer. Albert Ptckcnyage», Boxhagenerstr. 10. Wilhelm Bergcls. Dieffenbachstr. 32. o) Arbeiter. Wilhelm Hain, Friedenstr. 80. Franz Langner. Weidenweg 46.' NB. Wahlberechtigt sind alle bei JnnungSmitgltederu beschäftigte Personen, die daS 25. Lebensjahr bollendet und feit mindestens einem Jahre in Herlin wohnhaft oder beschäftigt sind. ?lls Legitimation gilt ein vom Arbeitgeber ausgestellter Schein, welcher mit NamenSunterschrift oder Stempel deS Arbeitgebers, sowie dem Namen des Arbeiters versehen sein muh. Anberdem hat jeder Wähler sein Kranlenkassenbuch als Legitimation mitzubringen. ArbeitSgenoffen l Die bis heute im JnnungS-SchiedSgerickt übliche Rechtfprechnug gebietet, dab sich die organisierten Arbeiter, soweit sie bei Jiinnngsmeistcrn arbeiten, an der Wahl beteiligen. Wir fordern daher alle in Frage kommenden wahlberechtigten Genossen aus, sich in den Besitz der Legitimation zu setzen und pünktlich am Montagabend zur Stelle zu sein. Jeder Wähler erhält beim Eintritt ins Wahllokal einen Stimmzettel zugestellt. vie Vorstände der rentralorganifierten Maurer» Zimmerer und Kauhilfsarbeiter. I A.: Karl Panser. Hermann Knbe. Cskar Böttcher._* Cirkns Renz-Konzert-Tnunel Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. SpSolaiitsttSv. J.M.Hütt. Jeden Sonnabend nach der Voretellung: Tanz ohne Nachzahlung GarbinenhauS Bernhard Schwor» Wallstr. 29.- Flur-Eing. Mai Uersammlnilgen der im Getvevks�zafks-'NÄVkeN für Berlin und Umgegend vereinigten Organisationen am Donnerstag, den 1. Mai, vormittags 10 Uhr. Sie Vttsaimlilmigen iiiidcn mit Irauen statt. Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen: Die Vedenknng des ersten Mm. I 8 1 Q i i Banarbeiter. Englischer Garten. Alexanderstraste 27 o. Referent: Stadtv. Fritz Wille. Meseilltger, Isolierer w, RchiimMer Restaurant Schulz. Grenadierstraste 33. Referent: Genosse Arendsee. Maler. Restaurant Feuerstein. Alte Jakobstraste 75. Referent: Genosse Tavidsohu. Maurer. Germania-Prachtsäle, Chausseestratze 103. Referent: Genosse Heimann. Mßkillstrlllütlltenarbeiter nilii Mler bei Graumann, Naunvnstraste 27. Referent: Genosse Kater. Möbelpolierer. Restaurant Köulgsbank. Gr. Frankfnrterstr. 117. Referent: Hugo Poetzsch. Kistenmacher. Restaurant Stechcrt. Andreasstraste 21. Referent: Genosse Dr. Wehl. Kürschner. Luna-Säle. Neue König- Straste 7. Referent: Genosse Aug. PeterS. Norteseuiller und ffrder- galantene-Arbeiter. Fürstcnhof, Köpnickerstraste 137/133. Treffpunkt: Vormittags 9 Uhr bei Nagel, Kaiser Franz-Giciiadier-Platz 7. Nachmittags: Fainilie»- Zusanimenknuft im Jägerheim. Köpnicker Landstraste, erstes Lokal bei ftciem Konzert und Tanz. Tapezierer (Polsterer und Kleber) bei Jannaschk. Jnselstr. 10. Referent: Genosse N. Kleinlein. Nach der Versammlung: Wemeinschaftlilber AuSssug nach Tegel. Für Nachzügler: Treffpunkt bis nach- mittags 3 Uhr in TrappS Festsäle», Bahnhosstr. l, am Bahnhof Tegel. Töpfer. Ausflug nach Johannisthal. Treffpunkt: 9 Uhr Bahnhof Treptow. Für Nachzügler nachmittags 2 Uhr bei Senftlebrn in Johannisthal. Zinkgieker und Stürzer. Ausflug nach dem Restaurant Secschlöhchen in Friedrtchshagen. Zimmerer. Böhmische? Brauhaus,? ndsberger Allee 11/18. Referent: Genosse Kaliski. Gemeinsame Versammlung in den Borussia- Sälen, Ackerstrasie K— 7. Referent Genosse Dr. Paul Bernstein. Buchdrucker begeben sich direkt nach der Ber- iammlung. Bleiglaser begeben sich<>irelt nach der Ber- fammluna. Metallarbeiter, Treffpunkt um 8l/, Uhr bei Carl Patt, Dragonerstr. 15. Hausdiener und Packer begeben sich direkt nach der Versammlung. Rohrer treffen sich um 8�/, Uhr bei C arl P atts, Dragonerstr. 15. Schirinmacher begeben sich direkt nach der Ver- samurlnng. 288/11 Gemerkschafll. Irauenverein. Den Mitglieder» steht es frei, sich einer der vorstehenden Versammlungen anzuschließen. Anmelden der Versammlungen selbst zu Die Gewerkschaften haben das besorgen. Bei den Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung. Ueber die Anzahl der Versammlungsbesucher ist dem Bureau, Dragoner- straße 15, Mitteilung zu machen. W Die Mitglieder werden ersucht, sich mittags und abends an den Partei- fö Festlichkeiten rege zu beteiligen. AB m Ter Ausschuh. g GG«»SGSSGGSSSSAv�SDGVT»SSTSv»v» Sportpark Friedenau. Sonntag, den 27. April, nachmittags 3 Uhr: Grosse Flieger- Rennen 75 Kim. Handicap mit MotorfiUxmug. 21/12 Max Rrinner leruialcmerftr 4S Brunuenstr.<» Grobartige Auswahl von Kinder-, Sport- und Puppcinvagcn, Kindcrdettstellen, vcst. Fabrikat, billigst. Teilzahlung gestattet. kommanllaMeiiLtl'. dZ nads am Illoritzplato Vranienstr. 7V. - Ii. WönIikIilkitlliU lsrtig und nach Haes. Jackettanzuge für Herren 45, 36. 30. 27. 25. 18, 10 Mk. Sommer-Paletots für Herren 40. 38. 27. 25. 15. 10 Mk. Sommer-Raglans für Herren 45. 36. 30. 18» Sommer-Ledenjoppenf.HerrenW,».?«1»1'' Sommer-Waschjoppen f. Hrn. 3,". 2,». 2,-. 90 Scluilanzüge, 8"«° sie«-.,....12. 10.7"""' Scholanzßge, 5"<« w»cteioff.... 5. 4, 3. 2 uk Knaheiianzüoe.�Är 15.12.10.8.6,5,2» Fertige Hosen.. 12, 10. 7,». 6. 4, 2 -»- Anfertigung: nach Nur erprobt gute Stoffe. Elegante Ausfübrung. Jackettanzüge nach Mass 65. 58. 50. 40. 30*" Hosen nach Mass•• 18. 15. 12. 10, so. 7�.-0�. Feste vorgedruckte Preise» Grosse Ans wähl. Reellste sachgeiiihsseBedlenanf. Eigene Confection. Elegante ostümröcke enorm billig in Tuch, Ziboline, Kammgarn und Shoviot. « M, 7 M.. l« M., IL M., lk» M., I�e 1«! e n ck ai.iast LS M.. Alpacca t.?« M.,» M., biS 30 M., weiss Cheviot und Pique 3, 5, 7—15 M. 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Textilarbeiter, Wäschebranche, Posamentierer, Hulmacher, Färber, Kürschner, Dekateure, Stickerei- arbeiter usw. gehe» direkt in die Gruppen-Vcrsammlung. lUnäelL-, Transport- und Verkehrs-Gewerbe. Arminhallen, Kommaudautcnstr. 20, mittags 12 Uhr. Referent: Reichstags-Abgeordneter Ffsnnkuok. Die Handlungsgehilfen nnd iZehilfinnen, Bureau-AngesteLle, Kaufleute, HandcIShilfsarbciter. Geschäfts-, Arbeits- und Droschkenkutscher. Lagerhalter. Feilsier Putzer kommen im Versammlungslokal zusammen.- ITnlvii-Viaitni« Gruppen- Versammlung:»«>», Hascnhcide 106— 11.4. 4lOI«ar ueiier» vormittags 10 Uhr. Referentin: Frau Heikin-Stnttgart. Zusammenkunft der e i n z c l n e n G e w c r b e: Tischler gehen direkt nach der Neuen Welt. Böttcher....... vormittags 8 Uhr, bei MerkowSki, AndreaSstrabe 26. Einsetzer........ 8.. im GrwcrkschaftShauS, Saal VII. Parkettbodenleger....„ 8„„ Saal V. Stockarbeiter......, 8 bei BareiuS, Brückenstr. 7. Korbmacher......„ 8» Drechsler.......„ 8„ Bnrstenmachcr.....„ 8. Pcrlmuttarbeiter....„ 8, Mnsikinstrnmcnten-Arbeiter« 8„ Bauanschlägcr....., 8» im vtewerkschaftöhauS. Bilderrahmenmacher...„ 8'/,„ bei Etramm, Nitterstr. 123. a»l�Ecke vurg-u. Wolsgaugstras-c, Referent: Reichstags-Abqeordneter Faul Smgvi'. Sämtliche Metallarbeiter gehen direkt in die Gruppeir-Vcrsammlung. Anherdem treffen sich: Schmiede....... vormittags 8 Uhr bei Hahu, Stralauerstr. 43. Chirurgische Branche.... 8„„ Nümann, Vrunnenstr. 188. Lederbearbeitnng. 30 Referent: Job. Sassenbacb. Lohgerber, Weiszgerber, Lederzurichter, Ledcrfärbcr. Handschuhmacher gehen direkt in die Gruppen-Versanunlung. DanawliAif Ai* Kliems grosser Saal, Hasenheide 131 3, vormittags 10 Uhr, BauarüBlier. Referent: lln. ESernstsiNa Buchbinder o. Bucbbinderei-Ärbeiterinnen u. Lederplanlerie- Arbeiter j in Stecherts grohcm Saal, AudrcaSftr. 21, vorm. 10 Uhr. und-Arbeiterinnen, Referent: Faul Dupont. Glasarbeiter, Glaser, Glasschleifer. Referent:£■ Girbsg. Gravenre und Ciselenre.■■"■•"■'""ÄS«■ Referent: Dr. Steiner. Holzbearbeittingsmaschineii- Arbeiter. Referent: Dr. Friedeberg. slolz-, Stein- und Gips-Bildhauer nnd Modelleure. „Dresdener Kasino", DreSdenerftrahe 96, vormittags 9 Uhr. Referent: Rechtsanwalt Dr. Fränbl. laier und Lackierer.'''''-3R-sMo�zrMb.'' 10 0111*01* Berliner Bookbrauerei, Tempclhofer Berg, vormittags 19 Uhr. allivr. Referent: Reichstags'»lbqcordneter»eine. «oliecblSgers Bestaurant, Adalbertstrasie 21, irzellanarbeiter. vormittags 10«Hr. lti Putzfor. Rabilzp SRefercnl: L. Müller. Hers grosser Saal, Koppeustrafte 29, vormittags 10 Uhr. Referent: Waldeob MansBae. .Nrniinballen", Kommandaittenstrahe 20, vormittags 19 Uhr, Referent: F. ketabe. Qafflor„Berliner Ressource", Kommandantenstr. 57, vormittags 10 Uhr. ?iclUlür. Referent: G. Ässmann. Steinarbeiter, Granit- und larmorarbeiter. „Englischer Garten", Alexanderstr. 27c, vormittags 10 Uhr. Referent: Max Kiesel. Steinsetzer und Rammer. Namal& Stuccateure, Gipsgiesser, Dachdecker nnd Asphaltenre. Gewerkschaft s hatcs, Engel-Ufer 15, Saal I, vormittags 10 Uhr. Referent: A. Ritter. Schneider und Schneiderinnen."ApminhalS;�rii?rö.ttte,,pr' 20' Referent: A. Täterow. TüflOMfirPl1 Cohns Festoäle, Benthstrahe 19 21, 1 Treppe, vormittags 9 Uhr, ' Referent: Otto Wels. Tfinfpr G*werkschaftshaus(großer Saal), Engel- Ufer 1», vormittags 10 Uhr. K v|ttvA. Referent: G. Link. Vprnnldor„Alhambra", Wallnertheaterstrahe 15, vormittags S'/a Uhr. vergomer. Referent: Adolf Hofffmann. Zimmprpr Drand Hotel Alexander platz, vormittags 10 Nhr. Referent: Dr. Arons. Tüplrfroninnf Anra Nümann, Brunneiistr. 188, vormittags 10 Uhr. DlCKirülIlüIlieure. Referent: K. Reichert. ftfädtfcrhn Ärhpifpr Cohns Festsäle, Beuthstr. 19 21, 1 Tr., abends 8 Uhr« DldauSüflB üroener. Referent: Stadtv. Paul Hirsch. vi III III IUI V M. V ♦♦*ß*------———-- w j-j~ j" r.hgr ottnra. snsammliin, siiwMer Gtweckschastt«. DUM yi Referenten: Frl. Altmann, Scbuberl Vormittags 10 Uhr(Lofale werden noch angegeben): � erhschaften. Schubert keichistags-Abgeordneter F. Dernsteiu. Vormittag» 10 Uhr bei Obst, Meiningerstrahe 8: Snhnnphprn Versammlnna sämtlicher Gewerkschaften. UblluIlvUui Referent: Stadtverordneter P, Hirsch. «vorm. 10 Uhr bei Witwe Svbouort, Neu-Seeland: Lersimmlu» smtlill!» SwMistt». Referent: G. Wiesenthal. Stpalau-Rummelstjupg. Rivrlnrf Vormittags lffz Uhr: Versammlung sämtlicher Gemerhschaften IIIAUUI I« 1. bei Thiel, Bergstr. 151 152. Referent: Dr. Silberstein. 2. bei Miinzer, fiursebeckstr. 110. Referent; G. Breslauer. Pankow u. Niedep-Schönhausen.Siät bei Witwe Roll, Kreuz- und Spandauerstrahen-Ecke. Referent: D. Siliier. Friidrioh8b6rjlichtenbei�.rSii"l?:Ä'5!S. .bei Höflich(„Schwarzer Adler"). Frankfurter Chaussee 129. Referentin: Frau E. Ihrer. III• Vormittags 10 Uhr, Schloh Weihensee: vv6l88i!H866' Versammlnng sämtlicher Gewerkschaften. Referenten: Vormittags A. Drunsel, nachmittags J. Kaliski. Die Gewerkschaften resp. die bev Gr,,ppen-B-rsammluugen habe» ihre Versammlungen selbst anzumelden,«ei den vorherige» Zusammenkiinfte» bedarf es»einer «umeldnng.— Gleichzeitig werden die BireanS der Versammlungen beauftragt,»der die Anzahl der VersammlnngSbesncher dem GeWerkschasts-BttreNN, Gngel-- klser 13, Gewerkschastshans, 2. Flnreingang, schriftlich Kenntnis ,« geben. Ddp Ausschuss der Berliner Gewerkschafts-Kommission H. Uandorf C Spfflefmorfef 16-17. Ecke keipÄgsrsttohs. Belle HKfonceslr. 1-3. Hm Gr. Frankfurter» Sfr. 113, Ecke flndreasstrage,. Möbel für Balcons, Veranden u. Law�&ft Bauerntijsch Bambus. 2.$ 2.™ Congo........ 3 50 M. Stuhl Bambus. Congo.. a 50 n 75 »H. üiummiräder 12,00 Ml.. vernickelte 15,00, 20— 80 Ml. Kinderspvrt- 1 wagen 4,50, 6,00 b. 30.00 M. Kin- derbetistellen 7.00. 20,00—50,00 Mt. Tische, Stühle. Oustav Linke, . t GeschO Prinzen» -— straße 55. II(Vif. («nft; timuinecftraBc 13. nL Geich. Oramen,nabe 64. vf�Ln}aHe'l Stoffreste zu Herren-«. Knaben. -(nzugen, sowie Damenkonfektion. 1 »«ttbuserttr. S. Zur größten si Kottbuser Rester-Haudinng. Jlt. 98. 19. Iilrm. 3. Dtilllge ilts„fmMf Dtllllltl Wüisblllt!. S-Mllig. 27 April 1912. Parteigenossen! Bei jeder Stadtverordnetenwcihl hat sich bisher der Uebelstand herausgestellt, daß Hunderte ihr Wahlrecht deshalb nicht ausüben konnten, weil sie zwar Deutsche, aber nicht Preußen waren, oder zu spät Veranlassung genommen hatten, ihre Aufnahme in den preußischen Staatsvcrband nachzusuchen. Um für die Zukunft bei Stadt verordnetenwahlen sowie bei Laudtagswahlen ähnlichen Erscheinungen nach Möglichkeit vorzubeugen, ersuchen wir diejenigen in Berlin Wohnhaften, welche Deutsche, aber nicht Preußen sind, möglich st bald ihre Aufnahme in den preußischen Staatsverband nachzusuchen. Die Aufnahme in den preußischen Staats« verband istkostenfrei. Die Aufnahme-Urkunde muß jedem Deutschen erteilt werden, der um dieselbe nachsucht und nachweist, daß er an seinem Wohnorte sich niedergelassen habe. Die Aufnahme Urkunde darf nur aus denselben Gründen versagt werden, aus denen die Abweisung eines Neu-Anziehenden oder die Vcrsagung der Fort setznug des Aufenthalts erfolgen darf. Diese Versagungsgründe sind folgende: I. Es können bestrafte Personen(nach dem preußischen Gesetz vom 31. Dezember 1842) Aufenthaltsbeschränkungen durch die Polizeibehörde unterworfen werden. Personen, welche solchen Aufenthaltsbeschränkungen in einem deutschen Staate untev liegen, oder 2. Personen, welche wegen wiederholten Betteins oder wegen wiederholter Landstreicherei in einem deutschen Staate inner» halb der letzten zwölf Monate bestraft worden sind, kann der Aufenthalt in jedem andern deutschen Staate verlveigert werden. ß. Ferner kann eine Gemeinde einen Neuanziehenden abweise». wenn sie nachweist, daß der Zuziehende nicht hinreichende Kräfte besitzt, nm sich und seinen nicht arbeitsfähigen Angehörigen den notdürftigen Lebensunterhalt zu verschaffen und wenn er solchen Iveder aus eignem Vermögen bestreiten kann noch von einem dazu verpflichteten Verwandten erhält. Das zwecks Aufnahme in den preußischen Staatsverband ein- zuschlagende Verfahren ist ein einfaches. Es genügt ein an das Polizeipräsidium(in den Vororten an die Polizeibehörde respektive an den Amtsvorsteher) zu richtender Antrag, ungefähr folgenden Inhalts: Alt das Polizeipräsidium, Alexanderplatz. „Ich bin..... er Staatsbürger und habe mich in Berlin aus- tveiSIich der anliegenden polizeilichen Anmeldung seit dem...... niedergelassen. Anliegend überreiche ich meine Geburtsurkunde sowie meine Militärpapiere und beantrage: mich in den preußischen Staatsverband aufzunehmen." Die Polizeibehörde ist nach Ansicht des Ministers berechtigt, den Nachweis zu verlangen, welchem deutschen, nicht-preußischen Staat der Antragsteller angehört. Durch die Aufnahme in den preußischen Staatsverband geht die bis dahin bestandene, außcrprenßische StaatSzugehörigkeit nicht verloren, falls der Betreffende nicht aus dem andren Staatsvcrbande ausscheiden will. Das Verfahren zieht sich häufig monatelang hin. Es ist daher dringend zu raten: möglichst bald den Antrag auf Aufnahme in den prellßischen Staats verband zu stellen. Zur Erleichterung der Antragstellung sind formularinäßige An- träge auf Aufnahme in den preußischen Staatsverband angefertigt. Diese Formulare sind in den Zahlstellen der Wahlvereine und bei de n 1l n terzeich netenko st en- los zu haben. Die Unterzeichneten sind auch zu persönlicher Ausknuftserteilung über Fragen bereit, die sich auf die Aufnahme in den preußischen Staatsverband beziehen, und zwar: Bruns: am Freitagnachmittag von 5—7 Uhr in der Buch- Handlung Vorwärts, Beuthstr. 2. H i» tz e: am Montagiiachmittag von 6—8 Uhr in seiner Wohnung Pankstr. 13, S t a d t h a g e»: am Dienstag und Freitag von 7— S1/* Uhr vormittags in seiner Wohnung In den Zelten 13. Genoffen, scheut die kleine Mühe nicht: iv erdet Preußen, um das Wahlrecht in Preußen ausüben zu können. Im Austrage der socialdemokratischen Fraktion der Stadtverordiicten Versammlung Bruns. Hintze. Stadthagen. Die küilstige Taktik der takenkasseil in der APthekeusrage. Der Berliner Apothekerring steht fassungslos vor der Verfügung des Oberpräsidenten.„Die Äpothekersperre in gennlderter Form sanktioniert",„Boykott von oben bezw. eine anderweitige Regelung deS Boykotts seitens der Aufsichtsbehörde"— das ist alles, was die„Äpotheker-Zeitung" zur Sache zu sagen hat. Dabei triumphierte sie noch kürzlich, daß bei den Kassen eine merkivürdige Kampfrnhe herrsche. Die gebildete» Herren, die mitten in Verhandlungen den Kassen mit der Kreditentziehimg in de» Rücken flelen, können es offenbar nicht kapieren, daß die Vertxeter der Arbeiter es für Anstandspflicht hielten, ivährend der Einigungs- versuche des Oberpräsidenteu Ruhe zu beobachten. Sie werden rasch gewahr werden, daß die Kassen trotzdem die Zeit z» Vorbereitungen gut ausgenutzt haben, um nunmehr auf der Basis der behördlich „sanktionierten Apothekenspcrre", wie die Apotheker das nennen, zu Gunsten ihrer Mitglieder weitere Maßnahmen zu treffen. Und zwar Mahnahmen, die dauernde Einrichtung werden, nicht als vorübergehende Kampfuiittel dienen sollen. Der Minister und der Oberpräsident haben in objektiver Weise anerkannt, daß weder Gesetz noch tbatsächlicheS Bedürfnis die Kassen verpflichtet. alle Apotheken zuzulassen. Auf eine Interpellation von Delegierten der Neuen Maschiucnbauer-Kaffe hat der Oberpräsident vorige Woche ausdrucklich bestätigt, daß mit Zulassung der weiteren 36 Apotheken dem Bedürfnis ausreichend entsprochen, eine fernere Erhöhung der fahl der zugelassenen Apotheken nicht beabsichtigt sei. In der a h l stimmen ja Oberpräsidcnt und Kassen ungefähr überein. Während aber erfterer diese für not", endig ansieht, hat die Centralkomniission sich für dieselbe mir entschieden, um jenen Auch- arbcitern den Beschwerdcgrund zu nehmen, die sich, freiwillig oder gepreßt, zu Handlangern der Mouopoliuteressen der Apotheker her« geben. Abgesehen von ganz dringenden Fällen werden die seither zugelassenen ca. 76 Apotheken dem Bedürfnis auch ferner geniigen, und zielbewußte Arbeiter ivcrden diese» Apotheken auch ferner, wenn nicht zu vermeiden, ihre Kundschaft erhalten. Die neuen dreißig Apotheken mögen aus freien Stücke» für die Herren Beschwerdeführer und G c- s i n n u ii g S v e rw a n d t e reserviert bleiben. Selbst- verständlich werden bereit Rechnungen für Rezepte künftig von den Kassen anerkannt. Wir sind überzeugt, daß die erdrückende Mehrzahl der Kassen Mitglieder diesem von der Praxis gebotenen Ratschlag folgen wird. Wie sich die 36 mit dem Apothekerring auseinandersetzen, wenn sie als Gewinn aus Kaffenlieferung gleich den früher zugelassenen Apotheken 66 Proz. ihrer Einnahmen abliefern sollen, geht die Arbeiterschaft nichts an. Hingegen steht fest, daß die Kassen bei der Einschränkung seither gut gefahren sind. Der Apothekerring fabelt von höheren Arzneikosten der Kasten. Absolut sind die Summen freilich höher, iveil die Kreditentziehung die Kassen zwang. im'abgelaufenen Geschäftsjahre f ü n f Quartale Apothekerrechnungen zu begleichen. Rechnet man Vs der Summen für Arzneien, so kommen bei allen Kassen erkleckliche Ersparnisse heraus! Außer dem tragen die Mitglieder schon unwillkürlich zur Verringerung der Arzneikosten bei. Der Medizinhunger der Massen, die Zuversicht in die Wunder Wirkung der großenArzneiflasche ist in erfreulichemSch winden begriffen. Der denkende Arbeiter, ohne daß er auf das Evangelium vom nassen Strumpf schwört, sieht, daß der größte Menscheuwürger, die Schwindsucht, erst nnt einigem Erfolg bekämpft wird, seitdem die Heilkunde, Mixturen und Tränkchen beiseite lassend, den Kranken in Heilstätten reine Luft, reichliche Nahrung und natnr- gemäße Lebensweise bietet. Dank der Kreditentziehung der Apotheker sieht jeder Kranke in Berlin bei der Barzahlung, wieviel jedes Rezept kostet, kann er vergleichen, wie mager im Vergleich dazu sein Krankengeld ist, wie wenig die Kasse und er selbst auf KräftiguugS- mittel, gute Nahrung verwenden kann. Diese Erkenntnis wird durchaus gefördert durch den Einblick, den der Kampf jedem Mitglied über die Verdienste der Apotheker geivährt. Berliner Apotheken berechnen den Kasten laut amtlicher Taxe für ein Mittel(aromat. Ejscntinktur, 366 Granini) 3,46 M., das eine Potsdamer Apotheke für 96 Pf. liefert! Eine Apotheker- deputation berichtet, Minister Möller habe den Apothekcnboykott für einen politischen Kampf erklärt. Ob richtig oder nicht: der nämliche Minister mußte den Kassen bescheinigen, daß ihre Maßregeln be- ziiglich Beschränkung der Apotheken sich streng in gesetzlichen Bahnen beivcgeu. Weiter aber machte die Apothekerdeputation dem Minister plausibel, man habe den u n.e r s ä t t l i ch e n Kassen ja früher schon weitgehende Rabatte geivährt. Das verdient eine nähere Prüfung.' Die amtliche Arzncitaxe erlaubt dem Apotheker auf� fabrikmäßig hergestellte Arznoizubercitungen, wenn er sie un- geöffnet in Originalpackung abgiebt, 66 Proz., wenn geöffnet und in kleineren Quantitäten abgegeben 166 Proz. Aufschlag auf den Originalpreis. Die frühere Haudverkanfslistc gewährte den Kassen augeblich hierauf 17Ve Proz. Rabatt. Nach Ausbruch der Differenzen berechneten die Apotheker den Kassen natürlich nm de» Nabattsatz höhere Tarife! Nun hat der Deutsche Apothckcr-Vcrcin jüngst eine Ergänzungstaxe herausgegeben, die augicbt, welche Taxpreise für derartige Mittel im Höchstfalle berechnet werden dürfen. Für die Kassen kommen bezüglich vergleichender Tarife davon über 166 Mittel(Kapseln und Tabletten) in Betracht. Und von allen diesen Mitteln wurden trotz der angeblichen 17�/, Proz. Rabatt den Kassen früher eine Anzahl im günstigsten Fall zum gleichen Satz berechnet, den die Preisliste der Apotheker jetzt als höchst zulässig erklärt, die Mehrzahl aber weit höher! Hier nur ziuci Beispiele: F a r r e n k r a u t- K a p s e l n 6,6, mit Schachtel, 16 Stück: Vor dem Boykott berechnet.......... 55 Pf. Nach„„........... 70„ Preis nach der Taxe des Deutschen Apotheker-Vcreins. 49„ P f l a st e r m u l l mit Teer, 266 □ Ccntiuieter: Vor dein Boykott.............. 36 Pf. Nach................. 60„ Preis nach der Taxe des Deutschen Apotheker-Vercins. 36„ Ob wohl die Apothekerdeputation ihre Behauptung von Ver- günstigungen für Kassen dem Minister mit'' solchem Material belegt hat? Wenn nicht, so wird die Centralkommission dies nachholen. Daß die Herren Apotheker recht ivohl das llnzulässige ihrer Rechen- Methode für Kassen einsehen, ergiebt die einfache Thatsache, daß sie sich die Abstriche seitens der Rczcptrcvisorcn der Kassen wegen zu hoher Bcrechilnng gefallen ließen. Der letzte Rettungsanker der Apotheker ist die Erwartung, daß das Rnmmergcricht die Selbsldispcnsation der drei Heilmittel(Eisen- tinktur, russischer Spiritus und Santalkapseln) seitens der Kasten verbieten werde. Das stände zwar zur seitherigen SpruchprnxiS im Widerspruch, Verdienst würde daraus den Apothekern keiner erwachsen. Im Notfall hätte selbst die Potsdamer Apotheke die Mittel den Berliner Kranken ins HauS liefern können. Nachdem jetzt den Kasten eine Apotheke in S ch ö n e b e r g zur Disposition steht, ist nicht allein die Vcrbilliguug dieser drei Mittel außer Frage gestellt, sondern iverdcn auch sonstige Rezepte erheblich niedriger zu stehen kommen. Die erwähnte Apotheke geivährt den Kassen 20 Proz. Rezeptur-. rabatt und richtet in Fabriken und Drogucrien Nezcpt-Samniclstellen ein. Ivo mehrmals täglich Abholung stattfindet. Die Arzneien werden durch Boten den Kranken kostenfrei ins Hans gebracht. Wer also die Kassen unterstützen will, wird in Zukunft, wenn irgend möglich diese Bezugswcise bei Rezepten wählen.— Ferner bietet die jetzt i» Geltung getretene kaiserliche Verordmiug der Centralkommission eine gute Handhabe, in streng gesetzlicher Form bei Ncu-Ausgabe des „Schwarzen Buchs" einen wesentlichen Teil der Rezeptur, der bisher den hiesigen Apotheken belassen werden mußte, weit billiger durch die D r o g u i st e n zu beziehen. Nach erwähnter Verordnung sind künftig„Cosmctica" mit ge- wissen Beschränkungen dem Verkauf durch Drognisten freigegeben. auch dann, wenn sie als Heilmittel dienen. Bei den vielerlei Hautleiden zc. machen diese als Rezepte verschriebene» „Cosmetica" einen großen Teil der Rechnungen der Kassen aus. Sie werden künftig von Drognisten entnommen zu weit billigeren Preisen und in absolut cinwandsfreier Qualität. Es sind Vov kchrungen getroffen, daß eine erstklassige Fabrik diese CoSmetica herstellt und die Droguisten sie nur in Originalpackung abgeben Und zwar, um jedem Mißbrauch oder der Verdächtigung der Kur- fuscherei vorzubeugen, verpflichtet die Droguisten- Innung ihre Mitglieder, diese Specialitäten nicht anders als auf ärztliches Rezept zu verkaufen. Zum Schluß noch einen Hinweis auf einen Vorteil, den die Be schränkung auf etwa 166 Apotheken den Berliner Kassen bietet. Die zugelassenen Apotheken haben keineswegs das dauernde Recht auf Kassen lieferungen. Innerhalb des von der Behörde festgelegten Rahmen des Bedürfnisses steht es den Kassen zweifellos frei, an Stelle einer Apotheke eine andre, benachbarte zu Lieferungen zu bestimmen. Ist dies schon angenehm, wenn sich mit der einen oder andren Apotheke Unzuträglichkeiten ergeben, so bietet sich noch mehr de» Kassen eine hocherwüuschte Handhabe, dem Apotheken schacher bei der Wurzel bei- zukomme n. Der leidige Streit hat unzweifelhaft seine letzte Ursache in den unsinnigen Preisen, zu denen viele Apotheken gekauft wurden. Der spekulative Räufer heischt einfach von den Raffen Preise, bei denen er nun seinerseits seine Rechnung findet. Dieser Schraube ohne Ende braucht für Berlin die Re- gierung,� wie öfter geschehen, nicht mehr durch Nenkonzession in der Nachbarschaft entgegenzutreten. Die Kassen mögen bei Besitzwcchsel sich informieren, ob wieder einmal zu borrenden höheren Preisen verkauft wurde und gegebenen Falles durch Entziehung der Kassen- lieferung Käufer und Verkäufer darüber nachdrücklich belehren, daß die Kassenkundschaft kein verkäufliches Aus- b e u t u u g s o b j e k t ist. In der Fachpresse der Apotheker ist ständig die Versicherung zu finden, daß die anständigen Elemente, die diesen Apothekenschachcr verdamme», 95 Proz. ausmachen, daß sie aber dem Treiben der spekulativen 3 Proz. gegenüber leider wehrlos sind. Hoffen wir also, daß den ehrenwerten, nicht spekulations- und verdieiistlnfterne» 93 Proz. des Apolhekerstandes wenigstens diese Folge deS Apotheken« krieges als ein kleiner Lichtblick erscheint. Die Betriebsleitung der Hochbahn als Arbeitgeber. Viel Rühmenswertes hat man von der Hochbahn-Verwaltung noch nicht gehört. Ungünstiges ist dagegen schon mehrfach bekannt geworden. So sind in der Presse verschiedene Fälle mitgeteilt worden, die dafür sprechen, daß dieses neueste Berliner Verkehrs- institut auf das Publikum nicht diejenigen Rücksichten nimmt, die man billigerweise erwarten kann. Unter solchen Umständen wird es nicht sonderlich überraschen, wenn die im Betriebe der Hochbahn Angestellten so rücksichtslos behandelt werden, wie man es bei Uuternehniern gewohnt ist, die nur ihr eigenes geschäft- liches Interesse im Auge haben und sich durch keine Rücksichten auf die von ihnen beschäftigten Arbeiter beeinflussen lassen. Die Be- triebsleitung der Hochbahn scheint sich, waS ihr Verhältnis zu den Angestellten betrifft, die Staatsbahn- Ver waltung zum Muster zu nehmen, wo die Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch die Vorgesetzten bestimmt werde» und die Angestellten und Arbeiter sich ohne Murren zu fügen haben, wenn sie nicht hinausfliegen wollen. Bald nachdem der Betrieb der Hochbahn eröffnet war. machte sich in den Reihen der Angestellten Unzufriedenheit bemerk- bar über die Einteilung der täglichen Dienstzeit, die für den Einzelnen oft übermäßig lang war und durch Pausen fast gar nicht unterbrochen wurde. Besonders waren es die Z n g f a h r e r und die'Z N g b eg l e i t e r, welche sich in dieser Hinsicht beklagten. Zwar sind die Verhältnisse der Schaffner, Vlockwärter und andren AN- gestellten auch nicht besser, aber diese Leute sind meist aus den Kreisen jener Arbeiterschichten entnommen, wo mau den Wert der Organisation noch nicht kennt, ivährend die Fahrer und Zugbegleiter gelernte Schlosser, Mechaniker und dergleichen sind, und deshalb aus den Erfahrungen in ihrer früheren Beschästiguiig wissen, daß der Arbeiter, wenn er einen Einfluß auf seine Arbeitsbedingungen ausüben will, sich mit seinen Berufsgeuosien zusammeiischließen muß. Die Fahrer und Zugbegleiter habe» bereits zu Ostern in einer Versammlung die Mißstände in ihrem Arbeitsverhältnis besprochen. Sie haben eine V o r st e l l u» g bei der Betriebsleitung beschlossen und durch ihr Vorgehen auch eine Verbesserung in einigen Punkten erzielt. Bald nach dieser Versammlung nahm sich der C e n t r a l v e r b a u d d e r Handels-, Trän Sport- und Verkehrsarbeiter der Hochbahn- Angestellten an, um sie zwecks wirksamer Wahr- nehmuyg ihrer Interessen zu einer dauernden Organisation im Verbände aufzunehmen. Eine zu diesem Behuf veranstaltete Versa Nim lnn g, die anfangs April stattfand, erfreute sich eines guten Besuches. Dagegen war eine zweite, am 16. April abgehaltene Versamiiilung fast gar nicht besucht. Wie später festgestellt wurde, hat dje B e t r i e b s l e i t u n g durch rücksichtslosen Terror! Ssm u S ihre Angestellten eingeschüchtert, um sie vom Besuch der Versammlung abzuhalten. Drei Besucher der vorhergegangenen Bersammlüng sind gekündigt worden. Ein Angestellter. de» mau im Verdacht hatte' daß er Einladungeii zu der letzte» Bersammlimg verteilt habe, wurde vor den Oberinjeiiieur Reichel gefordert. Hier sollte er dje Namen aller Kollegen angeben, denen er Einladiingen zugestellt hatte. Als der Angestellte erklärte, er könne sich auf die Namen nicht besinnen, wurde ihm eine F r i st v o n e i n e r S t u n d e ge- stellt, die er im Bureau zubringen mußte, um in dieser Zeit die Namen anzugeben, falls er nicht sofort entlassen werden wolle. Der solchergestellt Terrorisierte ist aber gar nicht der Schuldige". Später hat nun die Betriebsleitung eine» andren ..Schuldigen" in der Person des Zugfahrers S. ermittelt. Dieser hat eine Einladung zurVersammlungimSchaiiklokal vonWurl.War'chauerstr.äO angeheftet, woselbst viele Angestellte der Hochbahn verkehren. ivA�leich bei der Anheftung des Zettels niemand vom Personal der Hochbahn anwesend war, ist dies Verbrechen gegen den Unternehmer- absolut ismus durch einen diensteifrigen Spion der Betriebsleitung hinterbracht worden. Darauf ließ der Oberingenieur Reichel folgen- den Ukas an den Zettelankleber ergehen: An den Zugfahrer S. Ich ersuche Sie sofort den von Ihnen angehefteten Anschlag bei Wnrl w i e d e r a b z u u e h m e n und hier abzuliefern. Bln., 16. IV. Reichel. Am folgenden Tage, den 17. April, erhielt S. seine Kündigung durch folgendes Schreiben: Eilt! Herrn Zugfahrer Oskar S. Hier. Wir kündigen Ihnen hiermit Ihre Stellung als Zugfahrer II. Klasse zum 36. April 1962, da wir gefunden haben, daß Sie die erforderlichen Eigenschaften eines Beamten der elektrischen Hoch- und Untergrundbahn nicht besitzen, dem ß 2 der Allgemeinen Be« stimmungen nicht nachgekommen und auch wiederholt zum Dienst zu fpät gekommen sind. Wir entheben Sie daher auch mit Heutigem deS Fahrdienstes und versetzen Sie sofort zur Dienstleistung nach dcm Wagenschuppen Warschanerbrncke, wo Sie sich morgen früh bei Herrn Werkmeistev Frischmnth zu melden haben. Vom heutigen Tage bis Ende Ihres Dienstes bei uns wird Ihnen bestimmungsgemäß nur das Gehalt gezahlt, während Kilo- meter-Gelder ic. in Fortfall kommen. Ihre Uniform, desgleichen alle Allsrüstungsgegenstände sind so- fort abzuliefern.' V Siemens u. Halske A.-G. Betriebsverwaltung der elektr. Hochbahn. Reichel. Wie man aus dem Vorstehende» sieht, bemüht sich die Betriebs- leitung der Hochbahn mit rücksichtslosem Eifer, die Orgauisations- beftrebungen ihrer Angestellten im Keime z u ersticken und das gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht für die von ihr Beschäftigten illusorisch zu machen. Die.Hochbahn stellt sich damit den staatlichen„Musterbetrieben" und dem vom Herrendüukel besessenen Unternehmern würdig an die Seite. Sind denn min die Verhältnisse der Hochbahn-Aiigcftellien derart. daß es ein Frevel wäre, sich zu organisieren? Kleine Aenderuugen zum Besseren sind, wie wir schon sagten, nach der ersten Versammlung wohl erzielt worden, aber es bleibt den Angestellten immer noch Grund genug zur Klage. Die tägliche Arbeitszeit des Fahrpersonals war nach de» zuerst aufgestellten Plänen mit nenn Stunden vorgesehen, später ist sie aber auf elf Stimdcn festgesetzt worden. Was aber besonders nnangenehm empfunden ivird, ist der Umstand, daß die Züge, wenn sie auf den Endstationen ankommen, umrangiert werden und mit demselben Personal sofort wirder die Rückfahrt antreten. Zugtahrer und-Be- gleiter haben also während eines medrstündigen Dienstes nicht einmal Zeit zur Befriedigung dringender Bedürfnisse. Welche Folgen dieser unleidliche Zustand nach sich zieht, das zeigt eine Bekanntmachung, welche die Betriebsleitung kürzlich durch Au« schlag veröffentlichte. Sie lautet: „Es ist wiederholt bemerkt worden, daß die Sandkästen in den Führersländen von den Zugfahrern und Begleitern verunreinigt werden, und werden bei nochmaligem Vorkommen die Schuldigen streng bestraft. Die gerügten Verunreinigungen, die sicher nur in einem Augen« blick peinlichster Not begangen worden sind, würden nicht vorkomineii, wen» der Betrieb so eingerichtet � wäre, daß dem Personal an den Endstationeu einige Minuten Pause verbleiben. Es wird auch dar-' über geklagt, daß die Eiuteilniig des Dienstes nicht planmäßig ge« regelt ist. So soll es nicht selten vorkomme», daß Angestellte, deren Dienst um>/z2Uhr nachts beendet ist, an demselben Tage um 3 Uhr früh de» Dienst wieder antreten müssen. In solche» Fällen haben die'Angestellten die kurze Pause zu einer„Nachtruhe" im Eisenbahn« wogen benutzt, denn wenn sie ihre Wohnungen hätten anfsuchen wollen, dann wäre die Pause schon mit dem Hin» und Rückweg drauf» gegangen. Die Bezahlung, welche die Fahrer für ihre anstrengende und verantivortungsvolie Arbeit erhalten, ist keineswegs glänzend. ES giebt zwei Lohnklassen. Die Fahrer erster Klosse erhalten monatlich SS M. Gehalt und IS M. Kilometergelder, die Fahrer zweiter Klasse bekommen 93 M. Gehalt und 12 M. Kilometergelder. Anszcrdcm haben die Fahrer Aussicht auf eine sogenannte Wohl» verhaltuugS-Prämie. Dieselbe beträgt S M. monatlich und wird denjenigen ausgezahlt, die im Laufe des MonatS keine Strafe erhielten. Ein solcher Fall ge- hört aber zu den grötzten Seltenheiten, wenn er überhaupt einmal eintreten sollte; denn es ist dafür gesorgt, daß jedes Verschen im Dienst gemeldet und mit Geldstrafen belegt ivird. die oft zu stattlicher Höhe anwachsen, so datz es statt„WohlvcrhaltimgSprämien" Abzüge vom Gehalt giebt. Die Zugfahrer und Begleiter sind noch am besten im Gehalt gestellt. Die sonstigen Angestellten der Hoch- bahn werden erheblich geringer besoldet. Wir wollen die Lohnvcrhältnisse keineswegs kritisieren. ES ist lediglich Sache der Angestellte», selbst zu befinden, ob sie da- mit zufrieden sind oder nicht. WaS aber entschieden gerügt werden mutz, das ist die Beeinträchtigung des KoalitionSrcchts der Angestellten. Wenn diese in ihrer dienstfreien Zeit Versammlunge» besuchen, so geht das die Betriebsleitung ebenso wenig an. wie die sonstigen privaten Verhältnisse der Angestellten. Eine Betriebsleitung. die ein gutes Gewissen hat. braucht cS auch gar nicht zu vcr- hindern, daß ihre Angestellten sich zur Besprechung gemeinsamer Interessen zusammenfinden. Ein so jmiaeS Unternehmen, wie die Hochbahn, sollte sich im eignen Interesse hüte», durch Verletzung des Rechts ihrer Angestellten die öffentliche Meinung gegen sich einzunehmen._ Zweite Kochreilz der CeM-Mslhiisse der Bölker- Zilillingtil Berlins und Uiugegeild. Eine vom Altgesellen Most einberufene Konferenz der Gesellen- Ausschüsse der Bäckcr-Jnnungen Berlins und Umgegend tagte am Sonntag, den 29. April im Rosenthaler Hof, Noseuthalerstr.' 11/12. Festgestellt wurde zunächst, daß 8 Gesellen-Alisschiisic ans sieben Orten anwesend waren und circa 6999 Bäckergesellen vertraten. Uebcr die Rcckite und Pflichten der Gescll'en-AuSschüsse referierte H e tz s ch o l d- Berlin. In l'/sstündigem, von gründlicher Sach- kcnntnis zeugendem Vortrage beleuchtete er jede JnnnngS- einrichtnng, bei der nur irgendwie Gesellenvertreter ein gc- setzliches Recht haben, mitzureden. Seine Ausführungen legte er in folgender Resolution nieder: Die heute iin„Rosenthaler Hof" zu Berlin tagende, von acht GcscllcnauSschüssen besuchte Konferenz giebt sich folgendes Programm als Grundsätze für ihre Thätigkcit: 1. Die Zustimmung der Gesellenausschüsie, die nach§ 95 Abs. 2 der Gewerbe-Ordnung notwendig ist, ehe die betresicnden Beschlüsse einer Jnnungsversanunlung Gültigkeit erlangen, ist unbedingt er- forderlich: s) Bei allen Beschlüssen über das Lehrlingswese», welcher Art sie anch seien; b) bei alle» Beschlüssen über Beteiligung an Fortbildungsschulen oder über Errichtung, Ausbau, Aenderung, Schließung von Fort- bildungs- oder Fachschulen, ebenso über Festsetzung von Beiträgen, Schulgeld, Lehrplänen, Unterrichtszeit, Strafen und Prämien für Schüler solcher Anstalten; o) bei allen Beschlüssen über Beteiligung an bestehenden Arbeits- nachweisen oder Errichtung»euer Arbeitsnachweise, Benutzung, Rc- gelung, Unterstützung und Kontrolle derselbe»; ck> bei allen Beschlüsse» über Errichtung, Organisation und Statuten von Krankenkassen für Gesellen oder Lehrlinge, sowie bei Beschlüsse» darüber, ob solche Kassen mit andren zu einem Verband nach Z 49 deS Krankcnversichcrungs-GesctzeS zusammentreten sollen oder dürfen; e) bei allen Beschlüssen über Errichtung, Organisation und Statuten von JnunngsschiedSgerichte»; k) bei allen Petitionen, Anträgen, Berichte» und Gutachten, welche die Innung in Sachen des Lebrlingswesens, GcscNenivcsens, einer Lohn- oder Streikstatistik, der Arbcitsnachlveise, LcgitimationSansivcise der Gesellen und Arbeitsnormen usw. einbringt, stellt oder abgicbt. 2. Die Verweigerung der notivendigen Zustimmung erfolgt stets, wenn es sich bei de» Beschlüssen der Innung handelt um: a) Fortbildungs- oder Fachschulen mit Unterricht ivährend der Ruhezeit; b) bei Arbeitsnachweisen, die nur Gesellen berücksichtigen, die von einem bestimmten Meisterverband legitimiert sind; o) bei Krankenkassen, in denen die Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge zahlen; dj bei Krankenkassen, die nicht mehr gewähren als die gesetzlichen Dkindestleistnugen. das heißt, die nur die Hälfte eines dnrckschmtt- lichen Tagclohncs als Krankengeld, und dieses nur auf 13 Wochen gewähren; o) bei Krankenkassen, welche nur einen gemeinsamen Durch» schnittS- Tagelohn und den ortsüblichen Tagelohn gar nicht er- reichen; k) bei JnnungS- Schiedsgerichten a» Orten oder in Kreise», für die ein Gewerbegericht besteht oder möglich ist; g) bei Beschlüssen, die einseitig Arbeitsverträge, Werkstatt- oder Arbeitsordnungen regeln ivollcn; h> bei jeder Petition, jedem Antrag, jedem Bericht und jedem Gutachten der Innung, die im Sinne eines der nach a— g bedenklichen Beschlüsse abgefaßt ist. 3. Das Gegenteil dessen. waS hier zurückgewiesen wird, ist bei allen Gelegcnheitc« zu vertreten und zu fordern und besonders: a) gute Fortbildungs- oder Fachschulen mit Unterricht während der Arbeitszeit; bj vernunftgemäße Beschränkung der LehrlingSzahl; v) Prüfungsordnungen, in denen genau vorgeschrieben ist, was der Prüfling wcuigsleiis können mutz und was man höchstens von ihm verlangen darf; d) Arbeitsnachweise in den Händen der Gesellen; e) Mitwirkung der Gesellen bei allen Vorstandssitznngen der Innung, allen Versammli'mgeu der Innung über den Rahmen des nach § 95 der Gewerbe-Ordnung Vorgeschriebenen hinaus. Von der Handiverkstammcr fordern wir insbesondre:„Bessere Regelung der Lehrliugshaltung, prozentual der beschäftigtenGesellen." Wo die Macht der Innungen durch die Beschlüsse gestärkt, und die wirtschaftliche Stellung der Gesellen verschlechtert werden köuute, was namentlich bei Errichtung von JnnungS- Kraukenkassen der Fall sein dürfte, ist die Zustimmung deS Gesellen- Ausschusses zu diesen Beschlüssen principiell z» verweigern. Hierauf erstatteten die Gesellcuvertreter die SitualionSberichte ans ihren Orten und über ihre Thäligkeit, wobei manches interessante Moment zur Sprache kam. Auch wurde gleichzeitig über das Gehörte diskutiert. Das Ergebnis der Diskussion ivar einstinunige Annahme der Resolution. Zum vierten Punkt:„Nahruugsmittelzölle" gab Barth- Berlin einen kurzen Ueberblick. Ebensalls einstimmig an- genommen wurde eine Resnlntion gegen die NahrungSmittelzölle. welche der Zolltaris-Kommission des Reichstags ubersandt werden soll. VevsÄmmlungen. Der zweite Wahlverei» hielt am Mittwoch seine General- versamniluug sür das Halbjahr Oktober-- April ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrle man das Andenken der verstorbenen Ge- iiosseu Krause. Henkel und Schein. Dann erstattete Fell in er den Kassenbericht für die Zeit vom 29. Oktober 1991 bis 29. April 1992. Einer Einnahme von 2645.37 M. steht eine Ausgabe von 2572.38 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 73,49 M. verbleibt. 1399 M. sind an den Vertrauensmann abgeliefert. Der Verein zählt 2467 eingeschriebene Mitglieder, von denen aber mehr als die Hälfte über drei Monare mit den Beiträgen im Rückstand find. Regelmäßig bezahlt haben außer 549 Neuaufgenommeuen nur 592 alte Mitglieder.— Nachdem man den Kassierer entlastet hatte, erstattete der Vorsitzende W o l d e r s k i den Geschäftsbericht des Vorstandes. Es fanden vier Vereins- Versammlungen statt, 6 engere und S erweiterte Vorstandösttzungen, 5 ViertelSversammlungen und eine Bezirksführerversammlung. Der Vorstand ist in 6 Fällen als Schiedsgericht angerufen worden. In 5 Fällen kam ein Ausgleich zwischen den Streitende» zu stände, während ein Fall durch den Ausschlutz des Schankwirts Grosse seine Erledigung fand. Der Ansgeschlosseue sei aber mit dein Urteil deS Vorstandes nicht einverstanden und wolle seine Angelegenheit der Generalversammlung unterbreiten. Weiter berichtete W o l d e r s k i über die Erledigung der verschiedenen Anträge, mit denen sich der Vorstand zu befassen hatte. Ferner be- merkte er, daß die Kommrnialwähler, welche für unsrc Kandidaten gestimmt, den, Verein ober nicht anachörten, zuni Beitritt auf- gefordert worden seien. Der Erfolg dieser Agitation drücke sich wohl in den 549 Neuausnahmen aus.— Eine längere Tislussion enlstaud ans Anlaß des Falles Grosse. Aus derselben ging hervor, daß Grosse sein Schanklokal dem Genossen Scholz verkauft, dann aber, entgegen dein Brauch und der ausdrücklich beim Verkauf eingegangenen Bediugung. in der Nähe ein neues Geschäft— untcr dem Name» seiner Frä»— eröffnet und anch versucht hat, die Kundschaft des verkauften Geschäfts für sein neues Geschäft heranzuziehen. Der Einladung des Vorstandes zur Verhandlung dieser Angelegenheit hat Grosse keine Folge geleistet. Der Ausschluß ist erfolgt, weil der Vorstand i» der Haudlungsweise Grosses gegen Scholz eine Treu und Glauben verletzende Handlmigsiveise erblickt. Die stark besuchte Versammlnng trat mit allen gegen 4 Slimincn dem Beschluß deS Vorstandes bei.— Eiiic» Antrag des Vereins abstinenter Arbeiter. innerhalb des WahlvereiuS die Alkoholfrage zu diskutieren, hat der Vorstand abgelebut. Aus diesem Anlaß beantragte Müller, daß munnehr in einer der nächsten Versammlunge» des Wahlvercins die Alkoholfrage auf die Tagesordnung geletzt werde. Dieser Antrag wurde gegen eine starke Minderheit abgelehnt. Angenommen wurde ein von Roß gestellter Antrag, welcher den Bezirksfuhrcrn aufgiebt, in den Bczirkssitzuiigen die Mitgliedsbücher zu kontrollieren, um die Säumigen zur Zahlung anzuhalten. Ferner wurde beschlossen, die halbjährliche Entschädigung deS erste» Kassierers von 15 auf 29 M. zu erhöhen.— Hierauf er- folgte die Ncmvahl deS Vorstandes, welche folgendes Resultat hatte: 1. Vorsitzenden:: W o l d e rs k i, 2. Vorsitzender: Büchel, 1. Kassierer: Fe linier,(2. Kassierer: M a r l- m a ii n. 1. Schriftführer K ii t e r, 2. Schriftführer F ä n d r i ch, Beisitzer B n ch h o l z. Revisoren: E m m r i ch, S t r e h l e r. Welsing.— Ewald bcarnragte, für die Errichtung von Zahl- stellen eine feste Norm zu schaffen, derart, daß die Bestininnmg hierüber entweder der Mitgliederversamiiiluiig oder dem Vorstande überlassen iverde. Die Versammlung entschied sich für das letzlere. Scholz teilte mit, daß er wegen Ausbringung eines Hochs auf die Socialdcmokratie, wobei er ein Wart gebraucht haben solle, was er aber nicht gesagt habe, mit 39 M. bestraft worden sei. Dritter Wahlkreis. Am Donnerstagabend hielt der Social- demolratische Wahlvereiii für den dritten Berliner Rcichstags-Wahl- kreis im Gewcrkschaftshause seine ordnungsmäßige General- Versammlung ab. Nach dem Bericht des Borsitzciidcn fanden im vergangenen Quartal drei Versammlungen und drei Vorstands- sitzungen statt. Eingegangen war ein Schreiben des Genossen P a r v u s, in welchem dieser die Stellung der Reichstagsfraktion. der Redaktion deS„Vorwärts" und der Preßkonimisstou zum Acht- stundentag kritisiert. Der Vorstand empfiehlt Uebergang zur Tages- ordming, dem stimmte die Versaniniluiig zu. Beschlossen wurde bei Festlichkeiten und größeren Versaiinnlungen ist der Vorstand bezw. das Komitee verpflichtet, den Wirt zu ersiichcn, den Mehr- bedarf an Hilfspersonal für den betreffenden Tag vom Verband deutscher Gastwirtsgehilfen zu entncbnien. Laut Kassenbericht erzielte der Verein eine Einnahme von ins- gesamt 1239,87 M., der eine Ausgabe von 489,72 M. gegenübersteht. Dem Kassierer wurde Dccharge erteilt; gleichzeitig wurden dem Vorstand 699 M. zu Agitatioilszwecken überwiesen. ticranf hielt Genosse Robert Schmidt einen Vortrag über Heina: U n s r e demokratischen Forderungen. I» der Diskussion wies Genosse Sauden auf den Beschluß des Ausschusses der Gewerbegerichts-Bcisitzer bin, der sich gegen die Vcrhäliniswahl erklärte. Gerade bei der Erörterung des heutige» Themas iiiüssc man die Frage aiifwerfen. ob dieser Beschluß unsreu Forderungen entspreche. Die Arbeilervertrcter waren für das Proportionnl-Wablrecht, verlangten aber, daß dieses Wahlsystem allgemcin eingeführt würde. Ans dem Grunde habe man wohl mit Recht die Proportionalwahl für Berlin abgelehnt. — Frank hält diesen Beschluß der GelvcrbegcrichtS-Beisitzcr für verfehlt. Mit demselben Recht könne man sich dann auch gegen das Fraiieu-SIimmrccht erklären.— Nachdem noch v. O P P e l l aus Kapstadt im Sinne deS Referenten gesprochen, erhält Schmidt das Schlußwort. Er bezeichnet die Ablehnung des Proportional- Wahlrechts zu den GeivcrbcgerichtS-Wahlcii als eincu Fehler. Es sei durchaus kein Schade, wenn schiießlich einige Hirsch- Dunckcrsche oder Christlichsociale als Beisitzer gewählt wurden. Wenn man Forderungen ausstelle, müsse man auch danach handeln. Lasse man sich aus Furcht vor elwaigeii Nachteilen leiten, so opfere man das Princip der Zweckmäßigkeit. Man habe dann keine Ursache mehr, sich über ein ähnliches Verhalten des Vürgertnins der Arbeiter- klaffe gegenüber zu beklagen.— Hierauf teilt der Vorsitzende noch mit, daß der Verein 299 neue Mitglieder geivoiinen habe und ersucht die Aiiivescndcii. bei künftigen Versammlunge» ebenso zahlreich zu erscheinen wie diesmal. Der Centralverdaud der Maurer(Zweigverein Berlin) hielt am DoinierSlag seine Geueralversammiung im Gewcrkschaflshanse ab. Die Abrechnung vom ersten Quartal weist eine Gesamteiiinahme von 118 939,13 M.. eine Ausgabe von 26 628,11 M. auf, so datz ein Kassenbeftand von VI 492,92 Ri. verbleibt.— In den Ausschuß wurden gewählt: Aug n st Vogel. Franz Schulz und Fritz Raabe.— Zur Maifeier referierte P a n s e r. Er wies auf den Aussperrungsbeschluß des Verbandes der Bau- geschäfte hin und empfahl folgenden Beschluß, der nach lebhafter Diskussion einstimmig angenommen wurde:„Um die Maifeier zu einer wirksamen und demonstrativen zu gestalten, ist der 1. Mai als Feiertag zu begehen." In der Diskussion kam eine große Erbitterung über das Vorhaben der Unternehmer zuni Ausdruck. Sämtliche Redner sprachen sich für die strikte Durchführung der Arbeitsruhc aus. Für die Maurer find folgende Bcstimmiuigen maßgebend, die von der Versammlung gutgeheißen wurden: Am Dienstag vor dem 1. Mai wird in den Berlehrslokalen an die Baudeputierten und Ver- traueuspersone» ein Flugblatt ausgegeben, das andern Tags unter den Kollegen verbreitet werden soll. Jeder organisierte Maurer hat am 1. Mai zu der Versaininlung in der Berliner Bock« brauerei zu erscheinen, wo ihm gegen Vorzeigung seines Verbands- buchö eine Maikarte ausgehändigt wird. Die Gemaßregelten haben diese Karte vom 2. Mai ab abstempeln zu lassen. Nach dem 1. Mai werden keine Maikarten mehr verabfolgt. Die Uiiterstützniig der Gemaßregelten wurde auf 3 M. festgesetzt.— Darauf beriivteten Moder und Henkel über die L a ii d e S k o n f e r e n z, die am 9. März zu Berlin getagt hat. Es wurde beschlossen, den gedruckten Bericht über die Konferenz in 3999 Exemplaren zu bestellen und in den Versammlungen unentgeltlicki an die Mitglieder zu verabfolgen, Gleichsalls wurde beschlossen, die Schrift, L o h n k l a u s e I und Minimallohn" anzuschaffen und unentgeltlich an die Mitglieder abzugeben. lieber die Wahlen z n in I n n u n g S s ch i e d S g e r i ch t, die am nächsten Montag, abends 7— 8 Uhr bei Keller, Köpiiickerstraße statlfiiiden. referierte Fritsch und führte den Anwesenden die Notivendigkeit der Wahlbeteiligung vor Augen. Ihm schlössen sich mehrere Diskiissioiisrediier an. Wohlberechtigt ist jeder mindestens 25 Jahre alte Maurer, Zimuierer und BaunrbeitSMmin, der beim Jnnungsmeister beschäftig: ist und mindestens ein Jahr in Berlin ist. Um wählbar zu sein, muß der Betreffende uniidestenS 39 Jahre alt und 2 Jahre in Berlin wohnhaft sein. Die Liste der von der Organisation aufgestellten Kandidaten lvird im„Vorwärts" bekannt gegeben.— Tie Echnhmacher sSchoßarbeiier) hielten am Montag, den 21. April, eine öffentliche Lersamnilung ab. Uebcr die Einführimg deS BcscheliiigimgZbiiches zur Regelung de? Arbeitsvertrages rcfe- ricrte Gruna w. Redner wieS au der Hand der Reichs-Geiverbe- Ordmiiig lvie des Bürgerlichen Gesetzbuches, außerdem gestützt auf Gelverbcgerichts-Urteile nach, daß das Koiitrollbuch, dessen Einfiihrnng die Innung versucht, gesetzwidrig sei. Auch sei das Koiitrollbuch, insbesondere der PassuS 3, Absatz 1, für die Arbeiter nn- aiinehiubar und könnte sie leicht in die Lage bringen, ganze Wochen uuisoiist zu arbeiten. Der Entlassungsschein, nach welchem der Arbeiter, wenn er denselben� unterschrieben, keine An- rechte an seinen Arbeitgeber mehr hat, sei auch ganz entschieden zuriickzniveisen. Redner ermahnt die Anwesenden, das Koiitrollbuch abzulehne» und erst dann ein derartiges Buch zu unterschreiben, we»>i die Bestimnuuigen desselben auch siir die Gehilfen annehmbar sind. Die Organisation würde hier auf alle Fälle ihre Unterstützung zusichern. Uebcr die Antwort der Fininng auf den eingereichien Miniinal- Lohntarif teilte 88 a Ith er mit, daß ihm der JniiungSvorstand b'�s heute einen schriftlichen Bescheid noch nicht z>lko»unen ließ. Mündlich wäre ihm aber mitgeteilt worden, daß die Innung keinerlei Stellung dazu zu uehmc» gewillt ist, die JmiungSmeister wären wohl geneigt, bei der schlechten Zeft weniger, aber nicht mehr zu zahlen. Der Vorsitzende der BesohlanstaltS-Vesitzer, Herr K r a s e- m a ii u, hat ja auch den Kleinmeistern schon in einer JiiiinugS- versniiimluiig das Versprechen gegeben, bei einem eventnellen Streik 299 Mann als Streikbrecher'zi!r Verfügung zu stellen. In der Diskussion verurteilten sämtliche Redner die Haltung der Fnnnug i» dieser Augelegenheir und forderten zur straffen Orgaiiisatio» auf,»>» zur gegebene» Zeit das, was heute verweigert wird, durch die Macht der Organisation zu erringe». Es wurde beschlossen, angesichts der gegenwärtigen»ligüiistigen wirtschaftlichen Ko»ji»iktiir für dieses Jahr von einem Eintreten in einen allgemeine» Streik Abstand zu nehmen, jedoch soll allenthalben dort, wo der Tarss noch bezahlt Ivird, gegen etwaige Abzüge aiifgctiete» werden. Zur Maifeier wurde beschlossen, einmütig a» der Maifeier teilziinehme». �Unter Verschiedenem wurde»och ermahnt, sich nicht nach Kiel als streik- brccher anwerben zu lasse». Der Centralverbgud der Handels-, Transport-«nd Vcr- kchrsarbciter sVerwaltuiigsstclle I) hielt am Dienstag. 22 April, im Gewerkichastshause seine Gkneralversaiiniilung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte» die Aiiivciciideii das Andenken der ver- storbencu Mitglieder Ernst V ritzte, Fritz B u ch e l t, Otto Schulz, F. Chamara und Alex Schröder. Nach einigen geschäftlichen Mitteiliingeii durch den Vorsitzenden erstattete sodann der Kassierer de» Kassenbericht vom I. Quartal. Derselbe ergicbt eine Einnahme von 22 395.76 M. inkl. des Kassenbestandes und eine AnSgabe von 17.665.81 M. Der örtliche Kasicnbestaiid betrug am 1. April 5139.95 M. An die Hauptkasie wurden 8993,17 M. abgeliefert. Den Bericht vom Arbcüsiiachwcis gab U t h e ß. Am Schlüsse, des vierte» Quartals 1991 waren 185 Arbeitslose vorhaiiden. neu meldeten sich 381, zusammen 566. Davon waren 167 Hausdiener und Packer. 73 Kutscher, 193 Speditions-, Spcicherei-, Kellerei- und Kohleuarbeitcr, 3 Straßenbahner, 12 Fahrstuhlführer, 18 Laufburschen. Verlangt wurden 212 Hausdiener und Packer, 52 Kutscher, 115 Arbeiter, 13 Fahrstuhlführer, 28 Laufburschen, zusammen 429 ge- meldete Stelle». Davon waren 282 von Arbeitgebern und 133 durch Kollegen gemeldet. Besetzt wurden 192 Stellen; 223 konnten nicht besetzt werden, weil das Lohn- an gebot ein viel zu niedriges war, anch bei etlichen die gewünschten Kräfte nicht vorbanden waren. Der höchste Lohn tvar in einem Fall 39 M. pro Woche, der niedrigste 2,59 M. pro Tag bei 12 stiindiger Arbeitszeit. sBctrieb Nene Berliner Oinnibus- Gesellschaft für einen Arbeiter.) Die längste Arbeitszeit betrug 17 Stiliiden täglich, die kürzeste 8 Stimden, durchschnittlich 11V» Stunden täglich. Die Dauer der Arbeitslosigkeit betrug im Höchstfall 9 Monat und 19 Tage, die geringste war 1 Tag, durch- schnittlich betrug die Arbeitslosigkeit 43 Tage. Hierauf erstattete S t r e i t» e r als Delegierter der Gewerlschastskommission Bericht über deren Thätigkcit. Hierauf erfolgte die Neuwahl der Delegierten und ginge» aus derselben Utheß, Beutel, Bleck und S t r e i t ii e r hervor. In der Bautischler- Bersaminlung, die am 29. April im großen Saale des Gciverkschaflshauses staltfaiid, hielt Döhliug das einleitende Referat. In der Diskussion wünschte Werner, daß die Kollegen! die 59 Pfeiinig- Marlen besser kleben. Tendel ist der Ansicht, daß die Kollege» in diesem Frühjahr noch keinen Bor- stoß wagen könne», da die Zeit doch nicht dazu angethan sei. Reich spricht dafür, daß dieKollegeiiiiberallda, wo Leute vom JnmingSiia chweis augefaiigeu haben, den lluteruchmer vor die Alternative stellen. dieselben zu entlassen, andernfalls sie die Arbeit veriveigern und tvünscht, daß da, wo in diesem Winter Abzüge gemacht worden sind, dieselben wieder rückgängig gemacht würden. Exner stellt den Antrag, die Versanimliing zu vertage» und eine Vertrauens»»«»»«:- Veisamiiiluna der Bauiischlcr Berlins einznbenifrn. Der Antrag wurde abgelehnt. Fuchs führt Klage, daß die Statistik Über die Verhältnisse in den Banlischlcreien noch nicht veröffentlicht ivorden ist; er stellt den Antrag, die Berivaltiiug zu ersuchen, de» Bautischlern zu gestatten, eine Brauche für sich zu bilden, und i» der Versanimliing eine Kommission zu wählen, welche die Tarife revidiere» solle. Ueber den Antrag wurde nicht abgestimmt. Es wurde noch beschlösse»,»och vor dem 1. Mai eine Versammlung eilizuberufcu. Daun schloß Leopold die Vcr- sammlung. Die HolzbcarbcitnngSinaschinen-Zlrbriter hielten ihre Geiicralversauunlung im Gcivcrkschaftshausc ab. Der Kassierer gab die Abrechnung vom 1. Quartal. Danach beläuft sich die Gesamt- einnähme inkl. eines Kassciibestandcs vom IV. Quartal 1691 in Höhe von 13 986.85 M. auf 29 769,55 M. Dieser steht eine AuS- gave von 7673,79 M. gegenüber. Somit verblieb am Schlüsse der Abrechnung ein Bestand von 16 911,75 M. AlsBeitragssammIerfürZahl- stelle Hagclsbergcrstraße wäbltc man Hausdorf, als Revisor G o b e r.' Ei» vom Vorstand vorgelegtes Regulativ, welches verlangt. in Zukunft die Milgliedcrversaminliuigcn möglichst nur zu Vorträgen zu benutzen, dafür aber nach Bedarf Werlstaltdelegierten- Versannulungen abzuhalten, denen gleiches BestunminigSrecht wie einer Mitgliederversammlung zusteht, wurde«instiounig angenommen. Ueber die Situation des Jnnungs> Arbeitsnachweises berichtete S a u e r z a p f. Die Zahl der Besucher des Nachweises sei jetzt vc- deutend llciuer wie in der ersten Zeit. Die von uusren Verbands- iiiilgliedern ausgeübte Kontrolle habe den gewünschte» Erfo.g. Bisher habe sich gezeigt, daß es alles ungeübte Lträfte sino, welche der Luniings.Arbeilsiiachwcis verschickt, meistenteils Arbeiter, die gar kein Verständnis haben von Behandlung der so gefährliiven Maschiuen. Um großes Unglück zu verhüten, mußten deS ösicrcu unsere Berbandskollcgen helfend zuspringen. Es scheine bei deu Arbeitgeber» die Ciiisicht wiedergckvmiuc» zu sei», daß der Arbeits- Nachweis der Maschincnarbciter, Kl. Andreosstr. 15, über jede ge- wünschte Kraft verfügt, dciin'unter Vcriicksichtigniig der jetzigen Krise floriere dieser ArbeitSnawwcis sehr � gut. Die Beiträge sa Mitglied pro Woche 1 M.) zur Unterstützung an die den ArvcilsiiachweiS der Jnnuvg»leidende» Kollegen lausen pünlllich ein. Eiuslimmig wurde beschlossen, daß der 1. Mai wie bisher durch ArbeitSruhe zu feiern ist. Der Centralverband der Schmiede hielt am 14. April eine Mitgliederverfan Innung im„Ciigliscbei' Garten" ab, i» welcher M e tz» e r über die Bedeutung des 1. Mai sprach, lvofür ihm am Schlüsse reicher Beifall gespendet nmrde. Es wurde beschlossen, in allen Werkstätten, wo sich mindestniS zwei Drittel der Kollegen für Rnhenlassen der Arbeit erklären, den 1. Mai durch ArbeitSruhe zu ieicrir. Wer durch den Dnick der allgemeine» Verhältnisse nicht in der Lage ist diesen Tag durch Ruhenlassen der Arbeit zu feiern. hat 59 Pf. voni Lohn ä» den Maifonds abznführci!. Für die Zeit ciiicr ctivaigen Aussperrung oder Entlassung erhalten die Gemäß- regelten nuher ihrer Nnterstiitzu»� aiiZ der Lo!c>Ikasse 1 M. pro Tag. Als Revisor wurde Köhler von der Bersammlnng gewählt. Die Bauarbeiter nahmen am Mittwoch, den 23. d. Mts. in Cohns Festjälen in einer stark besuchten Versammlung aller zum Wohngebiet Berlins und Umgegend gehörigen Verbands» Zahlstellen Stellung znm ersten Mai. E3 wurde beschlossen, trotz der wieder- holten Drohung der Unternehmer, ar>f allen Bauten in Verlin und Umgegend am ersten Mai die Arbeit einmütig ruhen zu lassend' Ferner wurde ein Beschluß angenommen, um eine genaue Kontrolle zu haben, wieviel Kollegen den 1. Mai durch Arbeitsnihe feiern, einheitliche Maimarken für das ganze Lohngebiet zur Ausgabe gelangen zu lassen. Diese Marken werden in drei Gattungen geteilt'und zwar erstens für arbeitslose Kollegen, d. h. solche, welche' znr Zeit ohne Beschäftigung sind; zweitens für Kollegen, welche aus Princip den 1. Mar drirch Arbeitsrnhe feiern nnd drittens für die Kollegen, welche am 1. Mai arbeiten. Letztere haben die Maimarke mit 50 Pf. zu bezahlen. Feiernde nnd zur Zeit Arbeitslose haben sich am 1. Mai vorm. von 7 bis s Uhr in der ihrer Wohnung am nächsten gelegenen Filiale einzufinden nnd ihre Maimarle daselbst in Empfang zu nehmen. Wer bis zu dieser Zeit nicht im Besitz cinr Maimarke ist, geht im Falle einer von feiten der Unteniehmer durchgeführten Aussperrung jcdeS Anrechts auf Unterstützung verlustig. Die Arbeitenden haben sich bis znm S. Mai im Besitz dieser Marke zn setzen. Sollten die Unternehmer auch in diesem Jahre eine Aussperrung der Maifeiernden vornehmen, so haben sich die davon Betroffenen am 2. Mai im Bureau der Lohnkommission zu melden. Nachdem noch auf Antrag der Zahlstelle Schöneberg beschlosten worden war, daß wir bei dein von der vor- genannten' Zahlstelle aus dem Verbände ausgeschlossenen Kolonnen- führer Hermann Henkel(Bau Hesse, Bambergerstraße) in Arbeit tritt, von feiten der Organisation keine Unterstützung zu erwarten hat. erfolgte Schluß der imposanten Versammlung mit einem drei. fachen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung. Der Centrnlberband der Fleischer und BcrnfSgeuossen Deutschlands(Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend) hielt am Mittwoch, den 23. April d. J., seine ordentliche Gencralversammlimg zum Zweck der Neuwahl des Hauptvorstandes und znr Ergänzung der OrtSverwaltnng in Bauers Lokal, Rosenthalcistr. 57, ab. Nach dem die Delegierten vom Verbandstage ihren Bericht ge acbe» nnd sich die Anwesenden mit den Beschlüssen des selben einverstanden erklärt hatten, wurden die Wahle» vollzogen. Aus diesen ginge»,»eben dem 1. Vorsitzenden P. Hensel, der schon auf dem VerbandStag gewählt ivorde» war, nachstehende Personen hervor: Th. KeSlinke, Kassierer; Lange. 2. Vor- sitzender; N o a k, Schriftführer; Calließ, Jans nnd Stein- gröber, Beisitzer nnd Mercier, Weiß und Klose, Revisoren. Für die Ortsverwaltung wurden wegen Rücktritts des bisherigen Kassierers dieser sowie ein Beisitzer und ei» Revisor nengewählt. Die Behandlung des Punktes:„Kann im Flcischergewerbe die 12nü»dige Arbeitszeit eingeführt werden?" wurde wegen vorgerückter Zeit vertagt. In der Generalversammlung deS Fachvereins der Mnsik- instrnmenten-Rrbciter am 21. April gab der Kassierer die Abrech- nung vom l. Quartal: Einnahme 1189,60 M., Ausgabe 914 M., Ueberschuß 215,60 M. Beim Streilfonds betrug die Einnahm« 127,50 M., die Ausgabe des Streiks bei Schopf n. Co. 852.50 M., somit ist eine Mehrausgabe von 125 M. zn verzeichnen. Die Ver- sammelten nahmen dann Stellung gegen einen Artikel in Nr. 16 der .Holzarbeiter-Zeiwng', der sich mit der z» Psingsten geplante» Konferenz der lokalorganisierten Muftkiiistrnmenten- Arbeiter bc- schäftigt. Bezüglich der Maifeier beschloß man ArbcitSruhe. Der deutsche Textilarbeiter-Verband(Filiale Berlin I) hielt am Sonnabend, den 19. d. M., bei MerkowSki, AndreaSstr. 26, seine regelmäßige Mitgliederversammlimg ab. Dr. Lux hielt einen sehr interessanten mit großeni Beifall aufgenommenen Vortrog über: „Der märkische Sand". Der Kassierer erstattete den Kassenbericht vom 1. Quartal 1902. Derselbe ergab mit dem Bestand eine Einnahme von 1328,59 M. Dieser gegenüber stand eine Ausgabe von 861,10 M, Bestand am Schlüsse des Quartals 177,19 M, Hierauf teilte der Vorsitzende mit, daß der 1. Mai in Johannistha im Lokale der Witwe Ran gefeiert wird, und ersticht die FabrikanSjchüsse, welche ivegen Freigabe des 1. Mai noch nickt volstellig waren, dasselbe sobald alS möglich zu thnn. Für die Textilarbeiter Belgiens wurden 100 M. ans der Filialkassc bewilligt. Die Versammlung erledigte alsdann noch einige VereinSangclegenheitcn. Di« Färber(Filiale IV des Textilarbciter-VerbandeS) hatten sich am Sonntag, den 20. April, bei MerkoivLli, AndreaSstr. 26, ver- sammelt, im. zunächst Stellung zu nehmen zur Frage der Ver schmelznng der Filialen. Eine solche wurde denn auch von ver- schiedcne» Seite» befürivortet und dem Vorstand anheimgegeben, das weitere mit den andren Vorständen zu beraten, um i» nächster Zeit die Idee zu verwirklichen. Sodann wurde beschlossen, überall, wo eS angeht, am 1. Mai die Arbeit ruhe» zu lassen und die Ver- smnmlunge» zu besuche». Schließlich wurden noch 10 M. für die belgischen Arbeiter bewilligt. Ein« Versammlung de» verein» der Dvpfer erhob Protest gegen de» Wortlaut und Inhalt der im Verband angenommenen Resolution, nach welcher die g e s a m m t c» Töpfer an die Berliner Innung daS Ersnchc» richtete», zur Einführung eines paritätischen ArbeitsnachlveiseS Stellung zu nehmen. Die Versammlung ivar der Ansicht, daß derartige Institutionen nicht zum Wohle der Arbeiter wirken, daß es im Gegenteil im Interesse der Arbeiter liegt, den ArbeitSnachiveis ausschließlich in die Hände der Arbeiter zu bringen und z» erhalten. Der Verband de» techuischru BlihueupersonalS nahm in seiner Generalversammlung am 19. April den Bericht vom Verbands- lag entgegen, den, sich der Kassenbericht anschloß. Znm ersten Vor- sitzenden deS Eentralvorftandes wurde das Mitglied Götzke, znm Kassierer Gabbart und zum Schriftführer Müller gewählt. Der Lokalvorstand setzt sich zusammen auZ: Schäfer erster, Rook zweiter Vorsitzender; Scheller erster. Scheuer zweiter Schriftführer; Richter erster, Zoch zweiter Kaisierer. Für de» belgischen Generalstreik bc- willigte die Versanimlung 50 M. Diejenigen Mitglieder, die am 1. Mai arbeiten, sollen 30 Pf. Extrastener zahlen. Tic Hausdiener-, Packer- uudGeschciftSkntschcr-Vereinignng hielt am 16. d. M. ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die Thätigkeit des Arbeitsnachweises im letzten Vierteljahr. Der Arbeitsnachweis hat sich gut entwickelt. Im Viertelzahrsbericht war eine Einnahme von 266.98 M. zn verzeichnen, der eine Ausgabe von 120,56 M. gegenübersteht. Die geschäftliche» Berichte lauteten ebenfalls sehr günstig für den Berein. Der Verein soeialdemokratischer Gast- nnd Schankwirte hielt am 18. April eine Generalversammlung in Wilmersdorf bei Witte ab. Ewald gab im Jahresbericht bekannt, daß der Verein im vorigen Jahre, wo 63 Mitglieder neu eingetreten, zu jedermann Zufriedenheit gewirtschaftet habe. Der Kassenbericht ergab eine Jahreseinnahme von 1616 M., eine Ausgabe von 3781,16 M. nnd verbleibt ein Gesamtbestand von 7123,35 M. Der Kassierer wurde beauftragt, den Belgiern 500 M. zu übersenden. 9 Kollegen wurden neu aufgenomnien.' In der Ergänzungswahl des Vorstandes wurden die meisten Kollegen wiedergewählt. Charlottenburg. Am 21. d. M. fand die Generalversammlung der hiesige» Filiale des Deutsche» Holzarbeiter-Verbandes statt. Dieselbe beschäftigte sich eingehend mit der Stellungnahme zum 1. Mai. Es wurde einstimmig beschlosten, am 1. Mai überall die Arbeit rnhcn zu lassen. Die Arbeitslose» sollen am 1. Mai mit 1 M. extra unterstützt werden. Wer keine Maimarke hat, erhält, falls Differenzen durch die Feier entstehen, keine Unterstützung. Sodann gab Ben- s ch e ck nähere Auskunft über die Funktion deS Arbeitsnachweises der Unteniehmer und ersucht, die Kontrolle deS Extra-Beitragcs rege auszuführen. ES wurde»och folgender Antrag angenommen: Wer nur drei Tage arbeitslos ist, erhält keine Unterstützung. Hierauf gab der Kassierer H a h s e den Kassenbericht vom ersten Quartal 1902, worauf ihm Decharge erteilt wurde. In Zehlendorf tagte am Dienstag eine sehr stark besuchte Generalversammlung des WahlvcreinS. Die Abrechnung von der Gcmeindeivahl ergab, daß die Unkosten für die Wahl am Orte selbst aufgebracht wurde». Dann hielt Dr. B orchardt einen beifällig anfgenommene» Vortrag über den Wert von Konsumgenostenschafte». Der Vorsitzende K ö st e r gab hierauf eine Statistik über die Bc- teilignng der hauptsächlichste» Bcmse an der Wahl bekannt. Danach haben von 183 Arbeitern 81 gewählt; davon 16 für uns und 35 gegen n»s; 102 haben nicht gewählt; von 50 Maurern haben 13 gewählt, 12 für uns, 1 gegen u»S, 13 nicht; von 30 Tischler» haben 21 gewählt, 20 für uns. 1 gegen, 9 nicht; von 81 Gärtnern 16 gewählt, 1 für. 15 gegen, 15 nicht; von 27 Zimmerer» 11 gewählt, 13 für, 1 gegen, 13 nicht; von 11 Buch- dnccker» 9 gewählt, 9 für. keiner gegen, 2 nicht; von 8 Malern 1 ge- wählt, 3 für, 1 gegen. 1 nicht; von 8 Steinsetzern 5 gewählt; 5 für, keiner gegen, 3 nicht. Aus der Stalistik geht hervor, daß die schlcchtest organisierten Arbeiter auch ihr Klassenintmsse nicht wahrnehmen, und wissen nun wenigstens die Organisierten, Ivo sie den Hebel an- zusetzen habe». Des weiteren teilt der Borfitzende mit. daß uns von jetzt ab das Lokal Anglersrnh, Alsenstr. 23, zur Verfügung steht, und daß bereits die Maifeier in demselben Lokal stattfindet. Aufgenommen wurden 5 neue Mitglieder. Schmargendorf. In der am Donnerstag, den 21. April ab- gehaltenen, von 2 Gcndariuen sorgsam überwachten Volksversammlung im„WirtShauS Schmargendorf" sprach ReichstagS-Abgeordiieter Rosenow über:„Das Reckt der Genieindewählcr und die hiesige Gemeiiidevcrtretnng." Dem interessanten»nd beifällig aufgenommenen ca. cinstündige» Vortrag folgte Diskussion. In derselben sprach vom Wahlverein besonders Brille über die letzthin slattgefundciie Gemeindewnhl, bei ivelcher die auf den Genossen Mendt gefallenen Stimmen für ungültig erklärt waren. Er verlas ei» ans unsren Protest eingegnngcucs Schreiben deS hiesigen Gcuieiude- vorstehers. laut welchem die G e in e i n d e v e r t r e l u n g den ein- gelegten Protest als»»gerechtfertigt zurückweist, und das, obgleich der vorerivähnte Protest bis jetzt keine Geineindcvertreter-Sitzuiig beschäftigt hat! Wie ist das möglich?— Bon den zahlreich anivcsenden bürger- lichen Mictervercinlern sprach der von diesen für die nächste Ersatzwahl ansersehene Kandidat, Magistratösekretär I u n g, welcher sich als Christlichsocinler vorstellte nnd erklärte, daß er wegen seiner politischen Stellung»iemols für nnsre Forderunge» zn haben wäre; in einigen lokale» Sachen wolle er dagegen mit uns gehen.— Im Hinblick ans die seit dem 1. April verwaiste Stelle eines Gemeindcvertrctcrs der 3. Abteilung nahm die Versammlung einstimmig folgenden Antrag an:„Die Wählerversammlnng vom 21. April 1902 beauftragt das Bureau, bei der Gemeinde- Vertretung den Antrag auf »»gesäumte Anberanmnna der Ersatzwahl für die dritte Abteilung zu stellen."— Um eine starke, kräftige Opposition in der Gemeinde- Vertretung zu ermöglichen, ist es notwendig, daß unsre Anhänger schon jetzt eifrigst für die hoffentlich bald statlfindendc Ersatzwahl agitieren. RIxdorf. I» der am 23. April vom hiesigen Gewerkschafts« kartell ciiibcrnfencn, von ca. 200 Personen vesnchten Bauarbeiter- Versammlung, welche zu der von der Ceiitralkommissio» für Bau- arbeiter-Schutz an den Landtag gerichteten Petition nm Erlaß cincS Bauarbeiter-Schutzgesetzes Stellung nahm, referierte Genosse Link. Es wurde die von der Centraikommission empfohlene Resolution ein- stimmig angenommen. In der Diskussion wurde das Verlangen ge- stellt, daß auch Vorkehrnngcn getroffen werden, um den Bauarbeitern ihren schwer verdienten Lohn zn sichern, soivie ans verschiedene Bau- Unfälle infolge niangclhafter Schutzvorrichtungen hingewiesen. Johannisthal. Am 22. d. M. hielt der sodaldemolratische Verein bei Scnftieben seine fäNige Mitgliederversammlung ab. zn der Genosse Hirsch da« Referat übernommen hatte. Der Vortragende sprach in einem l'/zstündigen. beifällig aufgenommenen Vortrage über:„Die Bedeutung des Klassenkampfe» und die Notivendigkeit der Organisation". Ein Diskussion schloß sich hieran nicht. Der Kassierer Lub an erstattete hierauf den Kassenbericht, der wegen noch ausstehender Listen in der letzten Generalversammlung nur inivoll- ständig gegeben werde» konnte. Ans demselben(ist zn ersehen, daß im letzten Quartal die Einnahmen sich auf 110 M. belaufen, ihnen steht eine Ausgabe von 75,90 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 61,10 M. verbleibt. Von Bruntz'el wurde angeregt, die Ver- sammlnngcn monatlich nur einmal stattfinden zn lassen; es kam je- doch ei» von M e r t i n s gestellter Antrag zur Annahme, diese An« gelcgenheit als ersten Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. 10 Personen ließe» sich in den Verein auf- nehmen. NdlcrShof. Der socialdemokratische Wahlverein für Adlershof hielt an, 17. d. M. seine ordentliche Mitgliederversammlung bei Scheer in Köpenick ab. In einem ausgezeichneten Vortrag sprach Genosse S a s s e n b a ch Über: Die heilige Inquisition. Hierauf gab der Kassierer seinen Bericht vom ersten Quartal. Die Einnahme betrug 150,36 M., die Ausgabe 131,75 M., bleibt ein Bestand von 15,61 M. Die Mitgliederzahl beträgt 153. Da ein Revisor und ein Hilsskassierer verzogen sind, so wurde S 1 c m m w e d e l als Revisor nnd G r i e b e n o w als Hilsskassierer gewählt. Eine längere Dis- kussio» ergab noch die Lolalfrage. Znr Maifeier wurde noch bekannt gemacht, daß znr Vonnittagöversauunlung der Abmarsch um 8 Uhr vom Restaurant Schubert stattfindet. FriedrichSfclde. In der Generalversammlung deS Social- demokratischen Wahlvercins für Fricdrichsfelde und Umgegend stand Bericht und Ncinvahl deS Vorstandes auf der Tagesordnung. Es fanden im letzten Halbjahr drei Vereinsversannnlungen und vier öffentliche Versammlungen statt. Der Kassenbericht ergab im 4. Quartal 1901 eine Einnahme von 101.82 Vi., eine Ausgabe von 68,50 M., bleibt ein Bestand von 33,39 M.; im 1. Quartal l. Js. eine Einnahme von 65,79 M., eine AuSgnbe von 25,62 M, bleibt ein Bestand von 10,17 M. In den Vorstand Ivurden folgende Genossen gewählt: G r o n w a l d als erster, P i n s e l e r als zweiter Vorsitzender; Riebe als erster, Schubert als zweiter Schrift- führer und D ä n i ck e als Kassierer; zu Beisitzer» T y r a k o iv s k i nnd W i t t m a n»; zu Revisoren wurde» T Y r a k o w s l i, B r u n ck und I e n s ch gewählt. Weiffensee. Am 17. April hielt die Zahlstelle Weißensec des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes ihre Mitgtieder-Bersannnluiig bei Kühne, Rölkestraße, ab. Den Situationsbcricht über den Arbeitsnachweis der Holzindustriellen gab Schröder. Er forderte auf, sich mehr an de» Beschluß betreffs des Extvabeitrages zu halten. Sodann gab Kirchner de» Kassenbericht vom I.Quartal. Die Gesamteinnahme der Verbandskasse war mit Bestand vom vorigen Quartal 966.05 M., die Ausgabe 610,36 M,, bleibt ein Bestand von 355,69 M. Die Lokalkasse hatte eine Gesamteinnahme von 313.35 M. und eine Ausgabe von 219,11 M,. bleibt ein Bestand von 91,21 M. Die Gesainteniilahine der Lokalstreikkasse war 1199,33 M. Dieser stand eine Ausgabe von 125.08 M. gegenüber. Demnach ist ein Bestand von 1371,25 M. zu verzeichnen. Die Einnahme von den Exirabciträgen war 130,50 M., die Ausgabe 31 M., so daß ein Bestand von 96,50 M. verbleibt. Die Mitgliedcrzahl bcläuft sich gegenwärtig auf 258. Hierauf wurde ans Antrag der Revisoren der Kassierer entlastet. Betreffs der Maifeier wurde beschlossen, überall da, Ivo eS möglich ist, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lasse». Folgende Anträge wurden dann»och«instimmig angenominen: 1. Wenn in einer Werkstatt resp. Fabrik die Majorität der organi- sterten Kollegen bestimmt, den 1. Mai zu feiern und diese infolge- dessen ausgesperrt werden, so Iverdcn dieselben unterstützt. Alle Kollegen, welche den ganzen Tag arbeiten, haben 2 M., diejenigen, welche Ve Tag arbeiten, haben 1 M, in die Streikkasse zu zahlen. 2. Die- jcnigcn Kollegen, welche die Unterstützung beziehen und die 50 Pf. Marke von Anfang an geklebt haben, erhalten 3 M, pro Woche Zuschuß. Beschlossen wurde ferner, alle Ausgesperrten vom 2. Mai ab zu imterstützen. Znnl Stiftungsfest, welches am 12. Juli statlfindct, wurden folgende Kollegen m daS Bergiiügungskomitee gewählt: Wekcrling, Mook. Malissn, Schröder. Richard Kirchner, Albert Kirchner und Zikrik. Einer scharfe» Kritik wurde das Vorgehen der Rixdorfcr Kollegen betreffs der Wahl des Delegierten zum Vcrbandötag unterzogen. Auf einstimmigen Beschluß der Mitgliederversammlung wird dagegen Protest beim Verbandstag eingelegt werden. Schriftett-Eingang. Die Gefahre» de« AgrariSmnS für Deutschland. Bon Dr. A, SchKfsle, f. r Minister a, D. Herausgegeben vour Handels. Vertragsverein,«Äreifswald 1962, Handelspoltttk und Wehrkraft. Von Dr. Heinz Potthofs. Berlin 1902, Franz Siemen roth, 1,20 SR. Bericht de» LaiideSanSschusse» der deutschen und dpreichllch-unga« rischc» Socialdeuiokratie in der Schweiz für daS Jahr 1901, Zürich, Ari eitersekretarlat Haunover. Geschäftsbericht für das Jahr 1901. Zlrbeiteriekretariat Kiel. Bericht für das erste GeschSftSjahr vom Juli bis 31. Dezember 1901. Arbeitersekretarilit Stuttgart. Jahresbericht für 1901. Nebst Geschäftsbericht deS Vorstandes der vereinigten Gewerkschaften Stuttgarts. Ortstranrenkasse der Maler zu Berit». Geschäftsbericht für 190t. Ortskraukeukasse der Hutuiacher ze. zu Berlin. GeschäftSbertchr für 1901. OrtStrankeukasse der Bildhauer. Situceateure und verwandter Gewerbe zu«erlin. Geschäftsbeitcht für 1901. Allgemeine Ortskraukenkasse für die vereinigten Gewerbe- betriebe Charlottrnburgs. Geschästsbericht für 1901. Allgemeine OrtSkraukenkafse zn Frankfurt a. M. Geschäftsbericht für 1901. Bade, Dr. E.,„Böget in der Gefangenschaft-'. I. Teil. Heimische Käfigvögcl. 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Die Secessionistcn betonen denn auch im Vorwort des Ausstellungskatalogs diese ihre Front- und Sonderstellung.„Nicht der mächtigste Fürst, der Künstler allein zeichnet der Kunst die Wege vor, die sie zu verfolgen hat". Man sieht viele,„die nicht da sind" und nianchen, der ganz gut fehlen könnte, ohne datz das„Konzert" an Farbigkeit uiid Vicl- gestaltigkeit verlöre. Den meisten Widerspruch wird der un- zweifelhaft hochbegabte Norweger Eduard Münch Hervorrufen, von dem man nicht sagen kann, datz er seit seiner ersten Kollektivausstellung vor etwa zehn Jahren— ein andrer geworden. Erstklassige Werke Ivird man zudem nicht viele finden. Ein Werk Arnold Boccklins(Ritt des Todes) drei prächtige Bilder von Wilhelm Leibi(Wilderer— Hände mit Stutzen und ein unvollendet gebliebenes Bildnis einer Bäuerin) sowie Bilder von Ed. Mane t und Victor M ü l l e r gehören Verstorbenen an. Fritz von U h d e hat einen liebevoll geinalten„Ausgang"(ein Mann, der eben den Nock anzieht, um fortzugehen), Graf Leopold v o n K a I ck r e u t h, der Direktor der Stuttgarter Kunstakademie, bat einige Bilder aus der Hamburger Kunsthalle beigesteuert. Von Lndlvig von Hofmann sieht man u. a. eine Wiederholung' seines verlorenen Paradieses, nur in andrer Auffassung. Jsaac I s r a ö l s ist mit 7 Bildern vertreten. Walter L e i st i k o>v, Paul Baum, George B r e i t n e r(Amster- dam), Philipp F ran ck, Knrt Herrmann haben zum Teil an- sprechende Lnndschaftsbilder. Max Liebermann erscheint mit Neuen» von keiner bemerkenswerte» Seite. Hans T h o m a hat auher einem merkwürdigen mythologischen Bilde(Charon) mehrere stiminungs- reiche Landschaften und Wilhelm T r ü b n e r ist durch sieben Stücke vertreten, unter denen namentlich zwei Reiterportraits hervor- stechen. Max S l e v o g t interessiert ivieder durch sein Kolorit. Das Bemerkenswerte scheint mir jedoch Louis Corinth mit den» zwar skizzenhaften, aber ungeheuer packenden Ganz- Porträt des Berliner Dichters Peter Hille gegeben zu habe». Auch die biblische Remmisceuz„Der Fluch auf König Saul" soll hervorgehoben sein. Den Biedermeierton trifft Hans Bali, schek im Sinne bürgerlicher Bilderjonniale ganz ausgezeichnet. Manches, ivie Martin Brandenburgs „Cadmns", Josef Oppenheimers„Japanischer Jongleur", Theodor Heines„Dichterling" und„Vestalin" läßt groteske Wirkungen aufkommen. Von Max K l i n g e r interessiert ein Bild „Homer". Dagegen ruft das Modell seines„Beethoven" doch gemischte Gefühle hervor: die zusammengedrückte Ge- stalt des Tonheros lätzt keinesivegS die Bedeutsam- keil aufkommen, die dein Wiener Werke mit Recht zugesprochen wird. Die Liszt-Büste ist monumental. Eiidlich sind noch die Plastiken von August Kraus(Sandalenbinderi»), Fritz K l i m s ch(Dr. Thoma, der„Peter Schlcmihl" des„Simplicisstmus"), Nie. Friedrich(Ringkämpfer), Adolf Hildebrandt, Auguste R o d i n und Louis T u a i l l o n rühmend zu nennen.— _ Ernst Kreowski. GhvAkev. Schiller- Theater.„Die Romantischen." Verslustspiel in drei Aufzügen von E d m o n d R o st a n d.— Fast von Woche zu Woche sucht das Schiller- Theater sein Repertoire durch Neu- Ein- stndiernng älterer Stücke zu eriveiiern. Es hat dabei mehr Glück als bei seinen Pcemicrenwagnisscn. Der Aufruhr, den Lothar Schmidts unseliger„Mensch in der Bestie" erregte, ist längst ver- gcssen. Was dann folgte, die derbe Prosa des L'Arrongeschen „Leopold", ebenso>vie das tändelnde Phantasiespiel der nun auch bereits ziemlich betagten Rostandschen Bcrskomödie lvurden ganz mit der alten Beifallsfrendigkeit vom Publikum aufgenommen. Bei L'Arrouge, der immer mit breiten, populären Milteln arbeitet, lätzt sich das wohl voraussehen, nicht aber bei Rostand. dessen launig-phaiitastische, alle Sorgen um die Wahrscheinlichkeit nnbekünunert beiseile schiebende Art viel mehr Sammlung und willigeres Ent- ßegenkommen erheischt. Auch fehlt in dieser Komödie noch völlig jene feine, reiche Individualisierung, die den Helden in Rostands „Chrono von Bergerac" so überaus anziehend macht und die sonst fehlende dramatische Spannung ersetzt. Die„Romantischen" kommen über das Marionettei»haftc nicht hinaus, und darum bedarf eS trotz der munter pointierten, von Fulda mit bekannter Meisterschaft übertragenen Verse, trotz der»nanchcrlei lustigen Einfälle und der feinen Ironie, die das Ganze durchzieht, schon wirklich einigen guten Willens, um sich nicht zu langweilen. Es ist wie eine Mahlzeit aus larlter Beilagen. Nnlvillkürlich regt sich die Sehnsucht nach Kourpakterem. Datz zivei Väter, die ihre Kinder mit einander verheiraten möchten, so thun, als ob sie spinnefeind mit einander»vären, mn durch den Reiz ver botener Liebe die jungen Herzen desto sicherer zu vereinen, datz sie, damit dem romantischen Söbnlein und Töchtcrchcn auch das ersehnte Abenteuer nicht fehle, eine Scheinentführung, bei der der Jüngling sich als ritterlicher Retter beivährcn»löge, ins Werk setzen, das ist sicher ein amüsant-irouischer Einfall. Und lustig ist es anch, wie nun das Pärchen in heldenhafte» Hochgefühlen schwelgt, und als ei» Zufall den kläglich-prosaischen Zusammenhang aufdeckt, in eigen- sinniger Verstmmuing auseinanderprallt, wie dann das Muttersöhnchen, nachdem es, losgetrennt vom väterlichen Geldbeutel, ein wenig von dein»virkliche» Abenteurerleben auf der Landstratze gekostet, zerschunden und reumütig zu dem inzivischen gleichfalls aufgeklärten Dämchen zurückkehrt, um sich niit ihr. gleich Hans und Grete, in aller Einfalt ganz bürgerlich uliromantisch zu vermählen. Als Novelle in Versen, etwa in dem Versmatz der Ottavc-Rime, dem so neckisch-anmutige Reize abzugewinnen sind, hätte sich daS Geschichtlein von Pcrcinet und Sylvette allerliebst erzählen lassen. Da wäre es auch leicht möglich geivesen, die Farben feiner abzutönen, durch ein Zurück- greifen auf die Vergangenheit den verrückten Plan der Bäter, und ivas dann lveiter folgt, ein wenig näher zu motivieren, kurz in den allgemeinsten Zügen ivenigstens die Distancen und Proportionen der Wirklichkeit einzuhalten. I» der anspruchsvollen Form des Dramas ist das unendlich schwerer. Und Rostand hat sich gar nicht einmal bemüht, dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. Bei ihm ist alles so hart und unvermittelt aneinander gerückt, datz der Schein der Illusion, den man doch auch vom freien Phantasicspiel erwartet, sich nicht entfalten kann. Zu sichtbar treten überall die Risse und Spalten hervor. Das Spiel war flott und lebhaft. Besonders gelungen schien uns die niedliche Sylvette von Frieda Brock und der putzig eit schauspielernde Abenteurer Rudolf Lettingers.— ät. Carl Weist-Theatcr. Wenn man drautzen in der Frankfurter Stratze dem an gehaltlose Kost gewöhnten Publikum„social" kommt, dann sind hochgespannte Erwartungen immer vom Uebel. Aber so ungeschlacht wie in dem socialen Volksstück„Die Kinder der A r m e n" einen Schauerroman vorzutragen, das geht denn doch über die Hutschnur. Ein Herr Emst v. I n r c o hat sich da einen italienischen Roman vorgenommen, der von den Mitzhandlungen erzählt, denen in seinem Lande und wohl auch andersivo die Kinder des Lumpenproletariats ausgesetzt sind. Nur einer macht in diesem Pfuhl von Roheit und Gemeinheit eine Ausnahme und das ist der Schriftsetzer Carlo. Wegen seiner Tugendhaftigkeit mutz er aber auch mit Weib und Kind im Elend verkommen. Das heitzt nur körperlich. Im Geiste protzen Carlo und sein Weib mit einem Eigentumsfanatismus, mit einer Scheu vor dem Gute des eigennützigen Nächsten, noch zehnnml vernunftwidriger als sie vom alten Hilfe in den Webern offenbart werden. Ein Armenarzt, der mit einer jungen Witive sporlsmätzig das Elend studiert, hat seine liebe Not, den Eltern Nahrung für das kranke Kind aufzudrängen. In dem grob auf- gezimmerten Stück rächt sich an dem Schriftsetzer die Bethätignng solcher Grundsätze denn auch augenfällig; Carlo begeht in der Verztveiflnng Selbstmord und wird ain Schlutz schauerlich ,nit Blut besudelt auf die Bühne getragen. Hätte er ivie seinesgleichen ohne viel Federlesens das tägliche Brot genommen, wo man es ihm redlich anbot, so lebte er heute noch, und Herr Jurco hätte seine Zeit nützlicher verwenden müssen als mit der Produktion einer blutrünstigen Geschmacklosigkeit. Am gescheidtesten waren noch die Schauspieler, die, ohne sich viel mit Memorieren geplagt zu haben, das Stück herunterhaspelten, so schlecht es gehen wollte. Und es ging wirklich schlecht genug. NHgemeilie Familien-Sterbe-Kasse. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Diekc. und Manannenstr. 48 bei Liebehenschel, von 3— S Uhr. Berliner Kranken- Unterstützungs- und Begräbnisverei» für frone» nn» Ntadchrn(gegr. 1892). Heut« abend K Uhr,„Englischer os". Nene Rvhstr. 3, unterer Saal: Generalversammlung. Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perrückeumacher- Gebilfc». Am Montag, den 28. April, abends 10 Uhr: Grobe außer- ordentliche Mitgliederversammlung im Restaurant Bauer, Rosenthalerstr. 37. Bortrag des Genossen Schulz. Grofte öffentliche Bersauimlung aller in der Wäsche- und Kravattenbranche, sowie Dampf- Waschanstalten beschäftigten Slrbeiter und Arbeiterimeen am Montag, den 28. April, abends 8»/, Uhr, im Schtitzenhaus, Linienstr. 5. Vortrag des Reichstaas- Abgeordneten Genossen Albrecht über:„Der Gesetzentwurf zum Schutz der Kinderarbett".— Die Zu stäube in den Berliner Wäschefabriken. Witternugsübersicht vom 26. April 1902, morgens 8 Uhr. itlc, Stationen £1 Ii 65 68- Swinemde. Hamburg '.Neri in Frankf./M. München Wien il if 763 NO 764 NNO 762 NO 7o9 NO 769 SO 757 WNW Wetter 4hlb.bed 3 bedeckt 3 bedickt 2 wolkig 2 bedeckt 1 wollig &f. B■- i" i» «5= Stationen 4Saparanda 770 NO htPetersburg 763 NO "~' 758,0 u II 750NO Wetter 4 Schnee Iwolkenl «bedeckt 2bedeckt öft B n. 11 -ck) -4 11 6 Cork 8,Aberdeen 9, Paris Iii Wetter-Prognose für Sonntag, den 27. April 1962. Trocken und ziemlich heiter, aber kühl bei scharfen nordöstlichen Winden, an ftei gelegenen Stellen Nachtfrost. Berliner Wetterbureau. vnmoB. LciUr. Zug;. Utielel angenehm und haltbar. 8,40'llr Damen» Leder- Schnür- Stiefel bequem—«elide... Damen■ Leder» Knopf- Stiefel elegant— dauerhaft., 3,00 � Ullä voll avedsiuintsr unverwüstlicher Haltbarkeit. ZU denen wir unsere eigenen Erzeugnisse ohne jeden Zwischenhandel direot dem Publikum anbieten, Fbilll� und in unseren Fabriken auf jede Sohle aufgestempelt. Unsere Goodyear"Welt- Schuhe und-Stietel ±Ü.r Herren und Uamen sind das denkbar eleganteste, solideste und billigste. 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Lessing- Theater. 4. und 5. Abteilung: Die Hoffnung. Anfang 23/4 Uhr. Opernhaus. Die Fledermaus. A»- fang 7V- Uhr. Montag: Carmen. Schauspielhaus. Das grobe Licht. Anfang 7Vz Uhr. Montag: Wie die Alten fungen. Neues Opern- Theater/, Uhr. Montag: Die Zwillingsschwestern Weste». Fidelto. Anfang 7-/, llhr Nachmittags zu halbe» Preisen Martha. NachniittagS 3 Uhr: Gasparone. Residenz. Einquartierung. Anfang 7-/, llhr. Montag: Einquartierung. Neues. Gastspiel des Pariser Ensembles von« Thsatre du Palais Royal. M'amour. Anfang 7Vi Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Ceutrul. Das sühe Mädel. Anfang 7-/2 llhr. Nachm. 3 Uhr: Der Bettclfludent. Montag: Das sübe Mädel. Thalia. Seine Kleine. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vellc-Zlliiauce. Die Dame aus Trouville. Hieraus: Er. Anfang 7-/- Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Elfriede. Montag: Die Dame aus Trou ville.— Er. Luisen. Bei Nemnanns. Unsre Männer. Anfang 7-/, Uhr. Nachmitags 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Gebrüder Bock. Carl Wcisj. Hannemann vom Biehhof und der lleine Cohn Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Die Kinder der Armen. Friedrich-Wilheluistädtlsches. Epidemisch. Ansang 7-/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Epidemisch. Seressionsbuhue. Detlev Lilien- crons BimtcS Brettl. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ucberbrettl). Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall und Rauch. Serenissimus- Zwischenspiele.— Strindberg- Cyklns. Anfang 8-/2 Nbr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Orpheus. Specialitälen-Vorstcllnng. Anfang 8 Uhr. Eharivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Metropol. Unsre Don JuanS. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Rpollo. Lysistrata. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Spectalttälen-Vorstellung. Eine Nacht im Ballhaus. An- fang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. (S asiuo-Thcater. Berlin ans Stelzen. Specialitäten- Vorstellung. An- sang 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Dienstbote. Specialitäten. Weihnachten. Montag: Berlin aus Stelzen.— Specialitäten- Vorstellung. RrichShallc». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags b Uhr. Passage- Panoptikum. Spectali- täten-Vorstellung. Urania. Taubenstr. 48/41).(Im Th-atcrsaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseetüste. Juvalideustrasie 57/0%. Täglich: Sternwarte._ Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater nm 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. SWttÄMtt (Walluer-Theater). Sonntag n ach vi ittag 3Uhr! Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Auszügen v. Schiller. Sonntagabend 8 Uhr: Aeli» Leopold. BolkSstück in 3 Akten von L Arronge. Montagabend 8 Uhr: �s»lh»»» der Weise. Dien stagabend 8 Uhr: Die Romantischen. Hierauf: Hexen fang. lelle-Alliance-Thealer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Elfriede (Aichenbrödel). Lustspiel v. R.Benedix. Abends 7-/2 Uhr, zum 123. Male: Die Dame a»S Trouville. Schwank mit Gesang U. Tanz in 3 Alt. Em» Sondermann a. G. Ferd, Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marlon. Hieraus:„Er". Pariser Lebensbild in 1 Akt. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Letzter Sonntag! Emilie Carola, preisgekrönte Wiener Schönheit. Gusta¥ Boune, Humorist, mit sein. Schlager: Berlin sei ruhig, schrei hurra I Der kleine Cohn, der kleine Cohn, Der kleine Colin ist dal 16 erstklassige Nummern. M\m Hpriiun Unter den Linden 08a. Eingang Schndowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: MT 25 Pf. �WD Beichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, _ Reptilien etc._ Casta Panopticai Frledrlch-Strasse 165. Zwergin iCl Kinde (einzig in ihrer Art auf dem Erdenrund!!) M Oer Boerenkrieg (Botha, DeWet, Delarey, Kröger.) Lebende Photograpliien. Hon f humor.-muslkal. Quintett neu. Kirchmcyer. lEtropol-Ilieater Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Anna Müller-Linke Fritz! Georgette Frid-Frid Unsre Don Jnans Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Musik von Franz Roth, Adolf Ferren und Victor Holländer. In Scene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Morgen und folgende Tage: Unsre Don Jnans. Anfang V38 Uhr. Rauchen überall gestattet. Palast-Theater (ftiihcr Fccn-Palgst) «nrgftr. SL. Nur noch ein paar Tage I Ungeheure Heiterkeit über: im Nacht im Ballhaus. Schwank in 4 Akten von Kneisel. Hänfling, Küster: Dir. Rieh. Winkler. Neu! Zum I. Male: Neu! Woinorts Mimiplastika! 8 schöne Damen, 3 Herren, I Kind. Schlug dieser Saison: A«, 3«. April 1»«». An diesem Tage haben sämt- liche Ehren- und Freikarten zum letzten Male Gültigkeit. Entree 50 Ps.-7WA Slnsang präeise 7 Uhr. Ab 2. Mai: Gastspiel Ben Ali Bey. ipoilo- Theater. Um 7Vi Uhr:! Die grossartig. Specialitäten Um 8V2 Uhr: Lysistrata Operette v. Paul Linke. Kasseneröffnung O Uhr. Puhlmanns Vaudeville-Theater. Inhaber: Wilhelm Fröbel. Schönhauser-AIIee 148. MM- Heute Sonntag: Großer Dali. Vorimzelgc! Am 18. Mai(1. Pfingstfeiertag): Eröffnung der Tommer-Tpielzeit unter der neuen Firma: Froheis„Allerlei-Theater". Auftrete» des erstklassigen Schauspiel- und Speeialitäten- Personals. Alles Nähere spätere Anzeigen. Den geehrten Vereinen. Gesell- schafte», Versammlungen-c. stehen uieine gesamten Räume zu soliden Bedingungen jederzeit zur Verfügung. Wilhelm Fröbel. Ceiitral-Thkatrr. Heute, Sonntag, 27. April, nach- mittag 3 Uhr, erst- Besetz., halbe Preise: Der Bettelstudent. Laura.. Frl. Hilda Marstn a. G. Abends 7»/, Uhr, zum 130. Mal: Dss süHv Mädel. Operette in 3 Akten von LandSberg und Stein. Musik von Reinhardt. Morgen und folgende Tage 7 Vi Uhr: Das süste Mädel._ Thalia-Theater. Dresdenerstrafte 78/73. Letzte Sonittagsvorstellung: Seine Kleine. Anfang B/z Uhr. Montag zum 100. Male: Seine Kleine, Dienstag, vorl. Vorst.: Seine Kleine Mittwoch: Abschieds-Vorstellung und Benefiz f. Cuide Thielscher. Ans. 7 Uhr Donnerstag, 1. Mai: Gastspiel der Schlierseer. Anfang 8 Uhr: Der Herrgottschnitzer von Ainniergan. Der Sommer- Garten ist in oberbayrischer Art dekoriert. sfori Weiss-Theater. Grosse Frankfurtcrstr. 132. Nachmittag 3 Uhr. Parkett 60 Pf. Der Hütte»besitzer. Abends 8 Uhr: nie Rinder der Armen. Sociales Volksftück in 4 Alten von Ernest v. Jurco. Montag: Die Kinder der Armen. Im Sommergarten: Cr. Konzert. Theater und SpecIaiitStenvorstellung. Anfang 4 Uhr._' Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonntag, 27. April, nachm. 3Vi Uhr Letzte Nachm.-Vorstell. bei über die Hälfte ermässigten Preisen: Vorstellnng vor Sereiiissimns 8 Uhr abds.: Gastsp. v. Em. Reicher. Strlndberg-Cyklns. Serenissimus-Zwischenspiele u. a. Am Montag, 28. April: Gastspiel von Emanual Reicher. Casiuo- Theater Lothringerstr. 37. Gastspiel Antonie Agoston in „Bttlin öiif Acheil". Urkomisch I Sensationell! Anfang Wochent. 8, Sonntags 7Vz Uhr. Sonntagnachm. 4 Uhr: Dieustbote. Specialitäten.— Weihnachten Wintergarten. 15� Heute:_ Das glänzende Ballett nnd 16 Specialltliten. Heute gewöhnliche Preise Entree 1 H. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Kottbimerntr. 4«, Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: lloirn.annN NMeutslhe Siiilger Nach jeder Soiree: Ton�krilnschcll. Wochentags VereinsbilletS gültig und Tanz frei. Dentselie Konzertliallen. An der Spandauer Brücke 3. GrOest.Vergnüoungslokal Berlins Internationale Konzerte von 5 Künstler-Kapellen. Im 6. u. 7. Bogen erstklassige Theater- nnd Specialitäten-Vorstellnng Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Bttrgerl. Diner, 5 Gänge. Tügl. Matinee von 13—2 Uhr. Letzter gonntug! Sonntag, den 27. April, nachm. 4 Uhr und abends Uhr: Kloudike. Orig.-Pantomime deS CirluS Busch GeReral-Versammlyng Dienstag, den SO. April, abends 8 Uhr, in ,, Cohns Festsftlen", Beuthstrasse. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Tages-Ordnnng: Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstands, Revisionsbericht und Diskussion, Anträge, Neuwahl des Vorstandes, Ausschusses, der Revisoren und Obleute der Ordner, und Verschiedenes. 228/19] Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. IO. Serie: Im Berliner Theater 1./2. Abteilung. Sonntag, den 27. April, 23/4 Uhr: 3 Einakter: „tülhobiger", Tragikomödie von Strindberg; „Puss-', Eine Kindergeschichte v. Max Dreyen „Volksanfklürung" von Max Dreyer. 4./S. Abteilung im„Leeslng-Theater" gleichzeitig: — Die Hoffnung— 8 Extra- Opcrnvorstellnngen: Metropol- Theater: Don Juan— Carmen— Zanber- flUte vom 25. Mai ab.— Marken a 85 Pfennig vom 1. Mal ab in allen Zahlstellen; Wo amüsiert man sich grossartlg? In Schnegelsbergs Festsälen Inhaber: Max Schindler Hasen beide 81 und Jahnstrasne 8. Heute: IM" Gvolzov Vall"MV. verbunden mit Cigarren». Bonbon-Regen und diversen Ueberraschungen. Entree: Hlttsvoeh« frei, Sonntags 15 Pf. Täglich: Speclalltttten-Vorstellung. Enttee frei.| 37b0L»_ Hax Schindler. Hoflmanns Volksgarten, Westend. Kastanien- Allee 1. Jeden Sonntag: ÄÜ K"""- Volksbelustigungen. tkaffeekoche» von 8 Uhr ab. Im Saale: Gn» B 3 I In 4006C Der berühmte Wurstpavillon ist eröffnet. Es ladet ergebenst ein Karl Hoffmann. HB. Zum Frühkonzert vergebe ich mein Lokal unter günstiger Bedingung. Kfond» Wolf" Hasenheide 108—114. Ijllvllv 11 dl f Arnold Scholz. Jeden Sonntag: Grosses Tschätsch-Koiizept. Ballon Aufstieg der Hlss Calvcrinl u. des Capltaln Uehrends. Anläßlich der heutigen Auffahrt wird die unter dem Brauer-Personal der Bergschloß- Brauerei abgeschlossene Wette: 100G Mark gegen 100 Mark, zur Entscheidung kommen. Die beiden Rivalen, welche sich zur Teilnahme an der Luft- ballonfahrt cntsdiloffen haben, sind: die Brauer Joseph Hain- berger und Anton Straub. Füllung nachm. 2 Uhr. Auffahrt 6 Uhr nachm. Erstes Auftreten des TurmseilkünstlerS Mister Dlonney(Orig.) mit seiner Gesellschaft. Auster vielen phänomenalen Leistungen der Gc- sellschaft wird Mr. Bionney eine aus dem Publikum sich meldende Person über das hohe Seil ttagen. Im Dal champdtre-Saal: Grosser Ball. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Bei ungünstiger Witterung findet dasselbe im Saal statt.— Avis l Die Kaffecküche ist eröffnet._ H. fflentes Volksgarten Lichtenberg, Mußt. 35130, IMSÄ" 25 000 Personen fassend. 8000 Sitzplätze. MM" Ikdeii Zomiliig inid Poimerftag~9g Grosses Frei-Konzert. Sonntags: i im Riesensaale: Ball. Feuerwerk:. I Tanzmeister: W. Bauer. Für 4500 Personen verdeckte Hallen und Zelte. Kaffee-Kticlie. Drei verdeckte Kegelbahnen. Votksbelttstigttngen alter Art. Ter Bestt?er II. S1 e n t e früher 81 Jahre Oekonom des Böhmische» Brauhauses. 2180b» Concordia-Garten, Landsberger Chaussee 1. Elektrische Bahn Wabmannstrastc— Weihcnicer Weg(5 Minuten). Nordring Landsberger Allee(15 Minuten).— Grober schattiger Garten. 3 verdeckte Kegelbahnen. Ricscn-Parkett-Saal. Jeden Sonntag: Bali. Empfehle mein Lokal den geehrten Vereinen zur Abhaltung vou Festlich- leiten wie Versammlungen. B. Paalzosv, Gastwirt. W. Noacks Theater. Brunnenftrasti 16. Venoro. Vaterländisches Schauspiel m. Gesang in 3 Abteilungen vou Carl v. Holtet. Heute: Tanzkränzohen Montag: Lenore.__ Schweizer Garten Am KOnlgsthor S970L» Am Friedrichshain Jeden Sonntag Cr. Carten-Xnnzert. Specialitäten. Theater Vorstellung und Ball. Anfang 4V, Uhr. Entree 3« Pf. Ursms Wrangclstrasse 10/11. I Jede» Sonntag: Lpsssen' Ball. Auf. 4 Uhr. Sieh« Anschlagsäule». Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. 3840L« C. F. Walter. Etysiuni Landsberger Allee 49—41, Jeden Sonntag DSF" Frel-Konzcrt."VfS Im Riesensaal DM" üirosser Ball.-MD Anfang 4 Uhr. 3960Ö» Karl Elsermann. AviS: Saal und Garten, 3000 Personen fassend, ist an Sonnabenden noch zu vergeben._ Gesellschaftshans Swinemünderstr. 43. Tägl. Theater- u. Specialitäten- Borstellung. Jeden Sonntag: Ball. 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Portrug der Ctnosfin Um Zetkin über:„Die revollltisnüre« Kümpse in Belgien nnb Rnßland." i Diskussion. Zahlreichen Besuch erwarten IM« Vertrnnenslcnte. IV. Kerl. Reichstags Wahlkreis (Oflen.) Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, in Louis Kellers Festsälen, Koppenstraße Nr. 29: Moeksvers«mmru«g Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtigen Kämpfe des russischen und belgischen Proletariats. Referentin: Frau Clsn» Zetkin. 2. Diskussion. 214/10« Die Tertranenslente. Dienstag, den 2t». im„eitjfhim", April 1902, abends SVa Uhr, Landsberger Allee 40—41: Nolks-Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Die Lebensmittelverteuerung und die Aufgaben der Konsum- geuossenschaften. Referent: ReichStags-Abgeordneter l«Ln.. 2. Diskusston. Bcsouders werden die Frauen ersnlljt, zahlreilli zu erslheinen. 103/20_ Per jEinberufer. Socialtagkratisclier Watilverein für den sechsten Berliner Reichstags-Walireis DienStag, den 29. April, abends 8V2 Uhr: Devzetlttntlung in Raabes Salon, Kolbcrgerstraße Nr. i Taaes-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Waldeck nannsse über:.Sünden und Korderungen im Roten Hause". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Für die Damen als Zuhörer sind die Galerien reserviert. Pec Vorstand. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß deS HimmelfahrrstageS wegen der nächste Zahlabend nicht am 8., sondern am 15, Mai stattfindet. 247/9 23. Grossfi Miillick aller in der beslhäftigten Arbkiter und Ärbeitenniien WM- am Montag, den 28. April er., abends 8'/- Uhr im„Schiitzenhansc", Linienstrahe 3. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen.Alkreckt über: .Der Gesetzeutwurf zum Schut, der Kinderarbeit." 2. Diskussion. 3. Die Zustände in den Berliner Wäfchefabrilen. 4. Verschiedeues. Die Kollegen und Kolleginnen der Firmen H. Stcruberg jun., Gebr. Borchardt, Van Lank, Schmitz u. Eltschig sind hierdurch ganz besonders eingeladen. Tie Einberuserin. 231/3 Frau Rosen st engel, Barninistr. 9. Dentscher Holzarbtittr-Verbanb. (ILaklstelle Perlln.) Montag, 28. April, abends 8'/? Uhr, im GewerkschaftShauö, Engel-Ufer 13, Saal Nr. X: Brancheuversammlnng der Korbmacher. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent Kollege«taseke. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschied eiies._[82/14]_ Pte Kominlswloa. M»ng! Bauauschläger! MEti Am Sonntag» den 27. April, mittags 12'/« Uhr, bei Schulz, Grenadierstrabe 33: Oeffe»«tliche Versa«uml»t»lg. Alle Kallege», welche eine Ncu-Organisation erstreben, sind hierzu ein- geladen. Referent und Tagesordnung wird in der Versammlung belannt gegeben._[21576]_ Per Elnbcrnfer. AM»«»! Kistenmacher! AM«»»! Montag, den 28. April, abends 8«/, Uhr, bei Stcchert, AndreaSstrabe 21: venenal-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Wahl deS gesamten Vorstandes. 3. Bericht deS Delegierten vom GewerlschaftS-Kartell. 4. Neuwahl des- selben. 3. Verschiedenes. Mitgllcdsknck Iceitlmlcrt. 103/13 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. I.A.: Karl luokel. Verein der Freilreitlichen Soeialisten Berlins und Umgegend. DienStag, den 29. April, abends pünktlich 8'/, Uhr, im Lokal _ des Herr» Carl Patt, Dragoncrstrahe 13:_ UM" Vor 5Q mint un g"VW TageS-Ordnung: 1. Dortrag von.Alkert Weidner über: Robert Reitze! und Vorlesung aus seinen Werken. 2. Diskussion. 3. Vereiusangelegenheiten. Gäste willkommen. Ter Vorstand. Deutscli Metallarbeiter-Verband Vcrwaltnnesstclle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: 91 in t VII, 353. Dienstag, 29. April, abends 8V2 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdcnerstrahe 45: Versammlnng der Gold- und Sildernrbetter und verwandten Bernfsgenossen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen J. Sassenback über:„Der ltebergang von« Zunftzwang zur Gewerbefreiheit.« 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 114/8__ Ple Ortsvcrwalinns. Achtung! Achtung! Herren- und Knabenkttnfektinns-Schneider und-Schneiderinnen. Am DienStag, den 29. April» abends SVe Uhr, in den Lima- Sälen, Rene Königstrasse Nr. 7: Oeffentliche Bersiunmlnng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS RcichstagS-Abgeordneten Kollegen jAlkreekt über: „Die Stellung der deutsche» Herrenkonfektion auf dem Welimarlt und die Entlvhiiuiig ihrer Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 112/10 ES ist Pflicht jedes Angehörigen dieser Branche, in dieser Versammlung zu erscheinen._ Per Vertranensmnnn. AM»»»! Fliesenleger. AM«»«! Montag, den 28. April, abends 8�/- Uhr, bei Herrn Schnlz, Grenadierstr. 33: TageS-Ordnung: 1. Der bevorstehende Kongreß. 2. Delegiertenwahl zu demselben. 3. Gewerlschastliches. jpF~ Der wichtigen Tagesordnung wegen bittet um zahlreichen Besuch aller Fliesenleger 38/8 Per Vorstand. 13. Ziehung 1. Klasse 206. Kgl. Prenss Lotterie. Ziehung vom 26. April>9o2, vormitlaa». nwt bu«ewinue über 232 M«. finti den belreßenbe» Nummern in Kiammern beigesügi. tOhne GewShr.! 39 89 15001 122 342 4« 15001 703 805 997 1507 27 718 817 2452 577«17 18 35 799 3055 Sl l3« 202 23 49 15001 425 578 82 9««39 7« 729 33 42 79«3l 992' 4082 254 71 300 588 687 95 853 1500) 66 5030 150 231 318 412 90 634 751 57 6005 434 39 078 722 954 57 70 7107 215 308 52 837 52 8008 31 75 238 324 68 585 639 83 768 98 905 9057[3000] 93 115 735 958 96 10113 65 85 377 403 7 14 528 051 79 760 850 0 1 059 148 235 15001 399 539 68 603 803 15001 993 12156 212 379 676 719 38 43 53 806[1000] 35 901 47 13025 39 50 64 206 92 330[500] 44 421 857 1 4014 354 60 411 54 684 110001 705 911 15183 212 394 405 18 57 64 513 771 957 1 6296 474 84 97 643 77 732 1 7172 566 699 753 831 64 1 8515 16 72 683 780 19085 200 43 392 95 477 130001 695 764 915 89 20055 190(10001 432 64 539 76 623 857 05 80 982 S1003 46 147 96 232 401 16 57 89 554 816 34 2 2051 146 225[3000] 392 475[30001 540 803 47 59 972 2 3052 65 117 42 83 560 664 24128 31 343 86 410 513 664 87 935 59 94 2 5003 40 60 157 208 405 708 2 6041 15001 163 356 423 24 620 50 842[3000] 928 27159 295 677 713 35 893 99 953 2 8056 115 470 552 633 130001 45 94 99 754 909 2 9001 30 259 450 522 83 600 2[500] 54 110001 729 30014 157 203 585[5001 700 861[500] 944 49 3 1 618 56 64 827 99 933 15001 69 32133 46 280 431 83 517 660 701 20 831 33190 393 486 633 79 34127 230 75 110001 307 82 418 39 80.559 3 5078 272 323 403 815 50 905 36003 67[500] 253 82 509 672 729 801 39 48 37072 96 215 38 403 514 110001 788 814 29 77 93 38048 100 236 87 549 50 763 84 945 63 3 9035 104 29 261 420 502 677 844 45 40112 52 396 98 625 31 810 918 63 68 4 1 234 585 664 820 42137 354 513 27 97 654 756 991 43112 110001 99 226 37 303 26 80 453 574 642 710(500) 888 938 44003 124 276 351 435 70 500 72 610 732 99 842 95 45001 165 486 533 667 712 843 4 6021 124 277 506 66 97 607 26 720 78 817 54 89 955 56 92 4 7073 94 274 96 326 469 860 936 48191 318 89 911 49037 178 278 440 542 738 950 58 50133[500] 209 10 405 550 738 886 955 5 1 089 111 264 420 57(5001 565 635 74 791 811 18 909 27 40 62001 30 142 85 444 96 579 86 608 37 59 755 863 5 3507 12 95 602 705 46 808 5 4009 139 75 526 39 664[ 15 OOOl 877 987 5 5008 115 16 17 54 00 83 86 431 505 611 795 872 919 56093[30001 152 13000) 389 477 85 710 811 47 «1 89 963 57120 45 84 286 324(500) 99 401 820 45 58001 56 160 287(10001 365 425 59 84 646 70 767 916 59028 38 106 69 213(500) 343 90 521 46 68 71 72 649 65 901 66 60014 421 87 595 636 40 90 61172 221 24 53 66 110001 335 520 839 49 70 954 67«2082 88 325 419 31 55 718 913 34 6 3249 548 80 677 745 55 60 91 842 71 917 77(5001 64021 149 83(500) 254 322 792 811 6 5231(30001 37 383 408(5001 20 30 854 81 66108 226[10001 46 315 501 27 864 67174 765 975 6 8000 32 121 23 208 42 301 448 650 810 16[10001 65 88 69030 70 115 50 426 68 525 32 635 738 75 833 08 70021 36 1 10001 145 587 15001 657 709 834 59 93 7 1061 112 17 110001 49(5001 57 332 61 488 694 749 72363 83 404 017 728 876 905 86 7 3000 62 200 325 30 «3 92 534 661 733 97 840 912 7 4017 109 28(30001 55 75025 31 397 401 75 85 557 892 7 6264 443 653 764 880 »23(5001 77010 83 86 173 203 372 74 496 587 773 7 8093 136 37 76 350 532 701 53(10001 60 841 55 79050 76 119 97[5001 429 34 605 75 908 55 80019 380 445 625 42 774 951 8 1 056 90 192 291 302 28 528 649 96 UOOOi 795 917 82329 619 30 872 75 936 8 3 446 73 793 864 927 84123 203 74 356 60 646 654 755(5001 813 28 55 80 912 24 53 8 5119 263 306 29 435 504 46 632 65 86100 230 88 323(500) 27 85 94 588 644 838 87145 557 763 915 81 88112 303 17 465 883 794 895 8 9004 184 240 49 51 403 528 735 831 55 938 86 90154 354 71 448 77. 587 90 726 82 830(5001 64 922 9 1078 212 326 67 506 631 851 925 30 9 2003 38 374 419 511 94 704(500) 93117 250(30001 434 71 45001 721 48 842 9 4692 834 952 9 5160 15001 251 78 730 43 9 6045 59 133 363 656 79 732 62 89 840 48 79 83 87 96 97171(1000) 224 369 69S 761 875 962 96 98093 114 25 224 28 458 88 619 774 9 9018 30 119 23 227 420 86 681 IOOI86 209 90 305 485 531 36 704 58 846 110 1035 253 313 465 507 65 924 92(30001 98 1 02182 234 53 60 324 26 415 714 818 93 103008 86 123 448 75 92(500! 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Schub- inann, Oranienplatz�_ 22706 Freundlich möblierte Schlafstelle, Skalitzerstraße 144, 2 rechts. 2277b �Bessere Herrenschlasstelle vermietet Walter, Oranienstraße 3, Quer- gebände III._ 22736 Möblierte Schlafstelle für Herrn. Lausitzerplatz 3, Hof, Frau Appel Schlafstelle, separat, für Herrn. Manteuffelstraße 125, lV. rechts. Schlafstelle für Herrn zu ver- mieten. Waldemarsttaße 05a, vorn IV Rosruthal�����. 2205» Möblierte Schlafstelle für zwei Herren. Annenstraße 38, vom III. rechts._ 22866 Schlafstelle für Herren. Erl. Reichenbergerstraße 105._ 2283b Möblierte Schlasstelle. Kottbuscr Damm 1, 2 Treppen rechts. 22826 Freundliche Schlafstelle. Luisen- Ufer 30, Quergebäude 3 Treppen, Witwe Meyer._ 2281b — Möblierte Schlafstelle für Herrn zu vermieten. Langestraße 91, III, recht«.»" 22876 Möblierte Schlafstelle, ungeniert. Stephan, Skürafsterstratze 10a, vom vwrTrechls._ 2289b Schlafstelle, möbliert, Herr», Kaiserstraße 8, Hos rechts. 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