10la. Adomtments• Ktdingungen: «lbonneminis-Prei» pränumerando: vierteljährl. 330 MI. monatl. 1,10 SRI., wöchentlich 26 Psg. frei ins HauS. Simelne Slumni't 5 PlS- Sonntags« Nummer tnli mumiciur Sonntag!» Beilage„Die Neue Welt" 10 Plg. Post« Rlbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat, Singelragen in der Post- Zeitungg. Preisliste für IVOS unter Dr. 7S7S. Unter ltreuiband sur Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Ate Jnstrtwns-Selilry» beträgt für die fechSgefpaltene Kolonet« zelte oder deren Raum so Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. Kleine Aliteigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort seitj. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittag! in oerExpedilionadgegeden werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abenbS, an Sonn« und Festtagen biS SUHr vormittags geöffnet. Lrjcheinl lüglich außer ZLonkag». Devlinev Volksbleikk. Zelegramm- Adresse: „»oriaideinostrai Lrrlin» Csentralorgan der socialdemokratilchen Kartei Deutschlands. Redalltivu: S�. 19. Beutlz- Striche 2. Fernsprecher: Zlmt I, Nr. 1608. Freitag, den Ä. Mai Expedition: S�V. 19. Ventil-Striche 3. Fernsprecher: Slmt 1, Nr. 5121. Die Maifeier. In ihrem ratlosen Kampfe gegen die Socialdemokratie schivanken die Arbeiterfeinde zwischen ztveierlei gleich thörichter, einander gegensätzlicher Taktik auf und ab; bald werden düstere Schreckensbilder ausgemalt, bald wird in erheucheltem Hochmut erklärt, es sei keine Gefahr mehr,„der Höhepnilkt sei überschritten". Nicht anders auch haben die Feinde der Arbeiterklasse das Mai- f e st behandelt. Auch in diesem Jahre wieder erhoben die Scharf- macherorgane und in holdseligem Bunde mit ihnen einige Liberale, denen nichts widriger ist als jeglicher Liberalismus, lauten Länn wider die Staatsgefährlichkeit des Mnisestes und wider das ungeheuerliche Verbrechen zweier Kommissionen des Reichstags, die diesem Fest zu Gilnsten ihre Sitzungen ausfallen liesten.„Man sollte fast denken, wir lebten schon im socialdcmokratischcn ZuknnftSstaate unter der Präsidentschaft des Herrn Singer"— heult die„Post", und die regierungsosfiziöse Mmichner„Allgemeine Zeitung" jammert, „eine solche Schwäche gegenüber einer starken socialdemokratischen Hcransfordernng erscheint kaum begreiflich". Vesser nach der Meinung dieser jämmerlichen Gesellen, die durch Gewalt und Brutalität das Arbciterweltfest erschwert und gehindert wissen wollen, verfährt der Staat, die Regierung, die Polizei. Ueberall wurde wieder Polizci- gcwalt in Menge aufgeboten, als sei Tumult und Ruhestörung zu erivarten, als stehe der Uinsturz der Staatsordnung bevor, während doch die Feiernden des Mai es sind, Ivclchc die Menschheit aus dem Tumult dieses kapitalistische» Zeitalters zn einer höheren Ordnung emporführcn. Ueberall fast wurden die Festumzüge polizeilich ver- boten, überall wurde bekundet, dag man Furcht empfindet vor der Propaganda des proletarischen Maigedaukeus. Wo aber in ciuzelne» deutschen Gebiete», ivie in Hamburg, Fcstumzüge gestattet waren, da verliefen sie, wie sich versteht, in imposanter Friedlichkeit. Andre Feinde des Maifestcs erprobten die Taktik hochmütiger Verkleinerung; schon vor dem 1. Mai erklärte so die„Vossische Zeitung", das Maifest habe keine politische Bedeitiung mehr, es sei bedentungslos geworden. Diese künstlich erzivuugene Gleichgültigkeit ist nicht lveuiger lächerlich als das Polizei- Aufgebot und der Schreckensalarm der Scharfmacher. Dafe das Maifcst nicht belang- los ist, das hat die gestrige Feier bewiesen. Wenn die Feinde der Arbeiterbewegung die Bedeutung des MaifesteS nicht sehen oder nicht sehen ivollen, so besteht sie nichts desto w e ii i g e r. Im Maifest erneuert sich und wächst von Jahr zn Jahr gc waltiger an das große Befreiuugsslrebc» der lmtcrdrückten Millioneil! Im Mnifest gewinnen neues und stets reicheres Leben die Ideale der vorwärts ringenden Arbeiterschaft! Im Maifcst ist ein Symbol geworden für alle höchsten Forderungen der mcnschheitlichen Kultiir! Mag der Feind schmähen, mag er hoffährtige Spöttelei zur Schau tragen— das M a i f e st marschiert! Alle Nachrichten, die bisher eingelaufen, zeigen, daß die Arbeiter aller Länder treu ihr selbstgeschaffenes Fest bewahren. Und in jedem Lande ist die Maifeier, nebe» den allgemeiusamen Ideen des Achtstundentags, des Völkerfriedens und des SocialiSnnis, zu be- sonderer Demonstration für die Forderungen geworden, die gerade das öffentliche Leben beherrschen. So demonstrierten die Socinlistcn in London gegen den Jingoismus des Bocreukricgs, so inisre belgischen Genossen für das Wahlrecht, zu dessen Eroberung sie, trotz aller Wechselfälle ungebeugt, neue Käinpfe rüsten. In Frankreich scheint das Fest durch Ungunst der Witterung sowie inmitten der Erregungen des WahlkampfeS weniger umfassend begangen worden zu sein.' Um so erfolgreicher scheint, nach den vorliegenden Nachrichten aus Genua und Rom, die in großem Auf- stieg sich entfaltende Arbeiterpartei Italiens de» 1. Mai gefeiert zu haben. Auch aus O e st r e i ch kommen bereits erfreuliche Nach- richten. Freudig aber dürfen wir feststellen, daß die deutsche Mai- fcier keinem einzigen andrem Lande nachsteht. Berlin hat sich als Hauptstadt der Socialdemokratie bewährt; hier waren die zahlreichen VormittagSversammlungen mehr den» je besucht und sie Verliesen ausnahmslos in schöner, eindrucksreicher Begeisterliug. Der überaus bedeutsame Verlauf dieser Bersammlimgen, die den wichtigsten Akt des Maifestes bilden, da sie ein Zeugnis zugleich für die Zahl der wirklich Feiernden geben, läßt gern übersehen, daß die Festlichkeiten in den späteren Tages- und Abendstunden hie und da durch die ungünstige Witterung etivas beeinträchtigt wurden; doch auch diese Veranstaltungen waren im allgemeinen überaus zahl- reich besucht. Nicht weniger erfreulich war der Festverlauf in den übrigen Großstädten Deutschlands, in allen Landesteilen. Ueberall wurde der Maigedanke des menschheitlichen Neu- Werdens begeisterungsvoll verkündigt und in Hundert- taufenden fe st igte sich ueu derWille, unerschütter- lich treu zu verbleiben dem erlösenden Kulturkampf, den die Socialdemokratie känipft. Neu erwies daS Maifcst seine Kraft. Von neuem Thatenmut erfüllt zieht das Heer unsrer Kämpfer zu neuen Kämpfen, zu neuen Siegen!_ Die Maifeier im Ausland. In Belgien ist die Maifeier außerordentlich glänzend verlanfen. ein Belveis, wie wenig sich unsre wackeren Genossen durch das Fehlschlage» der Wahl- rechtserhebung haben deprimieren lasten. In Brüffel fand abends ein großer Umzug ohne Musik statt. Die Fahnen ivaren umflort zum Zeichen der Trauer um die Gefallenen. Nach dem Umzug fand eine Massenversanimlung iin Volkshause statt. Die Fest rede hielt Vandervelde. Die Schulen und Gemeindebureaus der Vorstädte waren geschlossen. Die neutrale Zone war bewacht, die Gendarmerie konsigniert.— In Gent Ivar die Arbeitsruhe der Metallindustrie vollständig. Die Stadt trug Flaggenschmnck. Am Vormittag fand ein Festzug statt.— In MonS feierte» 15 000 Arbeiter. ES wurden Volksschauspiele veranstaltet, abends Festversammlung im Volkshaus.— In Chnrlcroi war die Arbeitsruhe vollständig. Tagsüber fanden Umzüge, abends Fest- Versantmlungen statt.— I» Hondeng waren die Schilleil geschlossen. An den Kinder- Umzügen, bei denen schwarz umflorte rote Fahnen gelragen wurden, nahmen 3000 Kinder teil. In Jolimont beteiligten sich am Umzüge 10 000 Personen, darimler 600 Schulkinder. In Ccntre fand ein Ricsenfestzug statt, abends Versammlungen. Die Stadt war illuminiert. Im Liitticher Revier herrschte in den Kohlengruben Arbeitsruhe. In Antwerpen fand morgens ein großer Umzug statt, abends eine Mosienverfaminlnng. Nirgends kam es zu Zwischensällen. Ueberall herrschte strömender Regen. England. Im Alexander- Palast in London fand ein Nicscnmccting statt, an dem 4000 Personen teilnahincu. Die hervorragendsten Führer der Gewerkschaften und der beiden socialistischen Parteien waren anwesend. Es sprachen S t e a d m a n n. C n r r a n S n o w d e n und H y n d in a n. Die Versammlung faßte Resolntionen, in denen der Achtstundentag und das allgenteine Wahlrecht gefordert und dem internationalen Proletariat Brndergrüße über mittelt wurden. Schtveiz. Trotzdem auch in der Schweiz die kalte regnerische Witterung vorherrschte, hat diesmal an zahlreicheren Orten eine Maifeier stattgefundcit als früher. In Zürich fand vormittags ein wundervoller Fcstzng statt, an dem sich 6000 Personen, darnnter 1000 Frauen, beteiligten. In Wintcrthnr, Bern, Basel, Genf, Lansauuc und Lnzcrn, überall ist die Feier höchst befriedigend verlaufen. Eine Protest- resolntio» gegen die Zollpolitik wurde überall einstimmig an- geuommen. Italic«. Mailand, 2. Mai. sB. H.) Die Arbeiter sämtlicher Gewerkschaften hielten gestern anläßlich der Maifeier Meetings ab und organisierten Umzüge. Der Genieindernt hatte die Arbeitseinstellung von 2 Uhr nachmittags ab für die städtischen Arbeiter erlaubt. Der erste Mai in Berlin. Während der Nacht tvar ein leise rieselnder Rege» niedergegangen. Erst gegen Morgen verstummte der monotone Tropfenfall, der manchem nach werktäglicher Gewohiihcit früh erwachten Arbeiter einen AnSrnf der Verwünschung entlockt haben niag. Als ivir uns nach 9 Uhr aufmachten, um durch Rundfahrt durch die Stadt den Eindruck dcö festtäglich veränderten Straßenbildes in uns anfzu- iiehnicii, sah der Himmel noch immer mürrisch genug drein. Aber allmählich glätteten sich inliner mehr seine Runzeln, bald brach die Sonne durch und badete Straßen und Menschen in einer Flut goldigen Lichtes. Die Bäume und Sträuchcr der die breiten Ringstraßen und Plätze zierendc» Anlagen hatten sich ja schon seit einer Woche für einen würdigen Empfang der Mai-Sonile vorbereitet, die zitternden Sonncnlichtcr umspielten das prächtigste Maigrün. Woher auf einmal dieser so überraschende Wittcrungsnmschlag, der sich doch eher für den launischen April geziemt hätte? Wir konnten uns das Phänomen anfangs gar nicht erklären. Ztvar war uns schon eine Masse Militär begegnet, ganze Regimenter Artillerie und Schwadroiicii Kavallerie, die so sauber und blank lackiert aussahen, wie nach frischem Lack duftendes Spielzeug, das man soeben aus der Schachtel ge- nomine». Aber wir wußten dafür keine Deutung. Galt das vielleicht dein roten ersten Mai? Möglich, nach den aufcegendcil Vorgängen in Belgien hatte man schon alle Ursache, auf der Hut zu sein, zumal ja die Deutschen, falls sie erst einmal eine Revollltion machen sollten, bei ihrer berühmten Gründlichkeit leicht noch un- angenehmer werden könnten, als ihre belgischen Gesinnnngs- genossen. Als wir dann aber wahrnahmen, daß die Polizei vor den Versammlungslokalen diesmal nur in ungewöhnlich geringer Zahl anwesend tvar und überhaupt ihres Amtes in anerkennenswert diskreter Weise waltete, wollte das wieder nicht zu de» kriegerischen Vorbereitungen passe», die uuseril Busen schon vor Hochgefühl hatten schwellen lassen. Erst als wir niittags wieder in die Nähe des Tempel- hofer Feldes gelangten, wurde uns die Ursache des blanken Aussehens der zahlreichen Krieger und des freundlichen Sonnenscheins klar. Auf dem Tempelhofer Felde fand wieder einmal ein buntes Kriegsspiel unter der Anwesenheit des Kaisers statt. Hohenzollern-Wetter! Das ivar des Rätsels Lösung I Deshalb hatte die Sonne den grauen Wolkenvorhang so rasch zurückgestrichen. Und deshalb rieselt auch jetzt am Nachmittag der Regen tvieder so bindfadenartig vom Himmel. Die Parade ist ja beendet und das Feld liegt wieder einfarbig und öde. Der alte Wettermacher Petrus scheint Ivirklich nicht gut ans uns zu sprechen sein, ist dies Maifest doch nicht das erste, das so schnöde verregnet. Er sollte aber ivirklich endlich eingesehen haben, daß er uns durch seinen kindlichen Schabernack die Festfieude doch nicht zn verderben vermag. Und ob er sich auch mit Arthur Levysohn ver- biindete, wir feien« unser internationales Fest der Völkerverbrüdernng und des Achtstundentages dennoch! Der Morgenfeier kam übrigens da«„Hohenzollern-Wetter" prächtig zu statten. Mau brauchte nicht die Straßenwagen zu stürmen, ,nan konnte, wenn man es nicht gar zu weit hatte, zu Fuß dem Ver- sammlungslokal, das zum Stelldichein für die einzelnen Branchen bestimmt ivar, zueilen. Und die Masse der sonntäglich gekleideten Arbeiter, die sich, den Versammlungen zuströmend, auf der Straße beivegte, drückte dem Straßenbild der Arbeiterviertel durchaus den Charakter auf. Schon um 9 Uhr begann in den um den Tempel- hofer Berg sich gruppierenden Straßen die Wandening»ach der Bock-Brauerei, wo die Maurer und die graphischen Gewerbe ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten. Auf den Boulevards der Gneisenanstraße und des Urban-Platzes beivegte sich in iinmer zahlreicheren Gruppen die festtägliche Arbeiterschaft dem Riesensaale der Neuen Welt zu. In der Hasen- Heide verschmolzen die Gruppen zu einem ununterbrochenen Menschen- ströme. Aber auch in der Adalbert-, der Köpnicker-, der Andreas- und der Großen Fraukfurterstraße verliehen die den Versammliinge» zustrebenden Arbeiter dem Straßenbild ein festliches Gepräge; selbst in so belebten Straßenzi'igen, ivie die Skalitzer- und die Oranieit» straße, mußte auch dem Arglosen die Menge feiernder Arbeiter ans- fallen. Die großen Versammlungslokale ivaren, soweit ivir uns persönlich davon überzeugten, sämtlich überfüllt, Kellers Fcstsäle und der Feenpalast nicht minder wie die Bockbranerei und die Nene Welt. Und als sich gegen Mittag die Versammlungslokale entleerten, überfluteten die Maidemonstranten im Norden ebenso massenhaft die Straßen, Ivie ivir das vor Beginn der Versammlungen im Südwesten im Osten beobachtet hatten. Der Verlauf der Maifeier scheint tins also auch diesmal ein ä ii ß e r st erfreulicher und imposanter geivcsen zn sein. Die Krise, die den Arbeitgebern ja die Macht giebt, die Fuchtel des Unternehmer-Absolntismus besonders unverfroren über den Arbeitern zu schwing en, dürfte ihr kainn irgend welchen Abbruch gethan haben. Der Gedanke der Maidemonstrasion ist dem Proletariat in Fleisch und Blut übergegangen, der Arbeiter empfindet es als ei» schweres AcrgerniS, als eine Schmach, am 1. Mai nicht als freier, der Arbeitsbürde entladener Mensch»üt seinen Kanicraden für sciiie Ideale demonstriere» zn können. Wie viel Arbeitslose sich unter den Deinonstrantell befunden haben, ent- zieht sich natürlich unsrer' Beurteilung, allein Aussehen und Haltung der Versaiumlnngsbesucher schien»ns doch zn beweisen. daß sie weitaus in ihrer Mehrzahl das Opfer eines TagclohuS gebracht halten, um sich mit ihren Gesiinimigsgenossen in ernster Festfeier zn vereinigen. Der heilige Ernst der Feier spiegelte sich in den Mienen der Versamnielten, die den schlicht beredte», anfeuernden Worten der Redner lauschten. Die gleiche sinneude Andacht lagerte auf dem Antlitz der ergrante» Veteranen der Arbeit und auf den jngeiidlich-kecken Zügen der Rekruten der Arbeiterbewegung. Freilich sahen ivir auch manchen Proletarier, der an der Feier nicht teiluahm. Wir sahen manch verivitterte, in der Kleidung hernutergekomniene Gestalt, die in dumpfer Gleichgültigkeit dahin- schlich. Kein Schimmer von Festesfreude lag auf diesen durchsurchte», stilinpfen Zügen, keine Maienhoffninig belebte den stieren Blick. Dem einen oder andren hatte dafür das alkoholische Laster seincn eklen Stempel aufgedrückt. Der honette Bürgersmann geht diesen Gestalten in ivcitem Bogen aus dem Wege, er hat»nr das Gefühl der tiefsten Verachtung für dies„Lumpenproletariat". lind in der That, man braucht keine Stildienreise nach dem Ostend von London anzutreten, in» die traurigsten Typen des Lumpen- Proletariats kennen zu lernen. Auch in Berlin begegnet man häufig genug Geftalteil. die dem fühlenden Nebemnenschen das schauerlichste Mitleid einflößen niiissen. So sieht Dein Nächster ans, den daS Cbristcntitnl Dich als Bruder lieben lehrt! Der feiste Börscancr, der in clegantem Gefährt vorüberrollt und dem das menschliche Jammer- bild ins Auge fiel, läßt sich freilich seinen Appetit dadurch uicht stören. Wie viele dieser Lninpenproletaricr mögen noch vor Jahr und Tag arbeitsame, sclbstbcivnßte Männer gewesen sein I Die Krise hat sie aufs Straßenpflaster geworfen. Nene Arbeit, Ivenigstens dauernde, haben sie nicht mehr gefunden. Ihr Mobiliar wanderte mit dein Sonntagsaiizng auf Niimnerwiedersehen ins Leihhaus. Schmutzig und zerlumpt schleicht nun der AuSgestoßene durch die Straßen. Das lleberniaß des Elends und der Erniedrigung hat ihn ftnmpf gemacht. Der Alkohol ist sein einziger Sorgcnscheilcher, alles andre ist unter den Horizont seines Beivnßtseins hinab- gesunken. Auch der Kampfcsschwnr, eine Gesellschaft auf- richte» zu helfen, die kein Proletariat und erst recht kein Lumpenproletariat mehr kennt, ein Schwur, den in den Maiver- sannnlllngen soeben unzählige Taufende ablegen, läßt sie kalt und gleichgültig. Gleichviel, die Sonne des Völker-Maies, des MenschheitS- frühlings, den der Socialisnuis heraufführen wird, ivird dereinst auch diesen ansgcstotzenen Parias der Gesellschaft scheinen! Und diese Sonne, die alle Keime edlen Menschentinns hcrvorlocken und die Trüntnier der kapitalistischen Welt mit freudig ranleudein Grün überdecken wird, ivird so sicher groß und flaimnend emporsteigen, ivie das TageSgcstirn am Morgen über die Schatten der Finsternis trilnuphiert. Die Herzen der Pro- letarier schlagen dein Sonnenaufgang mit heißer Sehnsucht ent- gegen, das beweist auch die heutige Heerschau des Proletariats. Mag die alte Welt»och so emsig ihre Truppen exerciercn, den Sieg des Socialismus vermag sie nicht aufzuhalten. Der Socialismus verfügt über Waffe», die noch gefährlicher, tödlicher sind, als alle Kleinkalibrigen und Maximgeschütze: über Gedanken und Ideale, die unverivmidbar sind, unzerstörlich und unwiderstehlich I Maifeier der Berliner Gewerkschaften. Die Maifest-Vcrsannnluna der Metallarbeiter im Feenpalast war von iniiidesteils SSM Personen besncht. An Stelle dcS ertränkte» Genossen Singer hatte Reichstags- Abgeordneter Antrick das Referat jibernominen. Aufmerksam' lauschte die Menge den zündenden Worten des Redners und spendete ihm am Schlüsse seiner Ans» führiinge» lebhaften Beifall. Auch der Sängerchor der Metallarbeiter wirkte durch den Vortrag zweier klangvoller Lieder begeisternd auf die Feststiimniing der Anivesendcn ein. Die vom Vorsitzenden ver- lesene.'der Bedeutung des Tages entsprechende Resolution fand ein- stimmige Annahme. Zun, Schlutz gab der Vorfitzende bekannt, dast alle Kollegen, die wegen ihrer Beteiligung an der Maifeier gemäß- regelt würden, dies iin Gewerkschaftshanse melden mochten. Die Holzarbeiter hatte» sill, i» einer Anzahl von über 12 000 in der Reuen Welt versammelt. Schon lange vor Beginn der Ver- sammlnng war der Saal überfüllt, in, Garte» wogte» Tausende der Teilnehmer auf und ab. Eine so imposante Maifeier haben die Holz- arbeitcr noch in keinem Jahre begangen, trotz der Drohungen der Unternehmer. In, Saale sprach'Frau Klara Zetkin vor einer dichtgedrängte» Menge über die Bedeiitnng des TageS. Stürnnsche Beifallsbezeugungen riefen die trefflichen Änsführiin'ge» der Referentin hervor. Zur Einleitung sowie zum würdige» Ab- schluß der Festversanmrlung wurden Freiheitslieder von Sängern ans den Reihe» der Verbandsmitglieder zum Vortrag gebracht. An- knüpfend an die Liedstrophe„Empor zum Licht" w'icS Frau Zetkin dann noch einmal auf den große» Kanipf des Proletariats und seine Ideale hin, auf den Kampf um eine höhere Kultur, um ein Leben in Wahrheit und Schönheit, um Gerechtigkeit, Freiheit und Bildung.— Die Versammlung der Holz-, Gtelnbildhauer»nd Modelle««. welche in der Dresdenerstr. S6 tagte, war von 400 Kollegen besucht und folgte dem interessanten Vo,-trage des Rechtsanwalts Frän kl. Die Resolutioi, wurde einstimmig angenommen. Die an Holzbearbeitungsinaschiue» beschäftigten Arbeiter hielten in der.A l h a m b r a", Wallnertheaterstratze, eine gntbesuchte Versammlung ab. Referent war Dr. F r i e d e b e r g. Die Re solution der Gewerkschafts- Kommission wurde einstimmig an- genommen. Die Maiversammlung deS CcntralverbandcS deS Maurer war außerordentlich stark besucht, so daß der große Saal der Boch brauerci schon ty-io polizeilich abgesperrt wurde. Im Saale, ans den, die Tische entfenit wurden, saßen und standen Kopf an Kop gedrängt circa 3000 Mann. Referent war der Reichstags Abgeordnete W. Heine, welcher in einer einstündigc» Rede die Ziele der Socialdeniokratie klarlegte. Rauschender Beifall belohnte die trefflichen Ausführungen des Redners. Die von der Berliner Gewerkschafts-Kommission vorgeschlagene Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Der Andrang zur Versammlung war so stark. daß circa 2000 Kollege» im Garten Platz nahmen. Ilm festzustellen, in welche», Maße der Beschluß der Unternehmer, Anssperrung aller Maifeiernden ans 8 Tage durchgeführt würde, erfolgte eine Probe durch Handhochheben der Ausgesperrten, welche ergab, daß circa 800 der im Saale Anwesenden die Hand hoch hoben. So ist heute schon festgestellt, daß die Unternehmer vollständig Fiasko gemacht haben Die Arbeitsrnhe ist als allgemein zu bezeichnen. Die Putzer füllten den großen Saal bei Keller. Koppen straße,„nd die Galerien. Besonders zahlreich waren auch die Frauen erschienen. Etlva 2000 Personen folgten den Gesangs Vorträgen und der von häufigem Beifall unterbrochenen Festrede deS Genoffen W a l d e ck M a n a s f e i» begeisteriingsvoller Stimmung. Auch die Polizei nahm auf ihre Weise innigen Anteil an der Arbeiter- kundgebung, sie war durch einen Hauptmann, einen Lieutenant, zwei Wachtmeister, einen Äriiiiinalbeaintei, und durch eine große Anzahl von Schutzleuten vertreten, welche in einer eigens im Hause ein» gerichteten Polizeiwache organisiert waren. Die Versammlung der Ceutralorganisation der Zimmerer im Grand Hotel Alexandcrplatz war vo» miiidesteiis 2000 Personen be- sucht. Nach dem eingehenden Referat des Genossen Dr. A r o» s wurde die Nesolntio» der Gewerkschastskommisfion einstininiig angenommen. Der Vorsitzende Knüpfer machte daraus aufnrerksaiii. daß sich die Ausgesperrten„ n d die Arbeitslosen in der Zeit von, 2. bis 7. Mai täglich zur Kontrolle zu stelle» habe» behufs Empfang der lluterftützinig und schloß die Versammlung mit einem jubelnd aiifgenommeucii Hoch auf die iiiternationale Arbeiterbewegung. Die Bau-Arbeitcr waren 2S00 Mann stark am Vormittag bei Klicm in der Hasenhaide versammelt. Viele kehrten wegen Ucber- füllnng des Saales»m und suchten in der Neuen Welt Einlaß, wo die Holzarbeiter versamuielt waren. Referent war Dr. Alfred Bernstein. Die Resolution wurde mit Begeisterung an- genommen. Die Nabitzpntzer waren in einer Anzahl von weit über 800 Personen in de» A r i» i„ h a I l e„ versammelt, um ei» ans de» Tag bezügliches Referat des Genosse» Hermann Schubert cnt gegenzunehme». Unter große», Beifall der Amvesciideii geißelte der Redner die traurigen politischen und socialen Zustände imsrer Gesell schaft und forderte zum Eintritt i» die politische»nd gewerkschaftliche Organisatio» auf. Der Borsitzende Genosse Nieke schloß»lit einem begeisternden Hoch auf die Socialdeniokratie. Die Versammlung der Stnccnteure, Dachdecker und Asphalt- leger, welche im Saal I des Gewerkschaftshauses tagte, war über- füllt. Während des Vortrages mußten die Tische ans den, Saal geschafft werden. Es mögen gegen 4b0 Personen anwesend gewesen sein. Genosse Ritter, welcher hier referierte, fand an, Schlüsse seiner Ausführungen stürmische» Beifall. Eine Disknfsion fand nicht statt. Die Resolution der Berliner Gewerkschaftskomnnssion fand einstimmige Annahme. In der Versammlung der Maler sprach Dr. Zadel. Die Be- sucherzahl betrug über'300. Die Resolution der Gewerkschasts- konnnission fand einstimmig Annahme. Die Versammlung der Steinsetzer und RaiNllier tagte bei Niimann, Referent war L. Schmidt. Die Besucherzahl betrug ca. 320. Die in den Vororten wohnenden Kollegen haben die Ver- sainmlungen ihres Wohnortes besucht. Die Resolution wurde ein- siimmigfangeiiomnieii; die Arbeitsrnhe in, Berns war nahezu allgeinein. In der Versammlung der Steinarbcitcr im Englischen Garte» sprach Max Kiesel über die Bedcntung des Tages i» IVzslündiger Rede. Die Aussühningen fanden lebhaften Beifall. Die Besucher- zahl betrug ca. 200. Die Töpfer waren 1200 Mann stark im Gewerkschaftshause versammelt. Referent war Genosse L i n ck. Nach Aniiahnie der Resolution wurde die Verfaniinlnug mit einein begeisterte,, Hoch auf die Socialdeniokratie geschlossen. Die Versaminlung der im Handclögewcrbe beschäftigten Per- sonen fand um 12 Uhr in den A r», i» h a l l e» statt, nin auch denjenigen Personc» die Teilnahme zu erinöglicheu, denen die Demonstration der Maifeier durch Arbeitsrnhe nicht vergönnt ist. Die zahlreich Erschienciien zollte» de» eiiistnndigen Aussühruiige» des Genossen Pfaunkiich ungeteilten Beifall. Die Resolution des GewerlschaftSausschuffes fand mit einem Amendeincut Pfannkuchs, das den kämpfenden Genossen Belgiens. Schwedens und Rußlands die Sympathie ausspricht, einstimmige Amiahme. Gegner, die zur Wortmeldung aufgefordert wurden, meldeten sich nicht zum Wort. Mit einem begeistert ausgebrachten Hoch ans die internationale Arbeiterbewegung fand die imposante Versammlung ihren Abschluß. Gegen 1000 Schneider und Schneiderin, irn waren an, Vor- mittag des I.Mai in den Arininhallen oersammelt. Die Ver- sammlnng trug einen besonders würdigen Charakter, da der Gesaug- verein der Schneider Berlins dieselbe mit dem schönen Lied .Begrüßung des erste» Mai" eröffnete. Genosse T ä t e r o w legte in ciner IVsftündtgen Rede die Bedeiitnng des Wcltfeiertages dar. Einstimmige Aiinahme fand die vom Ausschuß der Berliner Gewerk- schafts-Koimnissio» vorgeschlagene Resolution. Zum Schluß traten die Sänger„och einmal zusammen, und keäslig erklang das Lied .Wir glauben an der Freiheit Sieg". Dan,, wnrde mit eine», be» geisterten Hoch ans die inlernationnle Völkerverbrüderung die Ver» sammlnng geschlossen. Die Textilarbeiter, sowie die in der Bekleidmigs- und Wäsche-Judustne und in der Stickereibrauche beschäftigten Arbeiter, ebenso die Hutmacher und Kürschner versammelten sich gemeinsam Neue Roßstraße 3. Referent war Gen. H ü b s ch. Die Versammlung war von ca. 200 Personen besncht. Die Nesolntio,, des Gewerkschaftskartells fand eiiistiiiiniig Annahme. Die Arbeitcr und Arbeiterinnen im Buchbinder- und Leder galantcrie- Gewerbe waren bei S t e ch e r t. AndreaS-Festsäle, in einer Anzahl von ca. 200 Personen— zahlreicher als voriges Jahr— versammelt. Ueber die Bedeutung deS TageS referierte P a u' Dupont. Eine Resolution wurde einstimiing augenonimen und die Versammlung»ach circa eiiistüudiger Dauer init einem be geisterten Hoch auf die Organisation und die moderne Arbeiter beweguug geschlossen. Die Versammlung der Glasarbeiter war von ca. 80 Personen besucht. Die Unternehmer konnten infolge des verlorene» Streiks den größten Druck auf die Arbeiter ausüben. Jedoch kann die Be tciliguiig noch eine gnte genannt werden, da die S t r a l a ,, e r Glasarbeiter ihre Bersammluttg in Stralau abhielten und i» Berlin nur 130 Kollegen vorhanden sind. Die Resolution fand ein stimmige Ailnahnie, nachdem der Vortrag mit Beifall auf genommen war. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Schuhindustrie halten sich im Schweizer-Gartcn versammelt. Der Saal konnte die Erschiene»«, nicht fassen, sie mußten sich deshalb zum Teil im Garten aufhalten. Durch die Kontrolle wnrde festgestellt, daß gegen 1800 Personen au wesend waren. Die Festrede hielt Dr. M a x S ch ü t t e. Er ggb in großen Zügen eine Schilderung der politischen»ud sociale» Ent Wicklung in, vorigen Jahrhundert, er ging dann auf die Arbeiter beweguug der Gegenwart ein.„nd' forderte zun, Schluß unter brausendem Beifall auf zur Teilnahme an dem Kampf für die Ziele des modernen SocialiSmuS. Mit Vorträgen eines Sängerchors wurde die Feier eröffnet und beschlossen Die Lederarbeiter waren Badstr. 36 versammelt. Genosse Sassen dach hielt das Referat; die Teilnehmerzahl betrug 520. Die vom Verband der Sattler» Ortsverwaltung Berlin, ei»- berufene Versammlung war von etwa 500 Personen besucht. Der Kollege G. A ß in a n n hielt das Referat über die Bedeutung des Festtages der Arbeit. Die Versammlung gab ihre volle Zustimmuiig zu de» Ausführungen des Refereiitc,, z» erkennen. Die öffentliche' Versammlung der Tapezierer»ahm ein Referat deS Kollege» Wels niit stürmische», Beifall entgegen. Die Re soliitio» der Geivetkschaftskommission wurde einstiuiniig aiigenommeii Anwesend waren 300 Personen. Die Versammlung der Grapcure und Cisclcn« im „Dresdeucr Garlen", DreSdenerstr. 45, war von 120 Personen be- sucht. Dr. Rudolph Steiner gab in großen Zügen einen lieber- blick über die geschichtliche Entwicklung der Arbeit und der Arbeiter» beweguug in den Kulturländern, um dann den Charakter der modernen Arbeiterfrage zu zeigen und der Bedeutung des 1. Mai vom Standpunkt deS SocialismuS zu kemizeichnen.— Die Resolution der Gewerkschaftskomi, nssio» wurde e i n st i m m i g an- genommen. Unter den Anwesenden befanden sich 14 Arbeitslose. Tie Elcktromontenre. eine noch junge Organisation, beteiligte» sich i» diesem Jahre zu», erstenmal durch eine VonnittagSvcrsann» lnng a» der Maifeier. Der zweite Saal bei Nümann, Brunnen- strotze, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einem mit Beifall anfgenonimenen Referat des Genosien R e i ch a r d t wurde die von der Gewerischaftskommiision vorgeschlagene Resolution ein- stimmig aiigeiionmie». Mit eine». Hoch auf die moderne Arbeiter- beweguug schloß die Versammlung. Die Vergolder hielte» ihre Maifeier in der Alhambra ab; es waren 450 Perjonen zugegen. Stadtv. Genosse H o f f», a n„ hielt das Referat. Die städtischen Arbeiter waren am Abend 600 Personen stark in Cohns Festsälen versammelt und spendeten einen. Vortrage des Genossen Paul Hirsch verdienten Beifall. Ter Redner wies be sonders auf die Forderungen hin, die von der Gemeinde als Arbeit- geberin zu erfüNen sind. Es war das erstemal, daß die städtischen Arbeitcr die Feier des 1. Mai gemeinsam begingen. Die Porzellanarbeitcr waren bei Wollschläger in der Adalbert straße versammelt. Genosse Müller hielt vor 73 Zuhörern den Fest- vortrug. Die Resolution der Gcwerkschaftskommission und folgende Resolution zu Guustcn der französischen Porzellanarbciter fand ein- stimniige Annahme:„Die heute zur Feier des 1. Mai versammelten Porzellanarbeitcr Berlins entsenden de» streikcudci« Berufsgenossei, in L i m o g e s brüderliche Grüße. Die Bersaminelten wünschen, daß die französischen BerusSgenosse» aus ihren, berechtigtci, Kampfe»n, die Wahrung ihrer Rechie als Sieger hervorgehen mögen." Im kleine» Saale der Berliner Bockbranerei feierten die graphischen Arbeiter und Rrbeiteriunc» den 1. Mai. Dcr Saal war schon lange vor Beginn der Feier so dicht besetzt, daß Hmiderte, die noch kamen, stehen mußte» oder leinen Einlaß fanden. Es war eine imposante Kundgebung. Mitglieder der graphischen Gesangvereine leiteten die Feier mit dem herrliche» Liede „Wir' glaube» an der Freiheit Sieg" ein. Dam, hielt Frau L y l i Braun eine ausgezeichnete Festrede. Nach- de», die Resolutioi, der Berliner Gewerkichafts-Ko», Mission ein- stiminige Annntime gefunden, traten die Sänger zusammen und sangen unter lebhafte», Beifall der Versammelten das Arbeiter- vaterlandslied. Mit einem kräftigen Schlußwort des Leiters der Versammlung und einem brausend aufgenommene,, dreifache» Hoch auf die organisierte Arbeiterschaft fand die Feier ihren Ab- chlnß. Die Versaminlung von Arbeitern und Arbeiterinnen der Nah- rnngö-»nd Genuffinittclbrauche zählte 499 Teilnehmer. Im vorigen Jahre ergab die Anszählmig die Anwesenheit vo» 592 Per- 'oneii. Auf die einzelnen Berufe verteilt ergab sich folgendes: ES waren anwesend: 50 sin, Vorjahre 39) Barbiere, 23(32) Kon- ditore», 28(36) Musiker. 91(54) Bäcker. 66 ,91) Brauer„nd Branerei-Hilfsarbeitcr, 39(86) Gastwirtsgebilfen, 35(76) Schlächter und 147(178) Tabakarbeiter. Das Referat hatte Robert Schmidt übernommen, der das Thema unter lebhafter Zustimmung der Versammlung behandelte. Vom GewerkschaftSkavtell war folgende Resolution vorgeschlagen: „In Uebereinstimmnng mit den internationale» Kongressen der gesamte» Arbeiterschaft der Welt nnd nach de» grundlegenden An- ordnunge» des Kongresses der socialdemokentischen Partei Deutsch- laiids zu Köln(1893) feiert das Proletariat heute am 1. Mai 1902 zum 13. Male den Weltfciertag der Arbeiter, welcher den Klaffen- orderunge» des Proletariats, der iuternalionalc,» Verbrüderung und dem Weltfrieden gewidmet ist. Mehr dem, je müssen am heiltigen Tage die Klassenfordennige» deS kämpfenden Proletariats den Weg der gesaniten unterdrückte» Menschheit finde». Mehr den» je muß am heutigen Tage das Banner der internationale» Solidarität entfaltet und letztere bekräftigt werden. Denn im Geiste kämpfen wir mit uiisren Brüdern, die im Osten nach einer Verfassung, im Westen narf» einem allgeniciiiei, Wahlrecht den Kamps gegen ihre Unterdrücker, gegen die Reaktion unter den schwersten Opfern aufgenommen haben»nd heltenmiitig standhalten. Wir Ver- ammelte» übermitteln den kämpfenden Brüdern»nsre Sympalhie« und brüderlichen Grüße. Ihr Sieg ist auch unser Sieg! Der Völker« Mai bringt Völkerfriede» I Die Versammelten bekunden anfs neue, mit aller Kraft und Energie für die Verwirkliänmg der in der Maifeier zun, Ausdruck konnnenden Gedanken einzutreten. Die am eigene» Leibe gemachten Wahrnehmungen der Wirt- chastliche» Krisis, die Folgen der Arbeitslosigkeit, beschränkte Arbeits- zeit und die dazu eingenommene Stellung der Regierung, veranlaßt nirch die Noistands- Interpellation,'können die heute Ver- ammelten nicht vergessen. Die Regierung der besitzenden Klassen hat nicht die' Fähigkeit, nicht die Kraft, noch den guten Willen. socialpolitische Maßnahmen zu beschlennige», um der Not der Zeit gehorchen„nd damit das namenlose Elend, welches auS den Zahlen der Arbeitslosen-Statistike» hervorging, zu lindern. Daher fordern die heut Versammelte,, zunächst ein unbeschränktes Vereins- und VersanimllMgSrecht und die unbeschränkte Ausübung des Vereinsrechtes zur Erreichung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingungcn. die die Neichs-Gewer'be-Ordnung gewährleistet. Einmütig protestiere» die heut Versammelten mit Eiitschiedeuheit gegen jede zollpolitische Maßnahme, welche die Lebenshaltung cer breite» Masse des Volkes verteuert. Nieder mit dem Brotwucher I wird so lange die Parole der Ver- sammelten sein, bis die Attacke der Agrarier auf den Lebensnerv des arbeitenden Volkes zurückgeschlagen ist. Hierzu fordern wir i» erster Linie da? allgemeine, gleiche, direkte und geHein, e Wahlrecht für alle Körperschaften der staatlichen und kommunalen Gesetzgebung und Verwaltiiiigskontrolle. Angesichts der Thatsache, daß die Zahl der Unfallverletzten wiederum eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen hat, die Zahl der Gelöteten auf dem Scblachtfelde der Arbeit mit jedem Jahr sich um Tausende vermehrt. Witwe» und Waise» in durchaus imzulnng- liche», Maße versorgt werden, forder» die heut Versammelte» eine wirk- same Arbeitcrschutz-Gesetzgehung unter Anteilnahme der Arbeitcr au der Organisation der' Unfallverfichcrimg und llnfall- verhütung im Interesse ihrer Gesundheit, ihrer Sittlichkeit. Dazu ist erforderlich die Festsetzung eines höchstens acht Stirn den betragende» Normalarbeitstages, um den Arbeitern Zeit und Möglichkeit zu gewähren, sich die für die Erriiigmig ihrer Ziele »otweudigen Kenntnisse anzueignen, die Verwirklichung eines Reichs- Arbeitsamtes und durchgreifende gewerbliche Hygiene. Wohl find die Versammelte»' davon iiberzengi, daß alle Wer- bessernngen für die Arbeiter infolge eingeführter Reformen imierbalb der gegenwärtigen kapitalistische» Gesellschaftsordnimg nur Palliativ- mittelchen sind. Die Befreiung der Arbeiterklaffe' kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein, besten eiuzigste Möglichkeit in der politischen»nd gewerkschaftlichen Organisation wurzelt'. Die heut hier Versammelten sind sich der Schwere des gewaltigen Kampfes zwischen Kapital und Arbeit bewußt, der Sieg gehört ohne Zweifel demjenigen, welcher in dem wirtschaftlichen Kampf die Vorstufe zum befreienden politischen Kampf richtig er- kannt hat. Für diese Forderungen erheben wir heute„nsre Stimme»nd reichen allen denen brüderlich die Hand, ohne Rücksicht ans Rasse, Nalionalität oder Glauben, die mit uns den„nerbiltlichei, Klassen- kämpf ailfnchnicn„nd bis zun, Ende durchführen wollen." Die Versammlung der Maurer Berlins und der Vororte(Ver- trauensmänner-Centralisatio») fand in den Germania-Prachtsälen, Chansseestraße 103, statt. Der große Saal nebst Galerien waren überfüllt. Es mögen an 3000 Männer und Frauen anwesend gc- wesen sein. Genosse H e i>» a„ n hielt einen mit reiche», Beifall entgegengenommene» Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai. Die in Betracht kommende Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach Abfingen der Arbeiter-Marseillaise schloß der Vorsitzende die vom besten Geiste beseelte Versa», niliing. Die lokalorganisierie» Zinimerer hatten sich im Böhmischen Brauhaus versammelt. Mehr als 1500 Personci, waren erschienen. Das Referat hielt Genosse Kaliski. Die vom Gewerkschasts- kartcll vorgeschlagene Resoliition wurde vüt LZegeijtermig an- genomme». Die lokorganisierten Bauarbeiter tagte. 40$ Dkann stark� im Englischen Garten. Die Resolution des Gk-a-cclschiafwkartells fand nach einem ausgezeichneten Vortrag des Genosse» Wilke mit einem besonderen Zusatz Ainiabine, der die Beteiligung an der Parteibewegung den Bernfsgenoffci, zur Pflicht macht. Die Gewerkschaft der Maler war in Stärke von gut 200 Per» sonen bei Feuerstein in der Allen Jakobftraße versammelt. Genosse D a v i d s o h n sprach über die Bedentung der Maifeier. Gesangs- Vorträge beichlossc» die Versa,„niliing. Die Holz- und Brctterträgcr tagten im Kvnigstädtischen Kasino. Die Versammlung war recht gut besucht, es befanden sich ltligefähr 200 Personen im Saal. Das Referat hielt Paul Jahn. Die Bersanmilnng der Fliesenleger bei Schulz, Grenadier- straße 33, ivar auch von de» Isolierern nnd Rohrnmhlillrrn be- sucht; von ersteren waren 50. von lepteren 32 erschiene». Nach einem Referat von Arendsee wnrde die Resolution des Berliner Gewerk- schaftskartells einstimmig aiigenomnii». Die gemeinsame Verjammlnng des Fachvereins der Musik- iiistrnmcutcn- Arbeiter und des Fachvercins der Tischler in Grau- mamis Festsälen war von niehr als 600 Personen besucht. Die Nesolntio» des AuSschnffes de» Berliner GewerkschaftSkartells wnrde einsiinniiig angenommen; dann folgte» GesangSvorträge. Referent war Fritz K a l e r. Die Nlöbclpolierer waren in einer Zahl von etwa 1200 in den. Lokal„Königsbank" versammelt. DaS Referat deS Ge- iiossen P o e tz s ch wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Frau F r o h in a n n richtete die eindringliche Bitte an die anwesenden Männer, mehr als bisher für die Organisierung der Frane» Sorge zu tragen. Die Berta,»mlting wurde eingeleitet»nd beschlossen durch einige Gesangs- Vorträge des Gesaugvercins der Möbelpolierer. Die Bersammlnng der Kisten», acher im oberen Saale des Steche, tsche» ElablissemeutS in der Andrea-straße war überfüllt; uu- zefähr 300 Genossen lauschten den begeisternden Ausführungen des tadlverordiietei, Dr. W e y l. Brausender Jubel ertönte am Schluß des Referats; einstimmig ward die Resolution des Gewerkschafts- ka, teils angenommen. Der Geiaugvercin»Arion II" perschpnte das Fest durch prächtig exekutierte Vorträge. Die gemeinsame Versammlung der Buchdrucker, Bleiglaser, Metallarbeiter, Hausdiener, Rohrer und Schirmmachcr war vo» 75 Personen besucht. Dr. Bernstein hielt eine kurze An- spräche. Tie Maifeier der Partei. Erster Wahlkreis. Während der Feenpalast in der Vonniitags- Versammlung der Metallarbeiter fast bis auf den letzten Platz besetzt war. ließ der Besuch des Abends einiges zu wünschen ü brig. Die mäßige Beteiligung ist jedoch offenbar aus die an sich schon eigen- artigen Verhältnisse des Kreises zurückzuführen. Etwa 1200 Personen mochten sich eingefunden haben,„m i» frohe», Beisammensein den 1. Mai zu feiern. Ans den, linterhaltenden Teil verdienen die vom Gesangverein„Typographia" mit gewohnter Präcision zu Gehör gebrachten Lieder besonders hervorgehoben zu werden; den Sängern wurde stürmisch applaudiert. Die Festrede hielt Dr. Leo A r o» s. In kurze», aber kernigen nnd inhaltreichcn Ausführungen wies er die Anwesenden auf die Bedeutung deS heutige» Tages hin. Hauptsächlich würdigte er den Gedanke» der internationalen Solidarität und die Forderung des Achtstundentages. Seine Rede endete mit einem begeistert auf- genoimiienen Hoch ans die Arbeiterbewegung. Nach Beendigung des unterhaltenden Teils hielt ein frisch-fröhlicher Ball die tanzlustigen Teilnehmer noch mehrere Stunden i» bester Stiimninig zuiaiinnen. Die Parteigenossen des zweiten Berliner Wahlkreises be- gingen das Maifest in der Bockbranerei. Das große Gartenzelt und die weiten, schön dekorierten Säle boten reichlichen Schutz gegen die Witterung. Etwa 4000 Personen fanden sich im Laufe des Nach- mittags ein. Die Stimiuimg war eine vorzügliche. Nicht wenig trugen dazu die Veranstaltiingen bei. auf die man diesmal be- sondere Sorgfalt verwende, hatte. Da ist vor allem das Konzert des „Berliner T o n k ü n st l e r- O r ch e st e r s' zu neiinnen. Unter persönlicher Leitung des Herrn v. Blon brachten die Künstler nnires Wssens zum erstenmal bei einer Maifeier mitwirkend, ein vorzügliches Programm zu Gebär. Auch die Vorträge einer zahl- reichen Gruppe von Mitglieder» des Arbeiter-Sänger- b»» d e s. die Aufführungen der Turner vom Verein„Fichte" und das lebende Bild:„Das Volk, der Freiheit hnldigend", fanden mit Recht großen Beifall. Gegen'/est Uhr betrat der Reichstags« Abgeordnete des Kreises. Richard Fischer, das Podium im großen, gedrängt gesiillten Saal, begrüßt mit lebhaftem Händeklatschen. Seine Festrede gipfelte in einer treffenden Würdigung der Maifeier»nd in einer zündenden Anklage gegen de» heutigen Klassenstaat. Fischer schloß mit einem Hiniveis auf die Notivendigkeit, nicht nur die noch gleichgültige große Maffe der Ar- bciter, sondern auch die Frauen unter den Fahnen des anfgeklärten PrvlctanatS zu sammeln. Wäre das erreicht, dann werde der letzte Kampf gekämpft werden können im Bewnhtsein deS unausbleiblichen f Für die Genossen deS Stadtteils Gesundbrunnen waren zwei Sieges. Das Fest nahm einen durchaus würdigen Verlauf— trotz der i» den unteren Räumen eingerichteten Polizeiwache. In der Neuen Welt, bei der Maifeier des dritten Wahl- krcises, litt der Besuch anfangs unter der ungünstigen Witterung. In den Abendstunden trat jedoch ein starker Zustrom von Teil- ncbinern ein, so dah die Zahl der Fcstgcnossen ans 6000—7000 veranschlagt werden muh. Von einer Festrede wurde wegen Unpäßlich- lichkeit' des Referenten Abstand genommen. Es herrschte aber auch trotzdem bald eine sestcsfrohe Stimmung unter den Amvesenden, und die Chorgesänge, die von 10 Gesangvereinen des Arbeiter- Sängerbundes wirkungsvoll zum Vortrag gebracht wurden, fanden begeisterte Aufnahme. Ebenso trugen selbstverständlich die Musik sowie der Tanz und das Feuerwerk dazu bei, das Fest zu einem ivohlgelungeneu zu gestalten.— Gegen Mitternacht sahen sich einige der leitenden Genossen veranlaßt, einen Spitzel, der sehr auffallend herumspionierte, ans dem Garten zu entfernen und fest- stellen zu lassen. Jin übrigen verlief das Fest ohne Störung, und auch die stets hilfsbereiten Samariter brauchten nicht in Thätigleit zu treten. Die Parteigenossen des vierten Kreiseö hatten für die Feier drei der größten Lokale Verlins, und zwar im Osten die Brauerei Friedrichshain am Äonigsthor und Keller, Koppenstraße, im Südosten das Konzerthaus Sanssouci in Anspruch genommen. In der Brauerei F ricdrichshain war infolge des äußerst ungünstigen Wetters der Besuch am Nachmittag nur mäßig; aber gegen Abend war derNiesensaal sanit den Neben räumen dicht besetzt, und mindestens 3000 Personen hatten sich eingefunden. Eine Fefl rede hielt hier der Stadtverordnete Dr. N. Friede- b e r g. der in kurzer, kräftiger Rede, unter lebhaften Znstiniiuungs kundgebungen, die Notwendigkeit des Klassenkampfes für das Proletariat und die Pflege des revolutionären Gefühls bc- tonte. Ein dreimaliges begeistertes Hoch auf die internationale volkerbefrciende Socialdemokratie folgte den trefflichen Ausführungen. Im übrigen hatte das Komitee ein gutes Programm zur llnter- Haltung der Festteilnehmer aufgestellt. Geiangsvorträge von Mit- gliedern des Arbeiter-Sängerbündes. turnerische Aufführungen von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte", Vorträge der Geschwister Rcnnert ernteten vielen Beifall und ebenso fand auch die Musik vom Berliner Konzert-Orchester unter der Leitung des Dirigenten Herrn G. Graß die verdiente Anerkennung. Kellers Etablissement in der Koppcnstraße war gleich- falls gut besucht. Im großen, geschmackvoll dekorierten Saal waren etwa etwa 1500 Personen anwesend, die die Festrede des Stadt- verordneten Genossen H. Hei mann mit lebhaften! Beifall anfnahmen. Für abivechselnde und anregende Unterhaltung hatten außer dem Reuen Berliner Konzert-Orchester unter der Leitung des Herrn R. Tietz, Mitglieder des Arbeiter-Sängerbundes durch ihre der fFeier entsprechenden Gesänge und die' bekannte Gesellschaft Strzeleivitz durch Vorträge ernsten und heiteren Inhalts Sorge gc- tragen. Im Konzerthaus Sanssouci hatten sich ca. 1300 Personen eingefunden, und Saal und Gallerien ivaren bis auf den letzten Platz besetzt. Die Festrede hielt hier der Stadtv. Genosse Borgmann. der ,n sehr treffender Weise die Bedeutung der Feier schilderte. Das der Unterhaltimg dienende Programm war gut und die Beteiligten leisteten ihr Bestes. Die exakten turnerischen Aufführungen von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte", die geschulten Gesangs- Vorträge vop Mitgliedern des Arbeiter-Sängerbundes und die einzelnen Konzertpiecen fanden den vollen Beifall der zahlreichen Festteilnehmer. Auch die Vorträge von Hoffmanns Norddeutschen Sängern wurden sehr beifällig aufgenommen. Wie in den andren Lokalen, so herrschte auch hier unter den Festbesuchern eine vorzügliche Stimmung, und die Parteigenossen des vierten Kreises können trotz des ungünstigen Wetters auch in diesem Jahre mit der Beteiligung an der Feier und dem durchaus würdigen Veriauf derselbeu gewiß zufrieden sein. Die Parteigenossen des fünfte» Wahlkreises hatten für ihr Maifest daS Lokal Schweizergarten am Königsthor bestimmt. Der große Saal und die Hallen, mit roten Fahnen und Bannern ge- schmackvoll dekoriert, waren schon---...... In den Abendstunden wuchs der schließlich an Plätzen niangelte. standen, den Festteilnehmern mit aufzuwarten. So fand das Konzert, des Verbandes der Civilbernssmusiker am Nachniittag zahlreich besetzt. Andrang bedeutend, sodaß es Das Komitee hatte es ver- einem auserlesenen Programm ausgeführt von einer Kapelle unter Leitung des Dirigenten Voigt ungeteilten Beifall. Des gleichen Erfolges durften sich der »Gesangverein der Kupferschmiede", Senefclder",„Echo I" und„My rthensblätter" erfreuen. Auch der. Turnverein Fichte" gefiel mit seinen Darstellungen. Neben dem Ernsten war auch für das Heitere Sorge getragen; die G e s ch w i st e r M o n t a n i und Herr H. Schulte leisteten in ihren Gesaugsvorträqen Vortreffliches. Eine lveitere Abwechselimg bot das Reigenfahren des Radfahrer- Vereins„Blitz". Die Festrede hielt Genosse Robert Schmidt, der in kurzen marligen Worten die momentane geschäft liche und wirtschaftliche Misere schilderte, unter deren Einwirlnng das Proletariat sein Maifest begehe. Der Redner schloß mit der Aufforderung, sich iinmcr enger zu verbinden, damit die Arbeiter- schaft ihre politischen und socialpolitischcn Rechte endlich erlange. (Beifall) Den Schluß des Festes bildete ein gemütlicher Ball. Im ganzen ist das Fest trotz ungünstiger Witterung als ein äußerst gelungenes zu bezeichnen und dürfte das Komitee mit seinen Erfolgen >vohl zufrieden sein. Sechster Wahlkreis. Das kalte und regnerische Wetter ließ den Aufenthalt im Freien nicht als einen angenehmen erscheinen. Deshalb blieben auch die großen Gärten der Festlokale ziemlich leer, ivährend die geschlossenen Räume meist nicht ausreichten, um alle Festteilnebmer zu fassen. Viele kehrten deshalb schon frühzeitig ivieder heim, aber trotzdem herrschte in den Sälen und Restanrnlivns- rännien bis in die späten Abendstunden eine erdrückende Fülle, so daß sich die Tanzlnst oft ans einem recht bescheidenen Raum bc- thätigen mußte. In A h r e n s Brauerei, wo sich ein Teil der Moabiter Genossen versamnielt hatte, bot das Programm eine reiche Ab- wechseluug von Musik- und Gesangsvortragen. Die Festrede hielt Genosse Viktor Fränkl, der unter lebhaftem Beisall der Zu- Hörer den proletarischen Freiheitskampf verherrlichte. Den Schluß des Programms niachten lebende Bilder, die in finniger Weise die Bedeutung des Tages zuni Ausdruck brachten. Peters Gesellschaftshaus war das zweite Festlokal der Moabiter Genossen. Außer dem Konzert standen kleine theatra- lische Ausfühningen auf dem Programm, auch für die Unterhallung der Kinder war gesorgt. Hier trat ebenffills Viktor Fränkl als Festredner auf. Lebetzde Bilder beschlossen den ernsten Teil der Feier. Im„Eiskeller" in der Chausseestraße wurde den Besuchern ebenfalls ein reichhaltiges Programm, bestehend aus Musik, Gesaug und turnerischen Aufführungen geboten. Die Festrede hielt Reichs- tags-Abgeordneter Ledebour. In einer von Begeisterung für die erhabenen Ziele nnsrer Partei getragenen Rede gedachte er der Känipfe, die daS klassenbewußte Prolerariat in allen Kulturländern gegen den anSbeutendcn Kapitalismus und die politische Reaktion zu führen hat. Er wies daraus hin. daß selbst in Rußland, drin Hort des Absolutismus, dem Reich der Kiiutenherrschaft, Bauern und Arbeiter eingetreten sind in einen energischen, zielbewußten Kamps gegen despotisches Joch und ökonomische Bedrückung. Ein Kampf, der lim desmilleii unsre größte Sympathie haben muß. weil der Sieg des russischen Proletariats den Sturz des Hortes der europäischen Reaktion, und damit auch einen Sieg für die Freiheit in Europa bedeutet. Zum Schluß wandte sich der Redner besonders an die Frauen, sie zur Teilnahme an den politischen und ivirtschnftlichen Bestrebungen der Socialdemokratie anfsordernd. Mit brausendem Beifall ivlirde die Rede Ledebours anfgenommcu. Das„Feldschlößchen" in der Müllerstraße war gut bc- sucht. Konzert und kleine Theaierstücke unterhielten die Fest- teilnehmcr im reichgeschmückteu Garten. Außerdem bot das Pro- gramm Vorführungen deS Turnvereins„Fichte". Der Bedeutung der Maifeier gedachte Genosse August Hintze in �isällig aufgenommenen Festrede. Lokale in der Badstraße bestimmt, Marienbad und Ballschmieders Kastonienwäldcheii. Jm Ma rienb ad wurde das Musik- und Gesangsprogranim durch ernste und heitere Solovorträge, sowie durch iheatralische Auf- sührungcn und lebende Bilder unterbrochen. Genosse Leid hielt die Festrede. In Ballschmieders Kastanienwäldchen wurde den Anwesenden ein unterhaltendes Konzertprogramm geboten. In einer wirlnngsvollen Rede würdigte Dr. Wehl die Bedeutug des Tages und den Kampf der Socialdemokratie für Befreiung aus politischem und ökonomischem Joch. Die Parteigenossen in der Schönhauser V o r st a d t(sechster Wahlkreis) halten für die Maifeier das P u h l m a n n s ch e Lokal imd den„Berliner Prater" belegt. Die Zahl der Besucher in beiden Lokalen, die bielfach hin« und' herfluteten, ivird auf 2000 geschätzt. Das ungünstige Wetter hatte weder den Besuch, noch die Stimmung der Feiernden zu beeinträchtigen vermocht. Die Festrede in beiden Lokalen hieU der Genosse M a n a j j e. Aus den Vororten. R i x d o r f. Die beiden vom Gewerkschaftskartell am Vormittag abgehaltenen Versammluiigen lvaren von 1500 Personen besucht. An dem A u s f l u g e beteiligten sich 150 Personen. Die am Abend von der Partei veranstaltete Feier erfreute sich gleich falls des besten Besuches; das Lokal erivies sich als zu klein. Britz. Zum erstenmal hat es die Arbeiterschaft von Britz untemonimen, eine Vormittagsversammlung z» veranstalten. Trotz- dem viele Arbeiter nach Berlin in ihre Geiverkschaftsversammluiigen gingen, war der Erfolg ivider Erivarteu gut. 80 Personen, darliuter viele Frauen, ivaren erschienen und hörten init sichttichem Interesse einen ausgezeichneten Vortrag des Genossen Hendel. In Treptoiv- Baumschule n weg fand die Maifcst- Versainnilung abends statt. Die Genossen und Genossinnen lvaren in der Zahl von 250 vertreten. Die vortrefflichen Aiiösührungen der Genossin Klara Zetkin fanden lcbhaste» Beifall. Eine Resolntio» für den Achtstundentag und gegen den Militarisinii?. die Wncherzölle, die indirekten Steuern fand einstimmige Annahme. In fröhlicher Stilnimmg blieben die Anlvesende» noch einige Stnuden ziisanimen. R u ni»i e I S b n r g. Vormittags 10 Uhr waren die Gciverk« schafteu im Lokal„Neu- Seeland" versammelt,»m einem Vortrage des Genossen Wiesenthal zu lauschen. Es beteiligten sich 200 Per- souen au der Versammlung, die unter Gesang geschlossen wurde. An, Abend hatte der Wahlverein das Arrangement llbeniommeu, öS beteiligten sich an dem Feste 500 Personen, die den trefflichen AuS- führnngen des Referenten Dr. Bernstein lebhaften Beifall spendeten. Oberschöneweide. Hier sprach am Abend Genosse K o tz k e vor einer Dersamnilung, die von 100 Pcrionc» besucht>var. Die Geivcrkschoften von T h a r 1o t t e n b n r g und der westlichen Vororte tagten im neuen B o l k S h a u s e in der Rosiueustraße 3, daS zu diesem Zweck zum erstenmal geöffnet tvar. Der große Saal konnte die Besucher bei weitem nicht fasse»; etwa 1200 Personen lauschten einer vom RetchstagS-Abgeorbneleii Eduard B e r n st e i n gehaltenen Rede. In cinein zweiten Saale des VolkShanses ipracki Genossin Ida A l t in a»» ebenfalls vor übcrfüllter Ver- sannnlnng; die Zahl der Zuhörer mochte hier ans 300 zu schätzen sein. Der Besuch der Versammlungen tvar diesmal bedentend starker als in> Vorjahr; zum ivcsentliche» setzten sich die Teilnehmer natür- lich aus Bauhandwerkern nnd Bauarbeiter» zusomme». In S ch ö ii e b e r g tagte am Vormittag bei Obst eine allgenicine G e iv e r ki cha ft L v c r s a in m lii» g, die von 500 Personen bc- sucht war. Genosse Hirsch hielt daS mit Begeisterung aufgeaoininene Referat. Am Nachmittag konnte der geräumige Saal deS Genosse» Obst die Besucherzahl aar nichl fassen. E. Bernstein hielt die Festrede. Entgegen den früheren Jahren hatte die Polizei den üblichen Tanz verboten, natürlich ohne Angabe von Gründen. In Steglitz referierte unsre Parleigenossin Fannh I m l e vor 500 Personen. Zu Beginn nnd am Ende der Versammlüna trug der Gesangverein Zukunft l mehrere Lieder vor. Am Abend sprach Genosse Neichstags-Abgeordnetcr Ä u n c r t im überfüllten Saale über die Maifeier. In Groß-Lichterfclde betrug die Zahl der feiernden Arbeiter nach Ausweis der gewerkschaftlichen Konirolle 238, gegenüber dem Vorlahre wiederum eine Erhöhung. Die Parteigenossen vernnstaltetcn einen VormittagsanSfliig nach Teltow und Stahns- dorf. Die am Abend veranstaltete Volksversammlung war auch von Frauen sehr zahlreich besucht. Die Feier wurde eingeleitet durch den Gesangverciii„Einheit" mit dem Liede„Maicngruß". Das Referat hielt Ströbel, der in tvirknugSvolleni Vortrag und unter lebhaftem Beifall der Bcrsamnilung der Bedeutung des 1. Mai gedachte. Ein vom Wirt Richter angemeldetes Tanzvergnügen wurde verboten und zwar, weil Gründe' dafür offenbar nicht vorhanden waren, ohne Angabe von solchen. Die Versammlung in Po nkow-Nieder-Schöu Hausen, welche vormittags für sämtliche Gewerkschaften stattfand, war von ca. 400 Personen besucht. Otto S i l l i c r sprach, wiederholt von Beisall unterbrochen, über die Bedeutung des Tage?. Die von der Berliner Gewerkschaftskonimission abgefaßte Resolution wurde allen Teilen einstimmig aiigcnonimcn. In N i e d c r- S ch ö n h a n s e n beteiligten Herrn Thiele 800 Personen an der Maifeier. nehmerzahl ist ans Pankow zu verzeichnen. Die Versammlung der A d l e r s h o f e r b tagte bei Schcer in Köpenick und war von besucht. DieZRcsolution der GcwerkschastSkominissioii wurde gemein sain mit einer Sympathie- Erklärung für daS russische und belgische Proletariat cinstinmiig ailgeiioiiniien. Referent war Paul L i tf i n. In Grünau fand die Llvcndfeier im Saale des Herrn Dnchanffonr statt. Dieselbe war durch das schlechte Wetter leider stark beeinträchtigt. Genosse John aus Berlin hielt die Festrede, nach der die Teilnehmer an der Feier noch bis 11 Uhr ztvangloS znsammen- blieben. Friedrichshagen. Die in, Kartell vereinigten G e werk- schafteu unternahmen vormittags unter reger Beteligung einen Ausflug nach Rahnsdorf, Fichtenau. Klein-Schönebeck imd Schön- eiche.— Abends fand eine Bolksveisaininlniig statt, in welcher die Genossin Emma Ihrer in wirkungsvoller Weise über die Bc- deutung des TageS referierte. K ö p e i, i cki In der G e w e r k s ch a f t S v e r s a in m l u n g. die von 600 Personen besucht war, referierte Genosse Silber- s ch in i d t i» aiiderthalbstiindigem Vortrage. Die Resolution der Berliner Gewertschnftskonimiision wurde einstiiiimig angeiiomnien. In Wilmersdorf nahni das Volksfest! am Abend trotz des Unfreundlichen Wetters einen anregenden Verlauf. Der Saal von i t t e s Volksgarten war zahlreich gefüllt. Gen. Obst- Schöneberg hielt die Festrede; Gesangsvorträge und lebende Bilder brachten ebenfalls die rechte Stinimiing in das Fest. W e i ß e ii> e e. Die von den Parteigenossen arrangierte Mai- seier fand i,,, Schloß�Weißensee statt und war von 2000 Personen besucht. Da der überwas.eiide Gendarm mit der Auflösung der Bersanimlung drohte, wenn die Kinder nicht aus dem Saale entfernt würde», nabmen die Genossen von der Festrede Abstand. Unter stürmischen Hochrufen auf die internationale Socialdemokratie ging die Festlichkeit zu Ende. R e j ,i i ck en d o r f- W e st. Ueber unsre Maifeier hat der Polizeigeist seine Schwingen ausgebreitet; das nach der Festversainnr- luna geplante Tanzvergnügen wurde verboten,„weil kein Be- diirsnis dazu vorliegt". Das gleiche Schicksal hatte das vom Gesang- verein„Einigkeit II" angemeldete FdihlingSfest, natürlich mit der gleichen Begründung. Wir waren jedoch entschlossen, uns an dieses letztere Verbot, dessen gesetzliche Zulässigkeit wir bestreiten, zu ignoriere». Zunächst fand die Bersamnilung statt. Die Festrede hielt Genosse Ohl. Nachdem der Saal geräumt tvar, begann das Ver- gnügen des Gesangvereins. Ader kaum hatte die Musik einen Tanz gespielt, so erschienen zwei Gendarmen und zivci Gemeiiidediener, die die Einftellung des Vergiiiigeiis verlangten. Da die Beamten drohten, Gewalt anzuwenden, so mußte auf daS Tanzen verzichtet m sich im Lokal des Eine gleiche Teil- ! e iv e r k s ch a f t e n über 400 Personen werden. Gegen den RmtSvorsteher Ivird selbstverständlich Deschlverde erhoben werden. In R e i ii i ck e n d o r f- O st hielt Genosse Schumacher über die Bedeutung des Tages einen schwungvollen Vortrag. Eine aus unsre Forderungen bezugnehmende Resolntion fand einstimmig An- nähme. Eine Aeier hatte der Amtsvorsteher verboten, nachdem von ihm entdeckt worden tvar, daß der Borussiagartcn nicht kon- zessioniert sei. � In Nauen Ivurde das Maifcst vormittags eine bei Scholz abgehaltene Versammlung begangen, an der sich 50 Personen bc- teiligten. An einem Ausflug beteiligten sich 180 Personen. Abends hielt Genosse Arthur S ch m i d t- Berlin vor 220 Personen einen Bortrag. Spandau. Die Getverkschafisvcrsaninilnng am Vormittag war von etwa 560 Personen besucht. Die Töpfer halten eine Sonderversaminlnna. welcher fast sämtliche Spandauer Töpfer- gesellen(ca. 40) beiwohnten. Die Betriebe der Faßfabrik vqn Wördel, die Drechslerei von Kirsteiii, die Tischlerei von Perrin, acht Bauten, sotvie die Steinsetzarbeiten ruhten vollständig. Andre Bauten und Betriebe wurden nur mit wenigen Arbeitskräfte» fortgesetzt. In der Gewerkschaftsversaninilnng sprach Genosse Wendlcr- Berlin. Die Nachmittagsversaniinlung in Teßnöws Volksgarten tvar trotz des schlechten Wetters von etwa 1300 Personen besucht. Im Reitaurant Wehe, wo außerdem eine privat e Maifeier veranstaltet wurde, beteiligten sich etwa 400 Personell. Im allgemeinen war die Arbeitsruhe in diesem Jahre größer als früher. Nur die Maurer machten hierin eine bedauerliche Ausnahme. Von diesen arbeiteten in diesem Jahre 60 gegenüber ca. 25 im Vorjahre! Provinz Brandenburg. In Potsdam beteiligten sich an der Geiverkschaftsbersamm- lnng 240 Personen. Die Versammlung am Abend, in der Dr. W oll- heim sprach, tvar von 300 Personen besucht. Die Parteigenossen in F ü r st e n w a l d e hatten am Vormittag einen Ausflug arrangiert, au den, 300 Personen teilnahmen. Gegen voriges Jahr' hat sich die Arbcitsrnhe verdoppelt. Die Versammlung am Abend war gut besucht. F in ft e r w a l d e. Die hiesigen Genossen unteniahmcii vor- mittag? in einer Anzahl von 200 Personen einen Ausflug nach der Biirgcrheide, wo der dortige Förster mit unS insofern sympathisierte, als daß er an feiner Rcstanration ein Plakat angeschlagen hatte, des Inhalts:„Der Ausschank ist heute geschlossen." Abends fand im Finstcrwalder Gescllschaftshanse in überfüllten Räumen die eigentliche Feier, bestehend ans Konzert und Festrede, statt. Der Kandidat des Kreises, Genosse H. Schubert, schilderte in treffender Weise die Bedeutung der Maifeier. In EberS walde hatten sich 450 Personen an der Feier bc- tciligt.. In Velten feierten 600 Töpfer. Die Teilnehmer an den Veranstaltungen am Abend schätzte man in den beiden Lokalen ans 1300. Die Versammlung in Luckenwalde tvar von 300 Personen besucht. I» Sch wiebuS fand am Abend eine Versammlung statt, in der Frl. Ida A l t m a>i n vor 300 Personen sprach. In Kirch Hain unternahnien die Feiernden einen Ausflug. Die Versainnilung am Abend, in der Frau Dr. W c Y l sprach, erfreute sich eines recht regen Besuchs. Die Teilnehmer schätzt man auf 400. In Strausberg wurde die Maifeier am Vormittag durch eine» Ausflug eingeleitet, an lvelchem sich ettva 00 Personen be- teiligte». Die Versonnnluna am Vormittag war ebenso stark besucht, am Nachmittag beteiligten sich auch Frauen an der Festlichkeit. Frantfnrt a. O. In der Vormittagsversammlung. die von 400 Personen versucht wae. referierte Dr. Heinrich Braun. Nachmittags wurde ein Spaziergang veranstaltet, an welchem sich 600 Personen beteiligten. Ilm 5 Uhr hielt die Genossin Lily Brau n die Festrede vor 1000 Besuchern. Glänzender Verlauf. Die Beteiligung war stärker als im Vorjahr. In Forst i. L. war die Vormittags- Versaminlniig von etwa 260 Personen besucht. Referent war Genosse Eberhard. Abends fanden zlvei Versmunilungeu in den größten Sälen statt, die überfüllt waren. Festredner waren Rcichtstags-Abgeordiietcr Klees und Redactcur L i n s e w e i l c r. Schwedt a. O. Hier feierte fast die Hälfte der Arbeiterschaft, etwa 400 Arbeiter, den Maitag durch Arbeitsnihe. Die Bolls- Versammlung am Vormittag war von ca. 150 Personen besucht, welche das Referat des Genossen Dr. B o r ch a r d t- Charlotteubiirg mit Begeisterung aufnahmen. S o r o n. Zinn ersteuinal seit 1303 war hier den weiteren Kreisen der Genossen und Genossinnen Gelegenheit gegeben, an der Maifeier tcilznnchmen, die sonst iniuier durch Snalabtreibereic» ver- citelt worden war, circa 700 Teilnehmer und Teilnehmerinnen fanden sich in dem Saale der Flora zusammen um die Maifeier zu bc- gehen, die würdig und ernst verlief. Dr. H. Lux ans Berlin hielt die Festrede, in der er unter lebhaftem Beifall der Teilnehmer auf die Bedeutung des 1. Mai für die Emaiicipatioiisbcstrebmigen des Proletariates hinwies. Passend gewählte Vorträge des Arbeiter- Gesangverciiis und die Sorauer Stadt-Kapelle verschönten die durch- aus gelungene Feier. Die Maifeier in Kottbus ist sehr würdig verlaufen. Die VorniittagSversammlimg, in der Genosse N e u in a n n referierte, war von circa 200 Personen besucht. Au dem Ausfluge am Rachmittage beteiligten sich circa 300 Personen. An dem am Abend in den Kolkwitzschen Sälen siatlfindenden Kommers nahincii circa 1000 Personen teil. Die Festrede hielt Genosse M e u s ch- Leipzig. Provinz Pommern. In Stettin fand vormittags 10 Uhr eine allgemeine Ge- Werkschaftsversaniinlnng statt. ES waren etwa 1000 Personell au- wcscud. K n u tz e- Stettin referierte. Barth. Die hiesige Zahlstelle des Holzarbeiter- Verbandes feierte heute den I. Mai. Am Vormittag wurde im BerbandSlokal der Frühschoppen ciiigciiommeii und am Nachmittag eine AgitationS- tour nach Kenz untcrnomnicii. Es beteiligten sich trotz des'jchlechten Wetters ungefähr 50 Personen an der Feier. Ostpreußen.« Königsberg i. Pr. Eine Vcrsaimnlnng, die vomiittags in einem rämiilich allerdings beichränkten Lokal stattfand, war über- füllt. Zur Feier am Nachniittag hatte kein Wirt sein Lokal her- gegeben. Es fand ein Ausflug nach dem Stadtpork in Jndittcn statt. Das Wetter tvar linangeiiehin regnerisch und recht kalt. Von einein Aufenthalt im Freien tonnte fast gar nicht die Rede sein. Die Ausflügler verteilten sich in verschiedenen Lokalen, wodurch die Schätzung erschwert wurde. Die ArbeitSruhe wie die Beteiligung am Ausflüge hatten geringeren Umfang wie in den letzten Jahren. Schleswig-Holstein! Kiel, 1. Mai. Die Vormittagsversammlung nahm einen imposanten Verlans. Der größte Saal in Kiel, Englischer Garten, war überfüllt. Die Zahl der Teilnehmer betrug ZZUU. Der Besuch war besser wie je in den Vorjahren, obwohl cirew 1500 Bauhaiidwerker infolge der Aussperrung abgereist sind. Selbst auf den wenigen Bauteil, auf deiicu italienische Arbeits- willige beschäftigt sind, ruht heute die Arbeit. Legi en hielt die Festrede. Eine den Gedanken des 1. Mai verherrlichende Resolution wurde mit stiinnischer Begeisterung angenommen. Heute abend finde» in den drei größten Lokalen der Stadt Festvcrsamnilnngcn statt. Altona. An der vormittags 10 Uhr stattfiiidendeii Versaiiini- lnng nahmen 1500 Personen teil. Nachmittags fand in Behrenfeld ein Volksfest statt unter großer Beteiligung trotz des schlechten Wetters. Die beiden Lokale waren überfüllt. Abends fand abemials eine Versaiiinilnng statt für diejenigen, die an der Arbeitsrnh« nicht teilnehmen konnten. Der Besuch betrug ebenfalls 1500 Personen. Einzelne Gewerkschaften, Maurer, Tischler, seierten fast vollständig. Nc um ü Ilster. 200 Personen ließen die Arbeit ruhen. Morgens fand mit der Bahn Ausflug»ach Nortorf statt, ivosclbst 'tue Versammlung abgehalten wurde. Referent M e h r e n S- Neu- Münster. Nachmittags 2 Uhr sprach L e g i e n- Hamburg im Kouueiitgarteii vor SO» Personen. *v Heute abend findet eine große Festversammlung statt. In E l m s h o r n(Holstein) verlief die Feier iii einer des Tages würdigen Weise. In der Morgen-Versammlung vertrat vor 180 ver- sammelten Frauen und Männern der Genosse Paul Müller- Hamburg in 1�/« stiindiger Rede die Forderungen des Proletariats für die es am 1. Mai demonstriert, den Militarismus, die Welt- und Kolonialpolitik Deutschlands scharf verurteilend. In beredten Worten gedachte Redner der in B e l g i e n zur Strecke gebrachten Opfer im Wahlrcchtskampf. In einigen Berufen ruhte die Arbeit. Itzehoe. Hier fand zur Maifeier eine gut besuchte Volks- versanunlung statt, in der Genosse R o e s k e- Hamburg referierte. Lauenburg a. Elbe. Die Maurer und Böttcher hatten die Arbeit den ganzen, die Metallarbeiter, Zimmerer, Land- und Fabrik- arbeiter einen halben Tag ruhen lassen. Morgens fand ein Spazier- gang, nachmittags eine Volksversammlung statt. Referent F. L e s ch e- Hamburg. Die Versammsung war sehr gut besucht, der Umzug und sonstige Vergnügungen durch die Polizei ver- boten. Rheiuland-Westfalen. Esse n. Die Maifeier ivurde hier durch mehrere Faktoren stark beeinflußt. Die Krise hat eine große Schar klassenbewußter Arbeiter von hier fortgctrieben, die Unternehmer schwingen rücksichtslos die „Waffe" der Maßregelung— und dazu ein trostloses Wetter. Der Regen strömte fast unaufhörlich nieder, schon seit einigen Tagen. Die Morgcnversammlung, in welcher Genosse Hofricht'er- Köln referierte, war von 200 Personen besucht. An dem Nachmittag- Ausflug, der trotz des Regens nuternommen tvurde, beteiligten sich auch 200 Personen. Im Ausflugs- lokal schwoll die Schar auf die doppelte Zahl Personen an. Beim Rückmarsch in die Stadl kam man gerade an den Thoren der Kruppschen Fabrik vorbei, als diese sich öffneten und taufende Proletarier herausströmten. Und nun wurden aus den Hunderten T a u s e n d e, die unter Absingung des Socialistenmarsches, an den Werkstätten vorbeiziehend, gegen Ausbeutung und Unterdrückung demonstrierten. Und zu einer imposanten Demonstration gestaltete sich die Abend- versanunlung. Zu derselben hatten gegen 1000 Personen sich ein- gefunden, das Lokal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Genosse Gräser sprach über den Weltfeiertag. Darauf hielt Genosse Diiwell noch eine Ansprache und stürmischer Beifall gab Kunde von dem Geist, der die Versammlung beseelte. Nach der Versanimlung folgte noch ein gemütlicher Teil, der durch Vorträge und Gesänge die Teil- nehmer— Frauen waren stark vertreten, noch etliche Stunden zu- sanunenhielt. In Düsseldorf ist die Maifeier in nie dagewesener Weise schön verlaufen. Die Polizei hatte es zum erstenmale ge- stattet, daß unsre Parteigenossen sich vornüttags auf dem großen Karlsplatz versammelten, um von dort in geschlossenen! Zuge und m i t k l i n g e n d m S p i e l v o r a u f nach Golz- heim zum„Hippert" zu gehen. Nach den Volksbelustigungen zurück dasselbe. Die Beteiligung war trotz gießenden Regens eine recht starke, wohl an ZlMK) Per sonen werden die Morgen demonstra tion mitgemacht haben. Und diese Demonstration muß in diesem Jahre als besonders wirkungsvoll bezeichnet werden. Demonstrierte» doch auf der andren Seite die Ansstellnngsmillionäre mit Eröffnung der Düsseldorfer Ausstellung. Und sogar der Kronprinz und all' die Ministerherrlichkeiten mußten es erleben, daß tvährend der Geldsack ihnen den Hof machte, das Düsseldorfer Proletariat sich nicht darum kümmerte, und auf seine Weise für die Ziele der Arbeitcrbcivegnng demonstrierte. Abends fanden d r e i M a s s e n v e r s a m ni l u n'g e!i statt. Cs sprachen Grimpe, Schulte und Wessel Wir können vollauf zufrieden sein. Noch keine Maifeier ist in Düsseldorf so großartig verlaufen. Hecke'ndorf-Lohrheide. Die Versammlung für die Be- zirke Gelse nkirchen, Wattenscheid, Eickel- Wanne. Herne lvar von ca. 600 Genossen und Genossinnen gefüllt. Genosse Hoffmann sprach über„Die Bedeutung des 1. Mai." Die Ver- sammlung spendete dem Redner stürmischen Beifall. Mit einem drei- fachen Hoch auf die internationale Socialdcniokratie und die inter- nationale Arbeiterbelvegung Ivurde die Versanunlung nach l�fftiindiger Dauer geschlossen. Witten. Hier herrschte sehr regnerisches Wetter. Die Vor- mittags-Versammlung war von über 100 Personen besucht. Hoff- m a n n- Bielefeld hielt die Festrede. Ludwig Schröder sprach im Sinne des Referenten. Beider Redner Ansführimgen wurden sehr beifällig aufgenommen. D o r t m u n d. Die Teilnchinerzahl der Morgenfeier betrug trotz des schlechten Wetters ungefähr 1500 Personen. Die ver- anstalteten neun Abeiidversammlungen waren sämtlich gut besucht, ebenso die Morgenversammluug am Ausflugsorte in Mengede. Hagen i. West. An der Maidemonstration beteiligten sich 400 Personen. Am 1. Mai, vormittags 10 Uhr, fand im'Saalbau „Zur W a n z" eine öffentliche Versammlung statt, welche von 300 Personen besucht war. Genosse Beruh. Adelung referierte über:„Die B e d e u t u n g des 1. M a i". An das mit lebhaftem Beifall aufgenommene Referat schloffen sich Deklamationen und Vorträge, so daß die Veranstaltung einen er- hebenden, würdigen Verlauf nahm. Nachmittags unternahmen die Genossen eine» Ausflug nach Hcchtsheim und al'ends fanden in drei Lokalen Festlichkeiten statt. Solingen. Trotz Hagel und Regenwetter große Beteiligung an der Maifeier. 1500 Personen demonstrierten im Jtertal. Die Genossen Harm und Kunkel hielten die Festreden. Norddetttsche Staaten. In Hamburg wurde das Maifest in gewohnter Weise gc- feiert, d. h. durch einen imposanten Festzug am Morgen und eine Anzahl Versammlungen und andere festliche Vernuslaltnngcn am Abend. Das Wetter war leider dem Fest recht wenig günstig. Seit dem Nachmittage des Vortages regnete cs in Strömen. Es war, als sollte ganz' Hamburg im Regen ertrinken. Aber die Hamburger Arbeiterschaft ließ es sich trotzdem nicht nehmen, das Ehren- fest der Arbeit in der imposantesten Weise zu be- gehen. Daran ließ sie sich auch nicht hindern durch die wütenden Drohungen der Unternehmer, die dem berüchtigten Arbeit- geber-Verband angeschlossen sind. Noch zahlreicher als im vorige» Jahre hatten sich die Frauen und Männer der Arbeit aus allen Vor- orten, vom Hafen und aus der Biimcnstadt auf der Straße An der Koppel in der Nähe der großen und schönen Anßenalster eingefunden. Schnell ging die Aufstellung der Massen nach der vorgeschriebenen Ordnung vor sich und um'10 Uhr präcise setzte sich der gewaltige Festzug unter den Klängen von Arbeiterweisen, die 13 Musikcorps ertönen ließen, in Bewegung. Voran marschierten die drei socialdemokratischen Vereine der drei Hamburger Wahlkreise, die sich in dichten Reihen um ihre historischen blutroten Fahnen geschart hatten. Der Weg ging nach dem großen Etablissement„Mühlenkamp". wo der Zug um 12 Uhr an- gelangt war. Der Vorübermarsch des Zuges, in dem sich unzählige Fahnen und Embleme befanden, dauerte gut eine Stunde. Am Festorte sprachen die Genossen Otto Stötten, Weinheber und H o f f m a n n über die Bedeutung des Tages. Die Zahl der Teilnehmer am Festznge darf auf 30 000 geschätzt lverde», die Zahl derer, die auf dem Festplatze versammelt waren, bedeutend höher. Von der Organisation der Hamburger Genossen waren über 30 Referenten in die angreiizeuden Gebiete entsandt, um dort in Versammlungen die Bedeutung des Tages klar- zulegen. Lübeck.(Telegr.) Die Arbeitsruhe war im Baugewerbe, der Bekleidungsindustrie.' bei den Hafenarbeitern und der Metallindustrie größtenteils durchgeführt. Die Morgenversammluug war stärker besucht als im Vorjahre, die Teilnehmerzahl betrug 2500. Redacteur Fischer- Hamburg hielt die Festrede. Der Nach- mittagskommers fand in überfüllten Räumen statt. Auch in den u m l, c g e n d e n Ortschaften herrschte größtenteils Arbeits- ruhe. Die s''Versammlungen waren sämtlich gut besucht. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Bayer«. Die Maifeier in M ü n ch e n nahm auch heuer wieder einen äußerst imposanten Verlauf. Vormittags 10 Uhr fand im großen Saale des Münchener Kindlkellers eine von 5000 Personen besuchte Volksversammlung statt, in der Magistratsrat Genosse Eduard S ch m i d die Festrede hielt. Nachmittags machten die Feiernden einen Ausflug nach der in den Jsarauen gelegenen sogen. Menter- schweige, der jedoch von der Ungunst der Witterung beeinflußt war. Abends fanden in den verschiedensten Stadtteilen acht Volks- Versammlungen statt, die alle überfüllt waren. In allen Versammlungen wurden glcichlantende, der Feier entsprechende Resolutionen gefaßt. Würzbürg. 1. Mai.(Telegr.) In Würzbnrg demonstrierten 300 Arbeiter durch Arbeitsruhe. Abends sprach Scheidemanu- Nürnberg vor 800 Personen. In Heidingsfeld nahmen an der Ver- sammlung 300 Personen teil. Genosse Hermann-Würzburg hielt die Festrede. Der Umzug in Heidingsfeld war verboten. In dem klerikalen A s ch a f f e n b u r g ließen sämtliche Arbeiter der Möbelfabrik Schwind die Arbeit ruhen. Diese für den Ort denk- würdige Kundgebung hat unter der frommen Bevölkerung bedeutende Aufregung verursacht. Württemberg. Stuttgart, 1. Mai, vorm. 11 Uhr. Ein frischer mit Regen begonnener Maitag, aber jetzt scheint die Sonne und Tausende von Arbeitern ziehen nach dem Gewerkschaftshaus, das außen schön mit saftigem Maiengrün und rotem Ausschlag dekoriert ist. Auf den Ballonen nach der Straße sind die Büsten von Marx und Laffalle aufgestellt. Ueber 1500 Arbeiter füllen die drei Säle des Gewerk- schaftshauses, in welchen die Genoffen Leipart, Schlicke und H e y m a n n über die Bedeutung des 1. Mai sprachen. Für den Festzug am Nachmittag sind große Vorbereitungen getroffen. Elsah-Lothringen, Straßburg. Am Morgenansflug beteiligten sich 200 Personen, trotzdem scheußliches Regenwetter herrschte. Abends fand eine Privat- Versammlung statt, zu der 400 Personen erschienen waren. polikische Uebev0chk. Berlin, den 2. Mai. Der Reichstag hatte am Donnerstag einen Schwerinstag angesetzt, um endlich mit zwei Entwürfen aufzuräumen, die das Haus schon erhebliche Zeit beschäftigt haben; mit dem Antrag Rickert auf Schutz des Wahlgeheimnisses und mit dem Toleranzantrage des Centrums. Zuerst hatte es ganz den Anschein, als wollte der Bundesrat den ersten Mai durch vollkommene Arbeitsruhe feiern, aber später rückten Graf Posadowsky und die Bundes- bevollniächtigten von Bayern und Sachsen an. Es blieb nur ungewiß, ob eine längere Mittagspause zwischen den Be- ratungen der Zolltarif-Komnnssion und der Plenarverhandlung den Staatssekretär zunächst ferngehalten hatte, oder die Absicht, unbequemen Reden über behördliche Wahlbeeinflussungen zu entgehen. Die Debatte bei der dritten Lesung des Antrages Rickert über den Schutz des Wahlgeheimnisses bot das alte Bild. Die Redner der Linken, denen sich der Däne Jessen sowie Polen und Elsässer anschlössen, erklärten im Berein mit dem Centruni die Verhinderung von Wahlbeeinflussungen für ein Gebot der politischen Moral. Die Redner der Rechten wieder erklärten, keine Veranlassung zu haben, das ganze Trara von Bestimmungen, wie Herr v. Ä a r d o r f f die Einfährung des Wahlconverts und des besonderen Abstimmnngsraums für den Wähler nannte, einzuführen. Ten Streit zwischen links. und rechts, ob im Osten oder im Westen mehr Beeinflussungen vor- kommen, schlichtete Genosse Ledebour mit der Feststellung. daß diesseits und jenseits der Elbe gesündigt würde, wenn er auch den Konservativen unbesehen den Vorrang bei allen Wahlbeeinflnssungen einräumte. Unser Redner machte den guten Vorschlag, die säumigen Bundesratsmitglieder, die bei den Reichstags-Verhandlungen nicht erscheinen, durch den Abzug der Diäten für ihre Pflichtvernachlässigung zu bestrafen und holte sich einen Ordnungsruf, als er die kategorische Jmperativrede des Grafen Posadowsky würdigte. Die Debatte klang ans in eine Rede des Rcichsparteilcrs Frhr. v. Tiedemann. des früheren Chefs der Bismarckschen Reichskanzlei. Der Herr wärmte alte Bisniarcksche-Erinnerungen auf und jammerte recht verspätet darüber, das unsre Fraktion Diäten aus der Parteikasse erhalte. Mit der Beschlagnahme dieser Gelder ist es nun vorbei. Der Rickertsche Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Nim ist es au der Regierung, Stellung zu nehmen. Ein Optimist, wie Herr Dr. Barth, hofft, daß diese Stellungnahnie noch im Laufe des Sommers erfolgen werde, damit die nächsten Wahlen unter besserem Schutze der Wahlfreiheit vor sich gehen. Aber die Abneigung des Bundesrats gegen die Wahlfreiheit ist noch größer als die Hoffnung des Herrn Dr. Barth. Die zweite Lesung des Toleranzantrages des Centnims führte nicht über§ 1 hinaus. Dieser Paragraph gewährleistet die volle Freiheit des religiösen Bekenntnisses und schafft allen religiösen Vereinigungen und der gemeinschaftlichen häuslichen und öffentlichen Religionsübung freien Raum. Die Debatte war sehr unfruchtbar. Bei den Religionsgesprächen, die zwischen den Centrumsabgeordneten und den Männern des evangelischen Bundes geftihrt wurden. wurde nian zu deniselben unfreundlichen Urteil gedrängt, das Donna Blanka— Blanche de Bourbon hieß sie ehemals— über die Toledaner Disputation gefällt hat. Eine freundliche Abwechselung brachte der Antisemit Vogel hinein. Mit un- erschütterlichem Mute las er eine lange Rede ab, die mit prachtvollen Sentenzen gespickt war. Der eine Satz, der darin vorkam:„Das deutsche Volk ist mit seiner Geschichte belastet", hätte den Mnrgerschen Zigeuner und Erfinder der Sentenz: „Der Rheinwein ist ein Toilettenwcin" neidisch machen können. Schließlich wurde§ 1 durch einen Zusatz ver- schlechtert, wonach die allgemeinen Polizei- lichen Vorschriften d e r L a n d e s g e s e tz g e b u n g über das Vereins- und Versammlungs- Wesen unberührt bleiben sollen. Unserer Fraktion, für die Genosse K u n e r t sprach, wurde es dadurch unmöglich gemacht, dem§ 1 zuzustimmen. Die Mehr- heit setzte sich ausschließlich aus den Konservativen und dem Centrum zusamnien, das freilich nur 90 Mann aufgeboten hatte. Am Freitag steht die zweite Lesung des Z o l l d i ä t e n- Gesetzes auf der Tagesordnung; außerdem bestand das Centrum auf der Fortsetzung der Beratung seines Toleranz- antrages.—_ Bekämpfung der Trunksucht. Das Abgeordnetenhaus beriet am Donnerstag den An- trag des Abgeordneten Dr. Graf Douglas(fk.), betreffend Bekämpfung des übertriebenen Alkohol- genusses. Der von Mitgliedern aller Parteien mit Aus- Für den Inseratenteil vcraniwvitlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und I nähme der Freisinnigen unterschriebene Antrag fordert die Regierung auf, nach dem Vorgange der Gesetzgebung der süd- deutschen Bundesstaaten und in Verallgemeinerung bestehender Polizeiverordnungen den Entwurf eines Gesetzes zur Ver- hütung der schädlichen Folgen des Branntweiiigemisses vorzulegen, durch welches insbesondere Gast- und Schankwirten. sowie Kleinhändlern untersagt wird, Branntwein zu verabreichen, a) in andrem als reinem, von Fuselöl und sonstigen gesundheitsschädlichen Stoffen freiem Z u st a n d e, b) in den Morgenstunden im Sommerhalbjahr vor 7 Uhr morgens, im Winterhalbjahr vor 8 Uhr morgens— von Ausnahmefällen abgesehen—, c) an angetrunkene Personen, an Personen unter 16 Jahren und ferner an solche Personen, die von der Polizeibehörde als Trunken- bolde den Gast- und Schankwirten:c. bezeichnet sind. Neben diesen reaktionären Forderungen verlangt der An- trag, daß durch geeignete Veröffentlichungen den weitesten Kreisen deS Volkes zum Bewußtsein gebracht wird, welche schädliche Wirkungen der übertriebene Alkohol- genuß auf die körperliche und geistige Gesnndbeit. die Nachkommenschaft, die Erwerbsthätigkeit, das An- wachsen der Verbrecher hat, ferner daß auf Errichtung öffentlicher Anstalten zur Unterbringung der wegen Trunksucht Entmündigten Bedacht genommen wird, daß in Wartesälen, Wartezimmern der Behörden und sonstigen öffentlichen Räumen, in welchen das Publikum zu verweilen pflegt, bild- liche Darstellungen und sonstige Belehrungen angebracht werden, welche die schädlichen Folgen des übertriebenen Alkoholgenusses insbesondere ans die Organe des menschlichen Körpers veranschaulichen, und endlich, daß die Jugend in der Schule besonders im Wege des An- schauungsunterrichts über die schädlichen Folgen des über- triebenen Alkoholgenusses aufgeklärt wird. Die Freisinnigeil hatten ihre Unterschriften wegen des ersten Teils des Antrags verweigert, weil sie von einer Bekämpfung des Alkoholismus durch polizeiliche Maßnahmen nicht mit unrecht die Herbei- führnng einer Willkürherrschaft fürchten. Im übrigen aber stimmen auch sie mit der Tendenz des Antrags überein. Bezeichnend für den M i n i st e r des Innern ist es, daß er durch seinen Unterstaatssekretär— Herr v. Hammer- stein selbst ergab sich während der Beratung des Antrags dem fröhlichen Weingenuß in Düsseldorf— erklären ließ, daß er gerade für diesen Punkt, also für den Polizeikampf gegen den Alkohol, zu haben sei. Die meisten Redner gaben sich ersichtliche Mühe, die De- batte sachlich zu führen. Bor allem der Antragsteller und der Abg. Graf v. Wartensleben(k.) waren offen genug, dem übertriebenen Alkoholgenuß auch in den oberen Volksklassen den Krieg zu erklären, und ihren Klassengenossen zuraten, daß sie den unteren Schichten mit gutem Beispiel vorangehen mögen. Die Mediziner, die in die Debatte eingriffen, außer dem Antragsteller noch die Abgg. Dr. Endemann(natl.) und Dr. Martens(natl.), schilderten die Schädigung der Volks- gesundhcit durch den Alkoholismus, den Zusammenhang zwischen Kriminalität und Alkoholismus und den Einfluß des Alkoholismus auf die Geisteskrankheiten. Der fromme Dr. D i t t r i ch vom Centrum that noch ein übriges und pries trotz der berühmten mönchischen Weinkeller und Schnaps» fabrikationen die Kirche als Allheilbringerin in diesem Kampfe. Einen Mißton in die Debatte brachte nur der rheinische Großindustrielle Kommerzienrat Vorster, ein Schüler und Parteigenosse Königs Stumm. Dieser Herr that so, als ob nur unter den Arbeitern der Alkoholismus verbreitet sei; er wagte es, die dreiste Behauptung aufzustellen, daß die Belastung des Volkes durch den Wuchertarif weit geringer sei. als die durch den Genuß von Alkohol. Und nicht genug damit, erging er sich sogar in Schmähungen gegen die Führer der deutschen Socialdemokratie, die dem Alkoholgcnuß Vorschub leisten, weil sie dadurch Nährboden für ihre Bestrebungen, Armut und Unzufriedenheit, schaffen. Es lohnt nicht, auf dies Gerede einzugchen. Der Abg. Dr. Martens(natl.) und nach ihm Abg. W etekamp(frs. Vp.) ließen diesem Scharf- macher die gehörige Abfuhr zu teil werden. Charakteristisch ist es, daß kein Redner den Versuch machte, den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Verhält- nissen, mangelnder Ernährung und Alkoholismus zu schildern. Nur Abg. Dr. Wetekamp unternahm einen schwachen Ansatz dazu. Das Ende der Debatte war die Ueberweisung des An- träges an eine Kommission von 21 Mitgliedern.— Der Mittelagrnrier. Die Welt Hot nur deshalb Helden deZ Denkens, Forschcns und Schaffens hervorgebracht, damit der jetzige Reichskanzler Graf Vii low mit„Namen" seine Steden schmücken kann. In Dnsseidorf ist eine Kunst- und Geiverbe-Ansstellung eröffnet worden. Der Kronprinz hat bei dieser Gelegenheit eine Ansprache verlesen und der Graf Viilolv eine Festrede geschwungen. in der er diesmal bewies, datz er sogar den Titel einer Kant- scheu Schrift mal gelesen hat. Er citicrte nämlich die Kantsche physikalische Erstlingsschrift:„Von der wahren Sckmtzmig der lebendigen Kräfte", und zwar nur zu dem Zwecke, um die geistsprüheube Beinerknug daran zu knüpfen, datz er nach dem Rundgang,„au dieser Schätzmig reicher geworden" sei, und durch diese Anknüpfung zugleich die beruhigende Gewißheit zu geben, datz er von der Schrift nur den Titel kennt. Daim machte er einen Versuch in der Schätzung der lebendigei» Kräsie i» der Politik, indem er die Industrie gegen die Ueberzöllirer verteidigte: „Wir wissen, datz eS das Ziel der Reichspolitik ist, ans der eine» Seite der Landwirtschaft aus schwieriger Lage»achhaltiir aufzuhelfen und damit ziigleiip den niländischeii Wareuabiap zu steigern,(Erneutes Bravo I> ans der andren Seite der dentschen Jndustrie-Arbcit vertragsmäßige Bürgschaften für ungestörle Anssnhr ihrer Erzeugnisse zu wahren.(Lebhafter Beifall.) Deshalb sind die verbündeten Regierungen in der Tarifvorlage in betreff er- hcblicher Zollerhöhimgen für Slgrnrprodnkte bis an die Grenze deö mit dem Abschlnft langfristiger Handels- Verträge noch zu Vereinbarenden gegangen, aber auch nicht weiter.(Stürmischer Beifall und Bravo!) In dem langwähreudeu MeinuiigSkampfe, der dabei zu überwinden ist, soll uns stets das Vorbild unsres Kaisers voraiilenchten, der seinen schönsten Ruhm darin findet, unermüdlich unser Gesamt« Vorbild zu sein.(Beifall.) Graf Bülow hat damit wieder einmal gegenüber den Biindlern das„Unannehmbare" für die Uebcrzölle variiert. Ob er damit bei ihnen Eindruck machen wird, bezweifeln wir. Sicher wird er nns mit diesem platonischen Protest nicht die Ueberzeugimg abzwingen, datz auch die Regierungsvorlage bei weitem die äußerste Grenze überschritten hat. Der Rcichskanzler berief sich schlietzlich noch einmal darauf, daß seine mittelagrarische Politil„in voller Nebereinstimmung mit dem Kaiser" betrieben werde. Als ob daran jemand zweifelte! Be- nierkenSwerter scheint uns die Art zu sein, in der gegenwärtig Minister von ihrem Fürsten zu reden lieben. Der Hinweis ans da» „unermüdliche Gesamtvorbild" ist von einer selbst heute ungcwöhn« lichen- M I, st 1 1____ erlag von Max Bading in Berlin. Hierzu I Beilage. Jlr. 101a. 19. örilmt ilks.Fmmrls" Knlim UckslilÄ FrciKg. 2. Uli ISV2. Vei�sksg. 179. Sitzung vom Donnerstag, den 1. Mai 1902, nachmittags 1 Uhr. Präsident Graf Ballestrem erbittet und erhält die Ermächtigung. dem Kronprinzen zu seinem bevorstehenden Geburtstage die Glückwünsche des Reichstags zu übermitteln. Aus der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung der Anträge R i ck e r t eiste n Wahlbeeinflnssungen ausgeübt iverden. Das hat seinen natürlichen Grund darin, daß die Konservativen nieist die von der Regierung am meisten begünstigte Partei sind. In andern Gegenden, wo andre Parteien sich dieser Gunst der Regierung er- freuen, k o m in e n e b e n s o v i e l W a h l b e e i» s l u s s u n g e>! vor. Herr Barth hat angeregt, daß den Bnndesratsvcrtretern. damit sie hier ini Plenum auch bei Initiativanträgen erscheine», Diäten gezahlt Iverden. Thatsächlich erhallen die Vertreter der auswärtigen Regierungen ja jetzt sch o n Diäten, sie erhalte» sie sogar, wenn sie nicht an einer Kommission oder Plcnarberatnng teilnehmen. Ich möchte deshalb empfehlen, daß den R e g i c r» n g S- Vertretern für die Tage, die sie nicht in, Pleiium oder in der Kommission anwesend sind, für ihre Pflichtvminchlässignng von ihren Regierungen die Diäten abgezogen werden. Es wäre ein nobils officium der Regierung, so bescheiden zu sein, wie die Zolltariftommisfion. Diese Pflichlvernachlässigung seitens der Regiernngsvertretcr steht in auf fälligem Gegeusay zu den pomphaften Schlußworten des Grafen PvsadoivZky bei Gelegenheit der Diätennprlage für die Zoll- larismilgtieder, daß für die verbündete» Regierungen der kategorische Imperativ der Pflicht gelle und sie bis zum letzten Tage des Jahres ihrer Pflicht nachkommen. Ich habe niemals eine Aenßcrung von einem Vertreter der verbündeten Re gierungen gehört, die so den Charakter einer hohlen Neuomitiage hatte. lGlocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstrrni: Herr Abgeordneter, Sie dürfen einem Vertreter der verbündeten Regierungen nicht hohle Re uommage vorwerfe»; ich rufe Sie deshalb zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Abg. Lcdebonr(fortfahrend): Graf PosadotvSkl) hat jedeufalls in falscher Snffaffung deffen. was er sagte, geglaubt, daß er damit einen Eindruck auf uns machen könne, ans uns inachen aber keine Worte, sondern nur Thaten Ein- druck.(Bravo I bei den Socialdemokralen.) Abg. Dr. v. KomicrotvSkt(Pole): Wir werden für den An- trag Rickert stimmen und tviinschen, daß der Bundesrat endlich dem einmütigen Beschluß des Reichstags beilreten wird. Abg. v. Tiedemann(Rp.): Ich habe mich mir zum Worte ge- nicldet, Uni endlich enimal die Legende zu zerstören, als ob die Mit- glieder des Bundesrats Diäten beziehen. Das ist nicht der Fall. Wen» die BnndcsratSinitglieder eine Entschädigung erhalten, so er« Halle» sie dieselbe nicht ans der 3t e i ch s k a s s e, sondern ailS den Kassen der einzelnen B n n d e s st a a t e n.(Lachen links.) Damit schließt die Disknssion. Der Antrag Ricke rt«Gröber wird in dritter Lesung gegen die Stimmen der blechte» a n g e n o m m e n. ES folgt der ziveite Punkt der Tagesordnung: Fortsetzung der z tv e i t e n B e r n t» n g des von den Abgg. Lieber und Ge- »offen(C.) eingebrachten Gesetzentwurfes betreffend die Freiheit der 3t e l i g i o n s ü b u n g.< T o l e r a n z a n t r a g.)§ 1 be- stimmt: Jedem Reichsangehörigen steht innerhalb des Reichsgebiets volle Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu ReligionS- genieinschaften, sowie der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Religionsübung zu. Den bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten darf durch die Ausübung der Religionsfreiheit kein' Abbruch geschehen. Die Äbgg. Dr. Hieber und Dr. Sattler(natl.) beantragen folgenden Zuiatz: Der Erlaß von Gesetzen zur Ausführung des vorstehende» Grundsatzes ist bis zum Erlaß eines Reichsgesetzes über Vereins- und Versammlungsrecht Sache der Einzel- staaten. des ist im Namen Seit wann Die Religions der katholischen Abg. Sattler(natl.) begründet den Antrag. Die Grenzen der Wirlsamkeit des§ 1 sind unklar. Wir heben daher durch unsern Antrag hervor, daß noch ein Gesetz erlassen werden muß, welches die Folgen der im ß 1 aufgestellte» Grundsätze ans dein Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts regelt. Sistiert wird § 1 durch unsren Antrag keineswegs. Im Gegenteil, die Einzel staaten werden dadurch veranlaßt, ihre Gesetze den Grundsätzen dieses Paragraphen gemäß abzuändern. Der Reichstag hätte das Recht stets zu kontrollieren, in wie weit dies geschieht. Wenn 8 i ohne unsren Antrag zur Annahme käme, so würde zweifellos das Centrum behaupten daß dadurch alle Beschränkungen ans dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts in P.tZnßen aufgehoben seien. Dies würde Unfrieden und Streitigkeiten in viele Kreise tragen. Wenn Sie daher unsern Antrag ablehnen, werden ivir gezimnigen sein, gegen den§ 1 und damit gegen das ganze Gesetz zu stinmicn. Abg. Vondcrschecr(Els.s erklärt sich gegen den Antrag Sattler. Abg. Dr. Stockmann(Rp.) desgleichen größeren Teils seiner politischen Freunde. denn Religionsfreiheit ein latholischcs Princip. freihcit widerspricht fdem innersten Wesen Religion.— Herr Kmiert hatte durchaus Recht mit der Behauptung dieser Antrag wäre vom Centrnm nicht eingebracht worden wenn er die Majorität hätte. Eine Kundgebung des Pap sie PinS lX.vom Jahre 1869 wendet sich gegen dasöstreichische Staatsgrimd Gesetz von 1867 und nennt es ein„wahrhaft unsagbare Gesetz", iveil durch dasselbe„jede Freiheit soivohl des Glaubens wie des Gewissens und der Lehre festgestell wird". Es ist darüber verhandelt worden, ob der Paragraph nur Rechts grimdsätze aufstelle oder neues Recht schaffe. Ich gebe Herrn Bachem recht, daß positives 3iecht dadurch geschaffen wird. Die Konsequenz davon wäre, daß alle entgegenstehenden Landcsgesctze aufgehoben wären. Diele Konsequenz will der nationnlliberale An trag beseitigen und insofer» ist er nns sympathisch. Noch einfacher wäre es, wenn man einen Absatz hinzufügte: Lnndesgesetzliche Vor� schriftcii über das Vereins- und Versammlungsrecht bleiben unberührt. (Bravo! rechts.) Abg. Dr. Vachem(C.): Auch in der Politik giebt es doch einen ähnlichen Unterschied, nämlich den zwischen dogmatischer und staats rechtlicher Toleranz. Eine dogmatische Toleranz in der Politik wird jeder Politiker als etwas Selbstverständliches ansehen, warum wollen Sie diesen Unterschied niwt auch für das religiöse Gebiet zugeben. Die staatsbürgerliche Toleranz aber, die gewäbrni auch >vir wie überall so auch aus dem Gebiete der 3!eligio» Hier handelt cS sich nur um die st a a t s b ü r g e r l i ch e n Rechte Daher ist der Hinweis ans Spanien verfehlt, den» die Regelung der staatsbürgerlichen Berhältniste in Spanien gehen uns hier nichts an.— Stach niemals hat die kaiholische Kirche den Satz aufgestellt. daß derjenige, der ihr nicht angehört, nicht selig werden könne, sie hat nie behauptet, daß ein Heide nicht selig werden könne. Auf die Kompetenzfrage will ich mich nicht noch einmal einlassen, sie ist hier bereiis ausführlich genug erörtert worden. Wir wollen doch eine Einheitlichkeit herbeiführen auf dem Gebiet der Civil- und Strafgesetzgebung, und hier ans dein viel höhere» Gebiete der 3ieligio» soll das nicht erlaubt sein.(Sehr gut I im Centrnm. Ich kann Sie mir bitten den Katholicisnius an der Quelle zu studieren, dann iverden Ihre Vorurteile schwinden.(Lebhaftes Bravo' im Centrinn.) Abg. Richter(frs. Vp.): Ich lami erklären, daß meine Frciiiide dem GesetzeiUwiirs zustimmen werde». Daher kommen wir zur Av lehimiig aller Abändernngsanträge, die zum Teil Probleme berühren über die kaum eine Einigimg zu erziele» iei» wird. Wie innii in dem Gesetz eine Gefäbrdnng. der selbständigen Gesetzgebung der Einzelstaate» erblicken kann, verstehe ich nicht; eS handelt sich doch hier lediglich»in ergänzende Besliiiuiuingeii zum Faniilien- nnd GesellschastSrecht, Gebiete, die schon vielfach durch Reichsgcsetz geordnet sind.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Oertcl(k.): Wir haben die einzelnen Beslinimungen sachlich geprüft nnd die Mehrheit meiner Freunde wird für 8 stimmen. Den Antrag Hiebcr aber erachte» wir für bedenklich Diese Ansicht sprechen wir ans nieuiand zuliebe, niemand zuleide. sondern ans voller Ueberzengnng.(Bravo! rechts.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Ich kann mir»leine frühere Er klnrnng wiederholen, daß wir mit dein 8 1 vollkonimen ein- v e r st a n d e n find. Den Antrag Hiebcr werden Ivir ablehne». Vicepräsident Graf Stolbcrg-Wcruigcrode: Es ist folgender Antrag Gröber-Oertel eingegangen, als dritlen Absatz dem 1 anzufügen: Unberührt bleiben die allgeiiieinen polizeilichen Vorschriften der Landcsgesetze über das Vereins- nnd Vcrsnmmlungs wesen. Abg. Dr. Vogcl(Ant.) verliest unter wachsender Unruhe des Hanfes eine längere 3iede. in» nachzntveise», daß eine Radikalkur, ivie sie der Antrag Lieber will, nicht durchführbar ist, iveil die Patienten selbst nicht tvollen. Das deutsche Volk ist mit seiner Geschichte belastet.(Große Heiterkeit.) Wir Badcnser haben mit den Siimiltanschnle» absolut keinen Erfolg zur Ausgleichung der religiösen Gegensätze gehabt. Präs. Gras Vallestrrui: Ich möchte den Herrn Redner bitten, einen Augenblick seine— 3Iede zu unterbrechen. Es ist allgemein im Hanse die Ansicht verbreitet, daß der Herr 3!ed»er seine Rede a b l i e st. (Große Heiterkeit.) Ich mache den Herrn 3ted»er darauf aufnierksa», daß sich infolgedessen eine getvisse Unruhe des HanseS bemächtigt hat.(Erneute Heiterkeit.) Ich ersuche den Herrn Redner, n i ch t >v e i t e r abzulesen. Abg. Dr. Vogel(Ant.) bricht hierauf seine Rede ab mit der Erklärung, daß seine Freunde nur im Falle der Ainiahnie des Antrags Hieber fiir Seu Paragraphen stimme» würden. Abg. Kuucrt(Soc.): Wir haben seiner Zeit erklärt, daß wir f ü r den 8 1 des Ccnlruinsantrags stimmen werden. Dieser Para- graph hat nun durch den Antrag Gröber- Dr. Oertel eine Ver- schlechter»»« erfahren. Für die»icht anerkannten ReligionS. genieiiischaflcit bleibt danach allcS beim alten. DaS ist nicht mehr Toleranz, souder» Intoleranz. Damit schließt die Diskussion. In der Abstimmung wird der Antrag Hieber gegen die Stimmen der Nationalliberalcn und der 3teichspartei abgelehnt. Der Antrag Gröber-Dr. Oertel gegen die Stimmen der Socialdemokrateu, Frei- sinnige». Natioiialliberaleu und der 3teichspartei augenomuien. Ebenso 8 1 in dieser veränderten Fassung. Hicranf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr: Diätenantrag und Fortsetzung der heutigen Beratung. Schluß 6 Uhr._ Zolltarif- Kommlssio«. In der Z o l l t a r i f- K o m in i s s i o n gab DoimerStag vor Eintritt in die Tagesordnung Müller- Meiniiige»(frs. Vp.) folgende Erklärung ab: Die Be- hanpinng, daß er für KominissioiiSdiätc» sich ausgesprochen habe, sei völlig unwahr. Er habe lediglich über die Frvge der Vertagung nnd des Geschäflsplanes der Konnnisstoii sich geändert, nicht aber zu der Diätenfrage Stellung genommen, ivie das Sitznngsprotokvll nnd die durchaus verläßlichen Berichte der„National-Zeitiing" ergeben. Abg. Stadthagcn(Soc.) beschivert sich darüber, daß i» der Budgetkoinmission am Mittivoch angeblich auf Grund von Berichten der„Köln. Votkszeitiing" von seilen des Centrums eine völlige Ver- drchnng der Thatsachen beliebt tvordeu sei. Danach habe Abg. Müller- Fulda behauptet, in der Koinmission sei sestgetlellt worden,„daß Abg. Stadtckagen die Gewährung von Diäten fiir die Kommission angeregt habe". Das sei eine absolute Umvahrheit. Er berufe sich auf das Gedächtnis der Komniissionsmitglieder, sowie auf daS Protokoll der Kommission und stelle fest, daß keinerlei Widerspruch gegen seine Darstellung des Sachverhalts erfolge, die dahin gehe, daß Abg. Spahn die Diätenfrage angeregt habe. Müllcr-Sagan(frs. Vp.): Die Behauptung, daß die Linke durch Schweigen zugestimmt habe, sei unhaltbar, da Abg. Schräder auf die Anregung Stzahns sofort erividert habe, daß er es„für die patriotische Verpflichtnug der Kommission erachte, ohne jede Ent- s ch ä d i g u n g iveiter zu tagen. Geyer(Soc): Die Folgerung ist falsch, daß der unterbliebene Widerspruch eine Zustniiniuiig sei. Iii solchen Fragen eutscheiden uicht die ciiizelueu Mitglieder, sondern darüber nimmt mau erst Rücksprache niit der Fraktion. Schon dieser Uinstand schlicht es aus, daß ivir zugestiinnit haben. Der Vorsitzende Rettich koustatiert, daß Gamp die Sache angeregt habe. Stadthage»(Soc.) interpelliert den Abg. Trimbor», wie seine Partei eine so Ivahrheitstvidrige Behauptung verbreiten könue, daß die Kommission festgestellt habe, er, Redner, habe die Diäten- frage angeregt, während das gerade Gegenteil der Fall sei. Trimbor»(C.) erklärt, er habe mit der ganze» Sache nichts zu thun. Hierauf tritt die Kommission in die Tagesordnung ein. Position 206 legt auf eingedickte Milch wie bisher einen Zollsatz von 60 M. Ein Antrag G o t h e i n(fcs. Vg.), den Zoll auf 50 M. zu ermäßigen. tvird abgelehnt und der Satz der 3i e g i e r u» g s- vorläge a n g e n o ni in e n. Position 207 sieht für Eigelb nnd Eiweiß znm Genuß einen Zoll von 60 M. Ivie bisher vor. Stadthagen(Soc.): Das Eigelb wird auch als Rohstoff von Industrien gebraucht. Man hätte es als Nahrnngsmittel und Roh- stoff frei lassen sollen. Blell(srs. Vp.) beantragt einen Zollsatz von 8 M. Unter Ablehnung aller Anträge wird der Satz der 3i e g i e r u ngs- Vorlage angenommen. Die Positionen 210 bis 214 lverde» verzollen: Essenzen, Säfte von Früchten, Früchte, mit Branntivcin zubereitet uslv. Stadthagen(Soc.) befürivortet für alle Positionen Zollsreiheit. Gothein(frs. Vg.) beantragt Ermäßigungeii. Die Regiermigsvorlage ivird für alle fünf Positionen an- g e n o in m e n. Positionen 215 bis 217 betreffen Plaömon, S o m a t o s e, T r o p o n, Pepsin. Position 216 legt ans noch nicht geiiaiinte Nahrnngs- und G e u u ß m i t t e l eine» Zollsatz von 60 M.(bisher frei). Dr. Paasch?(natl.) ist gegen die Zollsreiheit von Plasmon, Soinatose usw. Tie Regierungsvorlage ivird anaenommc». Position 213, die die Tabakfabrikate(Tabakblätter, Tabak- rippcn. Kau- nnd Schnupftabake, Cigarre», Cigarelten) mit denselben Zöllen belegt ivie bisher, wird nach der Regierungsvorlage a n g c n o in ni e». Geyer(Soc.) geißelt bei dieser Gelegenheit das Bestreben der Agrarier, ivelchc nicht ablassen, die Tabakindustrie zu bemirlihigen. Position 228 legt auf Cemcnt aller Art einen Zoll von 50' Pf. (biSber zollfrei). Miillrr-Meiningen(frs. Vp) befürivortet Zollsreiheit. Nach kurzer Debatte wird die Negicrnngsvorlage«U- enommett. Nächste Sitzung: Freitag 9 Uhr. Nmmnmmlvs. Stadtverordneten- Versammlinig. 13. Sitzung vom D o n n. e r s t a g, den 1. Mai 1902, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Langer ha nS eröffnet die Sitzung gegen V-6 Uhr. Ein dringlicher Antrag ist eingegangen, den Magistrat um Ausliiiift zu ersuchen, ob sich die im Publikum verbreiteten Nach- richten über Defekte in der Sparkasse bewahrheiten. Kämmerer Maas?: Wir haben sofort eine allgemeine Revision der Sparkaffe angeordnet. Die Sache ist ein bißchen sehr auf- gebauscht worden; man hat nicht die Deeernenten gefragt, sondern ist sofort an die Oeffentlichkeit gegangen. In welcher Weise die Unterichlagungeii verübt worden sind, möchte ich nicht angeben, um nicht Scvüler zu machen.(Heiterkeit.) Bedauerlicher Weise sind zwei uusrer Beamten als ungetreu erwiesen, der eine hat sich der irdischen Gerechtigkeit durch Selbstmord entzogen, der andre latitiert nnd wird steckbrieflich verfolgt werden, seine Frau war heute bei mir, sie bat geweint und weiß von dem Verbleib des Geldes nichts. Ich glaube, es wird sich ans beiden beschränken, aber als vorsichtiger Mann übernehme ich keine Garantie. Das System der Buchungen ist ein vorzügliches, jede Zahlstelle istsniit fünf Buch- Halter» beschickt, und es werden je zwei Contvbücher geführt. Der Käimnerer giebt eine genaue Darslellnng des gesamten Geschäftsganges bei den Ein- und AnSzahlimgen. Man wird die Buchhalter häufiger versetzen und auch Changements mit den Controlenren vornehmen. Wege» der Deckmig werden wir ja ohnehin später an Sie heran» treten. Mit dem Fiiialabschliiß sind wir nächsten Montag fertig. Es handelt sich um über 700 000 Conten. Manche Fälschungen wären sonst erst am Jahresschluß entdeckt worden. Stadtv. Frick(A. L.j: Ich habe den Antrag mir gestellt, um dem Magistrat Gelegenheit zu amtlicher Auskunft zu geben, lieber den Fall Urban ist aber nichts mitgeteilt worden. Kämmerer: Es hat sich selbstverständlich um einen Scherz gehandelt, von einem Defekt ist keine Rede. Damit ist der dringliche Antrag erledigt. Die Versammlung tritt in die Tagesordnung ein. Zunächst findet die Wahl des zweiten Beisitzer-Stell» Vertreters statt. Borgeschlagen sind B o r g m a n n(Soe.) und L i e b e n o wwch der Prüfung unterliegen. Stadtv. Kämpf(A. L.): Der Magistratsvorschlag ist einer gründ lichcn Erörterung dringend bedürftig. Ob die Üiiterstütznng des Baues von kleinen Wohnungen stüdtischerscits mit der Vorlage wirk- fam ins Werk gesetzt werden kann, ist mir mindestens ziveifelhaft. Der genannte Verein verfügt über große Terrains mid seine bis- herigen Leistungen sind nur zu loben. Nach dem Vertrage soll der Verein Familien als Mieter nicht zurückiveisen dürfen ivegen großer Kiuderzahl. Diese Bedingung muß noch schärfer präcisiert werden. Ob aber die Erfüllung der Bedingung, billige Wohnungen herzustellen, gewährleistet ist, muß erst noch im einzelnen genau »achgeprüft werden. Die Mietspreise von 1900 hat der Verein 1901 Am 6 Proz. erhöht.(Hört I hört!) Eine Aktiengesellschaft baut in der Regel teuer— hier mag ja eine Ausnahme vorliegen— und auch die Verivaltuugstosten des Vereins sind sehr hoch. 7500 M. bei 54 000 M. Mietseinnahmen. Der Magistrat muß ans die Wer ivaltungskosten Einfluß ausüben können. Jedenfalls bedarf der Vertrags- entwurf mehrfacher Korrekturen, so u. a. in dem Punkt,»uns zu geschehen hat, wenn der Verein seinen vertragliche» Verpflichtungen nicht nachkommt. Aus der Sparkasse sollte das Darlehen nicht eutnommen werden, denn diese Anlage hält sich nnziveifelbaft nicht innerhalb der Pupillarischen Sicherheit. Das Geld steht ja vielleicht aus der König Friedrich-Stiftung zur Verfügung. Die Vorlage ist einem Ausschuß von 15 Mitgliedern zu überiveisen. Stadtv. Dr. Nathan(N. L.f: Der Magistrat sieht die gegen wältige Lage des Wohnungsmarktes in Berlin doch zu optimistisch an, ivenn auch der Wohnuugsmangel nicht nrehr so akut ist, ivie vor l— IV» Jahren. Die BaNthätigkeit des Vereins, dem hier eine städtische Unterstützung gegebe» werden soll, kommt in der Hauptsache den Unter- bcamten sowie kleineu Angestellten und Hnndlverkcrn zu gute, sodaß dem Wohnungsbedürfnis der Arbeiterbevölkcrnng nur niiitelbnr eine Erleichterung zu teil wird. I» dieser Beziehung müssen die städtischen Behörden ihre Bemühungen energisch fortsetzen und auch mit anderen Baugenossenschaften zum Abschluß zu kommen suchen. DaS Gelände der ehemaligen Waffcriverke vor dem Stralauer Thore wäre ein ganz besonders geeignetes Versuchsobjekt, wenn der Grund- «rwerb nicht zu teuer ist. Daß eine Gesellschaft teurer baut als ein «inzelner Unternehmer. ist keineswegs in dieser Allgemeinheit zutreffend. Stadtv. Borgmaun(Soc.): Daß die Spannung auf dem WohnungSniarkte etwas nachgelassen hat, ist richtig, aber das liegt an dem wesentlichen Rückgang der Bevölkerungs- Ziffer; ebenso schnell kann die Ziffer lviedcr rapide wachsen und dann haben wir die Wohmmgsnot wieder. Wir müssen rechtzeitig vor« beuge». Den Bestrebungen der Vorlage stehen«vir freundlich gegern über; daß aber gerade diese Gesellschaft ausgesucht ivorde» ist, er- regt in mir den Verdacht, daß der Magistrat der Versammümg die Sache möglichst wenig schmackhaft machen ivollte. Neben den hohe» Berwaltun'gskosten schreibt die Gesellschaft jährlich 1�/» Prozent des Feuerkassenwertcs ab; das ist auch ein Gewi»», der das Vermöge» der Gesellschaft verbessert, aber aus dem Mietövertragc Heransaewirtschaft et wird. Nach dem lvaS ich heute von den Wohnungen dcS Vereins gesehen habe, scheint er seinen Namen nicht mit Recht zu tragen; er kann als Musterbeispiel nicht ins Feld geführt werden. Billige Wohnungen schaffen Sie nur, lven» Sie den Grund und Boden nicht in ivucherischer Weise den Gesellschaften zur Verfügung stellen. Nur im Wege des ErbbaurechtS wird es möglich sein, billige Wohnungen zu schaffen. Die Wohnungen können auch gar nicht Familie» mit vielen Kindern aufnehme»(Hört! hört!); da muß der Ausschuß genau zusehen. Die heutige Mieterschar dieser Wohnungen sind Schutzleute, Post- und andre Beamte, Geiverbetreibende und Angestellte; nur ivcnige sind Arbeiter. Die Wohnungen sind da draußen auch gar nicht so billig, daß man ihre Veriuehrnug be- sonders lvünschen müßte. Stadtrat Fischbcck: Es sind seit dem 22. März v. I. eine Reihe Genossenschaften und Gesellschaften an uns hcranaetreten. Mit der Prüfung der Offerten hat sich der Magistrat absichtlich nicht beeilt, denn es handelte sich doch vor allein um die Erkenntnis, ob der Wohnungsmangel eine nur vorübergehende Erscheinung ivar oder nicht. Auf die Pläne der genannten Gesellschaft sind wir eingegangen, weil sie fix und fertig waren und weil sie uns etwas MnstergiiltigeS zu bieten schienen. Von der Förderung kapitalistischer Profitlvnt kann hier wirklich nicht die Rede sein. Der Wohnungsmangel ist thatsächlich zurückgegangen und die Banthätigkeit hat wieder zu genommen. Da können wir nicht gleichzeitig in großem Maßstabe Mittel aufwenden, um Neubauten zu fördern. Das Erbbaurecht haben alle Sachverständigen für Berlin und für die heutige Zeit als ungeeignet erklärt. Die Entnahme der halben Million ans der Sparkasse hat nur den Sinn, daß die Stadt Schuldnerin der Spar lasse ivird, die Krcditverhältnisse iverden also gar nicht tangiert. Die Friedrich-Stiftung ist noch nicht völlig installiert; der Oberpräsident verlangt, daß die Aufsicht über die Stiftung dem Polizeipräsidenten zustehen soll.(Hört! hört!) Das haben wir nicht acceptieren zu können geglaubt und die Frage schwebt noch beim Minister. Stadtv. Haberland(A. L): Herr Borgmann hat den Verein zur Verbesserung der kleinen Wohnungen doch gar zu scharf an- gegriffen. Allerdings hindern die Bodenpreise auch die Gesellschaften, besonders billig zu bauen; letzteres könnte nur auf Terrains der Fall sein, die außerhalb des Weichbildes liegen. Wenn der Magistrat für die Rute Bauland auf dem Terrain der Wasferwerke 1200 Mark verlangt(Hört! hört!), so kann dort von billigen Wohnungen that- sächlich nicht die Rede fein. Stadtrat Fischbcck: Die Kommune hat gar nicht die Möglich keit, Mittel in einer Höhe für kommunale Banthätigkeit herzu geben, daß sie der privaten Banthätigkeit Konkurrenz machen kann. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Für die Vorlage wegen Bewilligung von Ehrenpreisen in Höhe von 300 M. an den Verein für Aquarien- und T e r r a r i c n k u n d e„Triton" zu Berlin für eine im September zu veranstallciide Ausstellung erklärt Stadtv. Tolksdorf(Soc.) für die Bewilligung stimmen zu wollen, bittet aber gleichzeitig den Magistrat, künftig ähnlichen Anträgen auch dann zu entsprechen, wenn es sich um Veranstaltungen handle die in der Hauptsache von Arbeitern ausgehen. Im vorigen Jahre sei ein derartiger Antrag vom Magistrat abgelehnt worden. Stadtrat Namslnn verwahrt den Magistrat gegen die Unter stcllnug, als ob bei seinen Enlscheidnngcn über solche Anträge die Rücksicht auf den Stand oder die Partei der Antragsteller mit bestimmend fei. Die Vorlage ivird angenommen. Dem Volksheil st ätten- Verein vom Roten Kreuz, A5 teilung für Erholungsstätten, werden 2000 M. zur Wieder eröffnung und Ncneinrichlung solcher Stätten für erholungsbedürftige schulpflichtige Kinder aus städtischen Mitteln belvilligt. Für den E m p f a n g und die Bewirtung des im September dieses Jahres zu Berlin zusammentretenden„Deutschen I u r i st e n t a g e s" im Rathaufe stellt die Versammlung einen Kredit bis zu 10 000 M. zur Verfügung. Schluß SVi Uhr. Der Boercu Krieg. Besprechungen der Borrcnkommaudantcn. Die Abgeordneten der Boeren lassen es sich eifrig angelegen sein, die im Felde stehenden BnrgherS aufzusuchen, um niit ihnen die Frage der Kapitulation zu besprechen; sie besuchen nach und nach alle Distrikte und halten Versammlungen ab. Louis Botha bereist die Distrikte im Südosten, Delarcy und Schalk Bürger die im Westen, Lucas Mayer die nordöstlichen und Reitz die nördlichen Distrikte, während Steijn und De Wct den Oranjestaat bereisen. Als Abschluß dieser Versammlungen wird am 15. Mai in Vcrccniging eine allgemeine Versammlung der Boerensührcr stattfinden, um die Bedingungen der Ucbergabe endgültig zu beraten. Die Ansicht angesehener BnrgherS, die bereits kapituliert haben und in der Lage sind, die Gesinnung der Boeren im allgemeiiien zu beurteilen, geht dahin, daß, wenn die Abgesandten den BnrgherS die Lage aufrichtig erklären, die BnrgherS sich lvahrscheiu- lich von friedlichen Gefinnnngen leiten lassen Iverden.(?) Euglnnd rüstet weiter. Im KriegSanit wird mitgeteilt, daß Vorkehrungen getroffen seien, um über zehntausend Mann, darunter Deomanry, und 2000 Remontcn in 14 Fahrzeugen von jetzt ab bis zum Ende des MonatS einzuschiffen._ VoktÄlles. Emil Gcrstcubergcr-Z-. Die Freude über die wohlgelnngene Heerschau, welche die Arbeiterschaft auch in diesem Jahr veranstaltet hat, wird durch eine tieftraurige Botschaft getrübt. Uiifer Parteigenosse Emil Gersten b e r g c r ist in der Nacht zu gestern im Krankenhailse zu e i ß e n s e e gestorben. In Gerstenbcrger vollzog sich das Schicksal, das so manchen tapferen Arbeiter vorzeitig in das Grab gebracht bat; er war S t e i n a r b e i t e r und starb als Opfer eines Berufes, der unter der kapitalistischen Produktionsweise als qualifizierter Menschcnmord bezeichnet werden muß. Wer in diesem Berufe bei der üblichen, viel zu langen Arbeitszeit frondet, mutz sich an den grausigen Gedanken gewöhnen, daß sein Leben unter entsetzlichen Martern in den Jahren endet, die man gemeinhin als die besten bezeichnet. Auch Gerstcnberger ist in der Blüte de§ Lebens. 39 Jahre alt, dahingegangen. In diesem Mann hat die socialdcmokratische Partei einen tapferen, opferwilligen, selbstlosen Kämpfer, hat die Redaktion des„Vorwärts" einen treue» Freund und Mitarbeiter verloren. Gersteiiberger hat das Vertrauen der Parteigenossen im vollsten Maße besessen und elten wohl ist ein schlichter Mann deffen würdiger gewesen als er. Zahlreiche Ehrenämter hat er bedächtig und mit Umsicht verwaltet, und uns stand er als Mitglied der Preßkommisfion öwohl wie als kommunaler Berichterstatter seines Vororts ganz besonders nahe. Bis vor wenigen Wochen war Gersteiiberger trotz eines schwer leidenden Zustandes noch aktiv thätig; Anfang April mußte er. im hohen Grade lungenleidend, das Krankellhans aus» uchen. Die Berufsgenossen hatten ihm zu Beginn deS JahreS die Redaktion des Fachblattes.Der Steinnrbeiter" übertragen; seine Hoffnung, daß der Wechsel in der Beschäftigung ihm seine Leiden erleichtern würde, ging nicht in Erfüllung. Wie sein Vorgänger in der Redaktion, Genosse Schmidt, starb auch er bald an der Schwindsucht. Es ist überflüssig zu erwähnen, daß ein Kämpfer wie Gersteiiberger auch der.Ordnung" seinen Tribut hat zollen müssen; Geld- und auch Gefängnisstrafe blieben ihm in seiner politischen und gewerkschaftlichen Thätigkeit nicht erspart. Bemerkt sei noch, daß Gersteiiberger in unsrem Vorort Weißensce jahrelang Gemeinde- Vertreter war und auch in dieser Eigenschaft eifrig die Jntereffen der Arbeiterschaft zu fördern suchte. Unser Freund hinterläßt eine Witwe und drei unmündige Kinder. Die Beerdigung, über die wir noch näheres bekannt geben, findet Sonntagmittag 1 Uhr statt. Au» der Stadtverordneten-Berfammlung. Zu Beginn ihrer gestrigen Sitzung sollten die Stadtverordneten Auffchluß erhalten über die kürzlich in der st ä d t i j ch e n Spar» lasse entdeckten Betrügereien zweier Beamten. Eine dies- bezügliche Aufraae war von der.Neuen Linken' an den Magistrat gerichtet worden. Kämmerer Maaß versicherte, die Vorkommnisse seien in der Oeffentlichkeit„aufgebauscht" worden, aber im übrigen war er doch recht kleinlaut und trug seine mehr langen als inhaltreichen Ausführungen mit gepreßter Stimme vor. Er„glaubt, annehmen zn dürfen, daß die Sache sich ans die beiden beschränken wird." Wenn das als Kompliment für die übrige Beamtenschaft der Sparkasse gedacht war, so hatte sich Herr Maaß stark im Ausdruck vergriffen.„Glaubt, annehmen zu dürfen"— das klingt nicht sehr zuversichtlich. Nach Eintritt in die eigentliche Tagesordnnng wurde zunächst die Wahl eines Beisitzer-Stellvertreters vor- genommen. Sie ergab 53 Stimmen für den Freisinnigen Liebeuow („Alte Linke") und nur 36 Stimmen für unsren Genossen Borg- m a n n. Es bleibt also dabei, daß die sich freisinnig nemiende Mehrheit der Berliner Stadtverordneten- Versammlung einen Vertreter der socialdemokratischen Fraktion ini Vorstand nicht dulden will! Ein paar Bauvorlage», über die die zu ihrer Vorberatung eingesetzten Ausschüsse Bericht zu erstatten hatten, wurden kurz er- ledigt. Bezüglich des Baues zweier Baracken in der Epileptiker- Anstalt W u h l g a r t e n empfahl der Ausschuß,„auf möglichste Ersparnisse Bedacht zu nehmen". Hiergegen wandte sich namens der socialdemokratischen Fraktion Genosse Dr. W e y l. Ersparnisse seien doch nur durch Lohnkürzungen oder durch Ver- Wendung schlechteren Materials zu erzielen. Die Versammlung gab indes ihr Placct zu der Anregung des Sparsamkeit liebenden Ans- schusscS. lieber die Verpachtung des V i e h h o f- Restaurants, mit der sich die Versammlung wiederholt in sehr erregten Debatten beschäftigt hat, war gestern eine endgültige Entscheidung zu treffen. Auch diese �Angelegenheit soll, wie Herr Walloch als Berichterstatter des Ausschusses behanptte, in unnötiger Weise„aufgebauscht" und zu einer„Haupt- und Staatsaktion" gemacht worden sein. Herr Wallach bestätigte mit dieser Venierkung noch einmal, wie nnbequen, es einer gewissen Gruppe von Stadtverordneten gewesen ist, daß die Socialdemokraten ihnen so lieblos hinter die Coulissen geleuchtet haben. Nacb dem Ergebnis der Neuausschreibiing, sowie der Beratung des Ausschusses, dem die erneute Vorlage des Magistrats überwiesen worden war. mußte der Schützling dieser Herren diesmal von vornherein außer Betracht bleiben. Gestern gab es nur noch ein kleines Geplänkel der abziehenden Truppen, an dem sich von nnsrer Seite die Gcnoffen Pfannkuch und Hoffmann erfolgreich beteiligten. Die Versammlung trat, nach dem Vorschlage des Ausschusses, dem Magistratsantrage bei. Die Wohnungsvorlage führte zu einer längeren Debatte. Von freisinniger wie von socialdcmokratischer Seite wurde die Be- fürchtnng ausgesprochen, daß die Gesellschaft, die der Magistrat durch ein Darlehn nnterstützen will, um die Vermehrung der kleinen Woh- iinngen zu fördern, ihrer Aufgabe doch wohl nicht recht gewachsen sei. Genosse B o r g m a n n trat der Behauptung des Magistrats entgegen, daß dieWohnungsnot in Berlin schon vorüber sei. Er hob hervor, daß das Mittel, mit dem hier der Magistrat zur Besserung der Wohnungsverhältnisse beitragen will, von vornherein wenig Erfolg verspricht, und empfahl die Erb- b a n p a ch t als ein wirksames Mittel, sofern die Stadt nicht selber bauen wolle. Vom Magistrat sprach Stadtrat F i s ch b e ck. Wenn man ans der Schlappheit seiner Aiisfnhrnngen auf den Grad des Erfolgs schließen darf, mit dem im Magistrat die Wohnungsfrage behandelt wird, dann hat man kaum zu hoffen, daß aus der ganzen Aktion einmal etwas Greifbares herauskommen jv i r d. Die Vorlage ging an einen Ausschuß. Warten wir ab, was der uns bringen wird. sie die ist sich Die Polizei und die Maifeier. Man schreibt uns aus gewerk- chaftliche» Kreisen: Eine Attacke gegen friedliche, den 1. Mai eiernde Scknihmachcr unternahm gestern die Polizei am Landsberger Thor. Nach Schluß der Versaimnluiig im Schweizergarten ging eine Anzahl Besucher den Fricdrichshain entlang zum Schlesischen Bahn- hos. Am Landsberger Thor wurden die Leute von einem großen Aufgebot von Fuß- und berittenen Schutzleuten empfangen. Auf den' Ruf eines Lieutenants:„Nun los!" stürzten sich etwa 20 Schutz- leute plötzlich mitten auf die friedlich und ruhig auf der breiten Promenade dahingehenden Arbeiter und trieben mit Püffen und Stößen auseinander. Welchen Anlaß Haltung der Arbeiter zu einem derartigen Vorgehen bot. unerfindlich. Wenn man weiter berücksichtigt, daß| unter die Feiernden eine Anzahl höchst zweifelhafter Elemente drängte, welche Rufe ausstießen, wie„Haut doch die Hnude nieder" oder„Ich als Svcialdemolrat ließ mir das nicht gefallen", so könnte mau zu dem Schluß kommen, daß die Eiitstehnug eines Krawalls diesen dunklen Existenzen sehr willkommen gewesen wäre. Obgleich der Vorgang den Angegriffenen das Blut ins Gesicht trieb, hielten sie an sich, und es konnte keine größere Staats- rettiuigS-Aktion entfaltet werden. Tie Laudeö-Vcrsichernngöanstalt Perlin hat Mitte April dieses Jahres in Lichtenberg, Dorfstr. 62/69 eine Heilstätte für männ- Ii che g e s ch l e ch t s k r a n t e P e r s o n e n eröffnet. Der Zweck dieser Heilstätte ist. geschlechtskrauke Versicherte einer gründlichen Heil- behandlnug in einer geschlossene» Anstalt zu»nterzichen, ihre völlige Gcsundnug herbcizuführcn und dadurch die Kranken selbst vor dem möglichen Eintreten dauernder Erlvcrbsnufähigkeit zu bewahren' und die Weiterverbrcilung der Geschlechtskrankheit zn verhüten. Während der Dauer des Heilverfahrens in der Anstalt wird Familien-Nnterstntzung gewährt. Für die Aufnahme geeignet sind au akuten Geschlechts- erkrankuugcn jeder Art Leidende. Anträge auf Aufnahme in diese Heilstätte' können sofort gestellt werden. Außerdem hat die Anstalt dort ein Jnvalidenhaus eröffnet, in dem lungenkranke Männer, für die von der Anstalt eine Invalidenrente wegen dauernder Erwerbs- Unfähigkeit festgesetzt ist, an Stelle der Reiitc Unterhalt gewährt wird. Für die Droschken- Halteplätze ist bekanntlich die Höchstzahl der Wagen, die an jedem Halteplatz gleichzeitig warten dürfen, von der Polizei genau bestiinint. Die Droschkenkutscher empfinden daS als lästig und wollen bei dem Kommiffariat für daS öffentliche Fuhrwesen darum vorstellig werden, daß ihnen künftig gestattet werde, auf den Halteplätzen„nach Bedarf" anzufahren. Sie berufen sich darauf, daß der Droschkenbedarf auf den einzeliicn Halteplätzen wechselt und zeitweise weit über die von der Polizei festgesetzte Höchst- zahl hinausgeht. Nach den gegenwärtig gültigen Bcstimuiungen setzen sich die Kutscher der überzählig anfahrenden Droschken einer Polizei- träfe aus. In dieser Hinsicht wird seit einiger Zeit namentlich>m Centrum der Stadt eine scharfe Aufsicht ausgeübt, und in den letzlen Wochen sind ungewöhnlich viele Droschkenkutscher bestraft worden. weil sie als Ueberzählige angefahren waren. Tic„Opfer" der Huudespcrre. Im ersten Monat der Hunde- sperre und zwar vom Jnkrasttreten derselben vom 11. bis zum 30. April find insgesamt 215 Hunde der Sperre verfallen und dein Depot des deutschen Tierschutz-Vereins zugeführt worden. 70 der Tiere wurden durch die Polizei und 145 durch Faugbcamte oder Privatleute als zugelaufen eingeliefert. Nach polizeilichen Ver- ügungeu unterliegen auch die zugclaiifeneu Hunde, sogenaunte Find- liiige dem Seuchcngesetz und werden nach der dreitägigen Sperrfrist gelötet. Von den 215 Hunden wurden bis Ultimo April 166 getötet und 17 von den Eigentiiiiiern rckainicrt nnd abgesperrt. Nachdem daS Polizeipräsidium verfügt hat. daß polizeiliche Bescheinigungen zur Ausführung eines Hundes aus dem Sperrgebiet nur noch gegen Vorzeigung eines tierärztlichen Attestes (iiis�ugeBen sind, werden derartige ärztliche Bestätigungen in dem ■ pot des Deutschen Tierschutz- Vereins, An der' Stadtbahn, Bogen 79/80, während der Sprechstunde des Tierarztes ausgefertigt, Die Sprechstunden finden werktäglich, mit Ausnahme des Donners- tags, von 11—12 Uhr vormittags, an Donnerstagen von 5—6 Uhr nachmittags und an Sonntagen von 10—11 vormittags statt. F>w Mitglieder des Vereins tritt bei Vorzeigung der Mitgliedskarte eine Ermäszignng der Alteslkostcn ein. Selbstmord aus den Siscubahnfchicncn beging gestern der Pastassistent Lagrange vom Postaint 43, Er begab sich gestern abend ans den Bahnhof Alexanderplatz und ließ sich von dem ans Köln kommenden Schnellzug überfahren. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Ursache des Sclbstinordcs ist unbekannt. Fcucrbericht. In der letzten Nacht kam in der Dresdener- slrasie 97 in einem Fabrikraum Feuer ans. Bei Ankunft der zweiten Compagnic brannten dort nutzer Verpackungsmaterial der Fußboden u, a. Es gelang durch kräftiges Wassergeben die Flammen auf de» Raum zu beschränken. Vorher, um Mitternacht, mußte in der Markgrafenstr. 78 ein Feuer gelöscht iverden, das Betten, die Dielung die Deckenverschalung u. a, erfaßt hatte. Ein KcNerbrand wurde aus der Alcxanderstr. 65 gemeldet. Am Bellc-Allianceplatz 12 kam im Nestanrant„Fürst Blücher" Feuer aus. Dort brannten Spinden, die Tapeten u. a, und in der Kochstr. 56 III eine Küche mit Inhalt, N»S den Nnichbarortcu, Ncu-Wcisicusce. Die Gemeindevertreter-Wahlen in der 1. und 2. Abteilung sind iir Neu-Wcißcnsee eines Formfehlers wegen für ungültig erklärt worden, während die Wahlen in der 3, Wählcrklasse Giiltigkeit hatten. Bei der Neuwahl beteiligten sich in dem über 35 000 Einwohner zählenden Vorort an dein Wahl- akt in beiden Klassen zusammen nur 53 Personen und zlvar 12 in der ersten und 41 in der zweiten Abteilung. In der ersten Klasse erhielten Schlächtermeister B e r n a u und Laudivirt I ü r g e n s je 6 Stimmen, das Laos entschied zu Gunsten des Erstgenannten. In der zweiten Klasse wurde Gastlvirt S e g g e r init 23 gegen 18 Stimmen gewählt, die auf seinen Bcrufsgenossen H a a s e ent- fieleir. Nen-Wciste»see. Eine der letzten Genieindebertreter-Sitzlnigen beschäftigte sich mit einem Antrag der Deputation für die städtischen K a n a l i s a t i o n s w e r k e zu Berlin, der die Genehmigung zur Verlegung einer Drnckrohrleitung bezweckt. Man machte die Gc- uchmiflung davon abhängig, daß Verlin verpflichtet wird, die hiesigen Abwässer mit aufzunehmen.— Der von misren Parteigenossen vor einem halben Jahre gestellte Antrag betreffend die Ausdehnung der K r a n k e n v e r s i ch c r n u g s p f l i ch t auf alle in der H a u s i n d u st r i e beschäftigten Personen ist unu- niehr der Kommission für Errichtung des Gcwerbegcrichts zur Begutachtung übergeben worden. Von 650 Censiteu mußten Armen- kosten im Betrage von 45 387 M. niedergeschlagen werden, da von ihnen trotz aller Versuche nichts beizutreibcn ist. Ein Antrag der Schulkommission, die H a f t p f l i ch t- V e r s i ch e r u n g der hiesigen Lehrer zu übernehmet� fand seine Erledigung dahin, daß die Ge- meinde sich bereit erklärt, die Hälfte der Kosten zu tragen, jedoch muß die von der Gemeinde vorgeschlagene Versicherungsgesellschaft von der Lehrerschaft berücksichtigt werden. Pankow. In der letzten Sitzung der G e in e i n d e- V e r- t r e t u n g wurde ein Antrag der kgl. E i s e n b a h n- D i r e k t i o n Berlin auf Uebernahme und Erhaltung eines Teiles der Damcroiv« straße durch die Gemeinde abgelehnt. Es handelt sich hierbei um eine teilweise Verlegung der Straße im Interesse des Eisenbahn- fiskus; er will zur Einrichtung und Nnterbaltnng der Straße 19 100 M. zugeben, der Gemeinde würde das Vergnügen 123 000 M. kosten.— Die Gesuche des Vereins zur Förderung der Wirtschaft- lichen Selbständigkeit der Blinden und des Deutschen Central- koinitees zur Errichtnug von Lun genheil st ätten auf eine jährliche Beihilfe wurden niit der Motivierung abgelehnt, daß der Provinzialverband und der Kreis bedeutende Mittel zur Verfügung stellt. Einen Beschluß über die Umwandlung von Dienstwohnungen zu K l a s s e n r ä u m e n in der Gcmeindeschule wnrde nicht statt- gegeben; dagegen stimmten auch unsre Genossen mit der Begründung, daß Dachräume zum Schulunterricht nicht geeignet sind.— Dein hiesigen privaten Arbeitsnachweis wnrde eine Beihilfe von fünfzig Mark gewährt.— Mit dem Bau des Amtsgerichts wird am 1. Juli begonnen. Nixdorfs Reichtum. Der Verwaltnngsbericht des Rixdorfer Magistrats giebt über das Vermögen der Stadt an: Der Wert der bebauten und unbebaute» städtischen Grundslücke beträgt 9 700 000 M., der Wert der öffentlichen Schmuckanlagen Zc. 350 000 M., der Wert der Kanalisationsanlagen einschließlich der Kanäle und Rittergut Waßmannsdorf 6 000 000 M., der Wert der gewerblichen Anlagen, Gasanstalt in der Cannerstraße und Gasanstal'tsneuban einschließlich Grundstücke 5 000 000 M., der Wert der Jnvenlaricn, Apparate, Bibliotheken 500 000 M., der Wert des Straßenpflasters 5 000 000 M. Bares Vermögen war vorhanden 883 449 M. sBarbestand 37 965 M., Bankguthaben 828 484 M., Mittenwalder Kleinbahn-Aktien 17 000 M.) Der Gesamtlvert beträgt danach 27 433449 M. An Schulden hat Nixdorf nach Abzug der Tilgungsbeträge 14 710 000 M.. so daß nach Abrechnung der Schulden das Vermögen Rixdorfs rund 12 700 000 M. beträgt. Das Wachstum Rixdorfs kann man daraus ersehe», daß beim letzten Quartalsumzuge nach amtlicher Feststellung in Nixdorf insgesamt 1491 Familien neu zugezogen sind, davon allein aus Berlin 980 Familien. Sociale Gegen die Gesellschaft„„National- Zeitung" klagte der Buchdrnckcrei-Hilfsarbeiter T. beim Gewerbegericht auf 88 M. Lohn- entschädigung, weil ihm bei der Entlassung das Arbeitsbuch nicht ausgehändigt worden sei und er infolgedessen vier Wochen lang keine Arbeit erhalten habe. Nach der neueren Fassimg des Gcwerbc- gerichts- Gesetzes gehören solche Enschädigungsforderungen jetzt zweifellos vor das Gelverbegericht. Der Kläger behauptete auf Befragen des Vorsitzenden, sich während der vier Wochen um Arbeit bemüht, insbesondere den Arbeitsnachweis benutzt zu haben. Die Beklagte war nicht vertreten. Die Kammer VIII unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. Meier verurteilte die Gesellschaft durch Vcrsänmnisurteil zur Zahlung der 83 M. Der als Zeuge geladene, aber ohne Entschuldigung der Verhandlung ferngebliebene Ober- Maschinenmeister tvnrde in eine Ordnungsstrafe von 10 M. ge- nominell._ Govichks-Ieitunlg. Ei» sauberer Hanöwirt. Einen für die Strafantragstcller höchst ungünstigen Ausgang nahm die Verhandlung wegen wisscnt- lich falscher Anschnldigng, die gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Der Angeschuldigte, Schanktvirt Wilhelm B e e s k o w, ein einfacher, geschästsnngeivandter Mann, gab folgende Schildcrnng von den Thatsachen, die der Anklage zu Grunde lagen: Nach zehnjährigem Betreiben eines Grünkramhandels hätten seine Ehefrau und er 1500 Mark erspart und dann den un- glücklichen Plan gefaßt, für dies Geld eine Schank- ivirtschaft in der Strelitzerstraße zu craierbcn. Das Geschäft sei nicht gegangen, nach fünf Monaten hätten sie es wieder auf- geben müssen. Ihre Ersparnisse seien dranfgegangen, er ernähre sich jetzt als Arbeiter. Am 3. Oktober v. I. hätte» sie ihre silberne Hochzeit gefeiert. Es sei ettvas lebhafter bei ihm zugegangen als gcivöhnlich. Er habe mit seinem Hanswirt, Eigentümer L, und dem Pferdehändler W. an einem Tisch gesessen. W.,' der mit einem Fuhr- werk gekommen sei, welches vor der Thür hielt, habe ihm er- zählt, daß er dasselbe, Ivelches ihm nicht gehöre, billig kaufen könne. er, der Angeklagte, möge ihm 200 M. dazu borgen. Als er erwidert habe, daß er kein Geld im Hause habe, habe L. erklärt, daß er dem Angeklagten das Geld bis zum 20. Oktober vorstrecken könne. L. sei auch sofort in seine Wohnung gegangen und habe das Geld geholt. Es wurden 200 M. in Gold aufgezählt, der Angeklagte habe sich ent- fernt und hinter den Schanktisch begeben, da er des Glaubens gewesen sei, daß das Geschäft zwischen L. und W. abgeivickelt werde. Gleich darauf habe W. ihn gerufen mit den Worten: „Wilhelm komm mal her, damit Du Zeuge bist, daß L. mir das Geld giebt!" Er sei der Aufforderung gefolgt. Auf dem Tische hätten 220 M. in Gold gelegen. Davon habe L. 20 M.„für seine Bemühungen" zurückgenommen und dann dem Angeklagten auch ein Fünfmarkstück zu- geschoben. Das übrige' Geld habe W. eingestrichen. Dieser sei ihm von früher her noch 117 Mark schuldig geivesen, er habe ihm 17 M. mit den Worten zugeschoben:„Die kleine Zech- schuld will ich ivenigstens los sein". L. habe den Angeklagten dar- auf ersucht, seinen Namen auf ein bereits ausgesülltes Papier zu setzen. Er habe es gethan, aber keine Ahnung davon gehabt, daß er dadurch einen Wechsel von 220 M. acccptierte. Am 20. Oktober sei ihm der Wechsel präsentiert worden, er habe ihn wohl oder übel bezahlen müssen. Von W. sei durch die angestrengte Klage nichts zu erzielen gewesen, derselbe hatte schon den Offenbarungseid ge- leistet. Das Fuhrwerk habe W. nicht gekauft und dadurch sei in dem Angeklagten und seiner Ehefrau die Ucberzengüiig gereist, daß sie das Opfer eines abgekarteten Betrugs geworden. Seine Ehefrau und nicht er sei es getvesen, die die Anzeige erstattete. Die Bciveisaufnahme fiel gegen die Belastungszeugen L. und W. höchst ungünstig aus. Beide mußten wiederholt vor dem Meineinde verwarnt werden. L. wollte sich nicht entsinnen können, Vorstrafen erlitten zu haben, bis ihm der Vorsitzende eine ganze Reihe vorhielt.— Staatsanwalt Liebenow beantragte die Freisprcchnng des Angeklagten, dessen Angaben iveit glaubwürdiger seien, als die Aussagen der Zengen. Der Gerichtshof war derselben Ansicht und erkannte auf Freisprechung. Wie gefährlich daS Wagcn-Tohnwabohn ist, das sich fortgesetzt am Alcxanderplatz und unter der Ueberführung der Stadlbahn daselbst entwickelt, zeigte eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung, die gestern den Kutscher H li t h vor die vierte Straskammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte Ivollte eines Tages mit einem Arbeitswagen von der Königstraße in die Straße am Königsgraben fahren, da sich aber fort und fort Straßenbahnwagen, Omnibusse, Droschken in langer Kette hin und her bewegten, war es ihm nicht möglich, über den Damm zu kommen. Nachdem er eine ganze Weile gewartet hatte, benutzte er einen günstigen Augenblick, um schnell durch eine in dem Wagcncorso entstandene Lücke hindurchznkommen. � Er trieb seine Pferde an, hatte aber das Unglück, gleich zivei Personen auf einmal zu überfahren. Der eine der Verunglückten erlitt einen schweren Schenkelbruch, ist seit Januar völlig arbeitsunfähig und kann auch heute noch sich mir mühsam mit Hilfe eines Stockes fortbeivegen. Er bezieht, wie er auf Befragen erklärte, keinerlei Unfallversichecungs- Gelder.ist auch inkeiner Krankenkasse undnnrauf dieArmenunterstützung, die ihm in Höhe von 10 M. monatlich getvährt ivird, angewiesen. So bedauerlich dies ist, so verkannte der Gerichtshof doch nicht, daß der Angeklagte sich bei dem an besagter Stelle herrschenden BerkehrSwirrwarr selbst in einer geivifsen Notlage befnndcn hat. Er war der Meinung, daß der Angeklagte beim Durchfahren durch die Lücke das Publikum� durch ettvas lauleren Anruf hätte warnen müssen, daß aber auch das Publikum an so gefährdeter Stelle selbst die Augen ans- machen und recht vorsichtig fein müsse. Trotz der Schwere des Unfalls verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten doch nur zu 20 M. Geldstrafe cvcnt. 4 Tagen Gefängnis. Für den Inhalt der Inserate nberntinmt die Redaktion dem Pnbliknin gegenüber keinerlei Verniitwortnng. TTirtttev. Freitag, den 2. Mai. Opernhaus. Fra Diavolo.- Karneval, Anfang 7r/, Ahr, Schauspielhaus. Ein Sommer- nachtstraum. Anfang 7'/- Uhr. Neues Oper»- Theater<5troll). Geschlossen. Schiller. Die Romantischen. Hexen- fang. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Ansang 7l/z Uhr. Berliner. Maria Stuart. Anfang 7i/, Uhr. Lelstng. JohanniSfeuer. Anfang 7'/, Uhr. ivöesten. Don Juan. Ansang 7V- Uhr. vtriies. Geschlossen. Residenz. Einquartierung. Anfang 7'/, Uhr. (t'cnlral. Das süße Mädel. Aiifang 7>/, Uhr. Thalia. Gastspiel der Schliersecr. Der Herrgottschuitzer von Ammer- gau. Ansang?>/, Uhr. Beltc-RNiance. Die Dame auS Trouville. Hierauf: Er. Ansang 7V, Ubr. Luisen. Der Landstreicher. Vorher: Bei Neumanns. A»M»g 7Vj Uhr. Carl Weist. Das Jungfernstift. An- fang 8 Uhr. Fricdrich-WilhrlnislädtischeS. Ihre Familie. Ausang 7>/z Uhr. Sceessionsbnhne. Detlev Litten- croiis Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. Ct. v. Wolzogens Buntes Theater (Uebcrbrettl). Ansang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissivius- Zwischenspiele. Ansang 8-/, Uhr. Orpheus. Specialitäteu-DvrsteUung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Borstellung. Anfang 8 Uhr. Wteiropol. Unsre Don Juans. Ansang 8 Uhr. Llpollo. Lysistrata. Specialitäteu- Vorstellung. Aiisang 8 Ubr. Palast. Speciallliilcii-Borftillung. Ben-Ali-Bey und sein orientalisches Zauaer-Ensemble. Anfang 8 Uhr. Easiuo-Theater. Eine für Zwei. Der beste Bruder. Specialltäti»- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Ncichshallen. Steltiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Thealer. Specialitäteu- Vorstrnnng. Ansang nachmittags 5 Uhr. PosivSe. Pauoptiknin. Special!- täten-Vorstellmig. Uraiiia. Taiibrnsir. 48/4».(Im Thealcrsaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Oftseeküste. Jnvatideus, raste 57/6«. Täglich: Sternwarte. EWttWlittt (Böallner-Thcnter). Freitagabend 8llhr: vlv Kornantisclicn. Vers- Lustspiel in 3 Auszügen von Edmond Rostand. Deutsch von Ludwig Fulda. Hierauf: UvxcukaiHx. Luftspiel in 1 Aufzug v. Hans Hopsen. Sonnabendabend 8 Uhr: Dl« Romantischen. Hierauf: Hexenfang. S o u Ii t a g ii a ch m i t t a g 3 Uhr: •Ingcnrl. Sonntagabend 8 Uhr: Giiisame Rcnsclicn. Cnilral Water. Heute 7*/, Uhr: Das Jwlk Mävel. Operette in 3 Akten von Laiidsbcrg und Stein. Musik von Reinhardt. Sonntag, 4, Mai, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise, erste Besetz: Boccaccio. Abends 71/, Uhr: Das süste Niädcl. 'HiAliA-'nlkAter. Tresdenerstraste 7»/73. Abends 8 Uhr, heute u. solgeude Tage Gastspiel der Schliersecr Der Berrgottschnitzer von Ammergau. Sonnabend und Sonntag: Ter Herrgottschuitzer v. Ammerga». Der Soinmcr- Garten ist in oberbayrischer Art dekoriert. Urania. Taulien-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche CASTANS Panoptikninj Frtedrlch-Strassa 165. Bärenweib! ein Wunder der SchSpfung! Neu: SkaiuliiiavlscheN InNtrnniental- n.Vokal- KüiiHtler-F.iiNeiublo. 4 Damen, 2 Herren. Das Sciiall und Bauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44, Freitag, 2. Mai. abds. 8'/, Uhr: Gastspiel von Stnanuel Reicher. Seremssimns-Zwisclienspiele c arl Weiss-Theater. («roste Frankfnrterstr. 132. Auf allgemeines Verlangen: Das Jungfernftist. Operette in 4 Akten v. Eniest Gmiiat, Musik v. Jean Gilbert, Aiifang 8 Uhr Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonn- abend: Gr. Extravorst. Gastspiel der Frlo Marttia Walter u. Elly Krolop: Ueborah. Sonnabendnachmittag Kindervorstellung, gr, Novität: tzae Morgana od Prinz u. Kählerknaba. Sonntagnachul.: Die Kinder der Armen. Abends: Teborah. IHlGtropol-IiiGatGr Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Josephi Unsre Don Juans Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet, Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Das sensationelle Mai-Programm 16 ganz neue erstklassige Specialitäten I Belle-Alliance-Theater. Heute zum 128. Male: Die Dame ans Trouville. Schwank mit Gesang n. Tanz in 3 Akt Lmll Sondermann a. G Ferd. Worms. Mlzzl Birkner. Rosa Marten. Hierauf:„Er". Pariser LebenS- btld in 1 Akt. Anfang 7Va Uhr. Morgen: Dieselbe BorsteUnng. Casino- Theater Lothringerstr. 37. 8 Uhr: Haskel m. f. Gesellschaft Eine für Zwei" 9-10 Uhr: Der beste Bruder. Ansang Wochent. 8, Sonntags?Vz Uhr. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Haskel in„Der alte Wolf". Palast-Tlieater (früher Feen-Palast) Burgstr. 22. Vom 2. Mai ab tägl. abdS. 8 Uhr Ben-Ali-Bey u. sein Orient. Zauber-Ensemble. Vorverkauf d. Logen u. mim. Sitze an der Theaterkasse des Warenhauses A. Tvertfteim. Leipzigersir. 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Kur dl» Eewiin,» über 23L IM, Und de» beireffende» blnmmern in klammer» belgeftizi» (Ob»««ewähr.) 2 36 90 99 flMg) 263 306 79 31 467 646 737 54»16 S3 91 914 1072 SS 114 201 327 447 781 802 991 2174 93 231 433 621 33 76 774 3011 101 130001 236 15001 65 79 403 506 20 25 642 50 883 93 4017 89 222 87 93 754 845 994 5071 175 476 99 521 36 629 909 4 5 6161 329 601 69 81 803 922 7177 759 800 50 953 64 69 93 8184 277 310 93 583 726 4 9 852 72 9193 399 421 95 519 653(1000) 770 825 912 10085 127 59 244 54 620 745 886 11127 246 312 77 747 815 1 2010 23 201 39 350 1500] 81 483 636 888 992 1 3053 101 15001 291(30001 96 626 38 53 750 823 81 910 24 14314 79 438[3000] 45 97 725 834 935 15057 216 flOOO) 316 433 776 78 1 6025 139 248 433 670 770(10 0 001 917 97 15001 17297 480 509 35 830 88 943[10001 18351 834 946 1 9035 45 08 194 394 98 15001 574 773 838 84 20036 63 138 47 677[30001 733 63 97 99 905 70 74 2 1 220 36 80[500] 427 93 544 039 53 753 820 921 36 59 221.34 37 238 486 833 958 2 3159 260 390 04 405 50 [5001 562 656 760 96 974 2 4123 240 397 422 46 611 19 23 782 2 5126 357 61 448 58[5001 551 90 608 832(10001 947 2 6040[lOOOO] 190 213 410 576 88 671 784 92 883 924 2 7 007 43 74 352 474 533 44(500) 673 725 63 2 8181 523 37 85 711 87 974 29147 62 91 482 510 777 947 30175 815 16 3 1 064 86 88 195 324 560 90 93 903 32104 203 89 316 99 501 684 763 91 33112 200 379 427[5001 57 69 97 558 673 862 77 967 34119 299 374 90 447 521 990 3 5054 109 62 295 362 410 782 834 38 60 939 3 6328 593 655 3 7024(500) 180 225 307 578 611 823 3 8225 354 427 637 956 80 3 9094 149 53 309 455 73 571 792 853 40075 170 306 524(10001 35(500) 603 4 1 330 79 441 530 53 910 21 42009 15 135 274 306 88 94 523 916 39 50 4 3014 100 21 456 59 62 69 584 637 799 887 903 77[5001 44011 66 305 542 625«12 45038 132 211 337 436 94 551 66 619 735 808 80 907 84 4 6039 48 57 134 67 419 67 82 95 511 719 855 79 47118 47 202 33 82 317 477 534 78 787[5001 871 970 48143 90 396 464 518 1500] 76 826 950 65 86 88 4 9237 364 523 92[1000] 821 985 5 0045 160 317 22(1000) 90 605 23 41 72 914 25 5 1 004 36 271 390 611 908 5 2 042 47 99 542 682 835 53080 92 306 449 96 669 959 5 4067 346 51 551 77 603 51 69 728 820 22 986 5 6240 402 17 61 538 944 78 56068 202 30 537 827 57180 94 253 715 885(5001 94 5 8079 306 452 91 601 710 821 906 5 9048 52 220 312(5001 68 80 519 691 703 823 6 0007 188 201 493 500 614 707 56 847 62 6 1 041 100 73 217 23 62 84 408 538 659(500) 734 853 906 15 62358 78 507 52 638[10 0001 97 823 63013 298 386 476 569 607 58 728 027 64038 130OOJ 296 341 420 79 509 38 637 76 782 93 98 808 999 65147 334 40 732 »15 84 6 6005 127 200 3 342 471 752 826 916 79 6 7055 176 247 72 87 435 646[500] 92 716 6 8135 56 287 545 61 75 688 702 53 811 962[5001 6 9376 560 070 72 70078 216 92 446 57 86 562»00 79 7 1 082 316 72002 195[5001 231 45 307 418 531 40 53 602 21[10001 25 714 48 839 73163[5001 224 357 625 43 889 915 83 74041 78 124 37 82 340 464 735 52 808(5001 92 7 5048 119 291 313 400 8 14[10001 18 568 78 636 774 995 7 6038 66 156 247 61 90 91 316 78 473 523 614 770 822 901 77260 68 329[5001 42 48 579 83 96 819 77 7 8151 54 70 322 559 659 87 723 908 51 94 79 096 225 33 347 601 07 771 87 892 904 80068 82 433 579[50001€05 87 820 81142 395 4-18 591 657 98 734 68 806 55 8 2044 64 1.35 236 32« 43 466 990 8 3010 176 203 35 820(10001 54 84199 202 308 426 11000) 678 87 760 819 4 9 902 110001 9[5001 14[30001 02 8 5040 184 339 48 460 89 547 89 715 89 948 8 6310[ 30001 405 680 797 920 87052 74 177 494 508 630 93 977 8 8009 188[80001 614 666 792 8 9051 85 86 257 501 84 87 717 900 5 00014 66 80 159 260 84[500] 506[5001 83 757 951 0 1621 49 123 52 60 90 311 57 650 760 863 02310 30 33 475 519 79 880 906 31 47 57 58 93090 142 240 304 403 28 30 790 887 9 4235 821 483 541 724 896 949 90 9 5075 284 833 61 70 545 953 9 6195 274 83 392 566 609 62(1000) 719 50 71 916 51 72 9 7088 103 228 363 406 626 30[10001 740 69 79 873 9 8038 65 137 254 74 85[1000! 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I jnw 1 ju 30 000 Mk, 1 ,u 16 000 Mk,»« 10 COO m, 10 tu 6000 Mk, 178 1» KAM ML, 244 zu 1000 MI, 502 z» 500 ML 17. Zithuilgt. Klasse 208. Kgl-Preiih. Lotterie. Ziehung vom I. Mal 1902, nachmiltag», Rm di,«lalmu über 238 ML jma neu be, reffend,» Aummeru i« uiammern beigefügt. (Ohne Äcmähr.) 18 336 426 95 529(5901 708 1 036 137 370 600 55 80 944 61 11Ü00J 8186 209 402 48 545 3030 64 91 220 53 777(öüO| 908 86 4235 368 538 634 767 8Ö0 912 5002 128 628 139001 08 793 897(10091 923 65 6212 82 313(5001 98 586 707 853[500] 65 941 69 7079 232 341 471 605 748 874 15001 918 40 8023 173 452 512 36 972 9096 199 248 362[1000] 437 41 46 88 678 719 lOl-ll 55[5001 570[5001 800 46 68[5001 11052 134 263 547 639 15001 71 98 710(5001 65 875 946 54 (5001 12104 457 70 77 15601 518 78 932 15001 41 68 13043 139 410 17 32[5001 577 1500] 726 81 827 32 901 63 14169 72 387 481 573 876 768 835 73 1 5313 86 425 93 535 621 67 1 6148 85 97 212[5001 18 369[5001 466 558 785 926 1 7054 274 309 428 533 641 829 959 18225 542 640 92 734 47 74 818 50 59 998 1 9144 55 4/6 709 20080 122 31 76 240 353 78 516 643 92 21144 88 363 442 49 634 58 62 15001 71 761 79 840 78 2 2351 56 602 725 33 2 3279 97 442 93 668 767 912 2 4028 178 278 425 00[16001 03 504 662 830 984 2 5082 195 2)6(10601 336 433 599 871 936 2 6034 60 157[30001 462 569 664[10001 801 27187 219 331 61 424 566 646 54 996 28116 254 73 401 74 581 678 97 743 58 75 891 2927!) 424 38 590 615 51 70 764 844 82 916 3 0019(500) 316 429 640 755 3 1 025 91 196(10001 261 405 530 607 55 79 901 32111 398 412 586 788 835 83 3 3035 121 43 408 646 63 06 717 801 95 3 4016 387 450 55 830 78 911 19 3 5 018 70 103 234 404 31 601 17 703 808 3 0258 87 318 78 672 603 885 920 64 3 7003 104 83 349 54 563 741 808 3 8004 107 271 416 761 870 33057 78 III 42 97 207 23[5601 383 528 1500] 646 742 82 „40041 68 114 67 62 230 331[30001 421 519 689 09 (10001 820 3!) 4 1 008 101 66 86 376 415[5001 563 671 799 905 4 2020 49 82 218 24 331 412 544 15001 56 744«1 43134 218 33 35[10001 331 520 659 003 4 4325 648 837 923 24 4 5311 21 455 567 744 58 60 803 81 908 21 40034[5001 72 77[10001 297 503 723 816 62 76 4 7243 r>;!Ü 638 785 95 814 94 922 28 4 8025 29 84 122 34 249 70 08 495 15001 510 15 646[30001 79 49169 221 482 505 7 62 606 701 23 70 95 801 50207 71[30001 302 87 91 611 931 5 1 038 168 315 476 530 632[5001 95 5 2002 161 358 87 407 86 528 717 899 980 5 3263 82 334 438 511 679 861 979 54302 410 8» 683 751 836 952 67 5 5023 309 78 80 605 769 84[500] 89 834 69 5 6938 57 86 149 243 443 924 46 88 5 7080 172 622 037 80 806 22 48 58160 331 52[5001 515 637 loOO) 90[3000] 727 92 824[5001 59112[10001 92 236 4*14 ö6ü 60191 311 430(30001 531 838 901 6 1094 191 231 890 414 58 90 541(5001 57 60 616 98 704 850 940 02026 97 206 38 438 514 754 6 3020 77 227 818 80 974 0 463 4 90( 500) 265 364 561 900[3000] 88 6 5047 258 89 338 451 709 947 6 6016 276 89 515[500] 669 892 67131 378 613 87 844 54 932 62 6 8 042 15001 97 105 53 66 130001 375 8» 15001 543 642 727 863 952 63 6 9010 37 122 29 51 247 80 15001 3)9 130001 665 871 70007 9 19 74 624 809 990 7 1017 318 432 550 625 756 7 2038 81 188 283 301 413 041 73125 72 217 22 440 620 795 7 4037 123 271 488 577 621 31 33 848[5001 53 65 750» 192 347 458(5001 606 992 7 6080 105 237 516 70 87 6.39 59 856 907 10 50 7 7044 104 572 97 628 73[5001 707 40 80 03 830 7 8050 79 204 302 25 «O SU,?? 004 110001 55 742 900 79113 55 268 310 38 634 7)3 4.3[5001 99(500) ..«0U LH 430 OM gg 743 85 861 8 1 058 103 64 So 97 228«3 3/6 415 597 813 982 8 2017 204 409 518 73 627 98 7« 913 83016 199 231(5001 74 402 510 26 42 49 621 60 706 57 8 4266 69 347 874 SÄ0 Ä"l öl(5001 64 66 702 16 8 6072 74 218(500) 419 88(5001 519 907 50 8 7028 59 M SN 300 430 34 W5 840 58 8 82.31 300 460 853 671 028 98 80]21«1 94 2.34 93 459 80 86 545«30 976 „, 30119 56 97 201 43 377 416 81 699 822 40»73 a!!'« � 236«» 762 833 92.327 607 12 13 714 917 44»30o4 97 563(5001 605 832 607 9 4039 68 170 366 460 88 95 720 42 55 851(5001 9 5082 124 214 496 702 88 022 9 6105 268 371 652 622 95 715 17 958 97145 423 630 65 893 9 8070 521.36 671 824 47 »5 99147.56 312 24 32 467 15001 74«31 734 021 100026(30001 78 196 503 24 25 61 77 689 93 860 1 0 1 058 155 224 423 670 81 626 713 942 1 02104 13 20 259(19001 4.39 43 627 778 894 903 26 41 56 103028 38(500! 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