Zlr. 105. Aboimtments• Kedingunzen: SbonnementZ-Preti ptänumtranbo: Vierteljährl. 3,30 Ml., wonatl. 1,10 Ml., wöcheilllich LS Pfg. frei ins Hau«. Siiuelne Siumw'I S Plg. Sonnlag»- Nummer inU inunnetiee ksnUtnzZ- Beilags„Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Hbonnemenl: 1,10 Marl pro Mona,. «ingelragen in der Post- Zeilung», Preisliste für 1008 unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Sricheinl täglich aufjer Mo»lag». v. Vevlitier volksblcikk. 19. Jahrg. Die Ilisertioiis-GMyd betrügt für die fechsgefpaltene Kolonet» zeile ober deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Zileine Zlnieigen" jede» Wort 3 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abend», an Sonn- und Kefttazen bis S Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adreste-. niSorialdrniolirqt Serlin» Centvalorgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Redsktivu: 3�.19, Bonilz-Strahe 2. Kcrnsprccheri Zlnit I Nr. I!3V«. Mittwoch, den 7. Mai 1!W3. Gxprdikivn: sw. 19, Bettth-Skralio 3. Fernsdrechcr! Zlint I, Nr. KlLl. Ein Engländer über den Ehina-Feldzng. Nachdem der amerikanische Major Waller linläiitfst vor dem Kriestsstcricht sein Huitneiititm auf den Philippinen damit cnischuldigt hatte, dah ja auch in China von den verbiindeteii Truppen ganz ebenso gchmtst worden sei. ohne dah auch nur einem einzigen Offizier derselben das geringste geschehen. dürfte cZ nicht nn angebracht sein, diesen Feldzug auch einmal in der Beleuchtung zu betrachten, die ihm ein englischerKriegsberichterstatter Mr. G. Lynch, in seinen Anfzeichnungen über den Zug nach Peking gicbt. Lynch ist ein kriegSgewohntcr jlinger Mann: Er hat den spanisch amerikanischen Krieg auf Ilnba und den Bocrenkrieg bis zitm Entsatz von Ladysmith mitgemacht, er kann daS Pfeifen eines Mauser- gcschosses von dem Brummen einer chinesischen Miisketenkugel itiiterscheideu und ist ziveimal verwundet worden. Er ist keincsivegs sentimental, im Gegenteil, er nimmt die Gcäucl, die jeder Krieg Mit sich bringt, ganz ohne Kritik hin,— denn o'est In guerre! lind doch ist er anfs höchste empört über die Art der Kriegführung, die das EntsntzcorpS der vereinigten Mächte angenommen hatte. Seine Landslente sucht Lynch natürlich zu schonen und berichtet hauptsächlich von den Gränelthaten der Russen und Franzosen; an einer Stelle jedoch sagt er, dah eine furchtbare Freude an Grausamkeiten sich unter allen Natioticn verbreitet hätte; und daß keine Truppe einer andern irgend ein Verbrechen vorwerfen könne, ohne ein ebenso wahres tu guogus I(Du ebenso!) zur Ant wort zu bekomme». Fast alles, was bei uns a»fs energischte be- stritten wurde, bestätigt Lynch in vollstem Maße. Und dennoch giebt es Leute, die den Chinafeldziig mitgemacht habe», und von alledem nichts gesehen haben wollten! Merkwürdig, was so ein Kriegs- Berichterstatter, dessen Sinne nicht ganz von der hohen Strategie eingenommen sind, alles sieht! „In Tungtschau", schreibt der Verfasser,„ging ich auf einer Straße, die von einem Felsen überragt ivird, auf dem Hänser standen, und fand dort zwei chinesische Mädchen liegen. Die Art. wie ihre Beine lagen, zeigte deutlich, daß sie aus einem der Häuser über die Straße hcransgesprungen waren. Sie stöhnten ganz jämmerlich, und ihre Beine waren offenbar gebrochen und anSgerenkt. Ich ging hinzu und gab ihnen zu trinken, und die zarte, feine Hand der ei-teii zitterte heftig in der meinen, als ich ihr meine Feldflasche reichte. Die andre war schon zu er- schöpft, um auch nur noch schlucken zu können. AuS den Häusern über mir tönte das>v ii st e Geschrei der Soldaten, ab und zu« n t e r b r o ch e n von einem wilden Aufschrei, was mir deutlich sagte, welchem Schicksal die beiden Mädchen durch ihren verziveifelten Sprung ent- gangen waren. Nun lagen sie da. hilflos, mit schrecklichen Schmerzen, unter einer sengenden Sonne, und nieniand war da, ihnen zu helfen. Ich konnte nichts thiui. als sie liegen lassen, w i e man so viele unter ä h n l i ch e n U ni st ä» d e n a u f d e m ganzen Marsche von mehreren Tagen hatte liege» lassen müsse n. Tiefe Sccne war typisch! Auf unsrem ganzen Weg nach Peking, und dort selbst, war eS gar nichts imgewöhnliches. ganze Familien Seite an Seite in den Häusern zu finden, Ivo sie Selbstmord begangen hatten. In vielen Brunnen ivurden die Leichen von jungen Mädchen gefnuden, die vergetvaltigt worden waren.«Diese Methode sich seiner Opfer zu entledigen wurde als der sicherste Weg, seine Unthaten zu verbergen, von den Soldaten häufig angenonimen." Bon zwei Nnssen wird berichtet, daß sie in ein HauS drangen, Ivo eine Fraii mit ihrem Mann und zwei Kindern lebte. Sic v e r- gelrlaltigten die Frau, spießten eines der Kinder auf ein Bajonett, und mißhandelten den Mann, so daß er st a r b. Da nahm die Frau das eine Kind, das ihr geblieben war und sprang mit ihm in den Kanal. An andrer Stelle berichtet Lynch von fünf Mädchen, die von den Soldaten mit Gewalt in ihre Quartiere geschleppt wurden. Derartige Berichte kommen häufig in den Anfzeichnimgen vor, und der Verfasser meint, daß die Ver- bnndeten allen Grund hätten, dem Baron Ketteler-Sühnedenkmal in Peking gegenüber den Chinesen ein Denkmal zu errichten«zur Ehre und zum Andenken an die Frauen und Mädchen der Provinz Petschili, die ihr Leben opferten, um ihre Keuschheit zu bewahren'. Die Missionare aber predigen den.Heiden' das sechste Gebot. Die Berichte über Plünderung sind noch häufiger. In Tin.gtschau, das fast noch reicher war als Peking, wurden zum erstenmal die Läden in großem Stil geplündert. Die Soldaten brachen Thüren und Fenster auf und stahlen, was sie brauchen konnten; fanden sie ctivaS, was ihnen besser schien, so warfen sie ihre Bündel tveg und fielen über die neue Beute her.«Es war ein merkwürdiger Anblick, die große und reiche Stadt gänzlich der Gnade der Sol- baten preisgegeben zu sehen. Man denke sich eine unsrer europäischen Städte in gleicher Lage.„Wahre Orgien des Raubes und der Gewalt- that wurden hier gefeiert.' In Peking ging eS am tollsten zu. Lynch sagt, daß die„Sieger' in den drei ersten Tagen nach Einnahme Pekings fast ohne Ans- tiahiiie fortgesetzt plünderten und auch die Tempel nicht schonten. «Zn Tausenden' schreibt er,„kamen Fälle vor, daß Soldaten in Häuser eindrangen und alles, lvaS sie nicht fortschleppen konnten, im Mittlvillcn zertrümmerten, die Betvohner mißhandelten, niit- unter löteten, niit den Frauen noch schlimmer verfuhren, Esel und Maultiere niederstachen oder erschossen.' Die Engländer mußten ihren Staub angeben, der dann jeden Nachmittag versteigert wurde. „Damit war die Plünderung in ein System gebracht. Dieser China- feldzng ist der größte Raubzug seit den Tagen der Pizarro Man kann auf die verschiedenste Weise plündern, und andre Nationen haben es nicht auf die englische Art betrieben, aber alle stimmten darin iibcrein, daß Plündern erlaubt sei.' Aber nicht das Militär allein plünderte, sondern auch die europäischen Civilisten. Hören wir Lynch:„Da kamen in erster Linie die Missionar e.«Ihr„Geschäftsverfahren' bestand darin. daß sie an den Häusern reicher Chinesen eine Flagge hißten, und sie die Gebäude vor den Soldaten schützten. Dann wurde an die Thüren eine Notiz geklebt, besagend, daß dies das „Eigentum" der und der Mission sei. Darauf kam der geistliche Herr und versteigerte den ganzen Inhalt eines Hauses, und wenn eS nichts mehr zn versteigern gab. so ging er in das nächste.seiner" Häuser und so fort. Aber die erfolgreichsten dieser Freibeuter waren Leute, welche Peking kannten, und vor allem einen Platz halten, um ihren Raub unterzubringen. Da war ein unternehmender Jngcnienr, der jeden Morgen mit einem Wagen and 3 Dienern loszog und die Wohnungen reicher Chinesen anfsitchtc, in denen vermutlich solides Silber z» finden ivar. Zu Anfang der Boxer-llnruhcn wurden viele Tausend Pfund Silber in den Häusern versteckt. Wenn nun irgend jemand von den Besitzern der betreffenden Häuser oder deren Dienerschaft zurückgeblieben war, so brauchte man diese nur dahin zu bringen, das Versteck zu verraten. Hierzu Ivar häufig ein„starker Druck" vonnöteu. «Das lasse ich immer meine Leute besorgen," sagte der In genicur.„Man braucht ja nicht zn genau nachzuforschen, wie sie dabei zn Werke gehen. Ich warte dranßeii mit dem Wagen, bis sie den Schatz entdeckt haben. Manchmal muß ich l/2 Stunde warten, oder eine Stunde, oder gar zivci-- aber dann ist es auch wert, daß man Ivartcte." Auch ans dem kaiserlichen Palast wurde vieles gestohlen. An andrer Stelle berichtet Lynch: „Eines Tages frühstückte mit mir ein junger Chinese, der in jedem eivilisierten Lande ein Gentleman gcivesen wäre. Er hatte mit den Gesandtschaften gegen die Boxer gefochtcn, und war ver- tvnndet tvordeii s das schützte ihn aber in keiner Weise, denn er war iiizlvischen dreinial ausgeraubt worden, von einem Russen zuerst, dann von einem Franzosen, und zuletzt von einem Japaner, der nur noch ein Taschentuch bei ihm vorfand.' Aehnlich erging es den christlichen Chinesen, die gegen die Boxer aufs tapferste gekämpft hatten und nun, trotz der Bcschiverden der Missionen, von den Truppen ausgeraubt und mißhandelt ivurden. Diese konnten die bekehrten Chinesen von den andern nicht unterscheiden und verstanden kein Wort ihrer Sprache,' schreibt Lynch,„und so oft ein Ziveifel bestand, ob ein Chinese ein Boxer sei oder nicht, tvurde angenommen, daß man eS mit einem Boxer zn thun habe, oder, um General Ehaffee zu citieren:„Man kann ruhig sagen, daß auf jeden wirk lichen Boxer, der seit der Einnahme von Peking getötet wurde, fünfzig harnrlose Kulis oder Feldarbeiter, darunter nicht lv e n i g e Frauen und Kinder, er- schlagen tvurde n.' Auf dem ganzen Weg von Tienlfin nach Peking fand Lynch er- schossene Knlis an der Straße liegen l General Wilton von den Vereinigten Staaten sagte nach Lynch: «Jeder Chinese, den man für einen Boxer hielt oder der auf dem Feld mit einem Karst in der Hand entdeckt wurde, wurde ohne weiteres erschossen. Plünderung. Totschlag, Gelvaltthat, Brand- schatznng. lvas man für die Geivohnhcit bloß noch von Wilden auf dem KriegSpfad hielt, scheinen immer noch einen Teil der europäischen Kriegsführung auszumachen." Das alles steht in den Anfzeichnungen deS Mr. Lynch und giebt uns das Bild eines HiinnenzugeS. wie er hunnenhafter nicht leicht gedacht werden kann. Man sollte meinen, daß den Chinesen die weiße Gefahr' in keiner schrecklicheren Weise zum Bewnhiscin ge> bracht werden konnte, und doch scheinen noch weit größere Verbrechen von feiten der Verbündeten begangen worden zu sein, denn Lynch chreibt nach der Schilderung von der Niederbrennung eines Dorfes: ,Es giebt Dinge, die ich nicht schreiben darf und die in England nicht gedruckt werden dürfen, die aber zeigen, daß unsre ivestliche Kultur nichts ist als Barbarei unter einem Mäntelchen. Die voll st e Wahrheit ist noch über keinen Krieg be« richtet lvorden und dieser wird keine Ausnahme mache n.' Uns genügt daS Mitgeteilte vollauf zur richtigen Bewertung unsrer Kultur._ zSolikifche Mebevstchk. Berlin, den 6. Mai. 'ReichStagSferien. Unerlvartct schnell ist der Reichstag zu Pfingstferien gekommen. Während noch vor kurzem beabsichtigt mar, die vorliegenden Arbeiten, insbesondere das Branntwein- und Znckergesetz vor Pfingsten fertig zu stellen und dann daS Haus bis zum Herbst zu vertagen, mußte von diesem Plan Abstand genoinmen werden, da die Rechte eine Kommissionsberatung für die Zuckerkonvention und daS Zucker- teuer- Gesetz forderte. Im Seniorenkonvent am DienStagvor- mittag stellte der Präsident fest, daß die große Sommer- Vertagung nicht schon vor Pfingsten eintreten könne, es fei noch nach Pfingsten eine kurze Tagung nötig. Um die entgegen- gesetzten Wünsche der Linken und der Rechten des Reichstages be- züglich der Reihenfolge in der Beratung der beiden geitamiten Gesetze— Branntlvein und Zucker— zu versöhnen, machte der Präsident den Borschlag, daß Branntwein und Zucker in gleichem Schritt marschieren sollen, daß nach Pfingsten zunächst die Brannt- weiiistener-Borlage fertig beraten, aber die Endabstimmung über diese Vorlage ausgesetzt werden solle, bis das Zuckerstener- Gesetz gleichfalls in zweiter und dritter Lesmtg durchbcraten sei, worauf dann an ein und deniselben SitznngStage beide Gesetzentwürfe zur Abstimmung gebracht werden sollen. Der Senioren- konvent stimmte diesen Vorschlägen zu und nur Abg. v. Kardorff ließ erkennen, daß agrarische„Wilde" den Versuch machen würden, die Zuckcrvorlage zu hindern, indem sie die Verweisung derselben an eine Kommission durch Anzweiflung der Beschlußfähigkeit be- kämpfen. Auch die ostafrikanische Bahn soll nach Pfingsten noch erledigt werden, die Regierung fordert dringend eine Entscheidung in dieser Frage. Die Bndgetkoiiimisston hat am Dienstag diesem Gesetzentwurf zugestimnit, aber nur mit schwacher Majorität und bei schlechter Besetzung; einige CentrnmSmitgliedcr sliininten dafür mit der ans- drncklichen Bemerknng, sich dadurch nicht für das Pleunm binden zu wollen. Gute Aussichten hat diese Vorlage jedenfalls nicht. Die Z u ck e r k o m m i s s i o n— die sich nach Schluß der Plenar« fitzung konstitniert hat— soll nach Mehrheitsbeschluß am 27. Mai ihre Beratungen beginnen; die Konservativen versuchten vergeblich einen späteren Termin durchzusetzen. Die Regiernng soll ersucht lverden, mittlerweile Material zur Beurteilung der Vorlage und fach- verständige Gutachten über ihre wahrscheinlichen Folgen den Kom« missionSmitgliedcrn zugänglich zu machen. In der Plenarsitzintg am Dienstag kam es thatsächlich zu dem vom Abg. v. Kardorff schon angekündigten Obstruktionsversuche eincS tvilde» Agrariers. Kaum war die dritte Beratung der Schutz- trnppenvorlage erledigt, so stellte sich Herr Lücke als solcher dem Hanse vor, gewiß nicht, ohne sich vorher bei seinen Freunden Oertcl und Dicderich Hahn den notwendigen Rat geholt zu haben. Aber der Rat taugte nicht viel und fügte Herrn Lücke schließlich eine sehr fatale parlamentarische Blamage zu. Die sich enspinnende GeschäflsordnungS-Debatte war»ine der erregtesten, die der Reichstag je gesehen hat. Die Herausforderung deS Herrn v. Kardorfs« der unsrer Fraktion und der Linken gern Daiimschranbeii anlegen ivollte, um das Gelübde herauszupressen, in der parlamentarische» Behandlung der Branntweinstener« Vorlage ganz nach den Wünschen der Rechten zu tanzen, vcranlaßte Bebel und die Herren Barth und Richter zu einer scharfen Erividcrung. Das Thema der Obstruktion und ihrer Wirkung auf den Parlamentarismus wurde hitzig debattiert und daS Schlagwort von der„unlauteren Obstruktion" erfunden. Ilnlmiter ist natürlich die Obstruktion der Linken, während die Obstruktion der Rechten, mit der vornehmlich von den Führern bereit» gedroht tvurde und die von den Strohmännern schon in Scene gesetzt war, eine reine Abwehrinaßrcgel ist und von den lautersten Motiven getragen wird. Daß die Linke von diesen Theorien in heiterste Laune versetzt wurde, ist selbstverständlich. Komisch war auch Herr Bachem, der, in schwarze Kassandr gewänder gehüllt, den Ruin des Parlamentarismus voraussagte, wen« die Parteien zu Maßregeln griffen, die mit dem Geist und Sin der Geschäftsordnung in Widerspruch stünden. Er dachte woh weniger dabei an die Braimtlveinsteuer-Vorlage, als an den Wucher tarif. Graf B a l l e st r e m zeigte sich während der ganzen Schlacht lvieder als kluger Mann. Er verstand es, links Beifallsstürme zn entfesseln, als er die Störung durch Lücke verurteilte»ich von der Rechten lvieder lebhafte Beifallsrufe zn ernten, als er Herrn Richter versicherte, er würde seine Autorität ohne seine Hilfe eventuell auch gegen ihn durchzusetzen wissen. Aber selbst dieser Satz war in so liebenStvürdigem Tone gesprochen, daß keine besondere Vcrstinmiuug znrückbleiben konnte. Herr Lücke bestand auf seinem Kopfe, trotz der Bitten des Herrn v. Levctzow, und es kam zum Namensaufruf und zur Feststellung der Bcschlußunfähigkeit, einer ganz ehrenvollen Beschliißmifähigkeit, denn es fehlte nur an einem halben Dutzend Abgeordneter, von denen einige Nachzügler sich noch nach dem Namensaufruf einfanden. Durch die Einberufnng einer zweiten Sitzung im unmittelbaren Anschluß an die erste und durch die selbständige Festsetzung der TageS- ordnnng vereitelte der Präsident dann ohne weiteres den Plan dek Wilden". So viel Mut besaß Herr Lücke schließlich doch nicht?» daß er noch einmal mit einer Waffe zu spielen versucht hätte, di� er nicht zu gebrauchen versteht. Schon daß er sich zum Namens-s aufruf von seinen Freunden schleppen ließ, während er vorher dock wohl in der Absicht den Saal verlassen hatte, seinerseits dazu beizutragen, die Beschlußuufähigkeit herbeizuführen, bewies, daß er" kein Mann der Konsequenz war. Vielleicht dürfte der Ruf der Linken:«Lücke, Lücke, Ivo ist Lücke hin!" bei späteren Gelegeuheiteiv- fröhliche Urständ feiern. So kann man ein berühmter Man» werden I Die erste Lesung der Zuckerstcuervorlage ging vorüber, ohne daß die Redner noch große Aufnierksamkeit gefunden hätten. Graf Posado wskh trat sehr lebhaft für den Anschluß an die Brüsseler Konvention und gegen jede Verschleppung in der Kommission ein. Er und Schatzsekretär v. Thi elma nn Ivurden von dem Grafen Limburg- Stirnm und Herrn Speck deshalb scharf angelassen und ihnen als nachahmenswertes Beispiel Graf Bülotv angeführt, der sich mit einer gründlichen KommissionSberatung ohne weiteres abgefunden habe. Die Zuckcragrarier kündigten an, daß sie auch das Sacchariugesetz mit der Zuckerfrage verkoppeln wolle». Die Konvention und die Zuckernovelle gingen an eine Kom« Mission von 28 Mitgliedern, gegen die tvir und die Linke stimmten. Die nächste Sitzung wurde auf den 3. Juni anberaumt. Mit einem Pfingftgrnß. der ein ivenig dünn klang, schickte der Präsident das Hans in die Ferien. Preußischer Landtag. Das Abgeordnetenhaus hielt am Dienstag nur eine kurze Sitzung ab. in der es einige kleinere Lorlagen erledigte und den Antrag Langerhans(frs. Lp.) betreffend Ein führung der fakultativen Feuerbestattung beriet Ter schon wiederholt behandelte Antrag wurde, nachdem sich die Abgg. Dr. Laugerhans(srs. Lp.) und Dr. Martens (natl.) dafür, v. H e y d e b r a n d(k.) und Dr. D i t t r i ch(C, dagegen ausgesprochen hatten, durch die konservativ-klerikale Mehrheit abgelehnt. Am Mittwoch stehen Initiativanträge auf der Tages ordnung, und zwar der Antrag F a I t i n(C.) betr. die Hand habung des Vereins- und Lersammlungsrechts in Preußen und der Autrag Bramel(frs. Lg.) betr. die lebenslängliche Anstellung der Schuhleute. Im Her renhause vollzog sich die Beratung der Specialetats i» der üblichen Weise. Der Eigennutz zeigte sich wieder in seiner schönsten Gestalt, stauin ein einziger der edlen Herren interessiert sich für die Allgemeinheit, fast alle brachten sie ihre eignen Beschwerden über zu starke Steuereinschätzungen und dergleichen vor, die wiederzugeben für uns keilt Anlaß vorliegt. Lou Bedeutung war einzig und allein die Erklärung des Ministers v. Thielen über das E i s e n b a h n> U n g l ü ck bei Zschortau. Wir geben die Erklärung des Ministers an andrer Stelle des Blattes wieder. Am Mittwoch wird die Etatsberatung fortgesetzt.) Deutsches Weich. Zolltarifkommitnou. In der letzten Sitzung vor den Ferien genehmigte die Mehrheit der Kommission die Vorschläge der Negicrinigsvorlage zum P e t r o l e u in z o l I und hat dadurch einer iveitercu Beeinträchtigung der Konsumenten Eintrag gclhan. Besonders vedaucrlich' ist datz die Ablehnung des Aniragcs auf Zollsrcihcit sür Mineralöle soweit sie ö f f e u l l i ch e u Gasanstalten dienen, die Leuchtgas- I n d u st r i e und viele Gemeinden schwer schädigen wurde. ES bedeutet diese Verzollung eine künstliche Hemmung der modernen Technik, insbesondre dcS karbiiricrieii Wassergase'. Wie wenig dos Gerede auf sich bat. daß Spiritn? oder Petroleum als Triebkraft für die Kleinindustne besonders bedeutungsvoll sei, zeigt ein Blick auf die Kruppsche n Werke Ans Krupps Work üi Esten sind 458 Dampfmnschiiien mit 36 561 Pferdekraft aufgestellt. Gebraucht ein Petrolenminotor 560 Gramm Petrolenin pro Stunde und Pferdckrast. dann würden Petroleummotore für eine zehnstündige Leistung an ZOOArbeiistagen 548 415 Kilo Petroleum verbrauchen. Es müßte also Krupp bei einem Zoll von 6 M. pro Doppelcentiier Petrolenin 3 390 490 M. an Steuern für die Triebkraft entrichten. Mithin betragen die Mehr- kosten der auf Petrolenin aiigcwiesciic» K l e i vmi d u st r i e mehr als 3�/4 Millionen Mark. Die nächste Sitzimg der Tariftommission findet am 27. Mai statt.— Minister Thiele» über das Eifenbahnnngliick bei Zschortau Ueber die Ursache>l der neuesten Eiseiibahnkatastrophe gab Minister v. Thielen am Dienstag im Landtag folgende» Aufschluß: Der Unfall ist herbeigeführt durch den Bruch der letzte» Tenderachse. Der Zug, der von München über Hos»md Leipzig nach Berlin fährt. ivar in Leipzig, nachdem er die Maschine gewechselt hatte, in völlig betriebsfähigem Zustande ab- gefahren. Etwa 14 Meter vor der Station Zschortau ist. wie sich nachträglich herausgestellt hat. die letzte Tenderachse auf beiden Seiten gebrochen. Das Achsenstück, das ausgebrochen ist. ist voraus sichtlich noch einige Zeit hängen geblieben, dann aber auf eine unerklärliche Weise zwischen de» laufenden Rädern von dem einen Geleise zinn andern hin und hergeworfen worden. Die beiden nicht mehr durch die Achse vcrbimdcnen Räder sind einst- iveilen»och ruhig weiter gegangen, erst etlva 866 Meter von der Station, als die EinfahrtSweich'e kam. ist zunächst das rechte nnd dann daS linke Rad znscnnmengcbrochen, wahrscheinlich durch den Einfluß der Weichen. Der hinter dem Tender folgende Gepäckwagen ist noch ruhig darüber hillweggelaufen, hat aber wahrscheinlich erst das rechte Rad in seiner Lage verändert. Jiifolgcdesten wurde der nachfolgende Wagen aus dein Gcleis geworfen und sofort um- gekippt.' Der zweitfolgende Wagen ist nach der andern Seite umgefallen. Solveit ivir haben feststellen können, stand der Reichstags- Abgeordnete Friede! im Abteil am offene» Fenster, ivahrscheinlich ist ihm die schüttelnde Bewegung des Zuges aufgefallen, er hat daS Fenster geöffnet nnd sich ans Fenster gestellt. Als der Wagen «mgelvorfe» wurde, wurde er heraiisgeschlcnderr»»d von dein Wagen erdrückt. Auf dieselbe Weise ist vermutlich eine Frau Hirsch in dein zweiten Wagen uecungliickl. K)as sind Vermutungen, die zur Zeit noch nicht beweiskräftig sind, die aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für sich haben. Dem dritten Wagen ist nichts weiter passiert. Außer den beiden Getöteten sind noch 6 Personen verletzt und zivar 2 Persoiien schwer. Sie ersehen ans diese» Darstellungen, daß, soiveit sie die Ursache des Unglücks betreffen, unzweifelhaft festgestellt werden kann, daß irgend eine Verschuldung der Eisenbahiiverivaltinig in irgend einem ihrer Organe nicht beigemesinn werden kann. EsistdascincrderUiiglückssälle. die durch eleinentärc Gewali herbeigeführt Werden, nnd für die die Eisenbahn- Verwaltung eine nioralische Verantwortung nicht nbernehmen kann. Es ist auch sehr bedauerlich, daß sich solche Fälle noch ereignen, aber trotz noch so sorgfältiger Auswahl der Betriebsinittel und trotz der sorgfältigsten Nc'visioii der Bctriebsfähigkeit sind derartige Unglücks- fälle nicht ganz zu vermeiden nnd namcntlich wen» ein solcher Achsenbrnch in der Nabe erfolgt. waS schwer zu entdecken ist. DaS Material war daS denkbar beste, das überhaupt im Eisenbahnbetriebe verlvcndet wird. PodbielskiS gewäfferte Milch. Die Berliner Milchhändler fahren in ergötzlicher Weise fort. dcS LaudwirtschnftSministcrS Podbielskis Milchgeheimnisse der schadenfrohen Oeffcntlichkeit preis- Algeben: In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 1. Februar 1902 Hat der Minister, nin seine vollkommene Interesselosigkeit darznihun, geäußert: „Ich habe mich in nieilier Eigenschaft als Milchproduzent mit meiner Molkerei von Berlin losgemacht... Ich habe die Milch, die ich früher nach Berlin geschickt habe, jetzt zu Hause. Ich habe also indirekt die Kosten des Milchkriegcs getragen." Es ist niin nicht nur festgestellt Worden, daß Herrn PodbielSlis Meierei— infolge jenes wniiderbaren RöhrenbruchS— während des M i l ch k r i e g s wiederholt gewässerte Vollmilch»nd geringwertig« Magermilch nach Berlin geliefert hat, sondern cS wird jetzt auch mitgeteilt, daß die„Molkerei Karstädt von Podbielski" seit dem Reujahr 1902, dank der kaufmännischen Konjunktur dcö MüchkriegS zu einem um V2 Pf- pro Liter gestrigcrtcu Preis»ach Berlin lieferte. Herr v. Podbielski muß sich also am 1. Februar ver- sprachen haben: er hat nicht die Kricgskoste» getragen, sondern erhalten! Amtliches Wahlergebnis in Celle. Bei der a», 2. Mai in dein 14. hannoverschen Wahlkreise CeNe-Gishorii-Burgdorf-Peine statt- gehabte» Rcichstags-Stichwahl Wurden im ganzen 21 899 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Wehl-Celle(nail.) 11343 Stimmen nnd auf von der Decken- Adendorf(Weife) 10 556 Stimmen. Wehl ist somit gewählt. Die Zweite badische Kammer— so berichtet n.an uns aus Karlsruhe— beschäftigte sich in der letzten Woche mit dem badischen M i t t e l s ch u l w e s e n, wobei die Redner der freisinnigen, demo- kratischen und socialdemolratischen Richtimg. in einigen Punkte» auch nationalliberale Pädagogen, gegen die Praktiken des Oberschulrates bezw. des Unterrichtsministeriums sehr scharfe Ausfiihrniigen machten. DaS C e n t r u m verhielt sich reaieningSkommiffariich und konnte nicht verhehlen. daß die badische Schulpolitik, welche immer mehr dem llerikalen Einfluß zugänglich wird, das nltramontane Gefallen sich erwirbt. Der Abg. Z e h m b e r(C.) setzte sich gegenüber dem Lehrerstand sogar in die Pose des einstigen nichtlehrcrsreiind- lichen. nationälliberalen RcgierniigspariciierS Fieser und stützte sich aus das ZeugiiiS eines reaktionären Geschichtsschreibers, der die ..halbgebildeten" Schullehrer wegen ihrer Beteiligung an der nationalen Einigimgs- und Freiheitsbewegung des Jahres lS48 für ewig als minderwertige Staatsbürger brandmarken wollte. Vom Ccntrums- abgeordneten Köhler, welcher Professor am hnmanistische» Gtziimasinm i» Pforzheim ist. wurde das F r a u c n st u d j u ni bezw. die Zu- lasimig der Mädchen zum gemeinsamen Unterricht mit den Gymnasiasten in reaktionärer Weise verurteilt. Vergebens suchte Centruinsführer Wacker einige minimale Zugeständnisse an die i» Baden allgemein vorgesehene Zulassmig der Mädchen zum wisienichaftliche» Studium zu machen. Tie socialdemokratische Fraktion. sür welche Abg. F e n d r i ch das Wort ergriff. hatte ein dankbares Feld der Vertejdigimg pädagogischer Forderungen neuerer Art und der Kritik an der Gefahr des klerikalen Einflusses aus Schule und Lehrerschaft. In dieser Woche steht die Volksschule zur Diskussion. Tie OpposttionS Monarchie. Ans R e u ß ä. L. wird nnS geschrieben; Täglich mehren sich die Enlhüllnngcn, die seit dem Tode des 22. Heinrich ivie Pilze aus der Erde wachsen und ans gewisse pofftische Vorgänge der letzten Jahre ein charakteristisches Lichi werfe». Man weiß, wie der verstorbene Fürst zu der W e l t p o l i t ik des Deutschen Reiche? stand. Daß er aber den Haß„Preußens" gegen sich immer tviedcr herausforderte, wußte man bislang nicht. Reuß ä. L. war der einzige BnndeSstaat, der in derBimdesratsitzmig vom 13. November 1900, als es sich um die nachträgliche Uebernahme der Kosten nnd der Verantlvortlichkeit für den Krenzzilg»ach Ehina handelte, gegen die Khaiimänner stimmte. Zwar sollen, so wird jetzt bekannt, auch die andren kleine» BnndeSstnatcn sehr ver- stimmt gewesen sei»; allein diese haben, als eS„zum Klappen" kam, tapfer geschwiegen. Der Vertreter von Reuß ä. L. stutzte sich in feinem ablehnenden Votum auf reich?- und völkerrechtliche Erwägungen und wies nnnachsichtlich auf die dem Reiche durch dieses Erperiment drohenden finanziellen Laste n und Gefahren hin. Diese Erklärimg hat mm, Ivie von einer Seite, die eS ivissen muß. erzählt wird, der 22. Heinrich s e l b st verfaßt! Was Wunder, daß ihm persönlich zum größten Teil der Haß Preußens nnd Berlins galt!— Neu dürfte auch das Folgende fein: Man nahm bisher an, Reuß ä. L. habe gegen daS S o c i a l i st e n g e s e tz gestimmt, weil es ein Gegner dieses Gesetzes war. Dos ist aber nicht der Fall. Wie jetzt bekannt wird, hat Heinrich XXII. gegen das Gesetz stimmen lassen, weil er darin— einen Eingriff in seine höchste Polizei- g e tv a l t erblickte. Geh. Regierimgscat v Geldern hat s. Z. im Bundes- rat erklärt, daß er zwar gegen das Gesetz stimme, daß aber der Fürst bereit sei, für sein Land ein gleiches Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestreb im gen der Social- dcmokratie zu erlassen." Bon dem Verdacht, ans Gründen socialer Einsicht gegen daS Schandgesetz gewesen zu sein, ist also Heinrich XXU. fortan gereinigt!— Nicht ohne pikanten Beigeschmack ist ferner eine Frage', die jetzt die Gemüter lebhaft beschäftigt, nämlich die: Wer wird jetzt die Regentschaft— bezahlen? Der verstorbene Fürst bezog keine Civilliste. Nur vor 1867 erhielt er eine solche von 36000 Thalcrn, Ivofür «doch dem Staate die Niitznießiing des gesamten Känunereivermögens bis auf die Erträge der Jagd, der Wiesen ec. zufiel. Als 1867 die Ver- assinig eingeführt, wurde die Niitznießniig dieser Güter zc. dem Fürsten zugesprochen und er verzichtete alsdann solvohl ans die Civilliste als auch auf jede Beihilfe ans Landesmitteln zur Be- 'treitnng der Apanagen ic. Mit diesem Verzicht hat H. 22.„sein" Land schuldenfrei gemacht. Da nun der§ 17 der renßischen Verfassung nur von dem L a n d e s h e r r n, der ans seinen Gehalt verzichtet, spricht, nicht aber von der nicht vorausgesehenen Regentschaft, so entsteht jetzt die Frage: Wird der neue Heinrich XIV. ebenfalls um sonst arbeiten? Eingeweihte Kreise erklären, daß der Fürst-Regent, der nicht so reich sei Wie H. XXII. nicht unentgeltlich regieren Werde! Ter Landtag dürfte sich daher cho» in allernächster Zeit mit einer Verfassungsänderung zu beschäftigen haben.--- Ausland. Die revolutiottine Bewegung in Rußland. Man schreibt uns: Die letzte Stütze der Regierung, ihre Hoffnung und Zuversicht, die Masse der Bauern ist ins Wanken gekommen. Auch diese hat 'ich endlich aufgerafft, um zu zeigen, daß auch sie nicht mehr länger geduldig die Harle Not»nd Pein ertragen will. Tmffende der so oft mit mitleidigem Gespött betrachteten Mnschiks haben sich erhoben. Umsonst sind die Bemühungen der Regierung gewesen, zu verhindern, daß ein Laut über ihre Leiden in die Oeffentlichkcit dringe. Eine der letzten Thatcn des Ministers S s i p j a g i n. auf die er stolz zu sein schien, die Maßnahmen, die er vorigen Herbst ergriff, um den Notstand und die Hmigerepidemien zu vertuschen, und die Ilebergabc der Not« 'tandSgebiete in die Hände einer Art H n n g e r p o l i z c i, diese eine letzte That ist zugleich mit dem Minister zusammengestürzt. Lauter als je spricht der Hunger seine erschütternde Sprache, und die Verzweiflung erhebt das Banner der offenen Rebellion. ES hat der Funken eines Manifestes genügt, um ganze Gouvernements zu ent- ziiiideii. DaZ ist das besonders Erfreuliche bei den Ereignissen in Sndrufjland. Diese Thatsache hat der Regierimg zum Nachdenken Anlaß gegeben, und aus ihr ist auch die Ansmcrlsmiikeit zu er- klären, die ihre höchsten Spitzen den Vorgängen zuwenden. Würde eZ fich bloß um einen jener Konflikte handeln, die sich nicht selten zwischen Gutsherren und Bauern abspielen, der Jsprawnik nnd der Vieegonverneur würden feine Nieder- ch l a g n n g besorgen. Fetzt dagegen hat es der Minister des Jmieni für notlveiidig befimden, sich selbst an Ort und Stelle zu begeben. Nach einer feierlichen Salbung durch die Hände frommer Popen ist er Soiiuabend nach Poltawa abgereist. Im Gonvernc- iirent Poltawa ist die Situation für die Regierung am heikelsten, denn der A n s r n h r nimmt au Ausdehnung t ä g l i ch z u. und außerdem hat das Militär hier verschiedcnerortS sich nicht gewillt gezeigt, mit den Waffen gegen die Bauern vorzugehen. Darauf weist auch ein Erlaß hin, der an die Truppen ergangen ist, und der Wie folgt lautet: „Das Militär hat bei dem Befehl zur Niederlverfung der Vollsimruhen auszurücken, folgendes zu beachten: 1. ES darf sich in keine A n s e i n a u d c r s e tz u n g e n mit der Masse einlassen; 2. Es darf sich nicht in die Vorkehrungen der Civil- b e h ö r d e n einmischen; 3. Es darf nicht ziellos iiber die Köpfe hiutvegschießeu; 4. Die Waffe ist so zu gebrauchen, wie es der Vor- gesetzte befiehlt, diensteifrig und gewissenhaft. S. Ein jeder soll sich merken, daß der Soldat seinen Rock und seine Waffe in Ehren halten muß." Das Original ist am 18. April vom Generalliculenant Sarubajew unterzeichnet, die Kopien tragen die Unterschrift seines Adjutanten Morocholv. Außer diesem gingen den Truppen noch weitere Erlasse zu, wo sie bei einer etwaigen llllobilisation in dem Gouvernement zu erscheinen haben, und daß für jeden Mann 15 scharfe Patronen in Bereitschaft zu halten seien. Die A u s r e g n n g i st in allen Schichten der B?- v ö l l e r ii n g eine st a r k e. Mehrere Proklamationen sind er- schienen, die sämlliche Bevölkcrimgsllassen zum Protest gegen die Regierung auffordern. Sie behandeln auch die Er- inordung Ssipjagins. und in weicher Richtung, das zeigt wohl am besten folgende charakteristische Stelle ans einer von ihnen; es heißt dort: Rußland durchleb! eine finstere- historische Nacht, eine Zeit des Kampfes um Leben und Tod. Es giebt keine Sphäre des Lebens, die nicht von dem Pestatem der Reaktion besudelt worden Wäre. Alles, was von Menschlichkeit und Gerechtigkeit spricht, er« leidet Tod und Verbannung. Alles ist dem Moloch des Ab» soliitismns zum Opfer gebrach!: Hunger, Thränen und Jammer. Das lebendig begrabene Rußland rührt fich unter dem Grabes- dcckel. cZ fleht um Leben und Freiheit nnd es erhält Schläge und Kerker. Der Schreck läßt die menschliche Seele erstarren, die Ver- zweiflnng über die Zukunft des Heimallandes erfüllt das Herz und unschätzbar ist das Verdienst des Helden, der in dieser schweren Zeit den Glanben an den Sieg der Wahrheit giebt und diese Atmo- sphäre der Finsternis und der Verzweiflung mit der Größe seiiier Heldenthat beleuchtet. Auch unser Leben schafft Helden. Am 15. April ist der Minister des Innern getötet worden. Das geschah im Namen der Freiheit der Menschen, im Namen dessen, was allein da-Z Leben vergeistigt und ihm Sinn nnd Wort verleiht. Er mußte sterben. Weil er das Leben geschändet hatte. Das war die Ver- gelinng für die Verfolgung der menschlichen Gedanken, sür die Z e r l r e t n n g der Menschenrechte. ES war die Antwort ans die Legalisierung der Knute. Es war die Rache für die Verbannung nach Sibirien der besten Menschen Ruß- lands, sür die Metzelei auf den Straßen. Es war die Antwort ans die Selbstmorde in den Gefänginffen, ans alle Deiiiütigungen nnd Beleidigungen, mit denen die Kerler gefüllt sind. Wenn die Heimat, jetzt noch eine Sklavin, einst das Wort spricht:„Es werde Licht", dann wird sie auch mit Stolz ihres Helden gedenken und wird seine Heldenthat auf die Blätter ihrer Geschichte eintragen.— Oestreich-Nngnru. Eine Kundgebung dcS klerikalen Thronfolgers. Der Erzherzog Franz Ferdinand, der als P r o t e k t o r der b öh m i s ch e n Akademie der Wissenschaften die vor- geschlagenen Ehrenmitglieder zu approbieren H r. strich Leo Tolstoi von der V o r s ch l a g s l i st e. Daß der östrcichische Thronfolger vollständig imt.r dem klerikalen Einfluß steht, ist bekannt. Diese'iieneste Knndgebuiig engherzigsten Denkens übertrifft noch die letzte Kmidgebniig des Zaren, der die Erncimnng deS berühmten Novellisten Marlin Gorki zum Mitglied der Petersburger Akademie der Wisiciischaften annullierte insofcn!, als es sicki bei' Gorki um eine junge litterarische Celebrität handelte, während Tolstois Bedentnng seit' Jahren feststeht. Tolstoi wird der Federstrich des kunst- und anfklärinigssremidlichen Thronfolgers nichts schaden; Oestreich aber lami sich zu diesem Nachfolger Joseph» II. gratulieren.— Wolf in Nöte». Der von den Anhängern de§ Abg. Wolf am Sonntag in Wien einberufene deutsche Volkstag Wurde von den Anhängern Schönerers gesprengt. Als Wolf die Tribüne betrat, erscholl der Ruf:„Z n ck e r k a r t e l I!" nnd Wolf wurde mit Z» ck e r w ü r f e l» förmlich bombardiert. Im ganzen Saale kam es zwischen den streitenden Parteien zu einer Rauferei, bis der Polizeikonnniffär mit Rücksicht auf die Be- drohnng der körperlichen Sicherheit die Versammlung für aufgelöst erklärte und die Wache die Rttilmung des Saales bcwirlle.— Schweiz. Nene Wahlerfolge in Bern nnd Basel. Zürich, 6. Mai.(Eig. Ber.) Der gestrige Sonntag hat daS in Zürich vor 8 Tagen begonnene Werk der socialdemolratischen Er- obcriinge» fortgesetzt. In Basel ist unser Genosse W u l I- s ch l e g e r mit' 5261 Stimmen in den RegierungSrat gewählt worden nnd mit ihm noch der freistimige Professor Burkhardt- Eiiislcr, auf den 3949 Stimmen fielen. Nach dem am 27. April erzielten Wahlergebnis ivar die socialdemokratische Partei die von den Konservativen wie Freisinnigen mit LiebeSwerben bestürmte Erkorene, jede der beiden bürgerlichen Parteien wollte mit ihr kompromisieln. ES kam eine Verständigung derSocialdemokraten mit den Freisinnigen zu stände, wonach diese unfern Genossen Wull- schleger neben ihren eignen Kandidaten auf ihre Liste nahmen, so daß seine Wahl gesichert war. Mit Wullschleger ist der vierte socialdemokratische Minister in der Schweiz gewählt, woraus ersichtlich, daß unsre Partei beständig fort- schreitet und an Macht wie an Einfluß im öffentlichen Leben fort- während gewinnt. Dem Genossen Wullschleger gratulieren Wir herzlichst zu seiner Wahl, wobei wir die Ueberzeiignng haben, daß er auch als Regicrmigsrat nach ivie vor der tüchtige socialdemokratische Parteiführer bleiben wird. Ferner errangen unsre Genossen in Basel, allerdings ebenfalls infolge des Zusarninengehens mit den Freisinnigen, zu ihren im erste» Wahlgang errungenen 6 Sitzen im Großen Rat weitere 16. so daß sie nunmehr deren insgesamt 22 haben gegen 12 bisherige. Für den Genossen Wullschleger ist noch eine Nachwahl zu treffen.' Ans dem Kanton Bern liegen erst Nachrichten über di« Wahlergelmisse in den beiden Städten Bern und Biel vor. In Bern hatten sich die di'ei Parteien auf eine gemeinsame Liste geeinigt, nach der 7 S o c i a I d e m o k r a t e n gewählt wurden. In Biet hatten die Freisiimigen von den 20 Sitzen den Socialdemokratcn großmütig die 2 Sitze, welche bisher unsre Partei bereits inne hatte. überlassen wollen. Unsre Genossen lehnten das Almosen aber ab und nahmen mit 5 s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n K a n d i d a t e n den Kampf ans, der nun für sie siegreich endete. Sie haben nun zu den bisherigen 2 Sitzen noch 3 hinzugewonnen. Es geht also er« freulich vorwärts, die Arbeiter emanzipieren sich immer mehr von den bürgerlichen Parteien und schließen sich in der socialdemolratischen Partei, der Arbeiterpartei, zusammen. Die bornierte demagogische Phrase der bürgerlichen Parteidrahtzieher von dem„fremden impor- tiertc» Gewächs" des SocialiSmus wird nun wohl endlich aus ihrem Wörterschatz gestrichen werde». Im Kanton Bern wurde in der V o l l s a b st i m m n n g das E i s e n b a h n s u b v e n t i o n S- G e s e tz, das den Bau mehrerer neuer Linien mit ca. 20 Millionen Franken Staatsgcldern vorsieht, mit 43 422 gegen 18076 Stimmen angenominen. Dagegen das E r b s ch n s t s st c n e r- G e s e tz. das eine Erhöhung der Erbschaftssteuer bezweckte, mit 30 076 gegen 31 155 Stimmen, also mit einer kleinen Mehrheit verworfen. Die in Anßersihl nnierlegenen bürgerlichen Parteien bereiten einen S t a a t S st r e i ch vor. um unsre Partei um ihre Erfolge zu prellen. Sie haben an den Kantonsrat eine Eingabe um die Kassierung der Wahlen gerichtet, damit sie noch einmal ihr Wahlgli'ick versuchen könnten. Vor drei Jahren führte die bürgerliche Mehrheit des Kanlonrats in der That einen solchen Staatsstreich aus, indem sie die Winterthurer Wahlen kassicrie, worauf in Wintcr- thnr die verbiiiidetcu Bürgerlichen ein wahres Kesseltreiben gegen die Socialdcinokraien inscenierte und dadurch erreichte, daß in der Neuwahl nur zwei statt der vorherigen vier Socialdemokraien ge- wählt wurden. Wir glauben aber trotzdem vorläufig noch nicht an eine Wiederholimg der schamlosen Vergewaltigung der Socialdemo- kraten durch die bürgerliche Mehrheit des Kantonsrats.— Frankreich. Einschreiten der Rcgicnmg gegen Wahlbeeinflnffnnge« ZLeildeck-Zwussenu erlieg an die Präfektcn ein N n n d s ch r e i b e», in welchem er darauf himveisl, dag beim ersten Wahlgange in ge- Imssc» Wahlbezirken die W ä h l e r g r u p p e n w e i s e z n r S t i m in- abgäbe unter Leitung von Personen geführt wurden, zu denen sie in einem AbhängigkeitSverhält« n i S stehen; es sei dies mit der freien Ausübung des Stimmrechts unvereinbar. Wenn derartige Falle bei der Stichwahl sich wieder- bolcu sollten, möchten sie sofort zur Kenntnis der Gerichte gebracht werden. Belgien. Tie Neuwahlen zur Kammer finden am 25. Mai statt, und die Parteien beginnen ihre Vorbereitungen zu treffen; es tritt die Hälfte der auf 4 Jahre gewählten Abgeordneten aus. In A n t- w c r p c n ist unter den Socialisten wegen des aufzustellenden Kandidaten einK o n fli l t ausgebrochen. Der bisherige Abgeordnete ist Terivagne. und es liegt an sich gar kein Grund vor, ihn nicht wieder aufzustellen. Er ist in der That wieder anfgestcllt, aber gegen den Willen der Hafenarbeiter, S ch i f f S b a u e r nsw. Tiefe wollen den Führer des letzten Hafenarbeiter st reiks, F a b r i, ausstellen. Derselbe ist als Führer des Streiks zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt, der er sich durch die Flucht nach Holland entzogen hat. Die Hafenarbeiter wünschen nun, ihm durch die Wahl zum Abgeordneten die Rückkehr nach Belgien zu ermöglichen.— Niederlande. Eine Niederlage dcö Militarismus. Wie wir vor einiger Zeit mitteilten, wollte der Kriegsminister Bergausins die löbö aus- gehobenen Mannschaften in diesem Sommer zu einer vierwöchigen Rescrvc-llcbung einberufen. Die starke Volksbewegung, die sich hiergegen geltend machte, sowie eine Interpellation des social- dcuiokratischcii Abgeordneten N. t e r L a a n in der zweiten Kannner haben nun den Kriegsmkiister veranlagt, von der Einbernfuiig der Mannschaften Abstand zu nehme». Zuerst hatte der Minister die Gemüter dadurch zu beruhigen gesucht, das; er die Dauer der ge- planten Uebung auf 14 Tage herabsetzte. In der Kammer erklärte» sich nicht nur die socinldcmolratische», sondern auch die Mehrzahl der bürgerlichen Abgeordneten gegen die Einberufung. Die Jnter- pellalion ter Laan. durch die eine priiicipiclle Entscheidung herbeigeführt werden sollte, wurde zwar nicht nngcnommen und die Vcr- bandlung darüber ausgesetzt, dagegen wurde aber ei» von katholischer Seite eingebrachter Antrag, die 1896 und 1896 auSgehobenen Mann- schaftcn von den Wicderbolnngsübnngen zu befreien, angenommen und der Minister dadurch zur Zurückziehung der betresseiiden Vcr- ordnung veranlaßt.— Ruhland. Eitle falsche Alarmnachricht. Man schreibt nnS: Die Meldung ans Warschau, die Gehcinidrnckerei des jiidisch-socialistische» ArbeitcrbnndeS sgemeint ist der„Allgemeine Jüdische A r d e i t e r b u n d in Litauen. Polen und Rußland" sei von der Polizei„aufgehoben" worden, i st n n w a h r. handelt sich höchstwahrscheinlich um die Druckerei der„Socialdeino kratic in Polen und Litauen", die am 21. April von der Polizei in Warschan entdeckt wurde. Seit dem 26. I u l i 1398, an welchem Tage es dem berüchtigten Moskauer Oberspion Subatoiv gelang, eine wunderbar kunstreich eingcrichte Geheimdruckerci des„BnudcS" in Bob r n j s k zu cnt> decken, i st keine n e n e D r n ck c r e i d c S„B u n d e s" i n d i e Hände der Z a r e n s ch e r g e n gefalle». Es ist dieses uinsomehr zu beivundern, da die Leistungen der geheimen Druckereien des„Bundes" in letzter Zeit geradezu erstaunliche sind Außer dem Centralorgnn„Die A r b« i t e r st i m m e zahl- reiche» Proklamationen und Flugblättern in jüdischem Jargon und in russischer Sprache, werden gegenwärtig n ch t L o k a l z c i t n n g e n dann und wann noch Beilagen dazu, in den Geheim druckereien dcS Bundes in Rußland angefertigt. Zur dies jährigen Maifeier erschien ein Mai- Aufruf' des Central komitees des Bundes, in jüdischem Jargon— 20 000 Exemplare ein Mai-Aufruf, unterzeichnet von einer Konferenz der bedeutendsten Organisationen unsrer Partei— 15 000 Exemplare im jüdischen Jargon und 6000 Exemplare in russischer Sprache: ein Maiflugblatt für Lodz zum Andenken an die revolutionären Ausbrüche daselbst im Mai 1892— 7200 Exemplare in jüdischem Jargon: Nr. 10„Warschauer Arbeiter", eine Beilage zu Nr. 27 »Arbcitcrstimme" und eins Anzahl OrtSproklamatioiien. Asien. Die ttnrnhen in China. Aus Peking wird gemeldet: Die Erhebung in der Umgebung von Tschin gtingfu dehnt sich immer mehr aus. Der Aufstand umfaßt jetzt bereits ein Gebiet von 60 Quadratmeilcn. Man glaubt, die Behörden würden eine genügende Anzahl Truppen vereinigen, um die Anfstäiidischeu, die sich in drei Gruppen bei Tauiingfu befinden, zu vertreiben. Drei Missionshäuser werden in diesem Distrikt von den Snfstäiidischen belagert. Ei» Priester ist Verschivnnden. Die Chinesen be- klagen sich über das Eintreiben der Gelder für die K r i e g S e n t s ch ä d i g u n a. für ivclche bedeutend größere Suninieii erhoben werden, als die Mächte verlangen. Die Missionare. ivclche sich im Süden der Provinz Tschili befinden, versichern, daß sich in der Gegend 10 000 Rebellen aufhalten, welche sämtlich gute Waffen und sogar Kanonen besitzen. Man glaubt, daß diese Waffen über die Provinz Schantnng importiert wurden. Die Bevölkerung von Kwantnng und Kuln sei ebenfalls bedroht und oigauisicre sich unter dem Namen„Bereinigung der Gesellschaft des Weideiiholzcs". Die Aufständischen drohen, sämtliche Christen zu töten. Der französische Gesandte bereitet ein Memorandum vor, ivelchcs er den übrigen Gesandten zugehen lassen wird. Amerika. Massacre in Aegypten. Meldungen griechischer Blätter zu folge ist eS auf der ägyptischen Insel T h a s o S wegen Steuer v e'r Weigerung zu einem Z n sani in e n st o ß z w i scheu Gen dar in e n und der Bevölkerung gekommen. Die Gendarmen machicn von der Schußwaffe Gebrauch, wobei über 100 M ä ii ii e r und Frauen getötet wurde ii. Eine grie chische Deputation hat sich nach Kairo begeben, mn bei dein Khedivc Bcfchlvade zu erheben.— Der Boereit- Krieg. Die Aussichten auf einen baldigen Frieden sind, wenn man englischen Blättern glauben darf, sehr gute. Am 15. Mai findet in Vereenigiiig, einer Stadt am Vaalflnsie gelegen. eine Konferenz der Boerenführer statt. Dort soll endgültig über Krieg oder Frieden entschieden werden. Von dort aus geht die Boerendelegation nach Pretoria, Ivo die Uiiterhaiidlungen mit den Engländern stattfinden. In Vereenigiiig werden iämtliche Koni- inandos vertreten sein: man erwartet etwa 200 Manu. Zur Zeit finden in den Boeienlagern Versaminluiigen statt, in welchen über die Lage beraten wird. Nach dein„Sta»daid"-Korrespo>idcntcn soll De Wet angeblich in den Meetings die Lage als hoffnungslos schildern und das Anerbieten der Engländer' als annehmbar be- zeichnen. Insgesamt sollen sich 89 angesehene Boerenführer für den Frieden ausgesprochen haben. Frau De Wet. die mutige Frau des tapferen Generals, die schon einmal so UN» erschrocken den Eiigländeni gcgeiiiibergetreteii ist, hat sich wiederum über schlechte Behandlung beschwert. Sie wird in einem Kon- zeiitiatioiislager in der Nähe von Pieterinaritzburg gehalten. Zum Aufenthalt ist ihr ei» Zelt zu ebener Erde angewiesen; sie beschwert sich über ihren Wohnvaimi und über schlechte migeniigende Kost; sie ist krank geworden und verlangt, nach Pieterniaritzbnrg gehen zu dürfen.— Der General Botho, dessen lOjährigcr Sohn, der sich mit in feinem Lager befindet, kraul geworden ist, hat den. Lord Kitchencr ersucht, seinen Sohn durch die englischen Posten hindurch und nach Europa zu feiner Mutter reisen zu lassen. Vor einigen Monaten hatte Kitchencr das Gesuch abgelehnt, diesmal soll er zu- gestimmt haben. Das Fell des Bären. Im Unterhaus teilte Chamberlain mit, eS seien Vorschläge gemacht worden, ivclche die Billigung der Regierung gefunden haben und dahin gehen, einen Teil des Gebietes von Trans- v a a l mit Natal zu vereinigen. Das betreffende Gebiet umfaßt 7000 Quadratmeileii und hat eine Bevölkerung von 8000 Seelen, welche meist Holländer sind. Diese Maßregel soll dazu dienen, den Einfluß des Boeren- elemeiits des auuektierten Gebietes auf die Gesetzgebung unschädlich zu machen. Eiu englischer„Tieg". DaS Gefecht bei Steeukop, von dem Kitcheuec berichtet hat, wurde am 27. und 28. April geschlagen. Die B o e r c n hatten daselbst eine feste Stellung iiiue, welche sie hartnäckig ver- t e i d i g t e n, bis sie von den Engländern g c n o in in e n wurde.' Auf feiten der E n g l ä u d e r fielen sechs Mann; acht wurden ver w u n d e t. Der Verlust der Bocren war b c- deutend. Dieselben sandten zu den Linien der Engländer und erbaten ärztliche Hilfe. Trotzdem wurden aber seltsamerweise keine Gefangenen ge- macht I_ Ein Doppcljnbiliinm. Die socialdemokratische Reichstags-Fraktion gedachte in ihrer Diciistagssitzimg. nach Erledigung ihrer sonstigen Arbeiten, eines be- dcutimgSvollcn Jubiläums zweier ihrer Mitglieder. Genosse Auer und Genosse Bios sind vor 25 Jahren zum erstenmal in den Reichstag gewählt worden. Sic folgen in diesem Parka mentarischeu Jubiläum dem Genossen Bebel und dem ver storbencn Liebknecht, die eS früher gefeiert haben. Genosse Bebel wie er sagte: als„Dienstältester der Fraktion"— hielt au die Jubilare eine Ansprache, in der an die Zeiten ihres Eintritts in den Reichstag erinnerte, ihnen im Namen der Fraktion die herz lichsten Glückwünsche und die Zupersicht aussprach, daß es ihnen ver gönnt sein möge, noch viele Jahre in voller Rüstigkeit den geineiw samcn Kampf sür nnsre große Sache zu kämpfen. Die Fraktion überreichte den beiden Jiibilaren als äußeres Zeichen ihrer Vcr ehrniig eine Gabe der Eriimerung au diesen Tag; Genosse Blos nahm eine goldene Taschenuhr, Genosse Auer eine Standuhr in Empfang. Beide sprachen den Kollegen tiefgefühlten Dank ans. * i Die Redaktion des„Vorwärts" schließt sich den Wünschen der Fraktion für die beiden Jubilare ans ganzem Herzen an und die gesamte deutsche Socialdeinokratic nimmt in Verehrung und Dankbar keit Anteil an dieser Feier. sc- ES sei erinnert, daß Auer und Bios t877 in den Reichstag ge wählt wurden, als die Socialdemokralie ihre Spaliniigen über Iviinden hatte, und zum erstemnale geeint, große Wahlcrsolge errang; die Partei gewann damals 493 000 Stimmen und 12 Mandate; von den damaligen Erwählten sind heut nur noch drei Mitglieder der Fraktion: Bebel, Auer und Blos. Die erstmalige Wahl Auers erfolgte im 22. sächsischen Wahl kreise Reichenbach- Kirchberg. Vertreter dieses Kreises war Auer jedoch mir bis 1878. Er ward dann 1880 zum erstemnale im 17. sächsischen Wahlkreise Glauchau-Meeraue gewählt. 1881 ging derKrcis verloren. 1884 wurde er wiederum socioldcniokratischcr Besitz, ging 1387 nochmals verloren, seit 1890 ist Auer uimiitcrbrochen Vertreter desselben Kreises. Achiiliche lliiterbrechuiigen hatte auch das parla meiitarische Wirken von Blos. Er wurde 1877 zuerst im Wahlkreise Reuß ä. L. gewählt, 1884 wurde er Erwählter deS Kreises Braun schweig, den er seit 1890 ununterbrochen vertritt. Tee„gkwcvbSmäsiige Agitator". Genosse Leber in Jena schickt uns zu der Notiz in Nr. 102 eine längere Zuschrift, worin er er klärt, daß er sich keiucS'.vegs beleidigt fühlt durch den Titel „gewerbsmäßiger Agitator"; die Klage gegen den Bürgermeister solle nur als ein Mittel zur Wahrung des VersamiiiluiigSrechtes dienen. Wir zweifeln gar nicht an den guten Absichten des Genossen Leber; aber für die Oesientlichkeit bleibt doch die Thatsache bestehen. daß ein Svcialdemokrat eine Beleidigungsklage anstrengen will oder anstrengt, weil man ihn als gewerbsmäßigen Agitator bezeichnet. lind das ist in einer Partei, die so eifrig agitiert und über so viel wirksame Agitatoren verfügt, so stolz ist auf die Erfolge ihrer Agitationen, die Leistungen ihrer Agitatoren, wie die socialdeino tische, mindestens eigentümlich._ Die Maifeier im Auslände. Paris, 2. Mai. Die Maifeier hat es hier zu Lande bekamst lich überhaupt nicht zu einer erheblichere» Ausdehnung bringen köiinen— ganz besonders nicht in der Form der Arbeitsriihe. Da bei stand Paris von jeher noch hinter der Provinz zurück. Angesichts dieses llnistandes mit bescheidenem Maßstab genicssen, scheint die gestrige Maiseier wenig unter dem die Aufmerksamkeit absorbicrcnden Einfluß des WahlkampfeS gelitten zu haben. Ja, specicll in Paris ist sie sogar etwas besser verlaufen als sonst. Am Nachmittag fand auf Initiative der Gewerkschaften in der Arbeitsbörse eine von ein paar Tausend feiernden Arbeitern besuchte Versammlung statt, nach deren Schluß die Teilnehmer sich nach dem Pore Lachaisc-Friedhof begaben, zur „Föderieitcii-Mauer", der Stätte der gefallenen Kommunekämpfer. Auf demselben Friedhof fand auch eine Kundgebung statt vor der Verbreiniuiigsstätte der Genossin Paule M i n k, deren Feuer bestattung sich am I. Mai jährt. Unnütz zu sagen, daß die Polizei 'ürsorglich den Zug der Manifestanten umzingelt« und begleitete und ihnen den Weg zur Mauer versperrte. Nur ein Kranz durfte niedergelegt werden. Ebenso wurden die Manifestaiiten nicht zum Colunibarmm sUrneiibehälter) des Friedhofes zugelaff'e».... Die Republik wird wachsam„verteidigt"! Am Abend fanden noch in Paris Maiversaminlungeii statt. Der socialdemokratische Deutsche L e s e k l u b hat ivieder einen Ausflug ins Freie organisiert, der aber diesmal infolge dcS Negeuwetters nur fchivochen Zuzug fand. In I V r h(bei Paris) wurde der Maitag, wie üblich, von der qnesdistischen Mmiicipalitöt offiziell gefeiert. Die Stadt wurde 'estlich beflaggt. Der Bürgermeister. Genosse Ronssel. empfing am Vormittag im Gemeindehaus die Abordnungen der Gewerkschaften, denen ein Ehrenlvciii verabreicht wurde. Die ArbeitSrnhe war ziemlich allgeincin. AnS der Provinz wird ArbeitSrnhe in größerem oder geringerem Umfang gemeldet: ans Lille, Roubaix,' St. Quentin, FourmicS, einem Teil des Kohlenreviers von Pas-de-CalaiS, aus Reims, BejsvgeS und Carmaux. In einigen der genaniiteii Orte kam es auch zu Stratzenmnzügcn. In Roubaix ivurde ein Kranz auf dem Grabe der Opfer der Arbeit niedergelegt. In FonrmieS ehrten 1000 Manifestanten das Andenken der 1891 gefallenen Mai- Opfer. In B e s s e g e s ivurdeii tvährend des Umzuges die„Ilster- nationale" und die„Carmagnole" gesungen. In C a r m a u x feierten die Arbeiter zugleich den Wahlsieg I a n r s S. dem die Manifestanten vor seinein Hotel eine begeisterte Ovation darbrachten imd Blumen- träuße überreichten. In Marseille fand eine Abendversammhinz mit 5000 Teilnehmern statt. Die bis heute vorliegeudeu Nachrichten sind übrigens unvoll- ständig. London. 2. Mai. Die englischen Arbeiter haben an der hiesigen Maifeier nicht teilgenommen. Im Alexandra-Palast, wo'sie abgehalten ivurde, waren nur zahlreiche Mitglieder der „Socialdemokratischen Föderation", des„Koiiiinunistischen Arbeiter- Bildinigsvereins". sowie viele ausländische und jüdische Arbeiter an- ivesend� Ebenso fanden sich einige Vertreter der„Jndependent Labour Party" ein, darnntcr Keir Hardie imd Philip S n o iv den, der Kandidat für Wakeficld. Von den Londoner Geiverkschaftcii waren vertreten: die Ladenaiigestellteil, die Elektriker, die Dockarbeiter, die Bäcker, die Fuhrleute, die Straßeiipflasierer, die Kohleisträger und die Maschiliciidrucker, die mit ihren Fahnen an der Prozession teilnahmen. Am Abend fand in der Centralhnlle des Alexaudra-PälasteS die Versammlung stalt. Den Vorsitz führte Mr. Steadman, der die Versainuiluiig mit einem kräftigen Protest gegen den Jinperialis- mus einleitete,„Jedoch ist die Regierung nicht so viel schuld asi dem südafrikanischen Kriege als die Arbeiter, die apathisch dem mörderischen Treiben der herrschenden Klasse zusehen," Mr. Gregory, der Präsident des Londoner Getverkschasis- kartells(Trades Council), begründete die von dem Maifeicrkomitce eingebrachle Resolution, welche kantet: „Diese Massenversaimiilnng von Arbeitern sendet brüderliche Grüße an die Genossen des Auslandes, � die heute versaimnclt sind, und wiederholt mit ihnen den Entschluß, die Lohnsklaverei und den Kapitalismus zu siürzeli und durch ein internationales Zusamincmvirken ein soeialistisches Gemeinwesen zu errichten.... Die Versammlung verlangt die Abschaffung der Kinderarbeit; öffentliche Speisung der Schulkinder; den geschlichen Achtstundeii- tag; bessere Behaiisniig der Arbeiter; AltcrSpensioneii; allgemeines Wahlrecht; Zahlung von Diäten au Abgeordneten und Uebernahme der Wahlkosten durch den Staat." Der Redner meinte, die Beteiligimg au dieser Maifeier würde eine viel stärkere sein, wcun die Gewalt des Kapitals über die Arbeiter keine so unbeschränkte Iväre. Genosse Pete C u r r a n. der Vertreter der Gasarbciter, unter- stützte die Resolution.„Die englischen Arbeiter", sagte er,„stecken tief in den Vorurteilen der Bourgeoisie. Sonst hätten sie dem großen Kampfe der belgischen Arbeiter für das allgemeine Wahlrecht nicht so gleichgültig zusehen köunc». Auch wir englischen Arbeiter haben ein solches Wahlrecht noch nicht. Aber das schmerzlichste ist, daß es uns nichts nützen würde, auch wenn wir eS hätten. Was thim denii »nsre Trades- Unioiiisteii mit ihrem Wahlrecht?— Unsre Arbeiter interessieren sich für den südafrikanischen Krieg, als ob wir zu Hanse keinen biitcren Kamps hätten! Es ist der Klasseukamps. den das Kapital gegen uns führt und den unsre Arbeiter nicht verstehen wollen. Krieg nach außen, Kamps nach innen, aber unser ar- beitendes Volk sieht diesem mit stumpfer. Ruhe zu." sLang'an- haltender Beifall.) Miß B o n d f i e I d. die Sekretärin der Ladenaiigestellteil, hielt eine treffliche Rede für Frauenrecht und für das Zusainmengehen von Gewerkschaftlern imd Socialisten. Genosse H y n d in a n, der mit stürmischem Beifall empfangen wurde, wie? hauptsächlich ans die iiiteriiationale Vertrustimg der Verkehrsmittel und die rapide Koiizeiitration der Produktionsmittel hi» und erklärte, er sei hoffnungsvoller denn je. Die Trades- Ilnioiiisteii. deren Waffen sich der Wirtschaftsentwicklniig gegenüber als stiinips erweisen müssen, werden früher oder später in die Reihen der interiiationnleii Socialdcmokratie ciiitreten. Genosse Philip S n o w d e n sprach mit großer Kraft und Be- rcdsanikeit gegen den Imperialismus imd erblickte im SocialiSmus das einzige' lliirkimgSvolle Gegengewicht gegen den Völkermord. Nachdem noch Mr. D u n c a n von der„Demokratischen Liga" gesprochen hatte, wurde die Resolution ciiistiinntig angenominen. Das Fest dauerte bis 3 Uhr morgens. N«s Ittdnltrie«nd KZemdel. Anflenhandcl der Pereinigteu Staaten von Amerika. Die Warenausfuhr der Vereinigten Staaten hat in den ersten 9 Monaten des NcchinnigSjalires 1901/02, also vom 1. Juli 1901 bis Ende März 1902. im Vergleich zum Vorjahr recht beträchtlich ab- genoniincn, ivährcnd andrerseits die W a r e n e i n s n h r beinahe»im 79 Millionen Dollar gestiegen ist. Nach den Wertzahlen zusnnimcn- gestellt, ergiebt sich folgendes Bild: Jnli Warenverkehr Eiufnhr, zollfrei.... „ zollpflichtig... im ganzen Ausfuhr inländischer Waren , ausländischer Ware im ganzen AuSflihrilberschuß...... Die Zunahme der Eiufnhr daraus, daß seit Beginn 1900 01 b i S M ä r z 1901/92 540 241 953 402 237 131 erklärt sich zum wesentlichen Teil de§ lausciidcn Rechiiiiiigsjahrcs weit inehr Rohstoffe für industrielle Zwecke und Halbfabrikate in das Gebiet der Union eingeführt worden sind, als im gleichen Zeitraum des RechninigSjahres 1900/1901: ei» Zeichen der intensiven iiidnstrielleii Thätigkeit. Dagegen ist der Export von Getreide und Mehl(teilweise in- folge der uiigiliistigen Maisernte), von Rohbaumwolle, sowie von Eisen- und Slahlwaren stark zurückgegangen. Nach einer Ziisaininenstelliing der„Jron and Coal Trades Review" betrug z. B. i» den acht Monaten vom Juli 1901 bis Ende Februar 1902 die Ausfuhr der Vereinigten Staaten an Roheisen, Abfalleisen, Eisen imd Stahl in Barren, Drahtstäbcn, Jngots, Luppen, Schienen, Blechen, Baueisen, Draht und Nägeln aller Art mir 353157 Tons, während sich die Ausfuhr in deiiselbeii acht Monaten dcS NcchniuigSjahreS 1900/01 auf nicht weniger als 861 583 Tons stellte. Getreide- Schwänze. Die„Deutsche Tageszeitung" tveiß von einer neuen Getreidc-Schtvänze an der Vcrliner Getreidebörse zu berichten. Nach ihrer Mitteilimg haben zwei russische Firmen, leine Moskauer und eine Petersburger, hier insgesainl nach und nach etwa 50 000 Tonnen Getreide, imd zwar i» erster Linie Hafer, für Mai-Lieferu»g aufgekauft, die sie uim, da die Erledigung der Mai- Verpflichtimgcu a» der Produkteiiböcic begonnen' hat.„ein- 'perren", um den Haferpreis, der seit Januar bereits um etwa 20 M. gestiegen sei, weiter in die Höhe zu treiben. Als Helfers- Helfer bedienten sie sich dazu ziveier hiesiger Finne», einer Finna. die sonst nur an der Fondsbörse spekuliere, und einer Getreide- Handlung, deren einer Inhaber kürzlich in die Berliner Handels- kaminer getvählt sei DaS„Berliner Tageblatt", das sich schon bei srühercn Angriffen der„Deutschen TageSztg." auf die Berliner Prodiikteiibörie be- onders eifrig deren Verteidigimg hat angelegen sein lassen, am- lvortet daraus mit einer entrüsteten Notiz,'in der es beißt:„Die amtliche» Notierungen der Berliner Börse ergebe», daß die Hafer- weise für Mai-Lieserung im Januar d. I. fast täglich mit 1öS»/«M. estgestellt ivurdeii; gegen Ende des MouatS slaiidcu sie etwas höher. An der heutigen Börse wurde als Preis 1631 � M. notiert. Die Preissteigerung seit Januar bcläuft sich bis jetzt also aus 7»/«M. Die „Deutsche Tagcsztg." behauptet dagegen, der Preis sei bereits um „etwa" 20 M. getrieben worden,'— sie bedient sich also positiver lliirichtigkeiten." Ferner wird hervorgehoben, daß es iusolgc der uuglinstigen amerikanischen Mais- und Hafercrutc, des russischen Eriite-Aiisfalls, sotvie des starken englischen Bedarfs für Südafrika nur natürlich sei, wenn der Preis steige, und zudem wäre der Preis des Berliner Marktes immerhin gegenwärtig der iiicdriaste des Weltmarktes. Das ist größtenteils richtig; die Steigerimg des Haferpreises eit Januar erreicht nicht entfernt die Höhe, welche die„Tages- Zeitung" angicbt; aber daraus folgt nur, daß das bündlerische Blatt. lvie schon so' oft bei solchen Gelegenheiten stark übertreibt, nicht aber, daß sein« Darstellung jeder Begründung entbehrt, Thaffache ist. .daß thalsächlich von russischer Seite ausfallend parke Käufe erfolgt ffind. Selbst wenn, wie das„Befilim Tageblatt" angiebt. von den angekauften Mengen ein Teil nach England, ein andrer Teil»ach Hamburg und Sachsen dirigiert worden ist, bleibt der Verdacht eines unlauteren Manövers bestehen s denn es fragt sich, wie sich die Größe der Abschiebung zum gesamten Ankauf verhält. Es wäre angebracht, wenn sich der Vorstand der Getreidebörse nnt der Sache beschäftigen und eventuell, wie im Oktober vorige» Jahres, ein- greifen wollte. lieber die Motive, welche die„Deutsche Tageszeitung" bei ihrem Angriff leiten, braucht man sich deshalb nicht zu täuschen. Sie treibt nicht die Besorgnis, daß der Haferpreis zu hoch steigen könnte, sondern die Befürchtung, daß von denen, die Mai-Hafer ztt liefern haben, außergewöhnliche Mengen»ach Berlin zur Ablieferung heraugcschafft und dadurch in nächster Zeit die Haferpreise wieder geworfen werden. Nachklänge des Leipziger Bankkrachs. Der Prozeß gegen die Direktoren und Auffichtsräle der Leipziger Bank wird,>vie das „Leipziger Tageblatt" meldet, Mitte Juni vor dem dortigen Schwur- gericht verhandelt werden. Die Anklage lautet gegen Exner und Gcntzsch auf betrügerischen Bankrott, Betrug und Umreue, gegen die Mitglieder des Äufsichtsrats auf Vergehen gegen den§ 314 des Haudels-Gesehbuchs, gegen Dodel, den Vorsitzenden dcS Äufsichtsrats, außerdem auf Untreue._ Socinlrs. Ter„Schußpscnnig". Ein alter, aber schlechter Brauch besteht im Münchener Bau gewerbe. Die Bauführer und Maurerpoliere wisse» sich einen recht erklecklichen Nebenverdienst dadurch zu verschaffen, daß sie unter der Woche den ihnen unterstellten Van-Arbcitern Vorschüsse geben, die vom nächsten Wochenlohn abgezogen werden. Dafür müssen die Arbeiter ihnen den sogen.„Schnßpfennig", d. h. einen Zins von 1—2 Pfennig pro Mark und Woche, bezahlen I Dieses saubere Ge- schäft ist für die Herren Poliere umsoweniger mit einem Risiko ver- bunden, als sie ja Darlehen und Zins jede Woche vom Lohne ab- ziehen können. Das nötige„Kapital" leihe» sie sich in der Regel von dem Gastivirt, aus dessen Wirtschaft sie dafür— gewöhnlich auch noch gegen Iveitere Barvergütungen und sonstige materielle Vorteile— das Frühstücks- und Vesperbier für die Arbeiter holen lassen. Oft werden letztere außerdem noch direkt gezwungen, auch mittags und abends in diese» Lokalen zn verkehren. Auf den weitaus meisten Bauten kann sich ein Arbeiter gar nicht halten, ivenn er nicht das„Schußgeld" vom Herrn Polier gegen diese Wucherzinsen nimmt. Unser Münchener Parteiorgan hatte nun an der Hand eines bestimmten Falles diesen Mißbrauch scharf gegeißelt. Der betreffende Polier stellte gegen den verant- wortlichen Redacteur Beleidigungsklage, die mit der Ver- u r t e i l u n g des Angeklagten zu einer Geldstrafe von 20 M. endigte, trotzdem die behaupteten Thatsachen vollinhaltlich durch die Bctveisaufnahme bestätigt wurden. DaS Gericht ivar aber der nierklviirdigen Anschauung, daß von einer Ausbeutung der Notlage der Arbeiter durch Abzug des sogenannten„Schußpfeunigs" nicht geredet werden könne. Gegen dieses Urteil wird selbstverständlich Berufung eingelegt.__ DaS EiuignngS- imb SchiedSgrrichtö-Geseff von Nen- Sccland hat durch eine Novelle einige ivescutliche Acnderungen er- fahre». Das Gesetz, das früher nur für die Jndustric-Arbeiter galt, umfaßt jetzt alle Personen, die in Industrie, Handel, Ackerbau oder sonsttvie in körperlicher oder geistiger Arbeit beschäftigt sind. Nach der alten wie nach der neuen Fassung können Gewerkschaften und Uuteruehnier-Verbände, welche nicht em getragen(registred) sind, zu den Richterämtern an den Schicdstribunalen nicht wählen, jedoch könne» jetzt solche nicht eingetragene Berufsvereinigungcn Verträge abschließen. Dieselben sind auch den Urteilen der Schiedsgerichle unterworfen, währenddem sie bisher sich diesen nicht zu fügen brauchten. Diese letztere Bestimmung wurde, wie der Arbeits« minister im Parlament erklärte, deswegen eingefügt, um die Ver- bände abzuhalten, sich dem Gesetze zu entziehen. Schließlich tvird den Fabrikinspektore» durch die Novelle Vollmacht erteilt, für die Durchführung der Schiedssprüche zu sorgen. GewevItMafkliifzes. Berlin und Umgegend. Achtung, Dachdecker l Wegen Differenzen bei der Firma P e g l o>v in P a n k o w»Verden die Kollegen dringend ersucht, die Firma bis auf iveitercs zu»neiden. Die Vertrauensperson. Die Differenzen,»velchc in Spandan zivischen der Firma P e r r i n N a ch f. und dein Holzarbeiter- Verband ivcgen der Mai- Maßregelungen bestanden, sind beigelegt. Smntliche Genmßregelten haben ihre Arbeit bei dieser Firma»vieder aufgenommen. Dagegen bestehen die Differenzen bei der Firma Max Kirstein, Spandau, Wröhinäiinerstr. 9,»veitcr fort, da sich die vom Verbände angeknüpften Verhandlungen zerschlagen haben. Bis jetzt hat sich ein einziger Arbeitslvilligcr gefunden. Die Werkstelle von Kirstein bleibt bis auf iveitercs für Tischler, Drechsler, Bild- hau# und Polierer gesperrt. Centralveretn siir NvbeitSnachtvciö z»» Berlin. Bericht über den Geschäftsbetrieb iin Monat April 1902: »veibl. inS- Pers. gesamt ungelernte cm.,., Klemp- Tape- Arbeiter �aler Schlosser„pret Eingeschriebene, arbeitsuchende Pers. Von Arbeitgebern verl. Arbeitskräfte In Arbeit gebrachte Personen... ner zierer 2862 1426 390 IIS 383 348 SSIS 1846 1683 147 143 262 264 4317 1680 1180 122 III 199 200 3492 Weitere Maffeueutlafsungen in de» Spandauer Staatsbetrieben. Am Sonnabend wurden aus dem Feuerwerks-Laboratorinn» zu Spandau»veitere 80 Mann entlasse». Einzelne Betriebe sind bereits außerordentlich gelichtet, so besonders der des Meisters Büch- mann.»vo kaum noch der vierte Teil der sonst beschäsligten Arbeiter beschäftigt ist. Und nirgends ausreichende Arbeits- gelegenheitl Dem Spandnuer Stadtsäckel dürfte das u»gewöhn- sich unfociale Vorgehen der Heeresverwaltung erhebliche Opfer bereiten I— In der G e>v c h rfa b r i k hat»nan den ver- schämten Anfang mit der Verkürzung der Arbeitszeit von zehn auf acht Stunden gemacht, um»veitere Entlassungen zu ver- meiden I Zivar betrifft dies nur eine bestimmt e, der Zahl nach geringe Kategorie von Arbeitern, ivelche die Direktion wohl nicht gern vermissen möckitc. aber es ist doch ein geringer Belveis von der dämmernden Erkenntnis.>v i e eS ge- macht»verde» muß, mn viele hunderte Arbeiterfamilien vor dem durch Arbeitslosigkeit verursachten Hunger und Elend einigermaßen zn beivahren l Wie-es heißt, steht in der Pulverfabrik und im Feuer- werkSlaboratorium eine»veitere Massenlüudigung bevor. Diesmal soll auf Arbeiter mit einer Dienstzeit bis zu 15 Jahre»» zurück- gegriffen»verde» I Deutsches Reich. Der Kampf i»» Kieler Baugclverbe ivird unverändert fort- geführt. In den letzten Tagen sind tvicder eine Anzahl Streikbrecher aus Italien und Schlesien eingeführt»vorden, andrerseits haben aber auch viele der fremden Arbeitslvilligen, namentlich Zimmerer, die Stadt»vieder verlassen. Die Behauptung bürgerlicher Blätter, daß genügend ArbeitSlvillige vorhanden und der Kainpf deshalb als beendet anzusehen sei/ist,>vie u»S ans Kiel telegraphiert wird, uii« »vahr. Die ausgesperrten Maurer und Zimmerer ersuchen deshalb, den Zuzug nach»vie vor fernzuhalten, und bitten, dies durch die Arbeiterpresse bekannt zu geben. Achtung, Kartonuagcuarbeiter, Buchbi»»der, Galanterie- arbeiter! Die Firma Anhöck u. Co. in Gößnitz, S.-A., Mechanische Stickerei und Galanterieivarenfabrik, hat ihren Galauteriearbeitern wegen ihrer Zugehörigkeit zum Deutschen Buchbinder-Verbande gekündigt. Die Kündigungszeit läuft ain 17. d. Mts. ab. Die au'slvärtigen Kollegen dieser Branche»verde» hiernrit auf das Vorgehen der de- treffenden Firma aufnierlsain gemacht. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Gößnitz. I« der Eniaillicrfabrik von Meinhardt in Penig fanden Lohn- rednktionm von 10 Proz. statt bei gleichzeitiger Verlängerung der Arbeitszeit von zehn auf elf Stunden. Die Arbeiter weisen beides zrirück und»vollen eventuell durch Arbeitsniederlegung ihr altes Verhältnis behaupten. Vor Zuzug»vird gelvarnt. Der Vertrauensmann. Textilarbeiter. Bei der Firma Müller u. Lehmann in Sprem- berg reichten Sonnabend, den 3. Mai, sämtliche Weber und Weberinnen die Kündigung eii», da eine Einigung nicht erzielt »verde» konnte. Den Meistern und Nebenarbcitern hat die Firma selbst gekündigt. Zuzug von Textilarbeitern nach Spremberg ist streng fernzuhalten. In der Ottoschcn Möbelfabrik in Nürnberg legten am Montag smntliche 75 Arbeiter die Arbeit nieder, weil ihre Forderung. Verkürzung der Arbeitszeit und 2Sprozentige Lohnerhöhung abgelehnt ivurde. I» der Fürther Filiale der genamrten Fabrik bestand bereits der Streik. Wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen verurteilte die Strafkammer in Köln den Redacteur der„Deutschen Böttcher Zeitung", Holtmann in Bremen, zu einem Monat Gefängnis und den Verfasser der betreffenden Notiz zu 150 M. Geldstrafe.— In der That, ein»veitgehendcr Schutz der für den Staat so nützlichen Elemente. Ausland. Knpferschiniedestrcik in Trieft. Die Kupferschiniede des Ltadilhrrnnto Tecuico und des Lloyd-Arsenals stehen seit dem 22. April im Streik. Die Hauptforderungen sind: 30prozentige Lohnerhöhung für die Arbeiter, die jetzt eine» Lohn unter 4 Kronen habe»», 20prozeutige Lohnerhöhung für diejeirigen, die jetzt über 4 Kronen beziehen. Festsetzung eines Minimailohnes der Kupfer schmiede von 4 Krone», 20prozentige Lohnerhöhung für Lehrlinge und Hilfsarbeiter, Feststellung eines Minimallohnes der Hilfsarbeiter von 2,80 Kronen. Zuzug ist streng fernzuhalten, damit den Streikenden der Sieg geiviß ist. Unterstützungen sind an die Ortsgruppe T r i: st des Verbandes der Kupferschmiede Oestreichs, via Boschetto 3 zu richten. Uin Abdruck in Parteiblättern»vird gebeteir. In Nonzon sFrankrcilb) si"d seit einein Monat 2000 Metall arbeiter ausständig. Die Unternehmer, die durch das Gesetz Mille rand-Colliard gezlvungen waren, vom 1. April ab die Arbeitszeit auf 10VL Stunden zu' reduzieren, lvollten einen entsprechenden Lohn- abzng durchsetzen. Darüber kam es zum Streik. Die Führer deö spanischen Eisenbahncr-BerbandeS haben mit dem Ministerium»vegen ihrer Forderungen unterhandelt. Sie haben sich damit einverstanden erklärt, daß ihre Forderungen bis nach den in Aussicht stehenden Hoffestlichkcitcn zurückgestellt»verde». Ter Gesanitverband der Gewerkschaften Dänemarks hielt dieser Tage seine Generalversanimlung ab, zn der gegen 300 Rc Präsentanten erschienen»varen. Da der Vorsitzende I. Jensen zur Zeit krank ist, erstattete der Sekretär Folkethingsmann Martin Olsen den Jahresbericht. Das verflossene Jahr ivird charakte� risiert durch die vielen Versuche der Unternehmer, die Arbeitslöhne herabzusetzeir, die jetzt in dem Angriff der Reeder ans die Löhne der Heizer und auf das Koalitiousrecht der See- lente und Hafenarbeiter wohl ihren Höhepunkt erreichte». Größtenteils wurden jene Versuche erfolgreich zurückgewiesen. Es haben sich im Laufe des Jahres mehrere neue Organisationen dem Gesamt- verbände angeschlossen. Die Mitglicderzahl beträgt jetzt rund 70 000.— Außer dem Beschluß der Hafenarbeiter» Aussperrung bc- schloß die Gencralversamnilung, mit Bezngnahine auf die diesbezügliche Resolution des skandinavischen Arbeiterkongresscs, die kooperativen Untcriiehmnngen der Arbeiterpartei nach besten Kräften zu unterstützen. Ferner ivnrde eine Resolution an- genommen,»vorin das Bedauern über die Stellung, die die Wtehr- heit des Folkethings gegenüber dem Antrag ans Staatshilfe für die Arbcitsloiennntcrstütznngs-Kasscn der Gciverkschaften eingenoinmen hat, zum Ausdruck gebracht wird und die Mitglieder der Gelverk- fchaften aufgefordert werden, gelegentlich ihren Einfluß als Wähler zn Gunsten des Gesctzentlvurfs geltend zn machen.— Als Vorsitzender des„Gesaintverbandes der Gewerkschaften" lvurde I. Jensen, als Sekretär C. M. Olsen emstiminig gewählt._ wieder- VevsÄmmIunAen. Die centralorganisiertc» Maurer hatten ain Montag eine außerordentliche Versammlung im GciverkschaftShause, die sich mit der Mai-Aussperrung befaßte. Wie F ritsch berichtet, haben von» Eciitralvcrbaud 5491 Maurer au der Maifeier teilgcnoininen. Die Zahl der Gemaßregclten einschließlich der Arbeitslosen betrug 1184; wovon an» Montag»ur»och 563 außer Arbeit»vareu. Daraus geht hervor, daß»ur sehr wenige Firmen dem Beschluß der Unter- lichmcr-Organisation bezüglich der achttägigen Aussperrung nach- gekommen sind. Einige Firmen haben»»ir auf den Bauten ausgesperrt, Ivo die' Arbeit nicht drängte. Auf mehreren Bauten der Firma Held und Franke an der Schön- haufer Allee Ivnrden die Maurer ausgesperrt, die Töpfer, Putzer, und Stnccateure nicht. Letztere erklärten sick> mit de» Maurern solidarisch und legten die Arbeit nieder. Nachdem mit der Firma verhandelt tvnrde. ist die Arbeit am Montag»vieder aufgenommen worden.— Die Versammlung faßte nach längerer Diskussion folgende Beschlüsse: „Für die gemaßregelten Kollegen Ivird die Unterstützinig am Mitlivoch abends von 8— 10 Uhr in den Bezirkslokalen ausgezahlt. Die arbeitslose» Kollegen erhalten für dieZeit vom 2— 7.Ma'i ebenfalls Unter- stützung. Für die Arbeitslosen»vird, soweit sieStempel in dcrKontrollkarte haben, die Unterstützung ebenfalls in den Bezirkslokalen ausgezahlt. Arbeitslose Kollegen, ivelche keine Stempel in der Kontroll- karte haben, sich jedoch im Laufe der vorigen Woche im Bureau oder in den eingerichteten Stempelstellen die Arbeitslosigkeit im Verbandsbuch abstempeln ließen, erhalten die Unterstützimg am Freitag im Bnrcan ausbezahlt. Uiiterstützungsberechtigt sind die Kollegen, Ivelche im Berliner Vertragsgebiet gearbeitet und die Einheitsmarke von 65 Pf. geklebt habe». Die Bezirks- burcanS»verde»» am Mittivoch, den 7. tvlai, abends»ach Auszahlung der Gcmaßrcgeltenunterstützung aufgehoben. Kollegen, Ivelche nach dem 8. Mai noch gemaßregelt bleiben, haben sich läglich cimlil»! in» Bureau zu meiden."— Auf Antrag der Re- visoren wurden dem Hanptkassierer 100 M.. den Beitragssammler» ,/io Proz. ihrer Enmahmcn als Mankogeld für das vorige Jahr bc- »villigt.— Der Berein der Zinimerer Berlins und Umgegend hielt am 4. Mai in Cohns Festsälcn eine außerordentliche Vcrsamnilnng ab. Der Vorsitzende I u p p e>» l a tz gab den Situationsbericht über die Mai-AnSiperrnngen. Von der Aussperrung betroffen sind 132 Mit- lieber mit 219 iimider». Arbeitslos mid infolge der Anssperrung mit betroffen sind 71 Mann mit 58 Kindern. Nachdem der Redner die Anwesendeu ermahnt hatte, sich auch in Zukunft nicht von der Feier des Weltfeiertages abbringen zu lasse», ivnrde beschlossen, die Ansgesperrten und Arbeitslosen zu unter- stützen. Ziir Auszahlung gelangen pro Tag 2.50 M. und für jedes Kind 1 M. pro Woche. Den zur Zeit arbeitslosen Mitgliedern, die durch den Beschluß des Arbcitgeberverbandes mit unter der Aus- sperrnng zu leiden habe»,»vird dieselbe Unterstützung bis zum 7. Mai gezahlt.' Die Ausgesperrten haben sich täglich»vährend der Zeit von vomiittags 9—12, nachmittags 3—6 Uhr in einer der folgenden Stellen zur Abstempelung zu melden: Bureau Dragoncrstr. 15, Gruuewaldstr. 110 bei Krüger, Charlotteuburg: Bismarckjtr. 34 bei Wermcke, Pankoiv: Wollank- und Goerschstraßen-Ecke bei Clemens. Die Auszahlung der Unterstützung beginnt am Mittwoch, den 7. Mai, von morgens 9 Uhr ab im Bureau Dragoncrstr. 13. Schlußtermin der Auszahlung»st Sonnabend, den 10. Mai, abends 7 Uhr. Wer von den Ausgesperrten drei Tage in einer der beiden in Betracht kommenden Wochen gearbeitet hat, hat für diese Zeit nach dem Beschluß der Generalversammlung von» Juli 1900 eine Beitragsmarke zn entnehme»». Wer»veiiiger gearbeitet hat oder arbeitslos ivar. erhält frei abgestempelt. Wer keine Maimarke aufiveiseii kann, erhält keine Unter- stützung.— Unter„Verschiedenes"»vnrde folgender Antrag des Vor- standes einstimmig angenommen: Im Laufe des dritten Quartals find sämtliche Mitgliedsbücher von den Bezirkskassierern einzuziehen und zur Kontrolle vorzulegen. Es steht den Rkitgliedern a»ch frei, ihr Buch selbst zur Abstempelung dem Bureau einzureichen oder von den Platzdelcgiertcn vorlegen zn lassen. DaS GewerkschaftSkurtell für Berlin ,i»>d Unigcgciid hielt am 5. Mai eine Versammlung der Delegierten und OrganisationS- vorstände ab. Zunächst nahm man die Berichte über den Verlauf der Maifeier enlgege». Im allgemeinen ist man mit dem Verlauf recht zufrieden. Die Zahl der Maßregelungen ist gegen das Bor- jähr znriickgcgaligeii, im Gegensatz zu den Drohungen der Arbeit- gcber-Vcrbände.— Genosse W i e s e n e r»Metallarbeiter) referierte da»» über das Prämienshstem und seine Wirkungen. Er legte im einzelnen dar, daß dieses, aiisdie größtmöglichste Aiispmimnig der ÄrbeitS- kraft abzielende System noch sicherer zur Vernichtung der Gesundheit der Arbeiter und zum Lohndruck führen müsse, als die Accordarbeit. Im Anschluß hieran berichtete Wiescner über den Verlauf und Ausgang des Streiks bei Altmann. Der Streik ist als aussichtslos für be- endet erklärt»vorden. Mit der Einführung der Prämienarbeit hat die Firma jedoch noch nicht begonnen, vermutlich»vcil ihre jetzigen Arbeiter unmöglich dabei zurecht gekommen wären. Die Metallarbeiter- Gciverkfchnft ist ihren Verpflichtmige» gegen ihre beim Streik beteiligten Mitgliederin dercrften Zeit selbständig nachgekommen, hat dann aber die Hilfe des Kartells in Anspruch genonimcn. Der Ausschuß hat ihr in zivei Raten 500 M. zur Versügmig gestellt. Redner beantragte, de» Streik zn sanktioniere»»i»d die 500 M. nicht als Darlehn anzusehen, sondern als Unterstützung der Metallarbeiter-Geiverlschaft zu belassen. Dieser Antrag ivnrde auch von andrer Seite»iiterstützt.— Vor der Abstim- uinng erhielt Genosse H ü r t I e r fTischler) daS Wort zu einen» Sitn'ationsbericht, betreffend de» Kampf gegen den ArbeitsnachiveiS der Tischleriiniung und die bekaniite» Entlassungsscheine. In der nun folgenden Debatte sprachen mehrere Delegierte den Tischlern ihre Sympatbie aus und erkannten an. daß sie sich»icht die berüchtigten EntlaffungSscheine und den Arbeitsnachiveis ans- ziviligen lassen könnten. Da ein Antrag nicht vorlag, ivnrden Bc- schlüsse in Sachen der Tischler nicht gefaßt.— Die Debatte über den Antrag der Metallarbeiter führte zur Erörtenmg der Frage, ob nicht die Metallarbeiter-Gewerlschaft zu niedrige Beiträge erhebe. Rament« lich Reuter bcfürivortete eine Erhöhung ihrer Beiträge als dringend notwendig. Schließlich»vnrde der Antrag angenommen, die 500 M. den Metallarbeitern als gewährte Unterstützinig zu belnjsei» und das Geld aus den Mitteln der angeschlossenen Geivcrlschaften aufzu- bringe».— Die Kürschner haben, wie mitgeteilt ivurde, Lohn- crhöhlingen im Wege gütlicher Vereinbarung erzielt. Verhand der Bau-, Erd- und gciverblichcn Hilfsarbeiter fZahlftelle Berlin III). In der Mitgliederverfannulmig am 4. Mai legte Genosse Cohen in seinen» Vortrage die Vorteile der Arbeits- loscn-Untcrstütziiiig für die gewerkschaftliche Organisation dar. Dann ivnrde die Abrechnung gegeben. Dieselbe»vcift eine Einnahme von 1480.25 M.. eine Ausgabe von 1626,63 M. ans, so daß ein Deficit von 146.38 M. vorhanden ist. Hieran knüpft sich eine längere De- bntte; dann ivurde beschlossen, die Beiträge von jetzt' an im VersaimnlimgSIokal, Badftr. 58, eine Stunde vor jeder Verfammlling zu kassieren. Die Bauarbeiter Berlins nnd Uingcgend(centraler Richtung) hielten an» 2. Mai eine kombinierte Vcrsaminlnng ab. Ueber die AuSsperrnng»vegen der Maifeier berichtete Böttcher, daß bis jetzt 27 Bauten mit 154 Ansgesperrten zu verzeichnen sind, es wird sich die Zahl aber noch vergrößern; jedoch ist dies mir ein Bruchteil von denjenigen, Ivelche in der That den 1. Mai gefeiert haben trotz der Androhimg der Unternehmer. Maimarken sind ent- iioinmen»vorden für feiernde Kollege» 1783, für Arbeitslose 197. Nach kurzer Diskulsio» beschloß die Versammlung. in den Monate» Juni. Juli und August eine Extrasteuer von 50 Pf. pro Monat und pro Mitglied zu erheben, so daß dadurch die Kosten für die Mai-AnSspcrrung gedeckt»verde»». Ferner»vurdc beschlössen, außer den Ausgesperrten anch die Arbeitslosen in der Zeit vom 2. bis 8. Mai zu unterstützen. Den- jenigcn Kollegen, ivelche glaubhaft nachiveisen, daß sie den 1. Mai gefeiert haben, soll die Maimarke nachträglich im Bureau gegen Quittung verabfolgt»verde»»' Tie Auszahlung der Untcrstütznng erfolgt am Mittwoch, de» 7. Mai. Ccutralverbnud der Konditoren und verwandten BernfSgeuoffen. Mittivoch, den 7. Mai 1902, abends 8»/, Uhr, bei Bauer, Nosenthalerstr. b7: Mitgliedcr-Versammlung. Gäste»villkommcn. Eentralverdaud der Hmidluiigsgrhilfeii und Gehilfinnen Deutschlands.(Bezirk Berlin.) Mittivochabcnd 6 Uhr in den„Aruiinhallen", Aonniiandnnteiistr' 20: Vortrag des Kollegen Buchwald über:„Trusts und Kartelle". Verbandliches. Lesehalle. CHnc öffentliche Versauiuilung der Bnrrau-Angestelltcn findet am 9. Mai, abends 8»/, Uhr, in den„Arniinhalleii", Koinmandantenstr. 20, statt. Fräulein Fanny Jmlc spricht über die wirtschaftliche Krise und deren Wirlu>»gei» aus die Benissverhältnisse der Bureau-Angestellten. Veraimvonlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Maxvading in Berlin Uetzke und Deprsttzen. PariS, 6. Mai.(W. T. B.) Ein aus MouScron in Belgien kommender E i s e» b a h n z u g, in welchem sich Pilger befanden, die sich nach Lourdes begeben lvollten, ist aus bisher noch nicht fest- gestellter Ursache zivischen Amiens und Compiögne bei Moyenucville auf offener Strecke cntglctst. ES sollen mehrere Personen getötet oder verwundet sein. Ingenieure und eine Anzahl Acrzte haben sich an die Unglücksstätte begeben. Compiögne» 6. Mai.(W.T.B.) Bei dem Eisenbahn« unfall bei Moyenville sind neun Personen getötet und elf verletzt worden. Liffabou, 6. Mai.(W. T. B.) DaS„Diario de noticiaS' kündigt an, daß das Ministerium sofort nach der Bc- willigung der Schiildkoiiversion durch die Pairskammer die Demission überreichen werde. Hintze Ribeiro würde dann das Präsidium und das Auswärtige, Teizlisa de Sulla Finanzen, Vieira Justiz, Moiicada Marine und Posfalla öffentliche Arbeiten übernehme». Londo»», 6. Mai.(B. H.) Eine furchtbare Feuers« b r n n st zerstörte heute früh einen großen Teil der Docks auf der östlichen Seite. Zahlreiche Dampfspritzei» befanden sich an der Arbeit. Nach äußerst anstrengender Arbeit gelang es der Feiierivehr gegen Mittag, des Feuers Herr zu»verde»». Der Materialschaden soll sich auf mehrere Millionen belaufen. Warschau, 6. Mai.(W. T. B.) Der russische Generalkonsul in Berlin ersuchte den Gouverneur von Kalisch, der Bevölkerung bekannt zu geben, es könnten nur solche Feldarbctter nach Preußen gehen, die schon vorher schriftliche Kontralte abgeschlossen hätten, da andernfalls Zeit und Geld verloren seien, Nctv Bork, 6. Mai.v i r d.(Heiterkeit links.) Es handelt sich aber hier uin eine Vorlage der Negieriliig. und um die Autorität der Regierung wäre es wahr- hast miserabel bestellt, wenn es ihr nicht gelingt, die Ver- abschicdiing einer Vorlage, die sie vor der Vertagung eingebracht hat, »och vor der Vertagung durchzusetzen.(Sehr richtig! links.) Einer weiteren Hcrabsctziing' der Vcrbranchsabgabe anf 12 M. wäre» wir durchaus geneigt, werden uns aber nicht dazu hergeben, etwa durch daS stürmische Verlangen ans eine Herab- setznng der Verbranchsstencr das Znftandekomiiien der Koiwentioii zu gefährden. Die Hauptsache ist jetzt die Sprengung des Zuckerkartells. Was durch die Prämien gesündigt ist, istjuei lind viermal niehr durch den Zuckerring gesündigt worden.(Sehr richtig! links.) Cr hat den Konsum verminderl und die lieber- Produktion noch gesteigert. Die Hauptsache ist jetzt die Gesundung der Zuckerindnstrie. Der ganze Weg der protektionistischen Ver- zärtelilng hat sich als unglückselig erwiesen. Am deutlichsten hat sich das bei der Znckerinduftrie gezeigt; es ist ein wahres Glück, datz lvir endlich durch internationale Vereinbarungen gezwungen werden, diesen Weg zn verlassen. Wir sollten stolz genug sein, ans eigner Initiative bei andren Industrien ebenfalls eine vernünftige Wirt- jchaftspolitik einzuschlagen.(Lebhaftes Bravo I links.) Staatssekretär Graf Posadowöky: Der Herr Vorredner hat die Krisis in der Ziickerindiistrie zurückgeführt anf das S h st e m der Kontingentiernng. Dieses System wurde von uns seiner Zeit in ganz andrer Weise vorgeschlagen, als es das Haus schließlich gestaltet hat. Wir hatten autzerdein hohe Steneistrafen gesetzt ans Ueberschrcitnng der Kontingentierinig. Auch diese Bestimmung wurde seiner Zeit abgeändert und überhaupt die Griliidlngeil der ganze» Gesetzgebung verschoben. Wir standen aber damals vor einer unmittelbar bevorstehenden, zum Teil schon aus« gebrochenen Krisis. Wir hatten den Fehler gemacht, die Prämie» abzuschaffen, während andre Staaten sie behalten hatten und waren daher gczwnngen, zum Prämiensystem znriickznkehrcn. Das P r ä m i e n s y st e m aber hat zur Voraussetzung, die Be- s ch r ä n k u n g d e r P r d u k t i o n, d.h. die K o n t i g e n t i e r n n g. Nun scheint der Reichstag geneigt zu sein, diese Vorlage einer K o»i Mission z u ü b e r w c i s e n. Die Bedenken aber, ob es richtig ist, die Prämien international abzuschaffen, können doch erst in allerletzter Zeit entstanden sein. Auf. eine Anfrage des Landwirtschaftsministers hat das Landes- O e k o n o in i e k o l l e g i n m vor nicht langer Zeit selbst zu- gegeben, datz die Ziickerindnstrie genügend e»t- wickelt sei. um bei allgemeiner Abschaffung der Exportprämien i h r e S t e l l u n g anf d c m W e l t m a r k t e z n behaupten. Dieser Zustand ist jetzt erreicht. Mau dürfle also aiinehiiien. datz daS Haus e i n st i in in i g der Ansicht ist, datz ein g I ii ck l i ch e s R c s n l t a t erzielt ist; ich kann nicht ein- sehen, was durch eine KomMssionsbcratniig erreicht werden soll. Bei einer Konbenlion handelt es sich doch allein darum, sie anzu- n e h in e n oder abzulehnen.(Sehr richtig! links.) Nim ist gestern snppeditiert worden, wir sollten Sachverständige hören. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, datz die Z n ck e r s a ch v e r st ä n- digen ganz verschiedene Interessen verfolgen. Der R ü b e n b a n e r ha- ein ganz andres Interesse, wie der R o h z u ck e r f a b ri ka n t; der eine ist Verkäufer, der andre Käufer. Der Raffinateiir hat ebenfalls ganz aiidre Interessen, wie der Rohzucker- oder Melassefabrikaiit.— Wie ist nun die Sitnaiio», wenn die Vorlage angeiioniincn oder abgelehnt wird? Wenn sie abgelehnt wird, ist es im höchsten Grade wahrscheinlich, datz Eng- l a ii d einen Ausgleichszoll erhebt nicht mir e»t- sprechend misren Prämien, sondern wir köimen uns darauf gefntzt machen— man mutz die Wahrheit sagen, um den ganzen Ernst der Lage zu würdigen—, datz noch ein K a r t e I l z n s ch l a g von 13 bis 14 M. per Doppelte n tu er erhoben werden wird.(Bewegung links.) Wir lverdcn dann differenziert sein in England, sind differenziert in A m e r i k a und Indien. 80 Proz. nnsreS gesamten Znckerexporis geht dann nach Ländern, in denen wir differenziert sind und die verbleibenden 20 Proz. zum Teil nach englischen Kolonien, von denen wir nicht wissen, wie iveit sie dem Beispiel des Mntierlnndes folgen werden. Die natürliche Folge wird also sein, datz der Zucker der derKonvention bei- tretenden Staaten den u n s r i g e n überflügeln wird und datz der Rohrzucker in die günstigste Lage k o in m t. Für die deutsche Landwirtschaft kann ich also aus der Ablehniing der Konvention absolut keinen Vorteil erblicken. Ganz ab- gesehen davon, datz schon in den letzten Jahren der Zucker- k o n s u in a b g e n o in ni e n hat, was der Landwirtschaft auch zun; Schaden gereicht. Nun befürchtet man andrerseits, datz wenn die Konvention an- geuoinmen wird, der Rohrzucker nach Deutschland komiiit. Unser Zucker wird dann aber doch ganz gleichberechtigt sein mit dcni andrer Länder. Es ist also wahischeiultch, datz unsere Ausfuhr in den nächsten fünf Jahren nicht zurückgehen wird. Durch Herab« setznng der Verbranchsabgabe wird sich autzerdein der Konsüin steigern. Also vom landwirtschafUichen Standpunkt aus sprechen alle Giiinde dafür, den Weg der Konvention z» gehen. Das Kartell hat bisher nur Nutzen gebracht für die Rnffinatenre. Die Landivirtichast spannt sich hier zusammen mit einem Interessenten, der nach einem ganz anderen Ziele hinsteuert, wie sie selbst. Die Regierimg mischt sich ja nicht gern in die Geschäftsdisposttioneu dieses Hauses ein, ich glaube aber doch, daß diese Konvention der einzig gangbare Weg gerade im Interesse der Land- Wirtschaft ist. Daher sollte die Mehrheit des hohen Hanfes nicht noch Zeit versäumen durch die Vernehmung vvn Sachverständigeii, die vollloimnen verschiedene Interessen zu vertreten haben, sondern schnell und unmittelbar den B e s ch l u tz f a s s e n, d e r der einzig mögliche und richtige i st, der Brüsseler Z u ck e r k o n v e n t i o n glatt beizutreten.(Bravo! links.) (Der Reichskanzler betritt den Saal.) Abg. Dr. Paasche(»all.): Ich bin zwar lein absoluter Gegner der Konvention, aber eine so glatte Annahme, wie sie eben der Staatssekretär empfohlen hat, wird sie doch nicht finden. Zur Sache selbst ivill ich mich nicht äntzern. dazu wird in der Kommission Zeit genug sein.(Lachen links.) Ich will nur die KommissioiiSberatiliig verteidigen. Herr Barth sprach dabei von einem Excetz der Witzbegierde. Da möchte ich die Herren von der Linken doch bitten, vor der eignen Thür zn kehren. In der Zolltarifkomiiiission waren es die Freunde des Herrn Barth, die Statiftiken über alle möglichen Dinge, über die Zunahme der Kindersterblichleit(Lachen rechts), ja sogar über die gunahliie der Prostitntion verlangten. Das waren Excesse der Witz- begierde. Hier haben wir eine leistungsfähige, grotze Industrie, die bei einer Aendernng eines sie speciell betreffenden Gesetzes gar nicht gefragt wird. Ich hoffe, datz wir z» dem Resultat kommen werden, datz unsrer Ziickerindiistrie ein genügender Schutz gewährt wird.(Bravo I bei den Nntioiialliberalen.) Direllor im Auswärtigen Amt Dr. v. Kocrner bestreitet gegen- über dem Abg. Paasche, daß keine Sachverständigen gehört worden seien. Es seien eine ganze Reihe von ersten Autoritäten der Zucker- brauche vernommen worden. Abg. Dr. v. KoinicrowSki lPiIc) schliefst sich den N»Z fühningcil des Abg. Pciasche an und tritt für K o in m i s s i o n s- b e r a t n n g ein. Reicbsjchlitzsekretär Frciher v. Thiclmann: Herr Paaschc sagte; In der Kommission werden wir ja Zeit genug haben. cilie Fragen eingehend zu prüfen, und exemplifizierte auf die Z o l l t a r i f k o m in i s s i o n. So viel Zeit wie d i e s e K o in»i i s s i o ii haben wir aber nicht,«nd ich möchte das Hans dringend bitten, sich die Wichtigkeit einer schleunigen Erledigung dieser Angelegenheit vo.r A n g e n z n halte n. Abg. Graf Prrnstorff-Uelzen fWelfe) erklärt dem Abg. Wurm eine Lebensfrage sei daß sür Hannover die Znckcrfrage wwDhww h a■ schließe ich mich durchaus dem Herrn gegenüber, besonders für die Rübeiibmiern.— In der Frage der geschäftlichen Vehandlnng der Konvention Abg. Paaschc an. Abg. Graf Liniburg-Ttirum/, bis i>>/,»hr abends statt. Z. Zl. Jbre Karte haben wir erhalten. Wir möchten aber einstweilen den Mann nickit nennen. Er beteuerte uns seiner Zeit, er würde sich bessern und auf anständige Weise sein Brot verdieueii; man solle ihn doch nicht weiter verfolgen. Darum mag er laufe», sofern er nicht neue Sünde» auf sich lädt. ffi. M, Die Prinzen beziehen ihr„Taschengeld" vom König. daS heißt von den tS'/z Millionen deS ihm von Preußen bewilligten Gehalts. Wie hoch die Summen sind, ist unbekannt; daS ist eine private Angelegenheit des Königs. Zl. t. Als Klebestoss zu dem genannten Zweck wird Textrin vcr- wandt, ein mehlartiger Stoff, der mit Wasser angerührt wird und in jedem Droguengeschäst zu billigem Preise zu haben ist. F. K. 47. l. Der Borsitzende. 2. Ja, beim Reichs- Militärgericht. Z. Nach dem Spruch. 4. Während der Berküilduilg ist der Angeklagte nicht im Saale, sondern wird erst dann hiiielligcfnhrt. 5. llin die Titel kümmern wir uns nicht.— Foah 100. 1. Ja. 2. Nein.— Th. H. 1234. Soviel uns bekamit, nein. Genaueste Auskunft erhallen Sie durch direkte Anfrage beim Regimeinskoinmaiido— W. I. 100. Das hängt von der Bereillbariing mit dem Lehrherrn ab. — Zl. P. 31. Ja.— Mk. 12. Strafantrag wäre zwecklos. Aiif Heraus- gäbe aster mitgenommeiieil Sachen können Sie klagen.— Zwei Streitende. i. 29,34 Quadratmeter. 2. 0,75 Quadratmeter.— M. 26 A> 25. Der Wirt hat lein Recht, die Eiitscniiing der zwei Jahre lang geduldeten After- Mieter zu verlangen, kann aber nach Ihrem Vertrage der Anfnahme neuer widersprechen.— K. M. 100. Stach Ihrer Darstellung liegt keine Schenkung, sondern ein Darlehn vor. Die Verjährungsfrist für Tarlehn beträgt 30 Jahre.— 901. 91.. Moabit. Wird der Offenbarungseid ohne Recht verweigert, so kann Verhaftiing beantragt werden. Der Verhastete ist sofort zu entlassen, wenn er den Eid leistet. Höchstens 6 Monate lang darf die Hast dauern. Der Gläubiger bat die BcrhastungZgebühr(15 M) und allmonatlich 24 M. Verpflegniigsgebtihr vorauszuzahlen. In der Regel kann erst Nach Ablauf von 5 Jahren Wiederholung des Eides verlangt werden. — Zl. R., Chartottenbiirg. 1. Ja. 2. Wenn Unterstütziings-Bedürstig- kcit infolge dauernder Erwerbsunfähigkeit vorliegt, haben ÄiicgSteilnehmcr monatlich 12 M. zu beanspruchen.— Zl. K. 28. Zuiii Unterhalt Ihrer Kinder sind Sie vcrpssichtct. nicht zu dem gegen Ihren Willen außerhalb der Ehelvohniing sich anshalteiideii Frau. Zwecks Rückgabe der Kinder können Sic sich an daS Gericht wenden. Das Borgerccht Ihrer Frau können Sie durch eine gerichtlich oder notariell beglaubigte Erklärung auf- heben oder einschränken. Beispiele zu solcher Erklärung finden Sie S. 225 Nr. 20 und 21 deS dem„Arbcitrrrechl" angefügten Führers. Das„Arbeiter- recht" liegt in den Sffentlicheil Lesehalle» aus.— G. 5. Die Geschenke luiiuen nicht ziirückverlaugt werden. Erben sind die Kinder zu gleichen Teilen geworden. Könncii Sie sich nicht gütlich ciliigen, so bcaiitragen Sie Nachlaßrcgiiliening beim Amtsgericht. Für die Kosten der Nachlaß- regulieiiing hastet der Nachlaß und jeder Erbe.— Schönhauscn. Nein. ISomldeiiioIinitisciier Wahlverein für den 6. Herl Reichstags- Wahlkreis. Den Parteigenossen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Etulmacher Oskar Brunnenstrabe 16, rnn 3. Mai verstorben ist. Die Beerdigung ssiidet Donnerstag, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Elisabeth Kirchhofes statt. Ehre seinem Andenken k . Zahlreiche Beteiligung erwünscht 247/14 Der Vorstand. Evers, Dodes-Anzeige. Am 5. Mai verschied nach längeren« Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder, Onkel und Schwager, der Mctallarbeilcr Karl Franke. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofs aus statt. Tiesbetrübt anzeigend 2481b Die Dlnterltllekene». Central-Yerband d. Maurer Deutschlands Ztvcigvercln Berlin. Zahlstelle II. Uiisren Kollegen zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 3. Mai, der Kollege Ernst Steifen im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdiainig findet am Mitt- wach, den 7 Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 133/14 Die Verbandslcitnng. Am Sonntag, den 4. Mai. abendS 6V2 Uhr, einschlief sanft nach langen schweren Leiden mein lieber Mann und guter Bater, der Scknistsetzer Max Maetzsch im 29. Lebensjahre. 2482b Dies zeigt tiesbetrübt a» Die trauernde Witwe baulse Maetzsch geb. Roschewitz, Nctuickeiidors, gommcvftt. 17. Die Beerdtgnng findet Donnerstag, den 8. Mai, nachm. 21/1 Uhr. von der Leichenhalle des Reinickendorfer Kirchhofe?, Huui- boldlstinüc, aus statt.__ kl Neu Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesang- verein„Norddeutsche Schleife", dem socialdem. Wahlverein Slld-Ost, den Arbeitskollegen sowie dem Chci Herrn Ntüiistermaiin sagen wir für die rege Teilnahme und rclchen Kranzspende» bei der Beerdigung unsres Sohnes, Bruders und Schwagers, deS Malers kannst VfilhelnB den herzlichsten Dank. 4101C Tie trauernden Hinterbliebene». Jamilie Williclm, Riesa Berlin. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 7. Mai, abends 8V« Uhr. bei Lutterbüse, _ Friedrich Karlftraße 11: äPF* Bezirks-VcrtrauvnSniäniicr-Persaminlung"WS für Lichtenbcrg-�riedrichsbcrg. TageSorduiingi 1. Bericht der KontrollkomuiWon. 2. Verbands- ängelegenheiten und LerschiedeiicS. Die Dz-tsrerHvnltiinp� Deutsch Jetallarbeiter-Verband VcrwalluiiKSHtoIle Dcrlln. Bureau: Engcl-Nfcr 15. Zimnicr 1—5. Fernsprecher: Zimt VAI, 333. Mittwoch, den 7. Mai 1902, abendS 8>/, Uhr: Verlraueusuiaimer-Koiisereni für den Westen bei Kumkc, Btilowstrastc 50. 114/17 Doiinerölag, den 8. Mai(Htmiiielsahrtstag): Fusspartie der Schraubendreher nach Tegel Abfahrt ö3/« Uhr vom Schlesische» Bahnhof. Sauimelpunkt:„Wald- W- Grosse Fänge! Seefische üg! schenke" am Bahnhof Juiigfernhclde. Zahlreiche Bctciligiinz erwartet Abmarsch van dort um 8 Uhr. Tic Ortsvcrwaltiing. Die ordentl. Generalversanimlung der 0 viitral-llranhonhasse kür Dautschlanä zu Berlin, E H. 134, findet nicht Freitag, den 16., sondern Mittwoch, den 21. Mai 1902 abends 8 Uhr, im Kassenlokal Utrechtcr- straße 1 statt, und zwar mit der vor- läufigen Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes 2. Auslösttiig. 2483b Danksagung. Für die viele» Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters Rmii Gerstenberger sage hiermit allen, insbesondere den hiesigen Gesangvereinen, dem Wahl- verein„Weißensee", dem Steinarbeitcr- Verband, den Herren Gemeinde-Ver- tretem sowie allciiDerwandlen.Frenn- den mid Bekannten unsem herzlichsten Dank. 2487b Witwe Icka Gerstenberger n. Kindern. Danksngnng. Für die vielen Beweise der Liebe tmo Teilnahme bei dem Begräbnis meines ltebeiuMaiines Julius Balzer sprechen wir den Kollegen der Firma Peisclcr und den Mitgliedern des Metallarbeiter- Verbandes unseren Herzlichsten Dank aus. Die trauernden Htiiterbliebeiieu: Witwe AdeHiMid Buizci* nebst Söhnen. 24386 war fast noch nie io billig wie letzt! Sie erhalten bei mir Kaffee nach neuestem patentierten Ver> fahren geröstet zu dO II. 90 Pf. pro Pfd. 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Die Töpfer werden ersucht, ihre Meister und Träger auf diese Versammlung aufmerksam zu machen._[42/4*]_ Der BertrauenSmaiin. KraFt-Rothwein FüpBlutapme.. Kranken ärztlich eiapfohlen Fl. iv.. �überall 1 IU 1 hobea empfiehlt Dr. von Tl'alck. HolIdorfsResitanraut Inhaber: Rud. Albreoht. Woitersdorfer Sehlense. In schönster Lage an Wald und Waffer. 8cdr ZeeiZnct kür Vereine und Schulen. Grotzev fchaltiflcu Gnvken mit ca. 1000 Sitzplätzen. 237Sb Grosstr Tinzsial. FamlUeB-Kafleekttcbe. Zwei Kegtlbahnea. Sommerwohnungren. Schellfische In allen Grössen Cabfiau . 20-25 PI. pro Pid. 20-22".. 41004. (zuin Xootien unck Lratsn sehr zw «mpkehlon) olins Üopk n. im �nsolrn. LratfwllSer 3 Pfund 50 PI, Seelachs 20 Pf., im Anschmt« 25-27 Pf... Rotzungen 35-40 Pf., Schollen 35-40 Pf. Alle andern Sorten ebenfalls billig."W Geräucherte Seefische. SCheDÜSChe(schöner als Bückling«) 30— 35 Pf. pr.Pfd. Coolaohc iR Df Koche(Ersatz für Stör) 50-00 Pf. OCCiaCDS 43 rl. Flundern 60-70 Pf. 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Donnerstagnachmittag 3 Uhr, halbe Preise, zum 7S6. Male. Die Geisha. Abends 7>/z Uhr: Das süste Vtiidel. Freitag und Sonnabend, l'/j Uhr: DaS siihe Mädel. Sonntag, ll.Mai, nachm 3 Uhr, in erst. Besep. halbe Preise. Die Puppe. Abends 7t/z Uhr: Das süste Mädel. e ar! Weiss-Theater. Grostr Franksnrterftr. 13 3. Novität! Zum erstenmal: Der Doppelgänger. Sensativiisschanspiei in» Akten Anfang 8 Uhr. DonnerStagnachmittag 3 Uhr, kleine Preise, Parkett 60 Pf.: Das Käthchen vo» Heilbron».- Abends 8 Uhr: Der Doppelgänger. Im Garten: Nr. Konzert, Tdeater. U Speclalitätenvoretellung. Alls. 4 Uhr Apollo- Theater und Konzert-Garten. 7% Gr.Gattellhotizert Um 8 Uhr: Die neuen grossartlgen Specialitäten. Um 9 Uhr(stnrmüchcr Lachersolg): Operette von Paul Linike. Uliittlllllll�MM lm\\ Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Unsre Don Jnans Grosse Posse mit Gesang u Tanz in 4 Akten von Leon Treptow Anfang 8 Uhr Rauchen überall gestattet Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. Zit. Täglich abends 8 Uhr: Ben-Ali-Bey u. sein Orient. Zauber-Entemble. Dorverkaus d. Logen u mim. Sipe an der Theaterkafi« de« Warenhauses A. Wertheim. Leipzigerstr. Preise der Plätze: LogcnsiS 2,50 M., Sperrsitz 1,50, Ii» in, Parkett u»um, Rang- Balkon t M,, Parterre 50 Pf., Stehpart u, uininui, Rg 30 Pf. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 163. Bärenweib! ein Wunder der Schöpfung) Neu: Sknndinaviaiches Inutrunicntal- 11. Vokal- Künstle r-Fniseniblc. 4 Damen, 2 Herren Das Thalia-Theater. DreSdeuerstrafte 78/73. Ansang 8 Uhr tzitstspiel her Zthlierster. Ziserl von Köiliersee. Donnerstag: Jägerblut. Freilag- Im ZlnStragstubcrl. Der Souiuier- Garte» ist tu oberbayrischer Art dekoriert. Vrhitll imd Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, 7. Mai, abends 8Vi Uhr: Gastspiel von Emanuel Reicher. Der Friedlose. Von Strindberg Maiennucht, Hochzeitsabend Passage-Theater. 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Auch den Berliner Genossen zum Besuch empfohlen. l-2474b Tischler-Verein zu Berlin. Donnerstag, de» 8. tülftl MM? t H i i» ni e I s» h r t>- AAc:* A Ms. Absahrl früh 7 Uhr 30 Min. ad Schlenschen oder Wannjee- Bahnbof bis Wannsee. von da nach Moorlake, Pfauentnset. Ren- Babelsberg. Rege Beteiligung erwünscht,_ Der Vorstand. „Wlarienlust". In de» Müggetbergen, direkt an der Dahme gelegen, mit circa 150 Meter Wassersront, nimmt-S als Ausflugsort in der näheren Umgebilna Berlins i» landschaftlicher Beziehung einen hervorragenden, wenn nicht den ersten Platz cin. Das llieftanraiil diele! einen wohlgepflegten, geränmtgen Garte» mit herrltdiem Blick aus die verkehrsreiche„wendische Spree", drei groste Säle mit PianinoS, vier Kegelbahne». groste Spielpläne, besitzt eigne Tampfer-Aiilegestcllr. Stege für Ruder, nnd Segelboote, sowie auch Ausspannung: Aufstieg nach dem Müggellurm.- Negelmähigc„Stern-- Dampscr, Verbindung zwischen Berlin— Cöpenlck— Grünau- Schmöckwitz.— Gediegene Kückie. Aus- ichank von Münchener und Böhmischem Branhaus-Bicr. Kasseekiiche. Bei gröberen Partien oon Bereincn, Fabriken?c, bitte»m vorherige Anmeldung Hoäiachtend 40S9L» »leiisni Zlreichsina. Accumulatoren- und Elektricitäts- Werke-Aktiengesellschait (vormals W. A. Boese& Co.). 5. ordentliche General-Versammlung. Wir beehren uns hiermit, unsre Aktionäre zu der Sonnabend, den 31. Mal er., vormittags 10 Uhr,1 im Sitzungssaal der Gesellschaft, hier, Küpnickcrstr. 1G4, stattfindenden ordentlichen Caneral-Versammlung ergebenst einzuladen. IGegenstiinde der Tagesordnung: 1. Vorlage dos Geschäftsberichtes des Vorstandes nebst Gewinn- und Verlustbarachnung und Bilanz pro 1901[sowie des Prüfungsberichtes des Aufsichtsrates; 2. Beschlussl'assung über die Bilanz und Gewinnverteilung; 3. Erteilung der Entlastung an Aulsiohtsrat und Vorstand, 4. Neuwahl des Aufsichtsratea. Die Aktionäre, welche in der General-Versammlung das Stimmrecht ausüben wollen, haben ihre Aktien ohne Dividendenbogen spätestens am sechsten Tage vor dem Versammlungstage in Horltn bei der llaMN««ler Geacllaicnaft: oder bei einem deutschen Notare oder boi einer der nachbenannten Stellen; in Berlin bei der Deuktielica GcnonscnMclint'tHbaak von Soerg'cl, IParrisiiiat& Co. ConininnclitffenellHch. anf Aktien, in Berlin bei dem Bankhause von Koenen A Co., in Fraukfnrt a. ZI. bei der Deutschen Genossen- schuftsbank von Soergel, l'arrl- slus A Co. Coninianditgesellsch. auf Aktien, in Frankfurt«. ZI. bei dpr Pfülalsetaen Bank, in Frankfurt a. ZI bei der Bank für Industrielle Cnternehmunsen, in Frankfurt n. ZI. bei dem Bankhause Bass A Hera, in Sitettin bei dem Bankhause Wm. Sichlutosv zu hinterlegen. Die Zulassung zur General-Versammlung erfolgt nur gegen Eintrittskarten, welche bis zum dritten Tage vor dem Veraamm- lungstage von obigen Stellen auf Grund der bei diesen oder beim Notar erfolgten Hinterlegung ver&cfoigt werden. Berlin, den 5 Wai 1902. Direktion der Accumulatoren- u. Elektricitäts-Werke-Aktiengeselischaft (vorm. W. A. Boese A Co.) £. Hartz teld. K. Kunze. Waarenhaus HermannTietzl Neu aufgenommen: Flaschenbier. 30 Flaschen Familienbier 2.05 Mk. Wir liefern von heute ab das aus bestem Malz und feinstem Hopfen gebraute dunkle Tafelbier aus der Exporf-Bicrchramrei».Siemens& Co., a|s Un(| billigsten HaUStrUnk 30 Flaschen r 2.05 Mk. oder 45 Flaschen»r 3 Mk. Dieses Tafelbier hält sich gut auf Flaschen, ist reich an natürlicher Kohlensäure, schmeckt dadurch vollmundig, prickelnd und wird von jedem Bierkenner als sehr bekömmliches und erfrischendes Familienbier begrüsst werden. 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Frmien dürfen nicht Mitglieder politischer Vereine sein; das ist Gesetz in Preußen und deshalb hat ein preubischer Minister die Pflicht zu beweisen, daß daS auch vernünftig ist. Herr v. Hammerstein kennt seine Pflicht und wenn das Gesetz SOV Jahre alt wäre statt SO, so würde er erklären, datz er heute noch auf demselben Standpunkte stehe wie vor SM Jahren. Trotzdem bleibt es ein schwieriges Stück, die Vernunft der Uu- Vernunft zu beweisen. Die Frauen dürfen gewerkschaftliche Vereine bilden und darin über gewerkschaftliche Angelegenheiten, über Berufs- angelegenheiten reden: daS billigt der Minister; sie dürfen öffent- liche politische Vcrsaminlnngen veranstalten, in solchen anivesend sein und sogar über Politik reden, mit ihrer.leichten Erregbarkeit das Volk bewegen": das ist Gesetz, und der Minister billigt es. Sobald sie aber ganz dasselbe in der Versammlung eines politischen Vereins thnn wollen, ist der Staat in Gefahr; das Gesetz ver- bietet es und der Minister ist ganz derselben Meinung. Einen vernünftige» Grund dafür, warum das zweierlei sein soll, ob Frauen in einer öffentlichen oder einer Vercinsversammlnug reden, kann mair nicht angeben. Den konnte schon die Kommission des hohen Hauses vor 50 Jahren nicht angeben. Wenn sie sagte, Mitglied politischer Vereine soll nur derjenige sein dürfen, der politische Rechte in der Oeffentlichkeit ausüben darf, so hätte man ja nur den Frauen die Ausübung politischer Rechte in der Oeffent- lichkcit zn gestatten brauchen oder man müßte einen vernünftige» Grund dafür angeben, warum man ihnen daS verwehrt. Das Gcrcde von der holden Weiblichkeit, der Natur der Frau.und der- gleichen trifft doch auf die öffentliche Versammlung ebenso viel oder so wenig zu wie auf die Vereinsversanmilung. Für Herrn v. Hammerstein wird die Sache sogar noch schlimmer. Will er doch nichts dagegen einwenden, wenn die Frauen in den Berufsvereinen gelegentlich über Politik reden. Es ist allerdings ganz richtig, daß ein gewerkschaftlicher Verein noch nicht dadurch zn einem politischen und die Beschäftigung mit gewerkschaftlichen Angelegenheiten nicht zur Beschäftigung mit politischen wird, daß gelegentlich einmal über einen politischen Gegenstand gesprochen wird; aber der Standpunkt des Ministers gegenüber dem politischen Vereinsrecht der Frauen wird doch erst recht unhaltbar, wenn er diese an sich richtige Anschauung vertritt. Wer zugiebt und es billigt, daß sich Frauen in öffentliche» Ver- saimnlungcn regelmäßig und in Vereinen gelegentlich»nt Politik be- schäftigen, der kann, ohne sich selbst zu widersprechen, keinen vernünftigen Grund mehr dafür angeben, daß sie sich nicht auch in Vereinen regel- mäßig mit der Politik beschäftigen sollen. Es bleibt deshalb auch für Herrn v. Hammerstein der einzige und letzte Grund:„Ich will nicht I" Wenn übrigens gewerkschaftlichen Organisationen Ivieder einmal Schwierigkeiten gemacht werde» sollten von der Polizei, Iveil in ihren Versammlungen gelegentlich einmal ein Wort von Politik geredet worden ist, wenn sie deswegen für politisch er- klärt und zur Ansiveisung der Frauen veranlaßt werden sollten, dann mögen sie sich auf Herrn v. Hammerstein benifen. Seine Worte über diesen Punkt in der Sitzung des Abgeordneten- Hauses vom 5. Mai lauteten»ach dem Bericht des„Reichs- Anzeigers": „Die Frauen mögen in Berufsvereinen sich zusammenschließen; sie mögen, wie die Verordnung über das Vereins- und Ver- sammlungsrecht gestattet, auch in Vereinen ihren Beruf weiter ver- treten, welche ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet sind, diese Berufs- thätigkeit Iveiter zu fördern. Und selbst wenn hie und da ein- mal ein politischer Gegenstand zur Erörterung gelangen würde, so würde das mit dtn Bestimmungen der Verordnung von 1350 voll- ständig vereinbar sein."_ Der Segen der Heimarbeit. In dem Jahresbericht der bremischen Gewerbe-Jnspektion findet sich in dein Abschnitt„Arbeiterinnen" folgender Satz: „Gelegentlich der Revisionen der Cigarrenfabriken wurde auch eine größere Anzahl von Heimarbeitern dieser Branche besucht, und dabei der Eindruck gewonnen, daß die Verhältnisse der mit ihren Männern zusammenarbeitenden Frauen fast durchschnittlich schlechter liegen, als die der in den Fabriken Beschäftigten. Eine ISstimdige Arbeitszeit bildet fast die Regel, und dies in Räumen, welche manchmal jeder Beschreibung spotte» und in denen nicht bloß fabriziert wird, sondern auch eine Kinderichar sich fast den ganzen Tag aufzuhalten gezwungen ist. Solchen Verhältnisse» entsprach auch nieist das Aussehen der Frauen, fast alle schienen kränklich und schlecht genährt zu sein." Was da gesagt wird, ist nicht neu; aber in dem Kampfe gegen die Heimarbeil ist eS nützlich, solche anitlichen Zeugnisse über die ver- dcrblichen Wirlungen dieser Arbeitsmethode zu registrieren. Vierte GelterltlVersmmlilng des Delitslhen ßolzarbeiter- Verbllil&eS. Mainz. 5. Mai 1902. Am Sonntagabend erfolgte in der stattlich geschmückten Stadt- halle unter großem Zulauf der Bevölkerung die feierliche Eröffnung der vierten Generalversammlung des Deutschen Holzarbeiter-Ver- bandes. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Leiter der Mainzer Fachorganisation, Baptist Weiß, erklärte der erste Vorsitzende. RcichstagS-Abgeordnetcr K. Kloß- Stuttgart, die Verhandlungen für eröffnet. Der Vcrbandstag ist besucht von 8S Delegierten, 4 Vorstands- Mitgliedern und je einem Vertreter der Redaktion, Preßlominisfion und des Ausschusses. Als Vertreter der Generalkommission ist Röskc- Hamburg erschienen und als Vertreter des östreichischen Holzarbeiter- Verbandes Johann Groß-Wicn. Von einer großen Anzahl andrer fremdländischer Fachorganisationcn sind Begrüßungen eingegangen. Zu Vorsitzenden wurden Kloß und Glocke gewählt. Nach weiterer Komplettierung des Bureaus soivie Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten minderer Bedeutung erstattete der erste Vorsitzende Kloß- Stuttgart den Vorstands- und Kassen- bericht sowie S ch m i d t- Berlin als Vorsitzender des Ausschusses den Bericht dieser Korporation. Den Geschäftsbericht haben wir bereits im Auszug wiedergegeben. Der Vorsitzende behandelt einige größere Ausstände. Der Streik in München ging verloren, die Forderung des Neunstundentages wurde nicht durchgesetzt. Eine bedauerliche Meinungsverschiedenheit entstand anläßlich des Kelsterbacher Streiks mit dem Frankfurter Gauvorstand. dessen Stellungnahme zu verurteilen sei. Die Urabstimmung über die Frage der Einführung der ArbeitSlosen-Unterstiitzuiig zeitigle das Resultat, daß die letztere mit 24 907 gegen 24 037 Stimmen be- schlössen wurde. Damit steht der Verband vor einem bedeutungS- vollen Schritt, der auch zugleich eine Beitragserhöhung notwendig macht. S ch m i d t-Berlin ergänzt den Bericht deS Vorsitzenden nach ver- schiedenc» Seiten hin. geht auf einige Differenzpunkle ein und wanit vor einer U-berschätzung der Arbeitslosen- Unterstützung alS Vor- beugungsmittel gegen die Fluktuation im Verbände. te Jwlrts" Die darauf einsetzende Debatte beschränkt sich lediglich auf die Lohnbewegungen in der verflossenen Amtsperiode, und von diesen nimmt wieder der Kelsterbacher Streik den breitesten Raum ein. Speciell die direkt beteiligten Delegierten warfen dem Vorstände in Strcikfällen eine gelvisse' Engherzigkeit vor, die wegfallen müsse. Auch die Gutheißung des Münchener Streik wird verschiedentlich kritisiert. Demgegenüber rechtfertigt der Vorstand seine Halnng in jedem speciellen Falle und eine Reihe nicht direkt beteiligter' Delegierten stimmen ihnr zu. Im allgemeinen wird der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die Gauvorstände in Streikfällen rigoroser als bisher vorgehen mögen. In weniger be- langreichen Fällen könne dann der Vorstand auch ein- mal Ausnahmen von dem starren Buchstaben des Streik- reglements»lachen, was jetzt beinahe niemals der Fall Ivar. Auch möge der Vorstand in solchen Fällen, wo er die Streik- bewilligimg nicht erteilt habe, etwa vorliegende Gesuche um Dar- Ichen an die betreffende Ortsverwaltung bewilligen. Demgegenüber wird von feiten des Vorstandes darauf hingewiesen, daß dies in der abgelaufenen Geschäftsperiode oft genug der Fall war. Nur selten kann auf eine wenn auch mir teilweise Rückzahlung solcher„Darlehen" gerechnet werden. In Zukunft müsse konsequent gehandelt werden. Entweder iverde ein Streik genehmigt und dann erfolgt auch die Unterstützung oder die Genehmigung wird verweigert und danil könne auch kein Darlehen gegeben werden. In der Nachmittagssitzung erwidert Kloß eingehend auf alle Beschwerden, die Anfordernngen waren so erhebliche, daß nicht allen genügt Iverden konnte. Redner weißt nach, daß der Vorwurf ungerecht ist, als seien die kleinen Zahlstellen zurückgesetzt. Einige kleinere Zahlstellen haben bei Streiks prozentual zu ihren Beiträgen eine viel größere Summe für Streiks erhalten, als in großen Städten. Becker- Hannover hält den jetzigen Zustand, daß der Vorstand über die Genehmigung der Streiks entscheidet, für den allein möglichen. Die Gauvörstände seien viel zu abhängig, als daß man wünschen könnte, ihnen die Entscheidung zu übertragen. S ch ö p f l i n- Chemnitz: Der Vorstand habe allen Anlaß, vor- sichtig mit den Streiks zu sein. R ö s k e-Hamburg: Wo die Wirt- schaftlichen Verhältnisse günstig sind, soll man nur zu Streiks greifen. Der Vorstand soll nicht in unbedeutenden Dingen kleinlich sein, sondern auch einmal die Zügel locker lassen. Aber es geht nicht. dem Ganvorstand die Bewilligung von Streiks zu übertragen. Als der Streik der Münchener begann, waren keine Mittel vorhanden. Hier wäre es am Platze gewesen zu sage», ihr könnt nicht streiken. Bei München lag die Sache so, daß in der ersten Woche lnicht mit einer Einigung zn rechnen ivar. Dem Vorstand war berichtet, der Streik werde bald beendet sein, aber man mußte wissen, daß das nicht der Fall war. Mithin waren die Versuche, gleich Verhandlungen anzuknüpfen, aussichtslos und ver- schlimmerten den Znstand, denn die Meister wurden dabei nur sicherer in ihrer ablehnenden Haltung. L e i p a r t, zweiter Vorsitzender des Verbandes, erwidert auf die vielen Angriffe. Die Darstellung über den Münchener Streik sei unrichtig und übertrieben, denn während des ganzen Streiks waren in der Verbandskasse 130 000 M. Heber den Kelsterbacher Streik sei der Vorstand vom Gauvorsteher Brückner falsch berichtet. Brückner habe später selbst zugestanden, daß er gefehlt habe, und die Mitglieder in Kelsterbach haben eine gleiche Ansicht geäußert. S t u b b e- Hamburg: Er gehöre zu denjenigen, die dem Vorstand einen Vorwurf daraus machen, daß er den Münchener Streik ge- nehmigt habe. Dagegen sei der Streik der Bauanschläger in Haniburg zn Unrecht abgelehnt. Der Streik ist später ohne erhebliche Kosten, es traten nur einige Arbeiter in Ansstand, zu Gunsten der Arbeiter entschieden. Die Auf- fafsnng, daß in den Großstädte» sich die Holzarbeiter im allgemeinen besser stehen, sei unrichtig, es gebe auch Kleinstädte. Ivo die Holzarbeiter mehr verdienen als in den Großstädten. K ö p p e- Stuttgart iveist darauf hin, wie wenig begründet es sei, daß man annimmt, die großen Zahlstellen nehmen die Kasse zu sehr in Anspruch. So treffe das von Berlin gar nicht zu. Berlin habe einen großen Teil der Kosten seiner Lohnkämpfe selbst aufgebracht. Schnecgas, Vorstandsmitglied: Daß im Jahre 1900 so viele Streiks nicht genehmigt wurden, lag an den zahlreich ein- gelaufenen Gesuchen, denen nicht allenthalben stattgegeben iverden konnte. Es genüge, darauf hinzuweisen, daß in diesem Jahre 800 000 M. für Streiks ausgegeben wurden. Der große Münchener Streik, den Redner auch für aussichtslos hielt, machte das Zurück- drängen andrer nötig. ES frage sich doch, ob, wenn die hier kritisierten abgelehnten Streiks genehmigt wären, sie nicht denselben Ausgang gezeitigt hätten, als der Münchener. Die weitere Debatte, an der noch mehrere Redner teilnahmen, verlor sich in Einzelheiten über nichtgcnehniigte Streiks. Die Ver- Handlungen wurden sodann auf Dienstag vertagt. Berliner Partei-Angelegettheiien. Vierter Wahlkreis(Südost). Wie aus dcm� Anzeigenteil ersichtlich, unternimmt der Wahlverein am Himmelfahrtstag eine Herrcnpartic. Treffpunkt morgens 8 Uhr in der Drachenburg an der Schlcsische» Brücke. Von dort aus geht es nach Baumschulen- weg, Schöneweide. Johannisthal, Glienicke, Adlcrshof und Köpenick. Um zahlreiche Beteiligung der Parteigenossen ersucht Der Vorstand. Schönebcrg. Die Mitglieder des Wahlvereins, die sich an der Himmelfahrtspartie des Gesangvereins„Rote Nelke" be- teiligen wollen, werden gebeten, am Donnerstag früh Uhr. sich auf dem Bahnhof„Zoologischer Garten" einzufinden. Fahrt bis FriedrichShagen, von da aus zu Fuß weiter. Eine rege Beteiligung wäre erwünscht. Der Vorstand des Wahlvereins. Grüna«. Der Wahlvercin hält seine Mitglieder-Ver- sammlnng am Sonnabendabend 9 Uhr, bei Duchauffour, Köpnickerstr. 79, ab. ReichStagS-Abgcordneter Fritz Z u b e i I referiert über„Volksbibliothcken und Lesehallen und deren Bedeutung für die Arbeiterschaft". Auch in Anbetracht der weiteren wichtigen Punkte der Tagesordnung ist eine zahlreiche Beteiligung sehr erwünscht. Borsigwalde»nd Tegel. Die Parteigenossen dieser beiden Orte wollen die S p e d i t i o n des„Vorwärts" selbst in die Hand nehmen. Eine Volksversammlung, die am Montag, den 12. Mai, bei Klippenstein stattfinden soll, wird sich auch mit der Angelegenheit beschäftigen. In den Lokalen, in denen„Vorwärts"- Plakate aushängen, werden schon jetzt Bestellimqen entgegen- genommen. Für Borsigwalde nehmen Bestellungen an: Restaurant Mönch und Her m. K r i n k c l, Spandauerstraße. Für Tegel: Restaurant Krause, Berlinerstr. 92 und Restaurant Rentner. Die Einrichtung soll»nt dem 1. Juni ins Leben treten. Adleröhof mid Alt-Glienicke. Zur Agitation für die Konsum- gcnosseuschaft von Adlershof und Umgegend findet heute abend in ScheerS„Wilhelmsgartcn" in Köpenick eine Versammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Emil R o s e n o>v einen Vortrag über: „Die Lebensmittelverteuerung der letzten Jahre und die Aufgaben der Konsumgenossenschaften" sprechen wird. Außerdem steht auf der Tagesordnung: Die Organisierung des Preßkohleneiiikaufs. Uokrnles. Ju Sachen der Straßeuregulterung auf den, Gelände der ehemaligen B o rs i g scheu Maschinenfabrik in Moabit find die vom Stadtverordneten-Aiisschusse zur Vorberatung dieser Angelegenheit be- schloffenen neuen Verhandlungen mit der Eigentümerin des Terrains, MAch. 7. Mai 1902. Aktien-Vaugesellschaft„Nen-Bellevue" nunmehr eiiigcleilet worden. Von der letzteren wurde, wie erinnerlich, in der Magistratsvorlage gefordert, daß sie geeignetes Bauland für st ä d t i s ch e Schul- zwecke zu dem früher' vereinbarten Preise herzugeben habe. Der Ausschuß hält diesen Preis aber noch für zn hoch und es soll daher versucht werden, ihn herabzusetzen. Ans diesem städtischerscits an- zukaufenden Terrains sollen das neue nach Moabit zn verlegende Friedrichs- W e r d e r s ch e Gymnasium soivie' eine Gemeinde-Doppelschule erbaut werden. Ferner ist mit der genannten Aktiengesellschaft wegen des projektierten Baues einer nach dem Schleswiger Ufer führenden Fußgängerbrücke noch ein be- sonderer Vertrag zu vereinbaren, dessen Entwurf der Ausschuß dem Vorsitzenden übertragen hat. Wilhelm ll. i» der Knnstansstellnng. Wilhelm II. hat am Montag, wie jeder Leser der bürgerlichen Presse schon ausführlich erfahren hat. die Ausstellung am Lehrter Bahnhof mit seinem Besuche ausgezeichnet. Die Ansstellnngskommission erlebte damit ihren großen Augenblick; denn für den Kaiser hat sie das Hans festlich mit Schlachtenbildern und Porträts bei Hofe bekannter Persönlichkeiten geschmückt. Auch ein Teil des Publikums ses tvar am Montag als' dem Mark-Tag nieist die bessere Gesellschaft ver- treten) schien sehr stolz und erfreut, sich im Kunstgenuß mit einem so illustre» Gaste teilen zu dürfen. Nicht ganz ungetrübt aber blieb daS Vergnügen für jene, die in der Absicht gekommen Ivaren, sich ungestört in die Betrachtung der ausgestellten Kunstlverke zn versenken. Es wurden nämlich ganze Teile der Ausstellung zeitiveise ausschließlich für den Kaiser, seine Gemahlin und das Gefolge reserviert. Nicht nur derjenige Saal, ivelchcn der Kaiser besichtigte, wurde von allen andren Gästen geräumt, sondern auch der iiächstfolgende. Da die Besichtigung ziem- lich rasch erfolgte, entwickelte sich in den Hauptsälen eine förmliche Flucht. Schließlich Ivurde ein Teil des Pnbliknms, der gerade im Skulpturensaal iveilte, von den Beamteii rechts in die Seitcnsäle 46—49 abgedrängt; da diese keinen seitlichen Ansgang besitze», war man dort eine Zeit lang faktisch blockiert. Einen Ruhepuiikt in dieser Flucht, die freilich— die Gerechtigkeit gebietet es zu sagen— einem Teil des Publikums große Freude bereitete, bot mir der Aufenthalt des Kaisers, vor einem von ihm selbst bestellten Schlachtenbilde K o s s a k s; dagegen zeichnete sich der Aufenthalt im Saale der heimgekehrten Secessionsflüchtlinge durch auffallende Kürze aus.— Als der Kaiser die Ausstellllilg ver- ließ, schien bei den übrigen Besilchern keine rechte Stimmung mehr allftoiiimen zn wollen. Ei» Teil von ihnen schwelgte in den erhaltenen persönlichen Eindrücken, während einer den andern fragte, ob es den» notwendig war, daß Leute, die ihr Eintrittsgeld bezahlt haben, ans Anordnung des Allsstellungskoiiiitees in ihrer Bewegung»- freiheit gehindert werden. Sie meinten, daß es sich doch vielleicht eher empfehlen würde, an Tagen, für die so hoher Besuch an- gekündigt ist, die Ausstellung überhaupt fjir das Publikum geschlossen zn halten. Zehnnhr-Ladenschlnff. Bis 10 Uhr abends dürfen heute sowie am 16. und 17. Mai offene Berkanföstellen geöffnet bleiben. Rettung der Ordnung.„Sie haben am 29. März d. I.. vormittags 9 Uhr 40 Minuten, als Sie einen Kranz mit einer breiten roten Schleife iü auffallender Weise über den Marianneuplatz in der Nichtttiig nach der Wrangelstiaße trüge», der Aiifforderniig des Polizeilielilenants v o n C a r n a y, die Schleife zn verberge», nicht unbedingt Folge geleistet, sondern haben den Kranz noch einige Schritte in der angegebenen Weise lveiter getragen. Diese Uebertretuiig wird beiviesen durch dasZeligniS der Polizeilienteiia»ts von Carnah und Bieling. Aus Grund der Sj§ 132 und 133 der Straßenordming vom 31. Dezember 1899 wird deshalb gegen Sie eine Geldstrafe von fünf Mark festgesetzt." Diese Strafverfiigung ist gerichtet gegen einen Arbeiter, der an dem erwähnten Tage ahnimgölos einen zur Liebknechtfeier bestimmten Kranz über die Straße getragen hat. Der vom Polizeipräsidium herangezogene Paragraph der Straßen- ordmiiig besagt, daß der zur Erhaltung der Sicherheit, B e« q ii e m l i ch k e i t, Reinlichkeit und Ruhe auf der öffent- lichen Straße ergehenden Anordnungen der Straßenpolizei unbedingt Folge zu leisten ist. Ein Nachweis dafür, daß das Tragen des Kranze? in irgend einer Weise die Sicherheit, Bequemlichkeit, Reinlichkeit und Ruhe deS breite» Marianneiiplatzes g e st ö r t hat, fehlt in der Strafvcrfügiuig. Es ist ja auch, mag man sich die Breite der ordnungswidrigen Kranz- schleife noch so ungehenerlich vorstellen, nicht gut anzunehmen, daß sie den Mariannenplatz zu einem ivesentlichen Teil beschattet und so die Sicherheit und Bequemlichkeit der Gegend irgendwie in größerein Umfange als ctiva der grüne Wagen oder sonst ein Vehikel bedroht hat. Da ein Kranz mit roter Schleife auch nicht eigentlich zn den lebenden Wesen zu rechnen nnd somit von den Un- arten getvisser Vierfüßler frei ist, konnte er auch die Reinlichkeit des Mariaiinenplatzes nicht in Frage stellen. Ebenfalls ivird jeglicher Nachiveis dafür vermißt, daß eine Spieluhr oder Knarre in dem Blumengeivinde oder der Schleife verborgen ivar, so daß die Ruhe des Marianneiiplatzes auch nicht erheblich gestört sein konnte. So soll lins denn verlangen, ob das Gericht die originell be- gründete Strafverfügniig als zu Recht erlassen anerkennen wird. ES ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß infolge der H u n d e s p e r r e die geschäftliche Ha»dhab»»g im Deutschen Tier« schutz-Verein gestört worden sei. Wie uns von der'Verwaltung desselben mitgeteilt wird, ist diese in vielen Hunderten von An- fragen sich widerspiegelnde Auffassung eine irrige. Der Verein über- niinmt»ach wie vor sowohl in dem Depot An der Stadtbahn, wie auch in dem Asyl in Lantivitz das Scheren»nd Baden von Hunden. Ebenso wird die tägliche Tierklinik genau so wie stets durch Vereins- Tierärzte abgehalten. Der Verein nininit ferner nach wie vor Tiere in Pflege und köinien Pcnsionshunde auch an dem Depot An der Stadtbahn zur Ueberführung nach Lankivitz cingeliefett werden. I» diesem Falle ist jedoch ei» polizeilicher Ausführuiigs- schein beizufüge». Einen überraschende» Abschlnst hat eine der gegen den „ReichSglvckner" Joachim G e h l s e» gerichiet geivesencil Straf- fachen gefunden. Letzterer ivar f. Z. Ivegcn Beleidigung des Char» lottenburger Magistrats und des Stadts'ekretärs Kuhlow angeklagt, vom Gericht aber freigesprochen ivorden, nachdem der Staatsanwalt jp/e Jahre Gefängnis' beantragt hatte. Der Gerichtshof halte de» pon Gehisen angetretenen Wahrheitsbeweis im ivesentlichen für er- bracht erachtet mid ihm im übrigen den Schutz des§ 193 ziigebilligt, da er als Bürger Charlottenburgs die Interessen der dortigen Bürger- schaft ivahrzunehmen berechtigt sei. Gegen das freisprechende Er- keiintiiiS legten Staatsanwalt und Magistrat von Cbarlottenbnrg Revision ei». Das Reichsgericht hob das erste Urteil ans und ver- ivies die Sache zur anderiveiten Verhandliing vor das Landgericht Berlin I. Nachdem eine geraunie Zeit verstrichen ist. ist jetzt dem Angeklagten ein Gerichtsbeschluß zugegangen, ivonach das Verfahren ivegcn Zurücknahme des Strafantrngs eingestellt worden sei. Siecht»- anwalt Dr. Werthauer hat hiergegen»aniens des AngeNagtei» Beschwerde erhoben, weil eine solche' Befchlußfassiing nicht angäitgl« f?.t, nachdem das Reichsgericht die Sache„zur ander!r>eite>l Ver Handlung" vor das Landgericht I miruescu hat. Wieder eine Unterschlaaiiug bei einer städtische» Kasse Roch hat sich die Vcrlvundcrulig nlicr die in lchtcr Zeit bei einer städtischen Sparkasse vorgekonunciie» Unterschlagungen nicht gelegt und schon lvicder ist über einen»»getreuen Beamten zu berichte». der den Stadtsäckel um eine gröbere Summe erleichterte. Diesmal handelt cS sich um den ersten Buchhalter G. Thilo, der bei den sin d t i s ch e n Gaswerken, und zwar aus dem Bureau des 1U. Reviers, Engclufer lö, angestellt war. Soweit bis jetzt feststeht. hat Thilo in voriger Woche' für die Verwaltring der Gasiverke , 2200 M. eingezogen, das Geld aber nicht an die Kasse abgeführt, Seit gestern nachmittag ist er verschivunden. Ob die nnterschlagenen Beträge nicht eine noch höhere Summe erreichen, muh erst der Ein- gang der noch ausstehenden Forderungen ergeben. Der Kriminal- Polizei ist von der Bernntreunug noch keine Anzeige erstattet, da die Stadtverlvaltung es liebt, in solche» Fällen die Untersuchung selb- ständig zu führen. Thilo hat wahrscheinlich noch am letzten Tage seiner Thätigkcit eine gröbere Summe erbeutet, denn cS ist festgestellt, das; er noch am Montag Rechnungen eingezogen hat. Wie- viel er hierbei bekam, weis; man noch nicht. Schmer vernnglürkt ist gestern nachmittag gegen 2 Uhr der 2V jährige Arbeiter Beugst, der in der Allgemeinen Elektricitäts- Gesellschaft in der Brunnenstrabe beschäftigt' Ivar. Beim Stanzen von Unierblech geriet derselbe in die Stanzmaschine, die ihm drei Finger der rechten Hand zermalmte, Der bedaiicrnslllertc junge Mann ist erst seit kurzem mit der Bedienung der Maschine betraut worden, ohne daß er die geringste Kenntnis derselben besäst. Ein Bonvurf gegen die Leitung des Betriebes ist um so gerechtfertigter, als ein erst kürzlich stattgefundcncr Unglücksfall an derselben Maschine zu gröberer Vorsicht bei Besetzung solcher gefährlicher Posten hätte Veranlassung geben sollen. Ei» bedc»tu«göpollcr historischer F»»d ist dieser Tage in der altehrlvürdigcn Nicolai-Kirche gemacht worden. Bei Auf- räuumngSarbeiten in einer Art Rumpelkamincr, die abseits, hoch ove» im Turmbau gelegen, selten ein menschlicher F»b betreten, fand man. von allerhand längst ausrangierten Gegenständen verdeckt, einen beim letzten Ilmban der Kirche aufgetürmten Trümmerhaufen, der einige historisch wertvolle, gut erhaltene Grabsteine sc. barg. Man benachrichtigte die Direktion des Märkischen Provinzial-Museiims, welche die Fundstücke aussondern und reinigen liest. Gehcinirat Friede! hielt die Epitaphien für so interessant und wertvoll, da st er nach eingeholter Genehmigung des G e m e in d c k i r ch c» r a t S beim M a g i st r a t, als den Patron der Nicolai-Kirche, beantragte. dieselben vor dem gänzlichen Untergänge zu bewahren und daher dein Märkischen Musen m einzuverleiben. Diese steinernen Ur- künden ans altberlnier Zeit dürften der Bauleitung dcS neuen Museums, desseir Wandelhalle mit derartigen Schaustücken ans- geschmückt werde» soll, sehr willkommen sein. Der Magistrat hat de» Antrag der Direktion genehmigt, so dast die Ueberführung der Epitaphien nach dem Museum demnächst wird erfolgen können. Auf der Hochbahn gcstorbc». Auf dem Hochbahiiljor Oraliienstraste zeigte gestern abend 20 Minuten nach 8 Uhr eine Frau in Begleitung ihrer etwa zwölfjährigen Tochter Anzeichen von Uebelkeit. Der dicnstthuende Blockwärter brachte ihr eine Sitz- gclcgcnheit. Während der Beamte den Signalapparat bediente, fiel die Frau vom Stuhl. Ein herbeigerufener Arzt stellte den Tod infolge von Lungenschlag fest. Die Verstorbene lvnrde als Frau K i c k e b n s ch, Skalitzerstr. 29, ermittelt.— Eine halbe Stunde später erlitt ein BetricbSbeamter einen leichten Unfall auf dem Bahn- >-hvf Zoologischer Garten. Der Blockwärtcr Blnmberg wurde 8 Uhr 50 Minuten beim Schliesten einer Wagcnthür mit einer Mantel- ecke eingeklemmt und so eine kurze Strecke mitgcschleift. Er erlitt einige leichte Qnetschnugcn. so dast er auf' der Unfallstation Zoologischer Garten und später in das Charlottenburger Krankenhaus gebracht werden mußte. Straste«sperr»»g. Wegen Erneuerung der Ufcrbefcstigimgcn am Sprcekanal werden die Strecken a) Ncu-Köll» a./W. zwischen Insel- und Röststrastc, b) Obcrwasserstraße zwischen Gcrtrandteu und Alte Leipzigerstraste vom 12, d. M. ab bis ans locilcres für Fuhrlvcrke und Reiter gesperrt. Eintrittskarte» zur Ausstellung der Secessio» in der Kant- straste, an Sonn- und Wochentagen gültig, Sonntags jedoch erst von k! Uhr an, stehen den Mitgliedern der Gctverkschaften zum ermästigten Preise von 25 Pf. statt 1 M. zur Verfügung. Die Karten können von de» V o r st ä n d e» im Bureau des G e lv e r k s ch a f t s Hauses in Empfang genommen werden. Au einzelne Personen werden diese Karten nicht ausgegeben. Die Gewerkschaften werden gebeten, von diesen Vergünstigungen recht regen Gebranch zu machen. Trcptow-Sternwarte. Ain H i m in e I f a h r t S t a g, abends 7 Uhr, besticht der„Verband der Bäcker" die Treptow-Sternwarte und ist auf besonderen Wunsch der init zahlreichen Lichtbildern ausgestattete Vor- trag:..Ein AuSflng in die Strrnenwelt" auf das Programm gesetzt worden. Ilm 3 Uhr spricht Diretwr Arche»hold über:..Die Bewohnbarkeit der Welten". Mit dein groben Fernrohr werde» Sterne und Nebelflecke beobachtet, die, da das Mondlicht au diesem Abend nicht stört, besonders günstig zu sehen sind. Das Institut ist wie gewöhnlich für alle Besucher von 2 Uhr nachmittags bis 12 Uhr nachts gcossnet. Die Politik im Variete. Dast an misten vsfeiitlichen Schau- statten die politischen Leidenschaften nicht geweckt werden, dafür sorgt die Polizeicensnr mit überquellender Zärtlichkeit. Alles, was sich gegen die Regierung und ihre Vertreter kehrt, verfällt dem Rotstift: die Polizei fühlt in diesem Pimkte durchaus russisch mid gicbt beißend klar zu erkennen, dast sie in ihrem Wesen keine Ahnmig hat von den Bedürfnissen dcS ösfentlicheii Lebens der Gegenwart. Nur der Patriotismus, d. h. die Militärverherrlichimg, findet Gnade vor den Augen des Censors, sie darf in misten Vortragshallen passieren. Die Inhaber der Tingeltangel dritten Ranges machen sich diese Schwäche der Polizei zu nutzen mid geberden sich zu allen Zeiten, besonders aber an patriotischen Festtagen in Aiireistcrmanitr militärfromm. In keinem Kreisblatt werden der Ordnung und deren Stützen so inbrünstige Lohhymnc» gesungen als in den berüchtigten Lokalen der Elsasserstrastc. llnlcr solchen Um- ständen hat es immerhin schon etwas zu bedenten, ivcn» ein wirklicher Humorist dein Censor zum Trotz geschickt genug ist, in seinen Vorträgen miste öffentlichen Znstände zu geisteln, und das thnt Herr Otto Rentier im Wintergarten zur Zeit ans recht launige Weise. In seinen Reichstagsbilder» werden die Schwächen aller hervorragende» Parlamentarier a»S Licht gezogen, »nd in maiichein geschickte» Wortspiel trifft der Hllniorist den Nagel ans den Kopf. Änch in andren Vorträgen weist Herr Rentier mit allerhand drolligen Anspielungen nnfzMvartcn und die Lacher für sich ciiizmichmeil. Man darf getrost sagen, dast in dem bimten und vielseitige» Programm dcS Wintergartens die Vorträge deS Herrn Reuitcr mit das Interessanteste sind. Der Sportpark Friede»«» bereitet sich jetzt auf sein erstes größeres Ereignis der Saison bor. Das„Goldene Rad von Friedenau", das bekannte internationale Dauerreimen, kommt in diesem Jahre zum siinfteinnal zur Eiltscheidiing mid zwar am Solln- tag. den 23. Mai, über die Strecke von 100 Kilometer. Zu de» Häiiptkonkilrreiiten gehören». a. der Deutsche Thaddäus Robl. der Holländer Pict Dickeiitniann und der Franzose BonhourS, der schon ziveimal Sieger des Rciniens ivar. AuS de» Nailibarorten. Die Schöneberger Stadtverordneten-Versaniuilung erledigte in ihrer Sitzung am Montag als Hauptgcgenstaiid ciidlich den schon zweimal wegen Bcschlnstunfähigkeit zurückgestellten dringlichen A»trag misrer Genossen:„Der Magistrat möge Mittel bereitstellen zur Entschädigung der durch das Unwetter a ui 14. April b et r o f fe n c ii nnd bedürftigen Mit- bürge r." Sladtv. K ü I e r beantragte nach eingehender Be- gründnng, eine gemischte Deputation zur baldigen Lösung dieser Äiigelegenheit einzusetzen. Nach einstllndiger Debatte Ivurde unfer Autrag gegen die Stimmen der fünf socialdemokratrschen Vertreter abgelehnt,"nachdem ein Antrag auf namentliche Abstimmung gegen die Stimmen nnstcr Vertreter ebenfalls abgelehnt war. Dagegen nahm die Vcrsmumluiig einen Antrag Seele und Gen.:„Den Magistrat zu ersuchen, Anträge ans Entschädigung thmilichst zu bc riicksichtigcn mid der Versaminluilg sobald als möglich eine Borlage zu machen", gegen 10 Stimmen an. Sodann beschlost die Versammlung. den Magistrat zu ersuchen. den Bau des Notauslasses nach dem Landwehr- Kanal möglichst zu beschleniiigen; insbesondere soll der Magistrat von Berlin nochmals um imige'hende Ericilimg der Zustimmung angegangen werde». Ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag, den Magistrat zu ersuchen, im Laufe dieses Geschäftsjahres eine Nach Prüfung der seit 1898 besiehcndeii B c s o I d u n g s- O r d n u» der Lehrer au den Volks- und M i I t e l s ch u l e n zu ver anlassen und möglichst auf Gleichstellung der Besoldung misrer Lehrer mit derjenigen der Nachbarstädie Berlin und Charlotteiiburg Bedacht zu nehmen, wurde mit großer Mehrheit angeiiommeii. Die Stndlv. Hofsmaiin und Geuosien hatten seiner Zeit bc antragt, der hiesigen Orts-Ärankenkaffe die Schukaulen zur B e r a ii st'a ltnug h i; g i e n i sch e r Vorträge imeiiigeltlich zu über lassen. Die Sckmld'epiitation hat jedoch beschlossen, den Antrag ans pniicipiellen Gründen abzulehnen, weil bei freier Hergäbe der Räume ähnliche Anlräge in übergroßer Zahl gestellt werden würben. Der Magistrat ist diesem Beschlnssc beigetreten. Wenn es sich imi Festessen bei gewissen Gelegenheiten handelt, ist mau nicht so äugst sich, die Schulaulen zu benutzen. Sodann wurde zum Stadtverordneten- Vorsteher- Stellvertreter an Stelle des Stadtv. B a r t c l der Stadtv. Speck mit 22 Stimmen gewählt. Vom Gros?- Lichtevfeldcv Krankenhaus. In der gestrigen Sitzung des Kreisausschusses ist, dein„Telt. KreiSbl." zufolge, der Specialarzt sür Chirurgie. Dr. H. Stabcl in Berlin,— ein früherer Assistent des Wirkt. Gehcimrats v. Bergmann—, zum chirurgischen Oberarzt für das Kreis- Krankenhaus in Groß- Lichterfelde gewählt worden. Bei de» letzte» Gemeittdebertrcicr-Wahlc» i» Tegel ist der Maurer Meinke mit großer Mehrheit gcivahlt worden. Meinke war der erste S o c i a l d e in o k r a t, der in die Ge meiiidevertretiiitg des Ortes einziehen sollte. Der Wahlvorstand hat jedoch jetzt die ans Meinke ciitfallenen Stimme», weil er nicht„An- gesessener" ist, für ungültig erklärt und seinen bürgerlichen Gegenkandidaten, den Schuhmacher Fritz Müller, der mir Ivenige Stimmen erhalten hatte, als gewählt proklamiert Gegen diesen Beschluß ist Protest eingelegt Ivorden und es dürfte ivahrscheinlich zur Klage im Verivaltungsstreit-Ber- a h r e ii koinmcn. Der Geinciiidcvorsteher hat zwar schon bei der Ansschrcibmig der Wahl darauf hingewiesen, daß ein Angesessener gewählt werden müsse, doch behaupten misre Parteigenosscii mit gutem Grund, daß dicS zu Unrecht geschehen sei. Ein schwerer ltnfall im Straswnbahnbotriebe Hai sich in der Nacht zu gestern in N i x d o r f zugetragen. Der in der Knesebeck- tratze wohnende Kanfmami Z., welcher einen Siraßciibahnwagcn der Linie Dönhoffsplatz— Nixdorf benutzt hatte, wollte diesen gegen 12 Uhr nachts an der Ecke der Berg- und Kirchhofstraße verlassen. Z., der 'ich anscheinend in gehobener Stimmimg befand, glitt vom Tritt- brett ab mid stürzte so miglücklich zu Boden, daß er eine schlvcrc Gehiriierschüttcrnng erlitt. Er wurde nach dem Kreiskraiikcnhanse in Britz überführt, wo er noch bewußtlos darniederlicgt.— Ein weiterer Unfall, der durch das vorzeitige Verlassen eines Straßen bahnwagens veranlaßt wurde, ereignete sich gegen Ve? Uhr abend? an der Ecke der Dort- nnd G r o st b e e r c n st r a st c. Ein ans der Hinterplattform eines Motorwagens stehender Herr sprang kurz vor der Haltestelle ab, stürzte und fiel so unglücklich, dast er eine chwere Kopfucrletzuiig davontrug. Der Verunglückte, der be- iiinnngslos war nnd dessen Personalien infolgedessen nicht festgestellt werden konnten, winde nach dem Krankenhaus Am Urban gebracht. A»S Nixdorf. Die Urheber zahlreicher EinbruchSdicbsiähIe, welche in letzter Zeit mit seltener Frechheit ausgeführt worden sind, wurden jetzt vo» der Polizei endlich dingfest gemacht. Die Ein- brecher sind der 20jährige Bügler Adolf W i n l l e w s k y ans der Gocthestr. 4 und der 18jährige„Arbeitsbursche" HanS Stürme r ans der Caimerstr. 3. Ein Teil der DiebeSbentc. die vergraben oder versetzt lvar, ist bereits herbeigeschafft Wörde». Die Vcrhaftcieu sind geständig, auch in Berlin schwere Einbrüche verübt zu haben. GevuljtS-Ävikmtg. Ei» recht krasser Fall von Untreue bezw. Beihilfe dazu beschäftigte gestern in längerer Sitzimg die vierte Strafkamincr des Landgerichts I. Die Anklage richtete sich gegen de» O.umibus- Unternehmer Johannes Knies e und den Betriebsdirektor Willi; Wulff. Wulff ist der Sohn eines Bauerngutsbesitzcrs, sein Vater ivar mit dem am Giltsorte aiigestellt geivesciien Lehrer I c n tz e n befreundet. Als der Sohn dcS letzteren feinem Studium oblag, wurde dessen Unterhalt dem Vater schwer und da half der Vater Wulf dem Freunde bereitwilligst ai>S. Der junge Eduard Jentzeu machte seinen Weg und befindet sich jetzt als Direktor cincS TechnikliinS in Jlmeiiaii in glänzender Position. Nicht ebenso glücklich ist es dem Sohn des Herrn Wolff, dem jetzige» Angeklagten, gegangen. Er bekam 1878 vo» seinem Vater das etwa 60 000 M. iverte Banerngnt. welches ihm mit 18 000 M. angerechnet wurde, bewirtschaftete eS längere Zeit, kam aber in die Dcronte und »nistte es schließlich verpachten, doch stießt ihm andrer Verpflichinngeli ivegen ans der Pacht kein Geld zu. Er ging nach Berlin und»»„ sich nnd seine ans 6 Kindern und seiner Ehefrau besteliciide Familie zu ernähren, wurde er O m u i b u S-« ch a f f u e r. Um aus dieser dürftigen Lage herauSziikommen, wcmdte er sich im Jahre 1898 an seincil enisiige» Jugendfreund, den Direktor Jentzen. mit der Bitte, ihm zur Erlangmig einer Selbständigkeit behilflich zu sein. Direktor Jentzen ließ ihn bereit- willigst nach Ilmenau kommen, beherbergte ihn nnd erklärte sich bereit, da? ihm vorgetragene Projekt eines N a ch t o m» i b u s- U n t e r n e h m e n s sür Berlin durch Hergäbe der nötigen Geld- mittel zu verivirklichen. Es kam zwischc» beiden ein Vertrag zu stände, ivonach Direktor Jentzen Eigentümer dieser„Neuen Ber- Ist n e r N ach tomiiibus-Linie" sein, Wolff ober alS technischer Leiter und Prokurist fungieren sollte. Direktor Jentzen gab für Va§ Uiiteriiehme» 27—30000 M. her. Im K 3 des Vertrages war dem Angeklagten Wulff ausdrücklich verboten, ans eigene Faust außer- gelvöhuliche Ausgaben zu machen oder de» Kredit des Dir. Jentzen in Anspruch zu nehme». Das Unternehmen wurde in die Wege ge- leitet und dehnte sich bis zu 10 Wagen und 27 Pferden aus' Im Sommer 1901 kam es zwischen Jentzen und Wulff zu Differeuzen, Dir. Jentzen schrieb an Wulff, daß er ihm alle Vollmachten für die Polizei entziehe und sofortige Aiederleguug der Gcschäftsführimg verlange. Wulff erklärte darauf! es fiele ihm gar nicht ein. sich im Betriebe stören zu lasse», er würde nur der Gewalt weichen. Dir. Jentzeu beantragte gegen Wulff eine ciiisi- weilige Verfügung und Wulff erhielt am 5. August 1901 eine Vorladung vor die Handelskammer zur»imidlicheii Verhandlung am 10. August. Die Prokura ivurde am 13. August gelöscht u»d Gelder. Bücher, Pferde. Materialien wurden Direktor Jeutzcn über- geben. Die kurze Zeit zwische» der Vorladung vor dic'Handels- tammer und diesem Abschluß hatte der Angeklagte Wulff»och in arglistiger Weise zum Schaden des Direktor? Jentzen benutzt. Er ivar mit dem Angeklagten K» i e s e bekannt, der als Konkiirreut ein Nachtonmibns-Unterliehmeu und gleichzeitig eine» anSgedchnten Pferdehandel betreibt. Mit diesem Schloß Wulff am 8. August, also zu einer Zeit, Ivo er noch formeller Prokurist ivar, ohne Herrn Direktor Jentzen vorher auch nur ein Wort davon zu sagen, einen Bertrag ab, wonach sich die Nene Berliner NachtomnibnS-Liiiie Ed. Jentzen mit einem Betrage vo» 100000 Marl an dem Pferde- Handel beteiligte. Er übergab Kniese vier Acccpie n 20 000 Di. zu bestimmten Fälligkeitsterminen und ein Accept über 20000 M. auf Sicht. Die Bestimmungen des Vertrages waren im einzelnen dem Angeklagten Kniese ansterorbenilich günstig, während Dir. Jentzen mit einem öiisiko von 100000 M. ohne jede sichere Unterlage belastet wurde. Erst nach Abschluß des Vertrages machte Wolff Herrn Jentzeu Mitteilung davon, unmittelbar darauf wurde diesem aber auch schon der Sichtwcchjel von 20 000 M. durch Kniese zur Zahlung präsentiert. Der Wechsel ging zum Protest. Dir. Jentzen mußte nun wieder eine emstiveilige Verfügung extrahieren, durch welche dem Kniese aufgegeben Ivurde, die fünf Accepte bis nach Eiitscheidnng des Rechtsstreits an Gerichtsstelle zn deponieren. Es folgten dann die verschiedenen Termine in dem Civilstrcite Jentzen kontra Wulff und kontra Kniese. Die verschiedenen Instanzen bis zum Kammer- gerächt hinauf haben zn Gunsten dcS Direktor Jentzen entschieden nnd übereinstimmend die Ansicht ausgesprochen, daß es sich um eine höchst verwerfliche, ungetreue nnd arglistige Haiidlnngswcise de? Angekl. Wulff handle und aiischeincnd beide An- geklagte Hand in Hand gearbeitet haben, um Herrn Jentzen in finanzielle Schwierigkeiicii und dessen Unternehmen alsdann an sich zn bringen. Der Civilstreii ist schließlich durch einen zwischen Direktor' Jentzen und Kniese geschlossenen Vergleich beendet worden, cS blieb aber noch die strafrechtliche Seite zu er- ledigen. Staatsanwalt Beyer lvar der Ansicht, dast beide Angeklagte sich' in schlimmer Weise gegen Treu und Glauben vergangen haben. Er beantragte gegen W u l f f 6 M o n a t e G e f ä n g n i s und 1 Fahr Ehrverlust, gegen Kniese 3 Monate Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust." Die Rechtsanwälte Dr. FuchS I und G r ii n s ch i l d führten dagegen eine Reihe rechtlicher Momente vor, die gegen die Konstruktion des Vergehens der Untreue sprächen.— Ter ÄcrichlShof hielt den durch die Angeklagten begangenen Ver- trauensbruch für so niederträchtig, dast er Wulff zu 1 Jahr 6 Monaten G e f ä»g n i S und 3 Jahren Ehrverlust, Kniese z n 1 I a h r Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilte. Beide Angeklagte wurde sofort verhaftet. Der Jnteressenverei» der Kistenmacher ersucht uns. folgendes bekannt zu geben: Unser Mitglied Franz Torfstecher, Mariamien- straste 14, ist nicht mit dem Torfstecher identisch, der als„Arbeits- williger" bei der Firma Göke, Köpnickcrstraste. beschäftigt war und als Zeuge gegen den Arbeiter Znnmelniaii» auftrat. Der„Vor- wärt?"'hatte in seiner Nummer vom 27. April über den Fall be- richtet. Vevmifchkes- Zu dem Eisenbahnunglück bei Zschorta». Die bei dem Unglück ums Leben gekominsne Frau Hirsch ist als die Ehefrau des in der Viktoriastr. 2 luohneuden Handelsrichter Hirsch festgestellt wor- den, die sich längere Zeit in Nizza zur Kur aufgehalten hatte. Der einzige Sohu des verzweifelten 65 jährigen Witwers, der Fabrikbesitzer Anglist Hirsch ans Köpenick, ist sofort nach der UngliickSslätte gereist, um den Transport der Leiche semer Mutter nach Berlin zn ver- anlassen.— Die Ueberführung deS getöteten ReichStagSabgcordnetcn Fried ei nach Bayreuth findet morgen nachmittag 3 Uhr statt. Die Beerdigung erfolgt in St. Johannis bei Bayreuth. Unweit der Uiiglückssielle hat sich schon einmal, am 22. Juni 187l, also vor fast 31 Jahren, eine furchtbare Eisenbahukatastrophe ereignet, bei der 18 Frankreich heimkehrende Krieger, darunler drei mit dem Eisernen Kreuz. den Tod fanden und 44. zum Teil schwer, ver- wuudet wurden. Auf allen Slaiioiieu, zuletzt in Leipzig, war das Füsilierbataillon des 2. pommcrschen GrenadicrregimentS König Friedrich Wilhelm jubelnd begrüßt Wörden. um mittels Extrazugs um 1 Uhr nachts nach Berlin weiter zu fahren, als sich plötzlich' die Lokomotive, ohne dast der Führer es merkte, los- löste mid mit Volldampf weiter fuhr. Als die Losknppelimg endlich bemerkt war, fuhr die Lokomotive zurück. Da auf einmal kam der führerlose Zug— er befand sich gerade aus geiiciglcm Terrain— in größter Geschwindigkeit herangestiust und fuhr mit der Lokomoiive zusämmeu, wodurch die erste» Wagen auf einander und in cinauder geschoben wurden. Ten 18 Toten wurde nachher ans einer benachbarleil Wiese ein große? Grob geschmifclt, in das ie gcbctict wurden. Der Batailloiiskommandcnr hielt mit thränenerstickter Siimme eine tief bewegte Ansprache, eine drei- malige Gcwchrsalve beschloß den erschütternden Akt. Ein schlichtes Denkmal erinnert noch heute an daL grauenvolle Ereignis.— Ter als vermißt gemeldeie K och ist gefmiden worden. Er ist bereits in Hof ausgestiegen und befand sich also während der Katastrophe gar nicht im Zuge, dagegen hat der den Zug begleitende Kellner Detleven einige Kopfverlctzuiigcn erlitten. Der junge Mann hatte während der Katastrophe iii seiner Hängematte gelegen nnd ivar bei der Erschütterung mit dein Kopfe gegen eine Wand ge- chlendert worden, wodurch er sich die Verletzungen zuzog. Tas Altenbekener Eisenbahu-Unglück dürfte die Civil- gerichle noch vielfach beschäftigen, da an die Eisenbahil-Verwaltung Ersatzansprüche gestellt werde», welche sie nicht bewillige» will. So beansprucht der noch in einer Privatllinik befindliche Kaufmann Jacobsoh», der erwerbsunfähig bleiben dürfte. eine Abfindung von 120 000— 150 000 M.— Ein Herr Ca sparst hat eine Störung des Nervensystems erlilteu, die ihn, wie er be- hauptet, auch ferner in seiner Erwerbsthätigkeit hindert. Er befindet sich in einer Nerven-Heilaiisialt in Schlachiensee und stellt Ansprüche in Höhe von 50—60 000 M. Einem Herrn Hirsch, der sür Verlust von Kleider» 270 M. fordert, zahlte die Eiseilbahnverwaltiiiig 200 M. Ter Vater des getöteten Stildeiiten Scheermeier in Meyenburg, der einen Ersatz der für seinen Sohn mifgewendeieii Stiidiengelder verlangte, ging ein ablehncnder Bescheid n mit der Begründung, daß Scheermeier ja selbst ein wohlhabender Man» sei. Sollte er dagegen in eine Lage geraten, die ihn ge- zlvinigeii hätte. Uiiterstiitzimgen von seinem' Sohn annehmen zu müssen, so würde die Eiseiibahnverwaliung nicht anstehen, ihm die jetzt beanspruchte Entschädigung zu zahlen.— Auster den vor- gciiamitcli Ersatzansprüchen dürfte noch eine ganze Reihe weiterer gestellt werden. AuS Mülheim(Ruhr) vom 6. Mai Ivird gemeldet: In der vergangenen Nacht brannte hier ein Lagerkeller nieder, in welchem mehrere Personen Uiiterkniift gesucht hatten. Bis jetzt sind drei Tote geborgen worden, drei Leichen befinden sich wahrscheinlich noch unter den Trümmern._ Eittgeggugene Druckschriften. Von der„Gleichheit", Zeitschrift, für die Jntereffen der Arbeiterinnen (Siuttgart, Tictz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 19 des 12. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Zur Frage der gewerkschaftlichen Agiiation unter den Arbeiterinnen. II.— Die Freigabe des Sainstagnachniiüags. Von D. rA.— Aus der Bewegung. — Feuilleton: Frau Rat Goethe. Von Manfred Wiltich.(Fortsetzung.)— Notizeuteil: Weibliche Fabrikinspekioren.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Sociale Gesetzgebung.— Gewerlschastliche Arbeiterünien- organisation.— Frauen-Stiumirecht.— Vereinsrccht der Frauen.— Frauen- bewegung.— Litteratur zur Frauenfrage Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 19 Pf. durch die Post bezogen(eingetragen in der Rcichspost-ZeitungSIifte für 1S92 unter Nr. Z93I) beträgt der Aböuiieuicnispreis vierteljährlich ohne Bestellgeld So Ps. unter Kreuzband 85 Pf. Witteruugsübevjicht vom k. Mai>902. morgens 8 Uhr. 8£ H � Stationen i=e s-- ige' |Äl Weiter iA 8? Zts willemde. 759 WNW 2 Regen Hamburg>761 NW> 4' wolkig Berlin! 769 W s 2 heiter Frauks /M! 762 W j 4hlb bed München. j 765;s5B5 i 4: wolkig Wien- 765 W i 2 wölke nl Bietter- Prognose für Mittwoch, de» 7. Mai Kühl imd vorherrschend wolkig mit etwas Regen und westlichen Winden. Berliner Weit Stationen Le «e 5- 2= 35 § S I. /aaparaiida �. 6 Petersburg 760C$O " Cork—' Aberdeen Paris 766 N 69 O 73 NNW 768 NW Wener L.wolkenl l, bedeckt sheiter 2 wolkenl Z k» 1902. inähigen nord- erbureau. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid tn Berlin. Für den Juseratenteil»ereutwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verla« von Mar Badin« in Berlin.