Z!r. 101. Abeimements-Kkdlngungen: «bonnsmsnl»- Preis pränumerando: igierteljährl. 330 Ml., mono«. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». tliuelne NuiNw'.r 3 Pfg. GonmagS- Nununer mir i»uNr>lri»r ScnntagZ- V-ilag-„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- 'tlbonneinent: UO Marl pro Mona». eingetragen in der Post- ZetiungS- Preisliste für 1002 unter Nr.?S7S. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterretch- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. Erlchdnl iäglfch»uffer Monlag«. _____ � Vevlinev Volksbl�tk. 19. Jahrs. Fit Instrtions-GtliLyr deträgt für die sechsgespaltene Koloner» »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerls chastliche Vereins» und Berfamniltings- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Auseigril" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fettj. Inserate für die nächst« Nummer niüffcn bis s Uhr nachmittags InderExpedition abgegeben werden. Tie Sxpcdttion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormittags geöffnet Telegramm- Adreff«: „Po-ialdriuostrak Berlin« C-entvawrgcm der socmldemokratischen Partei Deutschlands. Redalitivn: sw. 19, Beutlz-Skrahv 2. Fernsprecher! Zlint I Nr. 1S08 Des Arbeiter-Feiertages wegen erscheint der „Vorwärts" am F-reitagmorgen nicht. Dagegen wird am Frcitagn ach mittag 4 Uhr eine Extra-Nummer unsres Blattes herausgegeben. Zum 1. Mai. Der 1. Mai, der höchste Feiertag deS socialistischen Proletariats, gilt der Deiuostration für zwei Fordcruugeii uou principiell progmnunatischer Bedeutung: die internationale Völkerverbrüderung und die höchst zulässige Verkürzung der Dauer der physischen Arbeit Die Völkerverbrüderung ist ein Stück Zukuuftsstaat. Die kapitalistische Gesellschaftsordniliig vermag dies huinanitäre Ideal der genialsten und edelsten Geister, welche die bürgerliche Kultur bisher hervorgebracht, nicht in die Wirklichkeit zu übertragen. Das ökonomische Princip des Kapitalismus, die Konkurrenz, der Kampf aller gegen alle, beherrscht genau so das Verhältnis der Nalionen zu einander, wie es das Verhältnis der zu sogenannten Nationen vereinigten Individuen bestimmt. Die internationale Vertrustung bestimmter Produktionszweige vermag ebenso wenig den ökonomischen Konkurrenzkampf aufzuheben, wie politische Bündnisie mehrerer Staaten untereinander den inteniationalcn Hader, den latenten Kriegs- zustand, zu beseitigen vermögen. Gerade die letzten Bündnisse, die geschlossen sind, der englisch-japanische und der russisch-französische Hweibund, sind uns ein Zeugnis des erbittertste» politische» Konkurrenz' kampfes. Der Imperialismus ist gegenwärtig die Parole aller Weltmächte. Während England die ungeheuersten Anstrengungen macht, seinen Weltbesttz äußerlich und innerlich abzurunden und zu befestigen, trifft Rußland ebenso gewaltige Vorbereitungen, um dereinst Englands reichsten Kolonialbesitz, Indien, an sich zu reißen. Amerika hat nicht nur Kuba, Portorico und die Philippinen erbeutet, sondern es trägt sich mit den iveitschauendsten Expanstonsplänen. Dieselbe Nolle, die der Rubel in Asien spielt, spielt der Dollar in Südamerika und V anderwärts. Aber auch Deutschland berauscht sich bekanntlich seit Jahren au weltpolitischen Phantasien. Man iveiß ja, daß der Drei- zack in unsre Faust gehört, daß nusre Zukunft auf dem Wasser liegt. Die führende Nolle, die Deutschland bei dem Chinakceuzzug gespielt hat, beiveist deutlich genug, daß die deutsche Weltpolitil nicht nur in dem unschädlichen Reich der Träume liegt. Und schon suutcrhnltcn wir ja in China den Grundstock einer Kolonialarmee... Bei einer solchen Weltlage können nur unverbesserliche Optimisten und kindliche Phantasten an den Erfolg von Friedenskongresse» und internationalen Konventionen glauben. Die bürgerlichen Friedens- Propagandisten, die von Zarcumauifesten und Kongreßspiclcreie» eine Minderung der Kriegsspannimg erwarten, gehören in die Kategorie der Gläubigen eines bekannten Weltenfahrzeug-Erfinders oder eines ebenso bekannten BluinenmediumS. Während der Zar sein Friedens- manifest in die Welt hinaussandte, baute er ruhig neue strategische Bahnen, schob er seine Truppen immer zahlreicher an die afghanische und mandschurische Grenze heran. Daß der Friedens- Zar sich später sogar als französischer Militär-Jnspicient etablierte, verrät einen besonders bergeversetzenden Glauben an die eigue Fliedens- Mission. Die Mächte rüsten unaufhörlich, immer ungehenerlicher werden die Lasten, die die Heeres- und Marineforderungen den Völkern aufbürden. Und die gesamt« Bourgeoisie hat längst jede» principiellen und energischen Widerstand gegen diese uferlose» Nüstungcn aufgegeben. Wie wäre das auch anders möglich, da sie sich ja auch zur W e l t p o l i t i k bekehrt hat. Das eine bedingt das andre. In einer solchen Situation für den Weltfrieden und der Völker- Verbrüderung zu demonstrieren, hieße die ekle und kindische Posse des bürgerlichen Friede nspropagandi st e n nachäffen, hieße eine hohle, verlogene Komödie auf- führen, wenn hinter einer solchen Demonstration nicht zugleich der eiserne, u n b e u g s a ni e E n t s ch l u ß stände, deni ökono- mischen und politischen Princip de« Kapitalismus auf immerdar nicht die kleinste Daseinsberechtigung zu konzedieren, ihm nicht das g e r i n g st e Z ug e st ä n d n i s zu machen. Die winzigste Konzession an Militarismus und Weltpolitit würde die focialistische Maifeier zur Farce machen, weil sie die Anerkennung eines PrincipeS bedeutete, das den Völkerfrieden platterdings ausschließt. Man kann nicht zugleich dem Kapitalismus dienen und zugleich dem Socialismus. Hier giebt cS nur ein Entweder— Cdcv. Die traurigste Korruptioiiserscheiiiung deS französische» Socio- lismns scheint uns deshalb in den mehrfachen Äoiizessioneii der ministeriellen Socialisten an den Militarismus und die Kolonial- Politik zu bestehe». Selbst wenn man die socialen Reformen Mille- rands noch so hoch anschlagen wollte, durch die Verleugnung deS fiindamentalsten PrincipS- des Socialisnms würden sie hundertmal zu teuer erkauft. Und daß sich die englischen Arbeiter, auch die Mehrzahl der gewerkschaftlich Organisierten, für den Imperialismus haben einfangen lasten, ist der untrüglichste Beweis, daß sie der socialistischen Welt» onschannng unendlich fem stehen. Der, bei Lichte besehen, so thorichte und verblendete nationale Egoismus der englischen Arbeiter beiveist eben durch und durch bürgerliches Denken. Statt in der eignen Bourgeoisie, dem nationalen Ausbeiitertum. den Feind zu sehen, erblicken sie ihn in dem konkurrierenden Ausland, in den aus- kändischen Arbeitern. Statt sich diesen anzuschließen und gemeinsam mit ihuen die parasitäre Bourgeoisie abzuschütteln, gehen sie mit den eignen Ausbeutern durch Dick und Dünn, lasten sie, ohne sich irgend auszuregeii. Milliarden für die frivolsten Eroberungskriege vergeuden. Welche Realpolitiker l Die Demonstration des 1. Mai zwingt förmlich dazu, die socialistischen Bestrebungen in ihrer priucipiellen Reinheit darzulegen. Und nicht nur wegen des i n t e r n a t i o» a l cn Charakters dieser Feier. Auch die Forderung des Achtstundentages ist principieller Natur. Den Nchtstnndcntag können freilich auch bürgerliche Socialpolitiker fordern, und sie thnn es auch. Aber der Achtstundentag ist für uns Socialisten ettvas ga»z andres, als für die bürgerlichen Reformer. Er ist uns nur die e r st e Etappe zur tv e i t e r e n Arbeitszeitverkürzung, die Vorstufe der Befreiung des Proletariats aus der dumpfen physischen ArbeitSfron. Wir Socialisten fordern ja mehr als die Verkürzung der Arbeitzeit auf ein durch die k ö r p e r- l i ch e Hygiene gebotenes Maximum. Wir wollen ja den Klassen- gegensatz aufheben, wir wollen den Proletarier von dein Schicksal befreien, ein vcr»uiiftbcgabtcs Prodiiltiviiswerkzeiig zu sein. Wir wollen die Bürde der physischen Arbeit derart erleichtern, daß sie aufhört, als Bürde enipfundcn zu werden und mir noch als froh geleistete Pflicht gilt, die jedermann gern dem Gemeinwesen gegenüber auf sich nimmt. Wir wollen dem Proletarier durch diese Entlastung jede Möglichkeit iuteNektucllcr Bcthätigimg erschließen, so daß er sich geistig, seelisch frei ausleben und zum Vollmenschen eutwickeln kann, wie ihn die freiesten, weitschauendsten Geister als Ideal harmonischer Eiilwickelung ersehnt und erstrebt habe». Dies Ideal des Socialismus ist ja den Thoren i es Kapitalismus ein Spott und den Klugen deS Kapitalismus ein Greuel. Aber auch der Proletarier selbst braucht keineswegs ohne weiteres schon diese Sehnsucht nach socialer Erlösung zu empfinden. Dem englischen Arbeiter zum Beispiel ist sie völlig fremd. Er ist froh, iveun er durch den Gewerk- und den Konsumverein vor direkter Not gc' schützt ist, sein Ideal ist nicht der Vollnieusch, sondern der Klein biirger, diese Karikatur des EdelmeiischeiitnmS. Was kümmern ihn ethische, philosophische, künstlerische Probleme— er interessiert sich um so lebhafter für alle Arte» Sport. Auch unter der deutschen Arbeiterschaft findet man noch hier und da diesen Typ des klein bürgerlich denkenden Proletariers. Daß der Typ bei uns ein so wenig verbreiteter, das ist das Verdienst des Socialismus, der den AuschaiiiingS- und JdeenkreiS des deutschen Proletariats so gewaltig erweitert hat. Wie verdienstlich und notwendig jede gewerkschaftliche und politische Kleinarbeit ist, braucht hier nicht ausdrücklich hervor- gehoben zu Iverden; daß aber die Verbreitung deS spccifisch socio listischcn Geistes, die Pflege der socialistischen Gcdaiikcuwelt. kurz die principielle Agitation in Wort und Schrift von der ungeheuersten Bedeutung für die socialdemokralische Bewegung ist, dürften unsre Andeutungen zur Genüge bewiesen haben. Gerade die Maifeier regt dazu an, die alten Agitationshefte wieder einmal hervorzuholen. Mai-Gedanken. Wirtschaftliche Ausblicke. Seit zuletzt die deutsche Arbeiterschaft ihren Maifciertng beging, tobt, iiumermehr an Heftigkeit sich steigernd, der Kampf um die weitere Richtung der Handelspolitik. Das Junkertum sieht sich in seiner Machtstellung als Besitzer des einst wichtigsten aller Produktions- mittel, des Ackerbodens, durch die Entwicklung der Industrie und die Konkurrenz neuentstaudcncr Agrarländer bedroht und kämpft mit Aufgebot aller ihm verbliebenen Kräfte für die Aufrechterhallimg seiner wirtschaftlichen Position und seiner Vorrechte. Verlangend blickt es auf jene ganz- und halb« feudalen Zeiten zurück, wo noch die wichtigsten Lebensmittel des Volkes, Getreide und Fleisch, von Jahr zu Jabr im Preise stiegen, wo noch, an ihrer Scholle gebannt, Kleinbauer und Landarbeiter sich geduldig der Willkür des im Staat und in der Gcmcinde gebietenden Edelmannes unterordneten, der frei auf seinen Herrensitz sich nach Junker Art mit Jagd und Spiel, mit höfischem Dienst und froher Zc-�crei die Zeit vertrieb. Und an der Seite des Junkertunis lämpst, wenn es auch nicht alle feine Forderungen unterstützt, das industrielle Schlotjunkertum, das eben- 'alls hohe Zölle fordert, um durch Karlelle und Syndikate die Preise einer Fabrikate auf dem Inlandsmarkte hochzutreiben, dem deutscheu Konsumenten die Kosten seines Wettlampfes auf dem Weltmarkt auf- erlegen zu können und zugleich die Hilfe des Großgrundbesitzes zu dem Zweck zu gewimien, durch staatliche Machtmittel den Emancipationskampf deS erwachten Proletariats niederzuhalten. So wogt der Kampf, in dem e» sich nicht nur um etwas niedrigere oder höhere Zölle, nicht mir um Verteuerung der not- wendigsten LebenSimterhaltSmittel des Volkes handelt, sondern zu« gleich um die Abwehr deS Versuchs des Kraut- und Schlotjunker- tumS, seine Machtstellung zu verstärken, sie mit neuen ökonomischen Wällen zu umgeben, um desto sicherer die Masse in alter ArbeitSfrohn erhalten zu können. Auf der einen Seite lieht der Junker- und FabrikfeudaliSnms. auf der andern im Vordertrcffen die Socialdemotratie und weiter zurück die Vertreter deS Großhandels, der Exportindustrie und der Zinanz. Doch verschieden sind die Motive, welche die Social- demokratie und die letztgenannten Parteien zimi Widerstand gegen die junkerlichen Zollpläne treiben. Wie inmier ist es auch diesmal allein die Socialdemokratie, die im Interesse der Arbeiter und ihrer Lebenshaltung den Kampf führt; bei den anderen zollgegnerischen Parteien sind es kapitalistische Bedenken, die Befürchtung, daß die Er höhung derZollschrankenHandel undSchiffahrt beeiiiträchttgcn.Roh-und Halbstoffe, Werkzeuge und Maschinen verteuern und fremde Länder zu Gegenzollmaßrcgeln reizen werden. Niid noch ein wichtigerer Unterschied trennt uns von den anderen Parteien. Ist für diese die Abtragung der Zollschranken der eigcnt- liche Zweck, so gilt sie der Arbeiterpartei nur als eine Etappe auf dem Wege zu einem weit höheren Ziel, das jenseits von Schutzzoll und Freihandel liegt: zur Ersetzung der heutigen kapitalistischen Aus- Expedition: siv. 19, Veutll» Strafe 3. Fernsprecher: Zlint I, Nr. 51T1. bcntung durch die socialistische Wirtschaft, die Iveder das Lohnsystem, noch eine Handelsware und einen Handelsbetrieb im heutigen Sinne kennt. Der Augenblick fordert sein Recht. Zunächst gilt eS den Angriff des Großgrundbesitzes und der Großindustrie auf die Lebenshaltung des Volkes zurückzuschlagen und diesem die Bedingungen für ein weiteres Fortschreiten zu sichern; aber thöricht wäre es. über den Tageskampf das über diesen weit hiiianSragende Ziel und den Weg, der zu ihm führt, zu vergessen, hat doch dieses Ziel auch unsre Stellungnahme zu den heutigen Tagesfragen zu bestimnien. llnd besonders am Weltfeiertag der Arbeit geziemt es sich, den Blick hinausznrichten über den augenblicklichen wirtschaftlichen Kampf hinlveg zu der sonnigen Höhe, die es zu er- klimmen gilt. „Was ist unter dem heutigen Gesellschaftszustand der Frei- Handel?", so fragte einst Marx, als in England der Kampf gegen die Kornzöllc tobte und die industrielle Bourgeoisie der Arbeiter- schnft den Freihandel als den Weltfrieden und die Wirt- schaftliche Harmonie anpries, und Marx antwortete:„Die Freiheit des Kapitals. Habt Ihr die paar nationalen Schranken, die noch die freie Enttvicklnng des Kapitals einengen, eingerissen, so habt Ihr lediglich seine Thätigkcit völlig entfesselt. So lange Ihr das Verhältnis von Lohnarbeit zu Kapital fortbestehen lasset, mag der Austausch der Waren sich immerhin unter den günstigsten Bc- dingungen vollziehen, es wird stets eine Klasse geben, die ausbeutet, und eine, die ausgebeutet wird... Man nehme einen Augenblick an, daß es keine Korngesctze, keine Gcmcinde- und keine StaatSzölle mehr giebt. mit einem Worte, daß alle Nebenumstäude, welche der Arbeiter heute noch für die Ursachen seiner elenden Lage halten kann, vollständig ver- schwunden sind, und mau wird ebenso viele Vorhänge zerrissen haben, tvelche seinen Augen den wahrhaften Feind verhüllten. Er wird sehen, daß daS freigewordene Kapital ihn nicht minder zum Sklaven macht, als das durch Zollschranken belästigte." Seitdem haben Englands Handelskrisen, seine erbitterten Kämpfe zwischen Unternehmer- und Arbeiterschaft zur Genüge bewiesen, wie eS uni die durch den Freihandel betvirkte wirtschaftliche Harmonie bestellt ist, und den freihändlcrifchen Weltfrieden illustrieren treffend die im letzten halben Jahrhundert von England in allen Weltteilen geführten Kriege— nicht zuletzt der jetzige Kämpf in Südafrika. Acudcrt doch der Freihandel an demsGefügc derskapitalistischen Welt nicht das geringste an jenem Widersinn, daß nicht der gesellschaftliche Be- darf, sondern der individuelle Profit, die Aussicht auf gewinn- bringende Verkäuflichkeit des Produkts die Produktion be- stinmit, an jenem Wahnsinn, daß nicht nach einem ein- hcitlichcn Plan unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse produziert wird, sondern jeder einzelne Produzent fabriziert, was ihm nach feinem individuellen Gutdünken verkäuflich erscheint, und es dann den der kapitalistischen Wareuproduktioii innewohnenden Gesetzen überlassen bleibt, durchlinimer wieder das gesamte Wirtschaftsleben aufwühlende lirisen und Bankrotte, durch die tägliche Vernichtimg unzähliger wirtschaftlicher Existenzen, in die chaotischen Marktverhältnissc so viel Ordnung zu bringen. daß eine, wenn auch fortwährendem Schwanken ausgesetzte Weiterproduktion ermöglicht wird. Und ebensowenig ändert weder Schutzzoll noch Freihandel etwas an dem Lohnsystem, an der Thatsache,>daß wie das erzeugte Produkt so auch die Arbeitskraft zu einer auf öffentlichem Markt gehandelten Ware geworden ist, im Preis bestimmt durch Angebot und Nachfrage, ivie andre Waren auch— und mit seiner Arbeitskraft zugleich der Mensch selbst, ja nicht selten sein Gewissen und seine Ueberzeugung, Ehre und Recht. Verkauft ivird alles; selbst das Licht deS Himmels Ist feil;— der Erde reiche Liebesgaben, Die kleiusteii und verächtlichsten Geschöpfe, Die in der Tiefe dunklem Abgrund hausen. Des Lebens Notdurft, ja das Leben selbst, Das Scherflein Freiheit, welches die Gesetze U»S gönnen, der Verkehr mit imsreii Brüdern, Die Pflichten, die ans Menschenliebe schon Zu üben uns das Herz ermahnen sollte, Sind käuflich wie auf öffentlichem Markt, Und unvcrhüllte Selbstsucht zeichnet jedes Mit seinem Preis, dem Stempel ihrer Herrschaft. Preis und Profit, sie sind, soweit überhaupt von einer Regelung gesprochen werden kann, die Negulatioiismittcl der heutigen Wirt- schüft. Hunderttausende von Arbeitern verlangen nach Arbeit, und so mancher kehrt Tag für Tag mit demselben negativen Ergebnis von der Arbeitssuche zurück, während daS Kapital nach billiger Kinderarbeit schreit und durch die Not die Eltern zivingt, ihre Kinder in die Fabrik zu schicken; ein Widersiuu zlvar, ein wiisteS Wuchern mit der Volkskraft, dem kräftigen Mann die Arbeit zu versagen und Kinder in das Arbeitsjoch zu spannen, doch der Profit ver« langt es. Schwer überfüllt sind die Vcrkanfsmagazine. indes Millionen daS Nötigste entbehren und sehnsüchtig durch die großen Scheiben blicken, hinter denen sie finden, was sie entbehren. An Produkten, ihren Bedarf zu befriedigen, fehlt es nicht; und iväre es selbst der Fall, noch unendlich ließe sich die Produktion ansdchnen, noch ver« langen Hmiderttausende nach Arbeit, und auch das nötige Kapital fehlt nicht— aus Mangel an Gelegenheit zur An- läge stürzt es sich auf fremde Anleihen und verschafft Despoten die Mittel, ihr volksfeindliches Regime fortzuführen. Doch der Profit fordert Einschränkung der Produktion, denn tS fehlt der Masse an Kaufkraft, da sie in ihrem Lohn nur einen Teil deS Wertes erhält, den sie täglich schafft. Und während das eigne Volk darbt, fordert gebieterisch das Kapital von der in seinen Diensten stehenden Staatsgewalt die Eroberung ferner Kolonien, damit es rt Gelegenheit zu vorteilhafter Anlage findet und dem Neger und Malaien die Abnahme des Warenüberflusses und die Kultur- bedürfnisse aufzuzwingen vermag, deren Befriedigung eS der eignen Volksinnsse versagt. Der Handel stempelt mit der Selbstsucht Marke, Dem Siegel allbedrückender Gewalt, Ein glänzendes Metall und nennt eS Gold. Vor seinem Bild neigt sich die niedre Große, Der eitle Reichtum, der gemeine Stolz. Die Pöbelbrnt der Bauern, Adligen, Der Priester und der Könige; sie ehren Verblendeten Sinnes allzmnal die Macht, Die sie hinabtritt in des Elends Staub. Denn in dem Tempel ihres feilen Herzens Ist ein lebendiger Gott das Gold und herrscht Ob allem Jrd'schen... Das sei nun einmal so. ein Naturgesetz— verkünden die Lob- redner des Kapitalismus; immer hätte es Reiche und Arme, Kapi- talisten und Arbeiter gegeben, immer auch hätte Not und Elend existiert. Das ist nichts als ein auf die Unbekanntschaft der Masse mit früheren Wirtschaftsformen spekulierendes Gerede. Die WirtschaftS- gcschichte weist einen mannigfachen Wechsel der Wirtschaftsweisen auf, und neben Stufen mit mehr oder niinder primitiven An- sätzen einer kaditalistischen Wirtschaft finden wir andre niit kommunistischen Betriebsarten; und ivas die als eivig hingestellte kapitalistische Produktionsweise anbetrifft, so ist sie in Deutschland kauin einige Jahrhunderte alt, in ihrer modernen, auf dem Maschinen- betrieb beruheuden Form, kaum ein Jahrhundert— eine minimale Zeitspanne im ungeheuren Entivicklungslauf der Menschheit. Wohl gab eS auch früher Elend und Not; aber im Gegen- satz zur heutigen Wirtschaftsweise entsprang sie— und das ist das Entscheidende— der Unzulänglichkeit der damaligen Produltions- und Verkehrsmittel, der Rückständigkeit der Technik, Stürme», Ueberschwemmungen, Mißernten. Heute aber entspringt das Elend der unteren Klassen nicht der zu geringen Er- gicbigkeit der Produktion, sondern ihm Gegenteil dem Ucberflnß, der Ueberproduktion, der infolge der kapitalistischen Ausbeutung eine nicht in gleichem Maße gestiegene Konsumtionskraft der Volksmasse gegenübersteht. An dein Arbeiter, der inmitten des iildnstriellen Ge- triebes steht, der sieht, wie nicht Produktionsmangel, vielmehr lieber- füllung der Märkte die Wirtschaftsstocknngen der besten aller Welten hervorruft, prallt deshalb auch das Gaukelspiel der Worte kapitalisti- scher Schönredner wirkungslos ab. Sein eignes Leben lehrt ihn das Gegenteil, und vergißt er es im Strudel des Aufschwunges, predigt es ihm um so deutlicher die nachfolgende Krise mit ihrem Gefolge von Arbeitslosigkeit und Elend. Allein der Arme, dessen Leben Elend Und Angst und Sorge, den der Morgen weckt Nach Brot nur wimmern hört und nichts erblickt, Als ihrer Mutter klaglos bleiches Antlitz, Des Neichen stolz gebieterisches Auge, Und, ach! Das Jammerbild von Tausenden, Gleich ihm verwaist,— ihn kümmert wenig nur Das Wortgepräng' der Tyrannei; sein Haß Ist unauslöschlich wie sein Leid; er lacht Des höhnisch eitlen Gaukelspiels der Worte.... Allerdings es giebt kein Zurück zu früheren kommnnistischen Wirtschaftsformen, ebensowenig aber ein Stehenbleiben. Vielmehr beweist der bisherige Entwicklungslanf, daß, wenn eine Wirt- schaftslveise sich überlebt hat, wenn die von ihr eilt- wickelten Produktivkräfte über ihre eignen Betriebsfonnen hinauszuwachsen beginnen, sie einer höheren Wirtschaftsweise weichen muß. Und bereits sehen wir die von der kapitalistischen Wirtschaft ent- fesselten Produktivkräfte gegen ihre eignen Gesetze revoltieren, sehen wir, Ivie sich immer größere Prodnktivgenossenschaftcn bilden: Trusts, Syndikate, Riescnkartelle, die, wenn auch vorerst lediglich zum Vorteil Weniger, selbst das Fundament der kapitalistischen Wirtschaft, die freie Konkurrenz, aufzuheben streben. Es geht vorwärts; und deutlich zeigen sich auch schon die Umrisse einer neuen Wirtschafts? weise, in der nicht die sich widerstreitenden Profitinteressen der Einzelnen, sondern der Bedarf und der Nutzen der Gesamtheit über die Produktion entscheiden: einer Wirtschaftsweise von der einst unsre Nachkommen mit derselben Empfindung auf das heutige ivirtsckiaft- liche Chaos zurückblicken werden, wie wir auf den zünftlerischen Ziverghnndwerksbetrieb des Mittelalters. Ein schönrer Morgen loird der Menschheit tagen, Wo jeder Tausch der Gaben der Natur Ein Austausch guter That und Rede ist; Wo Reichrum, Armut und der Durst nach Ruhm, Die Furcht vor Schande, Siechtum und Verderben, DeS Krieges Schrecken und der Hölle GrauS Nur iiu Gedächtnis leben wird der Zeit, Die, gleich der reuigen Sünderin, erschaudernd Rückblicken wird auf ihrer Jugend Tage. Doch mag auch die wirtschaftliche Entwickelung selbst die Be- dingnngen liefern, nicht ohne Kampf, ohne klägliche, aufreibende Ueberivindung unzählicher Hindernisse führt der Weg an das erstrebte Ziel. Seit bei der Jahrhundertfeier der großen französischen Re- volution der Weltfeiertag der Arbeit beschlossen wurde, hat der Maibaum der deutschen Arbeiterschaft, obgleich ihn oft die Winde hart umtost haben, nicht nur seine Krone höher und höher eniporgereckt, sondern auch neue Triebe angesetzt; jedoch das beschwerlichste Ende des steilen, auf die Höhe führende» Weges liegt noch vor uns, und manchen Widerstand gilt es noch niederzulverfen, bis wir endlich auf sonniger Höhe ein andres, herrlicheres Maienfest feiern können: das Siegesfest des Socialismus. Sei es darum; Kämpfen heißt Leben. Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern mutz. Volttifrtze Vebevflchk. Berlin, den 3V. April. Der Reichstag erledigte am Mittwoch die dritte Lesung des Gebührentarifs für den Nord-Ostseekanal und des Nachtragsetats, ferner 4 Wahlprüfungen gemäß den Kommissionsbeschlüssen. Sodann wurde die zweite Lesung der Servistarifs vor- genommen. Bekanntlich hat die Kommission beschlossen, von allen Aenderungen der Klasseneinteilung, wie sie die Regierungs- Vorlage vorschlug, abzusehen und nur die fünfte Klasse auf- zuheben. Außerdem wird die Regierung in einer Resolution aufgefordert, die Neuregelung des Wohnungsgeld- Zuschusses bis 1904 vorzunehmen. Von freisinniger Seite lag ein Antrag vor, der schon in der Kommission von der Mehrheit abgelehnt war, die Aendcrung der Ortsklasseneinteilung schon jetzt nach der Regierungsvorlage vorzunehmen, sie aber nur für die Bemessung des Wohnungsgeld- Zuschusses verbindlich zu machen, die jetzige Servis- Einteilung also bestehen zu lassen. Gras Posadowsky bat den Termin der Neuregelung der Klasseneinteilung für den Wohnungs- geldzuschuß bis 1903 hinauszurücken, weil die Vor- arbeiten nicht bis 1904 erledigt werden könnten. Auf diesen Wunsch ging aber niemand weiter ein. Genosse Zubeil kritisierte die Arbeitsunlust der Mehrheit der Kommission, die 400 Petitionen in den Papierkorb geworfen hätte. Um den neuen Zolltarif zu erledigen, bewillige man sich sogar Diäten und die Zucker- und Branntweinsteuer-Vorlage sollten noch in aller Eile erledigt werden. Schließlich wurden die Kommissions- Anträge gegen unsre Stimmen unverändert angenommen. Am Donnerstag ist Schwerinstag. Das Rickertsche Gesetz zum Schutz des Wahlgeheimnisses soll in zweiter Lesung be- raten werden und die zweite Beratung des Toleranzantrages des Centrums fortgesetzt werden. Graf Ballestrem kündigte gleichzeitig an, daß er am Freitag die zweite Lesung der Diätenvorlage für die Zolltarifkommission vornehmen lassen wolle und den Montag für die erste Lesung der Vorlage betreffend die Zuckerkonvention und Zucker- steuer in Aussicht genommen habe. Herr v. K a r d o f f machte in ungeschickter Geschäftsordnnngs- Bemerkung kein Hehl daraus, daß ihm diese Taktik wenig zu Gefallen ist. Er fürchtet, daß die Linke der Branntweinsteuer- Novelle große Schwierigkeiten in den Weg legen würde und möchte deshalb gern den Trumpf der Zuckerkonventions- Vorlage so lange in der Hand behalten, um etivaigcn Obstruktionsversuchen der Linken mit der Ankündigung von Racheniaßregeln bei der Zuckersteuer dienen zu können. Die Entscheidung tvird erst am Sonnabend erfolgen, wenn es sich um die definitive Festsetzung der Tagesordnung für den Montag handelt.—'_ Der Frcisprnch in Gmnbinne». Das Jnstizdraiua in Gumbinnen, das ans der Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk erwuchs und mehr als Jahresfrist die gesamte Oeffeutlichkeit in nngehencrer Spaninnig erhielt, hat endlich de» Ausgang gefnnden, den es finden mußte, wenn nicht die elementarste» Rechtsnotiuendigkeiten dem Götzen einer sinnlosen mili- tärischeu DiSciplin geopfert werden sollten. Marten und Hickel, die beiden Angeklagten, sind vom Oberkricgsgericht freigesprochen worden. Der Freisprach ist erfolgt auf Grund desselben ThatbestandcS, der dein Todesurteil des früheren Oberkriegsgerichts gegen Marten zu Grunde lag. Das Gericht hat in seinein Urteil erklärt, wohl lägen Vcrdachtsgründe gegen Marten vor, aber ein Beweis seiner Schuld sei nicht geführt. Das Gericht hat sich auch nicht zu dein juristisch heillosen Aiishilfsmittel drängen lassen, daS der Vertreter der Anklage vorschlug, der eine Verurteilung wegen Totschlags forderte, weil er zurnckschreckte. die Todesstrafe zu beantragen. Wenn der Frcisprnch überall wie Befreiung von ciucni bedrückenden Alp empfunden wird, so zeigt dies nur, welch geringes Vertrauen in die militärische Rechtsprechung allenthalben im Lande herrscht. Denn bei dem BeweiSmaterial, das durch die Anklage- bchörde vorgebracht worden ist, hätte von vornherein eine Ver- urteilnng als gänzlich ausgeschlossen, ja die Erhebung der Anklage unmöglich sein müssen, lind unvergessen weiden bleiben alle die einzelnen Momente in diesem Militärprozeß, die seit Jahresfrist die öffentliche Kritik so lebhaft herausgefordert haben; unvergessen bleibt insbesondere die Schädigung des gc- ordneten RcchtSvcrfahrens durch das Eingreifen des Gerichtsherrn, der den freigesprochenen Hickel, nach der lleberzeugung der besten juristischen Sachkenner nnbcrcchtigtertveise sofort wieder verhaften ließ und seine Ansicht von der Schuld der Angeklagten— an deren Nachweis er als Verantwortlicher für die Disciplin i» seiner Truppe ein eigenes Interesse hatte— derart zum Ausdruck brachte, daß eine bceinflussendc Wirkung auf die Richter des ersten Obcr-Kriegs- gerichts eintreten mußte und wirklich im Todesurteil zum Ausdruck gelangte. Wie jenes falsche Todesurteil nicht unbeeinflußt durch die Macht des militärischen Gerichtsherrn gefällt worden ist, so i st kein Zweifel, daß der jetzige Frcisprnch vornehmlich d e in ni ächtigen Eingriff der öffentlichen lieber- zeug un g zu verdanken ist. Nicht als hätten die Militär- Achter sich in ihrer eignen Urteilsfindung beirren lassen. Aber angesichts der allgemeinen Verurteilung jenes auf Grund gänzlich unzureichender VerdachtSgräude gefällten Todesurteils, angesichts der Entrüstung in der Presse und im Parlament konnten auch die militärische» Kreise sich nicht der Lehre verschließen, daß Recht und Disciplin zweierlei bleiben müssen, daß nicht ans Diseiplingründen ein Urteil ergehen muß, das dem Rechte znivider- läuft. Die dem Militärungeist abgetrotzte und ungern noch immer nur gänzlich ungenügend hergestellte Oeffeutlichkeit des Militärprozesses hat, gute Frucht f getragen, indem die Rechtsüberzengung des Volkes sich dem unberechtigten Todesurteil widersetzen konnte. Wer wollte zweifeln, daß ohne diese Oeffeutlichkeit daS Schicksal der Angeklagten längst besiegelt gewesen wäre. Dieser an tragischen Wandlungen so reiche Prozeß zeigt, tvie unendlich notwendig die Refonn des Militär-Strafprozeß- Verfahrens getvesen ist, und wie notwendig e s ist, diese Reform gründlich weiterzuführen. Dieser Prozeß ist aber zugleich eine e r n st e Mahnung gegen den Fortbestand der Todes st rafe. Nur aus onnale» Gründen wurde nach dem Todesurteil der Prozeß durch das Reichs- Militärgericht zkir nochmaligen Verhandlung gebracht. Ohne jene formalen Verstöße wäre das Todesurteil endgültig ge- Wesen und vielleicht zur Ausführung gelangt. Dreimal wurde ein Urteil ausgesprochen: erst Freisprechung, dann das Todesurteil, dann wieder Freispruch. Wenn so verschieden die richterliche Ueberzengnng auf Grund des gleichen ThatbeftandeS sich gestaltet, dann ist es ein ungeheuerlicher Zustand, die mittelalterliche Strafart der Lebens- Vernichtung beizubehalten.( Deutsches Weich. Die Zuckerstenervorlagc ist dem Reichstag zugegangen. Das Gesetz entspricht der Brüsseler Konvention. Es hebt die Ausfuhrprämien, die Be- stimmmigen über die Kontingentierung, die Zuschläge zur Verbrauchs- abgäbe und den Einfuhrzoll auf. die Zuckersteuer wird von 20 auf iffM. für den Doppelcentner ermäßigt. Das Gesetz soll gleich- Zeitig mit der Brüsseler Konvention in Kraft treten, deren Be- timmungen über den Ueberzoll zur Folge haben, daß der bis- herige Einfuhrzoll von 40 M. auf 20,40 für Rohzucker und 20,80 für Raffinade herabgesetzt lverden muß. Die Novelle steht in anerkennenslvertem Gegensatz zu der Politik des Zolltarifs. Die gemeingefährliche Karlellpolitik und der infolge der Zuckersteuer-Gesctzgebung.drohende Ruin der Zuckerindustrie nöttgten zum Einlenken in vernünftigere Bahnen. Freilich droht die Begründung mit weiteren Reformen, die fast so aussehen, als ob sie den Fortschritt dieser Vorlage wieder aufheben sollen. Im übrigen urteilt die Begründung sehr scharf über die Kartellpolitik, die de» Jnlandzucker wucherisch verteuert hat. Wir kommen auf die Vorlage noch des näheren zurück, die den Zorn der Agrarier so sehr erregt hat, daß sie entschlossen sind, gegen ge die O b st r u k t i o n anzMvendeu. Die„Deutsche Tages- z e i t u n g" tviederholt heute ihre Drohung, die Agrarier Ivürden „sich aller zulässigen und loyalen parlamcntari- ch e n Mittel bedienen, um zu verhindern, daß eine Frage von o eminenter Wichtigkeit übers Knie gebrochen werde". Das kann interessant werden.— Eine Maidemoustration— im Reichstag. Schaudernd verkündet das„Berliner Tageblatt" Masses das Ungeheuerliche der erblassenden Welt: Eine Reichstags- k o m m i s s i o n hat für das M a i f e st demonstriert! Dieses„freisinnige" Blatt, daS sich immer noch nicht mit der„Post" und„Stantsbürger-Zeitung"— wahrscheinlich aus rituellen Be- denken— verschmolzen Hat, fürchtet die Maifeier so heftig wie nur je ein Ochs das Morgenrot angebrüllt hat. In der Petitiouskommission bestand die Absicht, am 1. Mai die nächste Sitzung abzuhalten. Die durch S Mitglieder vertretenen Socialdemokraten machten darauf aufmerksam, daß sie an diesem Tage ivegen der Maifeier nicht antvesend sein könnten. Die Kom- Mission trug selbstverständlich diesem Wunsche Rechnung und verschob die Sitzung aus einen andren Tag. DaS„B. T." kann dies fürchterliche Ereignis nicht fassen. Schäumenden Mundes tobt es: „Ein Beschluß, der seinesgleichen siichtf, ist gestern in der Petitionskommission des Reichstags gefaßt worden: Die Vertreter der bürgerlichen Parteien habe» die socialdemokratische Mai- feiev als offiziellen Festtag anerkannt!-- Die bürgerlichen Parteien haben mit ihrem Beschluß eine parteipolitische De- nionstration, die sich gegen die heutige Gesellschaftsordnung, also gegen die bürgerliche Gesellschaft selbst richtet, sozusagen als berechtigt anerkannt, indem sie sie mit den von alters hergebrachten religiösen Festen auf eine Stufe stellten." Das Mofse-Orga» hat natürlich keinen Sinn für Selbstverständ- lichkeitcn des Anstands. Dafür aber hat es sich von der„Post" den Schleifstein geliehen und läßt die Funken der Scharfmacherei in maccabäischer Schlachtwut sprühen. Welch' eine Schlappheit der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber der Revolution! Wir verlangen von der liberalen Bourgeoisie nicht, daß sie einiges Verständnis für unser großes Weltfest der Humanität hat, aber sie sollte doch nicht derartige Kindereien treiben. Vielleicht wird das„Berliner Tageblatt", das in tiefer Christlich- kcit die Glcichordnnng des 1. Mai mit den religiösen Festen zurückweist, ein wenig beruhigt, wenn Ivir ihm verraten, daß ähnliche Verbrechen des öfteren geschehen. Nicht nur hat die Budgetkommission am 1. Mai mit Rücksicht auf die ferngehaltenen Mitglieder die Sitzung ausfallen lassen, sondern am Donnerstag läßt noch eine Kommission des Reichs- tagS ihre Sitzung ausfallen, iveil— die Centrums fraktion— Mitschuldige der Maifeier— an diesem Tage ein-- F r a k t i o n s- essen— veranstaltet. Die Petitionskommission hat übrigens auch in der vorigen Woche eine Sitzung ausfallen lassen, weil an diesem Tage in der Hedwigskirche das Hochamt für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Lieber stattfand. Sehr lustig ist eS, daß das freisinnige„Berk. Tagebl." sich von der„Krenz-Zeitung" über parlamentarische AnstandSpflichten belehren lassen mutz, die das Verhalten der Petittonskommission für ganz selbstverständlich hält. Es scheint, als ob daS„Berl. Tagebl.", seitdem wir die frei- sinnigen Zeitungen im Fall Kanfsmann aufgedeckt haben, den dringende» Wunsch hat, daß die Socialdcmokrattc mit Stumpf und Stil ausgerottet werde. Dem„Ulk" aber empfehlen lvir den Kriegszug des„Berliner Tagebl." gegen die reichstäglichc Maidemonstration angelegentlich.— Die Wucherdiäten in der Bndgetkommission. Das Verhalten der Zollwncher-Mehrheit in der Diätenfrage fügt zur UnWürdigkeit dieses klägliche» Geschäfts den Fluch der Lächerlichkeit. Die B u d g c t k o m m i s i i o n verhandelte am Mittwoch über die Diäten für die Zolltarif-Kominisfion. In der Generaldiskussiou stellte zunächst Abg. Dr. Barth sfrs. Vg.) den prinzipiellen Antrag. über die Vorlage nicht eher zu verhandeln, als bis der Bundes- rat sich zn dem vom Reichstag mit großer Mehrheit angenommenen Antrag Gröber auf allgemeine Diäten offiziell geäußert habe. In einer längeren Debatte wurde der Antrag Barth von der Mehrheit als nicht gcschäftsordnnngsmäßig bezeichnet, weil das Plenum der Kommission mit der bestimmten Aufgabe betraut habe, den von der Regierung eingebrachten Gesetzcnttvurf betr. die geschäftliche BeHand- lung des Zolltarifs zu beraten. ' Abg. R ich t e r sfrs. Vp.) griff nun den Antrag Barth wieder auf, indem er vorschlug, denselben dem Plenum als Resolution vor- zuschlagen. Daß dieser Vorschlag geschästsordnüngsmäßig sei, wurde von keiner Seite bestritten. Beide Anträge aber wurden gegen die acht Stimmen der Socialdemokraten, der Freisinnigen und der Antisemiten abgelehnt. I» der Specialdiskussion stellte der Abg. Bebel sSoc.) den Antrag, an Stelle der Regierungsvorlage die' folgenden beiden Pa- ragraphen zu setzen: § 1. Der Artikel 32 der Verfassung des Deutschen Reichs (der den Rcichstags-Mitgliedern verbietet, als solche eine Be- soldung oder Entschädigung zn beziehen) wird aufgehoben. An dessen Stelle tritt ß 2 des gegenwärtigen Gesetzes. 8 2. Die Mitglieder des Reichstags erhalten aus Reichs- mitteln, während der Legislaturperiode, und zwar so lange der Reichstag versammelt ist soivie acht Tage vor Eröffnung und acht Tage nach Schluß desselben freie Fahrt auf den Eisenbahnen und für die Dauer ihrer Anwesenheit in Berlin Anweseuheitsgelder inHöhe von 20 M. für den Tag. Der Anwesenheit in Berlin steht cs gleich, wenn der Abgeordnete durch Arbeiten für den Reichstag verhindert ist, in Berlin anlvescnd zn sein. Von den Nnwesenheitsgeldern werden die Tagegelder ab- gerechnet, welche ein Mitglied des Reichstags in seiner besonderen Eigenschaft als Mitglied eines deutschen Landtags für dieselbe Zeit bezieht. Die näheren Bestimmungen erläßt der Präsident des Reichs- tageS." Diese Anträge entsprechen auch dem im vorigen Jahre vom Reichstag beschlossenen Diäteuantrag Gröber. Boii der Linken wurde auf die großen Schwierigkeiten hin- gewiesen, die die praktische Ausführung der Regierungsvorlage niit sich bringen würde. DaS Paufchquaiitum wurde als zu hoch be- zeichnet. Es bedeute unter Umständen SO M. Diäten pro Sitzung. Abg. Richter(frf. Vp.) stellte in Verfolg dieser Ansicht den Antrag. 20 M. pro Sitzung zu gewähren. Vom Abg. B a s s e r m a n n(natl.) wurde der Znsatz beantragt, daß hiervon die Diäten der Mitglieder der Einzellandtage abzuziehen seien. Je mehr die Beratung fortschritt, desto größere Schwierigkeiten zeigten sich in Bezug auf' die praktische Durchführung auch unter der Voraussetzung der Annahme der Anträge Richter und Bassermann. Wer solle die Diäten anweisen? Wem sollen die Diäten angewiesen lverden? Die Verteilung des Panschquantums würde namentlich dann schwierig sein, wenn der Antrag Bassermann, die Tagegelder der Einzellandtage abzuziehen, angenommen würde. Abg. S t a d t h a g e n(Soc.) stellte den Antrag, die Vorlage erst mit dem Tage in Kraft treten zu lassen, an welchem der Antrag Gröber die verfassungsmäßige Zustimmung des Bundesrats gefunden haben«verde.— Die Anträge der Linken werden namentlich vom Centrum lebhaft bekämpft. Bei der Abstimmung wird der Antrag Bebel gegen 7 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmen die Socialdemokraten, die freisinnige Volkspartei und der Antisemit. Abg. Dr. Barth enthält sich der Stimme. Mit derselben Majorität würde der An- trag Stadthagen abgelehnt. Der Autrag Richter, 20 Mark Anwesenheitsgelder pro Sitzung zu zahlen,' unter Abzug der Tage- gelber der Einzellandtage, wurde gegen 8 Stimme» abgelehnt; ebenso ein nachträglich gestellter Antrag Richter, in die Vorlage die Worte einzufügen:„unter Abänderung des Artikels 32 der Ver- fafstmg". Angenommen wurde ein Antrag Richter, dem Präsidenten die Bestimmungen über die Verteilung des PanschgnantumZ zu über- lassein Angenommen mit 16 Stimmen wurde ein Antrag B a s s e r m a n n, datz die Tagegelder, die die Mitglieder der Kom- Mission als Mitglieder der Einzsllandtage beziehen, von dem Pansch- qnantnm abgezogen werden. Mit dergleichen Majorität angenommen wurde ein Antrag Bachem(C.s-- B a s s e r m a n n(natt.), das in der Regierungsvorlage vorgesehene Päuschquantum von 2i00 Mark auf 2vvv Mark herabzusetzen. Mit dem mündlichen Referat an das Plenum wurde der Ab- geordnete v. Th i e d e m a n n sRp.) betraut. Die nächste Sitzung der Kommission wurde ans Wunsch der Socialdcinokraten auf Freitag anberaumt. Zur Beratung kommt die afrikanische Bahn.— Aus der Zolltarif-Kommission. Bei Fleisch. Mehl und frischer Backware läßt der bestehende Zolltarif für den Grenzverkehr Erleichterungen zu: Mengen von 3 Kilogramm(bei Fleisch von 2 Kilogramm) sind zollfrei. Der Bundesrat kann im Fall eines Misibrauchs diese Zollbegünstigung örtlich aufheben oder beschränken. Diese Vorschrift ist den Zöllnern verhatzt, weil die starke Benutzung dieser„Begünstigung" deutlich zeigt, wie durch den Zoll die Waren von drüben hüben verteuert werden. Die Vorlage des Rcichsamts des Innern strich deshalb diese Erleichterungen für die zumeist recht ärmeren Grenzbewohner gänzlich. � Der Bundesrat änderte die Vorschrift dahin ab, dasj der Bundesrat befugt sein soll, für be- stinnntc Grenzstrecken im Fall eines örtliche» Bedürf- n i s s e s den Zoll außer Hebung zu lassen. Von social- demokratischer und freisinniger Seite vor Zollfreiheit in: bestehenden Umfang, bezüglich über diesen hinaus für Waren bis 5 Kilogramm verlangt. Die Tarifkommission verwarf in ihrer Mittwochssitzung alle Anträge, die auf Zollfreiheit über das Maß der Regierungsorlage hinausgingen. Dadurch sind die Grenzbewohner schwer geschädigt. Hervorzuheben ist die Bemerkung eines Regierungs- Kommissars, er müsse dem Abg. Fischer- Sachsen zugeben, daß ein Mißbrauch nicht vorgekommen sei, aber der Gebranch des Rechts gehe— bis an die Grenzen des Mißbrauchs. Heilige Logik! Die Tarifpositionen 198 und 199(Teig, Nudeln, Oblaten) wurden noch über de» Regierungsvorschlag hinaus mit 2S M. verzollt. Bei den ferner beratenen Positionen 202—205(Schokolade, Margarine, Margarinckäse, K'nnstspeisefett) wurden die Zollsätze der Vorlage genehmigt. Einen ganz neuen Schutz für de» armen Man» schlug Herr von Wangenheim vor: Kunstspeisefett sei billiger und schlechter als Butter, die der arme Mann wegen des hohen Preises sich nicht zulegen kann. Daher sei„zum Schutz des armen Mannes" eine Verzollung, also Verteuerung des K u n st s p e i s e f e t t s erforderlich. Er beantragte Verdoppelung des Zollsatzes von 10 auf 20 M. Sein Antrag Ivurde abgelehnt, die von der Regierung vorgeschlagene Erhöhung des Satzes auf 12,50 M. angenommen. ' Dem Antrag, den Donnerstag sitzungsfrei zu lassen, widersprach der bei Stellung dieses Antrages ganz erregt gewordene Vorsitzende. Die große Mehrheit folgte ihrem Vorsitzenden. Trotzdem werde» die Sitze der Socialdemokraten in der Kommission auch am 1. Mai besetzt werden.— Herabsetzung der Judnstriezölle. Mit dieser Forderung suche» die Agrarier jetzt die industriellen H o ch s ch» tz- zöllncr ihren Ueberzöllen geneigt zu machen. Das Agrarier- blatt„Rheinische V o l k s st i m in e" forinuliert folgenden Grund- satz: vollkommene Parität im Ausmaß'des l a» d- >v i r t s ch a f t Ii ch e n und industriellen Zollschutzes! Auf die absolute Höhe der landwirtschaftlichen Zölle komme es nicht an; sei der industrielle Hochschutz so viel höher. daß dadurch die Produktion in der Landivirtschaft NIN den dieser gewährten Schutz verteuert werde, so blcibe'gdiese ungünstig gestellt. Ilm eine Parität herzustellen, gebe es nur zwei Wege: Erhöhung des landwirtschaftlichen Zdllschntzes oder Herab-. setz» n g der industriellen Zölle! Nach den Verhnnd- lungcn der Zolltarif-Kommission, so demonstriert das ultrainoiitane Organ für Uebcrzülle, müsse die Thatsache festgestellt werden, daß der Landwirtschast der für eine gleichberechtigte Konkurrenz mit der Industrie erforderliche Zollschiitz versagt bleibe. Daraus folge die minbweisbare Konsequenz, die notwendige Parität durch eine starke Herabsetzung der industriellen Zölle herbeizuführen. In einein zweiten Artikel heißt es dann zum Schluß:„Wir werden, nachdeni durch die bisherigen Beschlüsse derZolltarifkomiiiission und der nunmehr einzuschlagende Weg klar vorgezeichuet ist, in einer Reihe besonderer Artikel diejenige» iiidustrieNen Schutzzölle im einzelnen erörtern, deren Herabsetzung unbedingt geboten ist, wenn die Parität zwischen Schutz der Industrie und dem der Landwirt- schaft einigermaßen hergestellt werden soll." Der Kampf um die Beute!— Deutsche Kohlenstationen auf Haiti. Washingtoner B'e richte besagen, daß Kaiser Wilhelm kürzlich Gelegenheit genommen habe, dem Botschafter White persönlich zu est klären, Deutschland strebe nicht nach dem k l e i n st e n I ii s e l ch e n in Amerika.— Die letzte falsche Nachricht über die geplante Erwerbung einer Kohlenstation auf Haiti sei, so wird weiter gemeldet, offenbar dadurch entstanden, datz die H a ni b n r g e r Dampferlinie eine K o h I e n n i e d e r l a g e in H a i t i suche für den Fall, datz D ä n i s ch- W e st i n d i e n, wo sich eine solche Niederlage befindet, amerikanisch werde.— DaS bayrische SchulbedarfS-Gesctz. München, 29. April. (Eig. Ber.) In der bayrischen Abgeordueteiikammer wurde heute mit 81 gegen 70 Stimmen daS Schuldotatious- Gesetz zum Beschluß erhoben. Bei diesem Gesetzentwurf, der seit Monaten das ganze Land, namentlich aber die Lehrerschaft in Aufregung erhält. hat das Centnini einmal von seiner Majorität den rücksich'isloscsten Gebrauch gemacht und Dinge hineingebracht, die mit dem Schul- bedarf und der Lehreranfbessernng absolut nichts zn thnn haben. So wurde eine Bestimmung aufgenommen, die bestimmt ist, den „als notwendiges Uebel geduldeten" Simultan schulen den Todesstoß zu versetzen. Nach einer weiteren Bestimmung können künftighin die Städte angehalten werden, zur Erteilung deS R e l i g i o n s u n t e r r i ch t s Katecheten auzustellcn und zu besolden, während bisher die Kirche dafür aufzukommen hatte. Die Lasten der Lehreraiifbcsserung. die in der Hauptsache nur den Landlehrern zu gute kommen ivird, sind zum größten Teil den Gemeinden aufgebürdet worden, denen der Miiiister ausdrücklich die Anstellnng von billigen, d. h. weiblichen und klösterlichen Lehr- kräften empfahl! lieber die an interessanten Zwischenfällen reichen Verhandlungen wird an dieser Stelle in den nächsten Tagen noch ausführlich be- richtet werden.— Ausland. Die französischen Wahle». Paris. 28 April.(Eig. Ber.) Die ersten, bis zur Stunde bekannten Wahlergebnisse machen denselben Eindruck, wie die Genieindewahlen von 1900. die ja eben- falls unter dem Ministerium der„republikanischen Verteidigung" und wesentlich unter den gleichen Kampfparolen ausgefochten wurden. Es zeigt sich, wie 1900. derselbe Gegensatz zwischen Paris und der Provinz: hier ein Vordringen des Nationalismus aller Schattierungen, dort ein Erfolg der ministeriellen Par- t e i e n und einige schwere Niederlagen der Führer des nationalen Mischmasches. Für die Pariser Wahlen ist es bezeichnend, daß von den 22 definitiven Ergebnissen, 17 auf die Nationalisten(worunter ein Melinist), vier auf die revolutionären Socialisten(sämt- lich Blanquisten) und nur einen auf einen übrigens nationalistisch angehauchten Radikalen entfallen. Kein einziger eigentlich miinsterieller Kandidat vermochte in Paris und Umgebung durch- zudringen, und mir die antiministeriellen Socialisten haben vier Sitze gegen den den nationalistischen Austurm glänzend behauptet. Am' glänzendsten ist der Sieg des Genossen V ä i l l a n t, der mit 8715 Stimmen drei' Gegenkandidaten: einen nationalistisch- radikalen, einen nationalistisch- monarchistischen und einen iiationalistisch-antisemitischen aufs'Haupt schlägt. Unser Genosse. zuerst 1893 gewählt, siegt jetzt zum e r st e n m a l glatt in der H a u p t w a h l und das mit einer gegenüber 1898 um 2700 Stimmen gestiegenen Wählerzahl. Die a'ntimimstericNen Socialisten haben in Paris nur den Sitz Grousssiers an die Nationalisten verlören. Die ministeriellen Socialisten verlieren an die Nationalisten zwei Sitze(Chassaing und GraS, denen also ihr ultra-opportunisiisches Versteckenspiel nichts genützt hat!) und haben noch keinen einzigen behauptet. Gegenüber dem großartigen Sieg Vaillants hebt sich besonders eindrucksvoll ab die schwereSchlappe des Handels- m i n i st e r s M i l l e r a n d s. Seit 1889 an einen spielend leichten Sieg gewöhnt, im Jahre 1898 ohne Gegenkandidaten mit mehr als'8000 Stimmen gewählt, kommt Millecand jetzt in eine sehr problematische Stichwahl mit bloß 4935 Stimmen. Sein guesdistischcr Gegenkandidat. Genosse Chauvin, erhält 1094, der Nationalist Pechin 4185 Stimmen und weitere' 3 bis 4 Kandidaten zusammen über 1000 Stimmen. Dieser Rückgang der Millcrandschen Stimmen hauptsächlich zu'Gunsten des Nationalisten zeigt zugleich, was für zweifelhafte socialistische Mitläufer von jeher sich unter Millerands Anhängerschaft befanden. Seine Schlappe, sowie die andren Mißerfolge der ministeriellen Socialisten in Paris gehören wesentlich in das gleiche Kapitel, wie die Verluste der Radikalen an die Nationalisten: die P a r i s e r Krämer, eine ivirtschafllich imnier mehr niedergehende Schicht, klammert sich in Verzweiflnng an jede neu auftauchende Demagogie, um ihren Kramladen zu retten oder doch ihre Unzufriedenheit demonstrativ kundzugeheii. Dazu kommt noch speciell für Millerand der Abfall der zielbewußten proletarischen Socialisten, die für den Genossen Chauvin stimmten,— ungeachtet der von der Millerandisten betriebenen abscheulichen Campagne gegen die persönliche Ehren- haftigkeit Chauvins, eines Genossen, der seit 20 Jahren in der Partei kämpft und seit vielen Jahren Mitglied des guesdistischen Partcivorstandcs ist. Die Radikalen haben in Paris ihre schwerste Niederlage er- litten in der Person M e s u r e u r s, des Vicepräsidenten der Kanimer und früheren Handelsministers. und besonders in der Person B r i s s o n s, der in eine fast aussichtslose Stichwahl kommt. Brissvn büßt so für die ehrlichste und tapferste That seiner politischen Laufbahn— die Einleitung der D re y f u s- R e v i s i o n. Gesamtergebnis im S e i n e- D c p a r t e m e n t(Paris und Bonn- meile): 22 definitive Wahlen und 28 Stichwahlen. Die Nationalisten behaupten 10 und gewinnen 7 Sitze, darunter drei auf< Kosten der Radikalen, zwei auf Kosten der miiiistcricllen Socialisten, einen aufBlanquisteii und einen in einem neuen Kreis. Von den 28 Stich- Wahlen sind den Nationalisten günstig 9, den Radikalen 6, den ministeriellen Socialisten 11 und den Blanquisten 2. Bisher bekannte Ergebnisse aus ganz Frankreich für die Socialisten: Insgesamt wurden 20 Socialisten gewählt: 6 Blanquisten(Vaillants Organisation), sämtlich alte Sitze, 14 I a u r s s i st e n, unter den letzteren drei neiigewoniicne Mandate: I a u r ö s- Carmaux. B r i a u d- St.Etienne und Vital- Ronsseaux. Im ganzen behaupten die Socialisten 17, gewinnen 3 und verlieren 5 Mandate. Jan res hat also die Scharte von 1898 ausgewetzt, er besiegte den Kohleiiinarquis de Sologes mit Hilfe der Radikalen und vielleicht auch der„gemäßigten" Republikaner, an welch' letztere er eben- falls in einem Wahlaufruf mit appelliert hat. Die bäuerlichen Wähler, die 1398 Janres Niederlage verschuldet, sind jetzt wieder für ihn eingetreten. Die Arbeiterbevölkerung von Carmaux hatte ihm auch 1898 eine Mehrheit gegeben. Der nationalistische Siegesjubel wird ganz besonders gedämpft durch die N i e d e r l a g e D ru m o n t s, des Antisemiten-Papstes, in Algier, sowie durch die Niederlagen des Bonopartisten Ca ssa gnac und des klerikalen Führers de P i o u. *..* Paris, 30. April. Von 11216 757 eingeschriebenen Wählern haben am vergangenen Sonntag 8 863 727 ihr Wahlrecht ausgeübt. Davon wurden nach ministerieller Registrierung 5 198 193 Stimmen als republikanisch-ministerielle, 3 352 895 als antiministerielle ge- rechnet; 312 639 sind zcriplittert. Nach den Nationalisten dagegen wären im ganzen 8 462 309 gültige Stimmen abgegeben worden, davon wären entfallen auf ministerielle Bewerber 3 986 362, auf regierungsfeindliche 4 439 947, somit auf Regierungsgegner 453 585 Stimmen mehr. Paris 30. April. Die ministerielle„Liga der re- p u b l i k a n i s ch e n Aktion" veröffentlicht einen A u f ruf. in ivelchem erklärt wird, daß die republikaiiischen Kandidaten in allen Wahlbezirken bei der Stichwahl zu Gnu sten jener a n t i r e a k t i o n ä r e n K a n d i d a t e n z u r ü ck t r e t c n>nü s sen, die im ersten Wahlgange die meisten Stimmen auf sich vse r e i n i g t haben, ein andres Vorgehen wäre Verrat. Man müsse dem reaktionären Block den repubtikanischen Block entgegen- stellen. Diesem Aufruf ist bereits in den meisten Pariser Wahl- bezirken Folge geleistet worden. Der unabhängige S o c i a l i st M o u t i e z hat seine Wähler aufgefordert, bei der Stichwahl für den Minister Milleraud zu ftiiiiinen. Infolgedessen wird die Wahl Millerands für wahrschein- sich gehalten. Nach der„Petite Repnbliqne" sind im S ein e- D e p a r t e- ment insgesamt 662 427 Stinmien abgegeben, wovon 176 071 auf die socialistische» Kandidaten' aller Schattierungen ent- fielen. Davon sind 99 625'Stinmien für m i n i st e r i e l l e S o c i a l i st e ii abgegeben, die A l l e in a n i st e n erhielten 13 443, die G u e S d i st e n und B l a n q n i st e n 76 103, andre Social! st en 6900. In Paris allein wurden 498 461 Stimmen abgegeben; davon entfielen 139 04 4 auf socialistische Kandidaten.— Die Maifeier in Warschau. Am Freitag und Soiniabend wurde ein Aufruf des Warschauer Arbeiterkomitees der socialistischen Partei Russisch-Poleiis in Massen verbreitet. Der Aufruf enthielt die Einladling zn einer Volksversammlung am Sonntag, den 27. April, in den„Aleje Ujaz- dowskie". Die Regierung hat sofort in den Zeitungen bekannt gemacht, datz der große Park Lazienki„infolge von Bauten am Palais" vom 27. April bis zum 5. Mai geschlossen sein wird. Es ist der Ort. an dem die Demonstranten sich gewöhnlich versammelten. In der Nacht vom Freitag zu Sonnabend wurden eine Anzahl Arbeiter — etwa 30— verhaftet. Die Demonstration selbst war äußerst imposant. Trotz der Kälte und des Schnees hatten sich mehrere tausend Arbeiter an dem bekaniitgemachten Platz versammelt. Die Uralcr Kosaken wurden mit Pfeifen empfangen. Vor dem Cafs Nowicki begann die Menge die„Note Fahne" zu singen. Die Kosaken trieben einen Teil der Manifestanten in die Konditorei. Die Eingänge zum Cafs wurden sofort verrammelt. Man ließ noch mehr Kosaken kommen und brachte alle im Cafo verhaftete»— etwa 100 Personen— in die Kaserne des Litauer Regiments. Nach Feststellung der Namen wurden sie fast alle wieder entlassen. In den Arbeitergegenden waren die Kosaken in den Häusern stationiert. In Mola(Arbeiterviertel)»vurden sie von Arbeitern verprügelt.— Belgien. Die Geeichte arbeiten. In Brüssel wurden am Montag vier Personen zu je einem Jahre Gefänqnis verurteilt. Sie waren be- schuldigt, an den Unruhen vom 12. und 13. April teilgenommen, der bewaffneten Macht Widerstand entgegengesetzt zn haben usw. Löwe», 29. April. Die Polizei verhaftete weitere vier Arbeiter, welche sich im Spital in Behandlung befanden, da sie während der letzten Unruhen verletzt worden waren. Ein fünfter Arbeiter,' der eben- falls verhaftet werden sollte, hat Kenntnis davon erhalten und ist aus dem Hospital entflohen. Die Verhaftungen werden im'Publikum allgemein abfällig beurteilt, da man selbst in klerikalen Kreisen erklärt, daß die'Verwundeten längst ihre Strafe verbüßt hätten. In der Kanimer dürfte es hierüber zn einer Interpellation kommen. Paris, 29. April.(B. H.) Die Wiederwahl Millcrands bei de» Stichwahlen ist dadurch in Frage gestellt, daß sein revolutionär- socialistischer Gegner Chauvin ebenfalls zahlreiche Stiuimen auf sich vereinigte und zu Gunsten des Ministers nicht zu verzichten gedenkt. Ucber eine bevorstehende WahlrechtSresorm-Vorlagc wird aus Brüssel gemeldet: Das hiesige Miiiistcrium. so schreibt die „C h r o n i q u e". beabsichtigte, einen Gesetzentwurf vorznbringeii. dessen Grundlage wie folgt ist: Eine Stimme für jede» Belgier und jede Belgierin mit dem vollendeten 25. Lebensjahr; und eine weitere Stimme'für jeden verheirateten Belgier, der 25 Jahre alt ist. Eine große Anzahl Mitglieder der Rechten sollen erklärt haben, diesem Projekt nicht feindlich qegeiiüberznstehen.' Ob das jetzige P 1 u r a l- S y st c>ii dabei in Fortfall kommen soll, wird nicht gesagt. Davon würde die Beurteilung des Gesetzes aber vollständig'abhängen. Italien. Der Prozeß Palizzolo. R o m im April.(Eig. Ber.) AIS der Prozeß Palizzolo in Bologna seinen Anfang nahm, schrieben wir, daß er ungefähr 4 Monate dauern würde. Und jetzt steht der Prozeß im 6. Lebensmonat und noch beginnen erst die Plaidoyers der Verteidiger. So viel über den Schueckeugaiig der Prozedur. Was nun die Art und Weise anbetrifft, wie man den Prozeß führt, so niögen die folgende» Fakten zur Charakteristik genügen, Fakten, die als Beweis dienen können, wie lebhaft in den Hohen Kreisen des Richtcrstandes, der Regierung und der parlermitaiiischen Großbourgeoisie der Wunsch ist, das Haupt der palermitauischen Maffia zu schonen. Dem Gerichtshof präsidiert der Präsident F r i g o t t i. der bis zum heutigen Tage vor den Assisen noch niemals Berhandlungeii geleitet hatte. Dieser Frigotti ist ein persönlicher Frcimd des Ministerpräsidenten Zanardelli, der ihm erst kürzlich öffentlich seine Freundschaft bewiesen hat, obgleich sein parteiisches Verfahren in diesem Prozeß be- rüchtigt ist. Einer der Richter hat öffentlich im Cafe erklärt, die Affaire sei aufgebauscht worden und sie werde während der Verhandlungen auf ihr richtiges Maß zurückgeführt werden. Während es den Angeklagten mid speciell Palizzolo und ihren Verteidigern gestattet war, während deS Verhörs ungestraft Behörden und ihnen gegnerische Zeugen zu beschimpfen, stellte man an den Ankläger das Ansinneii. sich seines Rechts, Zeugen zn widersprechen, zu begeben. Ebenso erfuhren die Zeugen eine verschiedenartige Be- haudlmig, je nachdem sie die Angeklagten be- oder entlasteten. Die wichtigsten Belastiingszeugeii wurden von der Polizei beobachtet, von den andren getrennt gehalten, des Meineides beschuldigt; den Beamten und Zeugen, die zu Gunsten Palizzolos aussagten— so schwer auch die Widersprüche waren, in die sie sich bei ihren Aus- sagen verwickelten—, wurden niemals zurechtgewiesen.' Der Präsident hat den weitgehendsten Gebrauch von seiner diskretionären Gewalt gemacht, um jede Behauptinig der Ver- teidigung zu verstärken, was ihm zum Nutzen der Anklage fast' nie eingefallen ist.— Ein Gciidarmerieliciitenant, der die Unrichtigkeit der Aussagen einiger Entlastinigszeiigeii nachwies, wurde versetzt, ebenso wurden der Gefäiiguisdircktor von Bologna und der Polizeisergeant Mantelli wegen Streitigkeiten mit dem Häftling Palizzolo versetzt. Mantelli hatte in einem an den Prätor von Marsala gesandten Bericht sehr belastend gegen die Angeklagten ausgesagt. Der Präsident Frigotti behauptete, diesen Bericht nie erhalten zu haben, während er sich thatsächlich in seinen Händen befand! Man verdankte es nur den heftigen Protesten der Nebenkläger, daß der Präsident sich entschloß, den Mantelli vorzuladen und von ihm den Rapport einzufordern. Unter solche» 11», stäuben hat sich der Prozeß gegen die Maffia abgewickelt. Warten wir ab. ob es dem hohen Einfluß, den Jntrignen und dem Geld der Parteigänger PalizzoloS gelingen wird, ihre Schütz- linge vor dem Verdikt der Geschworne» zu retten. Ruhland. Von den Charlottenburger AnSgewicscnen hat man vier cutlassen: Tyscka, Cz'arn o w s ki, Majbaum und Fräulein Oksner, die übrigen blieben in Haft; man hat sie nur gefragt, ob sie zu„geheimen Verbiildniigeii"— wie das an den deutschen tz 128 des Strafgesetzbuchs erinnert!— gehört hätten. Die beidim Schwestern M a r ch l e w s k i hat man ans der Citadelle entlassen, dann hat man sie in K a I i s ch zwei Tage fast ohne Nahrung fest- gehalten und schließlich mit einer dritten Schlvester, Ivelche bisher frei war, nach Preußen transportiert.— AuS Warschau wird uns geschrieben: Die letzten Ver« Haftungen aus den Kreisen der jüdischen Z i o n i st e n waren ziemlich unerklärlich. Jetzt erfahren wir darüber folgendes: Bei einem der verhafteten Studenten ans Charlottenburg fand man einen Aufsatz über das Verhältnis des Zionisnms zn dem social- demokratischen„Jüdischen Arbeilerbuiid". Man zog daraus den gänzlich falschen Schluß über eine Verbindung der beiden Be- wegiuige» und nahm 80 Haiissuchungen und 60 Verhaftungen vor. Die Gendarmerie hat sich mir lächerlich gemacht. Vergebliche Jagd auf„Mitschuldige". Räch einer Depesche der„Franks. Ztg." aus Petersburg ist cS bisher nur gelungen, einen Mitschuldigen des Mörders des Ministers Ssipjagin zu ver- haften, den K n t s ch e r des W a g e n s, in dem der Mörder zum RcichsratSgebäude gefahren ist. Der Mörder, der jetzt Balischcw heißen soll. schweigt hartnäckig über seine Mitschuldigen.— Nach Petersburger Meldungen wurde während einer Theater- Vorstellung im Marien- Theater auf der Galerie ein Ballon losgelassen, auf welchem mit großen Letter» die Inschrift angebracht war:„ N i e d c r m i t d e m Ä b s o l n t i s- nius! Nieder' mit den Romanows!" Da sich der Ballon sofort nach dem Plafond erhob, konnte er erst nach Schluß der Vorstellung von der Polizei entfernt werden. Nach Meldungen aus Warschau hob diel dortige Polizei die Grhcimdrmkerei deö jüdisch- socialistischen Arbeiterbnndes auf.—_ Ans Ittdttffvie nnd Handel. Die Großciuk�nfs- Gesellschaft deutscher Konsnmvereine hielt vom 26.-28. April in B r a u n s ch w e i g ihre 8. General- Versammlung ab. Vertreten waren 93 Vereine, die der Großeinkaufs- Gesellschaft angeschlossen sind, desgleichen hatte daS Ausland eine zahlreiche Vertretung entsandt; es waren Delegierte anS der Schweiz, Dänemark und England erschienen. Der Rcchnnngsabschluß ist aus den früher von uns gebrachten Mitteilungen bekannt, beschlossen wurde, den Reingewinn so zu verteilen, daß 4 o/oo die Gesellschafter nach Berechnung des Warenbezugs bekommen und die übrigen Vereine 2 0/oo vergütet erhalten. Das Geschäftskapital der Gesellschaft soll von 300 000 M. auf 500000 M. erhöht werden. Die Gesellschaft beschäftigt 80 Angestellte und machte sich die Anstellnng eines dritten Geschäftsführers notwendig. Diese Stellung wurde Herrn Julius Seifert. Geschäftsführer des Schedewitzer Konsnmvereins. über- tragen. An dem Hanptsitz der Gesellschaft, in Hamburg, soll ein ctfliicS Lagerhaus erworben werden. Das in Aussicht genommene Gebäude hat eine sehr günstige Lage in der Nähe des späteren Güterbahnhofes und kann auf dem Wasserwege erreicht werden. Es umfaßt eine Lagersiäche von 4740 Quadratmeter und hat eine» Wert von 380 000 M. Die Abzahlungen sind sehr günstig, es sind z» zahlen vom IS. Mai 1302 vis 1. April 1905 120 000 M., der Nest bleibt als Hypothek stehen. In einer längeren Debatte wurde die Haltung deS Wochen berichts zur Frage der Maifeier kritisiert. Die schroff ablehnende Haltung der Zeitschrift bezüglich der Arbeitsruhe wurde allgemein getadelt. Mit der Generalversammlung war eine Warenausstellung verknüpft, die von über 100 Ausstellern der verschiedensten Branchen beschickt war. Das gute Arrangement fand recht beifällige Aufnahme und erfreute sich die Ausstellung des lebhaftesten Interesses der Teil nehmer der Generalversammlung. Der Einflilst amerikanischer Jntcreffcntcn ans de» Sfali Bergbau. Wie bereits mitgeteilt wurde, bemüht sich ein ameri konisches Konsortium, auf unsren deutschen Kalibergbau Einfluß zu getvinncn. Ueber die ersten Versuche nach der Nichiung gicbt die .Kuxcr Zig." folgende Darstellung: „Vertreter eines südamerikanischen Düngertrusts� eincS Händler shiidikats, das mit dem Kalisyndikat in geschäftlichen Differenzcli steht haben in Deutschland mit außerhalb deS Syndikats stehenden Werken Lieferungs-Abschlüsse zu lhätigen versucht. Ein derartiger Abschluß ist in diesen Tagen auch mit der außerhalb des Syndikats stehenden Gewerkschaft Einigkeit erfolgt. Die Vertreter der Gewerkschaft Einig keit behaupten, nicht unter Syndikatspreis abgeschlossen zu haben. Die Gewerkschaft Einigkeit kommt indessen in die Lage, unter Er sparung der Syndikatskosten einen erheblich höheren Anteil als dies ihr im Syndikat ermöglicht wäre, abzusetzen. ES ist bekannt, daß auch die Gewerkschaft Hohenfels saußerhalb des Syndikats) Liefcrnngs abschlüsie nach Amerika gethäiigt hat. Das Kalisyndikat sieht aus dem Standpunkt, daß die beiden genannten Werke den amerikanischen Bedarf keineswegs zu decken in der Lage sind. zumal die beiden Werke keine Fabrik besitzen. Der amerikanische Konsum wird auch fernerhin auf das Syndikat angclviesen sein. Von einem Eindringen amerikanischer Interessenten in das Syndikat ist bisher noch nichts zu bemerken geivesen; im Syndikat bat auch bekanntlich der preußische Staat eine ausschlaggebende Stellung und Reserve zn Gunsten der deutschen Landwirtschaft. Erivähnensiverl ist, daß die amerikanischen Interessenten durch Kilxenerwerb auf die außerhalb des Syndikats stehenden Werke Einfluß suchen. So hat Kommerzieurnt Julius Ribbert-Hohen- limburg, der Hauptbeteiligte der Gewerkschaft Einigkeit, einen Teil seines Kuxenbesitzes an die bezeichneten amcrika- nischen Interessenten nach langen in Berlin geführten Verhandlungen verkauft beziv. eine Option zugestanden." Der internationale Schiffahrtstrnst. Ein Vertreter des „Daily Chronicle" hatte eine Unterredung mit einem Mitgliede des Morgan- Trustes, worin dieser erklärte. der Hanpttcil des Trust- kapitäls werde in englischen Händen sein. Die Kombination sei lediglich eine Betriebsvereinbarung zur Einschränkung der gegen seitigen Preisunterbietung. Jede der beteiligten Gesellschaften behalte ihre selbständige Sonderstellung und führe ihre frühere Flagge. Die Gesellschasten' würde» jedoch für allgemeine Betriebszivecke ein Ganzes bilde», um an Geivinn und Verlust in gleicher Weise zu pnrticipieren. Die Aktionäre der einzelnen Linien würden eingeladen werden, ihre Aktien gegen solche des Trustes auSzu- tauschen._ GeiVevkMzAftliiszes. Berlin und Umgegend. Der Streik in der Mctallwaren-Fabrik von Spinn n. Sohn Beschäftigte am Mittivoch das Einigimgsamt unter Vorsitz des Ge tverbegerichts-Direktors v. Schulz. Die Ursache des Ansstandes stellte'Cohen als Vertreter der Ausständigen folgendennaßen dar: Den Arbeitern und Arbeiterinneu in der Brennerabteilung der ge- nannten Fabrik wurden schon seit geraumer Zeit Accordabziige ge- macht mit der Begründung, die Abzüge seien notiveudig, lvcnn die Firma Spinn u. Sohn konkurrenzfähig bleiben wolle. Die Arbeiter ließen sich anfangs die Abzüge gefallen, als dann aber die Löhne immer iveiter herabgesetzt wurden, wandten sich die Arbeiter an die Direktion, und diese versprach — eS Ivar vor etwa acht Wochen— keine weiteren Abzüge vornehmen zu lassen, tveil die Löhne nun auf dem Stande angelangt seien, der der Firma die Konkurrenz ermögliche. Am l. April stellte die Firma einen neuen Werkmeister ein und dieser ging nun. trotz deS Versprechens, ivelcheS die Direktion den Arbeitern gegebe» hatte, aufs neue mit Abzügen vor. Einzelne der davon betroffenen Arbeiter und Arbeiterinnen gingen ab, weil sie bei den herabgesetzten Löhnen nicht zurechtkommen konnten, andre ivurden an ihrer Stelle eingestellt. Die Abzüge hörte» innner noch nicht auf und ein be- stimmter Fall gab den Anlaß, daß am 21. April öS Arbeiter und Arbeiterinnen der Brennerabteilimg die Arbeit niederlegten. Was die Rücksicht auf die Konkurrenz betrifft, mit der die Abzüge begründet werden, so führte Cohen aus, könnten nach genauen Feststellungen die Ar- beiter bei andern Firmen, wenn dieselben Preise gezahlt ivürdcn wie bei Spinn u. Sohn, mehr verdienen wie bei dieser Firnia, weil die Konkurrenzgeschäfte bessere maschinelle Einrichtungen haben. Uebrigens betrage der Arbeitslohn für einen Brenner bei Spinn u. Sohn 6—7 Pf., bei drei Konkurrenzfirmen aber 7, 9�/4 und 10 Pf.— Die Ausständigen ersuchen um Rücknahme der Abzüge. Direktor Scholz als Vertreter der Finna Spinn n. Sohn gab zu, daß die Darstellung Cohens hinsichtlich der Abzüge zutreffend sei, die Verhältnisse in den Konkurrenzfirmen seien ihm nicht bekannt; er könne deshalb nicht darauf eingehen. Der neue Werkmeister habe den Auftrag gehabt, eine Revision der Accordpreise vorzunehmen, weil die Abrechnungen ergeben hätten, daß die Arbeiter bei manchen Artikeln zu hohe Ueberschüsse erzielten. Auch nach den letzten Ab züacn hätten die Arbeiter noch gute Löhne verdient, und zivar beffere wie bei der Konkurrenz. Im übrigen sei er, der Direktor, stets bereit gewesen, die Beschwerden von Arbeitern entgegenzunehmen, wenn sie bei den Preisen nicht zurechtkämen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung wurde sehr eingehend zwischen Cohen und dem Direktor Scholz über die Löhne soivie die Berechtigung oder Nichtbercchtigunq der Abzüge verhandelt.— Schließlich einigten sich die Parteien nach den Vorschlägen des ?i»ignngsamtes ans folgender Grundlage: Die'Firma stellt sofort 21 männliche und 6 weibliche Aus- ständige wieder ein, sofern sich dieselben bis Sonnabend melden. Es ivird eine Schlichtnngskommission eingesetzt, welche ans 2 Arbeitnehmern, 2 Ardeitgebern und einem Beisitzer des Geiverbe- gerichts besteht und bei zukünftigen Differenzen in Aktion zn treten hat.— Die Accordpreise für die streitige» Fälle wurden im Einigungsprotokoll, den Wünschen der Ardeiter entsprechend, fest- gelegt, und' iveiter bestimmt, daß Maßregelungen tvegen des Aus- standes nicht stattfinden. Die Ausständigen, die nicht sogleich ivieder eingestellt iverden können, sollen bei Bedarf berücksichtigt, und jeden- falls keine fremden Arbeiter vor ihnen eingestellt iverden. Steinsetzer. Bei der Firma Böhm in Charlottenburg ist an- geblich auf Verfügung des Stadtbaurats den Kollegen, die an, 1. Mai feiern. Entlassung angedroht. ES Ivird evcnt. vor Arbeits- annähme gewarnt. Der Arbeitsnachweis der Tischler- Junnng hat bekauntlich der Gewerbedeputation Anlaß gegeben, nachzuprüfen, ob diese Em- richtnng den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Wie schon mit- geteilt, hat di'e Gewerbedeputation den jetzigen Zustand sanktioniert und ist den Beschwerdeführern, dem Gesellcnausschnß.»«»mehr der schriftliche Bescheid zugegangen. Die Begründung hilft sich über den unzweifelhaft ungesetzlichen Zustand— daß ohne Zustimmung des Gesellenansschusses der Arbeitsnachweis errichtet wurde— damit hinweg. daß jetzt die nach§ 9S G.-O. zulässige Genehmigung der Aufsichtsbehörde zu dem Beschluß der Innung erteilt wird. Diese nachträgliche Ge- uehmiqung in der Form ist nach dem klaren Wortlaut deS Gesetzes unzulässig, sie durfte nur auf Ersuchen der Innung erteilt werden und nicht im Anschluß an eine Beschwerde der Gesellen. Ferner heißt es ausdrücklich in Z 95 der Gewerbe-Ordnung, daß die Aus- führung der Beschlüsse sin diesem Fall die Errichtung eines Arbeitsnachweises) nur mit Zustimmung des Gesellenausschusses oder nach erfolgter Genehmigung der Aufsichtsbehörde erfolgen darf. Der Arbeitsnachweis durfte also, bevor die Beschwerde nicht erledigt war. gar nicht eröffnet werden. Somit ist die Einrichtung bisher ein Verstoß gegen das Gesetz, und der polizeiliche Schutz ist einem Institut zu teil geworden, dem jede rechtliche Grundlage fehlt. Noch interessanter ist, wie die Gewerbedeputation die Be stimmungen des Z 81 a der Gewerbe- Ordnung auslegt. Dieser Paragraph besagt, daß es Aufgabe der Innung ist, die Förderung eines gedeiblickien Verhältnisses zwischen Meister und Gesellen herbev zuführen. Daß die Einführung der Entlassungsscheine, die Zurück ietzung der Arbeiter bei der Verwaltung des Arbeitsnachweises dem widerspricht, ist klar, und es scheint, daß auch die Gewerbe- depntation nicht ganz diesen Einivand unberücksichtigt lassen konnte. Aber sie hilft sich damit, daß lein Meister zur Jnnchaltnug dieser Anforderung gezivungen wird, vielmehr die Innung jedem freie Hand lasse. Abgesehen' davon, daß diese von der Innung gegebene Darstellung unwahr ist. verstößt auch selbst bei dieser irrigen Annahme die Einrichiung des Arbeitsnachweises in der Art wie er von der Innung betrieben wird, gegen die klaren Bestimmungen des§ 81a der Gewerbe-Ordnung.''Der Gesellen ausschuß tv'ird übrigens bei der weiteren Verfolgung der Beschwerde in der Lage sein, den Nachweis zu führen, daß die Innung die Gewerbedeputation angelogen hat. Die Innung hat sowohl öffentlich als im Privaten de» Meistern, die sich der Entlasiungsscheine nicht bedienen. Zwangs- maßregeln angedroht. Der Oberpräsident ivird also diesen Teil der Begründung des ablehnenden Bescheids der Gewerbedeputation nicht aufrecht erhalten können. Nchtung,.Holzarbeiter! Die Firma Otto in Fürth hat einen Vertreter nach Berlin entsandt, um Arbeitswillige an- znwerben.— Wir erivarten von den Kollegen, daß sie Arbeit nach Fürth nicht annehmen, da die dortigen Kollegen mit obiger Firma in Differenzen stehen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Sattler und Lederarbeiter! In der Saitler- und Lederwaren- Fabrik von C. Zender, Alexandrinenstr. 2S, haben die Sattler und Lederarbeiter wegen Differenzen die Arbeit nieder- gelegt.— Zuzug ist streng fernzuhalten I DieLohnkomn, isfion der Galanterie-Sattler. Deutsches Reich. Eine„Arbeiterorganisation", welche durch die Regierung gefördert wird. In Harburg bcstehl eine„Verbrüderung deut- scher Arbeiter", welche Brüderschaft wir schon gelegentlich— allerdings nicht lobend— erwähnten. Das Oberpräsidium bat nun diesen Brüdern eine Anzahl Bücher zwecks Gründung einer Vereins- bibliothek übeiivieke».— Daß die Regierung einer„Arbeiter- organisation" zu einer Bibliothek verhilft, ist gewiß charaktcrisiiich für diese Organisation; leider kennen ivir den Inhalt der Bücher nicht, er ist aber sicher charakteristisch für die— Regierung I Achtung, Metallarbeiter! In Bannen- Rittershausen stehen die gesamten Arbeiter der Dampfkesselfabrik von Siller n. Jnmarl— 108 an der Zahl— in Kündigung, wegen Ablauf des bis I. Mai bestchendeu Vertrages über die Arbeitsverhälinisse, welche die Firma nicht erneuern will, indem sie vor hat, die Arbeitsbedingungen zn uerschlcchleru. Herr Siller versucht durch Aniiouce» in auswärtigen Blättern unter hohen Versprechungen Arbeilswillige heranzulockeil, falle niemand auf diese Verlockungen herein, sondern haltet den Zu- zug streng fern. Wogen Streikvcrgehcn hatten sich vor der Strafkammer in Köln die Zimmerleute H. B. ans Daiizig»nd W. O. ans Eschbach zu vcrautioortcn. B. hatte tvährcud des Ziminererstreiks in Köln eine» Zinimcrlehrling, der ihn angerempelt hatte, i» einen Bäcker- lade» verfolgt und den Bäckermeister, der die Partei des Lehrlings »ahnt, ins Gesicht geschlagen. Später wurden beide von de», Neubau ans verböhnt und ihnen zugerufen, sie sollten doch herein kommen, wen» sie etwas wollt»». Die Gereizte» ließen sich dazu verleilen nnd ivurden nun von den Strcikvrcchern schwer mißhandelt. Natürlich bekamen nicht die Streikbrecher, sondern die Streikenden ihre Anklage». Das Gericht mußte jedoch wegen des Vorfalls auf dem Bau auf Freisprechung erkenne», wegen des Vorfalls in dem Hanfe des Bäckermeisters wurde B. mit 2ö M. Geldstrafe belegt. Wieder ein Erfolg im vogtländischen Weberdistrikt. Der Streik bei der Firma I. Bentler in R e i ch e» b a ch ist nach sechs- tägiger Daner zn Gunsten der Weber ivieder beendet. Die Bauunternehmer in Stuttgart haben das Gewerbe- gericht als Einigungsamt abgelehnt. Tie Hafenarbeiter von Mannheim nnd LndwigShafen bitten um Fcnihallnng des Zuzugs. Bei der Firma Gebrüder Fcndel sind Differenzen eingetreten, Iveil die Firma den bestehenden Lohntarif um 2S— 30 Proz. kürzte. Ebenso haben sämtliche Lager- Haus-Verwaltnngen die Absicht, den Tagelohn ganz bedeutend zu reduziere». Die Schneidernicistcr in München scheinen mit ihren Ge- Hilfe» absolut nicht i» Frieden leben zu wollen. Noch sind circa 70 Arbeiter von der Aussperrung her»och nicht ivieder eingestellt, unter dem Vorwaude, daß man die Arbeitswilligen nicht ohne weiteres entlassen könne. Dessen ungeachtet läßt der Arbeitgeber- Verband durch seine Agenten in B ö h m e n Arbeiter suchen. Zweifeltos will man in der flauen Zeit auch die schon eingestellten Leute wieder aufs Pflaster setzen. Die Schneider iverden deswegen gut thu», bei Arbeitsangeboten aus München die Verhältnisse in Betracht zu ziehen. Ausland. In den ElektricitätSwerkcn der Oestrcichischcn Union in H i r s ch st e t t e n bei Stadlau streiken die Wickler, und zwar 64 Mann. Der Streik dauert bereits zivci Wochen, und trotz des eifrigen Bemühens der Direktion ist eS»och nicht gelungen, Wickler weder von den Streikenden, noch von anderwärts zu bekommen. Laut Nachrichten soll sich die Firma nach Deutschland und der chweiz gewendet haben, um Wickler anzuwerben; bisher jedoch ohne Erfolg. Die Streikenden hoffen, daß sich kein deutscher Wickler durch falsche Vorspiegelungen verleiten läßt, ihnen in diesem schweren Kampfe in den Rücken zn fallen. Zuzug ist daher streng fern- zuhalten.____ Berliner Partei-Angelegenheiten. An die Charlottenburger Parteigenoffen! Da» VolkShauö in der Rostnenftiaße 3 ist polizeilich abgenommen. Die für den . Mai angekündigten Versammlungen der Gewerkschaften soivie daS Maifest der politischen Partei finden in den Räumen des Volks- Hanfes statt. Ueber die EröffnungS-Feier, die für den 4. Mai ge- plant ist, erfolgen weitere Mitteilungen. Billets zur EröffnungS-Feier ünd an den bekannten Stellen zu haben. I» Treptow- Baumschuleiiweg findet die Maifeier in Ackermanns Festsäle», Baumschulenweg 78, statt. Die Fest-Versammlung beginnt abends 8 Uhr; Frau Clara Zetkin hält daS Referat. Schönebcrg. Die Maifeier findet bei O b st, Meiningerstt. 8, ltatt. Beginn nachmittags 4 Uhr. Entree 20 Pf. Die Festrede wird vom Genossen Eduard Bernstein gehalten.— Borinittags 10 Uhr: Versaminlnng sämtlicher Gewerkschaften bei O b st. Refe- reut Paul Hirsch. Schöneberg. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die regelmäßigen Sitzungen der G e>v e r b e g e r i ch t s�- b e i s i tz e r(Arbeitnehmer) an jedem Freitag vor dem 1. und 15. eines jeden Monats bei Obst, Meiningerstt. 8, stattfinden. Die Auskunfts stelle befindet sich bei Gustav Daumig» Hauptstraße 30. Lichtenberg. Zu den für morgen. Freitag, den 2. Mai. bevor- stehenden Ersatzwahlen zur Gemeuidevertreiung sind aufgesielli: Im ersten Bezirk, umfasieud den ganzen Orlsleik nördlich der Frank- furter Chaussee eiiffchließlich der Buggen Hägen schen Häuser, der Landsberger Chaussee und Wilhelmsberg, sowie die F r a n k f u r i e r C h a u s s ese von Nr. 1 bis llö einschließlich. die Kandidaten Oswald Grauer und Karl Schulz. Wahl- lokal: Restaurant Schwarz. Dorfstraße 25/26. Im zweiten Bezirk. umfassend den südlichen Orlsteil der Frankfurter Chanssee von der Fricdrichsfeldcr Grenze(Neu-Lichlenberg) bis einschließlich Runimels- burger st raße mit ihren Querstraßen, die Frankfurter Chanssee von Nr. 116 bis 178 einschließlich, die Kandidaten Paul 5? e t I e und Bernh. Weißslnck Wahllokal: Hcrm. Gürich, Kronprinzengarieii, Frankfurter Chanssee 86. Die Wahlzeit ist festgesetzt auf die Stunden von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Gewählt wird auf Grund der im Januar dieses Jahres ausgelegten Gcnieinde-Wählerliste. Wähler, die nach dem 15. Januar verzogen sind, wählen unabhängig von ihrer jetzige» Wohnung in dem Bezirk, in welchem sie im Januar gewohnl haben.— DaS Bureau des W a b l k o m i t e e s befindet sich bei S ch m i dt, Frank- furter Chanssee 83; die Parteigenossen, welche Frciiag agitatorisch ihäiig sein wollen, werden ersucht, sich von 10 Uhr ab' dort zn melden. In Erkner spricht Sountagnachmittag 3 Uhr Genosse Sonnen- bürg über die Maifeier. Pankow-Niederschönhausen. Heute öffentliche Versamnilung sämtlicher Gewerkschaften von Pankow und Niederschönhanse» vor- niitiags 10 Uhr bei der Ww. Roll. Krcuzstt.— Nachmittags von 4 nhr ab bei Kliiigenbera, Kaiser Friedrichsir., nnd Thiele. Bismarck- firatze 44. große Maifeier, bestehend in Konzert. Gesang, Recitalion und Tanz._ - Zeiknng. Der Hunger und die bürgerliche Rechtsprechung. Ans Hunger will der 17jährtge Laufbursche Wilh. Müller, der gestern vor der 5. Straskainmer des Landgerichts 1 stand. zum Taschendieb geworden sein. Er hat zugegebenermaßen eines Tages in der Passage einem Herrn ans der Billeiiascho seines Nockes 20 Pf. entwendet, nachdeni er vorher vergeblich einen Griff in die Billcttasche eines andren Herrn gemacht hatte. Er ivar gesehen worden. eS gelang ihm aber zu entkommen. Am nächsten Tage wurde er beobachtet, wie er Unter den Linden beim Aufziehen der Schlvßivache in dem dort herrschenden Gedränge einer Dame in die Kleidertnsche faßte und er wurde infolgedcsie'n festgenommen. Bor dem Schöffengericht legte der Junge ein reumütiges Geständnis ab. Er erzählte, daß ihm Vater und Mutter gestorben seien und er sich seinen Lebens- miterhalt selbst suchen müste. Er habe sich selbst eine Schlafstelle gemietet und sei ganz ordentlich gewesen. Als er dann stellungslos geworden sei und ihn der Hunger geplagt habe, habe er sich eines Gesprächs erinnert, das er einmal in einem Kaffeelokal von zwei Männern gehört habe. Diese hätten sich darüber unterhalten, daß die Herren in den Billettnschen gewöhnlich einige Nickel, niinze» bewahrten, die man leicht daraus stehlen könne.' Dies habe ihn auf den Gedanke» gebracht, solche Taschcndiebstähle auszuführen. Für die erbeuteten 20 Pf. will er sich Schrippen und ein Stückchen Wurst gekauft haben. Das Schöffengericht glaubte ihn» n»d ver- urteilte ihn mir zu einem Verweise. Der Staatsanwalt hielt diese Milde für zu weit gehend, zumal der Angeklagte dicht vor dem strafmündige» Alter stehe und es sich um Taschendiebstähle bandele, die stets nachdrücklich zn bestrafen seien. Er hielt eine Gefängnisstrafe am Platze, deren Bollstreckniig ja vorläufig ausgesetzt werden könne, nnd beantragte drei Woche» Gefängnis. Der Gerichts- Hof ging darüber noch hinaus«nd erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf einen Monat Gefängnis. Ue5zkv Ltalszeidikett und Vepesitzeu. Agrardcbatte im sächsischen Landtag. Dresden. 80. April.(B. H.) In dcrZ heutigen Sitzung der zweiten Kammer des sächsischen Landtages gab es eine dreistündige zum Teil sehr erregte Agrardebatte. Sie wurde eingeleitet durch die AuSfühningen des konservativen Abgeordnete» Steiger, welcher der Regierung den Vorwurf machte, die Landwirtschaft müsse ihr das Vertrauen versagen, wenn sie bei der Reickisregieruiig nicht für höhere Agrarzölle eintrete. Staalsminifter von M e tz s ch erwiderte, daß die sächsische Regierung ancki beute noch auf dem Boden der bekannten Erklärungen des Reichskanzlers des Grafen Bülow und des Staatssekretärs Grafen Posadoivsky stehe, wonach die Reichsregierung nicht über die Zoll- sätze der Vorlage hinausgehen könne. Bon nationalliberaler Seite wurde die Regiermig dringend ersucht, an ihrem Standpunkte fest- zuhalten._ Dcmonstratlone» klerikaler Studenten. Löwen, 30. April. Eine Anzahl katholischer Studenten, die seit einige» Tagen Denionstratioiien veranstalten, drangen gestern in den Hof eines Privatgebändes ein und bedrohten den Besitzer. Dieser holte ein Gewehr und gab einige Schreckschüsse ab, die von den Studenten mit Revolverschüffcn erwidert ivurden. Die herbeigeeilte» Polizisten zerstreuten die Studenten. Eine strenge Untersuchung über den Vorfall ist angeordnet worden. Die herausfordernde Haltung der katholischen Jugend wird von der hiesigen Bevölkerung scharf ver- urteilt._ Zur Maifeier in Italien. Rom. 30. April.n t e n auf höheren Wohiiiingsffeldziischuß zu befriedigen. Wir wollen drncki unfern Antrag wenigstens einen Teil der berechtigten Wünsche der Jiiteresienleu schon heute erfüllen. Ich bitte Sie daher, unserem Alitrage zuzustimmen.(Bravo i links.) Staatssekretär Graf PosadowSky: Es handelt sich bei dem Entwurf um eine Revision der Servisklasse», und die Grundsätze, nach denen die Regierung bei dieser Revision verfahren ist, sind von keiner Seite als unrichtig nachgewiesen worden. Die Frage der Wohnungsgeldzuschuß-Reform hat zunächst mit dem Scrvistaris nichts zu thiin; es ist nur ein Accidentale des Wohmingsgeldznschuß- Gesetzes, daß die Bemessung des Wohnungsgeld- Zuschnsses sich on- lehnt an die Einteilung der Servisklassen. Nach meiner Ansicht wäre die Annahme der Regierungsvorlage das richtigste. Falls aber die Kommissionsbeschlttsse angenommen tverden sollten, möchte ich dringend bitten, die Neuregelung der Klasseneinteilung statt für 1904 frühestens für 1905 in Aussicht zu nehmen. Es werden so umfangreiche Er- Hebungen notwendig sein, daß die Durchführung der Revision bis 1904 ganz ilnmöglich ist. Der Antrag Eickhoff würde für die Negiernng ganz unannehmbar sein. Abg. Dr. Hasse(natl.): Wir halten eine Vertagung der ganzen Sache für fdas einzig richtige. Die Konnnission glaubt über den Termin des 1. April nicht hinausgehen zu sollen. Neues Material meinte sie, sei nicht zn' beschaffen, sondern nur das außerordentlich umfangreiche vorhandene Material zu sarnrnen mit den Ergebnissen der Bollszählmig von 1900 durchzuarbeiten. Eine Trennimg des Wohniingsgeldzuschnffes vom Servistarif entspricht dem Wunsche der großen Mehrheit dieses Hauses. Abg. Marbe(C.) niacht ans die Imparität aufmerksam, die in Baden bezüglich des Wohnungsgeldziischnsses zivischen den badischen und Neichsbcamten bestehe und erklärt sich im übrigen für den Kommissionsbcschluß. Abg. Znbeil(Soc.): Die Budgetkommissioii hat die Geschäftslage des Hauses zum V 0 r w a n d genommen, um in eine Beratung der Materie überhaupt nicht weiter einzutreten. Wegen andrer Gegenstände aber, wie das Branntweinstener-Gesetz und die Brüsseler Znckerkonvention ist die Majorität sehr gern gewillt, hier noch einige Tage länger zu tage». Es verlautet ja. daß die rechte Seite dieses Hauses die Verabschiedung der Vorlage zur Brüsseler Zucker konvention eventuell durch Ovstruktion zn verhindern suchen wird. Auch wenn es sich darum handelt, den agrarischen Interessen bei der B r a n n t w e i n st e n e r- B 0 r I a g e Vorteile zn verschaffen, kommt eS der Mehrheit nicht auf die Zeit an. Es hat wohl kaum seinesgleichen, daß eine K 0 m m i s s i 0 11 eine so große Anzahl von P e t i l i 0 n e n ohne jede Prüfung einfach hat in den Papierkorb wandern laffen. Meine politischen Freunde erachten auch den Kommissions anlrag, wonach die Regierung für 1904 eine Vorlage einbringen soll zur endgültigen Trennung von Wohnungsgeldziischntz und Servis, mir für einen Vcrlegrnheitsakt, da ja der Regierungsvertreter keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß die Finanzlage des Deutschen Reiches sehr schlecht ist und in wenigen Jahren noch Viel schlechter sein wird. Danach wird wohl 1904 auf die Annahme eines solchen Ent- Wurfes kaum zu rechnen sein. Von einer Seite der Kommission wurde sogar zugestniiden, man habe gar keine Lust, wegen einer solchen Materie bis in den Sommer hinein zu fitze». Wenn es sich aber darum handelt, für sich selbst Vorteile zn ge- Winnen, so ist die Majorität sehr gern bereit, sogar Mittel zur Verfügung zn stellen, um bis weit in den Sommer hinein' zu tagen. Jetzt aber soll der Reichstag unter allen Umstanden zu' Pfingsten in die Ferien gehen. Die Regiermigs- vorläge nimmt so wenig Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands, daß sie von vornherein als unannehmbar gelten mußte. Ich lvill ans die Einzelheiten nicht eingehen. Meine politischen Freunde tverden in erster Linie für den Antrag Eickhoff stimmen, weil dieser ivenigstcns sofort eine etwas bessere Stellung für die unteren Beamten mit sick bringt. Ilnsre weitere Stellungnahme tverden wir von dem Schicksal dieses Antrages abhängig machen. Geheimrat Hertz bestreitet, daß die Offiziere gegenüber den Beamten dadurch bevorzugt seien, daß sie sowohl erhöhten Servis wie erhöhten Wohnungsgeldzuschuß erhielten. Bei der Bemessimg der Militärgehnlter wird vielmehr der Durchschniltsservis abgezogen. Weiter sei es ein Irrtum des Abg. Hasse, daß die Ergebnisse der Volkszählung von 1900 in der Vorlage nicht berücksichtigt worden seien. Abg, v. Waldow-Reitzenstein(k.) befürwortet eine Erhöhung der Servisvergiitnng für EinqnartiernngSlasten auf dem Lande und in kleinen Städten. Abg. Hoffmann-Dilleiibnrg(natl.) wendet sich gegen den An- trag Eickhoff. Seine Durchführung würde einzelne Orte bevorzugen zn Uiigniisten der Gesamtheil und so die bestehenden Ungerechtigkeiten vermehren statt vermindern. Abg. Lenzmann(frs. Vp.): Die Debatte hat ergeben, daß die Vorlage der Regierung ganz unbrauchbar i st. Die Rechte will, daß nach zii�i Jahren eine bessere Vorlage eingebracht ivcrde, ivir wollen jetzt schon iv e n i g st e 11 s e t>v a s e r- reichen.. Eine Resolution, wie die in der Kommissioii beschlossene, hat der Reichstag bereits 1897 angenommeu. Die Regierung hat aber noch keine Grundsätze finden können, nach denen der Wohiinngsgeld-Zuschuß gerechter als bisher berechnet tverden könnte. Daher wollen wir mit unsrcm Antrag minmehr selbst versuchen, solche Grundsätze zu finden. Bei Annahme unsres Antrages würden wir selbstverständlich den Servistarif der Vorlage zur erneute» Prüfung an die Kommission zurückverweisen. Wir kommen ja im Oktober wieder zusammen, die Verzögerung wäre also nicht gerade bedeutend. Abg. Werner(Antis.) erklärt sich für den Antrag Eickhoff. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Eickhoff wird a b- gelehnt und die Borlage nach den Äommissionsbeschlnssen gegen die Stimmen der Socialdeinokraten a n g e n 0 ni m c n. Die von der Kommission vorgeschlagene R e s 0 kn t i 0 n wird ebenfalls ge- »ehmigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Graf Ballestrein beraumt die nächste Sitzung an auf Donnerstag 1 Uhr mit der Tagesordmmg: Anträge Rickert und Gröber betr. Abändernng des Wahlgesetzes(dritte Lesung) nnd Toleranzantrag des Centrums(zlveite Lesung Fortsetzung). Der Präsident teilt weiter mit. daß er beabsichtige, für Freitag, den 2. Mai, unter anderm die zweite Beratung deö Diätenantrags und für Montag die Brüsseler Znckerkonvention und das Zuckerstener- Gesetz in erster Lesung auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. p. Kardorff(Rp.) zur Geschäftsordnnng: Ich möchte den Präsidenten bitten, das Zuckerstener-Gesetz nicht schon so zeitig auf die Tagesordnung zu setzen. Es sind ja noch einige andre Sachen da, die vorher verhandelt werden können.(Große Unruhe links.) Wir haben ein dringendes Interesse daran, das Zuckerstener-Gesetz nicht eher zu erledigen, als bis die Branntivcinstener-Novelle fertig ist.(Allgemeines Aha! links.) Wir wissen ganz genau, daß die Bramitweiii-Novelle infolge der Obstruktion, die Sie(nach links) machen wollen, nicht zu stände kommt, ivcnn vorher das Ziickersteuer- Gesetz erledigt ist. Präs. Graf Vallestrcm: Sie können diese Bemerkung am Sonnabend vorbringe», wenn ich den betreffenden Vorschlag sür Montag machen werde. Außerdem handelt es sich ja nur um die erste Lesung, damit ist der Abschluß noch lange nicht erreicht. (Heiterkeit.) Meine Mittcilimgen sollten vorläufig nur zur Orientiernng der Abgeordneten dienen. Schluß' 4Vs Uhr!____ Die Zolltarif- Kommission des Reichstags setzte am Mittwoch die Debatte über die An- merkungen betreffend den Grenzverkehr fort. Unterstaatssckrctär v. Fischer: Die Erleichterungen des Grenz- veikehrs seien von den Bewohnern oft mißbraucht worden. In hellen Haufen seien sie über die Grenze gelaufen, um Fleisch zu holen. Und was für Fleisch! Vielfach gesundheitsschädliches. Was auf diese Weise am Flcischzoll gespart worden sei, hätten die Männer häufig sogleich in Schnaps angelegt. Sanitär, finanziell und moralisch hätten die Erleichterungen im Grenzverkehr so erhebliche Nachteile im Gefolge gehabt, daß ihre gänzliche Aufhebung in Erwägung gezogen werden nniffe. Die neuen Vorschriften über den Grenzverkehr seien daher nur als Uebergaiigsbeslimmungen auf- zufassen. Sächsischer Geheimrat Rüger: Grober Mißbrauch sei in Sachsen nicht zu konstatieren gewesen, wohl aber ein nahe dem Mißbrauch kommender Gebrauch.'(Heiterkeit.) Hammelfleisch sei um SO biS 40 Pf., Schweinefleisch um SO Pf. pro Kilo in Böhme« billiger wie in Sachsen. Deshalb seien die Grenzerleichterungen der armen Bevölterung des Erzgebirges zu gönnen. Gothein(frs. Vg.): Die heimischen Fleischer und Bäcker an der Grenze hätten ja einen Nachteil von den Erleichterungen im Grenz- verkehr; das sei aber mir eine Folge unsrer Schutzzöllnerei. Die arme Bevölkerung, die sich die Erleichterungen zu nutze macht, sei viel bedürftiger. In den Grenzbezirken sei der Lohn durch die Kon- knrreiiz der jenseits der Grenze wohnenden Arbeiter, die sich ihre Le- bensmittel wesentlich billiger beschaffen können, gedrückt; bewillige man die zollfreie Einfuhr im Grenzverkehr, so treibe man die hei- mischen Arbeiter über die Grenze. Je schärfer man die Bestimmungen mache, desto mehr reize man zu Uebertrelungen und schaffe Miß- stimmung gegen den Staat. Speciell in Schlesien bestehe ein dringendes' Bedürfnis für Forterhaltung des zollfreien Grenz- Verkehrs. Geheimrat Rodatz: Die Beschtverden der Fleischer und Bäcker seien für die Aenderung der Grenzbestinimungen nicht durchschlagend geivesen, sondern die im Grenzverkchr vorgekommenen Mißstände. Soweit der Grenzverkehr berechtigt sei, solle er auch aufrechterhalten werden. Molkenbnhr(Soc.): Erschwere man den verarmten Betvohncrn in den Grenzdistrikten noch mehr die Existenz, so beschlvöre man die Gefahr von Hungerrevolten herauf. Bayrischer Ministerialrat Ritter v. Geiger berichtet über Miß- stände im bayrischen Grenzverkehr. Frhr. v. Wangenheim(k.): Der Fleischmangel in Oberschlesieu beruhe nur ans den Treibereien der oberschlesischen Fleischer, die pommersches Bich unverkauft wieder vom Markte hätten abziehen lassen. Jenseits der Grenze herrsche eine unendliche Schweinerei in Bezug auf Fleisch- nnd Bockware. Blell(frs. Vp.) polemisiert gegen den Vorredner und befürwortet Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Grenzerleichtcrimgeii. Herold(C.) begründet einen Antrag, der die Grcnzerleichte- rnngen nur im Falle„eines örtlichen Bedürfnisses" ge- statten will. Hieraus wirh. ein Schlußantrag v. Kardorff angenommen. Der Antrag Herold wird angenommen; ebenso die so ab- geänderte Fassung der Regierungsvorlage. Die Positionen 197 bis 199 betreffen Backwerk, Teigwaren (Nudel 11), Oblaten. Fischcr-Sachscii(Soc.): Ein Bedürfnis für Zoll ist hier nicht vorhanden, da die Ausfuhr die Einfuhr übersteigt. Gothein(frs. Vp.): Der Zoll muß in einem Verhältnis zum Mehl- und Eierzoll stehen. Wenn man das Nohprodult verteuert, muß auch das fertige Produkt im Zoll gesteigert tverden. Heroldte Vertrauensleute Berllna. Mai Uersamullmtgen der im Gemerhfchsfts-NaivkeN für Berlin und Umgegend vereinigten Organisationen oiit Donnerstag, den 1, Mai, vormittags 10 Uhr. � Sie Verslimmlmigen Aden mit krauen Katt. Z Tagesordnung in sämtliche» Versammlungen: Die Vedenknug des ersten Wtni. Bauarbeiter. Englischer Garte». Alcxanderstrabe 27 o. Referent: Stadtv. Fritz Will«. zlitsenleger, Asslierer u. RchumWer Restaurant Schulz, Arenadierstraße 33. Referent: Wenoffe Arcndsee. Holz- Ulli! Brettcrträlter soniie Brett- Köiiigstadt-Kasino, Holzmarltstr. 72. IPtlU" Rcserent: Genosse Paul Jahn. Maler. Restaurant Fcuerfteiu, Alte Jakobstraße 75. Rcsereut: Genosse Davidsohu. Miißkinstrtimtilteilarbeitn ttnl) Tischler bei Graumauu, Naumznstrahe 27. Referent: Genosse Kater. Möbelpolierer. Restaurant Kituigsbant. Gr. Fraukfnrterstr. 117. Referent: Hugo Poetzsch. Kistenmacher. Restaurant Stechert, AndreaSstraße 21. Referent: Genosse Dr. Wehl. Tapezierer (Polsterer und Kleber) bei Jannaschk, Juselstr. 19. Referent: Genosse 31. Klelnlein. Nach der Versammlung: Gemeinschaftlicher AuSssug nach Tegel. Für Nachzügler: Treffpunkt bis nach- mittags 3 Uhr in Trapps Festsälen, Bahnhosstr. 1, am Bahnhof Tegel. Töpfer. Ausflug nach Johannisthal. Treffpunkt: 9 Uhr Bahnhof Treptow. Für Nachzügler nachinittagS 2 Uhr bei Tcnftlevcn in Johannisthal. Zinkgießer und Stnrzer. ZluSflug nach dem Restaurant Teeschlößchen in Frtcdrichshagen. Maurer. Germania-Prachtsäte, Chausseestraß« 103. Referent: Genosse Heimann. Zimmerer. Böhmisches Brauhaus. Landsberger Allee 11/13. Reserent: Genosse KaliSki. Gemeinsame Versammlung in de» Borussia- Sälen, Zlckerstratze v-7. Referent Genosse Dr. Paul Bernstein. Buchdrucker begeben sich direkt nach der Der- sammlung. Bleigläser begeben sich direkt nach der Ber- MetaNarbetter. Treffpunkt um 8'/, Uhr bei C a r l P a t t, Dragonerftr. 15. Hausdiener und Packer begeben sich direkt nach der Verfanmilimg. Rohrer treffen sich u»l L'/z Uhr bei C a r l P a t t, Dragonerftr. 15. Schirniniacher begeben sich direkt nach der Ver- sammlung. 288/16 Kürschner. Lnna-Täle, Neue König- Straße 7. Referent: Genosse Aug. PeterS. Korttfeuilltt imd Zeder- galaiitenc-Arbelter. Fürftenhof, Köpinckerftrahe 187/133. Treffpunkt: Vormittags S Uhr bei Nagel, Kaiser Fronz-Grenadier-Platz 7. Nachmittags: Fanitlien- Zusammenkunft im Jiigerheim, Köpnicker Landstraße, erstes Lokal bei freien, Konzert und Tait». Gciiierlischiiftl. I-taiitimml». Die Gewerkschaften haben das Anmelden der Versammlungen selbst zu besorgen. Bei den Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung. Ueber die Anzahl der Versammlungsbesucher ist dem Bureau, Dragoner' straße 18. Mitteilung zu machen. Die Mitglieder werden ersucht, sich mittags und abends an den Partei- Festlichkeiten rege zu beteiligen. �_ Der Ausschust. Ami 1. lHul bleibt mein Geachttft wie blaher ge- achloaaen. 40'«0* Will, Pahl> Arbeitsanzüge. II IUI. raiir, Brnnnenstr. IIS. Faul dirfuss empfiehlt fein 23536 Mumt„WlckWll" Greifti wnlderatr. 188—135). Zwei Kegelbahnen. Kaffeeküche. Großes Vereinszimmer. Schöner Garten. Dr. med, Schaper homöop. Arzt u. Sptz.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankheiten. Königgrätzeritr. 07. Spr, 9-1, 4-7, G G Malfeier der socialdemokratischen Parteigenossen des V. und VI. Berliner und des Teltow-Bfifiskow- Charlottunburger Waireises. V. Wahlkreis: Schweizer Garten nm NnigWr VI. Wahlkreis: Alzvends Kranerei. Tumstrahe LZ-Lk Moabiter Gesellschastshans Erters), M- Moilbit 8l1-8t Feldschlößchen» Miillerstraye Iii � GiskeUer» ß�ufccWc 88 Kallschwieders Kastanienwäldchen» Bllbßr. 1k Marienbad, BobKraye 3ß Mernan, Slhivebterstraye Z3-24 Teltow-Beeskow: Köpenick: Milhelmsgarten(Scheer) Hotel Kaiserlzof Schöneberg: Obst» Meiililllltrstrasje 8 Wilmersdorf: Wittes Volksgorteil, Berliiitchr. 11k Charlottenbnrg: Uolkshans» ZtojittHr. 3 bestehend in Konzert, Gesangs-, theatraliscli. n. turneriscl). Anlfütirungen. = Lestrrden= Lebenden Bildern- Tanz- Kiiidcrbclnstignngen. Die Gesänge werden von den Gesangvereinen deS Arbeiicr-Tängcrdnndes anSgeMrt. 4 lllii». IHc KalTeekUclie Ist von 2 l'hp an scOlTnct. Alles Nähere durch die Plakute und Programmeln den einzelnen Wahlkreisen. V oIK«. V ersammlung'en uovimtfag* 10 Ahv Kritz: Kosensee-Terrasse» Chllliisetstellsje kg-7v. Adlerslzof: Zn Köpenick bei Scheer. Durch abwechselungsreiches Arrangement dieser Festlichkeiten glauben wir der Arbeiterschaft in jeder Weise Rechnung getragen zu haben und ersuchen daher um zahlreiche Beteiligung. Tic Komitees. O * O • G O O • O O In Folge grosser Abschlüsse in Teppichen, Porüferen, Gardinen, Slores, Divan-, Tisch-°°s Steppdecken, Läufern, Möbelstoffen°°d Plüschen sind wir in der Lage, solche für die Hälfte dSS s'egU- lären Werles Verkeuf zu stellen, und können wir Lagerbesuch nur dringend empfehlen. Teppichhaus Adler& Co., Köiilgstr. äO— Äl, dicht am Hathaus. 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Zu deutsch: EhrUchkclt. und zusammen 100 Reit-iLWagenpferde 29 DamenfahrrSder M) Hs pps n fahr rüder 160 goldene Medaillen BOOO Paar silb. Eeelöffol an«. 63t3 Gew. Werth Mark. 2011, oec Ong.-Loose k 1 l] Loose■= 10 M.. Porte u. Gewiunliste 20 l'fe empfiehlt Carl Heinize Bsrlln W.. Unter den Linden 3, (ß sfeflf Stnftalt Griiner Weg 3 such -VtlUyi- alte Stiesel se;r Mlg. I fachen versehen, sauber und gutsitzend angefertigt sein. Dazu gehört: daß gute reichliche Auswahl vorhanden ist, vorgelegt und anprobiert wird, jede zur Sache ge- hörige Ausiunft bereitwiNigst erteilt und nstes überststsstge Sprechen und Anpreisen vermieden wird. Jedes Stück mub in deutlichen, für jedennann lesbaren Zahlen mit dem festen NerkaufSpreis bezeichnet sein. Dieser Preis muß billig, der Qua- lität der Ware angemeffen, und absolut fest sein. Es darf nicht vor- kommen, bnfi verschiedene Personen verschiedene Preise für dieselbe ganz gleid>« Sache bezahlen. Ans vorstehende drei Principien lege ich den größten Wert. Jedermann weih und umh eS einsehen, dah er ans die Dauer»»r da gut bedient werden kann, wo er auch mit unbedingtem Vertrauen kaufr. Dieses Bertrane»»intz gegenseitig sei». Wo gehandelt wird, wird betrogen. Der Nutzen des reellen Geschäfts ist so gering, dah ei» Abzug schlechterdings unzillässig ist. Er gleicht in diesem FaN ciiiem Abzug am Arbeitslohn, und wer wäre wohl geneigt, sich daraus«inzulasseu 1 Mo: Wer dennoch absäht, hat den Preis so normiert und muh ihn eben so nonnteren: dost er ablasse» kann. Wo ist aber dann die Grenze? Wie viel soll, wie viel darf man ab- laffen, resp. abhandeln? Wer kennt wohl den Wert einer Ware besser, der Knude, der sich von Zeit zu Zeit ein Stück kauft, oder der Kaufmann, der täglich damit zu thun hat? Wer fällt also rein? Immer und allezeit der Kunde! Ich habe ein groheS Lager moderner Jackettanzttge.. von 1S-45 Mk. moderner kommerpaletots.. 0-86, moderner Knabenanattge..„»»«„ IT. Itoek» und Gehrockanzügc.„ 20—60„ Spccialität: Hosen. IT. schwarze Hosen 8, SO, 4,00, 4,50, 6,00, 7,50, 0,00 jc. „ helle Hosen.. 8,00, 8,70, 3,60, 4,50, 6,00, 7,00 sc. Diverse glatt«»nd gestreifte Hose». OUrntllelie Waschanztige fllr Herren nnd Knaben. „ Arbcitssachen für alle Bcrafc. Glanzend toewflhrt: Maass-Abteilung.= Gediegene, solide Schneiderarbeit. Keine Pfuscherei oder Lohndrückerei. Ueberall: Streng feste Frelse, ebne Vorseblagen, ohne Nachlassen. Erste Referenzen aus organisierten Arbeiterkreisen. krmwius- platz, Tnrinstr. 85 Hsllandtkirohe gegenüber der Markthalle.--' 1 Achtung, Gewerkschaften! Oeifentliche Mai-Tersammlungen am Vormittag des t. Mai. Sämtliche Devscmunlnngen finden mtf Hilfsnefieikeen n;Tv Fennen fintk. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Medeutung des 1. Mai. Gruppen- Versammlung. Italrlpidlllin�> Tnilnsfrip Gruppen- Versammlung: cngliuvlien Ho?, OCftiCiUllliy» lliuunuic. Neue Roüstr. 3, vormittags 10 Uhr. Referent: �Zllksvk. Textilarbeiter, Wäschebranche, Posamentierer, Hntmacher, Färber. Kürschner, Dclatenre, Stickerei- arbeiter usw. gehen direkt in die Grnppen-Vcrsammlung. kANÄelL','krausport- und Verkehrs-Gewerbe. Arminhallen, Kommandanteustr. 20, mittags 12 Uhr. Referent: Reichswgs-Abgeordneter Pfannkuch. Die Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, Bnrean-Angestellte, Kaufleute, HandelshilfZarbeiter, Geschäfts-, Arbeits- und Droschkenkutscher, Lagerhalter, Fensterptttzer kommen im Versanunlungslokal zusammen. Gruppen- Versammlung: Heue«elt, Haseuhcide 10S— 114. vormittags 10 Uhr. Referentin: Frau 2etkin-St>lttgart. Zusammenkunft der einzelnen Gewerbe: Tischler gehen direkt nach der Neuen Welt. Böttcher....... vormittags 8 Uhr, bei NtcrkowSki, Andreasstrafie 26. Eiusetzer.......„ 8„ im Gewerkschaftshaus, Saal Vll. Parkeltbodenleger....„ 8„„„ Saal V. Stockarbciter......„ 8 bei VarcinS, Brückenstr. 7. Korbmacher......„ 8„ bei Stramm, Nilterstr. 123. Drechsler........ 8„ I Versammeln sich in ihren Verkehrs- Bürstenmacher.....„ 8„!■ lokalen und gehen alsdann geschlossen Perlmnttarbciter....„ 8„) in die Gruppen-Bersammlung. Musikiustrninentcn-Nrbeiter„ 8„ Märkischer Hof, Admiralstr. 18 e. Stellmacher......„ 8„ bei Vairer, Llosenthalcrstr. 57. Bauanschläger.....„ 8 im Gewcrkschaftshans. Bilderrahmeninacher...„ 8'/,„ bei Stramm» Ritterstr. 123. �pkllklNSl'PN.snklnvsnkP Gruppen- Versammlung im Sehwei�er Garten Ml/UlillWsti uli lillluKllliC.(KönigSthor), vormittags präcise 10 Uhr. Referent: lln. M. LvkLiie. Die Kollegen der einzelnen Fabriken versammeln sich um 9 Uhr vormittags in ihren Verkehrs- lokalen und gehen alsdann geschlossen in die Grtippen-Versammlung. KV" Nach der Versammlung: Ausflug nach Johannisthal. TSW Nahrungs- und Gennssmittel-Gewerbe. Gruppen-Versammlung bei Brochnoiw(früher Niest), Wcbcrstr. 17, vormittags 10 Uhr. Referent: kadsni Schmidt. Zusammenkunft der einzelnen Gewerbe: Barbiere....... vormittags 9 Uhr bei Schiller, Rojenthalerstr. 57. Konditoren......, 9„„„„„ Musiker.......„ 9,.„„„ Schlächter.......„ 9„.„„„ Väcker........„ 9„„ Drescher, Liuicnstr. 218. Brauer und Hilfsarbeiter, GastlvirtSgchilfen. Tabakarbciler, Müller. Gärtner gehen direkt in die Grnppen-Versammlnng. iüvonhivohsv Gruppen-Bersammlnug: Gooh-Srauere!(klein. Saal), UTIdpuidl/UCa uCWCl UC. an, Tcmpelhofcr Berg, vormittags 10 Uhr. Referentin: Frau Liii Braun. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdrnckcrei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, Schriftgicßer, Stereotypeure, Lithographen und Steindrncker, Tylographeu, Formstecher und Tnpetendrucker komme» in der Gruppen-Versaminlung zusammen. ZTeiallarbeiter ��pp�'���kanluilung: �eenpalsst�Ecke Vnrg>,. Wolfgaugstraßc, Referent: Reichstags-Abgeordneter Psui Singer. Sämtliche Metallarbeiter gehen direkt in die Gruppen-Versaminlung. Auherdem treffen sich: Schmiede....... vormittags 8 Uhr bei Hahn, Stralauerstr. 48. Chirurgische Branche.... 8„„ Niimann, Brunnenstr. 188. Lederbearbeitung. Referent: Joh. Sassenbach. Lohgerber, Weihgerber, Lederzurichter, Lederfärber, Handschuhmacher gehen direkt in die Gruppen-Versaminlung. Cfmnvhnifot» Kliems großer Saal, Haseuhcide 13 13, vormittags 10 Uhr, BBUarOclEcr. Referent: Dr. Alfred Bernstein. Buchbinder u. Buchbinderei-irbelterinnen, Etui- und Ledergalanterie- irbeiler und-Srbeilerinnen, Klasarbeiter, Klasor, Klasaeblsiler. Referent: B. Dir big. Graveure und Ciselenre."0-'d,"-SS 45' Referent: Or. Steiner. Holzbearbeitungsmaschinen-Arbeiter. Referent: Dr. Priedeberg. Stein- und Gips-Liidhauer und ModeUenre. „Gresrlener Kasino", Dresdencrstrahe 96, vormittags 9 Uhr. Referent: Rechtsanwalt Dr. Prankl. Apollo-Saal, Scbaftianstr. 39, vormittags 10 Uhr. Referent: Dr. Zadek. Berliner Boekbrauerei, Tempclhofer Vcrg, vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstags-Abgeordneter Deine. Porzellanarbeiter, Referent; L. Müller. DmtirA«* Kellers grofler Saal, Koppenstrafle 29, vormittags 10 Uhr. t�Ulsei. Referent: itfaldeck Manasse. DnkifivMiifnAM„Arminhallen", Kommandautenstrahe 20, vormittags 10 Uhr, KaDllZpUIZer. Referent: H. Schubert. l*Satt1oi>„Berliner Ressource", Kommandantcnstr. 57, vormittags 10 Uhr. �dlilür. Referent: K. Assmann. Steinarheiter, Granit- und Marmorarbeiter. „Englischer Garten", Zllcxaudcrftr. 27c, vormittags 10 Uhr. Referent: Max Kiesel. Steinsetzer nnd Rammer. s"hÄ.10 Stnccatenre, Gipsgiesser, Dachdecker nnd Asphaltenre. Gewerkschaftshauo, Engel-Ufcr 15, Saal I, vormittags 10 Uhr. Referent: A. Ritter. Schneider und Schneiderinnen.''���''°"orm!t't?g79 m � Referent: A. Täterow. Cohns Festcäle, BentHstrafle 19 21, 1 Treppe, vormittags 9 Uhr, Referent: Otto Wels. Maler und Lackierer. Manrer. Tapezierer. Tomf a« Gewerkschaftshaus(grosser Saal), Engel- Ufer 15, vormittags 10 Uhr. lOpier. Referent: G. Link. Vergolder. Zimmerer. Elektromontenre. „Alhambra", Wallnertheaterstraße 15, vormittags 81/* Uhr. Referent: Adolf Hoffmann. Grand Hotel Alexanderplatz, vormittags 10 Uhr. Referent: Dr. Arons. NUmann, Brunnenstr. 188, vormittags 10 Uhr. Referent: H. Reichert. QtHdltioollO Ävhoifni* Cohn® Festsäle, Benthstr. 19 21, 1 Tr., abends 8 Uhr. �laauscne Alueiier. Referent: Stadtv. Paul Hirsch. V-nnittags 10 uhri...V°lksh ö' R-sin«�. 3: IN' PumittilflS Uhr: Ntlsammlung sämtlicher GewerhschMu iGIt�llll!!! G NerstlMMiung sämtlicher Gemerllschdsteu. HlXuG! le 1. bei Thiel, Vergstr. 151/132. Reflrent: or. Lildersteln. Referent: Reichstags-Abg. E. Bernstein. 2. bei«Onzer. Kn-seb-ckstr. 119. Referent: G. Breslauer. �„, Vormittags 10 Uhr bei Chst, Meiningerstraße 8: SnhnGPnPPn Verfammumg sämtlicher Gewerkschaften. OOlIvIIbUbi tj. Referent: Stadtverordneter P. Hirsch. � �,, Vorm. 10 Uhr bei Witwe Sedonsrt, Reu-Seeland! Ml'glgU'kWMkIsblll'g.»M«lW WerWst». �llI(W u. siikljei'-Leköntiillisen. bei Wittve Holl, Kreuz- nnd Spandauerstraften-Ecke. Referent: 0. silller. fpisiIi'ivIiLbepg-UlZlitsnbei'g.ssmttjdmÄ����� bei HSkllch(.Schwarzer Adler"). Frankfurter Chanssee 120. Referentin: Frau E. Ihrer. Vormittags 10 Uhr, Schloß Weißensee: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referenten: Vorm. A. Drunsel, nachm. Kotzke u. J. Kaliski. Die Gewerkschaften resp. die Einberufer der Grnppen-Versammlungen habe» ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherigen� Zusamlnenknnft-» bedarf eö keiner Aumeldnitg.— Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Anzahl der VersammlungSbesucher dem Gewerk �chasts-VureNN, Gttgel- User 15, Gewerkschastshans, Ä. Flnreingaug, schriftlich Ke»nt«i« zu gebe«. Bet» ÜMsschaass der Berliner Gewerkschafts-Kommission. ■ Lerantwottlicher Redocteur: Carl Leid in Berlin. Siir dm Soseratmteil vnamwortltch:»h.«locke m Berlin. Druck uud Verlag vou Mar Babing m Berlm. eunLii ww, 2. KtW»es JuiuWü" Knwn ZIMIÄ. AvbeiterMiul;. Die Verkürzung der Arbeitszeit in Deutschland. Das Deutsche Reich steht im Anfang des zwanzigsten Jahr- Hunderts unter dem Zeichen einer starken wirtschaftlichen' Depression. Wie sich die Socialpolitik in solchen schweren Zeiten zu Verhalten habe, darüber sind die Meinungen sehr geteilt. Die einen glauben. bafe man der Industrie„Lasten" des ArbeiterschutzeS nicht aufladen dürfe z» einer Zeit, in der sie ohnehin gefährdet sei. Die andern, zu denen auch wir uns zählen, glauben dagegen, datz gerade die Zeiten, m denen die Arbeiterschaft schlver zu leiden hat. gebieterisch eine Ausdehnung des ArbeiterschutzeS, vor allem aber eine gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit erforderten. Dadurch sollte und könnte dem gewissenlosen Wucher sencr hansindustriellen Unternehmer vor- gebeugt werden, die regelmäsiig als Hyänen auf dem wirtschaftlichen Schlachtfelde erscheinen, und deren Wirksamkeit die wunderbare Erscheinung zu danken ist, dah zu Zeiten sinkender Arbeits- gelegenheit die Ausbeutung der Frauen- und Kinderarbeit ins Un- gemessene limchst. Unter diesen Umständen erschien die Verkürzung der Arbeitszeit in Deutschland, wo sie erfolgte, diesmal oft mehr als ein Damm gegen die augenblicklichen Gefahren der Arbeitsuot, denn als ei» dauernder socialpolitischer Fortschritt. Gesetzlich timrde allerdings nichts vorgekehrt, es iväre denn, dasi man die Verordnung des Bundesrats, die für das Ga st wirtsgew erbe den 16 stündigen Maximalarbeitstag normiert und den Kellnern den blutigen Witz auf die Zunge legt, sie hätten den„doppelten Achtstundentag", zn den gesetzlichen Vorkehrungen gegen die Arbeitsnot zählen wollte. Man wird ebenso wenig wie für diese Verordnung sich etwa für die Mahnahme der bayrischen Artillerie werk st ätten begeistern dürfen, die den Achtstundentag eingeführt haben— für die Sonnabende I Im großen und ganzen blieb eS der gewerkschaftlich organisierteii Arbeiterschaft überlassen, aus der Vcrniiuderuug der Arbeitsgelegen- heit die erforderlichen Folgerungen zu ziehen. Da war es nun eine erfreuliche Erscheinung, daß die Arbeiter in zahlreichen Fällen eine Herabsetzung der Arbeitszeit vorschlugen, nm Arbeitercntlassungen zu vermeiden. Anstatt, daß sich das Gewitter der Krise über den Häuptern einzelner Unglücklichen entlädt, soll sich seine Wirkung auf eine größere Gesamtheit verteilen. Es ist sicher die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, wen» man den Arbeiter nicht bloß gegen die Folgen der unfreilvilligcn Muße, sondern auch vor dieser selbst sichert. So wurde beispielsweise die Arbeit in den ElektricitätSivcrkc» von S ch u ck e r t durch gütliche Vereinbarung zeitweilig auf acht Stunden herabgesetzt. Ebenfalls durch gütliche Vereinbarung zivischen Meistern und Gesellen wurde in den Silberschlägereien von Fürth und Schwabach der Achtstundentag eingeführt. Hier sprechen allerdings neben den rein wirtschaftliche» auch hygienische Gründe hervorragend mit. Erst spätere Untersuchungen, auf deren Ergebnis man gespannt sein muß, werden zeigen, ivi'e weit durch die Verkürzung der Arbeits- zeit das gewollte Ziel verminderter Arbeitsleistung erreicht worden ist. Es ist ganz selbstverständlich, daß es eine Grenze gicbt, über die hinaus die Arbeitszeit nicht beschränkt werden kann, ohne damit das Quantum der täglich verausgabten Arbeitskraft zu verringern; es müßte aber erst von Gewerbe zu Gelverbe untersucht werden, Ivo diese Grenze zn finden ist. Für den nieder schlesi scheu Bergbau liegen nach dieser Richtung bereits aus neuerer Zeit Erfahrungen vor. Im Anschluß an die östreichische Bergarbeitcrbewegmig, also nicht aus Gründen derKnse. forderten dicniederschlcsischen Bergarbeiter den Achtstundentag. Man begann mit seiner Einführung 1. April 1900 und zu Ende desselben Jahres war bereits auf allen größeren Werken die Acht- stildenschicht eingeführt. Die Unternehmer sind mit den Erfolgen so zufrieden, daß sie nun erklären, an der Achtstundenschicht„streng festhalten" zn wollen. Es ergab sich, daß das erste Quartal des JahreS 1900 die schlechtesten Ergebnisse lieferte, dann gewöhnte sich die Belegschaft an die neue Arbeitszeit und die Leistungen stiegen wieder. In manchen Gruben wie den Fürstensteinern, förderten die Arbeiter bei achtstündiger Arbeitszeit sogar pro Kopf um 2 Tonnen mehr jährlich als im Vorjahre bei zehnstündiger Arbeitszeit I In andern Gruben ist die Leistung gleich geblieben, im Durchschnitt ist sie bei einer 20prozentigen Schichiverkürzung nur um S Proz. gesunken; wie weit noch diese Verminderung der Leistung auf eine Verschlechterung der nnlür- licheu Arbeitsverhältnisse(in den Gruben zurückzuführen ist. entzieht sich der Berechnung. Während die niedcrschlesischen Grnbenmnguatcn ihre Vorteile bei der Einführung des Achtstundentages erkannt haben, hat der Leiter der Z e i ß- S t i f t u n g in Jena, Professor Abbe, auf dem Mechonikertage, der im Anglist 1901 in Dresden abgehalten wurde, taubenOhre» gepredigt. Er tratfürdieallgemeineEiuführungdcs Neunstundentages ei» mid ivi'es auf die berühmten günstigen Erfahrungen hin, die er selbst in Jena mit dem Achtstundentage gemacht halte. Trotzdem konnten die biederen Mechaniker der Mittelklasse die Angst vor dem roten Lappen nicht überwinden, und überfielen den mißliebigen Neuerer mit einer Flut wohlgemeinler, aber unsagbar komischer Eni- rüstungsreden. Die Verhandlungen dieser Versammlung werden für alle Zeit ein kulturhistorisches Dokument bleibe» für die bornierte Rückständigkcit deutschen Unternehmergeistes. Abbe hat später für die üble Behandlung, die ihm in Dresden widerfahren war, edle Rache genommen mit zwei Vorträgen, die er zu Ende des vorigen Jahres in Jena hielt, und in denen er die Er- folge des Achtstundentages in dem von ihm geleiteten Unternehmen des näheren klarlegte.' Der Uebergang vom Neunstundentag zum Achtstundentag hat hier nicht nur den Stundenverdienst um 10 Proz. erhöht, sondern auch eine bessere Ausnutzung der Werkzeugmaschinen um 12 Proz. ermöglicht. Anch sonst fehlt es nicht an einzelnen günstigen Erfolgen, die in Deutschland mit dem Achtstundentag gemacht worden sind. So ist i» O f f e n b a ch für die städtischen Gas- und Wasserwerke der Achtstundentag eingeführt worden und die ersten Rechnungsergebnisse haben gezeigt, daß sich die Produktionskosten ldurch die Verkürzung der Arbeitszeit nm nichts erhöht habeil. Trotzdem muß es gesagt iverden: Vielleicht in keinem civilisierten Lande hat die Beivegung zu Gimsten einer mcnschlich-erträglichen Arbeitszeit, einer Arbeitszeit, die eine gesunde Erneuerung der Kräfte möglich macht und dem Arbeiter Zeit läßt, Mensch, Familien- Vater und' Bürger zu sein, bei gleicher Kräfteanspallnung so geringe Erfolge erzielt ivie in Deutschland. Denn dieses Land der Denker wird gegenwärtig von einer ebenso ge- dankenlosen wie profitgierigen Unternehmerhorde beherrscht, die konservativ an den alten Formen der AuSbentung festhält, wenn auch tausendmal wissenschaftlich bewiesen wird, daß diese unsinnige Schinderei auf Zeit dem einen weh lhut, ohne dem andern Nutzen zu bringen.... Staatssekretär des Inner» ist noch immer Graf P o s a d o>v s k y und Herr Möller ist Handels- minister von Preußen I Unsre Nationalliberalen find Social- reforuier und auf des Cenlrums Bettclsuppen schwimmen die Fettaugen der Arbeitcrfrcuiidlichkeit. Trotzdem ist eS den Vertretern der Arbeiterschaft bisher nicht einmal gelungen, in diesem socialpolitisch so sehr erleuchteten Reichstage einen aus- reichenden Schntz der Kinder gegen kapitalistische und junkerliche Ausbeutung durchzusetzen. Die Ärbeiterfeier des ersten Mai ist eine friedliche Demonstration für friedliche Forderungen! der Arbeiter Schuld ist es nicht, wenn sie sich im Deutschen Reiche zu einer flammenden Manifestation der Unterdrückten gegen die Unterdrücker wandelt. »• • Der Kampf»m de» Achtstundentag im Auslände. Leichte Siege nivgeir erfreulicher fein, schlver errungene sind des höheren Ruhmes würdig und doppelt köstlich ist ihr Preis. Der Kampf um den Achtstundentag ist bisher kein Rennen auf glatter Bahn gewesen, sondern ein niühselig-geduldiges Wander» im Urwald. Durch das Gestrüpp der Vorurteile uud die Schling- gewächse kleinlich beschränkter Profitinteresscn niuß sich der Pionier des socialen Fortschritts mit der Axt einen Weg bahnen. Es ist nicht so leicht, Gesetze zu Gunsten der Arbeiterschaft zn machen, und es gehört tvahrhaftig mehr dazu als Druckerschwärze und Papier. Man mag in der Entwickelung der Arbeitszeit zum gesetzlich festgelegten Achtstundentag mehrere Hauptetappen unterscheiden, die sich' freilich nicht immer streng voneinander abhebe», aber im großen ganzen doch tvohl auseinander zn halten sind. Es sind zunächst philantropische oder einsichtsvolle Unternehmer, die in ihren Werken verkürzte Arbeitszeiten einführen, um bald die überraschende Entdccknng zu machen, daß die Arbeitsleistung die gleiche geblieben ist. Die Ent- ivickelung der Konsumgeuossenschaften führten zur Errichtung von Werkstätten, in denen gleichfalls die achtstündige Arbeitszeit ein- geführt und ihre Durchführbarkeit vom Standpunkte der Ertrags- fähigkeit erwiesen tvird. Die gewerkschaftliche Bewegung setzt auch sodann für eine faktische Verkürzung der Arbeitszeit, sei es in einzelnen Unternehmungen, sei es in bestimmten Branchen eines einzelnen Ortes oder eines ganzen Landes, entschieden ein. und bei den Lohnkämpfen spielt die Verkürzung der Arbeitszeit in steigendem Maße die Hauptrolle. Schließlich' sieht sich auch die politische Körperschaft— Gemeinde oder Staat— durch den Einfluß der Arbeitervertreter genötigt, für Arbeiten, die sie in eigner Regie ausführt oder im Snbniiisionsweseu vergiebt, die achtstiindige Arbeitszeit zur Norm zu erheben. Das Ende dieser Entwicklung ist und muß sein die allgemeine gesetzliche Einführung des Acht- stundentagcs. Ein Ueberblick über die Verhältnisse in der civilisierten Welt lehrt uns, daß A n st r a l i e n uud Neuseeland in der taktischen (nicht gesetzlichen) Durchführung der achtstündigen Arbeitszeit am weitesten vorangeschritten ist. während sich Bestrebungen zur gesetzlichen Festlegung der Achtstundcuarbeit in den Vereinigten Staate» von Nordamerika mit dem verhältnismäßig größten Erfolge geltend machen. So haben im letzten Jahre verschiedene Staaten der Republik Achtstundeu-Gesctze beschlossen, die sür alle öffentlichen und Submissious-Arbeiten Geltung haben sollten. Solche Beschlüss wurden in Washington und C o l u m b i a gefaßt, ihre Gültig- keit aber von verschiedenen Gerichtsbehörden bestritten, tueil sie in das Recht der Arbeiter auf freie Selbstbestimmung eingriffen. ES ist nicht zn bezweifeln, daß dieser Vorstoß der richterlichen PraxiS gegen die Gesetzgebung nur ein Rückzugsgefecht ist, das veraltete manchesterliche Auffassungen der modernen Anschauung liefern. Eine allgemeine gesetzliche Bestimmung zu Gunsten des Acht- stunden-Täges ist indes im ersten Jahre des 20. Jahrhunderts auch nicht in Amerika getroffen worden. Frankreich besitzt bekanntlich seit zwei Jahren einen gejetz- lichen Normal-ArbeitStaq für sogenannte gemischte Betriebe, in welchen Arbeiter beider Geschlechter beschäftigt lverden. Die Länge<» des Normal-ArbeilStages begann mit 11 Stunden, sie ist seit dem 1. April d. I. auf 10Ve Stunden herabgesetzt und nach Ablauf von abermals zwei Jahren auf 10 Stunden rohxjlert worden. Für die Arbeiter der staatlichen Verlvaltniig des Telephon- und TelegraphenbetriebeS wurde von Milleraud der Achtstunden- tag eingeführt. Versuche, die in der Spitzcnindustrie von Calais auf Aliregung des HandelSministers mit dem Achtstundentage gemacht wurden, ergaben günstige Resultate. Von höchster Bedeutung für die Frage des Achtstundentages sind die Kämpfe, die die Bergarbeiter von drei großen Kulturstaaten geführt haben. In England hielt sich das Streben nach der acht- stündigen Arbeitsschicht, wie es die Miners Federatio» unter P ickards Leitung vertrat, streng in den Grenzen parlamentarischer Gepflogen- heiten.' Nachdem das Gesetz in zwei Lesungen mit allerdings recht knappen Mehrheiten angenommen war, wurde es in der dritten entscheidenden Lesung des Unterhauses im März 1902 mit 208 gegen 207 Stimmen verworfen. In der Geschichte der englischen Arbeiter- schaft wird die Erzählung dieses Vorganges kein Ruhmesblatt werden; denn es war der Einfluß zlveier konservativer Bergarbeiter- Vertreter. F e n w i ck und Wilson, der den Gesetzentwurf zu Fall brachte. Diese konservativen Vertreter der Manchesterfreiheit beriefen sich darauf, daß ein großer Teil der englischen Bergarbeiter durch ihre gewerkschaftliche Organisation bereits eine noch kürzere Arbeitsschicht erkänipft hätte, unterließen aber hinzuzufügen, daß die jugendlichen Arbeiter im Bergbau unter viel längeren Arbeitszeiten schweren Schaden leiden. Der Antrag Pickards auf Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für Arbeiter unter 21 Jahren und voll- ständiges Verbot der llutertag-Arbeit für jugendliche Personen von noch nicht 18 Jahren fiel init 224 gegen 158 Stimmen. Auch das östreichische Abgeordnetenhaus hat sich mit der Regelung der Arbeitszeit im Bergbau beschäftigt. Der große Berg- arbeiter-Streik vom Jahre 1900 hatte an die Unternehmer die Forderung des Achtstundentages gestellt. Um den gefährlichen Ausstand beseitigen zu können, versprach die Regierung des Herrn v. K o e r b e r eine Regelung dieser Frage auf gesetzlichem Wege zu versuchen. Ein Antrag der Socialdemokraten auf Einführung des Achtstundentages fand im Abgeordnetcuhaufe keine Gegenliebe. Man beschloß die Einführung eines durch Ausnahmen vielfach durch« löcherten Neunstundentages. Im Gegensatz zur östreichische» Bergarbeiterbewegung, die erst durch die Regierung vom rein gewerkschaftlichen auf den politischen Boden abgedrängt wurde, richtete sich ihr französisches Gegen- stück vom Herbst des vergangene» Jahres von vornherein auf gcsetz- geberische Ziele. Unter den Forderungen, die die französischen Berfl- lcute für ihren beabsichtigten und loicder vertagten Generalstreik in Aussicht nahmen, spielte die des gesetzlichen Achtstundentages eine hervorragende Rolle. Die Beivegung, die vorläufig ein drohendes Warnnugszeichen für die Zukunft' geblieben ist, fand wenigstens, soweit sie den Achtstnndeutag betrifft, bei der Regierung und der Kammermehrheit großes Entgegenkommen, ohne daß deshalb ihr Er- folg endgültig entschieden tväre. Von den kleineren Staaten hat Norwegen in seinen Militär- und Marinewerkstätteu an Stelle einer Arbeitswoche von 53 Stunden versuchsweise eine solche von 48 Stunden eingeführt. In den Werk- stätten der StaatSbahnen wurde die Arbeft von 59 auf 53� Stunden beschränkt. Auch Spanien hat für die Staatswerkstätten den Achtstundentag eingeführt, indem es aber für Uebersttmden einen lächerlich geringen Lohn festsetzte, nahm es— nach gut deutscher Art— mit der linken Hand wieder, was es mit der rechten gegeben hatte. Mau mag unn den Wert dieser Errungenschaften des letzten Jahres— ihre Liste macht auf Vollständigkeit keinen Anspruch— im einzelnen so hoch oder so niedrig wie möglich schätzen, schließlich gicbt immer das Zusammenzählen ein hübsches Sümmchen des Erfolges. Und dieses Ergebnis ist um so bemerkenswerter, als dabei die wichtigste und erfolgreichste Vorarbeit zur Erringung des gesetzlichen' Achtstundentages, der gewerkschaftliche Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit, außer acht bleiben muß. Es sind nicht bloß die großen wellcrschüttcrnden Streiks, es sind vielmehr noch die unzähligen und statistisch nur unvollkommen bekannten kleinen Kampfe, die rastlos Stück für Stück die Lasten einer unerträglich langen Arbcitsdauer abschütteln und so erst den Boden für die Gesetzgebung vorbereiten.__ Der Strafantrag. Der Vertreter der Anklage beantragt gegen Marten wegen Totschlags 12' /s Jahre Zuchthaus, Ausstoßung aus dem Heere, Degradation, Versetzung in die 2. Klasse des SoldatenstaudeS, 3 Jahre Ehrverlust; gegen Hitkrl wegen Beihilfe S Jahre ZnchthanS, Ausstoßung aus dem Heere, Degradation, Vor» setzuug in die 2. Klasse deS Soldatciistandes und 2 Jahre Ehr- Verlust. Verteidiger Rechtsanwalt B, irchardt Jeht in eingehender Weife auf die Rede des Staatsanwalts ein und »cht die belastenden Momente derselben zu entkräften. Punkt für Punkt sucht er nachzuweisen, daß die Zeugenaussagen nicht derart seien, die Schuld Martens zu beweisen. Er plädiert schließlich in bewegten Worte» für die Freisprechung Martens.— Ver- handlungsleiter:„Marten, haben Sie noch etwas aiizu- führen 1 Sie haben das letzte Wort." Marten tritt bor de« Richtertisch und spricht mit lauter, f e st e r Stimme, aber weinend:»�ch bedauere, daß der Herr Vertreter der Anklage beantragt hat. mich und meinen Schwager zu verurteilen, obwohl ich gänzlich un- schuldig bin. Ich kann vor Gott und der ganze» deutschen Nation beteuern, daß mein Gewissen rein ist. Ich schwöre zn Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich völlig»»schuldig bin. Ich wiederhole diesen Schwur, so wahr ein Gott im Himmel lebt. Von dem Herrn Untersuchungsrichter ist mir gesagt worden, ich sollte ein offenes Geständnis ablegen, damit ich wenigstens der Gnade des Kaisers empfohlen werden könne. Hoher Gerichtshof! Ich kann doch kein Bekenntnis ablegen, wenn ich uichtö tzerbrochen habe! Gott aNein ist mein Zeuge, daß ich den Herrn Rittmeister nicht erschossen habe! Ich würde mich schämen, die Gnade meines Kaisers Wilhelm anzurufen, wenn mein Gewissen nicht rein wäre. Ich bin ebenso wie mein Vater mit Leib und Seele Soldat. Ich habe mich stets anständig geführt und bin niemals auch nur auf den Gedanken gekommen, meinen Namen durch eine schlechte Handlung zu beflecken. Ich bin der Ueberzeugmig, der hohe Gerichtshof wird einen Unschuldigen nicht verurteilen. Der Krosigk-Prozeh. Marten«nd Hickel find gestern von der Anklage des Morde» und der Meuterei beide freigesprochen worden. Mit diesem Urteil, das auf das gesamte deutsche Volk ohne Unterschied der Parteistellnng befreiend wirkt, ist hoffentlich eine GerichtS-Tragödie. zu Ende gekommen, die fast anderthalb Jahre hindurch das öffentliche Rechtsbewußtsein in Atem hielt. Ueber den gestrigen letzten VethandlungStag geht uns nachstehender Bericht zu: Guwbinncn, 30. April. Sofort nach Eröffnung der Sitzung erhält der Vertreter der Anklage. Ober- Kriegsgerichtsrat Meyer, das Wort zum Plaidoper. Er führt unter andern» aus: Der Mord könne nur von zwei Personen ausgeführt worden fein, dafür sprechen alle Umstände und die Aussagen Skopeks, der stets mit voller Bestimmtheit bekundete, datz er zwei Leute an der Bandcnthür gesehen habe. Der Um- stand, daß der Karabiner benutzt wurde, spreche dafür, daß der Mord nicht von einer Civilperson ausgeführt worden ist. Das von Frau Sablowsky bezeichnete Borkommiiis, daß ein Soldat bei ihr Mantel und Mütze abgelegt und i» Eivilkleidung fortgegangen sei, könne mit der Mordthat nicht in Verbindimg gebracht werden, da dieses einige Tage vor derselben sich ereignet haben solle. Die Aussagen der Frau Eckert, welche am Mordtage zwei Civilpersonen ans der Kaserne habe laufen sehen, seien infolge der Widersprüche über Tag und Mondhelle unglaubhaft. Auch haben der Verteidiger und ihr Ehemann gebeten,' die Frau nicht zu vereidigen. Der Mord könne nur von Soldaten ausgeführt worden sein, die ein Jntereffe an der Beseitigung des Rittmeisters hatten. Indizien sprechen dafür, daß es Unteroffiziere der 4. Schwadron gewesen seien. Marten sei am meisten verdächtig, da er von zwei Zeugen in munittelbarer Nähe deS Karabiners gesehen wurde. Daß er nochmals in der elterlichen Wohnung gewesen fei,' um das Telcgraphcnbnch zu holen, fei unglaubhaft. da er gar nicht nachgesehen habe, ob Veränderungen erfolgt seien. Das Verhalten Martens vor und nach dem Morde, das falsche Antreten in der Reitbahn, seine Wut über jedes Acrgeruis verdächtigten ihn anfs schwerste. Es komme weiter in Betracht, daß Marten aus dem Gefängnis ausgebrochen und jedenfalls nicht frei« willig zurückgekehrt sei, da er in Uniform nicht über die russische Grenze gelangen konnte. Hickel mußte Marten als Deckung dienen, denn ohne Mithilfe hätte Marten die That nicht ausführen können. Hickel sei Martens Schwager und fei der einzige dienstfreie Unter- offizicr mit schwarzem Schnurrbart gewesen. Der Vertreter der.Anklage führt weiter ans: Jchlhabe die volle Neberzengung, daß Marten nnd Hickel die That gemeinschaftlich begangen haben. Ich komme auf die recht- lichc Seite der Frage, und ich wiederhole, waS ich bereits in der vorigen Verhandlmig vor dem Oberkriegsgericht gesagt habe. Ange- sichls des Grundsatzes: in dubio pre reo soll man die mindere S t r a f a r t wählen. Ich erkläre, daß ich weder damals noch jetzt über die Schuld der Angeklagten einen leisesten Zweifel habe. Ich habe trotz eifrigsten Nachdenlens meine Ansicht nicht um ein Atom ge- ändert. Ich bin auch heute noch der Ansicht, daß hier nicht Mord, sondern nur Totschlag vorliegt. Ich bin der Ueberzeugung. Marten hat den Entschluß, den Rittmeister zu erschießen, gefaßt, als er den S t u m b r i e S traf. In diesem Augenblick geriet er wieder in Wut. daß der Rittmeister ihn am Sonnabend in der Reitbahn arg beleidigt hatte. Auch der Tot- schläger kann vor der That eine kurze Zeit überlegen und solange der Gcrichlshof im Zweifel ist, ob Marten mit voller Ueberlegnng handelte, ist eS feine Pflicht, nicht auf Meuchelmord. sondern auf Totschlag zu erkeimen. Ich bin nicht der Meinung, daß Marten und Hickel den Mord von längerer Zeit vorbereitet haben. ticke! hat nach meiner Meinung dadurch, daß er dabei Wache � and bezw. Marten deckte, sich der B e i h i l f e schuldig gemacht. Das Gesetz gestattet bei Totschlag mildernde Um- stände, aber angesichts der Ungeheuerlichkeit der That kann von mildernden Umständen nicht die Rede sein. Auch die T r u n k e n h e i t des Marten kann nicht mildernd in Betracht kommen. Die Angeklagten find außerdem wegen Meuterei zu bestrafen, schon im Jntereffe der DiSciplin ist eine schwere Strafe geboten. Verteidiger Rechtsanwalt Horn sucht bell Nachweis zu führen, daß gegen Hickel keinerlei Beweis ge- führt sei. Es seien gegen Hickel doch nur schätzungsweise Zeitangaben angeführt worden. Wie leicht könnten dabei Irrtümer vorkommen. Durch Bnnkns und Schiedat sei mit Bestimnitheit nachgewiesen, dah Hickel, noch ehe der Gefreite Bandilla die Nach- richt von der Ermordung in den Stall brachte, bereits 10 Minuten bei ihnen war. Danach habe er also nicht an der Bandenthür ge- standen. Im übrigen liege bei Hickel nicht der geringste Beweg- grnnd vor. Der Nnistand. daß er der Schwager von Marten sei, könne doch nicht als Beweggrund angeführt iverden. Es sei doch auch nicht anzunehmen, daß Hickel,' der seit einigen Monaten in glücklichster Ehe lebte und dessen Frau sich in gesegneten Umstanden befand, sich seinem Schwager zuliebe zu einer solch furchtbaren That entschlossen haben sollte. Rechtsanwalt Horn giebt schließlich der lleberzengnng Ausdruck, daß der Gerichtshof den Angeklagten Hickel freisprechen werde. Verteidiger Bnrchardt bemerkt noch, wenn Hickel freigesprochen werde, müßte auch Marten freigesprochen werden. Es sei nicht der geringste Beweis geführt, wer sonst den Marten gedeckt hätte. Der An- geklagte Hickel bemerkt noch: Ich versichere nochmals, daß ich � völlig unschuldig bin und erwarte voller Zuversicht meinen F r e i s p r u ch. Hierauf wird die Verhandlung bis S Uhr nachmittags unterbrochen. Die Freisprechung. Gegen 6l/» Uhr wird das Zeichen gegeben, daß das Publikum wieder den Saal betreten darf. Der Andrang ist ein ganz außer- gewöhnlicher. Um 6 Uhr 20 Minuten betritt der Gerichtshof den Saal. Unter lautloser Stille verkündet der Verhandlnngsleiter Ober-Kriegsgerichtsrat Scheer: Der Gerichtshof hat die Berufung, die von dem Gerichtsherrn gegen das freisprechende Urteil des Kriegsgerichts der ziveiten Division eingelegt ivordcn ist, ver- warfen. Danach sind beide Angeklagte freigesprochen. Das Gericht ist der Ansicht, daß gegen die Angeklagten ein starker Verdcht vorliegt. Ganz besonders ist der Gerichtshof der An- ficht. daß das Beweis Material gegen Marten ein erhebliches ist. So ist ganz besonders die Art, ivie Marten von Bartuleit und Weber auf dem Korridor in der Nähe des Karabiners, ans dem der tödliche Schuß fiel, angetroffen ivurde, sowie der Umstand, daß er seinen Verbleib zur Zeit deS Mordes nicht nachweisen konnte, als belastend anzusehen. Hickel hat sich dadurch verdächtig gemacht, daß er kurze Zeit vor dem Morde mit Marten zusammengewesen ist. und daß ihn die Dragoner, die sehr ausführlich vernommen worden sind, ihn nicht im Stalle gesehen haben. Andrerseits ist aber doch nachgewiesen, daß Hickel im Stalle tvar, nur über die Dauer seines Aufenthaltes besteht Ziveifel. Sind die Angaben der Zeugen Bnnkns und Schiedat wahr, dann kann Hickel nicht der Mann gelvesen sein, der von Baranoivski an der Bandenthür gesehen wurde. Der Gerichtshof hat aber auch in Erwägung gezogen, daß der Groll, den die Familie gegen den Rittmeister v. Krosigk haben konnte, bis in das Jahr 1898 zurückdatiert, und daß, wenn deshalb Marten und Hickel etwas gegen den Rittmeister hätten unternehme» Ivollen, sie das viel frühe r g etha» haben würden. Es ist andernteils erwogen worden, daß der Rittmeister mit Marten dienstlich sehr zufrieden war, daß er ihn zeitig zum Unteroffizier beförderte, ihn nach Berlin ans die Telegraphenschule schickte und ihm, obwohl er der jüngste Unteroffizier ivar, eine Sickrutenableilnng zur Ausbildung gab, mit der der Rittmeister so zufrieden war. daß er ihm den längsten Urlaub belvilligte. Auch Hickel tvar bei dem Rittmeister als tüchtiger Quartiermeister beliebt. Der Gerichtshof hat daher die Verdachtsgründe, die gegen die Angeklagten vor- liegen nicht für hinreichend erachtet, um zu einer Verurteilung zu kommen. Es ist daher, ivie geschehen erkannt worden. Marten bricht vor Freude in helle Thränen aus, Hickel macht ein sehr vergnügtes Gesicht. Die Angeklagten werde» von allen Seiten in herzlichster Weise beglückwünscht. Vor dem Kascrnenhofc betvegt sich eine große Menge Menschen, die ebenso wie alle Bc- wohner der Kaserne die Freisprechung mit Hellem Jubel begrüßen. In der Kantine der Dragoner-Kaserue, die an den Gerichtssaal stößt. wird Hickel mit Hurra begrüßt. Das freisprechende Urteil verbreitet sich lvie ein Lauffeuer und wird überall mit lautem Jubel auf- genommen._ Tokerles. Die städtische» Bade-Anstalte» gewinnen bei der Berliner Bevölkerung von Jahr zu Jahr mehr an Beliebtheit. Jni Jahre 1900/(11, über das jetzt der von der Turn- und Bade- deputation erstattete Bericht vorliegt, badeten in den Fluß- Bade-Anstalten 1 277 218 Personen, 8S3 796 männliche und 423 422 weibliche, 609 897 unentgeltlich und 667 321 gegen Zahlung. Gegen das Jahr 1899/1900 ist eine Gesamtzunahme um 293 926 Personen eingetreten, wobei allerdings der Umstand mitspricht, daß in dem Berichtsjahr das Wetter günstiger ivar als im vorhergehenden. Die Bolks-Bade-An st alten, die das ganze Jahr hindurch in Betrieb sind, wurden im Jahre 1900/01 von 838 271 Personen, 656 690 männlichen und 181 581 weibliche» benutzt. Verabreicht wurden 274 053 Wannenbäder, 268 045 Brausebäder, 296 173 Schsvimmbäder. Gegen 1899/1900 hat der Gesamtverkehr um 53 684 Personen zngenöminen. Von der Zu- nähme kommen 8761 auf die Wannenbäder, 12026 auf die Brause- bäder. 32 897 aus die Schlvimnibäder. Es muß anerkannt werden, daß die Turn- und Badedeputation in den letzten Jahren fortgesetzt bemüht gewesen ist, die B e n u tz u n g der städtischen Bade-An st alten durch verschiedene Ver- besserungen, durch gewissePreisherabsetzungen und durch eine zweckmäßige Erweiterung der Gewährung von Freibädern zu fördern. An diesen Bemühungen ist, nebenbei bemerkt, das socialdemokratische Mitglied der Deputation ganz besonders beteiligt gewesen, Die Inhaber privater Ba d e- A n st a l t e n sind über die Er- folge der städtischen Bade-Anstalten begreiflicherweise sehr er- b o ft. Sie befürchten, daß die„Konkurrenz", die ihnen die Stadt macht, ihnen mit der Zeit den v ö l l i g e n R u i n bringen wird. Das ist sehr Ivohl möglich. Ein solcher Ausgang wäre aber anch gar kein Unglück, sondern vielmehr ein Gewinn. Wir denken hierbei allerdings nicht an das Privatinteresse der Bade-Anstalts-Juhaber. sondern an das höher stehende Interesse der Gesamtheit. Das Badewesen ist für die Förderung der Volksgesundheit von großer Bedeutung. Es darf daher nicht privaten Unternehmern überlassen werden, sondern muß aNein der K o in m u» e vorbehalten bleiben. Wir haben das an dieser Stelle'oft genug ausgesprochen, und auch in der Turn- und Vadedeputation ist von unserm Vertreter nie ein Geheimnis daraus gemacht worden, lvelche Ziele im Badewesen angestrebt Iverden. Schon jetzt würde es den Inhabern der größten Bade- Anstalten noch ganz anders„in die Bude regnen", wenn auch nur die vorläufigen Forderungen, die von socialdemokratischer Seite in der Deputation und im„Vorwärts" wiederholt gestellt worden sind, sämtlich durchgeführt ivordcn wären. Bürgerliche Blätter verbreiten die Mitteilung, daß Genosse Singer schwer erkrankt sei. Wir sind in der erfrenli-ben Lage mitzuteilen, daß es sich nur um einen leichten Fall von Gesichtsrose handelt. Unser Genosse kaim hoffen, schon nach einigen Tagen der Schonung wieder völlig hergestellt zu sein. Die Unterschlagungen»nd die Stadtverordneten- Ver- sammluug. Mitglieder der Fraktion der Neuen Linken haben an de» Magistrat die Anfrage gerichtet, ob die Zeitungsnachrichten über die Unterschlagungen von städtischen Beamten bei der Sparkasse den Thatsachen entsprechen. Diese Anfrage wird wahrscheinlich schon heute in der Stadtverordneten-Versammlung beantwortet werden. Die städtische Baudcputation beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dem Projekt zum Neubau der Eisernen B r ü ck e zwischen bei» beiden Museen. An dieser Stelle des Kupfergrabens ist der Baugrund bekanntlich so schlecht, daß nian von einer ganz massiven Brücke hat Abstand nehme» müssen. Man will daher die eigentliche Tragekonstruktion ans Eisen herstellen und dies Gerippe, soweit es nach außen in die Erscheinung tritt, mittels einer Smidsteiiifassade umkleiden lassen. Die Baudeputation hat da? Projekt genehmigt. Zwei Stadtverordneten-Ersatzwahle» haben am gestrigen Mittwoch stattgefunden und zwar für den verstorbenen' Stadt- verordneten Seibert im 12. Gemeindc-Wahlbezirk II. Abteilung und für den verstorbenen Stadtverordneten Klnth, ivelcher die II. Wähler- abteilung des 14. Gemeinde-Wahlbezirks bisher vertrat. Im 12. Gemeinde-Wahlbezirk waren zwei liberale Kandidaten aufgestellt. Rechtsanwalt G a I l a n d seitens der Alten Linken und der Partei der Hausbesitzer, während Holzhändler B ry von den Anhängern der Neuen Fraktion der Linken nominiert war. Rechtsanwalt Galland, für ivelchen auch die Konservativen eintraten, erhielt 555, Holzhäudler Bry 401 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.— Im 14. Gemeinde- Wahlbezirk war als alleiniger Kandidat der liberalen Partei der Bürger-Deputierte M o d l e r aufgestellt. Er erhielt 516 Stimmen, während drei Stimmen zersplitterten. Die Erhollingsstätten, welche der Volksheilstätten-Verein vom Roten Kreuz ins Leben gerufen hat, sind auch im abgelaufenen Geschäftsjahre von den Patienten der hiesigen Krankenkassen gern und mit besten, Erfolge aufgesucht worden. Es waren bisher i», Betriebe die Erholinigsstätten für Männer: Jungfernheide und Schönholz; für Frauen: Pankow-Schönhansen und Spandauer Berg. Den Bemühungen der Central-Komniission der Krankenkassen ist eS gelungen, bei der StaatSbahn- Verivaltnng Entgegenkommen zu finden, so daß den Patienten die Fahrt nach und von den Erholungs- stätten auf Arbeiter-Fahrkarten ermöglicht ist. Da der Aufenthalt in diesen Anstalten auch nach den Berichten der leitenden Aerzten für den größten Teil der Besucher, ganz besonders für Lungenkranke, von sehr günstigen Folgen begleitet war, so lvird man den allgemein geäußerten Wunsch der Krankenkassen-Vorstände nur gerechtfertigt findeii, daß die Zahl der Erholungsstätten baldigst vermehrt tverde, und zwar nicht nur im Norden, sondern anch in andren Hinnuels- richtungen. Anders Iverden viele Krankenkasseu-Mitglieder den Wohl- thaten dieser Anstalten nicht teilhaftig Iverden können. Ilm diesen Wunsch bald verwirklicht zu sehen, erwartet man allerdings anch, daß die LandeS-Versicherinigsanstalt den zu diesem Zwecke ans- geworfenen Beitrag künftig erhöht, zumal sie ja in hohem Maße interessiert ist, die Leistungsfähigkeit des Volksstätten-Vereins möglichst zu stärken. Die geplante»cnc Uferstraffe zwischen Waiscnbrücke und Mühlendainui als Fortsetzung der Burgstraße zur Verbindung mit der Uferstraße An der Stralauerbnicke erfordert noch Verhandlungen mit dein Fiskus, dem bekanntlich die drei Gebäude am Molken- markt 1—3, in denen das ehemalige Polizeipräsidium sich befand, ge- hören. Die Grundstücke stoßen direkt an die Spree und ist deshalb die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie zwischen Mühlendamm und der kleinen Stralanerstraße nicht angängig. Nach Festsetzung der neuen Bausluchtlinien kann mit der Regulierung des dortigen Sprec-Ufers begonnen werden. Da auch der Ankauf des gegenüber liegenden Jnselspeichers und die Regulierung der Ufer an der Fischerbrücke eine beschlossene Sache ist. dürfte in absehbarer Zeit der interessanteste Teil von Alt-Berlin und Cölln von der Bildfläche verschwinden. Diese Teile sind von verschiedenen Künstlern mit dem Pinsel ans die Leiuewand gebracht und verewigt worden. Der Magistrat ist iin Besitz eines solchen Bildes und wird dadurch der Nachwelt wenigstens in Bildern dieser historisch wichtigste Teil von Berlin er- halten bleiben. In unserem»lodernen Berlin ist kein Platz mehr für diese Ueberbleibscl einer längst verschwundenen Zeit. I» den letzten Tagen sind fünf neue städtische Lesehallen und Volksbibliotheken in der Waldemar-, Wall-, Nigaerstraße, Stralauer Allee und Straßmamistraße für den Verkehr eröffnet worden. Schwiiidelansstellniige». Das Polizeipräsidium teilt mit: Trotz vielfacher Warunnge» vor s ch w i» d e l h a f t e n An S- st e l l u u g e n, bei denen es den Veranstaltern einzig darauf an- kommt, an incdnillcnlüsterne Aussteller wertlose Auszeichnungen gegen gutes Geld abzusetzen, finden sich doch immer noch Leute, sogar anständige Industrielle, die auf diesen Schwindel hineinfallen. Neuerdings wurde für eine i» Paris stattfindende„internationale Ausstellung für Kochkunst, Nahrungsmittel, Getränke, Hygiene und alle einschlägigen Industrien" auch in Deutschland' ge- Ivorben. Weitere Ausstellungen dieser Art, die wohl von demselben Komitee veranstaltet iverden, sollen in Nizza. Glasgow, Mai- land, Warschau und in Suez stattfiuden. Als Agent für die in Paris stattgehabte Ausstellung wirkte der russische llntcrthan S i e g m u n d D o b s ch i n e r, der früher in Berlin ivohnhaft niar, aber sich dort durch sein Treiben lästig machte und deshalb polizeilich ausgewiesen wurde. Er lebte dann in Hamburg und soll sich jetzt in Dessau befinden. Er wendet sich mit Prospekten der von ihm vertretenen Winkelansstellungen au Händler, Friseure und sonstige kleine Gewerbetreibende und verspricht diesen für Zuweisung von Ausstellern Prozente oder feste Gebühren. Die»icisten dieser Leute wissen nicht, daß sie sich dadurch zu Teilnehmern an einen, schlvindel- hafte» und verwerflichen Unteniehmcn fange» lassen. Mögen wenigstens sie sich hierdurch warnen lassen, denn bei denjenigen Personen, die sich von solchen Ausstelluiigsiinternehmcn Auszeichnungen erkaufen, ist doch jede Warnung vergeblich. Berliner Adreffbnch. Der zweite Nachtrag zum diesjährigen Adreßbuch gelangt von heute ab zur Ausgabe. Der Nachtrag ent- hält alle seit Erscheinen der Hauptausgabe angemeldeten Wohuungs- veränderungen, Gcschäftscröffniuigen und Verlegungen, Zuzüge, Be- richtiguugeii ec. Außer dem vollständige» Inhalt des ersten Nach- träges sind insbesondere die Ergebnisse des Apriluinzuges und die jetzt schon feststehenden im Lause des Jahres statlfindenden Wohniings- und sonstigen Veränderungen eingehend berücksichtigt. Anch dieser zweite Nachtrag wird allen Abnehmern des diesjährigen Adreßbuches m der Hauptexpedition des„Berliner Lokal-Anzeiger", LV. Zimmer- straße 37— 41,"und in dessen sämtlichen Filialexpeditionen bis Ende Mai ec. unentgeltlich verabfolgt. Ein Theaterkrach. Der Geschäftsführer der französischen Ge- sellschaft, Herr v. Glaser, hat der Direktion des Neuen Theaters gestern die Mitteilung gemacht, daß er sich gezwungen sieht, die Vor- stellungen des französischen Ensembles abzubrechen. Herr Edmond Michel, der Direktor der Truppe, hat sich seinen Ver- pflichtungen durch Abreise entzogen. Ueber den Erfinder GanSwindt teilt uns ein Arbeiter, der mehrere Jahre in der Ganswmdtschen Werkstatt beschäftigt war, mit, daß seiner Ueberzengung nach inanche Unwahrheiten und lieber- treibungen in den Zeitungskorrespondenzen enthalten seien, die in letzter Zeit über die Erfindungen Ganswindts verbreitet worden sind. Der betreffende Arbeiter hält es für gänzlich ausgeschloffen, daß GanSwindt bei Vorführung seiner Erfindungen die Zuschauer über den Wert derselben durch betrügerische Manipulationeii getäuscht haben solle. Insbesondere erklärt es unser Gewährsmann auf Grund seiner persönlichen Kenntnis der Dinge für unwahr, daß GanSivindt — wie behauptet wurde— bei der Borftihrnng feines Flugapparats die Hebung durch ein mit den Flügeln verbundenes Drahtseil bewirkt habe» solle. Nahrungsmittel- Verfälschungen. Auf die Eingabe des Centralausschnsses der Berliner kaufmäiiilischen, gewerblichen und industriellen Vereine in Sachen der N a h r u n g s in i t t e k- P r o z e s se ist jetzt vom Polizeipräsidenten folgender Bescheid eingelaufen: I» dem an mich gerichtete» Schreiben vom 1. März d. F. führen Sie aus, daß seit ungefähr Jahresfrist die Anklagen, die wegen Ver- gehen gegen das Nahrungsmittel-Gesetz gegen sonst unbescholtene Gewerbetreibende erhoben wurden, sich in bedauerlichem Umfange ver- mehrt haben und sprechen gleichzeitig die Bitte ans, daß gegen Fabrikanten und Händler, die gegen das Nahrungsmittel-Gesetz verstoßen, dabei aber„im besten Glauben" gehandelt haben, zunächst mit Ver- Warnungen vorgegangen werden möge. Ich bemerke dazu, daß die Unbescholten'heit eines Gewerbetreibenden, wenn er sich Ver- fehlungen gegen das Gesetz zu Schulden kommen läßt, für mich kein Grund sein kann, ihn straffrei zu lassen. Eine große Anzahl der im letzten Jahre wegen Nahrungsmittel-Bergehen bestraften Gewerbe- treibenden verdankt ihre bisherige Unbescholtenheit nur dem Um- stande, daß ihr Geschäftsbetrieb' bei der früheren geringe» Aus- dehuung der Nahrungsmittel-Köntrolle noch nicht genügend revidiert worden war; wäre die im Frühjahr 1901 ein- geführte Erweiterung der Nahrungsmittel-Köntrolle schon früher ein- getreten, so hätten manche von ihnen schon längst die Ilnbescholteu- heit verloren. In allen Fällen, wo auch nur entfernt die Vermutung gerechtfertigt erschien, daß die gesetzwidrige Handlung in guten, Glauben oder in Unkenntnis der gültigen Bestimmungen vor- genommen worden, sind regelmäßig zunächst V e r iv a r n u u g e n erlassen worden, z. B. in der Frage wegen Zulässigkeit der Wurst- färbung, des Zusatzes von Präservesalz zum Hackfleisch, der Färbung unverdünnter Fruchtsäfte mit andern farbstoffhaltigeren Fruchtsäften. In, übrigen muß ich bemerken, daß es Sache der Gerichte ist zu ent- scheiden, ob eine Handlung als dolos anzusehen ist oder nicht." Die Vertreter der beteiligten Geschäftszweige halten am 7. d. M. eine neue Konferenz ab, um über die weiteren Schritte in dieser An- gelegenheit zu beraten. Die Berliner RettungSgesellschaft veröffentlicht jetzt ihren Jahresbericht: Die Centrale wurde 36 235 mal in Anspruch ge- nominell, durchschnittlich 3000 inal im Monat. Die Gesellschaft unterhielt wie seither 15 Hanptwachen(die öffentlichen Kraiikenhäuser) und 8 Rettnngswacheii. Letztere ivurde» von 10 764 Hilfesuchenden in Anspruch genommen: außerdem besorgten sie 939 Kranken- trausporte. Abgesehen von den großen Zahlen der Hilfeleistungen seitens der Hauptwachen ergiebt sich eine Gesamt-Jnanspruchnahme von 46 999 Fällen. Die Einnahinen betragen 86 810,19 M., die Ausgaben 77 048,73 M., so daß am Jahresabschluß ei» Bestand von 9761,47 M. verbleibt. Die Mitgliederzahl betrug 2389. Seitens der Stadt Berlin wurde der Gesellschaft eine Beihilfe von 30 000 M. gewährt, seitens der Stadt Charlottenburg eine Znwendnng von 1000 M. gemacht. Die veranstalteten Feste zc. brachten zusammen 25 518 M. Von den Ausgaben entfalle» auf die Centrale 39 132,50 M., auf die 8 Rettungswachen 37 916,22 M. Zie Zahl der Opfer der Groffen Berliner Straffenbahu ist im Monat April wieder erheblich gestiegen, nachdem im März eine Abnahme der Straßenbahnunfälle eingetreten war. Es wurde zwar mir eine Person, die 55jährige Arbeiterfrau Blisnick in der Leipziger Straße beim Ueberschreiten des Fahrdammes, gegen drei Personen im März, totgefahren, dagegen ist die Zahl der Schwerverletzten von acht auf fünfzehn, also nahezu das Doppelte gestiegen. Ein großer Teil der Unfälle ist, trotz aller War- nn, igen, noch immer auf das leidige Auf- und Abspringen während der Fahrt zurückzuführen. Rathausscherze. Eine Korrespondenz schreibt uns: Unsere gestrige Mitteilung von einem Manko von 20 000 M. bei der städti- scheu Einziehniigskasse ist nicht richtig. Sie beruht auf einem „Scherz" zwischen dem Rendanten Urban und dem Kassierer der Einziehungskassc. Ob derartige„Scherze" in einer Zeit, in der binnen wenigen Tagen zwei nicht ganz unbedeutende Unterschleife bei der städtischen Sparkasse ausgedeckt wurden, augebracht sind, mögen sich die Herren nach der Wirkung ihres Scherzes' selbst fragen. Außer ihnen glaubte Dienstag im Rathaus und auf der Sparkasse ivohl niemand an einen Scherz.— Die Revision der Rasse, die gestern stattfand, zeigte, daß bei ihr alles in Ordnung ist. A»S der städtische» Wasserleitung erhielten die Bewohner der Straße 12a, an der S ch ö n h a u s e r A l l e e, Petroleum- h a l t i g c s Wasser. Seit Sonntag zeigte das Wasser einen widerlichen Petroleumgenich und bitteren Nachgeschmack, der so stark war, daß die mit dem Wasser zubereiteten Speisen ungenießbar wurden und weggeschüttet werden mußten. Die Bewohner waren genötigt, sich das Wasser zu Koch- und Genuß- zwecken aus Pankow zu holen. Nachdem eine Beschwerde an di» städtischen Wasserwerke ergangen war, trat erst gestern, Dienstag- mittag, eine Besserung ein. Da am Sonnabend voriger Woche an dem Hauptrohr auf der Straße gearbeitet worden ist, wird an- genommen, daß vielleicht dabei eine Verunreinigung des NohreS stattgefunden hat. Das bei dem Unwetter am 14. d. M. eingestürzte Hau» auf dem Hofe des Grundstücks Gerichtstr. 23 ist abgebrochen worden und soll vorläufig nicht wieder aufgebaut werden. Das östlich daranstoßende einstöckige Nebengebäude, das ebenfalls durch die Wasserfluten stark gelitten hat, wird ausgebessert und dann wieder bezogen iverden. Für den Bau deS neuen Amtsgerichts auf dem Gesund- bruunen werden jetzt die Vorbercitungsarbeiten ausgeführt. Da§ Gerichtsgebäude wird sich an der Nordwestseite des großen städtischen Steinpla'tzeS an der Pankstraße erheben. Eine» tödlichen Sliisgaug haben zwei Unfälle genommen, die sich am vergangenen Sonnabend ereigneten. In der königlichen Klinik starb der Maler Hugo Hettner, der in Tegel bei der Arbeit von einer drei Meter hohen Leiter fiel und nnt dem Kopfe heftig aufschlug, an den Folgen einer GeHirnverletzung, im Krankenhause Bethanien der Bahnarbeiter Wilhelm König ans der Schaniweber- straße 73 zu Friedrichsbcrg, der auf dem Bahnhof Warschauerstraße überfahren wurde und sich einen Schädel- und einen Oberschenkel- bruch zuzog. Feuerbericht. Ein großes Löschanfgebot wurde Dienstagabend gegen 8 llhr nach der Potsdamerstr. 132 gerufen. Hier war in dem Schaufenster der Gasanzünder- Gesellschaft„Multiplex" Feuer aus- gekommen. Beleuchtungskörper und die Schaufeusterdekoratjon gingen in Flammen auf, die indes von der Wehr bald abgelöscht wurden. Kurz darauf war in der Reinickendorferstr. 37» die Klosetverpacknng i» Brand geraten, während in der Brückenstr. 13 Teppiche vor einem Badeofen Feuer gefangen hatten. Nachmittags mutzte in der Peters- burgerstraße 14 in einer Küche ein kleiner Brand abgelöscht werden. Außerdem war noch eine Alarmierung nach der Dorotheenstr. 29 zu verzeichnen, die auf einen Brand in einer Badestube zurück- zuführen war._■ Ans den Nachbarorten. Lichtenberg. Die G e ni e i n d e w ä h l e r in Lichtenberg hatten in dieser Woche drei Versammlungen, in denen die Genossen Dr. B e r n st e i n, Sonnenburg und Grauer über die be- vorstehenden Ersatzwahlen sprachen. Einmütig erklärte» sich die Versammelten für die Beteiligung und für die vom Socialdemo- kratischen Wahlverein aufgestellten vier Kandidaten. Die Bürgerlichen scheinen sich ihrer„That" zu schämen; obwohl sie in den Bersamm- lniigen anwesend waren, wies nieinaud die herbe, aber berechtigte Kritik, die ihnen widerfuhr, zurück. Anch betreiben die Herren ihre Wahlagitation unter Ausschluß der Oeffentlichleit. Der sattsam be- kannte Herr Ignatz Meißner hatte am Montag seine Freunde zu einer Versammlung geladen; vier Herren haben dem Rufe Folge geleistet; sie sind sich einig geworden, die Wahlagitation derart zu betreiben, daß Herr Meißner— wieder Protest erheben soll I Es ist in der That keine Ehre, mit solchen Gegnern sich herumschlagen zu müssen. Unsre Genossen werden auf dem Posten sein. Thne jeder seine Schuldigkeit! Kein Wähler darf fehlen! AuS Lichtenberg schreibt man uns: DaS Erkenntnis in Sachen der Mandate der Lichlenberger Gemeindevertretung, welche der Be- zirksausfchuß für ungültig erklärt hat, liegt nun im Wortlaut vor. Das unter dem Vorsitz deZ Re�ieruiigSpräsidenten v. Moltke gefällte Urteil spricht davon, daß ein Gemeindemitglied sein Gemeinde- recht erst dann verliert, wenn eS die von ihm verlangten Gemeinde- Abgaben, soweit es zu diesen veranlagt ist. nicht entrichtet hat. Der Kläger. Wcrlfiihrer Ignatz Meißner, sei trotz seines 3000 Mark betragenden Einkommens nur zu 12 Mark Steuern veranlagt, habe diese bezahlt und übe mithin das Gemeinde-Wahlrecht zu Recht aus, sei daher auch als Kläger legitimiert. Zur Sache selbst sagt das Erkenntnis: Den Streitgegenstand selbst anlangend, so war die Vor- eutscheidnng lediglich zu bestätigen. Wie das Ober-Verlvaltnngs- gericht in der angezogenen Entscheidung zutreffend ausgeführt hat, kann allerdings jeder Wähler fordern, daß das Ergebnis der von ihm vollzogenen Wahl in seiner Rechtsgültigkeit nicht durch den Aus- fall von Wahlen in andren Wahlverbänden bedroht wird. Jede Wahlhandlung muß so eingerichtet und vorbereitet sein, daß die be- treffende Wählervcrsammlnng in der Lage ist, eine alsbald gültige Wahl vorznuehmen. Dies ergiebt sich ans dem Begriff deS Wahl- rechts. Trotz dem Mangel einer ausdrücklichen diesbezüglichen Vorschrift kann nicht daran gezweifelt werden, daß bei der Bekanntmachung der Wahlen anzugeben ist, wieviel Angesessene in den einzelnen Wahlbezirken zu wählen sind bezw. ivieviel Nicht- angesessene gewählt werden dürfen. Die Unvollständigkeit der Be- kmintmachung in dieser Beziehung bringt die Ungültigkeit der Wahl mit sich, da ein solcher Mangel eben das Zustandekommen einer freien, auf ein rechtsgültiges Ergebnis abzielenden Wahl gefährdet. So müßten denn auch im vorliegenden Fall die angegriffenen Wahlen für ungüllig erklärt tverden. Aus Steglitz schreibt mau uns: Herrn Amts- und Gemeinde- borsteher B n h r o w hat die Notiz in Nr. 8ö des„Vorwärts" anläßlich des Todes seines Amtsvorgängers Zimmermann nicht gefallen und es drängte ihn, dies in der letzten Gemeinde- vertreter-Sitzung auszusprechen, ohne jedoch der Versamm- lung den„unfreundlichen" Inhalt der Notiz mitzuteilen. Weshalb der Artikel auf diese Weise„tiefer gehängt" werden sollte, ist uns unverständlich; er frischt doch nur die Erinnerung an eine T h a t- fache auf: die Auflösung des umstürzlerischen Eisbein-Effens, worüber ihr Urheber doch gewiß seiner Zeit die Genugthuung des preußischen Beanrten empfunden haben wird, der den Staat wieder einmal gerettet hat. Warum nun soll die Erinnerung an das, was dem Lebenden ein Verdienst schien, im Anblick des Toten eine„Unfreundlichkeit" sei». Im übrigen hatten die Steglitzer So- cialdemokraten keine Veranlassung, in den Refrain„Dies Kind, kein Engel ist so rein" einzustimmen, da sie von dem verstorbenen Amts- Vorsteher stets als Bürger zweiter Klasse behandelt wurden. Auch Herr Buhrow ist ja mit Erfolg bemüht, friedliche Arbeiterversamm- Inngen wegen Eintritts der Polizeistunde auflösen zu lassen, den Gewerkschaften das Aushängen ihrer Plakate zu untersagen und die socialdemokratischen Gastwirte auf beschränkte Polizeistunde zu setzen, während die„loyalen" Bürger sich der größten Freiheit in allen diesen Dingen erfreuen. A»S Rixdorf. Ein erschütternder Unglücksfall ereignete sich Mittwochmorgen gegen 8 tlhr anf dem Grundstück Knescbeckstr. 110. Daselbst ivohnt im 4. Stock das Eiienbahnarbeiter Thoboldtsche Ehe- paar mit 4 Kinder», von denen 2 die Schule besuchen. Während der Ehemann sich gestern morgen auf Arbeit und die beiden ältesten Kinder in der Schule befanden, war Frau Th. mit dem A u s- tragen von Zeitungen beschäftigt, so daß die beiden jüngsten Kinder im Alter von 3 beziv. 2 Jahren in der Wohnung sich selbst überlassen waren. Das zweijährige Kind, ein niedliches Mädchen, kletterte nun auf das Fensterbrett, lehnte sich zum offenen Fenster hinaus und stürzte dabei in den Hof und in einen Kellerschacht hinab, wo es uiit zerschmettertenr Schädel von Hans- be'.vohneru tot aufgehoben wurde. Man kann sich den Schmerz der unglücklichen Mutter vorstelle», die bald nach dein Unglück heim- kehrte und ihren Liebling als Leiche lviedcrfand.— Mit Sublimat vergiftet hat sich die Fnhrherni-Witwe Friedericke Geserigk geb. Burg,, Ivelche hier Berlinerstr. 68 Ivohnhaft war. Als Motiv der That' wird Schwermut bezeichnet. Die Leiche wurde polizeilich beschlag- nahmt. Eine Beamtenkolonie in Wilmersdorf. Der Bau von 2 5 Genosfenschaftshäufern in Wilmersdorf auf dem vom B e a m t e n- W o h n u n g s v e r e i n erworbenen Grund- stück von IS 719 Quadratnieter» Flächeninhalt wird, dem dortigen Lokalblatt zufolge, voraussichtlich noch im Sonnner dieses Jahres begonnen werden. Es handelt sich um einen Bau für rund 3,5 Millionen(einschließlich des Bodens), für den das zweite Geld teils in Hypotheken, teils durch Ausgabe von Schuldverschreibungen gesichert ist; wegen Gewährung einer ersten Hypothek von 1750000 M. schweben Verhandlungen. Vorgesehen sind hauptsächlich Wohnungen von 3 und 4 Zimmern, jedoch auch solche von 5—7 Zimmern und von 1 und 2 Zimniern. Schöneberg. Die S t a d t v e r o r d n e t e n- V e r s a m m l u n g sollte sich in ihrer letzte» Sitzung wiederum mit dem Antrag auf lluterstützung der durch den j iiiigsten Wolken- bruch geschädigten Mitbürger befalsen. Hier zeigte sich abermals die bürgerliche Volksfrenndlichkeit in vollem Lichte. Konnte man einer Debatte über die Verschmälerung der Rembrandtstraße eine gute Stunde! widmen, so wurde hier plötzlich Uebermüdung vor- geschützt. Und richtig— der in voriger Sitzung als dringliche Sache bezeichnete Antrag konnte nach Ablehnung eines vom Stadtverordneten Hecht g e st e l l t e n A n t r a g e s, die Beschlußfassung auszusetzen, doch nicht verhandelt werden, weil dieser Herr ostentativ den Saal verließ und dadurch zum zweitenmal eine Verhandlung über diese dringliche Sache vereitelte. Im Leichenhause der Irrenanstalt Herzberge brach am Dieustagvormittag 9 Uhr Feuer aus. Zum Glück war die Anstaltsfeuerwehr sofort zur Stelle, so daß nur einige Möbel solvie verschiedene Sektionsberichte den Flammen zum Opfer fielen. Vevttnfdjkes- Impfung gegen Tuberkulose? Professor Behring, der Entdecker des Diphtherieserums, hat ein bedeutsames Werk über feine Tuberkulose-Forschungen veröffentlicht. Ein hiesiges Lokalblatt giebt folgende Skizzierung der neuesten Entdeckungen des Gelehrten: Die von an Tuberkulose erkrankten Menschen und dem perlsiichtigen Rinde gewonnenen Tuberkelbacillcn sind nach der Auffassung der' Verfasser als artgleich anzusehen. Die morphologischen und biologischen Unter- schiede in Aussehen, Wachstum und Virulenz erklären sich durch das An- Passungsvermögen der Tuberkelbacillcn an die Lebeiisbedingimgen des betreffenden Organismus. Die Artgleichheit des Tuberkelbäcillus vom Menschen und Rind wird außer andrem bewiesen durch die chcmischund physiologisch gleiche Natur des von beide» hervorgebrachten fpecififchen Giftes. Für die Artgleichhcit spricht ferner die Thatsache, daß es gelingt, durch Vorbehandlung mit Tnberkelbacillen menschlicher Her- kunft bei Rindern Immunität gegen die Infektion mit Rinder- tuberkelbacillen zu erzielen. Alle aus der Leibessnbstanz der Tubcrkelbacille» gewonnenen Giftpräparate haben einen gemein- schaftlichei: Giftkern, ohne welchen keiner Substanz die spccifische tuberkulöse Gistwirkuna eigentümlich sein kann: das sogenannte Tuberculosin. Als bedeutsamster Erfolg für die Praxis ist hervorzuheben, daß es v. Behring gelungen ist, durch Vorbehandlung mit lebenden, schwach virulenten Tuberkelbacillcn junge» Rindern eine derartige Widerstandsfähigkeit gegen die iuberkulöse Infektion zu verleihen, daß sie die Einverleibung von stark lvirkenden Tuberkelbacillen, die für nicht vorbehandeltc Kontroll- rinder unbedingt tödlich sind, schadlos überstehen. Dieser Erfolg ist für die Landwirtschaft von solch' weittragender Bedeutung, daß schon jetzt umfangreiche Impfungen in der Praxis zur Jinmunisierung der Rinder stattfinden. Gasexplosion. N y b o r g(Fiiiicn), 30. April. Heute Vormittag erfolgte im hiesigen Gaswerk bei ReiingungSarbeiten eine Explosion. Der Direktor des Werkes und fünf Arbeiter wurden getötet. Grubenunglück. Wien, 30. April. Wie die„Neue Freie Presse" ans T e p l i tz meldet, fand auf dem zum B r tt x e r- Kohlenbergbau gehörigen Doblhoff-Schacht bei Maria- schein heute früh beim Schichtwechsel eine Explosion schlagen- der Wetter statt. Sechs Personen wurden getötet. vier schlver und vier leicht verletzt. Der Schacht ist vollkommen fahrbar. Ein späteres Telegramm meldet: Die Zahl der bei der Explosion schlagender Wetter im Doblhoff- Schachte bei Mariaschein Verunglückten hat noch nicht genau fest- gestellt werden können, weil ein Steiger, welcher die Ärbeiterliste führte, ebenfalls verunglückt ist und die Arbeiterlifte noch nicht aus- gefunden werden konnte. Zu Tage gefördert sind fünf Tote, sechs schwer und zwei leicht Verletzte.' Von den schlver Verletzten liegt einer im Sterben. Die Explosion an Bord des Unterseebootes ,,Fulton", über die tvir gestern berichteten, ist nicht eine Folge von Entzündung der Gasolins- Vorräte gewesen. Die Ursache ist vielmehr noch nicht aufgeklärt. Außer den' bereits genannten Personen sind noch mehrere andre leicht verletzt worden. Das Boot ist nicht erheblich beschädigt. Die Cholerain Arabien. Konstantinopel, 29. April. JnDschedda ist seit dem 25. April kein Todesfall an Cholera vorgekommc». Ans Hedschas zurückkehrende Pilger werden in türkischen Lazaretten am Mittelmeer einer fünftägigen Quarantäne unterworfen werde». Durch Beschluß des Sanitätsrats wurde die Quarantäne für Her- künfte von der ägyptischen Iliiste des Mittelmceres durch eine Des- infeltion der Effekten ersetzt. Briefkasteil der Redaktion. Die jnilsiilche Sprcchliimde findet täglich mit Zliisiinhine des Sonnabends von 7i/, bis tl'/s»br abends üatt. W. R. Vollmilch soll 2,7 Proz. Fett enthalten. M. 334. Die Eltern diingcn nicht durch. Die kinderlose Witwe erbt zur Hälfte und erhält auberdci» im Voraus die zum Haushalt gebrauchten Gegenstände und die Hochzeitsgeschcnke.— E. 8. Techs Wochen zum Quartalserslen.— Gierte. Leider ja.— G. B. 34. 1. und 2. Fa. 3. Nein.— Mansfeld. 1. Das wechselseitige Testament kann, wenn aus seinem Inhalt nichts Gegenteiliges erhellt, die Witwe nicht ändern. 2. Das kann nicht der Fall sein. 3. Ja.— A. B. Ja, der Sohn kann aber das Testament insofern anfechten, daß er seinen Pflichtteil verlangen kann. Zweckmäßig ist es, den aiifcchtenden Sohn im Testamente ans das Pflicht- teil zu setzen.— Bertha, Rixdorf. I. Es können die Eheleute in einer Klage verklagt werden. 2. Der Antrag aus Bestrafung wegen Beleidigung muß innerhalb drei Monaten nach Kenntnis von der Beleidigung bei dem Gericht oder der Staatsanwaltschast oder der Polizei gestellt sein. — I. Ch. l. Nein. 2. Sie können auf Heransgabe klage».— A. 300. l. Keineswegs. 2. Wenn innerhalb des Dtenstjahres das Dienstmädchen zieht oder Veranlaffung zur Kündigung giebt, ja, sonst nicht. 3. Leider ja. — 8. H. 1993. Nein: der Meister hat dann die Zwisthcnzeii zu bezahlen. — O. B. In Ihrem Falle würden Sic» i ch t Ihr Wahlrecht verlieren.— F. 8. 1. Sic haften nicht für die Schuld Ihres Ehemanns. Wenn Ihre Sachen gepfändet werden sollten, so lüunen Sie mit Aussicht aus Erfolg Jnterventionsklage und Einstellungsantrag stellen.— D. Britz. Ja. — M. K. 13. Nein, Sie würden für allen Schaden civilrcchtlich und strafrechtlich hasten.— C. Negerin. 1. Bis zum vollendeten 21. Jahre ist die Eiinvilliglnig des Vaters zur Heirat seiner Tochter erforderlich. 2. Militärpapiere, Geburtsurkunden, beglaubigte Eimvilliguiigscrkläriing.— R. 9)1. 13. Gegen solche Anordnung kmm die Entscheidung des Amts- gerichts. angeruseii werden, gegen den lBeschluß ist Beschwerde zulässig.— B. B.. Pctcrshagen. 1. Wenn ans dem Inhalt Ihres schristnchen Mietsvertrages nicht das Gegenteil erhellt, hat der Wirt solches Recht nicht. 2. Sie sind verpflichtet, Ihre Tochter zum Schulbeginn in die Schule zu schicken. 3. Sie haben das Recht, auf vollen Schadensersatz gegen den Be- sitzcr des Hundes zu klage».—/, Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Friedrichshain nachFriedrichsselde statt. 2Z7Ib vi« trauorncken»Intordllodenen. ijomläemola'.'Ujsvtlel' Wahlverein für den 4. Berl. Reiohstags-Wahlkreis. (Osten.) Am Dienstag, den 29. d. M., starb tinler Milglied, der Möbelpolterer Ott« Wevnev. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. Mai, nachmittags'i'/z Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Krankenhauses am Friedrichshain aus nach dem Gemeinde- Friedhos in Friedrichsselde stall. 242/20 Um zahlreiche Beteiligung bittet Ven Vorstand. Perbaild her Möbelpoliem. Den Kollegen zur Kenntnis, daß unler Kollege 145/20 Otto Werner flu Aller von 20 Jahren nach langem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. Mai, nachmittags 3>/z llhr, von der Leichenhalle des Kraulen- biuiscs am Friedrichshain aus nach Friedrichsselde stall. Um rege Beteiligung bittet Oer Vorstand. pentldirt Nolsiirdetter-verband. Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler VVillielm Finke am 10. d. M. verstorben ist und am 14. d. M. zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre feinem Rudeuken l Tie Ortsverwnltiing. Allen Freunden und Kollegen die traunge Nachricht, daß unser Kollege vsksn»iomsnn verstorben ist. 2374b Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 1. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofs aus statt. Tie Kollegen der Piano-Fabrik W. Milse Kachf. ist die billigste Bezugsquelle für voxnae, Itnm und Xord- lilluser. Weiftensce, König- Chauffee 49. psleotsnwslt Dammaim, Moritzplatz 57. 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Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes(Niedcr-Schönhausen) statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie örtliche Berwaltung. 1. Barer Kassenbestand am 31. Dezember 1901... 2. Zinsen von Kapitalien und sonstigen belegten Geldern, sowie Erträgesvou sonstigen Vermögensteilen... 3. Eintrittsgelder.... 4. Gcsamtbeiträge.... 5. Ersatzleistungen für ge- währte Krankenunter- stützuug...... 6. Ersatzleistungen v. BerusS- geiiosienschaften zc.. 7. Aus zurückgezogenen Bank- einlagcn(225 520,30 M.) und Entnahme aus dem RescrvesondS(55 205 M) 8. Aufgeuommeue Darlehne 9. Sonstige Einnahuieii.. 10. Summe der Einnahme (Ziifer 2—9).... Marl Pf 10 53110 28 519 05 1 477 828.05 12452 9 022 30 280 731 09 204 31 5 810 02 Marl 03 593 1937 350 1. Für ärztliche Behandlung 2. Für Arznei und sonstige Heilmittel...... 3. Krankengelder: a) an Mitglieder... b) an Angehörige der Mitglieder nach tz 7 Abs. 2 des Gesetzes 4. Untersnltzungcn an Wöch- nerinnen...... 5. Sterbegelder..... 6. Kur- und Verpflegungskosten an Krankeiianstalten 7. Ersatzleistungen für ge- währte Krankenunter- stützung...... 8. Zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder.. 9. Für Kapitalanlagen bei Banken...... 10. Zurückgezahlte Darlehne. 11. Verwaltungsausgaben: a) persönliche.... b) sächliche..... 12. Sonstige Ausgaben... 13. Summe der Ausgaben (Ziffer 1-12).... 14. Barer Kaflenbestand am Schluß des Rechnungs- jahrcs.... Marl 174018 305 180 700030 20701 2547t 48 802 230030 28 943 358 190 760 09 204 81549 32 191 5 849 Mark Ps 1931 100 Achkuttg!"WU WW" Achtung! Vereine und Gewerkschaften. Unterzeichneter Verein giebt hierdurch bekanut, daß derselbe mit dem Berliner Tanzlehrer-Verband nicht identisch ist und ersucht deshalb. die Bestellungeu nach wie vor i» iinsrem Vereinslokal, Englischer Hof, Nene Roßstraße 3, zu sende». 200,2 Der Vorstand des Tanxlehrcr-Verclns„Solidarität". Cirkus Renz-Konzert-Tunnel Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstllassiac Direklion: Sonntags 5 Uhr. S pv 0 1 9 1 1 1 ä 4 SB. J. 91. HUtt. Jeden Sonnabend nach der Voretellung; Tanz ohne Nachzahlung A. Martin's Restaurant Werder ajü., Angelweg 58. Empfehle den geehrten Vereinen, Klubs und Parteigenossen bei Aus- flögen nach hier»icine Lokalitäten zur freundlichen Berücksichtigung. Täglich: tiirosses Orcliestrion-Konieert.— Speisen und vorzügliche Fruchtweine zu civileu Preisen. 3990L* Zu freundlichem Besuch ladet ergevenst ein A. Martin. 23 1 2 000 948|83| II. Vermöglenzs�Ausn?vis. Das Gesamtvermögen der Kasse setzt sich wie folgt zusammen: a) Der Barbestand am Schlüsse des Rechnungsjahres I90l.... b) An Wertpapieren(1 506 553,20 M.), Bankeinlagen(12 054,30 M.) 1 69 788 60 jrrj 2 000 948[ 83 Summa 69 788,60 M. 1 518 607,50 M. "1588 396,10 M. Hiernach beträgt das Gesamtvermögen der Kasse............. 1588 396,10 M. Nach dem vorjährigen Abschluffe betrug das Gesamtvermögen.,...... 1 620 016,78 M. Ergiebt gegen daS Borjahr an Gesamtvermögen weniger.......... 31 620,68 M. Berlin, dm 29. 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Anfang 7'/- Uhr. Central. Das sühe Mädel. Anfang 7-/2 Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierseer. Der Herrgottfchnitzer von Ammer- gau. Anfang 7i/z Uhr. Belle-Zlllianee. Die Dame aus Tronville. Hierauf: Er. Anfang 7�/z Uhr. Luise». Der Hüttenbeffher. Anfang 7-/- Uhr. Carl Weist. Das Jungfernstift. An- fang 8 Uhr. Kriebrich.Wilhelnistäbtlsches. Ihre Familie. Anfang 71/, Uhr. Seeessivnsbtthne. Detlev Lilien- cronS Buntes Brettl. Ansang 8 Ubr. C. v. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissimus Zwischenspiele.— Strindberg- Cyklus. Anfang 81/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Wietropol. Uns« Don Juans Anfang 8 Uhr. Slpollo. Lysistrata. Specialitäten� Vorstellung. Aiisang 8 Uhr. Palast. Keine Vorstellung. Casino-Theater. Eine für f)wei. Der beste Bruder. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 3 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Speeialitäten Vorstellung. Anfang nachmittags 8 Uhr. Passage- Panoptikini«. Speciali täten-Vorstellung. Urania. Tanbenstr. 48/4U.(Im Thcntersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostleeküste. Jnvnlideiistraste 57/üS. Täglich: Sternwarte._ (Wallner-Theater). sDonn�rsta grabend 3 Uhr: lklvli» Volksstück in 3 Akten von L'Arronge. Freitagabend 8 Uhr: IM« Komantlsclicn. Hierauf: Ilcxenfang. Sonnabendabend 8 Uhr: Die Komantischen. Hierauf: Hexe 11 fang- Witral Tlikaler. Heute 71/2 Uhr: Dtts süHv Mädel. Operette in 3 Akten von Landsberg und Stein. Musik von Reinhardt. Sonntag, 4. Mai, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise, erste Besetz.: Boeeaeeio. Abends 7'/; Uhr: Das sähe Mädel. Thalia-Theater. Dresbenerstraste 7)8/73. Abends 8 Uhr, heute u. folgende Tage Gastspiel der Schlierseer Der DemoNsllimtzer »011 Ammrrga«. Morgen, Sonnabend u. Sonntag: Herrgottschnister v. Ammergan. Ter Sommer- Garten ist in oberbayrischer Art dekoriert. C£ Weiss-Theater. Graste Kranksurterstr. I3S. Ans allgemeines Verlangen: Das Jungfernstift. Operette in»Akten v. Ernest Guinot, Musik v. Jean Gilbert. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonn- abend: Gr. Extravorst. Gastspiel der FrlS. Nartda Walter u. Elly Krolop; Deborah. Sonnabendnachmittag Kindervorstellung, gr. Novität: Fee Mir"»«« od Peine u. Köhlerknabe. Mfitropol-Tligatgr Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Josephi Unsre Don Juans Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Belle-Älliaiice-Theater. Heute zuui 137. Male: Tie Dam ans Tronville. Schwank mit Gesang u. Tang in 3 Akt. 5mll Sondermann n. G. Ferd. Worms. Mlzzl Birkner. Rosa Marton. Hletauf:„Cr". Pariser Lebensbild in 1 Akt. Anfang 77. Uhr. Morgen: Tieselbe Vorstellung. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseeküste. GASTANS Panoptikumj Frledrlch-Strasse 163. Därenweib! ein Wunder der Schöpfung! Neu: Skundiiiavisclies liiistrnmental- a.Vokal- KUiostler.£iitieiiible. 4 Damen, 2 Herren. Wintergarten. Mai-> Programm: Heute und die(olgende Tage; Das glänzende Ballett. Foy, Serpentin- und Feuertänzerin. Otto Rentier. Flora Slding, Wiener Soubr vom k. k, priv. Theater a. d Wien. Anguste Po iige t, Pariser Sängerin und 11 andere hervor ragende Speeialitäten. Das ipollo- Theater und Konzert-Garten. ßröfiiung herSamersaiM. vuhr Gr.Gartenhonrett s�uhr Lpevialiläten I. Hanges 6 Debüts Um 9 Uhr(jeden Abend stürmischer Lacherfolg) Operette von Paul Lincke, mttdem Lufiballou„Grlftolatls," Blendende Ausstattung.-NE Fröbels Allerlei Theater früher Pahltuann Schönhauser-Allee No. 148. Anfang 4 Uhr. Eintritt 25 Pf. Am 18. Mai(1. Pfingstfeiertag): In den vollständig nen renovierten Räumen: Erössnung der Lommerspielzeit. Bsaun FesMallung. Am 1. und 2. Pftligsttag; Orossie PrUhvorstellunft. Reichshallen. TilgUch: Stettiner Sänger, Anfang Wochent. 3Uhr Sonntags 7 Uhr. Mast-Theater (früher Feen-Palast) Bnrgstr. 2%. | Vom 2. Mai ab tagl. abds. 8 Uhr Len-Ali-Ley I u. sein ortent. 2auder-BnsembIe. �Vorverkauf d. Logen». numm. Sitze an der Theaterkasse des Warenhauses A. Wertheim, Leipgigerstt. Preise der Plätze: Logensitz 2,50 M., Sperrsitz l,50, numm. Parkett u. numin. Rang- Balkon 1 M., Parterre 50 Pf., Stehpart. u. umiuimu. Rg.30Pf. Veliilll niid Rauch (Kleines Theater} Unter den Linden 44. Donnerstag, I.Mai, abds. R/z Uhr Gastspiel von Emanuel Reicher. Strlndbcrft-Cyklns. Serciiissimus-Zwisclienspiele __ u. a. Casino-Theater LotHringerstr. 37. 8 Uhr: vaSkel m. f.(«efellfchaft 1 „Eine für Zwei" 9-10 Uhr: Der beste Bruder. Anfang Wochent. 8, Sonntags 7i/, Uhr. Passags-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, I Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Das sensationelle Mai-Frogfamm 16 ganz neue erstklassige Speeialitäten! W7(ioacIlsTtieater. Urunnenstrahe I«. Die Anna-Liese. Schauspiel m 5 Alten von Heisch. Heute: TsuzplcrnQZielieii Freitag leine Vorstellung. An der Spandauer Brücke 3. j Grösst.VergnUgungslokal Berlins 1 Internationale Konzerte | von 5 Knnstler-Kailellen, Im 6. u. 7. Bogen erstklassige] Theater- iukI |SpedaIi täten-Vorstellung Ausschank der Bepliiier Book-Bi-aucrei. Bürgerl. Diner, 5 Gänge. I Tägl. llatinec von 12— 2 Uhr. Muilg! AAmg! Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, dah ich das Lokal von Pohl, Hermannstrahe 255, über- nommen habe. Bitte um gütige Unterstützung.— Auch ein Vereins- zimmer mit Pianina zur Verfügung. 2308b iE. Hefte!»iiau. |Woht|ahrtS' Hill Sanssouci KottbnsefStr. 4u, Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: IZoffioaniis Nach jeder Soiree-. Tunzkrünxchen. Wochentags Vereinsbillels gültig und Tanz frei. fSlysiuni ndöberger Allee 40—41. Heute, 1. Mai: HorileiitscIi.Säiiger Im Riesensaal: JtSolll zum Benefiz der Hauskelluer. Anfang 7»br. Enttee 20 Psg Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Freitag» den 2. Mai, abcudS SVz Uhr, bei Cohn, Beuthstraste 80—22: Große Mttgliederoersammlnng. Tagesordnung: Die Mat-A«ssperru»g und nnsre Stellung dazu. 129/14 Der wichtigen Tagesordnung halber ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder dringend erforderlich. Idee Vorstand. FV" Achtung S Mitglieder der Die General-Versammlung am 29. April wurde nicht zu Ende geführt, sondern vertagt. Innerhalb der nächsten oder übernächsten Woche findet eine neue General- Vcvsaiiiniliinft mit derselben Tagesordnung statt. Das Versammlungslokal wird noch im „Vorwärts" bekannt gemacht. Die provisorische Leitung der Vereinsgeschäfte liegt bis zur Generalversammlung in Händen der Herren Dr. Conrad Schmidt, Fritz Zubeil, Adolf Hoffmann, G. Winkler, und der Revisoren Fr. Stahl, Th. Wilde und 3. Schneider. Eine kombinierte Sitzung der Obleate, Ordner und der provisorischen Vcr- einsleltanft tagt am Jlontaft, den 6. Mai, abends 8l/t Uhr im Gewerksohaltshause. JO. Serie: Im Berliner Theater 3./4. Abteilung. Sonntag, den 4. Mai, 2'/t Uhr;„Glilnbifter", „Pnss",„VoIksonflilÄrnng". 0./7. Abteilunft im„Liessing-Xbenter" gleichzeitig: — Die Hoffnung— O Extra- Opernvorstcllnngen: Metropol- Theater: Don Jnnn— Cnrnien— Zauberflöte vom 25. Mai ab.— Marken a 85 Pfennig in allen Zahlstellen. 228/20] Der Vorstand. L A.: G. Winkler. IMttHchnckltMerbM. Freitag, den 2. Mai, abends 8Vs Nhr, bei Keller, Koppenstrasje 20: Rrllrkilmsmilmier- Veisammliing sämtlicher Bezirke und Branchen. Bericht über die Maifeier und den JnnungSuachweis.— Vertrauens- mäniietlarte nebst Buch legitimiert. 82/17 Jede Werkstatt imist vertreten sei». Die OrtsverwnUung. fotlerie. Ziehung: 27. bis 31, Mai 10 870 Geldgewinne bnar ohne jeden Abzug zahlbar von Mk. if£SS8 Hanptgewinno: Mark sooo 0 iiüi eto. etc. eto. Orlglnalloose k 3, SO Illc, Für Porto uad Liste SO Pf. extra. Marienbg. Pferde-Loose i I Mk.- 11 Stück 10 Mk. (Porto u. Liste ÄO Pf) OscarBräuer£Co.ljaclif. Bank-Geschäft 1 Berlin W. Friedrlchatr. 181. Pmaien: MW. Wllsnackerstr. 6» O. Andreusstr. 46a. ßfiitruleerftflni) her Innrer u. (Bezirk Moabit.) Freitag, den 2. Mai, abends 8V» Uhr, t» de» ArminiuS- H allen, Prcinciftrnjjc 71—72: Versammlung mit Frauen. Tages-Ordnung: 1. Dorttag der Genossin strl. Iinle. 2. Diskussion und Verschiedenes. Gute Beteiligung erwartet 139/10 Die verbaiidsleitnug. I. A.: N. Paneer. Verein der Bananschläger Berlin, und Umgegend. Sonntag, 4. Mai, vorm. IO'/j Uhr, im Gcwcrrschaftöhanö, Engel-User 15, Saal 1: Kenevol � VerlÄnrinlung Tages-Ordnung: 1. Bericht dtt Stalntenberatungs Kommisston. 2. Antrag D 0 ch 0 w über Aufnahme von Mitgliedern. 3. Bercinsangelegenheiten. 4. Ver- schiedeucs. 33 9 Beiträge werden nur zwischen>/,10 bis 11 Uhr angenommen.— Mit- gliedSiartc legitimiert. Der Aorstaiid. Paletots, Hosen, Herren- u. Knaben- Anzüge, Koffer, Operngläser, Teppiche, Kessel. Revolper, Teschings, Gold- fachen, Uhren, Ketten, Ringe, Regit- latoren, Reihzeuge, Harmonika, Geigen, Zithern usw. 3602L* z» pttdiflip Preise«. Gustav Lücke, Berlin, 131 Srunicnstr. 131. Verband der Vau-, Erd- und geVerbllchen Vilfsarbetter gentschlands. ILablstell»- Berlin III. Am Sonntag» den 4. Mai, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Zimmermann, Padstrastc S8: NHta|Her>er- Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen«oben üler:„ArbeitSlosen-Unterstützung und ihre Bedeittung für die Geiverkschaften". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom letzten Quartal. 4. Verbandssad)en und Verschiedenes. 42/1 stiegen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. tf, trt m a-s y-v(Porto und Gewinn- lit nur M. 4,80 1 Wohlfnlii'ts- I.oos Mk. 3.30 und 1 Süchneidemüliler Loo» Mk. 1.— zu gewinnen die Haapttref fer; 1®®,®®® Mark Baar. ohne Abzug, Juud | elegante Equipage nit 4 Pferden. Ziehungen 10. und 27. bis 31. Mai. 1 Looiversand dorch Gftiieral• Hebit Lud. Müller& Go. TeJefr- Adr. t tlilckimüller. In Berlin Breitestr. 5 Achtung! Achtung! Vereine! 39990 Mein Saal und Garte» ist noch einige Soniiabcndc zum Sommer- vergiingiingeii frei; auch geeignet für Gesangvereine zu llebniigS- stunden. Ein massives Gartenhaus, paffend siir Bereine, Zahlstellen u. Atületenklubs aller Art, sowie zwei verdeckte Kegelbahnen zur Benutzung. If. GIcinert, Schulstr. 29, N. Damen-Konfektion direkt aus der Fabrik. Kein Laden! Jetzt nach beendeter Engros-Satson: Lintel» vsnbsuß zu Lngnos- pneisvn n vspes, kslstots, �aekvtis. XosMme kür Bsmen und Madchen. Damen- n. Kindermäntel- Fabrik Robert Baumgarten, Hausvotgteiplatz II, 2. Et.(Ecke der Jerusaleinerst.fAuchSonnt.geöffn.) Filialen: Berlin, Chansseestrafte 54 und Belleallianccftraste 98. Stettin, Magazinftraste 2 und Hohenzollernstrast« Z. Aass-Auzügv 24 und 30 M. Paletots nach Mass 22 M. Alle dlcjciiigen welche tu irgend einer Weise mit ihren Mab-Anzügen nicht zufrieden- gestellt wurden, sollen unbedingt bei mir den Versuch machen. 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Verantwottlicher Redacreur: Carl Leid m Berlin. Für dm Inseratenteil veraulwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Guadratrute 12 M. an. Landparzellen direkt-« Bahnhof Biesdorfs, feinster Gartcnboden, coulante Bedtngnugen. Graste Entwicklung bevorstehend. Ver- käufer aus dem Terrain und Rest. „Frelhott".(146/15 j. Thiem, Frankfurter Allee 87. Nieschalke, Rieger aco.,Gontardstr.5, om Bahnhof Alexanderplatz. SU. 101. 19. 3. KillP des.Awlirls" KMim DcksblÄ Dollllerstag. 1. Mai l902. An die Gewerkschaften und Arbeiter Kerlins! Genossen! Zlrbeitsbrüder! Der 1. Mai, das Weltfest der Arbeit, ist wieder gekommen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft aller Kulturländer wird zum drcizehntenmale den Weltfeicrtag der Arbeit festlich begehen. Wiederum beabsichtigen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, die Feier des Tages durch Zlrbeitsrnhe zu begehen. Und nicht zuletzt sind es die Berliner Gewerkschaften, die— trotz der gegenwärtig schlechten wirtschaftlichen Konjunktur— beschlossen haben, auch in diesem Jahr den Tag der Arbeit in seiner würdigsten Weife— durch Zlrbcitsruhe— zu feiern. Trotz der brutalen Maßnahmen, die ein von unsäglichem Machtdünkel beseeltes Unternehmertum gegen die die Arbeit ruhen lassenden Arbeiter in Anwendung bringen will und wird. Arbeiter! Parteigenossen! Doppelt notwendig ist es, dem Gedanken der Arbeitsruhc in immer weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen. Es gilt nicht nur, die der Mai- feier zu Grunde liegenden Gedanken an diesem Tage von neuem zu betonen, sondern auch Protest zu erheben gegen die dem Unternehmertum willfährigen Maßnahmen, Verordnungen und Entscheidungen landes- und ortspolizeilicher Körperschaften. Es gilt Protest zu erheben gegen alle Maßnahmen, welche das Koalitionsrecht der Arbeiter zu zerstören geeignet sind. Wir erheben Protest gegen die Zollpolitik der Regierung, die eine wucherische Ausbeutung des arbeitenden Volkes zu Gunsten einer kleinen aber mächtigen Gruppe bedeutet. Und so bringen wir Euch, Arbeiter, Genossen, denn wiederum den früheren Beschluß der Berliner Gewerkschaftskommission in Erinnerung, welcher lautet: „Gemäß den Beschlüssen der internationalen Arbeitcrkongresse in Paris, Brüssel, Zürich, London und Paris 1900 und des Parteitages von Stuttgart vom Jahre 1898 empfiehlt die Berliner Gewcrkschaftskommission den Berliner Gewerkschaften, den 1. Mai insgesamt als Demonstration für die Klassenforderungcn des Proletariats durch die Arbeitsruhe zu feiern. Arbeiter, Genossen! Bringt diesen Beschluß soweit als es Euch möglich ist zur Durchführung. Wo der 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert wird,� da ist es Eure Pflicht, die Vornüttagsversammlungen zu besuchen. Die Berliner Gewerkschaftskommission. Der Ansfchust der Berliner Gcwerkschaftskommisfion empfiehlt den ani Vormittag tagenden Versammlungen folgende Resolution zur Annahme: Die heute, am 1. Mai, hier versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen erklären, daß sie rinentwegl und mit aller Energie an den in der Maifeier zum Ausdruck kommenden Gedanken festhalten und wiederholen das feierliche Versprechen, für die Verwirklichung dieser Gedanken nnt aller Energie einzutreten. Vor allem bekunden die heute Versammelten, das? sie es nach tvie vor als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, einzutreten für Reformen auf wirtschaftliche», Gebiete, Schaffung eines ausreichenden, wirksamen ArbcitcrschntzcS, insbesondere für den Achtstundentag. Des iveitercn versprechen die Versanmicltcii. auch in Zukunft wie bisher nach beste» Kräften das Band der inter- Nationalen Solidarität zu festige», weiche die Vorbedingung und die beste Garantie ist für den all- gcmeiiicu Völkersrieden. Die Versammelten bedauern die Haltung der Regierung in der Zollerhöhnngsfragc auf das lebhafteste. Angesichts der großen Not und Arbeitslosigkeit, die infolge der loirtschafllichen Krise immer weitere Volks, nassen ergreift, wäre es Pflicht der Regierung gewesen, durch Abschluß von vorteil- l?afte» Handelsverträgen dem Volle die notwendigsten Koiisumartikcl zu verbilligen. Statt dessen bedeutet die Zollvorlage der Regierung eine wesentliche Verschlechte,'»ng der Lebcnöhaltnug der arbeitenden Klasse. Für dieses Verhalten sprechen die Versammelten der Regierung ihre entschiedenste Mißbilligung aus und erwarten, daß die Regierung ihre Zollvorlage zurückzieht. Die Versammelten fordern die Regierung aus. die Socialgcsctzgebung. wie sie in den Februar- Erlassen 1890 ausgedrückt ist, ilunmehr energisch zur Durchführung zu bringen. Die Versammelten protestieren energisch gegen alle Maßnahmeii. die geeignet sind, der arbeitende» Klasse den Gebrauch dez Vereins- und Versammlungsrechtes zu beschränke» und zu entreißen. Die Arbeiterschaft erhebt um so energischeren Protest gegen diese Maßnahmen, als die Unterdrncknngs- und Gewaltinaßrcgel» sowie die umfassendsten Organisationsbestrebungen des Unternehmertnms gegen die Arbeiter zur Genüge darthun, daß die umfassendste Organisation der Arbeiter eine im Jutereffe der Sittlichkeit, Humanität nnd Kultur begründete absolute Notwendigkeit ist. Die Versammelten bekunden ihre tiefste Entrüstung gegenüber dem Erlast dcö Justlzministcrs, daß bei Streiks gegen die Arbeiter der§ 153 der Neichs-Gewcrbe-Ordnimg im Verein mit dem Erpressnngsparagraphc» des Strafgeictzbnchcs angclvendct Iverdon soll. Die Versammelte» verlangen energisch die Gewährung des volle» KoalitionSrechts. Aber eingedenk der Worte, daß die Vcfreinng der arbeitenden Klasse nur das Werk der arbeitenden Klaffe selbst sein kann, wird diese, unbeirrt durch die Maßnahme» ihrer Feinde, iiiicriniidlich vertrauend auf ihre eigne Kraft, fortfahren, am Aufbau besserer Zustände für die Arbeiterschaft tbätig zu sein. Auch wird sich dieselbe stets und mit aller Entschiedenheit dagegen wenden, daß sie durch Klasscngesetze und Klassenjustiz in ihren Rechten geschmälert wird. Diese Ziele zu erreichen, zur Abwehr gerüstet zu sein, ist nur dadurch möglich, daß jede Zersplitterung der Gcwerlschaftsorgnnisation vermiede» wird. Fort mit allen Sonderorganisationen, nur die Ccnlralisationcn kömicn in den, gewaltigen Kampf zwischen Kapital und Arbeit den Vcr- sammelte» zu ihre». Recht verhelfen! Die Versammelte» sprechen allen um bessere Lohn- und Arbeits- bediiiguugen Kämpfenden ihre vollste Shinpathie aus. In diese», Sinne weiter zu wirken, richten die Versammelten brüderliche Grüße an die zur Bekundung der Solidarität heute am 1. Mai versammelten Arbeiter der ganzen Welt! Vevlanrnrlungvn» Wahlvcreiu für den sechste» RcichStagS-WahlkrciS. Am Dienstag fand im Kolbergcr Salon eine Versammlung statt, der zahlreiche Frauen als Zuhörcrinnen beüvohnten.— W a l d e ck- Man off e hielt eine» Vortrag, in dem er die koinmunaltn Forderungen unsrer Partei darlegte und unter Hinweis auf die gegenwärtige» Perhältnisse zeigte, wie viel noch zu lhuu ist, um aus dem unter freisinnigem Einfluß stehenden Gemeinwesen eine Stadt- gemeinde zu mache», in der die berechtigten Forderungen der breiten Volksmafsen erfüllt iverden. Tie Freie Volksbühne hielt am 29. April eine General- Versammlung ab. Nachdem vom zweiten Vorsitzenden B. M a a ß gegebenen Geschäftsbericht betrug die Mitgliederzahl am 3l. März etwa 7500. Den Wünschen der Mitglieder ans weitere Ausdehnung des Vereins konnte nur durch andre Thcatervcrträge Rechnung ge- tragen werden. Diese werden eine Ncueinteilniig der Abteilungen im Gefolge haben. Im neuen Spieljahr finden die Vorstellungen abwechselnd im Lessing- und im Meiropoltheater statt.— Der Kassenbericht, den G. Ä i n k l c r erstattete, ergiebt eine Jahres- einnähme von 67 646,05 M., der eine Gesamtausgabe von 61 676,07 Mark gegenübersteht, so daß am 3t. März ein Bestand von 5969.98 M. verblieb. Die Revisoren haben alles in bester Ordnung befunden. B. M a a ß teilte mit. daß der Rücktritt des Herrn Dr. C. Schmidt vom Posten des 1. Vorsitzenden und des Herausgebers des Bühnen- Heftes die Vorstands- bezw. Ansschußinitglieder Curt Vaake, Bloch, Bufchold und Frau Julie Zadel veranlaßt habe, sich niit Schmidt solidarisch zu erklären und ihre Aemter ebensalls aufzugeben, lieber die Vor« gänge, die zur Amtsniederlegung des Dr. Schmidt führten, referierte dann»amens der übriggebliebenen VorstandSinitglicdcr der erste Schriftführer C o h n. Nach seinen Ausführungen ist es schon seit langeni zu unangenehmen Streitigkeiten in Ausschuß und Vorstand gekommen, die Redner und seine Freunde besonders zurückführen ans die geschäftliche Ungeivandtheit Conrad Schmidts, die ihn ungeeignet erscheinen lasse zu», Vorsitzende» der Volksbühne. Als schließlich noch die Frage erörtert wurde, ob sicki Schmidts Recensententhätigkeit am „Vorwärts" mit der des Verfassers von Besprechüngen im Volks- biihnenhcft und des Vorsitzende» der Volksbühne vertrage, ivnrdc dies von einigen Mitglieder» in der Verwaltimg verneint, woraus Dr. Schmidt de» Vorsitz niederlegte. Dr. Schmidt widersprach in vielem den Darstellungen Cohns. Mit seiner Stellung als Theater- rcceiisciit und Vorsitzender der Freien Volksbühne komme er nicht in Konflikt, da die Rcccnsiou über die Freie Volksbühne im„Vorwärts" nicht von ihm geichrieben werde. Die persönliche» Differenzen, die ihii besonders z» Herrn Manß nnd Cohn in Gegensatz gebracht haben, seien mit der Anlaß zu dem Rücktritt. Der Zustand sei ein so unleidlicher geworden, daß ein gedeihliches Zttsammcnarbeilennickit mehrmöglich war. Ten gleichen Standpunkt vertraten Baake, Bloch und Frau Dr. Zadel, ivährcnd von der andern Seite besonders die Herren Maas und Cohn an einzelnen geschäftlichen Vorkommnissen dar- znlegen versnchlen, daß der Vorsitzende als Leiter der Versammlung und z» geschäftlichen Verhandlungen ungeeignet erscheine. Die Debatten waren zum Teil sehr heftig und verloren sich in Einzel- heilen geschäftlich interner Angelegenheiten. In seinem Schlußworte brachte C oh» die Vorgänge zur Sprache, die sich bei Abschluß des Vertrages mit dem Berliner Theater zugetragen haben. Danach soll die Vermittlung des Vertrages einem Herrn übertragen worden sein, der ein intimer Freund des Polizeirats Merscheidt- HnNeslem war. Unter großer Erregung wurde nun gegen 12 Uhr die Wiedereröffnung der Diskussion beschlossen. Die Versammlung fwnd unter dein Eindruck, daß der Vorsitzende Dr. Schniidt gewußt habe, in welchen Hände» die Geschäftsvermittelnng stand. Baake nnd Dr. Schmidt stellten»im sofort richtig, daß iin Ausschuß und Vorstand niemand von den Bezieh,»igen des Agenten gewußt habe nnd das Ausschußmitglied Dr. Berthold, der den Herrn empföhle» hatte,»ach Vekamitwerden dieser Vorgänge zurücktrat. Im übrigen bestand kein Anhalt, daß der Agent iin Dienste de, Polizei stand. Ein Antrag, zur Untersuchung dieser Vorgänge eine Kommission zu wähle», wurde nach dieser Darstellung mit großer Majorität ab- gelehnt.— Gegen 4/2 1 Uhr nachts nahm die trotz des Wegganges einer ganzen Anzahl Mitglieder immer noch sehr gut besuchte Versammlung mit übergroßer Majorität folgende Resolution, von C. Baake ein- gebracht, an:„Die Versammlung bedauert die Vorgänge, die Herrn Dr. Conrad Schniidt zur Niebcrlegung seines Amtes gezwungen haben und spricht ihm ihr»uveriniiidertes Vertrauen ans." Nun», ehr erklärte Maaß für sich, Dupont, Cohn, Sahm und Dr. V. Fränkl. daß sie ihre Aemter im Vorstand bezw. Ausschuß niederlegen. Somit war nur noch der Kassierer G. Winklcr vom Vorstand und Ausschuß übrig, der die Leitung der erregten Ver- saminlmig übernahm. Auf Antrag Curt Baales wurde schnell noch bis zur nächsten, piiuie» kürzester Zeit zur Vornahme der Wahlen je. einzubernfeuden Gcnercilbcrsaininluiig eine vorläufige Leitung sDr. Conrad Schmidt, Adoff Hoffman» und Fritz Zubeil) eingesetzt und die Versammlung»», 1 Uhr geschlossen. Eine Versamuilttttg der Herren- und KnabeukonfektionS- Schneider tagte am Dienstag in den Lunasäle», Neue Königstraße. Der ReichStags-Abgeordnete Albrecht hielt hier einen Vortrag über: Die Stellung der deutsche»Herrenkonfektion auf de», Weltmarkt und die Entlohnung ihrer Arbeiter. Der Redner gab in großen Züge», gestützt auf ein reiches statistisches Material, eine Uebersicht über die Entwicklung der dcntschcil Konscltion sowie über die herrschende Stellung, die sie auf den Welimarkt einnimmt. Dann schilderte er die traurige Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Industrie und die Lohudrückerei, die jetzt bei der wirischaftlichc» Depression, begünstigt durch das Systen» der Heimarbeit, in immer unverschämterer Weisejsausgeiibt wird. Vom Reichstag, so führte der Vortragende weiter ans, fei vorläufig kein wirtsanics Eingreifen zu erwarten. Hier bleibe nichts anderes übrig, als sich straff zu organisieren und möglichst alle Glieder der Branche zur Organisation hcranznziehc».— Der Vortrag wurde niit regem Beifall ausgeuommc». In der Disklission forderte Ritter zu regelmäßigem Besuch der Zusammenkünfte auf, die für die Kollegen der einzelnen Geschäfte veranstaltet werde», nnd ferner ersucht er die- jenigen, die Gelegenheit dazu habe», das in czechischer Sprache erscheinende Agitationsblatt zu verbreiten, um der von de» Ausländern in besonders hohem Maße ausgehenden Lohudrückerei entgegenzuwirken und auch diese Kollege» �zur Organisation heran- zuziehen.— Der Referent wies in seinem Schlußwort»och besonders darauf hin, daß auch die Beteiligung der Frauen an der Organisation eine„»bedingte Notwendigkeit ist, wenn eine Bessernng der Verhält- nisse eintreten soll.— Der Centrnlverband der Zinimerer(Zahlstellen Berlin und Vororte) hielt am Sonntagvormittag seine zahlreich besuchte Generalversammlung i» den Arminballen ab. Der Kassierer Knbe erstattete den Kassenbericht vom 1. Quartal, der folgende Gestaltung anflveist: Einnahme der Lokalkasse inkl. Bestand von 4912,89 M., 8931.14 M.; Ausgabe: A» die Hauptkassc abgeführt 2794,92 M., am Orte verbraucht 1185,29 M.: somit Bestand am Schluß dcS Quartals 4950,92 M. Der örtliche Fonds zeigt bei einem Bestand vom 4. Quartal in Höhe von 25 743,79 M., eine Einnähme von 31328.04 M. Die Ausgabe beträgt 2101.43 M., mithin verbleibt der Bestand 29 226,61 M. Sodann gab K n n p f e r den Bericht von der Sitzung der Achtzehner-Konnnission vom 4. März, in der der noch strittig verbliebene Punkt des Vertrages bezüglich der balbstündigen Entschädigung an Sonnabenden ver- handelt ivurde und dos schon einer Mitgliederversammlung bekannt gegebene Ergebnis hatte, daß für Streitfälle»nr eine protokollarische Erklänmg festgestellt>vnrdc. Diese harre noch der Bestätignng der Versammlung. Für etwaige Eventualitäten müsse er auch bekannt geben, daß der Unterzeichnung des Vertrage« von feiten der Arbeitnehmer noch nicht entsprochen iverden konnte, weil der Arbcitgeber-Vcrband eine andre Form vor- geschrieben hatte. ES seien die Formulare wieder zwecks Aenderuug zurückgegeben worden, zur Zeit aber- noch keine Antivort erfolgt. Der' Vertrag habe deswegen seine Gültigkeit»nd sei in einem neu vom Vorstande herausgegebenen grauen Büchelchen nebst andern, enthalten. Er ersuchte zum Schluß die Mitglieder sich eng an die darin gegebenen Weisunge» zu halten. Die getroffene Vereinbarung wurde sodann leitens der Versammlung angenommen. Hierauf berichtete K u b e über die Thätigkeit der Gemcrlschastskommisston im verflossenen Geschäftsjahr. Die Delegation hierzu wurde dem Vor- stände überlassen. Unter Verbandsaiigelegenheiteii forderte K u ü p f e r zur regen Teilnahme an der Beisitzerwahl zum Jnnungs-Schieds- gericht auf und führte a»: Die Kandidatenfrage konnte leider nicht der Versammlung vorgelegt Iverden. tveil erst in letzter Stunde der Wahltermin bekannt gegeben wurde. Eine kombinierte Sitzung hat sich damit beschäftigt. Betreffs der Maifeier wurde nach einiger Diskussion beschlossen. die arbeitslosen Mitglieder vom 2.-7. Mai wie die Gemaßregelten zu unterstützen, im weiteren, daß vier Kontrollstellen errichtet werden, nnd zwar je eine im Norden. Westen, im Bureau und in Char- lottenburg. Als Geschäftszeit für die Kontrollierung wurde 9 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 6 Uhr nachmittags festgesetzt. Gegen den Antrag des Vorstandes, 1000 M. zum Ausbau der vorhandenen Bibliothek zu bewilligen, spricht sich in der Debatte Witt aus und ivird die Angelegenheit auf Antrag Ne um an u bis zur nächste» Versammlung vertagt. Mit einem Hoch auf den Verband erfolgte Schluß. Ter Bnchbinderverband hielt am Dienstag im Gewerkschafts- hause seine ordentliche Generalversammlung ab. Dem Geschäfis- bericht des Vorfitzenden Brückner ist zu entnehmen, daß im vcr- flofienen Quartal 3 Versammlungen und 14 Vorstandsfitzungen stattgefunden haben. Außerdem wurden zahlreiche Werkstattsitzungen ab- gehalten. Die Ortsverwaltung mußte mit verschiedenen Firme» in Unterhandlung trete» wegen erfolgter Maßregelung von Kollegen; doch nicht immer sührte» die Unterhandlungen zu einem befriedigenden Ergebnis. In einen, Falle mußte auch das Tarif-Schiedsgericht angerufen werden, welches zu Gunsten der Arbeiter entschied. Der Zahlstelle gehören an 1900 männliche und 1452 weibliche Mitglieder, die Mitgliederzahl ist also ungefähr dieselbe geblieben wie im vorigen Quartal. In allen Branche» ivnrde über schlechten Geschäftsgang geklagt: wo früher zehn Arbeiter gestanden hätten, ständen jetzt nur vier, nnd auch diese würden mehrfach noch nicht einmal den ganzen Tag bc- schäfiigt. Der Vorsitzende betont sodann, daß die einzelnen Ver- trauenslente in, Interesse des Berbandes ihre volle Schuldigkeit gethan hätten und ersucht noch dringend, die Beiträge pünktlicher zu entrichte». Im Anschluß an den Geschäftsbericht wurde beschlossen: die Ortsverwaltung möge dafür sorgen, daß der Firma L ü d e r i tz it. Bauer bis auf weiteres keinerlei Parteiarbeiten zur Ausführung übertrage» werde». Hierauf folgte der Bericht über Rasse und Bibliothek. Nach einer ziemlich langen Geschästsordnniigs-Debatte kam man dam, zur Besprechung' über die diesjährige Mai- feier. Es wurde bedauert, daß die Zahlstelle»och nicht in der Lage sei, den 1. Mai durch allgemeine Arbeisruhe zu feiern. Wo es irgend möglich sei die Arbeit ruhen zu lassen, da solle man cS thn», aber auch bei denjenigen Firmen, die sich den Wünschender Arbeiter gegenüber bisher ablehnend verhielten, müsse man erncut vorstellig iverden, den 1. Mai freizugeben. Beschlossen wurde: Wer am 1. Mai gezimingeu ist zu arbeiten, hat eine Marke zu iichmci, und zwar bei einem Verdienst bis zu 15 M. im Werte von 20 Pf., bis 24 M. 40 Pf. und über 24 M. 60 Pf. Der Ertrag soll den Arbeitslosen zu gute konimen.— lieber den Antrag Stanosski, den Extrabeitrag auf 5 Pf. pro Woche zu erhöhen, ging die Vcr- sanimliing mit großer Mehrheit zur Tagesordnung über. Um Mitternacht wurden dann noch die Ergänz, ingswahleu zur Orts- Verwaltung nnd die Wahl des Ganvorstandes vorgenommen. Die nengcgründctc Bangcnoffcnschaft„ParadirS" hielt am vergangene» Sonntag eine stark besuchte öffentliche Versammlung ins großen Saale des Gewerkschaftshanses ab. Reichstags-Abgeordnetcr Pens sprach daselbst über das Thema: Wie entbinden wir»ns hon den Mietslastei,? Ausgehend von dem bekannte» Ausspruch deS Exhospredigers Stockei:, die Partei spreche zwar viel von, Brotwucher, aber nicht von» Wohnnngsivnchcr, betonte Redner, daß sich unsre Partei stets energisch gegen den WohnungStvucher gewandt habe. Der Vortragende verbreitete sich dann eingehend über die Ursachen nnd den Grad des bestehende» Wohmiiigseleiids sowie über die Folgen desselben für die minder- und unbemittelten Volksschichte». Heute sei es so weit gekomme», daß die Mieter als Zinssklaven der Hansagrarier bclrachtet werden müßte». Nun sei wohl dem bestehenden Mietervereiii eine gewisse Bedcntimg nicht abzusprechen, doch ein bei weitem besseres Mittel zur Einschränkung des WohimngStviicherS liege in der Gründung von Baugenossenschaften. Nach dem anderthalbstiiiidigen, mit großem Beifall anfgenommeiiei, Vorwage trat Mermuth dem Referenten entgegen. Er bezeichnete die Genossenschaftsbestrcbiingeii als sociales Flickivcrk, durch ivelches die Kräfte der Arbeiterschaft unnötigerweise zersplittert würden. Die Lösung der Wohnungsfrage könne man getrost den, wirtschaftlichen Entivickelnngsprozeß überlassen. Etwa 1000 kleiner Wohnhäuser würden der hiesigen Wohnungmiscre jedenfalls keinen Einhalt thim. Stramm, der Einberufer der Versammlung, polemisierte in längere» Ausführungen gegen Wcrmnth. P e u s suchte unter dem Beifall der Aiiwesenden die Eiiilveiidnngen Werinnths ebenfalls zu entkräften. Zuletzt beteiligte sich noch die Genossin L yjl i Brau>, au der Diskussion. Ihre Aussiihrunäe» hielte» sich ganz im Sinne des Referats, nur wünschte sie im Gegensatz zu Pens, daß die zu erbauende» Wohnhäuser stets linbedingtes Eigentum der Genossenschaft bleiben sollten. Auf verschiedene Anfragen teilte der Vorsitzende Stramm dann noch mit, daß sich die Genossenschaft bereits am 1. März konstituiert habe. 160 Morgen Land seien ihr vom Gutsbesitzer Braun-Alt-Glienicke zur Verfügung gestellt. Der Kauf sei zwar noch nicht endgültig abgeschlossen, doch habe man sich das Areal reserviert. Ein Wohnhaus, bestehend aus zwei Stuben, Küche, Bodenraum und Keller würde voraussichtlich ungefähr drei- tausend Mark kosten. In die ansgelcgten Listen ließen sich nach Schluß der Versammlung eine namhäfte Änzahl der Amveseiiden als Mitglieder eintragen. Schmargendorf. Die Generalversammlung des Wahlvereiiis nahm die Berichte des Vorsitzenden und des Kassierers entgegen und erteilte den, letzteren Decharge. Die Mitgliederzahl stieg im ver- flofienen Quartal auf 39. Gerügt winde' die geringe Beteiligung an ocii Fliigblattverbreituiige». Als Kandidat für die G.e- ,» e i ii d e v e rtr e t er w a h l an, 5. Mai, vormittags 9— 12 Uhr, wurde Genosse B r i I k e aufgestellt. Die Genofseii werden zu», Besuch der Wählerversammlung im Restaurant„Waldschloß" am Freitag, den 2. Mai, aufgefordert. ü, Würz©!& C- Berufskleidung- und Wäschefabrik jem: BrÖCkenstPaSSe 10- 1 Treppe. <■ Einzelverkauf 2U Fabtlkpralsen. Jeder Kfiufer erhält 4 Proz. extra.-�1 MMIIMIIWH mwww iw■ iiw|«�wi 16. Zithuilg 4. Klasse 206. Kgs. Prenß Lotterie. Ziehung vom 30. Slpoii lS0S. BormiMna«. Jiilt die Gewin»« über 232 Mi. sind den belreffeudea Nummern in Itlammern beige lüg!. iOhne Eewühr.) . 2Z 29 219 78 552 678 812[50001 93 984 1266 806 453 54 580 640 46 710 810 2 212 78 301 65 15001 447 602 725 39 70 3032 167 209 387 15001 856 4194 762 73 815 5159 363 892 971 6014 102[6001 270 316 422 921 77 7 200 30 451 562 79 793 80Ö1 103 i.0 274 340 462 97 603 29 743 58 903 47 48 0 491 516 82 .. 10006 502 51 77 630 35 77 83 765 953 11076 89 116[10001 464 684 705 93 801 14 919 44 1 2183 223 15001 366 472 519 735 45[1000] 859[16001 13142 318 405£62 891 14005 15 39 74 120 73 209 324 64 609 110001 68 701 1500) 86 92 905 85 1 5093 98 129 243 60 56 376 619 62 743 58 91 16028 115 287 412 500 33 74 636 799 86, 996 1 7108 14 44 320 516 65 614 815 86 98 944 1 8084 181[5001 205 304 33 413 630[3000] 824 19255 490 595 640 831[3000] 33 20208 319[1000] 47[3000] 65 68 411[500] 529 684 712 850 960 2 1 335[500] 444 517 76[1000] 637 800[3000] 71 22024 85 120 364 483[30001 553 672 230 4 141 51 385 403 12 577 635 90 831 38 77 954 24045 66 163 297 439[5001 505 748[1000] 809 29 66 £ 97J/.?P„ 25281 385 505 14 16 15001 80 663 700 15 ®9_, 2 6052 164 369 490 522 52 82 608 21 803 960 27263«p 513 92 632 47 2 8130 72 73 349 456[5001 85 066 748 898 2 9032 291 92(10001 625 839 966 73 97 30068 569(30001 86 781 902 55 3 1 060 113 209 __— lUV/uuj o\J lux«7Uni OU J-_ 29*3 322 421 26[3000] 30 528 97 696[3000] 710 'fflJSLS5* 53 l 30001 01 658 15001 85 789 92 33017[300] 373 460 537 686 3 4065 349 79(5001 496 616 67 709 94 9o9 92 3 5 264 310 454 97 577 632 713 56 69 3 6010 180 224 539 721 3 7044 186 319 92 743 816 25 SSOSt 174 429 33 88 522 56 95 864 914 39137 72 529 689 733 88 870 87 948 50 142[300] 269 520 77 87[1000] 934 4 1009 ™ 221 52 273 485 603 46 608 11 81 745 1500) 52 86 801 72 994 42156 308 43 71 735 841 43215 423 589 '03 62 922 4 4012 194 260 316 65 73 94 478 4 3009 68 1.>3 74 571 603 9 34 88 710 32[500] 943 98 4 G552 13000] 743 47002[1000] 30[500] 40 71 345 540 614 37 01 71 710 60 874 4 8160 208 327 400 13 008 721(3000) llwni 900 37�7 92 37 � � 021 37 69 739 91 819 .30150 201 767 813 92 5 1 091 184 76 89 378 425 ai K 901 52000 69 70 87 148 202 ?!*1«(L �[Mi 28 S4 808 923 78 5 3013 60 VßJP M 453 570 94[500] 783 953 90 5 4635 950 8m i70 254 321 40 69 462 509 886 907 5 6142 51 X?,20lJ?_?4 306 409 34 98[3000] 538 53 57 653 734 917 57072|40 388 420 541 659 897 5 8220 400 82 684 660 700»71 5 0017 208 69 533 73 86 694 876 953 »19 6«i!?A-93.(i19o4ü89™311.89 438 47 66 516 602 73t 012 hlOio 48 248 79 341 446 81 532 610 56 o/h «« 2*2 774 63110 254 95 316 655 56 66 64()06[500] 136[1000] 223 386 031 52 730 44 «H fl � ä0;! 480 574 693 708 832 949 0OO04 138 s-2 1 57 59 606 782 6 7032 437 620 89 757 6 8080 Ii 290 J590' 308 426 28 30 595 619 707 840 60023 38 59 95 189 707 20 84 850 60 915 .. 7i0]_72 473[3000] 78 767 71122[500] 329 93 546 47 PI 7 5 46 803 45 907 38 68 72022 1500] 99 145 08 72_(1000] 225 430 48 661 781 811 73141(500) im ö.IoJ0.?32 023 752 976 7 4012 126 288 372 467 6?1 21 8£- 04~,7.12 69 820 940 7 5128 220 315 511 43 843 45 9a 76185 370 522 609 906 17 96 7 7099 l00 685 725 80 872 911 82[1000] 78246 359 65 432 872 M 330 99 421 49[5001 560 686 739 79 80718 818 942[5001 8 1 022 67 84 452 53 537 47 S77 075« JiPLi19.0,01 70 164 225 483 545 604 87 827 975 83137 263 41b SO 529[ 3000] 93 037 745 929 9j 99«4052 62 92 177 225 388 505 667 831 54 fä, ZZW 15,2., 220 496 545 741 52 961 80000 27 ,Ä9 71 377 82 93 412 662 82 805 87164 79 228 4°, 463 603 816 7« 988[3000]«8023 83 449 547 72 915 53 84 199 321 24 544 671»11 29 �->»971 138 42 449 65 75 625 813 57 008 48 9 1 348 409 771 840 0 2 026 70 298 99 309 54 81 600 707[500] W S»!«S[500] 00014 65 107[5001 291 453 59 653 M«ff 4'«"' W« ä K„°,°K sj'Si'WnfA« w 98 113-js°»>-°»> »W Sl 167 81 15001 376 640 931 101137 349 08 ,y7.«ZS 90 102063 271[10001 379 479 566 600 28 96 748 83 94 97 842 82 1 03018 62 356 94 415 r? 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Jiehlinqt. Klasse 266. Kgl. Prenss. Lotterie. Ziehung vom 30. April IS02, nnchinitlagS. Rur die Gewiiiii, über 232 Mi. sind den belreileudON Nummern in itliunmern deigesüg). (Ohne Gewähr.) 119 92 356 709 52 900 1246[30001 89 877 723 90 851 2088 308 88 472 76 91 505 46 845 47 59 941 88 3000 31 83 140 54 389 563 686 737 64 68 76 827 66 84 91 [5001 916 73 89 4036 251 379 562 93 07 864 900 13 5190 338 71 430 60 658 733 874 85 963 6100 240[500] 337 549 51 63 71 771 934 7066 135 204 13000] 334 81 401 523 80 666[5001 87 731 848 59 986 8037 60 121 64 220 305 434 28 79 537 94 07 803 23 69 87 925 9038 47 100 202 319 677 904 78 1O024 1500] 38 450 94[1000] 645 85 871 936 77 11224 473 536 53 62 706 18 59 973 91 12076 265 533 073 708 67 855 78 98 915 58 1 3195(10001 267 13001 983 1 4106 12 555 91 841 926 1 5111 65 77 232 49 564 868[1000] 16007 129 52 360[3000] 471 522 81 837 05 815 47 923[5000] 67 87 98 1 7009[3000] 70 188 237 11000! 374 SSI 747 890 911 18:188 403 63 505 648 723 915 82 1 9201 39 350 464 86 768 84 801 67 20032 64 229[10001 83(5001 671 720 41 94 968 2 1 480 609 31 2 2031 15001 207 23 39 357[500] 407 97 503 34 51 96 694 09 821 42 2 3439 52 845 2 4074 90 (3000) 210 95 331 407 53 056 82 940 2 5)21 492 558 684 705 71 821 2 6069(30001 76[10001 238 41 329[ 5001 495 «67 03 885 98 955 27172 345 400 530 51 64 13000) 696 794[3000] 8)0 938 42 91 2 8062 148 71 88 291 337 513 88 702 27 941(5001 20049 145 74 321 440 983 [30001 92 30204 35 66 79 472 79 530 80 620 65 913 31191 237 303 52 651 941 64 3 2083 106[500] 20 24 245 75 370 83 400 4 2 627 609 748 884 926 29 3 3048 259 87 311 793 857 994 3 4012 182 371 535 51 600 739 46 81 953 3 5239 450 511 7U.1 867 3 6193 481 520 740 853 947 37073[10001 626[10001 41 53 707 810 969 70 81 93 3 8204 311 14 94 422 96 500 83 638 800 73 79 973 90 89239 374 433 553 703 978[5001 91 40053 III 48 95 250 310 59 405 95 562 662[1000] 709 906 13 49 74 1500) 4 1019 67 82 282 305 417 520 24 44 629 89 83 972 48066[ 5001 126 99 214 73 387 97 630 87 88? 003 19 4 3020 1500] 64 92 398 470 77 4 4,"36 207 458 505 657 65 907 4 5903 481(50 00 1 545 723 88 835 75 4 6053 517 788 810 12 47193 391[1000] 605 670 723 37 63 997 4 8026«8 163[500] 210[500] 62 377 719 813 49157 232 360 445 547 638 749 78 90 920 50001 153 222 516 655 5 X033 233 397 410 504 83[10001 659 930 5 2351 509 626 706 840 953 5 3059 133 246 484 99 566 636[5001 794[5001 54173 99 234 [5001 99 418 99 564 812 83 5 5103 518 604 341 5 6013 195 302 43 55.5 673 731 74 826 99 5 7060 309 442 561 58031 36 102 89 354 430 48 501 650 62 805 60 5 9253 755 827 921 61 60035 15001 146 64 340 742-DD 61134 380 440 67 SIS 24 28 651 705 31[10001 91« 48 85 6 2227 315 88 433 62 537 66!) 740 8(6 929 52 61 63163 66 367 638 779 6 4024 167 290 311 695 761 6 5287(5001 339 1500] 86 423 48 636 1500) 57 83 6 6099 370 571 67125 450 5)3 746 6 8075 76 299.337 87 651 719 33 72 6 0027 174 02 251 311 26 476 550 620 701[5001 817 23 7 0257 15601 09 45» 509(500) 707 983 7 1 091 118 306 411 35 15001 561 611 90 887 7 2135 402 692[5001 05 73061 269 97 481 743 930 7 4380 443 620 39 798 7 5032 210 24 84 358 429 39 818 74 96 933 7 6007 43[500] 361 439 63 70 633 62 791 843 50 76 79 7 7019 34 92 113 283 321 486 824 74 979 7 8001 123 317 442 549 779 886 7 9156 63 329 94[500] 437 53 68 517 805 47 1500] 80105 27 263 312 60 055 959 60 S1070 123 5.3 253[3000] 73 90 522 00 684 82168(30001 80 99 571 682 762 884«98 8 8063 123 46 83 201 82 312 448 68 583 606[5001 727 8 4000 283 437 71 569 81 657 712 922 8 5069 173 90 276 808 928 86112 18 334 85 341 15001 548 683«08 70 8 7006 197 223 393 561 683 974 88113 246 309 43 80 413 632 59 05 607 8 0222 96 599 410 20 537 40 646 88 98« 90121 467 543 645 942 9 1 030 36 198 343 591 640 «4 772( 500) 864 945 9 2283 84 484 784 801 41 061 (10001 9 3227 330 500 72 95 704 949 9 1052 131 600 799 823 72 908 9 5152 63 243[10001 801 97 982 96065 448 510 33 998[10001 9 7 024 210 488 780 802 60 908 9 8051[10 OOOI 54 209 36 87 351 71 631 38 772 822 67 9 9092[6001 138 203 340 439 40 53 611 757[500] 95 100025 54 57 199 304 622 600 874 1 0 1 074 162 302 61 81 96 409 15(1000) 49 640 775 878 907 1 0 2015 00 178 339 442 51 84 528 680 798 883 934 61 103059 165 435 555 765 871 960 8! 94 104025 76 130 35«17 94 98 1 05173 223 360 70 74 516 97 874 93 923 89 100405 565 675 742[15 OOOI 852 62 65 79 935 (1000) 107035 119 56 72 376 445 541 108227 34 445 51[1000] 53 623 80 1 0 9 201 359 65.3 60 864 77 965 110016 109 301 854 923 111163 287 363 537 93 POOOI 98«39 47 112171(30001 218[500] 42 313 409 608 810 76 90 967 113113(10001 19 632 813 72 114021 148 220 55 91 412 36 5« 84«00[5001 708 88« 903 115212 17 393 406 88 573 1162o3 97 414 39 80 619[500] 630 40 751 117058[3000]. 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Verantwortlicher Redactenr: Carl Leid in Berlin Für den Jiiseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing m Berlin